Kr. 28Ä. Donuerkag, de» 2 Dezember 1886. 3 IichrA. SMwerVslkM». Brgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vietteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Man, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustritten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Nauin 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Ucbereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Äureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. ..Meß Krot D« ißt. drß Lied D« stngst." An dieses Sprüchwort erinnert uns in höchst drastischer Weise ein preußischer Landrath in Westfalen, der auf eine wegen Wahlbeeinflusiung von Arbeitern eingereichte Be- schwerde neben anderem erwiderte, daß die Arbeiter und »Arbeitgeber" gleiche Interessen hätten und man auch das alte sinnige Sprüchwort nicht vergessen möge:„Weß Brot ich esse, deß Lied ich singe." Wenn solche Bemerkungen in einem offiziellen land- räthlichen Schriftstück sich befinden, so kann man sich denken, wie diese Herren über die Stimmabgabe der ihnen unter- gebenen Beamten denken. Selbstverständlich sollen diese erst recht in dem Sinne derjenigen stimmen,„deß Brot sie essen." Also sie sollen stimmen im Sinne der Re- gierung. Aber es ist doch so eine eigene Sache mit diesem„Brot- essen". Essen denn die Arbeiter wirklich das Brot der„Ar- beitgeber?" Oder ist es nicht viel richtiger, wenn man behauptet, die Fabrikanten essen das Brot der Arbeiter? Und dies ist in der That so. Der Arbeiter schafft durch seine Arbeit Werthe für den Fabrikanten; von diesen durch die Arbeiter geschaffenen Werthen nimmt der Fabrikant den Löwenantheil für sich und giebt den Arbeitern nur einen geringen Antheil. Er, der Fabrikant also, ernährt sich von den Arbeitern, er lebt von dem Brote, welches die Arbeiter schaffen und aicht umgekehrt. So können die Arbeiter gar �cht nach dem oben angegebenen Sprüchwort handeln, weil � niemals das Brot eines Andern essen, sondern ihr eigenes, schwer verdientes. Wenn's nach dem obigen Sprüchwort ginge, dann büßten die Fabrikanten im Sinne ihrer Arbeiter wählen Unil nicht umgekehrt. . Aber die heutigen wirthschaftlichen Verhältnisse sind eben �nach, daß derjenige, welcher des andern Brot ißt, nicht M Lied desselben singt, sondem durch seine kapitalistische stacht seinen Brotgeber noch unterdrückt und diesen offen ?°er versteckt zwingt, ein Lied zu singen, welches stch gegen ch� selbst richtet. Uno ist denn die Regierung in der That die Brot- Iwerin der Beamten? Das wird Niemand im Ernst be- hupten wollen. Das Volk bringt durch seine Steuern "l>s auf, welches dazu dient, den Beamten das Brot ist schaffen. So müßten, wenn es nach jenem Sprüchwort , die Beamten erst recht des Volkes Lied stngcn. Man sieht somit, daß es mit diesem Sprüchwort nicht oetbolett.] Ileuiü'eton. [6 C i n Sprung. Novelle von Eurt Vaake. IV. Eine dicke Frau in einem rothkarrirten alten Unterrock, tlrntr zerrissenen Nachtjacke und einer unsauberen Haube mit . wuen Bändern führte Anna durch einen dunklen Gang zu Thür der Mansardenstube, welche Ernst Bender für zehn monatlich von ihr gennethet hatte, und sagte mit Trober Stimme zu dem Mädchen:„Der Herr schläft noch!" i»Was nicht alles in der Welt vorkommt," meinte sie »?nn unten im Bäckerladen zu einer Nachbarin,„ist das die jst�nschenmöglichkeit! Kommt heut früh, es ist noch nicht l in denn meine Emma, die in die Schule geht war "vch nicht fort..., klopft es heut früh um sieben Uhr an weiner Stubenthür, daß ich ganz erschrocken auffahre, denn, csl''en Sie, man ist doch schreckhaft, wenn man noch nichts �deutliches auf dem Leibe hat, was man als verheirathete .�au und Mutter von sechs Kindern um sieben Uhr früh .uch nicht zu haben braucht, und es kommt ein Ntädel, ein . whunges Ding, und will durchaus zu meinem Zimmerherrn, „jfnvch in den Federn liegt, und sagt, das schadet gar- Uwl'••• Nun[frage ich Sie, ist das Anstand?... ,& noch dazu bei meinem Theologen, der so ein Duck- .Jsstser ist und so thut, als könne er kein Wässerchen trüben; na, das sind erst die Rechten! E>-nn Anna in die Mansardenstube trat, richtete sich blnv tm®ette halb empor und starrte die Eintretende mit ken» and verschlafenen Augen an, ohne sie zunächst zu er- ,"dn. Sein langes Haar hing wirr über die Stirn und sanL� hatte im Schlaf geschwitzt, zu dünnen Streifen zu- «zststn�rgebacken, an denen Bettfederchen klebten. Ein dumpfer scbtW"ach verdorbener Luft und Lampenrauch hing in dem Sonn einfenstrigen Zimmer, das mit einem wackligen pya,«uz dessen kattunenem Ueberzug braunes Seegras da dem Volke und als Brotgeber keine vorzüglich dem Lieder gesungen weit her ist, arbeitenden Volke, werden. Das Sprichwort selbst aber zeugt von einer servilen Gesinnung und soll auch nur als ein Ausspruch der Ver- achtung gelten für den, der darnach handelt. Wir wissen nicht, ob der westfälische Landrath dies so aufgefaßt hat, aber in der That hat das Sprichwort diese Bedeutung. Dasselbe bezieht sich auf Personen, welche ohne eigene Ueberzeugung handeln, welche ihre Ueberzeugung vor der Macht beugen und bei den Wahlen ihre Stimme abgeben gegen ihre Ueberzeugung und ihrem momentanen egoistischen Interesse das Gesammtinteresse und das Wohl des Volkes leicht zum Opfer bringen. Wer somit ein derartiges Sprichwort empfiehlt, der möchte im politischen Leben Knechte erziehen, welche ohne Murren sich vor ihren Machthabern in den Staub werfen und die Macht derselben noch vermehren helfen. Es ist ein großes Glück, daß weite Kreise des deutschen Volkes sich längst von solchen Anschauungen entfernt haben, wie sie das vielberufene, von dem westfälischen Landrath mit dem hübschen Beiwort„sinnig" geschmückte Sprichwort ver- trift. Deshalb glauben wir auch, daß die Zeit nicht mehr fern ist, daß dasselbe aus dem deutschen Sprachschatze aus- gemerzt sein und nur noch eine historische Bedeutung haben wird. Das deutsche Volk, besonders die deutschen Arbeiter haben eine höhere Auffassung von der politischen Moral, als servile Streber und allerlei egoistische Duckmäuser, welche ihre kleinen persönlichen Vortheile dem Wohle der Nation voranstellen, obwohl sie sich mit großer Vorliebe national nennen. Das deutsche Volk wird über dieselben bei den öffent- lichen Wahlen zur Tagesordnung übergehen, trotz aller Wahl- beeinflussungen und trotz vieler Drangsale. Wem seine Ehre theuer ist, wer sich selbst achtet, der wird nimmer„deß Lied singen, deß Brot er ißt", sondern er wird seiner Ueberzeugung gemäß singen von Freiheit und Völkerglück, aber er wird dieser Ueberzeugung gemäß immer und überall und be- sonders bei den Wahlen, auf die sich ja das oben- genannte Sprüchwort vorzugsweise bezieht, auch zu handeln wissen._ Scfetffcftaftsrcttung auf Wien. In England giebt es einen Verein von Kapitalisten, betitelt die„Gesellschaft zum Schutze der Freiheit und des Eigenthums", welche gebildet wurde, als in Frland die Nichtzahlung von Rente proklamitt wurde und in England der Sozialismus be- hervorquoll, einem viereckigen Tisch, einigen Holzstühlen, einem alten Kleiderschrank und einem Waschtisch ausgestattet war; auf dem Tisch lagen Hefte, Bücher standen auf einer unpolirten Holzkiste, in der Ecke lehnte eine lange Pfeife mit durchgebissenem Mundstück und auf dem schmutzigen Fuß- boden ruhten die Stiefeln, wie sie Ernst gestern Abend von den Füßen geworfen hatte. Es war ein un- erfreulicher Anblick, unerfreulich auch in der Früh- dämmerung, welche die Gegenstände noch halb verhüllte. Anna sprach einige Worte zu Ernst, der sie erst jetzt erkannte, hastig mit der einen Hand das Hemd zunestelte und mit der anderen sich durch die Haare fuhr. Er rieb sich die Augen, um sich ganz zu ermuntern, und sagte oann mit verdrießlicher und verschlafener Stimme: „Herr Gott, Du?... Was willst Du denn hier?... Was kommst Du denn zu mir? Ich liege ja noch im Bette!" Er war immer übellaunig, wenn er im Schlafe gestört wurde, und jetzt kam noch hinzu, daß eS ihm unangenehm war, bei seinen Wirthsleuten im schlechten Lichte zu er- scheinen. Man konnte nie wissen, ob sie üble Nachrede, die auS solchen Besuchen unvermeidlich entstand, ihm nicht später in seiner Karriere schädlich werden konnte. Der LiebeSrausch des vergangenen Abends war ver- flogen! Spät in der Nacht war Ernst zurückgekehrt und hatte noch lange in Easanova'S Metnotren gelesen, bevor er ein- geschlafen war. Sein Schlummer war unruhig und dumpf gewesen und ein häßlicher Traum hatte ihn gequält; er wollte Anna an sich ziehen, sie aber stieß ibn mit einer Geberde des Widerwillens zurück und eine dunkle Wand schob sich zwischen ihn und sie. Erst gegen Morgen hatten diese Beängstigungen aufgehört und er hatte traumlos und schwer geschlafen, bis ihn das Klopfen an der Thür weckte. Er war noch in dumpfer Betäubung, als er Anna ant- mottete, und so konnte er den Gedanken, der sich ihm zuerst aufgedrängt hatte, nicht verbergen, konnte er den unwillkür- lichen Mißmuth, in den ihn ihr unerwartetes Erscheinen in seiner Wohnung um diese frühe Stunde versetzt hatte, nicht unterdrücken. drohlich zu werden begann. Jetzt, da die Arbeiterbewegung in Amerika stch immer machtvoller entfaltet und die letzten Wahlen gezeigt haben, daß die Arbeiter stch anschicken, nun den Stoß gegen die politische Macht der Bourgeoifie zu führen, ahmt man auch über dem Ozean das Beisviel der Engländer nach. In New-Uork hat stch eine Äktien-Gesellschaft gebildet, die„Pudlikations-Ässoziation zur Berthei- digung des Eigenthums", welche die„Gesellschaft mit Dinte zu retten beabstchtigt. In einem Zirkular der« selben werden ihre Absichten auseinander gesetzt. Dieses lautet wie folgt: „Wetther Herr! Hätte Jemand bis vor Kurzem die Met« nung auszusprechen gewagt, daß die sozialistische Bewegung hier keine Stätte finden würde, er hätte anscheinend Recht gehabt. Eine Behauptung, daß wir, in Folge unserer freien Institutionen, von den Bewegungen, die seit den letzten 10 Jahren den Frieden und die Sicherheit Europas bedrohten, gänzlich verschont sein würden, eine solche Behaupthung, wir wiederholen es, hätte Niemand zu bestreiten gewagt. Und doch haben die schreck- lichen Vorgänge in Ehikago und die offenen Aufforderungen gegen Gesetz und Ordnung in anderen Städten das Gcgcntheil zu klar demonstrirt. Diesem monströsen Uebel mit den Händen in der Tasche zu begegnen und durch Gleichgiltigkeit und Unthätigkeit dessen Wachsen ungehindctt zu gestatten, wäre nicht nur ein Ver- kennen unserer Interessen, und unserer Pflichten als fttedliche Bürger, sondem auch ein Verbrechen gegen Zivilisation und Freiheit. Während Sozialisten und Anarchisten übnall hemmtoben, macht sich eine allgemeine rastlose Agitation unter den Massen bemerkbar; Dutzende von Zeitungen werden herausgegeben, Flugblätter und Zirkulare werden zu Tausenden verbreitet; redegewandte Agitatoren und Revolutionäre, die für diesen speziellen Zweck bezahlt stnd, durchziehen das ganze Land, um ihre Pläne dem Volke einzuprägen. Was haben wir dagegen gethan? Einfach nichts. Da wir mit dem arbeitenden Volte nicht in p ers ön- liche Berührung kommen, da wir nur das sehen, was auf der Oberfläche erscheint, so können wir nur eine schwache Ahnung von dem außerordent- lichen Fottschntt haben, den diese sozialistische Agitation in den letzten 6 Monaten unter den Massen gemacht hat. Um dieser Bewegung vorzubeugen, hat eine Anzahl hervonagender Geschäftsleute hiesiger Stadt in einer am 18. Ottober abgehaltenen Versammlung die„Property Defense Publishing Asso- ciation" organifitt, mtt Herm James Rüssel Wallace als Prä- stdent und Herrn tzenm C. Sutton als Sekretär. Das Kapital der Assoziation betragt 20 000 Dollars in 2000 Aktien(k 10 Dollars), von welchem Betrage sofort 6000 Dollars gezeichnet wurden. Diese Organisation bezweckt: 1) Die Herausgabe von zwei wöchentlichen Zeitschriften unter der Leitung des Herrn Edward Attinson, Professor der politischen Oekonomie für„Law and Order", und von Dr. A. Göhring für„Gesetz und Ordnung". 2) Dem Sozialismus mit seinen weitreichenden Verzwei- Anna untersuchte den Grund seines Benehmens nicht; in dem Tone seiner Stimme hatte etwas so Kaltes und Unfreundliches gelegen, daß sie sich tief verletzt fühlte. Sie betrachtete ihn starr und sagte dann, ohne seine Fragen zu beantworten: „Zieh' Dich an; wir gehen gleich fort!" So hart und rauh hatte Ernst sie noch nie sprechen gehört und er blickte nach ihren Augen, in denen der Zorn aufflammte. Er begriff, daß er sie gereizt habe, und er fürchtete sich ein wenig vor ihr. Sein Kopf war schwer und sein Herz zitterte, während er ihrem Gebot folgte und sich mechanisch ankleidete. Anna war in den Mansardenvorbau an das kleine Fenster getreten, das in den Hof führte. Sie fuhr mit der Hand über die behauchten Scheiben, an denen einzelne Wassettropfen langsam hinunterrollten und schaute starren Blickes unverwandt hinaus. Um die spitzen Ziegeldächer, auf die sie hinabsah, wogte ein dicker, grauer Nebel, wie ihn der Herbst des Morgens aufsteigen läßt. Er füllte die ganze Tiefe des Hofes, so daß die Gegenstände unten nicht zu erkennen waren und der alte, halbverdorrte Akazienbaum, der einsam im Hofe stand und mühsam nach Luft und Licht rang, seinen Stamm verloren zu haben und mit seinem zackigen Geäst, seinem mageren und trockenen Blattgefieder m der dicken, schweren Luft zu schweben schien. Die Schornsteine ttngs- herum richteten sich mit ihren wunderlich geformten Blech- aufsätzen wie einsame, halbverschleierte Riffe und Klippen der Nebelbrandung empor und ihre Rauchwolken, die sonst wie Säulen kerzengerade in die Höhe gingen, wurden von der Luftlast gewaltsam herabgedrückt, krochen gedemülhigt die Dachfirste entlang und stäubten ihren Ruß auf die kalk- beworfenen Giebelmauern der Häuser. Der Nebel war allmächtig, war der Herr, er schien mit seinen tobten, grauen Fingern an die Fensterscheiben zu pochen und Anna glaubte, er wolle auch in diesen Raum hinein und sie und Ernst verschlingen. Eine Thräne rieselte langsam über ihre Wange und siel auf ihre Hand, die aus dem Fensterbrett ruhte. So konnte Ernst sie empfangen, auf dessen Liebe sie fest gebaut Zungen direkt und thatkräftig gegenüber zu treten und speziell den Opfern von Streiks und Boykotts jede mög- liche Unterstützung zu gewähren. Daß die Arbeiter bis jetzt mit den Boykotts erfolgreich waren, ist lediglich ihrem gut- organisirten Borgehen zuzuschreiben. Detailkrämer, Zigarren- Händler und andere kleine Geschäftsleute hatten sich deren übertriebenen Forderungen zu unterwerfen, denn es stand auf ihrer Seite im Falle einer Zurückweisung keine SMlfe oder Unterstützung von der aesctzliebenden Bürgerschaft. Dieses wird jedoch von dem Augenblicke an aufhören, da eine oppofitionelle Organisation sie darüber belehren wird, was sie durch solche feige Zugeständnisse zu verlieren haben und daß wir durch alle gesetzlichen Mittel als Handbills, Zirkulare und in den Spalten unserer Zeitungen den gcsetzliebenden Theil der Bürgerschaft von solchen Zugeständnissen unterrichten. Wir werden die Boykotters mit ihren eigenen Waffen bekämpfen— in dem wir Diejenigen patronisiren, die sie in Acht erklären. Im Falle, daß die Kleinhändler es muthig zurückweisen, daß sie sich nicht länger den Erpressungen der Boykotters fügen werden, sollen sie m unserer vereinigten Organisation ein wirksames Hinderniß gegen diese Forderungen finden. 3. Beständige Ucberwachung der Dema- gogen und„Rioters" und das Sammeln von Be- weisen für deren Ueberführung, ebenso die Einschüchterung(?) von Richtern oder Geschworenen zu verhindern— kurz, in energischer Weise alle Mittel anzuwenden, die für das Wohl- ergehen unserer Mitglieder und unserer Mitmenschen für nöthig erscheinen. Aus dem vorstehenden Programm können Sie leicht er- sehen, welch außerordentlichen Einfluß diese Organisation auf das öffentliche Wohl haben wird. Wir sind überzeugt, daß, wenn es Ihnen um Ihr und der Allgemeinheit Interesse zu thun ist, Sie unser Gesuch um Unterstützung von Herzen billigen werden. Sollte das Obige Ihre Zustimmung finden, füllen Sie gefälligst das einliegende Formular aus und retoumiren Sic dasselbe baldmöglichst. Wir verbleiben, weither Herr, hochachtungsvoll Die„Pro- perty Defense Publishing Ass.," Henry E- Sulton, Sekretär/ Die Gesellschaft gesteht also zum Schlüsse ganz offen ein, daß ihr gegen die Arbeiter auch die Mittel der Spionage und der Justizbeeinflussung recht sind— denn an eine„Einschüchterung" der Richter seitens der Arbeiter glaubt nach den neuesten Urtheilen am Ende doch Niemand. Für Deutsche von besonderem Interesse ist noch die An- gäbe des Zirkulars, daß Herr Ludwig Bamberg er, unser freisinniger Phrasenheld, journalistisch mitarbeiten soll an der Tödtung des amerikanischen Sozialismus. Nach seinen Leistungen in Deutschland zu urtheilen, brauchen die Amerikaner auf seine Mithilfe wahrlich keinen Wetth zu legen. Ucberraschend kommt uns aber die Nachricht nicht, da bereits vor Jahren in einer deutschen Broschüre„gegen den Staatssozialismus", in der Herr Bamberger seine gewöhnliche „Geistreichigkeit" leuchten ließ, die Idee einer Nachahmung der englischen Propetty's Defense League vertreten wurde. Potttische Ueberstcht. Aus dem Reichstage. Der zweite Tag der ersten Lesung des Rcichshaushaltsetats wurde mit einer Rede des Abg. Hasenclever eingeleitet. Ter Redner gab eine mit mehrfachen humoristischen Einfällen gewürzte Tarstellung der Sozialrefornr der Regierung, die er für durchaus unzulänglich erklärte. Zum Schlüsse betonte er, die sozialdemokratische Fraktton werde wohl für einzelne Etatspositionen, nicht aber für den Etat im Ganzen stimmen. Abg. von Maltzahn brachte dem gegenüber seine sattsam bekannten Redensarten vor. Abg. von Huene(Zentrum) warf der Regierung vor, sie verlange nur Ausgaben, ohne auch zugleich die Einnahmen zu regeln. R i ch t e r' s Etatsrede blieb diesmal weit hinter den früheren zurück; er beschränkte sich darauf, gegen die Konservativen zu polemisiren. Was Graf Behr, Grad und von Helldorff sagten, war ohne Bedeutung. Finanz« minister von Scholz griff heftig die Dcutschfreisinnigen an und nun entspann sich eine lebhafte Debatte. W i n d t h o r st wollte aus den Worten des Finanzministers herausdeuten, daß die Regierimg wieder das Tabaksmonopol vorzulegen beabsichtige, welches er unter allen Umstünden verworfen wissen wollte; er sprach von drohender Auflösung des Parlaments. Hierauf griffen der F i n a n z m i n i st e r und R i ck e r t einander an und als Herr Minister von Scholz die Freisinnigen ermahnen wollte, sie sollten sich benehmen, wie es„unter ehrlichen Leuten" Sitte sei, ereignete sich ein in den Annalen dieses Parlaments neuer Fall: der Präsident von W e d e l l erthcilte dem Finanzniinistcr eine Rüge. Was noch kam, war von wenig hatte? Sie hatte gedacht, daß er sie liebreich an sich ziehen, und die Worte wiederholen würde, die er ihr gestern Abend ins Ohr geflüstert hatte. Statt dessen fragte er sie, was sie bei ihm wolle, und zeigte keine Spur von Freude über ihre Anwesenheit. Das war schlecht von ihm, wie sie eS ihm niemals zugetraut hätte. Sie hatte geglaubt, daß er so denken müsse wie sie, daß er aus ihren Mienen das Leid lesen würde, das ihr widerfahren war. Und ihr Zutrauen zu ihm begann zu schwinden. Da schlang Ernst leise den Ann um ihre Hüfte und versuchte sie an sich zu ziehen und zu küssen. Aber sie empfand jetzt eine Art von Widerwillen gegen seine Be- rührung, sie entwand sich ihm ungestüm und sagte: „Laß das!" Ernst war vollkommen angekleidet, nur trug er noch an den Füßen niedergetretene Schlafschuhe, roch nach der Seife, mit der er sich gewaschen batte, und sein Haar, daß von Oel glänzte und glatt uno fromm gescheitelt war, zeigte «och die Kammstriche, mit denen eS geordnet worden. Jetzt erst sah er Anna genauer an und entdeckte die Spuren, welche die vergangene Nacht in ihrem Gesicht zu- rückgelassen hatte, die geschwollenen und gerötheten Lider, und die dunklen, blauen Ringe, welche unter den Augen lagen. „Was ist denn mit Dir geschehen?" fragte er hastig, und er begriff, wie sehr er sie vorhin beleidigt und weshalb sie seinen Kuß zurückgewiesen habe; etwas Unerwartetes und Schlimmes mußte sich ereignet haben, das sie zu ihm geführt hatte. „Aber sag' es mir doch!" bat er, als sie nicht sogleich antwortete,„rede doch und sei nicht böse auf mich;.... ich war vorhin ganz verschlafen und habe mir gar nicht überlegt, was ich gesagt habe!" „Du warst schlecht zu mir," erwiderte sie im bitteren Tone:„Geh, ich dachte, Du würdest anders sein...... viel besser!" Er wollte sich weiter entschuldigen, aber sie fiel ihm in's Wort und erzählte ihm alle Vorfälle der Nacht. Sie wich in keinem Punkte von der Wahrheit ab, sie war fest davon überzeugt, daß er es billigen würde, daß sie ihren Bedeutung; der Pole KoSzielski stritt sich mit dem Kriegs« minister wegen Versetzung polnischer Soldaten an den Rhein und Herr von Helldorff erklärte im Tone eines Minister- kandidaten, daß es sich bei den Finanzprojektcn nur um Branntweinbesteuerung handle. Dann schloß die Sitzung mit Verweisung einzelner Theile des Budgets an die Budget- kommission. *** D i e sozialdemokratische Fraktion hat sich geeinigt, folgende Anttäge einzubringen: 1) Abänderung des§ 31 der Reichsverfassung(betr. Ver- Haftung von Abgeordneten während der Session), mit Rückficht auf die Verurthellungen im Freiberger Prozesse. 2) Einführung eines Maximalarbeitstages. 3) Abänderung der Gewerbeordnung im Sinne der von Dresden ausgegangenen Petition. Eines der fanatischesten Schutzzoll-Organe, die„Rh.- W. Ztg.", veröffentlicht in einer Zuschrift aus industriellen Kreisen den folgenden Stoßseufzer über die Lage der Eisenindustrie:„Daß trotz der anscheinend von England her sich ankündigenden Besserung des Eisen- und Stahlmarktes unsere deutsche Montanindustrie sich z. Z. in einer rückgängigen Bewegung befindet, kann gegenüber der Thatsache zahlreicher, auf verschiedenen Werken und Zechen vorgenommenen Arbeiterentlassungen nicht geleugnet werden. Mit der Eisenindustrie hängt unsere Kohlenindustrie aufs innigste zusammen, und wenn der Arbeiterbestand unserer Zechen heute um einige Tausende geringer ist als im Vorjahre, so giebt der Mindervcrbrauch an Kohlen und Koaks in den Hochöfen und Walzwerken dafür die Erklärung. Auch jene, nach unserer Meinung sehr bald vorübergehende Preiserhöhung in England wird sich für unfern Markt nur wie ein Wetter- leuchten geltend machen, da notorisch die Leistungsfähigkeit unserer Werke augenblicklich so eingeschränkt ist, daß die unter gegenwärtigen Umständen denkbar größte Vermehrung der Nach- frage in kürzester Frist nur wieder einer neuen U e b c r- Produktion gegenüberstehen würde."— Das alte Lied, das so lange nicht aussterben wird, als die kapitalistische Produktion besteht, da diese den Lohndruck und die Masscnarmutb, d. h. die Konsumtionsunfähigkeit zur Voraussetzung hat. Dagegen hilft alles Gezeter nichts, dagegen hilft nur die Emanzipation der Arbeiterklasse, die Beseitigung des Lohnsystems. Mannheim, 30. November. Nach den, nunmehr vorliegenden amtlichen Resultate der hiesigen Reichstagsers atz- wähl erhielten Tistcn�(nationalliberal) 7636, Treesbach (Soz.) 6818, Vuol(Zentr.) 2033 und Stockhorner(kons.) 1002 Stimmen. Da ein großer Theil der Demokraten schäm- los genug sein wird, für Dissens zu stimmen, so ist Treesbach's Wahl leider nicht so gesichert, als es früher schien. Für die Konservativen findet sich folgender Wink in der„Kreuz- zeitung":„Bei der Reichstagsersatzwahl in Mannheim ist der nationalliberale Kandidat Diffene mit dem soüaldemokratischcn Treesbach in die Stichwahl gekommen, dem Konservativen von Stockhorner sind etwa 1100 Stimmen zugefallen, von denen möglicherweise die Entscheidung abhängt, da man nicht weiß, was die Ultramontanen, die ihrerseits etwa 2000 Stimmen für den Abgeordneten Freiherrn v. Buol-Beienberg abgegeben haben, thun werden. Bei dieser Lage der Dinge sind wir der Mei- nung, daß unsere Patteigenossen sich darüber vergewissern sollten, welche Stellung Herr Dissens in der Militärfrage einnimmt. Erklärt er sich bereit, der Reichsregierung in diesem Punkte rückhaltslos zur Seite zu stehen, so würden wir unserer- seits dazu rathen, alle anderen Gesichtspunkte, auch den, daß Herr Diffene ein den„Deutschfreisinnigen" sehr nahestehender Manchestermann ist, jetzt bei Seite zu setzen und ihm die Stimmen der Konservativen zuzuwenden. Zeigt er sich dagegen unsicher und schwankend, so ist dazu offenbar kein Grund vor- Händen, und es mag Jedem überlassen bleiben, was er thun will. Auf Halde Zusage werden unsere hinlänglich gewitzigten badischen Patteigcnossen gewiß nichts geben. Herr Diffene muß so deutlich Farbe bekennen, daß er ohne Wottbruch nicht zurück kann." Von ihrem Stand puntt aus hat die„Kreuzztg." ganz recht; andererseits aber sollten sich die Demokraken demgegenüber doch sagen, daß ein Politiker, der in der Militärfrage„rückhaltlos auf Seiten der Regierung steht"— wie der geschmackvolle Satz lautet— seitens der unabhängigen Bürger auch nicht eine Stimme erhalten darf. Leider ist von diesen Demo- traten alles zu ermatten. Ueber die bulgarische Frage zu sprechen, wurde, wie wir schon erwähnten, neulich Herrn Stolle in Crimmitschau verboten. In dem polizeilichen Ukas heißt es zur Begründung: „Bei der Zugehörigkeit des Referenten zur sozialdemokratischen Partei und angesichts der notottschen Opposition, in welcher sich genannte Partei bezüglich der gegenwärtigen auswättigcn Politik des Reiches zur Reichsregierung befindet, ist die An- nähme ausreichend begründet, daß die beabsichttgte Versamm- lung lediglich zur Förderung der in 8 9 Absatz 1 des obzitirten Vater wiedergeschlagen habe. Von ihrem Entschluß, nicht mehr nach Hause zurückzukehren, sprach sie nicht. Sie hatte sich beherrscht und ihm mit fester Stimme alles erzählt; dann schlug sie schweigend den Mantel zurück, knüpfte das Halstuch auf, öffnete den ersten Knopf ihres bis zum Hälfe geschlossenen Kleides und beugte sich vor, daß Ernst auf ihrem Nacken eine breite, blutunterlaufene, bläulichschwarze Schwiele sehen konnte, die auf der weichen, mit zatten, glänzenden Härchen besetzten Haut wie eine häß- liche Raupe in einem weißen Rosenkelche dalag. Die Fassung verließ sie, und sie brach in ein heftiges Weinen — Ernst umschlang sie mit seinen Armen und drückte seine Lippen auf das Schlagmal, aber das litt Anna nicht, sie fuhr empor, riß sich los, schloß hastig ihr Kleid und rief: während ihr die Thränen noch über die Wangen rollten: „Nein, nein,..... nicht küssen, nicht küssen!" Ernst trat resignitt einen Schritt zurück und Beide verfielen in ein tiefes Schweigen. Anna stand am Fenster und schlug mit ihren Fingern leise und eintönig an die feuchten Scheiben, während sie in den wogenden Nebel hin- ausblickte, und er lehnte an der Wand, fuhr sich nach alter Gewohnheit hastig durch die Haare und ließ seinen scheuen und ängstlichen Blick auf dem Mädchen ruhen. Er empfand das Peinliche des Augen- blicks und seiner ganzen Lage. Was sollte er thun, was sagen? Es schien ihm so, als hätte Anna nicht recht gc- handelt, als sie die Hand gegen ihren Vater erhob; er war doch immerhin ihr Vater, den sie als Kind ehren mußte, mochte er nun sein, wie er wollte! Und war er auch wirk- lieh so, wie sie ihn schilderte? Fiel nicht vielleicht auf sie größere Schuld, als sie es darstellte? Ja, es war Unrecht gewesen, daß Anna und er in der Nacht sich getroffen hatten, und es erschien ihm jetzt räthselhaft, wie er eine so unkluge und verwerfliche Handlung hatte begehen können Hätte Anna nicht so plötzlich den Vorschlag wiederholt den er ihr in einer zufälligen Wallung gemacht hatte, würde sie nicht alle seine Vorsätze, die er noch kurz vor der Zusammenkunft mit ihr gefaßt hatte, zu Schanden gemacht haben, niemals wäre dieser peinliche Vorfall mit ihrem Gesetzes vom 21. Oktober 1878 bezeichneten Bestrebungen bestimmt ist, bez. daß in derselben durch erdichtete oder entsteMe Thatsachen absichtlich Staatseinrichtungcn oder Anordnungen der Obrigkeit verächtlich gemacht werden sollen." Crimmitschau, 22. November 1886. Die Stadtpolizeibehörde. Schneider." München, 20. November. Ter Vorstand des Fachvereins der Maurer wollte in dieser Woche beim„Kreuzbräu" eine öffentliche Maurer-Versammlung einberufen, in welcher ein auswättiger Redner über Zweck und Nutzen de» gewerkschaftlichen Organisationen sprechen sollte. Die Polizei- direktion beschloß, diese Versammlung auf Grund des§ 9 deS Sozialistengesetzes zu verbieten. Damit hat die in Berlin seit den Puttkamer'schen Stteikerlassen eingefühtte Praxis nun auch in München Eingang gefunden. Revolver sollen die Polizisten auch in Hamburg erhalten. Zum Duellunwesen. Der seitens des Abgeordneten Reichensperger mit Unterstützung von 54 Abgeordneten der Zenttumspartei im Reichstage eingebrachte Antrag, wonach erstens der Reichstag die Ermattung aussprechen soll,„daß die verbündeten Regierungen dem immer weiter um sich greifenden Duellwesen mit entsprechendem Nachdruck sowohl auf auto- tttativem Wege, als durch disziplinäre und strafgettchtliche Re« pression entgegen wirken werden", und zweitens die Zustim- mung des Reichstags zu einem gegen das sogenannte„amerika- nische" Duell gerichteten Gesetzentwurf verlangt wird, stellt zum ersten Male seit Erlaß des deutschen Strafgesetzbuches eingehen- dere Debatten über das Tuellwesen im Plenum des Reichstags in Aussicht. In den letzten Jahren beim Reichstage eingegan- gene Petitionen gegen das Duellwesen überhaupt kamen nur in der Petitionskommission zur Verhandlung, und hier fanden die Gegner des Tuellwesens stets nur wenig Unterstützung. In der Sitzung der Petitionskommission vom 9. Februar 1885 erachtete die große Mehrheit der Kommission eine Petition, in welcher darum ersucht wurde, den Duellen mit Entschiedenheit entgegenzuttetcn, in keiner Weise als geeignet, zum Ausgangs« punkt für die Frage der Revision des Strafgesetzbuches in dieser Beziehung zu dienen. Es wurde hervorgehoben, daß die Tuellfrage bei Gelegenheit der Berathung des Strafgesetz- buches ausgiebig eröttett und zusammenhängend, und zwar von dem Gesichtspuntte der vollen Strafbarkeit ves Duells aus geordnet worden sei, daß aber, wenn in einzelnen deutschen Staaten etwa eine genügende energische Sttafveifolgung nicht stattfinde, die Beschwerde hierüber zu- nächst bei den Landesregierungen würde geltend zu machen sein. Zu einem Beschlüsse kam es damals in der Kommission nicht. Während der letzten ordentlichen Reichstagssesston verhandelte die Petitionskommission ziemlich eingehend über eine Petition um ein Gesetz zur Ausrottung des Duellwesens, und die Kom« Mission stimmte schließlich mit 13 gegen 5 Stimmen dem An« ttage zu:„Der Reichstag wolle beschließen, über die Petition zur Tagesordnung überzugehen, weil dieselbe keinerlei Matettal zur Regelung der schwerwiegenden, das Duellwesen betreffmden Frage bietet, insbesondere soweit es sich um Aenderung des Strafgesetzbuches handelt." Auf die damals seitens eines Mit« gliedes der Kommission an den anwesenden Regierungskom« miffar gerichtete Frage, ob der Bundesrath oder die Organe der Reichsrcgicrung derzeit mit der Ausarbeitung eines Gesetz- entwurfs beschäftigt seien, welcher Abänderungen der Bestim- mungen des Strafgesetzbuches über den Zweikampf bezwecke, bezw. ob neuere Fälle von Duellen nicht Veranlassung geboten hätten, diese Frage in Erwägung zu ziehen, antwottete der Kommissar, daß eine speziell die strafrechtlichen Bestimmungen über den Zweikampf betreffende Gesetzvorlage nicht in Vo» bereitung sei, daß aber im Hinblick auf eine eventuelle künftige allgemeine Revision des Strafgesetzbuchs im Reichsjustizamte alle Vorfälle mit Aufmerksamkeit vettolgt würden, welche für eine solche Revision Stoff zu bieten geeignet seien. Vom russischen Erbfrcund. Die deutsche Jndusttie im russischen Weichselgebicte mit ihren„deutschen Landwehr-Sol- daten als spionirenden Fabrikarbeitern" auf russischem Boden lassen dem„Sswjct" noch immer keine Ruhe und immer wied� kommt er auf das Schreckgespenst zurück. So auch heute wiedtt, wo es am Schlüsse eines längeren, eine Korrespondenz der „Mosk. Med." über die Baumwollcn-Manufaktur im Weichsel- gebiet rekapitulirenden und analysirenden Attikels heißt:„W>r haben schon vor einigen Monaten von den abnormen, reist räuberischen Bedingungen gesprochen, welche die deutschen Ausbeuter im Weichselgebiet geschaffen haben, wobei ihnen die Nachsicht der russischen Administration«m Lande, wie z. B. des Grafen Berg und besonders des Grafen Kotzebuc und des Generals Albedinski förderlich war. Jw sehen und fühlen wir es an uns selbst, wohin dieses falsche System geführt hat. Gegen dieses Uebel muß u u v e r z ii g' l i ch angekänipft werden, so lange es noch Zeit ist uns hierin muß natürlich eine der Hauptaufgaben der jetzigen russischen Landesverwaltung bestehen, die Gott sei Dank, sttt ist von den schädlichen deutschen Passionen ihrer Vorgänger- Es muß darnach gestrebt werden, die eingewanderten, un* feindlichen Ausbeuter unter solche Bedingungen zu stellen, unter denen es für sie absolut u n v o rt h ei l h a s t ist, ihr.e Geschäfte weiter zu führen, so daß sie sich in Vater gekommen! Er selber fühlte sich ftei von Schuld, er war viel eher von Anna versühtt worden, als daß& sie verleitet hätte, ihrem Vater Trotz zu bieten. Das best war, man suchte alles in Frieden zu schlichten; Anna kchtt wieder nach Hause zurück, es fände eine Aussöhnung nn dem Vater statt und sie bezähmte künftig ein wenig i-P heftigen, schrankenlosen Charakter. Als Ernst in seinem Nachdenken bei diesem Punkte a>st gelangt war, empfand er eine gewisse Zufttedenheit mit M selbst und mit seiner Att, eine Schwierigkeit zu bewältigen. � war überzeugt, daß Anna, sobald sie sich etwas beruhigt hat- seine Gründe als ttchtig anettennen und ihnen folgen nnir• Für den Fall, daß sie Widerspruch erheben und etwa a Furcht vor dem Vater sich weigern sollte, ihm wieder un die Äugen zu treten, nahm er sich vor, den Vermittler i. spielen. Er wollte Herrn Riemann persönlich aufsuchen u ein ernstes Wott mit ihm reden. Er wollte ihm ai'deul- daß später einmal, wenn er in Amt und Würden wäre, einer Heirath mit Anna die Rede sein könne; er chsul uz- die ausdrückliche Erlaubniß nachsuchen, zuweilen mit ihr gehen und des Sonntags mit ihr zusammen den Gsi dienst besuchen zu dürfen. An der Einwilligung Gettchtsdieners zweifelte er nicht und er dachte'. mit Vergnügen an die ruhigen und fne � Stunden, die er dann mit Anna verbttngen wurv. liebte sie, sicherlich, aber diese heimliche und pha" j jhy Liebschaft mit ihr wurde ihm unbequem, sie muß früher oder später kompromittiren... Sie Diese Gedanken gaben ihm einen festen Hau- verliehen ihm den Muth, sich an Anna zu wenden, immer stumm und abgewendet zum Fenster hmau 1 im gleichförmigen Takte an vie Scheiben trommet- „Nun sag' mir, Anna," begann er mit einer g Anstrengung,„was soll werden,.... was, soll werten?- Es ist ja schlimm, daß Du � Vater....." Hier stockte er und suchte Richen passenden Motte,„daß Du mit Deinem Vater. Auftritt gehabt hast. Aber man braucht darum gise nicht gleich alles v»n der schwärzesten Seite anzu! 9,.j Versöhnung..(Fottj. ?!otliwendigleit versetzt sehen, dieselben so oder so zu liquideren, durch Verkauf oder Verpachtung ihrer Fabriken an rein russische oder polnische Unternehmer. Fn der Reihe solcher Maßregeln könnten unserer Anficht nach besonvere Abgaben eine hervor- ragende Rolle spielen, ohne deren Entrichtung kein einziges Fabrikat die Pforten der Fabrik verlassen dürfte. Indem die ausländischen Ausbeuter des gegebenen Rayons mit diesen de- sonderen Abgaben besteuert werden, könnte die Regierung natürlich mit den russischen und polnischen Fabrikanten Aus- nahmen machen." Das klingt ja sehr freundschaftlich! In Baden giebt es 16Ö5 Ortsarmenoerbände, welche im Jahre 1885 an 65 962 Personen, darunter 37 758 Familien- Häupter, Unterstützungen gewährten. Die Landarmenverbände unterstützten 2734, der Staat 80 Personen. Im Ganzen wur- den 4,28 pCt. der Bevölkerung unterstützt, etwas mehr als in Preußen, Sachsen und Braunschwerg. Davon kommen auf die Städte 6,03 pCt., auf das Land 3,16 pCt. Es wurden 3 632 424 M. für Unterstützungen verausgabt oder 2,28 M. auf den Kopf der Bevölkerung und 53,02 M. für jeden Unterstützten. Gesterr-ich-Ungar«. In Brünn hat ein Theil der Arbeiter ebenfalls Stellung genommen zu dem liberalen Entwurf der Einrichtung von Arbeiterkammern. Etwa 500 Arbeiter versammelten sich am 29. v. M. Abends im Augartensaale. Es sprachen blos zwei Redner. Tie Versammlung, welche ruhig verlief, nahm schließlich einstimmig eine Resolution an, wonach die Errichtung von Arbeiterkammern prinzipiell gebilligt und deren Einführung unter der Voraussetzung als Fortschritt erklärt wird, daß der Machtbereich der Kammern insbesondere bezüglich der Erhebung und Abschaffung von Mißständen erweitert, oie Zahl der Kammermitglicder, sowie die Bestimmungen über das aktive und passive Wahlrecht den thatsächlichen Verhältnissen entsprechend abgeändert werden, die unentgeltliche Amtuung der Kammermitglieder aufgehoben und die Zahl der in den Reichs- rath zu entsendenden Vertreter derjenigen der Handelskammer gleichgestellt werde; die Forderung nach allgemeinem Stimm- rechte für alle Vertretungskörper wird aufrecht erhalten.— Die Mehrheit der österreichischen Arbeiter ist bekanntlich gegen den Plener'schen Entwurf, der die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes nur hinausschieben würde. Schwei?. Die in Genf anlässtgcn russischen Revolu« t i o n ä r e befitzen in der Rue Montbrillant eine geheime Druckerei, wo der Druck einer revolutionären Zeitung und scnsliger rusfisch-revolutionärer Schriften besorgt wird. In der "lacht vom 20. auf 21. d. M. drangen drei unbekannte Männer in's Druckereilokal und zerstörten so zu sagen dm ganzen daselbst befindlichen Satz, sämmtlichen Vorrath von Manuskripten und bereits fertiggestellten Druckschnften. Ent- wendet wurde nichts, so daß die Vermuthung nahe liegt, man habe es hier mit russischen Polizeispitzeln zu thun. Ter genferische Polizeikommissar erschien erst gegen Morgen 2 Uhr, nachdem das Werk der Zerstörung bereits vollendet war und die Thäter das Weite gesucht hatten. Man hat, wie dem„Vaterland" berichtet wird, bis jetzt keine Spur von ihnen. Wie das in Lyon erscheinende Blatt„Nouvelliste" erfährt, soll in Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg demnächst ein internationaler Arbeiterkongreß stattfinden, auf dem der Anarchist Fürst Krapotkin den Vorfitz führen würde. Der Zweck des Kongresses soll namentlich in Verhandlungen über die Frage bestehen, in welcher Weise eine gemeinsame Aktion aller Sozialisten durchzuführen sei. In Bienne(Biel) im Kanton Bern soll dem genannten französischen Blatte zu- folge in den letzten Tagen eine Versammlung abgehalten wor- den sein, die von fast allen Verurtheilten in Lyon besucht Mrde, nnd wo die nach Chaux-de-Fonds zu entsenden- Delegirten ernannt find.— Die Nachricht bedarf jedenfalls der Bestätigung. Dänemark. v. Bon der s ozialdcmokratischen Partei ist durch r}e Abgeordneten Holm und Hördum dem Folkething ein Ent- �urf. betreffmd Hilfe aus öffentlichen Mitteln ftÜ�erhalb der gewöhnlichen Armenuntcr- ssUtzung und Regeln über den Erlaß der letzteren, vorgelegt worden. Dieser Entwurf enthält 5 Paragraphen, welche I°Mndcrmaßcn lauten: 1. Die Hilfe aus öffentlichen Mitteln, „Me jemandem zum ersten Male zu Theil wird, soll nicht Armenunterstützung betrachtet werden und in !>olae dessen auch nicht von den hieraus rcsultirenden Folgen �gleitet sein, sofem die Hilfe sich nicht über einen Zeitraum vier Monaten erstreckt.— 2. Die Hilfe aus öffentlichen Inn"' die jemandem während außergewöhnlicher Arbeits- u gleit, sowie als Folge einer solchen gewährt wird, soll ".wt als Armenunterstützung betrachtet werden, noch die hieraus �'Ultirenden Folgen besitzen, sofern der Betreffende nicht bereits �rmenunterstützung erhielt, bevor die außergewöhnliche Arbeits- RUakeit eintrat, bezw. solche zu genießen fortfährt, nachdem w>e aufgehört hat. Die Gemeindeverwaltung hat darüber zu Aus Kunst und Leben. .3#% Stadt- Theater finden am Freitag und Sonnabend »>. erum zwei Ertravorstellungen statt. Es geht„Der lLAazzq und seine Familie" neu einstudirt und mit neuen De- Mnonen in Szene. Die große und schwierige Partie des v;"Phegor" hat Herr Franz Tragau übernommen, während wstd' delaine", die weibliche Hauptrolle, Frl. Häser spielen ®i«e Geheimsprache für Liebende. Ein Zufall spielte tnul J0 schreibt die„Brcsl. M.- Ztg.", vor Kurzem ein zer- in l. rtes und allem Anschein nach viel gebrauchtes Quartblatt ibn, Hände. Wir betrachteten es näher und entdeckten in Uw unserer Ueberraschung den Schlüssel zu einer Geheim- Drache für Liebende. Da dieser Schlüssel manchem unserer to!?,.neu sein dürfte, möge er wortgetreu folgen. Selbstver- den, geschieht das nicht zu Nutz und Frommen der Lieben- w!• sondern zur Belehrung aller wachsamen Väter und für- tz öuchen Mütter, die Ursache haben, dem Briefwechsel ihrer hpiRPen ein wenig Beobachtung zu schenken. Hier der Inhalt ..�.�uartblattes.„Briefmarken- Sprache! Rechts oben auf« LiXl Lch wünsche Deine Freundschaft. Rechts oben quer: w.A* Du mich? Rechts oben verkehrt: Schreibe nicht mehr! 6!.?-„oben schräg: Schreibe sofort! Links oben verkehrt; LinÄ®0tt, Liebchen! Links oben aufrecht: Ich liebe Dich! uml oben quer: Mein Herz gehört einem Andern! Links Los oufrecht: Treue findet ihren Lohn. Links unten quer: Di? allein in meinem Schmerz. Links unten verkehrt: Dich durch Prüfungen bewährt. Rccbts unten auf- dem't- �ine Liebe macht mich glücklich. In einer Linie mit ab«,'saoiiliennamen: Nimm meine Liebe an! Desgleichen ve.,�uer: Ich sehne mich, Dich zu sehen. Desgleichen, oben - Ich bin vergeben!- Ein reizender Schlüssel! Korr" arabischer Wunderdoktor. Man schreibt der„Pol. doti, Genua, 27. November:„In Folge einer Zeitungs- hieg'"""■.gewisse Wunderkuren eines arabischen Doktors im vstekr�?!�oainstitute sind an diese Anstalt, so wie an das bch s"�'sck>°ungarische Generalkonsulat telegraphisch und brief- ersch'?.�hireiche Anfragen gerichtet worden, daß es zweckmäßig der nachfolgenden Mittheilung eine möglichst große g°den. Der Araber Dotto Golam Chader mit tn San Giuseppe Nr. 42 im zweiten ÄSÄf ÄnSÄ S angestellt, indem er denselben ein weißes Pulver in die entscheiden, ob zu der Zeit, wo die Hilfe begehrt und in An- spruch genommen wird, außergewöhnliche Arbeitslosigkeit herrscht; dieselbe hat auch über die Zeit des Eintrittes und Aufhörens letzter zu befinden.— 3. Hilfe aus öffentlichen Mitteln, betreffend ärztlichen Beistand, Medikamente, Krankenpflege und Beerdigungskosten, werden nicht als Armenunterstützungen betrachtet und haben nicht die Folgen, welche aus einer vom Armenwesen erhaltenen Unterstützung erwachsen.— 4. Die Armenunterstützung kann auf Grund eines bezüglichen Ersuchens als nicht gewährt betrachtet werden, sofern der Betreffende die- selbe nicht während zwölf aufeinander folgender Monate be- zogen hat.— 5. Die Kommunalverwaltungen haben in das Jahresbudget einen Posten für„Hilfe aus öffentlichen Mitteln außerhalb des eigentlichen Armenwesens" aufzunehmen, aus dem die in den Paragraphen 1 bis 3 genannten Ausgaben zu bestreiten find. Belgien. Im Jahre 1884 überstieg der belgische Handels- verkehr den des Jahres 1883 um 1 pCt.; im Jahre 1885 ist er um 8 pCt. zurückgegangen. Import und Export zu- sammen beträgt 4 Milliarden 997 Millionen Franks, um 453 Millionen Franks weniger als 1884— ein sprechender Beweis für die Schärfe der in Belgien herrschenden industriellen K r i s i s. Frankreich. In der französischen Deputirtenkammer theilte am Dienstag bei der Berathung des Kredits für Madagaskar der Minister des Auswärtigen, Freycinet, mit, daß der französische Resident in Madagaskar anfänglich einige Schwierigkeiten angetroffen habe, jetzt habe fich die Lage geändert und sei der Einfluß Frankreichs gegenwärtig der vorwiegende. Der Vertrag werde in kurzem zur Ausführung gelangen. Der Kredit wurde mit 289 gegen 100 Stimmen bewilligt. Großbritannien. Die Ernennung des Generals B u l l e r zum Unterstaats- sekretär für Irland verursacht in der englischen Presse starke Bewegung. Ein Privattelegramm der„Voss. Ztg." berichtet darüber: London, 30. November. Die Ernennung Buller's zum Unterstaatssekretär für Irland, obwohl fie nur provisorisch und auf sechs Monate beschränkt ist, wirbelt viel Staub auf. Die Toryblätter drücken ihre Ueberraschung und Verstimmung aus.„Pall Mall Gaz." bemerkt, Buller's Ernennung bedeute erstens einen tüchtigen Druck auf die Großgrundbesitzer, eine zeitweilige Ermäßigung der Pachtzinsc zu gewähren, zweitens die Verwendung von Polizei und Militär zur Exmisfion der Pächter, welche die Zahlung verweigern, nachdem die Pacht- zinse hinlänglich ermäßigt worden. Die Ernennung sei kühn und weise; fie mildere das durch die Absetzung Hamiltons angerichtete Unheil und rechtfertige die Annahme, die Regie- rung werde, wenn auch schüchtern, die einzige Politik cinschla- gen, welche während des Winters den Frieden in Irland auf- recht erhalten kann(?). Das Kriminalverfahrcn gegen D i l l o n wurde bis zum 11. Dezember vertagt, um ihm Zeit zu geben, seine Vertheidigung vorzubereiten. Gegen O'Brien wurde ein Haftsbefchl erlassen. Dre Früchte dieser Gewaltspolitik wird man sehr bald sehen. Nach Neujahr wird Freycinet das englische Kabinet amtlich auffordern, die unterbrochenen Arbeiten der Suezkanal- Konferenz wieder aufzunehmen; weigert fich England, so will sich Freycinet an Europa wenden. Balkon lander. Wie das«Woly sche Telegr.-Bur." aus Sofia meldet, er- widerte die Regentschaft der Pforte auf den ihr von dieser ertheilten Rath, leine Deputation an die Mächte zu senden, da sie, die Pforte, selbst in Besprechungen mit Rußland zwecks Lösung der bulgarischen Krise eingetreten sei, sie, die Regentschaft, hätte sticht das Recht, die Deputation an der Erfüllung des ihr gewordenen Aufttages zu hindern; fie sei übrigens überzeugt, vaß die Schilderung der bulgarischen Lage bei den betreffenden Regierungen nur dazu beitragen würde, die Aufgabe der hohen Pforte zu erleichtern. Die Zeitungsmeldunaen von einem angeblich gegen das Leben des Königs Milan von Serbien geplanten Komplot entbehren jeder Begründung. So telegraphirt man dem„Wolff'schen Bureau" aus Belgrad. Von einem Komplot gegen das Leben des Königs Milan ist gar nicht die Rede gewesen, sondem von einer Entführung desselben nach Montenegro. Afrika. Im„Journ. des DÄ." führt Leroy-Beaulieu den Nach- weis, daß die Eingeborenen in Algerien sich unter französischer Herrschaft viel stärker mehren als früher, und die Mehrung der Europäer nicht entfernt damit Schritt zu halten vermag. Die diesjährige Zählung weist 3 275000 Eingeborene nach oder 423 000 mehr als 1831, und 1 138 000 mehr als 1872. Dies macht eine jährliche Mehrung von 80000 Seelen, wovon freilich ein Bruchtheil abzurechnen ist wegen der geringen Zu- verläsfigkeit der früheren Zählungen. Wenn das so fortgeht, hat Algier Ende dieses Jahrhunderts 4i Millionen mohame- Augen pinselte. Von einem thatsächlichen, überraschenden Er- folge kann aber noch durchaus nicht die Rede sein und man wird daher gut thun, auf die öffentliche Meinung eher herab- stimmend als aufmunternd zu wirken. Bei einem einzigen Blinden, der am längsten(also drei Wochen) in der BeHand- lung sich befindet und seit 20 Jahren erblindet war, zeigen fich schwache Spuren eines Sehvermögens; bei allen Anderen ist dagegen die Behandlung noch ohne Erfolg geblieben. Der Araber verlangt von den Heilung Suchenden eine kurze Kranken- geschichte, so wie Angabe der muthmaßlichen Ursache und die Zeitdauer der Erblindung, endlich die Erklärung, daß der Patient von Augenärzten für unheilbar erklärt worden ist. Wir werden die Angelegenheit verfolgen und in nächster Zeit auf Grund der gemachten Erfahrungen umständlicher berichten, möchten aber entschieden von einer Reise hierher abratben, be- vor nicht sichere Beweise wirklicher Heilungen vorliegen." Höchst seltsame Anforderungen an einen Sänger. Der„Gazetta Muficale" von Mailand wird aus Florenz ge- schrieben, daß für die Oper„Evelia" von dem Maestro Cappelli ein Basfist gesucht wird, welcher über eine rohe, heisere, wüst- tönende Stimme(ausdrückliches Verlangen des Komponisten) verfügt und im Stande ist, einen musikalischen Monolog von wenigen Takten so wiederzugeben, wie es die Intention des Komponisten erheischt, der auf die streng realistische Ausführung dieses Parts den Erfolg seiner Oper begründet. Der Bericht vergißt hinzuzufügen, od fich im gesangreichen Italien viele solche Bassisten gemeldet haben, die im Befitze einer sonst für einen Sänger wenig„wünschenswcrthen" Stimme sich befinden. m Panik in einer Menagerie. Aus Modena wird ge- schrieben: In der Menagerie Kludsky, welche gcgcnwärttg ihre Zelte hier aufgeschlagen hat, kam es am 25. November während der Fütterung zu einer Panik, welche leicht furchtbare Folgen hätte haben können. In dem Käsige, in welchem Wölfe und Bären zusammen Hausen, entbrannte nämlich um ein Stück Fleisch ein heftiger Kampf. Das Toben der Streiter brachte alle Thiere m Aufruhr und man glaubte, die Thiere, zumal aber die Löwen und Tiger, würden mit ihren Pranken die Gitter und Wände brechen, so toll geberdeten fie sich. In diesem Augenblicke belehrte ein Krachen das Publikum, daß diefe Furcht nicht ganz unbegründet sei. Zwei Hyänen hatten die Scheidewand durchbrochen, die ihren Käfig gerade von dem Bärenzwinger kennte, woselbst der Kampf begonnen. Die Hyänen stürzten sich nun auf die Bären und verbissen fich wüthend in dieselben, die Wölfe sprangen heulend in den leeren danische Einwohner. Europäer und Franzosen mehren fich zu- sammen um 5—6000 Seelen jährlich. Außerdem werden in Algier gezählt: 43 000 eingeborene Juden, 19000 Marokkaner» 5000 Tunifier und 4500 Soldaten der Fremdenlegion. Am-riK*. Der in dem Prozesse gegen die zum Tode verurtheilten A n a r ch i st e n gewährte Einhaltsbefehl bleibt in Wirksamkeit» bis der oberste Gerichtshof von Illinois die Erkenntnisse revi- dirt hat. Hierdurch wird die Entscheidung bis zum Frühjahr verzögert. Die Meldung, daß Dr. Hamilton Williams der Nachfolger O'Donovan Rossa's als Haupt der Dynamitsektion der f e n i- schen Brüderschaft fein wird, bestätigt fich; es verlautet, daß der neue Chef in Kurzem eine Proklamation erlassen wird, worin die künftige Politik der Partei erläutert werden soll. Die Abfetzung Rossa's wurde in einer Versammlung des Fenierbun- des am letzten Dienstag beschlossen. Koziales«ndArvettervewegung. In Belgien wird es nun wenigstens zu einem Gesetz- entwurf gegen das Trucksystem kommen. Die von der belgischen Regierung eingesetzte Kommission zur Ermittelung der Lage der Arbeiterverhältnisse hat einen dahingehenden Ent- wurf festgestellt. Darnach muß der Lohn in baarer Münze und zur freien Verfügung der Ardeiter ausgezahlt werden, und zwar tn den Werken selbst. Zahlung in Waarcn oder ein Zwang, die Bedürfnisse in bestimmten Magazinen zu kaufen, ist verboten; jeder Verkauf in den Gruben ist untersagt. Es wäre nur zu wünschen, daß die Bestimmungen bald in Kraft treten. Traurig sieht es gegenwärtig bei den Hamburg- Altonaer Bäckergesellen aus, und zwar dürfte dieses dem zu Ungunsten der Gesellen ausgefallenen Bäckerstteik zuzuschreiben sein. Wie die Hamburger„Bürgerztg." erfährt, find zur Zeit in Hamburg ca. 270 und in Altona ca. 120 Gesellen außer Arbeit. Dieselben haben sich fämmtlich an dem Streik betheiligt. Es hatten zur Zeit 900 Gesellen die Arbeit niedergelegt, von denen ca. 100 abreisten, während ca. 400 Gesellen nach Beendigung des Streiks die Arbeit bei ihren früheren Meistern wieder aufnehmen konnten. Die meisten der Brotherren sollen rundweg erklärt haben, daß sie sich Gesellen von auswärts haben kommen lassen und somit der bisherigen Gesellen nicht mehr dedürfen. Das gesammte Komitee, welches den Streik geleitet hat, befindet sich ebenfalls außer Arbeit. Die Herren Meister haben ja bekanntlich beschlossen, Niemand von dem Komitee wieder in Arbeit zu nehmen, lieber wollen die Meister selber vor dem Backofen stehen. Dem Herrn Obermeister Knüppel ist auch eine Auszeichnung zu Theil geworden, weil er es außer- ordentlich gut verstanden haben soll, fremde Gesellen von aus- wärts heranzuziehen. Zirka 400 Gesellen, welche für ihr leib- liches Wohl eintraten und um bessere Lohn- und Arbeits- bedingungen nachsuchten, find durch List und Scharfsinn der Meister brotlos geworden. Wie das Organ der Bäckergesellen »Der Wecker" schreibt, ist auch keine Aussicht vorhanden, die Brotlosen in anderen Städten unterzubringen, da überall Arbeitskräfte genug vorhanden find.— Diese Mittheiluna der Hamb.„Bürgerztg." beweist, daß das Solidaritäts- und Klassen- gefühl unter vielen Arbeitem noch lange nicht genug entwickelt est. Fester organisiren, energischer aufklären über die gemein- samen Interessen aller Arbeiter— das bleibt fort und fort die Aufgabe aller Arbeiterfteunde, damit nicht ein Arbeiter dem anderen das Brot wegnimmt. Die Löhne der Bergleute in Oberschlesten gehen bei. den traurigen Absatzverhältnissen der Montanindustrie immer mehr zurück. Der monatliche Verdienst pro November schwankt z. B. auf der fiskalischen Grube„Bismarckschacht" zwischen 30 und 50 M. Es ist also unmöglich, daß eine Familie davon leben kann. Natürlich herrscht mit mit Rücksicht auf diese Ver- Hältnisse unter den Arbeitern große Unzufriedenheit, die sich, wie der„Schi. V.-Ztg." aus Königshütte geschrieben wird, hier und da auch durch Ausschreitungen dokumentirt. So hat kürz- lich ein Bergmann einen Obersteiger thätlich angegriffen, weil er glaubte, daß letzterer an dem schlechten Verdienst die Schuld trage. Auffallend ist es, daß in den fiskalischen Gruben die Löhne niedriger sind, als in den Privat- gruben. Der heutige Staatsbetrieb ist also der denkbar schärfste Gegensatz zu dem von den Christlichsozialen und Herrn Prof. Wagner geforderten„arbeiterfreundlichen" Staatsbetriebe. Uereme und Nersammwngen. Der Fachverein der Steinträaer Berlins hielt am Sonntag, den 28. vor. Mts., eine Mitgliederversammlung in Silber's Salon, Schwedterstr. 23, ab. Herr Rennthaler hielt einen Vortrag über das Maschinensystem im Baufach. Redner schilderte in kurzen Zügen, wie das Maschinenwesen in letzter Zeit sich immer mehr verbreitet hat und wie die heutige An- Wendung der Maschine dem Arbeiter keinen Vorthcil bringe. Femer erklärte Redner, inwieweit die Maschine im Baufach den Hyänenkäfig und nun entspann sich zwischen den Hyänen und den Bären ein furchtbarer Kampf, in welchem schließlich letztere unterlagen. Das Publikum hatte das Ende des Kampfes frei- lich nicht abgewartet, sondern n panischem Schrecken die Flucht ergriffen. Die Verwirrung und das Gedränge waren grenzen- los, trotzdem ist kein ernstlicher Unfall zu beklagen. Ein Bär und eine Hyäne find tobt, ein anderer Bär ist vollständig zerbissen. Mit der Schwiegermutter durchgebrannt. Frank- furt a. M., 30. November. Ein hiesiger Burger ist nach noch nicht ganz einjähriger Ehe mit seiner noch jugendlichen Schwieger- mutter durchgegangen. Ermordung eines Nebenbuhlers. Der Großgmnd- besitzer Georg Folya in Gertenyes bei Temesvar traf vor einigen Tagen zeitig früh, von einer Reise zurückkehrend, in seiner Wohnung den Großgrundbesitzer I. H. bei seiner hüb- schen, jungen Gattin. Er zog einen Revolver aus der Tasche und feuerte auf H. zwei Schüsse ob. Der zweite Schuß traf tödtlich; das Projektil drang in die Bmst und blieb im Rücken stecken. H. ringt mit dem Tode. Die Gattin Folya's rettete fich durch die Flucht. Attentat auf einen Gerichtsexekutor. In Trestena bei Temesvar kam der Exekutor Kulisay zusammen mit dem Ober- richter und einem Gendarmen zu einem Bauer. Während des Pfändungsaktes schlang der Bauer einen Arm um den Leib des Exekutors und stieß ihm mit der anderen freien Hand ein großes Messer in die Brnst. Der Exekutor lief mit dem in seiner Brust steckenden Messer auf die Straße und stürzte, nachdem er kaum hundert Schritte gelaufen war, blutüberströmt zu Boden; er wurde nach Hause gebracht und starb. Der Mörder entfloh. Wie es heißt, soll derselbe in einem benach« harten Walde aufgegriffen worden sein. Ein fürchterliches Recheneremhel hat dieser Tage ein leidenschaftlicher Schachspieler gelöst. Nämlich die 32 Figuren des Schachspiels könnten 1121 Quattuordecillionen verschiedene Stellungen haben, eine Zahl, die man mit 88 Nullen schreibt. Um sich einen Begriff von der unendlichen Zahl dieser Gänge zu machen, sagt der Rechenmeister, denke man fich jedes Saat- kom der Erde als einen bevölkerten Weltkörper, von der Schöpfung an mit einer gleichen Zahl Menschen bewohnt, als die Erde. Wenn alle diese Menschen seit 5646 Jahren nichts gethan hätten, als zu zwei und zwei Schach und in jeder Stunde eine Partie gespielt, so wären noch nicht alle möglichen Gänge erschöpft.— Die Richtigkeit des Exempels läßt fich durch Nachrechnen ermitteln. Steinträgcrn schädlich werden kann. Schon in den Gründer- jähren habe man eine Maschine eingeführt, welche sich jedoch als praktisch nicht bewährte. Redner zog hierauf den Kosten- punkt der Fahrstühle im Baugewerbe in Betracht und stellte fest, daß fich derselbe auf 6 M. 5t) Pf. pro Tausend Mauer- steine beläuft. Dies lasse sich mit dem von den Steinträgem aufgestellten Tarif leicht vereinbaren, denn wenn dieselben den Preis von 6 M. 50 Pf. im Durchschnitt erhalten würden, so würden ste noch besser bestehen können als beim jetzigen Tarif. Redner forderte alle Anwesenden auf, fich durch die Einführung der Fahrstühle nicht schrecken zu lassen, sondem sich fest an die Organisation anzuschließen, damit, falls ja die Maschine die Steinträger überflüssig machen sollte, diese in Zukunft als Be- dienungsmannschaft vereint für die Führung eines menschenwürdiges Daseins einzutreten im Stande wären. An der Diskussion betheiligte sich zunächst Herr Wallenthin. Derselbe unterzog einen Artikel der„Baugewcrkszeitung" einer scharfen Kritik. Hn der genannten Zeitung wird nämlich darauf hingewiesen, wie leicht die Steinträgcr durch„Hebevorrichtungen" zu ersetzen wären, welche billiger arbeiten als die Steinträger. Diese Vorrichtungen, so heißt es in dem Artikel, böten noch den Vortheil, daß die Bauthätigkeit nicht durch die Launen der Steinträger gehemmt wird. Redner meinte, wenn auch in Zu- kunft die Maschinentechnik im Baugewerbe immer mehr ver- bessert werden wird, so sei doch vorläufig noch nichts zu be- fürchten. Die Steinträger müßten fich aber organifiren, damit, wenn die Maschine die menschliche Arbeitskraft verdrängt, die Arbeiter darauf vorbereitet find. Wenn man heute wirklich eine Maschine konstmirte, welche zehn Steinträger ersetzt so würde dies, meint Redner, nur immer wieder dem Großkapital zu gute kommen. Ter kleine Bauuntemehmer würde nicht im Stande sein, sich solche Hebevorrichtungen anzuschaffen. Redner forderte schließlich alle Anwesenden auf, sich dem Fachver- ein als Mitglieder anzuschließen und sich nicht durch Drohungen der Jnnungsmeister schrecken zu lassen. Herr Lenzner führte an, daß sich ein Polier geäußert habe, er würde niemals wieder die Bauleitung übernehmen, wo ein Fahrstuhl benützt wird, weil derselbe nicht regelmäßig funktionirt und die Arbeit dadurch häufig unterbrochen wird. Zum zweiten Punkt der Tages- ordnung:„Vereinsangelegenheiten", theilte Herr Wallenthin mit, daß der Verein in Zukunft keine Darlehne mehr bewilligt, weil es zu schwierig sei, dieselben zurückzuerhalten. Redner forderte die Kollegen auf, sich recht rege an Zahlung der Bei- träge zum Untcrstützungsfonds zu betheiligen. Nach Beant- wortung einer Anfrage, ven Rechtsschutz betreffend, wurde für die Wittwe eines verstorbenen Kollegen eine Tellersammlung veranstaltet und hierauf einige interne Vercinsangelegenheiten erledigt und die im Fragekasten befindlichen Fragen deantwortet. Die nächste Versammlung findet am 12. Dezember in Scheffer's Lokal, Jnselstr. 10, statt. Eine große Versammlung der Wähler des ersten Reichstagswahlkreises findet am Freitag Abend in Sans- souci, Kottbuserstraße 4», statt. Angehörige aller Parteien sind eingeladen. Eine öffentliche Versammlung der Metallarbeiter Berlins findet am Freitag, den 3. Dezember, Abends Uhr, im Lokale des Herrn Wohlhaupt, Manteuffelstrgße 9, statt, Tagesordnung:„Die Gründe, welche die Arbeitseinstellung in der Fabrik des Herrn Jachmann, Köpnickersttaße 99, veranlaßt haben. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Bäcker(E. H.) Donnerstag, den 2. Dezember, Versammlung im„Köniastadt- Kasino", Holzmarktstraße 72. Tagesordnung: 1. Kassenbericht pro 1884—86. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Vorstands- wähl für die Jahre 1886—88. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. Nr. 29 Hamburg), Filiale Rixdorf. Sonnabend, den 4. Dezember, Abends 9 Uhr, im Lokale des Herrn Kummer, Berlinerstr. 136, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Wahl der sämmtlichen Beamten zur Ottsverwallung. 2. Geschäftliches. Mitgliedsbuch legitimirt. Verein der Bureaubeamten der Rechtsanwälte, Notare rc. Donnerstag, den 2. Dezember, Abends 8 Uhr, Monatsversammlung in Gratweil's Bierhallen, Kommandanten- straße 77—79. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Duncker: „Ein Gang durch die Nationalgalerie." 2. Besprechung etwaiger Anträge für die am 6. Januar k. I. stattfindende Generalversammlung der Hilfskasse. 3. Fachfragen. 4. Fragekasten. Damen und Gäste haben Zutntt. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine K. am Tonnerstag. Männergesangvererein„Lätitia" Abends 9 Uhr inVettin's Restaurant, Veterancnstr. 19.— Männcrgesangverein„Jugend- lust" Abends 9', Uhr bei Bester, Große Hamburgermaße 4. — Schäfer'scher„Gesangverein der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf und Krüger, Skalitzcrstraße 126, Gesang.— Turnverein „Hasenhaide"(Lehrlings- Äbthcilung) Abends 8 Uhr Dieffen- bachstraße 60—61.—„Berliner Tumgenossenschast"(7. Lehr» lings-Abtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Tumhalle, Bntzerstr. 17- 18.— Musik-Dilettantenverein„Glocke" Abends 8t Uhr Friedrichsbergerstraße 10.— Roller'schcr Stenographenverein„Ält-Eölln" Abends 9 Uhr Wallstraße 20 bei Leonhardt. — Verein Ziehlke'scher Tanzschüler„Tirolienne" Abends 9t Uhr im Restaurant Poppe, Lindenstraße 106.— Rauchklub„Kcrnspitze" Abends 8t Uhr im Restaurant Holzmarktstraße 44.— Rauchklub„Arcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forstersttaße, Ecke der Äeichenbergersttaße. Kleine Mittheilungen. Düsseldorf, 27. November. Die Ursache des gemeldeten Hauseinsturzes glaubt man in dem zu frühzeitigen Wegnehmen der Bogenverschalungen und infolge dessen zu starker Belastung des Hauses suchm zu müssen. Dortmund, 29. November. Ein ruchloser Mord wurde in vergangener Nacht in hiesiger Stadt verübt. Ter Fabrik- arbeiter Ferdinand Hildebrand von hier, ein junger Mensch von 20 Jahren, brachte in Gemeinschaft nnt seiner Schwester ein junges Mädchen nach Hause. Auf diesem Wege wurde Hilde- brand von zwei ihm unbekannten Personen verfolgt, von denen der eine, ohne ein Wott zu sagen, einen Revolver zog und dem Hildebrand eine Kugel durch den Kopf jagte, was den sofor- tigen Tod des jungen Mannes zur Folge hatte. Von dem Thäter fehlt vorläufig noch jede Spur. Kalk, 28. November. Heute früh gegen 4 Uhr fand�auf dem Bahnhofe Deutzerfeld ein Zusammenstoß von zwei Güter- zügen statt. Eine Rangirmaschine, welche rückwätts fahrend eine Anzahl Wagen zog, erfaßte die letzten drei Wagen eines von Frintop kommenden und gerade in den Bahnhof Deutzcr- feld einfahrenden Güterzuges, kennte sie vom Zuge und warf sie zur Seite. Tie Lokomotive entgleiste und wühlte sich bis an die Achsen in den Boden ein, die hintere Wand derselben wurde auf der Seite, wo der Führer seinen Stand hat, bis fast an die Steuerung eingedrückt, so daß der Führer sich einen Ausweg durch das Fenster bahnen mußte. Das Material ist stark beschädigt; Verletzungen von Personen sind nicht vorge- kommen, der Bettieb wurde auch nicht gestört. Innsbruck, 29. November. Nachdem Sonnabend, den 27. d. M, um 9% Uhr, Vormittags, ein Erdbeben in Smyrna. Tschesme und Ehios stattgefunden hatte, sind in Innsbruck gestern, Sonntag, den 28. d. M, Nachts gegen halb 12 Uhr, zwei ziemlich rasch aufeinander folgende Erdstöße in der Rich- tung zwischen Ost und West verfpütt worden. Ein Geräusch ging dem Erdbeben nicht voran. Die ganze unzweifelhaft er- kennbare Erscheinung dauerte einige Sekunden. Das Erdbeben wurde auch in Hall bemerkt, sowie in Landeck. New-Uork, 28. November. Im East River exploditte gestern Nachmittag der Kessel des Schleppdampfers„Sunbeam". Der Dampfer ging in Stücke und alle 4 Personen an Bord wurden getödtet. Einem an der Seite des Schleppdampfers liegenden Schooner wurde eine Seite eingedrückt, in Folge dessen er sich mit Wasser füllte und sank; auch hier wurde 1 Mann an Bord getödtet. Konstantinopel» 27. November. Heute um 9% Uhr Vormittags fand in Smyrna, Tschesme und Ehios ein heftiges Ervbeben statt. New-Nork, 20. November. Kapitän Hcllmers vom Bremer Dampfer„Eid er" ist auf die Anklage, auf der letzten von Bremen 25 Zwischendecks-Passagiere mehr, als vom Est erlaubt, befördett zu haben, arretitt und mit 5000 Doli. Bürgschaft zum Prozesse festgehalten worden. KmfKusten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt._„ Eharlottenstraße 48. Wenn Sic aus Ihrer Schlafstelle am 1. Dezember ausziehen wollen, müssen Sie am 15. November gekündigt haben, widrigenfalls Ihr Witth noch einen Monat Miethe beanspruchen kann. Ob Sic in Verlin bleiben oder nach außerhalb reisen, ist dabei ganz gleich., A. K., Waldemarstraße. Fragen Sie bei der Verwal- tung des kgl. Proviantanits an; dasselbe müßten wir auch thun, um Ihre Frage beantwotten zu können. Theater. Donner st ag, den 2. Dezember. Opernhaus. Fra Diavolo, oder: Das Gast- Haus zu Terracina. Schauspielhaus. Adttenne Lecouvreur. Deutsches Theater. Donna Diana. Kriedrich-Wtlhelmstädttsches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Sternschnuppe. Viktoria-Theater. Amor. Oftend-Theater. Das neue Gebot. Refidenz-Theater. Georgette. Zentral- Theater. Der Waldteufel. Bellealliance-Theater. Die schöne Helena. Walhalla-Thcater. Die Piraten. Königstädttsches Theater. Von Schrot und Korn. Kaufmann's Bartetee. Spezialitäten- Vorstellung. Nmerikan-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Reichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Loncordia» Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Stadt-Theater. lFrüherAlhambra-Theater.) Wallnettheaterstr. 15. Das Mädel ohne Geld. Posse mit Ges. in 3 Akten von Dr. Ed. Jacobson. Musik von Lehnett. Dittgent: Herr Kapellmeister Theodor Franke. Vor der Vorstellung: Großes Concert, ausgefühtt von der Hauskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Hrn. Theodor Franke. Anfang des Concetts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochentags 7'/, Uhr, Sonntags 7»/, Uhr. Das Theater ist mit elektttscher Beleuchtung oersehen. ISden-Theater. (Früher Louisenst. Theater.) Dresdenerstr. 72 73. Zum ersten Male in Berlin: Gingedorette der Antillen. Anthropologische Sehenswürdigkeit.(ItPersonen.) Nelfo« und Mayton, Excentttc-Clowns. Hrother» Forest, Mufikal-Clowns. Madame Flora Hoffmann, Konzertsängettn. la la Sultana Hadschi, Gymnastiker und Springer. Mr. Ztizarra», Kraftturner. Nirgel« Hallet» aesellfchaft, 12 Damen, 2 Herren. Paula und Ludwig Uellheim. Enge» Zocher. Kassmöffnung 6t Uhr. Anfang 7t Uhr. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kalaer-Panorama. In dieser Woche: Eine Wander. d. d.Rie Zweite Reise durch das malensche Schottland. Hertha-Reise.— Carolinen-Inseln. Eine Reife 20 Pfennig. Kinder nur 10 Pf. 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Dezember, 12 III) t- Am Tische des BundesratKs: von Bocttichcr, Jacodi, von Caprivi, Bronsart von Schellen- dorfs und Kommissarien. Der Direktor im Auswärtigen Amt Geheimer Legations- rath Reicfmrdt ist als stellvertretendes Aiitglied in den Bundes- rath beru'en. � Die Fachkommissionen haben sich konstituirt. Tie B u d- getkommission hat v. Maltzahn-Giiltz zum Vorfitzenden, v. Huene zu dessen Stellvertreter, zu Schri'tführern Bürklin, Delbrück, v. Gravenrerith und Witte gewählt. Die erste Berathung wird fortgesetzt. Abg. H a s e n c l e v e r: Zn der Eröffnungsrede wurde ge- sagt, das) die weitere Sozialreform und besonders die Alters- Versorgung der Arbeiter ohne neue Reichssteucrn nicht durchge- führt werden könne. Das ist immer so gewesen. Man hat den Arbeitern solche Versprechungen gemacht und gleichzeitig indirekte Steuern und Zölle verlangt, die vorzugsweise von ihnen sietragen werden. Tie Lohnerhöhung, welche die Steuerreform rm Geiolge haben sollte, hat nur in verschwindendem Maße statt- gefunden und war> eistentheils mit einer Verlängerung der Arbeitezeit verbunden. Die neue Wnthschaftspolitik ist nur den Reichsfinanzen und großen Fabrikanten, aber nicht den Arbeitern zu Gute gekommen, und mit der Sozialreform ist nur die Polizei zufrieden, weil sie die Arbeiter besser kontroliren kann, und allenfalls der Unternehmer, weil sie ihm die Mög- lichkeit von allerhand Repressalien gegen den Arbeiter verschafft. Die Grundlage dieser Gesetzgebung ist allerdings gut— Sie haben Sie ja von uns(Heiterkeit)— aber die Ausführung ist eine recht schlechte. Das einzige Gute, was man von der Sozialreform sagen kann, ist, daß sie die soziale Frage Parlaments- fähig gemacht und das arbeitende Volk bei dem Mangel an Ernst und gutem Willen der Regierung und der Parteien, etwas Tüchtiges zu schaffen, auf die eigene Kraft, das eigene Streben und Wirken gestellt hat. Die indirekten Steuem sind ein Hemmschuh für die Sozialreform. Aber ich frage den Abg. Rickert: ist denn die jetzige Steuergesetzgebung unabänderlich? Giedt es keine vernünftigere Steuer, etwa die progressive Ein- kommensteuer? Man lege den Millionären viel erheblichere Lasten auf, als sie jetzt zu tragen brauchen, dann kann man auch dem Arbeiter zu Hilfe kommen. Und wie steht es mit dem Arbeiterschutz? Die Regierung hat nicht eiumal Versuchs- weise das probirt, was von den Konservativen und dem Zentrum, namentlich in Bezug auf die Sonntagsruhe verlangt worden ist. Erst wird von dem höchsten Reichsbeamten das Recht auf Arbeit proklamirt und dann fast mit demselben Athemzuge der Maximalarbeitstag verworfen. Das ist doch ein Widerspruch. Das vielgerühmte Recht auf Arbeit ist nichts weiter als das Recht auf das Arbeitshaus. Eines verstehe ich nicht: es wird fortwährend von Kolonialpolitik, von unseren Handelsbeziehungen zu fremden Staaten gesprochen; warum "singt dann die Regierung nicht mit viel größerer Energie darauf, die Pariser Weltausstellung beschickt wird? Der Reichs- Uzler sollte dafür sorgen, daß die darauf folgende Weltausstellung in Berlin stattfindet. Solche regelmäßige �olksverbrüderungsfeste sind das beste Gegengewicht Zeflen die fortwährenden Rüstungen. Wenn die Völker m mit ihrer Industrie, Kunst und Wissenschaft nahe Wen, dann wird auch eine Heeresverminderung sehr leicht ins �erk zu setzen sein. Wenn jetzt irgend ein Rachbar zwei, drei neue Regimenter formirt, gleich thun wir es auch. Das kann nur ein Gefühl der Schwäche bei uns hervorrufen. Es fehlt uns an der inneren Kraft. Bei Eroberungskriegen mag fener Zustand gut sein, handelt es sich aber um die Vcrtheidi- gung des Vaterlandes, so ist die stärkste Schutzwchr gegen den »eind die Vaterlandsliebe. Diese aber machen Sie den Arbeitern unmöglich. An der Spitze der Sozialreform, von der Sie unmer reden, steht der.Herr Fl, ring' Mahlow.(Lachen rechts.) S0 treiben Sie die Liebe zum Vaterlande aus dem arbeitenden Volke heraus. Darum brauchen Sie eine Masse von Militär Akhr, weil das Volk selbst nicht mehr in der Lage ist, sein Vaterland so zu lieben, wie es zur Verthcidrgung nöthig ist. Ker Arbeiter hat angesichts der Polizciverfolgungen alles Vertrauen zur Regierung verloren. Auch die letzten Vcr- "rtheilungen haben gezeigt, daß es den Machthabern nicht �rauf ankommt. Vaterlandsliebe zu erzeugen, sondern sie Abzuschwächen. Ich meine den Frcibergcr Prozeß, die Diäten- und die Hochvcrrathsprozesse. Tic Tiütenprozesse, die ich gar ZM so ernst nehme, zeigen doch den grellen Widerspruch der Auffassung des obersten Gerichts mit dem Rcchtsgesuhl des Volkes. Ich bin gezwungen worden, meinem preußischen Vater- lande den Rücken zu kehren und in einem vielge,chmähten Krtikularstaate Schutz zu suchen gegen den preußischen Fiskus. VSenn wirklich ein neues Zivilgesetzbuch zu Stande kommen so wird es jedenfalls auch in dieser Beziehung die An- Jmauungen des prcußiscbcn Fiskus vertreten. Beiläufig ser hier bemerkt, daß derselbe Bote, welcher mir eine Depesche über meme Verurthcilung brachte, mir zugleich eine Zuschrift von dem ersten Restaurant Berlins von Karl Hiller überreichte, die Sre Vöhl Alle erhalten haben.(Große Heiterkeit.) Ich habe seiner Z.esi für die Verlegung des Reichsgcricbts nach Leipzig ge- iUmmt in der Absicht, die Richter den Berliner Regicrungs- Smßüssen zu entziehen. Schon damals mahnte ein Vittglied der Linken, daß die Regierung ihren Einfluß ebenso Jlut in Leipzig, Wetzlar wie in Berlin geltend machen könne. q,c hatte Recht. Das letzte Urtheil des Reichsgerichts wäre in Min nicht volksfeindlicher ausgefallen. � Ter Umgang der Richter mit den nationallibcralen spießbürgerlichen Leipzigern Meint mir viel gefährlicher, als der Umgang mit dem Berliner Mschritt.(Große Heiterkeit.) So lange die Emennung der Richter lediglich durch die Regierung erfolgt, wird das Reichs- �ruht in politischen Prozessen immer so entscheiden, wie dre A'werung will. Fern sei es von mir, vre Urtheile ,n den Mverrathe Prozessen irgendwie zu kritisircn. Dre sogenannten �«ndesverräther haben für das Verkaufen von Planen Geld genommen, sie sind zu Zuchthaus vcrurtbeilt worden, denn sie M-n aus imlauterer, niedriger Gesinnung gehandelt. WWMW � Jtnen, die von der Linken oder sonst woher beantragt werden. für alle Positionen stimmen, welche Kulturzweckcn um. �bllen, schließlich aber das ganze Gesetz, als dem Wohl IcKiL Interesse des arbeitenden Volks abkäglich. ab- " Das Volk hat kein Verttauen zur Regierung, errsrf?�-!� t � denn sehr bessern.(Heiterkeit.) Es leb?, überhaupt momentan ein böser Pessimismus im Volke. lllaube, es ist nicht richtig, mit Gewalt zu drohen, wenn I man nicht die Gewalt hat, diese Drohungen auszu- führen. Ich meine, das Volk sollte sich in anderer Weise Macht verschaffen, durch ehrliche, strenge Arbeit, durch ein festes Ringen und Kämpfen nach dem Ziel seiner Erlösung. Dann wird er sich selbst und das Vaterland retten. (Beifall der Sozialdemokraten.) Abg. v. Maltzahn-Gültz: Der Abg. Hasenclever hat seinen Vortrag damit geschlossen, daß seine Partei, wie auch die einzelnen Positionen sich gestalten mögen, unter allen Umstän- den schließlich gegen den Etat stimmen würde. Eine so kleine Fraktion, wie die sozialdemokratische, kann sich diesen Luxus ja gestatten, ohne daß der Etat dadurch in Frage gestellt wird; aber ein korrektes Verhältniß ist es doch nicht, wenn ein Mitglied einer solchen Partei, die ja so zahlreich ist, daß ihr nach der geltenden Praxis ein Platz in den Kommissionen zusteht, in die Budgetkommisfion gewählt wird. Wir werden allerdings von der Thätigkeit dieses Mitgliedes in der Budgetkommission eben so wenig Nutzen haben, wie s. Z. in der Kommission zum Schutz der Arbeiter. Ich sage das auch nur, damit man es draußen im Lande erfahre und künftig solche Herren wähle, die wirklich mitarbeiten wollen. Nach dem Abg. Hasenclever brauchen wir deshalb so viel Militär, weil der Arbeiterstand keine Vater- landsliehe mehr hat und ihn das Militär in Ordnung halten muß. Das ist dasGegentheil dcrWahrheit. Unsere handarbeitende Bevöl- kerung hat in ihrem weit überwiegenden Theil eine so warmcVater- landsliebe, wie sie diejenigen Sozialdemokraten, die der Internationale angehören, gar nicht einmal verstehen.(Zu- stimmung rechts.) Das Militär halten wir nicht, um die un- ruhige Bevölkerung in Ordnung zu halten; die Gründe dafür, daß wir eine so starke Armee halten und für längere Zeit halten müssen, liegen nicht im Lande, sondern an seinen Grenzen. Der Abg. Hasenclever hat sich gegen den Sitz des Reichsgerichts in Leipzig ausgesprochen, weil die dortigen spießbürgerlichen Anschauungen— es wird das den Leipzigern recht angenehm sein(Heiterkeit)— einen volksfeindlichen Einfluß auf die Räthe ausüben. Es handelt sich um den Art. 32 unserer Verfassung, welchen das Reichsgericht dahin auslegte, daß auch aus Privat- kreisen den Abgeordneten als solchen keine Diäten gezahlt wer- den dürfen. Diese Auffassung wird im Lande in sehr weiten Kreisen gethcilt. Die entgegengesetzte Auffassung ist ja auch möglich und ebenfalls im Lande vertreten; aber behaupten Sie doch nicht, daß Ihre Meinung die des Landes ist! Der Abg. Hasenclever hat sich von Most losgesagt. Es ist das eine Wir- kung der Erzeugnisse der letzten zehn Jahre in Deutschland. Mir ist die Zeit noch in lebhafter Erinnerung, wo Most und Hasselmann von der Tribüne dieses Hauses die Lehre, die sie jetzt noch vertteten, gepredigt baden und keine einzige Stimme des Widerspruchs aus ihrer Fraktion sich dagegen erhob, als aus ihrer Mitte heraus die Thaten der Kommune gebilligt wurden. Ich bezweifle auch, ob, wenn diese Herren wieder nach Deutschland kämen, Sie im Stande wären, solche Gesinnungen niederzudrücken und darüber die Oberhand zu gewinnen. Die Sozialdemokraten sehen vom Fraktionsstandpumt an, während die Gesetze des Landes nach allgemeinen Rücksichten auf die Bedürfnisse des gcsammten Landes berathen werden sollen. Auch der Abg. Rickert hat gestern zu sehr als Vertreter seiner Partei gesprochen. Auch auf unserer Seite wird gesehen und anerkannt, daß die Ausgaben im Reiche sich in sehr steigender Tendenz bewegen, während die Einnahmen dabei nicht Schritt halten, ja theilwcise zurückgehen. Ist es aber richtig, statt an der Besserung der Dinge niitzuarbeiten, die Gelegenheit zu be- nutzen, um den politischen Gegnern zuzurufen, sie allein seien an Allem schuld, das System Puttkamer, Männer vom Schlage des Finanzministers Scholz seien es, die das Land rulniren?) Glauben Sie, daß, wenn die Leitung der öffentlichen Ge- schäfte in den Händen der Freisinnigen gelegen hätte, unsere Wirthschaftspolitik in den Bahnen des Freihandels unentwegt geblieben wäre, die Finanzen des Reiches wesentlich besser stehen würden?(R"fe links: Gewiß! Sehr viel besser!) Ich glaube, nicht. Welche Ausgaben hätten nicht gemacht wer- den können? Wir hätten auf dem Gebiete der Sozialgesetz- geiiung vielleicht eine weitere Entwickelung der Privatvcrsiche- rungsgesellschaften gehabt und die Kosten für das Reichs- versichcrungsamt gespart. Ader spielen diese Kosten die entscheidende Rolle? Wir hätten auch keine subventionirten Dampferlinien, keine Kolonialpolitik. Der Be- willigung erheblicher Mittel für die stärkere und gründlichere Vertretung unserer Interessen im Auslande, für die Stärkung unserer überseeischen Handelsbeziehungen und deren Schutz durch die Marine hätten aber die Freisinnungen sich auch nicht entziehen können. Wir hätten allerdings in Preußen dann die Eijenbahnverstaatlichung nicht, hätten aber statt dessen das Schauspiel erlebt, daß die kleinen Bahnen durch Fusion doch verschwunden wären und große Gesellschaften das wichtige Ge- biet des Eisenbahnverkehrs monopolisirt hätten. Wäre dabei unsere Finanzlage besser gewesen? An den Ausgaben für das Heer hätten Sie gegenüber der zweifellosen Meinung des Lan- des nicht sparen können. Wären Sie nun aber im Stande i;e- wescn, neue Einnahmequellen zu eröffnen, welche die allgemeine Zustimmung, auch die Zustimmung innerhalb Ihrer eigenen Partei erlangt hätten? Denn das wollen Sie doch nicht be- stteiten, daß innerhalb der letzten zehn Jahre der Hauptgrund, daß alle Versuche, der Regierung neue Einnahmequellen zu schaffen, an dem Widerstand der deutschfrcisinnigcn Partei gescheitert sind.(Abg. Richter: Sehr schmeichelhaft!) Ich kon- statire, daß der Abg. Richter, obwohl er nicht in der Lage ist, die Ausgaben des Reichs zu vermindern, sich darüber freut, daß es ihm gelungen ist, die Gewinnung von Einnahmen zu verhindern und die Last, die wir auf unsere Schultern über- nehmen wollten, unseren Kindern zuzuschieben. Würde der Wohlstand, die Einkünfte aus den direkten Steuern nöthig sein? Ich habe, abweichend von der Mehrzahl meiner politi- schen Freunde im Interesse meines Landestheils gegen die Schutzzölle gestimmt. Aber warum war es unbedingt noth- wendig, auf die Schutzzölle einzugehen? Weil Sie die Hand nicht boten, auf dem Weae der indirekten Steuern größere Einnahmen zu gewinnen. Und wären wir, wenn wir ein Frei- Handelssystem hätten, jetzt in besserer wirthschaftlicher Lage, als wir es sind? Wir wollen doch nicht vergessen, daß dre Finanz- und Wirthschaftspolitik in der ersten Hälfte der siebziger Jahre unter ganz ungewöhnlich günstigen Verhältnissen arbeitete, und es ist mir sehr zweifelhaft, ob daraus die dauernden Vortherle gezogen worden sind, welche hätten gezogen werden können. Ich erkenne dabei vollständig an, daß, wenn die Leitung der Finanzen in der Hand eines Reichsfinanzministers läge, die Finanzverwaltung viel durchfichtiger und zwecknräßiger würde eingerichtet werden können. Diese Forderung ist indessen eine mehr theoretische, welche an der geschichtlichen Entwickelung des deutschen Volkes ein Hinderniß findet. Wir können die Ent- Wickelung des deutschen Volkes, wie sie sich in Jahr- Hunderten vollzogen hat, nicht in 10 Jahren umstoßen. Der tiefgehendste Gegensatz zwischen Ihnen(den Freisinirigen) und uns(den Konservativen) ist aber, daß Sie nach absttakten Theorien sich konstmiren, was das Beste für den Staat sei, während wir überall fragen, wie die thatsächlichen Verhältnisse, wo die lebensfähigen Keime liegen. Sie konstruiren, wir ent- wickeln.(Beifall rechts.) Ebenso wenig ferner wie die historische Entwickelung unseres Volkes können wir die geographischen Boraussetzungen unseres Staates ignoriren. Was soll der.Hin- weis darauf, daß die Amerikaner keine Schulden haben? Liegen die Verhältnisse bei uns nur annähernd so wie in Amerika? Können Sie aus der Welt schaffen, daß wir doppelte Landes- grenzen haben, die wir vertheidigen müssen? Und haben wir gegenüber der Bevölkerungszahl diese ungemessencn Quadrat- meilen jungfräulichen Bodens? Alle Voraussetzungen hier und dort sind völlig verschieden. Ich glaube also, daß wenn die Leitung der Geschäfte in den Händen der deutschfreisinnigen Partei läge, das deutsche Volk sich dabei nicht besser stände, als es jetzt steht. Wir wollen doch bei allen Klagen üher die heutige Lage nicht vergessen, daß wir 15 Jahre Frieden in Deutschland haben. Wir haben in dieser Zeit nicht nur im Jnlande den Frieden erhalten können, sondern es ist, nicht ohne wesentliche Mitwirkung Deutschlands und der Männer, die an der Spitze stehen, gelungen, auch in Europa den Frieden zu erhalten; und derjenige Theil unseres Etats, der uns das meiste Geld kostet, der Etat des Militärwesens, ist ein sehr wesentliches Moment dafür gewesen, daß dieses Ziel erreicht ist. Ich bin überzeugt, Laß auch die Freisinnigen an denjenigen Ausgaben, die für das Wohl des Landes nothwendig sind, nichts werden streichen wollen und können. Ich freue mich, gestrige Aeußerungen des Abg. Rickert dahin deuten zu können, daß die starken Mehr- forderungen der Militärvorlage einem absoluten Nein jener Herren nicht begegnen. Ich habe mich ferner darüber gefreut, daß der Abg. Rickert ausdrücklich hervorgehoben, daß seine Partei trotz ihrer Opposition in vielen Fragen keinen Zweifel darüber lassen wolle, daß sie nicht gewillt sei, von dem Boden, den Deutschland zur Zeit besitzt, in irgend etwas fortzugeben. Ich halte es für gut, daß das Ausland wisse, daß in diesem Punkte das deutsche Volk und der sganze Deutsche Reichstag einig ist. Daß im Einzelnen auch beim Militärwesen manches gespart werden kann, will ich durchaus nicht bestreiten. Ich habe im Militäretat manchen alten Bekannten gefunden, dem ich früher nicht habe zustimmen können und dem ich wahrscheinlich auch in diesem Jahre nicht zustimmen kann, wenn nicht neue Momente dafür vorgebracht werden. Es kann auch fraglich sein, ob es nothwendig sei, die Ausgaben für die Hochseefischerei zu erhöhen und für das physikalisch-technische Institut eine solche hohe Summe auszugeben; wir werden namentlich zu erwägen haben, ob die Ausführung dieser Dinge nicht billiger möglich ist. Neu in dem Etat ist, daß man für die Bemessung der Höhe gewisser Aus- gabcgruppen feste Grundsätze zu gewinnen versucht. Ich halte den Gedanken für durchaus gesund; auch in andern Staaten wird ähnlich verfahren. Am allermeisten ist dies bei der Marine geeignet. Es ist zweckmäßig, die Unterscheidung zwischen Ersatzbauten und Neubauten fallen zu lassen und eine gewisse Snmme zu vereinbaren, die man in 5 Jahren für den Bau von Schiffen zu bewilligen gedenkt, da infolge der fort- schreitenden Technik bei einem einzigen Ersatzbau nicht immer ein Schiff derselben Art gebaut wird. Ebenso bei anderen Bauten. Ich denke niir die Sache nicht so, daß man an Stelle der bisherigen Einzelforderungcn eine Pauschsumme einstellt, sondem daß zwischen den verbündeten Regierungen und dem Reichstage hezw. der Verwaltung und der Budgetkommission eine Verständigung darüber erfolgt, daß man mit annähernder Sicherheit unter nornialen Verhältnissen darauf rechnen kann, daß für Bauten einer destimmten Kategorie in dem nächsten Jahre eine bestimmte Summe bewilligt wurde; die Prüfung des einzelnen Bauprojektes müßte aber nichts desto weniger der Budgctkommission vorbehalten bleiben. Der Abg. Richter hat sich im vorigen Jahre zu meinem Bedauern gegen diese Maßnahme ausgesprochen. Ich glaube aber, wenn die einzelnen Positionen jährlich zur Bewilligung gestellt werden, und nur Verständigung darüber erfolgt ist, wie weit man in Bemessung der Summen wahrscheinlich gehen wird, so steht das Butgetrecht nicht in Frage. Jedenfalls kann nun die Thatsache nicht aus der Welt geschafft werden, daß die Einnahmen den Ausgaben nicht entsprechen. Das Börsensteuer- gesetz hat den erhofften Betrag nicht gebracht, weil die Konttole, die wir wünschten, von der Mehrheit nicht angenommen wurde. Von den Einnahmen aus den Kornzöllcn hatte man gleichfalls größere Ermattungen gehegt; aber auch 30 Millionen sind doch keine kleine Summe. Zudem glaube ich, daß der Komzoll im Lande nicht empfunden wird; ich halte ihn für einen reinen Finanzzoll und ihn als solchen aufzugeben bin ich durchaus nicht gewillt. Aber auch, wenn er als Schutzzoll wiikte, würde ich ihn nicht aufgeben, so lange wir Schutzzölle auf die übrigen Produktionszweige haben. Ich halte es nicht für meine Auf- gäbe, Ihnen in der letzten Session der Legislaturperiode meinerseits neue Steuerprojektc vorzuschlagen, die ich ja nicht durchzuführen im Stande bin. Ich glaube aber, daß die Ilcbcrzergung kommen wird, daß wir eine Vcr- mchrung unserer Einnahmen ins Werk setzen müssen, weil unsere Ausgaben nickt wesentlich herabgesetzt werden können; und es gicbt dafür kein Gebiet als das der Konsumstcuern, welche auch anderen Ländern sehr erhebliche Erträge liefern. Zuin Schluß bitte ich Sie: lassen Sic uns, ohne uns gegenseitig vorzuwerfen, wie wir in der Vergangenheit gestimmt haben und auszumalen, wie dieses oder jenes hätte besser gemacht werden können, an die Aufgabe, die uns überwiesen ist, herantreten, um nach bestem Wissen und Gewissen zu berathen und zu beschließen, was für das Wohl des Landes erforderlich ist.(Beifall rechts.) Abg. v. H u e n e(Zentrum). Was die Ausgaben des vorgelegten Etats angeht, so haben wir um so weniger Veran- lassung, jetzt schon darüber definitive Betrachtungen anzustellen, als ja der Etat in dieser Beziehung seine ttchtige Gestalt erst gewinnen wird, nachdem der Reichstag zur Militärvorlage Stellung genommen hat. Mit jedem Jahr bedeutsam, aber nicht angenehm bedeutsam, tritt der Umstand hervor. daß wir stets in die Lage kommen, neue feste Ausgaben zu bewilligen, während die gegenüberstehenden Reichseinnahmen in keiner Weise durch ihre Veranschlagung fixirt werden können. Das hat denn auch dazu gefühtt, daß gestern wie heute die Frage der Zölle einer eingehenden Besprechung unter- zogen worden ist. Mit Herrn Hascnclever und seiner Partei über die Zollfrage eine Verständigung zu suchen, darauf müssen wir von vornherein verzichten. Aber auf die Aeußerungen der übrigen Redner muß ich zurückkommen. Gestern ist ausgeführt worden, daß die Gctreidezölle in keiner Weise den im vorigen Jahre daran geknüpften Erwartungen entsprochen hätten, und sofort hat man sich beeilt, die nöthigcn Schlüsse daraus zu ziehen. Der Finanzminister hat die Getrcidezölle gestern als Schutzzölle begrüßt, Herr v. Maltzahn stellt sie heute als reine Finanzzölle dar. Wir halten die Frage nickt für reif. Un- mittelbar vor der Zeit, wo die Zölle in Wirksanikeit traten, haben wir eine Masseneinfuhr gehabt. Damit ist das Kaufbe- �urfmß des Jnncnlandcs auf gewisse Zeit befriedigt und das Vrrkaufsbedürfniß des Äluslandcs ein geringeres geworden. Aus diesen getheilten Bedürfnissen setzt sich aber die höhere Einfuhr zusammen. Man ist bemüht, wie wir aus den Zeitungen wissen, den Zoll durch Ermäßigungen der Tarife und sonstige Einrich- hingen zu überwinden. Es scheint auch beinahe, als ob die Angaben der statistischen Monatshefte in den letzten Monaten eine Zunahme der Einfuhr gegenüber der des vorigen Monats konstatirten, während sie bis Juni noch ein Minus aufgewiesen haben. Man sollteWdaher das Urtheil über den Effekt der Getreidezölle sich mindestens noch ein Jahr ausheben. Ich persönlich war mir von Anfang an darüber klar, daß die Zolleinnahmen erst nach mindestens zwei Jahren sich den neuen Verhältnissen angepaßt haben würden, daß also auch die Ueberweisungen aus denselben sich keineswegs in den ersten paar Jahren sicher fixiren lassen. Sollte die Anschauung des Jinanzministcrs Recht deHalten, daß diese Finanzzölle als Schutzzölle in dem Sinne wirken, daß für unsere Landwirth- schaft annehmbare— nicht exorbitante— Preise vorhanden sind, dann verzichte ich gern auf höhere Ueberweisungen, denn eine solche Wirkung wäre für das Lond eine größere Wohlthat. als ein Mehr von ein paar Millionen an Ueberweisungen. Bei dieser Gelegenheit hat Herr Rickert wiedenim auf die wenig erfreuliche Verquickung der Reichs- und Einzelstaatsfinanzen verwiesen(Widerspruch des Abg. Rickert)— das Wort Verquickung ist oft gebraucht, und es wird offenbar damit eine Kritik geübt, ein Tadel ausgesprochen. Ich bitte doch, sich zu erinnern, daß neben der politischen Bedeutung dieses Verhält- nisses auch die recht schätzenswerthe Eigenschaft eines Boro- meters ihm beiwohnt, indem wir jedes Jahr von Neuem dadurch vor die Frage gestellt werden! Wie steht unser Staats- budget in Folge der Mattikularbeittäge? Ohne dies würde man iviel leichter an Bewilligungen herantreten; dagegen, daß zu viel bewilligt wird, ist dies der beste Schutz; und es würde zu viel bewilligt werden, wenn Alles bewilligt werden würde, was die Regierungen vorschlagen. Da es nun nicht möglich ist, die Ausgaben weiter herabzudrücken, so bleibt für uns immer die wichtigste Frage: Wo finden wir die Teckungsmittcl? Wo wir sie suchen, ob im Reich oder in den Einzclnstaaten, ist eine Frage der steuerpolitischen Zweckmäßig- keit. Eine derartige Trennung der Einnahmequellen des Reichs von denen der Einzelstaaten, wie sie durch die Ausführungen des Staatssekretärs durchleuchtete, kann ich immer nur von neuem als unberechtigt zurückweisen. Eine solche Trennung giebt es nicht; es liegt in der Zweckmäßigkeit, daß ein Thcil vom Reiche, ein anderer von den Einzelstaaten aufgebracht wird, und so wird es bleiben, so lange das Reich besteht. Nun hat Herr Rickett auch in sehr bewegtem Tone sich darüber beschwert, daß seine Partei in der Presse ob ihrer Haltung gegen die Vorschläge der Regierung übel venmglimpft würde. Wir im Zentrum sind an derartige Behandlung länger gewöhnt als Herr Rickert; für Jemand, der so thöricht ist, zu glauben, daß diese Parteien unterminirende Politik tteibcn, empfinden wir Mitleid, für die Andern, die gegen besseres Wissen solche Anschauungen aussprechen und verbreiten, habe ich das Gefühl der Verachtung.(Lebhafter Beifall im Zentrum); so schöner Worte, wie sie der Abg. Rickett gestem gebrauchte, halte ich diese Sorte von Leuten nicht wetth. Die verbündeten Regierungen schieben nun die ganze Schuld dafür, daß den größeren Ausgaben nicht auch die größeren Einnahmen zur Seite gestellt werden können, dem Reichstage zu; hier liegt das Unzulängliche, sagt der Minister. Diese Anschauung ist formell berechtigt, materiell aber nach dem Ergebniß der Ver- Handlungen in der Branntweinsteuer-Kommission absolut unbe- rechtigt, das haben von Bcnda und v. Maltzahn merkwürdig illusttitt. Die größte Anomalie dieses Etats besteht darin, daß man vom Reichstag die Anerkennung der Ausgaben verlangt, über die Deckungssrage aber gar nicht mit ihnen zu verhau- dein, sondern sich dieselbe bis zu den Wahlen aufsparen will, wo das Volk hoffentlich zur Vernunft gekommen sein werde. Ich hätte mit solchen Auffassungen diesen Reichstag gar nicht einberufen, sondem ihn einfach aufgelöst und versucht, einen Reichstag zu gewinnen, mit dem ich gleichzeitig über die Neu- erfordernisse und ihre Deckung verhandeln konnte. Halte ich den Standpunkt der Regierung mit den Motten des Staatssekretärs zusammen, so heißt das: die verbündeten Regierungen verharren auf ihren Monopolvor- schlügen, mit ihnen wollen wir bei einem neuen Reichs- tage von Neuem vorgehen. Ich glaube, wir können die Regierungen einladen, mit dieser Wahlparole vor die Nation zu treten und ruhig abmatten, wie viel Leute sich unter d e r Fahne sammeln. Eine andere Bedeutung kann diese Haltung nicht haben, nachdem für eine höhere Besteuerung des Branntweins von einer so großen Majorität die Bereitwilligkeit aus- gesprochen ist und es sich nur noch um den Modus handelte. Wenn die Monopolvorlagc wiederkommen sollte, werden Tie- jcnigen von uns, welche dann in dem neuen Reichstag noch sitzen werden, ihr ebenso wie früher Widerstand! leisten. Wir halten die Entwickelung der Staatsmonopole für den moralischen und politischen Ruin der Nation, als deren Erben dann Diejenigen auftreten werden, in deren Namen Herr Hasen- clever heute gesprochen hat. Von uns also dürfen Sie eine Unterstützung der Monopole nicht erwarten. Für die Stellung- nähme zum Etat selbst möchte ich mir zwei Aeußerungen zu Nutze machen, die eine des Schatzsekretärs, man möge doch ein- gedenk sein, daß die Bewilligungen nicht den Regierungen, sondern dem Lande und der Nation gemacht würden, die andere des Herrn von Scholz, daß kein Groschen im Etat stehe, der nicht zuvor vom Reichstag bewilligt sei. Ich ziehe aus beiden den Schluß, daß wir ver- pflichtet sind, in diesem Etat keinen Groschen zu bewilligen, von dem wir nicht überzeugt sind, daß er nickt den verbündeten Re- gierungen, sondern dem Lande und der Nation bewilligt wird. (Lebhaiter Beifall im Zentrum.) Abg. Graf Behr-Behrenhoff: Unsere Finanzlage könnte und müßte besser sein, aber sie ist nicht ttostlos. Die Anforderungen an das Reich, die Ausgaben für Armee und Marine steigen und können nicht gut bemängelt werden. Viel bedenklicher ist, daß die Einnahmen nicht entsprechend gestiegen sind; doch hat auch dies nicht so große Bedenken, da dies hauptsächlich durch das Zuttickstehen der Börsensteuer und das Mindesterträgniß der Zuckerstcuer verursacht ist. Die Börsen- steuer wurde, als man noch keine Erfahrung über ihren Ertrag hatte, zu hoch veranschlagt, vielleicht liegen auch andere Gründe für den geringeren Ertrag vor; aber es ist anzunehmen, daß er sich für die Zukunft bessern wird. Beim Zucker ist es ebenso, die Ausfälle werden aufhören und an ihre Stelle in Folge der neuen Besteuerung eine Einnahme treten, die das Ordinanum der Ausgaben deckt. Eine Erhöhung der Mattikularbeittäge er- scheint übrigens bei der durchaus nickt ungünstigen Finanzlage der Einzelstaaten nickt bedenklich. Speziell Preußen hat ja eigentlich gar keine Staatsschulden, es hat in den Eisenbahnen einen Besitz, der ihm die Aufnahme von Anleihen gestattet, ohne die Erfüllung seiner Amottisationspflickit bezüglich der Eisenbahnschuld unterbrechen zu müssen. Läge Alles gut und glatt in der Welt, so könnte man mit dem Etat, wie er vor- liegt, auszukommen versuchen; aber die Weltlage ist bedenklich, daljer die Militärvorlage, die nicht abzulehnen sein wird. Auch in der sozialpolitischen Gesetzgebung muß fortgefahren werden, und die verlangt neue Mittel. Ich halte die Invaliden- und Altersversorgung der Arbeiter nicht für unausführbar; denn so gut wie jetzt die alten Leute leben und untergebracht werden, so kann es auf bessere und den Arbeitern mehr entsprechende Weise geschehen. Kleine Ersparunqen im Etat sind wohl möglich, z.B. bei den Bauten. Ob die Kommandozulage bewilligt wird, ist zweifelhaft. Zu sehr sollte der Staat allerdings bei den Bauten nicht kargen zu einer Zeit, wo die Gewerbethätigkeit nicht besonders rege und das Bauen so billig ist, da auch das Geld so billig ist. Die Lage der ländlichen Arbeiter ist freilich besser als früher und die Nachfrage größer als das Angebot. In der städtischen Industrie mag es anders sein, doch find alle Bedürfnisse, z. B. Kleider, billiger und Brot nicht thcurcr geworden. Im Namen der Reichspattei darf ich sagen: es müssen Mittel geschafft werden zur Vermehrung der Präsenzstärke der Armee und zur Fortführung der sozialen Gesetzgebung durch Ausbildung des indiretten Steuersystems. Zunächst ist der Branntwein höher zu besteuern und vielleicht der Faden da wieder aufzunehmen, wo er zuletzt fallen gelassen wurde; sodann ist der Zucker wieder in Angriff zu nehmen, falls das neue Gesetz den erwarteten Effekt nicht hat. Man sagt uns, der Branntwein sei von uns aus agrarischen Rücksichten nicht entsprechend zur Besteuerung herangezogen worden. Ich glaube, daß wir, oder richtiger die Landwitthschaft bereit ist, jede agrattsche Rücksicht fallen zu lassen, wenn es sich um Bereitstellung der erforderlichen Mittel handelt, mit Hintansetzung des eigenen Interesses. Was zur Sicherheit Deutschlands nothwendig ist, muß und wird de- willigt werden.(Beifall rechts.) Abg. v. Koscielski: Nach der Gestaltung hat es nicht den Anschein, als ob die Finanzlage barer Zeit sich zum Besseren wenden werde; gaben weisen wiederum eine beträchtliche Eiböhung des Etats in adseh- die Aus- auf. die Anleihe schraubt den Zinsbetrag für die Reichsschüld hinauf, und dabei find die Zustande, wie ich trotz Herrn Grafen Behr behaupte, trostlos. Mit Sckmerz empfindet das Volk die unmittelbare Wirkung des Zustandes, der von ihm immer stärkere Leistungen, immer höhere Steuern verlangt. Meines Erachtens ist die Hoffnung der Thronrede, daß Neu- wählen eine minder oppositionelle Majorität finden lassen wür- den, illusorisch; das Volk will, daß es besser geht, und mtt den Lasten wächst auch die Opposition und zwar nicht immer die gemäßigte. Das Volk ist unzufrieden, und was bedenklicher ist, mit vollem Recht. Wie sieht es denn mit den drei Postulaten des, Reichskanzlers aus? Die Finanzen sind herzlich schlecht, das Volk sehr unzuftteden; ob sich dabei ein starkes Heer dauernd wird aufrecht erhalten lassen, das glaube, wer kann! Wenn nun schon das deutsche Volk so unzufrieden ist, was sollen wir Polen dazu sagen, die wir uns in die Lage gezwängt sehen, an den Lasten des Staatswesens theilnehmen, die Vor- theile desselben aber entbehren zu müssen? Wir empfinden doppelt das Weh dieser Lage, weil bei uns zu der politischen Ohnmacht auch die ökonomische Lähmung hinzutritt und dazu das Bewußtsein rege wird, unter einer Nothlaae zu leiden, die wir nicht verschuldet haben. Ein deutscher Reichs- bürger seufzt schwer unter dem Druck der wachsenden Staatslasten, aber feine Söhne dürfen doch wenigstens dem Staate dienen, sie werden in den Schulen vielfach auf Staatskosten zu tüchtigen Leuten herangebilvet, sein Reckt wird ihm in seiner Muttersprache gesprochen— alle diese und viele andere Vortheile helfen ihm über das Mißbehagen hinweg, den größten und besten Thcil von den Früchten seiner Arbeit an den Staat abgeben zu müssen; er steht frei, sicher, geachtet da. Wie anders die Lage eines polnischen Staatsangehörigen des Deutschen Reichs! Gleichberechtigt ist er nur im Zahlen, mancher Beruf ist ihm verschlossen, keine Gegenleistung bietet ihm der Staat, wie den anderen. Bei der Aushebung zum Kriegsdienst wird er von seinen Landsleuten getrennt, in ent- lcgene Gegenden verschickt. � Und eine Verfügung solchen In- Halts erläßt der Kriegsininister ju derselben Zeit, wo er die Volksvertretung um Mehrbcwilligungcn angeht! Und olles das, weil wir„Reichsfeinde" sind. Ein gar zu bequemes Steckenpferd, diese„Reichsfeindschaft!" Wir wissen, daß aus jeder Bewilligung eine neue Waffe gegen uns geschmiedet wird. Gleichwohl werden wir den gesammtcn Etat objektiv und ehr- lich prüfen, das Zweckmäßige bewilligen und Ihnen so ein Vorbild geben, wonach Sie sich bei der Prüfung unserer guten Rechte richten können. Kttegsminister Bronsart v. Sche Nendorfs: Der Vorredner hat der Militärverwaltung gewissermaßen einen Akt der Grausamkeit vorgeworfen, indem er gesagt hat, den zum aktiven Dienst berufenen Mannschaften aus den polnischen Landesthcilcn würde nun auch noch der letzte Trost geraubt— meine Herren, halten Sie das Wort„der letzte Trost" fest, wenn ick bitten dort— indem sie aus ihrer Heimath fort und zum aktiven Dienst in Regimenter gestellt würden, welche in anderen Landestheilen ständen. Zunächst ist es eine bekannte Erfahrung, daß eine große Anzahl polnischer Arbeiter freiwillig in andere Landcstheile sich bcgcben�ohnc zu glauben, sich damit des sitzten Trostes zu berauben. Sodann frage ich weiter: ist es eine Grausamkeit, eine Beraubung des letzten Trostes, wenn junge Männer von mehr als 20 Jahren, die also nicht mehr an der Mutterbrust liegen(Heiterkeit), oder der unmittel- baren Einwirkung ihrer Väter und Mütter bedürfen, auf drei Jahre etwa aus der Gegend vonWreschen in die Gegend von Koblenz verpflanzt werden? Ich glaube, daß Niemand ein Recht hat, sich über eine derartige Maßregel zu beklagen.(Heiter- keit und Beifall.) Abg. Grad: Die Nachricht einer Erhöhung der Reichs- ausgaben ist auch in Elsaß-Lothringcn nicht willkommen. Wir hegten die Hoffnung aus größere Zuschüsse vom Reich, um duich Mcliorationsunternchmkn der Landwitthschaft aus der Roth zu helfen. Anstatt besserer Zuschüsse aus den Reicks- einnahmen von den Zöllen stehen wir vor einer Erhöhung der Matrikularbciträgc. Wir bedauern es in Elsaß-Lothringcn leb- Haft, daß man uns das Tabakmonopol, daS sich in Frankreich bewährt hat und noch bewährt, indem es bei verschwindender Belästigung sehr hohe Beträge abwirft, genommen hat. Der Landesausschuß hat sich letzthin bestimmt für das Tabakmonopol ausgesprochen und würde auch einer höheren Branntweinsteuer zustimmen, am liebsten in der bewährten französischen Form. Auch die Linke sollte diesen Weg betreten, nachdem sie gestem durch Herrn Rickett sich für die Erhöhung der Friedenspräsenz- stärke und damit für höhere Ausgaben erklärt hat. Abg. Richter: Der Abg. Rickert hat gestern nicht ein Wort gesagt, was nur enttemt zu der letzten Bemerkung des Vorredners Anlaß gab. Wir haben uns absichtlich enthalten, bei dieser Debatte über unsere Stellung zur Militärvorlage ein Wort zu verlieren nach der einen oder anderen Seite, aus dem einfachen Grunde, weil, nach- dem das Haus die Debatte über die Militärvorlage ge- trennt hat, wir annehmen mußten, daß es nicht gerathen sei, die Debatte über eine so schwerwiegende Frage in diese Budgetdebatte hineinzuziehen. Es wäre unangebracht, diese Frage mit einzelnen Worten andeutungsweise zu behandeln, es sei denn, daß wir wie die nationalliberale Partei von vornherein entschlossen wären, ja zu sagen. Der Abg. v. Maltzahn hat dem Abg. Rickett vorgeworfen, er babe sich über die BeHand- lungsweise seiner Partei in der offiziösen Presse beklagt und die Minister v. Puttkamer und v. Scholz dabei ebenso schlecht behandelt. Herr v. Maltzahn hat einen wesentlichen Unterschied nicht erkannt. Worüber wir zu klagen ein Recht haben, ist, daß in jener Presse unser Charakter angegriffen wird, unsere Ab- sichten, unser Pattiotismus verdächtigt und in Frage gestellt werden. Der Abg. v. Maltzahn hat die Frage au'geworfen, ob es denn anders sein würde, wenn ein Reqierungssystem im Sinne unserer Partei in den letzten Jahren zur Geltung gekommen wäre. Ick antworte: es würde wesentlich anders sein. Tie Eisen- bahnen würden vielleicht nicht verstaatlicht sein; wir würden dann mehr amortisiren, als es gegenwärtig geschieht. Die Privatgesellschaften wurden m ihrem eigenen In- teresse gezwungen sein, wie früher das System der Tarif- ermäßrgungen werter auszubilden, während jetzt darin nne Stagnation einpetteten ist. Wäre ferner das gemischte System bestehen geblieben, so wurde eine En, wickelung des Sckundarbaknwesens eingetreten sein, an welche das bischen Sckundarbahnbau nrcht entfcmt heranreicht.(Heiterkeit rechts.) Denn es sind nur die Sekundärbahnen ausgebaut, welche die Privatgesellschaften kurz vor der Verstaatlichung projettirt haben. Und wenn wir keine Dampfersubventionen hätten? Dann würde die Hamburger Gesellschaft nach Australien fahren, und wir wären nickt in der Lage, aus den Taschen unserer Steuerzahler Zuschüsse zu bezahlen, damit die Engländer billiger als früher nach Australien ausführen. Wir würden ferner nicht Zuschüsse dafür zahlen, daß China und Nordamerika billiger mit einander verkehren. Wir würden die Kolonialpolitik nicht haben. Wir würden auch den Rückzug nicht nöthig gehabt haben in Bezug auf die Korolinen-Jnseln, und wir brauchten uns dem Schiedsspruch des Papstes nicht zu fügen. Wir er- sparten dann jene große Erschütterung des Erwerbslebens, die Störung des Handels, des Vertrauens, welche die, spanische Krifis im vorigen Jahre hervorgerufen. Wir würden nicht Angra Pequena besitzen, und mancher Herr würde 100 000 M. gespart haben, die er jetzt ausgiebt als Mitglied der südwestafrikanischen Gesellschaft. Die Kriegsmacht Deutschlands würde nicht im Mindesten geringer sein, aber die Lasten im Frieden, und wir hätten nur erne zweijährige Dienst- zeit in der Infanterie. Sie sagen, wenn wir mit einer solchen Forderung kämen, so würde es das Volk zurückweisen. Wenn die Regierung ein solches Gesetz durchführen wollte, so würde das Volk nur solche Abgeordnete wühlen, die damit überein- stimmen, und es würden dann viele Konservative sagen, eigentlich haben wir auch immer geglaubt, daß die zweijährige Dienstzeit das Richtige sei und wir'haben es nur nicht opportun gefunden, es öffentlich zu thun. Wir würden allerdings in Schärfe darauf gedrungen haben, Manches abzuschaffen, was nur besteht, weil es einmal bestanden hat und nur aus der Tradition und formell gerechtfertigt ist. Was die Zuckersteuer- politik anbettifft, so würde es auch hier von Hause aus viel günstiger gewesen sein. Haben wir nicht bereits 1878 79 hier aufgefordert, in erster Reihe die Zuckersterer zu reformiren und die Ausfuhrprämie herabzusetzen? Wir würden damit ange- fangen haben, auch die Branntweinsteuer zu reformiren. Die Einführung der Fabrikatssteuer würde es ermöglicht haben, den Branntwein dilliger zu produzircn und ttotzdem den Brannt- wein nicht theurer zu verkaufen als jetzt. Wir würden Handelsverttäge abgeschlossen haben, wir würden ferner vor einer Ueberproduktion bewahrt worden sein, wie sie sich jetzt in der Eisenindustrie zeigt. Wir würdm nicht zuge- geben haben, daß sich Koalitionen der einzelnen Industriellen bilden, um ihre Schienen theurer zu verlauten, damit das Aus- land aus deutschen Werken die Schienen billiger bezieht. Wir würden es auch nicht für national gehalten haben, dazu mitzu- wirken, daß England in der Form der Ausfuhrprämie den Zucker billiger bezieht. Aber worauf ich das Hauptgewicht lege, wir hätten nicht jene Fluth von Steuerprojekten und Mono- polen, die fortgesetzt das Land beunruhigen, gehabt. Das Er- schlaffen und Erkranken des Unternehmungsgeistes, welche es verhindern, daß'Zdas im Lande befindliche Kapital fruttifizirt wird, ist eine wesentliche Folge dieses Mißtrauens und ver Einschüchterung durch fortgesetzte neue Steuerprojekte. Die Bezeichnung, daß diese ganze Gesetzgebung wesentlich von dem Willen des einzelnen Mannes abhänge, der Umstand, daß je nach dem er heute diese, morgen eine andere Theorie vertritt, das ganze Erwerbsleben in Frage kommt, hat unsere Depression verschuldet. Ich meine, daß Derjenige, welcher sich einen unbe- fangenen Blick bewahrt hat, sich dem Gedanken nicht ver- schließen kann, schlechter als jetzt in Teutschland hätte es unter einem anderen Regicrungssystem auch nicht sein können. Herr v. Maltzahn hätte also besser gethan, eine Parallele nicht M provozircn.(Beifall links.).;J Finanzminister v. Scholz: Der Abg. v. Huenc hat d>e Ankündigungsworte der Thronrede so intcrpretirt, als ob die verbündeten Regierungen mit dem Reichstag diesmal nur übel die Ausgaben verhandeln wollten, und über die Einnahmen mit dem späteren Reichstage. Dies ist verfassungsmäßig nfctf zulässig. Art. 70 der Verfassung�sieht vor, daß, wenn ande� Mittel nickt vorhanden sind, die Deckung durch Mattikul»? beittäge erfolgen soll und muß. Diesen Weg haben auch d'| verbündeten Regierungen eingeschlagen. Der Abg. Richter P gesagt, meine Aeußerungen über den Kaufmannsstand sei� empörend. Er scheint schon seit gestem Nachricht aus dem Kaulk mannsstande bekommen zu haben.(Heiterkeit.) Ich bin nicht>>> diesemFalle, aber ich kann erklären, daß es etwas Verfehlteres ni®* giebt, als zu glauben, ich hätte etwas gesagt, wodurch sick d# Kaufmannsstand in seiner Ehre gekränkt fühlen könnte. welchem. Stande befinden sich nicht solche Personen, welche d>e Steuer zu hinterziehen für etwas Erlaubtes ansehn! Untrt der früheren Schlacht- und Mahlsteuer ist immer eine groß* Reihe von Personen der achtbarsten Lebensstellung'? der Versuchung gewesen, Tcfrauden zu begehen, v? protesttre dagegen, daß meine Worte so entstell werden, als hätte ich den Stand beleidigen wollen-. Auch in anderer Beziehung muß ich Herrn Richter einen Shi® durch die Rechnung machen. Er fühlt das Bedürfniß,'W Hinblick auf die künstigen Wahlen mich, und rn meiner Person die Regierung, anzugrei'en, daß sie sich eigentlich zu den Ge- schäftobückern bekannt bat, und daß auf dem Programm verbündeten Regierungen das Tabaksmonopol steht. Bcioc Punkte find durchaus unrichtig. Was die Geschäftsbücher on bettifft, so habe ich gestem erinnert, daß der ursprüngliche Eni- wurf der verbündeten Regierungen als Sichemngsmiltcl Besteuerung der Geschäftsbücher vorgesehen hat. Ich füge Hm 3"' wenn dies Sichcrungsmittel den Beifall des Hauses gcfunve hätte, sicher die ttaurigen Erfahmngen ausgeblieben waieo- Soll ick jetzt etwa den Vergeßlichen spielen? Ick verleugn in der Regel nicht, was ich gesagt habe. Daraus ist aber i' Schluß zu machen, daß irgend etwas im Werke ist, um o Geschäftsbücher von Neuem vorzuschlagen. An Stelle jenes En wurfs ist die sogenannte Börsensteuer aus der' Juitia», des Reichstags hervorgegangen und ich glaube.m®' daß von Seiten der verbündeten Regiemnacn ,wc wie zu erwarten ist eine neue Vorlage zur Entwmeiu» der Börsensteuer. Daher ist also bei'den Wah. nichts zu machen. Eine Erklämng über das Tabaksnwnoo. habe ich gestem nicht abgegeben.(Widerspmch links.)_ Aw sagte, die Einnahme aus dem Branntwein allein wurve Zwecke unseres Programms fast vollständig erfüllen, wurv zugemfcn,„auch aus Tabak", und auf diesen Zwischenruf Y ich geantwortet: vielleicht werde der Tabak später no® kommen.(Zurufe links.) Ich nehme nichts zurück, v". ul1g Beziebuna bähe irfi pntfcruf nirfif-in Broaramm der Real Beziehung habe ich entfernt nicht ein angedeutet, was Sie ausspielen wollen Prow r. I ramm der! ich habe mir luher Mann gesagt, wozu ich mich immer bekannt habe. Bild, welches der Abg. Richter von dem Zustand m D.� land unter seinem Regime enttollt hat, mag für R etwas verlockend erscheinen; an die Wahrheit des gjyf- glaubt wohl aber Niemand; ick brauche dlos on sei fassung des Sekundärbahnwesens zu erinnern... stan.«iTcidst Richter an der Spitze der Regierung, er.wurde schneller, als Manche denken. �.Maßregeln ms Werl„ welche jetzt leider an Ihrem Widerstände schcltcm, sonst in der allerkürzesten Fnjt Frasko machen gge Die freisinnigen Blätter� wurden. fubeln� uoer�� Tabaks- oder Branntweinmonopol zusammen? Dre �ei �. des Abg. Richter haben jedenfalls viel zur Klärung verg Regierung. Ich möchte ihn bitten, dafür zu sorg..�cheren Organe, über welche die Regiemng verfugt, einen i® Ton anschlagen. Das thun sie jetzt absolut nicht. Er sollte daher seine heutche Rede und die vom 14. Januar d. I. zur Nachachtung an die„Nordd. Allgem. Ztg." und die kleineren Blätter fdiicfen, welche Parteien und Personen verunglimpfen. «eine Bemerkung gegen meinen Kollegen v. tzuene kann ich nicht mit Stillschweigen hinnehmen. Wir haben einen Etat mit größeren Ausgaben vor uns, ferner eine Vorlage mit weiteren Ausgaben. Diese Ausgaben sollen wir bewilligen, über die Ein- nahmen will sich die Regierung mit dem neugewählten Reichs- Me verständigen. Das ist eine Methode, die ich nicht verstehe. Die Regierung ist verpflichtet, Ausgaben und Einnahmen zu balanziren. Mit neuen Ausgaben muß fie auch neue Vorschläge bezüglich der Vermehrung der Einnahmen machen und zwar gleichzeitig. Sind wir so, wie uns der Öerr Minister geschildert hat, so appellire man an das Land, lasse es aber auch wissen, daß die Ausgaben durch das Branntwein- und Tabaksmonopol gedeckt werden sollen.(Zuruf des Finanz- Ministers.) Sie haben Ihre gestrige Erklärung nicht widerlegt. Sie haben gesagt, ich persönlich bin der Meinung, daß das Monopol kommen wird. Das Land mag also wissen, daß dies die Reise ist, welche wir antreten.(Beifall links und im Zentrum.) Abg. v. H e l l d o r f f: Es ist allerdings ein ungewöhn- luher Zustand(Ruf: unerhört!), daß wir nur die Ausgahen bewilligen sollen. In diese Rothlage ist aber die Regierung versetzt, nachdem alle ihre Steuervorlagen abgelehnt sind. Wir sollten um so mehr jetzt alle Rekriminationen unterlassen und lieber den Weg der Verständigung aufsuchen, auf welchem die Mißstände beseitigt werden können. Bei der Branntweinsteuer soll es sich nach Herrn Richter nur um das Interesse von ein vaar hundert Kartoffelbrenncm gehandelt haben; in Wahrheit handelte es sich nur dämm, 800— 1000 Ouabratmetlcn vor Verödung zu bewahren. Herr Richter hat dann sein Pro- gramm entwickelt, das wird ihm unvergessen bleiben. Seine Bemerkungen über die Verstaatlichung der Eisenbahnen ist wahrhaft rllustrativ für die Auffassung jener Seite. Bezüglich oer Bemerkung über die Ueberschwemmuna mit Monopolprojektcn möchte ich noch eines hervorheben: weshalb sind diese Projekte gekommen? Um zur Fundamentining des Reichs gute Finanzen iu schaffen. Das ist der Grundgedanke einer hervorragenden Reichspolitik. Unsere Aufgabe ist es, unter Zurückhaltung besonderer Wünsche diesem Gedanken nachzugehen. Abg. Rickcrt: Herr v. Maltzahn wünscht einen vor- nehmeren Ton für die Debatten. Ich bin gewiß dazu bereit, möchte aber auch ihn ersuchm, darauf zu achten, mit welchem «ohne man uns entgegentritt. Es ist ganz natürlich, daß Sie (rechts) jetzt kleinlaut geworden sind mrt Bezug auf Ihre Wirthfchaftspolitik. Denken Sie aber an die Posaunen« stöße, die Sie gegen die Delbrück'sche Politik haben erklingen lassen. Heute ist keine Rede mehr davon. Sie fühlen eine gewisse Beklenunung, weil die goldenen Berge immer noch fehlen. Die Erklärung des Herrn r>. Maltzahn bezüglich der Branntweinsteuer habe ich ganz genau zitirt; ich habe nichts ausgelassen. Was später folgt in jener Rede, ist nur eine Ausfühmng des früheren Ge- dankens. Noch deutlicher hat sich Herr v. Helldorff darüber ausgesprochen, daß die Branntweinsteuer in der That nur im Interesse der Branntweinbrenner gemacht werden sollte. Abg. v. Helldorff: Im Interesse der östlichen Gegenden). Eine negative Thätigkeit soll es sein, wenn wir die zweijährige Dienstzeit verlangen. Aber selbst in der„Post" vlaidirt man in einer Zuschrift für eine Verkürzung der Dienstzeit um drei Monate. Im ganzen Lande hat man die llcberzmgung, daß die Dienstzeit noch weiter herabgesetzt werden könne. Nun noch einige Worte an den Finanzminister. Er hat hier einen Artikel aus dem„Reichsblatt" verlesen. Ich könnte ihm aus der konservativen Presse eine Menge von Schmähartikeln gegen mich Mesen. Ich habe jeden Morgen derartige Blätter auf dem 'nühstuckstisch, die mir zugesandt werden, daraus machen wir �nichts, und Sie haben doch Ihre Staatsanwälte, die sich Bewegung setzen würden, wenn Verdächtigungen Ihrer Per- n,Mkeit gemacht würden. Herr von Scholz hat einen ">kel hjxr verlesen, aber das ist ein Waisenknabe ff?cn das, was in der Regierungspresse geleistet wird. LNnnern Sie sich doch auch daran, daß der Herr Äk'chskanzler im Herrenhause offen erklärte, daß die £°"tik des Ministers Camphausen das Land ausgepreßt habe. 5(krr p. Scholz hat sich weiter gegen meine Bemerkung über ?'[«ttenekolleklcure gewendet. Es ist aber eine Thatsache, O mit diesen Herren ein politisches Examen angestellt ist, j�Bsie gefragt sind, wen sie das letzte Mal gewählt. Was ich <£. Dieser Beziehung gesagt, war nur der Wahrheit entsprechmd. q Hauptsache für mich ist aber die: In der„Schlesischcn jJMtung" hatte Jemand einen Attikcl veröffentlicht, in dein es W' daß man sich in Deutschland nur zu bücken brauche, um TpOO Millionen aufzunehmen. Herr v. Scholz meinte, die Ausführungen wären zutreffend, man würde 300 Millionen aus m Branntwein allein herausbekommen. Mit diesen 300 Mil- 40»en wolle-r das ausführen, was er versprochen habe! bin bereit ihm nachzuweisen, daß er für die von ihm de- »richneten Zwecke 400 Millionen gebraucht. Als ich ihm nun f �Ui zurief: kommt nicht heraus! Tabak! fuhr der Minister : Auch den Tabak werden wir demnächst einer weiteren �Neuerung unterwerfen. Ich habe dem Minister schon gestern fnDanft für diese Erklärung, das Land soll wissen, woran es In)! j. von Scholz erklärte gestern weiter, daß Ver- hmkchungcn nicht gemacht seien. Das ist nicht wahr. Herr er hat unumwunden erklärt, daß Versprechungen gemacht ' icn und daß deshalb die Verpflichtung zu einer weiteren Uimckelung unserer Steuern bestehe. .'Hnanzminister v. Scholz: Ich protestire gegen den Ver- „? fmer Legendenbildung, rote er von den Herren Wiitdthorst jDD Rickert gemacht wird. Den thatsächlichen Vorgang habe sm vorhin auseinandergesetzt. Glauben Sie denn, daß ich, v»un ich ein Wort in der Eile gesprochen hätte, das so ge- r.. �t werden könnte, wie das jetzt geschieht, und wenn ich s,.,e dasselbe richtig stelle, glauben Sie denn, daß Sie dann .�echttgt sind, mir etwas anderes zu im putiren? Das ist unter .Ml>ch�n Leuten nicht zulässig.(Große Unruhe links. Rufe: �ur Ordnung!) t,;., Präsident v. Wedell: Ich möchte den.Herrn Minister jüen, Ausdrücke, die beleidigend find für Mitglieder dieses "ses, zu unterlassen. Minister v. Scholz: Ich bin bereit, der Bitte nachzu- �"men. Mir hat jede Abficht, zu beleidigen, fern gelegen. 1%. � in meinen hypothetischen Worten ttotzdcm eine Be- �ung gelegen haben, so bin ich bereit, dieselbe zurückzu- Abg. W i n d t h o r st: Nach dieser Erkänrng des Herrn fin, will ich auf seine gestrige Auslassung nicht weiter r»* wu Herr v. Helldorff findet es natürlich, daß die Regie- op£? ihren Ausgaben über die vorhandenen Mittel hinaus- säh$03 heißt eine Umkehrung der konstitutionellen Grund- da In der ständischen Verfassung ist es immer so gewesen, Zn? vre Regierung die Steuern, die sie gebraucht, vorschlägt. hat a he sich mit den Vertretern nicht verständigen kann, so hl oe ein Mittel: den Reichstag aufzulösen. Ich bin erstaunt. nil v. Helldon das Verfahren der Regierung in Schutz winl�,(Lachen rechts.) Mit dachen können Sie mich nicht Br" sie"- Haben Sie denn keine andere Methode? Fn der stän?'"nkommisfion war das vollständige Material zur Ver- hel°mncS aegeben, wenn die Regierung sich mit einer beschei- aeren Bewilligung zufrieden geben wollte. Äw�anzminister v. Scholz: Ich fordere den Abgeordneten gen«k-9,'6 Verhandlungen von den verbündeten Regierun- lrato abgebrochen seien. Der Reichstag hat den Ent- wurf abgelehnt nicht auf Grund irgend einer Erklärung der Regierungen, sondem weil ihm der Entwurf an sich absolut unannehmbar erschien. Ich bestteite, daß vom Reichstag der Regierung jemals eine Offerte von 25 Pf. gemacht und daß die Regiemng erklärt hätte, fie nehme die 25 Pf. nicht an. Herr Abg. Windthorst spricht immer von den Verhandlungen des vorigen Jahres; es handelt sich um die Verhandlungen dieses Jahres— soweit sollte doch sein Gedächtniß ihn unter- stützen. Ueber das, was gestern hier geschehen sein soll, steift sich Herr Windthorst mitzusprechen und mitzuentscheiden, ob- wohl er der Sitzung gar nicht beigewohnt hat. Das scheint mir kaum angemessen; ich hätte mich an seiner Stelle in die Debatte gar nicht eingemischt. Ich habe keinen laxsus liguae zugestanden; aber es war einmal so beschlossen, daß es so aus- genutzt werden sollte, und es wurde so ausgenutzt. Gegen diese Legendenbildung habe ich Einspruch zu erheben. Abg. v. K o s c i e l s k i: Ich habe das Material zu meiner Behauptung bezüglich der polnischen Soldaten aus dem Munde des Kriegsministers selbst, der im preußischen Abgeordneten- hause offen erkläit hat, daß für die betr. Versetzungen politische Rücksichten maßgebend seien. Weshalb der Herr Kriegs- minister in diesem Hause weniger offen sein will, weiß ich nicht; ich habe dies Bedürfniß nicht, und deshalb bleibt meine Aus- einandersetzung ttotz der Entgegnung des Ministers richtig. Der Vergleich mit den freien Arbeitern kann doch unmöglich als stichhaltig gelten. Erfreut bin ich darüber, daß nicht ich, sondern der Kriegs minister diese Maßregel eine grausame ge- nannt hat. Dem Finanzminister bemerke ich, daß ich an das Monopol nicht habe denken können, weil ich die Tobten und erst recht die Todtgeborenen ruhen lasse; das Monopol hat keine Ausficht gehabt, von meiner Fraktion unterstützt zu werden. Ich bedauere, dem Finanzminister diese Illusion rauben zu müssen.(Heiterkeit.) Kricgsminister Bronsart von Schellendorff stellt in Abrede, daß er von einer grausamen Maßregel gesprochen habe, er halte die Maßregel, abgesehen von der politischen Seite, für sehr nützlich und erfreulich. Von seinen Ausführungen im preußischen Abgeordnctenhausc habe er nichts zurückzunehmen, vielmehr könne er fie nur ausdrücklich destätigen. Wenn die deutschen Soldaten aus ihrer Heimath in ferne Garnisonen gebracht würden, so thue keiner von ihnen den Mund auf; sie gingen einfach dahin, wo ihr König sie schicke. So sei es immer in der Armee ge- wesen, und so werde es auch bleiben!(Beifall rechts.) Abg. v. Helldorff: Die Vorlesung über konstitutionelles Recht hätte Herr Windthorst mir wohl ersparen können. Ich habe als Hauptsache betont, ich möchte nicht, daß in der unge- wöhnlichen Lage, in die wir gebracht find, Tabaksmonopol, Auflösung u. s. w. ausgespielt werden als die einzigen Dinge, um die es sich überhaupt noch handelt. Es handelt sich um die Deckung des Defizits und um die Gestaltung der Ärannt- weinbesteuemng, für die wir die gehörige Form noch nicht ge- funden haben, die vielleicht auch m monopolähnlicher, deshalb aber doch voin wirklichen Monopol weit entfernter Form zu Stande zu bringen sein würde. Herr Rickett hat mich sowohl bezüglich dessen, was ich über die Brennereien, als auch hin- sichtlich des angeblichen Vorwurfs der Vcrttetung von Börsen- interessen gänzlich mißverstanden. Abg. W i n d t h o r st: Ich bin Herrn v. Hclldorff Dank schuldig dafür, daß er seine Polemik wesentlich gemildert hat und das Verfahren der Regierung ein ungewöhnliches nennt. Ich wiederhole aber, wir sind nicht dazu da, Wege der Bc- steuerung zu suchen, sondem zu prüfen, ob die Wege der Re- giening die richtigen sind. Richtig ist doch, daß die Regiemng nicht wollte, was wir in der Branntweinkommission anboten; darin liegt gerade der Abbmch. Uebrigens kann ja jeder den vorliegenden Bericht über jene Verhandlungen nachlesen. Ueber meine angebliche Gedächtnißschwäche kann ich den Minister be- mhigen, an Schwäche des Gedächtnisses leide ich ttotz zunehmen- den Alters heute noch nicht. Was der Herr Minister gestern gesagt hat, will er heute nicht so gemeint haben. Wir akzeptiren das gern; es fehlt uns aber immer noch die offizielle Erklämng, daß man nicht mehr auf das unglückliche Tabaksmonopol zurückkommen wird. Aus diesem Fehlen wird unzweifelhaft eine neue Beunmhigung für die Bevölkerung entstehen, welche die Monopole ebensowenig will wie wir, die wir in ihnen den Untergang unserer gewerb- lichen Verhältnisse erblicken!(Lebhafter Beifall im Zentmm und links.) Die erste Berathung des Etats wird hiemach geschlossen und gemäß einem Antrage der Abgg. von Benda, Gamp, von Huene, v. Maltzahn-Gültz und Richert eine Reihe von Kapiteln und Titeln des Ordinariunts, sowie das gesammte Extraordi- narium, desgl. das Etatsgesctz und das Anleihegesetz an die Budgetkommission zur Äorberathung überwiesen; der Rest des Ordinariums wird im Plenum zur zweiten Berathung ge- langen.,„ Schluß 4), Uhr. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.(Berathung der Uebersicht der Reichsausgaoen und Einnahmen für das Etatsjahr 1885/80; erste Berathung der Mi li- tärvorlasse.) Lokales. Schüsse im Frieden. Zivil und Militär, das sind die beiden Begriffe, die unserem ganzen staatlichen und gesellschaft- lichen Leben eine eigen artige, keineswegs angenehme Signatur aufdrücken. Der Bürger im Waffenrock ist etwas anderes, als der in der Arbeitsbluse,— dieser hat alle Pflichten, jener alle Rechte. Der Kriegerstand, diese unnahbare Kaste, die bei uns mit viel schärferer Prägnanz hewortritt, als in den Gemeinwesen der alten Egypter und Jndier, hat in unserem Vaterlande Machtvollkommenheiten, denen sich gut- willig keine andere Nation fügen würde, als die deutsche. Man wird sich der ungeheuren Aufregung noch entsinnen, die ganz Berlin durchtobte, als vor einigen Jahren ein Militürposten an der Jnvalidensäule auf spielende Kinder, die ihn gehänselt haben sollten, Feuer gegeben und zwei Kinder getödtet harte. Nicht allzulange Zeit darauf erschoß ein Soldat in der Hasmhaidc einen Arbeiter, mit dem er absolut nicht in Berührung gekommen war. In den letzten Tagen hat bekanntlich die Schilvwache vor der Reichsdruckerei ebenfalls auf eine Person gefeuert und dieselbe nicht unerheblich verletzt. Mch- rere Blätter erzählten gestern mit unverkennbarer Genugthuung, daß auch der militärische Wachtposten vor dem Lazarethgebäude des Moabiter Untersuchungsgefängnisses einen betrunkenen Mann verhaftete und daß er, als sich Publikum ansammelte, sein Bajonnct aufpflanzte und„demonstrativ sein Gewehr geladen habe". Wir glauben, daß die Fälle, die wir hier anfühtten, genügen werden, um das ganze System zu kennzeichnen. Es geht aus demselben mit sprechender Deutlichkeit hervor, daß der Soldat durchaus daran gewöhnt wird, den„Zivilisten" als ein ihm feindliches Element zu bctrachen, gegen das vorzugehen nicht nur sein gutes Recht, sondern sogar seine Pflicht ist. Es wäre nun eineThorheit, dem einzelnmJndividuum, welches sich alsWacht- posten Vergehen gegen das Leben und die Gesundheit der nicht uniformitten Staatsbürger zu Schulden kommen läßt, die Vor- würfe machen zu wollen; der pommerschc oder polnische Bauern- söhn, der aus seinen ländlichen, beschränkten Verhältnissen her- aus in das brausende Gettiebe der Weltstadt versetzt wird, kennt keine andere Richtschnur für sein Handeln, als die Aus- lassungen der Unteroffiziere und der Lieutenants, deren greif- bare Resultate schließlich die scharfen Gewehrschüsse mitten in der Reichshauptstadt und mitten im tiefsten Frieden sind. Jedermann, der in seinem Leben in dumpfer Kasernenstube mit der Weisheit eines„gedienten" Sergeanten beglückt wurde, weiß, wie seltsam sich die Welt bisweilen in dem Kopf eines solchen Gamaschenknopfes wieder« spiegelt, und welch irrige Anschauungen daher ungebildeten Rekruten eingeimpft werden. Weshalb stehen überhaupt Militürposten auf den Sttaßen? Diese Frage ist jedesmal aufgeworfen worden, wenn ein solches Attentat auf die persön- liche Sicherheit der Bürger verübt wurde, noch niemals aber ist eine befriedigende Antwort ertheilt worden. Zu den Segnungen des kleinen Belagerungszustandes gehört es außerdem, daß die Soldaten mit scharfen Patronen ausgerüstet werden. Hat der Schütze noch irgend welche Macht über das Geschoß, wenn er seinen Schuß abgegeben hat? Kann nicht ein ganz Unbetheiligter getroffen werden, während der sogenannte Schuldige entkommt? Wird überhaupt ein militärischer Wacht- posten von der großen Masse des Volkes als eine Person be- trachtet, der amtliche Befugnisse zustehen, deren An- Ordnungen man daher unweigerlich Folge zu leisten hat? Und wenn das wirklich der Fall ist, wie ungeheuerlich sind dann die Rechte, die ein Militär hat im Vergleich zu denen, über welche ein gewöhn- licher Exekutivbeamter verfügt! Ein Exekutivbeamter kann einen flüchtigen Arrestanten verfolgen, ihn einholen und so wieder in Gewahrsam bringen; den Soldaten fesselt die starre Vorschrift an feinen Platz, aber seine Kugel ist fchncllcr als der leichtfüßigste Flüchtling, und der Mann, der unter an» deren Verhältnissen sein Vergehen mit einer geringfügigen Geld- sttafe gesühnt hätte, liegt so mit zerschmettetten Gliedern auf dem Straßen pflaster; er büßt seine Gesundheit ein, vielleicht sein Leben. Wenn den wachestehenden Soldaten ähnliche Rechte eingeräumt sind wie denjenigen Beamten, die für Ruhe und Ordnung auf den Straßen zu sorgen haben, so sollte wenigstens mit unweigerlicher Sttenge darauf gehalten werden, daß sie sich in Ausübung dieser Rechte nur in den Grenzen halten, die den Beamten vorgeschrieben find, und deren Respettirung jeder Staatsbürger, gleichviel wer oder was er ist, verlangen darf. Der zwanzigjährige Kellner, der jetzt mit durchschossenem Bein in der Charitee liegt, wurde in den Zeitungen als ein arbeitsscheuer, verkommener Mensch geschildert, der von der Polizei gesucht wurde. Wir wissen es nicht, es mag aber sein. Wenn jene Charakteristik zutrifft, so ist es auch wohl möglich, daß er in trunkenem Zustande den Soldaten vor der Reichsdruckerei insultirt hat. Hat aber ein Mensch in jenem Alter, in einem solchen Zustande eine Ahnung von der Tragweite seines Vergehens? Weiß er, daß er seinen„Ulk", für den auch wir übrigens kein Wort der Entschuldigung haben, mit seinen gesunden Glied- maßen büßen mußte? Ist es andererseits aber durchaus nothwendig, daß die Reichsdruckcrei von einem Soldaten bewacht wird, daß gerade dort, wo, wie durch den Prozeß Kowalski bekannt geworden ist, die notorische Verbrecherwelt von Berlin in der christlichen Herberge zur Heimath verkehrt, daß gerade dort wie zur Herausforderung für diese Leute ein einzelner Soldat auf dem Trottoir steht? Würde ein Schutzmannsposten hier nickt viel crspricß- lichere Dienste leisten? Vor dem Berliner Rathhaus steht auch kein Militärposten, ttotzdcm ist dasselbe, soviel wir wissen, noch niemals gestohlen oder nur zu stehlen versucht worden. Die fiskalischen Gebäude allerdings scheinen einen erhöhten Aufwand von Wachsamkeit zu erfordern. Man soll doch die Gebräuche, die vielleicht beim Vorpostendienst von Werth sind, nicht in die Berliner Straßen verpflanzen, wo es keine militärifckc Lorbeeren zu erobern und keine Orden und Ehrenzeichen zu verdienen giebt, sondern wo nur Unsicherheit und Unglück durch Anwendung der Kasernendisziplin und Kriegsmanieren hervorgerufen werden. Wir wünschen, daß die Militärposten überhaupt von den Straßen verschwinden, die dem Steuerzahler zu friedlichem Verkehr offen stehen müssen und daß die Soldaten in ihren Kasernen bleiben. Bis das geschieht, werden wir dagegen pro- testiren, daß die Sttaßen Berlins als Schießstände für die Garnison benutzt werden. Schutzmahregeln für Ertrinkende. Vor kurzem war ein Mann in den Landwehrkanal gefallen oder in selbstmörde- rischer Absicht hineingesprungen und kämpfte eine Zeit lang mit den Wellen..Hilfsbereite Passanten waren zur Stelle, allein weit und breit war kein Boot, waren keine Rettungsgeräthe, wie Bootsbaken, Stricke und dergl. aufzutreiben, und ehe man die steile Uferböschung hinabgclangte, war der Unglückliche Vörden Augen vieler Zuschauer ertrunken. Die Presse war damals darüber einig, daß in Berlin mit seiner vielgerühmten Muster- Verwaltung für die Möglichkeit der Errettung Ertrinkender absolut nichts gethan würde. Man machte allerlei Vorschläge, die zwar von mehr oder weniger Scharfsinn zeugten, die aber alle daran litten, daß sich kein Mensch, am allerwenigsten der Magisttat um ihre Verwirklichung kümmerte. Nun muß unsere weise Stadtvertretung erleben, daß man ihr in Paris, von rvo bekanntlich immer Deputationen kommen sollen, um alles das, was der Magisttat uus Herrliches und Vollkommenes bescheert, in Augenschein zu nehmen, bedeutend„über" ist. Hier bei uns, in der Stadt der Markthallen, des Asphaltpflasters und der Ricselselder kann immer noch jeder nach seiner Bequemlichkeit crttinken, wenn nicht irgend ein beherzter Passant einschreitet, der dann immer seine Gesundheit, wenn nicht fein Leben aufs Spiel zu setzen gezwungen ist. In Paris ist das anders. Dort bestehen am Strande der Seine Rcttungspavillons für Ertrinkende schon seit dem Jahre 1774. 1806 waren bereits 19 Rettungsstationen vorhanden, und seit 1875, wo eine Reorganisation derselben vorgenommen wurde, sind 34 Pavillons an beiden Ufern der Seine vorhanden. Dieselben sind aus Stein erbaut und haben eine solche Höhenlage, daß sie selbst beim höchsten Wasserstande außer Gefahr sind. Das Inventar derselben besteht aus einem hölzenen Tisch mit Rücken- lehne und Fußstütze sowie verschiedenen Lederkissen; ferner aus einem kupfernen Kochapparat, einer Badewanne und Douche- Vorrichtung, eincrwollenen Mattatze, Decken, wollenen Reibctückern einem Kehlkopfspiegel, einem großen Mantel u. s. w. Jede Station ist mit der Zentralstation des Arrondissements telegraphisch verbunden; in der Nähe liegt immer ein Kahn bereit. In der Wache lösen sich Tag und Nacht drei Beamte ab; immer dieselben, welche in der sachgemäßen Behandlung Er- trunkener besonders ausgebildet sind. Für die Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit dieser Rettunas-Pavillons sprechen mehr als alles Andere ihre Erfolge. Wie wir dem„Journal d'hygUne" entnehmen, wurden von 1875 bis 1885 in diesen Rettungs- häuschen 1262 Ertrunkene behandelt; von diesen wurden 1188 Menschen(gleich 94 Prozent) wieder ins Leben zurückge- rufen.— Die Kosten ähnlicher, gemeinnütziger Einrichtungen für Berlin dürften bei Weitem nicht die Höhe derjenigen Geld- summen erreichen, welche vom Magisttat in letzter Zeit ziemlich häufig für bloße Repräsentationen ausgegeben worden sind, ohne daß die große Masse der Steuerzahler auch nur das Ge- ringste davon gehabt hätte. Für derartige Zwecke ist immer Geld vorbanden, wenn dasselbe jedoch zu wirklich nothwendigen Dingen verwandt werden soll, fehlt es an allen Ecken und Enden. Wie rasch werden jetzt Briefsendungen in Berlin be- stellt? Um diese Frage praktisch zu lösen, hat einer unserer Berichterstatter sich am Montag Nachmittag Punkt 2 Uhr 30 Minuten fünf Briefe auf ebenso viel verschiedene Weise aus der Nähe des Alexanderplatzes nach seiner im Südwesten Berlins gelegenen Wohnung senden lassen und er theilt uns nun folgendes, gewiß überraschende Resultat mit. Am ersten war-(wenn auch verhältnißmäßig spät)- die Rohrpost zur Stelle. Der Brief, beim kaiserlichen Post-(nicht Rohrpost-) Amt, Kömgsgraben 2, aufgegeben, ttaf 1 Stunde 25 Minuten später, und zwar um 3 Uhr 55 Minuten ein. Dann folgte der nächste Bnef schon in 1 Stunde und 50 Minuten, also um 4 Uhr 20 Minuten. Der Brief war in den Briefkasten am Bahnhof Alexanderplatz niedergelegt. Die Ablieferung Nr. 3, ein durch die neue„Hansa" bestellter Eilbrief, erfolgte erst am anderen Morgen(Dienstag früh) um 7 Uhr 25 Minuten, sie bedurfte also 16 Stunden und 55 Minuten, wobei allerdings die Ziachtzeit zu berücksichtigen ist. Ein durch dieselbe Be- förderungsansialt bestellter gewöhnlicher Brief wurde am Dienstag Bormittag 8 Uhr 45 Minuten abgeliefert, und den Schluß bildete die Packctfahrtgescllschast, welche den durch sie beförder- ten gewöhnlichen Brief erst am Dienstag Mittag in der Zeit von 41 Uhr bis 43 Uhr,(in welcher der aedachte Bericht- erstatter vom Hause abwesend war und den Brief bei seiner Rückkehr vorfand) zur Ablieferung brachte! Die Klagen der Ständeinhaber in den Markthallen über die schlechten Geschäfte mehren sich von Tag zu Tag; wer diese Thatsache bestreitet, kennt die Verhältnisse nicht. Die einzigen guten Tage sind der Mittwoch und der Sonnabend und auch dann steht der Umsatz in gar keinen Vergleich zu früher. Schon ein einziger Gang durch die Markthallen an den übrigen Wochentagen liefert untrügliche Beweise für den schlechten Geschäftsgang; hier und da sieht man die Waaren in den Ständen verdeckt und ohne Besitzer, denn— wie Anfragen uns belehrten— halten sie es gar nicht der Mühe für werth, wegen des schlechten Geschäftes zu kommen. Und wie sehr sind nun erst jene kleineren Händler zu bedauern, welche auf den kleinsten Verdienst angewiesen sind und in der jetzt scharfen Luft vom frühen Morgen bis zum späten Abend ausharren müssen. Und wie wird es nun gar erst im strengen Winter werden! Man muß die Klagen dieser armen Leute hören, um sich von ihrer Misöre ein richtiges Urtheil bilden zu können. Es giebt Tage, wo Einzelne kaum ein Handgeld erhalten. Sie hoffen alle, wenn das sog. Versuchsjahr vorüber ist, daß eine wesentliche Ermäßigung des Ständegeldes eintteten werde. Tritt eine solche nicht ein, so ist zu gewärtigen, daß im nächsten Jahre sich erhebliche Lücken in den Ständen der Markthallen geltend machen. Ehe die Marktleute sich gänzlich ruiniren, wollen sie lieber von dem Schauplatz ihrer jetzigen Thätigkeit abtreten. In der Geschäftswelt werden vielfach als Drucksachen offene Karten mit der Bezeichnung„Postkarte" versendet, welchen auf der Rückseite Preisverzeichnisse oder sonstige ge- schäftliche Mittheilungm aufgedruckt find. Die Beförderung derartiger Karten mit der Bezeichnung„Postkarte" darf zu dem für Drucksachen bestehenden billigeren Portosatz nach einer früheren Bekanntmachung des Rcichspostamtes nur einschließlich März nächsten Jahres erfolgen. Wir machen die interessirten Kreise unserer Leser schon jetzt hierauf aufmerksam, da der be- vorstehende lebhafte Weihnacktsverkehr vieljach Gelegenheit bieten wird, etwaige größere Vorräthe solcher Karten zu ver- wenden. Es giebt in Berlin fünfundzwanzig bis dreißig täglich erscheinende Blätter und ungemein viele Wochenblätter, Organe für Sonder- Interessen, Fachzeitungen und Monats- schritten, von deren Existenz das größere Publikum keine Ahnung hat. An der Spitze marschiren eine Anzahl wissenschaftliche Blätter, Archive. Da giebt es ein„Archiv für kirchliche Kunst", ein„Archiv für klinische Chirurgie", ein„Archiv für Psychiatrie und siicrvenkrankheiten" und ein„Archiv für pathologische Ana- tomie und Physiologie". Die Interessen der verschiedenen Systeme der Stenographie werden durch verschiedene Spczial- blätter vertreten. Die klassische Philologie hat eine besondere Zeitschrift, welche sich„Hermes" nennt. Heber ein halbes Dutzend Theater- Zeittingen, fast alle von Thcateragenturen herausgegeben, versetzen uns in die Welt der Koulissen und des holden Scheins. Auch die deutschen Militärmufiker haben ihre besondere Zeitung.„Der Klavierlehrer" nennt sich eine musikpädagogische Zeitschrift. Die Jünger Jahn's können sich auf die„Monatsschrift für das Turnwesen", außerdem noch auf das„Rachrichlsblatt für den Berliner Turnrath" abonniren.„Der Naturforscher" dient den Jntcr- essen der forschenden Wissenschaft.„Der Taubstummenfreund" wird für jene Unglücklichen herausgegeben, denen Sprache und Gehör versagt geblieben ist. Die„Unteroffizier-Zcitung" dürfte mit außerordentlicher Strammhcit redigirt werden. Eine„Zeit- schrift für Numismatik" wird von Professor Dr. von Seller herausgegeben. Handel und Gewerbe haben eine große Anzahl von besonderen Organen. Es seien hier nur genannt:„Allgemeine Fleischer- Zeitung",„Allgemeine Tischler-Zeitung", „Berliner Markthallen- Zeitung",„Berliner Müller- Zeüung", „Der deutsche Barbier und Friseur",„Der deutfcke Dachdecker", „Deutsche Klempner- Zeitung",„Deutsche Gerber- Zeitung", „Deuttche Hutmacher-Zeitung",..Deutsche Uhrmacher-Zeitung", „Die Konditor-Zeitung",„Deutsche Seiler-Zeitung",„Deutsche Schlosser- Zeitung",„Deutsche Kürschner- Zeitung",„Deutsche Sattler-Zeiwng"(meist Organe der Innungen gleichen Namens), „Die Ameise", Organ des Gcwerk-Vereins der Porzellan- und Glasarbeiter, und„Dampf", Organ für die Interessen der Tampf-Anlagcn-Bcsitzer.„Coiffüre" ist der Name einer Zeit- schrift für Kopfputz und Frisur. Der„Geschäftsfreund" ist ein Offettendatt für die gesammte Konfektions-Manufaktur und Textil-Branche.„Die Küche" heißt das Fachorgan des„Ver- bandes Deutscher Köche".„Lo grande toilette des dames" propagitt die neuesten Einfälle der launischen Göttin Mode. Hat die deutsche Aristokratie ihr besonderes Offettcnblatt, so be- sitzen die Herren Schornsteinfeger ihr„Organ für das Schornstein- fegerwesen".„Der Rohrleger" schließt sich ihm an.„Der Seifentabrikant" wird hoffentlich seinen Lesern nicht zu viel Schaum schlagen.„Ibis" und„Taube" sind Blätter der Thierschutzvereine. Die„Taube" wird von einer adligen Dame redigirt.„Die Biene auf dem Misfionsfelde" nennt sich eine religiöse Zeitung, deren Tendenz durch ihren Titel genugsam hervottritt. Dre„Flamme" ermuntert zur Feuerbestattung. Die„Braut-Zcitung" und die„Hochzeits-Zeitung Herzblättchen" müßten eigentlich von Gott Hymen gemeinschaftlich mit Amor redigirt werden. Die Freunde des Sports haben eine große Auswahl aller möglichen Organe, von der Jägerzeitung„St. Hubertus" bis zun,„Velozipcdsport", und daß es dem Berliner nicht an Humor fehlt, beweist„Luna", die Vierteljahrsschrift des„Vereins urfideler Kahlköpfe." Gegen die Schwindelansverkänfe, deren gemeinschädliches Treiben wir an dieser Stelle bereits mehrfach gekennzeichnet haben, geht die Polizei in den Provinzen in anerkenncns- wcrther und energischer Weise vor. So hat in Brandenburg a. H. die Polizciverwaltung folgendes kundgethan:„Auch ber hiesigen Gewerbetreibenden ist die Wahrnehmung gemacht wor- den, daß man durch Vorgeben eines Ausverkaufs, der durch die verschiedensten Mittel den, Publikum glaubhaft gemacht wird, den, Geschäfte Kunden zuzuführen sucht. Diejenigen Gewerbe- treibenden, welche solchem Verfahren fernstehen, bezeichnen das- selbe in den meisten Fällen als ein auf Täuschung des Publi- kums berechnetes. Wir haben deshalb Veranlassung genommen, derartige Geschäftsmanipulationen einer strengen Konttole zu unterwerfen und in jedem Einzelfalle zu prüfen, ob die in dm Anzeigen der Verkäufer in Aussicht gestellten Vortheile auch in ihrem vollen Umfange den Käufern gegenüber erfüllt werden, widrigenfalls der Thatbestand des Betruges und der Täuschung vorliegen würde. Mit Erfolg können wir dem Mißstande aber nur dann entgegentreten, wenn dem angedeuteten Geschäfts- gcbahren auch seitens des Publikums eine verschärfte Aufmcrk- samkcit zugewendet wird, und deshalb richten wir an das Publikum das Ersuchen, unsere Verwaltung in der angedeuteten Hinsicht durch Äittheilung einzelner Fälle zu unterstützen."— Da jetzt während der Weihnachtszeit die unreellm Ausverkäufe auch in Berlin wie Pilze aus der Erde wachsen, wäre eine gleich scharfe Konttole von Seitm der Polizei und des Publi- kums wohl angebracht. Es ist schon zu gewöhnlichen Zeiten recht unangenehm, wmn man„hineingelegt" wird, zum Weih- nachtsfcst jedoch, wo doch gewiß ein jeder mit gediegenen Sachen aufwarten will, ist em„Rcinfall" noch viel peinlicher. Bewegung der Bevölkerung Berlms nach den Ver- öffmtlichunaen des statistischen Amts der Stadt. Die fortge- schriebenc Bevölkerungszahl bettug am 6. November inkl. der nachttäglichen An- und Abmeldungen 1 357 172, hat sich demnach geqen die Woche vorher um 1919 Seelen vermehrt. In der Woche vom 7. Nov. bis 13. Nov. wurden polizeilich gc- meldet 4265 zugezogene, 2566 fortgezogcne Personen; standes- amtlich wurden 319 Ehen geschlossen. Geboren wurden 849 Kinder, und zwar lebend: 425 männliche, 381 weibliche zusammen 806(darunter 87 außereheliche), todt 24 männliche, 19 weibliche, zusammen 43(darunter 11 außereheliche) Kinder. Die Lebendgeborenen, aufs Jahr berechnet, bilden 30,9, die Todtgebormen 1,6 pro Mille der Be- völkemng, die außerehelich Geborenen 11,54 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebendgeborenen 10,79, die bei den Todtgeborenen 25,58 pCt. In der kgl. Charitee und Entbindungs-Anstalt wurden 23 Kinder geboren. Gestorben (ohne Todtgeborcne) sind 549, nämlich 294 männliche, 255 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 151(inkl 34 außereheliche), 1 bis 5 Jahre 80(inkl. 8 außerheliche), 5 bis 10 Jahre 28, 10 bis 15 Jahre 10, 15 bis 20 Jahre 12, 20 bis 30 Jahre 32, 30 bis 40 Jahre 47, 40 bis 60 Jahre 90, 60 bis 80 Jahre 87, über 80 Jahre 12. Die Stcrbefälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 42,08 pCt. sämmt- licher in dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindern starben 48 im ersten, 17 im zweiten, 24 im dritten, 9 im vierten, 10 im fünften, 13 im sechsten, 30 im sicbenien bis zwölften Lebensmonate; von denselben waren ernährt 30 mit Muttermilch, 0 mit Ammcmnilch, 60 mit Thiermilch, 2 mit Milchsurrogaten, 34 mit gemischter Nahrung, von 27 war es unbekannt. Todes- Ursachen waren besonders: Lungenschwindsucht(72), Lungenentzündung(41), Bronchialkatarrh(18), Kehlkopfentzündung (12), Krämpfe(34), Gehirnschlag(31), Gehirn- und Gehirnhautentzündung(8), Krebs(25), Altersschwäche(17), Lcbensschwäche(26), Abzehrung(17), Masern(7), Scharlach(13), Diphtherie(30), Typhus(87), Diarrhöe(14), Brechdurchfall(8), an andern Krankheiten starben 173 und durch Selbstmord 5, davon durch Vergiftung 1, durch Erschießen 0, durch Erhängen 4. durch Erstechen 0. Die Sterblichkeit der Woche auf das Jahr berechnet, kom- mcn durchschnittlich auf 1000 Bewohner in Berlin 21,1, in Breslau 29,7, in Frankfurt a. M. 14,1, in Köln 26,1, in Dresden 22,6, in München 30,6, in Bremen 22,0, in Stuttgart 16,1, in Wien 21,0, in Paris 22,3, in London 17,8, in Liverpool 23,8. In der Woche wurden dem Polizeipräsi- dium gemeldet als erkrankt an Typhus 27, an Masern 127, an Scharlach 80, an Diphtherie 200, an Pocken 3. In den 9 größeren Krankenhärsern wurden in der Äerichtswoche870Kranke aufgenom- mcn, davon litten an Masern 5, an Scharlach 13, an Diphtherie 52, an Typhus 13, an Rose 5. Es starben 121 Personen oder 22,0 pEt. aller in der Woche Gestorbenen; als Bestand ver- blieben 3646 Kranke. Polizei- Bericht. Am 29. v. M-, Abends nach 10 Uhr, entstand zwischen mehreren Schiffern, welche mit ihren Kähnen hinter dem Grundstück Mühlenstraße Nr. 66—68 angelegt hatten, eine Schlägerei, bei der sie sich der Bootshaken als Waffe bedienten. Hierbei wurden die Schiffer Fitzner und Gräber nicht unerheblich am Kopf verletzt und letzterer auch ins Wasser gestoßen, jedoch alsbald wieder herausgezogen. Am 30. v. M. stürzte sich eine Frau aus dem Fenster ihrer in der Dragoner- straße vier Treppen hoch belegenen Wohnung auf die Straße hinab und erlitt dadurch so schwere innere Verletzungen, daß sie mittelst Krankenwagens nach dem Krankenhause im Friedrichs- Hain gebracht werden mußte. Geistesstörung scheint die Ver- anlassung zur That gewesen zu sein.— An demselben Tage Vormittags vergiftete sich eine Frau in ihrer Wohnung in der Königgrätzersttaße mittelst Zuckersäure.— Als um dieselbe Zeit mehrere Zimmerleute auf dem Neubau der Markthalle in der Ackersttaße beschäftigt waren einen Balken fottzuttagcn, entfiel ihnen derselbe und ttaf den Zimmermann Bomplitz mit solcher Wucht am Rücken, daß dieser einen Bruch der Wirbelsäule erlitt und nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht werden mußte.— Gegen Mittag fiel in der Adalbcrtsttaße der Bierfahrer Niemann von seinem Wagen auf die Sttaße hinab und erlitt dadurch so schwere äußere und innere Verletzungen, daß er die Hilfe der Sanitätswachc in Anspruch nehmen mußte.— Nachmittags entstand in dem Keller des Neubaues Leipzigerstt. 121 dadurch ein bedeutendes Feuer, daß der Maurerlehrlina Hede, nachdem er aus einem größeren Behälter Gasäther abgefüllt hatte, einen vergossenen Rest desselben anzündete und dre entstandene Flamme auch die anderen Vorräthe in Brand setzte. Die Feuerwehr war in Thätigkeit.— Als um dieselbe Zeit ein Mann am Petriplatz den Straßendamm überschritt, fiel ihm von einem voniberfahrenden Rollwagen des Berliner Spcditeur-Vereins eine Kiste derartig auf den Fuß, daß er eine bedeutende Verletzung desselben erlitt und sich mittelst Droschke nach seiner Wohnung begeben mußte. — Gegen Abend gerieth in der Potsdamersttaße eine Frau, als sie unmittelbar vor einem Pferdebahnwagen noch über den Straßcndamm laufen wollte, unter die Räder desselben und trug einen Bruch des rechten Unterschenkels davon.— Am Abend verstarb plötzlich in einem Restaurant in der Lützow- straße ein 71 Jahre alter Mann am Schlagfluß.— In der Nacht zum 1. d. M. fiel ein abdachloser Mann von der Burg- straße aus in die Spree, wurde aber wieder herausgezogen und mittelst Krankenwagens nach der Charitee gebracht. Gerichts-Zeitung. Ein trauriges Pendant zu dem Verbrechen der 12 jäh- rigen Marie Schneider bildet eine Anklage, welche jetzt beim Berliner Landgericht Ii gegen zwei eben erst 12 Jahre alt gewordene Knaben, Söhne wohlhabender Grundbesitzer aus der Umgebung Berlins, wegen scbwercr Verbrechen gegen die Sittlichkeit erhoben worden ist. Die That ist an zwei ea. 11 jäh- rigen Mädchen begangen, welche nach dem bisherigen Verlauf der Untersuchung als die Verführerinnen anzusehen find. Tic beiden jugendlichen Angeklagten, welche in Untersuchungshaft genommen sind, werden durch den Rechtsanwalt Dr. Rosenstock vettheidigt. Ein Zeuge auf die Anklagebank gestellt. Der„Arbeiter" Karl Müller hatte sich am Abend des 27. August er. durch Äc- läßigung einer jungen Dame eines groben Unfugs schuldig gemacht, und hatte ein anderer junger Mann den fraglichen Vorfall mit angesehen. Da er sich aber weigerte, der belei« digten Dame seine Adresse anzugeben, veranlaßte diese einen herzugekommenen Schutzmann, dm Zeugen behufs Feststellung seiner Persönlichkeit zur Wache zu fistircn. Dort wurde er als der Tischlergeselle Auer festgestellt. Wie erstaunte dieser aber, als er einige Zeit darauf ein polizeiliches Strafmandat wegen groben Unfugs erhielt. Selbstverständlich erhob er Widerspruch, und im Termine vor der 94. Abtheilung des Berliner Schöffrn- gcrichts wurde der vorstehende Thatbestand zur Fessstellung gebracht. Auf den Anttag des Amtsanwalts wurde der ange- klagte Zeuge nicht nur freigesprochen, sondem auch seine Ver- säumnißkosten der Staatskasse auferlegt. Aus dem Schiedsgericht für Unfallversicherungssachen in Hamburg. In der am 30. November unter Vorsitz des Herrn vr. jur. H. Steinthal stattgefundenen Sitzung wurden zwei Berufungen gegen Ensscheidungm der Sektion III. der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie in.Hamburg verhandelt. Die erste Sache bettifft einen dem Arbeiter M. in dem Betriebe der Attien-Gesellschaft für Farbholz-Fabrikate in der Billhömer-Kanalsttaße zugestoßenen Betriebsunfall. Der Verletzte war ain 19. Februar d. I. in dem genannten Be- triebe mit einem zwetten Arbeiter am Krahn der Dampfmühle mir dem Aufbringen von Stückholz aus der Schute an das Land beschäftigt, von wo aus dasselbe dann auf Transport- wagen mittelst der vorhandenen Schienengeleise auf die Läger der Fabrik befördert wurde. Als M. und fein Kollege das Holz so weit gehoben hatten, daß sie es mit dem Krahn auf den bereit stehenden Transpottwagen herunter lassen wollten, ließen beide Arbeiter irtthümlicherweise zu gleicher Zeit die Kurbeln des Krabns los und wurden dieselben von der Last, welche an der Krahnkette hing, in Schwung gesetzt. Das Ver« sehen bemerkend, wollte M. eine Kurbel stoppen, griff zu, gerieth dabei mit der rechten Hand in ein Kammrad des Krahns und erlitt dadurch, obwohl er die Hand glücklicherweise noch rasch herausziehen konnte, eine heftige Quetschung des Zeige- fingers. Nach Ablauf der dreizehnten Kranlenwoche beantragte der Verletzte bei dem Vorstand der Sektion>>( der Berufs- genossenschaft der chemischen Industrie die Gewährung der ihm nach dem Unfallversicherungsgesetz für die verminderte Erwerbs« fähigkeit zukommenden Entschädigung. Durch die angestellten Ermittelungen erschien dem Vorstande der Berufsgenossenschaft auch erwiesen, daß hier ein Betriebsunfall im Sinne des Ge- setzes vorliegt, und gewähtte dem Verletzten auf Grund§ 5 des Unfallverficherungegcsetzes nach Maßgabe des früherm Jahresarbeitsverdienstes von 900 M. 20 pCt. von der vollen Rente, die auf 10 M. pro Monat festgesetzt wurde. Die zuge- sprochene Entschädigung erschien dem Verletzten aber mit Rücksicht auf seine Einbuße an dem früheren Arbeitsverdienst als zu gering bemessen, weshalb er die schiedsgerichtliche Entscheidung angerufen und gleichzeitig beantragt hat, die ihm zugesprochene Rente auf 40 M. per Monat(' z von 66-, pCt. von dem früheren Arbeitsverdienste) zu erhöhen. Den Höheren Ent- schädigungsanspruch sucht der Berugskläger dadurch zu recht- fettigen, daß er behauptet, daß die rechte Hand derartig ver- letzt ist, daß er sie nur in beschranktem Maße zu gebrauchen vermag und auch in Folge dieses Umstandes seine Arbeit ver- loren hat. Dagegen beantragt die Bcrufsgenossenschaft die Abweisung der Berufung, da bei Berechnung der Rente das ärztliche Gutachten als Grundlage gedient hat, nach welchem die Erwerbsfähigkcit des Verletzten als auf' 5 herabgemindert bezeichnet wird. Die Berufung wird als unbegründet zurück- gewiesen, da die zugesprochene Rente dem Schiedsgericht als angemessen erscheint.— Der zweite Fall detrifft eine Be- rufung der Arbeiterin Sch. gegen einen Feststellungsbescheid des Vorstandes der Session III der Berufeaenossenschast der chemischen Industrie. Während ihrer Beschäftigung in der Pulverfabrik Rottweil-Hamdurg in Tüneburg an der Stanzmaschine in der Werkstätte, in welcher die Blechflaschenhälse verfertigt werden, kam die Berufungs- klägerin mit der linken Hand in die arbeitende Maschine, und wurden ihr zwischen dem Ober- und Untcrstcmvcl die drei Mittelfinger gequetscht. In Folge der erlittenen Verletzungen wurde die Entfernung mehrerer Fingerlicdcr nothwcndig, und glaubte der behandelnde Arzt die Verletzte als Halbinvaiide be- zeichnen zu müssen. Nach Ablauf der dreizehnten Krankenwache erkannte der Vorstand der Berufsgenossenschaft, der die erlitte- nen Verletzungen als die Folge eines Betriebsunfalles ansah, der Verletzten auf Grund§ 5 des Unfallvcrsicherungsgesetzcs 50 pCt. von 66% pCt. ihres mit 600 M. ermittelten früheren Jahresarbeitsverdienstes, mithin 16,70 M. monatlich als Rente zu. Gegen diesen Feststellungsbescheid hat die Verletzte dura den Rechtsanwalt Dr. Wehl die Berufung beim Schiedsgericht angemeldet. Der Anwalt der Berufungsklägerin machte geltend, daß nicht 600 M., sondern 750 M. als früherer JahrcSarbeits- verdienst anzunehmen seien, da der bisherige Lohn, und genff» der etwa sich bei längerer Arbcitsdauer erhöhende, dicken Betrag erreicht. Auch könne die Verletzte nur noch eine Hand benutzt» und als Handarbeiterin fast nichts mehr verdienen. Ebenlt könne die Berufungsklägerin bei ihrem Bildungsgrad sich eiv� anderen Erwcrbszweig nicht zuwenden und auch die in% Wohnotte Besenhorst allenfalls zu sindende Landarbeit M? verrichten. Es wird deshalb beanttaat, der Verletzten Rente von 75 pEt. von der vollen Rente zuzubilligen. Berufsgenossenschaft beantragt auch in diesem Falle die koste»' Pflichtige Abweisung der Berufung, indem hervorgehoben ffM"- daß nur der frühere, nicht der etwa spätere Verdienst bei rcchnung der zu gewährenden Entschädigung nach dem Unfall' Versicherungsgesetz in Rechnung gezogen werden darf. Die% hauptung der Verletzten, daß sie nach dein Unfall fast tW® mehr verdienen kann, kommt für's Erste nicht in Betracht,?" speziell zu bemessen ist, in wie weit der Verletzten die Fäh's! keit zur Uebcrnahine gewisser Arbeiten verblieben ist. Audi'' sie bei Verrichtung von Arbeiten nicht lediglich auf die Benutz!'»» nur einer Hand angewiesen, da nach dem ärztlichen Gutaain» der Daumen und der kleine Finger vollständig unverletzt Q1 blieben sind, und somit die Verletzte zur theilweisen Benutzung der verkrüppelten Hand fähig ist. Das Schiedsgericht n»»' auch diese Berufung als unbegründet zurück. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtischei» Verkaufs-Vernrittler, Berlin, den 1. Dezember 1886._ Geflügel. Preise unverändert mäßig wegen des w»» nassen Wetters. Gänse unter dem Halse geschnitten, vollst«»�- gerupft, Flügel und Füße auf den Rücken gedunsen, nicht tz brüht und nicht gesengt, 8—10 Pfd. schwere 44—52" über 10-15 Pfd. 50-60 Pf.. Fettgänse über 15 f l schwer sehr rar und gut bezahlt 63 Pf. und mehr per f\ Enten, Puten und Hühner sollen am Halse geschnitten Ü Der Kopf, die Flügel und Schwanzfedern werden nicht abgeno men. Junge Enten 1,50—2,50, fette Enten 46— 50— 60 Pf-» t Pfund, über 10 Pfund schwere fette Puten 70—80 Pf-(.q Pfd., Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20-1,70 M., Tauben- bis 40 Pf., Poularden 4,50—8 M. Mageres Geflügel fä' verkäuflich. Lebende Gänse zum Mästen 2,00—3,00 M, Ie? Zw Enten 0,90-1,50 M. Auktion täglich im Bogen 4 um 6 u» Nachmittags. Fleisch. Nach Errichtung der Fleischschau in der M halle wird es möglich, den Verkauf von geschlachtetem Viey � zu vermitteln. Ten Interessenten gebe ich gern jede Auskunft. Der Fleischkommissions Handel in unfercr Mar» � dürfte für viele Landivirlhe und Schlächter von wcstttag Bedeutung sein.- «.»KPkMW&W 20-30 M. pr. Ztr. Böhmische Backpflaurnen lO--10 Magdeburger Sauerkraut 6—7 M per Oxhoft. Qn— 3»00' Weißflcischige Speisekattoffeln 3,00—3,60, rothe-, ffeitz blaue 2�80-�3,20 per 100 Ko..�groß �Sellene 7— lO�g gy.. 3— 7 Blumenkohl per Zentner. Eier 3,00 M. pr. Schock..., PiioI',ßt Butter. Tendenz flau. Pmse unverand�. I«-c- in größeren Posten vorbanden. Frrsche feruffeT»! jo8% 120-125, feine Tafelbutter"0-118."-95-1� M in. fehlerhafte 85 bis 90. Landbutter I. 90-96,'• t2# 85 M. Galizische und andere geringste Sotten � Käse.0 feiner Quadrat- Sahnenkäse knapp und 4ö— öö iic., ecyier vouanoer ou— ou ii. 66-58 M. Größere Vorräthe von Schweizerlaie begeben. B«ran tw ottlich für den politischen Thefl und Soziales Max Echippel. für Vereine und Versammlungen F. Tutzauer. für den Bruck und Verlag von»tax Babing in Berlin SW., Beuthstraßc übrigen Theil der Zeitung R. Cronheim, sämmtlich Beuthfiraße 2. Lerld»