»r. 306. Freitag, hm 31» Dezember 1880. a» Lichrs» IdiiurDollistilalf Braa» für die Interessen der Arbeiter. 4 Abanncmtllts-Eiilladting. Zum bevorstehenden Quartalswcchsel erlauben wir unS, WM Abonnement auf das „Kerlwer Kolkslrlatt" nebst der wöckentlick ersckeinenden Kratisbeilage „JUnstrirtes Sonutagsblatt� einzuladen. Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf dem Boden des unbeugsamen Rechtes. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und Streiter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klassengegen- säHe ist das„Kerliner Uoikobtatt� ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung einzelner, heute schon bevorzugter Gesellschaftsklassen findet. Das. Berliner Polksdlatt' sucht seine Aufgabe durch sachliche Behandlung der politischen als auch der Tagesfragcn zu erfüllen. Tie gleichm Grundsätze leiten uns bei Besprechung unserer städtischen Angelegenheiten. In unserm täglichen Feuilleton haben wir mit der Ver- Lffentlichung des berühmten sozialpolitischen Romanü „SybU'" der für unsere Leser von Natalie Kestknecht übersetzt worden ist, bereits begonnen. Neu hinzutretenden Abonnenten wird der Anfang dieses überaus spannenden und lehrreichen Romans gratis nach- geliefert. Der Abouuemeutspoel« beträgt für das ganze Viertel- fahr 4 M.. monatlich 1,85 M.. wöchentlich 85 Vf. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstrassr 44» «ttgegengenommen. Für außerhalb nehmen sämmtliche postanstalte» Be- stellungcn an. Die Redaktion und Grpeditio» des..Berliner Nolkoblatt". von Disraeli, Eine wichtige Entscheidung hat das Reichsgericht in Bezug auf das Sozialistengesetz gefällt. Das Landgericht zu Frankfurt a. M. hatte den Schneider Franz Troppmann freigesprochen, der wegen Ver- dreiiung verbotener Druckschriften unter Anklage gestellt war, weil er einer Anzahl von Personen aus einer ver- dotenen Druckschrift vorgelesen hatte. (|b*taUI»crtoltB.) Jeuilreton. Slchil. [5 Sozialpolitischer Roman von Disraeli. Uebersctzt von Natalie Liebknecht. „Nun," sagte Egremont,„welche Meinungsverschieden« heit auch in diesem Puakte bestehen mag, über einen Punkt kann kein Streit sein: die Mönche waren große Bau- meister." „Ah! das ist es," sagte der Fremde in einem Tone W Bedauerns,„wenn die Welt nur wüßte, was sie ver- loren hat! Ich bin sicher, daß man im Allgemeinen nicht die leiseste Vorstellung davon hat, wie England vor und nach der Aushebung der Klöster aussah. In England und Wales allein waren weit über dreitausend dieser Stiftungen und Anstalten,— ich meine Klöster, Kirchen, Kapellen und große Hospitaler' alles schöne Gebäude und viele von aus- gesuchter Schönheit. Es waren durchschnittlich in jeder Grafschaft wenigstens zwanzig solcher Bauwerke, wie diese« hier, und in unserer umfangreichen Grafschaft die doppelte Lahl. Denken Sie sich die Wirkung von dreißig und vierzig solcher Anstalten, deren Eigenthümer niemals abwesend wären. Man beklagt sich jetzt häufig über die Abwesenheit der Landlords(man hat dafür besondere Worte gemacht: Absentee und Absenteeismus) die im Auslande ihre Einkünfte verzehren. Die Mönche gingen niemals fort. Sie ver- theilten ihre Einkünfte unter diejenigen, deren Arbeit siege- schaffen hatte. Sie bauten und pflanzten für die Nachwelt; äjre Kirchen waren Kathedralen, ihre Schulen waren Akademien, ihre Büchersammlungen Archive des Königreichs. Zhrc Wälder und Gewäsier, ihre Güter und Gärten waren angelegt und verwaltet in einem Maßstab und mit einem Verständniß, wie man es jetzt nicht mehr kennt. Sie machten das Land schön und da« Volk stolz auf sein Land." „Wenn die Mönche solche öffentliche Wohlthäter waren, warum erhob sich dos Volk nicht zu ihren Gunsten!" einen Punkt aufmerksam werden darf. Das botenen Schrift kann nicht Die Revision des Staatsanwalts wurde vom Reichsge- gericht unter folgender Begründung verworfen: „Der§ 19 straft blos die Verbreitung verbotener Druckschriften, nicht auch des Z n h a l t e s, hat also nur das gedruckte, nicht das gesprochene Wort zum Gegenstande. Es erscheint unstatthaft, über den Wortlaut hinaus, der dem Willen des Gesetzgebers hier entspricht, den Begriff„Verbreitung" auch auf den Fall auszudehnen, wo der Inhalt nur durch Vorlesen mitgetheilt ist." Offen gestanden, hatten wir diesen Ausgang nicht er- wartet. Ganz abgesehen davon, daß in politischen Fragen das Reichsgericht bis jetzt immer die Anschauungen der machthabenden Elemente getheilt hat, liegen eine große An- zahl Richtersprüche vor, welche entgegengesetzt dem Spruche des Frankfurter Landgerichts in denselben und ähnlichen Fällen verurtheilt haben. Da die Verurtheilten sich bei dem Spruche wahrscheinlich beruhigt haben, so war das Reichs- gericht bis jetzt nicht in der Lage, das Endurtheil ab- geben zu können. Und weil dies bis jetzt nicht ge- schehen ist, so herrschte allgemein der Glaube, daß das Vorlesen aus einer verbotenen Schrift in Gegen- wart von mehreren Personeu eiue Verbeitung involvire und deshalb strafbar sei. Das Reichsgericht hat uns eines Bessern belehrt. Es ist also erlaubt, aus jeder verbotenen Schrift anderen Per- sonen vorzulesen. Das Sozialistengesetz kann deshalb nicht in Anwendung kommen, da es ja gleichfalls erlaubt ist, eine verbotene Schrift für sich zu beziehen. Dabei wollen wir aber unsere Leser doch auf machen, der nicht übersehen Vorlesen aus einer ver- als Verbreitung dieser Schrift angesehen werten, aber— im Falle die vorgelesenen Sätze aus dem Schriftstück, mag es verboten sein oder nicht, gegen das Strafgesetzbuch verstoßen, so kann der Vorleser auf Grund der betreffenden Strafparagraphen bestraft werden und die Strafverschürfungen wegen öffentlichen Vergehens, wo dieselben angedroht sind, werden dann sicherlich auch nicht ausbleiben. Das Vorlesen selbst aus einer verbotenen Schrift an sich ist also nicht strafbar, aber das Vorlesen solcher Stellen aus der verbotenen oder nicht verbotenen Schrift, welche irgend einen Strafparagraphen verletzen, wird auch an dem Vorleser geahndet. Das möge allen denen zur Richtschnur dienen, die gleich uns über die Entscheidung des Reichs- gerichts in dieser Frage erfreut sind. Es handelt sich bei dieser Frage in der That für die Mit- glieder der Arbeiterpartei nicht darum, diese Handhabe, „Es erhob sich, aber zu spät. Es kämpfte ein Jahr- hundert lang, aber es kämpfte gegen den Grundbesitz und das Eigenthum, und es wurde geschlagen. So lange die Mönche da waren, hatte das Volk, wenn es bedrängt war, das Eigenthum und den Grundbesitz auf seiner Seite. Und nun ist alles vorbei," sagte der Fremde,„und Reisende kommen und blicken auf diese Ruinen und halten es für Weisheit, über jene Zeit abzuurtheilen. Diese Ruinen sind die Kinder der Gewaltthat, nicht der Zeit. Der Krieg hat diese Ruinen geschaffen, ein Bürgerkrieg, von allen Bürger- kriegen die wir je gehabt, der unmenschlichste, weil er gegen Widerstandslose geführt wurde. Die Klöster wurden mit Sturm genommen. Sie wurden eingezogen, geplündert und mit Waffengewalt zerstört und mit Schießpulver gesprengt. Sie können die Spuren davon noch am neuen Thurm hier sehen. Niemals hat man ähnliches erlebt. Ein Jahr- hundert lang machte das Land den Eindruck, als wäre es erst kürzlich von einem unbarmherzigen Feind verwüstet worden— es war schlimmer, als bei der normännischen Eroberung. England hat den Charakter der Verwüstung noch heute nicht verloren. Ich weih nicht, ob die Union- Workhäuser') ihn hinwegnehmen werden. Sie bauen wenigstens endlich etwa« für daS Volk. Nachdem man eS drei Jahrhunderte mit der Unterdrückung oder Nichtbeachtung versucht hat, und nun sieht, daß die Gefängnisse voll sind, und die Tretmühlen etwas von ihrem Ansehen verlo»»n haben, hat man uns einen Ersatz für die Klöster ge- geben." „Sie beklagen den alten Glauben," sagte Egremont in achtungsvollem Tone. „Ich betrachte diese Frage nicht allein als eine GlaubenSftaae," erwiderte der Fremde.„Es ist nicht eine Frage der Religion, sondern eine Frage des Rechts- eine Frage des privaten Rechts und des öffentlichen Wohls. Man hätte, wenn man es für geeignet fand, die Religion der Aebte ändern können, wie man die der Bischöfe ge» ändert hat, aber man hatte kein Recht, Menschen ihres Eigenthums zu berauben, und noch gar welche ihnen das Reichsgericht gegeben hat, zu benutzen, sondern auch so zu benutzen, daß sie nicht von der aus- nahmegesetzlichen Scylla in den Rachen der gemeingesetz- lichen EharybdiS fallen. Wir haben ja besonders in den letzten Jahren gesehen, daß das Ausnahmegesetz ohne den§ 28 desselben eine äußerst stumpfe Waffe in den Händen der Regierungen ist gegen die einzelnen Personen. Der Richter kommt fast niemals in die Läge, eine harte Strafe gegen Personen, welche gegen das So- zialistengesetz verstoßen haben, zu verhängen. Dies geschieht nur, indem das Sozialistengesetz von den Anklägern umgangen und auf das gemeine Recht, das Strafgesetzbuch, zurück- gegriffen wird. Dort sind scharfe Strafparagraphen vorhanden in Hülle und Fülle, denen ja auch die zu Freiberg Verurtheilten zum Opfer gefallen sind. Daran müssen vorzugsweise alle diejenigen denken, welche durch die oben angeführte Reichsgerichts-Entscheidung den Boden erweitert sahen für eine gesetzliche Agitation zu Gunsten ihrer Partei. Der Fallen und Schlingen sind so zahlreiche, daß es großer Besonnenheit bedarf, dieselben zu vermeiden. Die Parole möge deshalb auch hier lauten: Klugheit gegen Klugheit! *) Armenhäuser für mehrere Genieinden. Aie Jlcicfecitiliommen�euer. n. § Alle bisher berührten Einwände der Konservativen gegen die Reichseinkommenstcuer entsprangen lediglich der Iln« kenntniß oder dem Gefühl der Verlegenheit, daß man eigentlich nichts Triftiges vorzubringen hatte. Nur in einem Punkte hat die Polemik der Konservativen bisher Recht gehabt: in der Betonung der technischen Schwierigketten, welche mit der Einführung einer Reichs» einkommensteuer allerdings verbunden find und welche auch heute noch von der fretstnnig-ultramontanen Presse vielfach unterschäyt werden. Wenn in allen deutschen Einzelstaaten ein gleichförmiges System der direkten Besteuerung zum Durchbruch gekommen wäre, so würde es eine einfache Registrirarbcit sein, überall die Einkommen über 6000 oder 12 000 Mcuk herauszugreifen und mit einem gleichen oder pro- gresfiven Steuerzuschlag zu belegen. Irren wir nicht, so find aber z. B- die biederen Mecklenburger und ebenso die Elsaß-Lothringer überhaupt von einer Einkommensteuer ver- schont geblieben. Die bayerische Einkommensteuer ist etwas ganz andere?, als die preußische, sie ist keine allgemeine direkte Auflage, sondern trifft als Ergänzungssteucr nur daS Einkommen aus Löhnen, Besoldungen, Honoraren, Pensionen u. s. f., während die anderen Steuern(die Grund-, Gewerbe-, Kapitalrentensteuer) weit davon entfernt find, das festzustellen eine8 Eigenthums, welches unter Verwaltung de» Aebte so wesentlich zum Wohlergehen des Gemeinwesens und der Gemeinschaft beitrug." „Was die Gemeinschaft angeht," sagte eine Stimme, die weder von Egremont noch von dem Fremden ausging, „so verschwand mit den Klöstern die einzige Form von Ge- meinschaft und Gemeinwesen, die wir zemals in England hatten. Es giebt kein Gemeinwesen in England mehr, son-- dern nur heerdenarttge Anhäufungen von Menschen, und zwar unter Umständen, die eher zur Trennung und Feind- schaft, als zur Einigung und Harmonie führen." Es war eine ruhige Stimme, die diese Worte aussprach, aber eine jener eigenthümlichen Stimmen, die sofort die Auf« merksamkeit fesseln, angenehm und doch feierlich, ernst und leidenschaftslos. Mit Schritten, ebenso ruhig wie der Ton seiner Stimme, hatte der Mann, welcher am Grabe gekniet, sich ganz unbemerkt zu seinem Gefährten und Egremont gesellt. Er war kaum von mittlerer Größe, seine Gestalt schlank und voll Ebenmaß; sein bleiches Gesicht, leicht mit Pockennarben gezeichnet, war durch eine hohe, geistvolle Slirne, große, dunkle Augen, die von tiefem Gefühl und rascher Auffassungsgabe zeugten, vor auffallender Häßlichkeit bewahrt. Obgleich noch jung, war er schon etwas kahl; er war ganz schwarz gekleidet, die Reinheit seiner Wäsche, die Gepflegtheit seines Bartes, seine viel getragenen, aber sorg» sam geflickten Handschuhe— das Alles verrieth, daß die Aermlichkeit seiner sehr stark abgetragenen Kleider mehr die Folge der Roth als von Nachlässigkeit war. „Auch Sie beklagen die Auflösung dieser Körperschaften T" sagte Egremont. „Es giebt auf der Welt, in der wir leben, so viel zu beklagen," sagte der jüngere der Fremden,„daß ich keinen Schmerz für die Vergangenheit übrig behalte." „Doch billigen Sie das Prinzip dieser früheren Gesell» schaften; Sie ziehen es, wie Sie sagten, unserer jetzigen Ordnung der Dinge vor?" „Ja, ich ziehe die Assoziation, die Gemeinschaft der heerdenartigen Anhäuftcng und der Zersplitterung vor." „Das ist eine Unterscheidung," sagte Egremont nach- denklich. und zu treffen, was wir daZ„Einkommen" einer Person nennen. Sachsen und Hamburg haben ein viel schärferes Ein- schätzungsverfahren als Preußen, so daß— wenn man einfach aus den bisherigen SieucrUsten der Einzelstaaten die Reichssteuerzahler herauslesen wollte— dieselbe Person, die in Preußen dem Fiskus entwischt, in Sachsen oder Hamburg ohne Widerrede in den Reichssäckel zahlen müßte. Wenn es also cuck heute wieder die„Freist Ztg." bestreitet: die Reichs- ein kommensteuer würde in gewissem Sinne„unitarisch" sein müssen, sie würde durch daS ganze Reich eine einheitliche Auf- 7- hme und Einschätzung der größeren Einkommen voraussetzen, die heute nicht entfernt vorhanden ist. Die Zentnimspresse und auch ein Theil der demokratischen Rlätter hat allerdings angedeutet, daß es auch anginge, jedem Einzelstaat eine gewisse Summe des Rcichsbedarfes zu über- weisen; man könne es dem Einzelstaat alsdann überlassen, seine Quote nach seinem besonderen Steuersystem aufzubringen — immer natürlich unter der Voraussetzung, daß er die Leute mit weniger als 6000 oder 12 000 M. unbesteuert lasse. Von einer Reichseinkommensteuer kann man jedoch unter solchen Um- ständen kaum noch sprechen. Und was bestimmt dann den Antheil, den Preußen oder Bayem an den zirka 25 Millionen aufzubringen haben? Die Kopfzahl der Bevölkerung? Dann hat man die Matrikularumlagen wieder, nur mit dem Zusatz, daß sie in bestimmter Form von den Einzelstaatcn ausgebracht werden müssen! Oder die relative Steuerfähigkeit, die Summe der großen Einkommen in Preußen und Bayern im Verhältniß zu der Summe im ganzen Reiche? Dazu gehört aber, was man verwirft: eine einheitliche Einschätzung und Aufnahme durch das ganze Reick, d. h. eine gewisse Uniflzirung der partikular- staatlichen Steuersysteme! Anders geht es nicht. Und das ist auch gar nicht so bedenklich und kann am allerwenigsten von Leuten bedenklich gefunden werden, welche vor allem, was die Regierung gethan hat und thun wird, in tiefster Bewunderung ersterben. Einmal handelt es sich nur um„die oberen Zehntausend", welche einer einheitlicheren Ein- schätzung zu unterwerfen find, und dadurch wird die Selbst« ständigkeit der Bundesstaaten, die ohnehin mehr auf dem Papier als in der Wirklichkeit besteht, wahrlich keinen großen Schaden leiden. Eine Regierung, welche die Expropriation ganzer Industriezweige empfohlen hat, kann fickerrlick vor diesem unbedeutenden Schritte auch nicht zurückschrecken! Ferner find aber die Reichsregierungen selber hier mit gutem Beispiel vor- angegangen, in dem Wehr st euer gesetzentwurf, welchen fie seiner Zeit dem Reichstag vorlegten. Derselbe schlug die jährlich zu entrichtende Wehrstcuer in zwei Bestandtheilen vor: in einer festen Grundtaxe von 4 M. für die Befreiten von nicht mehr als 1000 M. Jahreseinkommen und in einer Ein- kommensteuer— einer Reichseinkommensteucr!— welche in zehn Klassensätzen von 10—148 M. die Pflichtigen von 1000 bis 6000 M. Jahreseinkommen und jene von mehr als 6000 Mark Einkommen(welch ominöse Zahl diese 6000, über welche die„Leipzigerin" fich so entrüstet!) mit 180 M. plus 30 M. für jedes weitere Tausend erfassen sollte. Also vonRegierungswegen eine Reichseinkommen- stmer, die jetzt unzuläsfig sein soll; von Reqierungswcgen eine einheitliche Einschätzung der Steuerpflichtigen, die jetzt als Ruin des freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Reich und Gliederstaaten bezeichnet wird— und das alles noch dazu in Verbindung mit der verschiedenen Belastung durch die Militär- vflicht— ganz wie in dem Plane der bürgerlichen Oppofltion. Nur wollte die Reichsregierung damals durch ihre Art der Reichseinkommcnsteuer den Einzelnen treffen, welcher vom persönlichen Militärdienst befreit bleibt. Der frei- finnige Vorschlag will, ebenfalls durch eine Reichs- einkommensteuer, die K l a s s e inr allgemeinen herangezogen wissen, welche von der Vermehrung der Friedenspräsenzstärke unberührt bleibt, weil ihre Söhne einjährig dienen und nicht in größerer Zahl eingestellt werden. Das ist der ganze Unterschied und wenn der Chor der regierungsfreundlichen Presse auf der ganzen Linie jetzt Räuber und Mörder schreit, so kommt dies lediglich daher, daß die Regierung in dem freisinnigen Vorschlag eine Erschwerung ihrer nach ganz anderer Richtung gehenden steuerpolitischcn Pläne sieht. Patttische Ueberstckt. Baldige Entscheidungen. Ueber diesen Ausspruch des Grafen Moltke inr Reichstage bei der ersten Berathung der Militäroorlage haben wir seinerzeit einen Leitartikel gebracht, in welchem wir nachwiesen, daß Graf Moltke den obigen Ausdruck in d c m Zusammenhange gebraucht habe, daß das fortwährende Kriegsrüsten auch baldig zum Kriege führen müsse. Von den Anhängern der Militärvorlage wurde dies bestritten; auch der Kriegsminister suchte der Rede des Grafen Moltke eine andere, friedlichere Deutung zu geben. Nun bringt die„Allg. Ztg." in München einen längeren Artikel über die Moltke'sche Rede, die keinen geringeren als dcn Sozialökonomcn Lorenz v. Stein zum Verfasser hat und der alles bestätigt, was wir seinerzeit de- haurtet haben. Wir bringen aus dem betreffenden Artikel, der „Es ist eine Gemeinschaft des Zweckes, was die mensch- liche Gesellschaft bildet, ohne diese Gemeinschaft können die Menschen wohl zusammen geworfen werden, aber sie fahren thatsächlich fort, vereinzelt zu sein." „Und ist das der Fall in den Städten?" „Es ist der Fall überall, in den Städten ist es aber noch schlimmer. Die Dichtigkeit der Be- völkerung erheischt einen härteren Kampf um's Dasein, und dieser bewirkt eine heftigere Abstoßung der zu nahe an einander gedrängten Elemente. In großen Städten werden die Menschen durch das Streben nach Gewinn zusammen- geführt. Sie sind, was den Erwerb von Vermögen anbe- langt, nicht in einem Zustand gesellschaftlichen Zusammen- arbeitens der Korperation, sondern der Vereinzelung. Sonst kümmert sich Keiner um den Andern. Das Christenthum lehrt uns, unfern Nächsten zu lieben wie uns selbst, die moderne Gesellschaft kennt keinen Nächsten." „Ja, wir leben in einer sonderbaren Zeit," sagte Egre- mont, durch die Bemerkungen seines Gefährten betrossen, und mit diesem Gemeinplatz sein Gemüth erleichternd, weil er noch kein bestimmtes Urtheil, keinen klaren Gedanken zu denken vermochte." „Wenn das Kind zu laufen beginnt, glaubt es auch in einer sonderbaren Zeit zu leben," sagte sein Gefährte. „Und daraus folgern Sie?" fragte Egremont. „Daß die Gesellschaft noch in ihrer Kindheit ist; sie fängt eben an, ihren Weg zu fühlen." „Wir haben eine neue Regierung, vielleicht beginnt mit ihr auch eine neue Aera." „Ich glaube es," sagte der junge Fremde. „Ich hoffe es," sagte der Aeltere. „Ja, die Gesellschaft mag in ihrer Kindheit sein," sagte Egremont mit einem Anflug von Lächeln, aber Sie mögen sagen, was Sie wollen, unsere Königin regiert über die größte Nation, die eZ jemals gegeben hat." „W e l ch e Nation?" fragte der jüngere der Fremden, „denn sie regiert über zwei Nationen." Der Fremde hielt ein, Egremont schwieg und sah ihn fragend an. „Ja," fuhr der Jüngere nach eines Augenblick» Pause im ganzen fich für die Militärvorlage ttotzdem und alledem ausspricht, folgenden bezeichnenden Absatz:„Was Moltte im allgemeinen gedacht haben mag, das wissen wir natürlich nicht. Aber eines hat er gesagt, und dies konnte man aus dem Munde eines Mannes anerkennen, der eben so viel über die Ursachen des Krieges, als über die Führung desselben nachzudenken gewohnt ist. Wir formuliren es, weil es bc- stimnit scheint, die Bewegungen der Gemüther im verfließenden Jahre mit denen des kommenden zu verbinden. Dasselbe liegt in dem scheinbaren und doch so ernsthaften Paradoxon, daß der Friede als solcher das Motiv zu einem Kriege werden kann. Die Sache selbst ist einfach; wir kennen fie alle. Aber wir wollen fie so ausdrücken, wie fie ohne alle Redewendung jedem begreiflich ist: Der Friede wird zum unabweisbarm Motiv des Krieges, wenn seine Auf- rechthaltung theurer kommt, als seine Störung. Die Zeit seit dem letzten europäischen Kriege, die Zeit eines löjährigen Friedens, hat es nun dahin gebracht, daß wirklich der Preis, den dieser Friede kostet, durch das, was der Friede wetth ist, nicht mehr gezahlt werdcn kann. Der Beweis dafür liegt darin, daß die Besteuerung der Völker für die Friedensannee nicht mehr ausreicht; die Dokumente, auf die fich dieser Beweis stützt, find die Millionen des Defizits der Finanzen, erscheinend in den Staats« schulden; und der Weg, den diese Dinge gehen, zeigt unS in seiner letzten Grundlage, auf Eteueni und Beilast reduzirt, die gar ernste Thatsache, an deren Gewicht wir uns gewöhnen müssen, so lange wir es eben tragen können: daß nicht mehr die Bedürfnisse der Verwaltung, sondern das Defizit des einen Staates das des anderen erzeugt, weil es aus der Aufrecht- Haltung des Friedens durch die gleichmäßige Steigerung der Wehrkraft der Staaten entsteht. Der Friede in seiner heutigen Gestalt ist es, der gegen den Wohl- stand der Völker Krieg führt. Noch ist in diesem Kriege der Wohlstand der Sieger; aber der Gedanke Moltke's, über die augenblickliche Frage der Kriegsrüstung hinausgehend, verband die Auffassung des Staatsmannes mit der des Feld- Herrn, und der Rus seines Ilrihorns ward: der Friede unserer Zeit macht den Krieg durch fich selber unvermeidlich; sehen wir zu, idaß wir zu diesem Kriege, der eben deshalb eine weit ernstere Bedeutung haben wird als jeder andere, die Waffen- kraft unseres Staates rüsten. Denn es ist ganz richtig, daß der Friede nahe daran ist, theurer zu werdcn als der Krieg; aber das Theucrste bleibt dennock eines, und das ist das Unterliegen gerade in einem solchen durch den Frieden ge- schaffenen Kriege!"— Tie letzte Redewendung deö bedeuten- den Sozial-Ockonomen ist allerdings recht verfehlt; doch wir wollen uns an dieselbe nicht weiter stoßen, da das vorher Ge- sagte viel überzeugender die Nothwendigkeit der Befreiung der Nationen von der Kriegsrüstung nachweist, als der letzte Satz die Nothwendigkeit der Weiterrüstung.— Im Uebrigen aber wird der absurde lateinische Spruch:„ei ri» pacem, para bellum" immer mehr ad absurdum und in das gerade Gegen- theil geführt. Keine Erhöhung der französischen Fricdenspräsenz- stärke ist, wie sich jetzt unzweifelhaft herausgestellt hat, durch den Boulangerschen Gesetzentwurf beabsichtigt. Sämmtliche Mitglieder der Militärkommisfion befanden sich im Jrrthum, als sie das Gegcntheil annahmen. Verursacht worden ist der Jrrthum durch die Behauptung in den Motiven der Militär- vorläge, daß der Boulangersche Gesetzentwurf„einen ferneren Zuwachs von ungefähr 40000 Mann" für die französische Fricdenspräsenzstärke bezweckt. Bestärkt werden mußte der Reichstag in diesem durch die Motive zur Militärvorlage her- vorgerufenen Jrrthum durch die Aeußcrung des Kriegsministers in der Sitzung vom 4. Dezember, daß die Boulangersche Ge- setzesvorlaae„thatsächlich eine Erhöhung um 40 000 Mann bewirke." Tie„Freis. Ztg." schreibt jetzt:„Hätte die Militär- vorläge und später der Kriegsminister hinzugefügt, daß der Boulangersche Gesetzentwurf eine solche Erhöhung, wie sich jetzt herausgestellt, nur für das Sommerhalbjahr beab« sichtigt, während im.Winterhalbjahr die Pnjtfenz um dieselbe Ziffer hinter der gegenwärtigen Präsenz zurückbleibt, so würde der falsche Eindruck auf den Reichstag vermieden worden sein. Freilich würde der Boulangersche Gesetzentwurf als Motiv zur Erhöhung der deutschen Fliedenspräsenzstärke kaum noch tauglich gewesen sein, wenn von vornherein klar gestellt war, daß der« selbe nur eine verschiedene Präsenz im Winter und.im Sommer, nicht aber eine Erhöhung der gegenwärtigen Durchschnitts- präscnz bezweckte. Auch in den ausführlichen mctallographirten statistischen Tabellen, welche der Militärkommisfion über die ftan- zöfische Friedenspräsenzstärke vor und nach dem Boulangerschen Entwurf mitgetheilt worden find, ist das Eachverhältniß keines« wegs genügend klar gestellt worden. Nur versteckt findet sich bei der Berechnung der Friedenspräsenzstärke der In- fanterie nach dem Boulangerschen Entwurf am Schluß einer Tabelle die Bemerkung:„Da betteffs der Mannschaften Etats für die einzelnen Regimenter noch nicht veröffentlicht find, so hat nur die Gcsammtsumme der Mannschaften für die ganze Infanterie und zwar für die Sommerperiode angegeben werden können" u. s. w. Niemand konnte aus dieser Bemerkung ent- fort, ,�wei Nationen, zwischen welchen keine Verbindung, keine Sympathie besteht, die mit den gegenseitigen Gewohn- heiten, Gedanken und Gefühlen ebenso unbekannt sind, als wenn sie Bewohner verschiedener Zonen wären oder Be- wohner verschiedener Planeten,— verschieden erzogen, ver- schieden genährt und gelenkt von verfchiebenen Sitten, regiert nach verschiedenen Gesetzen." „Sie sprechen von....?" sagte Egremont zögernd. „Den Reichen und den Arme n." Zn diesem Augenblick übergoß ein Strom rosigen Licht« die grauen Ruinen und zeigte an, daß die Sonne im Sinken war; durch eine Oeffnung des Gewölbes ob ihren Häupten glänzte der Abendstern einsam an dem strahlenden Himmel. Die Stunde, die Umgebuno, die feierliche Stille und die sanfte Schönheit des ganzen Schauspiels drängte die Unter« Haltung zurück, bewirkte Schweigen. Die letzten Worte des Fremden klangen Egremont noch in den Ohren, mancherlei Gedanken tummelten sich in seinem Geist, als von der Kapelle her der Lobgesang der Zungfrau, das„Ave Maria", ertönte. Nur eine einzige Stimme, aber Töne von beinahe übernatürlichem Wohlklang; schwelgend und feierlich, biegsam und durchdringend. Egremont erwachte aus seiner Träumerei. Er wollte sprechen, aber er sah, daß der Aeltere der Fremden sich von seinem Ruheplatz erhoben hatte und mit gesenkten Augen und gekreuzten Armen niedergekniet war. Der Andere ver- harrte stehend in seiner früheren Stellung. Der fromme Gesang hörte auf, der ältere Fremde erhob sich, auf Egremont'» Lippen schwebten schon die Worte, die um eine Erklärung dieses süßen und heiligen Geheim- niffes bitten sollten, da erblickte er in dem offenen, stern- erleuchteten Bogen, auf den sein Blick gerichtet war, eine weibliche Gestatt. Sie trug das Gewand einer Ordens- schwcster, konnte wohl aber noch keine Nonne sein, denn ihr Schleier, wenn es in der That ein Schleier war, war auf ihre Schultern gefallen und enthüllte starke Flechten von langem, blondem Haar. Die Rothe einer tiefen Erregung lag noch auf dem Antlitz, welches, obgleich noch sehr jung, doch einen Ausdruck von beinahe ehrwürdiger Majestät hatte, während die dunklen Augen und langen nehmen, daß der dabei angegebenen Erhöhung der Präsenz der Infanterie um 30073 Mann eine ebensolche Verminderung de» Präsenz für das Winterhalbjahr gegenübersteht. Erst das Ein- tteffen eines Lriginal-Exemplars des Boulangerschen Gesetz- entwurfs in der Reichstagsbibliothek hat es den Mitgliedern des Reichstags ermöglicht, diesen wirklichen Sachverhalt kennen zu lernen. Der Vorfall wirft auch ein grelles Schlaglicht auf die Art, wie überhaupt Zahlenangaben in der Militärvorlage dem Reichstage gemacht worden find. Die mitgetheilten Zahlen waren, auch wo fie an fich richtig waren, doch unvollständig mitgetheilt und einseitig erläutert. In Folge dessen mußten fi« vielfach nothwendig einen Eindruck hervorbringen, der mit dem wirklichen Sachverhalt im Widerspruch steht. Die deutsche Militärverwaltung führt aus dem Boulangerschen Entwurf nur alles dasjenige als Muster an, was Erhöhungen und neue Bc- lastungen darstellt, während fie die Erleichterungen, welche der Boulangersche Entwurf für die Franzosen mit sich bringt, ganz außer Betracht läßt." Das Orfian des Reichskanzlers scheint unzufrieden damit, daß die belgische Regierung den Brüsseler Kongreß der Sozialdemokraten unbehindert hat stattfinden lassen; es schreibt:„Nach den telegraphischen Berichten über die Ver» Handlungen des Brüsseler Sozialdemokraten- Kongresses zu ur- »heilen, muß dessen Respekt vor der staatlichen Autorität schon auf ein Minimum herabgesunken sein, wenn er keinen Anstand nimmt, Beschlüsse zu fassen, welche eingestandenermaßen nichts anderes bezwecken, als die Revolutionirung der Armee und der Bürgerwehr. Gleichwohl hört man nicht, daß seitens der Be- Hörden auch nur das geringste vorgekehrt würde, um dem Ueber« muthe der sozialdemokratischen Agitatoren Maß und Ziel zu setzen; letztere aber sind nicht die Leute, einmal gefaßte Be- schlüffe müßig auf dem Papier stehen zu lassen. Es dürfte daher nicht lange mehr dauern und die Massenüberfluthung der Armee und Bürgerwchr mit umstürzlerischen Elementen wird ihren Anfang nehmen." Sonst stellt es das Kanzlerblatt immer als Grundsatz auf, sich nicht in die inneren Angelegen- heiten anderer Staaten zu mischen. Wenn es sich um die Ar- beiterpattei handelt, so scheint freilich die„Nordd. Allg. Ztg." alle Grundsätze über Bord zu werfen. Zu der Nachricht der„Krenzzta." über den drohenden Belagerungszustand in München schreibt man der„Fränk. Tagesp.": Der Kreuzzeitungs-Korrespondcnt vergißt nur, daß, so lange die bayerische Verfassung nicht geändert wird, auf Grund des ein Rcservatrccht bildenden, durch kein Reichsgesetz alterirt werdenden bayerischen Heimathsgesetzes kein Bayer aus seiner Heimalhsgemeinde und auch aus anderen bayerischen Gemeinden nur auf Grund der Bestimmungen des Hcimaths- gesetzes(wegen Bettelns, Unzucht, Erwerbslosigkeit, Arbeits- scheu:c.) ausgewiesen werden kann, daher im Falle der Ver- hängung genannter Maßregel über München nur Nichtbayern ausgewiesen werden könnten. Ob fich aber diescrhalb der „Kleine" verlohnen würde? Ueber die„Süddeutsche Presse", die in den Besitz von Sozialdemokraten übergegangen sein sollte, erfähtt man jetzt folgendes: Ueber ein in München mit Ausschluß der Ocffent- lichkeit erscheinendes Blatt, die„Süddeutsche Presse", das be« denklich in's Berliner Preßbürcau gravititt, wurde in den letzten Tagen viel geschrieben. Zuerst brachte die„Franks. Ztg." die telegraphische Nachricht, daß ein angeblicher Sozialdemokrat, Schriftsetzer Reeder, das Blatt erworben, dann kam die.Jöl- nische" und log in gewohnter Weise— oder sollte sie diesmal die Wahrheit gesagt haben? DaS„Wcltblatt" vom Rhein meldete nämlich geheimnißvoll, der Londoner Korrespondent der „Südd. Presse" sei ein aus Bayern stammender Anarchist. Nun stellt sich aber heraus, daß die„Südd. Pr." ihrer alten Gefin- nung treu bleibt und„gemäßigt liberal" sein will; Cajus Möller, ihr früherer Chef, jetzt bei der„Elberf. Ztg.", wird nunmehr auch noch der„Südd. Pr." seine Hilfe ange- deihen lassen, und will letzteres Blatt auch der Arbeiterfrage seine Aufmerksamkeit schenken. DerLondoner„Anarchist" ist also Mitarbeiter eines nationalliberalen stark im Reptilienger uch stehenden Blattes, wenn die„Köln. Ztg." nicht gelogen hat. Vielleicht erfahren wir Nock mehr darüber und damit weitere Enthüllungen zur Naturgeschichte der deutschen„Anarchisten". Aus Frankfurt a. M. schreibt man der„Köln. Ztg.": „Die Mehrzahl der Ausgewiesenen, die von ihren Parteigenossen zum Bahnhofe geleitet wurden, hat fich nach Mannheim und Offenbach begeben; doch dürfte fich ihnen auch hier kein dauerndes Heim bieten, da die preußische Regierung die bettessenden Bundesstaaten gebeten haben soll, auch für die genannten Städte das Ausnahmegesetz zu erwirken. Ter Abgeordnete Sabor beabsichtigt, fich nach Berlin zu begeben.(?) Im Ganzen wurden bis jetzt, nach einer Ver- öffentlichung des Polizeipräsidiums, 21 Personen von den Aus- Weisungsbestimmungen betroffen. Doch dürften noch weitere Ausweisungen bevorstehen. In der Witthschaft von Prinz wurden wieder zwei umfangreiche Haussuchungen vorgenommen, ohne daß dieselben jedoch zu einem Ergebnisse gefuhtt hätten." schwarzen Augenwimpern, von der weißen Hautfarbe und dem üppigen, blonden Lockenhaar sich abhebend, eine Schönheit hervorzaubetten, so selten und so eigenartig, daß man Egremont verzeihen müßte, wenn er sie im ersten Augenblick für einen Seraph gehalten hätte oder für eine Heilige, welche die Ucberreste dieses entweihten Tempels besuchte. Fünftes Kapitel. „Ich sehe also," sagte Lord Marney zu seinem Bruder, als sie am Abend jenes Tages in dem Wohnzimmer zu- sammen saßen,„ich sehe also, daß Du thatsächlich noch gar nichts bezahlt hast, und daß meine Mutter Dir tausend Pfund") geben will.— Das wird nicht weit reichen." „Es wird kaum für die Ankündigung der Kandidatur ausreichen", sagte Egremont,„die Wiederherstellung unseres Familieneinfluffes wurde in so großem Maßstabe gefeiert." „Der Familieneinfluß muß unterstützt werden", sagte Lord Marney,„und meine Mutter will tausend Pfund geben; — wie ich sagte, e» wird Dir zwar nicht viel nützen, aber ihr tapferes Eintreten gefällt mir. Wahlkämpfe sind sehr kostspielige Dinge, indcß ich stimme Allem, was Du gethan, ganz bei, besonders da Du gesiegt hast. Es ist von großer Bedeutung, daß Du in Deinem ersten Wahl- kämpf gesiegt hast; es zeugt von großer, geschickter Berech- nung, die ich anerkenne. Alles auf dieser Welt ist Berech- nung; so etwas wie Glück giebt es nicht— glaube mir— und wenn Du so fortfährst und stets mit gleicher Genauig- keit alles berechnest, wirst Du im Leben vorwätts kommen. Nun ist die Frage, was mit Deinen Wohlkosten geschehen soll." „Allerdings." „Du möchtest wissen, was ich für Dich thun will oder vielmehr thun kann. Das ist der Punkt. Ich würde natür- lich von Herzen gern Alles für Dich thun, wenn ich aber meine Mittel berechne, so finde ich, daß sie mit meinen Wünschen nicht gleichen Schritt halten." „Ich bin gewiß, Georg, Du wirst alles thun, was Du kannst, und mehr noch--" ♦) Das Pfund Sterling gleich 20 Mark. Eine sonderbare„kntruftungskomödie" ist in Halle a. S. aufgeführt worden. Dort hatte der Vorstand des konservativen Vereins auf letzten Dienstag eine Versammlung veranstaltet, in welcher nur solche Personen, laut Anzeige, Eintritt hatten, welche schon vorher entrüstet waren. Einige nicht Entrüstete, welche die Annonze wohl nicht aufmerksam gelesen hatten, wur- den deshalb auch und zwar nicht besonders höflich aus der Versammlung hinauskomplimcntirt. Nun konnte die Komödie recht glatt vor sich gehen. Sämmtliche Redner bewegten sich in chauvinistischen und afterpatriotischen Phrasen und der mehrfache, wie auf Kommando, erschallende Applaus zeugte von der Verständnißlosigkeit der Zuhörer, die meist aus den zusammengetrommelten Kriegervereinlern bestanden. Neue deutsch-russische Spinnerei. Jenseits der deutsch- rusflschen Grenze ist die große Kammgarnspinnerei von F. G. Sckön bei Sielce(Stammhaus Werdau in Sachsen) vor emiger Zeit in Betrieb gesetzt worden. Dem Kapital ist es also gleich- öiltig, wo es sein Geld verdient, aber es verdenkt es dem Ar- beiter höchlichst, wenn er ähnliche internationale Neigungen bekundet! Dazu ist dasselbe Unternchmerthum der Träger der „nationalen" Wirthschaftsvolitik! Ist unter solchen Verhält- nisscn von„Gesinnung" überhaupt noch zu reden? Armer Finanzminister. Ein konservatives Blatt, die „Königsberger Zeitung", spricht von der„mangelhaften Durch- bildung" der Steuerpläne des Herrn von Scholz. Die„Allg. Ztg." in München druckt dies Kompliment mit großem Be- Hägen nach. Schweis. Die Berncr Arbeiter suchen nach der»Zur. Post" die Ehre, an der Spitze der Arbeiter-Reservekasse treten und sie organifircn zu müssen, anderen Ortschaften zu- zuschieben. Sic finden, daß Bern hierfür nicht der richtige Ort sei und daß die hierzu besonders qualifizirten Personen fehlen. Sollte dennoch Bern aus der Abstimmung als Vorort hervorgehen, so werden die dortigen Grütli- und Arbeiter- vereine in späteren Versammlungen die Frage noch eingehender vrüfen, ob sie das ihnen übertragene Mandat annehmen können. Die stadtbcrnische Sektion des Grütlivereins hat sich mit 68 Stimmen für Winterthur als Vorort der genannten Kasse aus- gesprochen. Vier Stimmen fielen auf Chauxdefonds, auf Bern selber keine. Rußland. Aus Petersburg wird vom 27. d. berichtet: Die Passanten wurden gestern früh durch den Anblick einer Menge riefen- großer roihgedrucktcr Plakate, welche von Nihilisten herrührten und eine nihilistische Proklamation enthielten, überrascht- Merkwürdigerweise waren die Plakate an den Häusern der belebtesten Gassen von Petersburg angebracht. In der Proklamation wird dem russischen Volke dessen baldige Bc-reiung vom Zartyrannen in Aussicht gestellt. Die Pro« klamationcn tragen die Unterschrift:„Das Exekutivkoinitb der Narodnaja Wolja". Die in Genf erscheinende nihilistische Zeitung„Wjestnik Narodnoi Woli", deren Eingehen neulich gemeldet wurde, be- richtet in ihrem letzten Buche u. a. auch über den bekannten Einbruch, welchen ihre Druckerei erlitten hat. Der Redakteur Tychomirow theilt darüber das Folgende mit:„Das fünfte Buch der„Wjestnik u. s. w." war beinahe vollendet; die letzten Blätter befanden sich in den Händen des Setzers und sollte der Druck am Montag, den 22. November beginnen, als unsere Druckerei von einem unerwatteten Ueberfall bettoffcn wurde, der das Erscheinen des Buches auf längere Zeit zu verzögern drohte. In der Nacht vom 20. auf den 21. November drangen drei Menschen in die Druckerei ein, in der sich auch ein Lager verschiedener Partei- schritten befand. Tie Einbrecher richteten in der Druckerei sowie im Lager große Verwüstungen an. Sie warfen dennoch stehenden Satz zusammen, mischten die Buchstaben in den Kästen wirr durcheinander und verursachten überhaupt ganz de« deutenden Schaden. Druckerei und Lager boten am Sonntag Morgen, als unsere Kameraden iin Druckereilokal erschienen, das Bild eines förmlichen Chaos. Am Boden lagen zerstreute Buchstaben und zerrissene Blätter wirr umher. Besonders schienen es die Einbrecher auf das 5. Buch der„Wjestnik" ab- gesehen zu haben. Der letzte Bogen, der zwar fertig, aber noch nicht broschirt war, war völlig vernichtet worden. Außerdem hatten die Einbrecher ein Werk der Druckerei, einen Bogen ausgewählter Artikel von Al. Herzen aus dem Kolokol zerstört. Bei der Frage nach den Thätern war der Gedanke eines Ver- drechcns in gewinnsüchtiger Absicht von vornherein ausgc- schloff n. Auch an einen persönlichen Racheakt konnte nicht gedacht werden, da weder der Vorsteher der Druckerei noch die in derselben beschäftigte Kameraden persönliche Feinde besaßen. In der russischen Emigration zeigten sich zwar verschiedene feindliche Standpunkte innerhalb derselben defindet sich aber nickt eine einzige Persönlichkeit, auf die auch nur einen Augen- blick der Verdacht der. Thäterschaft sich lenken konnte. Der Re- daktion blieb schließlich nur eine Annahme übrig, und zwar die, daß die Einbrecher russische Polizeiagenten gewesen. „Ich bin ganz entzückt von den tausend Pfund meiner Mutter, Charles—" „Sehr großmüthig von ihr. Aber so ist sie immer." „Ihre Rente wurde ihr stets sehr regelmäßig bezahlt, fuhr Lord Marney fort,„sei nur immer pünktlich in Deinen Zahlungen; wie viel Vortheile daraus erwachsen, ist gar nicht zu sagen. Wenn ich nicht so pünktlich meiner Mutter ihre Rente bezahlt hätte, würde sie höchst wahrscheinlich nicht im Stande gewesen sein. Dir die tausend Pfund zu geben und deshalb bist Du eigentlich mir für dieselben verpflichtet." Egrcmont wurde etwas ungeduldig, sagte aber nichts. „Ich muß meiner Mutter die Rente bezahlen, ob die Kornschober verbrannt werden oder nicht," sagte Lord Mar- ney.„Das ist sehr hart, meinst Du nicht auch?" „Aber das waren ja Bingley's Kornschober." „Allein er war nicht versichert und wird deshalb eine Ermäßigung seiues Pachtgeldes verlangen; wenn ich mich nicht veranlaßt sehe, sie ihm zu gewähren, was auch wahr- scheinlich der Fall sein wird— denn er hätte diese Dinge vorhersehen sollen— so habe ich selbst Kornschobcr und sie können iede Nacht verbrannt werden." „Aber Du bist doch natürlich versichert?" Nein, ich bin's nicht, ich berechne, daß es vortheilhafter ist, ich laste es darauf ankommen." „Ich wundere mich, warum jetzt Kornschober angezündet werden, und warum es in früheren Zeiten nicht geschah," sagte Egremont. „Weil wir jetzt Uebervölkerüng haben," sagte Lord Marney,„und keine genügende Polizei." „Du sprachst von der Wahl, Georg, sagte Egremont nicht ohne ein gewisses Widerstreben; da das Eis einmal gebrochen war, wollte er den Gegenstand auch zur Erledi- gung bringen. Lord Marney hatte vor der Wahl an seine Mutter, die ihn wegen dieses Schrittes um Rath fragte, einen Brief geschrieben, der sie entzückte, von dem Egremont aber jetzt gewünscht hätte, daß er etwas bestimmter gewesen wäre. Aber in der Ausregung, die eine erste Wahl zu be- gleiten pflegt, unterdrückte er seine Zweifel und überredete K-lgi-tt. Die liberale Vereinigung von Brüssel beschloß unter Mit- Wirkung zahlreicher Gesinnungsgenossen aus der Provinz die Berufung eines Kongresses, um auf Grundlage des Revisionsprogramms eine einbertliche Organisation aller freifinnigen Elemente im ganzen Lande zu erzielen. Paul Janson erklärte, das Prinzip der persönlichen Wehrpflicht, das die gemäßigten Liberalen früher verworfen, sei jetzt einstimmig von der ge« sammten Partei angenommen. Ein Gleiches müsse geschehen betreffs der Abschaffung des Zensus und der Trennung der Kirche vom Staate. Unter solchen Bedingungen würde der „progresfistische" Kongreß dem allgemeinen liberalen Kongresse als Einleitung dienen. Wollen die gemäßigten Liberalen nicht mit uns für die Verfaffungsrevifion einstehen, so werden wir gegen dieselben aufttcten und sie bekämpfen. Ein einmüthiges Handeln der Liberalen würde der ohnmächtigen klerikalen Herr- schaft bald ein Ende machen. FruitKr-tch. Ueber den Stand der städtischen Volksbiblio- t h e k e n von Paris macht der„Temps" folgende Mitthei- lungen: Von 1878 bis 1883 ist die Zahl dieser Bibliotheken von 7 auf 48, die Zahl der gelesenen Bände von 28 938 auf 1 031 167 gestiegen. In dem ersten Jahre 1884 auf 1885 nahm die Zahl der Leser um 331 405 zu. Neben diesen 48 städtischen Bibliotheken gicbt es noch 15 private VoUsdibliotheken, die von der Stadt eine gleichmäßige Subvention von je 2000 Fr. pro Jahr erhalten. Die Mitgiieder der letzteren Bibliotheken zahlen 25 bis 50 Cent, monatlich; die Bibliotheken enthalten 72 000 Bände, die Zahl der Leser brttägt 17 000. Bis jetzt hat die Stadt noch nicht in allen Bezirken Bibliotheken er- richten können; sie kann dies nur nach und nach thun. Das Verlangen darnach ist überall sehr groß. Die Million Leser kosten der Stadt 200 000 Fcs.; das gelesene oder geliehene Buch repräsentirt ajso einen Werth von 20 Cent. Auf ein Buch, das in der Bibliothek gelesen wird, kommen 7, die nach Hause genommen werden. In einzelnen Bezirken kommen auf 1000 Einwohner 6—800 Leser; das 2. Arondissement zählt so- tar 923 Leser auf 1000 Einwohner. Gelesen werden von 100 tüchern 55 Romane, was nicht zuviel ist, wenn man bedenkt, daß es viele Leserinnen giebt und daß die Leute meist zur Er- holung von angestrengter Arbeit lesen. Auch sorgt die städtische Kommission dafür, daß keine Echundwaare in die Bibliothek kommt. Nach den Romanen kommen die Reisebe« schreibungen, Sittenschilderungen, historischen Skizzen, wissen- schaftliche Erörterungen u. s. w. Auch die Zahl der gelesenen Bücher, die nur belehrender Natur find, nimmt bedeutend zu; sie ist z. B. im letzten Jahr von 299 000 auf 451000 gestiegen. Immer mehr begehtt werden auch die Werke in frem- den Sprachen und künstlerische Werke(Zeichenvorlagen, Partituren u. s. w.) Die Zahl der Bände bettägt jetzt 164344, gegen das Vorjahr ein Mehr von 30 500. Vergleicht man diese Zahl mit der Zahl der Leser, so findet man, daß jeder Band im Jahre durchschnittlich 6 bis 7 Mal gelesen wird. Großbritannie«. Die englische Ministerkrisis bleibt nach wie vor ein Zustand, dessen Verlauf sich nicht vorhersagen läßt. Die„Voss. Ztg." meldet darüber: Im Kabinetsrath wurden wider Er- warten keine Schritte gethan, Churchill's Widereintritt zu er- möglichen. Das Kabinet dilligt vielmehr das Verhalten Salis- bury's, weil derselbe eher seinen Sckatzkanzlerposten geopfert habe, als eine Verminderung des Flottenetats zu genehmigen. Das Kabinet hieß auch die mit Hartington angeknüpften Unter- Handlungen gut, drückte jedoch die Meinung aus, daß, wenn Hattington ablehne, die Regierung nicht zögern sollte, mit ihrem Programm vor das Parlament zu treten. Der Zusammentritt des Parlaments wird bis Februar verschoben. Die Vereinigung mit den liberalen Unionisten ist durch die Abneigung der Tory- pattei, Hattington als Premier anzunehmen, erschwert. Die Antwort Hattmgton's auf die Eröffnungen Salisbury's ist noch nicht eingetroffen. Die bulgarische Deputation ist von Lord Jddes- leigh in nicht offizieller Weise empfangen worden. In dem soeben erschienenen Jahresberichte des ultrafrei- händlerischen Cobden-Klubs für 1886 heißt es, daß im Klub wegen der unter den Mitgliedern und im Ausschüsse herrschenden Spaltung die irische Frage nicht habe behandejt werden können. Auch das Klub-Bankctt mußte in diesem Jahre wegen der obwaltenden Zwistigkeiten ausgesetzt werden. Es ist auf unbestimmte Zeit verschoben und wird wohl auch, wie ein Korrespondent der„M. Allg." bemerkt, im nächsten Jahre nicht stattfinden können. Da man sich in Deutschiand über die Geldmittel des Cobden-Klubs vielfach die wunder- jichsten Vorstellungen macht, so werden die Ziffern seines Bud- gets von Interesse sein. Die Einnahmen bcliefcn sich im vor- hergegangenen Jahre aus den regelmäßigen Beiträgen und ge- legentlichen Schenkungen der Mitglieder auf 5744 Pf. St. Dies ist in England gewiß eine sehr mäßige Summe— nicht mehr als viele Leute vom wohlhabenderen Bürgerstande an Jahreseinkommen haaen. Die Ausgaben des Klubs betrugen sich selbst, daß er nicht allein mit der Billigung, sondern auch im Auftrage seines Bruders kandidire. „Du sprachst von der Wahl, Georg," sagte Egremont. „Ja von der Wahl, Charles. Kurz und gut, ich wünsche, daß es Dir gut geht. In Geldverlegenheiten sein ist eins der unangenehmsten Dinge im Leben. Es verdirbt den Humor, drückt den Geist herab, stött die Ruhe und unter- gräbt die Gesundheit. Wenn Du es irgend vermeiden kannst, mache keine Schulden. Und wenn Du durch irgend einen Umstand in Verlegenheit geräthst, komme zu mir. In solchen Augenblicken ist nichts so wetthvoll, wie der Rath eines kajtbjütigen Freundes." „So werthvoll wie der Beistand eines kaltherzigen Freundes," dachte Egremont, dem der Ton der Unterhaltung nicht gerade behagte. „Aber es giebt etwas, wovor Du Dich ganz besonders hüten mußt" fuhr Lord Marney sott,„noch schlimmer als in Geldverlegenheiten sein, ist, sie vettuschen zu wollen. Das Vettuschungssystem ist verderblich und fühtt zum Bankerott; man wird niemals frei. Nun, Charles, was ich für Dich thun möchte, ist, Dich in jeder Beziehung gut zu stellen. Ich wünsche Dich■ schuldenfrei zu sehen; mehr als dies: in meiner Lage, die Dich für immer vor Plagen dieser Art bewahtt. „Er ist doch ein guter Kerl," dachte Egremont. „Die tausend Pfund meiner Mutter kamen sehr zu rechter Zeit," sagte Lord Marney,„es ist ein Bisten, der die Leute zufrieden stellen wird, bis wir uns abgefunden haben." „ES drängt ja nicht," sagte Egremont,„wenn ich weiß, woran ich bin und ihnen schreibe, dann werden sie selbst- verständlich sich zuftteden geben."(Fotts. folgt.) Aus Kunst und Leben. In den antiken Bergwerken von Laurion, deren Er- ttäge bekanntlich Themistokles in den Stand setzten, die athenische Flotte zu bauen, und Pettkles die Mittel gaben, die Burg von Athen mit Kunstwerken auszuschmücken, find schon viele Gegenstände gefunden worden, welche von den antiken 4930 Pfd. Et. Davon kommen 3582 Pf. St. auf die bei Cassel u. Cie. veranstalteten Veröffentlichungen. Etwa weitere 800 Pf. St. wurden bei anderen Verlegern und Buchhändlern verausgabt. Der eigentliche Schnftführer, Herr Gowing, erhielt 110 Pf. St. als Gehalt. Das Jahresgastmahl in Greenwich veranlaßte 1885 eine Ausgabe von 416 Pf. St. Der einzige Schriftsteller, der für literarische Arbeit eine Summe erhielt, war der alte Fürsprecher des Genossenschaftswesens und Ver« tteter der Gewerkoereinssache, Herr G. Holyoake. Die Summe belief sich auf den ärmlichen Bettag von 13 Guineen. Wie man sieht, ist das„Gold des Cobden-Klubs" doch nicht so weit verbreitet, als man manchmal behauptet. Kalka« l ander. Der„Pester Lloyd" schreibt:„Die Zusammenkunft der bulgarischen Deputitten mit dem Fürsten Alexander hat selbst- verständlich nicht verfehlt, großen Effekt hervorzurufen. Allüberall, wo man der polstischen Klugheit nnd ver politischen Vorficht das erste Wott einräumt, wird dieser Schritt der bul- ganfchen Deputitten ledhaft mißbilligt, da er einerseits total aussichtslos, andererseits nur geeignet fei, den Zom und den Haß der Russen gegen die Bulgaren zu steigern. Vorderhand glaubt man sich noch damit trösten zu können, daß der Verkehr der Abgesandten der Sobranje mit dem Fürsten Alexanver ohne weitere Konsequenzen bleiben werde, da der Fürst selbst nicht gestatten werde, seinen Namen für irgend ein abenteuer- liches Unternehmen zu gebrauchen. Es find aber auch andere Versionen im Umlaufe, welche die Dinge in emsterem Lichte erscheinen lassen und als ein Beispiel derselben sei die nach- folgende Darlegung des Wiener Korrespondeten des„Daily Tetegraph" zititt:„Da alle Bemühungen der Bulgaren, die Krisis auf der Basis des Berliner Vertrages zu lösen, gescheitett find, so ist es wohl möglich, daß nunmehr eme Lösung außer- halb des Verttags gesucht werden wird. Was geschehen kann, ist folgendes: Den zur Verzweiflung getttebenen Bulgaren ist es wohl zuzumuthen, daß sie eine letzte Anstrengung machen werden, ihr Land vor Rußland zu retten. Die Idee, Bulgarien zu einem selb st ständigen Königreiche zu proklamiren, wird sich zweifellos von selbst aufdrängen und von unwiderstehlicher Anziehungskraft für das pattiotische bulgarische Volk sich erweisen. Die Bulgaren würden einfach das Beispiel ihrer Nachbarn nachahmen und Europa vor die vollzogene That« fache setzen. Einen König würden sie nicht lange zu suchen haben. Wenn sich jemals ein Fürst Anspruch auf die Königskrone erworben, so ist es Fürst Alexander von Battenberg. Wenn er einwilligen würde, sein Schicksal nochmals an das« jenige seines Adaptiv. Vaterlandes zu knüpfen und das Wagniß, das mit der Annahme der Königskrone verbunden, zu ttskiren, so würde seine Rückkehr vom bulgarischen Volke mit unbearcnz« tem Enthusiasmus begrüßt werden. Eine Erhebung in Make« donien würde dann vielleicht folgen. Die Veihältnisse waren reif hierfür, lange ehe die bulgarische Krisis ausgebrochen. Solch' ein Vorgang wurde wahrscheinlich den Mächten höchst unbequem erscheinen, aber die letzteren haben es mit der Existenz der Bul- garen leicht genug genommen und diese mögen sich nicht weiter gebunden erachten, die Stimmung Europas in Rücksicht zu ziehen." Ob das nur der Ausdruck der privaten Meinung des Korrc- spondenten sei, oder ob wir darin den„voraus geworfenen Schatten" kommender Ereignisse zu erblicken haben, vermögen wir im Augenblick nicht zu entscheiden. Amerika. Die Angestellten der Pferdebahn in Brooklyn stellten am 23. d. M. ihren Dienst plöyllch ein. Sie.hatten von der Direktion die Reduktion des Arbeitstages auf 12 Stunden verlangt, welches Verlangen abschläglich beschicden worden war. Der Pfcrdebahnvcrkehr ruht vollständig. Das Publikum steht auf Seiten der Streikenden, welche denn auch ihre Forderung durchsetzen werden. Eine Einigung wird wahrscheinlich bald zu Stande kommen.— Auf der Strecke Louisville-Nashville streiken die Betricbsbeamten ebenfalls. Sie hatten durch eine Deputation um eine geringe Lohnerhöhung nachsuchen lassen. Diese wurde nicht nur verweigett, sondern die Mitglieder der Deputation auch sofort entlassen. Da erklärten sich die übrigen Beamten mit den Deputationsmitgliedern für solidattsch und verkießen sämmtlich ihre Posten. Auch hier dürfte der Streik zu Gunsten der SKcikenden erledigt werden. Gerichts-Aeitung. Bezüglich der Krantenversicherunaspflicht der gegen Tagelohn beschäftigten Tagearbeiter fällte gestern die 96. Abtheilung des Berliner Schöffengettchts eine bemerkenswetthe Entscheidung. Der Holz- und Kohlenhändler Michaelis hatte sich vor dem gedachten Gericht wegen Richtanmeldung des Ar- heitcrs Glaubus, der auf seinem Holzplatz vom 13. bis 26. September er. beschäftigt gewesen ist, zur Ortskrankenkasse zu ver- antwottcn. Der Angeklagte räumte die Thatsache ein, daß Glaubus in der fraglichen Zeit bei ihm beschäftigt gewesen ist, er behauptet aber, zur Anmeldung desselben zur Krankenkasse nicht verpflichtet gewesen zu sein. Sein Holzanweiser nehme täglich so viele Arbeiter zum Kleinmachen von Holz und zum Grubenarbeitern herrühtten. Neuerdings hat man Jnschttften gefunden, die von Christen herrühren sollen, welche von den Römern zur Arbeit in den Bergwerken veruttheilt worden waren. Bis jetzt hatte man in Laurion noch keine Spur von Christen gefunden.— In Thoricum, gegenüber der Stadt und den Bergwerken von Lautton(die bekanntlich von einer französischen Gesellschaft wieder ausgebeutet werden auf die Metallrestc hin, welche bei dem unvollkommenen Verfahren der Alten in den Schlacken zurückgeblieben sind), ist von der amerikanischen archäologischen Schule in Athen das Theater ausgegraben worden; es stellt sich als sehr alterthümlich heraus (im„Athenäum" wird behauptet, daß es aus dem 5. Jahrhundert stammt); die Sitze waren alle aus dem Felsen aus- geschnitten, überhaupt war die Form des Theaters durch die natürliche Beschaffenheit des Berges stark beeinflußt worden. Mit dem Proszenium in einer Linie lag links ein kleiner Dionysostempel, während zur Rechten zwei wohl für die Schau- spieler bestimmte Zimmer aus dem Felsen ausgehaucn waren. — In Lautton selbst sind interessante Gräber zum Vorschein gekommen, mit mehreren Vasen von schöner Zeichnung und geistreich erfundenen Terrakottafiguren. Noch interessanter ist vielleicht ein antiker Grubenhammer, der in eine Lage Galmci eingebettet gefunden wurde. Der hölzerne Gttff war auf ttne Strecke von fünfzehn Zoll versteinett. Der Kopf des Hammers, der in eine scharfe zum Anhaum des Metalls gebrauchte Spitze ausgeht, ist von Bronze. Gräberfund. Vor einiger Zeit, als Schliemann das Grab Alexanders des Großen aufdecken wollte, kam ein Italiener auf die Idee, das Grab Alarich's im Busento zu suchen. Wenn dagegen eingewendet wurde, dasselbe beruhe auf Dich- tung, so zeigen doch anderetteits Funde, daß diese Bestattungs- weise an fick üblich war. So ist jetzt ttn solches Grab rm Torrente di Negrar bei Negrar di Valpolieella(Venctim) ge- funden worden. Auf dem Grunde dieses Flüßchens lag un« beachtet ein Steinblock von quadratischem Querschnitt und etwa 0,80 Meter Seitenlänge. Ein Ungewmer ließ den Bergstrom anschwellen, und das Wasser rückte den Stein, auf den Nie- mand früher geachtet hatte, von seiner Stelle. Nach dem Ab- laufen der Hochfluth wurde nun eine Grabkammer fichtbar, welche der Stein gedeckt hatte. Dieselbe war von sechs Steinen gebildet und enthielt drei menschliche Schädel und verbrannte zerklcinctte Gebeine, sowie einen Terrakottakrug von grauem Thon ohne Verzierung, der eine Lampe, ebenfalls von Terra- kotta mit der Darstellung eines geflügelten Genius, in Relief enthielt. Ausfahren an die Kunden an, als gerade gebraucht werden, und die Arbeiter erhalten ihren Lohn nach Beendigung ihrer Arbeit am Abend ausgezahlt. Ob diese Leute am anderen Tage wiederkämen, sei ungewiß, höchstens werde ihnen auf Anfrage mitgetheilt, daß auch Beschäftigung für den nächsten Tag vorhanden sei. Unter diesen Umständen sei eine Anmeldung dieser Arbeiter zur Krankenkasse nicht möglich und wenn ste erfolgte, müßten meistens sofort die Abmeldungen wieder bewirkt werden. Der Ämtsanwalt Dr. Le Viscur er- achtete die betreffenden Arbeiter für krankenverstcherungspstichtig und in Konsequenz davon auch den Arbeitgeber für gehalten, dieselben zur Krankenkasse anzumelden, wobei es auf die Schwierigkeiten der An- und Abmeldung nicht ankomme. Er beantrage 3 Mark event. 1 Tag Haft.— Diesem Antrage gemäß erkannte der Genchtshof, indem er noch annahm, daß es auf die Zeit, für welche der Lohn bezahlt werde, nicht ankomme, sondern nur darauf, daß die Beschäftigung nicht auf einen Zeit- räum von weniger als eine Woche beschränkt ist. Eine schneidige Verordnung hat, wie konservative Blätter melden, die Polizeiverwaltung zu Schönebeck erlassen. Wer wegen vorsätzlicher Körververletzung rechtskräftig bestraft ist, darf in den nächsten zwei Jahren bei öffentlichen Tanzmufikcn nicht geduldet werden, weder im Tanzraume selbst, noch in den un- mittelbar dabei gelegenen Wirthschaftsräumen. Da die Wirthe dafür bei Strafe bis zu 9 M. verantwortlich sind, so wird ihnen ein Vcrzeichniß der betreffenden Personen aus Schönebeck und den Nachbarorten zugestellt, sowie auch in Zukunft eine Nach- richt über jede derartige Bestrafung. Außerdem darf Niemand Stöcke, Schirme, Schlag-, Stich-, Schneidewerkzeuge oder ähn- liche Gegenstände bei sich führen. Ferner darf während des Tanzens nicht geraucht werden.— Wir wüßten nicht, was wir gegen diese Verordnung sagen könnten, wenn sie nur solche Personen treffen soll, welche wegen vorsätzlicher Körperverletzung bei Gelegenheit von öffentlichen Tanzmusiken bestraft worden find. Eine„vorsätzliche Körperverletzung" kann nämlich auch von dem anständigsten Manne begangen werden im Falle großer Aufregung und Reizung. Auch müßten dann alle Studenten und Offiziere, welche ihren Gegner im Duell ver- wundet haben, von den Tanzbclustigungen ausgeschlossen werden, um so mehr, da diese nachweislich vielfach die Erzeugerinnen der Duelle sind.___ Uereine und Nersammwngen. Rationale Kranken- und Begräbnißkasse der deutschen Gold- und Silberarbeiter und verwandten Berufsgenoffen (E. H.) Der von dem Vorstand veröffentlichte Kaffenbericht für das III. Quartal 1686 weist eine Gesammteinnabme von Beiträgen von 24 718,30 M., Eintrittsgeld und Statuten 516,75 33?., Delegirtensteuern 276,60 33?., und sonstige Einnahmen 61,30 33?., in Summa von 25 572,95 33?. auf. Verausgabt wurden an Krankenuntcrstützung 17 855,11 33?., Begräbnißgeld 1095 33?., für ärztliche Untersuchungen 271,45 33?., Gehalt und Vergütuimen 774,51 33?., andere Vcrwaltunpskosten, Porti ,c. 317,99 M-, in Summa 20314,06 33?. Die Mehreinnahmc beträgt demnach 5258,89 33?. Für das Jahr 1887 werden die Beiträge der hiesigen Mitglieder wie bisher jeden ersten und dritten Montag im Monat in den Kassenlokalen Bukowerstr. 9 und Sophienstr. 22 von 8 Uhr Abends ab entgegen genommen. Die nächsten Sitzungen finden am 3. und 17. Januar statt. Die unter§ 40 des Statuts vorgesehene Mitgliederversammlung findet in der ersten Woche des Februar statt. Alles Nähere wird s. Z. im Jnseratenthcile dieses Blattes bekannt gegeben. Kachverein der Tischler. Ter Zenttal-Arbeitsnachweis des Vereins(Blumenstt. 56) ist am 31. Dezember, sowie am 1. Januar für Arbeitsuchende geschlossen; jedoch können schriftliche Gesuche der Arbeitgeber um Zuschickung von Gesellen auch an diesen Tagen in den am Eingang zum Arbeitsnachweis be- findlichen Briefkasten gelegt werden.— Die Zahlstellen des Vereins find am 1. Januar ebenfalls geschlossen. Tie nächste Vereinsversammlung findet am Sonnabend, den 8. Januar, in Jordan's Salon, Neue Grünstraße 28, statt. Fachverein der Steinmetzen. Die Versammlung am Sonntag, den 2. Januar, fällt aus und findet am Sonntag, den 16. Januar, statt. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Der Fachverein der Steinträaer Berlin's veranstaltet am Sonntag, den 2. Januar, in der Tonhalle, Friedrichstr. 112, zum Besten der Wittwen und Waisen der ini letzten Jahre verstorbenen Kollegen eine große Matinee. Kaffcnöffnung 10& Uhr. Anfang 11 Uhr Vmniittag. Entre& Person 30 Pf. Kinder frei. BAets sind zu baden bei den Herren: Kroll, Ruheplatz- str. 14; Lehmann, Manteuffelstr. 58; Klinge, Kulmstt. 17; Beierling, Schwerinstt. 6; Rauhut, Grünauerstt. 19; Zimmer, Ärndtstr. 22; Starowsky, Mittenwalderstr. 26; Wallenthin, Liebenwald erstr. 51 und in den mit Plakaten belegten Hand- lungen. In der freireligiSsen Gemeinde spricht am Ncujahrstage, Vormittags 10 Uhr, Rosenthalerstaße 38, Herr Dr. Bockel aus Magdeburg über freireligiöse Bestrebungen früher und jetzt; Sonntag, 2. Januar, Herr Schäfer: Zum Schluß und Anfang des neuen Jahres; und Abends 7 Uhr Herr Canitz über das Naturheilverfahren und seine Bedeutung, für den Einzelnen wie für die Familie. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am Freitag. Gesangverein„Nord-Jubal" Abends 9 Uhr Veteranenstr. 19. „Liedertafel der Maler Berlins". Abends 5� Uhr Gesangstunde in?ieu-Tivoli, Oraniensttaße 52.— Turnverein„Hasenhaide" (Männerabtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstraße 60 61.— Zitherklub„Alpenveilchen" Abends 8» Uhr im„Anhaltiner", Tcmpelhofer Ufer, Ecke der Möckenisttaße.— Rauchklub„Westend" Ahends 9 Uhr im Hohenzollerngattcn, Steglitzerstt. 27.— „Steno-lacht) graphische Gesellschaft Abends 8 Uhr im Restaurant Stein, Rosenthalerstt. 38. Kleine Mittheilungen. Wien, 28. Dezember.(Dem Hungertodc nahe.) Ein ganz eigcnthümlicher Fall, welcher in seinen Einzelheiten noch nichi völlig aufgeklärt ist, wurde heute Mittags zur Kenntniß der Behörde gebracht. In einem plonibitten Lastwagen der Nord- bahn wurde nämlich ein Infanterist dem Hungertode nahe aufgefunden. Als einige Arbeiter der Nordbahn die Plomben der für das Lagerhaus bestimmten Lastwaggons öffneten, be- merkten fie in einem derselben unter Frachtsäckcn einen Sol- datcn in sehr herabgekommenem Zustande bewußtlos liegen. Derselbe, Namens Jan Dimitto Wasylaszczuk aus Pistinow in Galizien, dient bei dem in Lemberg gamisonirenden Infanterie- Regiment 3%. 24. Man verständigte nach der Auffindung des Mannes sofort die Freiwillige Rettungsgesellschaft, welche den Jnspektionsarzt Dr. CuparrScu und den Mediziner Oransch dahin entsendete. Als der Infanterist wieder zum Bewußtsein gebracht worden, gab er folgendes an: Auf seiner Rückreise vom Urlaub in seine Heimath Pistonow bei Kolomea sei er in Lemberg in der Nähe deS dorttgen Bahnhofes von Uhlanen überfallen, durchgeprügelt und dann in einen Waggon geworfen worden. Wie dies geschehen, könne er nicht genau angeben, da er damals betrunken war; offenbar sei er mit den Uhlanen m Streit gerathen. Ein Infanterist desselben Regiments, bei welchem er diene. Wasyl Gregorysczym, soll mit ihm von Ko- lomea bis Lemberg zusammen gereist sein. Diese Angaben machte er in ruthenischer Sprache, da er kein Wort Deutsch verstand. Nachdem der Mann gelabt worden war, wurde er in das Garnisonsspital transvortirt. Bobersberg, 25. Dezember. Am vergangenen Freitag hat em Grundbesitzer in dem benachbarten Thiemendorf seinem Leben dadurch ein gewalisames Ende bereitet, daß er sich von einem Zuge der Märkrsch-Posener Eisenbahn in der Nähe der Tschicherziger Oderbrücke überfahren ließ. Entsetzlich ist das Unglück, welches dieser Mann am Dienstag voriger Woche in Thiemendorf angerichtet hat. An dem genannten Tage sah man dort bald nach 6 Uhr Abends plötzlich drei große Schaden- feuer aufleuchten, die der Selbstmörder aus Rache darüber angelegt hatte, daß er seitens der Polizei aufgefordert worden war, die von ihm seit einigen Jahren unterhaltene wilde Ehe aufzugeben und zu seiner rechtmäßigen Frau und seinen sieben Kindern zurückzukehren. Seine erste Rachcthat war die Brand- stiftung auf dem Gehöfte seiner Frau, nachdem er vergeblich versucht hatte, das Gespann derselben auszuführen. Wie ein Wahnsinniger gederdete er sich, als er bei Anlegung des dritten Feuers ertappt wurde. Mit brennender Laterne und einer Axt in den Händen bedrohte er Jeden, der sich ihm in dem brcn- nendm Gebäude zu nahen versuchte, mit dem Tode. Man suchte so viel als möglich das Feuer zu löschen und sich des Verbrechers zu demächtigen, umsonst, auch dies Gebäude stand bald rn kellen Flammen, der wüthende Mann sprang plötzlich vom Giebel hinab und entkam in der Dunkelheit der 3!acht. Am vergangenen Freitag hat sein Leben den oben angegebenen Abschluß gefunden. Darmstadt, 27. Dezember. Am 23. d. M. ist durch das rechtzeitige Eingreifen zweier Lokomotivführer ein schreckliches Unglück verhütet worden. Durch die starken Schneefälle war die Odenwaldbahn unsahrbar geworden. Nach 24stündigcm Watten gelang es indessen, von Erbach einen Zug nach Darm- stadt abzulassen, welcher mit zahlreichen Passagieren besetzt war. In dem Augenblicke— so erzählt nun ein Augenzeuge in den N. H. V.—, als der Zug zwischen Höchst und Wiebelsbach in den Tunnel einlaufen wollte, ertönte das Nothstgnal. Tie mit Schneeschöpfen beschäftigten Arbeiter schrien aus Leibes- krästen und winkten mit den Geräthen, um die Gefahr zu de- zeichnen, die unheilvoll zu werden drohte. Es kam nämlich gerade ein Zug von Wiebelsbach durch den Tunnel gesaustund es lag die höchste Gefahr des Zusammenstoßes vor, als die Lokomotivführer noch rechtzeitig bremsten. Di- Entfernung der beiden Züge, deren jeder mit zwei Maschinen bespannt war, betnig nur noch eine Wagenlänge. Unter dem schrecklichen Wimmern des Nothsignals machte nun der Odenwaldzug Kehit und fuhr in sausender Eile nach Höchst zurück, wo ein zweites Geleise ist. Die in Todesangst bc findlichen Fahrgäste beider Züge dankten thränendcn Auges den Zugführern, oie so viel Geistesgegenwart besessen hatten, und veranstalteten sosott eine Sammlung für dieselben. Das Unglück im Tunnel wäre ein entsetzliches geworden. Wulfen(in Ankalt), 28. Dezember. Im benachbatten Drosa ist in der Nacht vom 26. zum 25. d. 33?. ein Raubmord begangen worden. 33?an fand die etwa 56 Jahre alte Wittwe Thiele vor dem Bett in ihrem von ihr allein bewohnten kleinen Zimmer todt vor. Die vielfachen Blutspuren zeigten, daß die alte Frau das Opfer eines Verbrechens geworden war. Durch zahlreiche Schläge am Kopf ist der Tod herbeigetühtt. Ein noch nicht festgestellter Bettag von Geld fehlt. Von dem Thäter hat man noch keine Spur. Theater. Freitag, den 31. Dezember. OHeruhauS. Der Trompeter von Säckingen. Schauspielhaus. Edelweiß. Hierauf: Die Unterschrift des Königs. Zum Schluß: Das Schwert des Damokles. Deutsches Theater. Goldfische. Kpiedrrch-Giihelmstädtischcs Theater. Der Zigeunerbaron. «alluer-Theater. Die Sternschnuppe. Vtktoria-Theater. Viviana. lLstend-Theater. Das neue Gebot. Nesideuz-Theater. Georgette. Seutral-Theater. Spottvögel. Walhalla« Theater. Der Vagabund. Belleallianee-Theater. Drei Paar Schuhe. «eichshallen- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Kanfmann's Varietee. Spezialitäten- Vor« stellung. Loueordia» Theater. Spezialitäten- Vor« stellung. American-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. JBtöeii-Tbeater. Früher Louisenst. Theater, Dresdenerstt. 72/73. Da« großartigste Programm der Kistdeu». Diamantine, der sprechende Menschrnlropf ohne Rumpf, die vrößte Sehenswürdigkeit de« 19. Jahrhundert». The Kerisor Troupe, die berühmten 8 Amerikaner. Mos. Mrnöerg. der beste Bauchredner der Jetztzeit. Direktor Jean Lüttgen» mit 12 Damm, Darstellung plastischer Gruppen nach alten berühmten Meistern. fpr- Heben eine« lebende« 1000 Pfund schwere» Pferde» von W. Kleiner. Krother« Forest, unüberkeffl. Mufikal-Clowns. Mr.«nd Mdme. Lugharat. indianische Mcsserwerfer. Frl. Margarethe, medizinisches Wunder. Paula u. Lndwig Tellheim.___ Kaffenössnung 6& Uhr. Anfang 7t Uhr. tage 1 Tr. 9 33?.- 10 A. Ralaer-Panorama. Die malcr. Stich fUche Schwei». Amerika-Kaliforn. Mond. Hochinteressante Montblanc-Besteigung. 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DaS Theater ist mit elektrischer Beleuchtung »ersehen. Zur pünttlicken Lieferung des „Kerlfaer Uolksblatt" sowie sümmtlicher in Berlin erscheinenden Zeitungen empfiehlt fich[1357 H. Kiersch, Zeitunqsspediteur, Ritterstr. 107 1, Ecke Prinzenstr. Anvvrrkauf von[1302 Pfefferkuchen ;u jedem Preis. Moritz Mietzschke, Louisen pferll». Dre«denerstr.-Gtk». Soeben erschien Nr. 36 des . Wahren Jakob" Zu beziehen durch die Expedition des„KeH. DolKsblatt", Aimmerstraße 44. Soeben ist erschienen: Der .eveWelt-Aalenderi für 1887. Aus dem reichen Inhalt heben wir hervor: Reichshaashalts.Etat des Deut. scheu Reichs.— Zerbrochene Ketten. Erzählung von Rod. Schweichel.— Bär» tige Frauen und Haarmenschen.— Ei» Pr»l»tarierki»b. Erzählung v.E.L a n g e r. — Der Kampf zwischen Feuer u. Wasser i» der Welt. Von P. Osw. Köhler.— Wie man eiu« Millio» verbleut.— Flie» «eub« Blätter(humoristisch). Al« Gratis-Hrilage«: L Lueia. 3. Mutterglück. 2. Blauche. 4. Die bcibe» Alle». Et» Waubkaleuber. —= preis 60 pf.=— ■ mm***»»»»s/v Eine Schläfst, ist zu verm. Alexandrinenstr.59,H. I. 2 frdl. Schläfst. Pücklerftr. 58, H. II bei H a f ch e. Z« haben in der Vrpeditio« d. Kl., Zimmrrstrage 44. Soeben erschien im Verlage von Wörlei» & Co. der Inntarkr- nnö Ardeitkr- WzKlllknder für 1887 ('X. Jahrgang). Dieser Notizkalender, sett Jahren in den deutschen Arbeiter- und Handwerkerkreisen rühmlichst bekannt, ist nicht blos Kalender, sondern zugleich Notizbuch und Gesetzsammlung. Auch in diesem Jahre ist sowohl auf den Inhalt als die Ausstattung besonder» Sorgfalt verwendet und ist namentlich be- züglich des Einbandes Vorzügliches ge- leistet und bestes Matena! dazu verwendet. Reben der gewöhnlichen Ausgabe ist auch wieder eine stärkere veranstaltet, welche mehr Schreibpapier enthält und kräftigen Leinwandcinband mit Deckel nach Brief- taschenatt und Gummiband hat. Auch bei der gewöhnlichen Sötte find diesmal die Ecken abgerundet. Inhalt des Kalender«: , Kalendanum mit neu revidittem Ge- schichtskalender; postalische Bestimmungen; Telegrammtanf; das ganze Unfallversiche- ningsgesetz mit Anhang vom 28. Mai 1885; Gesetz über die eingeschnebenen Hilfskassen mit der Novelle vom 1. Juni 1884; das Reichstags- Wahlgesetz mit Reglement; Auszug aus dem Reichs- Patentgesetz; Gewindeschneidetabelle für Metallarbeiter; Schreibpapier mit Datumsangabe für Tagesnotizen, leeres Schreibpapier, Brief- täschchen. De ganze Kalender ist vierzehn Bogen stark. Preis der einfachen AuSgabe 60 pf. „„ stärkeren„ 70 pf. Miedernerüänfer erhalten lohnenden Zlabatt. Zu beziehm durch die Expedition dies. Blattes Zimmersttaße 44. Wiederverkäufern Rabatt. /achv. der Putzer Berlins. Sonntag, dm 2. Januar 1887, Vorm. 11 Uhr: Grdentliche Mitglieder Nersammlnng Jnselsttaße 10. Tagesordnung: Kassenabrechnung des vierten Ouartals und Jahresbericht. Innere Vereins- angelegmheitm. Fragekasten.[1358 Der Vorstand. 1 g. piano, 36 33??., zu v. Oranicnstt. 4, II l. E.g.erh.Kindcrwagmz.verk.Alexandrinmst.59, H.I. Arbeitsmarkt. Junge Mädchen, welche schon in einer Knopffabrik gearbeitet habm, werden verlangt in der[1350 Stelnnnst Knopfsabrik, Oranienstt. 183. Erfahren erz Grundirer-Meister verlangt. Adressen unter„Grundirer" an die Expedition dieses Blattes erbeten.[1360 Serankvortlich für dm politischen Theil und Soziales Max E für Vereine und Versammlungm K. Tutzauer, für dm übrigen Theil der Zeitung K, krouhetm, sämmtlich in Berlin, und Verlag von Vlax vading in Berlin SW., Beuthnraße 2.) Hierzu eine Beilage. Beilage zum Berliner Bolksblatt. »?. 306 Freitag de« 31. Dezember 18*6. 3. Iaheg Stau!»- und Stidfiupen. Von Dr. Paul N i e m e? c r. [Padjbmd ocrbotcn.] In der schulmäßigen K�anlheitslehre galt'S vor einigen Jahrzehnten als eine Art von Entdeckung, als ein Knappschafts- «rzt ves Öarzgebirges unter dem Namen„Bergmannslunge" eine krankhafte Veränderung im Athcmorgane der Bergwerks- ardeiter beschrieb, herrührend vom Eindringen des im Schachte reichlich umherfliegenden und von den Leuten gewohnheitsmäßig etngeathmeten groben KohlenunratheS. Kaum aber war der Klick einmal in diese Richtung gelenkt, als bald darauf die .Tabaks-, Zinnober-, Steinhauer-" und andere Lungen hinzu- kamen. Wie leblose Trichinen äußern nch die staubförmigen, Manchmal aber splitterspicßscharfen Abfälle des im Binnen- räume verarbeiteten Rohstoffes, nachdem sie mit dem Athem- iuststrome ins Brustinnere gerathen und in das zarte Gewebe des LungenschwammgebildeS(„Parenchyms") ein- aedmnzcn, um darin fest fitzen zu bleiben, am häu- fczsten bei den Steinhaucrn, deren aus der Leiche heransgenommene Lungen fich stellenweise wie mit Etcinsand gefüllte Kiffen anfühlen. Fügt's das Unglück, daß solch' Arbeiter fich bei einem Sturze das Genick bricht, so bietet vie gerichtliche Sektion Gelegenheit, die Fremdkörper, so zu sagen, auf der Reise zu ertappen, indem man, besonders bei Opfern eines Öäuserneubaues, auch die ganze Innenfläche der Luftröhre mit folch' grobem Unrathe wie beiät findet. Sollte «an's aber glauben, daß sogar ein so großer Geist, wie der erst jüngst bei der Mendelssohnfeier wieder mit Nachdruck ge- nannte Spinoza, dieser gemeinen Krankheitsursache schon mit 45 Jahren erliegen niußte? Wenn's gewöhnlich heißt, dieser Philosoph habe fich vom vielm Sitzen am Studirtische die Lungensucht geholt, so überficht man, daß er, weil er vom Schreiben allein nicht leben konnte, fich nebenbei in Anfertigung optischer Gläser eine Erwerbsquelle eröffnete, deren Gesund- beitswidrigkeit aber heutzutage im Leben? Versicherungswesen so bekannt, daß selbst noch jugendliche Glasschleifer als„un- sicheres Rifiko" gelten. Ja sogar auch Müller, Bäcker, Tape- gtrcr nud andere Gewcrke dieser Art werden von diesem Stand- punkte mit besonderer Vorficht abgeschätzt. Die neuere Hygiene nun schritt in der Erkmntniß so weit «or, daß ste die Staublunge der Gewerbehyziene höchstens als Snnenfälligere und gröbere Form gelten läßt, gegen deren Auf- etcn auch die Arbeitgeber durch Einführung von Staub- kespiratoren bereits vorbeugende Maßregeln treffen. Viel wichtiger erscheint ihr die Aufgabe, das Volk dahin aufzuklären, daß Staub und Staubcinathmung auch in Haus und Familie »grasfircn" und dadurch besonders bedenklich werden, daß wir, uns dieser Fährlichkeit über der langen Gewöhnung gar nickst bewußt, wenn ste sich z. B. im nächtlichen Bell- over„falschem" Bräunehusten der Kinder äußert, andere Ursachen, besonders die liebe Erkältung mit den Haaren lherbcizichen. Wie aber gleich im vorigen Au'satze mitgetheilt, zeigt bereits die zweijährige Kindeslunge den Befund der vollendeten Staubinvasion. Ebenso hat Jeder von uns das untrügliche Zeichen davon schon„auf der Hand liegend" vor Augen gehabt, wenn er im Morgen- auswürfe, nachdem er fich lange mit trockenen Hustenstößcn abgequält, den Schaum und Schleim schwarz oder, wie die Kunstaussprachc sich ausdruckt„froschlaichartig" gefärbt fand. Woher nun schluckt selbst der vornehm Wohnende und sonst auf Sauberkeit peinlichst.Haltende diesen Unrath? Auch diese Frage beantwortete uns bereits ein Dubois-Rcymond: „vom Gebrauche des Feuers", d. h. von Heizkörpern und threr Beschickung erst mit dem slaubvcrbreitendcn Brennstoffe der Kohlen und dann ihrer Reinigung durch Herausnahme des noch mehr stäubenden Aschenrück- siandes. Im ausgeprägten Bilde bekommt man diese Studenstaublunge wohl im Spitale zu sehen, wenn hier ein sonst kräftiges und bisher gesundes Dienstmädchen eintritt, weil's auf einmal heiser und kurmthmig wurde und, ohne groß auszuwerfen, Tag und Nacht hüstelt und hustet.„Eine starke Erkältung, bei dieser Winterkälte wohl begreiflich" meinte un- maßgeblich die 5zerrschaft, während der hygienisch einsichtige Arzt maßgeblich auf dassthalbe Dutzend von Oefeu Gewicht legt, welche das arme Geschöpf bei dieser Kälte täglich zu bc- schicken und vorher von gewaltigen Aschenstaubdergen zu reinigen hat. Doch auch die wegen der Kälte den Kohle. sNachdruck verboten.] Bei dem Herannahen des Winters dürften einige Notizen über die Kohle und ihr Wesen nicht unwillkommen sein, hat sie sich doch in der Gegenwarr zu einem der un- entbehrlichsten Gebrauchsartikel empor geschwungen. Ihrem Wesen nach ist die Kohle ein Zersetzungsprodukt der orga- tischen Materie, und zwar erfolgt die Zersetzung auf ver- fchiedene Weise, entweder durch Erhitzung bei Luftabschluß oder durch Vcrmoderung oder endlich durch Einwirkung von Säuren. Stets ist sie eine komplizirt zusammengesetzte Ma- terie, die außer Kohlenstoff, welcher nie identisch mit Kohle ist, noch Wafferstoff, Sauerstoff und sehr häusig Stickstoff in organischer Verbindung enthält. Je nach der Art des »ersetzenden Eingriffs nun und ze nach der Dauer deffelben saßt sie mehr oder weniger dieser Elemente in sich und steht entweder der primären organischen Materie, oder dem Kohlen- poffe näher. Die Form der Kohle ist in der Regel amorph, d. h. formlos, mißgestaltet, fortwährend anders, so der Lampenruß, der Kienruß/die Zuckerkohle, doch behält sie auch häufig die Form ihrer primären organischen Materie bei, so in der Holzkohle und Knochenkohle, die genau die Struktur des Holzes, beziehentlich der Knochen bis in die feinsten Details »eigen. Die verschiedenen im Erdenschöße abgelagerten Kohlen, welche als Brennmaterialien benutzt werden, sind durch Vermoderung aus Pflanzensubstan, hervorgegangen und in ihnen laffen sich deutlich die Uebergänge der Primär- fubstanz zu immer kohlenstoffreicher werdenden Materien ver- folgen. Von der Anfangssubstanz, dem Holz, ausgehend, bilden der Torf, die Braunkohlen, die Steinkohlen, die An- thrazite(Kohlenblende) ebenso viel Uebergangsstufen des allmälig sich vollziehenden Zersetzungsprozeffes, wobei die einzelnen Glieder der Reihe aber nicht sprungweise aufeinander folgen, sondern in einander verschwindende Ueber- gänge bilden. So sind die jüngsten Torfe der Pflanzen- fubstanz noch sehr ähnlich, während die ältesten ganz und gar das Aeußere und die chemische Zusammensetzung der lieben langen Tag über drinnen gefangen gehaltenen Kinder erregen durch immer auffälligeren, an Kranipf- und Stickanfälle streifenden Husten Besorgniß, aber die Frau Mutter, welche diese Zeilen etwa zu der Stunde zu Ge- sichte bekommt, wo eben frisch Staub gewischt worden und selbst noch die Oberfläche des Pianos wie ein Spiegel erglänzt, kann fich nicht denken, daß dieser Husten mit Staubcinathmung zusammenhängen soll. Nun wohl! wenn's ihr Ernst damit ist, so führe sie nur mal einen Schlag auf's Polster des Sophas, eines Stuhles oder klopfe zwischen beiden Händen ein Stück Port öre, so wird sie den„Krankheitserreger" in hellen Massen aufwirbeln sehen. Doch auch ohne diesen Angriff enthüllt er sich im verdunkelten Zimmer, in dessen Inneres nur durch eine Ritze der volle Sonnenstrahl einfällt und einen förmlichen Staubbalken erkennen läßt. Wer ein Mikroskop zur Hand hat, lege auf irgend ein erhöhtes Möbelstück ein mit Glyzerin angetupftes Objektglas und nach wenigen Stunden wird er ein Präparat vor sich haben, in welchem er bei blos 200 Vergrößerungen richtige Splitterpfeile von Holz- und Kohlenabfall entdeckt. Bedurfte es doch auch in der Landwirthschaft erst dieses näheren Hin- sebens, um die wahre Natur des sogenannten Getreiderostes zu erkennen. Hatte man ihn von jeher auf die Einwirkung der kalten Witterung geschoben, so erkannte man jetzt als wahre Ursache des„Befallenwerden" der Halme von schädlichen, von anderen Pflanzen, besonders Berberitzensträuchern stammenden, durch den Wind davongetragenen Keimen, also auch hier nicht Erkältung, sondern Staubkrankheit! Aus einem Leinwaarengeschäfte meldeten sich bei Früh- jahrswittcrung zu gleicher Zeit drei Angestellte wegen plötzlich und heftig eingetretenen Katarrhs mit Hustenreiz zu ärztlicher Behandlung, nachdem sie noch beim anstrengenden und weit- läufigen Geschäfte der Jnventuraufnahme mit voller Kraft theilgenommen. Da nun bei dieser Arbeit die sonst sorgfältig geschlossenen Fenster und Thülen offen gehalten zu werden pflegen, so unt.rlags für die Frau Mama deS Einen keinem Zweifel, daß der arme Junge, der sich ohnehin nicht einmal durch ein warmes Halstuch zu schützen verstanden, sich von dem gräßlichen Zuge heftig erkältet haben müsse. Er selbst jedoch zeigte fich der Belehrung nicht unzugänglich, daß es ihm und seinen Leidensgefährten vielmehr der bei der Inventur massenhaft aufgewirbelte und eben darum das Oessnen der Fenster gebietende Staub angethan habe. Kam's doch in diesen Tagen auch beim ganzen übrigen Personale zum vorübergehenden Ausbruche eines förmlichen Hustenkonzcrtes. Zum Stickhusten der Kinder rührt die an- haltend erduldete Staubinvasion dadurch, daß sie laufend die Kehle austrocknet und das Splitter sich zunächst oben im Halse, besonders im Drüsenschwamme der beiden Mandeln einnisten, welche davon entzündlich anschwellen. Indem Kinder sich noch nicht auf geflissentliches Unterdrücken und schlankes Verarbeiten des Hustenreizes verstehen und auch sonst an nichts wichtigeres zu denken haben, leben sie sich in der Stubcngefangenschaft in die bösen Kramvfzufälle förmlich hinein. Erklärte doch ein namhafter Schulmediziner meines Namens für wirksamstes Heilmittel gegen diese Kinderkrankheit die— Ruthe! Vom bygienischen Standpunkte füge ich hinzu: und Bewegung im Freien, eine Verordnung, welche durch folgende Erläuterung verständlich wird. Wenn schon nach einem altbiblischen Spruche„Staub- fressen" das Laos des Menschen„sein Leben lang", und wenn's bekanntlich ohne diese Zugabe selbst in den lichten Höhen der einsamen Bergstraße eben so wenig abgeht, wie in der Wüste, deren Söhne den Sand geradezu löffelweise schlucken, so thut er keinen sonderlichen Schaden da, wo der Einathmung alsbald krä'tige Ausathmung folgt, wie z. B. beim durch die Sahara hoch zu Roß dahinjagenden Araber. Zur verderblichen Ein- nistung kommt's erst da, wo bei unbeweglichem Verhalten wohl gemächlich ein-, aber nur schwach und träge ausgeathmet wird. Beispielsweise athmct und hustet die sich unten im Tanze drehende Jugend den eingeathmeten Staub ebenso rasch wieder aus, wogegen der droben fiedelnde Geiger den Feind in stundenlanger Sitzung einsaugt und einnisten läßt— das Vorbild der mannigfaltige» Formen jenes Stuben- hockerthumes, das man als„Schwindsuchtskandidaten" schon von weitem erkennt. Jahrelang mögen ste sich mit ihrem blos „stubenluftigcn" Aussehen und leichtem trockenen Husten wohl- auf fühlen, bis plötzlich ein Staubsplitter da drinnen die Braunkohle haben, und in derselben Weise endlich geht die Braunkohle zur Steinkohle über. Es kann daher häufig sehr schwer sein, darüber zu entscheiden, welcher Gattung ein vor- liegendes Brennmaterial angehört, ja es kann unmöglich sein, einen Entscheid darüber zu treffen, wenn nicht das Vor- kommen bekannt ist. Letzteres giebt insofern Aufschluß, als man die der Tertiärperiode angehörenden Kohlen als Braun- kohlen, und die älteren geologischen Perioden entstammenden als Steinkohlen bezeichnet, während der Torf ein Produkt der Neuzeit ist. Bei den Steinkohlen sind Pflanzenreste selten mit bloßem Auge zu erkennen, da deren schwarze Farbe, Glanz und Bruch nicht die geringste Verwandtschast mit pflanz- lichen Gebilden wahrnehmen laffen, in denen aber das Mikroskop noch deutlich die Elementarorgane der Pflanzen, Zellen und Gefäße, nachweisen läßt. Dieselben Bcstandtheile, wie in der ursprünglichen Pflanzensubstanz, finden sich in allen Kohlenarten, nur sind eben, wie bereits erwähnt, in jeder Kohlensorte die Mjschimgs- verhältniffe andere. Auch die den Pflanzen eigenen organi- schen, unverbrennlichen Bestandtheile fehlen nicht, doch sind diese vielfach modifizirt, theils durch Wasser ausgewaschen, theils durch Infiltrationen gelöfter Substanzen die mannig- fachsten fremden Körper hinzugelangt, welche beim Verbrennen als Asche zurückbleiben und sowohl durch ihre Menge, als auch durch die schädliche Wirkung, welche sie auszuüben im Stande sind, erheblich vermindernd auf den Werth der Kohlenart wirken können. Die Menge von Wärme, welche bei der Verbrennung der einzelnen Brennmaterialien frei wird, bezeichnet man technisch als Brennkraft, und zwar ist dieselbe je nach der chemischen Zusammensetzung verschieden. Ihre Größe be- zeichnet man entweder in Form von Wärmeeinheiten oder so, daß man die Brennkraft des reinen Kohlenstoffes(8080 Wärmeinh.) als Einheit annimmt und die der übrigen Brennmaterialien mit dieser vergleicht. Unter Zugrunde- legung des Kohlenstoffes als Einheit sind für die einzelnen Materialien folgende Werthe ermittelt worden: Holz 0,36 bis 0,47, Torf 0,37—0,65, Braunkohle 0,43—0,85, Steinspinnwebendünne Wand des Lungenhaargefäßnetzes anbohrt und— Blutsturz dewirkt, der um so bedenklicher ausläuft, je mehr er durch fortgesetzte Unbeweglichkeit in Bett- und Stuben« gefangenschaft geradezu gezüchtet wird. Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. Sitzung vom Donnerstag, den 30. Dezember. Der Stadtverordneten- Vorsteher Herr Dr. Stryck er- öffnet die Sitzung um ö.j Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mittheilungen unwesentlicher Art. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird ein Gesuch um Verleihung eines Stipendiums geschäftsordnunas- mäßig erledigt. Die Verlegung der im Weichbilde Berlins belegenen Strecke der Berlin- Stettiner Eisenbahn verlangen verschiedene Petitionen des„Haus und Grundbefltzervereins" und dortiger Bewohner. Der Petitionsausschuß empfiehlt durch seinen Berichterstatter Stadtv. Haß, die Petitionen dem Ma- gistrat mit dem Ersuchen zur Berücksichtigung zu überweisen. der Versammlung baldthunlichst eine nähere Äittheilung in dieser Angelegenheit zu machen. Stadtbaurath H o b r e ch t hebt hervor, daß der eigentliche Schwerpunkt im Geldpunkte liege; es sei noch ganz ungewiß, welchen Beitrag die Stadt und welchen der Fiskus zu leisten haben würde. Der Magistrat stehe in Unterhandlung mit dem Eisenbahnfiskus; verschiedene Projekte seien aufgetaucht und wieder verworfen worden. Das eine wolle den Verkehr auf der im Weichbilde belegenen Strecke der Stettiner Bahn auf den Bahnhof Gesundbrunnen und von dort durch die Ringdahn nach dem Stettiner Bahnhof leiten. Ein zweiter Vorschlag gehe dahin, den Bahndamm zu erhöhen, um so eine Durch- sührung der geschnittenen Straßen zu ermöglichen. Alle Vor- schlüge schwebten aber in der Luft, so lange die Geldfrage nicht gelöst sei; jedenfalls würde die Durchführung eines jeden Projekts von der Stadt bedeutende Opfer erkor- dein. Der Magistrat thue alles, was zur För- derunq der Angelegenheit sich thun lasse. Die Initiative zum Vorgehen liege aber auf Seiten der Regierung. Im Aus- schußantrage zeige sich ein gewisses Mißtrauen, als wenn der Magistrat es an dem erforderlichen Eifer habe fehlen lassen. Er bitte deshalb, die Petitionen dem Magistrat nur zur Ver» füguna zu übeiweisen. Nach längerer Diskusston, in welcher der Stadtv. Meyer I einen Antrag im Sinne des Magistratskommissars stellt, da von den Stadtv. Gehrt, Dopp und P i tz m a n n bekämpft wird, lehnt die Versammlung den Ausschußantrag ab und nimmt den des Stadtv. Meyer« an, wonach die Petitionen dem Magistrat zur Verfügung gestellt werden. Es folgt die Wahl der Mitglieder der Ein- schätzungsko mm i s s i o n mittelst Stimmzettel. Gewählt werden aus der Stadtverordneten-Versammlung 20 und aus der Zahl der Emkommensteuerpflichtigen 40 Personen. Als Ersatzmänner werden 10 Stadtverordnete und 14 Mitglieder der anderen Kategorie gewählt. Zur Verbreiterung der Chaussee st raße hatte der Magistrat beantragt, eine F'äche von 22 qm vor dem Grundstück Nr 4 zum Preise von 240 M. pro qm zu er- werben. Der von der Versammlung eingesetzte Ausschuß hat den Preis auf 220 M herabgesetzt und empfiehlt durch seinen Berichterstatter Stadtv. G e h r i ck e, mit dieser Veränderung den Magistratsantrag anzunehmen. m �........ demgemäß. Einige Rechnungen nungsausschusses deckargirt. Die Versammlung beschließt werden auf Antrag des Rech- Auf dem Terrain der früher Wöblert- schen Maschinenbau- Aktiengesellschaft sollen drer neue Straßen gezogen werden, und der Magistrat hatte ihre Auf- „ahme in die Abtheiluna X des Bebauungsplanes beantragt. Im Auftrage des zur Vorprüfung niedergesetzten Ausschusses empfiehlt Stadtv. Weiß folgenden Antrag: Die Stadtverordneten-Versammlung erklärt sich damit einverstanden, daß nach Maßgabe der vorliegenden Projektzeichnungen und der nachfolgenven Bestimmungen Baufluchtlinien ans dem Terrain der früher Wöhlert'schen Maschinenbau- und Eisengießerei- Aktien-Gesellichaft an der Chausseestraße von dem jetzigen kohle 0,70-0,96, Torfkohle 0,33-0,85, Holzkohle 0,64 bis 0,97, Koaks 0,84-0,97. Aehnliche Umwandlungen, wie sie sich durch den Bev- moderungsprozeß im Lause unermeßlich langer Zeiträume vollzogen haben, lassen sich künstlich nachahmen. Erhitzt man Holz bei Luftabschluß, so erhält man je nach der dabei wirkendenden Temperatur Produkte, die in ihrer Zusammen- sctzung eine vollständige Parallele zu den Torfen, Braun- kohlen, Steinkohlen und Anthraziten bilden. Ueber den Kohlenreichthum der Erde, insbesondere über den Europa's, sind nun von verschiedenen Seiten und zu verschiedenen Zeiten planmäßige Nachweise geliefert worden, und es dürfte die Schätzung von Simmersbach der Wirklichkeit am nächsten kommen. Von ganz besonderem Neichthum sind die englischen Steinkohlenlager, und zwar sind es in der Hauptsache drei große Kohlenbecken, das von Nemcastle mit 2000 m Fläche und 18 Flötzen, das Zentralbecken mit 4800 m Fläche und das von Süd-Wales mit 2850 m Fläche und 25 Flötzen. Aus allen englischen Gruben werden jährlich gegen 170 Millionen Tonnen Steinkohlen gefördert, von denen im Jahre 1884 noch über 20 Millionen Tonnen exportirt wurden. Allerdings geht dieser Export von Jahr zu Jahr zurück, weil sich Nordamerika in Bezug auf Kohle von England frei macht, Asien in nicht zu langer Zeit feine ungeheuren Kohlenlager in Betrieb gebracht haben wird und bei den Ländern des Kontinents gleichfalls eine Emanzipation vom englischen Steinkohlenmarkte eingetreten ist. Wenn nun England pro Jahr gegen 150 Mill. Tonnen Steinkohlen fördert, so hält der unterirdische Vorrath dieses „schwarzen Goldes" noch auf 600 bis 800 Jahre vor und nicht, wie man früher irrthümlich annahm, nur 105 Jahre. Entschieden günstiger als in England sind die Kohlen- Verhältnisse in Deutschland. Nach vorgenommenen fach- männischen Ermittelungen enthält das Ruhrkohlenbeckcn weit über eine Billion Zentner Steinkohlen, die im Stande wären, den gegenwärtigen Betrieb der westfälischen Groß- industrie auf über 1000 Jahre zu unterhalten. Das Ruhr- kohlenbecken hat über 70 bauwürdige Flötze mit ungefähr Besitzer des Terrains, Banquier Ecsiwabackier, projektirtcn neuen Straßen I, I und unter folgenden Be> dingungcn zur Festsetzung gelangen: 1. Der Unternehmer hat das zur Anlage der drei neuen Straßen innerhalb seines Grundstücks bis an dessen Grenzen benöthigte Terrain unentgeltlich an die Stadtgcmeinde abzutreten. 2. Die Straße I ist in gerader Linie von der Chausseestraße aus der- ait anzulegen, daß sich die nördlichen Baufluchtlinien dieser Straße und der 5�ermsdorferstraße in der westlichen Bauflucht- linie der Gartenslraße schneiden. 3. Die H« stell ung(Freilegung, Planirung, Regulirung, Pflasterung und Entwässerung) der genannten Straßenzüge, ingleichen die Unterhaltung der- selben, hat Unternehmer nach den ortsstatutarischen Bestimmungen und nach Anweisung des Magistrats vollständig auf eigene Kosten u bewirken. 4. Die in den genannten Straßen und deren Fort- etzungcn innerhalb der Grenzen des eigenen Grundstücks noth- wendige Gasleitung und Straßcnbeleuchtungs- Anlagen hat Unternehmer auf seine Kosten nach Anweisung des Magistrats herzustellen. 5. Das hinter den, städtischen Grundstück Chaussee- straße 44 und zwischen der Straße!' belegene Schwabacher'sche Terrain ist in gleicher Breite wie das Grundstück Chausseestraße 9tr. 44 psand- und kostenfrei an die Stadtgemcinde unentgelt- lieb abzutreten, und dürfen derselben wegen dieses Trcnnstücks keine der aä 3 und 4 genannten Kosten erwachsen. Der Stadtv. Meyer i stellt folgenden Zusatzantrag: Die in den genannten Straßen nothwendigen Gasleitungs- und Straßcnbelcuchtunasanlagcn hat der Unternehmer auf seine Kosten nach Anweisung deS Magistrats herzustellen. Die zur eventuellen Weitelführung der drei Straßen bis zum Bahn- körper der Stettiner Eisenbahn erforderlichen Terrain- streifen sind von der Bebauung auszuschließen und sofcrt un- entgeltlich an die Stadtgemcinde Berlin abzutreten, sobald die Weitersübrung der Straßen genehmigt ist. Im Falle der Wcitersührung sind auch diese Straßentheile in gleicher Weise wie die projeltirtcn Straßen>, n und!>> von dem Unter- vehmer auf seine Kosten herzustellen. Zur Sichening dieser Rechte ist ein entsprechender Bermerk in das Grundbuch ein- zutragen." Stadtv. Friedemann empfiehlt dieses Amendement. Unter Ablehnung des Ausschußantrages stimmt die Ver- sammlung dem Antrage Meyer zu. Eine Reihe unwesentlicher Magistratsanträge wird dcbatte- los genehmigt. Einige Rechnungen gehen an den Ausschuß für Rcchnungs- fachen. Den Ankauf des Rentier Piepcr'schcn G r u n d st ü ck e s an der Gubenerstraße zum Preise von 12 100 M. genehmigt die Versammlung. Die Ablösung der Freihausberechtigung des Grundstücks Pariser Platz durch Zahlung eines Entschädi- gungekavitals von 7862,40 M. an die Jmmediatkommisfion des von Rhodich'schen Legatenfonds wird beschlossen. D i c V c r v a ch t u n g des an der Triftsec- und ver- längerten Torsstraße belegenen Ackerstücks von 22 Hektar 83 Aar 93 gm. Flächeninhalt auf die Zeit vom 1. Januar 1887 bis 1. Oktober 1892 an die Fuhrwerksbesitzer Wilhelm und Eduard Geduld zu Reinickendorf kür einen jährlichen Pachtzins von 430 M. wird nach kurzer Diskussion mit der Maßgabe genehmigt, daß das verpachtete Grundstück zur Ablagerung von Müll und Unrath nicht benutzt werden darf. Den freihändigen Verkauf der von dem Grundstücke Lands- brrgerstr. 40 und Landwehrstr. 33 33» nach Durchlegung der Lietzmannstraße übrig blcrbeuden Bauparzelle von 1 024,4 gm mit Einschluß auch der auf dem städtischen Restgrundstucke st Herden Baulichkeiten für einen Preis von 236 M. pro Quadratmeter, zusammen für 241 758,40 M.— zur Uebergade am 1. April 1887 genehmigt die Versammlung unter der Be- dingung, daß der Käufer die Abfindung des noch bis I.Oktober 1887 berechtigten Miethcrs Lewinsohn zu übernehmen, die Baulichkeiten bis 1. Juli 1887 abzubrechen, spätestens an diesem Tage das Straßcnterrain völlig freigelegt an die städ- tische Bauverwaltung zu übergeben, aber Kosten der ersten Einrichtung, Pflasterung und Entwässerung der neuen Straße nicht zu tragen hat. Zur Unterbringung von Bureaus des könig- licken Polizeipräsidiums soll die zweite Etage des Neubaues auf dem Grundstücke Königstraße 7 gemicthct werden. Die Veisamnilung stimmt diesem Antrage zu. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Schluß 7i Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Kokales. Der Neujahrstag bringt zwei ganz besondere Artikel in den Handel: die mit Blumen und Bändern verzierten Zigarren- svitzerr und die Neujahrskarten. Die ersteren sind dazu bc- stimmt, von den Kellnern und Häusdienern als Angebinde den Stammgästen und Besuchern der Restaurants und Destillationen ebensoviel Großmächtigkeit auszuweisen. Die ganze Teufe desselben beträgt ungefähr 2500 Meter mit zirka 130 Flötzen. Die Kohlenlager von Aachen, Bayern, Niederschlesien, Saar- brücken und in Sachsen halten noch zirka 100000 Millionen Tonnen Steinkohlen. Die unterirdischen Schätze von Stein- und Braunkohlen in Oesterreich befinden sich hauptsächlich in Böhmen, wo namentlich die Braunkohle masienhaft vertreten ist; jedoch werden diese Felder, gleich denen der böhmischen Steinkohle, in absehbarer Zeit ausgebeutet sein. Als eine Fortsetzung der oberschlesischen Kohlenfelder sind die mährischen Stein- . kohlenflötze anzusehen. Der russische Steinkoblenreichthum ist fast noch nirgends zur Genüge erschlosien, doch werden iw späteren Zeiten die russischen Kohlenlager den europäischen Bedarf auf sehr lange Zeit decken helfen. Frankreichs Kohlenförderung steht auf sehr mäßiger Stufe. Im Jabre 1884 förderte man daselbst an Stein- kohlen und Antyrazit 21 Mill. Tonnen und an Braunkohlen zirka i Million Tonnen. In Belgien durchzieht das Steinkohlenbecken das ganze Land von Osten nach Westen. Der Kohlenbau wurde hier schon im 11. Jahrhundert und gegenwärtig in. 260 Gruben von 166 000 Arbeitern betrieben. Unbedeutend endlich ist die Steinkohlenförderung von Italien, Spanien, Dänemark, Schweden und Norwegen, welche Länder durchschnittlich je zwei Millionen Tonnen Kohlen von England beziehen. Speziell die sächsische Kohlenförderung anlangend, wur- den in den drei Kohlenbecken Zwickau, Lugau-Oelsnitz und Dresden i. I. 1885 4 129 501, t= 82 590 20 Zentner dem Erdreiche entnommen, welche einen Gesammtwerth von zirka 20 Millionen Mark repräsentirten. Die Zahl der beim sächsischen Steinkohlenbergbau beschäftigten Personen stellte sich im vorerwähnten Jahre auf 591 Beamte und 17 984 Arbeiter. Dieselben bezogen an Gehalt 1 195 725 M. und an Löhnen 14 952 225 M. Außer diesen menschlichen Kräften dienten noch 517 Dampfmaschinen mit 18 527 Pferdestärken dem Steinkohlenbergbau, und zwar theils zur Förderung der Kohlen und der Tiefe, theils zur Ventilation und Wasierhaltung. Egon W. auf weißen Tellern präsentirt zu werden und bringen für die Spender, ihren verdorgcnm Zweck erfüllend, meistentheils ein paar bei der allgemeinen ausgedehnten Anforderung an Jedermanns Kasse mißmuthig gewährte Groschen ein. Die illustrirten, mit allerhand Poesien und Reimereien versehenen Karten und Wünsche sollen Spaß machen, zumeist aber verborgenen Haß und Groll ausdnicken, ungestraft einem armen Opfer, dem man gern etwas am Zeuge flicken möchte, Injurien anhängen; sie erfüllen für den Absender den Zweck am besten, wenn sich der mit ihnen Beschenkte weidlich darüber ärgert, ohne dagegen etwas thun zu können. Die sogenannten komischen Karten werden hier in Berlin in großen Fabriken angefertigt, viele Kräfte sind während des Jahres damit beschäftigt, das Material für diesen einen Tag zu schaffen. Da arbeiten Zeichner und erfinden bezügliche Situationen,„Dichter" schmieden die o't haarsträubenden Knittelverse zusammen, da wird geklebt, gepreßt, gedruckt, illustrirt, gesalzt, tapsende Hände regen sich. Der kleinere Theil der Karten bleibt im Lande, die meisten wandern über das Meer und werden nach Amerika cxportirt, wo sie sich großer Beliebtheit und reger Kauflust erfreuen.— Besondere Ori ginalität, wirklicher Witz und Humor ist in diesem Jahre den Erzeugnissen für den einen Tag nicht gerade nach;»- rühmen; wir haben kein Ereigniß gehabt, welches geeignet wäre, dem Zwecke angepaßt zu werden, das Kamerunwitzfieber, welches zu Zeiten beunruhigende Dimensionen angenommen, muß noch immer herhalten und tritt in den Vordergrund. Die unglücklichen Schwiegermütter, die gar nicht in Ruhe gelassen werden können, müssen wieder wie voriges Jahr nach Kamerun wandern, um dort verspeist zu weiden. Der Kokcmann, welcher voriges Jahr florirte, ist fast verschwunden, er ist nur noch in vereinzelten Exemplaren aufzutreiben. Eine gewisse Originalität verrathcn allein die mit anmuthigcn Vignetten illustrirten und mitunter mit ganz leidlichen Strophen versehenen Postkarten. Auf der einen findet man einen Pantoffel von mächtiger Größe: „Gratulire, lieber Alter, Dir zu diesem Gcradehaiter!" Auf einer andern einen tyroler Cithcrspielcr:„I bin a Tyroler, a lustiger Gesell'— Und bring Dir vom Sdhatzln a Gruß mit zur Stell'— A Gruß und a Busserl, a Wunsch und a Lied — A Händedruck und— daß Gott Dich bchüt'. Holvrio!! — Auf einer dritten ein weidliches Wesen mit~—:„Ich kenn' ein Blümchen eig'ner Art— Es blüht nur an Plätzen fein und zart,— Wird eifrig gepflegt vom schönen Geschlecht, — Gar oft betrachtet und das auch mit Recht;— Kennst Du dieses Blümchen nicht?— Du sagst lächelnd: Ja— Vergißmeinnicht.— Nein, Freundchen. Tu hast fehlgeschossen,— Das Blümchen, das ich meine:— Das heißt Sommersprossen!"— Leider find auch die zweideutigen Neujahrswünsche und die widerwärtigen obszönen nicht wenig vertreten. Es läßt sich gegen diese Beleidigungen des guten Geschmacks kaum anders als durch immer erneute Proteste etwas thun. Der Ausbau der Unfallversicherung, wie er sich in den endgiltigen Entscheidungen der obersten Zentralbehörde, dem Rcichsvcrsicherungsamte, darstellt, hat bereits eine ganze Reihe gemeingiltiger Grundsätze zur Folge gehabt, die für weitere Kreise der Beachtung wcrth find. Eine solche Entscheidung von größerer Tragweite wurde kürzlich über die Erstattung der Beerdigungskosten gefällt, welche für einen infolge eines Be- triebsunfallcs Getödteten verauslagt worden. Das Unfallver- fichcrungsgesctz bestimmt im Absatz 1 seines§ 6, daß im Falle der Tödtuna eines Versicherten durch Unfall der Ersatz der Beerdigungskosten stattzufinden hat, und zwar in Höhe des Zwanzigfachcn des Betrages, welchen der Gctödtctc als durch- schnittlichcn Tagesverdienst bezog, jedoch mindestens dreißig Mark.— Diese Ersatzpflicht— so hat das Rcichsversicherungs- amt entschieden— ist den Berufsgenossenschaften ohne nähere Bezeichnung eines Empfangsberechtigten auferlegt worden. Wenn also die Beerdigung weder durch die Hinterbliebenen des Getödteten, noch durch die gesetzlich dazu verpflichteten Kassen, Ärmcnvcrbände, oder durch den Betriebsunternchmer besorgt worden ist, so ist jedem Dritten(Nachbar, Freund, Verein) welcher die Beerdigung bewirkte und nachweist, daß er dadurch Kosten hatte, ein selbstständiger Anspruch auf Erstattung dieser Kosten in den Grenzen des vorerwähnten, gesetzlich fixirten Betrages gewählt und nur ein etwa verbleibender Ueberschuß wird in solchen Fällen den Hinterbliebenen zu gewähren sein. Die Feststellung der von Dritten erhobenen Ansprüche erfolgt im gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren, und gegen die so erfolgte Feststellung steht den Interessenten die Berufung auf schieds- richterliche Entscheidung zu. Was die Auszahlung betrifft, so hat sich das Reichsversicherungsamt, wenn von verschiedenen Seiten Ansprüche erhoben werden, dahin ausgesprochen, daß die einander ausschließenden Ansprüche mehrerer Kassen entweder im Wege des Ucbcrcinkommms oder im ordentlichen Rechtswege zu regeln und bis dabin die streitigen Beträge eventuell gericht- lich zu hinterlegen sind. Zum Kapitel vom Schriftstellerelend. Ein begabter Journalist, der auf eine langjährige erprobte Redakteurthätigkest zurückblickt, aber in der Metropole nicht das erhoffte Glück fand, ist dieser Tage, dem Hunjjer- und Erfricrungstode nahe, in schrecklichem Zustande bei Schildhorn an der Pontonbrücke auf- gefunden worden. Nachdem er im„Kaisergartcn" zum Bewußt- sein zurückgerufen und, über seine Verhältnisse befragt, auch mit Wasser erquickt worden war— Bouillon hatte er wieder von sich gegeben— wurde der Unglückliche nach dem Stadtkranken- Hause rn Charlottcnburg gebracht, wo er schwerkrank darnieder liegt, lieber sein Vorleben sind wir in der Lage, verbürgte Mitthcilungen machen zu können. Mitte Oktober v. I. wurde Karl Jander, ein Mann hoch in den dreißiger Jahren, an der Grenze von Westpreußen und Posen gebürtig, von Aachen, wo er, nachdem er vorher in der Redaklion der �.Deutschen Allgemeinen Zeitung" in Leipzig(eingegangen) gewerkt, sieben Jahre lang die„Aachener Zeitung" geleitet hatte, an die,, Frei- sinnige Zeitung" berufen, da er als ehemaliger Sekretär des Abg. Parisius persönliche Beziehungen zu diesem und Eugen Richter halte. Er verblieb jedoch nicht lange in dieser Stellung und schied bereits am 1. Dezember v. I. aus der Redoktion aus. Sodann verließ er Berlin und hielt sich bis zum Februar d. I. im Westen auf. Von da ab schlug er seinen Wohnsitz wieder hier auf und versuchte sein Heil aus der Journalistcntribüne des Reichstags und Landtags als Korre- spondent für auswärtige Blätter. Seitdem hatte er mit des Geschickes Mächten schwer zu kämpfen und wurde in Folge eines ungünstigen Prozesses um sein letztes Hab und Gut ge bracht. Am 30. November dieses Jahres war er aus seiner Wohnung Große Friedrichstraßc 106, wo er hei seiner Wirthin, Frau Sternhcini, oft freundliche Unterstützung gefunden hatte, fortgegangen, die Nacht fortgeblieben, am nächsten Tage jedoch erschöpft zurückgekommen. Er wurde von der Wirthin erquickt und mit einem Markstück, da er in Geldverlegenheit war— ein Dreimarkstück hatte er abgelehnt— ausgi stattet. Er erklärte, nach Spandau im Auftrage eines dortigen Hausbesitzers reisen zu müssen und verließ an demselben Tage wieder seine Woh- nung. Am 3. d. M. erschien er im Kaisergartcn bei Schild- Horn und verzehrte kür 25 Pf. ein Butterbrot. Von da ab fehlte jede Spur; die Wirthin glaubte, daß er gänzlich abgereist sei und meldete ihn bei der Polizei ab; sendete auch zwei an- gekommene Briefe zurück. Wie der arme Mensch, als er am 23. im Kaisecgarten das Bewußtsein wieder erlangt hatte, ge- stand, hat er sich obdachslos in der Gegend von Schildhorn und Pichelswerder umhcrbewegt und nur kaltes Wasser genossen. Schnelle Hilfe thut noth, um das Opfer verwonener sozialer Verhältnisse zu retten. Zur allgemeinen Beachtung, insbesondere für HauS- eigenthümer und Miethcr, theilen wrr folgenden ebenso wichtigen als interessanten Vorgang mit: Eine hiesige Gesellschaft, Be- fiyerin zahlreicher Grundstücke, hatte an ihr Heer von Mietbern kürzllch ein Rundschreiben nachstehenden Jnhelts ergehen lassen: „In Versolg einer bei uns vorgenommenen Stempelrevifion verlangt der königl. Stcmpel-Fikkal den Nachweis, ob Sie dk stillschweigenden Prolongationen Ihres unterm.... mit unt abgeschlossenen Micthskontraktes haben verstcmpeln lassen. Sollte dies nicht geschehen sein, so haben Sic, ausweislich der in unserem Bureau zu Ihrer Einficht ausliegenden Defekten- tadclle für die Kontraktszcit bis zum 1. April 1887 vorläufig an Stempel M.... nachzuzahlen. Wir eriuchen Sie nun, binnen drei Tagen uns entweder den richtig verstempelte» Miethskontrakt zur Vorlegung beim Stempel- Fiskal zu über- senden, oder, falls Sie dies nicht können, den oben genannten Stempelbetrag in Gemäßheit des mit Ihne« abgeschlossenen Kontraktes an unserer Kasse einzuzahke». Wir machen Sie noch darauf aufmerksam, daK der Kontrakt jetzt zur nachträglichen Stempelung de« Stempeldistributcur nicht mehr vorgelegt werden darf, und daß der Stcmpelfiskal sich die Einleitung des Strafverfabrens wegeu etwaiger Stempclkontravcntion vorbehalten hat." Wie wir noch» im Anschluß hieran erfahren, sind jetzt diejenigen Miethcr, welche den Stempelbetrag nickt erlegt haben, verllagt dezw. vo» der Gesellschaft per 1. April 1887 gekündigt worden. Wie macht es nun die Gesellschaft mit denjenigen Miethein, welche ebenfalls ihre Kontrakte stillschweigend ohne die gehörige Stempelung prolongirt haben, inzwischen aber aus den Grund» stücken der Gesellschaft ausgezogen find? Eine zweite Frag« ist: sollte die Gesellschaft nicht ebenfalls einen Theil der Schuld an der Stempelkontravention tragen, so daß es ungerechtfertigt erscheint, wenn sie jetzt die Miether die Konsequenzen allei» tragen läßt? Mindestens dürfte man ein weniger rigorose» Vorgehen ihrerseits erwartet haben. Berlin als Skatresidenz. Eine Millionenstadt weißt nach den verschiedensten Richtungen hin Eigenthümlichkeite» auf, und es wäre einseitig, wollte man an unseren leben»- lustigen, gemüthlichcn Berlinern den kriegerischen Charakter in erster Linie betonen. Nein, lieber noch treibt man hier Harm» lose Künste des Friedens, zu denen vor Allem das Skatspiel nach Zeugniß des Adreßbuches zu rechnen ist. Wenn hier frei- lich nur von 2 Singvögeln, 6 Spielern, einem Spielbergerund einem Skatekowsky die Rede ist, so darf man sich durch diese geringe Zahl, unter der natürlich nur die Muster- spieler zu verstehen sind, nicht beirren lassen. Es wird offenbar zu Vieren gespielt; denn nach dem Adreß- buch sind 4„Geber" vorhanden, ebenso die entsprechende Zahl der„Rei(t)zer". Da sünsmal„Paß" gesagt wird, so finde» sich in Berlm auch 2„Paffauer", 1„Passenheim" und 1„Passiert. Bedenklich stark ist die Klasse der„Maurer" vertreten, zu d« nicht weniger als 26 gehören. Da bei dem Spiel auffallender Weise kein Solo, wohl aber 6„Grands" vorkommen, so ist die Aufforderung„Mische", die uns 40 Mal cntaegenschallt, sicherlich berechtigt. ZweiSpielerbabenganzleidlicheKarten.sodaß ihnen der Rath gegeben wird:„Tournier'!" Dabei treffen sie 6 Mal auf „Eickel", dazu 4 Mal auf„Kreuz", 2 Mal auf„Treff", 25 Mal auf „Pick", 58 Mol auf„Herz"(französische Ausdrücke wie„Coeur*' braucht der Berliner nicht!) und 48 Mal auf„Roth", so da» also hier das Sprüchwort:„In den meisten Fällen tournia man Schellen", wieder einmal trügerisch gewesen ist. Di« Streitfrage, ob man nach oben oder unten fassen soll, wird verschieden gelöst; denn bei Dreien heißt es„Oben", bei Vieren„Unten". Daß es übrigens um ein reguläres Skatspid! sich handelt, ficht man aus dem Umstände, daß 4„Buben* vorhanden sind. Wenn freilich an einer anderen Stelle vor» 40„Jungen" die Rede ist, so werden für dieselben gewiß auch 10 Spiele existiren. Natürlich wird mit allen Chikanen gespielt wenngleich wie bisher nur einen„Sckikomowsky" gesunde» hoben. Bieiskat scheint besonders beliebt zu sein, denn wir sehen elf Mal„Bier", eine Reihe von„Schoppen", 3„Bier- freunde", einen„Bierhals", 1„Bierleben", 34„Biermänner* und selbstverständlich auch einen„Bierschenk". Es wird i» Ganzen recht ehrlich aespielt, nur einmal hört man»o» „Mogel!" Da wir 15 Mal„Pech" und 19 Mal„Glück" wahr- nehmen, so erklärt es sich, daß nicht weniger als 687„Schneider* und 279„Schwarz" werden. Im Ganzen muß aber wohl nicht viel herauskommen, denn nur bei einem heißt es:.„Verloren"; ebenso findet sich auch bloß 1„Gewinner". Es giebt in Berli» ja auch nur einen—„Schweinburg". Man sieht, in Berkirr wird nur solide gespielt. Betreffe der Jubiläums-Kunstauestellungs-Lotterie ist nunmehr, wie das„Deutsche Tageblatt" meldet, folgende» be- stimmt worden: Die nochmalige Ziehung derselben beginnt, nachdem die Genehmigung des Ministeriums des Innern ein- getroffen ist, unter Mitwirkung der königlichen Lottcricdirektion, sowie unter Zuziehung von Zeugen und Notar am Montag, den 3. Januar k. I., Vormittags 9 Uhr, im sogenannten lange» Saale(nicht im Uhrsaale, wie das erste Mal) des kgl. Akademie- gebäudes, Unter den Linden 38, und wird ca. 14 Tage i» Anspruch nehmen. Nach Schluß der Lotterie erscheint die amt- liche, allein maßgebende Lotterieliste, deren Publikation durch den„Reichs- und Staatsanzeiger" erfolgt und welche außerdem käuflich im Bureau der königl. Akademie, Universitätestr. 6 1, sowie bei Herrn Heintzc, Unter den Linden 3, zu haben sein wird. Hinsichtlich der Verausgabung der Gewinne ergehen nach Schluß der Ziehung noch weitere ausführliche Bcstim» mungen.,,„, Stilvester. Wenn man scherzwerse zu sagen pflegt, Oster» und Pfingsten fallen auf einen Tag, um damit einen Zustand außergewöhnlicher Fidelitas zu bezeichnen,� so kann man mit einer gewissen Berechtigung behaupten, Weihnachten und Rm» jähr fallen auf einen Tag, denn um diese Zeit kommt der ge- wöhnliche Durchschnittsmensch aus den Feiertagen schier gar nicht mehr heraus- Die letzte Woche des Jahres ist eine wahre Festwoche, denn die meisten Tage, welche zwischen Weihnachten und Neujahr liegen und gleichsam das erstere in das letztere hinübcrlesten, sind sogenannte„Bummcltage", keiner ernste» Arbeit und Beschäftigung gewidmet, es sei denn, daß die Pflicht gebieterisch dies verlange. Ende gut, Alles gut! bo» hauptet etwas optimistisch ein bekanntes Sprichwort und so find auch Weihnachten und Sylvester die beiden Feste, welehe dem enteilenden Jabre ein gutes, fröhliches Ende bereiten; zwei Feste, mit einander innig verwebt und doch von gänzlich verschiedener Eigenart. Ist Weibnachten das Fest der Kleine», so ist Sylvester das Fest der Großen. Ist Weihnachten ei» pocsicumfloffenes, religiöses Fest, so ist Sylvester das gerade Gegenthcil, ein weltliches Fest von sehr realer Natur; ge» mcinsam haben beide nur das Mystische, das ihnen mehr bet» gesellt ist, als den beiden anderen Festen, Ostern und Pfingsten. Weihnachten ist vorübergezogen mrt aller Pracht und Herrlich» keit, mit allem Kummer, Leid und Sorgen; der Sistvestev» morgen ist angebrochen, dessen Abend alljährlich Zeuge früh- lieber Ausgelassenheit ist. Weniger, als Weihnachten, ist Sylvester ein Fami'icnfcst, am Sylvesterabend sucht Jeder fröhliche Gesellschaft, wo er sie findet, und sind deshalb auch die Sylvesterbälle so sehr im Schwange. Wer Familie hat, wird selbstverständlich vorzugsweise im Familienkreise bei Punsch und Pfannkuchen Sylvester feiern, denn ebenso, nie der Christbaum das nothwendige Attribut des Wcihnachtl» festes ist, so sind Punsch und Pfannkuchen die nothwendigen Attribute des Sylvcsterabends, ohne welche beide Feste nicht eigentlich gedacht werden können. Die Verschmelzung beider Feste wird veranschanlicht durch den Weihnachtsbaum, welcher am Sylvesterabend im vollsten Kerzenglanze erstrahlt, durch die seltsame Mischung von Tanncnduft und Punschodcur, welcher die Wohnung durchfluthet. Gleichwie der Sylvestcrabend den Abschluß bildet für ein ganzes langes und doch so kurzes Jahr und hinüberführt in eine neue hoffnungsreiche Zeit, so.dildrt er auch den Abschluß für die Weihnachtszeit, er führt hmuber in die fröhliche, ausgelassene, tolle Karnevalszeit, welche mit ibm durch die vorerwähnten Eylvester-Maskenbälle osfizrcll er» öffnet wird. Doch auch im engsten Familienkreise treibt der Faschmgslobold am Sylvesterabend sein gcheimnißvolles Wesen UN so mancher indiskrete Blick in die Zukunft wird unter An- wendung von allerlei HokuSvokuS aus Scherz oder Aberglauben gethan. Allgemein ist die Sitte des Fischeffens am Sylvester- abend, um sich im neuen Jahre das nöthige Kleingeld zu sichern. Der beliebteste Fisch ist der Karpfen. Weniger beliebt, der aber dennoch nothgedrungen in großen Massen verzebrt wird, ist der Öering. Beide werden auch wohl durch süße Mohnpielcn ersetzt. Durch Blcigießen, Pantoffelnwcrfcn, aus Nüssen, Kaffeegrund, durch Orakel, Mirakel und sonstigen Spektakeln sucht man die Zukunft zu ergründen. Dies alles nerlecht dem Sylvesterabend einen ebenso lustigen, wie närrischen Charakter. Dazu kommt wohl noch in vielen Fällen ein ge- wisscr Galgenhumor, welcher den letzten Abend eines verdrieß- iichen Jahres wenigstens in Heiterkeit entschwinden macht. Sylvester, dem Jahre giebt den Rest er. und aus welcher Ver- anlassung auch immer, gefeiert wird auf alle Fälle Sylvester! Arbeitseinstellung. Die Dreher der Kettner'schen itnstrumentensabrik, Neuenburgerstraße 29, liegen seit dem 27. d. M. im Streik wegen Differenzen mit dem Prinzipal. Der Sachverhalt ist folgender: Die Arbeiter sollten eine Fabrik- ordnung unterschreiben, die besagt, daß für ein einziges Mal Zusvätkommen 50 Pf. Strafe bezahlt werden sollen. Wer vier Mal zu spät kommt, soll sogar 70 Psg. Strafe zahlen. Die Arbeiter weigerten sich natürlich, derartige Bestimmungen zu unterschreiben. Sie wählten eine Kommission von Drehern und Gürtlern, die dem Fabrikanten das Unannehmbare seiner Forde- rungen vorstellen sollte. Als der Fabrikant nun sah, daß seine Arbeiter durchaus einig und entschlossen waren, ihr Recht zu wahren, gab er klein bei, ennäßigte die„Strafe" für Zuspät- kommen wieder auf 10 Pf., bedielt sich jedoch„weitere Schritte' vor. Diese„weiteren Schritte" bestanden nun darin, daß ein Arbeiter, welcher schon 6 Jahre in der dottigcn Fabrik beschäf- tigt war, und der dem Fabrikanten die Sachlage klar gelegt halte, plötzlich entlassen wurde. Nun traten die Arbeiter ein- müthig für ihren gemaßregelten Kollegen ein und legten die Arbeit nieder, da Herr Kettner nicht dazu zu bewegen war, die Entlassung des Arbeiters zurückzunehmen. Man ersiebt aus dieser Darstellung, auf wessen Seite Recht und wo Unrecht ist. Die Arbeiter werden ja wissen, was sie zu tbun haben. Unter dem Namen» Warmer« Safe Cure" wird seit einiger Zeit eine braune Flüssigkeit in flachen Flaschen von etwa 500 Gramm Inhalt gegen'Nierenleiden angepriesen und für den Preis von 4 M. verkauft. Die amtlich veranlaßte chemische Untersuchung und die Angabe eines hiesigen Apo- tbekers, welcher das Mittel führt, haben ergeben, daß das Mittel im wesentlichen aus amerikanischem Wintergrün her- gestallt wird und daß die Flasche höchstens einen Werth von 2 M. hat. Im Moabiter Kriminal-Gerichtsgebäude ist am Diens- tag cur überaus frecher Diebstahl ausgeführt worden. Ein ge- wandter Spitzbube benutzte die sich ihm darbietende Gelegenheit, aus dem unbewachten Zimmer der Rechtsanwälte den funkel- nagelneuen Ueberzieber eines Referendars zu stehlen und spur- los zu verduften, während der Bestohlene in Ausübung seiner Praxis zur Vertheidigung eines Erzspitzbuben nach einem der fernab gelegenen Sitzungssäle abberufen worden war. Der« artige Vorkommnisse sind übrigens nichts neues, denn erst vor kurzem ist an derselben Stelle einem der Vertheidiger die Robe g, stöhlen worden; die Gelegenheit ist aber auch zu günstig für die zahlreich in dem GcnchtSgebäudc qnaai als Zuhörer verkehrenden Kriminalstudenten und Zunftgenossen der eingelochten Verbrecher. Um dem vorzubeugen, werden die Herren Recbts- anwälte wohl oder übel sich zur Anstellung eines aufstchts- fübrendcn Beamten für das von ihnen denutzte Zimmer über kurz oder lang entschließen müssen. Alter Schwindel, der immer neu bleibt. Ter von der Staatsanwaltschaft zu Breslau wegen Betruges und Urkunden- fülschung verfolgte Barbier Otto Gaertncr aus Guhrau ist gestern hier festgenommen worden. Gacrtner hat, wie er zu- gcstebt, in einein Briefe, welchen er mit dem Namen von Ziele ro unterschrieb, einen Gutsbesitzer in der Nähe von Glogau er- sucht, sich zum Ankauf von Vieh in Breslau einzufinden. Nach- dem G die Ankunft des S. erfahren hatte, richtete er im Namen des letzteren an die Ehefrau desselben das telegraphische Ersuchen, sofort— 800 Mark nach Breslau einzusenden. Das Geld wurde abgeschickt, von G. in Empfang genommen und verbraucht. Gaertner, welcher sich auch die Namen Krosche, Eiselt, Scibt und von Zilow beigelegt hat, steht außerdem im Verdacht, ein Hcirathsschwindlcr zu sein. In Bezug auf die Haussuchung, von der wir in Nr. 304 Mittheilung machten, isi zu berichtigen, daß der Name des einen „Gebaussuchtcn" nicht Berger sondern„Bergncr" ist. Ein ,, Geschäftskniff". In den Kneipen, die durch ihr Aushängeschild„Wein und echte Biere" gekennzeichnet und in einen gewissen Übeln Ruf gcrathen sind, wird bei den bedienen- den Kellnerinnen häufig die Beobachtung gemacht, daß sie, um sich über die Geldverhältniffe der Besucher(namentlich der Pro- vinzialen) zu vergewissern, sich folgenden, sehr einfachen und doch wirksamen Kunstgnffs bedienen. Sie gehen mit einem von dem Wirth erhaltenen 50-Markschein oder 20-Markstück an den fremden Besucher mit der Bitte heran, den Schein oder das Goldstück zu wechseln. Jndcß sich der Fremde liebenswürdig beeilt, der Bittenden das Geld umzuwechseln, hat diese mit Kennerblick den Inhalt seiner Geldbörse gemustett und richtet darnach den Grad ihrer— mehr oder weniger auf Bauernfang berechneten— Liebenswürdigkeit ein. Eine Reihe von merkwürdigen Lithographien fesselt jetzt die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden an das Schau- fenster des Mai'schen Kunst-Antiquariats in der Mauerstraßc. Es find Steindrucke des Erfinders dieser Kunst, Eenefeldcr, settsame Karrikaturen der Künste und Handwerke. Aus den Werkzeugen der Tischler, Böttcber, Friseure u. s. w. hat der Zeichner höchst groteske Köpfe konstruitt, ein Scherz, der uns heute nicht mehr anmuthet. Aber als erste Proben dieser Kunst, welche bei ihrer Erfindung so großes Aufsehen erregte, sind die Blätter merkwürdig. Kunstbutter muß unter allen Umständen als solche be« zeichnet werden. Ein Kaufmann E- hatte einem hiesigen Bäcker Kunstbutter als Backbutter verkauft. Die Sache wurde der Staatsanwaltschaft angezeigt und der Kaufmann in zwei In- stanzen zu 100 M. Strafe veruttheilt. Umzugstermin für Dienstboten. Mit Rücksicht auf den Neujabretag und den Umstand, daß der 2. Januar diesmal auf einen Sonntag fällt, ist beim bevorstehenden Ouattalswechscl der Umzugstermin für die Dienstboten in Berlin auf Freitag, den 31. Dezember, festgesetzt worden. Die Entfernung der Schncemassen von den Dächern ist eine dringende Nothwendigkeit; täglich, und namentlich um die Mittagszeit, wenn die Temperatur den Schnee zum Schmelzen bringt, kann man in den Straßen diese Lawinen- stürze beobachten, die hier mehr Menschenleben gefährden, als nie allerdings großartigeren Naturschauspiele in ven Gebirgen. Nicht bloß im Interesse des Straßenverkehrs, sondern auch im eigendsten Interesse der Hausbesitzer und Hausverwalter empfiehlt sich die Befreiung der Dächer von den Schncemassen, denn für die Folgen eines Unfalles, den solche niederstürzenden Schneemassen annchten würden, dürften die Hausbesitzer resp. Verwalter zivilrechtlich im vollen Umfange verantwortlich ge- macht werden können. Ausgerechnet! Wie viel Nadelstiche sind zur Fertig- stelluog eines Wintcrrocks erforderlich? Diese interessante Frage wurde, dem„Berl. Tgbl." zufolge, dieser Tage in Wien ae- le.zcntlich einer Wette entschieden, welche der Schneidermeister Alois B. proponitt hatte, nachdem er behauptet, daß mehr als 40 000 nöthig wären. Ein Schneidcrgeselle wurde mit der An- feitigung des Kleidungsstückes betraut und eine Kommission von Sachverständigen hatte mit Genauigkeit die Stiche zu zählen und darüber zu wachen, daß leine unnützen Stiche ge- macht wurden. Das Ergebniß war folgendes: Vorder-, Hinterund Seitentheile zusammennähen 4780 Stiche, Kragen 8063, Kragen annähen 1763, Knopflöcher 2520, Aermel nebst Fütterung derselben 980, Taschen 924, Absteppen des Seidenfutters und der Watte, sowie Einnähen derselben 17 863, unterer Saum 2726— in Summa 39 619 Nadelstiche. Eine abscheuliche Nohheit begingen in verflossener Nacht ein halb Dutzend verwildette Burschen, welche der„Zuhälter- Zunft" angehören, in einem Lokal der Hirtenstraßc an dem Barbier Hermann Bl. aus der Straußbergcrstraße. Bl. war ahnungslos in das Lokal gekommen und hatte sich ein Glas Bier bestellt. Die in dem Lokal befindlichen Rowdies, welche schon gehörig gezecht hatten, fielen nach kurzer Zeit ohne jede Veranlassung über Bl. her und schlugen mit allen möglichen Instrumenten so lange auf ihn ein, bis er bewußtlos zusammen- brach. Alsdann machten sich dieselben aus dem Staube. Der Schwerverletzte begab sich in Begleitung zweier mitleidiger Menschen,'welche auf den Skandal herbeigeeilt waren, zur känigl. Charitee, woselbst er Aufnahme fand. Das Geficht des Bedaucrnswerthen war von Stockhieben so verschwollen, daß Bl. kaum im Stande war, die zur Aufnahme nöthigcn An- gaben zu machen. Die Kriminalpolizei hat schon Schritte de- Hufs Festnahme der Unholve gethan. Der«. Bl. soll an dem Streit völlig unschuldig sein. Bon Geburtswehen überrascht brach vorgestern Nach- mittag gegen 5 Uhr auf dem Alexanderplatz eine junge, an- ständig gekleidete Frauensperson laut jammemd zusammen, welcher Vorgang selbstverständlich auf dem stark frequcntirten Platze eine größere Menschenansammlung zur Folge hatte. Ein Schutzmann nahm sich der Aermsten an und bewirkte ihre lieber fübrung mittelst einer Droschke nach der Charitee- Dort wurde die Patientin als die bei ihren Eltern in Tempelhof wohnhafte Arbeiterin Anna P. rekognoszirt. Wieder eine Geisteskranke. Wegen gemeingefährlicher Geisteskrankheit wurde gestern Nachmittag die in der Franz- straße 8 wohnende Schnciderwittwe Ida Schöricke, geb. Unrein, durch das 55. Polizeirevier der königlichen Chantee überwiesen. Die Sch. trug sich seit längerer Zeit mit der fixen Idee, eine Tochter der Kaiserin zu sein und als solche erst kürzlich eine Unterredung mit der Kaiserin im Lustgarten gehabt zu haben. Sie sei von der Kaiserin als Tochter anerkannt worden und dergleichen. Vor einigen Tagen verfiel die Frau in Tobsucht, gefährdete wiederholt mittelst eines Messers das Leben ihrer 20jährigen Tochter, mit der Motivirung, daß sie derselben den Kopf abhacken müsse, und benahm sich überhaupt derartig, daß die Tochter wie die Nachbarn der Polizei Anzeige erstatteten, und die Ueberführung der Irrsinnigen in das vorgenannte Krankenhaus bewirkten... � Nach einer Mittheilung der kaiserlichen Oberpost-- direktion in Breslau ist am 24. d. M. ein in der Bahnpost 30 (Kohl urt- Breslau) gefertigtes und für das Postamt in Glatz bestimmtes Geldfahrpostpacket abhanden gekommen. In dem- selben befanden sich ein Einschreibebrief Nr. 29 aus Buckau und ein Gcldbricf aus Dresden an Bcrgcr in Glatz. Der Gcldbrief enthielt zwei Reichsbanknoten Nr. 109 328 und Nr. 115160 über je 500 M. und fünf Noten zu je 100 Mark der Preußischen oder Sächsischen Bank in Dresden. Der Ver- tust soll in Dittersbach bei Waldenburg in Schlesien einge- treten sein. �* r Parfümirte Visitenkarten werden neuerdings, Haupt- sächlich wohl in Bezug auf den Jahreswechsel in den Handel gebracht. Da die Visitenkarten beim Jahreswechsel, eine große Rolle spielen, so dürften sich die„parfümiiten" vornehmlich für solche Personen eignen, die— in schlechtem Gerüche stehen. Drei schnell aufeinander folgende Revolverschüsse ver- setzten vorgestern Vormittag die Bewohner des Hauses Brüder- straße 21 in erklärliche Aufregung. Die Detonation kam aus einer im zweiten Stock belegenen Wohnung, welche ein Herr Spitz inne hat. Bei demselben wohnt seit geraumer Zeit als Chambregalnist der Bahnassistent Bräunig, welch letzterer sich in einem Anfall von Geistesgestörtbeit drei Revolverschüffe in den Kopf beigebracht hatte. Blutüberströmt und ohnmächtig lag der Selbstmörder auf dem Fußboden seines Zimmers, den Revolver krampfhaft in der Rechten haltend. Obwohl man so- foit nack ärztlichem Beistand suchte, war solcher doch absolut nicht zu beschaffen, da um diese Zeit die Aerzte mcistentheils Krankenbesuche machen. Es blieb demnach nichts weiter übrig, als telophonisch Hilfe bei der Charitee zu erbitten, welche denn auch bald einttaf. Mittelst Droschke wurde der Schwerverletzte nach der genannten Anstalt überführt. Wie wir erfahren, soll B. bereits seit längerer Zeit Zeichen von Geistcsgestöttheit an den Tag gelegt haben, doch legte man denselben keine ernstere Bedeutung bei. Bei der Anhalter Bahn, bei welcher B. angc- stellt war, wurde ihm öfters krankheitshalber Urlaub bewilligt, auch jetzt hatte er abermals fünf Wochen Urlaub erhalten. Die Verletzungen, welche sich der Unglückliche in der Nähe des Ohres beigebracht, sollen derartig schwere sein, daß an eine Wieder- Herstellung nicht zu denken ist._ Polizei-Bericht. Am 29. d. M, früh, fuhr an der Ecke der Friedrichs- und Dorotheenstraße ein von dem Schlächter- meister Reiner, Rathenoiverstraßc Nr. 86 wohnhaft, geführter Geschäftswagen mit einem Postpacketwagen derattig zusammen, daß ersterer umfiel. Reiner wurde dabei auf das Pflaster ge- schleudett und erlitt eine Verletzung des rechten Oberschenkels. — Am Vonnittag brachte sich ein Mann in seiner Wohnung in der Brüdcrstraße in selbstmörderischer Absicht mittelst eines Revolvers drei Schüsse in den Kopf bei. Er wurde schwer ver- letzt, jedoch noch lebend, nach der Charitee gebracht.— Abends warf die im Hause Pnnzenstraßc 74 in Dienst stehende unver« ehelichte Fink in ihrer Schlaskammer eine brennende Petroleum- lampe um, so daß diese explopirte und ihre Kleider in Brand gesetzt wurden. Sie erlitt dadurch lebensgefährliche Brand- wunden am ganzen Körper und mußte nach dem Krankenhause Bethanien gebracht werden.— Um dieselbe Zeit fand in der Prinzcnstraßc ein Zusammenstoß zwischen einem Pferdebahn- wagen und einem von dem Kutscher Voigt, Köpnickerstraße 96 wohnhaft, gefühtten Ardeitswagen, anscheinend durch die Schuld des letzteren statt. Durch die zettrümmerten Scheiben des Pferdebahnwagens wurde ein in demselben sitzender 5 Jahre alter Knabe leicht im Gesicht verletzt.— Am 29. d. M. brannten in einer verschlossenen Wohnung des Hauses Waldemarstraße Nr. 56 einige Möbel. Die Feuerwehr war in Thätigkeit. Gerichts-Zeitung. Folgen der Vergeßlichkeit. Nach Beendigung eines Jagdzuges in den wildreicken Waldungen bei KönigSwuster- Kausen hatten der Zahntechniker Förster und der Möbelhändlcr Schmidt, zwei Jäger, am Sonntag, den 22. August d. I., in der Nähe ihres rechtmäßigen Reviers auf grünem Rain em Jagdfrühstück einzunehmen für nothwendig erachtet. Die Beute, welche sie gemacht, war reichlich und bestand in einer Anzahl Hühner, welchen ein glücklicher Treffer oder ein Jrrthum— beides ist nach Lage der Sache nicht ausgeschlossen— noch äußert den, ein Rehkalb beigesellt hatte, obwohl für die letztere Spezies noch das Interdikt der gesetzlichen Schonzeit bestand. Der An« blick der mit Beute vollgepfropften Jagdtasche versetzte die beiden „Jäger am Sonntag"— denn„Sonntagsjäger" sie leichthin zu nennen, verbietet der ihnen thatsäcklich gewordene Erfolg— in eine angenehme Stinimnng, welche sich in dem Grade steigerte, als der Jagdttunk, der in wachsender Auflage spcnditt wurde, ihnen mehr und mcbr mundete. Zuletzt waren Beide in eine derartig wohlige Weltanschauung aeralhen, daß> sie bei ihrer Entfernung von dem Rendezvous- Platze jene ge- füllte Jagdtasche, die eigentliche Ursache ihrer glückseligen Stim-{ mung, im Grase liegen ließen. Diese Vergeßlichkeit sollte sich) aber furchtbar rächen; spielende Kinder fanden beim Blumen-' pflücken die Jagdtasche mit der Beute. Eins der Kinder war dabei von Neugier getrieben auf den Einfall gekommen, den Inhalt der Tasche näher in Augenschein zu nehmen und mit dem Rufe:„Wir haben ein Rehkälbchen! stürmten die neu- gierigen Rangen nach Hause. Nun fanden sich jedoch Neider, welche den beiden Jägern die Beute, besonders das Erlegen des Rehkalbes, von Herzen mißgönnten und zuletzt hatten sich Förster und Schmidt wegen Verletzung der Schonzeit vor dem Schöffengericht zu verantwotten; sie wurden diescrhalb zu je 30 M. ev. 5 Tage Gefängniß verurtheilt und hatten gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt, indem sie einwendeten, das Rehkalb sei„kein Rehkalb" gewesen, sondern ein Hast. Die Strafkammer des Landgerichts I erachtete indessen diesen Einwand für unerheblich in Anbetracht des Umstandes, daß, wie die in den Gerichtsakten erster Instanz protokollirtcn Zeugenaussagen ergaben, die Zeugen bestimmt das Vorhandensein eines Reh- kalbes, welches sie bei den Hinterläufcn aus jener Jagdtasche gezogen hatten, bekundet hatten; einen Jnthum seitens der Zeugen erachtete nach dieser Richtung hin der Gerichtshof für völlig ausgeschlossen, denn„ein Rehkalb sei kein Hast" und «ein Hast kein Rehkalb". Der Gerichtshof verwarf demgemäß die Berufung und erkannte auf Bestätigung des schöffengcricht- Iichen Uttheils. f Nicht Kriminalbeamter, sondern Zuchthäusler. Am 23. November d. I. wollte Fräulein Elisabeth S., ein junges, achtzehnjähriges Mädchen, die Verkäuferin in einem Geschäft am Spittelmarkt ist, eine Freundin vom Stettiner Bahnhof abholen. Es war Abends gegen i8, als die Dame am Stet- tiner Bahnhof anlangte und, um sich die Zeit des Wartens zu verkürzen, die Jnvalidensttaße auf und ab ging. Da trat ein Mann an sie heran und besaß die Frechheit, sie zu duzen und aufzufordern, mit ihm zu gehen. Das kouragirte Mädchen gab die passende Antwort, indem sie den Unverschämten fragte, ob er denn verrückt sei. Das Abenteuer, welches damit zunächst endete, benahm ihr aber doch die Lust, noch länger auf die Freundin zu matten, und sie trat den Heimweg an, der sie durch die Fttedttchstraße führte. Sie war sehr erfreut, als der Zufall oder die Absicht ihren Bräutigam ihr entgegenführte, denn sie fühlte sich am Arme des jungen Mannes doch sicherer vor Anfechtungen und das umsomehr, als der Patron ihr beharrlich gefolgt war. So ging das Pärchen die Friedrichstraße entlang und jener Zwischenfall am Stettiner Bahnhof war beinahe ver- aessen. Da erhielt das junge Mädchen an der Ecke der Mohrenstraße von hinten plötzlich eine starke Ohrfeige, und als sie flch sprachlos vor Schreck umschaute, stand jener Mann vor ihr, der sie vorhin angesprochen hatte. Jede Auseinander- setzung, die der Bräutigam beginnen wollte, schnitt der Unbe- kannte durch die Erklärung ab, er sei Kriminalbeamter und kraft seines Amtes fordere er die beiden auf, ihm nach der nächsten Polizeiwache zu folgen. So selbstbewußt und sicher war sein Benehmen, daß der Bräutigam und seine Dame sich dupiren ließen, die naheliegende Frage an den Unbekannten nach der Legitimation vergaßen und um kein Aufsehen zu machen, willenlos dem angeblichen Beamten folgten. In der Nähe der Polizeiwache schienen plötzlich mildere Gefühle in die strenge Brust des (i-devunt Vertreters des Gesetzes einzuziehen, denn er meinte, er wolle diesmal die„Sache laufen" lassen und auf die Fest« stellung der Personalien verzichten. Nun erst wurde das Pärcken gegen die Beamtenqualität des Unbekannten miß- trauisch, es bestand darauf, daß er ihm nach dem Polizeibureau folge, und dort entpuppte sich das angebliche Mitglied der Sicherheitsdehörde als ein vielfach vorbestrafter, auch vom Zuchthaus nicht verschonter Mensch, Namens Adolf Dicke. Die zweite Strafkammer, vor die er gestern gestellt war, glaubte die unerhötte Frechheit, die der Pseudokriminalbeamte sich heraus- genommen, energisch bestrafen zu inüssen und erkannte auf eine Gefängnißstrafe von 9 Monaten gegen denselben. Der Staats- anwalt hatte eine noch höhere Strafe, 1 Jahr 3 Monat Ge- fängniß, beantragt. f Eine bestündiae Mahnung, öffentliche Findelhäuser endlich einmal in Berlin einzurichten, sind die zahlreichen Ver« Handlungen wegen Kindesaussetzung, die so häufig die Straf« kammern des hiesigen Landgerichts beschäftigen. Noch immer beobachtet man den tiefen Schäden der Gesellschaft gegenüber eine„Vogel-Strauß-Politik", die offenkundige Uebel dadurch aus der Welt zu schaffen sich einbildet, daß sie ihr Dasein ver- leugnet. Aber bei jeder Verutthcilung, die wegen Kindes- aussetzuna erfolgt, kann man den Gedanken nicht loswerden. daß die Verurtheilte sicherlich statt der Aussetzung es vorgezogen hätte, ihr Kind in einer öffentlichen Anstalt unterzubringen, wenn eine solche nur vorhanden wäre. Und von vielen Prozessen wegen Kindesmord gilt dasglciche. Diese Veruttheilungen werden weniger von den einzelnen Personen als von dem Mangel einer Institution verschuldet. Wie trost« und hoff- nungslos muß die Mutter daran sein, die flch entschließt, ihr Kind, ein Stück ihres eigenen Lebens, in hilfloser Lage auszusetzen und es dem Zufall zu übe- lassen, ob das Neu- geborene vcrhungett oder erfriert, ßZoder wirklich entdeckt oder gerettet wird. Eingehend müßte in jedem einzelnen Falle und besonders in solchen, wo die Mutter sofort nach der Entbindung ihr Kind ausgesetzt hat. geprüft werden, ob die Angeklagte bei Verübung der That zurechnungsfähig gewesen sei, so sehr wider- spricht oft genug der Thatbestand der Annahme, daß die Thätcrin auch nur etwas Uedcrleaung, Klugheit oder Berech- nung besessen hätte. Interessant in diefer Hinsicht war eine Verhandlung, die gestern die zweite Strafkammer des hiesigen Landgettchts beschäftigte. Wegen Aussetzung ihres neu- geborenen Kindes in hilfloser Lage wurde die Schneiderin Anna D., ein achtzehnjähriges Mädchen, zu einem Jahr Ge« fängniß verurtheilt. Der Gerichtshof, der mit seinem Urtheil hinter dem Anttage des Staatsanwalts um ein halbes Jahr noch zurückblieb, erkannte auf diese hohe Strafe, weil nach seiner Auffassung die That der Angeklagten nahe an Kindesmord streifte. Arn 23. Oktober d. I. genaß die Angeklagte, die da- mals in dem Hause Gcttchtsstr. 63 wohnte, eines Kindes. Sie' hatte vorher aus Scham stets in Abrede gestellt, sich in anderen Umständen zu befinden und kam nun ohne Hilfe und ohne daß sie sich vcrtteth, nieder. Sofott nach der Entbindung wickelte sie dem Neugeborenen einige Lappen um, knotete ihm ein Ta- schcntuch um den Hals, band ihm eine Schürze um den Kopf und trug ihn trotz ihrer Schwäche in den Hof, wo sie ihn in den Aschcnkorb niederlegte. Nach kurzer Zeit kam sie wieder, ändette ihren Entschluß und trug das Kind in die Müllgrube, wo sie es vollständig mit Kehricht, Kartoffelschaalm und Asche bedeckte. Sic bildete sich ein, erklärte sie vor Gericht, damit das Kind vor dem Erfrieren zu schützen. Nur ein Füßchen und ein Händchen ragten aus der schmutzigen Bedeckung hervor und sie im Verein mit dem Wimmern des halbbegradenen Kindes lockten einige spielende Kinder herbei, welche zuerst ver- mutheten, ein neugeborenes Hündchen sei dorthin geworfen worden. Erst einige Frauen, die hinzukamen, zogen das kleine Wesen hervor, reinigten es und trotzdem es halberstickt war, blieb es am Leben. Nord heute lebt das Kind. Die Angc- klagte entschuldigte ihre That mit ihrer Roth und der Sckam über die Schande, die ihr„angehängt" worden wäre. Ihr Urtheil vernahm sie unter Thränen. Sie machte den Eindruck einer geistig zurückgebliebenen Person. Kleine Mittkeilungen. Bamberg, 25. Dezember. Ein trauriges Familiendrama spielte sich gestern Mittags auf dem hiesigen Friedhofe ab. Ter Privatgelehrte Dr. Pfannenstiel, welcher vor Jahrcssrist durch den Tod seiner jungen Gattin in namenlose Bettübniß versetzt worden war, crsckoß sich am Grabe seiner Frau, nachdem er zuvor seinem fünf Jahre alten Tcchterchen durch einen Pistolen- frfmfi den Tod gegeben hotte. Ucber das Grab der dahinge- sdmdcncn Gattin hatte der Unglückliche vor der schrecklichen That ein großes Tuch gebreitet. Dr. Pfannenstiel befand sich materiell in sehr guten Verhältnissen; er besaß ein eigenes Haus in Bamberg. Ingolstadt, 27. Dezember. Ein gräßlicher Eisenbahn- unfall trug fich in einer der letzten Nächte in der Nähe von Ingolstadt zu. Als der Nachtzua in der Nähe der Stadt eine Barriere passirte, bemerkte der Lokomotivführer einen Gegen- stand auf den Schienen und gab deshalb das Notbfignal. Gleich darauf ertönte aber auch schon ein furchtbares Krachen, und als man den Zug zum Stehen gebracht, fand man den völlig zermalmten Körper eines Mannes und die Ueberreste eines zerschmetterten Wagens vor, auf dem der Insasse wahr- scheinlich eingeschlafen gewesen war und so die drohende Gefahr nicht bemerkt hatte. Fiume, 28. Dezember.(Schiffsbraud) Die mit einer Rcisladung aus Ranzow hier angelangte italienische Barke „Calunnia" ist kurz nach ihrer Entlöschung heute Abend aus noch unbekannter Ursache in Brand gcrathen, und das rasche Emporlodern der Flammen brachte die in nächster Nachbarschaft liegenden Dampfer„Baron Kemcny" und„Flavian" in große Gefahr. Hafenkapitän Rukavina traf sofort Anstalten, das brennende Fahrzeug aus dem Hafen hinaus zu bugfiren, was auch nach einstündiger Arbeit gelang, worauf man trotz der stark wehenden Bora versuchte, den Brand zu löschen. London, 27. Dezember. Der am Sonntag Abend nach einem regnerischen Tage plötzlich eingetretene andauernde starke Schneefall hat, da er von einem heftigen Winde begleitet war, allenthalben bedeutenden Schaden angerichtet und empfindliche Störungen im Eisenbahn- und Tclegraphenbctricb verursacht. Baugerüste, Schornsteine, Mauern und Bäume haben stark ge- litten; der größte Schaden wurde indeß den oberirdischen Tele- graphcndrähten zugefügt. Das vom Zcntral-Tclcgraphenamt sich nach allen Richtungen ausdchmdc dichte Drahtnetz bietet ein Bild der Zerstörung dar. Tie zerrissenen Drähte hängen in größter Verwirrung herab, zur großen Gefahr für Wagen und Fußgänger. Die telegraphische Verbindung mit den Pro- vinzen und dem Kontinent ist demnach gänzlich unterbrochen und da wegen des Bankfeiertages die Ausbesserung der Drähte nicht sofort begonnen werden konnte, dürfte die Unterbrechung des Verkehrs wegen des großen Unmfanges des an- gerichteten Schadens noch einige Zeit andauern. Die Sribmarine Telegraph- Company nimmt seit gcstem Morgen keine Depeschen zur Beförderung nach dem Kon- tinent an und in den Kabelstationen genannter Gesellschaft lagern Hunderte von Telegrammen, die wegen der Unter- brcchung der Landleitungen nicht nach London befördert wer- den können. Die gestrigen und heutigen Morgenblätter er- schienen ohne die üblichen Telegramme vom Kontinent. Das Bureau Reuter hat während der letzten 24 Stunden Depeschen voni Kontinent weder empfangen noch expediren können. Sollte die Ausbesserung der Drähte nicht ralch genug bewerkstelligt werden können, so werden die Kabelgcsellschaftcn voraussichtlich die Depeschen von und nach dem Kontinent per Eisenbahn zu den Kabelstationen befördern. Die Great Eastern Telegraphen- gesellschaft hat einen solchen Dienst bereits eingerichtet. Die esisenbahnzüge erlitten in vielen Gegenden erhebliche Verspä- tungen und stellenweis mußte der Verkehr gänzlich eingestellt werden. Viele Züge blieben im Schnee stecken. Auf der Bridport-Eisenbahn wurden drei Brücken zerstört. An der Ost- und Südküste wütbete in der Nacht vom Sonntag zum Mon- tag ein Orkan, wodurch mehrere mit Verlust an Menschenleben verknüpfte Schiffbrüche verursacht wurden. Bei Dover schei- terte eine russische Barke und von ihrer Mannschaft ertranken drei Personen. Seit gestern Abend ist starkes Thauwetter ein- getreten und der fast fußhohe Schnee schmilzt rasch. Vermischtes. Die Himmelephotographie. In der wissenschaftlichen Welt hat der Bericht, den der Direktor des Pariser Konser- vatoriums, der Admiral Mouchez, über die Thätigkeit dieses Instituts am Schluß des Vorjahres erstattete, ein allgemeines und gerechtes Interesse erregt. Als die wichtigste in demselben verzeichnete Thatsache ist die überaus erfolgreiche Anwendung des zur Himinelsbeobachtung konstruirten und höchst finnreich erdachten photographischen Apparates von dem Mechaniker Henry hervorzuheben, welcher für die Lösung der so wichtigen Frage des Entwurfes einer Himmelskarte mit Hilfe der photographischen Aufnahme von dem größten Werth ist. Dank der Erfindung Henrys werden dereinst vielleicht die Astronomen des 19. Jahrhunderts denjenigen des kommenden Zeitalters eine Karte des Firmaments übergeben, welche in Schärfe und Deutlichkeit die Positionen von 20—30 Millionen Sternbildern zeigt.—. Der Admiral Mouchez hebt ferner in seinem Bericht als sehr bedeutungsvoll die Erfindung eines von dem Techniker M. Loevy konstruirten Apparates hervor, der zum Studium der Strahlenbrechung dient, d. h. der genauen Positionsbestimmung der Gestirne mit Rücksicht auf das Phänomen der Strahlenbrechung. Bekanntlich wird ein Lichtstrahl, der aus'dincr Schicht dünner Atmosphäre in eine dichtere Luftschicht dringt, oder aus dünner Luft auf das Gas der optischen Instrumente fällt, aus seiner Richtung abgelenkt. In Folge dessen scheint das beobachtete Objekt höher oder niedriger zu liegen, als es in der That der Fall ist, was leicht zu großen Jnthümern in der astronomschen Berechnung führt. Auch nach einer anderen Richtung hin hat die Konsttuktion der astronomischen Instrumente Fortschritte gemacht. Der Zcnith ist bekanntlich der höchste Punkt des Himmelgewölbes; ihm gerade entgegengesetzt stellt der Nadir den höchsten Punkt der anderen Hemisphäre dar. Eine beide Punkte verbindende Linie gebt genau durch den Mittelpunkt der Erde. Der Zenith markirt fich von selbst, den Nadir aber erhält man durch die Spiegelung des Zenitbs auf der Oberfläche eines genau horinzontal gestellten Reflektors, der durch eine Ouecksilberschicht gebildet wird. Um den Nadir genau fcstzu- stellen, was wegen der Schwankungen des Quecksilbers in Folge der oszillrrcnden Bewegungen des Bodens sehr schwer ist, hat der Konstrukteur ein zweifaches Hängegerüst oraanifirt, und die Schale mit Quecksilber, welche so zu sagen den Kontrol- apparat bildet, in eine größere eingefügt, die gegen die schwankenden Erdbewegungen weniger empfänglich ist. Das Pariser Observatorium hat im Jahre 1886 die Beobachtungen zur genauen Positionsbestimmung einer großen Anzahl Gestirne, oder zur Berichtigung der älte- ren Positionen eifrig weiter fortgesetzt. Man hat die Trabanten des Jupiter und den Planeten Neptun photographisch aufgenommen. Pallas wurde mittels einer Aufnahme, die 33 Minuten dauerte, aufgenommen, und ergab ein in den Umrissen sehr scharfes, deutliches Bild. Die Ab« theilung für Himmelsphotographic an dem Observatorium, die mit dem oben erwähnten Henry'schen Apparat arbeitet, hat im Laufe des verflossenen Jahres 42 wohl gelungene Abzüge der Milchstraße und verschiedener Theile des gestirnten Himmels er- halten. Das schärfere photographische Auge hat auch etwas entdeckt, was das Auge des Menschen niemals bemerkt hätte: dm neuen Nebelfleck der Maja, dessen Auffindung in allen Wissenschaft- lichen Berichten hervorgehoben worden ist. Ebenso find sehr scharfe Aufnahmen der Nebelflecke im Orion und der Andro« meda gemacht worden. Die Erfindung des Teleskops im 17. Jahrhundert erschloß den Astronomen der damaligen Zeit ein bis dahin völlig unbekanntes Gebiet und zeigte ihnen Sternbilder, die dem Blick der Menschen bis dahin völlig entzogen gewesen waren. Jetzt leistet die Himmelsphoto- BrrantworUtch für den politischen Theil und Soziales Max araphie dieselben Dienste, welche die Teleskope einst unseren Vorsahren leisteten, indem fie uns mit Erscheinungen bekannt macht, die selbst die vollkommmsten und schärfsten Teleskope nicht hätten erkennen lassen. Auch die Physik der Astronomie, die sich mit dem Studium der Natur, mit der Physik des Erdballes, sowie mit Meteorologie und Zeitbestimmung beschäftigt, ist in neuerer Zeit der Gegenstand lebhafter Forschung gewesen, ebenso wie man sich in den größeren wissen- schaftlichcn Instituten neuerdings viel mit der Aufstellung von vervielfältigenden Seismographen, d. h. einer Abart jener vulkanische Ausbrüche vorher verkündenden Instrumente, welche Professor Palmieri in Neapel zuerst angewendet, beschäftigt. Der vervielfältigende Seismograph meldet auch die geringsten im Anzüge befindlichen Erderschütterungrn vorher, indem er die Kraft derselben in vergrößertem Maßstabe veranschaulicht. Eine Reih� von Unglücksfällen haben die Schneestürme im Königreiche Sachsen zur Folge gehabt. Die in Hansdorf bei Frankcnbcrg wohnende Frau Goldbach konnte am vorigen Montag Abend, als sie mit ihrem Sohne von der Arbeit in einer Falkenaucr Spinnerei heimkehrte, bei dem starken Schnee- treiben und dem schon hoch liegenden Schnee ihre Wanderung nicht mehr fortsetzen und mußte ihren Sohn zur Öerbeiholung von Unterstützung nach Fallenau zurücksenden. Unglücklicher- weise verirrte fich der jrnge Mann, da Weg und Steg völlig verweht war, und als er endlich Nachts zwei Uhr mit Beglei- tung zu seiner Mutter zurückkehrte, fand er dieselbe erstarrt und verschneit vor, so daß die unglückliche Frau nur als Leiche in ihr Heim zurückgebracht werden konnte.— Ein junger Musiker, welcher am 21. Dezember in der Nacht den Weg von Leubsdorf nach Schellenbcrg antrat, brauchte Stunden, um sich bis Schellen- berg durch den Schnee durchzuarbeiten und sank, nachdem er endlich sein Ziel erreicht hatte, ermattet nieder. Wie lange er gelegen, ist noch ungewiß. Um 4 Uhr Morgens wurde er vom Wächter gefunden und mit Hilfe anderer Per- sonen zur Wache gebracht. Der Bcdauernswerthe war dem Erfrieren nahe, und es ist zu bezweifeln, ob er jemals wieder arbeitsfähig werden wird.— Der scchs- unddreißig Jahre alte Maurerpolier Karl August Peter- mann aus Mescbwitz ist aus dem Heimwege von Bautzen, wo- selbst er auf Arbeit befindlich gewesen, der Unbill der Witterung zum Opfer gefallen, er wurde nur etwa sechshundert Schritte vom Orte entfernt erfroren aufgefunden. Derselbe hat erst im Frühjahr seine Frau durch den Tod verloren und hinterläßt fünf kleine Kinder.— Weiter verunglückte am Abend des 22. der Lehrer Bocklisch aus Großenstein. Derselbe war behufs Abnahme der G.meindercchnung in Itaundorf gewesen und sollte nebst einer Frau nach Hause gefahren werden. Da aber die Pferde immer im Schnee versanken, verließ er den Wagen, um wieder nach Itaundorf zurückzukehren. Als er in der Schenke anlangte, stürzte er nach wenigen Augenblicken todt nieder.— Zwischen Großenstein und Baldenhain wurde der Leichnam der ledigen, zirka.dreißig Jahre alten Doberneckcr aus Großenstein, welche sich mit Äotcnwegen beschäftigt, aus dem Schnee ausgegraben.— Wie aus Zwickau geschrieben wird, sind in Lauenhain zwei Arbeiter im Schnee erfroren.— Ein Flcischerbursche aus Mittweida war am Montag behufs Ad- holen eines Kalbes über Land geschickt worden. Er hatte seinen Hund mit Spät Abends kam der Hund ohne den Burschen zunick. Jetzt hat man, nahe bei Mittwcida, den Burschen erfroren aufge- funden; neben ihmdasKalb gleichfalls todt.— JnTcichwolfi amsdorf bei Werdau blieben am Dienstag früh zwei Arbeiter, welche sich in die Fabrik begeben wollten, im Schnee stecken und fanden darin auch ihren Tod.— Aus Theesdorf hat fich am Dienstag der dort wohnende Hausschlächter Schlegel in Ge- schäften entfernt, ohne bis zum Donnerstag zurückgekehrt zu fein. Der Bednuernswerthe wurde etwa dreißig Schritte von seinem Hause erfroren aufgefunden. Bei Paschnitz ist die Hand- arbeitcrsfrau Ruland aus Molbitz und auf dem Wege nach Grüne der Handarbeiter Kamprath erfroren.— Heber den Sohn eines Eilcnburger Fleisckiermeisters weiß man noch nichts bestimmtes. Derselbe ist am Dienstag aufs Land gefahren und seitdem fehlen alle weiteren Nachrichten von ihm. Der Vater, welcher ihm am Freitag nachgefahren ist, hat leine Spur von ihm gefunden.— Ein junger Mann Namens Poland wollte Montag Abend gegen 5 Uhr nach der Zuckerfabrik Vitzenburg zur Nachtarbeit gehen und verlief sich auf dem nur 10 Minuten langen Weg so, daß r, jedenfalls ermattet, unter der söge- nannten Ältenburg hinfiel und Dienstag Vormittags, anscheinend schlafend und mit dem Rocke zugedeckt, todt aufgefunden wurde. — Der Schuhmacher K. aus Bad Schmiedeberg ist im dortigen Walde verschneit und todt aufgefunden worden. Man hatte u. a. auck zwei Lehrburschen ausgesandt, die den Meister suchen sollten, allein diese sind auch nicht wiedergekehrt und fehlt von ihnen noch jede Spur. Ein Tamen-Feuerwehrkorpö. In Liverpool existirt— wie aus einem den„Dresd. Nachr." vorliegenden Privatbricf hervorgeht— eine freiwillige weibliche Feuerwehr und als Kommandeuse einer Brigade derselben ist eine junge Dresdnerin, die dort als Erzieherin lebt, thätig, ein Fräulein Gr., eine Waise, deren Geschwister aber in Dresden wohnen. Vor kurzen: entstand in einer dortigen Zigarrcnfabrik Feuer. Noch ehe die meisten der Arbeiter zur Besinnung kamen, rasselte schon eine Feuerwehr heran und zwar die der— Damen. Kaum war die erste Leiter angelegt, als die genannte junge Heldin, die mit Umsichtigkeit und Energie ihre Kommandos er- theilte, mit gutem Beispiel vorangehend, die Sprossen hinauf- eilte und den Kampf mit dem Elemente muthig aufnahm. Auch ihre Gefährtinnen griffen tapfer zu und machtm von ihren Beilen rc. den ordnungsmäßigen Gebrauch. Die Gefahr war bereits beseitigt, als die Männer-Feuerwchrbrigade ankam. Aus der Menge ertönten laute Hurrahs, als die junge Führerin der tapferen Brigade auf den Wagen sprang und wieder abfuhr. Die Damen kleiden sich geschmackvoll. Farbige Strümpfe, Schaftstiefeln, dunkelblaue weite Beinkleider, Blouse und Helm bilden die Gesammtequipirung. Im Gürtel tragen sie alles sonst nöthige Rüstzeug. Ein grosiarliges Projekt ist, wie aus New-Vork geschrieben wird, gegenwärtig rm Gange. Man beabsichtigt nämlich, einen Eisrnbahntunnel durch die Felsengebirge zu bauen, und zwar mitten durch den Grays Peak, der sich nicht weniger als 14 441 Fuß hoch über der Mecrcsfläche erhebt. Der Tunnel soll fich 4441 Fuß unter dem Gipfel des Peak befinden und eine Länge von 25 000 Fuß haben. Er soll die Thäler auf der östlichen sog. atlantischen Seite mit denjenigen an der Pazisikküstc in Verbindung bringen und gleichzeitig die Entfernung zwischen Denver in Kolorado und Salt Lake City in Utah verringern, so daß die Eisendabnfahrt vom Missourifluß oder von St. Louis aus bis nach San Franzisko um ungefähr 300 Meilen verkürzt werden würde. Ein Theil der zu dem Unternehmen nothwen- digen Vorarbeiten ist bereits vollendet. Das Land vom Missouri an bis zum Fuße der Felsrngcbirge erhebt fich nach und nach zu einer wellenförmigen Prairie, die zuletzt eine Höhe von 5200 Fuß über dem Meeresspiegel erreicht. Ueber diese Prairie hin- aus erheben fich noch die Bcrgmassen der Rocky Mountains stellenweise bis zu einer Höhe von mehr als 11 000 Fuß. Von dm zwanzig betühmtesten Engpässen, die durch das Gebirge führen, befinden sich nur sieben in einer Höhe von weniger als 10 000 Fuß icher dem Meeresspiegel. Von den 73 bedeutenden Ortschaften in Kolorado liegen nur zwölf in einer Tiefe von 2000 Fuß über dem Meeresspiegel, während zehn über 10000 Fuß erreichen und eine gar 14000 Fuß über der Meeresfläche liegt. Gebirgspässe in emer solchen Höbe bieten uatürlich dem gewöhnlichen Geschäftsverkehr große Schwierigkeiten dar, und die von Meer zu Meer führenden Eisenbahnen haben daher oft große, Hunderte von Meilen weite Umwege machen müssen, wodurch reiche Ebenen, die an der Westseite des großen Gebügs- chttzpet, für Vereine und Versommlungrn F. Zutznuer, für den ruck und Verlag von Max Babing in Berlin Leuthstraße Zuges liegen, thatsächlich von Denver und den Märkten de? Ostens ausgeschlossen worden find. Die Stelle, von welcher aus der Tunnel gebaut werden soll, befindet fich 50 Meilen westlich von Denver. Elektrische Kneifer— das ist die neueste Errungenschaft der Elektrotechnik! Der Engländer Leighton in Callander ist der Erfinder. Die Einfassung des einen Glases besteht aus Kupfer und die des zweiten aus Zink; verbunden find die Einfassungen durch einen auf der Nase ruhenden Metallbügel. Die Feuchtigkeit der Haut erzeugt nun, sobald man den Kneifer aufsetzt, einen schwachen elektrischen Strom, welcher auf die Sehkraft und die Nerven stärkend einwirken soll.— Der spekulative Engländer hat also sogar einen Zweck zu seinem Kneifer hinzuerfunden. Schmuggler von einer Lawine verschüttet. Von der südtirolischen Grenze wird vgm 21. ds. geschrieben; Die warme regnerische Witterung, welche hier seit einer Woche eingetreten, hat vor einigen Tagen mehrere Opfer gefordert. Eine Schmugglerbande, aus etwa 30 Personen bestehend, welche mit Spiritus und Tobak beladen auf dem Rückwege von Tirol auf vicentinisches Gebiet begriffen war, wurde im Porbegha-Passe von einer mächtigen Lawine überrascht, welche sechs Schmuggler verschüttete. Die übrigen Genossen brachten trotz großer Ent- deckungsgefahr ihre Waaren in Sicherheit, eilten fodann mit Werkzeugen versehen auf die Unglücksstätte zurück, wo es ibnm nach stundenlanger anstrengender Arbeit gelang, die Ver- schütteten aus ihrem Scknecgrabe zu befreien. Fünf derselben waren noch am Leben, hatten aber Quetschungen, Beinbrüche»c. erlitten, der sechste, ein neunzehnjähriger Bursche Namens Giovanni Paolo, war bereits erfroren. Es sind dies Unglücks- fälle, die sich in unseren südtirolischen Grenzalpen jährlich wiederholen, und am meisten dabei ist die todesmuthige Opfer- Willigkeit zu bewundern, mit welcher fich die Schmuggler stets gegenseitig beistehen. Eine hölzerne Brücke über den östlichen Arm de« Hudson zwischen New-Vork und Brooklyn wird geplant. Die- selbe soll bei Blackwells Island, unweit der 60. Straße, in einer Höhe von 166 Fuß über dem höchsten Wasserslande an- gelegt werden und eine Länge vrn 3% engl. Meilen haben. Das erforderliche Geld wird aus London kommen, und die zum Bau der Brücke ermächtigende Bill liegt dem Kongreß vor. Die Brücke wird auch die Eisenbahnen über den Fluß tragen, die mit der großen Zentralstation in New-Vork ver- Kunden werden. Leuchtende« Fleisch. Einen sehr interessanten Fall hat kürzlich, dem„Bot. Ctrdl." zufolge, I. Nüesch in Basel zum Gegenstande eines Vortrages gemacht. In diciem Falle leuchtete in des Vortragenden Spcisegcwölbe eine Anzahl in einer Schüssel liegender Schweinskoteletten mit grünem Lichte so stark, daß die Personen, welche um dm Tisch herumstanden, fich beim Scheine der Koteletten erkennen konnten und an der Taschenuhr die Zeit richtig abzulesen war. Die Untersuchung der leuchtenden Masse ergab die Anwesenheit zahlloser kugeliger bis länglicher Bakterien. Das Fleisch selbst erschien frisch und gesund, ohne irgend welchen Föulnißgeruch oder sonst irgend eine Spur von Fäulniß. Die Ansteckung war, wie die wertere Nachforschung ergab, im Laden des Schlächters erfolgt. Trotz- dem derselbe äußerst reinlich gehalten war, wurde alles dort hineingebrachte Fleisch in kürzester Zeit infizift. Das Leuchten währte stets nur bis zum Eintritte der Fäulniß. Es verschwand in der Regel mit dem sechsten bis siebenten Tage, während die Ansteckung bereits in sechs bis acht Stunden in die Er- sckcinung trat. Tie gründlichste Desinfeftion des Lokales beseitigte sie nicht. Ebenso wurde durch vermehrten Luftzug die Ansteckung nur schneller herbeigeführt. Sie unterblieb erst, als ein morscher Balken an der Decke beseitigt und die Stelle nach Erneuerung desselben durch einen Gipsbelag abgeschlossen worden war. Das Leuchten dauerte in dem Laden von Ostern bis Pfingsten, während welcher Zeit die mittlere Temperatur 10 Grad nicht überschritt. KriefKasten der Redaktion. Lei Anfragen bitten wir die Abonnements-Ouittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt., I. Z., Swinemiinderstr. Sie müssen sich einen Tag vor der betreffenden Verhandlung im Bureau des Reichstages, Lcipzigerstr. 4, melden. Am nächsten Tage wird Ihnen dann eine Karte ausgehändigt, welche Sie beim Betreten der Trrbune abzugeben haben. Markthallen-Bericht von I. Sandmann, städttschem Verkaufs-Venrrittler, Berlin, dm 30. Dezember 1886. Butter. Frische feinste Tafelbutter rc. 120— 125, feine Tafel- butter I. 110-118, II. 96-106 in. fehlerhafte 80-90, Landbutter I. 90—96, Ii. 70—85, Galizischc und andere geringste Soften 55—72 M vr. 50 Ko. Käse. Emmenthaler 70—75, Schweizer l. 56—63, n. 50—55, III. 42— 48, Quadrat-Backstein st fett 20— 25, ist 12—18 M, Limburger I. 28-32,-st 18-22, Rheinischer Holländer Käse 45-68 M., echter Holländer 60-65 M-, Edamer L 60-70, II. 56-58 M. Eier 3,20 M. pr. Schock. Fische. Hechte 30—40 M. per Ztr. Karpfen 35— 64 er 65-75 M.. Bleie 20-21 M- per Ztr. Lebende Karpfen 0,80 bis 1,00 M._ Geräuchefte und marinifte Frsche. Engros-Auktion täglich um 5 Uhr Nachmittags im Bogen 4. Brathennge per Faß 1,25-1,50, größere 2,50 M. Russische Sardinen 1,50-1,60 M. Heringsbücklinge 0,80—1,50 per 100 St., Sprotten 45—80 Pf. per Kiste. Rauchaal 0,80—1 M. per Pfd. Vorräthe und Zu- fuhr noch sehr bedeutend. Geflügel. Während der Festtage stockten die Zufuhren; Preise hoch. Gänse, 8— 10 Pfd. schwere, 52— 60 Pf., über 10 bis 15 Pfd. 56—65 Pf., Fettgänse über 15 Pfd schwer, sehr rar und gut bezahlt, 63 Pf. und mehr per Pfund. Junge Entrn 1,50- 2,50, fette Enten 56- 65 Pf. per Pfund, über 10 Pfund schwere fette Putrn 70-85 Pf. per Pfd.. Hühner 0,55 bis 0,80 und 1,20-1,70 M.. Tauben 30 bis 40 Pf., Poularden 4,50-8 M. Mageres Geflügel schwer verkäuflich. Lcbmdc Gänse zum Mästen 2,00-3,00 M, lebende Entrn 0,90—1,60 M. Auktion täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags. Wild. Die Zufuhr war sehr knapp. Hasen erzielten die höchsten Preise. Hasen, ausgeworfen, ohne de« sondere Verpackung, auf Stangen von 10 Stück 4,00—4,25 per Stück, Kaninchen, ausgeweidet 55 bis 60 Pf. per Stück. Beim Versand von Hochwild sollen die 4 Beine zu« sammen geschnüft werden. Rehe ausgeweidet T»(junge, feiste, gut geschossene) 65—82 Pf., H*(sehr starke und sehr fchlerbaft zerschossene) 58—63 Pf. pr. Pfd. Rothhirsche, l» 40—55, I» 30—43, Dammwild> 50—70, II» 38— 50 Pf. per Pfund. Wird« schwein 30 bis 50, kleine 50 bis 65 Pf. pr. Pfund. Fasanrnhennen 3,00—3,50, Fasanenhähne 3,90— 5,00 M-, Krametsvögel 30—36 Pf. per Stück. Die Wildauttionm werden täglich im Bogen 4 um 6 Uhr Nachmittags abgehaltm. Obst und Gemüse. Birnrn 10—20 M., feinste Soften 20-40 M.. Aepfel 6U0— 9,00 M., Tafeläpfel 10-20 M, feinste Soften 20—36 M-, Äallnüsse 20—30 M., geringe 12—15 M- pr. Zentner. Apfelfinrn, Valencia 12—20 M., Feigen 20—40 M. pr. Zentner. Zitronen, Malaga 20—25 M. Böhmische Backpflaumen 10—13 M- Weißfleischige Sveisekaftoffeln 3,00—3,60 per 100 Ko. Zwiebeln 4,00-6-8 M.. Blumenkohl 30-40 M. pr. 100 St.. Kohlrüben 1,50—2,00 M. ver Zentner. übrigen Theil der Zeitung N. Eronhetm, sämmtlich in Berlin,