2 Ur. 278. Sonnabend, den 27. November 1886. 3. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das„ Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mart. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) 2.Redaktion: Beuthstraße 2. Bur Militärfrage. Insertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Expedition: Zimmerstraße 44. dieser gefährlichen und abschüssigen Bahn und wir wollen hoffen, daß der Beschluß mit der Zurückverweisung des Budgets auch die Konsequenzen nach sich ziehen wird, die erforderlich sind, wenn der Beschluß etwas bedeuten soll. In diesen Tagen haben unsere Halb- und GanzOffiziösen, die Kölnische Zeitung" voran, wiederholt auf die Franzosen und ihre militärischen Einrichtungen hin- Wir in Deutschland dürfen uns bei alledem den Frangewiesen, um dadurch eine günstige Stimmung für die Er- 3ofen gegenüber nicht auf's hohe Roß sezen wollen. Denn neuerung des Septennats hervorzubringen. Dies alt= bas Reich fängt nun auch an, seine Schulden zu vermehren. bewährte Mittel wird auch diesmal bei unserem Spieß- Wenn alle die Anleihen und Mehrforderungen, die in Ausbürger- und Bierphilisterthum seine Wirkung nicht versicht stehen, zu Stande kommen, wird die Reichsschuld nicht fehlen. Für ruhig und nüchtern denkende Leute aber muß es als ein gutes Anzeichen für die Zukunft erscheinen, daß die Franzosen die ersten sind, die es offiziell aussprechen, daß die gegenseitige Steigerung der Militärausgaben unter den einzelnen Staaten eine höchst bedenkliche Erscheinung ist, welcher entgegengetreten werden muß. Bekanntlich hat die französische Deputirtenkammer mit großer Mehrheit den Antrag des radikalen Abgeordneten Douville= Maillefau angenommen, welcher das Budget an bie Budgetkommission zurückverweist, mit bem Verlangen, das Budget so einzurichten, daß man ohne neue Steuern und Anleihen aus= tomme. Das Defizit war bekanntlich durch die eminenten neuen Forderungen für Heer und Flotte verursacht worden. Es ist in der That Zeit, daß die Franzosen Halt machen mit neuen Ausgaben und Anleihen, denn ihr Finanzwesen ist in eine solche Verwirrung gerathen, daß man sich nicht wundern darf, wenn ein Finanzminister dem andern verzweifelnd das Budget hinschiebt und sagt: Da, sieh' zu, was Du mit diesem unbehilflichen Ungethüm anfangen fannst. mehr weit von 600 Millionen entfernt sein. Das wäre im Verhältniß wenig; wenn man aber die historischen Schulden der Einzelstaaten hinzurechnet, so sind wir in Deutschland auch nicht viel besser daran als die Franzosen. Das Verhältniß erklärt sich indessen sehr leicht, wenn man bedenkt, daß die Franzosen an Deutschland haben 5000 Millionen zahlen müssen. Der Krieg von 1870 hat bei den Franzosen die Staatsausgaben um jährlich 600 Millionen vermehrt. Dazu kam, daß man in der letzten Beit in Frankreich etwas zu hastig vorging, Man gab im Verhältniß zu den vorhandenen Mitteln. riesige Summen aus für die Kolonien, für Hafenbauten, für Straßen und Eisenbahnen; die letzteren wurden meist zu strategischen 3wecken gebaut und rentiren sich nicht besonders. " Wenn deshalb der bekannte Kriegsminister Boulanger fürzlich wieder den trivialen Satz aussprach: Wer Frieden will, muß zum Kriege gerüstet sein", so beweist das nur, daß dieser Mann nicht geeignet ist, seinem Vaterlande und der Republik die wirthschaftliche und finanzielle Ges sundung zu verschaffen. Der Antrag Douville- Maillefau ist für die Zukunft der ist für die Zukunft der Republik viel wichtiger, als die gesammten Radomontaden des KriegsRurz vor 1870 betrug das Ausgabenbudget Frankreichs noch ministers unb das Geschrei der Chauvinisten à la jährlich etwa 1900 Millionen, jezt ist es auf 3739 iionen Deroulède. Die Rechte hat freilich auch für den Antrag gestiegen und da kommt nun noch der Kriegsminister und gestimmt, um der Regierung Verlegenheiten zu bereiten. erlangt 400 Millionen für die Einführung des Repetir- Indessen können bei einer flugen Regierung diese Verlegengewehres und für Festungsbauten; 200 weitere Millionen heiten nicht allzu groß sein. Man muß sich eben flar werJollen für die Marine verwendet werden. Das jährliche den, daß eine Umkehr erfolgen muß, wenn die Republik Militärbudget der Franzosen beträgt jett 900 Millionen nicht in ihr Verderben hineinrennen soll. Franken, das deutsche Militärbudget beläuft sich im Ver- Der Antrag Douville- Maillefau kann sehr gute Folgen hältniß dazu auf etwa 700 Millionen Franken. Für diese haben. Er kann bewirken, daß man auch anderwärts ein steigernden Militärlasten und daß man sonst sich gegenüber Sie sind einfach unter den einzelnen einer Schraube ohne Ende befindet. gierungsform verantwortlich machen. das Produkt der Staaten in Bezug auf ihre militärische Ausrüstung und Be- Unsere Offiziösen aber mögen aufhören, ohne Unterlaß waffnung. Frankreich wollte es Allen zuvorthun und machte auf den Chauvinismus der Franzosen hinzuweisen. Der er zenden Artikeln im„ Temps" ihnen die Augen geöffnet und ihnen den Abgrund gezeigt, der ihnen droht, wenn sie nicht auf eine zeitige Umkehr bedacht sind. Die Republit wird Besonnenheit genug haben, umzukehren, statt in dem ausfichtslosen Wettlauf des bewaffneten Friedens ihre Kräfte zu verzehren und vielleicht unterzugehen. Wer für den bewaffneten Frieden am meisten ausgeben will, der wird am ehesten bankerott sein. Das wissen nun die Franzosen. mögen sie es beherzigen. Für den Friedensfreund aber erglänzt endlich, freilich noch in weiter Ferne, ein Hoffnungsschimmer. Die Zeit rückt näher, da den Staaten ihre Rüstung zu schwer wird und sie daran denken, dieselbe zu erleichtern oder abzulegen. Dann wird auch erst die Zeit kommen, die es den Staaten und Völkern gestattet, ihr ganzes Augenmerk auf innere Reformen zu verwenden. Politische Uebersicht. Selbst das Sozialistengesetz hat die Freiheit der Wahlen wenigstens insofern zu respektiren gesucht, als es für festsegte. Die Absicht selbst der Freunde des Sozialistengefeßes Wah I versammlungen eine geringere polizeiliche Bevormundung tritt hieraus zur Genüge hervor. Um so schärfer ist das Ver fahren zu verurtheilen, das man jetzt, in der Zeit der Vorbe reitungen zu der Wahl im ersten Reichstagswahlkreise, gegen die Arbeiter einschlägt. Es ist denselben trotz aller Mühen während der letzten vierzehn Tage nicht gelungen, ein Lotal für ihre Versammlungen zu erhalten, weil die Wirthe die Haltung der Polizei fürchten. Damit ist der auf die Wahlversammlungen bezügliche Paffus des Sozialistengesetes vollständig illusorisch gemacht: die Wahlfreiheit steht heute für die Arbeiter eben so fehr auf dem Papier, wie die Koalitionsfreiheit, die ja nach offiziöfen Aeußerungen auch noch unversehrt sein soll. Es gewinnt mehr und mehr den Anschein, als ob man systematisch den Arbeitern die Lokale abtreiben wolle. Die Arbeiter werden sich dadurch nicht entmuthigen laſſen und dies am Wahltage dadurch beweisen, daß sie troß aller Chikanen ihrem Kandidaten, dem Schriftsteller Christensen, mehr Stimmen verschaffen, als jemals früher von den Arbeitern im ersten Kreise abgegeben wurden. Zur Militärvorlage macht die Freis. 3tg." des Abg. Eugen Richter folgende Bemerkungen:" Die Forderung einer Festsetzung der Friedenspräsenzstärke für sieben Jahre fällt um so schwerer ins Gewicht, als das neue Septennat zugleich eine Erhöhung des Friedensstandes in sich schließt, wie fie chauvis worden ist. Das erste Septennat, welches im Jahre 1874 feft von 1870 angetrieben wurde. Was ist nun erreicht? Ein nistischer. Finanzzustand, der für die Republik eine ernste Krisis bildet. Die Franzosen waren über ihre finanzielle Lage Man kann den Franzosen dazu gratuliren, wenn ihre Volks- bisher im Unklaren; uun hat einer ihrer ersten bertretung erleuchtet genug ist, um endlich umzukehren auf Dekonomisten, Henri G'er main, in einer Reihe von glän[ Ragbrud verboten.] Feuilleton. Ein Sprung. Novelle von Curt Baate. Keine gab sich die Mühe, oder war auch im Stande, sie zu verstehen; man hielt sie für stolz, obwohl sie das ärm [ 2 lichste Kleid trug, und für hochmüthig, weil sie nicht, wie die anderen Arbeiterinnen, des Sonntags tanzen ging oder mit einem Freunde eine Landpartie unternahm. Daß fie innerlich nach denselben Freuden und nach viel höheren, größeren dürftete, wie ihre Phantasie sie sich malte, daß sie Oft hatte er sie so lange geschlagen, bis sie wie leblos in der Einöde ihres Daseins von dem sehnenden Verlangen dalag und der Stock ihm aus der ermatteten Hand fiel. nach Leben und Lebenslust gemartert wurde, ahnte keine. Deine Wuth war nicht grundlos! War diese Anna doch Man kümmerte sich garnicht mehr um sie, man neckte sie dor der Hochzeit geboren worden und der Anlaß gewesen, auch nicht mehr, wenn ihre tiefen, dunklen Augen mit einem baß er bie Näherin, welche er verführt, hatte heirathen unbestimmten suchenden Ausbrud auf das Stüidchen Himmel müssen, weil er die schweren Alimentationsgelder nicht hatte gerichtet waren, das sie von ihrem Plage am Fenster aus zahlen wollen. Nun, so mochte sie es büßen. sehen konnte. ,, Laßt sie duseln!" sagten die Mädchen. gesezt wurde, schloß überhaupt keine Erhöhung des Präsenzstandes in fich, sondern ließ es bei der vorhandenen Präsenz, ein Prozent der Bevölkerung von 1867, bewenden. Das zweite Septennat verlangte eine Erhöhung um 26 000 Mann, so daß fich die Friedenspräsenz auf 1 Prozent der Bevölkerung nach ihr Vater, und deshalb nahm sie auch immer in einiger Entfernung von ihrer Wohnung Abschied von ihm. Sie hatte es ganz natürlich gefunden, daß Ernst schon am Abend des Tages, an dem sie sich wiedergefunden hatten, ihr entgegen kam. Wie einen alten Freund hatte sie ihn begrüßt, als wären sie nie von einander getrennt gewesen. Ernst aber war sehr befangen, er schien in den vier Jahren noch schüchterner geworden zu sein. In der ersten Beit hatte Anna fast ausschließlich die Rosten der Unterhaltung tragen müssen, ihr treuer Begleiter nidte nur immer zustimmend und hörte ihr aufmerksam zu, wenn sie plauderte, er selber sprach selten einige Worte. Allmälig wurde es besser; ja Ernst hatte den Muth, mit schüchterner und stockender Stimme seine Freundin zu Anna schien ihr schweres Schicksal mit der Gleichgiltigkeit der Gewohnheit zu ertragen; sie nahm die Schläge und In Anna war jenes leicht erregbare Blut, welches ihre fie ein; es war ihr wie selbstverständlich, daß sich auch in bitten, wieder Du zu ihm zu sagen. Ohne 3ögern willigte Schimpfworte wie unvermeidlich hin und ging nur ihrem Mutter einst in die Arme des Soldaten geführt hatte, und Vater so viel wie möglich aus dem Wege. den äußeren Worten die innere Nähe befundete und er war stilles, verschlossenes Kind, aus dem Niemand recht klug ständigen Kette von Angst und Arbeit, aus dem trägen ja wieder der einzige Mensch, dem sie ihr Herz öffnete und Sie war ein blieb ihr gegenüber ebenfalls zurückhaltend. Auch an ihre Mutter schloß Anna sich nicht an und ihre Träume offenbarte. Kreislauf und der Dürre ihres Daseins lösten und ihre un Was Ernst jetzt träumte, lag in einer anderen Nichbestimmte Vorstellung von der Welt draußen mit den bunten Bildern einer heißen, verzehrenden Sehnsucht nach Glück und tung, seine Märchenwelt war jest das Christenthum. Der Genießen füllten. Wie eine von fernher flingende phantastische Bug in seinem Wesen war mit der Zeit in ihr das Leben vor; sie konnte einen mystischen umgeschlagen, der dem Studium entsprach, das er gewählt hatte. Seine Reden waren religiös; das nicht unterscheiden, undeutlich einzelnen Töne und verworren schlugen sie an ihr Ohr, aber die gewaltige, Martyrium des Gekreuzigten, der heiligen Apostel opferbrausende Harmonie, die ihr über dem Des beiden feine Rede. Die Frau hatte zu schwer an ihrem schien, nahm ihr Herz gefangen und zog sie unwiderstehlich Schiffleins der Kirche spielten in seinem Gedanken- und Ge eigenen Schicksal zu tragen, so schwer, daß sie für die Dabei war die Mutter nicht unfreundlich zu ihr; sie fuchte vielmehr ihr Kind so viel sie konnte vor seinem Musik kam Bater zu schüßen. Das war aber auch alles und von einem festen Busammenhalten, einem gegenseitigen Stüßen, die an. Die Begegnung mit Ernst Bender war ihr der Außenwelt und selbst für ihre Kinder ganz abgeftumpft Morgengruß eines schönen Tages, dem sie längst entgegens war; nur den einen Gedanken hatte sie, ihre unglück geharrt, wie eine jungfräuliche Braut der Hochzeitsnacht, liche Ehe so viel wie möglich vor fremden Augen zu verBergen. Und doch bürstete Anna nach Liebe, nach einem Herzen, das für sie schlage, und ihre bittersten Thränen ungewiß der Dinge, die da kommen, aber sicher, daß sie felig werde. II. Ernst Bender holte Anna jeden Tag des Mittags wie waren nicht die, welche ihr die ungerechten Büchtigungen des Abends ab. Er wagte es nicht, an die Hausthür zu sprächskreise jetzt dieselbe Rolle, wie früher die Abenteuer der Tafelrunde. Deswegen waren seine alten Neigungen noch nicht ver schwunden, nur zurückgedrängt waren sie. Er schmökerte, wie seine Stiefmutter sein Romanlesen genannt, noch immer Nur betrieb er es heimlich vor sich selbst, als eine füße Sünde, die man wohl erkannt hat, aber doch nicht laffen des Vaters auspreßten, sondern jene einsamen, die sie über treten, aus welcher Anna kommen mußte, sondern wartete entheilige, wenn er Romane von Redcliffe lese, aber er rieb thre Berlassenheit weinte. Sie hätte sich so gern einem lieber anf sie an einer nahen Straßenecke. Sie war sehr Menschen angeschlossen und doch hatte sie keine Freundin damit einverstanden; Niemand sollte von dieser Begleitung winter ben vielen Mädchen, die mit ihr zusammen arbeiteten. I wissen, weder die Mädchen, die Näherinnen, noch vor allem sich doch vor Vergnügen die Hände, wenn er wieder irgend wo ein spannendes Buch aufgetrieben hatte. Er hielt diese Neigung aber verborgen und erwähnte der 5 Jahre zurückliegenden Volkszählung von 1875 berechnete. Das neue Septennat fordert eine Erhöhung der Friedens präsenzstärke bis zu 1 Prozent der Bevölkerung nach Maßgabe der unmittelbar vorhergegangenen Volkszählung von 1885. Die Erhöhung soll also 1 Prozent von dem Wachsthum der Bevöl terung Deutschlands innerhalb der 10 Jahre von 1875 bis 1885 betragen. Ein solche Erhöhung im Betrage von 41 135 Mann, wodurch die Friedenspräsenz von 427 274 auf 468 409 Mann gesteigert wird, kommt nahezu der Erhöhung der Armeepräsenz um ein Behntel gleich. Bekanntlich sind in diese Ziffern der Friedenspräsenz die Offiziere, Aerzte, Sattler, Büchsenmacher und überhaupt die Militärbeamten nicht einmal mit einbegriffen. Die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke um 41 135 Mann hat theilweise eine Vermehrung der Kadres zur Folge. Die Bahl der Infanteriebataillone, welche durch das Militärgesetz von 1874 auf 469 normirt war, als bann 1880 auf 503 erhöht wurde, erfährt jest wiederum eine Erhöhung um 31 Bataillone. Es sollen nämlich fünf neue Infanterie- Regimenter formirt werden. Sodann sollen 15 vorhandene Infanterie- Regimenter je ein viertes Bataillon er halten. Die Formirung solcher vierten Bataillone war bisher bekanntlich nur für den Mobilmachungsfall vorgesehen. Endlich soll ein neues Jägerbataillon zu den zwanzig vor handenen Jägerbataillonen hinzukommen. Die neuen Radres Ser Infanterie entfallen fast sämmtlich auf die preußischen Armeekorps. In Sachsen wird ein Infanterie- Regiment und ein viertes Bataillon errichtet, außerdem ein Jägerbataillon. Die Pioniere Sachsen hatte bisher ein solches nicht. werden in Preußen um eine Kompagnie vermehrt, dazu kommen neun neue Kompagnien Eisenbahntruppen, sechs preußische, eine bayerische, eine württembergische mit drei neuen Bataillonsstäben. Der Train wird vermehrt um 14 einzelne Kompagnien, nämlich 12 preußische, eine sächsische, eine württembergische. Eine Vermehrung der Kavallerie ist nicht vorgesehen, doch wird ein neuer Kavalleriebrigadestab für Sachsen errichtet, wogegen der Stab der fächsischen Kavalleriedivifion in Wegfall kommt. Wiederum ist eine Vermehrung der Feldartillerie vorgesehen. Während die deutsche Armee von 1871 im Frieden 264 Batterien Feldartillerie zählte, wurde 1873 die Bahl auf 300, 1880 auf 340 erhöht. Nunmehr sollen noch 24 Noch im Jahre 1883 ver neue Batterien hinzukommen. Siegerin geblieben; über lässige Bedienung seitens der Gerichte| Knotenpunkt der Schiffahrt zwischen Mähren, Böhmen und tann fie wahrlich nicht flagen. Die Sozialdemokraten und die Stadtverordnetenwahlen in Frankfurt a. M. Die Sozialdemokraten erließen durch ihren Vertreter Herrn Sabor einen Aufruf, worin es heißt:„ Es hat sich gezeigt, daß bei dem für die Stadtverordnetenwahlen geltenden hohen Bensus die Arbeiterpartei aus eigener Kraft keine Vertreter durchbringen kann. Unsere Ge noffen werden deshalb aufgefordert, ihre gesammten Kräfte für die vielleicht sehr bald bevorstehende Reichstagswahl aufzusparen und sich von den Stadtverordnetenwahlen zurüc zuhalten. Von denjenigen, welche für ihre Person auf das Wahlrecht nicht verzichten wollen, wird erwartet, daß fie feinesfalls für die konservativ- zünstlerische oder liberale Kandidatenliste stimmen werden." Während so die Arbeiterpartei auf das Eintreten in den Wahlkampf verzichtet, hat die demokratische Partei einen Sozialdemokraten, den Dr. med. Walther, auf ihre Liste gesezt und dies damit begründet, man müſſe den Sozialdemokraten Gelegenheit geben, ihre Anschauungen in der städtischen Vertretung zum Ausdruck zu bringen. Sozialistisches. Der Reichstagsabgeordnete Louis Viereck ist vorige Woche nach Chemnitz abgereift, um sich dort zum Antritt seiner ihm vom Landgericht Freiberg zuerfannter 9monatlichen Gefängnißstrafe zu melden. Als er dies bei der Staatsanwaltschaft gethan hatte, wurde er vorläufig wieder entlassen und besichtigte mit dem Redakteur der Chemniger Preffe", Herrn Sust, die Stadt. Als beide gerade vor dem dortigen Gefängnißgebäude standen, passirte Herrn Viereck das Mißgeschick, daß er verhaftet wurde.- München, 24. November. Der ehemalige Regierungsbaumeister Reßler erhielt heute von der Polizeidirektion die Ordre, München und ganz Bayern binnen drei Tagen bei Vermeidung sofortiger Verhaftung zu verlassen. Kassel, 24. November. Heute Morgen wurde der verantwortliche Redakteur des Hessischen Volksfreund" sowie der Abg. Pfannkuch vor dem Fulda, ficherte Kriegsminister Kamecke im Reichstage, daß zu einer Vermehrung der Feldartillerie fein Anlaß vorliege. Die laufenden Mehrausgaben der Militärverwaltung als Folge der Er höhung der Friedenspräsenzstärke werden auf 24 Millionen Mark berechnet. Der Mililäretat würde alsdann im Ordinarium auf 369 Millionen Mark sich belaufen. Im Jahre 1872 be trug der Militäretat nur 250 Millionen Mart, 1875 319 Millionen, 1881 340 Millionen Mart. Nicht einbegriffen find in diese Ziffer die Ausgaben für Pensionen, die Marineausgaben sowie die einmaligen Ausgaben. An einmaligen Ausgaben der Bekleidung und Ausrüstung der neuen Truppen find 24 Millionen Mark in Rechnung gestellt. Dazu aber würde noch die Rasernirung kommen, welche mindestens 40 Millionen Mark be anspracht. Eine derartige Erhöhung der Reichsausgaben fällt doppelt schwer in das Gewicht, nachdem in den lezen Jahren die Reichssteuern um 180 Millionen Mark erhöht worden sind und gleichwohl der neue Etat wiederum eine Erhöhung der Matrikularbeiträge um 29 Millionen Mark auch ohne die neuen Militärausgaben in Aussicht nimmt." Soweit die Freis. 3tg." In der That dürfte der Volksvertretung des Deutschen Reiches felten eine größere Sumuthung gemacht worden sein, als es durch die neueste Vorlage geschieht. Millionen auf Mile lionen hat das deutsche Volk dem Militärmoloch zum Opfer gebracht, jedesmal in der Hoffnung, daß nunmehr für eine abs sehbare Zeit ein Ende der unheilvollen Entwicklung eintreten werde. Jedesmal find seine Hoffnungen schmählich getäuscht worden, heute sind die Wehrforderungen sogar größer als jemals. Angesichts dieser Erfahrungen darf die Militärfrage vom Reichstage nicht mehr als bloße Opportunitätsfrage be handelt werden, es handelt sich nicht mehr allein darum, ob 41 000 Soldaten mehr nöthig sind, oder ob man ein paar Tausend davon entbehren kann. Die Nationalliberalen mögen dem Gegenstand immerhin in dieser Form nahetreten, für alle wahren Vertreter des Voltes, des längst schon überlasteten Volkes, handelt es sich jetzt um die Prinzipienfrage, ob man länger der ganzen unheilvollen Entwicklung des Militarismus mit ver schränkten Armen zusehen, oder ob man nicht endlich der Frage näher treten soll, wie auf internationalem Wege dem vernichtenden Wetteifer der Nationen auf militärischem Gebiete gesteuert werden kann. Weicht man auch jetzt dieser Frage aus, so dürfte es für immer zu spät sein. Die Diäten- Prozesse sind endgiltig im Sinne der Re gierung entschieden. Wie ein Telegramm aus Leipzig meldet, hat ein Zivilsenat des Reichsgerichts unter dem Vorsitz des Präsidenten Simson die Revifionen der Abgg. Hasenclever und Dirichlet gegen die sie verurtheilenden oberlandesgerichtlichen Erkenntnisse nach fünfstündiger Berathung verworfen. empfangenen Parteidiäten find also an den Fiskus herauszuzahlen. Die Regierung ist also auch in diesem Kampf um die Erschwerung wirklich volksthümlicher Wahlen Die besonders gegen Anna nie ein Wort davon. Ihr gegenüber war er Theologe und Prediger und schwärmerisch gläubig. Schlesien bildet, so bildet die hiesige Stadt und ihr gegen Strom und Eisgang geschüßter Hafen den Knotenpunkt für die Schifffahrt und Holzflößerei von der Weichsel, Nege und Warthe, der oberen und unteren Dder, also von Stettin, Danzig, Brom berg, Posen, auch Breslau unter Umständen, nach dem Finows fanal, der Havel, Spree und Elbe, also nach Berlin, Magde burg und Hamburg 2c. Jährlich kommen etwa 18 000 bis 20 000 Schiffsgefäße hier durch, und daher ist die hiesige Cholerastation von Wichtigkeit. Zwei Vertrauensmänner find als Cholerabeamte Tag und Nacht in Thätigkeit, müssen jedes Fahrzeug genau untersuchen, ob Kranke darin sind, und in solchem Falle sofort einen der beiden hiesigen Aerzte herbeirufen. Polnisches. In England leben gegenwärtig viele Polen, die fich in großer Noth befinden. Ihre Anzahl beträgt etwa 700, von denen nur 46, davon 15 Veteranen, Unterstüßungen erhalten. 290 derselben find aus Preußen ausges wiesen worden; viele von ihnen arbeiten in Fabriken zu Man chefter, können jedoch nicht dauernde Beschäftigung finden, und arbeiten kaum zwei Tage wöchentlich. Unter den Veteranen aus dem Jahre 1830/31 befinden sich 7, welche über 80 Jahre alt find und keine Unterstüßung erhalten. Oesterreich- Ungarn. In der vertraulichen Sigung des Ausschusses der ungari schen Delegation vom Donnerstag wurde nach einer Mittheilung des Wolff'schen Bureaus der Bericht des Referenten Fall authentifizirt, in welchem hervorgehoben wird, daß keine Macht im Oriente irgend welches Recht auf eine privi legirte Stellung habe, welche ihr nicht ausdrücklich in dem Berliner Vertrage reservirt sei; in dem Augenblicke, wo Bul garien gegenüber eine direkte Verlegung der Verträge verübt werde, würde dessen Interesse zu einem europäischen. Der Bericht empfiehlt die Initiative zu ergreifen zur Regelung der Union von Bulgarien und Ostrumelien auf legalem Wege, Untersuchungsrichter, Herrn Amtsgerichtstoffahren damit die bulgarische Frage einen Abschluß finde. dem gegen die Genannten eingeleiteten verantwortlich vernommen. Die Untersuchung stüßt sich auf den § 17 des Reichsgeseges vom 21. Oftober 1878 gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, welcher lautet:§ 17. Wer an einem verbotenen Verein als Mitglied fich betheiligt, oder eine Thätigkeit im Interesse eines folchen Vereins ausübt, wird mit Geldstrafe bis zu 500 m. oder mit Gefängniß bis zu 3 Monaten bestraft. Eine gleiche lung fich betheiligt, oder welcher nach polizeilicher Auflösung fich Strafe trifft denjenigen, welcher an einer verbotenen Versamm nicht sofort entfernt. Gegen Diejenigen, welche sich an dem Vereine oder an der Versammlung als Vorsteher, Leiter, Ordner, Agenten, Redner oder Raffirer betheiligen, oder welche zu der Versammlung auffordern, ist auf Gefängniß von einem Monat bis zu einem Jahr zu erkennen und auf§ 111 des Strafgesetzbuches, welcher lautet:§ 111. Wer auf die vorbezeichnete Weise( Verbreitung von Schriften) zur Begehung einer strafbaren Handlung auffordert, ist gleich dem Anstifter zu bestrafen, wenn die Aufforderung die strafbare Handlung oder einen strafbaren Versuch derselben zur Folge gehabt hat. Ist die Aufforderung ohne Erfolg geblieben, so tritt Geldstrafe bis zu 600 M. oder Gefängnißstrafe bis zu einem Jahr ein. Die Strafe darf jedoch, der Art oder dem Maße nach, feine schwerere sein, als die auf die Handlung selbst angedrohte. Anna hörte ihm gern zu, denn er sprach gut, wenn er in Begeisterung gerieth, seine bleichen Wangen rötheten sich, er wurde lebhaft, die stockende Sprache war verschwunden, und er wußte das, was er sagen wollte, auch auszudrücken. Aber im Grunde blieb sie gleichgiltig gegen alles, ihn bewegte. Sie war feine fromme Natur; ihre Einbildungskraft malte ihr viel lieber ein volles, reich bewegtes Leben, als die ewige Seligkeit aus. was Ernst erschrat, als sie ihm in aller Rube gestand, sie sei seit ihrer Konfirmation noch nie in der Kirche gewesen. Er nahm sie nun für eine junge Heidin und hielt sich für verpflichtet, sie zu bekehren. Seine Reden drehten sich von mun an noch mehr, als früher, um Glaubensfragen, um die theologischen Streitigkeiten, die seine Kollegienhefte füllten. Im heiligen Eifer suchte er ihr die Wahrheiten des Dogmas seiner Kirche zu beweisen und sie hörte ihm mit einem stillen Lächeln zu, innerlich erfreut, daß ein Mensch solchen Antheil an ihrer Person und ihrem Glüce nehme. Die Reiseunterstüßungsvereine deutscher Tabaksarbeiter in Altona und Ottensen wurden bekanntlich unter staatliche Kontrole gestellt, weil sich die Mitglieder bei verschie denen Begräbnissen in demonstrativer Weise benommen haben sollten. Gegen diese Regierungsverfügung hat die Zentralstelle des Vereins in Bremen Berufung eingelegt, indem fie nament lich anführte, daß die Mitglieder ihrer Kaffe nicht als solche, sondern als Privatpersonen gefolgt seien. Sowohl an die Vorstände der beiden Filialen, wie auch an den Zentralvorstand find, dem Hamb. Korr." zufolge, in diesen Tagen von dem Ministerium des Innern Schreiben eingegaugen, worin dies selben aufgefordert werden, das, was fie etwa zu ihrer Vertheidigung vorzubringen haben, schleunigst einzureichen. Aus ihrer Gleichgiltigkeit gegen die Religion ließ Anna sich aber trotzdem nicht reißen; sie zweifelte und widersprach fogar. Ihre Einwürfe waren naiv. Sie könne mit ihm nicht des Sonntags zusammen in die Kirche gehen, weil sie arbeiten müsse. Außerdem gehe schon der Vater regelmäßig in den Gottesdienst und das sei für die ganze Familie auch genug; freilich gehe der auch nur hin, weil seine Borgesetten es wollten, und er setzte sich gleich in einen verborgenen Winkel, um seinen herkömmlichen Sonnabendsrausch dort ungestört weiter auszuschlafen. Mutter und sie aber Eine sehr angenehme Strafe ist es für Herrn Amtsgerichtsrath France, von Rageburg nach Bredstedt versezt zu werden, denn in Bredstedt wohnen seine Mutter und seine Schwester. Auch ist es dort verhältnißmäßig billiger, als in Razeburg. Eine entsprechende Wohnung ist in Bredstedt für 300 M. weniger zu haben, als in Rageburg. Bekämpfung der Cholera. Aus Oderberg i. M., 23. November, schreibt man der„ Ostsee- 3ta.": Seit drei Tagen weht am Dderstrande neben der hiesigen Oderbrücke eine weiße Flagge mit einem weithin leuchtenden rothen Kreuz; unter der felben aber eine große Tafel mit der Inschrift: Kontrolſtelle. Salt!" Es ist die auf Anordnung des Oberpräsidenten durch die hiesige Polizeiverwaltung errichtete Kontrolftation gegen die Einschleppung der Cholera durch die Schifffahrt. Wenn unsere Schwesterstadt, Oderberg in Schlesien, wo die erste Kontrolstation gegen die Cholera in Aussicht genommen war, den gab, nicht auf und wurde mit ihr niemals fertig; auch wenn sie schwieg, war er durchaus nicht sicher, daß sie wirklich überzeugt sei. Bezüglich des Verhältnisses zu Deutschland akzeptirt der Bericht das Exposé des Grafen Kalnofy. Ungarn wünsche den Frieden, sei jedoch äußersten Falles zu jedem Opfer bereit. Im Laufe der Debatte hielt Graf Andrassy eine längere Rede gegen über den Behauptungen, die Ungarn hätten chauvinistische Ge lüfte, Andraffy betonte, daß weder Ungarn noch Cisleithanien den Krieg wollten, beide Theile der Monarchie wünschten den Frieden, aber einen Frieden mit Ehren. Weder Deutschland noch Desterreich- Ungarn verfolgten eine agressive Politit, das Intereffe Desterreich- Ungarns erfordere, darauf zu sehen, daß es von Rußland nicht auch im Süden umzingelt werde. Rußland fönne von Süden her teine Unterstützung er warten, Serbien, Rumänien und Bulgarien seien schon selbst ständig und könnten nichts mehr von Rußland hoffen, vielmehr nur eine Gefährdung ihrer Freiheiten befürchten, daher liege im Intereffe Rußlands nicht eine agressive, sondern eine kon servative, abstinente Politik. Auf eine Anfrage bezüglich der Kandidatur des Prinzen von Mingrelien erwiderte Graf Kalnofy, er fönne hierauf keine Antwort ertheilen. Schweiz. Von der englischen Heilsarmee ist schon seit längerer Zeit nichts mehr gesprochen worden; indessen wäre es ein Frre thum, anzunehmen, dieselbe habe das Feld geräumt. Aus der neuesten Nummer ihres Organs, des Kriegsrufs", dessen deut sche Ausgabe in Zürich gedruckt wird, geht hervor, daß die Salutisten fortfahren, in der Schweiz an Terrain zu gewinnen In den beiden Züricher Vorstädten Hottingen und Außenfihl fiuden wieder regelmäßige Abendversammlungen statt und das Korps scheint bedeutend erstarkt zu sein. Das Züricher Publikum aber hat sich auf den sehr richtigen Standpunkt gestellt, diese wunderlichen Leute machen zu laffen und jede Störung ihres seltsamen Gottesdienstes" zu unterlassen. Es ist nur zu wünschen, daß dies auch fernerhin, trop mancherlei Herau forderungen seitens der Heilsarmee, so bleiben möge. So vergingen einige Monate, ohne daß sich äußerlich der Verkehr zwischen den Beiden geändert hätte. Beide schienen den festen Glauben zu haben, daß sie einander gute Kameraden seien und immer bleiben würden. Sie sprachen auch einmal des längeren über die Möglichkeit einer Freundschaft zwischen Mann und Weib. Ernst framte allerlei philosophische Phrasen hervor, die er erhört und erlesen hatte, sprach von platonischer und erotischer Liebe, von Seelengemeinschaft und Geistesverwandschaft, von dem Geistesverwandschaft, von dem Triumph der Idee über die Materie und erreichte, daß Anna herzlich lachte und ihn bat, verständlicher zu reden; er müsse mit der Zeit doch gemerkt haben, daß sie schrecklich dumm und unwissend sei. Schließlich einigten sich aber Beide in der Ansicht, daß eine solche Freundschaft sehr wohl möglich und bei ihnen sicherlich vorhanden wäre. fäßen zu Haus,- die Maschine rafsele und flappere und da köune sie sich leicht einbilden, es wäre die Stimme des Diakonus, der sie eingesegnet habe. Ueberdies befäße sie nicht einmal ein gutes Kleid für den Kirchengang. Auch sei alles dort sehr langweilig. Von dieser Art waren ihre Antworten. Sie lächelte aber, wenn sie so sprach, und nahm die Hand ihres Begleiters und drückte sie, als bäte sie um Verzeihung, so daß Ernst ihr garnicht böse sein konnte. Er tam überhaupt gegen Anna trotz aller Mühe, die er sich Schweden und Norwegen. Die Wohlfahrtskommission" hat nach schwierigen Ver handlungen endlich am 16. ihre Meinung dahin ausgesprochen, „ daß Privat- Eisenbahnen, welche etwas mehr als rein örtliche Bedeutung haben, vom Staate erworben werden sollen, wenn folches zu annehmbarem Preise geschehen kann, und die Erwerbung für die Allgemeinheit vortheilhaft ist, und daß Maß regeln für diesen Zweck so bald wie möglich getroffen werden" Dieser Beschluß, der übrigens nur von einer Mehrheit von 10 Mitgliedern gefaßt worden ist, leidet an sehr dehnbaren Aus drücken. Die in Verwaltungsfachen vom Reichstage unabhängige Regierung muß entscheiden, welchen Bahnen rein örtliche" Be deutung zuzuschreiben sei, was ein annehmbarer Preis zu nennen und unter welchen Bedingungen die Erwerbung als für die Allgemeinheit( Gesellschaft) vortheilhaft zu bezeichnen sei. Der nächste Zwed der Maßregel ist die Herstellung eines einheitlichen Tarifsystems und die Gleichmäßigkeit der Verwaltung überhaupt, wodurch den großen Unannehmlichkeiten der Aus nahme Frachtbestimmungen ein Ende gemacht wird; nächstdem dern dem demüthig gedrückten Subalternbeamtengeist, den er von seinem Vater hatte. So mußte ihn jene überschäumende Sinnlichkeit beun trieb; ruhigen, die er bei sich entdeckte und die ihn vorwärts Wie einen Dieb ertappte er sich, so oft er verstohlen, wenn Anna neben ihm ging, in ihr Gesicht zu schauen trachtete, Gab sie ihm zutraulich die Hand, und fühlte er den Druck ihrer Finger, so jagte sein Blut wie gehegt durch die Adern und drang ihm zu Kopfe, daß er vor Aufregung kaum ju Er fühlte zum ersten Mal die siegende athmen vermochte. Majestät des Weibes. Es trieb ihn hinaus, er konnte stum denlang auf Anna warten, obwohl er genau wußte, um feine welche Beit sie erst fommen könne; aber nur so konnte er innere Unruhe bewältigen. Sein Studium vernachlässigte er gänzlich; es waren auch Ferien und damit entschuldigte er sich vor sich ſelber. Er hatte kein Bedürfniß zu irgend welcher Die Stunden, in denen Thätigkeit. er nicht mit Anna zusammen war, verbrachte er träumend. Troß dieser zur Schau getragenen Sicherheit fam es boch beiden in bestimmten Augenblicken so vor, als sei es nicht mehr so zwischen ihnen, wie es früher war. Ein neues und frembartiges Element hatte sich bei ihnen eingefunden, bessen täglich wachsende Macht sie allmälig empfanden. Anna begann sich bei ihrer Arbeit zu langweilen; es fam ihr zuweilen vor, als sei ihr der Verkehr mit Ernst unentbehrlich; das häusliche ungemach belastete sie schwerer und ließ fie nicht mehr gleichgiltig. Er schrieb Gedichte, die alle an Anna gerichtet waren und las bes Nachts im Bett die Memoiren Jacob Caanova's. ( Fortsetzung folgt.) foll lich wo ist mo Bu Hin Den wo me be jah ein Dor me un we hei da 30 ein ler Re aug mi ber me rot In da bef ma Aus Kunst und Leben. Erde in ihrer Bahn um die Sonne demjenigen Punkte, welchen Kometen und Sternschnuppen. Wieder nähert fich die auch der Biéla'sche Romet auf seiner Wanderung um die Sonne Aber sie nahm diese Anzeichen hin, ohne weiter über sie durchschneidet. Aber der Biela'sche Romet ist ein ungeheuer ausgedehnter_wolfenartiger Schwarm einzelner fester Körperchen, beinahe peinlich; es genügte ihr, sich zu sagen, daß sie ja vember 1885 die Erde ihren Weg nahm, und wenn sie dabei nachzudenken. Jede Prüfung erschien ihr überflüssig und dem Ernst von Anfang an gut gewesen sei. Es war bei ihr erst Neigung aber keine Leidenschaft. Bei Ernst war die Empfindung eine deutlichere, süß einem der Billionen von Einzeltörperchen begegnete, so frat bied mit der Geschwindigkeit von mehr als einer Meile per Sefunde in die Erdatmosphäre ein, wurde auf dem Wege durch die Luft und erschreckend zugleich. Seine zwiespältige, angetränkelte glühend und leuchtend und zerstiebte schon nach wenigen Sefunden in schnell verlöschende Moleküle. Das waren die Sternschnuppen, die in der größten Dichtigkeit ihres Fallens fo nahe aufeinander folgten, daß das Zählen zur Unmöglichkeit wurde. Vom Innersten Aftens bis an die Rüften Nordameritas, von Upsala in Schweden bis zum Kap der guten Hoffnung hat man flaren Himmel vorausgesezt diese glänzende Erschei Natur konnte sich nicht rein einem Gefühle hingeben. Immer hatte er Bedenken, immer moralische Anwandlungen, wie er vor sich selber die Eingebungen seiner Feigheit nannte. Denn seine Schüchternheit entsprang nicht einem stolzen, zurückhaltenden, und in seiner Stärfe scheuen Herzen, sonDer gle ger Pr in D01 Re fte fag Po die we de hie un BI wo ga A ein fli Be mi L ne un zin err Sei tle bef all fr t ri de be ha об be 3u: nu 310 50 DO üb me du **** PREDALEEFEATER EFNDAR GRAECIAECREASEURAMU ZEDDE ER SEATER N Sch Ro fei D Tä te Le fre De un bu fol fch Tie dr De ni be th Ia 18 soll aber der Ankauf die Herabsetzung der Frachten ermög lichen, auf welche die Privatgesellschaften sich nicht einlassen wollten. Die Einführung eines Differentialzollsystems ist von der betreffenden Kommission einstimmig verworfen worden. Dem Schußzollsystem stellen sich also für die nächste Bukunft die verschiedenen Handelsverträge als unübersteigliche Hindernisse entgegen. Belgien. Es Der Frankf. 8tg." schreibt man aus Brüssel, 22. November: Seit einigen Tagen signalistren die klerikalen Blätter, wohl in der Abficht, das Publikum zu erschrecken, den zunehmenden Ernst der Lage im Charleroier Kohlen bezirk, der einen neuen Ausbruch der Revolten vom Frühjahr befürchten laffe. So veröffentlichte der Genter, Impartial", ein gemäßigtes und meist sehr besonnen geschriebenes Blatt, vorgestern unter dem Titel Unsere Informationen" einen merkwürdigen Bericht, dessen Verfaffer die Charleroier Gegend und das Centre durchgewandert hat und von der großen Be wegung, die unter den Arbeitern herrscht, betroffen ist. heißt dort: Die Organisation der Arbeiter- Vereinigungen dauert mit unerhörtem Erfolge fort. Die Thatsache, daß 30 000 Menschen, bewegt von einem gleichen Gedanken und einer namenlosen, furchtbaren Disziplin gehorchend, in Charleroi haben ihren Umzug halten fönnen, hat mehr als alle Reden der Sozialistenführer dazu beigetragen, die Bewegung auszubreiten. Niemand wagt, der Einreihung in Brigaden zu widerstehen. Selbst bürgerliche, von keinerlei üblen Absichten bewegte Leute widerstreben dem Joche nicht. In gewissen Gemeinden geben sich die affiliirten Wirthshäuser mittelst eines tothen Platates zu erkennen; auf diese Weise entgehen fie dem Interditt, mit dem die anderen belegt find. Bu gleicher Zeit Bu gleicher Beit dauert die Propaganda mit den auf die Nothleidenden am besten wirkenden Argumenten fort. So weiß jeder Arbeiter, was der König täglich verdient, was der Minister, ein Voltsvertreter, dieser oder jener Direktor u. s. w. Daher denn Vergleiche, welche die Fäuste sich ballen machen und Verwünschungen in die Kehle steigen laffen."" In unseren flandrischen Provinzen," fährt der Impartial" fort, und im Allgemeinen in dem Landbau treibenden Theile des Landes giebt man sich von dem Ernst und den Gefahren dieser Situation nicht Rechenschaft. Die Regierung, wir wissen das, hat einige Vorstellung davon; ihre Aufgabe ist delikat genug; wenn sie Alles fagte, was sie weiß, würde sie vielleicht eine unvernünftige Banit hervorrufen. Auf alle Fälle würde man im Auslande die Ohren spißen und gegen diesen Herd des Anarchismus" wettern, von dem in so mißbräuchlicher Weise auf der deutschen Reichstagstribüne gesprochen worden ist." Was hier der Impartial" berichtet, entspricht der Wahrheit und ist ohne jede denunziatorische Absicht gesagt; nur irrt das Blatt, wenn es die flandrischen Provinzen in eine Art von wohlthuendem Gegensatz zu den Industriebezirken des Henne gaues fezt. Die Stimmung ist auch dort, von der Genter Arbeiterbevölkerung, die noch in den letzten Tagen in Folge eines Streits der Spinner wiederholt mit der Polizei in Konflift gerathen ist, abgesehen, selbst in der Landbau treibenden Bevölkerung nichts weniger als hoffnungsvoll. Aus Ostflandern wird sogar in amtlichem Berichte auf diese Stimmung der Landbevölkerung aufmerksam gemacht, die in nicht ferner Zeit ernsten Aufruhr voraussehen lasse, da der Kleinbauer und Bächter unter dem Druck der übermäßig gesteigerten Bachtzinse und bei den unverhältnißmäßigen Betriebskosten, die ihm erwachsen, erliege. Doch im Ganzen urtheilt der Smpartial" seinem Namen entsprechend. Schlimmer freiben es die anderen tlerifalen Blätter, so der" Patriote", der heute die Regierung beschwört, der wachsenden Arbeiterbewegung durch energische und allgemeine Maßregeln ein Ende zu machen, denn fügt das fromme Blatt hinzu sonst sei zu fürchten, daß man zu spät tomme. Das offiziöse Journal de Bruxelles" aber ging vor einigen Tagen so weit, gegen den Generalrath der Arbeiterpartei die durch keinerlei Thatsache unterstützte Beschuldigung zu erheben, er habe Geld aus der Fremde erhalten, um die allgemeine Arbeitseinstellung in Belgien zu organifiren". Von zwei Blättern, der Reforme" und dem" Peuple", der Lüge und Verleumdung geziehen und aufgefordert, Beweise zu liefern, bleibt heute das Blatt jede Rechtfertigung seiner angeblichen Information schuldig und verschanzt sich hinter neue beweislose Versicherungen derselben Art, die ihm abermals den Vorwurf elender Verleumdung" seitens der Angegriffenen zuziehen. Aus allen diesen wie auf ein Losungswort erscheinenden Be richten oder Angriffen der Klerikalen Blätter erhellt nur das Eine, daß die Regierung sich durch die wachsende Organisation der Arbeiter und die chronisch gewordenen Streits in den Kohlenbezirken beunruhigt fühlt, ohne daß jedoch ein direkter Zusammen hang zwischen beiden nachweisbar wäre. Man hört in den oberen Kreisen nicht gern, daß die Manifestationen in den Industriebezirken noch immer fortdauern und daß in den Arbeiterversammlungen die Haltung der Regierung, welche am Donnerstag bei der Adreßdebatte im Senate jede Amnestie zurückwies, aufs Herbste getadelt wird. wie bei uns wovon Schiaparelli die Rukland. Die Londoner ,, Daily News" find der Anficht, daß Rußland, wenn es mehr zu verlieren hätte, fich einen Sinn von Verant wortlichkeit aneignen würde, der die beste Bürgschaft für sein gutes Verhalten wäre. Jede in Rußland angelegte gute Landstraße würde mehr für das Land thun, als eine Schlacht; aber diese elementare Wahrheit der Verwaltungs wissenschaft brauche Zeit, um St. Petersburg zu erreichen. Die endlosen Annerionen Rußlands machten daffelbe nicht reicher, ungeachtet der prahlerischen Effekte. St. Petersburg dürfe oft über lettere erröthen, wenn es nicht diese Kunst verlernt hätte. Es verlor aber diese Kunst an dem Tage, als es den Ameri fanern ermöglichte Brotstoffe nach Süd- Rußland zu senden einer Region, die unter geeigneter Verwaltung die Kornkammer der Welt werden dürfte. nung beobachten können, am schönsten da, wo die Beit des dichtesten Meteorfalls( 6-7) günstig lag zwischen dem Untergang der Sonne und dem Aufgang des Mondes. Selbst noch einige Tage später konnte man Gruppen von Sternschnuppen aus der Richtung von der Andromeda her über das Firmament wandern sehen, ein Beweis, daß die Erde mehrere Tage gehen mußte, um die ganze Breite des Schwarmes zu durchmessen, daß der Mittelstreifen, in welchem fich die Erde am 27. November befunden hatte, noch durch Schichten von allmälig abnehmender Dichtigkeit wie durch eine Hülle umschlossen wurde. Dies beweist also, sagt Dr. Benker in der Voff. 3tg.", eine Berstreuung der Einzeltörperchen des Kometenschwarms senkrecht gegen die Richtung seiner Bahn über etwa eine halbe Million Meilen. Noch viel größer aber ist. Nothwendigkeit bewiesen hat die Berstreuung der Kometen schwärme in der Richtung ihrer Bahn selbst. Je öfter der Romet die Sonne umwandert, desto mehr wird der Schwarm seiner Einzelkörperchen in die Länge gezogen, und an der Dichtigkeit der Sternschnuppenfälle, die von ihm herstammen, läßt fich alsdann die Art der Vertheilung seiner Maffen ere tennen. So zeigt der größte aller Kometenschwärme, dcr freuzt und dessen Meteore aus der Richtung vom Sternbilde des Löwen hervorsprühen nach seinem Marimum noch sechs Jahre lang eine bemerkenswerthe Menge von Sternschnuppen, aber erst nach 33 Jahren die Wiederkehr des Maximums. Sein Schwarm ist also in der Richtung seiner Bahn so lang wie der d. h. über dreihundert Millionen Meilen. Ja noch mehr! Der Weg, den die Kometentheilchen in sechs Jahren durchwandern, Sternschnuppen bringt, scheint fast ganz gleichmäßig über seine Berseidenschwarm, der die in der Mitte des August fallenden ungeheure Bahn vertheilt zu fein, welche er erst in mehr als hundert Jahren durchläuft. Der Schiaparelli'schen Theorie zu folge müßte im Allgemeinen der dichteste Theil des Kometen Schwarms nicht etwa vorangehen, sondern in der Mitte desselben liegen. Es tönnten allerdings auch Umstände gedacht werden, drängten und das Maximum der Dichtigkeit mehr nach vorn welche die aufgelocerten Theile des Schwarms mehr nach hinten verlegten. Doch würde auch dadurch die Wahrscheinlichkeit nicht aufgehoben, daß ein großer Theil des Rometenschwarms Leonidenschwarm deffen Bahn die Erde am 1. November Großbritannien. Die Times" schreiben über die Aussichten in Irland: Die Auflehnung gegen die bestehenden Geseze dauert in Frland fort, und obgleich in einem großen Theile der Insel die Bevölkerung ihren geseglichen Verpflichtungen nachtommt, ist es unzweifelhaft in vielen Gegenden den Emissären der Nationalliga gelungen, Widerstand gegen das Gesetz zu er regen und die Bächter zu veranlaffen, keine Bacht zu zahlen. Es ist jedoch bemerkenswerth, daß weder Parnell noch irgend ein hervorragendes Parlamentsmitglied, mit Ausnahme Dillon's und O'Brien's, fich an diesen Kundgebungen betheiligt haben. In der That, falls das Bündniß mit den Gladstonianern auf recht erhalten werden soll, ist es den Parnelliten unmöglich, in dem neuen Feldzug mit der Liga durch dick und Dünn zu gehen. Dillon, der in einsamer Würde an der Spiße der enfants perdus" der Liga marschirt, predigt nicht mehr die Lehre, daß die Pächter keine unmöglichen Pachtzinse" mehr zahlen sollen, sondern er läßt im Namen der Nationalliga die Aufforderung ergehen, überhaupt teine Pacht mehr zu zahlen, wo sich die Gutsherren weigern, Bächter, welche während der legten 6 oder 7 Jahre wegen Nichtzahlung ermittirt wurden, wieder in den Befiz einzuseßen." lichen Körperverlegung erforderliche bewußte Susammenwirken beider Angeklagten schon vorher aufgehört habe, die weitere Mißhandlung des Verlegten durch den Angeklagten D. daher nicht mehr als eine von dem Angeklagten H. gewollte That fich darstelle. Gleichwohl schließe der Umstand, daß die That theilweise eine gemeinschaftliche war, nicht aus, daß dieselbe dem Angeklagten D. gegenüber als eine einheit liche erscheine. Hieraus wird gefolgert, daß. wegen einer That aus§ 223a, D. dagegen ebenfalls nur wegen einer Strafthat, aber aus§ 224 Str.-G.-B. gestraft werden könne. Bezüglich der erheblichen Entstellung" hatte die erste Instanz das Vorliegen des§ 224 verneint, weil der Verlegte sich ein fünstliches Glasauge hatte einsetzen lassen, welches für den Anblic Dritter von einem natürlichen nur schwer zu unterscheiden war. Dies erklärt das Reichsgericht für rechtsirrthümlich. Es laffe sich in dieser Allgemeinheit nicht anerkennen, daß eine an und für sich vorhandene dauernde und erhebliche Ents stellung diese ihre Eigenschaften dadurch verliert, daß sie durch fünstliche Mittel nicht oder nicht leicht erkennbar gemacht werde. Man kann zugeben, daß nicht jede Zerstörung oder Beschädis gung menschlicher Körpertheile, welche die äußere Erscheinung des betr. Individuums vom Standpunkte des Schönheitsgefühls durch Erregung eines unangenehmen, selbst widerwärtigen Eindrucks beeinträchtigt, schon deshalb das gedachte Begriffsmerkmal erschöpft. Denn dieser Anblick kann je nach Beschaffenheit des verlegten Organs Dritten nur zufällig oder ausnahmsweise geboten sein, während er sich regelmäßig den Blicken derselben entzieht. Aber das Verbergen der Beschädigung selbst bis zum Grade der Unkenntlichkeit reicht für sich allein nicht aus, das Begriffsmerkmal der dauernden erheblichen Entstellung zu be seitigen. Denn alsdann würde das Begriffsmerkmal seine objektive Bedeutung völlig verlieren und bezüglich seines Vorhanden seins dem freien Willen des Verlegten anbeimgestellt sein. Entscheiden kann nur, ob der entstellte Körpertheil nach den natürlichen und sozialen Lebensverhältnissen des Verlegten Dritten gegenüber derart bedeckt zu werden pflegt, daß der Mangel als wesentliche Entstellung nur unter besonderen Umständen nach außen erkennbar sein und als solche empfunden würde. Trifft diese Vorausseßung nicht zu und befindet sich die entstellende Verlegung an einem Körpertheil, welcher regelmäßig den Blicken Anderer zugänglich ist, so kann der Umstand, daß der Verlegte solchen gegen die sonstigen Regeln und Ge an dem objektiven Vorhandensein einer Entstellung nichts ändern." Unter den vielen Streitfragen, welche zwischen Rußland und England schweben, scheint wiederum eine neue in ein aftuelles Stadium treten zu sollen. Das Londoner Auswärtige Amt hat der chinesischen Regierung, sowie dem Kommandanten der in den ostasiatischen Gewässern stationirten Flottenabthei- wohnheiten des Lebens verdeckt hält oder verdeckt halten kann, lung mitgetheilt, daß England von Port Hamilton endgiltig Besis ergriffen hat Ein Londoner Brief der Pol. Korr." hebt hervor, daß Großbritannien diese Be segung als unentbehrlich betrachtete und nicht länger aufzuschieben vermochte, selbst für den Fall, daß die englisch- russischen Beziehungen dadurch etwas gespannt" würden. Balkanländer. " 1 Londoner Blätter veröffentlichen aus einem Privatbriefe eines Mitgliedes der bulgarischen Sobranie folgende auf die Fürstenwahl bezügliche Stelle: Wir werden den Prinzen von Mingrelien nicht wählen. Rußland hat fein Recht, fich den brutalen Spaß zu machen, uns diesen Mann, den feiner von uns achten kann, vorzuschlagen. Unser nächster Fürst muß zum Mindesten ein ehrlicher Mann sein, und man kann sich darauf verlassen, daß wir keinen Günſtling Rußlands wählen werden, falls wir nicht vorher unsere Vereinigung erlangt haben. Wenn Rußland uns nicht helfen will, wohlan; wir lieben die gegenwärtige Lage, welche die einer Republik ist. Jezt, nachdem die russischen Konsuln weg sind, fürchten wir feine inneren Unordnungen und wir können uns alle mit der Vorbereitung eines Volsheeres von 250 000 Mann zur Vertheidigung unserer Freiheiten und unserer Unabhängigzur Vertheidigung unserer Freiheiten und unserer Unabhängig feit befaffen." Amerika. Die Arbeiterpartei von Boston hat George M'Neill als Kandidaten für den Bürgermeisterposten bei der Wahl im Dezember aufgestellt. Er ist der Vorsitzende der Distriktsver sammlung der Ritter der Arbeit" und will die Kandidatur annehmen, wenn 7000 Personen schriftlich ihre Unterstützung zusagen. Henry George wird mehrere Reden zu seinen Gunsten halten. Sein Gegner wird der Bürgermeister O'Brien sein, ben die Demokraten zu ihrem Kandidaten wieder aufgestellt haben. Gerichts- Zeitung. Bezüglich der Begriffe der Gemeinschaftlichkeit" bei Körperverlegungen, sowie der erheblichen Entstellung des Verlegten"(§§ 223a, 224 Str.-G.-B.) hat das Reichsgericht in einem Urtheil vom 1. Oktober 1886( cf. R. d. R. Bd. Vir. S. 578) einige bemerkenswerthe Grundsäge aufgestellt. Der Thatbestand war: Die Angeklagten H. und D. hatten gemeinschaftlich einen Dritten gemißhandelt. H. hatte schließlich die Mißhandlungen eingestellt und nur D. noch dieselben allein fortgesezt und hierbei dem Verlegten einen Fußtritt in das eine Auge verseßt, der den Verlust des Auges herbeiführte. Das Reichsgericht entschied, daß. für diese lettere Handlung nicht verantwortlich sei, weil das zum Thatbestand der gemeinschaft cher um 64 Tage hinter dem Zentrum zurückgeblieben war; am 27. November 1885 aber durch einen Theil, welcher etwa um 48 Tage dem Zentrum voraneilte. Erst am 14. Januar 1886 wäre das Zentrum selbst durch den Kreuzungspunkt seiner Bahn mit der Erdbahn gegangen. Ist diese Vorstellung die richtige, so begegnet am 27. November die Erde einem Theile des Biela'schen Kometenschwarms, der um 317 Tage, d. h. um ungefähr 20 Millionen Meilen hinter dem Dichtigkeitsmarimum zurückliegt. Die Zahl der fallenden Sternschnuppen zeigt dann, wie groß die Dichtigkeit des Meteor schwarmes in dieser großen Entfernung vom Zentrum noch ist. Die Entfernung ist fünffach so groß wie im Jahre 1872; wollte man aber daraus schließen, daß die Zahl der Sternschnuppen ein Fünftel der damaligen sein müffe, so wäre dieser Schluß ein durchaus unberechtigter. Vielmehr muß erst die Beobachtung entscheiden, in welchem Maße die Dichtigkeit der Meteore fich auf dieser Strecke vermindert hat und ob überhaupt in so großem Abftande vom Zentrum der Biela'sche Komet noch Me teore enthält. Wenn daher auch der am 27. d. M. zu erwar tende Sternschnuppenfall nicht annähernd die Bracht und den Glanz derer von 1872 und 1885 haben wird, so ist seine genaue Beobachtung darum nicht weniger von hohem wissenschaftlichen Werthe, da fie auf die Art der Vertheilung der Meteore im Biéla'schen Kometenschwarm zunächst in den dem Zentrum folgenden Theilen ein Licht zu werfen im Stande ist. Die Beobachtung ist diesmal durch Abwesenheit des störenden Mondlichtes am Abend begünstigt. Sarah Bernhardt unter den Menschenfressern". Eine erschütternde Nachricht hat die Pariser Künstlerwelt in' große Aufregung verfett. Sarah Bernhardt ist in Südamerika von den Menschenfrefern gefangen worden. In einem Briefe eines Mitgliedes der die Künstlerin auf ihrer Rundreise begleitenden Gesellschaft an den Pariser Figaro" wird darüber ausführlich geschrieben: Unser Schiff, auf welchem wir die Argentinische Republik verlaffen hatten, scheiterte an der patagonischen Küste. Wir blieben auf einer Einöde, bis uns endlich ein englischer Packet- Dampfer entdeckte und aufnahm. En einzelnen Booten ruderten die Mitglieder an Bord des Dampfers. Sarah wollte, heldenmüthig wie immer", mit dem legten Boot das Land verlaffen. Da, im legten Augenblick, stürzen zwölf nackte, ente dem Dichtigkeitsmarimum voraneilte, ein anderer großer Theil feglich tätowirte Gestalten auf uns los, noch che wir ins Boot thm folgte. Es darf daher angenommen werden, daß auch der lang ausgedehnt ist. Danach wäre die Erde am 27. November Biela'sche Kometenschwarm in der Richtung seiner Bahn sehr 1872 durch einen Theil des Kometenschwarms gegangen, wel steigen fonnten. Sarah und einige Mitglieder, worunter auch ich, wurden von ihnen in einen finsteren Wald geschleppt. Endlich langten wir bei einer Ansiedlung von elenden Hütten Hier standen die Wilden, Männer und Weiber, an. In Sachen der Ortskrankenkasse wider den Schankwirth B. hat die 1. Zivilkammer des Landgerichts I in ihrer legten Sigung eine wichtige, endgiltige Entscheidung gefällt. B. hatte unterlassen, verschiedene in seinem Etablissement ange stellte Personen in der gesetzlichen Anmeldefrist, d. i. binnen drei Tagen, nach ihrem Antritt anzumelden. Die Leute wurden nach einiger Zeit von B. wieder entlassen. Als diese Leute späterhin erkrankten, ergaben die Recherchen der Ortstrantenkaffe, daß sie bei B. unangemeldet in Dienst gestanden haben. Nune mehr ließ die Ortskrankenkaffe durch den Syndikus des Vereins Berliner Weißbierwirthe, Herrn Rechtsanwalt Leopold Meyer, den B. auf Zahlung von 475 M. Krankengelder verklagen. Rechts anwalt Meyer führte in der Berufungsinstanz aus, daß durch die unterlassene Anmeldung die Absicht des Gesetzgebers, den Erkrankten des Gewerbes Hilfe zu bringen, vereitelt werde. Die gewissenhafte Anmeldung wäre die Hauptbedingung, um die Raffe lebensfähig zu halten und vor Nachtheil zu bewahren; die Unterlaffung der Anmeldung aber sei ein Vertrauensbruch. Der Gerichtshof schloß sich diesen Ausführungen an und ents schied dahin, daß B. 475 M. an die Ortskrankenkasse zu zahlen und die Kosten zu tragen habe, da derjenige Gewerbetreibende, welcher die Anmeldung unterlase, ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt, wann der Erkrankte bei ihm den Dienst verlassen, regreßpflichtig sei. Also kann z. B. nach 10 Jahren und noch länger ein Gewerbetreibender wegen unterlassener Meldung haftbar gemacht werden. Die Diätenprozesse gegen die Abgeordneten Dirichlet und Hasenclever vor dem Reichsgerichte. Leipzig, 25. Nov. Vor dem IV. Zivilsenate des Reichsgerichtes, welchem der Präs fident des Reichsgerichtes, Dr. Simson, vorfitt, kamen heute die Diätenprozeffe gegen die Reichstagsabgeordneten Dirichlet und Hasenclever zur Verhandlung. Die Landgerichte hatten bekanntlich den Klagantrag des preußischen Fiskus auf Rücke zahlung empfangener Diäten zurückgewiesen; die Oberlandes gerichte Königsberg bezw. Naumburg a. S. hatten jedoch auf die Berufung des Fiskus hin dem Klageantrage, wenn auch nicht in allen Punkten, entsprochen. Herr Dirichlet hatte ange geben 500 M. aus dem Diätenfonds der früheren Fortschrittspartei erhalten zu haben und war zur Herauszahlung derselben an den Fiskus verurtheilt worden. Von weiteren 1500 Mark, die er nach Behauptung des Fiskus noch er= halten haben soll, behauptete er, er wisse nicht mehr genau, ob er dieselben erhalten habe. Das Oberlandesgericht in Königs berg erkannte in dieser Beziehung dahin, daß die Zahlung resp. nichtzahlung von einem zu leistenden Ueberzeugungseide des Beklagten abhängig sein solle. Der Abg. Hasenclever hatte auf einem freien Plage Dor einem großen Feuer. Auf einem Baumstumpf, den Sarah fofort als Encalyptus Patagonicus erfannte, thronte eine wilde Teufelsgestalt, der Häuptling des Stammes, in dessen Antlitz die Rünstlerin eine Aehnlichkeit mit Sarcen wahrnahm. Der Häuptling lud uns zum Frühstück ein. In einer großen Schüffel wurde eine Fleischspeise gebracht, in welcher noch Sie errathen wohl die Glieder eines jungen Menschen dampften, deffen Kopf der Künstlerin die Züge des älteren Coquelin ins Gedächtniß rief. Wir stießen einen Schrei des. Entsezens aus und rufusirten die Speise. Der Häuptling da gegen aß für vier Personen. Dann wendete er sich zu Sarah und sprach: Ich habe Dich im Jahre 1878 auf der Pariser Ausstellung spielen gesehen. Seit damals denke ich immer an Dich und danke nun dem Zufall, der Dich mir in die Hände geführt hat. Aber ich werde Dich nicht zu meiner Frau machen, denn ich bin ein treuer Ehemann, sondern ich werde Dich aufeffen. Du hast eine weiße Haut und bist ein Leckerbissen für einen König. In einer Stunde wirst Du am Spieße braten!" Sarah war in diesem Augenblicke erhaben. Sie erblaßte wohl, fagte aber ruhig Gut! Ich hätte mir gern ein Grab unter Veilchen und Weiden gewünscht. Aber Golt hat mir den Magen eines Kannibalen zur Ruhestätte bestimmt. Wenn ich ihm nur wenigstens eine Indigestion verursachen könnte!" Auf ein Zeichen des Häuptlings traten zwei wilde Häfcher auf Sarah zu. Doch kaum hatten sie die Schultern und Arme der Künstlerin entblößt, da rief der Häuptling aus: Haltet ein! Ich kann fie in diesem Zustand nicht aufeffen. Sie ist mir viel zu mager. Man muß fie in einem abgelegenen Orte einschließen und füttern." Sarah hob die Augen dankbar zum Himmel. Sie hatte noch Zeit, uns ein Beichen zu geben, wurde jedoch sogleich von drei Menschenfressern abgeführt, die mit Stampfen versehen waren, um die Nahrung in den zarten Magen unserer so theueren Künstlerin zu stopfen. Auf uns gab man nicht weiter Acht und es gelang uns, in die Argentinische Republik zu entkommen, wo zur Stunde eine Expedition zur Befreiung Earah's aus der Gewalt der Rannibalen or ganifirt wird. Sie ist gewiß noch am Leben, denn es wird wenigstens fünf bis sechs Monate dauern, ehe Sarah das nöthige Embonpoint erlangt, um dem Häuptling servirt werden zu können." Soweit der Brief des Korrespondenten. Daß die Lektüre dieses Briefes ungeheure Heiterkeit erregt hat, ist selbstverständlich; der Autor desselben ist Albert Millaud. Jeden= falls wird ihm die magere Sarah für diese fette Reklame nicht undankbar sein. eingebrachte Gefeßentwurf zur Regelung der Kinder, Mädchen und Frauenarbeit in den Fabriken faßt die Bestimmungen des Gesetzes vom 9. September 1848 über die Arbeitsdauer und die des Gesetzes vom 19. Mai 1874 über den Schutz der im Gewerbe verwendeten Kinder und Mädchen zu einem einheitlichen Gesetze zusammen und ver beffert fie etwas. Insbesondere wird der Schuß auch auf solche gewerblichen Anlagen ausgedehnt, welche die Form von Fachoder Industrieschulen oder Versorgungs-, Rettungs- oder sonst Wohlthätigkeitsanstalten haben und bisher der Aufsicht entzogen waren. Das Alter der Zulässigkeit der Kinder in Werkstätten, welche im Geseze von 1874 auf 12 Jahre bestimmt und für gewiffe Industrien bei blos 6 stündiger Arbeit sogar auf 10 Jahre ermäßigt wurde, ist in der neuen Vorlage gleichförmig auf 13 Jahre festgesezt. Die Nachtarbeit ist nicht bloß für Kinder und minderjährige Mädchen, wie im Gesetze von 1874, sondern für Frauenspersonen jedes Alters untersagt, unter Vorbehalt der Gestattung für Nothfälle durch eine Minifterverfügung. Die Arbeitszeit ist für Arbeiterinnen jedes Alters auf 11 Stunden täglich begrenzt. Endlich bezweckt eine Reihe neuer Bestimmungen die Sicherung von Leben und Gesundheit in den Werkstätten aller Art. Die schwedische Parlamentskommission, die für die Arbeiterversicherung ernannt war, ist am 15. d. wie der in pleno zusammengetreten und hat die Vorschläge der betreffenden Abtheilung zu Gesezen über Unfallversicherung und über eingeschriebene Krankenkaffen und die Grundlagen eines Gefeßes über Altersversicherung entgegengenommen. Bei diesen Entwürfen hat man fich in gewiffem Umfange an den Grundfag der Zwangsversicherung gehalten. Die Arbeitgeber in den größeren und gefährlicheren Industrien sollen genöthigt sein, ihre Arbeiter gegen Unglücksfälle zu verfichern. Auf eine Haftpflicht des Arbeitgebers hat man sich nicht eingelassen. Ebenso ist für die Altersversicherung das Zwangssystem angenommen worden. Nur bei der Krankenversicherung hat man sich auf Empfehlung freiwilliger Bildung von Krankenkassen beschränkt, dagegen gewiffe Vortheile in rechtlicher und wirthschaftlicher Bes ziehung für solche Raffen festgestellt, welche sich in der vom Geseze vorgeschriebenen Weise geordnet und so die staatliche Anerkennung erlangt haben. durch die Flucht entzogen hat. Ueber sein Vermögen ist bereits der Konkurs eröffnet worden. Kaffel, 23. November. Ein furchtbarer Unglücksfall hat fich in der Obermühle bei Wigenhausen ereignet. Der seit etwa 14 Tagen neueingetretene Müllerbursche Peter Hildebrandt aus Roßbach bediente in der Nacht vom 20. zum 21. November zum ersten Male allein die Mühle. Er hat wahrscheinlich die Maschine nicht genau gekannt und tam auf eine schreckliche Weise zu Tode; er wurde nämlich von der Haupttriebwelle erfaßt und buchstäblich an allen Gliedern gerädert. Erst lange nach der Katastrophe erwachte der Eigenthümer durch den eigenthümlichen Ton der Mühle, ging hinaus und entdeckte den in gräßlicher Weise zugerichteten Körper; sämmtliche Gliedmaßen zerbrochen und zermalmt 2c., ein grauenhafter Anblick. Nach dem Bes funde zu urtheilen, muß Hildebrandt mit einem leeren Sade an der Triebwelle vorbeigegangen sein, diese erfaßte einen Zipfel des Sackes, und in dem Bestreben, den Sack zurückzuziehen, wurde die Hand, der Arm und schließlich der Körper erfaßt und der unglückliche junge Mann auf die entseglichste Weise zu Tode gemartert. Er war erst 22 Jahre alt und die Stüße seiner Eltern. Hannover, 23. Nov. Nach einer Bekanntmachung des Polizeipräsidiums werden die hiesigen Schulen, die wegen der zahlreichen Erkrankungen an Scharlach und Diphteritis Monate lang geschlossen waren am nächsten Montag wieder eröffnet, da die Epidemie nachgelassen und namentlich an Bösartigkeit verloren hat. Halle, 22. November. Daß über einen Soldaten im stehenden Heere der Konkurs eröffnet wird, dürfte wohl zu den Seltenheiten gehören. Ein solcher Fall liegt aus dem benachbarten Teuchern vor, woselbst über das Vermögen eines Schuhmachers, welcher in Merseburg dient, jest in einer solchen Weise gerichtlich erkannt ist. segelnden Bark ,, Einigkeit" statt. Es muß doch ebenfalls angegeben, 1501 M. erhalten zu haben. Die EntScheidung der Oberlandesgerichte stüßte fich darauf, daß nach Artikel 32 der Reichsverfassung die Reichstagsabgeordneten teine Besoldungen und Entschädigungen beziehen dürfen und daß nach dem preußischen Landrechte der Fiskus berechtigt ist, einem Unterthanen einen Gewinn, der aus einem unerlaubten Geschäfte herrührt, zu entreißen. In dem Geben resp. Annehmen der Diäten aus Privatmitteln wurde eine nach der Reichsverfassung unerlaubte Entschädigung und ein nach dem Landrechte unerlaubtes Geschäft erblickt. Die Revision des Herrn Dirichlet wurde von Herrn Geh. Justizrath Dorn vertreten. Aus seinen Ausführungen theilen wir folgendes mit. Der zweite Richter hält sich an den Wortlaut des Artikel 32, wonach Abgeordnete weder Besoldungen noch Entschädigungen beziehen dürfen. Ich bin der Ansicht, daß bei Entschädigungen ebenso an Bezüge aus Staatsmitteln zu denken ist wie bei Besoldungen, es wird in beiden Fällen an dieselbe Stelle gedacht sein, aus der die Gelder fließen sollen, oder nicht. Es wäre wenigstens sehr inforrett ausgedrückt, wenn die ganze Auffaffungsweise fich plöglich in demselben Sage ändern sollte. Wenn die Auslegung der in Betracht kommenden Paragraphen des Landrechts durch den zweiten Richter zutreffend fein sollen, so entstehen ganz unhaltbare Rechtszustände in Deutschland. Irrig ist die Ansicht des Oberlandesgerichtes, daß nun, obwohl Artifel 32 feine zivil- oder strafrechtlichen Folgen ausspricht, dem nachgeholfen werden könne und müsse durch das Landesgefeß. Die Aeußerung Bismarcks in der Reichstags fizung vom 15. April 1867, daß er in den Entwurf des betreffenden Paragraphen nichts hineinzuinterpretiren habe, was nicht darin stehe und daß ohne eine strafrechtliche Unterlage die Regierung nur dem etwas zu verbieten habe, dem sie etwas zu befehlen habe, ist da von großer Bedeutung. Er sagt also, es fomme auf die Strafgefeße an. Aber weder in der Verfassung noch im Strafgesetzbuche find solche Die Verfassung stellt nicht Strafbestimmungen vorhanden. einmal in strafrechtlicher Beziehung die Folge fest, daß Abgeordnete, die Entschädigungen annahmen, ihr Mandat verlieren. Daß fie aber gar die empfangenen Beträge herauszahlen müßten, davon steht nichts in der Verfassung. angenommen werden, daß die Verfassung ein in fich abgeschlossenes Gesetz sein sollte. Also kann man auch nicht auf Grund einer landesgefeßlichen Bestimmung etwas in die Verfaffung hineininterpretiren und gewissermaßen einen Anhang zu der Regierung machen. Es ist doch höchst sonderbar, wenn man in einzelnen Theilen Preußens ein Resultat eintreten lassen will, welches in anderen Theilen, wo das Landrecht nicht gilt, unmöglich ist. Ich bitte daher die Berufung des Fiskus gegen das landgerichtliche Urtheil zurückzuweisen.- Herr Justizrath Buffenius als Vertreter des Fiskus beantragte dagegen, die Revision des Beklagten gegen das oberlandesgerichtliche Urtheil zu verwerfen. Im Wege der Ausschlußerklärung beantragte er Aufhebung des Urtheils, insoweit dem Beklagten ein Ueber zeugungseid, nicht aber ein Wahrheitseid auferlegt ist. Ferner beantragte er im Wege der selbstständigen Revision, das Urtheil aufzuheben, soweit dem Antrage des Fiskus auf Herauszahlung weiterer 1500 Mart nicht ohne weiteres Folge gegeben sei. Seine Ausführungen entsprachen im allgemeinen der Vorentscheidung. Er legte besonderes Gewicht darauf, daß Art. 32 nicht sage: sollen feine Besoldung oder Entschädigung erhalten" sondern dürfen". Das sei dahin zu verstehen, daß ein allgemeines" Verbot vorliege und daraus müßten die Konsequenzen gezogen werden. Aus den Verhand lungen des Reichstages über die Verfassung gehe hervor, daß die Sache von den verschiedenen Parteien so aufgefaßt sei wie von seinem Mandanten und dem Oberlandesgerichte. Selbst diejenigen Abgeordneten, welche damals für Diäten waren, seien hiervon ausgegangen. Bismarc's erwähnte Aeuße fönne so daß aufgefaßt werden, fich über die administrative und strafrechtliche, nicht aber auch über die zivilrechtliche Seite der Sache habe aussprechen wollen. Daß die Entscheidung im Sinne des Fiskus verschiedene Res fultate in Preußen hervorrufe, fei richtig; dagegen sei aber nichts zu machen. Wenn sich für Alt- Preußen an die Verfassung die Ronsequenz knüpfe, wie sie der zweite Richter gezogen, dann sei fein Grund vorhanden, vorhanden, weshalb das preußische Landesgeseß, das Landrecht, nicht angewendet werden sollte. Solche Verschiedenheiten beständen in Preußen mehrfach, und sie würden nicht eher verschwinden, bis das bürgerliche In seiner Erwiderung. Gesetzbuch für das Reich fertig sei. beantragte Justizrath Dorn, die selbstständige Revision des Fiskus als unzulässig zu verwerfen, da es sich nicht um ein Objekt von mehr als 1500 m. handle. Die Anschlußrevision bat er ebenfalls zu verwerfen, da es in dem Ermessen des Instanzrichters steht, den Ueberzeugungs- oder den Wahrheitseid aufzuerlegen, wo es sich um Fälle wie den vorliegenden handelt. Das Urtheil lautete dahin, daß sowohl die Revision des Herrn Dirichlet als die beiden Revisionen des Fiskus zu vers werfen feien. Gründe: Die Entscheidung beruht auf der Annahme, daß der Berufungsrichter den Art. 32 der Ver faffung, so wie geschehen, ohne Rechtsirrthum ausgelegt und ebenmäßig ohne Rechtsirrthum das Landrecht in den angezogenen Paragraphen zur Anwendung gebracht und so ver standen hat, wie geschehen. Die Anschlußrevifion des Fiskus war als unbegründet zurückzuweisen, denn die bezügliche Ent scheidung des zweiten Richters beruht auf thatsächlichen Feststellungen. Von einer Eidesverweigerung fann keine Rede fein. Die selbstständige Revision war in Ermangelung eines revisiblen Objektes als unzulässig zu verwerfen. Die Kosten treffen den Beklagten zu, den Fiskus zu 3." rung nur nun Der belgische Klerus hat mit päpstlicher Billigung im Jahre 1887 einen zweiten katholischen sozialen Kongreß ein zuberufen beschlossen, da der erste so große Erfolge errungen." Von den Erfolgen ist bisher nichts zu merken; noch kein einziger Rongreßbeschluß ist ausgeführt worden- was übrigens auch gar nicht im Willen der Kongreßtheilnehmer gelegen haben würde. Zur Statistit der zentralisirten freien Kassen. Auf Grund der dem kaiserl. statistischen Amte eingehenden Jahress übersichten ist eine Zusammenstellung derjenigen den Anforde rungen von§ 75 des Krankenversicherungsgesetzes entsprechenden freien Raffen erfolgt, deren Bezirk über den der höheren Vers waltungsbehörde ihres Sizes hinausgeht. Ueber die Vers theilung dieser zentralisirten Krankenkaffen auf die einzelnen Staaten und Landestheile Deutschlands giebt folgende Tabelle Aufschluß. Staaten und Landestheile Provinz Westpreußen Stadt Berlin. • Pr. Brandenburg( ohne Berlin) Provinz Pommern Schleften Schleswig- Holstein er H " Sachsen " Hannover # Westfalen " " " Die Revision Hasenclever's wurde ebenfalls verworfen. Leipzig, 25. November. Das Reichsgericht hat den Re dakteur Prohl aus Kiel wegen Verbrechens des vollendeten Landesverraths in idealer Konkurrenz mit Bestechung zu 9 Jahren Buchthaus und Verlust der Ehrenrechte auf 10 Jahre verurtheilt. Durch die Untersuchung ist festgestellt, daß Prohl ein Unteragent Saraums war und von demselben ein monat liches Gehalt von 150 M. bezogen hat, daß er eine Menge von Mittheilungen über das Torpedowesen, Seeminen, HafenSperren, Mobilmachungspläne, Gefechtsfähigkeit und See tüchtigkeit von Kriegsschiffen dem Saraum geliefert, und daß dieser dieselben zur Kenntniß der franzöfifchen Regierung ges bracht hat, wodurch das Wohl des Deutschen Reiches intensiv geschädigt wurde. Des Richters Sohn. Budapest, 24. November. Am 30. September 1885 fuhr der 22jährige Sohn des OlahCzikliner Richters Karl Stefanics mit seinem Rutscher übers Feld. Am Ende des Dorfes trafen sie den Landmann Stefan Miflos, dem Stefanics ohne jeden Grund mit einer Haue einen derartigen Schlag auf den Kopf verseßte, daß der Aermste auf der Stelle den Geist aufgab. Der Gerichtshof verurtheilte Stefanics zu 10 Jahren Zuchthaus, welche Strafe die königl. Tafel auf 12 Jahre, die königl. Rurie heute auf 12 Jahre Buchthaus erhöhte. Soziales und Arbeiterbewegung. Reformen in Frankreich. Paris, 24. Novmbr. In der Kammer wurde heute ein von Raspail, Nabaud, Brialou, Pichon u. a. Mitgliedern der Linken unterzeichneter Antrag vertheilt, bezweckend die Errichtung eines Arbeitsministe riums. Der Wirkungskreis desselben soll umfaffen: 1) die Arbeitsgefeggebung, 2) die Organifirung der Arbeit, 3) die KoLonifirung Algeriens und Tunefiens(!), 4) alle mit der städtischen und ländlichen Arbeit zusammenhängenden Fragen, wie gestern vom Handels- und Gewerbeminister in der Kammer Heffen- Nassau. Rheinland. 1. Königreich Preußen II. " III. Bayern Sachsen # Württemberg 11 IV. V. Baden VI. Heffen • VII. Sachsen- Weimar VIII. Braunschweig IX. Sachsen- Altenburg X. Sachsen- Coburg- Gotha XI. Reuß i. Linie XII. Schaumburg- Lippe XIII. Lippe XIV. Bremen. XV. Hamburg XVI. Elsaß- Lothringen. Deutsches Reich Grund lan Bahl der Bahl ber auf einge besrechtlicher schriebenen Borschrift Silfstaffen Silfstaffen beruhenden Zusammen 211112283543154125 112 211 21911227254 2133 1221117. 79 . 4 2 1 7 1 1 4 16 16 44 17 61 1 199 25 1 224 Regelung der Arbeitszeit. Im Handelskammerbezirk M. Gladbach sind auf Anregung der Handelstammer 34 Firmen übereingekommen, daß die tägliche Arbeitszeit in den Spinnereien nicht über zwölf Stunden dauern solle. Sechs Spinnereien aus dem Bezirk find bei diesem Uebereinkommen nicht betheiligt. Die tönigliche Regierung zu Düsseldorf macht dieses Uebereinkommen mit dem Bemerken be tannt, daß dasselbe im Interesse sowohl der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer liege, indem es außer dem Schutz der Gesundheit der Arbeiter Einschränkung der Ueberproduktion bezwecke." Letteres Zugeständniß ist sehr bemerkenswerth. Warum sträubt fich aber die Regierung, wenn die Arbeitervertreter im Reichss tage durch eine allgemeine Regelung der Arbeitszeit allen Arbeitern diese Vortheile zukommen lassen wollen? Ferner: wie hoch mag wohl die Arbeitszeit im Gladbacher Greifswald, 22. November. Am legten Tage der vers gangenen Woche fand im Hafen von Swinemünde beim Endpuntte der Moolen nach See eine heftige Rollision zwischen dem ausgehenden Dampfer Arthur", der von Stettin gelom men, mit Petroleum beladen war, und der in den Hafen einDie lettere riß mit dem Klüverbaum dem Dampfer sämmtliche Masten und den Schornstein weg und beschädigte schwer die Kommandobrücke, verur fachte außerdem ein Leck, so daß der Dampfer, um sich vor dem Untersinken zu bewahren, auf den Strand laufen mußte, von wo er später durch zwei Bergungsdampfer ab- und in den in neren Hafen eingeschleppt wurde. Die Bark selbst ist mit dem Verlust des Klüverbaums weggekommen. Leider sind bei dem Busammenstoß zwei Menschenleben zu Grunde gegangen. Zwei der Matrosen des Arthur" find wahrscheinlich von dem Klü verbaum erfaßt nnd über Bord geworfen worden; wenigstens fehlt bisher jede Spur von den Unglücklichen. Ein dritter Matrose erlitt durch den fallenden Mast eine starke Quetschung der Brust, die seine Aufnahme ins Krankenhaus nothwendig machte. Wodurch die Kollision herbeigeführt wurde, ist noch nicht aufgeklärt. Wien. 23. November.( Einsturz einer Treppe.) In dem Neubaue in der Roflergaffe im Bezirke Margarethen ereignete fich ein Unfall, welcher leicht zu einer Ratastrophe hätte führen tönnen. Im ersten Stode des Gebäudes befindet sich nämlich die Baukanzlei, zu welcher sich eine große Anzahl von Arbeit fuchenden 160 Personen- drängte. Da die Gangtreppe auf welcher die Arbeitsuchenden standen, für eine solche Be lastung nicht tragfähig war, stürzte dieselbe ein und die auf ihr Stehenden fielen beiläufig acht Fuß in die Tiefe. Mer würdigerweise ereignete fich jedoch hierbei kein schwererer Un glücksfall, indem bloß vier Personen leicht verlegt wurden. Markthallen- Bericht von J. Sandmann, städtischem Verkaufs- Vermittler, Berlin, den 26. November 1886. Wir find jetzt mitten in der Saison der Jagden. Je Tag bringt größere Zufuhren und giebt selbst auswärtigen Händlern Veranlassung, hier ihren Bedarf zu decken. Auslände konnten der ungünstigen milden Witterung wegen nur mit Versuchsposten beginnen. Der Berliner Ronfum ist im Steigen begriffen, denn in jedem guten Hause und Restaurant findet man heute Wildbraten. Geflügel. Bei dem zunehmenden Bedarf reicht die Zufuhr nicht aus, die Preise steigend. Regelmäßige Zufuhren an fetten geschnitten, vollständig gerupft, Flügel und Füße auf den Rücken gebunden, nicht gebrüht und nicht gesengt, 8-10 Pfd. schwere 45-53 Bf., über 10-15 Pfd. 50-60 Pf., Fettgänfe über 15 Pfd. schwer 60 Pf. und mehr per Pfd. Enten, Buten und Hnhner sollen am Halse geschnitten sein. Der Kopf, die Flügel und Schwanzfedern werden nicht abgenommen. JungeEnten 1,50-2,50, fette Enten 46-50-60 Pf. per Pfd., über 10 Bfb. schwere fette Puten 65-70-80 per Pfd., Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20-1,70 M., Tauben 30-40 Bf., Poularden 4,50 zum Mästen 2,00-3,00 M., lebende Enten 0,90-1,50 M Auftion täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags. bie Wild. Die Bufuhr war in allen Artikeln mäßig; Preise entsprechend höher, Rehe ausgeweidet 65-72 B pr. Pfd., Hirsche, sehr starke und fehlerhafte 25-30, 1. 32-40, Dammwild 30 bis 46, schwere und fehlerhafte 22 bis 32, Wild schwein 30 bis 46, kleine 50 bis 66 Pf. pr. Pfund. Rebhühner, junge 1,20-1,50, alte 90-110 Bf., Fasanen hennen 2,00 bis 2,50, Fasanenhähne 3,00 bis 3,90 M Hasen ausgeworfen, bei falter Witterung mit Raldaune auf Stangen von 10 Stüd 3,50-3,75 M. pr. Stüd, Raninchen ausgeweidet 45-55 Pf. pr. Std., Krametsvögel 30-33 Pf. per Stück. Auerhahn 3,00-4,50 M. Birkhuhn 1,75-2,50 S pr. Stüd. 4 Schnepfen 2,10-4,00, Betasfinen 40-75 Pf pr. Stück. um 6 Uhr Nachmittags abgehalten. Die Preise steigend. Obst und Gemüse. Größere Bufuhren sehr erwünscht. Birnen 6,00 bis 8,50, Tafelbirnen 10-20, feinfte Sorten 20-40 M., Aepfel 6,00-9,00 M., Bezirk gewesen sein, wenn schon einer Einschränkung auf zwölf Tafeläpfel 10-20 M., feinste Sorten 20-36 M., Wallnüffe Stunden so viel Segnungen nachgerühmt werden? Läßt das 20-30 m. pr. 3tr. nicht erkennen, daß sich im freien Verkehr vielfach eine maßlose Ausdehnung der Arbeitsstunden herausgebildet hat, und daß Weißfleischige Speisekartoffeln 3,00-3,60, rothe 2,80-3,00, blaue 2,80-3,20 per 100 Ro., groß Sellerie 7-10 m, flein es hohe Beit ist, durch den gefeßlichen Marimalarbeitstag hier 3-7 M., Meerrettig 7-12 M., Blumenkohl 30-40 M. Wandlung zu schaffen? An die Sattlers, Riemer- und Täschnergehilfen Berlins. Kollegen! Soeben geht uns die Nachricht zu, daß in der Werkstatt des Herrn Döring sämmtliche Kollegen, neun Mann an der Zahl, heute, Sonnabend, die Arbeit niederlegen. Wir bitten dringend, den Zuzug fern zu halten; die Gründe werden am Sonnabend Abend in der Versammlung pr. 100 Stüd, Roblrüben 1,50-2,00 per Sentner. Pflanzen. Rosen- Hochstämme 35-55, niedrigveredelte 15-20 M. pr. 100 Stück, Primeln 13-15 M. pr. 100 Stüd. Auktion jeden Dienstag und Freitag um 5 Uhr Nachmittags. Geräucherte und marinirte Fische. Regelmäßige Zufuhren erwünscht. Bratheringe per Faß 1,50-2,25 M. Ruffifche Sardinen 1,50-1,60 M. Rheinlachs 2,50-2,90, Wefer- und bei Gratweil bekannt gemacht. Alle in der Geschirrbranche Ostseelachs 1,20-1,60, Flundern, fleine 2,50-5,00 m., mittel arbeitenden Kollegen werden dringend ersucht, dieser Versamm 7,50-16 M., große 18-27 M., Bücklinge 1,80-4,00 m. per lung beizuwohnen. J. A.: W. Wirths, Nostizſtr. 60. Kleine Mittheilungen. Köln, 23. November. Von den Opfern des Hauseinsturzes an der Roonstraße sind nunmehr vier todt, zwei wurden fo fort getödtet und zwei starben im Hospital. Die anderen drei Berlegten befinden sich noch im Hospital, find aber außer Gefahr. Köln, 23. Nov. Die hiesige Volts= 8tg." meldet: Ein junger Rechtsanwalt war wegen mehrfacher Unterschlagung( man spricht von 40 000 M.), welche er in seiner Eigenschaft als Vermittel 1 M. per Pfd. In Kurzem werden auch in geräucherten 100 Stück. Sprotten 25 bis 35 Pf. per Pfund. Rauchaal Fischen regelmäßig Engrosauktionen abgehalten werden. Eier 3,00 M. pr. Schock. butter 2c. 120-125, feine Tafelbutter I. 110-118, II. 95-108, Butter. Tendenz flau. Preise unverändert. Feine feinfte Tafel 111. fehlerhafte 85 bis 90. Landbutter I. 90-96, 11, 80 bis 85 M. Galizische und andere geringste Sorten 55-72 M. pr. 50 Ko. M Räfe. f. Quadrat Sahnentäse knapp und gut be zahlt. Emmenthaler 70-75, Schweizer I. 56-63, 11, 50-55, III. 42-48, Quadrat- Backstein 1. fett 22-30, II. 12-18 M., walter mehrerer Falliments fich foll zu Schulden haben kommen Limburger I. 30-35, 11. 20-25, Rheinischer Holländer Käfe 3. B. Arbeiterfachvereine, Gewerbe Schiedsgerichte 2c. Der laffen, in Untersuchung gezogen worden. Am Sonnabend sollte 45-58 M., echter Holländer 60-65 M., Edamer 1. 60-70, Berantwortlich für den politischen Theil und Soziales Max Echippel, für Vereine und Versammlungen F. Tukauer, für den übrigen Theil der Beitung R. Cronheim, sämmtlich in Berlin. die Verhaftung erfolgen, welcher der Angeklagte sich indeffen Drud und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. II. 56-58 M. Hierzu eine Beilage. ef di de fic er be re je t Cat RAESSSSSA FREE A t be be TO be นา lu er P fl fo a D 31 Beilage zum Berliner Volksblatt. Nr. 278. Heber Basbeleuchtung etc. erhält die„ Naffauische Volkszeitung" von Herrn Gasdirektor Winter in Wiesbaden folgende alle Gastonsumenten intereffirende Buschrift: Obgleich schon häufig darauf aufmerksam gemacht ist, wie die Gasbeleuchtungs Einrichtungen beschaffen sein sollen, damit der relativ größte Lichteffekt erzielt wird, so dürfte es mit Rüdficht darauf, daß einerseits noch sehr viele mangelhafte Anlagen eristiren und andererseits, daß in letzter Zeit die Petroleumbeleuchtung in einigen Fällen die Gasbeleuchtung verdrängt resp. beschränkt hat, doch zweckmäßig erscheinen, wiederholt diejenigen Punkte in Kürze hervorzuheben, welche in erster Linie bei der Gasbeleuchtung zu beachten sind, damit die lettere den Besitzern die ihr eigenthümlichen großen Vortheile auch in Wirklichkeit voll und ganz bieten kann. In dieser Beziehung tönnen die neuen Betroleumlampen mancher Beziehung als Vorbild hingestellt werden, insofern nämlich, als bei ihnen diejenigen Punkte, welche ein gutes zweckmäßiges Licht bedingen, gebührend berücksichtigt sind. Da ist die einzige Umhüllung der Flamme, der Bylinder, aus hellem durchsichtigen Glas und ein großer Reflektor oder Schirm bewirkt, daß das von der Flamme nach oben ausgestrahlte Licht, welches ohne denselben nur dazu dienen würde, die Decke des betreffenden Raumes in überflüffiger Weise zu beleuchten, nach unten reflektirt wird, also dahin, wo das Licht thatsächlich in der Regel gebraucht wird. in Wie aber liegen im Gegensaß hierzu die Verhältnisse bei der Gasbeleuchtung? Da ist zunächst der Brenner, dessen Wahl und Behand lung zu wenig Beachtung geschenkt wird. Dieser ist häufig, mag er so schlecht sein wie er will, doch noch lange Zeit gut genug und während man nichts darin findet, die Petroleumlampe täglich pugen und reinigen zu müssen, hält man die geringe Mühe, einen Gasbrenner dann und wann auszupußen, wenn nämlich die Flamme zackig brennt, schon oft für zu unbequem oder überflüffig. Wenn dabei freilich immer bedacht würde, daß allein auf solche Weise 10-20 pCt. am Licht verloren gehen können, so dürfte sich auch der Gasbrenner einer etwas größeren Beachtung in der Behandlung zu erfreuen haben, als dies bisher vielfach thatsächlich der Fall ist. Sonnabend, den 27. November 1886. Unter Berücksichtigung der vorhin ausgeführten 3 Punkte ( Brenner, Umhüllung, Reflektor) darf behauptet werden, daß manche Gastonsumenten für ihr bezahltes Geld jest kaum die Hälfte der Lichtmenge erhalten, als der Fall sein würde, wenn fie gute, zweckmäßige Einrichtungen hätten. Daß es unter folchen Umständen und Verhältnissen dem augenblicklich sehr niedrig im Preise stehenden Petroleum verhältnißmäßig leicht gemacht wird, dem an und für sich so bedeutend überlegenen Gaslicht dennoch erhebliche Konkurrenz zu machen, liegt auf der Hand; allein es ist nochmals hervorzuheben, daß die Erfolge dess selben in erster Linie auf die zweckmäßige Einrich tung des Beleuchtungskörper zurückzuführen sind, während diese bei der Gasbeleuchtung so durchaus veraltet sind oder sonst zu wünschen übrig lassen. Es können aber die Einrichtungen für die Gasbeleuchtung mindestens auf dieselbe Höhe gebracht werden wie diejenigen für die Petroleumbeleuchtung und erst nachdem in dieser Richtung die gleiche Zweckmäßigkeit allgemein vorhanden, ist ein Kostenvergleich der beiden Be leuchtungsarten zulässig, wobei dann weiter die so großen Vorzüge des Gaslichts in Bezug auf Einfachheit der Behandlung und Bedienung der gesammlten Einrichtungen, Reinlichkeit, Gefahrlosigkeit u. s. w. gebührend in Betracht zu ziehen wären. Daß hierbei aber stets der Preis des Gases in hervorragendem Maße eine Rolle spielen wird, liegt auf der Hand und da es gleichzeitig im Interesse der städtischen Finanzen liegt, der Gasbeleuchtung eine immer weitere Verbreitung zu sichern, so wird gegenwärtig im Schooße der städtischen Behörden die Frage bezüglich der Herabsetzung des Gaspreises nochmals eingehend erörtert. Vollständig unabhängig hiervon ist jedoch die Verbesserung der so vielfach bestehenden mangelhaften Einrichtungen und um hierzu nach Möglichkeit beizutragen, erklärt sich die Direktion des Gaswerk bereit, auf Antrag jede Einrichtung in Bezug auf Zweckmäßigkeit untersuchen zu lassen und diejenigen Mittel anzugeben, welche geeignet sind, etwaigen Mängeln abzuhelfen. ( Letzteres dürfte sich auch hier empfehlen, wie auch zu wünschen wäre, daß man auch baldigst in unserer städtischen Verwaltung der allseitig geforderten Ermäßigung des Gaspreises näher trete. Red. des ,, Volksbl.".) Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 2. Sigung am 26. November, 2 Uhr. Am Tische des Bundesraths: von Boetticher, von Marschall u. A. Bei den Brotroleumlampen besteht der erforderliche Zylinder. aus helldurchscheinendem Glas, während im Uebrigen alle weiteren überflüffigen Umhüllungen der Flamme fehlen. Wie ist es aber so häufig bei den Gasflammen, bei denen doch, abgesehen von den Rundbrennern, gar keine Umhüllung nöthig ist? Hier sind die Flammen theilweise mit Glocken von Milchglas umgeben, welche nach vorgenommenen Messungen 50 bis Außer den Mittheilungen aus den Berichten der Fabrik 60 pCt. des Lichtes der Flamme absorbiren, sodaß man sich nicht inspektoren pro 1885 in Form von Zusammenstellungen, welche zu wundern braucht, wenn einer solchen geradezu verdeckten Flamme gedruckt sind und allgemein vertheilt werden, werden die Eingegenüber das Licht einer daneben befindlichen guten Bezelberichte in je einem Exemplar für die Mitglieder des Reichszelberichte in je einem Exemplar für die Mitglieder des Reichs froleumlampe als hell erscheint, zumal, wenn in einer tags zur Einsicht offen gelegt. Eingegangen find ferner die folchen Glaskapsel auch noch eine schlecht geformte Flamme Darlegungen betreffend die auf Grund des§ 28 des SoziaSteden sollte, deren Fehler eben in Folge der Undurchsichtigkeit listengeseges in Berlin und Hamburg nestb Umgegend getroffenen Des Mantels nicht in die Augen fallen. Bei einem abendMaßregeln. lichen Rundgang durch die Stadt sind derartige geradezu lichtverschluckende Mäntel in Menge zu finden und sind es auch am ehesten dieser solcher Beleuchtungseinrichtungen, welche sich von der Gasbeleuchtung ab- und der Petroleumbeleuchtung zuwenden. Also fort mit diesen lichtraubenden Glocken und Schalen, soweit nicht besondere Verhältnisse in einzelnen Fällen eine Abs weichung erfordern! Sollte es aus irgend welchem Grunde durchaus nothwendig sein, Gloden onzubringen, o dürfen dazu nur solche aus ganz hellem oder doch stark durchscheinendem Glas verwandt werden. Ginen wie großen Faktor ein zweckmäßiger Reflektor bei der Beleleuchtung bildet, darüber ist bereits Einiges bemerkt und wird hierauf auch bei den Petroleumlampen der größte Werth gelegt; sieht man doch Reflektoren bis zu 80 nnd mehr Bentimeter Durchmeffer. Bei der Gasbeleuchtung, speziell den offenen Flammen, ist von derartigen Einrichtungen wenig oder gar keine Rede, obgleich durch deren Anwendung ein Effekt zu erzielen ist, der am besten gerade nach den Petroleumlampen beurtheilt werden tann, indem man deren Lichtwirkung einmal mit und ein an deres Mal ohne Reflektor vergleicht. Ein solcher Versuch ist leicht mit jeder Zimmerlampe anzustellen. Was in dieser Weise as ist, ist auch für alle Lichtquellen zutreffend; für die Gasbeleuchtung, wie überhaupt wenn auch nicht in Abrede gestellt werden kann, daß ein solcher Reflektor Gasflamme, infolge der bei einer auszuhalten 10 mehr flamme, ist hat, das größeren ize als bei einer Petroleum Grund, doch kein genügender von einer Verwendung in der Regel vollständig abzusehen." Der Stein am Moor. Von Erwin Bauer. [ Nachdruck verboten.] ( Fortsetzung und Schluß.) Ich that es und ging. Ich wanderte nach Süden, in die Länder der Schönheit, der Heimstätte der Künste. Was schön ist, ist auch stets gut und edel!" hatte meine Mutter einst gesagt. Edel, gut und schön mußte die Natur sein, Seit dem Schluß der letzten Session ist der Abg. Rose, Vertreter des 8. Wahlkreises des Reg.- Bez. Königsberg, Mits glied der konservativen Partei, verstorben. Das Haus ehrt sein Andenken in der üblichen Weise. Der Namensaufruf ergiebt die Anwesenheit von 230 Mits gliedern. Das Haus ist also beschlußfähig. Darauf schreitet das Haus zur Präsidentenwahl. Abg. Windthorst: Zur Abkürzung der Geschäfte beantrage ich, unser altes Präsidium mit den Schriftführern per Afflamation wiederzuwählen. Ich glaube damit den Anschauungen und Wünschen des ganzen Hauses zu entsprechen. ( Beifall.) Da ein Widerspruch gegen diesen Wahlmodus nicht erfolgt, so erklärt der Präsident Abg. v. Wedell- Piesdorf sich zum ersten Präsidenten, die Abgg. Frhrn. v. Frandenstein und hoffmann zu Vizepräsidenten des Reichstags gewählt. Präfident v. Wedell- Piesdorf: Ich nehme die Wahl, welche Sie die Güte gehabt haben, auf mich zu lenken, mit Dank an und danke Ihnen besonders für den Beweis von Vertrauen, den Sie mir hierdurch aufs Neue gegeben haben. Von dem Tage an, wo ich die Ehre gehabt habe, Präfident dieses Hauses zu sein, ist es mein vornehmstes Bestreben gewesen, die strengste Gerechtigkeit zu üben, und es wird dies auch in der bevorstehenden Session die Richtschnur meines Handelns sein. Sollte ich in dieser Beziehung Fehler begehen, so bitte ich Sie, wenigstens überzeugt zu sein, daß es an meinem guten Willen nicht gefehlt hat, und deshalb Nachsicht üben. ich zu die Zugleich bitte Sie, wohlwollende Unterstüßung, welche ich in der vorigen .. „ Ich malte sie eifrig, mit Hast, um die Eingebung, die sie mir lieh, nicht zu verlieren. Hast Du erst den Genius gestaltet, dann muß Dein Bild im Fluge entstehen! so raunte mir mein Verstand zu, und ich arbeitete rastlos, fieberhaft D, Theodora! Ihre entzückenden Formen verwirrten meine Sinne; nicht selten stockte mein Pinsel; mir ward schwarz vor den Augen das Herz siegte über den Verstand, und ich lag anbetend vor ihr auf den Knieen!. Eine namenlose Angst erfaßte mich ich fürchtete, ich könnte sie verlieren, ehe ich mein Werk vollendet, wie ich mich vor mir selbst entschuldigte, weil ich sie strafte! Ja, ich liebte sie heiß und innig, wie ein unverdorbenes Gemüth seine erste Liebe, wie ein begeisterter Künstler sein Ideal!. denken, die mich begeistern sollten, mein Bild zu vollenden, liebte, ohne sie nicht mehr leben zu können vermeinte, wie prägen, es zu einem Triumphe des Erhabenen zu stempeln! strafte! Ich Narr! Ich fand das Schöne, aber es war nur ein lichter Mantel, den Gemeinheit und Schmutz um die üppigen Lenden, um die Nacktheit des Aeußeren und die Hohlheit des Inneren geschlagen!.... Fluch Dir, falsches Weib! Deine schöne Hülle trog mein Auge über Deinen inneren Unwerth, wie Deine " Theodora! O, Theodora! Ein Geschenk der gleißnerischen Worte und Flammenküsse mein Herz und meine ewigen Gottheit erschienst Du mir, als Du im unsterblichen Sinne trogen!" Nom in mein Atelier tratst, als Du zu mir kamst, der ich flagte, und meine Sinne, meine Seele gefangen nahmst! Gehirn! Kannst Du den über den Wirrnissen und Dunkel- Finsterniß. Der Maler richtete sich auf und preßte zornig die geballte Faust an die wild rollenden Augen. 11° Weh', Theodora!" gellte es anklagend durch die , Sie war eine Dirne, in deren Falle ich arglos ge= rathen!... Ich schrie zum Himmel! Gott, warum gabst Du mir eine Seele, die nach dem Höchsten ringt, und zeigst mir zugleich, daß Deine schönsten Schöpfungen Lug und Das Schöne ist nur Schein! rief ich, als ich vor ihrem Bilde, meiner Schöpfung, stand, um Abschied zu 3. Jahrg. | Seffion gefunden, mir auch in der bevorstehenden zu Theil werden zu lassen; denn ich weiß nur zu gut, daß es mir nur dadurch möglich sein wird, die Geschäfte so zu führen, wie Sie es zu fordern berechtigt find.( Beifall.) Abg. Frhr. v. Franckenstein: Ich danke Ihnen ver bindlichst für meine Wahl zum Vizepräsidenten. Ich nehme dieselbe an und bitte Sie auch für diese Session um Ihr Bertrauen und Ihre Nachficht. Abg. Hoffmann: Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihr Vertrauen und erkläre die Annahme der Wahl. Auf Antrag des Abgeordneten Windthorst werden zu Schriftführern gewählt die Abgeordneten Bürklin, Eysoldt, Hermes, Graf v. Kleist, v. Kulmiz, Porsch, Graf Schönborn und Wichmann. Bu Quästoren ernennt der Präsident die Abg. Kochann und Franke. Der Reichstag ist hiermit fonſtituirt. Schluß 3 Uhr. Nächste Sigung Dienstag 12 Uhr. ( Erste Lesung des Etats und des Anleihegesetzes). Kommunales. * Die neue Bauordnung. Im Auftrage des Ministers der öffentlichen Arbeiten hat das Polizeipräsidium bekanntlich den Magistrat davon benachrichtigt, daß der Entwurf der neuen Bauordnung für Berlin nicht mehr der StadtverordnetenVersammlung vorzulegen sei, da dieselbe nach der Städteordnung ein Recht zu dieser Forderung nicht habe. Der Magistrat hat beschlossen, dieses Schreiben der Stadtverordneten- Bersamm lung zur Kenntnißnahme zu übersenden. * Zur Errichtung einer Markthalle im Osten der Stadt hat der Magistrat auf Vorschlag der gemischten Depu tation für die Aufstellung eines Generalplanes zur Versorgung der Stadt Berlin mit Markthallen 2c. beschlossen, die Grundstücke Andreasstr. 56, Krautstr. 48a und Grüner Weg 95, an zulaufen, welche einen zusammenhängenden Kompler bilden. Vom Grünen Weg aus wird der Zugang zu der Markthalle lediglich für Fußgänger hergestellt werden, während der Zu gang von der Krautstraße und Andreasstraße hauptsächlich dem Wagenverkehr dienen soll. Der Kaufpreis ist auf 95 000 M. festgesetzt. Der Magistrat wird der Stadtverordneten- Ver fammlung eine hierauf bezügliche Vorlage zur Genehmigung zu gehen laffen. * Beerdigung hingerichteter Verbrecher. Die Leiche des hierselbst im Bellengefängniß hingerichteten Mörders Matuschat war bekanntlich auf Anordnung der Justizbehörde auf dem städtischen Friedhofe zu Friedrichsberg beerdigt wor den, da der Begräbnißplaz neben dem Bellengefängniß gefüllt ist. Auf die hiergegen vom Magistrat beim föniglichen Justizministerium erhobenen Beschwerde, hat derselbe dahin entschie den, daß in Zukunft die Leichen der Hingerichteten auf dem Begräbnißplage der Gefängnißanstalt zu Plößensee beerdigt werden sollen. Der Raubmörder Keller ist dieser neuen Anordnung gemäß dort bereits beerdigt. Lokales. Das herannahende Weihnachtsfest nimmt trop aller sonstigen hervorragenden Ereignisse doch die allgemeine Auf merksamkeit in Anspruch und die Vorboten seines nahen Er scheinens mehren sich in unverkennbarer Weise. Freunde fesseln der Lektüre, welche mit Eifer und Vorliebe die amtlichen Be tanntmachungen studiren, werden gewiß angenehm überrascht gewesen sein, als sie vor wenigen Tagen die von Amts wegen erlaffene polizeiliche Bekanntmachung fanden, daß der Weihnachtsmarkt diesmal richtig wieder am 11. Dezember beginnen wird u. s. w. Doch die liebe Weihnachtszeit ist ja nun einmal die Beit der Ueberraschungen und so darf man sich denn auch nicht wundern, wenn die Berliner Stadtväter ihren lieben Berliner Stadtkindern eine Ueberraschung zugedacht haben, welche die väterliche Fürsorge der ersteren in das glänzendſte Licht stellt und die letteren veranlaßt, dem Beispiele der Einschätzungskommissionsmitglieder zu folgen und die ersteren um einige Stufen höher fortan zu schäßen. Da mit der Schließung der verschiedenen Wochenmärkte natürlich auch alle anderen Märkte in Fortfall gekommen sind, so würde es um einen großen Theil des Berliner Weihnachtsmarktes geschehen gewesen. sein, wenn nicht das Kuratorium der städtischen Zentral- Markthalle in bekannter Liebenswürdigkeit sich bereit gefunden hätte, dem bedrohten Theile des Weihnachtsmarktes auf der Galerie der Zentral- Markthalle ein beschauliches, vor Wind und Wetter geschüßtes Asyl für Obdachlose anzubieten, eine geniale Jdee, für die, wie gesagt, die Berliner nicht dankbar genug fönnen. Denn bekanntlich fein erschallt schon seit längerer Zeit das Unkengeschrei, welches den Weihnachtseinem Pinselstriche löschte ich das Antlig meines Genius und ging. 0 nein! Ich habe gleich Ahasver die Welt durchwandert. Ich suchte das Schöne und ich fand es oft, schillernd und gleißend, und ich dachte, es sei Gold! Aber es war nirgends echt Flitter um die nackte Häßlichkeit, bei Mensch und Thier, bei Pflanze und Stein, allüberall in der Natur in der Welt!. Was war es, das mich dennoch abhielt, den Wanderstab fortzuschleudern und mich gleich meinem Ahn von steiler Felswand zu stürzen Die Lust am Leben? Nein Die Hoffnung? Vielleicht ich weiß es nicht Ich weiß nur, daß jedesmal, wenn ich, der Wanderschaft müde, ihr ein gewaltsames Ende machen wollte, meine Mutter vor mir stand, die Hand abwehrend erhoben, und ihre liebe Stimme tröstend sagte:„ Geduld, mein Hans, Gebuld!" - Geduld! O, ich habe sie gehabt Menschenalter lang!... Und nicht umsonst weiß jetzt, wohin ich muß!" ein ich Er erhob sich und richtete sein Haupt stolz empor. Der Hut war ihm vom Kopfe gerollt und lag auf dem Steine. Wirr hingen die lockigen Haare um die hohe Stirn, und weit geöffnet stierten die fieberhaft glänzenden, irren Augen in ben Nebel des Moores. Die Arme weit von sich gestreckt, sprach er weiter, bald heftig und abgebrochen bald eintönig klagend- und dann wieder zornig aufschreiend- wie im krankhaften Schlafe: Ich weiß, wohin ich soll! ein Ein alter Mann Weiser- hat mir gesagt, wo ich finde, was ich suche -wohin ich gehöre! Es war an den Ufern des Mississippi, wo ich ihn traf, den greifen Jäger. Ich war und ich erzählte ihm meine Geschichte. Er schüttelte sein Haupt und gestalten, als wenn Du ihm die Formen des schönsten aller Weiber giebst, wenn Du seinem Antlig die Hoheit und Reine einer edelen Frau verleihst?... jubelte: Theodora! Mein Herz flammte auf, und wachend Trug?! ... Meine Seele Nacht flüsterten meine Lippen ihren Namen. D, Theo- nehmen. Mutter, Dein liebevolles Herz hat Dich belogen! zum Sterben müde, er fragte, warum? Schön heißt nicht zugleich gut und edel! Und mit • markt abgeschafft haben will. Eine Verlegung ist ja thatsüchlich auch schon durchgesetzt, und jetzt hätte sich die schönste Gelegenheit geboten, einen Theil des Weihnachts- Marktes abzubröckeln, wie von den alten privilegirten Volks- rechten ein Stück nach dem andern abgebröckelt wird, bis schließlich von dem Vorhandengewcsenen kein Atom mehr übrig bleibt. So wäre es schließlich auch mit dem Weihnachtsmaikte gegangen, wenn nicht dem ein Riegel vorgeschoben worden wäre dadurch, daß der obdachlose Weihnachtsmarkt auf der Galerie der Zcntralniarkthalle untergebracht werden soll, gleichwie man alterthümliche Merkwürdigkeiten im Märkischen Museum unter- zubringen pflegt. Es läßt sich nicht verkennen, daß die Zentral- niarkthalle von Berlin ein durchaus passender Ort für derartige Unternehmungen ist und daß dieselben vollauf in den Rahmen einer Markthalle passen und es ist auch nicht zu zweifeln, daß der Weihnachtsmarkt dort oben ausgezeichnet prospcriren wird und daß die Händler mit den Verdiensten, die sie dort oben erzielen werden, überaus zufrieden sein werden und daß die- selben das Verdienst des Markthallen- Kuratoriums noch bei Weitem überragen werden; haben doch die bisherigen Galerie- bewohner brillante Geschäfte gemacht. Vielleicht könnte man auf dem eingeschlagenen Wege noch weiter gehen und für den Sommer der Berliner Vogelwiese auf der Galerie der Zentral- Markthalle ein trautes Heim bereiten, der Berliner Vogelwiese, deren Schicksal dem des Weihnachtsmarktes gleicht, indem auch sie heftig angefeindet und überall von der Stelle wieder verjagt wird, auf der sie sich häuslich eingerichtet hat. Doch ein Jeder will Geschäfte machen, namentlich zur Weihnachtszeit und derZwcck heiligt bekanntlich die Mittel und eins der beliebtesten Mittel sind die Ausstellungen. Es wird häufig Klage darüber geführt, daß Berlin hinsichtlich der Ausstellungen zu sehr vernachlässigt wird. Nun, in der Weihnachtszeit ist diese Klage hinfällig, denn die Ausstellungen wachsen wie Pilze aus der Erde, die bekannten sogenannten„Weihnachts-Ausstellungcn", welche große und kleine Geschäftsleute zu arrangiren für gut befinden und die praktische Illustrationen zu den ebenso bekannten„Weih- nachtswanderungen" bilden, welche sich mit regelmäßiger Pünkt- lichkeit vor Weihnachten in den Spalten verschiedener Tages- blütter einzustellen pflegen. Alle Vortheile gelten bekanntlich und so stellen sich den„Weihnachts-Ausstellungcn" die„Weih- uachts-Ausverkäufe" zu„bedeutend herabgesetzten" Preisen wür- dig an die Seite, wenngleich es noch zweifelhaft ist, auf wessen Seite hier der Vortheil liegt. Weniger zweifelhaft ist dies bei den„Weihnachtsbazaren", welche um die jetzige Zeit wieder ihre gastlichen Pforten zu öffnen beginnen und in denen „destinguirte" Persönlichkeiten im Dienste der Humanität golde- uen Lohn erwerben. Alle diese Dinge sind ebenso untrügliche Anzeichen, wie die„Stadtreisenden", die sich gleich einem Heu- schreckenschwann zum Schrecken der Geschäftsinhaber einstellen, die Weihnachtsartikel führen, wie die„Straßenhändler", die Weihnachtsartikel feilhalten, wie die zunehmende Arbeitslosigkeit in gewissen Arbeitsbranchen, dafür, daß das Weihnachtsfest naht und daß die allgemeine AufmerkfUmkeit demselben zugewendet ist. Möge daher das Weihnachtsfcst diese Artigkeit erwidern und sich ebenso aufmerksam erweisen, indem es alle an dasselbe geknüpften Wünsche und Hoffnungen erfüllt. Doch dies wird, wie immer, auch diesmal schwerlich der Fall sein. Den Arbeitern und Gewerbetreibenden ist zu ihrer Aufklärung über das Wesen der öffentlichen Unfallversicherung und die aus derselben ihnen erwachsenen Rechte und Pflichten die Anschaffung des in Franz Vahlen's Verlag hier erschienenen Büchleins:„Wegweiser zum Unfallverflchcrungsgesey für gewerb- liche Unternehmer, insbesondere für Mitglieder der Berufs- genoffenschaften. Von H. Grieben, Genossenschafts-Syndikus", sehr zu empfehlen, und zwar den Arbeitern hauptsächlich deshalb, weil sie durch dasselbe Aufschluß erhalten über ihre Entschädi- gungsbcrechtigung für Betriebsunfälle und über Alles, was sie zur Geltendmachung derselben zu thun haben, wozu die vom Verfasser beigefügten Musterschemas für Berufungen bei den Schiedsgerichten jc. eine bequeme und Kosten ersparende Hand- habe bieten. Da viele Unternehmer, deren Betriebe versicherungs- pflichtig sind, theils aus Unkenntniß der gesetzlichen Bcstim- mungen, theils um sich der Beitragspflicht zu entziehen, die Anmeldung ihres Betriehes unterlassen, so ist es auch für die Arbeiter ganz besonders wichtig, die Merkmale zu kennen, durch welche die Versicherungspflichtigkeit der Betriebe bedingt wird, damit sie, wenn sie in einem versicherungspflichtigen, aber noch nicht an eine Berufsgenossenschaft überwiesenen Betriebe von einem Unfälle betroffen werden, die inr§ 59 Abs. 4 des Unfall» Versicherungsgesetzes vorgesehenen Schritte thun können, um ihre Unfallentschüdigung durchzusetzen. Auch zur Erlangung dieser Kenntniß bietet das Büchlein den Arbeitern die Gelegenheit. Der nräßige Preis von l Mark erleichtert dessen Anschaffung, zu welcher sich ja überdies mehrere Personen oder ganze Werl- stätten vereinigen können. Die„Gewinner" der Berliner Jnbiläums-Aus- stellungs-Lotterie finden vielleicht darin einen Trost, daß es, wie die„T. R." mittheilt, ihren Genossen von der Amster- damer Kolonial-Ausstcllungs-Lotterie noch viel schlechter er- gangen ist. Mitten in der Ziehung wurde nämlich die Ge- sellschaft für bankerott erklärt, die angekauften Gewinne wurden mit Beschlag belegt und verkauft. Die Loosinhaber haben das Nachsehen, die Gläubiger erhalten 30 pCt. und die ganze Lotterie erhält ein Nachspiel vor dem Strafrichter. Die Ver- waltungsräthe sind sämmtlich angeklagt worden. Haussuchung. Am Donnerstag, den 25. November, wurde bei dem Maurer W- F., Bandelstraße Nr. 14, nach verbotenen Schriften gchaussucht. Ein Resultat wurde nicht erzielt. wies auf die weite Sumpflandschaft hin, die vor uns lag. ——„Seht," sagte er,—„so ist die Welt! Ich habe sie erkannt und seitdem meine Ruhe gefunden. Gleich Euch war ich in der Jugend ein Thor. Ich glaubte, es gäbe eine Aufgabe zu erfüllen, die den Menschen hoch emportrage— bis zu der Sonne, zu den ewigen Gestirnen! Das ist nicht wahr! Ich habe es rascher begriffen als Ihr, obgleich ich we- niger erlebt. Die Welt ist ein Sumpf: sie sieht herrlich aus im Sonnenlichte; wunderbare Blumen unv Gräser schwimmen auf ihrer Oberfläche, aber sie trägt keinen Baum, der in den Himmel wächst! Wer vom Schicksal in sie gesetzt ist und sich begnügt, wie die Menge, hier und da eine Blüthe zu brechen,— der lebt glücklich und zufrieden, bis ihn die Tiefe verschlingt. Wer sich aber— in dunkelen, nebeligen Nächten, durch das lockende Licht der tanzenden Irrwische verführt— trotzig vermißt, sich hoch aufzurichten, der verliert den Boden unter den Füßen und kämpft— und kämpft— bis die grünen Wogen über seinem Haupte zu- sammenschlagen!... Anner Ikarus! Lege die Flügel bei Seite, ehe das Wachs schmilzt und Du rettungslos herab- stürzt!... Du willst die Welt malen, wie sie ist? Gut denn— male einen Sumpf, auf dem �die Geister der wenigen Edelen als Irrlichter über der Tiefe tanzen, die ihre Leiber verschlungen,— und Du hast Deine Aufgabe gelöst! Eine ideale Höhe giebt es nicht— nur der Abgrund ist ewig!"——— „Ja, so sprach der Jäger, warf sein Gewehr um und ging. Lange lag ich, bleich und stumm, am Ufer des ge- waltigen Stromes. Da stieg mir das Bild meiner Heimath in der Erinnerung auf— das unendliche Moor— der alte Stein an seiner Grenze.--- Ich Narr! Ich hatte die Erde durchstreift, um das zu suchen, was das Geschick an meine Wiege gestellt!... Ein unwiderstehliches Sehnen ergriff mich nach Hause— zum alten Moor! Noch ein- Eine große Wählerversammluna soll seitens der deutsch- freifinnigen Partei nächsten Sonntag, Vormittags 11 Uhr, im Wintergarten des Zentralhotels stattfinden. Als Redner sind Klotz, Richter und Träger in Aussicht genommen. Vielleicht gelingt es auch den Arbeitern, sich an der Diskusston zu betheiligen, da sie sonst keine Gelegenheit haben, zum Worte zu kommen. Das Patentamt ist diejenige Behörde, welche mit dem größten Blödsinn behelligt wird. Seine Akten werden einmal eine Fundgrube für die Geschichte der fixen Ideen bilden. So lautet z. B. ein Patentgcsuch auf„Verbrennung der Leichen im oder am Himmel, indem die Leichen durch Luftballons gehoben und in den Lüften durch Elektrizität verbrannt werden sollen". Die von der Schuljugend betriebenen Kriegsspiele, auf deren gefahrbringende Ausartung schon hingewiesen wurde, haben in den letzten Tagen abermals blutige Folgen gehabt. Bei einem zwischen verschiedenen Parteien in der Umgebung des Humboldtbains stattgefundenen Treffen wurden zwei Knaben, Namens Weiß und Rohr, so gefährlich verletzt, daß sie von ihren Eltern in ärztliche Behandlung gegeben werden mußten. Diese ernsteren Fälle haben der Polizeibehörde Veranlassung gegeben, mit den Rektoren der Gemcindcschulen über die geeigneten Mittel zu berathen, wodurch solchen Vorkommnissen in Zukunft vorgebeugt werden kann. Da die Eltern für jeden von den Knaben verübten Unfug einzustehen haben, so ist den- selben zu rathen, ihren Pflegebefohlenen die Theilnahme an solchen rothen Spielen aufs Strengste zu untersagen. Berliner Modegcwohnheiten persiftirend, schreibt man der„Wiener Allg. Ztg.":„Fm Gefolge der Nachahmung„alt- deutscher" Bauten,„altdeutsches Wohnungseinrichtungen und Trachten grassirt in Berlin, wie uns von dort gemeldet wird, die Sucht, jede in die Augen springende Stelle in Wohnungen oder Restaurationen mit allerlei Sinnsprüchen zu schmücken. Vom Rathhauskeller bis zum Spatenbräu existirt kein neues Bierlokal, dessen Wände nicht mit längeren oder kürzeren Sprüchen bedeckt find, von denen das bekannteste lautet:„Die alten Deutschen tranken immer noch eins." Von dieser Stätte des Gambrinus aus hat sich auch die Sitte verbreitet, in Tischtücher oder Ser- viettcn die Worte zu sticken:„Willkommen!" oder:„Guten Appetit!" Jetzt ist die Mode noch einen Schritt weiter gegangen. In die Bettüberzüge, Laken und Kopfpolster wird der Wunsch eingestickt:„Gute Nacht!"»Schlafe wohl!" Da es aber in der Nacht dunkel ist und diese Wünsche nicht recht zur Geltung ge- langen, so ist man auf die Idee verfallen, die Stickerei— mit leuchtenden Farben anzustreichen, damit die Worte den: in der Nacht Erwachenden oder sich unruhig Umhcrwälzenden sofort tröstend in die Augen fallen. Aber selbst für den Fall, daß diese Methode sich nicht bewähren sollte, hat man bereits Ersatz gefunden. In den Schaufenstern prangt ein Automat, entsprechend dem Vorbilde an verschiedenen altdeutschen Turm- uhrcn, der in der Nacht aufgezogen wird und fromme oder pro- fane Lieder, besonders das„Nachtwächterlicd", spielt. Es be- darf nur des Anstoßes von einer bemerkbaren Seite und diese lärmenden Automaten werden bald auf jedem Nachtkästchen als Beschützer unserer Nachtruhe in Aktion treten." Na, na! Die Diebe— anscheinend Berliner Verbrecher— welche seit längerer Zeit in den benachbarten Orten Friedenau, Steg- litz, Zchlcndorf sc. Einbrüche verüben, ohne daß es bisher ge- lungen wäre, sie festzunehmen, setzen iihre Raubzüge fort. So wurde in der vergangenen Nacht in dem benachbarten Mariendorf bei dem dortigen Mühlcnbesitzer Tittmann ein überaus frecher Einbruchsdiebstahl ausgeführt; außer einer schweren gol- denen Uhr mit Kette sowie einem Pelz, wurde eine größere Summe Geldes, ca. 900 M., gestohlen, welche D- erst am Abend vorher aus Berlin für verkauften Roggen mitgebracht hatte. Die Diebe, welche sich allem Anschein nach bereits am Abend in die Wohnung eingeschlichen hatten, versteckten sich in einem Kleiderschrank und verließen diesen erst, als sämmtliche Familienmitglieder sich im tiefen Schlaf befanden. Nachdem sie die vorgenannten Gegenstände an sich genommen, erbrachen sie die Ladenkasse mittelst eines Brecheisens und leerten diese. Um bei einem Erwachen eines der Schlafenden nicht erkannt zu werden, hatten die Diebe die im Schlafzimmer brennende Nachtlampe ausgelöscht. Nachdem einer von ihnen sich noch die Schuhe des Mühlenbesitzers D- angezogen hatte, entfernten sie sich durch Hinausstcigen aus den nach der Straße führenden Fenstern. Von den Dieben ist ein Brecheisen und ein Paar Stiefel vergessen worden, welche vielleicht auf die Spur der Thäter führen werden. Die Stiefel haben keine Hacken und da bei dem Bäcker W. in Mariendorf kurz vorher ein Mann war, der ein Paar derartige Schuhe trug, so wurden diese Stiefel dem Bäcker W. sofort vorgezeigt und von dem- selben mit Bestimmtheit als Eigcnthum jenes Mannes re- kognoszirt. Es dürfte daher bald gelingen, der Thäter habhaft zu werden. Ein gefährlicher Sozius. Am Montag erschien bei einem hiesigen im Zentrum der Stadt wohnenden Fabrikanten dessen Assozis, ein sogenannter„Gcldmann", und zwang ihn, indem er einen Revolver gegen ihn zog, ein Schriftstück zu unterschreiben, welches ihn, den Assozi�, für jetzt und alle Zu- kunft der Verpflichtungen, die er der Handelsfirma seines Sozius gegenüber eingegangen war, enthob. Tie Sache ist der Be- Hörde unterbreitet und die Voruntersuchung eingeleitet worden. Einen gewaltigen Sprung riskirte gestern Nacht nach 2 Uhr der Kaufmann Sch. aus dem Fenster seiner im zweiten Stock des Hauses Annenstraße 2 belegenen Wohnung- Sch. sprang durch die obere Scheibe des Fensters, die Hände über den Kopf zusammenhaltend. Schwerverletzt wurde Sch-, welcher mal wollte ich ihn sehen, wollte die Birkenstämmchen schauen, die vergeblich emporzuwachsen streben— ein Bild meiner selbst, meines Daseins!... Rastlos wanderte ich heim— über das ewige Meer— durch blühende Städte— durch Wälder und Thäler... Wie sie mich anwiderten! Alles Schein, Alles Lug und Trug!" Der Maler wurde unruhig; sein Gesicht nahm emen ängstlichen Ausdruck an; die Worte entflohen hastig seinen Lippen. „Sie wollten mich überall zurückhalten— die falschen Menschen—— sie sagten, ich sei krank, die Thoren! Mögen sie sich mit der Oberfläche begnügen—— ich will hinab— zu den Edelen, um gleich ihnen leichtbeschwingt und allwissend zurückzukehren———— Ha! rief mich da nicht Jemanv?!".... Er beugte sich weit vor, über den Rand des Moores, am Stein vorüber. Der Mantel löste sich und fiel von den Schultern. Die Augen funkelten unheimlich und spähten in die Finsterniß hinaus. Da— es blitzte wie ein Licht auf— hier und da— und da, bald in weiter Ferne, bald näher und näher, ganz nahe kommend und dann tanzend und hüpfend und lockend weiterfliehend. „Ich komme!" rief in ausbrechendem Wahnsinn der Maler.„Ich komme! Ihr ruft mich, Geister der Aus- erwählten! Zu Euch gehöre ich, die Ihr über dem Sumpfe des Lebens ein ewiges Dasein führt!.... Horch! Da rief es wieder: Hans! Hans!--- Ich komme— ich komme!"——— Und fssten Schrittes, mit ausgestreckten Armen schritt die Gestalt den Irrwischen nach, die vor ihr hinschwebten— weiter und weiter— verschwindend und wieder auftauchend. Der Nebel umhüllte den schwankenden Mann, seine Gestalt wuchs und wuchs— riesengroß— und verschwamm in Nebel und Wolken.--— Plötzlich unterbrach die Stille sich den rechten Fuß und die Arme gebrochen hatte, nach Bethanien geschafft. Die That scheint in einem Anfall von Wahnsinn stattgefunden zu haben; er litt seit kurzer Zeit an Schwermuth. Eine Ueberraschung ist den Besitzem von Tanz- und Balllokalen geworden. Das Polizeipräsidium hat, wie der „Rat. Ztg." geschrieben wird, die Verfügung erlassen, daß die Tanzkonzessionen bis auf 2 Uhr des Nachts ausgedehnt werden können. Selbstredend sind gewisse Ausnahmen mit embegriffen, die sich jedoch nur auf diejenigen Lokalitäten beziehen, welche einer verschärften Kontrole seitens der Polizeiorgane unterworfen find oder aber solche, in denen Ruhestörungen beretts des Oefteren vorgekommen sind. Der größeren Mehrzahl der Be- sitzer von Tanzlokalen ist durch diesen neuesten Erlaß eine ganz besondere Wohlthat erwiesen, die dazu angethan ist, die Verhält- nisse derselben wesentlich aufzubessern. Gleichzeitig verlautet, daß hingegen die Nachtkonzesstonen der Wiener CasS's bedeutend eingeschränkt werden sollen. Polizei- Bericht. Am 25. d. Mts. Vormittags brach am Halleschen Thor eine etwa 35 Jahre alte, anscheinend dem Arbeiterstande angehörige Frau auf der Sttaße plötzlich zu- sammen und verstarb während der Ucberführung nach der Eha- ritee in der Droschke.— Um dieselbe Zeit entstand in einer Wohnung des Hauses Linienstt. Nr. 133 Feuer, wahrscheinlich dadurch, daß eines der in derselben allein gelassenen Kinder mit Stteichhölzern gespielt bat. Die rechtzeitig herbeigerufene Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit.— Gegen Abend wurden in der Alexanderstraße der Ardeiter Schneider und in der Schönhauser Allee ein unbekannter etwa 20 Jahre alter Mann bewußtlos und augenscheinlich krank auf der Straße liegend vorgefunden und beide nach dem Krankenhause im Friedrichs» Hain gebracht.— Abends erschoß sich in einem Hotel in der Charlottenstraße ein Mann, wahrscheinlich wegen gänzlicher Mittellosigkeit. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— In der Nacht zum 26. ds. Ms. sprang ein Manu, anscheinend in Folge von Geistesstörung, aus vcm Fenster seiner in der Annenstraßc 3 Treppen hoch belegenen Wohnung auf den Hof hinab und erlitt dadurch so schwere Verletzungen, daß er mittelst Krankenwagens nach Bethanien gebracht wer- den mußte._ Gerichts-Zeitung. ff'Die sogenannte„Buchmacherei" unterliegt ebenso wie das Spiel in auswärtigen Lotterien mit derselben, dem Laien allerdings unverständlichen Logik zur Zeit immer noch der straf- rechtlichen Erörterung, trotzdem der wiedererstandene Totalisator auf den Rennplätzen von Jedem, der das dazu erforderliche Kleingeld besitzt, nach Belieben, gegebenen Falls auch gewerbs- mäßig im Wettspiel ausgenützt werden kann. Bei Anwendung des§ 285 R.-Str.-G-Ä. scheint jedoch eine den bemittelteren Sportsmen nicht ungünstige Auffassung Platz gegriffen zu haben; denn es wird seitens der zuständigen Gerichte bei Be- antwortung der Frage, ob gewerbsmäßig oder nur zum Ver» gnügen Wetten abgeschlossen worden sind, in erster Reihe die soziale Stellung des wegen Buchmacherei angeklagten Wett- spielers in Bettacht gezogen und erwogen, ob der Angeklagte bemittelt genug sei, um den Luxus des Wettens sich ge» statten zu können. Ein derartiger Fall unterlag gestern der Strafkammer des Landgerichts 0. Der Kaufmann und Agent Leopold Simon sowie die Kaufleute David Bukofzer und Karl Cohn waren im März d. I. wegen ge- werbsmäßigen Glücksspiels von der Sttafkammer des Landge- richts II verurthcilt worden und zwar Bukofzer zu 14 Tagen Gefängniß und 500 M. Geldbuße, Cohn zu 1 Woche Gesäng' niß und 300 M. und Simon ebenfalls zu 1 Woche Gefängniß- Auf der Charlottenburger Rennbahn hatten sie in der Zeit vom April bis Oktober 85 wiederholt Wetten abgeschlossen.— Das Reichsgericht hob in der Rcvistonsinstanz das obige Urtheil auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an Strafkammer des Landgerichts II. Auf Grund der erneuert» Beweisaufnahme erachtete der Gerichtshof nur den Angeklagte« Simon des gewerbsmäßigen Glücksspiels für schuldig und er» kannte, wie zuvor, gegen denselben auf 1 Woche Gefängniß, denn Simon vermochte nicht den Nachweis zu führen, daß ihm zum Wetten vergnügungshalber seine soziale Stellung die Mittel gewährt, wie solches im Gegcntheil der Gerichtshof als erwiesen annahm bei den Mitangeklagten Bukofzer und Cohn; demgemäß erkannte der Gerichtshof bezüglich drt beiden Letztgenannten auf Freisprechung. t Unter der Anklage der fahrlässigen Körperver- letzung stand gestern der Eigenthümer Louis Guttmann vor der ersten Sttafkammer des hiesigen Landgerichts>. Die Frau des Angeklagten besitzt das Haus Ackerstt. 175, das von ihrem Manne verwaltet wird. Am 1. April d. I. bezog der Stein- brucker Heise mit seiner Familie eine kleine Wohnung in diesem Hause, die nur aus einer Stube bestand. Man fand vor dem Kachelofen die Trümmer eines eisernen Ofens liegen und man beschloß, um Fcuermaterial zu sparen, dem Beispiel des früheren Micthers zu folgen. So machte sich Herr Heise daran unv richtete einen eisernen Ofen, den er besaß und mitgebracht hatte, auf; er verband ihn durch eine Röhre, die in das Feuerlow führte, mit dem Kachelofen und verklebte sorgfältig alle Fugen und Ritzen mit Lehm. Es wollte aber im Ofen nicht gut bn'M nen; stets füllte ein großer Oualm das Zimmer, der zwifihc« den Kacheln des alten Ofens hervorzudringen schien. Frau Heise beklagte sich bei der Nachbarin über diesen lästigen u«? gesundheitsgefährlichen Zustand und sie erfuhr, da» ein gellender, entsetzlicher Schrei. Ein Plätschern tönt« durch die Nacht.--- Dann ward es wieder schweigsain ringsum.--- «« Auf die finstere Nacht folgte ein heller Tag. Der frisch� Morgenwind verjagte die Wolken, die Sonne zewn die Nebelschleier und lächelte freundlich auf das Mao herab. Ihre Strahlen verscheuchten die letzten Schatten uno spielten um den alten Stein, neugierig den schwarzen'.?ui betrachtend, der auf seinem Gipfel lag.., Der Wald belebte sich, die Vögel zwitscherten j? Morgenlied, und grüßend neigten die alten Tannen o schweren Aeste. Plötzlich wurden Menschenstimmen laut un eilende Schritte ertönten. „Hier!" rief eine grobe Stimme.„Hierher! Da u g der Stein am Moor!" Zwei Männer, von verschiedenen Seiten komme- tauchten zwischen den Tannenstämmen auf und liefen Granitblock zu. Der zuerst gemfen hatte, erblickte den 4 und blieb stehen.«ut „Dachte ich's doch!" sagte er roh:„Da liegt der V und— richtig!— Da unten, am Fuße des Steins der Mantel! Der verrückte Maler hat seine Drohung, Anstalt zu entspringen und in das Moor zu laufen,' gemacht. Komm' nach Hause, Jürgen! Wir melden e Herrn Doktor! Für den da unten im Moor ist doch Kraut mehr gewachsen!"«vr „Gott fei Dank!" erwiderte lachend Jürgen.„ � Herr Doktor wird wieder sagen:„Ein schwere � weniger, Herr Assistent! Streichen Sie Nummer Liste!".. hxjde» Der Andere lachte. Sie machten kehrt, Männer, und verschwanden schwatzend im Walde. fchon früher stets Klage über die Heizungseinrichtungen ge= rade dieser Wohnung laut geworden seien. Auch Herr Guttmann hörte davon, that aber nichts, um dem Uebelstande abzuhelfen. Der Rauch war so start, daß Frau Heise kaum das Mittagbrot in ihrer Wohnung kochen konnte. Am 21. April hatte sie Kinderwäsche zu waschen. Sie machte Feuer in dem eisernen Ofen, den sie mit Koats und Steinfohlen fütterte. Ein unerträglicher Dampf tam ihr entgegen, aber da sie sich bereits etwas an ihn gewöhnt hatte, so ließ sie fich dadurch nicht stören. Sie wusch weiter, trotzdem sie selber einen Druck im Kopfe zu spüren begann. Da begann gegen Abend ihr kleines, dreijähriges Töchterchen, das bereits im Bette lag, über heftige Kopfschmerzen zu flagen. Die Mutter ging hin, um dem Kinde ein Tuch um den Kopf zu binden. Dann fam ihr der Gedanke, daß die verdorbene schlechte Luft wohl die Ursache ihres und des Kindes Uebelbefinden sei und fie wollte zum Fenster sich begeben, um es öffnen. Aber sie tam nicht so weit; ein plößlicher Schwindel erfaßte fie, ihr wurde Schwarz vor den Augen und fie sank in das Bett, das in der Nähe des Fensters stand, und verlor das Bewußtsein. Stöhnend ar beitete ihre Bruft mit der dicken Luft, die mit Kohlenorydgas vergiftet war. Auch das dreijährige Mädchen und der fünfmonatliche Säugling waren bereits bewußtlos geworden, und die drei Personen wären unrettbar dem Tode verfallen gewesen, wenn nicht die Nachbarin das Röcheln und das dumpfe Stöhnen, das aus der Heise'schen Wohnung drang, gehört hätte. Sie drang hinein, riß sofort die Fenster auf und lief dann zu einem Arzt. Es gelang, die Frau und die beiden Kinder wieder in's Leben zurückzurufen. Im Hause verbreitete sich inzwischen das unfinnige leere Gerücht, daß Frau Heise sich und die Kinder felber habe tödten wollen, troßdem die wahre Ursache nur der schlecht funktionirende Ofen gewesen war. In der Thatsache, daß der verantwortliche Verwalter des Hauses, Louis Guttmann, diesen Bustand des Dfens geduldet und nicht habe beseitigen lassen, fah die Anklagebehörde eine Fahrlässigkeit und erhob deshalb die Anklage. Die Verhandlung wurde gestern nicht zu Ende geführt. Als Sachverständiger war der Töpfermeister geladen, der alle Töpferarbeiten für Herrn Guttmann zu besorgen und auch den Kachelofen in der Heise'schen Wohnung jezt in einen Kochofen verwandelt hat. Dem Staatsanwalt schien das Gutut achten dieses Zeugen, welches für den Angeklagten günstig lautete, nicht objektiv genug und er beantragte die Vertagung des Termins und die Vorladung des gerichtlichen Sachver ständigen für Heizanlagen. Troßdem der Vertheidiger die Sache für genügend aufgeklärt hielt, um zur Freisprechung feines Klienten zu gelangen, dem eine Fahrlässigkeit nicht zur Last falle, da er die Aufstellung eines eisernen Ofens nicht gestattet habe, ging der Gerichtshof doch auf den Wunsch des Staatsanwalts ein und vertagte den Termin zur Ladung des gerichtlichen Sachverständigen. Vereine und Versammlungen. Eine Generalversammlung der Delegirten der Ortsfrankentasse der Tischler und Pianofortearbeiter Berlins fand am Donnerstag, den 25. d. Mts., in Jordan's Salon, Neue Grünstraße 28, unter Vorsitz des Rendanten der Kaffe, Herrn Hubert, statt. Bu Punkt 1 der Tagesordnung Wahi der Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung" wurden die Herren Tischlermeister Hardt sowie die Mitglieder Henke und Hänelt gewählt. Sodann gab der Vorsigende eine Vermögensübersicht der Kaffe, welche seit der Uebernahme des jeßigen Rendanten von 38 756,90 m. auf 49 978,97 m. gestiegen ist; von dieser Summe find binnen 3 Monaten 6000 M. der Sparfaffe überführt worden. Hierauf verlas der Vorfigende einen längeren Bericht des Rechtsanwalts Grabower, welchem die Führung des Prozesses gegen die Erben der verstorbenen Raffirer König, Greiner und Richter übertragen worden ist; hieraus ging hervor, daß die nöthigen Schritte zur Wahrung der Intereffen der Kasse geschehen sind. Bei Punkt 3 der wurde seitens des Vorsitzenden angeführt, daß von diesseitiger Raffe die Herren Furchtbar, Hubert und der vorzeitige Rendant Herr Witte gewählt seien. um legte Protest gegen die Wahl des 2c. Witte ein; derselbe führte fin längerer Rede Gründe an, aus welchen hervorging, daß Herr Witte, die Veruntreuung der Kassirer, mindestens im Falle Richter, schon längere Zeit gewußt hätte, ohne hiervon seiner vorgesezten Behörde Anzeige zu machen. Redner führte aus, daß p. Witte deshalb die Mitglieder der ner im Vorstande der Kaffe verbleiben könnte. Nach längerer Scharfen Debatte, in welcher fast alle Redner die Ansicht des Herrn Schmitz theilten und sich dahingehend aussprachen, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: versammlung der Deligirten der Kasse beschließt, dem Vorstande der Kaffe aufzugeben, Herrn Witte aufzufordern, aus dem Vorlung unterzeichneten sämmtliche Delegirten eine Protestliste werkskrankenverein niederzulegen. Nach Schluß der Versammgegen die Wahl des Herrn Witte. steigen. 4. Für im Handelsgewerbe Angestellte im Alter von über 18 Jahren darf die Arbeitszeit die Dauer von 10 Stun den täglich, ausschließlich der Pausen, nicht übersteigen. 5. Die beitszeit darf an Werktagen 10, an Sonntagen 5 Stunden nicht überschreiten, nicht vor 8 Uhr Morgens beginnen und nicht über 8 Uhr Abends, resp. an Sonn- und Feiertagen nicht über 1 Uhr Mittags ausgedehnt werden." Bezüglich der in einer früheren Versammlung beschloffenen Gründung eines Unterstüßungsfonds soll der nächsten Versammlung eine Vorlage unterbreitet werden. Auch wurde beschlossen, vom 1. Januar ab monatlich einmal, und zwar jedesmal am Freitag nach dem 10. des Monats, eine Vereinsversammlung stattfinden zu laffen. Die Kommission der Tischlergesellen Berlins, welche in der Versammlung am 22. v. M. gewählt wurde, um die freiwilligen Beiträge für die Delegirten des Gothaer Tischlerfongresses in Empfang zu nehmen, macht bekannt, daß jeden Montag, Abends von 8-10 Uhr, in den nachstehend verzeich neten Lokalen durch die Kommissionsmitglieder freiwillige Beiträge in Empfang genommen werden: Belleallianeeplay 6 bei Hilscher; Blumenstraße 56 in der Tischlerherberge; Staliger straße 107 bei Kunstmann; Zionskirchplaz 11 bei Hohn; Prin zenstraße 96 bei Beier; Sfaligerstraße bei Stramm. * Zentralfranken- und Sterbekasse der Drechsler und anderer gewerblichen Arbeiter Deutschlands( E. H. 48, Hamburg), Verwaltungsstelle Berlin A. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Zahlstelle Alexanderstr. 25 eingegangen und die Mitglieder des Bezirks Berlin A nur noch in Zahlstelle 1, Naunynstr. 78, und Bahlstelle 2, Langeſtr. 34, Sonnabend Abends zwischen 8 und 10 Uhr ihre Beiträge zahlen können. Die Krantenunterstüßung wird nur Sonntags zwischen 11 und 1 Uhr in dem Lokale Naunynstr. 78 ausgezahlt, auch werden zu derselben Zeit dort Beiträge entgegen- und neue Mitglieder aufgenommen. Heute, den 27. November, feiert die Ver waltungsstelle Berlin A das 2. Stiftungsfest der Kaffe in der " Urania", Wrangelstr. 9 und 10, durch deklamatorische Vorträge und Tanz. Billets à 25 Pf. find in den Zahlstellen zu haben. Der Bevollmächtigte, Herr Schrader, wohnt Franzftr. 5. v. IV, der Kassirer des Bezirks A, Herr Moench, Adalbertstr. 26 v. 1V, und können dort an den Wochentagen, zwischen 8 und 9 Uhr Abends, Beiträge gezahlt und neue Mitglieder aufgenommen werden. Fachverein der Tischler. Heute Abend Versammlung. ( Näheres siehe Inserat.) Die Mitglieder, welche die Handwerkerschule besuchen, sind hierzu besonders eingeladen. Die Bahlsteller des Vereins befinden sich in folgenden Lokalen: 1. Blumenstr. 56 auf der Tischlerherberge. 2. Staligerstr. 107 bei Kunstmann. 3. Belleallianceplay 6 bei Hilscher. 4. Bionsfirchplay 11 bei Hohn. 5. Müllerstraße 184 bei Haring. 6. Gneisenau- und Solmsstraßenecke bei Lindenborn und 7. Stegligerstr. 91 bei Gürgens. Daselbst werden jeden Sonnabend von 8 bis 10 Uhr Abends Beiträge von den Mitgliedern in Empfang genommen und neue Vereinsmitglieder aufgenommen. Gürtler- Invaliden- Kasse. Sonntag, den 28. November, Vormittags 10 Uhr, Generalversammlung bei Baumbach, Prinzenstraße 94. Tagesordnung: Vorlage des revidirten Statuts. Ortskrankenkasse der Maschinenbauarbeiter und ver wandten Berufsgenossen. Sonntag, den 28. November, Vormittags 9 Uhr, im Palmensaal", Neue Schönhauserstraße 20. Generalversammlung der Delegirten. Tagesordnung: 1. Um 9 Uhr Ersagwahl für zwei ausscheidende Vorstandsmitglieder. 2. Um 10 Uhr Kombinirte Versammlung der arbeitgebenden und arbeitnehmenden Mitglieder. a) Wahl von drei Revisoren zur Abnahme der Jahresrechnung. b) Herabſegung der Beiträge. c) Vorlage des revidirten Statuts. Verein der Sattler und Fachgenossen. Sonnabend, den 27. November, Abends 84 Uhr, Kommandantenstr. 77.79, Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Arbeitsvermitte lungskommission. 2. Distusfion. 3. Verschiedenes. Fachverein der Metallschrauben-, Facondreher und Be rufsgenossen. Sonnabend, den 27. d. W., 8 Uhr Abends, im Lokale des Herrn Weick, Alexanderstr. 31, Mitgliederversammlung mit Damen. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Canis lung mit Damen. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Canis über Naturheilmethode für Kinderkrankheiten. Nach der Verfammlung Tanzkränzchen. Entree frei. Gäſte, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Fachverein der Metallschleifer. Montag, den 29. November, Abends 8 Uhr, in Krieger's Salon, Wasserthorstr. 68, Versammlung. Tagesordnung: 1. Wie stellt sich die Innung Versammlung. Tagesordnung: 1. Wie stellt sich die Innung zu dem Lehrbrief aus der Mehlich'schen Werkstatt? 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. In der freireligiösen Gemeinde spricht am Sonntag, Vormittags 10 Uhr, Rosenthalerstraße 38, Herr Schäfer über das Verhältniß von Wissen und Müffen." Butritt steht Gästen frei. Fachverein der Posamentiere und Seidenknopfmacher. Versammlung am Montag, den 29. November, Abends 8 Uhr, im Königstadtkasino", Holzmarktstraße 72. Tagesordnung: Statutenänderung. Unabhängiger Gewerkverein der Maschinenbau- und Metallarbeiter. Sonnabend, den 27. November, Abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Passow, Gartenstraße 162, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bentendorff über Effen und Trinken vom humanistischen Standpunkte. 2. Bericht über die am 13. November stattgehabte Ballfestlichkeit. 3. Mittheilungen.- Fragetaften. Damen und Gäste haben Zutritt. Der Verein der Kisten- und Koffermacher hielt am 23. d. M. in Gratweil's Bierhallen eine Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende theilte mit, daß die beiden Kollegen Fritsche und Karl Schmidt verstorben seien. Die Versammlung ehrt deren Andenken in üblicher Weise. Hierauf hielt Herr Stein einen Vortrag über Feuerbestattung. Unter anderem erklärte Redner das Modell des Gothaer Verbrennungsapparates und führte an, daß zur Verbrennung einer Leiche etwa 40 Zentner Brauntohlen nothwendig wären. Würde die Feuerbestattung obligatorisch eingeführt, so würden sich die Kosten bedeutend geringer stellen, für Berlin etwa 30-40 m., während sie sich heute auf 450 M. belaufen, da der Transport der Leiche nach Botha allein schon 180 M. betrage. Bum Schluß wünschte der Referent ein Krematorium baldigst in Berlin erstehen zu sehen. 3u ,, Verschiedenes" wurde beschlossen, dem Vorstaud zu überstraße 23,' Versammlung. Tagesordnung: Vortrag, des MitWas erstrebt die Freie Unterstüßungsverein der Buchbinder. Montag, den 29. November, außerordentliche Generalversammlung in Gratweils Bierhallen, Kommandantenstr. 77-79. Tagesordnung: 1. Antrag Freudenreich, Eintrittsgeld betreffend 2. Vorlegung der Geschäftsordnung. 3. Verschiedenes. Fachverein der Steinträger Berlins. Sonntag, den 28. d. M., Vorm. 10 Uhr, in Silber's Salon, Schwedter gliedes D. Rennthaler über das Maschinenſyſtem in unserm Fach; Vereinsangelegenheiten; Verschiedenes; Fragekasten. Fach; Vereinsangelegenheiten; Verschiedenes; Fragekasten. Neue Mitglieder werden in jeder Versammlung aufgenommen. Fachverein der Ladirer 1c. Die zu Sonntag, den 28. b. M., beabsichtigte Versammlung findet nicht statt, weil die polizeiliche Genehmigung hierzu versagt wurde. Der Vorstand beabsichtigt nunmehr zu Montag, den 29. d. M., Abends 8 Uhr, in Rieft's Salon, Kommandantenstr. 71-72, eine Ver fammlung einzuberufen mit folgender Tagesordnung: 1. Die Nothwendigkeit statistischer Erhebungen im Berliner Lackirerlaffen, Versammlungen einzuberufen, wenn er es für nothwendig erachtet, jedoch soll mindestens alle vier Wochen eine Versamm lung stattfinden. Ferner wurde beschlossen, daß jeden Sonn abend ein Raffirer in der Holzmarktgaffe 3 anwesend sein soll, um dort Beiträge entgegen- und neue Mitglieder aufzunehmen. hfs. Die Freie Organisation junger Kaufleute hielt Donnerstag, den 25. d. M., Abends, in Nicft's Salon, Kom mandantenstraße, unter dem Vorfiße des Herrn Henning eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in welcher Herr Deutsch land über das Thema referirte: Drganisation junger Raufleute im Interesse der Handlungs gehilfen mit Hilfe der gefeßgebenden Körperschaften?" In sehr beifällig aufgenommener Weise begründete der Redner das Brogramm der genannten Vereinigung in Betreff der Kündis Gäste find willkommen. gungsfrist, Lehrzeit, Arbeitszeit, Sonntage arbeit und Krankenversicherung. Nach einer lebhaften Diskussion nahm die Verfammlung zwei dem Deutschen Reichstage zu übersendende Refolutionen an, in deren einer der Reichstag ersucht wird, den Krankenversicherungszwang auch auf alle Handlungsgehilfen Deutschlands auszudehnen, während die andere Resolution für gewerbe. Referent Herr Wegner. 2. Wahl einer Stommiffion zur Aufnahme der Statistik. 3. Diskussion und Verschiedenes. Verein der Parquetfußbodenleger Berlins und Umgegend. Montag, den 29. November, Abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Scheffer, Inselstr. 10, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Besprechung über unsere gegenwärtigen Arbeitsverhältnisse. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Regulirung der Arbeitsverhältnisse 2c. der Handlungsgehilfen fangverein Harmonia" Abends 8 Uhr im Restaurant, Alte und Lehrlinge die Berücksichtigung der nachstehenden Forde rungen aufstellt: 1. Ausschließliche Giltigkeit der im Handels gefegbuche vorgeschriebenen Kündigungsfrist als Minimalgrenze. Andere Abmachungen Lehrzeit darf find, mit alleiniger Ausnahme 2. Die Jahren nicht die Dauer drei von einer vierwöchentlichen Probezeit, unstatthaft. übersteigen. 3. Die Arbeitszeit der im Handesgewerbe Angestellten im Alter von unter 18 Jahren darf die Dauer Don 8 Stunden täglich, ausschließlich der Pausen, nicht überGesang und gesellige Vereine am Sonnabend: Ge Jafobftr. 38. Gefangverein Sängerlust" Pallisadenstr. 9, Abends 9 Uhr.- Verein der Taubenfreunde Abends 8, Uhr im Restaurant Klemann, Laufigerstr. 41. Dänischer Verein Freya" Abends 9 Uhr Rosenthalerstr. 39. Dänische Blätter find vorhanden.- Verein der Württemberger Abends 8 Uhr bei Vaihinger, Dorotheenſtr. 84. Rauchklub, Qualm" Abends 9 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28. Vermischtes. Die ultramontane Ratibor- Leobschüßer Zeitung" führt gegen Kaulbarsch so schreibt sie den Namen permanent -- eine sehr derbe Sprache. Sie nennt den Bulgarenbedränger einen Bramarbas, den größten Eisenfresser seiner Zeit, mit der Physiognomie eines Nußknackers oder Bulldoggen, einen knarrenden Wauwau u. s. w. Wir würden des Spaßes wegen einen Paffus aus dem fräftigen Artikel unseren Lesern zum Besten geben, wenn nicht darüber stände:" Nachdruck verboten". Schade! Eine tomische Verhaftung ist kürzlich von dem kleinsten Pariser Polizeibeamten, dem nur wenig über 4 Fuß hohen Sarrai, bewerkstelligt worden. Der kleine Beamte in Zivil hatte in später Abendstunde in einem verdächtigen Stadtviertel einen riesigen Mann gesehen, der zahlreiche Uhren bei sich trug, die er Vorübergehenden zum Verkauf anbot; da er bei seiner fleinen Figur nicht allein zur Verhaftung des Koloffes zu schreiten wagte und keinen Kollegen in der Nähe bemerkte, folgte er dem Verdächtigen auf Schritt und Tritt. Als er hinter ihm bei einem Marchand de vin eingetreten, faßte er einen fühnen Entschluß: im Handumdrehen bemächtigte er sich einer der Uhren, die der Riese auf seinen Tisch vor sich hinge legt hatte, und nahm mit ihr die Flucht der nächsten Polizeiwache zu, gefolgt von dem Riesen und dem Weinwirth. Bor der Wache angekommen, warf er sich plötzlich dem Koloß an die Brust, und ihn, der vor Bestürzung sprach und beweglos dastand, festhaltend, rief er seine Kameraden zur Hilfe, die den Riesen, der inzwischen zur Erkenntniß seiner gefährlichen Situation gekommen war und sich wie ein Verzweifelter wehrte, bald unschädlich machten. Man glaubt in ihm, der jede Angabe über seinen Namen und seine Wohnung verweigert, einen sehr gefährlichen und lange gesuchten Verbrecher gefunden zu haben. Welches Land besitzt das meiste gemünzte Gold? Laut einer in der Nouvelle Revue" veröffentlichten Aufstellung ist reich befindet sich gemäß jenes Nachweises der vierte Theil von noch immer Frankreich im Befiße dieses Vorzugs. In Franksämmtlichem gemünzten Golde der Welt in Umlauf. Der ganze Betrag an gemünztem Edelmetall auf der Erde wurde 1885 auf 37 Milliarden berechnet, davon 18 Milliarden in Gold. Im Jahre 1885 aber wurde das in Frankreich umlaufende Gold auf 4500 Millionen berechnet; das Silber aber, über dessen Betrag die Meinungen auseinander gingen, zum mindesten auf 2500 Millionen. Im Jahre 1848 noch belief der Stock fich auf ungefähr 400 Millionen in Gold und 2500 Millionen in Silber. Unmittelbar nach Frankreich kommen jest in Bezug auf Reichthum in Edelmetall die Vereinigten Staaten, England und Indien. Dann erst ist Deutschland in der Reihe mit 1800 Millionen in Gold und 1 Milliarde in Silber. Die Bedeutung iener Ziffern aber wächst, wenn man die Verhältnisse der Einwohnerzahlen ins Auge faßt und bedenkt, daß die Bevölkerung von Frankreich fich nur auf 38 Millionen beläuft. Es kommt dazu, daß in Frankreich der Gebrauch des Papiergeldes ein ver hältnißmäßig sehr lebhafter ist und selbst den Umlauf der Scheine der 2700 Nationalbanken übertrifft. Kleine Mittheilungen. Aachen, 23. November. Gestern früh wollte der in der Spinnerei von Gebr. Knops angestellte Spinnmeister Hüpgens die Maschinen vor deren Inbetriebſegung noch einmal genauer befichtigen. Plößlich begann das große Schwungrad fich zu drehen, erfaßte den Unglücklichen und zerquetschte ihm den Kopf, sodaß der Tod sofort eintrat. Halle a. S., 24. November. Heute früh 3 Uhr hat unweit Merseburg ein Zusammenstoß zweier Güterzüge stattgefunden. Die Maschinen sind entgleist und arg beschädigt. Die beiden Geleise find gesperrt. Verlegungen find glücklicherweise nicht vorgekommen. Leipzig, 24. November. Auf dem Bahnhof im nahen Gaschwiß entgleisten zwei Güterwagen beim Rangiren. Der Hilfs weichensteller Göttlich wurde überfahren und auf der Stelle getödtet. Dedenburg, 23. November. Zum Familiendrama in Raiding( vergl. Nr. 276) wird gemeldet: ,, Soeben traf die Meldung ein, daß Franz Bauer, der Mörder seiner Familie, im raidinger Walde an einem Baume erhängt aufgefunden wurde. Duisburg, 24. November. Heute morgen erlitt der um 9 Uhr 18 Min. hierselbst fällige, von Düsseldorf kommende Schnellzug kurz vor Einfahrt in den Bahnhof einen Zusammenstoß mit einem Güterzuge, wobei die Lokomotive, der Packwagen und der erste Wagen dritter Klaffe des Personenzuges entgleisten. Die spätern Morgenzüge der Köln- Mindener Strecke hatten infolge dessen Verspätung von etwa einer Stunde. Von den Passagieren des Schnellzuges wurde eine Dame aus Deus tödtlich verlegt, zwei andere Passagiere sind schwer verwundet. Einige Bahnbeamte trugen leichtere Verlegungen davon. Ver ursacht ist das Unglück dadurch, daß infolge des sehr nebeligen Wetters der Maschinist des Düsseldorfer Buges das Haltefignal nicht sehen konnte. Der Rh. Weftph. 3tg." wird über den Unglücksfall folgendes geschrieben:" Der gegen halb zehn Uhr fällige Schnellzug aus Düsseldorf erlitt einen Busammenstoß mit dem fast zu gleicher Beit nach Hochfeld abgehenden Güter zug, indem er auf der Kreuzung der beiden betreffenden Geleise, zwischen dem Zentralbahnhof und dem Grunewald, mit voller Wucht in die Flanke des letzteren Buges lief. Infolge dessen wurden drei beladene Kohlenwagen aus dem Geleise geworfen, zwei davon vollständig und der dritte zum Theil zer trümmert. Kohlen- und Wagenreste bildeten einen Haufen. Die Lokomotive des Personenzuges entgleiste und wurde halb umgeworfen. Der ihr folgende Gepäckwagen fuhr in den ihm folgenden Personenwagen 4. Klasse hinein und zerdrückte in demselben zwei Abtheilungen, in denen sechs oder fteben Personen saßen, die alle mehr oder weniger verlegt wurden. Die heftigen Nothsignale, der Krach des Anpralls und das Hilfegeschrei rief rasch Leute genug zusammen, um drei in dem schwer beschädigten Personenwagen eingeklemmte Baffagiere, zwei Damen und einen Herrn, zu befreien. Die Stücke des Koupees mußten förmlich um sie herum weggerissen und weggeschlagen werden. Besonders eine jüngere Dame, die Frau des Bahnassistenten Schöllen aus Düsseldorf, befand sich in entfeßlicher Lage. Sie fonnte kein Glied bewegen, fie war mit Kopf, Armen und Füßen eingeklemmt. Blutüberströmb wurde fie dann nach dem St. Vincenzhospital verbracht. Thr Bustand erscheint sehr bedenklich, namentlich wegen der Kopfs verlegung. Die Verlegungen der übrigen Personen ließen eine Ueberführung derselben ins Hospital nicht dringend nothwendig erscheinen. Mehrere Aerzte legten im Bahnhofe Verbände an so daß die betreffenden troßdem weiterreisen fonnten. Der schwere Unfall hatte natürlich allgemeine Betriebsstörung zur Folge, alle Züge bekamen mindestens eine Stunde Verspätung troßdem man mit der Aufräumung sofort begann. Der erste Staatsanwalt Weyer begab sich in Begleitung des Polizeiin spektors Terpe und eines Gerichsbeamten sogleich auf die Un glücksstätte zur vorläufigen Aufnahme des Thatbestandes. Die betreffenden Weichenwärter trifft aber, wie wir vernehmen, feine Schuld. Dem Schnellzuge war nämlich das Einfahrts fignal noch nicht gegeben, fein Lokomotivführer behauptet das Gegentheil. Es war nebliges Wetter." Amsterdam, 22. November. In Breda fand am 18. d. M ein schreckliches Unglück am Eisenbahnübergang statt. Die Dis ligence, welche fich auf den Schienen befand, wurde von einem Schnellzuge überfahren und gänzlich zertrümmert. Die Paffaa giere im Wagen wurden alle schwer verlegt; einer wurde ganz verstümmelt und blieb auf der Stelle todt; bei zwei anderen ist für ein Aufkommen wenig Hoffnung. Stehr( Desterreich), 23. November.( Hinrichtung.) Im Hofe des Kreisgerichtes zu Steyr ist heute Morgen um 7 Uhr eine Hinrichtung mit dem Strange vollzogen worden. Der Hingerichtete war Michael Dietrich, welcher am 21. April eine arme Taglöhnerin in Unter- Reinthal bei Enns getödtet und eines rothseidenen Tuches im Werthe von 80 Kreuzern, des besten Stückes ihrer Habe, beraubt hatte. Dietrich, ein gefähr licher Vagabund, der die Hälfte seiner 46 Lebensjahre wegen Diebstahls im Kerker zugebracht hat, war am genannten Tage zu den sogenannten Neuhäuseln" in Unter- Reinthal gekommen und hatte sich daselbst durch sein freches und zudringliches Betteln und durch sein drohendes Auftreten bemerkbar gemacht. Bulegt war er bei der Taglöhnerin Katharina Zeilinger eingetreten, und bald nachdem er die Wohnung derselben verlassen hatte, fand man das Weib mit durchschnittener Kehle in ihrem Bimmer sterbend liegen. Dietrich wurde verfolgt und festgenommen, wobei er das rothe Seidentuch, das er der Ermordeten geraubt hatte, wegwarf. Nach seiner Verhaftung erregte er noch durch seine rohen und zynischen Reden allgemeine Entrüftung. Vom Schwurgerichte zu Steyr wurde Dietrich am 16. September einstimmig des Raubmordes schuldig gesprochen und zum Tode durch den Strang verurtheilt. Dietrich hatte den Raubmord gele ignet und war bis zum letzten Moment verstockt geblieben; erst kurz vor der Hinrichtung gestand er die That. Theater. Sonnabend, den 27. November. Opernhaus. Undine. Schauspielhaus. Iphigenie auf Tauris. Deutsches Theater. Don Carlos. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner- Theater. Die Sternschnuppe. Vittoria- Theater. Amor. Oftend- Theater. Das neue Gebot. Residenz- Theater. Georgette. Schauspiel in 4 Aften von V. Sardou. Zentral- Theater. Der Waldteufel. Bellealliance- Theater. Der Kreuzelschreiber. Walhalla- Theater. Don Cefar. Rönigstädtisches Theater. Von Schrot und Korn. Kaufmann's Varietee. Spezialitäten- Vorstellung. Amerikan- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Calcutta, 19. November. Einer der heftigsten Wirbelstürme, welcher in den letzten Jahren in Madras vorgekommen ist, wüthete daselbst am letzten Dienstag. Bäume wurden in allen Theilen der Stadt umgeweht, die Straßen waren vielfach unpaffirbar, leichter gebaute Häuser fielen in Trümmer, Straßen wurden unterwaschen und die öffentlichen Anlagen start beschädigt. Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen. Die Schiffe im Hafen mußten in See stechen. Der Postdampfer, Ballarat", welcher während des Orkans ankam, fonnte nicht in den Hafen einlaufen. Die Eisenbahn nach Bombay wurde an zwei Stellen beschädigt und der Telegraphendraht herabgeriffen. Lehte Nachrichten. Dem Gesuch um Hinausschiebung der Hinrichtung der fieben in Chitago verurtheilten Anarchisten ist stattgegeben worden. Die Hinrichtung wird mindestens so lange verschoben werden, bis der höchste Gerichtshof des Staates Illinois fich in einer Plenarsizung über die Rechtsfragen, welche zu Gunsten eines neuen Prozesses geltend gemacht wurden, ausgesprochen haben wird. Wahrscheinlich ist damit das Leben der Anarchisten überhaupt gerettet, zum großen Schmerz der Nordd Allg. 3tg." Aus Jrland. Dublin, Freitag, 26. November. Gestern Gestern Soeben erschien Heft 3 wurde hierselbst ein außerordentlicher Rath abgehalten, an wel chem der Vizekönig, der Staatssekretär für Jrland, der Lordkanzler für Jrland, der General- Profurator, der Oberkomman dirende in Frland und der Spezialkommissar General Buller theilnahmen. Wie es heißt, wäre beschlossen worden, energische Maßregeln gegen Ausschreitungen eines Theiles der Preſſe zu ergreifen, sowie gegen ungeseßliche Vereinigungen, welche bezwecken, Pachtzahlungen zu verhindern. Briefkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die Abonnements- Duittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. E. G., Paris. Erhalten. Brief folgt. Th. V. Das 42. Infanterieregiment liegt mit zwei Bataillonen und dem Stabe in Stralsund, ein Bataillon in Greifswald. Das Regiment hat weiße Achselklappen. E. Müller, Dresden. Wenden Sie sich an den Vorfizenden des Fachvereins der Steinträger, Herrn C. Wallenthin, Berlin, Liebenwalderstr. 51 IV. S. 33. Die weibliche Bevölkerung Deutschlands ist zahlreicher als die männliche. Auf 1000 Männer kommen ca. 1036 Frauen. G. Bl., Langestraße. Inserate werden nur Zimmers straße 44 angenommen. der Internationalen Bibliothek. Die Darwin'sche Theorie.( Die Abstammung des Menschen.) Bu beziehen durch die Preis pro Seft 50 Pf. 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Juni 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit Reglement; Auszug aus dem Reichs Patentgeset; Gewindeschneidetabelle für Metallarbeiter; Schreibpapier mit Datumsangabe für Tagesnotizen, leeres Schreibpapier, Brieftäschchen. Der ganze Kalender ist vierzehn Preis der einfachen Ausgabe 50 f Bogen start. [ 724 " " Reparaturen nach Uebereinkunft. 1727 Alte Stiefel. u. Bestell. Lindenstr. 81. Kanarienhähne b. Schrepper, egnigerſtr.4. u. Weibchen gr. Auswahl stärkeren Wiederverkäufer 70 Pf. erhalten lohnenden Rabatt. Verantwortlich für den politischen Theil und Soziales Mar Echippel, für Vereine und Versammlungen F. Tusauer, für den übrigen Theil der Beitung N. Gronheim, sämmtlich in Berlin. Trud und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2.