299. Mittwoch, de« 22. Dezember 1886. 3. Ilchrg. StrimcrVolkÄlM Braan snr die Interessen der Arbeiter. 4 Abonntments-Einladllng. Zum bevorstehenden Quartalswechsel erlauben wir uns, zum Abonnement auf das „berliner Uolksblatt" nebst der wöchentlich erscheinenden Gratisbeilage „Illustrirtes Sonntagsblatt" ��Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf dem Boden des unbeugsamen Rechtes. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Verathcr und Streiter für die Aushebung und Ausgleichung der Klaffengegen« fätze ist das„Berliner UolKsblatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung einzelner, heute schon bevorzugter Gesellschaftsklassen findet. Das, Berliner Volksblatt" sucht seine Aufgabe durch sachliche Behandlung der politischen als auch der Tagesfragen zu erfüllen. Die gleichen Grundsätze leiten uns bei Besprechung unserer städtischen Angelegenheiten. In unserm täglichen Feuilleton werden wir bereits vom ersten Weihnachtsfeiertage an mit der Veröffcnt- Üchung des berühmten sozialpolitischen Romans „SybiQ'... Disraeli, >«r für unsere Leser von Natalie Lied Knecht übersetzt worden ist, beginnen. ,Märe Tisraeli nie in das englische Parlament gekommen," sagt Wilhelm Liebknecht,„so würde er fich durch seine Romane einen dauernden Namen gemarkt haben." Daß Tisraeli in allen Klassen und Ständen den Menschen zu finden wußte, das hat er namentlich durch seine„Sydil" gezeigt, welche die englische Arbeiterbewegung zu Ende der dreißiger und Anfang der vierziger Jahre dehandelt. Er gicbt von der Lage der Fabrikarbeiter in den großen Industriezentren und von den Bestrebungen der Gewerkschaften und der Chartisten die treueste und doch glänzendste Schilderung, welche die Lite- Thue nun Jedermann, der fich mit unseren Zielen in Ueber- einstimmung befindet, an seinem Platze seine Schuldigkeit. Das ..Berliner gclksHoM" muß in immer weiteren Kreisen Eingang finden, für das werkthätige Volk darf in Berlin kein anderes Organ existiren. Der Abonnmentspre?« beträgt für das ganze Viertel» fahr 4 W.. monatlich 1,35 M. wöchentlich 35 Vf. Bestellungen werden von sämmtlichen Zertungsspedrteuren, sowie von der Erpedition unseres Blattes, Iimmerltraffe 44, t�ür� außerhalb nehmen sämmtliche poftanstalten Be- stellungm an......... Die Redaktion und ErpedUion des„Berliner UolKsblatt". Ieuilreton. »»chtrua iwrtotCT.]- Die Verführerin. Novelle von D. C o l o n i u«. (Schluß.) Die Baronin, welche schon früher ihren Sitz verlassen hatte, stand jetzt dicht neben dem Ungar. Indem sie das Wort„Gewalt" aussprach, neigte sie sich nachlässig gegen den Kopf des jungen Mannes herab, so zwar, daß ihre Büste flüchtig seine Stirn berührte. Der Ungar legte seinen Arm um den schlanken Leib der schönen jungen Frau; doch diese entwand sich ihm mit graziöser Leichtigkeit durch eine einzige rasche Bewegung. „Gewalt?" wiederholte der Ungar mit leise bewegter Stimme und ärgerlichem Tone,„ich weiß nicht, ob ich dessen fähig bin, und wenn ich es wäre, ob auch diesem Madchen gegenüber; ich gestehe es 2hnen offen, daßich zu sehr verwöhnt bin. Ein sprödes, zurückhaltendes Wesen hat keinen Reiz für mich, und es ist mir bisher keine yrau begegnet, die mit Ertheilung ihrer Gunstbezeigungen so sparsam ge- Wesen wäre, meine Geduld so hart geprüft hatte, wie Sie, gnädige Frau; seit jener Stunde auf der Redoute bm ich nicht um eine Spanne vorwärts gekommen, und hatten Sie damals meiner Hilfe nicht bedurft, vielleicht hatten Sie es gar nicht der Mühe werth gehalten, mich soweit kommen zu lassen, als ich kam. Ich habe mir nichts an �hnen er- obert, als Ihr Vertrauen; dies hätte auch Ihr Diener er- langen können und ist mir niemals Beweis einer vorhan- denen Neigung." Die Baronin war jetzt wieder ganz nahe an den Ungar herangetreten, und indem sie versöhnend ihre Hand auf seine Schulter legre, sagte sie:„Sie wollen Beweise einer�Lcidcn- ichaft haben, die Sie nicht zu erhalten verstehen? 3ch ver- Iur offiziellen Kriminnlstatistik. Die Herren Mucker und Konservativen haben bekannt- lich die Gewohnheit, mit großem Geschrei auf die große An- zahl der alljährlich stattfindenden Vergehen und V e r- brechen hinzuweisen und darin einen Beweis für die allenthalben herrschende„Verdorbenheit" zu erblicken, die nach ihrer Ansicht natürlich nur mit den härtesten Polizei- maßregeln aus der Welt geschafft werden kann. Da sind wir anderer Ansicht. Wenn es einerseits feststeht, daß nicht die„Verderbt- heit" des Charakters und der Gesinnung, sondern im Allge- meinen die sozialen Zustände die Ursache sind von der großen Zahl der alljährlich vorkommenden Verbrechen und Vergehen, so ist andererseits momentan sogar ein Rückgang der gemeinen— nicht der politischen — Vergehen und Verbrechen zu konstatiren. Eine rapide Steigerung war nach den Kriegs- und Milliardenjahren zu verzeichnen und es liegt auf der Hand, daß die Jahre der „Krachs", die auf die Gründer-Aera folgten, ungleich mehr Verstöße gegen das Strafgesetz aufweisen mußten, als die „mageren" Jahre vor 1870. Die offizielle Kriminalstatistik, welche alljährlich von dem kaiserlichen statistischen Amt der Oeffentlichkeit über- geben wird, enthält eine Menge interessanter Thatsachen, von denen wir einige unfern Lesern vorführen wollen. Unsere Konservativen und vor Allen unsere Mucker sind heute noch eifrig dabei, dem Volke die Fabel von der „ländlichen Unschuld" zu erzählen. Man weiß zwar, wie es mit den Tagelöhnern auf dem Lande steht, man weiß, wie sie leben müssen und man weiß, daß nur wenige ihrer Kinder eine Schule sehen würden, wenn der Staat nicht seinen in diesem Punkte gewiß wohlthätigen Zwang ausübte. Dennoch pflegen uns gerade die Landjunker das Land als eine Art Paradies zu schildern, wo Verbrechen und Vergehen nur ganz wenig vorkommen und die Menschen noch in patriarchalischer Zufriedenheit und Unschuld dahin- leben. Dagegen schildern sie die großen Städte als Sammelpunkte der„schlechten Gesinnung", als Sümpfe von Unstttlichkeit und Verdorbenheit, als die Heim- stätten aller Laster und Verbrechen. Den Beweis machen sie sich sehr leicht. In Berlin, sagen sie, kommen wöchentlich vielleicht hundert Diebstahle vor, in Hinterhausen, das 500 Einwohner zählt, vielleicht alle Viertel- oder gar alle halben Jahre einer. Folglich lebt man in Hinterhausen sittlicher und unschuldiger als in Berlin. Qaod trat demonstrandum! Run, so liegt die Sache nicht und die Statistik ist eben dazu da, den Phrasennebel unbarnrherzig zu zerstreuen, den fromme und konservative Leute über das Gehirn der Volksmaffe breiten möchten. Die offizielle Kriminalstatistik beweist, daß Berlin und die anderen großen Städte Deutschlands in Bezug auf ihren lange von dem Manne meiner Liebe, daß er mich verstehe und mir blindlings gehorche." Wieder schlang der Ungar seinen Arm um die Hüfte der jungen Frau. Diesmal duldete sie es, gleichsam ohne es zu bemerken. „Und wenn ich dieses Mädchen mein nenne—" „Dann bin ich es auch!" flüsterte sie mit herabge- beugtem Kopf und brachte dabei ihre Lippen so nahe an das Ohr des jungen Mannes, daß sie flüchtig seine Wangen be- rührten. „Ich schwöre Dir, sie soll mein werden, und müßte ich sie tausend Dämonen entreißen!" rief der Ungar, die Ba- ronin leidenschaftlich an sich ziehend. Sie machte einen Versuch, sich ihm zu entwinden; aber er hielt sie fest, und sie konnte es nicht verhindern, daß er einen glühend heißen Kuß auf ihre unverhüllte Schulter preßte. Er zog sie mit kräftigen Armen auf seine Knie herab, schlang seinen Arm um ihren Hals, und alles Sträubens ungeachtet fanden seine Lippen die ihrigen.— Die Baronesse verstand eS, dem Umgar den thatsächlichen Beweis zu geben, daß er Gewalt brauchen könne. Plötzlich wurde die Thür aufgerissen-- Wir aber ersuchen unfern freundlichen Leser, uns einen Augenblick ins„Hotel de Russe" zu folgen, wo wir Antonio und Rudolph in der Wohnung des letzteren ver- ließen. � Es ist eine wunderbare, unerklärliche Macht, die in dem Auge des Menschen wohnt; ein einziger Blick kann beleben und entkräften, zum wüthendcn Kampfe aufreizen und entwaffnen; er kann Liebe und Haß, Gehorsam und Widerstand gebieten; das Auge und seine Kraft allein ist es, welches den Menschen zum Abbilde der Gottheit macht. Antonio stand eine geraume Zeit schweigend dem unglücklichen, durch seine Schwärmerei geblendeten Jüng- finge gegenüber, der bestürzt, ohne Fassung ohne Willens- kraft den strengen, mitleidsvollen Blick des starken, ernst- sittlichen Gehalt viel besser sind, als die Konservafivcn und die Mucker dem Volke glauben machen möchten. Im Jahre 1884 kamen 10 000 über 12 Jahre alte Einwohner wegen Verbrechen und Vergehen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion Verurtheilte in Wcstpreußeu 39,5 pCt. Posen.. 36,1„ Pommern. 26,0„ Schlesien. 21,2„ Berlin.. 19,2„ Berlin und Hamburg kommen dabei erst an achter Stelle. Bei Verbrechen und Vergehen gegen die Person kamen im selben Verhältniß auf Posen.. 58,4 pCt. Bayern.. 57,9„ Rheinpfalz. 89,2„ Ostpreußen. 51,4„ Westpreußen 49,5„ Schlesien. 48,5„ Berlin.. 40,0„ Pommern. 38,1„ Bei den schweren Verbrechen speziell, also Mord und Todtschlag, vertheilen sich die Fälle wie folgt: Posen.. 0,14 pCt. Schlesien. 0,14„ Ostpreußen. 0,11„ Westpreußen 0,07„ Pommern. 0,04„ Berlin.. 0,02„ Bei Diebstahl kommen Fälle auf Posen.. 70,9 pCt. Ostpreußen. 65,6„ Westpreußen 63,8„ Schlesien. 41,9„ Berlin.. 35,3„ Pommern. 26,6„ Bei Raub kommen Fälle auf Westpreußen 0,44 pCt. Posen.. 0,44„ Schlesien. 0,24„ Ostpreußen. 0,15„ Berlin.. 0,15„ Pommern. 0,13., Bei den Fällen von Betrug und Unterschlagung stehen die großen Städte obenan, was sich von selbst erklärt, da sie ja Hauptsitze des Handels sind und innerhalb des Handels Betrug und Unterschlagung naturgemäß am meisten vorkommen. In einem Falle hat Berlin am meisten auf- zuweisen, nämlich in der Zahl von Beleidigungsprozessen. Wir sehen, wie in den scharfen Lichtstrahlen der Statistik das Märchen von der„ländlichen Unschuld" völlig dahin schwindet. Nicht als ob wir ein Vorurtheil gegen die ländliche Be- ruhigen Mannes nicht zu ertragen vermochte. Kein Vor- wurf kam über die Lippen Antonio'S, kein mißbilligendes Wort verrieth irgend welchen Groll, zu welchem Rudolph'S Be- nehmen ihm Veranlassung gab; es war ein feierliches, ein furchtbar drückendes Schweigen. „Folge mir, Rudolph!" waren die einzigen Motte, welche Antonio sprach, aber in einem Tone, der jeden Wider- spruch, jede Entgegnung unmöglich machte. Rudolph erhob sich mechanisch, Antonio reichte ihm Hut und Mantel und die beiden Männer schtttten schweigend dahin durch die schweigsame Nacht. Vor einem, dem ehemaligen Kirchhose in St. Georg gegenüberliegenden Hause blieb Antonio stehen, zog die Glocke und nach mehreren Minuten wurde die Thür ae- öffnet. Die Frau, welche die vorgelegte Schloßkette gezogen hatte, fuhr beim Anblick der beiden ner mit dem Rufe:„Jesus, Matte, Joseph!" und war, schnell gesaßt, im Begttff, die thür wieder zu schließen, wenn nicht Antonio an der Ausführung ihres Vorhabens gehindett hätte. Er hatte die Hand der alten Frau, welche den Schlüssel umdrehen wollte, schnell erfaßt und preßte sie so heftig daß der Schmerz sie um Hilfe zu rufen verhindette. Nachdem Rudolph, der jetzt erst zur Besinnung ge- kommen zu sein schien, eingetreten war, verschloß Antonio, mit der einen Hand noch immer die Frau fest« haltend, die Thür. m" „Wenn Du nicht willst, daß ich Dich erdrossele, alte Sündenseele, dann verhalte Dich ruhig," sprach Antonio zu der bebenden Mane gewandt. Hierauf nahm er die Dielen- lampe mit sich und stieg die Treppe hinauf. Oben ange- langt, drängte er die alte Dienettn der Baronesse zur offen- stehenden Küchenthür hinein, zog ohne Geräusch die Schlüssel ab, und Rudolph mit sich ziehend, trat er plötzlich in das dunkle Wohnzimmer der Baronin, in welchem wir diese in Gesellschaft des Ungars verließen. zurück- Män- zurück Haus, sie -völkerung schüren oder erwecken möchten. Wir wollen nur zeigen, wie die Zustände in Wirklichkeit sind. Daß' es auf dem Laude so ist, wie die Statistik zeigt, können wir uns sehr wohl erklären, haben es auch gar nicht anders er- wartet. Man höre also auf, der Bevölkerung der großen Städte Moral zu predigen und sich zu geberden, als ob die Reichs- Hauptstadt ein Sündenpfuhl sei, voll Laster und Verderben, im Verhältniß zum Lande. Vernünftige Leute sollten bereit sein, die Hand zu bieten zu energischen sozialen Reformen, die bewirken könnten, daß in Stadt und Land die Lebenshaltung eine bessere und damit auch die Zahl der Vergehen und Ver- Drechen eine geringere würde. Das kann man von den Muckern freilich nicht erwarten. Sie werden mit ihrem kläglichen und heuchlerischen Zeter- geschrei fortfahren. Ter„Derem der Arbeiterinnen üerfins 4 ist durch das Urthal der zweiten Strafkammer des hicfigen Landgerichts das wir unter„Gericktszcitung" vorgestern aus- führlich mittheiltcn, von demselben Geschick betroffen worden, wie vor zwei Wochen der„Verein zur Vertretung der Jntcr- csien der Arbeiterinnen"; seine von der Polizei verfügte„vor- läufige" Schließung wurde durch das Erkenntniß des Gerichts- Hofes bestätigt. Die Verhandlung gegen den sogen. Mäntel- näherinncw Verein steht noch aus, aber nach den vorherergangc- nen Urtheilen braucht man kein besonderer Prophet zu sein, um auch diesem Arbeiterinnenvcrbande ein in allen Formen Rechtens ausgesprochenes Todesurtheil voraus zu verkündigen. Und wenn der von Frau Büge geleitete Verein auch in einem besseren Gerüche bei der Polizei gestanden zu haben scheint, vis die beiden anderen, wenn er auch nicht als ein unverbesserlicher„Spielball in den Händen der„Sozialdemo- kratie" gegolten haben mag, wenn er selbst allen Grund zu der frohen Hoffnung gegeben haben kann, daß er in seiner weiteren Entwickelung sich ganz zum„Guten" bekehren, ganz in die Bahnen einlenken werde, die er mit der Bettelei um eine Dellersammlung bei den Christlichsozialen zur Freude aller Wohlgesinnten betreten hatte, so wird doch eine königl. Staats- onwaltschaft nicht umhin können, auch die Bestrafung seiner Vorstandsmitglieder und seine Schließung zu beantragen. Denn da der Nachweis zwei Mal vor den Richtem gelungen ist, daß die öffentlichen Arbeiterinnenvcrsammlungen im organischen Zusammenhange mit den Arbciterinnenvcrcinen gc- standen haben, da in den öffentlichen Mäntelnaherinnen-Vcr- semmlungen über Sonntagsruhe, Normalarbeitstag k. ebenso wie in allen übrigen öffentlichen Frauenversammlungen ge- sprochen worden ist, also über Themata, die nach der Ansicht zweier Strafkammern politischen Charakters find, so wäre es wunderbar, wenn im dritten Falle nicht genügendes Belastungs- Material aufzutreiben wäre. Somit ist die Arbeiterinnenbewegung in der Form, rn der sie vor bald zwei Jahren ans Licht trat, als erstickt zu betrachten. Cs ist von Berliner Gcrichtshöfen das Vereinsgesetz dahin aus- gelegt worden, daß es den Frauen jede politische Bethätigung untersagt, und der Begriff der Politik ist so weit gefaßt worden, daß die Erörterung wirthschaftlicher Fragen, welche die Noth- wendigkeit eines Eingriffs der Gesetzgebung zu Gunsten des wirthschaftlich Schwächeren nachzuweisen sucht, in diesen Begriff Hineinfällt. Ein Gesetz, welches die schärfste preußische Reaktion geschaffen bat, ist in schärsster Weise angewendet worden. Denn es gehören juristische Spitzfindigkeiten, welche zu verstehen der gewöhnliche gesunde Menschenverstand zu arm ist, dazu, um aus dem Wortlaut des Vercinkgcsetzes die Bestimmung herauzulescn, daß Frauen nrckt politische Vereine bilden dürfen. Politische Vereine dürfen Frauenspersonen, Schüler und Lehrlinge nicht aufnehmen, sagt das Gesetz und fügt hinzu, daß öffentliche politische Versammlungen von den„Abgeord- neten der Polizeibehörde" aufzulösen find, wenn auf ihre Auf- svrdcrung Angehörige der drei genannten Kategorcn, die sich eingeschlichen hoben, nicht entfernt werden. Offenbar beziehen sich alle diese Bestimmungen auf M ä n n er- Vereine und Per- sammlungen, nur solche hat der Gesetzgeber im Auge gehabt, weil er nur solche kannte. Als das Vcreinsgesetz im Jahre 18S1 erloffen wurde, war von einer Arbeiterinnenbewegung nicht die Rede, weil die ökonomischen Voraussetzungen zu einer solchen noch nicht wirksam waren. Inzwischen find die ökonomischen Bedingungen erfüllt worden: täglich ersetzen neue Schaaren weiblicher Arbeitskräfte die thcuercn männlichen, täglich wächst das„Recht" der Frau, vom Privatkapilalismus zur Steigerung seiner Profite ausgenützt zu werden» und da tritt man dem natürlichen Bestreben der Arbeiterinnen, fich gegen diesen Druck durch Koalition zu schützen, mit einem starren Gesetz entgegen, das zum Widersinn werden muß, weil man es auf Verhält- niffe anwendet, die bei seinem Entstehen nicht vorbanden waren. ' mit zuzugeben, daß in dem Vcreinsgesetz eine Lücke ist, daß Diese vorangehende und die jetzige Szene dauerten kaum fünf Minuten. Antonio hatte die Lampe auf ein an der Thür stehendes Tischchen gesetzt und mit kräftiger Hand den Ungar an den Schultern ergriffen, aufgehoben und zu Boden geworfen, und gegen Adele gewandt, sprach er ohne geringste Aufregung: „Weib, daß Du mein Gewiffcn mit einer untilgbaren Schuld belastet, vergebe ich Dir; daß Du mit tausend Künsten mich zum Sklaven niedriger Lust herabzogst, habe ich verdient, weil ich nicht die Kraft besaß, zu widerstehen; daß Du in Deiner ewig unbefriedigten Gier mein Leben und das Leben eines unschuldigen, liebenden Mädchens zu Grunde richten wolltest, dafür hat das Schicksal Dich ge- straft, indem es Dich der gemeinsten Dirne gleich machte,— aber daß Du mir diesen braven, nur zu schwachen Aüngling verdarbst, dafür verdienst Du Strafe und Züchti- gung—-------" Ich, Schreiber dieses, bitte meine geneigten Leser, mir das Ende der Schilderung zu erlaff en; ich habe bis zu diesem Augenblick nur getreulich nacherzählt, was ich selbst aus dem Munde meines liebsten Freundes erfahren und möchte mich nicht gern in die Nothwendigkeit versetzt sehen, etwas zu den erhaltenen Mittheilungen erfinden zu müffen. Tonda ist mit seiner Rosarka sehr glücklich, nimmt sie in die Kreise mit, in die er durch seinen Beruf geführt wird, und hat Mühe, die Leute glauben zu machen, daß seine liebens- würdige, anmuthige Frau aus einem böhmischen Dorf her- stamme. Rudolph ist nach Amerika gegangen und hat sich als Arzt eine sehr schöne Stellung verschafft. Die Baroneffe Adele von Danow aber ist noch immer eine der anmuthigsten Frauen in der großen Welt. Aus Kunst und Zeven. Zum Besten der Unterstützungskasse hilfsbedürftiger Bühnenangehönger veranstaltet die Direttion des„Berliner Stadt-Tbeaters" am 2. Weihnachtsfeiertagc(Vormittags von 11—1) eine Matinee, bei welcher Einakter und Solovorträge zur Aufführung gelangen werden. in ihm nur Bestimmungen für Männcrvereine und -Versammlungen enthalten find, wendet man alle Künste der j"ristischen Interpretation an, steigt man in die Tiefen der Kasuistik hinab, um hcrauszu- deduziren, daß es in der Abfichl des Gesetzgebers gelegen hat, den Frauen die Bildung politischer Vereine zu untersagen. Selbst der Polizeibehörde leuchtete diese Abficht des Gesetz- gebers nicht sofort ein, welche die Frauen auf eine Stufe mit der uncrwachsencn Jugend stellt. Auch nickt eine Arbeiterin- nenversammlung, in der politiscke Gegenstände zur Erörterung kamen, wurde von dem überwachenden Beamten auf Grund des Vereinsgesetzes geschlossen. Und auf wie schwachen Füßen steht weiter der Nachweis, daß die angeklagten Vorsteherinnen der Arbeiterinncnvereine politische Gegenstände zur Erörterung gebracht haben! Was könne inan nicht alles Politik nennen, meinten mit Recht die Vertheidiger der Angeklagten; jede Handlung eines Ein- zelnen sei, philosophisch betrachtet, eine politische, da sie eine Einwirkung auf die Gesellschaft und den Staat, in dessen Rahmen sie vor fich gehe, darstelle. Wie solle der Begriff begrenzt werden? Und selbst wenn man die Begrenzung des Begriffs, wie fie in den Gründen des gestrigen Urtheils gegeben wurde, annimmt, so geht aus der Beweisaufnahme, wie fie wenigstens in den Berichten skizzirt, nicht hervor, daß cs der Staats- anwaltschaft gelungen ist, den innerlichen Zusammenhang der öffentlichen Arbeiterinnenversammlungen mit den Arbeiterinnen- vereinen selber nachzuweisen. Nur Indizien, Anzeichen dafür wurden angeführt. Unter diesen Anzeichen spielt besonders die Thatsache eine Rolle, daß die Leitung der öffentlichen Per- sammlungen in fast allen Fällen in den Händen der Vereinsvorstehcrinnen geruht habe. In einer so jungen Bewegung, wie es die der Arbeiterinnen Berlins war, konnte aber kein Ueberfluß an befähigten und einigermaßen der Gefahr einer Maßregelung durch die Unternehmer entrückten Kräften vorhanden sein, und so war es sehr natürlich, daß bei der Wahl des Bureaus die Versamm- jungen sich meistentheils für bekannte und bewährte Per- sonen enlschieden, die nebenbei, und wie sich erwiesen Hai zu ihrem eigenen Schaden, Vorsleberinnen von Vereinen waren. Dieses„Anzeichen" für den behaupteten Zusammenhang hätte demnach vollständig bei Seite gelassen weiden müffen. Die Reihe der übrigen Indizien war aber stark genug, um die Ge- richtehöfe zu der Ansicht der Staatsanwaltschaft zu bringen. Freilich daif man nicht außer Acht lassen, daß es beim Indizien- beweise sehr auf die Gruppirung und Beleuchtung der ein- zelnen Thatsackcn ankommt, die einzeln geringe oder gar keine Beweiskraft haben, im künstlichen Zusammenhange aber „dringenden" Verdacht erwecken können. Gewißheit geben sie nicht und brauchen sie nach der Theorie der„freien Beweis- Würdigung" auch nicht zu geben. Die Führerinncn der Arbeiterinnenbewegung find durch den Spruch zweier Gerichtshöfe verurtheilt und mit Geldstrafen belegt worden, die zum Thcil sehr bock bemessen find und schwer empfunden werden. Noch schwerer trifft die Schließung der Vereine, die ausgesprochen und mit den„Umständen" gerechtfertigt wurde. Diese„Umstände" suchte der Gerichtshof darin, daß er die tzaud der Sozialdemokratie in der Frauenbewegung erblickte, daß er annahm, diese Partei sei cs, welche die ganze Bewegung hervorgerufen und geleitet hätte, um ihre Prinzipien in den Kreis der Familie zu tragen. Und um die Familie vor solch' verderblichen Einflüssen zu schützen, mußten die Vereine ge> schloffen werden. Tie Bestrebungen der Arbeiterinnen find aber nach unserer Meinung nicht das Ergcbniß einer künstlich «n sie hineingetragenen Agitation, sondern der Ausdruck einer weltgeschichtlichen Nothwendigkeit. Und weil sie das sind, kann und wird der Emanzipationskampf der arbeitenden Frau nicht dadurch beseirigt werden, daß eine Form, in der er geführt wurde, vemichter worden ist. Volitifche Urbrrstcht. Die Militärvorlage ist vollständig siesichert. Wie wir schon mehrfach betont haben, kann die Regierung nach dieser Richtung hin verlangen, waS fie will; fie wird ihr Verlangen gestillt sehen. Wenn nationallibcrale Blätter versichern, daß eine Vereinbarung auf Grundlage der f ü n f jährigen Bewilligung der Präsenzziffer der Armee erfolgen würde, so ist diese An- nähme völlig falsch, da die Regierung niemals etwas, was sie sicher auf sieben Jahre und besonders von den Nationalliberalen erlangen kann, auf fünf Jahre reduzirt.— Die nationalliberalen Blätter bringen diese Nachricht nur, um zu zeigen, daß in den Nationalliberalen doch auch noch oppositioneller Heldenmuth sei. Fürst Bismarck anerkennt diesen„Heldenmulh" leider nicht; er wird mit fester Stimme kommandiren: sieben!— und siebenmal springen die Nationalliberalcn über den Stock. Da- durch wird sich ficherlich auchdie genügende Anzahl Abgeordneter in den Reihen des Zentrums und der Dcutschfrcifinnigen finden, die nachspringen. Gelialtsvcrbesscrungen der Offiziere sollen demnächst noch neben der jetzt in Aussicht stehenden Erhöhung des Militäraufwandes verlangt werden. Der Kriegsminister beab- Ter deutsche Artistenverein veranstaltet zum Besten der „Internationalen Artislen-Genossenschaflskasse- am 2. Weih- nacktsfciertag, Sonntag, den 26. Tezembcr, Vormittag 11 Uhr, eine Matinee im Theater der Reichshallen, bei welcher außer dem gesammten Personale des Theaters der Reichshallen eine große Anzahl von Spezialitäten anderer Theater mitwirken wird. Außerdem wird ein einaktiger Schwank„Verbotene Verhältnisse", dessen Verfasser der Präsident des Vereins, Herr Alex. Hönig ist, aufgeführt. Wie wir erfahren, hat der Schwank in früheren Jahren schon mehrere 100 Aufführungen erlebt. Das Entrce ist trotz des außerordentlich reichhaltigen Programms auf nur 75 Pf. festgesetzt. Im Eden- Theater werden fich die Künstler, die durch ihre Leistungen dem Publikum lieb und werth geworden find, nur noch an wenigen Abenden produziren. um neuen Kräften, die in großer Zahl zu den Feiertagen erntreffen, Platz zu machen. Tie Direttion läßt die alten Mitglieder nicht gern scheiden, zumal fie, wie die Klowns Brothers Forest, der großartige Kraft« turner Nizarras, die indischen Mefferwefter Bugharat u. s. w. noch immer sehr große Anziebungöttaft ausüben und allabcnd- sich den lebhaftesten Beifall finden. Ein unterseeisches Boot. London, 20. Dez. Im Basfin des Westindischen Docks fanden kürzlich vor Mitgliedern der Ad- miralität und anderen Sachverständigen Versuche mit einem submarinen Boot statt, das in mancher Beziehung dem von dem französischen Schriftsteller Jules Verne in seinem Roman „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meere" beschriebenen submarinen Boote gleichkommt. Das Boot ist eine Erfindung des Herrn Andrew Campbell, gehört den Herren Edward Wolseley und C. E. Lyon und wurde auf der Schiffewerste der Herren Fletcher im Limehouse gebaut. Es heißt„Nautilus", ist zigarrenförmig aus zölligen Stahlplatten gebaut, 60 Fuß lang und 8 Fuß breit, wird durch elektrische Maschinen von 45 Pserdekraft mit einer Fahrgeschwindigkeit von lO Knoten die Stunde betrieben, und ist mit Vorrichtungen versehen, mittelst deren es sowohl auf als unter dem Wasser fahren kann, in welch' letzterem Falle cs durch eine bewegliche Klappe voll- kommen wasserdicht gemacht wird, während die nöthige Luft zum Athmen der Mannschaft aus einer Luftkammer zugeführt wird, die genug Luft für 24 Stunden enthält, während für die Ausströmung der faulen Luft durch eine besondere Vor- richtung gesorgt ist. Aus dem ovalen Teck ragt ein kleiner viereckiger, nach allen vier Seiten mit Fenstern versehener Kasten hervor, in welchen der Steuermann seinen Kopf steckt, der so nach allen Seiten ausblicken und das Schiff nach Be- fichtigt nämlich, in dem jetzt wieder vorgelegten Entwurf eines Militärreliktengesctzcs sich für die Gehaltsvnbesscrungen der Offiziere eine wechsclmäßige Anerkennung seitens des Reicht- tages zu verschaffen, indem in der Bestimmung über die Beitragsfreiheit der unverheirathetcn Subalternosfiziere im Text des Gesetzes die Klausel aufgenommen ist, daß die Beitrags- freiheit„bis zur erfolgten entsprechenden Erhöhung der Ge- hälter" fortdauern soll. Mit den Mehrforderungen, welche für die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke der Armee gestellt werden, ist es also noch nicht genug. Soldaten als Laufburschen und Bediente. In der Reichstagssitzung vom 3. d. Mts., bei der ersten Berathung der Militärvorlage, tadelte man die Verwendung der Soldaten zu ökonomischen und Privatzwccken, z. B. die Verwendung als Burschen, Köche, Handwerker, Aufwärter rc. Diesem Tadel wurde in konservativen Blättern mit der Behauptung ent- gegengetteten, daß nur wenige Soldaten zu solchen Zwecken verwendet würden. Wie haltlos diese Behauptung ist, ergicbt fich aus einem seitens des dekannten Militärschriftstellers Julius v. Wickede im Jahre 1880 in der„Augsb. Allg. Ztg." ver- öffentlichten Aufsatze, in welchem es heißt:„Tic meisterr Sol« daten der Infanterie and Fußartillerie pflegen im dritten Jahre ihrer Dienstzeit ohnehin nur höchst selten zum eigent- lichen Waffendienste mehr verwendet zu werden, sondern er- halten ihre Verwendung als Offiziersburschen, Diener in den Offizierstastnos und Speiseanstalten, Ordonnanzen bei den Ge- neralen und Stäben u. s. w. Man glaubt es kaum, welche Unzahl gerade der besten und zuverläsfigsten Soldaten zu solchen, auch nicht im geringsten milstärischen Geschäften ver- wendet und somit dem eigentlichen Wanendienste fast gänzlich entzogen wird. Wenn man diesem Mißbrauch nur kräftig ent- gegen treten wollte, so könnte man sowohl dem Staate bedeu- tende Geldsummen dadurch ersparen, als auch die ohnehin nicht geringe Last der Dienstpflicht für alle Betreffenden sehr vermindern." Aus Frankfurt a. M. berichtet man der„Köln. Ztg.": „Die Veranlassung zur Verhängung der Ausnahmemaßregel über Frankfurt, Hanau, Höchst und den Obertaunuskreis ist in den Enthüllungen(!) zu suchen, welche fich an die Verhaftungen vom 10. November knüpften. Tie Vermuthung der Kriminal- polizei, daß sie in der Prinz'schen Wirthschast die Geschästs- kommission und den Landagitationsausschuß der sozialdcmokra- tischen Partei aufgehoben habe, wurde durch den Gang der Untersuchung, bei welcher einzelne der Verhafteten ganz über- raschende Geständnisse ablegten, vollauf bestätigt. Die Ver- Handlung gegen die zur Untersuchung Gezogenen— deren Anträge auf Haftentlassung in allen Instanzen abgelehnt wur- den— findet voraussichtlich Mitte Januar vor der Straf- kammer des hiesigen Landgerichts statt. Denn die Anklage wird, wie ich schon am 11. November ankündigte, auf Grund der§§ 128, 129 des Str.-G.-B.(Theilnahme an einer geheimen Verbindung) erhoben. Was von Landesverrathund Verweisung ans Reichsgericht gefabelt wird, gehört ins Reich der Erfindungen. Die Aus- Weisungen werden in den nächsten Tagen erfolgen, doch wird ihre Zahl eine sehr geringe(!) sein, oa von den etwa Auszuweisenden die„Rädelsführer", einige 40 an der Zahl, in Untersuchungshaft fitzen. Das Verbot des Waftentragens hat in der Presse Besorgnisse wegen des vom 3.— 10. Juli nächsten Jahres hier abzuhaltenden deutschen BundesschießenS geweckt. Da sich aber die Maßregel lediglich gegen die Sozial« demokratie richtet, so besteht bei den zuständigen Behörden volle Geneigtheit, dafür zu sorgen, daß oie von nah und fern er« warteten deutschen schützen ihre Stutzen und Büchsen unbe- belligt und ohne besondern Waffenschein nach Frankfurt bringen können."— Nun werden sich also die Spießbürger beruhigen können: fie werden ihr Bundesschießen haben, und die anderen Folgen des Belagerungszustandes kümmern fie nickt. Gerade an dem bevorstehenden Weihnachtsabend, den 24. Dezember, sotten diejenigen wegen der Sprembcrger Exzesse Vcmrthcilten, die fich noch auf freiem Fuße befinden. ihre Stra'baft antreten! Wir verstehen die Gründe nicht, welche den Kottbuser Staatsanwalt zu diesem Verfahren ver» anlaßt haben. War das Vergehen so arg, daß Familien und Kinder cs mitsühnen sollen durch Verlust der Weihnachtsfreude? War das Vergehen so hart, daß man die Verüber desselben gerade an dem Tage, wo nach christlichem Mythus das Er- lösungsfest gefeiert wird, einsperrt? Oder ist Fluchtverdacht vorhanden? Tann hätten die Bctteffenden längst in's Ge« fängniß gebracht werden müffen, oder aber sie wären längst entflohen. Wir verstehen somit die harte Maßregel gar nicht — aber wir registriren dieselbe. lieber die Beerdigung dcs alten Becker lief neulich eine Korrespondenz durch die Zeitungen, die auch wir mittheitten. Nach einem Schreiben, das uns aus Genf zugeht, enthielt diese Darstellung mehrfache Unrichtigkeiten. Wir geben deshalb folgender Berichtigung Raum:„Es ist unrichtig, daß die Genfer Behörde das Tragen einer rothen Fahne bei dem Begräbniß verboten hätte. Dann ist auch der Verfasser jener Korrespotv- denz falsch unterrichtet, wenn er angiebt, die Anarchisten hätten ein rothcs Leichentuch über den Sarg gebreitet. Ich bin zu- lieben lenken k rnn. Um das beliebige Steigen und Sinken dcs Schiffes zu ermöglichen, find an den Seiten acht bewegliche „Projektors" angebracht, die mittelst einer besonderen B rrich- tung herausgestreckt oder eingezogen werden können, in welch' ersterem Falle das Sckiff steigt, im letzteren aber vermöge des Gewichts dcs Projektors sinkt. Außerdem ist das Scknff sü* den gleichen Zweck aber auck noch mit Wasscrballastbehältcrn versehen, die binnen wenigen Minuten entleert oder vollgepump» werden können, sowie mit einem beweglichen falschen, eisernen- drei Tonnen schweren Kiel, der nach Belieben abgelöst oder angemacht wird, je nachdem das Schiff sinken oder steigen soll- Tie gemachten Versuche fielen in jeder Beziehung befriedigend aus. Der Erfinder, die beiden Eigenthümer und drei Maschs nisten bestiegen das Schiff durch die auf dem Verdeck angc- brachte Luke, schloffen die Klappe, fuhren zunächst auf dem Waffer auf und ab und ließen dann das Schiff unter Wassel sinken, wo fie hin- und herfuhren, dann wieder an die Ober« fläche kamen, wieder unter Wasser fuhren und schließlich etwa drei Viertel Stunden auf dem Boden des etwa 17 Fuß tiefe# Docks liegen blieben, von wo aus das Sckiff dann plötzlich w>- ein Ball wieder an die Oberfläche kam. Augenblicklich befinFel fich das Schiff in Portsmouth, wo die Versuche fortgesetzt werden.__, Schlagende Wetter in einem Keller. In Balsthm (Solothurn) stieg vor einigen Tagen eine Hausfrau am Morgan mit Licht in den sehr solid gebauten und gewölbten Keller hinunter, in dem fich ein tiefes Scnkloch befindet. Kaum ha"* fie den Keller betteten, als eine heftige Detonation ertönte unv eine mächtige Flamme aufschlug, wobei die Frau weit zuru in einen anderen Keller geschleudert wurde, dessen Thüre im1®' lickerweise offenstand, was wahrscheinlich den Tod der Fs®* v. rhütet hat. Dieselbe erlitt schwere Brandwunden und Kam tusionen.— Die Explosion zertrümmerte im Erdgeschoß FkNi: und Thüren, es wurden Glassplitter und Möbelstücke in' Straße hinausgeschleudert und schlugen die Flammen Fenster hinaus. Tie Lackfarben an den Wänden und Mom fingen an zu brennen. Im ersten Stock wurden die TM aufgerissen und Fenster zettrümmert und einem in der»u beschäftigten Mädchen die Haare versengt, Tie Detonat war weithin hörbar.— Man sühtt die Explosion auf � zurück, die aus der Senkgrube entstiegen find.— Der Kanwn chemiter, der zur Untersuchung einttaf, hat Apparate zum saugen von Gasen aufgestellt. w m«ie unterirdischen Telegraphen anlagen Rord-Amerika machte Herr Tclegraphminspcktor Wabner" fällig diejenige Person, welche das rothe Tuch mit in das Haus des Verstorbenen nahm, das Leichentuch war nichts anderes als das Banner der deutschen Sozialdemokratie, welches mit nach Genf gebracht wurde, um das Leichentuch zu erseyen. Ferner soll ein russtscher Nihilist gegen Rußland gesprochen haben. Allerdings würdigte ein russischer Sozialist die Verdienste des Verstorbenen im Namen seiner Freunde, nachdem Bernstein (Zürich) im Namen der deutschen und deutsch- schweizerischen Sozialdemokratie daffelbe gethan und zwei Lorbeerkränze nieder- gelegt hatte, was außerdem ein französischer sowie schweizerischer Sozialdemokrat that. Das Begräbniß verlief in würdigster Weise; mehr als 600 Personen erwiesen dem Verstorbenen das Ehrengeleit, viele scheuten sich trotz des schlechten Wetters nicht, den, Sarge bis nach dem sechs Kilometer entfernten Friedhof zu folgen. Plauen i. Voigtlande. Der am vorigen Mittwoch aus der Gefängnißhaft entlassene Schriftsteller Jens L. Christensen hat am 17. d. M. Plauen verlassen. Bekannt- lich wurde über den Genannten außer der erkannten Strafe (wegen Verbreitung„verbotener" Druckschriften) noch der§ 22 des Sozialistengesetzes verhängt. Gestützt auf diesen beeilte sich dw Stadtrath von Plauen schon während der Strafzeit, Christensen aus dem ganzen Bezirke auszuweisen. Als der in dieser Weise Gemaßregelte am Abend des 15. Dezember aus dem Kefängniß trat, begrüßten ihn an dessen Pforten viele Genossen. Mit ihnen ging's nach einem öffentlichen Lokale, wo die Entlassung und gleichzeitig der Abschied Christensen's ge- feiert wurde. Reden, Toaste, Vorträge und Gesänge verliehen der Zusammenkunft die Weihe. Auch viele von den arbeitenden Frauen des 23. Wahlkreises waren erschienen. Sehr bewegt gestaltete sich die Nachts erfolgende Abfahrt Chr.'s. Die Bahn- Hofshalle war dicht gefüllt von Arbeitern, Arbeiterinnen— und Polizeimannschaften. Offenbar hatte die Behörde„Ausschrei- tungen" befürchtet; zu solchen kam es jedoch nicht. Chr. hält sich an einem Orte Sachsens auf. Sozialistisches. Wie der„Voss. Ztg." aus Nürnberg gemeldet wird, ist dort die als Flugblatt verbreitete Rede des Reichstagsabgeordneten G r i l l e n b e r g e r zur Militäroorlage auf Grund des Sozialistengesetzes verboten worden.— Leipzig, 18. Dezember. Bei den gestrigen Gemeindewahlen in dem volkreichen Vorort Reudnitz siegten die Sozialdemokraten. — Die sozialistischen Frauen in Leipzig haben für die Strei- kenden in Vierzon 100 M. zusammengebracht und abgesandt. Man hat diesen Frauen mitgetheilt, daß ihre Sammlung in Vierzon einen ganz besonders günstigen Eindruck gemacht habe. Eine„Deutsch-Westafrikaistsche Kompagnie" hat sich nach Mittheiluna des Herrn Professor Kirckhoff in Halle a. S. nunmehr thatsächlich gebildet- In der Meldung wird hinzugefügt, diese Gründung sei nicht zu verwechseln mit der„Deut- schen Kolonisationsgesellschaft für Südwestafrika." Die neue Gesellschaft versucht die Antheilnahme der kleineren Leute durch Ausgabe von Antheilscheinen zu 50 M. heranzuziehen, verspricht eine schwindelhafte Dividende von 333 pCt. und was dergleichen Unsinn mehr ist. Die Kolonialausbcutcr haben erst die Reichsfinanzen gebrandschatzt, nunmehr sollen die kleinen Kapitalisten darankommen. Hoffentlich halten sie die Taschen zu. Die Ausweisung aus Rustland gebürtiger und in Preußen nicht naturalisirter Personen ist noch keineswegs abgeschlossen, wie vielfach geglaubt wird. Es kommen noch immer neue Ausweisungen vor. So ist dieser Tage, wie die „Danz. Ztg." berichtet, in Neumark i. Westpr. ein dort seit 20 Jahren lebender Einwohner, der den gut deutschen Namen Schönbart führt, mit Frau und dreizehn Kindern ausgewiesen worden. Wie meistens, so ist auch der Eriverb der Familie durch die Ausweisung ruinirt, die Familie vollständig mittellos geworden, so daß für sie die Mildthätigkeit weiter Kreise hat in Anspruch genommen werden müssen, um ihr die Aufsuchung einer neuen Heimath jenseits des Ozeans zu ermöglichen. Ferner ist in neuerer Zeit in Gilgenburg(Ostpreußen) der dortige Uhrmacher Berg mit einer Familie von Frau und neun Kin- dem unter ganz ähnlichen Verkältnissen ausgewiesen und, da ihm die Mittel zur Abreise fehlten, mit fortgesetzter Zwangs- Haft bis zum Verlassen des Landes bedroht worden. Verboten auf Grund des Sozialistengesetzes wurde das Flugblatt mit der Ueberschrist:„Arbeiter Berlins!" und dem Schluß:„Vorwärts zu rastloser Thätigkcit und zum end- lichen befreienden Siege! Hoch lebe die Sozialdemokratie!" Druck und Verlaß der Schweizerischen Genossenschaftsdruckerei in Hottingen-Zürrch. Rnkland. Dem Vernehmen der„B. P. N." nach, wären die seit kurzem in Warschau verbreiteten Gerüchte wegen Einführung des Tabakmonopols in Rußland begründet und stünde die Realifirung des Projektes durch die Regierung in kürzerer oder längerer Zeit zu gewärtigen. Schweiz. Der Fabrikinspektor Schuler hat dem Bundesrath empfohlen, die Fabrikation von Pbosphorzündhölzchen zu mono- polifiren, weil nur in Staatsfabrikcn, die beständig unter der �erliner elektrotechnischen Verein vor Kurzem folgende Mit- tveilungen: Bis in die neueste Zeit hinein waren in Nord- Amerika alle Tclegraphenlinicn oberirdisch geführt, was bei der beispiellosen Entwickelnng, die neuerdings das Fernsprechwesen aenommen hat und bei dem Aufschwünge des elektrischen Be- leuchtungswesen zu einer ernsten Gefahr für den Straßen- verkehr und nicht minder für die Sicherheit des Telegraphen- betriebs geworden ist. Zunächst hat die Stadt New-SDork Veranlassung genommen, die zahlreichen Privat- Telegraphen-, �elephon- und elektrischen Beleuchtungs- Gesellschaften auf dem Wege der Gesetzgebung zu zwingen, zur unterirdischen Leitungs- nchrung überzugchen und hat eine Kommission eingesetzt, welche, uut eingehenden Vollmachten ausgerüstet, bereits ihre Vor- nhläge abgegeben hat. Darnach sollen in den Straßen der »ladt Untersuchungsbrunnen eingerichtet werden, die unter ein- ?.nber durch Rohrleitungen verbunden find, in welche die jlolirtcn Drähte eingelegt werden. Die Rohrleitungen werden ,n einem Kanäle aus Asphaltmörtel bestehen, einer Mischung Wn reinem Asphalt und Sand, die ein großes Jsvlir- Vermögen und hinreichende Festigkeit besitzt. Ter Kanal soll aus rechtwinkeligen Blöcken zusammengesetzt sein, die mit 2 bis a Zoll weiten zylindrischen Führungsöffnungen versehen find. '>e nach Bedarf werden 2—3 solcher Blöcke nebeneinander gc- n-llt werden, um diejenigen Leitungen, welche für Ströme von hoher Intensität bestimmt find, von den Telegraphir- und tfernsorechleitungen getrennt zu halten. . Internationaler Stcnographenkongreß. Obwohl das <-atuiii des im nächsten Jahre in London stattfindenden inter- nationalen Kongresses zur Feier des 300jährigen Bestehens der Stenographie und des Jubiläums des Pitman'schen Systems noch nicht festgestellt worden ist, so wurde doch schon die Liste der Mitglieder des Kongreßkomitecs veröffentlicht. Dieselbe ichneßt nicht nur die Namen vieler hervorragender Stenographen ;N sich, sondern auch die vieler bekannter Männer der Wissen- lchaft, Literatur und Politik. . Drahtseilbahn. Vom Vierwaldstättcr See soll auch auf ven Bürgenstock eine Drahtseilbahn angelegt werden, die von fvhrsitcn am See beginnt und in einer Länge von 850 Meter »'S zu dem 433 Meter über dem Seespiegel liegenden großen |ä| sIä® Aufsicht unabhängiger Aerzte stehen, sich der Ausbreitung der Phosphornekrose Einhalt thun läßt. Frankreich. Der bekannte„Times"-Berichteistatter, Herr Oppert aus Blowitz, hat es für angemessen gehalten, den neuen Min ist er des Auswärtigen zu interviewen. Man erfährt indessen wcniflINeucs aus dem Zwiegespräch. Flourens erklärte ihm, er habe Ke Geschäfte, die gerade jetzt emen erfahrenen und ge- schickten Diplomaten erforderten, nur auf Drängen Goblet's übernommen. Die cgyptische Frage erfordere desondere Umsicht, denn Frankreich müsse bei Lösung dieser Frage darauf bedacht sein, die guten Beziehungen zu England aufrecht zu erhalten. Was die bulgarische Frage betreffe, so sei Frankreich bei der- selben nicht unmittelbar betbeiligt, sondern habe, wie Deutsch- land, nur die Rolle eines Versöhners zu spielen, weshalb der Minister beim Empfang der bulgarischen Gesandtschaft sich ge- nau nach dem Vorgange Berlins richten werde. Die Ankunft dieser Abordnung setze ihn in Verlegenheit, denn einerseits könne die Regierung einer Republik die Bestrebungen der Bul- garen nicht ungünstig betrachten, da die Unabhängigkeit ihres Landes durch den Berliner Vertrag gewährleistet sei; anderer- seits aber habe Frankreich Pflichten der Freundschaft gegen Rußland zu berücksichtigen. Der Minister bemerkte ferner, er habe den Handelsvertrag mit Italien nicht gekündigt, um die guten Beziehungen zu diesem Lande nicht zu beeinträchtigen. Endlich bezeichnete er die Tennung von Staat und Kirche in Frankreich als unmöglich. Uebrigens erklären„La Paix" und „Paris" die Worte, die Blowitz Flourens in den Mund gelegt hat, noch für theilweise unrichtig. Grotzbrttanuie«. Ungeachtet der vorgenommenen Verhaftungen haben Dil- l o n und O'B r i e n die Abficht kundgegeben, I den sogenannten „Fcldzugsplan" der irischen Pächter weiter auszuführen. Andere Leiter der Nationalliga wollen die Agitation ebenfalls fortsetzen. Sheehy, einer der in Loughrea verhafteten Abgeord- neten, soll auch wegen einer jüngst in Kylebeg gehaltenen, zu Gesetzlosigkeiten autreizenden Rede in Anklagezustand versetzt werden. In liberalen und selbst in konservativen Kreisen ist man der Meinung, daß alle diese Verhaftungen und sonstigen Zwangsmaßrcgeln nicht viel nützen werden. Es wird betont, daß die soziale Ordnung in Irland nur durch die„gründliche Unterdrückung" der Nationalliga wirksam wiederhergestellt wer- deu könne. In diesem Sinne äußert sich auch die„Morning- post", indem sie u. A. schreibt:„Die irischen Pächter sind auf Grund des von der Nationalliga ausgeübten Terrorismus machtlos, ihre Unabhängigkeit geltend zu machen. So lange sie nicht ihre Freiheit des Handelns wieder erlangen, wird die Regierung, so energisch auch ihr Vorgehen gegen individuelle Gesetzübcrtreter sein mag, ermangeln, Ruhe oder Achtung vor dem Gesetz zu sichern. Die Zeit ist erschienen, wo die National- liga das Schicksal der Landliga, der sse entsprang, theilen und unterdrückt werden muß, als eine Vereinigung, welche alle ihre Anstrengungen darauf richtet, das Ansehen der Landesregie- rung zu untergraben."— In einer besonderen Ausgabe der amtlichen Zeitung wird eine Proklamation veröffentlicht, in welcher die Agrarhewegung, genannt der Fcldzugsplan, für eine ungesetzliche, verbrecherische Verschwörung erklärt und angekündigt wird, daß alle diejenigen Personen, welche sich der Bewegung anschließen, sich der gerichtlichen Ver- folgung aussetzen und daß das von den Theilnehmern an der Bewegung erhobene Geld oder Quittungen über Geldzahlungen von den Gerichtsbehörden beschlagnahmt werden können. Der Kampf hat also auf der ganzen Linie begonnen! Italien. Ueber die Finanzen des Papstes wird der Münchener »A. Z." gemeldet: Monsignore Theodoli, der Majordomus des Papstes, hat den vatikanischen Blättern zufolge Leo XI I. den Ausgaden- und Einnahmen-Etatsentwurf für das Jahr 1887 vorgelegt. Die regelmäßigen Einnahmen, die Zinsen des von Pius iX. zurückgelassenen, in englischen Banken nieder- gelegten Kapitals betragen# Millionen Lire; hierzu kommen 1 Million als Pachtgelder des päpstlichen Grundbesitzes und schließlich der Peterspfennia, der mit nur— 1 500 000 Lire eingesetzt ist. Da der„Gefangene des Vatikans" jährlich 8 Millionen Lire braucht, würde sich ein Defizit von 1 Million Lire ergeben. Armer Papst! Afrika. Sir John Stokes, Charles de Lessevs und die Herren Austyn und Provost, Direktoren der Suezkanalgcsell- s ch a f t, find dieser Tage in Kairo angekommen, um mit der egyptischen Regierung eine Uebereinkunft zu treffen, vermöge welcher die Gesellschaft in den Stand gesetzt werden soll, die Erweiterung des Kanals zu beginnen. Kommunales. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Tonnerstag, den 23. Dezember, Nach- mittags 5 llhr: Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebeamten— desgl. des Ausschusses für Petitionen— Vorlagen, betr. die Aufnahme eines Hospita- liten in die Wunderlich- Stiftung und von 5 Personen in das Nikolaus- Bürger-Hospital— Berichterstattung über die Vor- läge, betr. die Aufgabe des Wiederkaufsrechts der Stadt- gemeinde an einer in der Möckcmstraße belegenen Parzelle des Grundstücks des königl. EisenbahnfiSkus, sowie die Abtretung von Straßenland zum Halleschen Ufer und die Regulüuug dieses Ufers zwischen Möckern- und Schöneberaer Brücke als Ufer- und Ladestraße— desgl. über die Vorlage, betr. den Ankauf der Grundstücke Andrcasstr. 56, Krautstr. 48» und Grüner Weg 95 zur Erbauung einer Markthalle für den Osten der Stadt— desgl. über die Vorlage, betr. die Festsetzung einer neuen Baufluchtlinie für die Ostseite des Neuen Marktes, sowie den Ankauf der Grundstücke Neuer Markt 3, 4—5, 6 und 7— desgl. über die Petition, betr. die Verlegung der im Weichbilde Berlins Belegenen Strecke der Berlin-Stettiner Eisen- bahn— desgl. des Ausschusses für Rcchnungssachen über die Finalabschlüsse der Stadt- Hauptkasse und über die Kanali- sationsverwaltung pro 1. April 1885/86, sowie über drei Rech- nungen— desgl. über die Vorlage, betr. die Erwerbung einer von dem Grundstücke Chaussecsttaße 4 zur Sttaßenverbreiterung erforderlichen Parzelle— desgl. über die Vorlage, bctt. den Ankauf des Moser'schen Lohmühlengrundstücks in der Schlesischen Straße und am Lohmühlenwege— desgl. üher die Vorlage, betr. den Ankauf des Gnindstücks Albrechtsttaße 16 und einer hinter demselben belegenen Parzelle des Grundstücks Schiffbaucrdamm 4» und 5 zu Gemeindeschulzwecken— desgl. über die Vorlage, betr. die Aufnahme von drei auf dem Terrain der früher Woehlcrt'scken Attrm- gesellschaft projektirten Straßen in die Abtheilung IX. des Be- bauungsplanes— Vorlage, bctt. die Erwerbung des zur Frei- legung des Waterlooufers erforderlichen Nabel'schen Grundstücks— desgl., bett. die erfolgte Bauabnahme des zu einer Erziehungsanstalt für verwahrloste Knaben eingerichteten Pa- villons auf dem Ärbeitshausgrundstücke zu RrmmelSburg— dcSgl., bett. die Bewilligung eines Manlogeldes für den zweiten Kasssrer in der Hauptkasse der städtischen Werke— desgl., bett. den Geschäftsbetrieb der Sparkasse im Juli-September-Ouattal d. I.— desgl. bett. den Ankauf des Ritterguts Schenkcndorf im Teltower Kreise zur Verwendung als Rieselfeld— desgl., betr. die Veräußerung der zur Anlage des Görlitzer Bahnhofes verwendeten Theile der Forster- und der Cuvrysttaße— desgl., betr. die Abänderung des§ 4 im Nachtrage zu dem die Amts- auktioncn der Gemeindebeamten zu Berlin Betreffenden Statut — desgl. bett. die pro 1887 erforderlichen Erweiterungen und Emeuerungen auf den städtischen Gasanstalten und für dez Rohrsystem— desgl., bett. eine Deklaration des Beschlusses über den Ankauf einer Parzelle des Grundstücks Kommunikaticn am Neuen Thor 9 10 zum Bau einer Gemeindeschule.— Vier Rechnungen.— Berichterstattung über ein Naturalisationsgesuch. — Eine Remunerationssache.— Zwei Unterstützungssachen.— Vorlage, Betr. die Wahl von zwei Bürgerdeputitten für die Armen-Direktion. Folgende Petitionen sind bei den städtischen Behörden eingegangen: 1. betreffend den Bau einer Brücke über die Spree im Zuge der Paulsttaße; 2. betreffend Ueberlassuna eines Terrains im Bereiche des 42. Polizei- Reviers behufs Errichtung eines Volksbrausebades; 3. betreffend die Durchlcgung der Charlottenstraße in der Richtung auf die Ebertsdrücke; 4. be- treffend die Aufnahme der akademisch gebildeten Lehrer der städtischen höheren Töchterschulen in den Stellen-Etat der Lehrer an den städtischen höheren Knabenschulen. Erweiterungs- und Erneuerungsbanten auf den städti- scheu Gasanstalten. Der Magistrat hat die Stadtverord« neten-Versammlung ersucht, sich einverstanden zu erklären mit der Ausführung der Erweiterungs- und Erneuerungsbauten auf den Gasanstalten und für die Rohrlegungen in den Straßen, wie solche in dem der Vorlage vom 10. Dezember 1886 beigefügten Kostcnüberschlaae nachgewiesen sind, sowie die Geneh» migung dazu zu ertheilen, daß, soweit es zur rechtzeitigen Vollendung der Gebäude, Apparate und Rohrleitungen noth- wendig ist, mit den Bauarbeiten und-Bestellungen sofort vor- gegangen werde. Die Beschlußfassung über die definitive Gc- nehmigung der Kostensumme, sowie über die Vettheilung der einzelnen Beträge auf den Erneuerungsfonds und auf den Restbetrag der für Zwecke der Gasanstalten im Jahre 1875 aufgenommenen Anleihe von fünfzehn Millionen Mark möge sich die Versammlung bis nach Vorlegung und Prüfung der speziellen Kostenanschläge und Zeichnungen vorbehalten. Gerichts-Zeitttng. t Wegen Sachbeschädigung war der Droschkenkutscher Friedrich Wilhelm Bendschneidcr vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 3 M. veruttheilt worden. Er hatte gegen das Urtheil das Rechtsmittel der Berufung angemeldet, so daß die Sache gestern vor der fünften Strafkammer des hiesigen Land» gerichts i zur nochmaligen Verhandlung kam. Der Vorfall, welcher dem Prozeß zu Grunde liegt, entbehrt nicht eines gc- wissen komischen Beigeschmacks. Der Angeklagte wohnt in dem Hause Birkenstraße 43 und hat auch dort in einem Hofgebäude Stallung für sein Pferd und eine Remise für den Wagen. Am 4. September d. I. wollte er sein Pferd in den Stall führen, während er den Wagen im.Hausflur hatte stehen lassen. Der Hof hing voll von Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt war, und ttotzdem der Droschkenkutscher sich große Mühe gab und sein Pferd sorgfältig durch die Lücken hindurchführte, konnte er doch nicht verhindern, daß einige Stücke gestreift und schmutzig wurden. Nun erhoben die beiden Waschfrauen, die gerade thätig waren, ein großes Geschrei und über das Haupt des unglücklichen Mannes ergoß sich cin Sttom zatter Redensarten. Der Droschkenkutscher entschuldigte sich zuerst, als aber durch seine Höflichkeit die Schimpfereien nicht zu dämpfen waren, wurde er grob und diente mit der gleichen Münze. Er blieb aber natürlich weit hinter der Redekunst der beiden Damen zurück und entfernte sich schließlich, um Mittagbrod zu essen. Später wollte er sein Pferd wieder einsvannen und er mußte deshalb den Wagen in den Hof ziehen, um ihn umzuwenden. Vorher forderte er die Waschfrauen zweimal auf, die Wäsche abzunehmen, damit er freien Raum für das Umwenden der Droschke habe. Tie Fraurn hörten nicht auf seine Worte, weil sie auf das Recht pochten, den Hof als Trockenplatz zu benutzen. Nun nahm der Droschkenkutscher keine Rücksicht, er zog seinen Wagen in den Jos und wendete ihn um, unbekümmert dämm, daß eine Anzahl der trocknenden Hemden, Hosen und dergl. in den Schmutz herabgerissen wurden. Ohne das Geschrei der Waschfrauen, welche die schmutzige Wäsche nun noch einmal spülen mußten, zu beachten, zog er sein Pferd aus dem Stall, spannte es ein und fuhr davon.— Zu der gestrigen Verhandlung hatte der Angeklagte einige Frauen als Entlastungszeugen gestellt, die das oben angegebene Sachverhältniß bekundeten, das in der ersten Verhandlung vor dem Schöffengericht nicht so günstig für den Angeklagten sich darstellte, weil nur die beiden Waschfrauen vernommen waren. Der Gerichtshof sprach aus einem rechtlichen Gesichtspunkte den Angeklagten unter Auf- Hebung des erstinstanzlichen Uttheils frei; es wurde angcnom- mcn, daß dem Angeklagten das Bewußtsein der Rechtswidrig- kcit seiner.Handlung gefehlt habe. t Nicht zum ersten Mal Betrat Frl. Auguste Demüthig die Anklagebank; trotz ihres vertrauenerweckenden Namens ist sie schon viermal mit dem Gesetz wegen Eigcnthumsvergehens rn Konflikt gerathen und hat denselben in Gestalt längerer Freiheitsstrafen empfunden. Wegen Betruges, Unterschlagung und Hehlerei verurtheilt, hatte sie sich wegen Diebstahls noch nie zu verantworten gehabt. Diese Lücke wurde nun gestern durch eine Verhandlung vor der 92. Abtheilung des hresigen Schöffengerichts gegen sse ausgefüllt. Eine silberne Zylinder- uhr war es, die ihr zu gut gesscl, als sie in den Laden einer Grünkramhändlcrin hinuntergestiegen war, um sich Obst zu kaufen. Die Uhr lag auf dem Ladentisch und als die Händlerin sich für kurze Zeit abwendete, verschwand sie plötz- lich. Hieran war aber nicht Zauberei, sondern eine geschickte Handbcwegung des Frl. Demüthig Schuld, die sie mit großer Geschwindiakert in ihre Kleidertasche versenkt hatte. Unglück« lichcrweise bemerkte die Händlerin den Verlust sofort und war auch dreist genug, sich mit der Frage an die gut ge- kleidete Dame zu wenden, ob sie vielleicht näheres über den Verbleib der Uhr wisse. Nun wurde Fräulein Demüthig sehr ungemüthlich, sie spielte die Entrüstett und bot sofort der Händlerin an, frermüthig ihre Taschen zu durchsuchen. Wirklich ließ sich die Händlerin im ersten Augenblick verblüffen, bat vielmals um Entschuldigung und ohne vifltirt worden zu sein, zog Frl. Demüthig ab. Kaum hatte sie sich entfernt, so erwachte in der Händlerin doch der Gedanke, daß eine Visitation nichts geschadet hätte. Sie eilte der Käuferin nach, erwischte sie, rief einen Schutzmann herbei und auf dem nächsten Polizeibureau wurde die Uhr zu Tage gefördert. Frl. Demüthig erklärte, daß der Gegenstand durch ein„Versehen" in ihre Tasche gerathen sein müsse. Diese etwas naive Entschuldigung brachte sie gestern nicht vor. Aus ihrer Praxis wußte sie, daß man vor Gericht mit einem offenen Geständniß noch am weitesten kommt. Da der Fall an sich so klar lag, daß auch ein Leugnen der Angeklagten nichts be- nutzt hätte, so sah der Gerichthof keinen Grund in dem Geständniß der Angeklagten, mildernde Umstände anzuerkennen. Er verurtheilte nach dem Antrage des Staatsanwalts Frl. Demüthig zu einer Gefängnißstrafe von einem Monat. Soziales»ndArbeiterveweamtg. Arbkitsbörse in Parts. Nach Amsterdam soll nunmehr Paris eine Arbeitsbörse, also eine Zentralstelle für Arbeits- Vermittlung von Staats- und Stadtwegcn bekommen. Der Gemcinderath der französischen Hauptstadt hat die Errichtung einer solchen Anstalt beschlossen, den Staat aufgefordert, Zu- schüfst zu den Kosten zu leisten und bcretts mit dem Ankaufe der nothwcndigen Gebäude begonnen. Es sollen eine Zentral- stelle und mehrere Filialen in Paris errichtet werden. 100000 Franks aus der städtischen Anleihe für die öffentlichen Bauten in den Jahren 1887 und 1888 find zunächst bestimmt, die EinrichtungSlosten zu decken. Die Organisation der Pariser Arbeitsbörse dürfte derjenigen von Amsterdam nachgebildet werden; man hat sich mtt den dottigen Behörden in Verbin» dung geskht. Tic Albcitcrfachvcreine scllen abcr stärker an der Leitung betheiligt werden. Die ungarischen Buchdrucker. In den Kreisen der Budapester Buchdrucker ist vor kurzem die Idee aufgetaucht, sich der allgemeinen Arbeiterpartei anzuschließen. Ge- legenhcit hierzu bot der für Ostern einbcrusene Arbeiterkongreß. In dieser Angelegenheit fand jüngst eine Konferenz statt, in welcher der Beitritt der Buchdrucker zur ungarländischen Arbeiter- partei einstimmig beschlossen wurde. Warnung für Arbeiter. Tie ultramontane„Schlcs. Bolksztg." erläßt folgende Warnungen: Ein junger Arbeiter aus Glatz wurde(wahrscheinlich durch Agenten) verleitet, sich kontraktlich zu verpflichten, in einer Fabrik zu Hildcshcim das ganze Jahr hindurch gegen einen Mochcnlohn von 7 M. 50 Pf. zu arbeiten. In Glah verdiente er nur 5 M. Also los! In Hildcshcim angekommen, mußte er wöchentlich 8 M. für Kost geben. In Glatz gab er 2 Mark!— Eine zweite Warnung für nach Rußland auswandernde Fabrikarbeiter. Vor mehreren Wochen ließen sich im benachbarten Lodz in Rusfisch-Polen an- sässige Arbeiter, darunter Deutsche resp. Schlesien, durch Agen- tcn verleiten, nach Tiflis auszuwandern, um in dortigen Fabri- ken, wie man ihnen vorspiegelte, hohen Verdienst zu erwerben. Die Lage dieser Arbeiter ist nun, wie der„Dzicnnik Lodzki" meldet, eine hockst bedaucrnswerthc. Vor einigen Jagen rotte' ten sich dieselben, welche nur 26 Kopeken(52 Pf.!!) täglich verdienen, sie sind nothdürftig in einer Kaserne unter- gebrockt und leiden Hunger. Ucberdics werden sie von den einheimischen Arbeitern, welche diese Konkurrenz aufreizt, de- droht. Tic Emigranten wenden sich nun an die Fabrikanten in Lodz mit der Bitte um Unterstützung. Der„Dziennik Lodzki" schlägt vor, Geld zur Rückreise für die bedrängten Ar- beiter durch Sammlungen zusammen zu bringen. Die Roth in Oberschlesien unter der Arbcitcrbevölkerung ist eine große. In Beuthen, wo der Armcnunterstützungsvcrcin kürzlich seine Suppenanstalt wieder eröffnet hat, beträgt die Zahl der Kinder, welchen täglich am Morgen cm warmes Frühstück verabreicht wird, gegen sechsthalbhundert, obwohl nur die allerbedürftigsten berücksichtigt werden. Tie Zentral-Kranken- und Ctcrbekasse der Töpfer und verwandten Berufsgcnossen Deutschlands(Eingeschriebene Hilfskasse Sitz Dresden) versendet folgende Abrechnung für das ui. Quartal 1886: Einnahme. Kassenbcständc der örtlichen Verwaltungsstellen und Mk. Pf. Hauptkaffc am Schlüsse des II. Quartals... 10524,82 Eintrittsgeld.............. 291,— Verkaufte Mitgliedsbücher......... 45,— Beiträge............... 10771,34 Tclegirtcnsicuer............. 539,— Strafe, Protokolle und sonstige Einnahme.... 101, 1 Beiträge in die Hauptkasse......... 186,97 Zinsen„„„.....•••■ 81,72 Summa: 22540,86 Ausgabe. Mk. Pf. Krankcn-Unterstützung........... 4312,81 „§ 7a(arbeitsfähige Kranke). 335,— Brillen und Bruchbänder.......... 30,50 Sterbegeld............... 465,— Verwaltungskosten der örtlichen Verwaltungsstellen. 723,16 Kranken-Unterstützung aus der Hauptkasse.... 190,88 Verwaltungskosten„„„.... 1072,41 Kassenbcständc der örtlichen Verwaltungsstellen und der Hauptkasse am Schlüsse des Ii'. Quartal.■ 15411,10 Summa: 22540,86 Moderner Mädchenhandel. Aus Sachsen schreibt die „Thüringer Waldpost": Durch die kleinere Amtsprcsse, diese konservativen Schreibälge, macht jetzt folgendes Inserat die Runde:„Knechte und Mägde empfiehlt per Neujahr und bittet der bedeutenden Nachfrage halber um baldige Bestellung Ullrich, Grimma." Ties Inserat paßt zu der hohen sittlichen Aufgabe, zu denen die Blättchcn, wie sie in ihrer bescheidenen Dreistigkeit immer behaupten, allein berufen find, genau so wie die Katze in den Vogeldauer. Tie„Waare", Knechte und Mägde, hat man also auf Lager und empfiehlt dieselben in einer so frivolen Art, als wären es Kirschen oder saures Bier. Man vergegenwärtige sich nun die tiefgehende Erregung dieser papiernen Ordnungssäulen, wenn ein Anhänger der Arbei:er- partei einen Fehltritt macht, wie kühn sie sich da auf das Postament sittlicher Entrüstung schwingen, um von hier aus mit komischem Pathos den irregeführten„Enterbten" Moral zu predigen und——„man bittet der bedeutenden Nachfrage halber um baldige Bestellung." Kleine MittJjeilnngen. Trier, 18. Dezember. Zwischen den Stationen Erdorf und Philippsheim der Eifelbahn entgleiste gestern Abend der von Köln kommende Personenzug, wodurch drei Personenwagen erheblich beschädigt wurden. Reisende wurden glücklicherweise nicht verletzt. Das Geleise war während des heutigen Tages nicht fahrbar. Da jedoch die Bahnstrecke zweigeleifig ist, so hat der Betrieb keine erhebliche Störung erlitten. München, 19. Dezember. Der Würgeengel Tiphtheni-s haust im diesjährigen Herbst in Bayern in einer Weise, wie schon lange nicht. In der Oberpsalz, in Mittel'ranken, Ober- franken, Unterfranken und in der Pfalz mußten viele Schulen, wie die„N. N." hören, wegen der Epidemie geschlossen werden und zahlreich sind die Opfer, welche die heimtückische Krankbeii forderte. Man darf die Zahl der erkrankten Kinder nach Zehn- taufenden bemessen— find doch in Bamberg allein über 3000- Kinder erkrankt— und nickt mit Unrecht jammerte kürflick ein Arzt darüber, daß man Jahr aus Jahr ein über Mittel gegen die Cholera'brüte, abcr dem weit gefährlicheren Feinde, der Diphteritis, nicht die nöthige Beachtung schenke. Tarnen am Brünig(Schweiz), 16. Dezeinber. Heute Nachmittag 41 Uhr wurde hier eine starke Erderschütterung von Südwest nach Nordost verspürt. Genua, 18. Dezember. Im hiesigen Hafen kippte eine Barke, welche elf vom Besuche des Dampfschiffes„Regina Margherita" zurückkehrende Personen ans Land schaffte, vor dem Molo Nuovo um. Neun Personen ertranken. m Theater. Mittwoch, den 22. Dezember. Opernhaus. Lohengrin. LÄaofvielhauS. Das Tagebuch. Vorher: Gastrecht. DeurscheS Theater. Macbeth. Kroll's Theater. Der Mikado. Artesrich-Withelmstädtischcs Theater. Der Zigeunerbaron. Wallner- Thealer. Einer vom alten Schlag. Vtttorta-Tlleater. Der Lilivutanerkönig. Kin- dervorstcllung zu halben Preisen. Osteud-Theater. Das neue Gebot. lRkstdenz» Theater. Georgette. 'vntral-Theater. Der Waldteufel. lvelleallianee-Theater. Die Kindsfrau. r.i-athalla»Thcater. Der Vagabund. siLnlgftädtisches Theater. So find sie Alle. Seeichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor« flellung. Sfa'jftnkLn'S Varietec. Spezialitäten- Vor- stellung. Taneardia« Theater. Spezialitäten- Vor- stellung._ Central-Krankenlmsse der Sattler. Vert.iche üermaltnng Kerlin. Der Feiertage wegen bleiben die Zahlstellen Echwedterstraße 8, Lützowstraße 7, Neustädtische Kirchstraße 15 am 25. d. M. und 1. Jan. 1887 geschlossen. In den übrigen Zahlstellen werden die Beiträge wie gewöhnlich entgegengenommen. Der Dorkand. I. A.: E. Sckwarz, Kasfirer, Müllerstraßc 1». �«üeu-Theater# trüber Louisenst. Theater.) Drcsdenmtr. 72/73. Direktor Jean Luttgen» mit IS Damen, Darstellung plastischer Gruppen«ach berühmten Meister». Mr. und Mdme. Kngharat, indianische Mefferwerfer. Krother» forest, Mufikal- Clowns. Heden eines lebenden, 3300 Pfund schweren ÜsVrhprt von Wilhelm Kleiner. � stärkst. Mann Sachs. Mr. Dirarras, Kraftturner. Frl. Marzarrtv«. medizinisches Räthscl. Paula und Ludw. Tetlheim. Eugen Zocher. Kassenössnung 61 Uhr. Anfang 71 Uhr. Donnerstag, den 23., und Freitag, den 24. Dezember bleibt das Theater geschlossen. Passage 1 Tr. 9 M- 10 A. Kal»er>l*auorama. Nur bis Freitag, d. 24. d. M.: Weihnacht«-Ausstellung. DaS Leberr Jesu. Palästina. 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Für die hygienische Züchtung des Stehlings und Läuflings »erven zunächst Aenderungen in der töautpflegepraxis erfor- derlich. Muß ich einerseits nachträglich der Muhmenpflege des Säuglings darin alles Lob spenden, daß sie ihn wenigstens täglich badete, so muß ich andererseits schwer beklagen, daß von jetzt an die Sonderegger'sche Vorschrift vernachlässigt wird: Jöas Kind soll täglich so lange gebadet werden, bis es das— sechzigste Jahr erreicht".— Thatsächlich kommt nun zur luft- noch die wasserscheue„Pflege", wobei das bischen morgendliche Waschung von Hals und Brust sowie allenfalls noch sonnabend- liche AUgemcinwaschung oder vielmehr was man so zu nennen beliebt, so gut wie nichts bedeutet. Wo's an der Wanne und Brause fehlt, bietet der von Kopff(früher Lipoms ky) in Heidel- berg gefertigte Badcschrank ebenso kompendiösen als haltbaren, von der ganzen Familie täglich benutzbaren Ersatz. Wo auch der fehlt, hilft man sich mit einem geräumigen Zink- oder Holzbecken, in welchem dem auf einem Stuhle sitzenden— was zugleich den Kleinen großen Spaß macht— ein Anderer über dem Scheitel einen großen, erst mit warmem, dann mit kaltem Wasser getränkten Pfcrdeschwamm ausdrückt, während « selbst sich zwischendurch mit dem Seifenlappen kräftig be- «bettet. In der Bekleidung wird, wie dies für den Tag mit dem „Habit" geschieht, auch die Nacht mit der Bettung nach und nach in der Art abhärtend vorgeschritten, daß Federkissen immer leichter und spärlicher gewährt und besonders die Decke durch Wolle oder Wattcgestepp ersetzt wird. Wer stch's etwa nicht gleich denken kann, wolle sich wenigstens durch einen Versuch mit den Augen überzeugen, daß Kinder sich nur da„blos- liegen" wo ihnen mit warmer, schlechter Luft und dichter Be- deckuna„die Hölle heiß gemacht wird," daß sie sich dagegen, wenn bei offenem Fenster schlafend, ohne aufzuwachen, in dem Maße unter die Decke verkriechen als die Außenluft kühler wird. „Wenn Du ihn unbeschuht läßt, ersparst Du Dir nur Lederkosten, ihm selbst aber einen Leichenzug von Uebeln"— mit diesen Zeilen warnt schon ein Jean Paul einen Vater vor der Eile, die Kinder mit dem„drückenden Schuh" und seiner unausbleiblichen Folge, dem mannigfaltigen Fußweh, bekannt zu machen. Wie wenig ihrer Natur diese Fcsselung zusagt, verrathen sie durch die„Unart", am liebsten barfuß zu gehen, welcher im Seedadelebcn erlaubte Ausnahmezustand nachher zu den fröhlichsten Erinnerungen gehört. Daheim quäle man die Knaben wenigstens nicht mit den allerdings hübsch aussehenden, aber durch ihr Gewicht belästigenden Stulpstiefetn, entnehme die Beschuhung auch nicht aus dem„über einen Leisten ge- schlagenen„Bazarvorrath", sondern lasse nach hygienischer Vor- schrift für jeden Fuß von ehrsamer Meisterschaft Maß nehmen. Gegen die unheilvollen Pfeifenstopfer- Absätze am weiblichen Echuh lehnte sich soeben löblicher Weise die tonangebende Pa- riser Mode selbst auf.— „Daß Ihr klettert, liebe Buben, Will ich Euch erlauben/ Warum solltet Ihr in Stuben Hängen wie Schlafhauben!" Mit diesem Verse erklärt ein Fr. Rückert die Neigung der Knaben für berechtigt, welche Gouvcrnantenwcisheit als„Gassen- iungentrieb" tadeln zu müssen glaubt, und so lange sie nicht dazu angehalten werden, treiben sie sich am liebsten ohne Kopf- drdcckung herum. Ilm das hier nachzutragen, so kann das Kopf- haar unbedenklich mit der Scheerc gekürzt werden, wenn immer die Augen oder das Wärmeaefühl davon belästigt werden, und muß die wissenschaftliche Hygiene die sogar von rinscrem jetzt größten Staatsmannc vertretene Regel, daß dies nur der abnehmendem Monde geschehen dürfe, als eitel Aberglauben verwerfen. Mit dem Schulbesuche beginnt eine Art„Dienst" mit einer solchen Reihe von möglichen Gcsundheitswidrigkeiten, daß vom hygienischen Standpunkte die unweigerliche Einstellung der gc- lammten Altersklasse von sieben Jahren unberechtigt, dagegen, wie bei Rekrutenaushcbung, eine förmliche Musterung noth. wendig erscheint, bei welcher die den Anforderungen dieses Erdbeben und ihre Ursachen. WaS uns so wunderbar ergreift bei dem Ereignisse eines Erdbebens sagt Humboldt, was den unaussprechlichen, tiefen und ganz eigenthümlichen Eindruck in uns zurücklaßt, ist vor Allem die Enttäuschung von dem angeborenen Glauben an die Ruhe und Unbeweglichkeit, das Starre der festen Erd- rinde. Von frühester Kindheit sind wir an den Kontrast zwischen dem beweglichen Elemente des Wassers und der Unbeweglichkeit des Äodens, auf dem wir stehen, gewöhnt und alle Zeugnisse unserer Sinne haben diesen Glauben defestigt. Wenn jetzt plötzlich der Boden unter uns wankt, so tritt geheimnißvoll eine unbekannte Naturmacht, das Starre bewegend, als etwas Handelndes auf. Ein einziger Augenblick vernichtet die Illusion des ganzen früheren Kann man es bei solchen Empfindungen dem armen Wen, schen verdenken, daS Bestreben, sich Vorstellungen von den Ursachen jener furchtbaren Naturereignisse zu machen und den Schleier, der diese geheimnißvollen Vorgänge bedeckt, zu lüften? Schon seit den, urältesten Zeiten versuchte sich der Menschliche Geist, wenn auch vergeblich, an der Löjung dieses Problems. Aber die nie rastende Naturwissenschaft die von kleinen Anfängen ausging und immer weitere Kreise ziehend auch immer schwierigere Fragen löste, wird wohl auch ge- uügende Erklärungen zu jenen räthselhaften Erscheinungen �er physikalischen Erdkunde finden. ,,,,,. Die nächsten Vorstellungen von der Ursache der Erd- Jtben, welche sich den Alten aufdrängten, wurzelten m der Annahme unterirdischer Stürme und Dämpfe. Aristoteles sagt:„DaS Leben der Erde hört nicht eher auf, bis zener Wind, welcher die Erschütterung verursacht, aus der Erd- rinde ausgebrochen ist. So ist es vor kurzem zu Heraltea im PontuS geschehen und vormals auf der äolischen Znscl Hiera." Ovid schildert den Vorgang eineS Erdbebens mit Hebung deS Bodens sehr anschaulich:„Einen schroffen oaumlosen Erdrücken sieht man bei Trözene. Einst war dort eine Ebene, nun erblickt man einen Berg. Die in Dienstes vermöge unzureichender Widerstandsfähigkeit noch nicht Gewachsenen, vorläufig zurückgestellt werden. Mit dieser Maß- regel würde ein großer Tbeil der gewöhnlich auf Rechnung der „Ucberdürdung" gesetzten Nothstände vorweg beseitigt werden. Das amtliche Schulwesen seinerseits arbeitet bereits mit Kraft an der Beseitigung der von mangelhafter Lü'tnng unhygienischer Sitzvorrichtung und dergleichen drohenden Gesundheitsstörungen, sowie überhaupt an lebhafterer Bethätiaung des„wsvs stm» in corpore sano" durch gleichzeitige Pflege der körperlichen Ausdiloung nach altklassischem Gymnafialvorbilde(nackend, in welchem Naturzustande die Gliederübungen vorgenommen wur- den). Aus dem Volke heraus sckundirt ihm die vom muthigen Düsseldorfer Amtsrichter Hartwich ins Leben gerufene Vereins- bildung, welche hoffentlich bald in allen deutschen Städten Vcr- tretung findet. Doch auch trotz dieses von außen her gegebenen Anstoßes fällt der Hauptanthcil an der„Pflege des stillen, stetigen Wachsthumes", wie Sondercgger sich ausdrückt, der elterlichen Zucht zu, namentlich was folgende Einzelheiten betrifft: 1. Verhütung des Schicfwuchses, Rückgratverkrümmung oder sogenannter hoher Schulter. Auch daheim muß das Schulkind seinen ordentlichen Platz und Sitz zum Arbeiten, am besten den auch am Eßtische und Klaviere denutzbaren Dr. Staffel'schen, von Kißling in Wiesbaden gefertigten Kreuzlehn- stuhl haben und die Mädchen überdies angehalten werden, die Röcke gleichmäßig vertheilt, nicht aber unter der linken Sitzfläche aufgebauscht zu lagern. 2. Verhütung der Flach- und Schmalbrüstigkeit als Disposition zu Lungcnspitzenschwindsucht, theils durch zeitweilige Unterbrechung der Sitzhaltung überhaupt, thells durch ausdrücklich auf Uedung des Athemorganes und Ausweitung des Brustkastens gerichtete, im Freien oder wenigstens am offenen Fenster vorgenommene Uebungen. Ein treffliches Mittel zu Schncllübung drcser Art von Zimmer- gymnastik bietet der clsässische Schuldirektor Largiadör mit seinem von Engler u. Weber in Stuttgart vertriebenen„Arm- und Bruststärker", ein Apparat, welcher einerseits die Heil- Wirkung des Gummi-Armstrongs, andererseits die der eisernen Hanteln nach Kloß in sich vereinigt, dabei aber die diesen Vor- richtungen anhaften Mängel, dort Leichtzerreißlichkeit, hier un« gemessene Stoßarbeit, vermeidet, sich auch zum Gebrauche für Mädchen besonders gut eignet. 3. Verhütung der Kurzsichtigkeit oder vielmehr der gewohnheitsmäßigen Spielerei mit der unblutigen Waffe des famosen Binokle's. Ist's zwar bei einmal vorhandener Kurzsichtigkeit— die aber Dank der von Seiten der Schule getroffenen Verhütungsmaßregeln immer seltener werden muß— besser, das Auge zu bewaffnen, als den Kopf zum Buche hinabzuneigen, so sollte dazu doch immer nur die altväterische Brille in die Hand gegeben werden, wo- gegen besagtes Binokle, wie der Augenschein lehrt, gar zu gern auch da, wo Bewaffnung völlig zwecktos, rein als Mittel zur Stutzerci benutzt wird.„Schon setzen diese Unglücklichen Brille und Kneifer gleichzeitig auf und sehen doch nichts Gescheites. Es wird die Zeit kommen, wo jeder Deutsche einen Opern- gucker auf der Nase tragen wird"— mit diesen Worten richtet Herr Hartwich einen ebenso gerechten als zeitgemäßen Vorwurf gegen das„Volk der Denker" und in der That überzeugt sich der hygienische Beobachter besonders bei akademischen Fcstauf- zügcn, daß unsere liebe Jugend Tank der elterlichen Nach- sichtigkeit das ihr Antlitz entstellende Binokle nicht wie einen Nothbchclf, sondern wie ein— Zubehör des„Wichses" Hand- habt, womöglich die ungesattelt getragene Nase als Bildungs- defekt bemitleidend! 4. Studentisches Kneip- und Paukwesen oder, wie Son- deregger sagt, handwerksmäßige Jovialität gehört von diesem Standpunkte so wenig zu den„berechtigten" Eigcnthümlich- leiten unserer Jugend, daß man erklären muß: ein hygienisch gebildeter Mediziner und Arzt kann nicht daraus hervorgehen, weil Luft-, Waffer- und Bewegungsscheu sich dem Leben in den Bier- und Tabakshöllen(eine Äerstäcker'sche Diagnose!) zwillingsschwesterlich hinzugesellen. Unseren vollen Beifall findet daher die vom Allgemeinen deutschen Burschcnbunde unter Ermunterung seitens akademischer Lehrer wie Professor Haeckel's, unternommene und auf Befreiung von der mittelalterlichen Zwingherrschaft des Korps-Kastcnunwesens, wie's die Jenenser Burschenschaft Alemannia nennt, ge- richtete Refcrmbewegung. Die Elternschaft ihrerseits sollte die von einem Lammcrs längst ausgesprochene Mahnung be- finstere Höhlen eingeschlossenen Dämpfe suchten vergebens eine Spalte als Ausweg. Da schwoll durch ihre Kraft der sich dehnende Boden wie eine luftgesüllte Blase, wie das Fell eines zweigehörnten Bockes. Die Erhebung ist dem Orte geblieben und der hoch emporragende Hügel hat sich im Laufe der Zeit zu einer nackten Felsmasse erhärtet." Die Dampfwolken ver süditalienischen Vulkane leiteten schon frühe auf die Annahme gewaltiger unterirdischer Feuer- Herde und die Vorstellungen der alten Griechen von der Unterwelt und dem Feuerstrom des Tartarus wurden sehr wahrscheinlich durch die Vulkane OberitalienS veranlaßt. Noch Dio CassiuS erzählt, eS seien Zyklopen gewesen, die aus dem Krater deS Vesuvs aufsteigend mit Posaunenschall die Städte Herculanum und Pompeji begruben. Zm Mittel- alter fabelte man von großen unterirdischen Lagern von Kohle, Schwefel und Salpeter, die in Brand gerathen und mit furchtbarer Macht explodiren sollten. Bald darauf lernte man die Elektrizität kennen und nun sollte diese durch ge- waltige blitzartige Schläge gegen die Wolken die Erd- erschütterungen veranlassen. Mehr Anhang gewann dann die Meinung, welche in diesen Erscheinungen Wirkungen unter- irdischer Brände erblickte und noch Leop. von Buch war Anfangs der Ansicht, daß in dieser Weise die Thätigkeit des Vesuv zu erklären sei. Erst in späterer Zeit hielt er die Ursachen der Erdbeben und der Vulkane für eine weit all- gemeinere und tieferliegendc. Humboldt stimmte dieser letzteren Meinung zu.„Elastische Flüssigkeiten", sagte er,„sind es gewiß, die sowohl daS leise, ganz unschädliche, mehrere Tage dauernde Zittern der Erdrinde, als die sich durch Getöse verkündenden furchtbaren Explosionen verursachen. Des Herd des UebelS, der Sitz der bewegenden Kraft, liegt tief unter der Erdrinde, wie tief, wissen wir ebenso wenig, als welche» die chemische Natur so hoch gespannter Dämpfe sei. An zwei Kraterrändern gelagert, am Vesuv und auf dem thurm- artigen Fels, welcher den ungeheuren Schlund des Pichincha bei Quito überragt, habe iq periodisch und sehr regelmäßig Erdstöße empfunden, jedes Mal 20 bis 30 Sekunden früher, als brennende Schlacken oder Dämpfe aus« herz, gen und aufhören,„die ungezogenen Lieblinge zu ver- hätscheln und auf alle Art zu verwöhnen." Um so bereitwilliger dagegen sollten Eltern sowohl als Gemeindewesen den sich bei einem andern Theilc unserer Jugend immer lauter regenden Sinn„ir Tun, erei Rudere!. Radlahrerei, Bewegungsspiclerei,(Croquet, Cricket, Lawntennis), an welch' letzterer sich auch die Madchenwelt beiheilige, wecken und fördern helfen. S. Das Tanzvergnügen stellt zumal bei der sich ihm in gesundheits-, besonders athcmwidrigcr Brklcidung hingebenden Mädchenwelt eine ebenso ungewöhnliche Anstrengung dar, wie beim JünglingederSoldatendiensi Da mandie an einem Ballfeste im Rundschiitte durchgemessene Strecke auf gut drei Meilen in der Länge veranschlagen muß, so erscheint vorherige Musterung und „Zurückstellung" der dieser Arbeit nicht Gewachsenen als dringende Eltern- und Toktorpflicht. Außerdem verfehlt die Mumenweisheit nicht, die Reihe der damit verbundenen Ge- sundheitswidrigkeiten(Schnürung, Ueberanstrcngung, Staub- einathmung) noch durch das finstere Verbot des dringend be- gehrtcn Trunkes um eine böse Nummer zu vermehren. Wie jetzt endlich schon beim Militär Wassertrinken auf Märschen nicht mehr ver-, sondern vielmehr geboten wird, wie sich, wenn der allerdings unzart klingende Vergleich gestattet, aller Orten Schutzvereine zur Tränkung der abgehetzten Zugthiere zusammen- thun, so sollte, wenn nun einmal getanzt werden daif, auch in Ballsälcn für hygienische Ausgleichung der Strapaze durch reichliche Spcndung frischen Lavetrunkes Sorge getragen werden.— Kokales. Ueber den Vertrieb von Kunstbutter liegt dem Reichs- tage ein Gesetzentwurf vor, auf den wir, da der Gegenstand viele unserer Leser intcreisircn dürfte, hier ausführlicher zurück- kommen wollen. Der Entwurf lautet:§ 1. Die Geschäftsräume und sonstigen Verkaufsstellen einschließlich der Markt- stände, in welchen Kunstbutter gewerbsmäßig verkauft oder feil» gehalten wird, müssen an in die Augen fallender Stelle die deutliche nicht verwischbarc Inschrift:„Verkauf von Kunstbutter" tragen.—§ 2. Die Gefäße und äußeren Umhüllungen, in welchen Kunstbutter gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten wird, müssen an in d«e Augen fallender Stelle eine deutliche nicht verwischbare Inschrift tragen, welche die Bezeichnung „Kunstbutter" enthält. Wird Kunstbutter in ganzen Gebinden oder Kisten gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten, so hat die Inschrift außerdem den Namen oder die Firma des Fabrikanten zu enthalten. Wird Kunstbutler in einzelnen Stücken gcwcrbs- mäßig verkauft oder feilgehalten, so müssen die letzteren von rechteckiger Form sein; auch muß denselben eine die Bezeichnung „Kunstbutter" und den Namen oder die Firma des Verkäufers enthaltende Inschrift eingedrückt sein, sofern sie nicht mit einer diese Angaben tragenden Umhüllung versehen sind. —§ 3. Kunstbuttcr im Sinne dieses Gesetzes sind diejenigen der Milchbutter ähnlichen Zubereitungen, deren Fett- gehalt nicht ausschließlich der Milch entstammt. Die Vor- schriften dieses Gesetzes finden auf solche Erzeugnisse der im Absatz 1 bezeichneten Art, welche zum Genuß für Menschen nicht bestimmt sind, keine Anwendung.—§ 4. Zuwiderhandlungen gegen die Vo-schriften der|S 1 und 2 werden mit Geldstrafe bis zu einhundertfünfzig Mark oder mit Haft be- straft. Neben der Strafe kann aus Einziehung der diesen Vor- schriften zuwider verkauften oder feilgehaltenen Gegenstände er- kannt werden, ohne Unterschied, ob sie dem Vemrtheilten ge- hören oder nicht. Ist die Verfolgung oder Verurtheilung einer bestimmten Person nicht ausführbar, so kann auf die Ein- ziehung selbstständig erkannt werden.— 6 5. Die Vorschriften des Gesetzes, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmuteln, Ge- nußmitteln und Gebrauchsgegenständen, vom 14. Mai 1879 (Reichs- Gesctzdl. S. 145) bleiben unberührt. Die Vorschriften in den§§ 16 und 17 desselben finden auch bei Zuwiderhand- lungen gegen die Vorschriften des gegenwärtigen Gesetzes Anwen- dung.—§ 6. Das gegenwärtige Gesetz tritt am 1. Juli 1887 in Kraft.— Ter Begründung der Vorlage entnehmen wir die folgenden auch für weitere Kreise interessanten Er- örterungen:„Die Kunstbutter steht hinsichtlich ihres Ztährwerthcs hinter der reinen Milchbutter nicht wesentlich zurück, nur wird sie als etwas schwerer verdaulich betrachtet. Fälle, in denen der Genuß der Kunstbuttcr Erkrankungen zur Folge gehabt hat, find bisher nicht bekannt geworden. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, daß im Falle der Verwendung des Fettes gestoßen wurden. Die Erderschütterung war um so stärker, als die Explosionen später eintraten und also die Dämpfe länger angehäuft blieben." Zn dieser einfachen Erfahrung des großen Reisenden liegt die allgemeine Lösung des Problems und lange erfreute sich diese Hypothese des leb- haften Beifalls der Geologen. Nach und nach machten sich aber verschiedene Bedenken gegen diese vulkanische Theorie geltend und schon Necker sprach die Zdee aus, daß manches lokale Erdbeben durch den Einsturz unterirdischer Hohl- räume, die durch Auflösung von Steinsalz, Gyps.ic. oder durch Auswaschung entstanden seien, hervorgerufen wür- den. Volger hat diese Hypothese besonders aus- gebaut, und eine vorurtheilsfreie Betrachtung kann nicht leugnen, daß in der That durch den Einsturz unterirdischer Höhlen Erdbeben entstehen könne» und wirklich entstanden sind. Man hat sich neuerlich vielleicht etwas gar zu skeptisch und ablehnend gegen die Einsturzhypothese verhalten, die auf verkarstete und höhlenreiche Gegenden— wie nach Fraas aus die Länder am Zordan und auch auf das Walliser Rhonethal doch wohl gut anwendbar sein dürfte. Diese Erschütterungen, in welcher Art sie auch auf- treten mögen, gehören zu den furchtbarsten Naturereignissen welche der Mensch erfahren kann. Zn vulkanischen Gegenden sind solche Vorkommnisse ganz gewöhnlich, sie kommen z.B. m Chili und Japan fast täglich vor und sind überhaupt eine weit häufigere Erscheinung, als man gemeiniglich glaubt wie denn auch A. v. Humboldt der Ansicht ist, daß zu keiner Zeit die innere Thätigkeit der Erdrinde vollständig aufhöre, daß vielmehr an einem oder anderen Orte diese Aktion un- unterbrochen sich geltend mache. Wenn die Erdbeben statistiker ziemlich für jedes Jahr eine Zunahme der beobachteten Erd- stoße erkennen lassen, so darf aus diesem Umstände nicht aus eine wirtliche Vermehrung solcher Vorfälle, sondern nur auf eine Vermehrung der Beobachter und auf eine er- höhte Aufmerksamkeit dieser letzteren geschlossen werden. Nach den heutigen Erfahrungen läßt sich erkennen, daß kein Land der Erde sich einer absoluten Immunität den Erdbeben gegenüber rühmen kann, obgleich natürlich Ironfer oder gefallener Thiers die Kunstbutter gesundheitsschäd- liche Eigcnschaiten annehmen kann. Bei gewissen Krankheiten der Thiere(Dtilzbrand, Rauschbrand des Rindes, Stäbchen- rvthlauf der Schweine, Pyämie und andere mehr) erleide! das Fettgewebe erfahrunpsmäßig Veränderungen, welche den®e> nutz desselben gefährlich machen können und die bei der Kunst- butterfabrikation stattfindende Verarbeitung des Fettes ist rricht geeignet, demselben diese schädliche Beschaffenheit Ist! nehmen. Auch der Uebcrgang thierischcr Parasiten in die Kunfibuttcr liegt, namentlich bei mangelhafter Befreiung des Robfettes von dem Muskelgewebe, nicht außer dem Bereich der Möglichkeit. Allein diese Gefahren sind nicht auf die Kunstdutteriabrikation beschränkt; sie bestehen vielmehr in gleichem, zum Theil in erheblich höherem Maße auch bei jeder anderen Verwendung des Fleisches und Fettes kranker Thiere zum menschlichen Genuß. Es kann daher aus denselben nicht Veranlassung genommen werden, die Fabrikation der Kunstbutter für sich allein in sanitätspolizeilicher Hinsicht be- sonderen Einschränkungen zu unterwerfen. Um so mehr dagegen erscheint es vom wirthschaftlichen Standpunkt aus erwünscht, für den Verkehr mit Kunslbutter eine Regelung eintreten zu lassen. Die Verhinderung oder Erschwerung der Fabrikation wird hierbei nickt als Ziel zu nehmen sein. Es handelt sich um einen neuen Produktionszweig von dedeutendem Umfange. Die Nachtheile, welche mit dem Kunstbutterhandel verbunden sind» beruhen vornehmlich daraus, daß diese Waare nicht unter der ihrem Wesen entsprechenden Bezeichnung, sondern als Milchbutter in den Handel gelangt. Hierdurch wird das kaufende Publikum geschädigt, indem es für den Preis der Milchbutter eine Waare von geringerem Wcrthe erhält. Vor allem aber erwächst daraus der Landwitthschaft, insbesondere dem Molkereiwcsen, eine fraudulöse Konkurrenz. Denn da die Kunstbutter minderwetthig und erheblich wohl- feiler herzustellen ist, als die Milchbutter, so wird der Preis der letzteren mit Nothwendigkeit herabgcdrückt, wenn Kunstbutter unter der Bezeichnung als Milchbutter auf den Markt gelangt. Hierzu tritt, falls die Kunstbutter in dieser Weise, sei es unver- mischt, sei es in der Vermischung mit Milchbutter, auch exvortirt wird, der weitere Nachtheil, daß der Ruf der heimischen Milch- butterproduktion im Auslande leidet. Dies kann leicht dahin führen, daß die bisherigen Absatzgebiete verloren gehen, in jedem Falle aber erschwert es den Absatz der deutschen Milckbutter auf dem ausländischen Markte und ist geeignet, eine Herab- setzung der Preise derselben herbeizuführen. Für die deutsche Mollerei ist der Export von erheblicher Bedeutung, wie sich daraus ergiebt, daß in den Jahren 1882,34 gegenüber einer Gcsammteinfuhr an Butter, einschließlich der Kunstbutter im Betrage von 13 343 200 Kilogramm, die Ausfuhr auf 37 831 200 Kilogramm sich belaufen hat." Keine geringe Freude brachte für die Berliner Kinder der Schneefall am Montag. Zwar gestaltete sich das blendende Weiß in den belebteren Straßen der Stadt und unter dem gegenwärtig bedeutend gesteigerten Wagenverkehr bald j|U einem schmutzigen und schlüpfrigen Grau, aber in den wenrgcr ver« kehrsreichen Gegenden und namentlich auf den Promenaden längs der Wasserläufe begann gegen Abend mit dem Eintreten eines leichten Frostes ein buntes Leben. Hunderte von kleinen Schlitten kamen aus allen Richtungen herbeigefahren und in kindlicher Ausgelassenheit tummelte sich das kleine Volk bis spät zum Abend.— Auch vermehrte Arbeitsgelegenheit bat der Schneefall geschaffen. Die Pferdedahn stellte bereits am Montag früh zahlreiche Arbeitskräfte ein zur Reinhaltung der Geleise und dieser Maßnahme ist es hauptsächlich zu danken, daß der Pferdebahndetrieb trotz des Schneefalls im Allgemeinen keine erheblichen Störungen erlilt. Auch die städtische Straßenrcini- gung war zur Anstellung von Hilfskräften genöthigt, um die Hauptverkehrsstraßen rein zu halten, was für einige hundert bis dahin Arbeitsloser einen, wenn auch nur geringen, so doch zu Weihnachten jedenfalls sehr erwünschten Verdienst ein- trägt. Die Depots der Strahenreinigung waren gestem von den frühesten Morgenstunden an von einer dichten Menschen- menge belagert, welche wegen des Schneefalls Beschäftigung nachsuchte, die sie zum größten Theil auch fand. Auch einige Frauen hatten sich eingefunden, um sich zur Straßensäuberung zu melden, mußten aber trotz ihrer Bitten zurückgewiesen werden, da die städtische Straßenreinigung Frauen nicht anstellt. Der Polizeipräsident erläßt folgende Bekanntmachung: Während der letzten Jahre ist es vorgekommen, daß in der Sizlresternacht Personen ihrer Feststimmung durch Schießen aus den Fenstern Ausdruck gegeben haben. Das Polizeipräsidium nimmt beim Herannahen des Jahresschlusses Veranlassung, vor dergleichen Unfug mit dem Bemerken zu warnen, daß die Ezekutivbcamten angewiesen find, gegen Cxzedenten energisch einzuschreiten. Zugleich wird daraufjhingewiesen, daß infolge der staatSministericllen Anordnungen vom 16. September d. I. in Berbinduna mit§ 28 des Reichsgcsetzes gegen die gemein- gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 die Exzedenten sich der Gefahr aussetzen, wegen Fühnmg einer Waffe ohne Waffenschein mit Geldstrafe bis zu 1000 M. oder mit Haft oder mit Gefängniß bis zu 6 Monaten, ganz abgesehen von den Strafen des groben Unfugs, bestraft zu werden. die einen mehr, die anderen weniger häufig und stark be- troffen werden. Im Alterthume hielt man, gestützt auf die Autorität des Dichters Pindar und des Naturhistorikers Plinius II. die Znsel Delos, Egypten und Gallien für erdbebenfreie Gebiete. Eine Ansicht, die jedoch schon Sencca als falsch verwarf. Viele Erdbeben werden von Schall- Phänomenen, unterirdischem Getöse und Donnern angezeigt und begleitet, doch sind solche Phänomene nichts weniger als untrügliche Vorboten. So weiß man, daß in der Nähe der mexikanischen Bergstadt Guanaxuato sich hier und da ein furchtbares unterirdisches Gebriill vernehmen läßt, welches aber noch niemals von wirklichen Stößen gefolgt war. Daß meteorologische Anomalien mit Erdbeben Hand in Hand gingen, ist zwar nicht selten behauptet, aber niemals bewiesen worden. Kaum besser steht es mit den Versuchen, astronomische Vorgänge wit Erdbeben zu parallelisiren und für letztere eine periodische Wiederkehr zu cruiren. Außer den„Erdbeben" kennen wir auch sogenannte „Seebeben", doch sollten derartige Seebeben im engeren Sinne, strenge genommen, nicht zusammengeworfen wer- ben mit den gigantischen Finthen, welche im Gefolge «weg jeden litoralen Erdbebens aufzutreten pflegen. Zndeß kann diese Unterscheidung wohl nur in den seltensten Fällen gemacht werden.„Wird durch ein starkes Erdbeben," sagt von Sonklar,„gleichviel ob dessen Zentrum nahe an der Küste oder von derselben entfernt, immer aber im Bereiche deS Meeres liegt, der Boden des letzteren heftig erschüttert so wird der Gleichgewichtszustand der Wassermasse plötzlich .und, je nach der Stärke der Erderschütterung, nicht selten in einem Grade gestört, der für die Küsten und die Menschen, d«« da wohnen, von den zerstörendsten Folgen begleitet ist. Das Meer gcräth in eine heftige, oszillirende Bewegung, die alle Tiefen desselben ergreift, sich durch eine der ge- wohnlichen Fluth ziemlich nahe kommende Geschwindigkeit der Fortpflanzung, sowie durch eine radiensörmige Aus- breitung nach allen Richtungen hin bis zu den entferntesten Gestaden des betroffenen Meeres auszeichnet." Eine ärztliche Studie über das unmäßige Rauchen enthält der XI. Band der„Chaits-Annalen". In demselben berichtet Professor Dr. Fräntzel über sogenannte idiopathische Herzleiden, und zählt dazu auch die Erkrankungen des Herzens nach übermäßigem Rauchen. Dieselben äußern sich vorzugs- weise in beschleunigter, unregelmäßiger Herzthätigkeit, und führen zu quälenden Beschwerden: Unruhe in der Herzgegend, Kurzathmigkeit, Mattigkeit, Schlaflosigkeit zc. Forscht man nach den Ursachen, so erfährt man ziemlich leicht, daß die Kranken leidenschaftliche Raucher sind. Sie rauchen nicht gerade sehr nikotinreiche, sondern starke, aus der Havanna imvorlirte Zigarren. Oft 20 Jahre und länger wird dies Rauchen gut veittagen, wenn auch allmälig immer mehr und immer feinere Zigarren gewählt werden. Dann stellen sich die Herzbeschwerden ein, welche rasch die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen. Sehr selten sieht man ähnliche Beschwerden allmälig bei Leuten sich entwickeln, die gewöhnliche Zigarren in ungewöhnlicher Menge, selbst achtzehn Stück täglich, geraucht haben. Nach übermäßigem Genuß von Zigaretten find derartige Herzbeschwerden noch nickt beobachtet worden, wenngleich es feststeht, daß auch hierdurch gewisse Krankheitserscheinungen erzeugt werden können. Selten sind die Kranken unter 30 Jahren, am häufigsten in den 40er und öOer Lebensjahren.„Wer mit 60 Jahren noch die schwersten Havanna-Zigarren raucht, raucht sie in der Regel bis zu seinem Lebensende. Es erregt ein gewisses Erstaunen, daß so viele Menschen bei zunehmendem Alter aufhören zu rauchen. Fast immer ergiebt sich, daß es Beschwerden des Herzens gewesen find, welche den Einzelnen veranlaßt haben, das Rauchen einzustellen. Entschließt sich der Leidende zu raschem Aufgeben des Rauchens, so ist die Krankheit oft wie abgeschnitten; in anderen Fällen dauert es längere Zeit, ehe das Herz wieder regelrecht arbeitet. Jedenfalls ist die Erkran- kung nicht von dem Nikotingehalt der Zigarren abhängig. Zum Trost für leidenschaftliche Raucher sei gesagt, daß ihnen nach längerer vollständiger Entsagung jeden Tagaksgenusses mäßiges Rauchen von in Deutschland fabrizirten Zigarren aus Havanna- Tabak gestattet werden kann. Nach den bisherigen Erfahiun- gen geben aber diese Kranken nach einiger Zeit das Rauchen von selbst auf. Das Polizeipräsidium erläßt unterm 18. Dezember folgende Bekanntmachungen: Mit Bezug auf die Polizeiverord- nungen vom 26. März 1870, betreffend die Räumungstcrmine beim Wohnungswechsel, wird für den bevorstehenden Wohnungs- Wechsel zur öffentlichen Kcnntniß gebracht, daß der nach§ 3 des Gesetzes vom 30. Juni 1834 am 3. Januar k. I. beginnende Umzug bei kleinen, aus höchstens 2 Zimmern mit Zubehör be- stehenden Wohnungen an demselben Tage, bei mittleren, aus 3 oder 4 Zimmern mit Zubehör bestehenden Wohnungen am 4. Januar, Mittags 12 Uhr, bei großen Wohnungen aber am 5. Januar, Mittags 12 Uhr, beendigt sein muß.— Tie auf Grund der von dem Herrn Ober Präsidenten der Provinz Branden- bürg unter dem 9. Februar d. I. dem Apotheker August Ehr- Hardt crtheilten Genehmigung in dem Hause Koloniestraße 1 eingerichtete Apotheke ist nach vorschriftsmäßiger Revision heute eröffnet worden. Wieviel geborene Berliner giebt es? Die letzte Zählungsstalistit hat, wie die„Statistische Korresp." mittheilt. ergeben, daß es überhaupt im ganzen preußischen Staat nur 654 522 geborene Berliner giebt. Davon halten sich 557 226 oder 88,1 pCt. in Berlin selbst auf. Die übrigen 97 296 Berliner find in andere Theile des Staates ausgewandert. Dafür aber sind 758 071 Nichtberliner in Berlin selbst eingewandert und haben daselbst gegenüber den geborenen Berlinern die große Mehrheit erlangt. Tie Frequenz in den städtischen höheren Lehranstalten ist in einer auffallenden Abnahme begriffen, ttotzdem die Bevölkerung zunimmt und neue Lehranstalten und Klassen eröffnet werden. Im vergangenen Jahre sind in diesen Anstalten 9170 M. Schulgeld weniger eingekommen, als der Etat ange- nommen hatte. Diese Mindereinnahme wird noch dadurch ver- größert, daß viel mehr Schulgeld zurückgezahlt ist als in früheren Jahren. Ganz besonders auffällig ist, daß die Schülerzahl auch noch gegen das vorige Jahr abgenommen bat. Der Rcchnungsausschuß, der sich in seiner Prüfung der JahreSrechnungcn auck mit diesem Gegenstande beschäftigt hat, hat beschlossen, beim Magistrat anzufragen, ob besondere Gründe für die zum Theil recht erhebliche Abnahme der Frequenz vor- liegen. Der Luxus in den großen Geschäftsläden, wie er zur Weihnachtszeit entfaltet wird, ist auch in diesem Jahre ein wirklich großartiger. In einem recht auffälligen Gegensatze aber zu den Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten, welche solche großartigen Geschäfte ihren Kunden beim Besuche ihres Verkausslokals bieten, steht das Geschäftsgcbabren sehr zahl- reicher Inhaber von kleineren und mittelgroßen Geschäften, vor allen Dingen aber in der Kolonialwaaren- und in der Eisen- waarenbronche. Der Ofen oder eine andere Heizvorrichtung scheint in den meisten dieser Geschäftslokale zwar nicht unbe- kannt,— denn die Eisenhändler verkaufen ja selbst diese an- genehmen Wärmespendcr— aber nirgends in Funktion zu sein; allenfalls ist das kleine Komptvirstübchen de? Eheis behaglich geheizt. In solchen Läden herrscht eisige Kälte, überall sieht man nur offene Thüren, auch die große Eingangsthür Untrügliche Anzeichen der Erdbeben giebt es nicht. Alles, was ältere Arbeiten über dieselben berichten, ist irrthümlich und bezieht sich auf zufälliges Zusammentreffen ursächlich fremdartiger Erscheinungen. Ebensowenig sind die neuer- dings geübten Prophezeiungen über Erdbeben auf bestimmte Orte zu beachten, da sie meistens auf ganz unhaltbaren Hypothesen beruhen. Wie wir vorher schon sahen, sind die Erdbeben Er- schütterungen, welche von einem in dem Inneren der Erde gelegenen Orte(Zentrum) ausgehen. Die sich fortpflanzende Bewegung erreicht zuerst den senkrecht über dem Ausgangs- orte gelegenen Theil der Erdoberfläche(das Epizentrum). An den Orten die auf der Erdoberfläche vom Epizentrum entfernt liegen, kommt die vom Zentrum ausgehende Er- schütterung um so später und in so schrägerer Nichtung an, je größer die Entfernung vom Epizentrum ist. Die Fori- pflanzungsgeschwindigkeit der Erdbebenwelle ist eine verschie- dene, von der Qualität der Heftigkeit des Stoßes, sowie vom Gesteinsmaterial, in welchemsie sich abspielt, abhängige. Durch einen jähen Wechsel des Gesteins, etwa beim Auf- treten fester Felsen, umgeben von lockcrem Sande, können inselartige Ruhepunkte, innerhalb eines erschütterten Gebietes entstehen. Experimentell hat Mallet die Fortpflanzungsge- schwindigkeit bei Erschütterungen studirt. Ob Eleftrizität und Magnetismus in irgend welcher ursächlichen Beziehung zu den Erdbeben stehen, da? wissen wir nicht mit Bestimmtheit. Kurz vor dem Lissaboner Unglück sollen zwar in verschiedenen physikalischen Kabineten Euro- pas die Anker von den Hufeisenmagneten abgefallen sein, welch' letztere sonach plötzlich an ihrer Anziehungskraft eingebüßt haben müßten. Dem gegenüber behauptet A. Bertrand bestimmt, es gebe keine magnetische Vorzeichen und die Un- ruhe der Deklinationsnadeln während des Aktes selber sei eine ganz mechanische Folge des Stoßes. Ouetelet will da- gegen die— seltenen— Erdbeben Belgiens stets von elek- irischen und magnetischen Unregelmäßigkeiten begleitet ge- funden haben. (Schluß folgt.) steht gewöhnlich weit offen, dafür ist aber der Eingang eng verbaut mit allerlei Verkaufsartikeln, die, während sie den Ein- tritt hindern, doch dazu einzuladen bestimmt sind. Wehe Jedem, der vom Laufen erhitzt, ein solches Lokal betritt. Tie eifigs Kälte des Fußbodens und die durch die offenstehenden Thören erzeugte Zugluft können auf der Stelle die schlimmsten Folgen haben. Und nun gar erst die in solchen Geschäften thätigen jungen Leute! Man sehe sich nur einmal diese von der Kälte oft ganz unförmlich aufgetriebenen Hände an! Ist es denn noch menschlich, junge Leute in der Kälte so zu beschäftigen, während der Herr Chef gemüthlich warm sitzt? Zugegeben, daß nicht für alle Geschäftsräume sich die Heizung empfiehlt aus Rückficht auf die Waaren, aber der Raum, in welchem das Publikum verkehrt und in dem das Abfertigungspersonal thätig ist, kann in jedem Geschäfte geheizt sein. Wozu auch dieses anreißermäßige Aufstehen der Ladenthüren? Das Publikum sollte grundsätzlich den Besuch solcher Geschäftsläden vermeiden, das wäre das sicherste Mittel, diesem Unwesen wirksam cnt- gegen zu treten. Kein Geschäftsmann kann verlangen, daß seine Kunden sich bei ihm der Gefahr einer bösartigen Er- kältung aussetzen. Für Liebende ist die Zeit vor Weihnachten in gewissem Sinne eine gefährliche Epoche. Wie oft hört man die Klage einer verlassenen Schönen:„Das ganze Jahr hindurch hat er mir Liebe geheuchelt, und vierzehn Tage vor Weihnachten „schnappt" das Ungeheuer." Dieses„Schnappen" vor Weih- nachten, dem frohen Fest der Geschenke und Aufmerksamkeiten, pflegt in gewissen Kreisen epidemisch zu sein, und nie ist die kleine Konfektioneuse ihrem„Vcrhältniß" gegenüber nachgiebiger und liebenswürdiger, nie sucht sie einem Streit so behutsam auszuweichen, als vor dem Fest, an welchem es sich heraus- stellen muß, wie wcrth und„theuer" sie ihm ist. Eine recht drollige Art. Präsente zu machen, hat übrigens der Reisende S, eines hiesigen Seidenplüschgeschäftes. Derselbe verehrt seiner zeitweiligen Poussade stets eine Nähmaschine. Ties ist gewiß ein nützliches und werthvollcs Weihnachtsgeschenk, gewisser- maßen ein wichtiges Stück für die zu begründende Wuthschaft. Vorsicktigerwcise hat jedoch der praktische Jünger des Merkur die Maschine nur auf Abzahlung entnommen, und so bald es zwischen ihm und seiner Vielgeliebten zum Bruck kommt, hören seinerseits mit den Liebesschwüren auch die Ratenzahlungen auf und die Kleine muß nun weiterzahlen, wenn sie ihre liebe Maschine nicht einbüßen will. Auch giebt es, so unglaublich es klingen mag, eine große Anzahl„Drückeberger", welche kurz vor Weihnachten oder Neujahr ihr Stammlokal oder ihre gewohnte Barbierstube mit einer anderen vertauschen, um der Neujahrs- spende aus dem Wege zu gehen, zu welcher der Kellner oder Barbiergehilfe durch unzählige kleine im Laufe des Jahres ge- leistete Dienste berechtigt ist. Im Porortsverkehr von Berlin treten vom 1. Januar k. I. folgende, zum Theil sehr erhebliche Fahrplanändeningen I ein. Der Frübzug Nr. 703 wird vom Schlesischcn Bahnhof um 4,50 abgelassen und trifft 5,15 in Köpenick, 5,20 in Rahnsdorf ein. Zug 705 verläßt Charlottcnburg Morgens um 5,39, Zoologischen Garten 5,44, Friedrichsstraße 5,53, Alexanderplatz 5,59, Schlesischer Bahnhof 6,6 und trifft in Stralau-Rummels- bürg 6,11, Kietz-Rummelsburg 6,15, Sadowa 6,26, Köpenick 6,31 und in Friedrichshagen 6,36 ein. Zug 707 fährt Morgens von E Herl Ottenburg um 6,22 ab, vom Zoologischen Gatten 6,26, Friedrichsstraße 6,39, Alexandcrplatz 6,47, Schlesischer Bahn- Hof 6,57 und trifft in Stralau- Rummelsburg um 7,2, in Kietz- Rummelsburg 7,6, Sadowa 7,17, Köpenick 7,22, Friedrichehagen 7,28, Rahnsdorf 7,34, und in Erkner um 7,42 ein. Unter Berücksichtigung der gedachten Zwischenstatioren und der fast gleichen respektive» Fahrzeiten sind noch folgende Züge verändert: Nr. 731 ab Charlettenburg Abends 6,5, an Lichtenberg- Friedrichsfelde 6,49; Nr. 733 ob Chorlottenburg Abends 6,17, an Friedrichshagcn/ 7,16; Nr. 735 ab Chorlottenburg Abends 7,14, on Erkner 8,30. Auch die Rückkohriszüge sind verändert und zwar folgender- 1 maßen: Nr. 704 ab Friedrichshagen 5,34 früh, von Charlottenburg 6,55; Nr. 706 ab Erkner 6,28 früh, an Charlottenburg 7,43; Nr. 70s ab Friedrichehagen 7,10, an Charlottcnburg 8,7; Nr. 710 ab Erkner 7,55 früh, an Charlottenburg 9,10; Nr. 738 ab Erkner 7,56 Abends, an Schlesischer Bahnhof 8,42.— Von demselben Tage ab wird der um 6,3 Abends vom Bahnhofe Friedrichstraße nach Sorau abfahrende Personenzug Nr. 13 um 6,50 in Friedrichshagen zum Absetzen von Reisenden halten. Gastrolle eines Damenkomikers. Im verflossenen Mo- nat machte ein Herr I. Abends die Bekanntschaft einer jungen Dame, welche sich auf seine Einladung bestimmen ließ, ihn nach seiner Wohnung zu begleiten. Hier klagte die Dame, welche verschleiert blieb, über Unwohlsein und verfiel in Wein« krämpfe, so daß der Inhaber der Wohnung froh war, als sie sich nach kurzem Aufenthalt entfernte. Unmittelbar darauf vermißte er seine eoldene Uhr nebst Kette im Werthe von mehreren hundett Mark. Die von dem Vorfall in Kcnntniß geletzte Kriminalpolizei wurde durch die Umstände, unter welchen der Diebstahl ausgeführt ist, zu der Annahme gebracht, daß die Person, welche dem I. in seine Wohnung gefolgt ist, ein als Frau verkleideter Mann war. Diese Vermuthuna hat sich auch als begründet erwiesen, denn in der Person des Damenkomikers 91. welcher nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf den Straßen in Frauenkleidcm sich zu bewegen pflegt, ist der Dieb ermittelt und verhaftet worden. Um wie viel steigt die Charlottenburger Chaussee vom Brandenburger Thor bis zum Steuerhause an der Charlotten« burger Grenze? Diese der„Staatsb. Ztg." aus ihrem Leser- kreise zugegangene Anfrage beantwortet das genannte Blatt nach Auskunft von zuständiger Seite dahin, daß das Pflaster vor dem Brandenburger Thor in einer Höhe von 34 Meter 88 Zentimeter über dem Normal-Nullpunkt, als welcher der Pegel von Amsterdam gilt, liegt. Vom Brandenburger Thor ab fällt die Charlottenburger Choussee bis zum großen Stern ganz wenig— bis zur Siegesallee beträgt das Gefälle 26 Zentimeter—, um dann auf das Steuerhaus zu in gleiche» Weise zu steigen. Am Steuerhause befindet sich ein vom Ge- ralstab errichteter eiserner Höhebolzcn, dessen Höhe über dem Normal-Nullpunkt 35 Meter 13 Zentimenter beträgt. Zwischen dem Höhebolzen und dem Straßenniveau ergiebt sich noch eine Differenz von etwa 30 Zentimeter, so daß das Niveau der Chaussee ungefähr 34 Meter 83 Zenitmeter über Null gelegen ist. Die Höhenlage des Psiasters vor dem Brandenburger Thor und der Chaussee am Steuerhause würde also ungefähr nur 5 Zentimeter bettoaen. Jugendliche Taschendiebin. Am Montag, dcn l3. d. M, Abends gegen 9 Uhr, wurde ein junges Mädchen dabei bc- treffen, wie sie zwischen der Friedrichs- und der Herkulcsbrückc, vor einer Bude stehend, in welcher warme Schmalzkuchen ver- obreicht wurden, einem anderen ca. 20jährigen jungen MädcbeN das Pottemonnaie aus der Manteltasche entwendete. Es ist von Interesse, den Nomen der Bestohlenen zu erfahren und wolle dieselbe sich in den Vorwtttagsstunden im Kriminal* Kommissattat, Molkenmarkt 1, 2 Treppen, Zimmer Nr. 77, melden. Die berüchtigten wilden Männer und Einbrecher Krüger und Letzin, von denen sich ersterer zur Zeit im Unter« suchungsgefängnisse in Mainz, letzterer in der städtischen Irrer« anstatt zu Dalldorf befindet, werden demnächst trotz ihrer genchtlich festgestellten und ausgesprochenen Geistesgestöttbell vor Gericht als Zeugen vernommen werden. Wegen der über« aus zahlreichen Einbrüche, die beide begangen hoben, könne» sie infolge ihrer wirklichen oder fimulitten Unzurechnungs- sähigkeit strafrechtlich nicht verfolgt werden; dagegen schweb» beim Landgericht II ein Strafverfahren gegen drei ihrer ver« muthlicken Hehler, den Kaffenbotcn Preß, den„Arbeiter' Schulz und den Schlächtergesellen Kagermann. In er»« früheren Hauptverhandlung beantragten die drei Angeklagten die Vertagung und Vorladung des Krüger und des Letz in; der Gerichtshof gab diesem Antrage statt und beschloß die Ladung. Gestern sollte die Schlußvcrhandlung stattfinden; der Vorsitzende theilte aber mit, daß die Ladung unterblieben sei, weil nach amtlicher Auskunft seitens des Landgerichts I die beiden vorgeschlagenen Zeugen geisteskrank und daher nicht vernehmungsfähig seien. Die Vertheidiger bestanden aber auf dieser Vernehmung, selbst auf die Gefahr hin, daß dieselbe un- eidlich vernommen erfolaen müsse. Ilm keinen Revistonsgrund zu schaffen, gab der Gerichtshof nach, und so wurde die Sache verlagt und die Ladung der beiden wilden Männer beschlossen. Es sei hier noch erwähnt, daß Krüger eines Tages in Frank- furt im Gcfängniß einen vereitelten Versuch, sich zu tödten, gemacht hat. Zehntausend Schlosser sind jetzt ungefähr in Berlin ohne Beschäftigung. Für diese Handwerker ist zwar wegen der ge- ringeren Bauthütigkcit der Winter immer schlechter als der Sommer, aber so traurig, wie setzt, find die Verhältnisse Jahre lang nicht gewesen. Viele Fabriken haben die Zahl der Schlosser auf die Hälfte verringert. Nur ca. die Hälfte dieser Arbeiter haben gegenwärtig Beschäftigung. Witterung im November. Warm, trübe, regnerisch und doch niederschlagsarm waren die Lmuptmerkmale der Witterung des verflossenen November. Tie Mittcltemperatur des Monats wies, wie wir der soeben erschienen Nummer der„Statistischen Korrespondenz" entnehmen, in den nordöstlichen Landestheilen einen Ucberschuß von drei Grad gegen die normale auf; der- selbe verringerte sich zwar nach Südwesten hin, betrug aber auch dort immer noch über einen Grad. Die Bewölkung war aller Orten eine große; mehr als die Halste der Tage waren trübe, viele davon neblig, und an der Mehrzahl der Stationen ist höchstens ein heiterer Tag verzeichnet worden. Die meisten Tage zeigten Neigung zu Niederschlägen, fast durchgängig von flüssiger Form, doch blieb die Intensität derselben unbedeutend. — Im Riesengebirge find zu Beginn des letzten Drittels ge- waltige Schneemassen gefallen; in Wang wurde allein am 20. November 75 Millimeter Nicdcrschlaghöhe gemessen, welche einer Schneehöhe von etwa einem Meter entspricht, und auf der Schneekoppe wurde der Regenmesser unter dem Schnee vergraben.— Die höchste Temperatur des Monats wurde am ?. in Breslau(+ 16,8 Grad), die niedrigste in Klaussen bei Lpk am 4.(— 4,6 Grad) beobachtet. Für Berlin betrug das Monatsmittel+ 5,4 Grad, um 2,2 Grad mehr als die Normale. Die höchste Temperatur wurde am 6.(+ 15 Grad), die niedrigste am 24.(— 2,4 Grad) gemessen. In Folge eines heftigen Schneesturms ist an vcr- schiedenen Punkten zwischen hier und dem Königreich Sachsen seit Montag Abend eine so starke Schneeverwehung eingetreten, daß der Zugverkehr zwischen hier und Leipzig überhaupt hat eingestellt werden müssen. Der vorgestern Mittag von hier ab- gelassene Schnellzug und die folgenden Züge von Berlin haben deshalb nur die Station Bitterseld erreicht. Die Züge zwischen Berlin und Frankfurt a. M. haben wegen der Schneeverwehung große Verspätung erlitten. Der Verkehr zwischen Berlin und Dresden ist durch Schneeverwehung auf den sächsischen Linien ebenfalls unterbrochen. Ter 5,30 Uhr Nachmittags von Berlin abgehende Schnellzug und die folgenden Züge sind deshalb nur bis zum Ende der preußischen Strecke noch Rödcrau gekommen. Die von Dresden abgelassenen Züge haben Röderau nicht erreicht, ja, sind sogar theilweise nach Dresden zurück- geholt worden. Da die in Wittenberg und Leipzig vom Militär erbetenen Mannschaften bis heute Morgen 5 Uhr nicht gestellt waren, die der Bahnverwaltung zur Disposition stehen- den und auf den umliegenden Dörfern requirirten Beute nicht genügend waren, um die gewaltigen Schneemassen zu be- waltigen, so ist es fraglich, ob der Verkehr bis heute Mittag zwischen Bitterfeld und Leipzig wieder hergestellt sein wird. Gestohlene Sachen. Im Kiiminalkommissariat, Zimmer 77, befinden sich noch eine goldene Damen-Rcmontoiruhr Nr. 1 1 222 mit goldenen Zeigern, auf der Rückseite ein Wappen- schildchen in einer kranzattigcn Verzierung und Hecrenkette aus Talmi mit Medaillon aus gleichem Metall; eine silberne Herren-Zylinder-Remontoiruhr mit goldenen Zeigern— auch Sekundenzeiger— gepreßtem doppelten Goldrande und der Ztr. 87 392 in Verwahrung. Die in Untersuchungshaft befind- licken Leichenfledderer Sch. und T. wollen die Uhren zc. ge- stöhlen haben, und zwar die Tamenuhr vor ca. 4 Wochen, die Herrenuhr nach dem 21. Juli d. I., crstere auf dem Michael- kirchplatzc, letztere in der Skalitzcrstraße. Tie Bcstohlenen sollen schlafend auf einer Bank gesessen haben. Die Eigcnthümer können die Uhren:c. b�i dem Kriminalkommissariat in Augenschein, beziehungsweise in Empfang nehmen. Bei Ausführung eines Ladendiebstahls wurden gestern in einem Geschäft in der Breitenstraße 2 Frauen betroffen. In der Wohnung der einen Person wurden unter Anderem eine neue schwarzseidene Taille mit Perlenbesatz, eine Atlasschürze mit Roscnguirlanden, zwei Reste rothe Wolle, ein Ende bäum. wollenene Spitzen, ein schwarz, roth und weiß durchwirktes Chenilletuch, ein roth wollenes Tuch, ein Ende breiter Lampen- dacht und ein Rest schwarzer Atlas, welche anscheinend aus Ladcndiebstählen herrühren, gesunden. Der Rest Atlas be. findet sich in einem Umschlage, auf dem sich die Aufzeichnungen Nr. 2709 Satain noir Vll. 10 8 0. L. Nr. 3836 8. G.•/« 86 in. B G. E. R. befinden. Etwaige Eigcnthümer dieser Sachen können sich in den Vormittagsstunden im Kriminal- Kommissariat, Molkenmarkt Nr. 1, U Treppen, Zimmer 77, Gemäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Ge. lundheitsamts sind in der Zeit vom 5. bls 11. De- zembcr cr. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurchschmtt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 24,6, m Breslau 27.4. in Königsberg 27.9. in Köln 21,9, in Frankfurt a. M. 18,2, in Wiesbaden 17,8, m Hannover 17,9, in Kassel 21,1, KSSN Trieft 30,4, in Krakau 26,8, in Basel 14,8, m Amsterdam 21,1, in Brüssel 20,8, in Paris 24,7, in London 21,8, m Glasgow 26,9, in Liverpool 25,2, m Düblm 3o,6, m w Odessa 34,3, in Rom 23,0, m Turin 19,9, in Venedig 29�0, iäs sf 9äv°4"» !U Baltimore 17,9, in San Franzlsko—, in Kalkutta 31,9, 'N Boniban 22,8. in Madras 32,6. Die in der Berichtswoäze vorherrschende naßkalte �tte- Ang, eine Folge des wiederholt und unvermittelt cmtretenden �cmperaturwechsels, übte keinen günstigen Einfluß auf die Steiblichkcits- und Gesundhcitsverhältnisse� aus. Es wurden deshalb auch aus den meisten größeren Städten Europas, de- sonders den deutschen, höhere Sterblichkcitszrffcrn nutgetheut, sjur die größeren Städte der niederrheinischen Niederung. Köln, Tüsscldott, Barmen, Aachen sowie Hannover, Kassel, ferner em Zoßcr-Thcil süddeutscher Städte. Frankfurt a. M-, Wiesbaden, �Stuttgart, Mainz, Mannheim, Karlsruhe, Dannstadt, Augs- bürg, von außerdeutschen Orten Basel, Brüssel, Edmbuici, Stockholm melden kleinere oder nur wenig gegen die Vorwoche geränderte Sterblichkeitsziffern. Eine außergewöhnlich hohe Sterblichkeit haben zur Zeit von den deutschen Städten jedoch nur Stettin, Hamburg, Altona, Bochuni, Plauen und München. O" Insbesondere traten katarrhalische und akute Entzün- Zungen der Athmungsorgane häufiger als Erkran» kungs- und Todesursachen auf. Auch Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder riefen mehrfach, wie in Berlin, Hamburg, Wien, Warschau u. A., eine größere Zahl von Todesfällen vor.— Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Gesanimtsterdlichkeit war eine etwas gesteigerte. Von 10 000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, in Berlin 72, in München 121 Säuglinge.— Von den Infektionskrankheiten zeigten Masern, Scharlach, Diphtherie, typhöse Fieber und Pocken ein etwas gesteigettcs, Keuchhusten, Kindbettfieber und rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut ein etwas vermindertes Vorkommen.— Sterbefälle an Masern waren in Berlin, Hamburg, Breslau, Bremen, Barinen, Elberfeld, Mülhausen i. E., Paris, London, Liverpool und St. Petersburg, auch aus den Regierungsbezirken Aachen, Aurich, Königsberg, Marienwerder, Schleswig, Stettin sowie aus Wien werden viele Masemerkrankungen mitgetheilt.— Das Scharlachfieber führte in Haniburg, München, Köln, Chemnitz, Pest, St. Petersburg, Warschau, Odessa häufig zum Tode; in Hannover sank dre Zahl der Sterbefälle aus 9 in der Berichtswoche.— Die Sterb- lichkeit an Diphtherie und Kroup war in Berlin, Breslau, Dortmund, Hamburg, München, Leipzig, Königsberg, Frankfurt a. M-, Danzig, Stuttgart, Nürnberg, Altona, Stettin, Chemnitz, Braunschweig, Wien, Pest, Paris, London, Petersburg, Odessa, Christiania eine größere oder doch die gleiche wie in der Vor- wochc; in Dresden, Magdeburg, Kassel, Prag, Kopenhagen, Warschau hat die Zahl der Sterbefälle etwas abgenommen. Auch neue Erkrankungen waren in den»leisten der genannten Or.te, sowie im Regierungsbezirk Schleswig noch sehr zahlreich. — Stcrbefällc an typhösen Fiebern waren in Hamburg, Altona, Paris, London, St. Petersburg, Warschau, Odessa im Vcr- gleiche zur Vorwoche gesteigert, namentlich war in Hamburg die Zahl der gemeldeten Neuerkrankunaen eine bedeutende. An Flecktyphus kam aus Amsterdam 1 Todesfall, aus dem Re- gierungsbezirk Marienwerder 4, aus St. Petersburg 3 Erkrankungen, an Rückfallsfieber nur 1 Erkrankung aus St. Peters» bürg zur Mittheilung.— Rosenattige Entzündungen des Zell- gcwebcs der Haut haben in Berlin, Kopenhagen und London abgenommen.— Vereinzelte Todesfälle an Pocken kamen aus dem Regierungsbezirk Schleswig, sowie aus Prag. Warschau, Paris, Lyon, Venedig zur Mitthcilung; aus Wien 4, aus St. Petersburg 5, aus Rom 14, aus Pest 44.— Erkrankungen aus Berlin 1, aus den Regierungsbezirken Königsberg und Schleswig je 3, aus Breslau 6, aus St. Petersburg 15, aus Pest 108.— Die Nachrichten über die Cholera in Oesterreich- Ungarn und Italien lauten günstig, die Seuche geht an allen Orten ihrem Erlöschen entgegen. Poltzeibericht. Als am 20. d. Ms., früh, der Arbeiter Bauschte seine Jnselsttaße 12 befindliche Wohnung verlassen wollte, sank er auf der Treppe plötzlich um und starb, wie ärztlich festgestellt worden, am Herzschlag.— Nachmittags fiel der Hausdiener Knincr in Folge der Glätte auf dem Bürger« steig vor dem Hause Neue Roßstraße 7 und brach den rechten Unterschenkel.— Um dieselbe Zeit fuhr in der Schöneberger- straße ein Bolle'scher Milchwagen mit einem Pferdebahnwagen zusammen. In Folge des starken Anpralls fiel der auf dem Milchwagen sitzende Führer herab und gcneth unter einen un- mittelbar hinterdrein fahrenden Wagen, von dem er über beide Unterschenkel gefahren wurde.— Abends wurde auf dem Droschkenhalteplatz an der Ecke der Schützen- und Friedrich- straße der Droschkenkutscher Döhl bewußtlos, im Inner» seiner Droschke sitzend, vorgefunden. Er sollte nach seiner Wohnung gebracht werden, starb aber schon auf dem Wege dahin.— In der Nacht zum 21. d. Mts. brannte in der Kupfervitriol-Fabrik von Talke, Neue Schönhauscrstraße 12, die Holzbekleidung und Bedeckung von Eindampfbottichcn, femer Scydclstraße 24 der Inhalt eines Müllkastens, und am 21. d. Mts., früh, in einem Keller des Grundstücks Pücklerstraße 2 dort aufbewahrte Preßkohlen.___ Oerichts-Zeitung. Um einen ihn stark bedrängenden Gläubiger zu de» friedigen, hatte der in Vemwgcnsvcrfall gerathenc Schuldner ersterem in Anrechnung auf seine Forderung sein ganzes Waarenlager übergeben und war deshalb wegen Begünstigung eines Gläubigers angeklagt worden. In dem ihn verutthcilcn- den Erkenntnisse wurde folgendes ausgesprochen: Mit der festgestellten Zahlungseinstellung gelangte für sämmtliche Gläubiger der gleichmäßige Konkursansvruch, d. h. der Anspruch zur Eni- stehung, daß das Vermögen des gemeinschaftlichen Schuldners zu gleicher anthciliaer Befriedigung ihrer Forderungen ver- wendet werde. Dieser Konkursanspmch ist durch die dem einen Gläubiger gewährte vollstänvige Deckung, welche den übrigen Gläubigem die geeigneten Befriedigungsmittel völlig entzog, für die letzteren verletzt, damit aber zweifellos dieser Gläubiger vcr den anderen Gläubigern begünstigt worden. Die dem crstcren gewährte Befriedigung war eine solche, auf welche er in der Art, wie sie ihm zu Theil geworden, keinen Anspruch hatte, da seine Fordcmng auf Zahlung einer Geldsumme, nicht aus Uebcrlassung der veräußerten Gegenstände an Zahlungsstatt ging. Damit ist die Begünstigung des einen Gläubigers fest- gestellt. Dies würde auch dann gelten, wenn durch die unbe- rechtigte Befriedigung nur eine zeitliche Bevorzugung eines Gläubigers vor den anderen ohne Verletzung des diesen zu- stehenden Konkursanspruchs herbeigeführt worden wäre. Denn auch in der Hinaueschiebung der Tilgung der fälligen Forderung liegt eine Verschlechterung der Rechtslage, und die der letzteren entsprechende Begünstigung des einzelnen Gläubigers ist straf- bar, sofern sie durch Gewährung von Befriedigung oder Sicherung erfolgt, welche der einzelne Gläubiger nickt, oder nicht in der Art, oder nicht zu der Zeit zu beanspmchcn hatte. Gegen eine» Beamten war wegen einer im Amte ver- übten Mßhandlung Anklage erhoben worden. Der Mißhandelte verlangte, in der Hauptvcrhandlung als Nebenkläger zuge- zogen zu werden, weil er auf Zuerkennung einer ihm zu zahlenden Geldbuße gegen den Angeklagten antragen wolle. Er ist jedoch mit diesem Antrage sowohl durch Beschluß der Strafkammer wie in der Rcvisionsinstanz abgewiesen worden. Der Revistonsbescheid lautete: In Erwägung, daß der Miß- handelte zu dem Anschlusie als Nebenkläger für berechtigt nicht zu erachten ist, weil ein Ämtsvergehen vorliegt, daher eine nur auf Antrag zu verfolgende Körperverletzung und damit der Fall der Ncbenklage nach den Vorschriften der Strafprozeßordnung nicht in Rede steht, die Befugniß des Mißhandelten zum An- schlusse als Nebenkläger auch lediglich von der Frage abhängig bleibt, od derselbe berechtigt ist, die Zuerkennung einer Buße zu verlangen, welche Frage jedoch zu verneinen ist; in Er- wägung ferner, daß die Bestimmung, nach welcher in allen Fällen der Körperverletzung auf Verlangen des Verletzten neben der Strafe auf eine an denselben zu erlegende Buße bis zum Betrage von 6000 M. erkannt werden kann, offenbar auf die nach den§§ 223 folg. St.-G.-B. zu bestrafenden Fälle der Körperverleyung hinweist; daß es dagegen an jedem Anhalte fehlt, dem Willen des Gesetzgebers zu unterstellen, daß sie auch bei dem zwar eine Körperverletzung voraussetzenden, aber einen speziellen Thatdestand erfordernden, anderen Stcafnormen unter- worfenen Amtsvergehen Anwendung finden solle; daß es sich vielmehr um eine aus dem Kreise der Körperverletzungen der §§ 223 folg. Str.- G.B. herausgehobene, zu einem besonderen Delikte gestaltete Strasthat handelt, welche den für gewöhnliche Körperverletzungen gegebenen besonderen Bestimmungen, ins- besondere den die Buße betreffenden nicht unterstellt ist: war der Antrag des Verletzten auf Anerkennung seiner Berechtigung zum Anschlüsse als Nebenkläger als unzulässig zu verwerfen. Es folgt hieraus, daß jeder, der durch eine Privatperson an seinem Körper verletzt worden ist, das Recht hat, Zuerkennung einer an ihn zu zahlenden Geldbuße zu verlangen, daß aber ein gleiches Recht demjenigen nicht zusteht, der durch einen Beamten im Amte mißhandelt oder körperlich verletzt wor« den ist. Antisemitenspuk in der Schule. Eine kleine Schülerin der Bürgerschule zu Oranienburg, die Tochter des Kaufmanns Moritz Löwenheim daselbst, kam eines Tages im September d. I. zu ihrem Vater und klagte demselben, daß ihre Mit- schülerinnen sich geweigert, mit ihr zu gehen und ihren Umgang in verächtlicher Art mieden, weil sie eine Jüdin sei. Ver- anlassung hierzu habe ein von dem Klassenlehrer den Kindern während der Schreibstunde aufgegebener Uebungssatz geboten, welcher lautete:„Die Juden haben Jcsum Christum getödtet!" Nach beendigter Schulzeit haben, so klagte die kleine Löwen- heim ihrem Vater, ihre christlichen(!) Mitschülerinnen den In« halt des au. Uebungssatzes ihr vorgehalten und mit Verachtung sich von ihr gewandt. War nun dieses Vorkommniß an und für sich dem Vater des gemaßregelten Kindes schon unangenehm, so wurde dieser noch unangenehmer derührt, als ihm die Mit- theilung gemacht wurde, daß seine kränkliche Tochter wegen eures geringfügigen Umstandes eine Stunde nachsitzen müsse, in Folge einer Anzeige eines jener gegen ihre jüdische Mitschülerin eingenommenen Madchen. Herr Löwcnheim begab sich, als er dies erfahren, ins Schulhaus, um den Klassenlehrer Schulz über den Beweggrund zu dieser Strafertheilung zu be- fragen; er traf jedoch nicht den Lehrer seines Kindes sondern bereits vor dem Schulgebäude den Konrektor Francke, welchem er deshalb an Stelle des Erstgenannten sein Anliegen vortrug. Dem Konrektor aber erschien die Beantwortung jener Frage völlig überflüssig und er gab.Herrn Löwenheim dies kurz an- gebunden zu verstehen. Ausgeregt über die Art des Konrektors, ließ sich nunmehr Herr Löwenheim verleiten mit einer Be- schwerdc zu drohen und zwar in einer Form, welche ihm eine Anklage wegen Beleidigung einbrachte. Der vorgesetzte Rektor stellte diescrhalb den Strafantrag gegen Löwenheim und der- selbe erschien gestern vor den Schranken der Strafkammer des Landgerichts II. Der Staatsanwalt beantragte 30 M. Geldbuße. Der Gerichtshof erachtete nun zwar die Art der ge- wählten Ausdrücke als unstatthaft und deshalb beleidigend, es ward jedoch dem Einwand des Angeklagten gemäß zugegeben, daß der Angeklagte in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt; dies als strafmildernd ansehend, erkannte die Straf- kammer auf nur 10 M. Geldbuße eventuell 1 Tag Haft. Mit einer hochinteressanten Streitsache beschäftigte sich der Bezirksausschuß in seiner gestrigen Sitzung. Der Kolporteur D. hiecselbst reichte die vier ersten Nummern des Jahrgangs 1887 einer illustrirtcn Zeitschrift bei dem Polizei- Präsidium mit der Bitte ein, dieselben in das Verzeichniß der Druckschriften aufzunehmen, welche kolpottirt werden dürfen. Durch Verfügung vom 16. Oktober d. I. schloß der Polizei, Präsident von Berlin diese Nummern jedoch vom Feilbieten im Umherziehen in Gcmäßheit des§ 56 Ziffer 10 der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich vom Juli 1883 aus, weil dasselbe durch den Inhalt der Erzählung„Der Romantiker auf dem Throne" in sittlicher Beziehung Aeraemiß zu geben ge- eignet sei. Auf Aufhebung der erlassenen Verfügung wurde D. klagbar. Der Bezirksausschuß wies jedoch die Klage zurück, weil jene Erzählung das sittliche Gefühl deS deutschen Volkes zu verletzen geeignet ist. Das Reichsversicherungsamt hat in den letzten Tagen wieder zwei Sitzungen zur Entscheidung über Berufungen gegen die Urtheile der Schiedsgerichte abgehalten, doch sind in den- selben Sachen von allgemeinem Interesse nicht zur VerHand- lung gekommen, dagegen veröffentlicht es soeben zwei ältere Entscheidungen, die eine grundsätzliche Bedeutung beanspruchen. Bei der einen handelt es sich um einen Todesfall, dessen Ur- fache nicht aufgeklärt worden ist, weil der zuständige Sektions« vorstand es unterlassen hatte, die Sektion oer Leiche zu vcran- lassen. Ein Bergniann war an seiner Arbeitsstelle in der Grube todt aufgefunden worden, und Sektionsvorstand und Staatsanwaltschaft nahmen auf Grund des Berichts der Revierbeamten an, daß ein natürlicher Tod stattgefunden habe. Der Sektionsvorstand unterließ es auch, die Todesursache durch die Sektion der Leiche feststellen zu lassen, nachdem das kurze Zeit nach der Beerdigung abgegebene Gutachten des Knapr- schaftsarztes eine Erstickung durch Puloerdampf als äußerst wahrscheinlich bezeichnete und mehrere that- sächliche Umstände diese Annahme unterstützten. Das Reichs- versichcrungsamt hat die Berufsgenossenschaft für die Unterlassung der Untersuchung verantwortlich gemacht und den Hinterbliebenen Anspruch auf eine Rente zugebilligt. Diese Entscheidung wird gewiß allenthalben Anerkennung finden. Der Revierbeamte, ein Bergmeister oder Bergrath, ist nicht ohne weiteres für befähigt zu erachten, ein Urtheil über eine Todesursache abzugeben, wenn nicht ein Unfall außer Zweifel steht. Hoffentlich wird die Sektion nunmehr Vorsorge treffen, daß ein ärztliches Gutachten in allen Fällen und vor der Be- crdigung erstattet wird. Unseres Erachtens müßten darauf auch die Knappschaft und der Rcvierbeamte hinwirken.— In der zweiten Entscheidung ist der Grundsatz ausgesprochen worden, daß der Rekurs innerhalb der im§ 63 des Unfallvcrsichcrungs- gesehcs festgesetzten Frist nicht dlos angemeldet, sondern auch begründet werden muß. Eine Partei hat hiernach keinen An- spruch auf Berücksichtigung ihres verspätet eingereichten Schrift» stückes zur Rechtfertigung des Rekurses. Stettin, 18. Dezember. Unter fder Anklage der körper- lichen Mißhandlung zweier Schulkinder stand gestern der Lehrer Markus aus Trestin vor der dritten Strafkammer. Der Ange- klagte scheint zu körperlichen Sttafen sehr geneigt zu sein, denn die Gemeinde hat sich in Bezug hierauf bereits höheren Orts beschwert und um die Entfernung des Lehrers gebeten. In den vorliegenden Fällen handelt es sich um die Ueberschrcitung des Züchtigungsrechts gegen den 6 Jahre alten Knaben Heiden und die 12 Jahre alte Bertha Baumann. Heiden erhielt am 13. November 1885, weil er eine etwas sonderbare Rechenaus- gäbe nicht lösen konnte, Schläge mit den, Rechenstab und mit ver Hand, die über das Maß des Zulässigen hinausgingen. Durch den Siegelring, den M. am Finger trug, wurde der Kleine auch am Ohr verletzt. Die Baumann drückte M. am 28. Januar d. I. mit der Brust auf eine Bank nieder und schlug dann auf sie ein. Der Druck gegen die Brust hatte eine Leberaffektion zur Folge, welche mehrere Monate andauerte. Die Beweisaufnahme ergab die Schulv des Angeklagten in beiden Fällen zur Genüge. Das Gericht erkannte gegen ihn auf eine Geldstrafe von 50 M. Im ersten Falle nahm es eine Ueber» schrcituna des Züchtigungsrechtes, im andern Falle eine fahr- lässige Körperverletzung an. Uereine und Nersammwngen. Ter Fachverein der Tischler hielt am Sonnabend, den 18. Dezember, seine letzte diesjährige Mitgliederversammlung in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28, ab. Herr Wiedemann. Mitglied der Fachkommission, erstattete Bericht über die vom Verein in diesem Jahre veranstalteten statistischen Erhebungen im hiesigen Tischlergewerk. Aus dem Bericht ist hervorzuheben, daß trotz der großen Mühe und dem Zeitaufwand der zu der Aufnahme der Statistik Beauftragten, sowie der vom Verein nicht gescheuten Kosten daS Resultat nicht befriedigend ausgc- s°Uen ist und zwar deshalb, weil die Mehrzahl der Berliner Trschlergescllen m ihrer Glerchglltigkert für die gewerblichen Interessen nach wie vor verharrt. Es zeige sich, daß die Kollegen noch immer nicht das richtige Verständniß für ihre ergene Lage besaßen, denn diese ihre Lage könnte nur durch wahrbettsgemaße Aufstellung von Zahlen, die Arbeitszeit und den Verdren,t betreffend, klargelegt werden. Ein großer Theil der Kollegen befände sich wohl in einer so gedrückten Lage, daß sie sich gemrten, ihren Verdienst, der kaum zur Befriedigung der nothwendlgsten Bedürsnisse zulange, anzugeben. Dres iedoch eine falsche Scham, denn nur dadurch, daß Jedem feine traurige Lage ziffernmäßig vor Augen geführt würde, könne erreicht werden, daß die Kollegen energisch eintreten für die Aufbesserung ihrer materiellen Lage. Die Statistik selbst bot einen Ueberblick über die Arbeitsverhältnisse in fünf ver schiedenen Branchen des Tischlergewerbes. Hiernach belief sich die Durchschnittsarbeitszeit auf 58 Stunden pro Woche und der Durchschnittsverdienst auf 19 M. und einige Pfennige. Heber die näheren Angaben in den einzelnen Branchen wird vorausfichtlich in nächster Zeit noch ein ausführlicher Bericht gebracht werden.— Nach eingehender und die Gründe für die schwache Betheiligung der Kollegen an der Statistik beleuchten- der Diskusfion beschloß die Versammlung, das gesam- melte Material der Bibliothek einzuverleiben und die nächstjährige Aufnahme der Statistik nur in solchen Werkstellen vorzunehmen, in denen Mitglieder des Fachvereins in Arbeit stehen. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: »Der Arbeitsnachweis in Berlin", waren die 4 Kassirer der yiefigen Ortskrankenkasse der Tischler ze. eingeladen, um eine Verständigung mit denselben bezüglich der Arbeitsadressen- ausgäbe zu erzielen. Auch sollte den Kasfirern Gelegenheit ge- geben werden, sich gegen einige Vorwürfe, die sich auf die Adressenausgabe durch die Kassirer bezogen und welche in einer früheren Versammlung gefallen, zu vertheidigen. Die Kassirer waren sämmtlich erschienen. Im Verlauf der Debatte ergab sich, daß die Kassirer wohl hin und wieder, wenn ihnen Adressen von Meistern, welche Gesellen verlangten, bekannt wurden, aus purem Äenschlichkeitsgefühl dieselben den sich meldenden arbeitslosen Kollegen zugestellt hatten, jedoch ohne irgend eine Entschädigung dafür zu nehmen. Mit diesem Vor- gehen erklärte sich denn auch die Versammlung einverstanden. Im Weiteren erklärten die Kassirer, daß sie sich überhaupt nicht mehr mit der Adressenausgabe beschäftigten und haben einzelne bereits dementsprechende Schilder an der Thür ihrer Wohnung anbringen lassen. Sollten jedoch Adressen bei ihnen abgegeben werden, so würden sie dieselben, mit Ausnahme der oben an- geführten Fälle, sämmtlich an den Arbeitsnachweis des Fach- Vereins, Blumenstraße 56, schicken. Dieses Versprechen fand großen Beifall in der Versammlung.— Heber eine Anfrage, ob der Verein gewillt sei, den gemaßregelten und arbeitslosen Mitgliedern des Vereins zu Weihnachten eine Hnter- stützung zu gewähren, wurde, da eine Bestimmung über Hnterstützung der Gemaßregelten bereits im Statut enthalten sei, arbeitslose Kollegen sich aber nicht gemeldet hatten, zur Tagesordnung übergegangen. Wegen vorgerückter Zeit erfolgte sodann der Schluß der Versammlung. Die nächste Versammlung findet Sonnabend, den 8. Januar, in Jordan's Salon statt und sollen in derselben zunächst die in der vorstehend genannten Versammlung nicht erledigten Ge- genstände ihre Erledigung finden.— Der Zenttal- Arbeitsnachweis des Vereins(Blumenstt. 56) ist am 24., 25., 26. und 31. Dpzember, sowie am 1. Januar für Arbeitsuchende ge- schloffen; jedoch können schriftliche Gesuche der Arbeitgeber um Zuschickung von Gesellen auch an diesen Tagen in den am Eingang zum Arbeitsnachweis befindlichen Briefkasten gelegt werden.— Die Zahlstellen des Vereins find am 25. Dezember und 1. Januar ebenfalls geschlossen. Am ersten Weih- nachtsfeiertage feiert der Verein sein diesjähriges Weihnachtsfest in der„Berliner Ressource", Kommandantenstt. 57. Die Feier besteht aus: Konzert, Gesangsvorttägen, Theatervorstellung und Ball. Billets find nur vorher bei den Mitgliedern Böhm, Johanniterstraße 10, Hof III; Gruenwaldt, Prinzenstraße 8, in, bei Konrad; Glocke, Laufltzerplatz 2, Hof part.; Mein), Manteuffelstt. 93, III links; Haase, Rheinsbergerstt. 13, l; Äpelt, Belle-Alliancestraße 61, Hof rechts V; Thierbach, Neue Königstt. 72; Besold, Bergmannstt. 96; Fest, Hollmannstr. Ia, I; Palme, Andreasstt. 17, Hof Ii; Schulz, Britzerstr. 42; Witte, Möckernstr. 95; Jakob, Äckerstr. 71 und Bielstein, Garten- str. 8, IV(bei Biedermann) zu haben. Zentralkranten- und Sterbekasse der Drechsler(E. H. Nr. 48) Verwaltung Berlin 0. Am Sonnabend, den 25. Dezember, und am 1. Januar sind die Zahlstellen geschlossen. Die Mitglieder können ihre Beiträge am Sonntag, den 26. Dezember und am 2. Januar Vormittags von 10 bis 12 Uhr entrichten. Zur Feier des II. Stiftungsfestes findet am 2. Weihnachtsfeier- tag eine Soiree verbunden mit Tanzkränzchen in Feuerstein's Salon, Alte Jakobsttaße 75, statt. Anfang präzise 7 Hhr. Billets sind noch am Sonntag Vormittag m den Zahlstellen Stallschreiberstraße 41—42, Mittenwalderstraße 57 und Fischerstraße 29 zu haben. Der Kranken- UnterstützungSbund der Schneider, Kürschner, Posamentiere und Berufsgenoffen veranstaltet am zweiten Weihnachtsfeiertag ein großes Winterfest. Billets find zu haben: Krausenstr. 11, im Lokal; auf den Zahlstellen Grenadierstr. 33(Restaurant), Annenstr. 9(Restaurant) und in den mit Plakaten belegten Handlungen. Gäste find will- kommen. * Zentral-Kranken- und SterbekassederTischler u. s. w. Den Mitgliedern zur Nachncht, daß wegen des Weihnachts- und Neujahrfestes die Beiträge auf den Zahlstellen sämmllicher Verwaltungsstellen Berlins am Freitag, den 24.(Heiligabend), und Freitag, den 31. Dezember(Sylvester), von 8 bis 10 Hhr durch die Beitragssammler entgegengenommen werden. Durch wiederholte Bekanntmachung des Vorstandes in Hamburg wird darauf aufmerksam gemacht, daß sämmtliche in diesem Jahre fälligen Beittäge vor dem 1. Januar bezahlt sein müssen. Verband deutscher Zimmerleute. Lokalverdand„Berlin West". Mittwoch, den 22. Dezember, Abends 8 Hhr, Der- sammlung in Gründer's Salon, Schwerinsttaße 26. Tages- Ordnung: 1. Vortrag über Treppenbau. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Fachverein der Mechaniker, Optiker, Hhrmacher, chirur- fischer und anderer Jnstrumentenmacher. Die heutige Ver« ammlung fällt aus. Am 5. Januar findet eine General- Versammlung statt. Verein für Technik und Gewerbe. Mittelsttaße 65, Mittwoch, Abends 8t Hhr, Vortrag. Gäste willkommen. Gesang- und gesellige Vereine am Mittwoch.„Freya" Gesangverein der freireligiösen Gemeinde. Hedungvstunde Abends 8 Hhr Münzstraße 5.— Gesangverein„Norddeutsche Schleife" Abends 9 Hhr Dresdenerstr. 72—73 im Restaurant „Eden-Theater"._ Kleine Mittheilunge«. Leipzig, 20. Dezember. Zwilchen Leipzig und Magde- bürg ist der Verkehr gehemmt. Mehrere Züge liegen stunden- lang unterwegs, da seit gestern großes Schneegestöber in der Provinz Sachsen herrscht, auch im Königrech Sachsen kommen zahlreiche Verkehrsunterbrechungen vor. Detmold, 18.. Dezember. Der Gattenmörder Schäfer zu Dalborn hat seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Man fand Mittwoch seine Leiche an einem Baume in dem Gehölze zu Oesthof hängen. Man vermuthet, daß der Mann von diesem Gehölze aus dem Leichenbegängnisse seiner Frau zugesehen und darnach dm Selbstmord ausgeführt hat. Halle a. S., 21. Dezember. Bei der gestrigm Probe im Stadttheater stürzte, wie der„Nat.-Ztg." telegraphirt wird, ein 6 Zentner schweres Eisenstück auf die Bühne hinab und zer- schmetterte dem Komiker Doß e>n Bein. Wäre das Hnglück früher geschehen, so würden sechs Personm getödtet wordm sein. Das neue Stadttheater in Halle ist nach dem Asphaleia- system gebaut. Aber es hat in der kurzm Zeit seines Bestehens nun schon mehrfach Hnglück gehabt. Gleich nach der Ein- weihung richtete bekanntlich der Bruch eines Wasserreservoirs oberhalb der Bühne großen Schaden an. Braunschweig, 20. Dezember. Der gestern Abend 9 Hhr 10 Minuten von Magdeburg fällige Personenzug ist bei Marienborn in Folge Schneeverwehungen stecken geblieben; durch diese Verkehrsstörung erlitt auch der Berliner Nacht- kourierzug eine bedeutende Verspätung. Wittenberg, 20. Dezember. Die schon längere Zeit Herr- schenden scharfen Winde sind seit Sonnabend noch heftiger ge- worden und haben sich in letzter Nacht derartig gesteigert, daß zahlreiche Bäume umgebrochen und entwurzelt wurden. Das anhaltende bedeutende Schneewehen hindert den Verkehrt bei- nahe vollständig. Die Elbe ist stark angeschwollen, auch die Nebengewässer derselben haben hohen Wasserstand. Schleswig, 18. Dezember.(Ablehnung einer Stadt- verordnetenwahl.) Ein junger Kaufmann war zum Stadt- verordneten gewählt worden, hatte indeß dies Amt schriftlich abgelehnt. Da man die vorgebrachten Gründe nicht als stich- haltig erkannte, wurden ihm unterVoraussetzung der Genehmigung seitens der königlichen Regierung auf drei Jahie die Bürger- rechte aberkannt und seine Gemeindeabgaden um ein Dritttheil erhöht. Stasifurt, 20. Dezember.(Grubenunglück.) Im Privatschacht Ludwig II waren drei Maurer dabei, einen Pfeiler auf» zuführen, als ein etwa 8 w langer und etwa 1 m starker Salzfelsen sich an der Decke loslöste, herabstürzte und sie verschüttete. Zwei von den Maurern starben auf der Stelle, der dritte im Krankenhause. Grenoble, 17. Dezember.(Hauseinsturz.) Am 15. November stürzte hier ein großer Neubau zusammen, bei welcher Gelegenheit 6 Personen getödtet wurden. Sowohl die beiden Bauunternehmer als auch der Eigenthümer des Baues hatten sich am 16. d. M. vor dem Strafgerichte der genannten Stadt wegen fahrlässiger Tödtuug und Körperverletzung(hoiic'de et bleesure par irnprudence) zu verantworten und wurden die ersteren zu 13 resp. 10 Monaten, der Eigenthümer zu 3 Mo- naten Gefängniß verurtheill; außerdem wurde auf Geldstrafe erkannt. Aus der Verhandlung ging hervor, daß nach voller Hederzeugung der Sachverständigen der Einsturz lediglich eine Folge des verwendeten äußerst schlechten Matenals sei, da nach den Regeln der Baukunst ungefähr 15000 Kilogramm Kalk zur Bereitung des Mörtels hätten mehr verwandt werden müssen. Die beiden Hnternehmer konnten zu ihrer- Vertheidigung nur anführen, daß sie kontraftlich verpflichtet gewesen wären, den Bau vor Eintritt des Winters unter Dach zu bringen und daß sie unter anhaltendem Regen hätten arbeiten lassen müssen. In wie unverantwortlicher Weise der Bau ausgeführt worden, geht daraus hervor, daß die Hnternehmer am Abend vor dem Einsturz von den Arbeitern auf die drohende Gefahr auf- mertsam gemacht, die Abstützung des Baues am nächsten Morgen anordneten, daß aber während des Abstützens an der einen Hausseite das Gebäude in allen seinen Theilen wankte und daraufhin das Hnglück erfolgte. Dem Eigenthümer legte das scharf begründete Hrtheil zur Last, daß er den Neubau nicht unter Oberaufsickt des Architekten, welcher den Bauriß ent- warfen, habe aufführen und somit die konttattlich festgesetzten Ausführungsbedingungen habe überwachen lassen. Rom, 15. Dezember. Der wegen Hehlerei in dem Millionen-Diebstahlsprozeß zu Ancona zu mehrjährigem Ge- fängniß verurtheilte Advokat Lopez, der einst in der römischen Gesellschaft glänzte und als politischer Stteber und zuletzt als Vertheidiger Sbarbaros eine Rolle spielte, ist vor kurzem hier- der gebracht worden, um von neuem vor Gericht zu erscheinen. Dmch einige Briefe, welche bei der Beschlagnahme seiner Papiere in die Hände der Behörde fielen, kam es zu Tage, daß er mit seinem Bruder geholfen hatte, eine Personenverwechslung zu ermöglichen, die bezweckt und auch dazu geführt hatte, daß an Stelle eines zu halbjähriger Hast verrrtheilten gewissen Bianchini ein bezahlter Ersatzmann die Sttafe abbüßte. Alle vier haben sich jetzt wegen dieser Sache zu ver- antworten. Permi schtes. Der Roman der Kunstreiterin. Aus Konstantinopel wird geschrieben: Eine junge Kunstreiterin, Stella M-, welche unter verschiedenen Namen bei den bekanntesten Zirkus-Gesellschaften Europas Erfolge feierte, hat sich in Smyrna erschossen. Während sie unter dem Beifall des Publikums die Mansge verließ, krackte ein Schuß aus einem verborgen gehaltenen Miniatur» Revolver, der den unmittelbaren Tod der Hnglück- lichen zur Folge hatte. Die Mittheilungen aus dem Leben der Selbstmörderin klingen wie Kapitel aus einem Sensa- tionsromane. Stella begann ihre Karriere in Petersburg, wo ein Großfürst sie mit seiner Neigung beglückte: allein bei Hofe sah man dies Verhältniß ungern, Stella wurde eines Nachts an die Grenze gebracht. Nun fand sie Engagement hei Renz, mit dem sie nach Berlin kam. Hier ruinirte sich ein adeliger Kavallerie-Offizier ihretwegen und erschoß sich schließlich. Eines Tages war Stella verschwunden, die zweiundzwanzigjährige, üppige Schönheit war mit einem kaum achtzehnjährigen Grafen durchgegangen, das Pärchen wurde in Vliesfingen aufgegriffen, der junge Graf seiner Familie zurückgegeben, die Kunstreiterin wegen Verführung vor Gericht gestellt, das sie jedoch freisprach. Nun ging sie mit einem italienischen Zirkus nach Amerika, wo sie ungewöhnliche Triumphe feierte und schließlich einen vielfachen Millionär, ihren ausdauerndsten Verehrer, heirathete; als Stella jedoch erfuhr, daß die Trauung blas Komödie gewesen sei, die der Millionär mit Hilfe eines als Priester verkleideten Freundes inszenirt hatte, schoß sie mit einem Revolver auf den Betrüger, der schwer verwundet wurde. Stella floh nach Paris, wo sie mit einem vornehmen jungen Türken durch zwei Jahre lebte. An seiner Seite machte sie, als Reitknecht verkleidet, den russisch- türkischen Feldzug 1878 mit, wurde bei Plewna verwundet und von ihrem Geliebten im Stiche gesaffen. Nun begann ein abenteuerliches Leben für die Hnglückliche, welche von Stufe zu Stufe sank und schließlich nur mehr bei herumziehenden Akrobaten- truppen Beschäftigung fand. Vor wenigen Monaten kam sie nach Smyrna zu einer kleinen Kunstreiter- Gesellschaft; am Abende vor ihrem Selbstmorde sagte sie zu einer Gefährtin: �Morgen ist entweder Hochzeit oder Tod." Sie hatte nämlich rn Smyrna ihren ungetteuen türkischen Verehrer wiedergefun- den, der dort als Kaufmann lebte; derselbe wollte jedoch von der ehemaligen Geliebten nichts wissen; am Abend darauf er- schoß sich dre Hnglückliche. In einem hinterlassenen Briefe ge» stand sie, mit Hilfe ihres Geliebtm ihr Kind getödtet zu haben. Dieser leugnete entschieden und die Hntersuchung gegen ihn mußte wegen Mangels an Beweisen eingestellt werden. Romanttsch. Ganz Madrid pilgerte dieser Tage in eine elende Zigeunerhütte, um die Aufbabrung eines jungen Zigeuners anzusehen. Antonio, so hieß ver Tobte, hatte eine junge Zigeunerin, Conchita, von blendender Schönheit ge- Heirat het. Aber daS HockzeitSmahl endete mit einer blutigen Schlägerei, bei welcher 23 Zigeuner, darunter der Bräutigam Antonio, verhaftet wurden. Die Polizei wollte den jungen Gatten trotz einflußreicher Verwendung von hohen Herren auch nicht für eine Viertelstunde freilassen. Die öffentliche Meinung des sentimentalen Landes war voll Mitleids mit der armen Braut, und bald gab es Theaterstücke und reizende Serenaden, welche die„Thränen Conchitas", der kauernden Braut, de- fangen und durch ganz Spanien die Runde machten. Auch Antonio härmte sich ab; eines Morgens fand man ihn todt in seiner Zelle; er war aus Sehnsucht nach Conchita im Gefängniß gestorben. Nun kamen alle Zigeuner Madrids herangezogen, um ihren Todten abzuholen. In einer Hütte am Ende der Stadt, so schreibt man ver„W. Allg. Ztg.", wurde seine Leiche aufgebahrt. Auf einem mit buntfarbigen Draperien überzogenen Tische lag der Körper in einen Plaid von schreienden Farben gehüllt. Hm den Tisch standen junge, blendend schöne Zigeunerinnen mit funkelnden Augen; alle waren in jenes eigenartige, künstlerische und doch groteske Gewand der spa- nischen Zigeuner gekleidet. Sie weinten, schluchzten und rissen sich die Haare aus; einige drehten sich um den Tisch und sangen Volkslieder von seltsamer, unbeschreiblicher Poesie. Conchita, vie Braut, saß in einem bunten Kostüm zu Häuptendes Todten. Ihren Kopf drückte sie an die gefalteten Hände Antonios und starrte lautlos vor sich hin. So saß sie den ganzen Tag und die ganze Nacht, bis die Leiche ihres Bräutigams am nächsten Morgen von den Stammesgenossen unter den Klagerufen der Weiber und Mädchen aus der Hütte getragen und in die Erde versenkt wurde. Literarisches. Julius Lippert, Kulturgeschichte der Menschheit in ihrem organischen Aufbau. Stuttgart, Enke. Erscheint in Lieferungen& 1 M. Wir haben bereits nach den ersten Lieferungen auf die Be- Deutung dieses Werkes aufmerksam gemacht, das nicht nur die Ergebnisse der neuesten Kulturgeschichte, wie sie besonders durch Tylor, Morgan, Lubbock, Spencer und Bastian in ganz neue Bahnen gelenkt worden ist, in pooulärer Weile zusammen zu fassen sucht, sondem auch selbstständig zur Erweiterung des soziologischen Gesichtskreises vieles beiträgt. Gumplowicz schrieb vor kurzem über Lippert:„L. besitzt in hohem Grade die Gabe, die Entwicklung eines sozialen oder sozialpsychischen Gebildes, einer sozialen Institution, durch die Geschickte aller Völker und Zeiten hindurch anschaulich und plastisch darzustellen, ohne sich von dem massenhaften Stoff verwirren zu lassen. Er bleibt immer Herr des Stoffes und versteht es, denselben lichtvoll zu gestalten.... Wir resumiren unser Hrtheil über Lippert dahin, daß er es meisterhaft ver- steht, den aufgehäuften soziologischen Stoff zu beleben und wahrhaft künstlerisch zu gestalten." Dieses Hrtheil des geist- reichen Gelehrten wird durch die neueste Arbeit Lipperts nur bestätigt, von der bis jetzt der 1. Band(10 Lieferungen umfassend) vorliegt. Eine Aufzählung des reichen Inhalts mag den umfassenden Standpunkt des Werkes veranschaulichen r Einleitung: Die Lebensfürsorge als Prinzip der Kulturgeschichte. 1. Die Urzeit 2. Ausblick auf die Verbreitung der Menschheit. 3. Die ersten Fortschrittsversuche der Lebensfürsorge. 4. Die Zähmung des Feuers. 5. Die Fortschritte des Werkzeugs als Waffe. 6. Ausblick auf die Entwicklung differenzirter Geräthe. 7. Fortschritte der Speisebereitung. 8. Fortschritte des Schmuckes und der Kleidung und ihr sozialer Einfluß. 9. Der beginnende Anbau und die Verbreitung der jüngeren Völker in Europa. 10. Das Nomadenthum und die Verbreitung der Zuchtthiere. 11. Die Nahrungspflanzen im Gefolge der Kultur. 12. Tie Genußmittcl engeren Sinnes in ihrer kulturgeschichtlichen Be- deutung. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städtischem Verkaufs-Vermittler, Berlin, den 21. Dezember 1886.j Geräucherte und marinirte Fische. Es kommen noch zu viel geringe schwedische Heringe auf den Markt, um ein Steigen der Preise zu ermöglichen. Engros- Auktion täglich um 5 Hhr Nachmittags im Bogen 4. Regelmäßige Zufuhren er- wünscht, bringen steigende Preise. Bratheringe ver Faß 1,25—1,50, größere 2,50 M. Russische Sardinen 1,50—1,60 M. Rheinlachs 2,50—2,90, Weser- und Lstseelachs 1,20—1,60, Flundern, kleine 2,50-5,00 M., mittel 7,50-16 M., große 18-27 M-, Herinasbücklinge 0,85—1,50, Bücklinge I. 1,20—2,00 M. ver 100 Stück. Sprotten 45—80 Pf. per Kiste. Kieler Sprotten 15—20 Pf. pr. Pfd. Rauckaal 0.80—1 M. per Pfd. Nur bei andauernd regelmäßigen Sendungen ist den Absendern der Berliner Markt von Nutzen, weil die guten Preise in knapper Zeit die gegenwärtigen schlechten Preise wieder ausgleichen. Fische. Heckte 30—40 M. per Ztr. Karpfen 35— 64 er 55— 75 M. per Ztr. Wild. Trotz großer Zufuhr ging die Waare zu guten Preisen fort. Hasen, ausgeworfen, ohne besondere Verpackung, aus Stangen von 10 Stück 3,50 bis 3,90 pr. Stück, Kaninchen, ausgeweidet 50—55—60 Pf. per Stück. Rehe ausgeweidet Ia(junge, feiste, gut ge- schossene) 52—70 Pf., l!a(sehr starke und sehr fehlerhaft zerschossene) 40—50 Pf. pr. Pfd. Rothhirsche,>a 40—55, I• 32—45, Dammwild> 40—60, 1 a 31—45 Pf. per Pfund. Wild' schwein 40 bis 50, kleine 50 bis 65 Pf. pr. Pfund. Fasanenhennen 3,00—3,50, Fasanenhähne 4,25— 5,00 M» Krametsvögel 30—36 Pf. per Stück. Tie Wildauttionen wer- den täglich im Bogen 4 um 6 Hhr Nachmittags abgebalten, Geflügel. Größere Zufuhren von fettem Geflügel, besonders fette Gänse und Puten, sehr erwünscht Gänse, 8-10 Pfd. schwere, 46-54 Pf., über 10-15 Pfd- 52—62 Pf., Fettgänse über 15 Pfd. schwer sehr rar und gut bezahlt 60 Pf. und mehr per Pfd. Junge Enten 1,50—2,50, fette Enten 60—65 Pf. per Pfund, über 10 Pfund schwere fette Puten 69—80 Pf. Pfd., Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20-1,70 M, Tauben 30 bis 40 Pf., Poularden 4,50—8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Lebende Gänse zum Mästen 2,00—8,00 M, lebende Enten 0,90—1,50 M. Auktion täglich im Bogen 4 um 6 Hhr Nachmittags. Hm gute Preise zu erzielen, sollen Gänse unter dem Halse geschnitten, vollständig gerupft, Flügel und Fuhr auf den Rücken gebunden, nicht gebrüht und nicht gesengt se'w Enten, Puten und Hühner sollen am Halse geschnitten seid' der Kopf, die Flügel und Schwanzfedern werden nickt lw- genommen._ Fleisch. Nack Errichtung der Fleischschau in der halle wird es möglich, mit Beginn des nächsten Jahres den Verkauf von geschlachtetem Vieh hier zu vermitteln. Den Interessenten gebe ich gern jede nähere Auskunft Fleischkommisfionshandel in unserer Markthalle dürfte für Landwirthe und Schlächter von weittragender Bedeutung ft'"* Vorläufig find unverlangte Fleischsendungen nicht anzuraten- da die Fleisch- und Viehpreise hier niedrig und durch die Zn- fuhr von Wild und Geflügel sehr gedrückt werden. Obst und Gemüse. Größere Zufuhren sehr erwünftb Die Preise steigend. Birnen 10-20 M.. feinste Sorten 20-40 M.. Aepfel 6,00-9,00 M.. Tafeläpfel 10-20 feinste Sorten 20-36 M.. Wallnüffe 20-30 M-, 0�% 12—15 M. pr- Ztr. Apfelsinen, Valencia 12—20 M, kW 20—40 M. pr. Zentner. Zittonen, Malaga 20—25 M-®' mische Backflaumen 10—13 M.. � Weißfleischige Speiselartoffeln 3,00-3,60, rothe 2.80-°!� blaue 2,80-3,20 per 100 Ko.. groß Sellerie 7-10, 3-7 M., Meerrettig 7-12 M., Zwiebeln 4,50-6-8% Blumenkohl 30-40 M. pr. 100 Stück. Kohlrüben 1�0-2,00� per Zentner. Pflanzen. Rosen-Hochstämme 35—55, niedrig-vered 15-20 M. pr. 100 Stück. Eier 3,20 M. pr. Schock. Sorten 55—72 M pr. 50 Ko. 55 in. Ii. OD— DO Äll. Lerantwortltch für dm polttischm Theil und Soziales»lax Schivpel. für Vereine und Versammlungen F.Tntzauer. fürdm übrigen Thril der Zeitungtz«.(ronbetrn sämmtlich w Druck und Verlag von Max Badina in Berlin SW„ Beuthstraße 2. ,uu