yr. A. Dienstag, den 3. Januar 1888. 5 Jahrg. trlimWIisdlill. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Da« �Berliner Volksdlatt". �. «ÄHslnt täglich Morgen« außer nach Senn- und Festtagen. Abonnements pr ei« für Berlin frei '.........'''-........ wöchentlich 35$f. Postabonnemmt nit dem„ScnntagS-Blatt" 10 Bf. 1887 unter Nr. 837.) JMfertion« gebühr beträgt für die 4 gesvaltete Betitzeile oder deren Raum 26 Pf. ArbeitSmarN 10 Pf. BN ößeren Aufträgen hoher Rabatt nach Ucbcreinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nuchmittsgl der Expedttwn. Berlin sw� Zimm�rstraße 44, sowie von allen Annonren-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: KenthSraße Ä.— Grpeditisn: Aimmerstraße 44. «los Adsnvkmcllis-Eillladulig. Zum Quartalswechsel erlauben wir uns zum Abonnement auf das „KrrUner Uolksblatt" nebst dem wöchentlich erscheinenden Kountngsblatt einzuladen. Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf dem Boden des unbeugsamen Rechts. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Bcrather und Streiter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klassen- ecgensäye ist das„berliner Uolksblatt" ein entschiedener öegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung einzelner, heute schon mehr berechtigter Gesellschaftsklassen „Kerliner UolKoblatt" sucht seine Aufgabe durch sachliche Behandlung der politischen alä auch der Tagesfraocn zu erfüllen. Die gleichen Grundsätze leiten uns bei Bc- sprechung unserer städtischen Angelegenheiten. Der Adounrmentspreis beträgt für das ganze Viertel- jähr 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspcditcurcn, sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmersttaße 44, entgegengenommen. üfüt ausserhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Be- stellungen an. Die Dedaktio« rntb Grpeditio« des„Kcrlwer Uolksblatt". r-Hiiniii 1 1|| g mm III I n II IIIIHIIIIIBIMIIIIIHII III III Die Konrgeoiste und die Sozialreform. Es wird nicht verfehlen, in ganz Deutschland und über dessen Grenzen hinaus berechtigtes Aufsehen zu erregen, daß den Arbeitervertrctern im Reichsver- sicherungsamt seitens ihrer Arbeitgeber der Urlaub zur Theilnahmc an den Sitzungen des Neichsversicherungsamts verringert und einigen davon sogar gekündigt worden ist. Diesem brutalen Streich fügte man auch den Hohn h'nzu, daß man den entlasienen Arbeiteru empfahl, sich von dem Herrn B ö d i k e r, dem Vorsitzenden des Reichsversicherungsamtes, Beschäftigung geben zu lassen. Dies erinnert daran, daß man früher auch in Wahlkreisen, wo sozialistische oder auch andere oppositionelle Abgeordnete gewählt wurden, die Arbeiter mit der höhnischen Mahnung entließ, sich nun von ihrem neuge- wählten Abgeordneten beschäftigen zu lassen. Für die Regierung ist dieser Vorfall sehr lehrreich. Sie wird nun endlich den Beweis geliefert erhalten haben, daß diejenigen Recht hatten, welche sagten, eine Sozial- Ieuilleton. Ctl« BM)tt Bort ehalten.)(Nachdruck ändert en.) Die Stiefmutter. Skizze von P. Heinrich. (Schluß.) Das Zahr neigt sich seinem Ende zu. Ein Zahr mit seinen Hoffnungen und Täuschungen verschwindet im Strome der Zeit! Karl sitzt im Komptoir vor seinen Geschäftsbüchern, eifrigst bemüht, die Konti abzuschließen. Die Ziffernkolonnen schwirren ihm vor den Augen, er unterbricht sich öfters und starrt vor sich hin, und Seufzer entringen sich seiner Brust. Der alte Buchhalter des Hauses, der schon bei dem Vater Karls in der gleichen Eigenschaft Verwendung gefunden, blickte theilnahmSvoll auf seinen Chef. Er nickte öfters mit dem Kopfe, und wer ihn so nachdenkend stehen gesehen, der wußte sofort, daß der alte treue Diener seines Herrn etwas auf dem Gewissen habe. Er hatte lange mit sich gekämpft, aber endlich mußte es doch heraus. „Wir haben heuer viel verbraucht, wir haben mehr ausgegeben, als wir sollten," bemerkt er mit sichtbarem Widerstreben,„ja, die Frauen, di: Frauen." Karl schien nicht darauf zu achten, er begann von neuem, sich in die Konti zu vertiefen. Und wieder trat eine Pause ein, die der alte Buchhalter zur Fortsetzung seiner Bemerkungen be- nützte.„Das geht nicht so fort, Herr P..., Sie müssen sich stark zeigen. Sie gehen sonst dem Ruin entgegen, das Geschäft verträgt solche Depensen nicht; die Zeiten sind schlecht, da heißt es sparen und immer wieder sparen, die Toiletten kosten zu viel... und diese vielen Fiaker, eine Kaufniannsftau muß bei diesen Zeiten zu Fuß gehen, nicht täglich ausfahren und immer ivieder ausfahren, was sollen uns die Leute nachsagen. 2ch bitte Sie, unser Kredit reform setze auch eine staatliche Regelung des Arbeitsvertrages voraus, denn der Arbeiter dürfe der neu zu schaffenden Wohlfahrtseinrichtungen nicht durch die Willkür des Unternehmers verlustig gehen. Dies verlangten nicht nur die Sozialisten in ihrem Arbeiterschutz- g e s e tz, sondern auch später, wenn auch in anderer Form, doch prinzipiell in gleicher Absicht, der bekannte Professor Brentano aus Breslau. Allein man ging daraus nicht ein und rhat, als ob man den Unternehmern so etwas gar nicht zutrauen könne, als ob sie lauter„Lämmchen weiß wie Schnee" seien. Und doch hätte man an dem Fanatismus, mit dem seinerzeit die Großindustriellen gegen jede Arbeitervertretung beim Un- fallversicherungsgesetz, namentlich gegen die sogenannten Arbeiterausschüsse, loszogen, ganz genau ersehen können, wie sie von solchen Dingen denken. Die„Arbeiter- Vertretung" im Reichsversicherungsamt ist eine recht kümmer- liche Institution mit einem ganz sonderbaren Wahlmodus, und doch ist sie den Herren Unternehmern zu viel. Die Herren Unternehmer pflegen sich so sehr mit ihrem Patriotismus zu rühmen. Faßt man diesen Begriff ernsthaft auf und nicht nur als alberne Franzosen- frcsserei, so bedeutet er die volle and eifrige Erfüllung der Pflichten, die man gegen das Vaterland hat. Dazu sollte für die Herren Unternehmer doch ohne Zweifel auch die Beobachtung der Gesetze gehören, die eine ihnen ergebene Majorität des Parlaments geschaffen hat. So unvollkommen, unpraktisch und bureaukratisch die Unfallversicherung an sich ist, so müßten die Herren Unternehmer doch anerkennen, daß die Arbeitervertreter im Reichsversicherungsamt, indem sie ihre Amtspflicht ausüben, im Gcsammtinteresse thätig sind. Dies zu verkennen, dazu gehört eine ungemein kleinliche Denkweise. Allein die Herren Unternehmer sind dem Un- fallversicheningsgesetz an sich gram, obschon es in den meisten Fällen die Arbeiter belastet; sie würden am liebsten bei Unfällen und Verletzungen gar nichts zahlen und die Ver- unglückten oder deren Angehörige ihrem Elend überlasse». Dann paßt es ihnen schon nicht, daß einfache Arbeiter eine solch angesehene Stellung im Reichsversicherungsamt ein- nehmen sollen, während ein vernünftiger und nicht ganz von dem Zntercssendusel befangener Mann doch einen Stolz darein setzen könnte, angesehene und beliebte Arbeiter in seinem Geschäft zu haben, die den anderen� ein gutes Beispiel geben. Dann aber kommt die Hauptsache, dann berechnet der Unternehmer den Ausfall an Mehrwerth, den eventuell die öftere Entfernung eines tüchtigen Arbeiters veranlassen kann, und da ist ihm jeder Pfennig Mehrwerth lieber, als ein ganzer Sack voll Patriotismus. Sowie einmal der Mehrwerth in's Spiel kommt, ist'S mit den höheren Gefühlen des Unternehmers vom gewöhnlichen Schlage überhaupt aus; er sieht das Leben nur noch von der Seite des Erwerbes an. Wir kennen einen interessanten Fall aus Süd- — der Kredit ist alles beim Kaufmann, wohin soll das kommen V" Karl P. wurde aufmerksam.„Was murren Sie da vor sich hin, Sie alter Brummbär." „Brummbär hin, Brummbär her, es muß heraus. Machen Sie mir welche Vorwürfe immer, ich werde Sie ruhig anhören, aber was mir auf dem Herzen liegt, das muß heraus. Zch diene im Hause jetzt dreißig Zahre und ich glaube mir das Recht auf Ihr volles Vertrauen erworben zu haben, ich liebe Sie wie einen Bruder, ich achte und schätze Sie, ich bewundere oft Ihren andauernden Fleiß, ich sehe, wie sparsam Sie leben, insofern es sich um Ihre eigene Person handelt, und es schmerzt mich also umsomehr, wenn ich sehe, wie auf anderer Seite mit dem schwer verdienten Gelde gewirthschaftet wird..." „Was sehen Sie, was bewegt Sie so?" „Zch sag's Ihnen nochmals, das kann nicht so fort- gehen, das muß anders werden, ich sehe Ihren Ruin vor mir, und das werde ich, Zhr langjähriger Buchhalter, das „alte Möbel" im Hause, wie Sie mich so. oft nannten, nicht so ohne weiteres zugeben; die Frau braucht zuviel, sie giebt mehr aus, als sie darf, Sie sind zu nachgiebig ihr gegenüber, eine junge Frau versteht das nicht, versteht nicht zu sparen, weiß nicht, wie sauer erworben so ein Gulden wird, und dann..... bitt' Sie, Herr P., nehmen Sie mir's nicht übel, ich weiß, ich nehme mir vielleicht da ein Recht heraus, das mir nicht zusteht, aber halten Sie es meiner aufrichtigen Freundschaft, meiner Liebe zu Ihnen zu gute, wenn ich offen und ausrichtig mit Ihnen spreche, ganz rückhaltlos, wie es einem ehrlichen Menschen zusteht; ich muß Sie warnen." „Warnen, mich, vor wem?" „Rund heraus gesagt, vor Ihrer Frau." „Vor meiner Frau? Was wissen Sie von ihr? Ich bitte Sie, sprechen Sie, sprechen Sie!" „Ja, sehen Sie, lieber, guter Herr, was ich Ihnen sage... es bricht mir das Herz entzwei, es raunen sich's die Leute schon seit Wochen zu, und da keiner Ihrer deutschland. Ein Korsettenfabrikant in Kannstatt in Württemberg hatte lange Zeit seine Freude daran, daß sein Heizer, ein intelligenter und befähigter Mann, sich um öffentliche Aemter bewarb. Solange diese Bewerbungen ohne Erfolg blieben, war Alle? gut. Als aber der Heizer in den Gemeinderath gewählt wurde, stellte ihm sein Arbeitgeber die Alternative, die Wahl abzulehnen oder entlassen zu werden. Der Heizer lehnte die Wahl nicht ab und wurde entlassen. Man sieht, wie in diesem Verhältniß alle ideale Auf- fassung vom staatlichen und gesellschaftlichen Leben zerstört wird. Friiher bestanden für den Nichtbesitzenden gesetzliche Schranken, die ihn von gewissen öffentlichen Acmtern aus- schloffen; man glaubte, der moderne Staat habe diese Schranken zum größten Theil hinweggeräumt. Sie wurden aber neu errichtet durch die ökonomische Abhängigkeit, welche um so verderblicher ist, als sie den Schein einer erheuchelten persönlichen Freiheit immer noch zuläßt und dadurch bekanntlich unsere Philister in ihren Auffassungen so gröblich täuscht. Als die Regierung mit ihrer Sozialrcform vorging, sagte man ihr gleich, sie müsse den Muth haben, einen Angriff auf die Vorrechte der herrschenden Klassen zu wagen, wenn sie etwas Ersprießliches schaffen wolle, sonst werde sie es nur zu Stückwerk bringen. Wie recht man damit hatte, geht aus der Behandlung, die das Unfallversicheningsgesetz und seine Handhabung von den Unternehmern erfährt, mit hinreichender Deutlichkeit hervor. Die Regierung ließ sich durch das große Geschrei, das die Unternehmer' bei jedcm. Versuch sozialer Reformen erheben, einschüchtern und hielt nicht einmal die geringen Konzessionen, die sie den Arbeitern gemacht hatte, voll und ganz aufrecht. Das rächt sich nun. Die Unternehmer machen nicht nur die korrekte Ausführung der Unfallversicherung schwierig. oder gar unmöglich, sondern fügen auch noch einen brutalen Hohn hinzu. Bei den nächsten Wahlen werden sie dennoch wieder viel von ihrem Patriotismus sprechen. Den sozialpolitischen Geheimräthen und ihren Hinter- männern aber empfehlen wir, sich den Fall doch recht" genau anzusehen. Tnginllk-Korre�onämzen. Wie», 29. Dezember. Bei dem gespannten Verhältniß, das seit längerer Zeit zwischen Oe st erreich- Ungarn und R u ss l a n d besteht und das zu einem kriegerischen Zusammen- stoß führen zu müssen scheint, ist es nicht uninteressant und von großer Wichtigkeit, die Jntriguen zu beobachten, welche beide Regierungen auf der Balkanhalbinsel gegen einander ausspielen, um für den entscheidenden Augenblick die Ehanzen des Sieges zu verbessern. In erster Linie handelt es sich freilich bei dem Freunde den Muth hat, es Ihnen zu sagen, so will ich es thun auf die Gefahr hin, ausgezankt, vielleicht sogar davon- gejagt zu werden, aber es muß heraus, es muß heraus: Vitt' Sie, lieber Herr, fassen Sie Muth, zeigen Sie sicl) stark, stark wie ein Plann. Was ich Ihnen zu sagen habe, ist etwas Schreckliches, aber ich muß mir's vom Herzen reden.— Ihre Frau hat ein Geheimniß, ein Geheimniß, das eigentlich keines mehr ist, denn die Leute reden schon davon; Ihnen und uns Allen sagt sie, daß sie täglich in den Prater fahren müsse, meil sie Migräne habe, oder Gott weiß, welche Krankheit. Sie fährt aber nicht in den Prater, sie fährt hinaus, weit hinaus außerhalb der Linien Wiens, was bat sie da draußen zu suchen?.... Die Leute reden davon, sie soll doch sagen, was sie da draußen zu suchen hat, vor dem eigenen Mann darf man kein Geheim- mß haben, und wenn's so ist, wie die Leute sagen, umso schlimmer." „Nun, was sagen die Leute?" „Sie wissen ja, die bösen, bösen Zungen. Die Leute sagen, die Frau betrügt Sie...." „Betrügt mich? Bitte sprechen Sie nicht weiter." Der Zeiger der Pendeluhr zeigte die zehnte Stunde. „Es ist Zeit, daß wir das Komptoir schließen." , P•••• legt das Buch zur Seite, drückte seinem alten Buchhalter mit verständnißinnigem Blick die Hand. Erne Viertelstunde später hatten beide schweigend das Komptoir verlassen.--------------__„• Auf dem Heimwege konnte Karl P.... so recht seineu Gedanken nachhängen. Welch' bittere Erfahrungen hatte er in der kurzen Spanne Zeit von zwei Jahren gemacht; er hatte so zu sagen Weib und Kind zugleich verloren! Was aber das Schlimmste war, er konnte sich selbst nicht von jedem Vorwurf frei sprechen. Warum hatte er sich als älterer Mann mit einem jungen Mädchen verbunden, das ganz andere Ansprüche an das Leben zu machen berechtigt ist, als er zu bieten vermochte. Warum chatte er sich gegen das Gesetz der Natur versündigt: das Gleiche soll sich zum Konflikt zwischen beiden Großmächten um den Einfluß in Buk- aarien; die russische Regierung hat ihre Macht und Synipathie durch eigene Schuld, durch den maßlosen Mißbrauch ihrer Auto- rität, durch den unerträglichen tzochmuth ihrer nach Bulgarien delcgirten Offiziere und Beamten fast ganz eingebüßt. Das kann der stolze, an bedingungslose Erfüllung seines Willens ge- wühnte Zar nicht vertragen, und er wendet sich in verletzter Eitelkeit gegen jene, welche von dem Niedergange des russischen Cinfluffes den größten Vorthcil haben— vor allem richtet sich sein Zorn gegen Ocsterreich-Ungarn, obwohl dessen Regierung an Zurückhattung das Mögliche geleistet hat. Nun erwachen aber auch die nie völlig eingeschlummerten pansla- vistischen Agitationen und Utovien, die sich unmittelbar gegen Oesterreichs Bestand richten, da dieser Staat einen lebendigen Protest gegen die Ansprüche der Panslavisten bildet. Sobald Rußland sich von Oesterreich in der Befriedigung seines uner- siiclichen Ländcrhungerns gehemmt sieht, schickt es seine pan- slavistischen Agitatoren wie Hetzhunde aus und verwandelt jede kleine Streitfrage in einen Kampf um Oesterreichs staatliche Man kann sich auch jetzt leicht davon überzeugen. Ueberall hörte man in den letzten Wochen die erstaunte Frage: was denn für ein Grund zu einem Kriege zwischen Rußland und Oesterreich sei; niemand konnte einen solchen ent- decken. Denn in Bezug auf Bulgarien, welches das einzig sichtbare Streitobjekt bilden konnte, hatte Rußland sich die ganze Zeit über in dunkles Stillschweigen gehüllt und keine Forderungen aufgestellt, zu denen Oesterreich hätte Stellung nehmen können. Aber ist auch kein konkreter Grund zu einem Kuege Rußlands gegen Oesterreich vorhanden, so sind dennoch die Vorbereitungen Rußlands unzweideutig genug, um keine Täuschung über dessen Absichten gegen Oesterreich aufkommen zu lassen. Der Grund zu einem solchen Kriege liegt eben nicht in irgend einer Handlung der österreichischen Diplomatie, auch nicht »n militärischen Vorbereitungen in Galizien, von denen der russische„Invalide" heuchlerisch schrieb, sondern in der traditio- ncllen russischen Rcgierungspolitik, deren Ziele mit der Groß- Machtstellung Ocsterreich-Ungarns unvereinbar find, und in den inneren Zuständen des russischen Reiches, die den Zaren und dessen Berather auf eine zeitgemäße Ableitung der Volksleiden- schatten bedacht sein lassen. Das zuletzt genannte Moment wird durch die jüngsten Studentendcmonstrationen und durch die Entdeckung einer neuen Verschwörung genügend klargestellt, die Tradition der äußern Regierungspolitik aber und das Festhalten an ihr tritt neuerdings besonders augenscheinlich in gewissen Vorgängen in Serbien hervor. Zwei Reden, die vor kurzem König Milan an Deputationen der Skupschtina hielt, haben im Auslande großes Aufsehen her- vorgebracht; der autokratische Ton, in dem sie gehalten wurden, der Gegensatz zwischen den Gesinnungen der Skupschtinamehr- heit und denen des Königs, der hierin in aller Schärfe zum Ausdruck kam, mußten sehr befremden. Aber diese Reden haben noch eine weitragenderc Bedeutung, die wohl nur in ein- geweihten Kreisen sofort erfaßt und gewürdigt wurde. Es waren Warn- und Mahnsignale an jene, welche daran interesfirt fino, daß der russische Einfluß nicht von neuem in Serbien seinen unheilvollen Druck ausübe. Schon beim Regierungsantrit Ristics machten wir auf die Gefahren aufmerksam, welche daraus für die Selbst- ständigkeit Serbiens und für Oesterreich- Ungarn erwachsen� dessen gefährlichster Nachbar Rußland ist. Die Früchte jener Saat wachsen bereits hervor, so sehr Ristic sich bemüht, sie zu ver- beigen und gegen Oesterreich Freundschaft zu heucheln. Die Ni�hrheit der unter seiner Leitung gewählten Skupschtina— denn in Serbien macht die jeweilige Regierung die Parlaments- Mehrheit ähnlich wie in Spanien— besteht aus Russenfreunden und panslavistisch gesinnten Serben. Der erste Ent- wurf zur Adresse an den König, der eine Stelle enthielt, wo es hieß, daß Serbien mit Rußland nicht nur durch die Bande der Religion, des Blutes und der hundertjährigen geschichtlichen Tradition, sondern auch durch die Gemeinsamkeit und Gleich- actlgkeit der beiden Staaten bevorstehenden Zukunft enge ver- knüpft sei, wurde nur infolge der Drohung des Königs, daß er im Falle der Ueberreichung einer solchen Adresse die Skupschtina auslösen werde, zurückgezogen. Der Exmetropolit Michael, der wegen seiner landesverrätherischen Haltung zu Gunsten Rußlands abgesetzt wurde, hat die von Serbien ihm ausgesetzte Pension ausgeschlagen, weil ihm nur unter dieser Bedingung vom slavischen Komitee in Rußland, wo er derzeit lebt, eine Pension von 5000 Rubeln ausgezahlt wird; und derselbe Mann genießt bei der Skupscktina-Mehrheit große Verehrung, sie ver- langte, allerdings vergeblich, dessen Wiedereinsetzung. Russische Aleamte, die dem sogenannten asiatischen Departement im Petersburger Ministerium des Aeußeren angehören und daher in ihrem Benife mit Serbien nichts zu thun haben, reisen jetzt in Serbien als außerordentliche Kouricre herum. Ein russischer Agent, Herr Wlassow, vertrauter Freund des berüchtigten Hitrowo, hat Geld unter die bulgarischen Emigran- tcit in Serbien vertheilt. Ebenso ist der russische Militär attache in Bukarest Oberst Jebotic, in Belgrad als Gast. Wenn man ferner noch berücksichtigt, daß in Bukarest Gleichen finden. Ja, war es denn nöthig, mußte er sich wieder andererseits fragen, daß man seinen Bewerbungen Gehör schenkte? Warum diese Liebesheuchelei, es lag ja kein Zwang vor, die Täuschung mar unnöthig, war ein Verbrechen. Mußte sie ihn deshalb betrügen? Mußte sie deshalb ein pflichtvergessenes Weib werden? Und dann, warum hatte sie das Kind aus dem Hause gestoßen? Warum? Lächerliche Frage das; um sich desto freier be- wegen zu können, um aufsichtslos ihre Stelldichein einhalten zu können. Das erwachsene Mädchen im Hause hätte offene Augen gehabt, hätte alles gesehen und dem Vater ver- rächen, dem mußte vorgebeugt werden, darum mußte das arme, unschuldige Kind aus dem Hause. Und wie fein dieser Plan ersonnen und durchgeführt wurde. Im Jnter- esse des„ehelichen Friedens", so hieß es, sei es geboten, das Kind zu entfernen; des ehelichen Friedens, ein schöner Friede das! Diese und ähnliche Gedanken beschäftigten ihn, so i.tNge er allein war. Zu Hause angelangt, unterließ er es, seiner Frau den üblichen Kuß zu geben, er erwiderte ihre freundliche Begrüßung nicht und zog sich sofort in sein Arbeitszimmer zurück. Dahin folgte ihm die besorgte Gattin. „WaS ist Dir, waS hast Du heute, bist Du unwohl, lieber Karl, hattest Du im Geschäft Verdruß?" Alle diese Fragen blieben unbeantwortet, Karl blickte nicht auf, er konnte der Ungetreuen nicht ins Gesicht sehen. Desto stürmischer wurden nun die Fragen ihrerseits, desto zärtlicher und liebevoller. Sie schlang ihren Arm um seinen Nacken. „Ich bitt' Dich, lieber Karl, was hast Du, Du wirst doch mir. Deinem Weibe, Deinen Kummer nicht vorenthalten, Du machst mich besorgt; tiefbesorgt durch Dein anhaltendes Schweigen." Er ivehrte die zärtliche Umarmung ab: „Ick bitt' Dich, laß' mich gehen." „Ich gehe nicht eher, als bis ich erfahren, was Du hast, was Dir ist und was Dich drückt." „Qh, diese falsche Zärtlichkeit." „Falsch, ich falsch?" der offizielle Vertreter Rußlands sich nicht scheut, mit den Ver- schwörern den freundschaftlichsten Verkehr zu pflegen, so kann man wohl nicht daran zweifeln, daß die russische Politik noch immer die alten Wege wandelt, Mittel und Ziele derselben die gleichen geblieben sind. Die russische Regierung betrachtet die Länder der ehemaligen europäischen Türkei als ihr unterthan und jeden, der sie an der Verfolgung dieses Zieles hindert, als ihren Feind, den sie mit allen Mitteln zu bekämpfen keine Scheu trägt._ Politische Ueverstcht. Eine gelungene Wethnachtsbetrachtnng lesen wir unter der Ueberschrift: Ein Wcihnachtstraum in der„Fränk. Tagespost". Sie lautet:„Die Lichter am Weihnachtsbaum waren heruntergebrannt, der feine Duft der Tannennadeln er- füllte das Gemach. Draußen wehte ein rauher Nordost und rüttelte die Ziegel auf dem Dache. In dichten Flocken rieselte der Schnee auf die kahle, kalte Erde. Der drinnen im Zimmer hörte nicht das Gebraus des Windes, er saß zurückgelehnt in dem altväterischen Lehnstuhl und schlief. Er schlief und träumte. Der Tannenbaum wuchs und wuchs und mit ihm reckte und streckte sich das Zimmer zu den gigantischen Formen eines Saales. Die Nüsse und das Konfekt verwandelten sich in Hinterlader, Bayonette, in Kriegsschiffe und Torpedos. Und neben dem Baum stand eine Gestalt in kriegerischem Kleide, bis an die Zähne bewaffnet, und sprach: Kennst Du mich, Michel, träumender, gutmüthiger Michel? Ich bin der Weihnachts- mann, der Dir die Christbcschcerung dringt. Michel verbeugte sich, das Bücken war ihm anerzogen, es war ihm eine süße Ge- wohnheit. Und der Weihnachtsmann griff in einen Sack und stellte die Geschenke auf den Tisch. Er stellte sie sorgfältig neben einander, wie eine Kompagnie Soldaten. Der Weih- nachtsmann hatte militärische Disziplin. Zuerst ein F ä ß ch e n mit Schnaps, Kattoffelschnaps, echten unverfälschten Fusel. Siebenzig Pfennig mehr für das Liter Branntwein stand auf der Etikette. Mit deutschen Buchstaben natürlich. Michel wurde unruhig, aber er verbeugte sich dankend. Mein Gott, das liegt so im Blut. Wieder ein Gttff in den Sack, und es erschien als zweite Gabe ein Laib Brot. Wird Dir trefflich schmecken, schmunzelte der Weihnachtsmann. Brauchst eine Tonne Korn sür Dich und die Deinen, und zahlst an indirekten Steuern in Gestalt des Kornzollcs blos 50 M. das Jahr. Michel's Lage wurde sehr unbequem, er warf sich in seinem Sessel hin unv her. Dock der Weihnachtsmann winkte gebieterisch, und Michel verbeugte sich, zwar schwerfällig, aber er verbeugte sich doch. Man wird nicht umsonst zur Devotion erzogen. Ich weiß, fuhr der Weihnachtsmann fort. Du liebst die Soldaten so sehr. Deinen Kindem schenkst Du Bleisoldaten, ich schenke Dir 40 000 lebendige Soldaten. Und das S e p t e n n a t kam auf den Tisch. Michel murmelte etwas vom Kostenpunkt, schlechten Zeiten, wirthschaftlichem Rückgang und machte seine Reverenz. Weil Tu brav bist, mein lieber Wichel, sollst Du selbst recht lange der Armee angehören und gegen den Erb- seind ins Feld ziehen bis zu Deinem 45. Lebensjahr. Und die neue Wchrvorlage spazicttc aus dem Sack.„Weib und Kinder, ruinirte Existenz, andere Heercsverfassung," stammelte Michel und wälzte sich hin und her, als ob ihn der Alp drückte. Aber der Spender drohte mit dem Finger und Michel verneigte sich. Michel, sprach der Weihnachtsmann, Du wirst manchmal un- ruhig, Du verfällst in Jugendeseleien, Michel. Sich, ich habe ein Mittel dagegen. Und auf den Tisch kam das neue Sozialisten- und Expatriirungsgesetz. Michel sprach in seinen Bart hinein etwas von gleichem Recht für Alle, Prcßfreiheit, Koalitionsfreiheit und Arbeiterschutz. Da hast Du den Arbeiterschutz, erwiderte der Weihnachtsmann. Und in Juchtenledcr gebunden flog auf den Tisch das Arbeits- buch und die Altersrente. Und Michel verbeugte sich. Michel, ich weiß, Du bist wahlmüde, Du liebst die Aufregung nicht, Du willst Deine Ruhe haben. Hier spende ich Dir noch die fünfjährige Legislaturperiode. Das wird Dir sehr gut thun. Und Michel lag platt auf dem Bauch. An den Fenstern ttittelte der Sturm, in Nebel löste sich die Gestalt aus, der Christbaum schrumpfte zusammen, der Saal ward wieder zur Stube und frierend erwachte Michel. Es war Morgen geworden, der Morgen des ersten Feicttags. Mit dem grauen düstcrn Gewölk kämpfte am östlichen Himmel die Sonne. Trotz Schnee und Sturm, durch die Finsterniß rang sich durch das belebende, befruchtende Licht, die Sonne, der Urquell des Daseins. Ihre Strahlen fielen in das Gemach. Durch Nacht zuni Licht! Michel aber wandte sein Antlitz ab. Er schämte sich, der deutsche Michel. Der NeujastrsWunsch des Herrn Fetisch. Die„Bau- gewcrksztg." schreibt in einer sentimentalen Neujahrsbetrachtung: „Den Bauinnungen fällt manche Aufgabe zu, welche Gesetz- gebung und Pflichtgefühl ihnen auferlegen! Aber wir wollen nicht an die Arbeit, sondern an den Segen denken, der dadurch gestiftet wird. Indem wir sür die Erziehung der Lehrlinge durch treue Ueberwachung der Ärheit, durch Fach- schulen und andere Wohlfahrtseinrichtungen Sorye tragen, legen wir nicht nur den Grund für einen fachtüchtlgcn Nach- Nun machte sich sein Zorn in heftigen Ausdrücken geltend:„Ja, Du bist es und Du warst es, von dem ersten Tage an, als Du mir Dein Jawort gegeben! Du hast mich belogen und betrogen, hast mein Vertrauen arg miß- braucht, oh, daß ich mich auch nur einen Augenblick hasse täuschen lassen." Erschrocken und erstarrt stand die Frau vor ihm. Eine fahle Blässe überzog ihr Gesicht, und mit aller Entrüstung, deren ein sseleidigtes Weib fähig ist, rief sie ihm zu: „Ich Dich betrogen, das ist schändlich, das ist nieder- trächtig! Mir so etwas zu sagen!" „So, wohin fährst Du jeden Tag? Mir sagtest Du, Du müßtest in den Prater in die frische Luft, weil Du leidend seiest, ich Thor bewilligte die Auslage aus purer Besorgniß für Deine Gesundheit, und wohin fährst Du, wohin, Gott weiß wohin." Die tief gekränkte Frau schien bei diesem Vorwurf froh aufzuathmen. „Ist es das, nun so lies, lies diesen Brief; ich wollte ihn Dir erst morgen zeigen, lies ihn jetzt, vielleicht wirst Du anders von Deiner Frau denken." Sie zog hierbei einen Brief aus ihrer Tasche und überreichte ihn ihrem Mann. Mit gierigen Blicken ver- schlang er den Inhalt. Schon bei den ersten Zeilen ent- färbte sich sein Gesicht. Die Eröffnungen, die ihm durch diesen Brief gemacht wurden, mußten schrecklicher, entsetz- licher Art gewesen sein. Ausrufe wie:„Diese Schmach, diese Schande, unerhört", enttangen sich während des Lesens seiner Brust, und kaum in der Mitte des Briefes angelangt, ließ er ihn fallen und brach in einen Strom von Thräncn aus. „Daß ich das erleben mußte von meinem Kinde, meinem einzigen Kinde, diese Schande!" „Tröste Dich, mein Karl, sei stark und kräftig, wie es einem Manne ziemt, ich habe mehr geduldet und gelitten als Du in diesem Augenblicke, ich habe erduldet, als herzlose Stiefmutter verschrien zu werden, die ihres eigenen Vor- theil? wegen ein armes, unschuldiges Kind aus dem Hause stößt; ich habe geduldig die stillen Vorwürfe ertragen, die mir allüberall deshalb gemacht wurden; wenn auch nicht wuchs, sondem dürfen auch hoffen, dem dösen sozia- l i st i sch c n Geist entgegenzuarbeiten, welcher uns jetzt auf allen Wegen begegnet, dürfen ermatten, das Vertrauen unserer Arbeiter wieder zu gewinnen. Und das ist ein Ziel, würdig großer Arbeit und Mühe."— Wenn man sich in eine riihrfelige Stimmung hineingeredet hat, plaudert man manches aus, waS man sonst sorgfältcg verschweigt. So ist es Herrn Felisch ge- gangen. Würde er sonst so offenherzig als Ziel der Innungen die treue„Ueberwachung der Arbeit"(lies„Arbeiter") prona- miren? Man wird unwillkürlich an das„Quittungsbuch" in der Altcrsvettorgungsvorlage ettnnett, wenn man diese Offen- Herzigkeiten liest. Nie„gefälschten Depeschen" der„Kölnerin" find nun endlich ans Tageslicht gekommen. Der„Reichsanz." ver- öffentlicht in seiner Sylvcsternummer vier in französischer Sprache verfaßte Aktenstücke, deren Uebcrsetzung wir uns und unfern Lesern schenken. Folgender kurzer Auszug wird genügen: „In dem ersten Aktenstück, einem Bttefe des Pttnzen von Koburg an die Gräsin von Flandern vom 27. August, sagt crstercr, er würde sich nicht nach Sofia begeben haben, wenn er nicht von Berlin die befriedigensten Mittheilungcn erhalten hätte; die« ergebe sich aus einer authentischen, vollständig von der Hand des Botschafters Prinzen Reuß geschttebenen Note über sekrete Ansichten des Reichskanzleramts, die er beilege; zuglttch bittet der Prinz von Koburg die Gräfin von Flandern, ihren Bruder, den König von Rumänien, zu veranlassen, daß. er seinen Einfluß in Petersburg zu seinen Gunsten geltend mache. Das zweite Aktenstück ist em dem Pttnzen von Koburg vom Botschafter Prinzen Reuß zugegangenes Schreiben, worin es heißt, die Besitznahme des bulgarischen Thrones sei eine Frage persönlicher Initiative, welcher dick deutsche Regierung äugen- blicklich noch keine offizielle Unterstützung gewähren könne; daraus folge aber nicht, daß die deutsche Regierung im Jnter- esse des europäischen Friedens und der deutschen Politik zu solchem Unternehmen nicht offiziös crmuthigen könne. So un- günstig oder feindselig die Akte der deutschen Regierung äugen- blicklich auch erscheinen möchten, so könnten doch die„Senti-- ments", welche dieselbe insgeheim hege, eines Tages klar zu Tage treten.— Das dritte Aktenstück ist ein Brief des Pttnzen von Koburg an die Gräfin von Flandern vom 16. September, worin er sagt, ungeachtet des offenen Krieges, den Deutschland gegen ihn führe, vergingen nicht vier oder fünf Tage, ohne daß ein deutscher Agent ihm versichere, daß die deutsche Politik in günstiger Weise und ganz unerwattet sich ändern könne; Deutschlands Haltung hänge von der Lösung der ernsten Fragen ab, die zwischen Deutschland und Rußland schwebten.— Im vierten Aktenstück thcilt der Pttnz von Koburg der Gräfin von Mandern mit, nach einer ihm aus Berlin zugegangenen direkten Mittheilung sei das Schicksal Bulgariens bei den Zusammen- fünften Bismarcks mit Katnoky und Ettspi eingehend geprüft. Es sei sicher, daß die Zentralmächte günstigere Dispositionen für Bulgatten hegten; dieselben hätten neuerlich wiederholt die Hoffnung ausgesprochen, Bulgatten werde keinen Anlaß zu einer Aenderung dieser Haltung der Mächte geben, welche man als definitive angesehen zu wissen wünsche."— Wir kommen auf die Angelegenheit noch zurück. Menn für die Krheimhaltung des Kszialiste»- gefetzr« der Grund maßgebend gewesen sein sollte,' der vorzeitigen Erörterung der Vorlage in der Presse das Feld zu ver- engen, so hat sich, wie ein Blick in die Zeitungen lehren kann, diese Rechnung als lrügerisch erwiesen. Alle Blätter sind voll von Erörterungen über den Inhalt des kommenden Gesetzes, und danebenher hat sich zwischen der konservattven und der nationallibcralen Presse noch ein Streit entsponnen, der von Tag zu Tag einen leidenschaftlicheren Charakter annimmt. Eine praktische Bedeutung ist demselben kaum beizumessen. Solange nicht das Gesetz selbst vorliegt, kann es wenig verschlagen, die Erklärungen von Blättern zu hören, von denen jedes überdies versichert, daß es nicht im Namen der betreffenden Partei daS Wort führe. Nur in einer anderen Richtung ist das Gezänk von Bedeutung, insofern, als es eine neue Illustration zu der Vortrefflichkeit des Bündnisses liefert, in welchem sich Kvnser- vative und Naiionalliberale zusammengefunden. Kein Tag ohne trostreich» Zlachrichten für die bedrängte Landwirthfchaft. Jetzt liegt eine solche in der ländlichen Wucherfrage vor. Nach offiziösen Mitthei- lungen ist man„einmüthig der Anschauung, daß gegen de« Wucher auf dem Lande etwas geschehen müsse, und es ist deS- halb und weil die Regierung sich nach anderweitigen Äeuße- rungcn bereits mit der Regelung dieser Frage befaßt, auch ge- gründete Hoffnung vorhanden, daß nunmehr bald etwas geschehen wird". Die Bewegung für gesetzgeberische Maßnahmen in dieser Richtung wird, wie man sich cttnnert, in der That von vielen Seiten unterstützt, wie denn der„Verein für Sozialpolitik� einen eigenen Band Gutachten über die Frage veröffentlichte. Daß der kleine und mittlere Landwirth je länger je mehr in Schulden geräth, steht auch außer allem Zweifel. Aber merk- würdig ist erstens, wie schnell man immer mit gesetzgedettschen Maßnahmen gerade für die Landwirthschaft bei der Hand ist, während z. B. die Arbeiterschutzgesetzgebung aufs Gröbste ver- nachlässigt wird. Und fraglich ist zweitens, ob man nicht einmal ins Gesicht, so doch hinter meinen Rücken; oh, ich wußte von Allem, und ich hörte fast, wenn die Leute von mir sprachen; und wenn auch Du den Schmerz in Deinem Innern vergraben hattest, so wußte ich doch, daß Du Dich im Stillen grämtest, und das hat mir weh, sehr weh gethan. Ich mußte aber Alles ertragen, in Deinem Interesse wie i» ihrem Interesse; ich kenne Dich, kenne Deine Leidenschaftlich- feit, hätte sich Dein Kind Dir gegenüber entdeckt, wie es daS vertrauensvoll mir gegenüber aethan, Du hättest eS un- erbittlich aus dem Hause gestoßen, und Schmach und Schande wären Dir nicht erspart geblieben. Dir nicht, und Deinem Kinde nicht. So war ich denn fest entschlossen, jede Schuld auf mich zu nehmen. Ich wollte lieber die herzlose Stiefmutter sein, die unbarmherzig ein armes Wesen aus dem Hause jagt, als Deinen ehrlichen Name« mit Schmach bedecken, und das Kind für ewige Zeiten un- glücklich machen. Es mußte deshalb aus dem Hause, um außerhalb desselben, fern von der Oeffentlichkeit, Ereignisse vorübergehen zu lassen, deren Bekanntwerden für beide Theile, für Dich, wie für das Kind, das Unglück noch ver- größert hätte. Ich mußte mich dem Verdacht der Putzsucht aussetzen, um jene Summen zu beschaffen, welche die Wah- rung deS Geheimnisses in Anspruch nahm. Und nun muß ich es erleben, daß mich nicht nur die Welt für gemein und herzlos hält, daß Du sogar den Vorwurf der Pflichwer- gessenheit gegen Dein Weib erhebst, gegen Dein Weib, das Dir treu und liebevoll zur Seite stand. Das ist hart, das drückt schwer, das habe ich nicht verdient." Es trat eine Pause ein. Der Schmerz Beider hatte sich in Thränen Luft gemacht. Endlich unterbrach Karl das Schweigen, ergriff die Hand seines Weibes und sagt«: „Kannst Du mir verzeihen?" „Ich verzeihe Dir Alles, wenn Du ihr verzeihst, und Du kannst ihr um so leichter verzeihen, als das Unglück Deines Kindes wieder theilweise gut gemacht werden soll. Der Mann, der es verschuldet, ist bereit, morgen, bei Dir um die Hand unserer Tochter anzuhalten; Du darfst ohne Bedenken Deine Einwilligung geben, denn er ist ein Man»,. der sie ernähren kann, der sich die lange verweigerte Einwilligung seiner Eltern zu diesem Schritte mit män»? wieder das Pferd beim Schwänze aufzäumt. Wie unklar man fich über die richtigen Mittel zur Behebung des Uebcls ist, zeigt schon die offiziöse Andeutung, daß zu allererst an den Erlaß eines strafgeseylichen Verbots der bei Jmmobiliarverkäufen viel- fach üblichen, unentgeltlichen Verabreichung geistiger Getränke gedacht wird. Es braucht keines Wortes darüber, daß solch ein Verbot kaum die Außenfläche der kranken Stelle trifft. Aber auch direkte Maßnahmen gegen die Bewucherung des kleinen und mittleren Landmaunes werden stets den eigentlichen Grund des Uebcls unberührt lassen: die steigende Unrentabilität der kleineren Wirth- schaft, die genau wie auf gewerblichem Gebiete aus der zunehmenden Konkurrenz der landwirthschaftlichen Großbetriebe herrührt. Die letzteren kann und will man auch nicht be- schränken; unsere ganze agrarische Gesctzgebnng läuft bekanntlich im Gegentheil darauf hinaus, die Großen auf Kosten der Kleinen zu begünstigen. So geht der Prozeß der Vernichtung der Kleinbetriebe durch die Großwirthschaften auch in der Land- wirthschaft seinen, bei uns sogar beschleunigten Gang und reitet den Bauer immer tiefer in den Verfall und die Verschuldung hinein. Dagegen ist kein Kraut, am allerwenigsten ein heuch- lerisches Wuchergesetz gewachsen, welches die Sachlage zu ver- dunkeln und den eigentlichen Grund des Bauemruins zu ver- tuschen sucht. ItttettmtwnnUr Kongreß gegen Meinfälschung. Vach Berichten aus Madrid soll die spanische Regierung die Absicht haben, die Einbemfung eines internationalen Kongresses zur Ausarbeitung gleichmäßiger Gesetzesbestimmungen gegen die Verfälichung des Weines anzuregen. Rußlands finanzieUr Zustände werden durch folgende Notiz der„Kreuzzeitung" charakterisirt:„Von einem Antwcr- pcner Bankhause ist in Berlin eine Nachricht eingetroffen, der zufolge die mit dem in allen größeren Zeitungen bereits er- wähnten belgisch-holländifch-französischen Konsortium versuchte und sehr geheim betriebene russische Anleihe im Betrage von nominal 7namitbombr im Theater. Aus Reggio Emilia wird geschrieben:„Die mißglückten Bombenattentate, welche gegen den Baron Franchetti und den Kapellmeister Bavagnoli gerichtet gewesen, haben die Attentäter nicht zufrie- dengestellt. Sie versuchten daher gestern, das Kommunaltheater, welches Baron Franchetti gepachtet hat, mittelst Dynamit m die Luft zu sprengen. Glücklicherweise wurde die Dynamitbombe bemerkt, ehe sie erploidiren konnte. Sieben Orchestermitglieder wurden, als der That verdächtig, verhaftet." Franenstadium in Zürich. Die Züricher Hochschule, welche sich einer stetig wachsenden Frequenz erfreut, zählt unter 508 immatrikulirten Studircnden(34 Theologen, 56 Juristen, 264 Mediziner und 154 Philosophen) 66 studirende Damen, darunter eine größere Anzahl Schweizerinnen. Wie sehr das Hochschulstudium der Frauen in den letzten Dezennien an Ver- brcitung zugenommen hat, beweist u. a. die Thatsachc, daß vor 23 Jahren nur eine einzige Dame studitte und daß die Thcil- nähme des weiblichen Geschlechts am Studium seitdem bis zur heutigen Höhe stetig gewachsen ist. Die Zahl der Studentinnen, deren stärkstes Kontingent anfänglich Rußland stellte, betrug schon über 100, schmolz dann aber beträchtlich zusammen, als Fürst Gortschakow den bekannten Ukas gegen das Studium russischer Frauen in Zürich erließ;— jetzt werden fich die letzteren natürlich wieder massenhaft einstellen. Im allgemeinen begegnet das Frauenstudium keinen Hindemiffen; die Studenten- schaft, von einem höchst anständigen Geiste beseelt, beträgt sich durchaus würdig, und haben die Studentinnen in keinerlei Weise über die Studenten Klage zu führen. Das Gleiche gilt von den Professoren, die sich längst mit dem Frauenstudium befreundet. Die Studentinnen selbst benehmen sich sehr taktvoll und wissen ihre Würde unter Umständen sehr energisch zu wahren. So hatte fich ein sonst sehr tüchtiger Professor er- laubt, in einer das Zartgefühl der Damen verletzenden Weise zu lesen. Die Folge mar ein Streik der Studentinnen, welche aus der Vorlesung einfach wegblieben und die Sache ,n die Presse brachten. Die freisinnigen Blätter nahmen entschieden für die Studentinnen Pattei und vertraten die Anschauung, daß die Vorlesungen, nachdem der Staat sie den Frauen erschlossen, auch so gehalten werden müßten, daß die Frauen sie besuchen könnten. Die Folge war. daß der betreffende Professor seine Vorlesungen um einige Töne tiefer stimmen, d. h. seinen weib- und Parteivortheile verfolgen und die Nationalität nur als Maske und Mittel zum Zweck benützen." Zuletzt wurde über die Aufstellung eines Programms für die tschechoslavische Arbeiter- parket in Oesterreich verhandelt. Schweix. Der Bundesrath beschloß nach Kenntnißnahme der Akten, den Fall E h r e n b e r g vor die eidgenössischen Assisen zu überweisen behufs Aburthcilung des Flüchtlings in contu- inaciam. Schwede«««d U-rwege«. Nachdem die Schweiz beschlossen hat, offiziell an der Pariser Ausstellung im Jahre 1888 Thcil zu nehmen, deginnt auch das radikale Linkenblatt„Verdens Gang" lebhaft die B etheiligungNorwegens zu befürworten; es sagt u. A.:„Europas reaktionäre Regiemngen haben sich dahin ge- einigt, sich zurückzuhalten. Sie können kein Ereigniß feiern. welches Europas Völkern so reiche Segnungen gebracht hat. Selbst unser Königshaus, welches der Revolution alles schuldet, »st gegen die Betheiligung. Aber Norwegen wäre ohne die französische Revolution nicht frei geworden. Unsere Verfassung ist die direkte Gabe der Revolution, bisher ist nichts von Seite unserer Regierung gcthan; sie darf nichts thun mit Rücksicht auf die persönliche Meinung des Königs,— Sverdrup's nor- wegische Regierung. Aber das Storthing? Noch ist es Zeit, wir haben es früher gesagt und wir wiederholen es, es würde einen garstigen Flecken auf unfern Namen bringen, wenn wir uns zurückhielten. Wir wiederholen auch, daß sich hier für Nor- wegen eine Gelegenheit bietet, die vielleicht niemals wieder- kehrt, um in einer Art, die bemerft werden wird, vor dem freisinnigen Europa als ein freies und selbstständiges Reich hin- zutteten. Grsßbrtta««i-n. Auch eine konservative, aus Agrariern zusammengesetzte Re- gierung kann auf die Dauer nicht der öffentlichen Meinung Widerstand leisten. Gewissermaßen als Ant- wort auf die übertriebenen Forderungen, welche auf dem jüngst in Dublin abgehaltenen Konvent irischer Agrarier aufgestellt worden, hat die Regierung die dreigliedrige Land- k o m m i s s i o n angeregt, die sämmllichen gerichtlichen Pacht- zinse(judical renta) in ganz Irland nach Maßgabe der Preise der landwirthschaftlichen Erzeugnisse zu reduzircn.(Wir haben darüber bereits berichtet. Red.) Dieser Erlaß hat in den Kreisen der Landlords, die nie glauben wollten, daß Lord Salisbury's Kabinet die Bestimmungen der letzten Landatte in Anwendung zu bringen wagen werde, eine an Verzweiflung grenzende Bestürzung hervorgerufen. Ihr Organ, der„Daily Expreß", nennt es emen Staatsstreich. Auf der anderen Seite ist aus der nationalistischen Presse zu ersehen, daß auch die Pächter und ihre Freunde von dieser Reduktion nicht befriedigt sind, trotzdem sie in klarster Weise den agrarischen Feldzugsplan rechtfertigt. Der Grund dieser Unzufriedenheit ist ein doppelter: Die Reduktion wird als ungenügend angesehen, und in der That entspricht sie nicht den freiwillig von mehreren Landlords in der letzten Zeit gemachten Abschlägen. Dann befriedigt auch nicht die Art der Berechnung. Patrick Corcoran, der Werkführcr des Setzerpersonals der in Cork erscheinenden Zeitung„Eraminer", wurde ver- haftet, weil er im„Examiner" Berichte über Versammlungen unterdrückter Zweige der Nationalliga veröffentlicht hatte. Die Verhaftung erregt Aufsehen, da der„Eraminer" das einflußreichste und gemäßigstc liberale Homcnilc-Organ in Jr- land ist. Der Stadtrath von Dublin beschloß, den Parla- mentsabgeordneten Thomas Sexton, welcher Lordmayor der irischen Hauptstadt im nächsten Jahre sein wird, zum Ehren- bürger zu ernennen. Frankreich. Die kleine monarchische Gruppe, die unter dem Spitznamen„Bianca d'Espagne"(Spanisch-Weißen) bekannt ist und den Grafen von Paris nicht für den rechtmäßigen Erben des Thrones von Frankreich erklärt, hat(wie schon der Draht kurz gemeldet hat) eine Abordnung an Don Carlos, den spanischen Thronprätendcnten, nach Venedig gesandt und, wie es scheint, von demselben von neuem verlangt, daß er seine Ansprüche auf Spanien und Frankreich zur Geltung bringe. Don Carlos schemt aber klug genug zu sein, seine vermeint- stchen Ansprüche auf die Nachfolge des Grafen von Chambord für völlig aussichtslos zu halten, für aussichtsloser zum minde- sten als ferne Ansprüche auf den spanischen Thron. In der Antwort, die er der Abordnung ertheilte, heißt es wörtlich: „Unbestreitbar regelt das salische Gesetz die'Nachfolge in sehr bestimmter Weise. Ich bin der älteste der Bourbonen, der älteste der Nachkommen Ludwig XIV. Ein Vertrag, dessen Ar- tikel fast sämmtlich verletzt worden sind, verbietet die Vcreini- gung der beiden Kronen von Frankreich und Spanien auf einem Haupte. Ich habe gesagt, daß ich Spanien niemals aufgeben werde; ich wiederhole es heute. Spanien bat mich mit seinen, Geschick durch Ströme edlen Blutes verknüpft, das es vor meinen Augen vergossen hat; ich schwöre, ich werde es nie ver- lassen. Aber, da ich durch den Tod meines geliebten Vaters lichen Hörem diejenige Achtung zollen mußte, auf die sie An- spruch erhoben. Der darob arg verstimmte Professor sandte einer englischen Dame, die unter ihm ihre Dissertation machte, ihre Arbeit zurück, den Damen dadurch bedeutend, daß er mit ihnen überhaupt nichts mehr zu thun haben wolle.— Dies kleine Vorkommniß war in der friedlichen Geschichte des Züricher Frauenstudiums ein Ereigniß von einiger Bedeutung. Dasselbe zeigt, daß die einst nur geduldeten und vielverspotteten Stu- dentinnen sich ein so geachtetes Ansehen zu verschaffen gewußt haben, daß die Dozenten auf sie Rücksicht nehmen müssen. Im Schnee vergraben. Wie hoch der Schnee an manchen Stellen in der Umgegend Moskaus liegt, davon kann man fich aus folgendem einen Begriff machen. Der Forstschutz- wächter des Neldowschen Kronswaldes hatte am letzten Sonntag seine Wohnung verlassen, um auf die Streife zu gehen; als er Abends zumckkehrte, war es ihm unmöglich, bis zu seiner Hütte zu gelangen, da nicht nur ringsum Alles verschneit, sondern auch die Hütte selbst fast ganz im Schnee vergraben war. Bei- nahe drei Tage und drei Nächte waren seine Kinder lebendig begraben, bis es endlich den Anstrengungen der Bauern von Oserezkoje gelang, einen Weg zu der Hütte zu bahnen und zu den Kindern zu gelangen. Die Feuerbestattung läßt die Herren der Sakristei nicht mehr mhig schlafen. Das Konsistorium für Schleswig-Holstein hat fich neuerdings in einem Erlaß an die Geistlichen der Provinz allsgesprochen, wie folgt:„Da die Leichenverbrennung mit der christlichen Sitte m Widerspruch steht und diese Be» stattungsatt mit Allem, was aus derselben folgt, geeignet ist, christlichen Gemuthern Anstoß zu geben, auch dem bestimmungs- maßigen Zweck kirchlicher Begrabnißplätze nicht entspricht, so müssen wir die Gewährung eines Grabes zur Aufnahme der Reste ernes bereits durch Feuer bestatteten Leichnams auf dem Kirchhofe einer evanaelisch-lutherischen Kirchengcmeinde für un- statthaft erklären. Auch die Aufstellung der Aschcnurncn und solcher Monumente, welche auf die Leichenverbrennung Bezug nehmen, ist auf unseren Kirchhöfen nicht zu gestatten. Jede kirchliche Fe,er. welche fich an die der kirchlichen Sitte wider- sprechende Bestattung von Aschenurnen anschließt, hat zu unter- bleiben. Daß die geistliche Unduldsamkeit nicht einmal am Rande des Grabes Halt macht, selbst auf die Kirchhöfe hinüber« greift und den Anhänger einer anderen Ueberzeugung selbst noch nach seinem Tode mit irdischen Strafen zu züchtigen ver- sucht, ist freilich in unseren Tagen nichts Neues mehr. doS Haupt des Hauses der Bourbonen geworden bin, so habe i i die Pflicht, alle Rechte, die meiner Familie zukommen, zu wahren." Die verurtheilten Bergleute von Dscazeville und !ontceaur-les-Mines dürften nach den Zusagen, die : it Justiznnnistcr den sich für fie verwendenden Abgeord- ien gemacht hat, demnächst begnadigt werden. KalKan länder. Meldung dcr'VPolit. fionefp.' aus Belgrad! DaS neue i ,binet ist wie folgt gcbilvet: Oberst Gmic Vorsitz und y ieg, Oberst Franassovic Aeusieres, Velimirovic Bauten, y!ilosavljevic Inneres, Wuic Finanzen, Popovic Handel, (S'cischic Justiz. Kleine NtMheilungen. Grrifswald, 30. Dezember.(Schiffsunfälle.) Der Sturm '-(efer Tage, verbunden mit dem Schneegestöber und dementen- wen Frost, hat hier an den Küsten auch einige größere Schiffs- Unfälle hervorgerufen. Bei Horst strandete der schwedische Schooncr„Elise", Kapitän Gudbcrg, welcher auf der Fahrt von Colmar nach Alsborg begriffen durch die Stürme hierher ver- schlagen worden war. Das Schiff war voll Waffer geworden nd schwamm auf seiner Holzladung; die Mannschaft befand ch air Bord in einer höchst traurigen Lage. Den vereinten Anstrengungen der beiden sofort abgegangenen Bergungsdampfer „Neptun" und„Sequens" gelang es schließlich, das Schiff ab- ■ i bringen und in Swinemünde binncnzuschleppen.— Zwischen -Ztralsund und der Halbinsel Zingst liegen die beiden Dampfer ..Prerow" und„Fortuna" eingefroren mitten im Eise. Die Lage der Mannschaften ist eine sehr bedenkliche, da sie nur relativ sehr wenig Proviant air Bord haben und es vor der Hand noch unmöglich ist, ihnen solchen von Land aus zuzuführeir. luch die Lage der Schiffe an und für sich gicbt zu Bedenken mannigfachen Anlaß. Hörde in Westfalen, 28. Dezember. Auch hier hat der 'Schneesturm ein Menschenopfer gefordert. Der Bergmann August Köhne aus Lücklcnberg ist, als er am Sonnabend vor Wnhnachten mit dem Monatslohn in der Tasche von Zeche Friedrich Wilhelm, wo er arbeitete, zu den Seinen wollte, im Schneegestöber ermattet und schließlich erfroren aufgefunden worden. Stuttgart, 30. Dezember.(Erstickt.) In einer Zelle des Bürgerspitals wurden gestern früh die darin schlafenden fünf Pfleglinge besinnungslos aufgefunden; vier derselben konnten nach langen Bemühungen ins Leben zurückgerufen werden, der fünfte hatte den Erstickungstod gefunden. Das Unglück war durch Ausströmen von Rauch aus dem mit Steinkohlen gefüllten Ofen herbeigeführt._ Pest, 30. Dezember.(Hochwasser.) Die Maros ist in der Nacht vom 29. auf den 30. d. bei Arad ausgetreten und hat Zstgmondhaza und Kekcs überschwemmt. Die Bewohner haben ihre Häuser verlassen; mehrere der kleineren sind cingc- stürzt. Gegenwärtig ist die Gefahr als geschwunden zu be- trachten. Paris, 30. Dezember.(Weltausstellung.) Gestern hielt der Bauausschuß der Weltausstellung von 1889 seine letzte Sitzung in diesem Jahre. Der Lbcibaumcister Alphand ant- wartete auf die von seinen Mitarbeitern an ihn gerichteten Wünsche, die Arbeiten seien so weit vorangcschritten, daß die Fertigstellung des Ausstellrmgsiverkes zur gewünschten Stunde schon jetzt gesichert sei. Die 4 Grundpfeiler des Eiffelthurmes haben heute die Höhe von 54 Meter erreicht und werben nun durch eine Platform verbunden, auf der sich der Thurm weiter emporhebt. Die schräg gegen einander zulaufenden Pfeiler nähern sich einander, wenn mair die sie stützenden Holzgerüste wegnimmt, um etwa 6 Meter. Durch diese Biegung wird das Eisenwerk die nöthige Spannung erhalten. London, 29. Dezember.(Unglücksfälle zur See.) Nach dem Monatsberichte des Bureau Veritas sind im Monat November folgende Unglücksfälle zur See vorgekommen: Segelschiffe gingen verloren: 16 amerikanische, 3 österreichische, 5 britische, 1 chilenisches, 4 dänische, 1 holländisches, 3 französische, 10 deutsche, 2 griechische, 17 italienische, 12 norwegische, 3 portugiesische, 6 schwedische; tin_ ganzen 133. Unter dieser Zahl befinden sich 9 vermißte Schiffe. Verlorene Dampfer: 1 amerikanischer, 9 britische, 1 holländischer, 1 französischer, 1 spanischer, 1 schwedischer; im ganzen 14, hierunter 1 vermißter. Ursachen des Verlustes: gestrandet 70, Zusammenstoß 5, Feuer 6, gescheitert 19, verlassen 10, kondemnirt 16, vermißt 7. An Danipfern sind gestrandet 5, zusammengestoßen 2, verbrannt 2, gescheitert 4, vermißt 1. London, 27. Dezember. Von den vermißten französischen Luftschiffcrn Lhoste und Mangot ist jetzt Nachricht eingetroffen. Der Kapitän des englischen Dampfers„Prince Leopold" bc- richtet, daß er am 13. November in der Nähe vom Kap Antiscr den Ballon„Arenzo" denierkt habe. Die Luftschiffer trieben westwärts und versuchten in die oberen Luftströmungen zu ge- langen, da der Wind, welcher sie seit der Auffahrt auf franzö- fischem Boden begleitet hatte, in den unteren Regionen aufgehört hatte. Gegen Abend fiel der Ballon, entweder weil kein Ballast mehr vorhanden war oder weil die Insassen den Dampfer zu erreichen suchen wollten. Um 4 Uhr berührte der Ballon die Wellen. Vom Dampfer wurden sofort Vorbereitungen getroffen, um ein Boot auszusetzen, doch war das Wetter zu stürmisch und der Seegang zu hoch. Die Luftschiffer schienen in dem Kampfe gegen die Elemente den Kopf verloren zu haben und die Herrschaft über den Ballon nicht mehr zu befitzen, der häufig Sprünge in die Luft machte und dann wieder hilflos ins Wasser fiel. Plötzlich brachte eine heftige Nordwestböe die Gondel des Ballons zum Kenten?, und noch cbe der Dampfer zur Hilfe herbeieilen konnte, waren die beiden Franzosen schon von den Wellen fortgerissen. Da der Dampfer sich 39 Seemeilen südwestlich von der Insel Wight in ziemlich gefährlicher Gegend befand, konnte derselbe sich nicht lange an der Unfallstelle aushalten, sondern mußte dir Reise fortsetzen. London, 31. Dezember. Der Union-Dampfer„Pretoria" ist gestern auf der Ausreise von Pttimouth abgegangen und der Dampfer„Trojan" hat am Donnerstag auf der Heimreise Madeira passirt. London, 28. Dezember.(Verunglückte Lebensretter.) Am 26. d. M. sind in Bumlep in der Grafschaft Lancaster fünf Männer bei dem Versuche, einen auf dem Eise verunglückten Knaben zu retten, ertrunken. Zwei Knaben wollten sich auf der Eisfläche eines ii? einem Steinbruche angesammelten Wafser- tümpcls belustigen. Als der erste von ihnen das Eis betrat und durch Stampfen niit dem Fuße die Festigkeit der Eisdecke erproben wollte, brach er ein. Auf die Hilferufe des zweiten Knaben liefen mehrere Männer herbei; aber der Erste, der das Eis betrat, brach gleich ein und sank unter, da das Wasser des- Tümpels ziemlich tief ist. Es folgten ihm zwei andere, die das gleiche Schicksal theilten, und ebenso erging eS einem vierten und fünften Manne, welche den Verunglückten beistehen wollten. Erst dem Sechsten gelang es, dei? Knaben ans Land zu dringen, die fünf verunglückten Männer ertranken aber. Es waren zwei Brüder im Alter von 17 und 19 Jahren, ferner ein Mann von 44 Jahren mit seinem 19jährigen Sohne und seinem 43jährigeir Bruder— durchwegs Fabriksarbeiter. Athen, 27. Dezember. Ein Telegramm aus Zante meldet, daß sich an? Montag Abend ein heftiger Orkan, begleitet von Schneefall, aus dem Westen näherte und sich im Laufe der Nacht über ganz Grieckcnland� verbreitete. Im Golf von Pattas strandeten über 25 Schiffe. Theater. Dienstag, den 3. Januar. Operah»»». Carmen. ?cha«spielhau». Die Maus. flontsche» Theater. Die guten Freunde. iMallner-Theater. Ein toller Einfall. Der Mizekado. Ketek eich- WUHelmflüKtisches Theater. Die 7 Schwaben. Gtktoria-Theater. Die Reise um die Welt in 80 Tagen. »stead-Theater. Licht und Schatten. Zeiivenz-Theater. Francillon. ftvoti's Theater. Patience. K-keaUiance-Theater. Der lustige Krieg. Wathatla Theater. Alle Neune. rentral-Theater. Höhere Töchter. L»«ise«städtisches Theater. Die schöne Ungarin. he» Theater. Dorf und Stadt. heater. Spezialitäten-Vorstellung. Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Sheater oer Netchshallen.«Spezialitäten- Vorstellung. Uanfmamr» UariSt«. Spezialitäten- Vor- stellung. B«rlln«p Htadt- Theater Wallnertheaterstraße 15, fr. Alhambra- Theater. Großer Erfolg! Morpheus auf der Oberwelt. Phantastische Posse mit Gesang in 3 Atten von E. Jacobson. Ermässigte Preises Kverrsth t M. 1 Varqu t 75 Pfg. Parquet 60 Pfg. Jeder Besucher der Sonntags- resp. Montags- Vorstellung erhält ein Freibillet für Sonnabend. Bons-~ ermäßigte Preise. nn Freibi! -Inhaber zahlen Freitag oder Wochentags Dtrciis A. JKrembser Lrtekrich-Aarl-Ufer, Ecke Karlstraße. (Der Circus ist gut geheizt.) Heute, Dienstag, den 3. Januar 1888, Grosse Gala~ Vorstellung. � Zum 1. Male: Ui liiftip SchmklLttNlllttlr, große originelle Pantomime»»it Hallet, ausge- führt von 80 Personen und dem aus 40 Damen bestehenden Corps de Ballet. Die Tanzeinlagen sind arrangirt von der Ballctmeisterin Fräulein Htr'. a tSori». Diese Pantomime ist 400 IPal unter prost»»» He»fall im„Folie Ver- g«re" in Paris gegeben worden. �Außerdem Auftreten der vorzüglichsten Keit- Künstler und Rittktt,ft-»rinnen. Vorführen und Reiten der bestdresfirten Schul- und Frei- heitspfcrde. Komische Enlrees und Intermezzos sämmtlicher Klowns. Das Nähere die Tageszettel. _____________ R. Krennbaer, Direktor. Passage 1 Tr. 9 M.— 10 A. Kaker Panorama. Schlösser König Lnkmtg II. Krrrenchiemfee mit Sehensw. Neu! Zum ersten Male: Kirrt» R»if- d. k. tnaUr. Alpen. Keife Kr. Maj. Kchiss Hertha. Eine Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonn. Unserem Freunde und Genoffen Dieckow zu seinem heutigen Wiegenfeste ein donnernde« Hoch! daß ihm die ganzen Havanna platzen und der Pncm in den Töpfen anfängt zu wackeln. Ob he sich auch wat merken läßt? Mehrere Genossen. MilOlieder- Vepeammlung der Eentratkrankeu» und Sterdekasse der Maler u. verw. Berufsgcnosscn Deutschlands iE. H. Nr. 71) Berlin 0. Filiale U, am Donnerstag, den 5. Januar, Abends 8 Uhr, im Lokale Göttrl, Andreasstraße 34. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl der örtlichen Ver- waltung. 3. Verschiedenes. 47 Der Bevollmächtigte. Verband deutscher Mechaniker und verwandter dernfogenossen (Zahlstelle Berlin). Der wichtigen Tagesordnung wegen fällt die Versammlung am 4. Januar aus und findet die- selbe am 18. Januar im alten Versammlungslokal, Kommandantenstr. 71—72 statt. 46 I. A.: Der Vorstand. Lehr-Instilut für praktisches Zuschneiden von Damen-«nd Kinder-Mänteln. Aufnahme neuer Schüler und Schülerinnen zu jeder Zeit. In diesen Kursen wird Jedem die beste Gelegenheit geboten, sich nach jeder Richtung hin auszubilden.[1557 Prospekte gratis und frauiio. II. Schmidt, Sckuetdetmeifter Königstraße 34 36. 2 Mark Belohnung. Eine blau« H«»din mit 4 weißen Fußspitzen,! weißer Brust u. weißer Schwanzspitze, ist ab-' banden gekommen. Dem Wiederbringer obige I Belohnung. 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Grönheim; für Vereine und Versammlungen: F. Tnhaner» beide in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu»in» Beilage. Beilage zum Berliner Volksblatt. »r. 3. Das und feine Verwendung Kein Mineral, das unsere Erde birgt, und wäre cZ der herrlichste, kostbarste Edelstein, hat fich um das Gedeihen der lebenden Wesen jene hervorragende und hohe Bedeutung er- worden, wie das Salz. Nicht Farbenpracht, nicht Glanz und Härte räumten ihm jene bedeutungsvolle Stellung unter den Gesteinen ein: es ist vielmehr jene Eigenschaft, daß dort, wo es nicht ist, Fäulniß herrscht; die Eigenschaft, daß es unseren Geschmack anregt und uns den Genuß der Speisen angenehmer und diese selbst wieder verdaulicher macht. Durch diese seine Eigenschaften ist das Salz die unentbehrlichste Zugabe der meisten unserer Speisen geworden und bleibt, in nicht allzu großer Menge genossen, das gesündeste und beste der Gewürze. Schon in den ältesten Zeiten, im grauen Alterthume, kannte man, wie uns zahlreiche Stellen aus den alten Werken lehren, den Gebrauch des Salzes als Würze und wußte dessen Werth und Bedeutung zu würdigen. Erzählt uns doch schon die Bibel im alten Testamente von der Verwendung des Salzes bei den verschiederien Opfern, wurde doch bei den Juden die Beimischung des Salzes in das ungesäuerte Brot untersagt: auch die alten Inder betrachteten das Salz als eine der wichtigsten Bestand- theile der Opfer. Der römische Priester bestreute die Stirne des Opferthieres, sowie das Messer und den Altar mit Salz, und die römischen Dichter Ovid und tzoraz erzählen uns, daß der Götter Zorn besänftigt werde durch einige im Feuer knisternde Körnchen Salzes. Dagegen konnte der tzaß der Himmlischen erregt werden, sobald ihnen ein Speiseopfer ohne Salz darge- bracht wurde, denn das Fleisch ohne Salz soll man den Hunden hinwerfen. Homer erzählt von Odysseus, daß er zu Völker- schaften kam, die das Salz nicht kannten. Aber auch die rohesten und ungebildetsten Völker der Gegen- wart kennen den Gebrauch des Salzes. Wie uns die Benchte der Afrikareisenden melden, geben die zentralafrikanischen Volks- stamme Weih, Kind und die nächsten Anverwandten als Sklaven für eine Hand voll Salz hin; andere wieder schätzen den Reich- tbum nach dem Besitze des Salzes, ja bei einzelnen Stämmen gilt das Kochsalz als Geld. Die Küstenbcwohner Afrikas be- reiten Fische und Fleischspeisen in einer Brühe von Seewasscr, das reichlich Salz enthält. Fragen wir uns nun, woher es kam, daß alle Völker, ob roh oder gebildet, in neuer und alter Zeit den Gebrauch und die Verwendung des Salzes als Gewürz kannten? Wie be- kannt, macht das Salz eine bedeutende Menge unserer Stoffe im Blute aus und daher erklärt sich wohl jener gewaltige und natürliche Instinkt, der um so intensiver ist, als durch Schweiß, Absonderungen und Ausdünstungen unserem Körper viel Salz verloren geht. Es ist demnach zur Lebenserhaltung von der größten Nothwendigkeit. Der Mangel an Salz war nicht selten, beson- ders in Kriegsheeren, die Ursache epidemischer Krankheiten, wes- halb auch besonders dafür Sorge getragen wird, daß der Soldat im Kriege mit dem nothwcndigeu Vorrathe von Salz versehen ist. Von besonderem Interesse waren für mich, schreibt Erwin Botha in der„R. V. Ztg.", die Erzählungen eines alten Soldaten, der so manche Einzelheiten über eingetretenen Salz- mangel während eines mitgemachten Feldzuges mitzutheilen wußte. Man machte den Mangel an Salz dadurch wett, daß man Pulver als dessen Ersatz verwendete. Aber schon nach we- nigen Tagen machte sich das Bedürfniß nach reinem Kochsalz in so hohem Grade fühlbar, daß es selbst die Furcht vor der drohenden Lebensgefahr und die Furcht vor den härtesten Strafen überwog. Ebenso schreibt man das häusige Vorkommen von Eingeweidewürmern dem allzu geringen Genüsse von Salz zu, welche Annahme durch den Umstand bekräftigt wird, daß diese Erscheinung besonders in den salzarmen Gegenden von Jnnerafrika zu Tage tritt. Das Salz ist aber auch insofem ein Ernährungsstoff, als es bei der Zellenbildung betheiligt ist. Der mäßige Genuß desselben befördert die Verdauung, die Absonderung und die Fettbildung. Erfahrene Landwirthe wissen sehr wohl, daß der Genuß von Salz das Thierreich vor vielen Krankheiten bewahrt, besonders aber bei den weiblichen Thieren sich insofern von großem Vorthcil erweist, als dieselben mehr und bessere Milch geben, die sich auch ganz besonders durch Wohlgeschmack aus- zeichnet. Ferner hat das Salz auch einen bedeutenden Einfluß auf ein schmuckes Aussehen des Thiercs, auf einen kräftigen Haarwuchs und auf das Temperament. Rinder, denen das Salz entzogen wurde, zeigten sich schwach, schlaff und muthlos. Da das Salz, in richtiger Menge genossen, eine vorzügliche Würze ist, so entsteht die Frage, welches Maß das richtige sei. Drei gefahrvolle Momente. Historische Erzählung von Dr. Fr. Müller. Es war zur Zeit des höchsten Glanzes der Dynastie Napoleons I., zugleich aber in dem Zeitpunkte, da fern im Süden, im schönen Spanien, der Beweis geliefert wurde, daß auch der Mächtigste auf Erden noch nicht allmächtig und nicht im Stande sei, die Freiheit eines selbstbewußten, für sein Vaterland begeisterten Volkes zu vernichten. Zn Madrid war der Bruder des Korsen als König Zoseph eingesetzt, vermochte aber kaum mit Hilfe der unter dem französischen Obergeneral Mural in und um die Haupt- stadt stehenden Truppen sich zu behaupten, während im ganzen Lande die Guerilleros, bewaffnete Banden von Äürgern und Bauern, unter den Befehlen der überall in den großen Städten gebildeten Juntas oder provisorischen Regierungen jede Ausübung der Königswalt unmöglich machten, soweit nicht gerade die ftanzösischen Waffen reichten. Unter heldenmüthigen Anführern gaben diese Freischaaren Spamens in den vielen Gebirgsgegenden der Halbinsel der unter Napoleons Gewaltherrschaft seufzenden Welt ein nie nach Gebühr gewürdigtes Beispiel, indem sie, wenn auch nicht fähig, in offen, r Feldschlacht dem Heere Murat's und seines bei Lissabon die Landung der Engländer verhindern- den Kollegen Zunot entgegenzutreten, doch durch zahllose kleine Gefechte an Punkten, wo ein großes Heer seine Wirksamkeit nicht entfalten konnte, durch unermüdliche An- griffe aus Hinterhalten in Wäldern und Bergschluchten, durch Wegnahme der Proviantfuhren, den Feind in ein- schneidendster Weise dezimirten und nach und nach der Zentraljunta in Sevilla eine über das ganze Land ausgedehnte Wirkung verschafften. Im Laufe eines Jahres war die Lage der siegend ins Land gedrungenen Franzosen eine geradezu verzweifelte geworden, während es den Engländern gelang, zur wüthendsten Erbitterung des Kaisers Napoleon, Dienstag, den 3. Januar 1888. Dies würde kickst beantwortet werden können, wenn unsere Köchinnen beim Salzen der Speisen nicht ihre Finger als Maß, sondern vielmehr graduirter Gefäße sich bedienen würden, welche in einfacher aber sicherer Art die bestimmte Portion bezeichnen würden. Lieber zu wenig als zu viel, denn im ersteren Falle läßt sich immer wieder nachhelfen, während eine versalzene Speise ungenießbar ist. In zu großen Mengen genossen wirkt das Kochsalz für die Gesundheit nachtheilig und hat selbst Vergiftungserscheinungen im Gefolge. Es erzeugt eine allzu große Reizung im Magen und Darm, vermehrt die Speichelabsonderung und andere unangenehme und lästige Krankheitserscheinungen. Die schlimmen Augen der Hunde werden, und zwar nicht mit Unrecht, dem Genüsse von stark gesalzenem Fleische zuge- schrieben, und Dr. Wielen giebt als Ursache des Juckens und der Schlünden in den Augen des Menschen den übermäßigen Genuß von Salz an. Das Salz kommt theils als Mineral rein, theils in Vcr- bindung mit anderen mineralischen Stoffen in der Erde vor. Es führt im Griechischen den Namen W und daher erklärt es sich auch, warum viele Ortschaften, in deren Nähe Salz gewonnen wird, in irgend einer Zusammensetzung den Namen„Hall" tragen, wie z. B. Hall, Hallein, Hallstadt, Reichenhall rc. Außer im Steinreiche sindcn wir das Salz auch noch in den Pflanzen und im thierischen Körper. Im letzteren ist es be- sonders im Blute und in den Knorpeln in größerer Menge vorhanden, auch in den meisten unserer Nahrungsmittel kommt dasselbe in einem größeren oder geringerem Prozent- satze vor. Eigenschaften und Verbreitetsein des Salzes bewirkten, daß fich verschiedene Völker bald seiner als Symbol bedienten und dasselbe als Sinnbild der Treue und Freundschaft hinstellten. Will der Araber Jemandem seine Freundschaft beweisen, oder schließt er einen Treubund, so genießt er mit ihm Brot und Salz. Auch in Frankreich besteht noch heute diese Sitte und es gilt die Abweisung des Brotes und Salzes als Zeichen der Feindschaft. Das Salz gilt ferner noch alsZeichen der geistigen Thätigkeit, des Humors und des Witzes und eine stattliche Anzahl von Redensarten knüpft sich an dasselbe.„Er sprach gesalzen" bedeutet soviel als geistvoll, satirisch und zu- treffend. So könnten wir der Bilder noch mehrere bringen, doch eilen wir dem Ende zu. Man sollte im.Hause nur gut gereinigtes Salz haben. Gutes Salz erkennt man daran, daß eo an der Luft nicht leicht feucht wird. Wenn sich ein Loth gestoßenen Salzes in vier Loth kalten Wassers nicht vollkommen auflöst, so enthält es Gyps und ist schädlich. Salzwasser selbst wendet man mit besonderem Vortheile bei Verbrennungen durch Höllenstein an, indem man die be- treffende Stelle so stark mit Salzwasser reibt, als man es ver- tragen kann, und Umschläge und Waschungen mit demselben veranstaltet. Bei Schlangenbissen reibt man Salz in die Wunde und bei Bienenstichen wendet man ebenfalls Salzwasser an. Dieses Mittel bewährt sich besonders dann, wenn der Stich in den Mund oder Schlund stattgefunden hat. Kommunale». Der Nerwaltnno«t>rricht des Magistrat» über die städtischen Markth»llen für das Verwaltungsjahr 1886:87 stellt in seinem wesentlichen Theile die bereits bekanntgegebene Entwickelungsgeschichte, Bauzeit und Organisation bis zur Be- triebseröffnung der Markthallen am 3. Mai 1886 dar. Aus dem Jahresbericht selbst ersehen wir, daß auf die in den Markt- hallen— v vorhandenen 1767 umhegten Stände(und zwar nur in den Hallen, mit Ausschluß von Galerien, Durchfahrten und Stadtbahnbogen) abonnirt wurde und außerdem auf 249 Stände, welche auf den freien Inseln der Halle eingerichtet worden sind. Von den Abonnenten hatten ihren Wohnsitz in Berlin 1422, außerhalb Berlin 494. An den besten Marktagen, Mittwoch und Sonnabend, waren außerdem noch in Markt- halle l ca. 70, in Markthalle 11 ca. 100, in Markthalle III ca. 56, in Markthalle IV nur 12, im Ganzen 238(und mit jenen 494 Abonnenten zusammen 732) Stände an auswärtige Händler vergeben. Ueber den Verkehr in den Markthallen wird folgendes berichtet: Es sind, nachdem die erste Neugier des Publikums befriedigt worden und der Verkehr ein normaler geworden war, wiederholt Zählungen der Personen und Wagen vorgenommen worden. Es wurden ge- zählt in einer Woche, von Montag bis inkl. Sonntag, in Markt- halle II Lindenstraße 136 300 Personen, in der Markthalle III zu landen und zwei französische Heere kurz nach einander in Kriegsgefangenschaft fielen. Ganz Europa blickte staunend auf die spanischen Kämpfer, deren Anführer Mino, Moreno, Odonnel, Empecinado und Ballasteros selbst in Liedern be- jungen wurden und sogar gegen die unter Napoleon selbst anrückende 300 000 Mann starke Armee im Felde blieben. Eines Tages trat die Nothwendigkeit ein, nach Lissabon Depeschen von äußerster Wichtigkeit zu besorgen, jedoch waren auf dem Gebiete von Madrid bis dahin alle Wege und Stege von Guerilleros besetzt, deren Führer, General Castanos, zugleich eine namhafte Macht regulärer tüchtiger Truppen unter seinem Befehle hatte. Mural wußte keinen Rath mehr, Niemand wollte die unter allen Umständen lebensgefährliche Reise unternehmen, denn die Insurgenten gaben keinem Franzosen Pardon. In der Roth wandte sich der künftige König von Neapel an den ehemaligen russischen Gesandten in Madrid, Baron Stroganoff, dessen Regierung damals mit Frankreich noch auf gutem Fuße stand; derselbe wußte einen Ausweg. „Im Hafen von Lissabon," sagte er,„liegt der Admiral Sintarin; wir sind nicht ihre Alliirten und Spanien gegen- über neutral. Einen Boten Rußlands, der Spanien durch- reist, wird man wohl zehn oder zwanzig Mal aufgreifen, aber sicherlich nicht festhalten oder gar tödtcn; daju kennen die Herren Castanos und Konsorten ihren Vortheil zu gut. Schicken Sie mir also einen Ihrer besten polnischen Lanzlers und ertheilen Sie ihm Ihre Aufträge mündlich. In russi- scher Uniform wird er als Kourier mit meinen Depeschen an unseren Admiral sicher sein." Murat war wieder ftöhlich und befahl dem polnischen Befehlshaber des Korps der warschauischen Lanzenreiter, ihm einen klugen und muthigen jungen Offizier auszusuchen, zu einem besonders gewagten Unternehmen.,, �, Am folgenden Tage meldete sich ein erst achtzehn Jahre alter junger Pole, der Lieutenant Lackinsky, beim Ober- feldherm. Murat war ehrlich genug, demselben die Gefähr- 5. Ilchrg. Zimmerstraße 61 275 Personen. Am stärksten war der Verkehr am Sonnabend, am schwächsten am Sonntag. Die tägliche Durchschnittszahl der Eintretenden in der Markthalle IV Doro- theenstraße liegt zwischen 10- und 12 000. Auch bezüglich des Wagensverkehrs haben Zählungen stattgefunden. Während die höchste Wagenzahl der Markthalle IV(Dorotheenstraße) an einem Sonnabend durchschnittlich 253 beträgt(und nur in der Zeit des Himbeerverkehrs auf den an die Werderschen Obstzüchter außerhalb der Halle vermietheten Plätzen bis auf 7809 gestiegen war), zählte man in Martthalle U an einem Sonnabend des Juni 528, des Juli 532, des Äugusi 536, durchschnittlich aber an den Sonnabenden 381 Wagen: im Laufe der 11 Monate des Jahres, feit Eröffnung der Martthallen am 3. Mai 1886, 54015 Gefährte.— Die Markthalle lll weist in denselben 11 Monaten nur 39 526 eingefahrene Wagen auf, die vor der Halle haltenden Wagen sind nicht eingezählt. Der Hauptdetailverkehr entwickelte sich in den Frühstunden von 8—11 Uhr. Der Großhandel war vorzugsweise in der Zentral- martthalle zu finden, welche mit 479 Großhändlern, d. h. solchen Verkäufern, welche ihre Waare nicht„auspfunden" oder„aus- litern", besetzt war. Aber auch in den anderen Markthallen, insbesondere in der Markthalle U entwickelte sich in den Früh- stunden von 3—7 Uhr ein gewisser Großhandel, vorzugsweise in Fleisch, Gemüse und Obst. Seit dem 1. Mai 1887, dem Eröffnungstage der neuen Gütererpedition, hat sich der Waaren- eingang des Markthallen-Bahnhofs gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres verdreifacht, der Waarenausgang verfünfacht. Der erstere betrug in den 11 Monaten vom 3. Mai 1886 bis 31. März 1887: 81 401 Zentner(darunter 8, in ganzen Wagenladungen), während seit dem 1. Mai 1887 bis 26. November 1887, also nur in 7 Monaten bereits 163 844 Zentner eingc- gangen sind._ Lokale». An diesem 1. Iannar waren zweihundert Jahre vergangen, seit zum ersten Mal für die dem Personenver- kehr innerhalb Berlins dienenden Gefährte eine polizeiliche Kontrole eingeführt wurde. Am 1. Januar 1688 erschien ein „Reglement für den Pottc-Chaisen-Transport". Die Sitte der Personenbeförderung vermittelst der Port-Chaisen oder Sänften war durch die aus ihrer Heimath vettriebenen RefugiSs nach Berlin gebracht worden, und fand hier großen Anklang, nach- dem durch die Anlage der Stadttheile Friedrichs-Werder- und Dorotheenstadt der Umfang Berlins so gewachsen war, daß vor- nehme Leute, besonders der schlechtem Wetter, nicht gern die gar nicht, oder nur mangelhaft gepflastetten Straßen zu Fuß durchwandern mochten. Die stetige Vermehrung der Sänften führte dann zu dem Reglement, welches folgende Bestimmungen über Standplätze, Anzahl und Preise enthielt: Die Porte- Chaisen wurden auf dem Schloßplatz, beim Berlinischen Rath- Hause und auf dem Friedrichs-Werder aufgestellt und mit fort- laufenden Nummern bezeichnet; Anfangs waren es nur zwölf mit 24 Trägern. Später wurde die Zahl bedeutend vermehrt. Eine Sänfte kostete für den ganzen Tag 20 Groschen, für eine Stunde 4 Groschen, für das Tragen auf eine bestimmte Tour durfte nicht mehr als 3 Groschen verlangt werden. Als Träger fungitten fast ausschließlich die ärmeren Angehöngen der fran- zöfischen Kolonie.— Das waren die ersten unbedeutenden An- sänge unserer heutigen gewaltigen Verkehrsmittel. A«f eine schändliche Meise ist der Schneidenneister Rud. Diemke, Langestr. 19 parterre wohnhaft, nicht nur um sein Geld, sondern auch noch durch einen Meineid seines Schuldners in das Gefängnis, gebracht worden, in welchem er 2 Jahre und 8 Monate unschuldig hat zubringen müssen, während der mein- eidige Schurke, der ihn ins Gefängniß gebracht, frei umherging. Die„Staatsb. Ztg." berichtet darüber: Eine kürzlich stattge- fundene Gerichtsverhandlung hat endlich Aufklärung geschaffen und den unschuldig im Gefängnisse sitzenden Mann der Freiheit wiedergegeben. Die Freiheit hat er also wieder; aber nichts weiter; denn während der fast dreijährigen Dauer seiner Haft ist die Existenz des Mannes niinirt. Seine Sachen sind ihm zum größten Theile abgepfändet und verkauft worden und so steht er, nachdem er jahrelang unschuldig hinter Kerkermauern geschmachtet, hilf- und subsistenzlos da; denn ein Gesetz, welches unschuldig Veruttheilten eine Entschädigung gewährt, existirt ja noch immer nicht. Wahrlich, ein schlagenderer Beweis für die Nothwendigkeit eines solchen konnte aber nicht beigebracht werden, als sich in diesem Falle bietet!— Doch kommen wir auf den Fall selbst. Am 5. Mai 1885 wurde der genannte Schneider- meister-Rudolf Diemke durch Erkenntniß der 2. Strafkammer des Landgenchts i wegen schwerer Urkundenfälschung zu 4 Jahren lichkeit des Unternehmens offen auseinanderzusetzen. Der Pole aber erklärte lachend, er fürchte die Guerilleros nicht. Er empfing seine mündlichen Weisungen, erhielt dann beim Baron Stroganoff seine russischen Depeschen nebst der Uniform eines Offiziers der russischen Kaisergarde und reiste wohlgemuth nach Portugal ab. An den ersten beiden Tagen ging alles gut; es zeigteil sich zwar wiederholt Guerilleros, aber nichts Ungewöhnliches passirte ihm, bis er in die Nähe von Talavera de la Nein« am Tajo kam. An einem Hohlwege wurde er plötzlich an- gehalten, vom Pferde gezogen, entwaffnet und nach einer Kapelle zur Seite des Weges geführt, wo er sich dem spanischen Befehlshaber, General Castanos selbst, gegen- über sah. Der junge Mann begriff sehr wohl, daß sein letztes Stündlein gekommen war, wenn irgendwie der Verdacht entstand, daß er französischer Soldat sei; unverbrüchlich nahm er sich deshalb vor, kein französisches Wort seinen Lippen entschlüpfen zu lassen, sondern blos Deutsch oder Russisch zu reden, denn beide Sprachen verstand er flüssig. Schon unterwegs hatte er, durch ziemlich langen Anfenthalt in Madrid des Spanischen mächtig, aus den Unter- redungen der ihn transportirenden Soldaten, die in ihm einen Franzosen in noch unbekannter Uniform ver- mutheten, verstanden, daß er unfehlbar erschossen werden würde, wenn jene Vermuthung sich als richtig erweise. Wenige Wochen vorher war das Gleiche dem General Rens geschehen, den sein Schicksal ereilt hatte, als er sich verkleidet zum Marschall Junot nach Lissabon durch- schleichen wollte. „Wer sind Sie?" redete Castanos ihn französisch an. Es durchzuckte Lackinsky glühend; eine leise Angst be- schlich ihn doch in diesem Moment; erst jetzt empfand er, welche gefährliche Macht die lange Gewohnheit des fran- zöfischen Umganges sein könne; er beherrschte sich aber und blickte den General unbefangen an. Noch einmal wieder- Gcfängniß verurthcilt, nachdem er seit dem 23. Januar 188o in Untersuchungshaft gesessen. Alle Betheucrungcn seiner Un- schuld halfen ihm nichts; der Denunziant und einzige Be- tastungszeuge, Kürschner David Wolff, hatte die Schuld des Angeklagten beschworen, und auf dieses eidliche Zeugniß hm er- folgte Diemke's Vcrurtheilung. Es handelte sich nämlich um vier Wechsel, von denen Wolff behauptete, dieselben seien ge- fälscht, während Diemke die Sache folgendermaßen darstellte: Er hatte für Wolff gearbeitet, von diesem aber nicht immer gleich Bezahlung erhalten, so daß im Jahre 1882 eine Summe oon 75 M. restirte. Am 30. April 1832 kani Diemke, welcher soeben 300 M. einkasstrt hatte, an dem Geschäfte Wolff's, welches dieser auf einem Hausflur betrieb, vorüber und sprach mit bei ihm vor. Wolff klagte sehr über ein schlechtes Geschäft und er- zählte, daß er Sachen habe versetzen müffen, welche am nächsten Tage verfallen würden, da er sie nicht wieder einlösen könne. Das erregte Diemke s Mitleiden und schließlich gab dieser Wolff die eben einkassirten 300 M., damit Wolff die Sachen einlösen könne; ja, er war so großmüthig, das Geld ohne Schuldschein hinzugeben, da Wolff er- klärte, daß er es nur auf ein paar Tage gebrauche. Diese„paar Tage" wurden aber zu vielen Tagen, ja zu zwei vollen Jahren, und da Diemke unterdeß auch erfahren hatte, daß Wolff gar keine Sachen versetzt gehabt, kam ihm die ganze Geschichte verdächtig vor und er drang energisch darauf, daß Wolf ihm über die Schuld, welche mittlerweile aus 401 M. angewachsen war, wenigstens Wechsel ausstelle. Man einigte sich schließlich auch dabin, daß Diemke vier Wechsel ausstellen solle; Molsi gab ihm zu diesem Behuf vier Formulare mit, welche Diemke von seiner Frau ausfüllen ließ, und zwar über 170, zweimal 78 und 75, zusammen 401 M. Diese Wechsel akzeptirte Woltt sodann. Als aber die Wechsel fällig waren, bezahlte Wolff nicht, selbst nicht nachdem er beim Amtsgericht aus denselben zur Zahlung vemrtheilt worden war. Statt dessen trat Wolff plötzlich in einer Denunziation an die Staatsanwalt- schaft mit der Behauptung hervor, daß die von Diemke einge- reichten Wechsel gefälscht seien. Er, Wolff, habe nur drei Wechsel in Blanco akzeptirt, und zwar über 200, 60 und 50 M., also nur 310 M., den vierten Wechsels habe er Diemke nur„aus Versehen" mitgegeben.•' Wolff bestritt also gar nicht, Geld an Diemke zu schulden, sondern bezweckte mit seiner Behauptung offenbar nur, Zeit zu gewinnen. Trotzdem ging die Staatsanwaltschaft auf diese Denunziation ein, Diemke wurde am 23. Januar 1885 verhaftet und am 5. Mai 1885, nachdem Wolff seine obige Behauptung beschworen, zu 4 Jahr» n Gefängniß zc. verurtheilt. Aber Diemke beruhigte sich nicht, obwohl ihm nichts übrig blieb, als seine Strafe anzutreten. Zu- nächst beantragte er Wiederaufnahme des Verfahrens, wurde aber mit diesen? Antrage abgewiesen; dann dcnunzirte er aber Wolff wegen Meineides, aber auch diese Denunziation wurde zurückgewiesen. Endlich beschwerte er sich beim Oberstaatsan- walt, welcher letztere die Eröffnung der Untersuchung gegen Wolff wegen Meineides verfügte, und diese führte zur Erhebung der Anklage gegen David Wolff wegen fahrlässigen Meineides. Am 16. v. Ä. stand vor der 3. Strafkammer in dieser Ange- legenheit Termin an; da aber der Gerichtshof die Ueberzeugu>?g gewann, daß Wolff die Wechsel akzeptirt habe, mithin nicht ein fahrlässiger, sondern ein wissentlicher Meineid vorliege, so ver- wies er die Sache vor das Schivurgericht. Diemke wurde so- fort auf freien Fuß gesetzt. Diemke ist also, wie gesagt, frei; aber er ist völlig minirt. Um eine,»„tiefgefühlten Kedürfnisse" zu genügen, 'ollen, wie eine hiesige Lokal-Korrespondenz zu melden weiß. m, ersten Quartal des neuen Jahres nicht weniger als sechzehn neue große Ausschanklokalc eröffnet werden. Der größere Theil derselben wird in den besseren Vierteln der Friedrichstadt etahlirt. Gin seltfames Kchaufpiel lockte an den letzten Abenden zahlreiche Passanten an der Ecke der Burg- und Neuen Friedrich- slraße an. Quer über den Straßendamm zog sich eine Reihe brennender Scheiterhaufen, welche gespenstisch in die Dunkelheit hineinleuchteten; danehen war das Straßenpflaster aufgerissen and Arbeiter mit dem Ausschachten einer Grube beschäftigt. Ein dichter Kreis von Zuschauern schloß die Szenerie, lieber das, was da geschaffen wurde, namentlich über den Zweck der brennenden.Holzstöße wurden in der stetig wachsenden Zu- schauermenge die abenteuerlichsten Gerüchte kolportirt. Die Rohrpost sei„eingefroren", lautete eine Version; eine andere: die Gasröhrcn sollen aufgcthaut werden. Allein den wahren Sachverhalt traf Niemand. Ein Rohrbruch der Wasserleitung war zu repariren; um dies bewerkstelligen zu können, mußte, wie die„Rat.-Ztg." schreibt, das Straßenpflaster aufgerissen weiden. Da dasselbe aber hart gefroren und das Aufreißen in- folge der Kälte sehr mühsam und zeitraubend ist, so wurde zu dem Aushilfsmittel gegriffen, den Erdboden durch brennende Holzstöße zu erwärmen. Eine Erbin gesncht. Mitte Oktober v. I. erschoß sich in New-Uork ein Mann, Namens John Lorens oder Lawrence, ein früherer Deutscher, der vordem Lorenz geheißen haben soll, nachdem er einen seiner Arbeiter Tags vorher im Streite er- schössen hatte. Der Selbstmörder hinterließ einen Brief, in welchem er mittheilte, daß er früher in New- Orleans wohnte, dort Besitzer eines Pire prook-Salons gewesen und daselbst eine Tochter zurückgelassen habe, um die er sich später, als er in den Diamantfeldern Afrikas arbeitete, nicht weiter bekümmert habe. holte dieser seine Frage und der Pole antwortete Deutsch: „Ich verstehe Sie nicht." Jetzt rief Castanos einen seiner Adjutanten zur Fort- setzung des Verhörs; Lackinsky antwortete bald russisch, bald deutsch, und hütete sich streng, auch nur einen fran- zösischen Anklang hören zu lassen. Das Verhörslokal, der Raum des alten Wallfahrtskirchleins, hatte sich inzwischen immer mehr mit wilden Gesichtern von wuthblitzendem Ausdrucke gefüllt, die den Spion bereits für entlarvt hielten. Mehr und mehr stieg deren Aufregung, da sich immer noch kein Beweis ergehen wollte. Plötzlich mitten im Verhör trat ein Adjutant ein, einen Bauer am Arm führend, den er vor Lackinsky hinstellte und sagte: „Schau diesen Mann genau an und sag' uns, ob es ein Russe oder ein Deutscher ist; wir halten ihn für einen französischen Spion, einen verfluchten." Er schickte dem Gefangenen einen haßerfüllten Blick zu und wartete. Der Bauer blickte Lackinsky einige Augenblicke ins Gesicht, dann spie er aus und rief heftig: „Ein Franzose ist er, ein verkleideter Franzose. Vor wenigen Wochen mußte ich gezwungen Heu für die Fran- zosen nach dem unglücklichen Madrid bringen und dieser Mann war der Ossizier, der mir die Bescheinigung dafür ausstellte. Der Bauer sprach so überzeugend, daß Castanos keinen Moment zweifelte, daß ein unglücklicher Zufall vor- liege, der den Feind jetzt verrieth; er wußte auch, welches Schicksal den jungen Mann traf, wenn er nicht für ihn eintrat, und Castanos war ein hochherziger Gegner. „Leute, dadurch ist nichts bewiesen, der Bauer kann sich rren, denn schwerlich hat er mitten im feindlichen Lager sich ein einzelnes Gesicht in französischer Kleidung genau merken können; der Gefangene trägt russische Uniform und feine Papiere sind richtig, es wird rathsam sein, ihn ziehen zu lassen." „Nein, nein," riefen jetzt hundert Stimmen zugleich, In der Bank von England habe er ein Depot von 38 300 Pfd. gleich 766 000 Mark hinterlegt, die seine Tochter erben solle. Die angestellten Nachforschungen haben ergeben, daß in der That am 2. November 1877 in der deutschen Lutherischen Kirche Elisabeth Katharine Lorenz, Tochter von John Lorens oder Lorenz mit seiner Frau Friederike Bügele getauft wurde, lieber das Verbleiben des jetzt 20 jährigen Mädchens konnte bis jetzt nichts ermittelt werden. Dieselbe soll angeblich vor 5 Jahren nach Deutschland gereist sein und in Berlin sich kurze Zeit aufgehalten haben. Es wäre zu wünschen, daß Frl. Lorenz ge- funden, oder andere nächste Angehörige sich melden würden, denn ein Vermögen, wie das oben bezeichnete, fällt nicht so leicht jemandem ohne weiteres in den Schoß. Zu den wenigen Straßen, welche noch altberliner, d. h- kleinstädtischen Charakter tragen, gehört die Pctristraße, im alten Berliner Stadtbuche Lappstraße geheißen. Schmal und abseits vom Verkehr gelegen, ist sie von den Grundstücksspekulanten unberührt geblieben. Eine Menge schmaler Häuschen deuten darauf hin, daß sie sich auf ursprünglich städtischem Grund und Boden erheben, wie es die Nähe der Köllnischen Stadtmauer mit sich brachte. Solche Parzellen that der Rath in Pacht aus, und die darauf errichteten Baulichkeiten nannte man Buden, im Gegensatz zu den Erbhäusem der Bürger. Nr. 13 war die Ein- spunderei des Rothes. Im Stadtbuch werdeii 22 Budcngrund- stücke aufgeführt. Andere Gebäude bilden nur die Hinterhäuser zu Häusern der Roß- und Gertraudtenstraße, unter denen sich eins als Speicher eines alten Kaufhauses präsentirt. Auf einem hübschen Relief sieht man dort Kindergestalten emsig beschäftigt, Ballen und Fässer in den Speicher zu rollen. Nach der früheren Stadtmauer an der Spree zu erweitert sich die Straße zu einem kleinen Platze, in welchem man wohl die Rummelei des Stadtbuchcs zu suchen hat. Wie vor Jahrhunderten, lebt man noch heute in den bescheidenen Häuschen der Petristraße. Gin menschenfressender Künstler. Ein überaus spaß- bafter Vorfall trug sich an einem der letzten Abende der vorigen Woche in einem Lokale der Landsbergerstraße zu. Dort pro- duzirte sich ein Repräsentant des fahrenden Künstlerthums. Diesmal hatte der betreffende Künstler einen ganz absonderlichen Schlußeffekt vor, und nachdem seine von den Gästen des über- füllten Lokals lebhaft beklatschten Kunststücke zu Ende waren, verkündete er mit dröhnender Stimme und in einem unnach- ahmlichen Redestyl,„er werde nun etwas noch nie Dagewesenes produziren und einen lebendigen Menschen verspeisen." Und nun forderte er mit ernstester Miene und grimmem Blick einen der anwesenden Herren auf, sich zu dieser Verspeisung herzu- geben. Einen Moment lang herrschte Staunen und Verblünung in dem überraschten Publikum, dann aber sprangen in der That nicht weniger als drei junge Leute auf und stellten sich zur Verfügung. Nun war die Reihe des Verblüfftseins an dem Künstler, und mit forcirtcm Lächeln meinte er nach kurzem Besinnen, er habe in seiner Ankündigung ja nichts davon gesagt, daß er einen Menschen sammt seinen Kleidern verspeisen wolle, sondern er habe einen nackten dabei im Sinne gehabt. Lachend traten nun zwei der jungcii Leute zurück, der dritte aber begann unter unauslöschlichem Gelächter des Publikums und steigender Verlegenheit des Künstlers, sofort sich auszukleiden, Rock, Weste w. flogen herunter, und schon hatte unter allgemeinem Beifallklatschen der junge Mann ein beinahe adamitisches Kostüm erreicht, als der verblüffte„Künstler" sich schnell faßte und vor- tretend sagte:„er habe zwar einen Menschen, aber keinen unge- kochten, gemeint." Nun brach ein Höllenlärm in dem Lokale aus, und ehe sich der kühne Menschenfresser versah, war er über Hals und Kopf an die Luft gesetzt. Hinterher stellte sich heraus, daß derselbe Künstter vor längerer Zeit dasselbe Kunststück pro- duzirt hatte, aber insofern mit besserem Erfolge als diesmal, als sich damels kein beherzter Jüngling zum Verspeisen meldete und der Künstler darauf unter Extravcrgütung seinen„selbst zitirten" Menschen mit Haut und Haaren aufaß— nämlich einen präpa- rirten„Gummimann" von beträchtlicher Größe. Nachdem ihm diesmal durch den kühnen jungen Menschen, einem hiesigen Barbiergehilfen W., der schöne Schlußeffekt verdorben und er selbst vorzeitig und überschnell„sich entfernen" mußte, fand man in dem Winkel, der ihm als Zaubcrsalon diente, jenen „Helfershelfer" vor, den der Wirth einstweilen lachend in Ver- Wahrung nahm. Die mannigfachsten Unfälle dnrch Ausgleiten auf KLrgersteigrn lassen gerade in diesen Tagen den Wunsch bc- rechtigt erscheinen, daß einer zweckmäßigen Instandsetzung der Bürgersteige eine größere Sorgfalt zugewendet werde. Die Bürgcrsteige stimmen zunächst keineswegs in dem Material überein, aus welchem sie hergestellt sind; es wechseln vielmehr gewöhnliche gute rauhe Platten mit Sirecken aus Kleinschlag- steinen, mit bunten Fliesen, mit großen Flächen aus Granit, die eniweder parallel zu den kürzeren Seiten oder aber übereck duich Erhöhungen und Vertiefungen uneben gestaltet sind. Wieder anders ist der Stoff, aus dem die Strecken vor den Durchfahrten, bezw. den Hauseingängen gepflastert werden, wo- bei mehr auf das wirksame Einsetzen der Pferde als den sicheren Gang der Menschen Rücksicht genommen wird. Die verschieden- artige Gestaltung des Materials und seine Behandlung an der Oberfläche thun schon dar, wie verschieden die Anschauungen darüber sein mögen, ivelches Pflaster für den Bürgersteig das voithcilhafteste sei. Zweifellos sind alle diejenigen Beläge be- denklich, die bei durchaus� glatter Oberfläche in der Breite des Bürgerfteiges der Entwässerung wegen ein Gefälle zeigen, das erbost darüber, daß ihnen ihr Opfer entgehen solle;„er darf nicht weiter, er muß bleiven." „Aber, Leute," fuhr Castanos fort,„wollen wir es riskiren, daß sich auch Rußland zum Feinde geselle, wenn wir seinen Boten beleidigen? Es kann uns schon gefähr- lich werden, wenn es nur die Engländer an unserm Bei- stand hindert." „Nein, wir wollen den Zar nicht beleidigen, aber der Gefangene soll erst beweisen, daß er ein Russe ist und kein verfluchter Franzose," rief die Guerilleros durchein- ander. Lackinsky wurde abgeführt und in ein Gewölbe unter der Kapelle geschafft. Seit 20 Stunden hatte er keinen Bissen gegessen, war nicht vom Pferde gekommen, bis vorhin, und nun in innerlicher Aufregung beim Verhör auf Tod und Leben.— Fast athemlos sank er auf einen Haufen Stroh nieder und schlief binnen wenigen Minuten ein. Zwei Stunden mochte er so geschlafen haben, da öffnete sich leise die Thür und Schritte nahten. Einen leisen Schlag fühlte er auf der Schulter und eine zarte, lieblich klingende Frauenstimme flüsterte dem Schlaftrunkenen zu:„vonlez. vou8 Boui>MS, Mon>ieur?" Es war ein furchtbarer Mo- ment; fast hätte er auf die in seinem Kasino zu Madrid alltäglich gewohnte Frage geantwortet; tödtlich erschrocken aber raffte er sich wieder zusammen, hatte schnell seine Geistesgegenwart zurück und entgegnete Deutsch:„Was haben Sie gesagt?" Ohne ein Wort weiter zu sagen, verschwand die Dame, aber Lackinsky empfand keinen Schlaf mehr; seinem guten Stern dankte er es, daß Finsterniß geherrscht und die Besucherin seine Gesichtszüge nicht hatte sehen können, die ihn unzweifelhaft verrathen hätten. „Seht, ich hatte Recht, er ist kein Franzose," rief Castanos, innerlich vergnügt und voll Bewunderung, als er das Resultat der furchtbaren Probe erfuhr;„wenn er ein oftmals stärker, als durchaus nöthia, genommen wird. An alle» solchen Stellen, ob sie nun aus Granitplatten oder Fliesen be- stehen, wird es sich empfehlen, den Schnee nicht immer sofort völlig zu beseitigen, sondern eine dünne Schicht als Schutzdecke zu lassen, weil man darauf weit sicherer und fester auftrete» kann, als auf dem völlig glatt gesäuberten nassen Pflaster. Namentlich die Rückficht auf alte Leute sollte dahin wirken, dofc das Reinigen des Bürgerfteiges nicht gar zu radikal betrieben wird. Zugleich dürfte zu erwägen sein, ob das Verlegen von glatten Fliesen in belebten Straßen sich ferner empfehle» möchte. Marnnng für Tischler. Am 7. v. M., so schreibt uns ein Leser, las ich eine Annonze in Ihrem Blatte, wonach drei Tischler nach Stolp verlangt wurden. Die Arbeitsgelegenheit sei zu erfragen bei Herrn Klinkmüller, Neanderstr. 28. Da ich beschäftigungslos war, begab ich mich zu Herrn Klinkmüller. Dort wurde mir bedeutet, daß ich mich an die Tochter deS .Herrn Tischlermeisters Beetzcl aus Stolp zu wenden hätte, welche sich dort, um Gesellen zu engagircn, aufhielt. DaS Fräulein erzählte mir nun folgendes: Mein Vater zeichnet nur. Er wünscht daher nur solche Gesellen, welche nach Zeichnung arbeiten können; es würden hauptsächlich Vertikows und ähn- liche Möbel dort gemacht. Der wöchentliche Verdienst ist nicht unter 18 Mark bei freier Fahrt hin, eventuell wieder zurück.— Ich und zwei andere Kollegen, welche ebenfalls auf diese Art cngagirt waren, fuhren nun nach Stolp i. P. in der Hoffnung, dort noch etwas zu Weihnachten rausschlagcn zu können. Dort angekommen, fragten wir Herrn Tischlermeister Beetzel, od sich alles so verhalte, wie seine Tochter in Berlin gesagt habe. Dn sagte uns der gute Mann, er könne uns das nicht gleich sagen, wir müßten erst vierzehn Tage arbeiten, dann wolle er mit unS rechnen. Fahrgeld zahlt er aber nicht unter einem halben Jahre, da könne sonst jeder auf seine Kosten reisen. Wenn wir übrigens auf diese Bedingungen nicht eingehen wollten, so könnten wir ruhig wieder nach Berlin zurückfahren. Da wir aber nur mit Mühe und Roth so viel auftreiben konnten, um die Hinfahrt zu bezahlen, so waren wir gezwungen, zu arbeiten und daS wußte der noble Herr Tischlermeister. Kurz, wir mußten arbeiten, weil wir nicht anders konnten. Nun wareii wir neugierig, die antiken Möbel zu sehen, die dott gemacht werden sollten. Dari» war wenigstens nicht gelogen; es wurden sogenannte Bauern- tische gemacht uiid die Konstruktion derselben datirt, wenn ich nicht irre, schon aus dem vorigen Jahrhundert. Doch daS Schönste und.Hauptsächlichste ist folgendes: Als wir bis Sonn- abend gearbeitet hatten, sagten wir, daß wir unter allen Um- ständen wissen wollten, was wir verdienen. Da ivrirde unS denn eröffnet, daß wir für ein Dutzend solcher Tische 9 Mar? bekommen, ein tüchtiger Geselle, das heißt ein solcher, der auf solche antike Möbel eingearbeitet ist, macht zwei Dutzend di« Woche, verdient also 18 Mark. Davon werden abgezogen pro Tag 1,50 Mark für Kost, wobei in hochherziger Weise für de» Sonntag nichts gerechnet wurde. Eb blieb mir also nichts an- dercs übrig, ich mußte mir von meinen Eltem das Reisegeld schicken lassen, damit ich wieder nach Berlin fahren konnte. DaS war das Ende vom Liede! Di» Witterung des Monats Derember v. I. war vorwiegend trübe, zu'Niederschlägen geneigt und, mit AuS- „ahme der setzten 10 zage, mild. Zuerst herrschte außerordent- lich warmes Wetter, insbesondere hatte der 2. eine so hohe Temperatur, wie ein Oktobcrtag. Vom 4. an wurde es kühler, doch hielt sich die Temperatur bis zum 7. noch über der normalen. Dann klärte sich der Himmel auf, und der 8. war ein heller Wintertag. Doch schon ani 9. trat bei rapid fallendem Barometer stürmisches Schnee-, dann Regenwetter ein, und die Temperatur hob sich wieder bedeutend.'Nachdem dann am 13. der Winter nochmals einen kurzen Versuch gemacht hatte, die Oberherrschaft zu gewinnen, folgte eine neuntägige Periode trübcii Regen- und schneereichen Wetters; erst am 22. trat gelinderte, sich allmälig steigender Frost ein, der, ohne intensiv zu iverden, bis zum Ende des Monats derartig andauert, daß das Thermometer nicht mehr über 0 Gr. stieg. An den meisten Tagen viel etwas Schnee und die Schnee« decke erreichte bereits am 28. die Höhe von 13 Zentimetern.— Das rechnerische Resultat der in dieser Zeitung veröffemlichte» Beobachtungen der königlichen ffieteoroloaischen Station im SW. war das folgende: Der mittlere Barometerstand betrug 752,0 Millimeter und war damit um fast 6 Millimeter zu niedrig. Seil» Maximum erreichte er mit 766,4 Millimeter am 2., sei» Minimum mit 738,8 am 9. Die Schwankungen waren nur selten, so am 8., 9. und 27., bedeutend. Das Thermometer zeigte im Monatsmittel um 7 Uhr 0,4 Gr.(normal sind— 0,1 Gr.), um 2 Uhr 2,0 Gr.(normal 1,6 Gr.) und um 9 Uhr 0,5 Gr. (normal 0,6 Gr.): es ergiebt sich hieraus ein Monats- mittel von 0,9 Gr., welches die aus langjährigen Beod- achtunaen gewonnene Mitteltemperatur des Dezember um 0,2 Gr. übertrifft. Auffallend ist, daß die Morgen- und Mittagtemperatur um 0,5 bezw. 0,4 Gr. zu warm, die Abend- temperatur dagegen um 0,1 Gr. zu kalt war. Im Ganzen waren 13 Tage zu kalt und 18 zu warm. Der wärmste Tag war der 2. mit 7,9 Gr., der kälteste der 28. mit-6,6 Gr. Mitteltemperatur; das absolute Maximum fiel mit 8,5 Gr. auf den 2., das Miniinum mit—8,5 Gr. wurde gleichmäßig am 27., 28. und 29. beobachtet. Frosttage, an denen das Thermo- meter unter 0 Gr. ging, gab es 16, Eistage, an denen es nicht über 0 Gr. stieg, 9. Aus den Vergleichungen mit früheren Franzose wäre/ so hätte er sich diesmal und einer Dame gegenüber gewiß verrathen; bringt ihm zu essen und sein Pferd und laßt ihn seine Reise fortsetzen." Zum Unglück besaß der General keine unumschränkte Gewalt über die freiheitslustigen Banden; man gehorchte nur halb; der Gefangene erhielt ein Abendessen, blieb aber im Kerker.» Am folgenden Morgen wurde er wieder zum General geführt, der in wohlmeinender Absicht ihn, in dem Glauben, daß der junge Mann wohl nicht Spanisch verstehen werde, auf Französisch ermunterte, in den Proben, vor denen er ihn nicht schützen könne, standhast zu bleiben und sich nicht überrumpeln zu lassen; jedenfalls werde man ihn heute ent- lassen können. Lackinsky sah wohl am Auge des Generali die gute Meinung und das Wohlwollen, Castanos drückte ihm auch, da sie allein waren, lächelnd die Hand und ver- sicherte ihm, daß er seine Energie bewundere und ihm gc- wiß keine Gefahr bereiten wolle, gegen ihnj brauche er deS- halb die Maske nicht gerade beizubehalten u. s. w., indessen wußte sich der Pole dennoch mit Gewalt beherrschen und kein Zug verrieth, daß er auch nur eine Silbe verstände» habe. Bald nachher führte man ihn auf einen Platz in der Nähe, wo kurz vorher zehn Franzosen grausam umgebracht worden waren, und dort mußte er bis zum Abend bleiben, immer auf seine Befreiung hoffend und ohne zu ahnen, daß die allergefährlichste Probe ihm noch bevorstehe. Zu der furchtbaren Auftegung ob der beständigen Todesgefahr ge- sellte sich das Entsetzen über die blutigen Reste seiner umherliegenden Kameraden und er war ordentlich ftoh, mit Einbruch der Dunkelheit in seinen Kerker zurück- gebracht zu werden, wo ihn die Ermüdung trotz seines Vorsatzes, nicht zu ruhen, überwältigte. Bald umsing ihn tiefer ruhiger Schlaf der Zugend. Wieder wie gestern, nach einigen Stunden, öffnete sich die Thür, erne Franengestalt schlich herein, berührte ihn leise und flüsterte im zärtlichen Tone französisch:„Kommen Sie schnell, Jahren bemerken wir, daß der kälteste seit 1848 im Dezember vorgekommene Tag der 24. Dezember 1876 mit— 15,8@r., der wärmste der 8. Dezember 1848 mit 11,7 Grad. war. Die vorherrschende Windrichtung war wiederum Südwest, dann kommen Ztordwcst, West und Süd; diese drei Windrichtungen nehmen zusammen 85 von den 93 Beobachtungen des Monats in Anspruch. Nebenbei wurden vier Mal Ost- oder Südostwinde beobachtet, Nord- und Nordostwinde kamen gar nicht vor; Wind- stille wurde 4 mal festgestellt. Die Stärke des Windes betrug nach der 12theiligen Skala in Mittel 2,5; Stärke 6 wurde 2 mal, Stärke 7 1 mal beobachtet; höhere Nummern kamen nicht vor. Abnorm groß war die Himmelsdedeckung. Wenn 0 ganz heiter und 10 ganz trübe bedeutet, betrug das Monatsmittel 8,3. Nur einen heiteren Tag zählte man im ganzen Monat, dagegen 21 trübe(Bewölkung über 3); 7 Tage hinter einander(der 17. bis 23.) hatten durchweg die Bewölkung 10. Auch die relative Feuchtigkeit war mit 87,8 pCt. sehr beträchtlich, fie ging nur einmal unter 70 pCt.(am 10. Mittags 52 pCt.); hielt sich dagegen meist um 90 pCt. niit 96 als Maximum. Die Nieder- schlüge vertheilen sich über viele Tage, blieben dagegen in ihrer Gcsämmthöhe hinter der normalen, die 50 Mm. beträgt, mit 40,7 Mm. zurück. An 10 Tagen wurde Regen, an 15 Schnee gemessen; Nebel wurde 4mal, Reif 3n>al beobachtet. Unter den Namen der Einwohner Kerlins können natürlich die Müller und Schulze das Vorrecht der relativen Mehrheit für sich beanspruchen. Das neue Adreßbuch, welches nur die Inhaber eigener Wohnungen enthält, weist nicht weniger als 39 Spalten mit dem Gattungsnamen Müller auf und gar 52 Spalten von solchen, die eine Spielart des Namens Schulze führen; die„Mcycrei" ist durch 24 Spattcn vertreten.„Müller" enthält das Adreßbuch genau 2137, und sehr viele giebt es darunter, die noch dazu den gleichen Vornamen führen. Diese große Familie Müller hat selbstverständlich alle möglichen Be- russarten in ihrer Mitte: je 300 sind Kaufleute und Beamte, 47 davon gehören zur Post, 84 sind Schneider, 83 Tischler, 71 Schlosser, 68 Schuhmacher, 40 Lehrer und ebensoviel Maler, je 39 Rentiers und Handelsleute, 27 Schankwirthe, 19 Schutzleute, 16 Buchhalter, je 15 Bäcker, Destillateure und Klempner, je 14 Barbiere und Buchbinder, 12 Bildhauer, 9 Buchdrucker, ebensoviel Aerzte, Architekten und Buchhändler, je 8 Kolonial- waarenhändlcr und Kürschner, 5 Konditoren, je 3 Apotheker und Schauspieler, 2 Staatsanwälte und 1 Opernsänger. Eine hirsige Lokalkorrrspondrns berichtet: In emem unlängst gegen Sozialdemokraten wegen Geheimbündelei ge- führten Prozesse konnte der Kriminalbeamte Schöne als Zeuge bekunden, daß es der Polizei neuerdings gelungen sei, sogar Vertrauensmänner der hiesigen Arbeiterpartei für sich zu ge- Winnen. Wie man jetzt erfährt, handelt es sich hier besonders um einen Herrn Nickel in der Wrangelstraße, welcher in die Geheimnisse der Parteiorganisation tief eingeweiht war. Jnter- essant ist es, mit welcher Energie man von Seiten der Arbeiter den Mann zu überführen verstanden hat. Nachdem in einer Be- sprechung vor dem längst beargwöhnten N. eine fingirte Partei- fache von größter Wichtigkeit besprochen worden war, wurde er von sechs intelligenten Arbeitern ununterbrochen Schritt für Schritt, Tag und Nacht überwacht. Auf diese Art gelang es, festzustellen, daß N. in einer Nacht bald nach jener Komitee- sitzung mittelst.Haus- und Korridorschlüssels, welche er bei sich führte, die Wohnung eines den Sozialdemokraten bekannten Geheimpolizisten betrat. Als sich N. beini Verlassen jenes Hauses ertappt sah, soll er einen Schreckensruf ausgestoßen haben. Man begniigte sich jedoch, ihn init einigen Worten der Verachtung seine Straße ziehen zu lassen. Der Studentruschwindler SeUman«, welcher vor kurzem einem hiesigen Studenten M. auf so üble Weise mit- gespielt, hat sich, wie die von der Kriminialbehörde vorgenom- mcnen Nachforschungen ergeben haben, nach Ncustrclitz begeben und dortsclbst, wie richtig vermuthet worden, die dem stuä. M. entwendeten Visitenkarten und Legitimationen zu neuen Schwindeleien gcmißbraucht. Die Recherchen haben erwiesen, daß der Schwindler Sellmann identisch ist mit dem von der Staatsanwaltschaft zu Rostock steckbrieflich verfolgten, schon mehrmals wegen Diebstahls und Betrugs vorbestraften Privat- schreiber Kohlmann aus Stolzenberg. Bei seinen dortigen Be- trügcreien hat derselbe Visitenkarten auf„Carl von Falkenberg- Proschlitz" benutzt; hierbei sei bemerkt, baß es solch einen Namen gar glicht giebt. Kohlmann alias Sellmann ist noch ani 31. Dezember v. I. in Neustrelitz gewesen und hat, wie die dortige Staatsanwaltschaft die hiesige Kriminalpolizei ver- ständigt. dortselbst unter Benutzung der Legitimationspapicre des stuä. M. drei goldene Damcn-Remontoiruhren erschwindelt. Der dortige Staatsanwalt giebt als besondere Merkmale an: Auffallend blasse Gesichtsfarbe, Tragen eines Kneifers und den schon hier erwähnten großen Schlüssel statt der Uhr an der Uhrkette. Ein wohnungsuchrndrr Leser theilt«ns mit, daß er bei seinen Irrfahrten nach einem neuen.Heim auch schließlich nach dem Neubau des Fuhrherrn Aug. Meier in der Hussiten- straße kam. Hier fand er eine Wohnung, die ihm gefiel und die er gern gemiethet hätte. Uebcr den Preis und andere Sachen wurde er einig, als er jedoch am nächsten Tage wiederkam, um den Kontrakt abzuschließen, wurde ihni mitgetheilt, daß die Wohnung bereits vermiethet sei, daß ihm in dem Hause eine andere Wohnung aber auch nicht vermiethet werdeil könnte, ich rette Sie, Ihr Pferd ist gesattelt, folge» Sie mir, aber leise, leise." Lackinsku antwortete, diesmal gefaßter, in deutscher Sprache, sich sofort aus seiner Schlaftrunkenheit empor- raffend und der gestrigen Begebenheit eingedenk: „Was sagen Sie? Zch verstehe Sie nicht." Wieder verlangte Castanos darauf die Freilassung des Fremden, indessen wirkte bei den Offizieren die Aussage des Bauern noch immer nach; sie konnten sich von der russischen Eigenschaft des Gefangenen nicht überzeugen undAje Folge ihrer Einwendungen war, daß der Pole noch eine Nacht im Kerker bleiben mußte. Am folgenden Morgen kamen fünf Guerilleros zu ihm und erklärten ihm unter wüthendem Schimpfen und mit den niedrigsten Bezeichnungen für die Franzosen und deren Kaiser, daß er ihnen vor das Kriegs- gericht folgen müffe. Ohne eine Miene zu verziehen, l,eß sich Lackinsky hinauszerren, denn er durfte ja nichts ver- standen haben, weil selbst seine Kenntniß des Spamschen ihn als Franzosen verdächtig machen mußte.— Die Offi- zrere des Generals Castanos bildeten das Kriegsgericht; auf den Stufen des kleinen Altars hatten sie Platz genommen. Lackinsky verlangte in deutscher Sprache einen Dolmetscher und dieser wurde geholt, nachdem einer der Herren, der etwas Deutsch verstand, das Begehren vorgetragen hatte. Das Verhör begann. Man fragte, was der Zweck der Reise von Madrid„ach Lissabon sei, und der Pole ant- wartete, indem er sich auf die Depeschen Stroganoff's an Sintarin berief, daß er kaiserlich russischer Kourier und ein Gardeoffizier des Kaisers Alerander sei. „Fragt ihn, ob er ein Freund der Spanier sei," sagte der Borsitzende zum Dolmetscher. „Das bin ich," entgegnete Lackinsky, nachdem ihm letz- terer die Worte übersetzt hatte; ich ehre und achte Spanien und seine hochherzigen Bewohner und wünsche nur, baß sie mit meinem russischen Vaterlande vereinigt im Bündniffe stehen möchten." weil er— wie es schließlich herauskam—„drei bis vier Kinder haben sollte". Entrüstet fragte der Miether, ob er seinen Kindern vielleicht die Hälse abschneiden oder sie in die Spree werfen solle. Der humane Hauswirth blieb ihm die Antwort � fl-inr traurige Sylvesternacht hat die Familie eines hiesigen Tischlers durchgemacht. Der Tischler hatte in letzter Zeit sich oft schwermüthig gezeigt; doch am Sylvesterabend war er guter Dinge und hatte seine Familie und Angehörigen zu einer Punschbowle um sich versammelt. Gegen 11 Uhr wurde der Unglückliche einsilbig und traurig und ging ins Nebenzimmer. Seine Familie glaubte, er habe sich hingelegt, um auszuruhen. Als die Glockcnschläge den Anfang des neuen Jahres verkündeten, ergriffen alle das Glas und begaben sich ins Nebenzimmer, um dem Familienoberhaupt Glück und Segen zu wünschen. Doch das Zimmer war leer; nach langen» Suchen fand man den Un- glücklichen auf dem Boden erhängt. Uon einem Kefncher de« Zoologischen Garten« wird uns geschrieben, daß, als er ain Sonntag, den 1. d. M., den Zoologischen Garten besuchen wollte, ihm, trotzdem an den Säulen der Eintrittspreis mit 25 Pf. festgesetzt war, doch für die Person 50 Pf. abverlangt wurden. Es wäre das ein un- verantwortliches Vorgehen von Seiten der Direktion. Kemrgnng der KevölKerung Kerlin» nach den Ver- öffentlichungen des statistischen Amts der Stadt. Die fortge- schriebene Bevölkerungszahl betrug am 11. Dezember einschließlich der nachträglichen An- und Abmeldungen 1 413 930, hat sich demnach gegen die Woche vorher um 688 Seelen vermehrt. In der Woche vom 11. bis 17. Dezember wurden polizeilich gemeldet 1875 zugezogene, 1803 fortgezogene Personen; standesamtlich wurden 196 Ehen geschlossen. Geboren wurden 921 Kinder, und zwar lebend: 459 männliche, 437 weib- liche, zusanunen 896(darunter 87 außereheliche), todt 16 männliche, 9 weibliche, zusammen 25(darunter 3 außereheliche) Kinder. Die Lebendgeborenen, aufs Jahr be- rechnet, bilden 33,0, die Todtgeborcnen 0,9 pro Mille der Be- vöikerung, die außerehelich Geborenen 9,8 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebendgeborenen 9,5, die bei den Todtgeborenen 0,3 pCt. In der Charitee und Entbindungsanstalt wurden 35 Kinder geboren. Gestorben (ohne Todtgeborene) sind 478, nämlich 249 männliche, 229 weibliche Personen. Bon diesen waren unter 1 Jahr alt 130 (inkl. 27 außereheliche), 1 bis 5 Jahre 85(inkl. 9 außereheliche), 5 bis 10 Jahre 9, 10 bis 15 Jahre 7, 15 bis 20 Jahre 4, 20 bis 30 Jahre 37, 30 bis 40 Jahre 46, 40 bis 60 Jahre 87, 60 bis 80 Jahre 64, über 80 Jahre 9. Die Sterbefälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 42,7 ptC. sämmt- licher in der Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindern starben 36 im ersten, 21 im zweiten, 14 im dritten, 13 im vierten, 11 im fünften, 13 im sechsten, 22 im siebenten bis zwölften Lebensmonate; von den- selben waren ernährt 23 mit Muttermilch, 0 mit Ammenmilch, 75 mit Thiermilch, 3 mit Milchsurrogaten, 12 mit gemischter Nahrung, von 17 war es unbekannt. Todesursache war bei den in dieser Woche Gestorbenen namentlich: Lungenschwind- sucht(76), Lungenentzündung(45), Bronchialkatarrh(19), Kehlkopfentzündung(14), Krämpfe(34), Gehirnschlag(15), Gehirn- und Gehirnhautentzündung(10), Krebs(22), Altersschwäche(12), Lcbensschwäche(19), Abzehrung(14), Masern(6), Scharlach J5), Diphtherie(24), Typhus(3), Diarrhöe(6), Brechdurchfall(9), an anderen Krankheiten starben 145 und durch Selbstmord 10, davon durch Vergiftung 0, durch Erschießen 1, durch Erhängen 7, durch Ertrinken 2, durch Sturz aus dem Fenster 1. Die Sterblichkeit der Woche, auf das Jahr berechnet, kommen durchschnitt- lich auf 1000 Bewohner in Berlin 27,9, in Breslau 31,3, in Bremen 20,9, in Frankfurt a. M. 19,8, in Köln 27,4, in Dresden 25,1, in München 24,3, in Stuttgart 21,5, in Wien 27,5, in Paris 22,1, in London 20,1, in Liverpool 20,6. In der Woche wurden dein Polizeipräsidium gemeldet als erkrankt an Typhus 12, an Masern 102, an Scharlach 58, an Diphtherie 78, an Pocken 1. In den 9 größeren Krankenhäusern wurde» in der Berichtswochc 759 Kranke aufgenommen, davon litten an Masern 5, an Scharlach 12, an Diphtherie 33, an Typhus 9, an Rose 9. Es starben 101 Personen oder 20,8 pCt. aller in der Woche Gestorbenen; als Bestand verblieben in den Kranken- Häusern 3608 Kranke. Polizeiberlcht. Am 31. v. M. wurde ein unbekannter Mann vor dem Hause Kronenstraße 52 von Krämpfen befallen und, da er sich nicht wieder erholte, nach der Charitee gebracht. — Um Mitternacht erhängte sich in einem Anfall von Schwer- muth ein Tischler auf dem Bodenraum seiner in der Friedrichs- straße belegenen Wohnung. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— Mehrere unbedeutende Brände erforderten kurze Zeit die Thätigkeit der Feuerwehr.— Am 1. d. M. Vormittags wurde im Friedrichshain ein Mann von außerhalb erschossen vorgefunden. Es liegt zweifellos Selbst- mord vor.— Gegen Abend wurde in der Jnvalidenstraße ein unbekannter Mann bewußtlos auf der Erde liegend vorgefunden und nach der Charitee gebracht.— Abends wurde an der Ecke der Friedrichs- und Johannisstraße ein Mann durch eine Droschke überfahren und am linken Knie anscheinend schwer verletzt. Er wurde nach der Charitee gebracht.— Um dieselbe Zeit fiel ein Dienstmädchen an der Fischerbrücke beim Wasser- schöpfen in die Spree, wurde aber durch einen Schutzmann als- bald wieder herausgezogen.— An demselben Tage brannte „Oberst," sagte jetzt der Dolmetscher in französischer Sprache zum Präsidenten,„der Gefangene sagt, er sei ein Russe, und sein Monarch stehe mit Napoleon in Freund- schaft, schon deshalb hasse er die Spanier, er verachte sie aber auch persönlich, weil sie wie Räuber Krieg führten und verdienten, mit einem Schlage vernichtet zu werden." Während der Dolmetscher sprach, erhoben sich alle An- wesenden mit gut geheuchelter Entrüstung, hielten aber die Augen scharf auf den Gefangenen gerichtet. Jetzt mußte es sich sicher zeigen, ob er Französisch verstand; als Franzose mußte er sich jedenfalls verrathen und versuchen, die schein- bare Schlechtigkeit des Dolmetschers, die ihn verderben wollte, zu widerlege». Lackinsky aber stand ruhig und still, wie zuvor, verwundert die Aufregung der Herren"betrachtend und einen fragenden Blick auf den Dolmetscher heftend. Nicht die geringste Veränderung zeigte sich auf seinen Zügen, und doch war er sicher dem Tode nie näher gewesen, als in diesem Augenblicke. „Meine Herren," sagte jetzt General Castanos, der zur Seite stehend, seine Offiziere mit leisem, ironischem Lächeln betrachtet hatte und den jungen Polen mit Erstaunen fixirte, „werden wir jetzt den russischen Kourier seine Reise fort- setzen laffen?" Es wagte keiner mehr Einspruch zu thun; man holte das Pferd, die Waffen und die Papiere des Gefangenen und eine Stunde später befand er sich auf der Weiterreise nach Lissabon, wo er, nicht weiter behelligt, ankam und sein Abenteuer erzählte. In allen Kreisen sah er sich deshalb gefeiert; er war der Held des Tages und sah seine Kühn- hest durch die Marschallin Junot, die Verfasserin der Me- moiren der Herzogin von Abrantes, der Nachwelt überliefert. Die Herzogin selbst empfing ihn in ihrem Kreise, und von General Castanos bewahrte er als Andenken eine goldene Uhr mit dem Bildnisse des Generals, die dieser jedenfalls selbst in die Satteltasche geschoben und welche er am fol- genden Rasttage dort vorfand. Schmidstraße 7 der Fußboden unter einem Kochherd, Strom» straße 22 Betten und Kleider in einer Kellerwohnung, Naunyn- straße 68 ein Gemüllkorb auf dem Boden und in der Nacht zum 2. d. M. Prinzenstraße 76 Kleidungsstücke auf einem Hängeboden._ Gerichts-Ieituny. Krdenkliche Ueberariffe zweier Kriminalschutzleute wur- den gestern durch eine Verhandlung gegen den Schankwirthe Karl Schröter und dessen Ehefrau vor der ersten Strafkammer am Landgericht I enthüllt. In der Nacht zum 27. Mai sahen zwei Beamte in den» Lokale der Angeklagten nach Schluß der Polizeistunde noch Licht, sie wollten aus dem Grunde feststellen, ob sich noch Gäste in dem Lokale befinden. Der eine Schutz» mann ließ sich vom Nachtwächter die Hausthür aufschließen, um so zu dem zweiten Ausgang des Lokales, der nach den».Hofe führte, zu gelangen, während der andere Beamte von der Straße aus in das Lokal eindringen sollte. Der Angeklagte bekam aber Wind von dieser Ueberruinpelung und begab sich auf die Straße. Da er dort Niemanden fand, ging er in den tzof und traf dort auch mit dem Beamten und Nachtwächter zusammen. Während nun der Wirth im Hofe verhandelte, betrat auch die Frau die Straße, und diese traf nun mit dem zweiten Beamten zusammen. Der Schutzmann begehrte, als ihm bedeutet wurde, daß jetzt nichts mehr verabfolgt werden könne, mit barschen Worten den Einlaß, indem er hinzufügte, er sei Kriminalbeamter. Die Frau kannte den Beamten, der sich in Zivil befand, nicht, glaubte vielmehr einen Gast vor sich zu haben, doch derBeamte ergriff sie am Arm und trat in das Lokal ein. Als er zurückkam, gcrieth er nochmals mit der Frau in Differenzen, die in ein allgemeines Handge- menge übergingen, als der Wirth vom Hofe zurückkam und den Beamten mit seiner Frau in Streit fand. Der Wirth mußte nun mit zur Wache folgen. Inzwischen war der andere Schutz- mann vom.Hofe aus in das Lokal eingetreten, und dabei soll ihm Frau Schröter vorgeworfen haben, daß er früher, als er sich noch in ihrem Lokale vollgegessen und getrunken habe, nicht solche Geschichten gemacht hätte. In dem Lokale wurde noch ein Gast gefunden uud wegen dieser Ueberschreitung wurde auch der Wirth in eine Polizeistrafe genommen. Gleichzeitig aber wurden die Eheleute noch wegen Widerstandes und die Frau auch noch wegen Beleidigung unter Anklage gestellt und vom Schöffengericht zu 75 M. event. 100 M. Geldbuße vcrurtheilt. Gegen dieses Erkenntniß legten sie Berufung ein, und die heutige Verhandlung, welche mit der Freisprechung beider An- geklagten endete, hatte für die Beamten einen ungünstigcu Verlauf. Der Staatsanwalt erklärte selbst, daß es ein sehr be- dauerlicher Fall sei, daß zu diesem Widerstande die Beamten die Provokation gegeben hätten, und daß deren Vorgehen t Heils ein vollständig unberechtigtes und andernthells mindestens ein sehr ungeschicktes gewesen sei. Gin äußerst gefährticher Ginbrecher, der„Arbeiter" Friedrich Wilhelm Leopold Nürnberg, hatte sich wegen ver- schiedener Bodendiebstähle vor der dritten Strafkainmer am Landgericht I zu verantworten. Der Angeklagte ist schon wegen Diebstahls vorbestraft, nach seiner Entlassung machte er die Bodendk'östähle zu seiner Spezialität. Als er in einem Hause' wieder einen Besuch abstattete und eben in voller Arbeit war, ließen Hausbewohner gerade eine Sendung Hol; nach dem Boden bringen. Bei dieser Gelegenheit wurde er entdeckt und festgenommen. Eine Haussuchung bei ihn» lieferte mehrere Gegenstände, die aus früheren derattigen Diebstählen herrührten, ans Tageslicht. Es wurden 6 Fälle angcnominen und durch ein offenes Geständniß erivarb er sich noch einmal Aiilderungs- gründe. Das Urthcil lautete auf 3 Jahre Gefängniß und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. Mainz, 30. Dezember. In der heutigen Sitzung der Strafkainmer des Lai»dgerichts wurde ein Hilfsschutzmann, welcher einen betrunienen Arrestanten mit einem Stock in ganz jämmer» licher Weise geprügelt hatte, zu einer Geldbuße voii 50 M. vcrurtheilt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gefängnißstrafe von 4 Wochen beantragt. Zürich, 28. Dezember. Das eidgenössische Bundesgericht hat dieser.tage die Regierung des Kantons Freibrirg verur- theilt, einem jungen Bauernknecht 100 Franken Entschädigunz zu zahlen dafür, daß derselbe auf Befehl des Präfekten von Romont in Chatelard angesichts der ganzen Gemeinde beim Verlassen der Kirche festgenoinmen, ins Gefängniß geschleppt uird erst am nächsten Morgen ohne weitere Erklärung»vieder auf freien Fuß gesetzt worden war. Der Ortspfarrer, mit dem der Bursche einen kleinen Wortrvechscl gehabt, hatte diesen Will- kürakt angestiftet und der Präfett war dem„würdigen" Herrn zu Willen gewesen. In der Schweiz übt man aber noch Ge- rechtigkeit auch gegen Präfetten und Pfarrherren. Uereine und Uerlummlungen. Freie Kranken- und Kegräbnißkaste der Schuhmacher uird Berufsgenossen Berlins. Die ordentliche General- versainmlung findet am Montag, den 9. Jaiuiar 1888, AbendS 8 Ilhr,»in Lokale des Herrn Feuerstein, Alte Jakobstraße 75, im oberen Saale statt. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher und jährlicher Kassenbericht. 2. Innere Angelegenheiten. 3. Wahl des Vorstandes und Ausschusses. 4. Verschiedenes. Quittungs- buch legitimirt. Der Wiener Maskenball findet ain 13. Februar statt. Uerdand deutscher Jimmerleute, Lokalverband„Berlitt Nord". Generalversammlung am Mittivoch, den 4. Januar� Abends 8 Uhr, in Zimmermann's Gesellschaftshaus, Kösliner- straße 17. Tsgesordnung: 1. Gewerkschaftlicher Vortrag. 2. Abrechnung. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Verein zur Wahrung der Interessen der Klavierarb» iter. Die nächste Mitgliederversammlung findet am Sonnabend, den 7. Januar, Abends 8% Ur, in Gratweil's Bierhallen, Beuthstr. 18, Aufgang Treppe E, statt. Die koin- binirte Vorstandssitzung wird heute, Dienstag, Abends 8j Uhr, im Restaurant Winzer, Naunynstr. 78, abgehalten. Kranken- und Kegräbnißkasse der Kan- und Fabrikarbeiter Kerlin»(eingeschriebene Hilfskasse Nr. 13). General- versainmlung der Mitglieder am Sonntag, den 8. Januar, Vormittags 10t Uhr, im Lokale des Herrn Saeger Grüner Weg Nr. 29. Tagesordnung: Kassenbericht. Innere Kassen- angelegenheiten. Verschiedenes. Das Ouittungsbuch legitiinirt. Der Verein der Dameninäntel- SchueidergrseUe» (Bügler, Stepper und Zuschneider) hält seine Versammlung am 3. Januar, Abends 8t Uhr, bei Prawitz, Michaelkirchstraße 39, ab. Wahl des neuen Vorstandes. Ganverei« Kerliner Kildhaner, Annenstraße 16. Heute, Dienstag, gemüthlicher Abend. Verband deutscher Zimmerlente. Lokalverband„Berlin Süd". Versammlung in den Jndustrichallen. Mariannenstr. 37, am Donnerstag, den 5. Januar, Abends 8 Uhr. Tagesordnung: 1. Vortrag über Treppenkonstruktion. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt. Zrntral-Kranken- nnd Sterbekasse de» Drutsche» Senefeldrr-Knnde» iE. H.), Verwaltungsstelle Berlin. Heute, Dienstag, Abends 8 Uhr, i>n Restaurant Weick, Alexander« straße 31, Mitglieder- und Verwaltungsversammlung. Gesang-, Turn- nnd gesellige Vereine am Dienstag. Gesangverein„Gutenberg" Abends 8', Uhr im Restaurant Ouandt, Stralauerstraße 43.— Gesangverein„Alpenglühen" Abends 9 Uhr im Restaurant Hildebrairdt, Prinzenstraßc 97.— Schäfer'scher„Gesangverein der Elfe?'. Abends 9 Uhr bei Wolf und Kruger, Skalitzerstraße 126, Gesang.— Männer« gesangvcrein„Gartenlaube. Abends 9 Uhr im Restaurant Firk, fluttbuferftrale 22.— Männergesangverein„Steinnelke" Abends 9 Uhr im Restaurant Schulz, Stettinerstraße 56—57.— Gesangverein„Schwungrad" Abends 8', Uhr Annenstrahe 16, im Restaurant Sahm.— Gesangverein„Sängerhain" Abends 6 Uhr bei Beyer, Prinzenstr. 96.— Gesangverein„Hoffnung Moabit" Abends 8';, Uhr Wilsnackersiraße 68, im Restaurant JIges.— Zitherklub„Amphion". Abends 9 Uhr Uebungs- stunde im KuUürstenkellcr, Poststraße 5.— Turnverein„Froh und Frei"(Männerabtheilung) Abends 8'/, Uhr Bergstraße Nr. 57.— Berliner Turngenossenschaft(V. Männerabtheilung) Abends 8 I, Uhr in der städtischen Tumhalle, Wasser- thorstraße Nr. 31.— Turnverein„tzasenhaide"(Männer- Abtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstraße Nr. 60/61. — Rauchttub„Deutsche Flagge" Abends 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelstr. 11.— Verein ehemaliger Schüler der 87. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Kinner, Kbpnickerstraße 68.— Verein ehemaliger Schüler der 44. Ge- meindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant„Albrechtsgarten", Wilhelmstraße Nr. 105.— Arends'scher Stenographen- Verein ,, Apollobund" Abends 8'/. Uhr Brunnenstraße 129>.— Arends- scher Stenographen-Verein Abends 8'/, Uhr im Restaurant„Zum eisernen Kreuz", Lindenstr. 71.—„Deutscher Verein Arends'scher Stenographen Abends 8', Uhr in Randel's Restaurant, Brunnen- straße 129'.— Verein„Rose" Abends 8', Uhr im Restaurant Eltze, Alexandrinenstraße 99.— Vergnügungsverein„Mollig" Abends 9 Uhr im Restaurant Reinicke, Gipsstraße 3, jeden Dienstag nach dem 1. und 15.— Rauchklub„Zum Wrangel" Abends 3 Uhr bei Blocksdorf, Wrangelstr. 32. Kleine Mittheilungen. Uordhause«, 30. Dezember.(Unglücksfall durch Ver- schüttung.) In einer Kiesgrube bei Henschleben wurden am Nachmittage des 27. d. Mts. drei Arbeiter durch nieder- gehende Kiesmassen verschüttet und zum Thcil schwer verletzt. Am schlimmsten verletzt wurde der Bahnwärter Ziegner aus Walschleben, der auf dem Transporte nach Malsch- leben verstarb. Kreme«, 1. Januar. Heute Vormittag 10 Uhr brach in der alten Börse Feuer aus. Der Brand wurde gelöscht, nach- dem der größte Theil des Dachstuhls durch das Feuer zerstört war. Die Räume darunter find durch Wasser beschädigt; die dann befindlichen Gemälde, Akten:c. wurden unversehrt geborgen. Das in nächster Nähe liegende Rathhaus, sowie die umliegenden Gebäude find unversehrt. Pest, 28. Dezember.(Ein trauriger Weihnachtsabend.) In der Gemeinde Barancs des Zempliner Komitats lebt ein armer Schneider, welcher nicht die Mittel hatte, seinen Kindern zu Weihnachten einen Weihnachtsbaum aufzustellen. Die Kleinen wollten sich jedoch für das Ausbleiben des hellsttahlenden Weihnachtsbaumes entschädigen, und als die Eltern zu Bette ge- gangen waren, schlichen sich die Kinder in eine Kammer, wo sie den Strohsäcken Stroh entnahmen und dasselbe entzündeten. Bald hätten jedoch auch die Sttohsäcke Feuer gefangen und im Nu stand die ganze Kammer in Flammen. Die beiden älteren Knaben liefen noch rechtzeitig ins Freie, das jüngste der Kinder war aber bereits verkohlt, als die verzweifelte Mutter in die Stube drang, um ihre Kinder zu retten. Die Frau erlitt ebenfalls schwere Brandwunden. Madrid, 29. Dezember. Ein großes Eisenbahn- Unglück fand nordwestlich von Madrid, auf der Linie Baponnc-Madrid in der Nähe von Avila statt. Es ist wildes Gcbirgsland. Avila ist noch 113 Kil. von Madrid entfernt und 63 Kit. von Escorial. Die Station Avila liegt 1132 Meter über der Mecresfläche. Von Avila find in der Richtung auf Madrid noch 23 Kilometer bis zum höchsten Punkte der Sierra de Guadarrama, welchen die Bahn bei Herradon la Canada erreicht. Diese Station liegt 1359 Meter über der Meeresfläche und ist die höchstgelegenste Eisenbahnstation Spaniens. Die Bahn- anlage in diesem Gebirgsland war eine außerordentlich schwierige und kostspielige. Die kurze Strecke zwischen Avila und Canada enthält allein 6 Tunnels, die eine Gesammtlänae von 4i Kilometer haben, außerdem zahlreiche Viadutte, Gallerien und kolossale Einschnitte. Der Eisenbahnverkehr in dem Guadarrama-Gebirge ist im Winter wegen der vielen Schnee- stürme immer mit großen Schwierigkeiten verbunden. Auch bei dem neuesten Unglücksfall blieb em Güterzug während eines Schneesturmes im Schnee stecken. Der Stationsvorsteher eines tieinen Dorfes. 12 Kilometer von Avila, ließ den Postzua auf dem einzigen Geleise der Linie abfahren, weil ihm der Güter- zug nicht signalistrt war. Der Postzug fuhr nun duf den im Schnee steckenden Güterzug und der Zusammenprall war trotz des Schnees so stark, daß beide Maschinen und mehrere Wagen zertrümmert und viele Personen getödtet und verletzt wurden. Man spricht von 20 Todten und über 30 Verwundeten. Die Szene, die erfolgte, soll schrecklich gewesen sein. Da kein Dorf in der Nähe war, dauerte es vier Stunden, bis von Avila die erste ärztliche Hilfe eintraf. Die Verbindung mit dem Norden ist unterbrochen und es wird wohl einige-rage dauern, bis sie wieder hergestellt ist. Auch in anderen Gegenden Spaniens find die Berbindungen durch Schneefall vielfach unterbrochen. Hier liegt so viel Schnee, daß gestern und heute aller Verkehr mit Tramways und Wagen völlig aufhätte. Das ist schon viele Jahre nicht mehr dagewesen. Tri« st, 1. Januar. Der Lloyddampfer„Achille" ist mit der ostindisch' chinesischen Post aus Alexandrien heute Morgen hier eingetrossen. London, 30. Dezember.(Theaterbrand.) liebet den Brand des Granv Theatre in Jslingston wird weiter berichtet: Das Feuer brach gegen 1 Uhr Morgens in den Soffiten aus, muth- maßlich infolge einer Gasexplosion, und ergriff das Requisiten- magazin. Von dott verbreiteten sich die Flammen über die Bühne nach dem Zuschauerraum, der bald lichterloh brannte. Wäre das Feuer während der Vorstellung ausgebrochen, so hätte sich das Publikum, ungeachtet der zahlreichen und breiten Ausgänge, schwerlich rasch retten können. Die Galctten stürzten in kürzester Zeit ein, worauf die Flammen das Dach ergttffen, und binnen drei Stunden war das stattliche Theater, welches Raum für 3000 Personen hatte, gänzlich ausgebrannt. Die Hintermauer des Gebäudes stürzte ein und die Trümmer fielen auf die hinter dem Theater gelegenen Ställe der General Omnibus Company, infolge dessen acht Pferde getödtet wurden. Ein Stallbursche wurde verschüttet und erlitt solch er- hebliche Verletzungen, daß ihm ein Bein amputirt werden mußte. Seit Weihnachten wurde in dem Tbeater allabendlich bei aus- verkauftem Hause die Pantomime„Dick Whittington und seine Katze" gegeben. In dem Stücke waren über 250 Personen beiderlei Geschlechts beschäftigt. Die Dekorationen, die Garde- rode und alle Requisiten find verbrannt; außer dem Theater selber war nichts versicherk. Das Theater war seit August 1883 eröffnet, nachdem es im Jahre vorher ebenfalls niedergebrannt war. Damals führte es den Namen„Philharmonie Mufic Hall"._ Uermischtes. Ileber Geistesstörungen in der Armee im Ftteden und im Kriege veröffentlicht Dr. Dietz, erster Assistenzarzt an der psychiatttschen Klinik in Leipzig in der„Zeitschttft für Piychiatrie" einen interessanten Aufsatz, welchem wir folgendes entnehmen: Das verhältnißmäßig große Kontingent der Geistes- kranken, welches die Armee stellt, berechtigt zu dem Schlüsse, daß die eigenthümlichen Verhältnisse des militättschcn Dienstes Faktoren enthalten, welche das Entstehen von Geisteskrankheiten begünstigen. Im Frieden ist die Zahl der Geiftesttanken im ersten Dienstjahr am größten, um dann schnell abzunehmen, und ni*'»'■m vierten Dienstiabre wieder zu steigen. Die An- forderungen an die körperliche und geistige Energie find im An- fange der Dienstzeit, weil ungewohnt, am größten; denselben fallen die weniger reflstenzfähigen, erblich oder individuell be- tasteten Individuen zum Opfer. Die Geisteskrankheiten nach dem vierten Dienstjahre betreffen Offiziere oder Unteroffiziere: die Kraft des Körpers und die Elastizität des Dienstes nimmt ab und erweist sich den Anforderungen des Dienstes häufig nickt mehr gewachsen, und kommen noch persönliche Mißverhältnisse dazu, so entwickelt sich leicht ein neuropathischer Zustand, auf dessen Boden jede Gelegenbeitsursache eine Psychose hervor- rufen kann. Von größter Wichtigkeit wird es demzufolge sein, die Einstellung prädisponitter Individuen zu verhüten. Es kann nicht auffällig erscheinen, daß der Ktteg mit seinen Strapazen, seinen mechanischen und physischen Einflüssen schwerer körperlicher Erkrankungen w. in noch höherem Grade als der Friedensdienst das Entstehen von Geisteskrankheiten be- günsttgt und ganz besonders bei Prädisponirten schnell eine Katasttophe herbeiführen kann. Dazu verleiht der Krieg den Geisteskrankheiten einen eigenartigen Charakter, den der ausge- prägten physischen Schwäche, wozu häufig notottsche Störungen, besonders der progressiven Paralyse, kommen. Die Prognose der akut im Felde erkrankten und frühzeitig in Behandlung ge- kommcncn Fälle ist günstiger als die spät entstandenen oder verschleppten. Dott überwiegen akute Reizungs- oder Er- schöpfungszustände, hier chronische Formen, namentlich Pa- ralyse. Dnrchlässtgkeit gußeiserner Röhre«. Um die Durch- lässigkeit gußeiserner Röhren vom gesundheitlichen Standpunkt zu prüfen, sind nach einer Mittheilung der„Gazette des t-avaux publi s" Versuche mit der sogenannten Pfeffermünz- probe unter gleichzeitigem inneren hohen Druck angestellt worden. Es ergab sich dabei, daß die getheetten Röhren sämmtlich dicht, die ungetheetten Röhren in genngem Grade durchlässig waren, und zeigte sich dies Ergebniß sowohl bei Gas- als Wasserleitungsröhrcn. Der Versuch beweist, daß ein sorg- fältiges Theeren hinreicht, die dem Auge unbemerkbaren Löcher zu verschließen. f olzwürmer in Möbeln. Das beste Mittel dagegen ist uftösung: 5 Gramm Karbolsäure in 100 Gramm Wasser. Man bringt das Mittel mittelst eines kleinen Pinsels oder mit einem Oeler, wie solche Nähmaschinen beigegeben find, in die Löcher. Wenn die Anwendung einige Male wiederholt wird, so werden dadurch alle Insekten und ihre Brut erstickt. Unter den Ortschaften de» Deutschen Reiche» giebt es 21 Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern. Wir führen dieselben nach der Größe auf, weil man oft über ihre Reihen- folge debattircn hött: Berlin 1 315 287 Einwohner, Hamburg 305 690, Breslau 299 640, München 261 981, Dresden 246 086, Leipzig 170 340, Köln 161401, Frankfurt a. M. 154513, Königsberg 151 151,.Hannover 139 731, Stuttgart 125 901, Bremen 118 305, Düsseldorf 115190, Nürnberg 114891, Danzig 114805, Magdeburg 114 291, Straßburg 111 987, Chemnitz 110817, Elberfeld 106 499, Altona 104 717 und Barmen 103 067; ferner sind 23 Städte mit 50-100 000 Einwohnern und 296 Ortschaften mit 10—50000 Einwohnern vorhanden. Unter letzteren find 25 Dörfer und 7 Vororte; von den Dörfern sind die größten Altendorf im Kreise Essen mit 25 693, Borbeck eben da mit 24 601 und Rixdors mit 22 775 Einwohnern. Saubere„Gottesstreiter". In dem Orte Hlstas bei Rekase(Ungarn) wurde dieser Tage eine wohlorganisttte Bank- notenfälscherbande entdeckt, an deren Spitze der dortige Ge- meindelehrcr und der rumänische Pfarrer stehen. Die Platten und sonstige zur Banknotenherstellung erforderlichen Behelfe und Werkzeuge wurden in der Kirche aufgefunden. Neueste Nachrichten. Grpatriirung und Theilnahme der Sozialdemokraten an den Reichstagomahlen. Die„Schles. Ztg." weiß zu melden:„Aus sozialdemottatischen Kreisen verlautet, daß sich die Sozialdemokraten, falls die Expatriirungs-Vorlage zum Gesetz erhoben werden sollte, fernerhin nicht mehr an den Reichstagswahlen betheiligcn wollen." Der angekündigte Autrag der Konservativen wegen Aufhebung des Identitätsnachweises für Getreide soll dahin gehen, daß die bei der Einfuhr ausgestellten Zoll-Quittnngen bei der Ausfuhr der gleichen Quantität von Getreide zum vollen Bekage zurückgezahlt werden. Dom Dosrner Sotialistenprozrß. Aus Posen, 2. Januar, wird dem„Berl. Tagebl. telcgraphitt:„Heute Vormittag 9 Uhr begann hier die Verhandlung des schon seit längerer Zeit schwebenden Sozialistenvrozesscs. Unter den sieb- zehn aus der Haft vorgeführten Angeklagten befindet sich auch eine Frau. Die Vcrtheidigung führen die Rechtsanwälte Sachs und Flatau aus Berlin, Türkheim-Hamburg, Dziembowski-Poscn. Zwei Posen« Kriminalbeamte und der französische Dolmetscher des Posener Gerichts fungiren als Sachverständige; es sind 28 Zeugen geladen. Die Oeffentlickkeit wurde bereits heute Vormittag für die Dauer des ersten Tages ausgeschlossen. Die Anklage lautet auf Geheimbündelei. Ein Theil der Angeklagten ist der deutschen Sprache nicht mächtig; die Verhandlungen werden daher theilweise unter Zuziehung eines polnischen Dol- metschers geführt.". � a,. � Der Redakteur Morgenstern ist auf den Antrag der Polizeidirettion durch Verfügung des Ministers des Innern aus Bayern ausgewiesen worden. Polizeiagenten. Ein Korrespondent der„Köln. Ztg. giebt zu, daß der Tischler Schröder in Zürich und der Agent Haupt in Genf zu den Agenten gehörten, welche die Berliner Polizei in den sozialistischen Zentren Genf. Zunck, Bern, London, Paris und selbst Barcelona unterhält. Früher hatten sich solche Agenten ebenfalls manchmal bloßgestellt, die Sache wurde aber dann unter den Sozialisten selbst abgemacht. Man bezeichnete„allen Genossen' die Betreffenden, und diese machten sich ohne Sana und Klang aus dem Staube. Dieses Mal gestaltet sich die Sache anders, weil die„Agence libre" sich derselben bemächtigte, um Bismarck nihilistischer Umtriebe(sie!) anzuklagen, und dann nach ihr die radikalen Blätter sich mit derselben beschäftigten. Selbstver- ständlich(!) hat auch die französische Polizei unter den Sozialisten ihre Leute, die sie von deren Thun und Treiben unterrichtet halten. Sie v e r s ch a f f t e s o g a r E n d e 1378 der deutschen Polizei einige Agenten für Genf und London."(!!) Au« Ankarrst wird unterm 1. Januar gemeldet: Eine Botschaft des Königs spricht den Schluß der parlamentarischen Session und die Auflösung der Deprtirtenkammer aus. Die Neuwahlen sind auf den 4. Febmar er. anberaumt, die Kammern sollen am 19. Februar er. zusammentteten. Telegraphische Depeschen. (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Kirfchbrra t. Kchl.. Montag. 2. Januar..Zwischen Merzdorf und Ruhbank ist gestern Abend ein von Dittersbach kommender Güterzug entgleist, die gedachte Strecke Ol infolge dessen für den Personenverkehr gesperrt. Posen, Montag, 2. Januar. Heute begann vor der zwei- ten Strafkammer des Landgerichts die Verhandlung wider den Studenten Broniskaw Slowinski und Genossen wegen Theil- nähme an geheimen Verbindungen und wegen Anrelzung ver- schiedener Klassen der Bevölkemng zu Gewaltthätigkeiten gegen einander(Paragraphen 128, 129, 130 des Strafgesetzbuchs). Die Eingeklagten sind meist Handwerker und polnischer Nationalität. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde die Ocffcntlichkeit ausgeschlossen. Für die Verhandlung find zwei Wochen in Aussicht genommen._ „v.. Montag, 2. Januar. Das„Fremdenblatt" schreibt: Mit Rücksicht auf einen Artikel eines Pester Blattes, nach wel- chem verbürgte Berichte in Wien eingetroffen seien, daß Ver- schiebungen russischer Truppcnrnassen und Kriegsmaterials aus dem Innern des Reiches nach dem Westen ungestört fort- dauerten, haben wir uns bemüht, hierüber heglaubigte Informationen einzuziehen und sind auf Grund derselben in der Lage, jene Meldung dahin richtig zu stellen, daß in letzter Zeit keine weiteren authentischen Nachrichten über neue Dislokationen russischer Truppenmassen aus dem Innern des Reiches nach der Westgrenze eingelangt sind; vielmehr gehe aus den letzten Berichten hervor, daß es sich bei den in jüngerer Zeit gemeldeten Nachrichten hauptsächlich um Verschiebungen innerhalb der Grenzprovinzen zu handeln scheine. Antwerpen, Montag 2. Januar früh. Das hiesige Alhambratheater wurde gestern Abend von einer heftigen Fcuersbmnst in Asche gelegt. Glücklicher Weise fand keine Vor- stellung statt, der Kastellan und seine Kinder, die sich im Hause befanden, wurden gerettet. (Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.) Hamb uro, Montag, 2. Januar. Die Postdampfer„Mo- ravia" und„Bavaria" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- Aktiengesellschaft sind, von Hamburg kommend heute, ersterer um 5 llhr Morgens in New-?)ork, letzterer in St. Thomas, und der Postdampfer„Holsatia" von derselben Gesellschaft ist, von Westindien kommend, heute in Havre eingetroffen. flest, Montag, 2. Januar. Der Kultusminister richtete an ürst-Primas eine Zuschrift, betteffend eine gründliche Re- form der Priestcrseminarien, insbesondere die Aufhebung der kleineren Scminarien. Kriefkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen, vrieflich« Antwort wird nicht ertheilt. Tischlerei. Für die Gerichtskosten, zu deren Tragung ein Mädchen vor ihrer Verheirathung verurtheilt worden ist, haftet deren späterer Ehemann nicht. Möbius. Die an Ihre Frau gerichtete Kündigung brauchen Sie nicht gegen sich gelten zu lassen. Doch ist es er- forderlich, daß Sie binnen einer Woche, nachdem Sie von der Kündigung Kenntniß erlangt haben, dem Verwalter mittheilen, daß Sie die Kündigung aus dem vorbezeichneten Grunde nicht als rechtsbeständig anerkennen. 13. Sie sind zur Bezahlung der von Ihrer Frau vor der Verheirathung gemachten Schulden nicht verpflichtet, wie wir dies schon einige hundert Male an dieser Stelle ausge- sprachen haben. Wenn Ihnen gehörige Sachen gepfändet werden, so interveniren Sie. Alter Abonnent. Bei gegenseitiger Einwilligung ist eine Ehescheidung möglich. Zu näherer Auskunft sind wir bereit, wenden Sie sich persönlich an die Redaktion. G. F. Sebaftianstrnße. Wir haben sämmtliche bei uns eingegangene Fragen beantwortet. Wenn dies bezüglich der Jhcigen nicht der Fall ist, so muß dieselbe wohl verloren gegangen sein. Vielleicht wiederholen Sie die Frage. A. A. Colonirstr. Wenn der Kontrakt schriftlich aufge- hoben ist, so können Sie jederzeit ausziehen und brauchen für die Zukunft keine Miethe zu zahlen. Ter alte Wirth bleibt, auch wenn er das Haus verkauft hat, noch zu dergl. Ab- machungen berechtigt, so lange Ihnen nicht der Käufer als neu« Eigenthümer vorgestellt ist. L.£. 33. Beantragen Sie zunächst bei Gericht den Erlaß eines Zahlungsbefehles; wird dagegen Widersprach erhoben, so lassen Sie den Schuldner durch den Gerichtsvollzieher zur münd- liehen Verhandlung laden. Atbrecht. Wir verstehen gar nicht, was Sie meinen. Sie fragen nämlich: Wie viel Grad Kälte haben wir vom 31. Oktober 1887 bis 31. Dezember 1887 in Berlin gehabt? Meinen Sie nun durchschnittlich an jedem Tage oder überhaupt zusammen. Sie wollen sich etwas deutlicher ausdrücken. Wir werden übrigens kaum in der Lage sein, Ihnen eine befriedigende Antwort ertheilen zu können. Wendest Sie sich an das meteorologische Institut, das müßten wir nämlich auch thun. F. Krüger. Wir bitten um Ihren Besuch. K. W. 13. Das Erbrecht des unehelichen Kindes besteht nur, soweit der Vater kein Testament gemacht hat. Derselbe kann aber in seinem Testamente andere Erben einsetzen und über das ganze Vermögen disponiren, ohne daß das uneheliche Kind das Testament anfechten kann. Daher muß auch in dem von Ihnen angegebenen Falle das Kind mit den ihm aus- gesetzten 1000 M. zufrieden sein, auch wenn der sechste Theil des Nachlasses mehr ist. Markthallen-Kericht von I. Sandmann, städtischer Verkaufsvermittler. Berlin, den 31. Dezember 1887. Temperatur in der Halle 3 Grad Reaumur. Wetter: Schnee. Butter.(Reine Naturbutter.) 1. Feinste haltbare Süß» rahm-Tafelbutter(Mannte Marken) 110—117 M., 2. rein- schmcckende Tafelbutter 105—110 M., 3. Tischbutter 95 bis 105 M., 4. fehlerhafte Tischbutter 80—95 M., 5. Koch- und Backbutter 70—90 M. pr. Ztr. Auktion täglich um 11 Uhr Vormittags. Honig, deutscher, 40—60, IIa 30—40 M. pr. Ztr. Pflaumenmuß 15—17 M. pr. Ztr. Eier 2,50—3,10—3,20 netto ohne Abzug p. Schck., Kalk- eier 2,80 M. v. Schck. Käse. Jmportirtcr Emmcnthaler—87, Inländisch« Schweizer 35—50—65, Ouadrat-Backstcin 12—16—26, Limburger 20-30-35, Rheinischer Holländer Käse 58-60-68 M. pr. Ztr., Edamer 58—68, Harz«-- 3,00 M. pr. Kiste. Tische. Camembert— M. pr. Dtz. Neufchatel— M. p« Stück. Wild. Rehwild 55-65-75 Pf., Dammwild 40-70 Pf., Rothwild 30—40—50 Pf. Schwarzwild 25—60 Pf., Rennthier 50—60 p. Pfd., Kaninchen 40— 50 Pf. per Stück, Hasen 2,50 bis 2,70 Ä., Fasanenhähne 3,00 bis 4,50 M., Fasanenhennen 2,00 bis 3,00 M., Wildenten 0,60-1,00-1,50 M., Birkwild 1,50-2,25 pro Stück, Haselwild 0,90-1,10 M. pr Stück. Schneehühner 0,90—1,10. Wildauttion täglich um 10 Uhr Vor» mittags und 6 Uhr Nachmittags. Fleisch. Rindfleisch 37-44-55, Kalbfleisch im Fell 38 bis 50-62, Hammel 35-45-50, Schweinefleisch 40-45 Pf. pro Pfund, Schinken g«äuchcrt mit Knochen 60—80 Pf., Speck ger. 55—60 Pf. pr. Pfund. Geflügel, fett, geschlachtet. Fette Ganse 45—50— 65 Pf. Fette Enten 40—60 Pf. pr. Pfd., Puten 45—70 Pf. pr. Pfd., Tauben 38-50 Pf., Hühner 0,60-1,00-1,50 pr. Stck. Geflügel, lebend. Gänse la 4,00-5,50, IIa 2,00-3,50 Pf., Enten 0,85—1,50—2,25 M., junge Hühner 0,60—0,90, alte Hühn« 1,00—1,50, Tauben 30—45 Pf. pr. Stück. Puten 2,50—3,50 M.— Auktion täglich um 9 Uhr Vormittags und 6 Uhr Nachmittags- Obst und Gemüse. Weißfleischige Speisekartoffeln 4,00 bis 5,00, Zwiebeln 8,00- 16,00 M. pro 100 Kilo, Blumenkohl 20- 27 M. pro 100 Kopf, Birnen 6-10-13-18, Aepfel 6 bis 10 bis 15-20, Wallnüsse la. 10-20 M. pro Zentner. Apfelsinen Jaffa 12—12,5, Valenzia 420er 13—26 M. pro Kiste. Cittonen 10-25 M. per Kiste._ �....... Feldfrüchte in Wagenladungen, Kartoffeln, weißfleischiae Speisekartoffeln 40— 50 M. p« 1000 Kilo, Hafer 105— 130 M., Erbsen 120-200 M., Futtererbsen 115-120 M., Gerste 105 bis 180 M., Richtstroh 30-32,50 M., Heu 40-66 M. p« 1000 Kilo. Verantwortlich: Grönheim; für Vereine und Versammlungen: F. Tnhaner, beide in Berlin. Druck und Verlag von Mn» Knding in B«l>n SW., Beuthstraße 2.