Kr. 480. Dienstag» den B0 Novemker 1880 B. Jakrg. MmrBolkÄ«» Brasn für die Intrrrsftn drr Arbeiter. 4 DaS„Berliner VolkSblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsqebühr beträgt für die 4 gespaltete Pctitzcilc oder deren Naum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Äureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Denthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Die erste Derathung des Etats im Reichstage scheint doch interessanter und vielleicht auch etwas stürmi- scher zu werden, als man erwartet hatte. Wenngleich keine gemeinsame Berathung des Etats und des neuen Militärgesetzes gewünscht wird, so ist es doch un- möglich, bei der Etatberathung das Militärgesetz ganz aus- zuscheide». Dasselbe wird in seiner politischen Bedeutung wohl schon am Dienstag und Mittwoch besprochen werden, während die mehr rein militärischen Gesichtspunkte und die in dem Gesetz enthaltenen Ziffern einer speziellen Be- rathung, welche am nächsten Freitag stattfinden soll, vorbe- halten werden. Die Motive des Militärgesetzes zeigen uns die Heeres- Verhältnisse der Nachbarstaaten und suchen aus denselben nachzuweisen, daß die Armee des Deutschen Reiches erheb- lich vermehrt werden müsse, um im Falle der Gefahr sieg- reich auftreten zu können. Seit dem letzten deutsch-französischen Kriege ist in Deutschland schon einmal eine derartige Forderung gestellt worden; die Erhöhung der Präsenzziffer der Armee betrug im Zahre 1881 sechsundzwanzigtauscnd Mann und nun wird vom Reichstage zum zweiten Male die Vermehrung des Heeres um jährlich zirka 41 000 Mann und zwar auf die Dauer von 7 Zahren gefordert. Dabei behauptet man aber in jenen Kreisen, welche für «ine derartige Vermehrung des Heeres eintreten, daß Dank der weisen Politik des deutschen Reichskanzlers eine Kriegs- tzefahr im weiten Felde liege, daß die Gelegenheit günstig W für die Nationen, die Künste des Friedens zu pfiegen sich in wirthschaftlicher Beziehung weiter zu entwickeln. tzoch 41 000 Mann Heereserhöhung mitten im Frieden unter lauter Friedensversprechungen! Auch die Thronrede betont die guten Verhältnisse irischen den einzelnen Staaten. , Sind die Friedensversicherungen aufrichtig gemeint, so neue Rüstungen doch in der That überflüssig; sie versprechen ja den Friedensversicherungen direkt. Kann man sich aber auf die Friedensversicherungen «'cht verlassen, drohen in der That schwarze Wetter- �oßen am politischen Himmel, dann ist die deutsche aus- wärtige Politik nicht so weise geführt worden, wie immer Ausposaunt wird zur höheren Ehre des Fürsten Bismarck. _ Also sind dir Widersprüche nicht wegzudiskutiren. *"«nn dabei verschiedene Blätter von der Pflicht der Volks- «tttretung sprechen, durch strikte Bewilligung der geforderten Summen zur Vermehrung des Heeres das Vaterland zu schützen, so hat man es hier doch nur mit einer patriotischen «rb-Un.) IleuiUeton. [4 Gin Sprung. Novelle von Curt Vaake. iAl» Ernst und Anna an einer dieser Bänke vorüber- chatten, blickten sie unwillkürlich beide zugleich und sie sahen, wie die Zwei, die dort aßen, sich innig umarmten, und sie hörten, wie sie sich aßten. Anna wurde verwirrt, und wie um einer Empfindung P entfliehen, die sich in ihr regte, zog sie Ernst rasch nach «er anderen Seite des Weges hinüber. Auch ihre Unterhaltung war verstummt, bis Anna einem plötzlichen Entschluß das Hest hervorzog, welches Le Ernst vor einigen Tagen gegeben hatte und von seinen �dichten zu sprechen begann. Sie stockte ein wenig, als sie dieselben lobte und sie schöner fand, als alles, was sie bisher gelesen. Schließlich wollte sie ihm die Blätter zurückgeben. iürück"ahm sie nicht an, sondern schob ihre Hand sanft „Sie gelten Dir ja," sagte er einfach. Sie wußte nichts darauf zu erwidern, sondern blickte *ii.SU'h1" mit ihren schönen, tiefen Augen auf; sie sah mchtz von seiner Häßlichkeit, nichts von den plumpen und "Nnflgen 3ügen seine3©eßthts mit den dicken und etwas ' Lippen, die fast immer aufgesprungen waren, mit Cl1 d'e»» breit, und einer Stirn, die zu medrig s»i„'"As von den eckigen und ungeschickten Bewegungen Körpers; er war ihr der herrlichste, edelste und vor- Ii'chste Mensch, den es geben konnte. der. kamen jetzt zu einem großen kreisrunden Platz, ilei oollen Mondschein dalag. Auf dem gelben KieS � scharf die Schatten der Eichen ab, welche mit diel».%% Stämmen und ihrem viel verzweigten Geäst Ik e wie mit einem Walle vor der Außenwelt lltzützen s�Dseu, Es war am äußersten Ende der Pro- Phrase zu thun, welche man nicht ernst zu nehmen braucht. DaS Vaterland befindet sich eben nicht in Gefahr und wird auch in eine solche nicht kommen, wenn die Regierung nicht will. Frankreich ist nicht kriegsbedürftig und Rußland kann durch eine kräftige auswärtige Politik im Zaume gehalten werden; nur darf das Deutsche Reich nicht auf die Seite Rußlands treten, weil letzteres dadurch angriffsfähiger wird, so daß sich später nach neuen russischen Erfolgen im Orient die Spitze des Angriffs gegen Deutschland richten dürfte. Aber auf alle Fälle ist das Deutsche Reich längst vertheidigungsfähig. Es besitzt unzweifelhaft die tüchtigste Armee in Europa und mit Landsturm und Land- wehr auch eine der zahlreichsten. DaS allerdings muß bei Feststellung, Organisation und Stärke der Armee auSge- schloffen werden, daß man zugleich gegen alle Groß- staaten des Festlandes auftreten will. Wodurch wurde denn eigentlich seitens des preußischen Staates die Gründung des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reiches hauptsächlich motivirt? Preußen, hieß eS, trüge eine viel zu schwere Rüstung; eS müsse dies thun, um das übrige Deutschland mit zu schützen. Würde aber ein fester Bund geschlossen, würde eine einheitliche Militär- organisation geschaffen, dann vertheilten sich die Lasten und die Soldatenrüstung sei dann auch für Preußen erträglich. Die gemeinsame Organisation ist jetzt vorhanden, die Militärrüftung aber ist für Preußen und das übrige Deutsch- land noch schwerer geworden. Und sie wird immer schwerer, so daß die Steuerzahler recht arg unter ihrem Drucke seufzen. Also gerade das Gegentheil ist eingetreten von dem er- hofften Volkswohle, welches sich auf staatliche und mili- tärische Vereinigung der verschiedenen deutschen Stämme stützen sollte. Mehr Soldaten, mehr Abgaben und Steuern für die Bürger. Wenn so die deutsche Einheitspolitik nach dieser Rich- tung keinen besonderen Werth für das deutsche Volk gehab: hat, so führt merkwürdiger Weise auch unsere deutsche Friedenspolitik gleichfalls zu immer größeren Ausgaben. Deshalb müssen beide nicht so vortrefflich sein, wie sie immer von den Anhängern des leckenden deutschen Staats- manneS dargestellt werden. Und dafür ist auch der Grund leicht zu finden— die deutsche Reichspolitik ist nicht ge- tragen von der Zustimmung des Volkes. Sie hat sich von Etappe zu Etappe entwickelt durch allerlei kleine Kompro- misse, durch das fortwährende Handeln und Schachern zwischen den Parteien, durch das bekannte„äo ut ä«,-Spiel", welches sich früher zwischen der Regierung und den Liberalen menade, und die Stelle lag einsam und verlassen. Ganz im Dunkeln stand eine leere Bank und er bat sie, hier sich ein wenig auszuruhen. Nun saßen sie auch wie die andern Liebespaare. Ueber den Mond, der glänzend und voll am Himmel stand, flatterte langsam eine reine durchsichtige Wolke und hüllte ihn in einen weißen Schleier ein, daß sein Licht ge- dämpfter wurde und noch verschwiegener und heimlicher. „Die Wolke liebt den Mond"... sagte Anna fast unhörbar. Da faßte Ernst ihre kleine Hand, die kalt wurde, weil ihr alles Blut zum Herzen schoß, und flüsterte mit einer Stimme, die fast tonlos war vor Erregung: „Anna, liebste, einzige Anna, ich habe Dich so lieb... so sehr lieb." Er zog das zitternde und wortlose Mädchen an sich und küßte es heftig und Anna küßte ihn wieder. Zn diesem Augenblick glaubte er sie wirklich zu lieben. Seine vorherige Stimmung kam ihm krankhaft vor, er gab sich ohne Selbst- vorwürfe dem Augenblick hin und hatte nur den einen Ge- danken, daß er unendlich glücklich wäre und nur den einen Willen, nie von ihr zu lassen. Selbst seine Sinnlichkeit dämmte daS jungfräuliche Wesen der Geliebten ein. Durch die Laubgewinde der Bäume blickte der nächtliche Himmel klar und wolkenlos; aus dem tiefen Blau schim- Merten die Sterne wie verstreute Diamanten an einem königlichen Gewände. Ein schwacher Windhauch wehte süßen und starken Resedaduft aus oem Blumenbeete eines Gartens der Vor- stadt her, und dann spielte er in den Blättern der Eichen, und wie spielend riß er ein schon vertrockendes aus und ließ eS allmälig und leise zur Erde gleiten. Zn der Ferne verhallte der Schritt eine» späten, eiligen Wanderers und dann war eS ganz still. III. Leise wollte Anna den HauSthürschlüsscl an seinen Platz in deS Vaters Stube hängen und vorsichtig drückte sie die Klinke nieder, da flog die Thür aus ihrer Hand, ihre Augen blendete das Lampenlicht, das ihr grell entgegensttömte, sie abspielte, dessen Erbschaft nunmehr mit der Regierung die klerikale Partei angetreten hat. Und dieses ganze Spiel hat nur dazu beigetragen, daß die Regierung die Zügel allein in der Hand hat und auf militärischem und auswärtigem Felde macht, was sie will. So halten wir es auch für selbstverständlich, daß die Regie- rung in Bezug auf die Militärfragen wiederum einen Sieg erficht. Man ist im Reichstage so gewohnt, der Regierung entgegen zu kommen, daß dies auch jetzt geschehen wird. Außerdem haben die Ausschlag gebenden Parteien von jeher eine ungemeine Furcht vor der Auflösung gehabt, daß sie gern ihre Selbstständigkeit opfern, um jene fern zu halten. Auch fürchten sie sich vor dem Volke. Wir glauben somit, daß das neue Septennat ange- nommen wird, obgleich dem Reichstage dadurch wiederum auf sieben Zahren in den wichttasten Etatfragen die Hände ge- bunden werden. Doch an solche Selbstkasteiung hat sich der Reichstag längst gewöhnt. Weshalb wir aber die Militärfrage hier bei der Etats- besprechung ganz in den Vordergrund drängen? Sie wird bei der ersten Berathung des Etats der Punkt sein, um den sich die Hauptdebatte drebt und sie drückt auch der ganzen gegenwärtigen Situation den Stempel auf. Die Reaftion aber wird leider wiederum triumphiren. Jkjuoaria. = Die Ergebnisse des Ersatzgeschäftes sind nicht allein für die Herren vom Generalstab von Interesse, auch der Volkswitthschaftler hat dringende Veranlassung, sich mit diesem Gegenstande näher zu beschäftigen. In das Heer wird die Blüthe der jungen Leute eingereiht, nur körperlich und geistig gesunde und leistungsfähige Männer finden Aufnahme. Man kann deshalb die Giltigkeit des Satzes nicht be- streiten: Je günstiger die Resultate dieser kriegerischen AuS- lese find, je mehr der ärztlich untersuchten Wehrvflichtigen für tauglich befunden werden, um so besser steht es auch im Großen und Ganzen mit der wirthschaftlichcn Lebenshaltung des Volkes, um so vortrefflicher ist auch der gesammte nationale Gesundheitszustand, die allgemeine Lebensfähigkeit und Lebens- tüchtigkeit. Und ebenso fest steht es, daß der oben entwickelte Satz auch umgekehrt Geltung hat. Vor uns liegt das zweite Heft der„Zeckschrift des königl. bayerischen statistischen Bureaus", Jahrgang 1886. In demselben find auf Gnmd von Mittheilungen der Militär- Medi- zinal- Äbtheilung des kgl. Kriegsministeriums eine Reihe von Daten über das Ersaygeschäft des Jahres 1885 in Bayern mitgetheilt, welche ein Helles Licht auf die Zustände im Lande der Lcberknödl, der Reservatrcchte, der Hokbräu, der in das Zimmer gerissen und daß seine Schimme sich über- . kommst und und wurde am Arm gepackt, ihr Vater schrie so zornig schlug: „Du lüderliche Dirne, Du Herumtreiberin, Du endlich!" Die Wuth erstickte seine Worte. Er holte aus schlug sie ins Gesicht, daß sie an die Wand taumelte da» Bewußtsein verlierend zu Boden fiel. Als sie wieder zu sich kam, lag sie auf dem Sopha und ihre Mutter stand:m Nachthemde vor ihr und sprengte ihr Wasser aus einem Trinkglase inS Gesicht. Mechanisch faßte Anna nach der schmerzenden Stelle, die angeschwollen war und wie Feuer brannte.— Dann richtete sie sich auf und sah noch ganz irre im Zimmer umher. Unterdessen kam Riemann mit einem geschmeidigen Rohrstock in der Hand auf sie zu und sagte, während er mit einem grausamen Lächeln seme Tochter betrachtete:„Die Verstellungen helfen nichts;... die kennen wir schon... Ich will Dir rasch auf die Beine helfen,... Du sollst noch kirre werden..." Und er bog den Rohrstock in der Hand... In diesem Augenblicke sah er schrecklich aus. Auf seiner rothen, eingedrückten Stirn traten die Adern als dicke blaue Stricke hervor, die Augen blickten starr und gläsern' wie trunken vor Zorn und Alkohol, und der wohlgepfleqte' lange schwarze Bart verdeckte nicht das verzerrende Lächeln seiner Wuth, sondern ließ ihn noch mehr einem wilden, dos- hasten Thiers ähnlich werden. Seine Frau wagte einen Versuch, um ihre Tochter vor ihm zu retten. „Schlag doch daS Kind nicht noch in der Nacht:... die Leute im Haufe laufen ja zusammen, wenn Du Lärm machst," sagte sie mck chrer matten, schwindsüchtigen Stimme und trat ans ihn zu. «Laß sie doch,... laß sie wenigstens heut Nacht in "fuye!..- sie:st ganz weg vor Schrecken und zittert an allen Gliedern." „Halt'S Maul" schrie er sie an.„und pack' Dich. Das geht Dich nichts an, was ich mit der Hure da....t Min isterbcleidigun gen, dcS absterbenden RaupenhclmS und des Dr. Sigl zu werfen geeignet find. Unsere Quellen find von rein amtlicher Beschaffenheit, nicht durch daS kleinste Tröpfchen Oppofition getrübt, also selbst für Pindter über allen Zweifel erhaben. Nun stellt fich heraus, daß bei dem Ersatzgeschäft der Lahre 1885 pCt. 64,2 35,8 1884 pCt. 64,0 36,0 1883 pCt. 63,1 36,9 b. st. B." zu reden, des Prozent untauglich tauglich: befunden wurden. Es ist also, um mit der„Ztschrft. d. k. „eine abermalige Verringerung satzes der Tauglichen zu konstatiren".— 1885 wurden, um die absoluten Zahlen zu gebm, von 76 623 Wehr- Pflichtigen 49206 als untauglich erklärt Die wirthschaftlichen Verhältnisse verschlechtern fich von Lahr zu Jahr, der Standard of life der großen Masse sinkt stetig, oie Gegensätze unserer Zeit, Kapital und Arbeit, ver- schärfen fich stündlich, der Reichthum der Minderheit von Be- fitzenden vermehrt sich in immer gewaltigcrem Umfange, die Pro« duktionsmittel vereinigen fich in immer weniger Händen. Der Großbetrieb mit seiner fich fortwährendver vollkommnenden Ma- schinentechnik, seinen tzecrschaaren industriell ausgenützter Weiber und Kinder, seinen durch die Krisen, die arbeitssparenden Ma- schincn, durch Weib und Kind aufs Pflaster geworfenen arbeitslosen Reservetruppen erobert ein Gebiet nach dem anderen. Die Aktiengesellschaft, dieser Ausdruck des„Genossenschafts"geistes der Bourgeoisie, des Kommunismus in der Ausbeutung der Arbeit, gewinnt fortwährend Boden; denn die Arbeitsmittel schwellen zu solch riesenhaften Dimensionen an, daß sie die Fesseln des jetzigen Systems zu sprengen drohen, sich der Leitung des Einzelnen entwinden und kaum noch durch Ge- uossenschaftcn von Kapitalisten geleitet werden können. Auf der anderen Seite erhebt die Masscnarmuth drohend ihr Haupt, das Kleinhandwerk geht in Trümmer und begräbt hunderte und aberhundert« selbstständiger Existenzen; mit eisernem Besen kehrt das Großkapital das Zwcrgkapital, den Handwerkskram, die Klcinkaufmannschaft vom Erdboden fort, die besitzlosen Lohnarbeiter erhalten täglich neuen Zuzug. Die moderne Welt wird Proletaricrwelt. Roth, Hunger, Elend, Entbehrungen, llebernrbeit, Arbeitslosigkeit, stete Abnahme der Erwerbsficher- hcit, Fortschritt der volksvernichtendcn Gcwerbekrankheiten auf der ganzen Linie"), immer jämmerlichere Ernährungsweise, die natürliche Wirkung der verschlechterten Lage der Arbeiter- klaffe, finkende Löhne, steigende Intensität der Aus- bcutung der menschlichen Arbeitskräfte, lange Arbeitszeit, klägliche Arbeitsbedingungen, Mangel durchgreifender gewerbe- hygienischer Vorschriften, vollständiges Fehlen einer gründlichen Arbeiterschutzgesctzgebung, das ist vie Grundlage, auf welcher die heutigen Zustände beruhen. Welchen Einfluß aus die sanitären Verhältnisse der Lndustricalismus ausübt, dafür bietet uns das bayerische Ersatz- gcschäft einen schönen Beleg. Vergleicht man nämlich die dauernd Untauglichen nach den Regierungsbezirken, so findet man Mittelsranken mit 14,9 pCt. an der Spitze. Bekanntlich ist Mittelfrankcn der gewerbrcichstc Theil Bayerns, wir erinnern nur an die großindustriellen Städte Nürnberg und Fürth. Das fast ganz bäuerische Nicdcrbayern hat nur 9,6 pCt. dauernd Untaugliche, obwohl auch dieser ländliche Bezirk sich verschlechtert hat(1884: 7,7 vCt.). Nach Mittelfranken kommen Lberbaycrn mit 13,4 pCt., Obcrfrankcn mit 12,5 pCt, Schwaben mit 12,2 pCt., die Pfalz mit 11,8 pCt., Unterfranken mit 11,6 pCt., die Obcrpfalz mit 11,3 pCt! zuletzt kommt Niedcrbaycrn. Man kann wohl, ohne fehlzugehen, be- haupten, daß dies auch die Rangordnung der Provinzen nach ihrer industrtellcn Leistungsfähigkeit ist. Je weiter die Jndustriealifirung vorgeschritten ist, desto schärfer prägt fich in der Physiognomie der Bevölkerung der hippökratische Zug aus. Man erkennt dies, wenn man einen ländlichen und einen großindustriellen Distrikt Mittclfrankens nebeneinander hält, z. B. das bäuerische Bezirksamt Eichstädt und den Hauptsitz der Fabrikproletarier, das Bezirksamt Nürnberg. Im Jahre 1885 gab es im Bezirksamt Eichstädt überhaupt 33,7 pCt., im Bezirksamt� Nürnberg 55,1 pCt. Untaugliche. Unter 65 Untauglichen des erstgenannten Distrikts waren 40 pCt., unter den 600 Untauglichen des Nürnberger Distrikts 44,4 pCt. dauernd Untaugliche. Die ungünstigere Lage- rung der Verhältnisse im Bezrrksamt Nürnberg springt in die *tUfl Wegen„Fehler an der Brust(hauptsächlich schmale schwache Brust, Lungen- und Herzleiden)" kamen frei im Bezirksamt Eichstädt 2, d. h. 7,7 pCt, im *)„Die Mortalität hat zugenommen. Die Behauptung einer Verlängerung der mittleren Lebensdauer ist von der Wissenschaft längst in's Reich der Märchen verwiesen." Schmoller, Zur Geschichte der deutschen Kleingewerbe, S. 692. Halle a. S., 1870. mit Deiner Tochter"— er versuchte einen höhnischen Aus- druck in die letzten Worte zu legen—„ja, ja, mit Deiner Tochter anfange... Nimm Dich in Acht," fuhr er fort und erhob drohend den Stock,„daß es Dir nicht auch so geht, wie der da. Gerade so ein schlechtes Frauenzimmer warst Du wie die!" Immer warf er ihr und auch in Gegenwart der Kinder mit unzweideutigen Worten vor, daß sie sich von ihm habe verführen lassen. Und er packte, als die Frau noch zögerte und ihm er- widern wollte, sie roh am Arme, daß sie laut aufschrie und gab ihr einen so heftigen Stoß, daß sie durch die Thür des Nebenzimmers flog, die er dann knallend verschloß. Jetzt war er allein mit seinem Opfer. Die alte Wand- uhr in der Ecke mit den bestaubten Gewichten und dem zer- sprungenen, schmutzigen Zifferblatt schlug mit Heller Stimme, die fast schadenfroh klang. Eins. Seit halb zwölf hatte Riemann auf seine Tochter ge- wartet. Um diese Zeit war er aufgestanden, weil ihn der Durst plagte, der sich immer, wenn er viel Bier getrunken hatte, bei ihm einstellte. Brummend und fluchend hatte er sich im Dunkeln nach der Küche getastet, wo Anna schlief und dort nicht gleich Glas und Wasser gefunden. Als er nun ein Streichholz entzündete, sah er zufällig auf ihr Bett und bemerkte, daß es leer war. Nun war er ganz munter geworden, der halbe Rausch, in dem er war, verschwand, oder wurde viel- mehr zum rasenden Zorne über das Mädchen, das in der Nacht sich weggestohlen hatte. Im Schlafrock erwartete er sie und malte sich den Empfang aus, den er ihr bereiten wollte, während er sich in seiner stillen Wuth die Spitzen seines Schnurrbartes abbiß. Mit jeder Minute, die verstrich, wurde ihr Verbrechen größer und wurde die Strafe härter, die er über sie ver- hängte. Die Ohrfeige hatte nur die Bewillkommnung sein sollen und es that ihm leid, daß das Mädchen schon von der ersten umgeworfen worden war. Anna war allmälig zum Verständviß ihrer Lage gekommen. Auf den tödtlichen Schrecken, den sie zuerst ge- Bezirksamt Nürnberg 15, d. h. 14,1 pEt. der für dauernd untauglich Erklärten. Die Lungen- und Herzleiden, die Krank- besten der Athmungsoraane gehören ja zu den spezifischen Leiden der gewerblichen Arbeiter, zählen zu den hervorragendsten Berufskrankheiten. Geradezu unerhört sind die Zustände im Stadtdezirk Fürth mit seiner vielverzweigten Metallindustrie, seiner Spiegel- fabrikation und anderen gesundheitsschädlichen BcnifSarten. In Fürth wurden von 363 Wehrpflichtigen nicht weniger als 213 für untauglich erklärt und zwar für bedingt tauglrch: 42, für zeitig untauglich: 71, für dauernd untauglich nickt weniger als 100. Unter den dauernd Untauglichen haben wir 33, die wegen allgemeiner Körpcrschwäche, Äindermaß mit Schwächlich- keit, 12, die wegen Lungen-:c. Leiden, 14, die wegen Fehler der Sinnesorgane vom Dienst befreit wurden. Wir glauben, solche Ziffern sprechen eine recht deutliche Sprache. In ganz Bayern macht fich ein konstanter Rückgang der Volkskraft bemerkbar; am schärfsten tritt derselbe in den In- dustriebezirken hervor. Die allgemeine leiblich-geistige Ent- artung macht reißende Fortschritte, die Generationen schwinden dahin mit unheimlicher Geschwindigkeit.— Das ist das traurige Endergebniß der berührten Statistik. Politische Ueverstcht. Da es der Arbeiterpartei durch allerhand Chikanen un- möglich gemacht ist, im ersten Wahlkreis ein Lokal zu ihren Versammlungen zu erhalten, so gedenkt dieselbe, nächsten Freitag Abend in Sanssouci, Kottbuserstraße 4», zu tagen. Hoffentlich erneuert fich hier nicht dasselbe Spiel hinter den Koulissen, das seinerzeit die Versammlung im Louisenstävtischen Konzert- hause vereitelte. Auch Gegner werden am Freitag für die Dis- kussion willkommen sein. Die Arbeiterpartei wünscht, im Gegensatz zu den Leuten, welche sich heute offiziell der Staats- rettung widmen, eine offene Aussprache mit ihren Gegnern. Die erste Sitzung der sozialdemokratischen Fraktion des Deutschen Reichstags wird heute, Dienstag, stattfinden. Die Fraktion wird an dieser Session des Reichstags nur in der Stärke von 18 Mann theilnehmen, denn der Abg. Liebknecht ist z. Z. in Amerika, die Abgg. Auer, Bebel und Viereck sitzen im Gefängniß zu Zwickau, Dietz in Chemnitz, Froh ine in Frankfurt und v. Vollmar in München. Der Wahltag in Mannheim hat zu keiner definitiven Entscheidung geführt, es wird am 7. Dezember eine Stichwahl stattfinden zwischen dem Nationallibcralen Dissens und dem Sozialdemokraten Dreesbach. Wenn die vom ofsi« ziösen Telegraphen mitgethcilten Wahlziffcrn das definitive Resultat enthalten, so bekam Dissen? 7585, Dreeebach 6808, v. Buol(klerikal) 1963, v. Stockhorner(konservativ) 993 Stimmen. Im Jahre 1884 fielen bei der ersten Wahl auf den demokrati- schen Kandidaten 5359 Stimmen(darunter befand sich ein be- deutender Bruchtheil ultramontancr); auf den nationallideralen 5901, auf den Sozialisten 4346, auf den konservativen 535. Tie Nationalliberalen haben also einen Zuwachs zu verzeichnen von 1684, die Sozialisten von 1962, die Konservativen von 453 Stimmen. Das Resultat in der Stadt Mannheim selbst bietet noch zu einer interessanten Vergleichung Anlaß: Dort erhielt Dreesbach 4174 Zettel(1884: 3107, also 1071 mehr); der Nationalliberale Dissen? 3182(1884: 1889, also 1293 mehr); der Konservative verlor 100 Stimmen gegen die vorige Wahl. Kopfer erhielt 2445 Stimmen. Berücksichtigt man nun die Zu- nähme der eingeschriebenen Wähler entsprechend, so ergiebt sich, daß die Parole der Wahlenthaltung in der Stadt Mannheim von den Demokraten nicht befolgt worden ist, daß vielmehr ein großer Theil der Demokraten für den Nationallibcralen gestimmt hat. Wir haben von Anfang an diese klägliche Bourgcoispartei richtig taxirt. Für die Stichwahl könnten fich danach trübere Aussichten für Dreesbach eröffnen, als man erst annahm. Vielleicht empfindet aber das Gros der„Demokraten" doch Scham darüber, einem Msttclparteiler zum Siege zu verhelfen, und außerdem dürsten die Sozialdemokraten noch eine große Anzahl Stimmen in Reserve haben. Also Glück auf! Sozialdemokratisches Konzert. Die in Halle a. S. er- scheinende„Saalc-Zeitung" schreibt:„In der Gastwirthschaft zur„Moritzburg" war kürzlich„Frcikonzert" angekündigt, zu dem ein zahlreiches Publikum, besonders aus Angehörigen der sozialdemokratischen Partei bestehend, erschienen war; u. a. waren auch die sozialdemokratischen Abgeordneten Hasenclever und Kayser anwesend. Als zufällig(?) Polizcibeamte erschienen, fanden dieselben die Anwesenden in eifrigster Unterhaltung, bis ein bekanntes Mitglied eines Fackvereins kommandirte:„Der Koksmann ist da," worauf die Musik jene bekannte Melodie spielte. Im übrigen hielten sich Publikum wie Polizei passiv." — Femer wird uns mitgetheilt, daß der Abgeordnete Hasen- clever seinen Wohnsitz Halle bald verlassen wird, um nicht wieder in Bezug auf Privatdiäten mit dem preußischen habt hatte, folgte eine tödtliche Angst und ihre Glieder zitterten im Nervenschauer. Aber sie versuchte sich zu beherrschen, sie biß die Zähne zusammen, daß sie knirschten und schloß krampfhaft die Hände. Keine Thräne und keine Furcht! Stumm kam Riemann auf sie zu. Anna hatte sich vom Sopha erhoben und stand aufgerichtet vor ihrem Vater. Er ftagte sie nicht, wo sie gewesen sei, er schimpfte nicht mehr, wie er es vorher gethan hatte, sondern ohne ein Wort zu sagen, schlug er sie drei Mal so stark über den Rücken, daß der Rohrstock in seiner Hand sich spaltete und zersprang. Anna schrie nicht auf, sie fühlte im Augenblick auch keinen Schmerz. Ohne daß sie es wußte, verzerrte sich ihr Gesicht; hart und wild trat das Kinn hervor, ihre Ober- lippe wurde blutlos und zog sich hoch, daß die weißen, kleinen Zähne sichtbar wurden, während die Unterlippe sich krampfhaft über die untere Zahnreihe spannte und nur die Spitzen derselben hervorschimmern ließ. Ihre Nasenflügel blähten sich auf, die starren Augen schienen sich aus den Höhlen zu drängen und feurige Sonnen tanzten vor ihnen, die so roth waren wie Blut; die Jahre langen Ungerechtig- ketten und die täglichen Mißhandlungen, die sie so lange ge- duldig hingenommen hatte, preßte ihrer trockenen Kehle einen gellen, heiseren Schrei aus und sie stürzte sich auf ihren Vater. DaS hatte Riemann nicht erwartet, und durch den ersten Anprall wäre er fast zu Boden geschleudert worden. Er wankte und mußte mit beiden Händen sich rückwärts auf den Tisch stützen, der durch die Wucht des Stoßes ein Stück weit zurückgeschoben wurde. Wie eine wilde Katze um- klammerte Anna seinen Hals und der starke Mann stöhnte vor Schmerz und Wuth. Ihre Nägel gruben sich ein und zerrissen seinen Stiernacken, der roth und kräftig auf den breiten Schultern saß. Er faßte mit seinen starken Fäusten nach diesen Händen, die wahnsinnig seine Kehle umschnürten und ihm den Athem nahmen. Er glaubte zu ersticken und sein Gesicht färbte sich blau. Sein eiserner Griff schien dem Mädchen die»arten Ge- lenke zu brechen, ihre Umklammerung lockerte sich,«nd er Fiskus in Konflikt zn kommen. Er wird wahrscheinlich nach einem der mitteldeutschen Kleinstaaten fich wenden, wo der preußische Fiskus nichts zu sagen hat. Dem Verdienste seine Krone. Aus Weimar wird berichtet, daß der„sozialdemokratische" Abgeordnete Herr Magner in den Ausschuß für Verfaflungswesen und in die Geschäft»- ordnunflskommission gewählt worden ist und zwar, wie ver- lautet, für sein gutes Verhalten. Als einzelner Vertreter einer Partei hatte er natürlich auf solche Doppclwahl keinen Anspruch, aber seine Kollegen sahen ein, daß sie Herrn Magner lange Zeit unrecht gethan hatten, da derselbe mit ihnen in seinen An« sichten vollständig harmonirte. Da sie dieses eingesehen hatten, machten sie ihr Unrecht wieder gut. Uebrigens hat, wie wir des Näheren erfahren, trotz aller Ableugnungen Herr Magner nichts mehr mit der sozialdemokratischen Partei zu thun. Wahlberechtigung der Ehambregarnisten. Das Ober- vcrwaltungsgcricht hat kürzlich eine Entscheidung gefällt, welcher die Frage, ob die Chambrcgarnisten im Sinne der Städteordnung als selb st ständig zu betrachten find, zu Grunde liegt. Nach langem Schwanken hat sich die Praxis dahin ausgebildet, daß jede Person, welche wirthschaftlich selbst' ständig ist, sich im Besitze einer eigenen, wenn auch mit Möbeln und Geräthschaftcn des Vcrmiethers ausgestatteten Wohnung befindet und einem fremden Haushalt nicht angehört, einen eigenen Hausstand bildet und selbstständig ist. Auf Grund dreser Praxis hat der Magistrat zu Schweidnitz einsN Ehambregarnisten zur Erwerbung des Bürgerrechts und zur Zahlung des dort erhobenen Bürgerrcchtsgcldes anhalten wollen, der von dem Ehambregarnisten angemfene Bezirks- ausschliß zu Breslau hatte sich aber auf den Standpunkt gestellt, daß der Kläger nicht als selbstständig anzusehen sei, lediglich weil er nur eine mit fremden Möbeln ausgestattete Wohnung inne habe und kein eigenes Gesinde(!) zur Bedienung habe, also nicht aus sonstigen, die wirthschaftliche Selbsfftändig- keit berührenden Gründen. Auf die Revision des Magistrats wurde aber vom Oberverwaltungsgericht das Erkenntmß des Bezirksausschusses aufgehoben und unter Berufung auf die oben angedeutete Praxis sowie auf die Entstehungsgeschichte der Bestimmung anerkannt, daß Ehambregarnisten als sclbstständig anzusehen sind. Selbstverständlich liegt ihnen in dieser Eigen- schart nicht bloß die Erfüllung der Pflichten, sondern auch die Ausübung der Rechte ob, d.h. sie sind wahlberech« tigt bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung, aber auch bei denWahlen für das Abgeordnetenhaus.§ 8 der Verordnung über die Ausführung der Wahl der Abgeordneten zur Zweiten Kammer vom 30. Mai 1849 macht die Berechtigung zur Theil« nähme an den Urwahlcn ebenfalls davon abhängig, daß der Urwähler„selbstständiger Preuße" ist. In dieser Beziehung sind früher, und namentlich in ländlichen Gemeinden, viele Verstöße bei Aufstellung der Wählerliste vorgekommen, und nach der Auffassung, welche der Bezirksausschuß zu Breslau bekundet hat, muß man annehmen, daß auch jetzt noch der- artige Verstöße vorkommen. Auch in dieser Beziehung ist die Entscheidung des Obcrverwaltungsgerichts bedeutungsvoll. Nach dem Postetat sollen Gehaltsverbesserungen eintreten für Postbauinspektoren um je 300 Mark, Zulage für den Vor- stehcr des Stadtfernsprechamtes zu Berlin 1200 Mark, Erhöhung des Durchschnittssatzes von 2100 auf 2335 Mark für 216 Stellen von Postsekrctären des niedrigeren Durchschnittsetats, Erhöhung des Durchschnittsbesoldungssatzes der Vorsteher von Postämtern dritter Klasse um 50 Marl von 1375 auf 1425 Mark, Erhöhung der Durchschnittsbesoldung der Landbriefträger von 610 auf 620 Mark. Der letztere Vorschlag ist denn doch d� größte Ironie, die uns je vorgelomnicn. Wenn man durchaus sparen muß, so soll man es gewiß nicht bei den Leuten thun, die ani bedürftigsten sind. Zur Frage der Privatposten schreibt ein sozialistisch� Blatt der Vereinigten Staaten:„In den Großstädten Deut/*' lands tauchen überall Privat-Postanstalten als Konkurrenten � öffentlichen auf. Hier zu Lande packte man die Unternch�. beim Kragen und legte ihnen das Handwerk und das ganz Recht. Die Rcgicrungspost muß Briefe auf weite Entfernung� manchmal mit kostspieliger Beförderung durch Gespanne exp� diren, wo sich der Dienst lange nicht bezahlt. Aber im öffe� liehen Interesse muß es geschehen. Da sollte sie nun dulden- daß Profitschnapper ihr die Zentren des Verkehrs wegschnappt' wo das Defizit gut gemacht werden muß? Eine solche UnvE' schämtheit wird hier gesetzlich nicht geduldet." Der deutsche Schnaps hat es doch schon weit über Ozean zu einer großen Berühmtheit gebracht. Aus einer Rt des Misstonspredigers und Pastors Victor aus Kalk bei Km"' die derselbe kürzlich in Elberfeld hielt, erfahren wir, der Import deutschen Branntweins auf der Sklavenküste Afru" im Jahre 1884 dicht an 15 Millionen Mark betrug, 65 pt: der gesammten Einfuhr. Der Genuß des Branntweins> geradezu ruinös für die dortige Bevölkerung, namentlich dcsho�' weil die Qualität dieser Srnituosen eine sehr schlechte ist" Das nennt man nun die Wilden zivilifiren! M Klerikales. Dem Vernehmen nach steht der Zusamm«?? tntt�einer�außerordentlich� dachte sie bereits in seiner Gewalt zu haben. Da biß in ihrer sinnlosen Wuth in seine Finger, daß er vor Schw aufschrie und sie für einen Augenblick losließ.% Gewandt wie eine Schlange hatte sie sofort ihre v?. wieder frei und begrub sie in seinen schwarzen Ba- welcher sein Stolz war, und den er besser pflegte als o und Kind. ,«�,4) Er schlug mit der Faust nach ihrem ßmb bleichen Gesicht, auf dem der Schweiß in dicken Trcchl stand. Sie bog sich zur Seite, und der Schlag fiel W L auf ihre Schulter. Sie konnte einen kurzen Aufschrei � unterdrücken, aber auch er ächzte und stieß ein dumpfe» heul aus, während er von neuem nach ihren Händen T � die seinen Bart rauften und sein Kinn herabzerrten. hatte sie an die Wand zurückgedrängt und ihr heißer streifte sein Gesicht.,.. „Kröte," keuchte er,„Kröte, ich schlage Dich todt, Du nicht losläßt!"-- (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Ledeu. � Ausverkauft steht seit gerau.ner Zeitkauf vm �s«s ordnung des Berliner Stadtthcaters. Die Peliemh �ht, Volkstheaters ist eine erklärliche, wenn man in Betraw� wie Vieles und Gediegenes geboten wrrd. Erst_ Bertraw unverwüstliche tolle Posse von Wenauch„Robert i . treiU ooer„.ute tuingen �aguvv,>»>-», vu.... aiidaueri' LWMSK« hatte. artiges Mittel gefunden, den Mann, von dem n klächster Zeit bevor. Zweifellos wird die Frage der Stellung« nähme zu der Kirckenvolitik der preußischen Regierung dabei eine große Rolle spielen. H-Urtitv. Die Regierung legte der Kammer einen Gesetzentwurf vor, welcher die Verfaffungsbestimmungen über das Wahlrecht m einer Weise abändert, daß die Möglichkeit des a l l g e- n« einen Stimmrechtes dadurch ausgeschlossen wird. Die Regierung verlangt von den Wählern Befähigung und einen gewissen sozialen Wohlstand nach den Bestimmungen, welche das Wahlgesetz aufstellen wird. Sie schlägt ferner ein provisorisches Wahlreglement vor, das auf einer Ausdehnung des gegenwärtigen Wahlrechts baflrt und durch welches die Zahl der Mitglieder der zweiten Kammer auf 100, derjenigen der «rsten Kammer auf 50 erhöht werden soll. Frankreich. In der französischen Kammer ist es zu einer wichtigen Kundgebung über die auswärtige Politik Frankreichs gekommen. Der Abg. Delafosse interpellirte die Regierung über die egyptische Frage. Der Verlust unseres Einflusses in Egypten, sagte er nach der„Voss. Ztg.", ist eine der größten Katastrophen, die Frankreich jemals erlitten. Sollte England Egypten, das wir verloren, endgiltig erworben haben? Gran- ville und Gladstone versprachen, Egypten zu räumen. Für die 1885er Anleihe wurde die Bürgschaft Europas gefordert. Eng- land erkennt also an, daß Egypten intemational sei. Snlis- bury's nculiche Aeußerung beim Lordmayors-Vankett weicht von dieser Auffassung sehr ab. Da wird die Räumung an kein Datum mehr gebunden. England wird es so einrichten, daß es lange, wenn nicht immer, bleibt. Es macht alle egyptischen Einrichtungen englisch. England entwürdigt den Khcdiwe zu einem knechtischen und entehrten Werkzeug, bevölkert das Land mit englischen Beamten, die nichts thun und Riesengehälter de- ziehen. Gegenwärtig trifft England mit dem Sultan unter Umgehung Europas Abmachungen. Frankreich muß der Wächter der Interessen Europas werden. Ich verlange kein bewaffnetes Einschreiten in Egypten, aber durch eine nachdrückliche und unaufhör- liche diplomatische Aktion müssen wir England zur Achtung unserer Rechte anhalten. Der Suezkanal ist heute der Schlüssel der Welt, England muß verhindert werden, seine Hand darauf zn legen. Es genügt kräftig zu sprechen. England hat immer die Starken geachtet, und es genügt zu wollen, um von ihm geachtet zu werden. Auch in der b u l- ? a r i s ch c n Frage müssen wir auf dem Boden des Berliner Vertrages bleiben. Auch Rußland bleibt darauf und Rußlands Interessen sind diejenigen, die sich mit den unsrigcn am besten vertragen. Freycinct erwiderte darauf: Das Land bedarf des Friedens, denn es arbeitet an der Umwandlung einer alten Monarchie in eine Republik und dazu bedarf es langer Jahre des Friedens. Die Regierung hat aber neben dem Frieden noch einen andern Gesichtspunkt zu wahren, den des Ranges, den Frankreich in Europa einnimmt und einnehmen inuß. Sie meint, daß sie in jeder Frage ihre Anstrengringen und ihre Aktion der Bedeutung von Frankreichs Interessen vcrhältniß- mäßig anmessen soll. Frankreich hat in der bulgarischen Frage kein eigenes Interesse, aber es sorgt um die Erhaltung des türkischen Reichs, um die Achtung der Verträge, um die Wahrung des Friedens und des Gleichgewichts unter den ver- schicdcncn Mächten. Wir haben in der bulgarischen Frage bisher das Wort den direkter intercssirten Mächten überlassen, dchal- ten uns aber vor, im geeigneten Augenblick unsere Stimme zu erheben. An der egyptischen Frage dagegen hat Frankreich Interessen ersten Ranges, man kann daher nicht zulassen, daß Egypten sich in den Händen einer fremden Macht be- 'in de. Diese Gefahr ist indessen nicht zu befürchten. Die �ugländcr sind nach Egypten gegangen, lediglich um die Ord- ?ung daselbst herzustellen; dieselben erkannten an, daß Egypten ,!» eigener Herr sein müsse. Die französische Regierung hat 0me Klage formulirt, wohl aber die Aufmerksamkeit Englands S« die Nothwendigkeit hingelenkt, zu einer Lösung zu gelangen. haben mit England Vorbesprechungen eingeleitet, wir haben "nscre herzlichen Bezichunaen angerufen, und ich zweifle nicht, M England die Aufrichtigkeit und Tragweite dieser Sprache t"ftcht. Ich hoffe, daß die Lösung der S u e z k a n a I f r a q e naid erfolgen wird, müßten wir auch dazu den europäi- L* e n A r e o p a g anrufen. Frankreich wird in seiner Sprache Festigkeit mit der Rücksicht für eine Freundcsmacht zu paaren Men. Offene und ehrliche Politik ist immer die geschickteste. jP't haben denn auch hier kernen Hintergedanken. Frankreich Uat wegen Egyptens keine bestimmte Räumungsforderung gestellt, fjflf«11%-«ayT/*« /*+ UTlt) A �" hat nur verlangt und wird weiterhin verlangen, daß die ?Netzung ein Ende habe. Tie koloniale Politik anlangend, !° hält Freycinct dafür, daß man sich begnügen müsse, die unien Besitzungen zu organisiren. Die Politik der Regierung r�Ue sich zusammenfassen in die Worte: Klugheit und glaubte, zum Zeugen ihres Selbstmordes zu machen. Sie hatte sich iu f--—--------«T,---- V C�n„s k«, in einen jungen Mann, der öfter ihr väterliches Haus bc- 'Uchte, verliebt; als dieser nun seine Besuche einstellte und sie «fuhr, daß er sich mit einer anderen jungen Dame verlobt Vwe, ließ sie ihn, da sie wußte, daß er in seiner Wohnung ein Telephon habe, an dasselbe rufen und beglückwünschte ihn zu inner Verlobung.„Nun aber hören Sie!' so schloß ihre Rede. M Telephon hat seine Schuldigkeit gcthan; der junge Mann horte einen Pistolenschuß. Das Mädchen hatte sich eine Kugel Ms Herz geschossen._,,. ., Sturm-Prognose. Aus New-Pork, 24. November, wird 'Negraphirt:„Der entschiedene Erfolg des bereits seit ermgen fahren im Gange befindlichen Systems, die Witterung für den Östlichen Kontinent vorauszusagen, hat zu einem Versuch an- auch das Erscheinen von Ozeanstürinen zu prophezcren. 5?» jetzt haben die Kapitäne von Schiffen, die von der amerr- ranischen Küste in östlicher Richtung segeln, vom meteorologischen fmte bereits einigen Beistand erhalten. Fetzt wird indcß beab- uratmt, wenn es möglich ist, den Werth dieses Beistandes zu Erhöhen und denselben auch auf Fahrzeuge anwendbar zu Mchen, die aus europäischen und anderen Häfen in westlicher Dichtung fahren. Diese letztere Klasse hat bis jetzt aus dem ,Wem der Wetterprophezeiungen weniger Vortheile genossen, m« andere, weil in der großen Mehrzahl der Fälle die Richtung PS Sturmes von Westen nach Osten geht. England und 'Frankreich haben sich den Vereinigten Staaten angeschlossen, um dem hiesigen Zcntralamte Beobachtungen über das Wetter «mschen den Parallelen des 35. und 50. Grades, und zwflchcn °en Meridianen des 40. und 70. Grades zu liefern. Diese Beobachtungen sollen ausgearbeitet, und die Resultate zur Ver- Nentlichung nach England tclegraphirt werden. Fw le Zahne, von denen bereits 18 vorhanden sind, dre übrigen Jm dem Durchbruch nahe. Aber noch mehr! Sem sonst wneewerßes Haupt, und Barthaar wird nunmehr grau mehrt, Nenä« 4 bcm flinn Qm dalse tiefschwarz. In Folge des„Zah- MKIETZL "wr unbekannt. Mm �ederstatistik. Welche Dichter find es, die. am nicisten n Komponiren anregen; welche Gedichte haben am öftesten GrotzKrttnttttieit. Da8 Torykabinet scheint beschlossen zu haben, die Behaup- tuna des alten John Bright, daß Gewalt kein Heilmittel sei, in Irland praktisch zu widerlegen. Deutete schon die Ab- berufung deS den Jrländern freundlich gesinnten Untersekretärs Sir Robert Hamilton auf eine Aenderung der bisher von dem Ministerium Salisdury in Irland verfolgten Politik hin, so lassen die neuesten Maßregeln der Regierung darüber keinen Zweifel mehr, worin diese Aenderung besteht; mit der alten, so oft angewandten, aber stets als verfehlt erkannten Zwangspolitik soll noch einmal ein Versuch gemacht werden. Der Augenblick hierzu ist sehr unglücklich gewählt, da selbst ein Mann, wie der Befehlshaber der englischen Truppen in Kerry, Sir Rcdver Buller, vor der Kommission in Killarney erklärt haben soll, daß nur die Nationalliga das Volk vor Un- recht schütze, daß vielfach auch die durch die Richter fest- gesetzten Pachtzinsen zu hoch wären und die jetzt beliebte Art der Pächteraustreibungen nicht durchgesetzt werden könne. In England, Wales und Schottland ist heute jedenfalls die Partei, welche durch Zugeständnisse an Irland einen Ausgleich herbei- zuführen wünscht, stärker als je zuvor, trotzdem die Unionisten ihren Liberalismus an den Nagel gehängt haben und bereit sind, mit der konservativen Regierung zusammenzugehen, um die Lösung der irischen Frage in liberalem Sinne so lange als möglich zu verschieben. Noch am Freitag hat eine in der St. James Hall zu Manchester abgehaltene, von 7000 Personen besuchte Versammlung zu Gunsten von Home R u l e eine Resolution angenommen, welche folgendermaßen lautet: „Die besten Interessen sowohl Großbritanniens wie Irlands fordem gebieterisch, daß bei den von Gladstone begonnenen großen Anstrengungen, Irland eine bessere Regierung zu geben, fest beharrt werde, bis eine dauerhafte Regelung erzielt worden ist. Eine solche Regelung muß den Ansichten und Wünschen der irischen Wähler begegnen, wie sie von deren konstitutionellen Vertretern im Parlament ausgedrückt worden find, und der einzige Plan, welcher der Gerechtigkeit entsprechen würde, ist in einer irischen legislativen Körperschaft oder in der eigenen Ver- waltung alles dessen zu finden, was das Parlament für ent- schieden irische Angelegenheiten erklären dürfte." Die Gewaltpolitik wird auch diesmal wieder scheitern und es ist nur zu bedauern, daß das Torykabinet gerade jetzt, wo man viel- fach auf eine Bethätigung der englischen Kräfte nach außen hin rechnet, den Kampf gegen die Jrländer wieder auf- nimmt. KalKa« tander. Aus London wird der„Nat.-Ztg." vom 25. geschrieben: Die Kandidatur des F ü r st e n v o n M i n g r e l i e n ist noch keineswegs so gesichert, wie es vor einigen Tagen Berichte, be- sonders aus russischen Quellen stammende, glauben machen wollten. Den anderen Mächten gilt die Personcnfrage über- Haupt nicht als eine in erster Reihe stehende. Man legt ungleich größeres Gewicht darauf, daß, bevor der Thron besetzt wird, ein dauernder Zustand in Bulgarien besonders rücksichtlich seines Verhältnisses zu Ostrumelien gesichert werde. Nachdem nun die Wahl des Fürsten von der Zustimmung aller Mächte ab- hängig ist und jede ihr Veto einlegen kann, so ergiebt sich hieraus von selbst, daß die Möglichkeit vorhanden ist, die Zu- stinimung zu der Wahl dieser oder jener Persönlichkeit von Be- dingungcn abhängig zu machen. Das fühlt man an der Newa auch und darum hat man zwar den Mächten bekannt gegeben, daß der Fürst von Mingrclien der Kandidat Rußlands sei, jedoch mit einer formellen Aufstellung dieser Kandidatur bisher gezögert, da man die Nothwendigkeit empfindet, sich früher mit den Mächten darüber zu verständigen, daß der einmal formell aufgestellte Kandidat auch die allseitige Zustimmung erhalte. Ueber die Vorfragen ein Einvernehmen zu erzielen, ist, besonders was die Unionfrage anbelangt, keine leichte Sache, und man wird sich auf langwierige Verhandlungen gefaßt machen müssen, da die Standpunkte verschieden sind und man bei jenem, den die Pforte einnimmt, nie recht weiß, ob man es mit eigenen türkischen oder soufflirten Anschauungen zu thun habe, in der erwähnten Frage aber viel auf die Pforte ankommt, nachdem, so lange die vorjährige türkisch-bulgarische Konvention in Kraft besteht, der Fürst von Bulgarien zugleich der von der Pforte zu ernennende Gouverneur von Ostrumelien sein muß. W'e es scheint, will aber die Pforte über die Abänderung des ostrumelischen Statuts erst mit dem neuenmnnten Gouverneur und künftigen Fürsten von Bulgarien verhandeln, während, wenn der Fürstenwahl eine Ordnung der Unionfraae vorangehen soll, es nothwendig ist, daß allem anderen die Abänderung des ostrumelischen Statuts vorangehe. Eine der größten Schwierigkeiten, mit denen die bulga- rische Regierung zu kämpfen hat, ist der Geldmangel. Zwar hat die Sobranje sie ermächtigt, eine Anleihe aufzu- nehmen. Alle bisherigen Versuche jedoch, dieselbe abzuschließen, find vergebens gewesen. Nun aber eröffnen sich auch in dieser Richtung günstigere Aussichten. Aus Tirnowa wird berichtet, daß Bukare st er Banksirmen erbötig find, zehn Millionen Franks für Bulgarien zu beschaffen, und zwar mit Hilfe der rumänischen Nationalbank, wozu die rumänische Regierung ihre den Vorzug gehabt, in Musik gesetzt werden? Auf diese Fraye wie auf manche andere giebt Ernst Challier's mit großem Fleiß zusammengetragener„Großer Liederkatalog" Antwort. Wir entnehmen demselben folgende interessante Details. Hunderte von Liedern sind mehr als 10 mal komvonirt, 49 über 20 mal, 41 über 30 mal, 20 über 40mal. Das Gedicht„Auf dem Teich, dem regungslosen" hat 54 Melodien erweckt;„Ueber allen Wipfeln ist Ruh'" 56,„Die linden Lüfte sind erwacht" 58, ,Lennst du das Land" 65,„O, komm' zu mir, wenn durch die Nacht" 65,„Ein Fichtenbaum steht einsam" 74,„Leise zieht durch mein Geinüth" 85,„Weil' auf mir, du dunkles Auge" 109, aber sie alle läßt weit hinter sich das Heine'sche„Du bist wie eine Blume", denn dieses ist von 167 Komponisten in Musik gesetzt wordm. Pon Bären überfallen. Mehrere Einwohner der Ge- meinde Ragy-Jakabvagas im Saroser Komitat in Ungarn begaben sich in den nahegelegenen Wald, um dort Holz zu sammeln. Während dieser Beschäftigung stießen die Landlcuie, wie unga- rische Blätter berichten, auf drei Bären, von denen einer den abseits von seinen Genoffen befindlichen Johann Baloczky an der Hüfte faßte und zu Boden streckte. Baloczky fiel glück- licherwcise mit dem Gesichte zu Boden und leistete den An- strengungen des Bären, ihn in die Gebüsche zu schleppen, energischen Widerstand, indem er sich mit dem Aufgebot aller Kraft an eine Baumwurzel klammerte. Es war zu befürchten, daß der Bär, durch die wuchtigen Schläge seiner Pranken dem unglücklichen Manne den Garaus machen werde, als unver- mutheter Weise der Hund des Baloczky, der sich von seinem Herrn verlaufen hatte, sich auf das Unthier stürzte, welches sich vergeblich bemühte, den sich unter ungeheuren Schmerzen am Boden windenden Mann auf den Rücken umzudrehen; der .Hund zwang den Bären, von seinem Opfer abzulassen und sich in die Büsche zu schlagen. Die anderen Bären hatten schon beim Herannahen des Hundes die Flucht ergriffen. Baloczky hatte durch die Schläge des Bären zolltiefe Wunden erlitten. Die Bären schleppten von einer in der Nähe weidenden Heerde einige Rinder als Beute davon und verschwanden spurlos in den Bergen. Hochzeit im Gefängniß. Prag, 26. November. Der Bauerssohn Czizek, welcher seine Geliebte Marie Vondracek, weil seine Eltern die Ehe mit der armen Magd nicht zugaben und ihm eine reiche Wittwe bestimmten, im Einverständniß mit derselben angeschossen und hierauf sich selbst in selbstmörderischer Absicht schwer verwundet hatte, feierte heute, nachdem Beide genesen und er in Untersuchungshaft abgeführt worden war, in Bewilligung ertheilt hat. Auch ist der bulgarischen Regierung ein Anerbieten seitens eines amerikanischen Finanz- mannes zugekommen, welches zwei Millionen Dollars ohne Garantie gegen Verzinsung zur Verfügung stellt. Amerik«. Die amerikanischen Arbeiter, so schreibt man der Hamb. �Bürgerztg", haben am Wahltag, dem 2. November, eine wert größe Macht entfaltet, als man im ersten Moment annahm, als die Resultate unvollständig bekannt waren In Chikago, Milwaukee und an noch verschiedenen anderen Orten haben die Arbeiter ihre Kandidaten durchgesetzt, und ein bc- deutungsvolles Moment hierbei ist, daß die sozialistische Partei überall mit den„Rittern der Arbeit" zusammengegangen ist. Die reinen Arbeitcrkandidaten werden im Ganzen über 300 000 Stimmen auf sich vereinigt haben. Das ist allerdings eine kleine Zahl, verglichen mit den Millionen von Stimmen» welche noch für die alten Parteien abgegeben wurden. Wenn man aber bedenkt, daß die Arbeiterpartei zum ersten Mal auf den Plan trat, und daß— außer in New-Bork— nirgends lange Vorbereitungen getroffen werden konnten, so begreift man den Schreck der alten Parteien, die sich plötzlich einem Feind gegenübersehen, an dessen Existenz sie gar nicht geglaubt haben, und dessen Kraft ihnen beim ersten Schlag, den er führte, fühl« bar geworden ist. Von besonderer Wichtigkeit ist der Wahlsteg der Arbeiter in Chikago. Die Arbeiter, denen dort von den „Anarchisten" vorgeschwätzt worden war, das Wählen sei Unsinn und ganz wirkungslos, haben, ihrem gesunden Instinkt folgend, gewählt und sie haben gesiegt. Und während die Bombe des 4. Mai den Gegnern der Ärbeitersache den Sieg in die Hand spielte und die Ächtstundenbewegung zu Grunde richtete, hat die Wahl des 2. November den Gegnern der Arbeiter eine Niederlage beigebracht, deren Schwere von ihnen selbst zuae- standen wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die omerika- nischcn Arbeiter, durch die Erfolge des 2. November angefeuert, auf der einmal betretenen Bahn fortschreiten und in 2 Jahren mit ungleich größeren Massen in's Feld rücken werden. Und weiter unterliegt'S keinem Zweifel, daß am 2. November d. I. das Todtenglöcklcin der alten Parteien: Demokraten und Re- publikancr, geläutet hat, und daß sich neue undgesündere Pap- teiverhältnisse in Amerika herausbilden werden. Einer Depesche aus H a v a n a zufolge haben die dortigen Zigarrenfabriken ihren Betrieb«ingestellt, und zwar in Folge neuer Forderungen ihrer Arbeiter. Gerichts-Zeitung. Ein ähnlicher Prozest, wie er kürzlich in Mannheim sich gegen Willich und Genoffen abgespielt hat, steht in Königs- berg i. P. bevor. Der Tischlergeselle Gustav Slomke dortselbst ist verhaftet worden. Die Veranlassung dazu ist folgende: Die seit längerer Zeit unter dem Vorsitz Slomke's bestandene Ver- einigung der Tischlergescllen Königsbergs ist Ende August d. I. verboten und die Abwickelung der Vereinsgcschäfte dem Polizei- Präsidium übertragen worden. Bei der Beschlagnahme des Ver- mögens wurde von dem Kaksirer, Tischlcrgcsellen August Krebs, ein Kassenbestand von 101 M. 50 Pf. übergeben, indem Krebs sowohl wie Slomke versicherten, daß der Verein andere Gelder oder Werthpapiere nicht besitze. Mit dieser Versicherung war jedoch eine unter den beschlagnahmten Papieren vorgefundene Abrechnung des Kasstrers K. nicht in Einklang zu bringen, welche mit einem Baarbestande von 585,43 M abschloß. Man vernruthete deshalb, daß über den differirendest Betrag ein Sparkassenbuch vorhanden sein müsse. Die weiteren Erhebungen. ergaben dann auch in der That, daß der Verein ein auf den Namen August Schlau ausgestelltes Sparkassenbuch besessen habe. Als dasselbe bei einer späteren Nachforschung gefunden wurde, waren bereits mehrere hundert Mark abgehoben und es ist daher zu vermuthen, daß der ganze Betrag vor der polizei- lichen Konfiskation gerettet werden sollte. Soziales»ml» Arbeiterbewegung. Zur Buchdruckerbewegung. Selbst die„Sozialkorr." des Dr. Böhmert kann nickt umhin, die herausfordemdc.Haltung der rhemisck-westfälischen Unternehmer zu mißbilligen. Sie schreibt:„?iun hört und liest man von verschiedenen Seiten, daß die Forderungen der Gehilfen unerfüllbar seien. Dem Widerstande der rheinisch- westfälischen Prinzipale nach zu urtheilcn, möchte man das fast glauben. Denn wir aber er- klären, daß auf Grund des Tarifs die Lohnerhöhung in den weitaus meisten Fällen nur eine Mark pro Mann und Woche beträgt, wird man es sonderbar finden, daß obige Prinzipale solch' ein Aufhebens davon machen. Für die Gehilfen handelt es sich in erster Linie nicht um eine Lohnerhöhung(viele Ge- Hilfen, die seither schon über dem Minimum von 20 M. 50 Pf. entlohnt wurden, haben gar keine Aufbesserung erhalten), son- dern um die Anerkennung des Tarifs, da mehr Werth auf die Einführung der 10 ständigen Arbeitszeit, die, trotz des 13 jährigen Bestehens des Tarifs, thcilweise noch immer 10£, 11 und Iii Stunden beträgt, sowie auf die Aufstellung einer der Kapelle des Strafgerichtsgebäudes die Vermählung mit der Geliebten; nach der Trauung wurde der junge Ehemann in die Zelle zurückgebracht. Eine unglückliche Mutter. Aus London schreibt man: «Für den 24. d. M. wurde die Hinrichtung des dreißigjährigen William Narumor festgesetzt, der seine Frau in Folge eines Streites in die Themse gestoßen, woselbst sie ertrank. Zehn- tausend Personen unterzeichneten ein Begnadigungsgesuch; dir Königin gab demselben Folge und die Mutter des Verurtheilten, welche die letzten Tage in namenloser Angst in der Nähe des Gefängnisses verbracht hatte, sollte ihrem Sohne die Nachricht überbringen. Als die alte Frau in die Zelle trat, begann der Sohn, der meinte, daß es sich um den letzten Abschied handle, an allen Gliedern zu zittern; die Mutter rang nach Worten, doch ehe sie noch eine Silbe gesprochen, fing sie zu röcheln an und sank als Leiche zu Boden... Erst der Kerkermeister setzte Narumor von dem ihm gewährten Nachlaß der Todesstrafe in Kenntniß." Schändliche Reklame. Aus Paris, den 24. November, wird der„Voss. Ztg." geschrieben:„Seit zwei Tagen be- gegnete man auf den großen Boulevards Zügen von«Frauen- zimmern", die paarweise nach Art luftschöpfender Mädchen- pensionate spazieren gehen. Sie sind ganz gleich gekleidet. Sie tragen einen sehr elegant nach neuester Mode geschnittenen An- zug aus honigkuchcnfarbcnem, gelbbraunem Wollstoff mit bordeauxrothem Eeidenfutter und Aufputz, dazu eine phan» tastische Kopfbedeckung aus demselben Sioffe, die zu beiden Seiten des Kopfes zwei hoch aufragende„Eselsohren" bildet. Die Gesichter find mit einem rothen Schleier so vollkommen verhüllt, daß es unmöglich ist, die Züge zu erkennen. Ist dies ein besonderes Raffinement, um die Neugier der Vorübergehen» den, wenigstens der männlichen, kräftiger zu stacheln? Ist es, weil die Damen nicht erkannt sein wollen oder weil sie bei der Enthiillung ihrer Gesichter nicht gewinnen würden? Alle Ver- niuthungen sind gestattet, doch lassen die Gestalten und der leichte, behende Gang auf ein jugendliches Alter schließen. Sie wandem schweigend und ehrbar einher und die dichten Schleier machen alles Kokettircn unmöglich. Sie haben auch nicht die Bestimmung vorn, sondern- rückwärts angesehen zu werden; denn hinten zeigen ibre Anzüge in arellfarbigec Stickerei die Worte:„Le meilleur amer est l'amer X.", „das beste Magenbitter ist das Bitter X."(Hier natürlich der Name des„findigen" Fabrikanten.) Die Boulevard-- Menge läßt sich die Neuerung„schmunzelnd und wohlwollend" gefallen." Lehrlingsskala zu legen ist. Und das sollte Jeder freudig be- grüßen, dem es nicht gleichgiltig ist, wenn das Buchdrucker- gcwerbe durch die Schmutzkonkurrenz immer mehr dem voll- ständigen Ruin entgegenge'ührt wird." Stehen die Unternehmer übet dem Gesetze? Freiheit (Kreis Osterode a. Harz), 20. November. Es arbeiteten vor Kurzem in der Wollwaaren-Weberei von Alwördm u. Baden- diel zwei fremde Weber, welche aber mit dem Lohn nicht aus- kommen konnten. Der Wochenlohn ist hier, wie bekannt, 9 bis 10 M- Als sie die Arbeit mit Kündigung niederlegten, gab ihnen der Fabrikant von Alwörden einen rothen Fremd- zettel und sagte ihnen, daß sie bald reumüthig zu ihm zurück- kehren, daß kein Fabrikant sie in Arbeit stellen würde. Als sie sich darüber beschwerten, erhielten sie zur Antwort, daß der Fabrikantcn-Bcrein seit 14 Tagm diese Zettel habe drucken lassen, nämlich rothe mit schwarzer Schrift, worauf sie be- schwerdeführcnd nach dem Landrathsamt gingen. Der Landrath aber war verreist. Seine Stelle vertrat der Fabrikant von der Baumwollenweberei, von dem sie zur Antwort erhielten, daß er dem Herrn Fabrikanten von Alwörden nicht vorzuschreiben habe, was er mit seinen Arbeitern thun solle. Es ist nun richtig so weit gekommen, daß kein Fabrikant die Entlassenen auf Vorzeigen des Zettels eingestellt hat. Werkstätte für Arbeitslose. Wie wenig Bedeutung die Privatwohlthätigkeit in Bezug auf Schaffung von Arbeit und Verdienst für Arbeitslose hat, geht aus einem Bericht hervor über eine Werkstätte für Arbeitslose, die in der großen Handels- und Industriestadt L e i p z i g errichtet worden ist. Es haben nämlich nach dem„Leipz. Tagcbl." in der Zeit vom Eröffnungs- tage bis zum 23. November d. I. im Ganzen 510 Personen in der Werkstätte gearbeitet, wobei allerdings zu bemerken ist, daß Personen, die an mehreren Tagm vorsprachen, jedesmal von neuem gezählt worden find. Auf die einzelnen Monate ver- theilen sich die Ardeiter wie folgt: April 1, Mai 32, Juni 46, Juli 93, August 67, September 143, Oktober 69, November 59. Die Gesammtarbeitszeit deläuft sich auf 1968 Stunden oder, da in der Werkstätte 8 Stundm täglich gearbeitet wird, aus 246 Tage. Von den für die Werkstätte angeschafftm zirka 130 Raummeter Holz find bereits mehr als 80 Raummeter gespalten, von diesen wieder 60—65 Raummeter verkauft. Die Verkaufspreise stellen sich für den Raummeter langes kiefemeS Scheitholz, 5theilig geschnitten und gespalten, bei Entnahme in der Werkstätte auf 11 M., frei ins Haus bis in den ersten Stock oder Keller geschafft auf 12 M. Außerdem wird in der Werlstätte gespaltenes Holz korbweise zum Preise von 45 Pf. für den Normalkorb abgegeben.— Wenn das Unternehmen hierbei schon jetzt nahezu auf die Kosten kommt, so ist zu hoffen, daß dies später bei größerer Bmutzung der Werk- stätte vollständig der Fall sein wird. An und für sich ist die finanzielle Lage eine günstige zu nennen. An gesammelten Beiträgen find bis jetzt 4039,25 M eingegangen, für verkauftes Holz sind 605,85 M. gelöst worden. Dm Ge- sammteinnahmen von 4645,10 M. stehen 2056,77 M. Ausgaben gegenüber, darunter 730,65 M. Gründungs« und Einrichtungskosten, 843,25 M. für Holzankauf, einschließlich Fracht, Fuhr- lohn und Abladekosten und 233,27 M- Zahlung an die Her- berge zur Heimath, welche bis Ende Oktober 359 Marken für Herberge und Frühstück, 305 Marken für Abendbrot, 101 Marken für Mittagsvrot und Bier und 43 Marken für halbes Mittagbrot durch Gewährung der entsprechenden Naturalverpflegung eingelöst hat.— Man sieht aus vorstehendem Bericht, wie wmzig diese Privathilfe sich gestaltet hat; man ficht aber auch femer, mit welcher geschäftlichen Routine diese„Wohlthätigkeit" vorgeht, da sie bald schon„auf die Kosten gekommen ist."— Im Ganzen haben 510 Personen in der Werkstätte gearbeitet und zwar lediglich gegen Naturalverpflegung. Durchschnittlich wurde 8 Stundm täglich von diesen 510 Personen gearbeitet und dafür erhielten dieselben Herbergsessen mit Bier 101, Abendbrot 305, Hcrbergsschlafstelle und Frühstück 359 und halbes Mittagsessen 43 mal. Das heißt im Durchschnitt für den Einzelnm für 8 Stunden Arbeit eine ganze Herbergsportion und eine halbe täglich. Und das soll Wohlthätigkeit sein! Jedenfalls ist es die billigste Art der Wohlthätigkeit, die man sich denken kann. Und wmn sie das nicht wäre, so würden sich unsere Befitzendm auch für sie be- dankm. Man kmnt die Gesellschaft ja. Zur Warnung. Von der unseren Lesem wohl bekannten Frau Guillaume-Schack geht dem„Schwäbischen Wochenblatt" aus London unterm 15. November folgendes Schreiben zu:„Seit einiger Zeit fetzt ein gewisser„Pfeiffer" eine Annonce in die Zettungen, in der junge Mädchen für gute Stellungen in England gesucht werden, die Ueberfahft sei frei. Der Mann ist ein Schwindler durch und durch, der den Mädchen hier ihren letzten Groschen und alle ihre Sachen ab- nimmt, und sie dann mit dem, was sie auf dem Leibe haben, auf die Sttaße setzt. Gegen den Mann ist jetzt hier von einem Mädchen eine Klage angestrengt worden, und es wäre unS wichtig, die betreffende Annonce zu haben. Es ist möglich, daß dieselbe immer noch weiter erscheint. Der wesentliche Punkt der Annonce ist immer:„Ueberfahrt frei", die Namen werden häufig gewechselt. Die freie Ueberfahft besteht dann darin, daß die Mädchen auf Viehschiffen nach England gebracht werden, und hier ein„Eintftttsgeld" für England zu zahlen haben, das mehr bettägt, als das Uebeftahrtsgeld, und daS in die Tasche der Agenten wandeft. Tie Mädchen können nicht englisch, und selbst wmn sie nicht dumm find, kann man ihnen Alles vorreden."— Was dann aus den Mädchm wird, kann sich Jedermann vorstellen. Vermischtes. Ueber die Enthüllung eines schändlichen Verbrechens wird aus Hamburg unterm 23. d. M. folgendes berichtet: In einer der volksbelebtestm Stoßen, der Epitalerstraße, definden sich noch heute einige jener sogenannten dunklen engen Höfe, welche ihren Eingang unter dem Vorderhause vermittelst eineS niedriam schmalen Ganges habm. Hat man den Gang pasfift, so sieht man die Hofwohnungm vor sich. Pafterre niedftge Buden, über ihnm Säle, zu welchm steile, halsbrecheftsche Treppen führen. Im Hofe Nr. 42 der Spitalerstoße wohnt eine Familie, bestehend aus Mann, Frau und der 17 Jahre alten Tochter.— Dieser Mann betreibt das ,Kaftcnlegen" als Gewerbe und die„Heilung" von Krankheitm durch„Sympathie". Man sollte es kaum glauben, daß dieser Doktor Eisenbart großen Zulauf hatte. Nammtlich sah man aber junge Frauen und Mädchen, seltener am Tage, sondern meist unter dem Schleier der Nacht und des Abends nach dem Wunderdoftor schleichen. Er heilte alles. Alle möglichen Krankheitm und Gebrechm veftneb er durch Sympathie. Aber hinter diesen sympathischen Kurm lugte das Verbrechen hervor, seine Sym- pathie-Kuren verstanden es auch, das Lebm zu tödten, bevor eS das Licht der Welt erblickte— seine Sympathie ließ eS zu letzterem gar nicht kommen. Man denke sich die Wohnung des „Wundermannes". Ein dunkles, schmutziges Ouadrat als Flur, einige Swfm führen in das Audienzzimmer. Es ist Abend, eine Lampe verbreitet nur Zwielicht. Der Wunderdoktor ist ein magerer, mittelgroßer Mann. Sein Alter ist, wenn man ihn anblickt, zweifelhaft, er kann Ende der Vierziger, vielleicht auch Ende der Fünfziger sein. Sein pergamentgelbes, eingefallenes Geficht ist von einem buschigm, schwarzgrauen Baft umrahmt, die wulstigen Lippm von einem gleichen Schnurrbaft bedeckt. Struppiges, schwarzgraues Kopfhaar und mächtige Augenbraum, worunter ein Paar blitzmde Augen unstät hin- und herrollm, machen diese Männergcstalt zu einer unheimlichen. Dazu kommt, daß er einm schleppenden Gang hat und mephistophelisch hintt. — In einer Ecke des Zimmers steht ein sogenannter Wahrsage- kästen, wie alte Hamburger sich solche vom alten St. Pauli her zu erinnern wissen, als noch die Altonaer Zahlenlotterie floftfte und fünf Nummern, die sicher gezogen würden, geweissagt wurden. Auf einem in der Mitte befindlichen Tisch steht ein etwa 1 Fuß langer, sehr sauber gearbeiteter Miniatursarg auf einer kleinen, dazu passenden Bahre. Der Sarg ist schwarz polift, auf seinem Kopfende befindet sich auch ein kleines silbernes Sargschild, worauf d-e Wofte eingravift stehen:„Hier ruht Sympatbia und Antipathia." Der Leser wird über diese Tollhett ungläubig lächeln, wir behaupten die volle Wahrheit des Gesagten. Der Sarg ist geschlossen, in seinem Teckel befindet sich eine Oeffnung, wie in einer Ladentischkasse, wohin Geld gesteckt wird. Und in der That, vor wenigen Minuten hat eine Hand ein blankes Zwei- Markstück in den Sarg fallen lassen. Es war die Hand einer Frauensperson, welche letztere, der Oberkleider entledigt, auf eine Aft Bett lang ausgestteckt liegt. Vor ihr steht der Wunder- doftor und hat ihr— wie er sagt— dasselbe Zweimarkstück, welches sie in den Sarg warf, und das durch übeftrdische Kraft, durch seine gcheimnißvolle Sympathie aus dem Sarg ver- schwand und in seine Hand gelangte, auf die bloße Brust ge- legt. Er betet und bestreicht die Patientin, nimmt dann das Geldstück, das er wieder in den Sarg fallen läßt, und die Person kann sich ankleiden. Sic wird zum„über'n andern" Abend, nachdem die Sonne zweimal gewechselt, wieder bestellt. Wenn wir an diesem zweiten Abend mit der Patientin wieder in des Wunderdottors Hofwohnung toten, so ist die ganze Einrichtung dieselbe, nur dem früheren Sarg hat ein kleinerer gemacht; in diesen hinein muß Fünfzigpfennigstück stecken. Der die Patientin jetzt Bet-Hokuspokus ist derselbe und wieder wird sie zum„über'n andern" Abend bestellt.— An diesem Abend steht ein noch kleinerer Sarg auf dem Tische und die Gabe besteht jetzt aus einem blanken Zwanzigpfennigstück. Wieder betet der Wundermann, wenn aber die seine sympathische Hilfe in Anspruch Nehmende noch nicht Spuren zu erkennen gicbt, daß sie von„ihrer Last" befreit ist, so—„muß er", wie der schreckliche Mensch sich ausdrückt, die Krankheit„holen!"— Schrieben wir einen Roman, wir würden jetzt die seltsamsten Bilder ausmalen, sicher aber keine, welche eines- theils so tief togisch, anderntheils wieder so komisch sich gestalten können, als diejenigen find, welche sich der Unteftuchung in dieser Affäre sicher aufrollen werden! Dieser Wunderdoftor ist gewiß einzig in seiner Aft, in Hamburg hat er keinen Vor- gänger. Verbrecherische Weiber, ja selbst gewissenlose Hebammen und Aerzte hat es wohl gegeben, welche Abortiva verabreichten, aber unter dem Deckmantel„sympathischer Kurm" solche Scheuß- lichkeiten auszuüben, ist wohl noch nicht dagewesen, wenigstens in Hamburg nicht. Die Kftminalpolizei ging außerordentlich vorsichtig vor. Sie hatte, bevor sie das Verbrechernest aus- nahm, volle Beweise in Händen, dann verfügte sich Sonnabend Abend der Kftminalbeamte Napp in Begleitung noch eines Kriminaloffizianten und eines Konstablers in die Wohnung des Wunderdoftors— und, der Zufall spielte hier überaus günstig, man erwischte ihn in flagranti, d. h. man fand eine„Patientin" sogar in oben von uns geschildefter Weise auf dem Bette liegen. Der Schwindler betete aus einem alten Buche, das konfiszift wurde und das die Jahreszahl 1717 trug. Er, sammt Frau und Tochter wurdm verhaftet, und die Haussuchung soll ein überraschendes, freilich für die noch mit Bctroffenm(zirka 55 Fraum und Mädchen) sehr touftges Resultat geliefert haben. Ein neuer Mahdi. AuS Kairo, 19. November, wird der Wiener„Deutsch. Ztg." folgendes geschrieben:„Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande. Mahdi>. hat diese These Lügen gesttast, Mahdi il. hat ihr wieder zu ihrem Rechte ver- holten. Mahdi I war wie ein Fürst verehrt, Mahdi u. erntete foohn und harrt gegenwärtig in einem Staatsgcfängniffe der Dinge, die da kommen werden. Mahdi l. ist ruhmvoll aus dem Leben geschieden, Mahdi tt. wird seine Vermessenheit, ein Gottbegnadeter sein zu wollen, im Kerker oder im— Irren- Hause büßen. Ueber seine Verhaftung berichten die„Jläm", ein Kairenser Journal, unter dem Titel„Der neue Mahdi, der Lügner", wie wir folgen lassen-„Am 18. Oftober d. I. er- schim auf der Präfeftur ein beiläufig 30 jähriges Individuum und legte dem Präfeften eine umfangreiche Bittschrift vor, worin nicht nur die Vortrefflichkeit des Mahdi(■?.) gerühmt, sondern auch auf Grund wunderbarer Ereignisse, die sich zu- getragen haben sollten, seine baldige Ankunft in Aussicht gestellt wurde. Der Anwart auf die Mahdischaft war aber Niemand Anderer als der Ueberbringer des Gesuches selbst. An Beweism für die Richtigkeit seiner Behauptung ließ er es nicht mangeln und als Jdentttätszcugen führte er Ahmed Efendi Muhammed, einen Sekretär der Präfeftur, an, bei dem er schon geraume Zeit logire und der ihm seiner Dürftigkeit halber den nöthigen Unterhalt gebe. Ein Sckeikh, Hamid al Kasabi mit Namen, von Thanta, hätte ihn schon bei seinem Namen ge- rufen, da er noch gar nicht das Licht der Welt erblickt hatte (eine Reminiszenz an die zwei größten jüdischen Propheten Jcsaias und Jeremias!), und weiß der Himmel, was er noch Alles von Wundern und Zeichen anführte, um sich als Pro- pheten zu legitimiren. Nicht genug daran, verstieg er sich in seiner heftigen und energischen Sprache so weit, daß er Ideen entwickelte, die Zeugniß gaben von seiner Verschrobenheit und Ver- rücktheit. Auch hätte er von einem Bewohner des Viertels Abu Ali al Kanthare auf eine Wechselschuld 60 Guineen zu fordern, deren Eintoibung er auf Grund eines Erkenntnisses der Prä- fektur zu erwirken suchte. Anstatt aber diesem Wunsche des hartnäckigen Bittstellers zu willfahren, ließ ihn der Präfeft un- verzüglich— einsperren und berichtete über die Affäre unter Beischluß des sonderbaren Gesuches an das innere Amt. Dieses wollte nun den Propheten persönlich kennen lernen und gab den Auftrag, ihn zu übersenden. Als sich ein Berichterstatter der„JlKm" in die Präfeftur begab, fand er Mahdi N. eben zur Abfahrt gerüstet. Mündliche Auskünfte waren von dem Lügen- Propheten keine zu erhalten, doch gab er auf die an ihn gerichte- tm Fragen schriftlich Antwort. Die Einwohner von Abu Ali al Kanthare hätten es ihm dokumentarisch bestätigt, daß er in geordneten Verhältnissen lebe und ein frommer Moslim sei. Er >ätte auch eine Zeitlang in einer Höhle gelebt(wie der Als ophet Mohamed) und dergleichen unfinnige Märchen. ihn nun der Interviewer um einen Beweis seiner Mahdi- schaft anging, da wies er auf einmal auf seine Wange, als den fichtbaren Beweis seiner göttlichen Sendung. Sein Großvater hätte irgendwo in einem Buche erklärt, es werde ein Mahdi geboren werden, mit einem Male auf der rechten Wange, der die Welt mit Gerechtigkeit erfüllen werde, wie sie bis zu seinem Auftreten erfüllt gewesen sei von Unterdrückung und Tyrannei. Hamid al Kasabi habe ihn auch im Mutterleibe bei seinem Namen gerufen, und bald, bald kämen seine Tage! Nachdem der Mutamahdi(was so viel bedeutet, wie Einer, der gerne Mahdi sein wollte) diese Erftärungen gegeben hatte, begab er sich auf die Eisenbahnstation, um dem inneren Amte zugeführt zu werden. Er ftagt nicht und flucht nicht, sondem betet fort« während und liest im Koran." Der Bericht schließt mit dem Ausdrucke der Ueberzeugung, daß Mahdi II. von einem gelinden Wahnsinn befallen sei. Derzeit sitzt der arme Prophet m Kairo in Untersuchungshaft und wartet, bis ein Richtcrkollegium ihn als„Hochverräther" erklärt oder als— Narren. Von der höchsten Wetterwarte Europas, der auf dem hohen Sonnblick in den Tauern, wird aus Wien berichtet: Mit 1. Dezember l. I. wird in Rauns die Telegraphenstatton eröffnet: an demselben Tage beginnt die meteorologische Be- obachtungSstation auf dem hohen Sonnblick mit der täglich dreimaligen Abgabe der Wetterderichte an die meteorologische Zenttalstation in Wien. Diese Berichte, welche von dem höchst- bewohnten Punkte Europas ausgehen, wandern von der Station auf dem Telephon nach RauriS graph weiter nach Wien. und von da auf dem Tele« Kleine Mittheilungen. Hamburg, 27. November.(Unglück auf der Verbindungs« bahn.) Heute Nachmittag gegen drei Uhr wollte ein mit Mauersteinen beladener und mit drei Pferden bespannter Wagen das Geleise der Verbindungsbahn bei der Esplanade passiren, als ein Zug von Altona heranbrauste. Die beiden hinteren Pferde, welche sich noch auf dem Geleise befanden, wurden sofort getödtet. Der Wagen rollte zurück, und der Kutscher wurde zur Seite geschleudert. Er zog sich eine an- scheinend ungefährliche Verletzung am Hinterkopfe zu. Ludwigstust, 26. November. Das mörderische Attentat eines Realschülers auf einen Schulkameraden bildet seit einigen Tagen das Gesprächsthema in unserer sonst so stillen Stadt, der zweiten Residenz des Landes. Zwei Pensionäre in der Pension des Realschuldirektors Sonnenburg, welche schon längere Zeit mit einander grollten, gcriethen dieser Tage in Stteit, der rasch in Thätliebkeit überging. Fast gleichzeitig zückten beide Schüler die Messer— in selbem Augenblicke lag auch schon der eine, ein Mexikaner, blutübersttömt am Boden. Ein Messerstich hatte die linke Brustseite getroffen, in Folge dessen der Verletzte berefts gestorben ist. Die gestern vorge- nommene Seftion der Leiche ergab, daß der Messerstich bis ins Herz gedrungen war. Der Getödtete ist der einzige Sohn seiner Eltern. Von der Verhaftung des Attentäters hat man gegen Hinterlegung einer Kaution von 5000 M. Abstand ge« nommen. Budapest, 26. November. Durch einen Zufall kam man heute einem mysteriösen Verbrechen auf die Spur. Am 12. d- wurde in einem Waggon 3. Klaffe des aus Kaschau angelangten Personenzuges Nr. 205 der ungarischen Staatsbahn von de« in der Aradigasse Nr. 22 wohnhaften und am Zentralbahnhofi beschäftigten Schloffer Andreas Lato ein kleiner, mit graue« Leder überzogener Koffer gefunden, den ein Reisender zurück« gelassen hatte. Lato machte von dem Funde die Anzeige bec dem Stationsvorstande, worauf der Koffer als herrenloses Gm im Magazin untergebracht wurde. Die Erwartung, daß dS Eigenthümer des Koffers sich melden werde, erfüllte sich nicht Seit einigen Tagen wurde in der Abtheilung, in welcher dff Koffer sich befand, ein abscheulicher Geruch verspürt, den sich Hü in dem- Magazin beschäftigten Arbeiter nicht erklären konnte« Heute Nachmittag wurde der Geruch jedoch so penetrant, das die Arbeiter einer Ohnmacht nahe waren. Es wurde nackge« forscht, von wo der Geruch herrühre, und es zeigte sich, daß derselbe dem Koffer entstamme. Man machte sich sofort an die Oeffnung des verschlossenen Koffers. Die Anwesenden prallten entsetzt zurück, denn im Kofier lag, mit Leinwandfetzen nur nothdürftig verhüllt, der bereits vollkommen in Verwesung über- gegangene Leichnam eines neugeborenen Kindes. In einer zweiten Abtheilung des Koffers lagen zwei Steine. Der tionsvorstand erstattete von der Entdeckung sofort die Anzeige bei der Polizei, und erschienen bald darauf Stadthauptmann Sally und Konzipist Almasy in Begleitung eines Polizeiarztes im Zentralbahnhofe, um den Thatbestand aufzunehmen- Mit Rücksicht auf den Umstand, daß seit der DeponiruNg des Koffers bereits 14 Tage verflossen find, ist die Ausfor- rchung des Eigenthümers des Koffers mit großen Schwierig« leiten verbunden. Jedenfalls liegt ein Verbrechen vor, woraus auch der Umstand hinzuweisen scheint, daß sowohl die Lein« wandumhüllung der Leiche, als auch die Steine getrocknet Blutflecken zeigen. Die Leiche wurde in die Todtenkammer Rochusspitals überführt und wird morgen von Amtswegen duzirt werden. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtisch Verkaufs-Vermittler, Berlin, den 29. November 1886. Geflügel. Auch Gänseartikel, re Posten zugeführt, würden einen guten Regelmäßige Zufuhren an fetten Gänsen, % Enten und M? sehr erwünscht. Gänse unter dem Halse geschnitten, vollstä»� gerupft, Flügel und Füße auf den Rücken gebunden, lesengt. 8-10 Pfd brüht und nicht über 10-15 Pfd. 52-60 Pf.. schwer sehr rar und gut bezahlt 60 schwere 44—50 � ttgänse über 15 und mehr per% Halse geschnitten � Enten, Puten und Hühner sollen am............ Ter Kopf, die Flügel und Schwanzfedern werden nicht abgcico« wen. Junge Emen 1,50—2,50, fette Enten 46—50—60 Pf- Pfd., über 10 Pfdschwere fette Puten 65—70—80 Pf-% Pfd., Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20-1,70 M, Taube« � bis 40 Pf., Poularden 4,50-8 M Mageres Geflügel fg verkäuflich. Lebende Gänse zum Mästen 2,00—3,00 M, leben Enten 0,90—1,50 M. Auktion täglich im Bogen 4 um 6 u? Nachmittags. � Wild. Trotz befriedigender Zufuhr wurden in J-. Auftion hohe Preise erreicht. Rehe ausgeweidet 60—72 pr. Pfd., Hirsche, sehr starke und fehlerhafte 22—32, L 32' Dammwild 40 bis 51, schwere und fehlerhafte 22 bis 32, W'- schwein 30 bis 46, kleine 50 bis 66 Pf. pr. Rebhühner, junge 1,20-1,50, alte 90-110 Pf.,%% Hennen 2,00 bis 2,50, Fasanenhähne 3,00 bis 3,90 Hasen ausgeworfen, bei kalter Witterung mit Kaldaune Stangen von 10 Stück 3,50-3,75 M. pr. Stück, Kanw-U. ausgeweidet 45—55 Pf. pr. Stck., Krametsvögel 30— 33 2� per Stück. Auerhahn 3,00—4,50 M. Birkhuhn 1,75—2,5° pr. Stück. Schnepfen 2,10-4,00, Bekassinen 40-76 � pr. Stück. Die Wildauktionen«erden täglich im Bogt« um 6 Uhr Nachmittags abgehalten. Obst und Gemüse. Größere Zufuhren sehr envunl Die Preise steigend. Birnen 6,00 bis 8,50, Tafew�.. 10-20, feinste Sorten 20-40 M.. Aepfel 640-9,%%% Tafeläpfel 10-20 M., feinste Sorten 20-36 M-, Wall«� 20-30 M. pr. Ztr. Böhmische Backpflaumen lO-1* � Magdeburger Sauerkraut 6—7 M. per Oxhoft. "KKif(%r6p�(�ein''3!oO�%rrotW�� ce 2�80—3,20 per 100 Ko.,�groß Sellerie 7—10 � 65•- blaue_ 3-7 M, Meerrettig 7-12 Blumenkohl 30—40 M. pr. 100 Stück per Zentner. Pflanzen. Rosm- Hochstämme 35 15-20 M. pr. 100 Stück, Primeln 13-15 M. Auftion jeden Dimstag und Freitag um 5 Uhr Geräucherte und marinirte Fische. um 7 Uhr Machmittags im Bogm 4. ISÄ.Ät» MSSHZSxMs- mittel 1 M. per Pfd., Eier 3,00 M. pr. Schock. n jQ"01, Mir III. fehlerhafte 85 bis 90. Landbutter I. 90-90, 72 JR. 85 M. Galizische und andere geringste Sorten o � Pr' ftäffc f. Quadrat- Sahnenkäse knapp"T0' MMMW'GW II. 56-0» m Größere Vorräthe von Echweizerm' � begeben. verantwortlich für den politischen Theil und Soziales Vlax «chidpel Druck un! für Vereine und Versammlungen und Verlag von Max Babing in Ber F. Tutzauer, für dm übrigm Theil der Zeitung«. Eronheim, sammtle���� rlin SW., Beuthstraße 2. wwc Kerlin- Beilage zum Berliner Bolksblatt. Ur. S8V. Dienstag, de« 80. November 1880. 8. Jahrg. Kokales. Ueber die Befugnih der Polizeibehörden. Zwangs- mittel gegen solche Personen anzuwenden, welche einer ihnen zugegangenen Vorladung zu polizeilichen Vemehinungen in Untersuchungssacken keine Folge leisten, hat jetzt auch Regie- rungspräsident Prinz Handjery in Liegnitz eine Verfügung er- kaffen. In derselben heißt es:„Wenngleich nach§§ 50 und 69 der Stra' Prozeßordnung vom l. Februar 1877 nur die Gerichte zur Erzwingung der Abgabe eines Zeugnisses befugt sind, so sind doch die Polizeibehörden berechtigt, diejenigen, welche rrov der Aufforderung sich weigern, sich persönlich zur Ver- nchmung einzufinden, nothwendigen Falles durch körperlichen Zwang(Tistirung) gestcllen zu lassen. Vabci handelt es sich nicht um eine Verhaftung oder vorläufige Ergrcirung einer ver- däcktigcn Person, wofür die W 112 fr der Strafprozeßordnung und das Gesetz vom 12. Februar 1850(Ges-S. S. 45.) beschränkende Bedingungen festsetzen, sondern lediglich um eine zwangsweise Gestellung, und zu deren Ausführung find die Polizeibehörden in Handhabung der ihnen übertragenen Exekutivgewalt(§ 20 des Polizeigesetzes von, 11. März 1850) durchaus berechtigt. Mit dieser Annahme stehen auch die Be- stimmungen des§ 182 des Gesetzes über die allgemeine Landes- Verwaltung vom 30. fiuli 1883 über die Zwangsbcsugnissc der Polizeibehörden bei Ausübung der obrigkeitlichen Gewalt— wonach unmittelbarer Zwang nur angewendet werden darf, wenn die Anordnung ohne einen soschen unausführbar ist— nicht im Widerspruch. Daher ist— wie übrigens seitens des früheren Ober-Tribunals und des Reichsgerichts wiederholt etit- schieden worden ist— ein Zeuge oder Angeschuldigter oder sonst zur Vernehmung Vorgeladener einer polizeilichen Zitation bei Venneidung von Zwangsmaßregcln Folge zu leisten gc- halten.(Vergl. die Entscheidung des Ober- Tribunals vom 25. März 1870, Oppenhoff, Rechtssprechung Band 11, S. 198, desgleichen das Erkenntniß des Reichsgerichts vom 23. März 1880, Min.-Bl. für die innere Verwaltung 1880, Seite 234.)' Zur Abgabe eines Zeugnisses von einer Polizeibehörde kann also auch nach Obigem niemand gezwungen werden. Der Sistirte hat das Recht, seine Aussage der Polizei gegenüber zu verweigem. Die herannahenden Zeichen einer Wohnungsnoth treten immer deutlicher zu Tage. Nicht blos werden die Ver- micthungsinscrate in den bekannten Insertionsdlättern an Zahl teringer,' auch von der Abtheilung des Amtsgerichts für schleunige fachen werden die Klagen wegen Exmission wieder zahlreicher, und die Gründe für solche Klagen erinnern lebhaft an die berüchtigten ExmisstonSprozesse aus dem Anfange der siebziger Fahre. Dazu haben die Wirthe Zeit gehabt, die alten Mangel- haften Miethskontrakte,' die oft ihren Dienst als Unterlage für die Exmissionsklage wegen Mängel in der Form versagten, zu verbessern, so daß das gerichtliche Verfahren prompt und schneidig vor sich geht. Ganz besonders ungünstig aber gestalten sich die Wohnungsverhältnisse neuerdings für alleinstehende Damen, die ein kleines Mobiliar besitzen und die bisher ein einzelnes Gemach direkt vom Wirthe micthcten. Die Hausbesitzer haben heute nicht mehr nöthig, solche kleine Picssen besonders zu ver- Ziethen und wenn sie es ausnahmsweise thun, so werden die zahl- erscheinenden Damen einer für diese geradezu beleidigenden �msteni ng unterworfen und dies Verfahren wird mit den P(%Uirfien Maßregeln gegen Hauswirtbe wegen Aufnahme Zweifelhafter Personen motivirt. Man sieht hieraus, welche verderblichen Früchte aus der Anwendung des Krippclei-Para- Mphen gegen die Hauswirtbe entsprießen. Auch die Kün- °lflui,gen aus seltsamen Gründen sind wieder an der Tages- Tönung. Einem in der Wrangelstraße wohnenden Schuh- Pwchcr wurde seine Wohnung zu Neujahr gekündigt wegen zu Luten Schnarchens(?).— Der Berichterstatter knüpft an diesen 'fall eine Anzahl von Reflexionen, die uns denn doch ein Fenig übertrieben zu sein scheinen. Es mag ja sein, daß «nzelne Häuser in Berlin recht unsolide gebaut sind, daß man Mr Jemand durch„zwei Stockwerke" hindurch schnarchen hören ÜW— das darf man wohl im Juli erzählen aber nicht im November. , Wie man reich wird. Ein Stück Berliner Entwickc- Bwgsgeschichte ist gegenwärtig bei den Neubauten an der Ecke Aue Schönhauser-, Linien- und Rückerstraße zu beobachten. Am Kreuzungspunkt dieser drei Straßen find jetzt großartige Mauser im Entstehen begriffen, während noch vor wenigen Mo- naten hier ein einsaches einstöckiges Haus mit ausgedehnten > l luvgen und Schuppen seinen Platz hatte. Dieser ausge- Zehnte Bauplatz, auf welchem nicht weniger als neun Mieths- msernen projektirt sind, war bis vor kurzem Eigenthum der »rau Dr. Sp„ deren Vater, der allen alten Berlinern wohl- Die Kettler von Moskau. Von Leo Grafen T o l st o j.*) _ Wenn ich mit Stadtbewohnern über das städtische Bettlerthum sprach, sagte man mir immer: O! was Ahr Uehen habt, das ist noch nichts! Geht mal auf den Ahitrowmarkt und in die benachbarten Häuser, wo Schlaf- "kllen abgegeben werden. Da werdet Ihr die wahre .goldene Rotte" zu sehen bekommen. Ein Spaßvogel wgte mir, das sei schon keine Rotte mehr, sondern das §mdene Regiment, so zahlreich seien sie geworden. Der Spaßvogel hatte recht- aber noch mehr hätte er recht ge- ??bt, wenn er gesagt hätte, daß es jetzt in Moskau von ?msen Leuten nicht eine Rotte, anch nicht ein Regiment, wndern eine ganze Armee gebe, ich glaube an die 50 000 D°pfe. Alte Einwohner Äoskaus— wenn sie mir von °Cm städtischen Bettlerthum redeten, so sprachen sie immer Aü einiger Genugthuung, als thäten sie sich was darauf «u Gute, das zu kennen. Ich erinnere mich, als ich in London war, da haben sich alle dortige Einwohner auch AAchsam gerühmt, wenn sie vom Londoner Bettlerthum Adeten. Seht mal, schienen sie zu sagen, wie es damit bei 'tns bestellt ist! _ Mich aber drängte eS, dieses ganze Bettlerthum, ovo,, sie mir sprachen, zu sehen. Einigemale habe ich den j?eg zum Khitrowmarkte eingeschlagen: aber es wurde mir rj'ner schwer ums Herz und ich schämte mich.„Wozu soll .� hingehen und die Leiden von Leuten, denen ich nccht D ken kann, betrachten?" sagte eine Stimme.„Nein, wenn hier wohnst und alle Pracht des Stadtlebens siehst, so * 9 hin und lerne auch das kennen"— redete eine andere &%%%% bekannte Ackerbürger B-, diesen ganzen Grund und Boden für einen Spottpreis erstand. Derselbe war auch Eigenthünier des sogenannten Windmühlenberges, dieses kolossalen Terrains zwischen Schönhauser und Prenzlauer Thor, auf welchem sich beute die Saarbrücker-, Metzcr-, Weißenburger- und Belforter- straßc k.— das sogenannte„Schlachtenviertel"— befindet. Für dieses ausgedehnte Besitzthum zahlte B. vor ca. 50 Jahren, man höre und staune, 6554 Thaler und erhielt, als er in den Gründerjahrcn einen großen Theil desselben an die Brauerei „Königstadt" verkaufte, das runde Sümmchen von zwei und einer halben Million Thalenr. Aber nicht genug damit, B. war auch Besitzer jener ausgedehnten Torfstiche und Moorwicsen, auf welchen sich gegenwärtig die Lehrter Bahn erhebt.— Das Blatt, dem wir diese Mittheilung entnehmen, fügt hinzu: Der alte 93., welcher sich von der Pike durch eigene Jntelli- acnz und Arbeitskraft emporgeschwungen hat, war ein Berliner von echtem Schrot und Korn, der ttotz seines späteren Reichthums schlicht und einfach blieb und auch bei vielen Ge- legeichciten ein warmes Herz für Arme und Nothlcidende hatte. — Wir möchten wohl wissen, worin in dieser Beziehung „Intelligenz und Arbeitskraft'' eigentlich besteht.„Der alte B. müßte wirklich ein ganz unbeschreiblicher Simpel gewesen sein, wenn er die Konjunktur, die sich ihm beim Verkauf jener Grund- stücke bot, nicht benutzt hätte! Oder hat er vielleicht durch seine„Intelligenz und Arbeitskraft" jene Schwindelkrisen her- vorgerufen, in denen es möglich war, so vottheilhafte Verkäufe abzuschließen? Dann hätte man auch der„Intelligenz und Arbeitskraft" so manchen Gründers ein Loblied singen müssen. Intelligenz und Arbeitskraft sind auf der Welt massenhaft ver- treten, leider werden diese guten Eigenschaften nur recht kärglich belohnt. Viele Arbeiter, welche diese Gaben in hohem Maße besitzen, können heut zu Tage gekost Hungers sterben. In einem argen Dilemma befinden sich, so schreibt das „93. T.", gegenwärtig die Sicherheitsbehördcn gegenüber dem Maurer Finger, welcher bekanntlich in einem Anfalle von Delirium tremens seine Frau erschlagen und seinem kleinen Kinde eine tödtliche Verletzung beigebracht hat, an deren Folgen dasselbe später in der Charitec verstorben ist. Daß Finger die grauenvolle That im Zustande der Unzurechnungsfähigkeit be- gangen hat, ist nach dem Gutachten der Gerichtsärzte zweifellos, lind es kann daher auch keine Anklage gegen ihn erhoben wer- den. Nun steht jedoch die Frage, ob Finger in Freiheit gesetzt oder in einer Heilanstalt untergebracht werden soll. Für seine Entlassung spricht der Umstand, daß das Tobsuchtsstadium, in welchem er die unselige That beging, bei ihm längst vorüber- gegangen ist und er sich jetzt wieoer in einem ganz zurcchnungs- sähigen Zustande befindet. Wird Finger entlassen, dann ist die Befürchtung vorhanden, daß er bei irgend einem Anlasse wie- der in Tobsucht verfällt und gegen seine Umgebung gemeinae- fährliche Handlungen begeht. Zwar ist nicht jeder Gewohn- heitstrinkcr gleich als gemeingefährlich zu betrachten; allein bei Finger ist dies nicht ohne Grund zu befürchten, weil er, wie festgestellt ist, an chronischer Alkoholvergiftung leidet, die schon einmal im Sommer in ein akutes Stadium ausartete und zur Zeit der That infolge einer Erkrankung an Lungenentzündung bei ihm wieder zur Tobsucht führte. Es ist also die Möglich- keit nicht alisgescblossen, daß Finger bei irgend einer Erkrankung wieder das Delirium tremens bekommt und in diesem Zustande, wie früher, gemeingefährlich wird.„Dann sperre man ihn in ein Irrenhaus!" werden viele sagen. Das geht indessen auch nickt, weil man doch einen vernünftigen Menschen— und das ist Finger jetzt— nicht ohne weiteres für geisteskrank erklären kann. Wie man fleht, ist es in der That ein arges Dilemma, in welchem sich unsere Behörden diesem Fall gegen- über befinden, und man darf aus mehr als einer Hinsicht ge- spannt sein, in welchem Sinne die Entscheidung ausfallen wird. Bis dahin bleibt Finger dem Vernehmen nach in Moabit internitt. Das Polizeipräsidium erläßt wiederholt folgende Be- kanntmachung: Der Karlsruher Orts-Gesundheitsrath erläßt folgende Warnung:„Durch Zeitungs-Annonzen und Zirkulare erbietet sich die„Deutsche Gesundheits-Kompagnie" in Berlin, Kranken verschiedenster Art Rath und Arzneien zu vermitteln. Die„Deutsche Gesundheits-Kompagnie" besteht aus dem be- kannten Kurpfuscher Richard Mohrmann und dem Schriftsteller Bernhardt, dem angeblichen Verfasser des Jugendspiegels. Vor Richard Wöhrmann haben wir schon verschiedentlich gewarnt. Derselbe war früher Uhrmacher, dann Pbotographen-Gehilfe; bis vor Kurzem übte er sein Gewerbe als Bandwumidoktor im Umherziehen aus und betreibt, seitdem letzteres durch die Ge- wcrbeordnung verboten worden, das Geschäft auf brieflichem Wege. Die von Mohrmann gegen Bandwurm verabfolgten Mittel wurden früher in der Apotheke zu Nossen zu 1,20 M. Stimme. Und da, im Dezember des dritten Jahres, an einem stürmischen Frosttage, bin ich hingegangen zu diesem Zentrum des städtischen Bettlerthums, zum Khitrowmarkt. Es war an einem Werktage um vie vierte Stunde. Schon als ich die Soljanka passirte, bemerkte ich immer mehr und mehr Leute in sonderbaren, nicht zu ihnen gehörigen Klei- düngen und mit noch sonderbarerem Schuhwerke, Leute von ganz besonderer, ungesunder Gesichtsfarbe und namentlich mit einer ihnen allen gemeinsamen, ganz besonderen Gleich- giltigkeit gegen die ganze Umgebung. In der allersonder- barsten, allerundenkbarsten Kleidung ging ein solcher Mensch ganz ungenirt einher, offenbar gänzlich ohne daran zu denken, ivie er wohl den übrigen Leuten erscheine. Alle diese Leute bewegten sich in derselben Richtung. Ohne nach dem Wege zu fragen, den ich nicht kannte, ging ich ihnen nach und kam auf den Khitrowmarkt heraus. Aus dem Markte gab es ebensolche Weibsbilder in zerrissenen Kapoten, Saloppen, Jacken, Stiefeln und Galoschen, und ebenso ungenirt, trotz der Ungeheuerlichkeit ihrer Kleidung- Alte und Junge saßen da, trieben irgend einen Handel, schlenderten hin und her und schimpften sich. Wenig Volk war auf dem Markte. Offenbar war die Marktzeit vorüber; die meisten Leute stiegen aufwärts, am Markte vorüber oder ihn passirend, Alle in derselben Richtung. Ich folgte ihnen. Je wetter ich kam, umsomehr strömte gerade solch ein Volk auf demselben Wege zusammen. Als ich den Markt passirt war und die Straße hinanstieg, holte ich zwei Frauenzimmer ein, eine Alte und eine Junge. Beide hatten sie irgend etwas Graues, Zerfetztes um sich. Im Gehen sprachen sie über irgend eine Angelegenheit. Hinter jedem hingehörigen Worte'wurden ein oder zwei nicht hingehörige äußerst unanständige ausgesprochen. Sie waren nicht betrunken, nur sehr präokkupirt von irgend was; die ihnen begegnenden oder an ihnen vorübergehenden Mannspersonen beachteten absolut gar nicht ihre Reden, zubereitet und durch Mohrmann für 10 M. verkauft. Die Broschüre„Der Jugendspieael" verheißt Hilfe gegen Schwäche» zustände und dergleichen. Ihr offenbarer Zweck ist, solche, die sich durch Ausschweifung die Gesundheit zerrüttet haben, irr Angst zu versetzen, um sie zur geldlichen Ausbeutung vorzube- reiten. Nach Eapaun-Carlowa(Mediz. Spezialitäten) und Wittstein(Taschenbuch der Geheimmittellehre) besteht das Bernhardi'sche Mittel aus zwei Flaschen Honigwasser im Werthe von 0,50 M. Der Preis beträgt 60 M. Einer Persönlichkeit, die sich von hier aus an die„Deutsche Gesundheits-Kompagnie" um Rath wandte, wurde dieser unter der Bedingung zugesagt, daß sich der Patient zuvor zur Zahlung eines Honorars von 100 M. verpflichtete, ktzierzu bemerkt das Polzcipräsidium, daß die von der„Deutschen Gesundheits-Kompagnie" verschriebenen Rezepte weder von einem Arzte noch sonst rrgend einer Medi- zinal-Person, sondern ausnahmslos von einem Mitgliede der sraglichen Kompagnie, dem Schriftsteller Bernhardi Hierselbst, Nostizstr. 27, wohnhaft, verfaßt werden. Das Publikum wird unter diesen Umständen aus diesseits vor dem unlauteren Treiben der„Deutschen Gesundheits-Kompagnie", bezw. der Kurpfuscherei des Richard Mohrmann Hierselbst, Linden str. 12 wohnhaft, auf das Ernstcte gewarnt. Durchbrechung der Zimmerstraße. Es scheint Hoffnung vorhanden zu sein, daß die Durchlegung der Zimmersttaße nach der Königrätzerstraße bald in ein anderes Stadium tritt. Nach dem neuesten Militäretat sollen nämlich die Grundstücke Wilhelmstraße Nr. 82—85 angekauft und mit einem Neubau besetzt werden, dagegen soll des Grundstück Wilhelmsttaße Nr. 101, in welchem jetzt die Militär-Medizinal- und die Remonte-Abtheilung untergebracht sind, veräußert werden. Der Verkehr zwischen dem Kriegsministerium und diesem Gebäude durch den Gatten ist, wie der„Freis. Ztg." geschrieben wird, einer der Hauptgründe, weswegen sich das Kriegsministerium bisher der Durchlegung der Zimmerstraße widersetzt hat. Wenn das Grundstück frei wird, kann der Verlängerung der Zimmersttaße ein sachlicher Grund nicht mehr entgegen- gestellt werden. Dr. Sigl, der famose Redakteur des„Bayettsch. Vaterl.", scheint in der That übergeschnappt zu sein. Früher leistete er immerhin noch in bedeutenden Grobheiten etwas, jetzt ist er wirklich kindisch geworden. Wir finden im„Banettsch. Vaterl." den folgenden pattikulattstischcn Erguß:„Ein Preuß hat jetzt sogar cm künstliches Meerleuchten erfunden. Das bringt er durch einen Bazillus fettig, den er entdeckt hat. In Berlin bat man im dortigen Aquarium jeden Mittwoch und Sonntag Nachmittag künstliches Meerleuchten, das selbstverständlich— wie alles in Berlin—„viel schöner und großartiger" ist als das natürliche Leuchten des Meeres.— Am Ende erfindet ein Preuß auch noch ein künstliches Alpenglühen und dann brauchen die Berliner gar nicht mehr nach Süddeutschland zu ziehen, sondern können ihre eigenen„Alpen" und„Berge" daheim künstlich„glühen" machen. Was das schön sein muß, so ein künstliches Berliner„Alpenglühen"!" Wenn Herr Dr. Sigl nicht in München ortsangehörig wäre, würden wir ihm Dalldorf zum ständigen Aufenthaltsort empfehlen. Eine Zugentgleisung in Bahnhof Schlachtensee. Das fKl. Joum." schreibt:„Em Güterzug, welcher, von Berlin vom otsdamer Bahnhof abgelassen, um 5 Uhr in Bahnhof chlachtensee eintreffen sollte, entgleiste kurz vor der in den Bahnhof einlaufenden Kurve. Drei der Güterwagen gettethen aus den Schienen and spcrtten das Geleise. Der Betrieb war für den Nachmittag unterbrochen. Gegen 8 Uhr verbreitete sich in Berlin das Gerücht von dem stattgehabten Eisenbahnunfall; natürlich wurde dasselbe auch uns übcrbracht und wir hielten es, um die im Publikum koursirenden Gerüchte sofort auf ihren Wetth zu prüfen, für angezeigt, bei der Bcttiebsinspektion des t otsdamer Bahnhofes anzufragen, ob und in wie weit sich das erücht des in Bahnhof Schlachtensee stattgehabten Eisenbahn- Unfalles bestätige. Es wurde uns eine sehr kurze und kategottsche Antwort zu Theil:„Das Betriebsamt korrespondire weder mit uns, noch mit anderen Berliner Zeitungen!" Erst durch die nicht zuständigen Instanzen wurde unserem Boten der Bescheid zu Theil, daß eine Entgleisung allerdings stattgefunden habe, daß aber dem Unfall eine Bedeutung nicht beizumessen sei. Die Bettiebsstönmgen, welche der Unfall hervorgemfen hat, waren nicht unbeträchtlich! der sonst um 8 Uhr 50 Minuten vom rechtsseitigen Perron des Potsdamer Bahnhofes abgehende Zug mußte noch vom Äittelperron abgelassen werden. Die Paffagiere, welche Fahrkatten bis nach Schlachtensee ge- löst hatten, waren schlecht daran, sie konnten entweder nur bis nach Zehlendorf fahren und von dort den Weg zu Fuß zurücklegen, oder sie mußten bis Neu- Babelsberg fahren und von dort aus eine noch viel längere Sttecke per pedes absol- die mir so sonderbar erschienen. Hier sprach man offenbar immer in dieser Weise. Links gab es private Schlafstellen- Häuser; Einige kehrten dort ein, Andere zogen weiter. Oben auf dem Berge angelangt, stand man vor einem großen Eckhause. Die Mehrzahl der Leute, die mit mir ge- kommen waren, blieben bei diesem Hanse stehen. Längs der ganzen Front desselben standen auf dem Trottoir oder saßen auf dem Straßenschnee gerade ebensolche Leute: rechts von der Eingangsthür das Weibsvolk, links die Männer. Ich ging an den Weibern vorüber, dann an den Männern (im Ganzen waren es einige Hunderte) und blieb dort stehen, wo die Reihen endigten. Das Haus, bei welchem die Leute matteten, war das Ljäpin'sche Institut der Gratts- schlafstellen. Der Volkshaufe bestand aus den Schlafstellen- henützern, die auf Einlaß warteten. Um 5 Uhr Abends wird geöffnet und eingelassen. Hierher waren fast alle die Leute gekommen, welche ich eingeholt hatte. Ich war dott stehen geblieben, wo die Reihen der Männer endigten. Die Leute, die mir zunächst standen, be- trachteten mich, sie zogen mich gleichsam an sich mit ihren Blicken. Die Kleiderfetzen, welche diese Leute bedeckten, waren sehr verschiedenartig. Aber der Ausdruck aller der auf mich gerichteten Blicke dieser Leute war vollkommen identisch. In allen Blicken lag der Ausdruck der Frage: Warum bist Du, Mensch einer anderen Welt, hier bei uns geblieben? Wer bist Du? Etwa ein selbstzufriedener Geld- protze, der an unserer Roth sich erfreuen, in seiner Lang- weile sich zerstreuen und uns noch quälen will? Oder bist Du— was ja nicht vottommt und nicht sein kann— ein Mensch, dem�es leid um uns ist? Aus allen Gesichtern sprach diese Frage. Man schaut mich an, begegnet meinem Blicke und wendet sich ab. Ich hatte Lust, mit irgend Einem von ihnen ein Gespräch zu beginnen, lange aber konnte ich mich nicht dazu entschließen. Aber während wir schwiegen, wurden wir durch unsere Blicke einander genähett. Wie sehr T)iren. Daß unter solchen Umständen am Billetschalter des Anhalter Bahnhofes Fahrkarten nack Station Schlachtensee verabfolat wurden, ohne irgendwelche Mitthcilung an die Passa- giere, daß sie nach der Station, nach welcher fie ihren regle- mentemäßigcn Fahrpreis gezahlt hatten, nicht gelangen könnten, muß billiger Weise Wunder nehmen. Eine amtliche Darstel- lung des Unfalles fehlte bis jetzt noch. Dieselbe dürfte übrigens kaum mehr enthalten, als das vorstehend Gemeldete."— Im Anschluß hieran wird uns folgendes mitgethcilt: Um das Eisenbahngeleise wieder fahrbar zu machen, gab sich die dortige Eisenbahnvcnvaltung alle mögliche Mühe, am Sonntag Abend Arbeiter zu bekommen. Es war das nicht möglich und man mußte sich deshalb mit den disponiblen Hilfswärtern und Vor- arbcitern behelfen. Weshalb aber bekam man keine Arbeiter? Weil man— man höre und staune— 20 Pf., sage zwanzig Pfennige ain Sonntag Abend pro Stunde anhot! Da soll noch einer sagen, die Arbeiter erhielten keinen guten Lohn. Hohe Ztandesamtsgcbühreu hat die Neuguineakompagnie, unterzeichnet„Die Direktion. A. von Hansemann, Vorsitzender. aß der Tod in Folge der Ouctschung des Brustkorbes auf der Stelle eintrat. Tre Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— Um dieselbe Zeit machte ein unbe- kanntet, etwa 50 Jahre alter Mann auf einer Bank in der Großen Ouer-Allee des Thiergartens einen Selbstmordversuch, indem er sich nrittelfi eines Terzerols einen Schuß in die linke Brust beibrachte. Der Verletzte wurde nach der Charitee ge- bracht.— An demselben Tage Mittags stürzte der Schlächter» geselle Brackel in der Proskaucrsttaße mit dem Pferde und erlitt hierbei einen Bruch des rechten Unterschenkels.— Der Bremser Ziemkc glitt an demselben Tage Nachmittags, als er beim Abfahren eines Eisenbahnzuges von der Station„Städti- scher Zenttal-Viehhof" den letzten Wagen besteigen wollte, vom Tnttbrette und zog sich hierbei eine Quetschung des rechten Fußes zu. In beiden Fällen wurden die Verletzten nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht.— Am 28. d. M- gegen Mittag wurde der Stavtressende Schmuckler in der Beutb- sttaße in Krämpfen auf der Erde liegend vorgefunden und mittelst Droschke nach der nächsten Polizeiwache gebracht. Da er sich auch dort während längerer Zeit nicht erholte, erfolgte seine Uebemihnrng noch der Chatttee mittelst Krankenwagens- — Nachmittags wurde am Wcinberasweg ein Knabe durch ein» Traucrkutsche überfahren und an der rechten Hand so schwer verletzt, daß die Hilfe der Sanitätswache in Anspruch genommen werden mußte._ Gerichts-Aeitung. t Drei jugendliche Taubenliebhaber mit stark eitt' wickcltern romantischen Triebe standen gestern unter der � klage des schweren Diebstahls vor der dritten Sttafkaml»� des hiesigen Landgettchts K Es war in den Michaels fetten d. I. Drei Schulknaben, Franz Schmidt, der Sw? eines Aussehers, Hermann Schultze, der Sohn eines Webe? und Wilhelm Grünberg, Jungen im Alter von vierzehn, drtt- zehn und zwölf Jahren, empfanden das brennende Verlangt' auf eigene Faust eine Hcrbstreisc nach Angermünde zu unttt- nehmen. Dort sollte die Großmutter Grünbcrgs wohnen u>w der gehorsame Enkel gedachte sie mit seinen beiden Freunde« durch einen Besuch zu überraschen. Leider fehlte es dem nöthigen Reiscgelde. Grünberg hatte zwar einen Thales' aber der vierzehnjährige Franz wußte, daß man daw« nicht drei Billets nach Angennünde lösen könne. Da wuß» Hermann Schultze Rath. In der Rügenerstr. 37 hatte de» Arbeiter Reiche einen schönen Taubenschlag, voll von prächtige«- stolzen Tauben, an denen er seine Freude und außerdem, wc«« er junge Brut verkaufte, einen kleinen Nebenverdienst ha'-� Auf diese Tauben hatten es die Jungen abgesehen. Sie ginge« um 10 Uhr Abends in das Haus Rügenerstr. 30, welches ersi um 11 Uhr geschlossen wird, stiegen zum Trockenboden hinaust der unverschlossen war, und kletterten durch die Dachluke am das Schieferdach des Hauses. Auf der schmalen Bank, die in de Mitte des Daches entlang läuft, schritten sie mit der Geschicklichtt eines Schornsteinfegers dahin, spaziettcn über die Dächer« beiden Nachbarhäuser und gelangten endlich an den Tauben rief dem Haufen zu, man möge doch das Trottoir sei«� Hauses räumen; der Haufe erfüllte den Befehl demüthig� Es tauchten Ordner aus dem Haufen auf und nahmen mic? unter ihren Schutz— sie wollten mich aus dem Gcdrang herausführen; aber der Haufe, der früher dem Trottoir lang in Reihen aufgestellt gewesen, hatte sich gelöst 11. drängte zu mir heran. Alle blickten auf mich" bettelten; und ein Gesicht war elender als das andere, j. quälter und erniedttgter. Ich vettheilte Alles, was rch mir hatte. Zch führte nur wenig Geld mit mir, ca. Rubel, und ich trat mit dem Haufen zusammen tn Schlafstellenhaus. ici Dieses Schlafstellenhaus ist gewaltig groß, steht aus vier Abtheilungen. Die Männer in den o Etagen, die Weiber in den unteren. Ich trat zuerst> weibliche Abtheilung ein. Der große Raum ist genommen von Bänken, ähnlich denen_ der Eisen/ wagen dtttter Klasse. Diese Bänke sind in zwei � disponirt, eine über der anderen. Die Frauenzimme, � sonderbar zerlumpt und nur in Stubenllcidcrn, a" � junge, traten ein und plazitten sich ans die Bänte, � oben, andere unten. Einige alte bekreuzten ststs, st'V■,,,j)sten. für den, der das Haus erbaute, andere lachten und sw�. Zch stieg hinauf. Dott plazitten sich ebenso die.ui. Personen; unter ihnen erblickte ich ernen von~ �jr denen ich Geld gegeben hatte. Als ich ihn sah, s. � o»Ü entsetzliche Scham auf und ich eilte, fottzugehen. ich dem Gefühle, eine Missethat begangen zu haben, ver das Haus und ging nach Hause. Zu Hause st-eg � � die Teppiche der Treppe hinauf zum Vorzimmer, o n boden mit Tuch ausgeschlagen war und, nachm.™ �„„n N ÄÄ ä rulÄrÄ Halsbinden und Handschuhen. fdilag. Nun wurde das Drahtgitter in die Höhe gehoben und die drei Jungen krochen hinein. Zunächst wurden drei Futter- sacke hervorgeholt und in zwei von ihnen 24 Tauben hinein- gesackt, während in den dritten 5 Liter Erbsen und 1 Pfund Hirse gesteckt wurden. Nun traten die Drei den Rückweg an, gelangten glücklich wieder in das Haus Rügenerstraße 37 hinab und schliefen in dieser Nacht in der Laube eines Gartens. Am nächsten Morgen, es war der 28. September d. I., verkauften die drei Jungen einzeln elf Taubm auf dem Markte am Arkonaplatz und schlugen 2 Mark 20 Pfennig heraus. Die übrigen beschlossen fie der Großmutter Grünbergs in Anger- münde mitzunehmen, um der alten Dame eine Freude zu be- reiten. Als sie aber am Stettiner Bahnhof anlangten, that es dem Schnudt leid, daß die Thierchen so lange in dem dunklen Sacke stecken sollten und er machte den Vorschlag, sie fliegen zu lassen. Die Gefährten gingen darauf ein, der Sack wurde ge- öffnet und schurr— erhoben sich die Tauben in die Luft und «ahmen die Richtung nach dem heimathlichen Schlage. Um vier Nachmittags langten die drei modemen Robinsons in Angermünde an und suchten nach der Großmutter Grün- bergs. Aber die Großmutter war nicht zu finden, wie sehr sie auch suchten. Schließlich blieb den drei Jungen nichts weiter übrig, als den Heimweg anzutreten. Geld zur Rückreise hatten sie nicht, sie wanderten also muthig darauf los. Um 9 Uhr Abends waren sie in Eberswalde; ihre Füße schmerzten, müde waren sie auch, und fie hatten großen Hunger. Sie fragten «neu Mann, wie weit es noch nach Berlin sei.„Sechs Meilen," antwortete er und fügte hinzu, sie sollten nur mitkommen, Berlin könnten sie doch nicht mehr erreichen. So wurden die drei Verschlagenen zur Polizei gebracht und dort erzählten sie reumüthig ihre Geschichte. Ebenso offen war ihr Gcständniß in der gestrigen Verhandlung. Trotzdem Schmidt undgSchultze bcreitsZeinmal wegen gemein- schaftlichen Taubendiebstahls bestraft worden sind, hielt der Ge- richtshof doch eine milde Strafe gegen sie für zulässig und ver- nrtheilte die beiden zu einer Gefängnißstrafe von sechs Wochen, von denen vier durch die Untersuchungshaft als verbüßt betrachtet wurden. Grünberg, der noch nicht vorbestraft ist, wurde zu vierzehn Tagen Gefängniß verurtheilt, welche durch die Untersuchungshaft als abgemacht gelten. Ter Sängerkrieg am Grabe. Ein Vorfall, der unter der vorstehenden Spitzmarke Ende August d. I. in der Presse besprochen worden ist, bildete die Unterlage für eine Privatklagc, die gestern vor der 93. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts verhandelt worden ist. Kläger war der Opern- und Kirchen- sänger Ohlmcyer, Beklagter der Bezirksvorstehcr Kaphun. Am 25. August er. fand arif dem Friedhofe der St. Georgen- gemeinde die Beerdigung des am 22. dess. Ms. verstorbenen Rcstaurateurs Rackow statt. Dessen Hinterbliebene Wittwe hatte ihren Schwager, den jetzigen Beklagten, mit der Besorgung oller Beerdigungsangelegenheiten, insbesondere auch mit dem Engagement eines Kirchensängerchors, betraut und war ihr von Kaphun mitgetheilt worden, daß er Alles bestens besorgt habe. Am 24. August, früh zwischen 7 Uhr, fand sich der Kläger bei der trauernden Wittwe ein und forderte dieselbe, indem er erklärte, von der Kirche entsandt zu sein, auf, sich verschiedene Grabgcsänge auszusuchen, welche auf dem Friedhofe gesungen werden sollen. In dem Jrrthum, den von ihren Schwager bestellten Gcsangsdirigenten vor sich zu haben, entsprach die Wittwe R. dem Verlangen des Klägers, unterschrieb auch anstandslos ein ihr hingereichtes Formular und zahlte einen Vorschuß von 9 M. Als der Beklagte hiervon Äcnntniß erhielt, suchte er den w. O. auf und refüsirte die von seiner Schwägerin durch Jrrthumsetregung erlangte Bestellung. Der Kläger bestand aber auf seinem Schein und erschien sogar am folgenden Tage mit seinem Sängcrchor auf den, Friedhofe. Nur mit Mühe gelang es, denselben von der Mitwirkung zu- rückzuhalten. Der Beklagte hatte an beiden Tagen die Aeuße- rung gethan, daß O. seine Schwägerin um die 9 M. Vor- w>uß und um den Auftrag beschwindelt habe. Nach stattge- yü>ter Beweisaufnahme sprach der Gerichtshof den Beklagten weil er nur berechtigte Interessen vertreten und mit den Fluchten Ausdrücken nicht zu weit gegangen sei. „v f Beleidigungen gegen Zeugen, die eine ungünstige Sr: belastende Aussage machen, sind nicht selten, wenn der �geklagte ein etwas heißblütiger Mensch ist. Besonders oft Mrd der Vonvurf des Meineids erhoben, trotzdem gerade in ?tclem Vorwurf eine äußerst schwere Beleidigung liegt.— Ter «ausbcsitzcr Johann Gottfried Suckcr war von einem Schutz- A?nn bei der Behörde angezeigt worden, daß die Treppen m Lsnem Hause sich in einem miserablen Zustande befänden. Dem Zucker wurde nun durch polizeiliche Verfügung aufgegeben, in ?NHemesscner Frist die Treppen in seinem Hause wieder aus- Mein zu lassen. Herr Sucker wollte es auf eine gerichtliche Entscheidung ankommen lassen und legte Widerspruch ein. Das �erwaltungsgencht entschied aber gegen ihn, weil der als Zeuge vernommene Schutzmann die Angaben, welche er in der Denunziation gemacht hatte, mit seinein Eide erhärtete. Der verutthcilte Hausbesitzer verbreitete nun überall, daß der Schutz- Mnn einen Meineid geleistet habe und daß er ihn deshalb veiangen werde. So kanr es aber nicht; während der Haus- Putzer es unterließ, seine Drohung auszuführen, wurde der Schutzmann wegen Beleidigung gegen ihn klagbar. Vor ß"" hiesigen Schöffenaencht kam zur Sprache, daß Zucker bereits zwei Mal wegen Beleidigung vorbe- !?cht worden ist. Dieser Umstand fiel erschwerend� ins gewicht, und so erkannte der Gerichtshof auf eine Geldsttase l0n hundert Mark gegen den Angeklagten. Bei diesem Urtherl �ruhjgte sich aber der Hausbesitzer nicht; er legte Berufung i und so wurden gestern vor der fünften Strafkammer des Eisigen Landgerichts> noch einmal alle Einzelheiten des ,zalles v. ert. Der Angeklagte war so aufgeregt und konnte seine so wenig im Zaume halten, daß er während der Ver- VV'HUng zweimal grobe Beleidigungen gegen den als Zeugen Tttchieneuen Schutzmann ausstieß. Dieses Benehmen wurde »,?!?•. �stffvenden nuf das schärfste gerügt und bei der UrtheilS- ».Kündigung als Beweis dafür mit angeführt, daß der Ange- /?Ste ein im hohen Grade zu Beleidigungen neigender Mensch lautete auf Bestättgung der Ent- i, sodaß der HauSbessvcr durch die r»;"iuiHi, oie er cingciegi, nichts weiter erreicht hat, als die �vlien des Prozesses, die ihm zur Last fallen, nicht unerheblich �Mrößem. y_, Eine Stempelstrafe von nicht weniger als 22000 M. am Montag einem hiesigen Hausbesitzer M. vom Sttaf- d."?i bes Kammergcrichts zuerkannt. M. war im Besitz von «.�".Häusern, von denen er zwei an eine hiesige Besitzerin ver- !?Ate. Stempel hierfür war auch berichtigt worden, doch Me gleich vorauf das Geschäft in der Weise modifizwt, daß Z:'"ne gesammten drei Häuser im Werthe von etwa 550 000 M. W.? ein Besitztbum der betr. Dame im Werthe von etwa m.!000 M. vertauschte. Bei einem Tausch wird der Stempel- «sZag von dem höheren Tauschobjekt erhoben und sonach hätte Zi' etwa 5500 M. zu entrichten gehabt. Gemäß den gesetzlichen e-tl.mmungcn hätte auf sein Verlangen der bei dem Verkauf to cite Stempelbetrag beim Tausch in Anrechnung gebracht tonnen, doch da dies Verlange» nicht gestellt und der f�ag des Stempels vom Tausch nickt entrichtet wurde, so er- z/u'c gegen M. Anklage wegen Stemvelsteuerdettaudatton. bei,,>,?udgericht vcrurthcilte ihn unter Beri-ckstchttgung des baa �.�rkauf erlegten Stempelbetrags nur zu 6000 M. Strafe, CÄ�cht aber erkannte auf die Revision der Provinz, al- auf das Vierfache des Stempels vom ganzen � u chbetrage, also auf 22 000 M. Daneben hat M noch die % von 5500 M. zu zahlen. »orn-e°�und. 25. November. Es dürfte wohl noch niemals AASS J S&SVi der hiesigen Strafkammer der Fall war. Der Junge wurde überführt, längere Zeit als Schlepper für Prostituirte fungirt zu haben, wofür er Bezahlung erhielt. Das Gericht hat den verwahrlosten Jungen zwar freigesprochen, indem es annahm, derselbe habe nicht die nöthige Einsicht von der Strafbarkeit seiner Handlungsweise gehabt, doch ist derselbe einer Äesserungs- anstatt überwiesen worden. Aus Thüringen, 25. November. Wieder sind von einem thüringischen Landgericht zwei Personen, eine Frau und ein Mann, auf Grund des Dynamitgesetzes verurtheilt worden. Der Fall, welcher am 17. November vor dem Landgericht Greiz zur Verhandlung kam, ist folgender: Der Steinbrecher Poser in Irchwitz bei Greiz' hatte die behördliche Erlaubniß, einen kleinen Vorrath von Dynamit, den er zu seinem Gewerbe brauchte, in seiner Behausung aufbewahren zu dürfen. Eines Tages kam der Handarbeiter Hofmann von Greiz, dem dies bekannt war, zu der Ehefrau des Poser und bat diese, ihm einige Dynamitpatronen, welche er zu einer schweren Erdarbeit brauchte, zu verabreichen. Frau Poser that dies und Hofmann verbrauchte die Patronen. Auf Grund dieser thatsächlichen Vorgänge wurden Beide, die Frau Poser, weil sie nicht zur Abgabe, Hofmann, weil er nicht zum Gebrauch von Dynamit berechtigt war, zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Das Gesetz scheint in der That noch viel zu wenig bekannt zu sein, da man sich sonst die immerhin zahlreichen Verstöße gegen das- selbe nicht erklären kann. Uereme und Versammlungen. t Eine deutschfreisinnige Wählerversammlung, zu der zirka 3000 Personen gegen Karten Einlaß gefunden hatten, tagte am Sonntag im Wintergatten des Zentral-Hotels. Sic würde von Herrn Dr. Hermes mit dem Versprechen eröffnet, daß auch Redner anderer Patteien, sobald die offiziellen Re- ferenten gesprochen hätten, zum Wort gelassen werden würden. Diese offiziellen Reden wurden von den Reichstagsabgeordncten Richter, v. Stauffenberg, Träger und dem Kandidaten Land- oerichtsrath Klotz gehalten. Sie begannen alle drei mit der Klage um den verstorbenen Abgeordneten Ludwig Löwe, dessen Verdienste gefeiert wurden, und entwickelten einzelne Theile des Programms der deutschfreisinnigen Pattei. Herr Richter, welcher der Versammlung nur auf kürze Zeil bei- wohnen konnte, besprach die Thronrede, soweit sie die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke fordert. Er vertrat die Ansicht, daß „wenn neue Kadres nothwendig wären, die Mehrforderung durch Verkürzung der Dienstzeit des Einzelnen ausgeglichen werden müßte. Hieran schloß der Redner eine Kritik der ent- gegenstehendcn Parteien, die sich ausführlich mit den Konser- vativen und Nationalliberalen beschäftigte, die Sozialdemokratie aber nur streifte. Von der letzteren behauptete Herr Richter, daß sie mittelbar den Konservativen die Bahn ebne, weil das Bürgetthum so von zwei Seiten zugleich angegriffen worden sei.„Wenn dw Sozialdemokratie nicht die Ausdehnung in den Städten gewonnen und die Kraft des Bürgetthums gelähmt hätte, nie hätte die Reaktion so bcdeu- tcnde Fortschritte gemacht." Die anwesenden Sozialdemokraten protestirtcn gegen diese ohne Beweis hingestellte Behauptung. — Tie Reden des Abg. v. Stauffenberg, der seine Partei als „Hott des Idealismus" bezeichnete, und des Abg. Träger können übergangen werden, da sie sich über das Niveau der herkömm- lichen Wahlermunterungsrcden nicht erhoben. Nachdem noch der Kandidat, Herr Klotz, den Wählem sich vorgestellt und kurz gesprochen hatte, wurde die Diskussion eröffnet, für welche Herr Hermes die Redezeit eines jeden Redners auf zehn Minuten festsetzte. Als erster Redner trat der Stadtverordnete Görcki auf, von seinen Gesinnungsgenossen mit stürmischem Beifall begrüßt. Er sagte: Zunächst muß ich dem Herrn Vorsitzenden meinen Dank aussprechen, daß ich hier meine Ansichten vettrcten darf, und die Hoffnung hinzufügen, daß auch künftighin dieses gute Beispiel befolgt wird. Es ist schwer in zehn Minuten alles das zu beleuchten, was von meinen Vorrednern geäußett worden ist. Man kann deshalb nur einige Hauptpunkte herausgreifen. Es ist wohl allen Anwesenden aufgefallen, daß die„soziale Frage" eine eingehende Besprechung hier nicht ge- gefunden hat. Und ich glaube, daß es wohl deshalb geschehen ist, weil gerade in sozialpolitischer Hinsicht in der deutsch- freisinnigen Pattei Einigkeit zu vermissen ist.(Oho!) Es haben sich Differenzen in der Partei herausgestellt, die durch Ihr „Oho" nicht beseitigt werden. Eine rein politische Freiheit neben ökönomischer Bedrückung ist keine Freiheit. Daß die große Masse der arbeitenden Bevölkerung gar nicht in der Lage ist, ihre politische Freiheit zu gebrauchen, beweist der Antrag zur Sicherung der Wahlfreiheit, der auch von der frei- sinnigen Pattei unterschrieben worden ist. Allerdings muß die politische Freiheit die Grundlage jeder Sozialreform sein, aber fie ist nicht im Stande, denen einen größeren An- theil an den witthschaftlichen Gütern zuzuführen, welche fie erzeugen. Wir haben gegen die Kritik der konservativen Pattei nichts einzuwenden, höchstens hätte sie noch schütter ausfallen können. Sie ist thatsächlich der Steigbügel für die brutalste Reaktion. iBeifall.) Die freisinnige und die konservative Pattei sind aber Pflanzen aus demselben Acker, sie bewegen sich in denselben Grundideen. Wir aber vertreten eine neue Weltanschauung. Es ist ganz unrichtig, wenn Herr Richter sagt, daß die Sozialisten die Reaktion stärkten, weil sie das Bürgetthum angegriffen. Wir wollen aber nur auf das Bür- getthum einwirken, es veranlassen, sich mehr um die Interessen des Volkes zu kümmem. Hätten Sie Schulter an Schulter gegen die Reaktion nrit uns gekämpft, dann stände es besser! (Beifall und Widerspruch). Wir haben stets dem Bürgetthum durch Aufstellung eines Kandidaten Gelegenheit gegeben, für die Sache der Freiheit zu stimmen. Die deutschfreisinnige Pattei aber bat der Reaktion Vorschub geleistet da- durch, daß dem Sozialistengesetz zur Annahme half. (Beifall und Widerspruch.) Wir wünschten sehr, Sie wären im Parlamente eine Pattei, die der Reaktion ehernen Widerstand leistet. Woher kommt es aber, daß bei den wichtigsten Abstimmungen so viele Mitglieder Ihrer FraMon fehlen. Da, wo es sich um das Sozialistengesetz, um die wichtigste der poli- tischen Fragen handelte, fehlte.Herr v. Forckenbeck.— Wie denken Sie diese kolossalen Gegensätze, welche die jetzige Ge- sellschaft spalten, auszugleichen? Glauben Sie etwa, durch Ihre parlamentattschen Reden? Dadurch, daß der Arbeiter das politische Recht hat zu wählen? So lange ihm selbst in den Fabriken verwehtt wird, dies oder jenes Organ zu lesen, so lange seine ökonomische Abhängigkeit besteht, sollte man nicht von seiner Freiheit sprechen. Die soziale Frage ist der Kardinalpunkt aller önentlichen Angelegenheiten. Sie in den Vordergrund zu rücken, dazu ist unser Kandidat, der Schriftsteller Jens L. Chttstcnsen bereit. Er wird das Banner der Freiheit tragen. Wenn Sie dafür eintreten wollen, daß die ewig jungen Pttnzipien der Freiheit sich stetig fortent- wickeln, wenn Sie die Ehre Berlins, die Hauptstadt der Demo- kratie zu sein, wahren wollen, dann geben Sie für den Ranner- träger der wirklichen, der politischen und der sozialen Freiheit, den Schriftsteller Jens L. Christensen Ihre Stimme ab!(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten, Widettpruch und Unruhe bei den Freisinnigen.)— Nachdem Herr Klotz hierauf entgegnet, daß er gegen das Sozialisten- gesetz stets gestimmt habe und stimmen werde, ttchtete Herr Dr. Lütgenau an den Kandidaten die Frage, wie er sich zum Verbot der Kinderarbeit und zur Einführung eines Normal- arbeitstages stelle. Herr Klotz erwidette, daß er für die beiden ersten Forderungen, aber gegen die letztere sei. Eine Vettür- zung der Arbeitszeit müsse durck die„Sitte" errungen werden.— Hierauf erklärte noch ein anderer Redner, daß er im Äegttff gewesen sei, diesmal„abzuschnappen", weil so wenig für das Handwerk geschehe, daß er aber für den„Veteranen" Klotz noch einmal stimmen werde. Zum Schluß gab Herr Hermes die Erklärung ab, daß für Männer, die bei einer neuen Abstimmung für das Sozialistengesetz stimmen, kein Platz in der deutschfrei- sinnigen Partei mehr sei und wollte hieran ein Hoch auf Klotz knüpfen. Die Sozialdemokraten kamen dieser Absicht aber zuvor, brachten ein stürmisches Hoch auf Chttstensen aus und verließen unter dem Gesang der Arbester- mattcillaise den Saal. Ws. Im Verein der Sattler und Fachgenossen er- stattete am Sonnabend(27. d. M.) unter Vorsitz des Herrn Kabel stattgehabten und zahlreich besuchten Mitgliederversamm- lung in den Gratweil'schen Bierhallen Herr Schubert Bericht über den Arbeitsnachweis des Vereins, Krausenstraße 11. Die Zahl der angemeldeten vakanten Arbeitsstellen betrug während des letzten Vierteljahres 97, von denen jedoch nur 30 durch geeignete Kräfte besetzt werden konnten, obschon sich im Ganzen 130 Arbeitsuchende aus allen Sattlerbranchen gemeldet hatten, von denen 48 Vcrcinsmitglieder waren und 82 nicht dem Verein angehörten. Die Kollegen müßten, so mahnte dringlich der Referent, die Arbeitsvermittelung des Vereins ausnahmslos benützen, anstatt durch direktes Anbieten auf gut Glück in allen Werkstätten den Lohn herabdrücken zu helfen. Dann beschloß die Versammlung, am ersten Weihnachtstage in Baumbach's Kasino eine Weihnachtsfeier zu veranstalten. Hieran reihte sich ein von einem an der betteffenden Streikangelegen- heit Bctheiligten in sehr ausführlicher Weife erstatteter Bettcht über die kürzlich erfolgte Arbeitseinstellung aller 9 Ge- fellen in der Döring'schen Sattlerei in der Oranien- burgcrstraße. Die Veranlassung dazu gab die Maßregelung rcsp. Entlassung eines seit langen Jahren bei Herrn Döring arbeitenden Saitlcrgesellen, den der genannte Meister für den eigentlichen Anstifter einer, von den drei auf fixen Wochenlohn gestellten Gesellen mit Ettolg erhobenen Lohnerhöhungsforderung hielt. Durch einstimmige Annahme einer dem entsprechenden Resolution billigte die Versammlung nach einer längeren, sehr animitten Diskussion den betteffenden Streik, unter besonderer Anerkennung des bei demselben flegreichen Geistes kollegialischer Eintracht. Die einstweilige Regelung der Unterstützung der Streikenden wurde dem Äereinsvorstande anHeim gegeben und energisch vor Zuzug gewarnt. Der Verein„Journalisten- Tribüne" veranstaltete am Sonnabend eine Begrüßungskneipe; die Stimmung der Mit- glieder, die bekanntlich nur für die Zeit, in welcher das Parla- ment tagt, salarirt werden, fand ihren prägnanten Ausdruck in einem vom Vorsitzenden improvisitten Prolog, in welchem u. A. folgende Strophe vorkam:„Denn endlich nach langer verderb- licher Paus'— Tagt das bekannte, das„Hohe.Haus"— Ein Parlament ist wieder auf Erden.— Nicht blindlings wüthet des Dalles Geschick,— Das Leihhaus giebt stückweise Alles zurück,— Was seine Beute mußte werden"— Der Verein ist bemüht, für seine Mitglieder eine ständige Beschäftigung auch für die monatelange parlamentsfreie Zeit zu sichern. Außer einer hiernach begreiflichen Vorliebe für parlamcntattfche Ein- richtungen, welche eine öffentliche Berichterstattung nöthig machen, ist der Verein durchaus frei von politischen Besttebun- gen, was bereits zur Folge hatte, daß man ihn— nationalliberaler Tendenzen bezichtigte. Wer aber das Patteitteiben im Parlament von„oben herab"— nämlich von der Jour- nalistentttbüne aus aufmerksam beobachtet, der erstickt den Par- teienhaß in seiner Brust und wird tolerant gegen Anders- denkende und diese Duldsamkeit zeigt sich auch in dem neuen Verein. Die Versammlung des Verbandes deutscher Zimmer- leute(Lokalverband Berlin-Zentrum) findet am Dienstag, den 30. d. Mts., Abends 8 Uhr, Kommandantenstr. 77—79 statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über das Unfallversicherungsgesetz. Referent: Herr Zimmermeister Arans. 2. Verschiedenes. 3. Frage- kästen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zuttitt. NB. Die Mitglieder des Verbandes werden aufgefor- dctt, in dieser Versammlung reckst zahlreich zu erscheinen, denn es ist hier jedem Zimmermann Gelegenheit gegeben, sich Klar- heit in dieser Angelegenheit zu vettcbaffcn. Auch findet die Aufnahme neuer Mitglieder statt. Gäste haben Zuttttt. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht der Vorstand des Lokalver- bandcs Berlin-Zentrum. Der Zentralverein Arends'scher Stenographen begeht am 1. Dezember, Abends 8� Uhr, im aroßen Saale des „Englischen Gartens", Alexanderstt. 27b, die Feier des Gcbutts- tages von Leop. Arends, des Begründers der Arends'schen Stenographie. Die Festrede hält Professor Dr. Seibt. Nach der Feier geselliges Beisammensein. Freunde und Verehrer der Arends'schen Kurzschttft mit ihren Damen sind will- kommen. Die Freie Organisation junger Kaufleute begeht am Tonnerstag, den 9. Dezember er. in den Festräumcn der Bürger-Sälc, Dresdenerstr. 90 die Feier ihres dritten Stiftungs- festes. Der Ucbcrschuß fließt in den Unterstützungsfonds des Vereins. Billets für Herren& 0,75 M. und für Damen ä 0,50 M. sind zu bezichen durch das Bureau des Vereins Friedttchstr. 20 bei Henning, sowie bei sämmtlichen Vor- standsmitgliedern und Herrn Ladendorf, Besitzer der Bürger- Säle, Dresdenerstr. 90. Verband deutscher Zimmerleute, Lokalverband„Berlin Ost" Mittwoch, den 1. Dezember, Abends 8 Uhr, Versammlung in Horstmann's Lokal, Frankfutter Allee 127. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zuttitt. Gauverein Berliner Bildhauer, Annenstraße 16. Heute, Dienstag, Abends 9 Uhr, Vorttag des Ingenieurs Herrn Beneko über„die Elektrizität im Dienste der Menschheit."(Mit Ex- pcnmenten.) Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am Dienstag. Schäfer'scher„Gesangverein ver Elser". Abends 9 Uhr bei Wolf und Krüger, Skalitzerstt. 126, Gesang.— Gesangverein „Bruderbund" Abends 9 Uhr Adalbertstt. 4, im Restaurant. —„Gesangchor des Gauvcreins der Bialcr Berlins" Abends 8 Uhr bei Sodtke, Ritterstr. 123.— Turnverein„Hasenhaide" (Männer- Abtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachslr. 60 61.— Rauchklub„Deutfche Flagge" Abends 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelstt. 11.— Rauchklub„Zum Wränget" Abends 8'/, Uhr im Restaurant, Wrangelstt. 32.— Verein ehemaliger Schüler der 37. Gcmeindeschule, Abends 9 Uhr im Restaurant Kinner, Kopnickerstr. 68. Vermisltyies. Gin Fälscher. Dieser Tage wurde der Banknotenfälschir Josef Pttlesnik nach dreißigjähriger Sttnfhast aus der Arader Festung entlassen. Der„Temesvarcr Ztg." werden über diesen merkwürdigen Menschen und über die cigcnthümlichcn Lebens- schicksale desselben folgende Mittheilungen gemacht:„Im Jahr» 1850 war Pttlesnik Schüler der siebenten Gymnasialklasse in Laibach. Zu jener Zeit kursirten jene in technischer Beziehung ungemein primitiv hergestellten Noten, die man in vier Theile zerschnitt und als„Viettelzettel" in Verkehr zu bttngen pflegte. Pttlesnik faßte die unglückselige Idee, drei oder vier solcher Guldennoten mit der Feder nachzuzeichnen. Er wurde dcnunznt und zu zweijährigem Kerker verurtheilt. Nach übcrstandrner Strafzeit wurde er zum Militär ausgehoben und übte fich auch während seiner Dienstzeit immer mehr im Zeichnen von Banknoten, so daß er in dieser Kunst eine gewisse Meisterschaft erlangte. Er wurde nochmals bcsttaft, natürlich immer härter, und brach zwei- oder dreimal aus den stärksten Festungen aus. So oft er ausbrach, flüchtete er in seine Heimnth, wo massen- hafte Falsifikate bald verkündeten:„Der Pttlesnik ist da!" Das letzte Mal arbeitete er, in einer Waldmühle verborgen, mit Pressen und Platten cngros. Die Bevölkerung prottgittc ihn gewöhnlich vor den Gendarmen, verbarg ihn und machte bei ihm massenhafte Bestellungen. Ein wunderschöner„Prilesnik-Hun- berter" kostete nur einen Bankzehner. Er war großmüthig gegen Arme, von gutmüthiger Natur und ein ganzer Sagenkreis hat sich um seinen Namen gewoben. Damit er nicht wieder aus- brechen könne, wurde er in die Verließe der Araber Festung gesteckt, wo er ungarisch und rumänisch lernte. Hier hat er seine schreck- liehe Strafe auch wirklich abgebüßt und ist jetzt vierundfünfzig Jahre alt, von welchen er ca. dreißig Jahre in verschiedenen Kerkern zugebracht hat, wieder dem Leben zurückgegeben wor- den. Ein merkwürdiger Zufall verdient hier noch besondere Erwähnung. In Prilesnik lebte ein starker fatalistischer Zug, der ihn zu dem felsenfesten Glauben veranlaßt?, es gebe keinen Kerker, der ihn festzuhalten vermöge. Von diesem fatalistischen Zuge geleitet, sagte er seiner Zeit dem Militärauditor, der ihm verkündete, daß er zu zwanzig Jahren Kerkers verurtheilt sei: „Herr Hauptmann, ich würde Sie bedauern, wenn ich glauben könnte, daß Sie nicht länger leben werden, als mich die Mauern Ihres Kerkers halten." Diese seltsame Rede machte einen so unheimlichen Eindruck auf den Auditor, daß es bei ihm schließlich zur fixen Idee wurde, daß, wenn Prilesnik wieder aus dem Gefängnisse ent- fliehe, er— der Auditor— sterben müsse. Als das von dem Verbrecher vorausgesagte Ereigniß nun wirklich eintrat und es ihm vor mehreren Jahren zu entfliehen gelang, da war der Auditor dem Wahnfinn nahe. Zum Glück wurde der Flücht- ling wieder eingefangen. Kurze Zeit vor Ablauf der Strafhaft Pnlesniks bemächtigte sich des bereits seit längerer Zeit penfionirten Auditors eine seltsame Unruhe; er sprach immer von Prilesnik und beschäftigte fich fortwährend mit seiner be- vorstehenden Freilassung. Einige Tage, che dieselbe erfolgte, kam der Wahnsinn bei dem unglücklichen Auditor zum Aus- bruche und er mußte nach Graz, in seine Heimath gebracht werden, wo er fich gegenwärtig in einer Hellanstalt befindet." ßetzte Nachrichten. Ueber die von der Regierung von Irland getroffenen Maßregeln wird weiter gemeldet: Dublin, 29. November. Die Regierung beschloß, ebenso wie gegen Dillon, so auch gegen das Parlamentsmitglied O'Brien das gerichtliche Verfahren ein- leiten zu lassen.— Dublin, 28, November, Abends. Die Stadt Sligo ist von zahlreichen Militär- und Polizeimannschaften be- setzt. In Folge des Verbots des Vizekönigs fand die beabsichtigte nationalistische Versammlung nicht in Sligo statt, dieselbe war aber insgeheim in einem Dorfe nächst der Stadt vorbereitet worden und wurde daselbst abgehalten. Die Parlamentsmitglieder O'Brien und Kelly hielten Reden, in welchen sie unter heftigen Vorwürfen gegen die Regierung die Absicht aussprachen, die Bewegung im Gange zu erhalten. Es waren nur wenig Polizeimannschaften gegenwärtig. Aus der italienischen Deputirtenkammer. Rom, Sonntag, 28. November. In Beantwortung der Interpellationen Sant Onofrio und Volle bezüglich der auswärtigen Politik erklärte der Minister des Auswärtigen, Graf Robilant, die Beziehungen Italiens seien zu allen Mächten gute, diejenigen zu Teutschland und Oesterreich zeugten von großer Herzlichkeit und gegenseitigem Vertrauen. Die Regierung habe sich dem fned- lichen Programm der Zentralmächte angeschlossen und werde sich demselben auch fernerhin anschließen unter derselben Form und in demselben Maße wie bisher, indem sie es fich angelegen sein lassen werde, das Einvernehmen zu einem immer innigeren und den gegenseitigen Interessen immer mehr entsprechenden zu machen. Mit England sei Italien durch besondere, der italienischen Politik traditionelle Freundschaftsbande verknüpft und werde diese noch weiter entwickeln, wenn die Ereignisse es verlangen sollten. Kriefkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. G. S., Manteuffelstraße. Einen Ihnen zur Sicherheit für Ihre Forderung gegebenen Pfandschein dürferr Sie� bn Verfall einlösen. Alsdann werden Sie aber nicht Eigenthümer der verpfändeten Sache, sondern können nur wegen Ihrer ur- sprünglichcn Forderung und der Einlösungskosten klagen und das Pfandobjekt durch den Gerichtsvollzieher verkaufen lassen- W. M. F. W. Ihr Schwager ist auf Ihr Verlangen verpflichtet, Ihnen die 240 3)1. bierherzusenden; allerdings geschieht dies, da der Wohnort Ihres Schwagers der gesetzliche Erfüllungsort ist, auf Ihre Gefahr und Kosten. Weigert sich Ihr Schwager, das Geld— nach Abzug des Portos— W herzusenden, so können Sie Klage auf Zahlung erheben. Theater. Dienstag, den 30. November. Opernhaus. Fidelis. Schauspielhaus. Graf Waldemar. Deutsches Theater. Doktor Klaus. Krtedrtch-WÜHelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Sternschnuppe. Vtktoria-Theater. Amor. Ostend» Theater. Das neue Gebot. Refidenz-Theater. Georgette. Schauspiel in 4 Akten von V. Sardou. Zentral-Theater. Der Waldteufel. Bellealltance-Theater. Der Kreuzelschreiber. Walhalla-Theaicr. Gräfin Dubarry. Königstädtischcs Theater. Von Schrot und Korn. Kaufmann's Varietee. Spezialitäten- Vor- stellung. Ameritan-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Eoncordia» Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Thcater.) Wallnertheaterstt. 15. Das Mädel ohne Geld. Posse mit Ges. in 3 Akten von Dr. Ed. Jacobson. Musik von Lehnert. Dirigent: Herr Kapellmeister Theodor Franke. Vor der Vorstellung: SMT Großes Concert,"WM ausgeführt von der Hauskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Hrn. Theodor Franke. Anfang des Eoncerts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochentags 7% Uhr, Sonntags 7V» Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung versehen. Gegen Theilzahlllllg: Palet»«* Pt-rven- und a»ave»-K«si»se, sowie D««enkteidr» iPiitter-Waatet jc im Tuch-Geschäst[1169 prwzenflr. 53« gegenüber der Turnhalle Ich empfehle allen Freunden und Bekannten mein Kchzchwaarenge schaft. Auswahl von fittttn-, Damen-«. Kinderstiefel«. Bestellungen nach Maß, sowie Re- paraturen schnell, sauber und billig.[1118 WUh. Krttger, Lausitzerplatz 3. Soeben erschien HeftS ller Internationalen Bibliothek. Die Darwm'sche Tbeone.(Nie Abstammung de» Menschen.) Preis pro Keft 50 Pf. Zu beziehen durch die Grpeditio« des»Kerl. Uolksblatt�z Zimmerstraße 44. DM" Miederoerkäufern Rabatt. Emile Zola. Soeben erschien in unserem Verlag Emile Zola'» erster grosser Roman Die Geheimnisse von Marseille. Autoristrte Rebertekung von Mar Trantner. Zum ersten Male ins Deutsche übertragen. 500 Seiten stark. Elegant ausgestattet, geheftet und beschnitten. Frei» im Buchhandel 2 Stark 50 Pfennig. 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Tutzauer, für den übrigm TheU der Zeitung St. Lrouheim, sämmtlich Tmck und Verlag von Max vadiug in.Berlin SW., Bmthsttaße 2. ff. Koken werden mitgemacht bei©»lath, Chausseesttaße 2», zweiter Hof 4 Tr.[1177