Zlr 289« Freitag, den 10. Deiemder 1H8H. 8 Jahrg. Urrlincrlollistilnll Brgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Die Ermeiternng der Hastpflicht in der Schweiz. Wenn auch gerade nicht im beschleunigten Tempo, so wird doch Schritt für Schritt und ununterbrochen an dem weiteren Ausbau der sozialpolitischen Gesetze, der Gesetze {um Schutze von Leben und Gesunoheit des Arbeiters, in er Schweiz gearbeitet. Die jetzt in Bern tagende Bundes- Versammlung hat in dieser Richtung, trotzdem sie erst wenige Tage beisammen ist, abermals einen wichtigen Schritt vorwärts gemacht, sie hat die E r w e i t e r u n g der Haftpflicht beschlossen. Man kann diesen Be- schluß in seiner Tragweite wohl richtig würdigen, wenn man weiß, daß durch ihn die Haftpflicht auf 2000—2200 Gewerbebetriebe mit 34 000—38 000 Arbeitern ausgedehnt wird. Diese haftpflichtig gemachten Gewerbe sind solche, in denen explodirbare Stoffe gewerbsmäßig erzeugt oder verwendet werden, in denen elementare Kräfte benutzt oder in der Regel mehr als fünf Ar- bettet beschäftigt werden. Die erweiterte Haftpflicht er- streckt sich also auf Eisenbahn-, Tunnel-, Straßen-, Brücken- und Wasserbauten, das Aufstellen und Abbrechen von Maschinen und Znstellationen, das Bauhandwerk, in- begriffen die Werkstätten und Plätze, welche mit demselben im Zusammenhang stehen, Steinbrüche, Gruben und.Berg- werke, Fuhrhaltereien, Schiffsverkehr und Flößerei.* Nach Artikel I ist der Unternehmer des betreffenden Gewerbe- betriebs auch dann, wenn er die Arbeit einem dritten zur Ausführung übertragen hat, haftbar. Einen großen Fortschritt bedeutet die Bestimmung in Artikel 2 des Gesetzes, welcher lautet: Die Kantone sollen den bedürftigen Angestellten und Arbeitern, Welche nach Maßgabe des gegenwärtigen Gesetzes bder der Hastpflichtgesetze vom 1. Juli 1875 und 25. Juni 1881 Klage erheben, auf ihr Verlangen, nach einer "orläusigen Prüfung des Falles, die Wohlthat des u n e n t- Weltlichen Rechtsbeistandes gewähren und Kaution, Expertenkosten, Gerichtsgebühren und Stempeltaxen erlassen. In diesen Fällen hat auch das Bundesgericht °en klagenden Personen Recht zu sprechen. Streitigkeiten dieser Art sollen als dringliche betrachtet und durch einen Möglichst raschen Prozeßgang erledigt werden. Nach'Artikel 3 sind, die Betriebsunternehmer verpflichtet, «in Verzeichniß der bei ihrem Geschäftsbetrieb vorgekommenen Unfälle und der durch denselben entstandenen Berufskrankheiten S* führen. Sie sind verpflichtet, den Tag des Unfalls oder er Erkrankung und deren Ausgang genau einzutragen und dabei ausdrücklich anzugeben 1. wann und welcher Behörde die vorgeschriebene Anzeige der erwähnten Unfälle und IeuiUeton. Mrttten.]-[5 Die Derfuhrerw. Novelle von D. C o l o n i u s. _ Bei alledem ist es im Ganzen sehr reinlich; der Fußboden frisch gedielt und gescheuert, die Wände gekalkt, die *uft gesund und nur mäßig erwärmt.— Man sieht es dem Kämmerchen an, daß es für den Empfang eines Gastes her- gorichtet worden sei und daß die schlichten Landleute alle Ihnen zu Gebote stehenden Mittel erschöpft haben, es mög- "chst wohnlich und behaglich zu machen. (In dem Augenblick, wo wir das Kämmerchen betreten, lnden wir in demselben einen jungen Mann von etwa rchSundzwanzig Jahren, mit einem Gesicht, in welchem jeder kinzelne Zug den willensstarken, ernstruhigen Charakter �rräth. Auf die rechte Hand hat er sein Haupt ll�stätzt, in der linken hält er ein Schreiben, welches er allem Anscheine nach bereits durchgelesen "ad dessen Inhalt ihn in tiefe» Nachdenken versetzt haben wußte. Der Brief war au» Hamburg datirt und lautete fol- ttndermaßen: „Sie ist hier und wird, wie ich es vermuthcte, so lange virweilen, bis sie nach Wien zurückkehren kann. Die alte Marie ist ihre einzige Begleiterin, ob die einzige Vertraute, weiß ich nicht. Ich bin bisher'unbemerkt in ihrer Nähe ge- dlleben, habe jeden ihrer Schritte beobachtet, und werde dres so lange thun, bis ich vollkommen Gewißheit über ihre Ab- llchten habe. Deine Unvorsichtigkeit hätte mich beinahe in Verlegenheit gesetzt. Ich habe allen Grund zu glauben, daß sie Deine Stimme erkannt hat, als Du mir im Raudnitzer Bahnhofe den Namen de» Dorfes zuriefst, in welchem Du letzt lebst; denn ihr Blick schien sich, so oft er dem meinigen vegegnete, in die Tiefe meiner Seele versenken zu wollen, "m meine Gedanken zu errathen. Mich machte der Aus- •{atf des Argwohn» in diesem Auge so befangen, daß ich "Ue Kraft aufbieten mußte, mich nicht selbst zu verrathen. Erkrankungen gemacht haben; 2. welche Entschädigungen nach Maßgabe von Art. 6 des Gesetzes vom 25. Juni 1881 bezahlt worden seien; 3. ob die bezahlten Entschädigungen von der Geschäftskasse, von einer Unfallversicherungsgesell- schaft, von einer Krankenkasse oder aus irgend einer anderen Quelle bestritten worden seien; 4. ob der Unfall oder die Erkrankung als eine haftpflichtige betrachtet worden seien oder nickt. Diese Angaben sind spätestens drei Monate vor Ablauf der Versicherungsfrist der kantonalen Behörde ein- zusenden und von dieser auch dem Fabrikinspektor des be- treffenden Kreises mitzutheilen. Verspätung der Mittheilung ist mit einer Buße von 20 Fr. bis 500 Fr. zu belegen. Man wird zugeben müssen, daß dieses neue Gesetz für den Schutzdes Arbeiters von eminenter Bedeutung ist. Es steigert Die Werthschätzung des Lebens eines Arbeiters— der am Ende doch auch ein Mensch ist— zwingt den Fabrikanten, den Schutzvorrichtungen erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen. Aber doch ist dieses Gesetz nur eine Abschlagszahlung, eS ist nur die Brücke, die zu der obligatorischen staatlichen Unfall- Versicherung führt. Der Nationalrath nahm das Gesetz mit 53 gegen 12 Stimmen an. Die katholische Partei enthielt sich der Abstimmung! Da haben wir's. Diese Meiischen bleiben sich doch überall gleich, immer Barmherzig- keit und christliche Nächstenliebe im Munde und doch Gegner einer humanen Gesetzgebung. Freilich der arme Teufel, der ein Bein in der Fabrik einbüßt, soll sich damit trösten, daß er im Jenseits gar keines braucht und auch mit einem Beine selig werden kann. Die Familie, die ihren Er- nährer infolge Unfalls verliert und im größten Elende schmachtet, soll dies nur als eine Prüfung Gottes be- trachten, worüber nicht gemurrt werden darf. Aber geheuchelt wird nicht. Ein Antrag die Haftpflicht auf das Kleinhandwerk auszudehnen, wurde abgelehnt, dagegen in einer Resolution der Bundesrath eingeladen, beförderliche Anträge auf Einfüh- rung der staatlichen obligatorischen Unfall- v e r s i ch e ru n g vorzulegen. Ferner wurde noch betreffs Berufskrankheiten folgendes wichtige Alinea in das Gesetz aufgenommen:„Es bleibt den Gerichten vorbehalten, den Opfern von gefährlichen Krankheiten, welche durch den Betrieb von Industrien erzeugt worden sind, Entschädigungen zuzusprechen, selb st wenn dieJndustrien vom Bundesrath nicht als g e s u n d he i t S g e f ä h r- dend bezeichnet worden sind." Mit diesem neuen Gesetze ist manchem Mißbrauche seitens der Arbeitgeber mit dem Leben und der Gesundheit ihrer Arbeiter ein mächtiger Riegel vorgeschoben und ist es daher von jedem Menschen- freunde nur freudigst zu begrüßen. Dabei hatte ich Gelegenheit, ihre außerordentliche Gewandt- heit und Geistesgegenwart zu bewundern. Ich nahm mir nämlich vor, möglichst wenig zu sprechen, weil ich mich zu schwach fühlte, der Inquisition eines solchen WeibeS Stand zu halten; aber eine hingeworfene, wie zufällig an mich gerichtete Frage zwang mich, um nicht durch ein forcirteS Benehmen noch auffallender zu werden, ihr zu antworten, und so entspann sich eine Unterhaltung, die sie mit bewundernSwerther Leichtigkeit auf Raudnitz und auf meinen aus Deinem Munde gehörten Namen„Rudolph" zurückzuführen wußte. Mit genauer Roth nur entging ich ihr, aber nicht im offenen Kämpfe, sondern durch die Flucht. Wäre mir nicht der Charakter dieser Frau durch Dich ganz genau bekannt, ich hätte sie anbetungswürdig finden müssen; aber ich kann nicht umhin, Dir den Vorwurf zu machen, daß Du in ihrer Beurtheilung den Maßstab Deine» eigenen Wesens genommen haben und deshalb etwas zu hart gewesen sein möchtest. Ein Weib mit so hohen GeisteSgaben kann un- möglich—— doch wozu hier eine Erörterung, die zu keinem Resultate führen kann! Meine Freundschaft für Dich macht eS mir zur Pflicht, in Deinem Sinne zu handeln und jede individuelle Meinung außer Acht zu lassen, und ich glaube auch recht gethan zu haben, daß ich schon von Dresden aus in einen andern Wagen ging und es vermied, mit ihr beisammen zu sein. Ich glaube, sie hat mich aus den Augen verloren; in keinem Falle aber kann sie eine Ahnung davon haben, daß ich jetzt hier— und ihr Auf- feher bin. Ich erwarte weitere Verhaltungsbefehle von Dir. Dein Rudolph." Der junge Mann war so tief in seine Gedanken versunken, daß ihn weder die Anwesenheit von drei Menschen, die hinter einander in'» Kämmerchen gekommen waren, noch ihre halblaut geführte von lebhaftem Geberden- spiel begleitete Unterhaltung zu erwecken vermochte. Diese drei Menschen— Vater, Stiefmutter und Bruder des jungen Mannes— schienen zu berathschlagen, auf welche Weise sie ihm, ohne ihn zu erschrecken, eine Nachricht hinterbringen sollten, die ihnen jedenfalls sehr wichtig scheinen mußte, weil ste sich über den Anknüpfungspunkt mcht recht einigen konnten. Nll8 I&cWImm der Sopfdemolralie nacH der der HeicfisiagstDaEPen 1867 5i8 1884. Damit beschäftigt sich ein Artikel der„Grenzboten." Es wird darin mit den Wahlen zum konstiwirenven Norddeutschen Reichstage im Jahre 1867 begonnen und mit den vorigen Reichstagswahlcn geschloffen. Im Jahre 1867 war von einer einheitlichen Bewegung in der Arbciterwelt noch keine Rede. Die sämmtlichm damals für sozialistische Kandidaten abgegebenen Stimmen erreichten noch nicht die Zahl 50 000. Im Verlaufe der Legislaturperiode trat die entscheidende Schwenkung des Verbandes deutscher Arbeitervereine unter Bebels Führung zur Internationale ein; auf dem Eisenacher Kongresse(1869) entstand die sozialdemokratische Arbeiterpartei. Getrennt hiervon waren die Laffallea- ner und der Anhang der Grüsin Hatzfeld. Die Eisenacher waren nur vertreten durch Bebel und Liebknecht, die Lassalleaner durch Schweitzer und Hasenclever, die Hatzfeld'schcn durch den Präfidenten der letzteren, Mende, und den Kupferschmied törsterling. Bei den Wahlen von 1871 brachten es die assalleaner auf 63000, die Eisenacher auf 39000 Stimmen. Aber nur einer ihrer Kandidaten wurde gewählt, nämlich Bebel in seinem alten Wahlkreise Glauchau. Von 7 656 273 Wahlberechtigten(Elsaß- Lothringen ausgeschlossen) hatten 3 886 515 ihre Stimmen abgegeben und 102000 nach der Aufstellung des Statistischen Amtes, welches die Stimmen für die Demokraten Schraps und Jacoby mitzählt, 124 600 sozialdemokratisch gewählt. Von je 100 giltigen«Stimmen waren drei auf Sozialdemokraten gefallen. Ter Lassalleaner Schweitzer war inzwischen vom politischen Leben zurückgetreten, die Schwindelperiode und der nachfolgende große Krach mit seiner Zerrüttung aller wirthsckaftlichen Ver- Hältnisse hatten den sozialistischen Ideen reiche Nahrung gegeben. Die Wahlen von 1874 führten sechs Eisenacher und drei Lassalleaner in den Reichstag; beide Richtungen(heilten sich zu ziemlich gleichen Theilen in die etwa 350 000 Stimmen der Sozialdemokraten. Das Anwachsen der Sozialdemokratie ver- anlaßte zwar die Behörde zu scharfem Einschreiten; aber unter dem Eindruck desselben, welches gleichmäßig gegen Lassalleaner und Eisenacher sich richtete, vollzog sich auch die Vereinigung der letzteren auf dem Gothaer Kongreß von 1875. Die Reichstagswahlen von 1876 brachten einen ganz dedeutenden Erfolg der Sozialdemokratie. Von 5401021 gilligen Stimm m sielen 493 288 gleich 9,1 pCt. der Sozialdemokratie zu, 3 520000 Wahlberechtigte hatten sich der Wahl enthalten. Die Partei brachte aus den ersten ordentlichen Wahlen zehn Mandate beim, von denen eines, Altona, bei der Stichwahl wieder ver- loten ging, und blieb an 20 Stichwahlen betheiligt, von denen wenigstens drei für sie mit Erfolg ausfielen. Wenn das Lerhältniß der auf eine Partei gefallenen Stimmen zu der Gesammtzahl aller giltigen Wahlzettel für die Zahl der Endlich näherten sie sich alle drei dem lehnlosen Sessel, auf welchem der junge Mann saß, und die besorgte Mutter fragte ihn, indem sie sanft ihre flache Hand auf seinen Kopf legte: „Willst Du nicht die Suppe essen, die ich für Dich gemacht habe, lieber Tonda?" „Es ist eine Brotsuppe mit Eiern und Zucker," fuhr die Fragerin fort, als Tonda verneinend den Kopf schüttelte. „Du hast sie ja als Kind so gern gegessen; weist Du noch, als Du sechs Jahre alt warst? Ich bin damals zu Euch gekommen." „Ich danke Dir, Mamitschka! Ich habe jetzt keinen Hunger," erwiderte Tonda sanft, aber kurz abbrechend. Die Mutter war aus dem Felde geschlagen, sie zog sich zurück und machte dem Vater Platz. „Fehlt Dir etwas, mein Kind?" Hub der Vater an, „Du bist immer so traurig und niedergeschlagen." „Und warst doch früher so lustig und guter Dinge," warf der Bruder ein. „Du mußt in der großen Stadt viel Unglück gehabt, vielen Kummer erlitten haben; wüßte ich nicht, daß Dein Herz gut und unverdorben wäre, ich könnte fast fürchten, Du habest eine böse That auf Deinem Gewissen." „Böse That?" wiederholte der Bruder halb zum Vater gewendet,„was sollte Tonda Böses gethan haben? Er war immer der Beste unter uns Geschwistern; aber seitdem er in die Stadt gegangen, ist er wie umgewechselt. Er hat zu uns nicht einmal mehr Vertrauen; wir sind für ihn nicht gut genug." „Du thust mir weh, Bruder Pepik, vielleicht ohne es zu wollen; es aiebt Dinge, über die man selbst zu seinem wärmsten Freunoe nicht sprechen kann." „Aber Vater und Bruder müssen doch noch mehr gelten, als ein Freund," unterbrach ihn Pepik treuherzig,„und hast Du wirklich keinem Deiner Bekannten das Geheimniß anver- traut, wegen dessen Du leidest?" „Wer erzählte Dir denn etwas von einem Geheimniß?" fragte Tonda ausweichend. Pepik warf dem Vater einen bedeutungsvollen Blick zu, der sagen zu wollen schien:„Sollen wir jetzt mit der Sprache heraus?" Der Vater winkte der etwas schwerhörigen. Abgeordneten jeder Partei maßgebend wäre, so hätte die Sozial- Demokratie 36 Abgeordnete zu beanspruchen gebabt. Die Wahlen des Jahres 1878 nach den Attentaten brach- ten der Partei nur einen Abgang von 56 000 Stimmen und verminderte ihre Abgeordneten um drei. Das Sozialisicngcsctz löste nicht nur die äußere Organisation der Partei auf, sondern verursachte zunächst auch heftige innere Wirren. Most und Soaffelmann wurden Anarchisten. Es traten Meinungsverschie- 'denhcitcn ein, und nnter diesen Umständen war es natürlich, daß die Wahlen von 1881 einen Rückgang brachten. Tie Zahl der sozialdemokratischen Stimmen fiel auf 312 000 herab; bei der ersten nur in fünf Wahlkreisen auf 45—50 pCt. der Stimmen. Trotzdem gewannen fie in den engeren Wahlen 12 Mandate. Bei den Wahlen von 1884 erreichte die Partei ihren höchsten Stand mit 550 000 Stimmen; A Sitze wurden sofort, 15 in den Stichwahlen eingenommen, obgleich die Partei nur in vier Wabl- kreisen zwischen 45 und 50 pCt. der Stimmen erhalten hatte. Nach dem Berhältniß der sozialdemokratischen Stimmen, welche bei den ersten ordentlichen Wablcn 1884 abgegeben worden find, müßte die Sozialdemokratie 38 Vertreter statt 24(oder 25) im Reichstage haben. Von hundert giltigen Stimmen waren auf sozialdemokra- tische Stimmen gefallen: in Wahlkreisen mit großen Städten.. 15,0 „„ ohne große Städte..... 4,2 in den überwiegend evangelischen Wahlkreisen mit mehr als 75 pCt. evangelischer Bevölkerung...... 15,3 in den überwiegend evangelischen Wahlkreisen mit weni- ger als 75 pCt. evangelischer Bevölkerung..... 7,9 in den überwiegend katholischen Wahlkreisen mit mehr als 75 pCt. katholischer Bevölkerung........ 2,2 in den überwiegend katholischen Wahlkreisen mit weniger als 75 pCt. katholischer Bevölkerung....... 2,7 Ein Blick auf die dem statistischen Jahrbuche für 1886 llieigegebcne kartographische Darstellung zeigt folgendes Vcr- breitun gsdild. Von den zweiundzwanzig rein städtischen Wahl- kreisen(einschließlich des Wahlkreises Wiesbaden 6: Frank- furt a. M.) werden neun durch Sozialdemokraten vertreten; oußerdem zeigt sich das sozialdemokratische Roth in Schleswig, Hannover, Braunschweig, dem Regierungsbezirk Düsseldorf, in den beiden Reuß, Koburg-Gotha, Sachsen, Hessen, Mittel- franken und Oberbayern. Das ganze Gebiet rechts von der Elbe, mit Ausnahme von Altona und Breslau, weist nur zwei sächsische Wahlkreise, wo ein stärkerer Anhang der Partei vor- handen ist, sowie Kiel und den Königsberger Stadtkreis auf, wo sozialdemokratische Kandidaten es bis zur Stichwahl brachten. So weit ein von der„Schles. Volksztg." gebrachter kurzer Auszug aus den ausführlichen thatsächlichcn Angaben des Ar- tikels der„Grenzdoten". Politische Ueverstcht. Die Versanimlunasverbore während der Wahlvorberei- jungen für den ersten Wahlkreis werden zweifellos noch den Reichstag beschäftigen, da man auf sozialistischer Seite der Meinung ist, daß das Verfahren der Behörden gesetzwidrig war.§ 28 des Sozialistengesetzes destimmt nämlich:„Für Bezirke oder Ortschaften, welche durch die im§ 1 Absatz 2 bezeichneten Bestrebungen mit Gefahr für die öffentliche Sicher- heit bedroht find, können von den Zentralbehörden der Bundes- staaten die folgenden Anordnungen, soweit fie nicht bereits landesgesetzlich zulässig sind, mit Genehmigung des Bundes- raths für die Dauer von längstens einem Jahre getroffen werden: 1) daß Versammlungen nur mit vorgängigcr Ge- nehmigung der Polizeibehörde stattfinden dürfen; auf Versammlungen zum Zweck einer ausge- schriebenen Wahl zum Reichstage oder zur Landes- Vertretung erstreckt sich diese Beschränkung nicht/ Nun wird die Behörde einwenden, daß fie nur solche Versamm- lungen verboten habe, welche außerhalb des ersten Wahl- krcises stattfinden sollten. Dem Reichstag wird zweifellos die Entscheidung nicht erspart bleiben, ob er diese Auffassung gut- beißen will. Dagegen ist die Meldung der„Berk. Z t g., man habe sich seitens der Arbeiterpartei bereits entschlossen, P r o t e st gegen die Wahl von Klotz einzulegen, durchaus ver- früht. Eine Entscheidung ist bislang noch nicht gettoffen.— Ter Kandidat der Arbeiter, Herr C hristensen, wird am 15. d. M. das Gefängniß und damit Plauen verlassen. Wie- weit die Behörden von ihrer Ausweisungsbefugniß gegen ihn Gebrauch machen werden, muß sich sehr bald zeigen. Nach einem Briefe an einen Berliner Freund ist Herr Christensen durchaus frischen Muthes. Zur Naturgeschichte des Anarchismus wird der Harn- burger„Bürger-Ztg." folgendes aus Cleveland mitgethcilt: „Es ist immer behauptet worden, der Anarchismus sei in Amerika wenigstens eine wirkliche Macht und werde ver- kochten durch eine Partei. Das ist ein gewaltiger Jrrthum. Der amerikanische Anarchismus hat ebenso wenig Substanz wie der Anarchismus in anderen Ländern. Ein paar Schreier, die Mutter, die mittlerweile sich an dem auf dem Ofen stehenden Teignapf zu schaffen gemacht hatte, herbeizukommen und so sah sich Tonda plötzlich von drei Personen umringt, die sich gegenseittg anblickten und von denen keine es wagte, zuerst das Wort zu nehmen. „Wer erzählte Euch etwas von meinen Erlebnissen und was habt Ihr erfahren?" fragte Tonda wieder, den diese Vorbereitungen in Verlegenheit setzten. „Erfahren haben wir nichts," erwiderte der Vater, „aber Rosarka ist gestern von Leitmeritz angekommen, wo sie seit zwei Jahren sich aufhielt, um Deutsch zu lernen, und die—" „Hat sich gleich nach Dir erkundigt," ergänzte die Mutter.„Sie ist, wie Du weißt, sehr klug—" „Und schön auch!" warf Pepik ein. „Und wie ich ihr Alles ausführlich erzählte, was Du thust, wie Du aussiehst, daß Du immer so traurig bist, kein Wort sprichst, wenn man Dich nicht dreimal fragt, immer seufzest, schreibst und Briefe liest, da sagte sie mir, es müsse ein Geheimniß dahinter stecken— vielleicht eine unglückliche Liebe. Das sind ihre eigenen Worte." Tondas'S Gesicht überflog eine dunkle Rothe, und man sah es ihm deutlich an, daß ein ungeheurer Schmerz sein Inneres zerwühle. Er hörte die Worte der Mutter schweigend an und senkte den Blick zu Boden. Nach einer längeren Pause fragte er: „Also Rosarka ist hier?" „Za, und wäre gleich zu Dir herübergekommen, wenn wir sie nicht zurückgehalten hätten," erwiderte Papik.„Wir sürchteten. Du könnstest sie so unfreundlich empfangen, wie eS jetzt in Deiner Gewohnheit liegt, und um ihr die Kränkung zu ersparen, ließen wir sie nicht zu Dir. O sie ist so gut und liebenswürdig, Du verdienst eS gar nicht, daß sie mit solcher Treue an Dir hängt." Tonda konnte seine Bewegung kaum mehr bemeistern. „Ein Fehltritt ist ja wieder gut zu machen," tröstete der Vater, der den Schmerz des Sohnes errieth,„und in der großen Stadt ist ein junger Mensch so vielen Versuchungen ausgesetzt." „Das hat Rosarka auch gesagt," fügte die Mutter eine Zeit lang Zuhörer und Mitschreier fanden— das ist Alles. Niemals eine Partei, niemals eine Macht! Schreien— und nichts weiter. Die Chikagoer Bombe hat den ganzen amerikanischen Anarchismus in die Luft gesprengt, in Atome zerschmettert. Es ist nichts mehr zu sehen. Und die„Freiheit", welche natürlich fortschimpft, hat nur ein par feste Abonnenten, und die paar hundert Exemplare, die noch herauskommen, werden meist von Neugierigen gekauft und— von der Polizei. Die Redakteure sind ein gewisser Schulz, Buchdrucker, den die Aerzte schon voriges Jahr in ein Irrenhaus schicken wollten, und ein Berliner Namens Könnike, den man in Berlin schon als irrfinnig einsperren wollte. Das find die geistigen Leiter des amerikanischen Anarchismus! Das Element der Verrückten hat bei den Anarchisten stets eine große Rolle gespielt. Ein aewisser Matzinger, ehe- maliger österreichischer Offizier und ci-devant Redakteur des ci-derant anarchistischen Organs in Chikago, fitzt seit acht Mo- naten im Irrenhaus. Ebenso zahlreich wie das Element der Verrückten ist das der verkommenen Lumpen. Ein gewisser Gorsuck, der seiner Zeit ein Hauptheld war und aus dem Clevelander Eiscnbahnarbeiterstreik im Frühlinge des vorigen Jahres anarchistisches Kapital zu ziehen suchte, hat diese Auf- gäbe doch etwas zu ernst genommen, und ist, zwar nicht mit „anarchistischen Kapitalien", aber doch mit den für gefangene Anarchisten gesammelten Geldern kühn durchgebrannt und wird heute noch gesucht. Doch diese Liste muß schnell geschlossen werden, denn sie würde endlos werden. Genug— das ist der Anarchismus in Amerika! Wenn er anders— und als eine Macht— geschildert wird, so hat das seinen Grund darin, daß gewisse Leute das rothe Gespenst brauchen. Wir find aber im Stande, alles Gesagte zu beweisen, und fordern die gewissen Leute auf, ihre Flunkereien zu widerrufen— andernfalls fie sich gefallen lassen müssen, von jedem anständigen Menschen als Lügner gebrandmarkt zu werden." Johann Philipp Becker, der bekannte alte Sozialdemo- krat, ist am Dienstag Abend in Genf gestorben. Becker ist 1809 zu Frankenthal in der Pfalz geboren. Er betheiligle fich am Aufstände in Baden 1849, führte eine Schweizerlegion und lebte nach Niederwerfung des Aufstandes in der Schweiz. Schrieb eine„Geschichte der süddeutschen Maircvolution" uno verschiedene Brochüren. Er lebte vielfach in Roth und Be- drängniß. Tie Sache der Freiheit verliert in Becker einen hochherzigen, selbstlosen Kämpfer. Ehre seinem Angedenken! Herr Miquel soll an Stelle des Herrn Scholz Finanz- minister werden. Das ist das neueste Gerücht, das die polt- tischen Kreise durchläuft. Herr Miquel hat durch seine Ver- gangcnbcit bewiesen, daß er mit der hohen Finanz auf gutem Fuße steht; seine Verbindungen mit der Börse machten ihn in den Gründerjahrcn zum reichen Manne. Er wird die Jobber also nicht der„Defraudationen" zeihen, auch nicht vom„Gift- bäum" sprechen. Da er sonst ein gehorsames Werkzeug Bis- marcks sein wird, so besitzt er offenbar alle Eigenschaften, die in Preußen ein Finanzminister braucht. Freilich, 200 Millionen neuer Einahmen schaffen müssen, ist keine angenehme Aufgabe, und so wird Herr Miquel vielleicht in letzter Stunde noch ad- lehnen. Seiner Ministcrschaft entgeht er ja doch nicht. Sozialistische Erfolge. Einen Sieg haben die Sozial- demokraten bei der Gemeinderathswahl zu Langenberg bei Gera erfochten, indem sie einen tüchtigen Arbeiter, Namens Hermann Graul, früher in Zeitz, in den Gemeinderath brachten. Da Graul„nur" ein schlichter Arbeiter ist und sich erst 2� Jahr in der Gemeinde befindet, hat die Wahl bei den fhilistern um so größeres Aufsehen gemacht und geradezu chrecken hervorgerufen. Der Appetit kommt bekanntlich beim Essen und so glauben die Sozialdemokraten, bei dm nächst- jährigen allgemeinen Wahlen mehrere der ihrigen in den Ge- meinderath abordnen zu können.— Striesen bei Dresden. Die am vergangenen Sonntag hier stattgefundenen Ergänzungs- wählen brachten einen voll ständigen Sieg der Li st e der Arbeiterpartei. Die bisherigen sozialdemokratischen Vertreter: Drechsler Eckert und Klempner Hünrg, sowie der an- sässtge Handelsgärtner Freudenberg wurden wieder gewählt, auch die unansässigen Stellvcrtteter der Arbeiterpartei wurden sämmtlich gewählt. lieber die Anarchisten bei Magdeburg bekommt man aus den bürgerlichen Lügenblättern wieder etwas zu hören. Es heißt da:„Die Voruntersuchung der wegen geplanter an- archistischcr Umtriebe verhafteten Arbeiter in Buckau ist noch nicht abgeschlossen. Dieselbe soll bereits, wie die„Saale-Ztg." meldet, ergeben haben, daß einzelne der Verhafteten fich mit dem Plane beschäftigt haben, das Regierungsgebäude, das Rathhaus und das kaiserliche Hauptpostamt zu Magdeburg mittelst Dynamit in die Luft zu sprengm."— Wir werden ja sehen! Im„Deutschen Tageblatt" lesen wir: Das„Berliner Tageblatt" erlaubt fich gestern bei der Mitthcillung unserer Nachricht über die Hessische Ludwigsbahn aus unserer vorgesttigen zweiten Ausgabe folgende erbärmliche Insinuation. Das Blatt schreibt, es nähme von dem genannten Artikel„schon deshalb Notiz",„weil es nicht ohne Interesse ist, heute einem ungünstigen Artikel über die Bahn im„Deutschen Tageblatt" hinzu,„sie meint, daß gar nichts daran gelegen sei, wenn ein junger Menech einmal unvernünftig ist, er muß nur wieder zur rechten Zeit umlenken." „Wie glücklich wären Tonda und wir, wenn er nie den Einfall bekommen hätte, in die Stadt zu gehen und zu studiren," sagte Pepik, der die Gewohnheit hatte, die dritte Person zu gebrauchen, wenn er zur zweiten sprach,„und Rosarka hat schon so viele gute Partien ausgeschlagen. Neulich erst hat der Sohn des Richters Kostawbat um sie angehalten; aber sie wollte ihn mit all seinem Gelde nicht." Tonda war wie auf die Tortur gespannt, jede Muskel in seinem Gesichte arbeitete heftig und er konnte seine Thränen kaum mehr zurückhalten. Der Vater machte dem Gespräche und dem Leiden Tonda's damit ein Ende, daß er diesen fragte, ob er Rosarka sehen wolle. Tonda nickte be- jahend mit dem Kopfe, und somit glaubten die drei Per- sonen sich ihres Auftrags genügend entledigt zu haben. Sie verließen das Kämmerchen weit zufriedener, als sie dasselbe betraten und gingen in das gemeinschaftliche Wohnzimmer, woselbst Rosarka auf sie wartete. Die Mutter hatte sich indeß von Tonda die Erlaubniß erwirkt, ihm die Suppe bringen zu dürfen, und wich nicht früher von ihm, als bis er den Inhalt des Tellers geleert hatte, und erst als er den Löffel niederlegte, ließ sie wie absichtslos die Bemerkung fallen, daß Rosarka soeben her- übergekommen sei und daß sie, wenn eS ihm recht wäre, zu ihm in's Kämmerchen kommen wolle. Rosarka mochte etwa vier bis fünf Jahre jünger fein als Tonda, und wenn man sie neben einander sitzen sah, hätte man sie für Geschwister halten können, die als Kinder ganz gleich waren, aber unter dem Einflüsse einer verschiedenartigen Umgebung sich auch verschiedenartig entwickelten. Dennoch war eine gewisse Aehnlichteit zwischen ihnen vorhanden, die aber weniger in der Form, als im Ausdruck des Gesichtes be- merkbar war. Man sah auf den ersten Blick sowohl in ihm wie in ihr den Charakter: das Gewordene, das in sich Vollendete, nur mit dem Unterschiede, daß sie, einer Pflanze gleich, Ii u begegnen, nachdem gestern in den Aktien derselben auffällig» llbgaben erfolgt waren." Die hierin enthaltene freche Ver« l e u ni d u n g ist dabei in bekannter Manier so verschleiert, daß fich daraus eine Rechtfertigung vor dem Richter kaum wird urgiren lassen. Wir fordern daher das„Berliner Tageblatt� auf, wenn es nicht das Odium der jämmerlichsten Feigheit in optima forma und offiziell für fich in Anspruch nimmt, seine Beschuldigung in präziser Form zu wiederholen." — Wenn das„Berl. Tgbl." auf diesen groben Klotz wieder einen entsprechenden Keil setzt, so soll es uns nicht wundern, die Herren vom Börsenhintertheil demnächst mit geschwollenen Backen herumlaufen zu sehen. Von den bayerischen Staatsdahnen. Ein Nothschrci geht der„Fränk. Tagespost" aus den Kreisen der niederm Eisenbahnbedienstctcn, resp. der Babnbofarbeiter zu. In Nürn« berg und Fürth find etliche 20 Hallarbeiter und Kollirwärter beschäftigt, die fich seit 15 bis 18 Jahren im Dienst befinden. Schon im Jahre 1877 und auch später haben dieselben um dekretmäßige Anstellung als Wechselwärter nachgesucht. Sie wurden jedoch mit diesem Ansuchen abgewiesen, weil fie noch zu jung zu diesem Avancement seien. In neuerer Zeit wurde diese berechtigte Bitte wiederholt; jetzt wurde dieselbe aber zurückgewiesen, weil die Leute„zu alt" seien! Dieselben haben nämlich das 36. Lebensjahr sämmtlich überschritten. Es sei bemerkt, daß der größte Theil der betreffenden Leute den siebziger Feldzug mitgemacht hat. Merkwürdig ist nun, daß die jüngeren Leute, welche 5 bis 6 Jahre weniger im Dienst find(hauptsächlich sogenannte Militäranwärter), definitiv angestellt werden. Wo bleibt da die Gerechligkeit? Erst lehnt man die Anstellungsgesuche wegen„zu großer Jugendlichkeit" der Bewerber ab, und nachdem diese lang genug geharrt, find fie für feste Anstellung zu alt geworden! Sollte dieser Zustand der obersten Leitung der Vcrkehrsanstalten unbekannt sein? Und wenn er ihr bekannt, gedenkt fie nichts zu thun, diesem schreienden Unrecht gegenüber Abhilfe zu tteffen? Die Verhandlungen über den deutsch-schweizerischev Handelsvertrag, welche von den deutschen Kommiffaren nunmehr allein wieder aufgenommen find, sollen in etwa vierzehn Tagen beendet sein. Im Januar werden die schweizer Dele- girten wieder in Berlin eintreffen, mit denen vereint die dcut- schen Kommissare die Berathungen aufs Neue beginnen sollen. Ob diese dann, wie die„Kreuzzeitung" hofft, zu einem end» giltigen und befriedigenden Abschluß gelanacn werden, ist an« gefichts der Stimmung der schweizerischen Industriellen gegenüber der deutschen Schutzzollpolitik sehr zweifelhaft. Landesversicherungsämter. Auf Anfrage des Abg. Schräder konstatirte Staatsminister v. Boetticher in der Sitzung der Budgetkonunisfion, die Errichtung von Landesverstcherungs- ämtern auf Grund des Unfallverfichemngsgcsetzes sei bis jetzt nur von Bayern und Sachsen vorbereitet. Gleichwohl sei es richtig, daß auch in Mecklenburg Erwägungen be- züglich der Errichtung eines Landesversicherungsamts statt« fanden. Eine statistische Zusammenstellung der Bevölkenrngs- zunähme einer Anzahl sächsischer Städte in den letzten 50 Jahren ergiebt ganz interessante Ergebnisse. Wohl kaum irgend ein Land von der Größe Sachsens(272 Ouadratmeilen) dürfte so viele Städte mit einer so starken Bevölkemng haben. Man zählt in Sachsen dermalen 3 Städte von mehr als 100 000, 6 von mehr als 20 000, 12 von mehr als 10 000 Ein- wohncrn. Vor etwa 50 Jahren, 1834, gab es in Sachsen erst 4 Städte(statt der jetzigen 21) mit über 10' 00 Einwohnern. Die Bevölkerungszunahme in den einzelnen Städten ist natür- lich eine sehr verschiedene gewesen. Sie beträgt in Zwickau von 1834—1885 455,8 pCt., in Meerane 427,6 pCl., in Crimmetschau 424,4 pCt., in Chemnitz 414,2 pCt., in Plauen 374,5 pCt., in Limbach(früher Dorf) 366,4 pCt., in Leipzig 280,2 pCt., in Dresden 171,1 pCt. u. f. w. Frappant ist der Kontrast, wenn man die Anfangs- und Endzahlen dieser 50 Jahre bei manchen Städten vergleicht. So hatte Dresden 1834 erst 66 133, 1885 246 086, Leipzig 44802 und Chemnitz 21137 und 110 817, Plauen 9029 und 42#, Zwickau 6701 und 39 243, Meerane 4172 und 22 013, Limbach 2250 und 10 494 Einwohner u. s. f. Die Bevölkerungszunahme seit 1834 giebt ein ziemlich genaues Bild von dem außer« ordentlich günstigen Einfluß, welchen der bekanntlich am 1. Januar 1834 ins Leben getretene preußisch-deutsche Zollverein auf die wirthschaftlichen Zustände Sachsens geübt hat. Die Zunahme innerhalb einzelner Perioden dieses ganzen 50jährigen Zeitraumes bietet nicht ganz gleiche Ergebnisse und zwar wieder verschiedene bei den verschiedenen Städten. Im allgemeinen zeigen die Perioden 1834—1846 und 1867—18(5 die meisten Fortschritte, während in der von 1875—1885 sich bei 14 von 21 Städten(über 10000 Einwohner) ein relativer Rückgang(gegen die prozentaale Zunahme vorher), bei 2«n Stillstand und bei 5 ein Fortgang zeigt. Gesterreich-Ungar«. Der Pariser„Jntransigcanl" will wissen, in Wien sc« jüngst ein Photographengehilfc gestorben, der kein Anderer ge« wejen sei, als jener Nihilist Wasiliewitsch Bad)« mutow, der fich unter der Maske eines bäuerischen Sckreine»« unter der gleichmäßigen Milde der heimathlichen Sonne zur Kraft und Frille herangereift, während er mehr einem G»- wachse ähnlich war, das, bald in die erstarrende Kälte de< Nords, bald in die versengende Glutb des Süds versetzt, in der Fülle seiner Kraft sich zwar erhielt, aber nicht natu» gemäß entfaltete, sondern abhärtete nnd verknöcherte; das, zwar nicht verkrüppelt, stark unbiegsam— aber doch ung» nießbar geworden war. Wir müssen hier, um die Handlungsweise Rosarka», welche unfern sittsamen deutschen Leserinnen gewiß als ur» weiblich oder gar unerklärlich erscheinen muß, zu rechtfe» ttgen, Einiges über den Charakter der Czechen überhaupt und über den Rosarka's insbesondere vorausschicken. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst nnd Zeven. Eine streikende Sängerin. In Kingston in den Vet« einigten Staaten sollte von der daselbst gastirendcn Opttv« Gesellschaft„Lucrezia Borgia" gegeben werden, als in dem Äugenblick, in welchem der Vorhang vor dem überfüllten aujgezogen werden sollte, Madame Abott, die Sängerin de Titelrolle, kategorisch erklärte, fie werde nicht den Mund öffnen- wenn ihr nicht von der Direktion vorher ihre restirende GM ausgezahlt würde. Keine Bitten, keine Vorstellungen halsen- die energische Sängerin blieb unerschütterlich bei ihrer Erklärung- bis der verzweifelnde Direktor in der Angst seines Herzens am die Bühne vor das Publikum trat und diesem ungeschm>m den Fall vortrug. Sofort wurde im Zuschauerraum cm Kollekte veranstaltet, die so reichlich ausfiel, daß die renntth Sängerin noch einmal so viel eingehändigt erhielt, als der arm Direktor ihr schuldig war. Nun erst gma der Vorhang i". Beginnen der Oper hoch, und Madame Abott sang smdN als je. In russischen literarischen Kreisen wird, wie man®, „Voss. Ztg." aus Petersburg mittheilt, ein Vorgang ttza«� der als Kuriosum gemeldet zu werden verdient. Im%% 1887 gehen die Dichtungen Puschkin's die nach russischem Gel«? über literarisches Eigenthum 50 Jahre lang der Familie®« Dichters gehören, in den Besitz des rulfischen Volkes über. jolchem Anlaß bereitet die Gesellschaft zur Unlerstützung h" gesellen in das Petersburger Winterpalais einschlich und da- selbst jenes Dynamitattentat ins Wert setzte, durch welches am 37. Febrar 1880 der Speisesaal des Palastes zerstört wurde, als Kaiser Alexander I. eben im Begriff war, denselben zu be- treten. Bachmutow, ein ehemaliger Geniehauptmann, sei da- mals aus Rußland entkommen und nach Wien gelangt, wo ihm�seine Freunde eine Stelle bei einem Photographen ver« schafften. Hier sei er nun unerkannt und vergcffen gestorben. Einen Beleg für die Richtigkeit seiner Angaben giebt das Pariser Blatt nicht an. In Wien selbst ist über den Aufent- halt Bachmutow's nichts bekannt geworden. Frankreich. Die Ministcrkrifis dauert noch immer unverändert fort. Die Geschworenen des Jsere-Dcpartements hatten vier Tage über den Fall des Fabrikdirektors Fischer, des Pfarrers Guillaud und der Arbeiter und Ardeilerinnen zu be- finden, welche sich vor einigen Monaten gegen die Gendarmerie Zur Wehr gesetzt hatten, als diese die Kapelle des Fadriks- gcbäudes in Chateauvillain zu schließen kamen. Fischer und der Abbe Guillaud wurden der Rebellion schuldig er- kannt und zu je 200 Franken Strafe sowie in die Prozeß- kosten verurtheilt, welche die Höhe von 20—30 000 Franken erreichen dürften. Die übrigen Angeklagten wurden frei- gesprochen. Großbritaaaien. Aus London schreibt man der„Franks. Ztg." über den Stand der irischen Politik: Als Gladstone im Sommer von der Regierung zurücktrat, soll er gesagt haben, daß er vor Ablauf von 8 Monaten wieder im Anrtc sein werde. Die Freunde des Ex-Premicr glauben an eine Auflösung des Parlaments vor Ostern 1387! Tie Vorfälle in Irland find allerdings derart, daß das scheinbar Unmögliche binnen Kurzem sich verwirklichen dürfte. Die Tory-Regierung befindet fich bereits auf einer schiefen Ebene, die mit mathematischer Sicherheit zum Versuch abermaliger Vergewaltigung Irlands und zum Sturz des Kabinets führen muß. Sie hat bis zu einem gewissen Grade versucht, die Schwierigkeiten der Lage ohne Anwendung von Gewalt zu bewältigen und fie hat mit zwei Faktoren zu rechnen, welche stärker find als ihre besten Ab- fichten. In der Londoner Torypresse hat bereits die Agitation für Gewaltmaßregcln mit aller Macht begonnen, indem auf die aufrührerische Haltung der Leiter der irischen Nationalpartei hin- gewiesen wird. Der Erfolg wird die Nationalisten kühn machen. Obgleich die Parlamentsmitglieder, welche als Vertrauensmänner die Pachtzinse der Farmer in Empfang nehmen, ausdrücklich behaupten, daß fie auf ihre eigene Verantwortlichkeit hin und nicht als Beamte der Nationalliga handeln, so weiß doch alle Welt, daß hinter ihnen diese allgewaltige Organisation steht. Wenn Lord Salisbury die Herren Dillon, Redmond, O'Brien zc., zum Schweigen bringen will, so kann er es nur thun, indem er die Nationalliga unterdrückt. Dieser extreme Schritt ist aber nur durch Anwendung außerordentlicher Maß- regeln möglich. Ein Theil der Torypresse reizt nun mit allen möglichen Mitteln die Regierung auf, vom Parlament außer- ordentliche Vollmachten zu verlangen. Sie veröffentlicht an hervorragender Stelle eine Liste aller agrarischen Verbrechen in Irland; fie denunfirt Dillon und seine Genossen als Aufrührer, welche eine friedliebende Bevölkerung zum Verbrechen treiben; fie machen die irischen Volksvertreter für die agrarischen Ver- brechen direkt verantwortlich; fie verlangen von der Regierung, daß fie die Reform ver Geschäftsordnung des Hauses beim Zusammentritt des Parlaments der Wiederherstellung der Ord- nung in Irland hintansetzen solle w. Die Stellung des Ka- binets ist peinlich. Es steht vor der Alternative, den Parnelliten Alles zuzugestehen oder aber fie mit allen Mittelir zu bekämpfen. Es hat augenscheinlich den letzten Weg betreten, der mit seinem Falle enden dürfte. Die Thronrede bei Prorogation des Parlaments enthielt bekanntlich einen Passus, worin die Königin der Ucberzeugung Ausdruck gab, daß allseits ein zunehmender Wunsch gehegt '»«de, die Bande, welche die verschiedenen Theile des Reiches "»fi einander verknüpfen, fester zu ziehen, und daß behufs ein- ilshender Erwägung von Fragen von gemeinsamem Interesse ein Meinungsaustausch mit den Regierungen der bedeutendsten Kolonien des Reiches angeknüpft werden sollte. Dieser Ideenaustausch scheint von Erfolg gekrönt worden zu sein; denn jetzt hat der Minister für die Kolonien, E. Stanhope, emc Depesche an die Gouverneure sämmtlicher britischer Kolonien gerichtet, worin es heißt, daß die Regienmg beschlossen habe, Vorschläge für ein engeres Einvernehmen zwischen den ver- 'chiedenen Theilen des Reiches in Berathung zu ziehen. Unter anderen wirbligen Fragen sollen die einer gemeinsamen Orga- rusation der Reichswehr und einer größeren Entwickelung des Postalischen und telegraphischen Verkehrs zwischen dem Reiche und seinen Kolonien besondere Berücksichtigung finden. Tie Konferenz wird unter dem Vorfitz des Kolonialministers im Avril oder Mai zusammentreten, einen rein berathenden Eha- bedürftiger Schriftsteller, der sogenannte Literaturfonds, schon 'en. geraumer Zeit eine wohlfeile Ausgabe der Gesammtwerke MIchkin's unter Mitwirkung der russischen Sektion der Akademie der Wissenschaften vor. Es war daher für die Gesellschaft keine angenehme Uebcrraschung, als ein dunkles Gerücht die bevorstehende Verlängerung des Eigcnthumsrechts ?er Kinder Puschkin's ankündigte. Erfreulicherweise bewahr- K'tet sich das Gerücht nicht. Tie Veranlassung bot solgender verbürgter Umstand. Die unangenehme Ausficht, wre Iahrceeinkün'te durch den bevorstehenden Wegfall des Honorars des Verlegers der Werke Puschkin's vernrindert zu leben, vcranlaßte die mit dem Prinzen Nikolaus von Nassau 5 rmählte Tochter Puschkin's. Natalie Gräfin von Merenberg, ourch jhrxn in Petersburg lebenden Bruder, Generalmajor Puschkin, um Verlängerung des Eigenthumsrechtcs nachzusuchen. Der Lmerrichtsminister Dcljanow ließ fich auch herbei, dem Zar eine Lounge zu machen, doch dieser machte darauf den Vermerk: �Abgelehnt. Halte den Antrag für unpassend." In Folge Wer kaiserlichen Entscheidung werden die Werke des brs zu je'ncm Tode von der Polizei und der Zensur verfolgten Züchters bald noch größere Verbreitung als bisher in Rußland TMden. . Tab Land der Zwerge— keine Fabel. Durch die Be- nchte der Kongocrforscher ist es schon lange bekannt, daß es im Longobassin mehrere Stämme von Zwergen giebt. Schon als >0- Schweinfurth 1870 das noch unerforschte Kongogebiet durch. Mte. erblickte er zu seinem Erstaunen bei Mminza, dem Könige der MondouttonS, einen Greis von 1,50 Meter Höhe. Z'uer den Semen, so versicherle man ihm, sei dieser ein Riese; "Mge Tage später sah Schweinfurth noch mehrere Zwerge, und Is?," zum benachbarten Könige von Mounza Monm/n kam, Fdlnkte er ein ganzes Regiment von Zwergen, alle nnt kleinen >°nzen und Pfeilen bewaynet, keiner höher als 1,50 Meter, alle OTnMcn Aussehens. Die Zwerge gehörten zum Stamme trt„ flS0*' d'e weiter südlich hausen, deren Gebiet aber noch d-» Weißer betreten hat. Es gelang dem Dr. Schwemfurth, ihm. n�Ö Morrröri nach Schenkung eines Hundes m bewegen, (C e,nen l? jährigen Akka, 1.34 Meter hoch, zur Mitreise nach j eopa zu überlassen. Der Zwerg Nsövouc begleitete ihn m der CT"0* Europa, starb aber unterwegs schon in Berber. Seit- &Vj'�e man wiederholt von Zwergen, auch der M'sfionar �enfell hat bei der Erforschung des Tchonapa Zwerge ge>ehen sibm.�.t di- Zwerge in ihren eigenen Behausungen zu ihre That,gkc,t zu beobachten, überhaupt Genaueres zu "teln, das ,st erst jungst dem deutschen Kongoagcntcn, dem> rakter haben, und soll die Diskussion einer politischen Föde- ration von den Verhandlungen völlig ausgeschlossen sein. Also eine interne englische Angelegenheit, die gleichwohl das Ausland lebhast interesfirt. Nach einem Telegramm der„Times" aus Madrid haben die Bankiers und Kaufleute von Barcelona beschlossen, einen Privatpostdienst einzurichten, zugleich aber das Porto für so beförderte Briefe der Regierung zu bezahlen. Der Grund für diesen Beschluß ist in dem Umstände zu suchen, daß es in vielen Fällen einer Beraubung der Post nicht gelungen ist, die Schuldigen zu entdecken oder zu bestrafen. Die Bankiers von Madrid haben beschlossen, dem Beispiele ihrer Kollegen von Barcelona zu folgen.— Eine Privatpost zu größerer Sicherheit der Sendungen ist jedenfalls etwas ganz neues! KalKan l ander. Aus Sofia meldet der Korrespondent des„Standard": „Ein bezeichnendes Symptom der Entmuthigung der hiesigen russischen Partei liefert der Umstand, daß Zankow der Regentschaft den Antrag machte, sich der Regierung anschließen zu wollen, um ein Koalitions-Ministerium auf der Grundlage der Bedingungen zu bilden, die von den Re- gcnten in Tirnowa vorgeschlagen wurden. Stambulow ent- gegnete, daß die Zeit für eine Koalition vorüber sei, welche auch nach den bestimmten Erklärungen der Sobranje thatsächlich unmöglich geworden ist. Stambulow benutzte die Gelegenheit, um Zankow und seinen neuen Bundesgenossen Karavclow zu warnen, daß die Regierung mehr als je entschlossen sei, unge- schliche Agitationen und Jntriguen mit der größten Rücksichts- losigkeit zu unterdrücken." Amerika. Zu der Botschaft des Präsidenten Cleve- l a n d sind noch einige Nachträge zu machen. Ueber die Landfrage spricht sich die Botschaft folgendermaßen aus: „Der schnelle Erwerb der öffentlichen Ländereien zum Zwecke der großen Güterkomplexe, die häufig noch dazu Ausländern gehören, erfordert dringlich das Eingreifen des Kongresses." Hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit erneuert Präsident Cleveland seinen Vorschlag, ein Arbeits- burcau zu gründen, welches als Schiedsgericht zwischen Arbeitgcbem und Arbeitnehmern fungiren soll.„Ist aber Alles geschehen," fährt der Präsident fort,„was Gesetze thun können, um einen besorgnißerregenden Zustand zu beseitigen, so bleibt noch viel zu thun übrig, um die echt amerikanische Anschauung der Gleichheit aller amerikanischen Bürger zu pflegen. Dann würde das Kapital der Arbeit einen gerechten Entgelt bewilligen und einsehen, daß der zufriedene Arbeiter der beste Schutz und der treucste Verbündete des Kapitals ist." Der letzte Passus beweist, daß große Reformen von Herm Cleveland nicht zu er- warten sind._ Kopales««d Ardeiterdeweguns. Zur Arbeiterinnenbewegung. In London starb vor einigen Tagen im Alter von 39 Jahren Frau Emn P a t e r s o n, geborene Smith, eine der ersten und erfolg- reichsten Vorkämpferinnen für die Rechte der Arbeiterinnen. 1874 vcranlaßte sie Frauen zum ersten Male, G e w e r k- schafts-Prinzipien anzunehmen. Sie gründete die „Womens Protektive and Provident League"(Liga zum Schutz und Versorgung von Frauen) für die Bildung von Gewerkver- einen und Krankenkassen unier Arbeiterinnen, und redigirte deren monatlich erscheinendes Organ JEHe Womens Union Journal"(Frauenvereinsblatt). Der Verband der Londoner Bnchbinderinncn war der erste Fraucn-Gewerkverein, der seine Gründung den Bemühungen Emma Paterson's verdankte; die Verbände der Mödclpolsterinnen, der tzemdenmacherinnen, der Schneiderinnen und Kleidermacherinnen folgten rasch. Sie war die erste Frau, die zu den Gewerkvereins-Kongressen Zutritt erhielt. Ueber die traurige Lage der pennsylvanischen Kohlen- gräber schreibt die„Jus. Staatsztg.", ein Bourgeoisblatt, das neulich mit beifälligem Schmunzeln wegen seiner Aeußcrungen über Liebknecht von der„Nordd. Allg. Ztg." zitirt ward:„Die Arbeiterzustände in den pennsylvanischen Anthrazitkohlengegenden werden immer trübseliger. Während die Berawerksunternchmer im Bunde mit dem übrigen Kohlenring die Preise der Anthra- zitkohlen immer mehr hinaufschrauben, drücken fie die Arbeits- löhne immer mehr hinunter. Die Unternehmer haben in ihrer Vereinigung u. A. festgestellt, daß jede Kohlengesellschaft be- rechtigt sein soll, je nach der Zahl ihrer Schachte eine bestimmte Menge Kohlen in den Markt zu bringen. Daher kommt es, daß jede Gesellschaft möglichst viele Schachte anlegt, auch wenn kein Bedürfniß vorliegt. Die Folge davon ist, daß die Arbeiter in den vielen Schachten höchstens zwei Monate im Jahre volle Arbeit mit voller Zahlung haben. In den übrigen zehn Monaten müssen sie zufrieden sein, wenn fie 10, 12 oder 13 Tage im Monat arbeiten können. Dabei find die Löhne sehr gering. Geübte Grubenarbeiter verdienen im Durch- Dr. Ludwig Wolff, welcher fich als Begleiter des Lieutenants Wißmann und durch die Erforschung des Sankuron einen Namen gemacht hat, gelungen. Bei seiner kürzlichcn Anwesenheit in Brüssel hat er über die Zwerge des Kongostaates einen aus- führlichen Bericht erstattet. Die Brüsseler„Gazette" veröffent- lichte kürzlich den Bericht.— Nachstehender Auszug giebt das Wesentlichste: Als sich Dr. Wolff zum Häuptlinge Lonkengo, dem Könige der Batouda, nach dessen Wohnfitz begab— sie liegt nordwestlich von der Station Loulouaburg—, da sab er plötzlich ganze Dörfer, mit kleinen Männern und kleinen Wei- bern bevölkert, keiner höher als 1,40 Meter. Ihre Hütten find in den Lichtungen in der Mitte der Wälder, welche dieses ganze Gebiet bedecken, ausgebaut; die Hütten find rings um die Be- hausung des Häuptlings errichtet, so daß jeder Distrikt sein Dorf von Zwergen für fich besitzt. Auch bei dem Könige Lon« kengo fand Dr. Wolff einen Stamm von Zwergen. Alle Zwerge dieses Gebietes heißen Batoua; sie widmen sich aus« schließlich der Jagd und der Ernte des Palmenweins. Die eingeborenen Stämme betrachten die Zwerge als kleine wohl- thätige Wesen, die die Aufgabe haben, die Stämme, in deren Mitte sie fich aufhalten, mit Wild und Palmcnwein zu ver- sorgen. Dafür werden die Zwcnze von den Stämmen be- schützt, erhalten auch Maniok, Mais und Bananen. Meist leben die Zwerge für sich; bisweilen verbinden sie fich jedoch mit den großen Rassen; es werden hin und wieder zwischm den Bahonbas und Batonas Ehen geschlossen. Die Zwerge erklettern mit außerordentlicher Geschicklichkeit die höch- stcn Spitzen der Palmenbäume, um deren Saft einzusammeln; vortrefflich verstehen fie es, für das Wild Fallen zu erfinden und zu stellen, wie es zu überraschen. Auf ihren Jagden durch- schreiten fie das hohe Gras, indem sie Heuschrecken gleich sprin- gen, mit Kühnheit nähern sie sich dem Elefanten, Büffel und der Antilope, senden auf sie mit seltener Treffsicherheit ihre Pfeile und stürzen sich auf ihre Opfer, um mit einem Lanzen- stich ihren Bauch zu durchbohren. In körperlicher Hinficht sind sie durchaus wohlgebildet. Es sind kleine Menschen, wohl- proportionitt, tapfer und verschmitzt. Ihre Höhe beträgt durch- schnittlich 1,30 Meter, ihre Hautfarbe ist braungelblich, weniger dunkel als die der größeren Raffen. Ihr Haupthaar ist kurz und wollig. Kein Batona hat einen Bart; auch kein Akka hat einen solchen. Nach den Aussagen der Eingeborenen sollen im Norden Zwergstämme vorhanden sein, die langes Barthaar am Kinn haben, vas sie mittelst einer Fettmasse in Strähnen ge- dreht tragen. Auch in den Bassins des Ongoon«5, woselbst die Zwerge Odongos heißen, wie in dem südlichen Theile des schnitt nur 8,25 Dollars(1 Dollar— 4 Mark) wöchentlich im Jahr, wobei noch zu bedenken ist, daß fie stets in Gefahr schweben, ihr Leben oder ihre Gliedmaßen einzubüßen. Die von ihnen angestellten Hilfsarbeiter müssen sich durchschnittlich mit 6,75 Dollars in der Woche begnügen, und von den übrigen Arbeitern, die als Fuhrleute, Heizer, Schachtleute u. s. w- angestellt sind, verdienen die meisten nicht mehr als 2 bis 4 Dol- lars die Woche. Dabei find viele von ihnen verheirathet. Die besten gesetzlichen Verfügungen, durch welche diese Leute einiger- tvaßen geschützt waren, find durch die berüchtigte Entscheidung des pennsylvanischen Obcrgerichtes aufgehoben; und so wirv ihnm auch noch ein Theil des kärglichen Lohnes abgezwackt. Sie verdienen kaum genug, um fich und die Ihrigen vor dem Hungertode zu bewahren. Die großen Kohlenmonopolisten aber find fast alle sehr reich." Gefängnißarbeit und Unfallversicherung. An den Vorstand der Berliner Bekleidungsrndustrie-Ge- n o s s e n s ch a f t hat die Vereinigung der Berliner Blumen- fabrikanten ein Schreiben gerichtet, in welchem gesagt ist. daß die Vereinigung in der bisher unterbliebenen Heranziehung der Gefängnißarbeiter zur Unfallversicherung eine weitere Be- nachtheiligung der freien Betriebe erblicke. Die Vereinigung ersucht, falls in dieser Sache von dem Vorstand der Bekleidungs- industrie-Genossenschaft noch nichts geschehen ist, die nöthigen Schritte zu thun, damit der„ungerechten Bevorzugung" der Gefängnißbettiebe den freien Betrieben gegenüber ein Ziel ge- setzt werde.— Alles sehr gut und richtig. Aber wenn die Unternehmerverbindungen gegen die ungeregelte Gefängnißarbeit„Schritte thun" dürfen, warum nicht die Ar- beiterkoalitionen, die Fachvereine, die doch gewiß kein geringeres Interesse an der Sache haben. Krankenversicherung und Hausindustrie oder: Wer hat die Anmeldung zur Krankenkasse zu besorgen? Wie kürz- lich berichtet, wurden vom Schöffengerichte zu Iserlohn und von der Strafkammer zu Hagen mehrere Fabrikanten von der Anklage, ihre Arbeiter nicht zur Krankenkasse angemeldet zu haben, freigesprochen, weil diese Arbeiter Hausindustriellc waren. oft für mehrere Fabrikanten arbeiteten und der Sachlage nach die Fabrikanten die ordnungsgemäße Anmeldung ganz unmög- lich übernehmen konnten; der eine Angeklagte erklärte damals, im Falle er zur Anmeldung gezwungen wäre, diese sämnttlichen Hausindustriellen aus seiner Arbeit entlassen zu müssen. Eine größere Anzahl dieser Hausindusttiellcn aus Berchum stand nun kürzlich vor dem hiesigen Schöffengerichte wegen Nichtanmeldung zur Kasse unter Anklage, die Beschuldigten wurden jedoch sämmtlich ebenfalls freigesprochen. Wer hat nun eigentlich die Anmeldung zu besorgen? Die Vereinigten Rheinisch- Westfälischen Pulver- fabriken haben im Geschäftsjahr 1885 86 63 241 Zentner pro- duzirt, 11 740 Ztr. mehr als im Vorjahr. Der Umsatz betrug 5 206 093,45 M., demnach gegen 1884 85 mehr 612 736 M. Der Nettoerlös pro Zentner übersteigt den des Vorjahres um 10 pCt. Das Mehr an verkauften Militärpulver- Quantitäten betrug fast 25 pCt. Läßt sehr tief blicken! Vereine und Versammlungen. Der Fachverein sämmtlicher im Drechslergewerk be- schäftigten Arbeiter Berlins hielt am Dienstag, den 7. d- M., bei Wohlhaupt, Manteuffelsiraße 9, eine von zirka 200 Personen besuchte Versammlung ab. Herr Dr. Strauß hielt einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über„Die menschliche Lunge und deren Krankheiten", an welchen fich eine Beant- wortung der gestellten Fragen anschloß. Sodann wählte die Versammlung je eine ständige Fachkommission für die im Ver- ein vertretenen Knopfardeiter und-Perlmutterarbeiter-Branchen; in die erstgenannte wurden 3 Mitglieder, in die letztgenannte 9 Mitglieder gewählt. Unter„Verschiedenes" gelangte zunächst die Arbeitseinstellung in der Perlmutterwaarenfabril von Tauber und Ehrlich, Große Frankfutterstraße 72—73, zur eingehenden Diskussion. In genannter Fabnk haben sämmtliche Arbeiter, 24 an der Zahl, die Arbeit eingestellt, wie mitgetheilt wurde, wegen verschiedener Uebcrvottheilungen und Lohnabzüge sei- tens der Fabrikanten. Durch eine angenommene Resolution erklätte sich die Versammlung mit dem Vorgeben der Arbeiter einverstanden und verpflichtete sich, in energischer Weise den Sttei- kcnden ihre Unterstützung zu gewähren, mit dem gleichzeitigenAppell an alle Berliner Gcwertsgenosscn, auch ihrerseits die Streikenden kräftigst zu unterstützen. Hierauf gelangte der im„Berliner Vollsblatt" vom 7. Dezember enthaltene Attikel mit der Spitz« matte„Wie man heute einen Gcsellenausschuß wählt" zur Verlesung. Hieran schloß sich eine animitte Diskussion, an der sich die Herren Schräder, Hildebrandt und Sündermann be- theiligten. In theils humorvoller, theils sehr ernster Weise wurde von den einzelnen Rednern die Stellung des Jnnungs- Vorstandes zu dem Fachvcrein beleuchtet. Es wurde ausgeführt, daß die Innung den krassesten Egoismus vettrete, während der Fachverein die Solidarität aller Arbeiter auf seine Fahne ge» schrieben habe und auch demgemäß die Hebung des Arbeiter- standes thatkräftigst versuche. Die Versanimluna fällte über daS Gebahren der Innung ein vernichtendes Urtheil.— Es Onbangi bis zu den Quellen des Chan find Zwergstämme vor- banden. Alle diese vereinzelten Zwergstämme bilden keine Völkerschaft mehr; fie sind heute inmitten größerer Völkerschaften zerstteut und find zweifellos die Uebeneste einer Rasse von Ur» einwohnem, die ihrem Verschwinden entgegengeht. Trinkwasser und Cholera. In Betreff der Frage von den Beziehungen des Trinkwassers zur Cholera sind gelegentlich der vorjährigen Epidemie in Frankreich und Spanien bcachtens- wetthe Erfahrungen gemacht worden. In Frankreich ist nach den Untersuchungen Thoinot's die Epidemie hauptsächlich den Wasserläufen und zwar in erster Linie den kleinen gefolgt; in Spanien blieben die wenigen Städte, welche sich einer guten Wasserversorgung erfreuen, Madrid, Malaga, Sevilla, Jerez, fast ganz von der Seuche verschont, während Granada, Murcia, Valencia, sowie andere Städte, die ihr Wasser verunreinigten Flüssen entnehmen, schwer heimgesucht wurden. Der Dichter im Gefängnisi. Aus dem Pinzgau wird der„S. Ch." geschneben:„Wer rennt nicht das schöne Volks- lied:„J mueß noch heunt auf's Gamsbürg göhn?" Wer mag wohl der Verfasser dieses von Jägerlust sprudelnden Liedes sein? Nun, ein Pinzgauer soll es gedichtet haben und sein Name verdient der Vergessenheit entrissen zu werden. Er war ein pasfionirter Jäger, aber em„Wilderer". Er heißt Johann Blaickncr, war der Sohn eines Tischlermeisters in Uttendorf und starb in den ersten Vierziger-Jahrcn im Arrest, wo er eine Ettafe für sein Wildern abzubüßen hatte." Ein Bericht vom Jenseits. Vor einigen Tagen erschoß sich Dr. Alfred Shisman, Leichenbeschauer von Sussex. Neben der Leiche lag em gewöhnlicher Todtenschein, welchen Shis- man in folgender Weise ausgefüllt hatte:„Alfred Shisman, 39 Jahre alt, Gutsbesitzer und amtlicher Leichenbeschauer, starb durch einen Pistolenschuß ins Herz. Der Tod trat sofott ein. Motive unbekannt." Jüchtzer, erhielt aus einer Loge einen Lorbeerkranz zugeworfen, an dessen unterem Ende sich eine breite Schleife aus rother Seide befand. Unglücklicherweise mußte ein Polizcikommiffar diese bemerken und drang auf deren Entfernung. Während des Disputs zwischen dem Kommissar und dem Boten wußte ein Logenschließer den Kranz zu erhaschen und mit der Schleife auf offener Buhne dem Sänger zu überreichen. Das Publikum wurde durch die rothe Schleife nicht aufgeregt. wurde noch bekannt gemacht, daß diejenigen Mitglieder, welche fich an der Gründung einer„Liedertafel" betheiligen wollen, sowie derselben als aktive Mitglieder beizu-- treten geneigt find, alles weitere am Freitag, den 10. d. Mts., Abends von 8—10 Uhr, im Lokale Naunynstraße 78 erfahren können.— Am Dienstag, den 14. Dezember, Abends 8& Uhr, findet im letztgenannten Lokal eine Sitzung der Vertrauend männer und der Vorstandsmitglieder statt. Der Fachverein der Former und Berufsgenossen hielt am 6. Dezember in Nieft's Salon, Kommandantenstr. 71—72, eine Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Müller referirte über die Thätigkeit des Vorstandes und ermahnte alle Mitglieder, recht vorsichtig zu sein in der Wahl der Vorstands- Mitglieder. Es gäbe Mitglieder genug, welche die Qualifikation besäßen, etwas Gutes zu schaffen, wenn Sie nur Lust und Liebe zur Sache hätten. Es sprachen sich noch mehrere Vor- standemitgliedcr in diesen: Sinne aus. Hierauf erfolgte die Wahl der Vorstandsmitglieder durch Stimmzettel. Es wurden folgende Herren gewählt: erster Vorfitzender Müller, zweiter Vorsitzender Rohland, erster Kasstrer Körsten, zweiter Kasstrer Stopsack, erster Schriftführer Kumphenkel, zweiter Schriftführer Scharm; zu Revisoren: Knappe, Schäfer und Rieffestahl. Sodann wurden zwei Mitglieder zur Vornahme der halbjährlichen Kassenrevifion aus der Mitte der Versammlung ae- wählt. Nachdem noch einige Fragen beantwottet warm, schloß der Vorsitzende die Versammlung um 12 Uhr. Die Vereinigung deutscher Stellmacher(Mitgliedschaft Berlin) hielt am 6. d. M. in Heise's Lokal, Lichtenbergerstr. 21, eine Versammlung ab, in welcher ein aus 5 Personen bestehendes Vergnügungskomitee, sowie Herr Lamprccht zum Schrift- führer gewählt wurden. Nach längerer Diskussion wurde bc- schloffen, eine„Jnteressenkommission" zu wählen. Die Wahl fiel auf die Herren Singer, Wißmann, Paulik, Böhm, Menzel, Sorgenfrei, Lamprecht, Engelke und Geelhaar. Nachdem noch einige interne Vereinsangelegenheiten erledigt waren, wurde mttgetheilt, daß die nächste Versammlung am 20. d. M. in demselben Lokale stattfindet. Näheres Hieruber wird im„Ber- liner Volksblatt" bekannt gemacht werden. Der Fachverein der Tischler hielt am Montag, den 6. Dezember, eine Mitgliederversammlung in Jordans Salon, Neue Grünftr. 28, ab. Nachdem der Vorsitzende mitgetheilt, daß den Mitgliedern Billets zu Kastan's Panoptikum, zum Berliner Aquarium und Präuscher's Museum zu ermäßigten Preisen zur Verfügung ständen, wurde ein Antrag der Arbeits- vermittclungskommission diskutitt und angenommen, welcher be- sagt, daß alle Kollegen auf ein halbes Jahr vom Arbeitsnach- weis ausgeschlossen werden sollen, welche auf eine vom Nach- weis erhaltene Arbeitsadresse antworten, der Platz sei besetzt, während dies nicht der Fall ist. Femer entspann sich eine leb- haste Debatte bei der Anfrage: od es nicht zweckmäßig sei, auch den zureiscnden Kollegen eine Unterstützung zu gewähren, welche keinem Verein angehören oder angehört haben. Nach eingehender Erörterung dieser Frage wurde beschlossen, an dem Beschluß vom vorigen Jahre, nach welchem nur solche Kollegen eine Reiseuntcrstützung erhalten, die bereits einer Fach- Organisation angehört haben, festzuhalten. Gleich>eitig wurde bestimmt, den Kollegen, welche am Frestag vor Weihnachten, sowie am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertage hier zureisen, eine Unterstützung von 1,50 M. zu gewähren. Auf Anttag des Herrn Witte wurde beschlossen, die Zahlstelle 7 am 1. Januar 1887 von der Steglitzer str. 97 nach der Kurfürstenstraße 170 zu verlegen. Es wurden sodann noch einige interne Angelegen� hciten erledigt. Die nächste Versammlung findet am Sonn- abend, den 18. Dezember, in oben genanntem Lokale statt. Am ersten Weihnachtsfeiertage feiert der Verein sein died jähriges Weihnachtsfest in der„Berliner Ressource", Komman dantenstt. 57. Die Feier besteht aus: Konzert, Gesangsvov trägen, Theatervorstellung und Ball. Billets sind nur vorher m der nächsten Versammlung, sowie bei den Mitglicdem Böhm, Jo« hannitcrstr. 10, Hof III; Gruenwaldt, Prinzenstt. 8, III, bei Kon- rad; Glocke, Laufitzerplatz 2, Hof part.; Meinz, Manteuffelstt. Nr. 93, Iii links; Haase, Rheinsbergerstt. 13, I; Apelt, Belle- alliancesttaße 61, Hof rechts V; Thierbach, Neue Königstt. 72; Besold, Bergmannstt. 96; Fest, Hollmannstt. la, I; Palme, Andrcasstr. 17, Hof II; Schulz, Britzerstt. 42; Witte, Möckernstraße 95; Jakob, Ackerstr. 71 und Bielstein, Gartenstt. 3 IV (bei Biedermann) zu haben. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter(E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 6. Sonntag, den 12. d. M-, Vorm. 10i Uhr, Versammlung Gartenstr. 123 bei Krüger. Tagesordnung: 1. Wahl der gesammten Orts- Verwaltung, des Verttauensarztes und der Beitragssammler. 2. Verschiedenes.— Quittungsbuch legitimirt. Kranken- und Vegräbnißkasse des IVereins sämmt- licher Vcrussklassen(Berlin 1). Letzte diesjährige Versammlung am Sonnabend, den 11. d. M., Abends 8 Uhr, Münzstraße 5. In dieser Versammlung findet die Anmeldung zur Wcibnachtsbescheerung statt. Neue Mitglieder ohne Unterschied des Berufs und Geschlechtes vom 14.— 45. Lebensjahre werden in jeder Versammlung sowie zu jeder Tageszeit beim Kasstrer Schilling, Koppensttaße 48, aufgenommen. Fachverein der Metallschrauben-, Faeondreher und Berufsgcnossen Berlins. Sonntag, den 12. Dezember, Vormittag 10% Uhr, Aleranderstr. 31 bei Weick, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Neuwahl des gesammten Vorstandes. 2. Innere Angelegenheiten. Fachverein der Steinträger Berlins. Versammlung am Sonntag, den 12. Dezember, Vormittag 11 Uhr, in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10. Tagesordnung: Wahl eines Kassirers zum Generalfonds. Innere Vereinsangelcgenheitm. Verschiedenes. Fragekasten. Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Damvfarmaturen. Sonntag, den 12. d. M-, Vormittag 101 Uhr, bei Gratwcil, Kommandantenstr. 77/79, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Wahl eines zweiten Vorfitzenden. 2. Innere Vereinsangeleacnheiten. 3. Verschiedenes unv Fragckasten. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine-c. am Freitag. Gesangverein„Nord-Jubal" Abds. 9 Uhr Vcteranenstr. 19.— Turnverein„Hasenhaide"(Männerabtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachsttaße 60/61.— Zithcrklub„Alpenveilchen" Abends 8 /» Uhr im„Anhaltiner", Tempclhofer Ufer, Ecke der Möckern- sttaße.— Rauchklub„Westend" Abends 9 Uhr im Hohen- ollerngarten, Steglitzerstt. 27.—„Steno-tachygraphische Ge- zellschaft Abends 8 Uhr im Restaurant Stein, Rosenthalerstt. 33. Kleine Mittheilunge«. Krefeld, 4. Dezember. Gestern Nachmittag'wurde gegen 4 Uhr in einem Ackerstück bei Baakcshof die Leiche einer 31 Jahre alten Frauensperson gesunden. Dieselbe war unbekleidet und nur mit einem Haufen Lumpen, Reste ihrer Kleider, be« deckt. Es liegt hier offenbar ein Mord vor. Tie Leiche zeigte vielfache Verletzungen am Körper und unter jedem Auge einen Messerstich. Nach den am Thatorte zurückgebliebenen Spuren zu schließen, hat zwischen der Ermordeten und dem Mörder ein heftiger Kampf stattgefunden. Wann die That erfolgt ist. konnte mit Sicherheit nicht festgestellt werden. Die Leiche ist erkannt als die Wittwc Agnes Geeren, geb. Winkclhock, aus Uerdingen, zuletzt hier wohnend, einer verkommenen Frauens- person, welche fich seit längerer Zeit obdachlos umberttieb. Die« selbe war unlängst aus der Ardeitsanstalt Brauweiler zurück« gekehrt. Fiume, 5. Dezember. Ein furchtbarer Orkan entlud sich gestern Nacht über unsere Stadt, überall Angst und Schrecken verbreitend. Ter Himmel war seit Anbruch der Dämmerung durch ungeheure, tiefschwarze Wolkenmaffen den Blicken cnt« zogen; von Zeit zu Zeil fielen, von den immer heftiger werden- den Windstößen gepeitscht, furchtbare Regenschauer. Gegen 9 Uhr entlud fich schließlich ein Gewitter mit Donner und Blitz von ungewohnter Heftigkeit. Der Aufenthalt in den Straßen war während dieses Aufruhrs der Elemente fast un« möglich. Um halb 10 Uhr wurde die Bevölkerung durch einen Donnerschlag von nie gehörter Heftigkeit alarmirt; die Schlafenden erwachten sämmtlich, die Kinder begannen vor Schreck zu weinen. Der diesem Donner vorangehende Blitz war so heftig, daß zahlreiche Personen minutenlang geblendet wurden, ein Mädchen fiel besinnungslos zu Boden, der Steuermann des im Sturme lavirenden Remorqueurs „Elotilde" verlor für zehn Minuten die Sprache. Während dieser ganzen Schrcckensnacht waren die Hafen- und See- behördcn, namentlich die wackeren Hafenpiloten auf den Beinen. Die Gefahr, der Blitz könne in einen im Hafen be« findlichen Zistcrnendampfer einschlagen und das Petroleum entzünden, war eine große, und da galt es, genistet zu sein. Das Meer war während dieser Zeit in selten beobachteter Aufregung und Unruhe; es ist ein wahres Wunder, daß keine großen Schisssunfälle zu beklagen find. Im benachbarten Eernick schlug der Blitz in den Kirchthum, schmolz die Erzkuppel und zerstörte die Glocken. Kriefkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. H. K. 44. Ihre Anfrage ist insofern nicht korrekt, als ein Schiedsmann im Sühnetcrmin wegen Beleidigung eine Strafe überhaupt nicht festsetzen kann..Hat sich aber der Be- leidigende vor dem Schiedsmanne im Vergleichswege zur Zah- lung einer bestimmten Summe verpflichtet, so kann diese von dem Berechtigten binnen 30 Jahren eingeklagt werden. B. M. 10. Ein Verein wird dadurch noch nickt zu einem politischen, daß er politische Schriften in seine Bibliothek auf- nimmt. R. K. 1. Die Geschenke können binnen 6 Monaten zurückgefordert werden. Nr. 100. Der Kaiser und der Kronprinz find als aktive Militärs nicht wahlberechttgt zum Reichstage. C. A. B. Schöne. Es genügt, wenn Sie dem Standes« beamten dm Tod Ihres Vaters anzeigen, die Vorlegung von Urkunden kann von Ihnen nicht verlangt werden. Theater. Freitag,dcn 10. Dezember. Overnhaus. Violett«. Schauspielhau». Torquato Tasso. Deutsche» Theater. Der schwarze Schleier. Kriedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Sternschnuppe. vtktoria-Theater. Sonnabend: Viviana. Ostend-Theater. Das neue Gebot. Nestdenz- Theater. Georgette. Seutral-Theater. Der Waldteufel. »elleallianre- Theater. Die schöne Heimo. Walhalla-Theater. Der Vagabund. Köuig städtische» Theater. So find fie Alle. Kaufmann'» Vartetee. Spczialitätm- Vor- stellung. Amerikan-Theater. Spczialitätm-Vorstellung. Netchöhallen- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Coueordia« Theater. Spezialstäten« Vor« stellung. ZMem-Theater. (Früher �ouisenst. Theater.) Dresdcnerstt. 72/73. Zum ersten Male in Berlin: Antillen- Zieger- Karawane, 14 Personen, anthropologische Sehenswürdigkeit. Wilhelm Kleiner, der stärkste Mann Sachsens. Derselbe wird u. A. ein lebende«, 1200 Pfund schwere» Pferd heben. Krother« Foreft, Mufikal-Clowns. M-lson und Manthor«, Excentric-Clowns. Wlr. Pizarra«, Kraftturner. Kiegel« Sollet sesetlschaft. Paula«. Ludwig Kellhei«. Engen Jocher. Kassenöffnung 6t Ubr. Anfang 7i Uhr. Kon» abend Nachm. 4 Uhr: Extra-Ausstellung der A ntillon-Netrer-Karawane für Kinder und Erwachsene. St&dt-Iheater. (Früher Alhambra-Thcater.) Wallnertheaterstr. 15. Ertra-Narstellnng. Novität! Novität! Dir Kunstmrgäre. Gesangsposse in 4 Akten von Hermann Frciherm von Maltzan. Mufik vom Verfasser. Dirigent: lderr Kapellmeister Theodor Franke. Regie: Herr E. Czaschke. Vor der Vorstellung: HM' Große« Concert,'MW ausgeführt von der Hauskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Hm. Theodor Franke. Anfang des Eoncerts: Wochmtaas 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochentags 71/» Uhr, Sonntags 7V» Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung oersehen.__ Soebm erschien Heft 3 det Internationalen Bibliothek. Durch die Geburt eines kräftigm, gesunden Stammhalter» find erfreut Magnus Meyrr nebst Fron 1245] Emma, geb. Hoffmann. Die Darwinsche Theorie.(Aff<««d Mensch.) Prei» pro Heft 50 Pf. Zu beziehm durch die Expedition de«„Kerl. Polksklatt", Ztmmerstraße 44. MF* Wiederverkäufern Rabatt. Zu haben in der Erpeditio» d. Dl., Zimmer ftraße 44. Soeben erschim im Verlage von Wörlein & So. der HaudVttkkr- uud hkitn- Wz-Kaltudtt für 1887 (IX. Jahrgang). Dieser Notizkalender, seit Jahren in dm dmtschen Arbeiter- und Handwerkerkreisen rühmlichst bekannt, ist nicht blos Kalender, sondern zugleich Nottzbuch und Gesetz- sammlung. Auch in diesem Jahre ist sowohl auf dm trhalt als die Ausstattung besonder» orgfalt verwendet und ist nammtlich be- züglrch des Einbandes Vorzügliches ge- leistet und bestes Material dazu verwendet. Nebm der gewöhnlichm Ausgabe ist auch wieder eine stärkere veranstaltet, welche mehr Schreibpapier enthält und kräftigm Leinwandcinband mit Deckel nach Bnef- taschenart und Gummiband hat. Auch bei der gewöhnlichen Sorte find diesmal die Ecken abgerundet. Inhalt des Kalenders: Kalendarium mit neu rmidirtem Ge- schichtskalender; postalische Bestimmungm; Telcgrammtarif; das ganze Unfallverfiche- rungsgesetz mit Anhang vom 28. Mai 1885; Gesetz über die eingeschriebmm Hilfskaffm mit der Novelle vom 1. Juni 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit Reglemmt; Auszug aus dem Reichs- Patmtgcsetz; Gewinoeschneidetabelle für Metallarbeiter; Schreibpapier mit Datumsangabe für Tagesnotizm, leeres Schreibpapier, Brief- täfchchm. De ganze Kalmder ist vierzehn Bogen stark. Preis der einfachen Ausgabe 50 Pf. „„ ftärkerm„ 70 Pf. Miederveeitänfer erhalten lohnenden Rabatt. 1 Klavierspieler wird verlangt Markusstt. 6. 1. g. Piano. 15Thl., 1 z.25Thl. Oranimstr.4 Ii. l. Soeben ist erschienen: Der .elltVeltKaleiidtri für 1887. Aus dem reichen Inhalt hebm wir hervor: Reichsh««»halt».EtRt be» Deut- scheu Reich».— Zerbrochene Kette». Erzählung von Rod. Schweichel.— Bärtige Aeaue»»ub Haar»,e»sche».— Ei» Pr»let«eitrki»b. Erzählung v.E.Lang er. — Der Kampf zwischen Feuer u. Wasser i» ber Welt. Von P. Osw. Köhler.— Wie man ei»e Millio»»erbieat.— Flie- grabe Blätter(humoristisch). Al» Grati«- Keilagen: l. Laeia. 3.«»tterglück. 2. Blanche. 4. Die beibe» Alte». Ei» Waabkaleaber. - Prei» 50 Pf.=- Zu beziehen durch die Expedition dies. Blattes Zimmerstraße 44. Wiederverkäufern Rabatt. Im Uersatz verfalle«. Hochelegante Herren-«nd Damen-Winter» paletot» find billig zu verkaufen bei _ Locke, Reanderstraste 9. MT* Bitte gmau auf meine Hausnummer und meinen Namen zu achten.[1238 Passage 1 Tr. 9 M.— 10 Kalwer-Panorama. Reise am schönen Rhein. Wanderung d. d. Riesengebirge. Hertha-Reise.— Earolinm-Jnseln. Weihnachts-Ausstcllung. Das Leben Jesu. Eine Reise 20 Pfennig. Kinder nur 10 Centrat-Kranken- u. Sterbekas# der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter (E. H. Nr. 3, Hamburg).„ Ten Mitgliedern der Verwaltungsstelle Kerlin F. zur Nachricht, daß die von der Ver- waltungsstelle Berlin E(Wedding) in unscnn Beznk errichtete Zahlstelle in der Gattenstratze nicht zu uns gehört und ersuchen wir die doli wohnenden Mitglieder, nach wie vor ihre Bev träge an den von uns bekannt gegebenm Stellen zu entrichten. Im Uebrigm verweisen wir auf das Statut§ 22, Abs. 4.[12« _ Die Verwaltung Kerlin*_ Versammlung. Der Verein zur Wahrung der?ntee' essen der Tischler hält am Sonnabmd, ben 11. Dezember, Abends 8| Uhr, MichaelsklNV straße 39 eine Versammlung ab. Tagesordnung:„, 1. Vortrag des Herrn Dr. Zaveck. 2. Aus nähme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. Av rechnung der Billets vom Stiftungsfest. Au� gäbe der Billets zu dem am 1. Weihnachtsfeier tage in Klein's�Salon, Qranimsttaße Rr. 1°™ stattfindenden 1242] �lorst a n v. Versammlung des Nani« da Snltla müi IG Sonnabend, dm 11. Dezember, Abends 8t% Kommandantenstt. 77—79 Aratweil's«imK JE.'SO.: 1. Antrag des Vorstandes, Un stutzung hilfsbedürftiger Mitglieder betr. 2--6 emsangclcgenheit. 3. Verschiedenes. h 1240] Der Vorstands \\ »m * Arbeitsmarkt. bei Berlin._— Wödelpolirer wird verlangt Stallschr��l straße 32, Hof 2 Tr.___ «erantwortlüd für dm politischen Theil�und Soziales Viax Schippel, für Vereine und Veriammlungm». Tutzauer, für dm übrigm Theil der Zeitung R. Kronheim, sämmtlick rn Druck und Verlag von Max Babing in Berlin sw., Beuthstraße 2. Hierzu eine Betlaa- Beilage zum Berliner Bolksblatt. Kr. S89. Freitag, de» 19. Dezember 1886. 3. Iahrg« Lljgieni�e Magenpfkege. Von Dr. P. N i e m c y e r. sRachdruck verboten.� Drr hygienische Leitgedanke zum tkapitel von der Magen- Pflege wurde uns bereits auf der(Schulbank und�von der Buhne herab in Shakespeares Corolian(1. Akt 1. Szene) in dem Gleichnisse gelehrt, welches der Römer Agrippa der abtrünnigen und ausgewonderten Bürgerschaft vortrug, um ihr zum Bewußt- sein zu bringen, daß im Staatsgemeinwesen ebenso wie im menschlichen Körper das Wohl und Wehe der einzelnen Organe nicht aus ihren Leistungen für sich, sondem aus gegenseitigem tusammenwirken entspringe, eine Lehre, welche in unmittelbarer nwendung schon so angedeutet wurde: nicht blos mit dem Unterleibe, sondern auch mit Armen und Beinen, Lungenflügeln und Hautporen verdauen wir. In der That handelt fich's nur in Ausnahmefällen— z. B. Vergiftung durch Arsenik— um Magenleiden im wörtlichen Sinne, m den alltäglichen Fällen jedoch immer nur um allgemeine Verdauungsstörung unter besonders fühlbarer Mitleidenschaft des Magens. Wie sogar bei rhatsächlich auf dies Organ beschränkter Störung eigentliches Magenleiden nickt vorliegt oder, wie man zu sagen pflegt, kurircn auf den Magen nichts helfen würde, lehrt das Erbrechen bei Ekelempfindung, Gehimreizung, Migräne u. s. w. In popu- lärm Vortrage muß dieser Gesichtspunkt schon darum betont «erden, weil sich da überhaupt nur die gewöhnlichen Zufälle zur Sprache bringen lassen, welcke als verdorbener, schlechter, schwacher Magen, als Magensäure, Magendrücken, Magenkrampf u. s. w. Gegenstand der Heilbedürftigkeit werden. Ter landesübliche Gebrauch von Mageirbittern, scharfen Bissen(Sardellen), Brause- vulver, Selterwasser u. dal. Hausmitteln erweist sich so wenig «irksam, ja eher so verschlimmernd, daß Viele, versessen auf eine Lokaldiagnose wie sie bleiben, sich schließlich an den— Band- «urmkurquacksalber„mit Kopf garantirt" wenden, jedoch nur, um weder Kopf noch Glieder des Quälgeistes, wohl aber viel Geld loszuwerden und dafür noch neue Magenverderbniß zu er- kaufen. Um beiläufig solcher Leichtgläubigkeit die richtige Fährte zu weisen, so darf auf Bandwurm überhaupt nur da und bann kurirt werden, wenn bereits freiwilliger Abgang von Stücken erfolgte. Auf gesundheitsgemäßcste und beinahe kosten- lose Weise geschieht völlige Abtreibung nunmehr durch den Gc- brauch einer Kur mit Kürbiskernen und Kürbiskerngrütze, wie 5t schon vor Fahren durch den Berliner hygienischen Verein er vollen Oeffentlichkeit preisgegeben wurde und über deren 5(Herrn Erfolg seitdem freiwillige„Atteste" bis von Amerika er einliefen. WaS„verdorbener" Magen heißt, hat vorübergehend schon Jeder an sich erfahren, nämlich im Zustande des unter dem Namen Katzenjammer landläufigen Krankheits- bildcs, gegen welches man mit dem unmittelbar auf den Magen gerichteten„Katerfrühstück" zu kurircn pflegt. Die Hygiene jedoch erlaubt sich als„besten Koch" vorläufig Hungern zu verordnen und dazu als Schnellkur: morgendliche naßkalte Abreibung oder Abvrausung, einen Trunk frischen «jassers, hierauf flottes Ergehen im Freien. Nachdem so„Arme �nd Beine" den überladenen Unterleib entlastet, die Lungen �m Zug in die verrußte Körperheizung gebracht, und Schweiß- Ubruch die„Scklacken" hinausgeschafft, stellt sich wieder reiner �agen und rechtschaffenes Hungergefühl ein. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen den LebenS- Gewohnheiten im Essen und Trinken wird durch die Ge« sichte dieser Krankheitsform sicher gestellt. Unter dem �ieichnenden Namen Morbi aulici( Gastm ahl-Krankheiten) sie zuerst unter den Römern auf, als sich dies Volt Ueppigkeit und Schlemmerei ergab. Doch auch ein ?hrreiches Beispiel von ebenso glänzender als nachhaltiger Teilung auf hygienischem Wege lieferte bereits das Mittelalter *rtt der von ihm selbst in einem berühmten Buche beschriebenen Geschichte des Italieners L. Cornaro; mit vierzig Jabren hatte * sich durch gesundheitswidriges Genießen seinen Magen so ruinirt, daß der Arzt ihm baldiges Ableben prophezeihte, M er sich nicht schleunigst noch zur Nüchternheit ermanne. T�sese Umkehr gelang ihm denn auch noch rechtzettig und so Mndlich, daß er sich binnen Jahresfrist vollkommen erholte und idttan mit einer Tagesration von 24 Loth Festem und einer salben Flasche Wein auskam. Als er sich aber eines Tages Breden ließ, nur 4 Loth Festes und ebenso viel Wein mehr Li sich zu nehmen, strafte die Natur diese„Unmäßigkeit" mit Magenkrampf, Aufgetriebenhcit deS Leibes, Fieberausbruch-c. Lernach erreichte er bei stetiger Nüchternheit ein leidenfreics �er von 103 Jabren. Das literarische Geschäft in Deutschland. IL Die Bücher haben ihre Schicksale— ist ein altes wahres Wort. In der That, über den Erfolg eines Buches jMcheidet oft ein Zufall, eine Laune. Als ein eklatantes �ispiel aus der neueren Zeit kann in dieser Hinsicht der außerordentliche Erfolg der„Familie Buchholz" von Gallus Sttnde gelten. Dieser Schriftsteller, der bis dahin benig von sich reden gemacht und als Mitarbeiter ver- Wiedener Zeitungen sich meist begnügt hatte, zu reproduziren, sfuptsächlich auf dem Gebiete der populären Naturwisien- chast, hatte eines Tages einen Einfall. Er wollte eine Moristtsche Schilderung des Lebens innerhalb gewisser ; �ise der Berliner Bevölkerung geben und erfand zu diesem Zehufe die Figur der Wilhelmine Buchholz. Er zeigte diese -«präsentantin der selbstbewußten, zungenfertigen. Alles gehenden Berliner Hausfrau in den verschiedensten Lagen 2* Lebens und gruppirte um sie herum eine Reihe von Ederen Typen aus den mittleren Schichten der Berliner �lellschaft. Das Buch ist amüsant, aber nichts weniger f, epochemachend. Was ihm zu seinem phänomenalen Er- �9 verhalf(es erschien bereit» die hundertste Auflage— siewiß ein beispielloser Bucherfolg in Deutschland) ist der Anstand, daß Fürst Bismarck daS Buch gelesen hat Der »„w mann las in dem Buche, wie viele Seiten weiß ich nicht, ichrieb, auf wessen Veranlassung weiß ich ebenfalls nicht, ein �ar schmeichelhafte Zeilen an den Verfasser und— der iJ�ger sowie die Freunde in der Presse sorgten dafür, "«B der Brief des Fürsten Bismarck männiglich bekannt urde. Nun ereignete sich etwas Wunderbares: die guten putschen, selbst der verknöchertste Philister, der fast me Bn* Pfeanig für die Literatur übrig hat, verlangten daS l,"?""b zwar, was das Wunderbarste, nicht nur in der chockliothek, sondern sie kauften eS sogar, damit eS auf Nicht als ob hiermit nun Jedermänniglich zum Zeifigfutter ä 1» Cornaro verurtheilt werden solle, so sei wenigstens der zwar hausbacken gefaßte, aber hygienisch ganz sachliche Lehrsatz der Beherzigung empfehlen:„Was dem Grobschmicd bekommt, dem Schneider nicht frommt," d. h.: wer sich kräftig ausar- bettet, mag Happcnpappenfett vertragen, den Magen des Stubenhockers aber kann schon ein Pfannkuchen verderben. Gewohnheitsmäßig und dabei in ehrbarster Form werden in der That bei uns zu Lande allerhand Magenwidrigkeiten begangen, obenan das Genießen heißer Speisen im Allge- meinen und warmer Suppenschüsseln im Besonderen. Wie oft verbrüht sich nicht der unachtsame Gast an Festtafeln gleich mtt der in Tassen gereichten Bouillon das Mundinnere, nicht zu reden von dem Schaden, welchen der Schmelzüberzug der Zähne davon erleidet. Sieht man weiter den Kostgänger des„guten, kräftigen Mittagstisches" erst einen Teller Brühe, oann, weil„Trinkzwang", ein halb Liter Bier, hierauf diverse fette Saucen mit einem Ballast fester Unterlage, gleich nachher eine Tasse Kaffee und das alles im Schncllzugstempo hinunterarbeiten, so bc greift man sehr wohl die allseitige Klage über Aufgetriebenheit, Säure, Aufstoßen, Sodbrennen und dcrgl. Beim abgekürzten Verfahren des Früh-Jmbisses wiederum wird ein Uebermaß mit Zusätzen von Gewürz(Paprika!), Essig» Oel, Mostrich, Zwie- beln begangen, wie denn namentlich das beliebte„Bösstök" ä I» Tartare richtiger& l» Barbare hieße; rohe Fleischfaser ist nicht nur weit schwerer verdaulich als gedämpfte oder ge- bratene, sondern bedroht bekanntlich auch, wenn vom Schwein herrührend, mit Trichinose, wenn vom Rinde, mit Finnen- und Bandwurmplage, welch' letztere sich jetzt schon unter zweijährigen Kindern verbreitet findet. Von Getränken wirkt, wenn in starkem Aufgusse und Heber maße genossen, Kaffee krankmachend auf den Magen. Kommt dazu, besonders schon früh Morgens, Genuß von starkem oder schlechtem Tabak, so bleibt der in der guten, alten Zeit des „Morgenpfeischens" unbekannte Magcnhustcn nicht lange aus. Wie weit die Fähigkeit, das Organ aus eigener Kraft zu regieren, durch die gegenwättigen Lebens-, Eß- und Trinkgewohn- betten verloren ging, lehrt die neuerdings in der medizinischen Behandlung üblich gewordene Kur mit der Maaenpumpe, die manche aber schon eigenhändig mit derselben Unbefangenheit handhaben, wie etwa den Zahnstocher. Ohne den Werth dieser Erfindung als solcher herabsetzen zu wollen, hält sich die Hygiene doch für verpflichtet, auf die Einrichtung zu verweisen, mit welcher uns die Natur gewissermaßen wie mit einer von außen wirkenden Magenpumpe oder richtiger Druckwerke versah, nämlich die Athem- und Bauchpresse, deren volles Spiel man am entkleideten Säuglinge beobachten kann. Ihr erster Akt wurde bereits im Kapitel von der Athemhaltung vorgetragen, der zweite besteht einfach in geflissentlichem Äauchdccken einziehen, welches aber Heilbedürftige dieser Art, besonders weibliche, für den Augenblick kaum zu Wege dringen. Wenn moderne Vorstellung am liebsten medizinische Rezept- Vorschriften liest, so lehtte gleich die Cornaro'sche Heilungs- geschickte, daß es hier vor Allem auf hygienische Regelung, so- genannte Diätetik ankommt. Um jedoch jener Vorstellung, so weit möglich, zu entsprechen, so seien als hygienische„Magen- mittel" folgende verzeichnet: Eiswasser, d. h. reines mit„Eispillen" versetztes Trink- wasser. Der Eisblock wird, in ein grobes Tuch gehüllt, in der einen Hand gehalten, während ihn die andere mit der stumpfen Seite eines Hackemessers in Stückchen schlägt. Während die üblichen warmen Thee's Erbrechen und Krampf nur steigern, wirkt dieser Trunk auf beide stillend. Zitronensaft, nach Art der Limonade verdünnt, und als Zusatz zu gewissen Leckerbissen längst üblich reinigt den Magen, reizt den Appetit und stärkt die Magensaftoerdauung. Als Morgenttunk bei schwachem, den indischen Kaffee wie auch Zichorie verbietenden, Magen empfiehlt sich chinesischer Theeaufguß und, wenn auch dieser hitzt oder nagt, Kakao oder der aus geröstetem Getteide bereitete Gesundheitskaffee von Ge- brüdcr Behr in Cöthen. Rohobst jeder Art bewährt sich zur Besettlgung der verschiedenen, besonders einige Stunden nach der Haupt- mahlzeit empfundenen Formen von„Magenverstimmung". Statt seiner thut's aber auch das stets und überall käufliche trockene Backobst, besonders Backpflaumen, nach folgender Be« reitung: die ttockenen Pflaumen werden Abends dreimal ab- gewaschen, im letzten Wasser die Nacht über stehen gelassen und andern Morgens mit diesem selben Waffer langsain(bis zwei Stunden lang) gar gekocht, nachdem auf ein Pfund ein halder dem Tisch in der„guten Stube" prange. Hoch und Niedrig, Reich und Arm, der Minister, sowie der unterste Sekretär erwarb und las das Buch. Es gehörte zum guten Ton, die „Familie Buchholz" gelesen zu haben und Niemand, am wenigsten ein Staatsbeamter, durfte sich der Möglichkeit aussetzen, auf die Frage: Haben Sie die„Familie Buch- holz" gelesen? mit einem„Rein" antworten zu müssen. Dieser Erfolg des Stinde'schen Buches war einmal ein Lichtpunkt in dem buchhändlerischen GeschäftSleben Deutschlands, daS im Uebrigen gerade gegenwärtig so trübe ist, wie nur denkbar. Ja, sogar die Leihbibliothekbesitzer haben auf einem vor Kurzem stattgehabten Kongreß erklärt, daß daS Leihbibliothekgeschäft seinem Ruin entgegengehe. Selbst daS billige Leihbibliothek-Abonnement ist dem Deutschen zu kostspielig, er befriedigt sein Lesebedürfniß an dem Stückchen Roman, das ihm täglich von seiner politischen Zeitung servirt wird. Im Uebrigen ist diese ganz unglaub- liche Indifferenz, welche das deutsche Publikum der literarischen Produktion gegenüber gerade in der Gegenwart an den Tag legt, zum großen Theil wohl auf die in unserm öffentlichen Leben herrschende Richtung zurückzuführen. Man hat so gern daS prätentiöse Wort der Franzosen, die da behaupten, an der Spitze der Zivilisation zu niar- schiren, mitleidig belächelt. Nun, wenn man die zeitge- nössische ftanzösische Literatur, die Lage des französischen Büchermarktes, die Situation der ftanzösischen pens des letters mit den entsprechenden deutschen Verhältnissen ver- gleicht, so kann man dieses stolze Wort nicht gar so lächer- lich finden— man müßte denn bei der Beurtheilung des Stande» der Zivilisation eines Volkes die Größe des stehen- den Heeres und die Tüchtigkeit der militärischen Dressur für maßgebend halten. Die Erfolge, welche französische Autoren wie Zola, Ohnet u. A. aufzuweisen haben, sind in Deutsch- land undenkbar. Da in Deutschland Bücher nur von Wenigen, meist nur von Leihbibliotheken, gekauft werden, so fließt die Haupteinnahmequelle der deutschen Schrifsteller aus der periodischen Ltteratur. Jede Zeitung hat ihren Roman Tbeelöffel voll kohlensauren Natrons, aber wohlpemerkt. kein Zucker hinzugesetzt worden— theelöffelweise genossen- wahrer Balsam auf den wunden Magen!— Kurmäßig sollte ferner der Maaenschwache den Plan der„Hauplmahlzeit", besonders des Suppen- und Warm- cssens mitten am Tage wegfallen lassen und lieber nach Art der Vögel in kleinen Sitzungen, etwa alle vier Stunden speisen, und zwar vorzugsweise kalte, magere Küche mit Zwieback, von Fleischgerichten lieber Geflügel oder Fischfleisch, letzteies auch, Aal ausgenommen ,! in geräuchertem Zustande; dazu als Getränk statt Wein oder Liqucurs ein Glas gut aus- gegohrenen Bieres. Im Uebrigen erweitert sich der volle Kurplan zu einer Unterweisung in hygienischer Sveiscbcreitung und Er- nährungsweise, wie sie im folgenden Aufsatze vorgetragen werden soll. Uarlamentarisches. — Die gestrige erste Sitzung der Militärkommission des Reichstages, welche in dem größten Kommisfions- zimmer stattfand, war außer von den Mitgliedern von etwa hundert zuhörenden Abgeordneten besucht. Vor Beginn der Berathungen wurde mitgetheilt, daß der Abg. Grillenberger telcgraphisch angezeigt hätte, daß er die Wald in die Kommission nicht annehme. An seine Stelle ist der sozialdemoki atischc Ädg. Meister getreten. Vor Eintritt in die Tagesordnung fand eine Gcschäftsordnungsdebatte statt über die Frage der„Ver- ttaulichkeit" der Mitlheilungen, welche der Kriegsminister im Plenum für die Kommission versprochen batte. An dieser Debatte betheiligten sich die Abgg. Richter, Rickert, v. Helldorff und der Kriegsminister, welcher letztere nochmals scharf den verttaulichcn Charakter seiner Mitthcilungen betonte. Der Abg. Rickert fand es eigenthüinlick, daß die den Kommisstons- Mitgliedern zugestellten tabellarischen Berichte gleichfalls mit dem. Signum„vertraulich" versehen seien, trotzdem Jeder aus den Etats der verschiedenen Länder sich selbst solche Zusammen- stellungen machen könnte. Zu einem positiven Resultat fühtte diese Geschäftsordnungsdebatte nicht. Zunächst erhielt nun zu einem einleitenden Vorttage dar Herr Kriegsmini st er das Wort. Derselbe ver- breitete sich eingehend über die Heercsstärke der benach- harten Großmächte Rußland, Frankreich und Oester- reich. Er erklärte und wies ziffernmßig nach, daß die Heeres- macht Oesterreichs bei Weitem nickt den Armeen Rußlands ge- wachsen sei. Dann verglich er die Armeen Deutschlands und Frankreichs miteinander und suchte gleichfalls nachzuweisen, daß durch die vermehrten Rekrutirunge» und durch die neuen Heeres- organisation in Frankreich Deulschland im Vergleiche damit zurückstehe. Er stellte nothwendige Dislokationen in Deutsch- land in Aussicht. Die Einzelheiten dieser Mittheiluna wurden als ganz besonders verttaulich bezeichnet. An die Rede des Ministers knüpfte sich wieder eine Geschäftsordnungsdebatte über den vertraulichen Charakter der Verhandlungen. Sämmt- liche Redner gelangten ttotz des Widerspruches des Herrn Mi- nifters zu dem Resultat, daß man dem Takt der Kommisfions- Mitglieder sowohl wie der zuhörenden Abgeordneten überlassen dürfe, von welchen Nlittheilungcn sie öffentlich Gebrauch machen wollten und von welchen nicht.— Hieran schloß sich abermals eine Geschäftsordnungsdebatte über die Frage, oh eine General- debatte vorgenommen oder zunächst an die Mittheilungen des Herrn Kriegsniinisters weitere Erörterungen geknüpft werden sollten. Man entschied sich für ersteres und ließ alsdann eine Pause eintreten. In der nack der Pause deginnenden Generaldebatte nahm zunächst Abg. W i n d t h o r st das Wort, welcher erklärte, daß er die Sicktung und Kritik des Zahlenmaterials dem Abge- ordneten Richter überlassen wolle. Dieser sei durch die AuS- führungcn des Herrn Kriegsministers keineswegs von der Roth- wendigkeit einer Verstärkung des Heeres überzeugt worden. Er, Windthorst, wundere sich besonders darüber, daß man die Ver- mebrung der Attilleric fordere, weil der Stand der Infanterie erhöht werden müsse. Er bedaure, daß weder der Herr Reichs- kanzler noch sonst ein Vertreter des Auswärtigen Amts an» wesend sei, um authentische Mittheilungen über die politische- Lage Europas zu machen, da der Herr Kriegsminister erklärt habe, darüber nicht genügend inkormirt zu sein. Er wünsche Klarheit über unser Verhältniß zu Oesterreich und wolle wissen, ob gegenwärtig eine Kriegsgefahr drohe. Von dieser Auskunft mache er seine Haltung abhängig. Er würde der Regierung unter'm Strich. Da jedoch die meisten Blätter nicht in der Lage sind, für diese belletristischeZugabe großeSummen aufwenden zu können, so kann der Schriftsteller weniger auf die Qualität als auf die Quantität seiner Erzeugnisse sein Augenmerk richten. Vielschreiber, wie Friedrich Friedrich und Ewald August König, die im Stande sind, jeden Monat einen dicken Roman zu schreiben, kommen bei diesen Verhältnissen natürlich am besten weg. Noch Erstaunlicheres an Finger- fertigkeit leisten diejenigen schriftstellcrnden Kolleginnen, die „frei nach dem Englischen" arbeiten und die das Meiste dazu beigetragen haben, die deutsche Schriftstellerei herab- zubringen. Da diese Schriftstellerinnen ihre mechanische Arbeit mit der Schnelligkeit und Rastlosigkeit einer Maschine verrichten und zum Theil wohl auch den Ertrag ihrer Thätig- keit nicht zu ihrem Lebensunterhalt, sondern nur„für den Putz" verwenden, so arbeiten sie für jeden ihnen gebotenen Preis. Man kann sich einen ungefähren Begriff von der Leistungsfähigkeit dieser lebenden Uebersetzungsmaschinen machen, wenn man erfährt, daß vor kurzem drei verschiedene hiesige Zeitungen zu gleicher Zeit große Romane„aus dem Amerikanischen" brachten, die alle von einer Uebersetzerin Frl. I. v. B., herrührten. Diese Uebersetzerinnen stehen gewöhnlich nicht direkt mit den Zeitungen in Verbindung sondern sie arbeiten für eines der zahlreich bestehenden literarischen Bureaux, die auch eine Erfindung der»eueren Zeit sind. Vor zwanzig Jahren kannte man derartige Institute noch nicht, heute rechnen sie bereits nach Dützen- den. Die Inhaber solcher Bureaus kaufen den Schriftstellern, die nicht in der Lage sind zu warten, bis irgend eine Re- daknon ihre Romune akzeptirt und druckt, worüber oft Jahr und Tag vergeht, ihre Produkte zu einen, festen, sofort zahl- baren Preis ab und rhr Geschäft besteht darin, die Romane an die Zeitungen zu vertreiben. Es ist natürlich, daß diese Agenten in den meisten Fällen einen größeren Gewinn von den Arbeiten der mit ihnen in Verbindung stehenden Ver- sasser ziehen, als diese letzteren selbst. Das Hauptgeschäft liegt in dem Vertriebe des Nachdrucksrechts. Die Honorare. acrn entgegenkomme, wenn ihm nachgewiesen werde, daß das Saterland in Gefahr sei. Abg. v. H e l l d o r f f(kons.): Aus dem vorgelegten Ziffern- Material geht hervor, daß die Präsenzstärke der Armee des Deutschen Reichs hinter der Stärke des französischen und auch des russischen Heeres zurrickstehe. Das gebe er freilich zu, daß die Zahl der ausgebildeten Soldaten in Deutschland die von Frankreich und besonders auch die von Rußland bei Weitem übersteige.?ln Frankreich aber würde durch allerlei Hetzereien beim Volke Kriegsstimmung erzeugt; dem Nachbar im Osten traue er auch nicht. Das Wort, der Wey nach Kon- stantinopel führe über Berlin, wollten große Parteien in Ruß- land zur Wahrheit machen. Er sei zwar ein Laie in der Diplomatie, aber er halte den Krieg im Laufe des nächsten Sommers nicht für unwahrscheinlich. Ties sei auch die Ansicht in höheren Kreisen. Er empfehle angelegentlichst die Annahme der Vorlage. Ter Blick in die Zukunft sei sehr trübe, und es würde am Ende aller Anspannung der Kräfte Deutschlands er« fordern, um die drohenden Gefahren abzuweisen. Abg. W i n d t h o r st nahm abermals das Wort, um dar- zulegen, daß aus allen seitherigen Verhandlungen nicht hervor- aehe, weshalb die Vorlage eine so große Eile habe. Diese gle seitens der verbündeten Regierungen sei überhaupt die einzige Andeutung einer getrübten Situation in Europa. Daß der Weg der Ruffen nach Konstantiiiopel nicht über Berlin führe, gehe schon aus den ofsiziösen Mittheilungcn hervor, daß T cutschland gar keine Interessen im Südosten Europas hätte. Wenn aber, wie mehrfach gesagt worden sei, in der Schwäche der französiscben Regierung eine Kriegsgefahr liege, dann sei der deutsche Reichskanzler Schuld daran, der diese Schwäche immer gefördert habe. Kriegsminister v. Bronsart erklärt, daß er weder Auf- trag habe, noch die genügende Wissenschaft besitze, Aufklärungen in Bezug auf die politische Weltlage zu geben. Abg. v. B e n d a(nat.-lib.) spricht sich für die Vermehrung der Armee aus, damit der Friede für die Zukunft gesichert bleibe. Die Nachbarstaaten müßten in dein Glauben er- halten werden, daß Teutschlands Heeresmacht unüberwind- lieh sei. Abg. Dr. B amberger(freist) gab seine Bereitwilligkeit kund, für alle Forderungen zu stimmen, welche eine Kriegsge- fahr abwenden, oder einen ausgebrochenen Krieg siegreich für Deutschland gestalten könnten. Die Vorlage behandle aber lediglich dauernde Institutionen. Er könne sich des Gedankens nicht erwehren, daß die immer größeren Rüstungen, welche die europäischen Staaten sich anzögen, geeignet seien, wie Graf Moltke sich ausdrückte,„baldige Entscheidunzen" herbeizuführen. Die Offizierskreise im Deutschen Reiche, die eine so große Bedeutung bei solchen Fragen hätten, trügen s i ch mit solchen Gedanken. Emen Angriff von Seiten Frankreichs halte er vor- läufig für ausgeschlossen. Frankreich würde nur dann einen Krieg mit uns beginnen, unter welcher Regierung es auch stehen möge, wenn die Regierung die volle Ucbcrzeugung habe zu siegen. Und das könne noch lange dauern. Tic Haupt- gesahr drohe von Rußland; von dort sei ein Angriff schon in nächster Zeit wohl zu erwarten. Diesem Angriff würde sich, nach seiner Kenntniß der französchcn Zustände, Frankreich so- fort anschließen. Aber dieser allgemeinen Angriffsgcfahr gegen- über empfehle sich eine allgemeine Abrüstung der europäischen Mächte. Und Deutschland müsse damit als mächtigste Nation den Anfang machen. Wenn nicht Deutschland den Anfang mache, würde der Anfang niemals gemacht werden. Graf Behr(Rcichspartci): Die Ausführungen Bam- bergers müßten jeden bisher noch Schwankenden veranlassen, für die Vorlage zu stimmen. Eine Abrüstung sei wohl das un- geeignetste Mittel, einer Kriegsgefahr zu begegnen. Kriegsminister v. Bronsart hält sich verpflichtet, dem Abg. Banibcrger einige Worte zu erwidern. Eine unmittel- bare Kriegsgefahr sei nicht vorhanden,"denn sonst hätte eine ganz andere Vorlage gemacht werden müssen. Nur das Bestreben, den anderen Staaten in der Rüstung nicht nachzustehen, habe die Vorlage gezeitigt. Die„baldigen Entscheidungen" habe Graf Moltke nicht so aufgefaßt wie der Äbg. Banrberger es dargestellt habe. Das Wort Moltkc's sei allerdings gegen Frankreich gerichtet gewesen, doch sollte damit nicht gemeint sein, daß die schweren Rüstungen die baldigen Entscheidungen herbeiführen, sondern die inneren Zustände in Frankreich. Abg. Frhr. v. Stauffenberg(frei).) glaubt nicht an eine nahe Kriegsgefahr und hält mit dem Abg. Windthorst weitere Aufklärungen über die Weltlage für erforderlich, ehe man sich über einen so einschneidenden Gesetzentwurf entschei- den könne.— Die Fortsetzung der Debatte wurvc darauf bis heute, Freitag, Vormittags 10 Uhr, vertagt. Kommunales. Stadtverordnetcn-Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom 9. Dezember. Der Stadtverordneten- Vorsteher Herr Dr. Stryck er- öffnet die Sitzung um SZ Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mittheilungen. welche die politischen Zeitungen für den ersten Abdruck sol- cher nach der Schablone geschriebenen oder übersetzten Romane zahlen, ist, wie bereits erwähnt, gering. Die Haupteinnahme rührt von der Gestattung des Nachdrucks an zahlreiche Provinzialblätter her. Ein solcher Roman wird, zumal wenn es eine spannende Kriminalgeschichte ist, wohl fünfzigmal und öfter an verschiedene Zeitungen verkauft. Natürlich sind die Honorare für den Nachdruck außerordent- [ich gering und sie sind in Folge der lebhaften Konkurrenz, welche sich die vielen literarischen Bureaus gegenseitig machen, auf den denkbar niedrigsten Satz gesunken. So niachte, um hier nur ein Beispiel anzuführen, türzlich ein hiesiges literarisches Bureau bekannt, daß es die Romane der„berühmtesten" Autoren zu den nachstehenden Preisen abgehe: z. B.„Die Liebe des Libcrati"(ca. 5000 Zeilen) von Fritz Brentano ftir 3 M., „Des Lebens Räthsel" von W. Grothe für 3 M., eine andere Erzählung von 1000 Zeilen für 1 M. u. s. w. Eine Besserung dieser schwachvollen Verhältnisse ist nicht zu erwarten, so lange es noch Uebersetzerinnen giebt, die ein Abkommen eingehen, wie daS oben erwähnte Frl. v. B. Diese Dame steht in beständiger Verbindung mit einem hiesigen literarischen Bureau. Sie liefert Zahr aus Zahr ein Uebersetzungen meist amerikanischer Romane und sie er- hält, ähnlich wie ihre stickenden und strickenden Schwestern, an jedem Sonnabend ihren Wochenlohn für die während der Woche dem Bureau gelieferte Waare. Als Honorarsatz berechnet der generöse Agent ganze 35, sage und schreibe fünfunddreißig Pfennige für die geschriebene Seite und er achter mit Ärgusaugen darauf, daß die Schriftstellerin nicht zu oft Sätze, wie:„Za, sagte er"—„Nein, meinte sie, bringt, um damit eine Zeile zu füllen. Ich weiß leider nicht genau, ob dieser Biedermann mit jenem anderen ge- schättstüchtigen Agenten identisch ist, der das Honorar der von ihm gekauften Romane nach— Metern berechnet. Snick ftir Stück pro Meter fünf Mark.— Herz was willst du mehr? O welche Lust Poet zu sein! Die Abtheilungen sind zusammengetreten und haben die Wabl von 10 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vor- bcrathung der Vorlage, betreffend den Ankauf des Mosersschen Lobmühlen-Gnlndstücks in der Echlefischenstraße und am Loh- mühlenwege; von 10 Mitgliedern zur Vorberatbung der Vor- läge, betreffend die Festsetzung von neuen Baufluchtlinien für das Grundstück Königgrätzerstraße 12; von 15 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betreffend die Festsetzung einer neuen Baufluchtlinie für die Ostseite des Neuen Marktes, sowie den Ankauf der Grundstücke Neuer Markt 3, 4 5,6 und 7; und von 15 Mitgliedern für den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betreffend den Ankauf der Grund- stücke Andreasstr. 56, Krautstr. 48» und Grüner Weg 95 de- Hufs Erbauung einer Markthalle im Osten der Stadt voll- zogen. Ter Vorsteher theilt der Versammlung das Ableben des Stadtv. Zippel mit, dessen Verdienste er feiert. Die Ver- sammlung ebrt das Andenken des Verstorbenen, der ihr seit 1873 angehört hat, durch ErHeden von den Plätzen. Von der Wittwe des Stadtkämmerers Runge ist ein Dankschreiben eingelaufen. Nach Eintritt in die Tagesordnung werden eine Anzahl Anstellunge- und Pensionirungs-Gefuche geschäftsordnungsmäßig erledigt.» In das Kuratorium der Reichenheim'schen Stiftung werden gewählt die Stadtv. H o r w i tz und Dr. Hermes. Zum Kirchenbau für eine von der Thomas- P a r o ch i e abzuzweigende neue Kirchengemcinde soll die Stadt auf Antrag des Magistrats einen Beittag von 200 000 M. leisten, lieber die Vorlage ist ein Ausschuß einge- setzt, welcher durch seinen Berichterstatter, Stadtv. Rarsten, die Bewilligung dieser Summe„ohne Anerkennung der recht- lichen Verpflichtung" und unter der Bedingung, daß von den kirchenregimentlichen Behörden dieser neuen Gemeinde Pattonats- frciheit gewährt wird, sowie die unentgeltliche llcberlaffung des erforderlichen Terrains auf dem Lausitzer Platz unter Vorbehalt des Eigenthums an Grund und Boden beantragt. Die Ge- meinde soll einen Beittag von 100 000 M. leisten. Der Ausschuß war der Ueberzeugung, daß eine rechtliche Ver- pslichtung der Stadt, die Beihilfe zu leisten, n i ch t e x i st i r e. Stadtv. G ö r ck i: Wer Jahre lang in jener Gegend ge- wohnt hat, weiß, daß die Ansicht, die Thomasgcmcinde sei zu groß und die Kirche zu klein, vollkonimen unrichtig ist. Für uns ist die Rechtsfrage zunächst wichtig. Der Ausschuß ist der Ansicht, daß eine rechtliche Verpflichtung nicht existirc, während der Magistrat in seiner Vorlage eine solche nachzuweisen sucht. Wenn aber eine rechtliche Verpflichtung nicht vorlag, so ist es sonderbar, daß der Ausschuß zu einem Antrage gelangt ist, den er selber als Kompromiß bezeichnet. Kompromisse werden nur zwischen gleichen Machtfaktoren abgeschlossen, die eine unange- nehme Eventualität vermeiden wollen. Wenn es aber über allen Zweifel erhaben ist, daß eine solche unangenehme Eventualität für die Stadt nicht zu befürchten ist, so ist es um so weniger angebracht, heute einen Kompromiß abzuschließen, wo, wie der Ausschuß selber sagt, eine Strömung besteht, die es gefährlich macht, auch nur ein Jota von dem Rechte in dieser Hinsicht aufzugeben, das wir haben. Es kann durch diese Bewilligung ein sehr bedenklicher Präzedenzfall ge- schaffen werden, welcher der Stadt Millionen kosten kann. Deshalb ist ein schwächliches Nachgeben, wie es sich in dem Ausschußantrage ausspricht, durchaus unangebracht. Wie steht es nun mit der Nothwcndigkeit einer neuen Kirche an jener Stelle? Man weist auf die 140000„Seelen" der Thomas- parochie hin. Solange aber der Austritt aus der Landeskirche so umständlich, solange cS die Zeitläufte vielen nicht gestatten, ihre Ansicht offen zu bethätigen, haben diese Zahlen keine Bc- deutuna. Wohl aber hat der Umstand Bedeutung, daß in jener Parochie aller abgeschlossenen Ehen kirchlich nicht ein- gesegnet werden. Man hat in jener Gegend eingesehen, daß die Abmachungen auf dem Standesamt genügen, um eine glückliche Ehe zu führen.(Große Unruhe. Rufe: Oho!) Nun, die glücklichsten Ehen werden in der Kirche überhaupt nicht abgeschlossen.(Unruhe und Heiterkeit.)', jener 140000„Seelen" haben durchaus kein kirchliches Bcdürfniß. Gerade dort, wo die Kirche hinkommen soll, haben von 700 Wählern 650 mir die Stimme gegeben und damit die Uebcreinstimmung ihrer Airfichten mit dewO mcinigcn bekundet.(Unruhe.) Ich glaube, daß Kirchen in der heutigen Zeit sehr gut entbehrt werden können.(Große Unruhe. Glocke des Vorsitzenden.) Von 700 Wählern sind 650 gleich mir der Ansicht, daß man mit der moralischen Vorschrift:„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" ganz gut auskommen kann. Sie sind wie ich der Ansicht, daß keine kirchliche Lehre im Stande ist, auch nur ein Jota an ihren witthschaftlichcn Verhältnissen zu verbessern. (Unruhe und Gelächter.) Wenn man die Meinungen dort hören würde, so würde man merken, daß von einem Bedürfniß dott nichts gefühlt wird. Es soll aber auch zu einseitigen Zwecken die Allgemeinheit in Anspruch genomnien weiden. Die Steuern werden nicht allein von evangelischen Christen aufgc- bracht. Ich glaube nicht, daß die Majorität bereit sein dürfte, eine Beihilfe für einen Synagogenbau zu leisten.(Unruhe.) Nur zu Gunsten der Allgemeinheit dürfen die Gelder der Allgc- meinheit benutzt werden. Mit der wachsenden Aufklärung werden die Kirchen immer weniger benutzt werden und eine Menge solcher Gebäude werden dann leer stehen.(Unruhe und Gelächter.) Wir können die 200 000 M. wahrhaftig zu besseren Zwecken verwenden. Viele von Ihnen sind rn ihrer Jugend für„Trennung der Kirche vom Staat" eingetreten. Wer diese Forderung nickst stellte, war kein„guter Liberaler". Heute ist es Ihnen unangenehm, an solche Dinge erinnert zu werden, heute, wo Sie die Macht in der Kommune in Händen haben. Ter herrschenden kirchlichen Strömung gegenüber wäre es ein großes Verdienst, wenn Sie die Vorlage ablehnen würden. Vorsteher: Zum Wort meldet sich Niemand weiter. (Zahlreiche Bravos auS der Versammlung� Es meldet sich dennoch der Stadtv. Prof. Bellermann (Rufe des Bedauerns). Stadt». Bellermann: Die Schilderung der Verhält- nisse seiner Gegend, die der Herr Vorredner gegeben hat, das offenherzige Brkenntniß seiner Ansichten, das er gegeben hat, machen eS uns zur Pflicht(Bravo!), mehr Kirchen zu bauen, damit auf diese Weise solche Ansichten beseitigt werden.(Leb- Haftes Bravo!) Nachdem der Referent noch bemerkt, daß dadurch, daß der Ausschuß der Meinung sei, eine rechtliche Verpflichtung für die Stadt existire nicht, noch nicht erwiesen sei, daß das Gericht event. denselben Standpunkt theilen würde, nimmt die Ver- sammlung den Ausschuß- Anttag mit großer Majo- rität an. Der Ankauf des Grund st ückS Müller st r. 151 zum Preise von 105 000 M. wird dcbatteloS genehmigt. In betreff der Müllabfuhr beantragen die Stadtv. Spinola und Gen.:„Tie Stadtverordneten Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, mit der Ver- sammlung in gemischter Deputation darüber zu be- rathen, ob die Abfuhr des Mülls und sonstigen Kehrichts aus den Häusern durch die städtische Verwaltung übernommen werden kann." Es erhebt sich eine längere Diskussion, in der von den Gegnern des Anttages darauf hingewiesen wird, daß die Pri- vatunternehmcr die Abfuhr bis jetzt gut besorgt hätten und daß die Ilebernahme durch die Stadt erheblich mehr Kosten verursachen würde, während die Befürworter des Antrages auf die Unzuträglichkeit des bisherigen Modus und auf seine sani- täten Gefahren hinweisen. Der Antrag Spinola wird angenommen. Die Vorlage betr. Anstellung eines Generaldirektors für die Verwaltung der Rieselgüter wird auf Anttag deS Stadt». Langerhans von der Tagesordnung abgesetzt und seine Erötterung für die nicht öffentliche Sitzung bestimmt. Einige Rechnungen werden dem Rechnungsausschuß üb«»' wiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Schluß 7% Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Kokales. Aprilwetter ist der Charakter des diesjährigen TezemberT. Noch einem kurzen Ansatz zum Winter kam Regen mit" grau in grau gefärbter Atmosphäre, und gestern beim ersten Morgengrauen sogar mit dem Regen gemischter prasselnder Hagel, auf den am Tage warmer Sonnenschein folgte. Es ist kaum glaublich, was sich alles von Zeit zu Zeit bei der Postverwaltung ansammelt. So harren jetzt wieder bei der Ober-Postdirektion der Versteigerung zum Besten des Post» armenfonds(falls sich die Eigenthümer bis zum 25. d. M. nicht melden sollten) zahlreiche Gegenstände, welche in Packcten ohne Aufschnft enthalten gewesen bezw. Postsendungen ent« fallen oder bei hiesigen Postanstaltcn herrenlos aufgefunden worden find. Es sind dies: 1 Billet zum Nationalpanorama» 25 Fünfgrammgewichte, 10 Messtngketten, 2 Paar Strümpfe, 16 Hosenknöpfe, 2. Bände, Männerchöre von Koschat(Tenor, 1 Baß und Baß>>), 3 Dutzend Korsetstangen, Zwirn, 2 Patentleuchter, 14 Äickelknöpfe, 3 Hammer ohne Stiel, 1 lederner Handgriff, 2 und 16 Schnüre Perlen, 1 Dutzend Zirkel, 2 Schiffchen zu einer Nähmaschine, 1 Stück Kleiderstoff, 1 Uhrgehänge, 2 Rollen Absatzstifte, 1 Stück Verschnürung für Damenmäntcl, 1 Charnier, 1 Stück Seife, 1 Kleid und 1 Taille, 1 Knäuelhalter von Glas, 1 Medaille, 1 Paar Handmanschcttcn, 1 leinene Decke, 1 Rolle Besatz, 6 Paar vernickelte.Hülsen, 4 Hefte„Conferenz» sali» storia autica", 2 Patent-Taselreiniger, 1 Bund Etiauetten« papier, 1 Korkzieher, 1 Thermometerskaja, 1 kleines Trinkglas» 1 Kapsel mit Stempel, 1 Dtzd. Uhrschlüssel, 8 Meter Band, 1 Wagenbüchse, 1 Haarzopf, 1 Büchse mit Schmiermaterial, 12 Nähmaschinentheile, 1 Notizbuch, 1 Buch„the smnggler ly James", 3 Dtzd. Schraubenstifte, 1 Blechbüchse, 3 Itampen- brcnner, 1 Petschaft, mehrere Vorlegeschlösser, 1 Buch„Geschichte der Landwirthschaft von Dr. Traas", 1 Katalog der kaiserlich russischen Boten-Bibliothek, 1 Buch„Deutsch-französische Grammatik von Otto", 3 Bücher„Fricdrichsroda und seine Umge- bung von Roth",„Oermaine von About" und„la morte", und endlich eine Geldtasche, enthaltend— 10 Pf. Wer sind nua die Eigenthümer? Für die praktische Handhabung der Unfallverstche- rung find soeben aus Anlaß zweier aus Berlin zur Erörterung gekommener Fälle von der obersten Zentralbehörde für die Un- sallversichcrung, dem Reichsversichcrungsamt, wichtige Ent- schließungen getroffen worden. Bei einem Neubau war ein hiesiger Maurer verunglückt und zwar in der Weise, daß er beim Heben eines schweren Gegenstandes einen Netzbruch erlitt, der zwar geheilt wurde, aber die Arbeitsfähigkeit des Mannes nach dem Urtbeil der Berufsgcnosseuschaft um neun Zehntel verminderte. Der Arbeitgeber des Verunglückten bot nach der Wiederherstellung deS Maurers demselben eine leichtere Be» schäftigung an, für welche er seinen früheren Lohn voll«hm- ien sollte. Der Maurer selbst aber hatte sich entschlossen, mn einem kleinen Vermögen seiner Frau einen Handel M etabliren und sich diesem zu widmen und bestand des- halb darauf, daß ihnr neun Zehntel seines jährliche» Durchschnittsverdienstes als laufende Rente gezahlt würden- Da die Berufsgenossenschast unter den obwaltenden Umstände» sich weigerte, diese Zahlung zu leisten, so wendete sich der Ms>� an die vorerwähnte Kontroloehörde und diese wies die Benäb- aenossenschaft zur sofottigen Zahlung an, indem sie das% langen des Bittstellers als durchaus berechtigt«klärte.— y11 einem anderen Falle hatte ein hiesiger Papierhändl«, der ern« sogenannte Kopidruckprcsse zur Herstellung von Visitenkarten und Kouverts, die durch sein Geichäftspersonal ohne wenftk Motoren oder elementare Kräfte in Bewegung gesetzt wurde, r» seinem Geschäftslokal aufgestellt hatte, gegen seine HeranziehrwS zur ilnfallvcrfichcrung seines Personals Einspruch erHoden; st»* Heranziehung war nämlich erfolgt auf Grund d« kürzlich faßten Entschließung, wonach Druckereien sämmtlich als Fabrue» und deshalb auch als versicherungspflichtig zu erachten stren- Das Reichsversicherungsamt erachtete jedoch unt« den ov- waltenden Umständen diesen Bettieb nicht für Versicherung»' pflichtig. � Der orkanartige Sturm, welch« am Mittwoch Aden» plötzlich losbrach, hat in den benachbarten Forsten und»am«»' lich im Grunewald bedeutenden Schaden angerichtet. Vehemenz des plötzlich aufttetcndcn Sturmes war auch ew Öanz ungewöhnliche. Mehr«e B«liner H«ren, welche von dt» Inwctter auf der freien Chaussee in der Nähe von Spandau überrascht wurden, mußten an die nächsten Bäume flüchten un sich an denselben festhalten, um nickt von dem Winde auf da» freie Feld getrieben zu werden. Auf den Eisenbahnstation»' hatte der Telegraph stundenlange Verspätungen der vom West»' kommenden Personenzüge gemeldet, die den nachfragend� Reisenden mitgetbeilt wurden. Nachdem der Orkan sich gelt?» suchten aber die Züge die erlittene Verspätung möglichst»» zualeichen, so daß die Reisenden, wenn sie zu der amtlich» gekündigten Zeit zur Abfahtt sich einfanden, zu spät kain� was mehrfach zu gnßen Unzuträglichkeiten, namentlich auf vc Hamburger Bahnhof in Spandau Veranlassung gab.„ l. Die deutsche Kaffeevisite in französischer Beleucht«»� Die Pariser„Illustration" enthält eine satirische Skizze» deutsche„Kaffeevifite" aus der Fed« von Philippe Daryl, � wir in Nachstehendem zur Erbauuna uns«« Lestrinnen»> zugsweise verössentlichen:„Was in Paris eine Vesper(e?!', tz rn London ein Füns-llhr-Thee ist, heißt in ganz Deutscht Kaffeevisite. Ein Mann kann sich kaum damit brüsten, eckt teutonische Sitte naturgetreu zu beschreiben, de»». Männer sind von der kaffeevistte in unbarmherziger Weise geschloffen, wie von einem Hexcnsabbath auf dem Brocken. � Schilderungen eingeweiht« Tamm kann man sich indeß'> v Begriff von der„Z«cmonie" machen. Warum wnd Vesper Visite genannt? Antwort: Weil sie in der Ss» � lichen Vifitenstunde(!), das ist Nachmittags, stattfindet � Damen in halbseinn Toilette erscheinen, auch wenn f* � eingeladen sind. Warum nimmt man den Kaffee um dm' gewöhnliche Stunde? Ganz einfach, weil der Kaffee, vreiS.«� kannte kleine Schwarze mit Zichorie, einer Deutschen in d«� � in Literquantität, in Tekalit«- oder Hektolit«mengen S» � Zeiten und Stunden willkommen ist, ob sie an Rang, Au« Ansprüchen hoch oder niedrig steht. Sie schwärmt für - ß,0 j„ dk» ans«) Haushälterinnen, �lsstze» Üe deutsche Frau ist ja auch- höchsten Kreisen sowohl wie in den niedrigsten, in«>>« �ik genau so wie unsere(die oder alten Straßenweib«. nur Weib in gewöhnlichem Sinne(fernrne&< abiS<'40BfM# wollen sagen, eine vollkommene Wittbschafterin, eine» � in des Wortes höchst« Bedeutung. Sie setzt ihre Ehre sie ist stolz darauf, die beste Hasenpastete zu machen, v» den des Gatten vorzüglich auszubessern und wundervar M Strümpfe stopfen zu können. Sie ist damit zufrieden» xie sich obendrein noch für das Wund« der SckövfttM. tit keit der Amerikanerin für höchst unpassende Ueberspa' alle drei können ihr nur leid thun, denn sie>1* Mutter, die gute Gattin, sie hat„Gcmrith. 1* mrt dem Talent, Gurken einzulegen. Kein Wund«,» nach alledem den Kaffee närrisch liebt und wenn ihr höchstes Vergnügen eine Kaffeevifite bei ihren Gevatterinnen ist!" Es folgen nun die lächersten Vorbereitungen für die Kaffee- vifite unter anderem die Einladungen an die Generalin <««!) 3-/ an Frau Capitaine-adjutant-major R., an Frau ordentliche Direktorin der Unnützen Dienste. Frau Ehrengcheim- rät hin und Theater-Intendantin zc.— Alles um die deutsche Titelsucht lächerlich zu machen. Die„Frisenseiim"(Vc!) und der Pastetenbäcker weiden geschildett. Die—„Leberwurst" soll dem Kaffecklatsch den Hauptreiz verleihen. Die deutsche Frau ist natürlich unmodern gekleidet. Sie trägt ein Kleid nach einem Pariser Bilde von anno 1863. Der Unterhaltungsstoff wird in 17 Zeilen abgethan. Die deutschen Frauen wiffen von nichts Anderem zu reden, als von einer neuen Sauce für „les Nierenschnitte", sprechen recht viel über„alte Sachen von Goethe und Sckiller", so oft das Gespräch einzuschlafen droht. Tann erzählt man vom neuesten Gemüse, endlich von einem Dberst I., der einer Tabakverkäuferin in der Friedrichstraffe den Hof macht, und vom Baron Z., der in verdächtiger Gesellschaft im Thiergarten gesehen worden ist, kurzum von Dingen, die nur Musterwirthscha'terinnm interesflren können(ce qui int-resse ionjonrs les m. nag res modales). Solche Neuigkeiten bietet Herr Philippe Taryl den Parisem in der „Illustration". Für die Bourgeoisie mag die Schilderung nicht so unzutreffend sein, in anderen Kreisen hat sich der Verfasser wahrscheinlich gar nicht umgesehen. Der Koaksmann ist avanzirt. Er ist unter die Studirten gegangen, er ist sogar Referendar geworden. In seinem neuen Gewände gemahnt nichts mehr an die Vergangenheit, es sei denn, daff er mit dem ersten Froste aufgetaucht ist. Alan er- innett sich, daß unser Koaksmann Deutschland in seiner ganzen Länge und Breite durchzogen hat, überall freundlich aufge- Nammen, bis er schließlich, wie das selbst den liebsten Besuchem zu gehen pflegt, immer weniger Beachtung fand und endlich ganz in Vergessenheit zu gerathen drohte. Das war mit dem Beginne des Frühjahres. Lange war man im Ungewissen, wohin er gerathen, bis er sich jetzt plötzlich aus Dottmund nieldet. Dort hat er die Muffezeit denutzt, sich zu bilden. Und wenn es auch manchem etwas befremdlich vorkommen mag, daß er den Spmng vom Kohlenplatz in die Justizhallen in kaum sechs Monaten gemacht, an der Thatsache selbst ist nicht zu zweifeln. Die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" de- richtet über ihn, indem sie folgende rührsame Unterhaltung registritt: „Mutter, der Referendar ist da— „Sag' ich nu„nein" oder sag' ich„ja"; „Ich Hab' kein Geld— „Er hat kein Geld—" —„„Wenn er nu durch das Examen fällt."" Es ist erfreulich, zu bemerken, daff, wie die Lebensstellung unseres Helden, sich auch der ganze Jntercssenkrcis, in dem er lebt, erweitett Hab Es handelt sich nicht mehr um brennende Kohlen, sondern um brennende Liebe, nicht um eine Sorge des Tages, sondern um eine Frage für das ganze Leben. Diese Liebe wittt besänftigend und verklärend auf Mutter und Tochter. Beim Koaks haben sie sich noch gezankt, wer den Mann bestellt hat, beim Referendar sind sie in ruhige gemeinsame Erwägungen eingetteten, wie es sich ziemt. Wir kennen die junge Dame in Dottmund nicht, aber es nimmt für sie durchaus ein, daff sie die Liebschaft nicht hinter dem Rücken der Mutter angeknüpft hat, wie das ja selbst mit Rc- fcrendaren manchmal vorkommen soll. Der bishenge Verlauf der Sache liegt nach den mageren Andeutungen ganz klar. Er hat sie kennen gelernt, hat sich ihr genähett, er hat die Er- röthendc um ihre Hand gebeten und sie hat ihm, ganz vcr- ständig, gcantwottet:„Sprechen Sic mit meiner Mama." Und nun dringt sie erregt die Nachricht:„Mutter, der Referendar ist da."-- Auch er hat sich uns nicht vorgestellt. Aber es muff angenommen werden, daß er ein Preuße ist, ja daß er wahrscheinlich aus Berlin stanimt. Die Zweifel darüber, ob er ttn Examen durchkommen wird, scheinen sich auf die Kcnntniß Hin er Vorliebe für andere Beschäftigung als just mit denPan- besten zu stützen. Wer will ihm das auch verdenken, wenn er verliebt ist. Jedenfalls aber läßt die Ungewißheit über seine Sicherheit den Schluß zu, daß er— wenn anders die verwun- dcrliche Schilderung jenes Marburger Professors von der Bum- Melei der jungen preußischen Juristen richtig ist— unser engerer Landsmann ist. Hollen wir mit der Dottmunder Maid, miß er durch das Examen kommt. Dann wird sich auch die Frage nach dem Geld, welche die beiden Frauengcmüther jetzt aufregt, von selbst ordnen. Dmn es muß angenommen wer- den, daß er die Karriere fortsetzen will, daß er auf den Assessor losmarschiren wird und in diesem Falle wird glücklicherweise sofort bei seinem Eintritt vom Justizminister der Nacknveis verlangt, daß seine standesgemäße Existenz durch den Vater oder °u' anderem Wege auf eine lange Reihe von Jahren sicherge- stellt ist. Hoffentlich ist mit diesem Hinweis ein Lichtskahl in das jungfräuliche Herz gefallen, denn wenn der Referendar erst selbst über die Sorgen hinweg ist, wird er auch sicherlich für sein Mädchen sorgen können. Wünschen wir ihnen das .-ocste, daß Keller und Küche bei ihnen niemals leer stehen u>ögen, vor allem nicht der Keller für die Vorräthe von „Koaks". _«in recht einträglicher Posten ist die Stellung eines Portiers im Zentral- dotel. Wie ein Berichterstatter mittheilt, dal der Portier Meyer gestern das Union-Hotel in der Jäger- straße für 400 000 M. käuflich erworben. Herr Meyer hatte bereits früher in der Friedrichstraße ein Pariser Kas-> begründet, das ganz nach französischer Art eingerichtet war. Arifferdem ist «err Meyer noch Eigcnthümer mehrerer anderer Häuser m «erlin und es ist sehr die Frage, ob Herr Meyer in fernem Einkommen mit dem Gehalt von insgesammt zwei, vielleicht auch drei preußischen Ministern tauscht. Die vermuthlichen Reichsbankdiebe, welche vor etwa � Jahren in Hamburg bekanntlich 20000 M- gestohlen haben, werden nach dem„Hamb. Korresp." in den nächsten Tagen nun dott eintreffen. Die Verdächtigen, welche sich Button alias Aston und Anderson alias Flint nennen, wurden— wie feiner Zeit gemeldet— in Paris verhaftet und an Deutsch- land ausgeliefert, mußten jedoch zunächst in Metz eine gegen W erkannte Strafe verbüßen, der sie sich bis dahin entzogen , hatten. Nachdem dies nunmehr geschehen, sind jetzt der Ser- Kiant Hansen und drei Offizianten abgereist, um die Ver- dächtigcn nach Hamburg zu holen. , � Pferdeeisenbahnwagen während der Fahrt zu verlassen oder zu besteigen ist unter allen Umstanden, msbeson- vere aber bei der jetzt eingetretenen Witterung ein gewagtes Unternehmen, vor dem gar nicht genug gewarnt werden kann. �>er durch Niederschläge schlüpfrig oder durch Frost glatt ge- wordene Fahidamm erzeugt eine Gefahr des Ausglertens, dessen bekanntlich oft so schwere Folgen Jedermann davon abhalten sollten, sich auf ein solches Wagniß bei den zeitigen W'tterungs- Verhältnissen einzulassen. Man sollte doch meinen, daff d,e ,m Lause der Jahre, namentlich beim Absteigen vom Vorderperron. vorgekommenen schweren Unfälle als warnende Beispiele von selbst schon dringend genug zur Vorsicht mahnen; aber leider Sergen die sich wiederholenden Fälle ernster Verletzungen, daß vfe Gefahr bei einem großen Theile des Publikums noch immer gonzstch anffer Acht gelassen oder doch weit unterschätzt wird. eUste oft siebt man selbst erwachsene weibliche Personen, deren vre Beweglichkeit behindernde Bekleidung diese Gefahr ohnehin Uoil so bedeutend stcigett, oft noch mit Packetcn beladen, im »ahren auf- und absteigen und häusig sogar— man sollte es Vach den vielen schlimmen Erfahrungen kaum noch für möglich - verkehrt vom Wagen herabsteigen, d.h. statt mit dem vcht nach vom, den Pferden zugewendet, den Wagen mit dem Gesichte nach rückwätts gewendet verlassen, eine unbegreif- liehe und unverzeihliche Unvorsichtigkeit, die schon bei der ge- nngsten Bewegung des Wagens fast ausnahmslos zum Falle und bei schnellerer Fahrt zu schweren Verletzungen fühtt. Wer sich vor Schaden bewahren will, der steige auch selbst von still- stehenden Wagen nur m der Fahttrichtung und zwar von der in dieser Richtung rechts gelegenen Perronseite ab und halte sich beim Absteigen mit der linken Hand an einem Stützpunkt nach vorn fest, damit er nicht bei einem zufälligen Anrückm des Wagens das Gleichgewicht verliere und falle. Auch Kin- der, welche die Pferdeeisenbahn zu benutzen haben, sollten von ihren Angehörigen immer wiederholt vor dem Ab- und Auf- steigen im Fahren gewarnt und zur Vorsicht ermahnt werden; wir glauben, daß es viel zur Sicherheit dieser Kinder beitragen würde, wenn sie z. B. im Turnunterricht über das Vcr- halten bei der Benutzung der Pferdeeisenbahn belehtt werden möchten. „Athleten- Frühstück" heißt die neueste Sprachblüthc, welche der Berliner Volkshumor gezeitigt hat.„Geben Sie mir ein Zllhletenfrühstück", ruft der in die kleine Restaumtion oder„Budike" einketende Gast. Man darf sich nun, wie der Name eigentlich vemmthen läßt, keineswegs vorstellen, daff dem Gast auf diese Bestellung hin ein saftiges Filetbeefsteak servirt wird; was da soeben vor ihn hingestellt wird ist ein kleines, aber sehr begehrtes Objekt, welches nur 5 Pfennig kostet und unter den verschiedensten Namen, als:„Maurerkotelette", „Wandkarbonade",„Goldleiste",„alter Mann",„Herkuslende" zc. beliebt und bekannt ist. Es ist der echte, duftige— Sechserkäse. Hierzu genehmigte der betreffende Gast den nicht minder beliebten„Nordhäuser" alias„Nordlicht"„Maison du Nord", „Strand-Madeira" und„Pfcrdebahn-Liqucure" und das Früh- stück schmeckt trotz Hiller und Dressel. Uebrigens ist der Berli- ner nicht der Einzige, welcher dem kleinen Käse ehrende Bei- namen giebt. In Mainz z. B. bestellt man einen„halben Hahn" und der Kellner bringt sofort einen der berühmten Mainzer Handkäse. Das sog. Aufhacken der Kinder auf dahinfahrende Wagen hat gestern wieder einen Unglücksfall herbeigeführt. Der 8 Jahre alte Sohn eines Schnerdcrmeisters W. in der Manteuffelstraße lief gestern Vormittag in der Skaliyerskaße einem Brauenvagen nach und hängte sich mit den Händen an den HWerthcU an. Bei einem Ruck in Folge Auffahrens auf einen auf dem Pflaster liegenden Ziegelstein verlor der Knabe den Halt und fiel so unglücklich auf den Straffendamm, daß er mit gebrochenem Handgelenk liegen blieb. Er wurde zu einem Heilgehilfen gebracht, welcher ihm einen Nothverband an- legte. Eine Zigeunerbande bei Berlin. Aus Fnedrichshagen wird gemeldet: Eine Zigeunerbande, sammt Kmd und Kegel, 120 ungewaschene und ungekämmte Köpfe stark, beglückte dieser Tage die zwischen Köpnick und Friedrichshagen im Wald und am Wasser gelegene Villenkolonie„Hirschgarten" mit ihrem so „lieben und werthen" Besuch. Sie führten 25 und etliche Wagen, von welchen sich einige sogar durch eine gewisse Eleganz aus« zeichneten, und eine doppelt so große Anzahl von mitunter recht hübschen Pferden mit sich. Die Häupter der Bande mit ihren Weibern, bei welchen die verschiedenen Verwandtschaftsgrade gewiß recht bunt durcheinander liefen, schlugen sofort, ohne daß es der Wirth, Herr Sauer, verhindern konnte, ihr Hauptquartier in den eleganten Räumen des Hirschgatten-Restaurants auf und bewährten sich— Geschäft bleibt Geschäft— als„feine Gäste"; denn die Herren Zingari kanken eine ganz stattliche Battene Wein, und zwar von einer Marke, dre nicht von schlechten Eltern war. Draußen aber auf der Chaussee, den Wiesen, zündeten die übrigen braunen Gesellen mächtige Lagerfeuer an und lagerten sich malerisch im bunten Gemisch,— Männer, Weiber und Kinder— um dieselben herum. Die Garderobe der Kinder, darunter schon halbwüchsige Knaben und Mädchen, war die denkbar primitivste und ließ nichts mehr zu crrathen übrig. Als ein Herr aus Friedrichshagen einen Knaben von etma 8 Jahren, welcher thatsächlich nur mit einem Hemdkragen — einem sogenannten Vatermörder— bekleidet war, fragte, ob ihm denn garnicht kalt sei, antwortete dieser:„Nix kalt, aber bitti, bitti, fünf Pfennig auf Zigarli!" Er erfuhr ferner, daß die Bande, aus dem Heveser Komitat stammend, bereits seit 30 Jahren iromadisirend durch„az egesz Europa! Bisrnarck- orszag"(das ganze europäische Bismarck-Land) ziehe und jetzt, nachdem die Bande wieder ihre ursprüngliche Zahl von 120 Köpfen erreicht habe, heimwärts lenke. Die Dummen werden wirklich nicht alle! Am letzten Sonntag war ein junger Ockonomicinspcttor, der zu den, Zwecke nach Berlin gekommen war, um hier seine gefüllte Geldbörse etwas zu erleichtern, nach dem Panoptikum gegangen, um in der Verbrccherkammer Studien zu machen. Hier gesellte sich ein feiner Mann zu ihm, mit dem, da derselbe sich ebenfalls für einen„Stoppelhopfcr" ausgab, bald Freundschaft geschlossen wurde. Beide gingen zunächst in ein Restaurant in der Behren- straße, aßen daselbst zu Mittag, und auf den Vorschlag des neuen Freundes wurde beschlossen, gemeinschaftlich das Char- lottenburger Pferderennen zu besuchen. Sie fuhren mit der Pserdebahn nach Charlottenburg, wurden hier aber bald inne, daß kein Pferderennen stattfand, und nunmehr machte der neue Freund den Vorschlag, ein Äierrestaurant zu besuchen, wo sich eine lustige Gesellschaft vorfand. Hier wurden dem jungen Inspektor in kurzer Zeit beim„Kümmclblättchen" 100 M. abgenommen und dann der Gerupfte seinem Schicksal überlassen. Um eine Erfahrung reicher hat derselbe Berlin sofort verlassen, ohne sich um die Wiedererlangung des Geldes weiter zu lüm- mern oder Anzeige zu machen. Polizeibericht. Am 8. d. M-, Nachmittags, wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Neuen Friedrichstraße erhängt vorgefunden.— Gegen Abend wurde in einem Stallgebäude des Grundstücks Krautstt. 26 ein unbekannter Arbeiter todt vorgefunden. Anscheinend ist derselbe am Herzschlag ge- storbcn. Die Leiche wurde nach dem Leichcnschauhause ge- bracht._ Gerichts-Ieitung. Ein versuchter Selbstmord trug dem Droguenhändler Martini eine Anklage wegen Verkaufs von zu häuslichen Zwecken dienenden Giften an eine unzuverlässige Person ein. Der Tischlerlehrling Max Schulz trug sich im Monat Mai er. mit Selbstmordgedanken. Behufs Ausführung des geplanten Vorhabens holte er in dem Geschäft des Angeklagten für 15 Pf. Salzsäure und erklärte auf Befragen, daß die Säure zum Löthen gebraucht werde. Damit hatte sich der Angeklagte be- gnügt; ohne nach einer Legitimation zu fragen, verabfolgte er vem Eckulz die verlangte Säure, welche dieser alsdann aus- trank. Im Lazaruskrankenhause, wohin der junge Lebensüber- drüsfige gebracht wurde, gelang es, ihn dem Leben zu erhalten und vollständig wiederherzustellen. Der Angeklagte erklärte, den Max Schulz für einen Klempnerlehrling angesehen zu haben, und diesem durfte er sehr wohl Salzsäure verkaufen. Der Gerichtshof war aber anderer Meinung; darnach hätte sich der Angeklagte unter allen Umständen eine Legitimation vor- legen lassen müssen, da er Gifte ohne solche nur an zuver- lässige Personen verkaufen dürfe. Da der Fall aber milde liege, wurde die Strafe nur aus 3 M. eventuell 1 Tag Haft bemessen. f Für den„Heirathsschwindler" scheint es in einer Zeit, wo, wenn dte Statistik nicht lügt, die Anzahl der Ehe- schließungcn von Jahr zu Jahr abnimmt, sehr leicht zu sein, junge, unerfahrene Mädchen zu täuschen, ihnen ihre Ersparnisse abzunehmen und sie dann sitzen zu lassen. Wenn es aber einem verheiratheten Manne, der durchaus kein Adonis, aber Vater von drei Kindern ist, gelingt, eine Frau in den vierziger Jahren, die bereits zwei Männer bekauert hat, zu leichtfinnigen Streichen zu verlocken und ihr weiszumachen, er werde sie in wenigen Wochen an seinen Herd führen, und wenn die glück- l'che Wittwe sich aus ihrem seligen Traum durch keine War- nung, keine Beobachtung, die sie selber macht, reißen läßt und erst zu allerletzt, durch die Gewalt der Umstände gezwungen, einfleht, daß sie betrogen sei— so fehlt der an sich traurigen Geschichte nicht eine kleine Dosis Humor.— Sie hatte ihn in Grünau kennen gelernt. Mit einer unverheiratheten Freundin hatte sie, die lebenslustige Wittwe Amalie Sch., eine Partie dahin unternommen und nun saßen die beiden Frauen an einem grünen Gartcntische, kanken Kaffee und aßen mitge- brachten Kuchen dazu. Die Wittwe sah in ihrem schwarzen Trauerkostüm wirklich allerliebst aus; man hätte ihr Alter auf dreißig Jahre geschätzt, so blühend sah sie aus, so gut waren ihr die zwei Ehen bekommen, die sie hinter sich hatte. Sic war unstreitig hübscher, als ihre Nach- barin, eine zusammengeschrumpfte alte Jungfer, die noch recht jugendlich gekleidet war. Ein einsamer Herr war schon einige Male an dem Tische vorbeigegangen unv hatte die Aufmerk» samkeit der beiden Frauen erregt. Schließlich entschloß er sich, grüßte höflich und fragte, ob noch für ihn ein Plätzchen am Tische frei sei. Es war vorhanden, die Frauen rückten bei Sette und der Herr setzte sich. Er begann ein Gespräch, man unterhielt sich und er stellte sich den Damen vor: Kaufmann Emil Schneider. Herr Schneider zeigte sich von der bestem Seite, er verstand ausgezeichnet zu plaudem und legte ein feines Benehmen an den Tag. Zu verschiedenen Malen schon hatte die Wittwe heimlich nach der rechten Hand der neuen Bekannt« schaft gespäht, aber der verhängnißvolle Goldreifen, den sie selber in zwei Exemplaren trug, war nicht zu sehen. Noch mehr wurde sie durch die beiläufige Bemerkung des Herrn Kaufmann beruhigt, er fühle sich recht einsam in Berlin, da er unverheirathet sei und erst seit kurzer Zeit sich hier aufhalte, wo er ein Geschäft zu erwerben gedenke. Es machte sich wie von selber, daß beim Aufbruch der Herr der Wittwe galant den Arm und seine Begleitung anbot. Neben dem Paare kippelte die alte Jungfer mit süßlichem Ge- ficht, hinter ivelchcm sie nur schlecht einen gewissen Aerger ver- harg. Die Wittwe war menschenfreundlich genug, den emsamen Fremdling in Berlin seiner Verlassenheit zu entreißm. Man traf sich, der Herr wagte die Wittwe in ihrer Wohnung aufzu- suchen und wurde nicht hinaus gewiesen. Sie machte ihn auf die wunderschöne„Einrichtung", die sie von ihrem„Seligen" geerbt, aufmerksam und erkundigte sich bei ihm, ob er nicht ein sicheres Bankinstitut wüßte, das höhere Prozente zahle, als die städtische Sparkasse. Das Glück schien für Herrn Schneider auf der Straffe zu liegen und er griss zu. Sein Heirathsantrag wurde mit einem verschämten Ja beantwortet; die Wittwe war entschlossen, zum dritten Mal ihr Lebensschifflcin mit einem anderen zu verketten. Aber der Neid der Welt schläft nicht. Jene Freundin, die boshafte alte Jungfer, erschien eines Tages bei der Wittwe, that so, als habe sie keine Ahnung, daß jene sich wieder verlobt habe, sprach von allem möglichen und ließ beim Fortgeben wie nebensächlich die Frage fallen, ob die Freundin jene Grünauer Bekanntschaft, jenen Hcrm Schneider, seitdem wieder einmal gesehen habe. Als die Wittme erstaunt mit Ja antwortete, erzählte die Jungfer ganz flüchtig, sie habe den Herrn kürzlich mit einer Dame am Arme und drei Kinder bei sich getroffen. Das war genug für die Wittwe. Augen- blicktich machte sie sich auf und erschien in der Wohnung ihres Verlobten. Herr Schneider that sehr unbefangen: habe er ihr davon noch nichts erzählt, daß er, weil die Wohnung so groß sei, eine Untcrmictherin bei sich aufgenommen habe, eine ältere Frau mit drei Kindern? Daß er mit dieser Frau aber Arm in Ann gegangen sei, wäre eitel Verleumdung. Und wirklich, die Wittwe glaubte dieser plumpen Lüge. Sie glaubte ihr um so mehr, als Herr Schneider, wie um alle Verdächti- gungen zu zerstreuen, fünf Tage lang ununterbrochen bei ihr blieb. Hätte das ein verheirathetcr Mann gekonnt? Die Wittwe schwamm so in Seligkeit, daß ihr selbst die „Geldverlegenheiten" nicht auffielen, in denen der Geliebte sich oft befand und auö denen sie ihn ebenso oft groffmüthig de- freite. Was spielen auch vierhundert Mark, so viel borgte sie ihm nach und nach, für eine Rolle, wenn das Herz einer vierzig- jährigen Wittwe seinen Johannistrieb hat. Inzwischen rückte der Tag immer näher, am welchem Herr Schneider den Gang zum Standesamt mit der Wittwe anzutreten versprochen hatte. Noch kurz vorher lieh er sich von ihr 60 M. zu„nothwendigcn Ausgaben". Und dann blieb er aus. Die Äittwe wartete und wartete und endlich kam ihr das Vcrständniß, daß sie einem Schwindler in die Hände gefallen war. Statt des Ganges zum Standesamt kat sie den Gang zur Polizei an, wo sie eine Denunziation gegen den Kaufmann Emil Schneider wegen„Betruges" ergehen ließ. Rache wollte sie jetzt. Und sie»ward ihr. Das Schössengericht(Ab- theilung 39) verurtheilte gestern den Heirathsschwindler, der sich zum ersten Male übrigens in dieser Hinsicht versucht, aber sofort ein Meisterstück geliefert hatte, zu zwei Monaten Ge- fängniß. Sichtlich bewegt verließ die Wittwe den Gerichts- saal, wo sie sehr erregt Zeugniff abgelegt hatte, degleitet von ihrer Freundin, deren Augen schadenfroh blitzten, wahrend sie die Bekübte zu köstcn schien, die außer um ihr Geld auch noch um das Vergnügen der dritten Ehe gekommen war. Ein Handwerksbursche sah von der Landstraße durch ein geöynetcs Fenster einen gedeckten Tisch mit lockenden Nah- rungsmitteln. Er vermochte der Versuchung nicht zu wider- stehen; er stieg ein, setzte sich bequem zu Tisch und aß sich satt, steckte auch noch eine Wurst in die Tasche, wobei ein silbernes Messer mit hineinglitt. Beim Heraussteigen wurde der Hand- werksburscke ergriffen und sodann unter Anklage gestellt. Die schwierige Frage ist, ob dem H>andwcrksburschen neben dem als Vergehen zu bestrafenden sogenannten Mundraub, der Ent- wcndcmg von Nahrungsmitteln von unbedeutendem Werth zum alsbaldigen Gebrauch, ein einfacher Diebstahl oder ein schwerer Diebstahl nach§ 243 Nr. 2 des Strafgesetzbuchs M Last falle. Das Reichsgericht löstej diese Streitfnge durch Plenarbeschluß vom 7. Juli 1886. Ein schwerer Diebstahl liege vor, wenn eine einheitliche That vorliege; ein einfacher Dieb- stahl sei dann vorhanden, wenn mehrere selbstständigc Thaten begangen seien. Der Spruch klingt einstweilen noch ziemlich geheimnißvoll; er ist dahin zu erklären: Stieg der Handwerks- bursche mit dem Willen ein, überhaupt zu stehlen, dann machte er sich durch das Einsteigen und Stehlen des Messers eines schweren Diebstahls schuldig; faßte er aber erst den Ent- schluß, Sachen zu stehlen, als er bereits eingestiegen war, dann kann ihm nur ein einfacher Diebstahl zur Last gelegt werden. Ostrowo. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde in der Sitzung des Schwurgerichts am 2. Dezember gegen den Müller Mix in Bieganin, Kreis Pleschen, verhandelt; der An- geklagte, ein 70 jähriger Greis, beging im August in Bieganin mit einem Mädchen von 13 Jahren unsittliche Handlungen. Das Mädchen erkrankte in Folge dessen und der Wüstlina be- fürchtete, daß seine Schändlichkeit dadurch ans Licht käme. Um dem vorzubeugen, faßte er den Entschluß, das Kind aus der Welt zu schaffen. Diesen Plan führte er mit voller lieber- le«ssng aus, mdem er die Hütte, in welcher das Kind sich allem befand, m Brand steckte, wodurch das letztere elendiglich umkam. Mix, der seine Verbrechen zum größten Th-il einge- stand, wurde zum Tode verurtheilt. Er nahm das Todcsurtheil m,t Ruhe und Gleichmuth auf; ebenso auch seine Frau und Kurder, welche, wie dem„Pos. Tgbl." mitgctheilt wird, als Hauptbelastungszcugen aufgetreten waren. vermischtes. Sehr unternehmende Dämchen bcberbergt ein Mädchen» penfionat in Frankfurt a. M- In dieser Pflegestätte weiblicher Bildung machte die Vorsteherin die Entdeckung, daß drei ihrer Zöglinge heimlich in Korrespondenz mit jungen Männern stan- den. Es wurden sämmtliche Mädchen zusammengerufen und eine Sitzung abgehalten, in welcher die Vorsteherin das Ver- halten der drei Mädchen„brandmarkte" und vorschlug, aus den übrigen Zöglingen ein Komitee zu wählen, das über das Trei- ben oer Sünderinnen Recht sprechen sollte. Das Komitee wurde auch gewählt und bestand aus fünf der ältesten Schülerinnen, einer Lehrerin und der Oberin. Als am Freitag Abend das Komitee gerade Sitzung hielt, trat eine Pensionärin athemlos in das Zimmer und rief, man solle rasch kommen, die drei An- geklagten hätten sich in ein Zimmer des Parterre eingeschlossen und erklärt, sie würden sich ums Leben bringen. Alles eilte in das Parterre, man belagerte das verschlossene Zimmer; doch machten die Insassen trotz wiederholter Bitten nicht auf. Um die Thür zn sprengen, dazu waren keine Kräfte vorhanden; man schickte deshalb in der Nachbarschaft herum nach Männern. Es dauerte auch nicht lange, so erschienen einige kräftige Burschen, welche gewaltsam die Thür eindrückten. Die Ein- tretenden wurden jedoch an der Thür zurückgehalten; denn einS der drei Mädchen hielt einen Revolver in der Hand, mit dem es jeden niederzuschießen drohte, der es wagen würde, weiter vorzudringen. Einer der Burschen ließ sich jedoch nicht ein- schüchtern; er sprang auf das Mädchen zu und entriß ihm die Waffe. Nachforschungen ergaben, daß die Mädchen weitere Waffen nicht besaßen; man ließ sie deshalb vorläufig unbe- lästigt. Als man später nach ihnen sah, waren sie sämmtlich verschwunden. Sie hatten die Flucht durch die Fenster des im Parterre gelegenen Zimmers genommen. Wohin sie sich ge- wandt, konnte nicht ermittelt werden. Aberglaube. Unter den fiebenbürger Rumänen herrscht seit jeher die Manie des Schatzgrabens. Die Volkssage weiß gar vieles zu erzählen von unterirdisch verborgenen Schätzen, die aus den Zeiten des römischen Kaisers Trajan oder des Perserkönigs Darius stammen, und sehr häufig ereignete es sich, daß Leute aus der bäuerlichen Bevölkerung ihre Arbeit ver- nachlässigen und mit Krampe und Schaufel unverdrossen nach den im Schooße der Mutter Erde verborgenen Schätzen suchen. Erst dieser Tage ereignete sich wieder ein Fall, der es eklatant beweist, daß die braven Landleute dort noch immer steif und fest an das Vorhandensein der sagenhaften Schätze glauben. In das Klauscnburger Komitatshaus kam eine rumänische Bäuerin aus Hideg-Szamos und suchte bei der gestrengen Obergespanschaft ganz ergebenst um die Bewilligung an, in Hideg-Szamos— nach dem Schatz des Darius graben zu dürfen. Ein Zauberkünstler habe ihr gesagt, daß in einer Tiefe, genau so tief, wie der Klausenburger Kirchthunn hoch sei, ein unermeßlicher Schatz liege. Stufen führen hinab in das Fnnere der Erde, tief, tief hinab bis zu einer eisernen Thür. Ein Schlag mit einer.,5zauerschläge", die vorher in geweihtes Wasser ge- taucht werden müsse, genüge, auf daß die Thür angelweit auf- springe. Hat sich der Schrein geöffnet, so gelangt man in ein steinernes Gewölbe mit zwölf Thüren. Um eine Wand hängen dort zwölf goldene Schlüssel, deren jeder eine der Thüren öffnet, hinter welcher sich je eine Schatzkammer befindet, bis an die Decke gefüllt mit Gold und Edelsteinen. Doch nur drei Menschen— so habe der Zauberkünstler gesagt— dürfen zu gleicher Zeit graben; er, der Uneigennützige, gräbt nicht mrt, denn er hat verzichtet auf alle irdischen Güter..... Die gestrenge Obergespanschaft versuchte es zwar, der Bäuerin den Unsinn auszureden, jedoch ohne Erfolg, denn sie hat sich ohne „amtliche Bewilligung" drei Männer gedungen, welche nun in Hideg-Szamos emsig darauf losgraben, um die zwölf goldenen Schlüssel und mit deren Hilfe den Schatz zu heben. Neue Oel- und Gasquellen sind in jüngster Zeit im Staate Ohio, Nordamerika, erbohrt worden, die eine reiche Ausbeute an Petroleum und Naturgas liefern. Die Gesteins- bildung, der sie eirtspringen, liegt in der Gegend von Einem- nati, 500 Fuß unter der Oberfläche, dagegen 1100 bis 1200 Fuß tief bei Toledo, wo man in einer Tiefe von 800 Fuß unter dem Meeresspiegel auf Oel gestoßen ist. Als Mittelpunkte der aus jenen Entdeckungen entsprungenen neuen Industrie haben zunächst die Ortschaften Lima und Findloy zu gelten; das erstere Operationsgebiet liefert mehr Oel als Gas, von letzterem ist das Gegentheil zu melden. In seiner jetzigen Gestalt de- deckt Limas Oelfeld eine Fläche von drei englischen Meilen Länge bei einer Breite von acht Meilen, während an dem 1. Oktober daselbst mehr als 1000 Brunnen im Gange waren, welche täglich 5270 Barrels lieferten. Im Laufe des verflösse- nen Monats bohrte nian jedoch 29 neue Brunnen, deren täg- liches Erträgniß sich auf über 2300 Varrels stellt, so daß die Aufregung, welche der Leute in der Umgegend sich bemächtigt hat, sehr wohl begreiflich ist. Die Ausbeutung ge- schieht durch 15„Aktiengesellschaften". Den Landeigenthümern zahlt man für das Oelrccht auf ihrem Bcfitzthum eine Abgabe zum Betrage von'« bis', des Bruttoerträgnisses, wozu in einzelnen Ausnahmefällen noch eine Baaranzahlung von 1000 Dollars für den guten Willen kommt. Man kennt einen aller- Vings außerordentlich vom„Glück" begünstigten Farmer, der aus seinen Oelabgaben bereits die Summe von 500 Dollars im Monat einsackt. Das bis jetzt angebohrte Gasfeld in der Nähe von Findlay hat eine Länge von 26 englischen Meilen bei einer Breite von etwa 16 Meilen. Von den dort in Betrieb gesetzten 27 Brunnen haben nur zwei den auf sie gesetzten Er-- Wartungen nicht entsprochen, während die ausgiebigsten täglich 13 Millionen Kubikfuß Naturgas ausstoßen, andere aber 10 Millionen und der Rest einen geringeren Tagesdurchschnitt «gehen. Das Naturgas hat nicht nur alles Leuchtgas, sondern auch die anderen Brennstoffe für häusliche und industrielle Heizungszwecke völlig verdrängt. Da- bei befindet sich zur Kontrole des Verbrauchs kein einzig« Met« im Ort, die Leute brennen vielmehr viel od« wenig nach Belieben und zahlen 1 Dollar(4 M.) monatlich für Bedienung des Kochherdes, 6 M. für Zimmerheizung, 8 M. für offenes Kaminfeu« und etwa 30 Cents oder 1,20 M. für Beleuchtung des ganzen Hauses. Obgleich die angegebenen Preise nun eine Ersparniß von nahezu Dreivierteln des früheren Kostenpunktes bedeuten sollen, so organifirt man in Findlay trotzdem schon eine Bewegung gegen die monopolistische Aus- beutung; und die Bewegung kann nicht fehlschlagen, denn jed« Hausvat« in Findlay könnte, wenn« wollte, hinten in seinem Hofe zum Preise von 1500 Dollars sich eine eigene Quelle bohren lassen und eine Konkurrenz-Gasanstalt ins Leben rufen. In d« That besitzt jede größere Fabrik in jen« Gegend schon heutigen Tages ihre eigenen Gasquellen, welche nebenbei auch die nöthige Triebkraft zur Verfügung stellm; und so ist es gar kein Wund«, daß neue industrielle Anlagen in rasch« Auf- einanderfolge«blühen, wo Land noch zu verhältnißmäßig billigem Preise zu haben ist. Einige Brunnen liefern sowohl Gas wie Oel. Hypnotische Produktionen. AuS Nürnb«g vom 3. d. M. wird d«„N. Fr. Pt." geschrieben: Wien wird sich wohl noch des hypnotischen„Rummels" entsinnen, d« dort vor etwa sieben Jahren bei d« Anwesenheit des dänischen Hypnotiseurs Hansen herrschte. Hi« ist gegenwärtig etwas Aehnliches auf d« Tagesordnung. Seit etwa drei Wochen veranstaltet hier ein Herr Theo Böllert aus Heidelb«g stark besuchte öffentliche Sitzungen, in welchen er die Wirkungen des sogenannten .thicrischen Magnetismus" zur Anschauung bringt. Böllert, d« früh« tzarfmvirwos und Theat«- Direktor war, will seine Kunst von Hansen selbst erlernt haben, an dessen sein«zeitiger Rundreise durch Teutschland und Oesterreich er Theil nahm. Er versäumte nicht, kurz nach Beginn seiner hiesigen Produk- tionen auch vor einem fachmännisch- ärztlichen Kreise zu experi- mentiren, um denselben zu überzeugen, daß seine Versuche nicht auf Schwindel beruhten, sondern sich auf die seit- samen Wirkungen der„Hypnose" gründen. Aehnlich wie Hansen, veranlaßt« auch Böllert� seine Versuchspersonen, im hypnotischen Zustande rohe Kartoffeln, rohe Salatblätter, ja selbst Stücke von Stearinkerzen— an Stelle von Krapfen, Artischocken, Marzipan— zu essen; mehrfach ließ er auch die von ihm in kataleptischen Zustand versetzten P«sonen mit Stecknadeln durch Hand, Wange:c. stechen od« mit Nägeln förm- lich„annageln", ohne daß die derart Mißhandelten Schmcrzens- äußerungen von sich gaben oder sich, auch selbst nach crfolatem „Aufwecken", überhaupt eines Schm«zes bewußt waren. Nach- dem nun Böllert wohl ein Dutzend öffentlich« Sitzungen ver- anstaltet, rührte sich plötzlich�die ärztliche Opposition. Mehrere Doktorm der Medizin veröffentlichen in den Zeitungen mit Hinweis auf die Gefahren des tzypnotistrens für das Nerven- system, auf die Möglichkeit von Blutvergiftungen bei den Durchstechungsversuchen und auf die Nachtheiligkeit des Verzehrens unverdaulicher Stoffe Warnungen vor dem ferneren Besuch der Böllert'schen Vorträge. Die Wir- kung dieser Warnungen war, wie sich leicht be- greifen läßt, ein erhöhter Andrang zu den Böllert'schen Sitzungen, zumal Böllert die ärztlichen Angriffe nicht unbeant- wortet ließ. Die Aerzte haben indessen weitere Schritte bei den Behörden der Stadt gethan, welche nicht ohne Wirkung geblieben sind. Böllert wurde zunächst bedeutet, die Experi- mcnte mit den rohen Kartoffeln und Stearinkerzen, sowie die Durchstechungen zu unt«lassen, und in der heutigen Magistrats- fitzung wurde der weitere Beschluß gefaßt, von Böllert(der in einer hiesigen Wirthschast einen jungen Mann wid« dessen Willen hypnotisirt haben soll) die Vorlage eines Wandnge- wcrdescheins und einer ortspolizcilichcn Erlaubniß zu vcrlanaen, bis dahin aber die Produktionen zu verbieten und diesen Be- schluß sowohl den Magistraten und Bezirksämtern d« Um- gegend als auch in München mitzutheilen. Den„Wunder- mann" Böllert(der tagtäglich in seinem Hotel von Leidenden aller Art aufgesucht wird) dürfte dieser Beschluß nicht sehr ge- niren; er hat hi« ein gutes Stück Geld eingenommen und würde wohl ohnehin bald sein Bündel geschnürt haben. West' Brot ich esse, deß' Lob ich finge, auf dieses vom Gelsenkirchener Landrath in den amtlichen Sprachschatz aufgc- nommene geflügelte Wort hat einmal unser berühmt« Statistik« Dr. Engel eine treffende Antwort ertheilt. Der Minist« Graf Fritz Eulenburg hielt ihm vor, daß«„Königs Brot esse" und dabei liberal wähle.„Exzellenz," erwiderte der selbstbewußte Mann,„ich dachte immer, ich äße mein Brot, welches ich mir mit schwerer Arbeit verdiene." Engel arbeitete in d« That rastlos, und noch Nachts sah man sein Arbeitszimmer erleuchtet. Graf Eulenburg war fortan böse und lud ihn nie mehr zu seinen offiziellen Festen ein. Desinfektion bei Diphtheritis. Die„Pharm. Ztg." schreibt:„Wie in einem am 20. November gehaltenen Vortrage des Hannoverschen Gesundheitspflegevereins in Ucbereinstimmung mit den anderwärts gemachten Erfahrungen konstatirt wurde, tödtet die vielfach angewandte dreiprozentigc Karbolsäure die in Stoffen verborgenen Bakterien nicht, hindert noch nicht einmal ihre Keimfähigkeit; fünfprozentige Karbolsäure tödtet«st nach 24stündig« Einwirkung und eine stärkere ist nickt anzuwenden, weil sie auch die Stoffe zerstört. Schweflige Säure schwächt nur die Keimfähigkeit, die ab« sofort wieder eintritt, wenn die Mikrobien in andere, nicht dcsinfizirte Räume übertragen werden. Chlor zerstört die Mikrobien in angefeuchteten Stoffen, nickt in trockenen, muß ab« in ein« Stärke angewendet w«den, in welcher dasselbe nachtheilig auf die Arhmungsorgane wirkt. Brom ist ein gutes Des- infektionsmittel, hat aber einen zu hohen Preis, um allgemein angewendet werden zu können. Das Sublimat zerstört wohl den Ansteckungsstoff in der Lust und auf der Oberfläche der Körper, nicht ab« den in Stoffen, Möbeln u. s. w. verborgenen. Trockene Hitze hat sich auch als ein gutes Desinfektionsmittel «wiesen, jedoch muß dieselbe bis zu einem Grade gesteigert werden, bei welchem viele d« zu desinsizirendcn Gegenstände stark beschädigt werden. Tagegen verändem heiße, bis auf 1000 Grad gebrachte Wasserdämpfe die Stoffe nur un- wesentlich, und dock tödten sie in kurzer Zeit die Mikrobien selbst in Betten, Polstermöbeln und dergleichen Gegen- ständen, in welchen sie vor anderen Desinfektions- Mitteln geschützt sind.— Wie ebenfalls auf der Breslau« V«sammlung des Vereins für öffentliche Gesund- heitspflege konstatirt wurde, ist überhitzt« Wasserdampf das einzige, wirklich wirksame und zuverlässige Desinfektionsmittel, namentlich für Betten und Möbelstoffe der Krankenstuben, aber zugleich ein Mittel, welches nicht wie die chemischen Agcntien m den Apotheken und Troguenhandlungen zu haben ist, son- d«n nur vermittelst besonderer Desinfektionsapparate, die den Privaten nicht zu Gebote stehen, angewandt werden kann. Aufgabe der Medizinalpolizei wird es daher sein, gegenüb« dem Umsichgreifen der Scharlach- und Diphtheritisepidemien die Aufstellung von Desinfekttonsapparaten zur Des- infestion mit erhitztem Wasserdampf in jed« größ«cn Gemeinde auf Äenieindekosten anzuordnen und die Be- Nutzung derselben jedem Genieindemitgliede nicht nur unent- geltlich zu gestatten, sondern unter Umständen sogar obliga« torisch zu machen. Dadurch würden zahlreiche Krankheitsh«de vernichtet und somit der Menschheit große Dienste geleistet w«- den. Die Nürnberg« Gemeindevertretung ist gegenüber d« dort herrschenden Diphtherie bereits in dies« Richtung vorge- gangen, indem sie beschlossen hat, den dort vorhandenen, ge- mcindlicken großen Desinfettionsapparat den Privaten billigst, wenn erforderlich auch unentgeltlich, zur Verfügung zu stellen, sowie einige klein«e, billig«? Desinfektions-Apparate anzu- schaffen, auch eine Desinfektionskolonne durch Ucberweisuna hinzu geeigneter Persönlichkeiten zu bilden. Vor dem Gebrauch unwirksam« Desinfektionsmittel, wie Karbolsäure, Chlorkalk jc. sollte direkt gewarnt werden." Zur Auswanderungsstatistik. Nach den Zahlen, welche das kaisnliche Statisttsche Amt für den Monat Oktob« über die Auswanderung Deutscher üb« See veröffentlicht, find über die deutschen und niednländischen Häfen und üb« Antwerpen zusammen 9107 deutsche Auswanderer befördert worden, gegen 9004 Personen im entsprechenden Monat des Vorjahres. Folgen einer unglücklichen Operation. Am 23. Novbr. «schoß sich in St. Petersburg d« Professor an d« medizinisch- chirurgischen Akademie und Leiter der chirurgischen Klinik, Dr. med. S. P. Kolonmin. Wie man berichtet, hat d« Pro- fessor vor einigen Tagen eine Dame auf d«en dringendes Ver- langen operirt. Obgleich die Op«ation vollkommen regelrecht ausgeführt war, starb die Patientin doch nach drei Stunden. Das machte einen tieferschütternden Eindruck auf Kolomnin. Er erklärte,« habe den Tod d« Dame verschuldet, und war trotz d« gegentheiligen V«fichemngen seiner Kollegen untröst- lich. Er behauplete,« hätte die Operation nicht ausführen sollen, und sprach die Absicht aus, die Akademie zu v«laffen, weil« nach einem so groben Versehen kein Zutraum mehr beanspruchen dürfe. Ten Gründen sein« Kollegen gegenüb« hatte er stets nur die Antwort:„Ich habe ein Gewissen und bin selbst Richt« üb« mich." D« unglückliche Fall selbst war durch Kokain verschuldet. Professor Kolomnin wollte dessen Wirkung bei dies« Op«ation erproben und mußte die Patten- tin an ein« Kokain-V«giftung st«ben sehen, trotzdem er nur eine mittlere Gabe dieses gefährlichen Mittels angewendet und vor der Op«ation erklärt hatte, daß französische Aerzte die doppelte Menge Kokain gäben. Da in Rußland nur reine f räoarate zugelassen werden, war die Dosis, welche Professor olomnin unter Berufung auf französische Berichte der Kranken einspritzen ließ, offenbar zu groß und führte deren Tod herbei. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtische« Verkaufs-Vermittler, B«lin, den 9. Dezember 1886. Geflügel. Die Geflügelaustionen findend« Händlern und Rcstauratcurcn größere Aufnahme. Gänse unt« dem Halse geschnitten, vollständig gerupft, Flügel und Füße auf den Rücken gebunven, nicht gebrüht und nicht gesengt, 8—10 Pfd. schwere 47-54 Pf., über 10-15 Pfd. 55-62 Pf., Fettgänse üb« 15 Pfd. schwer sehr rar und gut bezahlt 63 Pf. und mehr per Pfd. Enten, Puten und Hühner sollen am Halse geschnitten sein. Ter Kopf, die Flügel und Schwanzfedem werden nicht abaenom- men- Junge Enten 1,50—2,50, fette Enten 50—65 Pf. per Pfund, über 10 Pfund schwere fette Puten 70—80 Pf. per Pfd., Hühn« 0,55 bis 0,80 und 1,20—1,70 M, Tauben 30 bis 40 Pf., Poularden 4,50—8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Lebende Gänse zum Mästen 2,00—3,00 M, lebende Enten 0,90—1,50 M. Auktion täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags. Wild. Die Jagdbeute der letzten königlichen Hofjagd im Grunewald kommt im Bogen 4 sukzessive zur Ver- steigerung. Auch anderweitige Zufuhren vermehrten sehr den Bestand, ohne auf die Preise merklich einzuwirken. Auß« Schnepfen ist Wiidflügel knapp. Im Handel dürfen Reb- hühn« noch bis zum 14. geführt werden. Es wurden folgende Preise bezahlt: Hasen nur bei sehr kalt« Witterung mit Kaldaune zu versenden, sonst stets ausgeworfen, ohne bc- sondere Verpackung, auf Stangen von 10 Stück 3,70—4,00 pr. Stück, sehr kleine und sehr fehlerhafte entsprechend wenig«. Kaninchen, ausgeweidet 45—55—60 Pf. per Stück. Rehe ausgeweidet 1» 60— 70 Pf., I a sehr starke und fehlerhafte 55 bis 60 Pf. pr. Pfund. Rothhirsche,'» 38-44, l a 36-40, Tanimwild 1 45 bis 70, 1 a 34 bis 45 Pf. per Pfund. Wild» schwein 40 bis 56, kleine 55 bis 75 Pf. pr. Pfund. Rebhühner, junge 1,30—1,60, alte 90—110 Pf., Fasanen» Hennen 2,50 bis 3,00, Fasanenhähne 3,50 bis 4,00 M-, Krametsvögel 32—36 Pf. per Stück. Schnepfen 1,40—2,50, Bekassinen 40—75 Pf. pr. Stück. Tie Wildauktionen werden täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags abgehalten. Fleisch. Nach Erttchtung der Fleischschau in der Narst- Halle wird es möglich, den Verkauf von geschlachtetem Vieh hi« zu vermitteln. Den Interessenten gebe ich gern jede nähne Auskunft. T« Fleischkommissionehandel in uns«« Markthalle dürfte für viele Landwirtbe und Schlächter von weitttagend« Bedeutung sein. Vorläufig sind unverlangte Fleischsendungcn nicht anzurathen. Obst und Gemüse. Größere Zufuhren sehr erwünscht- Die Preise steigend. Bimen 10—20 M., feinste Sorten 20-40 M, Aepfel 6,00-9,00 M., Tafeläpfel 10-20 M-, feinste Sorten 20—36 M, Wallnüsse 20—30 M, geringe 12—15 M. pr. Ztr. Apfelsinen, Valencia 25—28 M, Lissabon 15—16 M., Zitronen, Malaga 24—25 M. Böhmische Back» flaumen 10—13 M. Weißfleischige Speisekartoffeln 3,00—3,60, rothe 2,80—3,00, blaue 2,80-3,20 p« 100 Ko., groß Sellerie 7-10 M. kW 3—7 Ä-, Mc errettig 7—12 M, Zwiebeln 4,50—6—8 M, Blumenkohl 30-40 M. pr. 100 Stück, Kohlrüben 1,50—2,00 M* p« Zentner. Pflanzen. Tie Zufuhr an Rosenstämmcn ist mäßig, es ist rathsam, den Bedarf vor Eintritt der Kälte zu decken. T>e Preise sind sehr niedrig. Rosen-Hochstämme 35—55, niedrig» veredelte 15—20 M. pr. 100 Stück, Primeln 13—15 M Ip 100 Stück. Auktion jeden Dienstag und Freitag um 10 Ist* Vormittags. Geräucherte und marinirte Fische. Engros-Auktion W™ um 5 Uhr Nachmittags im Bogen 4. Regelmäßige Zufuhr«' erwünscht. Preise waren weichend. Brathennge ver Faß 1,=" bis 2,25 M. Russische Sardinen 1,50—1,60 M Rheinlackb 2,50-2,90, Weser- und OssscelachS 1,20-1,60, Flundern, kleine 2,50-5,00 M, mittel 7,50-16 M, große 18-27 Bücklinge 2,10— 6,00 M. per 100 Stück. Sprotten 60— 80 ptt Kiste, 15—25 Pf. per Pfd. Kiel« Sprotten 25 bis 35 Pi- per Pfund. Rauchaal mittel 1 M. p« Pfd. Fische. Heckte 30—40 M. per Ztr. Karpfen 35—64 bis 55-75 M. v« Ztr. Ei« 3,30 M. pr. Schock. Butter. Ia. Butter wenig zugeführt, ll». Qualität in größeren Posten vorhanden. Frische feinste Tafelbutter«. 120-125, feine Tafelbutter I. 110-118, ll. 95-108 M» l». fehlerhafte 85 bis 90. Landbutt« 1. 90-96,". 80 b* 85 M. Galizische und andere geringste Sorten 55—72 M pr. 50 Ko.•.. Käse. Emmenthal« 70—75, Schweiz« I. 56—63, N. 50—55, III. 42-48, Quadrat-Backstein l fett 20-25, U. 12-18 M» Limburg« I. 28-32,». 18-22, Rheinisch« Holland« 45—58 M., echt« Holländer 60—65 M, Ed am« I. 60—70, ll. 56-58 M. (■ K riefkalten der Redaktion. Drei Wettende, Bülowstr. 40. 2 35 ist richtig. E. H., Prinzenstr. Bevollmächtigen Sie einen dortig«! Rechtsanwalt, die Publikation des Testamentes entgegen 3» nehmen und die Ertheilung um Ausfertigung für Sie zu ve» antragen. Wenn die St«beurkunden Ihrer Eltern vorliegen und Sie angeben, nicht im Befitze des Rekognitionsschewe» zu sein, so muß die Publikation erfolgen. D« Rechtsanwalt hätte ca. 15 M. zu beanspruchen, wenn d« Nachlaß gW" 3000 M. beträgt. Theilen Sic die vermuthliche Höhe des Ob» jettes dem Rechtsanwalt mit. W. P. Waideweg. D« Bat« ist im Allgemeinen nitb» verpflichtet, für die von seinem unter väterlich« Gewalt stehen den Sohne gemachten Schulden aufzukommen. Wenn ab« o« Sohn, der auß«halb des väterlichen Hauses lebt, Sachen ov« Gewer für feine nothwendigsten Bedürfnisse entnommen h?'' od« wenn der Sohn keine Gelegenheit gehabt hat, das nötchg vom Bat« selbst zu erhalten, so muß d« Bat« bezahün- Selbstv«ständlich auch dann, wenn« dem Sohn den AM trag erlheilt, sich die Sachen, zum Beispiel Kleidungsstücke, an» zuschaffen.. Norden 1. 1. Wer von dem Landgericht verklagt ist,"mv sich, falls er üb«haupt Einwendungen erheben und Antra». stellen will, durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen. Ersaff' er allein ohne Anwalt, so kann Versäumnißurtheil gegen m «gehen. 2.§ 251 ALR. Th. Ii, Tit. n lautet:„Auch n°» aufgehobener väterlich« Gewatt sind Kind« und Ettern«nano wechselseitig zu unterstützen, und Eins das And«e, wenn. sich nicht scwst ernähren kann, mit Unterhalt zu versehen fch dig." 3. Eine Wittwe, die mehrere Kind« hat, kann nur da eines dersechen wegen Alimenten verklagen, wenn sie nackwe> daß und weshalb die and«en zu ihr« Unterstützung nickt v pflichtet od« im Stande find. Eine gesetzliche Vorschnft, groß des Einkommen eines Arbeites sein muß, damit d«w seine Mutter zu untestützen im Stande ist,«istirt nickt- ffv.z wird ab« b« einem vnheiratheten Arbeit« ein wöckeN""» Einkommen von mindestens 20 M. erfordern. s Ä Ä,"Ä pünktlich erhalten, so wollen Sie sich dieserhach bei d«+ beschw erden.__ � Verantwortlich für dm polttischm Theil und Soziales Max Schidpel, für V«eine und Bmammlungm F. Tusauer. für den übrigen Theil der Zeitung St. Crouheim. sämmtlich in BerN» v Druck und Verlag von Max Badwg m V«lin SV., Beuthstraße 2. ..