Pr. 304 Mittwoch, de» 39 Dezember 1886. 3. Zichrg. ßfrliiifrBiiltetilnll Brgün für dir Interrsscn der Arbeiter. 4 DaS„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei tn's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Marl, wöchentlich 35 Pf. Postabonnemcnt 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzcitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.) Jnsertionsaebühr deträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbcitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Ilbr Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 3.— Expedition: Zimmerstraste 44. AbinnementS'Allladiiug. um bevorstehenden Quartalswechsel erlauben wir uns, zum Abonnement auf das „Kerliner Uolksblatt" nebst der wöchentlich erscheinenden Gratisbeilage „Illustrirtes Sonntagsbiatt� einzuladen. Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf dem Boden des unbeugsamen Rechtes. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und Streiter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klassengegen- säyc ist das„Kerliner Uolbsblatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung einzelner, heute schon bevorzugter Gesellschaftsklassen findet. Das„jSerlUmr Holksblatt' sucht seine Aufgabe durch sachliche Behandlung der politischen als auch der Taacsfragcn zu erfüllen. Die gleichen Grundsätze leiten uns bei Besprechung unserer städtischen Angelegenheiten. In unserm täglichen Feuilleton haben wir mit der Ver öffentlichung des berühmten sozialpolitischen Romans '44 von Aisraeli, «SybiQ der für unsere Leser von Natalie liebknecht übersetzt worden ist, bereits begonnen. Neu hinzutretenden Wonnenten wird der Anfang dieses überaus spannenden und lehrreichen Romans gratis nach- geliefert.____ Der Abouururentspoel» beträgt für das ganze Viertel» jähr 4 M., monatlich 1,35 M., wöchentlich 35 Vf. Bestellungen werden von sämmtlichcn Zeitungsspediteuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstraße 44, entgegengenommen. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Be- stellungen an. Die Redaktion und Expedition des Berliner Molkoblatt". Deutschland als Industriestaat. Wie sehr auch auf den Ausstellungen und bei ähnlichen Gelegenheiten die deutsche Industrie verherrlicht zu werden pflegt, so ist es doch eine Thatsache, daß die deutsche Industrie rn vielen Beziehungen hinter der Industrie anderer Staaten, resp. Nationen zurückgeblieben ist. Man betrachtet als die fünf Industriestaaten, die am weitesten vorgeschritten sind, England, Frankreich, Deutschland, die Vereinigten Staaten Mrt.tai.] Iseuill'eton. Sqbil. [3 Sozialpolitischer Roman von Disraeli. Uebersetzt von Natalie Liebknecht. Buch I. Erstes Kapitel. Charles Egremont war der jüngere Bruder eines englischen Grafen, dessen Adel, obgleich erst drei Jahrhunderte alt, ihm doch einen Platz unter unseren höchsten und ältesten Pairs sicherte. Der Gründer der Familie war bei einem Günstlinge Heinrichs Vlll. Kammerdiener gewesen und hatte das Amt eines Kommissärs zur Besitzergreifung verschiedener religiösen Häuser und An- stalten erlangt. Der königliche Kommissär arbeitete so eifrig und gewissenhast, daß mehrere dieser religiösen Häuser und Anstalten in den Privatbesitz des sehr ehrenwerthen Baldwin Greymount übergingen. Der König war von dem Eifer und der Gewissenhaftigkeit seines Kommissärs entzückt, der den gelehrten Monarchen gelegentlich durch Uebersendung seltener Pergamente und künstlerisch vollendeter und alterthümlicher Becher, Ringe, Kreuze u. s. w. erstellte. Baldwin Greymont kam in Gunst bei dem König, er wurde in den Adelstand erhoben und hätte Minister werden können, wenn er es nicht für gut gehalten hätte sich vor solchen gefährlichen Ehren zu hüten. Er sammelte rn aller Stille Reichthümer auf Reichthümer und brachte es fertig, in jenen unruhigen Zeiten sowohl seine Reichthümer als seinen Kopf zu retten. �,, Die Greymount's verblieben auch unter der mehr ge- ordneten Regierung Elisabeths in kluger Zurückgezogenheit, immerfort Schätze ansammelnd, bis ungefähr 70 Jahre nach Gründung der Familie, zu Anfang des 17. Jahrhunderts, ein Greymont, der für eine Grafschaft im Parlamente saß, unter dem Titel eines BaronS von Marney zur Pairschast erhoben wurde. Ein echter Stammbaum, der den von Nordamerika und Belgien; es sind dies auch diejenigen Länder, in denen sich die gegenwärtig immer noch Herr- schende ökonomische KrisiS am stärksten fühlbar gemacht hat. Das Arbeitsamt der Vereinigten Staaten hat kürzlich eine vergleichende Untersuchung über die Verhältnisse dieser fünf Länder veröffentlicht, die sehr interessante Dinge enthält. Wir erfahren zunächst, daß, was A r- beitereinkommen und Lohnhöhe anbelangt, die Vereinigten Staaten den ersten Rang einnehmen, dann kommt Großbritannien, dann Frankreich, dann Belgien und zuletzt Deutschland. Uns ist das nicht neu; wir legen nur Werth darauf, daß es wieder einmal amtlich konstatirt wird. Bekanntlich ist ein Hauptargument der deutschen In- dustriellen gegen eine kräftige Ärbeiterschutzgesetzgebung die Behauptung, daß die deutsche Industrie konkurrenzunfähig würde, wenn sie höhere Löhne zahlen und die Arbeitszeit verkürzen müßte. Sogar bei den Schutzzöllen wurde seiner- zeit behauptet, sie seien deshalb nothwendig, weil in den lonkurrirenden Staaten billiger gearbeitet würde. Nach den Aufstellungen des amerikanischen Arbeitsamtes, das kein In- teresse hat, die Unwahrheit zu sagen, ist dies Alles eitel Flunkerei gewesen. Es ist im Gegentheil ausdrücklich kon- stalirt, daß in Deutschland die Produktionskosten oie ge- ringsten sind. Wenn es in Deutschland Jndustnelle giebt, die nur konkurrenzfähig sind, wenn sie chinesische Löhne zahlen, so ist es unserer Ansicht nach gar kein Unglück, wenn diese verschwinden, um einer solideren Produktion Platz zu machen. Denn eine Industrie mit so niedrigen Löhnen ist kein Vortheil mehr für ein Land, sondern ein Unheil, dessen Wirkungen in ökonomischer wie in sanitärer Beziehung geradezu unberechenbar sind. Unsere sozialpolitischen Geheimräthe haben eS immer sehr ernst genommen, wenn ihnen die Industriellen vorrede- ten, diese oder jene Maßregel zum Schutze der Arbeiter würde die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie ver- ringern. Es gab aber auch Kommerzienräthe, die sich ge- berdeten, als müßten sie Bankerott machen, wenn sie nur fünf Pfennige pro Woche mehr an Lohn für den Mann zahlen sollten. Wer die Arbeiterverhältnisse in Sachsen, Schlesien, Thüringen, Franken, Hessen und in einem Theil von Württemberg kennt, der weiß, daß man im Ausland unmöglich weniger Lohn zahlen kann, als dort gezahlt wird. Wurde doch erst vor einiger Zeit hervorgehoben, daß die sächsische Textilindustrie durch die massenhafte Heranziehung böhmischer Mädchen, die fast umsonst arbeiten, Erfolge über die englische errungen habe, weil die letztere durch die alten und mächtigen Arbeiterverbindungen Englands ge- hindert sei, ohne weiteres die Löhne herabzusetzen. Und doch erhebt sich in Deutschland, sowie vom Normalarbeits- tag und dergleichen die Rede ist, sofort das Geschrei von der gefährdeten Konkurrenzfähigkeit. Ohnehin giebt es noch Greymounts das blaueste Normannenblut und den Familien- namen Egremont verlieh, war bald hergestellt und in den Bürgerkriegen kämpften die Egremonts als Kavaliere auf Seiten des Königs. Als aber die wiedereingesetzten Stuarts später Neigung verriethen, die geraubten Kirchen- güter zurückzuerstatten, wurden die EgremontS von großer Begeisterung für die bürgerliche und religiöse Freiheit er- faßt, und gingen zu den Whigs über, was daS vorsichtige Haupt der Familie jedoch nicht verhinderte, mit den ent- fernten Stuarts insgeheim zu korrespondiren. Zur Zeit, wo unsere Geschichte beginnt, nach dem Re- gierungsantritt der jungen Königin Vittoria(20. Juni 1837) war England noch mitten in den Erschütterungen der R e f o rm bi l l b e w e g u ng, welche die alten Pattciver- Hältnisse aufgelöst und die Volksmassen auf den politischen Schauplatz gebracht hatte. Der Erbe des Hauses Marney, der junge Lord Marney, war 5 Jahre älter als Charles Egremont, der nach dem Tode des VaterS mit der Summe von 15 000 Lstr. abgefunden worden war, während dem älteren Bruder der un» geheure Familienbesitz zufiel. In allem Luxus erzogen, der Sparsamkeit nicht gewöhnt, hatte Charles Egremont ein gutes Drittel seines Erbtheils schon im Voraus verzehrt, und würde sich standes- gemäß gar nicht haben erhalten können, wenn seine ihn zärtlich liebende Mutter, der er mit gleicher Liebe zugethan war, ihm nicht auf jede Weise daS bittere LooS, ein jüngerer Sohn zu fein, versüßt hätte. In Eton und Oxford heran- gebildet, sog Charles Egremont zwar die Vorurtheile seiner Klasse ein, er hatte sich aber einen offenen, klaren Blick be- wahrt, dessen Gesichtskreis durch Reisen ins Ausland er- wettert wurden. Mit 24 Jahren verliebte sich Egremont in eine reiche Erbin, die den männlich schönen jungen Mann, den Lieb- ling zugleich der Frauen und seines eigenen Geschlechts, auch vor anderen Bewerbern sichtlich auszeichnete. Allein eines Tags zeigte die reiche Erbin sich plötzlich sehr kühl, und 24 Stunden später war sie mit einem der reichsten Erben des Königreichs verlobt. Der jüngere Sohn hatte Industrien, die durch ihre wohl dressirten Handelskammer- sekretäre der Welt verkünden lassen, die deutsche Konkurrenz- fähigkeit sei schon gefährdet, weil man in Deutschland jetzt zu hohe Löhne zahle!! Dazu kommt, wie das amerikanische Arbeitsamt fest- stellt, daß auch die Anwendung von Maschinen in Deutschland verhältnißmäßig die geringste ist. Groß- britannien und Amerika stehen hierin obenan. Man weiß, daß unsere Industriellen, soweit sie immer nur können, die Hausarbeit ausnutzen. Dort ist die behördliche Auf- ficht eine schwierige Sache; die Kinderarbeit und die Heran- ziehung der ganzen Familie kann bis ins Ungeheuerliche aus- gedehnt werden und so sinken die Löhne in der Hausarbeit schon ganz von selbst auf ein chinesisches Niveau. Man denke an die Handweberei, an die Konfektionen, an die Schuhmacherarbeit für große Schuhwaarengeschäfte u. f. w. Aus diesen Dingen ergiebt sich ganz von selbst, daß beim deutschen Arbeiter die Kosten für den Lebensunterhalt am geringsten sind, seine Lebenshaltung die niedrigste ist, obschon in Bezug auf den Volksunterricht Deutschland unter den fünf Industriestaaten den dritten Platz einnimmt. Die Intelligenz und das Wissen allein können aber nicht gegen unerbittliche und eiserne ökonomische Gesetze aufkommen. Dann aber kommt noch eine Hauptsache: in Bezug auf Zntensivität und Produktivität der Arbeit nimmt Deutschland wiederum den letzten Platz ein; Großbritannien unb die Vereinigten Staaten, welche die höchsten Löhne zahlen, stehen auch hier an der Spitze. Das ist ganz natürlich, und ein industrielles System, das auf möglichst geringe Löhne hinarbeitet, trägt die Strafe dafür in sich selbst. Es ist bekannt, daß die bestbezahlten Arbeiter, die ohnehin die gesündesten und kräftigsten stnd, auch am eifrigsten und willigsten arbeiten und das Beste und Meiste leisten, selbst wenn ihre Arbeitszeit eine verhältnißmäßig kurze ist. DaS haben die praktischen Amerikaner und Engländer längst be- griffen. Unsere deutschen Industriellen erscheinen dem gegenüber als die reinen Spießbürger, welche die Eierschalen des Kleinbetriebs noch nicht abgeschüttelt haben; was Eng- länder und Amerikaner auf ihrem Wege erreichen, glauben fte durch möglichste Verminderung der Produktionskosten, durch niedrige Löhne und lange Arbeitszeit zu erzielen. Nun, diese„Herrlichkeit" wird nicht lange mehr dauern, aber sie mögen uns auch nicht mehr mit ihrer„gefährdeten Koickurrenzfähigkeit" kommen. Politische Ueverstcht. Zwei überraschende und doch durchaus nicht unalaub- liche Nachrichten bringen heute die Blätter. Laut einer in der luxemburgischen Kammer nach dem„Franks. Journ." ab- gegebenen offiziellen Erklärung der Regierung unterhandeln das Nachsehn; er starb nicht an gebrochenem Herzen, ging aber wieder aus Reisen und kehrte erst nach zweijähriger Abwesenheit ernster und gereifter nach England zurück. Seine Mutter, die ihrem Liebling eine glänzende Zu- kunft prophezeite, hatte ihn für die politische Laufbahn be- stimmt. Und sie hatte sich mit dem älteren Bruder, dem Haupt der Familie, dahin geeinigt, daß Charles Egremont bei den Neuwahlen, die der Thronbesteigung Viktoria'? folgten, als Kandidat für eins ber Familien-Borough's') auftreten sollte. Es gelang ihm auch, den Gegenkandidaten, einen radikalen schottischen Krämer, aus dem Feld zu schla- gen. Nach siegreich beendigtem Wahlkampf, bei dem seine Mutter ihn in jeder Weise, auch durch persönliche Agitation unterstützt hatte, besuchte er seinen älteren Bruder, den er seit seiner Rückkehr noch nicht gesehen, auf dem Familien- schlösse, welches auf den Besitzungen der alten Abtei von Marney errichtet war und auch den Namen Marney« Abtei trug. DaS Wiedersehn der beiden Brüder nach so langer Trennung war so herzlich, als es die kühle, nüchterne Natur Lord Marney's zuließ. Von sehr ungleichem Temperament und Denken, hatten die zwei Brüder sich eigentlich nie näher gestanden, indeß war ihr gegenseitiges Verhältniß doch im Ganzen ein recht gutes— was hauptsächtlich dem Einflüsse der Mutter und, in vielleicht noch höherem Grade, dem der jungen Gattin Lord Marney's, einer Frau von wunderbarer Sanftmuth und HerzenSgüte, zu verdanken war. Zweites Kapitel. Die Lage des Landstädtchens Marney war eine der entzückendsten, die man stch denken kann. In einem aus- gebreiteten Thal, an dem Ufer eines klaren, lebendigen Stroms gelegen, umgeben von Wiesen und Gärten, m Hintergrund reich bewaldete Hügel, bezauberte es den Wanderer, der die gegenüberliegenden Höhen durchstreift, so daß er oftmals stille stehen mußte, um den lieblich heiteren *) Wahlflecken, wo die Familie kraft ihres Grundbesitzes dominirenden Einfluß hatte. gegenwärtig Deutschland, Fr ankr eich, Belgien unv Luxemhurg über gemeinsame Maßregeln �ur Unterdrückung d e r Streiks und dcrAr- deiterbewegung. Bekannt ist, daß die deutsche Regiening schon öfter versucht hat, eine neue heilige Allianz zwischen den europäischen Großmächten zu Stande zu bringen. Diese Versuche waren hauvtsächlich an dem Widerstand Englands gescheitert und damit ist es vielleicht auch begründet, daß England in der obigen Mtthcilung nicht genannt ist. Ueberraschend kommt die Nachricht gerade jetzt, da die letzten Monate weniger Gelegenheit zum behördlichen„Einschreiten" geboten haben als je. Bon Anfang kommenden Jahres ab soll auch in Mainz ein internatio- nales Polizciblatt in deutscher, französischer und eng- lischer Sprache herauskommen, das sich insbesondere der poli- tischen Polizei dienstbar machen soll. Als Herausgeber wird Polizeirath Travers in Mainz genannt.— Die zweite Nachricht betrifft das Fortschreiten des Belagerungszustandes. Wie der„Krcuzztg." aus München geschrieben wird, will man in dortigen sozialdemokratischen Kreisen bestimmt wissen, daß die bayensche Regierung im Bundesrathe die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über München beantragen werde. Als Gründe dieser Maßregel werden die letzten Eozialistenprozeffe angegeben. Wir stehen an der Jahreswende, wer weiß, was das neue Jahr alles bringen mag! Auch Verlin wird sich also entrüsten— und zwar morgen, Donnerstag, Abend 8 Uhr im Tivolisaale. Herr Dr. Karl Peters, bisher nur am Kolonialdusel leidend, ist nunmehr auch von der Militärwuth befallen worden, gerade am Weih- nachtsabend, und nicht wisiend, was er thut, hat er eine Post- karte mit nachstehendem Inhalt versandt:„Vertiaulich. Berlin, tZ4. Dezember 1886. Hochgeehrter Herr! Am Donnerstag, den 30. Dezember, Abends 8 Uhr, findet im Tivoli an: Kreuzberge eine öffentliche Versammlung statt, in welcher gegen die Haltung der gegenwärtigen Reichstagsmehrheit in der Frage des Armeebudgcts Protest eingelegt wrrden soll. Außer dem Unterzeichneten werden Se. Exzellenz Vizc-Admiral a. D. SD. Livomus, sowie einige andere in den einschlägigen Fragen er- fahrene Redner Ansprachen halten. Im Auftrage des geschäfts- -führenden Komitees beehre ich mich, unter Hinweis auf die dringende Nothwendigkeit einer solchen patriotischen Kund- gebung, Sie zu dieser Versammlung hierdurch geziemend ein- zuladm und um recht pünktliches Erscheinen zu bitten. Hoch- achtungsvoll Dr. Karl Peters, Wilhelmstraßc 40»."— Tie Versammlung in Tivoli wird zweifellos eine große Entrüstung hervorrufen, vielleicht aber einen Entrüstungssturm ganz anderer Art, als ihn Herr Peters geträumt hat. In Sachen de« Reichseinkommensteuerprojekts zur Deckung der Mehrkosten, die sich aus der Militärvorlage er- geben, wird es für den Fall, daß nur die Einkommen über 12 000 M. herangezogen werden, den konservativen preußischen Äandjunkern recht schwer werden, sich dagegen zu ereifern. Denn es ist leicht nachzuweisen, daß eine solche Steuer, abgesehen von einigen Großgrundherren, weit weniger dem platten Lande, als den großen Städten zur Last fallen werde. Zieht man Preußen allein in Betracht, so würden also die zehn untersten Stufen der Einkommensteuer von 3000 bis einschließlich 12 000 M. Ein- kommen mit 90 bis 324 M. Jahresstcuer ganz frei bleiben. Den höheren Stufen gehören in dem Regierungsbezirk Gum- binnen nur 51 Steuerzahler mit 29 016 M- Steuer, in dem Regierungsbezirk Cöslin 98 Steuerzahler mit 65 088 M Steuer an. Die ganze Provinz Pommern, in welcher Stettin doch eine ganz erhebliche Zahl Hoher Steuerzahler enthält, zählt Steuer- Pflichtige mit mehr als 12 000 M. Jahreseinkommen 1225, welche an den preußischen Staat 514 272 M. Einkommensteuer zahlen. In Berlin dagegen giebt es über viermal so viel solcher Steuerpflichtiger, nämlich 5185, die jetzt fast achtmal so viel Einkommensteuer zahlen, als die ganze Provinz Pomniern, nämlich 4 655 634 M. Aehnlich wie in Berlin, wird es in Breslau Posen, Königsberg, Danzig und anderen Städten stehen. Ja, Bauer, das ist etwas anderes k Wenn Stadtver- rrdneten- Versammlungen sich in Politik mischen, an einen oppositionellen Reichstagsabgeordneten eine Zustimmungsadreffe richten und ihn auffordern, in seiner dem Volke dienlichen Stellung zu beharren, dann ist sofort der Konflikt mit der Re- gierung da, welche den Stadtverordneten bedeutet, daß sie sich als Versammlung nur um solche politische Dinge zu kümmern bätten, welche direkt mit dem Stadtinteresse in Berührung ständen. Nun hat kürzlich eine Stadtverordneten-Versamnilung in Rberjd(Rheinprovinz) eine Adresse an den klerikalen Reichs- tagsabgeordneten v. Kehler gerichtet, in welcher das Roß der „hohen Politik" allerdings spießbürgerlich getummelt, das Zen- uum aber wegen seiner Haltung der Militärvorlage gegenüber scharf getadelt wird. Ob nun hier die Regierung auch einen siedergriff der Stadtverordneten- Versammlung erblicken wird? Interessant wäre es, wenn die Berliner Stadtverordneten- Versammlung einen Beschluß faffen würde, in welchem die Hastung der Fortschrittspartei bei Berathung der Militärvor- tage ausdrücklich gebilligt würde. Welch Geschrei würde sich in konservativen und nationalliberalen Kreisen erheben und wie Anblick zu bewundern. Glückliche Täuschung, denn hinter dieser lachenden Landschaft zehrten Armuth und Krankheit «n dem Lebensmark einer elenden Bevölkerung. Der Gegensatz zwischen dem Inneren der Stadt und ihrer äußeren Umgebung machte einen peinlichen Eindruck. Mit einer Hauptstraße, welche alle Eigenthümlichkeiten crneS kleinen vom Ackerbau lebenden Marktfleckens aufwies, einiger nicht sehr eleganter herrschaftlicher Wohnhäuser inülons), einem Gasthof und einer Börse, bestand Marney hauptsächlich aus verschiedenen engen Gäßchen mit Hütten, die aus Lehm oder unbehauenen Steinen ohne Mörtel er- richtet waren, die in Folge des Alters und des schlechten Baumaterials aussahen, als wenn sie kaum zusammenhalten könnten. Die klaffenden Riffe und Löcher in der Wand ließen jeden Windstoß durchdringen, die wackligen Kamine hatten die Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe verloren, die faulen Dachsparren waren aus den Fugen gegangen, während das Strohdach an einzelnen Stellen zerrissen war, so daß Wind und Wetter frei eindringen tonnten und somit ganz ungeeignet für seinen .eigentlichen Zweck, Schutz gegen das Wetter zu gewähren, wehr wie die Spitze eines Düngerhaufens, als eine Hütte aussah. Vor den Thüren di�er Wohnungen und oft um sie herum liefen offne Rinnen, voll von faulen, thierischen Stoffen und Pflanzenabfällen, die Pest und Krankyeit aus- hauchten und sich in Pfützen sammelten, während jede Art von Unrath in den Boden sickerte und die Wände und den Boden der Hütte mit tödtlichem Gift tränkte. Diese elenden Baracken enthielten selten mehr als zwei Stuben, und in einer derselben war die Familie, wenn auch noch so zahl- reich, zu schlafen genöthigt, ohne Unterschied des Alters, de'S Geschlechts oder Körperzustandes. In diesem Raum, ■an dessen Wänden das Waffer herunter läuft, dem das Licht durch das überhängende Dach ent- -ragen wird und der selbst im Winter keinen Herd hat, giebt die tugendhafte Mutter, in Geburtswehen sich windend, einem neuen Opfer unserer gedankenlosen Zivilisation das Leben, umgeben von drei Generationen, deren unvermeidliche Gegenwart ihr peinlicher ist, als ihre ckorperlsthen Leiden, in dieser heiligen Stunde der Schmerzen. rasch würde die Regierungsbehörde ihre. Mißbilligung aussprechen!— Ja, Bauer, das ist ganz etwas anderes! Herrn Stöcker ist zu Weihnächte» Heil widerfahren, ein verirrtes Schaf, der famose Schneider Grüneberg, der ein so arger Zeuge in dem bekannten Prozeß Stöcker gewesen war, ist reuig zu dem„neuen Luther",„der von Gott gewollten und gemachten Anomalie" zurückgekehrt und thut dies im Inseraten- theil des„Reichsboten" wie folgt aller Welt kund:„Durch mannigfache Urtheile und Aeußerungen, welche meine Ver- gangenhett betreffen und in Verbindung mit dem Herrn Hofprediger Stöcker und der christlichsozialen Partei gebracht wer- den, veranlaßt, suche ich als allerletztes Wort, ohne all und jede Beeinflussung meiner Person, die letzte wahrheitsgetreue Erklärung abzugeben. Ich gestehe zu, daß meine feindliche Stellung gegen Herrn Hofprediger Stöcker und die christlich- soziale Partei durch den menschlich innewohnenden Haß zu vielen der vorgekommenen Verleumdungen beigetragen hat, wahre Thatsachen zu entstellen und der Partei Nachtheile zu verschaffen. Ich gestehe zu, daß ich in dem Prozeß Bäcker manche Thatsache in allzu scharfes Licht gestellt habe, um eben- falls mich an Herrn Hofprediger Stöcker zu versündigen; ich bereue alle diese und sonst von mir ausgeführten Pläne tief, und nehme hiermit Gelegenheit, mein Gewissen zu reinigen und der öffentlichen Meinung davon Kenntniß zu geben. Berlin, den 8. Dezember 1886. Emil Grüneberz."— Thatsachen in allzuscharfes Licht gestellt zu haben— warum so schüchtern? Sollte Grünebcrg am Ende denken, die Staatsanwaltschaft würde mit einem Schneider weniger Umstände machen, als mit einem Hofpredigcr? Nun, wie dem sei, sie haben einander wieder, die Beiden, und sind einander werth. Vom preußischen Landtag. Ter„Nat.-Ztg." wird ge- schrieben: Man erwartet die Einberufung des preußischen Landtages für den 13. Januar. Der Haushaltsetat mit allem Zubehör wird dem Landtage sofort bei seinem Zusammentritt vorgelegt werden. Auch ist Aussicht vorhanden, daß ein großer, wenn nicht der größte Theil des sonstigen Arbeitsmaterials dem Landtage gleich nach der Eröffnung vorliegen wird. Zweifel daran, daß in der bevorstehenden Session eine k i r ch c n- politische Vorlage eingebracht wird, find völlig ausge- schloffen; doch ist über den Zeitpunkt des Erscheinens jetzt noch keine Angabe zu machen. Zn den Frankfurter Ausweisungen schreibt die„Franks. Ztg.": Der Eindruck, den die am ersten Wcihnachtstage voll- zogenen Ausweisungen— die heute und in den nächsten Tagen ihre Fortsetzung finden sollen— auf die Bürgerschaft gemacht baden, ist ein recht tiefer. Man mußte ja nach der Verhängung des Ausnahmezustandes auf solche Maßregeln gefaßt sein; was schmerzlich überrascht hat und peinlich empfunden wird, ist vor- zugsweise die Art der Ausführung und der Umfang der Aus- Weisungen. Sogar die„Köln. Ztg." bezeichnet es als fraglich, ob man nicht besser getdan hätte, bis nach den Festtagen zu matten; wie man hier in Frankfurt die Frage unter Hinweis darauf, daß die Vorladungen zur Zeit der Änzündung des Weibnachts- baumes bestellt, die Ausweisungen während des Gottesdienstes den Vorgeladenen bekannt gemacht wurden, beantwortet und unter Bezugnahme auf das„praktische Ehttstcnthum"glosstrt, läßt sich gar nicht wiedergeben. Daß etwa Gefabr im Verzuge gewesen wäre, glaubt Niemand, ebenso wenig will es der Bürgerschaft, wenn sie die Namen der Ausgewiesenen prüft, in den Sinn, daß von diesen Personen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung zu befürchten gewesen sei. Man findet eine blutige Ironie darin, daß vielleicht dieselben Organe der Polizei, dre jetzt die Ausweisungen verkünden und vollziehen müssen, vor zwei Jahren der Staatsordnung am besten zu dienen glaubten, indem sie für den sozialdemokratischen Kandi« baten, der morgen als eine Gefahr für die Sicherheit der Stadt das Weichbild derselben verlassen muß, ihre Stimme abgegeben haben." Sozialistisches. Nürnberg, 2t. Dezember. Zum nächstjährigen Gemcinde-Etat find von sozialdemokratischer Seite verschiedene Bemängelungen und Anträge gemacht worden. So wird z. B- die Aufhebung der Bürger-Aufnahms- gebühren, sowie sämmtlicher indirekten städtischen Steuem ver-. langt. Weiter wird die Stteichung der bisher alle Jahre aus der Stadtkasse zur Abhaltung des dreitägigen Sedansfestes beigesteuctten, nicht unerheblichen Summe gefordett. Endlich wird verlangt, die Stadtgemeinde möge Schritte thun, daß ihr vom Staate sämmtliche Ausgaben ersetzt werden, welche ihr für den Staat erwachsen, nicht nur im Polizeiwesen, sondern auch in allen übttgen Fächern der Verwaltung. Das Ge« meindekollegium wird über diese Anträge bei der Be- rothung des Etats sich schlüssig zu machen haben.— Gotha, 26. Dezember. Die Sozialdemokraten be- treiben schon eifrig die Voragitation für die nächste Reichs- tagswahl. In den Waldorten werden Flugblätter ver- breitet, in denen Herr W. Bock hier wiedemm als Kandidat aufgestellt und dessen Wahl empfohlen wird.— Merseburg, 26. Dezember. Dieser Tage find hier abermals sozialdcmo- kratische Druckschttften vettheilt worden. In der Strafvollstreckungs- Affäre gegen den sozta- Nebenan, in einer anderen Ecke der armseligen Kammer, liegt der Vater des kommenden Kindes von jenem Typhus ergriffen, den die schmutzige Wohnung in seine Adern einge- führt hat und zu dessen nächster Beute vielleicht das neu- geborene Kind ausersehen ist. Diese durchfeuchteten Wände hatten weder Fenster noch Thüren, geeignet das Wetter abzuhalten, die Sonne hineinzulasien oder die Ventilation zu ermöglichen. Das feuchte Stroh- dach hauchte Malatta aus, ebenso wie der Schmutz der Gossen und Pfützen. Das Wohnzimmer war weder gedielt noch gepflastett und da die niedttg gelegenen Häuser gelegent- lich durch den Fluß überfluthet wurden und die meisten weit tiefer lagen, als die Straße und das Wasser häufig durch- brach, so war der Fußboden zu keiner Zeit besser als feuchter Lehm, in den kleine Rinnen gegraben waren, um das Wasser durch die Thüröffnung hinauszuleiten. Das Thor selbst ward dann aus seinen Angeln gehoben und auf die Erde gelegt und diente als Aufenhalt für die Kinder in dem über- schwemmten Heim. Diese Hütten waren nicht mit den ein- fachsten Bequemlichkeiten versehen und sprachen allen Regeln der Gesundheitspolizei Hohn. Vor jeder Thür konnte man einen Düngerhaufen sehen, auf dem aller möglicher Unrath aufgehäuft war, um als Dünger verwendet zu werden, so daß, wenn der Bewohner die Thüre seiner niedrigxn Wohnung öffnete, in der Hoffnung, sich durch den Hauch des Sommers zu erfttschen, ihm eine Mischung von stinkenden Gasen aus rauchenden Dünger- Haufen entgegensttömte. Die Stadt Marney war ein Sammelott landwirth- schaftlicher Arbeiter, denn die Grundherren der Nachbarschaft hatten das System verfolgt, die Hütten auf ihren Besitzun- gen zu zerstören und sich von der Pflicht, ihre Arbeiter zu unterstützen, frei gemacht. Das ausgetttebene Volk zog in Haufen nach Marney, wo während des Ktteges eine Fabrik ihnen einigen Verdienst geboten hatte, freilich hatten die Räder derselben aufgehött, das Wasser der Marne zu beunruhigen. Dieser Hilfsquelle beraubt, breiteten die Hungrigen sich weiter über das Land, das sie ausgestoßen hatte. Zhre Rückkehr in die benachbarte Gemeinde wurde mit listischen Abgeordneten Ulrich hat das Ehemnitzer Land- gettcht eine merkwürdige Entscheidung getroffen. Zunächst behauptet der bezügliche Beschluß, Ulttch habe dock Einwen- dunzen gegen den Sttafvollzug erhoben, und diese Einwen- düngen seren als„unbegründet zu verwerfen. Wie dag Chemnitzer Landgericht zu dieser Ansicht gekommen ist, ist an- gesichts der Thatsache, daß der Abg. Ulttch wiederholt aus- drücklich erklärte, keine Einwendungen im Sinne des§ 490 der Str.-Pr.-O. erhoben zu haben, nicht recht ersichtlich. Jnter- essant ist nun, daß es in dem Beschluß dann schließlich wöttlich heißt:„Sollten jedoch entgegen der obigen Ansicht in dem Vorbttngen des gen. Angeklagten nur Einwendungen gegen die Art und Weise der Einleitung der Strafvollstreckung enthalten sein, so würde das unterzeichnete Gericht wegen mangelnder Zuständigkeit nicht in der Lage sein, dieselben seiner Entschei- düng zu unterziehen." Dies Utthttl wurde bereits am 13. ds. tefällt und der 5zerr Staatsanwalt Schwabe hat noch keine ieranlassung genommen, seine Drohung mit Verhaftung zu wiederholen oder wahr zu machen, sodaß anzunehmen ist, daß er davon abgekommen ist und die durch Artikel 84 der hessischen Verfassung festgesetzte Immunität der hessischen Abgeord- neten anerkannt hat. Inzwischen hat der Abg Ulrich sich ent- schloffen, seine Gefängnißsttafe anzutreten, doch beabsichtigt der- selbe ttotz dieses freiwilligen Sttafanttttts, durch einen Be« schluß der zweiten Kammer die Frage pttnzipiell entscheiden zu lassen. Der schweizerische Konsul in Philadelphia. Herr Rudolf Koradi, bespricht in seinen amtlichen Berichten auch die Arbeiterbewegung in Amerika und zwar in folgender Weise: „Schon im vorigen Jahre(1885) kamen Arbeiterunruhen und Stteiks auf den Gebieten der Eisen- und Stahlprodultion, sowie des Eisenbahnbetriebes mehrfach vor, doch erreichten sie weder damals noch früher den Umfang und die Anzahl, welche sie in den verflossenen Monaten des Jahres 1886 zeigten und zwar nicht nur in den genannten Industrien, sondem so ziemlich auf allen Absatzgebieten der verschiedeneu Handwerks- und Berufsklaffen. Waren diese Störungen vielfach anaeschüit durch demagogische und anarchistische Elemente, zum Theil hervor- gegangen aus der Unzufriedenheit über den a l l g e- mein niederen Stand der Arbeitslöhne, welcher freilich nur den herrschenden niedrigen Preisen der gesammten Produttionsergcbnisse entsprach, so waren sie doch gleichzeitig ein Beweis dafür, daß Beschäftigung für die arbeitenden Klassen ziemlich befriedigend vorhanden war, wozu natürlich der be- deutende Abfall in der Einwanderung, namentlich der Arbeiter« klaffe das Scinige beigetragen hatte. Diese Zustände tragen gleichzeitig ein Element der Entm rthigung für die E i n w a n d e- rung der Arbeite! klaffen in sich, mdem sie in vielen Kreisen selbst in denjenigen der Landesregierung, bittere Gefühle gegen die„fremden Agitatoren" hervorgerufen haben. Bei solcher Sachlage, namentlich angesichts der unfreundlichen Stimmung der Arbeiterkreise und der Organisationen des Landes gegen vermehrte Einwanderung billiger Arbeitskräfte, sind die Aus- sichten für Einwanderer ohne Mittel, aus dem Arbetterstande, sowie aus den gewöhnlichen Handwerks- und Berufeatten keineswegs günstige zu nennen und es muß diesen auch jetzt noch für einstweilen entschieden abgerathen werden, ibre wenn auch noch so bescheidenen Existenzen in der Heimath aufzu« geben, um eine zweifelhafte Besserung ihrer Lage in diesem Lande zu versuchen. Das Gesetz betr. die Rücksendung mittel- loser, erwerbsunfähiger Einwanderer, Invaliden und Ver- brecher wurde auch im Jahre 1885 mit ziemlicher Strenge ge« handhabt."— Der Herr Konsul steht wie eben die meisten aller seiner Kollegen auf dem erhabenen Standpunkt des gut situitten Beamten und er trägt auch gegenüber der Beurthei« lung von Arbeitervorkommniffen jene gefärbte Brille, durch die sich die Thatsachen anders ansehen. Er giebt den niedrigen Stand der Löhne im allgemeinen zu, spricht aber von frem« den Agitatoren. Waren denn diese hunderttausende Stimmen, die kürzlich bei Bürgermeister-, Repräsentanten- und bei Senatorenwahlen abgegeben wurden, auch die von fremden Agitatoren? Verboten ans Grund des Sozialistengesetzes wurde die in der Gcnosienschaftsdruckerei zu Hottingen- Züttch gedruckte nichtperrodische Druckschrift, betitelt: Warum verfolgt man uns? Zur Naturgeschichte des Sozialistengesetzes. Puttkamer und den Puttkämerlingen gewidmet. Oesterreich-Ungar«. Die deutsch-böhmischen Abgeordneten in Prag veröffentlichen ein Manifest an ihre Wähler, über dessen Inhalt folgendes Privattelegramm der„Voss.-Ztg." unterttchtet: Das Manifest verweist zunächst auf die Haltung der Majorität des böhmischen Landtages gegenüber den gerechten Wünschen und Beschwerden der Deutschen. Diese Haltung verletze die Ehre und Würde des deutschen Volkes und habe dessen Vertreter zum Austtttt gezwungen. Diese Haltung entspringe ebenso wie der Sprachen« erlaß Prazaks dem Gedanken des böhmischen Staatsrechtes. Das Manifest rechnet auf die Zustimmung der Wählerschaft und appellitt an die Einigkeit des deutschen Volkes in Böhmen. großem Argwohn betrachtet, ihrer erneuerten Niederlassung widersetzte man sich mit dem erfindettschsten Scharfsinn. Die- jenigen, die sich ihre Arbeit zu Nutzen machten, waren sorgsam darauf bedacht, daß sie nicht Bewohner des BodenS wurden und obgleich durch die außerordentliche Konkurrenz es wenig Distttkte im Königreich gab, wo die Löhne mehr herunter gedttickt waren, so hatten die, welche glücklich genug waren, den dürftigen Lohn zu erhalten, als Zusatz zu ihrer Arbeit noch jeden Morgen und Abend einen langen beschwerlichen Weg zurückzulegen, ehe sie die Stätte ihrer Arbeit erreichen oder in die schmutzige Höhle zurückkehren konnten, die den Namen Heim(lwnie) entweihte.?n diese? Heimz, über dem Malatta schwebte, und aus dessen zer- bröckeltem Herd, außer der von Arbeit erschöpften Familie, noch andere Gäste versammelt waren, Fieber in jeder Ge- stalt, Typhus, Äechselfieber und die mörderische Auszehrung, in dieses todtbttngende Heim kehtte der tapfere, brave bn- tische Bauer des Abends zurück, nachdem er die weiten sruaft« baren Felder des„fröhlichen alten Englands" bearbeitet hatte— kehtte zuttick, um den schlimmsten aller Krankheiten entgegen zu treten, mit einem Körper, der am wenigsten sich eignete, ihnen Widerstand ZU leisten, mit einem Körper, ausgemergelt durch übermäßige Ar- beit, niemals durch Fleischnahrung gekräftigt. Vom Regen durchnäßt, konnte er seine triefenden Lumpen nicht wechseln und mußte dem Wind, der d,e dürren Zwerge abschüttelte, für sein bischen Brennholz dankbar sein. Die Augen dieser Unglücklichen mochten sich auf den einsamen Kirchthurm ttchtcn, der in ihrer Mitte sich erhob, ein Vettünder des zeitlichen Trostes und zukünftiger Gleich- heit, aber die Kirche in Marney hatte ihre chttstliche Sendung vergessen. Wir haben dem Leser schon den Vikar vorgestellt, einen musterhaften Mann, der glaubte, seiner Pflicht zu genügen, wenn er jede Woche zwei Predigten hielt und seiner Ge- meinde Demuth und Dankbatteit für die Segnungen des Lebens einschärfte. Die Bewohner der Haupt- straße und der benachbarte Adel bildeten den Kern seiner Zuhörerschaft. Lord und Lady Marney, beglerttt von Kapitän Grouse, kamen jeden Sonntag Morgen mit R«ßw«d. Das Branntweinmonopol soll nun doch zur Ein- führung gelangen. Der designirte neue Finanzminister Wasch- negradsky soll sich dem Plane zuneigen. Auch Katkoff tritt in einen, Leitartikel für das Branntweinmonopol ein, indem er den Nachweis versucht, daß dadurch die Bekämpfung der Trunk- sucht wesentlich(?) unterstützt werden würde. lieber die Fabriken an der Westgrenze schreibt die russische „Börsen-Zeitung": In letzter Zeit beginnt ma» die„friedliche Eroberung" zu beachten, die unsere Westgrenze von Seiten deutscher Fabrikbesitzer und Industrieller hat erleben müssen. Im letzten Rechenschaftsbericht des Fabrikinspektors des Warschauer Tistrikts, Blumenfeld, sinden sich interessante Daten in Bezug auf die Kopfzahl der Fabrikbevölkerung in 13 Fabriken des Kreises Bendin, Gouvernement Petrikau. in der Nähe der preußischen Grenze. Die industriellen Etablissements dieser Gegend sind meist von Ausländern angelegt, die mit geringen Ausnahmen selbst im Auslande leben; die Arbeiter find meist ebenfalls Ausländer. Auf allen 13 Fabriken giebt es zusammen 3404 Arbeiter. Davon find 2185 oder 64i pCt. Ausländer und 4219 oder 35V« pCt. Russen. Sehr viele der aus- lindischen Arbeiter leben, indem sie das Recht des Verkehrs über die Grenze in einer Entfernung von 7 Werst mittelst von per Ortspolizei verabfolgter Legitimationskarten benutzen, be- ständig jenseits der Grenze, erscheinen täglich nach dem Signal der Fabrik zur Arbeit und gehen zur Nacht wieder über die Grenze. Ebenso sieht es in der Mirkow'scken Papierfabrik im Kreise Welun. Gouvernement Kalisch, 3 Werst vom Zollamt aus. Diese Fabrik hat gegen 500 Arbeiter, von denen gegen 400 preußische llnterthanc» sind und jenseits der Grenze leben. Zu ihrer Bequemlichkeit ist der Schlagbaum des Zollamtes für das Pasfiren der Grenze dicht neben der Fabrik selbst einge- richtet. Ketgien. Das neue„Haus des Volkes" wurde in Brüssel durch die belgische Arbeiterpartei feierlich eingeweiht. Zwei- tausend Brüsseler Arbeiter zogen mit rotbcn Fahnen und unter den Klängen der Marseillaise nach dem Nordbahnhofe, um die zu dem Ärbeiterkongreß aus ganz Belgien entsandten Delegirten zu enipfangen. Hierauf zogen sie Alle— auch eine Schaar Sozialistinncn hatte sich angeschlossen— durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Place de Baviöre. Vor dem Hause des Volkes machten sie Halt. Dem Generalrath der Arbeiterpartei wurde ein vergoldeter Schlüssel überreicht mit den Worten: „Bürger! Im Namen der kooperativen Bäckerei(sie stand an der Spitze des Unternehmens) und der Arbciter-Ligucn übergebe ich Ihnen den Schlüssel zum Hause des Volkes." Das Haus wurde geöffnet und sofort war der mächtige Sitzungssaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Genosse Bettrand, einer der Führer, hielt die Einwechungsrede für die der Arbeiterpattei neu erworbene„Festung"; insbesondere erregte ihr Schluß einen wahren Jubel. Unmittelbar darauf wurde die nicht öffentliche Kongreßfitzung eröffnet. Alle Arbeiten im Hause des Volkes, das sehr große Säle, Bierlokale(in denen der Ausschank des Branntweins nicht gestattet ist), Konzert- und Theatcrräumlich- ketten umfaßt, find für 10 000 Franks durch Arociter-Ge- nossenschaften ausgefühtt worden. Großbritannien. Lord Randolph Churchill ist auch in der Art, wie er seinen Rücktritt in die Oenentlichkeit gebracht hat, einen völlig neuen Weg gegangen, ohne sich um Herkommen und die üblichen Förmlichkeiten zu kümmern. Sonst pflegt der Rück- tritt von Ministern erst bekannt gemacht zu werden, nachdem ihre Kollegen davon unterrichtet sind, der Premierminister zu- gestimmt und die Königin ihre Genehmigung ettheilt hat. Lord Churchill aber theilte seinen Rückttitt zuerst der„Times" mit, ehe noch die Mitglieder des Kabinets von dem Entschlüsse Ken ntniß erhalten hatten. Tie„Pall Mall Gaz." zählt die Punkte auf, in welchen, wie fie behauptet, die Ansichten Churchill's von denen Lord Salisburn's abwichen; es seien die folgenden sieben:„1) Kohlen- und Weinsteuer; Lord Churchill war für ihre Abschaffung, Lord Salisbury für ihre Bei- beHaltung. 2) Tebattenschluß; der Premierminister war für die „Cloturc" durch Zweidttttel-Majoritätsbeschluß, der Schatz- kanzier für Entscheidung durch einfache Mehrheit; Lord Salis- bury gab nach. 3) Bulgarische Frage; Churchill war für eine Friedenspolitik; Salicburp, vom Hofe beeinflußt, wollte den Fürsten Alexander nach dessen Rückkehr nach Sofia unter- stützen; auch in diesem Puntte hat Lord Salisbury nachgegeben. 4) Parzcllirung des Großgrundbesitzes; Churchill wünschte die Chamberlain'sche agrarische Reform, drei Acker und eine Kuh, zwangsweise durch Gesetz durchzuführen, das Ministerium war gegen zwangsweise gesetzliche Schritte; in diesem Punkte gab Churchill nach. 5) Die Kreisordnung; Churchill wollte, daß die Kreisbehörden auf demokratischer Grundlage erwählt wurden; Salisbury hielt dafür, daß eine Anzahl der Mitglieder von Amtswegen ihren Sitz darin haben und ein anderer Theil ernannt werden sollte; diese Streitfrage blieb unentschieden. 6) Irland; Churchill war gegen Zwangs- maßregeln, während eine Anzahl Minister für Ergreifung von empfehlenswerther Regelmäßigkeit und wurden in das un- sichibare Innere der weiten Loge eingeführt, welche die Hälfte der Gallene einnahm, mit rothem Damast überzogen und mit bequemen Lehnstühlen und weichgepolstetten Gebet- schemeln ausgestattet war. Das Volk von Marney nahm seine Zuflucht zu den Konventikeln in anspruchslosen Bauten von hellen Back- steinen mit den Namen, Zion Bethel, Bethesda bemalt, Namen aus einem entfernten Lande und in der Sprache riner alten und verholzten Race, doch so groß ist die ge- heimnißvolle Macht dieser Worte, daß sie im 19. Zafr- hundert den zerlumpten Formen und den gequälten Seelen der englischen Bauernschaft Trost bringen. Wie ergeben auch der Vikar von Marney seinen Pfarr- kindern gewesen sein mochte, seine Bemühungen für ihr Wohlergehen mußten sich hauptsächltch auf geistlichen Trost beschränken. Verheirathet und Vater einer zahlreichen Fa- milie, erhielt er für seine Arbeiten den kärglichen Zehnten der Pfarrei, welcher ihm ein Einkommen sicherte, beträchtlich kleiner als das Gehalt eines Bank-Kommis oder des Koch einer Bankierfamilie. Der reiche Kirchenzehntel von Marne», der sich hoch in die tausende von Pfunden Sterling belief, floß in die Taschen der glücklichen Grafen, die den Namen der Stadt trugen.. Den Morgen nach EgremontS Ankunft in der Abtei konnte man in der Hauptstraße der Stadt eine ungewöhnliche Aufregung bemerken. Vor dem Eingang des„Grünen Drachen" war eine Gruppe von wichtigen Personen in ernster und sehr eifriger Unterhaltung: Der erste Rechtsanwalt des OrteS, der Brauer, der Vikar selbst und mehrere von jene« gemächlichen Nichtsthuern, wie sie in solchen Landstädtche« in Ueberfluß zu finden sind und die sich unter die Bezeichnung„zurückgezogene Gentlemen" einreihen. Kurze Zeit darauf kam ein Bedienter in der Livree der Abtei herangaloppitt und übergab dem Vikar einen Brief. Die Aufregung hatte jetzt augenscheinlich die höchste Höhe erreicht. Auf der anderen Seite der Straße, gegenüber der bedeutungsvollen und einflußreichen Gruppe, hatte sich eine zweite Gruppe gebildet, die wohl größer an Zahl, aber sehr mangelhast in Bezug auf die Oualität war. Zwanasmaßreaeln zur Bekämpfung des„Feldzugsplanes" war; auch oiese Stteitfrage blieb unentschieden. Den letzten 7. Streitpunkt bildete die Stteichung, welche der Schatzkanzler am Armee- und Mattnectat vorgenommen wissen wollte."— Welcher Punkt nun schließlich den Ausschlag gegeben hat, darüber streitet die Presse noch hin und her. Auch darüber, welche weitere Folgen die Krise haben werde, herrscht große Unklarheit, die auf der einen Seite in übertriebener Nieder- geschlagenheit, auf der anderen Seite in den kühnsten Hoff- nungen zum Ausdruck gelangt. So halten z. B. die„Daily News" einen Ucbertritt Lord Churchill's zur liberalen Partei für nicht ausgeschlossen und schreiben: „Es ist möglich, daß Lord Randolph Churchill, welcher eigcnt- lich keine konservativen Ansichten hat, zur liberalen Pattci übertritt. Wir fürchten jedoch, daß in diesem Falle einige Zeit verstreichen wird, bis die Pattei ihn als einen ihrer Führer anerkennt. Gladstone würde gewiß gern seine politische Freundschaft annehmen. Er ist in der Lage, über die unge- heuerliche Sprache, welche Lord Randolph von Zeit zu Zeit gegen ihn geführt hat, lächeln zu können, und wir sind gewiß, daß das Haupt des englischen Liberalismus gegen den jungen Toryführer nur von wohlwollenden Empfindungen er- füllt ist." Parnell soll dem Vernehmen nach überzeugt sein, daß die Lage der irischen Gutspächter viel schlimmer ist, als sie zur Zeit der Einbringung seiner Agrarvorlage war, und zwar in Folge des seitdem fottgesetzten und weiteren Rückganges der Preise landwirthschaftlicher Erzeugnisse. Der Führer der irischen Pattci glaubt nicht, daß die Regierung unter den gegenwärtigen Verhältnissen irgend eine Zwangs- maßregcl einbringen werde(?), weil die merkwürdige und gänz- liche Abwesenheit von Agrarverbrechen keinen Anlaß für eine Koerzitivgesetzgebung biete. Die Regierung wisse auch, daß die Unterdrückung der Nationalliga und der konstitutionellen Be- wegung die Unzufriedenheit nur unter die Oberfläche treiben und unvermeidlicher Weise zur Bildung von Geheimbünden und der Wiederbelebung von Verbrechen führen würde, zu deren Unterdrückung das Parlament wiederholt um neue Zwangsgewalten angegangen werden mußte.— Die Pächter des Vizekönigs von Frland, Lord Londonderry, bcschlosseu in einer in Newtownards abgehaltenen Versammlung, denselben zu ersuchen, den übrigen irrischen Gutsherren mit_ gutem Beispiele voranzugehen und ihre Pachtzinse zu reduziren; es sei ihnen unmöglich, die gegenwärtigen zu zahlen. Die Furcht vor Dynamitattentaten scheint wieder- um aufgetaucht zu sein, denn es verlautet, daß ein Rund« schreiben der Regierung an die verschiedenen Hafenbehörden gerichtet wurde, worin denselben die größte Vorsicht in der Be- obachtung von Passagieren aus fremden Ländern, insbesondere aus Amerika, sowie die größtmöglichste Wachsamkeit bei Prü- fung des Gepäcks und importirter Waaren anempfohlen wird. Auch sind Anordnungen getroffen: morden, die während der jüngsten Dynamitschrcckenszeit eingeführten vermehrten Wachtposten und Polizeirunden wiederum in Kraft treten zu lassen. KalKa« l ander. Der„Pester Lloyd" schreibt heute: In Bulgarien scheinen sich Dinge vorzubereiten, von wel- chen die Schulweisheit der europäischen Di- plomatie sich bisher nichts hat träumen lassen. Die Thatsache, daß die bulgarischen Delegitten, die man längst in Paris wähnte, in Köln eine Zusammenkunft mit dem Fürsten Alexander von Battenberg hatten, daß zwei der- selben den Fürsten bis nach Frankfurt begleiteten, während der dritte in der Zwischenzeit in Darmstadt sich aufgehalten, wo er offenkundig dem Vater des Fürsten seinen Besuch abgestattet, — diese Thatsache giebt Mancherlei zu denken und zeigt, daß die bulgattsche Deputation zu Größerem entschlossen ist, als ihr allgemein zugemuthet worden. Was die Abgesandten der So- branje mit dem Fürsten Alexander verhandelt haben, das ist vorläufig ein streng gehütetes Geheimniß. Ob sie gut gethan haben, mit dem Fürsten zu verkehren, ist eine Frage, vie sie vor der Hand mit sich selbst abzumachen haben. Daß jeder Versuch, den Fürsten Alexander nach Sofia zurückzuführen, ein tollkühnes Wagniß wäre, das wissen fie ebenso gut, wie die- jenigen, die ihnen dies in der letzten Zeit und m der freund- schaftlichsten Weise oft und oft vorgehalten haben. Die bloße Thatsache, daß die Deputitten der Sobranje, unmittelbar nach- dem sie bei den Regierungen in Wien und Berlin vorgesprochen, eine Zusammenkunft mit dem Fürsten Alexander gesucht, wird den Zorn und die Wuth der Russen zur höchsten Erbitterung steigern. Allein, wenn auch der Schritt der bulgarischen Dele- girten vom Standpuntte der politischen Erwägung schwer zu rechtfettigen, so ist er doch in jever anderen Hinsicht begreiflich und vielleicht selbst entschuldbar. Er ist der Ausdruck der verzweifelten Stimmung, in welche die Bulgaren durch die Uner- träglichkeit ihrer gegenwättigen Lage gebracht worden. Die Bulgaren wollen nun einmal aus dieser Lage heraus und er- greifen jedes Mittel, das den erwünschten Ausweg zu eröffnen geeignet scheint. Allerdings haben fie ihre Stellung zu Ruß- land hierdurch nur noch verschlimmert; allein sie sagen, daß in Die Leute, aus denen sie bestand, schauten mit offenen, Mund und neugieriger, um nicht zu sagen beunruhigter Miene nach der anderen Gruppe herüber. Der Oberkonstabler (Wachtmeister) ging an die Thür des„Grünen Drachen" und obgleich er nicht wagte sich der Hauptgruppe anzuschließen. war er sichtlich in Bereitschaft für den Fall, daß er ver- langt würde. Die Thurmuhr schlug elf; ein Karren hatte Halt gemacht, um die Ereignisse zu verfolgen; und desgleichen ein Kutscher, der ein Hanopferd nach Hause zu führen hatte. „Da sind sie!" sagte der Brauer. „Lord Marney selbst", sagte der Advokat„Und Sir Vavasour Firebraie, wahrhaftig!"„Ich wundere mich, wie er hierher kam", sagte ein zurückgezogener Gentleman, der einst Lichterzieher in Holborn Hill(London) gewesen war. Der Vikar nahm seinen Hut ab und Alle thaten's ihm nach. Lord Marney und sein Magistratskollege ritten rasch zu dem Wirthshaus, wo sie eilig abstiegen.„Nun, Snigford" sagte seine Lordschaft m einem entschiedenen Tone,„das ist eine schöne Geschichte! Ich will dem Unfug sofort ein Ende machen." Glücklicher Mann, wenn er dies erreicht! Die Fackel des Brandstifters war zum ersten Mal in die Gemeinde Marney gebracht worden, und die Nacht atten die besten Kornschober des Abteiguts als lodernde ärmfeucr das ganze Land ringsum erschreckt. (Fortsetzung folgt.) An» Kunst und Leben. Das Stadttheater war an den drei Weibnachtsfeiertagen total ausverkauft. Das Jacobson- Girndt'sche Weihnachtsstück: „Arm und reich" fand die beifälligste Aufnahme. Ausstellung von Kunstschlosser- und Schmiedearbeiten. Um ein Uebcrfichtsbild der Leistungsfähigkeit unserer heutigen Kunstschlofferei zu geben, richtet der Badische Kuustgewerbeverein an sämmtliche Kunstschmiede und Kunstschlosser Deutschlands ein Ausschreiben zum Zwecke einer Wettbewcrbung für aus« geführte Kunstschmiedearbeiten. Als zur Bewerbung geeignet werden solche Arbeiten erachtet, welche sich sowohl durch ihre Bestimmung als die Att ihrer Ausstattung als kunstgewerblich diesem Punkte die Dinge auch schon bisher so schlecht gestanden� daß hieran absolut nichts weiter zu verderben ist. Afrika. Die englische Regierung hat beschlossen, die Okkupations- armee in Egypten, die gegenwärtig etwas über 9000 Mann stark ist, unverzüglich um nahezu 4000 Mann zu schmälern. Drei Bataillone Infanterie, eine Kompagnie Genietruppen und vier Batterien haben Befehl erhalten, sich zur Einschiffung bereit zu halten. Nach dem Abmärsche dieser Truppentheile wird die Okkupationsarmee aus 5 Bataillonen Infanterie, einem Regiment Kavallerie, einer Kompagnie Genietruppen, 2 Batterien und einem etwa 600 Mann starken Train bestehen. Amerika. Der Dynamit- Pvlttiker O'Donovan R o ss a, seit Jahren der leitende Geist der„Fenischen Brüderschaft", er« klärte, wie man aus New-Nork berichtet, vor kurzem in seinem Wochendlatte„United Jreland", er sei aus gewissen Gründen aus der Bruderschaft ausgetreten. Jetzt ttitt jedoch ein Ausschuß der gedachten Organisation mit einer Proklamation hervor, in welcher angekündigt wird, daß O'Donovan Rossa wegen Verrathes und wegen Betruges aus der Brüderschaft ausgestoßen worden sei. Es heißt m dem Dokument, alles Unglück, welches die Organisation in den letzten Jahren be« trotzen, lasse sich auf Roffa zurückführen, der Schurken in das Geheimniß der Brüderschaft eingeweiht und sich überdies in finanziellen Dingen als unzuverlässig erwiesen habe. Da gleich zu Beginn der Session im Kongresse der Ver« einigten Staaten eine Bill eingebracht worden war, welcher zufolge die Steuer auf Oleomargarin(Kunstbutter) dedeutend erhöht werden soll, hatte der Bunvessenat den Finanzminister um Auskunft darüber ersucht, wie es sich mit dem Oleomargarin- Geschäfte seit Erhebung der Steuer auf den Artikel verhalte. Daraufhin übersandte der Finanzminister dem Senate einen diesbezüglichen vom Kommissar der Jnlandstcuern verfaßten Bericht. Hieraus geht hervor, daß sich die Herstellung und der Verkauf der Kunstbuiter in Folge der Besteuerung derselben durchaus nicht vermindert haben. Diese Wirkung des Oleomargarin- Gesetzes hat sowohl in Rcgierungskreisen wie unter den Kongreß- Mitgliedern Ueberraschung hervorgerufen, da man allgemein an- genommen hatte, daß die Besteuerung des Artikels wesentlich zur Verminderung des Geschäftes in demselben beitragen würde. Jedenfalls werden die Gegner des Oleomargarins in- und außerhalb des Kongresses, welche durch die Einführung der Be- steuerung desselben das Geschäft in dem Artikel wenn auch nicht gänzlich lahm zu legen, so doch bedeutend zu beschränken hofften, nichts unversucht lassen, um eine Erhöhung der Steuer durch- zusetzen. In einer am 16. d. M. in Normich, N.-U., stattgefundenen Sitzung der Mitglieder der Assoziation der Milcherei- Interessenten des Staates New- Bork wurde beschlossen, dem Kongresse eine Petition zu unterbreiten, durch welche derselbe ersucht wird, die Steuer aus Oleomargarin auf 10 Zents per Pfund zu erhöhen. Die Äilchereibesitzer anderer Staaten werden sich voraussichtlich diesem Verlangen ihrer New- Borker Kollegen anschließen und so ist es nicht unmöglich, daß der Kongreß sich zu einer Erhöhung der Steuer entschließt. Die oben erwähnte im Senate eingebrachte diesbezügliche Resolution verfügt das Hinaussetzen der gegenwärtigen Steuer von 2 Zents auf 6 Zents per Pfund.___ Kommunales. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 30. Dezember, Nachmit« tags 5 Uhr: Vorlage, betr. die Verleihung des Vi. städtischen Stipendiums— Berichterstattung über die Petition, betr. die Verlegung der im Weichbilde Berlins belegenen Strecke der Berlin-Stettiner Eisenbahn— desgl. über die Vorlage, betr. die Erwerbung einer von dem Grundstücke Chauffeestt. 4 zur Straßenverbreiterung erforderlichen Parzelle— desgl. des Ausschusses für Rechnungssachen über zwei Final- Abschlüsie und drei Rechnungen— Berichterstattung über die Vorlage, bett. die Aufnahme von drei auf dem Terrain der früher Woehlert- schen Aktiengesellschaft projettirten Straßen in die Äbtheilung>X. des Bebauungsplanes— Vorlage, betr. die erfolgte Bauab- nähme des zu einer Erziehungsanstalt für verwahrloste Knaben eingerichteten Pavillons auf dem Arbeitshausgrundstücke zu Rumnielsburg— desgl., bett. die Bewilligung eines Manko- geldes für den zweiten Kasfirer in der Haupt- Kasse der städtischen Werke— desgl., betr. den Geschäfts- bettieb der Sparkasse im Juli- September- Quartal d. I.— desgl., betr. die Veräußerung der zur Anlage des Görlitzer Bahnhofes verwendeten Theile der Forster- und der Cuvrystraße— desgl., betr. die Abänderung des§ 4 im Nachtrage zu dem die Amtskautionen der Gemeindebeamten zu Berlin betteffenden Statut— desgl., bett. die pro 1387 er- forderlichen Erweiterungen und Erneuerungen auf den städtischen Gasanstalten und für das Röhrensystem— fünf Rechnungen— Wahl der Mitglieder der Einschätzungs- Kommission für die klassifizirtc Einkommensteuer pro 1887/88— Vorlage, betr. den bezeichnen lassen und die bezüglich ihrer Größcnverhältnisse über ein bestimmtes Maß nicht hinausgehen. Beispielsweise seien genannt: Wandarme, Aushängeschilder, Kandelaber, Leuchter, Laternen, Blumen- und Nipptische, Ofenschirme, Füllungsaitter, Beschläge, Geländertheile, sowie hervorragende Einzelheiten größerer Gegenstände. Die Beigabe der Original- entwürfe und Derkzeichnungcn ist erwünscht. Als Bewerber sollen die eigentlicher Verfertiger der Arbeit auftreten, oder die Meister, aus deren Werkstätte die Arbeiten hervor- gegangen sind und nicht etwa Auftraggeber oder Wiederverkäufer. Für die vier technisch und künstlerisch besten Arbeiten sollen Geldpreise im Betrage von 400, 300, 200, 100 M. gewährt werden. Weitere hervorragende Arbeiten sollen durch Ehrendrplome ausgezeichnet werden. Die prämiirten Gegenstände bleiben Eigenthum der Bewerber. Das Preis- gericht besteht aus folgenden Herren: Joh. Gg. Garny, Kunstschlosser, Frankfurt a. M., H. Götz, Direktor der Kunstgewerbe- schule Karlsruhe, H. Hammer, Kunstschlosser, Karlsruhe, K. Hammer, Direktor der Kunstgewerbeschule Nürnberg, Dr. v. Leins, Oberbaurath und Professor, Stuttgart, Ed. Puls, Fabrikant, Berlin, Dr. M. Rosenberg, Karlsruhe. Die Anmel- duna der Gegenstände soll bis längstens 1. April 1887, die Einsendung ins 1. Juni erfolgen. Die eingesandten Arbeiten werden einige Zeit öffentlich m Karlsruhe ausgestellt, ebenso das Ergebniß der Bewerbungen in allen größeren deutschen Blättern, wie auch in den verschiedenen kunstgewerblichen Zeit- sebriften bekannt gegeben werden. Femer est eine illustrirte Äesammtpublikation der besten Arbeiten geplant. Programm und Anmeldebogen, alles Nähere enthallend, find durch den Vorstand zu beziehen. Die Zahl der italienischen Zeitungen. Das italienische statistische Amt veröffentlicht eine interessante Ucberficht der seit dem Jahre 1836 bis zum 81. Dezember 1885 in Italien erschienenen Zeitungen, deren Zahl in jenem Jahre nur 185 und am Ende des letztverflossenen 1495 betrug. Im Jahre 1836 kam auf 118 785 Einwohner nur eine Zeitung, im vorigen Jahre war das Verhältniß 1 zu 20 356. Die älteste periodische Zeitschrift find die im Jahre 1604 gegründeten„Atti bell' Accademia bei Lincei". Unter den im verflossenen Jahre er- schien enen Blättem befanden sich 161 illustrirte, von denen die meisten, 55, in der Lombardei, die wenigsten, 6, auf Sicilien gedruckt wurden. In Rom wurden im vorigen Jahre 190 periodische Zeitschriften herausgegeben. Ankauf des Pieper'schen Grundstücks in der Gubcnerftraße— desgl.. betr. die Ablösung der dem Grundstücke Pariser Platz 3. zustehenden Freihausberechtigung— desgl., betr. Ersatzwahlen zum Bezirksausschuß— desgl., betr. die Vervachtung des städtischen Ackerstücks an der Trift-, See- und verlängerten Torfstraße— desgl., betr. den Verkauf des städtischen Rest- gnmdstücks LandsbergersKaße 40 und Landwchrstraße 33 33a — Berichterstattung über ein Neturalisationsgesuch— eine Remunerationssache— drei Unterstützungssachen— Vorlage, betr. die Wahl von zwei Bürgerdeputirten für die Armen- Direktion. Ueber den Stand des Berliner KanaltsationSwerkes ergiedt der vorliegende Verwaltungsbericht der Kanalisations- Deputation noch folgende Einzelheiten: Der Betrieb umfaßte am Schlüsse des letzten Etatsjabres 15 929 an die Kanalisation in den Radialsystemen 1 bis"Vu angeschlossene Grundstücke. Außerdem entwässerten im Gebiete der Radialsysteme IV bis Vit eine Anzahl nicht angeschlossener Grundstücke durch die offenen Rinnsteine resp. Gullies in die Straßenleitungcn und uach den Pumpstationen. Die Zahl dieser Grundstücke kann schätzungsweise auf etwa 250 Stück angenommen werden, so daß am 1. April d. I. im Ganzen 16 179 Grundstücke in die Kanalisationsleitungen entwässerten. Rechnet man auf das Grundstück 65 Einwohner, so ergiebt dieS eine Gesammtzahl von 1051 635 Personen, und die für Tag und Kopf durch die Pumpstationen geförderte Wassermenge berechnet sich auf 104 Liter. Von den Wasserwerken find für die hier in Frage stehenden Grundstücke 24 593 830 Kbm. Wasser geliefert worden, dagegen haben die Pumpstationen der Kanalisationswerke aus denselben Stadtgebieten 37 229 946 Kbm. nach den Rieselfeldern gefördert. Die Fortschaffung so großer Massen nach den Riesel- seldern macht sich, wie der Bericht feststellt, in den öffentlichen Wasserläufcn sehr geltend. Thatsächlich ist jetzt das Wasser sowohl der Spree von ihrem Eintritt in das Stadtgebiet im Osten bis zu dem am westlichen Ende gelegenen Stadt- theil Moabit, als auch dasjenige des Kupfcrgrabens und des Luisenstädtischen Schifffahrtskanal mit seinem großen Thor- und Engelbecken klar und genichlos. Ebenso führt die früher übel berüchtigte„Stadt-Panke" jetzt nur geruchloses klares Waffer ad. Auch der langausacdchnte Landwehrkanal, in welchen bis vor kurzem die Abwässer aus den südlich ge- leaencn, von etwa 175 000 Menschen bewohnten und meistens mrt Wasserkloscts versehenen Stadttheilcn abflössen, wird nach Beendigung der Radialsysteme Vi und VU ein klares Wasser mit sich führender geruchloser Flußlauf weiden. Die Gesammt- flädie der Rieselfelder für die Radialsysteme l bis vn beträgt 4453,37 Hekt., davon bleiben nur noch 165 Hekt. zu drainircn. Die Rieselgüter selbst haben ein Gesammtareal von 5374,48 Hektaren, die generellen Vcrwaltungskosten derselben beliefen sich auf 313 458 M. Von den ertragsfähigen Liegenschaften betrugen die Einnahmen zusammen 1 105 472 M, die Ausgaben(exkl. Generalkostcn) 890 893 M., mithin ergab sich ein Reinertrag(exkl. Verzinsung) von 214 574 M. oder pro Hektar 48,12 M. Im Vorjahre betrug der boote Zuschuß für die Rieselgütcr noch 54 374,70 M. Nach dem letzten Finalab- schluß ergaben dieselben einen Ueberschuß von 26 725 M. Das Anlagekapital der Güter berechnet sich auf 17 454 549 M„ der Schuldcnzustand der Kanalisationsverwaltung auf 65 349 263 M., wovon die jährlichen Zinsen 2 614720 M. betragen._ Soziales«nd ArbeiterveWegang. Die internationale Konvention der amerikanischen Gewerkschaftsvereine, welche in Kolumbus im Staate Ohio tagte, war hauptsächlich zu dem Zwecke einberufen worden, offiziell Stellung gegenüber dem Orden der„Knights of Labor" (Ritter der Arbeit) zu nehmen. Ein seitens des letzteren ge- machter Versuch, die Gewerkschafter zu sich hinüber zu ziehen, mißlang, indem alle— von einem speziell zu diesem Zwecke vom Großmeister Powderly nach Kolumbus geschickten Komitee gemachten— Vorschläge hinsichtlich Anschlusses der Gewerk- schaftsvereinc an die Arbeitsritter von der Konvention zurück- gewiesen wurden. Die Gewerkschaftsvereine haben unter dem Namen„American Federation of Labor"(Amerikanischer Ver- band der Arbeiter) einen Bund gegründet, welcher absolut un- abhängig von den„Knights of Labor" handeln wird. In mancher Beziehung stimmen die von dem neuen Arbeiter- bunde adoptirten Prinzipien mit denen des Ordens der Ardeitsritter überein, so z. B. in Bezug auf die Verkürzung der Arbeitszeit, hinsichtlich des Anordnens von Streiks und Boykotts zc. Der in Brüssel tagende Arbeiterkongrest berieth über die Frage wegen der Stteiks. Um kleinere Stteiks zu ver- meiden, beschloß der Kongreß, daß das Gencralkomrtee sich künftig in letzter Instanz darüber aussprechen solle, ob die Ein- leitung eines Streiks opportun sei oder nicht. Dienstmädchen-Bereinigung. Zu Grecnville in Pcnnsyl- vanien haben sich die Dienstmädchen vereinigt, um eine Lohn- erhöh ung von 50 Cts. die Woche durchzusetzen. Jedes Dienstmädchen, welches sich der Vereinigung nicht anschließt, wird geboykottet. Innungen. Die Zahl der in Sachsen bis jetzt ge- nehmigten und bekannt gegebenen Innungen beträgt für den Regierungsbezirk Zwickau 423, für den Regierungsdezirk Leipzig 257 und für den Regierungsbezirk Dresden 210. Aus Wulfen(Anhalt) wird berichtet, daß dort ein Eisen- bahnzug bei den Schneewehen deshalb nicht vorwätts kommen konnte, weil den Arbeitern nur 16 Pf. für die Stunde der schweren Arbeit in Sturm und Schnee gegeben worden find. Es fanden sich nicht genügende Arbeiter, die für solch einen Hammer- lohn Kleidung und Gesundheit aufs Spiel setzen wollten und diejenigen, welche schließlich, von der Noch gedrängt, sich doch einfanden, arbeiteten mit großer Unlust. Es gehött wahrlich eine eiserne Stirne dazu, armen Menschen für solche Arbeit einen solchen Lohn anzubieten! Längere Arbeitszeit. Triumphirend bringen sächsische Blätter folgende Notiz:„Die Geschäftslage einiger Ge- werbe des Erzgebirges ist eine recht gute. So wird z B. aus Stollbcrg berichtet: Höchst erfreulich ist die Thatsache, daß seit Jahren in unserer Hauptindustricbranche, der Strumpf- Weberei und Strumpfmaschincnfabrikation, nicht eine so leb- hafte Thätigkeit geherrscht hat wie in der letzten Zeit. So hat z. B. die hiesige große Woller'sche Strumpffabrik, welche an 1200 Arbeiter beschäftigt, ihre Arbeitszeit um 1 Stunde, bis Abends 8 Uhr, verlängert, während sie nock vor kurzem zeitweilig nur bis 7 Uhr AdendS arbeiten ließ. Nicht minder lebhaft wird in den beiden größten Etrumpfstuhlmaschincn» fabrilen von Etohlknecht und Tränlner gearbeitet, welche eben- falls ihre Arbeiter länger als sonst beschäftigen."— Tie längere Arbeitszeit dedeutet lediglich, daß die Aufträge rasch eufgear- beitet werden sollen, um dann wieder Arbeitszeitverkürzung. Lohnverminderung und auch wohl Arbciterentlaffung eintreten zu lassen. Dieser fortwährende Wechsel aber ist für die Arbeiter außerordentlich verderblich. Deshalb: gesetzliche Maximalarbeitszeit! An die Sattler-, Riemer- und Täschnergehilfen. Laut Beschluß der öffentlichen Generalversammlung vom 20. November ist an alle Arbeitgeber obiger Branchen folgendes Zirkular versandt worden:„Ew. Wohlgeborcn erlaubt sich Unterzeichneter mitzuthcilen, daß in der am 20. November er. stattgefundenen Generalversammlung der Sattler-, Riemer- und Täschnergehilfen Berlins dieselben beschlossen haben, an sämmt- liche Arbeitgeber obiger Branchen Hierselbst ein Schreiben zu richten, worin denselben mitgetheilt wird, daß in allen Werk- stätten, woselbst die 10 stündige Arbeitszeit noch nicht eingeführt ist, dieselbe eingeführt wird, und in allen Werkstätten, woselbst der Minimallohn resp. die Akkordarbeit pro Stunde nicht 0,30 M. beträgt, derselbe dahin ergänzt wird; sowie, daß für Ueberstunden, wozu auch die Sonntagsarbeit gerechnet wird, für diesen Minimalsatz die Stunde mir 10 Pf. mehr, also mit 0,40 M. gezahlt wird. Es ist bei dieser für beide Theile so wichtigen Angelegenheit besonders darauf Bedacht genommen. daß eine Abschwächung der Konkurrenz stattfindet, welche her- vorgerufen wird durch die ungleiche Arbeitszeit, sowie die hier- otts gezahllen Löhne resp. Akkordarbeit. Inden, Ew. Wohlgeboren dieses zur gefälligen Kenntnißnahme unterbrettet wird, zeichnet sich mtt Achtung: Die Lohnkommisfion. I. A.: W. Wirths, Nostizstr. 60. Hof m.— Kollegen, nachdem die Kommission hierdurch Evern Wunsch und Willen erfüllt, wird es in erster Linie Eure Pflicht sein, nun auch den Muth zu haben, für obigen Beschluß mit ganzer Thatkraft einzutreten. Bedenkt, daß es die höchste Zeit war, diesem bedauerlichen Zustande, welcher in dem fortwähren- den Sinken der Löhne und in der Verlängerung der Arbeits« zeit seinen Grund hatte, ein Ende zu machen, bedenkt, wie Kescheid m die Ansprüche find, welche gestellt wurden. Nur durch ein Festhalten an obigen, Beschluß wird ein günstiges Resultat erzielt werden können. Ferner wird hierdurch mitgetheilt, daß laut einem eingegangenen Schreiben des Kollegen Bennewitz aus der D ö r i n g' s ch c n Werkstatt vom 9. Dezember mitgetheilt wird, daß dieselben sich geeinigt haben und die lOstündige Arbeitszeit eingeführt ist. — Kollegen, bei allen Vorkommnissen innerhalb Eurer gewerb- lichen Angelegenheiten ist es dringend nothwendig, Euch sofort an die Kommission zu wenden, ehe Ihr irgend welche Schritte thut, damit Ihr nicht mit dem Gesetz in Konflilt tommt, denn nur durch Euer Vertrauen ist es der Kommission möglich, den richtigen Weg zu finden, den wir gehen müssen. Beiträge zum Gencralfonds werden angenommen hei Gustmann. wohnhaft Franseckistr. 21 bei Lorenz, Maibauer, Wolliner- straße 58 Ii., Stark, Boyenstt. 32 vom V., Achterberg. Gitschinerstt. 81 zweiter Hof rechts III. I. A.: W. Wirths» Nostizstr. 60 Hof III. Theater. Der Mittwoch, den 29. Dezember. lLpernhiMtz. Fra Diavolo, oder: Das Gaff haus zu Terracina. Kchansptelhaus. Colberg. Devtsches Theater. Macbeth. Hriedrich-Wilhelmstädttsches Theater. Zigeunerbaron. »allner-Theater. D,e Stemschnuppe. »tttorta-Theater. Wviana. Oftead-Thenter. Das neue Gebot. »estde«,-Theater. Georgette. Zentral-Theater. Spottvögel. Bellealliance-Theater. Dre Fledermaus. «alhMa-Thcater. Der Vagabund. «önigvädttfches Theater. Luftschlosser. «eichtzhallen- Theater. Spezralttaten Savfmann'tz Variete«. Spezialitäten Taaeardia« Theater. Spezialitäten> flelluna. I Z« haben in der Vrpedition d.?l.» Zimmerstraße 44._ -Vor- ' Vor« Vor« Soeben erschien im Verlage von Wörlein & Co. der Veulslke HMwttdlr- miii Ardkiter- Doliz-Kiilruiirr für 1887 (IX. Jahrgang). Dieser Notizkalender, seit Jahren in dm deutschen Arbeiter- und Handwerkerkreisen rühmlichst bekannt, ist nicht blos Kalender, sondem zugleich Notizbuch und Gesetz- fmnmlung. Auch in diesem Jahre ist sowohl auf dm t ichalt als die Ausstattung besondere orgfatt verwmdet und ist namentlich be- züaUch des Einbandes Vorzügliches ge« leistet und bestes Material dazu verwendet. Nebm der gewöhnlichen Ausgabe ist auch wieder eine stärkere veranstaltet, welche mehr Schreibpapier enthält und kräfti�m Leinwandcinband mit Deckel nach Bnef- taschmart und Gummiband bat. Auch bei der gewöhnlichen Sorte find diesmal die Ecken abgerundet. Inhalt deS Kalenders: Kalmdarium mit nm revidittem Ge- schichtskalmder; postalische Bestimmungen; Telegrammtarif; das ganze Unfallverfiche- mngsgesctz mit Anhang vom 28. Mai 1885; Gesetz über die eingeschriebenen Hilfskassm mit der Novelle vom 1. Juni 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit Reglemmt; Auszug aus dem Reichs- Patmtgesetz; Gewinveschneidetabelle für Metallarbeiter; Schreibpapier mit Datumsangabe für Tagesnotizm, leeres Schreibpaprer, Brief« täschchm. De ganze Kalmder ist vierzehn Bogm stark. ZZ Preis der einfachen Ausgabe 50 Pf. „„ stärkeren„ 70 Pf. Wiederveritänfer erhalten lohnende« Rabatt. E.frdl.Echlafst. b. H.Winkler, Grün.Weg 105, H.pt. HANSA. Briefumschläge für I ä lO Pfg. u.3Pfg. (weiß, kleines Format) NEUJAHR in allen Kansa-Annahmeltellen und in den Hansa-Aemter«. Prompte Bestellung wird durch ununterbrochenen Abholungs- und Bestelldienst am Neujahrstage gewährleistet. Soeben erschien Heft 3 kler Internationalen Bibliothek. Die Darwm'sehe Theorie.«nd iH«»r«h.) preis pro Heft 60 Pf. Zu beziehen durch die Grpedition des„Kerl. Kolksdiatt", Zimmerstraße 44. Einbanddecken zu Hefft I bis 3 ä 30 Pf. aar Mied-rverkäufern Rabatt."MB Achtung![1350 Bitten den Zuzug von der Fabrik fär chirurgische Instrumente« Apparate von ?L Kettner. Neuenburgerstr. 29, fernzu- altm. Streik in der Dreherei wegen Maß« regelung von Kollegen. Hie Kranftragten. Der weltberühmte anatomische ist heute und täglich ausgestellt ApoHo iu Präuscher's Museum. Komm andantenstxaße 70. 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Kameraden und Freunde laden wir hiermit ein, zahlreich zu erscheinen.— Kassenöffnung 101 Uhr.— Anfang 11 Uhr Vorm.— Entiöe & Person 30 Pf. Mnder frei.[1334 Das Komitee. Soeben ist erschienen: Der .eutWelt-Kalellder! für 1887. Aus de« reichen Inhalt heben«rr hervor: Reichsh-.sh.lts-Etat»e» Deut- scheu Reich».- Zerbrochene«etteu. Erzählung von Rod. Schweich«!. Bar- tige Frauen»üb H«»e»euschoi. � Eiu Proletarierkiub. Erzählung v.E.L an g e r. - Der«a«ps znische» Feuer u. Waffe» i»»er Welt. Bon P- OSw. Köhler.— «ie«»» eiu»«iiliou verbleut.- Flie. g«»>« Blätter(humoristisch). Als Gratis-Keilagen: 1. Luei». 3 Mutterglück. 2.«tauche. 4. Die beide» Alte». Ei» Wa»dt»le»»cr. l Preis 60 Pf.==- www Zu beziehen durch die Expedition dies. BlatteS Zimmerstraße 44. Wiederverkänfern Rabatt» Uerantworttich für dm politischen Theil und Soziales SKar S«Hippel, für Vereine und Verkammlungm K. Tutzaner, für dm übrigm Thell da Zeitung N» Lrottheim, sämmtlich in Berlin, Druck und Verlag von Max Babing in Balw SW.. Beuthstraße 2. Hier»« eine Beilage. Beilage zum Berliner Bolksblatt. Pr. 304 Mittwoch, fco« 29 Dezember INNO. 3. Jahrg. Neöer LeklönIlciisAege vom liMiemselien Standpunkte. Von Tr. P. Niemeyer. sNabdruck verboten. 1 �OleanlineBs is Oodliness, b. h. reinliches Aussehen ist statt- djenblloUch"— mit diesem Spruche wirv treffend das Merkmal «ngezeigt, nach welchem die Gesundheitslehre in ihrer Art den Beariff schönen Aussehens bestimmt. Auch der UneinAeweihte wtro es Wort haben, daß ein im gewöhnlichen Sinne vielleicht unschöner Mensch diesen Mangel durch bloße äußere Sauberkeit, sogenannte Proprets verwischen kann, während andererseits ein sonst schöngcbildetes Gesicht durch„ungebadetes", durch Trief- Äugigkeit, Trüsenschwellung, Finnenbildung u. dal. verrathenes Aussehen erheblich verlieren kann. Am deutlichsten veran- schaulicht das Kindergestcht den hygienischen Standpunkt; da in dieser Altersstufe von ausgeprägter Gesichts- und Formen- dildung noch keine Rede, so unterscheidet man sie, die sich sonst ziemlich ähnlich sehenden, hauptsächlich nach der Farbe des ioaares, der Äugen und dem mehr oder weniger vollen Ernährungsstande des Gesichtes, der sich aber auch in der Glätte und Frische der Oberhaut ausspricht. Bekommen wir da den Eindruck eines„hübschen" Kindes, so gebrauchen wir diese Diagnose ebenso oft als gleichbedeutend mit„blühend" und selbst Erwachsenen sagt man unter Um- ständen die Schmeichelei ins gesunde Gesicht daß sie„wie eine Rose blühen" oder wie's I. H. Voß dichterisch schildert: „Fröhliches tzerz und rothcs Geficht, das Hab' ich beständig, Auch wenn der Ost nicht weht. Mein Väterchen sagte mir oftmals, Klopfend die Wang, ich würde noch krank vor lauter Gesundheit." „Schön bin i nit, aber g'sund!" mit dieser hausbackenen, einem süßholzraspelndcn Salontirolcr geltenden Abfertigung sprach jene Bauernmaid ein großes hygienisches Wort gelassen aus, welches Wort auch als Motto zu den Bildern der seiner Zeit in Budapest gekrönten Preisschönheiten gepaßt hätte, welche sich weniger durch plastische Schönheit als durch Kirschenaugen, Apfelwangen und jenen..Schmelz" auszeichneten, den man „wie aus Milch und Blut" geschaffen zu rühmen pflegt, nicht zu vergessen der aus der schelmisch geöffneten Lippenspalte her- »orlachenden Doppelreibe elfenbeinweißer Zohnperlen. Diesem Leitgedanken ganz entsprechend, bezeichnet man die solch' gesunden Untergrundes verlustig gegangene Schönheit als„verblüht" oder„verblaßt", wobei die künstlich bewirkte Uedertünchung als nicht blos entstellend, sondern auch gesundheitswidrig darum zu verwerfen, weil Schminkt und Puder— wie das auf Schauspielergefichtern auffällia— die Feinheit des natürlichen Teints vollends ruiniren. Auch dag„gealterte" Aussehen schon in den ersten Jahrzehnten ist keine Natumothwendigkcit, sondern die Folge unterlassener hygienischer Selbstverjüngung, als deren hauptkumiiltel in einem früheren Aufsaye das tägliche Vollbad gerühint wurde. Hier, wo mehr die Praxis der Schönheitspflege von außen her in Betracht kommt, greife ich auf das acfchichtliche Muster- beispiel einer Sclbstschönheitspflegerin zurück, welche sich bis inS— achtzigste Jahr einen solchen Blüthestand ihrer Züge, Farbe und Rundung bewahrte, daß sie noch in dieser Alters- stufe Jünglinge zu heißer Liebe entflammte, Rinon de l'Enclos. Von ihren Intimen einstmals nach ihren Toilcttengeheimmffen befragt und ersucht, ihren Vorrath an Tinkturen, Balsamen, Essenzen rc. zu zeigen, verrieth sie folgendes, auf den Naget deö Daumens zu schreibende Rezept:„Wasser, Schwamm und Seife"— dieses aber, so füge ich hinzu, täglich mit der- selben Andacht und Gründlichkeit auegeführt, als arbeite man mit kostspieligen, wohlriechenden Geheimmitteln. Doch auch in der Gegenwart fehlt's nicht an solchem, und zwar alltäglichen Musterbeispiele, nämlich jenem Stande, der sich uns einerseits, wenn seines Amtes waltend, allerdings in beispielloser Schmutzgewandung zeigt, der aber andererscite nach gethaner Arbeit einen„wie aus dem Ei geschälten" Menschen anzieht; indem er, um sich der schwor- zcn Unrathdecke zu entledigen, Pore für Pore auf's Kräftigste seist, bespült und abreibt, sichert sich der brave Schornsteinfeger in der That eine bis ins hohe Alter frische, ja blühende i?aut- stäche. Auf demselben Blatte stehen aber auch die mcdizini- Uon der Londoner Straße. Um die Zeit, als vermöge der ersten Industrie- Ausstellung aller Völker(der Ausdruck„Weltausstellung" war noch nicht erfunden) London so zu sagen für Deutsch- land entdeckt worden war, stritten auf einem nach Hamburg gehenden Dampfer ein Franzose und ein Engländer über die Vorzüge ihrer Hauptstädte. Der erstere zählt die monumentalen Gebäude von Paris auf, welchen London weder an Zahl noch �an Bedeutung Sehnliches an die Seite zu setzen habe. Das sehe nur so aus, behauptete der andere, weil Paris eine kleine Stadt sei, in welcher sich alles zu- sammendränge. Paris, eine kleine Stadt— das machte den Franzosen starr und zwang die Zuhörer zum Lachen. Und als wir in Hamburg ankamen, stockte an der nächsten Ecke aller Verkehr, weil zwei Fuhrwerke einander in die Räder aerathen waren und erst nach einer langen Weile unter end- losem Geschrei und Geschimpfe wieder loskamen. Wir sahen uns «m und dachten dasselbe; wie glatt war in London stets die zehn- und zwanzigfache Wagenmenge aneinander vorübergerollt!— An beide Episoden habe ich mich oft erinnert, auch jetzt, wo ich nach längerer Zeit London wiedergesehen habe. Ja, es ist keine Uebertreibung, Paris und Rom, Berlin und Wien sind kleine Städte im Vergleich mit diesem Häusermeere, das immer noch schneller anwächst als die übrigen„Welt- äädte". Wo fängt London an und wo hört es auf? ltan rechnet gewöhnlich eine Fläche von 7X10 englischen Meilen, aber auch wenn man vom Mittelpunkte, etwa Cba- ring Croß, einen Radius von 7 Meilen nimmt, umfaßt der Kreis noch immer lauter Londoner, so daß die Einwohner- zahl auf 4 und auf 5 Millionen angegeben werden kann in 700 000 Häusern. Alljährlich nimmt die Bevölkerung um 45 000 Seelen zu und werden ungefähr 16000 neue Häuser gebaut; neuerdings vielleicht noch mehr, da im Innern ganze Stadttheile verschwinden und durch solche mit breiteren Straßen ersetzt werden, folglich immer mehr Men- schen weiter hinaus gedrängt werden. In der City ist pellenweise mit einer Energie Luft gemacht worden, daß man die Gegenden nicht wieder erkennt; die Aufführung schen Moor- und Schlammbäder, deren gerade jetzt wieder so hochgepriesene Wirkung einfach auf eine— Schornsteinfegerkur hinausläuft, und wenn Anderen der Gebrauch von Weizenkleie oder Kummers cld'schein Wasckwasser zu besserem Teint vcrhalf, so geschah dies ebenfalls durch die scheuernde Wirkung der Kleie oder der rvchwefeldlumen. Wenn also diese ebenso einfache als sichere und billige Art der Schönheitspflege auf eine gut ge- striegelte und gebügelte Hautfläche hält, so bedarf's heutzutage nicht mehr des Scheuersandes, sondern nur des mit Wasser und Seife ausgestatteten Frottierstoffcs, wie ihn neuerdings z. B. Fr. Meyer zu Glauchau liefert, eine Kur, die sich auch noch gegen die Auswüchse der Warzenbilvung wirksam zeigt. Die landesübliche„Sympathie" hilft nämlich, auch wenn nur in Gedanken gebraucht, ganz sicher da, wo gleichzeitig tüchtig gebadet, geseift und gerieben wird. Sollten sich jedoch einige Warzen allzu hartnäckig erweisen, so mag wiederholtes Betupfen mit konzentrirter Essigsäure, welche, beiläufig bemerkt, auch Hörncraugen beseitigt, zu Hilfe genommen werden. Doch würden wir von dieser Fußplage ganz verschont bleiben, wenn wir unS nicht den„druckenden Schuh" anquälten, in dessen Folterhülse, ohne daß man sie wenigstens„schön" nennen könnte, die Fußzehen wie junge Hunde in einem Korbe zu liegen kommen. Ebenfalls durch Reiben oder richtiger Bürsten, wenn auch nicht aus ganz demselben Grunde, werden die Zahnreihen „perlend" erhalten. Um auch das Zahnfleisch richtig zu ge- wöhnen, wird die mit Borsten oder Dachshaaren besetzte, leicht nach innen gebogene Zahnbürste nicht auf beiden Kiefern zu- gleich hin und her, sondern auf jedem einzeln, und zwar jedes- mal in der Richtung vom Zahnfleische zum freien Rande ge- führt. Als Zahnpulver darf nur dann und wann einfache Echlemmkreidc, nicht aber etwa Tadaksasche, Hol; kohle und dergleichen hinzukommen. Hierauf folgt gründliche Berieselung des ganzen Mundinnern durch Gurgelung und Spülung mit lauem Waffer und zwar das Ganze schon AdendS vor Antreten der Nacht- ruhe, um dem tagüber angesammelten Unrathe keine Zeit zur Einnistung zu lassen. Indessen bleibt auch die sorg- fältigste Pflge so lange hinfällig, als mit der bei uns zu Lande eingenisteten Gesundheitswidrigkcit der„Feuer- esserei", wie ein Anderer das Hinunterquälen„recht warmer" Speisen und Getränke nannte, täglich an dem dagegen höchst empfindlichen Echmelzüberzuge des Zahnbeins gesündigt wird.— Eine Hauptfrage der kosmetischen Praxis betrifft ferner bekanntlich die Haarpflege, besonders Verhütung und, wenn bereits eingetreten, Beseitigung des leidigen Haaischwundes. Die Möglichkeit der letzteren wird freilich auf dem Wege der Reklame für den, der gutwillig das Geld im Kasten klingen läßt, als eine Sache der rernen„Geschwindigkeit ist keine Hexerei" in Schrift und Bild verkündet. Es fehlt nur noch die Versicherung, daß durch den famosen„Haar- Hersteller", wenn vorbcigeschüttet, auch an unrechten Stellen, B. am Knie oder, wenn mit Abficht eingeschmiert, auf äbig gewordenem Tornisterfelle Haarwuchs erzeugt werde. Trotzdem kann ich mich beim Anblicke des in Schaukästen vor Augen geführten Avanfa und Aprsa' des Argwohns noch immer nicht erwehren, daß sie, wenn der Wahrheit gemäß ent- sprechen sollend, vielmehr umgekehrt stehen oder einfach nicht von links nach rechts, sondern von rechts nach linke gelesen werden müßten! Bestärkt in dieser Ansicht fühle ich mich u. A. durch den Anblick eines Absalonkopfes, den der Gastbaltcr p&re Biron im belgischen Städtchen Rochefort auf seiner Empiehlungskartc als sein Abbild mit der Unterschrift:„Solche Haarfüllc wuchs mir seit den 15 Jahren, wo mir der Wind meinen Hut entführte und ich darauf verzichtete, mir einen neuen zu kaufen." Leibhaftig sahen wir Berliner solche„Reklame" für hygienische Haarpflege bis vor einigen Jahren im baarhäuptig getragenen, lockcnumwallten Haupte des 93 Jahre alt gewor- denen Lehrers Markgraff umherwandcln. Doch schon als Gym- nastast konnte man im Herodot vom Besuche des Schlachtfeldes von Pelufium über die Ucberreste der 10 Jahre zuvor hier Ge- fallenen folgenden Bericht lesen: �die Schädel der Perser sind mürbe, weil dies Volk von Kindesbeinen an Kopfbedeckung trägt, die der Egyvter dagegen steinhart, weil sie baarhäuptig aufivachscn." Auch die Verglcichung der Verschiedenheit, mit welcher nach heutigen Kulturgewoynheiten Mann und Weib sich tragen, führt zu gleichem Ergebnisse; das schöne, sich mehr blos schmückende als wirklich bedeckende Geschlecht behält fast aus- der gewaltigen„Hohen Brücke" Holborn Viadukt hat eS ermöglicht, die Bahn von Dover bis in daS Her� der Stadt zu führen und in einer Ebene von Oxfordstreet in die City zu fahren, welche früher durch eine tiefe Einsenkung ge- trennt waren. Dabei ist ein ganzer enggebauter Stadttheil verschwunden, und nun werden auch durch das vermfene Viertel St. GileS, die Stätte des Elends und des Ver- brechens, welche sich zwischen den vornehmsten Verkehrs- ädern erhalten hatte, breite Straßen gelegt. Wo bleiben all' die Annen und Ausgestoßenen, welche bisher in jenen schmutzigen Winkeln und baufälligen Häuser» eine Zuflucht gefunden hatten? Sie rücken hinaus in Vorstädte. So ist bereits Jslington, vor dreißig Jahren von Geschäftsmännern und Gelehrten bevorzugt, ein Stadttheil geworden, den an- ständige Leute scheuen; die einst so freundlichen CottageS und Villen sehen vernachlässigt aus, die Vorgärten verwil- dert; wo der Pächter des Hauses sein mit dem herkömm- lichen Komfort ausgestattetes Parlour hatte, werden „rviaes und apirits" geschenkt, und die oberen Räume beherbergen Leute, die Alles eher als respektabel sind. Zugleich haben Dunst und Lärm der inneren Stadt von der einstigen Vorstadt Besitz ergreifen und die anständigen Leute, Vermiether und Miether, sind um mehrere Meilen weiter geflüchtet. Auf wie lange werden sie dort der Ruhe und reinen Luft in jedem Sinne sich erfreuen können? Rastlos wird weiter ins Feld hineingebaut, der Lehmboden giebt selbst daS Baumaterial her, die Ziegel werden auf dem Fleck gestrichen und gebrannt, und im Handumdrehen steht eine neue Zeile von Häusern da, meistens siamesische Zwillinge mit gemeinschaftlicher Scheidewand; und- wieder ist ein Stück Feld von dem unersättlichen Ungeheuer ver- schlungen. Die Engländer selbst fragen sich schon, wohin das führen, wo London endlich eine Grenze finden solle, und bei Ausflügen wundert man sich beinahe, noch freie Natur zu sehen. Diese Ausdehnung der Stadt wäre unmöglich ohne die Eisenbahn, welche die großen Linien unter sich und die Peripherie mit dem Zentrum verbindet. Eine herrliche Einrichtung! sagen die Einheimischen, der Fremde empfindet nahmsloS dickten HaarwuckS, wogegen der Mehrzahl der da? Haupt in Pelzwerk, Muten, Zylinder- oder Helmfutterak zwängenden Männerwelt schon frühzeitig„der Schädel durch die.Haare wächst". Die dazunial nach Griechenland gezogenen bayerischen Soldaten kamen mit ihrer dichtanfchließenden Kopf- montur meist kablköpfig zurück, ihre Zkachfolqer aber behielten ihren Haarschmuck, weil man ihre Helme mit Ventilation ver- sah. In der bürgerlichen Praxis bekommt man wohl Berichte zu hören, wonach Jemandem auf der Seite das Haar ausfällt, mit der er einer Gasflamme zugekehrt arbeitete, und was der Beweise mehr dafür, daß der Haarschwund auf Rechnung gesundheitswidriger Warmhaltung kommt, die ja leider schon am Säuglinge Dank muhmerlicker Sucht nach falschem„Jnachtnehmen" grübt, ob auch noch vor ordent- lichem Haarwuchs? Borkenausschlag züchtet.'Nicht„Unart", sondern nur die Stim e der Statur führt den Kleinen die Hand, wenn sie draußen auf Straßen und sonstwo die wollenen und sammetenen Undinge von Kopfputz immer wieder herunterzureißen suchen. Doch mehren sich, hier in Berlin wenigstens, schon die erfreulichen Beispiele von baarhäupttg ausgetraaencn Kindern. Wächst nach rechtzeitiger Abstellung des Fehlers oder da, wo nach schwerer Krankheit nur vorübergehendes Ausfallen er- folgte, das Haar nicht von selbst wieder, so trage man lieber „die bis zum Nacken reichende Stirne" mit Freimuth offen oder verschämt unter einem künstlichen Haardache, als daß man sich mit theuer erkauften Pomaden wo möglich noch einen Bläschen- ausschlag anquält. Ist doch für den Äugenblick die Mode, „sich eine Platte stehen zu lassen" wie gesagt, so landläufig, daß auch der, dem dies nicht behagt, wenigstens nicht nöthig hat, sich deshalb noch„graue Haare wachsen zu lassen."— Lokales. Gasanstalt und Elektrizitätswerke. Unter diesem Titel wird geschrieben: Es ist eine Dreifach geäußerte und auch nahe- liegende Befürchtung, daß die Errichtung eines Elektrizitäts- wertes die Rentabilität einer bestehenden Gasanstalt beein- trächtigen wird. Dieses ist nun keineswegs so unbedingt der Fall, wie ee den Anschein hat. Zunächst muß noch manches Jahr dabingehen, bis sich das elektrische Licht in dem Maße in den Haushaltungen eingebürgert hat, wie heutzutage das Gaslicht, wenn ersteres auch wegen seiner großen Vorzüge schließlich den Sieg davon tragen wird. Während dieser Ueber- gangszeit tritt nun, wie die Erfahrung vielfach gezeigt hat, die Erscheinung auf, daß mit der Verbreitung des elektrischen Lichtes auch der Gaskonsum zunimmt. Der Grund hierzu liegt zunächst in dem durch die neue Beleuchtung gesteigerten Lebensbedürfnisse der Menschen, das sich unbedingt bei allen denen geltend macht, die abwechselnd bei dem einen und anderen Lichte zrr arbeiten haben. Wer z. B. in seinem Bureau sich der elektrischen Beleuchtung erfreut und sich an die große Helligkett gewöhnt bat, wird, wenn er für die elektrische Anlage in seiner Privatwohnung die Kosten scheut, vorläufig darnach streben, mit der alten Gasleitung annäbernd dieselbe Helligkeit zu erzielen, und wird dabei seinen Gaskonsum erhöhen. Andererseits läßt die von Tag zu Tag steigende Verwendung des Gases zu häus- licken Heiz- und Kochzwccken eine Abnahme des Verbrauches nicht befürchten, zumal die Gastechniker unablässig bemübt find, dieser Verwendung ihres Fabrikats— welche mit der Zeit eine Existenzfrage für sie wird— durch stete Verbesserung der dazu erforderlichen Apparate eine dauernde Zukunft zu sickern. Ebenso ist der Gebrauch des Gases zum Betriebe der Gasmotoren besonders für das Klein» gewerde in Zunahme begriffen. Aus diesem Gebiete wird sich allerdings mit der Zeit eine lebha'te Konkurrenz zwischen Gas und Elektrizität entwickeln. Man muß bei Errichtung eines Elektrizitätswerkes die Aufgaben desselben nicht in einen zu engen Rahmen einschließen, vor all, n Dingen nicht, wie dies gemeinbin geschieht, lediglich an die Verwendung der Elektrizität zu Be» leuchtunjjzszwecken denken. Wahrscheinlich wird sie dermaleinst zum großen zpheile zum Betriebe elektrischer Motoren und in der chemischen Industrie verwandt werden. Mit den Gasmotoren haben die elektrischen Motoren den Vorzug gemeinsam, daß sie keincr Kesselanlage bedürfen, daher weniger Raum und Wartung beanspruchen als Dampfmaschinen. Den Gasmotoren gegenüber haben die elektrischen wieder den Vorzug, daß sie keine Flamme erfordern und keinen Geruch verursachen. Im allgemeinen wird zwisch-n beiden die größere Leistung bei geringeren Kosten ent- lebhaft auch die Schattenseiten derselben. In der That, die Zahllosen, welche„.'»»etlrin? in rhe Uy" sind, würden täglich mehrere Stunden im Omnibus oder dem Tramwagen zubringen müssen, während sie jetzt in 20 bis 25 Minuten von der Wohnung ins Komptoir gelangen. Und an die Hast, die Aufenthalte von einer halben Minute, das Suchen des richrigen Zuges, das Umsteigen von einer Bahn auf die andere, das viel höhere Maß von Achtsamkeit und Thättg- keit, welches in England von den Reisenden gefordert wird„ kann man sich gewöhnen. Aber entsetzlich ist die Atmosphäre. Auch wo die Bahn über die Häuser oder zwischen solchen hingeführt ist, folgen Tunnels und geschlossene Stations- gebäude einander rasch, und auf einzelnen Strecken verdient sie ihren Namen Und' tgr.'imd nur zu sehr. Nun läuft auf jedem von vier Schienensträngen alle fünf Minuten ein Zug, das macht bei— gering gerechnet— achtzehnstündigem Verkehr 864 Züge für den Tag; wie wäre es möglich, daß der Qualm sich aus einem Tunnel je verzöge. Wer in deir Morgenstunden nach Brompton gefahren ist, um die Kolonialausstellung oder das Kensingion Museum zu be» suchen, wird sich des erstickenden Kohlendunstcs auf der Fahrt noch erinnern. Schwärmer für unterirdische Bahnen mögen sich die Sache wohl überlegen, wenn auch an andere« Orten ein ähnlicher Verkehr nicht zu erwarten ist. Auf den Stationen und auch sonst häufig könnte man irre werden, ob die Engländer wirklich»och das prak- tische Volk seien, als welches sie so viel Bewunderung finden. Alle Wände des Innern sind mit Plakaten aller Art bedeckt, und mitten darunter steht der Stationsname, nicht einmal auf jeder Bahn in stets gleichförmiger Schrift; daneben Firmen von Fabrikanten und Händlern, scheinbar absichtlich in gleicher Größe und auch sonst ähnlich ausgestattet; ja, es kommen direkt irreführende schlechte Witze vor, wie die Ankündigung eines Senfs in der Form„Mustaid Station". Eben so werden alle Omnibusse von An- lündigungen überwuchert, und das, worauf es dem Publikum doch mehr ankommt, als auf die Adresse vc« Seifen-, Pillen oder Kleiderfabrilanten, die Namen der Straßen und Plätze, welche der Wagen berührt, müssen. scheiden, und welche Art schließlich obsiegen wird, dürfte zur Zeit wohl schwer zu entscheiden sein. Ein weiteres, großer Cntwickelung fähiges Absatzgebiet für eine elettrische Zentral- anstalt bieten die Maschinen zum Transport von Personen und Gütern, wie Aufzüge in Fabriken und Lagerräumen, Eisen- bahnen auf industriellm Anlagen, sowie endlich Schiffe, die zur Speisung ihrer Akkumulatoren großer Mengen Elektrizität be- •dürfen. In der chemischen Industrie— für Bremen würde zunächst hauptsächlich die Galvanoplastik in Frage kommen. insbesondere die Herstellung von Metallüberzügen auf galvani- fchem Wege— findet der elektrische Strom eine so ausgedehnte Verwendung, daß es fraglich ist, ob nicht zur Zeit und vielleicht auch in Zukunft eine größere Menge Elektrizität durch die chemischen Bäder als durch die glühenden Kohlen fließen wird. Eine große Zentralanstalt für die Erzeugung elektrischer Ströme zu industriellem Zwecke dürfte trotz aller Leitungsverluste die Ströme mindestens ebenso billig erzeugen, wie ein Privatmann, der nicht gerade außerordentlich großen Konsum hat. Für letzteren find die vollständige Ersparniß einer kostspieligen Be- triebsanlage, des erforderlichen Raumes und der Wartung der Mafchine gewaltige Vorzüge, die ihn gerade in einer großen Stadt, wo Raum und Arbeit theuer bezahlt werden, darauf hinweisen, seinen Bedarr an Elektrizität aus der Zentralanstalt zu entnehmen. Unsere Anficht geht somit dahin, daß die Er- richtung eines städtischen Elektrizitätswerkes sich mit der Zeit als eine gute Einnahmequelle für die Stadt erweisen wird und daß die Ertragsfähigkeit der Gasanstalt davon nur vorüber- gehend berührt, auf die Dauer jedoch nicht geschädigt werden kann. Der Kampf ums Licht ist für letztere kein Kampf ums Dasein, ist er einmal ausgekochten, so werden wahrscheinlich beide friedlich nebeneinander ihre nützliche Thätigkcit ausüben zum Segen für den Bürger und zum Vorthcil des Stadt- säckels. Die elektrische Beleuchtung ist bekanntlich in Amerika in bedeutend größerem Umfange in Anwendung als bei uns, wo die diesbezüglichen Einrichtungen noch sämmtlich in der Entwickelung begriffen find; dieser Zustand ist aber für unsere Elektro-Tcchniker insofern von Vortheil, als sie aus den amerikanischen Einrichtungen vieles erlernen und Einrichtungen, die sich dort als unpraktisch erwiesen haben, von vor»herein bei uns vermeiden können. Eine der streitigen Fragen auf dem Gebiet der Elektro-Tcchnik ist die, welcher Art der Beleuchtung, dem Glühlicht oder dem Bogcnlicht der Vorzug zu geben ser. Bei dieser Frage haben natürlich auch die Augenärzte ein sehr gewichtiges, ja vielleicht das ausschlaggebende Wort mit zu sprechen. Nach den neuesten aus Amerika hierher gelangten ärztlichen Berichten haben die dort vielfach angestellten Unter- suchungen über die Einwirkung des elektrischen Lichtes auf die Augen ergeben, daß das Edisonlicht jeder anderen elektrischen Beleuchtung vorzuziehen ist, welche den gesunden und noch mehr den kranken Augen nachtheilig werden kann. Das Bogcnlicht soll namentlich Thräncnerguß, Schmerz, vor- übergehende Sehstörungcn, besonders bei den Leuten zur Folge Jaden, welche mit den Vorrichtungen beim Anzünden der Lampen eschä'tigt sind und bei Personen, welche sich mit solchen Be- keuchtungs oersuchen beschäftigen. Irgend welche Nachtheile durch das Edisonlicht für's Auge sind bis jetzt noch nicht konstatirt, da selbst sonst empfindliche Augen bei diesem ruhigen Licht nicht gereizt werden, deffen ruhige und milde Flamme es gestattet, stundenlang ohne empfindliche Rachtheile fürs Auge dabei zu arbeiten, während das Bogcnlicht und auch das Brush'sche Licht der Schleimhaut des Auges und auch der Sehkraft gefährlich werden kann. Vom Standpunkte eines Laien aus, der die beiden Beleuchtungsarten praktisch erprobt hat, wird man diesem UrtheUe im wesentlichen nicht widersprechen können. Einen Andrang, wie an den drei Weihnachtsteiertagen, hatten die Berliner Vergnügungs- und Untcrhaltungslokale seit langer Zeit nicht zu verzeichnen, selbst nicht an diesen Ein- nahme-gesegneten Tagen. Es fehlte eben die Konkurrenz der Eisbahnen, man war auf diese Unterhaltungen angewiesen und eS genügt zur Signatur die Aufführung der Thatsache, daß schon am Morgen des ersten Festtages fast nirgends auch nur ein Billet für den zweiten zu haben war. Das gilt nickt allein aon den Theatem, auch von den Volkstheatern, den Zirkus, den Panoramen, dem Panoptikum, Aquarium. In Bezug auf ihre Anziehungskraft erwiesen sie sich diesmal alle als gleich- werthig. Sie hätten bei doppelter Ausdehnung doch immer noch Gäste fortschicken müffen. Wo die Zahl der Sitze, welche zu Verkauf gelangen, eine natürlich begrenzte ist, hängte man ein„Arn verkauft" an den Schalter der Kasien, die Panoramen und das Panoptikum mußten bei dem Andrang zeitweise die Kasten schließen.— In einzelnen Etablissements soll man aber auch der wenig koulanten Sitte gehuldigt haben, daß man mehr Billets verkaufte, als nian Plätze zur Vcr- fügung hatte. Der Zeitungsverkehr hat nach der Statistik der Reichs- Post- und Telegraphenverwaltung für das Jahr 1885 gegen das Vorjahr einen bedeutenden Aufschwung genommen. Es wurden nämlich durch Vermittelung der Reichs- Postanstalten an Zeitungen, durchschnittlich für das ganze Jahr berechnet, 2 131 244 Exemplare mit 426090 917 Nummern bezogen, im Vorjahre dagegen nur 2 125 082 Exemplare Mit 415 496 759 sich mit dem schmälsten Raum und der kleinsten Schrift bescheiden. Natürlich, der Londoner weiß ja ohnehin Bescheid und um den Fremden kümmert man sich nicht. Entsprechend steht es um die Straßenaufschristen. Von Gleichmäßigkeit kann keine Rede sein, weil jedes Kirchspiel unabhängig vorgeht, oder man läßt auch die Schrift von Regen und Rauch absolut unleserlich machen, offenbar auch wieder, weil die Bewohner der Gegend ohnehin wiffen, wie die Gaffen heißen. Wäre nicht der Polizeman, deffen Gefällig- keit noch immer über alles Lob erhaben ist, man würde häufig gänzlich rathlos sein. Denn Vorübergehende zu fragen, hat, wie bekannt, seine bedenkliche Seite. Ein Eng- känver räth, in einem Gewölbe Auskunft zu erbitten,„denn im eigenen Hause sagt der Londoner nur die Unwahrheit, wenn er ein Geschäft damit machen kann." Aber dieser Rath läßt sich in den ferneren Vorstädten, wo man sich am leichtesten verirrt, nicht immer befolgen, weil oft weit und breit kein Geschäft zu finden ist. Sogar Tramwagen können zur Irreführung beitragen. Ein Vorzug dieser besteht be- kanntlich darin, daß fie nicht umzuwenden brauchen, und die Uufschrift, welche in der einen Richtung vorn war, also das Endziel besagte, in der entgegengesetzten hinten ist; in London aber bestehen diese Aufschriften eben so häufig in falscher wie in rechter Richtung, und wer sich nach ihnen «rientiren will, kann übel ankommen. Trambahnen gelten übrigens für nicht fashionable und dürfen daher die vor- i ehmeren Stadttheile höchstens streifen, während die Omnibusse überall gelitten sind; die Götter mögen wiffen, worauf diese Klassifikation sich gründe. Selbstverständlich ist in allen öffentlichen Fuhrwerken die Zahl der vor- handenen Plätze nicht nur vorgeschrieben, sondern sie wird auch respektirt; ist der Wagen..MI", so läßt der Kon- dutteur Niemand mehr einsteigen. Zn London läßt sich das ohne den geringsten Anstand durchführen, wie in Paris, Berlin ic.! Zu den Merkwürdigkeiten gehört auch, daß das Dach der Omnibusse und Tramwagen, wo auch Damen, wenn hgend möglich, Platz nehmen, nur eine Barri-re aus Eisenstangen zu haben pflegt, keinen soliden Rand, so daß Nummern. Davon find im Jahre 1885 erschienen im deutschen Reichspostgebiete 2 100 918 Exemplare mit 411 369 655 Nummern, in Bayern und Württemberg 58 211 Exemplare mit 9 193 826 Nummern, in Oesterreich- Ungarn 4504 mit 1418 231 Nummern und in anderen Ländern 27 616 Exemplare mit 4 109 169 Nummern. Die Steigerung der Gescmmtsumme der durch die Reichs-Postanstaltcn bezogenen Zeitungen beträgt für das Jahr 1885 hiernach 66 162 Exemplare mit 10 594 158 Nummern. Von diesen Zeitungen hatten eine jährliche Be- zugszeit 444 981 und eine haldjährliche 51 038 Exemplare; von denjenigen mit viefteljährlichem Abonnement würden für drei Monate 1 672 330, für zwei Monate 15 577 und für einen Monat 7318 Exemplare bezogen. Tie Zahl der außergewöhn- lichen Zeitungsbcilagen betrug 25489 596 gegen 22 358 214 im Vorjahre. Die Einnahme aus dem Absatz der Zeitungen, des Reichs-Gesetzblattes und des Amtsblattes des Reichs- Postamts hat im Etatsjahre 1885 86 3 600 745 M. und im Etatsjahre 1884/85 3 513 156 M. betragen. Das Polizeipräsidium bringt zur Verhütung von Un- glücksfällen die Bekanntmachuna vom 17. Dezember 1846 in Erinnerung, nach welcher die Benutzung der Eisbahnen zum Schlittschuhlaufen nur auf denjenigen Stellen gestattet ist, wo sich besondere Aufseher befinden. Sämmtliche Exekutiv- heamten find angewiesen, auf die Beachtung der Anordnung zu halten. Dreitausendvierhundert Zentner Salz hat, nach Angabe der„Freis. Ztg." in den Tagen der letzten Schneefälle die Große Berliner Pferdcbahngesellschaft allein zu dem Zwecke verwandt, die Geleise vom Schnee zu befreien. Umrechnungsverhältniß für Postanweisungen nach fremden Ländern. Vom 1, Januar n. I. wird für den Postanweisungsverkehr nach Belgien, Bulgarien, Egypten, Frankreich, Italien, Javan, Rumänien, der Schweiz und den österreichischen Postanstalten in der Türkei(Adiianopel, Beirut, Philippopel, Saloniki und Smyrna) die wichtige Abänderung vollzogen, daß der seit dem 1. Juli 1882 bestandene Um- wandclungsmodus aus der deutschen in die fremde Währung d. h. 100 Frks.— 81 M. 40 Pf., aufgehoben wird, und an seine Stelle eine neue Ilmrechnungstabelle tritt, der zufolge für 100 in obigen Ländem auszuzahlende Franks nur noch 81 M. diesseits einzuzahlen find. Herr Emil Thomas schreibt der„Voss. Ztg.", daß er mit dem heutigen Tage von der Leitung des Königstädtischen Theaters zurückgctteten sei, weil der Besitzer und Direktor des Theaters seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei und Herr Thomas erkannt habe, daß die geschäftliche Lage des Theaters unhaltbar sei. Herr Thomas habe die ganze Ange- legen heit der Staatsanwaltschaft zur Entscheidung unterbreitet. — Herr Thomas, entschieden einer der bedeutendsten Komiker Berlins, verdient dieses traurige Schicksal nickt. Andere Leute, die ihm nicht das Wasser reichen, verdienen mit albernen Witzen ein kolossales Stück Geld. Ein Schlauberger. In der Maison de eantd in Schöneberg befindet sich ein frommer Jude in Behandlung. Derselbe verlangte koschere Küche, die ihm auch gewährt wurde, trotzdem die Sache viel Umstände macht. Eines Sonnabends aber trifft der Direktor ihn rauchend und hält ihm diesen Widerspruch vor. Doch ruhig entgegnet ihm der Kranke:„Nun, Sie wiffen doch, ich bin meschugge!" Haussuchung. Gestern Abend gegen 6 Uhr wurde in der Wohnung des Schuhmachers Herrn Franz Bcrger und des Schuhmachers Herrn Martin Paduch, beide Lindenstraße 107 wohnhaft, eine Haussuchung nach verbotenen Echrislen vorge- noinmcn. Gefunden wurde nichts. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!" Ein Neffe Stöcker's, ein junger Kaufmann, ist dieser Tage hier in Berlin zum Judenthum übergetteten. Herr Stöcker jun., auf welchen die frommen Donnerwetterreden des Oheims keinen besonderen Eindruck gemacht zu haben scheinen, hat am vorigen Dienstag in Berlin eine Dame mosaischen Bekenntnisses, die sein Herz erobert hatte, zum Traualtar geführt.— Merkwürdige Ironie des Schicksals: anstatt daß Herr Stöcker Proselyten in seinem Sinne macht, geht seine eigene„Mischpochc" zum Judcnthum über! Auch so etwas läßt tief blicken. Arbeiterjubiläum. Gestern Abend feierte der Schneider Herr Wilhelm Nikolaus sein fünfzigjähnges Schneiderjubiläum im Restaurant Domack, Johannisstraße 20. Seine Kollegen aus der Werkstatt hatten dem Jubilar ein würdiges Fest be- reitet, wobei sie durch den Gesangverein„Smollis" in wirksamster Weise unterstützt wurden. Der Verein Berliner Droschkenkutscher veranstaltete in diesem Jahre zum ersten Male eine Weihnachtsbcscheenmg und zwar für die Wittwen und Waisen derjenigen Vereinsmitglic- der, welche im Laufe dieses Jahres durch den Tod dem Kreise der Ihrigen und dem Verein entrissen worden sind. Zur Be- schcerung hatten sich gemeldet 4 Wittwen mit zusammen 19 un- mündigen Kindern. Die Bescheerung fand im Vercinsbureau statt, welches mit dem Vereinsbanner dckorirt war. Auf einer langen Tafel, auf welche für jedes Kind einige nützliche Gc- schenke niedergelegt waren, stand in lichtem Kcrzenglanze ein Weihnachtsbaum. Nachdem Alle beisammen waren, richtete der Vercmsvorfitzende einige herzliche Worte an die Anwesenden, ein Schirm, ein Tuch, oder was sonst der Hand des Fahr- gastes entfällt, auf die Straße hinabrollt. Hin und wieder findet man wohl eine Art Wand, wenn nämlich ein Inserent ein Brett über die ganze Länge des Wagens angebracht hat. Bei solchen Dingen fragt man sich, ob die viel reisen- den Engländer nicht die besseren Einrichtungen anderer Länder bemerken, und muß die Frage dahin beantworten, daß sie das Fremde überhaupt oder doch dessen Vorzüge nicht sehen wollen. Selbst aus dem Munde hochgebildeter und sonst vorurtheilsfreier Briten kann man verblüffend naive Aeußerungen vernehmen. Der Engländer war von jeher und ist noch das vollendetste Geschöpf, seine Sitte die Normalsitte, was er nicht mag, ist unanständig oder doch unnöthig. Thackeray hat sich in den„English enobs" über den Doktrinarismus seiner Landsleute in Beziehung auf die Manieren beim Essen lustig gemacht; allein die konsequente Behauptung, daß der wohlerzogene Mensch die Gabel nur in der linken Hand halten, den Suppenteller wohl gegen die Mitte des Tisches, aber nicht gegen den Rand zu neigen dürfe, um den Löffel noch ein- mal zu füllen, und dergleichen mehr hat es dahin gebracht, daß diese Regeln allgemein angenommen worden ind. Und diese Erfahrung kann den Nationalstolz nur tärken, der in manchem anderen Punkte große Konzessionen macht. Ich will nicht von dem bulgarischen Brei sprechen, den Oesterreich und Deutschland so heiß als möglich hinunter- schlingen sollten, während Großbritannien von Anfang an Muße Hütte, ihn auskühlen zu lassen. Aber die wirthschaft- lichen Zustände führen ganz merkwürdige Bekenntnisse her- bei. Wie vor einer Reihe von Jahren das britische Volk von einer blinden Angst vor einer militärischen Invasion ergriffen war, so ist jetzt der deutsche Kaufmann das Schreckgespenst geworden. In bald vernünftigen, bald über- triebenen, bald ganz unsinnigen Zuschriften an Zeitungen, vornehmlich an den„Daily Telegraph", schütten große und kleine Handelsleute ihr Herz aus. Sie, die sonst die ganze Welt mit ihren Waaren überschwemmten, sind im höchsten Grade empört, daß jetzt jene Völker nicht nur ihrer eigenen darauf verweisend, daß der Verein es übernommen habe, an diesem Abend Vaterstelle an den verwaisten Kindern zu»er- treten und namentlich die älteren Knaben ermahnend, im späteren Leben stets mit ihren Kollegen zusammenzuhalten und durch gemeinsames Zusammengehen Noth und Elend von ein- ander abzuwenden zu suchen, worauf die Entgegennahme de» Geschenke erfolgte. So schlicht und einfach diese Feier auch war, so war sie doch ergreifend und voller Herzlichkeit. Die Langeweile der während der jüngsten Sckneekala- mität auf den einsamen Stationen harrenden Eisenbahn- Passagiere hat sogar hier und da einige poetische Blüthcn ge- zeitigt. So kommt der„Magd. Ztg." ein dergleichen Gedicht zu Geficht:„Dahlen, im großen Schnee am 23. Dezmbr. 1886", dem wir folgende Strophen entnehmen: Das ist im Leben häßlich eingerichtet— Daß bei de» Schienen gleich die Wehen steh'n,— Trotzdem die Bahnver- waltung sich verpflichtet,— Äft Böhla blieb der Zug auf einmal steh'n.— Blutwurst und Brot war unser Abendessen, — D'rauf sagten wir:„Wer Blutwurst kriegt, hat Schwein r - Schiit Euch Gott»c. Von allen Seiten ward uns zugesprochen— Viel Trost, es konnte auch nicht anders sein.— Nachdem die Schaffne» erst die Wurst gerochen.— Da dachten fie: Uns kann das «Schnuppe sein.— Ob Ihr nun morgen fortkommt oder heute, — Ihr fitzt doch warm, trotzdem wir fast verschnein.— Behüt Euch Gott w. Wir saßen ungefähr so 15 Stunden,- Als wir zu Fuß in Dahlen kamen an,— Woselbst wir heilten uns're Magen- wunden,— So gut es eben dort nur gehen kann.— Der Wirth, ein Mann mit vielem sanften Wesen,— Ließ uns gleich in die gute Stube ein.— Behüt' Euch Gott w. Dort stießen wir auf viele Unglücksbrüder,— Die mit dem Schnellzug war'n von Leipzig da,— Und sangen mit uns gleiche Klagelieder,— Es war, als war' schon unser End« nah'.— Das Geld war knapp,— Man konnte das schon lesen — An Zügen, die sonst rosig mußten sein.— Behüt' Euch Gott w. Trotz alledem ist immer noch verblieben— Humor und Witz dem ganzen Unglücksschwarm,— Sonst hätte man wohl sicher nicht geschrieben— Dies Lied, das an und für sich furchtbar arm.— Sind wir erst dann in Leipzig und in Drüsen,— Die Rückerinn'rung nehmen wir.'mit'rein.— Behütt Euch Gott rc. In Dahlen giebt es wirklich prächt'ge Leute,— So riefen wir aus einem Munde aus.— Wir find zwar hier von gestern erst bis beute,— Doch so was kriegt man in der Kürze'raus. — Der Wirth„Zum Ankei" bleibt uns unvergessen,—„Zum Engel" und„Zur Tanne" hinterdrein.— Behüt' Euch Gott zc. Das Schicksal eines Paares Hosenträger, welches der „Anz. f. Hav." aus Spandau Wählt, vermehrt die Zahl der jetzt im Schwünge befindlichen Weihnachtsgcschichten um eine rührende Nummer. Vor einem Jahre gab es in Spandau ein recht glückliches Brautpaar und als der Heiligabend heran- gekommen war, beschenkten sich die jungen Leute selbstverständ- lich. Die Braut überreichte ihrem Auserwählten auch ein Paar Hosenträger, die fie selbst gestickt hatte. Der junge Mann be- trachtete aber das Geschenk mit bedenklicher Miene und äußerte seine Zwettel darüber, daß die Braut eine große Hebung in weiblicher Handarbeit haben könne. Die Weihnachtsbestimmung wurde der Braut durch diese lieblose Kritik gründlich verdorben und es entwickelte sich zwischen den beiden jungen Leuten bald ein gespanntes Verhältniß, bis ihre Beziehungen gänzlich gelöst wurden. Jeder ging nun seinen eigenen Weg. Da führte ein Zufall beide Personen eines Tages von neuem zusammen, die Erinnerung an ein einstiges Licbesglück wurde wach und es er- folgte eine Aussöhnung. Diese ist nun am letzten Heiligabend auch förmlich besiegelt worden und zwar mittelst derselben Hosenträger, zu denen inzwischen aber auch noch eine ander« Stickerei hinzugefügt worden ist. Die Fähigkeit in der Her« stellung weiblicher Handarbeiten muß sich bei dem jungen Mädchen inzwischen sehr vervollkommnet haben, denn der junge Ehemann in spe soll diesmal beide Gegenstände prachtvoll ge- funden haben. Auch den Berliner Droschken- und Thorwagenkutschen» ist eine angenehme Weihnachtsübcrraschung zu Thcil geworden und zwar seitens des Kommissariats für öffentliches Fuhrwesen. Am 3. Januar 1887 beginnt nämlich die Abstempelung der Fahrscheine der Droschken- und Thorwagenkutschcr pro 1887 in alphabetischer Reihenfolge. Durch eine Verfügung des Herrn Polizei-Hauptmann v. Albert ist nun den Kutschern, welche ver- pflichtet find, ihre Fahrscheine abstempeln zu lassen, nachgelassen worden, die Abstempelung des Fahrscheines ohne vorschrifts- mäßige Livree bewirken zu können. Diese Bestimmung ruhte bisher schwer wie ein Alp auf der Brust jedes einzelnen Kutschers und die Beseitigung dieser Bestimmung ist fvr die Kutscher eine große Erleichterung und haben dieselben hierdurch insgesamnst, wie die„Allg. Fahr-Ztg." zu berichten weiß, eine Ersparniß von jährlich ca. 2000 SR., welche als Leihgeld an die Livreeverleiher bisher gezahlt werden mußten. Um sich nun für diese Erleichterung erkenntlich zu erweisen, wird von dem ge« nannten Fachblatte jeder einzelne Kutscher, welcher im Befitze eines Fahrscheines ist, ersucht, die Abstempelung desselben ja Arbeit selbst den Vorzug einräumen, sondern sie auch exportiren, sogar nach London. Auf der Eisenbahn be- sprachen zwei Kaufleute das Projekt, belgische, geruchlose Kohle einzuführen, und sofort erklärte der eine, das dürfe man sich nicht gefallen laffen. Daneben wird eine Frage lebhaft diskutirt, welche auch für Berlin ein eigenthümliches Interesse hat. An dem einen Platz agittrt man für längeres Offenhalten der Kaufgewölbe, an dem anderen hat sich eine„Shop honrs Labour Leagve" (Vereinigung zur Verkürzung der GeschästSstunden in den Läden), unter Präsidentschaft des Advokaten Sutherst gt- bildet, welche ein Gesetz über den Schluß der Shops an- strebt. Sie wird im Namen der Freiheit bekämpft. Die Geschäftsinhaber sollen freiwillig dem Uebcrmaß der Ge- schäftSstunden ein Ziel setzen. Aber die so sprechen, übersehen oder wollen nicht wissen, daß ihre Theorie bereits Schiff- bruch gelitten hat. Vor gar nicht langer Zeit traten die Shopkeeper der Vorstädte zusammen und beschloffen Sper- rung ihrer Läden um 8 Uhr. Sie selbst athmeten auf und noch mehr ihr geplagtes Personal. Alle meinten nun, de» Abend für sich zu haben, sich zerstreuen, threr Famtlte leben, an ihrer Weiterbildung arbeiten zu können. Aber bald ließ hier und da ein Pfiffiger sein Geschäft über die am Schaufenster kund gemachte Stunde hinaus offen, um allein ernten zu können. Natürlich bemerkten die Nach- barn das, aber anstatt die Uebertteter zur Beachtung des selbstgegebenen Gesetzes anzuhalten, folgten sie deren Bei- spiel, die Schlußzeit rückte wieder vor, die Aufschriften ver- schwanden nach und nach, und längst wird wieder, nicht blos am Samstag, dem Einkaufstage für den Feiertag, alles Nothwendige und alles Ueberflüssige bis in die sinkende Nacht feilgeboten. Und so kann denn in Wahrheit nichts als das Gesetz dieser wilden Jagd nach dem Penvtz Einhalt thun. Zn dieselbe Rubrik gehört das Ankündigungswesen. So oft es geschildert worden ist, erregt es immer aufs Neue unser Staunen und bleibt es uns räthselhaft, wie die Geschäfte dabei ihre Rechnung finden können. Gegenwärtig scheint„Peai's Soap" die Stelle einzunehmen, welche vor recht pünktlich, wenn möglich an dem dazu bestimmten Tage bewirken lassen zu wollen, da dm Beamten des öffmtlichen Fuhrwesens durch die Verzögerung größere Arbeiten ent» stehen. Bei einem kürzlich verheiratheten Ehepaar in der Markusstr 26», einem Kolonialwaarenhändler, vermuthetcn Diebe anscheinmd viele Werthgegenstände und planten daher einen nächtlichen Einbruch. Sie stiegen zu diesem Behufc in der stacht zum Sonnabend in den Mehlvorrathskeller eines in demselben Pause wohnenden Bäckers, gelangten von hier auS in den Keller des Kaufmanns und stiegen sodann.auf der Vev bindungstreppe nach dem Laden hinauf. Nachdem sie die La dcnkaffe erbrochen hatten, in der fie nur wenig fanden, ent« ferntcn fie sich auf demselben Wege unter Mitnahme einiger Kolonialwaaren. Im Keller des Bäckers schienm fie sich Zigarren in Brand gesteckt zu haben. Der Kaufmann erwachte zwar durch ein Geräusch im Laden, legte sich jedoch sofort wie- der nieder, als er von dorther nichts weiter Verdächtiges wahr- nahm. Die Abficht, in die anstoßende Wohnung zu gehen, hatten die Diebe aufgegeben.«"$ � Ueber die Ergreifung zweier des Mordes Verdächtigen wird aus Bernau folgendes gemeldet: Am 21. d. M. Nachmittags wurde in der Bernauer Stadtforst an dem Wege von Liegnitz nach Basdorf eine Leiche aufgefunden. Wie aus den bei derselben vorgefundenen Papieren ersichtlich war, war der Verstorbene der 4S Jahre alte Tischlergeselle Lorenz. Da einige Schritte von der Leiche der Schnee vollständig zertreten war, auch Spuren darauf hindeuteten, daß die Leiche fortgezogen wordm war, so wurde ein Verbrechen vermuthet. Des Mordes verdächtig erschimen mehrere Personen, mit welchen sich der Verstorbene von Basdorf aus nach Bernau begeben wollte, und als die Personen find der Schuhmacher Piotrowski und der „Arbeiter" und Weber Hagener festgestellt worden. Der erstcre wurde in Wriezen a. O., letzterer in Eberswalde dring- fest gemacht. Beim Taschendiebstahl abgefaßt wurden am 24. d. M. der mit Zuchthaus bereits vielfach— im Ganzen mit 38 Jahren — destrafte„Arbeiter" Nieß auf dem Weihnachtsmarkt und am 26. d. Ä. der Kellner Tose in der Passage von einem Kriminalschutzmann. Außer den ihnen auf frischer That abge- nommenen und den Bestohlcnen bereits zurückgegebenen Porte- monnaies wurden in ihrem Besitz noch drei vorgefunden, welche fie kurz zuvor gekauft haben wollen. Es liegt aber der drin- gende Verdacht vor, daß die drei Portemonnaies ebenfalls ge- stöhlen find. Das erste ist ein kleines, schwarzledernes, gepreßtes, mit schwarzer Leinwand gefüttert, rundem Klappschloß versehen und 1 M. 50 Pf. Inhalt, das zweite ein großes, aus einem Stück gearbeitet, von schwarzem, imitirtem Seehundleder, ohne Futter, mit gelbem Schiederschloß und 3 M. Inhalt, das dritte ein kleines Portemonnaie von schwarzem Glaceeleder, mit gelbem Bügel, enthaltend 82 Pf. und verschiedene Fischschuppen. Letzteres hat der Dieb selbstgeständlich am 26. einer Dame in der Passage vor dem Schaufenster des Castan'schen Panop- tikum aus der Manteltasche gezogen. Etwaige Bestohlene wollen fich auf dem Kriminal- Kommissariat, Molkcnmarkt 1, Zimmer 77, in den Vormittagsstunden von 9—1 Uhr zur Besichtigung der Portemonnaies melden. Selbstmord in einem Restaurant. In der verflossenen Nacht betrat ein gutgckleidcter Mann das Restaurationslokal von Leitmann in der Brunnenstr. 9, bestellte sich ein Glas Bier und setzte fich damit in eine Ecke des Zimmers. Nach- dem er dasselbe ausgetrunken, sprang er auf, md fich an einen der Gäste wendend, sagte er in aufgeregtem Tone:„Ich habe mich vergiftet" und sank mit verzerrten Zügen auf einen Stuhl zurück- Schleunigst holte man bei dem 62. Polizeirevier Hilfe. Mittelst Droschke wurde der Vergiftete in die königl. Eharitee eingeliefert, verstarb daselbst jedoch, trotz aller angewendeten Gegenmittel, ohne vorher die Besinnung wieder erlangt zu haben. Aus bei dem Verstorbenen vorgefundenen Papieren er- gab sich, daß derselbe ein Kaufmann Ludwig Ech. sei. Krober Unfug! Der Bezirksvorsteher I. bemerkte, der „Berl. Ztg." zufolge, eines Tages, wie sein acht Jahre alter Knabe von einem dreizehnjährigen Schüler auf der Straße ge- schlagen wurde. Er trat an die Knaben heran, versetzte als Vater seinem Sohne eine Ohrfeige und that ein Gleiches vorauf dem dreizehnjährigen Jungen gegenüber, mit welchem er vorher in den Thorweg des Nebenhauses getteten war. Der dreizehn- jährige Bursche verhöhnte alsdann Herrn I., so daß der letztere dem Knaben nachlief, um seine Person festzustellen und dem Lehrer anzuzeigen. Während Herr 3E. den Jungen verfolgte, trat ein Schutzmann an ihn heran und stellte ihn zur Rede. Herr I. erklärte dem Schutzmann, daß er seinm Namen gern nennen wolle, nur solle das in seinem Hause geschehen, das unmittelbar in der Nähe lag. Wenige Tage darauf erhielt Herr I. ein Strafmandat in Höhe von drei Mark vom Polizei« Präsidium zugesandt, weil er dadurch groben Unfug verübt habe, daß er einen Knaben in das Geficht geschlagen und einem anderen Knaben, der ihn angeblich verhöhnt, etwa 200 Schritte nachgelaufen sei. Herr I. wandte sich alsdann an das Polizei- Präsidium und setzte demselben den wahren Sachverhalt aus- einander. Tarauf wurde Herr T- folgendermaßen von der ge- nannten Behörde beschieden:„Ihre Beschwerde kann als de- Jahrzehnten„IWlnway's Pills" behaupteten. Es wäre leichter, die Oerter aufzuzählen, wo uns die Seife nicht in Erinnerung gebracht wird, als umgekehrt. Plakate von einem bis sechs oder sieben Schuh Höbe wechseln mitein- ander ab, in schwarzem und in Farbenoruck, und in allen Zeitungen wiederholt sich„Pear's Soap" zwölf- oder zwanzigmal untereinander. Hier bescheinigt Adelina Patti ,n Noten, daß diese Seife die beste der Welt sei, dort lächelt uns das Bild dieser oder jener berühmten Schön- heit an mit einem ähnlichen Attest als Legende; die Mohrenwäsche, die Knabenwäsche und allerlei andere Bilder dienen demselben Zweck, und als der weiße Elephant aus Siam ankam, verkündeten die Straßenecken derselbe ver- danke seine Farblosigkeit Pear'S Seife. Man schätzt die AnlündigungSkosten deS Hauses auf jährlich 40 000 Pfund Sterling— gewiß nicht zu hoch, da schon die täglichen Anzeigen in sämmtlichen Blättern(„Standard" mit' einer Auflage von 256 000 Exemplaren,„Daily Telegraph" nicht viel niedriger u. s. f.) Unsummen kosten müssen. Wie viel mag da an jedem Stück Seife verdient werden, das 6, ja�4 Pence im Einzelverkaufe kostet? Die großen Auflagen der Zeitungen sagen schon, wie viel in England gelesen wird, und dazu kommen noch die ungeheuren Mengen wohlfeiler Bücher. Wirklich liest in England jeder und überall und bei jeder Beleuchtung. Auf der Eisenbahn im vollen Sonnenlichte oder unter den wechselnden Schatten eines flatternden Fenstervorhanges, bei dem Düster der Petroleumlampe— im Hintergrunde des Zimmer«, lange nach Sonnenuntergang werden Zeitungen gelesen, deren sieben oder neun Spalten engen Druckes ohnehin das Auge anstrengen und verwirren. Und nun frage ich: wie kommt es, daß man in England Brillen fast nur bei Damen sieht, während in Deutschland die Kurz- sichtigkeit dermaßen überhand nimmt und die Augengläser zu einem nationalen Kennzeichen geworden sind, wie früher bei den Spaniern? B. B u ch e r. (N. fr. Pr.) gründet nicht erachtet werden, weil die diesseitigen Ermittelungen ergeben haben, daß Sie sich auf offener Sttaue ungehörig be- nommen habm und somit auch mit Recht denunzirt worden find. Das Verhalten des Schutzmanns R. kann diesseits nicht gemißbilligt werden." Bemerkt sei nur, daß der ganze Vorfall sich in der Straße abspielte, in welcher Herr£. wohnt und Bezirksvorsteher ist und daß selbst der Polizellieutenant ihm erklärte, er habe in jeder Beziehung korrett gehandelt. Polizei-Bericht. Am 27. d. M. durchschnitt fich ein Mann in seiner Wohnung in der Sttclitzersttaße die Pulsadern und starb an Verblutung.— An demselben Tage Vormittags wurde der obdachlose Arbeiter Jänsch auf einem Steinplatz am Halle- schen Ufer erstarrt vorgefunden. Nach der Wache des 34. Polizei- Reviers gebracht, starb er kurze Zeit darauf. Der Tod ist, wie ärztlich festgestellt, durch Erfrieren herbeigefühtt worden.— Gegen Mittag wurde in der Landsberger Allee ein 8 Jahre alter Knabe durch einen mit Schnee beladenen Abfuhrwaaen überfahren und so schwer verletzt, daß er, nach dem Kranken- Hause im Friedrichshain gebracht, bald darauf verstarb. Den Kutscher soll keine Schuld treffen.— Um dieselbe Zeit starb plötzlich im Flur des Hauses Bärwaldstr. 62 der Schuhmacher Ohlsen, wie ärztlich festgestellt, am Schlagfluß.— Nachmittags glitt eine 68 Jahre alte Fran auf dem Bürgersteig vor dem Hause Blumenstr. 59 aus, stürzte nieder und brach das Schlüssel- dein.— In der Nacht zum 28. d. M. machte ein Herr in einem Schankloknle in der Bmnnenstraße den Versuch, fich zu vergiften. Er wurde noch lebend nach der Charittz gebracht.— Am 27. d. M. gerieth in der Kellenvohnung des Hauses Dres- denerstr. 130 ein zu nahe am geheizten Ofen stehendes Bett und in der Dragonerstr. 36 eine Schaldecke durch eine zu dicht darunter aufgehängte brennende Petroleumlampe in Brand.— Außerdem brannte in der Nacht zum 23. d. M. in dem Grundstück Brunnenstr. 136 die Balkenlage unter einer Koch- Maschine._ Oerichts-Zeitnng. i Im Kriminalgericht herrschte gestern noch Feiettags- stille. Die Strafkammern hatten ihre Sitzungen noch nicht aufgenommen und nur einige Adtheilungen des Schöffengerichts waren in Thätigkeit. Aber auch hier betrafen die Verhandlungen ihrer großen Mehrheit nach nur unbedeutende Ueber- tictungen, kleine„Diebstahlssachen" und einige Fälle von Bctmg und Unterschlagung geringer Geldbeträge; nichts, was allgemeineres Interesse beanspruchen dürfte. Unter einem ansehnlichen Aufgebot zahlreicher Polizei- Mannschaften wurde gestern der Strafkammer des Land- gerichts 1: der frühere Fcuerwehrkutscher jetzige Handelsmann Franz Meinicke vorgeführt. Ter Angeklagte ist ein Bekannter und guter Freund des zur Zeit in der Beobachtungsstation der neuen Eharitee befindlichen Einbrechers, Mctallschleifers Eugen Schlink, welcher gegenwärtig den„wilden Mann" macht.— Im Laufe des vergangenen und des lausenden Jahres machte eine gefürchtete Einbrechervereinigung der hiestgen Kriminal- polizei viel zu schaffen und es wurden damals durchschnittlich aus dem Potsdamer Viertel mindestens zwei Einbrüche ge- meldet, deren eigenartige Ausführung, welche von der bisher beobachteten Einbrechertechnik völlig abwich, darauf schließen ließ, daß immer derselbe Thäter seine Hand dabei im Spiele habe. Jene Diebstähle wurden in der Art ausgeführt, daß die in den Wohnungen befindlichen Möbel, welche Werthsachen und Geld vermuthlich enthielten, stets von oben her geöffnet wurden, so daß an den erbrochenen Möbelstücken von außen eine gewaltsame Oeffnung nicht wahrgenommen werden konnte und die Bestohlcnen demnach erst geraume Zeit hinterher dm ihnen zugefügten diebischen Eingriff in ihr Eigenthum zufällig gewahrten, nachdem die Diebe ihren Raub längst in Sicherheit gebracht. Der letzte derartige Diebstahl war am 6. Juni d. I. bei dem in der Schwcrinftraße zu Schöneberg wohnhaften Sekretär Schulz verübt worden; auf die angegebene Art waren daselbst! Gold- und Werthsachen. ca. 70 M m Gold und ein kleiner Bewag Silbergeld, daS Wirthschaftsgeld der HauSfrau, sowie ein Staatsschuldschein gestohlen worden. Einige Wochen vor Pfingsten des Jahres 1884 hatten nun bereits verschiedene Bewohner jenes vielfach gebrandschatzten Stadttheils in der Steinmetz- und Schwerinswaße einen feingekleideten Herrn Patrouille gehen gesehen; fie vermutheten in der Person dieses feinen Herrn einen Schmieresteher und mehrere Frauen bezeichneten im Verbrecheralbum die in demselben enthaltene Photographie des Meinicke als dem Aeußcrn jenes„feinm Herren" entsprechend. Meinicke war der Kriminalpolizei schon längst als ein Genosse des Schlink verdächtig, weil er s. Z. mit demselben in Görlitz eines Diebstahls, den er mit Schlink ge- meinschaftlich verübt haben sollte, angeklagt und dort in Unter- suchungshast gewesen war; damals wurde Schlink veruttheilt, dagegen Meinicke wegen mangelnden Beweises freigesprochen. Seitdem betrieb Meinicke, welcher als Kutscher schon längst infolge verschiedener Vorswafen fich nicht mehr ernähren konnte, einen Handel mit Goldwaaren. Dem gegebenen Fingerzeig folgend, schritt nun, nachdem in diesem Jahre jener Diebstahl bei Schulz ausgeführt worden, die Kriminalpolizei zu einer Haus- suchung in der Wohnung des p. Schlink, welcher es bisher meister- hast verstanden, fich unliebsamen Nachforschungen zu entziehen; diese Haussuchung ließ keinen Zweifel daran, daß Schlink jener Dieb war, denn in seiner Wohnung fanden fich die bei Schulz ge- stohlenen, sowie noch andere muthmaßlich gestohlene Werth- fachen, jener dem Schulz gestohlene Staatsschuldschein und zirka 70 Mark baares Geld in Gold, sowie außerdem einiges Silber« geld. Am Tage darauf wurde Meinicke, in welchem man den Beihelfer zu jenem Diebstahl vermuthetc, in seiner Wohnung in der Lothringerstraße von Kriminalbeamten verhaftet. Eine bei ihm staltgcfundene Haussuchung verlief resultatlos: es deuteten jedoch alle Anzeichen darauf hin, daß Meinicke auf die polizei« liche Vifite vorbereitet war; die Beamten Wasen die Familie gemüthlich beim Kaffeetisch fitzend. Beide, Schlink und Mei- nicke, als mathmaßliche Komplizm unter Anklage gestellt, leugneten zunächst Alles. Der erstere macht, wie bereits er- wähnt, zur Zeit offenbar als Simulant den„Wilden Mann" um der Last der ihn bedrohenden Zuchthausjahre aus- zu weichen; Meinicke dagegen blieb beharrlich bei dem System dcs Ableugnens und erbot sich zur Beibringung eines Alibi« Beweises. Seine Angaben nach dieser Richtung gehen dahin, daß er am Tage, als derjDiebstahl in der Schwerinswaße aus« geführt worden, mit einem Geschäftsfreunde im Randel'scken Lokale in der Jnvalidensttaße behufs Erledigung eines Ab- rechnungs-Geschäfts fich aufgehalten habe. Jener von ihm zu diesem Zweck als Entlastungs-Zeuge vorgeschlagene Geschäfts- freund sowie dessen Ehefrau gaben ihre Aussagen in diesem Sinne ad; ein amtlich vorgeladener Kriminal-Beamter, welcher diese Zeugen vordem im ersten Stadium der Untersuchung ver« nommen. machte hierbei auf Widersprüche aufmerksam. Auch bezüglich des anderen Punktes. Der Rekognition auf Grund des Verbrecher. Albums tritt Meinicke einen Alibi- Beweis an. Der Staatsanwalt erachtete die Be- mühungen des Angeklagten nach dieser Richtung hin als völlig mißglückte und beanwagte demgemäß gegen den wegen Diebstahls bereits vorbestraften Angeklagten 5 Jahr Zuchthaus und Ehrverlust. Der Staatsanwalt hob mit besonderer Be- tonung hervor, daß nach der Aussage deS Kriminalkommissar Braun Diebstähle, wie die von Schlink mit genialer Gewandtheit eigenartig ausgeführten, seit der Verhaftung des Schlink aufgehört haben. Der Vettheidiger zieht aus dem Ergebniß, welches im Zusammenhang die Aussagen der Be- und Entlastungszeugen geliefert, den Schluß, daß ein non liqnet vorliege. Der Gerichtshof schloß fich den Ausführungen des Vertheidigers in der Haupt- fache an; demgemäß ward die Sache mit Bezug auf die Thäter- schakt dcs Angeklagten nicht in dem Grade für genügend auf« geklärt krachtet, daß ein« Verurtheilung des Angeklagten er- folgen konnte. Das Uttheil lautete auf Freisprechung des Meinicke. Reichsgerichts- Entscheidungen.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 27. Dezember. Der Paftillenfahrilant Christian Wilhem Adolf Schinke in Hamburg war vom dortigen Land- aerichte wegen Betruges und unberechtigter Führung des Doktortitels am 11. Oktober verurtheilt worden. Den Doktor- titel brachte er bei Anpreisung feines Fabrikates zur An- wendung, indem er dasselbe bezeichnete als„Dr. med. Schinke's Pastillen". Er hatte zwar vor Gericht bescheiden die Insinuation zurückgewiesen, daß er sich selbst unter dem Dr. med. verstanden wissen wolle, und behauptete, es sei damit ein Onkel von ihm gemeint. Das Gericht war aber hiervon nicht zu überzeugen, um so mehr, da der Angeklagte nicht einmal den Nachweis zu liefern im Stande war, daß er wirklich einen Onkel besitzt, der fich des Doktortitels erfreut. Der ihm zur Last gelegte Betrug bestand darin, daß er einem gewissen R-, dessen geistiges Fassungsvermögen anscheinend ein sehr geringes ist, unter den abenteuerlichsten Vorspiegelungen, die einen normalen Menschen wegen ihrer inneren Widersprüche nie zu täuschen im Stande gewesen wären, größere Geldbeträge ent- lockt hat. Er hatte nämlich von einer geheimnißvollen Erb» schaft geflunkert, die er gemacht haben wollte, und behauptet, er brauche das Geld dcs R. zur Realifirung dieser Erdschaft. — Schinke fühlte fich durch das Uttheil beschwett und legte Revision beim Reichsgerichte ein, die auch, soweit der Betrug in Frage stand, als begründet erachtet wurde. Der 3. Straf- senat hob das Uttheil insoweit nebst den thatsächlichen Fest- stellungen auf und verwies die Sache in die erste Instanz zurück. In den Gründen wurde gesagt, es sei nicht genügend festgestellt, daß der Angeklagte durch Täuschungen, die er hervorgerufen haben soll durch allerhand fich widersprechende Vorspiegelungen, auch seinetteits hat be« wirken wollen und bewirkt hat, daß ihm die Geldzahlungen gemacht wurden. — Wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz war der Schlächter Leopold«Sommer vom Landgettchte in Krefeld veruttheill worden. Ein Bauer besaß eine Kuh, die an chro« nischer Abmagerung infolge von Perlsucht litt und nicht mehr lange leben konnte. Im Auftrage des Bauers schlachtete der Angeklagte das Thier, dessen Fleisch wegen seines tuberkulösen und finnigen Gehaltes vom Thierarzt für ungenießbar erklärt wurde. Nachdem der Angeklagte 5 M. für das Schlachten er- halten hatte, ersuchte er den Eigenthümer der Kuh um Ueber- lassung von etwas Fleisch für die Hunde. Er nahm fich dann den Kopf, das Herz und ein Hintertheil mit. Von dem letz« tercn verkaufte er 17 Pfund sowie das Herz das Pfund zu 30 Pf.; außerdem bot er einer Frau den halben Kopf zum Kaufe an. Nach dem Gutachten der medizinischen Sachver- stänbigen kann der Genuß solchen Fleisches, roh oder gebraten, bei einem Menschen die Tuberkulose hervorrufen. Da der An- geklagte, wie das Gericht annahm, dies hätte wissen müssen, so wurde er für schuldig erklärt und zu 5 Monaten Gefängniß verurtheilt.— Sommer behauptete in seiner Revision, es sei nicht festgestellt, daß solches Fleisch, wenn es gekocht genossm wird, auch schädlich sei; diejenigen Personen, welche es genossen, hätten in der That keinen Schaden an ihrer Gesundheit ge- litten.— Das Reichsgericht(I. Strafsenat) sah jedoch diese Vor- bttngungen als unwesentlich an und verwarf die Revifion. Das melancholische Schwein. Eine Verhandlung voll heiterer Momente fand vor einigen Zeit in Wien vor dem Be- zirksgettchte Leopoldstadt statt. Die Pttvatbefchädigte, eine alle Frau, erhob gleich zu Beginn ihrer Vernehmung die den Richter in nicht gettngcs Staunen versetzende Anklage, ihr armer, unschuldiger Mann sei von dem Beschuldigten durch einen Steinwurf getödtct worden. Erst nach vielen Fragen gelang es, zu eruiren, daß mit dem„Manne" ein Schwein ge- meint sei, ein männliches Schwein. Im Sommer dieses Jahres riß der Wächter Josef Chocholatti aus Rache gegen Frau Anna Antonowitz, weil fie ihm die Wohnung gekündigt hatte, das Dach ihres Schweinestalles ab und dabei soll er auf den Rücken eines der Insassen, eines wunderschönen Schweines, einen gewaltigen Ziegelstein geworfen haben. Richter: Ist das Schwein durch den Wurf sogleich ge- tödtet worden? Zeugin: Nein, Herr Richter, es ist nur ohnmächtig ge- worden, hernach ist es so krank geworden, daß es einen halben Tag nichts hat essen können und hernach haben wir's schlachten müssen und hernach—(weinend)— hernach haben wir's gegessen. Richter(zum Angeklagten): Nun, was sagen Sic dazu Herr Chocholatti? Angekl.: Alles erlogen, Herr Richter! Die Sau ist von selbst gestorben— fie hat fich vergiftet! Richter: In der That? Das Schwein hat sich also nach Ihrer Meinung mit Selbstmordgedanken getragen? Angekl.: Freilich, Herr Richter, es ist schon drei Tag' lang ganz trübselig und schwermüthig dahingewackelt, daß einem das Herz in den Rippen hat wehthun müssen. Wie's halt nicht länger hat leben wollen, bat fich's die Schnauze in Lauge ge- steckt— und maust odt ist's geblieben. Diese rührende Geschichte klang so wenig wahrscheinlich, daß die Vernehmung mehrerer Zeugen, Bewohner desselben Hauses, fich als nothwendig erwies. Dieselben konnten nur die Beschädigung des Daches bestätigen, wußten jedoch über den Schwcinemord nichts Bestimmtes auszusagen. Der Richter veruttheilte den Angeklagten wegen boshafter Beschädigung fremden Eigenthums zu einer Arreststrafe in der Dauer von drei Tagen, sprach ihn jedoch von dem ihm zur Last gelegten Schweinemord frei._ Uereine und Nersammwugen. Kachverein der Tischler. Der Zenttal-Arbeitsnachweis des Vereins(Blumenstr. 56) ist am 31. Dezember, sowie am 1. Januar für Arbeitsuchende geschlossen; jedoch können schriftliche Gesuche der Arbeitgeber um Zuschickung von Gesellen auch an diesen Tagen in den am Eingang zum Arbeitsnach- weis befindlichen Briefkasten gelegt werden.— Die Zahlstellen dcs Vereins find am 1. Januar ebenfalls geschlossen. Die nächste Vereinsvettammluna findet am Sonnabend, den 8. Januar, in Jordan's Salon, Neue Grünstraße 28, statt. Vorträge. In den Monaten Januar und Februar wird der praktische Arzt Dr. m d. Sturm im Saale des kath. Ver- tinshauses, Nicderwallstr. 11, folgende Vorträge halten: Mittwoch, 5. Januar, über das Thema: Was ist Blutteinigung? Dienstag, 18. Januar, über Nerven- und Rückenmarksleiden, ihre Ursachen, Verhütung und Heilung; Dienstag, 1. Februar, über Blutarmuth, deren Ursachen, Verhütung und Heilung; Mittwoch, 16. Februar, über Hautpflege und Hautkrankheiten. Beginn der Votträge 8V, Uhr präzis. Damen wie Herren haben Zutritt. Verein für Technik und Gewerbe. Mittelstraße 65, Mittwoch, Abend« 8t Uhr, Vottrag. Gäste willkommen. Gesang- und gesellige Vereine am Mittwoch.„Freya" Gesangverein der freireligiösen Gemeinde. Uedungsstunde Abends 8 Uhr Münzstraße 5.— Gesangverein„Norddeutsche Schleife" Abends 9 Uhr Dresden erstr. 72—73 im Restaurant „Eden-Theater"._ Kleine Mittheilungen. Aus Thüringen, 26. Dez. Die neuesten thüringischen Zeitungen melden, vaß bis jetzt in Thüttngen nicht weniger als 21 Personen im Schnee erfroren aufgefunden worden find. Mannheim, 23. Dezember. Einen Selbstmord verübte in der vergangenen Nacht der hicfige, am Neckarhafen wohnhaste Küfermeister Peter Bauer. Derselbe hat fich erst mtt einem Rasirmcsser die Pulsadern yeSssnet und sich sodann mit einem Beil die linke Hand oberhalb des Gelenkes vollständig abge- hauen. Heut« früh warde derselbe in fitzender Haltung todt auf seinem Gewerbeplatz aufgefunden; der Tod war durch Verblutung eingetreten. Köln, 27. Dezember. Nach den neuesten Nachrichten über die Witterung, den Wasserstand des Oberrheins und der Neben- flösse ist wiederholtes Wachsen des Stromes zu erwarten. Da der Rhein vorausfichtlich auch hier aus den Ufern treten wird, so fordert das Hafenkommiffariat den Kauimannsstand auf, die auf den Werften lagernden Güter möglichst schnell zu entfernen, und ersucht, die Guterabnahme' von den Schiffen derart ein« richten zu wollen, daß die Stücke sofort nach der Ausladung aus den Schiffen abgefahren werden. Augsburg, 24. Dez. In Kissing bei Augsburg schnitt ein Bauer seinem Nachbar durch einen wuchtigen Sensenhieb Nachts den Körper entzwei. Der Schwerverletzte verschied nach stunden- langem Liegen auf offener Landstraße hilflos. Der Thäter ist geständig, will jedoch einem Andern aufgelauert haben. Wien, 22. Dezember. Bei Podersam in Böhmen ereignete sich in der vorigen Woche der Fall, daß ein Jäger und ein Wilddieb einander erschossen. Der 32 jährige Forstadjunkt Karl Eberl wurde im Alberitzer Forste bei Podersam in der Nähe einer großen Schlucht erschossen aufgefunden. Zweibun- dert Schritte von ihm entfernt lag tödlich verwundet ein Wild- dieb, welcher früher Heger in demselben Forste gewesen war. Der Jäger hatte den Wilddieb bei der Schlucht angelrossen und sich sofort an dessen Verfolgung gemacht. Der Wilddieb schoß auf seinen Verfolger, die Kugel traf denselben in die Brust und venvundete den Jäaer tödtlich. Dieser fand aber noch die Kraft, auf den Wilddieb zu schießen und stürzte dann ster- bend zusammen. Der Wilddieb kam, nachdem man ihn aufge- funden hatte, nochmals zum Bewußtsein, erzählte den Hergang in der eben geschilderten Weise und starb dann. Neben ihm lagen zwei geschossene Hasen, ein erlegter Fasan, ein ausge» schossenes doppelläufiges Gewehr und Munition. Budapest, 24. Dezbr. In manchen Orten SüdungarnS, wo es mit der öffentlichen Sicherheit gar schlimm bestellt ist, wird die Bewachung von Hab' und Gut im Wege einer Minuendo-Lizitation einem Konsortium übergeben, welches für jeden vorkommenden Schaden Ersatz zu leisten hat. Ein solches in amerikanischer Manier errichtete Vigilanz- Komitee fungirte auch, sechs Mann hoch, in Balkany. Doch die Braven fanden es einträglicher, sich an fremdem Eigenthum zu vergreifen, als es zu de- wachen; sie brachen, wie die„Tem. Ztg." berichtet, vor kurzem in das Magazin eines dortigen reichen Kaufmannes ein und begannen die mit Weizen und Mais gefüllten Säcke fortzuführen. Zufällig kam der Gcndarmerie-Postenführer des Weges; er erblickte in dem Magazin zu ungewohnter Zeit Licht und das erregte seinen Verdacht. Er schlich sich an die Scheuer heran und bald wußte er, was vor- gehe. Und nun warf er sich, mit seinem Haubajonnet bewaffnet, auf die Strolche, und in dem dunkeln Räume entspann sich ein furchtbarer Kampf eines Einzigen gegen Sechs. Die Räuber warfen sich auf den sie attakirendcn Gendarmen, in der Absicht, ihn zu ermorden, da er sie kannte und sie sonst ver- rathen hätte. Sie warfen Säcke über ihn, schlugen mit Steinen und Knütteln auf ibn los; der Gendarm aber gab, obwohl bereits aus zahlreichen Wunden blutend, nicht nach und es gelang ihm, vier der Strolche in die Flucht zu jagen, worauf er die übrigen beiden, die nicht mehr zu entkommen vcrnwchten, festnahm. Einer derselben, ein gewisser Juon Dozsu, ist Mit- glied des Gemeinde- Ausschusses und sollte demnächst zum Richter gewählt werden. Der Gendarm ist schwer, wenn auch nicht lebensgefährlich verwundet. Zwönitz, 23. Dezember. Ueber eine am 21. Dezember früh gegen 7 Uhr in einer hiesigen Fabrik vorgekommene Dampfkeffelcxplofion, bei welcher Menschen glücklicher Weise nicht verletzt wurden, wird der Lokalpresse mitgetheilt, daß allem Vermuthcn nach dieselbe dadurch entstand, daß der betreffende Feuermann Abends vorher, um früh das Anfeuern des Kessels mit durchaus frischem Brennmaterial zu ersparen, die noch glühenden Kohlen nach den Fcuerthüren gezogen und hier mit angefeuchteten Kohlen gedeckt hat,— ein leider vielfach ge- bräuchliches, aber durchaus verwerfliches Verfahren. Morgens hat er dann die noch glimmenden Kohlen auf dem Roste ver- theilt und frische darauf geworfen. Da nun infolge des hef- tigm Schneesturmes jener Nacht die obere Mündung des hoheck zugehörigen Schomsteines zum großen Theil, noch wahrschein- licher aber gänzlich, mit Schnee zugeweht war, so konnten die aus den Kohlen sich entwickelnden Gase nicht durch den Echomstein abziehen; dieselben bildeten vielmehr mit der beim wiederholten Oeffnen der Feuerthürcn zutretenden frischen Luft ein höchst explosibles Gasgemcnge, welches die Züge des Kessel- ofens erfüllte und endlich durch eine hell aufflackemde Flamme plötzlich entzündet wurde. Die dadurch in größter Menge ent- stehenden Brandgase konnten nicht allein durch die Fcuerthüren entweichen; sie suchten noch andere Auswege und zersprengten das Kesselgemäuer nach allen Seiten, ohne daß es dabei jedoch umgeworfen wurde. Dem Kessel selbst ist außer einer kleinen Formveränderung der Hinteren Stirnwand und einer Lockerung der Rohrverbindungen in derselben ein weiterer Schaden nicht zugefügt worden. Brüssel, 25. Dezbr. Die Ostender Fischerfamilien haben seit dem letzten schweren Sturme Tage voll tödtlicher Angst verlebt. Zwei Fischerboote, jedes mit 6 Leuten bemannt, hatten bereits am 3. Dezember den Hafen verlassen und seit Wochen, lange über die gewöhnliche Zeit hinaus, nichts mehr von sich hören lassen. Täglich bot der Damm am Strande ein herz- erschüttemdes Schauspiel: angsterfüllte Frauen, Männer und Kinder, die Verwandten der zum Fange hinaus gefahrenen Fischer, standen da weinend und verzweifelt, stundenlang sehn- süchtige Blicke«ach allen Winkeln des Horizonts werfend. Mit Einbruch der Nacht kehrten die Armen traurig und enttäuscht in ihre Wohnungen zurück, um mit neuer Hoffnung am folgen» den Tage die Ausschau zu wiederholen. Erst am letzten Sonn- abend kam, wie der„Franks. Ztg." geschrieben wird, von Gent die Nachricht, daß die beiden Fischerboote, vom Unwetter in die Scheide getrieben, in dem Hafen dieser Stadt angelangt seien. Gestern endlich trafen dieselben mit ihren Mannschaften in Ostende und bei ihren Familien ein. Die Tapferm warm auf hoher See von dem furchtbaren Sturme am 7. dS. Mts. überrascht worden und haben 72 Stundm lang, gegen Wind und Wogm kämpfend, dem Tode gettotzt. Nur durch Wunder von Muth, Kraft und Selbstverleugnung gelang es ihnm, mit ihrm schwachen Fahrzeugm, welche Segel und Taue verlorm hattm, die See zu halten. Zuletzt war ihnen der Proviant ausge- gangen, mehr als 72 Stunden entbehrten sie aller Nahrung, und sie wären vielleicht dem Hunger erlegm, wenn ihre Alarm- stgnale nicht von dm Einwohnern von Helvoetfluis an der holländischm Küste bemerkt worden wären, die ihnm zu Hilfe eilten und ihre Schaluppen durch den Kanal von Temmzm in den Gmter Hafen brachten. Als diese Leute, die bei dem Rheder de Graeve in Dienst stehen, ihre Rechnung beglichen, wurde ihnen für ihre achtzehntägige Arbeit die Summe von 6 Franks 35 Zentimes pro Mann ausgezahlt, das ist 35 Zenti- mes per Tag und 5 pCt. von dem Werth ihres Fanges, der auf dem Genter Markt 459,87 Franks eingebracht hatte. Eini- gen von diesen Leuten, die, zu Tode erschöpft, den Rheder ge- beten hattm, mit der Eisenbahn von Gent nach Ostmde zurück- kehren zu dürfm, wurde von Jenem bedeutet, daß sie sofort verhaftet würden, wenn sie ihr Schiff verließen. Die Fischer find nämlich bei ihrem Engagement verpflichtet, einm Vertrag von 6 Monaten Dauer zu unterzeichnen, während welcher keine Unterbrechung des Dienstes gestattet ist, indeß der Rheder sie jederzeit entlassen kann. Ja sie sind sogar gehalten, den Verlust von Retzen und Fischgcräthen, die durch Orkanes Gewalt weggerissen werdm, zum Tbeile zu ersetzen. Tie Aufdeckung dieser schreiendm Ungerechtigkeiten und Mißbräuche hat hier allenthalben Aufsehen erregt. Brüssel, 26. Dezember. Ueber einen eigenthümlichen Ver- such einer Zolldefraudation wird der„Voss. Ztg." folgendes geschrieben:„Ein Bürger der Stadt Courttai, einer belgischen Fabrikstadt der belgisch- französischen Grenze, hatte einen Waggon zur Beförderung einer Leiche nach der benachbarten französtfchm Fabrikstadt Tourcoing von der belgischen Bahn- Verwaltung sich geben lassen. Der wohl versiegelte Sarg wurde hineingestellt; er selbst fuhr als Begleiter gestem mit nach Tourcoing. An der Grenze fordetten die Zollbeamten den Todtmschein; da der Belgier keinen vorweism konnte, so forderten die Beamtm die Oeffnung des Sarges. Entriistet wies der Belgier eine so unerhörte Schändung eines Ver- storbenen, diese Verletzung d r Bestattung ab, aber die Zoll- beamten destanden darauf, die Leiche zu sehm. Der Sarg wurde geöffnet, er enthielt 70 Kilo Tabak, die 1200 Franks Zoll kostm. Der Belgier wurde sofort verhaftet, Sarg und Tabak mit Beschlag belegt, die„Seiche" wird ihm theuer zu stehen kommen." Lissabon, 24. Dezember. Ueber den in unserer letzten Nummer bereits kurz gemeldeten Zusammenstoß zweier Dampf- schiffe melden Telegramme des„Reuter'schen Bureaus" folgendes: Der Zusammenstoß zwischen dem britischen Panzerschiffe„Sultan" und dem Dämpfer„Ville de Victoria" scheint nach den darüber vorliegenden Berichten heute Morgen um 5 Uhr stattgefunden zu haben. Der Dampfer hatte zur Zeit 60 Personen an Bord und sollte heute nach Brasilien abgehen. Es heißt, daß der „Sultan" in zu großer Nähe der„Ville de Victoria" vor Anker gegangen war und daß, als ersterer mit der Fluth herum- schwenkte, sein Schnabel in die Seite des Dampfers eindrang. Der„Sultan" wurde durch den Zusammenstoß ebenfalls de- schädrgt. Der Kapitän des Kriegsschiffes räumt ein, daß der Zusammenstoß dem Umstände zuzuschreiben sei, daß sein Schiff sich von fernem Ankerplatze losgerissen hatte. Die„Ville de Victoria" sank zehn Minuten nach dem Zusammenstoß und der „Sultan" wurde von der Strömung abwärts getrieben, wobei er den Dampfer„Richmonv" anstieß, der etwas beschädigt wurde. Der Kapitän der„Ville de Victoria" ging mit seinem Schiffe unter, es wurden indeß acht andere Personen durch Boote des englischen Dampfers„Toronto" gerettet. Die Mannschaft der„Ville de Victoria" zählte 43 Personen, von denen 23 gerettet wurden, und von den an Bord befindlichen 20 Paffagieren wurden 10 ebenfalls gerettet. Fast alle die Geretteten erreichten das Ge- stade durch Schwimmen. Der größere Theil der Ladung der „Ville de Victoria" ist zu Grunde gegangen. Drei zum englischen Kanalgeschwader gehörige Boote wurden unverzüglich abgesandt, aber sie vermochten nur wenige der Ueberlebendcn zu retten. Leichen und Trümmer des gesunkenen Dampfers werden an die Tajoufcr geschwemmt. Die„Ville de Victoria" war ein Schraubendampfer von 1615 Tonnen Tragkraft und wurde 1882 in Sunderland gebaut. Sie war von Havre nach Santos unterwegs.— Noch ein anderer Unfall geschah an demselben Tage. Das Panzerschiff„Minotaur", Flaggschiff des Kanalgcschwaders, schleppte seine Anker und stieß gegen den Stern des Thurmschiffes„Monarch", wodurch dieses Schiff arg beschädigt wurde; doch fand kein Lebensverlust statt. London, 24. Dezember. In dem großen Lewis'schen Bazar in Liverpool, wo man alles Mögliche kaufen konnte, brach vergangene Nackt ein Feuer aus, welches in wenigen Stunden den ganzen Häuserblock in Asche legte. Von einer Menagerie, die als Anziehungskraft für die Weihnachtszeit in dem Etablissement aufgestellt war, ist kein einziges Thier am Leben geblieben. Der durch den Brand verursachte Schaden wird auf 200 000—400000 Lstrl. geschätzt.— Ein anderes Feuer zerstörte zum großen Theil die Spinnerei von W. Almond u. Ko. in Blackburn, wodurch ein Schaden von zirka 10000 Lstrl. entstand und etwa 600 Arbeiter beschäftigungslos geworden find. Endlich wurden die Sägemühlen der Herren Jllingwortb u. Ingram in Leeds gleichfalls in der vergangenen Nacht aänzlich eingeäschett. Der Verlust wird auf 15 000 Lstrl. veranschlagt._ Uermischtes. Ueber die Sehyastigkeit und die inneren Wanderungen der Bevölkerung Preußens giebt eine Mittheilung der„Etat. Corr." Aufschlüsse, welche durch die letzte Volkszählung ge- wonnen sind. Es wird nämlich die Zahl der Einwohner Preußens, die in den einzelnen Provinzen geboren sind, der- jenigen gegenüber gestellt, welche die in der Geburtsprovinz am Zählungstage Anwesenden bezeichnet. Hierbei hat sich ergeben, daß von den in der betreffenden Provinz Gebürtigen in dieser nock anwesend waren in Schleswig-Holstein 98,0 pCt., in Hohenzollern 97,8, in Rheinland 96,7, in Hannover 95,6, in in Schlesien 93,4, in Hessen-Nassau 92,4, in Westfalen 92,1, in Ostpreußen 91,2, in Sachsen 91,0, in Westpreußen 88,0, in Posen 87,8, in Pommern 87,4, in Berlin 85,1 und in Brandenburg 83,2 pCt. Ein erheblicher Tbeil der Brandenburger, welche weggezogen find, ist jedoch, wie ausdrücklich hervor- gehoben werden muß, in Berlin gezählt. Die ermittelten Zahlen können auf Zuverlässigkeit um so mehr Anspruch machen, als ihre Erhebung im Winter nicht lange vor Weihnachten er- folgte, als in einer Zeit, in der vorübergehende Veränderungen in der Wohnung, dem Arbeits- oder Dienstverhältniß seltener als in anderen Jahreszeiten stattfinden. der Lebensatt entsprechend zu bezeichnen. So z. B. erbleicht der Färber, dem Jäger entflieht die Seele, der Schlosser schließt die Augen, der Pfarrer segnet das Zeitliche, der Botaniker beißt ins Gras, dem Uhrmacher läuft die Lebenszeit ad, dem Thürmer schlägt die letzte Stunde, der Musikant pfeift auf dem letzten Loche, in die Grube fährt der Bergmann, der Buchhalter schließt das Leben ab, der Bankier wechselt das Zeitige mit dem Ewigen, dem Kaufmann fintt die Lebenswaage, dem Glaser bricht das Auge, der Bttefttäger be- endet die Laufbahn, dem Trompeter geht der Athem aus, der Witthshaushocker geht endlich heim, der Schieferdecker ist ab- gerutscht, zu Asche wird der Kohlendrenner, der Lebensfaden reißt dem Schneider, dm Geist giebt auf der Branntwein- brmner, zur Neige geht das Lebm dem Witthe, die irdische hülle stterft ah der Schinder oder Abdecker, das Todesloos bekommt der Lottetteeinnehmer, der Kutscher ist abgefahrm, dem Lampmputzer erlischt das Leben, die Waschfrau bat aus- gerungen, den Lauf vollendet der Büchsenmacher, der Chemiker ist aus dem Leben geschieden, der Sttaßenkehrer ist abgekratzt, der Nachtwächter hat sich zur Ruhe gelegt und der Zeitungs- schreider endlich hat seinm Geist ausgehaucht. Eine der seltsamsten Familien der Säugethiere warm die Dinoceratm(Schreckhömer), drrm Kmntniß wir hauptsäch. lich den Untersuchungen des derühmten amettkanischm Paläontologen O. C- Marsh verdanken. Diese Thiere erreichten theilweise die Größe eines Elephanten; auch waren Rumpf und Beine elephantcnattig gestattet. Das Merkwürdigste an ihnen war der Kopf, welcher nicht wmiger als drei Paar Hörner besaß. Eins derselbm, das größte, stand oben auf dem Schädel, das zweite kleinere befand sich über den'Augen, das dtttte und kleinste saß vom auf der Schnauze. Die Hörner waren eigenthümlich geformt, nicht stielrund, sondem breit und zum Theil handförmig. Die Uebereste dieser Thiere wurdm bisher nur an einer einzigen Stelle der Erde gefunden, nämlich in einer der ältesten Abtheilungen de: Tettiärformation, dem so- genannten Eocän, angehörenden ausgefüllten Sccbcckcn im Ge- biete Wyoming. Vor Kurzem hat Professor Matth von dieser interessanten Stelle eine Schilderung geliefert, aus welcher hier nach„Globus" Einige? mitgetheilt sei: Die Dinoceratm scheinen in großer Menge nur an den Ufcm eines Tropensces gelebt zu haben, welcher heute von den oberm Verzweigungen des Green River, eines Zuflusses des Kolorado, entwässert wird. Das Seebecken ist nach und nach durch die von den angrenzenden Gebirgm herabgeschwemmten Ablagerungen ausgefüllt worden; sein Durchmesser beträgt gegen 100 mglische Meilen. Während es zu seiner jetzigen Höhe(6000 bis 8000 Fuß über dem Meere) emporgehoben wurde, haben die hindurchströmenden Flüsse einen guten Theil der älteren Ablage- rungen durch den Kolorado weggefübtt, und so ist ein wild zerrissenes Gebiet entstanden mit wunderbar gestaltetm, aus- gefressenen Klippen, Spitzbergen und Säulen. Hier findm sich ungeheure Mengen von Thierknochen, und die der Dinoceraten fielen durch ihre Größe schon den ersten Besuchern auf. Marsh war der erste Forscher, welcher 1870 dieses gefürcbtete Gebiet betrat; er fand daselbst die Reste der interessantesten fossilen Säugethiettauna, die jemals beobachtet worden ist, darunter die Vorfahren unseres Pferdes, des Tapirs und des Schweines, welche für die Entwickelungslehre von solcher Wichtigkeit ge- worden find; auch Verwandte der(jetzt hauptsächlich aus Madagaskar lebenden) Halbaffenfamilie der Lemuriden, ferner In- sektenfresscr, Raubthiere, kleine Bcutelthiere und die selttame, ausgestorbene Ordnung der Tillodonten, die keinerlei Verwandte mehr in der lebenden Welt hat. Der See scheint außerdem reich an Krokodilen, Schildkröten, Eidechsen und Fischen gewesen zu sein, und es muß ibn eine tropische Flora mrt Palmen und Baumkarren umgeben haben. Familienväter sonderbarer Art giebt es, nach dem „Tiroler Schulfreund", im Bregenzerwalde. Eine Petition um Aufhebung der obligatorischen Sommerschule fängt an:„Wir unterzeichneten Familienväter" und unter den Unterzeichnern befindet sich auch ein katholischer Pfarrer. Das genannte Blatt demcttt ironisch dazu:„Nun, daß der Herr Pfarrer Familien- vater ist, müssen wir glauben, wenn er es mit eigener Hand schwarz auf weiß schreibt, glauben aber auch, daß sich der Herr Dekan im Bezirks- und die hochwürdigen Herren im Landes-Schulrathe über ihren aufrichtigen Amts- bruder geärgett haben werden." Ein anderer Unterzeichner, ein angesehener Mann, hat zwar Weib und Kind, aber seine Kin- der sind seit Jahren der Schule entwachsenen und der gute Mann hätte seinem Namen nur den Charakter„Zukunftspapa" beifügen sollen. Daß unter den unterzeichneten Familienvätern sich auch einige befinden, die dermalen weder Weib noch Kind haben, thut nichts; sie find jung und geschickt, werden schon mal was bekonimen; sie haben als„Familienväter in Hoffnung untettchtteben. U. s. w. Unglaublich, aber wahr! Am 11. d. wurde ein Eisen- dahnzug in der Nähe von Bellevue Station, Texas, von drei tcxanischcn, mit Revolvern und Dolchen bewaffneten Räubern angehalten und zum Stillstand gebracht. Darauf beraubten die drei Kerle in aller Ruhe und Gemüthlichkeit die sämmtlicken im Zuge befindlichen Reisenden, nachdem sie vorher das Zug- personal geknebelt und gebunden hatten. Bis so weit wäre nun Alles recht schön und gut, denn dergleichen Bcraubungen ge- hören in Texas nicht zu den Seltenheiten; das Unglaubliche bei der ganzen Geschickte ist nur, daß sich unter den Reisenden 40, schreibe vierzig, Männer befanden, welche sich den Räubern nicht zu widettetzen wckgtcn. Kriefkasten der Redaktion. Vei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertbeilt. Militär 1887. Wir empfehlen Ihnen, die Reklamation schon jetzt bei Ihrer ersten Gestellung einzureichen und zu be- gründen, wenn dies auch nicht schon jetzt unumgänglich nöthia ist. E. R. Nach dem zur Anwendung gelangenden preußischen Recht verjährt die Forderung gegen den Bürgen in 30 Jahren von der Fälligkeit der Schuld an. C. F. Die Kostenrechnung scheint(in Ordnung zu sein; die doppelten Zustcllungskosten erklären sich dadurch, daß sowohl der Zahlungsbefehl als auch der Vollstteckungsbefehl zugestellt werden mußten. Ob die Potti- und Schreibgedühren ttchtig berechnet find, entzieht sich unserer Kontrole. F. L. in O. Wenden Sie sich an Frau Schulz, Sorauer- sttaße 19. Marlthallen-Bericht von I. Sandmann, städtischem Verkaufs-Vermittler, Berlin, den 28. Dezemher 1886. Geflügel. Während der Festtage stockten die Zufuhren; Preise hock. Gänse, 8— 10 Pfd. schwere, 52— 60 Pf., über 10 bis 15 Pfd. 56—65 Pf., Fettgänse über 15 Pfd. schwer, sehr rar und gut dezahlt, 63 Pf. und mehr per Pfund. Junge Enten 1,50— 2,50, fette Enten 56— 65 Pf. per Pfund, über 10 Pfund schwere fette Puten 70—85 Pf. per Pfd., Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20-1,70 M., Tauben 30 bis 40 Pf., Poularden 4,50—8 M Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Lebende Gänse zum Mästen 2,00—3,00 M., lebende Enten 0,90—1,50 M. Auktion täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags. Wild. Die Zufuhr war sehr knapp. Hasen er- zielten die höchsten Preise. Hasen, ausgeworfen, ohne be- sondere Verpackung, auf Stangen von 10 Stück 4,00—4,25 per Stück, Kaninchen, ausgeweidet 55 bis 60 Pf. per Stück. Beim Versand von Hochwild sollen die 4 Beine zu- sammen geschnürt werden. Rehe ausgeweidet 1»(junge, feiste, gut geschossene) 65—82 Pf., Ii«(sehr starke und sehr fehlerhaft zerschossene) 58— 63 Pf. pr. Pfd. Rothhirsche, I» 40—55, I>» 30—43, Dammwild l 50—70, Ii« 38—50 Pf. per Pfund. Wildschwein 30 bis 50, kleine 50 bis 65 Pf. pr. Pfund. Fasanenhennen 3,00—3,50, Fasanenhähne 3,90—6,00 M-, Krametsvöael 30—26 Pf. per Stück. Die Wildauftionen wer- den täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags abgehallen. Geräuchctte und mattnitte Fische. Engros-Äuttion täglich um 5 Uhr Nachmittags im Bogen 4. Brathettnge per," 1,25—1,50, größere 2,50 M. Russische Sardinen 1,50— 1'Kl Heringsbücklinge 0,80—1,50 per 100 St., Sprotten 46— 80 per fitste. Rauchaal 0,80-1 M. per Pfd. Vorrathe und Zufuhr noch sehr bedeutend...__ Fische. Hechte 30-40 M per Ztr. Karpfen 35-64« 55-75 M.. Bleie 20-21 M. per Ztr. Lebende Karpfen 0,80 bis 1.00 M. Ei« 3,20 M. pr. Schock. Butter. Frische feinste Tafelbutt«-c. 120-125, feine Tafel« butt« I. 110-118, II. 96-106 in- fehlerhafte 80-90, Landbutt« I. 90—96, U. 70—85, Galtzische und andne geringste Sotten 55—72 Ä pr. 50 Ko- Obst und Gemüse,«wten 10-20 M., feinste Sotten 20-40 M., Aepfel 6,00-9,00 M-, Tafelapfel 10-20 M., feinste Sotten 20—36 M-, Wallnüffe 20—30 M., geringe 12— 15M.pt. pflaumen 10— 13 M. Weißfleischige Speisekattoffeln 3,00-3,60 p« 100 Ko. Zwiebeln 4,00—6—8 M-, Blumenkohl 30—40 M. pr. 100 St., Kohlrüben 1,50—2,00 M. p« Zentner. Käse. Emmenthal« 70—75, Schweiz« I. 56—63, N. 50—55, Iii. 42—48, Öuadrat-Backstein I. fett 20—25, N. 12—18 M, Limburg« l. 28—32, II. 18—22, Rheinisch« Holländer Käse 45—58 M., echt« Holländ« 60—65 M., Edamer I. 60—70, i(. 56-58 M. verantwortlich für dm polittschm Theil und Soziales Max Schidpel, für V«eine und Versammlungen F. Tutzauer, für dm Druck und V«lag von Max Badtug in B«lin SW., Beuthstraße übrigen Theil d« Zettung#. Cronhetm. sämmtlich in B«Iin. 2