Mr. 295. Freitag, de» 17 Dexemder 1886. 3. Jahrs. SMtrVlilksdlM Brgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 DaS„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementsvreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Denthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Johann Philipp Kecker widmer die„Züricher Post" folgenden Nachruf: Der„alte Becker"— so ward schon vor einem Viertel- jahrhundert der Mann von seinen Freunden genannt— ist in Genf, wie wir schon meldeten, gestorben und mit ihm hat ein wunderbar bewegtes, braves Leben seinen Abschluß gefunden. Johann Philipp Becker war ein Kind der froh- lichen Pfalz und die Lust zu fabuliren ist ihm geblieben. Er war ein ungemein unterhaltender Gesellschafter, der aus dem reichen Schatz seiner Erinnerungen immer wieder Interessantes herauf zu holen wußte. Die erste französische Revolution hatte ihre Funken über die deutsche Grenze ge- warfen; einer derselben war dem 1808 geborenen Becker in's Herz geflogen und darin nie wieder erloschen. Der Knabe besuchte vas Progymnasium, erlernte dann den ehr- samen Beruf eines Bürstenbinders, lebte und webte aber jetzt schon in revolutionären Träumen. Als einst der bayerische Kronprinz seine Heimath besuchte, tanzte Philipp auf offener Straße die„Carmagnole" und stimmte, als die „Hoheit" vorüberfuhr, dieMarseillaise an. Mit fünfundzwanzig Zahren trat er auch in den Stand der Hochverräther ein und büßte diese Neigung mit einer fast andenhalbjährigen Haft, während der er die ganze Wonne der deutschen Polizeiwillkür kennen lernte. Er hat diese Dinge selber in der„Neuen Welt" sehr launig beschrieben. Die Schweiz war damals die Stätte, wo Leute seiner Gesinnung und seines Charakters aufathmen zu können glaubten. So zog er denn südwärts, siedelte sich in der Westschweiz an und begann einen Weinhandel, der ihn nach allen Richtungen des Landes führte. Wirthe und Wein- Händler waren damals aus triftigen Gründen eifrige Vor- kämpfer des Einheitsstaats und wo der lustige„Zean Philipp" sein Ränzel niederlegte, begann er auch sofort seine radi- tale Propaganda. Becker hatte nicht nur ein offenes Herz, er hatte auch für andere stets einen offenen Beutel. Sein Haus war jederzeit den Flüchtigen geöffnet— aber zur Thür hinaus wanderte nur allzuviel von seinem Vermögen, so daß verschiedene von ihm mit vielem Geschick begonnene Unternehmungen scheiterten und er selbst in die Klemme ge- rieth. Muthlos machten ihn solche Schläge indeffen nicht Und da politischer Kampf seine Lust war, trat er, der inzwischen das schweizerische Bürgerrecht erworben, ins Feldlager; er gürtete seinen Säbel um für den Frei- schaarenzug, übernahm ein Kommando im Sonderbundskrieg Und trat'zu Stämpfli und seinen Freunden in rege Be- Ziehungen. In der Geheimgeschichte jener Tage war er über- raschend bewandert und entsann sich selbst im hohen Alter noch der einzelnen Details. Zm Hochland war„der erste Schuß" gefallen. Das Echo rollte über den Rhein, in Baden und in der Pfalz strömten die Freischaaren zusammen. Da litt es Becker nicht mehr daheim; er zog nach dem Norden, erhielt den Befehl über ein Korps und kämpfte nach unverdächtigem Zcugniffe nicht nur tapfer, sondern auch mit mehr Geschick, als manche Militärs von Beruf. Zhm fiel die beschwerliche Aufgabe zu, den Rückzug zu decken und er rückte, als die Konvention zwischen General Sigel und dem zürcherischen Oberst Benz abgeschloffen war, mit seinen Leuten ins Nafzer Feld ein.... James Fazy hatte die starre Genfer Aristokratie ge- bändigt; in seinem Interesse lag eS, frisches Blut herzu- leiten. Schweizer aus allen Kantonen eilten nach der Stadt, wo die Niederlaffung so leicht gewährt wurde und Emigranten aus aller Herren Länder folgten. Auch Becker siedelte sich in Genf an. Aber er war noch weniger als zuvor der Mann, eine günstige Geschäftspraxis auszuklügeln nnd als 1860 Garibaldi sein blitzendes Schwert zog und die Garibaldi-Hymne über die Alpen erklang, da eilte Becker mit Rüstow zu dem Helden hin. Heimgekehrt, warf sich Becker, der inzwischen aus einem politischen ein sozialistischer Agitator geworden, mit voller Wucht in die Arbeiterbewegung; er gewann Einfluß auf den Grütliverein, trat in Verbindung mit Genossen in aller Welt und verkehrte besonders intim mit Marx und Engels. Genf wurde durch ihn der sozialistische Vorort auf dem Kontinente. Als Laffalle im Jahre 1864 in Genf eintraf, verkehrte er natürlich mit Becker, wählte ihn bei dem un- glücklichen Duell zum Sekundanten und ernannte ihn zum Testamentsvollstrecker. Es kamen die internationalen Arbeiterkongreffe in Basel und Lausanne. Becker war unennüdlich dabei, von ganzer Seele und mit ganzem Gemüthe. Ungemach und Roth vergaß er, wo es vie ihm heilige Sache galt, kein Un- dank, kein Verrath vermochte ihn abzuschrecken; er war die Bereitwilligkeit und Güte in Person. Gegen das Ende der sechziger Jahre gründete er den„Vorboten", der recht eigentlich die Genesis der„Internationale" enthält und historischen Werth hat. War er kein Gelehrter, so vertiefte er sich immerhin mit wirklichem Scharfsinn in die Probleme und unterstützt von klarem, gesundem Verstand und um- fastender Erfahrung entfaltete er eine staunenerregende per- sönliche und literarische Thätigkeit. Hinter mancher fast drolligen Ueberschwänglichkeit steckte eine gediegene Aus- faffung, welcher gerade auch Albert Lange Anerkennung zollte. In den siebziger Jahren korrespondirte er für den Winterthurer„Landboten" und während viele Genfer Sozia- listen gegen die Bundesrevision wühlten, wehrte sich Becker energisch und mit überzeugender Klarheit für diesen Fort- schritt. Wie vernünftig und klug der von vielen Grünlingen bespöttelte Alte trotz alledem war, bewies auch seine Haltung gegenüber der schweizerischen Arbeiterpartei, die sich nach 1870 zu rühren begann. Er blieb trotz der wärmsten Einladun- gen den ersten Kongreffen fern.„Ich bin eine anrüchige Person," schrieb er,„mein Erscheinen würde schrecken und die Bewegung vielleicht gefährden." So kühn er die Waffe schwang, so emsig führte er die Feder. Die Zahl der von ihm verfaßten Artikel ist Legion; außerdem besitzen wir von ihm zahlreiche Broschüren und sodann eine immer noch sehr lesenswerthe Geschichte der süddeutschen Mai-Revolution. Seine riesige Korrespondenz hat er mit großer Sorgfalt geordnet und es dürste dieselbe eine Fundgmbe für die Zeitgeschichte werden. Der biedere Alte mit dem Kinderherzen hat viel Leid erfahren. Ein Sohn siel als General im nordamerikanischen Befreiungskriege und dieser Schlag beugte den Vater tief. Der Verlust seiner treuen Gefährtin, die ihm eine zahlreiche Kinderschaar ge- Senkt, ging ihm äußerst nahe. Nun hat er Ruhe; wo er der Kampf für das leidende Volk entbrennt, da wird auch Jean Philipp's Geist dabei sein. Pom DiirAr SefiColfetIrtil und feinen Prozessen*! I. Kürzlich hat das Obergericht in Zürich über neun Arbeiter zu Gericht geseffen, die seine Entscheidung auf dem Appellations- wege gegen ein drakonisches Erkenntniß des Bezirksgerichts an- gerufen hatten. Es hat den Arbeitern ihre Appellation nichts geholfen, das Obergericht hat vielmehr unter dem lebhaften Beifall der ordnungsliebenden Presse das erste Erkenntniß be- stätigt. Und doch wäre nirgend mehr als hier die größte Milve am Platze gewesen. Darin ist nicht nur die sozial- demokratische, sondern auch ein großer Theil der Presse der bürgerlichen Demokratie einig, die rn ancrkennenswerther Weise im Verlauf des Streiks die Sache der Arbeiter vertreten und gegen ihre Vergewaltigung entschieden Stellung genommen hat. Und eine Vergewaltigung der Arbeiter, ein schwerer Rechts- und Verfassungsbruch liegt vor. Das werden die folgenden Thatsachen erkennen lassen. Die Züricher Schloffer hatten fich auf durchaus friedlichem und verfassungsmäßigem Wege— auf demjenigen des Streiks *) Dieser Artikel der uns aus der Schweiz zugeht, ist ge- rade jetzt sehr zeitgemäß, weil er beweist, daß die Bourgeoisie in ihrem Kampfe gegen die Arbeiter überall dieselbe ist. Steht ihr der Zwangsapparat der absolutistischen Regieningen nicht zur Verfügung, so weiß sie fich auch die freieren Formen der Republik zur Erreichung ihrer arbeiterfeindlichen Ziele zu unter- werfen. Diese Frau, die ihn in's Verderben gelockt, muß es sich zur Aufgabe gestellt haben, ihn vollständig zu Grunde zu richten. Wäre sie seiner Liebe würdig, ich hätte mit brechendem Herzen meiner Liebe entsagt, hätte sogar— Du weißt, ich hätte es können— eine Erklärung zwischen ihr und Tonda herzustellen gesucht. Ich hätte es ihr vergeben, daß sie ihrem angetrauten Manne den Eid gebrochen; ich hätte es begreiflich finden können, daß sie Tonda zu Liebe sich von allen Banden losgeriffen und nur mit ihm leben und glücklich sein wollte,— aber sie ist schlecht, sie liebt Tonda nicht, sie kann ihn nicht lieben, weil sie jeden wohl- thätigen Einfluß von ihm fern zu halten sucht, weil sie so- gar seinen Freund und Vertrauten an sich gelockt und ab- trünnig gemacht hat; sie ist schlecht, und einem solchen Weibe zu Liebe werde und darf ich nicht entsagen. Ich habe bis- her vergeblich gesucht, in die Nähe dieser Baronesse zu kom- men; sie scheint sich vor mir zu fürchten, weil sie wohl wissen mag, daß sie mich nicht wie die andern zu ihrer Sklavin machen könnte. Dieser Rudolph muß ihr mein Verhältniß zu Tonda verrathen haben, ich könnte mir sonst die vielen Verfolgungen, denen ich zu widerstehen habe, nicht erklären; sicherlich trägt diese Frau Schuld daran. Tonda darf noch nicht erfahren, wo ich bin; ich schreibe ihm nicht, weil ich ihn und mich an den Gedanken unserer Trennung für immer gewöhnen will.— Vielleicht leitet es die Vorsehung anders, dann werden wir Beide in unserer Liebe reichlichen Ersatz finden. Ist er für mich ver- loren, dann... Ich will nicht daran denken, was aus mir und ihm wird, wenn dieses Weib ihren Ansprüchen an Tonda nicht entsagt. Rudolph sagte mir gleich nach meiner Ankunft, daß sie mit Tonda nach Amerika zu gehen beabsichtige. Ich habe sie nur ein einziges Mal im Vorübergehen gesehen und erkannte gleich auf den ersten Blick, daß diese Frau trotz aller Hinderniffe ihren Willen auszuführen im Stande ist;— aber ich kenne Jemand, der ihr gewachsen ist und die Kraft besitzt, ihr Widerstand zu leisten— ich selbst. Hab' Vertrauen zu mir, mein Vater, Gott wird mir helfen! Jeuill'eton. »ertöten.)--[11 Die Verführerin. Novelle von D. C o l o n i u s. X. Mehr als ein Monat war verflossen, seitdem Rosarka ihre Heimath verlassen hatte; aber welche Veränderungen waren während dieser Zeit mit ihr vorgegangen! Man hätte fast Mühe gehabt, in dem bleichen, kummer- vollen Gesichte, welches die Leidensgeschichte eines ganzen Lebens verrieth, das unschuldige, harmlose Kind wiederzu- erkennen, welches wir in Bechlin fanden. Wer einmal Gelegenheit hatte, das Leben und Treiben in Hamburg in der Nähe zu betrachten, wer mit offenem Auge und geschlossenem Sinn das Laster, wie es hier in allen Gestalten bald versteckt, vermummt in der Hülle ge- heimer Lust, bald mit ftecher Hirn herausfordernd, die Luft verpestend, auf offener Straße einherwandelt, angesehen, der wird es begreifen, welche Gefahren ein blühend schönes, frisch aufgeblühtes Rtädchen gegenüber einer sittenlosen, ver- Erbten Männerwelt zu bestehen hat. Und dennoch konnte sie sich nicht entschließen, zurück- Lehren, bevor sie ihren Zweck erreicht, bevor sie das �eib entlarvt, welches sie um ihr LebenSglück, um ihre L'ebe, um ihren Tonda bringen wollte. . Gleich nach ihrer Ankunft hatke sie Rudolf Schwarz, dessen Verhältniß zu Antonio sie aus den Briefen des ersteren kennen gelernt hatte, aufgesucht; durch ihn hatte sie dw Wohnung der Baronesse erfahren; sie hatte dem -Ranne, den Antonio seinen Freund nannte, unbedingt vertraut, ihm ihr Verhältniß zu Antonio mitgetheilt Und, auf seinen Beistand rechnend, ihre Absicht ?n Betreff der Baronesse nicht verschwiegen. Antonio hatte M zwar nicht deutlich verrathen, welche Bande ihn an ein .-Äleib fesselten, welches er. weder liebte noch achtete, aber Nr feines Gefühl ließ sie theilwcise den Zusammen- Myg errathen. Sie war fest entschlossen, entweder diese Bande, die ihr ihren Geliebten fern hielten, zu zerreißen, oder, falls dies unmöglich wäre, mit einem Schlage all' ihre Aussichten für die Zukunft freiwillig zu vernichten. Gleich nach dem ersten Begegnen mit Rudolph hatte sie die auffallende Verlegenheit, die Kälte, mit der er ihre Mittheiluna anhörte, überrascht, und dennoch war es damals noch das Pflichtgefühl der Freundschaft, welches der auf- lodernden, ihm selbst unbewußten Leidenschaft die Spitze bot. Er sagte Rosarka seinen Beistand zu; wie er Wort hielt werden wir aus dem weiteren Verlaufe unserer in allen Theilen wahrhaften Erzählung ersehen. An Antonio hatte er seit der Ankunft Rosarka's nicht geschrieben; sie selbst aber hatte er nach ihrem ersten Begegnen noch einmal flüchtig und seitdem nicht wieder gesprochen. Die Seelenstimmung des Mädchens werden unsere Leser am besten aus einem an ihren Vater gerichteten Schreiben erkennen, welches sie soeben vollendet hat. Der Brief lautet: Hamburg, 14. März. „Ich habe Dir versprochen, jedes Erlebniß, jeden meiner Gedanken mitzutheilen. Ich habe nicht immer Wort halten können, mein theurer Vater; hätte ich Dir Alles, Alles ge- sagt, Du hättest es nicht geduldet, daß ich noch länger ohne Dich und ohne meinen Freund, der mir beschützend zur Seite steht, in einer fremden Stadt bleibe, und doch kann ich noch nicht fort, und könnte eben so wenig bleiben und wirken, wenn Du hier wärest. O, die Menschen sind böse, weit mehr als ich es dachte; aber ich habe die Kraft, ihrer Bosheit zu begegnen. Fürchte nichts für mich; Du hast mich gelehrt, selbstständig sein, ich habe es niemals so anerkannt, wie.nothwendig es für mich war, als gerade jetzt. Wenn ich— was-Gott verhüte— unglücklicher zu Dir zurückkehren sollte, als ich Dich verließ, so gieb nicht mir und meinem Eigensinn die Schuld, mein theurer Vater; glaub', ich habe mir in diesem Falle hier nur Gewißheit über mein Schicksal geholt, getroffen hätte es mich doch— vielleicht später. Tonda hat Dich in alle Gekeimnisse seines Lebens ein- geweiht, ich kann also unumwunoen zu Dir sprechen; ich fiirchte das Schlimmste für ihn und mich. — eine Erleichterung ihrer Lage, ein menschenwürdiges Dasein zu verschaffen gesucht. Sie forderten den in einzelnen Werk- statten schon eingeführten zehnstündigen Normalarbeitstaa. Darauf eine ungeheure Entrüstung seitens der Meister sowie des satten und nicht überlasteten Theils des Publikums und derselben Presse, die auch in der demokratischen Republik die öffentliche Meinung macht. Man lamentirte über die steigende Genußsucht der Arbeiter, ihre steigende Trägheit und Begehr- lichkeit, und polterte über die Polizei, die den Dingen einfach ihren Lauf ließ. Die Meister empfanden es bitter, daß die Herrschaft des Herrn v. Puttkamer nicht bis Zürich reichte. Fataler Weise betrugen sich die streikenden Schlosser nicht dem häßlichen Bilde entsprechend, das man von ihnen entwarf. Sie verhielten sich durchaus anständig, verursachten keine Zusammenrottungen und unterließen selbst den harmlosesten Straßenskandal. Dagegen patrouillirten Einzelne von ihnen im Auftrage des leitenden Komi- tee's beim Beginn und beim Ende der Arbeit vor einigen Werkstätten, um die in Arbeit gebliebenen Kollegen zu kontra- liren und auf sie einen moralischen Druck ausüben zu können, die Arbeit gleichfalls einzustellen. Die Meister waren über diese Kontrole nicht wenig aufgebracht, da doch mancher Ar« deiter sich davon überzeugen ließ, daß es nützlicher und ehren- hafter für ihn sei, den streikenden Arbeitsgenoffen sich anzu- schließen, als den Meistern ein MitteHsür die Knebelung ihrer Arbeiter zu sein. Die für die nichtstreikenden Arbeiter zärtlich besorgten Meister klagten über die Belästignng derselben durch die Strei- kcnden. Kein Mensch dürfe bei seiner ehrlichen Arbeit belästigt werden u. s. w. Tie Polizei aber zuckte die Achseln:§ 143 des Züricher Strafgesetzes sagt nämlich:„Wer entweder ohne Recht oder mit Ucberschreitungder Grenzen wegen seines Rechts durch körperliche Gewalt oder Drohung Jeman- den zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung zwingt, soll wegen Nöthigung u. s. w. destraft werden." Der Herausgeber des Strafgesetzes, Benz, gicbt zu diesem Paragraphen folgenden Kommentar: Statt des Aus- drucks„nöthigt" des früheren Gesetzes heißt es jetzt„zwingt". Durchxdicse Aendcrung soll klar gemacht werden, daß nur solche Handlungen als strafbare Nöthigung aufgefaßt werden sollen, durch welche ein Zwang ausgeübt wird. Beharrliche und zudringliche Zumuthungcn begründen den Begriff dieses Vergehens nich t." Die Streikenden thaten also nur, was ihnen das Gesetz ausdrücklich gestattete und die Polizei selbst hatte den Streikenden auf deren An- fragen eröffnet, daß die Nichtstreikenden in der angegebenen Weise kontrolirt und durch Zuspräche gewonnen werdenjkönnten. � Fünf für die Meister unerträglich lange Wochen des ruhigsten und friedlichsten Verhaltens oer Streikenden vergingen; da verloren die Meister die Geduld. War die kantonale Polizei nicht zu gewinnen, dann ließ sich vielleicht durch die städtische etwas ausrichten. Schlossermeister Hafner, der Führer der Meister, zugleich Mitglied des Stadtraths, setzte in dieser Körperschaft folgenden Protest durch:„Es wird hiermit Jeder- wann verboten, die öffentlichen Straßen und Plätze dazu zu benutzen, um durch Aufstellen von Gruppen oder durch Patrouilliren vor den Werkstätten oder in anderer, den freien Verkehr beeinträchtigender Weise eine Arbeitseinstel- lung herbeizuführen/ einer bereits bestehen- den Ausdehnung zu verschaffen, oder Jeman- den zur Thciln ahme an einer solchen zu bc- wegen. Zuwiderhandeln gegen dieses Verbot hat Ueber« Weisung der Fehlbaren an die Gerichte wegen Vergehens zur Folge. Zürich, 14. Mai 1886." Von einer Beeinträchtigung des.freien Verkehrs war in Wirklichkeit keine Rede, denn niemals hatte eine solche Ansamm- lung von Streikenden vor einer Werkstätte stattgefunden, daß dadurch der freie Verkehr gestört worden wäre. Lag eine solche Ansammlung aber auch wirklich vor, dann konnte nur gmw allgemein dagegen eingeschritten werden, dann bedurfte es auch keiner polizeilichen Verfügung; die Abscndung eines Polizisten hätte ausgereicht, den freien Verkehr zu fichem. Thatsächlich stellte sich der Stadtrath durch seinen Erlaß in den Dienst der Meister; er nahm Partei für dieselben und trug sein Erlaß auch die offenbare Absicht an der Stirn, den Streikenden die einzige Waffe, die sie besaßen, zu entwenden, sie im Kampf gegen die Meister wehrlos zu machen.— Das Ansammeln von Menschen auf den Straßen ist übrigens in Zürich nichts Straf- bares. Die Bürger sollen nicht schon durch das bloße Zusam- menstehen dem Strasrichter verfallen, auch nicht einmal, wenn sie einer Aufforderung zum Auseinandergehen keine Folge leisten, sondern erst uno nur dann, wenn sie dem thatsächlichcn Einschreiten der Polizei bewaffneten Widersland entgegensetzen.— Es sollte bald noch besser kommen. Was sich der Stadtrath er- lauben durste, das konnte die kantonale Polizei auch. Der kantonale Justiz- und Polizeidircttor Dr. Stößel, der den Emanzipationsbestrebungm der Arbeiter sehr sympathisch gegen- über siebt, mußte nach Bern zur Bundesversammlung reisen. Er erhielt einen liberal- konservativen, den Meistern ergebenen Stellvertreter, den Regierungsrath Spiller. Jetzt veränderte sich Alles mit einem Schlage und wurde das, was bis dahin Der Ungar, dem ich auf meiner Reise hierher zuerst begegnete, verfolgt mich unablässig; er ist der Einzige, der mir bange macht. Zch habe, um ihm zu entgehen, zwei- mal meine Wohnung geändert, aber er hat sie, ich weiß nicht auf welche Weise, immer ausspionirt; hoffentlich wird er mich jetzt vergebens suchen. Zch wohne seit gestern in der Vorstadt St. Georg in einem kleinen, reinlichen und hübschen Häuschen bei zwei gutmüthigen alten Leuten, die mich nicht ohne Bedenken aufnahmen. Alles mahnt mich daran, daß ich in der Fremde bin, am meisten aber mein Herz, welches erfüllt ist von Zweifeln und bangen Sorgen. Zch sehne mich nach meiner Heimath zurück, ich sehne mich nach Dir, mein Vater, nach Deinem Rath und Deinem liebreichen Wort! Wie werde ich Dich wieder- sehen, und wie wirst Du mich wiederfinden, mein Vater? glück- lieh in dem Bewußtsein, mir meinen Geliebten errungen zu haben? oder— vielleicht anders! Ach, der arme, unglück- liche Tonda!"——— Die Baronesie Adele von Danow lag in einer dunklen Morgentoilette, welche die Formen ihres Körpers weit umhüllte, halb hingestreckt auf einem Sopha und spielte nachlässig mit einer Schnur Perlen, welche sie einzeln durch die Finger gleiten ließ. Marie trat ein und brachte die Chokolade. „Mein Zustand und meine fteiwillige Gefangenschaft", begann die Baronesie,„fängt an mir sehr langweilig zu werden, und wäre es nicht dieser armselige Jüngling, den ich täuschen muß, es würde mir schwer werden, meine Rolle zu Ende zu führen. Weißt Du nicht, wie es der Frau Thomas geht?" „Ihr Mädchen war heute noch nicht hier", erwiderte Marie,„soll ich nach ihr sehen?" „Warte, bis Rudolph kommt; ich bin nicht gern allein im Hause." „Und wenn der Ungar käme, soll ich ihn einlassen?" „Du weißt, er kommt nie um diese Zeit." „Du spielst ein gefährlich Spiel, meine Adele; bedenke, welche Folgen es hätte, wenn sich diese beiden Rtänner, die sich von Wien aus kennen, gesetzlich und erlaubt war, ungesetzlich und strafbar. Die Meister machten sich sofort an Herrn Spiller. Sie klagten auch ihm über das Patrouilliren und Belagern der Werkstätten, das Ver- folgen einzelner Arbeiter, und Herr Spiller that ihnen den Ge- fallen, den folgenden, aus dem amtlichen Zopfstiel in derberes deutsch übersetzten Ukas zu erlassen: „Das Polizeikomniando wird beauftragt, dem Vorstande deS Fachvereins der Schlosser zu Händen der Mitglieder zu er- öffnen, daß fortab daS Belagern der Werkstätten und die Ver- folguna der einzelnen Arbeiter auf dem Wege von und nach den Werkstätten zum Zwecke, Zugeständnisse von Seiten der Arbeitgeber zu erwirken, untersagt find und daß Zuwiderhandelnde Strafe wegen Ungehorsam, unter Umständen wegen Widersetzung gegen eine amtliche Ver- fügung zu gewärtigen hätten." Notttische Ueberficht. Die Nerhängung deS kleinen Belagerungszustandes steht nach dem„Franks. Journ." für Frankfurt a. M. in Aus- ficht. Der Anttag liege bereits dem BundeSrathe vor. Die letzten Verhaftungen werden jedenfalls das Material dafür bieten müssen. Daß eine neue Branntweinsteuervorlage in der Aus- arbeitung begriffen ist, bestätigt heute auch die„Magdb. Ztg." Die Vollagc soll dem Reichstag„vielfach ausgesprochenen Wünschen gemäß" noch in dieser Session zugehen. In der Affäre ded bekanten Zirkulars hes Herrn von Köller hat der Kriegsminister jedes Einschreiten seinerseits ab- gelehnt. Er sagte nach dem Berichte der„Norddeutschen": „Für mich hatte nur der eine Punkt Interesse, daß aktive Lfsiziere, welche wirklich Grund hatten, über ihre Qualität als aktive Offiziere im Zweifel zu sein, Mitglieder des Verems ge- worden waren. Nach dieser Richtung hin ist Remcdur ein- getreten, weil es sich allerdings meiner Meinung nach mit dem § 49 des Reichsmilitärgesetzes nicht vertragen haben würde. Im Uebrigen, wenn die Offiziere der Armee Briefe bekommen, so kann ich wohl nicht gut dafür verantwortlich gemacht werden." Herr von Köller halte sich aber in seinem Zirkular gerühmt, daß der Verein„von den höchsten Führern des Heeres auf das Freudigste begrüßt" sei. Ist das eine Wahrheit— fragt die „Franks. Ztg.— oder nur eine Flunkerei des Herrn von Köller? Der Herr Kriegsminister hätte doch wohl alle Ursache gehabt, sich über diese Frage auch auszusprechen; denn eine solche politische Kundgebung der„höchsten Führer des Heeres" ist doch auch nicht zulässig. Herr von Köller sowohl wie der Kricgsminister legen ein großes Gewicht auf die Mitgliedschaft, den förmlichen Einttitt m einen Verein. Das Reichsmilitär- gesetz verbietet jede politische Bethätigung der aktiven Militär- personen; denn es heißt im§ 49:„Die Theilnahme an politi- schen Vereinen und Versammlungen ist den zum aktiven Heere gehörigen Militärpersonen untersagt." Es ist nicht blos von der Mitgliedschaft bei bestimmten Vereinen, sondern von der Theilnahme ganz allgemein die Rede; ja die Theilnahme an politischen Versammlungen, die doch keine Vercinsversammlungen zu sein brauchen, ist den attiven Militärs auch verboten. Nun hat aber das Zirkular zu Beitragslcistungen aufgefordert und wie Herr von Köller behauptet, mit Erfolg. Ist das keine Theilnahme an dem politischen Verein? Wenn der Herr Kriegsminister das behaupten sollte, so möchten wir ihn einmal fragen: Warum hätte Herr von Köller wohl die Einsendung der Beittäge unter Ehifferangabe vorgeschlagen, wenn er über die Gesetzmäßigkeit so ganz im Klaren war. Ferner aber, wie steht es denn mit dem Urtheil im Frciberaer Prozeß? Ist da nicht sogar das Be- stehen eines Vereins aus viel weniger konkludenten Hand- lungcn gefolgert worden, als es dieBeittagsleistung der Herren Offiziere für den Köller'schen Verein war? Vielleicht studm der Herr Kriegsminister einmal die Akten des Freiberger Pro- zcsses nachttäglich und bringt das Resultat den Offizreren zur Kenntniß, damit sie nicht etwa später einmal in Ungclegenheit kommen, vielleicht sogar unter Anklage wegen Bctheüigung an geheimen Vereinen; die Einsendungen unter Ehifferangabe würden dann sehr belastend für sie sein. Der ,, Hannoversche Kourier" kommt— wahrscheinlich um das beharrliche Schweigen der Nationalliberalen zu erklären— auf den Gedanken, die Freisinnigen hätten sich an eine falsche Adresse gewendet: „vielleicht hätten sie besser gethan, bei dem preußischen Minister des Innern als dem Vorgesetzten des Land- raths von Köller oder bei dem Justizminister ihre Klagen vor- zubringen." Vielleicht übernimmt ein nationalliberaler Land- tags abgeordneter den Versuch, die Sache im Landtage zur Sprache zu bringen. Wir können ihm die Antworten, welche er erhalten wird, voraussagen. Herr v. Puttkamer wird er- klären, daß er keine Veranlassung habe, gegen den Privatmann von Köller einzuschreiten; dem Landrath könnte aus dieser Handlung eher noch eine Anerkennung als ein Tadel zu Theil werden, nach dem Erlaß vom 4. Januar 1882. Und der Herr Justizministcr wird bemerken, daß es sich um eine an- zufällig hier träfen und sich über ihr Verhältniß zu Dir verftändigten." „Der Zerfall kann sie allerdings zusammenführen, hat es vielleicht schon gethan, aber in diesem Falle wird keiner dem andern etwas von mir sagen. Diese beiden Menschen können einander nichts vertrauen, um so weniger, da sie sich nur oberflächlich kennen, wenn ich nicht irre, erst seit dem Abend auf der Redoute." „Und darf ich fragen, welche Absicht Du mit Deinem ungarischen Anbeter hast?" „Im Grunde keine; aber eS schadet nicht, einen Menschen zur Hand zu haben, der klug genug ist, einen Auftrag zu vollftihren und zu schweigen.— Dieser Rudolph ist ein einfältiges Kind. Uebrigens weißt Du, daß ich den Ungar nicht abweisen kann, auch wenn ich es wollte; er hat, ich weiß nicht auf welchem Wege, erfahren, daß ich eS bin, die ihn aufforderte, Antonio festzuhalten. Er hat eS bemerkt, daß Antonio von einem fremden Manne in den Wagen geführt wurde, vielleicht gar hat er Dich in Deiner Verkleidung erkannt; er ist dem Wagen gefolgt, und Du weißt, daß er am andern Tage in dem Haufe war und durch Dich erfahren wollte, wer Antonio hat dahin bringen lassen. Er tonnte es leicht herausbringen, daß das Haus mein Eigenthum ist, er hat wahrscheinlich dm Baron auf- gesucht und dieser scheint ihn in seinem Blödsinn so halb und halb zum Vertrauten der Angelegenheit gemacht, ihn vielleicht gar hierher geschickt' zu haben, mich zu beobachten, und es ist in der That ein weit gefährlicherer Beobachter, als der unbärtige Jung- ling."— „Was hast Du zu fürchten?" „Nichts, als daß er, wenn ich ihn von mir weise, meine Pläne durchkreuzen und mich lächerlich machen kann. Er ist zwar ein Geck und nicht mehr werth als ein Dutzend anderer, die zu meinen Füßen lagen; aber er ist schlau, und ich muß ihn ebenso behandeln. Wenn ich erst Antonio wieder habe, dann werde ich diesen Narren mit meinen Füßen von mir stoßen, wie einen Knecht, der sich meinen Befehlen widersetzt.— Man läutet; eS wird Rudolph sein, der mir sein Armsündergesicht zeigen will. Wenn Du ihn gebliche Verletzung eines Rcichsgesetzes handele, welche von der Militärgerichtsbarkeit geahndet werden müsse; das gehöre nicht zu seinem Ressort. Und dann wäre man eben wie« der auf demselben Punkt angelangt, auf dem man am Freitag schon war. Graf BiSmarck's Erlaß an die Lehrer. Gelegentlich der Einmischung des Landrathes des Hanauer Kreises, Grafen Wilhelm Bismarck, in die Verhältnisse der Lehrer wird auf zwei Unierrichts-Ministerial-Erlafle hingewiesen, aus welchen hervorgeht, daß die Landrälhe nicht Amtsvorgesetzte der Lehrer und demnach auch nicht zur Eltheilung von Verwarnungen und Verweilen gegen dieselben befugt find. In dem Ministerial- Erlasse vom 12. Juni 1843 heißt es:„Ter Land- rath darf keine Disziplinargkwalt über die Lehrer ausüben", und in dem vom 27. Juli 1874:„Insbesondere kann aus dem § 19 des Tisziplinarpesetzes vom 21. Juli 1852 die beanspruchte Befugniß der Landräthe nicht hergeleitet werden, weil die Schullehrer weder zu den den Landräthen selbst unter« gebenen Beamten, noch zu den Beamten einer ihnen untergc- ordneten Behörde gehören. Sozialistisches. Ueber die Siege der Arbeiterpartei bei den Gcmeindcwahlen in Sachsen erhält das„Sachs. Wochen» blatt" noch einige nähere Mitthcilungen. Aus Pieschen berichtet man ihm:„Ueberall unter den Arbeitern herrschte am 11. Dezemuer große Freude, daß auch dieses Mal wieder die Kandidaten der Arbeiterpartei den Sieg über die„Ordnungs- Parteien" bei der Gemeinderathswahl errungen haben. Trotz aller Verdächtigungen und Verleumdungen der Gegner haben wir in Vergleich zu der Theilnahme der der letzten Gemeinde- rathswahl einen Stimmenzuwachs erhalten. Es erhielten von 314 abgegebenen Stimmen unsere Kandidaten Herr Loose 202 und Herr Melchior 193 Stimmen. Als Ausschußmitglieder und als Stellvertreter erhielten die Herren Saupe und Geißler 199 und 194 St., während die Gegner es nur auf 110 St. brachten. Aus diesem Resullate können die„Crtmungs« parteiler" ersehen, daß auf ihre elegischen Ver- theidigungen die richtige Antwort erfolgt ist und die Arbeiter ihnen die verdiente Mißachtung dadurch zu erkennen gegeben haben. Ferner wird aus Wittgensdorf geschrieben: Nachdem die Gemeinderathswahl vorüber ist, finden wir uns veranlaßt, einiges darüber zu berichten. Wie immer, hatten sich auch diesmal wieder zwei Parteien gebildet, welche eigne Kandidaten in Vorschlag brachten. Recht sonderbar hatten sich die Gegner ihre Kampfesweise ausgedacht. Der Ortsvercin, von dem diese Agitation ausging, hatte sich diesmal Leute als Kandidaten gesucht, welche demselben nicht angehörten und fast im allgemeinen zu empfehlen gewesen wären, ebenso hatte ge- nannter Verein, um besonders auf die Wahl Eindruck auszu- üben, noch die beiden Militärvereine, den Gesangverein und den landwitthschaftlichen Verein im Wahlflugblatt zur Unterschrift de- nützt. Zu bemerken ist noch, daß die beiden Militärvereine gar keine Kenntniß davon gehabt haben wollen. Trotzdem und trotz aller Hilferufe gegen das sozialistische Schreckgespenst in den verschiedenen Blättem sind die verleumdeten Kandidaten mit großer Majorität gewählt worden. Die Gegen- kandidaten erhielten nur 77, 70, 69, 68, 67, 67, 66, 65 und 63 Stimmen. Die Unansässigen 29 und 23 Stimmen. Verboten wurde auf Grund des Sozialistengesetzes die im Druck der schweizerischen Genossenschaftsbuchdruckerei und Verlag des Aktions-Komitee's des schweizerischen Arbeiter- tages in tzottingcn-Zürich erschienene Druckschrift, überschrieben: „Nationale und internationale Arbeits- oder Fabrikgesetzgebung, oder: Wie kommt die bessere Zeit? Von C. Conzett." Eisenbahnunfälle. Nach der im Reichs-Eisenbahn-Amt aufgestellten Nachweisung der auf deutschen Eisenbahnen, aus- schließlich Bayerns, im Monat Ottober d. h. beim Eisenbahn- betriebe vorgekommenen Unfälle waren im Ganzen z» ver- zeichnen: 7 Entgleisungen und 5 Zusamenstöße auf freier Bahn, 29 Entgleyungen und 25 Zusammenstöße in Stationen und 152 sonstige Unfälle. Es find dabei im Ganzen 175 Personen verunglückt, sowie 78 Eisenbahnfahrzeuge erheblich und 155 un- erheblich beschävigt. Es wurden von den 23 649 613 überhaupt beförderten Reisenden 1 getödtct, 8 verletzt; von Bahnbeamten und Arbeitern im Dienst beim eigentlichen Eisenbahnbetriebe 25 getödtet und 88 verletzt und bei Nebenbeschäftigungen 8 ver- letzt; von Steuer-:c. Beamten 2 verletzt; von fremden Per- soncn, einschließlich der nicht im Dienst befindlichen Bahn- beamten und Arbeiter 22 getödtet und 10 verletzt; sowie bei Selbstmordversuchen 11 Personen getödtet. Nußland wird zahmer. Dre an die russische Presse ge- richtete Mahnung des Petersburger„Negierunas. Boten", sich größerer Vorsicht und Kaltblütigkeit bei der Besprechung der politischen Verhältnisse, insbesondere gegenüber Deutsch- land, zu befleißigen, kommt etwas spät, allein es gehört von Seiten der russischen Regierung immerhin ein gewisser Muth dazu, gerade jetzt offen und offiziell zu erklären, daß sie die Brandarlikel der panslawistischen Presse bedauere. Den russi- schen Redaktionen gegenüber wird dieses„Bedauern" wohl einen etwas anderen Ausdruck als den im„Regierungs Boten" eingelassen hast, dann sieh nach der Frau Thomas, und ver- giß nicht die Hausthür zu verschließen." Die Baronesse warf einen flüchtigen Blick auf ihr Morgenkleid und nahm, nachdem sie dieses ein wenig drapirt und gefaltet, eine sitzende Stelluua ein. Gebeugt, mit dem Ausdruck der tiefsten Trauer, trat Rudolph ein, näherte sich zaghaft der Baronesse, ergriff ihre ihm dargereichte Hand und drückte sie schweigend an sein Herz und seine Lippen. Die Baronesse konnte einen Zug von Unmuth, der beim Anblick deS jungen Mannes um ihre Lippen spielt«, nicht zurückdrängen; aber schon nach einem Augenblicke war er verschwunden und machte einer sanftbewegten Freund» lichkeit Platz, welche vollkommen geeignet war, einen zur Schwärmerei geneigten Menschen wie Rudolph der Schwer- muth und ihren Fesseln zu entreißen, aber nur, um ihm andere, weit drückendere anzulegen. Die Baronesse hatte Rudolph gegenüber etwa de» Ein» fluß der Sünde auf ein leicht empfängliches jugendliches Gemüth. Sie war auch schön wie die Sünde, ah er nicht wie die lachende, die Ekel erregt, sondern wie die weinende, nicht reuige, sondern trauernde Sünde, die anzieht und ab- stößt und wieder anzieht' schön wie die Sünde, die weder durch herausfordernde Gewalt, noch durch geheimnißvolle Künste, sondern durch ihre Selbstverleugnung verführt.) Die Baronesse nahm während der Anwesenheit Rudolph'S in Ton und Gebcrde jenen Ausdruck von melancholisch� Zärtlichkeit an, die für ein unausgesprochenes Leid Trost sucht und ihn findet, indem sie Trost giebt. Diese Fra» verstand die Kunst, in jedem Herzen, das sie gewinnen wollte, eine Saite aufzufinden, die sie nach ihrem Wunsche erklingen machen konnte, und nie brachte sie einen Mißio* hervor. „Zch freue mich immer auf Zhren Besuch, nw# Lieber," sagte sie mit ernster Freundlichkeit, nachdem Ru» dolph auf einem Sessel neben ihr Platz genommen han«, „ich sehe, daß die Natur mich nie ganz vcrg'tz und mir immer einen Ersatz für einen erlittenen Verlust giebt. Wie elend wäre meine jetzige Lage, wen» Zhre Freundschaft mir sie nicht erträglich mächte!" 5«brauchten erhalten haben, und da thatsächlich seit einigen i,aatn keine Hetzartikel mehr gegen Deutschland erschienen find, so hat die zarische Regierung wieder einmal den Beweis ge- liefert, daß einzig und allein von ibrcr Macht und ihrem Willen abhängt, wie sich die Presse über Tagesfragen ausläßt. Wo- durch dieser Umschwung in Petersburg hervorgerufen worden ist, läßt sich noch nicht erkennen, allein es ist möglich, daß dazu nicht wenig die letzten Vorgänge in Frankreich beigetragen haben.„Die französische Ministerkrisis," so wird dem Bureau Reuter aus Petersburg aus offiziöser Quelle gemeldet, „hat in russischen diplomatischen Kreisen einen sehr ungünstigen Eindruck hervorgebracht. Sie hat nämlich dazu beigetragen, jedweden Gedanken an innigere Beziehungen zwischen Frank- reich und Rußland, wie solche von den russischen Zeitungen vor Kurzen« warm befürwortet worden, zu verscheuchen. Der Minifterwechsel in Paris wird in Petersburg als neuer Beweis dafür angesehen, daß kein solides Ucbereinkommen mit Frank- reich geschloffen werden kann infolge der Veränderlichkeit seiner Regierung, die, nachdem sie jüngst eine gemäßigte republikanische Färbung gehabt, jeden Augenblick der Ausdruck des vorge» schrittensten Radikalismus werden mag." Hoffentlich wird man nun auch in Paris einsehen, daß es sich weder für einen„gemäßigten Republikaner" noch für den„vorgeschrittensten Radi- kalismus" schickt, mit dein Zarismus gemeinsame Sache zur Unterdrückung eines nach Freiheit und Selbstständigkeit streben- den kleinen Volkes zu machen. Danemark. Der dänische Verfassungs-Konflikt scheint uner- wartcter Weise in ein ganz neues Stadimn zu treten, welches «inen Sieg des MinisteriunisEstrup bedeuten würde. Bekanntlich handelt es sich bei dem Konflikte um den Art. 25 der dänischen Verfassung, wonach in dringenden Fällen, wenn der Reichstag nicht versammelt ist, die Regierung provisorische Gesetze zu erlassen berechtigt, dieselben aber dem nächsten Reichs- tag vorzulegen verpflichtet ist. ohne dessen Zustimmung die Rechtskrast derselben erlischt. Run hatte das Ministerium Estrup diesem§ 25 eine Auslegung gegeben, durch welche es die ganze Gesetzgebung sich zueignet und die Mitwirkung der Volks- Vertretung ausschließt. Auf Grund dieser Auslegung hat das Ministerium schon zwei Finanzgesetze erlassen und durch weitere provisorische Gesetze das Versammlungsrecht und die P r e ß f r e i h e i t beschränkt. Als der Reichstag im Oktober zusammentrat, legte das Ministerium die provisorischen Gesetze des letzten Jahres nur dem Landsthing vor. Das Folkc- thing schlug darauf denselben Weg ein wie im Vorjahre. Ein Mitglied der liberalen Partei brachte die Gesetze als seine eigenen Anträge ein und gab dainit dem Fallet hing Gelegenheit, seine Ansicht über dieselben kund zu geben. Das Thing verwarf, wie zu erwarten war, die auf die provisorischen Gesetze bczüg- lichen Anträge mit großer Majorität. Inzwischen ist das Unheil des Höchsten Gerichts ergangen, daß provisorische Gesetze so lange in Kraft bleiben, bis sie von beiden Thingen abgelehnt find. Um die Wirluiig dieses Erkenntnisses zu erproben, legte Estrup im laufenden Monate auch dem Folkething die provi- sorischen Gesetze vor. Wollte die Opposition die Beschlußfassung im Oktober nicht für eine Komödie erklären, so konnte sie nur mit Berufung auf jenen Beschluß die Vorlage als verspätet und schon auf anderem Wege erledigt zurückweisen. Die Opposition hatte jedoch nicht mehr die Kraft dazu, wie aus folgendem, in der Sonntagsnunimer der„Hamb. Nachr." mitgetheilten Tele- gramn, aus Kopenhagen erhellt:„Nachdem die Opposition sich der Trnlüthigung unterzog, die provisorischen Finanzvorlagcn dem Ausschusse zu überweisen, hat Berg sich von der Führer- schaft seiner Partei losgesagt und ferner erklärt, daß er vorläufig außer Stande sei, als Präsident des Volksthings zu fungiren. Högsbro übernahm die geschäftliche Leitung." Die„BerlrngSke Tidende" bezeichnet die in auswärtigen Zeitungen enthaltenen Nachrichten über eine Vermehrung der dänischen Armee und über Befestigungsanlagen in Dänemark durch Unterstützung fremder Mächte als völlig unbc- gründet. Die von dem Mirnsteriun« beantragten Befestigungsanlagen erfordern nicht, wie behauptet, einen Auiwand von 90 bis 150 Millionen, sondern nur von 39 Millionen Kronen, auch sei für ihre Durchführung ein Zeitraum von 5—7 Jahren in Ausficht genommen. Dieselben könnten folglich nicht als Kriegsrüstungen bezeichnet werden. Schwei?. Von der Bundesvcrsainmlung wurde Droz(Neuenbürg) radikal, zum Präsidenten, Heftcnslein(Zürich), bisheriger Chef des Militär- Departements, liberal, zum Vizepräsidenten, Kopp(Luzcrn), konservativ, zmn Bundesgerichts-Prässdenten, Stamm(Echaffhausen), radikal, zun« Bundesgerichts-Präfidenten «-wählt. Rußland. Den„Daily News" zufolge dauern die Studenten- Unruhen in Petersburg fort. Fast jeden Tag erlassen die Studenten Manifeste, welche an die russischen Behörden, die fremden Diplomaten und Berichterstatter der Zeitungen ver- t heilt werden. In den Schriftstücken«vird in ruhiger und -rnstcr Sprache auf die Brutalität der russischen Polizei hin- „Suchen Sie den Grund in sich selbst, nicht im Schicksal. Was dieses an Zhnen verschuldet, was es Ihnen genommen, ersetzen Sie durch den Reichthum Zhres Ge- Urüthes: man kann nicht mit Zhnen zusammenleben, ohne lre zu lieben." „Nur daß diese Liebe nie beglückt, nie wohlthätig wirkt. tragen Sie sich selbst, ob nicht die warme Gesinnung, die ie für mich haben mögen, Sie mit sich selbst unzufrieden, Sie vielleicht unglücklich macht; nicht mein eigenes Leid, sondern das Zhre ist es, das ich zu bannen wünschte; aber Wit welchen Mitteln wäre mir dieS möglich?" „Weisen Sie mich von sich, zwingen Sie mich, Sie zu Erlassen, und Sie haben dieses Leid gebannt." „Lächeln Sie nicht so bitter über diesen Ihren Gedan- i-n; fürchtete ich nicht, sie dadurch noch unglücklicher zu Zachen, ich hätte mich von Zhnen getrennt, ohne Rücksicht auf mich selbst; ja, könnte ich Zhnen das sein, was Sie be- dürfen, könnte ich Zhnen mehr sein als eine theilnehmende, warme Freundin, ich würde mich glücklich fühlen, indem ich Sie glücklich machte. Aber ich kann Zhren Kummer nur «ndern, nicht heilen, ich kann Sie trösten und aufrichten, aber nicht schützen, ich kann Sie gegen Zhre regere Leiden- «chaft vertheidigen, aber nicht von ihr befreien." .„Und wer sagt Zhnen, daß ich des Schutzes und der Vertheidigung bedarf? 2ch fühle mich stark genug, zu wnnen was ich will." „Ihr Wille aber ist Zhnen nicht klar, Sie glauben sich Unabhängig in Zhren Fesseln, weil Sie sich selbst über- deden, daß sie nicht drücken. Lasien Sie uns durch einen Zufall getrennt werden, denken Sie dann mit Unbefangen- Wt über Zhr Verhältniß zu mir nach, und Sie werden Ssir, die ich ohne Absicht die Schuld einer übcrstandenen Täuschung trage, vielleicht fluchen." „Fluchen, Dir, Adele, nachdem Du mir Dein Inneres wie ein Buch aufgedeckt, nachdem Du mich vor mir wlbst gewarnt, nachdem Du mein Gefühl überwacht und siut zartester Schonung es aus seiner Ueberschwenglichkeit w die Grenzen heiliger Weihe zurückgeführt? Fluchen �r, die ich über alles verehre, die ich mehr als mein Leben gewiesen. Die Aufregung wachst und man erwartet Ruhe- ttörungen auch in anderen Universitätsstädten. Trotz zahlreicher Verhaftungen hat die Polizei die Urheber der Manifeste noch nicht entdeckt. Uebereinstimmend mit der Nachricht der„Polit. Korr." wird der„K. Z." aus Petersburg gemeldet, in dortigen, dem Hofe nahe stehenden Kreisen werde versichert, daß der Empfang des Generals Kaulbars beim Kaiser ein„überaus gnä- diger" gewesen sei; der Kaiser habe Kaulbars geküßt, ihm seinen Dank- ausgesprochen, daß er keine Widerwärtigkeiten gescheut habe, um die ihm gewordenen Befehle, nach denen er buch- stäblich gehandelt, auszuführen; auf besonderen Befehl des Kaisers wurde Kaulbars zu einem Festmahl geladen, welches der Kaiser dem Offizierkorps eines Garderegiments gab. Man glaubt allgemein, daß der General einen hohen Orden er- halten wird; nach dem„Nord" ist er im Range befördert worden. K-lgie«. Da das Ministerium in der Arbeiterfrage trotz aller Versprechungen in seinem Nichtsthun verharrt, auch die En- quete- Kommission ihre Berathungen bis Ende Januar vertagt hat, so ist es kein Wunder, wenn die Zustände in den Ar- beiterdezirken sich nicht bessern. Wie eine Losung zieht es durch die Arbeiterkreise:„Für Euch geschieht nichts, also organifirt Euch! Gründet kooperative Genossenschaften und Streikkassen!" — und so geschieht es aller Orten. Der ganze Kleinhandel ist gefährdet. Kein Arbeiter betritt ein Geschäft oder Ausschanklokal, dessen Inhaber sich nicht der Arbeiterpartei angeschlossen. Der Haß gegen die Direktoren und Ingenieure, wie gegen die Werkdesitzer nimmt beständig zu. Drohbriese und Dynamit- Attentate spielen bereits eine Rolle. Großbritannie«. Die„Times" eröttert die gegen den Feldzugsplan der irischen Nationalliga zur Verfügung stehenden Rechts- mittel. Das Blatt schreibt:„Nicht allein mittels„Auswei- sungen" können die Gutsberren gegen betrügerische Pächter vorgehen. Das Recht des Pächters kann verkauft werden, und finden sich keine anderen Käufer, kann der Gutsherr die Stelle kaufen. Dadurch gehen alle Ansprüche des Pächters verloren und er behält keine Mittel, die Wiedereinsetzung in die Stelle zu erlangen, wie es bein« Ausweisungsverfahrm möglich ist. Ueberdies sinv ausgezeichnete irische Juristen der Anficht, daß die Uebcrgade eines Theiles des Vermögens eines rückständigen Pächters an Verttauensmänner in Geiuäßheit des„Feldzugs- planes" eine Handlung ist, welche unter den Begriff des Van- kerotts fällt und daher alle darin verwickelten Personen unter die umfassende, mit dcr Befugniß, eine Untersuchung anzustellen, ausgerüstete Jurisdiktion des Bankerottgerichtshofes dringt. Ist diese Anficht begründet, so kann nicht nur die Hinterlegung schuldiger Pachtgelder bei Mitgliedern der Liga, sondern auch das Fottschaffen von Inventar, Vieh und Kom, wenn die An- kunft des Sheriffs zu erivatten steht, in einer Weise gerichtlich verfolgt werden, auf welche die„Narren" der Agitatoren nicht vorbereitet sind."— Darnach könnte man iin Namen des Rech- tes allerdings die Pächter vollständig lahm legen. Es fragt sich nur, ob man die Macht hat, solche Gerichtsentscheidungen gegen die Iren auszuführen. Hat man sie nicht, so werden die Juristen der„Times" trotz alles guten Willens den Landlords nicht helfen können. Die Einsamnilung der Pachtgelder durch die Ligavettreter nimint mittlerweile ungestörten Fortgang. Dem„Sheffield Jndependent" zufolge wurden bis vor einigen Tagen 18 000 Lstr. an Pachtzinsen in Irland Vertrauensmännern eingehändigt; in dieser Woche werden es wahrscheinlich schon etwa 50000 Lstr. werden. Kalkan länder. Ein neuer bulgarischer Thronkandidat ist aufge- taucht: Priirz Ferdinand von Koburg, derzeit in Wien. In Wien behandelt man ihn bereits danach. Die„N. Fr. Pr." «neidet: Prinz Ferdinand von Koburg hat dem Grafen Kal- noky seine Aufwartung gemacht und seinerseits die bulgarische Deputation empfangen. Der letzteren, welcher er einen sehr liebenswürdigen Enipfang bereitete, erklärte er auf deren Frage seine, Bereitwilligkeit, die bulgansche Fürstenwürde anzunehmen, sallS die Sobranje ihn wähle; er müsse jedoch vorher die Ein- «villigung des Kaisers einholen; er hoffe, daß keine Macht gegen seine Wahl Einwendungen erheben werde, selbst Rußland nicht, denn der Zar sei ihin persönlich wohl gesinnt. Unniittelbar, nachdem die Deputation den Prinzen verlassen hatte, begab sich derselbe zum Kaiser und dieser gab seine Einwilligung dazu, daß der Prinz eine auf ihn fallende Wahl annehme. Auch in dein Abends im Palais Koburg stattgefundenen Familienrathe ward der Kandidatur die Zustiminung eftheilt.— Anfangs soll der Prinz von Koburg die ihm zugedachte Fürstenwürde abge- lehnt und auf Anfrage einer hochgestellten Persönlichkeit gcant- wortct haben, er fühle sich nicht würdig, Nachfolger eines Plann es wie Fürst Alexander zu sein. Man behauptet, daß destimmend für feinen nunmehrigen Entschluß eine Ermunte- rung aus Berlin gewesen sei. Rudolph war bei dieser mit heftiger Leidenschaft ausgesprochenen Erklärung zu den Füßen der Baronesie hinge- funken, sie schlang gleichsam mitleidig bewegt ihre Arme um sein Lockenhaupt und hielt es schweigend etwa eine halbe Minute lang auf ihren Knieen fest. Als Rudolph nachher die Augen zu ihr erhob, sah er eine Thräne in den ihrigen glänzen. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst«nl» Leven. Belle- Alliance- Theater. Die Kindsfrau, Posse mit Gesang in 3 Attcn von F. Zell.— Es war ein etwas mehr als zweifelhaftes Vergnügen, den drei unendlich langen Akten mit den fast noch längeren Pausen vorgestern Abend bei- wohnen zu müssen. Wenn die„Kinderfrau", wie wir in Berlin sagen, eine Einrichtung für Kinder ist, so ist die Posse mit der nr.eneuschen Bezeichnung etwas für Schwachköpfige. Das Stück ist aus dem Französischen in das spezifisch Wienensche über- tragen, und hat höchst wahrscheinlich nur den einen Zweck, dem Gast des Bclle-Alliance-Theaters, der Frau Marie Geistinger, Gelegenheit zu geben, ihre angenehme und sympathische Stimme in einigen pointelosen Kouplets zur Geltung zu bringen. Ohne die fesche, ewig junge Soubrette von der schönen blauen Donau bleibt an dem ganzen Stück wirklich nichts übrig, wovon man beuchten oder woran man Kritik üben könnte. Platte Albernheiten wechseln mit kalauernden Wortwitzen ab, es werden Situationen geschaffen, die wahrscheinlich pikant sein sollen, über die man jedoch höchstens mitleidig die Achseln zucken kann. Jedenfalls hat der Macher des Textes die „Kii«dSfrau" mit der Amme verwcchsell, es wäre sonst gar nicht zu verstehen, weshalb man einer Kinderfrau, die ein zweijähriges Kind zu beauffichtigen hat, den Besuch ihres rechtmäßigen Mannes verwehrt. Auf dieser fast unsinnigen Voraussetzung ist das ganze Stück aufgebaut, ohne dieselbe wären die meisten der vielfach unsauberen Szenen ganz undenkbar. Was das Stück an Inhalt zu wünschen übrig ließ, wollte die Direktion wahrscheinlich durch Glanz der Regie ersetzen. So war die Küche im letzten Akt ein wahres Prachtstuck an Eleganz und Sauberkeit, aber sie half auch nicht über die Unmöglichkeit der Situationen hinweg. An Barbarei grenzte die Dressur, die dem mitwirkenden zweijähngen Kinde zu Theil geworden sein mußte; wie ein Fangball ging dasselbe geduldig und still von' , Aus Konstantinopel, 11. Dezember, wird der„Pol. Korr/"» berichtet: Trotz der mehr oder minder begründeten Friedens- ausfichtm und ungeachtet der in den hiesigen politischm Kreisen gehegten Hoffnung, daß die Annahme der von der Türkci unterstützten Kandidatur des Fürsten Nikolaus von Min grellen(?) seitens der Mächte der bulgarischen Krise ein Ende setzen werde. setzt die Türkei ihre Rüstungen zu Wasser und zu Land unausgesetzt soft. Neue Rekruten langen in häufiger Folge hier an und es werden Truppen nach der ostrumelischen Grenze dirigirt. In neuerer Zeit wird den Befestigungen an dnr Dardanellen die meiste Aufmerksamkeit geschenkt. Nach einer durch höhere Offiziere vorgenommenen Jnspizirung der dortig« n Werke ist man zur unverzüglichen Beseittgung der dabei wahr- genommenen Uebelstände geschritten, und nunmehr ist mair damit beschäftigt, die Armirung der wiederhergestellten Werke zu kompletiren. Kürzlich wurden zwei Geschütze schweren Kalibers dahin geschafft, und man spricht davon, daß noch mehr schwere Stücke diese Befestigungen sichern werden, welche die kaiserliche Regierung zu uneinnehmbaren machen will. Auch ist die Rede davon, den Eingang zun« Schwarzen Meere zu befestigen, und soll eine Kommission zu diesem Behufe dahur abgehen. A Man meldet aus Merw, 12. Dezember: Heute wurde die Vollendung der Transkaspischen Eisenbahn bi-s Chardjui daselbst in Gegenwaft der Spitzen der russischen und buchanschen Behörden gefeiert. Die Eisenbahn ist für Ruß- l a n d von der höchsten strategischen und kommerziellen Be- deutung. Amerika. Bei der Wahl eines Bürgermeisters der Stadt B o st o n wurde der Kandidat der demokratischen Partei gewählt. Von offizieller Seite find folgende Angaben über den Stand der Arbeiten ain Panama-Kanal ausgegangen: Ausgegraben waren bis zum 31. August er. 26 525 000 cbm oder ca. 24 pCt. der gesammten auszugrabenden Route. Die durchschnittlichen monatlichen Ausgrabungen beziffern sich in 1882 auf 16 245 cbm, in 1883 auf 215 300, in 1884 auf 617 554, in 1885 auf 658 708 cbm; in den ersten 6 Monaten 1886 betrug das ausgegrabene Quantum durchschnittlich 1 079 637 cbm pro Monat. Ausgegraben müssen im Ganzen ca. 110000000 cbm werden. Eröffnet werden kann der Kanal auf Basis der folgenden Berechnung in der zwetten Hälfte 1889: Bis Ende 1885 waren 18000000 cbm ausgegraben worden; ausgegraben sollen werden in 1886 12 000 000 cbm, in 1887 24 000 000, in 1888 36 000 000, in 1889 18 500 000 cbm, zusammen 108 500000 cbm. Während des Jahres 1885 wurden 12 875 Arbeiter in Panama für den Kanalbau„imvoftift" — wie es im Stile unserer Öandelsblätter beißt, in denen der Arbeiter ja nur als Waare figunrt.— Die gegenwäftig bei den Ausgrabungen verwendeten Maschinen repräsentiren zu- sammen 57 400 Pferdekräfte. Gerichts-Zeiwng. Die Akten in dem Jliring-Mahlow-Prozefi wider den Schriftsteller Chnstensen und den Tischlergesellen Berndt befin- den sich, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, in den Händen des Herrn Justizministers Dr. Friedberg. Man wird fich erinnern, daß der Reichstaaeabgeordnete Singer durch die Rechtsanwälte Munckel und Freudenthal eine Strafanzeige gegen den Kriminalschutzmann Jhrina bei der Staatsanwalt- schaft angebracht und gegen den ablehnenden Bescheid die Be» schwerde bei der Oberstaatsanwaltschaft eingereicht hat, sowie gegen deren Zurückweisung bei dem Herrn Justizminister vorstellig geworden ist. Letzterer hatte fich die Entscheidung bis nach Erledigung des gegen Berndt und Chnstensen wegen verleumderischer Beleidigung des Jhnng anhängig. gemachten Verfahrens vorbehalten. Es gewinnt den Anschein, daß der Herr Justizminister fich die fraglichen Akten nur um deshalb eingefordeft hat, um nach Prüfung derselben seine Ent- scheidung darüber zu wessen, ob dem Antrage des Abg. Singer nunmehr stattzugeben oder ob er definitiv zurückgewiesen werden. solle.— Wie wir weiter hören, soll auch der Minister v. Pütt- tamer den Wunsch um Ueberlassung der Alten wider Berndt und Chnstensen ausgesprochen haben. Aus diesen Gründen werden die beiden freigesprochenen Angeklagten, welche durch ihren Vertheidiger Rechtsanwalt Freudenthal den Antrag um Uebersendung einer Abschnft des Ufthcils zweiter Instanz ge- beten haben, noch lange auf Erfüllung ihrer Bitte zu warten haben. Hamburg, 15. Dezember. Der Ohrenarzt Dr. Mantels wurde heute wegen Sittlichkeitsverbrechens zu 2 Jahren Zucht- haus veruftheilt. Frankfurt a. M., 14. Dezember. Der kgl. Eisenbahn- fiskus wurde veruftheilt, einem bei dem Hanauer Eisenbahn- unglück zu Schaden gekommenen Handelsmann bis zu seinem 70. Lebensjahre eine jährliche Rente von 450 M. zu zahle». Die Kosten wurden getheilt, weil der Beklagte bedeutend mehr als 2000 M. verlangt hatte. Hand zu Hand, schließlich wurde dasselbe im Fahrstuhl auf- und abgefahren.— Hinter Frau Geistinger traten die übrigen Darsteller bedeutend zurück, zu erwähnen find die Herren. Szika, Wurm und Hanno, von den mitwirkenden Damen fiel eigentlich nur Frl. Wagner als Köchin vortheilhaft auf. Eine verschollene Stadt. In der letzten Nummer des russischen„Geschäftsboten"! stcncbssbi Vicutmlc) wird von der Entdeckung einer Stadt an den Ufern des Dniepr berichtet. Gegen fünf Werst unter dem Dorfe Bielozersk finden sich die Ruinen einer Stadt, die soeben erst untersucht worden sind. Man fand Spuren von regelmäßig angelegten Straßen, die Grundmauem von Häusem und Räume, die mit Kohlen� Topfscherben und Knochenresten angefüllt waren. Gruben, dir zur Aufbewahrung von Getreide dienten, Wasserrohren, Haur» geräth, Fragmente von Etatuen und architektonischen Orno.» menten, Bleistücke und griechische Münzen mit der Aufschrift �Olbia". Allem Anschein nach ist das der Ort, wo die alte Stadt dieses Namens lag. Da erst der zehnte Theil der Ruinen erforscht worden ist, so kann nian im nächsten Jahre, wo die Ausgrabungen fortgesetzt und auch die dicht dabei ge-. legenen Kurgane(Gradhügel) erforscht werden, auf große Aus» beute rechnen. Die Einrichtung der Eisenbahnwagen, wir sie gegen- wärtig in Deutschland und Amerika ziemlich allgemein üblich ist, wurde kürzlich durch Regiemngsbaurath Lange im Berliner Architeklenverein zum Gegenstande eines Vergleichs gemacht, der im Wesentlichen zu Gunsten unserer Zustände ausfiel. In Amenka geschieht die Heizung und Erleuchtung vielfach noch durch eiserne Oefen und Petroleumlampen, was beides scheu zu sehr großen Unzuttäglichketten geführt hat. So entgleiste neuerdings am 28. Oktober Abends ein Zug der Linie Chrkago»- Milwaukee-St. Paul, etwa 22 Kilometer von der zweitaenan«» ten Stadt entfernt, durch falsche Weichenstellung, wäre ab»r leidlich gut davon gekommen, wenn nicht die Erschütterung d-e eisernen Oefen umgeworfen hätte. Siebzehn Personen tarnu durch Verbrennen ums Leben. Der technische Attache in Washington meldet im„Zenttalbl. d. Bauv.", daß jetzt die meisten Eisenbahnen darauf Bedacht nehmen, vre eiserne«� Oefen ganz zu beseitigen und durchweg Dampfheizung aazu» wenden. Wichtige Entdeckung für die Metallindustrie. Ruch einer Meldung des Standard aus New-Poft hat Professor Thomson eine Methode entdeckt, gleichaftige und verschiedene Metalle dadurch zusammenzuschweißen, daß man durch dieselben. einen starken elektrischen Strom unter schwerem Drucke leitet. Soziales mü Arbeiterltemeglmg. � Rapide Zunahme des Großbetriebs. Nach den An» lagen zu den Berichten der Fabrikinspektoren hat sich im Königreich Sachsen die Tesammtzahl der Fabrik» arbeiter in der Zeit von 1383 bis 1885 um 43 242 oder 17,92 pCt. vermehrt, während die Bevölkerungszunahme in der nämlichen Zeit nur etwa 2,69 pCt. betragen hat. Wenn nun auch bei der verhältnismäßig sehr beträchtlichen Zunahme der Fabrikarbeiterzahl die Ungleichmäßigkeit der den einzelnen Zäh- lungen zu Grunde gelegten Bestimmung des Begriffs„Fabrik" in Anrechnung zu bringen ist, so ist sie doch hauptsächlich dadurch hervorgerufen, daß sich der Großbetrieb beständig aus- dehnt und immer neue Menschenmaffen herüberzieht aus dem Kleinbetrieb, der Jahr für Jahr mehr dahinschwindet. Sehr lehrreich ist auch eine Zusammenstellung der in den Jahren 1883 und 1885 in Sachsen gezählten gewerblichen Anlagen: Verände- Industrie» Fabrik- rung in zweige. anlagen. Pro- Bergbau, Hütten und Salinen.. Industrie der Steine und Erden. Metallverarbeitung...... Maschinen- und Werkzeugfabrikation Chemische Industrie...... Industrie der Heiz- und Leuchtstoffe Textilindustrie........ Papier- und Leder-Industrie... Industrie der Holz- und Schnitz- stoffe......... Nahrungs- und Genußmittel... Bekleidung und Reinigung... Polygraphische Gewerbe.... Verschiedene Industriezweige Zusammen 16036 13962- 12,996% Mit Ausnahme der Papier- und Lederindustrie und der polygraphischen Gewerbe hat sich also die Zahl der gewerblichen Anlagen in Sachsen trotz der großen Vermehrung der Fabrik- arbeiter sehr bedeutend vermindert. Wohl wird man auch bei der Betrachtung der vorstehenden Zahlen in Rücksicht zu ziehen haben, daß erst nach der statistischen Aufnahme von 1883 jene feste Begriffsbestimmung des Wortes„Fabrik" zur Gel- tung gekommen ist(nach welcher sich die Zählung auf die An- lagen solcher Gewerbeuntemehmer zu erstrecken hat, die in ihren Gewerbeanlagen mindestens 10 Arbeiter beschäftigen oder Dampfkeffel verwenden oder mit Wind-, Waffer-, Gasmaschinen- oder Heißluftmaschinenbetricb arbeiten oder endlich nach§ 16 der Gewerbeordnung und den Nachträgen hierzu einer be- sonderen Genehmigung bedürfen). Immerhin werfen die Zahlen ein helles Streiflicht auf den unser gewerbliches Leben beHerr- schenden Umwandlungsprozeß, der unsere Jndustne mcbr und mehr vom Klein- zum Großbetriebe fortschreiten läßt. Es werden immer weniger seldstständiae Unternehmungen, dagegen häufen sich in den überlebenden Betrieben die Menschen- und Kapitalsmaffen immer mehr an. Die Fabrikskrankenkasse in ihrem wahren Lichte. Ein Arbeiter emer Zuckerfabrik bei Magdeburg, für welche eine Be- triebskrankenkaffe besteht, stand vom 1. bis 17. Oktober dort in Beschäftigung, trat am 18. Oktober aus dieser Beschäftigung und erkrankte am 19. Oktober. Die Betriebskrankenkaffe weigerte sich, den Betreffenden zu unterstützen, weil er nicht erklärt habe, Mitglied der Kaffe bleiben zu wollen, und erklärte fich endlich, in falscher Auslegung des§ 28 des Kr.-Ver-Ges. bereit, die Kur» kosten auf drei Wochen übernehmen zu wollen. Der Arbeiter verlangte Entscheidung, da er mit diesen 3 Wochen sich nicht für befriedigt erklärte. Der Bezirksausschuß zu Magdeburg hat folgende Entscheidung getroffen:„Der§ 28 des Reichsgesetzes, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter, vom 15. Juni 1883, dessen Vorschriften nach§ 64, Abs. 1, a. a. O. auch auf Fabrikkankenkassen Anwendung finden, gewährt denjenigen Kaffenmitgliedern, welche nach Austritt aus der ihre Mitgliedschaft bei der Fabrikkasse begründeten Beschäfti- gung erwerbslos werden, noch für 3 Wochen oder, falls sie der Kasse kürzere Zeit angehört haben, für diese den Anspruch der gesetzlichen Mindestleistung der Kasse, d. h. auf eine im Falle der Erkrankung nach Maßgabe des§ 20 a. a. O. bis zu 13 Wochen zu gewährende Kranken- Unterstützung. Der Arbeiter D. ist vom 1. bis 17. Oktober v. I. in der Fabrik der Firma N.(weshalb kein Name? D. R.) be- schästigt gewesen, hat also in dieser Zeit der beklagten Kasse angehört, am 18. Oktober v.J. hat er diese Arbeit verlassen(??) und bereits am 19. desselben Monats, an Rheumatismus erkrankt, in das Krankenhaus zu M. aufgenommen werden müssen. Die Erkrankung des D. ist demnach in denjenigen Zeitraum gefallen, in dem demselben gemäß§ 28 a. a. O. noch der An- spruch auf 13 wöchentliche Krankenuntcrstützung nach Maßgabe des§ 20 a. a. O. zustand. Dieser Anspruch ist nach JS 57, Ms. n, K. V a. a. O. auf den Ortsarmenverein zu M. in Höhe der unbestritten geleisteten Unterstützung, also im Betrage von 136,50 M. übergegangen. Beklagte ist daher verpflichtet, dem Kläger die Summe zurückzuerstatten. Der Werth des Streitgegenstandes richtet sich nach der Höhe des geforderten Betrages, der Kostenpunkt erzielt fich nach§ 103 des Gesetzes über die allgem. Landesveiwaltung vom 30. Juli 1883.— Vorstehender Fall ist für jeden Arbeiter höchst beachtenswcrth und sollte keiner versäumen, falls er einer Fabriks- oder einer auf Grund des Gesetzes vom 15. Juni 1883 organisirten Kasse angehört, sich der Mitgliedschaft bei Austritt aus der Be- schäftigung zu versichern, und zwar durch die schriftliche Er- klämng, in der Kasse auch während der beschäftigungslosen Zeit verbleiben zu wollen. Königswinter, 14. Dezember. Wie verlautet, sind die Arbesten m den Provinzialsteinbrüchen am Petersberg auf höhere Veranlassung seit einigen Tagen eingestellt worden. Kleine Mittheilnnge«. Düsseldorf, 14. Dezember. Ein zwölf Jahre alter Knabe, der nach eigener Angabe nach Kamerun auswandem wollte, wurde gestern Abend in der Herberge zur Heimath durch die Polizei festgenommen. Der Junge ist aus Darmstadt und dort mst einem Geldbetrage, den er zum Steueramt tragen sollte, durchgebrannt. Er hat fich von dem Gelde neue Anzüge, einen Reisekoffer und ein Gewehr nebst Munition angeschafft. Er wird nach Darmstadt zurückgebracht. Trier, 14. Dezember. Wie gemeldet wird, hat die Ent- aleisung des Schnellzuges Metz-Koblenz, welche am 11. d. M. m der Nähe der Station Wicheringen geschehen, in Kilometer 135 bei der Haltestelle Nittel stattgefunden, während die Ent- gleisung am 27. v. M. in Station Kilometer 146 zwischen Palzem und Wicheringen erfolgt ist. Beide Entgleisungen sind, soweit bis jetzt hat ermittelt werden können, auf ein Schadhaft- werden einer Tenderachse zurückzuführen. Langendreer, 14. Dezember. Im vergangenen Somnier starb in der Nähe von Langendreer die Frau eines Arbeiters. Kurze Zeit darauf kam der Arbeiter eines Tages nach Hause und hatte eine Person bei sich, die ihm den Haushalt führen sollte. Im Verlaufe ihres Zusammenlebens waren beide wohl zu der Erkenntniß gekommen, daß sie ohne einander nicht leben könnten, denn sie erschienen eines Tages auf dem Standes- amte, um das Aufgebot zu beanttagen. Diesem Verlangen konnte aber nicht stattgegeben werden, weil die dazu nöthigen Papiere nicht alle vorhanden waren. Hatte man zwar versäumt, diese zu beschaffen, so war aber daran gedacht worden, das Hochzeitsmahl anzurichten. Dasselbe wurde denn auch einge» nonimen, ohne daß eine standesamtliche Trauung vorhergegangen. Das geschah am Freitag. Am folgenden Tage ging alles gut, aber am Sonntag mußte der Arbeiter fliehen, weil diejenige, die er sich zur Braut resp. Haushälterin erkoren, ihn in der Trunkenheit mit einem Rafirmeffer und einem Revolver be- drohte. Als es einigen hinzugekommenen Leuten gelang, die Wüthende zu überwältigen, erwies fich der Revolver als mst — Trahtnägeln geladen, allein der Arbeiter war von der Ge- fährlichkeit seiner Haushälterin derart überzeugt, daß er sie so« fort eutließ. Brieg, 14. Dezember.(Versuch einer Massenvergistung.) Als fich am Donnerstag in der hiesigen Werner'schen Apotheke Herr und Frau Werner, sowie je zwei Gehilfen �und Lehrlinge zu Tisch setzten, fiel denen, welche die ersten Löffel Suppe zum Munde führten, sofort ein starker, eigenthümlicher Geruch und Geschmack nach bitteren Mandeln auf, wodurch glücklicherweise die sofortige Beseitestellung der Suppe veranlaßt ward. Als man nach Tisch der Ursache der unerklärbaren Erscheinung nach- forschte, frappirte zunächst, daß die in den im oberen Stock ge- legenen Wohnräumen der Werner'schen Familie von den Kin- dern genossene Suppe von jeglichem Beigeschmack frei gewesen war. Ter Verdacht einer abfichtlichcn Beimischung von Gift wurde jedoch erst rege, als man seit der Mahlzeit am Nachmittag einen kurz vor dem Ende seiner Lehrzeit stehenden Apotheker- Lehrling vermißte, welcher am Vormittag eines anderen Ver- dachtcs wegen in's Verhör genommen worden war. Die Suppen- reste wurden nunmehr untersucht und Cyankali darin gefunden; aus einem an demselben Morgen eben angekommenen und�aus- gepackten Fläschchen mit diesem Gift, welches der bettessende Lehrling rn den Händen gehabt hatte, fehlten genau drei Gramm, die Ouantität, welche in der Suppe enthalten gewesen sein dürfte, die aber wahrscheinlich noch nicht aufgelöst war, als man die eisten Löffel genoß. Nach Erkalten der Suppe war übrigens der Bittcrmandelgenick geschwunden.— Ter der That dringend verdächtige junge Mann ist aus Oppeln aus bester Familie, sein Vater lebt nicht mehr. Er ivar zu der un» glücklichen Mutter geflüchtet, bei welcher er am Sonnabend ver- haftet worden ist. Bei der betteffenden Mahlzeit hatte er sich übrigens mst an den Tisch gesetzt; doch hat Niemand bcob- achtet, ob er auch von der fraglichen Suppe gekostet hat, so daß ein Schluß, ob er die Abficht hatte, fich mit zu vergiften, nicht zulässig ist. Die That ist ein psychologisches Räthsel. Tie Untersuchung ist im Gange. Bukarest, 11. Dezember.(Tynamitexplofion.) Gestern Morgen kurz nach 3 Uhr wurde die Bevölkerung durch eine fürchterliche, einem langanhaltendcn dröhnenden Donnerschlage ähnliche Erschütterung aus dem Schlafe geweckt. Ein Dynamit- magazin des Genieregimcnts war in die Luft gepflogen. Ob- wohl mehrere hundert Kilogramm Dynamit dort aufbewahrt waren, wurden die in der Nähe befindlichen militärischen Wachtposten nur zu Boden geschleudert und kamen mit leichten Quetschungen davon. In der benachbarten Genickaserne, dem unweit davon gelegenen Helena-Asyl und der königlichen Sommerrefidenz, sowie in vielen mehrere Kilometer weit ent- kernten Häusern der Stadt Bukarest wurden die Fensterscheiben zertrümmert. Allem Anschein nach ist der Unglücksfall auf die Unvorfichtiakeit eines Soldaten zurückzuführen, welcher fich un- befugter Weise in das Magazin eingeschlichen hatte. Wenig- stens fehlte beim Namensaufruf der Mannschaften ein Soldat, und es unterliegt kaum einem Zweifel, daß die im Laufe des Tages theilweise in großer Entfernung vom Schauplatz des furchtbaren Ereignisses aufgefundenen Flcischtheile eines mensch- tichm Körpers die Uederreste des Unglücklichen sind, der seine Unvorflchtigkeit in so entsetzlicher Weise büßen mußte. Theater. Der Freitag, den 17. Dezember. OveruhauS. Der Barbier von Sevilla. Echauspielliaus. Roderich Heller. Deutsche» Theater. Ein Erfolg. Kroll's Theater. Der Mikado. Srtedrich.Wilhelmstädttsches Theater. Vizeadmiral. «alluer-Theater. Die Sternschnuppe. BMoria-Theater. Viviana. Östeud-Theater. Das neue Gebot. Nestden,-Theater. Georgette. Zeurral-Theater. Der Waldteufel. Vellealliance-Theater. Die Kindsfrau. «alhalla-Theater. Der Vagabund. Köuigstäd tische» Theater. So find sie Alle. Eoueordia- Theater. Spezialitäten- Vor« stellung. Kaufmann'» Variete«. Spezialitäten- Vor- stellung. Neich»halle«- Theater. Spezialitäten« Vor- stellung._ Stadt-Theater. Wallnettheaterstt. 15. Muttersegen. Schauspiel in 5 Akten. Dirigent: Herr Kapellmeister Theodor Franke. Regie: Herr E. Czaschke. Vor der V o r st e l l u n g: IM' Großes Goneert,'MW ausgeführt von der Hauskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Hrn. Theodor Franke. Anfang des Concerts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. .. Anfang der Vorstellung: Wochentags 7'/, Uhr, Sonntags 7v, Uhr. Da? Theater ist mit elektrischer Beleuchtung «etfeben._ Soeben erschien HeftS cker Internationalen Bibliothek. Die Darwin sche Theorie, atr*««»>#*«#%.) Preis pro Srft 50 Pf. Zu bezichen durch die Grpeditio« des„Kerl. Kolksdiatt", Zimmerstraße 44. Einbanddecken zu Heft 1 bis 3 a 30 PI. flnr Wiederverkäufern Rabatt, im Passage 1 Tr. 9 M.— 10 A. Ratner-Paiiorama. _ In dieser Woche: Wanderung d. Süddeutschland, Heidelberg, Constanz, Wiesbaden rc. Eine bequeme Rheinreise. Mrihnachst-Anvstriluns, nur von 4—8 Uhr. Täglich: Palästina. Das Leben Jesu. 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Fachverein der Tischler. m Sonnabend, den 18. Dezbr., Abends 8$ Uhr, Jordan» Kalo», Neue Grünsttaße 28: Geueral-Vers ammluug des Uerkins iln Emsrher(|tfd)Ifr) findet Konntag. den 19. d. Ms., Vormittags 10 Uhr, Neue Friedrichstraße 44 statt. Tagesordnung: Wahl des gesammten Vor- standes, Verschiedmes und Fragekasten. Die Mstglieder werden auf§ 4 Abs. 1 aufmerksam gemacht. Das 3. Stiftungsfest findet Sonnabend, den 1. Januar 1887, im Königstädtischen Kasino statt, wozu alle Freunde hier- mit eingeladen werden. Der Dorstand«[1288 —— 1_ Mitgliederversammlung. Tages-Ordnung: Bericht über die statistischen Erhebungen m hiesigen Tischlerwerkstellen. 2. Der Ärbeitsnach- weis in Berlin. 3. Bericht über die Arbeits« Verhältnisse in einer hiesigen Werkstatt. 4. An- frage, betr. Unterstützung arbeitsloser Mitglieder. 5. Anttag der Arbeitsoermittelungs-Kommisston. 6. Fragekastm.— Quittungsbuch legttimirt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 1285] Der Vorstand Central Kranken- u. Sterbekasse der Tischler u. s w. Den Mitgliedern obiger Kaffe wird hierdurch bekannt gemacht, daß wegen dcS bevorstehenden Weihnachis- und Neujahrsfestes die Beiträge auf den Zahlstellen sammtlicher Permaltung»- stellen Kretin« am Freitag, den 24.(Heilig- abend), und Freitag, den 31. Dezember(Syl- .' rag» 255 vester), von ff bis 10 Uhr durch die Britta sammlet entgegengenommen werden.[1 Die Vrtsvermaltnngen. KB. Durch wiederholte Bekanntmachung deS Vorstandes in Hamburg wird darauf aufmerksam gemacht, daß sämmttiche in diesem Jahre fälligen Beiträge vor dem 1. Januar bezahlt sein müssen. Tischler-Verein. Geneenl- Dersammlnng der Kranken- Rnterstübungskalse am Sonnabend Abend 9 Uhr Kottbuserstt. 4»(gr. Saal). T.-O.: Wahl des Vorstandes. Quittungsbuch legitimirt. 1284] Der Vorstand. Großer Ausverkauf von Paletotfutter. Lama», Cloth, CSper, Khirting, best. Kchneiderleinmand, Chappe- Keide, Knöpfen, Kchnalle«. Hosenhaken. Kammiliche Maaren find billig»um Ausverkauf gestellt. Korden und Libeu mit 10 p«t. Rabatt. Rester von allen Maaren unter dem Koftenpreise. Beim Einkauf von 10 Mark an 5 pEi. Rabatt.[1257 Slegmiuid Herger, Alte Jakobstraße 65. Die letzten für jeden Preis! Die von mir auf mehreren Auktionen gekauften hocheleganten Herren-«. Damen- Winter- Paletot» verkaufe ich der milden Witterung wegen für jeden Prri». _ Lacke, Reanderstraße 9. IC Bitte genau auf meine Hausnummer und meinen Namen zu achten.[1283 1 g. Piano, 30 M-, z. verk. Oranienstr. 4 II l. Ein Schneider auf Röcke Webersttaße 6.[1286 In haben in der Erpedition d. Kl., Aimmerftrahe 44. Soeben erschien im Verlage von Wörlein & Co. der Iwinubtt- usli Krdritn- Iuliz Kulkidtt für 1887 (IX. Jahrgang). Dieser Notizkalender, seit Jahren in den deutschen Arbeiter- und Handwerkerkreisen rühmlichst bekannt, ist nicht blos Kalender, sondern zugleich Notizbuch und Gesetz- sammlung. Auch in diesem Jahre ist sowohl auf den Inhalt als die Ausstattung besondere Sorgfalt verwendet und ist namentlich bezüglich des Einbandes Vorzügliches ge- leistet und bestes Material dazu verwendet. Neben der gewöhnlichm Ausgabe ist auch wieder eine stärkere veranstaltet, welche mehr Schreibpapier enthält und kräftigen Leinwandeinband mit Deckel nach Änef- taschmatt und Gummiband hat. Auch hei der gewöhnlichen Sötte find diesmal die Ecken abgerundet. Inhalt de» Kalender»: Kalendanum mit neu revidittem Geschichtskalender; postalische Bestimmungen; Telegrammtanf; das ganze Unfallversicherungsgesetz mit Anhang vom 28. Mai 1885; Gesetz über die eingeschttebcnm Hilfskaffm mit der Novelle vom 1. Juni 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit Reglement; Auszug aus dem Reichs- Patentgesetz! Gewindeschneidetabelle für Metallarbeiter; Schrechpapier mit Datumsangabe für Tagcsnotizm, leeres Schreibpamer, Bttef« täschchen. De ganze Kalmder ist vierzehn Bogm statt. Preis der einfachm Ausgabe 50 Pf. „„ stätterm„ 70 Pf. Wiederverüanfer erhatte« lohnenden Rabatt. Heute frische Blut- u. Leberwurst __ lauch außer dem Hause).[128? Max Kreutz, Kottbuserplatz(Alte Linde). Nerantwortlich für dm politischen Theil und Sozialee Max für Vereine und Versammlungm K. Tutzauer. fin dm übngm Thell der Zettung«. Crouheim. sämmtlich in Berlin. unb-Bctlöß von WidT SDftvittii tn iöctltn 5W.f«uctuDtticiBC Z.«4**# ntiianh Beilage zum Berliner Bolksblatt. Ur. S95. Freitag, de« 17. Dezember 1S86. B. Jahrg. Aug der llifitärtommiffion. Die siebente Sitzung der Militärkommission des Reichstags wurde gestern Vormittag um 11% Uhr eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte der Kriepsminister Vronsart v. Schellendorff, dasi er ron den Kommissionsmit- gliedern nach den Berichten der Presse in Bezug auf seine Aeusicrung die Dispofitionsurlauber betreffend mißverstanden morden sei. Er habe nicht gemeint, daß vom 1. April an aste Dispositionsurlauber entlassen werden sollten, sondern nur bei einigen bestimmt bezeichneten Truppenthcilcn. Abg. v. Huene(Zentrum) hat einen Gesetzentwurf «ingebracht. Danach soll die Dauer des Gesetzes drei Jahre betragen, vom 1. April 1887 bis 31. März 1890; für die Infanterie statt der ge- forderten 534, nur 518 Bataillone bewrllrgt werden. Außerdem soll ein Paragraph, betr. die Befreiung der Theologen vom Militärdienst, dem Gesetz angefügt werden. Der Antragsteller erklärt, daß er die Anträge nur in seinem Namen stelle, die Zentrumspartet bade sich über die- selben noch nicht schlüssig gemacht. Die Tendenz des An- träges sei, eine Erhöhung der heerespräsenzziffer zwar zu be- willigen, besonders wolle er die Forderung für die technischen Waffen zugestehen, bei der Infanterie aber wolle er die neu geforderten 16 Bataillone zunächst nur auf 1 Jahr bewilligen. Ter Kriegsminister erklärt den Antrag für unannehmbar. Die Forderungen der verbündeten Regierungen seien darauf berechnet, der ganzen tzeeresformation eine destimmte Festigkeit zu geben. Wenn man aus diesem Gefüge ein wesentliches Stück herausnehme, so sei der ganze Bau nicht viel nütze. Aber die Heeresreform habe auch schon im nächsten Jahre eine aktuelle Bedeutimg. Wenn erhebliche Abstriche gemacht wür- den, so schwebten in kurzer Zeit schon alle Erfolge, welche man von der Vorlage erhoffe, in der Luft. Die verbündeten Regie- rungen müßten auf der siebenjährigen Dauer bestehen. Abg. V. Huene erklärte daraus, daß seine politischen Frermde im Wesentlichen auf seinen Anträgen im Interesse des Volkes be- harren würden. Er habe heute die Zeitfrage noch nicht in die Debatte ziehen wollen, doch da es der Herr Minister gethan, so wolle er sich auch zu der Frage äußern. Das Parlament sei dem Volke gegenüber ebenso verantwortlich wie die Regierung. Wenn man so große Summen bewilligen solle, dürfe dies nur auf eine kürzere Zeitdauer geschehen, um die Wirkungen dieser Bewilligungen näher und öfter prüfen zu können. Ausnahmsweise wolle das Zentrum auch die Ver- mehrung der Infanterie auf ein Jahr bewilligen. Abg. von Helldorff erwidert, daß durch diesen Vorschlag die ganze ge- plante Neuformation zerstört werde. Die einjährige Bewilli- gung sei nicht geeignet, der Kriegsgefahr und der Boulanger- schen Aufrüstung entgegenzutreten. Durch Bewilligung der un- veränderten Vorlage würde gerade der Parlamentarismus an Ansehen gewinnen. Abg. Richter ist der Ansicht, daß die Vorlegung dieses Gesetzes und die Rede des Grafen Moltke die Franzosen veranlassen würden, ihre Rüstungen zu beschleu- nigen. Je mehr bei uns auf Beschleunigung gedrängt wird, desto eifriger rüsten die Nachbarstaaten. Abg. Frcih. v. Stauffenberg(deutschfreis.) beantragt darauf den§ 2 dahin abzuändern, daß— wie im Antrage des Zentrums— statt 534 518 Bataillone Infanterie bewilligt werden.§2 soll ferner folgende Zusätze er- halten:„Außerdem werden vom gleichen Tage an(1. April 1877) bis zum 1. April 1890 15 Bataillone Infanterie formirt. Bis iur gesetzlichen Einführung der zweijährigen Dienstzeit für die Infanterie erfolgt die ordentliche Rekrutcneinstellung bei der- selben im Januar, sofern nicht bei der Etatsfestsetzung ein früherer Einstellungstermin vereinbart wird. Die Einjährige ligen als das Zentrum, und zwar das sächsische Aägerdataillon. Das Zentrum will 16 Bataillone auf ein Jahr, die Freisinnigen Nur 15 B atailone Infanterie aber auf drei Jahre bewilligen. Abg. Graf Behr(Reichs- Partei» bekämpft die Stauffenberg'schen Anträge und besonders das Einrechnen der Einjährig- Freiwilligen in die Präsenzstärke. Besser hätte man gethan, den ganzen§ 2 pure abzulehen Ebenso seien die Zentrumsanträge «u verwerfen, welche darauf ausgehen, den Parlamentarismus Su stärken. Ebenso bekämpft Frecher v. Maltzahn die Anträge von Stauffenberg und v. Huene als schädlich. Der Kriegs- Minister betont nochmals, daß er niemals eine zweijährige Dienstzeit zugestehen würde. Ein derartiger Antrag wurde mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft bekämpft werden. Der Antrag v. Stauffenberg sei unannehmbar. Wenn man aber die Einjährig-Freiwilligen auf die Präsenzstärke anrechnen wolle und die Präsenzstärke um die Zahl der Einjahrig-Freiwilligen erhöhen wolle, so habe er dagegen nichts einzuwenden. Er verwahre sich dagegen, daß bei den gegenseitigen Aufrüstungen Deutschland vorangegangen und Frankreich dazu Veranlassung gegeben habe, das Gegcntheil sei wahr. Nachdem sodann der «riegsminister und Major v. Tchlieben für die Nothwendigkeit des sächsischen Jägerbataillons eingetreten, wurde eine Pause gemacht. . Nach der Pause vcrtheidigte Abg. Rickert die Anträge der feeifinnigen Partei. Er wundere sich, dZj diese von konservativer Seite so schroff zurückgewiesen würden, obgleich sie doch m allen Theilen der Regierungsvorlage sehr weit entgegen- »amen.(Stimmt!) Wenn Graf Behr noch vor dem Kriegs- Minister die Slbänderungsanträge für unannehmbar erklärt habe, f° habe das wenig zu bedeuten. Das Volk könne jetzt bereits d'e schwere Last kaum mehr tragen. Wie wäre es mit einer degressiven Reichseinkommensteuer? Wenn diese ernge uhrt N.rde. dann würden auch die Konservativen nicht so leicht Phlitäraiisgaben bewilligen, wie jetzt. Die Ucbcrfuhrung der Dreijährigen in die zweijährige Dienstzeit könne allerdings nur durch Gesetz festgestellt werden; aber die t heor et i s ch e(...) Anerkennung derselben in dem deutschfreisinnigen Antrage halte vr für nothwendig, wenn man immer wertere Erhöhungen verlange. Wenn die Regierung immer Vertrauen verlange. �. verlange er Vertrauen von der Regierung zum Reichstage, könne die Regierung das vertrauen zu diesem A.�chstaae nicht haben, so mögen sie an das Volk oppllliren. /bg. Wjndthorst bedauert, daß der KnegsmiNister dem An- deage v. Huene gegenüber eine so streng ablehnende Haltung em- Nehme. Für diese Anträge würde sich im Reichst� eme Kroße Majorität sinden. Die Regierung habe hier die Möglich- kell, Alles an Geld und Alles an Mannschaften zu erhalten, ?vas sie wünscht(Stimmt!), sie will aber nicht, sie bestehe auf Mem Schein„kein Tag und kein Mann" solle von der Forde- abgelassen werden. Diese Worte würden im Reichstag geflissentlich kolportirt, als aus hohem Munde gefallen. Er ,|me sich aber durch dergleichen nicht irritiren, er werde öffent- die Gründe darlegen, welche das Zentrum bei Stellung seiner Anträge geleitet haben. Er verlange im allgemeinen einjährige Etatsberathung, aber das Zentrum gebe nach und wolle ausnahmsweise die Forderung für 3 Jahre. Er setze voraus, daß der nächste Reichstag ebenso verständig und patriotisch sei wie der jetzige. Deshalb solle man ihn nicht bin- den. Derselbe habe dann Gelegenheit die Situation von neuem zu prüfen und danach seine Entscheidung zu treffen. So empfehle es sich aus militärtechnischen, besonders aber aus politischen Gründen. Die Regierung wisse keine Erklärungen über die politische Lage abzugeben, deshalb empfehle sich für den Reichstag ein Provisorium; schon in der Bewilligung eines solchen Provisoriums liege ein großes Vertrauen für die Regierung. Wir bewilligen der Regierung jeden Mann und jeden Groschen, aber nicht länger als nothwendig. Abg. Nichter erklärt, der Standpunkt der deutschireisinnigen Partei nähere sich dem des Zentrums. Derselbe unterscheide sich im Wesentlichen nur darin von den v. Huene'schen Vorschlägen, daß die Einjährig- Freiwilligen in die Präsenzziffer eingeschlossen werden sollten und die zweijährige Dienstzeit in der Theorie(!!) eingeführt werde. Der Kriegsminister erklärt, daß er keine prinzipiellen Bedenken gegen die Abänderungsvorschläge habe, aber dem Maß derselben in diesem Falle könne er nicht zustimmen, da die Vorlage selbst keinerlei Abstriche erdulden könne. Nachdem Abg. Marquardsen Namens der nationalliberalen Partei er- klärt, daß diese gegen alle Amendements der Regierungsvorlage stimme, wurde die Debatte geschlossen. Nunmehr kam es zur Abstimmung. Die Kommission ist vollzählig. Angenommen wurde der Antrag des Zentrums, anstatt 534 nur 518 Bataillone auf drei Jahre zu bewilligen, und zwar mit 16 gegen 12 Stimmen. Die freisinnigen Anträge wurden abgelehnt, bis auf den, welcher die Einstellung von 15 Bataillonen für drei Jahre ver- langt, und welcher gegen 6 Stimmen angenommen wurde. Der also gestaltete§ 2 wurde mit großer Majorität, dann mit 16 gegen 12 Stimmen der§ 2 in der Fassung der Regierungs- vorläge abgelehnt.— Hierauf trat eine neue Pause ein, in welcher Anträge zum§ 1 formulirt werden sollten. Zentrum und Freisinnige haben sich inzwischen dahin ver- ständigt, das Gesetz so zu formuliren, daß der eben abgelehnte § 2 nun in den§ 1 einbezogen wird und nun nochmals zu- sammen über die Anträge abgestimmt werden soll. Das Zen- irum will mit den Deutschfrersinnigen nunmehr für die ein- jährige Bewilligring von 16 Bataillonen Infanterie stimmen, während die Freisinnigen den Widerstand gegen das sächsische Bataillon aufgeben.§ 1 will Abg. v. Huene nun folgender- maßen formuliren:„In Ansführung der Artikel 57, 59 und 60 der Reichsverfassung wird die Friedenspräsenzstärke des Heeres an Mannschaften für die Zeit vom 1. April 1887 his 31. März 1890 auf 441 200 Mann festgestellt. Für die Zeit vom 1. April 1887 bis 31. März 1888 kann eine Erhöhung der Präsenzstärke bis auf 468 409 Mann eintreten. Die Ein- jährig- Freiwilligen kommen auf die Friedenspräsenzstärke nicht in Anrechnung. Außerdem können vom gleichen Tage an bis zum 31. März 1888 weitere 16 Bataillone formirt werden." Im Ucbrigen stimmt die Fassung v. Hucne's mit der Regierungsvorlage überein. Die Konservativen bean- tragen die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Der Kriegsminister erklärt abennals sowohl die Anträge des Zen- trums wie die der Freisinnigen für unannehmbar. Die konser- vativen Anträge auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage werden darauf abgelehnt mit 16 gegen 12 Stimmen. Der Antrag v. Huene wird gegen 9 Stimmen verworfen. Darauf wird der Antrag Stauffenberg, welcher sich mit dem Zentrumsantragc deckt, jedoch statt 468 409 nur 450000 Mann einstellt, mit 16 gegen 12 Stimmen angenommen.— Die Bedeutung des Antrages i st die, daßalle Kadres angenommen sind, daß aber die Frie- denspräsenz stärke um 18000 Mann ssegen die Regierungsforderungverringert, die sieben- jährige Dauer des Gesetzes auf eine drei- j ä hri ge und b ei 16 Bataillonen auf eine ein- jährige herabgesetzt wird. Darauf wird die Sitzung bis heute Vormittag 10 Uhr vertagt._ Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. Oeffen tliche Sitzung vom 16. Dezember. Der Stadtverordneten- Vorsteher Herr Dr. Stryck er- öffnet die Sitzung um 5% Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mittheilungen. Von der Wittwe des Stadtv. Zippe! ist ein Dankschreiben für die Beileidsbezeugung der Versammlung eingelaufen, vom welchem Kenntniß genommen wird. Nach Eintritt in die Tagesordnung refcrirt Stadtv. Friederici Namens des Rechnungsausschusses über die Finalabschlüsse der Hauptkasse der städtischen Werke pro I.April 1885/86, betreffend die Verwaltung des Zentral- Viebmarktes, des Zentral-Cchlachthofes und der Fleischschau, betreffend die Verwaltung der Wasser- und Gaswerke und betreffend die Kassenverwaltung. Die Versammlung genehmigt die einzelnen Anträge des Ausschusses, wonach 1. die Rechnung der Stadt- Hauptkasse pro 1. April 1881 82 dechargirt wird; 2. von dem Final-Abschlrisse pro 1. April 1885 86 Kenntniß genommen wird. Ferner beantragt den Ausschuß:„Die Versammlung ersucht den Magistrat, anzuordnen, daß die Verwaltung der städtischen Gasanstalten künftighin die zur Revision vorzulegenden Jahresrechnungen nach dem Etat lege, und daß zu diesem Zwecke neben der kaufmännischen Buchführung eine Buchführung nach administrativen Grund- sätzen eingerichtet werde. Zugleich nimmt die Versammlung Kenntniß von dem Final-Adschluß der Hauptkasse der städtischen Werke pro 1. April 1885 86, betreffend die Verwaltung der städtischen Gasanstalten, und genehmigt die im genannten Rechnungsjahre vorgekommenen Etatsüberschreitungen in Höhe von 251 926,37 M., vorbehaltlich der sich bei der Rechnungs- revision etwa ergebenden Erinnerungen. Sre tritt den An- trägen des Ausschusses für Rechnungssachen bei und übersendet dem Magisttat Abschrift des Protokolls vom 7. Dezember 1886 zur Kenntnißnahme und mit dem Ersuchen um Rückäußerung auf die darin gestellten Anttäge. Geaen den ersten Theil des Ausschuß-Antrages macht der Stadtv/ I a k o b s geltend, daß bei der Verwaltung der Gas- anstalt die kameralistische Buchfiihrung, die von dem Ausschuß verlangt wird, unmöglich sei und daß die kaufmännische Buch- führung beibehalten werden müsse...... Nach kurzer Debatte, in der betont wird, daß der Aus- schuß neben der kaufmännischen die kameralistische Buchführung wünsche, wird der Antrag mit großer Majorität ange- Die übrigen Anttäge des Rechnungs-Ausschusses kalkula- torischer Natur werden dabattelos angenommen. Die Erwerbung von Straßenland von den Grundstücken Skalitzersttaße 73/74, Köpenickersttaße 195 mit» Schlesischestt. 6 war vom Magistrat beantragt worden. Der zur Prüfung der Vorlage eingesetzte Ausschuß beantragt die Erwerbung des zum Bürgcrsteig erfoiderlichen Terrains von rund 44 Quadratmeter Flächeninhalt vor dem Grundstück Schlesischestraße 6 zum Preise von 60 M. pro Quadratmeter und ebenso die Erwerbung der vor dem Grundstück Köpenickcrstr. 195 und Skalitzerstt. 73 74 zur Verbreiterung dieser Sttaßen und zu den Bürgersteigen erforderlichen Gnmdstücksfläche von 1307 Quadratmetern zum Preise von 75 M. pro Quadratmeter, in Summa also von 98 025 M. Die Versammlung erklärt sich mit diesen Anträgen einverstanden. Die Festsetzung einer neuen Baufluchtlinie für das Grundstück Königgrätzersttaße 12 hatte der Magisttat beantragt. Der Antrag des zur Vorprüfung eingesetzten Aus- schusses verlangt die Ablehnung der Vorlage. So deschließt auch die Versammlung. Die Aufnahme einer von den Bauräthen Ende und Boeckmann debauungsfähig herzustellenden Parallel- sttaße zur Stadtbahn zwischen der Straße„Sigmundhoj" und der Cuxhavenersttaße wird von den Unternehmern beantragt. Stadtv. Weiß l beantragt, den Unternehmern die Her- stellung der Gasleitungsanlagen zur Straßenbeleuchtung auszu- erlegen. Stadtv. Langerhans macht gegen die Vorlage geltend. daß die projettirte Straße, die nur 15 Meter breit werden solle, nicht in den Bebauungsplan aufgenommen werden könne und wünscht die Verweisung der Vorlage an einen Ausschuß von 10 Mitgliedern. Die Versammlung beschließt die Verweisung an einen Ausschuß. Die bereits mitgetheilte Korrespondenz des Ma- gistrats mit dem Polizeipräsidium über die neue Baupolizeiordnung giebt zu einer Debatte Anlaß. Stadtv. Friedemann dankt dem Magistrat für die energische Vertretung der Interessen der Stadt gegenüber dem Polizeipräsidium. Die geheimnißvolle Art, wie die neue Bau- polizciordnung vorbereitet werde, erinnere an Venedig, wo der verborgene hohe Rath Beschlüsse über Leben und Eigenthum der Einwohner getroffen habe. Die Korrespondenz sei ein Zeichen, in welchen gesetzlichen Zuständen man lebe. Der Artikel IX der Verfassung, welche das Eigenthum der Bürger schütze, stehe auf dem Papier und könne durch jede Polizeiverordnung aufgehoben werden. Durch Dekrete der Polizei werde das Privatcigenthum deschränkt, ja sogar zum Theil aufgehoben. Die kolossale Gewalt, welche die Polizei in Preußen über das Eigenthum habe, sei unwürdig eines Rechtsstaates. Eigenthumsbeschränkungen dürften nicht nach polizeilichem Gutachten, sondern nach Gesetz und Ortsstatut festgesetzt werden. Stadtv. Langcrhans glaubt, daß der Magistrat besser gethan hätte, sich mit der Stadtverordneten- Versammlung in Verbindung zu setzen. Stadtv. I r m e r vermißt in der Rede des Stadt- verordneten Friedemann den Nachweis, daß die Polizei den Rahmen der augenblicklichen Gesetze überschritten habe; die Rede sei eine Deklamation gegen die bestehenden Gesetze, die in einem„anderen Lokale", dem Abgeordneten- Hause, am Platze gewesen wäre. Polizeiangelegenheiten gehörten nicht zu Gemcindeangelegcnheitcn. Stadtv. Meyer 1> macht auf die materiellen Angelegen- heften der Hausbesitzer aufmerksam, die auf dem Spiele ständen. Es handle sich um die Frage, ob bei Gemeindeangelegenheften nur der Magisttat oder auch die Stadtverordneten-Versamm- lung gehört werden müsse. Wenn dies auch nicht durch die Gesetze geboten sei, wäre es doch nützlich gewesen. sich an die Stadtvcrordneten-Versammlung zu wenden. Eine Baupolizeiordnung für Berlin habe keinen Nutzen, wenn nicht auch eine für die Vororte erlassen werde. In Rixdorf sei eine Arbeiterstadt im Entstehen rnd nirgends merke man etwas von Baudeschränkungen. Er hoffe, daß die Worte, die heute hier gesprochen würden, an geeigneter Stelle gehört würden. Stadtrath Voigt rechtfertigt das Verhalten des Magistrats in dieser Angelegenheit. Daß die Bauordnung auch für die Vororte erlassen werden müsse, fei vom Magistrat für noth- wendig erklärt worden; von den Staatsbehörden sei eine Gegenäußeruna noch nicht erfolgt. Stadtv. D o p p sieht in dem Verlangen der Versammlung, die neue Baupolizeiordnung noch einmal vorgelegt zu be» kommen, nur das Bemühen, ihren Erlaß hinauszuschieben. Die Ausnützung des Terräns in der inneren Stadt schädige die Gesundheit der Bevölkerung. Die Beschränkungen des Privat- eigenthums durch die neue Bauordnung seien im Interesse der Allgemeinheit geboten. Die Diskussion wird geschlossen. Nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen wird die Vor- läge durch Kenntnchnahme erledigt. Die weiteren Vorlagen entbehren des öffentlichen Interesses. Schluß 8 Ühr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Die nächste öffentliche Sitzung wird auf Donnerstag, den 23. Dezember, festgesetzt. In dem Bericht über die Verwaltung der städtischen- Wasserwerke, umfassend die Zeit vom 1. April 1885 bis 31. Märj 1886, wird mit besonderer Befriedigung konstatirt, daß die rn den vorhergehenden Sommern herrschende Wassers- noth durch die gehobene Leistungsfähigkeit der Tegel-Charlotten- burger Anlagen um 22000 Kubikmeter pro 24 Stunden im Sommer 1885 nicht zu verzeichnen gewesen ist. Der Registri- rung dieser Thatsache schließt sich jedoch die weniger erfreuliche Bemerkung an, daß diese Vergrößcrungsarbeiten nicht genügend sind, um einen besonders steigenden Bedarf decken zu können. Tie vorhandenen Anlagen dürften kaum genügen, den Bedarf des Jahres 1888 zu befriedigen. Jedoch wird mit der Her- stellung der in diesem Jahre von der Stadtverordneten-Ver» sammlung genehmigten Anlagen in Tegel und Charlottenbma die Möglichkeit der Entnahme von Wasser bis zur Grenze der zulässigen Inanspruchnahme des Wasserbeckens des Hmvelstroms oberhalb Spandau gegeben werden, so daß wir vorau-sichttich aus der Zeit der Wasserkalamitäten heraus sind. Während- weiter noch vor nicht langer Zeit die Urtheile über die Qualität des Waffers nicht besonders günstig lauteten, sind nach dem vorliegenden Berichte Monita in dieser Beziehung nicht mehr eingelaufen. Ergenthumlich ist, daß der Gesammtverbrauch an Wasser im Berichtsjahre, gegenüber demjenigen des Vorjahres. sich um 0,93 pCt. vergrößtrt hat; das Jahr 1884 85 verzeichnet gegenüber 1883 84 einen Mehrverbrauch von 6,06 pCt. Eine bestimmte Erklärung für diese Erscheinung wird nicht gegeben; sicherlich ist aber in der kühlen Witterung während des Sommers 1885 mit ein Grund für diesen Mindcrverbrauch zu erblicken. Auf den Kopf der Bevölkerung kommt ein täglicher Wasserver-. brauch von ca. 65 Litern; insgcsammt find im Berichts» jähre 26 175 912 Kubikmeter Wasser aus dem Rohrsystem ent« nommen worden. Ter Berliner Lchrerverein beschäftigte fich kürzlich in seiner Versammlung mit der Denkschrift des Magistrats, be- treffend die Klasscnzahl der hiesigen Gemeindeschulen. Herr Schröer, Redakteur ver„Päd. Ztg.", beleuchtete die ckarakte- ristischcn Punkte der Denkschrift und stellte folgende Thesen auf, die den allgemeinen Beifall der Anwesenden fanden: 1. Alle Mahnahmen, welche das amtliche Ansehen des Lehrers in den Augen der Schüler und Eltern im geringsten schädigen können, sind sorgfältiger als bieher zu vermeiven; dagegen ist mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß die amtliche Stellung des Lehrers gehoben werde. 2. Die Leitung der einzelnen Schule gebührt, abgesehen von den Maßnahmen der höheren Berwaltungs- bezw. Aussichteinstanzen, nicht ausschließlich dem Rektor, sondern es ist eine vorschriftlich geordnete Mitwirkung des Lehrerkollegiums durch die amtlichen Konferenzen einzu- richten. 3. Die Anzahl der an den Gemcindeschulen wirkenden Lehrerinnen ist allmälig auf ein geringeres Maß zurückzuführen. 4. Die durchschnittliche Besuchszahl der einzelnen Gemeinde- schulklasscir ist zu ermäßigen. 5. Die gegenwärtige hohe Klassenzahl vieler Gemeindeschulen ist als ein pädagogisches Uebel anzusehen, so lange vorstehende Forderungen keine Berück» fichtigung finden. Ein hoher Stempelbetrag. Das seitens der Kommune Berlin an die WaterworkS Konrp. gezahlte Kaufgeld für die Wasserwerke betrug nach einer amtlichen Aufstellung 25 688 977 M. 67 Pf. Davon entfallen auf Grund und Boden 4 155034 M. 70 Ps., Rohrstrstcm 11492705 M., Maschinen und Pumpen 4 663 374 Ä-, Reservoire und Filter 3 400 834 M. 85 Pf., Hausleitungsröhren 992 907 M-, Wassernresser, Vor- räthc k. 984 121 M. 12 Pf. Der an den Fiskus gezahlte Stempel für den Kaufvertrag belief fich auf 284174 M. 50 Pf., wurde aber nicht gleich auf die obigen Posten zugeschlagen, weil der Magistrat gegen die Höhe desselben Einspruch erhoben und den Weg der Klage gegen den Fiskus beschritten hatte. Der Fiskus wurde schließlich zur Rückzahlung von 139 483 M. 50 Pf. verurtheilt und die Stcmpelkostcn bettagen nunmehr 103691 M._ Lokales. Tie gefährlichste Straße im Norden Berlins ist un« streitig die steil bergan führende Beteranensttaße, welche in levter Zeit durch Einrichtung der neuen Pferdebahnlinie Kastanien-Allee— Babnhof Fricdrichstraße besonders Verkehrs- reich geworden ist. Zwar befinden sich an beiden Ausgangs- punkten dieser Straße Warnungstafeln, deren Aufschrift den Wagenführern die Anfangs November d. I. seitens des Polizeipräsidiums erlassene Verordnung kundgeben soll, wonach schwerbeladene Wagen nur im Schritt und sicher gehemmt diese Straße passiren sollen. Diese Warnungstafeln scheinen jedoch ihren Zweck völlig zu verfehlen; mit Rückficht auf das Aeußere derselben werden sie nur allzuhäufig und irrtbümlich mit jenen an den Pfcrdebahn-tzaltcstellen aufgestellten Tafeln verwechsell und deshalb nicht beachtet. Wer aber an dem höher gelegenen Ausgangspunkt in die Veteranenstraße eingefahren ist, wird schwerlich seinen etwa stark belasteten Wagen im Schritt weiter führen können und er wird er- barmungslos in die Tiefe hinuntcrrollcn, sofern er, im Trabe fahrend, die obere Warnungstafel nicht beachtet hat; dann ist's in den meisten Fällen zu spät. Fn diese gc- fährliche Lage gerictb am Mittwoch früh der Führer eines mit Weihnachtsbäumen hoch befrachteten ländlichen Leiterwagens; im tollsten Lauf sauste das Fuhrwerk die Beteranensttaße hinunter und vergebens bemühte sich der Führer am unteren Ende der Straße, am Kreuzungspunlt der Invaliden- und Brunnenstraße, sein Fuhrwerk in die letztere einzulenken; um- sonst, das Pferd von dem nachfolgenden unaufbaltsam rollen» den Wagen scheu geworden, stürmte geraden Weges auf die an der früher Randel'schcn Weißbier Ecke befindliche Konditorei bezw. auf das vor derselben befindliche Tröttoir los, auf welchem zur Zeit an der Pferdcbahnhaltcstelle verschiedene Fahrgäste harrten. Einer der letzteren sprang noch im letzten Moment mit drohend erhobenem Stock dem Pferde ent- gegen! 3 und dadurch ward das scheue Thier vcran» laßt, eine andere Richtung zu nehmen, indem dasselbe erschreckt zur Seite sprang, aber auch in demselben Augenblick auf dem glatten feuchten Asphaltpflaster der Jnvalidensttaße zu Falle kam; zum Glück, denn die Situation war, im Hinblick auf den regen Personen- und Fuhrwerks verkehr' an jener Stelle, eine überaus gefährliche. Nun geschah, nachdem das Pferd gestürzt war, etwas Merkwürdiges; den wuchtig nachrollenden Wagen hemmte auch derZschwere Körper des gestürzten Pferdes noch nicht, sondern das letztere und der Wagen schoben sich miteinander genau 70 Schritt' quer über den Straßendamm noch vorwärts, dem von Fußgängern belebten Trottoir entgegen, bis endlich das Vorderrad des Wagens mit der Granitbord' schwelle in unsan'tc Berührung und dadurch das Gefährt zum Stehen kam. Bei dem hierdurch entstandenen Ruck ver- loren zwei auf dem Kutschbock befingliche Personen das Gieich- gewicht und stürzten von dem Wagen herunter auf das Pflaster, ohne jedoch ersichtlich Schaden genommen zu baden. Der Vorgang hatte, wie gewöhnlich, einen Auflauf zur Folge. Derartige Leben und Gesundheit der Passanten gefährdende Vorfälle können täglich und stündlich wieder eintreten, beson- ders nach eingettctcncr Dunkelheit, da sicher dann Niemand von den beiden Warnungstafeln Notiz nimmt. Der Kultusminister und der Minister de» Innern haben an alle Behörden eine Verfügung, bettcffend die an- steckenden Krankheiten, erlassen, welcher wir folgendes ent- nehmen: Zu den Krankheiten, welche vermöge ihrer AnsteckungS- fäbigkeit besondere Vorschriften für die Schulen nöthig machen, gehören: 1) Cholera, Ruhr, Masern, Rötheln, Scharlach, Diphtherie, Pocken, Flecktyphus und Rückfallsfieber; 2) Unterleibstyphus, kontagiöse Augenentzündung, Krätze und Keuck- husten, der letztere, so bald und so lange er krampfartig auf- tritt. Kinder, welche an einer der unter 1 und 2 genannten Krankheiten leiden, sind vom Besuche der Schule auszuschließen, ebenso die Geschwister solcher Kinder, es müßte denn ärztlich bescheinigt sein, daß das Schulkind durch ausreichende Abson- derung vor der Gefahr der Ansteckung geschützt ist. Vom Schulbesuch ausgeschlossene Kinder dürfe,: zu demselben erst dann wieder zugelassen werden, wenn die Gefahr der An- steckung nach ärztlicher Bescheinigung für beseitigt anzusehen, oder die für den Verlauf der Krankheit erfabrungsmäßig als Regel geltende Zeit abgelaufen ist. Als normale Krankheits- dauer gelten bei Scharlach und Pocken 6 Wochen, bei Masern und Rötheln 4 Wochen. Da« Geschäft auf dem Weihnachtsmarkt ist vorläufig noch ein äußerst flaues. Hieran ttägt die anhaltende ungünstige Witterung die meiste Schuld. Zum Weihnachtsgeschäft gehört Frostwettcr und Schnee und an beiden mangelt es gänzlich. Die Budenreihen sind zwar allabendlich mit Menschcnsttömen gefüllt, aber es sind meistentheils Neugierige oder solche, welche erst Musterung halten. Am übelsten find die Pfefferküchler daran, deren Wcarcn durch nasse, ncbcIig»i Fenster das Gedränge unvermeidlich ist. Bei dieser Gelcg. beit büßten an dem genannten Tage mehrere Frauen v Pottemonnaies ein; Verdacht hatte man auf einen l"n@� Menschen mit langem Haar und schmächtigem Gesicht' ngem Vaar unv llymaetzlrgem wrenw», � mehrfach vor den Schaufenstern, immer zwischen Frauen vorden war. Kwci der bestohlencn einem benackba„ Vorficht urrv drängend, bemerkt worden war. Zwei entdeckten ihren Verlust erst, als sie in Fleischerladen Einkäufe machen wollten. Also Ächtung auf die Pottemonnaies beim Gedränge vor den fenstern!.„gch Tie plötzliche Entlassung von Dienstboten w»v■ der preußischen Gefindcorduung in ganz besonderen Faue � stattet, namentlich bei fortgesetzter Renitenz oder be: k.. � Ungehorsam des Dienstboten. Ein auf Grund crner> � sofortigen Entlassung, die als unberechtigt bezeichnet rvur>. � gestrengter Entschädigungsprozeß des Dienstboten ist J«® rt in desselben entschieden worden. DaS bei einem HarrsaeM, � der Rittcrsttaße in Dienst stehende Mädchen war."-- Gängen, die sie AbcndS zu besorgen hatte, nach der Menw iörrrfdjaft zu lange geblieben, weshalb sich einmal eine der Töchter des Hauses veranlaßt fand, dem Mädcben nachzugehen und diese dann auch richtig beim traulichen tLts k ttst# mit einem Manne überraschte. Es wurde dem Mädchen diese Ver- nachlässigung ihrer Tienstxflichten untersagt und als dasselbe später nach Anficht der Herrschaft wieder zu lange Zeit bei den abendlichen Gängen brauchte, wurde es ohne Kündigung entlassen. Der Vormund des Mädchens klagte jedoch gegen die Herrfchaft auf Zahlung des Lohnes und aus Entschädigung für die Verpflegung während der Dauer des Micthsverhältnisses, da die plötzliche Entlassung unberechtigt gewesen sei. Die verklagte Herrschaft machte den Einwand, daß das Mädchen wegen wiederholten Ungehorsams entlassen worden sei, konnte denselben jedoch nicht beweisen. Das Mädchen gab zu ,_ einige Male mit ihrem Bräutigam des Abends zusammengetroffen zu sein, jedoch habe sie derselbe nur auf ihren Gängen begleitet, so daß eine Zeitversäumniß für die Herrschaft daraus nicht entstanden sei. Die Herrschaft war nicht in der Lage, das Gegentheil zu beweisen und aus der männ- lichen Begleitung allein erklärte der Richter einen Grund hur Klageabweisung nicht entnehmen zu können, wenn nicht eine fortgesetzte überflüssige Zeitversäunmiß des Mädchens bei den Gängen desselben nachgewiesen würde. Dieser komplizirte Be- weis konnte nickt erbracht werden und die Herrschaft wurde verurthcilt, dem Mädchen auf zwei Monate— so lange bestand das eigentliche Micthsverhältniß noch— Lohn und Kostentschädigung zu zahlen. Wieder ist durch das unsinnige Fahren eines Echlächterfuhrwerks ein schwerer Unglücksfall herbeigeführt worden. Als die Wittwe B- gestern Abend gegen 6 Uhr in der Nähe des Einfahrtportalessdes Polizeipräfidiums am Molken- markt den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde sie von einem aus der Poststraße nach dem Mühlendamm in vollem Galopp einbiegenden Schlächterfuhrwcrk niedergerissen und erlitt so be- deutende Quetschungen, daß sie bewußtkos zu einem in der Nähe wohnenden Barbier gebracht und von da per Droschke nach ihrer Wohnung befördert werden mußte. Die Urheber dieses Unglücks versuchten auf ihrem leichten Fuhrwerk zu entkommen, wurden jedoch von einem Schutzmann, der dem Pferde in die Zügel fiel, angehalten und zur Anzeige notirt.j Um seinen Winterüberzieher in, Werthe von 100 M. ist der Maurer S. auf folgende Weise gekommen. Als er am 12. d. M. Abends ein Schanklokal in der Mühlenstraße nach Schluß des Lokals mit einem unbekannten jungen Mann ver- lassen hatte, wurde er von seinem Begleiter überredet, vom Nedengrundstück aus in das Lokal durch die Hintcrtbür zurück- zukehren. S- ging auf den Vorschlag ein. Um die Mauer des piebenarundstückes besser übersteigen zu können, zog er seinen Ueberzrcher aus, welchen der Fremde über die Mauer warf und eiligst nachkletterte. Als S. folgen wollte, stieß ihn der Fremde von der Mauer herunter und ergriff mit dem neuen Ueberziehcr des S- die Flucht, seinen alten Uebcrzieher von sich werfend. Die von einem Berichterstatter verbreitete Nachricht, daß «ine Amputation des Beines an dem von denr Militärpostcn in der Oranienstraße angeschossenen„Kellner-Adolph" vorge- „ommen werden muß, bestätigt sich, dem„B. B.-K." zufolge, nicht. Im Gegentheil hat Gehcimrath Kardclcbcn in einer Sitzung des ncubegründeten Ehimrgenvereins den Patienten vorgestellt und seine Behandlung als einen Triumph der mo- dcrnen Chirurgie bezeichnet, da die Wunde des Verletzten durch eine antiseptische Behandlung bereits fast völlig ver- heilt ist. Nach einer Mittheilung des Untersuchungsrichters zu Dortmund ist ein Mann, der sich Anfangs November d. I. Carl Neumann genannt bat und Arbeiter, insbesondere Schweiß- mcister zu sein behauptet, aber, nachdem er die Lcgitimations- papiere des Arbeiters Martin Gipson gestohlen, den Namen Martin Gipson geführt, und vielleicht auch jetzt wieder einen anderen Namen angenommen bat, dringend verdächtig, zu Dortmund am 23. v. M. einen Raubmord und am 2. d. M- «inen Straßenraub ausgeführt zu haben. Die bei einem Kaufmann in der Friedrichstraste im Dienst stehende unverehelichte A., welche seit einiger Zeit tief- sinnig geworden ist, beabsichtigte gestern Abend sich das Leben zu nehmen. Vorher wollte sie jedoch ihre Sachen vernichten, packte dieselben in einen Reisekorb, begoß sie mit Petroleum und zündete dieselben an. Das entstandene Feuer wurde noch rechtzeitig gelöscht. Das Mädchen selbst entfernte sich nach Aus- sührung der That und irrte in der Stadt umher in der Absicht, sich ins Waffer zu stürzen. Da die A. keine Gelegenheit hierzu fand, meldete sie sich bei einem Schutzmann und bat um Ver- Haftung wegen Brandstiftung. Die A. wurde zur Feststellung ihrer ZurcchnungSfähigkeit zur Charitce überführt. Eine Karambolage zwischen einem sogenannten„Grünen" oder Polizeiwagen und einem dem Fuhrwerkebcsitzer Joseph Gerlach, Dresdcncrstraße 35, gehörigen, mit Getreide beladcnen Frachtwagen fand vorgestern Nachmittag gegen 5 Uhr auf dem Mühlendamm statt. Durch Unachtsamkeit des Frachtkutschers stieß dessen Gcfähtt so heftig gegen den aus dem Thor des Volizeigebäudcs kommenden grünen Wagen an, daß der Sckeer- vaum des crsteren tief in die Seiten des Poiizeiwagcns drang und denselben erheblich beschädigte. Zum Glück war, da der Wagen gerade auf der Aussahtt begriffen war, Niemand m demselben, da sonst gewiß ein größercs Unglück zu beklagen gewesen wäre. � Polizeibericht. Als am 15. d. M. gegen Mittag eine Frau am Elisabeth- Ufer, in der Nähe der Komgrnbrucke. un- Mittelbar vor einem in kurzem Trabe fahrenden Flaschenbier- wagen trotz des lauten Warnungsrufes des Kutschers den �traßendamm überschreiten wollte, wurde sie von der Derchsel des Wagens niedergestoßen und überfahren. S«e erlitt dadurch so schwere innere Verletzungen, daß sie bald darauf wahrend der sofort veranlassten Ucberführung in ein Krankenhaus ver- siarb.— Abends wurde in der Haidestraße ein obdachloser Mann krank auf dem Bürgcrsteig liegend vorgefunden und nach der Charitce gebracht.— Un, dieselbe Zeit zersprang m der Ilumenthal'schen Apprcturanstalt, Köpnickersttaße III, cm Dampfapparat und wurde der Arbeiter Wittig durch den fortgeschleuderten Verschlußdeckel desselben getroffen und auf der Stelle getödtet.— Abends nach 9 Uhr gerieth Potsdamerstraße 21 in einer Küche ein auf der Kochmaschme stehender ßotb mit Kleidern in Brand. Die Feuerwehr war zur Stelle._ Gerichts-Zritimg. ,0 Eine ziemlich kostspielige Ohrfeige verabreichte am 18. August d. I. der Dachdcckermerster Schmidt emer Nauen« Einwohnerin auf dem Korridor des dortigen Gerlchtsg«audco. wl einer gegen ihn anhängig gewesenen Strafsache war Schmidt wegen Erregung öffentlichen Aergernisses und Vornahme un- sittlicher Handlungen zu acht Tagen Gefänginß verurtheilt: rn diesem Prozeß hatte die verebelickte Tischler Elsner als Be- 'aitringszeugin tungirt. B-im Verlassen des Gerrchtssaalcs nack geschehener Urtbeilsverkündigung trat Sckmidt auf drese Zeugin (N packte dieselbe mit einer Hand am Halse und versetzte ,hr Mit der anderen einige kraftige Backenstreiche. In Folge Ettat- Antrages von Seiten der Frau Elsner verurtheiltc das Schöffen- Piichf zu Nauen den Schmidt hinterher wegen körperlicher Mißhandlung der Frau Elsner zu 4 Monaten Gefängniß. Die �erufung, von Seiten des Sckmidt eingelegt, wurde«m ge- lwigen Audienztermin von der Strafkammer des Landgerichts>1 Zerworfen und das schöffengerickrliche Urtbeil einfach bestätigt. , t Wegen Ucbertrrtung einer Polizeivcrordnung und cMes Gesetzes aus dem Jahre 1851, das öffentliche Anschlag- Wesen betreffend, waren der Tischler Paul Pielecke und der Tischler Hermann Selig durch Polizeimandat zu einer Woche Haft verurtheilt worden. Sie beruhigten sich bei dieser„Ver- fügung" nicht, sondern trugen auf richterliche Entscheidung an, die gestern durch das hiesige Schöffengericht ihnen gegeben wurde. Es handelte sich um folgenden Sachverhalt: Am 6. September d. I. waren die beiden Angeklagten gegen ziO Uhr Abends damit beschäftigt gewesen, gemeinschaftlich ein sozialdemokratisches Flugblatt an der inneren Seite der Haus- thuren der Waldemarsiraße anzukleben. Nach ihrer Darstellung hatten sie die Flugblätter sowohl wie das Handwerkszeug, Kleistertopf und Pinsel, von einigen Leuten erhalten, die sie zu- fällig getroffen und die sie aufgefordert, das nicht verbotene Flugblatt anzuheften. Sie hatten den Auftrag ausgeführt, da sie ihre Handlungsweise nicht für strafbar gehalten hätten. In einem Hause der Waldemarstraße seien sie von einer Frau, wohl der Frau eines Kriminalbeaniten, beobachtet worden, denn bald darauf hätte man sie auf der Straße verhaftet. Der betreffende Kriminalschutzmann Lange war als Zeuge erschienen. Er behauptete, die beiden freiwilligen„Anschläger" gerade abgefaßt zu haben, als sie ein Flugblatt an die Anschlagsärle anklebten. Die beiden Angeklagten bestritten dies und behaupteten, daß das Flugblatt bereits an der Säule, sowie an den meisten derselben im dritten Wahlkreise gesessen habe, als sie herangetreten seien. Der Gerichtshof ließ sich auf eine nähere Prüfung dieser Be- hauptung nicht weiter ein, da er es für genügend erachtete, daß die Angeklagten das Ankleben der Flugblätter an den Haus- tbüren zugegeben hatten und verurtheiltc beide zu je einem Tage Haft, indem er zu ihren Gunsten annahm, daß ihnen die ent- gegenstehcnde Polizeivorsckrift nicht bekannt gewesen sei. Der Staatsanwalt hatte eine Woche Haft beantragt. Wird das Sammeln für Streikende als Bettelei an- gesehen? Diese Frage— so wird aus Altona geschrieben— gelangte vorgestern vor der Strafkammer n des Landgerichts zur Entscheidung. Am 22. August d. I. ging der Zigarren- ardeiter Paul Franken, in der Parallelstraße wohnhaft, zu den in derselben Straße wohnhaften Krämern Klingmann und Hansen und zu dem Kaufmann Püschel, um Gaben für die zur Zeit streikenden Schmiede zu erlangen. Mit ihm waren die Schmiedegesellen Rich. Engler und Th- Reinhardt. Dieselben gingen nicht mit in die Wohnungen, sondern blieben vor den Thüren stehen. Von diesen drei Kauflcuten will Franken schon seit längerer Zeit seinen Bedarf für den Haus- halt bezichen, und will er daher geglaubt haben, von diesen Leuten bestimmt Unterstützung zu erhalten. Eämmtliche drei Kauflcutc weigerten sich, Unterstützung zu geben, und soll Klingmann gesagt haben, daß, wenn die Leute streiken wollen, sie auch Geld dazu haben muffen. Hansen soll geäußert haben, daß er zu„sozialistischen Zwecken" nichts verabfolge. Auf diese Acußerungen hin will Franken die Leute auf die Vorgänge in Belgien, Frankreich und England aufmerksam gemacht und ferner daran erinnert haben, daß die Betteffenden doch auch von dem Geldc der Arbeiter existiren. Diese Aeußcrungen wurden von den Zeugen als Drohungen aufgefaßt� und standen alle drei Angeklagten daher vor dem Schöpcngcrichte>1 unter der Anklage,„unter Drohungen gebettelt zu haben". Durch die Beweisaufnahme in der Schöffengerichtssitzung ist nicht fest- gestellt worden, daß die Angeklagten unter Drohungen gebettelt haben. Die beiden Schmiede wurden wegen mangelnden Be- weises kostenlos freigesprochen, dahingegen wurde Franken wegen Sanimelns für Streikende, welches als„Betteln" ange- sehen wurde, zu 10 Tagen Haft vemrtheilt. Die Anträge des Amtsanwalts lauteten für die beiden Schmiede wegen Bettclns auf je 14 Tage Gefängniß und gegen Franken wegen Bettclns auf 6 Wochen Haft und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde. Diese Anträge will der Amtsanwalt hoch halten, und legte der- selbe daher Berufung ein, welche vorgestern vor der Straf- tammer des Landgerichts zur Verhandlung gelangte. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Blumenbach, während die Staatsanwaltschaft durch den 1. Staatsanwalt Groschuff verrieten war. Als Vertheidiger für die Angeklagten funairte Rechtsanwalt Dr. Düker. Franken destreitet in der vorgestrigen Verhandlnng,„gebettelt" zu haben. Er führt aus, daß das Sammeln für Streikende auf Grund des§ 122 der Reichsge- werbcordnung erlaubt sei. Was die von den Zeugen ange- gcbcnen Drohnungen, die Franken beim Verlassen ihrer Lokalitäten ausgesprochen haben soll, anbetrifft, so bestreitet Fr. dieses und hält die angeführten Acußerungen aufrecht. Tie Mitangeklagten Engler und Reinhardt sagen aus, wohl mit Franken zusammen gewesen zu sein, sich jedoch nicht um das, was Fr. that, gekümmert zu haben. Die Antwort auf die Frage, ob er„Sozialdemokrat sei, vcrweigctt Franken. Der Staatsanwalt hält die Anklage für die beiden Schmiede- gesellen nicht für erwiesen und beantragt deren Freisprechung. Dahingegen beantragt er betreffs Franken, daß der Gc- richtshof sich für unzuständig erklären und die Sache an die Strafkammer> des Landgerichts verweisen möge. Der Staatsauwalt wünscht Franken unter der Anklage wegen„Be- drobung mit einem Verbrechen" und außerdem noch wegen Bettclns unter Anklage zu stellen. Der R.-A. Dr. Düker widerspricht dem Antrage des Staatsanwalts und hebt hervor, daß das Samnieln unter keinen Umständen als Bettelei auf- gefaßt werden könne. Franken sei nicht mit der Absicht zu den Leuten gekommen, um zu betteln, sondern lediglich um die- selben aufzufordern, an einer Sache Theil zu nehmen. Er bcanttage die Freisprechung für die drei Angeklagten. Nach längerer Berathung verkündet der Gerichtshof folgendes Urtheil: Da? Sammeln, wie es von Franken geschehen, ist als„Betteln" anzusehen. Er ist in drei in einer Straße gelegene Häuser ge- gangen, um Unterstützungen zu erhalten. Was die Aeußerun- gen anbetrifft, die Franken gemacht haben soll, so find diese nach der Zeugenaussage als Drohung anzusehen und ist gegen Franken daher erwiesen,„unter Drohungen gebettelt zu haben" und wurde derselbe deswegen zu 5 Wochen Haft verurtheilt. Betreffs der beiden Mitangeklagten wurde die Berufung des Amtsanwalts verworfen. Attgöburg, 13. Dezember. Die bereits acht Mal wegen Arbeitsscheu und Landstreicherei vorbestrafte 35 Jahre alte Hauptmannswittwe Maria v. Schirnding, zuletzt in Ingolstadt wohnhaft, wurde heute vom hiesigen Schöffengericht wegen Landstreicherei zu 21 Tagen Haft verurtheilt, dagegen von einem ihr zur Last gelegten Diebstahl freigesprochen. Paris, 11. Dezember. Ein entsetzlicher Prozeß begann gestern in Privas< Frankreich), nämlich der Prozeß von Jean Faurc und seiner Frau, die mit Hilfe des Bruders der letzteren, Planchcr, Faure's Bruder Claude ermordeten, die Leiche lockten, das Fleisch an Schweine verfütterten, die Knochen rösteten und in die Sevennenschluchten verstreuten. Frau Claude ist die Enkelin eines Mannes, der seine Galtin lebendig briet; sie stammt vom Wirthe Leblanc, der um 1830 hingerichtet wurde, weil er 25 Jahre lang in seinem Berg- wirthshaus einkehrende Reisende ermordete und ihr Fleisch kochte._ vereine nnd Versammlungen. Der Fnchverein der Metallarbeiter in Gas-, Wasser-, llnd Dampfarmaturen hielt am 12. d. M m Gratweu s Bler- hallen eine Mitgliederversammlung ab. Tic Versammlung ehrte zunächst das Andenken des am 18. v. M. verstorbenen Mit- gliedes Robert Brandt durch Erheben von den Sitzen. Bei der darauf folgenden Wahl eines zweiten Borfitzenden wurde Herr Stiller emstimmia gewählt. Die Versammlung beauftragte hierauf den Vorstand, beim Todesfälle eines Mitgliedes jedes- mal auf Kosten deS Vereins einen Kranz zu kamen und den- selben auf das Grab des Verstorbenen niederzulegen. Tie Kosten dürfen jedoch für jeden einzelnen Fall 10 Mark nicht übersteigen. Die Mitglieder wurden ausgefordert, etwaige Todesfälle dem Vorstand schnellstens anzuzeigen. Auch wurde bekannt gemacht, daß bei Herrn Ehrlich Billcts zum„Kaiser- Panorama"(2 Stück 25 Pf.) zu haben find. Für ein krankes Mitglied bewilligte die Versammlung 20 Mark. Die nächste Versammlung soll, sobald ein Lokal beschafft ist, nicht wieder Sonntags, sondem am Sonnabend stattfinven. Zur Ausbreitung des„Sanitätsvereins für Arbeiter beiderlei Geschlechts fand am Dienstag, den 14. d. M., in Keller's Salon, Andreasstr. 21, eine gut besuchte Versammlung von Männern und Frauen unicr dem Vorsitz des Herrn Dietrich tatt. Herr Dr. Sturm hielt einen Vortag über Lungen leide,', welcher mit vielem Beifall aufgenommen wurde. Redner wies darauf hin, daß die Thätigkeit der Lunge für die übrigen OrganeZdes Menschen von höchster Bedeutung sei; athme die Lunge eine gesunde, reine Luft, so werden viele Beschwerden dem Menschen erspart bleiben. Bei Einathmung von schlechter-, unreiner Luft dagegen wird umgekehrt die Lunge krank werden müssen; bei kranken Lungen aber können die übrigen Organe niemals gesund sein. Wolle man die Heilung des Kranken erreichen, so solle man in erster Linie für eine gesunde Ath- mungsthätigkeit sorgen, welche dem Körper gesunde Säfte zu» ühren wird; diese gesunden Säfte würden dann die kranken Säfte aus dem Körper verdrängen. Ganz besonders aber solle man sich vor Erkältung hüten, da dieselbe eine akute, ja selbst chronische Krankheit der Lunge verursachen könne. Auch eine vernünftiges Ernährungsweise sei von größter Wichtigkeit; auf keinen Fall dürfe dem Erkrankten Fettigkeit, Fleischbrühe rc. als Nahrung gegeben werden, dieselbe enthalte Wasser mit Salz und dieses könne der Magen nicht verdauen. Gestützt auf praktische Erfolge empfahl der Vortragende-Haferschleim und Weißbrot, denn ebensowenig wie der staike, fette Mensch gesund sei, ei auch das fette, gemästete Thier gesund, und deshalb seien die fetten Speisen, besonders Fleisch vom Schwein, dem kranken Menschen schädlich. Auch bei der Pflanzenkost müsse man vor«. fichtig sein, oft bemerke man schon an dem Geruch der Pflanze ob sie gesund sei. Redner zeigt dann, wie unter verschiedenen Stellungen desKörpers Luftgymnastik zuübcnsei, empflehlt aberfnr zewöhnlich das Athmen durch die Nase. Eine vorstcktiae Abhört im@ Des Körpers würde durch desondere.Hautpflege, kühle Luft und besonders durch milde Bäder erreicht. Eine Diskussion über diesen Vortrag lehnte Herr Dr. Sturm mit dem Bemerken ab, daß er dann„4 Wochen dazu gebrauchen würde, um alles zu widerlegen; dagegen sei er sehr gern bereit, an ihn gerichtete Fragen zu beantworten." Die Herren Glaubitz und Querbach bemerkten, daß eine Diskusston auf der Tagesordnung stebe und stattfinden müsse. Herr Dr. Sturm lehnte dies kurz ad und verließ den Saal. Hierauf nahm der Vorfitzende da-Z Work und gab einen kurzen Abriß über die Thätigkeit deS Vereins, welcher ganz besonders den Arbeitern Berlins zu empfehlen sei. In demselben Sinne sprachen die Herren Hundt, Glaubitz, Auerbach und Dr. Rosenstein. Letzterer be- tonte besonders, daß gerade der Beruf des Arztes Gelegenheit böte, das Elend unter den Arbeiten, in seiner nacktesten Ge- ftalt kennen zu lernen, er selbst wohne in einem Arbeiterviertel und habe nach dieser Richtung hin sehr trübe Erfahrungen machen müssen. Diesen Nothstand wenigstens in Krankheits- fällen zu mindern, sei die Aufgabe des Sanitätsvereins, welcher bereits über ca. 100 Aerzte, darunter Sanitätsräthe und Spezialärztc, verfüge, die dem Arbeiter um so bereitwilliger Hilfe leisten, als ihnen das Honorar für die Hilfeleistung von dem Sanitätsverein garantirt sei. Er empfehle jedem Arbeiter den Beitritt zum Verein. Der Fachverein der Metallschrauben-, Fa?ondreher und Berufsgenossen Berlins hielt am 12. d. M. eine ordentliche Generalversammlung bei Weick, Aleranderstr. 31, ab. Bei der Wahl des Vorstandes wurden gewählt: Zum Vorsitzenden Hm Jacobs, Stellvertreter Herr Weber, Rendant Herr Magnus». 1. Schriftführer Herr Kühne, 2. Schriftführer Herr Berndt und zu Beisitzern die Herren Emil Geiselcr und Klose. Dm streikenden Metallarbeitern der Firma Jackmann dewilligte die Versammlung eine Unterstützung von 20 Mark. Gewerkskrankenverein. In der letzten Sitzung des ge- schäftsführenden Komitees des Gewerkskrankenvereins wurde der Abschluß für das abgelaufene Geschäftsjahr festgestellt. Es haben danach bei einer Mitglicdcrzahl von rund 180000 die Einnahmen betragen 532 303 M., die Ausgaben 502 066 M.» so daß ein Uebersckuß verblieben ist von 30 137 M. Ausgegeben wurden für Arzeneien, Bruchbänder, Brillen, Bäder rc. 382 785 M.; Honorar an die Aerzte des Vereins III 866 M. und an Vcrwaltungekosten 7515 M- Auf den Kopf der Mit- gliederzahl entfallen also an Kosten für Arzeneien ic. 2,13 M» an Artthonorar 62 Pf. und an Verwaltungskosten 4� Pf. Die Verwaltungskosten betragen 1,41 pCt. der Gesammt- Einnahme. Fachverein sämmtlicher an Holzbearbeitungsmaschwen beschäftigten Arbeiter. Die letzte Vereinsversammlung könnt? nicht stattfinden, weil der Vorsitzende versäumt hatte, die Ge- nehmigung hierzu nachzusuchen. Diejenigen Mitglieder, welch« noch im Besitz von Fragebogen sind, werden ersucht, dieselben möglichst bald Mariannenufcr 4 bei Herrn Jähn, oder Frieden- straße 61 bei Herrn Blankcnschein abzuliefern. Die bcabfich- tigte Weihnachtsbescheerung kann nicht stattfinden, weil es dem Vorstand nicht gelang, an dem in Aussicht genommenen Tage ein passendes Lokal zu finden. Die nächste Vercinsversamnr- luna findet am 10. Januar 1887 bei Säger, Grüner Weg 29, statt. Fachverein der Lithographiesteinschleifer und Berufs- nassen. Versammlung am 20. v. M., Abends 9 Uhr, bei Domach Johannisstr. 20. Vortrag über:„Zweck und Ziel des Fachvereins und wie verhalten sich die Kollegen dazu". Referent: Herr Rose. Billets zum Stiftungsfest werden aus- gegeben. Gäste willkommen. Zentral-Kranken-und Sterbekasse der Drechsler(E.H.48) Bezirk v. Den Mitgliedern zur Kenntniß, daß am heiligen Abend und an den Feiertagen keine Beiträge in den Zahlstellen entgegen- genommen werden, jedoch find die. Zahlstellen am Sylvefter-' abend wieder eröffnet. Der Vorstand ersucht die Mitglieder dringend, ihre restirenden Beiträge bis Schluß dieses Jahres zu begleichen. Generalversamniluna der Allgenicinen Kranken- und Stcrdekasse der Metallarbcitcr(E. H. Nr. 29 zu Hamburg), Filiale 7. Sonntag, den 19. Dezember 1886, Vormittags 10i Uhr, in Jakod's Salon, Lindowcrstraße 26. Wahl des gesammten Vorstandes. Das Mitgliedsbuch lcgitimirt. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, Vormittags 10 Nhr, Rosenthalerstr. 38: Vortrag des Herrn Schäfer über: JHos Vcrhältniß von Gleichgiltigkeit und Verzweiflung". Der Turnverein„Froh und Frei" feiert sein diesjähriges Wcihnachtsfest am ersten Feiertag in der Tonhalle, Friedrick- straße 112, wozu frühere Mitglieder und Freunde herzlich will» kommen find. Näheres auf dem Tumsaal und bei A. Strub». Alexanderstt. 36. Kranken- und Begräbnisskasse de« Vereins sä«mt- licher Berufsklafsen(E. H.>>.). Versammlung jeden dritten Eonnabend im Monat, Abends 9 Uhr, bei Kuß, Karlsbad und Flottwcllstraße.Ecke. Neue Mitglieder beiderlei Geschlechts werde« daselbst aufgenommen. Gesang-, Turn» und gesellige Bereine rc. am Freitag. Gesangverein„Nord-Jubal" Abds. 9 Uhr Vetcranenstr. 19-— Turnverein„Hasenhnidc"(Mämierabthcilung) Abends 8 Uhr Tieffenbachstraße 60/61.— Zithcrklub„Alpenveilchen" Abend-. 8/, Uhr im„Anbaltiner", Tempelhofer Ufer, Ecke der Möckern- straße.— Rauchklub„Westend" Abends 9 Uhr im Hoben» zollerngartcn, Steglitzerstr. 27.-„Stcno-tachygraphische Ge- scllschast Abends 8 Uhr im Restaurant Stein, Rosenthalerstr. 3&. Kleine Mittlieilungen. Hamburg, 14. Dezember.(Zugentgleisung.) Der heute früh von Berlin um 6 Uhr hier fällige Personenzug traf erst gegen 8 Uhr ein. Die Ursache der Verspätung war ein bei Schwarzenbeck Nachts 1 Uhr entgleister Güterzug, der nicht so rasch bei Seite geschafft werden konnte. Eine Kuh soll auf die Schimm gerathen und überfahren sein, wodurch die Entglci- sung veranlaßt wurde. Personen find nicht verletzt; ein Schaff» ner wurde vom Wagen aeschlmdert, hat aber, wie verlautet, keinen weiteren Schaven erlittm. Die Paffagiere des Frühzuges Berlin-Hamburg mußten an der Unglücksstelle um- steigm. Grenzbauden, II. Dezember.(Dopvelmord.) Dem „Boten aus dem Riesengebirge" wird gemeldet: Eine Viertel- stunde von unserer Kirche in Kleinaupa entfemt, ist in der Nacht zum Donnerstag ein schreckliches Verbrechen verübt worden. Das letzte Haus oben am Waldessaum, der sog.„Sonnenseite"jwollte fich nicht wie alle anderen Tage öffnen. Diese ausfällige Er- scheinung trieb die etwas tiefer wohnenden Nachbarn, Nachschau zu halten. Bei ihrem Eintritt bot fich ihren Blicken ein gräß- liches Bild dar: die beidm Hausbewohner lagen mit zertrüm- mertm Schädeln und herausquellmdem Gehirn in ihren Betten. Der 84 Jahre alte Hausbesitzer Stefan Mitzinger, der fich noch bedmtender Körperfrische erfreute, und seine hochbetagte Ehefrau waren zur Nachtzeit überfallm und mit der Axt erschlagen wor» den. Eine weitere Befichtigung ergab, daß der Tod bei ersterem bereits eingetreten wckr, während letztere noch Leben zeigte. Man nimmt als Motiv der scheußlichen That gemeine Rache oder räuberisches Gelüst an. Mitzinger war ein wohlhabender Mann, Besitzer von 2 Häusern und einem Baarvermögen von 16—20000 Gulden. Nur gegen hohe Wucherzinsen(10 bis 15 pCt.) lieh er sein Geld aus und machte fich dadurch verhaßt. Es ist noch nicht erwiesm, ob eine oder mehrere Personm die Mordthat begangm habm. Mitten in der Stube fand man auf den Dielen verkohlte Papiere, welche dem Schreibtische entnommen warm und deren Ueberbleibsel auf Schuldscheine und Wechsel schließen lassm. Einzelne dieser Werthpapiere waren jedoch noch nicht ganz vom Feuer zerstört; man konnte auf dem einen Stücke noch den Namen„Trömer" und auf dem anderen„Anna" lesen. Vielleicht führt gerade dieser Um- stand zur Entdeckung des Mörders. Es wurde bereits das Gerücht verbreitet» daß ein gewisser Trömer aus dem Urlas- gründe verhaftet worden, da jme Unterschrift als die seine erkannt worden sei. Die Mitzinger'schen Eheleute lebten schon seit langer Zeit allein in ihrem Hause, da ihr einziger Sohn, der schon Großvater ist, eine andere Wohnung besitzt. Regensburg, 12. Dezember. Das„R. A." meldet: Bei der am 7. d. M., Abends 8 Uhr, in der neuen Kaserne im Rayon der 7. Kompagnie infolge einer Unvorsichtigkeit er- folgten Explosion von Pulver, wobei das Zimmer ziemlich de- molirt wurde, sind von den im Zimmer anwesenden vier Mann zwei ziemlich schwer und einer leicht verletzt worden. Der durch die Explosion ausgebrochene Brand wurde sofort ge» löscht. Graz, 13. Dezember.(Die Leiche in der Kiste.) Das Liebes- und Mörderpaar Georg Gerschak und Theresia Mallus, welche gemeinsam bei Rann in Steiermark dm Gatten der Mallus ermordeten und in einer Kiste nach Agram schafften, wo sie Beide verhaftet wurden, befinden sich nunmehr im Ge- fangenhause des zuständigen Kreisgenchtes Cilli. Beide sind zu einem umfassenden Geständnisse geschritten, wonach der Plan von Theresia Mallus ausging, die mit Gerschak seit Lan» gem ein Liebesverhältniß unterhielt. Gerschak weigette sich, an den Gatten seiner Geliebten Hand anzulegen, so daß diese den Gatten selbst erschlug. Sie giedt dies auch zu, mit dem Bei- fügen, daß Gerschak erst nach dieser That direkt in Attion trat, indem er, da die Kiste die ganze Leiche nicht aufnahm, ihr de» hilflich war, mit der Hacke die Beine abzuschlagen. Gerschak hat mehrere Gymnastalklassen absolvirt und war Unteroffizier. Die Verhandlung wird erst im nächsten Jahre stattfinden, da Theresia Gerschak fich Mutter fühlt und ihre Entbindung ab- gemattet wird. Budapest, 13. Dezember.(Die Opfer der Cholera.) Das hauptstädtische Oberphyflkat hat über die Opfer der Cholera einen detaillitten Ausweis zusammengestellt. Hiernach erkrankten an der asiatischm Cholera insgesammt 966 Personen, und zwar 415 Taalöhner, 130 Dienstmägde, 232 Handwerker, 78 Personen verschiedener Beschäftigung, 33 Soldaten und 77 Kinder, Gestorben find 499 Erkrankte, und zwar 216 Tag- löhner, 56 Dimstmägde, 121 Handwerker, 41 Personen anderer Beschäftigung, 7 Soldaten und 58 Kinder. In Bezug auf die Intensität entsprachen die Resultate dieser Epidemie auch ander- wätts gemachten Erfahrungen; extensiv war die Krankheit eine milde zu nennen. Der Grund davon liegt dattn, daß seitens der Kommune seit der Vereinigung der Hauptstadt fottwährmd Bedacht auf die Wasserversorgung genommen ward. Wie groß der Einfluß guten Wassers sei, hat Ofm gezeigt, wo die Epi- demie eigentlich gar nickt vorhanden war, während in dm Außmtheilm des Vil. und Yd!. Bezirks, wo kein gutes Tttnkwasser zur Verfügung steht, die Epidemie intmfiv wie extensiv am allerstärkstcn auftrat. Daß sie in diesen Bezirken nicht noch größere Verbreitung gefunden hat, ist der raschen Errichtung von öffentlichen Wasscrleitungsbrunnen zu danken. London, 11. Dezember. Der Sturm, der seit Mittwoch hier zu Land und zu Waffer tobte, hat gestem Morgen, sozu- sagen in seinen letzten Zügen, noch zwei Rettungsbote hinweg- gerafft, die Eliza Fernley und die Laura Jane. Beide fuhren gegen Mittemacht von Southpott nach St. Anne's on the Sea m der Mündung des Ribble hinaus zur Rettung der Barke Mexiko aus Hamburg, welche unter Kapitän Burmeister von Liverpool mit einer wetthvollcn gemischten Ladung nach Gua- yaquil abgefahren und am Donnetttag vor der Mündung des Ribble vor Anker gegangen war. Äegm 9 Uhr Abends wurden in Southpott w»e in Litham und St. Anne's Nothsignale bemerkt und sofott stachen von allen drei Plätzen Rettungsboote in die See. Von diesen erreichte das Boot aus Litham sein Ziel; es legte in vier Stunden die Entfemung von 19 Kilo- metem bis zur Batte, die auf einer Sandbank lag, zurück und landete kurz nach 3 Uhr mit zwölf Gerettttm an Bord. Da- gegen schlug das Rettungsboot Eliza Femley, welches mit 16 Mann ausfuhr, um, als sie sich der Batte auf 20 Ellen genähert hatte, ihre Insassen klammetten sich fest, bis sie der Sturm losttß. Das Boot trieb Morgens, bodenaufwätts, ans Land; von seiner Mannschaft entkomm nur drei. Ebenso er- ging es der Laura Jane aus St. Anne's von derm Mattosm keiner mit dem Leben davonkam. In Southpott liegen bis jetzt 21 Leichen aufgestapelt, meist armer Familienväter. Eine Unter- suchung der Seetüchtigkeit der meisten Rettungsboote thäte doch sehr noth.— Von den hier einlaufenden Schiffm haben die meistm eine trauttge Geschichte von Stürmen, eingebüßten Segeln und sonstigen Schäden zu erzählen; so der Dampfer Orient, der im Golf von Biscaya hemmgewotten ward, der Dampfer Ballycotton. der sich auf der kurzen Fahtt von London nach Plymouth vierzig Stundm vettpätete; die dmtsche Barke Matte Jane unter Kapitän Lindenstrang, welche ihr Schanz- kleid, ihre Ruderpinne und ihre Segel verlor u. s. w. Vermischtes. Ueber das Erdbeben, von welchem die Insel Chios am 27. November Vormittags betroffen wurde, wird folgmdes be- ttchtet: Die ganze Bevölkerung von Chios wurde durch die ettten Erdstöße, welche von einem schauererreaenden unterirdi- schen Getöse begleitet waren, in Angst und Schrecken versetzt. Alles eilte auf die Straßen, die Einen, um auf die Felder, die Anderen, um in die Gättm oder gegen die Küsten zuzueilen, Alle riefen in der höchsten Aufregung und Bestürzung nach Hilfe und Rettung. Viele der nach dem letzten Erdbeben neu- gebauten Häuser erhielten bedenkliche Risse, alte Gebäude stürzten thcilweise zusammen, von vielen Bauten mdlich fielen Dachziegeln und Steine herab und in den Thürmen läuteten die Glocken von selbst. Zur allgemeinen Ueberraschung fiel kein Menschenleben zum Opfer. Da es gerade 10 Uhr Vormittags war, entstand in dm Schulen eine unbeschreibliche Verwirrung, besonders aber in den weidlichen Schulen, wo zahl- reiche Lehrerinnm und Schülerinnen in Ohnmacht fielen. Ein Theil der gegen die Küste zu gelegenen alten Festungs- mauer stürzte unter donnerartigem Getöse in das Meer. Die mohamedanische Bevölkerung, welche in der Festung wohnt, verließ dieselbe in höchster Eile und suchte ihr Heil auf dem freien Felde. Alle Geschäfte wurden geschloffen und selbst die Gettchte feiern; denn Alles erinnerte sich noch des letzten großen Erdbebens, das Tage lang mit ungemindetter Heftigkeit ange- dauett und zahllose Opfer verlangt hatte. In der That folgte auch noch zwei Stunden später ein heftiger Erdstoß, der aber nur 3—4 Sekunden gedauert hatte; und so wagte es Niemand, wieder sein Haus zu betreten, in der steten Angst, daß noch heftigere Erdstöße folgen könnten. Viele bezogen die Baracken, die in Folge des letzten Erdbebens erttchtet und noch nicht ab- getragen worden waren; viele Andere aber wieder wagten auch nicht einmal diese zu betteten, sondem zogen es vor, unter sreicm Himinel zu übernachten. Von 12 Uhr Mittags folgten alle fünf Minuten ganz schwache Stöße, so daß es den Anschein hatte, als ob unsere ganze Insel in dem Meere hin und her schwanke. Die Zahl der Brände im preußischen Staate hat nach der„Stat. Korr." im Jahre 1885 wiederum eine Zunahme er- litten. Es wurden nämlich 17 886 Sckadmbrände gezählt gegen 16 738 im Jahre 1884, 16103 im Jahre 1883, 13 467 im Jahre 1882 und 14 623 im Jahre 1881. Von diesen Bränden wurden betroffen im Jahre 1885 21 087 Besitzungen gegen 19 699, 19 496, 16 341 und 18 160 in den Vorjahren bis 1881 zurück. Es wurden also durch je 1000 Brände 1179 (1884 1177) Gehöfte sc. beschädigt. In der Stadt Berlin fanden 2223 Brände statt, durch welche 2245 Besitzungen beschädigt wurden. Von den Provinzen hatten die meisten Brände die Rheinprovinz mit 2815 und Schlesien mit 1962; demnächst folgen Brandenburg mit 1346, Sachsen mit 1301, Ostpreußen mit 1268, Posen mit 1264, Westfalen mit 1174, Hannover mit 1166, Westpreußen mit 1078, Schleswig-Holstein mit 798, Pommern mit 786 und Hohenzollern mit 32. Die weitere Ausbreitung der Feuer war in den einzelnen Provinzen sehr verschieden. In Schleswig-Holstcin beschädigten durchschnittlich 1000 Brände nur 1100, in Westfalen 1112 Besitzungen, in Brandenburg dagegen 1235, in Sachsen 1257, in Rheinland 1288 und in Hohenzollern 1313. Hieraus ohne weiteres auf das Eingreifen und die Erfolge der Löschthätigkeit schließen zu wollen, wäre vettehlt. Die verschiedenen Siedctungsverhältnisse düttten dabei wohl am meisten ins Gewicht fallen. 3. Ziehttilg d. 3. Klasie 175. König!. Preuß. Lotterie. Zl-Hung vom 16. Dec-mber 1886,»ormin-g». Nur die Eewlnn« über 155 Marl find den betreffende» Nummern in Parentdeie beigefügt. (Ohne Sewähr.) 2S6 424 633 769 79 823(45 000] 903 31 1158 230 83 318 413 797 803 995[2001 2067 160 201 425 93 712 39 855 60»061 121 68 217 47 867 73 80 444(200] 557 678 763 98 855 4 016 228 315 400 85(200 806 933(5001 71 5043 129 84 304 430 83 594 811 6050 174 258 386 531 44 643 728 823 76 966 81 7094 237 71 379 496 506 98 694 806 69 8028 92 194 316 436 528 98 749 864 90»000 214 50 70 349 80 408 28 689 626 92 759 801 919 50 16044 232 416 685 806 46 960 69 11081 233 339 65 495 741 814 27 994 1 2062 227 43 397 466 551 690 714 819 94 96 961 18012 119 89 61 212 386 472 816 39 86 944 1 4044 201 410 570 691 713 90 806 79 918 32 1 5042 159 259 422 65 506 80 645 65 700 891 906 74 16146 294 366 525 46 99 601 83 862 936 1 7011 105 340 404 57(200] 80 94 96 677 96 801 90 13001 903 1 8026 211 43 760 1»103 9 14 242 602 612 838 979 91 20343 94 411 25 527 94 96 631 67 68 927 2 1 218 68 91 387 422 60 65 620 82 701 20 89 2 2060 266 312 77 578 601 731 28055 154 281 [200] 340 452 543 616 750 836 944 24146 50 387 468 837 921 25035 ,2001 118 52 93 465 520 90 714 27 867 20044 63 139 86 348 756 881 927 [27058 114 69 87 238 315 549 672 865 924 28126 72 200[200] 23 70 82 827 579 675 815 86 934 2 9064 267 441 556 605 820 80077 95 172(200) 82 414 96 704[500] 9 838 48 58 969 96»1 039 601 16 795 938 32137 63 217 58(200] 71 404 657 833 39 8 3014 111 251 68 327 51 472 94 907 38(300] 84049 392 408 78 631 732 825 34 95 97 3 6065 100 28 49 350 68 428 77 797 805 29 37 64 909 85 3 0011 64 97 233 446 57 71 81(300] 572 710 11 28 68 839(200] 87074 79 91 194 280 365 629 653 700 50 875 83 86 87 905 97 88116 237 53 302 576 642 74 736 61 86 812 903 3 9295 303 61 76 408 91 512 31 67 602(200] 53 742 43 63 82 40148[200] 305 46 410 96 523 36 672 735 44 49 77 861 903 14 1 300 567 615 831 53 42021 68 98 260 93 425 540 656 700 87 807 99 990 43129 425 27 90 91>500] 511 765 808 13 64 927 88 4 4004 65 272 517 79 99(300] 610 78 721 852 86 927 33 44 4 5066 135 56 71 307 48 409 55 577 775 922 4 0026 30 250 80 383 88 614 24 92 715 945 47131 98 235 328 413 563 88 91 675 891 48037 88 204 82 477 533 71 711 826 73 98 945 4 9013 29 36 64 131 86 240 356 60 404 83 87 629 830 901 56[300) .,«068 130 225 325 58 559 622 31 62 755 903 74 5 1 224 396 466 607 49 722 71 75 900 52170 77 88 287 311 628 796 53110 29 283 825 612 646 925[200] 47 5 4009 143 79 397 460 589(200) 633 816 55001 58 79 133(200] 89 508 604 11 63 914 53 81 56081 85 117 209 86(200] 396 498[600] 583 614 849 5 7022 78 276 349 574 788 58189 241 321 38 56 447 536 709[3000] 25 99 872 6 9009 54 67 118 90 205 21 28 65 300 572 725 826 926 56 ««101 80 219 77 357 75 548 621 896 962 61114 273 398 452 69 564 928 47 6 2012 61 90 172 82 237 374 449[2001 90 93 523 670 742 802«3001 13 35 50 59 107 287 303 429 51 579 607 962 54 65«4015 62 252 349 82 431 510 42 6 5013 1200) 34 142 481 602 45 67 631 55 95 829 62 81 960 6 6029 125 42 363 447 611 19 719 53 71 79 824 68 60 916 67129 89 441 581 602 27 55 97 740 89 807 51 71 979 68033 285 817 80 455 540 69 612«»030 49 124 31 309 60 423 53 502 32 70181 252 317 66 67 438 80 526 919 35 76 7 1 223 426 545 71 615 765 69 807[300] 971 78038 53 103 280 96 354 506 40 97 645 64 823 89 933 73149 56 61 146 77 95 334 457 83 96 563 709 10 44 944 7 4031 199 316 70 535 75 89 756 908 55 7 5213 578 619 853 916 7 6268 69 329 419 597 625 977 7 7064 109 277 99 421[500] 50[200] 92 526 32 41 51 616 89 795 968 7 8003 54 285 459 515 26 814[5001929 7»131 84 62 70 79 271(300) 332 460 611 77 731 34 72(200] 972 78 ««040 225[200] 44 617 33 662 66 738 880(200) 941 81161 75 97 [300] 314 483 503 24 712 818 703 72«2008 244 360 544 648 729 846 65»3011 107 49 361 351 78 87 473 915 8 4093 585 625 61 844 54 992 8 6002 15 255 347 446 611 810 941 77 8 6089 102 242(200] 62 416 579 647 740 801 10 53 8 7066 208 21 744 800 937 79 8 8297 336 424 79 523 719 32 68 851 8V027 62 85 268 369 405 501 6 64 630 86 760»0087 12� 217 71 309 20[200] 64 439 659 706 30 824(200)957»1045 60 189 248 88 630 708 834»2095 167 91[200] 301 6 45[200] 424 632 3. Ziehung d. 3. Klasse 175. König!. Preuß. Lotterie. Ziehung vom 18. December 188«, R-chmItixg». Nur die»«Winne über 155 Mark sind den betreffenden Nummern in Parenthese beigefügt. (Ohne»ewühr.) 103 18 43 360 407 602 53 78 613 1043 214[15001 343 80 470 607 34 706 82 98 810 20 53 900 33 2009 37 110 36 215 413 33 45 571 82 701 8181 800 22 4217 20 41 397 465 670 72 752 715 39 40 66 5309 462 528 99 660 725 52 806 64 6079 87(2001 125 64 67 439 573 87 604 64 73 83 765 74 77 942 84 86 7042 271 528 40 64 742 828 985 8099 106 92 282 315 535 671 746 800»13345 343465 63032 77 771 81839 991 10058 239 74 334 461 521 98 702 848 904 34 1 1240 41 83[3001 84 344 78 698 714 1 2033 307 14 425 54 90 693 634 48 96 1 3028 83 122 89 434 599 678 836 86 970 1 4079 83 88 171 215 27 73 415 591 607 20 53 812(2001 62 71 15064 224 405 709 79[200] 811 74 948 82 16001 81 302 461 566 96 1 7029 39 69 100(500) 7 250 369 578 616 37 ■853 74 18057 58 292 374 80[500] 469 935 64 19090 271 318 514 98 652 705 »«038 39 168 401 16 548 678 725 811 903 55 31135 85 97 236 313 415 99 548 610 732 837 2 2202 11 98 303 36 496 637 89 709 874 79 929 68 2 3106 29 211 385 413[2001 71 78 676 653 73 706 806 988 2 4255 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Tuyauer. für dm übttgm Theil der Zeitung R. Cronbeim sämmtlich in Berlin» [Druck und Verlag von Max Babing in Verlin sw., Beuthstraße 2.*''