Nr. 1. Sonntag» den 1. Januar 1888. 5. Jahrg. erlmrVckÄM. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Da»„Berli««» Bolksblatt- ,5tel'"*• J»fertio»»aeb»hr etitzeile oder deren Raum 25 Pf. ArbeitSmarN 10 Pf. VN nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr NachmittazG '■i Zimm�-straße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohnO Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: KenthstraKe%— Gepedition: Zimmerstraße 44. �us vollem Herzen guten Gruß . J> Zum Fest der neuen Jahreswende. Euch allen, Freunde, einen Kuß Und Glückeswünsche ohne Ende!— Ach, könnt' ich, was ich wünsche, geben, Fürwahr— Ihr solltet allesammt erleben Ein reiches, hochbeglücktes Jahr! Und mehr! All' Eure Lebenslage Sie würde heiter, still und rein, Ganz ungetrübt von Roth und Plage, Des wahren Menschthums würdig sein. In allen Landen, allen Zonen Würd' in der licht'sten Herrlichkeit Im Bunde mit der Wahrheit thronen Die ewige Gerechtigkeit. Am Arm des Friedens würde schreiten Der Gott der Liebe durch die Welt, Und seine Hände segnend breiten Wo Mensch zum Menschen sich gesellt. Frei, stark in Recht und groß in Tugend, um neuen Jahr! Erlöst aus finst'rem Hasses Bann, Zu blüh'n in immer neuer Jugend, Schloß' Volk an Volk sich liebend an. Vorüber war' das grimme Streiten Und's Betteln um das liebe Brot, Und ausgetilgt für alle Zeiten Der tausendfache Fluch der Roth. Des Elends Herrschaft war beendet, Die jetzt auf Millionen ruht, Wenn Jeglichem das Seine spendet Der Arbeit heil'ge Segensfluth.— Das Alles schließt mein Wünschen ein,— Wird's dermaleinst wohl Wahrheit werden? Bricht wohl einmal die Zeit herein, Solch' hehren Glückes auf der Erden?— O, zweifelt nicht! Die Zeit wird kommen, Wir haben längst ihr Unterpfand, Schon ist ihr Morgcnroth erglommen, Hell strahlend über allem Land! Wir ahnen froh der Zukunft Segen, Erfüllt mit neuem Schaffensdrang, Und ringen muthig ihr entgegen Und grüßen sie mit Hymnensang.— O kling hinaus, wie Frühlingswetter, Das neu begrünt das öde Feld— Den kranken Herzen ein Erretter— Du Sang der Hoffnung durch die Welt! Sei der Erzeuger neuen Lebens, Dem keine Macht die Kraft mehr nimmt, Wo noch ein Funke edlen Strebens Für's Menschenrecht im Busen glimmt!- Du heil'ger Geist des Menschthums, leite Uns wie seither treu, stark und wahr, Und trag' uns das Panier zum Streite Hochflatternd vor im neuen Jahr! Leih deinen Kämpfern neue Stärke Und schenk' all' Denen deine Gunst, Die treu sich müh'n am großen Werke In Arbeit, Wissenschaft und Kunst! Der benttgen Dummer liegt für«ufere Abonnenten Dr. 14 de«„Sonntags-Klatt" bei. Abomitmtuts-Eillladuug. Zum bevorstehenden Quartalswechsel erlauben wir uns zum Abonnement auf das „Derliner volksblatt" nebst dem wöchentlich erscheinenden Sonntagsblatt einzuladen. Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf dem Boden des unbeugsamen Rechts. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und Streiter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klassen- gegensätze ist das„Kerliner Uolbsblatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung einzelner, heute schon mehr berechtigter Gesellschaftsklassen findet. Das„Kerliner Dolbsblatt" sucht seine Hufgabe durch sachliche Behandlung der politischen als auch der Tagcsfraaen zu erfüllen. Die gleichen Grundsätze leiten uns bei Be- sprcchung unserer städtischen Angelegenheiten. Der Abonnementspreis beträgt für das ganze Viertel- fahr 4 Warb, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Bestellungen werden von sämintlichen Zeitungsspcditeuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmcrstraße 44, entgegengenommen. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Be- stellungen an. �... Die Redaktion und Grpedition des„Kerliner Dolbsblatt". U e n j a h r! Ein schlimmes Jahr für die Armen und Besitzlosen, für das nach Freiheit und Arbeit strebende Volk ist zur Rüste gegangen; ein Jahr, in welchem die Reaktion Sieg auf Sieg errungen, in welchem die arbeitenden Klassen in ihren fachvercinlichen und gewerkschaftlichen Bestrebungen schwere Verluste erlitten haben. Die Reuwahl des Reichstages brachte, unter dem Ein- druck frivoler Kriegsgeriichte, eine Majorität von Leuten in den Reichstag, welche unter dem Namen„Reichsfreunde", in den Wahlkampf eintraten, die sich aber später als ganz etwas Anderes zeigten. Verdient das Streben des stark im Reichstage ver- tretenen Großgrundbesitzes eine andere Bezeichnung? Sind die Bemühungen drr„Kartellbrüder", die Legislatur- Perioden auf fünf Jahre zu verlängern, nicht ein Schlag gegen das allgemeine gleiche Wahlrecht, welches, soll es fiir das Volk überhaupt Werth haben, von kurzen Legislatur- Perioden begleitet sein muß? Ist das Streben der„Zünftler und Jnnungsschwärmer" nach Einführung von„Arbeitsbüchern" nicht ein Attentat auf die Würde freier Arbeiter, ein Vorgehen, welches das durch die Gewerbeordnung gewährleistete Recht, sich zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen zu roaliren, geradezu illusorisch macht und die Arbeiter vollständig der Willkür der Arbeitgeber überliefert? Wohin wir auch blicken, überall sehen wir die herrschenden Klassen, welche die„Klinke der Gesetzgebung" in der Hand haben, eifrig bemüht, ihre Macht zu erweitern, überall tritt uns eine Jnteressenpolitik entgegen, welche den Starken mehr begünstigt als den Schwachen. Ieuilleton. («Ut«echt« vorbehalten.»(Nachdruck verboten.) Die Stiefmutter. Skizze von P. Heinrich. „Und liebst Du mich auch wirklich?" „Wie kannst Du nur so ftagen." „Du hast Recht, der Zweifel, der in diesen wieder- holten Fragen liegt, mag wohl gewissermaßen kränkend und verletzend sein, allein wenn ich mir alles so überlege, wie es gekommen, erscheint es mir wie ein Traum, und die Wirklichkest erscheint mir wieder un- faßbar." „Warum das, mein Kind?" „Ich frage mich, wie ich ein solches Glück verdiene, und welchen Anspruch ich auf eine solche Liebe erbeben kann, die mir das Schicksal nunmehr beschieden. Ich bin Wittwer und um ein Viertcljahrhundert älter als Du; ich habe eine Tochter, die fast in gleichem Alter mit Dir steht, ich bin ein einfacher Geschäftsmann, der über keine großen Güter verfügt, und trotz alledem hast Du, ge- liebte Henriette, mich gewählt. Ein Glück wie das, das mir beschieden, kann nicht ungetrübt sein, so sage ich mir, und mit diesem Gedanken gehe ich zu Bette, stehe ich Morgens auf und trage ich mich den ganzen Tag herum......" „Du thust Unrecht daran, mein Karl; wenn Dir wirklich das Glück so groß erscheint, so nimm es und genieße es. Keineswegs thust Du aber Recht daran. Deine eigenen Vor- züge so ganz unbeachtet zu lassen. Glaust Du denn wirklich, daß ich die freie Wahl getroffen hätte, wenn ich mir nicht hätte sagen können, daß ich unter Deinem liebevollem Schutze einer glücklichen Zukunft entgegengehe? Oder sollte etwa— ich will nicht daran denken— die Vaterliebe stärker sein, als die Gattenpflicht, und sollte dieser Umstand vielleicht Deine Gedanken trüben?" „Da Du diesen Punkt berührst, will ich offen mit Dir sprechen. Ich hatte heute Nacht einen seltsamen Traum, ich will ihn Dir ganz erzählen, sei Du die Deuterin." „Last' hören, ich bin gespannt." „Komm, setz' Dich an meine Seite, mein Kind.. so .. so.. nun höre einmal an. Es war am Tage des jüngsten Gerichts. Weit hin in unabsehbarer Fernen stand in bunter Menge die sündhafte Menschheit, in feierlichster Stille lauschend. Ich stand vorne, in erster Reihe, ver- funken ganz in das inajestätische Bild, das sich vor meinen Augen entrollte. Ich weiß nicht mehr, was ich Alles da> gesen; nur Eines ist mir noch in Erinnerung und steht lebhaft vor mir, als sähe ich es jetzt noch: es erhob sich ein prachtvoller Thron, aus Sammt, reich mit Gold gestickt; die goldene Krone über diesem Throne funkelte von Brillanten und Edelsteinen, die das Auge blendeten; und merkwürdig, dieser herrliche Thron war mit einem Spinngewebe über- zogen, so zwar, daß man daraus schließen konnte, er habe im Laufe der Zeiten keinerlei Verwendung gefunden. Diese Erscheinung wirkte so seltsam auf mich, daß ich nicht umhin konnte, an meinen Nachbar zur Rechten, einen Greis, dessen Gesicht von langem, silberweißem Barte umrahmt war, die Frage zu richten, welche Bewandtniß es denn eigent- Die letzten Wochen haben durch die Erhöhung der Getreide- zölle deutlich gezeigt, daß die Majorität des Reichstages, statt durch die Forderung der Aufhebung und Beseitigung der indirekten Steuern den Versuch zu machen, die unge- heure Majorität des Volkes zu entlasten, im Gegentheik ihre gesetzgeberische Macht dazu benutzt, dem Volke neue, die nothwendigsten Lebensmittel vertheuernde, indirekte Steuern aufzuerlegen. Der nothleidenden Landwirthschaft, sagte man, müsse geholfen werden, aber nur den wenigen über enorme Ver- mögen verfügenden Großgrundbesitzern wird der Löwenan- theil aus der Preiserhöhung des Getreides zufließen. Während auf der einen Seite durch Zölle auf Lebens- mittel die Lebenshaltung der Arbeiter herabgedrückt wird, wird andererseits verhindert, daß die arbeitende Bevölkerung in gemeinsamer Thätigkeit ihre Interessen selbstständig vertritt, und verurtheilt, indem man vermittelst des Ausnahmegesetzes die meisten Fach- und Gewerksvereine sowie fast alle Arbeiterversammlungen verbietet, die arbeitenden Klassen zu lähmender Thatlosigkeit. Die Konsequenz dieses Vorgehens ist die wachsende Macht der Unternehmer, die schließlich in der Lage sind, ihren Arbeitern jede Bedingung sowohl in Bezug auf Lohn als auch auf die Art und Dauer der Beschäftigung aufzu- zwingen. Die sogenannte„positive Sozialreform" der Regierung, die sich als eine erweiterte Armenpflege und Almosengesetz- aebung, deren größter Theil überdies noch von den Ar- beitern getragen werden muß, darstellt, ändert diese Zu- stände nicht ab. Nicht Wohlthatcn soll man den Arbeitern gewähren, sondern den herrschenden Klaffen muß klar werden, lich mit diesem Throne habe, der so vereinsamt dastehe. Und in ernstem und bedächtigem Tone erwiderte der Ge- fragte:„Dieser Thron ist für jene Stiefmutter bestimmt, die das ihrer Pflege anvertraute fremde Kind wie ihr eigenes behandelt, mit gleicher mütterlicher Liebe und Zärtlichkeit mit gleichem Wohlwollen und gleicher Fürsorge. Bis jetzt hat keine Stiefmutter die Anwartschaft auf diesen Thron errungen.————————_ Zn demselben Augenblicke ertönte wieder Posaunenschall und — ich erwachte." Es trat eine kleine Pause ein. Braut und Bräutigam sahen einander stillschweigend an. Endlich brach Henriette das Schweigen. Sie legte ihre Hand in die ihres Karl, und voll Innigkeit und Herzlichkeit sagte sie ihm: Ich verstehe Dich, ich will Deinem Kinde eine wirkliche Mutter sein!" Karl und Henriette lebten im besten Einvernehmen. Nichts trübte ihr eheliches Glück. Nichts? Dem äußeren Anschein nach nichts. n., Liebe, die wahre, auftichtige und uneigennützige Liebe hatte diesen Bund geschlossen, und sie herrschte im Hause wie ein gütiger Engel. Zwei Jahre waren seitdem verflossen, und was inan sah und hörte, war geeignet, den Bund als einen glücklichen bezeichnen zu können. Karl P. war eiir Geschäftsmann in des Wortes bester Bedeutung. Eifrige Thätigkeit und Ehrlichkeit verschafften ihm unter seinen Berufsgenossen und auch über diesen Kreis hinaus den besten Kredit und rückhaltslose Anerkennung. Sein Geschäft prosperirte auch und von materiellen Sorge» blieb er ver- Wfc derjenige, welcher die Arbeit leistet, auch den Anspruch auf den Ertrag der Arbeit hat Bei dieser Sachlage können die Arbeiter Deutschlands— obgleich gerade in diesen Tagen wieder viel Tausend Men- schen sich des Produktes ihrer fleißigen Hände freuten— kein ftöhliches Neujahr feiern. Dumpf und schwül liegt über dem Volke die Sorge für die Erhaltung des Friedens; die im Prinzip bereits beschlossene Verstärkung der für den Kriegsfall einzustellen- den Wehrleute um mehr als eine halbe Million lastet namentlich schwer auf denjenigen Leuten, welche, im kräf- tigsten Mannesalter stehend, Frau und Kinder zu versorgen haben. Auf wirthschaftlichcm Gebiet, durch die herrschende Produktionsweise fast nahezu erschöpft, sieht sich der vierte Stand, die Arbeiterklasse, durch die immer mehr um sich greifende Reaktion in seinen politischen Rechten eingeschränkt und dadurch der-Möglichkeit beraubt, in nachdrückucher Weise kräftig für die Beflerstellung seiner Lage einzutreten. Unter einem Ausnahmegesetz, dessen Verlängerung und Verschärfung in Aussicht gestellt ist, leidend, fehlt dem Ar- beiterstand jede Bcwegungsfähigkeit, jede Möglichkeit einer Mttbetheiligung, welche doch die einzige Voraussetzung ist für eine ernste und gründliche soziale Reform. Von diesen Gefühlen werden Millionen deutscher Ar- beiter gerade zum Jahresanfang beseelt sein, und wo sich Arbeitsgenossen am heutigen Tage treffen, da wird mit dem Händedruck das Gelöbniß verbunden sein, nicht zu ruhen und zu rasten, bis den Arbeitern ihr Recht auf ein menschenwürdiges Dasein geworden ist. Die ökonomische Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat die wirthschaftlichen Fragen in den Vordergrund gedrängt, die Gesetzgebung wird mehr und mehr zu der Ueberzeugung ge- langen, daß das Wohl und Wehe ver Völker von der ge- rechten Lösung dieser Fragen abhängt. An der gedeihlichen Lösung derselben eifrig mitzuarbeiten, ist das Recht und die Pflicht aller Arbeiter, und mehr als je fordert der gegen- wärtige Moment dazu auf, treu und fest zusammen zu flehen in dem Kampfe gegen die Gegner auf politischem und wirthschaftlichcm Gebiet. Die unerschütterliche Ueberzeugung von der Gercchtig- keit und Durchführbarkeit einer wahren und durchgreifenden sozialen Reform verleiht dem arbeitenden Volke Muth und Ausdauer, seinen Forderungen zum Siege zu verhelfen. Je dunkler die Gegenwart scheint, je lichter strahlt die Zukunft und gestützt auf die eigene, unüberwindliche Kraft, wird es gelingen, dem gesammten Volke- nicht wie heut nur einem winzigen Bruchtheil— eine freundliche Zugend, eine auskömmliche Existenz bei fleißiger Arbeit und ein sorgenloses Alter zu gewähren. Dann erst wird die übergroße Majorität unseres Volkes freudigen Herzens das neue Jahr antreten können, dann wird in keinem Haus, in keiner Familie um diese Zeit die wahre Festesfreude fehlen, und was leider heut so unendlich Vielen nicht vergönnt ist, werden dann Alle, Alle feiern: Ein fröhliches neues Jahr! Politische Ueverstcht. •Weber die Gründe, aus denen stch die Einbringung de• Novelle znur Koftalistengefetz»n Reichstage bis jetzt ver-öacrt hat, die aber am 16. Januar erfolgen soll, wird hin und her konjckturirt, ohne daß Bestimmtes bis jetzt bekannt ge- worden wäre. Der Berliner Korrespondent des„Hamb. Korr." bemerkt dazu:„Die Aufklärung würde nicht allzu schwierig sein, wenn sich das Gerücht bestätigt, daß die Vorlage erst in den Ausschüssen des Bundesraths ihre jetzige Form erhalten halle riiid daß in diesem Stadium der Verhandlung die praktisch bedeutsamsten Bestimmungen des Entwurfs eingefügt worden seien. Ist das richtig, so würde sich die Angabe erklären, daß erst nach der Beschlußfassung im Bundesrath die Ausarbeitung der Begründung in Angriff genommen worden sei, mit der zur Zeit das preußische Ministerium des Innern beschäftigt ist. Zu einer besonderen Beschleunigung dieser Arbeiten liegt eine Ver- anlassung nicht vor, da der Reichstag erst in der zweiten Hälfte des'Januar wieder zusammentritt." lieber die Erpatriiruna«nd die bayerischen Re- snvatrechte läßt sich die„Magded. Ztg/� aus München schreiben, es heiße dort,„die bayerische Staatsregke- rung habe im Bundcsrath auf diese Frage bereits hingewiesen. C-ie soll es nicht abgelehnt haben, durch Äenderung des Landes- gcsetzes die„S ch w i e r i g k e i t" zu beseitigen."— An diese schont. Wenn er nach Hause kam, fand er hier die er- wünschte Ruhe und Zerstreuung an der Seite seines ge- liebten und liebevollen Weibes, fand er ein Hauswesen, wie er es sich nicht besser zu wünschen vermochte. Und doch war er in semem Innern nicht zufrieden und nicht so glück- lich, wie eS den Anschein hatte. Es fehlte etwas zu seinem Glücke, zu seinein vollem, ungetrübten Glücke;— es fehlte seine Tochter, sein einziges Kind aus erster Ehe. Was war mit ihr geschehen?•.. Warum hatte sie das elterliche Laus verlassen? War es ihr freier Wille, oder wurde sie gewaltsam hinausgedrängt, und wer war es denn, der sie von der Seite ihres Vaters riß? Die bösen Zungen gaben darauf Bescheid. Ja, man kann nicht einmal sagen, die bösen Zungen allein. Selbst die guten Freunde des Hauses, die als solche sich in vielen t allen bewährten, stimmten da in ihrem Urthcil, in ihrer teinung überein. Es ist eben eine Stiefmutter, so sagten Alle, als die Frage, wer wohl das arme Kind aus dem Hause gebracht, aufs Tapet kam. Die ersten Monate nach der Vermählung hatten die D«jZ, Mann und Frau, wie Röschen, seine Tochter aus erster Ehe, in harmonischer Ein- tracht gelebt. Die Stiefmutter schien wirklich von dem auftichtigsten Bestreben erfüllt, die Anwartschaft auf jenen Thron zu erringen, den ihr Gatte im Traum ge- sehen hatte. Sie war eine zärtliche und liebevolle Mutter; sre war aufmerksam und sorgsam, und sie erfüllte, so weit es in ihrer Macht stand, jeden Wunsch des Kindes, den sie ihm von den Äugen ablesen konnte. Sie befand stch immer und überall in Gesellschaft ihrer Tochter, sie nahm keine Einladung an, ohne sich von ihr begleiten zu lassen, sie besuchte kein Theater, kein Konzert, keine wie immer geartete Unterhaltung ohne ihr liebes Röschen und wenn etwas in ihrem Benehmen zu tadeln gewesen wäre, so war es vielleicht die Schwäche und die Nachgiebigkeit, b'/ sie der Tochter ihres Mannes gegenüber in ausge- dehntester Weise walten ließ. Wie oft im Laufe des Jahres hatte ihr ihr Mann darüber Vorwürfe machen müssen. „Wäre Röschen nicht schon ein erwachsenes Mädchen, Du hättest sie gewiß ganz verzogen", so lauteten wiederholt die Vorwürfe, die Karl gegen seine Frau erhob. Und nicht Abficht glauben wir gern. Nach unserer Auffassung hat aber der bayerische Landtag bei einer Äenderung der Verfassung mitzu- sprechen, und in ihm wird sich eine Majorität für eine so tief eingreifende Äenderung, wie es die des Heimathrechtes sein müßte, schwerlich finden. Me gereizte Stimmung, die anläßlich der Debatten über das Sozialistengesetz zwischen den beiden kartellbrüderlichcn Organen, der„Nat.-Ztg." und der„Kreuzztg.", ausgebrochen war, ist vorläufig noch nicht beigelegt. Es geht in der scharfen Tonart weiter. So schreibt die„Nat.-Ztg.":„Die„Neue P r e u ß. Z t g." ist ganz„aus dem Häuschen" darüber, daß wir der Verbannung von Sozialdemokraten aus dem deutschen Reichsgebiet auch unter der Voraussetzung, daß dieselbe durch Richterspruch erfolgte, keinen Geschmack abge- Winnen können. Natürlich droht sie wieder mit der Auf- Hebung des„Kartells". Wir schlagen ihr vor, diese Drohung stereotypsten zu lassen; bei der häufigen An- Wendung derselben wird dies eine Erleichterung für die tcch- nische Herstellung des Blattes mit sich bringen. Unsere„Haupt- sorge", so versichert die„N. Pr. Ztg.", scheine zu sein, die Teutschfreisinnigcn zu versöhnen und nach Möglichkeit heranzu- ziehen. Offenbar! Jede unserer Nummern giebt ja den Be- weis dafür. Die Deutschfreisinnigen brennen auch darauf, allen- falls für die nochmalige Verlängerung des Sozialistengesetzes, wie es ist, zu stimmen! Was wirklich unsere„Hauptsorge" in dieser Frage ist, das haben wir deutlich genug dargelegt: zu verhüten, daß durch die dauernde Gewöhnung von Hunder- taufenden an eine durch keine Repressivmittel zu beseitigende ge- Heime Agitation dieselbe Staatsordnung untergraben wird, welche man durch immer neue Verschärfungen der Unterdrückungs- maßregeln sichern zu können glaubt. Wir wünschen, daß cnd- lich wieder eine politische Beurtheilung der sozialdcmokra- tischen Agitation an die Stelle der polizeilichen trete."— Der letzte Satz klingt gar nicht übel in seiner„vornehmen" Fassung; gewöhnliche Plebejer wie wir würden so plump sein, seinen Sinn folgendermaßen auszudrücken:„Wir wünschen, daß endlich an Stelle des Herrn v. Puttkamer Herr v. Bennigsen Minister des Innern wird." Gin sanberrr Streit spielt sich augenblicklich zwischen zwei offiziösen Organen, den„Verl. Pol. Nachrichten" und der„Kölnischen Zeitung" ab. Der letzteren war von den „B. Pol. N." vorgeworfen worden, sie habe aus der ihr eigenen „allgemeinen Dienstbeflissenheit" oder aus Unwissenheit„Batten- bergsche Kukukseier in ihre Spalten eingeschmuggelt." Die „Köln. Ztg." antwortete, indem sie den Herausgeber jener offiziösen Korrespondenz, Herrn Schweinburg, ehrenrühriger Handlungen bezichtigte und erklätte, er sei aus ihren Diensten entlassen worden. Sie behauptete weiterhin,„daß er sich in seiner journalistischen Thätigkeit das Ansehen nicht zu sichern gewußt habe, welches dazu erforderlich ist, um Beziehungen zu Staatsmännem in leitender Stellung zu pflegen". Herrn Finanzministcr v. Scholz, der sich bekanntlich in offenem Reichs- tag seiner Beziehungen zu Herrn Schweinburg rühmte, scheint demnach die„Köln. Ztg." zu den„Stoatsmänncrn in leitender Stellung" nicht zu rechnen..Herr Scbweinburg fordert natürlich Beweise und bezeichnet Redakteur wie Herausgeber der„Köln. Ztg.", die sich gleichfalls hoher amtlicher Beziehungen erfreuen soll, als„ehrabschneiderische verleumderische Wichte". So steht es in dc n Mundslücken aus, deren die Regierung sich bedient, um zum Volke zu sprechen. Sie mögen manchmal recht nützliche Dienste verrichten; aber reinlich sind sie nicht. Was aber ihren Streit anbetrifft, so neigen wir uns der alten Ansicht zu:„daß der Rabbi und der Mönch, daß sie alle beide stinken! Ueber die offtziöft presse und ihren Feldzug gegen die„Stöckerci" fällt die„Nation" folgendes Urtheil:„schärfer als bei dieser Gelegenheit ist die Erbärmlichkeit der offiziösen Presse selten hervorgetreten; diese Presse bleibt immer dieselbe; aber es ist nicht immer gleich leicht, ihren Charakter zu erweisen, der darin besteht, keinen Charakter zu haben. Wettern sie heute gegen Herrn Etöcker, so werden sie morgen vielleicht diesen Ehrenmann wieder aus den Schild erheben und einen� neuen Luther nennen. Sollte man für diese Art Presse ein Symbol suchen, so wären jene kleinen Menschenköpfe aus Gummi zu empfehlen, die der leiseste Druck verändert; der leiseste Druck macht aus einem lachenden ein weinendes, aus einein drohenden ein freundliches Gesicht, und wer das Ding in der Hand hat, ist Herr seiner Züge. Zu bedauern wäre derjenige, der vor diesen Fratzen sich seine künstlerische Bildung erwerben wollte; wie traurig und verhängnißvoll muß es sein, daß Tausende in Deutschland vor derartigen papicrncn Fratzen, die in nichts besser sind, ihre politische Erziehung vollenden und daß es sogar ein Zeichen des„guten Bürgers" sein soll, wenn er an- dachtsvoll und gläubig sich durch diese offiziösen Lehrmittel geistig und moralisch zu Grunde richten läßt." Die„Störkerri"«nd„Muckerei" stört dcn Kattell- frieden noch immer. Der„Reichsbote" spricht in seiner bilder- reichen Sprache von der in ihrem Sumpfe ertrinkenden„Post", die die Balken verschluckt habe, welche ihr die„Kreuz-Zeitung" an den Kopf geworfen hätte. Die„Kreuz-Zeitung" konstatirt, daß die„Post" dcn Schandfleck der Felonie ohne Widerspruch trage, und spricht von dem kindischen und ohnmächtigen Ver- er allein sprach so. Auch seine Anverwandten, seine Freunde und Bekannten waren derselben Meinung und äußerten sich in ähnlicher Weise. Ja, selbst Röschen fühlte dies oft selbst, und sie sagte öfters:„Mama, wenn Du mich so verwöhnst, dann werde ich niemals aus dem Hause wollen, und ich möchte Dich auch gar nie im Leben mehr ver- lassen!" Und nach kaum eintzm halben Jahre war das schöne Kind nicht mehr im Hause, es war über Nacht wie ver- schwunden. Die ferner Stehenden wußten sich dieses plötzliche Verschwinden nicht zu enträthseln. Es mußte etwas ganz Besonderes vorgefallen sein, so raunten sich die Leute zu; Besonderes, jawohl, aber was? Die Frage blieb un- beantwortet, und weil man eben keinen andern Grund dafür anzugeben nermochte, so wurde der nächstgelegene geltend gemacht: was wird da weiter vorgefallen sein, es ist eben eine Stiefmutter und die ist um kein Haar besser als alle andern Stiefmütter. Das Benehmen Karls, nach- dem seine Tochter aus dem Hause entfernt war, schien diese allgemein verbreitete Ansicht zu bestätigen. Als ihn einer seiner Freunde einmal direkt ftagte:„Was ist denn mit Deiner Tochter geschehen, warum sieht man sie gar nicht mehr", da zuckte er mit den Achseln, und mit einem schweren Seufzer erwiderte er:„Lasi' das, ich bitt' Dich, frag mich nicht darum." Man ftagte auch nicht mehr, man rcspektirte das Geheimniß, das hier obwaltete; je weniger man es aber im Hause Karls berührte, desto mehr besprach man es in den gesellschaftlichen Kreisen, in denen sich die P...'schen Eheleute zu bewegen pflegten. Was war aber wirtlich geschehen? Das Stubenmädchen hatte einige Andeutungen ihrem Geliebten gegenüber gemacht, dieser hatte für möglichste Verbreitung gesorgt, und was man auf diesem Umwege vernahm, bestärkte eben die all- gemeine Annahme, daß die herzlose Stiefmutter das Kind aus dem Hause getrieben habe. An einem Vormittag, so wurde erzählt, waren Mutter und Tochter im Zimmer eingeschlossen; man hörte keine Worte, nur lautes Schluchzen; beide schienen zu weinen, und das dauerte ungefähr eine ganze Stunde. Als die Thüren wieder ausgesperrt worden waren, bemerkte das suche der„Post", sich der auf ihr lastenden Verachtung zu ent« ziehen. D,e„Post" zahlt selbstverständlich in gleicher Münze, und so sorgt die Kartellpresse für ihre eigene Lächerlichkeit. Die „Germania" giebt übrigens der„Kreuz-Zeitung" dcn guten Rath, Herrn S t ö ck e r zu verabschieden, der es mit seltener Begabung fertig gebracht habe, sich bei Protestanten ivie Katholiken unmög. lich zu machen. Niederhaltung der Fachvereine. Aus Greiz geht uns in Abschrift eine Verfügung der dortigen Regierung zu, die in ihrer bureaukratischen Trockenheit und Kürze verräth, welch scharfe Luft augenblicklich in den oberen Regionen gegen die gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen herrscht. Sie ist gerichtet an den Steinmetz Herrn Theodor Harnisch in Greiz und lautet:„Die von Ihnen unter Ueberreichung eines Statutenentwurfs erbetene Genehmigung zur Bildung eines Fachvereins der Steinmetzen können wir aus polizeilichen Rück- sichten nach eingeforderter gutachtlicher Aeußerung der hiesigen städtischen Polizeibehörde nicht ertheilen. Sie werden zugleich zur Bescheidung der Mitunterzeichner jenes Gesuchs hiervon in Kenntniß gesetzt. Greiz, am 26. November 1887. Fürstlich Reuß-Ptauische Landesregierung." Der Arbeiterverein Dresden-Uenstadt erläßt folgende Bekanntmachung. Wie schon bekannt ist, hat sich wieder ein Restauratcur gefunden, welcher einen Gast und zwar den Land- tagsabgeordneten Herrn August Kaden ausgewiesen hat, nur darum, weil der genannte Abgeordnete Sozialdemokrat ist und infolge dessen die Arbeiterinteressen vertritt; was aber den In- habcrn unten genannter Lokale nicht paßt. Herr Fritz Änger- mann hat nun erklärt, er habe nur dem Drängen gewisser Leute nachgegeben. Dieses ändert aber nichts an der Sache. Arbeiter! Wo einer ausgewiesen wird, läuft jeder Arbeiter Ge- fahr, wenn er nicht die Gesinnung des Wirthes theilt, ausge- wiesen zu werden. Aus diesem Grunde und aus Solidaritäts- gefühl zu dem Ausgewiesenen, halten wir an dem Beschluß, nicht in solche Lokale zu gehen, fest. Arbeiter Dresdens! Wollt Ihr nun, daß die Vertreter Eurer Sache anständiger behandelt und der Handlungsweise, welche nur Dresden schändet, ein Damm entgegengesetzt wird, so muß es Eure heiligste Pflicht sein, an diesem Beschluß mit festzuhalten. Es giebt noch viele Restaurants, wo man den Arbeiter mit seinen Vertretern gern sieht. Die Lokale, wo Herr Max Kayser, früherer Reichstags- abgeordneter, und Herr August Kaden, Landtagsabgcordneter, ausgewiesen wurden, heißen: Kaffee König, Dresden-Alt- stadt, Restaurant zum Mond, Bautznerstraße, Rade» berger Bierhalle, Hauptstraße, Dresdner Raths- k e l l e r, Am Neustädtcr Markt, Restaurant Fritz An- germann, kleine Meißnergasse- und Neustädter Markt-Ecke. Wir bitten alle Arbeiter, diese Lokale zu meiden und die Herren unter sich zu lassen. „Das Necht einer mäßigen väterlichen Züchtigung" wünscht der Antisemitcnhäuptling Tr. Ernst Henrici in der„Staatsb. Ztg." für die Weißen gegenüber dcn Negern in Afrika.— Wir sind die entschiedensten Gegner der Prügelstrafe, aber mir müssen gestehen, einer solchen„Knutcngesinnung" gegenüber, wie sie sich in diesem Vorschlag ausspricht, hat ihre Anwendung etwas verlockendes. Die Würzburger Wahltragikomöbie hat einen vor« läufigen Abschluß erhalten. Bei dem letzten— elften— Wahl- gange fehlten nämlich 40 liberale Wahlmänner: da nun zwei Drittel der Wahlmänner an dem Akte theilnehmen müssen, soll derselbe giltig sein, so kam man wiederum zu keinem Resultate. Nun will man sich damit helfen, daß man zunächst von der Veranstaltung weiterer Wahlabgängc absieht und einen solchen nur anberaumt, wenn mindestens 60 Wahlmänner es verlangen. Es liegt auf der Hand, daß dies Mittel zur Abhilfe nicht ge- nügt. In der Intention des Gesetzgebers liegt es, daß so lange sortgewählt wird, bis eine giltige Wahl zu Stande kommt. Dieser Intention widerspricht es, wenn die Wahl auf unde- stimmte Zeit vertagt wird. Auch ist nicht ersichttich, auf welche gesetzlichen Gründe man sich stützt, wenn man die Festsetzung eines neuen Termins davon abhängig macht, daß mindestens 60 Wahlmänner einen solchen verlangen. Wenn nun aber selbst der Fall eintreten sollte, daß jene Sechszig sich melden, so ist dadurch ein Zustandekommen der Wahl durchaus noch nicht verbürgt. Im Gegcnthcil muß angenommen werden, daß die Wahlmänner aus der bevorstehenden längeren Ruhepause „friscke Kräfte" schöpfen und mit erneutem Kampfcsmuthe in die Wahlschlacht sich stürzen werden. Abhelfen kann eben nur das gesetzgeberische Eingreifen der Regierung und des Land- tages. Zum pos-n-r Sozialist-npr-zeß meldet die„Pos. Ztg.": Bei dem hier bevorstehenden Sozialistenprozcß, welcher am 2. Januar deginnt und etwa 14 Tage dauern wird, sind sämmt- liche Polizei-Jnspettoren, Revier- und Kriminal-Kommissarien w hervorragender Weise als Zeugen beschäftigt, und zwar: 2 Polizei-Jnspektoren, 5 Revier-Kommissarien und 1 Kriminal- Kommissarius. Dem einen Revier-Kommissarius liegt neben zahlreichen Schutzleuten die Ueberwachung der Angeklagten, so- wie die Aufrcchterhaltung der Ordnung im Gerichtssaale od; es bleibt demnach nur noch ein Beamter, Kriminal-KommiffariuS Misbach, disponibel, welchem die Vertretung des Polizei- Stubenmädchen an Beiden verweinte Augen, und es wurde weiter als auffällig bemerkt, daß Mutter und Tochter nicht mehr initeinander sprachen, daß letztere sich in ihr Zimmer zurückzog und daß sie auch nicht mehr wie gewöhnlich zum Mittagstisch erschien. Noch im Laufe desselben Tages hatte Röschen ihre Sachen eingepackt. Die Mutter war ihr dabei behilflich, ohne daß Beide miteinander ein Wort gewechselt hätten. Am Abend wurde ein Fiaker geholt, und Mutter und Tochter fuhren zur Nordbahn. Beim Abschiede aus dem Hause konnten Beide ihre Thränen nicht verbergen, es wurde viel geweint und laut geschluchzt, und dieselbe traurige Stimmung brach durch, als spät am Abend, später als dieS sonst der Fall zu sein pflegte, Karl nach Hause kam und seine Tochter daselbst nicht mehr vorfand. Das Abendessen blieb unberührt, und das Stubenmädchen, das ab und zu das Zimmer betrat, fing nur einzelne Worte auf, die sie getteulich im Gedächtniß behielt und die darauf hindeuteren, daß zwischen der Stiefmutter und dem Stiefkind ein Zwie- spalt ausgebrochen sein müsse, daß wirklich nur die Stief- mutter allein an dem Verschwinden des lieben Röschen schuld sei.... „Du mußt mir zugestehen, daß ich eine gute Mutter war,... die Undankbare... Ich sage es ungern, sie war falsch... Ich weiß, die Leute werden mir die Schuld geben, meinethalben... Ich weiß mich von jeder Schuld frei... Verzeih' mir, lieber Karl, verzeih' mir, ich will Dir nach wie vor eine treue Gattin sein... es war un- möglich... ich konnte nicht anders handeln... unsere beiderseitige Ruhe hing davon ab... wir wollen jetzt in Frieden und Eintracht weiter leben... nun nicht wahr, lieber Karl, Du verzeihst mir!" So lauteten die abgebrochenen Sätze, welche das Stubenmädchen, das sich das Lauschen nicht versagen konnte, deutlich vernahm, und sie fügte ihrem Berichte noch bei, daß der Herr stillschweigend Alles mit an- gehört, kein Wort erwidert und nur wie ein Kind ge- weint habe, so daß es den härtesten Stein hätte erweichen können. „Es war herzzerreißend," so schloß das Stubenmädchen den Bericht,„ich werde diesen Tag im Leben nicht vergessen, Inspektors Glasemann während des Sozialistenprozesses über- tragen worden ist." Ueber den Fall Ghrenderg läßt sich die ,,N. B. L." folgendes'aus Freibura i. B. schreiben:„Die Rückkehr des Hauptmanns a. D. v. Ehrenberg nach Deutschland soll in erster Reihe durch vollständigen Mangel an Geldmitteln veranlaßt sein. Der Gang der Untersuchung dürfte wesentlich davon ab- hängen, ob sich die Schweiz dazu versteht, die Untcrsuchungs- akten der deutschen Militärbehöroe, welcher der frühere Haupt- mann v. Ehrcnbcrg heute noch untersteht, zur Verfügung zu stellen, sowie femer davon, ob gegen Ehrenberg überhaupt That- fachen sich erweisen lassen, welche die Natur des Hoch- oder Landesverraths an sich tragen. Unzweifelhaft und in erster Linie dürfte nach der Vergangenheit von Ehrenberg's die Frage der Zurechnungsfähigkeit gestellt und erörtert werden." Gin sozialistisch«» Flugblatt ist am 2. Weihnachtsfeiertage in Köln und den Vororten überall verbreitet worden. Das Flugblatt greift unter der Ueberschrift„Zum SOjährigcn Priesterjubiläum des Papstes" insbesondere den Papst und die katholische Kirche an. Glsasstsch«». Aus Neubreisach, 27. Dezember, wird geschrieben: Der Reservist Georg Weiß, der hier bei seinem Oheim wohnte, ist, wie die„Metzer Zeitung" meldet, wegen Landesverraths und Majestätsbeleidigung in Haft genommen worden. Weiß hat bei dem Jägerbataillon in Goßlar seiner Militärpflicht genügt. Eine bei seinem Oheim vorgenoinmene Haussuchung förderte verschiedene„Revanche- Embleme" und verdächtige Briefschaften zu Tage. Grotzbritanuie«. Der Pächter John Mandevile, O'Brien's Leidens- geführte im Gefängniß zu Tullamore, wurde am Sonnabend, nach Verbüßung seiner zweimonatlichen Haft, auf freien Fuß gesetzt. Als der Freigelassene am Abend in der Station Knock- long ankam, wurde er von mehreren Tausend Personen mit Musikkapellen und Bannem empfangen und nach Mitchelstown geleitet. Frankreich. Die monarchistischen Parteien suchen den Schlag, welchen sie durch die Wahl Earnot's erhalten haben, dadurch ab- zuschwächen, daß sie die Unmöglichkeit, eine„feste Regiemng" zu bilden, betonen und Neuwahlen fordern. Nicht daß sie dächten, bei einer Neuwahl die Majorität zu erlangen oder sonst gute Geschäfte zu machen— das, worauf es ihnen an- kommt, ist— nach bekannten Mustern— das Gefühl der Un- sicherheit in die Massen zu bringen und ihnen Ekel an den demokratischen Prinzipien einzuflößen. Wenn die reaktionäre deutsche Presse nicht den französischen Monarchisten mit allen Kräften in die Hände arbeitete, wäre es gar nicht der Mühe werth, die Sache auch nur zu erwähnen. Aber da es viele Leute gicbt, die das Geschreibsel glauben, so muß kurz hervor- gehoben werden, daß es sich um nichts weiter handelt, als um die famose Mythe von der„festen Regierung", die von zweifelhaften Parlamentsmajoritäten nicht abhängig sein dürfe. Wahr ist, daß von den verschiedenen vier Frattionen, aus denen die republikanische Partei besteht, keine für sich allein die Majorität im gesetzgebenden Körper hat. Wahr ist aber auch, daß aus den republikanischen Fraktionen heraus sehr wohl ein Ministerium gebildet werden kann, welches über eine absolute Majorität verfügt. Nur gehört dazu, daß der äußersten Linken gewiffeKonzessionen gemacht werden, deren Berechtigung vom republikanischen Standpunkt ganz unbcstreit- bar ist. Diese Konzessionen laufen im Wesentlichen darauf hinaus, daß erstens den Bedürfnissen der Arbeiterklasse und des Kleinbürgerthums und Kleinbauernthums Rechnung getragen und zweitens mit der monarchistischen Tradition und Vergangen- heit vollständig gebrochen wird. Die blauen oder gemäßigten Re- publikaner sträuben sich hiergegen, weniger aus Abneigung gegen den Inhalt dieser Fordeningen, als weil sie sich das Hinter- thürchen einer vorübergehenden Allianz mit den Monarchisten nicht ganz versperren wollen. Nun ist aber die Zahl dieser Republikaner keineswegs eine große,— nur haben sie bisher auf einen beträchtlichen Theil der republikanischen Mitglieder noch genug Einfluß gehabt, um dieselben von Konzesstonen an die radikaleren Elemente zurückzuhalten. Allein wer den Ver- lauf der Dinge in den letzten Monaten- seit dem Auftauchen der Prästdentenkrise— aufmerksam verfolgt hat, mußte sich überzeugen, daß die demokratische und radikale Strö- mung fortwährend an Kraft gewinnt und daß der Einfluß jener opportunistischen Republikaner cnt- schieden in der Abnahme begriffen ist. Die Möglichkeit, nach Beseitigung des jetzigen„Verlegcnheitsministerium eine„feste" republikanische Regiemng zu bilden, ist also keineswegs ausge- schloffen. Sollte es indcß anders kommen und eine Auf- l ö s u n g der Kammer erfolgen müssen, so würden doch die Monarchisten keine Vortheile davon haben, denn der„Zug nach links" ist in dem französischen Volk so mächtig, daß die Monarchisten und Äittelsparteien mit mathematischer Gewißheit die Kosten zu tragen hätten. � �„ Wie man sich erinnert, war der Pariser Gcmemderath Lefebvre-Roncier vor einigen Monaten angeklagt wor- aber es zeigt sich wieder, eine Stiefmutter bleibt Stief- Mutter, und wenn sie auch sonst so herzensgut ist, wie unsere Frau." Jawohl, Stiefmutter bleibt Stiefmutter! So sagte es das Stubenmädchen, so sagten es alle, die zu den Freunden des P.... schen Hauses zählten. Der arme Mann wurde viel bemitleidet, wenn man ihn auch aus Achtung vor seinem Charakter das Mitleid nicht fühlen ließ, nicht in der ersten Zeit des Geschehnisses und nicht später, ja später schon gar nicht, denn mit der Zeit schwächt sich ja jedes Interesse ab, die Menschen gehen über die auffälligsten Erscheinungen mit der Zeit zur TageS- ordnung über. Wohin hatte sich aber das junge Wesen begeben? Lebte es ferne, weit ferne von der Heimath, vom elterlichen Hause? Lebte es als Fremde unter Fremden, allein und verlassen, lebte es auf sich selbst angewiesen, vielleicht gar hilflos, oder doch zum Theile wenigstens unterstützt— wenn auch nicht von der Stiefmutter, so doch von dem liebevollen, herzensguten Vater?... Nur zufällig brachte man etwas darüber in Erfahrung. war am Namenstag des Vaters. Da kam ein Packet, '/uwmerwe.se an Frau P. adressirt, und in diesem Packete befanv sich eine geschmackvolle Handarbeit der Verstoßenen, dem Va er gewidmet. Bei diesem Anlasse nun, als Frau P. ihrem atten das Geschenk der Tochter überreichte, sagte • jL"f �ber Mann, daß es dem Kinde doch nicht schlecht geht; die Aristokraten wissen schon, wie sie ein wohlerzogenes Madchen, wenn es auch Gesellschafterin rst, zu behandeln haben." Als Gesellschafterin nun lebte also die Tochter des wohlhabenden Kaufn.annes!!... lSchluß folgt.) An» Kunst««d JEelie». � Ä�iSTSi AWKÄN Mittwoch, den 4.; Die Hochzeit des Figaro; Tonnerstag, den den, anläßlich des SOjährigcn Jubiläums der französischen Eisenbahnen 10 000 Franks von dessen Veranstalter angenom- men zu haben, um den Gemeinderath der Feier günstig zu stimmen. Da sich im Hotel de Ville wie im Publikum ein Sturm der Entrüstung gegen ihn erhob, so hielt er es angemessen, seine Entlassung als Gemeinderath zu neh- men. Er wurde aber von dem Gerichte freigesprochen und nun kandidirte er von neuem mit Erfolg. Seine alten Kollegen hatten daran geringe Freude und ließen es auf jede Weise merken. Mittlerweile mußte er von neuem vor dem Pariser Zuchtpolizeigericht erscheinen, weil er seinen Mitbewerber Edmond Benoit-Levy, welcher ihn während der Wahlperiode scharf mit- genommen und behauptet hatte, die 10 000 Frks. wären doch m seine Tasche geflossen, eines Tages auf der Straße überfiel und durchwalkte. Dafür wurde Lefebvre-Roncier in contumip law zu einem Monat Gefängniß verurtbeilt. Er appellirte und gestern setzte die 10. Kammer des Pariser Zuchtpolizeigerichts seine Strafe auf vierzehn Tage herab. Ilm dieselbe Stunde verlas der Vizepräsident des Gemeinderaths einen Brief, in welchem Lefebvre-Roncier erklärte, er ziehe sich, nachdem die Justiz seines Landes und die Wähler des Viertels Folies- Msricourt ihm Gerechtigkeit widerfahren ließen, ins Privat- leben zurück, und empfahl seinen Kollegen, nach dieser Mit- theilung ohne weiteres zur Tagesordnung überzugehen. Diese aber befolgten seinen Rath nicht, sondern genehmigten einmüthig folgende für den Scheidenden keineswegs schmeichelhafte Tagesordnung:„Der Gemeinderath, in Anbe- tracht, daß Herr Lefebvre-Roncier durch seinen Austritt sich selbst als unwürdig erkannte, noch länger im Gemeinderath zu sitzen, geht zur Tagesordnung über." Der Ministerrath beschloß, die Verfügungen des Pariser Stadtraths über die Steuemmlage nicht auf- zuheben. Der„Autorits", welche in der g e h ä s s i g st e n W e i s e über nepotische Verfügungen des neuen Prä- sidenten gelärmt hatte, weil Noirot, ein Schwager des Bruders des Präsidenten Carnot, sofort, nachdem er sein Mandat als Deputirter niedergelegt, die Stelle eines Raths am Rech- nungshof erhalten habe, ist in folgendem Schreiben eine be- schämende Abfertigung geworden:„Präsidentschaft ver Re- publik. Paris, 26. Dezember 1887. Herr Deputirter(Paul de Cassagnac)! Ich bin vom Herrn Präsidenten der Republik be- auftragt, Sie wissen zu lassen, daß Sie in Ihrem heutigen Artikel zwei Personen verwechselt haben. Herr Noirot, ehemaliger Deputirter der Obern Loaone, jetzt Rath am Rechnungs- Hofe, ist kein Verwandter des früheren Forstinspektors Noirot, der heute Einnehmer in Paris und mit dem Bruder des Herrn Earnot verwandt ist. Der Vorsteher des Privatsekretariats Paul Arriviere." K-lgi-tt. Die sechsmonatliche Ruhe, welche unter den Arbeitern der Provinz 5zennegau herrschte, scheint wieder einer kleinen Arbeitsein st ellung Platz machen zu wollen. Das sozialistische„Peuple", welches von den Arbeitseinstellungen zu berichten weiß, bevor sie noch ausbrechen, signalisirt schon wieder einen Streik von 800 bis 1000 Kohlenarbeitern im Becken von Charleroi. Die Ursachen sind immer dieselben: schlechte Behandlung und geringe Löhne. Die letzten Ausweise der belgischen Kohlenbergwerksgesellschaften, welche weit günstiger lauten, als die Ausweise des vorigen Jahres und für einzelne Gescllschften einen ganz namhaften Gewinn in Aussicht stellen, sind natürlich auf die Stimmung der Arbeiter nicht ohne Ein- fluß geblieben. In den letzten Jahren wurden die Löhne mit Rücksicht auf den schlechten Geschäftsgang herabgesetzt. Logischer- weise verlangen jetzt die Arbeiter, daß die Löhne mit Rücksicht auf den Geschäftsgang wieder erhöht werden. Damit zögern aber die Bcrgwerksbesitzer. Die sozialistischen Führer betreiben in dieser Richtung ihre Agitation. Italie«. Auf den ein st imm igen Antrag der Mini st er ist der Bürgermeister von Rom, Herzog von Torlonia, durch Dekret des Königs seines Postens enthoben worden. Als Grund giebt man an, daß der Bürgermeister dem Gcneralvikar einen Besuch abgestattet und einen Gegenbesuch des letzteren empfangen habe. Rußland. In den südlichen Gouvernements finden fast in jedem Jahre Bauernunruhen statt, welche meist einen agrarischen Charakter haben. Im Laufe des Sommers 1885 wurde das Militär im Charkower Bezirk 15 Mal zur Unterstützung der Zivilgewalten herangezogen. Die letzte Affäre dieser Art, wobei die Angeklagten, 35 an der Zahl, Bauem aus dem Dorfe Kirikowka des Achtyr'schen Kreises des Gouvernements Charkow find, verlief folgendermaßen: Am 30. Juni v. I. traf der Pristawgehilfc Alerejewitsch im Torfe Kirikowka ein, um laut Befehl des Achtyr'schen Jsprawniks den Bauern K o t l j a r zu arretircn. Der betreffende Bauer war 1886 wegen Aufhetzen der Bauern seines Dorfes auf administrativem Wege nach dem Gouvernement Nowgorod ausgewiesen 5.: Morgano; Freitag, den 6.: Der Waffenschmied; Sonnabend' den 7., neu einstudirt: Hans Helling; Sonntag, den 8.: Margarethe.— Schauspielhause. Sonntag, den 1. Januar: Auf glatter Bahn: Dienstag, den 3.: Die Maus; Mittwoch, den 4.: Othello; Donnerstag, den 5.: Der Seestern, Mama's Augen; Freitag, den 6.: Emilia Galotti; Sonnabend, den 7.: Othello; Sonntag, den 8.: Die Maus. Der alt« Komödiant, lieber den zu Kalau kürzlich er- folgten Selbstmord des Theaterdirektors Thieme berichtet die �Franks. Oder-Ztg." folgende Einzelheiten: Kärglich schleppte Thieme sich und seine kleine Truppe von Ort zu Ort, von Herzen froh, wenn er das tägliche Brot zu finden vermochte. Aber auch das fand er nicht. Am Abend des 14. d. M. gingen zu einer Benefizvorstellung 13 Mark ein! Das reichte noch nicht einmal, um die Beleuchtungskosten zu decken. Und so ging's schon Wochen lang. Nachdem die traurige Komödie am Abend des 14. d. in dem unheimlich dunklen Saale zu Ende gegangen war und der letzte Zuschauer das Haus vielleicht mit einem schlechten Witze auf den Lippen für die ärmliche Tmppe ver- lassen hatte, erdröhnte auf der Bühne ein donncrähnlicher Knall. Bestürzt eilten die halbentkleideten Mimen auf die Bühne, welche nur durch eine spärlich flackernde Petroleumlampe erhellt war. Hier lag ein Greis in Silberhaaren mit zerschmettertem Kopfe in seinem Blute. Es war Direktor Thieme, der sich mittelst einer alten Requifitenpistole, mit Wasser und Schrot geladen, erschossen hatte. Bei der Leichenschau fand man einen Band der Shakespeare'schen Werke und— 3 Pfennige in den Rocktaschen des Todten. Iu di« l«tzt«n Tag« von Pomp«ji ließen jüngst einige Funde einen Einblick thun. In der regio VI iaola(Häuserviertel) 2 a, casa(Haus) Nr. 23, fand man viele silberne Ge- säße und drei Bücher unter Verhältnissen, die darauf schließen ließen, daß die Besitzerin diese Werthsachen im Augenblick der Katastrophe in ein Tuch gepackt hatte, um noch etwas mehr als das nackte Leben zu retten. Wir kennen die Schilderung des jüngeren Plinius von den Schrecknissen des Tages, als der Vesuv die ungeheuren Schlammmassen auswarf, die Pompeji begruben; der Tag war in finstere Nacht verwandelt, in der die Flüchtenden einander verloren, der Gatte rief nach der Gattin, die Kinder nach den Eltern, Niemand sah den Andern; Plinius selbst war mitten in dem schrecklichen Wirrwarr, mit ihm seine alte Mutter, die den treuen Sohn vergeblich anflehte, nur an die eigene Rettung zu denken. Nicht so glücklich wie diese beiden war ver- muthlich jene Frau, die sich noch mit dem Zusammenpacken ihrer Habseligkeiten aufhielt, eine Dicidia Margaris. Ihren Namen worden. Dieser Kotljar hatte nämlich es übernommen, Namens der Bauem beim Senat um Abänderung der Beschlüsse der Bauembehörde zu petitioniren und hatte sich mit Geld wohl versorgt nach Petersburg begeben. Von dort zurückgekehrt, redete er den Bauern ein, sie hätten ihre Sache im Senat gewonnen, wodurch er im Dorfe einen unbe- chränkten Einfluß sich erwarb; alle Bauem brachten ihm geradezu Ehrfurcht entgegen. Im Juni dieses Jahres kehrte Kotljar eigenmächtig aus seinem Verbannungsort nach Kirikowka zurück, arrangirte eine Versammlung und bat, für ihn Partei zu er- greifen resp. ihn den Behörden nicht auszuliefern. Die Menge akzeptitte den Vorschlag mit Begeistemng und rief, sie werde „einen Aufruhr veran st alten und wenn es nöthig ist, auch dreinschlage n." Der Dorfälteste, der diesem Beschluß nicht beitreten wollte, wurde seines Amtes cnt- setzt und ein neuer Dorf-Schulze eingesetzt. Die Sache wurde dem Jsprawnik gemeldet, der, wie schon erwähnt, den Pristaw- Gehilfen Alexejewitsch und zwei Polizeibcamte zur Arretirung. Kotljars entsandte. Als der Pristawgehilfc sich des Gesuchten bemächtigen wollte, erhielt er von dem Sohne Kotljars einen Hieb mit einem Stock. Als aber Alexewitsch die Verfolgung fortsetzte, wurde er von der versammelten Menge umringt und mißhandelt. Als nun Alexewitsch, um sich der Menge zu er- wehren, einen Schuß in die Lust abgab, warfen sich die aufs äußerste erbitterten Bauem auf ihn, schleuderten ihn zu Boden und schlugen ihn. Nur Dank der Intervention des Feldscheers Zornberg, der den Vorschlag machte, den Pristaw einzusperren, um später denselben wegen des Schusses, der angeblich die Frau Kotljars verwundet hatte, zur Verantwortung zu ziehen, nahm die Szene ein Ende. Am andern Tage trafen Tmppen ein, 35 der Haupträdclsführer wurden arrctirt. Durch eine 17 Tage später vorgenommene ärztliche Untersuchung wurde konsta- tirt, daß die dem Alexejewitsch zugefügten Verletzungen leichter Art waren, ohne seiner Gesundheit ernstlichen Schaden zuzu- fügen. Von den Angeklagten wurden vom A p p e l I h o f schuldig befunden: Jesim Kotljar als Haupträdelsführer: er wurde zur Verschickung in weniger entfernte Gegenden Sibi- riens vemttheilt; drei Bauern wurden unter Verlust aller be- sonderen Rechte zur Einreihung in die Arrestantcnrotten des Zivilressorts auf 1 Jahr und 3 Monate vemttheilt. Zur Ge- fängnißhaft wurden verurtheilt: der Sohn Kotljars auf 1 Jahr und 7 Bauem und eine Bäuettn auf 3 Monate, die übttgen 20 Augeklagten wurden freigesprochen. Amerika. Der Konflikt mit Negern im Staate Louisiana hatte weit größere Dimensionen, als wir nach den ersten Nachrichten annehmen konnten. Der Streit fing dadurch an, daß die Plantagenbefitzer sich weigerten, den Negern mehr als blos die Hälfte des an weiße Arbeiter zu zahlenden Lohnes zu geben. Die Farbigen hatten sich das eine Zeit lang gefallen lassen, bis sie mit dem„Orden der Arbeitsritter" in Verbindung kamen und demselben beitraten. Sie fordetten nun den landesüblichen Lohn, wurden jedoch grob abgewiesen. Hierauf stellten sie die Arbeit ein. Und nun wurde die Miliz gemfen. Der weitere Verlauf war so wie wir es früher geschtteben, nur mit dem Unterschied, daß das Blutvergießen ein weit größeres war und daß fast ausschließlich Zieger getödtet und verwundet wurden. Die Neger waren an- fangs ganz unbewaffnet; als sie nicht ruhig zu den alten Löhnen an die Arbeit zuttickkchren wollten, wurde Feuer auf die Menge gegeben. Im Ganzen sind über 100 Farbige getödtet oder schwer verwundet. Es dauette volle 14 Tage, ehe die Ruhe wieder hergestellt war, d. h. ehe die Zieger, soweit sie nicht todt oder zu Krüppeln geschossen waren, zum Theil an die Ar- beit zurückkehttcn— und zwar zu höheren Löhnen als vorher. Hätten die Arbeitgeber gleich zu Anfang gcthan, was sie schließ- (ich doch thun mußten, so wäre diese schmachvolle Metzelei vcmrieden worden. Jetzt, da die Zieger Loui- stanaS und auch der anderen ehemaligen Sklavenstaaten dem Orden der Arbeitstttter in Massen beigetreten sind, wird die Praxis der Ci äevant-Sklavenbarone: die farbigen Arbeiter 50 p Ct. unter dem Preis zu bezahlen, wohl bald verschwinden müssen. Charakteristisch ist es übrigens, daß die amettkanische Arbeiterklasse an den Ziegern das wieder gut macht, was die amerikanischen Kapitalisten an ihnen versündigt haben. Die Negerfrage ist eben auch ganz wesentlich ein Stück sozialer Frage, und nur durch die Arbeiterklasse kann die Negercmanzi- pation zur Wahrheit gemacht werden. Die Deputirtenkonfereck'z der Beamten der Philadelphi a-Reading-Eisenbahn hat sich, nach- dem sie die Eremng des Streiks beschlossen hatte, vettagt. Der Streik ist für sämmtlichc Beamte an den Eisenbahnlinien zwischen Elisabethport und Williamspott ausgesprochen, aus- genommen sind nur diejenigen, die bei Personenzügen als Signalisten, Bahnaufscher und als Wächter an Uebergängen be- schästigt find. Darüber, ob die Weichensteller ihre Thätigkeit fortsetzen dürfen, soll in lokalen Versammlungen Beschluß gefaßt werden. kennen wir durch die Bücher, welche sie ebenfalls nicht zurück- lassen wollte, wichtige Urkunden und Vesitztitcl. Es sind wie üblich mit Wachs überzogene Holztäfelchen, die zu mehreren zum Buch vereinigt sind, 20 zu 13 Zentimeter groß. In den ersten Tagen nach der Auffindung waren sie bis auf einige Stellen, wo die Feuchtigkeit das Holz zerstött hatte, gut lesbar, dann aber löste sich(wohl mit dem Trocknen deS Holzes) die Wachs- läge theijwcise ab, indem sie in kleine Theilchcn zersplitterte. Die Verträge sind sämmtlich zwischen der genannten Befitzettn und einer Poppäa Note, Freigelassenen des Priscus, geschloffen, und für zwei von ihnen ergicbt sich aus den Namen der Konsuln das Jahr 61 n. Chr.; in einem kauft Dicidia Margaris von der Poppäa zwei junge Sklaven, Simplicius und Petrinus, ein anderer scheint in Form einer Er- klämng auch über Sklavenkauf zu handeln, und der dritte Vertrag bezieht sich auf eine Summe von 1450 Sesterzicn, welche die Poppäa Note der Dicidia Margatts zu zahlen sich verpflichtet, wahrscheinlich im Falle der Unbrauchdarkeit der Sklaven. Das Silberzeug der Dicidia besteht aus Tischgeräth für vier Personen, aber in aller Elle und unvollständig zusammen- gerafft. Außerdem wollte die Aermste noch eine Silberstatuette des Jupiter auf Bronzepiedestal retten, sowie eine große Bronze- schüssel. Auch sonst waren die Ausgrabungenen in letzter Zeit ergebnißrcich. In die chirurgische Kunst lassen uns zahl- reiche ärztliche Instrumente(meist von Bronze) schauen, die uttprünglich in einem hölzernen Kasten lagen, wie dessen Reste zeigen; es sind allerlei Pinzetten u. a. m. Zu Bestecken ver- einigt fanden sich Sonden, Haken von mancherlei Form, Pinzetten, Messer mit gekrümmter Stahlklingc u. s. w. Ebcndort lag eine feine Äpothckerwaage mit zwei Schalen und den zugc- Höngen Gewichten. KUom«t«r- Werthmark««. Bei den österreichischen Staatsbahnen wurden Kilometer-Werthmarken für den Personen- verkehr eingeführt. Die betreffenden Wetthmarken gelangen vom 20. Januar 1888 ab in Abonnementsheften zur Ausgabe. Diese Wetthmattenhefte werden unter der Bedingung zur Ausgabe gebracht, daß während eines Jahres auf den der General- direttion der östeneichischen Staatsbahnen unterstehenden Linien von einem Abonnenten mindestens auf den Gesammtbctrag von 150 Fl. lautende Marken für Bahnfahtten Verwendung finden. Die Äarkenhefte enthalten Marken zu 5 Fl., 1 Fl., 10 und 5 Kr. mit dern Gesammtbetrage von 150 Fl. Reisende, welche die gelösten Matten vor Ablauf des Giltig aufge» braucht haben, können, unter Vorzeigung ihres Stammhcftes, nach Bedarf Zusatz-Markenhefte zu 30 Fl. Werthmarken lösen. ! Theater. Sonntag» den 1. Januar. Operaha«». Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg. Montag: Keine Vorstellung. Kitmnfpielhauti. Auf glatter Bahn. Montag: Keine Vorstellung. D-wtfches Theater. Die guten Freunde. Montag: Götz von Berlichingen. Watlner-Theater. Ein toller Einfall. Der Mizekado. Montag: Dieselbe Vorstellung. - Wilhelnrstadtifche» Theater. Die 7 Schwaben. Montag: Dieselbe Vorstellung. PUktoria-Theater. Die Reise um die Welt in 80 Tagen. Montag: Dieselbe Vorstellung. M»»«d-Theater. Licht und Schatten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Uea»e«s-Tdeat«r. Francillon. Montag: Dieselbe Vorstellung. ßratt'» Theater. Mikado. Montag: Dieselbe Vorstellung. PetieMiaare-Theater. Der lustige Krieg. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla-Theater. Alle Neune. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ueatral-Theater. tööherc Töchter. Montag: Dieselbe Vorstellung. 5»»isenstädtisches Theater. Die schöne Ungarin. Montag: Dieselbe Vorstellung. I«ericaa-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. S««e»rdia- Theater. Spezialitäten- Vor- Theater der Urichshallen. Spezialitäten- Vorstellung. m Kaafmanns KariStS. Spezialitäten- Vorstellung. Berliner tztadt Theater Dallnertheaterstrabe 15, fr. Alhambra- Theater. Großer Erfolg! Morpheus auf der Oberwelt. fantastische Posse mit Gesang in 3 Akten von E. Jacobson. Ermässigte Preises Kp-rrsttz 1 M. 1. varqn.t 75 Pfg. Parqnet 60 pfg. Jeder Besucher der Sonntags- resp. Montags- Rorstellung erhält ein Freibillet für Freitag ober Sonnabend. Bons-Jnhaber zahlen Wochentags ermäßigte Preise. 1 Tr. 9 M— 10 A. "lalser-Panorama Schlösser König Ludaiig II. Kerrenchiemfre mit Sehensw. Neu! Zum ersten Male: Werte Keis- d. d. malrr. Alpen. «-ist Kr. Maj. Kchiss Hertha. Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonn. KmzstlldM» Mater Alexanderplatz 40. Tlassfpiel de» Frl. Ida Müller und Auftreten des Herrn Ma* Samst. Co'ossaler Erfolg. Die Verkommenen. Berliner Volksstück mit Gesang in 7 Bildern nach dem Roman von Mar Kretzer. 1. Bild; Ein Verbrechen. 2. Bild: Ein Heim der Armuth. 3. Bild: Hofklatsch. 4. Bild: Restaurant mit weiblicher Bedienung. 5. Bild: Bourgois und Arbeiter. 6. Bild: In der Singspielhalle. 7. Bild: Weihnachtohriligal>-nd. Kasseuössnung 0 Uhr. Anfang Ui,r. Kons für 1—4 Parquets gegen Nachzahlung von 50 Pfg. Sonntag, de» I. Januar: Große Kiader-Norßellung zu kleinen Preisen. Anfang 4 Uhr. Robmson Crusoe. 1. Parquet 0,25, Loge und Fauteuil 0,50. von Manufactur-, Mode- und Posamentierwaaren-Handlung [1437 Spezialität: Klrderffosse, Feine«- und Kerl in M. 5 Reinickendorferstraße 5 Ecke Dalldorferstraße. Fertige Wasch« Trikotagen. Strumpf-Maaren Molle- und Kaamwolle. H. Marcus Feste Preise. Feste Preise. Circns A. Krembser Friedrich-Karl-Ufer, Ecke Karlstraßc. (Der Eircus ist gut geheizt.) beute, Sonntag, den 1. Januar 1888, 2 große Vorstellungen» Nachmittags 4 Uhr und Abends 7% Uhr. Nachmittags ein Kind frei. Zum Schluß der Ztachmittags-Vorstellung: Der Narr im Faß, höchst komische Pantomime. In der Abend- Vorstellung: Kroße Tremplinspritngr vom gesammten Herren-Personal. 6 Uapphengke, vorgeführt vom Direktor. Auftreten des Preisringkämpfers Herrn Carl Ado. Auftreten der vorzüglichen Schulreiterin Fräulein Anna Krole. Sigra. Kiomira Wagni, Saltomortalreiterin. Jongleur zu Pferde Mr.(etjal.„Abd-el-Kadcr", Schimmel- Hengst, geritten in der hohen Schule von Herrn Paul Kr-st. Charioari von IG Klowns. Civil A«ad illr, geritten von 6 Damen und 6 Herren. Morgen, Montag, Abends 7 Uhr: Große Komiker- KorsteUung. A. Krembser, Direktor. Wo bringen wir die Feiertage zu? Bei Nürnberg in der 1523 Anklamerstr. 49. 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Druck und[.Verlag von Ata» Oadrng m Berlm aV, Beuchnratze 2. Hierzu ein« Beilage zum Berliner Volksblatt. Nr. 1. Sonntag» den 1. Januar 1888. 5. Iahrg, �ri'ifcllc fage, der IDoffereirt�rucS in den Düxec foHfentnerlcn, Sctifagipetler. Das Zusammentreffen des Wasscreinbruches in den Duxer Kohlenwerkcn(28. November) mit zahlreichen Erdbeben sowie mit der Explofion schlagender Wetter in Poremba zu einer Zeit, für welche nach der Hochfluth-Theorie Aeußerungen des unter- irdischen Auftriebes zu erwarten standen, legte es Herrn Rudolph Falb nahe, sich nach der Konstellation zu erkundigen, welche beim ersten Wassereinbruche am 9. Februar 1879 statthatte, und wir erfahren nun, daß der erste Einbruch an einem Tage ein- trat, der unter dem Einflüsse dreier Hochfluth-Fattoren stand, und daß sonnt beide Katastrophen sich zur Zeit eines tzochfluth- Maximums ereigneten.___ Herr Rudolph Falb ist der Ansicht,„daß solche Wasser- durchbrüche in vielen Fällen weniger vom Zufalle bergmänni- scher Fehlgriffe, als von jenen allbekannten elementaren Natur- gemalten abhängen dürften, welche mit unheimlicher Plötzlichkeit und Wucht in gewissen Perioden verstärkten Auftriebes bis zur Erdoberfläche empordringen". Der Bergmann kennt seine Naturgewalten! ob sie nun aus der Tiefe empordringen oder ihn in drohender Gefahr von allen Seiten unigeben, er lebt in stetem Kampfe mit ihnen. Er wird «s den Naturkräften zuschreiben, wenn er ihnen wirklich erliegt, er kann sich auf sie aber nicht mehr berufen, wenn die Sach- kenntniß ihn auf andere Wege weist. Der erste Wasscreinbruch(9. Februar 1879) laßt sich unmöglich mit der Hochfluththeorie in Verbindung bringen. Berg- lcute treiben eine Streike in der Richtung gegen die verhängniß- volle Kluft, deren Vorhandensein sie nicht kannten. Sie kommen an derselben gerade an einem„kritischen Tage" an. Das Berg- eisen dringt durch die letzte dünne Kohlenwand— und das Wasser bricht ein. Wo sind die Gewalten, welche die zu dem Streckentriebe nothwendige Zeit kontrolirten, den täglichen Fortschritt der Arbeit bestimmten, oder Veranlassung waren, daß an einem Tege die Strecke vorwärtsgetrieben wurde, an einem zweiten nicht? Nehmen wir an, daß es dem Betriebsführer der Grube gefallen hätte, den Vortrieb der unglückseligen Strecke durch mehrere Tage oder Wochen zu unterbrechen und dann wieder fortzusetzen, dann wäre einfach der Wasiereinbruch um so viel Tage oder Wochen später erfolgt. Und die Spalte war immer mit Wasser gefüllt, auch an„nicht kritischen Tagen". Der erste Wassereinbruch glich dem Anzapfen eines Fasses; der Zeitpunkt des Anzapfens war ein ganz zufälliger. Etwas anders verhält es sich mit der zweiten Katastrophe (28. November). Das Wasser drang hier aus der Tiefe empor, und zwar an einer Stelle, in deren unmittelbarer Nähe seit Jahren Strecken bestanden, die kein Ausdringen von Wasser t igten. Das darf jedoch nicht allzusehr verwundern. Die schmalen trecken bieten dem Wasserdrucke eine kleine Fläche, während der Abbau, in welchem der Einbruch stattfand, eine freie Fläche von etwa 200 Quadratmetern bei 14 Meter Seitenlange hatte. In diesem Abbaue glich die Kohlensohle einem langen eingemauerten Balken von geringer relativer Festigkeit. Diese Kohlensohle hat aber trotzdem durch 40 Tage dem Wasserdrucke Widerstand ge- leistet, bis sie am 23. November plötzlich barst. Dieses Bersten ist hervorgerufen worden durch einen aus irgend einer Ursache erhöhten hydrostatischen Druck oder durch ein endliches Brechen der bereits bis zur Bruchbelastung bcan- spruchten Sohle, bei gleichgebliebener Druckhöhe. Herr Rudolph Falb rcklamirt auch den zweiten Wasserein- brück in entschiedener Weise für seine Hochfluth-Theorie. Wenn wir davon abschen, daß die bis auf's äußerste beanspruchte Kohlensohle unter gleichgebliebenem Drucke endlich auf- brach, welche Möglichkeit gar nicht ausgeschlossen ist, müssen wir zugeben, daß die Ansicht, es sei in einem von unterirdischen Auftrieben gespeisten Wasserbecken ein stärkerer Druck auf die Wandungen des Gefäßes ausgeübt worden, sehr bestechend wirkt. Wir können uns jedoch nicht versagen, für die zur möglichen Ursache des Einbruches gewordene Erhöhung des hydrostatischen Druckes, welche Herr Falb den aus dem Erdinnern auftreibenden Naturgewalten zumißt, eine etwas näher liegende Erklärung zu ��Nach den Beobachtungen der ombrometrischen Station Tellnitz(15 Kilometer von Teplitz entfernt) fielen in der Zeit vom 1. Januar bis Ende August 1887 nur 358-16 Millimeter Niederschläge. Im Vergleiche zu dem Durchschnitte der vorangegangenen sechs Jahre von 496 9 Millimetern für denselben Zeitabschnitt eine vcrhältnißmäßig sehr genüge Menge, welche zur Folge hatte, daß der Gnindwasscrspiegel tief sank, Uenfahr! B. C. Vor einem Iahte saß ich genau so wie jetzt, an meiner Feder kauend und wußte nicht, ob man das ver- oangene Jahr sich in den Schooß der Zeiten oder in die Ewigkeit stürzen lassen sollte. Gleichviel, zwölf Monate— zweiundfünfzig Wochen— dreihundertfünfundsechzig Tage sind dahin; es ist immerhin ein gewisser Abschnitt im menschlichen Leben, und wer zu Reflektionen veranlaßt ist, mag gelrost sogenannte Einkehr bei sich halten, die Gefahr, daß er dadurch klüger wird, ist im Großen und Ganzen ausgeschlossen. Zu einer würdigen Feier des neuen Jahres gehört es ohne Zweifel, daß man sich entweder in eine todestraurige oder in eine galgen- humoristische Stimmung hineinredet. Beides hat, wie alles im Leben, seine guten und seine Schattenseiten und da man in den Schulbüchern„Die Neujahrsnacht eines Unglücklichen von Jean Paul schon in frühester Jugend gelesen hat, ist man wohl stets beim Jahreswechsel zu pessimistischen An- schauungen geneigt. �. „ Gewöhnlich ist der Mensch am Jahresanfang ebenso klug wie am Ende desselben. Der Optimist giebt sich ftei- lich mit jedem neuen Jahre neuen Hoffnungen hin und werden dieselben auch niemals erfüllt, so gewährt ihm die Hoffnung allein schon Befriedigung. Solcher Optimismus hält allerdings nicht lange aus, nach wenigen Fehlschlägen ist der sonnige Blick in die Zukunft getrübt, an die Stelle freudiger Zuversicht tritt im besten'Falle das Gefühl der Pomadigkeit, häufig sogar dumpfe Verzweiflung.— In der glühend heißen Sahara zeigen sich dem entzündeten Auge des Reisenden bisweilen trügerische Spiegelbilder; er sieht lachende Wiesen mit rieselnden Quellen, grünende Bäume mit kühlem Schatten, und mit dem letzten Rest seiner Kraft siuält er sich ab, um in die gesegneten Gefilde gelangen— zu spät kommt er zu der Ueberzeugung, daß was sich auch an den Wasserverlusten an Brunnen und Quellen in empfindlicher Weise äußerte. Noch ungünstiger gestalteten sich die Niedcrschlagsverhältnisse in der darauf folgenden Zeit. In den Halbinonaten vom 1. bis 15. September fielen nur 18-65, vom 16. bis 30. September 22-02, vom 1. bis 15. Oktober 9-76 und vom 16. bis 31. Pktober nur 22 35 Millimeter Niederschläge. Da plötzlich stellt sich die erste Ätovember-Hälfte mit einer Regenmenge von 82 32 Millimetern ein. Der Grundwasserstand hob sich, je nach der Durchdring- barkeit der Gesteinsschichten fast unmittelbar oder kurze Zeit nach diesen ausgiebigen Niederschlägen, die Brunnen füllten sich mit Wasser, und die Quellen flössen wieder reichlich. Mit dem Steigen des Grundwasserstandes mußte auch die auf der Kohlensohle des Abbaues im Victorin- Schachte lastende Wassersäule eine Er- höhung, eine Gewichtsvermehrung erfahren. Es läßt sich daher mit einiger Berechtigung annehmen, daß die durch das natür- liche Steigen des Ärundwasserstandes hervorgerufene Erhöhung des hydrostatischen Druckes die Veranlassung zum endlichen Bersten der bis an die Bruchbelastung beansprucht gewesenen Kohlensohle war. Wir sehen, daß es zur Erklärung dieser Vorgänge nicht gerade nothwendig ist, die unheimlichen Naturgewalten der Tiefe in Anspruch zu nehmen. Herr Rudolph Falb bringt mit seiner Hochfluth-Theorie auch das Auftreten schlagender Wetter in Verbindung und führt zu wiederholten Malen an, daß in den unterirdischen Ausbrüchen von Gasen und Dämpfen die Ursache der Erdbeben sowohl wie der schlagenden Wetter zu erblicken sei. Der zitirte Fall von Poremba(29. November) dürfte kaum zur Bestätigung dieser Theorie beitragen. Wie auch die„Neue Freie Presse" mittheilte, fand man bei einem der verunglückten Bergleute die geöffnete Sichcrheitslampe und eine Blcchschachtel mit Zündhölzchen. Die Explosion dürfte daher auf dem gewöhn- lichen Wege des Entzündens der Gase erfolgt sein, und nicht große Naturkräfte, sondern ein kleines Zündhölzchen verursachte das Unglück. Wir beschränken uns darauf, anzuführen, daß nicht nur an den Hochfluthtagen, sondern immer Schlagwetter vorkommen, daß dieselben nicht erst an solchen Tagen aus der Tiefe aufsteigen, sondern sich fortwährend aus der Kohle— oder auch einigen anderen Mineral-Lagerstätten— entwickeln. Die schlafenden Wetter explodiren nicht von sich selbst, sondern ihre Entzündung erfolgt an der Lampe des Bergmannes, an der Flamme eines Sprengschusses oder dergleichen. Eine große Anzahl Bergleute athmet und arbeitet beim Scheine der Sichcrhcitslampen in jeder Stunde des Jahres in dem explosionsgefährlichen Gasgemische, nirgends aber hat man beobachtet, daß ein aus irgend welcher Ursache erhöhter Gasaustritt allein die Ursache von Explosionen war. Die Schlagwetter müssen angezündet werden, um erplodiren zu können: das Anzünden kann verschiedene Ur- fachen haben, wird aber immer bezüglich des Zeitpunktes ein zu- fälliges sein. Wir erwähnen dies, um unrichtigen Vorstellungen über die Natur der Schlagwetter-Katastrophen vorzubeugen. Einer der hervorragendsten österreichischen Bergleute hat die Falb'sche Theorie in Bezug auf die Schlagwetterfrage eingehend untersucht, und wir verweisen diesbezüglich auf die in der „Oesterreich ischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen", Nr. 17, 1887, erschienene Abhandlung:„Die Entwicklung der Schlagwetter im Ostraner Steinkohlenreviere und die Fluth- Hypothese von N. Falb", von Wilhelm Jidnsky, k. k. Bergrath. Am Schlüsse der Ausführungen sagt der Verfasser:„Für uns Kohlenberalcute bestehen in einem gemeinen Jahre 365 und in einem Schaltjahre 366 kritische Tage." Lokales. Da» neue Jahr zählt, da es ein Schaltjahr ist, 366 Tage oder 52 Wochen 2 Tage, und beginnt glückverheißend mit einem Sonntag. Es hat Aehnlichkeit mit dem Jahre 1860, da die Wochentage auf das gleiche Datum fallen wie vor 28 Jahren, welche Zeitperiode unter deni Namen des Sonnenzirkels allbekannt ist. Es treffen demnach alle unbeweglichen Feste auf die- selben Wochentage wie 1860. Die beweglichen Feste richten sich nach Ostern, welches 1888 auf den 1. April fällt. Pfingsten fällt auf den 20. Mai, Fastnacht auf den 14. Februar. Der Fasching, dessen Dauer zwischen 32 und 62 Tagen schwankt, ist im nächsten Jahre nicht eben lang zu nennen, da er nur 39 Tage währt. Die Jahreszeiten find nicht von gleicher Dauer; am meisten ist der Sommer begiinstigt mit einer Länge von 93 Tagen 14 Stunden; dann folgt der Frühling mit 92 Tagen, während seine überreizten Sinne ihn genarrt, daß er das Opfer eines trügerischen Gaukelspiels geworden ist. Und während er eben noch hoffte, seinen trockenen Gaumen, seine lechzende Zunge erquicken und kühlen zu können, bricht er zusammen, in wilder, verzehrender Resignation überkommt ihn der Tod, ein paar Knochen, die am Wege bleichen und die der Wind bald verweht, deuten an, daß an dieser Stelle ein fühlendes Menschenherz zu Grunde gegangen ist. Das ist alles. Auch wir stehen vor einem solchen Spiegelbild. Was winkt und lacht uns nicht alles aus dem neuen Jahr entgegen? Der Eine hofft auf glänzende Erfolge, der Andere ersehnt Geldgewinn, behagliches Leben und was der- gleichen Lieblingswünsche des Einzelnen mehr sind. Und wenn das Jahr zur Rüste geht, was wird dann sein? Stumpfsinnig wird wie heute die große Masse an den bleichenden Knochen der Hunderttausende vorüberziehen, die in den Kampf ums Dasein, in dem trügerichstcn aller Glücksspiele elend um- kamen, und wir werden wahrscheinlich noch oft Neujahr feiern können, bevor eine endgiltige Besserung unserer ge- sammten Lebensverhältnisse eintritt. Doch wozu das Grillenfangen. Wenn diese Zeilen unseren Lesern vor die Augen kommen, ist man fertig mit dem Blei gießen, Pfannkuchen und Mohnpielen sind ver- tilgt, der unvermeidliche Grog ist bis auf den letzten Tropfen ausgetrunken, wir sind dann bereits im neuen Jahr, und das Einzige, was uns vielleicht an den Sylvester er- innert, ist der unausbleibliche Katzenjammer. Auch er hat seine Berechtigung, denn hätte er sie nicht, so wäre er auch nicht da. Der Trubel der Neu- jahrSnacht ist verrauscht, die Prositneujahrrufe ver- klungen, die Stammgäste haben in ihren Lokalen ihren Grog und Pfannkuchen gratis erhalten— heute ist Alles beim Alten. In den Feuilletonspalten der Zeitungen toben nur noch die mehr oder weniger gequälten Neujahrs- erzählungen, die Zeitungsftau hat ihre Extranergütung er- Herbst und Winter je 89 Tage umfassen. Sonach sind die warmen Jahreszeiten um volle acht Tage länger als die rauhen. Dieses glückliche Vcrhältniß verdanken wir dem Umstände, daß die Sonnennähe in dem Winter fällt(für 1888 genau auf den 1. Januar Vormittags sieben Uhr), infolge dessen die Erde den auf den Winter treffenden Theil ihrer Bahn rascher zurücklegt als im Sommer und dadurch einerseits einen kürzeren Winter, andererserts einen längeren Sommer bewirkt. Nicht immer wird es so bleiben und nach 10 500 Jahren findet gerade das Gegentheil statt. Da» Dolizeiprastdium erläßt folgende Bekanntmachung: Die Polizeiverordnung vom 7. Februar l. Js., betreffend Des- infektion, ordnet im§ 1 für jeden Krankheits- wie Sterbefall an asiatischer Cholera, Pocken, Diphtherie, Fleck- und Rückfall- typhus unbedingte Desinfektion an, für welche die unter dem- selben Tage veröffentlichte Anweisung zum Dcsinfektionsverfahren bei Volkskrankheiten die Ausführungs- Bestimmungen enthält. Nachdem wiederholt Fälle vorgekommen sind, in welchen die nothwendige Desinfektion erst Tage und Wochen nach der Ge- nesung oder dem Tode der Erkrankten staltgefunden hat, sehe ich mich veranlaßt, die Herren Amte hiesiger Stadt crgebenst zu ersuchen, in den Eingangs gedachten Fällen dahin zu wirken, daß die vorgeschriebene Desinfektion bald thunlichst nach dem Ablauf der Krankheit stattfindet, gleichzeitig aber auch die Vor- schriften der Anweisung zum Desinfettionsverfahren bei den übrigen dort aufgeführten Krankheiten vorkommenden Falles zur Nachachtung zu empfehlen und die Betroffenen über Lage und Thätigkeit der städtischen Desinfektionsanstalt, Reichenberger- straße 66, zu unterrichten. Da» statistische Amt der Stadt Berlin besteht jetzt seit einem Vierteljahrhundert. Die Anregung zur Einrichtung desselben ging von der Armendirektion aus. Es handelte sich für diese zunächst darum, für den Umfang des Armenwescns in Berlin eine statistische Grundlage zu gewinnen. Die ersten Mit- arbeitet des statistischen Amtes waren auch vornehmlich die Armenärzte. Allmälig aber erweitette sich das Arbeitsfeld des statistischen Bureaus beträchtlich, zumal da Beobachtungen, welche anzustellen bisher die Aufgabe der Polizeivcrwaltung ge- wesen war, dem statistischen Amte der Stadl überwiesen wurden. In erster Linie galt es als Beruf des Amtes, die Bewegung der Bevölkerung zu verfolgen; weiterhin wurden aber die Be- obachtungen auch auf die Wittcrungs- und Grundwasscrver- hältnisse ausgedehnt, lieber den gewaltigen Umfang der Ar- beiten, welche das statistische Amt der Stadt jetzt regelmäßig ausführt, giebt das statistische Jahrbuch, als ein treffliches Spiegelbild der hygienisch-statistischen Vorgänge in der Reichs- Hauptstadt, Aufschluß. Eingerichtet wurde das statistische Amt seiner Zeit(es begann im Februar 1862 seine Thätigkeit) durch Dr. Hermann Schwabe, nachmals Professor an der Uni- versität. Dr. Schivabe legte den Grund zu dem heutigen „Statistischen Jahrbuche der Stadt Berlin" durch die Begrün- dung eines„Berliner Stadt- und Gcmeindekalcndcrs", dessen erster Jahrgang 1867 herauskam. Dr. Schwabe's vornchnistcs Verdienst um die statistische Wissenschaft besteht darin, daß er nach Quetelct's Vorgange mehr als bisher die graphische Me- thode zur Veranschaulichung der wirthschaftlichen und sozialen Vorgänge anwendete. Als Dr. Schwabe iin Oktober 1874, erst 44 Jahre alt, starb, wurde die Leitung des statistischen Amtes einstweilen Dr. Hupp» übertragen; im Sommer 1875 wurde dann cndgiltig als Nachfolger von Dr. Schwabe der jetzige Direktor des Amtes, Prof. Richard Boeckh bemfen. Dr. Boeckh, ein Sohn des großen Philologen August Boeckh, war seit 1861 im statistischen Amte des preußischen Staates thätig gewesen. Er hatte sich bis dahin vornehmlich mit Studien über die Äe- ziehuiigen der Volkssprache zur Statistik beschäftigt, aber auch die Heimische Lokal, tatistik durch eine Ortsstatistik des Regicrungs- bezirks Potsdam wesentlich bereichert. Die Leiter des städtischen statistischen Amtes fanden vortreffliche Berather an einzelnen un- besoldeten Kommunalbeamten, deren Lebensberuf und Erfahrung sie dazu geführt hatte, sich mit hygienisch-statistischen Fragen zu beschattigen. Der Anfindung einer z« Bädern geeigneten Saole auf dem Grundstucke des Admiralsgartens scheint man(so schreibt man von sachverständiger Seite der„Nordd. Allg. Ztg.) von vielen Seiten noch mit Zweifel und Mißtrauen zu begegnen, obwohl die Sache selbst ganz klar und offen liegt. D-e Direktion des Bades hatte in letzter Zeit auf ihrem Grund- stucke Tiefbohrungen zur Aufsuchung reinen und guten Bade- wassers anstellen lassen. Bei einer Tiefe von ca. 90 Meter fand man in einer Kiesschicht ziemlich gutes Wasser, indeß wurde die Untersuchung noch weiter ausgedehnt und die Bohrung noch weiter m die Tiefe geführt. Bei etwa 140 Meter Tiefe wurde eine feste, wasserundurchlässige Thonschicht von über 70 Meter halten, wofür sie ein schönes Gedicht überreichte. Es bleiben uns nur die Neujahrsrechnungen. Sie sind das Bitterste in diesem bitteren Leben, und der ganze Jammer des irdi- scheu Daseins faßt uns an, wenn wir überschlagen, daß die Elle wieder einmal länger war wie der Kram. _ Was hilft dem gegenüber alleS Klagen, die traurige Thatsache bleibt bestehen, und durch Kopfzerbrechen wird sie ganz bestimmt nicht geändert. Was uns im Jahre 1887 geblüht hat, wird uns im Jahre 1888 wohl auch erfreuen das Einzige, was sich geändert hat, ist, daß aus einer 7 eine 8 geworden ist. Es kommen in diesem Jahre wenigstens auch einmal diejenigen Leute zur Geltuna die das Licht der Welt am 29. Februar erblickt haben! Die so stiefmütterlich Behandelten haben nach vier Jahren nun auch wieder einmal die Genugthuunq, ordnungsmäßig ihren Geburtstag feiern zu können, und das ist für die so Geschädigten immerhin ein erfreuliches Vorkonimniß. ES muß ein ziemlich unangenehmes Gefühl sein immer zwischen dem 28. Februar und dem 1. März herumschwanken zu müssen. Weiter ist vorläufig von dem neuen Jahr noch nichts Erhebliches zu melden, aber- alaubische Menschen mögen sich darüber freuen, daß die Quersumme der neuen Jahreszahl gleich einem viertel Hundert ist Wie alle jungen Streber führt sich das neue Jahr mit glanzenden Verheißungen ein, von denen wir nur wünschen können, daß sie sich erfüllen mögen. r... Jahreswechsel ist es Sitte, daß man sich gegen- serlsg beglückwünscht. Leute, die überflüssiges Geld haben und ebenso Zelt haben, nehmen die Post in Anspruch,, e8 mögen ganz anständige Summen am heutigen Tage ver- gratulirt werden. So kostspielig machen wir die Sache natürlich nicht, wir beschränken uns darauf, unseren Lesern allein das zu wünschen, was sie sich selbst wünschen, und in diesem Sinne möge bis in die letzte Proletarierwohnung ertönen ein kräftiges:„Prosit Neujahr!" Stärke angcdohrt.?inch Durchtreibung dieser Thonschicht ge- langte man allmälig wieder in eine wasserführende Sandschicht, und ergab es sich hicibei, einmal, daß das nun auftretende Wasser in dem Bobrlocke selbst hoch stieg, und andererseits, daß dieses aufsteigende Wasser soolehaltig war. Ziachdem man die Bohrung noch entsprechend tiefer hinabgeführt hatte, wurde in dem 6- resp. 8zölligcn Bohrrohre ein Lzölliges, dicht gcschlosie- nes Steigerohr bis zur untersten Tiefe der Bohrung hinabge- senkt. In diesem 2zölligcn Rohre stieg alsdann das Waffer bis gegen 15 Fuß über dem Boden, wo daffclbe ausfloß. Die an- gestellte chemische Untersuchung des ausfließenden Wassers er- gab einen ungefähr einen 3 pCt. Soolegchalt; auch die neuerdings noch weiter angestellte Untersuchung des Chemikers Bischof bestimmt dasselbe als 3 prozcntige Soole. Bekanntlich ist nun aber die 3 prozcntige Soole die zu Soolbädern geeignetste. Es darf jedoch mit großer Sicherheit ermattet wer- den, daß nach ordnungsmäßiger Einrichtung der Rohranlage und bei längerer Förderung des Wassers der Soolegchalt sich noch entsprechend erhöhen wird.— Die aus der jetzt bereits vorhandenen Rohranlagc fördcrbaren Wassermengen anlangend, so war die aus dem Rohre von selbst ausfließende Wassermenge anfänglich nur gettng, dieselbe erhöhte sich indessen stetig, so daß nach acht Tagen der selbststnndige Ausfluß bereits über SO Liter in der Minute betrug. Durch Aussetzung einer einfachen Handpumpc wurde diese Menge indeß bis über 90 Liter vro Minute erhöht. Es kann nun ferner als durchaus un- zweifelhaft hingestellt werden, einmal, daß der selbstthätige Ausfluß sich allmälig auch noch weiter und erheblich steigern wird, andererseits aber auch, daß eventuell bei Anwendung von Pumpen ic. ganz beliebig große Mengen gefördert werden können. Ganz dasselbe Resultat sehen wir bei den vielen in den letzten Jahren durch die Behörden in den Sttaßen Berlins errichteten Rohr- oder Atteflschen Brunnen. Es sind dieses ganz ähnliche Anlagen, wie die Rohrbrunncn im Admirals- gatten. Die Rohre dieser Brunnen sind gegen 50—100 Meter tief in den Boden getrieben bis in eine gutes Wasser führende Äiesschicht, und sind dieselben für Feuerspritzen, ja größtentheils sogar für Dampfspritzen benutzbar, wobei aus denselben in der Minute viele hundett Liter gefördett werden können Das alleinige Recht der Förderung und Verwendung der Soole hat sich die Direktion der Gesellschaft inzwischen bereits durch amt- liche Mutung in ausgedehntester Weise gesichert. Mon dem Uorstande des Deut-chrn KchriftstrUer- Kerdande» geht uns die Mittheilung zu, daß zum 4. Januar eine eigene Wochenschrift desselben unter dem Titel:„Deutsche Presse. Organ des Deutschen Schriftsteller- Verbandes, her- ausgegeben von dem geschäftsführcnden Ausschuß, erscheinen wird. In Kerug auf«ufere gestrige Notiz über den Stand de« Uagelschmiedrgemrrbes in Berlin wird uns berichti- gcnd mitgctheilt, daß es in Verlin an 40 Nagclschmiedemeistcr und ebensoviel Gesellen gicbt, die in dieser Branche thätig find. Es besteht außerdem in Berlin ein Fachvercin der Nagel- schmiede, der sich einer regen Anthellnahme erfreut. Die Nagel- schmiede fabttziren übrigens außer Nägeln alle Eisenartikel, die zu Bauzwecken verwendet werden. In Berlin erfreut sich das Handwerk der Nagelschmiede noch einer verhältnißmäßig günstigen Lage. Der Verein wird sich übrigens im nächsten Jahre in reger Weise an der Lohnbewegung betheiligen. B Der Tapezirer Kr., der von seinem Hauswirth, Dcnnc- witzstr, 28, gerade zu Weihnachten cxmittirt wurde, befindet sich mit seiner Frau und vier Kindern, von denen zwei krank sind, in der denkbar unglücklichsten Lage. Vielleicht finden sich wohl- thätige Menschen, die hier ein Scherflein spenden. Die Adresse ist auf unserer Redattion zu erfahren. Gefrorene Milch. Bei Frostwctter ist es angebracht, auf einen Uebelstand hinzuweisen, der durch das Gefrieren der Milch hervorgerufen wird. Das Gefrieren verändett nämlich die Beschaffenheit der Milch dahin, daß sie minderwerthig er- scheint, sobald viele gefrorene Stücken darin find. Der Fett- gchalt der Milch ist nämlich meist in der gefrorenen Milch vor- Händen, so daß die übrige, schon aufgethaute Milch schlechter scheint. Es ist dies für die Händler in solchen Städten sehr unangenehm, in denen eine polizeiliche Kontrole der Milch statt- findet. Bei solchen Untersuchungen kann es vorkommen, daß die Milch als minderwerthig konfiszirt wird, trotzdem sie gut ist. Händler werden daher gut thun, dafür zu sorgen, daß die Milch möglichst nicht gefriert, oder sie doch gleich aufgcthaut wird, wenn sie zum Verkauf gelangt. Eine Mahnung zur Uorstcht an die nach Verlin kom- Menden Fremden. In letzter Zeit ist es wieder mehrfach vor- gekommen, daß die ankommenden Fremden den an sie heran- drängenden Burschen ihr Gepäck zum Tragen überlassen in der Meinung, sie werden dabei billiger fottkommen. In vielen Fällen wissen dann diese Bauemfängcr mit dem anvettrauten Gut zu verschwinden. So ging es erst wieder gestern einem Herrn, der, auf der Stettincr Bahn ankommend, eincni solchen Burschen seinen dunkelblauen Pelzüberziehcr im Wetth von 120 M. übergab. Im Gedränge war der freche Geselle gar bald verschwunden. In dem Ueberzieher befand sich der Militärpaß, sowie der russische Gouvcrnemcntspaß des Ge- prellten. Eine geWissrnlofe Gestndeoermiethrrin, welche außer Stellung befindliche Dienstboten an sich zog, um sie später der Prostitution zuzuführen, ist gestern in der Person der unvcr- ehelichten, in der Straußbergerstraße wohncirden M. verhaftet worden. Die Jnhaftirung erfolgte auf Grund des§ 180 des Strafgesetzbuches.„„ V1.. Zleb er die Znstande am Gefnndbrunnrn, dre rm grellsten Gegensatz zur sonstigen Entwicklung Berlins stehen, wird lebhafte Klage gefühlt. Nördlich der Badstraße zwischen dein„Verbinder" und der Stettiner und Nordbahn liegt eine 5 bis 600 Morgen große Fläche, deren Bewohner von allen Vor- zügcn der Reichshauptstadt ausgeschlossen sind. Regelmäßige Straßen sind mangels der Kanalisation nicht vorhanden. Die Durchführung der Kanalisation ist aus bekannten Gründen in absehbarer Zeit nicht zu ermatten, wohl aber eine Versumpfung der ganzen Gegend. Da keine regelrechten Straßenzüge vor- Händen sind, kann trotz des billigen Preises der Grundstücke nicht gebaut werden, und die naturgemäße Ausdehnung des Nordens uird namentlich die Herstellung kleiner, billiger Woh- nungcn ist infolge des hartnäckigen Kampfes zwischen den ver- schiedenen Behörden vollständig ausgeschlossen. Für dir„mildrn Männer", deren Aufnahme insbesondere für die städtische Irrenanstalt in Dalldorf große Unzuträglichkeiten im Gefolge hatte, wird die seit längerer Zeit ge- plant gewesene Abthcrlung für Geisteskranke im Moabiter Zellengefängniß am bevorstehenden 1. Januar eröffnet werden; zum Arzt derselben ist, wie die„Deutsche medizinische Wochen- schrift" mitthcllt, Dr. Wulffett, bisher an der rbcinischen Pro- vinzial-Jrrenanstalt Merzig, ernannt. Durch diese Einrichtung ist die vielfach eröttette Frage wegen Unterbttngung geistes- kranker Verbrecher für Preußen zum Austrag gebracht und da- mit hoffentlich eine Befreiung der öffentlichen Irrenanstalten von der Aufnahme dieser Art Patienten herbeigeführt. Dagegen werden die Gcttchte gemäß§ 81 der Strafprozeßordnung fortfahren, Angeschuldigte zur Vorbereitung eines Gutachtens über ihren Geisteszustand den öffentlichen Irrenanstalten zu über- weisen. Eine lebensmüde Dame, ein etwa achtzehnjähriges, sehr elegant gekleidetes Fräulein, versuchte gestern Abend kurz vor 6 Uhr von der Kursürstenbrücke aus den Sprang ins Jenseits. An der südlichen Seite der Brücke,-nahe der Burgstraße, zwängte sich die junge Dame durch die Oeffnung der Brüstung und schwang sich in die Spree. Auf den Hilferuf der Passanten, welche Zeugen der verzweifelten That waren, eilten die an der Brücke mit ihren Obsttähncn liegenden Schiffer mit ihren kleinen Handboten zur Stelle und es gelang ihnen auch, die Lebens- müde, welche von ihren Kleidern über Wasser gehalten wurde, herauszufischen und dann in einen der Obstkähne zu bringen. Nachdem dort zunächst der nothwendigste Klcidcrwcchsel bewirkt worden war, schaffte ein Schutzmann die Gerettete nach der Chantce. Hier wurde die Lcbensüberdrüssige als die in der Drcsdenersttaße wohnende Plättettn Emilie M. rekognoszitt. lieber die Beweggründe zu dem Selbstmordversuch verweigett dieselbe jede Anskunft. Zwei jugendliche» aber sehr gefährliche Srand- stifter wurden gestern von der Kriminalpolizei der Staatsan- waltschaft übermittelt. Am 23. Dezember d. I. erschienen in dem Laden eines Milchpächters in der Bülowstraße zwei Bur- schcn, welche Holzpantoffeln kaufen wollten. In dem Laden war nur der 13jährige Sohn des Milchpächters anwesend; da der Knabe aber sich sehr aufmerksam erwies, verließen die beiden Burschen ohne etwas zu kaufen den Laden. Bald darauf be- merkte der Pächterssohn Rauch im Korridor und als er die Thür öffnete, schlugen ihm schon die hellen Flammen entgegen. Schleunigst rief der beherzte Knabe seinen mit Weihnachts- bäumen auf der Promenade der Bülowstraße handelnden Onkel herbei, dem es mit Hilfe anderer Hausbewohner auch bald ge- lang, des Feuers Herr zu werden. Das Feuer hätte, etwas später bemerkt, großes Unheil herbeigefühtt uird Menschenleben in Gefahr gebracht, denn die Flammen hatten bereits einen Holz- verschlag ergriffen, in welchem mehrere Fässer Spiritus aufbcwahtt wurden, und außerdem schliefen im Nebengelaß zwei Kinder, die beinahe den Erstickungstod erlitten hatten. Der Verdacht lenkte sich sofort auf die beiden vorher im Laden gewesenen beiden Burschen, welche sich mit zwei Anderen als identisch erwiesen, welche während des Feuers von der Straße her der weiteren Verheerungen harrten und über das Feuer frohlockten. Den angesttengten Bemühungen der Kriminalpolizei gelang es denn auch gar bald, wie die„Post" berichtet, die beiden Burschen in dem 14jähttgen Waldemar R. und dem 12jähttgen Alexander F. zu ermitteln. Diese beiden hoffnungsvollen Knaben gaben denn anch zu, das Feuer angelegt zu haben, nachdem ihnen ein Diebstahl in dem Milchladen nicht gelungen sei. Sie hätten beim Heraustreten aus dem Laden eine Katze bemerkt, der sie nachgejagt seien. So in den Keller gekommen, hätten sie eine Matratze und Stroh am Boden liegen sehen. Da auch Petroleum in der Nähe gewesen, hätten sie sofott den Plan ge- faßt, ein„Brändchen" zu veranlassen. Nachdem sie das Stroh auf die Matratzegchäuftunddas Petroleum darüber gegossen, hätten sie das Ganze angesteckt und sich von außen über das Feuer gefreut. Es ist als ein großes Glück zu betrachten, daß die gefährlichen Buttchen dingfest gemacht sind, da ihnen schon weitere drei Brandstiftungen nachgewiesen sind. Die Kerliuer Verbrecher«»»!! scheint seit einigen Tagen um eine neue Spezies von Langfingern bereichert worden zu sein. Wie nämlich einer Lokalkorrespondenz von absolut glaub- würdiger Seite nritgctheilt wird, macht seit kurzem ein Ver- brecherkonsortiuni, welches es hauptsächlich auf die Plünderung von Baubuden in den Rohbauten abgesehen hat, die Neubauten im Westen unserer Stadt unsicher, und zwar mit einer Ent- schlossenheit und Gewandtheit, die darauf schließen läßt, daß sich alte routinirte Diebe bei den Ausführungen betheiligen. Das letzte Debüt haben dieselben anr Donnerstag ani hellen lichten Tage auf dein Neubau Kleiststt. 6 gegeben. Sie haben dott dem Räume, in welchem die Bauhandwerker ihre Kleidungs- gegenstände und sonstigen.Habseligkeiten aufbcwahtt hatten, einen Besuch abgestattet, nachdem sie die Thür gewaltsam er- brachen. Ein neuer grauer Paletot und zwei Jaquettcs nebst anderen Werthgegenständen verschiedener Att wurden später vermißt. Hoffentlich dient diese Miltheilung allen auf. Neu- bauten beschäftigten Handwerkern zur Warnung. Gin Nnylückafall, welcher der schlittenfahrenden Sttaßen- jugend zur Warnung dienen sollte, ereignete sich vorgestern Abend auf dem Andreasplatz. Hier vergnügten sich Knaben mit ihrem Handschlitten. Die tolle Fahrt ging immer rascher, und es wurde dabei auch das bekannte Schleudern der Schlitten ac- übt, wo meistcntheils die darauf Sitzenden unrer lautem Ge- lächter der Andern in den Schnee geworfen werden. Bei einer dieser Schleuderfahrten geschah es nun, daß der Schlitten gegen einen Laternenpsahl anprallte, der daraufsiyende kleine Knabe herunterstürzte und so heftig mit dem Kopf gegen die Bord- schwelle aufschlug, daß er bewußtlos mit einer klanenden Kopf- wunde liegen blieb. Ter Kleine, der Sohn eines Arbeiters R., wurde von Vorübergehenden nach der elterlichen Wohirung ge- hracht, woselbst ein hinzugerufener Arzt eine schwere Verletzung des rechten Scheitelbeins feststellte. Dolizeibericht. Am 30. v. M. Nachmitags machte ein Mann im Friedrichshain den Versuch, sich mittelst eines Re- volvers zu erschießen. Er wurde noch lebend in das Kranken- Haus ini Fttedrichshain gebracht.— Ilm dieselbe Zeit sprang ein Mädchen, anscheinend im Zustande der Geistesstörung, von der Burgstraße aus in die Spree, wurde jedoch alsbald wieder herausgezogen und nach der Chatttee gebracht.— Abends wurde eine obdachlose und dein Tranke ergebene Frauenspetton aus einer Kopfwunde blutend und besinnungslos vor den, Hause Prenzlauer Allee 195 auf der Straße liegend vorgefunden und nach denr Krankenhause im Friedrichshain gebracht.— An demselben Tage fanden Lindenstr. 50— Königgrätzerstr 70— und Neue Königslr. 45 unbedeutende Feuer statt.— Am 31. v. M. früh brannte Leipzigerstr. 43 eine größere Menge Koaks in, Zentralheizungskeller des Grundstücks. Gerichts-Aeiwng. Krzüglich der Hrrrchnung de« Arbeitsverdienste«, von welchem die einen, Verunglückten zu gewährende Rente be- messen wird, fällte das Reichsversicherungsamt in Sachen des Spinnmeistcrs Rüggeberg in Forst i.lL. gegen die Norddeutsche Textil-Berufsgenossenschaft eine hochwichtige Entscheidung. Der Kläger ist unbestritten am 20. März 1886 in der Spinnerei von Peter Breuer zu Forst beim Betttebe dergestalt verunglückt, daß seine völlige Erwerbsunfähigkeit eingetreten ist. Drei Wochen vorher war der Kläger bei Breuer als Selfaktorspinner engagirt, bis zu seiner Vcranglückung aber nicht als solcher, fondern mit Aushilfsarbeiten beschäftigt worden. Die Sektion V der beklagten Berufsgcnossenschaft berechnete nun den rentefähi- gen Arbeitsverdienst nach dem Satze eines„Fabrikarbeiters in einer Spinnerei" mit 540 Mark jährlich, während der Durchschnittsverdicnst eines Selfaktorfpinners zirka 950 M. für das Jahr beträgt. Die gegen diese Berechnung vom Kläger eingelegte Berufung wurde vom Schiedsgettcht nrit der Motivirung verworfen, daß es nicht darauf ankomme, als was Kläger engagitt gewesen ist, denn als Selfaktorspinner habe er wegen mangelnder Arbeitsgelegenheit noch nicht gearbeitet uird als solcher auch keinen Lohn bezogen. Gegen diese Entscheidung legte Kläger durch den Rechtsanwalt Freudentbal Rekurs ein, welchen das Reichsversicherungsanit auch für völlig begründet erachtete. Es bezeichnete die Argumentation des Schiedsgerichts für irttg, weil in den Fällen, wie vorliegend, nach§ 5 Abs. 4 des Unfall gesctzcs der Rente derjenige Betrag zu Grunde gelegt wir, welchen ein Arbeiter derselben Art in demsclhen Betriebe oder in benachbarten glcichattigen Betrieben durchschnittlich bezogen bat. Kläger war vorher Spinnmeister in einer andern Fabrik, besaß also eine höbere Vorbildung, als ein gewöhnlicher Fabrikarbeiter. Demgemäß war auch die Rente auf 631 M. 97 Pf. jährlich zu erhöhen. Zu htm bekannten Kapitel über„Kleine Ursachen — grobe Ulirkurigen" lieferte eine vor der Strafkammer des Landgerichts gestern verhandelte Anklagesache einen vortress- lichen Beitrag. Ursache zu allerlei unliebsamen Verwickelungen war im vorliegenden Falle das feinfühlige Geschmacksorgan eines am 19. Juli d. I. im Reitmetjettschen Restaurationslokal, Nurnbergerslraße zu Charlottenburg, anwesenden Gastes. Derselbe hatte nach voraufgegarrgenem Zwist mit seinen Speisewerkzeugen eine ihm von der Wirthin auf seine Bestellung verabfolgte Wurst rnit dem Bemerken zurückgegeben, daß die Wurst zur mensch- lichen Nahrung ungeeignet sei— allerdings das Aergste, was einer Wirthin passircn kann. Spornstreichs lief deshalb Frau Rcitmeyer zu dem unweit in der Kurfütttenstraße wohnhaften Schlächtermeister Heckendorff, dem Wurstlieferanten, welchem sie nunmehr im Laden und in Gegenwart der Kunden die bean- standete Wuttt vor die Füße warf unter Vorwütten, wie solche die weibliche Beredtsamkeit in geeigneten Momenten zu finden und anzuwenden stets bereit ist. Vergebens hatte Herr Hecken- dorff dem seine Geschäftschre schädigenden Vorwurf gegenüber geltend gemacht, daß er für die Beschaffenheit der Wurst, welche er volle 3 Wochen vorher an Reitmeyer geliefett, jetzt noch und im Hinblick auf die Einwirkungen der heißen Jahreszeit unmöglich verantwottlich zu machen sei. Frau Reitmeyer gab diesen Ver- nunftgründen kein Gehör; nachdem sie ihrem Zorn Luft ge« macht, lief sie davon, die Wurst, die ihren Endzweck verfehlte, im Laden des Herrn Heckendorff zurücklassend. Nunmehr er- mannte sich der letztere; im Bewußtsein des ihm widettahrenen Unrechts begab er sich nach dem Reitmeycrschen Lokal und— Wurst wider Wurst— warf er die streitige Wuttt der Frau Reitmeyer mit Vehemenz an den Kopf. Ebenso plöy- lich, als dies geschehen, sahen nun Hausbewohner aus dem Reitmeyer'schen Lokal ein höchst seltsames Wurf- Geschoß— einen eisernen Spucknapf— hinausfliegen. Herr Reitmeyer war in dieser ungraziösen Form seiner bedrängten Gattin zu Hilfe geeilt. Das Geschoß traf die Beine des Herrn Hcckendorff und fügte demselben eine erhebliche Knieverletzung zu, welche ihn acht Tage arbeitsunfähig machte. Heckendorff hatte, nachdem er getroffen worden, das Geschoß zurückgewotten, jedoch schloß in demselben Augenblick Reitmeyer die Thür seines Lokals und infolge deffen traf der Spucknapf die Scheibe, welche zettrünimert wurde. Reitmeyer stellte daraufhin gegen Hecken« dorff- den Strafantrag wegen Sachbeschädigung; während andererseits Heckendorff Bestrafung des Reitmeyer in einem zur Zeit noch schwebenden anderweitigen Strafvettahren wegen Körperverletzung beantragte. Wegen vottätzlichcr Sachbeschädi- gung verutthcilte das Charlottenburger Schöffengericht in- zwischen Herrn.Heckendorff zu 5 M. Geldbuße event. 1 Tag Gcfänaniß. Gegen dieses Üttheil legte.Heckendorff Berufung ein. Rechtsanwalt Schmilinsky, sein Vertheidiger, erhob im Audienztermin vor der Strafkammer des Landgettchts 11 den Einwand, daß vorsätzliche Sachbeschädigung nicht vorliege; ledig- lich unter derJSinwirkung des ihm widerfahrenen Schmerzes, als ihm der Spucknapf die Knice verletzt, habe Hcckendorff den- selben aufgehoben, gezielt und in demselben Augenblick, als das Geschoß die Luft getheilt, sei die Thür ins Schloß gefallen und demnach habe also Heckendott die Scheibe unabsichtlich zer- trümmert. Nicht hierauf sei die Thätigkcit des Heckendorff ge- richtet gewesen, sondern er habe die ihm zugefügte Körperver- letzung mit gleichem Maße dem Rcitmeyer erwidern wollen, welcher alsbald diesen Versuch durch schleuniges Schließen der Ladenthür vereitelte. Heckendott habe somit nur eine Körper- Verletzung versucht, ein solcher Bettuch sei jedoch nicht strafbar und demnach beantragte der Vertheidiger xriueipaliler Frei- sprechung. Die Sache war sonach allerdings eine Andere geworden. Die Strafkammer erachtete den Angeklagten der vorsätzlichen Sach- bcschädigung für nichtschuldig; es sei nicht anzunehmen, daß er den Vorsatz gehabt, die Scheibe zu zerstören. Dagegen habe der Angckl. die Bestimmungen des§ 366 Abs. 7 R.-St.-G.-B. übettreten, indem er init einem hatten Körper nach Menschen bezw. gegen ein Gebäude oder nach einem eingeschlossenen Raum geworfen. Das schöffcngettchtliche Urtheil ward von diesem Gesichtspunkte aufgehoben und der Angeklagte wegen Ueberttetung zu 5 Ä. Geldbuße ev. 1 Tag Haft veruttheilt. Eine gefährliche Diebesbande, der Kellner Ernst Franke, der Kaufmann Gustav Moll, der Kellner Albett Abel und der Friseur Adolph Reich, standen gestern vor der II. Straf- kammer am Landgericht I. Der letztere allerdings nur unter der Beschuldigung der Hehlerei in einem Falle. Was für Burschen die Angeklagten sind, geht schon aus ihren Vorstrafen hervor, deren Jeder ein gut Theil erlitten hat. Sic begaben sich auf Bahnhöfe und stahlen im Gedränge Gepäckstücke der ankommenden Reisenden, und zwar stets solche, die den Gepäck- trägein übergeben waren. Auch in Restaurants betttebcn sie mit Vorliebe und Geschick das Geschäft des Paletotsmarders. Reich hat nur von Abel einen Pfandschein über eine Reisedecke gekauft, doch will er von dem unrechtmäßigen Erwerb derselben keine Kenntniß gehabt haben. Das Treiben der drei anderen Buttchen ist ein außerordentlich freches und gemeingefährliches gewesen, so mußte auch die Strafe eine empfindliche sein, zumal auch bei der Strafabmessung die Votttrafen sehr erheblich ins Gewicht fallen. Ter Gerichtshof verurtheilte den Franke zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust, den Abel zu derselben Strafe und Moll zu 11 Jahren Zuchthaus. Gegen Franke,' Abel und Moll wird Z�llässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt. Reich wird freigesprochen. Ein Einbruchsdirbstahl, der vor mehr als 5 Jahren verübt worden ist, gelangte gestern vor der Sttafkammer am Landgericht I zur Aburtheilung. Zwei Diebe, Rcinhold Baißler und Otto Bübring statteten im Jahre 1882 der Wohnung des Kammermusikus Schultz während dessen Abwesenheit einen sehr unwillkommenen Besuch ab. Zunächst öffneten sie die Korttdor« thür mittelst eines Nachschlüssels, und als sie auf diese Weife in den Korridor gelangt waren, erbrachen sie die Stubenthür mit einem Brecheisen und ebenso Schränke und Kommoden. Sie rafften dann zusammen, was sie bekommen konnten, allein 160 Wäschestücke, Löffel w. sogar ein Fagott mußte ihnen folgen. Als sie auf die Straße traten, fiel dem NachtwächterZihr eiliges Davonlaufen auf, er machte sich also an die Vettolgung. Bei dieser Gelegenheit warfen sie einen Theil der gestohlenen Gegen- stände fott, aber unvorsichtiger Weise hatte Baißler auch auS Versehen seinen eigenen Rock, in den er die Sachen gewickelt hatte, niit fottgewotten, und diese Unvorsichtigkeit führte zu feiner Entdeckung. Wenn man nun auch den Thäter kannte, fo gelang es erst kürzlich, seiner habhaft zu werden. Der Ge« richlshof erkannte gegen jeden der Angeklagten, obwohl beide yoch unbestraft sind, auf ein Jahr sechs Monte Zuchthaus. Reichsgericht«- Entscheidung.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 29. Dezember.(Eine Heirath und ihre Folgen.) Der Altfitzer Klatt in Radomno suchte einen Mann für seine Tochter; er fand auch einen jungen Mann namens Anton Szymanski, der nicht abgeneigt war, die Tochter zu hcirathen und auch das Grundstück des alten Herrn auf sich zu nehmen. Herr Klatt aber war ein vorsichtiger Mann und bestimmte, daß Anton erst dann sein Schwiegersohn werden solle, wenn er ihm den Besitz von 1700 Thalern nachgewiesen habe. Für den heiraths- lustigen jungen Mann war dies eine sehr unangenehme Äe- dingung, denn sein Stiefvater Meyer(derselbe ist inzwischen verstorben) überließ ihm nur 700 Thaler. Anton aber war er- findcrisch, er ging zu zwei Bekannten, stellte diesen seine Lage vor und lieh sich vonjhneu je 500 Thaler. Nun war er froh, und der zukünftige Schwiegervarer war auch zuftteden, als er die verlangte Summe mit eigenen Augen gesehen hatte. ES wurde nunmehr ein Vettrag abgeschlossen, laut welchem daS Grundstück des Herrn Klatt auf seine Tochter überging und bald darauf fand die Hochzeit statt. Lange konnte es nun aller- Vings kein Geheimniß bleiben, daß Anton sich den größten Theil seines vorgezeigten Vermögens„gepumpt" hatte. Der hinter's Licht aeiiihtte Schwiegerpapa wurde ärgerlich und de- nunzüte die Meyer'scken Eheleute, die er für die Seele der gegen ihn gerichteten Machinationen hielt, wegen Betrugs beim Staatsanwälte. Tie Sttafkammcr beim Amtsgerichte Löbau eröffnete, da der Strafantrag untheilbar ist und sich auf alle Theilnehnier und Gehilfen bezieht, das Verfahren auch gegen Anton Szymanski, aber es stellte dasselbe doch schließlich wieder ein, da nickt angenommen werden könne, daß Herr Klatt den Strafantrag auch auf seinen Schwiegersohn ausgedehnt wissen wollte.— Der Staatsanwalt war jedoch der Ansicht, daß cm Vcrwandtschaftsverhältniß hier gar nicht in Betracht komme. Er legte Revision ein und sagte darin: Der Thatbestand des vollendeten Betrugs ist mit dem Eintritt der Bermögensschädlgung vollendet. Diese aber ist eingetreten, als Klatt mrt seiner Tochter(vor der Hochzeit) den Ucberlassungsvertrag bezüglich des Grundstückes abschloß. Zu jener Zeit war der Sz. noch nicht Angehöriger des silatt und es bedurfte, da ein von amts- wegen zu verfolgendes Vergehen in Frage stand, eines besonderen Strafantragcs gegen Sz. nicht.- Der Reichsanwalt des zweiten Strafsenats des Reichsgerichts, vor welchem diese Sache kürAich verhandelt wurde, beantragte im Einverständniß mit der Re- vision die Aufhebung des Urtheils. Er führte aus, daß die Vcrmögensschädigung vom Staatsanwalt zutreffend in der Auf- laffung des Grundstücks an die Tochter vor der Eheschließung gefunden werde. Diese Auflassung, so nehme er an, charakte- risire sich als die Erfüllung eines voraufgegangenen Vertrages, welcher zum Inhalte hatte, daß der Schwiegervater sich zur Erthcilung der Heirathsgenchmigung, Szymansky dagegen sich zuin RackweiS eines Vermögens von 1700 Thalcrn verpflichtete. Ob dieser Vertrag, der wohl nur münd- lich abgeschlossen sei, klagbar war, könne dahingestellt bleiben, nachdem er erfüllt sei. Der Gesichtspunkt, daß es sich nicht um Eingehung, sondem uin Erfüllung eines Vertrages gehandelt hat, sei insofem wesentlich, als daraus hervorgehe, daß die Auf- lassung unter allen Umständen als Vcrmögensschädigung quali- fizirt werden konnte, ohne Rücksicht darauf, ob im Zusammen- hange der ganzen Operation das Äcquivalent, welches hierdurch eingetauscht war, die Eheschließung, als ein geringwcrthigeres zu betrachten mar. Das Reichsgericht verwarf jedoch die Revision. In den Gründen wurde ausgeführt, das Reichsgericht könne nicht nachprüfen, welches Vergehen verübt sei und ob ein Straf- antrag nothwendig war. Des weiteren wurde ausgeführt, daß durch den Vertrag das Altentheil unmöglich ge- schädigt sein könne, daß irgend welche Personal- Gläubiger des Angeklagten Sz. sich überhaupt nicht an das Grundstück halten konnten, da es ihm ja nicht gehörte. Wenn überhaupt eine Vermögensschädigung stattgefunden habe, so sei diese im Moment der Eheschließung geschehen und ein Strafantrag nothwendig gewesen. Vereine nnd Versammlungen. Lachvrrein der Tischler. Die Vereinsversammlung am Monlag, den 2. Januar, fällt aus, dafür findet am Sonnabend, den 7. Januar, Abends 8t Uhr, in Jordan's Salon, Reue Grünstr. 28, eine Versammlung statt. Der Zentral-Arbeitsnach- weis, Alte Jakobstr. 38, im Restaurant Schumann, ist heute, am Neujahrstage geschlossen. Vom Montag, 2. Januar ab findet die Adressenausgabe an Arbeitsuchende wieder regelmäßig statt, und zwar an den Wochentagen von 8k bis 9k Uhr Abends, Sonntags von 9-11 Uhr Vormittags. Der Verein der Kureaubramten der«echtsanwälte, Volare ete. in Kerlia veranstaltet eine Weihnachts- und Neujahrsfestfeier, bestehend aus Abendunterhaltung, Präsent- vertheilung und Tanzkränzchen, am Sonntag, den 1. Januar, Abends 6z Uhr, im..Deutschen Hof", Luckaucrstr. 15. Freireligiöse Kemrinde. Am Montag, den 2. Januar, Abends präzise 8k Uhr, Rosenthalerstr. 38, findet eine Versamm- hing der Mitglieder zur Besprechung der Neuwahl der Beamten (Vorstand u. s. w.), einberufen von der auf Gcmcindcbeschluß hierzu bestimmten Kommission, statt. Die nächste Versammlung der Stockarbeiter findet am 6. Januar, Abends 8k Uhr, im Deigmüller'schen Salon, Alte Jakobstr. 48a, statt. Ter Wichtigkeit der Sache wegen ist pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwünscht. Turn- und gesellige Vereine am Sonntag. Lübeck'scher Turnverein(2. Lehrlmgsabtheilung) Abends 6 Uhr, Elisabeth- straßc 57—58.— Turnverein„Wcdoing"(2. Lehrlingsabtheiluna) Nachmittags 4 Uhr, Pankstr. 9.— Turnverein„Froh und Frei" (Lehrlingsabthe'lung) Nachmittags 4 Ilhr Bcrgstr. 57. Gesang-. Tnrn-j»nd gesellige Vereine etc. am Montag. Männcrgesangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Re- staurant Klose, Manannenstr. 31—32.— Liedertafel der im Drcchslcrgcwerk beschäftigten Arbeiter Berlins Abends 8: Uhr im Lokale„Bukower Garten", Vukowcrstr. 9.— Gesangverein „Sängerlust" Abends 9 Uhr im Restaurant, Lands bergerstt. 80. — Männcrgesangverein„Weiße Rose" Abends 9 Uhr im Restaurant Kleine, Gettchtsstr. 10.— Männcrgcsangvcrein„Eintracht i" Abends 9 Uhr Köpnickerstr. 68, im Restaurant.— Männcrgesangverein„Liedesfreiheit" Abends 9 Uhr im Restaurant .Heinrich, Linicnstt. 19.— Männcrgesangverein„Firmitas" Abends 9 Uhr hei Wolfs u. Krüger, Skalitzerstr. 126, Gesang und Musik. — Turnverein„Hasenhaide"(Lehrlingsabtheilung) Abends 8 Uhr Dicffenbachstr. 60—61.—„BerlinerDurngenossenschaft"(7. Lehrlingsabtheilung) Abends 8 llhr in der stirbt. Turnhalle, Britzer- straße 17—18;— desgl.(6. Männerabtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Gubenersir. 51.— Lübeck'scher Turnverein(Männerabtheilung) AbquZz 8 Uhr Elisabeth- straße 57—58.— Verein ehemaliger Schüler der VII. Ge- meindcschule Abends 9 Uhr im Restaurant Poppe, Linden- straße 106.—„Fricdrichs-Verein"(ehmalige Zöglinge des großen Friednchs-Waisenhauses der Stadt Berlin) Abends 8, Uhr bei Bormann, Ohmgasse 2.— Zitherklub„Amphion" Abends 8'/, Uhr im„Kurfürstcnkeller", Poststraße 5.— Ver- gnüaunasvcrcin„Lustig" Abends 9 Uhr bei Thamm, Schön- Häuser Allee 23.— Verein„Ratibor" Abends 3', Uhr im Restaurant Fritze, Elisabcthstraße 30.— Arcnds'scher Stenographenverein„Mercur" Abends 8'/, Uhr im Restaurant „Baatz", Blumensttaße 10.— Arcnds'scher Stenographcnvercin „Apollobund" Abends 8'/, Uhr Thurmstr. 31(Moabit).— Wissenschaftlicher Verein für Rollcr'schc Stenographie. Abends 8'/., llhr im Münchcner Bräuhaus, Neue Friednchssttaße 1, Unterrichts- und Ucbungsstunde. Kleine MittheUuugen. Görlitz, 29. Dezember.(Zwei Opfer des Schneesturms.) Der„N. G. A." berichtet: Der starke Schneefall am Sonn- abend in Verbindung mit der Kälte hat zwei Menschenleben zum Opfer gefordert. Auf dem Wege nach der Klingewalder Windmühle wurden am 1. Feiertage früh ein Mann und eine Frau im Schnee steckend leblos aufgefunden. Es ist anzunehmen, daß die beiden Sonnabend Abend nach Hause gehen wollten, durch das Waten im tiefen Schnee völlig erschöpft worden und liegen geblieben sind. Dem Vernehmen nach ist es ein Ein- wohner aus Klingewalde und seine Wirthin. „ Winden, 29. Dezember. Schwer heimgesucht ist die alte Wittwe Schopp in der benachbarten Bauerschaft Bölhorst. Früh verlor sie den Gatten, der ihr 4 Knaben hinterließ. Unter Müh' und Sorgen erzog sie dieselben zu Arbeitern. Einer von rhnen fiel im letzten Gefecht des deutsch-franzöfischen Krieges, zwei andere verunglückten durch schlagende Wetter in den Kohlen- Lauben des Dortmunder Reviers und nun ist auch der letzte bei der.irbert auf einer nahegelegenen Ziegelei durch Erdsturz so schwer verletzt worden, daß er im hiesigen Krankenhause verstarb. Soldn«, 25. Dezember.(Ein verlorener Personenzug.) Als gestern Mittag der Zug der Sekundärbahn von Grauocnz hier einlief, fehlten demselben sämmtliche Personenwagen. Der Zug sollte nämlich, wie die„K. A.Z." berichtet, auf der 11 Kilometer entfernten Station Heinrichsdorf Wagen einrangiren, und es wurden zu diesem Zwecke die Personenwagen abgehakt. Der dortige Stationsbeamtc gab dann das Zeichen zum Weiterfahren und stieg auf den letzten Wagen; da fuhr nun der Zug gleich bis hierher, ohne daß der Lokomotivführer die Zeichen des Stationsbeamten wahrgenommen hätte. Sämmtliche Personenwagen ivie auch selbst der Zugführer waren in Heinrichsdorf zu- rückgcbliebcn. Die Lokomotive mußte nun von hier gleich nach tzeinrichsdorf zurückfahren und brachte nach zirka einer Stunde den anderen Theil des Zuges hierher. Kaiserslautern, 28. Dezember. Von einem schrecklichen Unglücksfall wurde am ersten Weihnachtsfeiettag eine hiesige Arbeiterfamilie betroffen. Der Streckenarbeiter Georg Haller war Abends gegen halb 8 Uhr im hiesigen Hauptbahnhof mit Reinigen der Weichen vom Schnee beschäftigt, als der Zug 238 von Kirchheimbolanden kommend einfuhr. Der unglückliche Mann wurde von der Lokomotive erfaßt und ihm der Kopf abgefahren, so daß der Tod sofort eintrat. Vier Kinder und eine Wittwe, welche demnächst ihrer Niederkunft entgegensieht, haben durch den traurigen Fall ihren Ernährer verloren und befinden sich in drückendster Nothlage. Hamburg, 28. Dezember.(Erwischt.) Im Herbst 1886 wurde, wie seinerzeit berichtet wurde, in dem benachbarten Ottensen ein Buchhalter verhaftet, welcher sich als Haupt der unter dem Namen„Schwarze Bande" bekannten Gaunergescll- schaft entpuppte, die von Neapel, London, Antwerpen und anderen Städten aus Betrügereien im großartigsten Maßstabe beging; namentlich wurden sächsischen Fabrikanten auf Grund gefälschter Kreditbriefe große Mengen Waare abgeschwindct. Der Verhaftete wurde damals an das Landgericht Bautzen aus- geliefett, wo er, weil die Beweisaufnahme wegen der weitvcr- zweigten Geschäftsverbindungen der Bande eine höchst lang- wienge und schwierige ist, sich noch in Untersuchungshaft de- findet. Inzwischen ist nun in Cbikago ein Bruder des Schwind- lers, der ebenfalls an den Betrügereien theilaenommen hatte und dem es gelang, flüchtig zu werden, verhaftet worden, dessen Ankunft hier demnächst erfolgen wird. Teplitz, 28. Dezember.(Der Wasscreinbruch in den Duxcr Schächten.) Der Gisela-Schacht ist nunmehr ebenfalls über- schwemmt und die Förderung wurde eingestellt. Inowrastaw, 28. Dezember.(Vereitelte Reise.) Aus Kopenhagen wird der„Pos. Ztg." berichtet:„Der nach Nero- Nork fahrende Dampfer„Thingvalla" lag am vorigen Mittwoch abgangsfcrtig an der Landungsbrückc� und eine Schaar von Europamüden beivcgte sich, auf das Signal zum Abgang war- tend, auf dem Deck umher, unter ihnen ein Paar Geheim- Polizisten, welche die Physiognomien der Auswanderer mustetten. Namentlich fiel ihnen eine vierschrötige Dame auf, und als sich bei näherer Jnspizirung an dem Kinn derselben einige nase- weise Äarstoppeln zeigten, ging einer der Polizisten gegen die- selbe vor.„Sind Sie wirklich eine Dame?" fragte er plötzlich und blickte ihr scharf ins Auge.„Ich bin— ich bin— hm — hm", hierbei wechselte die Fremde die Farbe und gestand dann, daß sie in der That ein Mann sei. Es war ein Lehrer, welcher wegen eines Sittlichkeitsvergchens in Jnowrazlaw zu zwei Jahren Gefängniß vcrurtheilt und am 30. November entsprungen war. Er hatte dann Frauenkleider angelegt und sich glücklich bis Kopenhagen durchgeschlagen, wo er noch im letzten Augenblick gefaßt wurde." Innsbruck, 29. Dezember.(Erderschütterung.) Schon am Donnerstag der vorigen Woche war ein schwaches Erdbeben bemerkbar. Am 27. d. M., um halb 4 Uhr Nachmittags, er- folgte eine heftige Erdcrschütterung, begleitet von unterirdischem lebhaften Rollen, ähnlich dem eines Bahnzuges. Leichtere Gegenstände schwantten, Fenster klirrten. Die Richtung des Stoßes war von Ost nach West. Der Erdstoß wurde auch in Hall verspürt. Vest, 29. Dezember.(Verkehrsstörungen.) Zwischen Waitzen und Göd sind 25 bis 30 Meter breite, 3 Meter hohe Schnecbarrikaden entstanden. Mit der Entfernung des Schnees sind zwei Schncepflüge, zwei Lokomotiven und eine Schaar von Arbeitern beschäftigt. Von hier ist heute ein Arbeiterzug abgc- gangen, da die bis jetzt verwendeten Leute mchtjnisrdchen. — Vom Direktionspräsidenten der unganschen Staatseiscn- bahnen wird die Mittheilung gemacht, daß infolge der Schnee- verwehungen bis auf weitere Verfügung Personenzüge von Budapest aus nach gar keiner Richtung verkehren können. Mien.j 29. Dezember. Infolge von Schneeverwehungen ist der Verkehr überall hin gestört. Von Pest ist seit gestern kein Zug hierher abgegangen. Ueber den i heute früh in Pest fällig gewesenen Orient- Expreßzug ist bis Mittags keine'Räch- richt eingegangen. Der Frachtverkehr auf der österreichischen Staatsbahn ist fast ganz aufgehoben. Die Südbahn und die ungarischen Staatsbahnen sind ebenfalls stark in Milleidenschaft gezogen. pari«, 28. Dezember. Rochefort wurde auf dem Platze Pigalle von einem Manne thätlich mißhandelt, der eigens uns Amerika herübergekommen war, um sich an ihm zu rächen. Der Mann ist ein Schauspieler mit Namen Garnier, welcher Sarah Bernhardt auf ihrer letzten Reise nach Amerika begleitet hatte. Rochefort hatte denselben vor Ij Jahren scharf mitgenommen, weil er die Frau Roirmont, eine Begleiterin der genannten Schauspielerin, durchgeprügelt hatte. Garnier ließ nun nach seiner Rückkehr den mit der Feder so streitbaren Journalisten fordern, Rochefort aber erklärte, er schlage sich nicht mit einem Dirncnzuhälter. Infolge dessen lauerte Garnier dem Journalisten mit einem seiner Freunde auf, spie ihm in's Gesicht und schlug ihm den Hut vom Kopf. Rochefott erklärt im„In- transigeant", er werde Gamier nicht genchtlich verfolgen lassen, sondern sich einen neuen Hut kaufen, und damit sei die Sache erledigt. SriiEel, 28. Dezember. Ueber Stanley's Expedition er- hält das Reuter'sche Bureau aus St. Paul de Loanda unterm 26. d. folgende telegraphische Meldung:„Bis jetzt sind in Borna keine weiteren Nachnchten von Stanley eingegangen; gleichwohl flößt dies den Behörden am Kongo keine Besorg- nisse ein, da seit dem Empfang der letzten Nachrichten vor etlichen Wochen kein Dampfer von Stanley Pool nach Aruwimi abgegangen ist. Der Dampfer„Stanley" segelte neulich von Lcopoldville nach dem oberen Kongo ab. Es wird geglaubt, der- selbe werde in dem Lager in Aruwimi dirette Nachrichten von Stanley vorfinden, und daß nur in dem Falle, daß der Kom- Mandant in Nambounga keine Nachrichten erhalten haben sollte, Ursache für Besorgnisse oder Zweifel betreffs des Ergebnisses der Expedition vorhanden sein werde. Die Regierung in Borna erklärt auch, daß, wenn sehr wichtige Nachnchten in Nambounga eingelaufen wären, der Kommandant die Ankunft eines Regie- rungsdampfcrs nicht abgewartet, sondern die Nachrichten mittelst eines Kahnes nach Lcopoldville gesandt haben würde. Der „Stanley" wird seine Fahrt bis Stanley Falls ausdehnen, und selbst, wenn kein Unfall eintreten sollte, der seine Reise vcr- zögern könnte, wird er nicht vor dem 20. Januar in Lcopoldville zurückerwartet. Die neuesten Meldungen über die Bangalas lauten sehr günstig. Im Lande herrscht Ruhe und es gilt als sicher, daß, wenn irgend eine Agitation unter den nördlichen Stämmen entstanden wäre, die sich als verhängnißvoll für stanley's Expedition erwiesen haben dürfte, Nachrichten darüber bereits zu den Bangalas gedrungen wären." London, 29. Dezember.(Theaterbrand.) Das Grand Theatre in Uppersttect, Jslington,(einer nördlichen Vorstadt Londons) ist heute Nacht vollständig niedergebrannt. Die Vor- stellung— es wurde die bekannte Weihnachtspantomime „Wbii tington and bis Cat" gegeben— hatte bis halb 12 Uhr gedauert und dem Feuerwehrmann war bei seiner gewöhnlichen Rande nach der Vorstellung nichts aufgefallen. Um 1 Uhr Morgens aber bemerkte er e'n kleines Feuer in der Nähe der Bühne. Er suchte sofort einen Wasserschlauch in Thätigkeit zu setzen, allein da die Flammen sich sehr schnell an den leicht entzündlichen Koulrssen verbreiteten, so schlug er Alarm. Im vorderen Theile des Gebäudes wohnte die Familie des Theater- Pächters Wilmot und es gelang derselben, sich vermittelst einer Leiter zu retten, welche sich in der Nähe der Kasse befand. Während auf diese Weise Frau Wilmot— Herr Wilmot selbst hatte sich nicht zur Ruhe begeben— eine ältere Dame und drei Kinder gerettet wurden, hatten die Flammen das ganze Ge- bände ergriffen, sodaß die zahlreichen von allen Seiten schnell herbeieilenden Feuerspritzen nichts weiter thun konnten, als eine weitere Verbreitung des Feuers zu hindern. Die Schauspieler haben all ihr Eigenthum, welches sich im Theater befand, ver- loren und über 300 Personen sind durch den Brand bcschäfti- gungslos geworden. An derselben Stelle ist bereits vor fünf Jahren ein Theater abgebrannt. Lottdott, 27. Dezember. Die Dcnaby-Kohlengrube, un- weit Sheffield, war am Sonntag früh der Schauplatz eines verheerenden Feuers. Durch einen bis jetzt noch nicht aufge- klärten Zufall geneth nämlich das Maschinenhaus in Brand, und nach kurzer Zeit wurde dasselbe mit sämmtlichen Maschinen und dem ganzen Förderungsapparat ein Raub der Flammen, so daß die Trümmer den Eingang zur Grube füllten. Glück- licherweise waren die Bergleute bereits für das Weihnachtsfest zu Tage befördert worden, und in der Tiefe befanden sich nur noch 15 Zimmerleute, deren Rettung erst nach zwölfstündiaer harter Arbeit gelang, indem ein Förderungstau von einer Lokomotive gezogen wurde, die auf einem nahegelegenen Schienen- stränge lief. 120Ponnies, die sich in der Tiefe besinden, konnten nicht gerettet werden. Der angerichtete Schaden wird wenig- stens auf 20 000 Pfd. Stcrl. veranschlagt. Das Schlimmste bei dem ganzen Unglück ist indeß, daß 1500 Berleute auf längere Zeit brotlos geworden sind. Neueste Nachrichten. In Prag ist ebenfalls eine Untersuchung wegen pansla- v i st i s ch e r Umtriebe eingeleitet, die vermuthlich mit der Verhaftung des Dr. Z i v n y in Wien zusammenhängt. Das Verfahren richtet sich gegen Dr. Franz Skrejschowsky, einen Oheim des verhafteten Zivny. Skrejschowsky war Heraus- geber des czechischen Wochenblatts„Vychod",, welches gleich Zivny's„Parlamentär" die panslaviftische Propaganda betrieb. Au« IVien wird dem„Berl. Tgbl." telegraphirt:„Das seit dem Oktober in Wien erscheinende sozialistische Organ„Die Arbeit" wurde auf Grund der bestehenden Aus- nahmegesetze durch polizeilichen Erlaß unterdrückt." Die Arbeitergruppe der französtschen Abgeordnetenkammer unter Führung von Baslu und Camelinat ging zum Justizministcr Fallisres und legte ihm die Begnadigung der Bergleute von Decazeville und Moncearr l e s M i n e s ans Herz. Fallieres versprach, vom Obcrstaats» anmalt Berichte einzufordern. Ueber den meitern Verlauf der Minifterkrist» in Belgrad meldet man: Die Verhandlungen über die Kabinets- dildung dauern fort. DerKönig empfing gestern Garaschanin, Pirot- schanac und Mijatovic und hierauf 23 hervorragende Radikale, mit welchen er eingehend ein Regierungsprogramm berieth. Demzufolge hält man ein rein radikales Kabinet für wahrschein- lich, um so mehr, als der Klub der Radikalen die Annahme des vom Könige aufgestellten Programms bezüglich Nichtauf- lösung der Skupschtina beschloß, um die Vorlagen über die An» leihe und die Steuereformen rasch zu erledigen. Bezüglich des Mrlitäretats und der Emigrantenfrage hat der Klub noch keinen Beschluß gefaßt, doch es ist wahrscheinlich, daß die Radikalen auch diesbezüglich den Wünschen des Königs entsprechen werden. Falls eine Verständigung über alle Fragen erfolgt, wäre ein Kabinet zu erwarten, das wie folgt zusammengesetzt ist: Kriegs- ministcr Sa va Gruic Präsidium, Grga Gerschic Aeußcres, G j a j a Inneres, Tauschanovic Volkswirth- schaft, Milosavljevic Kultus, Vuic Finanzen, Veli» mirovic Bauten. Somit blieben vier Minister des früheren Kabinets im Amte. Telegraphische Depeschen. (Wolff's Tclegraphen-Bureau.) (Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.) Berlin. Sonnabend, 31. Dezember. Der"''. Präsiden! Dr. Pape hat dem Reichskanzler den in erster Lesung fest gestellten Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuchs übcrsandt. Paris, Sonnabend, 31. Dezember. Aus China hier ein gegangenen Nachrichten zufolge exploditte am 21. November ir Ainoy eine Pulvermühle mit 40000 Kilo Pulver, wodurch viel« Menschen getödtet und ein ganzer Stadttheil zerstört wurde. KrtefKusten htv Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die Abonnementi-Ouittung beuusügen. Brieflit. 1565 2Schlafst z.v. Pallisadcnstr. 16, H. 2Tr. Wittstock. ohmische Kettfedern und Daunen, Betten und Matratzen empfiehlt zu festen aber soliden Preisen Louise Schreib. Karlstr. 19, Ecke Circus Renz. 711] Gegründet 1855. Tuch-, Kuckotriu-, Plüsch-, Krimm« Kesterhaudtuna v. A. Karle, Lausttzerpl. 1, im Porzellangeschäft, Keller.[1558 B Gold- und Sildkmaaieü au Fabrikpreisen I Große Auswahl in d. neuest. Schmnck- gegenftänden: Gorallen. Granaten. Silber etr. Goldene Uhrkotten u. Collierketten. nar 14karätig. z« billigsten Fabrikpreisen. 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Der Dorstand. I. A.: G. Hahn, erster Vorsitzender. Kranken- u. Kegräbnißkaffe der Dan- n. Fabrikarbeiter Derlins (Eingeschriebene Hilfskasse Nr. 13). General- Versammlung der Mitglieder am Sonntag, den 3. Jan. 1888, Vormittags 10% Uhr, im Lokale des Herrn Saeger, Grüner Weg Nr. 29. Tagesordnung: Kassenbericht. Innere Kassen- angelegenhciten. Verschiedenes. DasOuittungs- buch legitimitt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1563 5»r Uorstand. I. A.: W. Reinett. ©rirentllch« General-Uersammlung der freien Kranken- und Begräbnißkasse der Schuhmacher und Berufsgenossen Berlins(E. H. 27) findet Montag, den 9. Januar 1888, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Feuerstein, Alte Jakob- straße 75, im oberen Saale statt. Tagesordnung: 1. Vietteljährlicher und jährlicher Kasscnbencht. 2. Innere Angelegenheiten. 3. Wahl des Vorstandes und Ausschusses. 4. Verschiedenes. Quittungsbuch legitimitt. NB. Der Wiener Maskenball findet am 13. Februar statt. 1570] Der V o r st a n d. Vögel, Vogelsutter unv Vogelbauer. Specialität: feinste Kanarienvögel eigener Züchtern. Staatspreis für hervorragende Leistungen. Beste und billlgste Bezugsquelle. ff. Sommer-Rübsamen, Cantussamcn gegen Heiserkeit u. z. Beförderung des Gesanges. Vogelbauer in großer Auswahl. Alle Utensilien für Vögel. 760 JM i F« In niw Sriedrtchste. 247, « IVIICnOWy nahe Bellealliancepl. Allen Genossen bttnge mein Weiss- und Bairischbier- Lokal in freundliche Erinnerung.[1552 G. Kliemt, Ä"l*. ZUM neuen Jahre! Zu Ende ist das alt« Iahe, Ob's wohl ein rechtes, gutes war?— Darauf wird man im Leben Verschieden Antwott geben;---- So Mancher lebt' in Lust und Freud', Dem Andern bracht' es Herzeleid, Ein Jeder weiß, wer nicht beglückt, Am besten, wo der Schutz ihm dttickt.— Um diese Qual nun zu vermeiden Und ganz bequem sich zu bekleiden, Das Schuhweek. als wäre es bestellt Der„Urb» Gustav" auf Lager hält. Granievftrastr U r. 5 im Laden, Da kann man solche Waare haben. D'rum Allen, welche hier verkehtten Und mich im alten Jahr beehrten, Bttng ich hier meinen Dank. Zum Schluß Den Wunsch ich noch aussprechen muß: Habt Ihr Bedatt im«enen Jahre, Empfehle ich Euch meine Waare, Schuh— Stiefeln stets für Groß«.Klein, Und lade Alle höflichst ein! Meinen Kunden sei, zum Neujahr«tag Ein dreifach donnernd„Hach l" gebracht. hochachtungsvoll DeUieWstav" ■ Schnhmachermeister, Graultvffr. znr schlanbev Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, die bei dem Begräbnstje des Tischlers AtbertKnache zugegen waren, gleichzeitig für die rege Betheiligung seitens seiner Kollegen, sagen mir unseren herz- lichsten Dank. 1568 Die Hinterblieb ne». Die Beerdigung des Stuckateurs Tani Hill- mrqer findet heute, Namittags 2tz Uhr, von der Leichenhalle der Chatttee aus statt. Um rege Betheiligung bitten 1571 Dir Kollegen drr Mestphal'fchrn Werkstatt. Wo speisen Sie? In der alten pommcttcher Küche, Oramenftr 181, Hof parterre, bei Klein! Fnihsi 30 Pf., Mittagstisch in. 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