Kr 283. Freitag, de« 3. Dezember 188$$. 3 Jahrg. 8trlinfrTI»llisülnll Braun für dir Intcrrssrn drr Arbritcr. 4 Schöne Seelen finden stch. So sagt eines jener wenigen alten Sprüchwörter, die freute noch Werth haben. Sie finden sich immer, die ichönen Seelen, wie im gewöhnlichen Leben, so auch in der Politik. Da? deutsche Volk mag sich freuen; die schönen poli- tischen Seelen, die sich wieder einmal gefunden haben, sind die Konservativen und die Nationalliberalen, die ,,M a n n e s- s e e l e n" vom Schlage des weiland nationalliberalen Lasier und die Junkerseelen vom Schlage des Herrn K l e ist- R e tz o w. Wozu haben sie sich wohl gefunden und in welchem gemeinsamen Streben? So wird sich derjenige Theil des deutschen Volkes fragen, der seine Weisheit nicht aus »ffiziös-konservativ-nationalliberalen Waschzetteln bezieht, son- dern die Tageserscheinungen einer selbstständigen Kritik zu unterziehen gewohnt ist. Sie wollen gewiß das deutsche Volk wieder glücklich machen, die Herren Marquardsen und von H e l l d o r f f; sie wollen ihm gewiß eine Steuererleichterung «der dergleichen verschaffen. Nun ja, es wird gemeldet, daß sich die Konservativen und Nationalliberalen geeinigt haben, eine neue st e u e r- politische Gesetzgebung gemeinsam in Vorschlag zu bringen. Man sieht, daß diese beiden Parteien bemüht sind, die Regierung zu überbieten. Die Regierung will mit ihren Steuerreformplänen einen neuen Reichstag abwarten, da sie weiß, daß von dem gegenwärtigen nichts zu erhoffen ist in Bezug auf eine sogenannte Steuerreform. Tie Konserva- tivcn und Nationalliberalen aber wollen wenigstens ihren Wert Willen zeigen und gehen sonach mit einer eigenen Steuerreform vor. q,. Was sie auf den Tisch legen werden, darüber kann Winand zweifelhaft sein, der diese Parteien und ihr "erhältniß zum herrschenden System und dessen Wirthschafts- Mütt kennt. Diese Wirthschaftspolitik mit ihren starken Schutzzöllen und ihren indirekten Auflagen ist ganz natur- Temäß bestrebt, die direkten Auflagen gänzlich zu beseitigen und an deren Stelle nur indirekte zu setzen. Dieser Strö- Utung schließen sich die Nationalliberalen und Konservativen aja man darf annehmen, daß sie noch weit über die Ab- ten der Regierung hinausgehen. Und so ist denn von angekündigten„steuerpolitischen Gesetzgebung" nichts Anderes zu erwarten, als daß sie darauf gerichtet sein wird, ose indirekten Steuern zu vermehren und die direkten aus Minimum zu beschränken resp. zu beseitigen. Es fällt uns nicht ein. auf das abgedroschene Thema eutes Vergleichs zwischen direkten und indirekten Steuern Und ihrer Vorzüge und Nachtheile hier einzugehen. Wir lR»q»r»it»ttlotenj IseuiU'eton. 17 Gin Sprung. Novelle von Curt Vaake. Anna wendete sich hastig um. Ihr war die Kehle vom jurückgehaltenen Weinen wie zusammengeschnürt und heiß und trocken geworden. Sie wollte antworten und konnte nicht. Wie geistesabwesend sah sie mit ihren Augen an Ernst vorüber, der den Satz nicht zu beendigen wagte und scheu Und furchtsam in die Ecke tretend ihr Platz machte, als sie un ihm vorbei auf den Tisch zuschritt. Sie schänkte sich aus d�r unsauberen Karaffe Waffer ein und das Glas klirrte an shren Zähnen, als sie trank. Dann setzte sie sich auf das nchzende Sopha und stützte den heißen Kopf mit dem Arm, der auf dem Tisch ruhte. In dieser Haltung blieb sie ilnigr Minuten, ohne daß sich ihr starrer Blick änderte, bis schließlich ihre Augen mit der Hand völlig bedeckte. Unter chren weißen Fingern sah Ernst die Thränen hervorquellen Und hörte, wie sie tropfenweise auf die aufgeschlagene �eite des Casanova fielen, der noch von der Nacht her offen dalag. � Unangenehmere Augenblicke hatte Ernst noch nie im �eben durchgemacht; er ging mit großen Schritten im xnnmer auf und ab und blieb von Zeit zu Zeit vor dem frtei* �en- als wolle er dieses peinliche Schweigen i.»Rede doch... rede doch," sagte er, als er zum °Ntten Male seinen Gang durch die Stube unterbrochen ?atte und beugte sich über sie. Aber Anna blieb regungs- als hätte sie seine Worte garnicht gehört. Wieder trat er seinen Marsch an und wieder versuchte �nach einigen Augenblicken, sie zum Sprechen zu ver- »Rede doch..., rede doch," sagte er. . Anna veränderte ihre Haltung nicht. Sie war durch en Rath, wieder nach Hause zurückzukehren und ihren alten uns aber an eine Thatsache, die von Niemandem estritten wird und auch von Niemandem bestritten werden kann, daß nämlich die indirekten Steuern, wenn sie etwas einbringen sollen, auf die n o t h w e n d i g e n und u n- entbehrlichen Lebensbedürfnisse gelegt wer- den muffen. Diese Thatsache wird von den Anhängern dcS indirekten Besteuerungssystems selbst angeführt als Beweis für deffen Ergiebigkeit. Damit steht aber auch unangreifbar fest, daß die Vermehrung der indirekten Steuern eine Mehr- belastung der Leute mit geringem und mittlerem Einkommen, sowie eine Entlastung der Leute mit größerem und großem Einkommen bedeutet. Was die Herren Konservativen und Nationalliberalen mit diesem schönen Plänchen bezwecken, das ist nicht schwer zu errathen. Sie wollen sich„regierungsfähig" zeigen, sie wollen beweisen, daß sie nicht so„steril" sind, wie die Oppositionsparteien und daß sich mit ihnen jene neuen Einnahmen schaffen ließen, die der Reichstag bisher verweigert hat. Um der Regierung klar zu machen, daß die Benda, Marquardsen, Maltzahn und Kleist-Retzow „regierungsfähig" sind, d. h. ein Ministerportefeuille nicht abweisen würden und daß ihre politischen Freunde in Geld- fragen„zuverläßlich" sind, für diese erhebende Gewiß- heit kann das deutsche Volk schon ein Hundert Millionen oder so etwas an indirekten Steuern mehr bezahlen, denn diese indirekten Steuern spürt„man" ja nicht. Nun, daß die nationalliberalen und konservativen Partei- größen sie nicht spüren, daran zweifeln auch wir nicht. Aber diese Herren sind nicht das Volk. Man sieht, das Bündniß schöner stammverwandter Seelen hat auch einen schönen Zweck. Wären wir boshaft, so würden wir sagen: Wenn dieser schöne Plan durchgeht, so wird sich kein Mensch mehr finden, der an die Volks- freundlichkeit der Parteien von rechts glaubt. Aber dies wird sich so wie so als das Resultat der Zukunft ergeben und so hoffen wir einstweilen, daß die gesetzgebende Gewalt einen dicken Strich durch den Plan der Staatsmänner mit Lasker'schen„Mannes"- und anderen schönen Seelen machen wird. Uolitische Uederstcht. Die Berliner Arbeiter wollten heute Abend in SanS- souci, Kottbuserstr. 4a, eine große Wählerversammlung abhalten. Da im ersten Kreise ein Lokal um das andere versagt oder ab« getrieben wurde, so blieb den Einberufcrn weiter nichts übrig, als sich nach einem anderen Bezirk zu wenden. Leider war auch dieser Versuch fruchtlos: die Polizei hat die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes verboten. Vater um Verzeihung zu bitten, niedergeschmettert worden. Ihre Hoffnungen waren zerstört, ihre Gedanken verwirrt, sie wußte nicht, was sie thun sollte. Schon sein anfäng- liches Benehmen hatte sie mißtrauisch gemacht; sie hatte �war nicht vollkommen verstanden, wodurch die unfreundlichen Worte, mit denen er sie empfangen, veranlaßt worden waren, aber dunkel hatte sie das Richtige geahnt. Trotzdem war sie bemüht gewesen, ruhig zu bleiben und alle Bitterkeit zu unterdrücken; ihre Pläne hatten sich zu sehr in ihr festgesetzt, als daß sie ihr Scheitern sofort für möglich gehalten hätte. Nun aber schien ihr jeder Zweifel genommen zu sein; sie hatte sich vollständig in Ernst getäuscht, er war nicht der, den sie in ihm vermuthet hatte. Diese Erkenntniß war so vernichtend, dieser Schlag so stark, daß ihre Ueberlegung verschwunden war und daß sie für Minuten nur einen un- geheuren, herzzerreißenden Schmerz fühlte. Der erste bestimmtere Gedanke, den sie wieder faßte, war, daß sie hier nicht länger bleiben könne. Sie preßte die Hand gegen die Augen, als wolle sie die Thränen ae- waltsam zurückdrängen und erhob sich sofort. Sie zog vie Bänder ihres Hutes fester und griff nach dem Bündel, in welches sie zu Hause heimlich ihre wenige Wäsche gepackt hatte. Sie wollte, ohne ein Wort zu sagen, an Ernst vorbei, der seinen Gang unterbrochen und ihr Beginnen mit den Augen " jjjßaöihuß Du?" schrie er auf, als sie nach der Thür schritt. „Anna... meine Anna... Süße... Liebste!" Er sprang, wie von einer Feder geschnellt, auf sie zu und packte sie am Arm: „Anna, Anna, bleib hier," rief er. Sie riß sich los.„Laß mich," sagte sie mit rauher Stimme.„Ich will fort.... Ich mag Dich nicht mehr." Und nach einer Pause setzte sie hinzu, und ihre Augen bekamen jenen starren Ausdruck, alz sähen sie in eine un- bekannte Ferne:„Ich mag alle nicht mehr." Kreischend gab die Klinke nach, die Anna herunter- drückte. Aber bevor sie die Thür öffnen konnte, war Ernst hinzugesprungen und hatte den Riegel vorgeschoben. Jetzt Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages de«- reitet, wie wir schon meldeten, einen Antrag auf Aenderung des Artikel 31 der Verfassung vor, dahin, daß künftig auch die Vollstreckung rechtskräftig erkannter Haftstrafen gegen Mitglieder des Reichstages von der ausdrücklichen Genehmigung des Reichstages abhängig gemacht werden soll. Es bezieht sich dies sowohl auf die Jnhaftirung während der Session(der einstige Fall Majunke), wie auf die Fortdauer einer bereits an- getretenen Haft über den Beginn einer Session hinaus. Die Fraktion wird diesem Antrage noch einen weiteren(Eventual-) Antrag auf Entlassung derjenigen sechs Abgeordneten hinzu- fügen, welche zur Zeit auf Grund des Freiberger Erkenntnisses Haftstrafen verbüßen. Zunächst ist an die in Zwickau inhaftir-- ten sozialdemokratischen Abgeordneten die Anfrage gerichtet worden, ob sie mit dem Hauptantrage(auf Aenderung des Artikels 31 der Verfassung) und mit dem oben erwähnten Eventualanträge einverstanden sind. Die Antragsteller rechnen auf mehrseitige Unterstützung für ihre Forderungen. Der Zweck der Anträge geht aber zunächst dahin, eine Gelegenheit zu schaffen, die Freiberger Prozeß-Angelegeuheit vor den Reichstag zu bringen. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages bringt folgende"Novelle zur Gewerbeordnung ein: Art.>. dem § 152 ist als Absatz 2 einzufügen:„Vereine, welche sich zum Zweck der Erreichung besserer Arbeitsbe- dingungen gebildet haben, können sich miteinander ver- binden, jeden gewerblichen Arbeiter, gleichviel welchen Alters, aufnehmen und sind den Vereinsgesetzen nur insoweit unter- warfen, als es sich um Anmeldungen von Versammlungen handelt. Für allgemeine, die Arbeitsbedingungen berathende Versamm- lungen gelten die gleichen Vorschriften. Alle entgegenstehenden rcichs- und landesgesctzlichen Bestimmungen sind aufgehoben. Art.». An Stelle des§ 153 der Gewerbeordnung treten fol- Sende Bestimmungen:„Wer andere durch Anwendung körperlichen iwanges, durch Drohungen, durch Ehrverletzung, durch hinter- legte Kautionen, Androhung von Geldstrafen und dergleichen oder durch Vcrrufserklärung bestiinmt oder zu bestimmen ver- sucht, an solchen Verabredungen(§ 152) Theil zu nehmen oder ihnen Folge zu leisten, oder andere durch gleiche Mittel hindert oder zu bindern versucht, von solchen Verabredungen zurückzu- treten, wird mit Gefüngniß bis zu drei Monaten bestraft, so- fern nach dem allgemeinen Strafgesetz nicht eine härtere Strafe eintritt.— Einer Verrufserklärung ist gleich zr achten, wenn Vorstände oder Mitglieder von Verbänden aller Art Listen (sog. schwarze) ausgeben, um sich zu verpflichten, bestimmten Personen den Eintntt in die Arbeit zu verweigern oder deren Austritt aus der Arbeit zu veranlassen." Im Reichstage hat der Abg. Dr. Lieber, unterstützt vom Zentrum, die früheren Anträge, bezüglich der Arbert an Sonn- und Festtagen, sowie aus Beschränkung des Arbeitstages auf höchstens 11 Stunden w., wieder eingebracht. Die Anträge beziehen sich denn auch auf die Kinderarbeit in Fabriken, auf Beschäftigung der Arbeiterinnen ic.— Der Abg. Hitze, gleichfalls vom Zentrum unterstützt, hat dazu eine Anzahl von Eventualanträgen eingebracht. Bei dem Reichstagsabgeordneten F. Harm in Elber- fcld fand am 29. v. Mts., Nachmittags, eine Haussuchung statt. wußte er, was sie wollte. Ihre Blicke, ihre Worte sagte« das Entsetzlichste. „Ich laß Dich nicht gehen," schrie er und riß ihre Hand von der Klinke weg.„Du bleibst hier. Du bleibst hier!" Sie aber versuchte ihn mit der Kraft des Wahnsinns fortzudrängen. Da durchzuckte ihn, während er sie mit den Händen abwehrte, ein rettender Gedanke. „Bleib hier," wiederholte er, und setzte flüsternd hinzu: „Ich geh' ja mit Dir!" Und zugleich gab er, einen Schritt zur Sette tretend, den Ausgang frei. Ihre Augen bohrten sich in die seinen und sie fragte: „Mit mir?" Er nickte stumm und sie fragte von Neuem:„Mit mir? Weißt Du auch, wohin?..." Und als er wieder nickte und ihrem Blicke Stand hielt und wie schwörend den Arm hob, da warf sie sich in einer plötzlichen Aufwallung an seine Brust und küßte ihn leiden- schaftlich und stammelte: „Liebster, Du Liebster, Du Einziger, der mich liebt. Nicht wahr, Du verläßt mich nicht.... Du bleibst bei mir.... Du gehst mit mir.... Nur so können wir glücklich werden!" Und sie weinte an seiner Brust. Ernst zitterte vor Erregung, während er Anna in seine« Armen hielt; er fürchtete, daß sie ihn von Neuem anblicken, daß ihre Augen sich wieder in seine Seele bohren und dann die Wahrheit, seine geheimsten Gedanken lesen würden. Er hatte sie belogen, freilich nur, weil er kein besseres Mittel sah, um sie zu beruhigen; es war ihm nur zu gut gelun- gen, sie glaubte jetzt sicherlich, daß er eines Sinnes mit ihr set. Den Gedanken, mit ihr zusammen in den Tod zu gehen, erwog er nicht erst ernstlich. Er fühlte nicht die ge- ringste Lust zum Sterben, und er hoffte, daß Anna de« thörichten Plan auch aufgeben würde, sobald sie sich etwas beruhigt hätte. Und deshalb begrüßte er den Ausweg, den er gefunden, wie einen klugen Einfall und freute sich, daß — Während der Reichstag versammelt ist, darf ohne Geneh« migung desselben nach Art. 32 der Verfassung kein Abgeord- ncter in Untersuchung gezogen werden. Eine Haussuchung ist als eine zur Untersuchung gehörige Handlung unstatthaft. wie in einem analogen Falle, der vor Jahren einen preußischen Landtagsabacordncten betraf, von dem Abgeordnetenhause und von der Regierung übereinstimmend anerkannt worden ist. Es handelt sich hier also um einen Uebergriff der Behörden. Zu dem endgiltigen Ausgang der Diätenprozesse schreibt die„Weserztg.":„Wäre nicht die Welt eben jetzt mit anderen Dingen beschäftigt, so würde der Spruch des obersten Gerichts in dem Prozesse des preußischen Fiskus gegen die Abgeordneten Dirichlet und Hasenclever, Einziehung empfangener Diäten betreffend, wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit erregt haben als geschehen ist. Vielleicht ist trotz alledem noch einige Muße, um einen Augenblick bei dem Schlüsse dieses juristischen Dramas, welches noch vor kurzem so großes Aufsehen erregte, zu verweilen. Das Reichsgericht hat dem preußischen Fiskus Recht gegeben; die Reichsvcrfassung hat eine für die Juris» prudenz maßgebende Auslegung erhalten, an die vor zwei Jahren noch niemand dachte; das oberste Tribunal erklärt, daß nach der Reichsverfassung es verboten ist, den Volksvertretern aus Privatmittcln Entschädigungen oder Tagegelder für ihre Thätigkeit während der Session zu geben, und die logische Folge dieser Erklämng ist es, daß in denjenigen Theilen T eutschlands, wo das preußische Landrccht gilt, dasjenige Geld, welches diesem Verbote zuwider gezahlt worden ist, dem Fiskus verfällt. Denn das Landrecht verordnet, daß Gewinne aus verbotenen Geschäften für die Staatskasse eingezogen werden sollen. Vielleicht ließe sich noch anzweifeln, ob die Privatdiäten, die ein Abgeordneter empfängt, einen Gewinn darstellen und ob man die Zahlung und Empfangnahme solcher Sub- ventionen„ein Geschäft" nennen könne, allein es ist über« flüssig, darüber ein Wort zu verlieren, nachdem das Reichs- gericht die Frage bejaht hat. Eine andere Frage ist es, was die preußische Regierung mit dem errungenen Siege praktisch gewonnen hat. Man muß annehmen, daß, als sie die Diäten- prozesse anstrengen ließ, es iyr nicht um die paar Tausend Mark, sondern um irgend einen politischen Zweck zu thun war. Auch ist es nicht gestattet, zu vermuthcn, daß sie nur einigen politischen Gegnern eine unangenehme Empfindung habe ver- Ursachen wollen, und daß Jphigeniens Worte auf sie Anwendung fänden: »Wir fassen ein Gesetz begieng an, Das unsrcr Leidenschaft zur Waffe dient." Geht man hiervon aus, so ist kaum ein anderer Zweck zu ersinnen als der, unbemittelten Per« sonen die Ueberna hm e eines Mandats un- möglich zu machen. Wird das reichsgerichtliche Erkennt- niß diese Wirkung haben?"— Hierauf giebt die„Weserztg." keine Antwort, aber es ist auch ihr wohl unzweifelhaft, daß diese Wirkung nicht eintreten wird. Enttäuschungen. Unter diesem Titel bringt die freifinnige„Posener Zeitung" einen Leitartikel, in dem sie unter anderem aussühtt: In jeder Thronrede pflegte bisher sich ein Hinweis auf die w i r t h s ch a f t l i ch e Lage zu befinden, und seit Beginn der neuen Zoll- und Witthschaftsrcform wurde nicht verfehlt, jedesmal eine angeblich erfolgreiche Wirkung derselben zu registrircn oder wenigstens eine durch sie herbeigeführte Besserung in nahe Aussicht zu stellen. Diesmal kein Wort davon. Es wäre auch nicht möglich, eine günstige Wirkung der schutzzöllncrtschcn Gesetzgebung zu konstmiren. Um dies zu erkennen, braucht man nicht einmal die Handelskammcrbcrichte zu studiren, sondern nur die Augen zu öffnen. Durch die Zölle sind gerade die Aermercir und Schwächeren schwer belastet worden, den Gewerben sind die Rohstoffe und Halbfabrikate vertheuert, die sie gebrauchen; sie sind dadurch konkurrenzunfähiger geworden, und die Industrie, welcher geholfen werden sollte, ist noch schlimmer daran, als sie es 1879 war. Schon danim, weil der Absatz nach dem Auslande durch die Zollmaßrcgcln anderer Staaten, welche nur die Antwort auf die deutschen Zollerhöhungen waren, seitdem ungemein erschwert, zum Theil unmöglich gemacht ist. Die Agrarier erklären, obgleich sie heute sechsmal so hohe Kornzölle haben, als im Jahre 1879 Anfangs verlangt wurden, daß die Landwirthschaft bankerott sei. Die neue Zoll- und Wirthschastspolitik hat also gründlich Fiasko gemacht.— Auch die Koloirialpolitik hat diesmal in der Thronrede keine Erwähnung gefunden. Der Grund dafür liegt allerdings nahe. Der Enthusiasmus für diese Polilik hat sehr schnell der nüchternen Ueberlegung Platz machen müssen. Die bisherigen überseeischen Kolonisationsversuche haben schon enorme Summen verschlungen, werthvolle Menschenleben ge- kostet, aber der erträumte Erfolg will sich noch immer nicht zeigen. Die geringen Aussichten der neuen Kolonialpolitik haben sich äußerlich schon dadurch sehr denrcrklich gemacht, daß ein erfahrener Politiker, wie Herr Dr. Miquel sich bereits aus den vorderen Reihen der Kolonialschwärmer zurückgezogen hat. lieber die Mißerfolge der innern Politik haben wir uns bisher durch die früheren großen Erfolge der auswärtigen Politik getröstet. Leider haben wir neuerdings auch darin Ent- es ihm gelungen war, sie von einer That wahnsinniger Aufregung zurückzuhalten. Aber mit diesem Gefühl mischte sich die Besorgniß, daß das Mittel nicht allzu lange wirken werde und die Frage that sich vor ihm auf: Was weiter? — Um diese Frage kam er nicht herum, und das Einzige, wodurch er sich einigermaßen beruhigen konnte, war die Wiederholung einer alltäglichen Redensart: Kommt Zeit, kommt Rath. Anna hatte zu weinen aufgehört; sie machte sich sanft aus seinen Armen los, nahm ihn bei der Hand und führte ihn mit sich zum Sopha. Dort setzten sie sich beide hin. Ernst lehnte sich in den Winkel und Anna ruhte an seiner Brust. Ein süßer Frieden war über sie gekommen. Der unabänderliche Entschluß, den sie gefaßt hatte und mit dem Ernst einverstanden gewesen, war ihr eine Erlösung aus allen Leiden. Und daß Ernst dasselbe wollte wie sie, gab ihr alle Liebe für ihn wieder, eine Liebe, die sie nie vorher für ihn empfunden Hatte, eine blinde, hingebende Leiden- schaft, die nicht prüfte, nicht urtheilte, sondern glaubte. Er erfüllte sie ganz; sie dachte nicht an ihre Mutter, nicht an ihre Geschwister, nicht an ihren Vater, während sie die Hand des Geliebten streichelte, die sie nicht auS der ihren ließ. Ihre Lippen suchten die seinen. Dieser heiße Kuß, diese Leidenschaft, mit der sie ihn umarmte, erschreckten Ernst; sie sollte sich beruhigen und wurde nur aufgeregter. Und wie leicht konnte die Wirthin, die er im Korridor draußen rumoren hörte, unter irgend einem Vorwande ihren Kopf ins Zimmer stecken, um zusehen, was er mit seinem Morgen- besuch treibe. Er stand auf und sagte auf einen fragenden Blick Anna's:„Wir wollen gehen, wenn es Dir Recht ist. Ich ziehe mich nur an." Während er so sprach, fiel sein Blick auf den Casa- nowa, der noch immer aufgeschlagen dalag. Darin brauchte Anna auch nicht gerade zu lesen; er nahm das Buch und stellte es zu den andern auf die Holzkiste. „Was war das?" fragte Anna ohne besondere Neugier. „Ach, nur ein Kommentar zum neuen Testament." Anna wußte nicht, was ein Kommentar sei, aber sie täuschungen erfahren. Zunäckst können wir in vielen Be- zichungen ja die Kirchenpolitik zur auswärtigen rechnen, wenigstens die Kirchenpolitik, wie sie jetzt beliebt wird. Der Papst ist ja von Berlin aus als Souverän erklärt worden, und seine Macht als Souverän ist dadurch, daß er von Berlin aus zum Schiedsrichter in internationalen Fragen er- hoben wurde, ungemein gestärkt worden. Die Rolle, welche der Papst jetzt bis in unsere innerste Politik hinein spielt, erscheint wenig erhebend und für Deutschland wenig ruhmvoll. Der Papst, dieser auswärtige Souverän, wird zu Hilfe gerufm gegen inländische Katholiken. Weit rühmlicher wäre es, wenn der Staat Frieden schlösse mit seinen katbolischen Unterthanen, ohne der Mitwirkung des vatikanischen Souveräns zu bedürfen. In jüngster Zeit hat nun die auswärtige Politik noch größere Enttäuschungen gebracht. Das neue Deusschland spielt leider in der europäischen Politik nicht mehr die Rolle, wie in dem ersten Jahrzehnt seines Bestehens. Das Trcikaiserbündniß, das unser fester Rückhalt sein sollte, erweist sich bei der ersten Probe, auf die es gestellt wird, als gänzlich unzuverlässig. Zwar spricht die Thronrede auch von der„engen Freund- schaft", welche unseren Kaiser mit den beiden benachbarten Kaiserhöfen verbinde; aber Jeder weiß, daß Deutschland heute kaum einen größeren Gegner hat als den russischen Zaren, und daß die Entschlüsse desselben zunächst entscheidender für die künftige Gestaltung der europäischen Verhältnisse sind als alles klebrige. AuS dem Landtagswahlkreise Hünfeld-Gersfeld, Ende November.„Von der jüngsten bayerischen Kirmeß im Kreise Gersfeld" erfährt die„Fuld. Ztg."„eine lustige Geschichte, welche allgemein erzählt wird, und größtes Aufsehen erregt". Die Veröffentlichung wäre schon um inehrere Tage früher erfolgt, wenn das Blatt in einer so wichtigen Sache es nicht für Pflicht erachtet hätte, vorerst die etwa erforderlichen Zcugenbcweise, so weit als thunlich, zu sichern. Trotzdem will dasselbe,„die nachfolgende Historie einstweilen nicht als That- fache betrachtet wissen, sondern dem Volksmunde nur deshalb nacherzählen, damit der neue Herr Abgeordnete für Hünfcld- Gersfeld daraus Veranlassung nimmt, etwaige Jrtthümer zu berichtigen". Nach dieser Einleitung erzählt die„Fuld. Ztg.": „Ein Rhönbote aus der Umgegend der Milseburg erscheint vor oem königlichen Landrathe, ein schriftliches Gesuch überreichend, mit den höflichen Worten: Ein schönes Komvli- nient vom Witth in£., er bittet um die Erlaubniß zum Ver- legen der Tanzmusik voni Kirchweih-Sonntag auf den Dienstag. Landrath: Er soll nach Weihers gehen zum Amtsrichter Wankel, der giebt die Erlaubniß!— Bote mit Zuversicht: Herr Landrath, Sie irren sich! Landrath: Nein, ich irre mich nicht!— Gehen Sie hin! Mit abschlägigem Bescheide auf dem über viele Wurzeln getragenen Papiere steigt der Bote betrübt und rathlos eine Treppe tiefer und findet da die Schreiber der Kanzlei, denen er seinen Unfall erzählt. Nicht wahr, entgegnete einer derselben, den Nagel auf den Kopf treffend, euer Wirth war Wahl mann? Jawohl, antwortete der Mann, aber er hat den Herrn Landrath gewählt. Einen nun zufällig in Geschäften erschienenen ihm bekannten Bürgermeister spricht der hilflose Kirmcßmann an, er möge doch so gut sein und dem Öerrn Landrath, wenn er vor ihn komme, mittheilen, daß der Witth bei der neulichen Landtagswahl ihn wirklich gc- wählt habe, damit er den schändlichen Weg über die Berge nicht vergebens heimlaufen müsse. Dieser nimmt sich des Be- drängten gern an, und es gelingt ihm, dem gestrengen Herrn Landrath eine bessere Meinung beizubringen. Denn alsbald giebt dieser die Ordre: Der Mann von T. soll heraufkommen! Und da der letztere das landrathsamtliche Gebäude auf eine Weile verlassen, so fliegen zwei Schreiber nach verschiedenen Richtungen aus, um den Mann in einer der vielen Witth- schaftcn Gersfelds anzuhalten. Ist der Mann von T. da? ruft es in eine Witthsstube hinein. Jawohl, hier bin ich, spricht derselbe hervortretend. Sie möchten sogleich zum Herrn Landrath kommen, lautet der Bescheid. Glückliches ahnend, eilt der Bote, sich dem Herrn Landrath zu stellen, welcher, den Jrtthum bedauernd, das Gesuch zurücknimmt, das„Nickt gc- nchmigt" durchstreicht und„Genehmigt" drunter schreibt und mit den gnädigen Worten ihn entläßt:„Einen schönen Gruß an den Witth, er soll recht vergnügte Kirchwcih halten!..." Wenn die Geschichte richtig wäre, so hätten die Hünteld-GerS- felder nicht nur den Landrath als Abgeordneten bekommen, sondern so recht den Landrath, welchen sie oder vielmehr die „umgefallenen" Wahlmänner verdienen. Ein ultramontaner Musterkandidat. In der„Köln. Ztg." finden sich jetzt Aufklärungen über die ultraniontane Kandidatur des Amtsrichters Wankel, ebenfalls im Landtagswahlkreise Hünfeld-Gersfeld:„Dieser Herr hat früher im Wahlkreis im Amte gestanden und war daselbst außer- ordentlich unbeliebt. Dazu kam, daß er eine Strafversetzung erlitten und wegen eines Vergehens, das den sonst beliebtesten Mann politisch todt niachen müßte. Herr Amtsrichter Wankel hatte nämlich mit verstellter Handschrift, unter angenommener einfältiger Schreibweise und unter geflissentlicher Verübung von Verstößen gegen die Rechtschreibung, endlich unter Anwendung einer falschen Unterschnft(Einige Familienväter) eine D e n u n- ließ sich die Bedeutung des WotteS nicht erklären. Sie hatte für gleichgiltige Dinge kein Interesse mehr. Sie fühlte sich matt, fast schläfrig, drückte ihren Kopf an die Seiten- lehne des Sophas und schloß die Augen. (Schluß folgt.) Aus Kunst und Leben. Die bemerkenswerthe Erscheinung eines Wtägigen „Sternschnuppkn"-Fallcs hat das Wallnctthcatcr am Sonn- abend, den 4. Dezember, zu verzeichnen und wird diese Jubi- läums-Vorstellung aller Wahrscheinlichkeit nach den Beginn einer weiteren Folge des Moser-Girndt'schen Schwankes bilden. Denn„Die Steinschnuppe" hat an Intensität noch nicht das mindeste eingebüßt und ihre Leuchtkraft und Stärke an Humor, Witz und drastischcrKomik erheitett allabeirdlich das fast immer ausverkaufte Haus. Das„Eden-Theater" brachte vorgestern, Mittwoch, zwei Novitäten, die dermaßen durchschlugen, daß fie sich wohl zu Sensations- und Zugnummern gestalten dürften. In erster Reihe waren es die interessanten wilden Gäste, die stämmigen rothbraunen Eingeborenen der Antillen, deren wunderbar fremd- artige Produttionen, welche den Zuschauern eine unbekannte und höchst wunderbare Kultur vorfühtten, außerordentlich ae- fielen. Nicht wenig auch überraschte ihr sonderbar phantasti- scher Schmuck, der in seiner bizarren Farbenzusammenstellimg die Urkultur Afrikas mit der der westindischen Inseln auffällig vereinigt. Die zwette Novität, wclcke einen brausenden Bei- fallssturm entfesselte, war die Produktion der Brothers Forest, zweier musikalischer Clcwns, die in musikalischen Scherzen unter Anwendung der verschiedendsten Mnsilinfinimente schon Unglaubliches und schier Unmögliches leisten. Der Schluß dieser Produktion mit dem kecken Laufe über die Gallericbrüstung wirkte geradezu vcrblüpend. Die Mitwirkung der übrigen enaa- girten Kräfte, des Ballets, des Mr. Nizarras, der Duettisten Tcllheim, des Komikers Zocker jc. machten diese Vorstellung ,u einer der fesselndsten und interessantesten. Ein arger Theatcrskandal ereignete sich im Grand Th�ter zu Lyon in der Vorstrllung der Over„Martha". Als Lyoncl debutitte der neucngagitte Tenorist Tesmetier. dm das Publikum abgelehnt hatte und den troydem die Direktion auf- treten lassen �llte. Nachdem dm ganzen Abend hindurch die Zeichen des Mißfallens Zischen und Scharren, angedauctt hatten, brach der Skandal los be, der Arie des Sängers: Mag ziation gegen einige liberale Lehrer und einen evangelischen Apotheker an die Regierung zu Kassel gerichtet, die inhaltlich als Unwahrheit und in der Form als Beleidigung sich heiausstellte. Für dieses Vergehen wurde der Amtsrichter Wankel von der Strafkammer in Burg- baun(Fulda!) als Berufungsgericht wegen Beleidigung zu 50 M- Geldbuße rechtskräftig veruttheilt und daraufhin strafweise ver- setzt. Das Erkenntmß bemertt, um die Höhe der Strafe zu begründen:„Es wurde unter Berücksichtigung der Schwere des gegen den Privatkläger ausgesprochenen Vorwurfs sowie des Umstandes, daß die Anzeige unter dem Schleier der Ano- nymität in einer für einen anständigen Mann, namentlich aber für einen Richter nickt würdigen Weise vorgebracht worden ist. die ausgcsprockme Strafe als entsprechend gefunden." Die ulttamontane„Köln. Volksztg." bemerkt daraufhin:„Verhält sich die Sache so, wie sie hier dargestellt wird— Andeutungen dieser Art find schon anderswo aufgetaucht— so war die Auf- stellung des Amtsrichters W. in dem genannten Wahlkreise in der That nicht nur ein Fehler, sondern geradezu ein öffentlicher Skandal und trifft das Wahlkomitee der Zenttumspattei, wenn es ein solches überhaupt gab, der Vorwurf, einen völlig ungeeigneten Kandidaten aufgestellt zu haben. Der aus ganz an- dereren Gründen ettolgte„Ilmfall" der landräthlichm 83, die sich im Nothfall derjffinhl enthalten mußten, wird natürlich durch diesen Mißgrist nickt gerechtfertigt; derselbe beweist aber in Verbindung mit den übttgen Momenten, daß die Zentrums- pattei einer vollständigen Reorganisation dttngend bedarf." Sozialistisches. Dresden. Am Sonnabend fand in der Zentralhalle eine zahlreich besuchte Volksversammlung statt, in welcher der Reichstagsadgeordnetc Geyer aus Großenhain über die Arbeiterbewegung und das allgemeine Wahlrecht sprach. Redner ließ die Arbeiterbewegung der verschiedenen Länder Revue pasfiren und wies darauf hin, wie überall die Arbeiterbewegung unter Verfolgung leide, in republikanischen Staaten nicht minder als in monarchischen. Als Redner die deutschen Zustände besprach und besonders die in letzter Zeit gefällten littheile beleuchtete, wurde die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes aufgelöst.— Im Unterstützungsverein der Buchbinder sprach Sonnabend Reichstags- abgeordneter K a y s e r vor einem zahlreichen Auditorium über die Geschichte der �deutschen Arbeiterbewegung.— Frankfurt a. M. Am Sonntag wurde Herr Schade, der Schwager und Affozis des verhafteteten Sozialdemokraten Füllgrabe, beerdigt. Zu der Feierlichkeit war auf dem Friedhofe ein Dctachement Schutzleute unter Führung eines Kommissars er« schienen. Die Beerdigung fand ohne Störung statt. Die Polizei gestattete nur„wirklich Leidttagenden", dem Sarge auf den Friedhof zu folgen. Die Sozialdemokraten, welche die Polizei an verschiedenen Abzeichen zu erkennen glaubte, wurden nicht auf den Friedhof gelassen. Nachdem das Leickenbegängniß vorüber, wurden die„Sozialisten", welche sich inzwischen an- gesammelt hatten, zweimal mit Intervallen aufgefordert, aus- einander zu gehen. Dieselben leisteten der Aufforderung Folge. Ueber einen neuen Rückzug Deutschlands in der Ka- rolincnfrage berichtet die„Nat.-Ztg." aus Madrid. Danach machte der spanische Minister des Älcußcrn in den Kottes Mit- theilung, daß Deutschland im Monat September auf das durch das römische Protokoll erlangte Recht verzichtet habe, auf den Karolinen- oder den Palaos- Inseln eine Station zu er- richten. Indem drr Kammerpräsident davon Kenntniß gab, be- tonte er lebhaft die große Wichtigkeit deS deutschen Zugestand-- nisscs, wodurch die Karolinen-Ängelegenheit in einer /nr Spanien äußerst befriedigenden Weise endgiltig erledigt wird- Kamerun schreitet fort. Vor Kurzem wurde gemeldet, daß in Kamerun die deutsche Münze zur Einführung kommen solle. Es wurde von gewisser Seite daran die Hoffnung ge- knüpft, daß dott eine Art Silberwährung eingeführt werden könne. Diese Hoffnung erweist sich nunmehr als irrig; bei* wie die„Franks. Ztg." vernimmt, hat der Gouverneur# Kamerun unter dem 10. Oktober folgende Verordnung betreffen" Einführung der deutschen Reichsmarkwährung im Kamerun' gebiet erlassen:§ 1. Vom 10. Oktober 1886 an gilt die deutsche Reichsmarkwährung im Kamerungebict.§ 2. Von diesem Zess' puntt ab gelten als gesetzliche Zahlungsmittel die: Zwanz»?' Mark-Stücke, Zebn-Mark-Stücke, Einthalerstücke, Zweimarkstücke' Einmarkstücke, Fünfzigpfennigstücke, Zweipfennigstücke, Em' Pfennigstücke.§ 3. Betreys der früher nach Kru's abgeschlossenen Verträge wird das Wcrthverhältiriß, wie folgt sestgesctzt- 1 Kru— 20 Mark— 80 Liter Palmöl. Gesterreich Ungar«. Handclsminiiter Szechenyi erklärte, daß ein H a n d e l s- vertrag mit Rumänien wahrscheinlich sei. Unßland. Die russifikatorische Thätigkeit der RegieriJflff in den baltischen Provinzen macht vornehmlich auf dein Gr biete des Schulwesens stetige Fottschritte. In 6_ bis d Jahren wird auch nicht eine einzige deutsche Schule in oG Ostseeprovinzen existtren, trotz der Hattnäckiakeit, womit Yw mehrere Städteverwaltungen gegen die Rusfisizirung wehrender Himmel Euch vergeben."„Nein! Niemals! Wir vergeben es nie! Herunter mit dem elenden Sänger!" so tönte es von allen Sellen, ein wahrer Höllenlärm entstand im Theate� Stühle und Bänke wurden zerbrochen, die Sängerin „Martha" fiel in Ohnmacht, die der„Nancy" bekam Wew- krämpfe, die Direktion war in Verzweiflung und die PorstclluW war zu Ende. Nur der Tenonst hatte in diesem Tohuwaboy seine Ruhe bewahrt; anr zweitnächsten Tage wollte er log als Manrico seine Debüts fortsetzen, aber die Tirettion, allen Ernstes sür ihr Theater sürchtete, zahlte ihm sein Honor auS und bewog ihn, weitcrzureifen..~ � Der letzte Scheiterhaufen in Preufien wurde im 1837 in Schweidnitz angezündet. Ein Freund des„vav Stadtbl." in Kaiserswaldau, welcher jener Exekution brft wohnt, schreibt hierüber:„Ich diente bei der 6. Komp 7. Regts.(Königs- Grenadiere) als Freiwilliger von 1836 bis I Weil in geringer Entfernung vom Richtplatz, auf dem> � nannten Galgenberge, ein Pulvermagazin sich befand, wa während der Dauer der Exekution in deren Nähe als AI A rosten kommanditt. Grund dessen kann ich berichten, va«.j der Att folgendermaßen vollzog: Dem Delinquenten wur � dem Beile der Kopf abgeschlagen- Darnach brachten die � richtcraehilfen den Leichnam durch eine Oeffnung m den � dem Grabe hohl aufgebauten Scheiterhaufen; in denstl ein hoher Pfahl eingerammt, daran wurde der Ele'm Stricken festgebunden, als dies geschehen, wurde der& Haufen an einigen Stellen von unten in Brand gesetzt. � Welche Wichtigkeit für unsere Städte eme Zürich während des Sommers 1684 von arztlichcr � stellt worden ist. Es war bezeichnend, daß bei dem g Auftreten der ausgedehnten und vcrheerenNn gW? während deren 1600 Personen am Typhus erkrai'" Stadtgebiet am besten ,n Einklang brmgen. wayre schuldigung des Grundwasserstandes auf unlo-ba gr ? unabhängig sind und gerade 1881 recht versch Diesen Städten haben sich neuerdings Jaldingen nnd Friedrich- stadt angeschlossen, deren Gemcinderath die Forderung des Kurators Kapustin um Umwandlung ihrer deutschen Kreis- schulen in russische städtische Schulen„vankend ablehnte". Dem Gemeinderath in Reval wurde vom Kurator bei seiner jüng- sten Rundreise kurzweg mitgetheilt, daß das dort bestehende deutsche Gymnasium einer russischen Realschule Platz machen müsse! Holtand. Der katholische Devutirte Schaepmann hat einen Antrag eingebracht, betreffend die Revision des Kapitels der Verfassung über den Volksschulunterricht. Der Kampf um die Schule wird also wieder beginnen und jedenfalls die ganze Verfassungs- revision in Gefahr bringen. Kchnteiz. In Ölten fand wiederum eine Versammlung von Ver- tretern verschiedener interesstrter Kreise zur Besprechung der Zollfragen statt. Der Wortlaut der gefaßten Resolution ist folgender:„Tie am 28. November in Ölten versammelten Dclegirten der landwirthschaftlichen, industriellen und gcwerb- lichen Vereine begrüßen die Absicht des Bundcsraths, den G e- neraltarif eventuell um das Fünf- bis Sechs- fache zu erhöhen und Kampfzollpositionen auszustellen, versprechen sich aber eine durchgreifende Wirkung von diesen Niaßregeln allein nicht. Sie halten somit an der Revision des Zolltarifs fest, welche sie innerhalb kürzester Frist aufstellen, bereinigen und den Behörden vorlegen werden. Das fiskalische Interesse des Bundes soll anqemessen gewahrt werden." Es ist Hemerkenswerth, daß diese Resolution einstimmig gefaßt worden ist und daß an der Versammlung fast alle namhaften Vereine durch Telcgirte vertreten waren, was keine günstigen Aussichten für die deutsch-schweizerischen Unterhandlungen er- öffnet. Großdritanuie«. Eine seltsame Kundgebung wurde von den P a r n e l l i t e n in Cork inszenirt, zu' welcher die Ankunft von etwa 50 Gefangenen, welche während der letzten vier Monate wegen Verübung agrarischer Exzesse vor die Assisen verwiesen worden, den Anlaß gab. John O'Connor, der Abgeordnete für Süd- Tipperary, begrüßte an der Spitze eines großen Volkshaufcns die Gefangenen auf dem Wege vom Bahnhofe nach dem Ge- fängniß und hielt dann eine Ansprache an das Volk, worin er sich in sehr heftigen Ausdrücken über die Parteilichkeit in der Bildung von Jurys bei den Assisen in Cork ausließ. Er sagte, daß ein unparteischer Schwurgenchtsprozeß in Cork eine reine Unmöglichkeit sei, da Jrländer und Katholiken von den Ge- schwor'cnenbänken ausgeschlossen seien. Tie englischen und protestantischen Geschworenen leisteten der Regierung alle möglichen Liebesdienste, und dem sollte ein Ende gesetzt werden. Im Widerspruch mit veröffentlichten früheren Meldungen heißt es jetzt, daß Dr. Hamilton Williams nicht der Nach- folger O'Donovan Rossa's als vaupt der Dynamitpartei der fenischcn Brüderschaft werden wird. Die Fenier haben, wie verlautet, sich über einen in England auszuführen- den verzweifelten Feldzugsplan schlüssig gemacht. Es geschehen Schritte, um in Edinburg am 12. Januar «ine nationale Kundgebung zu Gunsten der Gewähmng von „Home R u l c" für Schottland zu veranstalten. Kalka« lander. Herr Kaulbars ist ein sehr zivilisirter Herr, nach folgender Korrespondenz der„Köln. Ztg." aus Sofia, 23. v. Ms. zu urtheilen: Herr v. Kaulbars hat uns verlassen, und zwar in außerordentlich megter Stimmung, der er wiederholt recht un- diplon'ätischcn Ausdruck gegeben hat. Wenn er von den Regenten mch Ministern sprach, that er das nie anders, als indem er ihnen üble Titel, als Land st reicher, Kanaillen, Banditen beilegte, und selbst auf der Reise nach Philippopcl sich Kaulbars nicht nehmen, die Bauern von Vetren über � abscheulichen Eigenschaften ihrer„Machthaber" aufzuklären. verfuhr er ähnlich wie die Soldaten der Heilsarmee, die a" ahnungslos Vorübergehenden kleine Traktütchen in die vanb drücken, nur daß Kaulbars nicht fromme Schriften, son- 0Jln die Note vertheilte, durch welche er der bulgarischen Re- x'srung den Abbruch der diplomatischen Beziehungen sowie Abreise anzeigt. Die Regierung hatte die Verthcilung r'f.'er'Note unter das Volk in den unter Belagerungszustand Ländlichen Bezirken verboten, unter der gewiß gerechtfertigten �Rründung, daß diese Note geeignet sei. die Ruhe im Lande JV stören. Kaulbars, treu seiner alten Taktik, verschanzte sich ?'nter seinen diplomatischen Vorrechten und n, achte sich höchst- a"st zum Kolporteur seiner Note, wobei es an merkwürdigen Zwischenfällen nicht fehlte. In Philip popel warf er «."L de» Fenstern des Eisenbahnwagens seine o t e n heraus nnd er war im höchsten Grade aufgebracht, ein Gendarm die Blätter auflas und an sich nahm. Er luhr den Geirdarin wüthend an und fragte, wie er sich das unterstehen könne. Der Gendarm antwortete, er handle auf ?kfehl der Regierung, worauf Kaulbars entgegnete, die Regierung m aus lauter Kanaillen und Todschlägern zu- �Wsten, nämlich rechts Sinken und links Steigen des Grund- sj-nners. Ta die Epidemie über beide Ufer gleichmäßig ver- sgkilt war, so ist damit ihre Unabhängigkeit vom Grundwasser- ue.»de hinlänglich bewiesen. Auch eine eingehende Untersuchung Arbeitsverhältnisse ließ keinerlei Zusammenhang derselben dem Auftreten der Erkrankungsfälle erkennen. Dagegen rv11„fich zwei überraschende Beispiele für den Beweis rns veld führen, daß der Genuß von Brauchwasser aus der allge- aemen, aus dem Züricher See gespeisten und gegen Verun- pw'gungen nicht hinlänglich geschützten Leitung mit der Eist- b bung der Epidemie zusammenhing. In der Vorstadtgememde �ußersichl befindet sich ein Häuscrkomplex, welcher an die all- „weine Brauchwasserleitung nicht ausgeschlossen ist. Während •Mu rings herum in Häusern mit Wasserleitungen Erkrankungen .w kamen, wurde in diesen Häusern kein einziger Typhusiall "wstatirt. Ferner wurde in einem Lehrerseminar in der Vor- 'vwlgemeinde Untcrstraß zum Trinken regelmäßig das Wasser �wer nahe gelegenen Quelle verwendet. Nur am 1. und .r! April machte man davon eine Ausnahme, da infolge der s-Wmina die Hausordnung gestört wurde: man trank Wasser ww der Leitung. Als sich dann die Mehrzahl der Zöglinge fahrend der Ferien nach sehr verschiedenen Richtungen zer- 'weuten, kamen unter ihnen zahlreiche Erkrankungen an TyphuS mswärts vor. Typbuskeime im Waffer nachzuweisen waren w�chwohl alle Bemühungen von Kleds und Krämer ver- v Das Auersche Glühlicht, jene neue Beleuchtungsart, "eren Erfindung vor wenigen Monaten in den Kreisen der In- �stsenten nicht unbedeutendes Aufsehen erregte, ist nunmehr auch "stwzinischeu Kreisen nutzbar gemacht worden, wie wir aus L?'w Aufsatz von Professor Dr. K. Bürkncr in der„Klinischen •Wochenschrift" ersehen. Derselbe verwendet seit einigen Jahren L ver Universitäts-Poliklinik für Ohrcnkranke zu Göttingen zur �uiverinais-PolitttMl für i�yreniiame zu zui �"euchtung des Trommelselles und der Nasenhöhle das elck- iJcf'rL in Form von kleinen Glühlampen. Wenn sich Cv, liuch bei Zuhilfenahme eines geeigneten Apparates zur �rzerigung des Stromes ganz gut bewährt hat, so halten der "ttcschen Beleuchtung im Allgemeinen doch heut zu Tage JlRJo viele Mängel an, daß einer ausgedehnten Verwendung sich'C �eSchr-mken gezogen sind. Viel günstiger gestalten vlm s L�"ba>tnrsse bei dem neu erfundenen sogenannten Gas- �hlrchtdes Dr- Auer. Dasselbe erscheint vollständig geeignet. « w elektrischen Lrchte uberall da, wo eine Zentralstelle zur ,»eugung des galvanischen Stromes fehlt, besonders wlssenschastlichcn Instituten und im Privatgcbrauchc, sammengesetzt. Der Gendarm erwiderte, daß er sich mit der Prüfung dieser Behauptung nicht zu beschäftigen, sondern lediglich die ihm ertheiltcn Befehle auszuführen habe, was Kautbars bewog, ihn einen Durjak(Dummkopf) zu nennen. Die„Pol. Korr." ist von der serbischen Gesandtschaft autorisirt, die Meldung betreffs eines geplanten Attentates gegen den König Milan und der beabsichtigten Entführung desselben nach Cettinje als vollständig erfunden zu bezcich- nen. Einer verläßlichen Belgrader Meldung zufolge scheine die Nachricht Ausstreuungen der Liberalen zu entstammen. Die beschleunigte Rückkehr des Königs von seinem Jagdausflug war nur die Folge von choleraverdächtigen Erkrankungen in der Festung Belgrad. Ein neuer griechischer Zolltarif ist am 8. Novbr. der Kammer in Athen vorgelegt worden. Die vorläufige Er- Hebung der vielen in der Vorlage in Vorschlag gebrachten neuen und erhöhten Zölle erfolgt bereits vom Tage der Ein- brinaung des Entwurfs an. Auch sollen alle Eingangszölle in Metall erhoben werden. Griechische Banknoten werden nur mit 15 pCt. unter dem Nennwerth angerechnet. Für einige Waarengattungen find, wie offiziös versichert wird, die Ver- tragszölle geringer als die Sätze des autonomen Tarifs. Afrika. Freycinet's Auslassungen in der egyptischenFrage haben im Pildizkiosk in Konstantinopel tiefen Eindruck hervorgerufen und es wird erwartet, die Pforte werde nun ihre Ansprüche White gegenüber noch höher schrauben, so daß an ein englisch-türkisches Einvernehmen in Bezug auf Egypten, worüber Verhandlungen hier beabsichtigt waren, vorerst kaum zu denken ist. Die von Tag zu Tag akuter werdende egyptische Frage bildet natürlich auch den Hauptgegenstand der Besprechung in sämmtlichen Londoner Tagesblättern. Die„Times" schreibt u. A.:„.Herr von Freycinet erklärt, daß er sich damit begnügt habe, England zu sagen:„Die Stunde ist gekommen, in der eine Lösung erzielt werden sollte. Sie ist nothwendig für Europa unv zu einem guten Einvernehmen, welches zwischen Frankreich und England bestehen sollte." Wenn eine solche Sprache wirklich in irgend einem andern als rein akademischen Sinne gebraucht wurde, dann müssen wir sagen, daß der Mi- nister, der sich ihrer bediente, nicht die Person ist, um das er- wähnte gute Einvernehmen zu fördern. Die Lösung, welche zu suchen wir unsere Ehre verpfändet haben, und mit der Europa uns bettaut hat, wird durch eine bloße Willensanstrengung nicht erzielt. Es giebt in Egypten starre Thatsachen zu behandeln, und nicht die geringste unter diesen ist die hartnäckige und schonungslose Anwendung aller Mitel seitens französischer Agenten, um die ersehnte Lösung zu hintertreiben. Wenn jene Lösung von Frankreich aufrichtig gewünscht wird, dann ist das erste, was es thun kann, daß es seinen stetigen Widerstand gegen jede Maßregel aufgiebt, die wir zur Herste!- lung der Ordnung und Unabhängigkeit in Egypten versuchen---- England muß am Nil einen Einfluß behaupten, der seinen dortigen Interessen angemessen ist, und dieser Anspruch, von Europa im großen Ganzen offen zuzestanden, sollte sich sicherlich auch Nachbarn empfehlen."— Der„Standard" schließt seinen Artikel wie folgt:„Wenn die Republik keine Freunde hat, so hat sie ihre unglückliche Jsolirung nur der Politik ihrer Staats- männer zu danken. Herr von Freycinet ist gütig genug, auf die altherkömmlichen Bande der Freundschaft zwischen England und Frankreich anzuspielen. Wir schließen uns seiner Hoffnung an, daß letztere andauern möge. Aber Mißtrauen und Un- gestüni mit Bezug auf unsere Schwierigkeiten in Egypten sind nicht dazu angethan, das Ziel zu fördern, welches ihm angeblich am Herzen liegt." Asien. Das Bureau Reuter meldet aus Birma: General White ist aus dem Shanlande zurückgekehrt, wo er herzlich empfangen wurde. Der große Häuptling Thibo Thanbwa und andere sandten freundliche Briefe. Militärische Posten sind ge- bildet worden und es werden Handelskarawancn gebildet. Brigadegeneral Lockhart ging nach Pukong ab, um die In- surgentcn auszusuchen, welche auf ein Detachement des 16. Madras Infanterieregiments, während es nach Uemcthen unterwegs war, feuerten, wobei der kommandirende Offizier, Lieutenant Greenwood, getödtet wurde. Die nach den Rubinen- mincn entsandte britische Expedition zählt 1100 Mann, die von vier Kanonen, darunter zwei Gardners, begleitet sind. In Mandalay ist die Ruhe bis jetzt nicht gestört worden. Reis komnrt in beträchtlichen Quantitäten aus Rangun an, aber zur Linderung der Roth unter der Bevölkerung bedarf es weiterer Nothbauten. Während General Sir Frcdcrick Roberts die Pläne des Generals White für die Konzenttimng der Truppen an wichtigen Stationen und die Aufrechtcrhaltung eines Systcnis beständiger Patrouillen in Binnenhäfen billigt, empfiehlt er die Anstellung weiterer Zivilisten, eine Vermehrung der Pattouillendampfcr und die Verstärkung ber_ Polizeimacht. Er begünstigt auch die unverzügliche Beschaffung von Arbeit für die beschäftigungslosen Birmanen an der neuen Eisenbahn. vorgezogen zu werden. Der wesentlichste Bestandtheil des Auer'schen Glühlichtes ist der sogenannte Glühkörper, ein docht- artiges, weitmaschiges Vaumwollgewebe, welches mit einer Zu- sammenstellung von Nitraten des Uttrium, Didym und anderen Erden imprägnirt ist und vor dem ersten Gebrauche durch ein- maliges Anzünden zu Asche verbrannt wird. Der so hergestellte Glühkörper wird über einem an jedem vorhandenen Be- leuchtungskörper anzubringenden Bunsenbrenner mit Hilfe eines filatindrahtes und einer einfachen Vorrichtung, welche mit dem ylinderkranze in Verbindung gebracht ist, suspendirt und durch das entzündete Leuchtgas zur Weißgluth gebracht; es liefert ein sehr ruhiges und weißes Licht, dessen Intensität durch Ver- schiebung des Glühkörperhalters in beliebiger Weise modifizirt werden kann und welches 1000 bis 1200 Stunden gleichmäßig bleibt. Abgesehen von der weißen, wenig blendenden Farbe und der Intensität des Lichtes hat der Auer'sche Brenner noch andere, nicht zu unterschätzende Vorzüge. Vor allem ist der Preis ein relativ geringer. Ein weiterer Vorzug liegt in der Möglichkeit, den vorhandenen Apparat an der vorhandenen Gasleitung ohne Weiteres anzubringen und mit Hilfe des Leuchtgases in Thätigkcit zu setzen. Die Versuche, welche Professor Bürkner in der Poli- klinik für Ohrenkrankhesten mit diesem GaSglühlicht angestellt hat, sind sehr befriedigend ausgefallen. Es eignet sich ganz vorzüglich zum Untersuchen des Ohres. Die weiße Farbe des Lichtes bringt es nämlich mit sich, daß die natür- lichen Töne des Trommelfelles so unverändert zur Anschauung kommen, wie bei keiner uns bisher bekannt gewordenen Bc- leuchtungsart. Es ist dies für die Diagnose feinerer Verän- derungen an den Membranen von sehr erheblichem Vortheil. Auch bei der Untersuchung der Nasenhöhle kommt dieser Umstand zu statten, und in der beträchtlichen Lichtintensität des neuen Apparates liegt gerade bei der Rhinoskopie(Untersuchung des Nasenrachenraums) ein sehr werthvoller Faktor. Auch bei der Ophthalmoskopie(Untersuchung des Auges durch den Augen- spiegel) wird es sich bewähren, wie überhaupt überall, wo eine künstliche Belcuchtungcquelle zu medizinischen Zwecken erforder- lich ist. Daß es beim Mikroskopiren weit bessere Dienste leistet, als das gewöhnliche Gaslicht, ist bereits auerkannt. Gin Liebesbrief aus alter Zeit. Daß Mcnschenblrit, als Tinte benutzt, sich Jahrhunderte lang in seiner frischen, rothen Färbung erhält, erfährt das„Leipz. Tagcbl." durch einen Brief, den am 30. Juli 1607 der Typograph Johann Hildebrandt in Leipzig an seine Geliebte Klara Stelsserin in Sagan schrieb, indem er beim Ausdruck seiner Gefühle sich auch seines Blutes Amerika. Die Bewegung der Arbeiterpartei zur Sicherung eines Kandidaten für den Bürgermcisterposten in B o st o n ist mißlungen, da die erwähnte Person nicht die erwartete Unterstützung fand. Mr. M'Neill wurde nominirt, er lehnte aber die Kandidatur ab, weil es seinen Freunden nicht gelang, 7000 Unterschriften unter ein schriftliches Untersttitzungsversprechen zu erlangen, und auch weil sie über die Verthcilung der Ausdeute der Wahl unter sich uneins waren. Aus C h i t a g o vom 14. v. M. wird berichtet, daß die Schlachthausarbeiter, welche die Arbeit eingestellt hatten, sich sehr entriistet zeigten, als der Delegat Bary im Auftrage dcS Mr. Powderly, des Chefs der Knight of Labor, aufforderte, die Arbeiter mit der Zehnstundenzeit unter den alten Bedingungen wieder aufzunehmen. Namentlich redete der Sozialist Schilling gegen Befolgung der Ordre Powderlys, der sich als Diktator gerire, während die Gewerkschaftsdelegaten davor warnen. Auch die Zentral-Labor-Union nahm Resott'- tionen zu Gunsten der Ausständigen und Fortdauer des Streiks an. Der Ueberredung Barys und Carletons gelang es aber doch, die Ausständigen zur Rückkehr an die Arbeit zu bewegen! wobei die Herbeiführung der Achtsstmdm-Arbeitszcit für die Zukunft anzustteben sei. Zu Ruhestörungen ernsterer Art kam es übrigens nicht. Die Farmer-Allianz, welche in Chikago tagt, nahm eine Platform an, in welcher sie sich für eine Vereinigung mit den Arbeiterorganisationen behufs Beseiti- gung gemeinsam empfundener Uebel und Beförderung ihres Wohles erklärt. Die Platform verlangte eine Einkommensteuer, Verwandlung der Polizei in allen Großstädten in eine Staats- Organisation und sttikte Ueberwachuna der Eisenbahnen durch die Bundesregierung. Die Tarif- und Prohibitionsfragen wer- den von der Platform nicht berührt. Soziales«ndArveiterbemegnng. Statistik der Knappschaftskassen. Am Jahresschluß 1885 bestanden in Preußen überhaupt 81 Knappschaftsvcreine gegenüber 83 im Vorjahre, nachdem sich nämlich am l. April 1885 der Nicderschlesische und der Muskauer Knappschaftsverein zu einem vereinigt hatten und unter dem 1. Juli 1885 der Rheinische und Oberbergischc Knappschaftsverein gleichfalls zusammengelegt worden waren. Diese 81 Knappschaftsverciue umfaßten 1974 Bergwerke, Hütten und Salinen gegen 2071 im Vorjahre. Die Anzahl der meistberechtigten Vcreinsgenossen (ohne die beurlaubten) stieg von 180 509 am Jahresanfang auf 180 902 am Jahresschlüsse 1885, also um 393 Mann, diejenigo der minderbcrcchtigten fiel von 154 584 auf 153 651, also um 933 Mann. Demnach ergiebt sich eine Gcsanimtmitgliederzahl am Jahresschlüsse von 334453 gegen 335 093 am Jahresanfänge. Die Gesammtzahl der im Laufe des Jahres 1835 aus Vereinsmitteln unterstützten Personen belief sich auf 1 15 359, nämlich auf 28 133 Invaliden, 30755 Wittwen und 56 471 Weisen; von denselben blieben am Schlüsse des Jahres 105 374 zu unterstützende Personen, nämlich 25 779 Invaliden, 29 140 Wittwen und 50 455 Waisen. Die Gcsammteinnahme aller preußischen Knappschafts- vereine stellte sich im Jahre 1885 auf 17 l 13 699 M. gegen 16 138728 M. im Jahre 1884, dieselbe stieg also um 6,04 pCt. Die Gesammtansgabe betrug 17 481 745 M., gegen 15566 765 M. im Vorjahre; es hat demnach eine Mehrausgabe von 1 914 980 M. oder 12,3 pEt. stattgefunden. Unter Äbrechramg von 352 458 M. für den Ankauf von Immobilien u. s. w. beschränkt sich die Gcsammtausgabc auf 17 129 287 M; darnach ergiebt sich ein Zuschuß von 15 588 M. Das Vernrögen der Knappschaftsvereine fiel in Folge dessen ebenfalls, wenn auch nur um 7749 M. oder 0,03 pCt.; dasselbe betrug am Jahresanfänge 25 921 728 M. und am Jahresschlüsse 25 913 979 M. Zu der angegebenen Gcsammteinnahme trugen im Jahre. 1885 die Knappschaftsgenossen 8 100 819 M., die Werkseigen» thümer 7 527 480 M. bei, der Rest der Einnahme bestand in Kapitalzinsen, Nutzen des Jmmobiliarvernwaens, Beitritts- und Strafgeldern und einzelnen sonstigen Einnahmen.— Die im Königreich Sachsen bei dem Steinkohlenbergbau bestehenden 23 Knappschaftskassen wiesen nach dem „Sächs. Wochenbl." am 31. Dezember 1884 einen Bestand von 17 062 Mitgliedern auf, gegenüber 14202 im Jahre 1871. Der Vermögensbestand der gelammten Kassen ist ein außerordentlich beträchtlicher; er hatte sich erhöht von 2 317 302 M. im Jahre 1871 auf 5 125 434 M. am 1. Januar 1885. Die Jahreseir-. nahmen in 1884 betrugen 1236 412 M, darunter 600 498 M. Beiträge von Mitgliedern, 382 195 M. Beiträge von 44 bc- theiligten Werken, und 253 719 M. an sonstigen Einnahmen (darunter über 200 000 M. an Kapitalszinscn). Die Jahres- ausgaben betrugen 124 166 M. an Krankenlöhnen, 165 877 M. an Knr- und Medizinalkosten, 131464 M. an sonstigen Ausgaben und 530 607 M. an Knappschastspensionen, insgcsammt also 952 104 M. Es verblieb demnach 1884 ein Ucberschuß von 283 338 M- WaS die Zahl der Pensionsempfänger betrifft, so hatte sich dieselbe von 568 Invaliden und 3155 Wittwen und Waisen im Jahre 1871 auf 1511 Invaliden und 3361 Wittwen bediente. Der genannte Hildebrandt schickte am genannten Tage mit einem rührsamen Schreiben an sein„vertrawtcs Hertz" zum Namenstag seiner Geliebten, der sich auf den 12. August stellt, „zwei Dotz't seidene knöpffe und schniere zum angebind". Das Geschenk begleitet er mit folgender mit seinem Blut geschriebenen Widmung:„Fahre hin du kleines schnierlein, bind mir das Hertz allerliebster mein, Bind mir sie fein vnd bind sie wol, denn sie ist aller tugend voll." Hildebrandt bat seine Klara später geheirathet, und so befindet sich der Liebesbrief aus ver- gangenen Jahrhunderten noch in den Händen der Abkömmlinge Hildebrandt's in Leipzig. Oel als Wellendämpfer. Der Schooner„Union" aus Marstall in Dänemark hat bei einem Sturme vor dem eng» lischen Kanal im vorigen Monate mit gutem Erfolg Qel als Wellendämpfer angewandt. Der Führer des bezeichneten Schiffes, Kapt. Levinson, läßt sich folgendermaßen darüber aus: „Einige Tage hatte ich steife NO.-Kühlte gehabt, bis sich am Morgen des 27. v. M. ein heftiger Sturm mit hohem See- gange einstellte. Wir versuchten es, die Wellen mit Auslegung von 2 Beuteln mit Oel zu beruhigen und meiner Meinung nach war die Wirkung eine reckt günstige. Eigentbümlich sah es aus, wenn die hochgehenden Wellen mit dem Oel in Äe- rührung kamen, sie schienen sich plötzlich in ihrer wilden Auf» regung zu besinnen und ließen unser Schiff ruhig dahin schaukeln, während wir mit unserer schweren Salzladung wohl sonst, von den hatten Wellenschlägen zertrümmert, untcrge- gangen wären." Kapitän Levison räth seinen Kollegen, in ähnlichen Fällen denselben Versuch zu machen und Oel zu benutzen. Kampf mit Schmugglern. In der Nähe des Piding» Bahnhofes(Salzkammergut) hat ein heftiger Kampf zwischen Grenzaufschern der Etation Piding und Schmugglern stattge- fundcn. Die letztern hatten fünf schwere Ochsen von Oesterreich der über die Grenze geschwärzt und wurden dabei von den Grenzaufsehern der genannten Station überrascht. Auf beiden Seiten wurde mit großer Erbitterung gekämpft; es sollen mindestens fünfzig Schusse gewechselt worden sein. Die Pascher mußten schließlich das Feld räumen unter Zurücklassung der Thiere, wovon eines derselben im Laufe des Gefechtes erschossen wurde. Es soll sogar von den Fenstern der Häuser auö auf die Aufseher geseuett worden sein, als selbe die konfiszirtcn Ochsen nach Freilassing abtrieben. Die Schmuggler entkamen sämmtlrch. Ein Hut blieb außer den Thicren am Kampfplätze zurück. und Waisen im Jahre 1884 vermehrt.(Zahl der Wittwen: 2014, der Waisen: 1847). Außer den 23 Knappschastskassen eristiren bei dem Steinkohlenbergbau noch 4 Kranken- und Unterstützungskassen, welche am 1. Januar 1885 ein Vermögen von 55 023 M. besaßen. Die Einnahmen beliefen fich im Jahre 1884 auf 15 474 M-, die Ausgaben auf 11317 M-, so daß ein Ueberschuß von 4157 M. verblieb. Gegenüber den Knappschaftskassen kommen beim Steinkohlenbergbau diese Kranken-Unterstützungskassen nur wenig in Betracht.— Anders stellt sich das Verhältniß beim Braunkohlenbergbau. Hier hatten die Knappschaftskassen, 10 an der Zahl, welche im Jahre 1871 noch 914 Mitglieder desaßen, am Ende des Jahres 1884 nur noch 246 Mitglieder aufzuweisen. Der Vermögensbestand hatte sich übrigens in dem gleichen Zeiträume dennoch von 17 256 M. auf 28 794 M. erhöht. Durch das Abnehmen der Mitgliederzahl sind natürlich die Einnahmen immer mehr gefallen; sie betrugen im Jahre 1884 insgesammt 4071 M-, denen an Ausgaben 3101 W. gegenüberstanden, so daß ein Ueberschuß von 970 M. verblieb. Die Zahl der Pen- fionsempfänger betrug nur 44, denen 543 M. an Pension gezahlt wurden. Tie 32 Kranken- und Unterstützungskassen beim Braunkohlenbergbau haben dagegen einen höheren Umsatzals die Knappschaftskassen aufzuweisen. Allerdings war die Mit- gliederzahl ebenfalls etwas herabgegangen, nämlich von 1353 auf 1282, dagegen hatten fich die Einnahmen gehoben und be- trugen im Jahre 1884 insgesammt 16 520 M. Es waren die Ausgaben(besonders an Kranlenlöhnen und Kurkosten) wesent- lich höhere, als in den Vorjahren, und beliefen fich in Summa auf 16 869 M., so daß ein Defizit von 349 M- für das Rechnungsjahr entstand. Ter Vermögensbestand belief fich am 1. Januar 1885 auf 28 481 M. Ter Beschluß der Gladbacher Spinnereien, die Arbeits- zeit auf zwölf Stunden herabzusetzen, wurde bekanntlich auch von der Düsseldorfer Regierung sehr willkommen geheißen. Es wird, so bemerkt hierzu das„Düsseldorfer Volksblatt", durch die Auslassung der Düsseldorfer Regierung in offiziellster Weise konstatirt, daß die Gestaltung der täglichen Arbeitszeit in Deutschland große Unzuträglichkeiten mit fich bringt, was ja bisher von der Regierung nahestehender Seite bestritten wurde, und daß eine Verkürzung der Arbeitszeit große Vottheile im im Gefolge hat. Vereinbaningen, wie sie im M.-Gladbacher Handclskammerbezirk geschaffen, sind indcß kein durchgreifendes Mittel zur Abhilfe. Derartige Abkommen können zu jeder Zeit wieder hinfällig gemacht werben; außerdem sind sie ja, wie der Vorgang im M.-Gladbacher Bezirke nachweist, nicht von allge- meiner Verbindlichkeit. Es wird immer, so lange man auf den, Wege der freien Vereinbarung der Regelung der Arbeitszeit näher treten will, eine Reihe von Fabrikanten geben, die sich weigern werden, einer Verkürzung der Arbeitszeit zuzustimmen, und das wird die Folge haben, daß aus Konkurrenz-Rücksickten Abkommen, wie das m Rede stehende, bald ihr Ende finden werden. Soll eine Bessergestaltung der Zustände auf jenem Gebiete in's Werk gesetzt werden, so bedarf es dazu der Ein- führung des Maximal-Arbeitstages. Lohnstatistik. Die Hamburger Tischlergesellen haben sehr eingehende statistische Ermittelungen in Bezug auf Arbeitszeit und Lohn anstellen lassen und find zu dem allerdings nicht glänzenden Resultat gelangt, daß der Arbeitslohn bei Taglohn 28 Pf., bei Akkordarbeit 30 Pf. pr. Stunde beträgt. Alle diese Ermittelungen find Vorarbeiten für den zum Frühjahr beab« sichtigten Streik. Eine ziemliche Wohnungsnoth herrscht augenblicklich in Dresden. Der bestehende Mangel an kleinen und mittleren Wohnungen hat die Gemeindeverttetung veranlaßt, durch Ein- richtung von solchen Wohnungen in städtischen Grundstücken und Erbauung einer Baracke der dringendsten Roth ab- zuhelfm._ Uereine und Nersammwngen. Der Verein der Berliner Agenten hielt am Montag Abend in dem Feuerstein'schen Lokale, Alte Jakodsir. 75, eine Versammlung ab. Es ist eine Petition an den Reichstag aus- gearbeitet worden, deren wesentliche Punkte nach lebhafter Tis- kusfion folgendermaßen zusammenzufassen find: 1) der Verein bittet um eine gesetzliche Fixirung der Kündigungsfrist. Der Fabrikant oder Produzent, der sich des Agenten als Vermittler bediene, sei ohne diese Kündigung stets im Vortheile; denn er lasse sich durch den Agenten einführen und trete in häufigen Fällen zurück, wenn er die Thätigkeit des Agenten entbehren zu können glaube. 2) die Provifion soll, wenn eine bestimmte Abmachung nicht getroffen, bei Stteitigkeiten durch Experten usanzemäßig festgestellt werden. 3) die Provifion soll bei Ueberschreibung des Aufttags und nach erfolgter Annahme seitens des Geschäftshcrrn fällig sein, da- mit der Agent gegen die Eventualität geschützt werde, daß der Verkäufer das kontrahirte Geschäft aus irgend einem Grunde fallen läßt. 4) wenn durch ein Geschäft dem.Hause durch Zahlungsunfähigkeit des Abnehmers ein Verlust erwächst, so hat der Agent in demselben Verhältniß die Provision zu be- anspruchen, wie der Lieferant das Kapital zurückerhält. Aus« geschlossen ist die Proviston, falls durch ein grobes Versehen des Agenten der Verlust bewirft wurde. 5) soll dem Agenten bei eintretenden Konkursen das Vorzugsrecht eingeräumt und 6) ihm das Retentionsrecht an dm ihm zur Verfügung ge- stellten Mustern und Waaren zuerkannt werdm. Ter Vor- sitzende des Vereins, Herr Simon, mtwickelte die Tmdenzcn des Vercius. der es fich nicht nur zur Aufgabe gemacht, den Agentenstand zu schützen, sondern auch die Interessen, nament- lich der auswärtigen Firmen, durch Zuführung geeigneter Ver- treter, durch Auskunft über die Kreditverhältnisse der Ab- nebmer zc. wahrzunehmen und forderte zu reger Theil- nähme auf. Eine graste öffentliche Versammlung von Handlungs» gehilfen der Material» und Kolonialwaaren-Branchc mit der Tagesordnung:„Die Lage der Handlungsgehilfm in der Ma- terial- und Kolonialwaaren-Branche und stvas ist zu thun die- selbe zu verbessern", findet Sonntag, 5. Dezember, Rachmittags 4 Uhr, Rosenthalerstr. 11 12, im Rosenlöcher'schen Lokale statt. Kranken- und Begräbnistkasse der Bau- und Fabrik- arbeiter Berlins(E. H.) Außerordentliche Generalversammlung der Mitglieder am Sonntag, den 5. Dezember, Vormittags 10 Uhr, in Renz' Salon, Naunynstr. 27. Tagesordnung: Vorstandswahl. Kassenangelegenhcit.— Das Kassenbuch legi- timirt. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Ally. Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29 Hamburg),„Filiale 4 Berlin". Sonnabend, den 4. Dezember, Abends 3* Uhr, Andreasstraße 26, Generalversammlung. Tagesordnung: Kassenbericht, Neuwahl der ge- sammten Lrtsverwaltung für 1887, Verschiedenes. Mitgliedsbuch legittmirt. Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Steno- graphie. Sonnabend, den 4. d. M-, Abends 8# Uhr, im Restaurant Gebert, Friedrichstr. 94. Herr Parlaments-Steno- graph Klatecki über:„Die Anwendung der Roller'schen Stenographie auf die polnische Sprache." Gäste haben Zutritt. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine-c. am Freitag. Gesangverein„Nord-Jubal" Abds. 9 Uhr Veteranenstr. 19.— Turnverein„Hasenhaide"(Männerabtheilung) Abends 8 Uhr Dieffcnbachstraße 60 61.— Zitherklub„Alpenveilchen" Abends 3/, Uhr im„Anhaltiner", Tempelhofer Ufer, Ecke der Möckern- sttaße.— Rauchklub„Westend" Abends 9 Uhr im Hohen- zollerngartcn, Steglitzerstr. 27.—„Steno-tachygraphische Ge- sellschaft Abends 8 Uhr im Restaurant Stein, Rosenthalerstr. 38. Berichtigung. In dem Bericht über die letzte Vcrsamm- lung des Fachvereins der Tischler muß es statt Tischlermeister Sander, Tischlermeister Sauer heißen. Kleine Wittbeilungen. Tortmund, 30. November. Ein entsetzliches Verbrechen ist hier konstatirt worden. Die Obduktion der Leiche eines vier- jährigen Mädchens hat ergeben, daß das Kind in Folge von Mißhandlungen gestorben ist. Wie festgestellt wurde, hat die eigene leibliche Mutter das Kind fortgesetzt derart mißhandelt, daß es endlich an den erhaltenen Verletzungen gestorben ist. Die herzlose Megäre ist eine Frau Liebig hier. Tic Leiche des Kindes war über und über mit Krusten bedeckt, unter denen der Eiter hervorquoll. Wien, 30. November.(Selbstmord eines Soldaten.) Der 22iährige Landwehrmann Adam Plappert, welcher kürzlich zur Waffenübung beim zweiten niederöstcrreichischen Landwehr- Bataillon eingerückt ist, mußte wegen eines chronischen Leidens in das Mi'itärspital zu Stockerau abgegeben werden. Gestern früh gelang es dem Landwehrmann, aus der Krankenanstall zu entspringen. Plappert begab sich zu Fuß nach Floridsdorf und warf fich dort in dem Augenblicke auf das Schienengeleise, als der um 9 Uhr 30 Minutm Abends von Wien abgelassene Expreßzug mit voller Dampfkraft daherbrauste. Der Lokomott»- führer konnte den Train nicht mehr zum Stehen bringen, und so rollte dieser über den Körper des Unglücklichen hinweg. 6r erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf starb. London, 30. November. In Schottland hat unweit Dunfermline im Flusse Devon ein Erdrutsch stattgefunden, wodurch der berühmte Cauldron Burn- Wasserfall buchstäblicd zerstört worden ist. Eine über dem Wasserfall hängende mächtige Felsmasse fiel in den Strom, riß einen Theil des m» Bäumen bepflanzten Ufers mit sich, dessen Trümmer einen ww 100 Fuß hohen Haufen bilden. Die riesigen ein Gewicht von vielen Tonnen habenden Steinblöcke sind in der ungleichattiä' sten und seltsamsten Form aufgethürmt; allein die wilde Pracht des von Walter Scott, Wordsworth und Bums besungenen Wasserfalls ist für immer dahin. New-Pork, 29. November. Ein großes Feuer in Duluth Minnesota, zerstötte drei Elevatoren mit 880000 Bushel Ost: treibe, mehrere Häuser w. Drei Menschen verunglückten � dem Brande. Theater. Freitag, den 3. Dezember. Opernhaus. Die lusttgen Weiber von Windsor. aus. Tilli. Theater. Doktor Klaus. Wilhelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Stemschnuppe. Utittoria-Theater. Amor. Ostend-Theater. Das neue Gebot. Nestdenz-Theater. Geomette. Sentral-Theater. Der Waldteufel. ellealliance-Theater. Die schöne Helena. Walhalla-Theater. Die Piraten. Köuigstädtisches Theater. Von Schrot und Korn. Kaufmann'» Varietee. Spezialitäten« Vorstellung. Amerikan-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Netchshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. koneordia» Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Stadt-Theater, lFrüher Alhambra-Theater.) Wallnertheaterstr. 15. Freitag und Sonnabend: Ertra- Vorstellungen. Gastspiel des Hrn. Franz Traga«. Der KqjWo und seine/amilit. Schauspiel in 5 Akten von S. E. Belphegor: Herr Tragau. Madelaine: Frl. Häser. Dirigent: Herr Kapellmeister Theodor Franke. Vor der Vorstellung: gW Großes Concert,"MW ausgeführt von der Hauskapelle unter Lettung des Kapellmeisters Hrn. Theodor Franke. Anfang des Eoncetts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Ansang der Vorstellung: Wochentags 7V, Uhr, Sonntags 7'» Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung versehen. Soeben erschien Heft 3 cker Internationalen Bibliothek. Die Darwinsche Theorie.(Äff«««d Mensch.) preis pro Heft 50 Pf. Zu beziehen durch die Grpeditio« des z,Kerl. Nolksdlatt�, Zimmerstraße 44. MF* Miederverkäufern Rabatt. Zu einem gemüthlichen Kchafskopflpiel lavc� ergebenst ein Reifimann, Friedrichsbergerstnw- Die dem Maurerpolier Herrn Michaelis- Alte Jakobstr. 48, zugefügte Beleidigung neW ich hiermit zurück und erkläre denselben sür ein'? Ehrenmann.[1203J Alb. Buge, Brückenstr. s Fachoerein der Former und verw. Berufsgenolfen. Grosse Mitglieder perkammlung Montag, den 6. Mts., Abends 8 Uhr, in Uieft's Salon, Kommandantensttaße 71/72. Tagesordnung: 1. Wahl des Gesammt-Vor- standes unter vorhergehender Debatte. 2. Ver- schiedenes. 3. Fragekasten.— Der Wichtigkeit wegen bitten wir, daß alle Mitglieder recht pünktlich erscheinen.[1197) Der Dorstand. Fachverein der Putzer. Sonntag, den 5. Dezember, Vorm. 11 Uhr, Jnselstraße Nr. 10: Mitglieder-Kersammlung. Tagesordnung: 1. Vereinsangelegenheit. 2. Fragekasten.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht[1196 Der V o r st a n d. ISden-Theator. (Früher Louisenst. Theater.) Drcsdencrstt. 72-73. Zum ersten Male in Berlin:� Mngedorene der Antillen. -- I-�•»»■»»»/ vy~---- u «..elso» und Nlaythorn, Excentric-ElownS. Krother« Forest, Mufikal-Elowns. «r. tzlijarra«, der beste Tumer a. d. ind.Ringen. Riegels Kallrtgesellschaft. 12 Damm, 2 Herren. Paula». Ludwig CeUh.int.«»gen Zocher. Kaffenöffnung 6) Uhr. Anfang 7t Uhr. - 10 A. er-Panorauia. „ � In dieser Woche: Eine Wander. d. d. Riesengebirge. Zweite Reise durch das malerische Schottland. Hertha-Reise.— Carolinen-Inseln. Eine Reise 20 Pfennig. Kinder nur 10 Pf. Passage 1 Tr. 9 M. KaUei General-Uersammlung der Mitglieder des Vereins z. Wahr, der Interessen der Klavierarbeiter am Sonnabend, den 4. Dezember, in Gratweil's KierhaUen, Kommandantm- straße 77-79. Tagesordnung: 1. Weitere Wahl des Vorstandes. 2. Vereinsangelegenhettm und Verschiedmes. Jedes Mitglied ist verpflichtet, sein Mitglieds- buch vorzuzeigm.[1195 Der Vorstand. An die Tischicr Derlins! Kollegm! Die von der öffentlichen Versamm lung in Sanssouci gewählte Kommission zur Unterstützung der Delegirtm zum Kongreß in Gotha hat folgmde Zahlstellen errichtet: Belleallianeeplatz 6 bei Hilscher(durch Härtung), Blumenstraße 56 in der Herberge(durch Müller), Skalitzersttaße 107 bei Kunstmann(durch Kopp- mann), Skalitzerstraße 18 bei Stramm(durch Bredenfeld), Zionskirchplay 11 bei Hohn(durch Hinz), rinzmsttaße 96 bei Beier(durch Pilecke tn Beiträge werden an obigen Stellen des Mon- tags von 8— 10 Uhr von den gmannten Kollegen in Empfang genommen. [1 gm 201 KirdMse! der Maler Kerlias. Erste Gefanastunde Freitag, dm 3. Dezbr., Abmds 8 Uhr, im Restaurant Sodtke, Ritterstraße 123.[1204 Neue Mitglieder werden aufgenommen. Dm Mitgliedem des[1198 Fachverein» der Metallarbeiter in«as-, Waffer- u. Dampf-Armaturen zur Nachricht, daß die zum Sonntag, den 5. d. Mts., Vormittags 10| Uhr, in Gratweil's Bierhallen stattfinden sollende Versammlung nicht stattfinden kann, da die Polizei die Er- laubniß nicht ertheilt hat.[1198 Soeben ist«rschimen: Der eueWelt-Kaleildkr für 1887. Aus dem reichm Inhalt heben wir hervor: Reichshaushalls-Etet des Deut. scheu Reichs.— Zerbrocheu« Kette». Erzählung von Rod. Schweichel.— Bär> tige Fraue« und Ha»r«e«scheu.— Ei, Proleturierkiud. Erzählung v.EL a n g e r. — Der«»«pf zwische» Feuer«. Wusser iu der Welt. Bon P. Osw. Köhler.— Wie mau eiue Milio»»erdirut.— Flie- geude Blätter(humoristisch). At» Vratis-Keilage«: 1 Luria. Z.«utterglick. 2. Blauche. 4 Die beide» Alte». Et» Wuudkaleuder. Im Uersaiz verfallen. .Hochelegante Herren- und Damrn-Wintff' paietot» sind billig zu verkaufen bei Lücke, Neandnstraße 9 •C Bitte genau auf meine Hausnum� und meinen Namen zu achten.[lj\ Schwere Ueberzieher, 20—30 M., soll. sckleA vk. w. Schneidermstr. Wagner, Köpnickerstt.-M�' 1. g.piano, 15Thlr., z.v. Oranimstr- 4 li. l. Wilstrlmacher verl. Stampehl, Mariannen� Zu beziehm durch die Expedition dies. Blattes Zlmmersttaße 44. Wieder'verkäufern Rabatt. In haben in der«rpeditian d. Aimmerftrass» 44. Soeben erschien im Verlage von Wörltt» & Co. der fienifdie Hlllldmilitt- iin.ii Ardeiltt- Aoliz-Kolwdn f5r 1887 (IX. Jahrgang). Dieser Notizkalender, seit Jahren in dm deutschen Arbeiter- und HandiverkerkreffM rühmlichst bekannt, ist nicht blos Kalend«' sondem zugleich Notizbuch und Gesetz' sammlung., tAuch in diesem Jahre ist sowohl auf � ahalt als die Ausstattung befovd«V� orgfalt verwendet und ist namentlich® züglich des Einbandes Vorzügliches 0, leistet und bestes Material dazu verwciw,' Neben der gewöhnlichen Ausgabe auch wieder eine stärkere veranstaltet, mehr Schreibpapier enthält und Leinwandeinband mit Deckel nach taschmart und Gummiband hat. Au« g der gewöhnlichen Sorte find diesmal Eckm abgerundet. Inhalt des Kalenders: Kalendarium mit neu revidirtcin schichtskalender; postalische Bestimmung, Telegrammtarif; das ganze Unfallv�K; rungsgesetz mit Anhang vom 28. Pla', Gesetz über die eingeschriebenen HW. pas mit der Novelle vom 1. Juni' Reichstags- Wahlgesetz mit Auszug auS dem Reichs-Patemfi �ck! Gewindeschneidetabelle für MctaUM Schreibpapier mit Datumsangav��, Tagesnotizen, leeres Schreibpap'M.�hv täsckicben. Der aanne Kalender ist täschchen. Ter ganze Kalender Bogen stark.«f. Preis der einfachen Ausgabe 5.jf, „„ stärkeren„ *" i» Kt ÄÄeÄ'&Är6""• Hierzu Beilage mm Berliner Bolksblatt. Kr 283. Freitag, de« 3. Dezember 1886. 3. Jahrg. T ab l e au der Wahlbezirke des I. Wahlkreises der Stadt Berlin, sowie der Wahllolale für die Ersaewahl eines Abgeordneten zum , Reichstag am G. Dezember d. I. (Die fetten Ziffern bedeuten den Stadtbezirk und die gewöhn- lichen den Wahlbezirk.) 1. 1. Burgstr. 1-7, Heiligcgeiststr. 23-25, Königstr. 1 bti 14 a und 62—69, Molkenstraße 8 und 9, Nikolaikirchgasse 1 bis 4, Nikolaikirchhof 1-3 und 12-14, Poststr. 1-15 und 21 bis 31, Kl. Poststr. 1—7 und 9—13, Probststraße, Spandauerstraße 18-24, 26— 38 und 56— 62. Wahllokal: Berlinisches Rathhaus, Zimmer 63. 2. Bischofstr. 2—27, Hoher Steinweg, Jüdenstraße 1—11 und 55-60, Königstr. 15-25 und 41-61, Marienkirchhof 5 bis 11, Rathhausstraße, Sieberstraße 3—18, Spandaucrstr. 25, 47—55 und 63— 63 a. Wahllokal: Jüdenstraße 55 bei Trieschmann,_ 2. 3. Eiergasse, Am Krögel, Molkenmarkt, Molkenstraße erkl. 8 und 9, Mühlendamm 32 und 33, Nikolaikirchgasse 5 bis 8, Nikolaikirchhof 4-11, Parochialstr. 38-42 a, Poststr. 16 bis 20 a, Spandauerstr. 39—46, Stralauerstr. 26—41. Wahllokal.: Stralauerstr. 11 bei Witte. 4. Gr. Jüdenhof, Jüdcnstr. 12—54, Parochialstraße 1—37, Stralauerstr. 16—25 und 42—46. Wahllokal: Stralauerstr. 43 bei Quandt. 8. 5. Neue Friedrichstr. 1-4 und 101-109, Klosterstr. 54 bis 63, An der Stralauer Brücke, Stralauerstr. 1—15 und 47 bis 58, Kl. Stralauerstraße, Waisenstr. 1—4 und 32—36. Wahllokal: Stralauerstr. 57 bei Äiegel. 6. Neue Friedrichstr. 5-20 und 83-100, Klosterstr 30 bis 53 und 64—77, Siebcrstr. 1 und 2, die Stadtbahn von der Spree bei der Jannowitzbrücke bis zur Königstr., Westseite der Straße längs der Stadtbahn von Alexanderstr. bis Königstr., Ecken an der letzteren ausgeschloffen, Waisenstr. 5—31. Wahllokal: Klosterstr. 41 bei Voigtländer. 4, 7. Bischofstr. 1 und 28, Neue Friedrichstr. 21—42 und 64—82, Kaiser-Wilhelmstraße, von Klosterstr. bis zur Straße längs der Stadtbahn, Kalandsgasse, Klosterstr. 1—29 und 78 bis 112, Königskolonaden, Königstr. 26—40, Marienkirchhof 12 bis 23, Neue Gasse, Panoramastraße, Pavenstr. 1—8 und 17 bis 24, Rochstraße von der Neuen Friedrichstraße bis zur Straße längs der Stadtbahn, Schmalcga5e 3—5, Spandauer-Brücke 1—2 und 10—16, Südwest, eite der Straße längs der Stadt- bahn von der Königstraße(boten Ecken eingeschlossen) bis zur Westseite der Spandauer-Brücke(der entsprechende Theil der Stadtbahn). Wahllokal: Panoramastraße, Sedan-Restaurant. 5. 8. Brauhauestr. 7 und 8, Burgstr. 8 bis 29, Neue Friedrichstr. 43—63, Hinter der Garnisonknche,.Heidereutergaste 1—3 und 6—7, Heiligeaeistgasse, Heiligegeiststr. 1—22 und 26 bis 62, Kl. Poststr. 8, Rosenstr. 1 und 30, Schmalegasse 1—2 Und 6—8, Spandauerstr. 1—4 und 76— 81, Südseite der Straße der Stadtbahn von Spandauer-Brücke bis westlich zum Üblichen Ufer der Spree bei Monbijou(der entsprechende *#1 der Stadtbahn), St. Wolfgangstr. Wahllokal: Heilige- »«ltstr. 34 bei Lange. ., 9. Brauhausstr. 1—6 und 9—11, Heidercutergasse 4—5 1*0 b 8—12, Marienkirchhof 1-4, Neuer Markt, Papenstr.@a bis ,3' Rosenstr. 2—29, Spandauerstr. 5—16 und 64—75. Wahl- l0fQl: Neue Friedrichstr. 44 bei Dräsel. � v � 6. 10. Breitestr. 13—28, Brüderstr. 9—30, Fnedricks- gracht 51—62, Gertraudtenstr. 1, Kl. Gertraudtenstr. 2, Am Fuhlen graben 1 und 5, Petriplatz, Scharrnstraße, Spreestraße. Wahllokal: Scharrenstr. 7%bei Roecke. ... 11. Breitestr. 1-12 nnd 29-37, Brüderstr. 1-8 und 31 45, Cantian-Platz, Am Lustgarten, Am Mühlengraben 2 P« 4, Museumstraße, Kl. Museumstraße, Neumannsgasse, An Schleuse, Das königliche Schloß, Schloßfreiheit, Schloßplatz, rv? Stadtbahn vom nördlichen Ufer der Spree bei Monbijou «!? jum westlichen llfer des Kupfergrabens, An der Stechbahn. Wahllokal: Brüderstr. 26 bei Henckel. 7. 12. Fischerbrücke 1-14 und 28, Fischerstr. 1-13 und oSrrfS, Köllnischer Fischmarkt, Mühlendamm l-3la inklusive ?"Uhlengebäude und Mühlenweg. Wahllokal: Fischerstr. 10 � Ksinski. � 13- Fischerdrücke 15-27, Fischerstr. 14-29, Friedrichs- Stacht 1—16, Köllnischestraße, Schornsteinfegergasse 1—3 und 3- Wahllokal: Friedrichsgracht 16 bei Ockcrt. Die Nalzrungsmittel-Derfälschung. f(..Fälschungen, nichts als Fälschungen! Wo ein Gutes er- lltht, da meldet sich auch sofort die gleißende Nachahmung, M fast könnte es scheinen, als gäbe es für den menschlrchen 2% nur einen scharfen Sporn: die Neigung nämlrch, dem *®trklich Guten das scheinbar Gute unterzuschieben. Die Lektüre gewisser Gerichtsverhandlungen ist es, welche das nachfolgende Barchen uns in Erinnerung gebracht hat: . Eine Fliege hatte drei Kinder. Sie war nicht verwittwet, °ber ihr Gatte war in das Land der Abenteuer davongeflogen M nicht zurückgekehrt. Sie trug ihre Verlassenheit mit Zzurde und sparte nichts an der Erziehung ihres Sohnes Amscarello und ihrer Töchter Muscabella und Muscadine. M die Kinder Alles von ihr gelernt hatten, was sie zu «hren irgend im Stande war, rief sie dieselben zu sich, Erachtete sie eine Weile mit unverhohlener Rührung und ,„Tie Stunde hat geschlagen, da Eure Erziehung vervoll- Vwmnet werden muß. Reisen find für die Bildung der Augend unentbehrlich, denn sie entwickeln den Verstand, indem Ue die Verschiedenheit der Tinge zur Anschauung bringen, und ue wirken auf das Herz, indem sie die Kenntmß vermitteln i'Ott dem Elend, welchem das Fliegengeschlecht hienieden aus- 'W ist. Reist also, lieben Kinder, reist und sammelt Er- Ehrung. Bevor ich Euch aber mit meinem Segen entlasse, die Stimme Eurer Mutter, die Euch zärtlich liebt, dw l®'» ff»i,"»"t(Iii di��Mbringen sich beeifert hat. Zögert nicht. Euch Wf.t®Q6en Gullen zu lassen, welche der Schöpfer verschwen- in«.Ausgesetzt hat. Ader bei Gefahr des Todes nehmt Euch �i�cht�etwas anzurühren, was vom Menschen kommt, der�cin ea• i'l! Er nennt sich den König der Schöpfung und beweist tcfWiT � s'e zerstört. Was durch seine Hände geht, kommt A# /j'ÄÄÄ »clrf» n � gekommen sind, eine tobte Sprache zu lernen, che sie lateinisch nennen, giebt man ihnen ein Buch in die 8. 14. Friedrichsgracht 17-24, Petristr. 10-36, Rittergasse, Roßstr. 1—34, Schornsteinfegergasse 4. Wahllokal: Roßstraße 5 bei Goetsch. 15. Friedrichsgracht 25—50, Gertraudtenstr. 2—27, Kleine Gertraudtenstr. 1 und 3—5, Grünstraße, Petristr. 1—9 und 37—38, Roßstr. la. Wahllokal: Scharrenstr. 12 bei Engel 9. 16. Kl. Jägerstr. erkl. 1, Krcuzstr. 10—13, Kl. Kurstraße 6—10, Alte Leipzigerstr. 6—14, Niederwallstr. 5—38, Spittel- markt 14a. Wahllokal: Niederwallstr. 18 bei Ahrendt. 17. Krcuzstr. 1—9 und 14—20, Kurstr. 14—40, Kl. Kurstraße 1—5 und 11—17, Alte Leipzigerstr. 1—5 und 15—22, Oberwasserstr. 10—15, Rauleshof. Wahllokal: Kl. Kurstr. 1 bei Schläwicke. 10. 18. Adlerstraße, Falkoniergaffe, Am Festungsgraben, Franzöfischestr. 33b— 33«, Hinter dem Gießhause, Hausvoigtei- platz, Holzgartenstraße, Jägerstr. 32—44, Kl. Jägerstr. 1, Jeru- salemerstr. 23—24, Gasse hinter dem Kommandanturgebäude, Kur- straße 1—13 und 41— 53, Mohrenstr. 37a— 40, Mollersgass e, Niederlagstraße, Niederwallstr. 1—4 und 39, Oberwallstraße, Prinzengafie, Schinlelplatz, Unterwasserstr. 1— 9a, Werderscher Markt, Werdersche Rosenstraße, Werderstraße, An, Zeughause, Hinter dem Zeughause, Platz am Zeughause. Wahllokal: Jägerstr. 54 bei Köster. 11. 19. Eharlottenstr. 39—41 und 43, Dorotheenstr. 97, Friedrichstr. 89—92 und 151— 153a, Kl. Kirchgasse 4, Mittelstraße 1—26 und 43—64. Wahllokal: Dorotheenstr. 12 bei Liebermann. 20. Bchrenstr. 26a-49 erkl. 29a, Eharlottenstr. 35-38 und 44—47, Friedrichstr. 82—88 und 154—162, Unter den Linden 25—47, Lindengaffe, Markgrafenstr. 51a und 52, Mittelstr. 65—66, Platz am Opernhause, Rosmarienstraße, Universitätsstraße 6—9. �Wahllokal: Mittelstraße 65 bei Gärtner. lS8&r5 12. 21. Bauhofstraße, Dorotheenstr. 1—3, Georgenstr. 1 bis 6 und 42—48, Hegelptatz, Am Kupfergraben, die Stadt- bahn vom westlichen Ufer des Kupfergrabens bis zur Stall- straße inkl. Eckhäuser derselben, Stallstraße, Weidendamm 2—3. Wahllokal: Fricdrich-Werdersches Gymnassum, Dorotheen- straße 13/14. 22. Eharlottenstr. 42, Dorotheenstt. 4—17 und 88—96, Friedrichstr. 93— 104a und 137—142, Georgenstr. 7—18 und 28—41, die Stadtbahn von Stallsttaße, excl. Eckhäuser der- selben bis zum nördlichen Ufer der Spree am Schiffbauerdamm, Universitätsstr. 1—5, Weidendamm 1. Wahllokal: Dorotheen- städt. Realgymnasium, Georgenstt. 30 31.' 13. 23. Dorotheenstt. 27-70, Mittelstr. 31-33, Reichstagsplatz, Reichstagsufer vom Reichstagsplatz bis zur Neu- städtischen Kirchstr., Schadowstt. la— 13, Schlachthausgasse, Sommerstt. 3—10, Neue Wilhelm str. exkl. 8a und 8b. Wahllokal: Dorotheenstr. 31 bei Ziethen. 24. Dorotheenstr. 18—26 und 71—87, Friedrichstr. 143 bis 150, Georgenstr. 19-27, Mittelstr. 27-30 und 34-42, Neu- städtische Kirchstt. Wahllokal: Dorotheenstt. 66 bei Herold. 14. 25. Behrenstt. 13-26 und 50-60, Friedrichstr. 163 bis 164a, Kaisergallerie, Kanonierstt. 21, Kl. Kirchgasse cxkl. 4, Unter den Linden 11—24 und 48—65. Wahllokal: Bchren- sttaße 52 bei Keil. 26. Bchrenstr. 1—12 und 61—72, Königgrätzerstr. 140 und 141, Unter den Linden 1—10 und 66—78, Mauerstr. 32 und 33, Kleine Mauerstraße, Pariser Platz, Schadowstt. 1 und 14, Sommerstt. 1 und 2, Wilhelm str. 68— 7Gb, Neue Wilhclm- straße 8a und 6b. Wahllokal: Unter den Linden 4a bei Gorsboth. 15. 27. Eharlottenstr. 56—60, der Deutsche Dom, Frie- drichstt. 65a— 76 und 175—185, Jägerstt. 17 und 62— 62a, Markgrafenstr. 39—46 und 55—56, Mohrenbrücke, Mohren- straße 17-37 und 41-50, Taubenstt. 12-23 und 25-36. Wahllokal: Deutscher Dom, Eingang Mohrenstraße. 28. Behrenstt. 29a, Eharlottenstr. 33—34 und 48—55, der Französische Dom, Franzöfischestr. 20— 33a und 34— 49a, Friedrichstt. 77-81 und 165—174, Hedwigskirchgasse, Jägerstraße 18—31 und 45— 61a, Hinter der katholischen Kirche, Markgrafenstt. 47—51 und 53—54, Schiller-Play(Kgl. Schauspielhaus), Taubenstt. 24. Wahllokal: Franzöfischestr. 33a bei Bendt. 16. 29. Jerusalemerstr. 14—22 und 25—41, Krausenstraße 20—33 und 44—54, Kronenstr. 24—46, Leipzigerstr. 42 bis 5Ca und 80—90, Markgrafenstr. 31—38 und 57— 64a, Wahllokal: Leipzigerstr. 33 bei Waßmann(Glashalle). 17. 30. Friedrichstt. 56—65 und 186—199, Krausenstraße 4—11 und 64—71, Kronenstraße 14—18 und 55—60, Hand, in welchem man einen ungerechten und schimpflichen Be- fehl lesen kann:„Puer abige muscaa!" Oh, meine Kinder, flieht den Menschen, entfernt Euch von ihm und schwört es Eurer Mutter, daß Ihr ihren Willen achtet werdet!" Die drei kleinen Fliegen hielten ihr Schluchzen zurück, erhoben die Füße und riefen mit zitternder Stimme:„Wir schwören es!" „Lebt wohl, meine Kinder", begann die Mutter von Neuem.„Ich habe nicht weniger von Euch ermattet. Musca- rcllo, ich vettraue Dir Deine Schwestern an, denn Du bist einige Minuten vor ihnen geboren; Tu bist der Aelteste, Du mußt ihr Beschützer sein. Ich habe oft die Kraft Deiner Flügel, die Geschicklichkeit Deiner Füße, die Schärfe Deines Verstanoes bewundett. Benutze diese hohen Eigenschaften, um über meine Töchter zu wachen, um sie zu vettheidigen, um von ihnen die ach so häufigen Gelegenheiten zu Unfällen fernzuhalten. Nimm sie an wie em geheiligtes Pfand, für welches ich von Dir Rechenschaft fordern werde. Schlafen wir noch diese Nacht bei einander. Morgen, wenn die Sonne die Frühnebel zerstreut hat, macht Euch auf den Weg. Vergcßt während Eurer Wanderschaft nicht Eure arme Mutter, vie nicht aufhören wird, an Euch zu denken!" � Am anderen Tage segnete die Mutter ihre Kmder, druckte sie an ihr Herz und blickte ihnen dann nach. „Wie groß ist die Welt, wie wert, wie schön!" so riefen begeistctt die jungen Fliegen. Sie hatten nicht Augen genug, um Alles zu sehen.„Welch' reizende Eindrucke, welche Enn- nerungen für unsere alten Tage, sprachen sie, welche Erzäh- lungm werden wir noch unseren Enkelkindern vottragen kön- nen, wenn wir deren haben!" Abends ließen sie sich ermüdet auf ein Sykomorenblatt nieder. Muscadine, die eine hübsche Stimme hatte, sang ein Schlummerlied, das vordem ihre Mutter gesummt hatte, um sie einzuschläfern. Das erinnerte sie an die Tage ihrer Kindheit, und während des Schlummers ttäumten sie von dem Mütterchen daheim. Am anderen Morgen nahmen sie vor dem Aufbruch ein kräftigendes Bad in einer Rofenblüthe, ttockneten sich in der Sonne, säubettcn ihre Flügel und flogen den unbekannten Gegenden zu. Einige Regentropfen überfielen sie, als sie gerade bei einem Schlosse vorüberzogen. Sie drangen in das Schloß ein und kamen dott in den Speisesaal, in welchem die Tafel angerichtet war. Prächtiges Silbergeschirr, Leipzigerstr. 27—35 und 97—103. Wahllokal: Krausenstr. IE, Klubhaus. 31. Eharlottenstr. 22a— 32 und 61—72, Krausenstt. 12 bis 19 und 55—63, Kronenstt. 19—23 und 47—54, Leipzigerstraße 36—41 und 91—96. Wahllokal: Leipzigerstraße 33 bei Waßmann(oberer Saal). 18. 32. Kanonierstt. 1—6 und 40—55, Kronenstt. 66 bis 67, Mauerstr. 16—21 und 61—67, Mohrenstr. 6—16 und 51—64, Taubenstt. 1—11 und 37—54. Wahllokal: Taubenstraße 54 bei Moritz. 33. Krausensttaße 1—3 und 72—77, Kronenstraße 1—13, 61—65 und 68—76, Leipzigerstr. Nr. 19—26 und 104—112, Mauerstt. 8— 15a und 68—79. Wahllokal: Mauerstr. 76 bei Schwarz. 19. 34. Franzöfischestr. 1—19 und 50—68, Kanonier- sttaße 11-20 und 22-34, Mauerstr. 26-31 und 34-38. Wahllokal; Franzöfischestr. 10 bei Kuckenburg. 35. Jägerstr. 1—16 und 63—76, Kanonierstt. 7—10 und 35—39, Mauerstr. 22—25 und 39—51. Wahllokal: Kanonier- straße 14 15 bei Niemann. 20. 36. Königgrätzerstt. 126—132, Leipziger Platz, Lcipziger- sttaße 1-18 und und 113-137, Voßstr. 20, Wilhelmstt. 57 bis 58 und 80a— 81. Wahllokal: Leipzigerstr. 14 bei Busch. 37. Kaiserhofstt., Königgrätzerstt. 133—139, Mauerstt. 52 bis 60, Mohrenstr. 1—5 und 65— 66, Voßstr. excl. 20, Wilhelms- platz, Wilhelmstt. 59—67 und 71—80. Wahllokal: Leipzigerstraße 132 bei Schulze. 283. 38. Alsenstraße, Beethovenstraße, Bismarcksk. 1—5, Fnedens-Allee, Herwatthsk., Hindersinstt., Königsplatz, Krön- prinzen-Ufer 1—13, Moltkcstt., Große Ouer- Allee zwischen Zellen- Allee und In den Zelten, Reichstags-User von fzjnderstn straße bis Reichstagsplatz, Roonsttaße, Sicges-Allee nördlich der Char- lottenburger Chaussee, der nordwesttiche Theil des Thier- gattcns, begrenzt im Süden von der Charlottenburger Chaussee und im Westen vom Svreewegc, Zelten-Allee, Hinter den Zelten, In den Zelten. Wahllokal: In den Zelten 1 bei Michaelis. 284. 39. Altonaersttaße, Brücken-Allee, Claudiusstraßc, Cuxhafenersttaße, Flensburgerstraße, Händelsttaße, Hansaplatz, Holsteiner Ufer, Klopstockstraße, Lessingsttaße, Schleswiger Ufer, Siegmundshof, die Stadtbahn vom Ostufer der Spree bei Bellevue bis zur Weichbildgrenze bei der Charlottenburger Chaussee, der nördlich der Chaussee zwischen dem Großen Stern und der neuen Weichbildgrenze belegene Theil des Thiergattens inkl. Schloß und Park„Bellevue", Wcgelystraße. Wahllokal: Luisenhof, Brücken-Allee und Altonaerstraßen-Ecke. Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom 2. Dezember. Ter Stadtverordneten- Vorsteher Herr Dr. Stryck er- öffnet die Sitzung nach öfc Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mittheilunaen. Die Abtheilungen sind zusammengettcten und haben die Wahl von 10 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betreffend die Anlegung von drei Straßen auf dem Terrain der früher Wöhlert'schen Aktiengesellschaft; von 10 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlagen, betreffend die Erwerbung des Straßenlandes vor dem Grundstück Skalitzerstr. 73—74 und Köpnickerstr. 195, sowie vor dem Grundstücke Schlestschestr. 6, und von 15 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, beireffend dm Ankauf des Grundstücks Albrechtstt. 16 und einer hinter dem- selben belegenen Parzelle des Grundstücks Schiffbauerdamm 4a und 5 zu Gemeindcschulzwecken vollzogen. Die Einführung und Vereidigung durch Hand- schlag von fünf neugewählten Stadtverordneten, den Herren Dr. Fr. Friedmann, Frentzel, Tobias, Broemel und Bernard wird in üblicher Weise durch den Vorsteher vollzogen. Hierauf gedenkt er des plötzlichen Ablebens des Stadt- kämmerers Runge und hebt die Verdienste hervor, die derVer- storbcne besonders um die Finanzvcrwaltung der Stadt sich erworben hat; u. A. sagte er: Nicht allein gut, sondern auch im Einklänge mit den Unternehmungen, welche die Stadt Berlin machen mußte, wußte er die finanziellen Angelegenheiten zu leiten. Er war außerordentlich thätig in der Etatsberathung. In jeder Sitzung bot sich Gelegenheit, zu beobachtm, wie der Verstorbene überall zu Hause war, wie er sich glänzendes Kttstall; ein Diener goß sich ein Glas Wein ein und sagte:„Wie glücklich doch die Herren sind, daß fie von diesem Wein so viel trinken können, wie fie mögm!" Der Diener füllte sein Glas auf's Neue, aber er versteckte es hinter einen Schrank, denn der Hofmeister war soeben eingetreten. Muscadine besah sich neugiettg das Glas und sagte:„Was für eine schöne Farbe! Das muß reizend sein! Ich werde kosten!" Muscorello tadelte sie mit strengem Tone.„Hast Du die mütterlichen Empfehlungen vergessen? Nimm Dich in Acht, das anzufassen, was vom Menschen kommt!" Muscadine zog ein schiefes Gesicht und erwidette:„Der Wein ist ein Werk der Natur, die ihn in der Traube giebt; der Wein ist nur der Auszug der Traube: der Mensch kann daran nichts ändern, und trotz Deiner bösm Laune, lieber Bruder, werde ich kosten." Sie schwang sich auf den Rand des Glases, steckte ihr Schnäuzchen in vie rothe Flüssigkeit, trank lange und nahm wieder neben der Schwester Platz, welche ihr sagte:»Pfui, wie häßlich ist es doch. ungehorsam zu sein!" Muscarello näherte sich erhobenen Fußes, um Muscadine eine Ohrfeige zu geben. Aber erstarrt hielt er an, da er sah, wie die Kleine ganz bleich wurde; ihre Augen drückten Schmerz aus, ein Zittern durchbebte den Körper, mit undeutlicher Stimme rief fie den Namen ihrer Mutter, ein Krampf erfaßte sie, sie wurde starr,. ein letzter Seufzer hob ihre Brust,— sie bewegte sich nicht mehr, Muscadine war eine Leiche, denn— der Wein war gefälscht. � � Voller Verzweiflung trugen Muscabelle und Muscarello den Leichnam der unvorsichtigen Muscadine in den Park. Sie legten den Körper nieder, bedeckten ihn mit einem Blatt, um ihn der Gefräßigkeit der wilden Thiere zu entziehen und ent- fernten sich dann von diesem Ott der Betrübni", an welchem ihre Schwester für immer ihrer Zärtlichleit entzogen worden war. Die Nacht war lang und rauh. Von böse» Träumen gc- weckt, sprachen die beiden kleinen Fliegen von Muscadine; sie stellten sich die Verzweiflung der Mutter vor und sagten sich: „Nein, niemals hat es unglücklichere Fliegen gegeben, als wir sind." Sie waren sehr ermattet, als sie am Morgen ihre Reise wieder aufnahmen. Ohne zu sprechen, fast gefühllos gegenüber den Schönheiten der Landschaft, die Seele voll Trauer und die lief eingelebt hatte in jede einzelne Position, wie« über jeden Gegenstand ebenso gut informirt war, wie der einzelne Dezernent. Ein solcher Verlust ist schwer für eine Stadt, wie die unsrige, die eine so ausgebreitete Verwaltung defitjt, schwer gerade jetzt, wo es gilt Anleihen aufzunehmen für Einrichtungen, welche der Zukunft zu Gute kommen sollen. Hoffen wir, daß es uns gelingt, den Verlust zu ersetzen. Wir find aber schuldig, dem Verstorbenen für das zu danken, was er gethan hat. Ich bitte Sie, sich von Ihren Plätzen zu er- Heden. Geschieht. Auf Antrag des Stadtv. Horwitz beschließt die Ver- sammlung, ein Trostschreiben an die Wittwe des Verstorbenen zu richten, um ihr den herzlichen Antheil zu zeigen, den die Versammlung an ihrem Verluste nimmt. Vom M a g i st r a t ist ein Schreiben eingelaufen, wel- dies die Versammlung ersucht, die baldige definitive Wiederbesetzung der Stadtkämmerer- Stelle vornehmen zu wollen. Auf den Vorschlag des Vorstehers wird die Angelegenheit dem Stadtraths-Ausschuß zur Vorberathung übergeben. Von dem Stadtv. Langerhans und Genossen wird eine Anfrage an dm Magistrat gerichtet, ob und wann er eine Erhöhung des Wohnungsgeld-Zuschuffcs für Gymnasiallehrer zu beantragen gedenkt. � In Sachen der Markthalle für den Osten Berlins find drei Petitionen von Bewohnem jener Gegend eingereicht worden, von denen zwei vorschlagen, die Markthalle in der Großen Frankfurterstraße, und die dritte, sie in der verlängerten Andreasstraße zu errichten. Nach Eintritt in die Tagesordnung komnrcn einige Natu- ralisationsgesuche und einige Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebcamtcn zur geschäfts- ordnungsmäßigen Erledigung. Heber die Frage des Ausbaues der Damm- mühten, welche der Magistrat zu Bureauzwecken einzurichten beantragt hatte, war ein Ausschuß eingesetzt worden, welcher durch seinen Referenten Stadtv. Heyden vorschlägt, zunächst über die Zulässigkeit des Ausbaues oder des Neubaues das Gutachten der Akademie des Bauwesens herbeizuführen. Stadtv. Wieck hält das Resultat der Ausschußberathung für durchaus unbrauchbar und beantragt die Ablehnung des- selben und die Verweisung der Vorlage an einen neuen Ausschuß. Stadtbaurath Blanken st ein bittet um Annahme des Magistratsantrages. Nach kurzer, weiterer Diskussion stimmt die Versammlung dem ursprünglichen Antrage des Magistrats zu. In Betreff seines Spreeregulirungs- Projektes theilte Stadtbaurath H o b r e ch t hierbei vorher mit, daß dasselbe alle Aussicht habe, vom Fiskus genehmigt zn werden. Die Vorlage betreffend den Ankauf des Moses' scheu Grundstücks in der Schlesischcn Straße am Lohmühlen- wege zwischen Schifffahrtskanal und Fluthgraben wird auf Antrag des Stadtv. Schmeißer einem Ausschuß überwiesen. An einen Ausschuß geht gleichfalls die Vorlage, in welcher der Magistrat eine neue Baufluchtlinie für das Grund- stück Königgrätzerstr. 12 festzusetzen vorschlägt. Bei einer Jnterimsbrücke über denLand- wehrkanal unterhalb der Albrechtshofer-Brücke. Die Stadt- verordneten Versammlung hatte f. Z. diesen Antrag des Ma- gistrats, der einen Kostenaufwand von 55 300 M. nothwendig macht, abgelehnt und beschlossen, daß an Stelle der interimistischen Fahrbrücke eine Fußgängerbrücke er- richtet werden solle. Das Polizei� Präsidium hat jedoch diesem Beschluß seine Genehmigung versagt, weil der Verkehr über diese Brücke sehr stark(durchschnittlich pro Tag 1369) sei. Der Magistrat stellt daher von Neuem seinen zuerst vorgelegten Stadtv. Beelitz beantragt, den Magistrat zu ersuchen, noch einmal mit dem Polizeipräsidium zu verhandeln. aurath H o b r e ch t hält eine solche Verhandlung für Stadtbaurath aussichtslos. Die Versammlung lehnt hierauf den Antrag des Stadt- »erordneten Beelitz ab und nimmt den Antrag des Magi- strates an. � Um 7 Uhr wird die Sitzung unterbrochen und zur Wahl eines unbesoldeten Stadtraths auf die Zeit von 1887 bis 1892 geschritten. Gewählt wird Bankdirektor I. Kaempf mit 88 Stimmen. Auf die Stadtv. Dopp und W i n k l e r fällt je eine Stimme. Die Erwerbung des Bürgersteigterrains vor dem Grundstück Gerichtstr. 64 wird beschlossen. Die Festsetzung einer neuen Baufluchtlinie für die Ost- seile des Neuen Marktes, sowie den Ankauf der Grundstücke Neuer Markt 3, 4, 5, 6 und 7 zum Preise von zu- sammen 342 125 M- wird vom Magistrat beantragt. Die Versammlung beschließt debattclos die Verweisung der Vorlage an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Anschluß der Anilinfabrik an die städtische allgc- meine Kanalisation von Berlin. Der Ausschuß, der zur Vorberathung der Vorlage eingesetzt war, empfiehlt durch seinen Referenten, Stadtv. Meyer I, folgende Beschlußfassung: Die Stadtver- ordneten. Versammlung erklärt sich einverstanden, daß das Fabrik- etablifsement der Aktiengesellschaft für Anilinkabrikation am Flügel geschwächt, zogen sie vorwärts. Am Eingange einer kleinen Stadt ließen sie sich nieder. In dem Hofe einer kleinen Farm waren Männer beschäftigt, Milch in große Blechgefäße zu schütten. Muscabelle hatte großen Durst und sagte zu ihrem Bruder:„Ich will trinken; das ist ja kein Wein, der Mensch hat daran nicht gerührt, und die ehrliche Kuh, welche die Milch hervorbringt, ist einer solchen Handlung nicht fähig." Sie begann zu trinken und kehrte zu ihrem Bruder zurück. Kaum war sie angelangt, als sie aufschrie: ,O>h, wie kalt ist mir, mein Auge umschleiert sich. Sage meiner Mutter..." Sie konnte nicht vollenden; sie starb, denn— die Milch war gefälscht�! � * Muscarello war starr. Er fragte sich, warum so viel Un- glück gerade auf ihn herabginge.„Was soll ich meiner Riutter antworten, wenn sie mir zurufen wird:„Muscarello, was hast Du mit Deinen Schwestern gemacht?" Es ist schon besser, ich verlasse diese nichtswürdige Erde, ich will sterben, ich will sterben.� � � böser Laune ein. In der Hand hielt er etn Stück Leder. Er warf es auf den Tisch und sagte zu seiner Frau:„Das kann so nicht weiter gehen, die Ratten fresscnAlles auf; gehe zum Apotheker, verlange Rattengift von ihm, und zwar recht gutes, kräftiges, verstehst du? Ich will ein für allemal dieses Ungeziefer vettilgen." Die Frau ging fort. Muscarello wiederHolle:„Ick will sterben!" Tie Frau kam bald zurück, breitete auf den Tisch eine Art grauer Seife aus und sagte zu ihrem Manne:„Das ist eine neue Erfindung. Ter Apotheker hat mir gesagt, daß darein Arsenik und Strych- nin gethan ist; er hat mir gesagt, daß es so gut ist, daß, wenn ein Elephant davon kosten würde, er wie vom Blitz getroffen niedersinken würde."— Wenn dies stark genug ist, um die Ratten und selbst Elephanten zu tödten, dachte Muscarello, so wird es wohl nicht viel Schwierigkeiten finden, ein so schwäch- liches Geschöpf, wie ich bin umzubringen. Er stürzte sich auf die tödtliche Speise und nahm davon mit unersättlicher Gier. Cr erstickte sich förmlich an dem Gift. Da er keine Hoffnung mehr für diese Welt hatte, erwartete er den Tod mit Er- gebung; er erwartete ihn mit Ungeduld, er erwartete ihn mit Wuth, aber er starb nicht, denn— das Rattengift war ge- fälschtl Wiesenufcr bei der Treptower Brücke an die städtische allge« meine Kanalisation von Berlin angeschlossen werde und daß der Magisttat einen bezüglichen Vertrag mit der Gesellschaft abschließe unter Berücksichtigung der vom Ausschuß beschlossenen Aenderungen. Stadtv. V i r ch o w beantragt, den Magistrat zu ersuchen, den schließlichen Vertrag vorzulegen, damit die Versammlung prüfe, ob alle Kautelen zur Verhinderung der Zufuhr schädlicher Stoffe in die Berliner Kanalisation getroffen sind. Stadtv. Vortmann hält eine solche Verzögerung für überflüssig. Stadtv. Singer bittet, dem Anttage Virchow zuzu- stimmen. Die Haupsache ist die sanitäre Frage und wenn von so autorativer Seite, wie es Virchow ist, Bedenken geäußert werden, so kann man unmöglich aus dem Grunde, daß der Fabrik Schaden entsteht, wenn sie nicht sofort angeschlossen wird, davon absehen. Eine Verlangsamungum 14 Tage kann den Schaden nicht aufwiegen, der möglicher Weise entstehen kann. Es handelt sich wiederum um ein Unternehmen der Stadt zu Gunsten einer Privatindusttie. Man kann der Fabrik den Anschluß an die Kanalisation nicht versagen, aber man muß eine Garantie verlangen, daß dieser ihr Vortheil, den ihr die Stadt bietet, nicht zum Schaden der Allgemeinheit ausschlägt. Es ist durch- aus nothwendig, genau die Substanzen anzugeben, welche ohne Gefahr in die Kanalisation hineingelühtt werden können. Ich empfehle Ihnen den Antrag Virchow. Stadtv. Ziethen und Stadtrath M e u b r i n k halten die Bedenken Virchows für nicht begründet und bitten um Annahme des unverändetten Ausschußanttages. Stadtv. Virchow macht darauf aufmerksam, daß durch Fortschritte in der Farbenchemie leicht Gifte hineingeführt wer- den können. Stadtv. S p i n o l a hält selbst ein wenig Arsen nicht für schädlich für die Rieselfelder. Es kämen soviel Tuberkel- jc. Bazillen von den Krankenhäusern auf die Rieselfelder und die reinigende Kraft des Bodens sei großgenug, sie zu überwinden. Der Referent schlägt eine Modifikation des Ausschuß- antrages vor, wonach schädliche Stoffe von der Fabrik nicht in die Kanalisation geleitet werden dürfen. Hieraus zieht Stadtv. Virchow seinen Antrag zurück und der Ausschußantrag wird angenommen. Der Anschluß des städtischen Arbeitshauses und der städtischen Waisenanstalt zu Rummelsdurg an die Wasserhebestation vor dem Stralauer Thor wird genehmigt. Stadtv. Gerstenberg macht auf die drohende Ver- sumpfung des Rummelsburger Sees hierbei aufmerksam, welche durch einige Fabriken verursacht werde, welche von der Stadt die Erlaubniß hätten, in den See ihre Abwässer zu führen. Er bittet den Magisttat und die Grundeigenthumsdeputalion der Versammlung, diese Gefahr im Auge zu behalten. Behufs Erbauung einer Markthalle im Osten der Stadt schlägt der Magisttat der Versammlung den Ankauf folgender Grundstücke vor: Andreasstraße 56, dem Rittergutsbesitzer Hermann Kühn gehörig, zum Preise von 590000 M.(7.174 Quaaratmeter Flächeninhalt); Krautsttaße Nr. 48»; der Frau Hermann und ihrem minderjährigen Sohne Emil Genz gehörig, zum Preise von 180 000 M.(780 Ouadrat- meter); Gruner Weg 95, dem Fabrikanten Einführer gehörig, zum Preise von 180000 M.(370 Quadratmeter), Mammen für 950 000 M. Innerhalb der gemischten Deputation, deren Beschlüsse der Magistrat in vorstehendem zu den seinigen gemacht hat, wurde zum Bau der Markthalle für den Osten auch wieder auf das städtische Grundstück in der Holzmarkt- sttaße— den sog. Eger'scbcn Holzplatz— hingewiesen. Hierzu bemerkt der Magistrat:„Wir sind— und hierin stimmt die ge- mischte Deputation mit uns überein— der Meinung, daß dieser Bauplatz für Markthallenzwecke keineswegs aufzugeben, vielmehr in späterer Zeil und namentlich als Platz für eine SpezialHalle für Süßwassersische besonders dann sehr geeignet sein wird, wenn die Tieferlegung des Wasserspiegels der Spree eine Thatsache, die Verbesserung der Wasserwege Berlins nach dem Osten Preußens durchgeführt sein wird." Stadtv. Dopp erklärt sich gegen die Vorlage. Die Versammlung beschließt, die Vorlage einem Ausschuß von 15 Mitgliedern zu übenveisen. Eine Anzahl Rechnungen werden dem Ausschuß für Rech- nungssachen überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Schluß 8j Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Lokales. Der Dezember hat begonnen und mit ihm im Sinne der Witterungslehre auch der Winter. Zwar tritt der Winter offiziell erst am 21. ein, indeß die moderne Witterungslehre richtet sich nach den auf der Erde erfahrungsgemäß wiederkeh- renden Temperaturen und so rechnet sie die Monate Dezember, Januar and Februar als volle Wintermonate, da um Mitte Januar in Deutschland die größte Kälte zu herrschen pflegt und sich Dezember und Februar als Kältemonaie um den Januar gruppiren. Auch im Charatter der Witterung liegt zwischen Nooemberr und Dezember meist derselbe Unterschied, wie zwi- schen der Uebergangsjahreszeit„Herbst" und der definitiven Ge- staltung des„Winters". Zwar giebt es der Ausnahmen viele. Bisweilen nimmt wohl der November schon einen winterlichen, viel häufiger aber noch der Dezember oder ein Theil des De- zembers den herbstlichen Charakter an. Ter letztere aber ist der des Kampfes zwischen den Einflüssen, die einerseits vomAtlan- tischen Ozean, andererseits von dem Innern Asiens her auf das europäische Klima wirken. Im Innern Asiens tritt nämlich, wie die„Freis. Ztg." meint, früher die kalte Witterung bei klarer, schwerer Lust ein, während vom Atlantischen Ozean her mit großer Regelmäßigkeit Regen, feuchte Winde und milde Temveratur sich über Europa verbreiten. Von der Kraft dieser beiden Strömungen hängt der Charakter des Dezem- Hers ab. Die Errichtung des neuen Polizeipalastes am Alexanderplay scheint für Berlin O. die Losung zu baulichen Umgestaltungen zu sein, die sich bis auf die obskursten Seiten- sttaßcn erstrecken. Ein recht auffälliges Beispiel dazu bietet die Schillingsttaße, welche bis vor kurzem noch fast zur Hälfte aus einstöckigen, meist baufälligen Häuschen bestand. Nachdem im vorigen Jahre auf dem der bekannten Speditionsfirma Bartz n. Co. gehörigen Grundstück eine Reihe hoher, stattlicher Häuser erbaut worden sind, ist in diesem Sommer auch das ausgc- dehnte Fadrikgrundstück der Gebrüder Hahn an der Straßen- front mit einem großartigen Wohngebäude abgeschlossen worden, von dessen Umfang die Faeade von 21 Fenster Front in jedem Stockwerk einen Begriff giebt. An diesen Neubau wird sich, wie uns berichtet wird, in nächster Zeit nun ein ganz neuer Sttaßenzug anschließen, eine Verlängerung der Maga�insttaße, welche, die Schillingsttaße schräg durchschneidend, in die Große Frankfuttersttaßc, gegenüber der Waßmannstraße, einmünden soll. Tie Ausführung dieses Projektes wird dann auch die einstöckigen Baracken neben der Wasch- und Badeanstalt ver- schwinden lassen. Im Zusammenhang mit dieser neuen Straßenanlage ist noch eine zweite geplant, eine Fottsetzung der Jfflandsttaße vom Theilpunkte der Blumenstraße und des Grünen Weges aus nach der Großen Frankfutter- sttaße, ebenfalls in der Flucht der Waßmannstraße. Die Jfflandsttaße. Waßmannstraße und Gollnowsttaße werden dann eine direkte Verbindung zwischen dem Platze vor dem Wallncr- theater und der Neuen Königstraße mit Anschluß an die Linien- sttaße bilden. Zur Verjährnngsfrage. In Blättern wurde jüngst daraus aufmerksam gemacht, welche Forderungsrcchte aus den Jahren 1882 und 1884 am 31. Dezember d. I. verjähren, wenn nicht bis dahin dem Schuldner der Zahlungsbefehl oder di« Klage zugestellt ist. Es genügt also nicht, daß die betreffenden Klagen oder Anträge auf Erlaß eines Zahlungsbefehls bis zum 31. Dezember bei dem Genchte eingereicht werden, es muß viel« mehr bis dahin die Zustellung an den Schuldner durch den Gettchtsvollzreher erfolgt sein. Der Antrag auf Zahlungsbefehl ist der Klage vorzuziehen, weil derselbe nur einmal zu schreiben, die Klage dagegen in drei Exemplaren angefettigt werden muß. Ist nun der Zahlungsbefehl zugestellt, worüber man von dem Gerichtsvollzieher eine Mittheilung erhält, so darf man nicht unterlassen, die vom Gettchtsvollzieher übersandten Schriftstücke dem Gettcht mit dem Ersuchen zu überreichen, den Zahlungs- bcfehl mit dem Vollstteckunasbefehl zu versehen. Wer innerhalb sechs Monate den Zahlungsbefehl nicht für vollstteckbar erklären läßt, hat die Verjährung nicht unterbrochen. Es empfiehlt sich, die Anttäge auf Zahlungsbefehl— dieses Verfahren ist auch kürzer und billiger, als die Klage im eigentlichen Zivilprozeß— nicht in den letzten Tagen des Dezember einzu- reichen, da um diese Zeit Gencht und Gerichtsvollzieher über- bürdet sind und in Folge dessen sehr leicht mancher Zahlungs- befehl nicht mehr zur Zustellung gelangen würde. Erwähnt sei noch, daß die Verjährung auch durch jedes Anerkenntniß des Verpflichteten, welches stillschweigend durch Zinszahlung, Sicher- heitsbestellung, Theilzahlung jc. oder aber ausdrücklich geschehen kann, unterbrochen wird. Privat-Detektiv- und Auskunsfs-Jnstitute für Hand- lungsgehilfen. In anerkennender Weise ist von einem Theile der Tagespresse auf die Gcmeingesährlichkeit der Privat- Detektives-Jnstitute wiederholt hingewiesen worden; wie der- attige Unternehmungen sehr wenig Vortheile bieten, dagegen sehr viel Unheil zu stiften und Unglück bis in die innigsten Familienkreise zu ttagcn im Stande find. Dieser Attikel soll dazu dienen, den jungen Kaufleuten zu zeigen, daß auch von dieser Seite diesen der Mitwelt nicht zur Ehre gereichenden Instituten ein aufmerksames Auge zuzuwenden ist. Dem Vor- stand der Freien Organisatiou junger Kanflcute ging vor kurze» Zeit von befreundeter Seite ein Zirkularschreiben zu, welches den meisten der Herren Pttnzipale zugesendet sein soll. Dieses qu. Zirkularschreiben hat folgenden Wortlaut: Herrn N. N. Durch mehrere Inhaber erster Firmen veranlaßt, er- öffne ich unter heutigem Tage ein Privat-Detektiv- und Äuskunstsinstitut. Mein Unternehmen bezwecktdic Verfol- gung die Beobachtung des Geschäfts- und Dienstpersonals, außerhalb seiner geschäftlichen Thätigkeit, sowie Feststellung im privaten und geschäftlichen Vettchr, wie überhaupr Observatton aller Angelegenheiten, zu deren Verfolgung nicht genügende Gründe zur amtlichen Annahme vor- Händen find. Die Ettolge meiner langjähngen Thätig- keit in diesem Fache für Behörden, sowie für Private und meine Beziehungen zu diesen liefern meinem äußerst wichtigen Unternehmen Erfolg. Die Kosten werden nach freiem Uebereinkommcn resp. nach der Zahl des zu beob- achtenden Personals festgestellt. Diejenigen Herren, welche durch einen bestimmten Beitrag beitreten, haben dadurch die Berechtigung, einen Privatdetektiv zu ihrer Verfügung zu erhalten und find alsdann für Sie nur die Kosten zu zahlen, welche der Bettcffende an direkten Baarausgaben, welche durch die Observation entstehen, hat. Indem ich Sie im eigenen Interesse um eine Unterredung ersuche, zeichne, um gefällige Diskretion bittend Hochachtend gez. Klapper st ück& Gundlach, Lottumstraße 2, l.>. Wenn nun auch anzunehmen ist, daß die Manipulationen dieses sehr deachtenswetthen Institutes in erster Linie auf die Prellerei vertrauensseliger und beschränkter Mitbürger abgesehen ist, und wenn der ganze Styl und Inhalt des vorstehende» Briefes zeigt, daß man es nicht gerade mit sehr intelligent Unternehmern zu thun hat, so haben die Erfahrungen gelehrt. daß es genug, theils beschränkte, theils mißtrauische Menschen giebt, die sich einem solchen Institute in die Arme wetten. Er- fahrungsgemäß steht auch fest, daß, um sich bei ihren Klienten nothwendig zu bezeigen, von derartigen Prival-Detektives- un® Auskunstsburcaus über die zu observirenden Leute die unge- heuerlichsten Geschichten rappottitt werden, die meist nicht des geringsten Anspruch auf Wahrheit haben. Leider kommen der- attige Gemeinheiten so selten an den Tag und find dann die Auskünfte derattig biegsam abgefaßt, daß ein mißtrauischer Auf- traggeber die schlimmsten Sachen daraus entziffern kann, der Behörde aber selten eine Handhabe zum Einschreiten gegen der- artige gemeingefährliche Individuen bietet. Giebt nun ein mißttauischer Kaufmann einem solchen Institute den Aufttag, einen oder mehrere seiner Gehilfen oder Bedientcsten zu odser- viren, und es werden nun dem Prinzipale über ganz gewöhn- liche nichtssagende Vorkommnisse die bis ins Ungeheucuerlicbe aufgebauschten Rapporte erstattet, so kommt e% leider nur zu ost vor, daß der ganz unschuldige junge Kaufmann, ohne den wahren Grund seiner Entlassung zu kennen, fehr bald seine Stellung verliett. Wenn der stellenlose Gehilfe sich nun naw einer anderen Stellung umsteht und dabei seinen bisherigen Chef als Referenz bezeichnet, so wird der Pttnzipal äußerst be* dächtig Auskunft ertheilen und dadurch dem jungen Mann sehe oft die Möglichkeit benommen, anderweite Stellung zu finden- Das Ende dieses Streiches ist die Vermehrung des kaufmän- nischcn Proletariats um eine ganz schuldlose Person. Aus diesem Grunde ist es nothwendig, daß die Handlungsgehilfen diesen Privat« Detektives- Instituten ein ebenso aufmerksames Aug- schenken als den schwindelhaften Stcllenvermittclungsbureaus und ähnlichen unsauberen Instituten. Alle der Verönentlichkei wetthen Fälle müssen an das Licht gezogen werden. Die Han� lungsgehilfen müssen derattige ihnen bekannt werdende Ff>u den Vorständen derjenigen kaufmännischen Vereine unterbreiten» die bestrebt sind, die Interessen der jungen Kaufleute zu wahres' Der Vorstand der in dieser Beziehung verschiedentlich hervor getretenen„Freien Organisation junger Kauflcute" wird fie von Kollegen derattige Äittheilungen gerne entgegennehwei. und wird dieser Verein stets derattigen die Interessen der van. lungsgehilfen schädigenden Manipulationen mit ganzer Cnergr entgegentreten._., Fünftausenddreihundertstebenundfünfzig Studlre«, besuchen im gegenwärtigen Winterhalbjahr die Ilmverl Berlin. Es ist damit weitaus die höchste Ziffer m Pettonalbestande einer deutschen Hochschule erreicht.. immatttkulitt wurden nicht weniger als 2230 Stüde während der Verlust am Ende des vergangenen Semesters 1164 betrug. Die gegenwättige Frequenz ist um 1066 � militonen stärker als die im Sommcrhaldiahr und üb w auch das letzte Wintersemester um 165. Jnterenant i.„ Vetthcilung auf die einzelnen Fakultäten: Bon r 5357 Studenten gehören 794 zu den Theologen. lf£ »r» die übrigen Bundesstaaten des Reiches find mit'*->$on militonen an der Alma mater ßerohnenBis vertreten. � MWLKWW SLWL'ZMMW »XÄfta&&£ u Bulgarien und Serbien nur je einen Studenten hierher ent- mndt haben. Den fremden Erdtheilen entstammen 174 Ber- Imer Studenten; 149 sind aus Amerika, 21 aus Asien(die meisten aus Japan), je zwei aus Afrika und Australien. Außer dm 5357 Jmmatrikulirten find noch 1523 zum Hören der Vor- Äsungen berechtigt, so daß also die Kollegien der Berliner Dozenten von 6880 Personen besucht werden.(Die nicht un- bedeutende, aber unkontrolirbare Zahl der„Nassauer" noch nicht eingerechnet!) Die zur Ausbildung dieser Menge berufenen Lehrkräfte beziffern sich auf 288, von denen 16 zur theologischen, 22 zur juristischen, 103 zur medizinischen und 147 zur philo- sovhischen Fakultät gehören. Die Universität hat 72 Ordinarien (39 in der philosophischen Fakultät), 5 ordentliche tzonorar- Profefforen(Probst Dr. Brückner, Aegidi, Dr. v. Lauer, Ed- mund Rose und Lazarus), ein lesendes Mitglied der Akademie der Wiffenschaften, 80 außerordentliche Professoren und 123 Privatdozcnten. Zur speziellen und tieferen Ausbildung dienen 48 Seminare, Institute, Laboratorien, Kliniken, Museen und Sammlungen. Dazu kommen noch wissenschaftliche Hilfsmittel, wie Bibliotheken zc. Es fehlt unseren Studenten also nicht an Gelegenheit zur Arbeit, wenn sie nur— die Zeit dazu finden! Vom Polizeipräsidium ist unterm 25. v. M. aus Anlaß eines Spezialfalles eine die Höhe der Hinterfronten der Vorder- gebäude, der Seitenflügel und Quergebäude betreffende Ver- fügung erlassen worden, welche dem„B. T" zufolge lautet: »Nachdem das königl. Ober- Verwaltungsgericht in einem Er- kenntniß vom 23. d. M. dahin entschieden hat, wie aus der Polizeiverordnung vom 13. Juli 1865 nicht zu entnehmen sei, daß dieselbe auch für die Höhe der Hinterfronten der Vorder- gebäude bezw. für die Höhe der Seiten- und Quergebäude habe Vorschriften treffen wollen, wird hierdurch die in dem Bau- Erlaubnißschcin Nr. 1742 vom 14. Oktober d. I. enthaltene Bedingung aufgehoben, nach welcher die Fronthöhe der Neu- bauten am Hofe höchstens der vorhandenen Fronthöhe an der Straße gleichkommen darf. Euer Wohlgeboren werden in Folge dessen benachrichtigt, daß in eine weitere Prüfung Ihres Bau- vrojektes, betreffend das Grundstück Werdcrstraßc Nr. 9—12, eingetreten werden soll, und wollen Sie zu diesem Zwecke die Ihnen zurückgegebenen genehmigten Bauzeichnungen wieder hier einreichen, gleichzeitig auch eine schriftliche Erklärung abgeben, ab Sie durch diese Verfügung Ihre zur Zeit beim hiesigen Be- zirksausschusse anhängige Klage gegen die vorerwähnte Bedin- gung für erledigt erachten." Zirkusfreuden. Deutschland hat sich wieder ein neues Gebiet auf dem Weltmarkte erobert. Während noch vor fünf- Sehn Jahren jeder Zirkuskünstler, der aus dem Kontinente etwas gelten wollte, direkt vom„Krystallpalast in London" kommen wußte, scheint nunmehr Berlin der Nährboden und die Hoch- schule für alle Arten„Artisten" und„Spezialitäten" geworden Zu sein. Wenigstens verkündeten erst vor wenigen Tagen jene Organe, welche sich für den nationalen Aufschwung eine beson- ders feine Fühlung bewahrt haben, mit großer Genugthuung, daß aus allen Gegenden Europas, aus Paris und Madrid, aus.Hamburg und Rom, aus Petersburg und Wien, die Inten- danten und Regisscure der Spezialitätenbühnen in Berlin ein- getroffen wären, um hier ihren Bedarf an Zugkräften und und„unübertrefflichen Leistungen" zu decken. Ein ganzer Kon- greß wirklicher geheimer und anderer Tingel-Tangelräthe ist hier versammelt und studirt mit Kennermiene das Repertoire des Zirkus Renz, der„Reichshallen", der„Konkordia", des �Edcn-Theate�, der„Kaufmann'schen Varu ts" und der übrigen Musentempel, in welchen gegenwärtig das Volk der Dichter und Denker den Schul- und„Grotesk"-Reitern, den Seiltänzern, Stangcnklettcrern, Luftspringcrn und Klowns das Reifezeugniß ertheilt. Was zu den künstlerischen Stützen dieser Institute gehört: der Ringkämpfer, welcher jedem Rauflustigen tausend Mark als Siegespreis bietet; der„Kautschukmann", der sich mit den Wen schneuzt; der„asiatische" Jongleur, der zum Schlüsse Wer erstaunlichen Produktionen Feuer, Schwerter und andere Wtvcrdauliche Gegenstände nachtmahlt; der„fliegende Mensch", iW Wischen zwei Trapezen in der Luft sein Mittagsschläfchen Ji y der„Partcrrc-Gmnnastikcr", der, um Bewegung zu n, ein Dutzend salto mortale schlägt; der musikalische "Wjust", der auf dein Kopfe seines„Konsins" balanzircnd, den Karneval von Venedig" geigt und schließlich der vielbclachte „?wn, dessen vierbeiniger Esel„Rigolo" keineir zweibeinigen W seinem Rücken duldet— sie alle, alle ohne Ausnahme wollen !°«an das Visum Berlins auf ihrem Wanderscheine haben, um in Welt mit größern Ehren fortzukommen. Den Schauspielern hat ...w dieser Ehrgeiz allerdings noch nicht mitgctheilt. In der dra- watischcn Kunst gilt die Approbation Berlins herzlich wenig, oenn seine Theater find in Hinblick auf die Bedeutung und „ s?ße der Stadt bis zum heutigen Tage unverantwortlich schlecht Polreben. Aber man kann nicht Alles auf einmal erreichen. Unim werden dem fahrenden Volke gegenüber die kleinsten �wßstabx angewendet, an des reitende Volk jedoch die höchsten W Wiche gestellt, und da diesen Ansprüchen auch vollauf genügt Wo< konnte der Billet- Zwischenhandel— wie dies in der «tzten Zeit häufig geschehen ist— sein Hauptquartier mit größ- Tw Erfolge von den Pforten der Schauspielhäuser vor jene der W�ialitätenbühncn verlegen. Die Direktoren der Tingel-Tangcl Mwrmmen in Gold, wie die„Mß Lurline" drinnen auf dem Worum in ihrem Glasbassin schwimmt. Ist es da ein Wun- wenn angelockt von solchen Früchten, nun auch ein zweiter •PBer Zirkus in Berlin, der Zirkris Krembscr erstanden ist, wel- W vor einigen Tagen der schaubegicrigen Menge seine Thüren jow ersten Mal geöffnet hat:— Die stets jubelfreudrgen Ge- wuther werden natürlich nicht verfehlen, das neue Unternehmen , wn Symptom des unaufhörlichen Wachsthums Bcrlrns Jobpreisen, und es fällt uns keineswegs bei, dre Richtrgkert »! W.Deutung zu bezweifeln. Trotzdem hätten wir drefes„Er- .,Wv mit Stillschweigen übergangen, wenn Herr Krembser utzcr seinem„Personal" nicht auch noch eine bauliche Neue- r Jß• den„ersten eisernen Zirkus in Europa" mitgebracht »J Dieser Neubau, der sich gegenüber dem Kronprinzen- bn* QUf �em Platze vor der Luisenstraße erhebt, fünfzehn Meter Und für drcitausendsiebenhundert Zuschauer berechnet ist, etet in der That das denkbar höchste an Feuersichcrheit. T!?. Zirkus Krembscr ist wirklich das, was er sich nennt: ein rsWektonisches Monstrum, das aus achttausend Zentnern Well- di. Wommengeschraubt ist. Die Billetschalter am Eingänge, «T �heilungswände des Amphietheaters, das Gebälk der �venräume, die Rotunde über der Arena, die Laterne, wie die (Werfelbe» aufsteigenden Träger find durchwegs aus starkem Wenblech und in gleicher Weise stellt sich das Acußere mit Wen eisernen Gallenetreppen, seinen Metalldachplatten und Mndungen dar. Schön ist das allerdings nicht, aber der un- Mbbare Werth, den die Eiscnkonstruktion für derartige bau- Wc Zwecke befitzt, wird derselben in einer fortgesetzten Anwen- nß auch z» einer ästhetisch besseren Form, zu einer strl- au* Wunder schon hundertmal geschaut und werden sie wohl s(6? norf, Hundenmal bestaunen. Nach dem Verfall zu schlreßen. MW Herr Kr.mdscr auf der Höhe des neunzehnten Jahr- iU»K18 8" sieben und Renz eine wirksame Konkunenz machen e n!» Renz und Konkurrenz! O gewiß, Spreeathen geht neuen perikleischen Blüthe entgegen.... *iiÄ L'ebe ist blind, aber die Lrebesblindhert rst rn vielen hesibar und der blinden Liebe werden häufig genug dre Freu? ßeoNnet, worüber aber der Liebende keineswegs dre hohe »eriw empfindet, dre sonst mit der Beseitigung der Blindheit BewÄ �u sein pflegt. Am Mittwoch herrschte unter den !ü bort sprachen von einer angeblichen Haussuchung, die ver einer im Sestenflügel wohnenden Mietherin stattfand. Mit„versuchter Dcmokraterei" oder ähnlichen modernen Staats- verbrechen konnte die Sache nicht gut in Zusammenhang ge- bracht werden, wohl aber war vor einigen Tagen dort eine junge Dame eingezogen, von der einige Hausbewohnerinnenibe- hauptetm, daß sie ihnen von früher her bekannt sei. Diese Behauptung erwies sich als richtig. Das Fräulein hatte bis vor einigen Monaten dort als Aftermietherin gewohnt und sich bei den übrigen Hausbewohnern wegen ihres allabendlichen Ausgehens und allnächtlichen Nachhausekommens durchaus keines guten Rufes zu erfreuen gehabt; dann reiste sie nach Hause zu ihren Eltern, welche in einer kleinen Stadt West- Preußens ansässig und dort als solide Bürgersleute bekannt sind. Hier fand ein nicht unbemittelter Handwerker Gefallen an der auffallenden Berliner Schönheit des heimgekehrten Fräu- leins und in kurzer Zeit feierte diese mit ihm Verlobung und Hochzeit. Aber sei es nun, daß der jungen Frau das Leben in der Kleinstadt auf die Dauer nicht bchagte, oder daß dem Manne die Berliner Vergangenheit seiner etwas eilig ge- heiratheten Frau ansing verdächtig zu werden, genug, in der jungen Ehe stellten sich enistliche Zerwürfnisse ein und die Frau zeigte sich ihrem Manne hierbei weit überlegen, denn eines schönen Tages verschwand mit der Baarschaft und den W-rth- fachen ihres Mannes. Dieser reiste nach Berlin, in der Ver- muthung, daß seine ungetreue Gattin wieder auf den Schau- platz ihrer früheren Thätigkcit zurückkehren würde, und hier glückte es ihm bald, den Aufenthalt derselben zu ermitteln und die Ungetreue nach Anwendung aller erforderlichen Vorfichts- maßregeln auch noch im Besitze aller mitgenommenen Gelder und Werthsachen zu überraschen. Der betrogene Ehemann machte nun in Ansehung der ihm entwendeten Werthsachen und Gelder von seinem ehelichen Rechte den ausgiebigsten Gebrauch, wobei sich die Assistenz eines von ihm zuvor requirirten Sicherheits- beamten als ebenso nöthig wie zweckmäßig erwies. Der jungen Frau dürfte aus der kurzen Ehe nichts weiter übrig geblieben sein als die Erinnerung und die Aussicht, von der Polizei mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt zu werden. Unter choleraähnlichen Erscheinungen wurde am gestri- gen Tage, der„Post" zufolge, ein hier in Berlin ansässiger Arbeiter zur Charitee gebracht. Seine Wohnung wurde sofort polizeilich geschlossen. Die zu Tage getretenen Erscheinungen lassen befürchten, daß hier ein keineswegs leicht zu nehmender Choleraanfall vorliegt; das Nähere wird die ärztliche Unter- suchung ergeben, worüber wir morgen wohl werden berichten können. So viel wir noch erfahren konnten, geht es aber dem Patienten heute besser und scheint die Lebensgefahr beseitigt zu sein. Von Stufe zu Stufe. Hiesige Blätter berichten: Am Dienstag wurde hier auf dem Arnienkirchhof ein Mensch be- erdigt, der lediglich durch eigenes Verschulden von Stufe zu Stufe bis zum tiefsten Elend hinabgesunken ist. Einer adligen polnischen Rittergulsbcsitzerfamilie von St. entstammend, wurde er für den Offizierstand bestimmt. Bei einem in der Provinz Posen garnisonirenden Infanterie- Regiment brachte er es bis zum Lieutenant. Durch den zu dieser Zeit erfolgten Tod seiner Eltern gelangte er in den Besitz eines Vermögens von mehr als 40000 Thalern. Dieses Geld veranlaßte ihn zu einem leicht- finnigen Leben, und zwei Jahre später war er bereits so weit, daß er wegen Vernachlässigung seiner Dienstpflichten und un- erlaubten Sckuldenmachens seinen Abschied erhielt. Er fand nunmehr Aufnahme auf den Gütcm seiner Verwandten, war jedoch bereits so weit gesunken, daß er, täglich betrunken, zu jeder Arbeit unfähig war und eines Tages spurlos verschwand. Sodann tauchte er hier in Berlin auf, versuchte abermals seine Verwandten zur Hergabe von Mitteln zu bewegen, um hier ein Geschäft zu eröffnen. Er wurde auch nochmals reichlich ausge- stattet. Als er sich wieder im Besitz von Mitteln befand, stellten sich gute Freunde ein, welche redlich halfen, sein Geld schleunigst zu verthun. Alle weiteren Briefe an seine Familie blieben von da ab unbeantwortet. Zunächst fristete er sodann sein Leben als Winkelkonsulent in den Budikerkellern, ließ sich auch zur Hergäbe von Akzepten auf Kellerwechsel gebrauchen, was ihn mit der Polizei und dem Gericht in Berührung und endlich ins Gefängniß brachte. Aus dem letzteren entlassen, suchte er als wilder Dienstmann soviel Geld zu verdienen, als er zum Schnaps gebrauchte. Er arbeitete auch kurze Zeit beim Bau des National- Museums an der Ramme und trat vor etlichen Jahren bei einem Fuhrherrn in Schöneberg, der Straßenmodcr zur Nachtzeit aus Berlin abfährt, in Kondition. Er war in- dessen bereits so weit heruntergekommen, daß er fast ausschließ- lich von Brot, altem Käse und Branntwein lebte. Als Schlaf- stelle diente ihm, da er das Bett im Pferdestalle verschmähte, ein alter Kasten eines Moderwagens, der unter freiem Himmel im Hofe stand. Diesen hatte er voll Stroh gepackt. Im Winter und bei Regenwetter klappte er den Deckel zu. Seinen Dienst verrichtete er treulich, kam aber immer mit der Polizei in Konflikt wegen Fahrkontravcntioncn, bis er kürzlich erkrankte und in ein Hospital geschaht wurde, wo er am Sonnabend verstarb. Am Dienstag wurde er beerdigt. Eine Arbeiterfrau in Zehlendorf hatte sich von einer Be- kannten ein Rezept zum Aufpoliren von Möbeln geben lassen, welches angeblich aus Benzin, Oleum und Petroleum bestehen sollte. Sic kochte die gefährlichen Flüssigkeiten in einem Topf und goß dann die so zubereitete Masse über dem offenen Feuer in ein anderes Gefäß. Dabei fingen die Kleider der Frau Feuer. Mit Brandwunden am ganzen Körper bedeckt, wurde sie nach dem Elisabethkrankenhause geschafft, wo sie gestern ihren Wun- den erlegen ist. lieber einen neuen Fall, daß ein Menschenleben durch den sogenannten„Hundewurm" vernichtet ist, wird uns de- richtet. Eine junge, schöne Frau, Berlinerin, hatte eine beson- dcre Vorliebe für einen prächtigen Bernhardiner und verband mit dieser Zuneigung die Unsitte, sich von demselben, wie sie es nannte,„küssen" zu lassen. Diese Unsitte sollte ihrem Leben— sie war kaum 22 Jahre alt— ein jähes Ende bereiten. Vor einigen Wochen erkrankte die junge Frau plötzlich und auf An- rathcn ihres Arztes siedelte sie nach ihrer bei Dresden belegenen Villa über. Daselbst nahmen die eigenartigen Krankheitssymptome derartig rapide zu, daß schon nach 4 Wochen, trotz der Kunst der bedeutendsten Aerzte, der Tod bei der jungen, lebenslustigen und selten schönen Frau eintrat. Als Todesursache bezeichneten die behandelnden Aerzte das zerstörende Vorhandensein des Hundewurms im Halse und in der Leber der Verstorbenen. Die Petroleumlampe bildet für den Haushalt in den weitaus zahlreichsten Fällen das praktischste und beliebteste Be- leuchcungsmittel und zwar wegen der mannigfachen Verbesse- rungen, die in der bei uns blühenden Lampenindustrie fortge- setzt gemacht werden. Während man sich aber in der Lampen- fabrikalion in anerkennenswerther Weise bemüht hat, für die Petroleumbrenncr bestimmte Größen innezuhalten, so daß es nicht schwer hält, auf jeder Lampe die verschiedensten Brenner zu verwenden, gestaltet sich die Sache doch neuerdings mit den zahllosen Patent- und anderen Brennern und dem dazu er- forderlichen Zubehör äußerst kritisch für die Hausfrauen. Jeder neue Patentbrenner hat einen besonderen Zylinder und zwar möglichst von einer Form, die nur beim Fabrikanten des Brenners zu beziehen ist. Dadurch werden aber alle diese Verbesserungen für das Publikum unpraktisch und daher mag es kommen, daß so manche Verbesserungen an den Petroleum- lampcn so wenig Beachtung finden. Dies wird erst dann anders werden, wenn diese„Zylinderfrage" gelöst ist. Niemand kann sich für seinen Bedarf an solchen Glaswaaren von einem oder einigen Lieferanten abhängig machen. Warnung vor dem Küssen. Die Zuschrift eines Arztes an die„Franks. Z." mag, obwohl sie nichts neues bietet, doch als höchst zeitgemäß hier ihre Wiederholung finden: Bei Ein- tritt der rauheren Jahreszeit möge im Interesse unserer Kleinen wiederholt daran erinnert werden, daß ein großer Prozentsatz der Erkältungen noch immer auf die Unsitte zurückzuführe« ist. die Kinder im Geficht oder gar auf den Mund zu küssen. Es ist eine jedem Arzt bekannte Thatsache, daß so mancher Husten, der ohne ernste Gefahr an einem Erwachsenen vorübergeht, durch Üebertragung auf noch unentwickelte, weniger Widerstands- fähige junge Geschöpfe bei den letzteren die gefährlichsten Formen annehmen kann. Die Unsitte vieler Menschen, trotz aller War- nungen, ihre angebliche Liebe zu Kindern durch Küssen zu doku» mentiren, bringt alljährlich eine große Zahl derselben in Lebens- gefahr. Ein Unglücksfall, der leicht hätte einen noch größeren Umfang annehmen können, ereignete sich gestern Abend gegen 6 Uhr in der Prinzenstraße. Als ein Wagen der Ringdahn die Dresdenerstraße kreuzte, fuhr ein Rollwagen in die Scheiben des Pferdebahnwagens, wobei dieselben zertrümmerten und die Scherben einem Kinde nicht unerheblich das Gesicht zerschnitten. Das Kind fand bei einem in der Nähe wohnenden Heilgehilfen den erforderlichen Beistand. Polizei- Bericht. Am 1. v. M., früh, wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Manteuffelstraße todt im Bette liegend vorgefunden. Es liegt zweifellos Selbstmord vor und zwar, wie ärztlich festgestellt, durch Genuß von Zuckersäure be- wirkt.— Um dieselbe Zeit wurde ein Mann auf einem Heu- boden des Grundstücks Stallschreiberstraße Nr. 33 erhängt vorgefunden.— Als am Nachmittag der Werkführer Hoff auf dem Fabrikgrundstück Hochstraße Nr. 30 a die im Keller belegene Schlosserwerkstatt verlassen wollte, glitt er auf der Treppe aus, fiel von derselben rücklings herab und brach das Genick. Der Tod trat auf der Stelle ein.— Um dieselbe Zeit fiel vor dem Grundstück Neu-Kölln am Wasser Nr. 23 ein 11 Jahre altes Mädchen ins Wasser, wurde aber, ohne Schaden genommen zu baben, alsbald wieder herausgezogen und seinen herbeigerufenen Eltern übergeben.__ Gerichts-Ieitlmg. Ein Besuch beim Herrn Doktor. Frau Mathilde H. ließ sich seit einem Jahre in der Klinik des Herrn Professor Bergmann gegen ein inneres Leiden behandeln. Die Kur, die wegen der Art der Krankheit sich sehr in die Länge zog, wurde schließlich einem jungen Assistenzart des Professors Herrn Dr. F. übertragen. Die Patientin wurde von dem jungen Mediziner mit aller Sorgfalt behandelt und das Verhältniß zwischen Arzt und Kranken hörte mit der Zeit— nach der Meinung der von ihrem Manne geschiedenen Frau Mathilde H.— auf, ein reines Respektsverhältniß zu sein. Frau H., der es widerstrebte, sich gratis behandeln zu lassen, suchte der Pflicht der Dankbarkeitdurch kleine Geschenke, Stickereien zu genügen, die von dem Arzte nach einigem Zaudern entgegengenommen wurden. Diese Stickereien— ein Photographiealbum und eine Schreib- mappe— waren bei Frau H. vielleicht mehr als bloße Zeichen der Dankbarkeit; möglich, daß die zarte Pflanze der Liebe an ihnen emporrankte und zu dem Herzen des unverhciratheten, jungen Assistenzarztes zu sprechen suchte. Denn ohne eine ge- hörige Dosis Eifersucht bei Frau H. wäre eine Szene nicht er- klärlich, die bald darauf nicht allein alle Beziehungen zwischen ihr und Doktor F. löste, sondern sie auch noch unter die An- klage des Hausfriedensbruches brachte. Frau H. hatte erfahren, daß Doktor F. selbstständig Praxis auszuüben beginne, eine neue Wohnung gemiethet und eine junge Wirth- schafterin engagirt habe. Gerade hatten ihre kunst- geübten Finger ein reizendes Sophakissen gestickt, das sie dem Diener des Acskulap zugedacht hatte und so machte sie sich eines Sonntags, am 25. Juli d. I., mit dem Geschenk auf den Weg zu der Wohnung des Daktors. Die„junge" Wirthsch afterin öffnete auf ihr Klingeln und theilte ihr mit, daß der„Herr Doktor" nur in den Sprechstunden zu sprechen wäre. So rasch ließ sich Frau H. nicht abspeisen; sie behaup- tete, der Herr Direktor haoc ihr gesagt, er sei für sie immer zu sprechen und als ttotzdem das Mädchen sie nicht hineinlassen wollte, erkundigte sie sich sehr umständlich, wer jetzt bei dem Herrn Dottor wäre, ein Kollege, eine Dame oder ein Patient. Schließlich ließ sie das Kissen zurück und sagte, sie werde in einigen Tagen wiederkommen und sich einige Rezepte verschreiben lassen. Als Dr. F. von dem ihm zugedachten Besuch erfuhr, gab er sttenge Weisung, die Dame auf keinen Fall vorzulassen und ihr das Sophakissen zurückzugeben. Am 28. Juli erschien Frau H. wieder. Um nicht zurückgewiesen zu werden, hielt sie sich nicht lange mit der Wrrthschafterin im Vorzimmer auf, schob sie bei Seite und eilte geraden Weges in das Zimmer, wo Dr. F. sich befand. Herr F. lag gerade, in eine fachwissenschaft« lichen Zeitschrift vertieft, auf dem Sopha, als Frau H. ungestüm ins Zimmer trat. Uebcrrascht erhob er sich und nöthigte die Dame, Platz zu nehmen. Sein unerwarteter Besuch ging ohne Weiteres auf sein Ziel los und begann sofort, dem Doktor Vorwürfe darüber zu machen, daß er sie nicht vorgelassen habe. Ohne ihm das Wort zur Entschuldigung zu lassen, enthüllte Frau H. plötzlich den Grund ihrer Entrüstung und fragte: Sic haben wohl Ihre Geliebte bei sich gehabt? Diese frivole Neugier brachte den Doktor aus dem Häuschen. Er sprang auf und forderte Frau H. auf, sofort seine Wohnung zu verlassen. Frau tz. aber ging nicht. Zuerst blieb sie bestürzt über das, was sie angerichtet hatte, auf dem Stuhl fitzen, dann hob sie flehend die Arme empor und rief: Aber, lieber Doktor, ich bin Ihnen ja dankbar, ich verehre Sie ja. Der Doktor war nicht zu besänftigen. Er wurde immer zorniger und er bezeichnete das Benehmen der Dame als„unverschämt". Als Frau H. noch immer nicht weichen wollte, faßte er sie beim Arme und führte sie aus dem Zimmer. Im Vorzimmer sagte er seiner Wirthsch aftcrin, der unschuldigen Ursache der ganzen Szene, sie solle die Polizei holen, wenn die Dame nicht gehen wolle. Die Wirthschafterin wußte nicht, was sie thun sollte; sie hatte das schöne Sophakissen auf den, Arme, das sie Frau H. zurückgeben sollte. Niemand wollte es nehmen, die Frau wies es zurück, der Herr Doktor mochte es nicht und so stand sie während der ganzen lärmenden Szene mit dem Kissen auf dem Arme da und wartete. Diese Tragikomödie fand dadurch ein Ende, daß Frau H. sich endlich entschloß, das zu thun, was sie schon längst hätte thun sollen: zu gehen. Wegen Hausfriedensbruchs war sie von dem hiesigen Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 3 M. verurtheilt worden. Gegen dieses Erkenntniß hatte sie Berufung eingelegt, die gestern vor der fünften Sttafkammcr des hiesigen Schöffengerichts zur Verhandlung kam. Der Gerichtshof war jedoch nicht in der Lage, zu einer anderen thatsäcklichen Feststellung zu gelangen und bestätigte deshalb das erstinstanzliche Urthefl. Das Eisenbahnunglück bei Mödling. Wien, 29. Nov. Aus dem Zeugenverhör, welches mit einer Unterbrechung bis 6 Uhr Abends dauerte, wäre die Aussage des Vcrkchrs-Assistenten Kropatsch hervorzuheben, welcher erklärte, daß die Distanzsckcide für den Lokomottvsührer von großer Bedeutung sei. Das Zug- personal des verunglückten Zuges 79 konnte nur wahrnehmen, daß der von Trnka geführte Eilzug mit normaler Geschwindig- keit eingefahren sei. Verkehrskonttolmr Piber und der Verkehrschef der>. Settion der Südbahn Brüll stimmen darin überein, daß das Hauptverschulden Trnka treffe, weil derselbe alle Signale zu beachten gehabt hätte, das grüne Signal, wel- ches dem abfahrenden Zuge 79 gegolten habe, sei für Trnka's Schuld nur mildernd. Lokomotivführer Kronawetter, welcher vor Jahren einen analogen Fall in Wiener-Neustadt hatte, crklärch daß er nur durch Beachten des Handsignals den Zug zum Stehen gebracht habe. Der Maschinenführer habe auch auf die Handsignale zu achten. Die Vernehmung der Beschä- digten ergab wenig Wesentliches, sie gaben nur an, daß sie durch die Katastrophe besinnungslos wurden und daß sie an den schmerzhaften Wunden erkannten, daß sie Opfer des Ereignisses waren. Die Leumundnote von der Direktion der Südbahn über den angeklagten Lokomotiv- führer lautet für diesen außerordentlich günstig. Dabei erwähnt die Direktion in ihrer Acußentng das beachtenswerthe Moment, daß Trnka vor Jahren im Dienste von einem schweren Kohlen- stück getroffen worden sei und fich seit dieser Zeit in krank- haftem Zustande befinde. Verkehrsbeamter Zugsförderungs-Ober- inspektor Sochor glaubt, daß es ein Fehler der Station war, „Bahnfrei" zu geben. Ter Lokomotivführer habe in erster Linie das Dienststgnal zu beachten. Die Handsignale find, nach Ansicht des Zeugen, dem Trnka zu spät gegeben worden. An der Lokomotive Trnka's konnte man bemerken, daß derselbe Alles aufbot, um den Zug zum Stehen zu bringen. Der Zeuge widerspricht der Angabe des Mödlinger Stationschefs Holli- schek, daß es eine Rangordnung in Signalen gäbe. Diesen Ausführungen schließt fich auch der als Zeuge vernommene Zug- förderungs-Oberinacnieur Puscher an und fügt hinzu, daß rothe Lichter im letzten Waggon auf sehr kurze Entfernungen sichtbar sind. Fünf Lokomotivführer, die als Zeugen vernommen wurden, geben einmüthig die Aufklärung, daß ein Zug mit Eilzugsgeschwindigkeit 300 Meter brauche, um zu halten. Sie Alle erklären, daß die Aufmerksamkeit nur der Distanzscheibe zugewendet sein müsse, und zwar derart, daß alle anderen Signale beim besten Willen unbeachtet bleiben müssen. Wien, 30. November. Heute Mittag wurde das Urtheil in dem Prozeß gefällt. Der Lokomotivführer Wenzel Trnka wurde freigesprochen, der Stationsbeamte Scherer, der die falsche Signalstellung veranlaßt hat, zu vier Monaten einfachen Arrestes verurtheilt.— Die Urtheilsgründe lauten im Wesent- lichcn wie folgt:„Es ist außer Zweifel und durch die Ergcb- nisse der Verhandlung festgestellt, daß am 29. August bei der Statdn Mödling ein Zusammenstoß zweier Eiscnbahnzüge er- folgte, welcher den Tod von fünf Menschen nnd die körperliche Beschädigung von zirka 30 Personen zur Folge hatte. Der Angeklagte Trnka bestreitet dies nicht, aber er verantwortet fich dahin, daß ihm das Signal auf freie Fahrt mit der Distanzscheibe gegeben wurde und daß er im Vertrauen auf dieses Signal die Fahrt mit wenig verminderter Schnelligkeit fortsetzte. Es wird auch von allen Seiten zugegeben, daß auf der Distanzscheibe das Signal auf freie Fahrt gestellt wurde, und es ist erklärlich, daß Tmka dieses Signal auf seinen Zug bezog. Es wird nun behauptet, daß neben diesem Signal noch andere gegeben wurden, welche Tmka vor dem Einfahren abhalten sollten, daß der Stockmann ihm abgewinkt und auch der Heizer ihn wiederholt angesprochen habe. Es ist aber auch richtig, daß Tmka im letzten Äugenblick sich bemüht hat, den Zug anzuhalten, indem er die Vakuum- bremse anzog. Der Gerichtshof mußte darüber schlüssig wer- den, ob ein Beweis dahin erbracht ist, daß Tmka in einer sol- chen Entfernung von der Unglücksstellc gewarnt wurde, daß das Unglück noch rechtzeitig hätte verhütet werden können. Ein solcher Beweis hatte sich nicht ergeben. Der Heizer Pankraz sagte wohl, er habe Trnka etwas früher gewarnt und keine Antwort erhalten, es fehlt aber der Beweis, ob Trnka die Wamung verstanden hat. Das Zeichen des Stockmannes aber kam viel zu spät und in viel zu kurzer Entfemung von dem Eiscnbahnzüge, welcher bedroht wurde, Trnka hätte zur AnHaltung des Zuges cinm freien Raum von 200 bis 300 Metern gebraucht. Der Angeklagte mußte somit freigesprochen werden.— Was nun den Angeklagten Schcerer anbelangt, so stellt er nicht in Abrede, daß er das Signal„Freie Fahrt" gegeben hat; er stellt auch nicht in Abrede, daß ihm nach Ar- tikel 116 der Instruktion das Einfahren eines Zuges strenge untersagt ist, so lange ein anderer noch in der Station steht. Er giebt zu, daß ihm bekannt war, daß ein anderer Zug im Einsahren begrinen war, und er wußte, daß die Distanzscheibe das wichtigste für den Lokomotivführer, sein Heiligthum sei. Scheerer hat auch eingesehen, daß er unkorrekt gehandelt; er sagte jedoch, daß seit jeher dasselbe in der Station Mödling geübt wurde, er habe also dasjenige gethan, was seit jeher dort geschehen ist, ohne daß eine Rüge ettheilt oder eine Ab- ändcmng getrogen wurde. Allein, wenn es auch richtig ist, daß dieser Vorgang ein instmktionswidriger ist, so erkulpirt ihn sein Vorgehen dennoch nicht, denn der Umstand, daß Andere dasselbe dulden, ermächtigt ihn nicht, sich über das Gesetz hinauszusetzen; dieser Umstand kann als mildemd, keineswegs aber als entlastend in Betracht gezogen werden. Als erschwerend beim Strafausmaße mußte der schwere Erfolg in Betracht gezogen werden, indem ein bedeutender Verlust an Menschenleben zu beklagen ist; als mildemd das Geständniß, die Unbescholtenheit und außerdem der Umstand, daß er in Fortsetzung einer bestehenden instmttionswidrigen Uebung das- jenige gethan, was das Uebel herbeigeführt hat. Ter Gerichts- Hof hat demnach das Urtheil, welches zwischen 6 Monaten bis 3 Jahren strengen Arrests auszumeffen gewesen wäre, blos mit 4 Monaten einfachen Arrests bemessen."— Ter Präsident richtet an Scherer die Frage, ob er von dem ihm gesetzlich zu- stehenden Rechtsmittel der Nichtigkeitsbeschwerde Gebrauch machen wolle.— Scherer: Ich bin unschuldig, ich habe meine Pflicht erfüllt und werde durch nieincn Vcrtheidiger die Nich- tigkeitsbeschwerde eindringen. Aus der„besseren" Gesellschaft. Im Londoner Ehe- scheidungsgerichtshof begann am vergangenen Freitag ein sen- sationeller Dopvelprozeß, der großes Aufsehen erregt, da die Betheiligten„hochanstokratischen" Kreisen angehören. Lady Colin Campbell, die im März 1884 eine Scheidung von ihrem Gatten, dem fünften Sohne des Herzogs von Argyll und Bruder des Marquis von Lome, der mit der Prinzessin Louise, einer Tochter der Königin von England, vermählt ist, erwirtte, klagt nunmehr auf völlige Auflösung der Ehe (dirorce) in Folge eines von Lord Colin Campbell verübten Ehebruchs. Letzterer hat eine gleiche Klage angestrengt und be- schuldigt seine Gemahlin, mit vier Männem Ehebmch verübt zu haben, nämlich mit dem Herzog von Marlborough, Kapt. Shaw(Chef der Londoner Feuerwehr), General Butler(Gatte der berühmten Schlachtenmalerin Elisabeth Thompson) und Doftor Äirdwood, einem Arzt, der Lady Colin Campbell längere Zeit behandelte. Die Verhandlungen dürften geraume Zeil in Anspruch nehmen. Eine seltsame Scheidungsklage kam am 24. November in Paris vor dem Gericht der Seine zur Verhandlung. Der Arzt Dr. D. hatte im Jahre 1884 seiner Frau unter dem er- dichteten Namen„Gaston D." Briefe mit Liebeserklärungen zugehen lassen, die Antwortbriese seiner Frau auf der Post in Empfang genommen, dann der Frau durch ihren eingebildeten Anbeter ihre Entführung vorgeschlagen und zur Erleichterung derselben 500 Fr. überschicken lassen. Die Frau entfernte sich in der That heimlich aus dem ehelichen Hause und reiste nach Oran. Der Dr. D. sandte auch dorthin während sechs Mo« naten regelmäßig Briese an seine Frau unter dem Namen des „Gaston D.", welcher nach diesen Briefen zuerst durch Geschäfte, dann durch lange Krankheit verhindert war, fich mit ihr zu ver- einigen, aber ihr monatlich für ihren Unterhalt 150 Fr. schickte. Endlich ließ er ihr durch einen ebenso erdichteten Freund des „Gaston D." anzeigen, daß letzterer gestorben sei und ihr eine Rente hinterlassen habe, auszahlbar, so lange die Frau in Afrika bleibe. Gleichzeitig strengte aber Dr. D. gegen seine Gattin Scheidungsklage wegen böslichen Verlassens und Untreue an, als Beweise die von Frau D- an ihren vermeintlichen„Gaston" gerichteten Briefe vorlegend. Allein hierdurch kam an den Tag, daß der Kläger selbst den Briefwechsel und die Abreise seiner tau veranlaßt habe, und letztere beantragte ihrerseits die cheidung wegen schwerer Kränkung. Das Gericht entschied zu Gunsten der Frau und begründete sein Urtheil wie folgt: _... Die Leichtigkeit, mit welcher Frau D. die Anträge eines Unbekannten angenommen, bekundet zwar eine tiefe Unsittlichkeit, aber der Kläger ifl nicht berechtigt, sich auf dieselbe zur Erlau- gung der Scheidung zu berufen. Denn als er die Thatsachen, über die er sich heute beschwert, in ihren geringsten Einzelheiten vorbereitet hatte, fühlte er nicht die geringste Kränkung, darum war seine Klage abzuweisen. Hingegen ist, was die Klage der Frau D. betrifft, festgestellt, daß D. sich gegen seine Frau der schwersten Kränkung schuldig gemacht, indem er sie durch die erwähnten Manöver aus dem ehelichen Hause entfemte. Die Unwürdigkeit der Klägerin vermag diese Kränkung nicht zu ver- wischen. Außerdem wäre es der öffentlichen Ordnung und den guten Sitten zuwiderlaufend, wenn ein Ehemann sich dadurch, daß er die schlechte Aufführung seiner Gattin begünstigt und so sich zum Urbeber seiner eigenen Schande macht, Scheidungs- gründe verschaffen könnte. Ties gilt um so mehr für den vor- liegenden Fall, als außer den vom Gatten selbst hervorgerufenen unsittlichen Handlungen der Frau keine weiteren zur Last gelegt find. Das Verhalten des Gatten bildet also eine schwere Kränkung, weshalb die Scheidung zu Gunsten der Frau auszu- sprechen war."— Ein allerliebstes Ehepaar das. Kleine MittheUnngen. Innsbruck, 30. November, lieber das bereits gemeldete Erdbeben in Tirol am 28. d. M. wird aus Jmst folgendes be- richtet:„Genau um halb 12 Uhr Nachts wurde ich mit meiner Familie durch ein donnerähnlichcs Getöse aus dem Schlafe geschreckt, und unmittelbar darauf fingen die Wände der Wohnung sowie der Fußboden an, in wellenförmige Schwingungen zu gerathen. Die Schränke schlugen an die Wand, an einem öffnete sich die Thür von selbst, die Gläser klirrten, der Boden hob und senkte sich, und wir glaubten im ersten Schrecken, das Gebäude müsse einstürzen. Wir hatten das Gefühl, als würden wir uns in einem schüttelnden Eisen- bahnwagen befinden. Bald erkannten wir, daß wir ein mehrere Sekunden andauerndes Erdbeben durchgemacht, welches von Ost nach West gegangen war. Wir untersuchten das Haus, und bei diesem Rundgange sahen wir, daß ganz Jmst auf den Beinen war. Vom Kamin eines.Hauses wurden Bretter herabge- schleudert; ein neues Haus zeigt Sprünge." Charleston, 10. November. Die Charlestoner„Deutsche Zeitung" schreibt über die Folgen der Erdbeben:„In Folge der außerordentlichen Naturereignisse in unserem sonnigen Süden hat eine merkwürdige Unruhe fich der Gemüthcr be- mächtigt und eine Nervosität in manchen Fällen, die zu Krank- Helten führt. Vor dem Erdbeben bemerkte man diese Unruhe unter den Thieren, besonders die Hausthiere, Hunde und Katzen, waren sehr unruhig und manche Hunde heulten die paar Nächte vor dem Erdbeben fortwährend, während die Katzen sich in die Zimmer an den Menschen hindrängten. Diese Unruhe unter den Thieren scheint verschwunden zu sein, nur die Vögel in der Luft scheinen noch immer zu fühlen, daß die Luftströmung noch abnorm ist, und besonders Abends flattern sie hin und her, während viele ganz von der Stadt fort find. Es scheint, daß durch die Ausströmung der Gase aus dem Erdinnern die Atmosphäre sich theilweise verändert hat und daß die Menschen darauf angewiesen sind, eine neue Lebensweise zu beginnen, um fich den neuen chemischen Ver- bindungcn der Luft anzuschmiegen. Dem sei wie ihm wolle, Faktum ist, daß die Unruhe eristirt und daß ein Wandertrieb der Menschen sich bemächtigt hat, der, wenn er ausgeführt wer- den könnte, die halbe Stadt entvölkern würde. Auch die Neger sind allenthalben am Wandern. Erst neulich gingen eine An- zahl von Nord- und Süd-Karolina nach New-Nork ab, um von dort nach Liberia zu wandern, während hier im Staate jetzt Tausende bereit find, dorthin zu folgen, wenn ihnen die Mittel geboten würden. Der jährliche Auszug der Neger um die Neujahrszeit nack dem Südwesten verspricht dieses Jahr eine außerordentliche Ausdehnung gewinnen zu wollen." Paris, 28. November. Ueber eine Skandalgeschichte, welche hier viel Aufsehen erregt, weil der Held derselben ein sehr bekannter und in der sogenannten vornehmen Gesellschaft sehr geschätzter Priester, Abbe Roussel, ist, wird der„Franks. Ztg." folgendes geschrieben:„Wir haben, als die Geschichte zum ersten Male vor vierzehn Tagen etwa auftauchte, nichts davon gesagt, weil wir sie für unmöglich hielten. Nun mehren sich aber die Beweise gegen Roussel und es hat der bekannte Deputate Laguerre den Prozeß gegen ihn übernommen. Roussel dirigirt ein von ihm gegründetes, gute Erfolge erzielendes „Waisminstitut" in Äuteuil bei Paris, wo mittellose Kinder zum Handwerk oder zum Hausdienste erzogen weiden. In diese Anstalt wurde ein junges Mädchen verbracht, das dieselbe bald verließ und auf unbekannte Weise dazu gelangte, in Paris eine eigene Wohnung zu halten und„Herrenbesuche" zu empfangen. Der freigebige Liebhaber des Mädchens soll nun niemand anders gewesen sein» als der Abbö Roussel selbst, ja das Mädchen soll vorher gegen den Willen ihres Stiefvaters, eines geachteten Handlunasreisenden, dem das Gericht die Erziehung derselben wegen schlechter Aufführung der Mutter zugesprochen hatte, aus Anstiften der Mutter und Roussels in die Anstalt von Auteuil verbracht worden sein. Bald jedoch wünschte fich Roussel der Dame, die neben ihm noch andere Liebhaber an- nahm, zu entledigen und gab ihr, um sie gütlich abzufinden, einen Wechsel von 1000 Franken, mit der Weisung, denselben nicht in den Handel zu bringen. Diese Weisung wurde nicht befolgt und als der Wechsel in Auteuil präscntirt wurde, erklärte die Direftion denselben für gefälscht. Zu seiner Rechtfertigung publizirte Roussel einen Brief des Mädchens, worin dasselbe die Fälschung zugiebt. Heute nun behauptet der Vater des Mädchens, dieser Brief sei seiner Tochter im Beisein der Mutter und Roussels Advokaten diktirt worden, unter der Vorspiegelung, daß sie auf Grund desselben sofort freigelassen würde._ Vermischtes. Ueber einen großen Eisenbahndiebstahl auf der Strecke Ostend-Verviers wird folgendes berichtet: Als Sonnabend früh der um drei Uhr Nachts von Ostcnde abgelassene Postzug, mit den Brief- und Werthschaften aus England für Deutschland und die Hinterländer, in Verviers anlangte und diese Güter der deutschen Post übergeben werden sollten, stellte sich heraus, daß zweiundzwanzig Briefsäcke aufgeschnitten waren, und zwar alle diejenigen, welche dem Brauche gemäß durch Aufkleben eines blauen Papierzettels als Werthschaftcn enthaltend be- zeichnet waren. An dem besonderm Wagen, der im Durch- oangsverkehr das plombirte Gepäck der Reisenden in einer, die Brief- und Wcrthschaften in einer anderen Abtheilung mitführt, zeigte fich das bewegliche Schloß an der einen Thüre der letzteren gesprengt und durch ein anderes, mit einer Schnur an- gebundenes ersetzt. In Verviers war die Thüre auf der anderen Seite geöffnet worden, sodaß man nicht schon durch jenen Um- stand aufmerksam gemacht war. In der die Briefschaften ent- haltenen Abthcilung fand man eine Blendlaterne. Nach erster Schätzung mußte wenigstens für eine Million Franks ge- stöhlen worden sein. Es geschehen nämlich die bedeutendsten Sendungen zwischen England und dem Festlande von Dimstag auf Mittwoch und von Freitag auf Sonnabend. Unter den gestohlenen Gegenständen befand fich eine werthvolle Sendung von New- Norf für einen msffscken Platz. Die Briefsücke mit den gewöhnlichen Briefen und Drucksachen waren unberührt. Tie Diebe hatten selbst die Begleitbriefe zu dem Entwendeten initaenommen. Sofort tauchte die Vermuthung auf, daß der Diebstahl von Reisenden, welche im Zuge Platz genommen hatten, ausgeführt war, die dann das Gestohlme in ihren Reisekoffem und- Säcken verbargen und unterwegs abstiegen. Schon in Brüssel glaubte der Zugführer. der einem andern den Zug zur Leitung bis Verviers übergab, zu bemerken, daß an der erwähnten Abtheilung das von der Zollverwaltung im Durchgangsverfahren angehängte Blei verletzt war, und zeigte es diesem an, der jedoch den Umstand der Unvorsichtigkeit eines Zugbeamten zuschrieb und im Halbdunkel des schlecht erleuchte« tcn Bahnhofs nichts Außerordentliches am Verschluß der Postver- waltung bemerkte. So vermuthete man denn, daß der Diebstahl zwischen Ostende und Brüssel begangen wurde. Die sofort ein- geleitete Untersuchung ergab, daß fünf„verdächtig aussehende Reisende in dem letzten Personenwagen des Zuges, vor dem bestohlenen Wagen, Platzgenommen hatten; drei hatten Reise» karten von Dover nach Äecheln, einer eine Karte von Ant« werpcn nach London mit Rückreise über Ostende nach Brüssel, einer eine Karte von Ostende nach Brüssel. Einer der Reisen- den von Dover nach Mecheln verließ den Zug in Gent, die beiden anderen stiegen in Brüssel aus. Die Diebe waren, wie es scheint, auf den Fall der verspäteten Ankunft des Post- schisses in Ostende vorbereitet; beträgt die Verspätung nämlich mehr als fünfzig Minuten, so fährt der Drei-Uhrzug von Ostende nach Brüssel ab und die englische Post wird über Dendermonde und Mecheln nach Löwen, Lüttich und Verviers geführt. Gehalten wird unter gewöhnlichen Umständen nur in Brügge, Gent, Brüssel, Löwen, Ans, Lüttich und Verviers. Die Begehung der Bahn zwischen Ostende und Brüssel ergab, daß zwischen Brügge und Gent Papierfetzcn vorgesun- den wurden, welche von den Begleitscheinen zu den Werth- fachen herrührten. So trifft denn der Verdacht zuerst den noch Unbekannten, welcher in Gent ausgestiegen; dieser wird wohl das Gestohlene mitgenommen haben. Einen der vier, die in Brüssel ausstiegen und den Bahnhof verließen, dürste der Bahnhofswärter, der die Reisekarten abnahm, wiedererkennen; der Verdächtige fiel jenem durch hohe Gestalt, bartloses Gesicht und etwas absonderliche Kleidung auf. Droschken wurden von den vier nicht benutzt. Laut späterer Schätzung sind ändert- halb Millionen Franks weggekommen; es fehlen einhundert- undachtzig Stücke. Da die Begleitbriefe als vernichtet betrachtet werden können, so werden Monate vergehen, bis der Bestand der einzelnen Sendungen eimittelt ist, es müßten denn die letzteren noch rechtzeitig in unversehrtem Zustande vorgefunden werden, was bei so geschickten Gaunern schwer zu vmnuthen ist; dieselben müssen sich wohl auf alle Fälle vorbereitet haben, wie der Umstand mit den Reisekaften nach Mecheln beweist. Ter Schadenersatz, welchen der belgische Staat zu leisten hat, dürfte nicht außerordentlich hoch sein, da englische und ameri- kanische Banken nur einen geringen Theil des Wefthes ihrer Postsendungen anzugeben, sich in der Hauptsache vielmehr bei Gesellschaften zu versichern pflegen. Literarisches. Von der„Neuen Zeit", Stuttgart, Verlag von I. H. W- D ietz, ist soeben das zwölfte Heft des 4. Jahrgangs er- schienen. Inhalt: Abhandlungen: Die chinesischen Eisenbahnen und das europäische Proletariat, il.— V. Von KarlKautsky- — Verschwörer und Polizeispione in Frankreich.—„Gift" und „Fortuna" von Alexander Kielland. Von Julie Zadel.— Literarische Rundschau: Otto Stall, Zur Ethnographie der Republik Guatemala.— Notizen: Die Entwicklung des Schul- wesens. Markthallen-Vericht von Z. Sandmann, städtischem Verkaufs-Vermittler, Berlin, den 2. Dezember 1886. Geflügel. Die Preise gestalteten fich heute etwas günstig�- es brachten in der Auktion Gänse unter dem Halse geschnitten, vollständig gerupft, Flügel und Füße auf den Rücken gcdun- den, nicht gebrüht und nicht gesengt, 8—10 Pfd. schwere 44-52 Pf., über 10-15 Pfd. 50-60 Pf., Fettgänse über 15 P» schwer sehr rar und gut bezahlt 63 Pf. und mehr per 1- Enten, Puten und Hühner sollen am Halse geschnitten((#' Der Kopf, die Flügel und Schwanzfedern werden nicht abaenoin' men. Junge Enten 1,50—2,50, fette Enten 46—50—60 Pf. ß* Pfund, über 10 Pfund schwere fette Puten 70—80 Pf.$ Pfd., Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20-1,70 M, Tauben � bis 40 Pf., Poularden 4,50—8 M. Mageres Geflügel schmck verkäuflich. Lebende Gänse zum Mästen 2,00—3,00 M., lebende Enten 0,90—1,50 M. Auktion täglich im Bogen 4 um 6 1�' Nachmittags. Wild. Tie Zufuhr war heute sehr mäßig. Mit dem 1. Dezember beginnt die Schonzeit für Rebhühner, om Handel dürfen dieselben noch bis zum 14. geführt werden. Es wurden in der Auktion folgende Preise erreicht. Rev° ausgeweidet 68-80 Pf., II. 60-70 Pf. pr. Pfund' Hirsche, sehr starke und fehlerhafte 30—36, I. 35— Tammwild 50 bis 70, I a 40 bis 50 Pf. per Pfund. W>>d schwein 30 bis 46, kleine 50 bis 66 Pf. pr. Pfu�' Rebhühner, junge 1,30—1,60, alte 90—110 Ps., Fasanen- Hennen 2,50 bis 3,00, Fasanenhähne 3,50 bis 4,00 vk Hasen ausgeworfen, bei kalter Witterung mit Kaldaune Stangen von 10 Stück 3,60—4,00 M. pr. Stück, sehr klcw und sehr fehlerhafte entsprechend weniger. Kaninchen, ajg geweidet 45—55—70 Pf. pr. Stck., Krametsvögel 30—33 P>' ver Stück. Schnepfen 2,10—4,00, Bekassinen 40—75 pr. Stück. Tie Wildauftionen werden täglich im Bogen um 6 Uhr Nachmittags abgehalten._ ,M. Fleisch. Nach Errichtung der Fleischschau in der Marn' halle wird es möglich, den Verkauf von geschlachtetem Vieh h zu vermitteln. Den Interessenten gebe ich gern jede naYS Auskunft. Der Fleischkommisfionshandel in unserer Marktha dürfte für viele Landwifthe und Schlächter von weittrageno Bedeutung sein.. Obst und Gemüse. Größere Zufuhren sehr erwunsK Die Preise steigend. Birnen 6,00 bis 8,50, Tafclbun 10-20, feinste Sotten 20-40 PH, Aepfel 6.00-9,00 U Tafeläpfel 10-20 M., feinste Sotten 20-36 M-. WallnU" 20-30 M.. geringe 15 M. pr. Ztr. Böhmische Backpflafic' 10—13 M. Magdeburger Sauerkraut 6—7 M. per Oxhoft- � Weißfleischige Speisekattoffeln 3,00—3,60, rothe 2,80"?! blaue 2,80—3,20 per 100 Ko.»groß Sellerie 7—10 M-, an 3-7 M-, Meerrettig 7-12 M.. Zwiebeln 4,50-6-8 Blumenkohl 30—40 M. pr. 100 Stück, Kohlrüben 1,50—2,00 per Zentner., w-r# _ Pflanzen. Rosen- Hochstämme 35—55. niednßoer � 15-20 M. pr. 100 Stück, Primeln 13-15 M. pr- 100 � Auktion jeden Dienstag und Freitag um 5 Uhr Nachmitt g Geräucherte und marinitte Fische- Engros-Auktion um 7 Uhr Nachmittags im Bogen 4. Regelmäßige A'-osche 8» L-KR ES- 100 Stück. Sprotten 60-80 Pf. per Kiste von 4 4, l Kieler Sprotten 25 bis 35 Pf. per Pfund. Rauchaal" 1 M. per Pfd. nualitftf Butter. Tendenz flau. Preise unverandett. 0»- ,c. in größeren Posten vorhanden. Fnsche feinste Taftto jjh, 120-125,_ frine_Iafe,Wn\_ "'.fehlerhafte 85 bis 90. Landbutter Y. 90-96,"% 85 M. Galizische und andere geringste Sotten 55—'" ve. 50 Ko.* he« Käse, feiner Quadrat- Sahnenkäse knapp und 6" 55, zahlt. Emmenthaler 70—75, Schweizer 1. 66—63,!*•"Y jjj,, 42-48, Quadrat-Backstein fett 22-30, K# Limburger l. 30-35, U. 20-25, Rheinischer Wand« 45—58 M., echter Holländer 60—65 M., Edamer'- � � II. 56— 58 M. Größere Vorräthe von Schwcizerkase st begeben.— Berantwortlich für den politischen Theil und Soziales Max Schippe f Echippel. für Vereine und Versammlungen F. Tutzauer, für den Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin SW„ Beuthstraße übrigen Theil der Zeitung R. Cronhcim, säinmtlich ui Beuthstraße 2.