Nr. 288. DonuerKttg,>e» 9. Dezember l88tt. 8 Jabrg. lerliiurDollistilalt Brami für die Intereffc» der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt" «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSpreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Numm« 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsaebühr betrügt für die 4 gespaltete Petitzcile oder deren Aiaum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 libr NachmittagK m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zlmmerstraße 44. Zur Handwerkerfrage schreibt uns ein Mitarbeiter: Die„Frkf. Ztg." beachte kürzlich einige offizielle statisti- sche Daten über die Zahl der gewerblichen Gehilfen und der selbstständigen Gewerbetreibenden. Es ist aus diesen Zahlen der Schluß gezogen worden, daß die Zahl der Hilfen sich immer mehr vergrößert, indeß die Meister, d. h. die selbstständigen Handwerker immer geringer an Zahl «erden. Nach meinen Beobachtungen und Ersahrungen im ge- ««blichen Leben sind diese Schlüfie nicht vollstänvig richtig, weil derartige statistische Erhebungen nicht mit der erforder- lichen Genauigkeit und nicht in der richtigen Weise gemacht werden. Ich bin nicht im Besitze statistischen Materials und damit zahlenmäßiger Belege, aber trotzdem behaupte ich, daß das Gegentheil richtig ist, daß die Zahl d e r Ri e i st e r sich vermehrt und die oer Gehilfen sich vermindert. Ich werde diese meine Behauptung zu beweisen versuchen. Zunächst sei bemerkt, daß bei statistischen Erhebungen, deren Zweck unter anderem auch der ist, eine sichere und zuver- lässige Ziffer über den Stand der selbstständigen Handwerker und der von ihnen beschäftigten Gehilfen zu erlangen, es unbedingt nothwendig ist, gewerbliche und fabriksmäßige Betriebe streng auseinanderzuhalten, ebenso auch eine strenge Scheidung zu treffen zwischen Arbeitern, die in Fabriken und solchen, die für Gewerbetreibende arbeiten. Besonders wichtig ist diese Scheidung bei Arbeitern, die außerhalb der Betriebslokalitäten arbeiten und die man ja gewöhnlich alle unter den Begriff„Arbeiter der Haus- «dustrie" zusammenfaßt. Nun giebt es tausende von Schneidern, die in ihrer eigenen Wohnung für den »Äeister" arbeiten, andere tausende von Schneidern ar- Zeiten dagegen unter denselben Bedingungen in ihrer eigenen Wohnung zc. für den Konfektionär, den„Kleidersabri- kannten". Ebenso bei den Schuhmachern. Tausende von ihnen arbeiten in ihrer eigenen Wohnung oder auf „Sitz" für Meister, viele Tausende von ihnen arbeiten aber unter denselben Modalitäten für die Fabriken. Sie Alle jind Hausindustriearbeiter,- werden sie nun als solche hinge- kommen, so ist es einleuchtend, daß der Werth der ge- wonnenen Resultate derartiger Untersuchungen von vorn- herein ein sehr fragwürdiger ist, auf keinen Fall erhält wan aber ein genaues Bild der thatsächlichen Berhältniffe. Bon diesen Arbeitern der Hausindustrie(sobald es sich um gewerbliche Arbeiter, um Gewerbsgehilfen handelt, ist wohl Bezeichnung„Hausindustrie" nicht ganz zutreffend) ge- hört allerdings unzweifelhaft der weitaus größte Theil in v« That der Industrie, der Konfektion, der Fabrikation und uur der kleine re dem Gewerbe an. Unzweifel- (*****€ ixtsotnu] IseuiU'eton. [4 Die Verführerin. Novelle von D. C o l o n i u s. „WaS hast Du erfahren?" fragte Antonio, nachdem vr die Anwesenheit seines Freundes gewahr geworden. „Ich bin zu spät gekommen, mein theurer Antonio," erwiderte Rudolph zögernd,„ich war im Palais des Barons von Danow und erfuhr von einem bestochenen Kammer- «ädchen, daß die Baroneffe früh Morgens ausgefahren und Koch nicht zurückgekehrt sei; ihr bestürztes Gesicht aber verrieth mir noch mehr als ihre Aussage, daß ein Geheim- Kiß hier obwalte. Ich fürchte, mein Antonio, Du hast Dein Gewissen—" „Und warst Du auch in dem Hause auf der Land- Pfaße, welche» ich Dir bezeichnet?" unterbrach Antonio feinen Freund. „Ich habe fast eine halbe Stunde an der Pforte ge- Uopft, ohne daß mir Jemand öffnete; dann erst habe 'ch nach Deiner Anweisung von dem Schlüffel Gebrauch ge- wacht, den Du mir mitgabst. Ich habe das Häuschen in allen Räumen durchsucht und leer gefunden. Alle Schränke vvppelt verschloffen, ganz so, wie wenn seine Bewohner es >Ur einige Zeit vollkommen verlaffen hätten." Antonio nahm diese Mittheilungen mit solcher Ruhe ent- Zogen, als hätte er gar keine andere erwartet; nach einer kurzen Pause des Nachdenkens wandte er sich an Rudolph kKtt der Frage:„Wärst Du im Stande, augenblicklich ab- preisen?" „Ja, mein Antonio!" „Hast Du Adele— ich meine die Baroneffe Danow einmal gesehen?" „Niemals." ~.„Hier ist ihr wohlgetroffenes Bild, präge jeden Zug seinem Gedächtniffe ein, damit Du sie erkennst, wenn Du ?r begegnest. Sieh mich nicht so verwundert an, eS ist ihr Haft ist die Einrichtung der Hausindustrie ein offenbares Anzeichen ungesunder wirthschaftlicher Zu- stände und wo sie von der Fabrikation akzeptirt wurde, bedeutete sie zugleich eine rapide Zurückdrängung des Klein- gewerbes der betreffenden Branche, bedeutete sie dessen Ruin, weil sie in Folge der billigen Produktion, bei der ja schon ein großer Theil des konstanten Kapitals in Wegfall kommt, eine vernichtende Konkurrenz ausüben kann. Durch diese unwiderstehliche Konkurrenz verliert der Gewerbestand ein Stück seines bis dahin innegehabten Terrains nach dem anderen und die nächste Folge ist, daß die größeren Handwerksmeister ihre eigene Produktion be- schränken, selbst Fabrikswaare kaufen, um damit zu handeln und nur einige Gehilfen noch behalten, um ihren treu- gebliebenen Kunden„selbstgemachte Waare" zu liefern. Da zu diesem Schritte, zur Einschränkung seiner eigenen Pro- duktion aber nicht nur ein Meister gezwungen wird, son- dern mehr oder weniger alle, so gehört wohl nicht viel Scharfsinn dazu, um die mit den wirklichen Thatsachen über- einstimmende Ueberzeugung zu gewinnen, daß ein Theil der bis dahin im Gewerbe beschäftigten Gehilfen in diesem überflüssig wird und sich daher in der Fabrik nach Arbeit umsehen muß. Dadurch allein verändert sich schon das Zahlenverhältniß der Meister und Gehilfen zu einander. Dieser wirthschaftliche Prozeß wirkt aber weiter, der theil- weisen Einschränkung der Produktion folgt in vielen Fällen die Reduktion des Geschäftes in solchem Maße, daß der Meister zuletzt nur noch allein arbeitet und oftmals nicht einmal für diese bloßen zwei Hände genug zu thun hat. Andererseits besteht die Thatsache, daß viele Schneider, Buchbinder, Barbiere, Schuhmacher u. s. w. des Arbeiterlebens müde und in Rücksicht auf einen Bekannten- kreis, auf Freunde, die sie besitzen, sich selbstständig machen in der Voraussicht, nur für sich allein ausreichend oder auch nicht genug Arbeit zu haben. Dieser„Meister" verdient gar häufig nicht so viel, als zur Bestreitung seines Haus- Haltes nothwendig ist, so daß die„Frau Meisterin" auch durch einen Nebenverdienst noch dazu beitragen muß. Die mittleren Kleingewerbetreibenden präsentiren sich uns vielfach als gleichzeitige K a u f l e u t e. Der Buchbinder hat einen förmlichen Buchhandel, der Barbier einen Parftimerieladen, der Schuhmacher Wichse, Schmiere, Schnürbänder, der Hutmacher eine Menge nicht zur Kopf- bedeckung gehöriger anderweitiger Filz- und anderer Artikel u. f. w. Darin, d. h. in diesem Nebenhandel bekundet sich die Thatsache, daß das Gewerbe, der beschränkte Umfang seines Betriebes, nicht zur Bestreitung eines Familienunter- Haltes ausreicht, sondern nothwendig« Weise am Handel mit noch anderen Artikeln ein weiterer Verdienst erzielt werden muß. Große Handwerksmeister, z. B. Schneider, Schuhmacher nicht in den Sinn gekommen, sich oder mich zu tödten— sie ist abgereist, und wenn mich meine Vermuthung nicht täuscht, hat sie ihren Weg über Dresden nach Norddeutsch- land genommen, um von dort aus vielleicht nach England oder Frankreich zu gehen. Sie weiß es sehr gut, daß der Baron es nicht wagen wird, sie zu verfolgen oder auf- zuhalten, noch weniger aber die Behörde von ihr« Flucht zu unterrichten, weil sie sonst auf öffentliche Schei- dung dringen und ihm das Einkommen ihres beträchtlichen Vermögens entziehen würde, welches er noch genießt. Adele beabsichtigt nichts, als einige Zeit an einem völlig fremden Ort zu verweilen, um dann wieder in die Gesell- schaft zurückzukehren. Der Baron wird klug genug sein, entweder ein Märchen zu«finden, od« seine Gatttn wird ihn selbst von ihrem Entschluffe unterrichtet und die nöthigen Verabredungen getroffen haben. Du, mein Rudolph, wirst mit dem nächsten Zuge nach Dresden reisen, vielleicht langst Du gleichzeitig mit d« Baroneffe daselbst an; die Reise ohne Unterbrechung fortzusetzen, erlaubt ihr ihr Zustand nicht, überdies hat sie nur einen Vorsprung von einigen Stunden. Findest Du sie in Dresden, dann bleibe in ihr« Nähe, beobachte jeden ihre Schritte und be- richte mir hierüber. In Naudnitz erwarte ich entweder ein Schreiben von Dir od« Dich selbst, falls sie noch nicht in Dresden angelangt fein sollte. Hat die Baroneffe diese Richtung eingeschlagen, dann kann sie uns nicht entgehen; in ein« halben Stunde geht der Zug ab. Du hast also nur noch zehn Minuten Zeit, das Nöthigste zu besorgen; daS Uebrige überlaffe mir, ich habe die ganze Nacht für mich. Nun beeile Dich, Freund; ich hoffe bald von Dir zu hören." Nach einer herzlichen Umarmung eilte Rudolph hin- weg, Antonio aber warf sich, als er allein war, auf das Sopha hin und rief mit dem Tone d« Verzweiflung: Jetzt erst bin ich für alle Zeit elend! III Vom Raudnitz« Schloßhofe herab zeigen zwölf lang- same Glockenschläge die Mitternacht an. Kein Stern am Himmel, kein mitleidiges Licht in den grauen Häuschen, u. s. w., die etwa bis zu 20 Gehilfen beschäftigen, sind heut zu Tage seltene Exemplare, man kann sie höchstens noch vereinzelt in Großstädten antreffen. Denn wenn ein Gewerbetreibender so günstig finanziell dasteht, um sein Gewerbe in derartig ausgedehntem Umfange betreiben zu können, dann zieht er dem zwerghaften klein- gewerblichen Betriebe entschieden den industriellen vor, er hört auf, Gewerbsmeister zu sein, er schafft sich Maschinen an, führt die Arbeitstheilung durch und wird Fabrikant, oder « beliebt die profitablere Hausindustrie und wird„wohl- thätiger" Industrieller. In der Gewerbemisere treten uns aber noch verschieden- artige andere Erscheinungen entgegen. Es giebt Branchen, bei denen der„Ablösmeister" eine große Rolle spielt. Dieser figurirt als„selbstständiger" Gewerbetreibender, ab« er hat keinen Kundenkreis nach allgemeiner Auffassung. Sein einzig« Kunde ist ein Fabrikant, ein Industrieller oder auch ein Grossist, ein Großkaufmann. Von diesem Unternehmer «hält d« Ablösmeister manchmal einen Theil der Rohstoffe zu fixirtem Preise geliefert, oder er erhält einen bestimmten Geldvorschuß, od« es tritt keines von beiden ein und er liefert seine Waare ab, deren Preis ab« dann häufig nicht der arme„Ablösmeister", sondern der reiche Unternehmer bestimmt, dem jener auf Gnade und Ungnade überantwortet ist. Diese Art des Gewerbebetriebes ist zugleich auch eine Spielart d« Hausindustrie. Andere„selbstständige Gewerbsmeister" wiederum, die eine zu kleine Kundenzahl besitzen, arbeiten zugleich un- beschadet ihrer Selbstständigkeit für einen eigenen Konkurrenten, für einen anderen Meister. So, in kurzen Umrissen gezeichnet, ist das Bild, das der Gewerbestand der Gegenwart uns darbietet. Resümiren wir die einzelnen Fakten: Rückzug vor der Großindustrie, Ein- schränkung der gewerblichen Produktion, halb Produzent, halb Händler, Schein meister und wirklicher Haus- Industriearbeiter, halb Meister, halb Geselle. Die Gehilfen werden durch die Verarmung, durch die gewaltsame Zurück- drängung des Gewerbes aus deffen Sphäre hinausgeworfen und dem Jndustrieprolctariate in die Arme geschleudert, da- her rapid« Rückgang der Zahl der Gewerbeqehilfen und Vermehrung der Industriearbeiter und relative Vermehrung der Gewerbsmeist«, aber riesige Verminderung ihrer Pro- duktion. Von diesen Gesichtspunkten aus geleitet statistische Untersuchungen unternommen, werden ganz andere Resul- täte sich«geben, als die sind, von denen kürzlich, wie ich schon in der Einleitung bemerkte, die„Franks. Ztg." berichtete. ES werden dann auch durch Zahlen die Thatsachen belegt werden können, daß wir z. B. in mancher Stadt 150 Schneidermeister, dagegen nur 50—80 Gehilfen, 300 Schuhmachermeister, aber nur 80 höchstens 100 Gehilfen antreffen. Der Rückgang des Gewerbestandes läßt sich also nach meiner keine Laterne in den Gaffen, kein Wesen mehr wach! Nur der Sturm bricht mit immer größerer Gewalt aus den Höhlen der Gebirge hervor und jagt mit unheimlichem Ge- brause die zitternden Nachtgespenst« üb« die Uferflächcn der Elbe hin. Auch auf dem sonst so lebhaften Bahnhofe ist es still geworden; die Wege sind verschneit, selbst der Verkehr auf der Bahn hat eine kurze Unterbrechung erlitten. Auf dem Raudnitz« Bahnhofe, etwa hundert Schritte von dem Halt- platze entfernt, steht ein altes Gemäuer, es ist dies der letzte Ueberrest ein« im Schwedenkriege zerstörten Elbbrücke, von deren Geschichte dieser einzige Pfeiler ein stummes Zeugnisi ablegt. Der Eisenbahnbau selbst gab dieser kaum eine andere Gestalt. Ueb« das noch immer starke Gewölbe geht die Bahn hinweg; ein Stück aber, welches weiter über das Ufer hinausragt, war zu ein« Art Veranda schon hergerichtet, und man hat in der That von diesem ein- gezäunten, von der Bahn durch einige in die Höhe führende Stufen gesonderten Punkte aus eine herrliche Aussicht auf das jenseitige Elbthal und auf das diesseitige schlangen- förmig gekrümmte Felsenufer. Um die Mitternachtstunde steht auf obgenannter Stelle ein Mann. Er scheint mit forschendem Äuge die Umriffe des entlaubten, gespensterhaft schwarzen Haines zu betrachten. Von Zeit zu Zeit wirft« einen Blick auf die Signal- plätze nach beiden Seiten der Bahnstrecke und kehrt, so oft er sich in seinen Erwartungen getäuscht sieht, mit einem dnmpfen, dem Sturmesbrausen entsprechenden:„Noch nicht!" in sein voriges Brüten zurück. Dieser Mann scheint für Sturm nnd Wetter ganz un- empfindlich zu sein, wenigstens giebt er kein Zeichen von Unbehaglichkeit kund;— od« sind es vielleicht Gedanken, die das Sturmcsbraufen übertönen, und Gefühle, die mit ihr« versengenden Gluth die schneidende Kälte des Nord- windes überwinden?— Zuweilen, so oft der Sturm ein wenig schweigt, hört man vom Strome herauf das Knarren zwei« zu ein« Scholle gefrierenden Eisstücke. Bei ein« solchen Gelegen- heit entfährt dem ernsten Beobachter die Bemerkung: So Tleberjeugung nur konstatiren in Hinsicht auf seine Produk- tion und die von ihm wirklich beschäftigten Gehilfen. Aber man zähle nicht die für Konfektion u. s. w. arbeitenden Ar- beiter dem Gewerbe zu, sondern der Industrie. Z. Aus®e(}crrcicE. (Vergleiche gestrige Beilage.) II. Die Arbeiterkammern sind offenbar in Analogie zu den bestehenden Handels- und Gewerbekammern gedacht— die näheren Bestimmungen darüber zeigen aber deutlich, daß es darauf abgesehen ist, durch den Namen und durch den ähnlichen Wortlaut einzelner Bestimmungen in den Kreisen der Arbeiter die Täuschung wachzurufen, es würden ihnen durch dieses In« stitut gleiche Rechte wie den Unternehmern in Handel und Ge- werbe verliehen. Daß dies nicht der Fall ist, geht vor Allem aus den Bestimmungen über das politische Wahlrecht in die Kammern und der Kammern in den Reichsrath hervor. Die bestehenden Handels- und Gewerbekammern wählen 28 Abgeordnete in die Reichsvertretung, die Arbeiter- kammern sollen nur 9 Abgeordnete wählen. In die Arbeiterkammern dürfen ferner nur solche Arbeiter wählen und gewählt werden, die winde st ens zwei Jahre im Kammerbezirke in Arbeit stehen und einer im Kammerdezirke befindlichen, nach den gesetzlichen Vorschriften vrganifirten Krankenkasse angehören. Daß durch die Beschrän- kung des aktiven und passiven Wahlrechts auf die seit min- bestens zwei Jahren Ansässigen einer großen Zahl von Arbeitern das Wahlrecht geraubt wird, ist von vorn herein klar; eine Bestimmung, die für die Klasse der Unternehmer ziemlich bedeu- tungslos wäre, ist für die Arbeiterklasse von Ausschlag gebendem Einflüsse. Tie moderne Freizügigkeit, die periodischm Krisen und die damit in Verbindung stehende zeitweise Arbeitslosigkeit und der Wechsel des Arbeitsortes stempeln diese Beschränkung zu einer reaktionären Maßregel, denn es find im Großen und Ganzen die konservativen Elemente des Arbeiterstandes, welche am Orte bleiben und welche durch diese Gesetzesbestimmung den dominirenden Einfluß in den Arbeitcrkammern erhalten. Man merkt die Absicht und wird verstimmt. Nicht weniger charakteristisch für die Absichten der Verfasser des Gesetzentwurfes ist die Bestimmung, daß nur Mitglieder der Arbeiterkammern, also nur die aus den wahlberechtigten Arbeitern gewählten Delegirten, als Abgeordnete in den Reichsrath gewählt werden dürfen. Nachdem vorher eine ge- naue Sichtung zwischen Schafen und Böcken vorgenommen worden, wird nun noch besondere Vorsorge getroffen, daß nicht etwa doch durch eine geheime Pforte einer von den bösen Böcken in den großen Schafstall gerathe und die Schafe re- bellisch mache. Es wird Niemandem von normalem Verstände begreiflich zu machen sein, warum nur ein Arbeiter die Jnter- essen der Arbeiter zu vertreten im Stande sein soll, und Nie- mandem fällt es ein, zu verlangen, daß durch Gesetz z. B. den Bauern verboten sein soll, anvere als Bauern zu Abgeordneten zu wählen. Nur die Arbeiter haben so sonderbar beschaffene Interessen, daß Niemand sie zu verstehen vermag, als wieder nur ein Arbeiter. Aber selbst, wenn man diese Ungereimtheit zugeben wollte, würde man doch noch immer nicht begreiflich finden, warum nur solche Arbeiter, welche als Telegirte in die Arbeiterkammern gewählt worden sind, befähigt sein sollen, die beiterangelegenheiten zu verstehen. Die indirekten Wahlen aus den Landtagen hat man mit Recht abgeschafft, für die Ar- Arbeiter führt man neue indirekte Wahlen ein. Nichts anderes will man dadurch erreichen, als daß nur solche Personen ge- wählt werden, welche politisch harmlos genug sind, um in die ausgelegten Fallstricke ohne Besinnen sich zu verwickeln; man will politisch farblose, unselbstständige, vom Kasten- und Zunft- geiste beherrschte Arbeiter in die Reichsvcrtretung bringen, mit denen sich leicht politisches.Komödienspiel treiben läßt. Besser, wenn auch keineswegs den berechtigten Anforde- rungen der Arbeiter entsprechend, sind die organisatorischm Bestimmungen über die Arbeiterkammern und die Formulirung der sozialen Zwecke, die sie zu erreichen haben. Sie sollen Wünsche und Vorschläge über alle Arbeitcran gelegen Helten mit- theilen; Gutachten über Gesetzentwürfe und über die Errichtung von Institutionen, die das Interesse der Arbeiterschaft betreffen, abgeben. Ferner sollen sie die Pflicht haben, statistische und summarische Berichte über die Lage der Arbeiter, über Lohn- Verhältnisse, über die Wirkung legislativer und administrativer Maßregeln auf den Arbeiterstand, über Einrichtungen zur För- derung des Arbeiterstandes, namentlich über sachliche Bildungs- anstalten und über den Erfolg der Vorkehrungen für die Fabrik- Hygiene und den Schutz der Arbeiter gegen Unfälle:c. abzugeben. Gewiß kann die Thätigkeit der Arbeiterkammern in allen diesen Beziehungen eine sehr fruchtbare werden, wenn die Regierung und ihre Organe den Berichten und Anträgen der Kammern die gehörige Beacktung schenken. Aber daran ist zu zweifeln, wenn man die bisherige Nichtachtung der Arbeiter- forderungen und das despotisch willkürliche Verfahren der Behörden gegen die Arbeiter beachtet; es ist vielmehr zu kann sich im Frost auch Eis zum Eise paaren, so wie zu der Lebenswärme das Gefühl sich gesellt. Doch wie kann Kälte sich mit Wärme einen, wie kann die Kälte durch die Gluth zum Frost, wie kann die Gluth durch ewig gleiche Kälte zur brennenden Lohe gesteigert werden?— Wie kann ich Dich lieben, Adele?— Was soll ich Dir sein?— Warum zwingst Du mich zu einem Verhältnisse, welches mich zum elendesten Menschen macht— und meine, unglückliche Rosarka!" Zn diesem Augenblicke zeigte sich auf der Bahnstrecke gegen Prag das Signal des ankommenden Zuges, und gleich darauf ward dasselbe Zeichen auch auf der andern gegen Dresden hin führenden Strecke sichtbar. „Endlich!" sprach der Mann halblaut vor sich hin und verließ nach einigen Augenblicken seinen Platz, um dem Halt- punkt näher zu gehen. Wenige Minuten nachher hielten beide Züge fast gleich- zeitig an. Der Harrende durchlief die Wagenreihe des von Dresden her kommenden Zuges und begegnete bald einer zweiten männlichen Gestalt. Die beiden Männer drückten sich die Hände als Zeichen, daß sie sich erkannt hatten. „Was hast Du erfahren, Rudolph?" fragte der erstere. „Nichts, mein Antonio!" lautete die Antwort. „Erwarte mich hier, vielleicht ist sie mit dem Prager Zuge hier— ich will nachsehen. Löse indeß eine Karte, wenn ich sie finde, gehst Du nach Dresden zurück. Oder ist es Dir viel- leicht zu beschwerlich?" „Nichts ist mir zu schwer für Dich, mein Freund!" „Gut denn, wir finden uns an dieser Stelle bei der Laterne wieder." Nach kaum zwei Minuten fanden die beiden Männer sich wieder ein. „Im vierten gelben Wagen ist sie," sprach Antonio. „Sei vorsichtig. Lebe wohl!" Zn diesem Augenblicke ertönte da? Glockensignal. Der nach Dresden hin fahrende Zug setzte sich in Bewegung— noch ein Blick und der gelbe Wagen mit seinen früheren und neu hinnigekommeneii Insassen fuhr vor unserem zurück gebliebenen Manne vorbei. Da rief dieser den Namen: �Rudolph!" Der Gerufene steckte den Kopf aus dem her- erwarten, daß diese Berichte, Wünsche und Vorschläge fast immer nur„schätzbares Material" bleiben werden. Manche organisatorischen Bestimmungen sind ebenfalls mehr dazu angethan, die Thätigkeit der Arbeiterkammern zu lähmen, als zu fördern, hier ist besonders hervorzuheben, daß die Mitglieder der Kammern ihre Funktionen unentgelt- l i ch auszuüben haben, also im Sinne des Gesetzentwurfs bloße Ehrenstellen bekleiden; durch diesen Passus wird das passive Wahlrecht der Arbeiter auf das Empfindlichste be- schränkt, da nur Wenige in der Lage sein werden, eine Funk- tion zu übernehmen, die von ihnen solche Opfer verlangt, ohne irgend welchen Ersatz zu bieten; man wird nicht die Fähig- sten wählen können, sondern nur jene, denen es die Mittel und der Beruf erlauben, nach solcher„Ehre" zu streben. Diäten- lose Parlamente bieten Gelegenheit genug, um über die schlim- men Folgen einer solchen falschen Auffassung des Charakters von Ehrenstellen klar zu werden. Wenn Mitglieder von Han- dels- und Gewerbckammem sich den Luxus gestatten können, um der bloßen Ehre willen in der Kammer zu funktioniren, so ist doch ihre soziale und materielle Stellung eine ganz andere als die der Arbeiter, die die Gleichstellung von Delegirten der Handels- und der Arbciterkammer in finanzieller Beziehung verbietet. Man kann diese Bestimmung einerseits aus dem Bestreben der Urheber jenes Gesetzentwurfes erklären, eine Ar- beiteraristokratie zu schaffen, mit der sich macchiavellistische Sozialpolitik treiben ließe. Der Inhalt des Gesetzentwurfes rechtfertigt also voll- auf die Annahme, welche in den Aeußcrungen der öfter- reichischen Arbeiterpresse und in den Resolutionen von Arbeiter- Versammlungen zum Ausdruck gelangte: daß derselbe nur ein schlecht maskirter taktischer Koup der altliberalen Partei ist, die ihre bisherige offen arbeiterfeindliche Haltung vergessen zu machen sucht, da sich ihr die Erkenntniß aufgedrängt hat, daß der Arbeiter in der Thätigkeit der Legislative nicht mehr lange hintangehalten werden kann. Daß dieser Koup nutzlos bleiben wird, können wir heute schon mit Bestimmtheit sagen. Die Arbeiter vergessen nicht, daß die projektirten Ärbeiterkammern ein neues Stockwerk zum Gruppenwahlsystem bilden, welches sie perhorreszircn und welches die Quelle zahlloser Ungercchtig- keiten in der politischen Vertretung der österreichischen Völker ist. Sie verwerfen das Fundament, auf welchem der neue Gesetzentwurf ruht und sie können daher nicht die Konsequenzen billigen, welche von politischen Tartüsses daraus in kluger Vor- ausberechnung der für sie erwachsenden Vorthcile gezogen wer- den. Sie werden aber auch nicht in den entgegengesetzten Fehler verfallen, die Institution, wenn sie zur Wirklichkeit werden sollte, unbenutzt zu lassen, weil sie ihnen nicht gefällt, und den Gegnern ein Terrain zur Verfügung zu stellen, auf dem sie ihr bekanntes politisches Gaukelspiel fortsetzen können. Sie werden am Platze sein, wenn es gilt, den Kampf um die wahren Arbeiterintercssen auszufechtcn und sie werden beweisen, daß selbst aus dem schlecht gemeinten Projekte Klugheit und Besonnenheit für den Arbeitcrstand dauernde Vortheile erringen werden. Ter Zeiger an der Uhr geht vorwärts, auch im trägen und versumpften Oesterreich. Politische Ueverstcht. Die Walstbetheiligung im ersten Berliner Reichstags- Wahlkreis betrug nach der statistischen Uebcrficht der„Frcis. Ztg." 66,66 pCt. der eingeschriebenen Wähler. Bei den Reicks- tagswahlcn im Jahre 1884 betrug die Betheiligung 74,25 pCt. Der freifinnige Kandidat siegte 1886 mit 51,46 pEt. der abgegebenen Stimmen, im Jahre 1884 mit 52,36 pCt. Die Nationalliberalen erzielten 3,62 pCt. der abgegebenen Stimmen. Ter Rückgang der Konservativen bekundet sich darin, daß dies- mal nur 34,14 pCt. der abgegebenen Stimmen auf den Kon- servativen fielen, gegen 41,96 pCt. im Jahre 1884. Der A n t h e il der Sozialisten an der abgegebenen Stimmenzahl stieg gegen 1884 von 5,11 pCt. auf 10,36 pCt. Tie Zahl der eingeschriebenen Wähler scheint im Wahlkreise abgenommen zu haben. Sie betrug 1884 21 670, diesmal nur 20014.— Diese Zahlen bekräftigen unsere gestern ausgesprochenen Anschauungen. Die Zahl der Wähler ist im ersten Wahlkreise zurückgegangen, weil an Stelle der Familienwohnungen Hotels, Läden, Komptoirs und Bureaus entstanden sind. Die Verminderung um mehr als 1600 Wähler trifft offenbar in erster Linie die Arbeiter; die Angehörigen der ärmsten Klasse sind es, die vor dem sich ausbreitenden Luxus und Geschäftetreiben in die Außenbezirke Berlins ge- drängt werden. Trotz dieser sich von Jahr zu Jahr schwieriger gestaltenden Lage im ersten Kreis ist der Antheil der sozia- listischen Stimmen von 5,11 pCt. auf 10,36 pEt. gestiegen! Hatten wir danach Unrecht, wenn wir von einem glänzenden Erfolg sprachen? Und niuß diese unwiderstehliche Entwicklung bei den Gegnern nicht die trübsten Aussichten für die Zukunft erwecken? Zur Mannheimer Wahl. Auch die„Franks. Ztg." be- stätigt beute, daß ein Thcil der Demokraten für den national- liberalen Dissens gestimmt hat. Wir legen diese Knobloch- Demokraten nunmehr zu den Todten! abgelassenen Fenster. Der Rufende sprach dann so laut er konnte, das Wort:„Bechlin!"— Der Zug rollte vorbei und verschwand im Dunkel der Nacht. IV. Raudnitz ist der Name eines kleinen, am linken Elbufer gelegenen Städtchens in Böhmen. Ausläufer von dem einige Meilen entfernten Mittelgebirge ziehen sich dem Elb- ufer entlang, bis in die Nähe von Prag und bilden eine von anmuthigen Thälern und fruchtbaren Saatengesilden unterbrochene Hügelkette, aus welcher hin und wieder ein einzelner, etwa vier- bis achthundert Fuß hoher Berg her- vorragt. Der höchste unter diesen Bergen ist der St. Georgs- berg, der mit seinem waldigen Abhänge, seinen Ungeheuern Felsmassen und der kleinen Kapelle auf seinem Scheitel ein recht ehrwürdiges Aussehen für den hat, der nie die Alpen zu sehen Gelegenheit hatte. Eine kurze Strecke von dem Fuße dieses Berges entfernt dehnt sich einige Meilen weit das fruchtbaste Thal aus und in diesem liegen alle zum Herzogthum Raudnitz gehörigen Dörfer und Gehöfte. Das Stäotchen selbst liegt zur Hälfte am hohen Elbufer, zur Hälfte aber noch am letzten Ausläufer eines Bergrückens, so daß der Marktplatz oder„Ring" einen von ziemlich schlechten, schmutzigen Häusern eingerahmten Abhang bildet. Auf dem höchsten Punkte des Ortes steht das stolze fürstlich Lobkowitz'schc Stammschloß. Dieses Schloß mit all den ge- schichtlichen Denkwürdigkeiten und Ereignissen in der fürst- liehen Familie, die sich daran knüpfen, werden wir später zum Gegenstande unserer Betrachtung machen; auch Raudnitz und"den Georgsberg müssen wir für heute ver- lassen und uns in ein zur Herrschast gehöriges und von dem Städtchen etwa eine Stunde Weges entferntes Dorf begeben. Es heißt Bechlin— Bechlin im Winter! Das Dorsleben ist im Frühling das:„Es werde!" im Sommer das:„Es ward!" im Herbst das:„Es ist!" und im Winter das:„Es war!" in der Natur.— Bechlin ist im Winter ein großer offener Sarg, in welchem die Glieder von hundert Familien umherkriechen, die menschliche Gestalt und menschliche Bewegung haben und dennoch nicht Menschen sind. Erdäpfelnaturen, Branntweingemüther, deren erstes Bedürfniß Stoffe für den Magen, deren zweites Holz für Die Berliner Arbeiterinnenbewegung, seit dem Mai d. I. aus dem Versammlungsleben verschwunden, ist am letzten Sonnabend durch Gerichtsspruch vielleicht auf lange Zeit zu Grabe getragen worden. Unsere Leser wissen zur Genüge, daß in dem erwähnten Monat die polizeiliche Schließuug der drei Berliner Arbeiterinnenvereine, des„Vereins zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen", des„Vereins der Arbeiterinnen Berlins"(des sogenannten Nordvcreins) und des„Fachoereins der Mäntelnäherinnen" auf Grund des Vereinsgeseyes erfolgte. Die Vorstände wurden wegen Verletzung desselben angeklagt. Nach monatelanger Untersuchung ist zunächst gegen den ältesten, hier zuerst aufgeführten, von Frau Guillaume-Schack begründe» ten Verein seitens der Behörde vorgegangen und ein verurthei- lendes Erkenntniß erzielt worden. Niemand durfte Hoffnung hegen, daß die zwei anderen Vereine besser fahren sollten. Das ergangene Urtheil ist von einschneidenster Bedeutung für die Bestrebungen der Arbeiter und Arbeiterinnen. Nur wenige Pessimisten hatten erwartet, daß sich der Gerichtshof in allen Punkten dem Staatsanwalt anschließen und in den ein- fach sten und zwingendsten sozialen Forde- rungen der Arbeiterinnen„politische Ten- denzen erblicken werde. Das ganze Fehlen der Ange- klagten bestand darin, daß sie, auf dem Koalitionsrecht fußend, die immer jämmerlicher werden Lohn- und Lebenszustände der Arbeiterinnen zu verbessern suchten. Bei diesen Bemühungen wandten sie sich an alle Parteien, sogar an den Hetzapostel Stöcker. Der Verein protestirte gegen den Nähaarnzoll und den projektirten famosen, das Frauen- erwerbsleben total ruinirenden Ackermann'schen Befähigungsnach- weis. Unserer Anficht nach war dies die Pflicht des Vereins, wenn er seinen Namen zu Recht tragen sollte. Warum werden nicht sämmtliche Innungen und landwirthschaftliche Vereine verboten, die doch ähnliches vertreten? Sollten die Arbeite- rinnenvereine ein Scheinleben fristen oder nach Lina- Morgen- stern'schem System vegetiren? Ten Frauen und Mädchen deS arbeitenden Volkes, die sich zusammenfanden, war es tiefster Ernst mit ihren Bestrebungen. Und wenn auch hier und da die Zwietracht aufloderte, so war sie nur künstlich entfacht wor- den. Stöcker's Bestechungs- und Versührungsversuche bilden eine drastische Illustration hierzu. Der Staatsanwalt hat den „Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen" für Alles verantwortlich gemacht, was in den allgemeinen Ver- sammlungen zum Austrag gekommen. Der Verein soll diese angeregt und geleitet haben; bewiesen ist es aber nicht worden. Recht stutzig konnte uns die Äegründnng machen, daß der Verein nichts Positives geleistet und den sozialdemokratischen Arbeiterschutzgesetz-Entwurf empfohlen habe. Wir wollen das Irrige hieran etwas beleuchten. Abgesehen davon, daß eine so junge, nur etwas über ein Jahr bestandene Bewegung in diesem Zeitraum kaum über die ersten Entwickelungsstadicn, mit ihren Gähmngen uud Bemühungen, hinausgelangen kann, ist doch viel geschaffen worden. Wieviel Roth und Elend der Verein gelindert, wissen nur die Geber und Empfänger. Das drohende Gespenst des Nähgarnzolles wurde hauptsächlich durch den Protest der Berliner Arbeiterinnen verscheucht. Und endlich, welche Saiten mußten viele gewissenlose Arbeitgeber aufziehen, die sich vor der Brandinarkung in öffentlichen Ver« sammlungen fürchteten! Es sei an die umfassende Privat« enquete der Arbeiterinnen u. Ä. m. erinnert. Dies Alles hat dem Staatsanwalt die hochgradige Gefährlichkeit der Arbeite- rinnenvercine bewiesen.� Was den sozialdemokratischen Arbeiter- schutzgesetzentwurf betrifft, der bekanntlich eine rein soziale Ten- Venz hat und selbst in dieser noch sehr zahm ist, so hätten die Arbeiterinnen auch den einer anderen Partei akzcptirt; aber es war ja keiner da. Sehr treffend führte eine Zeugin in der Gerichtsverhandlung aus, daß Männer und Frauen jeder Rich- tung in den Arbeitcrinnenversammlungen zum Worte zugelassen wurden. Sogar Gegner der heutigen Arbeiterinneninteressen- Vertretung, wie der Reichstagsabgeorvnete Rickert, hat in seiner hochbedeutsamen Zeugenaussage dem Vereine und seinen durch- aus nur witthschaftlichcn Bestrebungen das unumschränkteste Lob gespendet. Nicht minder war die Stadtmisflonarin Ofiander, die Helfershelferin Stöcker's auf dem Ardeiterinnenfange, ge« zwungen, der Wahrheit die Ehre zu geben.— Das Alles hätte zu Gunsten der Arbeiterinnen sprechen sollen. Leider vermögen wir nicht zu glauben, daß der jetzige Zustand unserer Verhält« nisse sich bald ändern wird. Es liegt System in Allem, was man gegen die Ardeiter und Arbeiterinnen unternimmt. Der Reichstag hat seine nächste Sitzung auf Freitag, nicht, wie allgemein angenommen worden war, auf Montag anberaumt. Man schreibt der„Nat.-Ztg." darüber:„Der Plan des Präsidenten, der Milstärkommisflon drei volle Tage dieser Woche zur Berathung der Vorlage zu überlassen, und deshalb die nächste Plenarsitzung erst auf Montag anzude- räumen, scheiterte an dem Widerspruch des Zentrums. Der Abg. Windthorst hält es für zweckmäßig, daß während der Thätigkeit der Kommission auch die Fraktionen zusammen- bleiben, während bei einer Pause von nahezu einer Woche, noch dazu in unmittelbarer Nähe der Weihnachtsfericn, die Mehrzahl der jetzt anwesenden Mitglieder die Heimreise an- treten würde. Das Zentrum scheint überhaupt Alles daran zu den Lehmofen und deren drittes Dünger für das Feld ist; Geschöpfe, die von den vierundzwanzig Stunden des Tages zwölf verschlafen, acht hinter dem Ofen hocken und vier sich vom Schlafen und Sitzen erholen. Nicht nur die Bären, auch die Menschen schlafen rn ihren Winterhöhlen, und die Bechliner Bauern sind solche Bärencharakter und ihre Woh- nungen Winterhöhlen. Das Landleben hat im Sommer viel Poetisches an sich— im Winter ist es für die schlechteste Prosa zu schlecht. Nur drei menschliche Häuser giebt es in Bechlin, w welchen menschliche Familien wohnen, nämlich die des Pfarrers, des Richters und des Hofpächters. Der Richter ist ein gar kluger Mann, der„Latein studirt" hat und selber seine Gesuche und Bittschriften an die Behörde verfaßt> einer seiner Söhne ist Bierbrauer in Prag, der andere ist sein Substitut im Dorfe und sein Töchlerlein— o, das ist so schön und so gut und so geliebt! Aber auch in einer Hütte in Bechlin wohnen Menschen und in eine solche müssen wir uns begeben, um unfern Helden aufzusuchen.. Aus ungebrannten Lehmziegeln aufgeführte, mit Ka übertünchte vier Mauern, mit einem Sttohdach so schlcck gedeckt, daß Regen, Wind und Schnee keinen Widerstan finden, wenn sie zufällig diesen Ort zum Opfer ihrer Tyra' nei auserlesen haben, und in der Vordermauer drei m Glas und Papier verdeckte viereckige Löcher— Fenster lst- nannt— bilden im Vereine mit einer Holzthür, welche dem ersten Drucke einer kräftigen Männerfaust weichen«uro, die Außenseite des Gebäudes, in welches wir unsere führen müssen. Treten wir ein! Durch einen geräumigen, in diesem Augenblicke J Theil mit schmutzigem Schnee bedeckten Düngerhof gelang wir zu einer mit Stroh überflochtenen Thür. Wenn diese öffnen, strömt uns ein feuchter, stinkender Qualm gegen, der im Vereine mit der unerträglichen Hitze unv hier herrschenden Dunkelheit an die Geheimnisse der v zu erinnern vermöchte. Zn dem Räume, den man, wenn Auge seine Sehkraft wieder erlangt hat, übersieht, woy sechs Menschen beisammen: der Hausherr Pepik � setzen, um die zweite Lesung der Vorlage unter allen Um- ständen erst nach Weihnachten in Angriff zu nehmen._ Viehsach neigt man in der Kommission dazu, dem Plenum über die Berathungen mündlichen Bericht zu erstatten. Für die weitere Fördenmg der Vorlage wird viel davon abhängen, ob man schriftliche oder mündliche Berichterstattung beliebt. Die be- dingten und unbedingten Gegner der Vorlage find für schrift- lichen Bericht. Da Fürst Bismarck spätestens in der dritten Woche dieses Monats hier erwartet wird, so würde er bei einer weiten Lesung der Militärvorlage nach Weihnachten jeden- alls in Berlin anwesend sein." Zu dem Gesetzentwurf über die Unfallversicherung der Seeleute find, wie man berichtet, im Bundesrathe so viele Amendements erschienen, daß der Entwurf möglicherweise eine Umarbeitung erfahren wird. Die Wünsche auf Abänderung kommen namentlich aus den Küstengegenden; ganz besonders ledhaft sollen die Hansastädte eine Umgestaltung des Entwurfs befürworten, weil die reichen Rheder soviel als möglich entlastet sein wollen. Den Mitgliedern der Reichstagskommission für das Militärgesetz find bereits die von dem Kriegsminister in Aus- stcht gestellten Berechnungen über die Heeres stärke der Nachbar staaten im Verhältniß zu der deutschen und Nach- weise über die beabsichtigte Verwendung der geforderten 41 000 Mann zugegangen. Den Mitgliedern steht es frei, den In- halt dieser Mittheilungen den der Kommission nicht angchörigcn Abgeordneten zugänglich zu machen; eine Veröffentlichung der Zahlen durch die Presse ist dagegen ausgeschlossen. Aus den deutschen Kolonien kommen nichts als Trauer- Nachrichten. Nach einem Telegramm des„Reuter'schen Bureaus� aus Sansibar vom Dienstag soll Dr. Jühlke, der Vcrtteter der deutschen ostasrikanischen Gesellschaft in Kesniapoo, durch Somanlis ermordet worden sein. Neulich wurde die zweite Probenummer der„Pfälzi- schen Freien Zeitung" in Kaiserslautern beschlagnahmt. Diese Beschlagnahme hat die Krcisregicrung bestätigt. Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlungen. Der auf Grund des Bundesrathsdeschlusses vom 15. Mai d. I. dem Reichstage vorgelcgene Entwurf eines Gesetzes, betteffcnd die unter Ausfetstuß der Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen, ist in der letzten Äeichstagssession unerledigt gc- blieben. Es ist nunmehr von preußischer Seite beim Bundes- rath beantragt, derselbe wolle beschließen, diesen Gesetzentwurf dem Reichstage wieder vorzulegen. Oesterreich-Ungar«. Der Handelsminister hat von den Gcwerbeinspektoren ein Gutachten über den Plcner-Exner'schen Gesetzentwurf, betteffcnd die Errichtung von Arbeiterkammern, abverlangt. Es scheint demnach, daß der vielfach ventilirte Initiativ- Antrag des dcutsch-österreichischen Klub auch die Aufmerksamkeit des Handels- amtes erregt hat. Rußland. Der„Polit. Korr." wird aus Petersburg gemeldet, daß General Schweinitz sich gegenüber dem Minister des Innern, Grafen Tolstoi, über die gehässige Sprache der russischen Presse Deutschland gegenüber beklagt hat. Tolstoi drückte seine Mißbilligung des Tones derselben aus, erklärte jedoch zugleich, daß er nichts thun könne angesichts der feindseligen Sprache eines Theiles der deutschen Presse gegen Rußland. Dänemark. Aus Kopenhagen wirb der„Pol. Korr." gemeldet, daß die dänische Regierunos eine Verstärkung des Heeres um ungefähr 12000 Mann aller Waffengattungen, das ist un- acfähr 25 Prozent des gegenwärtigen Standes, beabsichtigt. Desgleichen soll eine ganz beträchtliche Vermehrung der Flotte, sowohl betreffs des Personals als des Materials ttfolgen. Unter Anderem sollen acht neue größere Schlackt- 'Griffe und Kreuzer und 28 neue Torpedoboote angeschafft �rden. Frankreich. Die Mi nist erkrisis in Frankreich ist noch immer nicht Wt; fest scheint allein zu stehen, daß Freycinet allem An- Mtgen, auf seinem Posten zu bleiben, Widerstand entgegen- M. Montag Abend konferirte Grsvy mit dem Kanimerpräst- �nten F l o q u e t. Aus Pariser parlamentarischen Kreisen ver- !?utct, daß Gr-vy bei dieser Unterrednng auf die Möglichkeit Angewiesen habe, daß Floquet die Bildung des neuen Kcbincts "»ertragen werden könnte, ohne jedoch eine bestimmte Auf- wrderung an denselben zu richten. Floquet soll darauf nicht Mehlt haben, daß er in seiner gegenwärtigen Stellung als Präsident der Kammer dem Staate bessere Dienste leisten zu Mnen glaube; er würde jedoch, falls Grevy ihm die Bildung M Kabinets zur Pflicht machen sollte, vor den Schwierig- ■�ten und den Verantwortlichkeiten, welche die Situation M sich bringen, nicht zurückschrecken. Grevy konferirte N.Laufe des Abends noch mit Clsmenceau, Ferry und �Nffon. , In der Deputittenkammer beantragte am Dienstag der 'mtranfigent Michelin eine Revision der Verfassung �alek, ein junger kräftiger Mann von einigen Mß'g Jahren; seine Frau, ein kleines, hübsches, schmächtiges K°'bchen, einige Jahre jünger; sein Vater, der alte �arrschalek, ein sechzigjähriger Mann, ehrwürdigen Aus- Zyens, mit einem Gesicht voll Liebe und Milde; dessen Frau, �©ticfmutier des jungen Mannes, und dessen zwei kleine b Wenn man die triefenden Wände und die dumpfe -ssnerkuft mit dem gesunden Aussehen dieser Menschen ver- l'4, so mochte man die Naturforscher Lügen strafen, wenn L behaupten, daß frische Luft das erste Bedürfmß aller �schöpfe sei— oder gefällt sich die Natur manchmal m Wichen Widersprüchen? • Noch eine zweite, von der vorigen ganz abgesonderte, i e,n kleines Gärtchen fuhrende Kammer befindet sich in Hsitte, eben so ärmlich, ja noch kleiner als die erstere, und dennoch nicht ohne einen gewissen Anstrich von Behag- Wken und Ordnung. t.. Das Kämmerchen ist nicht viel über sechs Fuß hoch, �°aß ein Mann mit dem Hute auf dem Kopfe an die stoßen muß. Die Einrichtung— wenn man diese zusammengestellten Gegenstände so nennen kann . besteht aus einem Bett, dessen Fußaestell beretts aus Mi. �ugen gegangen ist und durch em Oucrbrett 1,� mühsam zusammengehalten wird; ein rem- .M, aus unzähligen Flicken und Stücken zusammen- Mes weißes Linnentuch läßt hin und wieder das neu- S�ener Schlafrock vollenden die Einzelheiten der Lagerstatte. �»er Nähe derselben befindet sich ein verhältn.ßmaßig sehr l ife Lehmofen. Ein kleines, mit Papieren bedecktes o°.Rch»n, eine mit Büchern beladene zweibeinige Bank, ein ein(a:irter Gessel ohne Lehne, ein lederner Reisekosfer und ftiirf�chbretl auf demselben— das sind alle Einnchtungs- * d-s Kämmcrchcns. (Fortsetzung folgt.) und behauptete, dies sei das einzige Mittel, aus der Verwirrung herauszukommen; er verlangte die Dringlichkeit für seinen An- trag. Barodet erklärte sich im Namen der äußersten Linken gegen die Dringlichkeit. Durch eine Verständigung der Re- gierung müsse man aus der Krifis herauszukommen suchen; eine Verfassungsrevifion würde die Republikaner nur noch mehr spalten. Ornano(Bonapartist) befürwottete die Dringlichkeit, Andrieux bekämpfte dieselbe. Die Dringlichkeit wurde mit 431 gegen 41 Stimmen abgelehnt. Die Kammer nahm ohne Diskussion das Gesetz über den Ver kauf der Krondiamanten mit den Modifikationen des Senats an. Großbritauttie«. Einer der besten Bundesgenossen der irischen Agrarreform er in ihrem für den Winter begonnenen Kampf um die Pacht- zinse ist die Ungewißheit der zukünftigen Ge st altung der Regierung in Irland. Seitdem die liberale Paftei Homerule für Irland zum vornehmsten Grundsatz ihres Parteiprogramms gemacht hat, ist der Sieg dieser Bestrebung inner- halb der nächsten Jahre zum mindesten sehr möglich gemacht. Dann aber würden dieienigen Personen in Irland ans Ruder kommen, die jetzt als Wortführer der Verwaltungs- sowohl wie der Agrarreform auftreten. Der Abgeordnete Dillon, der durch seine agitatorischen Reden in Connaught sich in den Vordergrund des Kampfes gestellt und bereits eine Anklage zu- gezogen hat, hat die günstige Gelegenheit, welche diese Un- sichcrhett ihm bietet, erkannt und sie in einer Aufsehen er- regenden Rede in dem Städtchen Castlerea mit aller Offenheit ausgenutzt, indem er den untergeordneten Werkzeugen der aegenwättigen Regierung und der Großgrundbesitzer mit der Rache der künstigen Machthaber drohte. Da seine darauf hin- zielenden Worte viel Staub aufwirbeln werden, verdienen sie eine ausführliche Wiedergabe. Dillon sagte wörtlich:„Ich wünsche einige Worte der Warnung an diejenigen Männer zu richten, welche in dem gegenwärtigen Streit die Seite der Großgrundbesitzer und Unterdrücker des Volkes zu nehmen ge- denken, einige Motte der Warnung an die Gerichtsvögte und alle Leute solchen Schlages. Meme Warnung ist die, daß Jedermann in Irland, England und Schottland weiß, wer die Regierung Irlands in wenigen Jahren übernehmen wird. Die kleinen Potentaten, welche heute die Hilfe der Polizei haben und die da glauben, sie können über die Leiber des Volkes binwegschreitcn, denen sage ich: die Zeit ist nahe, in denen die Polizerbeamten unsere Diener sein werden, in der die Polizei ihre Befehle von P a r n e l l empfängt, wenn er Premierminister von Irland ist. Und ich warne diese Leute jetzt, die sich durch Patteinahme für die Großgrundbesitzer als Feinde des Volkes kennzeichnen, daß in der Zeit unserer Macht wir ihrer gedenken werden. Tie Zeit ist vorüber, in der die Regierung des Lan- des dauernd dem Willen des Volkes zuwider geführt werden kann. Der Tag der Abrechnung mit den Voltsfeinden muß bald kommen. Diese kleinen Leute, diese Agenten der Groß- grundbefitzer glauben, weil sie jetzt die Polizei an der Hand haben, dem Volke trotzen zu können; wir wollen aber im Laufe der nächsten zwei oder drei Jahre sehen, was das Ergcbniß sein wird, wenn wir die Macht haben; und wie ich bereits sagte, dann wollen wir derjenigen gedenken, welche gegen das Volk im Winter auftraten. Ich will weiter gehen und sage, daß jene Beamten, welche im Kampfe gegen das Volk sich durck ihre Härte und Grausamkeit auszeichnen, wenn sie Beförderung wünschen, anderswo hingehen müssen, als zu uns, wenn wir die Macht in die Hände bekommen sollten." K al Kait l ander. Will man über die russische Politik in unseren Tagen ein aufttchtiges Wott lesen, so braucht man sich nur bei den türkischen Journalen zu informiren. Sie sind das verläßliche Sprachrohr der russischen Botschaft in Konstantinopel. Von diesem Gesichtspunkte ist ein Attikel der„Turquie" recht bemerkenswerth, dessen Inhalt im Nachfolgenden reproduzitt sein mag. Der Attikel präzisttt die augenblickliche Situatton in der bulgarischen Frage dahin, daß England, Italien und Oesterreich-Ungarn gegen Rußland verbündet die Autonomie Bulgariens verlangen- Bismarck spiele die Rolle des ehrlichen Maklers, während Frankreich und die Türkei zu den An- schauungen des Petersburger Kabinets hinneigen. Rußland, meint das Blatt, werde aus eine europäische Konferenz vielleicht eingeben, doch nur«üb benellcio inrentarii. Die Autonomie Bulgattens hält das Blatt für eine diplomatische Fiktion und bemerft, daß, wenn Graf Kalnoky erklärt habe, dieselbe aufrecht halten zu wollen, es hiezu zu spät sei, es wäre denn, daß Deutschland aus seiner Reserve herausttäte. Eine Konferenz würde zu nichts führen und wenn sie ein Resultat hätte, so wäre dies nur eine Vettleisterung, eine Fottsetzung des Provisottums, die Rußland viel- leicht ganz willkommen käme. Rußland habe nur ein unmittelbares Ziel, nämlich die Autonomie der Balkan- staaten zu verhindern. Zu einem Kriege werde es darum nicht kommen. Denn Deutschland wolle denselben nicht, Oesterreich-Ungarn werde nicht den Muth haben, ihn ohne Deutschland zu führen; auf Italien und England aber lege Aus Kunst und Leben. Die weiblichen Aerzte in Rußland. Wie aus St. Pe- tersburg derichtet wird, hat die medizinische Akademie jüngst einen für die dem Studium der Medizin sich widmenden Frauen wichtigen Beschluß gefaßt. Auf eine Frage des Untcrttchts- Ministeriums, ob das Diplom der Frauen als gleichwetthig mit dem Diplome der männlichen Aerzte anzusehen ist, antwortete die Akademie bejahend auf Grund einer Abstimmung, welche 19 Stimmen pro und 3 kontra ergab. Demgemäß sind die weiblichen Aerzte in Rußland auch in wissenschaftlicher Hinsicht den männlichen gleichgestellt worden. Meuterei auf einem französischen Schiff. Aus Genua werden über die Meuterei an Bord der französischen Bttgantine „Utile" hei Piombino folgende Details gemeldet:„Der Kapitän des Schiffes, im Begttffe, dasselbe auf einige Tage zu verlassen, hatte unter der Mannschaft eine Extraration an Wein von zwei Liter per Kopf vettheilen lassen und das Kommando dem zweiten Kapitän übergeben. Zwei Stunden später rotteten sich die vom Weine erhitzten Matrosen unter der Leitung des Bootsmannes zusammen und forderten vom zweiten Kapitän heftig die Her- ausgäbe eines in der Kabine des Kapitäns befindlichen Fäßchens Malagawein; derselbe wcigette sich, dies zu thun, und versetzte schließlich, als die Meuterer immer dringender wurden, einem derselben einen heftigen Schlag. Dies war das Signal zu offenem Aufruhr; von Faustschläaen getroffen, stürzte der Ka« pitän blutend und bewußtlos zu Boden. Der Bootsmann er- mahnte nun seine Genossen, in ihrem Thun einzuhalten, allein die erhitzten Gemüther wandten sich nun gegen ihn; von drei tödtlichen Messerstichen gettoffen, stürzte derselbe todt zu Boden. Während die Meuterer sich nun an dem erbeuteten Weine er- labten, gelang es dem zweiten Kapitän, der inzwischen zu sich gekommen war, auf dem Schiffsboote zu entkommen und die Küste zu erreichen. Er machte jedoch erst am folgenden Morgen die Anzeige von dem Geschehenen. Die Meuterer wurden nun nach heftiger Gegenwehr desiegt und verhaftet. Der Prozeß dürfte, da ein französisches Schiff der Schauplatz des Frevels, wahrscheinlich vor die französischen Gerichte gebracht werden. Angeklagt find der Kapitän, weil er das Schiff, angeblich ohne Nöthiguna, verlassen hatte, ebenso der zweite Kapitän, der es in einem Augenblick offenkundiger Gefahr in Stich ließ. Die Matrosen werden sich wegen Meuterei und Mordes zu verant- motten haben." Der Bterkonsum Deutschlands. Der Chemnitzer Konsul der Vereinigten Staaten, C. Tanner, berechnet im öoiontillo man in Petersburg kein Gewicht. Rußland matte indessen und bereite die Zukunft vor. Im Brüsseler„Nord", einem mehr als nur halboffiziösen russischen Blatt, befindet sich eine ausführliche Vettheidigung der von Rußland in Bulgarien befolgten Politik. Die« selbe äußett sich erneut dahin, daß Buttarien, streng genommen, kein unabhängiger Staat sei, daß Bulgatten ferne politische Existenz der Aufopferung Rußlands und der europäischen Zu« stimmung verdanke. Rußland verfolge nur eine Politik legi- inner Vettheidigung; Rußland wolle seine Südküsten gesichert sehen, das könne nur durch die Schließung der Meerengen er» reicht werden, Rußland könne also nicht dulden, daß Odessa und Sebastopol stets offen dalägen für etwaige Diversionen, welche England im Hinblick auf sein indisches Reich bedürfen könnte. Die Schließung der Dardanellen genüge, der Besitz Konstantinopels sei nicht nöthig. Afrika. Der Londoner„Obscrver" nimmt willkommenen Anlaß an der noch immer andauernden französischen Mini st er- krisis, sich darüber zu äußern, die englische Regierung habe der französischen höflich, aber entschieden zu verstehen gegeben, sie sei jetzt nicht bereit zu Eröttemnaen, wann sie die Olkupationsttuppen aus Egypten zurückzuziehen beabsichtige. Auch müßte sie es absolut ablehnen, irgend welchen Vorschlag für die Jnternationalisirung des Suezkanals zu erwägen.„Wir haben ferner," schreibt das Blatt,„Grund zu der Annahme, daß die Anträge, welche die französische Regierung den übrigen kontinentalen Nächten machte, nämlich daß es zweckmäßig sein würde, die Hand Englands in Egypten zu forciren, keinen Anklag gefunden haben. Unter diesen Umständen mußte, da Frankreich nicht die mindeste Idee hat, zu einem Kriege mit England wegen Egyptens zu schreiten, der Bettuch, England zu zwingen, seine gegenwättige Stellung in Egypten aufzu- geben oder zu modifizircn, fallen gelassen werden. Es würde uns nicht wundern, wenn diese Thatsache etwas mit der Niederlage des französischen Ministeriums in der Sub- präfettensrage und seinem auf Grund dessen erfolgten Rücktritt zu ihm hätte. Aber gleichviel, ob Herr von Freycinet im Amte bleckt oder einen vorgeschtttteneren Politiker als Nach- folger erhält, muß irgend ein Vorgehen Frankreichs in Betreff Egyptens resultatlos blecken, so lange unsere Regierung an ihrer gegenwärtigen Haltung meisterhafter Unthätigkeit fest» hält."— Das ist eine bittere Pille für die Franzosen. Amerika. Wilhelm Liebknecht nahm am 25. v. M. Abschied von New-Dork und Brooklyn. In New-Nork hatten die Sozialisten Nachmittags im Cooper-Jnstitut eine Abschiedsversammlung arrangitt und in der Schwesterstadt Brooklyn fand eine solche am Abend im Labor-Lyceum statt. Bei dieser Gelegenheit hielt Liebknecht mehrere Reden. Er erzählte, daß er dre zum Tode veruttheilten Chikager Anarchisten im Gefängniß besucht habe, und erklärte, die Leute seien unschuldig veruttheilt, weshack die Arbeiterorganisationen alles aufbieten sollten, die Veruttheilten vom Galgen zu retten. Vcrmuthlich wird letzteres einttetm. Einen Ettolg haben die Vettheidiger schon zu ver- zeichnen. Richter Stone von der Bnpreme Court(Obergericht) des Staates Illinois ordnete, wozu er durch das Gesetz keines« wegs verpflichtet gewesen wäre, einen Aufschub der für den 3. Dezember anberaumten Hinrichtung an. Nun wird das Obergericht in etwa zwei oder drei Monaten über den Anttag auf Bewilligung eines neuen Prozesses entscheiden. Sollte diese Entscheidung zu Ungunsten der Anarchisten aus« fallen, dann werden Petitionen um Begnadigung der Ver« uttheilten mit Hunderttausenden von Unterschriften dem Gouverneur von Illinois unterbreitet werden. Sämmtliche Arbeiterorganisationen des Landes sammeln Untettchriften zu diesem Zweck, und unter dem Druck der Verhältnisse— man hat eine ttesige Angst vor der„Fottschttttsdemokratie", der neuen Partei Henry George's— unterschreiben selbst Leute, welche unmittelbar nach dem blutigen 4. Mai die sofortige Hinrichtung aller Anarchisten peremptorisch forderten. In Milwaukee werden jetzt 11 Theilnehmer an dem „Mai- Aufruhr" prozesfitt. Sobald der Prozeß zu Ende, kommt Paul Grottkau dran, der angeklagt ist, zum Aufruhr auf- gehetzt zu haben. Bei beiden Prozessen wird voraussichtlich nichts herauskommen. Bei den letzten Wahlen haben die Arbeiter in Milwaukee sämmtliche Aemter besetzt. Wenn die neuen Beamten auch noch nicht im Amte sind, so hat doch der Ausfall der Wahl Einfluß genug, um Paul Grottkau und seine Genossen zu schützen.__ Gerichts-Zeitung. „Sie werden nicht alle—." Ein ganz gefährlicher Schnapphahn stand gestern vor der Strafkammer des Land« aerichts Ii in der Person des bereits zehn Mal wegen Bauern- sänaerei vorbestraften Handelsmanns und früheren Bäckers Ferdinand Splitt. Mit einem gleichgefinntm, indessen bisher nicht ermittelten Genossen lungette Splitt an einem Pferde- marttstage im Oktober d. I. m der Nahe des Weißenseoer american den Bierkonsum Deutschlands. Im Jahre 1885, sagt er, find vier Milliarden, vierhundett Millionen Liter edlen Getttensastes in Deutschland erzeugt und auch glücklich hinter die Binde gethan worden. Es muß nämlich bemerkt werden, daß der Jmpott und Export von Bier sich in Deutschland bei- läufig die Waage hält. Unter solchen Umständen stelli sich der Konsum per Kopf auf 160 Liter. Die Menge des von germanischen Tttnkern im Laufe eines Jahres vettilgten Bieres könnte einen See bilden, dessen Oberfläche eine Ouadratmeile, dessen Tiefe 6t Fuß messen würde. Will man sich keinen Biettee, keinen Bicrteich vorstellen, so möge man die Phantasie über einen Biersttom schwanken lassen. Hopfen, Gerste, Kar- tossein und andere Ingredienzien, welche zur Brauerei ver« wendet werden, wiegen zusammen zwei Milliarden Pfund und würden aufgehäuft einen ganz respektablen Berg bilden. Eine bisher unbekannte Technik in der Wandmalerei macht gegenwättig bei den deutschen Künstlem von sich reden. Ein Berichterstatter schreibt darüber: Die Erben eines Düffel« dotter Malers hatten sich vor einiger Zeit an die preußische Re- aierung gewandt, ob dieselbe geneigt wäre, das Geheimniß einer Malettechnik zu erwerben, welche ihr Vater mit außerordent- lichem Erfolge in einer St. Petersburger Kirche zur Anwendung gebracht hatte. In dettelben befinden sich vettckiedene Gemälde, der eine Tbeil al fresco gemalt, der andere in jener noch un« bekannten Technik ausgeführt. Während nun die Freskobilder schon nach 36 Jahren dem Verfall entgegengehen, find die übrigen noch in alter Schönheit und Fttsche erhalten geblieben. Die Regierung nahm Veranlassung, hierüber authentische Er« Mittelungen anzustellen, und betraute den Maler Prell mit der Untettuchung, in welcher die Angaben der Erben bestätigt wor« den sein sollen. Auch Professor Geselschap, welcher aus eigenem Antttebe mit der Frage sich beschäftigte, soll sich über die Technik anerkennend geäußett haben. Inzwischen hat eiue Düsseldorfer Firma das Geheimniß jener Malweise käuflich erworben. Interessante Ausgrabungen hat Prof. Pompeo Castel« franco in Mailand in der Via Francesco Sforza gemacht. Er stieß in der Tiefe von 1 Meter auf Ueberrestc von allerlei Ale- tall und auf Menschenknochen. Er grub tiefer und entdeckte die Spuren eines Fttedhofes, der dreierlei Zivilisationen ausweist: die römische, die gallisch-römische und die ligurifch-etruskische. Man fand viele Gradgegenstände und Skelette. Durch diesen Fund dürfte viel Licht fallen auf die Gründung Mailands und seiner ersten Bewohner. Pferdemarktes umher, mit der Absicht, einen-Grünen� zu rupfen. Der Böttchermeister Bohmhammel, welcher aus einen« kleinen Städtchen des Hinterlandes gekommen, um in Weißensee ein Pferd zu kaufen, lief mit gefüllter Geldbörse den Schnapp- höhnen in's Garn und verfiel in der schon häufig, bis zum Ucberdruß geschilderten Weise seinein Schicksal. Gerichtsver- handlungsbcrichte, welche das aller polizeilichen Aufficht unge- achtet noch immer florirende Bauemfängerthum schilderten, hat der biedere Böttckermcister zwar gelesen und daraus allerdings die vortheilhafte Lehre gezogen, im Umgange mit Fremden, besonders„solchen", ja recht vorsichtig zu sein, und demgemäß hatte er in Phantafiegebilden sich das Aeußere eines Bauernfängers ausgemalt in der Poraussetzung, daß ein solcher schon von fern unter anderen ehrlichen Leuten zu er- kennen sei. Aber fehlgeschossen! Als Splitt, dessen Aeußeres trotz seines langjährigen Gefüngniß- Aufenthalts durchaus nicht der Voraussetzung des Böttchcrmeisters entsprach, auf den letzteren zutrat und ihm mittheilte, daß in der Nähe bei einem Fuhrmann ein Pferd im Stalle zum Perkauf ausgestellt sei, ließ sich Bohmhamnicl sogleich bewegen, dem Splitt dahin zu folgen; einige mißtrauische Fragen des Bohmhammel, den Grund betressend, weshalb der qu. Fuhrmann das zu ver-- kaufende Pferd nicht wie andere Leute seinesgleichen auf den Markt gebracht, wurden von Splitt mit vertrauensduscliger Miene zur Zufriedenheit beantwortet und nachdem jegliches Mißtrauen auf Seiten des Bohmhammel gefallen, ließ sich derselbe über einen hinter den Häusern entlang führenden ein- samen Steg nach einem abseits gelegenen Kellerlokal ver- schleppen. Auch das Verlangen des Splitt, bei der fommerlichen Hitze vorerst durch einen Steh-Schoppcn sich zu stärken, erschien ihm völlig einleuchtend und gern gab Bohmhammel dem Verlangen des gefälligen Führers nach. Nun aber begann der Hauptakt der Komödie; in der bekannten Manier fand sich zum Kleeblatt ein„Unbe- kannter", welcher mit„Hundertmarkscheinen" oder richtiger Blüthcn herumwarf und schließlich hatte auch Bohmhammel, als sein Begleiter Splitt mit einem unechten Hundertmarkschein sich betheiligte, seine gesammte Baarschaft im Betrage von 800 M. im Kümmelblättchen eingebüßt. Der Gewinner_ erhob sich dann plötzlich, legte seinen Fünfzig- Pfennig- Spazierstock über die Karten auf dem Tische und entfernte sich mit der Erklärung, daß er„gleich" wieder zurückkehre, während Splitt mit Bohmhammel sitzen blieb. Und dort hätte Bohmhammel noch lange sitzen bleiben können, wenn nicht plötzlich ein Um- schwung in seinem Gedankengange ihn veranlaßt hätte, die Frage an Splitt zu richten:„Wo mag denn der Andere geblieben sein?" Das Achselzucken des Splitt brachte den Gerupften, denn daß er dies sei, fühlte Bohmhammel, in Zorn; mit den Worten:„Sie find ein ganz erbärmlicher Kerl!"— packte Bohmhammel den Splitt, und um eine Schlägerei zu verhindern, warf der resolute Be- sitzer des Kellerlokals Beide, Splitt und Bohmhammel, kurzweg zur Thür hinaus. Auf der Straße wollte Splitt davonlaufen, aber einige vorübergehende Arbeiter hielten ihn fest und über« gaben ihn der Polizei, nachdem ein nochmaliger Versuch des Splitt, durch ein mit einer Hinterthür versehenes Lokal zu ent- schlüpfen, vereitelt worden war.— Vor Gericht erklärte Splitt, der alte Fuchs, daß er selbst von jenem Unbekannten gempft worden sei, denn der Hundertmarkschein, welcher seinen Einsatz darstellte, sei durchaus„echt" gewesen; wo er dies Geld er- werben, vermochte er jedoch nicht nachzuweisen. Dem Antrage des Staatsanwaltes gemäß erkannte der Gerichtshof auf das wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels gesetzlich höchstzuläsfige Strafmaß von 2 Fahren Gefängniß, sowie 5 Fahren Ehrverlust. Brüssel, 6. Dezember. Ter Kassationshof hat die Berufung Vandersmissens, der wegen Todtschlags zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt ist, verworfen. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtischem Verkaufs-Vermittler, Berlin, den 8. Dezember 1886. Geflügel. Gänse unter dem Halse geschnitten, voll- ständig gerupft, Flügel und Füße auf den Rücken gcbun- den, nicht gebrüht und nicht gesengt, 8—10 Pfd. schwere 45-52 Pf., über 10-15 Pfd. 52-62 Pf., Fettgänse über 15 Pfd. schwer sehr rar und gut bezahlt 63 Pf. und mehr per Pfd. Enten, Puten und Hühner sollen am Halse geschnitten sein. Der Kopf, die Flügel und Schwanzfedern werden nicht abgenom- men. Junge Enten 1,50—2,50, fette Enten 50—65 Pf. per Pfund, über 10 Pfund schwere fette Puten 70—80 Pf. per Pfd., Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20—1,70 M, Tauben 30 bis 40 Pf., Poularden 4,50—8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Lebende Gänse zum Mästen 2,00—3,00 M., lebende Enten 0,90—1,50 M. Auktion täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags. Wild. Trotz der großen Zufuhr machte sich heute nur eine mäßige Preisschwankung bemerkbar. Die Jagdbeute der letzten königlichen Hofjagd im Grunewald kommt im Bogen 4 sukzessive zur Versteigerung. Im Handel dürfen Rebhühner noch bis zum 14. geführt werden. Es wurden folgende Preise bezahlt: Hasen nur bei sehr kalter Witterung mit Kaldaune zu versenden, sonst stets ausgeworfen, ohne be- sondere Verpackung, auf Stangen von 10 Stück 3,90—4,00 pr. Stück, sehr kleine und sehr fehlerhafte entsprechend weniger. Kaninchen, ausgeweidet 45—55—70 Pf. per Stück. Rehe ausgeweidet 1» 65— 75 Pf., t'a sehr starke und fehlerhafte 55 bis 65 Pf. pr. Pfund. Rothhirsche,>» 38-44, I a 35-40, Dammwild I 50 bis 70, I a 40 bis 50 Pf. per Pfund. Wild- schwein 40 bis 56, kleine 55 bis 75 Pf. pr. Pfund. Rebhühner, junge 1,30—1,60, alte 90—110 Pf., Fasanen» Hennen 2,50 bis 3,00, Fasanenhähne 3,50 bis 4,00 M.» Krametsvögel 32—36 Pf. per Stück. Schnepfen 14,0—4,00, Bekassinen 40—75 Pf. pr. Stück. Die Wildauttionen werden täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags abgehalten. Fleisch. Nach Errichtung der Fleischschau in der Markt- Halle wird es möglich, den Verkauf von geschlachtetem Vieh hier zu vermitteln. Den Interessenten gebe ich gern jede nähere Auskunft. Der Fleischkommisflonshandel in unserer Markthalle dürfte für viele Landwirthe und Schlächter von weittragender Bedeutung sein. Vorläufig sind unverlangte Sendungen nicht anzurathen. Obst und Gemüse. Größere Zufuhren sehr erwünscht. Die Preise steigend. Birnen 10—20 M, feinste Sorten 20-40 M., Aepfel 6,00-9,00 M., Tafeläpfel 10-20 M., feinste Sorten 20—36 M., Wallnüsse 20—30 M., geringe 12—15 M. pr. Ztr. Apfelsinen, Valencia 25—28 M, Lissabon 15-16 M, Zitronen, Malaga 24-25 M. Böhmische Back- flaumen 10—13 M. Weißfleischige Speisekartoffeln 3,00—3,60, rothe 2,80—3,00, blaue 2,80—3,20 per 10Ö Ko., groß Sellerie 7—10 M., klein 3-7 M., Meerrettia 7-12 M., Zwiebeln 4,50-6-8 M, Blumenkohl 30-40 M. pr. 100 Stück, Kohlrüben 1,50-2,00 M. per Zentner. Pflanzen. Rosen- Hochstämme 35—55, niedrigveredelle 15-20 M. pr. 100 Stück, Primeln 13-15 M. vr. 100 Stück. Auktion jeden Dienstag und Freitag um 5 Uhr Nachmittags. Geräucherte und marinirte Fische. Engros-Auktion täglich um 5 Uhr Nachmittags im Bogen 4. Regelmäßige Zufuhren erwünscht. Preise waren steigend. Bratheringe per Faß 1,50 bis 2,25 M. Russische Sardinen 1,50-1,60 M. Rheinlachs 2,50-2,90, Weser- und Ostseelachs 1,20-1,60, Flundern. kleine 2,50-5,00 M., mittel 7,50-16 M., große 18-27 M., Bücklinge 2,60-6,00 M. per 100 Stück. Sprotten 60-80 Pf. per Kiste, 15—25 Pf. per Pfd. Kieler Sprotten 25 bis 35 Pf. per Pfund. Rauchaal mittel 1 M. per Pfd. Fische. Hechte 30—40 M. per Ztr. Karpfen 35—64, 55—75 M. per Ztr. Eier 3,30 M. pr. Schock. Butter.!a. Butter wenig zugeführt. IIa. Oualität in größeren Posten vorhanden. Frische feinste Tafelbutter«. 120-125, feine Tafelbutter I. 110-118, II. 95-108 M., Hl. fehlerhafte 85 bis 90. Landbutter 1. 90-96, l». 80 bis 85 M. Gatizische und andere geringste Sorten 55—72 M- pr. 50 Ko. Käse. Emmenthaler 70—75, Schweizerl. 56— 63, II. 50— 55» M. 42-48, Quadrat-Backstein l. fett 20-25, l'. 18-18 M., Limburger I. 28-32, 18-22, Rheinischer Holländer Käse 45—58 M., echter Holländer 60—65 M., Edamer 1. 60—70, II. 56-58 M. Theater. Der Donnerstag, den 9. Dezember Overnhaus. Sardanapal. Schauspielhaus. Der geheime Agent. Teutsches Theater. Doktor Klaus. zriedrich-Wtthelmstädtisches Theater. Vizeadmiral. Walluer-Theater. Die Sternschnuppe. Biktorta-Theater. Sonnabend: Viviana. Osteud-Theater. Das neue Gebot. Ztestdenz-Theater. Geomette. Zrutral»Theater. Der Waldteufel. Bellealliance-Theater. Tie schöne Helena. Walhalla-Theater. Geschlossen. Jtöuigstädtisches Theater. So sind sie Alle. Kaufmann'» Barietee. Spezialitäten- Vor- stellung. Amerikau-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Zteichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. koueordia» Theater. Spezialitäten- Vor- stellung._ Stadt-Theater. (Früher Alhambra-Thcater.) Wallnertheaterstt. 15. Grtra-VarfteUung. Novität! Zum 1. Male: Novität! Die Kimstmegiire. Gesangspoffe in 4 Akten von Hermann Freiherrn von Maltzan. Musik vom Verfasser. Dirigent: Herr Kapellineister Theodor Franke. Regie: Herr E. Czaschke. Vor der Vorstellung: 29* Großes Concert,"WW ausgeführt von der Hauskapelle unter Leitung ves Kapellmeisters Hrn. Theodor Franke. Anfang des Eoncerts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochentags 7'/, Uhr, Sonntags 7", Uhr. DaS Theater ist mit elektrischer Beleuchtung versehen. ]£cX en-Theater. (Früher Louisenst. Theater.) Dresdenerstt. 72/73. Zum ersten Male in Berlin: Antillen- lltger- Karawane. 14 Personen, anthropologische Sehenswürdigkeit. Krothers Foreft, Mufikal-Clowns, großartiger Erfolg. Withetm Kleiner, der stärkste Mann Kach- fen»; derselbe wird u. A. ein lebende», 1800 Pfund schweres Pferd heben. Mr. Uizarra«. Kraftturner. »elfo« und Maythorn. Paula«. Fndwtg Uellheim. Engen Jocher. Kassenöffnung 6i Uhr. Anfang 7j Uhr. 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[963 Soeben erschien im Verlage von Wörlein & Co. der Sraffdie |»atanbft- und JWtite- Noliz-Kilwdrr für 1887 (IX. Jahrgang). Dieser Notizkalender, seit Jahren in den deutschen Arbeiter- und Handwerkerkreisen rühmlichst bekannt, ist nicht blos Kalender, sondem zugleich Notizbuch und Gesetz« sammlung. Auch in diesem Jahre ist sowohl auf den Inhalt als die Ausstattung besondre Sorgfalt verwendet und ist namentlich be- züglich des Einbandes Vorzügliches ge« leistet und bestes Material dazu verwendet. Neben der gewöhnlichen Ausgabe ist auch wieder eine stärkere veranstaltet, welche mehr Schreibpapier enthält und kräftigen Leinwandeinband mit Teckel nach Bnct� taschenart und Gummiband hat. Auch bei der gewöhnlichen Sorte sind diesmal me Ecken abgerundet. Inhalt des Kalenders: Kalendarium mit neu revldirtem schichtskalcndcr; postalische Bestimmungen, Telegrammtarif; das ganze �nfallversiaif' rungsgesetz mit Anhang vom 28. Mm 1885, Gesetz über die eingeschnebenen Hilfskassen mit der Novelle vom 1. Juni 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit Reglement. Auszug aus dem Reichs-Patentge etz. Gewindeschncidetabelle für Metallarbeiter. Schreibpapier mit Datumsangabe fue Bogen stark._ Preis der einfachen Ausgabe 60 f»T. „„ stärkeren„ Zu beziehen durch die Expedition dies. Blattes Znnmerstraße 44. Wiederverkäufen, Rabatt. 70 Vf' Wiederverüanfer erhalten lohnenden Kabatt. Arbeitsmartt. Dergolder auf Silber verlangt=��336 1. g piano, 15Thl., 1 z.25Thl. Oraniensir- 4 II. l.; Reichenbergersttaße 114, mr. isen.-•—__"_;-:—:—;_" � �■---................... �"__-— rr~rgctitn. «eianlwottlich für den politischen Theil�und Soziales W.ax Schippet, für Vereine und Versammlungen F. Tutzaucr, für dm übrigm Theil der Zeitung R. Cronheim, sämmtlich � Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthsttaße 2. Hierzu eine Beilage pm Berliner Volksblatt. Kr. L88. Donnerstag, de« 9. Dezember 1886. 3 Jahrg. Lokales. Der BezirksauSsaius: bat am Dienstag als erste Instanz eine sehr wichtige Frage entschieden. Gestützt auf die Polizei- Verordnung zur Regelung des Perlehrs in den Markthallen vom <5. April d. I. hatte das kgl. Polizeipräsidium von dem Mngi- strat die Entfernung von Händlern mit sogenannten„Nicht- wochenmarklsartikeln"(also Händlern mit Gegenständen, welche nicht den eigentlichen Nahnmgsmitteln dienen) vom Magistrat verlangt. Der Magistrat hatte bestritten, daß die Bestimmungen des 4. Titels der Reichsgewerbeordnung, welche vom Berkehr auf Wochcnmärkten, Mesien und Jahrmärkten handeln, analog anzuwenden seien und hatte behauptet, daß hiernach, wenngleich tene Polizeiverordnuirg zur Regelung des Marktverkehrs mit ihm vereinbart sei, das Polizeipräsidium nicht die Befugniß habe, die Stadtgcmeinde in der Bcrwcrthung desjenigen Raumes der Markthallen zu bcschränten, welche durch den Lebensmittel- verkehr nicht in Anspruch genommen werden. Nach lebhafter Verhandlung, in welcher als Vertreter des kgl. Polizeipräsidiums Herr Regierungsrath Grundmann und als Vertreter des Magi- strats Herr Syndikus Eberty erschienen waren, erkannte der Stadtausschuß, dem Antrage des Magistrats gemäß, auf Aus- Hebung jener Pol zeivcrfügung. Daß in dieser wichtigen Frage das Oberverwaltungsgericht angerufen wird, steht zu erwarten. Tclephonverbindung zwischen Berlin und Hannover. Der„Reichsanzciger" veröftentstcht folgende Bekanntmachung: Die zwischen Berlin und Hannover hergestellte Fernsprcch- Verbindungsanlage ist mit dem heutigen Tage eröffnet worden. Von Berlin aus kann dieselbe benutzt werden: während der Börsenstunden— von 11 Uhr Vormittags bis 3 Uhr Nach- mittags— von Börsendesuchcrn von der Fernsprcchstclle in der Börse und in den übrigen Tagesstunden(von 3 bis 11 Uhr Vormittags und von 3 bis 9 Ubr Nachmittags) von der beim Haupt-Telegraphenamt, Französischestraße Nr. 33 o, befindlichen öffentlichen Fcrnsvicchstelle aus. Tic Verbindung erfolgt nur mit der öffentlichen Fernsprechstclle in Hannover in dem Post- und Telegraphen- Gebäude am Ernst- Augustvlatz. Der gerukene Thcilnehmer in Hannover wird von dem Fern- sprechamt daselbst mittelst Fernsprechers kostenfrei davon benack,- richtigt, daß eine Unterredung init ihm gewünscht wird. Von der öffentlichen Fernsprechstelle beim Haupt-Telegraphenamt in Berlin aus kann auch die bereits früher von Theilnehmer zu Theilnebmer dem Verkehr übergebene Fernsprechverbindungs- anlaae Berlin-Magdcburg benutzt werden. Die Vergütung für die Benutzung der erwähnten beiden Fernsprechverbindungs- anlagen beträgt für die Zeit von je 5 Minuten oder einen Bruchtheil von 5 Minuten eine Mark. Der Stadtbahnhof Friedrichstraste wird»u klein, das gewöhnliche Schicksal der öfientlichen Bauten in Berlin. Tie Stadtbahndirektion geht deshalb damit um, den Verkehr zu theilen. Der jetzige Bahnhof soll nur dem Fernverkehr dienen, während gegenüber an der anderen Seite der Straße ein Bahn- Hof für den Lokalverkehr errichtet werden soll. Man würde zu diesem Zwecke das Haus Friedrichstraße 99 erwerben muffen. Daß eine Erweiterung des Bahnhofs Friedrichstraße, oder eine Theilung oder eine Verlegung einmal nolhwendig werden wird, vaS unterliegt schon jetzt allerdings keinem Zweifel. Aber wenn W einer baldigen Ausführung solcher Pläne gesprochen wird, "0 ist darin den Ereignissen doch stark vorgegriffen. , Bon den Schiffern, welche hier am Schifffahrtskanal an- %(n, um ihre Ladung zu löschen, oder ihre Schiffe zu de- dachten, wird lebhaft Klage darüber geführt, daß sie, ehe ihnen nur die Erlaudniß von der Behörde hierzu ettheilt wird, fuc den Schiffsverkehr erledigen und die Schiffer stundenweite Mnge bis zu dem behördlichen Bureau nack Rixdorf oder nach dem Polizeipräsidium zu machen haben. Ebenso wie die Markt- PoHzer sich in t)Cr Nähe des Marktplatzes etablirt, könnte die �trompolizei dies auch in der Nähe des von ihr beaufsichtigten Gewässers thun._ Der Rcgierungsbaumeifter Kunze hat dem Magistrat dvrgeschlagcn, cine tzeizschule anzulegen, in der den sich zu Heizern ausbildenden Personen folgendes gelehrt werden soll: 1) Allgemeines über Stellung und Pflichten des Heizers, 2) Physik U Wärme und des Dampfes, Erklärung der Ausdrücke: Vlerdekraft, Atmosphärcndruck u. s. w. 3) Die Dampfkessel Das literarische Geschäft in Deutschlank. \ _ Unter diesem Titel findet sich in der„New- Aorker �taatszeituna" ein Berliner Brief, der, abgesehen davon, daß der Verfasier selbst vielleichr bittere Erfahrungen gemacht at, doch so viele Wahrheiten enthält, daß wir den Artikel jum Abdruck bringen wolle». Es heißt dort: . Wenn sich auch die Lage des deuiscyen Schriftstellers P den letzten Jahrzehnten im Allgemeinen gegen frühere �iten erheblich gebessert hat, so giebt es doch noch immer Unter den„Rittern vom Geiste"(und nicht gerade unter den Unfähigste») eine ganze Anzahl solcher, die ihr ganzes Leben mit der Sorge um ihr täglich Brod zu ringen haben. sind meistens idealistisch veranlagte, unpraktische Naturen, 0!e den Geist der Zeit nicht begreifen, die dem Wahne leben, geistig Schaffender dürfe nur dann produziren, wenn ihn L" innerer Drang dazu antreibt und er dürfe die keusche �iuse nicht zur Äagd der schlechten Neigungen und Instinkte Publikums herabwürdigen, sondern nur den in ihm bebenden Idealen Einfluß auf die Richtung seiner Geistes- n�ugniffe gestatten. Derarttge sonderbare Schwärmer mögen vielleicht einen Platz in da Literaturgeschichte erobern, der Reichthümer werden sie nicht sammeln. Um heut zu *age literarisch Karriere zu machen, genügt eS nicht, Talent »u besitzen, es ist absolut nöthig, auch über gewisse geschäfts- v>änn,sche Fertigkeiten zu verfügen. Es ist naiv zu glauben, 2 w hinreichend, ein gutes Buch geschrieben zu haben, um Lorbeeren zu ernten. O nein, ein schweres Stück W« beginnt nun erst. Nun heißt es, die Gunst der Re- kt». j™ Zu gewinnen, sie zu veranlassen, das Buch zu be- '�rechen, was nicht leicht ist, denn die Redaktcure der großen Ölungen— und diese können doch nur in Betracht kommen »T, haben genug zu thun, den Produkten ihrer Freunde und Bundesgenossen den Weg zu ebnen. scknfc* S-ebt da eine ganze Anzahl von BelobigungSgesell- bell; auf Gegenseitigkeit. Jede dieser Gesellschaften hat stunntte Blätter, deren Redakteure zu den Ihrigen zählen, nach ihrer Konstruktion und ihren Zwecken, Kessel mit großem, kleinem und mittlerem Wasserraum; 4) von der Verbrennung und den verschiedenen Feuerungsanlagen, Roste, Heizkanäle, Schornstein, Beurtheilung der verschiedenen Brennstoffe. St Kesselreparaturen, Danivskcsselbetrieb, Tammkesselgesetze und Allgemeines über Wartung der Dampfmaschinen k. Herr Kunze schlägt zur Bewältigung dieses Lehrplanes einen Kursus von 5—6 Monaten vor, der am geeignetsten in den Winter- monaten, und zwar in den Abendstunden abzuhalten sein würde. Ueber den schnellen Witterungswechsel wird aus Hamburg unten» 7. Dezember geschrieben:„Kaum verschwand, durch Weststürme vertrieben, das Frostgebiet am Montage aus Deutsch- land, so daß bis zu 7 Grad Wärme die Temperatur am Diens- tag Mittag in Hamburg gestiegen war, da sinkt schon am Abend desselben Tages bei Schneefall die Temperatur auf's Neue bedeutend, sich dem Gefrierpunkt nähernd. Sowohl der llebcrgang zu warmem als auch zu kalten, Wetter wird durch das Heranwehen von wanner resp. kalter Luft in Luftschichten mittlerer Höbe hervorgerufen. Zwar meldeten die Stationen Schottlands heute früh schon Abnahme der Temperatur bis zu 1 und 2 Grad, aber so schnell pflanzt der Wind der Tiefe die Acnderungcn der Temperatur nicht von Ort zu Ort fort, als daß diese abgekühlte Luft schon am Abend Hamburg hätte er- reichen können. Der Ilmschlag von Frost zu Thau war in Hamburg am Sonnabend durch eine Wolkenhaube im Nordwest angedeutet, welche zu einer daselbst lagernden Depression ge- hörte. Die Depression veranlasste erst vom Sonntag Nach- mittag ein Sinken des Barometers in Hamburg und entwickelke sich dann plötzlich bis zum Montag zu einem weiten Gebiet stürmischen Wetters, welches ganz Nord- und Zentral-Europa un, faßte. Diesen Depressionen scheint nun ein Gebiet höheren Druckes mit kaltem Wetter zu folgen," Bon einem Oleumattentat gegen einen Polizei- Lieutenant weiß das„Berl. Tgbl." folgendes zu erzählen: „Es bandelt sich um ein Oleumattentat, welches gegen einen hiesigen Polizeilieutenant, und zwar von einem Dienstmädchen, zu dem jener in irgend welchen Beziehung» gestanden bat, vcr- übt worden ist. Das Mädchen, das sich von dem Lieutenant seit einiger Zeit zurückgesetzt glaubte, wollte sich dafür rächen; es lauerte daher dem Beamten im Flur des Hauses, in welchem er wohnt, in einem Hinterhalt auf und schleuderte ihm, als er sich in seine Wohnung begeben wollte, eine größere Menge Oleum ins Gesicht, infolge dessen er sehr erhebliche Verletzungen erlitt, so daß er jetzt krank darniederliegt. Auch ein zweiter Polizeilieutenant, welcher sich in Begleitung des Bettoffenen befand, wurde hierbei von der ätzenden Flüssigkeit getroffen, kam aber noch mit einem blauen Auge davon, da er blos die Beschädigung seiner Uniform durch die scharfen Tropfen zu be- klagen hat. Die Attentäterin wurde sofort festgenommen und nach dem Untersuchungsgefängniß überführt." Soweit das „Berl. Tagebl." Jedenfalls ist es die alte Geschichte, die ewig neu bleibt: als das Dienstmädchen dem Herrn Lieutenant nicht mehr gut genug war, ließ er es sitzen. Warum der Rentier und Hausbesitzer X. Hierselbst nicht» mehr gegen die Schwaben unternimmt— das ist eine seltsame Geschichte von gekränktem Vaterstolz, verletztem Rechtsgefühl und vielleicht auch hauswitthlicher Sparsamkeit. Herr£. hat vor etwa 20 Jahren im Südosten der Stadt wacker gebaut; die Gegend hob sich bald und er verkaufte seine Häuser mit bedeutendem Vortheil, so daß er heute Urwähler erster Klasse ist, und zwar der einzige in seinem Wahlbezirk. Vor einiger Zeit kaufte er seinem ältesten Sohne ein kleines Land- gut, auf dem dieser aber weniger als der Herr Papa wirth- schaftet. Die kleine Wirthschaft aber hatte bedeutend von dem Wildstande in der Rachbarschaft zu leiden und da der Herr Rentier durchaus kein Verständniß für das edle Waidwerk be- sitzt, so kam er auf den idealen Gedanken, sich der Hasen und Rehe, die seinen Kohl und seine Saaten verwüsteten, in der- selben Weise zu entledigen, wie er dies in seinen Häusem in Berlin mit den bekannten lästigen Hausthieren gethan hattet: er legte auf seine?leckcr und in seine Gärten Gift. Dies that auch bald seine Wirkung und das verendete und in der Nach- barschaft todt aufgefundene Wild erregte die höchste Entrüstung einiger Sportsmen aus der Nachbarschaft, nach deren waid- männischer Ansicht jedes Stück Wild, das nicht eines gewalt- samcn Todes auf der Jagd stirbt, seinen Beruf verfehlt hat. Man erstattete die Strafanzeige gegen£. und dieser wurde auch in letzter zu ihrer Verfügung. Hat eines der Mitglieder einer solchen Gesellschaft ein Buch oder ein Theaterstück geschrieben, so wird auf der ganzen Linie die Lärmtrommel gerührt. Das neue Werk wird in allen Tonarten gepriesen und der Ver- fasser mit allen nur erdenklichen schmeichekhaften Beiwörtern belegt, unter denen neuerdings das aus dem militärischen Lexikon übernommene„schneidig" sehr in Aufnahme ge- kommen ist. Ein junger Schriftsteller, der es zu etwas bringen will, muß entschieden zunächst danach wachten, in eine dieser Ge- sellschaften aufgenommen zu werden. Ist ihm das gelungen, so kann er getrost zusehen: er wird eines schönen Morgens als berühmter Mann erwachen. Manche der an der Spitze solcher BelobigunSvereine stehenden Blätter haben das Berühmtmachcn zu einer wahren Virtuosität ausgebildet. Da wird nach allen Regeln der Kunst vorgegangen. An- genommen, ein Mitglied hat ein Theaterstück geschrieben. Die erste Aufgabe der befreundeten Presse ist es nun, für das Stück Stimmung zu machen und die öffentliche Auf- merksamkeit auf dasselbe zu lenken. Da erscheint dann eines TageS zuerst eine Notiz, etwa dieses Inhaltes:„Wie wir hören, ist Herr$., der geistreiche Feuilletonist und schneidige Kritiker mit der Abfassung eines Schauspiels beschäftigt, das einen Konflikt aus dem modernen Leben behandeln soll." Diese Notiz wird natürlich von allen„zum Ring" gehörenden Blätter schleunigst n achgedruckt. Einige Wochen später meldet dasselbe Blatt:„Herr 3E. hat soeben die letzte Hand an sein Schauspiel gelegt. Ueber den Titel seines Werkes hat der Autor sich noch nicht schlüssig gemacht." Die Notiz macht natürlich wieder die Runde in dem befreundeten Theil der Presse. DaS Publikum wird neugierig und sieht weiteren Mit- theilungen über das mit so großer Wichtigkeit behandelte Werk mit Interesse entgegen. Acht Tage später heißt es: „Der Titel des neuen Schauspiels, das, wie wir neulich meldeten, von Herrn 1. vor Kurzem vollendet wurde, heißt: „DaS weiße Spitzentuch". Das Sujet des Stückes ist, wie wir hören, von aktuellem Interesse. Es behandelt gewisse Vorgänge in der Gesellschaft, die vor nicht langer Zeit alle Gcmüther in Erregung versetzte." Das Publikum ist nun in hohem Grade neugierig geworden und erwartet mit großer Instanz vom Reichsgericht zu einer Geldbuße verurtheilt, obwohl' sein Vcrthcidiger alle Minen hattespringen lassen. Es ist weder er- forderlich— so fährt die letztinstanzliche Entscheidung aus— daß der Wille des Thäters darauf gerichtet ist, den Besitz des Wildes behuks Verwerthung für sich zu erlangen, noch daß daS Erlegen des Wildes in waidmännischer Art geschieht; der Be- griy der Jägerei umfaßt vielmehr Handlungen jeder Art, welche darauf abzielen, sich eines jagdbaren Thieres zu bemächtigen, ohne daß es auf die Motive oder auf die weiter damit ver- folgten Zwecke irgendwie ankommt. So sollte sich also sein Sohn die Beraubung seines Eigenthums durch das Wild ruhig gefallen lassen? T. bat seitdem dem kleinen Landgut den Rücken gekehrt und betreibt in Berlin das weniger mühsame Geschäft des Mietheeinziehens in seinen Häusern. Als aber die Miether in einem dieser Häuser, in dem eine Bäckerei sich befindet, ihn vor einiger Zeit baten, doch gegen die überhand nehmenden Schwaben etwas zu unternehmen, da kratzte Herr 1~ sich den Kopf und erzählte sein Malheur mit dem Giftlegen. Inzwischen wird die Schwabenplage in dem Hause immer größer. Sollte sich Herr I. denn so schwer davon überzeugen können, daß Schwaben in Berlin nicht zu den gesetzlich geschützten jagd- baren Thiercn gehören? Wie soll ein gutes Weib beschaffen sein? Für die- jenigen unserer Leserinnen, welche ihrer Verchelichung noch hoffnungsvoll entgegensehen, wird folgendes kleine Register weiblicher Tugenden von Jntercsse sein, welches ein anspmchs» loser junger Mann als Minimum berechtigter Forderungen an seine zukünftige Ehehälfte zusammengestellt hat. Nach ihm soll ein gutes Weib sein:„Angenehm, artig, anmuthig, achtbar, aufrichtig, bescheiden, bedächtig, belesen, beliebt, beharrlich, be- währt, brav, demülhig, dienstwillig, dankbar, ehrbar, edel- müthig, enthaltsam, ergeben, freundlich, fleißig, fromm, fried- fertig, fehlerfrei, freiinüthig, geduldig, gesprächig, gesellschaftlich, gütig, gesittet, gebildet, gesund, gehorsam, gefühlvoll, geistvoll, gelassen, genügsam, gewandt, gewissenhaft, heiter, häuslich, herzlich, harmlos, hold, hilfreich, mnig, interessant, jung, keusch, kindlich, kräftig, liebenswürdig, liebreich, leutselig, milde, manierlich, mäßig, musterhaft, niitleidig, nachsichtig, nach- gicbig, nett, ordnungsliebend, pflichttreu, pünktlich, qualifizirt, reizend, reich, rechtlich, reinlich, schön, standhaft, sanft, scharf» sichtig, sittlich, sparsam, talentvoll, tugendhaft, tadellos, thätig, theilnehmend, treu, unveränderlich, ungekünstelt, uncigen- nützig, verschwiegen, vernünftig, wohlwollend, weise, wohl- erzogen, wirthschaftlich, züchtig, zärtlich, zuvorkommend, zuttau- lich und zuverlässig." Weiter nichts? werden hoffentlich unsere Leserinnen fragen. Einen ungeheuren Auflauf verursachte vorgestem Abend in der Friedrichslraße nahe den„Linden" folgende Szene. Man sah, wie ein älterer Mann unausgesetzt mit einem Rohrstock auf ein etwa 17jährigcs, hübsches Mädchen mit keck auf dem Kopf fitzenden Baret und weißem Schleier einschlug. Mehrere Passanten legten sich ins Mittel, doch der Mann erklärte, daß er der Vater des Mädchens sei und dieses die Strafe wohl verdiene. Seine Tochter hätte sich vor mehreren Tagen aus dem elterlichen Hause entfernt, um ein leichtsinniges Leben zu führen und endlich wäre es ihm gelungen, das Mädchen auf einem ihrer Sttcifzüge zu erwischen. Das Märchen dagegen bat laut jammernd um den Schutz des Publikums, da ihr Vater es gewesen sei, der an Allem die Schuld trage. Eye man sich's versah, war das junge Mädchen verschwunden. Es hatte das entstandene Gedränge dazu benutzt, sich unbemerkt aus dem Staube zu machen. Auf die Ergreifung des Raubmörders Keller war seitens des hiesigen Polizeipräsidiums eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt worden, von welcher der Arbeiter Woischnig aus Kl. Döbern Kreig Brieg 250 M., der Arbeiter Wilhelm Morawe aus Stcindorf, Kreis Ohlau, und der Obstpflücker Joseph Abert, zuletzt in Breslau am Universitätsplatz wohnhaft, je 25 M. erhalten sollten. Die qu. Beträge sind an die beiden erstgenannten Personen bereits ausgezahlt worden, während der rc. Abert nicht zu ermitteln ist. Vielleicht meldet sich derselbe auf Grund dieser Zeitungsnotiz. Die Polizeibehörde zu Charlottenburg stellt Erwitte- lung über die Persönlichkeit zweier unbekannter Männer an, welche vor einigen Tagen als Leichen aufgefunden worden sind. Einer derselben, ein Mann von 30—35 Jahren, mit dunkelblonden Haaren und blondem Schnur-, Kinn- und Backenbart, hatte sich ans der Bahnstrecke Westend- Moabit, zwischen der Spannung die Premiere. Bis pm Tage der Aufführung folgen noch einige ähnliche Notizen, so daß das Interesse des Publikums nicht erlahmen kann. Nach der ersten Auf- führung wird das Stück, hat es einigermaßen gefallen, als die bedeutendste Hervorbringung auf dem dramatischen Ge- biete seit Jahrzenten hingestellt. Ist das Stück durchgefallen, so wird von Kabalen und Jntriguen, oder auch von beson- ders ungünstigen Umständen, unter denen die Premiere statt- fand, gesprochen. Der Erfolg wird natürlich in der nach- baltigsten Weise ausgebeutet. Von jeder in irgend einem Krähwinkel stattgehabten Aufführung wird ein Bericht ge- bracht und ebenso werden den verschiedenen Wiederholungen des Stückes an der Residenzbühne Worte gewidmet. Der Autor erntet Ruhm und Geld. Ueberhaupt ist die Theater- schriftstellerei diejenige Branche in der Literatur, bei welcher eventuell der meiste Gewinn zu erlangen ist; nnglücklicher- weise aber ist sie auch diejenige, bei der am schwierigsten ein Erfolg erreichbar. Was nützt der Mantel, wenn er nicht gerollt ist! Was nützt das schönste Stück, wenn es nicht gespielt wird. Und ein Stück zur Aufführung zu bringen, ist eine Sache, die nur wenig Sterblichen gelingt. Ein junger Schriftsteller, der in der Hoffnung auf glänzende Tanlismen ein Stück schreibt, thäte besser, ein Lotterieloos zu erwerben, denn das letztere ist entschieden müheloser und mindestens ebenso chanzenreich wie das erstere. Der Erfolg eines Theaterstückes hängt immer von der Berliner Aufführung ab. Es giebt Schriftsteller, denen es nach unsäglichen Mühen und mit dem Aufwände heroischer Geduld gelungen ist, ein Stück an einer größeren Provin- zialbtthne oder auch an dem Hoftheater einer kleinen Resi- denz zur Aufführung zu bringen. Das hat aber für den Schriftsteller wenig oder gar keinen Nutzen. Es bleibt ge- wöhnlich bei der einen Aufführung an dem betreffenden Theater, denn das Gros der Direktoren führt nur Stücke auf, die an einer Berliner Bühne Erfolg gehabt haben. Nun hat aber jede der drei oder vier größeren Berliner Bühnen ihre Hausdichter mit Ausnahme des Hoftheaters, das bei der Auswahl seiner Stücke wieder von hunderterlei Rücksichten eingeengt ist. Die Dramatiker des„Deutschen. neuen Vcrbindungsbahnbrucke und der Berliner Weichbildflrenzc von einem Bahnzuge überfahren lassen und wurde vollständig zermalmt aufgefunden. Bei der Leiche fand man ein Hand- leder, wie es Steinträger und Steinfuhrleute gebrauchen. Der zweite, etwa 50— 55 Jahre alte Mann, wurde am 5. d. Mts. in einem Gebüsch an der Nonnendammdrücke erhängt gefunden. Derselbe war etwa 1,65 M. gross, von schlanker Gestalt, hatte hellblonden graumelirtcn Schnurbart, fehlerhafte untere Schneide- zähne; die oberen Zähne fehlten ganz. Etwaige Mittheilungcn find an das hiesige Leichen-Kommissariat zu machen. Sturz aus dem Fenster. Mit einem markdurchdringen- den Schrei stürzte sich in der vergangenen Nacht gegen 4 Uhr ein in dem Hause am Ostbahnhof 7 in Schlafstelle wohnender Nohnarbeiter Heimich Schulz aus dem Fenster der in der dritten Etage belegenen Wohnung auf den gepflasterten Hof. Hinzueilende Hausbewohner fanden den Unglücklichen mit mehrfach gebrochenen Gliedmasscn auf den Steinen liegen und veranlassten, nachdem ein hinzugenifener Arzt die Verletzungen für lebensgefährlich erklärt, die Ueberführung nach dem städti- schen Allgemeinen Krankenhause am Friedrichshain. Das 16 jäbrige Mävchen, das, wie der Polizeibericht in seiner lakonischen Kürze meldete, vorgestem Abend aus dem Fenster der elterlichen Wohnung in der Langenstrasse 99—100 auf die Strasse gestürzt, ist in der vergangenen Nacht im städtischen Krankenhause verstorben. Die Unglückliche, mit Namen Bertha Seidel, war an dem fraglichen Abend mit ihrem Bräutigam nach Hause gekommen, hatte sich dann, nachdem sich dieser entfernt, die Augen verbunden und sich auf die Strasse gestürzt. Ein Dachstuhl- und Dachbodenbrand auf dem Grund- stück Königstrasse 45, welcher gestern Vormittag kurz vor 9 Uhr zum Ausbruch gelangte, sah viel bedenklicher aus, als er in der Wirklichkeit war. Es lag dies wesentlich an der schnellen Ent- Wickelung einer kräftigen Flamme, die sich bereits vor dem Ein- treffen der Feuerwehr durch das Dach Bahn gebrochen hatte. Es wurde deshalb auch sofort Sukkurs herbeigerufen, doch brauchte derselbe nicht mehr in Anspruch genommen zu werden, da man inzwischen mit der Gas- und Tampfspritze, welcher von einer großen Handdruckspritze assistirt wurde, des Brandes im Wesentlichen schon Herr geworden war; auch die auf der Strasse für ein etwaiges Besteigen des Daches aufgerichtete grosse Rettungsleitcr kam nicht mehr zur Verwendung. Zerstört find nur eine größere Anzahl der bekannten Lattenverschläge mit ihrem meistens nicht sehr werthvollen Inhalt sowie ern kleinerer Theil des Dachstuhles vom Vorderhause und an- gicnzenden Seitengebäude, speziell an der Stelle, wo beide Ge- däudctheile zusammenstoßen. Wohnungen find vom Brande nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Selbst die Beschädi- gungen durch durchgevrungcncs Wasser sind hier nur unter- geordneter Natur. Die Entstehungsursache ist wie meistens bei Tachbodenbränden unaufgeklärt geblieben. Bei dem wegen gewerbsmästiaer Hehlerei verhafteten „Arbeiter" P. find nachfolgende, muthmaßlich gestohlene Sachen beschlagnahmt und bei dem Kriminalkommissariat Zimmer 77 in Augenschein zu nehmen. Eine silberne Zylinder- Remontoir- Uhr mit doppelten, gepreßten Goldrande, Sekundenzeiger und der Nummer 87 592, bläulichem Zahlcnkrcise, innen begrenzt durch einen rothen Strich. Eine neufilberne Zylinderuhr mit doppeltem Goldrande, Sekundenzeiger und der Nummer 1834, die Zahlen der Uhr sind deutsch. Eine Talmikette mit langem gereiselten Schlüssel und Medaillon; letzteres ist eirund, zeigt auf einer Seite gepreßte Verzierungen, auf der vorderen einen schwarzen Stein mit Metallwapvenschild. Ein rothledernes Zigarren- Portefeuille, darauf ein Wappenschild niit siebenzackiger Krone. Ein modefarbener Sommerüberzicher mit grauen, Futter und der Firma„Englische Herreninoden, B. Levy, Berlin, Leipzigerstraße 95, Ecke Charlottenstraße". I« einem Anfall von Raserei sprang der in der Bergmannstrasse Nr. 4 wohnende Barbier Konrad B-, der schon seit längerer Zeit am Verfolgungswahn leidet, während der verflossenen Nacht plötzlich aus dem Bett und bedrohte seine Familie mit scharfen Instrumenten. Den Angehörigen gelang es jedoch, noch rechtzeitig die Thür zu erreichen und zu flüchten, worauf sie auf dem nächsten Polizeibureau um Hilfe baten. Mit der ihnen gewährten Unterstützung einiger Schutzleute wurde der Tobende in der Wohnung festgenommen, zunächst nach der Polizei gebracht und von dort schliesslich nach der Neuen Charitce überführt. Gemäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Ge- sundheitsamts sind in der Zeit vom 21. November bis 27. No- vembcr cr. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurchschnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 22,3, in Breslau 30,9, in Königsberg 22,0, in Köln 25,1, in Frankfurt a. M. 14,8, in Wiesbaden 8,4, in Hannover 26,1, in Kassel 16,2, in Magdeburg 22,8, in Stettin 23,0, in Altona 22,3, in Straßburg 21,4, in Metz 13,9, in München 26,2, in Nürnberg 22,6, in Augsburg 22,1, in Dresden 19L, in Leipzig 21,1, in Stuttgart 17,3, in Karlsruhe 15,3, in Braunschwcig 20,1, in Hamburg 29,5, in Wien 20,2, in Pest 38,1, in Prag 28,9, in Trieft 28,0, in Krakau 32,6, in Basel 16,2, in Amsterdam 20,8, in Brüssel 22,9, in Paris 23,1, in London 19,2, in Theaters" sind: LÄrronge, der Direktor desiclben, Paul Lindau, Hugo Lubliner und Oskar Blumenthal. Charak- teristisch ist, daß die beiden Letzteren ihre neueren Stücke ausschließlich in hocharistokratischen Kreisen spielen lasten, denen sie selbst persönlich ganz fern stehen. Es scheint, daß bei diesen Dramatikern der bühnenfähige Mensch erst beim Baron anfängt. Theater-Metternichs! Am Wallner-Theater beherrschen Jakobsohn, besten letzte Schöpfungen einen fast mitleidenswerthen Mangel an Witz und Geist aufweisen, Moser und Schönthan das Feld oder vielmehr die Bretter. Am Residenz- Theater dominiren die Fran- zosen; nur zum Schluß der Saison, wenn die Aufführung eines neuen Sardou oder Dumas nicht mehr lohnt, wird allenfalls einmal das Werk eines deutschen Dichters gegeben. Das Zentral-Thcater führt schon seit Jahren nur Werke von W. Mannstädt auf, die den Ein- druck machen, als seien sie für Schwachsinnige bestimmt. So etwas von Blödsinn der Handlung und Plattheit des Dialogs ist noch gar nicht dagewesen. Die Hauptsache an den Mannstädt'schen Stücken ist immer der— Chor hübsch gewachsener Figurantinnen, die in den pikantesten Kostümen erscheinen und fast während der ganzen Dauer der Vor- stellung nicht von der Bühne kommen. Ei» unbekannter Autor, der sein dramatisches Erstlings- werk auf eine der Berliner Bühnen bringen will, muß sich wvhl oder über dazu verstehen, gewisse Umwege einzuschlagen. Er muß einem der bekannten Autoren sein Stück zur Be- arbeitung übergeben, worauf derselbe, vorausgesetzt, daß es einen guten Kern hat, gegen die Hälfte oder zwei Drittel der Tantieme gern eingeht. Es giebt hier unter Anderen einen Schriftsteller, von dem bereits mehr als ein halbes Dutzend Stücke aufgeführt ist, von denen er auch nicht ein einziges allein geschrieben hat. Da er aber Verbindungen mit den Direktoren hat und ein sehr bühnenerfahrencr Herr ist, so gelingt es ihm zuweilen, eines der ihm von jungen Autoren übergebenen Stücke an der einen oder anderen Berliner Bühne zur Aufführung zu bringen. Seine Mit- arbeiterschaft besteht gewöhnlich in dem Kürzen des Dialogs und dem Arrangiren effektvoller Aktschlüsse. Zuweilen auch, wenn ein junger Autor nicht die Geduld hat, abzuwarten, Glasgow 25,4, in Liverpool 21,8, in Dublin 25,3, in Edinburg 18,9, in Kopenhagen 20,3, in Stockholm 14,3, in Christiania 19,1, in St. Petersburg 21,7, in Warschau 25,2, in Odessa 33,7, in Rom 22,5, in Turin—, in Venedig 18,2, in Aleyandria 34,5. Ferner in der Zeit vom 31. Oktober bis 5. November cr.: in New-Nork 24,8, in Philadelphia 21,8, in Baltimore 15,5, in San Franzisko—, in Calkutta 24,9, in Bombay 26,5, in Madras 36,2. Die sanitären Verhältnisse in Berlin waren auch in dieser Verichtswoche keine ungünstigen. Das Vorkomnien der In- fektionskrankheiten zeigte im Allgemeinen die gleiche Ausdehnung wie in der vorhergegangenen Woche. Erkrankungen an Masern, die sich im Stralaucr Viertel, in der Friedrichstadt und in der Rosenthaler Vorstadt am häufigsten zeigten, sowie an Scharlach kamen ein wenig zahlreicher, an Diphtherie(im Stralauer Viertel, in der Luisenstadt und in der Schöneberger Vorstadt am verbreitetstcn) ein wenig seltener zur Anzeige. Unterleibs- typhus rief in keinem Stadttheile eine grössere Zahl von Er- krankungen hervor. Eine weitere Erkrankung an Pocken ge- langte zur Anzeige. Erkrankungen an Kindbettsieber waren nicht selten. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut waren auch in dieser Woche häufig, doch mit überwiegend mildem Verlauf. Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder kamen selten zum Vorschein und veranlassten nur wenig Sterbe- fälle. Zahlreich waren aber auch in dieser Woche Erkrankungen an akuten Entzündungen der Athmungsorgane, die auch in großer, wenn auch gegen die Vorwoche etwas verminderter Zahl, tödtlich endeten. Häufig waren auch Erkrankungen an Keuch- husten, sowie rheumatische Beschwerden aller Art, besonders akute Gelenkrheumatismen. Bewegung der Bevölkerung Berlins nach den Veröffentlichungen des statistischen Amts der Stadt. Die fortge- schriebene Bevölkerungszahl betrug am 13. November inkl. der nachträglichen An- und Abineldungen 1 358 885, hat sich demnach gegen die Woche vorher um 1713 Seelen vermehrt. In der Woche vom 14. Nov. bis 20. Nov. wurden polizeilich ge- meldet 3181 zugezogene, 2046 fortgezogene Personen; standes- amtlich wurden 261 Ehen geschlossen. Geboren wurden 843 Kinder, und zwar lebend: 409 männliche, 402 weibliche zusammen 811(darunter 105 außereheliche), todt 18 männliche, 14 weibliche, zusammen 32(darunter 3 außereheliche) Kinder. Die Lebendgeborenen, aufs Jahr berechnet, bilden 31,1, die Todtgeborenen 1,2 pro Mille der Be- völkeruna, die außerehelcch Geborenen 12,81 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebendgeborenen 12,95, die bei den Todtgeborenen 9,38 pCt. In der kgl. Charitee und Entbindungs-Anstalt wurden 42 Kinder geboren. Gestorben (ohne Todtgeborene) sind 519, nämlich 275 männliche, 244 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 147(inkl 26 außereheliche), 1 bis 5 Jahre 84(inkl. 3 außerheliche), 5 bis 10 Jahre 18, 10 bis 15 Jahre 7, 15 bis 20 Jahre 10, 20 bis 30 Jahre 28, 30 bis 40 Jahre 50, 40 bis 60 Jahre 78, 60 bis 80 Jahre 88, über 80 Jahre 9. Die Sterbefälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 61,85 pCt. sämmt- licher in dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindem starben 38 im ersten, 24 im zweiten, 17 im dritten, 10 im vierten, 10 im fünften, 9 im sechsten, 39 im siebenten bis zwölften Lebensmonate; von denselben waren ernährt 34 mit Muttermilch, 1 mit Ammenmilch, 57 mit Thiermilch, 1 mit Milchsurrogaten, 27 mit gemischter Nahrung, von 27 war es unbekannt. Todes- Ursachen waren bei den in dieser Woche Gestorbenen namentlich: Lungenschwindsucht(74) Lungenentzündung (38), Bronchialkatarrh(15), Kehlkopfentzündung(19), Krämpfe(18), Gehirnschlag(8), Gehirn- und Gehirnhautentzündung(24), Krebs(17), Altersschwäche(17), Lebensschwäche(27), Abzehrung(10), Masern(10), Scharlach(7), Diphtherie(37), Typhus(6), Diarrhöe(15), Brechdurchfall(5), an andern Krankheiten starben 167 und durch Selbstmord 5, davon durch Erschießen 2, durch Erhängen 1, durch Ertrinken 2 Die Sterblichkeit der Woche auf das Jahr berechnet, komnien durchschnitt- lich auf 1000 Bewohner in Berlin 19,9, in Breslau 29,7, in Bremen 22,0, in Frankfurt a. M. 14,1, in Köln 26,1, in Dresden 22,6, in München 30,6, in Stuttgart 16,1, in Wien 24,0, in Paris 22,3, in London 17,8, in Liverpool 23,8. In der Woche wurden dem Polizeipräst- dium gemeldet als erkrankt an Typhus 22, an Masern 131, an Scharlach 70, an Diphtherie 159, an Pocken 2. In den 9 größeren Krankenhä rsern wurden in der Berichtswoche 870Kranke aufgenom- men, davon litten an Masern 5, an Scharlach 13, an Diphtherie 52, an Typhus 13, an Rose 5. Es starben 143 Personen oder 27,5 pCt. aller in der Woche Gestorbenen; als Bestand ver- blieben 3646 Kranke. Polizeibericht. Am 7. d. M., früh, stürzte sich ein Mann aus einem Fenster seiner Am Ostbahnhos zwei Treppen hoch belegenen Wohnung auf die Strasse hinab unv erlitt durch den Fall einen Bruch des linken Armes und linken Beines, so daß er mittelst Krankenwagens nach dem Krankenhausc im Friedrichs- Hain gebracht werden mußte.— Vormittags stürzte auf dem Neubau sl)orkstraße Nr. 46 der Maurerpolier Dohn in Folge bis ein Stück zur Aufführung gelangt, verkauft er eS gegen eine feste, sofort zahlbare Summe einem der„Großen" und ist dann ein für allemal abgefunden. In diesen Fällen wird der Name des eigentlichen Verfassers des Stückes fast nie ge- nannt. Einer dieser stillen Mitarbeiter an mehreren der be- kanntesten Stücke der Neuzeit war Bernhard Busch, der sich vor ungefähr einem Jahre in Hamburg erhängte, um nicht verhungern zu müsten. Busch hat unter Anderem den bekannten Schwank„Krieg im Frieden" verfaßt, den er gegen ein einmaliges Honorar von fünfhundert Mark an Franz von Schönthan verkaufte, der dasselbe in Gemein- schaft mit dem der betreffenden, in dem Stück persiflirten militärischen Verhältniste kundigen G. v. Moser bühnen- gerecht machte. Bekanntlich hat der wirksame Schwank zahl- reiche Wiederholungen an allen Bühnen erlebt und seinen Bearbeitern gewiß die Summe von hunderttausend Mari eingebracht. Busch aber ist, wie öffentlich festgestellt worden ist, während seiner letzten Lebensjahre mehr als einmal dem Verhungern nahe gewesen. Ein anderer, viel höher stehen- der Dichter, Albert Lindner, der Verfaster des„Brutus und Collatinus" und der„Bluthochzeit" hat ebenfalls Zeit seines Lebens mit der bittersten Sorge zu ringen gehabt und als schließlich sein in dem unablässigen Kämpfen und Ringen abgenutzter Geist der Nacht des Irrsinns verfiel, da mußten seine Angehörigen an das öffentliche Mitleid appelliren. Lindner war zweifellos ein echter Dichter, das ist aber eher ein Fluch, als ein Segen. Er hat, wie so Viele vor ibm, am Hungertuch nagen müsten, weil er kein literarischer Ge- schästsmann war. Er verstand nicht, dem Geschmack des Publikums zu huldigen, sich zur Geltung zu bringen und sich dem Klrquewesen anzubequemen. Er war zu tief für den Geschmack des Publikums, das leichte, die Nerven an- genehm kitzelnde Kost liebt. Die großen, originellen Geister find es nicht, welche die großen Erfolge haben, sondern die arm- seligen Kärrner, die mühsam von überallher zusammentragen und sammeln, die keinen guten Einfall eines Anderen un- notirt lassen, die die„Mache" verstehen und sich mit den Stimmführern der öffentlichen Meinung gut zu stellen wissen.— eigener Unvorficbtigkeit aus der Höhe des dritten Stockwerks auf die Sttaße hinab und starb auf der Stelle.— Um die- selbe Zeit wurde in der Köpnickersttaße ein Mädchen durch einen Postwagen überfahren und an beiden Unterschenkeln leicht verletzt.— Mittags fiel ein 3 Jahre alter Knabe beim Spielen in ein Kellerfenster des Hauses Reichenbergerstraßc Nr. 157 und zog sich dadurch beträchtliche Verletzungen am Kops zu.— Gegen Abend stürzte sich ein Mann in selbsimörderischer M- ficht an der Alsenbrücks ins Wasser, wurde aber sofort heraus- gezogen und mittelst Droschke nach der Charitee gebracht.— Abends gerieth eine ältere Frau an der Ecke des Königsgrabens und der Mänzsttaße, nach Aussage von Augenzeugen durch eigene Schuld, unter einen vorüberfahrenden Postpackctwagem wurde überfahren und an den Beinen so schwer verletzt, daß fie mittelst Droschke nach ihrer Wohnung gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit fand in dem Konfettionsgeschäft» Niederlagstraße Nr. 4 ein unbedeutender Brand statt.— Am 8. d. M, Vormittags, entstand in dem Hause KönigSstraßc Nr. 45 ein nicht unbedeutendes Feuer, durch welches der Dach- stuhl und ein Lager von Papierabsällen zerstört wurden. Gerichts-Ieitung. Der amerikanische Naturarzt Louis Armann, Diätetik« pflegt sich der wegen Beilegung des erwähnten Titels vo» Jahren vorbesttafte Herr zu nennen, war zu gestern von seinem jetzigen Aufenthaltsort New-Uork eigens zu dem Zweck übers Meer herüber gekommen, um der Strafkammer des Landgerichts 11 wegen einer gegen ihn erhobenen Bctrugsan- klage Rede zu stehen. Ter früher im Hause Schulstraße 9 zu Charlottenburg wohnhafte Angeklagte empfahl sich seiner Zeit zur Heilung aller nur erdenklichen Krankheiten mittelst eines von ihm erfundenen diätetischen Heilverfahrens unter Uebersendung von Prospekten und Broschüren. Er fand auch Leute, welche mit lauter Zunge seine vermeintlichen Heilerfolge ausposaunten und der Naturarzt, welcher als ehemaliger Donschüler und in seiner Eigenschaft als ehemaliger Diener eines Arztes in Balti- more mit 15 Jahren bereits medizinische und juristische Studien betrieben und Vorlesungen beigewohnt, war nicht wenig stolz im Gefühl der Erhabenheit über die der berufsmäßigen Me- dizinwissenschaft Angehörigen. Von diesem erhabenen Stand« punkt hatte nun Armann der Frau des inzwischen verstorbenen Schneidermeisters Perlich, als dieselbe sich hilfesuchend an Ar- mann wandte, bestimmt erklärt:„Ich mache Ihren Mann gesund, absolut gesund, sonst würde ich die Kur nicht beginnen!" Herr Ärmann begann in der That die Kur unter Anwendung seiner Methode, bestehend in einer nach diatettschen Regeln bestimmten Ernährungsweise; nach seiner Erklärung sollte nach 13 monatlicher Behandlung in der angegebenen Art d« :c. Perlich wieder hergestellt seinj, wenn sich Frau Perlich das ausbedungenc Honorar im Bettagc von 200 M. zu zahlen bereit erklärte. Diese Bedingung ward seitens der um ihren Mann besorgten Frau Pcrlich angenommen und die Kur begann, obwohl d« verstorbene Pcrlich damals bereits an angehender Gehirn-Er« weichung litt, von den Aerzten bei der eigenthümlichen Natur dieses stündlich sich verschlimmernden Leidens als unheilbar aufgegeben und schon als Todeskandidat bettachtet worden war. Nach 6 monatlicher Behandlung starb am 12. Mai d. I. Her» Perlich, und sonderbar mußte es erscheinen, daß, kurz bevor sich dessen Zustand in einem hohem Grade verschlimmert und sein Transport nach der Jrrenhellanstalt des Dr. Edel erfolgt war, Herr Annann plötzlich und unbedingt eine Reise ins Ausland antrat. Auf Betreiben der Frau Perlich wurden nunmehr gegen Annann wegen fahrlässiger Tödtung gerichtliche Erhebungen Sepflogen, jedoch im Hinblick auf die UnHeilbarkeit der Krank« eit des Verstorbenen ward diescrhalb das Verfahren zwar ein« gestellt, indessen hatte sich Arnrann hinterher vordem Schöffen« gericht wegen Äctniaes zu verantworten. Diesem Vorwun stellte Armann den Emwand gegenüber, daß Frau Perlich si»; an seine Verordnungen bei der Behandlung ihres Ehemani? nicht sttikte gehalten, sondern auf Anordnung eines währv" seiner Abwesenheit hinzugezogenen Arztes wieder Arzeneien«n« gewendet hätte und dadurch an dem Mißlingen der Kur selb? die Schuld t age; ferner berief sich Armann zum Beweise de» Unfehlbarkeit auf eine Anzahl Zeugen, welche wie auf seinen Wunsch vor Gericht das Lob des Naturarztes mit tausend Zungen sangen. In Anbetracht dieses letzteren Umstand« erachtete das Schöffengericht den Angeklagten des Bcttuges si* nichtschuldig; denn,)o ward angenommen, von einer Vorsp>e« gelung falscher Thatsacken könne deshalb keine Rede sein,«cu der Angeklagte durch seine.Heilerfolge dazu veranlaßt worden sei, an die Wunderthätigkeit seines Heilverfahrens zu glauben- Der Amtsanwalt des Charlottenburger Schöffengerichts legst gegen das demzufolge auf Freisprechung lautende Urthe» das Rechtsmittel der Bcnifung ein, mit der ssttcot- fcrtigung, daß der Angeklagte unmöglich überzeugt stw konnte von der Erfolgfähigkeit seines Heilvertahrens, da ja doch ttotzdem p. Perlich verstorben sei. Vor der Straf« kämm er des Landgerichts l> fand gestern in der Berufung»« instanz eine nochmalige Verhandlung der Sacke statt.%st medizinischen Sachverständigen Dr. Edel und Geh. Sanctat� rath Dr. Hirsch erklärten, daß sowohl der Inhalt des von dem Angeklagten versandten Prospektes als auch die Broschüre, ve« titelt:„Ein neues diätetisches Heilsystem", vom wissenschafUnb« Standpunkt betrachtet, als ein Konglomerat von Begrisssver« wechselungen fich darstelle, ebenso wie das Heilsystcm de» p. Armann als Unsinn anzusehen sei; dafür spricht, daß Armarm z. B. bei Magenkrebs als diätetisches Heilmittel Hülsenttucktt verordne. In Bezug auf den Krankhcitszustand des Peru» geben die Sachverständigen ihr Gutachten dahin ab, das Pcrlich absolut unheilbar gewesen und die Zusicherung de» Angeklagten demnach eine grundfalsche gewesen sei. Nun ho" aber der Angeklagte u. a. einen ehemaligen Pattenlen' den Rechtsanwalt Redlich aus Luckau, auf Anttug seines Vertheidigers laden lassen; dieser Zeuge dan Herrn Armann die Wiederlangung seiner Gesundyc nach fünfzehnjähriger Krankheit, welche ähnlich wre vi jenige des verstorbenen Perlich bereits entwickelt war. Eh»"' äußerte sich ein Töpfermeister Kleist, welcher von«ne Gchirnleiden befallen, in Folge der vom Angeklagten m schnebenen Diät wesentlich gebessert ist, nachdem ihn Vre Acrz bereits aufgegeben; eine Reihe anderer Zeugen und Zeugrnn spricht sich in demselben Sinne zu Gunsten des Angekla» aus. Der Staatsanwalt erachtete hiernach festgestellt, dqss.. Angeklagte sich gewisser Heilerfolge rühmen könne, in w«?„ und ob fich dieselben medizinwissenschaftlich rechtfertigen lau. sei völlig gleichgiltig; indessen soviel habe der Angeklagte- seinem Entlastungbcweis dargethan, daß er durch diese Erfolge zu dem Glauben an die Sicherheit und Trmluh seines Heilsystems gelangt sei; er habe, von diesem Grf z punkte aus betrachtet, falsche Vorspiegelungen wrder bey Wissen nicht gemacht und sei daher des Bcttuges nach. Wortlaut des Gesetzcsparagraphen für nichtschuldig zu eracv, deshalb beantragte der Staatsanwalt die Besiättguna, ersten auf Freisprechung lautenden Urtheils. Der Gench_ schloß fich den Ausführungen des Staatsanwalts an un � kannte denigemäß; das erste Urtheil wird bestätigt uno Kosten der Staatskasse auferlegt.. meltb» Tie Wahl im achten Kommunalbezirk, durch» it, Herr Pickenbach aus der Stadtverordneten-Versammiunu � seitigt wurde, kann noch nicht zur Ruhe kommen, fan".''« schästigte gestern wieder läng«? Zeit die sechste Stral �, hiesigen Landgerichts l als Berufungsinstanz. Dst r-.,„her bürgcr-Zeitung" hatte in ihrer Nr. 304 B vom 29. T J 1885 die Beschuldigungen mitgetheilt, welche von hängern Pickcnbach's gegen die beiden Wahlvorfteher. � und zu einem von Pickenbach verfaßten Protest gctuh �xil« Es wurden zahlreiche Vorfälle angeführt, welche sollten, daß die beiden Wahlvorsteher, Fabrikant Plischke und Bauunternehmer Windcck, die Unparteilichkeit durch kräftige und die Grenzen des Erlaubten weit überschreitende Agitation für Vortmann arg verletzt hätten; ferner wurde behauptet, daß derr Windeck das Ehrenamt eines Wahlvorstehers gar nicht hätte ausüben dürfen, da er wegen Betruges bestraft worden sei. Die Herren Plischke und Windeck hatten aus Anlaß dieses Artikels den Strafantrag gegen den Redakteur der„Staatsb.- Ztg.", Dr. Bachler, gestellt, und da der Wahrheitsbeweis nicht geführt werden tonnte, es sich auch herausstellte, daß Windcck nicht wegen Betruges, sondern wegen verleumderischer Beleidigung verurtheilt, in letzter Instanz aber freigesprochen worden ist, so verurtheilte das Schöffengericht den Angeklagten zu fünfhundert Mark Geldbuße event. fünfzig Tagen Gefäng- niß. In der gestrigen Verhandlung in der Berufungsinstanz ließen die Zeugen, welche die Wahrheit der in dem Wahlpro- test behaupteten Vorgänge bekunden sollten, den Angeklagten fast vollständig im Stich. Gleichzeitig ergab es sich, daß Herr Pickenbach der eigentliche Veranstalter des Wahlprotestes war und er sich selbst für die Wahrheit der Vorgänge verbürgt hatte, daß die Unterzeichner des Protestes denselben zumeist im Vertrauen auf Herrn Pickenbach unterschrieben hatten, ohne den Inhalt recht zu kennen und daß Herr Pickcnbach den Protest schleunigst an den Magistrat abgesandt und sich erst später zur Bckrästi gung des Inhalts eidesstattliche Versicherungen von den Unterzeichnern hatte geben lassen. Auf der anderen Seite ließ der Angeklagte die Gründe des gegen Herrn Windcck er- gangenen freisprechenden Erkenntnisses verlesen. Es ging daraus yervor, daß der freisprechende Gerichtshof Herrn Windeck doch für überführt erachtet hat, beim Ver- kaufe eines seiner Häuser nicht reell vorgegangen zu sein, indem er das in dem Hause vorhandene Grundwasser vor den Augen des Käufers durch Bedecken des Kellerfußbodens mit Brettem und Verhängen des Lichtschachtes verborgen habe. Rechtsanwalt Flatau als Vertreter der als Nebenkläger zugelassenen Herren Plischke und Windcck beantragte mindestens die Strafe des ersten Erkenntnisses. Ter Staatsanwalt hielt nach den vorge- tragenen Erkenntnißgründen gegen Windcck die Integrität des« selben doch nicht für so groß, um eine so hohe Strafe zu recht» fertigen und brachte 150 M. Geldbuße in Vorschlag. Der Ge- richtshof hielt für erwiesen, daß in keinem der in den« inkriini- nirten Artikel enthaltenen Punkte dem Angeklagten der Beweis der Wahrheit geglückt ist, trotzdem erachtete er die vom ersten Richter ausgesprochene Strafe als zu hoch und ermäßigte die- selbe auf 200 M- Geldbuße event. 20 Tage Gefängniß, sprach auch den Beleidigten die Publikationsbcfugniß in der„Voss. Ztg." zu. Die Hauptverhandlung gegen den Berliner Arbei- terinnenverein(Nordverein) findet am 18. Dezember, Vormittags 93. Uhr, vor der Strafkammer des hiesigen könial. Landgerichts statt. Angeklagt find die Frauen Cantius, Groty- mann, Blechscbmidt, Steinecke, Walter, Vötting. Zum Halten von Pflegekindern ist eine polizeiliche Er- laubniß erforderlich. Eine Frau Sembrowska hatte im Früh- jähr nach dem Tode ihrer Schwester deren hintcrlassenes Kind zu sich genommen, ohne dazu zuvor die polizeiliche Genehmi- gung einzufordern. Die Polizeibehörde, die hiervon Kcnntniß erhielt, veranlasste die Erhebung einer Anklage gegen Frau S., und hatte sich diese vor der 97. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts zu verantworten. Der Gerichtshof legte die Polizeiverordnung dahin aus, daß nur das Halten von Pflege- k.ndern gegen Entgeld darunter falle, und sprach infolge dessen die Angeklagte frei. Wegen eines eigenartigen groben Unfugs hatte sich der Handelsmann Franz Nicleback vor der 95. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts zu verantwotten. Der Angeklagte be- treibt seinen Viktualien- und Obsthandcl auf einem Wagen, den er durch die Straßen der Residenz fährt. Seine Anwesenheit giebt er durch das bekannte Ausrufen auf den Straßen und Höfen kund, wozu er die polizeiliche Genehmigung besitzt. Nach einer Anzeige des Schutzmanns Schmidt betrieb der An- »etlagte dieses Ausrufen am 13. September er. in übermäßig «suter Weise, und fand hierin der fungircnde Amtsanwalt |}ntn groben Unfug, den er mit 5 M. zu bestrafen beantragte. Kergrbens suchte der Angeklagte die Ucbermäßigkeit seines Mfens in Abrede zu stellen; der Schutzmann erklärte, daß er A andern Falle keine Anzeige erstattet haben würde. Der Gerichtshof belegte den Angeklagten niit 1 M. eventuell 1 Tag hast. t Ein Stadtreisender, der Kaufmann Albert August P., stand gestern vor dem Schöffengericht unter der Anklage, seinem Prinzipal, dem Kaufmann Drechsler, einen Geldbetrag von 48 70 M. unterschlagen zu haben. P. war erst seit kurzer Zeit der Drechsler thätig, wo er Stellung gefunden hatte, nachdem ll einige Wochen arbeitslos gewesen war. Am 27. April d. I. bekam er den Aufttag, einige Kunden zu besuchen und Rech« jungen einzukasstren. Er erschien aber weder am Abend des- selben, noch am Morgen des folgenden Tages wieder im Ge- smäft, so daß der Prinzipal Verdacht schöpfte und einen anderen jungen Mann abschickte, der den Pfaden des verschwundenen �tadtreisenden folgen sollte. Der junge Mann ermittelte, daß P-.bei einem der Kunden in einer Droschke erster Klasse vor- getahren sei und bei einem anderen, einem Gastwirlh in Steglitz, w>t den Kellnerinnen einige Glas Bier getrunken habe. Hier- schloß per Ehef, daß der Stadtteisendc das Geld in leicht- Nnniger Weise verjubelt habe, und er machte der Polizei Anzeige. Inzwischen kam ein Brief von dem Verschwundenen an, in welchem P. dem Prinzipal klagte, daß " am Abend des 27. April das einkassitte Geld verloren habe. dieser Behauptung blieb er auch in der Verhandlung stehen; er wollte das Geld in sein Taschentuch geknüpft und eo daraus unbemerkt verloren haben. Ter Staatsanwalt hielt biese Angabe für eine Ausflucht und beantragte eine Getängniß- Jttafe von zwei Wochen gegen den Angeklagten. Dem Gerichts- bvf schien jedoch die Sache nicht genügend aufgeklärt und ei sprach deshalb den Angeklagten frei. Ein leichtsinniger Postbeamter, der Postasfistent outsltimann, war gestern des Verbrechens im Amte angeklagt , r die Geschworenen gestellt worden. Ter junge Mann hatte unter großen Schwierigkeiten sein Amt, er war im Postamt in bsr Bülowstraßc beschäftigt, angetreten. hervorgegangen, war "Ot9t0e Kaution zusammen SQt es seinem Vater, ?samter war, gelungen Aus ärmlichen Verhaltes ihm schwer gefallen, die izu bekommen. Mit Mühe der auch ein kleiner die Summe zusammen- iubringen, ader er verpfliwrere lernen«oyn, monaiua, euren bohen Betrag von seinem Gehalte zurückzuzahlen. So blieben uem Postassistcnten zum Lebensunterhalt, zur Bestreitung aller wner Bedürfnisse nur fünzig Mark. Mit dieser Summe kam ?! urcht aus, er war gezwungen, Schulden zu machen und usucßlich wuchsen sie über seinem Kopfe zusammen und raubten Mu die klare Uebcrlcgung. Am 5. Ottober d. I. hatte er einen �eldbnef, der mit 380 M. beschwett war, zu erledigen. Der 50le war gewesen und er hatte weder an die Witthin noch an ,51 Schneider, noch an den Schuhmacher seine Schulden de- Ipii»%nen'»och hatte er die Abzahlung an den Vater ge- unirv � unterschlug den Geldbttcf, bezahlte die Schulden brachte den Rest so schnell wie möglich durch. Dann fcm rc f. festgenommen. In Rücksicht auf ferne Jugend. d��estandniß und seine bedrängte Lage brllrgten rbm (1, beschworenen mildernde Umstände zu und der Gerichtshof vte dw Strafe auf 1* Jahr Gefängniß fest. 1, Ein Auge verloren und- ein Jahr Zuchthaus. den Merncidsprozeß fand gestern vor den Geschworenen gegen SÄf M Rudolf Äattai statt. Am 9. März d. I. er- von einem emporspringendcn Tropfen in das linke Auge gettoffen, das sofott auslief, so daß die Sehkraft des verletzten Organs vollkommen erlosch. Um solche Unglücksfälle zu vermeiden, be- steht die Vorschrift, daß die Arbeiter„Schutzbrillen" zu tragen haben, große in Leder eingefaßte, die Augen völlig bedeckende Brillen. Diese Vttllen find bei den Arbeitern nicht sehr de- liebt, sie hindern und belästigen beim Arbeiten. Als nun seitens der Behörde Nachforschungen angestellt wurden, ob die Fabrikbesitzer oder den unmittelbaren Vorgesetzten der Vorwurf einer Fahrlässigkeit treffe, gab der Verletzte an, daß in der Gießerei Schutzbttllm nicht vorhanden seien und daß ihm auch Niemand gesagt, er solle eine derattige Bttlle bei seiner Beschäftigung tragen. Des Weiteren stellte Mathai den Straf- antrag wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen die beiden Fabrikbesitzer und beantragte außerdem für seinen Unfall eine Entschädigung von 1000 M. Am 2. Juli d. I. wurde er vor dem Amtsgettcht l verantwortlich vernommen und beschwor, daß er nie in der Gießerei eine Schutzbrille gesehen und ge- tragen habe, weil keine vorhanden war. Mit dieser Aussage soll er einen Meineid geleistet haben; wie die Anklage an- nimmt, aus Gewinnsucht, um sich die Entschädigungssumme zu sichern In der Verhandlung bekundeten eine Anzahl Zeugen, Arbeiter und Meister der Fabrik, daß der Angeklagte zu ver- schiedenen Malen die Schutzbrille getragen habe. Der Matettal- vermalter sagte aus, daß einige Tage vor dem Unfall Mattai zu ihm gekommen sei und eine neue Schutzbrille verlangt habe, weil die alte schadhaft sei, und daß er den Angeklagten in das Komptoir gewiesen habe. Außerdem wurde aber festgestellt, daß die thatsächlich vorhandene Brille sich in einem unbrauch- baren Zustande befunden habe, ein Glas war gesprungen, das andere herausgebrochen, und daß die Bttlle drei Wochen nach dem Unfall erst durch eine neue ersetzt wurde, als eine polizeiliche Requisition stattfand. Dieser letztere Umstand war freilich für die Frage, ob der Angeklagte einen Meineid ge- leistet habe, ohne Belang. Die Geschworenen entschieden sich nach längerer Berathung im Sinne der Anklage, stimmten aber auch der Unterfrage zu, welche von der Vertheidigung angeregt worden war, ob der Angeklagte, wenn er bei seiner Vernehmung die Wahrheit gesagt hätte, sich nicht dadurch eine Verfolgung wegen wissentlich falscher Anschuldigung zugezogen hätte. Die an sich verwirtte Sttafe mußte demnach um die Hälfte ermäßigt werden. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten als an sich zu erkennende Strafe drei Jahre Zuchthaus und die Ermäßigung derselben auf l,s Jahre Zuchthaus. Das Urtheil des Gerichtshofes lautete auf ein Jahr Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf zwei Jahre.• Die Theilnehmer an einem nicht gewöhnlichen Leichen- zrlge vor der Strafkammer I des Landgerichts zn Altona. Die Verhandlung fand unter dem Vorsitz des Landgerichts- direktor Blumenbach statt, während die Staatsanwaltschaft durch den Staatsanwalt Bernhardy vettreten wurde. Es nehmen auf der Anklagebank Platz: Die Zigarrenarbeiter 1) Heinr. Frank, 2) Rod. Hoffmann, 3) Jako Jungblut, 4) Rud. Hackelberg, 5) Friedr. Horn, 6) H. Seligmann, 7) Joh. Zimmer. 8) Alb. Bartosch, 9) Gust. Niendorf, 10) Jak. Fischer, 11) Heinr. Paasch, 12) Konr. Witt, 13) Paul Franken, 14) Rud. Schulz, 15) der Maurer Heinr. Schttdde, 16) der Kol- porteur Joh. Heidorn. Der Angeklagte Rud. Schulz erschien erst, als die Vernehmung bereits beendet war, und gicbt auf Befragen des Präsidenten an, daß er bekanntlich auf Grund des Sozialistengesetzes ausgewiesen wurde und srcies Geleit nur für den gestrigen Tag hatte, und daher erst gestern Mor- gen von Bremen abfahren mußte. Wäre er am Abend vorher hier eingetroffen, so hätte er sich unzweifelhaft einer Verhaftung ausgesetzt. Der Zigarrenarbeiter Ed. Schlobohm hatte eben- falls Berufung eingelegt, war aber nicht erschienen und wurde daher die Berufuuz vcrwotten. Als Vertheidiger für sämmt- lichc Angeklagte, mit Ausnahme des Jungblut, fungitte Rechts- anwalt Dr. Düker, für Jungblut fungirte Rechtsanwalt Max Schmidt als Vettheidiger. Es handelt sich um eine von den Genannten eingelegte Berufung gegen ein am 8. September d. I. erkanntes Urtheil des Schöffengerichts i zu Altona, wo- nach Horn, Zimmer und Witt zu 10 M. Geldstrafe verurtheilt wurden, weil sie an einem ungewöhnlichen Leichenzuge aclegent- lich der ani 4. Juli d. I. stattgehabten Beerdigung des Zigarren» arbeiters Joh. Schlubeck mit rothen Rosen versehen thcilgenom- me» haben. Außerdem sollen sie drei Kränze mit rothen Schleifen getragen haben. Junablut hatte eine Aufforderung in der„Bürger-Zcitung" zmecks Theilnahme an der Beerdigung erlassen und wurde hierfür zu 50 M. Geldstrafe verurtheilt und außerdem zu 3 M. Geldstrafe wegen Theilnahme ohne Abzeichen. Schulz hatte ebenfalls eine Aufforderung erlassen und am Grabe dem Dahingeschiedenen einige Worte gewidmet; außerdem hat er eine rothc Rose im Knopfloch getragen. Er wurde zu 86 M. Geldstrafe verurtheilt. Die übrigen Angeklagten wurden wegen Theilnahme mit einer rothen Blume zu 6 M. Geldstrafe verurtheilt. Franken, welcher am Grabe einige Worte sprach, sollte hierfür nach Erkenntniß des Schöffengcttchts 20 M. zahlen. Die gestrige Verhandlung bietet einige intcr- essante Momente. Sämmtliche Angeklagte wurden vom Prä- Ernten befragt, ob sie Sozialdemokraten seien, über welche age einige die Auskunft verweigetten, während einige er- rten, nicht zu wissen, was man unter Sozialdemokrat verstehe. Hierauf wurden die Angeklagten befragt, ob sie rothe Blumen bei der Beerdigung gettaaen haben, welches mit Ausnahme von Bartosch und Jungblut bejaht wurde. Die Frage, ob dieses als ein Zeichen der Sozialdemokratie gel- ten sollte, wurde verneint. Tic Angeklagten sagten zum größten Theile aus, daß sie während des Sommers stets rothe Rosen tragen, ohne hierbei einen Hintergedanken zu hegen. Fischer erklärte, die Rose aus Liebe zu seinen, verstorbenen Freunde getragen zu haben, da doch roth bekanntlich die Farbe der Liebe ist. Sel'gmann erklärt, nicht zu wissen, daß das Tragen von rothen Rosen verboten ist, da man dieselben doch noch unge- hindett wachsen läßt, und zum Tragen seien dieselben doch da. Er glaubt, daß die Wahl der Farben einem Jeden überlassen bleiben muß. So gut wie der Herr Kommissar Engel erklärt hat, eine weiße Rose zu tragen, muß es ihm gestattet sein, die rothen Rosen zu lieben. Nachdem der Präsident die Aussagen der Angeklagten für unglaubhaft dargestellt, und die Angeklagten ersucht hatte, dem Gerichtshof nichts vorzulügen, erklätten Witt, Horn und Franken, ihre Aussagen zu verweigern, da sie sich vom Präfidenten nicht als Lügner schimpfen lassen wollen. Battosch und Jungdlut wollen keine rothe Blumen getragen haben. Die Aufforderung in der„Bürger-Ztg." erlassen zu haben, geben Schulz und Jungblut zu, und führen an, daß Schlubeck in den von ihnen vertretenen Vereinen ein hervorragendes Vorstandsmitgliedlwar, und es Sitte ist, die Mitglieder der Vereine zwecks Theilnahme an den Beerdigungen auf« zufordern. Dlmonstationcn haben sie hiermit nicht bezwecken wollen. Es werden nunmehr die eidlichen Aussagen der Polizeibcamten verlesen. Letztere waren nicht zur Verhandlung geladen. Es waren trotzdem fünf Kttminalbeamte anwesend; u. A. auch der Ottensener Kommissar Nicdorf. Derselbe wurde in der gestrigen Verhandlung nochmals eidlich vernommen. Er erklärt mit Bestimmtheit, gesehen zu haben, daß Schulz einen Kranz mit einer großen rothen Schleife mit Aufschttft getragen hatte. Dieselbe Aussage machte der Kommissar Engel in der Schöffengettchtsverhandlung. Letzterer wurde ebenfalls beeidigt. Schulz bestritt in der ersten Verhandlung schon, einen Kranz mit rother Schleife getragen zu haben. Durch die eidlichen Aussagen der Beamten wurde er indessen für übersühtt er- achtet und demgemäß auch verurtheilt. Schulz legte zum Er- staunen der Richter und der Beamten etwas auf den Gettchts- tisch nieder. Es war dieses nämlich eine Bescheinigung des Gärtners, bei dem der Kranz bestellt wurde, welche besagt, daß der Kranz mtt einer weißen Schleife versehen war, welches der Gärtner zu jeder Zeit beeidigen will. Eine Bescheinigung vom Drucker, welcher die Jnschttft gemacht hat, lag ebenfalls vor. Dieselbe besagt, daß er die Jnschttft auf einer weißen Schleife gemacht hätte. Auch dieses ist jeder- zeit zu beeidigen. Hierdurch waren somit die eidlichen Aussagen der beiden Beamten widerlegt. Nach einigen Fragen war die Vernehmung beendet, und erhält der Vertheidiger Düker das Wort. Derselbe suchte in einer längeren schneidigen Rede die Ansicht der Vordcrrichter zu widerlegen und beantragt kostenlose Freisprechung seiner Klienten. R.-A. Max Schmidt wünscht ebenfalls Freisprechung für seinen Klienten. Es er- halten die einzelnen Angeklagten das Wott, welche ebenfalls längere Reden halten. Hackelberg findet das Vorgehen der Polizeibehörde für unpassend, indem sie doch den Zug be- gleiteten und das Tragen rother Rosen gestatteten. Späterhin hätte indessen erst die Polizeibehörde Anzeige bei der Staats- anwaltschaft gemacht, welche Veranlassung zu einer Anklage nahm. Schulz nimmt auf die Aussagen der Polizeibeamten,. betreffs des Kranzes mit rother Schleife, Bezug und verliest folgenden im„Bremer Wochenblatt" vom 24. Oktober 1886 enthaltenen Artikel. Derselbe lautet wöttlich, wie folgt: Ueber die Geheimpolizei äußerte Bismarck zu Beginn der 50er Jahre: „Die Polizeiagenten aus Mangel an Stoff lügen und über- treiben unverantwottlich. Der unangenehmste Bundesgenosse unserer Gegner ist der wetteifernde Ehrgeiz unserer Polizeibcamten, Verschwörungen zu entdecken. Die Geschicklichkeit, Agentenbettchte für Thatsachen zu halten und diese aufschwellen zu lassen, ist unserer po- litischen Polizei im hohen Grade eigen." Der Gerichtshof ließ Schulz diesen Artikel ungestört vorlesen, erklärte jedoch hinter- her, daß dieses nicht zur Sache gehöre. Hackelberg brachte noch etwas vor, womit er ebenfalls zurückgewiesen wurde; worauf H. erklärte, daß der Prozeß auf ihn den Eindruck eines Ten- denz-Prozesses mache, über welche Aeußerung er vom Richter zur Ordnung ermahnt wurde. Nachdem der Staatsanwalt er- sucht hatte, die Berufung sämmtlicher Angeklagten zu verwerfen, zog sich der Gerichtshof zurück und verkündete bei seinem Wie- dererscheinen nach einer 2�stündigen Berathung folgendes Ur- theil. Die Berufung ist insofern von Erfolg, daß das Urtheil für die Angeklagten Witt, Horn und Zimmer von 10 M. auf 6 M- ermäßigt wurde. Das Uttheil für Schulz wurde von 85 M. auf 6 M ermäßigt. Das Urtheil für Jungblut wurde von 53 M. auf 3 M. herabgesetzt. Für Franken wurde das Uttheil von 26 M. auf 6 M. herabgesetzt. Die Berufung der übrigen Angeklagten, sobald das schöffengerichtliche Urtheil 6 M. nicht übertrifft, wurde verworfen. Das Gericht hat wohl die Ueberzeugung gewonnen, daß der Leichenzug ein ungewöhn- licher war, nicht aber, daß man etwas Demonstratives dadurch herbeiführen wollte. In dem Reden, wie auch in dem Erlaß von Aufforderungen in den Zeitungen, sah der Gerichtshof kein Vergehen. Paderborn, 6. Dezember. Bei dem hiesigen Schwur- gettcht bildete vorgestern der an dem Förster des Freiherrn von Wrede, Maximilian Karl KrahS, am 28. September v. I. verübte gräßliche Mord den Gegenstand der Verhandlung. Krähe wurde auf dem von Kleinenberg(Kreis Büren) nach Willebadessen führenden Wege, genau an derselben Stelle, an welcher im Mai 1880 zwei andere Förster desselben Grundherrn, Gies und Steinsttätcr, im Kampfe mit Wilderem ihr Leben verloren, erschossen aufgefunden. Auf einem Blatte des Notiz- buchs des Ermordeten standen mit Bleistift die Worte geschrie- den:„Zwei Wilderer haben mich erschossen. O betet für mich!" Eine am Thatort gefundene Mütze gab den Anlaß zur Entdeckung der Thäter, des Landwitths Franz Hibbeln und des Sleinhauers Bernard Vogt aus Kleinenberg. Hibbeln ge- lang es, aus dem Gefängniß zu Warburg auszubrechen und nach Amerika zu entkommen. Der gleich nach der That ge- flüchtete 27 jährige Vogt wurde dagegen zu Newcastle in Eng- tand festgenommen und auf diplomatische Vermittlung von der englischen Regiemng ausgeliefert. Trotz des hartnäckigen Leugnens des Angeklagten Vogt sprachen die Geschworenen denselben auf Grund der umfassenden Beweisaufnahme— es waren über 50 Zeugen geladen— des Todtschlags schuldig. Der Gerichtshof erkannte auf lebenslängliche Zuchthausstrafe. Koziales und Arbeiterbewegung. Ueber die Absichten der Negierung zur„Hebung" des Handwerkerstandes und seiner korporativen Verbände, auf welche in der Thronrede hingewiesen wurde, verlautet jetzt von offiziöser Seite das Folgende:„Die Erwägungen an zuständiger Stelle, welche dem Abschlüsse nahe find, bewegen sich nach zwei Richtungen. Einerseits ist eine gesetzliche Bestimmung ins Auge gefaßt, wonach auch die N i ch t r n n u n g s m e i st e r und Fabrikanten(?), welche Gesellen beschäftigen, für die letzteren zu Beittägen an die Jnnungskassen verpflichtet werden sollen. Aus diesen Kassen werden die Ausgaben für Herbergs- und Reiseuntcrstützungswesen, für Arbeitsnachweis, Fachschulen:c. besttttten. Andererseits soll eine aus öffentlichen Mitteln sub- ventionitte Zentralstelle für das ganze Reich errichtet werden zur einheitlichen Regelung und Förderung des In- nungSwcscns auf seiner gegenwärtigen gesetzlichen Grundlage. An eine Aenderung der Gewerbeordnung in dem Sinne des obligatorischen Jnnungszwanges denkt die Regierung dem Vernehmen nach nicht; sie steht, wie es scheint, noch immer auf dem Standpunkt, daß die eigene Rührigkeit und Tbätigkcit dcr Handwerker der bezüglichen Gesetzgebung erst das richtige Leben einhaucht und so auch ohne weitere Reichshilfe die angemessenen Wünsche der betheiligten Gewerbetreibenden erfüllt werden können." Gar viel enthält diese offiziöse Auslassung auch nicht über die Absichten der Regierung. Berufsgenossenschaften. Wie schon anderweit mitgcthcilt, hat daS Reichsversichcmngsamt dem Bundesrath bestimmte Vor- schlüge über die Eingliederung derjenigen Betriebe, welche sich auf Ausführung von Schr einer-, Einsetzer-, Schlosser oder Anschlägerarbeiten beiÄautcn erstrecken, in die Berufsgenossenschaften gemacht. Der„Hamb. Corr." erfährt, daß in Folge Bekanntmachung des Reichs- versicherungsamtes bis zum 20. November 1886 26 527 Betriebe mit 49 163 Arbeitern des gedachten Berufes angemeldet worden sind, und zwar für Schreiner und Einsetzer 18 206 Betriebe mit 31 307 Arbeitern, für Schlosser und Anschläger 8321 Betriebe mit 17 856 Arbeitern. Diese Gewerbe in eine eigene Genossen- schaft zu vereinigen, würde bei der Kleinheit der Betriebe und ihrer Zerstreuung über das ganze Reich kaum räthlich gewesen sein. Ein dahin gehender Antrag war auch nicht gestellt wor- den. Das Reichsversicherungsamt hatte nun eine eingehende Erhebung darüber angestellt, ob jene Betttebe den BaugewerkS» oder den Holz- bezw. Stahl und Eisenbereitungsgenosscnschaften einzugliedern seien. Die Ansichten der Genossenschaftsvorstände gingen weit aus einander. Das Reichsverficherungsamt entschied sich dafür, die Schreiner und Einsetzer der Holzberufsgenosscn- schaft, die Schlosser und Anschläger der Stahl- und Eisenbenifs- genossenschaft zuzuweisen, wobei namentlich auch ins Gewicht fiel, daß die Ausdehnung der Unfallversicherung auf alle band- werksmäßigcn Bettiebe wohl nur eine Frage der Zeit ist und daß man dann doch nicht die Bauschlosser und Bautischler in den Baugewerksgcnossenschasten lassen konnte, während die übrigen Schlosser und Tischler zu den Stahl- und Holzgenossen- schaftcn komnien wurden. Zum K�nkeutassengejetz. Bei der Berathung von Pe- tttwnen der Mitglieder der Eisenbahn-Werkstätten-Kassen wegen Abänderung des§6 Absatz 2(Karenzzeit) des Krankenverfichc» rungsgesetzes hat der Reichstag am 8. April d. I. beschlossen, dre Petitionen dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen. Der Bundesrath hat nun diese Resolution dem Reichskanzler m,t dem Anheimgeben überwiesen, die Bundesregierungen zu ersuchen, ihm ihre Erfahrungen darüber mitzutheilen, ob sich das Bedürfnis ergeben habe, das Krankenkassengesetz in dem durch die Resolution angeregten Punkte abzuändern. Diese Mittheilungen sind aber bisher noch nicht vollständig einge- gangen. Wie anderweitig bekannt geworden ist, hat die preu- fjische Regierungen ihre Erhebungen bezüglich der Wirksamkeit des Kran kenversicherungsgesctzes nicht auf die Frage der Karenz- zeit beschränkt, sondem über eine Reihe von weiteren Punkten Gutachten der Behörden, Krankenkassenvorstände(ob auch der „freien Hilfskassen"?), ja sogar der neuen„Gewerdekammem" eingefordert. Ein baldiger Abschluß der Erhebungen steht dem- nach nicht in Aussicht. Uebrigens niehren sich die Petitionen an den Reichstag, welche eine Abänderung des Krankenkassen- gesetzes auch in anderen Punkten in Anregung bringen. Die Züricher Buchdruckergehilfen hielten Sonntag Nach- mittag eine von 140 Mann besuchte Versammlung ab, um über ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu berathen. Veranlaßt wurde diese Versammlung durch das Bestreben mehrerer Buch- druckereibcfltzer, den seit 10 Jahren bestehenden Lohntarif um 3, 6, ja 9 Fr. per Woche zu kürzen, was ihnen in einigen Fällen gelang; diejenigen Arbeiter, welche es wagen, den Prin- zipal an seine gegebene Unterschrift zu erinnern, werden in rück- sichtslosester Weise auf die Gasse gestellt, trotz langjähriger An- stellung und erwiesener Tüchtigkeit und Pünktlichkeit. Auch ist man in einigen Druckereien geneigt, die Arbeitszeit von 10 Stunden zu verlängern, um auch nach dieser Richtung zu profitiren; ebenso wurde nachgewiesen, daß in einigen Ge« schäften die Behandlung der Arbeiter nicht geeignet ist, die- selben auf eine höhere Stufe der Gesittung zu führen. Nun sind aber die Buchdruckcrgehilfen in Zürich nicht gewillt, ihre durchaus nicht günstige Lebensstellung weder in ökonomischer noch moralischer Beziehung noch tiefer sinken zu lassen und haben deshalb ein Komitee gewählt, welches mit den Prinzipalen wegen Einhaltung des bisherigen Tarifes unterhandeln und einer nächsten Versammlung Bericht erstatten soll. Uereme und Nersammlungen. Die Droschkenbesitzer Berlin« und Umgegend hielten am 7. d. M. eine allgemeine Versammlung im Saale des Handwerkervereins ab. Der erste Punkt der Tagesordnung lautete:„Wie verhalten sich die Berliner Droschkenkutscher zu § 1 des Nacktrages vom 30. Juli 1880, die Wohnungsangelegenheit betreffend?" über welchen Herr Gnadt referirte. Dieser Nachtrag verbietet den Berliner Konzcssionären, außer- halb Berlins ihren Wohnsitz zu nehmen. Der Referent hob die Schädigung hervor, welche diese Bestimmung den Droschken- kutschem verursacht und war der Meinung, wenn dieselben laut Reglement 5 Kilometer und zwar nach Berliner Preis zu fahren gezwungen sind, es ihnen auch gestattet sein müßte, in den Vororten Berlins ihren Wohnsitz zu nehmen und nahm Gelegenheit, die Nothwendigkeit einer großen Vereinigung zu betonen. Herr Göbel hob hervor, daß durch den Abbruch vieler alten Häuser eine große Stallnoth in Berlin vorhanden sei, um so mehr, als sich das Droschkensuhrgewerbe wesentlich er- wcitert habe, daß für die vorhandenen Stallungen enorme Preise verlangt werden, ja, viele Wirthe sogar den Dung be- ansprachen, so daß die Fuhrhenen immer mehr in die Vororte gedrängt werden. Die weitere Diskussion bewegte sich im Sinne dieser Aucführung und faßte die Versammlung folgende Resolution:„Die heute tagende Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverftanden und beschließt: 1. In Erwägung, daß nach der Polizei-Verordnung, Nachtrag zu§ 1 des Droschkenrcglements vom 31. Juli 1880, den Interessenten große materielle Schäden erwachsen, ist die heutige Versammlung der Anficht, daß der Nachtrag zu§ 1 des Droschkenreglements wohl außer Kraft zu lassen sei, da ver- schiedene der umliegenden Ortschaften sich dahin erklärt haben, die polizeiliche Kontrole in ihren Orten zu übernehmen. 2. In Erwägung, daß das Institut der Pferdeeisenbahn« Gesellschaft bereits in den Ortschaften, die uns verboten find domizilirt und laut Gewerbeordnung§ 37 und§ 76 ebenfalls zum öffentlichen Fuhrwesen gehört, so bitten die heute hier ver- sammelten Droschkenbesitzer das königliche Polizeipräsidium um wohlwollende Berücksichtigung." Bemerkt sei hier noch, daß alle bisher unternommenen Schritte zur Aufhebung des in Rede stehenden Nachtrages erfolglos gewesen sind.— Der zweite Punkt der Tagesordnung lautete:„Wie verhalten sich die Droschkenbcsitzer zu§ 40 des Droschkenreglements?" Es ist dies der dekannte Paragraph, welcher die noch immer unentschiedene Streitfrage ins Leben gerufen hat, ob bei Touren die Uhr oder der Wegemesser entscheidet. In dieser Angelegenheit wurde folgende Resolution gefaßt:„Die Berliner Droschkenbcsitzer haben zu wiederholten Malen um Abänderung des§ 40 des Droschkcnreglements, welcher bestimmt, daß bei Tourfahrten der Wegemesser entscheidet, an das königliche Polizeipräsidium peti- tionirt, ohne daß bisher ein Resultat erzielt worden ist. Da aber die Mißstände und Unzuträglichkeiten zwischen Fahrgast und Kutscher immer mehr zunehmen und da in Streitfällen ge- wöhnlich zu Ungunsten des Kutschers entschieden wird, so sehen sich die Berliner Droschkenbcsitzer genöthigt, im allgemeinen Interesse noch einmal um schleunige Abhilfe in dieser Ange- legenheit an ein wohllöbliches Polizeipräsidium zu petitionircn." — Der dritte Punkt der Tagesordnung lautet:„Wie vcrhal- tcn sich die Droschkendesttzer zur Kutscherfrage und wie find die beiderseitigen Interessen zu regeln?" Die allgemeine Meinung ging dahin, daß Fuhrherren sowohl wie Kutscher sich alle einer Vereinigung anschließen und beide Vereinigungen Hand in Hand gehen müßten. Nach Besprechung einiger allgemeiner Angelegenheiten fand die Unterzeichnung beider Resolutionen resp. Petitionen statt. Der Verein der Berliner Ttuckateure hielt am Mon- tag, den 6. d. M., eine Versammlung ab, welche sich wiederum mit dem Arbeitsnachweis beschäftigte. Der Referent, Herr Hein- dorf, bedauerte, daß zur Besprechung einer so wichtigen An- aelegenbeit so wenig Mitglieder in der Versammlung erschienen seien. Er weist auf die ungünstige Geschäftskonjunktur während der Wintermonate hin und kritifirt das indifferente Verhalten so vieler Kollegen dem Arbeitsnachweis gegenüber. Nur etwa 20 Prozent der hiesigen Bemfsgcnoffen nähmen den Arbests- Nachweis in Anspruch und wären dies fast immer ein und die« selben Personen. Der Arbeitsnachweis hätte sich in vielen Ge» werken bewährt und segensreich gewirkt. Sache der Stuckateure sei es nun, sich darüber schlüssig zu werden, ob sie den vom Verein errichteten Arbeitsnachweis beibehalten wollen oder nicht. In der darauf folgenden Diskussion sprachen sich verschiedene Redner theils für, theils gegen die Beibehaltung� des Arbeits- Nachweises aus. Dabei fehlte es auch an Angnffen gegen den krankheitshalber in der Versammlung nicht anwesendm Verwalter des Arbeitsnachweisebureaus nicht. Dieselben wurden jedoch von anderer Seite als unbegründet zurückgewiesen. Herr Werder ersuchte, alle begründeten Beschwerden gegen den! Arbeitsnachweis öffentlich vorzubringen, der Vor- stand würde dann gewiß für Beseittgung etwaiger Mängel Sorge tragen.— Hierauf nahm die Versammlung mit allen gegen eine Stimme folgende Resolution an:„Die Ver- sammlung beschließt, den bestehenden Arbeitsnachweis aufrecht zu erhalten und mit allen Kräften für denselben einzutteten. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß jeder Fall der„Umgehung" des Arbeitsnachweises öffentlich bekannt gemacht und besprochen wird. Unter Umständen soll der betreffende Kollege zur Rechen- schaft gezogen werden. Die Versammlung deaufttagt femer den Vorstand, das Reglement für den Arbeitsnachweis verviel- fältigen zu lassen und jedem Kollegen zu unterbresten."— Herr Gottheiner als Mitglied der Fachschul-Kommisston erstattete hierauf Bericht über die bisherige Thätigkeit derselben und er- suchte die Kollegen, da am Freitag, dm 10. d. Mts., die ersten Unterrichtsstunden ertheilt werden sollen, dieses junge Institut durch rege Betheiligung zu unterstützen, damit es segen- bringend für den Bemf wirke. Er machte gleichzeitig auf die Bibliothek aufmerksam und ersuchtedie Mitglieder, behufs Beittitts- klärung sich an Hcrm Gmnenberg, im Lokale Dresdenerstt. 10, bei Körting, zu wenden. Es wurden vom Kassirer Herrn Bahr noch neu aufgenommene Mitglieder verlesen. Gegen einige derselben wurde von der Versammlung Widerspruch erhoben und konnte deren Aufnahme deshalb nicht erfolgen. Der Fachverein der Steinmetzen Berlins hielt am 5. Dezember in Ahlgrimm's Salon, Sophienstr. 34, seine Monatsversammlung ab. Es wurde beschlossen, die Monats- beitrage von Januar bis einschließlich März nächsten Jahres fallen zu lassen; jedoch werden die Mitglieder darauf auf- merksam gemacht, daß brs einschließlich Dezember d. I. die Bei- träge bezahlt werden müssen, da sonst die Unterstützungsbercch- tigung bei Krankheiten erlischt(§4 des Vereinsstatuts).— Alsdann wurde bekannt gemacht, daß die Arbeitsangelegenheit auf dem in voriger Vereinsversammlung bekannt gemachten Werk- platze laut Lereinsbeschluß geregelt ist, auch die Kollegen er- mahnt, stets am Tarif festzuhalten, damit nicht ein Meister durch Abweichen von demselben konkurrenzfähiger gemacht wird als die anderen. Nachdem wurden etliche Unterstützungsgesuche erledigt. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. 29 Hamburg), Filiale 1. Sonnabend, den 11. Dezember, Abends 8i Uhr, Lindenstraße 106 bei Poppe Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Kassenbericht, Vor- standswahl. Die Zahlstellen bleiben an diesem Tage geschlossen. Beittäge werden in der Versammlung entgegengenommen. Die ehemaligen Mitglieder de« Arbeiter-Bezirks- Vereins der Rosenthaler Vorstadt können ihre Bücher am Donnerstag und Sonnabend, Abends Uhr, im Lokale von Schayer, Jnvalidensttaße 153, in Empfang nehmen. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Bäcker(E. H.). Donnerstag, den 9. Dezember, Generalversammlung im„König- stadt-Kafino", Holzmarktstt. 72. Tagesordnung: Neuwahl des Vorstandes und der Revisoren. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine ic. am Tonners- tag. Männergesangvererein„Lätitia" Abends 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Vetcrancnstt. 19.— Männergesangverein„Jugend- lust" Abends 9', Uhr bei Bester, Große Hamburgerstraße 4. — Schäfcr'scher„Gesangverein der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf und Krüger, Skalrtzersttaße 126, Gesang.— Turiwerein „Hasenhaide"(Lehrlings- Abtheilung) Abends 8 Uhr Dieffen- bachstraße 60—61.—„Berliner Turngenossenschaft"(7. Lehr- lings-Abtheilung) Abends 8 Uhr in der»städtischen Turnhalle, Britzerstr. 17—18.—„Verein ehemaliger Dr. Döbbelin scher Schüler", Abends 9 Uhr im Restaurant„Zum Anhaltiner", Tempelhofer-Ufer, Ecke der Möckemstr.— Mustk-Dilettantenverein „Glocke" Abends 8t Uhr Friedrichsbergerstr. 10.— Rollerscher Stenographenverein„Alt-Cölln" Abends 9 Uhr Wallstr. 20 bei Leonhardt."— Verein Ziehlke'scher Tanzschüler„Tirolienne" Abends 9j Uhr im Restaurant Poppe, Lindenstraße 106.— Rauchklub„Kemspitze" Abends 8t Uhr im Restaurant Holzmarktstt. 44. Rauchklub„Arcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forstcrsttaße, Ecke der Reichenbergersttaße. Kleine Mittheilungen. Mannheim, 6. Dezember. Schon wieder erregte heute Abend eine Liebcsaffäre mit tragischem Ausgang die hiesige Bevölkerung. Ter 18jährige Gymnasiast Leonhard Müller aus Meiden bei Mosbach befand sich gegen 4 Uhr in der Wohnung der in F 6 wohnenden Wittwe Bayer, deren 17jährige Tochter bettlägerig krank war, und saß vor dem Bett der letzteren, mit welcher er über die Aussichtslosigkeit seiner zukünftigen Studien sprach und dabei mit einem Revolver hantirte. Ehe das im Bett liegende Mädchen es verhindern konnte, gab der junge Mann einen Schuß gegen sich ab und traf sich mitten in dre Stirne. Auf den Schuß eilten sofort die Hausbewohner hinzu und wurde der tödtlich Verwundete alsbald nach dem allge- meinen Krankcnhause gebracht, woselbst die Aerzte konstatitten, daß die Kugel in das Gehirn eingedrungen und keine Aussicht auf Erhaltung des Lebens ist. Müller hatte eine hef- tige Leidenschaft zu dem Fräulein Bayer gefaßt und soll, bei seiner Abneigung zum Studium, in jugendlicher Gcfühlsüber- wallung keine Aussicht auf eine Vereinigung mit seiner Ge- liebten gehabt haben, was ihn zu dem verzweifelten Selbstmord getrieben hat. Prag, 6. Dezember. Ein trauriges Zeichen der Zeit bildet folgender Vorfall:„Der zwanzig Jahre alte Schuhmacher- geselle Wenzel Matucha erschlug gestern in Czakowitz bei Prag seinen sechsjährigen Stiefbruder mit einem Hammer, ging dann nach Prag und stellte sich selbst der Polizei, wo er als Grund der Blutthat angab, sein Vater habe ihm seinen„unordent- lichen" Lebenswandel vorgeworfen und gcrathen, er möge ent- weder etwas stehlen oder Jemanden erschlagen, um eine Ver- sorgung im Kriminal zu finden. Deshalb habe er seinen Bruder ermordet. Er wurde dem Strafgerichte eingeliefert. Budapest, 6. Dezbr. Im O'mcr Hotel„Zum Propeller" spielte sich in der verflossenen Nacht ein blutiges Selbstmord- drama ab, das noch nicht in allen Einzelheiten aufgeklärt ist. Die vcrheirathete Kaffeehauskasstrerin Asztalos kam mit ihrem Geliebten, dem gleichfalls verheiratheten Pottier der Musik- Akademie, Namens Mack und dem Kellner Joseph Wagner vor- gestern Abend in das bezeichnete Hotel, wo sie soupitten. Wagner verließ dann für kurze Zeit die Beiden, um sich in an- rüchrgen Lokalen zu amüfiren. Gestern Morgen fand man nun diese drei Personen todt auf dem Boden, alle durch die Brust geschossen. Zuerst hatte Mack seine Geliebte, dann sich selbst erschossen, und zuletzt richtete Wagner die Pistole, die man neben ihm fand, gegen sich. Die Untersuchung ergab, daß Mack 560 fl. defrauditt hat und deshalb beschloß, im Verein mit seiner Ge- liebten zu sterben. Aus einem hinterlassenen Briefe Wagner's geht hervor, daß er keine Ursache zum Sterben gehabt, daß er aber nicht zusehen konnte, wie seine Bekannten zir Grunde gingen und daß er deshalb(?) den Tod gemeinsam mit ihnen gesucht habe.— Um dieselbe Zeit etwa war auch das„CafS Gutfreund" Schauplatz einer grauenhaften blutigen Szene. Lieutenant Schneeweiß, welcher zu den täglichen Gästm von Prugmayer's Orpheum zählte, bewitthete die Künstlerfamilie Tacianu(Schweiger), welche aus dem Vater und den zwei Töchtern Leona und Rosa bestand. in der Restauration des Orvheums und forderte dann die Gesellschaft zum Besuche eines Kaffeehauses auf. Die Geschwister Leona und Rosa wollten Anfangs hiervon nichts wissen und willfahtten erst auf dringendes Bitten des Offiziers seinem Verlangen. Ursprüna- lich wollte man in das Kaneehaus„zur Oper" gehen; vanelbe war jedoch schon gespertt. Man begab sich daher in das Gut- freund'sche Kaffeehaus. Während des Gespräches zog Schnee- weiß seinen Revolver aus der Tasche und versprach der kleinen 9jährigen Rosa Tacianu, ihr gleichfalls einen solchm zu kaufen. Schneeweiß hielt hierbei die Waffe gegen Leona Tocianu ge- kehrt, worauf ein Freund des Offiziers diesem den Revolver mit den Motten:„Mit Revolvern ist nicht gut spaßen" aus der Hand nahm. Schneeweiß gab die Waffe in die Tasche zurück, zog jedoch bald darauf den Revolver neuerdings hervor und rief der kleinen Rosa zu:„Nun Rosa, gieb Acht!" Kaum war das letzte Wott gefallen, als der Schuß aus dem Revolver, den Schneeweiß auf vie Brust des kleinen Mädchens gettchtet hielt, losging. Rosa ttchtete sich kerzengerade auf und machte einige Schntte zu ihrem ihr entgegen eilenden Vater, brach aber nach wenigen Schritten in der Nähe des Billardtisches zu- sammen. Anfangs glaubte die Gesellschaft, daß Rosa durch den Schuß nur erschreckt worden sei, bald jedoch entfärbte sich das Antlitz des Mädchens und Rosa hauchte in den Armen ihrer Angehörigen ihren letzten Seufzer aus. Während die im Kaffeehause anwesenden Personen sich um die Todte bemühten, erdröhnte ein zweiter Schuß, der dem Leben des Offiziers ein Ende machte. Nach derselben Darstellung giebt es in diesem Drama noch einige mysteriöse Details, die wohl niemals aufgeklätt werden können, da die beiden Hauptbctheiligten todt find. Genua, 6. Dezember. Die Polizei entdeckte nach langen Nachforschungen eine große Verbrechcrbande, welche seit Mo- naten die Stadt unsicher machte und am lichten Tage Mord- thaten vollführte. Die Zahl der verhasteten Mörder, Diebe und Hehler übersteigt 40. Außerdem wurden große Mengen gestohlener Wetthsachen konsiszitt. Tie Bande scheint mit einer weitverzweigten Verbrechergesellschaft in Verbindung zu stehen, deren Filialen in mehreren italienischen und französischen Städten kürzlich aufgehoben wurden. Vermischtes. Die Ansteckungsfähigkeit der Lungenschwindsucht, die i gewöhnlich für ein Resu' man gewöhnlich für ein Resultat neuer medizinischer Forschungen hält, scheint nach aufgefundenen Urkunden doch schon anderen Kulturvölkern bekannt gewesen oder doch von ihnen geahnt worden zu sein. Im Jahre 1782 wurde vom Magistrat in Neapel nach einer vorhandenen Urkunde angeordnet, daß jeder Arzt, sobald er bei einem Kranken Schwindsucht festgestellt hatte, verpflichtet sein sollte, der Behörde Anzeige zu erstatten und zwar zur Vermeidung von Geldstrafen und Verbannung. Die Kranken wurden dann einem Svttal zugeführt, ihre Effekten vernichtet, der An- und Verkauf ihrer Kleider mit schweren Strafen belegt; die von den Kranken innegehabten Wohnungen wurden auf das Sorgfältigste gereinigt, neu geweißt k. Dies merkwürdige Gesetz bestand noch im Jahre 1848. Nachdem man die Ursache der mörderischen Krankheit seit einiger Zeit in einem Bacillus ermittelt hat, erwiesen sich alle die drakonischen Maß- regeln als überflüssig. Freilich kann kein Arzt die tückische Krankheit heilen, aber frische, reine Luft hindett den Eiterungs- prozeß bei den Lungen und bttngt sehr oft noch die Krankheit zum Stillstehen. Ter gewissenhafte Arzt bekennt dabei gem. daß er mit seiner Kunst zur Heilung der Schwindsucht nichts thun kann; helfen kann allein die Natur, wobei es natürlich Hauptbedingung ist, daß die Krankheit noch nicht sich soweit entwickelt hat, daß der Körper die Ansttengungen eines Luft- Wechsels nicht zu ertragen vermag. Theatcrbrände im Jahre 1886. Es sind in dem hier zu besprechenden Zeiträume folgende Theaterbrände zu ver- zeichnen: 7. Dezember 1885. Das deutsche Theater(Paradies) in Moskau. Zuschauerraum total abgebrannt, während Bühne und Foyer erhalten blieben. 2. Januar 1886. Wheite's Theater in Detroit(Michigan, Nordamerika) brannte vollständig nieder. 12. März. Stadtthcater in Lemberg. Das Feuer brach Mittags 2 Uhr im Bodenräume aus und konnte— einer der selteneren Fälle— auf dieses Terrain beschränkt bleiben. Die Bühne blieb vollständig unversehrt. 5. Mai. Das Theater in Derby(England) brannte bis auf die Grundmauem nieder; es war erst am 25. März d. I. eröffnet worden. Das Feuer brach hinter der Bühne infolge einer Gasexplosion aus. Von dem Theaterpersonal erstickte ein Schauspieler in seinem An- kleidezimmer, während zwei Arbeiter durch den Einstun des Daches getödtet wurden. 15. Mai. Das sogenannte alte Stadt- theater in Bochum; dasselbe reduzitte sich auf einen größeren Gasthofsaal, der nicht unter die Rubttk„Theater" fallen kann. 29. Juli. Das Hindutheater in Tinnervelly(Stadt in Btttish- Indien mit 25 000 Einwohnern) war nur ein ganz leicht ge- hautes Theater. Bei diesem Thcatcrbrande sollen hundert Eingeborene(nach anderer Lesatt nur siebzig) in den Flammen umgekommen sein. Mitte Oktober. Das Teatro del filo- dramaiiei in Ravenna(Italien) ist total abgebrannt. Das Feuer brach in einer Pttvatwohnung des Theatergebäudes««C' welches zur Zeit des Fcuerausbruches gesperrt war. Eine in dieser Wohnung befindliche Frau wurde verkohlt aufgefunden. Noch sind zwei weitere Theater, nämlich in Madrid und Lrleansville(Frankreich, Provinz Algier), niedergebrannt, je- doch fehlen Datum und nähere Angaben dieser anscheinend nicht sehr belangreichen Theatcrbrände. Es sind mithin nur sechs Theater faktisch niedergebrannt, das Hindu- tbeatcr in Tinnervelly mit eingerechnet, trotzdem dies ebenfalls kaum im Sinne moderner Thcatergebäude aufgefaßt werden darf. Auch das in der Provinz Algier nieder- : wird kaum mehr als eine pttimtive Holz- gebrannte Theater................. ,J......... M-..... oder Leinwandbude gewesen sein. Es ist dies seit der Ring- theater-Katasttophe das günstigste Jahr in Bezug auf Theater- brände und namentlich auch hinsichtlich der dabei gebliebenen Opfer, wenn wir von der Europa nicht berührenden schweren Katastrophe in Tinnervelly absehen. Im Jahre 1885 waren 8, 1884 10, 1883 22 und 1882 25 Theatcrbrände zu verzeichnen- In engem Zusammenhange mit den Theaterbränden stehen naturgemäß die Zittusbrände. Vollständig brannten nieder. 1. April: Baese's Affen- und Elephantentheater in Mainz!/- gingen 34 dressttte Thiere zu Grunde, außerdem brannte eme angrenzende Schießbude nieder; 22. Mai: der Zirkus Fenoru in Wilna(Rußland); 7. August: der fliegende Zirkus Franklow in Pest; das Feuer brach in dem aus Brettern leichtfertig ge- bauten Zirkusstallc aus und verbrannten 10 wetthvolle Pttrve- Das Herz auf der rechten Seite. In Wim starb kurz- lich ein Mann, von dem alle Welt wußte, daß er das pcrz in der rechten Brusthälfte hatte. Es ist zwar nicht richtig, tfte vielfach geglaubt wird, daß die linke Brusthöhle allein der L-n ist, wo das Herz„schlägt"; dieser für den Bluwmlauf so w>cv- tige Muskel ragt oft mit seiner größeren Hälfte in die rcail Brusthöhle hinein, bei dem Drechslergehilfen Josef Choteb� aber, der in der Hofergasse Nr. 15 wohnte, war in Folge av normen Baues des Brustkastens das Herz ganz nach rechts om über verschoben und die Leute nannten ihn deshalb den„MO' mit dem Herzen auf dem rechten Fleck". Er war brui leidmd und die Folge davon war, daß er mrt Familie am Hungettuche nagte. Im allgemeinen Krankenhaus- wo er vor längerer Zeit Hilfe suchte, erkannte man dm reg widttgen Brustbau des Drechslers, dessen Herzschlag dev"... auf der rechten Seite, keineswegs aber auf der linken Se wahrnehmbar war. Die jungen Mediziner besuchten dm-m»» öfter in seiner ärmlichen Wohnung, um gegen ein Gewgesw an dem so abnormal Gebauten Studien zumachen. In.>e bitteren Roth offetttte er einmal der Anatomie feinen Leickn im voraus zum Kaufe, doch zerschlug sich damals das schäft". Josef Chotedor erlebte ein Alter von 51 Jahren- Kriefkalien der R�daktto«. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quittung beizufügen. Antwort wird nicht ertheilt. Sriefttch« 7 Ii Schräder. Ihre Karte empfingen wir erst flegm' Abends, das Inserat konnte daher mckt mehr in d,e M«iw nummer aufgenommen werden. Die Expcdrtton.,, H. H. Heft 1 und 2 der Jntematronalen Brblrochel ugenblicklich vcrgttffen, nach einigen Tagen können � au selben wieder durch die Expedition beziehen.;n per W.«., Reichenbergerstrahe. Ihre Sache w'rd m morgigen Nummer zur Sprache gebracht werden. a-nder« B. L. Da Ihr Bruder ohne Hinterlassung von» gestorben ist, so ist ferne von ihm testammtan� emg � Ehefrau nicht auch erbbcrechttgt hinsichtlich des Nachlasse � später verstorbenen Vaters. Ist aber Ihr Batet_ ghe Bruder gestorben, so fällt dessen Erbtheil ort tt, �st- frau, auch wmn die Höhe des Erbtheils noch nu? stand. verantwortlich für dm politischm TheU und Soziales Max Cchijtpel� für Bereine und Bnsammlungen Tutzauer. für dm ., �------....__________.... übrigen Theil der Zettung St. Eronheim. sämmttich in-Verl Druck und Verlag von Max Badwg in Berlin SW., Beuthfttaße 2.