Pr. 803» Dienstag, de« 28. Dezember 1886. A JabrA» MiiurHollisblall Brgan für die Intereffrn der Arbeiter. 4 AbxummeutS'Eillladllllg. Zum bevorstehenden Quartalswechsel erlauben wir uns, zum Abonnement aus das „Kerlwer Uolksblatt" «dst der wöchentlich erscheinenden Gratisbeilage „Allustrirtes Sonntagsblatt" einzuladen. Der StandMnkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht aus dem Boden des unbeugsamen Rechtes. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und heute schon bevorzugter Gesellschaftsklassen findet. DaS..Kertiner Uolksblatt" sucht seine Aufgabe durch sachliche Behandlung der politischm als auch der Tagesfragen zu erfüllen. Die gleichm Grundsätze leiten uns bei Besprechung unserer städtischen Angelegenheiten. In unserm täglichen Feuilleton haben wir mit der Ver- öffentlichung des berühmten sozialpolitischen RomanS ♦U von Disraeli, „Sybi0 der für unsere Leser von Natalie KiebKnecht übersetzt worden ist, bereits begonnen. Neu hinzutretenden Abonnenten wird der Anfang dieses überaus spannenden und lehrreichen Romans gratis nach« geliefert. Der Zibo-uueureutspuel« beträgt für das ganze Viertel« jähr 4 M., monatlich 1,85 M., wöchentlich 85|>f. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstraffe 44, entgegengenommen., Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalt»» Be- stellungen an. Die Rebaktion«nb Expedition des„Kerliner Molksblatt". Der Cntrü ftun g s lturm. den während der Weihnachtsferien des Reichstags die Kon- servativen und Nationalliberalen in Szene setzen wollten, ist kläglich nach allen vier Himmelsrichtungen zerstoben. Die paar Versammlungen, in denen der Reichstags- Opposition der Pelz gründlich gewaschen werden sollte, sind so elendiglich verlaufen, daß es einen Hund jammern konnte. Mrtstai] Zseuilreton. Disraeli. [2 Wenn die Politik in denselben eine große Rolle spielt, so hat daS seinen sehr natürlichen Grund in der Lebens- stellung und Beschäftigung des Autors. Der Dichter soll in daS Leben hineingreifen. Hineingreifen kann er aber nur m das Leben, welches ihn umringt. Und das hat Disraeli ge- than. Hiennit ist auch zugleich der andere Vorwurf wider- legt, Disraeli habe namentlich in seinen späteren Romanen nur Personen und Zustände der höheren und höchsten Ge- sellschaft vorgeführt. Das ist zum Theil falsch, und soweit eS nicht falsch, kein Fehler. Daß Disraeli in allen Klassen und Ständen den Menschen zu finden wußte, das hat er durch seine„ S y b i l" gezeigt, welche die englische Ar- beiterbewegung zu Ende der dreißtger und Ansang der vierziger �ahre behandelt, und daß er von der Lage der Fabrikarbeiter in den großen Industriezentren und von den Bestrebungen der Gewerkschaften und der Chartisten die glänzendste und doch treueste Schilderung giebt, welche die Literatur kennt. Da« einzige Werk, welche« ihr nahe kommt, ist KingSlep'S„Alton Loae". Und daß Disraeli'« Feder nicht durch du Politik aus« schließlich gelenft ward, zeigt unS das in der Farbenpracht de» Hohenlieds funkelnde Heldengedicht in Prosa:„David Mroy", die Geschichte einer der mittelalterlichen Juden» erhebungen gegen die Muhamedaner. David Alroy hat das Blut de« Königs David in den Adern, er brütet lange dar- über, wie er sein niedergetretenes Voll wieder zu Ehren bringen kann; ein Streit mit einem muhamedanischen Prinzen, den er tobtet, macht seinem Brüten ein Ende, zwingt ihn zur That,— er wallfahrtet nach Jerusalem, erlangt das geheimnißvolle Szepter SalomonS und entfaltet die Fahne der Rebellion. Siegreich, so lange er den Willen de« alttestamentarischen Gottes und der rechtgläubigen Priesterschaft vollstreckt, beginnt er zu sinken im Moment, wo er sich von Gott und der Priesterschaft abwendet. Vor Die öffentliche Erklärung des sächsischen Landtagsabgeordneten Schreck, der angeblich deutschfteisinnig ist, gegen seine Parteigenossen im Reichstag machte einen geradezu kindlichen Eindruck, da Herr Schreck als Kon« fusionarius männiglich bekannt ist. Es war in der That nicht nothwendig, daß der dcutschfreisinnige Parteiapparat arbeitete und dies unbedeutende Kerlchen aus der Partei entfernte. Doch die konservative und nationalliberale Presse ist in den letzten Tagen recht niedergeschlagen ge- worden; sie sagt, daß gar kein Entrüstungssturm geplant worven fei— diese Füchse, denen die Trauben zu hoch hängen, und die dann lügen, sie möchten sie nicht, die Trauben seien zu sauer. Aber einzelne dieser Blätter sind doch schlauer; sie er- klären, daß der Entrüstungssturm unnöthig sei, da ja die Entrüstung gegen die„Opposition" in der Militärftage so schon im Lande hochgradig genug vorhanden wäre. Für diese Stimmung habe der nationalliberale Herr von Bend« in der Militärkommission gesorgt, wo er den berühmten Ausspruch gethan, daß die Verschleppung der KommissionS- Verhandlungen„dem Verrath am Vaterlande g l e i ch k o m m e". Ein nationalliberales Blatt schreibt, daß diese Kritik des nationalliberalen Redners, der übrigens obige Worte in der Militärkommission gar nicht gebraucht hat, sondern nur von einer„Gefahr für das Vaterland" sprach, die inder Vertagung der Kommission liege,„der Ausdruck eines tief verletzten, warmen patriotischen Gefühls sei". Diese Annahme ist allzu komisch für den, der den nüchternen, philiströsen Zahlenbenda kennt, welcher jedes Jahr nur eine Rede hält und zwar zum Etat, die langweiligste, die über Haupt im Reichstage gehalten wird. O, du heilige Unschuld, die sich in nationalliberalen außerreichStäglichen Kreisen zur Schau stellt I „Wir brauchen keine Entrüstunasbewegung in Szene {u setzen, sie ist da, und sie hat sich mit einer Kraft und lrsprünglichkeit entwickelt, welche leine Agitation herbeizu- führen im Stande wäre"— so lamentirt das„Leipziger Tageblatt", das Hauptorgan der Nationalliberalen in Sachsen, über die verfehlte„Entrüstungskomödie"; denn daß die Auf- führung derselben in der Absicht der Nationalliberalen lag, das können sie auch mit der frechsten Stirn von der Welt nicht ableugnen. Kurz und gut— die Entrüstungistürmler sind gründ- sich hineingefallen, sie sind gescheitert an dem gefunden Sinne, der trotz alledem im Volke herrscht.--- Ueber die Vertagung der Militärvorlage durch den Reichstag selbst wollen wir die„Bürgerzeitung" in Ham- bürg bier fprechen lassen. Da« genannte Blatt äußert sich folgendermaßen: dem Tode aber versöhnt er sich mit Jehovah und sühnt seine Schuld. Wenn man diese« merkwürdige Epo«— Disraeli selbst hat es eine„vonckrons tale", wunderbare Erzählung, genannt— durchliest, glaubt man abwechselnd da« Hohelied, Davids Psalmen, oder da« Buch der Makkabäer vor sich zu haben. Disraeli hat auch ein Drama geschrieben:„Count(Graf) Alarcos": AlarcoS, ein Vetter ve« Königs von Kastilien, ist mit dessen Tochter verlobt, wird durch die Königin, deren Liebe er verschmäht, zur Entfernung vom Hof genöthigt, heirathet eine andere, sucht aber hernach doch die Hand der' Königstochter zu erlangen, und verstrickt sich, vom Ehrgeiz getrieben, in ein Netzwerk verbrecherischer Jntriguen, in welchem er zuletzt sich selbst fängt und zu Grunde geht. Eine reiche, ja üppige Phantasie, eine blendende, bilderreiche Sprache und witziger Dialog, die in keiner Dichtung Dis- racli'S fehlen, zeichne« auch diese Tragödie au«, können je- doch die Thatsache nicht verhüllen, daß DiSraeli bei all' seiner dramatischen Kraft für da« Drama keine» Beruf hatte. Mit dem„Vivian Gretz", der 1826 erschien, fand Disraeli sein eigentliche« Genre: den sozialpolitischen Roman. Hier ist er er felbst; und hier wirft er den Schatten seiner kommenden Größe vorau«. Schon das Motto ist charakteristisch und prophetisch: Why ten, the world'o my oy«ter, Which I with aword will open Die Welt ist meine Auster; ich will sie mir mit dem Schwert öffnen. Er hat sie sich geöffnet mit dem Schwerte de« Geiste«. Bei der Fabel de«„Roman«", wenn anders für diese lose aneinandergereihten fatirifchen Skizzen der Ausdruck Roman erlaubt ist, halten wir uns nicht auf— nur soviel; in Vivian Grey haben wir DiSraeli wie er leibt und lebt, mit seinem Ehrgeiz, seinem Selbftvertrauen und seiner Ver- achtung für die Mitglieder der regierenden Klasse. Der „Judenjunge" erkennt, daß die englische Aristokratte das Zeug nicht in sich hat, ihre Herrscherstellung au« e genen „Der Reichstag hat sich um das Vaterland verdient- gemacht, indem er die Entscheidung über die neue Militär- vorläge bis uach Neujahr hinausschob. Wir sind durchaus im Ernst.— Durch die Taktik der Regierung, welche einen Krieg als wahrscheinlich oder doch leicht möglich hinstellte, und insbesondere durch die Rede des Feldmarschalls Moltke war die öffentliche Meinung nicht blas in Deutschland, sondern auch im ganzen übrigen Europa aufS Aeußcrste be-» unruhigt worden; und namentlich in Frankreich wurde die Sache fo ausgefaßt, als wolle die deutsche Reichsregierung um jeden Preis Frankreich angreisen. Das war eine ge- fährliche Stimmung, eine gefährliche Situation.— Das Ge- schrei der Nationalliberalen, die auf sofortige Entscheidung drängten, weil Gefahr im Verzuge sei, konnte die Lage natürlich nur verschlimmern. Indem der Reichstag die Schreier energisch zurückwies und unbekümmert um ihr Toben daS neue Mrntiirgesetz zwar nicht dilatorisch, aber doch im ganz gewöhnlichen Tempo behandelte, hat er der Welt den Beweis geliefert, daß die Vertretung des deutschen Volkes die Situation nicht für gefährlich hält und von einem Kriege nichts wissen will. — Wir können uns keinen Beschluß des Reichstags denken, der mehr als dieses sein Handeln in Sachen der neuen Militärvorlage geeignet wäre, das schwindende Vertrauen der Völker in die Erhaltung des Friedens zu stärken. Und darum wiederholen wir: der Reichstag hat sich um daS Vaterland verdient gemacht." Wir können dem nur zustimmen.— Um aber auf den„Entrüstungssturm" noch kurz zurück zu kommen, wollen wir noch einen Ausspruch des obengenannten nationalliberalen Blattes hier wiedergeben: „Alles andere Interesse ist vor der mit furcht» barer elementarer Gewalt hereingebrochenen Schnee- katastrophe vollständig in den Hintergrund gedrängt.* DaS heißt mit anderen Worten: Wenn der„Eni- r ü st u n g s st u r m" nicht aus anderen Gründen kläglich in den Lüften verlaufen wäre, dann wäre er mit elementarer Gewalt hinweggefegt worden durch den Schneesturm. Ein netter„E ntrü st ungs stürm" das! PolMsche Ueverstcht. In Frankfurt a. Main haben die Ausweisungen be» gönnen. Wir entnehmen der„Franks. Ztg." darüber folgende fftachrichten: Frankfurt, 25. Dezember. Wie uns bereits in verwichcner Nacht mitgetheilt wurde, haben eine Anzahl Mitglieder der sozialdemokratischen Partei seitens der hiesigen Polizeibehörde Vorladungen auf heute Vormittag behufs münd» licher Vernehmung unter gleichzeitiger Androhung der Zwangs- Vorführung erhalten. Man vermuthet, daß es fich um die Ausweisung der betreffenden Personen handelt. Die Vorladun» gen wurden den Betreffenden gestern zwischen 5 und 6 Uhr Geistesmitteln zu behaupten, daß sie jemand braucht, der sie führt, der sie rettet. Die ganze politische Karriere Benjamin DiSraeli'S läßt sich zwischen den Zeilen herauslesen. „Wa« ich will, das kann ich," ist daS„Leitmotiv" seines RomanS, wie es das Leitmotiv seines Lebens war, die Allgewalt des menschlichen Willens.— Und der Wille ist nicht blos Erfolg, er ist Genie. Zu Anfang der dreißiger Jahre veröffentlichte DiSraeli das sogenannte„Revolutionäre Epos"(Re olutionary Epic), welches ihm später mancherlei Verlegenheiten be- reitet hat. Mit der Poesie— es ist nämlich ein Epo« in Versen— hatte er kein Glück. Das„Revo- lutionäre EpoS" enthält nämlich eine Verherrlichung de» Tyrannenmords und wurde während der Parlamensdevatten nach dem Orsini' Attentate, als Lord Palmerston das Asyl- recht zu beschränken suchte— und dadurch seinen Sturz herbeiführte von den Liberalen und Radikalen gegen DiSraeli mit boshaftem Behagen ausgespielt. Er hat her- nach eine„verbesserte", d. h.„gereinigte" Ausgabe des schlim- men Gedichts veranstaltet. Die beiden Romane„Venetia" und„Henrietta Temple" sind künstlerisch dem besten, was Disraeli geschrieben hat, an die Seite zu setzen; sie haben für uns aber jetzt ein untergeordnete« Interesse, weil sie der Individualität Disraeli'« weniger zum Ausdruck dienen; sie kommen von allen Disraeli'schen Romanen dem Ideal des gewöhnlichen Roman- Publikums am nächsten. „ConingSby" und„Sybil", die Anfangs und Mitte der vierziger Jahre geschrieben sind, haben wir bereits al« die hervorragendsten Schöpfungen DiSraeli'S bezeichnet. Da« politische Element wiegt in diesen beiden Romaneu allerding« vor; aber hat dasselbe denn nicht seine poetische Berechtigung? Es sind Tendenzromane, gewiß! Aber hat der Dichter nicht das Recht, seine Anschauungen in seinen W ecken zu verkörpern? Eine unfruchtbare Theorie mag sich mit diesen Fragen abquälen, die Praxis hat sie längst., be- antwortet. Der Roman der Gegenwart, ja fast die ganze Literatur der Gegenwart ist sozialpolitisch. Und wie wäre Abends zugestellt. Als Vorgeladene werden uns vorläufig ge- ncmnt: So bor, Fl>ischmann, Jak. Schmidt, H. Gchr. Wir babcn, obwohl uns eine Vorladung gezeigt wurde, doch heute fitacht Anstand genommen, von der Mitteilung Notiz zu neb» men, weil wir es für absolut ausgeschlossen hielten, daß die Polizeibehörde am ersten Weihnachtstag eine solch harte Maßregel über eine Anzahl hicfiger Einwohner und ihre Familien verhängen könne. Leider find uns im Laufe des Vormittags Mittheilungen zulangen, die keinen Zweifel darüber lassen, daß die Landes- Polizeibehörde auch diejenige Rücksicht, die selbst die feurigsten Befürworter strenger Maßregeln gegen? die Sozialdemokratie von ihr erwartet haben mögen, die Rücksicht auf das häusliche Glück am Weihnachtsfeste nicht hat walten lassen. Den auf heute Vormittag vorgeladenen Personen— eine größere Zahl, darunter viele Familienväter— wurde einzeln eröffnet, daß sie aus dem Bereich des kleinen Belagerungszustandes ausgewiesen seien und bei Strafe der Verhaftung das bezeichnete Gebiet bis spätestens Dienstag Vormittag verlassen haben müßten. Unter den Ausgewiesenen befinden sich die Herren Gabor, Jakob Schmidt, Emil Flcischmann, Conradi, Hermann Gchr, Schreiner Schäfer, Schreiner Neu, Schreiner Kurz und Maurer Adam Weber. In Bockenheim wurden u. a. auf Grund des Sozialistengesetzes ausgewiesen: Lackirermeister Schwenck, Gastwirth Rentz. Auch Bornheimer Einwohnern find Vorladungen auf den Montag zugegangen. Wegen Vergehens gegen das Dynamitgesetz ist von der Dortmunder Strafkammer ein junger Bergmann zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Derselbe hatte von der Zeche einige Dnnamitpatronen mit nach Hause genommen und dieselben am Abend des 21. März zu Ehren des Geburtstages des Kaisers verschossen.— Ein merkwürdiges Gesetz das! Von über hundert Verurtheilungen, die dasselbe schon im Gefolge hat, bat nur e i n e e i n z i g e eine Per- son betroffen, gegen die das Gesetz gerichtet sein sollte. Und bei dieser einen Person war man noch zweifelhaft, ob sie den Sprengstoff zu einer Gewaltthat benutzen wollte. Sämmt» liehe andere Verurtheilte kannten entweder das Gesetz gar nicht oder hatten absichtslos, aus Vergeßlichkeit, aus Leichtfinn eine Portion Sprengstoff bei fich geführt. Und jetzt sogar wird ein junger, gcsetzesunkundiger Mensch zu drei Monaten Gefängniß verurtherlt, weil er, anstatt mit einer Pistole, mit einer Dynamitoatrone zu Ehren des Kaisers geschossen hat. Ein merkwürdiges Gesetz das! Zum Verbot der„Thüringer Waldpost" schreibt die „A. Abenddztg.": Der für den Verlag verantwortliche Redak- teur W. Eichhoff suchte schon vor Ausspruch des Verbots die Zuständigkeit der k. Kreisregierung zu bestreiten, weil das Blatt im Vicreck'schen Geschäft lediglich redigirt und gedruckt worden sei, zum eigentlichen Verleger aber einen Hrn. P. Ed. Wehdcr in Sonncberg in Thüringen habe. Der Thatort sei somit nach dem Soziaristengesetz die Stadt Sonnebcrg. Tie k. Regierung versagte diesem Einwand seine Berechtigung nicht, erklärte sich aber für nebenzuständig, weil am Kopfe des Blattes der Ver- merk stand: Filialexpedition für München: Senefclderstr. 4,'. Das Viereck'sche Geschäft wird durch dieses Verbot sehr hart getroffen; an periodisch erscheinenden Organen giebt es nun- mehr nur noch das„Recht auf Arbeit" und den„Süddeutschen Postillon" heraus, nachdem eine ganze Serie von Blättern, wie „Süddeutsche Post",„Rheinisches Wochenblatt",„Deutsches Wochenblatt" ic., ihm auf Grund des Sazialistengesetzes ver- boten sind. Der Reichstagsabaeordnete Frohme verbüßt bekanntlich die ihm im Freiberger Sozialistcnprozeß zudiktirte Strafe in dem Gefängiß zu Preungersheim hei Frankfurt a. M. Es wmde nun darauf hingewiesen, daß Frohme keine Selbst- beköstigung gewährt wurde, während seine in Zwickau und Chemnitz wegen derselben Sache inhaftirten Kollegen dieselbe bewilligt erhielten. Diese verschiedenartige Behandlung ist auf die Verschiedenheit in den Bestimmungen über den Strafvoll- zug zurückzuführen, die durch Reichsgesetz noch nicht geregelt find. In Preußen ist am 16. März 1881 ein Reglement für alle dem Justizministerium unterstellten Gefängnisse erlassen worden. Dieses giebt dem Gefängnißvorstcher diskretionäre Be- tügniß zu entscheiden, welche Beschäftigung— wie§ 16 des Etrafgesetzbuches vorschreibt— als eine„den Fähig« ketten und Verhältnissen des Gefangerren angemessene" zu gelten hat; er kann Gefangene von den sogen. Hausarbeiten (Scheuem, Lampen- und Klosetputzcn rc.) entbirrden, die Dauer der reglementsmäßigen llstündigen Arbeitszeit und den Um- fang des Arbeitspensums für Einzelne herabsetzen, Gefangene nach Befinden von jeder Zwangsarbeit dispcnsiren und den- jenigen, welche im Urthcil nicht der bürgerlichen Ehrenrechte für verlustig erklärt sind, die eigene Kleidung und Wäsche be- lassen, und fie damit zugleich von der Bart und Haupthaar raubenden Schecre des Gefängnißbaders befreien. Dagegen ist die Selbstbeköstigung beim Vollzuge der Gesängnißstrafe grund« Mlich ausgeschlossen. Ja, den Sträflingen rst nicht einmal gestattet, mit dem für fie bei der Gefängnißverwaltung cinbe- -ahiten Gelbe sich sogenamrte Zubußen zu kuufen, während die Hausordnung aus dem vom Staate bezahlten Arbeitsverdienst mich dem mst Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte Bestraften -es anders möglich, da die Gegenwart der Sozialpolitik gehört? Disraeli ist, wie nach seinem Tod in den englischen Leitungen zu lesen war, an dem eisigen Ostwind ge- starben, den keine noch so sinnreiche und kostspielige Vor- richwng vollständig vom Krankenzimmer fern zu halten ver- mochte. Und dem Einfluß der politischen Atmosphäre können wir uns noch weniger entziehen, als dem des April- windes. Den sozialpolitischen Zeitinhalt von dem Roman, über- Haupt von der Kunst ausschließen wollen, heißt dem Roman, der Kunst in der Gegenwart die Existenz ab- sprechen. Der sozialpolitische Roman ist der Roman der Gegen- wart. Und Disraeli ist der Schöpfer des modernen sozial- politischen Romans. Ern guter Uebersetzer hätte hier eine dankbare und sicher uuch lohnende Aufgabe. Sind in„Coningsby" und„Sybil" die allgemeinen sozialpolitischen Anschauungen Disraeli's niedergelegt, so hat er uns in„Tancred" seine Ansichten über die orientalische Frage mitgetheilt.„Ihr Engländer," sagt Fakredin, einer der Helden,„müßt den alten Plan Portugals in großem Stile verwirklichen. Ihr müßt ein kleines und erschöpftes Land mit einem großen, weit ausgedehnten Reiche vertauschen. Laßt die Königin von England ihre Flotte versammeln, laßt sie ihre Schätze, ihr Geld, ihr Goldgeräthe und ihre kost- baren Waffen in die Schiffe verladen, laßt sie, begleitet von ihrem Hofstaat und ihren Großen,» den Sitz ihrer Regierung von London nach Delhi verlegen. Da wird sie ein unge- h eueres Kaiserreich fertig vorfinden, ein zahlloses Heer und glänzende Einkünfte. Ich will für Surren und Kleinasien sorgen. Die einzige Möglichkeit, die Afghanen zu regieren, ist: durch Persien und die Araber. Wir wollen dann die Kaiserin von Indien als Oberlchn�errin anerkennen und ihr die Küste der Levante sichern. Wenn sie will, soll sie Alexandrien haben, wir sie jetzt Malta hat. Das wäre zu wachen. Eure Königin ist jung, sie hat eine Zukunft. Aberdeen und Peel werden ihr niemals diesen Rath geben; sie stecken}u sehr in ihren gewohnten Vorstellungen und den Bezug solcher Zusatznahrungs- resp. Genußmittel ohne weiteres gestattet. Diese Bestimmung, sagt der auf dem Ge- biete des Gcfängnißwesens mit Recht als Autorität geltende Direktor des Hamburger ZellengefängnisseS, Streng, in seinen „Studien über Entwickclung, Ergebnisse und Gestaltung des Vollzugs der Freideitsstrafe in Deutschland",„wird bei striktem Vollzug leicht zu einer nicht zu rechtfertigenden Härte ausarten". Damit ist wohl genug gesagt über den Fall Frohme, denn daß bei den dermalen in Preußen herrschenden Regierungsmaximen für politische Gefangene nicht etwa günstigere Sonder- bestimmungen Platz greifen, ist wohl überflüsfig erst noch zu erwähnen. Aus Sachsen. Limbach. Ende September machte durch die Reptilienpresse eine Notiz die Runde, daß die Führer der Sozialdemokratie in Limbach bei einer geheimen Versamm- lung überrascht und verhaftet worden seien. Wir find nun in der Lage, die volle Wahrheit darüber zu veröffentlichen. Ein hiefiger Sozialdemokrat hatte in Folge einer kleinen Festlichkeit mehrere Gleichgesinnte zu fich geladen, um einen fröhlichen Abend zu begehen. Dieses Beisammensein war nun durch Denunziation der Polizei bekannt geworden. Nachts gegen 11 Uhr trat der hicfige Stadtwachtmeister Jrmscher nebst einer Anzahl Begleiter unter die Anwesenden und erklärte: Meine Herren, Sie haben eine geheime Versammlung und find alle- sammt verhaftet.— Alles vorgefundene wurde konfiszirt und nach der Rathsstätte gebracht. Aber unter allen Schriften war nur ein nerbotenes Buch, welches Eigenthum des betreffenden Stubeninhabcrs war. Unser„Limbacher Tageblatt", ein Wasch- zettel, wie man ihn nicht besser wünschen kann, berichtete dann auch sofort, daß die Versammlung(!) bei geschlossenen Fenster- lüden und Thören stattgefunden hätte, und viele(!) verbotene Schriften und sonstiges Material der Beschlagnahme verfallen Jeren.— Natürlich nach bekannter Reptilicnmanier frech gelogen! Im ganzen Haus befindet fich auch nicht ein Fensterladen und eben so wenig waren die Thüren geschlossen. Die staatsanwalt- schaftliche Untersuchung hat nun ergeben, daß auch nicht das ge- ringste Beweismatcrial zur Erhebung einer Anklage vorlag, in Folge dessen die Untersuchung eingestellt wurde. Davon hat natürlich das obengenannte Organ der hiesigen Philister und Spießer noch nichts berichtet.— Ter Glasermeister Emil Ludwig denunzirte aus Rachsucht dm bei ibm früher beschäftigtm Glasergesellen Louis Bockert wegen Verbreitung verbotener S-triften, Halten von aufrührerischen Reden u. s. w. Da nun letzterer bei den seiner Zeit Ver- hafteten war, so nahm man sofott eine Haussuchung vor und konsiszirte Briefe und ein sozialdemokratisches Liederbuch. Die Denunziation war wieder umsonst; die staatsanwaltschaftliche Untersuchung mußte ebenfalls wieder eingestellt werden. Vor wenigen Tagen wurde wieder bei zwei hiesigen Arbeitem eine Haussuchung vorgenommm, die aber rcsultatlos verlief.— Neugersdorf. Unser Theil der Oberlaufitz galt immer als Einöde in der Abeiterbcwegung, wo sich niemand um die sonstige Arbeiterbewegung zu kümmern schien. Im Herzen der Arbeiter sah es freilich anders aus, da ver- folgten fie jeden Vorgang und dachten auch daran, Mittel und Wege zu finden, ihre Lage zu verbessern. Man glaubte vielfach, die Oberlausitzer Arbeiter seien von der Intelligenz der übrigen sächsischen Arbeiter ausgeschlossen, doch es war nur der ungeheure materielle Druck, der auf ihnm lastete, welcher sie verhinderte, auch thatkräftig an der Arbeiterbewegung Theil zu nehmen. Kaum regt es sich allhier und beginnen fich Fach- vereine zu bildm, als mau auch schon die Bewegung ver- leumdet rrnd denunzirt. Vor einiger Zeit hielt Herr Landtags- abgeordneter Kaden in Altgersdorff und Eibau Volksversamm- hingen ad, wobei er allgemeine Zustimmung fand. Der Fabrikbesitzer Wünsche in Ebersdach hat, um der Arbeiterbewegung entgegen zu wirken, einen sogenannten Arbeiterverein gegründet. Mit Ach und Krach wurden 20 Mann zusammengebracht. In der Hauptsache find es Beamten der Wünsche'schen Fabrik. Die Wünschc'schc Fabrik zeichnet fich durch sehr geringe Löhne aus, weshalb sich die Arbeiter im Frühjahr gezwungen sehen, die Arbeit einzustellen. Dafür wird aber als geistige Speise das„Ebersbacher Wochenblatt" unentgeltlich an die Arbeiter der Fabrik vertheilt. Gewiß eine interessante Lohnentschädigung. Tie Löhne sind in unserer Gegend die denkbar schlechtesten. Aus Süddeutschland. Nürnberg, 20. Dezember. In den frühen Morgenstunden des gestrigm Sonntags wurde hier, wie überhaupt im ganzen Wahlkreise, von sozialdemokratischer Seite in 25 000 Exemplaren ein Flugblatt verbreitet, welches die vom Nürnberger Reichstagsabgeordneten Grillen- b e r g e r im Reichstage anläßlich der Militärvorlage gehaltene Rede im Wortlaut enthielt. Roch im Laufe desselben Vonnit- tags verfügte das kgl. Bezirkeamt die Beschlagnahme des Flug- blattes und gleichzeitig wurde auch in der Druckerei der sozial- demokratischen„Fränk. Tagespost" Haussuchung nach etwa noch vorhandenen Exemplaren vorgenommen— ohne Erfolg jedoch. Die Beschlagnahme wurde, nach Angabe des erwähnten Blattes, auf Grund des Sozialistengesetzes angeordnet, weil in der Rede ein Satz enthalten war, in welchem von der Ausbeutung der Arbeiter durch die Bourgeoisie, für die jene die Kriege führen müßten, gesprochen war.— Herr Regierungsbaumeister Keßler Vorurtheilen; sie sind zu alt, zu schlau! Aber ihr seht selbst: Das größte Reich das jemals bestand! Und hat sie das, so ist sie außerdem der Scheererrien mit ihren zwei Kammern enthoben. And alles ist völlig ausführbar, da der einzige schwierige Theil der Sache, die Eroberung Indiens, an der Alexander der Große scheiterte, bereits aus- geführt ist." Der syrische Emir Fakredin, der diesen ZukunftSplan entwickelt, wird zwar von Disraeli als ein hyperwhantastischer, «twaS windbeutlicher Patron geschildert, ist aber doch ein Stück Disraeli, und dreißig Jahre später hat der Premier- Disraeli den Zukunftsplan des Romanschreibers Disraeli— so weit irgend ausführbar— verwirklicht. Die„Scheerereien mit den zwei Kammern" hat sich der Premierminister und Politiker Disraeli aber sehr wohl gefallen lassen, ja Freude daran gefunden.— Man glaube übrigens nicht,„Tancred", der beiläufig ein englischer Adliger ist und sich zu Jerusalem in eine Jüdin verliebt, die er wahr cheinlich auch heirathet, drehe sich bloß um das„Asische Geheimniß"(Asiamystery). „Tancred" bildet den Uebergang zu den beiden letzten Ro- manen Disraeli's:„Lothar" und„ E n d y m i o n", welche in der vornehmsten englischen Gesellschaft spielen und sich innerhalb des Kreises der Crime der Upper T n- ihousand— der oberen Zehntausend— bewegen.„En- dymion", der wenige Monate vor dem Tode des Verfassers erschien, ist wohk der s ch w ä ch st e Roman Disraeli's; die Gesellschaft ist etwas zu— ungemischt und der Kultus der Macht drängt sich oft abstoßend vor. Aber auch dieser Roman trägt das Gepräge seines ge- nialen Urhebers und bildet ein Stück Zeitgeschichte.— Wer das neue England, wer die englische Gesellschaft kennen, hinter die Koulissen der englischen Politik blicken will, der muß Disraeli's Romane nicht bloß lesen, sondern studiren. Was Dickens für die untere Mittelklasse, das ist Dis- raeli für die oberen Klassen. Sein Talent ist ein anderes, kein geringeres- und, mit einem umfassenderen Ueberblick begabt, ist e« ihm besser gelungen, die unteren Klassen zu schildern, als Dickens die oberen. Mit Dickens hat Disraeli genrein, daß er seine Cha« rst wieder von Stuttgart abgereist, um seinen festen Wohnfitz in einem Orte Thünngens zu nehmen. In Stuttgart war Herr Keßler von den Behörden vollständig unbehelligt. Eine konservattve Stimme. Die hochkonservative, sozialistenfriedlicbe„Hallische Zeitung" bringt in der zwctten Ausgabe ihrer Nummer 800 vom letzten Donnerstag folgende mit einem Rcdaltionssternchen versehene Notiz an hervorragen- der Stelle:„Ein sozialistisches Flugblatt„An die Arbeiter Berlins", gedruckt in Zürich, ist m B e r l i n zahlreich ver- breitet worden. Dasselbe schließt mit den Motten:„Vorwätts zu rastloser Thätigkeit und zum endlich befreienden Siege! Hoch lebe die Sozialdemokratie". Die Sprache des Flugblattes ist eine gegen die„Regierung und die Ausbeuterklasse" überaus erbitterte und kann auch nicht annähernd wiedergegeben werden.— Vor der Verhängung des kleinen Belagerungszustandes und vor dem So- ziali st engesetz wäre die Verbreitung solcher Flugblätter in Berlin unmöglich gewesen, ohne die Sozialistenpartei selbst in den Augen der Bevölkerung aufs Tief st e zu schädigen."— Die Thatsache, welche dieser Notiz zu Grunde liegt, ist unfern Lesern bekannt. Doch darauf kommt es hier nicht an. Der gespertt gedruckte Nachsatz ist es, der eine gewisse Bedeutung hat. Das konservative Blatt erklätt, daß das ihm gewiß recht unangenehme Flugblatt eine Frucht des Sozialistengesetzes ist. Vorher sei die Ver- breitung eines solchen Blattes unmöglich gewesen. Das konser- vative Blatt stellt fich somit aus Seite der Gegner des Sozialistengesetzes. Ob die„Hallische Zeitung" den Nachsatz selbst geschrieben oder einem anderen Blatte entnommen hat, darauf kommt es hier nicht an, weil derselbe ohne andere Quellenangabe und noch besonders durch ein Redaktionssternchen von dem konservativen Blatte vollständig für fich in Anspruch genommen wirv. DaS nächste deutsche Vundesschiefien, so jammett die demokratische„Franst. Ztg.", welches in Franffurt a. M- stattfinden soll, wird durch den Belagerungszustand in Frage ae- stellt, denn Jeder, der eine Büchse tragen will, muß die Er- laubniß bei der Polizei nachsuchen. Dieser Jammerschrei ennnett ja bald an den herrlichen Vergleich des Herrn Land- raths Grafen Bismarck von der Hundesperre und den Aus- Weisungen in Berlin.— Doch die nationallibcrale„Berliner Börsenztg." und mit ihr die„Nordd. Allg. Ztg." trösten die arme Fransturtcrin mit folgenden Worten:„Das Verbot des Waffentragens hat in der Presse Besorgnisse wegen des vom 3. dis 10. Juli nächsten Jahres hier abzuhaltenden deutschen Bündesschießens geweckt. Da fich aber die Maßregel ledig- lich gegen die Sozialdemokratie richtet, so besteht bei den zu- ständigen Behörden volle Geneigtheit, dafür zu sorgen, daß die von Nah und Fern erwarteten deutschm Schützen ihre Stutzen und Büchsen unbehelligt und ohne besonderen Waffenschein nach Frankfurt bringen können."— Wir haben gewiß nichts dagegen, wenn im nächsten Jahre in Frank- furt das deutsche Schützenfest abgehalten wird, aber so leicht geht es doch nicht ab, wie die genannten Blätter meinen. Die Maßregel des Waffenvcrbotes bezieht sich in einem belagerten Gebiet, wenn dieselbe auch auf Grund des Sozialistengesetzes erlassen worden ist, nicht lediglich auf Sozialdemokraten, son» dem fie findet auf alle Personen Anwendung. So sind in Berlin bis jetzt an die TO Vcrutthcilunaen wegen verbotenen Waffcntragens erfolgt, die sämmtlich kerne Sozialdemokraten betroffen haben. Und wenn sich nun unter den Schützen« brüdem Sozialdemokraten befänden? Oder gar Anarchisten? Die HeirathSziffer der preußischen Bevölkerung hat seit der Milliardenära stetig fich vermindert. Diese Thatsache ist ein klarer Beweis für den witthschaftlichen Niedergang, welcher es immer größeren Bevölkerungsschichten zur Unmöa- lichkeit macht, sich zu verehelichen. Die Moralstatistik hat längst gezeigt, daß mit dem Steigen der Getreidcpreise die Eheziffer fällt, daß mit der Berbilligung der Lebensmittel, mit der Besse- rung der ökonomischen Zustände, mit dem Emporschnellen der Arbeitslöhne, kurz mit der Erhöhung des proletarischen Standard ok liks die HeirathSziffer sich vemrchtt. Nun ist in Preußen folgende Zahlenreihe ermittelt worden. Es kommen Neuver- mählte auf je 1000 zu Anfang des Jahres Lebende: 1872 20,7, 1873 20,4, 1874 19,6, 1875 18,2, 1876 17,2, 1877 16,4, 1878 15,7, 1879 15,4, 1880 15,4, 1881 15,3, 1882 15,8, 1883 15,9, 1884 16,2, 1885 16,4. Erst in den Jahren 1884 und 1885 macht sich eine äußerst geringere Hebung bemerkbar. Nichtsdestoweniger ist der Unterschied zwischen 1872 mit 20,7 und 1885 mit 16,4 Ehen immerhin noch ein ganz bedeutender. Von einem witthschaftlichen Aufschwung wissen diese Zahlen jeden- falls nichts zu erzählen. Zur Soziatrefonn. Die gouvcmemental gesinnte, sozral- refomiatorisdie„Elbett- Ztg." schreibt;„Die Bearbeitung der Untersuchungsfrage über die Sonntagsruhe im Reichöamt des Jnnem ist ihrem Abschluß nahe. Dem Bundesrath und Reichstag wird eine Uebersicht der Bearbeitung zugchen. Die Behauptung, daß die Regierung f i# kern er Erweiterung der bevor st ehen den G e fetz« gebung entschließen werde, wird Recht de- raktere aus seiner Umgebung nahm; seine Figuren leben. Es ist— meist tadelnd— behauptet worden, er habe Por- träts und Karrikaturen geliefett. Unwillkürlich hat man ihm hiermit das größte Kompliment gemacht. Jedem wahrhaften Künstler passitt es, daß das Publikum in diesem und jenem die Ottginale des Bildes entdeckt. Sehr natürlich; denn die Züge des Bildes sind aus der Äittlichkeit geschöpft. Aber der Künstler entlehnt den Menschen, welche ihm sozu- sagen Modell stehen, nur einzelne Züge, seine Gestalten schafft er selbst. Und das hat Disraeli gethan. Sein Si- donia ist Rothschild und ist nicht Rothschild, sein Lord Roahampton ist Palmerston und ist nicht Palmerston u. s. w. Seine Gestalten lebe«, sind aus dem Leben gegriffen, sind aber keine Potträts. Genug— der Dichter Disraeli steht dem Staatsmann Disraeli ebenbüttig zur Seite. Er hat als Romandichter Hochbedeutendes geleistet,— freilich, der genialste und wun- derbarste Roman, den er gedichtet hat, ist das Leben Ben- jamin Disraeli's, Lordkanzlers von England. Was insbesondere den Roman Sybil angeht, so haben wir zur näheren Onentimng unserer Leser zu bemerlen, daß derselbe dem Gedanken entsprungen ist, in unseren modernen Kulturländern sei die soziale Frage die Hauptfrage, welche die Regierungen zu beschäftigen habe, und könne sich dauernd keine Regierung behaupten, welche sich die Arberterklasse stütze. Ein glühender Gegner des Manchestetthums, will Disraeli ein Bündniß zwischen der Arrstokratte einer- und der arbeitenden Klasse andererserts zur Bekämpfung der manchesterlichen Mittelklasse(Bourgeoisie), die von den beiden Verbündeten wie von zwei Mühlsternen zerrieben werden soll. Ein ähnliches Programm, nur ohne den Hintergrund des freien politischen Verfassungslebens der Engländer, ist zwanzig Jahre später— zu Anfang der 60er Jahre— irr Deutschland entwickelt worden und findet sich auch heute noch in der Idee des sogenannten„sozialen Königthums", dessen Anwälte beiläufig sehr wohl thäten, bei Disraeli etwas in die Schule zu gehen. Wir brauchen nicht zu sagen, daß die Disraeli'sche Idee ein Stückchen konservativer Utopismus war— er hat sie aber genial ausgestaltet, und die reaktionär- romantischen h a lten; in dieser Session wird es keinesfalls dazu kommen. — So! So! Also auch eine Bestätigung von dieser Seite. Schließlich bleibt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" noch allein übrig, um in das mißtönende sozialreformatorische Horn zu blasen. Verboten auf Grund des Sozialistengesetzes wurde die im Beilage von C. Teichmann in Kassel erscheinende periodische Druckschrift:„HessischerVolksfrcund. Unabhängiges Blatt für Jederman". Der„Hess. Volksfr." war ein ungemein gemäßigtes Arbeiterblatt. Kelgie«. Aus Brüssel, 23. Dezember, schreibt man der„Weser« Zeitung":„Fort mit dem Staate aus der S ch u l e! Die freie— naturlich von den Bischöfen geleitete— Schule soll allein herrschen!"— also verkündete gestern aufs Neue der Baron Surmont unter dem Beifalle seiner klenkalen Gefinn- ungsgenossen im belgischen Senat als das allein seligmachende Parteiprogramm. Und die Klerikalen stehen diesem Ziele wie» der näher. Der greise Minister Thonissen, so beißt es mit Be« stimmtheit in parlamentarischen Kreisen, tritt demnächst zurück und der jetzige Justizminister Devolder übernimmt Inneres und Unterricht. Als aefinnungstüchtiger Jesuitenschülcr wird er mit dem staatlichen Schulwesen ganz anders aufräumen, als sein immerhin gemäßigter Vorgänger. Frankreich. Die Republik, wie sie nicht sein soll, ist die französische Bourgeoisrepublik der Herren Thiers, Mac Mahon und Grevy. Heber die Verwaltung der französischen Staatsmaschine bringt das„Journal des Debats" eine Reihe von Enthüllungen, aus denen der„Nürnb. An;." folgendes mittheilt: Nach dem Jahre 1871, nachdem die großen äußeren und inneren politischen Fragen gelöst warm, ernannte die Nationalversammlung eine Spezialkommisflon zu dem Zwecke, die nothwendigen Reformen deHufs der Erzielung von Erspamissen m den verschiedenen Zweigen der Zcnttalverwaltungen zu studiren und vorzuschlagen. Die Enquetemitglieder machten sich mit den Details aller Ge- schäftszweige bekannt und überließen sich einem genauen Stu- dium über die Erfordemiffe des Dienstes und über die strikte nothwendige Anzahl der Beamten. Die Resultate dieser Untersuchungen waren geradezu erdrückend(accablane). Es wurde unter Anderem tonstatirt, daß in den verschiedenen Ministerien die Durchschnittsardeit jedes Angestellten täglich zwei Stunden bettage und daß überdies der größere Theil der Beschäftigung überflüssige Vielschreiberei(xapsrasaerio) fei. Was die Ausgaben für das Material anbelangt, so hatten dieselben eine geradem unglaubliche Höhe erreicht. Das Resultat der gepflogenen Recherchen mußte daher selbstverständlich Reduktion des Bcamtenheeres, Einschränkung der Material- ausgaben auf ein vernünftiges Maß sein. Die Enquete blieb herkömmlicherweise rcsultatlos. Die Kommisflonsberichte wurden zwar durch den Druck veröffentlicht, aber die Dinge nahmen ihren früheren Verlauf. Wir können auch nicht annähemd, auch nicht summarisch die unzähligen Mißbräuche bezeichnen, welche offen und unbehelligt in den meisten Ministerien zur Tagesordnung gehören. Einige Ziffern werdm hinreichen, um dm Umfang der Mißstände zu bezeichnen. Im Budget des Jahres 1875 erschien m die Ausgaben der Zenttalstellen— Personal und Material— mit 10050 310 Fr., im Budget von 1876 figuriren dieselben mit 19 355 084 Fr. Jene zehn Ml« lioncn, welche im Jahre 1875 mit Recht als exzessiver Posten betrachtet wurden, haben heute sich fast verdoppelt. Die Aus« gaben für die Verwaltung des vereinigten Handels» und Acker« dauministcriums betrugen 589000 Fr. im Jahre 1870, waren im Jahre 1875 auf 710000 Fr. gestiegen und erreichten heuer 1 802 300 Fr. Die Hauptursache, vielleicht die einzige Quelle des Uebels, ist wohl der Umstand, daß die neuen Minister und Staatsuntersekretäre ein Heer von Protegirten mitzu» bringen pflegen, welches in den Bureaus untergebracht naerdm muß. Diese improvisirten Würdenttäger, einmal am Plage, verlassen ihn nicht wieder— der Minister tritt ab, die über- flüssigen Kostgänger bleiben. Ehemals begnügte der Minister sich mit einem Kabinetschef und einem Präsidialsckretär lSscrs- taire particulier), heute haben wir Kabinetsdirektionen, Sekretariatsdirektionen, einen Titularchef, zwei Chefeadjuntten. Die Unterstaatssekretäre ahmten nach und daher diese groteske und kostspielige Hierarchie. Wir kennen die Armee von Ange- stellten, welche um diesen allmächtigen Gmeralstab gravitirt, nicht in allen ihren zahlreichen Chargen. Für ihre istets erneute Invasion sind die unter dem Kaiserreiche gebauten und ver- größetten Ministerien zu enge geworden, man war gezwungen, Hotels für die Minister und ihr Gefolge anzukaufen; seit zehn Jahren find für diese unfruchtbaren Operationen mehr als zwanzig Millionen verausgabt worden. Wir müssen aus räum- lichcn Rücksichten es uns versagen, die interessantesten Ent- hüllungen der„Dtbats" weiter zu verfolgen. Die Republik wird die Parasiten des Kaiserreichs sich nicht leicht vom Halse schaffen; in jedem entlassenen Sinekureträger erwächst ihr ein neuer Feind. Gegen das komplizitte Räderwerk des Ver- waltungsapparates wird ja auch anderwärts geklagt, aber alle Phantastereien, die unS in Sybil begegnen, werden vollauf wettgemacht durch die wahre und ehrliche Darstellung der Ar- beii erverhält niste, die durch Schönheit der Form die Zola'schen Schilderungen übertrifft, in realistischer Treue ihnen mindestens gleichkommt. Allem Anscheine nach hat Zola den sozialen Roman Disraeli'S gekannt; im„Germinal" begegnen wir Partien, die mit Kapiteln der 40 Jahre vorher geschriebenen „Sybil" eine überraschende, kaum auf bloßen Zufall zurück- zuführende Aehnlichkeit haben. So finden wir zum Beispiel in der Zerstörung de« Diggt'schen Tommy-(Truck-) Laden« und dem tragischen Tod des jungen DiggS eine der be- vuhmtesten Episoden de« Zola-RomanS antizipirt. In unserer Uebersetzung sind verschiedene Theile des Originals, die mit Einzelheiten aus der politischen Zeit- geschichte und aus der vornehmen Gesellschaft gefüllt sind, weggelasten oder gekürzt worden, weil sie für die Mäste der Leser kein Jntereste haben, meist auch Unverstand- lich sind. Gewidmet ist der Roman der Gattin des DichterS, als „Einer, deren edler Geist und zartes Gefühl sie jedes Leiden mitempfinde» lasten; Einer, deren süße Stimme mich oft angefeuert, deren Geschmack und Urtheil mich stets geleitet haben: der strengsten Beurtheilerin aber einer vollkommenen Frau." Das Vorwort lautet: Der Durchschnittsleser, dessen Aufmerksamkeit sich dem in diesem Bande behandelten Gegenstande: der Lage des Volkes, nicht zugewandt hat, wird vielleicht argwöhnen, daß der Verfasser in Bezug auf die von ihm geschilderten Szenen, Zustände und Eindrücke sich zu Uebertreibungen habe verleiten laste». Der Verfasser hält es deshalb für eine Pflicht gegen sich selbst, zu erklären, daß seines Wissens in diesem Werk nicht ein Strich, nicht ein Zug ist, die nicht auf seiner persönlichen Beobachtung beruhten, oder dem Aktenmaterial königlicher Kommissionen oder parla- mentarischer Komitees entnommen wären. Aber während er hofft, nichts behauptet zu haben, was nicht wahr ist, hat er es für nothwendig gehalten, vieles, was wahr ist, zu unter- drücken. Denn wir wissen so wenig von dem Zustande Ordonnanzen wider die vielköpfige Hydra„Vielschreiberei" haben bis jetzt nur dahin geführt, sie zu verdoppeln I Wenn die Kammer die Reduktion der Spar» kassenzinsen schließlich fallen ließ, so ist wohl die Rücksicht auf die nächsten Wahlen mitbestimmend dabei gewesen. Die Zahl der Sparkasseneinleger beläuft sich in Frankreich äugen- blicklich auf 1 800 000, die Summe ihrer Ersparnisse auf 2300 Millionen Franks. Indem man die Sparkassenzinsen auf 3% pCt., die der Postsparkassen auf 2% pCt. herabsetzt, erzielt man allerdings eine Ersparuiß von 10 Millionen im Budget, fügt aber damit dem klemm Rmtner, den mittleren und niederen Beamten, die ihre Ueberschüsse als Sparpfennige zurückgelegt haben, einen Verlust von mehr als 14 pCt. zu. Das hätte denn doch diese Leute, die für die Wahlen nicht zu unterschätzen sind, gegen die Republik etwas stark verstimmen können. GroSbritannie«. Die Londoner Soziali st en haben jetzt zu einem neuen Mittel gegnffen, um sich bemerklich zu machen. Sie lassen in London und den großen Industriestädten des Landes Zettel vertheilen, daß sie die Arbeitslosen vor die Armenpfleger und Friedensrichter führm und bei den« denselben ihr Recht auf Arbeit geltend machen wollen, welches ein Beschäftigungsloser nach uraltem englischen Recht angeb- lich hat. Die Londoner„Times" begleitet die Ankündigung des Rücktritts des englischen Sch atz k anzlers Churchill mit folgenden Bemerkungen:„Wir erfahren, daß die unmittelbare Ursache des Rücktritts die Abgeneigtheit des Lord Churchill war, die Staatssinanzen mit den Summen zu belasten, die von der Admiralität und dem Kriegsamte für die Vertheidiguna des Landes für nothwendig erachtet werden. Lord Randolph Churchill erachtete die Voranschläge des Kriegs« Ministers und des Chefs der Admiralität als zu übertrieben hoch im Hinblick auf bestehende finanzielle Schwierigkeiten und als nicht erheischt durch die Lage der auswärtigen Angelegen- heiten; er vermochte jedoch seine zwei Amtsgenoffen nicht zu überzeugen, die in ihren Forderungen durch die Autorität des Premierministers unterstützt wurden. Der Schatzkanzler zog es danach vor, lieber seine Entlassung nachzusuchen, als diese Vor- anschläge seinem Budget einzuverleiben. Ueberdies glauben wir, daß andere Umstände sich in den letzten wenigen Wochen vereinigt haben, um Lord Randolph Churchill zu veranlassen, seine Stellung im Ministerium als eine falsche zu betrachten. Er ist nicht zufrieden gewesen mit der Gestalt, welche die in nächster Parlamentssession einzubringenden legislatorischen Maß- regeln für Großbritannien nach Erörterung derselben im Kabinet annahmen. Sie schienen ihm nicht den Bedürfnissen des Lan- des zu entsprechen." Als hauptsächlichster Grund bleibt, wie wir bereits ausgeführt haben, der Widerstand bestehen, welchen Lord Churchill der Regierungsvorlage über die Selbstverwaltung der Gemeinden und Grafschaften entgegen gebracht hat. Das schließt nicht aus, daß auch in einigen Fragen der auswärtigen Politik, z. B. in der bulgarischen, wie von mehreren Seiten be- hauptei wird, Meinungsverschiedenheiten geringeren Grades mit- gewirkt haben. Obgleich die Regierung den agrarischen„Feldzugs» plan" in Irland verboten hat, nimmt diese revolutionäre Bewegung zu, nur daß die Vertrauensmänner die Pachtzinse nicht mehr öffentlich in Empfang nehmen, sondem nächtliche Zusammenkünfte mit den Pächtern halten, um den Augen der Polizei zu entgehen. So wurden z. B. in der Nacht die Pacht- zinse des Oberst Vandeleur bei Kilrush im Bettag von mehreren hundert Pfund eingezogen und in Sicherheit gebracht. Es ver- lautet, daß die bisher in den Besitz der Vertrauensmänner ge- langte Summe über Lstr. 30000(über 600000 M.) beträgt, die von Mr. Redmond in französischer Rente angelegt worden ist. Bisher find der Regierung nur etwa 80 Pfund in die Hände gefallen. Die Ohnmacht der Regierung, dieser Bewe- gung ein schnelles Ende zu machen, wird Noch klarer, wenn man in Betracht zieht, daß der Prozeß, welcher über die Gesetz- lichkeit des polizeilichen Einschreitens in Loughrea entscheiden soll, schwerlichZvor dem Februar stattfinden kann. Im Uebrigen erhält man beinahe täglich Beweise von der Unmöglichkeit, irische Jurics zu bewegen, ein„Schuldig" auszusprechen gegen Angeklagte, mit denen sie sympathisiren. Diese Auflehnung gegen das Gesetz ist keineswegs auf den katholischen und kel- tischen Theil Irlands beschränkt. Der Richter Lawson hat dieser Tage in Omagh, also im protestantischen, England sonst freund- lich gesinnten Ulster zwei Juries, die sich geweigert hatten, auf das klarste Zengniß hin einen ihrer Partei angchörigen Änge- klagten schuldig zu erklären, des Meineides bezichtigt; die Ul- stermen kümmem sich um das Gesetz ebensowenig als die Iren. Als Mr. Tay bei Anlaß der Untersuchung über die Ruhe- störungen in Belfast das Verbot öffentlicher Aufzüge empfahl, kündete Mr. Johnson, ein protestantisches Parlamentsmitglied, öyentlich an, daß die Orangemänncr eine« solchen Gesetz keinen Gehorsam leisten würden. In der Zwischenzeit fahren die Landlords fort, noch vor Ablauf des Jahres möglichst viele Exmissionen zahlungsunfähiger Pächter auszuführen, und einer Korrespondenz der„Daily News" zufolge hat Lord unseres Vaterlandes, daß der Stempel der Unwahrscheinlich- keit, den die volle und ganze Wahrheit diesem Werke ver- leihen würde, manchen vom Lesen abhalten könnte. Grosocnor Gate, am 1. Mai 1845. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Leben. Die gestrige Vorstellung„Einer vom alten Schlag" brachte dem Wallncrtheatcr ein vollständig ausverkauftes Haus und war Schweighofers geniale Leistung in der Rolle des Hainfelder von einer faszinirenden Wirkung, die vom rauschend- sten Beifall und zahllosen Hervorrufen begleitet war. Einen hochinteressanten, an schönen Neberraschungen reichen Novitätcnabend gab es am ersten Feiertag im Eden- Theater- Da waren endlich all die Künstler angelangt, die, aus den verschiedensten Richtungen der Welt mit Mühe herausge- sucht, mit großen Opfern seitens der Direktion engagirt worden waren. Nachdem sich im ersten Theile die ausgezeichneten Duettisten Tellheim, der indianische Tomahawk und Messer- werfer Mr. Bugharat und schließlich die aus 12 Damen bestehende Gesellschaft„Excelfior" produzitt hatten, wurde der »weite Theil durch das eigenthümliche Mädchen„Fräulein Magarethc", das medizinische Räthsel eröffnet, deren erstaun- liche Leistungen einen Sturm von Beifall entfesselten. Nun folgte die Produktion der 8 wellberühmtcn Amerikaner, der Berisors, welche auf dem Gebiete der Parterre- Gymnastik eine Arbeit boten, die durch ihre absolute Neuheit, und ungewöhn- liche Originalität, wie durch die rapide Schnelligkeit der Aus' führung das Publikum zu lang anhaltendem Beifall hinrieß. Nicht minderen Erfolg fand der Venttiloquist Herr Nürnberg mit der ganz geschickten Vorführung seiner Anthropoiden, welche geradezu Sensation erregten und das Publikum in heiterste Stimmung versetzten, ferner mit seinem absolut uner- klärlichen Räthsel„Diamantine", das wohl das ganze Berlin wird sehen wollen. Nach diesen Produktionen, wie nach denen der übrigen Mitwirkenden, waren sämmtliche Zuschauer darin einverstanden, daß man sich im Eden-Theater am besten unterhält. f euerbestattung in New-Pork. Die„Sanitary News" hikago geben folgende Echildenmg des neuen Krema- toriums in New-Nork: Mount Olives, wo sich das Krematorium befindet, ist die beliebte Begräbnißstätte der ärmeren Volks- klaffen von New-Dork; sie liegt auf Long Island, und hier hat Kingston, der schon im Laufe der letzten Woche mit Hilfe einer Polizeimacht von zweihundert Mann und sogenannten Emergency- Men einige zwanzig Fa- milien in der grimmigsten Kälte an oie Luft setzen ließ, die Absicht, siebzig weitere Familien vor Ende Dezember von Haus und Hof zu vertreiben! Diese grausame Maß« regelung schadet der Sache der Regierung weit mehr als das Verbot des„Feldzugsplans". Sie rechtfettigt in der That das Vorgehen der Nationalliga, indem sie den Be« weis leistet, daß die Regierung nicht die Macht hat, schlechte Landlords von exttemen Maßregeln zurückzuhalten. Konservative Blätter dringen bereits darauf, daß der Nachsicht und dem Schwanken ein Ende gemacht werde und die Regierung ener« gisch vorgehe, ja wenn nöthig die Geschworenengerichte und sogar die parlamentarische Verttetung Irlands suspendiren solle! Wird alles nichts helfen! Der„Globe" schreibt zur irischen Frage:„H e a l y bat Dillon in der Deutlichkeit seiner Worte noch überttoffen. In Zeiten, die noch nicht so entfernt liegen, würde ihm die neulich geführte Sprache sicherlich eine Anklage wegen Auf- reizung zum Aufruhr eingetragen haben. Nachdem er erklärt hatte, daß die Bauern, welche den„Feldzugsplan" durchführten, berechtigt waren, die Polizei als Einbrecher zu behau» dein, wenn dieselbe versuchte, die übergebenen Gelder mit Be- schlag zu belegen, schilderte er die Halttmg, die das irische Volk seiner Meinung nach einnehmen sollte.„Es giebt nur 10 000 Polizisten in Irland", demerkte er,„aber 500000 Bauern. Wenn die letzteren keine Duckmäuser, son« dem Männer wären, wenn sie es der Mühe wetth erachteten, für ihr Vaterland und ihre Scholle zu kämpfen, so würden sie zu solchm Mitteln greifen, daß ihr Land in ihrem Besitz bliebe." Wie wird das irische Volk diesen Appell zur Anwendung phy- fischer Gewalt gegen die bestehenden Gesetze aufnehmen? Was ist das anderes als Rebellion, nackte Rebellion?"j Die irische Regierung hofft mit Hilfe des Bankerottgesetzes dm sogenannten FeldzugSplan vernichten zu könnm. Ein Gute« Herr kann seine Pächter, die ihm die Pacht vorenthalten, jeder« zeit bankerott erklären lassen. Dadurch verliert der Pächter das Recht des Besitzes des Gutes. Auch das wird umsonst sein. R«ßla«d. Zur Frage der Kri egsrüstun g en Rußlands ist ein Ausschreiben in der„Moskauer Zeitung" von Interesse, welches auf jene Rüstungen ein Licht wirft. Das Ausschreiben bezieht Sch auf die Lieferung von Kriegszelten, und zwar für den Militärbezirk Wilna für 950 Offiziere und 55 188 Mann und für den Militärbezirk Moskau für 1300 Offiziere und 39 420 Mann, zusammen für 2250 Offiziere und 94 608 Mann. Als Lieferungsfrist wird bei beiden Ausschreibungen der 1. April 1887 bezeichnet. Ein Breslauer Blatt berichtet die bezeichnende Thatsache, daß an der Fetigstellung der Bahn Riga-Pskow mit ungewöhnlichem Eifer gearbeitet wird. Es wird an den Stellen, wo Briickm zu bauen sind, mit der Herstellung von Wetterdächem und von elekttischer Beleuchtung vorgegangen, so daß Tag und Nacht und bei jeder Wittcmng gearbeitet werden kann. Auf diese Weise hofft man die ganze Sttecke Riga-Pskow As zum 1. April nächsten Jahres fahrbar zu machen. Femer meldet die„N. Fr. Pr." aus Jassy: Auf der Scwastopoler Admiralität herrscht große Thätigkeit; selbst Nachts wird an der Indienststellung von im Bau begriffenen tanzerschiffen gearbeitet. Das Fahrwasser von Sewastopol und alaklawa wird mit Mincn-Torpedos ausgerüstet und an dem Ufer werden Beobachtungöstationen mit caa.era obsenra und elektrischen Apparaten errichtet. Wie verlautet, hat Geheimrath Wishnegradzki dem Kaiser ein bis in die kleinsten Details ausgearbeitetes Projekt einge- reicht, welches zur Aufbessenmg der russischen Finanzen aus Tabaks- und Branntweinpacht Vorschläge enthält. Es wird nach dem„Berl. Tgb!." hieraus eine sichere jährliche Ein- nähme von 800 Millionen Rubel berechnet, mit dem angeb- lichen Hinzufügen, der Autor vermöge sofort zahlungsfähige Personen zur Pachtübemahme namhaft zu machen. Man will von der Geneigtheit des Kaisers wissen, den Vorschlag zu akzeptiren. Falka« lanker. Es gehört nicht gerade zu den ermuthigenden Symptomen, daß über die Verhandlungen der Mächte in der bulgarischen Angelegenheit seit längerer Zeit schon so wenig zu melden ist und daß allem Anscheine nach das Jahr 1886 zur Neige gehen wird, ohne das geringste Resultat auf diesem Gebiete gebracht zu haben. Nichts als die peinliche Ungewißheit der Lage und die Beunruhigung darüber, was sie im Laufe der Zeiten noch bringen mag, werden wir in das neue Jahr hinüber nehmen. Das„Journal de St.-Peters- dourg" behauptet zwar, daß im gegenwärtigen Moment die Ka« binete bestrebt find, in gewissenhafter Weise die durch die bul- garische Krise hervorgerufenen divergirenden Interessen zu versöhnen und daß die Pforte und Rußland bereits über eine Lösung einig find, welche sie befriedigen und dem Berliner Vertrage entsprechen würde. Von dieser Botschaft erscheint nur die Feuerbestattungsgesellschaft der Vereinigten Staaten ihr Krematorium gebaut. Das Gebäude ist in gnechischem Style, die Vorderseite von weißem Stein, die Rückseite von Backsteinen ausgeführt. Bei Feuerbestattungen wird der Leichnam auf den in der Mitte des Versammlungsraumes befindlichen Elevator gestellt, und während der Geistliche thut, was seines Amtes ist, sinkt der Leichnam langsam in den unteren Raum, wo die Ver« brennung, je nach Wunsch, mit oder ohne Sarg stattfindet. Da die Retotten stets geheizt find, wttd der Leichnam binnen kurzer Zeit zu Asche verwandelt, welche in eine Urne gesammelt und durch den Elevator wieder in die Höhe gehoben und entweder von den Anverwandten in Empfang genommen oder in der Krypta des Krematonums beigesetzt wird. Damit ist die einfache Zeremonie beendet. Ist der zu Verbrennende an ansteckender Krank- heit gestorben, so darf der Sarg nicht wieder geöffnet werden, son- dem ist mit zu verbrennen. Der für die Verbrennung zu entrichtende Bettag ist 25 Dollars; Urnen find von der Gesellschaft von 3 Dollars an zu beziehen. Soll ein Leichnam verbrannt werden, so ist den Beamten der Gesellschaft eine ärztliche Bescheinigung der Todesursache vorzulegen. Die Gesellschaft geht in dieser Hinficht mit äußerster Sorgfalt zu Werke. Es ist im Kremato- rium ein Zimmer vorhanden, in welchem— wo dies wünschens« werth ist— folgende Prüfung zur Bestätigung des eingetretenen Todes vorgenommen wird: Der Todte wird mit erhobenem Arm, durch einen dünnen Strick gehalten, aufgebahrt und die elekttische Verbindung mit dem Zimmer des Verwalters herge- stellt. Darauf wird oie Leiche einem gewissen Wärmegrade aus- gesetzt, und erst, wenn sich Spuren beginnender Verwesung zeigen, wird die Feuerbestattung vorgenommen. Die rascheste Leichenverbrennung fand am 30. Deccmber 1885 statt; sie nahm nur 1 Stunde 13 Minuten Zeit in Anspruch, während die früheren Verbrennungen immer über 3 Stunden währten. In Buffalo wurde am 27. Dezember im neuen Tempel der Feuer- bcstattungsgrsellschaft die erste Verbrennung mit folgenden Er» gebniflen ausgeführt: Gewicht des Leichnams 98 Pfund,— Ge« wicht der Asche 3V,« Pfund,— Dauer der Verbrennung 1 Stunde 5 Minuten,— annäherndes Maximum der Temperatur in der Retorte 2332°?. Ueber ein waaehalfigei Unternehmen derichtet der Kapitän eines in Baltimore angekommenen Dampfers, indem er meldet, daß er am 15. d. 300 Meilen südlich von den Azoren ein kleines Boot, Namens„Homeward Bound", antraf, welches mit einer Besatzung von nur zwei Mann vom Kap der guten Hoffnung nach England unterwegs ist. Beide Insassen des Looteö befanden sich wohl. der erstere Theil richtig und der klingt gerade nicht sehr er- neulich. Die angekündigte Einigung zwischen Konstantinopel und Petersburg bedeutet, wie die Erfahrung gelehrt hat, die einfache Unterwerfung der Pforte unter die Diktate Rußlands und wir haben auch schon gesehen, daß alle Bemühungen der Pforte und all ihr Eifer, im Sinne dieser Einigung auf die Bulgaren einzuwirken, absolut zu nichts geführt haben. Die bezügliche Haltung der Regierung in Konstantinopel, die in dem Zirkulare an die Missionen bei den Großmächten vom 4. Dezember und in der Depesche des Großvezirs an Gaddan Pascha in Sofia vom gleichen Datum ihren Ausdruck gefunden, hat mit einem kläglichen Fiasko geendet und den Rath- gcbern des Sultans ist seither die Lust vergangen, Experimente in ähnlicher Richtung zu riskircn. Wenn man danach wohl behaupten kann, daß die Einigung der Pforte und Rußlands über eine Lösung der bulgarischen Krise bereits einer über- wundenen Vergangenheit angehört, so muß man andererseits die Bestrebungen der Kabinete, eine Versöhnung der diver- girrnden Interessen zu suchen, als ein Programm der Zukunft bezeichnen. Vor der Hand ist keine Aktion erfichtlich, in welcher diese Bestrebungen faßbaren Ausdruck finden würden; man müßte denn die skrupulöse Reserve, die alle Mächte der gegen- wärtigen Phase der Krise gegenüber bekunden, als eine Aktion solcher Art gelten lassen. Wer aber durch leere Redensarten und geschickte Wendungen fich nicht deirren läßt und den Dingen auf den Grund ficht, muß wohl erkennen, daß die von Rußland beabsichtigte Lösung mit Hilfe der Kandidatur des Fürsten von Mingrelien bei dem energischen Widerstande der Bulgaren keinerlei Ausficht auf Realifirung bietet und daß jeder andere Weg zur Austragung der drückenden Krifis, für jetzt wenigstens, vollständig verschlossen ist. Wenn Rußland ernst- lich gewillt ist, nach den Worten des„Journal de St. Peters« dourg", an dem Versuche, die durch die bulgarische Krise hervor- gerufenen divergircndcn Interessen zu versöhnen, theilzunehmen, so müßte es damit den Anfang machen, daß es neben seinen eigenen, von keiner Seite bestrittenen Interessen auch die Jnter- essen anderer, zunächst die Interessen und Rechte der an der Frage direkt engagirten Bulgaren gelten läßt. Zu solcher Objektivität aber hat man fich bisher in Petersburg nicht auf- geschwungen und es ist leider gar keine Ausficht dafür vor- Händen, daß dies in Zukunft geschehen werde. Afrika. Kairo, 22. Dezember. Der Gerichtshof erster Instanz fällte beute sein Urtheil in dem von der egnptischen Regierung gegen M. Lavison, den Agenten des Ex-Khedive Ismail Pascha, anhängig gemachten Prozesses. Der Gerichtshof wieS dm Anspruch der Regierung zurück und verfügte die Uebergabc der in Rede stehenden Ländereien an Lavison behufs sofortiger Besitzergreifung. Amerika. In Holyoke, einer im Staate Massachusetts rasch auf. blühenden Stadt, giebt es nicht weniger als 22 Papierfabriken. Dieselben beschäftigen etwa 41 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Der Connecticutfluß, an dem die Stadt liegt, eignet fich sowohl seiner bedeutenden Wasserkraft, wie auch der Klarheit und chemischen Beschaffenheit seines Wassers wegen ganz vorzuglich zur Fabrikation von Papier, so daß auch die ungeheuren Quan- titäten, welche hiervon in den Vereinigten Staaten für Post, Telegraph und sonstige Regierungszwecke gebraucht werden, fast ausschließlich aus den Mühlen von Holyoke hervorgehen. Soziales««dArveiterbeWegang. Ueber die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit läßt fich die jüngste Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten folgendermaßen aus:„Herrscht eine Spannung zwischm Kapital und Arbeit, so werden auf beiden Seiten leicht unge- rechtfettigte Forderungen geltend gemacht, und in der aus diesem Widerstteit der Interessen entspringenden Fehde wird sodann das Wohlergehen Aller und das Glück des ganzen Landes aufs Spiel gesetzt. Wo nun die Bundesregierung in den Grenzen ihrer verfassungsmäßigen Befugnisse Gelegenheit hat, e ne solche Lage der Dinge zu verhüten, da sollte diese geflissentlich bcnützt werden. In einer dem Kongreß während seiner letzten Sitzung übermittelten Spezialbosschaft brachte ich eine Erweiterung unseres jetzigen Arbeitsbureaus in Anregung, indem dasselbe zu seinen gegenwärtigen Funttioncn die Schiedsgerichtsbefugniß m Fällen übernehmen könnte, wo zwischen Arbeitgebern und Arbeitem Mißhelligkciten entstehen mögen. Wenn diese Mißhclligkeiten einen Punkt erreichen, wo ihrethalben der Handel zwischen den einzelnen Staaten eine Unterbrechung erleidet, so könnte die An- wendung dieses Hilfsmittels durch die Bundesregierung als durchaus in Uebereinstimmung mit ihren verfassungsmäßigen Rechten und Gewalten stehend betrachtet werden. Und nach meinem Dafürhalten darf man der Hoffnung Raum geben, daß solche Schiedsrichter, sofern sie mit Vorsicht ausgewählt würden und des Vertrauens der Parteien, auf welche sie ein- wirken sollm, fich würdig zeigten, aus freien Stücken auch zur Schlichtung von Stteitigkeiten herbeigerufen werden möchten, die, von geringerer räumlicher Ausdehnung, nicht nothwendiger Weise innerhalb des Bereiches der Bundesgewalt zu liegen brauchen. Nachdem aber zur Klärung einer Situation voll von großen Besorgnissen durch den Erlaß geeigneter Bundes- und Staatsgesetze alles Mögliche(?) geschehen ist, bleibt noch viel mehr zu thun durch die Wiedereinsetzung und Hochhaltung jener echtm amerikanischen Anschauungsweise, welche die G l e i ch h c i t(!) des amerikanischen Bürgerthums anerkennt. Verschiedenheit(!) der Lebenslage ist unzertrennlich von unserer Zivilisation und gewaltsame Ruhestörungen und Tumulte entfremden ihren Urhebern(die echt amerikanische Sympathie und Freundschaft."— Darnach hätten die Arbeiter von Cleve- land absolut nichts zu ermatten! Die schweizerische Baumwollindustrie im Jahre 1885 hatte unter der Weltkrisis hatt zu leiden. Die Preise sanken, die Nachfrage verminderte fich. So war der Zusammenbruch großer Firmen nichts als ein deutliches Symptom dieses Rück- schtttts. In der Spinnerei, wie in der Zwirnerei, in der Näh- fadenindustrie, wie in der Grobwcberei, überall das gleiche ttauttge Bild! Die Berufsaenossenschaft der Tabakindustriellen hat im 3. Vietteljahr 1886 25 Verletzungen, darunter 3 entschädigungspflichtige, zu verzeichnen gehabt. Unfälle mit tödt- lichem Ausgange haben fich in diesem Vierteljahr überhaupt nicht zugettagen. Im 2. Vietteljahr waren 3 Todesfälle und 35 Verletzungen angemeldet, wovon 2 Todesfälle und 11 Verletzungen entschädigungspflichtig waren. Im 4. Vietteljahr 1885 und im 1., 2. und 3. Vietteljahr 1886 belies fich die Anzahl der entschädigungspflichtigen Unfälle inSgesammt auf 16, von denen 14 eine Erwerbsunfähigkeit von über 13 Wochen zur Folge hatten, und die Zahl der Todesfälle betrug 2. Gezahlt wurde an einmaligen Enttcbädigungen die Summe vcn 125 M. und an Renten 1173,90 M.; insgesammt also 1298,90 M. Die Zahl der beschäftigten Ardeiter betrug 95286, von denen der größere Tbeil, 73 743, in Cigarrenfabriken mit Handbetrieb Beschäftigung fand. Die Berliner Plüschfabrikation beschäftigt noch heute eine große Anzahl von Hauswebern. Aber„im Allgemeinen," schreibt das Zcntialblatt für die Textilindusttie,„hat der Haus« betrieb in der Weberei jenen Umfang eingebüßt, den er nüher in Berlin einnahm, als der Osten Straße an Straße und Haus an Haus mit Familien bevölkert war, die ihren Unter» halt durch Weberei verdienten. Ter maschinelle Groß- betrieb hat seitdem einen Theil dieser Arbeiter auf andere Gebiete gedrängt." Was wird aus diesen Hausindustriellen, was für Gebiete find das? Der Kleinmeister wird Fabrik- tagelöhner, er sinkt hinab inS Proletariat. Der Kleinbetrieb unterligt so auf der ganzen Linie dem Großbcttteb. Kleine MittheUtttige«. Eilenburg, 23. Dezember. Das schreckliche Schneewetter der letzten drei Tage hat hier zwei Opfer gefordett. Die Frau des Handardeiters Ruland aus Mölbitz war am Dienstag nach der Stadt gegangen, um Einkäufe zu besorgen, muß aber auf dem Rückwege bei Paschwitz, wo sie zuletzt gesehen worden ist, in eine Schneewehe gekommen sein, denn sie wird seit dieser Zeit vergeblich gesucht. Gestern ist auf dem Weg nach Grüne der Handarbeiter Kamprath in den Schnee gerathm und er- froren.— Ueber den Sohn eines hiesigen Flcischermeisters weiß man noch nichts Bestinimtes. Derselbe ist am Dienstag auf's Land gefahren und seit dieser Zeit fehlen alle weiteren Nach« richten von ihm. Der Vater, welcher ihm gestern nachgefahren ist, hat keine Spur von ihm gefunden. Essen, 23. Dezember. Am 22. d. M. Abends wurde der 4 Uhr 15 Min. Nachmittags von Mülheim a d. Ruhr nach Duisburg fahrende Personenzug bei der Blockstation Alstaden durch falsche Weichenstcllung in das Anschlußgcleis der Zeche Alstaden abgelenkt und fuhr gegen einen hier haltenden Zechen« zug. Bei dem Zusammenstoße erlitt ein Reisender eine leichte Verletzung des Armes und ein Bremser eine voraussichtlich nicht gefährliche Ouetschung. Von den Bctttebsmitteln wurden beide Lokomotiven und vier Wagen geschädigt. Da der Zu- sammenstoß auf dem Zechengeleise stattfand, wurde das Hauptgeleise der Sttecke nicht gesperrt. Die Untcttuchung des Unfalles ist eingelettet und der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Ostende, 22. Dezember. Der belgische Postdampfer„Leopold' hat ein englisches Schiff angerannt und in den Grund gebohrt. Die Mannschaft hat inan retten können. Theater. Dienstag, den 23. Dezember. Op«mhim«. Der fliegende Holländer. -.chauspielbaus. Roderich Heller. Leutschetz Theater. Goldfische. Krtedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Der Zigeunerbaron.„ � Walloer-Theater. Emer vom allen Schlag. »itwÄa-Theater. Viviana. Ostend-Theater. Das neue Gebot. «efident-Theater. Georgette. AeÄral-Theater. Spottvögel. «ellealliance-Theater. Die Fledermaus. «alhalla-Theater. Der Vagabund. «iviaftädtische« Theater. So find fie Alle. Neichshalleu- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Kaufmann'« Barietee. Spezialllätm- Vor- stellung.| Taueardta- Theater. Spezialitäten- Vor.' stellung._ i Soeben erschien HeftS tk Internationalen Bibliothek. Die Darwinsche Theorie.(»#«««»» yunr*.) Preis pro Heft 50 Pf. Zu beziehen durch die Grpedition des z,Kerl. Kolksblatt", Zimmerstraße 44. Einbanddecken zu Heft I bis 3 a 30 Pf. mr- Miederverkäufern Pabatt. tmt Stadt-Theater. Wallnettheaterstt. 15. Arm und reich. Weihnachtspoffe mit Gesang in 8 Bildem von Dr. Ed. Jacohson und Otto Girndt. Regie: Herr E. Czasckke. Dirigent: Herr Kapellmeister Theodor Franke. _ Vor der Vorstellung: Großes Coarert, ausgeführt von der Hauskapelle unter Leitung vei Kapellmeisters Hm. Theodor Franke. Anfang des Eoncetts: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochentags 7'/, Uhr, Sonntags 7V, Uhr. Das Theater ist mit elektttscher Beleuchtung »«sehen. 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Allen Verwandten und Freunden, welche uns«em v«storbenen Sohne Hugo Seidel das letzte Geleit gegeben, insbesondne aber den Herren Kollegen aus d« Lampenfabttk d« Herren S ch w i n tz e r u. G r ä f f für die rege Betheiligung und Erhebung d« Trauettei« durch dm von rhnen gestellten Gesangv«ein, sowie dem Herrn Predig« Baychoffer von St. Thomas für die ttostreichm Motte sprechen wir unserm ttefgefühltm Dank aus.[1348 Die trauernden Eltern _ Albert Seidel«. Frau. Ich warne hiermit Jedermann, mein« Frau auf meinm Namen ttwas zu borgen, da ich für nichts aufkomme.[1346] S. Kenseke. 1 Sopha�8ettst.z.v. Mattannenftr. 1 1, l. r. o. 6—811. EKobelbank gcs. Belle-Alliancest.67, Thiemecke. Zu haben in der Crpedition d. Kl., Iimmerstratze 44. Soeben«schien im Verlage von Wörlein & Co. der Denffifte Hauilmerker- und Arbeiter- Aotiz- Kalender für 1887 (IX. Jahrgang). Dies« Notizkalend«, seit Jahren in den deutschen Arbeit«- und Handwetterkreisen rühmlichst bekannt, ist nicht blos Kalmd«, sondern zugleich Notizbuch und Gesetz- sammlung.. �.,. Auch in drcsem Jahre ist sowohl auf dm Inhalt als die Ausstattung besondere Sorgfalt verwendet und ist namentlich be- züglrch des Eindandes Vorzügliches ge- leistet und bestes Matena! dazu verwendet. Neben d« gewöhnlichen Ausgabe ist auch wieder eine stätt«e v«anstaltet, welche mehr Schreibpapier enthält und kräftigm Lemwandeinband mit Deckel nach Brief- taschmatt und Gummiband hat. Auch bei der gewöhnlichen Sötte find diesmal die Eckm abgerundet. Inhalt de« Kalenders: Kalendattum mit nm revidittem Ge- schichtskalmd«; postalische Bestimmungen; Telegrammtarif; das ganze llnfallverfiche- rungsgesetz mit Anhang vom 28. Mar 188o; Gesetz üb« die eingeschnebenen Hrlfskassm mit d« Novelle vom 1. Jrmi 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit �Reglement; Auszug aus dem Reichs Gewindeschneidetabelle für Metallarbnt«; Schrcibpapi« mit Datumsangabe für Tagesnotizm, leere« Schreibpapr«, Brief- täschchm. De ganze Kalmd« ist vierzehn Bogm statt. Preis d« einfachm Ausgabe 50 Pf. „„ stärkeren„ 70 Pf. PNedervernanfer erhalten lohnende« Kabatt. Efrvl-Schlafst. für 2Herrm b.Krause, Prinzenstr-K. E. frdl. Schlafstelle d. Wendt, Steinmetzstr. 51. 2 frdl. Schläfst. Mittenwalderstr. 30, H. 2 Tr. r. ■cuntoottlich für dm politischm�Theil und Soziales War Schippet, für Vereine und Vettammlungm R. Tutzauer, für dm übrigm Theil der Zeitung R. .Druck und Verlag von Wax Babing in Berlin sw., Beuthstraße 2. Crovheim, sämmtlich in Berlin» iitttn eine Beilage. eilage zum Berliner Volksblatt. »r. 303. Dienstag« de« 88. Dezember 1886. 3. Jahrg. 'Hmfcftmi auf dem Miete der Kremation. „Der Blick in die Zukunft der Menschheit ist bei mir der Blick nach Amerika." Luvm. Feuerbach. [#] Das Jahr 1886 hat die von den Freunden der Feuer- bestatwng gehegten Erwartungen in Teutschland fast noch weniger als in anderen Ländern erfüllt, und es ist allein Amerika, welches auf diesem Gehicte mit Befriedigung das Er- reichte gegen das Gewollte vergleichen kann. Gleichsam noch unter der wohlthätigen Nachwirkung der hiesigen Hngiene- Ausstellung verbreitete sich 1885 durch ganz Teutschland eine lebhafte Bewegung für Einführung der fakultativen Feuer- destattung, welche ihren Ausdruck in einer mit über 25 Tausend Unterschriften versehenen Petition an den Reichstag fand. Auch wir gaben im Dezember 1885 der Hoffnung Raum, daß die Petition wenigstens im Plenum des Reichstages energisch dis- kutirt werden würde, wenn wir auch bei dessen Zusammen- setzung die Ablehnung derselben voraussahen. Aber diese Auf- fassung war eine viel zu optimistische, denn die Petition ist nicht einmal in der Kommission Gegenstand irgend welcher Verhandlung geworden! Ja, was im Interesse nicht bloß der Feuerbestattungsfrage, sondern der Rechtssicherheit im All- gemeinen viel beklagenswcrthcr ist, selbst die so lange ange« strebte obligatorische Leichenschau, ohne welche die Einführung der Feuerbestattung durchaus unerreichbar ist, wurde vom Minister der geistlichen und Medizinal-Angelegenheiten durch ein einfaches von plaost auf unabsehbare Zeit vertagt, ohne daß der Reichetag auch nur einen schüchternen Versuch von Opposition gemacht hätte. Dazu kommt, daß der moderne Kanoffagang die Schildknappen römischer Unfehlbarkeit ihr Haupt, wie in Italien, so auch bei uns wieder dreister erheben läßt Aber glücklicherweise wird es weder dieser noch den einflußreichsten Ministern jemals gelingen, die vom hicgicnischen wie vom ästhetischen Standpunkte gleich unübertreffliche Idee der Leichenverbrennung von der Tagesordnung wieder ver- schwinden zu lassen. Es kann sich indessen u. A. nur darum handeln, für die Bewegung noch eine andere entsprechende Grundlage aufzustellen, und dann um jeden Preis in der öffentlichen Meinung eine Strömung zu schaffen, deren Ein« fluß unabwcislich wird. Es liegt auf der Hand, daß die Hq- giene allein für die nächste Zukunft hierfür nicht geltend ge- macht werden kann, denn was sollte das Verbrennen einiger Hunderte menschlicher Leichen nach dieser Richtung nützen, solange man noch die Kadaver der an Milzbrand und an ahn- lichen' Infektionskrankheiten gefallenen Thiers einfach vergräbt! Italien und Amerika, diejenigen Länder, in welchen die Kre« matisten schon nennenswerthe Erfolge aufzuweisen haben, lönnen als nachahmenswerthe Beispiele für die einzuschlagende Richtung der Agitation angeführt werden. Dort hat man, ohne die, wenn zunächst auch nur theoretische Bedeutung der Hygiene zu unterschätzen, in erster Reihe das politische R e ch t der Selbstbestimmung über den eigenen Leichnam de- tont, und sodann sdie Verringmmg der Verbrcnnungskosten mit isolchem Erfolge angestrebt, daß in Italien eine Feuer- destattung bereits wesentlich billiger als das Begräbniß, in Amerika mindestens nicht theurer als dieses ist. Das crstere, das politische Recht, ist Dank der Einsicht der dortigen Be- Hörden kaum irgendwo ernstlich und dauernd verweigert morden, und an der Lösung der Kostenfrage haben sich hervor- ragende Techniker wie auch technisch beanlagte Aerzte lebhaft detheiligt, welche in dem seit Januar 1886 in Lankaster Pa. monatlich'erscheinenden„Meckern crematiste", einem geistreichen Kompendium aller wichtigen Ereignisse, ihre hervor- ragenden wissenschaftlichen Arbeiten auf dem betreffenden Gebiete veröffentlichen. Daß England, welches ebenfalls von jeher unter den wirth- schaftlichen Koryphäen die begeistertsten Anhänger und Vor- jämpfcr der Kremation zählte, schon vor Jahren trotz Ableh- nungsbeschluffes des Parlaments sich durch Erbauung eines Krematoriums in Woking sein politisches Recht dazu zu wahren wußte, ist ja allbekannt; aber die Thatsachc hat nur histori- schen Werth und ist für die Kremation selbst fast belanglos, da man es dort noch nicht auf ein halbes Dutzend Lerchenver- drennungen gebracht hat. Ein erhöhtes Interesse dagegen nimmt das Vorgehen des Vereins für Leichenverbrennung in Kopenhagen in Anspruch, welcher, gestützt darauf, daß weder kirchliche noch staatliche Gesetze eine andere Bestattung der Todten als das Begraben derselben verbieten, in diesem Jahre ein Krematorium gebaut hat und, da ihm die Benutzung desselben vom Ministerium untersagt worden, gegen dieses klagbar geworden ist. Man darf auf das Urtheil des Gerichtshofes wegen der prinzipiellen Tragweite desselben gespannt sein. Hoffen wir, daß sich dort das Recht nicht so nach der herrschenden Macht richtet, wie etwa der Rauch in der Luft sich nach dem Winde bewegt. Nicht viel tröstlicher steht es um die Sache der Feuer- destattung in den beiden Republiken Frankreich und die Schweiz.„Wo fehlt's nicht irgendwo in dieser Welt? Den, dies, dem das, dort aber fehlt das Geld!" Ter in diesem Fahre zwar begonnene Bau von 8 Oefen auf dem Psrc- Lachaise in Paris, in welchen die Leichen der Hospi« taliten und die sezirten Kadaver aus der Anatomie verbrannt werden sollen, rückt so langsam vor, daß die in Betriebstellung der Oefen statt Januar 1887 wohl erst gelegentlich der Weltausstellung in 1889 stall finden wird. Und in der Schweiz, wo zumal in Zürich durch den unermüdlichen Pionier der Kremation. Wcgmann- Ercolani, derselben alle Wege geebnet sind, das Terrain beschafft ist,- fehlt es für den Ofen noch an Geld. Es se, bei dieser Ge- Icgenheit eines Mannes gedacht, dessen Name auch nach seinem Tode immer noch einen belebenden Einfluß auf die Freunde der Feuerbestattung ausübt. Aber seine ganze Bedeutung für die Sache können doch bloß Diejenigen, welche das Vorrecht der Bekanntschaft Gottsried Kinkel's genossen, voll- kommen würdigen. Sein ruhiges, lichtvolles und feines Urtheil, welches er auf so vielen Gebieten bekundete, der unnachahinlichc Liebreiz und Takt seiner Unterhaltung, ffeinefglühende Beredt« samkeit und die auch im hohen Alter ihm noch eigene Kraft, das Vertrauen seiner jüngsten Umgebung zu gewinnen, zeichneten ihn vor Tausenden aus. Der Umstand aber, daß ein solcher Mann sich mit aller Energie der Sache der Kremation widmete, läßt uns das jetzige Epigonenthum in Deutschland, wohl nur mit einer einzigen Ausnahme in Hessen, um so schmerzlicher «mpsindcn. Erwähnen wir noch, daß die Haniburgcr Krematrsten zwar nach vielen Kämpfen vom Senat die Genehmigung zur Erbauung eines Ofens erhalten, zur Ausführung desselben aber gleichfalls das nöthige Geld noch nicht zusamnien haben, so werden wir in unserer oben bereits angedeuteten Ansicht nur bestärkt. Die Agitation für Feuerbestattung muß in Deutschland in andere Bahnen gelenkt werden, wenn sie Erfolg haben soll, weil auch die begüterten Freunde derselben sich reservirt verhalten, sobald eS sich um pekuniäre Opfer handelt.„Mann mit zugc knöpften Taschen— Dir thut Niemand was zu Lieb'— Hand wird nur von Hand gewaschen— wenn Du nehmen willst, so gicb!" Da die Leitung der deutschen Bewegung für Feuer- bestattung sich jetzt in Süddeutschland und, wie es scheint, in eben so erfahrener als energischer Hand befindet, deren erste That in diesem Spätsommer die Abhaltung einer Konferenz von Delcgirten in Gotha war, so könnte abgewartet werden, ob es ihr gelingt, neben Gotha noch in Mainz oder Darm- stadt ein Krematorium zu errichten. Die relativ starke Be- theiligung an den dortigen Vereinen läßt wenigstens einen nachhaltigeren Druck durch die öffentliche Meinung auf die Be- Hörden erwarten, als das hier der Fall ist. Andererseits aber braucht man auch nicht zu zögern, der Bewegung überhaupt eine so breite Grundlage zu geben, wie dies bereits in Italien und Anrerika der Fall ist, wo man den Arbeiter nicht durch hohe Beiträge von der Vcreinsmitgliedschaft ausschließt, sondern ihm für dieselben das Anrecht auf kostenfreie Feuerbestattung ge- währt. Während andere außergewöhnliche Vereine so ziemlich alle Interessenten ihres Zweckes zu Mitgliedern zählen,— der vor einem Jahre hier errichtete Verein für Zucht von Vor- stchehunden hat 960 Mitglieder!— so findet bei der Feuer- bestattung gerade das Gegentheil statt, so daß auf ein Vcreinsmitglied mindestens hundert NichtMitglieder, aber ebenso große Freunde der Feuerbestattung kommen. Also: In Deutschland muß Jeder sich nach seiner Faeon bestatten lassen können; die Feuerbestattung muß billiger als das Erdgrab werden,— dann kommen dre Hygiene und die Aesthetik von selber zu Ehren. Kommunales. * Nach dem Vcrwaltungsbericht des Magistrats über die Kanalisatiouswerke sind in dem Etatsjahre 1885 86 an Straßenleitungen der Kanalisation in den Radialsystemen I— V und V', Vn und X zusammen 31 605,26 laufende Meter ausgeführt worden, und am Schlüsse desselben 16 929 Grundstücke m den Radialsystemen i— Vck an die allgemeine Kanalisation angeschlossen gewesen. Die Maschinen der Pumpstationen be- förderten an Kloset-, Witthschafts- und Regenwasser während des Berichtsjahres im Radialsystem l bei 1402 angeschlossenen Grundstücken 4504 251 cbm, im Radialsystem li b-n 2880 angeschlossenen Grundstücken 8 254 101 cbm, im Radialsystem III bei 3033 anaeschloffenen Grundstücken 6 215 662 cbm, im Radialsystem IV bei 4319 angeschlossenen Grundstücken 7 909 912 cbm, im Radialsystem V bei 3308 Grundstücken 8 478 197 cbm, im Radialsystem V. bei 78 angeschlossenen Grundstücken 129 659 cbm und im Ravialsystem Vit bei 904 angeschlossenen Grundstücken 1 678 164 cbm. Ende März 1886 waren in Osdorf mit Friederikenhof, Heinersdorf, Großbeeren mit Neubeeren, Falkenberg mit Birkersfelde, Malchow mit Wartenderg und Blankenburg von 3155 ba aptirtem und planirtem Lande 2990,70 ba mit systematisch durchgeführter Dränage versehen worden. * Zu Brückenbauten ist in den Etat der städtischen Bau- deputation pro 1887 88 die Summe von 1 549 500 M. eingestellt. Unter denselben befinden sich der Neubau einer Fahr« brücke über den Luisenstädtischen Kanal im Zage der Buckower- straße, der Neubau einer Fußgängerbrücke über die Spree im Zugc der Neustädtischen Kirchstraße, sowie der Neubau der Moltkebrücke. * Zur Zeit bestehen in Berlin 164 Gemeinde-Schul- anstalren mit zusammen 2710 Klassenzimmern, darunter eine Prioat-Elementarschule mit 12 Klassenzimmern. Von diesen 2710 Klassen sind 2666 in Benutzung, überzählige d. h. fliegende Klassen bestehen 91, es wird demnach in 2757 Klassen Unter- richt ertheilt. Die Zahl der eingeschulten Kinder betrug am 1. November 1886 152567(75 059 Knaben und 77 508 Mädchen).__ Lokales. Nun ist sie wieder vorbei, die selige fröhliche Weih- nachtszeit; der letzte Tannenbaum ist von den Straßen und Plätzen verschwunden, die letzte Bude auf dem Schloßplatz und dem Lustgatten abgebrochen, und Berlin nimmt allmälig sein Werkeltagsaussehen wieder an. Für die Geschäftsleute freilich beginnt nun noch die Zeit der schweren Noth und des Aergnisses, die mindestens eine Woche lang andauett und den bitteren Nach- gesckmack zu den Kassenfreuden der Weihnachtszeit bildet: die Zeit des Umtausches! Wer einmal in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr einen Blick in ein größeres Verkaufsgeschäft geworfen hat, wird die Verzweiflung begreifen, in welche in dieser Zeit auch der ruhigste Geschäftsmann gedrängt wird. Die Weihnachts« geschenke haben bekanntlich die Eigenthümlichkeit, daß sie in den meisten Fällen nicht passen, und Tausende der fröhlichen Muthes erstandenen Ueberraschungen werden am dtttten Feiertage schon bettübten Blickes in die Magazine zurückgettagen, um den unvermeidlichen Umtausch durchzumachen. Da sind die neuen Oberhemden des Ehemanns ja viel zu eng, die Loko- motive des jungen Herrn hat bedeutende Nebenluft, die niit den Augen klappernde Puppe hat einen ganz„stotternden" Blick— kurz, an allen Ecken und Enden zeigen sich Mängel und Fehler, die der Verkäufer wieder gut zu machen hat, gleichviel, ob die betr. Sachen schon deutliche Spuren ihrer Benutzung an sich tragen oder nicht. Mit wahrer Engelsgeduld lassen die Kauf« leute in dieser Zeit die wunderbarsten Vorwürfe über sich er- gehen— sie wissen, daß diese Periode der Prüfung einmal unvermeidlich ist und sie trösten sich init dem Hinblick auf die finanziellen Resultate des Weihnachtsgeschäftes. Letzteres wird im Allgemeinen als ein gutes Mittclgeschäft bezeichnet, welches in vielen Fällen die Ermattungen überttoffen hat. Charaktettstisch ist allerdings der Riesenverkehr, der sich in den allerotts aufblühenden 50 Pfennig- und 3 Mark-Bazars entwickelte. Sie find die eigentlichen Zentralstellen für den Weih« nachtseinkauf der Berliner geworden und ihre Verkaufsstätten waren tagtäglich überfüllt, während die größern Luxusgeschäfte oft eine bedenkliche Leere zeigten. Ein Faktor bat diesmal vielfach in unangenehmer Weise die Weihnachtsfreude erschwett und dieser Fattor war der böse Schnee. Er belästigte vor allen Dingen die zahlreichen Pilger und Pilgerinncn, die am Heiligabend und am ersten Feiertag hinauszogen zu den Kirch- Höfen, um die unter einem weißen Leichentuch ruhenden Gräber mit dem Zeichen des Weihnachtsfestcs zu schmücken. Fußhoch lagen hier die Schncemasscn aufgethürmt, aber die alles über- windende Liebe drang auch durch diese Schnee-Wüstencien hin- durch, mühsam gruben emsige Hände die letzte Ruhestätte lieber Angehönger frei und gar seltsam hoben sich die mit weißen und rothen Rosen geschmückten Tannenbäume, welche in langen Reihen auf den Gräbern sich zeigten, von dem blendenden Werß der Stege und Wege ab. Der böse Schnee hat aber auch manchem Weihnachtstisch Verdruß bereitet und viele mit Sicherheit ermatteten Liebesgrüße von auswätts sind aus- geblieben, manches Packet, auf welches der Student oder der anspruchslose Vaterlandsvettheidiger mit Sicherheit ge- rechnet hatten, hartte noch im Wirrwarr des schnec- belagerten Packwagens seiner Auferst.hung. Der zweite Feiertag scheint in dieser Beziehung noch einigen Trost gebracht zu haben, denn die zahlreichen durch die Äer« lincr Straße jagenden, dickt mit Packeten gefüllten Post- Kremser zeigt deutlich, daß auf verschiedenen Eiscnhahnsttecken der Ver- kehr wieder frei gegeben war. Mit welcher Freude werden diese Spätlinge überall empfangen worden sein! Die Stille der Festtage ist in Berlin durch besondere sensationelle Eieig- nisse nickt unterbrochen worden und das ist auch ein Festgc- fchcnk nicht zu unterschätzender Art. Gerade in dem nerven- zerstörenden Getriebe einer Millionenstadt bedarf das im täg- lichen Erwerb umhertastende Familienoberhaupt einer kurzen Festesruhe in besonderem Maße und der an den beiden Feier- tagen aus den meisten Fenstern auf die Sttaßen hinausstrah- lendc Lichterglanz zeigte deutlich, daß man sich der Bedeutung des Wcihnachtsfestes für die Familien in den weitesten Kreisen bewußt war. Die Neujahrskarten treten in diesen Tagen wieder in den Vordergrund;„fliegende Händler" haben bereits wie früher in den Hausfluren auf großen Tischen die bunten scherzhatten Glückwünsche ausgebreitet, mit denen man seinen Bekannten um die Jahreswende Freude und manchmal auch Aeraer be- reitet. Neben geschmacklosen Bildern und altbekannten Witzen, die sich wie eine ew'ge Krankheit von Jahr zu Jahr forterben, sieht man hübsche Kattons und Paletten mit„duftenden Grüßen" oder rcliefartig angeheftete Sträuße von getrockneten Blumen; auch die kostbarsten englischen und amerikanischen Karten aus gepreßter Seide, Peluche und Sammet fehlen nickt, sie ersckei- nen in den mannigfachsten Formen. Besondere Anziehung übt der gemüthliche Berliner Witz, der sich in diesen harmlosen Katten kundgicbt. Da wird einem Geldbedürftigen eine jährliche — Steuer von 5000 M. gewünscht; boshaft ist der Ehrenbürger- brief wegen der anerkannten Verdienste um die Gemeinheit; für Skatfreunde eignet sich ein sogar in Seide hergestelltes Taschentuch, auf welchem der schönste„Grand mit Vieren" abgebildet ist, oder eine Karte mit dem Verse:„Leichtes Spiel mög' Dich erwarten, mischt das Schicksal Dir die Karten; Glück sollst immer Du„tourniren", nie der Hoffnung„Grand" verlieren, „passen" nie bei Herzensfragen, Jungen-Mangel nie beklagen und im Lebensskat auf Erden weder„schwarz" noch„Schneider" werden!" Für Kolonialschwärmer empfiehlt sich ein„Freibillct nach Kamerun", und für gewisse Häuservlagcn der fromme Wunsch:„Ich möchte, daß Dein Klimperkasten zum Teufel sich verwandelt und, legst Du die Finger an die Tasten, er mit Dir fähtt zum Höllengrund." Dem Schuldengcplagten ist der Vers gewidmet:„Freund, die stolze Höh' erklimme, wo des Manichäers Stimme Schiller's Worte an Dich richtet: Unser Schuldbuch sei vernichtet!" Und für gewisse Ehemänner gilt der Vers:„Wenn Du bei der drallen Magd, stille Lieb' läßt walten, nimm' Dich vor dem Zorn in Acht Deiner bösen Alten." Mit diesen und ähnlichen Scherzen wird das neue Jahr empfangen. Alle diejenigen jungen Männer, welche in einem der zum Deutschen Reiche gehörigen St-aten heimathsberecktigt sind und 1) in dem Zeitraum vom 1. Januar bis einschließlich 31. Dezcmbir 1867 geboren sind; 2) dieses Alter bereits über- schtttten, aber sich noch nicht bei einer Ersatzbchörde zur Muste- rung gestellt; 3) sich zwar gestellt, über ihr Militäroerhältniß aber noch keine endgiltige Entscheidung erhalten haben, müssen sich, soweit sie nicht von der persönlichen Gestellung im Jahre 1887 entbunden sind, behufs ihrer Aufnahme in die Rekruti- rungs-Stammrolle in der Zeit vom 1. Januar bis 1. Februar 1887 bei der Ortsbehörde versönlich melden und ihren Gebutts- schein, der unentgeltlich auszufertigen ist, sowie die etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits ergangene Entscheidungen über ihr Militäroerhältniß enthalten, mit zur Stelle bringen. Für zeit- weilig vom Gestellungsorte abwesende Militärpflichtige haben deren Eltern, Vormünder, Lchrherren w.die Meldungen zur Stammrolle in der vorerwähnten Att zu bewirken. Die zum einjährig- freiwilligen Dienste Berechttgten haben sich beim Eintritt in das militärpflichtige Alter, sofern sie nickt bereits vorher zum aktiven Dienst eingetreten sind, bei der Ersatzkommisston ihres Gestellungsortes schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheins ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen. Wer die vorgeschriebene An- Meldung zur Rekrutirungs-Stammrolle versäumt, wird nach § 33 des Reichsmilitärgesetzes vom 2. Äai 1874 mit einer Geldbuße bis zu 30 M. oder mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft. Reklamationen sind gemäß§ 31 Nr. 1 der Ersatzordnung vor dem Musterungsgeschäft oder bei Gelegenheit des- selben anzubringen; später angebrachte Reklamationen wer- den nur dann berücksichtigt, wenn die Veranlassung zu denselben erst nach Beendigung des Musterungsgeschäfts ent- standen ist. Kommissionär-Monopol auf dem Zentral-Viehhofe. In der Sitzung der Stadtverordneten vom 23 d. M. leistete sich Herr W. Talke die sprachliche und intellektuelle Ungeheuer- lichkeit:„mit ästhetischer Moral gegen Windmühlenflügel kämpfen! Wir zweifeln nicht, daß er mit dieser gewiß nicht vom Zenttal-Vichhof stammenden neuesten Diktionsblüthe den Gegner genau so niedergeschmettett haben wird, als ihrer Zeit eine der Damen der Fischballe ihre Kollegin, welche diese mit „Sie oller Differenzialtattf" abtrumpfte, aber wir finden es doch bezeichnend, daß gerade derselbe Herr ein Vorgehen gegen das Kommisstonärunwesen in solcher Weise kritifirte, welcher für den Terränankauf zum Zenttal-Viehhof so erfolgreich agitirte, obwohl ihn seine Mitbürger im Norden Berlins hauptsächlich deshalb zum Stadtverordneten gewählt hatten, damit er für Erwerb und Erweiterung des alten Viehhofes einttete. Hat Herr T. vielleicht gefürchtet, daß es, wie in diesem Falle, so auch bald in Bezug auf das monopolisirte Kommiisionärwesen auf dem Zentral Viehhofe tagen und zum ausräumen kommen könne? Und noth thäte es wahrlich. Hoffentlich wird der Magistrat das binnen kurzem ablaufende Monopol der Kom- Missionäre nicht stillschweigend wiederum auf 5 Jahre ver- längern, denn es ist kein ersichtlicher Grund vorhanden, warum die Einwohner Berlins das Fleisch um 1— Ii vCt. theurer bezahlen sollen, damit 30 der Herren Viehkommisstonäre herrlich und in Freuden leben können und in wenigen Jahren reiche Leute werden. Wo bleibt da die„ästhetische Moral"? Wir kommen demnächst auf den Gegenstand zurück. Neue Rohrposten, Am 2. Januar 1887 treten in Berlin zwei neue Rohrpostämter in Wirksamkeit, welche bei den Pos- ämtern Nr. 34(Frankfurter Allee) und Nr. 35(Potsdamer- straße) eingerichtet find. Diese Anstalten sind für den Tcle- ramm- und Rohrpostvcrkehr täglich von 7 Uhr Morgens im Sommerhalbjahr und von 8 Uhr Morgens im Winterhalbjahre bis 10 Uhr Abends geöffnet. Die Einführung von Familien-Abonnements-BillctS auf der Stadtbahn ist vorläufig in weite Ferne gerückt. Auf die unterm 4. Angust er. an das Betriebsamt der Stadt- und Ringbahn eingereichte Petition zahlreicher Interessenten ist jetzt der nachfolgende Bescheid eingegangen: König!. Eisen» dahndirektion. Berlin, den 21. Dezember 1886. Aus die Vorstellung vom 4. August d. I. theilen wir ergebenst mit, daß wir nach eingehender Erwägung der einschlägigen Verhältniffe dem gestellten Ansuchen, die für den Vorortsverkehr besiehende Einrichtung der Familien-Abonncmcnts auch auf die Berliner Stadtbahn auszudehnen, zu entsprechen nicht in der Lage find. Den Mituntcrzeichnern der Eingangs erwähnten Vor- stelluna hiervon Kenntniß zu geben, stellen wir anHeim. Unter- schrift.— Wie wir hören, beabfichtigen die Betheiligten, eine neue Petition einzureichen, in welcher die Nothwendigkeit der erbetenen Einrichtung namentlich mit Rücksicht auf die Lage zweier Markthallen an der Stadtbahn begründet werden soll. Hoffentlich wird eine erneute Prüfung ein günstigeres Resultat ergeben. Um dieselbe Zeit, als am Weihnachtsheiligabend hun- dertc und taufende von Weihnachtsbäumen im hellen Lichter- glänz erstrahlten und Glück und Freude gespendet wurden, sah ,nan zahlreiche ärmlich gekleidete Frauen mit gramdurchfurchten Gesichtern auf den öffentlichen Plätzen und Straßen umher- irren, wo Händler ihre Reste von Weihnachtsbäumen feilboten. Sie warteten auf den Augenblick, in welchem diese Männer ihre Stände verlassen würden. Und als dies geschehen, war in wenigen Sekunden der zurückgelassene Rcstbestand aufgeräumt — jede der Frauen hatte einen Baum oder auch nur das Fragment eines solchen ergriffen und war damit nach der ärm- lichen Behausung geeilt, um den Kindern daheim auch einen Weihnachtsbaum aufstellen zu können. Die Straßenkehrer, welche in der Nacht die Säuberung der Plätze und Straßen Berlins vorzunehmen hatten, fanden nur wenig Ueberbleibsel vor. Hier sah man die Armuth in ihrer bittersten Gestalt. Es muß schon traurig um die Lage einer Familie stehen, wenn ein liebendes Mutterherz nicht im Stande ist, den Kindern einen Weihnachtsbaum zu kaufen. Wie manche Thräne mag an diesem Abend der Freude und Lust in ärmlicher Hütte gc- flössen sein.--- Daß auch der Schornsteinfeger mit dem Schnee in Beziehungen steht, dürfte Manchem neu sein, und doch ist dies der Fall. Fn einem unserer Nachbarorte war ein Schornstein« seger beim Reinigen des Daches vom Schnee verunglückt. Die Berufsgenossenschaft lehnte die Entschädigung des Verunglückten ab, da derselbe nicht in Ausübung seines Berufes sich d,e Ver» Ictzung zugezogen. Auf die von dem Betroffenen eingelegte Beschwerde ordnete das Rcichsverficherungsamt zunächst Erhe- düngen darüber an, ob das Reinigen der Dächer vom Schnee in dem betreffenden Orte gewohnheitsmäßig zur Beschäftigung der Schornsteinfeger gehöre und als die Lrtsbehörde diese Frage bejahte, wies das Reichsversicherungsamt die gesetzliche Eni- schädigung für den verunglückten Schornsteinfeger an, weil das Bedenken der Bcrufsgenossmschaft nach der Lage der Sache nicht als begründet erschien. Ein hiesiger Berichterstatter hat sich die Mühe genom- nien, aus dem neuen Adreßbuch? folgende amüsante Zusammen- stellung über die militärischen Verhältnisse Berlins zu machen. Nach derselben verfügt Berlin über 1 Regiment, 5 Moncorps, 1 Garde, 2 Gardemänner, 5 Landwehren, 28 Marschälle, 1 Oberst, 6 Majore, 2 Capiläne, 3 Fähnriche und 5 Fäbndriche, 1 von der Chevallerie und 40 Helden. Das Gros der Berliner Streitkräfte, welches unter Führung eines Vorreiters, 2 Ritt» mcister, 10 Hauptmänner und 1 Lieutenant aufmarschirt, ist ein überaus buntscheckiges. Wir zählen darunter eine Menge Ritter, 9 Streiter, 6 Rester, 2 Schießer, 7 Kempfer, ein Baumritter, 1 Hutschenreiter, 27 Hauer, 4 Pfotenhauer, 12 Kämpfer, 92 Jäger und 115 Schützen mit ihren vielen Abarten, als da find: die Florschützen, Bachschützen, Beschützen, Bücksenschützcn, Klauschützen, Dobberschützen, Lip- und Lüppschützen, Naufchützen, Niebelschutzcn jc. rc. Auch unser Arsenal ist im besten Zustande. Wir verfügen über ein ganzes Lanzendorf, 2 Kugeln, 9 Kuhsuße, 1 Fcuerhclm, 2 Armbruste, 1 Bogen« schild, 7 Bomben, SBolzen, 2 Säbel, 21 Hauschilder, 14 Degen, 38 Helme, 3 verschiedene Arten Pulver, 3 Pallasche, 20 Pfeile, 3 Rennspieße, 9 Panzer, 30 Schilde, 8 Schwerdter. Da unter unseren Streitem auch 450 Kühne, 10 Wackere und 1 Mutbiger sich finden, außerdem in der stattfindenden 1. Schlacht 1 Oberkampf und 5 Kämpfen, wir außer unseren Marschällen auch noch durch 5 Cäsaren und 1 Hannibal 17 Mal zum Muth an- gefeuert werden, so ist es nicht wunderbar, daß wir 5 Mal Ruhm einernten, mit 1 Büchsenschuß schon 18 Siege erfechten und die Feinde 2 Mal Reißaus nehmen. Für die 69 Mal ausgetheilte Keile find bereits 7 Kutschke als Sänger vorhan- den und in 15 abgeschlossenen Frieden wird den Feinden 2 Mal ein Tribut auferlegt. Es ist nicht mehr als billig, daß zu outerletzt eine große Parade abgehalten wird, bei welcher 3 Mal Musik gemacht wird, welche von 2 Bläsern, 30 Fiedlern, 10 Flötern, 1 Aufschläger, 8 Geigern, 7 Svielmännern, 11 Lautenschlägem, 120 Pfeiffern und 1 Piepmeier ausgeführt wird. Falsches Geld. Seit einiger Zest befinden sich, wie die „Kölnische Zeitung" meldet, Zwanzigmarkstücke im Umlauf, welche im Gewichte zu leicht sind. Es scheint, daß die Ver» breitung derselben sich auf ein weites Feld des Inlandes er- streckt. Eincnr Ehrcnfclder Geschäftshause passirte es, daß ihm binnen einer Woche bei Einzahlung von Geldbeträgen, die ihm durch die Post zugegangen waren, an der Reichsbankstelle zu Köln zwei Stücke durchschnitten und hierdurch außer Kours ge- setzt wurden. Die Prüfung durch einen Kölner Goldarbeiter ergab, daß sie im übrigen echt waren. Von verschiedenen Seiten waren letzterm im Laufe einer Woche etwa acht Zwanzignrark- stücke, die in gleicher Weise von der Reichsbank behandelt wor- den waren, zur Untersuchung auf den Goldgehalt vorgelegt worden, von denen einzelne einen Minderwerth bis zu 75 Pf. hatten, ohne daß an der Legirung etwas auszusetzen war. Well das A. ußere der Münze untadelhaft und von scharfem Gepräge ist, arich nicht angenommen werden kann, daß aus der Münze zu leichte Stücke hervorgehen, muß vermuthet werden, daß von irgend einer Seite in bettügerischer Absicht unter Anwendung lösender Säure(etwa Königswasser) der Gewichtsverlust herbei- geführt wird. Die Gefährlichkeit von ttonfekten in Zündhölzchen- form illustrirt der„Sfibirski Westn." durch folgenven Fall, der sich kürzlich in Temsk zugetragen haben soll: Ein Vater kaufte seinem dreijährigen Töchterchen Konfekt in einem Kästchen. das wie eine Zündhölzchendose aussah. Das Konfekt selbst bestand aus weißen Stäbchen mit Chokoladeköpfchcn, wie man es auch anderwärts häufig findet. Das Kind verzehrte dieses Konfekt mit großcni Appetit; nach einigen Stunden aber nahm es unbemerkt eine richtige Zündholzschachtel vom Tisch, brach die schwarzen Köpfe der Zündhölzchen ad und verzehtte sie. Ungeachtet sofortiger ärztlicher Hilfe verstarb das Kindchen nach kurzer Zeit. Bon einem am heiligen Abend verübten Raubanfall berichtet eine Lokalkorrespondenz: Als der Pferdemaklcr Marg» araf gegen lOj Uhr vor seiner auf der Rückerstraße belegenen Wohnung angelangt war, wurde er von drei Sttolchcn über- fallen. Dieselben stachen und schlugen auf den Ahnungslosen mit Messern los, so daß M. nicht unbedeutende Wunden am Kopf und an der linken Hand davon trug und blutübersttömt hinstürzte. M. ist jedoch ein kräftiger Mann und erholte sich rasch wieder. Er sprang auf und versuchte einen der Angreifer festzuhalten, was ihm jedoch nicht gelang, da die Sttolchr wiederum von ihren Messern Gebrauch machten. Auf die Hilfe- rufe des M. waren Nachkam hinzuaecilt, wodurch die Sttolche sich veranlaßt sahen, schleunigst die Flucht zu ergreifen. M. ver- muthct, da er häusig viel Geld bei sich trägt, daß die Angreifer es auf dieses abgesehen hatten. Uebrigens hat er die Änge» legcnheit sofort der Polizei angezeigt, welche bereits auf die rohen Burschen fahndet. Uneigennützig lieb' ich den.... Winkelkonsulenten. Vor dem Kriiminalgericht werden an das Publikum Zettel mit folgendem Inhalt vertheilt:„In Strafsachen wird unentgelt- tich beim königl. Landgericht die Berufung angemeldet(!) gegen erfolgte Verurtheilung seitens des Schöffengerichts. Oftmals durch das Schöffengericht erst zu erheblichen Gefängniß- oder Geldsttafen Verurtheilte find in Folge der eingelegten Bemfung nachher vom königl. Landsgericht gänzlich und kosten- los freigesprochen worden. Rath wird in allen Prozeß- und Streitsachen, Injurien und Testamentssachcn, wie in Zivil- und Strafprozessen unentgeltlich ertheilt im Bureau für Rechts- fachen, Alt Moabit, Gerhardstr. 17, 2 Minuten vom Kriminalgericht. HB. Jede angebotene Entschädigung wird auf das Entschiedenste zurückgewiesen."— Wie in juristischen Kreisen verlautet, steht ein früher sehr gesuchter Vertheidiacr, der aus der Anwaltschaft ausgeschlossen wurde, an der Spitze dieses Bureaus, das ja an Selbstlosigkeit seines Gleichen sucht, lln- willkürlich aber fragt man sich bei diesen unter Winkel- konsulentcn sonst nicht üblichen Grundsätzen: Wo steckt da die Falle? Ein naheliegendes Sprüchwort ist vielleicht die zu- treffende Antwort:„Mit Speck fängt man Mäuse!" Ausgesetzte Belohnung. Der Stadtreisende, Uhrmacher Emil Thormann, ca. 30 Jahre alt, hat eine hiesige Firma, bei welcher er seit acht Jahren beschäftigt war und großes Ver- trauen genoß, in der Weise um mehrere tausend Mark geschä- digt, daß er die ihm zum Verttieb anvertrauten Uhren fälschlich als verkauft bezeichnete und bei Seite schaffte. Als einer der fingirten Käufer von der Firma an Zahlung der angeblich ent- nommenen Uhr gemahnt wurde und erklätte, daß er keine Uhr gekauft habe, wurde Th. zur Erklärung aufgefordert, wich derselben aber aus, indem er seine Wohnung verließ und nicht wieder dahin zurückkehrte. Die Geschädigten haben eine Belohnung von 100 M. auf die Ergreifung ausgesetzt. Im Zentraltheatcr wurde um ersten Weihnachtsfeiertage endlich einmal wieder eine neue Posse gegeben.„Spottvögcl" nennt sich das Opus, welches nach dem für das Zentraltheater hinlänglich bekannten Rezept hergestellt wurde. Was die„Spott- vögel" eigentlich spotteten, war ziemlich unschuldiger Natur, in- dessen fanden die Kouplcts und Ouodlibets am Zentraltheatcr- Publikum immerhin dankbare Zuhörer, so daß der Beifall fast kein Ende nehmen wollte. In Bezug auf den Inhalt des Stückes ist nicht viel zu sagen, die Mannstädt'schen Sachen sind in dieser Beziehung schon hinlänglich bekannt. Die Damen Feldau und Grünfeld trugen den Löwenantheil des Beifalls davon, die Späße des Drrektors Ernst und des Herrn Weiß wurden hinlänglich belacht und im Uebrigen amüsirte man sich über den unvermeidlichen Chor der Damen, ohne den Herr Direktor Emst nun einmal kein Geschäft machen zu können glaubt. Bis zum Schluß der Saison dürfte die Posse übrigens für das Repertoire des Zentralthcaters ausreichen. Bewegung der Bevölkerung Berlrns nach den Ver- öffentlichungen des statistischen Amts der Stadt. Die fortge- schriebene Bevölkerungszahl betrug an, 4. Dezember inkl. der nachttäglichen An- und Abmeldungen 1 361 991, hat sich demnach gegen die Woche vorher um 588 Seelen vermehrt. In der Woche vom 5. bis 11. Dezember wurden polizeilich ge- meldet 2575 zugezogene, 1658 fortgezogene Personen; standes- amtlich wurden 215 Ehen geschlossen. Geboren wurden 921 Kinder, und zwar lebend: 444 männliche, 442 weibliche zusammen 886(darunter 104 außereheliche), todt 21 männliche, 14 weibliche, zusammen 35(darunter 4 außereheliche) Kinder. Die Lcbendgeborenen, aufs Jahr berechnet, bilden 33,9, die Todtgeborenen 1,3 pro Mille der Be« völkerung, die außerehelich Geborenen 11,73 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebendgeborenen 11,74, die bei den Todtgeborenen 11,42 pCt. In der kgl. Charitee und Entbindungs-Anstalt wurden 42 Kinder geboren. Gestorben (ohne Todtgcborcne) find 612, nämlich 326 männliche, 286 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 166(inkl 34 außereheliche), 1 bis 5 Jahre 110(inkl. 4 außcrbeliche), 5 bis 10 Jahre 16, 10 bis 15 Jahre 8, 15 bis 20 Jahre 12, 20 bis 30 Jahre 38, 30 bis 40 Jahre 60, 40 bis 60 Jahre 1)0, 60 bis 80 Jahre 76, über 80 Jahre 16. Die Sterbcfälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 45,10 pCt. sämmt- licher in dieser Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindem starben 54 im ersten, 36 im zweiten, 10 im dritten, 15 im vierten, 5 im fünften, 11 im sechsten, 35 im siebenten bis zwölften Lebcnsmonate; von denselben waren ernährt 40 mit Muttermilch, 2 mit Ämmenmilch, 63 mit Thiermilch, 2 mit Milchsurrogaten, 25 mit gemischter Nahrung, von 34 war es unbekannt. Todes- Ursachen waren bei den in dieser Woche Gestorbenen namentlich: Lungenschwindsucht(87) Lungenentzündung (39), Bronchialkatarrh(20), Kehlkopfentzündung(19), Krämpfe(26), Gehirnschlag(29), Gehirn- und Gehirnhautentzündung(32), Krebs(29), Altersschwäche(19), Lebensschwäche(42), Abzehrung(18), Masern(11), Scharlach(5), Diphtherie(31), Typhus(0), Diarrhöe(11), Brechdurchfall(6), an andern Krankheiten starben 184 und durch Selbstmord 4, davon durch Vergiftung 1, durch Er« sckneßen 1, durch Erhängen 2. Die Sterblichkeit der Woche, auk das Jahr berechnet, kommen durchschnitt- lieh auf 1000 Bewohner in Berlin 23,4, in Breslau 27,4, in Bremen 16,3, in Frankfurt a. M. 18,2, in Köln 21,9, in Dresden 20,2, in München 34,5, in Stuttgart 16,4, in Wien 22,5, in Paris 24,7, in London 21,8, in Liverpool 25,1. In der Woche wurden dem Polizeipräfl- dium gemeldet als erkrankt an Typhus 20, an Masern 172, an Scharlach 55, an Diphtherie 160, an Pocken—. In den 9 größeren Krankenhä if ern wurden in der Bcrichtswoche 8 1 1 Kranke aufgenommen, davon litten an Masem 11, an Scharlach 2, an Diphtherie 36, an Typhus 12, an Rose 5. Es starben 167 Personen oder 27,3 pCt. aller in der Woche Gestorbenen; als Bestand ver- blieben in den Krankenhäusern 3312 Kranke. Polizei-Bericht. Am 24. d. M. Morgens fand in dem Hause Louisenstraße Nr. 35, als der Portier die schadhaft ge- wordene Gasleitung im Keller mit einem Streichholz ableuchtete, eine Gasexplosion statt. Der Portier erlitt dabei leichte Ver- letzungen, und wurden außerdem die Treppe und die unter derselben befindliche Porticrstube stark beschädigt.— An demselben Tage Vormittags wurde der Straßenreiniger Wagner auf dem Älexanderplatz, als er vor dem Hause Alexanderstiaße Nr. 2 mit dem Reinigen des Büraersteiges beschäftigt war, von einem Möbel-Transportwagen überfahren und erlitt hierbei Verletzungen am Schienbein und am Rücken. Am 25. d. M. Vormittags wurde ein Mann auf dem Grundstück Memcler- straße Nr. 48 in einem offenen Schuppen erhängt vorgefunden und abgeschnitten. Da Wiederbelebungsversuche fruchtlos waren, so erfolgte die Uedersührung der Leiche nach dem Leichenschau- Hause.— An demselben Tage Nachmittags wurde der Arbeiter Weidner an der Werft« und Geihardsiraßcn- Ecke bei einer Schlägerei zu Boden geworfen und erlitt dadurch anscheinend einen Bruch des flinken Fußgelenks. Er wurde mittelst Droschke nach der Charitee gebracht.— Um dieselbe Zeit machte ein Mann in der Triftstraße, nahe der Grenzstraßcnbrücke, einen Selbstmordversuch, indem er sich mittelst Revolvers einen Schuß in die linke Brust beibrachte. Er wurde noch lebend mittelst Droschke nach der Charitee gebracht.— An demselben Tage Nachmittags starb plötzlich der obdachlose Bäckergeselle Hille in einem Schanklokal in der Bergstraße, wahrscheinlich in Folge eines Gehirnschlages. Tie Leiche wurde nach dem Leichenschau- hause gebracht.— Am 26. d. M. gegen Abend fiel ein Mädchen vor dem Hause Königarätzerstt. 127 und brach den rechten Fuß im Knöchelgclcnk.— An demselben Tage fanden mehrere unbe- deutende Feuer statt. Es brannte Trakesir. 2 der Fußboden in der Nähe einer schadhaften Feuerungsanlage,— Markus- straße 2 eine Ouantität Watte, welche ein mit Zündhölzern spielendes Kind in Brand gesetzt hatte,— Schumannstt. 14B in der Vorkosthändlung die Schaldccke, durch eine zu nahe darunter hängende Petroleumlampe entzündet,— Dresdener- straße 79 der Inhalt des Zigarrenlodens in Folge einer vor- schriftswidrigen Heizungsanlage,— Mulackstr. 22 die Balken- läge unter einer Kochmaschine— und am 27. d. M. früh Wilhelmstr. 3 der Fußboden in einer Küche. Gerichts-Zeitung. In der bekannten Strafsache des Kaufmann Landow gegen den Tischler Albert Erdtmann ist jetzt das Strafver- fahren wegen Meineides gegen die Ehefrau des crsteren ein- geleitet worden. Geschichtliche Rückerinnerunge» hat sich der aus Labiau in Ostpreußen gebürtige Landwirth Johann Rudolph Ohler.» hoff in absonderlicher Weise zu Nutzen gemacht. Wegen wie- derholten Betruges angeklagt, erschien der Genannte vor der Sttafkammcr des Landaerichts>1; ihm wird zum Vorwurf gc- macht, daß er unter Berufung auf angebliche Verbindungen und Bekanntschaften in höchsten Kreisen Kredit sich verschafft und auf diese Weise zwei Gastwirthc und einen Viehhändler im Dorfe Lichtenberg um verschiedene Geldsummen beschwindelt habe. Der Angeklagte hatte nach Verbüßung einer ihm früher bereits wegen Betruges zudiktirten Gcfängnißstrafe von zwei- jähriger Dauer seinen beständigen Aufenthalt in Lichtenberg ge- nommcn; dort that Lhlenboff sich besonders hervor durch den Stolz, mit welchem er erwähnte, daß er einer angesehenen Fa- milie entstamme, welche hohe Gönner habe und mit erhobenem Haupte erzählte er Jedem, insbesondere Solchen, bei welchen. etwas zu holen war, daß sein Vater in den Tagen nach Jena und Auerstädt den Schlitten gelenkt, welchen die Königin Luise benutzt, um über das Eis des Kurischen Haffs nach Mcmel zu flechten, als die siegreichen F arzesen gegen Königsberg vorgedrungen; deshalb, so fügte Ohlenhoff hmzu, gebe sein Vater etwas bei Hofe. Thatsächlich ist Ohlcvhoff seit Jahren das enfant terrible seiner Familie und mit derselben in Zerwürtniß gcrathen, besonders mit seinem Vater, einem achtbaren, hochbetaaten Grundbesitzer, dessen Grund und Boden in der Nähe der ostpreußischen Stadt Labiau von den Wellen des Kurischen Haffs bespült wird. Eines Tages nun fand einer der von Ohlcvhoff Geschädigten, der Vieh« Händler Blobelt, einen Brief, welchen der Angeklagte in seiner Behausung auf den, Tische hatte liegen lassen, um den Blobelt daraufhin zur Hergabe eines Darlehens von 4 M. geneigt zu machen. Blobelt gab auch das Verlangte im guten Glauben,. dinn der angeblich von dem Vater des Angeklagten in Labiau an einen Grafen Lehndorff adressirte Brief hatte auf ihn einen dem DarlehnSsucher günstigen Eindruck gemacht. In dem Briefe fragt der Schreiber unter anderem:„wozu braucht mein Sobn das viele Geld, was ich ihm gebe, all' die Tausende..— am Schlüsse folgt die Mittheilung, daß ein Akzept über 100 M. folgen werde unter dem ausgesprochenen Wunsche, dem Sohne die versetzten Kleidungsstücke einzulösen, und zuletzt folgt eine Epistel für den ungerathcnen Sohn, in welcher der letztere mit rührender Sclbstironie sich selbst kennzeichnet, denn, wie er vor Gericht einräumte, ist er selbst der Vertertiger jenes Briefes. Blobelt hat bis heute weder sein Geld noch die fette Gans, die ein ebenso fingirtes Schreiben ihm in Ausficht stellte, erhalten. Achnlich erging eS zweien Gastwirthcn in Lichtenberg; auch sie blachten dem Ver« trauen zu dem Angeklagten Opfer. Dies Alles erkannte Ohlenhoff vor Gericht an, aber er stellte die betrügerifche Absicht in Abrede.„Mein Vater hat den Schlitten für die Königin Luise selbst gefahren auf der Flucht nach Memel!" schrie der Angeklagte mit Emphase; „ich habe anläßlich vieles Ereignisses schon dreimal Unterstützung vom Kaiser und zwar durch Vermittelung des Grafen Lehndorff, welcher mit meinem Vater bekannt ist, jedesmal 300 M erhalten. Der Angeklagte behauptete, den Darleihern gegenüber von einer zu erwartenden derartigen Geldunterstützung gesprochen und Zahlung in Ausficht gestellt zu haben, wenn dieselbe eintrifft und er beruft sich zum Beweise, daß er eine folchc in der That zu erwarten berechtigt war, auf das Zeugniß des Grafen Lehndorff und anderer Personen. Ter Gerichtshof beschloß demgemäß Vertagung der Sache, deHufs Vernehmung des genannten Grafen Lehndorff. Augsburg, 20. Dezember. Die Münckener Sozial- demokratcn haben ihren„Geheimbundprozeß". Warum soll, so fragt die„Fränk. Tagespost", die Hauptstadt der„Tatscki's" nicht auch einen solchen haben? Nur mit dem Unterschied, daß in der Residenz über zwei Dutzend verkannt worden sind, bei uns Schwaben der„Gehcimbund" aus 1, sage und schreibe einem Mann besteht. Die Belastungszeugen Rcchtsrath Metzger, Polizeidezirkskommissär Büttner und Oderwachtmcister Obich bewegten sich auf dem Gebiete der„Annahmen". Sie „find der festen Uebcrzeugung, eS bestehe bähtet eineaeheüne Verbindung von Sozialdemokraten"; der Angeklagte Weber scr deren Vertrauensmann, denn er besorge die Geschäfte derselben und nähre sich von der Unterstützung seiner Parteigenossen.~,e Uebcrzeugung dieser Herren in Ehren, aber wo sind die that- sächlichen Beweise von ihnen erbracht worden, daß m Augsburg eine Vereirigung zur Entkräftung des Sozialisten- gefttzcs besteht? Weder, von Herrn«t-r. Lomenfelb au& München glänzend vertheidigt. erklärte: Er habe sich verbotene Schriften seiner Partei, waS ja erlaubt sei, gehalten, gesammelt und größtentheils unter einer und der anderen Deckadresse er« halten; auch stellt er nicht in Abrede, daß er die im Bette feiner Braut gefundenen Nummern des rn Zürich erscheinenden „Sozialdemokrat" dort versteckt habe, um sie vor der Polizei. in Sicherheit zu bringen. Dre Verbrettung dieser Zeitschrift durch seine Person müsse er ledoch bestreiten. Daß er von verschiedenen Nummern des genannten Blattes 4 bis 11 Exemplare erhalten, das habe er nicht veranlaßt, und das sei erst dann geschehen, als er unter Postsperre gestellt worden sei und dann nicht mehr direkt von Zunch, sondern von den verschiedensten Städten Deutschlands Zusendungen erhielt. Er habe fickr lediglich einen Jahrgang gesammelt und die übrigen Exemplare nicht beachtet. Wie man aber aus diesem Umstände den Schluß ziehen könne, daß er ein„Vertrauensmann" seiner Partei sei, das begreife er nicht; er wisse überhaupt nicht, waS man unter diesem Namen verstehe. Auch der Uinstand, daß man ihn im Befitze der„schwarzen Liste"(Verzeichniß der- jenigen, d,e von der Partei als Vcrräther, gemeine Subjekte. Spione k. ausgeschrieben werden) gefunden, ließe für den Vertrauensmann ebenso wenig einen Schluß zu. w,e die der ihm konfiszirtcn Verzeichnisse von Abonnenten für das Hiesipe „Thuremichelc" und die Blünchcner Zeitschrist„Das Recht auf Arbeit", welche Verzeichnisse man fälschlich für seine Ab» nehmerliste des Züricher„Sozialdemokrat" hielt. Nun wurde der Zü, icher„Sozialdemokrat" dazu, denutzt, um den Nachweis zu führen, daß es wirklich„organifirte Vereine" mit Vertrauens- und Obmännern innerhalb der Partei der Sozialdcmokratm gebe. Ader von einer Augsburger Organi» sation ist doch dort nicht die Rede. Und wenn wenigstens eire Mehrzahl Angeklagter daaewcfen wäre! Ist solch ein Analogie» schluß bei einem einzigen Anaeklagtm. Verden„Bund" repräsci» tiren soll, nichtsehr gewagt? Was beweist es für denspezielllN Augöburger Fall, wenn„festgestellt" wird, daß bei Consta,* eine Menge Nummern vom„Sozialdemokrat" in Päcken eing>« führt und von Vertrauensmännern übernommen und dann ver« breitet worden, daß dieses Blast in zwei verschiedenen Papier» stärken ausgegeben werde, für die Beföiderung in Briefkouvir> in feinstem Papier und für Krcuzbandsendungen in gewöhn« lichem Druckpapier, und daß es zweifclloßiichtigsei, daßsozialislistte Verbindungen in allen größeren Städten bestünden und zwar auch hier in Augsburg, ferner, daß die Vertrauensmänner ven den Mitgliedern dieser Verbindungen gewähtt werden? Hat denn Weber etwas derartiges nachgewiesenermaßen gethan? Und wenn in„allen größeren Städten" solche Vereine bestehen, warum schreitet die Polizei nicht ein? Ein vereidigter Partei- fienosse erklärt Weber für einen braven Menschen, der von einem Buchhandel wohl leben könne. Wcber's Schwager be- streitet entschieden, davon gesprochen zu haben, der Angeschul- digte werde von der Partei erhaltm. Weber erwähnte im Laufe des Verhörs, daß er sich geehrt fühle, mit sozialistischen Reichstagsabgcordneten in näherem Verhält- nisse gestanden zu sein, zudem habe er von diesen Herren lernen wollen. Die Staatsbehörde hält die Anklage in allen ihren Thcilen aufrecht und beantragt schließlich, den Be- schuldigten in eine Gefängnißstrafe von 6 Monaten zu verur- theilen. Die Vertheidigung beantragte Freisprechung. Das Urtheil lautet: Weber ist schuldig eines Vergehens im Sinne des§ 129 des R.-Str.-G.-B. im sachlichen Zusammenhange mit einem Vergehen im Sinne des§ 19 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 und wird in eine Gesammtstrafe von 3 Mo- naten 15 Tagen Gefängniß verurtheilt. Das Reichsgericht dürfte Gelegenheit haben, sich mit dem„Bund" des Herrn Weber noch zu beschäftigen. Wir in Schwaben haben auch einen Prozeß nach Freiburger Manier, und das ist ein Zeichen der Zeit, das man hoffentlich richtig deuten wird. Bozen, 22. Dezember.(Todesurtheile.) Vor dem hiesigen Geschwornengerichte wurde am 18. d. die anderthalb Tage währende Hauptverhandlung gegen den Italiener Carlo Zeno- niani aus Nonsberg zu Ende geführt, welcher am 31. März d. I. auf der Spitalwiese bei Klausen einen gewissen Augusto Fattor von Romeno in tückischer Weise überfallen, mit einem Stück Eisenschiene erschlagen und dann ausgeraubt hatte. Die Geschwornen sprachen Zenoniani des meuchlerischen Raubmordes schuldig, worauf der Gerichtshof denselben zum Tode durch den Strang verurtheilte.— Am Montag und Dienstag wurde die Verhandlung gegen den Raubmörder Franz Pokorny und seinen Komplizen Leopold Knoll durchgeführt; erstem hat am 3. September d. I. in Bruneck den Postexpeditor Josef Steiner auf offenem Felde mit einer Hacke erschlagen und beraubt, worauf er in der Rächt in das Postamtslokal eindrang und drei Post- beute! mit 1429 fl. 62 kr. raubte- Pokorny wurde zum Tode durch den Strang, Stationsleiter Knoll von St. Leopolden wegen Theilnehmung am Raube zu vier Jahren schweren und verschärften Kerkers verurtheilt. Reichsgerichts- Entscheidung.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 23. Dezember.(Das Holzfaserpatent des Professor Mitsckcrlich in Frciburg), welches am 27. Oktober 1884 vom I. Zivilsenate des Reichsgerichtes für ungiltig erklärt worden ist, hat zu einer Reihe von Zivilprozessen Veranlassung ge- geben, von denen zwei hellte durch den 1'. Zivilsenat des Reichsgerichtes entschieden wurden. Das Herrn Mitscherlich patentirte Verfahren besteht darin, daß aus Holz mittelst doppel- schwefelsauren Kalkes Cellulose und gleichzeitig Gerbstoff und Essigsäure gewonnen wird. Durch diese Methode der Gc- winnung der Cellulose wurde die Papierfabnkation in ganz andere Bahnen gelenkt, da inan nicht mehr nöthig hatte, sich auf Lumpen u. dergl. zu beschränken. Sein Patent nutzte frof. M. in der Weise aus, daß er gegen eine gewisse antieme und eine Kaution für dieselbe(meistens 10000 Mark) verschiedenen Fabrikanten gestattete, nach seinem Verfahren Cellulose zu fabnziren. Auf diese Weise machte er außerordentlich glänzende Geschäfte; aber das Vergnügen dauerte nur einige Jahre. Herr Berend in Varzin, der Leiter der Bismarck'schcn Papierfabrik, hatte entdeckt, daß bereits vor Ertheilung des Patentes an Mitscherlich ein Amerikaner Zightmann in England sich die Gewinnung von Cellulose, allerdings in einer anderen Art als M-. hatte patentircn lassen. Der von B. angestrengte Prozeß auf Nichtigkeitserklärung des M-'schcn Patentes beschäftigte wie erwähnt vor zwei Jahren das Reichsgericht. Dieses entschied dahin, daß Anspruch 1) des Patentes(Gewinnung der Cellulose) aufzuheben sei, daß da- gegen Ausspruch 2)(Gewinnung der Nebenprodukte: Gerbstoff, Essigsäure und Gummi) fernerhin(bis 1890) gesetzlichen Schutz genießen solle. Daß nach dieser Entscheidung der Lizenziaten ves Herrn Mitscherlich die mit demselben früher abgeschlossenen Verträge nicht mehr einhalten wollten und die Weiterzahlung der Tantiemen verweigerten, ist leicht zu erklären. Prof. M. jedoch wollte sich nicht ohne weiteres den iym seiner Meinung nach rechtmäßig zukommenden Gewinn entgehen lassen und legte die Entscheidung des Reichsgerichtes nach seiner Art aus. Zwar sei, so sagte er, die Fabrikation von Cellulose freigegeben, aber niemänd dürfe auch in Zukunft sein Verfahren anwenden, weil nur bei diesem(nicht auch bei dem englischen) die vor- läusig noch geschützte Gewinnung der Nebenprodukte Gerbstoff, Essigsäure und Gummi stattfinde. Er wollte also von den Papierfabrikanten für die von ihnen meistens gar nicht bcab- sichtiatc„Gewinnung" der Nebenprodukte, die sie meistens in den Bach laufen lassen, sich indirekt die Tantieme zahlen lassen, die er direkt für die Cellulosegewinnung nicht mehr beanspruchen konnte. Hierzu kam noch, daß er seinen Lizcnzträacm noch gewisse Fabrikationsgeheimnisse, die im Patent keine Auf- nähme gefunden hatten, verkauft hatte. Auch hierauf gründete er sein Recht zum weiteren Bezüge der Tantiemen. Den ersten Streit nun aus Grund dieser Forderungen bekam er mit der Firma Gebr. Vogel in Celle und Wiesenthal. Der eine Theil- Hader dieser Firma, Otto Vogel, war im Jahre 1878 als Fabrikdirektor in die Dienste M-'s getreten und hatte sich eidlich verpflichten müssen, die ihm in dieser Stellung anver- trauten Fabrikationsgeheimnisse noch 15 Jahxe nach Aufgabe dieser Stellung geheim zu halten und in keiner Weise zu seinem Vortheile auszunutzen. Bald darauf wurde jedoch dirser Dienstvertrag gelöst und Herr Vogel gründete mit seinem Bruder selbst eine Fabrik. Der seiner Zeit abgeschlossene Vertrag wurde dann mit Rückficht auf die ver- änderten Verhältnisse modifizirt und so wie die übrigen von M. abgeschlossenen Lizenzverträge gestaltet. Der Vertrag sollte vom Jahre 1880 bis 1892 gelten, also noch zwei Jahre länger als t>as Patent Giltiakeit hatte. Eine Bedingung lautete auch dahin, daß Herr Professor M. im Umkreise von 250 Meilen niemandem weiter eine Lizenz übertragen dürfe. Diesen Vertrag also hatte Herr Vogel insofem nicht innegehalten, als «r unter Bezugnahme auf die erwähnte Reichsgerichtsentscheidung die Weiterzahlung der Tantiemen ablehnte. Herr M- verklagte ihn nunmehr auf Einhaltung des Vertrages, er aber erhob Widerklage gegen Herrn M. und verlangte Rückzahlung der pränumerando gezahlten Tantieme in Höhe von 10 000 M. Zur Rechtfertigung seines Verhaltens gab Herr V. vor dem Landgerichte Frcib.irg(Baden) u. A. an, Herr Professor M. habe die Anwendung seines Verfahrens so vielfach anderen Per- sonen gestattet, daß dadurch ein rentabler Betrieb unmög- lich gemacht sei. Ferner berief er sich darauf, daß das Patent zu Unrecht erthcilt sei, wie das Rcichsgerichtsurthcil beweise. Prof. M- dagegen sagte, er sei in Folge des aufrecht erhaltenen Theiles seines Patentes in der Lage, jedem dritten die Anwen- dung seines Verfahrens zur Gewinnung von Cellulose zu ver- bieten, auch wenn derselbe nur Cellusose gewinnen wolle, weil gleichzeitig mit der Cellulose die Nebenprodukte gewonnen würden, deren Herstellung noch geschützt ist. Dabei sei es gleichgiltig, od man diese Nebenprodukte verwerthe oder in den' Bach laufen lasse. Mit Bezug auf die Gegenklage sagte er, das Reichsgerichtsurtheil könne unmöglich rückwirkende Kraft haben, sodaß nunmehr die während der Giltigkeit des Patentes abgeschlossenen Verträge nichtig sein müßten, es müsse vielmehr angenomnien werden, daß die Verträge mindestens bis zum Erlaß des Reichsgerichtsurtheils zu Recht bestanden; die Rückforderung der 10000 M. sei daher ungerechtfertigt. Trotzdem erkannte das Landgericht Freiburg am 22. April 1885 auf Zurückweisung der Klage M/s und verurthtilte ihn auf die Klage K.'s zur tzcrauszahlung der 10 000 M. sanimt 6 pCt. Zinsen vom Tage der Klagecrhebung an, mit der Be- aründung, daß der Vertrag ungiltig sei.— Die Berufung Mitscherlichs gegen beide Urtheile wurde vom Oberlandesgerichte Karlsruhe verworfen. Dasselbe führte u. A. aus, daß Jemand, der die Nebenprodukte in den Bach laufen lasse, sie nicht„ge- Winne", also auch nicht gegen das noch destehende Patent ver- stoße.— Die Entscheidung der zweiten Instanz focht nun M. im Wege der Revision an, indem er behauptete, das Ober- landesgericht sei von einer irrigen Auffassung des Gegenstandes des Vertrages ausgegangen. Dieser Gegenstand sei das ihm zustehende Verbietungsrecht; nur dann könnte man dem Ober- landesgerichte Recht geben, wenn dieses Verbietungsrecht weg- gefallen wäre.— Der zweite Prozeß dieser Art, der noch vor dem Reichsgerichte verhandelt wurde, war von M. gegen den Zivil- ingenieur Winter in Celle gerichtet. Dieser hatte vertragsgemäß die Einrichtung von Papierfabriken nach M/s Patent übernommen und sich eidlich verpflichtet die Geheimnisse„nie" zu verrathcn. Später hatte er dieselben aber gegen Bezahlung anderen Per- sonen mitgetheilt. Nach dem Vertrage hätte er für jeden Fall der Mittheilung 1500 Mk. Konventionalstrafe zahlen müssen, aber er weigerte sich dessen. M's Klage auf Einhaltung das Vertrages war in zwei Instanzen abgewiesen und nun suchte er beim Reichsgerichte sein Heil, indem er behauptete, es sei eine genügende Festellung des Vertrages unterlassen worden.— Das Urtheil des Reichsgerichtes lautete dahin, daß in beiden Prozessen die Vorentscheidung aufzuheben und die Sachen an das Oberlandesgericht zurückz werweisen seien. Die Gründe bezüglich des ersten Prozesses lauteten: Das Ober- landesgericht stellt rückwärts fest, daß der Vertrag nichtig gewesen d. h. keinen verkehrsfähigen Gegenstand gehabt habe und daß deshalb die Klage auf Jnnehaltung des Vertrages abzuweisen sei. Dieser Grund erscheint nicht als zutreffend, auch wenn anzunehmen wäre, daß der Vertrag vor- zugsweise das Patent betrifft. Wenn mit dem Oberlandes- geeichte anzunehmen ist, daß der Theil des Patentes, welcher die Cellulose- Gewinnung betrifft, in der That für nichtig erklärt ist, so ist doch nur der Vertragsgegenstand weggefallen, aber nicht nichtig geworden, und man kann nicht annehmen, er sei von Anfang an nicht vorhanden gewesen. Hiernach ist die Widerklage Vogels jedenfalls nicht gerechtfertigt. Aber auch die Entscheidung über die Vorklage kann nicht aufrecht erhalten werden, denn es eraiebt sich, daß die Vorinstanz dabei von derselben irrigen Rcchtsanschauung ausging. Möglich wäre es allerdings, daß auch die Vorklage vollständig abzuweisen sei, zur Entscheidung hierüber bedarf es jedoch einer weiteren Fest- stellung. Die Auslegung des Oberlandesgerichtes, wonach Gegenstand des Vertrages lediglich das Patent ist, muß auch als bedenklich bezeichnet werden.— Die Gründe für die Ent- schcidung des Prozesses gegen Winter find wesentlich dieselben. — Jedenfalls wird Prof. Mitscherlich jetzt aufathmen, denn wenn das Reichsgericht gegen ihn entschieden hätte, so würde er bei der großen Zahl seiner Lizenzträger sehr bald seine Millionen losgeworden sein. Leipzig, 23. Dezember. Eine geheime Verbindung, wie sie das Freiberger Landgericht unter den Sozialdemokraten entdeckt bat, war auch das Münchener Landgericht> in der rmge nachzuweisen und zwar noch viel gründlicher als das erst- genannte Gericht. In der Verhandlung vom 11/18. Juni d. I. stellte es fest, daß bis in die neueste Zeit eine für längere Zeit- dauer bestimmte, über die Ausführung blos einer konkreten .Handlung hinausreichcnde, längeren Bestand habende Verbindung bestehe, welche gegen die§§ 128 und 129 verstoße. Von den 32 Angeklagten wurden 26 verurtheilt und zwar 6, die sogenannten Vertrauensmänner zu je 6 Monaten, die übrigen 20 zu je 3 Monaten Gefängniß. Als erwiesen wurde u. a. angesehen, daß die Stadt München von der geheimen Verbindung in 3 Theile, bezw. 25 Bezirke gcthcilt war, welche von Vertrauensmännern derart bewirth- schattet wurden, daß z. B. 30 000 Flugblätter in einer Stunde v erthcilt werden konnten. Weiter wurde festgestellt, daß die Verbindung Massenabonncments auf den Züricher„Sozialdcmo- (rat" besorgte, Geldsammlungen veranstaltete und regelmäßige Zu- sammenkünfte abhielt. Auch daß unbekannten Oberen Gehorsam von den Mitgliedern geleistet sei und daß die Verbindung mit anderen ihrer Art in Verkehr gestanden habe, war dem Gerichte nicht zweifelhaft.— Von den Angeklagten hatten 24 dic Revi- sion verfolgt, welche heute dem>. Strafsenate zur Beurtheilung vorlag. Sie wurde jedoch unter Hinweis auf die vom l». Strafsenat in der Chemnitz-Freiberger Sache ausgesprochenen Grund- sätze verworfen. Einige prozessuale Beschwerden, die nebenbei erhoben waren, wurden auch als unbegründet bezeichnet. Uerewe und Nersammwnaen. Gewerkschaft der Metallarbeiter Berlins. Dienstag, den 28. Dezember, Abends 8& Uhr, Generalversammlung im Weddingpark, Müllcrstr. 178. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Statutenänderung(§ 6). 4. Wahl des Gesammtvorstandes. Es ist Pflicht, zahlreich in dieser Versammlung zu erscheinen. Verband deutscher Zimmerleute(Lokalverband„Berlin- Ost"). Mittwoch, den 29. Diczember, Abends 8 Uhr, Vcrsamm- luna bei Horstmann, Frankfurter Allee 127. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt. Fachverein der Steinmetzen. Die Versammlung am Sonntag, den 2. Januar, fällt aus und findet am Sonntag, den 16. Januar, statt. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am Dienstag. Schäfer'scher„Gesangverein der Elser". Abends 9 Uhr bei Wolf und Krüger, Sralitzerstr. 126, Gesang.— Gesangverein „Bruderbund" Abends 9 Uhr Adalbertstr. 4, im Restaurant.— Turnverein„Hascnhaide"(Männer- Abtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstraße 60 61.— Rauchklub „Deutsche Flagge" Abends 8 Uhr im Restaurant .Händler, Wrangelstr. 11.— Rauchklub„Zum Wrangel" Abends 8'/» Uhr im Restaurant, Wrangelstr. 32.— Verein ehemaliger Schüler der 37. Gemeindeschule, Abends 9 Uhr im Restaurant Kinner, Köpnickerstr. 68.— Vergnügungsverein der Bürsten- und Kammacher jeden Dienstag nach dem 1. und 15., Abends 9 Uhr. bei Wollschläger, Münzstr. 5. Kleine Wittheilnnge«. Lübbe«, 22. Dez(Erfroren) Heute früh fand man auf freiem Felde zwischen Düben und Niewitz— Luckauer Kreis — im Schnee liegend und erfroren den Tischler Lehmann, 27 Jahre alt. Derselbe war gestern Abend mit seinem Bruder während des entsetzlichen Schneetreibens vom Wege abgekommen und schließlich erinattet niedergesunken. Der Bruder deckte dm Unglücklichen mit seinem eigenm Rocke zu und ging weiter, um Hilfe zu holen. Leider verlief sich derselbe, so daß diese zu spät kam._ Erossen, 24. Dezember.(Ein Opfer des Schnees.) Der Briefträger Weigelt, der trotz seines hohen Alters von fast 70 Jahren noch immer seinem anstrengenden Berufe oblag, traf am Dienstag Abend von seinem Botengänge aus Briesnitz nicht mehr hier ein. Nähere Nachforschungen am nächstm Morgen ergaben, daß der dortige Gastwirth den W. nock habe zurückhalten wollen, nach der Stadt zurück- zugehen, und ihm freies Nachtquartier anbot. Der alte Mann ließ sich dazu aber nicht bewegen, „er müsse sich noch Abends auf dem Postamte melden." Gestern Mittag fand man ihn in der Nähe der Briesnitzer Ziegelei an einen Baum gelehnt, vom Schnee umgeben, todt auf. Eisenach, 24. Dezember. Seit verwichencr Nacht ist der Bahnbetrieb nach allen Richtungen wieder im Gange. Es be- ginnt Thauwettcr. Magdeburg, 24. Dezember. Die sämmtlichen im Eisen- bahndirektionsbezirk Magdeburg belegenen Bahnen fahren seit heute Mittag wieder regelmäßig. Gotha, 24. Dezember. Die Schneemassen sind beseitigt, alle Sttecken frei. Bresla«, 24. Dezember. Obwohl die Mehrzahl der ver- wehten Strecken infolge der Maßregeln der Bahnbehörden für den Betrieb wieder frei geworden sind, wessen die Züge doch mit mehrstündiger Verspätung ein. Der Nachtkurierzug aus Berlin war bis 9 Uhr noch nicht eingetroffen. Hamburg, 22. Dezember.(Billetschwindel.) Vor einigen Tagen kamen hier zwei polnische Auswanderer mit ihren Frauen und drei der einen Familie gehörigen Kindern hier an. Die Leute hatten an der russischen Grenze von einem Agenten für 100 M. vier Billcts gekauft, welche zur Fahrt nach Amerika für sämmtliche Personen genügen sollten, in Wirklichkeit aber keinen Pfennig wcrth waren, da auf ihnen eine gar nicht existirende Dampfschifffahttslinie verzeichnet war. Durch Ver- Mittelung ihres Logiswirthes fanden sich mildthätige Personen bereit, den Leuten die Reise nach der neuen Welt zu ermög- lichen. Reichenberg(Böhmen), 22. Dezember.(Attentat in einer Kirche.) In der Kirche von Westwalde, Bezirk Kratzau, er- eignete sich am Sonntag ein aufregender Vorfall. Während der dottige Pfarrer den Frühgottesdienst zclebrirte, feuerte der 26jährige Bernhard Scholz au' den Geistlichen zwei Revolver- schüsse ab, ohne denselben jedoch zu treffen. Der Attentäter wurde festgenommen. München, 24. Dezember. Die Personenzüge verkehren wieder auf allen bayerischen Bahnen, die Schnellzuge und der Güterverkehr frühestens morgen. Aus Elsast-Lothringen, 20. Dezember. Der ungewöhnlich starke Schneefall in den letzten Tagen hat zur Folge ge- habt, daß besonders in Lothringen die Wölfe aus den Wäldern sich in die Nähe der Dörfer ziehen. Eine Abnahme dieser Thiere macht sich nicht bemerkbar, trotzdem deren jährlich 40 bis 50 erlegt werden, da sie sich immer wieder aus den französischen Ardennen ergänzen. Paris, 22. Dezember. Ein furchtbarer Sturm wüthet seit gestern Nacht im Mittelmeere. Die Schiffe im Hafen mußten doppelte Anker auswerfen. Nur das Possschiff für Algerien lief gestern aus, alle andern verschoben ihre Abfahrt. Im Vorhasen von Port Vendres scheiterte das Postschist Mohamed-cl-Saddok im Augenblick, als es mit 117 Passagieren nach Algerien abgehen wollte. Passagiere und Mannschaft wurden gerettet; das Schiff selbst und die Maaren gelten als verloren. Lissabon, 24. Dezember. Das englische Panzerschiff„Sul- tan" stieß diese Nacht mit dem französischen Dampfschiss„Ville Viktoria" zusammen. Letzteres sank unter. An Bord des- selben befanden sich, als der Zusammenstoß erfolgte, gegen 60 Personen; die Mehrzahl derselben und der Mannschaft soll ertrunken sein. London, 23. Dezember. Eine eigenthümliche Art des Selbstmordes beging der Kunstgärtner Samuel Adams in Kemcrtown bei Tewkesbury. Der Unglückliche grub sich in einem Außengebäude ein sechs Fuß langes und füns Fuß breites Grab, füllte es mit Holz und ttänkte das letztere mit Benzin. Nachdem er sich sodann mit dem Rücken oben hinauf gelegt hatte, zündete er den Scheiterhaufen an. Als man das Feuer entdeckte, brannte es noch, von dem Manne aber war nichts als ein paar Knochen übrig geblieben. Adams war 40 Jahre alt. Rew-Uork, 6. Dezember. Der am|3. ds. in New-Norkkeinge» ttoffene Postdampfer Western land der Red-Star-Line hat auf seiner Fahrt einen Unfall höchst seltener Art erlitten, der aber um so beklagenswctther ist, als ihm eine Anzahl Menschenleben zum Opfer fielen und ein Theil der Passagiere schwere und leichtere Verletzungen davontrugen. Der Westernland, ein Vier- master mit zwei Schornsteinen, ist ganz aus Stahl gebaut mit vier Decks und wurde 1883 für Rechnung der Red-Star-Line in Antwerpen als der bis dahin größte Dainpfer gebaut. Der Dampfer fuhr unter Kapitän Rändle am 20. November d. F. mit annähernd 800 Personen an Bord von Antwerpen ab und hatte eine verhältnißmäßig gute Fahrt, bis sich am 27. Novdr. ein heftiger Nordweststurm erhob, welcher um die Mittagszeit an Heftigkeit zunahm. Das furchtbare Schwanken des Schiffes hatte die meisten Fahrgäste, namentlich die Kinder und Frauen, veranlaßt, in ihren Kajüten zu bleiben, ein Glück für manchen, da sonst das Nachmittags 3 Uhr 30 Min. erfolgte Unglück manches Opfer mehr gefordert haben würde. Um die genannte Zeit befanden sich unter dem Oberdeck am Bug eine ziemliche Anzahl von Fahrgästen, die den daselbst beschäftigten Mattosen bei ihren Arbeiten zusahen. Plötzlich stürmte eine Woge gegen den Dampfer an, welche sich beim Näherkommen als eme mächtige Wasserhose entpuppte. Die Wasscrmasse näherte sich so rasch dem Schiffe, daß an eine Flucht in die nächste Kajüte kaum zu denken war, und als sie das' Schiff traf, zitterte und schwankte dasselbe wie ein in die See geworfenes Spielzeug. Dann ergoß sich die Waffer- masse über das Deck und zertrümmerte mit einem furchtbaren Knall das ganze Vorderdeck; man sah nur noch ein wirres Durcheinander von Wasser, zersplitterten Balken, zerbrochenen eisernen Stangen und Platten, und unter diesen Trümmern die anwesenden, auf 50 zu schätzenden Fahrgäste und Mattosen. Als das Wasser abgelaufen war und das Schiff still lag, ent- wickelte sich vor den Augen der Getroffenen, zu denen auch der Schreiber dieses als Leichtverwundeter zählt, der gräßlichste Anblick. Vier Mattosen, unter denen sich einer auf Auslug im Mastkorbe defand und in diesem vom Wasser zerqucsscht wurde, waren getödtet; 18 Personen, darunter 8 Mattosen, 10 Fahrgäste, waren schwer verwundet. Außerdem wurden an 20 Fahrgäste durch leichtere Verletzungen, als Kopfwunden, Gcsichtswunden, Hautabschürfungen, Verrenkungen u. s. w. deschädigt, die meist bedeutungslos waren. Im Laufe deS Tages starben noch ein Fahrgast und ein Mattose, sodaß bis zur Landung des Dampfers in New-Pork sechs Todte und sech» zehn Schwervcrwundete zu verzeichnen waren. Die vier zuerst Verstorbenen wurden am Abend des 27., die anderen beiden am 28. November nach Seemannsatt bestattet. Eine auf dem Schiffe für die Hinterbliebenen der Matrosen veranstaltete Sammlung ergab eine Summe von etwas über 2000 Fr. Der an dem Dampfer angettchtete Schaden wird auf 20000 Mark veranschlagt._ Permi schtes. Deutsche Arbeiter in Italien. Von der südlichen Schweizergrenze gehen der„Magdeb. Ztg." folgende Mitthci- lungen zu:„Aus Deutschland und aus der deutschen Schweiz ziehen im Spätherbst und im Anfang des Winters fast täglich kleinere und größere Trups von Arbeitern nach dem Süden, weil sie hoffen, in Italien mit seinem milden Klima während der Winterszeit gute Arbeit und angenehmen Aufenthalt zu finden. Vor Eröffnung der Gotthardbahn sah man nur verein- zelte Handwerksburschen diese Reise unternehmen, weil es immer- hin mancherlei Schwierigkeiten und selbst Gefahren bot. in dieser vorgerückten Zeit den Gotthard zu überschreiten. Heute aber liegen die Verhältnisse anders, denn es ist dem Gesellen Gelegenheit geboten, für eine verhältnißmäßig geringe Ausgabe die Strecke zwischen Göschenen und Airol» bequem in der Eisenbahn üuttickzulegen. Die über 200 Kilometer lange Fußtour von Altdorf bis Göschenen und von Airolo bis Ehiasso bietet immerhin noch der Schwierigkeiten genug. Aber dem Wanderer winkt ja die schöne Hoffnung des Südens und diese läßt ihn die Schritte verdoppeln. Kurz« Zeit, nachdem die Schweizergrenze passttt ist, werde» unsere Wandervögel überrascht durch den herrlichen Anblick. von Como und seiner Umaebund. Wer weiter gcbtS nach dem Süden bis(nach Mailand, wo die Ar- beiter, nachdem fie sich an den mancherlei Sehens- Würdigkeiten der glänzenden lombardischen Hauptstadt satt gesehen sich daran machen, Arbeit zu suchen. Nun aber folgt Enttäuschung auf Enttäuschung. Arbeit findet sich nämlich nur in den seltensten Fällen, und wo sie sich findet, ist fie so schlecht dezahlt, wie vielleicht nirgends in Deutschland und in der Schweiz. Die Lage der deutschen Arbeiter wird noch durch den fatalen Umstand erschwert, daß dieselben weder der Landessprache kundig, noch mit den Sitten und Ge- brauchen in Italien bekannt find. Auch fällt es ihnen zu- meist sehr schwer, fich an die höchst mangelhaften Wohnungs- und Nahrungsverhältniffe zu gewöhnen. So irren denn diese Arbeitsuchenden oft wochenlang im Lande umher, von Ort zu Ort, ohne daß ihre Hoffnungen auch nur einigermaßen erfüllt würden. Halb verhungert und in defekter Kleidung kehren fie schließlich, oft genug auf dem Zwangswege, nach der Schweizergrenze in ihre Heimath zurück. Den Arbei- tcrn, welche durch den Mont-Cenis ihren Einzug in Italien halten, geht es nicht anders. Sie wenden fich zunächst nach Turin und sind freilich entzückt von den Schönheiten und Herrlichkeiten dieser Stadt. Aber nachdem sie die Kehrseite der Medaille genossen, setzen sie ihre Wanderung in östlicher Richtung fort bis nach Venedig, wo sie aber ebenso vergeblich auf Beschäftigung warten. Auch diesen bleibt schließlich nichts anderes übrig, als den Rückweg nach der Schweiz zu nehmen und dort vollständig entblößt den Behörden zur Last zu fallen. Die deutschen Ar- beiter, welche zu Anfang des Winters ihre„italienische Reise" untemehmen, geben sich der Täuschung hin, das Winter- klima sei in Italien sehr mild. Das gilt aber keineswegs von Oberitalien, wo die Winterkälte häufig genug eine sehr empfindliche wird. Dazu kommt, daß es in diesen Gegenden nicht wie in Deutschland und der Schweiz Herbergen giebt, ebenso wenig wie Zehrpfennige, Ortsgeschenke, Natural- Verpflegung oder anderweitige Unterstützungen. Auf private Unterstiitzung kann der Bedürftige schon gar nicht rechneu. So bleiben schließlich für die in Roth und Bedrängniß ge- rathencn Arbeiter nur die Hilfsvcreine übrig. Mit Rückficht auf alle diese Verhältnisse möchten wir die Handwerker er- mahnen, ihre Schritte nur dann nach Italien zu richten, wenn fie ziemlich sichere Aussicht auf Arbeit haben, oder dann wenigstens nicht den Winter zur Reise zu wählen. Beiläufig ist auch noch zu erwähnen, daß die Arbeits- Verhältnisse für Handwerker in Italien im Allgemeinen keine günstigen find. Manche Berufsarten(wie z. B- Töpfer, Böttcher u. A. m.) kennt man hier gar nicht und andere werden in einer Art betrieben, die sehr von derjenigen in Deutschland und der Schweiz abweicht. Häufig fehlen selbst das richtige Werkzeug und die nöthigsten Maschinen. Zu alledem kommt die durchweg schlechte Löhnung. Benjamin Franklin, der bekannte, am 17. Januar 170g als Sohn eines Seifensieders in Boston geborene, nord- amerikanische Staatsmann, als Erfinder des Blitzableiters ins- besondere in Jedermanns Gedächtniß, begann seine merkwürdige, an glänzendsten Erfolgen späterhin so reiche Laufbahn in sehr bescheidenen Verhältnissen als Buchdruckergehilfe. Er arbeitete als solcher zuerst bei seinem älteren Bruder, dann bei Brad- ford und bei Kcimer in Boston, unternahm 1724 eine Reise nach England, woselbst er zwei Jahre lang in der Offizin von Palmer und Watts zu London als Setzer thätig war, schloß fich, nach Amerika zurückgekehrt, an Hugh Meredith an, der gleich ihm bei Keimer gelernt hatte, und arbeitete einige Jahre mit diesem Kollegen derart, daß er selbst den Satz und Meredith auf einem aus England be- zogenen Truckapparat den Druck besorgte. Hierauf machte Franklin sich sclbstständig und entwickelte alsbald eine ganz außerordentlich emsige Thätigkeit für die Verbreitung der Buch- druckerkunst, die derzeit in Nordamerika noch in den ersten Anfängen steckte. Persönlich unterrichtete er zahlreiche Arbeiter, stattete dieselben mit Pressen und Typen aus und sandte stein Städte, wo noch keine Druckereien existirten. Er errichtete ferner eine Papiermühle, die sehr bald zum Bau anderer an- regte, so daß die Kolonisten, die bis dahin ihr Papier aus Eng- land bezogen hatten, nunmehr solches im Jnlande zu kaufen in der Lage waren. In Philadelphia gründete Franklin, der fich wohl nicht träumen ließ, daß er noch einmal Generalvost- meister der englisch-amerikanischcn Kolonien werden würde (1758% eine Zeitung im großen Stil, wohl die erste, die nicht einfach nur die aus Europa einlaufenden Blätter nachdruckte, wie es in anderen Buchdruckcreien gang und gäbe war, son- dem auch mit eigmen und zwar vortrefflichen Arbeiten vor die Leser trat. Wie dieses Untemehmen, so enthielt auch der von Franklin herausgegebene Almanach, der„Arme Richard", Aufsätze über Moral, Gesundheitspflege, Industrie und Landwirthschaft, in denen der vielseitige Mann fich als ein ausgezeichneter Moralist und politischer Schriftsteller be- thätigte. Franklin war es auch, der die Bibliothek zu Phila- delphia ins Leben rief, das Vorbild aller spateren, wie fie heute fast in jeder Stadt anzutreffen find. Er gründete Hospi- täler und Erziehungsanstalten, gelehrte Gesellschaften und Ver- ficherungsanstalten für Arbeiter und Feuerschäden. Seit 1775 mit Washington zusanimen für die Unabhängigkeit der Staaten wirkend, ging er 1776 als geheimer Unterhändler, und zwei Jahre später als bevollmächtigter Minister nach Paris, wo er am 3. September 1783 bekanntlich den Frieden von Versailles unterzeichnete. Höchst charakteristisch für den Unermüdlichm ist es, daß er fich während seines Aufenthaltes in Frankreich eine Privatdmckcrei einrichtete, die fich in Passy, dem west- liehen Stadttheile von Paris defand. Seit seiner Rückkehr nach Amerika bis 1788 Gouvemeur von Pennsylvanien, war er doch nach wie vor bis zu seinem Tonde am 17. April 1790, als echter Philanthrop, ununterbrochen und unter den weit- tragendsten Gesichtspunkten zum Wohle der Menschheit thätig. Für seinen Grabstein hatte er sich selbst eine Inschrift bestimmt und verfaßt, die in keiner Zeile den ehemaligen Buchdmcker verleugnet und in der Uebcrsetzung folgendermaßen lautet: «Hier ruht Benjamin Franklin, der Buchdmcker,— wie der Einband eines alten Buches, dessen Blätter herausgerissen, dessen Vergoldung und Titel verwischt find,— eine Speise für Würmer!" Ein Pfarrer über die Leichenverbrennung. Basel, 19- Dezember. In einer Vereinsversammlung in Kleinbascl erstattete der Pfarrer Eman Linden am letzten Freitag Bericht über den dermaligen Stand und die Bedeutung der eigentlich „brennenden" Frage, indem er dieselbe sowohl im Allgemeinen als auch namentlich mit Rücksicht auf die Verhältnisse Basels, speziell Kleinbasels, auffaßte und beleuchtete. Aus dem Vor- trage ging hervor, daß die Vonirthcile, gegen die die Leichen- Verbrennung bisher noch immer zu kämpfen hatte, mehr und mehr schwinden und einer vernünftigen Auffassung Platz machen. Die Einführung der Feuerbestattung ist nunmehr nur noch eine Etage der Zeit, seitdem die Leichenverbrennung allen an fie ge- -Uten Forderungen entspricht; daß fie nämlich 1) möglichst rasch, vollständig und reinlich vor fich gehe, 2) möglichst wenig Kosten verursache, 3) nicht sanitätswidrig sei und 4) das Gefühl der Pietät nicht verletze. Räch allen diesen Rücksichten hält, wie der Referent ausführt, die Feuerbestattung die Probe aus, und die Bewohner der Großstädte werden fich um so eher mit ihr befreunden und befreunden müssen, als die Erddestattung in großstädtischen Revieren aus verschiedenen Gründen immer schwieriger wird. Das letztere ist vor Allem bekanntlich auch in Kleinbasel der Fall. In den letzten Jahren find in Europa, meist in Italien, etwa 1000 Feuerbestattungen vorgekommen. Nachdem dieser erste Anfang gemacht ist, wird die Einführung der neuen Einrichtung, die mit den Leichenverbrennungen des MetthumS und bei den Wilden nichts gemein hat, rasch Fort- schütte machen, trotz des dcrmaligen Widerstandes der kirchlichen und naturwissenschaftlichen Orthodoxie. Der hiesige Verein für Leichenverbrennung hat denn auch schon am oben genannten Abend einen ansehnlichen Zuwachs erhalten und es ist zu hoffen, daß fich ihm immer mehr Freunde zuwenden, welche die jetzige Bestattungsweise mit der neuen vertauschen resp. die letztere vor- läufig fakultativ einführen wollen. Seltsame Nothwehr. Aus dem Oxforder Gerichtssaal wird berichtet: Kürzlich gab der Zirkus des Mr. Robinson Crabe eine Reihe von Vorstellungen in Oxford. Das Publikum drängte fich in Massen herbei, und der Hauptanziehungspunkt der Gesellschaft waren die Produktionen des Athleten-Herkules Cirk, der fich bescheiden„das achte Weltwunder" nannte. Bei einer der Vorstellungen war auch eine Anzahl Londoner Studenten anwesend, und einer derselben rief mit überlauter Stimme dem Herkules zu:„Was Sie machen, kann ich auch; Sic sind kein Weltwunder!" Ein Theil des Publikums jubelte dem Studenten zu, ver andere zischte ihn aus. Als Ruhe eingettcten, begab fich der Student, ein Jurist Namens Brecchman, einer Aufforderung folgend, auf die Bühne, ent- ledigte fich seines Rockes, schürzte die Hcmdärmel auf und schwang dabei, lustig pfeifend, all' die Gewichte und Eisen- stangen wie zuvor der Athlet. Der„Herkules" sah ver- zwciflungsvoll seinen Nimbus schwinden; er blickte umher, da sah er zufällig auf einem Stuhle der ersten Reihe die heutige Klägerin, Mts. Wackcrill, eine der korpulentesten Frauen von Oxford. Höhnisch rief er den, Juristen zu:„Macht mir das nach", hob die Dame wie ein Kind in die.Höhe und tanzte, fie doch emporhaltcnd, fünf Minuten lang wild umher. Während dieser heftigen Tanzbcwegungen verlor Mrs. Wackerill ihr Hmlstuch, ihren Hut, einen Zopf, und zum Schlüsse löste sich auch— die Tournüre. Heute klagte Mrs. Wackerill auf Ehrenbeleidigung.„Herkules" vettheidigte fich, indem er sagte, er wäre in einem Zustande der Nothwehr gewesen, er hätte dem Studenten unterliegen müssen; allein das letzte Kunststück, den Tanz nachzuahmen, hätte dieser keinen Versuch gemacht. Er erbietet fich, die Dame um Verzeihung zu bitten, und ver- sichert Mrs. Wackerill, nur ihre Schönheit habe seine Wahl auf fie gelenkt. Besänftigt reichte die Dame auf diese aus- reichende Ehrenerklärung dem Athleten die Hand, und die Ver- Handlung endete mit einer Freisprechung. Ueber eine zu Bauzwecken zweckmäßige Erfindung wird dem„Sch. Merkur" geschrieben: Zum ersten Male wur- den Gypsdielen genannt und gezeigt auf der Ludwigsburger Gewcrbeausstellung. Das neue Baumaterial wurde erfunden und eingeführt von den Architekten A. und O- Mach in Ludwigsburg. Die einlachen Bestandtheile find Schilfrohr, zu einer festen Masse durch flüsfigen Gyvs verbunden; fie werden in Form von 7 Zentimeter dicken Dielen hergestellt und lassen sich vermittelst der Handsäge beliebig thcilen. Ihre Verwendung ist eine ziemlich mannigfaltige. In erster Linie kommen sie in Be- stacht als Ersatz für die bisherige Füllung der Zwischenböden, welche in Lösch, in Sstaßenkoth, Kokes und allen möglichen Materialien, keines für seinen Zweck völlig genügend, bestand. Von Balken zu Balken wird mit diesen Dielen, die auf Latten ruhen, ausgefüllt. Unterhalb(Decke des unteren Raumes) und oderhalb(Boden) bleibt hohler Raum. Der Blendboden wird auf den Durchzug nicht unmittelbar aufgelegt, sondern durch einen Filzriemen isolitt. Auf diesem Wege glaubt man ver- schiedcne Vortheile zu erreichen. Einmal jene Trockenhaltung des Zwischenraumes zwischen Decke und Boden, welche bei anderem Material mancher Gefahr ausgesetzt war und vielfach (und dann stets in hohem Grade zum Schaden des Holzwerkcs) Roth gelitten, und welche deshalb kaum hoch genug anzu- schlagen ist. Ferner hofft man die Fähigkeit des Holzes, den Schall zu leiten, und damit die in vielen Neubauten so lästige „Hellbörigkest" der Wohnräume zu dämpfen. Inwieweit sich diese Zwecke erreichen lassen, muß die Erfabrung zeigen. Eine weitere Verwendung dieser Dielen ist eine senkrechte und zwar in Fachwerk, in untergeordneten Räumen des Dachstockwerkes und dergl. Hier werden die Wände mit den zurecht geschnitte- nen Dielen ausgefüllt und dann versstichen. Ueber den Kampf des österreichisch-ungarischen Lloyd- dampfers„Melpomene" mit einem Zyklon, durch welchen der Dampfer fast ganz vernichtet wurde und 23 Menschen ums Leben kamen, wird dem„Pester Lloyd" aus Kalkutta folgendes berichtet:„Der Lloyddampfer„Melpomene", welcher am2ö. No- vembcr hier im Hafen ankam, begegnete am 22. d., ungefähr 300 englische Meilen von den Sandheads(Mündung des Hu- glys) einem Zyklon. Das Schiff verließ Dscheddah am 4. No- vember mit 582 muhammedanischen Pilgern(Hadschi) an Bord und passttte Aden am 3. November. Am 21., Mittags 12 Uhr, unter dem 16,41 Grad nördlicher Breite und unter dem 86,10 Grad östlicher Länge begann es von Nordosten her zu wehen und das Barometer, welches rapid fiel, sank um 4 Uhr Nach- mittaas auf 28,9 Grad. Um diese Zeit brach der Wind mit furchtbarer Gewalt aus, von allen Richtungen kommend, von Nordost, West und Süd, später auch von Südosten. Am 22. wehte wieder ein furchtbarer Sturm, dazu fiel schwerer Regen, starker Donner erdröhnte und unaufhörlich zuckte der Blitz, be- gleitet von starkem Seegang. Das Schiff war vollständig in Schaum gehüllt und man konnte auf eine Entfemung von zehn Schritten nichts erkennen. Am nächsten Tage um zwölf Uhr Mittags unter dem 17. Grade nördlicher Breite und dem 83,37. Grade östlicher Länge stürzte der Vordermast über Bord, zwei Boote wurden losgerissen und verschwanden in der Tiefe. Ein Verschlag auf Deck wurde zcr- ttümmett, ebenso ein Theil des Salons. Den Offizieren und der Mannschaft ging es ebenfalls sehr schlecht; einige wurden verletzt, ein Matrose wurde schwer verwundet. Kapitän P. Adttanovics fiel auf der Kommandobrücke und brach den reckten Oberarm. Den Passagieren ging es noch viel übler. Die Ein- gänge auf Deck wurden geschlossen, und als der Schiffsarzt Dr. Piercr nach den Pilgern sah, fand er 5—6 Todte, welche vor Angst oder durch die Erschütterung des Schiffes starben. Jnsgesammt wurden 23 Todte in die Wellen geworfen, von denen 5 schon vor dem Ausbruch des Zyklons verschieden waren. Das Sckiff wurde bei der Ankunft hier von der Hafcnbehörde erst zur Quarantäne beordert, nach einigen Stunden aber durfte es in den Hafen dampfen. Der Rumpf des Schiffes sowie die Maschine find intakt, aber äußerlich gleicht es einem Wrack. Alles Mögliche wurde aufgeboten, um das Loos der hilf- losen Passagiere zu erleichtern. Als ich gestern den Dampfer aufsuchte, bot fich mir ein Bild der schrecklichsten Verwüstung. Tie Treppe, die auf den Dampfer führte, war zettrümmett und durch Bretter und Stricke nothdürftig aus- gebeffett. Das Eisengeländer war theilweise verbogen, theil- weise fehlte es ganz. An Stelle des stolzen Vordermastes war nur ein fünf Fuß hohes Fragment fichtbar. Die Treppen, welche zur Kommandobrücke, sowie jene, welche auf das obere Deck fühtten, waren über Bord gespült. Der Rauchsalon, sowie der Eingang zum großen Salon waren total zettrümmett. Dampf- steuer, sowie ein Flügelthctl der Schraube find gebrochen. Der Rauchfang war von dem Meersalze noch ganz weiß, Sturz- wellen waren durch den Rauchfang in die Feuerung gerathen. Die Betten, Kleidungsstücke, sowie Wäsche der Offiziere und Mattosen lagen noch ganz durchnäßt auf Deck umher. Als ich mich um den Kapitän des Schiffes erkundigte, wurde mir ge- sagt, daß er ins Hotel gebracht worden sei. Fahrplanmäßig sollte die„Melpomene" schon am 1. Dezember von hier ab- gehen, muß aber jetzt zur Reparatur— die vielleicht vier Wochen in Anspruch nimmt— in die Docks überführt werden. Der Schaden wird auf 40 000 fl. geschätzt." Vom Suezkanal. Die schon seit langer Zeit geplante Verbreiterung des Suezkanals scheint nunmehr demnächst in Angriff genommen werden zu sollen. Aus Paris wird berichtet: Die bezüglichen Verhandlungen zwischen der egyptischen Re- gierung und Herrn von Leffeps find am Sonnabend zum Ab- sckluß gelangt und haben zu einer Konvention geführt, die am Montag unterzeichnet werden sollte. Danach soll der Kanal den Vorschlägen der technischen Kommission gemäß auf der Strecke von Pott Said bis zu den Bitterseen eine Breite von 44 Metern und zwischen den Seen und Suez, wo die Gezeiten sich bemerkbar machen, eine Breite von 65 Metern in der Sohle erhalten. Zwischen Port Said und den Bitterseen wäre es vielleicht möglich, die Verbesserungen auf der Gesellschaft bereits gehörendem Terrain auszuführen, dagegen war dies auf der Sttecke zwischen den Bitterseen und Suez nicht angängig. Da man aber Land nicht nur für die Verbreiterung des Kanals, sondem auch für die Herstellung neuer Docks in Jsmailia und Pott Said und neuer Bureaux und Gebäude für die Beamten bedarf, so ist verabredet worden, daß die egyptische Regierung der Gesellschaft 4000 Heftar verkauft, und zwar sind dies ein Stteifen an den Ufern des Kanals entlang, sowie Ländereim in der Nähe von Jsmailia, Pott Said und Suez. Einige Schwierig! iten machte der zu zahlende Preis. Schließlich wurde der Preis von 500 Franks pro.Hektar vereinbart, der- selbe, den die Regierung auch beim Rückkauf des Herrn von Leffeps zeditten Gebietes bezahlt hat. Eine traurige Statistik über Geisteskranke findet fich im Jahresbencht der Irrenanstalt zu Hannover. Von dm am Ende des vongen Jahres verbliebenen 1100 Geisteskranken der dortigen Anstalt war bei nahezu einem Drittel die Erblichkeit des Wahnsinns nachgewiesm und leidet das weidliche Geschlecht unter dieser schrecklichen..Erbfolge" am meisten, denn unter den „erblichen" 310 Geisteskranken warm 131 männliche und 179 weibliche. In den überwiegend meisten Fällen ist Blutarmuth (bei 226 Kranken von 459 aufgenommenen) die Hauptursache der Geistesstörung. Viele dieser Unglücklichen erreichen ein sehr hohes Alter und befanden sich von den 174 Verstorbenen allein 12 im Alter von mehr als 80 Jahren, 50 im Alter von 60 bis 80 Jahren. Die.Heilung lieferte einen relativ kleinen Prozent- satz, denn von 459 abgegangenen(und gestorbenen) Personen konnten nur 64 als geheilt bezeichnet werden. Einer dieser Unglücklichen war 43 Jahre hindurch im Jrrenhause und einer — zum zwölften Male in der Behandlung. Kriefkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die Abonnements-Quittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. Alter Abonnent Josepystr. Auch im Falle einer Geistes- krankheit müssen die Ortskrankenkassen die im Statut vorge« schriebenen Leistungen gewähren. Die Geschwister eines Geistes- kranken müssen denselben unterstützen, wenn sie dazu ohne Ge- fährdung ihres eigenen Unterhalts im Stande, und keine näheren Verwandten(Eltern) vorhanden oder zur Unterstützung im Stande find. Abonnent H. Der Redakteur einer Zeitung kann, auch wenn er schon selbst wegen eines beleidigenden Artikels bestraft ist, durch das beliebte Zeugnißzwangsvcrfahren gezwmgen wer- den, den Autor des Artikels zu nennen. Enthält der Attikel Behauptungen, die nicht erweislich wahr, aber geeignet find, einen Ändern in der äffen tlichm Meinung herabzusetzen, so ist der Autor aus§§ 186 und 200 des Strafgesetzbuches strafbar, auch wenn er nicht wider besseres Wissen gehandelt hat. Da es fich aber um ein Preßvergehen handelt, so verjähtt dasselbe in 6 Monaten. F. 8. Nach der noch in Kraft stehenden preußischen Me- dizinaltaxe hat ein Arzt für den ersten Besuch 3 Ä-, Nachts 6 M. zu beanspruchen, wenn nicht etwas anderes ausge- macht ist. Marttyallen-Bericht von I. Sandmann, städtischem Vettaufs-Vermittlcr, Berlin, dm 27. Dezember 1886. Geflügel. Während der Festtage stockten die Zufuhren; Preise hoch. Gänse, 3— 10 Pfd. schwere, 52— 60 Pf., über 10 bis 15 Pfd. 56—65 Pf., Fcttgänsc über 15 Pfd. schwer, sebr rar und gut bezahlt, 63 Pf. und mehr per Pfund. Junge Enten 1,50— 2,50, fette Enten 56— 65 Pf. ver Pfund, über 10 Pfund schwere fette Puten 70—85 Pf. per Pfd., Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20-1,70 M, Tauben 30 bis 40 Pf., Poularden 4,50—8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Lebende Gänse zum Mästm 2,00—3,00 Ä., lebende Enten 0,90—1,50 M. Auktion täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags., �„ Wild. Da die Zufuhr sehr knapp war, sind die Preise, besonders für Hasen, gestiegen. Hasen, ausgeworfen, ohne be- sondere Verpackung, auf Stangen von 10 Stück 3,80—4,10 per Stück, Kaninchen, ausgeweidet 55 bis 60 Pf. per Stück. Beim Versand von Hochwild sollen die 4 Beine zu- sammcn geschnütt werden. Rehe ausgeweidet 1»(junge, feiste, gut geschossene) 60—75 Pf., Ha(sehr starke und sehr fehlerhaft zerschossene) 55—60 Pf. pr. Pfd. Rothhirsche, 40— 55,1:» 30-40, Dammwild 1 50-70, I> a 38-50 Pf. per Pfund. Wildschwein 30 bis 50, kleine 50 bis 65 Pf-(%. Pnmd. sssV'Tä»m�säs a dm täglich im Bogm 4 um 6 Uhr Nachmettaep abgehaltcru Geräucherte und marinitte Fische. Engros-Auftwn täglich um 5 Uhr Nachmittags im Bogen 4. Brathermge per Faß 1,25-1,50, größere 2,50 M. Rusfisck- Sardmm 1.60-1.60 M. Heringsbücklinge 0,80-1,50 per 100 Sü, Sprotten 40-80 Pf. per Kiste. Rauchaal 0,80-1 M- per Pfd. Vorrathe und Zu- fuhr noch sehr bedeutend.__, Fische. Hechte 30-40 M- per Ztr. Karpfen 35-64« 55-75 M-, Bleie 20-21 M- per Ztr. Lebende Karpfen 0,80 bis 1.00 M. �. Eier 3,20 M- pr. Schock. Butter. Frische feinste Tafelbutt« ,c. 120-125, feine Tafel- butt« l. 110-118, u. 96-106 Iii. fehlerhafte 80-90, Landbutter I. 90— 96, I'. 70—85, Galizische und andere geringste Sotten 55— 72 M pr. 50 Ko. Obst und Gemüse. Birnen 10-20 M., feinste Sotten 20-40 M, Aevfel �00-9,00 M., Tafeläpfel 10-20 M.. feinste Sotten 20—36 M., Wallnüffe 20— 30 Ä., aettnge 12— 15M. pr. Zetnner. Apfelsinen, Valencia 12-20 M., Feigen 20-40 M- pr. Zenwer. Zitronen, Malaga 20-25 M. Böhmische Backpflaumen 10—13 M. ,, Weißfleischige Speisckattoffeln 3,00—3,60, rothe 2,80—3,00, blaue 2,80-3,20 p« 100 Ko., groß Sellen- 7-10 M-, klein mT% Meerrcttig 7—12 M., Zwiebeln 4,50-6—8 M.. Blumenkohl 30-40 M. pr. 100 Stück, Kohlrüben 1,50-2,00 M. per Zentner. Käse. Emmcnthal« 70—75, Schweiz« l 56—63, II. 50—56, III. 42— 48, Quadrat-Backstein l. fett 20— 25, II. 12— 18 M-, Limburg« I. 28—32, N. 18—22, Rheinischer Holland« Käse 45-58 M., echt« Holland« 60-65 M-, Edamer I. 60-70. II. 56-58 M. Wasserstand der Spree in d« Woche vom 12. bis 18. Dezember 1886.(Angabe in Metern.) Beri.-itworttuv für den rolttischm Theil und Soziales Max Schippet, für Vereine und Versommlungm F. Tutzauer, für dm übrigen Theil der Zeitung 9t. Eronhetm. sämmtlich in Berlin. Druck und V«lag von Max Bading in Berlin SW.. Beuthstraße 2