»r. 6. Sonnakend, den 7. Innnar 1888. 5 Iahrg« i I» Jl MerVolksblM. Krgan für die Interessen der Ardeiter. Hnternnttonnle Sozialpolitik. Wie man hört, hat die schweizerische Bundes- regierung den Entschluß gefaßt, in Sachen einer internationalen Fabrikgesetzgebung aber- mals die Initiative zu ergreifen nnd bei den anderen Mächten vorzuschlagen, daß bezüglich der Fabrikgesetzgebung internationale Verträge abgeschlossen werden, die bezwecken, hinsichtlich 1) des Schutzes minderjähriger Personen, 2) der Beschränkung oer Frauenarbeit, 3) der Sonntagsruhe und 4) des Normalarbeitstages gleichartige ge- schliche Vorschriften zu erzielen. Auch wird der Bundes- rath aufgefordert, der Bundesversammlung einen Gesetz- entwurf vorzulegen, durch welchen die Bestimmungen zum Schutz der Frauen und Kinder, wie sie im Bundesgesetz vom 23. März 1877, betreffend die Arbeit in den Fabriken, ent- halten sind, auch auf weitere Gewerbe, insbesondere auf die ie Mächte ergehen lassen. Um so mehr anerkennenswerth ist, daß sie trotz des früheren Mißerfolges die Sache abermals in die Hand nimmt und sich durch die Hmderniffe, die einem solchen Beginnen begreiflicher Weise im Wege stehen, nicht ab- schrecken läßt. Die Bedeutung einer internationalen Fabrik- und Ar- beitergesetzgebung hier nochmals auseinandersetzen, hieße Eulen nach Athen tragen. Wir legen einen besonderen Werth auf die Anerkennung dieses Gedankens durch die Re- aierungen, weil dadurch eine Menge von Vorurtheilen be- seitigt werden. Bei dieser Gelegenheit wird sich auch zeigen, wieweit diejenigen auftichtig gewesen sind, die sich bei uns aegen eine spezielle deutsche Fabrikgesetzgebung gesträubt haben mit der Behauptung, eine solche sei unmöglich, un- wirksam und schädlich, so lange nicht in anderen Ländern das Gleiche eingeführt würde. Auch auf dem Parteitag der süddeutschen Demokratie wurde bei einer Pro- arammänderung eine Arbeitergesetzgebung nur in- sofern akzeptirt, als man dieselbe international verlangte. Wir wiffen wohl, was das Verlangen nach einer internationalen Fabrikgesetzgebung bei dieser und bei anderen Gelegenheiten zu beveuten hat. Man glaubt da- mit die Arbeitergesetzgebung überhaupt auf die lange Bank zu schieben, denn man hofft, die Negierungen würden nicht darauf eingehen. Wir werden ja sehen, wieweit die vor- geblichen Freunde einer internationalen Fabrikgesetzgebung die schweizerische Bundesregierung in ihrem Vorgehen unter- stützen werden. Viele, die den Mund vorher sehr vollge- nommen, wird man wahrscheinlich nun gar nicht hören. Jeuilleton. -[4 (*Bc*«41«»«»«halten.)(Nachdruck»«toten.) Der Erve. Roman von Friedrich Gerstäcker. Leider kränkelte von da ab die Baronin selber un- aufhörlich, und wenn es auch manchmal schien, als ob sie wieder hergestellt werden könne, war das nur immer ein Aufflackern der Lebenskräfte. Benno hatte noch nicht sein viertes Zahr erreicht, als sie ihrer unheilbaren Krank- heit erlag. Nun ist es allerdings ein sehr natürlich Ding, daß Eltern nur zu sehr geneigt sind, das jüngste Kind etwas zu verwöhnen und ihm anscheinend ihre ganze Liebe zuzuwen- den. Das Kleinste ist ja auch immer das Niedlichste und erfordert die meiste Sorge und Pflege, und wir geben uns am liebsten und häufigsten mit ihm ab. Auffallend aber war doch, wie der Vater von dem Augenblick an, rvo er seinen jüngsten Sohn auf dem Arm schaukelte, den Erstgeborenen vernachlässigte und sich fast gar nicht um deffen Erziehung kümmerte. Das züngste und allerdings sehr zarte Kind ließ er fast nicht aus den Augen und wachte seinen eben nicht glänzenden Anlagen überlasten, ziemlich wild und ungehindert auf. Zur Musik zeigte er entschiedenes Talent, zu weiter nichts, und als die Frage endlich an den Vater herantrat, was einmal aus ihm werden sollte, wurde er in die große Versorgungsanstalt für adelige Kinder, in ein Kadettenhaus gesteckt. Benno, der zweite Sohn, wuchs indessen ebenfalls heran; aber es war in der That nur ein Angstkind und sein kleiner Körper so emplänglich für die geringsten Einflüffe, daß es fast keine gesunde Stunde hatte. Ob man eS vielleicht mit allzu großer Pflege versehen, läßt sich nicht sagen; aber mährend Bruno draußen in Wind und Wetter herumtollte, Eine auf internationalen Verträgen beruhende Sozialpolitik der einzelnen Staaten würde den industriellen Unternehmern den Einwand nehmen, den sie unaufhörlich wiederholen, daß sie nämlich durch eine strenge Fabrik- und Arbeitergesetzgebung unfähig würden, die Konkurrenz des Auslandes zu bestehen. Dieser Einwand hat für den. der die Dinge nicht kennt, vielleicht etwas Bestechendes, niemals aber für den, der sich etwas genauer umgesehen hat. Wer sich dazu die Mühe nehmen will, der wird finden, daß gerade die deutschen Industriellen am wenigsten Ursache haben, sich über die Konkurrenz des Auslandes zu beschweren. Von den Schutzzöllen, mit denen wir umgeben sind, wollen wir schweigen. Aber die deutschen Industriellen sind diejenigen, welche dem Ausland mit den kleinlichsten und verwerflichsten Mitteln Konkurrenz gemacht haben und noch machen, wennschon sie hoch empört waren, als Herr Reu- l e a u x über ihre Waaren das berühmte Urtheil von„Billig und schlecht!" fällte. In der That haben sie nicht konkurrirt durch die Qualität der Waaren im Allgemeinen. Sie haben die schlechtesten Löhne gezahlt und haben die längste Arbeitszeit eingeführt; sie haben am meisten Frauen und Kinder in die Industrie hereingezogen und haben so die Produktionskosten auf eminente Weise zu verringern verstanden. Sie steigerten ihren Unternehmergewinn, aber sie schwächten die Konsum- tionsfähigkeit der Masten und vermehrten die Arbeitslosig- keit. Die Rückwirkungen des Zustandes, den sie einführten, waren und sind jene akuten und kronifchen Geschäfts- und Handelskrisen, denen Europa nun schon so lange unter- warfen ist und die gar nicht mehr verschwinden wollen. Der Egoismus, die Sucht nach hohem Unternehmergewinne, macht unsere Industriellen blind. Sonst würden sie nicht in der bisherigen Weise fortfahren, und würden mit Freuden jede Anregung zu einer inter- nationalen Sozialpolitik begrüßen. Denn einem hellsehenden Menschen kann nichts verderblicher erscheinen als die totale Anarchie, die unsere sozialökonomischen Zustände ergriffen hat, der Mangel jeder festen Gestaltung und Regelung innerhalb derselben. Da giebt es keinen Anhalt, keinen Schutz für den Schwachen; wer in dem großen Gedränge fällt, wird rücksichtslos zertreten. Wie die Regierungen der lobenswerthen Znitiative der Schweizer begegnen werden, darüber läßt sich zur Zeit garnichts sagen. Wir möchten nur wünschen, daß von dem Eifer, den die schweizer Bundesregierung für diese gute Sache entwickelt, sich auf die übrigen Regierungen ein Stück übertragen möge. Vor allen Dingen aber möge man, wenn man die öffentliche Meinung in diesen Dingen berücksichtigen will und das ist unseres Erachtens der einzig richtige Weg— den Läem, den die Großindustriellen erheben werden, nicht wenn er einmal nach Hause kam, des Vaters wildeste Pferde ritt, oder Nächte durch draußen im Wald auf dem Anstände lag, mußte Benno wie ein rohes Ei vor jedem rauhen Luft- zug gehütet werden. Merkwürdig stach außerdem Benno's zarter, von licht- blauen Adern durchzogener Teint, das bleiche Antlitz mit den großen, dunkeln Augen und den wirklich edlenZügen gegen das kräftige, sonnenverbrannte Gesicht des Bruders ab, der außerdem noch blaue Augen und eine etwas stumpfe Nase hatte. Die beiden Brüder sahen sich überhaupt gar nicht ähnlich, wenn sie sich auch herzlich lieb hatten, und waren auch in ihren Neigungen ganz verschieden. Bruno fand weniger Freude am Soldatenstande als an der Oekonomie, für welche er schon von früher Jugend an eine Vorliebe zeigte. Benno dagegen, vielleicht auch durch seinen kränklichen Körper darauf angewiesen, warf sich mit größer Liebe auf die Wiffenschaften, und darunter besonders auf physikalische und mathematische Werke. Er schien lassen hatte. So wuchsen die Brüder heran, und der Zeitpunkt war schon auf wenige Monate, ja fast auf Wochen nahe gerückt, wo Bruno, als der älteste Sohn oder Erstgeborene, die in- deffen durch Zins und Zinseszins bedeutend angewachsene Erbschaft erheben sollte. Es schien ja auch allen Bedingungen genügt, und Vater und Sohn wünschten den Tag sehnlichst herbei, denn beide hatten nicht gering auf ihn gesündigt. Du lieber Gott, wie viel Geld braucht denn nicht allein ein adeliger Lieutenant, wenn er auf der Welt nichts weiter zu thun hat, als einen alten Namen zu repräsentiren! Benno's Zustand verschlimmerte sich dagegen mit jedem Tage, und wenn man gehofft hatte, daß er in einem mehr reifen Alter die Kränklichkeitskeime abschütteln würde, so Charakter anzunehmen. mit der öffentlichen Meinung überhaupt verwechseln, wie leider schon zu oft und zu leicht geschehen ist. In solchen Dingen kommt es viel weniger darauf an, was die Herren Geheimen- und Kommerzienräthe sagen, als was das Volk selber sagt, gerade jenes arbeitende Volk, zu deffen Schutze doch die Regierungen gemeinsame Maßregeln ver- abreden sollen, und welche Schutzmaßregeln sehr häufig gegen dieselben Kommerzienräthe zu richten sind, die sie mit Hochwohlweiser Miene als„undurchführ- bar" bezeichnen. Man wird vom Volke leicht Auskunft be- kommen können über die Dinge, durch die es sich am meisten bedrückt fühlt. Leider, fürchten wir, wird die Anregung der schweizeri- schien Regierung auch diesmal von wenig Erfolg sein. Man ist ja bestrebt, die Völker und Staaten in eme noch nie dagewesene Waffenrüstung einzukleiden— wo bliebe den Staatsmännern da Zeit, sich um internationale Arbeiter- gesetzgebung zu lümmern? Sollten wir mit unserem Pessimismus uns täuschen, so wäre uns das sehr angenehm!_ Tngmak-Korresponäenzen. Leipzig, den 5. Januar. Die sächsischen Amts- und Kartellblätter schreien Zetermordio, weil die Dresdener Sozial- demokraten verschiedene Geschäftsleute, die im politischen Kampf und namentlich bei der letzten Reichstagswahl sich gegen die Arbeiterpartei besonders unanständig benahmen,„geboyconet" haben oder geboycottet haben sollen— denn ich weiß nicht, ob es wahr ist. Wenn es aber wahr ist— welches Recht haben die Kartellbrüder, sich zu entrüsten. Es ist die Geschichte vom Wolf und dem Lamm— nur mit dem Unterschied, daß in unserem Fall das Lamm nicht ganz wehrlos ist und zum mindestens ebenso gute Waffen hat, wie der Wolf. Das Boycotten der politschen Gegner ist etne Er- findung der sächsischen Kartellbrüder und wird von ihnen seit Jahren— denn in Sachsen ist das Kartell be- kanntlich schon ziemlich alt— in rücksichtslosester Weise und ausgedehntestem Umfange ausgeübt. Diejenigen Fabriken und Werkstätten, deren Inhaber den Arbeitern, die nicht für Kartellbrüder stimmen würden, die Entlassung nicht androhten, und diejenigen Arbeiter, bei denen es ermittelt wurde, nicht auch thatsächlich entließen, sind in Sachsen seltene Ausnahmen. Es ist Regel unter den Kartellbrüdern, jeden unabhängig denkenden Menschen, der nicht in ihr Horn bläst, wirthschaftlich zu Grunde zu richten und auch gesellschaftlich zu boycotten. Ich bin im Stande, mit Dutzenden von krassen Beispielm zu dienen und will aus der Masse blos ein einziges herausgreifen, auf das ich früher schon aufmerksam machte. An der Wurzener landwirthschaflichen Schule war ein Lehrer angestellt, welcher sich durch sein strebsames Wesen ebenso sehr auszeichnete, wie durch Pflichttreue und Tüchtigkeit. Sein Vater und selbst die Tante, oder das„gnädige Fräulein", wie sie im Schlosse genannt wurde, pflegten ihn allerdings nach besten Kräften und thaten, was fie ihm nur an den Augen absehen konnten, aber Benno erwiderte die Liebe kaum, die sie ihm entgegenbrachten. Des Vaters hastiger, unruhiger Charakter sagte dem kranken Knaben nicht zu, und die Tante nun auf der Welt, ihn vielleicht liches Wort gönnte, vermochte wöhnen. gar, die keinem Menschen ausgenommen, ein freund- nicht, ihn an sich zu ge- Die Einzige im ganzen öden Schlosse, bei deren Erscheinen ein Lächeln seine Züge überflog, und der er traurig nach- sah, wenn sie ging, war ein junges Mädchen, eine weit- läusige Verwandte, die seine Mutter noch als kleines Kind zu sich genommen und der jetzt seine Hauptpflege übergeben worden. Kathinka von Stromsee, in ziemlich gleichem Alter mit Benno, dem jüngsten Sohne, war eigentlich deffen Kousine, wenn auch die Familie Wendelsheim nie etwas von der Verwandtschaft wissen wollte. Ein Neffe deS alten Barons, der Sohn seiner älteren, längst verstorbenen Schwester, ein von Stromsee, hatte nämlich den furchtbaren Mißgriff bc» gangen, mit selbst keinem Vermögen, ein blutarmes, bürger- liches Mädchen zu Heirathen, welcher Mesalliance dann glücklicherweise nur diese einzige Tochter entsproß. Die beiden Eltern starben auch bald nachher, und Frau von Mendels- heim setzte es gegen ihre Schwägerin durch, die Waise in ihre Familie aufzunehmen. Fräulein von Wendelsheim war aber vom ersten Augen- blick an gegen das Kind gewesen und würde ihren Bruder nach der Baronin Tode sicher bewogen haben, die Kleine wieder fortzuthun, wenn sich nicht Benno so sehr an sie gewöhnt hätte. Er war unglücklich, sobald er die kleine Spie' fährtin nur auf eine Sekunde missen sollte, und der selber, der Alles für den Knaben that, duldete deshalv mcyr, daß sie aus dem Hause gestoßen wurde. Er blieb auch ziemlich gut mit ihr, aber Kathinka konnte sich dagegen nicht rühmen, je nur einen freundlichen Blick von der Tante gesehen zu haben, die. fie von Gruud aus zu Haffen schien, und doch hatte ihr das Kind Wohlan, bei der letzten Wahl machte dieser treffliche Lehrer von seinem staatsbürgerlichen Rechte der freien Wahl Gebrauch und stimmte nicht für den Kartellkandidaten. Und was war die ftolge? Er wurde aus seinem Amte cntlaffen, obgleich seine Vorgesetzten ihm das beste Zeugniff ertheilen mußten. Und nicht genug damit, wurde er auch gesellschaftlich geächtet— aus Wirthschaftcn, in denen er bisher verkehrt, in beleidigendster Form hinausgewicsen— kurz es wurde Alles aufgeboten, um den Mann wirthschaftlich zu ruinircn und ihm das Verbleiben in Würzen unmöglich zu machen...... Dieser Boycott ist schließlich allerdings gescheitert, rndcß das ist nicht die Schuld der Kartellbrüder, die sich die ordent- lichste Mühe gaben. Und— wie gesagt— solcher Beispiele bin ich bereit, Dutzende zu substantiiren— ohne die Tausende von Arbeitern hier zu rechnen, welche Opfer des kartellbrüderlichen Boycotts geworden find, und deren �Maßregelung von den Kartellbrudern als etwas ganz Selbstverständliches und im Reckt des Arbeit- gebers liegendes dezeichnet wird. Und da haben diese Erfinder und Virtuosen des Bopcotts noch die Stirn, stch zu beschweren, wenn den Ärbeitem einmal die Galle überläuft und ste R e- p r e s s a l i e n üben! Es gehört das auch in das Kapitel der politischen Heuchelei, die heute so mächtig entwickelt ist. Kein Zweifel, das Boucottcn, wie es stch in unserem„ge- müthlichen" Sachsen eingebürgert hat, ist ein unblutiger Bürger- krieg— aber wer hat ihn entzündet und wer facht ihn soft- während an? Sicherlich nicht die Arbeiter, die sich höchstens ihrer Haut wehren. Der politische und gesellschaftliche Boricott, den die Herren Kartellbrüder eingeführt haben, ist eben eine zweischneidige Waffe. Volitischr Urberstcht. Gegen die Uertängernng und Verschärfung de« Sozialistengesetze« erklären sich die nationallibcralen„Hamb. Nachr." Sie schreiben:„Worauf es für die Nationalliberalen, so lange die Zeit für die Aufstellung neuer, speziell liberaler Forderungen nicht angethan ist, ankommt, das ist: keinen Zweifel darüber zu lassen, daß sie die Unterstützung der natio- nalen Politik, welche fie jetzt als ihre Hauptaufgabe betrachten müssen, als eine durchaus selbstständige, den liberalen Grund- sätzcn nichts vergebende Paftei gewähren. Je entschiedener sie digkeit der Nationalliberalen wünschen wir namentlich in einem geschlossenen Austreten angesichts der Vorlage wegen Verlänge- rung des Sozialistengesetzes bcthätigt zu sehen. Eine Verlänge- rung für eine Frist wie die bisher übliche ohne weitere Ver- schärfung des Gesetzes und mit dem Programm, während dieser Frist das Ausnahmegesetz überflüssig zu machen— dies dürste' eine Basis sein, auf welcher die etwa vorhandenen Verschieden- heiten der Auffassung stch ausgleichen können. Tie Ueberzcu- gung von der Verderblichkeit der geheimen Agitation und von der Vergeblichkeit der dagegen bisher angewandten oder künftig neu anzuwendenden Mittel ist allgemein verbreitet; wenn man ihr durch die Ablehnung einer fünfjährigen Verlängerung und einer Verschärfung des Sozialistengesetzes Ausdruck giebt, so würde es sich dabei viel weniger um die Vertretung speziell liberaler Ansichten, als um die selbstständigc Aufrechterhal- tung einer Ueberzeugung von dem, was sachlich nützlich ist, handeln." Da« Kartell kann nur„gerettet" werden— so erklärt die „Kreuzztg." kategorisch— wenn„Freikonservative und Rational- liberale sich nicht etwa uns— das verlangen wir nicht— nein, der Regierung, die fie im Stiche lassen zu wollen scheinen, wieder nähern und vor allem zu der Verlängerung und Ver- schärfung des Sozialistengesetzes in dem Sinne Stellung nehmen, wie es in den leitenden Kreisen erwartet wird. Wenn sie das thun, werden wir unbeschadcl aller persönlichen Empfindungen, die allerdings nach den Erfahrungen, welche wir gemacht, keinen hohen Wärmegrad erreichen können, es an den Rucksichten, wie fie ein Zusammengehen in der Sache bc- dingt, gewiß nicht fehlen lassen. Um in politischen Dingen Hand in Hand zu gehen, braucht man stch nicht besonders„lieb" zu haben."— Einer solchen„Logik" werden Nationallibcrale und Freikonservativc nicht widerstehen können. Die Auslastungen der„Rat.-Lib. Korr.", die wir kürzlich mitgetheilt haben, werden von der„Frsg. Ztg." mit folgender Randglosse versehen:„Man meint, bei der Lektüre Herrn Miqucl selbst sprechen zu hören. Statt der Ex- vatriirung— das ist der Ausgangspunkt der gewundenen Ausführungen— wird also die Jnternirung der Soziali st en vorgeschlagen. In der Hauptsache kommt dies auf dasselbe hinaus, nur ist die Form der Maßregelung für oberflächliche Beurthciler eine weniger gehässige. Wenn man beispielsweise sämmtliche sozialistische Abgeordnete oder sonst mißliebige Sozialisten auf die Halbinsel Hiddensee auf Rügen internirt— während des Kulturkampfes wurden dort- hin katholische Geistliche internirt— so werden die von dieser Maßregel Betroffenen es unter allen Umständen sicher vorziehen, is lag das im und ließ sich eben nie etwas zu Leide gethan.' Charakter des„gnädigen" Fräuleins, nicht ändern. So blieb Kathinka allerdings im Schlosse, verlebte dort aber auch eine traurige, trostlose Jugend. Zuerst nahm sie an den Unterrichtsstunden Benno's Theil und war seine Gespielin, dann wurde sie seine Pflegerin, ja, end- lich nur die Krankenwärterin des armen, dahinsiechenden Knaben, aber auch zugleich seine treueste Freundin und Vertraute. War kein Mensch im Stande, ihn von seinen an- strengenden Studien und Büchern wegzubringen, selbst nicht sein Vater, so brauchte Kathinka nur ihren Strohhut auf- zusetzen und zu sagen:„Run, wie ist's, Benno, wollen wir einen kleinen Spaziergang machen? Ich muß nach unseren Rosen sehen," dann warf er den Band, den er gerade in Händen hielt, rasch bei Seite, ergriff seinen Hut und seine Handschuhe, und schritt mit einem glücklichen Lächeln an ihrer Seite durch die schattigen Laubgänge des Parkes. Nach solchen Spaziergängen fühlte er sich auch immer viel wohler. jedenfalls heiterer, und der darüber befragte Arzt rieth ihm, diese Zersteuung unter jeder Bedingung zu er- halten. Er wisse nichts, was wohlthätiger auf ihn wirken könne. Benno, so jung er war, beschäftigte sich sehr gern mit physikalischen Arbeiten; er hatte sich auch mit Hilfe eines Technikers aus der Stadt— unseres jungen Bekannten Bau- mann—, der manchmal herauskam, um ihm Anleitung zu geben, eine kleine Elektrisirmaschine felber gebaut und war jetzt wieder dabei, einen Luftballon mit Zentrifugal-Fliegmaschine herzustellen. Freilich konnte er die dazu nöthigen feineren und sehr genau zu arbeitenden Theile nicht allein bewältigen, und Fritz Baumann half ihm da, wo es nur irgend seine Zeit erlaubte, mit wirklich aufopfernder Geduld. Baumann hatte aber auch nicht allein bald den sehr bösartigen und vielleicht drohenden Charakter von Benno's Krankheit er- kannt, sondern er fand in der That selber Freude an den oft sogar geistreichen Versuchen des Knaben, und verbrachte manchen Sonntag auf Schloß Wendelsheim. Die„gnädige" Tante gestattete aber natürlich nie, daß er mit am Herren- dem deutschen Vaterlande überhaupt den Rücken zu kehren, fie haben sich dann nach nationallibcraler Auffassung allerdings »freiwillig" expatriirt. Die„Nationalliberale Korrespondenz" bewerft in ihrem Artikel, daß die nationalliderale Reichstags- fraktion noch keine Stellung genommen habe. Angesichts vor- stehender Ausführungen aber unterliegt es keinem Zweifel, daß Fürst Bismarck auch für das verschärfte Sozialistengesetz in der- jenigen Fassung, welche ihm zusagt, so viele nationallibcrale Stimmen zur Verfügung erhält, daß ihm auch ohne irgend eine Zentrumsstimme eine Mehrheit selbst für dieses Ausnahmegesetz in schärfster Form gesichert erscheint." Ketrest« der Stellung der Zentrumspartei zu dem neuen Sozialistengesetz schreibt das in Aachen erschei« nende ultramantane„Ecko der Gegenwart" wie folgt: Wenn hin und wieder die Befürchtung ausgesprochen wird, es werde vielleicht auch ein Theil des Zentmms dafür stimmen, so sagen wir ganz einfach: ein Zentrumsmitglied kann unmöglich für ein solches, dem Naturrecht widersprechendes Gesetz stimmen, denn das hieße nicht nur dem Programm des Zentrums zuwider- handeln, sondern auch das Christenthum verleugnen; und jeder jetzt dem Zentrum angehörende Abgeordnete, welcher für diese Vorlage stimmte, würde dadurch selbst sich aus der Fraktion ausschließen; wir wenigstens würden ihn zum Zentrum nicht mehr rechnen können. Im übrigen aber glauben wir nicht, daß ein Zentrumsmitglied jemals für einen so ungeheuerlichen Gesetzentwurf stimmen wird. Gi« offiziöse» Dementi. Die„Rordd. Allg. Ztg." schreibt:„In verschiedenen Zeitungen fand stch kürzlich die 'Nachricht, es sei sämmtlichen sechs Arbeitervertrctern beim Reichs- Versicherungsamt, wie seitens derselben dem Präsidenten �dcs Reichs-Verficherungsamts eröffnet worden sei, von den betreffen- den Arbeitgebern der Urlaub zwecks Theilnahme an den Spruch- sitzungen des Reichs-Versicherungsamt verweigert worden." Ter Inhalt dieser Nachricht stimmt, wie wir erfahren, mit den that- sächlichen Verhältnissen nicht überein. Einige Arbeitgeber haben allerdings den Arbeitervertretcrn gegenüber bei ihrem Ge- suche um Urlaubsbewilligung behufs Theilnahme an den Spruch- fitzungen des Reichs-Versicherungsamts darüber Klage geführt, daß deren Abwesenheit dem Geschäfte großen Schaden bringe, und diese Klage näher begründet. Es wurde indessen nur zwei Arbeitervertrctern die Wahl gestellt, entweder ihr Amt als nicht- ständiges Mitglied des Reichs-Versicherungsamts niederzulegen oder aus ihrer Stellung in dem Geschäfte auszuscheiden."— Die Thatsachc der erfolgten Urlaubsverweigerung wird hierdurch zwar ihrem Umfange nach beschränkt, im klebrigen aber nicht bestritten. Wir haben deshalb von den Worten, mit denen wir das Verhalten der Unternehmer bezeichneten, nichts zurück- zunehmen. Der Berliner Zirkel der Rothschildgruppe. so wird der„Kreuzztg." aus Süddcutschland geschrieben, inspirire die „Post" weit öfter, als politisch einflußreiche Kreise. Dieser Zirkel werde wohl auch den Artikel gegen die Versammlung beim Grafen Waldersee veranlaßt haben. Gin nachträgliches Mrihnachtsgefchenk für die Kuchdruckergehilfen in prenSen. Der.„Korr. f. Buchdr." schreibt:„Roch vor Ablauf des Jahres 1887 ist der längst er- wartete Entscheid des Königlich Preußischen Ministeriums des Innern eingetroffen, welcher folgendermaßen lautet:„Hannover, 28. Dezember 1887. Auf die Eingabe vom 30. Juli d. I. er- öffne ich Ihnen namens des Herrn Ministers des Innern, an welchen dieselbe gerichtet ist, daß dem Antrage des Unter- stützungsvereins Deutscher Buchdrucker zu Stuttgart um Zu- laffung zum Geschäftsbetrieb in Preußen mit dem Sitze in Han- nover nicht stattgegeben werden kann. Der Regierungspräsident v. Cranach."— Durch diesen Bescheid ist der Verein insoweit getroffen, als er sich mit Unter st ützungskassen befaßt. Herr Ferdinand Gilles sendet uns folgende Berich- t i g u n g:„Zur Richtigstellung der von Ihrem Londoner Korrespondenten in Nr. 304 Ihres Blattes vom 29. Dezember v. I. mitgethellten„Anekdote", daß ich„vor drei Monaten ungefähr in meinem hiesigen„Moniteur", der damals anders hieß, Heran Jens Christensen mit den pöbelhaftesten Schimpfereien überhäufte, weil dieser über Londoner„Anar- chisten" an ein Wiener„Bourgeoisblatt" geschrieben-c."— erkläre ich hiermit, daß der in der gedachten Angelegenheit gegen Heran Christensen in der„Londoner Arbeiterzeitung" erschienene Artikel erstens nicht von mir verfaßt war und zweitens auch nicht unter meiner Verantwortlichkeit, sondern unter der- jcnigen der Preßkommisston des.Kommunistischen Arbeiter-Bil- dungsvereins" im Druck erschienen ist." Mir n»rit man bei«n» den bestehrndrn Arbeiter- organipationen entgegen kommt, davon wieder ein Beispiel. Der Vorsitzende des Kölner Tischleroereins hat vom Polizei- Präsidenten folgendes Schreiben erhalten:„Nach§ 1 der Statuten des zu Stuttgart domizilirten deutschen Ttschlerver- bandes, zu welchem der hiesige Kölner Tischlerverein als Zahl- stelle gehört, sowie nach§ 1 der Statuten des letzteren, bezweckt der Verein neben der Hebung der materiellen und intellektuellen Lage seiner Mitglieder die planmäßige Sicherstcllung der Ver- bandsgenossen gegen Arbeitslosigkeit(bei Streiks, Aussperrungen und Arbeitsmangcl, auf der Reise und am Orte) und gegen tische aß— der war nicht für Bürgerliche und noch dazu für Handwerker, sondern er wurde, wie auch Benno dagegen bat, jedesmal auf den Verwalter angewiesen, gewissermaßen an die„Marschallstafel". Bei solchen Besuchen unterstützte er den kranken Knaben aber nicht allein in seinen Arbeiten und erperimentirte mit ihm, sondern er gab ihm auch zugleich manche werth- volle Anleitung, wie er sich Kleinigkeiten mit leichter Mühe herstellen konnte, und Benno fand eine unendliche Freude daran. So war er auch heute wieder herausgekommen, um Benno eine von diesem selber entworfene und angefangene Arbeit zu bringen; einen Mechanismus, der die genaue Bewegung des Mondes um die Erde darstellen sollte. Wie er aber das Schloß betrat, hörte er eine scharfe, keifende Stimme; das konnte nur die des gnädigen Fräuleins sein, und er blieb zögernd stehen. Er wußte nicht, sollte er trotzdem hinauf- gehen oder lieber einen günstigeren Zeitpunkt abwarten, denn obgleich ihm die„Tante" gerade nichts zu befehlen hatte, theilte er doch unwillkürlich die Furcht oder Scheu vor ihr, die fast das ganze Schloß erfüllte. Wie er noch so dastand, kam Kathinka die Treppe herunter und glitt mit einem schüchternen Gruße hastig an ihm vorüber in die Wirthschastsräume. Es konnte ihm nicht entgehen, daß sie geweint hatte oder noch weinte, wenn sie ihr Gesicht auch von ihm abdrehte. Ein einzelner fallender und in der Sonne blitzender Tropfen verricth alles. „Armes Mädchen," muranelte er leise vor sich hin Du hast auch einen schweren Stand in diesem Hause und ick möchte nicht an Deiner Stelle sein! Daß vornehme Leute nur so selten wissen, wie solch einem armen Wesen unter fremden Menschen zu Muthe sein muß- oder ob sie's wissen und es nur nicht wissen wollen? Die Tante Drache?" danach aus. Himmel, ist das ein tieft die Treppe hinaufsteigen� Cn'daS�Keifm�oben" hatte aufgehört, als e.ner der Diener unten aus der Küche kam sonstige Nothfälle unter Bezahlung bestimmter Beiträge. Der Verband bezw. die hiesige Zahlstelle charakterifirt sich somit all eine Versicherungsanstalt, welche nach dem Gesetz vom 17. M« 1853, betreffend den Verkehr der Versicherungsanstalten in Ver« bindung mit§ 340 Nr. 6 des preußischen und§ 360 Nr. 9 des Reichs-Strafgesetzbuches der staatlichen Genehmigung bedarf, welche bis jetzt weder nachgesucht noch ertheilt worden ist. Als Vorstandsvorsitzcnder werden Sie daher bei Vermeidung der zwangsweisen Schließung der Zahlstelle und der sttasrechtlichen Verfolgung aufgefordert, die staatliche Zulassung des Verbandes für Preußen bei der hiesigen kgl. Regierung binnen 4 Woche« nachzusuchen." Zur Affäre de« Revowerfournalkste» M-rge«ster> schreiben die Münchener„Neuesten Nachr.":„In den meiste« auswärtigen Blättem wird der aus München und Bayern aus- gewiesene Morgenstern als„Sozialdemokrat" bezeichnet. Zur Ehrenrettung ebensowohl der bayerischen Regierung als der sozialdemoftatischen Partei muß noch konstatirt werden, das Morgenstern sich zwar früher als Sozialdemokrat gerirt hat, aber doch wohl nur zu dem Zwecke, um sich in das Vertrauen einer Partei einzuschleichen, deren Verrath ihm als vortheilhaft er« schienen war. Wie wir hören, wird M. in sozialdemokratische« Kreisen ganz offen nicht etwa blos als Renegat, sondern als etwas ganz anderes bezeichnet. Der sozialdemokratischen Parts kann man diesen Menschen, der sich hier unter der Maske des unglücklichen Biedermannes einführte, ebenso wenig zur La« legen, wie den Redaftionen anständiger Blätter, welche aus bloßer Humanität dem bittenden Journalisten Brot gewährte« und dafür nur den schnödesten Undank ernteten. Morgenstet« wurde nicht wegen irgend einer politischen Gesinnung, sond«« lediglich wegen seiner gemeinen Handlungsweise ausgewiestßi er ist und war gar kein politischer Mann, sondern gc hört vielmehr zu jener Sorte verworfener und f fährlicher Subjekte, welche, aller politischen Ideale u«J moralischen Grundsätze bar und ledig, nur von Haß und Neil gegen jeden Besitzenden— selbst gegen den Besitzer eines gute« Rufes— erfüllt find und die eigene Position dadurch zu bcsset« meinen, daß fie ihre Mitbürger in den Koth ziehen und iM Geld und Gut abschwindeln. Daß solche teuflische Berechnu« endlich doch in die Brüche geht und gehen muß, beweist W Fall Morgenstern, der deshalb eine sehr gesunde Lehre q manchen sein dürfte, der im Begriffe steht, sich von den Dämons des Neides und der Gemeinheit in den Sumpf führen zu lasst« Wir wiederholen, daß sich die Herren Dr. Sigl und Vie«» durch die Entlarvung Morgenstcrn's ein großes Verdienst München erworben haben."— Wir registriren diese AeußenNß der„R. N.", nachdem allerdings(wie schon hervorgehoben) Z auswärtige Presse, zum Theil veranlaßt durch die Depeschen«JJ Wolff'schen Telegraphenbureaus, den Morgenstern thells«J* Demokraten, theils den Sozialisten in ähnlicher Weise an Rockschöße zu hängen versucht, wie den letzteren im Jahre 1*% den Hödel und Robiling. Welchen.Handel Morgenstern«? den Notizen trieb, die er in sozialdemokratischen Kreisen(£ sammelt, wissen die„N. 91." noch sehr gut aus der Zeit, n»£ auf höhere Anordnung die M.'schen Artikel aufnehmen nwN. Im übrigen ist die posthume Charafteristik des Morgenstern( zutreffend, daß man nur bedauern kann, daß sie so spät I'"nnw Die oftmals vereitelte Landtagszvahl in W"«?' Staats heraus' D Jourm Tröltsl zu 20 Maler ist nick sonder blätter ufc? Mann kannt Hiller Grabe' tumuli und i einen 3 die„fl Nähe in den Landri Staate z Reiche Amstei Mona 4889, Westv 30 pC Noven soncn 206 04 1880; bereits beinah crhebli naten aus P bcrechr ' Ar»»»» V V»•• er w| bürg i hat bekanntlich den sogenannten liberalen ZeituM rnckipn(�tnfcfeiiüpr über die keineswegs mustera>lt>S? schon manchen Stoßseufzer über die keineswegs musteraun Bestimmungen des Landtagswahlgeseyes erpreßt. Gro« Angstschweiß aber verursachte denselben die vereitelte Landtj Ersatzwahl in Nürnberg. Hier loderte die Entrüstung l'N die„schuldigen" Sozialdemokraten in hellen Flammen auf, WJ entsprechenden Abänderungen des Gesetzes seufzend. Aber«L R diesem sonder Fabrik schwcij reich 1 bei stb Unfall statisti sichern Matci U S ch r sitzt in von d Dinge Die„ piOYO wurde Haupt die Katze um den heißen Brei, gingen diese Prcßorgane 1 "'"■.......... Radikalmittel:„ein w. S den e das allein Abhilfe verschonende.................„. lich freisinni ges Landtagswahlgesetz" hu Di« ultramontanen Wahlmänner des Würzburger Wahlkro haben sich nun entschlossen, das, was die Sozialvemokrate» 0, bei Aufstellung ihres Landtagswahl-Proaramms verlangt Hütt: wenigstens theilweise in Vorschlag zu bringen, g Sozialdemokraten haben bekanntlich in ihrem Programm Forderung:„allgemeines direktes Wahlrecht und Bildung ß setzlich festgestellter Wahlreise für je einen Abgeordneten" stellt. Die ultramontanen Wahlmänner in Würzburg% nun einen Theil dieser Forderung, direktes Wahlre selbst auf die— nicht zum ersten Male— ausgeführte Komödie neugierig. Ilzring-Mahlow. Wie die„Posencr Moraenzeib mittheilt, wurde unter den Zeugen des Sozialijtenprol auch der bekannte Polizeiagent Jhnng-Mahlow vernommen- AI« Wappeu für den Kür>lich frifchgead«»� nationaUibrralrn Herrn von Marquardfen wird � aus Süddeutschland eine Windmühle auf kupferrothem vA vorgeschlagen und als Wappenträaer die letzten beiden% des allerletzten Kollegs des Professors von Marquardfen** Glads Die 3 Wahl Nafl Mea Hera' an V' ist ge! Zweck dort, gelähi breche friede Liga.' mi den ii Klage Befri' wird um ihm die Treppe zu ersparen. Er dankte dem der sich aber schon nicht weiter um ihn kümmerte, denn«% ging ihn der Handwerker an, und schritt dann rasch tnjr Garten und der bekannten Stelle zu, wo er auch zwischen seinen Büchern und Instrumenten traf. w Benno's ganzes Gesicht leuchtete, als er ihn koi«�, sah, und Fritz Baumann mußte sich jetzt zu ihm% damit er die gebrachte Arbeit genau prüfen konnte. S? erklärte thm dabei eine kleine, nur unwesentliche Aend� w'e er sagte die er für nöthig befunden und' nur das Ärbetten des Werkes erleichtere, in �2 Heft es aber nur allein möglich machte, und glücklich darüber und schien auch heute tv Baun Steh- ungli think werd mitle viele! ist ke so vi Ä iSfite. �«-Ä unb erzählte dem jungen Manne noch von einer ferner Plane und merkte gar nicht, daß Kathinka endlich� seinem netnnbni!,*,».. r-rL' r/.......... lF Kath einen r-' T.r Vr"1V*"V WWbJVUtUIIUU tliv semem gewöhnlichen Getränk selber herausgekommen um ihn dann zu seinem vom Arzte vorgeschriebenen Spai gange abzurufen „Spazierengehen? Ja, liebe Kathinka," sagte „recht gern, aber waS fange ich indessen mit diesem Kunstwerk an?" "««nn das nicht so lange hier stehen bleiben?", »Daß mir der Gärtnerbursche wieder, wie neulich C", 'ei"e 5» ss finget dazwischen steckt und etwas verdirbt, mahr. rief Benno rasch./ „Dann will ich es lieber rasch hinauftragen," erb« das Zunge Mädchen. J ...„Nieine liebe Kathinka," sagte Benno kopfschüttelnd,% mem Steckenpferd, und das verttaue ich nicht eint»« an. Wenn Du fielst und es zerbrächst, wäre mir die 9 g Freude verdorben. Ich trage es selber hinauf. L Z!ut einen Augenblick, Baumann; ich bin gleich,'F � ■ne,L-Uttt bri"?e dann auch den Gartenschlüsse � daß wir Sie hinten hinauslassen können; Sie erspare' � durch einen Umweg." Und ohne eine Einrede zu er, mtt sorglicher Hand das Räderwerk und W rasch durch den Garten dem Schlosse zu..„ Die beiden jungen Leute folgten ihm, jedes seilte Gedanken nachhängend, mit den Augen. Endlich Pari- zumc und besch: Gem und scköp See Fran zur! geni- von verd, in wir deric Fon! und den nen Staatsrecht, die seitdem sicher zu würdigen Jubelgreisen sich herausgewachsen hoben. DViiritmrg, 5. Januar. Redakteur Bcyerle des„Würzb. Journals" wurde wegen angeblicher Beleidigung des Majors Tröltsch(Verfasser der famosen Kriegskarte) vom Schöffengericht zu 20 M. Geldstrafe verurtheilt. A«« München theilt die„Münch. Post" mit: Der Maler D i e tz, Mitglied des Arbeiter-Wahlkomitecs von 1887, ist nicht, w'c das„Fremdenbl." meldet, wegen Geheimbündelei, sondern wegen Verbreitung verbotener Schriften(Wahlflug- blätter) vor das Landgericht München> verwiesen worden. » A«»«eis»ug. Vor einiger Zeit wurde aus Frank- fürt a. M. auch ein Maurer Heus ausgewiesen. Dieser Mann ist nach einer Mittheflung der„Kl. Pr." nur einmal be- kannt geworden und zwar am Tage, als der Ziseleur Hugo Hiller begraben wurde. Er sah in der Nähe des Hiller'schen Grabes und zeichnete einen Grabstein ab, als sich die bekannten tumultuösen Vorgänge ereigneten. Man wurde seiner ansichtig und Heus bekam auch einige Hiebe ab, weil er irrthümlich für einen Leidtragenden gehalten wurde. Von ktv Anorveifung rine« Kchullrnaben berichtet die„Kieler Ztg." Dem Sohn des Pächter Tolderlund in der Nähe von Apenrade, welcher die Schule zu Sorö besucht und in den Wcihnachtsferien nach Hause gekommen war, wurde vom Landrathsamt zu Apenrade der Befehl ertheilt, das diesseitige Staatsgebiet binnen 24 Stunden zu verlassen. Di« übtvfttifdft Ausmanderung aus dem Deutschen Reiche über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam umfaßte nach dem neuesten reichsstatistischen Monatsheft im November v. I. 6691 Personen gegen 6140, 4889 und 5966 im entsprechenden Monat der 3 Vorjahre. Aus Westvreußen find allein 2053 Personen ausgewandert, also fast 30 pCt. aller. Seit Beginn des Jahres 1887 bis zum Ende November bezifferte sich die Auswandemng auf 97247 Personen gegen 76 981, 104 920, 141056, 162077, 189 531, 206 047 und 102 360 im gleichen Zeitraum der Vorjahre bis 1880 zurück. Die Auswandemng hatte also die des Vorjahres bereits um über 20000 überstiegen und die des Jahres 1885 beinahe erreicht, blieb dagegen hinter der aus 1880—1884 noch erheblich zurück. Aus Westpreußen find in den ersten 11 Monaten des vorigen Jahres allein 13 697, aus Posen 9000 und aus Pommern 6877 Personen ausgewandert; für ganz Preußen berechnet sich die Auswanderungszrffer auf 61483. Schweix. Mit der schweizerischen Volkszählung gleichzeitig soll in diesem Jahre nicht nur eine Unfallstatistik aufgenommen, sondern auch von den Fabrikinspektoren die Zahl der in den Fabriken beschäftigten Arbeiter ermittelt und dann auch vom schweizerischen Arbeitersekretanat eine Erhebung der in den Be- reich der Krankenkassen fallenden Unfälle angestellt werden, wo- bei sich ergeben wird, ob und in wie weit diese Kassen bei der Unfallversicherung zu betheiligen find. Ferner soll eine Lohn- statistik aufgenommen und wenn möglich das im Besitz der Ver- sicherungs- und Eisenbahngesellschaften befindliche wichtige Material über die Unfälle vcrwerthct werden. Ueber die beiden in Zürich verhafteten Individuen Schröder und Haupt berichtet der„Bund":„Haupt befitzt in Genf ein eigenes Geschäft, wie Schröder in Zürich, und von dort aus machte er Touren nach Lyon, wo er die neuesten Dinge vom franzöfischen Exerzierplatz fich zu merken hatte." Die„Z. P." zählt folgende„deutsche Polizcispionc und atjents provo atoirs" auf, die in den letzten Jahren in Zürich entlarvt wurden: �Schmidt, Friedcmann, Dr. Schapen, von Ehrenberg, Haupt, Schröder. Großbritanuie«. Bei der in Winchester, an Stelle des verstor- denen konservativen Deputirten Tottenham, stattgehabten Parlamentswahl wurde der konservative Kandidat Moß mit 1364 Stimmen gewählt, der von den Anhängern Gladstone's aufgestellte Gegenkandidat erhielt 849 Stimmen. Die Majontät des konservativen Kandidaten bei der vorigen Wahl betrug 336 Stimmen. Zu der Meldung, der geheime Rath habe beschlossen, die Na tionalliaa in den Kreisen Dublin und M e a t h zu unterdrücken, bemerken die„Daily News":„Sollte Herr Balfour diese Absicht wirklich ausführen, so wird er eine an Verbrechen streifende Thorheit begehen. Die Nationalliga ist gegenwärtig nicht nur eine auf die Erreichung rein politischer Zwecke gerichtete gesetzmäßige Vereinigung, sondern sie ist heute dort, wo die Dummheit der Regierung nicht ihre Bemühungen gelähmt Hat, die große Gegnerin von Gewaltthaten uno Ver- brechen. Nichts würde die Mondscheinler und andere Stören- friede mehr ermuthigen als das Bewußtsein der Lhnmacht der Liga." „Frccman's Journal" wiederholt, daß die L a n d k o m- missäre mit ihrer Pachtzinsermäßigung nur "den Grundhcrren in die Hände gespielt haben, und daß die Klagen der letzteren in der Presse nur dazu dienen sollen, ihre Befnedigung zu erfüllen.„Freeman" fügt hinzu:„Die Liste wird als Grundlage bei Reklamationen gegen die Entscheidun- Baumann, aber fast mehr zu sich selbst als der neben ihm Stehenden redend: „Armer junger Mann, so reich begabt, so gut und so unglücklich!" „Ja, er ist wirklich gut und unglücklich," seufzte Ka- thinka,„denn ich fürchte das Schlimmste für ihn!" '„Und glauben Sie nicht, Fräulein, daß er geheilt werden könnte, vielleicht durch eine Luftveränderung?" „Ich weiß es nicht; aber der Arzt sieht ihn immer so mitleidig an und hat ihm in der letzten Zeit wieder so vieles erlaubt, was ihm sonst streng verboten war— das ist kein gutes Zeichen." „Und Sie sind immer so gut mit ihm und geben sich so viele Mühe..." „Ich wollte, ich könnte mehr für ihn thun," sagte Kathinka herzlich,„und wenn er stirbt, werde ich ihn wie einen Bruder betrauern." (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst nndl Leben. Gin« Masserleitung aus d«r Schwei? nach pari«. Paris ist bekanntlich mit Trinkwasser nicht gut versehen; es ist zumesst auf den Wasserbezug aus dem Oberlaufe der Seine unv aus dem von der Marne abgeleiteten Kanal de l'Ourcque beschrankt. Nun hat der schweizer Ingenieur Ritter dem Pariser Gcmmtderath einen Plan vorgelegt, die Stadt Paris in Hülle und Fülle mst Trink- und Nutzwasser aus einer geradezu uner- schopflichen L.uclle zu versorgen, nämlich aus dem Neuenburger See m der Schweiz, mit einem Kostenaufwande von 300 Mill. Franks, dem aber nach der Ausführung eine sichere Einnahme zur Verzinsung und Tilgung gegenüberstehen würde. Der In- genieur Ritter ist nun allerdings ein Mann, der sich im Baue von Wasserleitungen schon einen Namen erworben hat. Ihm verdankt die Stadt La Chaux- de- Fonds ihre einzig in der Well dastehende Wasserleitung, über welche wir bereits in unserer Nummer vom 28. Dezember v. I. berichtet haben. Das 25000 Einwohner zählende La Chaur-de- Fonds liegt auf dem Jura, 1000 Meter über der Mceresfläche, und war nur auf Zisternenwasscr angewiesen, wie die Orte auf den Hochflächen von Kalkgebirgen es überall find, so auf dem gen der Unterkommissäre benutzt werden, und dem Oberkom- missär wird es unmöglich sein, die Wiedererhöhung von Pacht- zinsen zu verweigern, die während der letzten 12 Monate von den Unterkommissären herabgesetzt worden find. Daher ist diese Liste, weit davon entfernt, für die Pächter eine Wohlthat zu sein, thatsächlich ein gegen sie verübter Bettug." In gewissen Kressen ist es übel aufgenommen worden, daß die Hindus es gewagt haben, einen Nationalkonngrcß nach Madras einzuberufen, um einige Aenderungen im Ver- waltungssystem zu besprechen. Für diese Kühnheit werden die gebildeten Hindus, die fich angemaßt haben, der Verwaltung des Landes ihr Interesse zuzuwenden und sie vielleich zu knti- siren, von einem Blatte„bengaliflsche Fratzen" gescholten und es wird behauptet, daß die indischen Mohamedaner diese natto- nalistische Bewegung der Hindus mit Verachtung ansehen. Nun ist es aber eine Thassachc, daß die indischen Muselmanen sich von dem projettitten Nattonalkongreß durchaus nicht ferne halten. Im Gegentheil ist der Gedanke im großen musel- manischen Zentrum, in Hyderabad, mit Begeisterung begrüßt worden und tonangebende Muselmanen haben ihre Bcthcssigung zugesagt. Eine solche Vemrtheilung der berechtigten Bestrebungen der gebildeten Klassen in Hindostan ist in mehrfacher Beziehung schädlich. In erster Linie verdanken diese Hindus die Bildung, welche sie zur Theilnahme an Staatsgeschäften be- fähigt, der englischen Herrschaft wenn auch nicht ausschließlich, doch großentheils. Sie stellen im indischen Reich die Reform- partei vor, im Gegensatz zur revolutionären Partei, deren Anhänger nach Hundetttauscnden zählen und die nur durch das Bewußtsein ihrer Ohnmacht darnicdergehalten wird. Verringert die englische Regierung den gebildeten Hindus und leitenden Muselmanen die so oft verlangte größere Theilnahme an der Regierung, so treibt sie dieselben der Partei des Aufruhrs in die Arme. Es ist obendrein höchst unwahrscheinlich, daß die 50 Millionen Muselmanen, deren Loyalität so hoch gepnesen wird, sich in die britische Herrschaft anders als aus Nothwendig- keit fügen.> Frankreich. Der Ausfall der Senatswahlen ist folgender: Definitiv gewählt wurden 61 Republikaner und 21 Konservative. Letztere gewannen endgiltig 3 Sitze. Der„Matin" bringt folgende Veröffentlichung:„Der von den in Paris weilenden russischen Studenten gewählte Ausschuß hat in Verfolg der Versammlung vom 23. Dezember 1887 folgenden Beschluß gefaßt:„Die russischen Studenten erheben nachdrücklichen Einspruch gegen die barbarischen Maß- regeln der russischen Regierung, die das blutige Einschreiten der Polizei und die Schließung der Universitäten Moskau, Charkow und Odessa zur Folge hatten. Sie sprechen ihre volle Theil- nähme ihren Kameraden aus, welche an den Kundgebungen dieser Universitäten fich betheiligten, und erkennen ihre Forde- mngen gegen die neuen Univcrsttätsrcglemcnts als durchaus be- rechtigt an; sie sprechen auch den tiefen Schmerz aus, den ihnen der Tod ihrer Kameraden, welche für die Sache der Jugend starben, bercllet hat. Unsere polnischen Kameraden treten voll- ständig unsem Protesten bei. Der Ausschuß." Ein Dekret des Präsidenten der Republik erklärt den Be- schluß, durch welchen der Pariser Gcmeinderath die Ausgaben für die republikanische Garde gestrichen hat, für un- giltig und verfügt die zwangsweise Einschreibung der Kosten für den Unterhalt dieser Truppe in das hauptstädtische Budget. GerichtsIeitung. Der posenrr Sozialistenprozeß.(Vierter Verhandlungstag.) Posen, den 5. Januar. Nach Eröffnung der Sitzung stellt zunächst der erste Staatsanwalt Herr Martins einen An- trag auf Vernehmung des Gefäugnißinspektors Bösenberg. Da gestern einer der Herren Vetthcidiger den von dem Gefangenen- aufsehcr Brichewicz bekundeten Bestechungsversuch für einen faulen Witz oder für die That eines Geisteskranken erklärte, soll Inspektor Bökenberg bezeugen, daß ein solcher Bestechunasver- such schon deshalb wirklich unternommen worden sein könne, weil schon im Jahre 1882 von Mendelsohn und Janiszewski Fluchtversuche gemacht worden seien. Auch Kasprzak sei an- scheinend mit fremder Hilfe ausgebrochen. Der Gerichtshof be- schließt, den Bösenberg zu laden.— Tischler Palaszinki, welcher unter Aussetzung der Vereidigung gehört wird, stsslt in seiner Aussage zunächst in Abrede, daß er sozialistische Versammlungen besucht habe. In Berlin hat Zeuge bei Mcrkowski gewohnt. Slavinski kam eines Tages zu Merkowski und brachte ihm sozialistische Schnften. Als später Slawinski von Berlin abreiste, ging Zeuge mit zur Bahn. Mcrkowski und seine Frau waren auch zugegen. Letztere ersuchte ihn(den Zeugen), er solle niemand sagen, daß Slawinski dagewesen. Dieser führte zwei Koffer mit sich; auch hatte derselbe sich vor seiner Abreise nach der Adresse von Johann Konopinski in Posen erkundigt. Der Kriminalschutzmann Napora in Berlin ist dem Zeugen bekannt. Dieser hat denselben mehrmals ge- sehen, und zwar bei Arbciterfesten u. s. w. Zeuge ist s. Z. von Berlin mit Felix Witkowski und Porankiewicz nach Posen ge- Karstc, dem schwäbischen Jura zc. k. In Württemberg hat man vor etwa 20 Jahren begonnen, die am Fuße des schwäbischen Jura, der Rauhen Alpen zu Tage tretenden, durch das Kalk- gebirge durchgesicketten Quellen zu fassen und durch Pumpwerke auf die Hochebene zur Vettbeilung an die wasserbcdürftigen Ge- meindcn wieder hinaufzutreiben. Zeichnungen dieser heute immer mehr erweiterten Wasserleitungen waren auf der Wiener Weltausstellung zu sehen. Um der Stadt La Chaux-de-Fonds eine Wasserleitung zu verschaffen, faßte Ingenieur Ritter die 500 Meter tiefer auf der Gegenseite des Thal- einschnittcs gelegenen Quellen der Areuse, gab ihnen noch einen Fall von 60 Metern, um mit der auf Turbinen wirkenden Triebkraft dieser Wassersäule den Ueberschuß des Wassers in einen 80 Meter über der Stadt ge- legcnen Wasserbehälter hinaufzupumpen, von welchem aus es sich als Nutz- und Trinkwasser vertheilt. Es find drei Tur- binen und drei Pumpen in Thätigkeit, und jede Pumpe hebt mit einem Hub 1000 Liter oder einen Kubikmeter. Diese Leistung cnnuthigte Herrn Ritterzu seinem Vorschlage, Patts aus dem Neuenburger See mit Wasser zu versorgen, wie auch schon ein anderer Ingenieur Beau de Aochas die Wasservcr- sorgung der franzöfischen Hauptstadt aus dem Genfer See vor- geschlagen hatte zu einem Kostenpreise von 500 Millionen Frks. Der Neuenburger See liegt 500 Kilometer von Paris entfernt, über 400 Meter höher als Patts, hat eine Oberfläche von 359 Quadratkilometer und könnte demnach, selbst wenn er ohne jeden Zufluß bliebe, zwei Jahre lang Patts mit so viel Wasser versehen, daß auf jeden Kopf täglich 600 Liter kämen, ohne daß der Seespiegel um mehr als einen Meter sinken würde. und das Wasser, welches mit einer Geschwindigkeit von 30 Meter in der Sekunde fließen würde, käme immer noch mit einer Fttsche von 10 Grad über Null in Paris an. Nun ist aber an ein Sinken des Seespiegels gar nicht zu denken, denn der See hat Zuflüsse, die in der heißen Jahreszeit noch stärker find, als in der kalten, und das Waffer würde Herr Ritter demselben auch gar nicht am Ufer und an der Oberfläche entnehmen, son- dem, wie es bekanntlich auch bei der Wasserleitung aus dem Michigan-See nach Chicago der Fall ist, aus einem künstlichen Seihstollen 80 Meter unier der Oberfläche, mit einer Frische von 6 Grad über Null. Von da würde das Wasser in einem 35 Kilometer langen Stollen durch den Jura nach dem Deffoubre- Thale im Doubs-Depattement geleitet und von da weiter in einer gewölbten Wasserleitung den Berghängen entlang bis nach Paris, wo es immer noch in einer Höhe von 120 Metern ankäme. Da die gegenwärtigen Wasserbehälter von fahren, um hier seine Eltern zu besuchen. Nach vier Tagen ist er mit Porankiewicz wieder zurückgefahren. Auf Befragen des Vettheidigers Dr. Flatau bestätigt der Zeuge, daß bei Wer- kowski viele Leute in Schlafstelle wohnen und ihre Mittags- mahlzeit einzunehmen pflegen. Ferner weiß Zeuge zu bekunden, daß der Kttminalschuymann Napora in Berlin auf dem Bahn- Hof den Felix Witkowski bei dessen Abreise nach Posen geküßt und ihm ein Packet„Zigaretten" zugesteckt habe. Diese Aus- sage ist um dessentwillen wichtig, weil Felix Witkowski bereits am ersten Verhandlungstage aussagte, Napora habe ihm auf dem Bahnhof in Berlin ein Packet, angeblich ein Weihnachtsgeschenk enthaltend, zugesteckt, welches bei näherer Besichtigung Exemplare des„Sozialdemokrat" enthielt. Zeuge wird nachträglich ver- erbet.— Der Kommis Markiewicz, ein Schwager der beiden Brüder Wittowski, wird ebenfalls unter vorläufiger Aussetzung der Vereidigung vernommen. Derselbe bekundet: Felix Wit- kowski kam Weihnachten nach Posen und hat bei mir gewohnt. Derselbe hatte ein Packet mit Druckschriften bei sich und hat später diese Druckschriften in meinem Beisein in der Pincus- schen Destillation an die dort verkehrenden Gäste vettheilt. Joseph Witkowski, welcher zur selben Zeit nach Posen gekommen war, hat bei seiner kranken Mutter gewohnt. Der Zeuge bleibt unvereidigt. Zwei weitere Zeugen, welche ebenfalls mit Witkowski verwandt sind, lehnen ihr Zeugniß ab. Ein anderer Zeuge weiß gar nichts auszusagen.— Schutzmann Sommer bekundet, daß am 25. Februar vormen Jahres, als er sich auf der Polizeiwache befand, ein Bruder des Angeklagten Kurowski zur Polizei gekommeu sei, ein Packet sozialdemokrati- scher Schriften abgegeben und gesagt habe, er hätte dasselbe in der Nähe des Bahnhofes gefunden. Hippolyt Kurowski, der Bruder des Angekagten Kurowski, macht von dem Recht der Zeugnißverweigerung Gebrauch.— Der Maler Maciejewski sagt aus, daß der Angeklagte Kurowski bei ihm gewohnt und ihm einmal ein Packet mit der Weisung, es seinem(des Kurowski) Bmder auszuhändigen, gegeben habe.— Die Frau des Eisendrehers Jakubowicz, bei welcher Slawinski sich als Sattler Jettma eingemicthet hatte, war mit ihrem Miether, der sich sehr anständig bettug, in jeder Beziehung zuftteden. Slavinski wohnte zweimal bei ihr. Besuche hat er nie empfangen, Gepäck ihatte er nicht bei sich und Bttefe kamen ebenfalls keine für hn an.: Offenborg. Dem„Landesboten" schreibt man von hier In der Strafkammerverhandlung gegen F. Huber von Elgers- weier wegen Verbreitung verbotener Schriften wurde das Gericht in eine Situation versetzt, wie sie in der Praxis der Straf- rechtspflege wohl sehr selten ist. Der Angeklagte saß seit fünf Wochen in Untersuchungshaft; an das Landgericht legte der Vettheidiger Beschwerde ein gegen die Fortsetzung der Haft. Das Landgcttcht beschließt, daß die Haft auch nach geschlossener Untersuchung fortzusetzen sei, weil der Angeschuldigte Äehaup- tungen machte, welche sich mit den Aussagen einiger Zeugen nicht decken und deshalb anzunehmen sei, daß er diese zu falschen Angaben verleiten könnte. Es kommt zur Verhandlung: eine Reihe Zeugen ist verhött, 1& Stunden sind verstrichen und der letzte Zeuge, Wachtmeister Saur, ist vemommen. Vorfitzender: Hat jemand noch eine Frage an den Zeugen zu ttchten?— Vettheidiger: Der Herr Wachtmeister hat auf fernem Rappott, welcher den Akten beigefügt ist, bemerkt, daß das vorgefundene Flugblatt, dessen Verbreitung der Angeklagte beschuldigt ist, gar nicht verboten sei. Ist denn dasselbe dennoch verboten?— Der Vorsitzende durchstöbert die Akten und findet nichts, der Staatsanwalt kann keine Angabe darüber machen und wendet sich an den Zuhörerraum, ob es zufällig Jemand wisse. Vielleicht gestattet der Inhalt einen Schluß auf die Ge- fährlichkeit des Blattes?— Es stellt sich heraus, daß der Ge- ttchtshof das Flugblatt, das fich bei den Akten befindet, gar nicht gelesen hat.„Wir können nicht mehr weiter verhandeln,� sagt der Vorsitzende,„die Verhandlung muß vettagt werden." — Der Angeklagte, das Opfer des Vorhin zititten Gcrichtsbe- schlusses, soll nochmals auf einige Wochen ins Gefängniß man- dem! Der Vettheidiger schlägt einen Kompromiß vor. Der Eingeklagte soll, obwohl er es thatsächlich nicht weiß, formell einräumen, daß das Verbot des in Rede stehenden Flugblattes im„Reichsanzeiger" publizitt wurde. Er thut dies. Das Gettcht kann weiter Recht sprechen und nimmt an, daß der Angeklagte zwei Exemplare verbreitete, ohne das Verbot gekannt zu haben. Uttheil: 14 Tage Haft, verbüßt durch eine sanfwöchige Hast. „Von Rechtswegen"— wird beigefügt. So geschehen zu Offenburg am Ende des 19. Jahrhunderts! Gntscheiimngen de» Reichsgericht».(Nachdruck verboten.) Lerpzig, 5. Januar.(Fahrlässigkeit.) Wenn ein Fuhr- mann mit seinem Wagen über einen Eisenbahnstrang fährt zu einer Zeit, wo das Nahen eines Zuges wahrscheinlich ist, so ge- fährdet er damit nicht nur sich selbst, sondern vor allen Dingen den Eisenbahntransports; verantwottlich gemacht wird er aber natürlich nur wegen der Gefährdung des letzteren. Da sich jeder selbst der Nächste ist, muß man annehmen, daß jemand nur dann über eine Eisenbahnsttecke hinwegfähtt, wenn er sicher glaubt, daß kein Zug herankommt. Geschieht dies aber doch und der Fuhrmann erleidet vielleicht durch Verletzung seines Wagens oder Pferdes seinen Schaden, während der Zug unbeschädigt f aris nur 90 Meter hoch liegen, so ergäbe die Erhöhung der allhöhe oder des Wasserdrucks um 30 Meter bei einem Zu- flusse von 20 000 Litern oder 20 Kubikfuß in der Sekunde eine ganz gewaltige Tttebkraft. Herr Ritter und nach ihm Henri de Parville im„Journal des D bats" rechnen aus, daß man auf diesem Wege ganz Patts nicht nur mit einer unerschöpf- lichen Atenae vottrefflichen Trinkwassers, sondern auch mit elettttschem Licht in allen Straßen und Wasserkraft in allen Werkstätten zu billigem Preise versehen könnte, abgesehen davon, daß der ganzen Landschaft längs der Wasserleitung durch Ab- zweigungen dieselben Vottheile sich zuwenden ließen. Dies der Plan, für dessen Ausführung der Ingenieur Ritter nur sechs Jahre in Anspruch nimmt. Gin Regenbogen in der Macht. Ein ganz über- raschendes Phänomen zeigte in einer der letzten Nächte der Mond in Stettin. Kurz nach 12 Uhr legte fich, von Osten nach Westen ziehend, eine dünne Cirruswolke wie ein Schleier vor die Mondscheibe, die, während sie mit fast unvermindetter Klarheit durch den Wolkenschleier schimmerte, von einem blendend weißen Hof umgeben war, um welch letzteren sich zwei in überraschender Schärfe ausgeprägte Kreise in den Farben des Regen- Vogens legten. Die Farben des inneren Kreises reichten nur bis zum Gelb, während der äußere Kreis alle Farben des Spektrums in fast gleicher Helle wie beim Sonnenregenbogen aufwies. Die Erscheinung dauette etwa eine Minute und wieder- hotte sich später noch einige Male, jedoch nicht mehr in derselben Deutlichkeit und schatten Begrenzung, da die vorüberziehenden Wolken dichter und unregelmäßiger wurden. Das Thermometer zeigte zu der angegebenen Stunde nach Reaumur 10 Grad unter Null. Alarmoorrichtnng in der Leichenhalle. Auf dem Friedhofe zu Koburg sind die Aufbahrungsräume der Leichen- Halle dieser Tage mit einer elettttschen Alarmvorttchtung aus- gestattet worden. Diese Einttchtung hat den Zweck, das Be- graben von Scheintodten zu verhüten; sie besteht aus elektrischen Kontatten, welche mit jeder Bahre, bez. mit jeder aufgebahtten Leiche in Verbindung stehen. Dieselben sind mit einem in der Halle angebrachten Läutewerk mit einem Nummerapparat ver- bunden, dessen Zahlen mit denen der Bahren übereinstimmen und welches bei der leisesten Bewegung eines Scheintodten so lange fortschellt, bis es durch den Wächter abgestellt wird. Be- kannllich äußett fich das Wiedererwachen Scheintodter vor Allem durch zuckende Bewegungen der Arme und Hände; mag indessen die Bewegung noch so gettng sein, so wird dadurch der Apparat genügend angeregt und der Alarm ertönt. weiter fährt, dann kann man dem Manne, wenn er auf Grund des§ 316, 1 in AnNaaezustand versetzt wird, ein gewisses Mit- leid nicht versagen. Ganz so schlimm war es nun zwar dem Kohlenfuhrmann Gottfried Friedrich Walther aus Ober- lungwitz nickt ergangen, aber immerhin war die geringste zulässige Strafe von einem Monat Gcfängniß, welche vom Landgerichte Chemnitz über ihn verhängt wurde, schwer genug für die?tachlässsgkcit. Er war nämlich an einer Uebergangsstelle der Stollberg-Wüstebrander Nebenbahn, die er regelmäßig zu pasfiren pflegte, über die Schienen gefahren, als gerade ein Personenzug herankam und durch anhaltendes Läuten des Äaschinenführers angemeldet wurde. Bekanntlich fahren die Züge der Minder-Bahncn nur mit sehr mäßiger Geschwindig- keit und das Läutwerk wird gewöhnlich so früh in Thätigkeit gesetzt, daß selbst das simpelste Kuhfahrzeug noch rechtzeitig die andere Seite erreichen muß, wenn der Fuhrmann das Signal beachtet. Der Fuhrmann Walther dagegen befand sich mit seinem Fuhrwerk noch imnier auf dem Eisenbahndamme, als der Zug schon in bedenkliche Nähe gekommen war. Als der Zug- führer eingesehen hatte, daß der Rossclenker durch das Läuten nicht zu größerer Eile angetrieben worden sei, blieb ihm nichts weiter ubrtg, als den Zug zum Stehen zu bringen. Dies gelang noch rechtzeitig, so daß keiner der beiden Transporte Schaden erlitt. Vor der Strafkammer behauptete Walther allerdings, er habe das Signal wegen widrigen Windes nicht gehört, aber das Ge- richt schenkte ihm hierin nickt den Glauben, den er beanspruchte, da er Schwerhörigkeit im allgemeinen und im besonderen Falle nicht glaubhaft zu machen wußte. Auch sprach das Gericht sich dahin aus, daß ein gewissenhafter Fuhrmann, als welcher der Angellagte sonst bekannt ist, die Verpflichtung habe, sich umzusehen, wenn er einen Bahnübergang passirc. Da der Ange- klagte dieser Pflicht nicht nachgekommen ist, war seine Fahr- läsfigkcit als erwiesen anzusehen und die erwähnte Strafe für die Gefährdung des Eisenbahntransportes auszuwerfen.— Walther, der sich mit dem Gedanken, einen Monat Gefängniß zu verbüßen, nicht recht befreunden konnte, hatte Revision ein- gelegt in der Hoffnung, daß das Reichsgericht ihn freisprechen werde. Seine Revisionsschrist argumentirte: Es steht fest, daß der Angeklagte das Nahen des Zuges nicht gehört habe, da er gesunde Ohren hat, muß er aus irgend einem Giundc das Läuten nicht haben hören können; wenn er es aber nicht hat hören können, dann ist nicht er, sondern der Zufall(widriger Wind) oder der Lokomotivführer(weil er nicht laut genug ge- läutet hat) an der Gefährdung schuld.— Der Reichsanwalt des 3. Strafsenats konnte sich aber seinerseits mit dieser Logik nickt befreunden und bezeichnete die Revision als eine von Frivolität gesehen habe, so liege das offenbar da« oßkelle eingeschlafen war. Hierin liege o* [gleit.— Das Reichsgericht verwarf daraus» diktirte. Wer solche Sätze zu leisten im Stande sei, der köo vieles machen, was normale Menschen für unmöglich haw Wenn der Angeklagte das Signal nicht gehört und den A nicht herankommen gesehen habe, so liege das offenbar da? daß er in der Schoßkell gerade die Fahrlässigkeit. die Revision. Zeipzig, 5. Januar.(Menschenhandel.) Zu den ver« tungswürdigen Personen, welche eitr Geschäft daraus madij den Häusern der Unzucht im In- und Auslande neues„M ml" zuzuführen, gehört auch eine gewisse Karolinc klar> Mannheim, welche vor einiger Zeit vom dortigen Landgent wegen Kuppelei vcmrtheilt worden ist. Sie hatte drei Mäd» nach Rotterdam zu dem mväbnten Zweck geschickt und di» Zweck wenigstens bei der einen erreicht.— Gegen rhre urthcilung hatte sie Revision beim Reichsgerichte eingelegt!» Straflosigkeit deshalb beansprucht, weil die Unzucht, in n*» sie die Mädchen geführt haben solle, im Auslande begangen I würde. Das Rerchsgericht(erster Straffenat) verwarf jcöodlj Beschwerde, da es nur darauf ankommt, daß die Kuppelei F im Jnlande verübt ist. Theater. von Sonnabend, den 7. Januar. GprrahM«». Der Waffenschmied. AchaafvirU»«««. Othello, der Mohr Venedig. Jnttrche« Theater. Galeotto. laUner-Kheater. Ein toller Einfall. Der Mizekado. Friedrich- Wilhelmstädtisch», Theater. Die 7 Schwaben. Wiktarta-Theater. Die Reise um die Well in 80 Tagen. Gstead-Theater. Licht und Schatten. K»std»«k-Theat-r. Francillon... Arall'» Theater. Pattence.™ Aellealliaaee-Theater. Der lustige Krieg. Waihalla-Theater. Alle Neune. Teatral-Theater. Höhere Töchter. KSaigstädtische» Theater. Don Carlos. Americau-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. laarardia- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Theater der K»ich«hall»«. Vorstellung. Kaafmann» MariSt«. stellung._ Spezialitäten- Spezialitäten- Vor« Berliner Ktadt Theater Wallnertheaterstraße 15, fr. Achambra- Theater. Großer Erfolg! Morpheus -auf der Oberwelt. Phantastische Posse mit Gesang in 3 Allen von E. Jacobson. Ermassigte Preise i Kperrsth I M. 1»araa.t 75 Psg. Parqaet 60 pfg. Jeder Besucher der Sonntags- rech. Montags- Vorstellung erhält ein Freibillet für Freitag oder Sonnabend. Bons-Jnhaber zahlen Wochentags ermäßigte Preise. Lolliscnliädtischks Theater. Dresdenerstr. 72. Direktion: Adolph Ernst. N»u einftudirt n. mit ttnteit Kouplets. Zum 183. Male: Die schöne Ungarin. Gesangspoffe in 4 Allen von W. Mannstädt. Kouplets v. G. Görß. Musik von G. Steffens. Die neue« Konplrt» stnd»am KaprUmstr. Herr» Franz Roth komponirt. Irma: Clara Helmer. Lilli: Olga D«o- raK. Fritze: Grete Gallus. Häppchen: Clara BOchler. Miesebcck: Direktor Ad. Ernst. Schröder: Aug. Kurz. Triller: Paul Barthold. Walzebock: Gustav _ GBrso. Alfred: Wilhelm Ruft. «eleph'« Anschlm»:»mt III. Hr. 8042. Kasseneröffnung ßj Uhr. Anfang der Vorstellung Morgen: Dieselbe Vorstellung. Circus A. Krembser Friedrich-Karl-Nfer, Ecke Karlstraße. Heute, Fona-dead, den 7. Januar 1888, Abends 7 Uhr: Zum 5. Male: Vir lu|% S�mtprraiiltrt, große originelle Pantomime, ausgeführt von 80 Personen und 40 Damen vom Corps de Ballet. 8 Napptzeugst», vorgeführt vom Direktor. ,,Th»rs««in", Schulpferd, in der hohen Schule geritten von Frl. A»«a Orose. Auftreten der vorzü «attdk »d». L....._________________ Parforcereiterin Gmeli« tforn. Der Jockeyritt des Signor Mit»ei. Der Jongleur zu "lferde, ausgeführt von Mr. Loyal. Komische 'ntrees und Intermezzos sämmtlicher Klowns. Das Nähere die Tageszettcl. Morgen, Sonntag: Zwei Uorstellnngen, 4 und 7k Uhr. A. K rembser, Direktor. ag» 1 Cr. S M.- 10 31. Kalser-Psnorama. Kchlöster König Lndmlg II. Herrenchiemsee mit Sehensw. Neu! Zum ersten Male: Vierte Meise d. d. mal er. Alpen. ,,»eise Kr. Mas.»chist Hertha. Eine Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonn. Unserm Freunde und Vereinskollegen W. Worlih bnngen wir zu seinem heutigen Wiegm- feste ein dreimal donnernde« Hoch! dar und wünschen, daß er noch viele solche Feste im Kreise seiner Freunde feiern möge. 76 Die Mitglieder des Vereins. Maskengarderobe von[25 Fritz Panknin Oranienstr. 1 78EckeAdalbertstr. empf. sich den Vereinen, sowie den Lesern ds. Bl. aufs beste. Vrostt» Answahl! Billigst» preis»' Masken-Garderobe Reichste Auswahl, billigste Preise I F. Stenzely � Dresdenerstratz» 21(Ecke Luisenufer). Eleg. Maskengarderobe für Herren und Damen von C. Tietz, Granienstratze 130, 2 Trepp. (Ecke Alerandrinenkr.). Geschmackvolle Kostüme in reichster Auswahl zu dilligen Preisen. Verein,« pniseemötzignng. tzmiÖMslt �taatsg�e Winne: 1 X 000,000 Mk., 2 X 300,000, 2 X 150,000 Mark "•"-Ä.Vr"'- 20. Jan. bin 8. Febr.,"ätJT Kgl. Preuss. 177. Staatslotterle. i.».»«. 65,000 Gewinne: 22 Millionen 167,180 Mk. baar. 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Pos tmentirer und Berufsgenossen, S ftrrfommlniia S ÄWKWW- Das Wäsche-, Wollenwaaren- und Tapisserie-Geschäft (En gros) Fabrik and Lager(En detail) ton Carl Richard Voss, Berlin, Wllhelmstrasse 83— Nahe des Anhalter Bahnhof»— s7g7 nd PotsdKnier»tra»»e HO— nwienhen Steglitser- und Lfltzowstrmese— Uefort nur gate, reelle Waaren, n fewten, aber wie bekennt, billigen Preisen. Wollene Gesundheitsjacken A I M. safte milll. >er Vorstand. .Der vom Fachverein der Tischler. � Arbeitsnachweis befindet sich Alte 3'% im R�nteiurant Schumann. M vermittclung geschieht für Meister u''..F (auch Nichtmitgliedcr des Vereins) Die Adressenausgabe erfolgt a« »ou 8{ Iis 10 Uhr Abend».' I von 0 bis 11 Uhr gnrmitt»� die 4 Kassircr der„Ortsllankenkasse Ikieifl, jRittctftrafer ersuchen wir, nur den obengebd - �nf--�'stelle d. Gürtler u. Bran...... � r.!>?' deitonachmel. zu benutzen.� beide in B.rlin. Druck und Verlag von War Kading in Berlin 8W.. Btuthstraße Cigarrrn und Tabak» —---- von 26 Ich kaufe|Ir»tt(M' '' A. Fuhaa, Berlin, Frtrdrichf� i�i] q Arlieitsmarkt aT)�üÄti?e, f'eber und Färberin» Metallknopfe werden gesucht ti! Knopffabrik Masserthorstr� Nerstlberer werden verl. Eisenbahnstr� Fehrmädch»« für Posamentier hant langt 81»!»er, Scbastianstr. 76. Den K steumacht� zur Nachricht, daß sich das Arbcitsnoch'V letzt in der Franzstra�e 6 beim 3»c' flieh» befindet. V Ucher F schrie er Schöpfu bim ger ---- �4, ein ArdnI-Wlhmiis für Iii«! SS r � Wea la laufen!' Un den We Tiger st: Hand au «S: James zurück, t Beilage zum Berliner Bolksblait Nr. 6. SonnaNendl» den 7. Januar 1888. 5. Jahrg. „£ö(Eic&eru In(um. Herr Crispi, der italienische Ministerpräsident, hat bekannt- lich an seine Diplomaten und Konsuln ein Rundschreiben ge- richtet, in welchem er für die amtliche Korrespondenz die über- flüssigen und oft unpasicnden Höflichkeitsphrasen, insbesondere die Schlußformeln und die stets wiederkebrende, nach dem Rang- vcrhältniß abgestufte Hochachtungsversicherung verpönt._ Die „Nordd. Allgem. Ztg." bemerkt, daß bei uns der Uebelstand, den Herr Cnspi jetzt für Italien beseitige, schon vor 25 Jahren abgeschafft sei. Herr Crispi meint, die modeme Geschäftsbehandlung sei sachlicher und schneller als die frühere, und erfordere des- halb auch einen bündigen und einfachen Stil. Man rann jedoch in Sachlichkeit und Schnelligkeit das Höchste leisten, wenn man auch im Schlußsätze des Briefes in Ergeben- heit oder Gehorsam„ersterben" zu sollen glaubt. Die Crispi'sche Motivirung ist also nicht ganz vollkommen; aber trotzdem billigen wir gem seinen Kampf gegen die„hohlen Phrasen", und möchten sogar wünschen, daß er die Bemerkung, derartige Höflichkeits- formen wären im privaten Briefwechsel zulässig, fortgclaffen hätte.(Nebenbei bemerkt, ist diese Höflichkeit gegenüber der Privatkorrespondenz ein unwillkürliches Opfer, welches Crispi dem Götzen darbringt, den er bekämpft.) Wir haben gewiß mit Recht einen Widerwillen gegen die gepuderte Perrücke und den Zopf; trotzdem hat es sehr tüchtige, frische und freie, bahnbrechende Männer gegeben, welche die künstliche Verunstaltung ihres Hauptes für eben so nothwendig hielten, wie wir das Waschen und Kämmen. Das geschlitzte Wamms, der gestickte bunte Rock und das schwarze Allerweltskleid— es find lauter gleich- berechtigte Kinder der Mutter Mode. Der Wechsel im Ge- schmack erscheint dem oberflächlichen Beobachter willkürlich und unvernünftig; der Völker- und Epochen-Psnchologe aber sucht und findet die organische Entwicklung aller Modethorheiten im Geiste der Zeit. In die große Familie, als deren Haupt wir die Mode betrachten, gehört der Höflichkeitsstil im persönlichen und brieflichen Verkehr. Zu bunten, phantastischen Kleidern ge- hört ein überschwenglicher Stil, zu der schwarzen Gleichheits- uniform gehört eine bündige und einfache Ausdmcksweise. Herr Crispi leistet also dem Geist der Jetztzeit treue Dienste, wenn er auf dem Gebiet seines Einflusses dem Schaumgold der Höflichkeit den Krieg erklärt. Man spricht wohl von Höflichkeitslügen und protestirt im Namen der Wahrheit gegen die Vorspiegelung einer„ausgezeichneten Hochachtung", die gar nicht vorhanden ist. Das heißt aber, dem Firlefanz zu viel Ehre anthun. Zur Lüge gehört die Absicht und die Möglichkeit der Täuschung; der Briefschreiber, welcher sich als„ganz gehorsamer Diener" zur Vcr- fügung stellt, will und kann aber ebensowenig täuschen, wie der englische Sprecher, der seine aller Welt bekannte Glatze mit der mächtigen Staatspcrrücke bedeckt. Es ist ein blühender Unsinn, weiter nichts; aber eben der Zwecklosigkeit halber widerstrebt es unserer„realistischen" Zeitrichtung. „Wie eine ewige Krankheit" erden sich nicht blas Gesetz und Recht, sondem auch Höflichkeitsworte fort, obschon sie unter den veränderten Zeitverhältnissen einen ganz bedenklichen Inhalt bekommen können. Man schreibt mir:„Herrn N. N. Wohlgeborcn." Das heißt unter den jetzigen Gcsellschaftsvcr- hältnisscn:„Du bist ein ganz gewöhnlicher Mensch aus der großen Masse, der es nicht einmal so weit gebracht hat, daß man ihm den Titel., Hochwohlgcboren" zulegen kann, der doch schon durch kleine Würden oder etwas gesellschaftliches Prestige zu erwerben ist." Früher, als die einzelnen Stände scharf ge- schieden waren, war die Abstufung zwischen„Wohlgeboren" und „Hochwohlgeborcn" natürlich und zweifelsohne: jetzt ist„Wohl- geboren" eine höfliche Beleidigung und„Hochwohlgcboren" werthloses Schaumgold. Auch in der Abstufung der Briefanrede„Geehrter Herr, Sehr geehrter Herr" liegen Fußangeln. In dem einfachen „Geehrt", welches an sich doch recht artig klingt, steckt heut zu Tage eine Art von herablassender Vertraulichkeit, welche unter Umständen als UnHöflichkeit empfunden wird; andererseits klingt das„Sehr" und„Hoch" vielfach zu hohl und heiser, wie der Ton einer zersprungenen Glocke. Wenn Deutschland auch in der Vereinfachung des amtlichen Verkehrsstiles vielen Ländern vorausgegangen ist, so läßt sich doch nicht verkennen, daß wir von der Das unmögliche Duell. Von R o b b y Jones. Die„Francisviller Posaune" und der„Herold von Francisville" lagen in offener Fehde miteinander, wie das ja auch nicht anders sein konnte. Besonders grimmig auf- einander aber waren Zames Rodgers von der„Posaune" und Fred. Ridgers vom„Herold" und auch das hatte seinen guten Grund, denn als bei einem Festspiele, das der Fran- cisviller Philodromatik-Klub zur Feier seines zehnjährigen Bestandes gab, ein Festprolog von Fred. Ridgers zur Auf- führung gebracht wurde, da stand Tags darauf in der „Posaune" eine Besprechung, die Fred. Ridgers außer Rand und Band brachte, derart, daß er seinen rechten Stiefel an die Wand und den linken seiner Aufwärterin, die ihm, wie immer, die„Posaune" gebracht hatte, an den Kopf warf. Es war aber auch zu arg und Fred. Ridgers beschloß, eklatante Rache zu nehmen, wozu er nicht wenig durch seine Frau aufgemuntert wurde, die befürchtete, daß sonst das Unwetter bei ihr einschlagen könne, und das hat immer seine unangenehmen Seiten. 'Je öfter Fred. Ridgers die Zeilen las, die kein erbärm- licher Feind geschrieben, desto wüthender wurde er:„Ich", er,„ich, ein Vogelhirn?! Ich, ein Mensch, bei dessen Schöpfung Gott das Dreckklümpchen, aus dem er das Ge- irn gemacht, aus des Nachbars Mistbeete genommen?! elm mei,.____„,......... m I Weg laufen! Er solls nur versuchen und mir in den Weg laufen!" Und wie der Zufall schon will, lief er ihm wirklich in den Weg. Da hätte man Fred sehen sollen. Wie ein Tiger stürzte er sich auf seinen Gegner, klatschend flog die eine Hand auf des Verhaßten rechte Wange;„so, da hast Du das Vogelhim!"— klatschend flog die Hand auf die linke Wange,„und da hast Du des Nachbars Mistbeet!" Doch James Rodgers war auch nicht faul, er trat einen Schritt zurück, duckte sich und stürmte dann wie ein Mauerbock Schwerfälligkeit des privaten Verkehrs schwerer loskommen, als viele unserer Nachbarn. Einen Haupttheil der Schuld trägt der leidige Umstand, daß uns die handlicbe Scheidemünze des deutschen Wortes für„Monsieur" und Madame fehlt. Den Plural„Meine Herren" und„Meine Damen" haben wir uns glücklich angewöhnt; aber an der Einzahl stößt sich die deutsche Zunge. Das nackte„Herr:" geht blas als rollender Ausdruck des Grolles durch; im friedlichen Verkehr muß entweder vorn ein fades Eigenschaftswort zugefügt oder hinten ein Eigennamen oder ein breitspuriger Titel angehängt werden. Zu einem wirklich würdigen und einfachen Gesprächs- und Briefstil werden wir erst kommen, wenn wir ein einziges, allgemeins brauchbares Anredewort uns schaffen.„, Bei dem Uebermaß von„klassischem Studium sollte Deutschland eigentlich von der klassischen Einfachheit des alt- römischen Briefstils etwas mehr profitirt haben. Ein„salutem" (Gruß!) voran und ein„Vale"(Lebewohl!) hinten— damit war Alles abgemacht. Eine besonders praktische Einrichtung des römischen Briefstils war die Nennung des Absenders am An- fang: infolge dessen brauchten die Römer nicht, wie wir, erst das Ende des Briefes zu suchen, um zu erfahren,„mit wem man die �"Aackere Pioniere der Bündigkeit und Einfachheit sind die Postkarten und der Worttarif für Telegramme. Diese Verkehrs- mittel haben auch ihre Schattenseiten, da sie in Zukunft den .Herausgebern von interessanten Briefwechseln das Handwerk bedeutend schmälern werden. Aber es läßt sich doch nicht ver- kennen, daß viel Schwulst und Schwindel aus der Welt ge- schafft ist, seit man ohne Umschweife auf die Postkarte oder das Telegraphcnformular schreibt, was man sagen oder haben Wenn man das Crispi'sche Vorgehen im Privatvcrkehr nachahmen will, so muß man freilich mit Vorsicht vorgehen, in- dem man dem Geschmacke und den Ansprüchen des Adressaten bezw. des Angesprochenen vernünftige Rechnung trägt. Die wahre Höflichkeit besteht ja darin, daß man seine Eigenheiten denen der anderen opfert. Es ist Sache des individuellen Taktes, abzumessen, wie viel Schaumgold der Höflichkeit in jedem Falle am Platze ist. Wer geschickt ist, findet leicht eine originelle Wendung der Herzlichkeit oder Ergebenheit, welche mehr ist als Ersatz für die Verkürzung der Schablonen-Phrasen. Wer sich nicht sicher fühlt, bleibt im Verkehr mit Leuten, denen er Respekt oder gesellschaftliche Rücksicht schuldet, am besten in den Formen, welche von der großen Mehrzahl noch gebraucht werden. Wenn eine Vereinfachung so weit verbreitet ist, daß sie wenigstens als gleichberechtigte Mode gilt, dann ist es weniger gefährlich, sich ihrer zu bedienen. Als Hauptregel und leitenden Gesichtspunkt halte man im Interesse der Klarheit, Wahrheit und Schönheit die Beschrän- kung der hohlen Höflichkeitsphrascn im Auge; die nöthigcn provisorischen Ausnahmen von dieser Regel muß sich Jeder nach seinen eigenen Bedürfnissen machen. Zokales. „Die Berliner Stadtbahn, ihr Kau«nd ihre Gnt- mickelung, 1882 1887", so betitelt sich eine auf amtliche Quellen gestützte umfangreiche und fleißige Arbeit in dem im Ministerium der öffentlichen Arbeiten herausgegebenen Archiv (Julius Springer, 1888). Der weitaus größte Theil der Ar- beit verbreitet sich über die Entstehung der Bahn, ihre hauliche Herstellung, die Kosten, die Betriebs- und Verkehrverhältnisse, Fahrpläne. Tarife u. s. w. Das Meiste davon ist in seinen umrissen Berlin, das ja die Stadtbahn, eine unserer stolzesten Einrichtungen, stets liebevoll im Auge behalten hat, bekannk. Indessen enthält der Artikel in seinen statistischen Angaben außerordentlich viel des Wissenswerthcn. Die Stadtbahn wurde am 7. Februar 1882 eröffnet. Die nachfolgenden, dem Archiv entnommenen Zahlen umfassen indessen nur die Jahre 1884— 87. Schon aus ihnen erhellt, daß die Stadtbahn immer gesteigerteren Anforderungen gerecht werden muß. Während im Jahre 1884—85 der Gesammtverkehr, der sich aus Stadtverkehr, Vorortsverkehr und Femverkehr zusammensetzt, 12 443 890 Personen umfaßte, steigt er in 1885—86 um 1% Millionen auf 13 862005 und schnellt gar in 1886—87 um abermals nahezu 4 Millionen, auf 17 512 527 Personen in die Höhe; das heißt in 3 Jahren eine Zunahme von 40,7 pCt., die, wie verlautet, sich seitdem noch sortgesetzt hat. An dieser Zunahme indessen partizipirt seltsamer gegen seinen Angreifer an, dessen Beine plötzlich in die Luft flogen und der, ehe er sich dessen versah, der ganzen Länge nach auf dem Pflaster von Francisville lag. Daß die Heiden Blätter sich diesen Fall nicht entgehen ließen, das wird wohl Keiner bezweifeln. Die„Posaune" machte den Sheriff auf die Mörderbande aufmerksam, die in der Redaktion des„Herold" beisammen sitze und Francisville unsicher mache. Der„Herold" dagegen brachte einen langen Bericht über einen Raubmord, der in der Nacht darauf begangen worden, und setzte hinzu:„Der Mörder gehörte diesmal zufällig nicht der Redaktion der„Posaune" an, obwohl er häufig für dieselbe„gear- beitet" haben soll. Selbstverständlich bildete der Vorfall auch den Ge- sprächsstoff der ganzen Stadt, und man freute sich unge- mein darüber, als Mr. Rodgers in der„Posaune" erklärte, er werde die Ohrfeigen nicht an sich sitzen lassen, woraus ein„Augenzeuge" in einem„Eingesendet" im„Francis- viller Herold" erklärte, die beiden Ohrfeigen hätten so fest gesessen, daß alles Reiben nichts nützen und Herr Rodgers genöthigt sein dürfte, dieselben einzustecken und dankend zu quittiren." Das that aber Mr. James keineswegs, sondern er sandte zwei bereitwillige Freunde, denen die Geschichte großen Spaß machte, zu Fred Ridgers, der den Kolonel Archibald Doodle und den Kapitän O'Brien sehr zu- vorkommend aufnahm; er erklärte ihnen, er sei bereit die Konsequenzen seiner Handlungsweise in jeder Weise als Mann und Gentleman zu tragen, allein er könne einen Menschen, der bei der„Posaune" sei, nicht als satisfaktions- fähig betrachten. Das sei sein Standpunkt. Da Colone! Doodle sowohl als Kapitän O'Brien ge- wohnt waren, jeden Standpunkt zu achten, so gaben sie sich mit diesem Bescheide vor der Hand zufrieden und fanden es höchst ehrenwerth, als James Rodgers ihnen erklärte, er sei bereit, sofort aus der Redaktion der„Posaune" zu scheiden, falls er dadurch Genugthuung erhalten könne. Gesagt, gethan. Die nächste Nummer der„Posaune" erklärte schon, daß Mr. Nodgers,„durch äußere Umstände Weise der Fernverkehr verhältnißmäßig wenig. Während die Zunahme des Stedtverkehrs 4'. Millionen Passagiere beträgt, hat sich der Fernverkehr im Jahre 1884—85 von 818 434 nur auf 857 232 im darauf folgenden Jahre und auf 912 391 im letzten Jahre gehoben. Bedenkt man, daß die Zunahme des Berliner Reiseverkehrs im allgemeinen eine stetige und be deutende ist, daß die Zahl der Fremden fichtlich wachst, so ist es klar, daß aus noch nicht ganz ersichtlichen Gründen in der Benutzung der Stadtbahn für den Fernverkehr ein verlang- samtes Tempo eingetreten ist. Ja es ist aus einer Spczialaus- stellung der Benutzung der Züge für die einzelnen Rich- jungen sogar ersichtlich, daß bezüglich einiger Bahnen ein de- trächtlicher Rückgang vorliegt. Es wurden Personen befördert auf den Fernstarionen der Stadtbahn in der Richtung Lehrte Hamburg 1834-85 61 435 21 266 1885-86 58 224 21 245 1886-87 53 589 18 698 Wir finden in dem Archiv eine Erklärung für diese Erscheinung. Sie wird auf die in den letzten Jahren erheblich gestiegene Benutzung der sog. kombinirbaren Rundrcisckarten zurückgeführt, welche nicht mitgezählt sind. Ebenso sei gleich demem, daß bei allen Angaben über den Fernverkehr nur die von Berlin Abreisenden gezählt sind, weil bezüglich der auf den Femstationen Ankommenden eine genaue Kontrole nicht möglich ist. Ihre Zahl muß aber, ebenso wie die der Abreisenden, auf ca. 1 Million veranschlagt werden, so daß die Stadtbahn in Wahrheit einen Gesammtverkehr von nahezu 19 Millionen Passagiere bewältigte. An den Personenverkehr— einen Frachtverkehr kennt ja die Stadtbahn nicht— schließen sich einige Mittheilungen über die Hundebefördcmng an. Auch hier ist eine starke Zunahme zu verzeichnen. Zm Jahre 1885 waren es 28 286 Stück, ein Jahr darauf 32367 und im Jahre 1887 schon 44255. Die in Muffs der Damen und in den Paletots von Männern geschmuggelten Hunde sind dabei nicht mitverzeichnet. Daß die Babnböfe in der Gunst des Publikums und Lage sehr verschiedene Stellungen bedingt durch ihre Lage sehr veyaueoene Stellungen einnehmen, liegt auf der Hand. Aber der Abstand zwischen ihnen ist ein doch noch bedeutenderer, als man hätte annehmen sollen. Während an den Stationen Halensee, Warschauerstraße und Moabit kaum 100000 Fahrkarten ausgegeben wurden, kann Bahnhof Friedrichstraße auf drei Millionen Passagiere verweisen. Ebenso viele aber sind naturgemäß dort auch ausgestiegen. Der tägliche Durchschnitts- verkehr beziffett sich also auf mehr als 16 600 Personen. Nach dem Bahnhof Fnedrichsttaßc kommt Bahnhof Alexanderplatz mit 2 405 000 ausgegebenen Fahrkarten. Die Einnahmen der Stadt- bahn aus dem Personenverkehr haben sich ebenfalls beträchtlich gehoben. Wir geben die Ziffern hier von Anbeginn an. Die- selben betrugen 1. April 1882 bis 31. März 1883 1. 1. 1. 1. Es ist 1883„ 31. 1884„ 31. 1885„ 31. , 1886„ 31. bemerkenswetth, 1884 1885 1886 1887 1 996 533 M. 2 376 929„ 2379265„ 2 600 076„ 3 013 285 daß die Zunahme auch der Ein- nähme in den letzten Jahren und besonders in dem letzten ent- sprechend der Verkehrszunahme eine sehr bedeutende ist. Außer den Einnahmen aus dem Personenverkehr hat die Stadtbahn aber auch noch Einnahmen aus der Verwetthung der Stadtbahn- bögen und der anliegenden Gnmdstücke. Die Anzahl der crsteren beziffett sich auf 597. Von diesen sind indessen zur Vcrmiethung verfügbar 464 und es ist bcmerkenswcrth, daß 268 that- sächlich vermiethet sind und nur 196 unvermicthet blieben. Der Werth der Bogen regulitt sich selbstverftändlich nach dem Werthc des angrenzenden Grundeigenthums, je nach der Lage sind sie ge- suchter oder gar nicht verlangt. Die Stadtbahn vereinnahmte aus der Vcrmiethung der Bogen: Zwischen Fmchtstraße und Janowitzbrücke(für 20 Bogen) 20 440 M., zwischen Jannowitz- brückc und Kupfergraben(für 53 Bogen) 77 400 M., zwischen Kupfergraben und Alexanderufer(für 72 Bogen) 95515 M-, zwischen Alexanderufcr und Fasanensttaße(für 39 Bogen) 43 778 M. Die Gesammteinnahme für 1887—88 aus Stadt» bahnbogen und Bahnhofsräumen ist auf 405000 M. veranschlagt. Die vernnethetcn Räume wetden benutzt als Lager- räume für Eisen, Steine und Baumatettal, zu Spcditionsgc- schäften, zu Pferdeställen und Remisen, zum Restaurations- betriebe, für Markthallen, Schul- und Ausstellungszwecke, zur Lagerung verschiedenartiger Kaufmannsgüter, für Postzwecke, zu en", aus der Redaktion der„Posaune" ausgetreten jer, und alle Welt hielt das Duell für unvermeidlich. Colone! Archibald Doodle und Kapitän O'Brien begaben sich abermals zu Mr. Fred Ridgers, der sie wieder sehr zuvorkommend aufnahm; er erklärte ihnen jedoch, daß er zwar, wie gesagt, bereit sei, die Konsequenzen seiner Hand- lungsweise in jeder Hinsicht als Mann und Gentleman zu tragen, allein es sei kein richtiges Verhältniß zwischen ihm und seinem Gegner, denn er— und dabei nahm seine Stimme einen umflorten Klang an— denn er sei ver- heirathet und sein Gegner nicht. Wenn Mr. Rodgers er- schössen würde, so liege nicht viel daran und kein Hahn würde nach ihm krähen, wenn aber ihn der Tod träfe, dann würde eine trostlose Wittwe an seinem Grabe stehen, für die sich zu erhalten seine Pflicht sei. Wenn die Dinge gleich stünden, dann wäre das eine andere Sache, dann stünde er jederzeit zur Verfügung. Das sei sein Stand- punkt. Sowohl Colone! Doodle als Kapitän O'Brien sahen in die Hand, scheitelte sein Haar zurecht, setzte sich den Hut auf und— sott war er. Er ging direkt auf John Plum- pers Haus zu.„Ist Miß Mawd zu sprechen?" «Za!" „Dann bitte, melden Sie mich." Als er eintrat, streckte ihm Miß Mawd die Hand entgegen. „Das ist schön, daß Sie kommen", sagte sie.„Ich er- warte Sie." „Sie erwarten mich?" „Ja. Und ich habe mich nicht getäuscht." „Aber woher..." „Woher ich weiß? Das ist meine Sache. Mit einem Worte, Sie wollen Genugthuung, und— Sie brauchen eine Frau." „Allerdings." Sckimiedcwcrlstätten, als Wolllagcr, zu Komptoirstubcn, zur Aufbewahrung der in den Theatern gebrauchten Gegenstände u. drgl. Die vermiethetcn Bahnhofsräumc find eingerichtet zu Abfertigungsstellen der Packctfahrb Aktiengesellschaft, zum 1. bst- handcl, Zigarrengeschäften, Restaurationen, für Postzwecke, als Wechselstuben, für Markthallcnzwecke, als Mägdehcrbergen. Einzelne werden von dem Personal der Bahnhofswirthschaften bewohnt, andere find vom Buchhandel in Benutzung genommen. Bezüglich der Rentabilität der Stadtbahn sagt der Artikel: „Schätzt man die Ausgaben der Stadtbahn annäherungsweise auf etwa 85 pEt. der Einnahmen, d. h. rund 2 800 000 Mark im Jahre 1886 87, so würde zur Verzinsung des nach S. 11 auf rund 68 Millionen Mark berechneten Anlagekapitals eine Summe von rund 500000 M. übrig geblieben sein, d. h. etwa Vm pCt. des Anlagekapitals." Das sind die Ergebnisse der Stadtbahn in ihrem jetzigen begrenzten und engen Betriebe in der einen Richtung von£st nach West. Diese Ergebnisse sind durchaus nicht abschreckend, sondern emiuthigen viel eher zu einer Ausdehmmg des Netzes. Denn die Zweigtracen werden, nach dem jetzt schon erfolgten Anschluß fast aller anderen Bahnen, nur zwcigclcistg, also viel billiger herzustellen sein und Äer Ver- kehr wird sich dann erst, wenn er sich über ganz Berlin erstreckt, zu ungewohnter Höhe entwickeln. Mr die Privatspekulation mag darin noch nicht ein genügender Anreiz liegen, aber der Staat, der die Hauptbahn gebaut hat, wird diese materiell sehr heben können, wenn er sie in ein ganzes Netz einfügt. Die Eisernte, die gegenwärtig wieder auf allen größeren Gewässern slatlfindet, wird vielfach in einer Weise betrieben, die aller schuldigen Rücksicht gegen Menschenleben und Gesund- hcit Hohn spricht. Zahlreich sieht man die Arbeiter auf der glatten Eisfläche beschäftigt, unter ihnen nicht wenige, die müßig auf der Straße standen und nur dürftig gekleidet und noch dürftiger gesättigt sind. Etwaige Unfälle bei dieser Arbeit kommen nicht zur össentlichen Kenntniß, denn sie ereignen sich nicht im Polizeibczirk unserer Stadt und der amtliche Polizei- bcricht hat deshalb nicht nöthig, von ihnen Notiz zu nehmen. Sicherheilsvorkehrungen bei der Eiscrnte scheinen, so dringend nöthig sie auch sind, überhaupt nicht angwcndet zu werden; da ist weder ein Kahn, noch eine Rettungsleine bei der Hand, wenn ein Mensch von der glatten Eisscholle ins Wasser gleitet. Die Arbeit wird gewöhnlich mit großer Hast und Kraftanstrengung betrieben, denn man kann nicht wissen, ob nicht ein plötz- licher Umschlag des Wetters die ganze Eiscrnte zu Wasser macht. Bei beginnender Dunkelheit ist die Arbeit auf dem Eise aber ganz besonders gefährlich, weil man das feste Eis von der offenen, abgecisten Wasserfläche nicht unterscheiden kann und die Ermüdung infolge der Ueheranstrengung regt die Auf- incrksamkeit auch gerade nicht an. Gegenüber den kräftigen Arbeitern aus unseren Braucreieir, denen das Bier einen gegen Kälte und Unwetter widerstandsfähigeren Körper giebt, sieben die schnell auf den Straßen zusammengerufenen Arbeiter natür- (ich auch in der Leistungsfähigkeit weit zurück. Zum Glück hat das Reichsversicherungsamt aus Anlaß eines im vorigen Jahre vorgekommenen Unfalls bei der Eiserntc entschieden, daß auch die hier beschäftigten Arbeiter als Angehörige des Brauereibe- tricbes der Unfallversicherung unterstehen. Das sollte aber die Unternehmer nun erst veranlassen, für die nöthigcn Vorkchmngen zur Verhütung von Unfällen bei dieser Arbeit zu sorgen. Bis jetzt bleibt in dieser Hinficht Alles zu wünschen übrig. Urber den Uergtrich der ötfentlichen Fuhrrverke in Krrlin und London, den Professor Dictrich-Berlin kürz- lieh zog, haben wir in einigen Zeilen bereits hcrichtet. Professor Dietrich tritt, wie bekannt, gegen die Straßenbahnen für den gesteigerten und wohlfeileren Omnibusverkehr nach Londoner Weise ein. Die Erkenntniß der Richtigkeit dieser Auffassung, meint Professor Dietrich, wird sich erst allmälig Bahn brechen; vorläufig ist man aller Orten von den Straßenbahnen innerhalb der Städte so entzückt, daß es vorerst eine vergebliche Mühe sein würde, dagegen anzukämpfen. Man hört zuweilen sagen,„durch die Straßenbabnen würde der ganze Wagenverkehr der Straßen geregelt!" Bedauerlich ist es, wenn auch Beamte, welchen die Regelung des städtischen Verkehrs obliegt oder mit obliegt, solche Worte im Munde haben. Bedeutet es eine Regelung des Verkehrs in solchen Strusen, welche tagtäglich von Zehntausenden von Fuhrwerken befahren werden, den ganzen mittleren Streifen der Fahr- bahn sur d,e Straßenbahnwagen freizuhalten und alles Uebrige, Personen' und Lastfuhrwerk, indem man ihm das Be- fahren der Geleise untersagt, auf die seitlichen Streisen des Straßendammes zu drängen? Da kommt es dann sogar vor, daß die Straßenbahngesellschaft zur Schonung ihrer Pferde besseres Pflaster zwischen die Geleise legt, während das alte Pflaster daneben liegen bleibt; erlaubt sich dann anderes Fuhr- werk, auf dem besseren Pflaster zu fahren, so wird es aus das schlechte Pflaster daneben verwiesen und mit Strafe belegt. So selbstverständlich es ist, daß alles andere Fuhrwerk den Wagen der Straßenbahn auszuweichen hat, so unbillig ist es, das an- dere Fuhrwerk von dem besten Theile der Fahrbahn zu ver- drängen. Ist der sonstige Wagenverkehr erheblich, dann be- deutet solches Verfahren nicht eine„Regelung", sondern eine „Hemmung" des öffentlichen Fuhrwesens. In dieser Beziehung mag dnS Studium ähnlicher Verhältnisse in anderen Großstädten empfohlen werden, und es ist eine Rechtsfrage, ob die der Po- „Gut. Ich bin bereit, Ihnen die gewünschte Genug- thuung zu verschaffen. Ich nehme Ihren Antrag an." „Sie willigen ein?" „Ich willige ein, Ihr Weib zu werden." „Und so kann ich mich schlagen?!" „Ich werde stolz sein, wenn Sie sich für die Ehre eines Namens tödten lassen, der auch der meine wird." „Sie sind ein wunderbares Weib, Mawd," sagte er. „Was thut man nicht um seines Nächsten willen," sagte sie, bescheiden jedes Lob ablehnend. Es giebt doch noch herrliche Weiber auf der Welt! Als eine Viertelstunde später ihr Vater in'S Zimmer trat, war James schon sort.„Uebermorgen heirathe ich, Vater. Ich hielt es für meine Pflicht, Dir dies mitzu theilen." „Hm, so? übermorgen? und wen?" „James Rodgers von der„Posaune"." „James Rodgers? Hm, wußtest Tu keinen Beffercn?" „Nein, ich war es ihm schuldig. Er rechnete aus mich." Und damit war die Sache abgethan. Zwei Tage später war die Hochzeit. Als Zeugen sungirten Colonel Archibald Doodle und Kapitän O Brien. Zehn Minuten später waren sie schon bei Fred Ridgers.—„Mein Herr," sagte Colonel Doodle,„die Partie ist gleich. Ich überbringe Ihnen hiermit den Trauschein Mr. James Rodgers' mit der Jungfrau Mawd Plumpers. Die Hoch- zeit hat, wie Sie sich überzeugen können, vor einer Viertel- stunde in unserem Beisein stattgefunden."-„Vortrefflich," sagte Fred, indem er den Trauschein dem Colonel mit einer höflichen Verbeugung zurückgab,„und ich bin auch noch wie vor entschloffen, die Konsequenzen meiner Handlungs- weise..."„In jeder Hinsicht als Mann und Gentle- man zu tragen," ergänzte Kapitän O'Brien zuvorkommend. —„Allerdings als Mann und Gentleman zu tragen," wiederholte Fred mit verbindlichem Lächeln,„allein, die Partie steht leider nicht gleich. Ich habe nämlich den Herren die freudige Mittheilung zu machen, daß meine Frau gestern eines gesunden Knäbleins genesen ist. Meine Pflicht er- lizei nach der Gewerbeordnung zustehende Befugniß, den Ver- kehr auf öffentlichen Straßen zu regeln, soweit ausgedehnt werden darf, den Hauptthcil einer Straße dem gcsammtcn sonstigen Fahrwesen dauernd zu entziehen. Prof. Dietrich geht nun weiter und meint, daß in unseren deutschen Großstädten, selbst in Berlin, der Verkehr auch an den lebendigsten Stellen noch nicht so angewachsen sei, um nicht zur Roth eine Regelung gestatten zu können. Wie lange wird das beispielsweise m Beilin noch dauern? Es giebt schließlich eine Dichtigkeit des großstädtischen Wagenverkehrs, bei welcher die Einführung oder Bclaffung von Straßenbahnen zur Unmöglich- keit wird, bei welchem man nur zum Omnibus greifen oder zurückgreifen kann. Ein Beispiel solchen Verkehrs bietet London in seinen gesammten inneren Stadttheilen. In der ganzen City und im Westend von London, also in der gesammten verkehrsreichen Innenstadt, liegt kein Straßenbahirgeleise. Auf Berliner Verhältnisse übertragen, entspricht die Größe dieser von Straßevbahngcleiscn freigehaltenen Stadttheile dem Stadtgebiete, welches vom Thiergarten, Hamburger und Stettiner Bahnhofe, dem Friedrichshaine, Schlestschen Bahnhofe, der.Hasenhaidc, dem Kreuzberge und Potsdamer Bahnhof umschlossen wird, das ist also die ganze Innenstadt Berlin. Außerhalb dieser inneren Stadttheile strahlen die Straßenbahnen London's nach allen Richtungen hin aus und vermitteln, durch die Außcnstadt- thefle fahrend, den Verkehr zwischen der Innenstadt und den Vor- städten. Dabei bewegt sich fast der ganze Wagenverkehr in einer gleichmäßigen und sehr schnellen Gangart(etwa im Tempo der Berliner Droschken I. Klasse und Equipagen), die Omnibus laufen ebenso schnell mit und auch die Frachtwagen schließen sich, soweit sie Trab fahren können, dieser Gangart an. Es wäre nicht möglich, alles Fuhrwerk in gleicher Zeit durch die Straßen zu bringen, wenn jeder Kutscher nach Belieben schneller oder langsamer fahren wollte. Das Anhalten eines Straßen- bahnwagens inmitten dieses Wagenkorso würde sofort eine weit nach rückwätts wirkende Stauung erzeugen. Man möchte wirk- lich wünschen, daß die Entscheidung über die Regelung des öffentlichen Fuhrwesens in unseren Straßen nur in die Hände solcher Beamten gelegt werde, welche die bedeutendsten Groß- städte, namentlich London und auch Paris, besucht und die dor- tigen Verkehrsvcrhältnisse eingehend studirt haben. Dann würde beispielsweise nicht der Fall eintreten, daß man sich der Er- Weiterung des Omnibusbetriebes entgegenstellt, weil die Straßen angeblich zu sehr belastet sind, wohlverstanden— des Omnibusbetriebes— der doch stets entlastend auf den Gesammtverkehr der Straßen wirken muß. Anstatt die Zahl der Droschken durch Begünstigung dcs Omnibusbetriebcs zu ver- mindern, läßt man sie„zur Regelung des Verkehrs" auf der bis- herigen Höhe und sorgt nicht einmal, daß wenigstens alles öffentliche Fuhrwerk, Droschken, Straßenbahn und Omnibus, ein einheitliches Fahrtempo einhalten. So wird beispielsweise und kaum glaublich die Durchführung neuer Omnibuslinicn durch den zwischen der Kochstraßc und dem Belle-Allianceplatz liegen- den Theil der Friedrichslraße in Berlin, also durch einen nach Londoner Verhältnissen als leblos zu bezeichnenden Sttaßentheil, aus Verkehrsrücksichten für unzulässig erachtet. Man sehe sich doch zunächst einmal London an, was„großstädtischer" Wagen- verkehr heißt und überlasse es dem Droschken, Omnibus und Sttaßenbahnen benutzenden Publikum, das für die verschiedenen Zwecke des Transportes geeignete Fuhrwerk zu wählen. Welche Art von Fuhrwerk dabei ihre Rechnung nicht findet, diese wird sich dann von selbst zurückziehen, das wäre die beste Art der „Regelung des öffentlichen Fuhrwesens." Urber den Ernährungomrrth der Thymusdrüse (Bries, Kalbsmilch i, der Lunge und der Leber sind rm Münchencr physiologischen Institut an Hunden Versuche angestellt worden, deren Ergebnisse die Zeitschrift für Biologie mittheilt. Hiernach verdient die Thymusdrüse den guten Ruf, dessen sie sich als leicht verdauliches und stärkendes Nahrungsmittel für Kranke und Wiedergcnescnde erfreut, vollständig. Der Versuchshund blieb während der drei Tage, wo er mit je 700 Gramm der- selben gefüttert wurde, vollkommen im körperlichen Gleichgewicht; er setzte keiir Fleisch an, büßte aber auch nichts ein, da nicht mehr Stickstoff ausgeschieden wurde, als aufgenommen worden war. Weitere Untersuchungen ergaben neben einem hohen Wassergehalt der Thymusdrüse einen außerordentlich hohen Gehalt an Aschebestandtheilen, namentlich an Phosphorsäure und an Extraktivstoffen. Der Wassergehalt beträgt 80 pCt.; die Thymusdrüse liefert also nur ein Fünftel ihres Gewichtes an fester Substanz. Zum Vergleiche sei be- merkt, daß man auf mageres Rindfleisch 75 pCt. Waffer rechnet. Was den Gehalt an Asche oder anorganischen Äestandtheilcn angeht, so überragt die Thymusdrüse alle übrigen Organe— mit einziger Ausnahme der Knochen— und etwa 60 pCt. der Asche besteht aus Phossorsäure, was besagen will, daß die Thymusdrüse fast doppelt so viel Phosphorsäure ent- Hütt, als selbst das an Phosphckt so reiche Gehirn. Än Stick- st oft kommt die Thymusdrüse dem Rindfleisch ungefähr gleich, im feuchten, frischen Zustande enthält sie den Bestand des für den gesammten menschlichen Körper gefundenen Mittelwerths an Stickstoftgchalt. Die Ertraktivstoffc endlich machen beinahe ein Viettel der trockenen Thymussubstanz aus, und diesem Um- stand ist ohne Zweifel der Wohlgeschmack und die anregende Wirkung der Kalbsmilch zuzuschreiben, da die Ertraktivstoffe be- 1 heischt es nun, mich als Vater dem Kinde zu erhalten. Wenn Herr Rodgers stirbt, so läßt er nur eine Wittwe zurück, ich aber, meine Herren, auch eine Waise, und das darf ein gewissenhafter Mensch nicht thun. Das ist mein Standpunkt." Die Heiden Herren theilten diesen Standpunkt vollkommen. „Teufel," rief Mr. Rodgers, als er den Bescheid vernahm,„wie lange kann's dauern, ehe ich ein Kind habe!" „Nun, immerhin ein paar Tage," meinte Kapitän O'Brien, der in derlei Dingen nicht sehr bewandert war. „Monate, Mensch, Monate, vielleicht auch Jahre! Und so lange soll das ungerächt bleiben?!" Doch was will man thun? Man mußte sich in die Sache fügen. Und schließlich, auch die Zeit vergeht. Und so sehen wir eines schönen Tages den Colonel Doodle und Kapitän O'Brien wieder bei Fred Ridgers.„Mein Herr," sagte der Colonel,„sehen Sie sich dieses an," und"dabei reichte er Fred einen Bogen hin. „Was soll das sein?" „Belieben Sie, es zu lesen." „Bitte, mit Vergnügen." Er entfaltete den Bogen und las.„Nun wohl, was soll's damit?" „Wie Sie sehen, ist das der Geburtsschein des Mr John Rodgers, Sohn des Mr. James Rodgers und dessen gesetzlicher Ehegattm Mrs. Mawd Rodqers, geborene Plumpers. Die Partie ist somit gleich..." „Und dem Duell steht nun nichts mehr im Wege platzte Kapitän O'Brien heraus, dem die Sache schon»u lange währte. „Da irren sich dw Herren," sagte Fred.„Ich bin zwar, wie Sie wohl wstsen.. a"®e�'* 2C- JC- �as kennen wir schon," unterbrach Kaprtan O'Brien den Sprecher ungeduldig.„Es fragt sich also nur: Ist wieder ein Hindernißqrund da, haben Sie wieder einen„Standpunkt", oder wie Sie das nennen, oder sind Sie bereit, sich zu schlagen?" kanntlich zu den Genußmitteln gehören, die auf das Nerven» system wirken. Zu dem Ausnützungsoersuche mit Lunae wurde eme Kalbslunge fein zerhackt und von Brustfell, Bronchien und Blutgefäßen sorgfälsig befreit. Auch � hier blieb das körperliche Gleichgewicht bei täglich 800 Gramm Lunge ungestört. Im Wassergehalt stand die Lunge noch etwas höher als die Thymusdrüse, da sie 81,7 vCt. auswies: im Stickstoff- und Aschegehalt kam sie dem gewöhn-- lichen Fleische gleich. Der Fütterungsversuch mit Leber hatte- verhältirißmäßig die ungünstigsten Ergebnisse. 800 Gramm Kalbsleber reichten nicht ganz hin, den Körpcrbestand des Ver«? sucksthieres zu erhalten; erst am dritten Tage stand die Stick- stoffausscheidung der Einnahme gleich. Die Leber ist bekannt» lich ein fettreiches und deshalb wasserarmes Organ, der Wasser- gchalt bclief sich nur auf etwa 70 p6t._ Mit dem Fettreichthum steht denn auch ein geringerer Stickstoftgehalt in Zusammenhang, j Während man den Stickstoff bei magerem Fleisch auf 14 pfct.•; ansetzt, beträgt er bei der Leber nur 11,5 pCt. An unorganischen Bestandthcilen dagegen steht die Leber dem Fleische gleich. Schließlich bleibt noch die Frage über die Ausnutzung im Darme zu entscheiden. Darüber giebt der Stickstoffverlust im Kothe Aufschluß. Es besteht kein erheblicher Unterschied gegen ge» mästetcs Fleisch, so daß Lunge und Leber keineswegs als schwer verdaulich anzusehen find, wie man insgemein glaubt. An Nahmngswerth stehen diese inneren Organe Lunge und Leber,, wozu wir auch das Herz rechnen dürfen, dem Fleische ungefähr, gleich, und das ist dem billigeren Preise gegenüber sehr be», achtenswetth. Die Kälte der letzten Tage'hatte sich, wie ein richterslatter mittheilt, im Moabiter Justizpalast in recht empsin licher Weise fühlbar gemacht. Die zahllosen Räume des bäudcs waren gar nicht zu erheizen. Die Heizung wird du Dampf bewirkt. Es find zu diesem Zweck zwei Anlagen handen, von denen jede drei große Dampfkessel enthält. wohl nun alle sechs Kessel täglich von 3 Uhr Morgens 5 Uhr Nachmittags geheizt wurden, war es doch nicht möglick den erforderlichen Wärmegrad zu erreichen. In den meist« Zimmern schwankte die Temperatur zwischen 10 und 12 Grai was für die stille Thätigkeit in den Kanzleien und Sitzungsz sälcn zu wenig ist. Nur einige besonders geschützt gelegene oder mit ausnahmsiveise großen Ocfen versehene Räume gelangter bis zu einer Temperatur von 14 Grad. Besonders aber hatt das Publikum zu leiden, das sich mangels ausreichender Zeugen zimmcr auf den zugigen Korridoren aushalten muß, in denen d' Temperatur noch viel niedriger war. Die Ursachen dieser UnP träglichkeit sind zum Theil darin zu suchen, daß als Brcnnmateri für die Kessel statt der gewöhnlichen Steinkohle Anthracit wandt wird, das bei allen sonstigen Vorzügen doch den Man. besitzt, eine schnelle Steigerung der Gluth und damit der TamPh entwickclung nicht zuzulassen. Hauptsächlich aber trägt die überaus starke, natürliche, aber im Bauplan nicht vorgesehen� Ventilation die Schuld. Sämmtliche Doppelfenster des bäudes schließen nämlich so wenig dicht, daß in ihrer Nähe ein geradezu unerträglicher Zug herrscht, welcher nahezu ebenso vm Wärme verschlingt, als den Räumen zugefühtt werden kainj- Die Bureaubeamtcn und Kanzlisten rücken so weit wie möglick von den Fenstern ab, wenn sie auch dadurch an dem nöthigsN Tageslicht verlieren, nur um sich der erstarrenden Wirkung d» Zuges nicht auszusetzen. In den Sitzungssälen find vor alW> Fenstern, die dem Richtertische zunächst liegen, von dem FW boden bis zur Höhe der ersten Scheibe reichende grüne wollet Decken angebracht, um der Zugluft zu wehren. Tie Präfivente» beider Landgerichte haben Erhebungen über die Temperaija Verhältnisse im Gerichtsgebäude angeordnet. An bestimmte* Tagen in der Woche und zu bestimmten Stunden müssen 0*' Kastellane von Zimmcr zu Zimmer gehen und die Höhe** Temperatur tabellarisch feststellen. Di« Mövcu, welche auch diesmal wie in jedem Wm einträchtiglich mit den Schwänen in der Spree an der F> drichsbrücke hausen und von den Passanten gefüttert werde! hatten gestern Mittag einen Strauß mit zwei Ttiurmfals auszufechten. Die Raubvögel, welche wahrscheinlich auf Thurm der Marienkirche nisten, hatten einige Möven angcarijl und bald zeigten umherfliegende Federn, daß die Räul� ein Opfer gefunden. Flügellahm und mühsam flatternd sank e>» Möve herunter und fiel auf das Verdeck eines dort ankernvs Lbstkahns hernieder. Aber auch einer der Thurmfalkcn war, blinder Wuth seinem Opfer folgend, herniedergestoßen und>, heftig gleichfalls auf den Kahn herabgefallen, daß es dem** dem Fahrzeug anwesenden Schiffer gelang, den Räuber ä* fassen. Die verwundete Möve starb bald nachher, während dss Falk in einen Käfig gesperrt wurde und in einem VogelhändlH einen Käufer fand. Eine zahlreiche�Menschenmenge hatte vg der Friedrichsbrücke aus diese kleine Szene aus dem ThierW*! beobachtet. J Di« Möck«rnsirasie hat eine ganz besondere Sebe� Würdigkeit; man sieht dort nämlich drei Häuser,„welche nv? da find". Auf Nr. 96 folgt unmittelbar Nr. 100! Wand et Wand stehen die beiden Gebäude, welche der Zählung durch drei ihres Gleichen getrennt find. Das Berliner»••JS buch meldet mit lakonischer Kürze:„97—99 cxistircn nid% Haben sie je bestanden oder wie erklärt sich sonst das eig" thümliche Fehlen der drei Hausnummern? „Nein," sagte Fred unerschütterlich.„Hätten Sic m� ausreden lassen, so wüßten Sie bereits, daß ich bereit mV alle Konsequenzen meiner Handlungsweise als Mann � Gentleman auch zu tragen, daß ich aber niemals � willigen werde, zwei Waisen, zwei unversorgte Wa>i� meine Herren, meiner trostlosen Wittwe zu hinterlassen,� sei denn, die Partie sei gleich und mein Gegner in 0� selben Falle." »Das ist Ihr Standpunkt?" meinte Kapitän O'Bri� „Allerdings, das ist mein Standpunkt." j »Sie haben also zwei Kinder, Mr. Rodgers?"% Colonel Doodle mit einem mißbilligenden Blick auf � Kapitän. „Zwei. Vor drei Tagen hat mich meine Frau einem gesunden Mädchen beschenkt." „Das ist ja empörend," rief James enttüstet � als er die Kunde vernahm.„Das dauert ja wieder � ganzes Jahr, und am Ende kommt er mir wieder Nv Was ist da zu machen?!"— Ja, da war freilich n>e>w zu machen, wenig Anderes wenigstens, als— zu warten� Und er wartete. Er wartete geduldig, und endlich#5 die Zeit, wo auch er nun einen Schreihals mehr im H"?? hatte. Die natürliche Folge davon war, daß Colonel Dov� und Kapitän O'Brien sich sofort auf den Weg machten, J5 Zu Fred Ridgers zu gehen. Sofort,„denn sonst koim* uns Frau Ridgers zuvor und schenkt ihrem Gatten in a*? Eile ein drittes Kind," sagte O'Brien, der Furcht ha< das schöne Duell nicht mehr erleben zu können. Fred nahm die Herren auf das Zuvorkommendste auf. Herren," sagte er,„ich kann mir denken, weshalb Sie& inen. Ich brauche Sie wohl nicht erst zu versichern- � ich bereit bin, die Konsequenzen meiner Handlungswelsi', tragen, wie es einem Manne und Gentleman zukow'� Kapitän O'Brien spuckte aus, was Fred Ridgers veranlag ihm auf das Zuvorkommendste einen Spucknapf zuzusch�M. Darauf fuhr er fort:„Ich kann wohl annehmen, daß � Rodgers die Bedingung erfüllt hat und gle' em zweites Kind sein eigen nennt, sonst 3 2 AU»i« mit der Kibel t« der Saud» so rühmt die „Kmizztg", sei Stöcker vor 10 Jahren Most und den Sozial- demokraten entgegengetreten. Die„Kreuzztg." vergißt, so bemerkt die„Freis. Ztg.", daß außerdem sich noch eine sehr starke Polizeimannschaft zum Schutze Stöckels bereit hielt in allen Ver- sammlungen, wo sich Sozialisten einfanden. Einen spaßhafte» theatralischen Jahresbericht stellen die„Lustigen Blätter" aus den Titeln der im Jahre 1887 in Berlin ncuaufgeführten Stücke zusammen. Im abgelaufenen Jahr konnte man das Theaterglück als eine„goldene Legende" bezeichnen, die meisten Stücke waren reizlos wie„alte Mäd- chen", nicht einmal eine„Provinzialin" würde sich dafür erwärmt haben, die Erfolge waren flüchtig wie„Gespenster" und viele Vorstellungen fanden sozusagen nur„unter vier Augen" statt. Man fühlte sich zumeist so gedrückt wie,, bei kleinen Leuten, weder die„Zauberin am Stein" noch. Merlin" haben es ver- standen, an der Schwelle des„XX. Jahrhunderts" dem Theater „Geniale Kinder" zu schenken, es hat eben ein„Hofnarr" ge- fehlt, dem ein„toller Einfall" nach dem andern geglückt wäre, ein solcher„Carreau König" auf dem Gebiet des Bühnenhumors wäre„unser Doktor" geworden, er hätte verhindert, daß der „große Unbekannte" kein„Mann für Alle" geworden ist, daß das„Eheglück" von so kurzer Dauer war und der„.Hochzeit auf dem Aventin" nur ein paar Flitterwochen folgten. Die„weißen Rosen" sind nur allzu rasch verblüht, noch ehe es hieß„wenn der Sommer kommt, und„die Philosophin" mußte mit Rück- ficht auf ihre schwachen Geisteskräfte„unter Kuratel" gestellt werden. Sie und die durchgefallene„Marketenderin" waren „Nachbarinnen", und„Josephine in Egypten" war nicht amüsanter wie„Pfingsten in Florenz". Unter„Mamas Augen" verkroch sich der Mikado für kurze Zeit hinter die„Pichelschürze" und die„Geburtstagsfrcuden einer im„Jncognito" er- schienenen Verfasserin versetzten das Publikum in eine solche Trauer, daß selbst die„Lieder des Äirza Schaffy" dagegen nichts ausrichteten und der„Jäger von Soest" hat auch nicht ins Schwarze getroffen. Der„Fürst von Verona" hat unserm Hof(Theater) nur einen Etiquettebesuch abgestattet, während die „Komtesse Sarah" sich längere Zeit in Berlin aufhielt; die „Flecken in der Sonne" sind schon nach 2 Tagen durch das stärkste Glas nicht mehr sichtbar gewesen, ein„Doppelgänger" des verschämten Fiaskos der„Gräfin Moray" war„Chamillac", und„Berlin in Wort und Bild" kam so rasch um, wie ein aufs Trockene gesetzter„Seestern". In„Galeotto" wurde viel geklatscht, vornehmlich auf der Bühne, und nach dem geringen Erfolg„Farinellis" machten uns die furchtsamen„sieben Schwaben" endlich wieder Muth, auf eine Besserung der Theatervcrhältnisse im neuen Jahr zu hoffen! Uebcr „Franeillons" Aufführung läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen, dagegen steht fest, daß die„Maus" nicht Viele in die Falle locken dürfte. Das Dntrrsnchungsgcfängniß zu Moabit birgt zur Zeit einen jener gefährlichen internationalen Taschendiebe, welche die gairze Welt als ihr Operationsfeld ansehen. Als der russische Kaiser hier zum Besuche weilte, hatte der Kriminalschutzmann Ncumann im Opernhause Dienst. Er sah hier, wie ein schwarz- bärtiger, distinguirt aussehender und fein gekleideter Herr seine Hand in die Beinkleidtasche seines Nachbarn steckte. Der Beamte nahm den auf der That ertappten Spitzbuben fest und es stellte sich heraus, daß er einen guten Fang gethan. Der Ver- haftete ist der ehemalige Kaufmann Martin Madraco aus Earracas in Venezuela, der sich aber in letzter Zeit auf einer europäischen Rundreise zu befinden schien, um Taschendiebstähle auszuführen. Man hat bisher ermittelt, daß er in Schaffhauscn mit neun und in München mit sechs Monaten Gefängniß wegen Taschendiebstahls bestraft wurde, die öcsterrcichische Behörde hat ihn wegen Führung falschen Namens des Landes verwiesen. Er spricht fließend spanisch, französisch und englisch, aber nur so mangelhaft deutsch, daß der gestrige Termin vor der dritten Strafkammer des Landgerichts 1 vertagt werden mußte, da ohne Dolmetscher nicht zu verhandeln war. Es wird zum nächsten Termin ein solcher geladen werden. -Mo(Opfer der Kurpfuscher»» befindet sich, dem„B. T." zufolge, gcaenwärtia ein angesehener Braucreibefiyer ausKüstrin in einem hiesigen Krankenbausc. Vor Jahresfrist hat sich bei ihm unter einer Zehe eine Blutblose gebildet, welche ein Schäfer vermittelst eines durchgezogenen Wollfadens behandelte. Nach einiger Zeit wurden mehrere Zehen schwarz, und es blieb dem f atienten nichts übrig, als dieselben hier in Berlin von einem hirurgen abnehmen zu lassen. Aber noch war das Unglück für den badauernswerthen Patienten nicht erschöpft. Neuerdings wurden auch die anderen Zehen des Fußes schwarz, so daß eine weitere Amputation erforderlich ist. Die Gattin, welche täglich von Küstrin nach Berlin kommt, um den Schwerkranken zu be- suchen, erhielt dieser Tage noch die weitere schmerzliche Mitthei- lung, daß ihr Sohn, der in Jena studirt, an der Diphtheritis schwer erkrankt ist.— Der betreffende Schäfer hat sich übrigens, angesichts des Unheils, das er durch seine Kurpfuscherei ange- richtet, selbst das Leben genommen. Ei» übereifriger Gendarm. Infolge des Jrrthums eines Polizeibeamten hat im nahen Rixdorf ein völlig Un- schuldiger die Weihnachtsfeiertaae im Gefängniß zubringen müssen. Einige Tage vor dem Weihnachtsfest traf ein Gendarm spät Abends im Dorfe einen Mann, der ein Pferd am Zügel Sie, meine Herren, wohl nicht da." Ein zustimmen- des Nicken seitens des Colonels überzeugte ihn, daß seine Vermuthung eine richtige sei.„Somit stünde also dem Duell nichts mehr im Wege," sagte Fred mit einer gewissen Feierlichkeit. „Wirklich nicht?" schrie Kapitän O'Brien freuden- voll auf.„Wirklich nicht? Dann lassen Sie sich um- armen!" „Ich bitte, mich ausreden zu lassen, Kapitän. Stünde," sagte ich,„leider aber steht demselben etwas im Wege." Kapitän O'Brien fiel geknickt in seinen Armstuhl zurück. Fred aber fuhr unbekümmert darum fort:„Zch habe nämlich den Herren die betrübende Mittheilung zu machen..." „Daß meine Frau mich gestern mit dem dritten Kinde beschenkt hat," stöhnte Kapitän„O'Brien. „Nein. Die betrübende Kunde, daß meine Frau heute im Kindbett gestorben ist. Sie werden begreiflich finden, daß dies Alles ändert. Wenn Herr Rodgers stirbt, dann bleibt seinen Kindern immer eine Mutter. Wenn aber ich sterbe, dann... dann, meine Herren... dann bleiben weine... Kinder... mutterlos und... vaterlos," und schluchzend drückte der arme Mann sein Gesicht in das Taschentuch, in das er sich geräuschvoll schneuzte.— Sie werden einsehen, daß es ein Verbrechen wäre, wollte ich meine Kinder dem aussetzen," fuhr er fort, als er neue Kräfte geschöpft.„Ich kann mich alsö nicht schlagen, es sei denn, daß die Partie gleich wäre. Das ist..."— Mein Standpunkt!" stöhnte der Kapitän.—„Das ist, was ich Ihnen zu sagen habe," schloß Fred mit einem vernichtenden Blick auf Mr. O'Brien. Die beiden Freunde theilten Mr. Rodgers kopfschüttelnd das Ergebniß ihrer Mission mit.„Fetz geh' ich den Ge- danken an das Duell auf," rief dieser.„Der Kerl hat zu viel Glück; jetzt stirbt ihm sogar seine Frau!" führte. Der Mensch kam ihm verdächtig vor und da er der Meinung war, das Pferd könne gestohlen sein, verhaftete er den Freniden und nahm auch das Pferd in Beschlag. Der Fremde, welcher angab, er jei Pferdehändler, hatte weder genugende Legitimation bei sich, noch konnte er in Rixdorf auf wgend welche Bekannte sich berufen. So ging denn die Untersuchung ihren Gang. Erst nach Verlauf der Feiertage konnte d,e Sache soweit geklärt werden, daß die Angaben des Jnhaftirten be- stätigt wurden uud derselbe am 3. Feiertage aus der Haft ent- lassen werden konnte. Mit dem wieder freigegebenen Pferde trat er traurig seine Heimreise an. Ein Scklwindler„klappert" gegenwärtig Berlin ab. Derselbe macht seine Aufwartung in abgeschabten Jesuitcnkleidern, trägt Cingulum und Rosenkranz und auf dem Haupte eine Tonsur. Er bittet uni eine Unterstützung, damit er seine Ruck- reise zum Kloster antreten könne. Ueber den jungen Ordens- mann sind die genauesten Erkundigungen eingezogen worden, und es hat sich ergeben, daß derselbe nicht ein Kleriker, sondern Cin ganz bedeutender Diebstahl von etwa 30 000 Mark ist gestern bei dem Kaufmann K. in der Auguststraße verübt worden. Der bei K. erscheinende, schon mehrmals vor- bestrafte Kaufmann Eugen Gläser wußte den Zutritt zu dem Zimmer zu erlangen, in welchem K. Brillanten und Werth- pagiere im Betrage von etwa 30000 Mark aufbewahrte. Gläser eignete sich in einem unbewachten Augenblick die Werthobjekte an und verschwand damit. Unter den Werth- papieren befinden sich für 4500 Mark preußische Konsols, sowie Berliner Stadtobligationen mit den Nummern 36 502 bis 'j(©in fluchwürdiges scheußliches Uerdrechen ist an einem fünfvierteljährigen Kinde, weiblichen Geschlechts, verübt worden und hat leider den Tod des armen Geschöpfes herbei- geführt. Am 1. Januar d. I. erkrankte das kleine Mädchen eines hiesigen Drechslermeisters B. Der konsultirende Arzt er- kannte sofort, namentlich an dem verstörten Blick des Kindes, daß eine Alkoholvergiftung vorlag. Das Kind starb bereits am anderen Tage. Es hat sich nun berausgestellt, daß die bei dem Drechsler wohnhafte unverehelichte G. aus Kopenhagen, welche früher Tänzerin, dann Sängerin gewesen und jetzt der Prostitution verfallen ist und unter sittenpolizeilicher Kontrolc steht, dem bedauernswerthen Kinde wiederholt Rum zu trinken gegeben hat, angeblich aus„Uebermuth". Es hat sich aber auch leider ergeben, daß an dem armen Wesen ein abscheuliches Sitt- lichkeitsverbrcchen begangen ist, über das die angeordnete ge- richtliche Obduktion das Nähere noch ergeben wird. Die G. ist vorläufig wegen fahrlässiger Tödtung verhaftet worden. Zlever das Liebesdrama, welches sich, wie wir gestern berichteten, in der Gegend von Freienwalde a. O. abgespielt hat, gehen uns heute noch folgende Details zu: Das Liebespaar, ein in der Oranienstraße konditionirendes Dienstmädchen Johanna F. und ein in der Skalitzerstraße wohnender junger Mann, dessen Personalien bis jetzt nicht genügend festgestellt werden konnten, begab sich am Neujahrstagc von hier per Bahn nach Freien- walde. Am 3. Januar fand man beide auf dem Wege zwischen Freienwaldc und Falkenburg vor; der junge Mann war todt, das Mädchen schwer am Kopfe verwundet. Mittelst eines Revolvers hatte der Liebhaber zuerst einen Schuß auf seine Be- gleiterin abgegeben und sich dann selbst erschossen. Die Schwer- verwundete ist nach Berlin in die Charitee überführt worden. Die Kugel sitzt in der Schädeldecke und ist Hoffnung vorhanden, daß dieselbe entfernt und das Mädchen wieder hergestellt wer- den wird. Ein Doppelselbstmord ereignete sich Mittwoch Abend in der Wrangelstraße. Ein dort wohnhafter Möbclpolircr hatte, obwohl verheirathet, mit einer anderen Frau ein Liebesver- hältniß angeknüpft und Beide setzten alle Hebel in Bewegung, um die einer ehelichen Verbindung entgegenstehenden Lnndcr- nisse zu beseitigen. Da ihnen dies nicht gelingen wollte, so nahmen sie zusammen Strychnin ein und wurden entseelt aufge- funden. In einem zurückgelassenen Brief hatten sie das Motiv zu der unseligen That niedergeschrieben. Selbstmordversuch. Der in der Straßburgcrstraße wohnende Lackfabrikant H. machte gestern Nacht den Versuch, seinem Leben durch Ersticken ein Ende zu machen. Er schloß die Klappe des Ofens und ließ den Kohlendunst in's Zimmer strömen. Heute früh wurden die Nachbarn durch den penetranten Dunstgeruch aufmerksam, drangen gewaltsam in das von H. bewohnte Zimmer und schafften den noch Lebenszeichen von sich Gebenden in die frische Luft. Das von dem Vorfall in Kenntniß gesetzte 50. Polizeirevier requirte den Lück'schen Krankenwagen und veranlaßte die Ueberführung des Selbst- mörders nach der Charitee. Der Zustand desselben soll ein nahezu hoffnungsloser sein. Schon wieder ein Kermißter. Vermißt wird seit einigen Tagen der geistesschwache Schlächtergeselle Jakob Schulz. Derselbe hat sich anfangs dieser Woche aus seiner Blumenthal- straße 30 in Friedrichsberg belegenen Wohnung entfernt und fürchtet die Ehefrau desselben, daß dem Geistesgestörten ein Unglück widerfahren ist. Bekleidet war Schulz mit einer dunkel- braunen Hose und Weste, schwarzem Jaquet, schwarzdlaucm Winterüberzieher, braunem.Hut, Gummizugstiefeln, grauen Strümpfen, braunem Unterbeinkleid, wollenem und leinenem Hemd— letzteres mit 8. gezeichnet—, blauseidenem Kachenez. Auch trägt Schulz, dessen.Haare schwarz und dessen Schnurrbart rothblond ist, eine gerichtliche Vorladung bei sich, auf welcher sein Name stand. Die tiefbekümnicrte Frau Schulz bittet alle Diejenigen, welche ihren Mann in den letzten Tagen gesehen, uni Auslunft. Poli/eibericht. Am 4. d. M. Abends wurde cin Ar- beiter in seiner Wohnung in der Triftstraße an einem über dem Bett befindlichen Bilderhakcn erhängt auf dem Bett liegend vor- gefunden. Die Leiche wurde nach dem Lcichenschauhause ge- bracht.— Am 5. d. M. Vormittags fiel in der Stralaucrstraße der Buchbinder Schumann und mußte, da er nicht im Stande war, wieder aufzustehen, mittelst Droschke nach der Charitee ge- bracht werden. Er scheint bei dem Fall den Oberschenkel ge- brachen zu haben.— Als Nachmittags ein Kohlenhändler auf dem Hofe der städtischen Gasanstalt in der Äüllersttaße mit dem Verladen von Koaks auf seinem Wagen beschäftigt war, fiel er von demselben herab und erlitt dabei eine Verrenkung der Halswirbel, so daß er auf ärztliche Anordnung mittelst Kranken- wagens nach der Charitee gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit wurde ein Herr im Hause Kronenstr. 75 todt auf der Treppe liegend vorgefunden. Wahrscheinlich hat er sich zu seinem dort wohnenden Arzt begeben wollen und ist nach dessen Gutachten vom Schlage getroffen worden.— Gegen Abend wurde in der Gertrauotenstraße, an der Ecke der Grünsttaße, ein Mann durch eine von dem Kutscher Otto geführte Equipage überfahren und am Unterschenkel verletzt.— In der Nacht zum 6. d. M. brannten Höchstestr. 17 Balken und Fußboden in einer Tischlerei. Gerichts-Zeitnng. Traurige Familienverhältnisse mußten es wohl sein, unter deren Einwirkung das moralische Bewußtsein jener beiden Knaben, welche gestern vor der 2. Strafkammer des Landgc- richts II als Angeklagte erschienen/ derartig einschlunimertc, daß sie das Gefängniß dem Aufenthalt im Elternhause vorzogen und daß sie dem Vorsitzenden des genannten Gerichtshofes ge- radezu den Wunsch zu erkennen gaben, ihnen eine möglichst langandauernde Freiheitsstrafe zuzudiktiren. Der im Jahre 72 geborene Arbeitsbursche WUhelm Konetzki trieb sich mit dem gleichaltrigen Paul Herrmann vor und in den Marktballen um- her, nachdem beide ihren in Rixdorf wohnenden Eltem ent- laufen waren. Konetzki war am 20. Ottober v. I. aus dem Potsdamer Gerichtsgefängniß nach Verbüßung�eincr ihm wegen Diebstahls zuerkannten Gefängnißstrafe cntlaffen worden; er wandte sich nach Berlin in der Absicht, den bisher be-- tretenen Weg weiter zu wandeln. Mit einem gewissen Meyer wanderte demnächst Konetzki nach Weißensec hinaus. Meyer, welcher sich ebenfalls in den Martthallen umbcrtrieb, hatte in Erfahrung gebracht, daß die Behausung dcs Gärtners Miersch zu Weißensee, der in den Markthallen seinen Stand hatte, während des Tages unbeaufsichtigt war und daß es leicht sei, die daselbst befindlichen Gänse zu stehlen. Die beiden Burschen führten ihr Vorhaben gemeinschaftlich aus, schafften die Gänse, denen sie die Hälse umgedreht, nach einem von Meyer zum Nachtlager benutzten Heuboden und dann statteten beide dem Schlachtbaus des Schlächtermeisters Drägcr an demselben Orte einen Besuch ab. Einen Posten Würste, ca. 70 Pfund, stahlen sie dort, ferner dem daselbst beschäftigten Schlächter-- gesellen eine Anzahl Kleidungsstücke. Konetzki bekleidete sich am Orte der That mit einem gestohlenen Jaquet und dann ver- tilgten die jugendlichen Diebe schließlich noch den gcsammten Flaschenbiervorrath dcs Dräger. Die gestohlene Wurst wurde gctheilt und auch Fimmel erhielt am anderen Morgen, als das Kleeblatt in den Markthallen wieder zusammentraft zum Frühstück von Konetzki cin Stück Wurst zuge- theilt mit den Worten:„Da nimm! Wir haben sie aus Weißensee gestohlen!" Die Annahme dieses Geschenks sührte den Fimmel wegen Hehlerei vor Gericht; Konetzki da- gegen, welcher bald darauf, während sein Genosse Meyer ent- kam, festgenommen wurde, hatte sich wegen schweren und wie- derholten einfachen Diebstahls im Rückfalle vor der genannten Strafkammer zu verantworten. Der Staatsanwalt beantragte gegen Konetzki 2 Jahr Gefängniß, sowie außerdem wegen Ent- wendung des im Schlachthause dcs Dräger verzehrten Bieres je 14 Tage Haft. Nachdem der Staatsanwalt seine Ausfüh- rungcn beendet und der Vertheidiger dcs Fimmel, Referendar Gebens, für seinen Klienten Freisprechung bezw. Uebcrweisung an eine Erziehungsanstalt beantragt hatte, richtete der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Grünhagen, an den Angeklagten Fimmel die Frage:„Nun, Fimmel, hast Du noch was anzuführen? Dir ist es wohl ganz gleichgiltig, wie lange Du ins Gefängniß kommst?!" Statt Bitten um milde Strafe hatte der Angeredete ebenso wie sein Genosse nur ein kurzes „Ja!" zur Antwort.— Der Gerichtshof kam schließlich zu der Ueberzeugung, daß Fimmel das qu. Stück Wurst im Heißhunger angenommen und vertilgt, ohne Bedenken, ob dasselbe gestohlen sei oder nicht. Fimmel wird der Hehlerei für nichtschuldig er- achtet und freigesprochen, jedoch hielt es der Gerichtshof für angebracht, von dem ihm zustehenden Rechte Gebrauch zu machen und den Knaben einer Erziehungsanstalt zu überweisen. Der Angeklagte Konetzki ward dem Antrage des Staatsanwalts ge- mäß zu 2 Jahren Gefängniß und 14 Tage Haft vcrurt heilt. Mit der Frage, od„Anhnerauaen" eine„Krankheit" und die dagegen angepriesenen Mittel„Arzeneimittel" sind, hatte sich gestern das hiesige Schöffengencht zu beschäftigen. Die bekannte Polizeivcrordnung vom 30. Juni 1887, welche die öffentliche Ankündigung von in ihrem Verkaufe beschräntten Arzeneimitteln verbietet, wurde gegen den Jnseratenredakteur dcs„Lokal-Anzeigcr", Herrn Franz Bocrncr, in Anwendung gebracht, weil derselbe einer Annonze über„Siegel's Hühner- augentod" Aufnahme gewährt hatte. Der Vertheidiger Rechts- anwalt Dr. Jvers bestritt zunächst die Rcchtsgiltigkeit der Polizeiverordnung, da dieselbe dem§ 367 des Strafgesetzbuches und der Reichsverordnung vom 4. Januar 1875 widerspreche und bekämpfte weiter die Ansicht, daß das frag- liche Mittel cin„Heilmittel" im Sinne jener Verordnung sei, da„Hühneraugen" doch nicht zu den Krankheiten gerechnet werden können. Der chemische Sachverständige Dr. Bischoff vermochte über diese Frage keine Auskunft zu ertheilen, glaubte vielmehr, daß dies Sache eines medizinischen Sachverständigen sei. Rechts- anwalt Dr. Jvers wies in weiterer Folge darauf hin, daß schon diese Thatsache genügend illustrirc, wie sonderhare Verhältnisse die gedachte Verordnung schaffe, indem sie verlange, daß jeder Redatteur sofort Sachverständiger über Dinge sein soll, bezüg- lich deren der Gerichtshof selbst erst das Einholen medizinischer Gutachten für nöthig halte. Daher komme es denn auch, daß die Gerichte jetzt fast täglich mit derartigen Anklagen gegen Redakteure beschäftigt werden, ohne daß besonderer'Nutzen für 7«. teäBMÄ kannte, beschloß trotzdem, die Sache zu vertagen, einerseits, um inzwischen den Ausspruch höherer Instanzen über die Rechts- frage abzuwarten, andererseits, um das Guchtachten des Geh. Medizinalraths Wolff darüber einzuholen, ob.Hühneraugen eine „Krankheit" sind und der„Hühneraugen-Tod" als Heilmittel zu betrachten ist. Gin» interessante Anklage wegen Unterschlagung wurde gestern vor der dritten Strafkamnier am Landgericht 1 gegen den Schankwirth Gottlieb Skirl verhandelt. Der Kauf- mann Prehn� hatte eines Tages im August zwei Rollen zu je 1000 M. Inhalt in seinen Geldschrank gelegt. Diese Rollen übergab die Frau einen, Kutscher, der in ihrem Geschäfte an- aeftellt war, irrthümlich als zwei Hundertmarkrollen zum Wechseln. Der Kütjcher begab sich sodann in eine in der Nähe belegene Destillation, in der mehrere Gäste anwesend waren, um das Geld zu wechseln. Da der Wirth, der Angeklagte, nicht an- wesend ivar, wurde die Frau desselben gerufen, und bis diese kam. legte der Bote die Geldrollcn auf den Tisch, an welchem die Gäste saßen, und diese unterhielten sich auch über die Rollen, ohne daß irgend jemand den Jrrthum der Frau Prehn bemerkte, denn obwohl die Rollen in rothes Papier gewickelt und mit der Inschrift:„1000 Mark" versehen waren, zweifelte Niemand daran, daß die Rollen wirklich 100 Mark- Rollen seien. Die Wirthin kam und wechselte dann auch das Geld, ohne daß sie auch den Jrrthum bemerkte. Am Abend kam der Angeklagte nach Hause und seine Frau übergab ihm die Geld- rollen. Inzwischen war aber bei dem Kaufmann Prehn das Versehen bereits bemerkt worden, und sofort wurde ein Bote zu dem Angeklagten geschickt, um über den Verbleib der Geld- ollen zu recherchiren. Der Wirth behauptete nur, er habe die Rollen bereits weiter gegeben, und zwar einein Kohlenarbeiter, der auf einem benachbarten Kohlenplatz beschäftigt war. Diese Angabc wurde als unrichtig befunden, denn trotz der mit dem größten Eifer betriebenen Nachforschungen war es nicht möglich, den Arbeiter aufzunnden. Somit wurde gegen den Wirth, der hinreichend verdächtig erschien, die zu viel gezahlten 1800 M. unterschlagen zu haben, die Anklage erhoben. Die Beweisanfnahine bestätigte den geschilderten Vorgang und der Staatsanwalt plädirtc für schuldig.. Demgegenüber führte Rechtsanwalt Wronker aus: Das Verschen, welches alle die Personen, welche die Rollen in den Händen gehabt, begangen hatten, konnte ebenso gut auch dem Ange- klagten passirt sein, und zwar um so niehr, als er an eben dem- selben Tage setn Geschäft verkauft hatte und deshalb, ivenn auch nicht betrunken, doch ebensowenig nüchtern war. Er hatte ja auch keine Ursache, an dem richtigen Inhalte der Rollen zu zweifeln, und wenn er den Arbeiter, dem er die Rolle ausge- händigt hatte, nicht mehr auffinden konnte, so sei damit doch nicht die Unrichtigkeit der Angabe erwiesen. Jedenfalls habe einen Beweis die Verhandlung nach keinem Punkte hin ergeben. Aber auch davon abgesehen, müsse schon aus juristischen Grün- den die Freisprechung erfolgen, denn die 1800 M., um die es sich hier handelt, seien dem Angeklagten nicht übergeben oder anvertraut worden, sondern, regelrecht in seinen Besitz überge- gangen. Allenfalls könnte er sich später durch Unterdrückung einer wahren Thatsache, nämlich der, daß die Rollen, die er empfangen hatte, 2000 M. enthielten, dcs Betruges schuldig ge- macht haben. Der Gerichtshof schloß sich den Ausführungendes Vertheidigers an und erkannte wegen mangelnden Beweises auf Freisprechung. Der Inhaber der Kerttn-Stralaner Dampfschiffs- Gesellschaft, Herr Karl Friedrich Zwcrner, hatte außer den im polizeilich genehmigten Fahrplane verzeichneten Fahrten in der Zeit vom 25.— 30. April v. I. täglich zwei Fahrten ein- geschaltet und nachträglich in den Fahrplan eingezeichnet. Außerdem hatte er drei Extrafahrten nach Schniöckwitz w. ver- anstaltet. Wegen dieser Ucbertretungen war er vom Schössen- gericht zu Geldstrafen von je 3 M. in 15 Fällen verurtheilt. Gegen dieses Erkenntniß hatte er Berufung eingelegt, und gestern erstritt er auch vor der Strafkammer Va das Resultat, daß die drei Extrafahrtcn für straffrei erklärt wurden und in den drei Punkten die Freisprechung erfolgte. Dagegen wurde bezüglich der 12 übrigen Fälle die Berufung verworfen und das erstrichtcrliche Urtheil bestätigt. Uerewe rnifc Nersammlimgen. Der Fachverein KerUner Droschkenbescher hielt am 30. Dezember Neue Friedrichstraße 44 seine Monatsvcrsamm- lung ab. Zunächst gelangten sämmtliche Drucksachen: Kontrol- bücher, Halteplatzlisten und Droschkenmarken, welche der Verein seinen Mitgliedern gratis liefert, zur Verthcilung. Hierauf wurde auf Antrag des Herrn Möwes beschlossen, daß bei Leichen- begängnissen verstorbener Mitglieder bezw. deren Frauen eine Deputation von 20 Mitgliedern des Vereins dem Leichen- begängmß beiwohnen soll; auch ein Kranz mit Widmung vom Verein soll auf das Grab niedergelegt werden. Zu„Ver- schiedenes" wies Herr Hanig auf die vielen Verkehrsstockungen hin, welche für Fuhrwerk und Passanten dadurch entstehen, daß die Omnibusse bei Aufnahme von Fahrgästen nicht an die rechte Seite fahren, um anzuhalten, sondern daß fie nach Belieben auf Straßenübergängen und in der Mitte des Dammes die Aufnahme bewirken. Andererseits wurde noch Beschwerde ge- führt, daß von den Omnibussen, bevor sie halten, den hinter ihnen fahrenden Fuhrwerken kein Signal zun» Anhalten gegeben würde, wodurch Unglücksfälle schon mehrfach herbei- geführt wurden. Diese Ausführungen wurden von allen Seiten als richtig anerkannt und beschloß die Versammlung, diese Uebelstände vorläufig durch die Presse zu veröffentlichen, um auf diese Weise Abhilfe herbeizuführen. Nachdem fich noch mehrere neue Mitglieder hatten aufnehmen lassen, wurde die Versammlung geschlossen. An dir Mitglirdrr der Grt»- Kranbrukaffr der Tischler und Pianofortearbeiter Berlins ergeht folgender Aufruf: Kollegen! Auf Beschluß der letzten Generalversamm- lung der Delegirten der Kasse wurden die Unterzeichneten bc- auftragt, Versammlungen der Mitglieder cinzubemfen, behufs Aufstellung von Kandidaten für die demnächst stattfindenden Detegirtenwahlen. Für diejenigen Mitglieder, welche ihre Bei- träge direkt im Kassenlokal(an der Fischerbrücke) zahlen, fand bereits eine Versammlung am 27. Dezember v. I. Sophien- straße 15 statt. Eine zweite Versammlung, und zwar für die- jenigen Mitglieder, welche ihre Beiträge an den Kassirer Schulz zahlen, findet am Sonntag, den 8. Januar 1888, in Mohr- mann's Salon, Große Frankfurterstraße�"! 17, Vormittags 10 Uhr statt. Die Mitglieder, welche ihre Beiträge an den Kasstrer Stäps zahlen, ersuchen wir, in der am 15. Januar 1888, Vormittags 10 Uhr, im Konzcrthause„Sanssouci", Kott- buserstr. 4a, stattfindenden Versammlung die Vorwahl zu voll- ziehen. Femer findet für diejenigen Mitglieder, welche ihre Beiträge an den Kasstrer Schütz zahlen, am 22. Januar 1888, Vormittags 10 Uhr, im Saale der„Sozietäts-Brauerci", Berg- mannstr. 7, eine Versammlung statt. Wir bitten sämmtliche Mitglieder der Kasse, recht zahlreich in der Versammlung ihres Bezirks zu erscheinen. In allen Versammlungen dient das Quittungsbuch als Legitimation. Ausgeschlossen vom Besuch der Versammlungen find solche Mitglieder, welche 12 oder mehr Wochen mit ihren Beittägen im Rückstände find. Es find zu wählen im Bezirk des Kasstrers Schulz 35, Bezirk Stäps 39 und im Bezirk schütz 35 Delegitte. Kollegen! Da die Kasse in den nächsten beiden Jahren tüchtige Kräfte als Delegirte braucht, da femer Veräiidemngen des Statuts, bctteffend das für die drei ersten Krankheitstagc zu zahlende Krankengeld, vorgenom- men werden sollen, so ersuchen wir Euch, als Delegitte solche Mit- glieder zu wählen, die mit den Bestimmungen des Kranken- kassengesetzes möglichst vettraut sind, in jeder Hinsicht die Jnter- essen der Mitglieder vettretcn und in den Generalversammlungen regelmäßig erscheinen. Auch ersuchen wir im Interesse der Mit- glieder, nicht wieder, wie früher geschehen, aus einer Fabttk allein 6—7 Delegitte zu wählen, sondern auch in kleineren Werkstellen Umschau nach geeigneten Personen zu halten. Die Hauptwahl der Delcgitten findet in allen vier Bezirken an einem vom Vor- stände noch zu bestimmenden Tage statt. Da es sich in den Vorversammlungen ausschließlich um die Aufstellung von Kan- didaten zu dm Delegittcnwahlen handelt, so finden weitere Dis- kussionen über Kassenangelegenheitcn in diesen Versammlungen nicht statt. Die Kassirer der Kasse ersuchen wir, in allen Vor- Versammlungen die Konttole der Quittungsbücher zu übernehmen. A. Haupt, Georgenkirchenstraße 6; W. Schmitz, Höchstcstr. 22; Stephan, Johannisstt. 5: H. Merkel, Zosscnerstr. 33; Zimmermann, Dresdenerstraße 123. Fachverein der Tischler. Heute, Sonnabend, Abends 8& Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Freudenthal über:„Gewerbliche Streitfragen". 2. Be- ttcht über die Untersuchung des mit Pyridinbasen denatuttrten Spitttus. 3. Vereinsangelcgenheiten. 4. Fragekasten. Neue Mitglieder werden in jeder Versammlung aufgenommen. Die Zahl- stellen des Vereins befinden sich in folgenden Lokalen: 1. Friedrichs- bergerstr. 25 bei Christen. 2. Skalitzcrstr. 107 bei Kunstmann. 3. Belle-Allianceplatz 6 bei Hilscher. 4. Zionskirchplatz 11 bei Hohn. 5. Mariendorferstr. 5, bei Schmidt. 6. Göbenstr. 15, bei Ettlich. 7. Alte Jakobstr. 38, bei Schumann. Die Zahl- stellen sind jeden Sonnabend Abends von 8-s bis 10 Uhr geöffnet; daselbst werden Beiträge von den Mitgliedern entgegen- genommen und neue Mitglieder aufgenommen. Diejenigen Mitglieder, welche noch Billets vom Weihnachtsvergnügen in Händen haben, werden erfucht, dieselben in der heutigen Ver- sammlung an Herrn Witte abzuliefern. Zentral-Kranken-«nd Kterkekaffe der Drechsler und anderer gewerblicher Arbeiter Deutschlands(E. H. 43). Großer Wiener Maskenball heute, Sonnabend, in Schröder's Avalon, Äanteuffelstraße 9, arrangitt von der Verwattungsstelle Berlin A. Anfang 9 Uhr. Billets 4 50 Pf. Kranken-«nd Kegräbnistkaff« der Kau- und Fabrikarbeiter Kerlin» i Eingeschriebene Hilfskaffe Nr. 13). Generalversammlung der Mitglieder am Sonntag, den 8. Jan. 1888, Vormittags lOj; Uhr, im Lokale des Herrn Saeger, Grüner Weg 29. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Innere Kasscnangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Das Quittungsbuch legitimitt. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Derrin der Sattler und Fachgenoffe«. Die nächste Versammlung findet am 14. Januar, Abends 8t Uhr, in Grat- weil's Bierhallen, Kommandantenstt. 77—79, statt. Dereia ,«r Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter. Versammlung Sonnabend, Abends 8% Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Beuthsttaße 18, Aufgang Treppe E. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Heymann über die Ab- stammung des Menschen. 2. Beschlußfassung über den dies- jährigen Maskenball. 3. Vereinsangelegenheiten und Ver- schiedenes.— Diejenigen Mitglieder, welche noch Billets vom Kommers haben, werden ersucht, so schnell als möglich mit Herrn Hahn abzurechnen.— Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Allgemeine Kranken- und Kterbekssse der Metallarbeiter(E. H. 29, Hamburg), Mliale Berlin III. Versammlung am Sonntag, den 8. d. M., Vormittags 10t Uhr, Man- teuffclststtaße 90. Tagesordnung: Kassenangelegenheiten._ Kranken- und Kearäbnisskasse de» Herein» lammt- iichrr Kerufsklassen(Verwaltungsstelle Il>). Mitglieder-Ver- sammlung heute, Sonnabend, Abends 8& Uhr, Brunncnstr. 38 bei Schmidt. Ausschußwahl. Beitrittserklärungen nimmt cnt- gegen in der Versammlung, sowie in seiner Wohnung der Kassirer H. Rudolph, Koloniestr. 150 a. Fachverein der Buchbinder und verwandten Berufs- genossen lVerbandsvercin). Heute, Sonnabend, Abends 8% Uhr, Versammlung im Restaurant Reyer, Alte Jakobstt. 83. Tages- ordnung: 1. Die Leipziger Tarif-Bewegung. 2. Bericht und Antrag der Kommission für Arbeitsnachweis und.Herberge. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Ausgabe der Billets zum Stiftungsfest. Gäste sind willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter(E. H. 29, Hamburg), Filiale Rixdorf- Heute, Sonn- abend, Mitgliederversammlung. Freireligiöse Gemeinde, Rosenthalersttaße 38. Sonntag, den 8. Januar 1888, Vormittags 10 Uhr, Vortrag des Herrn Dr. Huber über:„Giebt es für uns Menschen sittliche Verpflichtungen?" Damen und Herren als Gäste willkommen. — Abends 7 Uhr daselbst gesellige Zusammenkunft. Vortrag des Herrn Dr. P. Wislicenus über:„Praktische Nächstenliebe."— Am Dienstag, den 10. d.M., Abends 8!, Uhr, findet Rosenthalcr- straße 38 eine beschließende Versammlung der Mitglieder statt. Tagesordnung: Kassenbericht, Bericht der Revisoren, Neuwahl des Vorstandes u. s. w. Derei« zur Wahrung der Iuterrssen der Tischler. Generalversammlung heute, Sonnabend, den 7. Januar, Abds. 85 Uhr, Michaelkirchstraße 39. Tagesordnung: 1. Vierteljahresabrechnung. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. Abrechnung der Billets vom Weihnachtsvergnügen. Ausgabe der Billets zum Maskenball. Das Mitgliesbuch legitimirt. Fachverein der put» er. Sonntag den 8. Januar, Vormittags 11 Uhr, Jnselstraße 10 Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Kassen- Abrechnung. Vereinsangelegenheiten. Fragekasten. Ausgabe der Billets zum Maskenball am 4. Fe- bruar. Fachverei» der Gas-, Masser- uud Heizungs-Zlohr- leger. Versammlung am Sonntag, den 8. Januar, im neuen Nieft'schen Salon, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Vortrag: Ueber die heutige Nothlage im Rohrlegerfach. 2. Freie Diskussion. 3. Fragckasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Rohrlegers, zu erscheinen. Gäste willkommen. Der Arbeits- Nachweis befindet sich Dresdenerstr. 48 bei Herrn Genrich. Gesang-, Turn- und gesellige Uereine am Sonn- abend. Gesangverein„Harmonia" Abends 8 Uhr im Restaurant, Alte Jakobstr. 38.— Männergesangverein„Echo" Abends 9 Uhr im Restaurant Klemann, Lausitzeritraße 41.— Männergesangverein„Treue" Abends 9 Uhr im Restaurant, Andreasstt. 9.— Quartett des Turnvereins„Froh und Frei" Abends 9 Uhr im Restaurant, Schlegelstt. 14.— Lübeck'scher Turnverein(l. Lehrlingsabtheil.) Abends 8Uhr Elisabethstr. 57 58. — Turnverein„Wedding", Panksst. 9, Männerabtheilung von 3%— 10% Uhr Abends; desgl.'. Lchrlingsabtheilung von 8 bis 10 Uhr Abends.— Ärends'sche Stenographenklasse des„Ber- lincr Handwerkcrvereins" Abends 8f Uhr Sophienstr. lo.— Theater- und Vergnügungsgesellschaft„Treue" Ahends 3', Uhr in Bobert's Ballsalon, Weinstraße 11.— Verein der Taubenfreunde Abends 8' Uhr im Restaurant Klemann, Lausitzer- sttaße 41.— Dänischer Verein„Freya" Abends 9 Uhr im Restaurant Poppe, Lindcnstt. 106.— Verein der Württem- bergcr Abends 8', Uhr bei Vaihingcr, Dorotheenstt. 84.— Verein ehemal. Schüler der 34. Gemeindcschule Ähcnds 9 t Uhr im Restaurant, Markusstt. 7.— Rauchklub„Qualm" Abends 8 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28. Kleine Mittheilungen. Meißenfel«, 4. Januar.(Eisenbahnunfall.) Gestern war der Frühzug zwischen Weißenfels und Zeitz im Schnee stecken geblieben. Zur Freilegung der Stocke wurden Arbeiter geholt. Als gegen 1 Uhr ein Personenzug an der Arbeitsstelle vorbeifuhr, wurden zwei Arbeiter, Namens Landmann und Forkmann, aus Zangenburg von der Maschine erfaßt und sofort getödtet. Main», 4. Januar. Nach dem Vorgehen mehrerer anderer Städte wurde auch hier die Einrichtung getroffen, daß die Kinder unbemittelter Eltern, insoweit dieselben nicht zu Hause ein warmes Frühstück erhalten, damit in der Volksschule ver- sehui�werdcn., � �Schiffbruch.) Der gestern Abend in Plymouth angekommene Kapdampfer �Trojan" brachte die Ueber- lebenden des Liverpooler Schiffes„Jdomene", welches auf der Heimfahrt von Rangun zwischen Ost-London und Natal Schiff- bruch litt. Unmittelbar nachdem das Fahrzeug auf einen Felsen stieß, begann es zu sinken, und als die Mannschaft die Boote flott zu machen versuchte, wurden letztere zertrümmert. Von der aus 24 Personen bestehenden Bemannung retteten sich nur 11 durch Schwimmen ans Gestade, und auch von diesen waren mehrere arg verletzt. Die Geretteten wurden von den Kaffern freundlich aufgenommen und erreichten nach sechs Tagen Ost- �"'�Fondvn, 4. Januar.(Theaterbrand.) Die Asche des niedergebrannten Grand-Theater in Jslington ist kaum kalt, als auch schon ein zweites Theater unter ähnlichen Umständen zu Grunde geht, das Theater Royal in Boston. Dort ward gestern die Pantomime Blaubart gespielt; Zuschauer und Schauspieler hatten das Theater verlassen, als nach Mitternacht ein verheerendes Feuer ausbrach und das Gebäude mitsammt Gar- derobe und Musikinstrumenten zerstörte, obgleich alle Vorsichts- Vorrichtungen der neuen Feuerfestigung dort angebracht waren. London, 5. Januar. Der Castlc-Tampfer„Pembroke Castle" ist gestern auf der Heimreise von Capetown abge- gangen. Neueste Nachrichten. Mit dem Dorschlage der„Nat.-Lib. Korr.", die Jnternirung an die Stelle der Expatriirung treten zu lassen, ist die freikonservative„Post" ganz einverstanden. „Darüber lasse fich reden," meint sie in ihrem heutigen Leitartikel:„Dieses gleichfalls im Kulturkampf bereits in die Ge- setzgebung eingeführte Kampfesmittel würde bei zweckmäßiger Handhabung den Zweck, die damit zu belegenden Personen für die weitere Agitation unschädlich zu machen, nahezu in dem- selben Maße erfüllen, wie die Expatriirung, ohne doch den gleichen rechtlichen und realpolitischen Ausstellungen zu unter- liegen wie diese. Die Gründe, welche dazu geführt haben, daß in dem Regierungsentwurfe diese Maßregel nicht aufgenommen ist, sind noch nicht bekannt; erst wenn dies und zwar auch be- züglich der Gründe des Expatriirungsvorschlages der Fall ist, wird fich ein abschließendes und zutreffendes Urtheil gewinnen lassen. Unter dem sich hieraus ergebenden Vorbehalte erscheint indessen der Gedanke, die mittelst der Expatriirung angestrebten Zwecke auf dem Wege der Jnternirung zu erreichen, ernstlicher Beachtung werth. Mi« di«(OfstsiLsen den Orthodox-Konservativen augenblicklich dienen, dafür liefert die„Nordd. Allg. Ztg." ein ergötz- liches Beispiel. Sie schreiht: Nulla dies sine Jinea: kein-rag ohne Ausfall der christlich-sozialen Organe gegen die„Nordd. Allg. Ztg.; vorgestern der„Reichsbote", gestern die„Kreuzztg.", beute die„Konserv. Korresp." und daneben die„Redner der Koterie mit ihrer Korona, deren polittsches Begriffsvermögen in logischer Folge der an sie gewandten politischen Pädagogik in dem Gebrüll„Judenblätter" kulminirt. Neben seinen mannig- fachen ernsten Seiten hat dieses Treiben, das zugleich mit naiver Unverfrorenheit beansprucht, mit seiner M tung ein Recht auf das Monopol der Staatserhalm? und der Sorge um das Ansehen der Krone zu f; langen, einen so unwiderstehlich helustigenden Charatter, W es als Einleitung zum Karckdvalsulk vielleicht zeitweilig akzeM werden kann.— Nun folgt eine kurze Auseinandersetzung 1# der„Kons. Korr.", die wir übergehen. Dann heißt es: M trübender ist die Unkenntnis;, welche der„ N e i ch s b 0 t e"« der Partcipolittk verräth, indem er seinen Lesern aufhindet,% „Nordd. Allg. Ztg." sei bekanntlich(sie) von Hause aus Jj rothcs demokratisches Organ gewesen.„Bekannttich" ist* „Nordd. Allg. Ztg." im �ahre 1861 unter den Auspizien dö Frciherrn v..hertefeldt und des Herrn v. Roon ins Leben toten und hat vom ersten Augenblick an in der KonfliktsptNÄ allein die ganze Last des Kampfes mit der damaligen dctaj statischen Parlamcntsmehrheit getragen. Es ist nicht erstaunli» daß der„Reichsbote" das nicht weiß, die Dinge dieser sind nie recht sein Fall gewesen; aber er soll sich ohne Kennwg der Dinge doch nicht zur Verbreitung von Unwahrheiten leiten lassen.— Ten Vogel abgeschossen in humorisiisM Behandlung hat aber von allen Christlich- Sozialen? „K r e u z z e i t'u n g", die nach tage- und spaltenlangen Ö? örtcrungen, ob die„Nordd. Allg. Ztg."„offiziös" oder„psttfC gesprochen, nun zu dem Ausspruch gelangt, sie sei„a0s gul? Gründen" so fest davon überzeugt,„daß ihre Angriffe aus* Konservativen, Antisemiten und Christlichsozialen Berlins 8# privater Natur waren, daß wir sie ganz unbeachtet gela� haben würden, wenn nicht bei weniger gut Unterrichteten# hei der Natur der„Nordd. Allg. Ztg." verzeihliche Glaub« B' kundgethan hätte, daß sie auch in diesem Falle ihre SpaW einer bedeutsamen Feder zur Verfügung gestellt habe". Di» kleine Lüge von Angriffen der„Nordd. Allg. Ztg." auf* Konservativen würden wir der„Kreuzztg." gern hingehen lest* wenn sie dafür ihre„guten Gründe etwas erschöpfender w legen wollte. Oder hat sie dieselben nicht vielleicht nur � einer etwas wunnstichigen Hintertreppe aufgelesen?"— T» Charakteristik der konservativen Organe macht sich in dem Kanz� blatt vortrefflich. Aus Varls. 6. Januar, meldet die..Voss. Kta.: ihr Gesammtvcrlust beträgt also drei Sitze. Außerdem f"1 viele Reaktionäre mit mehr Stimmen gewählt worden als» letzte Mal. Von den 82 gewählten Senatoren waren 53 früher Senatoren, 6 waren bisher Abgeordnete, 23 sin? tnj Gavardie, der bekannte Interpellant, ist nicht wiedergcwW Die reaktionären Blätter sehen in den Senatorwablcn ein zeichen zunehmender antirepublikanischer Gesinnung im � die republikanischen dagegen sagen, nach alle den häßlichen schichten der letzten Wochen seien die Wahlergebnisse ein Bei"J des unerschütterlichen Republikanismus der Franzosen.—®| Anarchist M e r e au, der nach der Versammlung fl Favissaal vom 18. Oktober auf die Polizei geschossen W- wurde zu zweijährigem Kerker verurtheilt. Telegraphische Depeschen. (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Karlsrussr, Freitag 6. Januar. Bei der gestrigen lffif wabl einrs Reichstagsabgeordnctcn im 13. Reichstagswal: ist Graf Douglas(Kandidat der Kartellparteien) mit grtlr Majorität gewählt worden. Kamburg, Freitag, 6. Januar. Der Postdei»?'* „Bohcmia" der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt-Albf« aesellschaft hat, von New- Bork kommend, heute um 4 Morgens Lizard passirt. Pari«, Freitag, 6. Januar. Die wegen Ordensh'�- angeklagten Ribaudeau, Hebert, Dubreuil erschienen heute' dem Zuchtpolizeigericht. Der StaatsanwastSg-bilfe bca, tstz wegen neu beigebrachten Beweismnteriaks, wodurch oar/ würde, daß Wilson in diese Angelegenheit verwickelt sei Aufschiebung der Verhandlungen, bis die Untersuchung» diesen geschlossen sei. Das Zuchtpolizeigericht ordnete die tagung an. Kapstadt» Donnerstag 5. Januar. Aus Walfisch bar> gemeldet: Das Schiff der Deutsch-West-Afrikanischen Kornr M, die Brigg„Adolph", Kapitän Stöckius, ist wohlbehalten] eingetroffen, die Zentral faktorci und Exportschlächterei errichtet. Die erste Expedition ist von ihrer Reise nach dem ebenfalls nach der Walfischbay zuriickgekehrt. (Nach Schluß der Redaktion eingetrossen.) pari», Freitag, 6. Januar. Die des Ordenshandelt � geklagten Ribaudeau, Hebert und Dubreuil sind, nachdem 1 Gerichtsverhandlung gegen dieselben verschoben worden einstweilen aus der Haft entlassen worden. London, Freitag, 6. Januar. Der Castle-Dampfer„N Castle" ist am Mittwoch auf der Ausreise von London gangen, und der Castlc-Tampfer„Drummond Castle" ist heu auf der Ausreise von Madeira abgegangen. Markthallen-Bericht von städtis� Sandmann, Verkaufsvennittler. Berlin, den 5. Januar 1888. Temperatur in der Halle 3 Grad Rcaumur. Wetter: Frost.- Butter.«.Reine NaturbutterJ 1. Feinste haltbare Etz rahm-Tafelbuttcr(bekannte Marken) 110—115 M., 2. schmeckende Tafelbutter 105—110 M., 3. Tischbutter 93 105 M., 4. fehlerhafte Tischbutter 80—95 M., 5. Koch- Ä Backbuttcr 70—90 M. pr. Ztr. Auktion täglich um 11 W Vormittags. Honig, deutscher, 40—60. IIa. 30—40 M. pr. Ztr. f flaumcnmuß 15—17 Ä. pr. Ztr. ier 2,50—340—3,25 netto ohne Abzug p. Schck., eier 2,95 M. p. Schck. Käse. Jmportirter Emmenthaler—87, Inland Schweizer 35—50—65, Quadrat-Backstein 12—16—26, burger 20—30—35, Rheinischer Holländer Käse 58— 60— C8L,. pr. Ztr., Edamer 58—68, Harzer—3,00 M. pr. Dtsche. Camembert— M. pr. Dtz. Neufchatel— M- W Stück. Fleisch. Rindfleisch 35-42-54, Kalbfleisch im Fell 32 50—60, Hammel 35—45—50, Schweinefleisch 40—45 Pf- Pfund, Schinken geräuchert mit Knochen 60—80 Pf., Speck( 55—60 Pf. pr. Pfund. Geflügel, fett, geschlachtet. Fette Gänse 40— 45— 53 Fette Enten 40—60 Pf. pr. Pfd., Puten 50—75 Pf. Pfd., Tauben 38—50 Pf., Hühner 0,60—1,00—1,50 pr. Geflügel, lebend. Gänse la 4,00—5,50, IIa 2,00—3,50 Enten 0,85—1,50—2,25 M., junge Hühner 0,60—0,90, Hühner 1,00—1,50, Tauben 30—45 Pf. pr. Stück. P 2,50—3,50 M.— Auktion täglich um 9 Uhr Vormittags 6 Uhr Nachmittags. Obst und Gemüse. Weißfleischige Speisekartoffeln 4,00* 5,00, Zwiebeln 9,00— 16,00 M. pro lÄ) Kilo, Blumenkohl 27 M. pro 100 Kopf, Bimen 6-10-13-18, Aepfel 6 b** bis 15—20, Wallnüsse la. 10—20 M. pro Ztr. brutto. Apfels Jaffa 12—12,5, Valenzia 420er 15—24 M. pro Kiste. Citt» 10—15 M. per Kiste. Feldfrüchte in Wagenladungen, Kartoffeln, weißste'« Speisekartoffeln 40—50 M. per 1000 Kilo, Hafer 105—130 Erbsen 120-200 M.. Futtererbsen 115-120 M., Gerste bis 180 M., Richtstroh 30-32,50 M, Heu 40-66 M- 1000 Kilo. Verantworttich: Grönheim 5 für Vereine und Versammlungen; F. Tuhaurr, beide in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Fading in Berlin 8 W., Beuthsttaße 2.