Nr. 293. Mittwoch, de« 15. Dezember 1886 B. Jahrs SMnVMM. Brgan für die Interessen der Arbeiter. Eine gerichtliche Freisprechung von acht Angeklagten, unter denen auch der Reichstags- abgeordnete Meister sich befand, ist geeignet, auch den wei- testen Kreisen bekannt gegeben zu werden. Der Thatbestand ist folgender: Die Mitgliedschaft des Unterstützungsvereins der beut fcheti Tabakarbeiter zu Hannover wurde im verflossenen Sommer verboten auf Grund einer Verordnung vom Jahre 1847, als im Königreich Hannover die finsterste Reaktion herrschte. Diese Verordnung bestimmt, daß Versicherungs- Gesellschaften zu ihrer Errichtung die Genehmigung des Ministeriums vorher einholen müssen. Der Unterstützungs- verein deutscher Tabakarbeiter wurde für eine Versicherungs gesellschaft angesehen. Bald nach dem Verbot traten acht Zigarrenarbciter in Hannover zusammen und gründeten einen neuen Verein. Gegen diesen Verein und gegen die Mit- alieder desselben erhob nun die Staatsanwalt schuft die doppelte Anklage, eine nicht genehmigte Ver- sicherungSgesellschaft und ein politischer Verein zu sein, der mit anderen gleichartigen Vereinen in Verbindung getreten sei. DaS Amtsgericht zu Hannover konnte der Anschauung des Staatsanwalts nicht beitreten und sprach die Angeklag- ten frei. Die darauf erfolgte Bemfung des Staatsanwalts wurde vom Landgericht zu Hannover verworfen unter ein- gehender Begründung. Die Verordnung der hannoverschen Regierung vom Jahre 1847 sei außer Acht zu lassen, weil die Staatsanwaltschaft die Anklage, gestützt auf diese Ver- ordnung, selbst fallen gelassen habe. Die Mitgliedschaft des UnterstützungSvereinS der deutschen Tabakarbeiter m Hannover könne aber nicht als ein politischer Perein angesehen werden, da bei genauester Prü- fung der Statuten dieses Vereins sich nicht der leiseste Anlaß gefunden habe, woraus sich ein Beweis ergab, daß genannter Verein politische Zwecke verfolge. Gelegentliche politische Aeußerungen einzelner Mitglieder des Vereins könnten nicht maßgebend für die Be- Uttheilung des Vereins selbst sein, ver im Uebrigen ledig- lich die Tendenz gegenseitiger Unterstützung bekunde. Die Staatsanwaltschaft war aber mit diesem Entscheid immer noch nicht zufrieden und meldete beim Oberlandes- gericht zu Celle Revision an. Doch auch diese ist nunmehr verworfen worden, indem sich das Oberlandesgericht, welches in der vorliegenden Frage die letzte Znstanz bildet, den sämmtlichen Gründen deß Landgerichts zu Hannover an- schloß. Nach diesem Spruche athmen die gewerkschaftlichen Ileuill'eton. Bcrtatok]-[9 Die Verführerin. Novelle von D. Colonius. „Marie!" sagte diese mit vor Wehmuth und Rührung zitternder Stimme,„Marie, meine Gute, hast Du jemals geliebt? Ja, Du erzähltest mir manchmal davon, gestandest vlir aber, daß Du mich. Dein Pflegekind, noch weit mehr siebst, als Du je einen Mann hättest lieben können; wenn 'ch nun heute oder morgen zu Dir spräche: Vergiß mich vnd geh' fort von mir! Könntest Du mir gehorchen i Gewiß nicht, Du würdest Dich schlagen lassen und bei mir bleiben.— Unsere Charaktere sind nicht gleich, die Bedürf- siisse unserer Herzen sind verschieden. So wie Du mich siehst_ nein, noch weit heißer und glühender liebe ich shn! Wie kannst Du verlangen, daß ich ihn vergesse? lassen kann ich ihn, und ich hasse ihn in eben dem Maße, ich ihn liebe; ich hasse ihn, so wie ich mein eigenes Gefühl hasse, das mich mit unwiderstehlicher Gewalt zu ihm jM*; ich hasse ihn so, daß ich ihn tödten könnte— und °och würde ich wahnsinnig vor Schmerz, wenn ich ihn krank °der leidend wüßte, und würde mir das Leben nehmen, v>enn dem seinigen Gefahr drohte. Geh', Marie, Du kannst snich nicht verstehen, weil ich Dir nicht erzählen kann, was � mir vorgeht." „„Und glaubst Du wirklich. Adele, daß dieses letzte verzweifelte Mittel ihn für die Dauer an Dich fesseln könnte, rvust Du ihn zwingen können, Dich zu lieben?" er wird «eben." s ist ein kalter, aber tm_ Grunde sehr edler Mensch� die Mutter seines Kindes, und dann mich selbst wenn er erfährt, daß Du ihn hintergangen .„Ich kann den Gedanken nicht denken-- aber er Qrf und wird es nicht erfahren, und sein Freund muß mir uch in diesem Punkte beistehen." Unterstützungsvereine in der Provinz Hannover wieder auf, da das über ihrem Haupte schwebende DamokleS- schwert der Auflösung wenigstens vorläufig entfernt worden ist. Die Staatsanwaltschaft hatte nämlich beschlossen, im Falle das Urtheil des Oberlandesgerichts zu Celle ungünstig für die Angeklagten ausfallen würde, nicht nur gegen alle in der Provinz Hannover befindlichen Mitgliedschaften des Unterstützungsvereins deutscher Tabakarbeiter die Anklage zu erheben und die Schließung derselben zu beantragen, sondern auch gegen die übrigen gewerkschaftlichen und Fachvereins- organisationen vorzugehen. So hat auch schon der Unterstützungsverein deutscher Schuhmacher zu Hannover eine ganz auf derselben Basis beruhende Anklage erhalten, wie die bier besprochene. Die- selbe wird nunmehr bald schon von ver Staatsanwaltschaft zurückgezogen werden.— Zu bemerken ist, daß in Hannover schon vor der An- nexion an Preußen ähnliche Unterstützungsvereine bestanden, wie die oben angeführten. Doch ist eS der hannoverschen Staatsanwaltschaft nicht eingefallen, auf Grund der reak- tionären Verordnung auS dem Jahre 1847 gegen diese Vereine vorzugehen. Sie war nicht der Meinung, daß die Arbeiterunterstützungsvereine den in der Verordnung ge- dachten Versicherungsgesellschaften gleichzustellen seien. Den Versuch, dies festzustellen, überließ sie den preußischen Be- Hörden, die sich dadurch sicherlich nicht die Sympathien der einstmals hannoverschen erworben haben.——— Wie weit nun diese Freisprechung genannter Unter- stützungsvereine in der Provinz Hannover für die anderen preußischen Landestheile von günstiger Wirkung sein wird, ent- zieht sich natürlich jedem Ermessen. Das Eine hat aber doch eine gewisse Bedeutung, daß die Vorstände der Unterstützungsvereine und der gewerkschaftlichen Verbände überhaupt, im Falle diese in einer Anklage als politische Vereinigungen erklärt worden, auf die gerichtlichen Entscheidungen, die in der Provinz Hannover gefällt worden sind, hinweisen können, wodurch der Vertheidigung immerhin ein gewisser Vorschub geleistet wird.— Möge man nicht der Bemühungen spotten, welche von Seiten der Vorstände der gewerkschaftlichen Vereinigungen zur Erhaltung derselben gemacht werden, möge man die- selben nicht als sogenannte Palliativmittelchen bei Seite stoßen, sondern sei man eingedenk der Worte des Philo- sophen von Königsberg, daß die Gründung des geringsten Arbeitervereins für die Kulturentwicklung wichtiger sei, als gewonnene Schlachten. Deshalb wünschen wir auch den gewerkschaftlichen Vereinen Wachsen und Gedeihen. „Ist dieser junge Mensch in Allem genau unter- richtet?" „Nur oberflächlich, aber ich werde ihn veranlassen, von Antonio ganz genaue Auskunft zu verlangen, und dann hoffe ich, seine Briefe alle in meine Hände zu be- kommen." „Und glaubst Du auch ihn, wenn er Dich täglich sieht und spricht, täuschen zu können?" „Ich bin dessen gewiß." In diesem Augenblicke ließ sich die Glocke an der HauSthür hören. Die Dienerin ging hinaus und kehrte alsbald mit der Meldung zurück, daß die Frau ThomaS draußen warte. „Laß sie eintreten," befahl die Baronesse. Frau Thomas war eine sehr anständig gekleidete, noch immer hübsch zu nennende Frau von etwa 32 bis 34 Jahren; nur war ihr Gesicht sehr blaß und leidend, ihre Haltung gedrückt, fast gedemüthigt, man sah es ihr auf den ersten Blick an, daß sie unglücklich sein müsse. Ein beobachtender Arzt hätte diese auffallende Blässe gewiß noch von einem andern Umstände herzuleiren gewußt. In ihrem Wesen lag jener vorzugsweise den Norddeutschen eigene Zug von Recht- lichkeit und Biedersinn, welcher im Verein mit ihrer An- Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit dieser Frau etwas Achtunggebietendes verlieh, so daß man mit ihrem Schicksal das tiefste Mitleid empfinden mußte, ohne ihr einen Beweis desselben geben zu können. Diese Frau war die ehemalige Beivohnenn des HanseS, in welchem sie sich jetzt befand. „Sie sind wahrscheinlich gekommen, mir Ihren Ent« schluß mitzutheilen, Frau Thomas,", sagte die Baronesse sehr freundlich, indem sie die Frau einlud, sich nieder- zusetzen. „Ich babe mich eigentlich noch gar nicht entschlossen—" erwiderte die Frau traurig.— ,�Sie wissen nicht, wie schwer es einer Mutter wird, sich von einem Kinde zu trennen, und noch dazu von einem Kinde, welches sie selbst noch nicht kennt, es ist mir immer, als beginge ich schon dadurch ein Verbrechen, daß ich nur für einen Augenblick an die Möglichkeit dachte, es thun zu können." enwe. Der preußische Kriegsminister hat. schreibt die„Brest.. Z t g.", für gut gehalten, in der Freitagssttzung des Deutschen Reichstags eme Lanze für den verstorbenen Generallieutenant v. Plehwe zu brechen und der Behauptung zu widersprechen, als sei Herr v. Plehwe mehr Politiker als Militär gewesen. Welchem Ostpreußen fiele bei der Erinnerung an diesen Namen nicht das alte Volkslied ein: Der Jachmann schoß den Plehwe todt Und mußte dafür sitzen. Und wer erinnerte sich nicht der„Politischen Todtenschau" von Ludwig Walesrode, welche den General v. Plehwe ledens- getreu konterfeit und welche der Herr Kricgsminister gewiß nicht' gelesen hat. Wir wollen diese Erinnerung auffrischen, denn unsere Zeit hat ein kurzes Gedächtniß. An der Spitze der Reaktion in Königsberg stand das Klee- blatt Plehwe, Peters, Lindenbcrg. General v. Plehwe leitete den Preußenverein in der Königshalle, in welchem branntwein- trunkene Sackträger neben parfümduftenden Exzellenzen an der Rettung von Staat und Gesellschaft arbeiteten. Ein Geheimer Kommerzienrath, Hirschsdd ist sein Name. ließ sogar seinen neugeborenen Sohn, zum größeren Ruhm der Regiemng, in den Verein ausnehmen, und wer dem Preußen- verein nicht angehörte, war einer brutalen Verfolgungssucht aus» gesetzt, von welcher sich heute Niemand mehr eme Vorstellung macht. JMn der Spiee der Polizei stand Präsident Peters und an der Spitze der reaktionären Revolverpresse stand Emil Linden- berg, der Redakteur des„Freimüthigen". Ein entlassener Bombardier, der bekannte Stammgay der Königsberger Schnapskncipen, an Körper und Geist vollkommen verwahrlost, war Emil Lindenberg berufen und auserwählt, nach Abbüßung einer längeren Zuchthausstrafe zur Stütze von Thron und Altar auszusteigen. Sein Gebiet war die patriotisch ver- brämtc Erpressung, Klatschbcrichte über Familienangelegenheiten sandte er vor dem Druck an die verleumdeten Personen mit der Mittheilung, er würde von der Veröffentlichung abstehen, wenn ihm ein bestimmtes Honorar gezahlt würde. Das ging, so lange es ging. Eines Tages machte Emil Lindenberg seinen Erpressunzversuch bei einem jungen Gutsbe- fitzer. Derselbe ging anscheinend auf das Anerbieten ein und lud ihn für den nächsten Tag zum Wiederkommen. Gleichzeitig lud sich der junge Ostpreuße zwei Zeugen ein, welche im Nebenzimmer die Unterredung verfolgten. Das Ende vom Lüde war die Bearbeitung des Herrn Lindcnberg mit der Reit- peitsche und seine abermalige Verurthcilung zu Zuchthaus und Verlust der Nationalkokardc. Alle diese Vorgänge hatten sich zugetragen, che General v. Plehwe Lindenberg unter seinen Schutz nahm, nach allen diesen Vorstrafen konnte Lindenberg ein Organ leiten, dessen Kosten General v. Plehwe bestritt. Er konnte mehr denn je Erpressungen verüben; denn seit er hohe Potektion genoß, konnte er mit Sir John Falstaff reden:„Die Gesetze Eng- lands stehen mir zu Gebote." Nachdem Lindenberg das Zuchthaus verlassen hatte, wandte er sich direkt an General v. Plehwe� „Aber vergessen Sie nicht, liebe Frau, daß ich Ihnen Ihr Kind ja nicht für immer zu entreißen gedenke; ich habe Ihnen die Versicherung gegeben, daß Sie es, wenn Sie es verlangen, nach zwei oder drei Jahren, oder auch noch früher zurück bekommen; bedenken Sie ferner, daß Sie nicht im Stande wären, es so zu pflegen, wie ich es thun werde, daß die Summe, die ich Ihnen einhändige, nicht nur ihr Loos, sondern auch das Ihrer anderen Kinder so sehr erleichtern hilft." „Das ist alles wahr, aber wer ist mir Bürge dafür, daß dem armen Kinde, wenn es von dem Herzen der Mutter gerissen wird, nicht ein Leides geschieht?" „Haben Sie denn selbst das Schicksal desselben in Händen, und ist eS nicht wahrscheinlicher, daß es unter einer bessern Pflege sich auch kräftiger entwickelt. „Und wenn es dann verwöhnt und verweichlicht zu mir zurückkommt, wie werde ich es an die Einfachheit seiner andern Geschwister gewöhnen können?" „Gut, liebe Frau Thomas, wenn Sie das fürchten, so lassen Sie es mir zu eigen, ich werde ihm Mutter sein, und ich gebe Ihnen die Versicherung, daß ich in diesem Falle auch für seine Geschwister nach Kräften sorgen will, freilich nicht direkt, sondern durch Ihre Vermittlung." „Sie wissen nicht, was Sie da verlangen," sagte Frau Thomas kopfschüttelnd.„Ich weiß es, Ihre Absicht mit mir ist gut, und daß Sie ein edles Herz besitzen, haben Sie mir, bevor Sie noch etwas Näheres von meinen Verhältnissen wußten, bewiesen; aber Sie sind nie Mutter gewesen, und in ein solches Gefühl kann sich Niemand hineindenken." „Ich weiß es sehr gut, daß die Mütter im Allgemeinen mehr fühlen als denken, und dies ist auch bei Ihnen der ' all, liebe Frau Thomas; etwas weniger Weichheit und ärtlichkeit Ihrerseits wäre im vorliegenden Falle ein Be- weis einer weit größeren, wahrhaft mütterlichen Liebe. Die Zukunft ihrer Kinder muß Ihnen mehr als Alles am Herzen liegen, und was wären Sie für dieselben zu thun im Stande, wenn Sie schon das erste Opfer nicht zu bringen vermögen? Gehören denn die übrigen Kinder, von denen Sie keins bei sich haben, Ihnen?" legte ihm seine echt konigetreue Gesinnung dar und botihm seine literarischen Dienste an, die besonders rcerthooll seien wegen seiner Aekanntschaft mit den Familienverhältnissen aller schlecht ge- sinnten Bürger. General v. Plehwe sah die Brauchbarkeit des königstreuen Sünders ein und befürwortete an allerhöchster Stelle für ihn die Wiederzuerkennung der Nationalkokarde. Da nun General v. Plehwe ein Mitglied des Kamarilla und intimer Freund des allmächtigen Generaladjutanten v. Gerlach war, so wurde die Bitte sofort gewährt, und Emil Lindenberg, der Zuchthäusler, erschien zu allgemeinem Erstaunen im Preußen- verein und stimmte selbstbewußt das patriotische Lied an: Ich bin ein Preuße, kennt Ihr meine Farben? Bald darauf war Emil Lindenberg von General v. Plehwe zum Herausgeber des „Freimüthigen" gemacht. Was der Polizeipräsident nicht von selbst that— und er that das Menschenmögliche, kein Lesekränzchen und keine Tbee- gesellschast war vor ihm bewahrt, kein Greis und kein Kind war seiner Nachtruhe sicher das besorgte nun Emil Linden- berg. Er gab im„Freimüthigen" die Anregung, wo das Rettungswerk in Angriff genommen werden müsse, und er denunzirte und verleumdete, wo er schlechte Gesinnung witterte. Ein Hofrath Kämmerer wurde, weil er einen weichen Filzhut trug, von Emil Lindenberg als Demokrat gebrandmarkt und entging nur mit Mühe der Verurtheilung im Disziplinarverfahren, weil er nachweisen konnte, daß er schwerer Narben halber, von Wunden, die er als Vaterlandsvertheidiger erhalten, nur weiche Kopfbedeckungen tragen durfte. Dem armen Hofrath wurde auch vorgeworfen, daß er seine Zimmerdecke mit schwarz-roth- goldener Borte versehen, während glücklicherweise der Augen- schein zeigte, daß die Farben grün, braun und weiß waren. Ein Bürger wurde, da Lindenberg auch die Gerichte terrorisirte, hochnothpeinlich verurtheilt, weil er einen Polizeibeamten— Polizisten genannt hatte. Schließlich aber wurde das Treiben ron Lindenberg so bodenlos, daß sich die Verleumdeten der Klage und die Gerichte der Verurtheilung nicht mehr entziehen konnten. Er wurde achtzehnmal zu längeren Gefängnißstrafen verurtheilt wegen Verleumdung, Erpressung und anderer Ver- brechen und— achtzehnmal wirkte ihm General v. Plehwe ohne weiteres die Begnadigung aus!!! Schließlich hatte er aber doch einmal eine längere Freiheitsstrafe zu verbüßen. General v. Plebwe aber, sein einflußreicher Protektor, war und blieb in Königsberg. Doch auch seine Stunde sollte schlagen! Der Sohn des Generals hatte die Tochter eines geachteten Bürgers, Namens Jachmann, geheirathet und deren Vermögen schnell durchgebracht. Ter General sah sich veranlaßt, Wechsel- Verbindlichkeiten einzugehen, um den öffentlichen Bankerott seines Sohnes abzuwenden. Da er die übernommenen Per- vflichtungen nicht erfüllen konnte, eilte er nach Berlin, wo er durch Vermittelung der Kamarilla wiederholt große Summen vom Könige erhalt-n hatte. Diesesmal kam er zu spät; denn der König war erkrankt und der Prinz von Preußen hatte die Regierung übernommen. Mit Entschiedenheit wies der Prinz jede Einmischung in die Privatverhältnisse des Generals und jede iinterstiipung ab. Hoffnungslos kehrte der General nach Königs- berg zurück. Sein Sohn war mit Schuldhaft bedroht, seine Schwiegertochter war zu ihrem Vater zurückgekehrt, im Jach- mann'schen 5oause gerieth der General mit dem Bruder seiner Schwiegertochter, einem Kürassier-Lieutenant, in Konflikt. Ein Duell war unvermeidlich, die Forderung lautete auf fünf Schritt Barriere mit Avanziren. Der General bebte. In dem Augenblicke, als die Sekundanten das Signal gaben, hob der General, ein berühmter Pistolenschütze, die Waffe und zer- schmetterte seinem Gegner die Kinnlade. Mit letzter Kraft hielt sich der Lieutenant aufrecht und avanzirte seine fünf Schritt und im nächsten Moment war der General eine Leiche. die Kugel hatte ihn mitten ins Herz getroffen. Das ist die Geschichte der Königsberger Reaktion und ist die Geschickte des Generals v. Plehwe, für den der Kriegs- minister eine Lanze zu brechen für nöthig hielt! Uolitische Uederstcht. Der Abgeordnete Liebknecht ist gestern Abend wieder in Berlin eingetroffen, nachdem er sich einige Tage im Kreise seiner Familie erholt hat. Die sozialdemokratische Fraktion hat ihn zum Redner für den Verfassungsantrag bestimmt. Die Vertagung des Reichstages soll, wie der„Rat.- Ztg." berichtet wird, am 17. oder 18. d. M. eintreten; außer den Anträgen aus der Mitte des Hauses wird die Fortsetzung der zweiten Berathung des Reichshaushaltsetats wohl aus- schließlich den Stoff für die Plenarsitzungen bilden; die zweite Lesung der M i l i t ä r v o r l a g e ist nach dem jetzigen Stande der Arbeiten im Plenum vor Weihnachten auch dann kaum möglich, wenn die Vertagung erst am 22. d. M. «intreten sollte, das heißt zu dem äußersten Termin vor Weihnachten. Die Abfassung des Berichtes, in welchem die Ausführungen des Kriegsministers und seiner Kommissare mög- kickst ausführlich aufgenommen werden müssen, wird einige Zeit in Anspruch nehmen. „Nein, aber ich kann sie doch täglich, stündlich sehen, sie sind mit mir in einer Stadt." „Und wenn einer dieser Wohlthäter zufällig nach einem oder mehreren Jahren die Stadt verläßt, würden Sie Ihr Kind, nachdem es sich bereits an seine neue Umgebung, an ein besseres Leben gewöhnt, demselben gewaltsam entreißen, um es— nehmen Sie mir meine unumwundene Sprache nicht übel— um es in sein Elend zurück zu schleppen? Hätten Sie dazu das Herz?— Ich biete Ihnen die Mittel, Ihre Kinder um sich zu vereinen, sie anständig zu erziehen und späterhin zu versorgen. �Die materielle und moralische Zukunft derselben liegt in Ihrer Hand; wollen Sie es vor Ihrem Gewissen verantworten, wenn Sie meine Hilfe aus- schlagen? Doch ich will Sie weder überreden, noch zwingen. Thun Sie, was Sie für Recht finden, ich habe keine andere Absicht, als Ihr Wohl." Die arme in die Enge getriebene Frau Thomas weinte heiße Thränen, was gewöhnlich das letzte Mittel aller zu einem weiteren Widerstande unfähig gewordenen Frauen ist; die Baronesse aber beobachtete sie schweigend, und trotzdem die Italienerin sich in ihrem Innern von dem Unglück der armen Mutter auf's Tiessie ergriffen fühlte, trotzdem sie selbst hundert Leben für das ihrer Kinder gegeben hätte und den Schmerz und die Unentschlossenheit dieser Frau sehrwohl begriff, trotz alledem besaß sie Kraft genug, sich zu bezwingen, und blieb, ihren Plan im Auge haltend, standhaft, obgleich in ihrem Gesichte sowohl, wie auch in dem Ton ihrer Stimme die wärmste Theilnahme sich aussprach. Nach einer Weile fragte die verlassene Mutter, schon halb überwunden:„Und hätten Sie, meine gute Dame, wirklich das Herz, mir mein Kind, nachdem Sie es Wie Ihr eigenes lieb gewonnen und groß gezogen haben, zurückzugeben?" Die Baronesse sah die Fragerin halb forschend, halb zweifelhaft an; ein instinktmäßiges Gefühl sagte ihr, daß diese Frage einige Aehnlichkeit mit dem aus der Bibel be- kannten Salomonischen Urtheilsspruche habe und nach einer kurzen Ueberlegung antwortete sie:„Ich würde das Kind sicher nie von meinem Herzen lassen, wenn Sie es nicht dringend verlangen; wenn Sie mich aber zwingen wollen, Neue Steuervorlagen in Sicht? Die„Freifinnige Ztg." schreibt:„Die Vorbereitungen für neue Steuern, insbesondere für eine neue Branntweinsteuervorlage, find, wie uns mehrseitig berichtet wird, bei den Regierungen in vollem Gange. Sobald die Militärvorlage zu Stande gekommen ist, werden diese Steuervorlagen an den Reichstag herantreten unter Bezug- nähme auf die Annahme der Militärvorlage. Ter bayerische Spezialkommissarius für Branntweinstenervorlagen ist bereits in Berlin eingetroffen." Das wird ja ein Prachtreichstag! Erst 41 000 Mann mehr dem bürgerlichen Erwerb zu entziehen, und dann den übrigen Theil der Bürger tüchtig dafür zu schröpfen, das ist wirklich eine Aufgabe, des Schweißes aller Edlen werth! Reptilienfonds und Militärvorlagen. Mit großer Ent- schiedenheit hat der Kriegsminister erst am vorigen Freitag im Reichstage erklärt, daß er durchaus nichts mit dem sogenannten Welfenfonds, sonst Reptilienfonds �genannt, zu thun habe. Und stehe da! am folgenden Taae früh war bereits in allen söge- nannten Reptilienblättern, also in allen den Kreis- und anderen Blättern, die regelmäßig die Artikel der Reptilienfondsschreiber aufnehmen, ein langer Artikel unter dem Titel„Die Zahlen des Herrn Richter" und in diesem ein erheblicher Theil der- jenigen zweistündigen Rede zu lesen, die in der um 11 Uhr begonnenen Militärkommisfion des Reichstages der bereits am Tage zuvor angekündigte Major Haberling' im Auftrage des Kriegsministers hielt. Warum ließ der Herr Kriegsminister nicht die benöthigte Zabl Exemplare Revtilienblätter unter die Mitglieder der Kommission vertheilen? Ter Major Haberling hätte dann mindestens k Stunde seiner Rede gespart. Keines- falls konnte ein sachlicher Grund vorliegen, daß die Reichstags- kommisfionsmitglieder erst mehrere Stunden später aus dem Munde des Kömmiffars des Kriegsministeriums solche Neuig- leiten erfuhren, die in der Provinz die Abonnenten von Rep- tilicnblättern schon erheblich früher an der bekannten offiziösen Stelle schwarz auf weiß gelesen hatten. Man steht also, daß auch in dem Ressort des Herrn Kriegsministers Beziehungen zu den Leistungen jenes Fonds bestehen. TerJ)rotestnimmel gegen den Finanzminister steht auch in Süddeutschland nunmehr in voller Blüthe. Es heißt, „der Finanzminister würde als Bundesrathsbevollmächtigter noch Gelegenheit nehmen, bei der Etatberathung im Reichstage seine Aeußerungen richtig zu stellen." Mehrere kaufmännische Körperschaften Preußens haben ihre Beschwerden an den Han- delsminister Fürsten Bismarck gerichtet. Es wird vorausgesetzt, daß diese Angelegenheit auch im preußischen Landtage noch zur Erörterung gelangen wird. Wie konnte aber Herr Scholz auch vergessen, oaß er Finanzminister der befitzendun Klassen ist und daher kein Recht hat, gegen dieselben aufzutreten! Es wird ihm wohl weiter nichts übrig bleiben, als zu Kreuze zu kriechen. Die Dynamit- und Landesverrathsaffäre Dedekind. lieber die Verhaftung des welfischen Rechtsanwalts Dr. Dede- kind in Wolfenbüttel veröffentlicht derselbe jetzt nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft eine Mittheilung, worin es dem„Hannav. Cour." zufolge heißt, die ganze Dynamit- geschickte beruhe auf Aussage einer alten von ihm wegen Un- brauchdarkeit entlassenen Magd, welche durch die Wand aus der zweiten Vorstube des Zimmers ein Gespräch über Dynamitbomben erlauscht haben soll. Die bürgerliche Presse hebt natürlich diese Ungeheuerlichkeit mit Entrüsten hervor, weil sie einmal einen der Ihrigen getroffen hat. Wieviel Ar- bester find aber schon in ähnlicher Weise unschuldig eingesperrt worden? Darum kräht kein Hahn! Die handelspolitischen Streitigkeiten zwischen den euro- päischen Staaten werden, wie nunmehr feststeht, mit Beginn des neuen Jahres abermals eine Verschärfung erfahren. Nach den am 10. d. M. in der italienischen Deputirtenkammer ab- gegebenen amtlichen Erklärungen wird Italien dieKündi- gung seiner Handelsverträge mit Oe st erreich- Ungarn und Frankreich, welche schon seit einiger Zeit als wahrscheinlich angesehen wurde, in der That zu Ende des Jahres ausführen. Damit wird abermals ein beträchtliches Stück des jetzt noch im größeren Theile Europas bestehenden, mit Konventionaltarifen verbundenen.Handelsvertragssystems zu Fall gebracht werden. Italien hat sich in seiner Zollpolitik während des letzten Jahrzents freilich keineswegs von schütz- zöllnerischen Neigungen freigehalten, es hat vielmehr gleich im Beginn der jetzt herrschenden protektionistischen Aera, im Jahre 1878, in seinem Zolltarif manche Erhöhungen vorgenommen. Immerhin trägt das gegenwärtige italienische Zollsystem durch- aus nicht einen hoch schütz, öllnerischen Charakter und der italienische Markt besitzt für manche Industriestaaten, speziell in den Erzeugnissen der Eisen- und Textilindustrie, sogar eine hervorragende Bedeutung. Es deruht dies vornehmlich auf dem Umstände, daß Italien durch die Handelsverträge mit Oesterreich und Frankreich einen sehr großen Theil seiner Zoll- sätze gegenüber dem allgemeinen Tarif ermäßigt oder doch ge- Hunden hat. Diese Verträge sammt Konventionaltarifen sind schon im Jahre 1878 nicht ohne Schwierigkeiten zu Stande ge- kommen; einige Zeit hindurch war damals zwischen Jtalren und Frankreich sogar ein vertragsloser Zustand und ein gegen- Ihrem etwaigen einstigen Verlangen Folge zu leisten, so lassen Sie mich hei der heiligen Jungfrau schwören. Dies ist die einzige Gewährleistung für Sie.— Ich würde das Kind auch tobten, wenn ich geschworen hätte, es zu thun." „Sie sind gut, besser als ich," sagte Frau Thomas hierauf schluchzend,„ich werde in ihren Vorschlag ein- willigen, aher Sie müssen schwören." IX Seit der Rückkehr Tonda's nach Bechlin— Rosarka war auf die Nachricht seiner Ankunft sofort nach Hause ge- eilt— sind nunmehr 14 Tage verflossen und noch immer hat keine entscheidende Unterredung zwischen ihnen stattge- sunden. Rosarla mußte in Folge einer heftigen Erkältung das Bett hüten, und obgleich Tonda den größten Theil des Tages bei ihr zubrachte, blieherr sie doch selten allein, und überdies schien er, sei es, um Rosarka zu schonen oder um sich selbst aus der langersehnten Ruhe nicht aufzustacheln, absichtlich jeder Gelegenheit auszuweichen, die ihn zur nähern Besprechung seiner früher» Verhältnisse hätte führen können. Mit jedem Tage ward er sowohl in seiner Redeweise, wie auch in seinem Benehmen zurückhaltender und kälter gegen Rosarka; nur zuweilen, wenn sein heißer Blick auf ihrem wahrhaft schönen, von Liebe und Güte strahlenden Gesichre ruhte, war in dem seinigen der Ausdruck eines von Weh- muth und Wonne, von Schmerz und Sehnsucht untermisch- ten Gefühls sichtbar, und dann mußte er sein Auge abwen- den oder sich plötzlich erheben, um nicht zu verrathen, rvel- chen Zwang er sich anthat, um Rosarka nicht an sein Herz zu drücken. Rosarka ihrerseits wußte wohl, was inr Herzen rhres Geliebten vorging. Von frühester Jugend auf gewohnt, mit ihm zu denken"und zu fühlen, hatte sie sich darin geübt, aus seinen Bewegungen jede lerse Empfindung seines Herzens zu errathen, und deshalb war es ihr auch bald kein Geheimniß, daß Tonda sie jetzt heißer als je liebe, weil seine Verhältnisse ihn mehr ats je von ihr entfernt hielten; daß Torrda nur gezwungen seiner jüngsten Er- lebnisse Erwähnung that, war ihr ein Beweis, daß er sie von dieser, jedenfalls sehr schmerzlichen Mitwissenschast fern halten wolle. Daß seine Schweigsamkeit aus einem Mangel seitiges Bekämpfen mit Differentialtarifen eingetreten, welchem erst im Vertrage von 1881 ein voller Friedensschluß folgte. Daß Italien fich jetzt von diesen Vertragsverpflichtungen losmachen will, eröffnet jedenfalls keine erfreuliche Aussicht für die Zukunft. Deutschlands würde von solchem Vorgange zwar nicht unmittelbar betroffen werden, da der deutsch- italimische Vertrag bis zum 1. Februar 1888 unkündbar ist und, wenn er an diesem Termine ablaufen soll, spätestens sechs Monate vorher gekündigt werden muß. Aber in diesem Ver- trage find nur sehr wenige Sätze des italienischen Zolltarifs gebunden, und die außerdem darin enthaltene Meistbegünstigungs- klausel würde ihren Werth zum großen Theil verlieren, wenn Italien nach dem Fortfall der bisher Oesterreich und Frank- reich zugestandenen Konventionaltarife zu umfangreichen Zoll- erhöhungen schritte. Man ficht, welches handelspolitische Chaos die heutige Schutzzollpolitik schafft, mit jedem Tage schreitet die wirthschaftliche Absperrung der Nationen und der wirth- schaftliche Kampf der Nationen gegen einander fort. Solleu die Zuckerfabrikanten länger ans der Tasche der Steuerzahler bereichert werden? Der in Angelegen- Herten der Zuckerfabrikation als Autorität geltende frühere Ab- geordnete Sombart-Ermsleben polemifirt in der„Nat.-Ztg." gegen die Anficht des Staatssekretärs Jacobi bezüglich der Zuckersteuer und erklärt, nicht 10 Zentner, wie man bei der Bemessung der Steuerrückvergütung annahm, sondern nur 6,3 Zentner Rüben seien zu einem Zentner Zucker nöthig. Je länger die gegenwärtige, viel zu hohe Exportprämie bestehe, desto mehr werde fie verschlingen. Die Regierung habe es in der Hand, die Einnahmen aus der Zuckersteuer um SO Millionen Mark zu erhöhen, wenn fie die Rücksichten auf die reichen Zuckerfabrikanten endlich fallen lasse. _ Die Doppelwährungsanhänger find entschlossen, ihre Wünsche auch in der gegenwärtigen Reichstagssession erörtern zu lassen. Sie stehen im Begriff, unter den landwirthschaft« lichen Vereinen abermals Massenvetitionen anzuregen, welche dem Reichstag bezüglich der Einführung der Doppelwährung zugehen sollen. Vom alten Becker. Genf, 10. Dezember. Heute Nachmittags fand die Beerdigring des verstorbenen Sozialisten Becker statt. Die Genfer Polizei hatte die Verwendung von rothen Fahnen verboten. Die Anarchisten legten anstatt dessen ein rothes Tuck auf den Sarg, dann bewegte fich der Leichen- zug durch die Stadt nach dem Friedhof, wo mehrere Reden gehalten wurden. Der Nihilist Jukowski sprach gegen Rußland. Sozialistisches. Die Sozialdemokraten haben in W i t t g e n s d o r f bei Chemnitz, trotz angestrengter Gegen» Agitationen, bei den Gemeinderathswahlen einen voll- ständigen Sieg errungen; ihre sämmtlichen Kan- d i d a t e n wurden gewählt!— Die„Posener Ztg." schreibt: Wie bereits neulich mitgetheilt, ist in voriger Woche in die Wohnung eines polnischen Arbeiters auf der Breslauer- straße eine sozralistische Broschüre in polnischer Sprache ge- warfen worden. Auch in dem Briefkasten der Redaktion des „Kuryer Pozn." haben sich vor einigen Tagen zwei polnische sozialistische Broschüren:„Wovon man lebt"(bekannt aus dem Prozeß gegen Mendelssohn und Genossen) und„Stephan Chalturin, revolutionärer Arbeiter, seine Thaten und sein Tod, Genf 1883", vorgefunden. Weitere Verurtheilungen wegen Verbreitung sozia- listischer Flugblätter fanden am 10. d. M. in Leipzig statt. Drei Arberter wurden mit je zwei Monaten Gefängnis; belegt. Die Schriften waren vorher nicht verboten, so daß auf Grund des Sozialistengesetzes keine Verurtheilung erfolgen konnte. Doch w rde angenommen, daß die Verbreiter den nach dem Strafgesetzbuch strafbaren Inhalt des Blattes gekannt hätten. So stellt fich immer mehr heraus, daß das Sozialistengesetz unwirksam ist, da man bei Verurtheilungen von Sozialdemo- traten meist auf das gemeine Recht zurückgreifen muß. Solche Flugschriften aber, wie jetzt, wurden vor Erlaß deS Sozialistengesetzes selten verbreitet, sie sind durchweg eine Folge dreseS Gesetzes. So hat dasselbe das höchst zweifelhafte Verdienst, politische Kriminalvergehen bedeutend vermehrt zu haben. Ein Erfolg, um den das Sozialistengesetz keineswegs zu denei- den ist. Vom rusfischen Erbfreund. Ein Odessaer Blatt meldet, ein kaiserlicher Befehl ordne an, daß alle kleinen Städte und Dörfer in Rußland, welche deutsche Namen haben, r u s s i s ch e Bezeichnungen erhalten. Es handelt fich dabei hauptsächlich um die deutschen Kolonien in Südrußland und an der Wolga. Schweiz. Ter schweizer Nationalrath hat beschlossen, die Vorschläge des Bundesrathes über Z o l l e r h ö h u n g e n erst in der nächsten Session zur Verhandlung zu bringen; die lieberem» fünft mit Frankreich betreffs der Erhöhung des Alkohol- zolles wurde genehmigt. R«ßUttdl. Ter„Standard" bespricht die Lage der russischen Finanzen und berechnet die russische Staatsschuld inkl. der an Vertrauen zu ihr herrühren könne, daran dachte sie nicht einen Augenblick. Bei alledem war Rosarka zu stolz auf Tonda und ihre Liebe, als daß sie einen Makel an seinem Charakter hätte dulden, und selbst um den Preis ihrer und seiner Ruhe sich freiwillig in feige« Nichtsthun und engherziges Schweigen hätte einlullen sollen. Sie wollte handeln, wollte gern ein Opfer bringen; aber um dies zu können, mußte sie erst Alles wissen. Eines Morgens— es war am Sonntag der letzten ebruvrrvache— trat Rosarka ungewöhnlich heiter in onda's Kammerchen und lud ihn, ohne weitere Vor- bereitungen, ein, mit ihr nach Raudnitz zu fahre», woselbst sie mehrere kleine Geschäfte zu besorgen habe. „Ich müßte sonst ganz allein fahren," sagte sie, gleich- sam um ihre Freude zu rechtfertigen.„Der Vater muß heute mit den Bauern über die Jagdrechtverpachtung Rath halten, und wenn Du das Kutschiren noch nicht ver- gessen hast, so könnten wir den Knecht auch zu Hause lassen;— aber besinne Dich nur nicht so lange!" rief j» lachend dem überraschten Tonda zu und legte dabei, urn ihn aus seiner Betrachtung zu erwecken, ihre kalte Hand auf seinen entblößten warmen Hals.„Wir müssen Vormittafw noch zurück sein; der Schlitten steht bereit und ich kan» jeden Augenblick anspannen lassen."„ „Aber bedenke nur— Du mußt— ich muß stotterte Tonda. „Ich muß gar nichts— und Du mußt Dich f0U* ankleiden, daß Du mir keine Schande machst", unterbrach ihn Rosarka neckisch. Mit diesen Worten huschte ftc*Uc Thür hinaus, steckte aber gleich darauf wieder den## herein und deklamirte in einem etwas harten, in ihrrm Munde aber sehr lieblich klingenden Deutsch: „Ich spreche nach kurzem Bedenken: Noch zehn Minuten will ich Dir schenken; Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist, Eh Du—— "ur gegeben bist— ergänzte To»' — zum Schlttten gekommen bist,— verbess Noten und der für die Eisenbahnobligationen übernommenen Staatsgarantie auf 800 Millionen englische Pfund. Das Defizit in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres belief sich «uf 10 Millionen Pfund, die Schuld habe seit 1879 um 800 Millionen Pfund zugenommen, d. h- um ca. 40 Millionen pro Jahr. Tie auswärtigen Anleihen müßten bei dieser Sach- läge fa st lediglich zurZinszahlung und Amor- tis ation bereits kontrahirter Anleihen verwendet werden, nur geringe Betläge blieben für anderweitige Zwecke, wie Eisenbahndauten, übrig. Die früher in englischen Händen be- findlich gewesenen russischen Papiere seien meist nach Deutschland und Holland verkauft worden. England habe daher zur Zeit nur ein indirektes Interesse an der Entwicklung der russischen Finanzen. Daß der oben angedeutete Zustand dieser Finanzen so lange habe andauem können und voraus- sichtlich noch geraume Zeit andauern werde, liege daran, daß die auswärtigen Finanzkreise, welche die betreffenden Anleihen emittirt, großes Interesse daran hätten, die Dinge in Rußland im Gange zu halten. Die deutsche Regierung hat bekanntlich auch ihr Möglichstes gethan, um den russischen Krach zu ver hüten. Kelgie». Die Regierungskommission für die Arbeitcr-Enquetc stellte in Betreff ded Alkoholgesctzes fest, daß es jetzt 140 000 Ausschankstcllen giebt. Man war einig, daß ihre Zahl zu ver- mindern ist, aber über chas Wie gingen die Ansichten ausein- ander. Mehr Lohn, besser Essen— dann wird ohne besondere Anstrengung die Zahl der Schnapsschänken geringer werden. Sonst hilft alles nichts. Der„Voss. Ztg." schreibt man aus Brüssel, 12. Dezember: Bei der heutigen Wahl von 9 Kommunalrätben betheiligtcn sich von 13 278 eingeschriebenen Wähleril nur 3667. Mit 2461 bis 2438 Stimmen wurden die 8 Kommunalräthe, welche in Folge der Konvertirung ihre Mandate niedergelegt hatten, wie- dergewählt. Als neunter Kommunalrath ging dcr sozia- listische Arbeiterführer und Mitglied des General- raths der Arbeiterpartei, der Setzer Vandendorpe mit 2433 Stimmen aus der Wahl hervor. Ter von einzelnen Klerikalen aufgestellte„demokratische, fortschrittliche" Gegenkandidat, Setzer Motte, dessen Wahl von der Rcgicrungsprcsse warm be- fürwortet wurde, erhielt nur 921 Stimmen. Die meisten Liberalen und Klerikalen enthielten sich der Abstimmung. Alle entschieden Liberalen, Radikalen und Mitglieder der Arbeiter- Partei traten für Vandendorpe ein; die unter Janson's Führung stehende liberale Assoziation hatte mit der Arbeiter- Partei für diese Wahl ein Bündniß geschlossen. Zum rrstenMale zieht cinArbeiter indasBrüsseler Rathhaus ein. Frankreich. Der„Agence Havas" zufolge lehnte der französische Bot- schafter Dccrais in Wien dasMinisterium desAeußern ab. jedoch in Ausdrücken, welche die Annahme zulassen, daß seine Ablehnung keine cndgiltigc sein werde. Eine weitere Pariser Meldung besagt: Der Sektionspräfident im Staats- räche Flourcns, ehemals Direktor im Kultusministerium, ist zum Minister des Auswärtigen ernannt worden. Italien. Ueber den verstorbenen Staatsmann Minghetti, einen der hervorragendsten Förderer der italienischen Einigung, be- richten heute die Blätter: Marco Minghetti gehörte zu den Staatsmännern, mit deren Namen die Geschichte der Einheit Italiens untrennbar verknüpft ist. In, Jahre 1847 noch Mit- ßKcd der von Pius IX. nach Rom berufenen Konsulta und 1848 Mitglied des liberalen päpstlichen Kabincts, trat er bald darauf zu Karl Albert von Sardinien über und machte in dessen Generalstab den Feldzug von 1848 in der Lombardei mit. Die Zeit nach dem unglücklichen Ausgange des Krieges verbrachte er im Privatleben. Seit 1859 datirte sein Freund- schaftsverhältniß mit Eavour, dem er als Generalsekretär bis zum Frieden von Villafranca zur Seite stand. Daraus betrieb Minghetti als Präsident der Nationalversammlung der Ro- Magna die Vereinigung dieser Provinz mit Sardinien und ver- trat seine Vaterstadt im italienischen Parlanient. In, Jahre 1860 war er unter Cavour und später unter Ricasoli Minister des Innern. Im Kabinet Farini übernahm er 1862 die Finanzen und später nach Farin.is Ausscheiden zugleich den Borsitz des sogenannten Ministeriums der Konsorteria. Als solcher trat er wegen der Konvention vom 15. Septeniber 1864 Zurück und wieder ins Parlament. Noch einmal gelangte er unter dem Ministerium Menabrca als Ackerbauminister ins Kabinet, nahm mit demselben seine Entlassung und wurde Führer der Opposition gegen das Kabinet Lanza-Sella, nach dessen Sturz er an die Spitze eines Koalitionsministeriums trat. In dieser Stellung errang er seinen größten Erfolg durch die «llianz mit Deutschland und die Aussöhnung mit Oesterreich, torlche beide durch die persönlichen Besuche der Monarchen dieser Länder bekräftigt wurden. Die Beseitigung des Defizits M das neue Bankgcsetz sind ebenfalls das Werk Minghetchs. rPK Zersplitterung der Parteien und der Mangel an einer Mtm Majorität zwangen ihn, 1876 zurückzutreten, seit welcher . So—' so—" damit klappte sie die Thür zu und lief davon. „Weiter, weiter!" jauchzte Tonda, indem er ihr nach- mlte und sie festhielt. „So werd' ich, um kurz mich zu fassen, Dich treulos für immer verlassen!— Nein, das nicht; aber: Zu Hause werd' ich Dich lassen!" „Und ich," rief Tonda: „Ich werd' Dich liebend umfassen, Und mich ganz Deinem Zorn überlassen!" _ Dabei drückte er einen Kuß auf ihre Lippen und ließ n* los. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Zeven. Herr Direktor Hasemann, seit zwanzig Jahren dem 'wergeprüftcn Karl Mittell eng befreundet, ist der erste, der .--ä Andenken an diesen der Bühne verlorenen trefflichen Künstler Mch Veranstaltung einer Benefizvorstellung im Wallncr- Kheater ehrt. Sie soll am nächsten Freitag stattfinden. Ihr Ertrag, eine Art Ehrendotation deS Theaters und des Publi- Ssms. soll der Familie zugleich in den schwereren Zeiten, die ?r« nun harren, in etwas wirthschaften helfen. Der nunmehr K°nz erblindete Mittell lebt ja keineswegs in Roth, denn durch Ken Bezug bescheidener Pensionen ist für die Bedürfnisse des |»Ä«.TÄfsfl«» SÄ ÄP %%%!%% Tg: iä'ä Nn.Schweighofcr, noch immer die alte Zugkraft unv ,,t für «reitag jedenfalls ein volles Haus zu erwarten. ru b Feuerbestattung. Nach dem Vorgange des Pariser Gouvernements, welches angeordnet hat, daß alle auf dortiger «>»? ie sezirten Leichen verbrannt werden sollen, haben nun IrP, die Kuratoren der Univeisität von Pennsylvanien zu Zwecke ein Krematoriuni errichten lassen, in welchem Oktober die erste. 150 Pfund schwere Leiche innerhalb znJW'nutcn vollständig zu Asche gebrannt wurde. Weitere ersuche mit sezirten Kadavern gaben gleich günstige Resultate. Zeit sein Name nur selten noch genannt worden ist. Sein Tod erfolgte am 10. Dezember am Blasenkrcbs. Großbritanui-». Der„Franks, titg." schreibt man über die Parteikonstellation aus London: Obschon der Gaug der Ereignisse in Irland diejenige Fraktion der liberalen Partei, welche Lord Harting- toii's Gefolgschaft ausmacht, den Tones gänzlich in die Arme zu treiben droht, so wird durch diese engere Verbindung die Aufgabe der Regierung keineswegs erleichtert. Zwischen Lord HaNington und Lord Salisbury herrscht ein vollkommenes Einverständniß, aber Lord Hartington und Lord R. Churchill haben nichts mit einander gemein als eine gegenseitige, auf- richtige Abneigung. Persönlich ist der Leiter der Whigs mit dem„Radikalen" Mr. Chamberlain auf dem besten Fuße, aber die politischen Ziele dieser beiden Staatsmänner.gehen weit auseinander. Auf der andern Seite ist es allgemein bekannt, daß Mr. Chamberlain und Lord R- Churchill im besten Ein- vernehnien stehen, und es würde Niemanden überraschen, wenn diese beiden Herren eines Morgens mit einer irischen Politik herausrücken, welche die Whigs arg verblüffen müßte. Eines ist absolut sicher. Lord Randolph will von einer Vergewalti- gung Irlands nichts wissen; er ist einer neuen Zwangsbill weit mehr abgeneigt, als selbst Mr. Chamberlain, und Sir Michael Hicks-Bcach, der irische Sekretär, ist auf seiner Seite. Trotzdem Lord Salisbury von Zeit zu Zeit in einer Rede uns die Thatsache ins Gedächtniß zurückruft, daß er das nominelle Haupt der Partei ist, sind die Zügel der Regierung in den Händen Churchill's. Die Demonstration der liberalen llnionisten in Willis Rooms schiebt das Tory- kabinet auf der schiefen Ebene weiter abwärts, die zur Ergrei- fung von Gewaltmaßrcgeln führen muß. Was jedoch die libe- ralen llnionisten zur Stunde eng zusammenhält, ist nicht sowohl eine gemeinsame irische Politik, als eine gemeinsame Feindschaft gegen Gladstone. Möglich ist, daß aus dem gegenwärtigen Chaos sich eine neue Partei bildet, welche den Großgrundbesitz wie das Großkapital umfaßt. Ungestört durch die über ihm schwebende Anklage setzt der irische Abgeordnete John D i l l o n seine Agitation für Herabsetzung der Pachten fort und verHilst dem Feldzuqsplan der irischen Pächter, so viel in seinen Kräften steht, zur Durch- führung, indem er mit Unterstützung einiger glcichgestnnter Ab- geordneter, unter denen Matthes Harris, ein ehenratigcr Dach- dccker, und Sheehy die eifrigsten sind, die Pachtzinse der Pächter in den streikenden Gutsbezirken einsammelt. In nicht weniger als 32 Gutsbezirken ist diese Bildung eines Fonds zur Durch- führung des Streiks von statten gegangen und in vieren derselben find die Gutsherren gezwungen worden, sich den Forderungen der Pächter zu fügen. Bei diesen Gutsbczirken mag es sich zwar nicht immer um ein solches Latifundium handeln, wie es John Tillon's Verwandter Lord Dillon beherrscht, der über 80 000 Akres Land besitzt und sich 4000 Pächter jetzt im Streik gegenüber stehen sieht, aber umfangreich pflegen fast die sämmtlichcn Gutskoniplcxe in Westirland zu sein. Ein vom Präsidenten des Komniunalverwaltungsamtes Ritchie vorgelegter Gesetzentwurf bildete einen Hauptgegenstand der Beralhung in der letzten Kabinetssitzung. Die zu errichten- den Selb st Verwaltungsbehörden sollen darnach das Recht haben, Land zu erwcrhen und es zu par- zelliren. Tic Behörden sollen jedoch nicht ausschließlich aus Wahlen hervorgehen, sondern, wie dasMinisterium gestern mit einer Mehrheit beschloß, eine Anzahl Mitglieder ex officio haben. Ein ähnliches Gesetz wird für Schottland ausgcarbeiiet werden, während man mit einer entsprechenden Vorlage für Irland warten will, bis das Land wieder mehr zur Ruhe ge- kommen ist. In Folge eines Beschlusses der Delegirtcn- Versammlung der Arbeiter in den vier größten Zinngruben von Mon- mouthshire, Nantpgle, Blaine, Albcrtilly und Pontpminstcr sind sänlmtliche Mincrkontrakte gekündigt worden. Die Gruben- arbeiter verlangen eine Lohnerhöhung von 5 pCt. Wird ihnen diese verweigert, erfolgt die Proklamation eines Gene- r a l st r e i k s. Afrik«. Eine bedeutende Reduktion der englischen Okkupations- arniee in Egypten steht einer Meldung des Londoner „Standard" nach bevor. Falls nicht unvorhergesehene Ereig- nisse eintreten, würden alle nilautwärts stationirten britischen Truppen im April nach Kairo zurückgekehrt sein. Alsdann sollte die Reduktion stattfinden. Asien. Wie John Bright über die Annexion von Birma seitens Englands denkt, geht aus seinem nachstehenden Briefe an einen indischen Gelehrten hervor. Er sagt:„Ich bedauere und verurthcile mit Ihnen das Vorgehen Lord Dufferin's in Birma. Es ist eine Erneuening des alten Systems von Schuld und Verbrechen, welches wir für immer aufgegeben hofften. Hier zu Lande herrscht im Publikum über unjer wahres In- teresse in Indien große Unwissenheit, und große Selbstsucht hier so wie in Indien. Gebietausdchnung, neue Märkte für unsere Manufakturen, ein neues Feld zur Beförderung, mit Die ganze Anlage kostet nur 1000 Toll.(4200 M) und ist von den Erfindern des, wie es scheint, praktischsten aller bisherigen Systeme, Dr. L- Davis, ausgeführt worden und liegt in dem bevölkertsten Theilc der Stadt. Aus diesem Grunde hat die Univcisität es abgelehnt, auch andere Leichen daselbst zu ver- hrennen. Zu ähnlichem Zwecke besteht auch hier in Berlin in der königl. Klinik(Gebäranstalt) ein Miniawr- Krematorium (ca. 2 Fuß lang und 9 Zoll breit), das indessen nur sehr selten benutzt wird. Ein neues Bewässerunasprojekt. Die ohnehin schon wüsten artigen Steppen um den Aralsee und das Kaspische Meer herum werden von Jahr zu Jahr trockener; seit hundert Jahren sind zwei Ouadratmeilcn große Golfe des Aralsees ausgetrocknet; noch in den letzten Dezennien ist der Hamunsee von 9000 Ouadrat-Kilometern auf 600 zusammengeschrumpft, der Atschi-kul zur Salzsteppe geworden, auch das Kaspische Meer wird merklich kleiner. Tie Kolonisation Jnnerasicns und die Wiedereinführung der künstlichen Bewässerung in den Trirk- menen-Oasen werden dm Prozeß noch beschleunigen, und schon heute spürt man die Folgen der zunehmenden„Verwüstung" in Südrußland. Der russische Forscher Venukoff schlägt als radikales Äbhilfcmittel einen Kanal vom Schwarzem Meer zum Kaspischen Meer vor, um das ganze Gebiet, das bekanntlich tief unter dem Meeresspiegel liegt, wieder in Meer unrzuwan- dein. Da dies aber ein wenig viel Zeit kosten würde, räth er, einstweilen die Wolga zu verstärken, indem man ihr den Don zuführt. Es ist das durchaus nicht unmöglich, denn der Don ist in früheren Zeiten ein Nebenfluß der Wolga gewesen, und die Durchstechung der schmalen Landenge zwischen Kalatsch am Don und Sarepta an der Wolga bietet der heutigen Ingenieur. kunst keine Schwierigkeiten; die Entfernung beträgt kaum 200 Kilometer. Buntpapiere aus dem IG. und 17. Jahrhundert. Im Besitz des Germanischen Museums zu Nürnberg befindet sich eine umfangreiche Sammlung von Buntpapiren des 16. und 17. Jahrhunderts, die für einzelne Theilc der Kleinkunst von großer Bedeutung gewesen sind. Kleinere Kästchen namentlich� die früher mit Holzschnitten bester Künstler beklebt auftraten, machten im Innern, wo solche bildliche Darstellungen nicht gut anwendbar waren, die Benutzung eines gemusterten Papiers sehr bald wünschenswertb. Das Museum bewahrt ein Beispiel von 1560(oder 1570), bei welchem über einem als Lilie aus- gebildeten quadratischen Muster zwei verschiedene Töne einer rothen Farbe sich unterscheiden lassen. Nach den Veröffent- lichungen derartiger Arbeiten im„Anzeiger" des Museums ist Gehältern, Pensionen und Ehren— alle diese Versuchungen werden vorgespiegelt; und sie sind mächtig und für viele un- widerstehlich. Dre Millionen Indiens gelten nichts und werden nicht befragt; sie tragen die Lasten. Kieses Abweichen von der Moralität und von wahrer Staatskunst wird Kalamitäten im Gefolge haben, und vielleicht Ruin, wie unsere Kinder zu ihrem Leidwesen erfahren dürften." Kommunales. Den Entwurf einer neuen Baupolizeiordnnng de- treffend, hat der Magistrat der Stadtverordneten-Versaimnlung eine Vorlage— zur Kenntnißnahme— zugehen lassen, der wir folgendes entnehmen: Durch Beschluß vom 30. September er. hat die Stadtverordneten-Versammlung den Magistrat um Vorlegung deS demselben zugegangenen Entwunes der neuen Bauordnung er- sucht. Da dieser Entwurf dem Magisttat jedoch von dem könig- lichen Polizeipräsidio unter der Bezeichnung„Beeret" zugegangen war, richtete der Magistrat an die genannte Behörde unterm 8. Oktober d. I. folgende Anfrage: „Das königliche Polizeipräsidium hat mit dem geehrten Schreiben vom 11. August er. uns den abgeänderten Entwurf der Baupolizeiordnung zur Erklärung unserer Zustimmung übersandt._ Unsere Berathungen über denselben sind soweit ge- diehen, daß wir in der nächsten Zeit in der Lage sein werden, Wohldemsclben unsere Erklärung zugehenzulassen. Inzwischen hat die Stadtverordneten-Versammlung durch nahezu ein- stimmigen Beschluß uns ersucht, auch diesen neuesten Entwurf ihr zur Kenntniß zu bringen; wir würden kein Bedenken tragen, es vielmehr sachlich durch die Wichtigkeit der in Frage stehen- den Interessen wohl gerechtfertigt erachten, diesem Ersuchen stattzugeben, ohne dadurch die diesseitige Erledigung der Sache verzögern zu lassen; da jedoch das vorgedachte Ueoersendungs- schreiben Wohldeffelben als„Beeret" bezeichnet«st, so gestatten wir uns die ergebene Anfrage, ob etwa Bedenken bei dem königlichen Polizeipräsidium gegen die Mittheilung des Entwurfes an die Stadtverordneten- Versammlung obwalten." Auf diese Anfrage ging dem Magistrat am 20. Oktober c. folgendes Antwortschreiben des kgl. Polizeipräfidii zu: „Dem! Magistrat wird auf das gefällige Schreiben vom 8. d. Mts. ergebenst mitgetheilt, daß die Herren Ressortminister dahin Entscheidung getroffen haben, daß dem Beschlüsse der dortigen Stadtverordneten-Versammlung wegen Vorlegung des Entwurfs der neuen Baupolizeiordnung sür die Stadt Berlin keine Folge zu geben sein wird. Ein gesetzliche: Anspruch hierauf stehe der Stadtverordneten-Versammlung nicht zur Seite, auch habe derselben der Entwurf in einem früheren Stadium bereits vorgelegen, so daß ihr hinlänglich Gelegenheit geboten sei, ihre Auffassung über die Regelung der dortigen baupolizeilichen Verhältnisse zum Aus- druck zu bringen. Eine sachliche Förderung der Angelegenheit sei daher von einer nochmaligen Berathung des Entwurfs in der Stadtvcrordneten-Versammiung nicht zu gewärtigen. Wohl aber würde durch eine solche eine abermalige Verzögerung her- beigeführt werden, welche mit Rücksicht auf den immer dringen- der werdenden Erlaß der neuen Baupolizeiordnung unbedingt vermieden werden müsse. Der Magistrat wird nunmehr er- gebenst ersucht, binnen längstens drei Wochen, vom Tage der Zustellung dieses Schreibens ab. seine Erklärung über den Ent- wurf einer Baupolizeiordnung für den Stadtkrers Berlin hier- her gelangen lassen zu wollen. Sollte binnen der gedachten Frist eine Erklärung Wohldcsselben hier nicht eingegangen sein, so wird die dortseitige Zustimmung zu dem Entwürfe als ver- sagt angesehen und wegen der Ergänzung derselben auf Grund der§§ 143 und 43 des Landesvcrwaltungsgesetzes das Wettere von hier aus veranlaßt werden." Dieses Antwortschreiben gab dem Magistrat Veranlassung. am 2. Dezember d. I. folgende Erwiderung dem königlichen Polizeipräsidium zugehen zu lassen: „Mit Rücksicht darauf, daß das Schreiben des königlichen Polizeipräfidii vom 11. August er., welchem der Entwurf der neuen Bauordnung beigefügt war, mit der Aufschrift„Beeret" bezeichnet war, haben wir geglaubt, bevor wir unscrersetts das- selbe oder seine Anlage der Oeffentlichkeit übergähcn, dem zwischen Behörden üblichen und angemessenen Verfahren gemäß Wohldemselben Gelegenheit geben zu müssen, uns diejenigen Gründe bekannt zu machen, welche zu dem Wunsche der Ge- hciinhaltung geführt haben.— Wenn wir jetzt aus Wohl- desselben Antwortschreiben entnehmen, daß die.Herren Reffort- minister dahin Entscheidung getroffen habe, daß dem Beschlüsse der Stadtvcrordncten-Versaminlung keine Folge zu geben sein werde, eine Entscheidung, welche nach Lage der Sache ergangen ist, ohne daß uns Gelegenheit gegeben worden ist, unsere Gründe für die Ausführung jenes Beschlusses geltend zu machen, so wollen wir zwar im Interesse der sachlichen Erledigung der ganzen Angelegenheit von einer weiteren Erörterung dieser Frage absehen. Wir müssen aber entschieden dagegen Ver- wahrung einlegen, daß etwa der gegenwärtige Fall künftighin als ein Präzedenzfall behandelt werde, denn wir erachtm es anzunehmen, daß in der nächsten auf die vorhin angegeben« Zeit folgenden Periode wohl noch marmorirte und einfarbig« Buntpapiere auftreten, daß aber die mit Ornamenten gezierten erst am Ende des 17. Jahrhunderts wieder zahlreicher werden. In Paul v. Stetten's»Kunstgeschichte der Reichsstadt Augs- bürg" wird Abraham Mieser als derjenige genannt, der ver- muthlich wieder gemusterte Buntpapiere ,n Aufnahme brachte. Augsburg blieb lange Zeit hindurch der Hauptort für die schönen mit Gold gepreßten Papiere; doch kommen auch andere von Nürnberg, Halle und Fürth vor. Augsburg und Nürnberg waren zwei für diese Industrie besonders geeignete Platze, weil sich dort die Formschneider und Goldschläger reichlich vertreten fanden. In der Sammlung des Ger- manischen Museums ist Christoph Stoy auf mehreren Mustern angegeben, andere tragen die Stempel der Munk'schen Fabrik, auf welchen Johann Karl und Michael Münk genannt werden. Die Indianer und das Telephon. Amerikanisch« Zeitungen bringen eine interessante Schilderung des Eindrucks, welchen das Telephon auf die Häuptlinge des Jndianerstammes der Apachen hervorgerufen hat. Als die Häuptlinge kürzlich St. Louis in Missouri passirten, machte man sie u. a. auch mit dem Fernsprecher bekannt. Zu diesem Bchufe führte man die Fernsprcchapparate an das Ohr der Apachen. Kaum aber vernahmen sie die daraus hervorgehenden Laute, als sich Be- stürzung und Grauen auf ihren Gesichtern malte; sie konnten sich den Ursprung der Töne nicht erklären. Nachdem sie nach einander mit Aufmerksamkeit gelauscht hatten, hüllten sie sich in ihre Mäntel und versanken in tiefes Schweigen. Dann de- sprachen sie das Wunder untereinander mit gedämpfter Stimme und erklärten schließlich, der große Geist der Weißen habe zu. ihnen geredet.(Die Mittheilung durch den Fernsprecher war in englischer Sprache erfolgt.) Als sie sich verabschiedeten, baten sie, ihnen einen Apparat zu schenken, mittels dessen&«« Kinder den großen Geist der Indianer hören könnten. Stiefel aus Papier. Ein unternehmender Papierfabrikam in den Vereinigten Staaten beschäftigt sich damit, Papicrftiefek auf den Markt zu bringen. Dieselben sollen alle Eigenschaften des Leders besitzen, aber weit billiger, wasserdicht, vm, größter Poltturfäblgkcit sein und länger halten. Auch haben die Sttefel kerne Nahte, was wiederum für empfindliche Mße von Vorthcrl fern durfte. -für ein uns gesetzlich zustehendes Recht, zu unserer Information in Angelegenheiten der Gemeindeverwaltung auch außerhalb unseres Kollegii stehende Kreise heranzuziehen, namentlich also » 34 bis 45 Pf. per Pfund. Wildschwein 40 bis 56, kleine 55 bis 75 Pf. pr. Pfund. Fasanenhennm 3,00—3,50, sFasanenhähne 4,00—4,50 M., Krametsvögel 32—36 Pf. per Stück. Schnepfen 1,90—2,50, italienische 1,25—1,90, Bekassinen 40—75 Pf. pr. Stück. Die Wildauktionen«erdm täglich im Bogm 4 um 6 Uhr Nachmittags abgehalten. Geflügel. Preise steigmd, die Zufuhr ist für dm Bedarf nicht ausreichend. Größere Zufuhren nur von fettem Geflügel sehr erwünscht. Gänse, 8—10 Pfd. schwere, 47—54 Pf., übet 10-15 Pfd. 55-62 Pf., Fettgänse über 15 Pfd. schwer sehr rar und gut bezahlt 63 Pf. und mehr per Pfd. Junge Enten 1,50—2,50, fette Enten 55—65 Pf. per Pfund, über 10 Pfund schwere fette Putm 70—80 Pf. per Pfd., Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20-1,70 M., Tauben 30 bis 40 Pf., Poularden 4,50—8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Lebmde Gänse zum Mästen 2,00—3,00 M-, lebende Enten 0,90—1,50 M. Auktion täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags. Um gute Preise zu erzielen, sollen Gänse unter dem Halse geschnitten, vollständig gerupft, Flügel und Füße auf den Rücken gebunden, nicht gebrüht und nicht gesengt sein. Enten, Puten und Hühner sollen am Halse geschnitten sein; der Kopf, die Flügel und Schwanzfedern werden nicht ad- genommen. Fleisch. Nach Errichtung der Fleischschau in der Markt- halle wird es möglich, den Verkauf von geschlachtetem Vieh hier zu vermitteln. Den Interessenten gebe ich gern jede nähere Auskunft. Ter Fleischkommissionshandel in unserer Markthalle dürfte für viele Landwirthe und Schlächter von weittragender Bedeutung sein. Vorläufig find unverlangte Fleischsendungen nicht anzurathen. Geräucherte und marinirte Fische. Engros-Auttion täglich um 5 Uhr Nachmittags im Bogen 4. Größere Zufuhren er- wünscht. Preise steigend. Bratheringe per Faß 1,25— 1,50, größere 2,50 M. Russische Sardinen 1,50—1,60 M. Meinlachs 2,50—2,90, Weser- und Ostseelachs 1,20— 1,60, Flundern, kleine 2,50-5,00 M., mittel 7,50-16 M., große 18-27 M., Bücklinge 2,20-4,00 M. per 100 Stück. Sprotten 65-75 Pf. per Kiste. Kieler Sprotten 20—25 Pf. pr. Pfd. Rauchaal mittel 0,80—1 M. per Pfd. Fische. Hechte 30—40 M. per Ztr. Karpfen 35— 64 er 55—75 M. per Ztr. Obst und Gemüse. Größere Zufuhren sehr erwünscht. Die Preise steigend. Birnen 10—20 M, feinste Sorten 20-40 M., Aepfel 6,00-9,00 M.. Tafeläpfel 10-20 M.. feinste Sotten 20—36 M., Wallnüffe 20—30 M., geringe 12—15 M. pr. Ztr. Apfelfinm, Valencia 25—28 P!., Lissadon 15-16 M., Zitronen, Malaga 24-25 M. Böhmische Back- flaumcn 10—13 M. Weißfleischige Spcisekattoffeln 3,00—3,60, rothe 2,80—3,00, blaue 2,80-3,20 per 100 Ko., groß Sellerie 7-10 M., klein 3-7 M., Meerrettia 7-12 M.. Zwiebeln 4,50-6-8 M.. Blumenkohl 30-40 M. pr. 100 Stück, Kohlrüben 1,50-2,00 M. per Zentner. Pflanzen. Rosen-Hochstämme 35—55, niedrig- veredelte 15-20 M. pr. 100 Stück. Eier 3,20 M. pr. Schock. Butter, i». Butter wenig zugefühtt. u». Qualität in größeren Posten vorhanden, aber wenig begehrt. Frische feinste Tafelbutteric. 120—125, feine Tafelbutter>. 110—118, Ii. 95—108 M., 1". fehlerhafte 85 bis 90. Landbutter I. 90—96, I>. 80 bis 85 M. Galizische und andere geringste Sotten 55—72 M. pr. 50 Ko. Käse. Emmenthaler 70—75, Schweizer 1. 56—63, N. 50—55, Iii. 42—48, Quadrat-Backstein>. fett 20—25, Ii. 12—18 M., Limburger I. 28-32,»i. 18-22, Rheinischer Holländer Käse 45—58 M., echter Holländer 60—65 M., Edamer I. 60—70, II. 56-58 M. I. Ziehung d. 3. Klasse 175. Königl. Preuss. Lotterie. Zi-hunz vom 14. Itcember 1886,«ocmiitog». «ut die Gewinne über 155 Mark sind den betreffenden Rummern in Parentbese beigefügt. iOhne Sewäbr.) ### UUMLZZW ilifütis WWWWM 46 973 9� 1 64 246 90 97 355 73 401 i'200) 70 92 651 63 820 90118 68 274 93 415 40 609 667[3001 708 905 66 81 7 1 051 93 164 91 207 355 84 563 626 42 65 67 78 711 17 39 889 917 7 2020 62 277[3001 455 537 631 926 7 3037 65 380 401 19 50 89 512 52 53 601 738 63 880 915 36 74178 442 79 501 97 679 700 816 80 963 70 7 5042 160 266 301 10 22 47 80 469 87 533 687 99 846 94 7 6027 72 206 76 88 474 95 510 76 81 773 77 810 952 7 7017 201 96 386 633 94 940 81 78276 86 340 74 437 517 89 677 874 7 0041 234 49 338 418 36 47 49 59 61 86 687 707 19 47 73 813 921 60 97 80093 204 73 343 734 63 81010 102 216 76 344 49 447 660 619 76 907 11 36 38 86 8 2256 328 72 411 84 94 509 59 662 88 98 788 809 30 925 8 8069 72 73 90 157 273 95 366 492 503 5 55 632 38 89 856 912 17 72 84130 69 204 19 338 477 607 861 930 85163 268 337 69[3001 70 97 409 537 623 54 12001 59 813 25 934 59 69 8 6413 700 4 87132 243 300 24 33 617 719 857 92 988 88090 190 688 786 899 82117 19 210 1300] 94 386 94 421 61 67 76 572 693 701 822 984 I. Ziehung d. 3. Klasse 175. Königl. Preuß. Lotterie. Zi-bung vom 14. December 1886, Raehmiee-g». Rur die«ewinne über 155 Mark find den betreffenden Nummern in Parenthese beigefügt. (Ohne Gewähr.) MMMWSMißi [5001 622 23 806 1 9060 172 263 80 90 343 92 95 407 83 698 748 grwßgiRWWS � M S903007l 90 93 198%23 66 72* 93 306605�% 53 901 83 31259 399 28 MB � »«SSSwIisl-S @00# WNUNZWWW «MZMJi 907 8» 96072 204 31 37 324 51 98 601 24 95 99 880 932 39 9 1 011 177 402 16 90 590 670 710 861 70 90 918 20 92015 49 91 234 426 40 702 983 9 3012 223 349 460 513 43 87 95 778 85 943 68 9 4054 68 97 107 oO 73 314 25 417 35 731 59 67 9 5043 105 36 66 431 509 722 96 96059 87 126 69 244 573 679 951 75 89 9 7014 138 94 209 71 363 551 � 525 68 816 „ 1 66052 129 34 54 248 355 446 653 1 6 1 034 168 225 46 338 479 560 625 78 89 701[2001 162023 39 66 279 329 488 833 63 1 63036 258 60 96 403 11 43 686 716 24 930 1 64183 222 338 90 503 42 89 609 19 819 77[2001 939 1 65277 384 99 483 547 620 724 32 69 92 804 96 959 90 1 66150 203 69 94 304[200] 9 76 497 615 1300] 760 79 806 918 98 1 67024 32 56 58 282 99 362 539 71 732 55 82 971 1 68033 122 48 55 378 79 531 74 977 1 69096 155 203 23 29 386[200] 426 34 80 628 71 887 1 16041 86 123 315 430 512 757 63 911 58 66 1 1 1045 108 64 340 517 98 779 98 857 904 7 58 112103 29 369 88 90 466 83 90 612 13 825 74[200] 113084 170 231 32 487 649 63 114007 34 181 307 442 583 607 713 99 806 42 48 92 1 1 5022 305 26 83 98 459 522 72 602 30 126027 551 676 799 895 1 21 184 200 628 721 963 75 88 1 22047 73 281 351 90 453 84 569 88 601 93 740 51 12:4047 134 262 476 516 86 1 29043 181 340 77 82[300] 435 612 55 72< 76 824 959 1 30177 88 403 503 40[300] 53 617 27 84 918 56 1 8 1 356 447 522 72 679 99 752 831 132046 230 438 542 1 3314 23 89 116 19 41 88 356 408 40 537 714 891 971 13 1075 241 86 440 726 873 952 1 35292 385 675 703 950 58 66 1 36220 34 55 72 398 484 724 828 80 1 37024 233 378 430 522 625 788[200] 849 56 1 88979 266 83 87 316 581 613 868 977 1 36085 136 364 442 562«2 655 62 97 1 40050 287 386 439 53 86 583 96 630 64 738 97 868 1 4 1 037 290 373 414 596 600 7 14 729 865[500] 142109 30 260 363 409 521 77 843 964 88 1 43110 229 61 343 546 83 692 811 14 4608 36 633 905 145064 77 105 83[200] 99 269 71 331 95 430 815 98 1 46061 71 100 84 408 41 755 964 76 1 4 7030 180 243 359 450 62 601 11 25 83 7 94 14S082 88 172 75 332 584 724 85 801 917 1 40039 147 217 65 594 689 886 150091 291 93 491(2001 517 77 998 1 51101 24 27 70 230 574 669 816 152032 66 114 493 532 867 86 900 6 22 1 53010 129 248 64 420 [300] 27 619 890 967 96[2001 154213 417 18 60 543 683 832 80 92 952 155047 145 224 348 706 990 1 56116 91 96 231 388 650 52 58 943 15 7073 94 143 348 1300] 449 62 538 608 820 97 98 1 58039 158 99 505 765 902 1 50273 96 486 516 68 750 92 847 953 160169 299 806 801 84 926 58 1 6 1 004 64 386 462 538 692[2001 854 71 80 968[2001 163254 497 583 647 58 819 73 1 63219 383 479 774 94 868 1 64119 442 566 851 952 1 65040 348 87 471 906 18 1 66024 37 94 109 89 391 412 97 512 11[200] 848 943 1 67039 79 110 29(200} Kl%l%%V6r� �™ 75 733 74 820 39 W mm# 1 80028 146 266 320 435 61[300] 98 710 816 959 70 1 8 1 093 487 549 663.703 29.846.972_ 182201[200] 77 363 423[200] 33 601 766 818 972 188017 114 263 363 431 748 85 881 935 84 1 8 4206 16 74 84 86 326 Ruraufw* smsramwwiM 1 87023 88 208 29 54 357 444 77 596 608 32 81 700 58 78 909 28 188017 63 103 14 44 56 220 686 89 795 97 939 46 47 87 89[2001 189361 88[200] 507 29 41 76 635 78 82 721 42 895 997 9O062 85 154 344 76 409 79 96 731 46 75 93 818 68 94 95 954 »1045 120 44 343 71 94 437 67 512 25 96 778 91 99 901 81»2011 117 377 403 42 69 511 646 51 701 859[300] 03108 12 68 310 12 447 597 657 72 98 957»4070[200] 161 206 324 592»5021 304 16 421 80 741 77*832»8010�1 H 26ff 595*604 39 69 880�2 993'»9124 26 33[300] � 4880031 1.10g 57 162 213 591 617 23 36 720 942 59 76> 02132 227 482 618 679 85 935 103033 34 52 172 89 222 301 63 440 536 42 617 700 845 909 69 — 43 N7� 121 480 724 33 830 936 1 11000 143 246 345 93 645 627 mmmwm � IWK&WU �184*254 59%*467*6a! �86 729 mwämMM 322 34 35 612 1 82056 229 86 332 62 461 520 657 65 92 908 1 83066 124 288 362 459[200] 636 969 1 84003 134 41 344 639 99 623 920 185113 19 71 236 41 638 52 64 812 940 1 80244 69 309 37 469 593 99 605 733 37 896 l 87062 106 44 318 26 601 79 714[300] 90 805 958 oz 1 38001[500] 40 76 150 451 514 64 673 790 800 960 98 1 8B107 28» 707 1 401387M*462*85 519 812 33 90 970 76 1 41116 24 64 206 372 489 522 46 606 32 65 759 77 832 921 52 1 42014 25 320 64 433 615 75«J* läW«4»«4 ISKM ff M-e'-WÄ 146192 374 467 633 750 896 939 1 47075 108 314 36 458 577 620 33 724[200] 983 96 1 48074 149 295 361 429 602 763 817 941 63 1 40092 MWWWWWi 691 729 996 1 67009.313 90 429 411 53 68 630 700 74 833 1 80164 340 515 68 737 Btrontoorttich für den politischen Theil»und Soziales Max Schivhel, für Vereine und Versammlungen 5. Tutzauer. für dm übrigen Theil der Zeitung R. Crouheim. sämmtlich in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin sw., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage. Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. S93. Mittwoch, den 15, Dezember 1886. >'. I-Hr». Aug der UlititürlommifUn. Die Reichstagskommisfion zur Berathung der Militär- Vorlage trat gestern in die S v e z i a l d i s k u s s i o n des Ge- setzentwurfs ein, und zwar zunächst über§ 2, welcher lautet Vom 1. April 1887 ab werden die Infanterie in 634 Batallione, die Kavallerie in 4G5 Eska drons, die Feld-Artillerie in 364 Batterien die Fuß-Ar killerie in 31, die Pioniere in 19 und der Trains in 18 Bataillone formtet. Eine längere Debatte entspann sich zunächst über die Ver- Mehrung des Trains. Abg. Richter hat sich bis jetzt nicht von der Nothwendigkeit der Vermehrung des Trains überzeugen können. General v. Hönisch erklärt, daß gegenwärtig alle Trains militärisch neu organisirt würden. Es fehlen uns an Train- Mannschaften rund 11000 Köpfe, um die erforderliche Organi- sation durchzusühren. Im Interesse der ganzen Armee sei die neue Formation nothwendig. Wer jemals beobachtet habe, wie es manchmal hinter der Armee aussehe, der müsse für eine Neuorganisation des Trains eintreten. Abg. v. Maltzahn schließt sich den Ausführungen des Generals v. Hönisch an und hält besonders die Vermehrung der Pferde beim Train für wünschenswerth, weil später diese Pferde sich viel besser zur Landwirthschaft eigneten, als die jetzt vielfach zum Traindienst gebrauchten Kavalleriepferde. Abg. Dr. Buhl(natlib.) weist auf den letzten Krieg hin, wo es schwierig gewesen sei, die Verpflegung der Truppen so herzustellen, wie es unbedingt nothwendig sei und bei einer Vermehrung des Trains fich leicht hätte erreichen lassen. Freiherr v. Huene(Zentrum) befürwortet nachdrücklich die Vermehrung des Trains, weil dadurch im Kriege der ganzen Armee, und besonders den Mannschaften große Er- ieichterungcn verschafft würden. Auch der Gesundheitszustand der Armee hänge vielfach von einem gut organisirten Train ab. Abg. Richter hält es für sehr schwer, bei den einzelnen Punkten genau zu erwägen, welche Formation speziell für die Armee besonders nützlich sei. Doch glaube er, daß für die Landwirthschaft es ganz gleichgiltig sei, ob von 200000 Militärpferden 750 mehr für den Train ausgebildet werden oder nicht. General v. Hönisch theilt mit, daß jetzt auch Kavallerie noch vielfach bei der Artillerie verwendet werde.— Was die Vermehrung der Eisenbahntruppen anbelangt, so zweifle er nicht daran, daß bei der Ausbildung des ganzen Verkehrs die Noth- wendigkeit dieser Pofition nicht bestritten werden würde. Aber auch die Verstärkung der Pionierbataillone sei nothwendig der allgemeinen Heeresverstärkung wegen. Der Kriegsminister theilt mit, daß alle Pionierbataillone auf dieselbe Etatsstärke gebracht werden sollten und daß danach die Vertheilung der neuen Mehrforderung sich gestalten werde. Bei der Berathung der von der F u ß a r t i l l e r i e han- delnden Position bemerkte Abg. Richter, er setze voraus, daß es sich um Vermehrung der Etatsstärke solcher Regimenter bandle, die im Osten oder Westen Deutschlands in den Festungen liegen; doch empfahl er Ersparnisse, die durch ein- jelne Abänderungen in der Formation wohl erzielt werden könnten. Da die Fußartillerie aber nicht im Kriegsfalle sofort in Verwendung trete, so habe diese Position gar keine Eile. Der Kriegsminister betonte, daß es den heutigen Ver- hältnisscn nicht entspreche, wenn man die Artillerie an einigen Punkten vermehre dadurch, daß man sie an anderen Stellen vermindere. Wenn der Abg. Richter gemeint habe, mit der Fußartillerie sei die Vermehrung nicht so eilig, da sie ja dem Feinde nicht sofort entgegen geworfen werde, so mache er darauf aufmerksam, daß einzelne Theile der Fußartillerie sofort in Aktion treten. _ Abg. Rickert erwidert, daß diese Mittheilung auf ihn keinen Eindruck mache, besonders da die Verwendung einzelner Theile der Fußartillcrie im Felde doch die Vermehrung im Ganzen nicht rechtfertige. Die gegenwärtigen Zeitverhältnisse drängten öu außerordentlichen Ersparnissen. m. Der Kriegsmtnister replizirt, daß der Bedarf em unab- weislicher sei, die Vertheilung aber könne heute noch nicht scharf präzisirt werden. Die Kriege von 1866 und 1870 seien ?er Kriegsvcrwaltung sehr überraschend gekommen. Man müsse nn Voraus das Heeresgefüge fest machen und die einzelnen Positionen rechtzeitig feststellen. Abg. Richter meinte, daß dte Stellung Deutschlands m Bezug auf die Arniceverhältnisse jetzt etne viel bessere sei, als 1870. Die Südstaaten seien fest eingefugt worden, wodurch den Ueberraschungen keine so große Bedeutung mehr beigelegt werden könnte.... , Der Kriegsminister macht darauf aufmerksam, daß bei Nncm Landkriege Frankreich eine große Zahl Schmsarttllene als Fuß- und Fcstungsartillerie benützen könne, wodurch es unserer Artillerie gegenüber sich in großem Vortheil befinde. Eine Herabsetzung der Dienstzeit der Fußarttllerie set un- Wöglich. Dr. Frege(kons.) erklärt, daß die Fußartillerie tm Kriege auf das äußerste angespannt sei, daß er deshalb dte Position «mpfehle. .. Abg. Rickert meint, daß überall und bei jeder Pofition dw unbedingte Nothwendigkeit betont würde; er müßte doch zunächst wissen, an welchen Positionen die Möglichkeit von Er- sparnissen zugestanden werden könne, um danach Amendements ZU stellen. Ersparnisse seien nothwendig. Bei Rachweis einer Kriegsgefahr mache er keine Einwendungen, aber es handle hier um ..... die Friedenspräsenzstärke. er Armee große Ausgaben für Paläste gemacht. Außerdem würden in v Der Kriegominister bestrettet, daß fui xjwgen gemacht worden und metnt, er Position die Nothwendigkeit einer Erhöhun .... Nothwendigkeit wtt mathematischer Gewißheit «Klange die Militärverwaltung. für Paläste Aufwen- cr könne bei keiner Erhöhung der Präsenzziffer nachweisen: etwas Vertrauen Er könne bei gewissenhaftester fung die bestimmte Versicherung geben, die Vermehrung der —"- ntotg, wenn viese tm Kriege ihre volle Sämmtliche Forderungen seien für den artillerie sei nothwendig, Schuldigkeit thun solle. «rtegsfall berechnet. �., mr., m.Abg. v. Helldorff(kons.) hob hervor, daß tm Plenum des Reichetags auch der sozialdemokratische Abg. Bebel ausdruckltch Sparsamkeit in der preußischen Armee anerkannt habe. Aber die Vermehrung der Fußartillerie set nothwendig, f* loi Sparsamkeit nicht am Platze, hier sei Sparsamkeit Ver- lchwendung. Abg. Richter entgegnet dem Kriegsminister, daß er auch �ertrauen für die Volksvertretung verlange, die gewissenhaft ®le. Finanzverhältnisse berücksichtigen müsse. Redner wetntc alsdann, daß die Einjährig-Freiwilligen nicht m £te Friedenspräsenzstärke eingerechnet würden. Auf diesen Punkt werde er bei dm anderen Positionen zurückkommen. Der Kriegsminister bemerkt, daß bei der Kriegsstärke die Einjährig-Freiwilligen eingerechnet würden, daß sie aber nicht allein bei der Mehrforderung jetzt in der Berechnung ausge- schlössen seien, sondern bei der Friedenspräsenzstärke überhaupt. In Bezug auf die Vertrauensfrage wolle er uns sagen, daß er in der verliegenden Angelegenheit persönlich die Ziffern mitge- rechnet habe; aber es gäbe Punkte, wo eine mathematische Ge- wißheit gar nicht eintreten könne. Nach einer kurzen Debatte, an welcher sich Abg. Richter, der Kriegsminister und Abg. Buhl betheiligten, wurde be- schlössen, die Frage der Rekrutenaushebung bei der Position Infanterie zu behandeln. Danach trat eine Pause ein. Nach der Pause wurde zunächst die Pofition„Feld- artillerie" diskutirt. Der Kriegsminister machte weitere Mittheilungen über die Vertheilung der Artillerie, welche als vertraulich zu bezeich- nen sind. Graf Saldern(kons.) befürwortete die Vermehrung der Artillerie. Hier komme es viel mehr auf den einzelnen Mann an, als bei der Infanterie. Bei der Pofition„K av al l erie" beschränken fich die Nkehrforderungen darauf, daß bei dieser Waffengattung die Rekrutenvakanz in Wegfall kommt. Abg. Richter wünscht eine präzisere Fassung des Gesetzes Er sehe nicht ein, weshalb gerade bei der Kavallerie die Re- krutcnvakanz aufhören solle und erklärt sich gegen eine solche Erhöbung der Dienstzeit, ohne daß ein entsprechender Ausgleich getroffen wird. Der Kriegsminister erwidert, daß es vielleicht gar nicht nothwendig gewesen wäre, diese Forderung in das Gesetz zu dringen, da sie ja in anderer Weise im Wege des Etats hätte geregelt werden können. Die verbündeten Regierungen wollen jedoch sich hierüber mit dem Reichstag in volles Einventehinen setzen, und das geschehe am besten an dieser Stelle. General v. Hönisch sieht in der Forderung der Regierung eine große Förderung der Ausbildung der Kavallerie. Bei der Ausbildung gerade der Ka- valleristm entständen so viele spezielle Krankheiten, daß der Wegfall der Rekrutenvakanz hier besonders nothwendig würde, um die Ausbildung nicht allzusehr konzentrirm zu müssen. Graf v. Saldern(kons) erklärt sich gegen die Rekruten- vakanz und bezeichnet den Monat Oktober als den geeignetsten für die Rekrutendressur. Der Kavallerist biete in seinem äußeren Auftreten ein viel erhebenderes Bild als andere Sol- baten. Aber nach dreimonatlicher Ausbildung seien die meisten Kavalleristen noch keine Reiter, sondern Per- sonen, die erst mit ihren Pferden ein Kompromiß abschließen müßten, um nicht abgeworfen zu werden. Und doch habe der einzelne Kavallerist im Kriege eine große Verantwortung, denn oft hänge von der richtigen Meldung einer Kavalleriepatrouille das Wohl und Wehe einer ganzen Soldatenabtheilung ab. Und richtige Meldungen könnten nur diejenigen Kavalleristen machen, welche ihre ganze Kraft nicht mehr auf das Reiten zu legen brauchten. Deshalb bitte er um Bewilligung des einen Rekrutenmonats. Abg. Rickert bestreitet, daß die Ausbildung des Kavalle- risten gerade von dem Monat Oktober abhänge und verwirft die Forderung der Regierung. Der Kriegsminister unterstützt die Auffassung des Grafen Saldern und hält es für ein sehr wichtiges Moment, daß der Rekrut erst längere Zeit im Freien, also im Oktober, reiten lerne. Abg. Richter erklärt dem Ficiherrn v. Malyahn gegenüber, daß es sich hier in der That um eine Verlängerung der Dienst- zeit für 9000 Mann ö 1 Monat handle. Das seien jährlich 800 Mann. Danach verlange die Regierung nicht eine Er- höhung der Präsenzstärke um 41 000, sondern um 42 000 Mann. lieber die Position Landwehrbczirkskommando entspinnt sich eine Diskussion zwischen den Regierungsvertrctern und dem Abg. Richter, welcher der Ansicht ist, daß es sich hier nur um eine eigenthüinliche Abrundung handle, damit man unter allen Umständen das eine Prozent der Bevölkerung er- reiche, welches die Grundlage der Friedenspräsenzziffer der Be- völkerung bilden solle. Minister Bronsart v. Schellen- d o r f f und Abg. v. K ö l l e r erklären, daß sich die Arbeiten auf den Landwehrbureaus in letzter Zeit so sehr gehäuft hätten, daß neue Einstellungen von Mannschaften erforderlich seien. Bei der Position„I ä g e r" meint Abg. Richter, daß über die 14 Mann, die für Preußen gefordert würden, nichts zu reden sei, aber für Sachsen werde ein ganzes Bataillon mehr gefordert. In Sachsen sei bereits ein Fägerbataillon vorhan- den, und er wisse nicht, daß dort aus besonderen Grcnzverhält- nissen eine Vermehrung nothwendig sei. Die(läger seien zudem theurer als die Infanterie. Die geforderte Erhöhung sei in keiner Weise begründet, ein Bedürfniß nicht nachge- wiesen. Sächsischer Major V. Schlieben: In Sachsen ist man von denselben Intentionen ausgegangen wie in Preußen, deshalb ist die Forderung eingestellt worden. Abg. v. Frege: Für Sachsen paßt besonders ein Jäger- bataillon, weil die sächsische Bevölkerung sich besonders zu Jägern eignet. Ähg. Rickert: Wenn dieser Grund stichhaltig wäre, könnte jede Provinz und jedes Land die Vermehrung einer Truppen- ttung fordern, für die sie sich besonders geeignet halten. Abg. Richter: In der ganzen Vorlage ist keine Forderung so schlecht begründet wie die vorliegende. Sachsen habe bereits zwei Jägerbataillone, während in Preußen bei zwei An»«- korps die Jägerbataillone fehlen. Darin liege eine Anomalie, die vom Standpunkt einer einheitlichen Vertheilung in der Armee noch vergrößert werden sollte. Abg. v. Maltzahn ist der Ansicht, daß das geforderte sächsische Jägcrbala llon nicht weil dasselbe in einen Regimentsver- band eingefügt werden müsse. Abg. Richter will überhaupt kein neues Bataillon für Sachsen, weder Jäger noch Infanterie. Es sei ganz unrichtig, wenn man nach der Bevölkerungszahl eines Einzelstaates immer die Heeresstärke regeln wolle. Die Debatte wurde darauf vertagt. Zu einer Abstimmung kam es gestern noch nicht. Nächste Sitzung: Mittwoch Vormittag 10 Uhr. Lokales. Schülerselbstmorde. In Wien stürzte sich, wie wir be- reits mitgetheilt haben, vor einigen Tagen ein lljähriger Schulknabe zum Fenster hinaus und fand durch den Sturz einen schrecklichen Tod, weil er in der Schule die Sittennote .entsprechend" und nicht„vollkommen entsprechend" erhalten hatte und nun vom Vater ausgezankt zu werden fürchtete.— Der Selbstmord dieses elfjährigen Knaben hat gewiß überall das tiefste Mitgefühl für Kind und Eltern wachgerufen. Die Selbstmorde in jenein Alter, in welchem die Welt dem jugend» lichen Geist am schönsten erscheint, mehren sich in geradezu er- schreckender Weise. Was ist das für eine überreizte Zeit, in der die Kinder schon, wenn ihnen das Geringste in die Quere kommt, ihr zartes Leben abschütteln! Wo ist eigentlich die Schuld an solchen tragischen Erscheinungen zu suchen? Liegt sie in einem künstlich gesteigerten Ehrgeiz der Kinder oder der Eltern? Oder soll man die Strenge der Lehrer dafür»er» antwortlich machen? Oder haben wir das Uebel etwa in sozialen Verhältnissen zu suchen, aus welchen der Kinder- Selbstmord wie ein verderblicher Pilz herauswächst, um viel- leicht, wenn man die einzelnen Fälle nicht beachtet, später ganze Kulturen zu treiben? Der in Wien vorgekommene krasse Fall läßt seiner ganzen Art nach darauf schließen, daß die letztgenannte Quelle ganz emstlich in Betracht zu ziehen wäre. Mühevoll, hart ist der Erwerb vieler Eltern in der Großstadt; nur mit den größten Opfern erschwingen sie die Erziehungskosten für ihre Kinder. Räum- lich beengt in dichtbevölkerten Stadtvierteln wohnend, mit tausend Sorgen kämpfend, kennen diese Eltern nur den einen Wunsch: ihre Kinder dereinst in besserer Lage zu wissen. Zu diesem Zwecke müssen die Kinder lernen, lernen und wieder lerne». Das Lernen in der Schule, obschon reichlich bemessen, genügt nicht; es muß auch die Freistunde dem Lemen ge» opfert werden, welches ja den Zweck hat, dereinst aus den Kindem bedeutende, wohlhabende, sorgenlose Menschen zu machen. Der Vater erblickt in dem Knaben, der in einer Be- zichung hinter den andere» zurückbleibt, einen Marodeur, au den er sein sauer verdientes Geld nutzlos weggeworfen, und um ihn anzuspornen greift er oft zu Mitteln, mit welchen man schnrachvoller Weise einst wohl Sklaven zu erhöhter Arbeits- leistung angetrieben, für die aber unsere Zeit, zumal Kindem gegenüber, keine Rechtfertigung hat. Die Jagd nach dem Glück oder dem täglichen Brot mit all' ihrer entnervenden Hast wird schon auf das Studium übertragen und hat auf die armen, gemarterten Köpfe so mancher Jungen dann den folgerich- tigen Einfluß, daß dieselben sich wegen eines ungenügenden Zeug- nisses im Betragen in ihrer Branche als fallit fühlen und gleich dem verzweifelten Bankcrotteur Hand an ihr vermeintlich ohnehin total entwerthetes Dasein legen. Die jetzt erwachsene Genera- tion, deren Ernährer noch nicht so sehr unter den Bedürfnissen einer größeren Stadt zu leiden hatten, wird sich an keinen Schülerselbstmord zu ihrer Lernzeit erinnern. Es war damals wirklich noch gemüthlichcr, wenn man dieses viel mißbrauchte Wort hier anwenden darf. Wenn einer von der damaligen Schülcrgencration mit einem Zeugniß bedacht wurde, das ge- eignet war, den väterlichen Grimm anzufachen, that er das Aeußerste, wenn er den Tag über ein persönliches Zusammen- treffen mit dem gestrengen Vater vermied. Abends schlich man nach Hause, zur Mutter, weinte ein bischen und erkundigte sich nach des gestrengen.Herrn Vaters allgemeiner Stimmung. Die Mutter brachte den Sünder geschwind zu Bett und be- schwichtigte den Zorn des heimkehrenden Papas mit den Wor- ten:„Aber Alter", darfst den armen Jungen nicht aus dem Schlaf aufwecken, er kränkt fich ohnehin so, daß er den ganzen Tag verzagt herumgelaufen ist." Und des Morgens gab es dann eine Strafpredigt, Mittags wurde der Delinquent auf magere Kost gesetzt und die Sache war unblutig abgethan bis zum nächsten Zeugnisse, das natürlich gut war und eine väterliche Belohnung nach fich zog. Aus den Knaben, die damals wegen kleiner, muthwilltger Streiche schlechte Zensuren heimbrachten, sind tüchtige Männer geworden, während so mancher Muster- schüler, der stets die Hände auf der Bank liegen hatte, ein ver- bummeltes Genie oder ein Nichtsnutz im praktischen Leben geworden ist. Wie kommen wir dazu, von unseren Kindern mehr zu verlangen, als wir selbst geleistet haben? Wie viele Väter giebt es denn, die sich aus ihren Knabenjahren nicht eine solenne Keilerei oder sonstige kindische Missethat vorzuwerfen hätten, die ein schlechtes Zeugniß nach fich gezogen? Die armen Knaben von heute haben in größeren Städten ohnehin keine Jugend mehr zu genießen. Erheben wir daher nicht jeden kleinen Fehler bei sonst gut gearteten Kindern zu Verbrechen, lassen wir die Kleinen, die einem aufreibenden Zukunftskampf ums Dasein entgegensehen, zu uns kommen, wenn sie in kind- lichem llebcrmuth oder im Ansturm des vielgestaltigen Lehrstoffes sich gegen unsere Erwartungen vergangen haben; lassen wir sie zu uns kommen, um milde Richter über die Reuigen zu sein, wie es unsere Eltern einst gegen uns gewesen. Dann wollen wir sehen, ob noch viele Schülerselbstmorde zu verzeichnen sein werden. Das Verhängen der Schaufenster ist, wie immer um die Weihnachtszeit, so auch gegenwärtig eine wahre Plage für alle Ladcninhaber und bereits am letzten Sonntage konnte man die völlige Zweckloflgkeit dieser polizeilich verordneten Maßregel in allen Straßen unserer Stadt beobachten. Der Inhaber eines- Spielwaarcnladens, welcher im Stande ist, durch einen vor- schriftsmäßigen Vorhang sein Fenster vor der Neugier der Kleinen zu schützen, der müßte doch noch erst gefunden werden. Das verhüllende Tuch wird von fremder Hand an den unteren Ecken gelöst, so daß es entweder frei im Winde flattert, oder es bedeckt die Köpfe und Rücken einer ganzen Kinderschaar, die aufmerksam die Weihnachlsherrlichkeit im Schaufenster studirt, — Man kann sich ja lebhaft vorstellen, wie bedenklich es un- sercn Herren Verwaltungsjuristen erscheinen muß, die bestehen- den polizeilichen Strafvorschnften für die Dauer des Weih- Nachtsverkehrs zu suspendiren. Aber die Sache ließe fich viel» leicht in der Weise praktisch angreifen, daß die Exekutivbeamten mit Instruktion dahin versehen würden, während der Dauer des Weihnachtsmarttes von Anzeigen wegen unterlassener Ver- hüllung der Schaufenster abzusehen. Eine solche Diensterleich- terung wird den Herren ja wohl nicht unbequem sein und ihnen «möglichen, ihre Aufmerksamkeit mehr dem gegenwärtig sehr regen Straßenverkehre zuzuwenden, wo sie jedenfalls nöthiger ist. Ten Ladeninhabern aber würde mit solch« Anordnung eine Verpflichtung abgenommen, der sie, wenn sie bestehen bleibt, nachzukommen auß« Stande find. Unsere Geschöftsschilder. In der neuesten Nummer d« »Zcitschr. des Allgem. deutschen Sprachvereine" lesen wir: Die Satzangen des Allgemeinen deutschen Sprachvereins sagen in § 32:„Der Gesammtverein sucht auf die sprachlichen Kund- gedungen in allen Gebieten des öffentlichen Lebens einzuwirken u. s. w." Seither ist auf den Kampf aegen die Frcmdwört« sein Hauptbestreben g«ichtet gewesen. Ich möchte hier eimacn Fehlern näher treten, die dadurch von gemeingefährlicher Wir- üng sind, daß sie auf offener Straße allen Blicken, hauptsäch- lich auch denen der lernbegiriegen Jugend, ausgesetzt find; ich meine dte Fehl« auf den Schildern(sog.„Firmen") unser« Geschättsleute. Es handelt sich um die Fehler in den Satz- zeichen und in der Rechtschreibung; letztere finden sich natürlich wird« vorzugsweise in den Fremdwörtem. Wie groß die Zahl dieser Fehler ist, kann Jeder durch sorgfältige Prüfung ein«. größeren Anzahl von dergl. Inschriften selbst finden.— Am meisten wird gesündigt in der Anwendung oder noch mehr in der Weglassung des Trennungs- oder Bindczeichens(-). Da nennt sich ein ehrsamer Bürstenbinder auf seinem Schilde: „Pinsel und Bürstenfabrikant". Das ist doch allzu offenherzig und bescheiden!— Ein anderer empfiehlt„Eisen-Stahl und Mesfingwaarcn". Hier fehlt nicht nur das genannte Zeichen an einer Stelle, sondern auch an einer anderen ein Komma.— Mein Nachbar hat an seinem Hause stehen:„Rauch, Kau und Schnupstabacke; in und ausländische Liköre; Dampf und Land- brot; Tafel, Koch und Backbutter".— Eine andere Inschrift lautet:„Dampf, Tuch-Stoff.Presserei-Decatur und Waschanstalt". — Zählt man auch die geringsten Unrichtigkeiten mit, so wird fich eine verhältnißmäßig sehr hohe Zahl von falschen Inschriften er- geben. Denn nicht nur die Satzzeichen, auch die Wörter und namentlich natürlich die Fremdwörter enthalten viele Fehler. Ich las„Gummisauchcr, Quverts(Qu heißt ja doch Ku!); wieviel tausendmal liest man„Fabrick, Produckten, Artickel", und zwar zuweilen über den Schaufenstern der größten Geschäfte!— Bielen macht der Buchstabe x viel zu schaffen: statt Export las ich„Eyport" und„Egport". Auch t und y werden verwechselt; ein Barbier macht bekannt, daß er „Layemento" besorgt.— Was wird Alles aus„detail, aouterrain parterre"! Ich las„detail, det&il, sontorrain, sontrain, parter, pariere". Das Beste wäre natürlich, diese Fremdwörter ganz zu vermeiden. Betrachten wir nun den Schaden, welcher der Allgemeinheit durch diese Fehler zuge-- fügt wird. Ein großer Theil der weniger Gebildeten und ins- besondere diejenigen Kinder, welche eben erst Lesen und Schreiben gelernt haben, also auch noch zu den weniger Gebildeten ge- hören, halten Alles, was sie gedruckt oder sonst verewigt ge- sehen haben, für richtig.„Ich hab's gedruckt gelesen!" heißt's da. Wenn nun letztere z. B. auf ihrem täglichen Schulwege Jahre lang eine solche Inschrift lesen, so prägen fie sich die- selbe sammt ihren Fehlern ein, und die Lehrer haben nachher die größte Mühe, die gesammelten falschen Eindrücke zu be- seitigen, falls das überhaupt gelingt. Das beste Mittel zur Bcrhütung dieses Uebelstandes würde offenbar sein, daß in jeder Stadt ein in dieser Hinficht zuverläsfiger Beamter die Thätig- kcit der sog.„Firmenschrciber" zu überwachen hätte, und daß keine öffentliche Inschrift angemalt werden dürfte, deren Wort- laut nicht vorher von jenem Beamten auf Fehler untersucht worden wäre. Müssen doch auch Maße und Gewichte von einem Beamten geprüft und gestempelt werden, ehe fie in den öffentlichen Gebrauch kommen.— In Berlin sind bekanntlich die„klein gehauenen Holzhandlungen" berühmt ge- worden. Ein Wort für die Feuerbestattung. Bereits seit mehreren Menschenaltern giebt fich, anfänglich auf einzelne Ge- biete beschränkt, dermalen in allen aus der Höhe moderner Kultur stehenden Staaten und von Tag zu Tag lebhafter das Bestreben kund, das Bestattungswesen zeitgemäß umzugestalten. Qbwohl von Anbeginn der Bewegung an bereits Stimmen für Wiedereinführung der Feuerbestattung laut wurden, begnügte man sich anfänglich mit der Verlegung der Beerdigungsstätten aus dem Innern und der nächsten Umgebung der Kirchen vor die Stadtthore. An hartnäckigem Widerstreben von Seiten der bei Aufrechthaltung jener Unsitte Jnteressirten fehlte es schon damals nicht. Zur Zeit ist man, wiederum einen Schritt vorangehend, fast allgemein zur Ueberzcugung gelangt, daß sehr viele der, sei es auch erst vor wenigen Jahrzehnten angelegten, Friedhöfe, namentlich in der Nähe rasch an Ausdehnung gc- winnender Städte, fich in keiner Weife im Einklang befinden mit den berechtigten Forderungen der öffentlichen Gesundheitspflege. Hat doch die Wissenschaft nachgewiesen, daß sich bei der Verwesung der Leichen höchst giftige Stoffe, die sogenannte Ptomaine, bilden, daß die Keime ansteckender Krankheiten fich theilweise in feuchter Erde erhalten, weiter entwickeln und unter Umständen wieder auf Lebende übertragen werden. Außer den Forderungen der öffentlichen Gesundyeitspflege find es in erster Linie Verletzungen der Moral, des Schön- heitsgefühles und der Pietät gegenüber den Hingeschiedenen, welche Viele dem dermaligen Bestattungsverfahren abgeneigt machen.— Während der Wohlhabende in prunkhafter Weise der Erde übergeben wird und seine Gruft unversehrbares Familieneigenthum bleibt, werden die Ucbcrreste der nicht mit Glücksgütern Gesegneten in kurzer Zeit wieder ausgegraben und fortgcworfen, um neuen ins Grab sinkenden Geschlechtern Vermögensloser Platz zu niachen, bis auch deren Ueberreste nach wenigen Jahren dasselbe Schicksal ereilt. So wird da, wo jeder Standesunterschied aufhören sollte, eine ungleiche,— daher eine bitter empfundene— Behandlung den Ueberresten ganzer Volksklassen zu Theil. Zahlreiche Geistliche und Ver« ttetcr aller zur Zert bei den Kulturvölkern vorherrschenden Religionen haben fich dahin ausgesprochen, daß nirgends eine Vorschrift der Stifter jener Religionsgemeinschaften bestehe oder bestanden habe, welche eine bestimmte Bestattungsart vorschreibt, eine andere verbietet. Ein in den ersten Zeiten des Christen- thunis lebender Papst, sowie Luther und hervorragende Kenner der jüdischen Religionsurkunden haben fich übereinstimmend über die Zuvcrläffiakett der Feuerbestattung ausgesprochen. Noch vor wenigen Jahren wurden mit Sanktionirung des Vatikans Bestimmungen veröffentlicht, welche anordnen, daß die katholische Kirche ihr Begräbniß-Zercmoniell der Feuerbestattung da, wo dieselbe eingeführt, anpaficn solle. Wenden wir uns der Frage zu, was zur Verbesserung des Bestattungswesens gc- schehen könne und welche Vorschläge in dieser Be- ziehung gemacht worden find, so müssen wir zuge- stehen, daß zur Zeit kein besseres Verfahren als die Feuerbestattung bekannt geworden ist. Dieselbe be- seitigt die Mißstände des jetzigen Verfahrens. Die edelsten Geister der Neuzeit, wie Goethe, Schiller, Platen, Byron und Andere, haben die Feuerbestattung dichterisch verherrlicht: die Männer der exakten Wissenschaften unserer Taste sind Für- sprecher derselben; die hochentwickelte Fcuertechmk unserer Zeit macht das Verfahren von Jahr zu Jahr, auf Grund der in zahlreichen Verbrennungstcmpcln Italiens, Nordamerikas, wie Asiens gesammelten Erfahrungen, weniger kostspielig. Nicht wenige erleuchtete Regierungen haben hiernach die Feuerbestattung zu- gelassen und nahmen theilweise ihr stegcnüber eine geradezu vc- günstigende Stellung ein. Hiernach, und nachdem gewissen kriminalistischen Bedenken gegen die Feuerbestattung durch an- gemessene Anordnungen der Behörden in völlig genügender Weise vielfach bereits Rechnung getrosten worden ist, sowie an- derswo leicht getragen werden kann, rst es wohl nur noch eine Frage der Zeit, die Feuerbestattung in allen zivilifirten Staaten wieder in Uedung zu sehen. Wir Deutsche werden damit zu einem echt nationalen Gebrauche unserer Vorfahren zurücklehren. Wissen wir doch, daß viele germanische Stänime, auch nach der Bekehrung zum Christenthum, mit Zähigkeit an der Feucrbe- stattung festhielten. Diese Reformbesttcbungen beziehen sich übrigens nicht allein auf die Bestattung im engeren Sinne, sondern auch auf Vervollkommnung der Gesetzgebung über amt- liche Bekundung des erfolgten Ablebens und der Todesursache, über Leichcntransport, über Einrichtung und Benutzung von Leichenhäusern und Anderes mehr. Kalauer Butterstullen. Ein Pendant zu dem„Athleten- Frühstück" ist das„Materialisten- Frühstück", welches von den Kommis hinterm Ladentisch genossen wird, lebhaft an die be- kannten Anekdoten vom Schusterjungen erinnett und von den im Ueberflusse darbenden jungen Kauflcuten mit dem vorbe- z.ichncten technischen Ausdrucke„belegt" worden ist. Eine neue Spezialität aus Kalau! Eine räthselhafte Persönlichkeit ist die einer seit dem August 1884 in Straubing aufhültlichen Emma Estrella oder U lla de Streit, deren Identität der dottige Magistrat festzustellen sucht. Die Genannte, welche fich seit 1680 in Stuttgart, Oettingen und Kirchhain durch ihrer Hände Arbeit ernährt und Jahre hindurch Taubstummheit fingirt bat, scheint entweder durch ein von ihr oder an ihr verübtes Verbrechen beunruhigt zu sein und sucht geflissentlich ihre Herkunft zu verbergen. Dre frühere Angabe, daß fie als kleines Kind in Frankreich von Schauspielern gefunden und zu einer Seiltänzerin herangebildet worden, im Alter von 14 Jahren aber, nachdem fie vom Seil gestürzt und hierdurch taubstumm geworden, ihren Adoptiv- cltcrn entlaufen sei, hat fie später dahin geändert, daß sie als Findelkind von einem herumziehenden französischen Sprachlehrer namens Sladowsky aufgezogen und in der deutschen, französi- schen, englischen und italienischen Sprache unterrichtet worden sei. Im 14. Lebensjahr sei sie aus dem zweiten Stockwerk eines Hauses gestürzt und habe Gehör und Sprache verloren, während ihren Pflegevater infolge des Schreckens der Schlag gerührt habe. Endlich behauptet die de Strett, daß fie von einem Grafen in der Nähe von Stuttgart erzogen und unter- richtet, nach dem Tode desselben aber von den Erben verstoßen worden sei. Sicher ist, daß fie eine gute Erziehung und guten Unterricht genoffen, seit dem Jahre 1874 aber ein Wanderleben durch ganz Deutschland, Oesterreich, Polen jc. geführt hat. Eine Verletzung am Kopfe scheint von dem Sturz aus einem Fenster oder vom Selle nicht herzurühren. Fritz Käpernick, der in der letzten Zeit wenig von sich hören ließ, der aber in Berlin immer noch als ein Typus eines echten Schnellläufers bekannt und mit seinem Namen fast sprichwörtlich geworden ist, soll, wie man der„Voss. Ztg." mit- theilt, so schwer erkrankt sein, daß seine Auflösung zu erwarten ist. Er litt übrigens schon längere Zeit an der Krankheit, die bei Schnellläufern nur zu natürlich ist, an der Lungen- schwindsucht. Die Diebstähle in der Zentral-Markthalle nehmen be- ständig zu, so haben am Sonnabend, soviel der„A. Fl.-Ztg." bekannt geworden, allein in den Räumen der fieben Bögen fünf Diebstähle stattgefunden. Weit größer aber ist die Zahl der gar nicht allgemein bekannt werdenden Diebstähle, denn die Mehrzahl der Bestohlenen macht von den Diebstählen überhaupt keine Anzeigen. Denn da in der Zentral-Markthalle nur die Marktpolizci, aber keine Kriminalpolizei stationirt ist, so müßte der Bestohlene erst jedesmal fich bis zum Molkenmarkt begeben, da die Marktpolizei zwar die Anzeigen von Diebstählen ent- gegen nimmt, aber durch ihre sonstige vielseitige Thätigkeit nur selten in der Lage ist, sofort die Untersuchung und Recherchen eintreten zu lassen. Natürlich können die Marktstelleninhaber nur selten sich zu diesem Wege nach dem Molkenmarkt ent- schließen, da dies mit all zu viel Zeitverlust verbunden ist und so ist es denn naturgemäß, daß die Diebe, da die meisten Diebstähle unaufgeklärt und unverfolat bleiben, immer sicherer und frecher ihr einttägliches Handwerk in der Zenttal-Markthalle fortsetzen. In Neuendorf bei Potsdam ist, wie die„P. N." er- zählen, am vergangenen Tonnerstag eine eigenthümliche Ent- dcckung gemacht worden. An dem betreffenden Tage in der Mittagsstunde tummelten sich einige Burschen der dort befind- lichen Jutespinnerei im Freien umher, als der eine von ihnen plötzlich bis unter die Arme in den Erdboden versank. Bei näherer Untersuchung zeigte es fich, daß derselbe in eine Ver- tiefung gerathen war, deren Oberfläche mit Kartoffelkraut und einen? großen Stein nur leicht bedeckt war. Ihrer Neugierde folgend, besichtigten sie die Stelle näher und stießen dabei auf einen langen Gang, welcher in einer Höhle auslief. Nach er- statteter Meldung unternahm der dortige Obermeister mit mehreren Leuten eine genaue Revision der Stelle. Sie fanden die Höhle ausgestattet init Betten, einer Bank und verschiedenen Utensilien, die darauf schließen ließen, daß sie einem Menschen zur Beherbergung gedient hatte. Obgleich der Eingang einige Zeit hindurch bewacht wurde, hat man den romantischen Höhlen- bewohner bisher nicht ausfindig machen können. Poltzeibericht. Am 12. d. M- Nachmittags stürzte ein Knabe beim Verstcckenfpielen auf dem Boden des Hauses Oranienstraße 121 aus Unvorsichtigkeit in den vierten Stock hinab und erlitt einen Schädelbruch, an dessen Folgen er noch im Laufe des Tages starb.— Am 13. d. M. früh fiel ein Mädchen in der Gartenstraße plötzlich um und starb auf der Stelle am Herzschlag.— Gegen Abend wurde Unter den Lin- den vor dem kaiserlichen Palais eine 71 Jahre alte Frau durch eine im starken Trabe fahrende Droschke überfahren und ain rechten Fuß verletzt.— An demselben Tage fanden im Zenttal- totel ein Gardinenbrand, im Geschäftslokal von Cohn, eipzigcrstr. 130, ein unbedeutender Schaufcnsterbrand und in einer Wohnung Wiesenstr. 10 ein unbedeutender Brand an Möbeln statt.— Ferner entstand gegen Abend desselben Tages in dem Schanklokal Kanonrerstr. 9 durch unge- schicktes Umgehen eines der anwesenden Gäste mit einer brennenden Petroleumlampe Feuer, welches sich in kurzer Zeit über das gesammte Mobiliar verbreitete und dasselbe völlig vernichtete._ Gerichts-Ieitung. Ein bösartiger Dummerjungen- Streich führte den 17 jährigen Kaufmannslehrling Georg Vielitz aus Charlotten- bürg vor das Fonim der Strafkammer des Landgerichts n, belastet mit einer Anklage wegen verleumderischer und öffentlicher Be- leidigung, sowie wegen groben Unfugs. Der Angeklagte war bis zum Jahre 1884 Schüler des Charlottenburger Kaiserin Augusta- Gymnasii, welches er nach Ujährigem Aufenthalt in der Quarta verlafien, ohne von seinen Lehrern vermißt zu wer- den, da es dem sonst zwar stillen und bescheidenen Knaben an besonderer geistiger Begabung nach der Ansicht seiner Lehrer stets gefehlt. Möglich ist es wohl, daß Vielitz von dieser ihn betreffenden Anschauungsweise seiner Lehrer Kenntniß gehabt, denn anders sonst läßt sich das Gebahren des Vielitz nicht erklären, welches derselbe ausgeübt. Angeblich im Aufttage zweier ehemaliger Schulkameraden, Namens Hundriescr und Speyer. gegenwärtig noch Schüler des genannten Gymnasii, schrieb Vielitz im Laufe des Monats Oktober d. I. verschiedene offene Postkarten, die die unfläthigsten Beleidigungen enthielten, an den Direktor Dr. Schulz und verschiedene Lehrer der genannten höheren Lchranstalt als Schreiber jener Postkarten ward p. Bielitz bald ermittelt und demgemäß wegen Beleidigung angeklagt. Ferner machte fich der unternehmungslustige zunge Mann durch Einsendung verschiedener Annonzen, deren Inhalt erlogene Thatsachen darstellte, des groben Unfugs schuldig; die Charlottenburger Zeitung„Neue Zeit", welcher Vielitz ein In- scrat überbracht, enthaltend eine fingirte Geburtsanzeige, hielt jedoch vorher Nacbfrage bei dem von derselben betroffenen Gymnafial-Lehrcr Dr. Müller und dabei erfuhr man, daß ein Jungenstreich geplant war; eine andere Annonze dagegen fand den Weg in die Zeitung und in Folge des Inhalts derselben wurde der Gymnasial-Lchrer von Hausche tagelang von kauf- lustigen Personen überlaufen, welche auf einen angeblich für 6 M. verkäuflichen Uebcrzieher reflcktirten. Ein bösartiges Stückchen aber verübte Vielitz, indem er einem der Lehrer eme Karte zusandte folgenden Inhalts:„Lieber Heinrich! Du hast es ganz recht gemacht, daß Du Deine Olle auf ein Paar Tage fort- geschickt. Besuche mich doch heute Abend." Unterschrift. Diese Karte verfehlte aber den bcabstchligten Zweck und der eheliche Friede des betreffenden Lehrers ward infolge desselben keineswegs ge- stört. Bei Max Marcus in der Passage bestellte Vielitz Ver- lobungsanzeigen mit dem Namen eines anderen Lehrers und dessen angebliche Verlobte einer Schauspielerin; diese fingirten Anzeigen verschickte er an verschiedene Bewohner Charlotten- burgs. Vielitz, welcher Ausgangs Oktober d. I. mit einem Auswandererschiff nach Australien gehen wollte, wurde zur Haft gebracht; er bekannte fich im gestrigen Audienztermin als jenes Schabernacks Urheber und Absender der qu. Zuschriften. Der Staatsanwalt beanttagte 4 Wochen Gefängniß, sowie 14 Tage Haft unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Eine strengere Strafe erachtete jedoch der Gerichtshof am Platze und demgemäß lautete das Urtheil wegen Beleidigung auf 3 Monate Gefängniß und wegen groben Unfugs auf 14 Tage Haft; auf die letzteren wurde die Untersuchungshaft in An- rechnung gebracht. t Der männliche Heirathsschwindler ist eine Figur, die sehr häufig vor den Sttafkammern der Gerichte zu finden ist. Daß es auch weibliche Gegenstücke giebt, bewies eine Ver- Handlung, die gestern vor der fünften Strafkammer gegen Fräulein Juliane Wallat stattfand. Die Angeklagte war vom Schöffengericht wegen Unterschlagung zu 10 Tagen Gefängniß verurtheilt worden und hatte gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt. In ihrem Dienste als Köchin in einem Restaurant war fie mit dem Droschkenkutscher 8, einem fiebenunddreißig- jährigen Manne bekannt geworden und hatte in der Brust des Junggesellen zartere Empfindungen geweckt, so daß er ihr Herz und Hand anbot. Sie ging darauf ein und galt nun als erklärte Braut des Droschkenkutschers. Im Mai vorigen Jahres erzählte fie ihrem Verlobten, sie müsse in ihre Heimath, einem Dorf in der Tilfiter Niederung, reisen, wo sie eine Erbschaft von 1000 M. zu erheben habe; es fehle ihr aber an Reisegeld. Der Droschkenkutscher war bereit, ihr 40 M. zu borgen und es wurde ausgemacht, daß die Hochzeit stattfinden solle, sobald die Abgereiste nach Berlin zurückgekehrt wäre. Mit dem baarcn Gelde allein aber war Fräulein Wallat noch nicht zufrieden; unter den Habseligkeiten des Droschkenkutschers war ehr eine goldene Uhr mit Kette in die Augen gefallen, die jener von seiner verstorbenen Schwester geerbt hatte. Sie bat ihn, ihr die Uhr für die Reise zu überlassen, weil fie den Berwandten „imvoniren" wollte. Z. ging darauf ein, betonte aber aus- drücklich, daß er ihr die Uhr vorläufig nur borge, daß sie aber ihr Eigenthum werden solle, wenn sie verheirathet seien. Die Braut reiste ab und ließ nichts von fich hören. Inzwischen hörte der zurückgebliebene Bräutigam nicht gerade Günstiges über seine Verlobte. Sie hatte zu verschiedenen Frauen ge- äußert, sie denke gar nicht daran, den Droschkenkutscher zu Heirathen; fie wolle nur noch sechs Monate lang ihn in diesem süßen Glauben lassen, dann seien die Geschenke, die er ihr ge- macht, verfallen und könnten von ihm nicht mehr zurückgefordert werden. Diese raffinirte Gesinnung brachte Herrn Z. so in Zom, daß er ein für allemal darauf verzichtete, das Glück der Ehe neit ihr zu theilen. Er schrieb ihr einen Brief, in dem er seine Absage in die höfliche Form kleidete, er„wolle sich lieber aufhängen, als sie Heirathen." Daneben verlangte er seine Geschenke, besonders die Uhr mit Kette, zurück. Es kam jedoch keine Antwort und nun wendete fich der getäuschte Droschkenkutscher an die Behörde. Fräulein Wallat hatte inzwischen wirklich eine Erbschaft, es waren aber nur 60 M, erhoben und war dann nach Rußland gegangen. Als fie nach Berlin zurückkehrte, wurde sie vor Gericht gestellt und zu der oben mitgetheilten Strafe verurtheilt. Ihre Be- rufung war ohne Erfolg, denn die Bcrufungskammer bestätigte die von der ersten Instanz festgesetzte Strafe. Wegen Beschimpfung der Einrichtungen der christ- lichen Kirche stand gestern der Maler Emil Retzerau vor der vierten Strafkammer des hiesigen Landgerichts'. In derselben Sache hatte bereits am letzten Sonnabend Termin angestanden, der aber vertagt worden war, weil der als Belastungs- zeuge vorgeladene Polizeilieutcnant Lederer seinen Be- eicht an das königliche Polizeipräsidium beibringen sollte. Es handelte sich um eine Aeußerung, die ver Angeklagte in einer Versammlung der„Arbeetslosen", die am 25. Januar unter Vorfitz des Buchbinders Michclsen in „Sanssouci" stattfand, hatte fallen gelassen und welche nach Angabe des Beamten den Grund zur Auflösung gegeben hatte. Diese Aeußerung wurde in der gestrigen Verhandlung mit aller Bestimmtheit von dem Polizeilieutenant bekundet; mit derselben Bestimmtheit sagten aber die Entlastungszeugen, die Stadtverordneten Mitan und Görcki, der Metallarbeiter Netz- band und der Maler Wentker aus, daß sie die Aeußerung in der von dem Beamten angegebenen Form, in weuher zwei Schimpfworte gegen die christliche Kirche vor- kamen, nicht gehört hätten, trotzdem fie dieselbe hätten hören müssen._ Der Gerichtshof war jedoch der Ansicht, daß die Aussage des Polizeilieutenants, welche sich auf das sofort niedergeschriebene Protokoll über die Versammlung stützte, durchaus sicher sei, während die Entlastungszeugen die fraglichen Worte doch über» hört haben könnten. So wurde der Angeklagte zu einer Gefängnißstrafe von drei Monaten verurtheilt, während der Staatsanwalt nur zwei Monate beantragt hatte. Die Er- höhung der Strafe rechtfertigte der Gerichtshof damit, daß die Beschimpfung vor einer großen Versammlung gefallen sei, unter der fich doch mancher befinde, der dadurch in seinen„heiligsten Gefühlen" verletzt worden sei. Mannheim, 9. Dezember. Der„Franks. Ztg." wird ge- schrieben: Wie ich Ihnen s. Z. mittheelte, hatte die VerHand- jung vor der hiesigen Strafkammer gegen die Vorstände der Kasse der Metallarbeiter- Vereinigung Deutschlands,.Hänsler» Willig und Müller, insofern ein Nachspiel, als Willig anzu- nehmen glaubte, Stadtdirektor Siegel, welcher als Zeuge ver- nommen wurde, habe den wirklichen Thatsachen entgegenstehende Aussagen gemacht. Willig hatte dies auch öffentlich ausae- sprachen und gedroht, Herrn Siegel deswegen gerichtlich oe- langen lassen zu wollen, obgleich er dies später in einer an die „Franks. Ztg." gerichteten Erklärung abzuschwächen versuchte. ES wurde nun seitens der großh. Staatsanwaltschaft Anklage erhoben wegen Beleidigung des Stadtdirektors Siegel gegen I. Willig, Stadtrath Dreesbach, Stadttath Königshausen und Redakteur Frey. Letzterer ist an das Schwurgericht verwiesen, weil er die Angelegenheit ine hiesigen„Gencral-Anzciger" mit» thcilte. Die drei ersten Angeklagten haben sich heute vor der Ettafkammer zu verantworten und zwar geht die Anklage dahin, daß Willig die inkriminirten Aeußrrungen öffentlich und wiederholt gethan habe, daß femer Königehausen die Aeußerungcn Willia's in einer Wirthschaft öffentlich erzählt und schließlich, daß Dreesbach dem Redakteur Frey Mitthcilunacn über die Sache gemacht habe. Aus der heutigen Beweiserhebung eraieot sich insofern eine Schuld Willig's, als in der That festgestellt wird, daß dieser mehrfach die Absicht ausgesprochen hat, er werde Anzeige gegen Stadtdirektor Siegel wegen Meineids er- statten, obwohl Willig sich bewußt sein konnte, daß nach den Aussagen Siegels ein Meineid vollständig ausgeschlossen se», was der Angeklagte heute auch selbst zugiebt. Er will nur dee Abficht gehabt haben, einen eventuellen Jrrthum durch die Staatsanwaltschaft ausklären zu lassen. Der Angeklagte Königshausen stellt nicht in Abrede, im„Badener Hof" öffentlich von den Aeußemngen Willigs Mittheilung gemacht zn hohen, betont jedoch auf das Entschiedenste, daß ihm jede Ab- ficht der Beleidigung gegen Herrn Siegel ferngelegen. Dreesbach, welcher als der am mindesten Gravirte erscheint, bestreitcr die Ausführungen des Zeugen Frey, welcher unvereidigt� ver- nommen wird, und der angiedt, Dreesdach habe ihm bestätigi, daß Willig Anzeige gegen Siege! wegen Meineids erstatter habe. Demgegenüber behauptet Dreesbach, Frey sei zu gekommen, um ihn in der Angelegenheit zu befragen und va habe er weiter nichts gesagt, als er habe von Willig auch schon derartiges gehört. Frey solle fich indeß nicht etwa auf ihn vr rufen und überhaupt mit einer Notiz über diese Sache sehr vor sichtig sein. Der Vertreter der großh. Staatsbehörde, Derr 1. Staatsanwalt Tictz hält die Anklage gegen alle drei Ange klagte aufrecht und beanttagt die Verfügung von entsprechen»� Gefängnißstrafen, während der Vcrtheidiger Willig's, vcrr Rechtsanwalt Dr. Herz auf Freisprechung plädirt. vc; Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld als Vcrtheidiger Königshaiffcn und Dreesbach's bezüglich des ersteren bei Schuldigsprechung eine geringe Geldstrafe für angemessen hält und für Dreesva« Freisprechung beantragt. Seitens der Staatsanwallschaft w> alsdann die Anklage dahin ausgedehnt, daß die Beleidigung eines Beamten in Bezug auf dessen Beruf vorliege, welchen Ausführungen von den Vertheidigern entgegen getreten wird. Gegen£2 Uhr vertagte der Vorsitzende die Verhandlung bis L Uhr Nachmittags und es wurde dann folgendes Urtheil ge- fällt: Willig wird der verleumderischen Beleidigung eines Beamten in Bezug auf dessen Beruf nach§§ 187 und 196 des R.-St.-G.-B. für schuldig erkannt und zu einer Gefängniß- strafe von 4 Monaten, Königshausen wegen Beleidigung nach §§ 186 und 197 R.-Str.-G.-B. zu einer Geldstrafe von 800 M., im Falle der Unbeibringlichkcit zu 20 Tagen Haft ver- urtheilt, beide unter sammtverbindlicher Haftbarkeit für die Kosten; Dreesbach wird von der erhobenen Anklage, unter Verfällung der Staatskasse in die Kosten, freigesprochen. Außerdem wird dem großh. Stadtdirektor Siegel die Bcfugniß zugesprochen, das Urtheil auf Kosten der Verurtheilten in der „Badischen Landeszcitung", der„Karlsruher Zeitung", dem „Mannheimer Journal" und der„Neuen bad. Landeszcitung" innerhalb 14 Tagen nach erlangter Rechtskraft veröffentlichen zu lassen. Ist das Anlegen von Männerkleidern durch junge Frauen grober Unfug? Diese Frage hatte am 9. d. M, die Danzigcr Strafkammer zu entscheiden. Die als extravagante junge Dame bekannte Frau Martha Pieske(Tochter einer an- gesehenen Gutsbesitzer-Familie und geschiedene Gattin eines Gutsbesitzers), welche sich seit längerer Zeit in Danzig aufhält und gegenwärtig als Handlungsgehilfin fungirt, war vom Schöffengericht wegen„groben Unfugs" zu dreißig Mark Geld- strafe verurtheilt worden, weil sie wiederholt auf der Straße und auch bei öffentlichen Verhandlungen in den Gerichtssälen in Männcrkleidcrn erschienen ist. Die Verurtheilte hatte gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt und präsentirte sich gestern in dem inkriminirten Kostünie auch dem Gerichtshofe, be- Hauptend, daß sie schon im Elternhause solche Kleidung oft ge- tragen habe, dieselbe ihr bequemer sei und ihr hier den Er- werb im Handelsgeschäfte erleichtere. Der Gerichtshof konnte in dem kleidsamen Jünglingskostüme, das die Ange- klagte trug, nichts Anstößiges finden, hob das Urtheil des Schöffengerichts auf und erkannte auf völlige Freisprechung. London, 8. Dezember. Der neulich erwähnte Eheschei« dungsvrozeß zwischen Lord und Lady Colin Campbell beschäftigt den Ehescheidungsgerichtshof nunmehr schon zwei Wochen und noch ist kein Ende desselben abzusehen, da eine ganze Legion von Zeugen von beiden Parteien aufgemfen wird- Täglich zieht der widerliche Prozeß, der in jedem anderen Lande mit Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt worden wäre, Tausende von Menschen nach dem Gerichtshofe, von denen jedoch nur wenige Einlaß finden, da der Saal gewöhnlich schon lange vor Eröffnung der Verhandlung gedrängt voll ist, namentlich von Frauen aus den„höheren Ständen", für welche die pikanten Enthüllungen einen besonveren Reiz zu haben scheinen. Auch die Zeitungen in dem sonst so prüden England nehmen keinen Anstand, spaltenlange Berichte zu bringen, in denen die schmugigsten Einzelheiten ohne Scheu mitgetheilt werden. Der Eindruck, den man aus den bisherigen Verhandlungen ge» winnt, ist der, daß beide Parteien nach der Verheirathung sich gegenseitig nicht viel vorzuwerfen haben, es müßten denn von einer ganzen Anzahl von Zeugen Meineide geschworen wor- den fem. Reichsgerichts- Entscheidungen.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 13. Dezember.(Beleidigung des bayerischen Ministeriums.) Einer von den Preßprozessen, die nach der Katastrophe in Bayern im verflossenen Sommer angestrengt wurden, kam heute vor dem ersten Strafsenate des Reichsgerichts in der Revifions- instanz zur Verhandlung. Die Sache betraf den verantwort- lichen Redakteur des Münchcner„Fremdenblatt", Herrn P. Johann Baptist Franta. welcher am S. Oktober vom Schwur- gerichc in München zu 4 Monaten Gcfängniß verurtheilt worden rst. Jnkriminirt war die Nr. 174 des Münchener„Fremdenblatt" vom 22. Juni d. I., welche einen Artikel mit der Ueber- schrift:„Die Logik unseres Ministeriums und dessen Solidarität" enthielt. Darin wurde dem Ministerium der Vorwurf des Mangels an Ehrgefühl gemacht und gesagt, die Minister seien bestrebt, sich an das Portefeuille anzuklammern, wenn auch Krone und Land verloren gingen. Die Frage an die Ge- schworcnen lautete dahin, ob der Angeklagte durch die betr. Stellen des Artikels bewußtermaßen das Gesainmt-Ministerium, eine Behörde, beleidigt habe. Die Geschworenen hatten die Frage bejaht, und demzufolge hatte der Gerichtshof das er- wähnte Urtheil ergehen lassen. In seiner Revistonsschrift be- bauptete nun der Angeklagte, der Begriff„Behörde" sei in doppelter Beziehung verletzt. Das Reichsgericht hatte durch Urtheil vom 8. Januar 1883 die Kriterien für den Begriff„Behörde" dahin festgestellt, daß dieselbe eine sclbstständige, durch Recht und Verfassung dauernd geregelte Ordnung vorhanden sein müsse; das bayerische Gesanimt-Ministeriuni habe aber gar keine Organisation, sondern sei lediglich eine Kollektivbezeichnung für die einzelnen Ministerien. Es gebe keinen Präsidenten des Gesammt-Ministeriums, son- dern der König übertrage den Vorsitz im Ministerrathe irgend einem Minister. Es bestehe weder ein Gesetz noch eine Ver« vrdnuna, wodurch dem Gesainmt-Ministerium der Charakter einer Behörde verliehen würde. Ferner könne nicht durch den Vahrspruch der Geschworenen in einer kür das Gericht binden- Cen Weise, wie das Urtheil sagt, festgestellt werden, daß das Elesammt Ministerium eine Behörde ist. Der Gerichtshof hätte ilvtz der Bejahung dieses Theilcs der Frage selbstständig prüfen wüssen, ob die gesetzlichen Voraussetzungen für die Annahme °'ner Behörde vorlagen, und wenn dies nicht der Fall war, oen Angeklagten freisprechen müssen. Wenn nun aber das Gesamnit-Mlnisterium als Behörde angesehen werden solle, so Winnie in Betracht, ob der Strafantrag in rcchtsailtiger Weise gestellt sei. In diesem Falle hätten sämmtliche Minister durch eigenhändige Unterschrift unter den von Herrn Dr. v. Lutz vermißten Strafantrag sclbstständig Strafantrag gestellt; sei aber oas Gesammt- Ministerium eine Behörde, so habe ein einzelner Minister nicht das Recht, selbstständig Strafantrag zu uellen, wenn er in Beziehung auf seinen Beruf „stidigt zu fein* glaubt. In prozessualer Beziehung �Uf.te die Revision, daß dem Zeugen Regierungs- wlh Philipp p. Pfister, dem früheren Kabinetssckietär des Königs Ludwig, mit Rücksicht auf§ 53 der Str.-Pr.-O. gestattet IM, auf eine Frage deS Vertheidigers die Auskunft zu verwei- Kern. Der Vertheidiger hatte dm Zeugm nämlich gefragt, was «er Minister von Fcilitzsch, nachdem er, der Zeuge, aus dem Hofdienste entlassen war und nach Würzburg versetzt werden lollte, in einer privaten Unterredung geäußert hat(diese Aeuße« wng soll dahin gegangen sein, daß König Ludwig schon lange %% seiner Entmündigung geisteskrank gewesen sei), und ob der Minister nicht erst dann von seiner, des Zeugen, Versetzung CT. stand genommen habe, nachdem ihm vorgehalten war, daß °'e Ausführung des königlichen Befehls gegen Recht und Ge- Mtigkeit verstoße. Durch diese Frage sollte nachgewiesen wer- daß die Minister schon damals Kenntniß von der Geistes- »ankheit des Königs gehabt haben. Der Zeuge verweigerte d,e Auskunft, und das Gericht, welches in derselben eme Aeuße- Mg über amtliche Verhältnisse erblickte, gestand nach§ 53 der «tr.-Pr..O. dem Zeugen das Reckt der Auskunftsverwcrgerung ,' oa er von seiner vorgesetzten Behörde keine Genehmigung der gewünschten Acußerung besitze. Herr Reichsanwalt Hofingcr stellte den Antrag, die Revision in allen Punkten zu ''MjjMfen. Die Ablehnung der Aussage seitms des Zeugm ~ f lister sei durchaus gerechtfertigt gewesen. Alle Ausfuhrun- M der Revision, die sich auf den Begriff Behörde beziehen, i'stnen gar nicht in Bettacht. Es könne ganz dahin gestellt . Mben, ob das Gesammt- Ministerium eine Behörde v' und ob die Geschworenm berufen find, über eik Frage zu entscheiden; dmn der Strasanttag sei, wie sich aus der Unterschrift ergebe, von jedem Minister einzeln gestellt. Alles dies sei in die Fragestellung aufgenommen, so daß der Thatbestand vollständig erschöpfend vorliege, nämlich der That- bestand der Berufsbeleidigung. Das Urtheil des Reichsgerichtes lautete dem Antrage des Reichsanwaltes entsprechend auf Ver- werfung der Revision und so wird nun Herr Franta demnächst seine Sttafe antreten müssen. Leipzig, 13. Dezember.(Ein bedenklicher Geschäftsge- brauch.) Der Kohlenhändler Jakob Reicheneder in Ehrenberg pflegte seinen Kohlmbedarf von einem Großhändler mittelst Lastwagen zu beziehen. Der Wagen wurde jedesmal leer und beladen gewogen, so daß das Gewicht der geladenen Kohlen durch Subtraktion festgestellt wurde. Nachdem dies einige Male geschehen war, kam man dahin überein, den Wagen nicht mehr zu wiegen, da über dessen Eigengewicht kein Zweifel mehr bestand. Hierauf hatte der ehrenwetthe Herr Reicheneder nur gewartet, denn er entfernte nun einen gleich anfangs ver- deckt unter dem Wagen angebrachten schweren eisemen Gegen« stand, so daß der Wagen nunmehr zwei Zentner weniger wog. So kam es, daß er in 50 Fällen jedesmal zwei Zentner Kohlen mehr bekam, als ihm gebührten. Endlich aber wurde der Be- ttug bemerkt und die Strafkammer verurtheilte ihn zu vier Monaten Gcfängniß. Den Fuhrknecht traf wegen Beihilfe zum Betrüge eine geringe Strafe. Reicheneder hatte Revision ein- gelegt und ungenügende Feststellung der Thatbestandsmerkmale gerügt, aber seine Beschwerde wurde vom Reichsgerichte(i. Strafsenat) als unbegründet verworfen. Soziales«ndArveiterbewegung. Die steuttge Konkurrenz ist eine Art Wahnsinn. In der New-Borker„Tribüne" erklärt ein Fabrikant:„Wenn es eine Kraft gäbe, die noch rascher arbeitete als der Dampf, oder wenn es sich einrichten ließe, daß eine Frau fünf oder sechs Maschinen auf ein Mal bediente, so würde dies das Nächste sein: Jeder von uns müßte dazu greifen, oder wir müßten alle mit einander zu Grunde gehen, der Druck ist ein zu kolossaler. Natürlich könnten die armen Frauen dabei un- möglich bestehen, aber es darf nicht vergessen werden, daß die Fabrikanten nicht viel bessere Chanzen haben. Diese Kon- kurrenz ist eine Art Wahnsinn. Sie überfüllt den Markt mit billigen Waaren und ruft einen Schein von Ge- deihen hervor, bringt aber im Grunde genommen allem legitimen Geschäft sicheren Tod. Es würde mich durchaus nicht überraschen, wenn die ganze Fabrikation von wollenem Unter- zeug das Monopol eines einzigen Mannes wurde, und dann sei der Himmel den armen Arbeiterinnen gnädig!"— Eine schärfere Verurtheilung des bestehenden industriellen Systems kann es nicht geben.„Diese Konkurrenz ist eine Art Wahnsinn"— vollkommen zutreffend, aber diese Wahrheit ist eine unverzeihliche Ketzerei an der Religion des Kapitalismus, die mit dem Dogma der Jreien Konkurrenz" steht und fällt. Wenn sie nun zu„einer Art Wahnsinn" und damit gemeinschädlich ge- worden— was dann? Werden die Menschen etwa diesen „wahnsinnigen" Zustand, den sie doch selbst geschaffen, ewig ertragen? Jener Fabrikant erklärt weiter:„Unser ganzes Ge- schäftssystem ist faul und muß von Grund aus umgeändert werden. Wir sind die geldgierigste Nation in der Welt und die tolle Hetzjagd wird mit jedem Jahre vernichtender. Ich neige mich der Ansicht zu, daß die Menschen bald ziemlich überflüssig sein werden, da die Maschinen so intelligent werden. Der Himmel helfe den Armen, sage ich, denn bei Menschen ist keine Hilfe."— Nun, wir erwarten die Hilfe von den Menschen, und zwar von den Arbeitern. Heute machen allerdings die Maschinen„Hände" überflüssig, aber die Zeit wird nicht mehr fem sein, wo die Maschinen den Menschen glücklich machen werden, indem sie ihm die Arbeit erleichtern und seinen Güterverbrauch steigcm. Die wunderbar leistungs- fähigen Produktionsmittel brauchen nur im Besitze der Ge- sammtheit des Volkes zu sein, dann werden sie aus einem Fluche sofort zu einem Segen für alle werden. Diese große Aufgabe zu verwirklichen ist die wellhistorische Mission dös Arbeiterstandes. In Oesterreich ist die Einfubr einer Reihe wichtiger Konsumartikel im ersten Halbjahr 1886 erheblich gegenüber dem ersten Semester 1885 zurückgegangen, so bei Reis 35 802 Meterzentner weniger, bei Kaffee 2325 Meterzentner, bei Kattoffeln 19222 Meterzentner, bei frischem Gemüse 116 300 Meterzentner weniger. Nur der Verbrauch eines derjenigen Volksnahrungs- mittel, die mit dem Fottschreitcn des witthschaftlichcn Nieder- gangs in immer größeren Mengen verbraucht werden, dasjenige der Häringe, ist nicht unerheblich, um 2815 Meterzentner gestiegen. Die Einfuhr von Ochsen ist fast um 50 pCt. zurückgegangen; die große Masse ist nicht mehr im Stande, das gute, nährkräftige Rindfleisch zu kaufen. Dagegen ist die Schweineeinfuhr von 53 187 auf 211 196 Stück gestiegen. Das Volk muß sich dem billigen, aber durchaus nickt so guten Schweinefleisch zuwenden. Das ist ein deutlicher, ziffernmäßiger Beweis für die Wucht, mit welcher der ökonomische Rückschrittt den Stauda, d of life, die Lebensstellung der Nation, auf eine immer tiefere Stufe herunterdrückt. Nun, Herr v. Plener mit seinen„Arbcitcrkammcrn" wird ja die Welt wieder in das richtige Geleise hineinführen. Das deutsche Bier, vor allem das bayerische, erobert die Welt. Es betrug die Bierausfubr Deutschlands über See: Seewätts ausgeführt. Geschätzter Werth. 1876 49 930 Hektoliter 2 584000 Mark 1877 60958„ 3785 000„ 1878 79 655„ 6 266 000„ 1883 148 072„ 8 692 000„ 1884 178 207„ 9 607 000„ 1885 151741„ 4711000„ England, das 1876 nur 8050 Ztr. Bier ab Hamburg erhielt, bat im letzten Jahre 53 305 Doppelzentner erhalten. In Deutschland selbst aber nimmt der Bierver- brauch ab, der Schnapskonsum zu, wie die amtliche Statistik selber schlagend nachweist; sogar im Bierlandc Baueni «nffnUM, i-iit auf den Kopf der Bevölkerung weniger Liter entfallen jetzt_ Bier pro Jahr als früher. Wir haben dies früher an der Hand der offiziellen Zahlen im„Berk. Volksbl." klar genug entwickelt. Die allgemeine wittbschaftliche Lebenshaltung des arbeitenden Volkes, der großen Masse der Konsumenten, hat sich aber stetig verschlechtett. Statt Brot Kattoffeln, Schnaps statt Bier. Das ist die„Aera des witthschaftlichen Auf- schwungs." Ein recht bezeichnender Fall von der Maßregelung eines Arbeiters wegen angeblicher politischer Umtttebe hat sich in den letzten Tagen in der hiesigen Luxuspapierfabnk von Schäfer u. Scheibe, Ritterstr. III, zugetragen. Als die Berliner Arbeitennnendewegung noch nicht dem Puttkamer'schen Maierlasse unterlegen war und das Thun gewisser Fabrikanten noch an das Licht der Oeffentlichkeit gezogen werden konnte, erhoben sich auch Arbeitettnnen der genannten Firma mit harten Anklagen gegen dieselbe. Eigene Versammlungen tagten zu diesem Zwecke. Damals hielten es freilich die Herren Schäfer u. Scheibe für besser, über Alles den Mantel der Liebe zu decken und zu schweigen. Man wagte seinen Ohren nicht zu ttarien, wenn man vernahm, was die„Chefs" ihren armen Arbeiterinnen zu bieten wagten. Schon vor längerer Zeit nahm ein Zeitungsdlatt Notiz von diesen Zuständen; vor einigen Wochen thaten wir dasselbe, ohne jedoch die gleiche ätzende Kntik zu üben und die Dinge so zu beleuchten, wie sie es in Wirklichkeit verdienen; unsere Schilderung war sehr blaß. Jetzt ist plötzlich ein fünfzehn Jahre im Geschäfte der Herren Sch. u. Sch. thätig gewesener Arbeiter R. F. unter der Begründung entlassen worden, daß man einen Arbeiter, welcher Artikel schreibe und sich an sozialdemokratischen Vereinen betheilige, nicht mehr beschäftigen könne. Alle Betheuerungen des plötzlich brotlos Gewordenen, daß er nie einem politischen oder gewerkschaftlichen Verein angehött, nie eineArbeiter- Versammlung besucht und auch kein Material zu Zeitungsattikeln geliefett habe, waren vergebens. Ebenso nutzlos war der Hinweis, daß in seinem Hause ein Journalist gleichen Namens wohne, welcher jedenfalls der„Verdächtige" sei. Diesem stehe er aber vollkommen fern. Der in so jäher und ganz unschuldiger Weise Gemaßregelte, ist schwer gettoffen. Wie die Verhältnisse liegen, dürfte es ihm jetzt, inmitten des Win- ters, schwer werden, Arbeit zu finden. Jedenfalls ist die Handlungsweise der Herren Sch. u. Sch. ein neuer Beweis für die Unduldsamkeit der Unternehmer, die seit der Niederhaltung der Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegung wieder kühner das Haupt erheben._ Uereme und Versammlungen. t Eine öffentliche Tischlerversammlung, an der zirka 200 Personen theilnahmen, fand am Montag, den 13. d. M., in der„Urania", Wrangelstr. 9—10, unter Vorsitz des Herrn Ritter statt. Herr Nöske erörterte die Gesichtspunkte, aus denen die Delegitten der Berliner Tischler auf dem am 28. bis 29. Dezember d. I. in Gotha stattfindenden deutschen Tischlerkongreß Anträge zu stellen hätten. Er bezeichnete als Hauptzweck des Kongresses, Front zu machen gegen die Hetzereien der Zünftler gegen die Fachvereine der Arbeiter. Unter Hinweis auf einen besonders krassen Fall, wo die Tischlerinnung in Oldenburg ihre Mitglieder gegen eine Geld- strafe verpflichtet hatte, fünf als„Hauptagitatoren" für die Fachvereine bekannten Gesellen nicht zu beschäftigen, ein Be- schluß, der von der Aufsichtsbehörde als ungesetzlich erklärt und aufgehoben wurde, sah der Redner in dem Kongreß ein Mittel, gegen die fortwährenden Denunziationen der Fachvereine drrch die Innungen zu protestiren und andererseits die Nothwendigkeit, sich an eine feste Organisation anzuschließen, immer mehr unter den Gesellen zu verbreiten. Den Delegitten bestimmte Anträge mitzugeben, hielt der Redner bei dieser Sachlage nicht für geboten und sprach die Ueberzeugung aus, daß die beiden Delegitten Berlins auch so wissen würden, wie sie das Interesse ihrer Aufttaggeber zu fördern hätten.— Die Diskusston drehte sich hauptsächlich um die Frage, ob den Delegitten bestimmte Aufträge zu geben seien. Herr Apclt, der eine der Delegitten, war oer Anficht, daß allgemeine, bestimmte Anträge sich schwer formuliren lassen würden, während Herr Glocke darauf aufmerksam machte, daß der Termin, um schriftliche Anträge für den Kongreß einzu- bringen, am 30. November bereits abgelaufen sei. Herr Eicke beantragte, die Delegitten zu beauftragen, auf dem Kongreß dahin zu wirken, daß eine allgemeine Unterstützungskasse für Arbeitslose gegründet werde.— Gegen diesen Antrag wurde geltend gemacht, daß er von den Tischlern in Braunschweig bereits gestellt sei. Bei der Ab- stimmung wurde er mit großer Majorität abgelehnt und da- gegen der Antrag Ztöske angenommen, wodurch die Delegitten ohne gebundene Mandate nach Gotha gehen sollen. Auf eine Anfrage erklärte ein Mitglied der Kommission, daß dieselbe den Delegitten außer freier Hin- und Rückfahrt eine Entschädigung von täglich 7 Mark ausgesetzt habe, nachdem die Delegitten erklärt, daß diese Summe genügend sei. Im übrigen beschloß die Versammlung, der Kommission in dieser Hinsicht vollkommen freie Hand zu lassen. Der Fachverein der Schlosser und Bcrufsgenossen hielt am Sonnabend, den 11. Dezember, eine Mitgliederversammlung ab, in welcher der Vorsitzende Herr Puch über„die Dampf- Maschine" sprach. Der Redner wies auf die Erfindung des Engländers Watt, die sogenannte Niederdruckmaschme hin; diese zu Ende des vorigen Jahrhunderts gemachte Erfindung habe sich nach mehrfachen Abänderungen praktisch verwetthen lassen. Ein anderer englischer Ingenieur Namens Trevithick, konstruitte die sogenannte Hochdruckmaschine ums Jahr 1800, 1804 die erste Lokomotive. Er ließ dieses Projekt jedoch wieder fallen, da es ihm an Unterstüyung fehlte. Stephenson, der ja allgemein als der Erfinder der Lokomotive bezeichnet werde, nahm dieses Projekt auf und führte es glücklich durch. 1805- baute Trevithick schon die erste Dampfsptttze. So habe sich nach und nach die Dampfmaschine verbreitet, daß sie jetzt in allen Ländern, die der Kultur erschlossen, zu finden wäre, Redner kam dann auf die Dampfmaschine selbst zu sprechen. Erklärte die einzelnen Theile derselben als auch deren Zusammenwirken. Alsdann beantwortete der Vor- tragende verschiedene gestellte Fragen. Unter„Verschiedenes" berichtete die Rechtsschutzkommission über die nunmehrige Becn- digung einer Klagesache, welche die Thätigkeit des Vereins über ein Jahr in Anspruch nahm. Ferner wurve beschlossen, am zweiten Weihnachtsfeiertage bei Gratweil ein gcmüthliches Zu- sammenscin der Mitglieder zu veranstalten. Mit dem Wunsche, daß sich recht viele Mitglieder daran betheiliaen mögen, schloß der Vorsitzende die Versammlung.— Der Arbeitsnachweis des Vereins befindet sich Sebastianstr. 50 bei Opatz. Verein für Technik und Gewerbe. Mittelstraße 65, Mittwoch, Abends 8j Uhr, Vortrag. Gäste willkommen. Gesang- und gesellige Vereme am Mittwoch.„Frcya" Gesangverein der freireligiösen Gemeinde. Uebungsstunde Abends 8 Uhr Münzstraße 5.— Gefangverein„Norddeutsche Schleife" Abends 9 Uhr Dresdenerstr. 72—73 im Restaurant „Eden-Theater"._ Kleine Mittheilungen. Lübeck, 12. Dezember. Das lübeckische Dorf Dissau ist, wie bereits gemeldet, in der Nacht auf Freitag fast vollständig ein Raub der Flammen geworden— mehr als 20 Gewese wurden vernichtet! Das Feuer griff binnen wenigen Stunden, angefacht durch einen heftigen Südoststurm, so rasch um sich, daß die Feuerwehr der Nachbarorte demselben ohnmächtig gegen- überstand. Der Schaden ist ein recht erheblicher, da die ge- sammte Ernte mit zerstört worden ist; er dürfte mehr als eine halbe Million Mark betragen. Gestern wurde ein Müller wegen Verdachts der Brandstiftung verhaftet. Fulda, 10. Dezember. Der Güterzug, welcher hier gegen 1 1 Uhr eintrifft, ist heute Morgen, mit Petroleum beladen, kurz nach Verlassen des Bahnhofes Hünfeld bei dem fog. Wiesenhof in Brand gcrathen. Ursache ist bis jetzt unbekannt. Eine Rettungsmannschaft der hiesigen Bahnhofswerkstätte ist als- bald nach Eintreffen der Nachricht zur Brandstätte abgefahren. Der Schnellzug Nr. 3 hatte in Folge dessen bedeutcnvc Ver- spätung. Kopenhagen, 11. Dezember. An der dänischen Sund- küstc sind im letzten Sturm folgende deutsche Schiffe gestrandet: Die Rostocker Brigg„Johannes"(gänzlich wrack), die Roftockcr Bark„Schamhorst", die Elsflether Brigg„Aradus", der Emdener Schoner„Hilka" und die Bark„Neptun" von Vegesack. Die Mannschaften wurden sämmtlich gerettet, diejenige der Brigg„Aradus" mit großer Lebensgefahr durch Soldaten von Kronberg. Bühne abgebrannten bengalischen Feuer zu nahe; ihre Kleider entzündeten sich und steckten die von vier anderen Mitspielen- den in Brand. Einer derselben wurde schwer am Kopfe ver- wundet, während er der Tänzerin beispringen wollte. Tie letztere schwebt m Todesgefahr. Zürich. 11. Dezember. Ueber jene geheimnißvolle Dame, % E-hwerz aufgegnffen worden(siehe Nr. 291 des „Berl. Volkebl.), schreibt der Direktor der Irrenanstalt Burg- WK:„Es:st zwar richtig, daß die betreffende aufgegriffene Geisteskranke an mäßigem Idiotismus leidet und daß von Si- mulation keine Rede ist. Doch gestatten unsere Beobachtungen leineswegs den Schluß auf ein Verbrechen. Wenn ein solches vorliegt, kann dasselbe auch nicht Schuld an der Geistesstörung tragen, die jedenfalls größtentheils angeboren ist. Die sehr kleine Person ist, abgesehen von etwas Husten, körperlich wohl, offenbar Blumenmacherin(nach ihrer bezüglichen technischen Fertigkeit, noch mehr nach ihren Angaben zu urtheilen). kann etwas wenig Englisch und Italienisch, sowie ewige Wörter Französisch. Im Uedrigen find ihre Angaben so verworren und widersprechend, daß kein zuverlässiger Schluß aus dem Wort- laut derselben gefolgert werden kann.(Sie sagt z. B. bald, ihr Kind lebe, bald es sei todt ic.) Dagegen beweist ihr Dialekt und noch mehr ihre Kenntniß Münchener Verhältnisse, daß sie lange in München gelebt haben muß." London, 10. Dezember. In der Mündung des Mersey strandete heute früh die Bark„Mexiko" aus Hamburg. Aus Southport, aus Sytham und aus Saint Anne's en the Sea ging trotz des schweren Unwetters je ein Rettungsboot ein, um die Mannschaft zu retten, die Rettungsboote aus Southport und Saint Anne's schlugen aber um und von ihrer Mannschaft wurden nur 9 gerettet, während 21 den Tod in den Wellen fanden, Das Rettungsboot aus Srstham gelangte zu dem ge« strandeten Schiffe und rettete dessen Mannschaft.— lieber die fast beispiellosen Verheerungen des Sturms vom 8. ds. Ms. enthalten die englischen Tagesblätter spaltenlange Berichte. Was die Unglücksfälle zur See betrifft, so müssen sie nach den bereits vorliegenden Meldungen äußerst beträchtlich gewesen sein, unge- rechnet den Untergang einer großen Anzahl von Fischerbooten, die in den meisten Fällen von mehr oder weniger zahlreichm Lebensverlusten begleitet waren. Auf der Themse sanken gestern zwei mit Weizen beladene Kanalboote, wobei die 14jährige Tochter eines Schiffers ertrank. In Deal herrschte den ganzen gestrigen Tag über die größte Aufregung am Gestade; man sah die Nothsignale und konnte wegen der ungeheuer hohen See keinen Beistand senden. Der deutsche Schooner„Ella" kam mit dem Verlust von Anker und Ketten in den Downs an, und viele andere Schiffe hatten dasselbe Schicksal. Das Hastingsboot Rt. 3 unterlag auf der Höhe von Hythe dem Sturm und scheiterte, und von der ganzen Bemannung wurde nur ein Schiffsjunge gerettet. In Dungencß scheiterte der Schooner„Delphine Desire" aus Nantes, ehe ihn Hilfe er- reichen konnte, und auch hier erttank die ganze Mannschaft. Ein französischer Dreimaster scheiterte bei Dpmchurch mit sechs Personen an Bord, die sämmtlich umkamen. Der Schooner „Margaret Jane" scheiterte bei Nord Berwick; man sah, wie sich die Mannschaft an das Takelwerk klammerte, aber die Un- glücklichen wurden in die See gespült, da man ihnen keinen Beistand bringen konnte. In Sheerneß wurden umfassende Vorsichtsmaßregeln zum Schutze der dort vor Anker liegenden Kriegsschiffe ergriffen. Der Hafen von Holyhead ist voll von Schiffen, die dort vor dem noch immer äußerst heftigen Sturme eine Zuflucht gesucht haben. London, 11. Dezember. Der Sturm, welcher von Mittwoch bis gestern hier wüthete und heute dem angenehmsten Herbst- wetter Platz gemacht hatte, soll in den letzten 20 Jahren seines- gleichen nicht gehabt haben. Das Quecksilber im Wctterglase siel fast auf den tiefsten in diesem Jahrhundett beobachteten Stand hinab; und der Wind stürmte dahin mit einer Schnellig- keit von 50 Km. in der Stunde. Heute hat sich das Unwetter nach der Nordsee verzogen; ein mit Trümmern bedecktes Eng- land hinter sich zurücklassend. Das Unfallverzeichniß ist fast endlos. Abgedeckte Kirchen und Häuser, entwurzelte Bäume, ausgehobcne Telegraphenstangen und Straßenlaternen, ver- wüstete Parks, zerstörte Häuser, Ueberschwemmungen, Schiff- brüche zu Dutzenden— alles findet man im Ueberfluß. In Folkestone trieben gestern drei Leichen und in Dover eine einzige ans Land; sie gehörten einer französischen Brigantine an. Wie viele sonst im Acrmelkanal und im St. Georgs- kanal zwischen Großbritannien und Irland verunglückten, entzieht sich jeder Berechnung. Den meisten der Schiffe, die mit aufgesteckten Ztothfignalen vor Dover vorbcigegejagt wurden, vermochte kein Rettungsboot beizukommen. An der walisischen Küste liegen auf einem Puntte die Wracke dreier Schiffe, des Pegasus, des Dampfers Avondale und der nor- wegischcn Barke Dagmar. Einen andern dreimastigen Dampfer sah man bei Point Lpnas mit Mann und Maus in der Tiefe versinken. Die Barke Earlscont(1113 Tonnengehalt),� welche Newport Sonnabend verließ, war genöthigt, an der Küste von Glamorganshire auf den Sand zu laufen; von der Mannschaft starb einer an Erschöpfung, während der erste Matrose von lleberansttengung wahnfinnig wurde. In Dover schlugen die Wellen über den Damm in die Stadt hinein; in Brighton riffen sie die Schwellen der elektrischen Uferbahn auf, entkleideten die Häuser ihrer Ballone und ihrer Ziegelsteinsüllungm und ttieben Fenster haufenweise ein. Und dieses selbige Trauerlied wird aus allen Theilen des Reiches gesungen. Die Mündung der Themse ist voll von schwimmendem Strandgute. Nichts- destoweniper haben die Postboote zwischen Ostende, Calais und Dover und zwischen Holyhead und Irland ihren Dienst nicht eingestellt. Von den Rettungeboten in Holyhead wird eine ganze Reihe heldenmüthig ausgeführter Rettungsfahtten berichtet. Smyrna, 11. Dezember. Ein heftiger Erdstoß wurde heute Morgen hier und in Chios gespürt. Während der letzten vier- zehn Tage erzitterte der Ervboden häufig und bekamen die Mauem der Häuser vielfach Risse. Uermisttytes. Aus Sachsen, 10. Dezember, wird geschrieben: In Dresden wird man in diesem Jahre zum ersten Male von einer öffent- lichm Christbescheemng für die Armen absehen. Begründet wird dieser Beschluß damit, daß durch derarttge öffentliche Schaustellungen gerade die verschämte Armuth sehr empfindlich berührt worden sei, und daß man auch den Armen gegenüber einen gewissen Takt beobachten müsse.— Dieser Zartsinn ist gewiß rührend, wenn hier nur nicht unter der„verschämten" Armuth wieder einmal die„unverschämte" verstanden ist. Entdeckung eines Braunkohlenlagers. Wie das„Pos. Tagebl." schreibt, ist es gelungen, in unmittelbarer Nähe von Posen ein mächtiges Braunkohlcnlager zu entdecken, dessen Aus- beutung bereits in allemächster Zeit beginnen soll. Die Unter- suchungcn find vom königlichen Bergamt in Grünberg gefühtt, dürfen also auf Zuverlässigkeit vollen Anspruch machen. Die Kohlenflöze liegen in einer Tiefe von 17—90(durchschnittlich 60—70) Meter unter der Oberfläche, find im Durchschnitt 5 Meter, an vielen Stellen bis 11 Meter dick und enthalten, da es sich um eine Grundfläche von nicht weniger als 1500 Hektaren handelt, etwa 750 Millionen Hektoliter Kohlen. Die Kohle ist sehr ölhaltig und zur Bereiwng von Formbrennsteinen und Stearin geeignet. KriefKasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. W. A. 1. London zählte im Jahre 1881 3 814571 Einwohner.— Die Einwohnerzahl Peking's wird verschieden an- gegeben; von einigen auf 500000, von anderen auf über 2 Millionen. 2. Ja; das II. Armeekorps. 3. Johann Jacoby wurde im Wahlkreise Leipzig-Land zum Reichstags- abgeordneten gewählt; er lehnte jedoch die aus ihn gefallene Wahl ad. Jetzt vertritt der Abgeordnete Viereck diesen Wahl- kreis im Reichstage. Klempner und Droschkenkutscher. Sie wollen uns persönlich mit Ihrem Besuch beehren. C. W. Falls Sie den Sachverhalt, so wie Sie ihn uns dargestellt haben, beweisen können, so kann von einer Ver- sammlung im Sinne des Vereins- oder des Sozialistengesetzes keine Rede sein und Sie haben einen Verstoß gegen diese Ge« fahr nicht begangen. Die beschlagnahmten Papiere kann die Behörde bis zur Beendigung des Strafverfahrens behalten. H. F. Körnerstr. Auch während der Probezeit muß für einen Lehrling Krankengeld gezahlt werden. Ist ein Lehrling erkrankt, so braucht ihm während dieser Zeit kein Lohn gezahlt zu werden, wenn nicht im Lehrkonttalte etwas Anderes ver- einbart ist. Abonnent E. L. Der Zahlungsbefehl wird vom Gencht, mit dem Gerichtssiegel versehen, dem Gläubiger ausgehändigt; dieser läßt durch den Gerichtsvollzieher eine beglaubigte Ab- schritt des Zahlungsbefehls an den Schuldner zustellen. Die Abschrift ttägt daher niemals das Gerichtssiegcl, sondem nur, wenn die Beglaubigung durch einen Gerichtsvollzieher oder Gerichtsschreiber erfolgt ist, dessen Siegel. Wasserstand der Spree in der Woche vom 28. November Theater. Mittwoch, den 15. Dezember. vperithauK. Die Hugenotten. Schauspielhaus. Die Karolinger. Deutsches Theater. Romeo und Julia. Kroll's Theater. Der Mikado. Kriedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Der Vizeadmiral. Wallner-Theater. Die Sternschnuppe. viktoria-Theater. Viviana. Östeud-Theater. Das neue Gebot. Nestdenz- Theater. Georgette. Zentral-Theater. Der Waldteufel. Bellealliance-Theater. Die Kindsfrau. Walhalla-Theater. Der Vagabund. Köuigstädttsches Theater. So find sie Alle. Eoncordia» Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Kaufmanu'S Varietee. Spezialitäten- Vor- stellung. Ntichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung._ Stadt-Theater. Wallnerthcaterstr. 15. Mittwoch, den 15. Dezember: Gr. Grtra-Norkellmlg. Ginmolise» Nastlpiel des Frl. Ida Mülle» und des Hrn. M. Kamst, sowie des graste» Ballet« vom Eden-Theoter, unter Leitung des Balletmeisters Hrn. Uich. Stiegel, der Prima Ballerina Frl. Danella Kachle, der 1. Solotänzerin Frl. Maria Karkhass und des aus 8 Damen bestehenden Corps de Ballet. Einmalige Aufführung von: Preriosa. Schauspiel mit Gesang in 4 Aufzügen von Wolff. Musik von C. M. v. Weber. Dirigent: Herr Kapellmeister Theodor Franke. Regie: Herr E. Czaschke. Vor der Vorstellung: Großes Coucerf, ausgeführt von der Hauskavelle unter Lettung des Kapellmeisters Hrn. Theodor Franke. Anfang des Concetts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochmtags T/t Uhr, Sonntags 7V, Uhr. Das Theater ist mit elektrischer Beleuchtung versehen._ Allen Freunden und Bekannten�zur Nachricht, daß unser Kollege Inliu« Kerg am Montag, : den 13. d. Mts., gestorben. Die Beerdigung : findet am Donnerstag, Nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Sophien-Kirchhofs, ; Gesundbrunnen, statt.[1278 | Die Kollegen d. Pianofortefabr. v. Schröer. Fachvercin d. Ittindrucker und Lithographen. Versammlung in Gratmeil'« KierhaUen, Kommandantenstt. Nr. 77 79. Tagesordnung: 1. Wichtige Vereinsangelegenheiten. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Arbeitsnachweis des Vereins befindet sich bei S v l e t t st ö ß e r, Weinbcrgswcg 15b. Fachverein der Stnckateure Kerim». Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Fach- schulstundc am Freitag, den 17., ausfällt und erst nach Neujahr eröffnet wird.[1279 Die Fachschulkommisston. I. A.: Grünenberg. Eden-Theater. (Früher Louisenst. Theater.) Dresdenerstt. 72/73. Letztes Auftreten der Antillen-Neger-Karawane. 14 Personen, anthropologische Sehenswürdigkeit. Wilhelm Kleiner, der stärkste Mann Sachsen«, hebt u. A. ein lebende«, 1800 Pfund schwere« Pferd. Krather» Forest, unübertreffl. Musikal-Clowns. Melso« nnd Maythorn, Excentric-Clowns. Riegel'» Kallet- Gesellschaft. Mr. pizarra«, Kraftproduktionen an den in» dischen Ringen. Punla«. Ludwig Sellheim. Gngen Zocher. Kaffenöffnung 6t Uhr. Anfang 7t Uhr. Heute Nachmittag 4 Uhr: Fechte Grtra- Anvstellnng der Antillen-Neger-Karawane für Kinder und Erwachsene._ Soeben ist erschienen: Z>er .killWelt-Kalciider! für 1887. Aus dem reichen Inhalt heben wir hervor: Reichshaushaite-Etat des Deut. scheu Reich».— Zerbrocheue Kette». Erzählung von Rod. Schweichel.— Bär. lige graue» und Haarmeusche».— Ei» Proletarierkiud. Erzählung v.EiL a n g e r. — Der Kamps, wische» Feuer«. Wasser i» der Welt. Von P. OSw. Köhler.— Wie mau eine Millia» verbieut.— Flie- »eude Blätter(humoristisch). AI* Grati«- Beilage«: 1. Lucia. 3. Mutterglück. 2. Blauche. 4. Die beibe» Alte». Et« Waudkaleuder. —— prei« 50 Pf.=— Zu bezichen durch die Expedition dies. Blattes Zimmerfttaße 44. Wiederverkäufern Rabatt. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Halfter-Panorama. 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Auch in diesem Jahre ist sowohl auf den Inhalt als die Ausstattung besondere Sorgfalt verwendet und ist namentlich be- züglich des Einbandcs Vorzügliches ge- leistet und bestes Material dan: verwmdct. Neben der gewöhnlichen Ausgabe ist auch wieder eine stärkere veranstaltet, welche mehr Schreibpapier enthätt und kräftigen Leinwandeinband mit Deckel nach Brief- taschenatt und Gummiband hat. Auch bei der gewöhnlichm Sötte sind diesmal die Ecken abgemndet. Inhalt des Kalenders: Kalmdattum mit neu revidittem Ge- schichtskalender; postalische Bestimmungen; Telegrammtarif; das ganze Unfallverfiche- mngsgesetz mit Anhang vom 28. Mai 1885; Gesetz über die eingeschttcbcnm HUfskaffm mit der Novelle vom 1. Juni 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit Reglemmt; Auszug aus dem Reichs- Patmtgcsetz; Gewinveschneidetabclle für Metallarbeiter; Schreibpapier mit Datumsangabe für Tagesnotizen, leeres Schreibpapier, Bttef- täschchm. De ganze Kalmder ist vierzehn Bogm statt. Preis der einfachm Ausgabe 60 pf. „„ stärkeren„ 70 pf. Wiederveritänfer erhalte« lohnenden Rabatt. Präuscher's Museum. Täglich der weltberühmte anatomische#l|j0Bilr* Dienstag und Freitag: Damentag. Den p. t. Vereinen werden ans Wunsch portofrei Vereins- karten zugesandt.[1260 Gegen TheiWlunß: Paletot». Herren» und Kuabrn-Anzüg», sowie Da«»aKleider. Winter-Pläntel zc. im Tuch-Geschäft[1169 PrtnzenjK. 53, gegenüber der Tumhalle. Theilzahlung gestattet! putttplrtots, Hmes-AuM «BOT 27 Auguststrahe 27 im Lade«. � Da ich am 1. Januar 1887 eine IeitnvS Spedition eröffnen werde, nehme Abonnenw> auf das„Berliner Volksblatst' entgegen. _ H. Raschste, Wiesenstraße�. 1 g. piano, 30 M., z. vett. Oranienstr. .22*- E. fr. Schläfst, b. Krüger, Btttzerstt. 12,"■ Zu Weihnachtsgeschenken � passend, empfehle Gruppenbilder der. demokratischen Fraktion de« im sowie die Bilder von Mar» und Fall"" Oeldruck(Pendants) in vorzüglichster Ausfüh�� Alle Glasnmrbeite« werden schnell und cTseholn.'W" Arbeitsmartt. 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