Nr. 7. Ksntttag, den 8. Januar 1888. 5. Jahrs. erlmrVMM Brgan für die Interessen der Arbeiter. DaS„Berliner VolkSblatt« ich Sonn- und Fcsttaqcn. Abonnementspreis für Berlin frei monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement Pf. Sonntags-Aummer mit dem„Sonntags-Blat� 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1888 unier Nr. 849.) Jnsertionsaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. ArbcitSmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Zimmcrstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. KT crr- „irrt Redaktion: Kenthstraße Ä.— Grpedition: Zimmerstraße 44. Der heutigen Nummer liegt für unsere Abonnenten Nr. 15 de«„K-nntag»-Klatt" bei. Der Kprmrg über den Stock. Das deutsche Volk ist um eine Weihnachtsfreude ae- kommen, und auch der Punsch am Svlvesterabend mußte erwartungsvoll getrunken werden. Rasch hat der Bundes- rath die Novelle zum Sozialistengesetz durch- berathen und angenommen, und mit der Schweigsamkeit einer Sphinx alles, was„kommen" wird, im Busen ge- borgen. Um so eifriger waren die Reptilienblätter in ihrer auf- opfernden Wirksamkeit für des Deutschen Reiches Wohlfahrt. Ts galt, die Gemüther des deutschen Philisterthums ange- messen zu bearbeiten. In allen Ecken und Enden, im kleinsten Wurstblatt, das vor dem hinterpommerischsten Land- rath in Ehrfurcht und Hoffnung auf amtliche Inserate er- stirbt, wie in den bekannten„Welt"blättern, deren Riesen- formst nur durch die Koloffalgröße ihrer byzantinischen Ge- finnung übertroffen wird, erschienen Waschzettel, um auf die neueste gesetzgeberische That in der Aera des Aufschwungs vorzubereiten. Die ganze Spietzbürgerpreffe gestaltete sich zu einer spiritistischen Geistersitzung, in welcher das rothe Gespenst umging. Räubergeschichten, Kabellügen, Entstellung, Verdre- Huna, sie bildeten die vier Elemente, innig gesellt, mit welchen die Welt, in der man sich langweilt, die„gute" Gesellschaft nämlich, in die erforderliche Gruselstimmung hineingejagt wurde. Die Arbeitsmethode des reptilischen Zeitungsgeschwisters ist simpel bis zur Tölpelhaftigkeit, aber altbewährt. Es ist ein wohlbekanntes psychologisches Gesetz, das für den Einzelnen, wie für eine Gesammtheit von Individuen gilt, daß ein oft wiederkehrender Reiz die Empfindung allmälig abstumpft, so daß der affizirte Sinn durch die häufige Wiederkehr derselben Erschemung nicht in dem Grade be- weat wird, wie das erste Mal. So wird durch die ewige Schreiberei über das neue Sozialistengesetz Philister vulgaris «ach und nach so an dasselbe gewöhnt, daß er die Votirung seitens der Hurrah-Majoritä''' etwas selbstverständliches betrachtet. Er denkt nicht" mehr darüber nach, ob es überhaupt ersprießlich sei, derartige Ausnahmegesetze einzuführen, er fragt sich nur noch, w i e und wann die bundesräthliche Schöpfung Gesetzeskraft erlangen wird. So gewiß die Bewegung das Herr- ''chende Prinzip des gesammten kosmischen Lebens s» gewiß will' der deutsche Normalreichs- lister seine„Ruh' hob'n". Darin sind die Wähler Hammerstein, Kardorff, von Marquardsen und Bichl Jemß'eton. --[5 1$ Recht««»ch«halten.»(Nachdruck»erboten.) Der Erve. Roman von Friedrich Gerstäcker. „Und Sie Beide haben keine Mutter!" sagte Baumann fast unwillkürlich, denn er dachte an die rauhen Worte, die er vorhin im Schlosse gehört, bereute aber augenblicklich das Gesprochene, als er sah, welch' ein wehmüthiger Ausdruck sich über Kathinka's Züge legte. Er setzte auch rasch hinzu: „Ich habe Ihnen nicht weh thun wollen, liebes Fräulein, seien Sie mir nicht böse." „Gewiß nicht, ich weiß es," erwiderte Kathinka leise; „aber da kommt der Baron schon wieder zurück," fuhr sie rasch und augenscheinlich erfreut, das Gespräch abbrechen zu können, fort.„Wie schnell er gegangen sein muß! Er fühlt sich heute doch viel kräftiger! Gott gebe nur, daß es so bleibt!" Benno kehrte zurück. Er sah in der That heute viel «ohler aus, als in den letzten Tagen; sein sonst so bleiches, "'*~ ficht hatte Farbe, und das Auge einen .— gehen wir langsam,—,.... t-..... Hmterpsorte zu; von dort aus schneiden Sie den ganzen langen und häßlichen Weg durch daS Dorf ab, Baumann, und haben gar nicht mehr so weit in die Stadt. Aber wann kommen Sie wieder heraus?" „Sobald ich irgend kann, Herr Baron, gewiß." „Aber spätestens am Sonntag. Ich möchte Sie so ,«» dabei haben, wenn ich meine kleine Maschine arbeiten lasse. Die Kathinka versteht eben gar nichts davon und fteut sich nicht halb so viel darüber, als ich möchte." »Ich freue mich, ja gewiß, wenn ich sehe, daß es Dir »»ende macht, Benno." «Ja. nur mir zu Liebe," sagte Benno mit einem fast sich vollständig einig, mögen sie ostpreußischen Fleck essen und Schifferdecker Lagerbier dazu trinken, oder mögen sie ihre Schweinsknöchel mit Leipziger Gose hinunterspülen, oder aber im Schatten des Hofbräuhauscs die sechste Weißwurst der fünften Maß Bier nachschicken. Die Vorlage wird zwar äußerst sekret gehalten, doch weiß jetzt Jedermann, daß oer E x p a t r i i r u n g s- Paragraph darin eine Hauptrolle spielt. Ueber das Wie? dagegen sind die Ansichten getheilt. Da es nicht unsere Sache ist, auf bloße Muthmaßungen hin Schlüsse zu ziehen, so gilt es eben abwarten, bis der Bundesrath sein Schweigen bricht. Expatriiren ist ein lateinisches Wort und heißt: aus dem Vaterland treiben. Das Alterthum verbannte nach politischen Umwälzungen einzelne Bürger, das christliche Mittelalter hatte seine Judenverfol- gungen, der Absolutismus hatte seine Hugenotten und seine Salzburger, und auch das neunzehnte Jahrhundert braucht sich in dieser Gesellschaft nicht zu schämen; es steht hinter seinen Vorgängern nicht zurück. Nur böse Zungen aber können behaupten, daß der Bundesrath eine Kritik der Vorlage so lange wie möglich habe vermeiden wollen:„Fürst Bismarck kennt seine Leute zu genau, um nicht zu wissen, daß der Reichstag mit herzinniger Freude Alles das thun wird, was die Reichsregierung fordert. Man lasse sich nicht durch die Komödie beirren, die augenblicklich von den reaktionären Parteien aufgeführt wird. Die nationalliberalen Organe und die Moniteure des Zentrums spielen Fangball mit der Novelle. Sie bc- schuldigen sich gegenseitig der heißen Liebe zum Sozialisten- gesetz, und Einer wirft dem Andern vor, daß er die An- nähme der verschärften Ausnahmebill durchdrücken werde. Die durchsichtige Absicht der Streitenden ist es, sich recht volksthümlich und freiheitsfreundlich zu geberden, um im geeigneten Äugenblick, auf einen Wink von oben, umzu- fallen. An der gesinnungsfesten Annahme des neuen Gesetzes durch die„kommenden Männer", die Miquel, Bennigsen, Fischer und von Marquardsen braucht man nicht zu zweifeln. Es ist klar, daß diese Vortänzer des großindustnellen Kapitals, der Bankokratie, der Schiffsrheder und Guanohändler von Haus aus die erbittertsten Feinde der Arbeiterbewegung sind und sein müssen. Die„Fraktion Drehscheibe" weih mit der Elastizität eines Schlangenmenschen sich allen politischen Situationen anzuschmiegen und das Nein der ersten Lesung zum Ja in der zweiten Lesung stimmungsvoll umzuformen. Die Schopenhauerische Philosophie der Verneinung des Willens kennt keine eiftigeren, folgsameren Anhänger, als die Partei der Gentlemen. Sie haben keinen eigenen Willen, sie verneinen sich als selbstständige politische Partei, noch kindlichen Schmollen,„aber nicht über die Sache selber. DaS habe ich wohl gemerkt." „Aber ich verstehe es ja auch nicht, lieber Benno; ich bin solch' ein armes, unwissendes und dummes Ding." „Glauben Sie es ihr nicht, Baumann, das ist nicht wahr," sagte Benno schnell.„Sie ist aar nicht so dumm und versteht Manches so gut, daß ich selber oft darüber er- staunt bin. Aber sie zankt immer mit mir, wenn ich ein- mal ein wenig lange bei meinen Berechnungen gesessen habe, und will mir nicht Recht geben, daß das meine größte Er- holung ist." „Aber der Arzt hat es Ihnen doch auch verboten," sagte Baumann. „Ach was, der Arzt!" rief Benno heftig.„Der glaubt auch, daß ich krank, ganz gefährlich krank wäre! Aber es ist gar nicht wahr! Ich fühle mich heute so wohl und leicht, daß ich tanzen möchte." „Gott gebe, daß es immer so bleibt!" „Es wird schon. Sie sollen einmal sehen, Baumann, was wir Beide noch Alles zusammen bauen werden, und wenn Sie erst selbstständig sind, haben Sie auch nachher mehr freie Zeit. Nicht wahr, das geschieht bald?" „In den nächsten Tagen, hoffe ich." „DaS ist herrlich— aber hier ist die Pforte. So, nun machen Sie, daß Sie wieder in Ihr Joch kommen, und tausend Dank noch für Ihre Freundlichkeit!" Er ließ ihn hinaus und schloß die Pforte wieder, und als Baumann zurückschaute, sah er, wie Benno, lebhaft plaudernd, am Arme seiner jungen Führerin durch den Park schritt, und noch wie sie schon hinter dem Gebüsch ver- schwunden waren, hörte er sein fröhliches Lachen. Ein unbequemer Besuch. Der alte Freiherr von Wendelsheim ging eben in seinem„Studirzimmer", das er aber kaum je zu dem Zwecke benutzte, auf und ab und rauchte dazu aus einer langen Pfeife mit Meerschaumkopf. Es war eine hohe Gestalt, nur mit etwas schwammigem Oberkörper und eben nicht besonders ansprechender Physio- gnomie, obgleich er einmal ein schöner Mann gewesen sein sie gehen auf in dem großen Nirwana, dem Nichts der Kartellbrüderschaft. Etwas ist in sie gefahren von dem ge- lehrigen, wohldressirten Pudel, durch welchen Arthur Schopenhauer die Table d'hote-Gäste des„Weißen Schwan" in Frankfurt a. M. so oft entzückte. Man sollte beinahe an die Seelenwanderung glauben. Sie werden über den Stock springen, die Nationalliberalen. Und die Ultramontanen? Sie machen jetzt aus ihrer reaktionären Gesinnung kein Hehl mehr, seit der Handel zwischen der Kurie und Preußen so günstig für den „Gefangenen des Vatikans" ausgefallen ist, seitdem der Kul- turkamps abgelöst wurde durch den Gang nach Kanossa, seit- dem der Karolinenstreit durch Leo XIII entschieden ward und der Papst„die um Windthorst" zur Abstimmung für das Septennat kommandirte. Was kümmert es sie, daß die Katholiken viele Jahre lang selbst unter einer drückenden Ausnahmegesetzgebung gelitten haben? Das Zentrum kämpfte nur, so lange es selbst unter Ausnahmegesetzen stand, gegen dieselben, nicht aus grundsätzlicher Gegnerschaft, sondern aus Gründen politischer Taktik. Die Ultramontanen werden, je nach der Lagerung der Verhält- nisse, in der Entscheidungsstunde geschlossen oder mit der zur 1887 ist emphatisch erklärt worden, daß man nicht ruhen und rasten werde, bis die Jesuiten wieder nach Deutsch- land zurückgekehrt seien. Nur gemach, erst kehren die anderen Mönchsorden, dann die Väter von der Gesellschaft Jesu zurück. Wenn die Sozialdemokraten, die entschiedensten Gegner aller Ausnahmegesetze, jeder Expatriirung, mit Hilfe des Zentrums expatriirt werden, werden die cxpatriirten Jesuiten nach Deutschland zurückkommen. Man fasse sich in Geduld. Der Geist des Pudels geht um, und auch die Ultramontanen werden über den Stock springen. Die k o n s e r v a t i v e n Gruppen sind selbstverständ- lich von vornherein für jede, auch die allerschärfste Aus- nahmebill. Sie springen natürlich über den Stock. Jndeß die„ d e u t s ch f r e i s i n n i g e" Partei�wird ja„unentwegt ankämpfen" gegen die Novelle. Sie hat es sehr bequem, die jetzigen drei Majoritäten des Reichs- tags, wie sie dem Reichskanzler zur Verfügung stehen, ent- heben sie der blamablen Mühe der Äbkommandirungen. Im Herzen aber fteut sich diese Partei des mobilen Kapitals O � � Of-l.„12____' C» V P.' f selbst zerfallen; die wirklich demokratischen Elemente mußte; aber das Alter rückte früh an ihn heran. Die schon etwas in's Graue spielenden Haare wurden um die fast zu flache Stirn schon dünn und spärlich, und die kleinen dunkeln Augen kniff er, nach einer häßlichen Gewohnheit, nur noch mehr zusammen. Er sah auch nie den, mit dem er gerade sprach, fest an, sondern fuhr mit den Blicken un- stät über dessen ganzen Körper oder bald da, bald dort in die Stubenecken hinein, als ob er etwas suche. Uebrigens aalt er für einen echten Kavalier von sogenanntem„alten Schrot und Korn" und war jedenfalls' ein ausgeschulter Hofmann, wenn er auch selbst dort manchmal mit einer qe- wissen Derbheit kokettirte. Allerdings sollte er früher viele gute gesellige Eigen- schaften und besonders einen trockenen, wenn auch etivas bittern Humor besessen haben; jetzt war der freilich ver- schwunden oder doch wenigstens bei Seite gestellt, denn er verließ das Schluß selten oder nie, so lange er seinen Wohnsitz dort hatte und in dem Schlosse, mit der bissigen Schwester zur täglichen Gesellschafterin, mußte der Humor wohl weichen, und wenn es der vorzüglichste gewesen wäre. Man konnte aber auch nicht sagen, daß er gerade mürrisch oder verdrießlich sei; er ließ die Welt eben au sich kommen und schien nur dem fast unmittelbar bevorstehenden Zeit- punkt entgegen zu harren, wo die Erbschaft ausbezahlt und damit auch zugleich die Schuldenlast getilgt wurde, die ihn jetzt zu Zeiten drückte. Heute zogen sich aber, ganz ungleich anderen Tagen, finstere Wolken über seine Stirn, denn rechts in einem der Fauteuils lehnte sich, mit der Reitpeitsche die Stiefelschäfte klopfend, sein erstgeborener Sohn Bruno; und sonderbarer Weise zeigte er sich gerade gegen den, von dem der ganze neue Wohlstand seines Hauses ausgehen sollte, auf dem er allein basirte, fast immer mürrisch und verschlossen, und Bruno konnte sich kaum erinnern, je ein fteundliches Wort von ihm gehört zu haben. Auch heute war er in nicht besserer Laune, und den Sohn, der eben erst eingetreten sein konnte, denn er hatte noch die Mütze in der Hand, mit dem Blick nur streifend, sagte er: „Und was wolltest Du eigentlich heute? Du sagtest müssen der Arbeiterbewegung sich anschließen, die Kapitalisten aber sinken in den großen Ordnungsbrei, zu dem sie ihrem innersten Wesen nach gehören. Mögen sie auch gegen das Gesetz stimmen, so führen sie doch nur eine Posse auf und springen thatsächlich über den Stock. Die Arbeiterbewegung geht einer dunklen, sorgenvollen Zeit entgegen. Aber wenn auch zahlreiche Existenzen dem neuen Gesetz zum Opfer fallen werden, so wird eines fest- stehen: Die Arbeiterpartei springt nicht über den Stock. Die Zukunft wird es lehren. PoUtische Ueberstcht. Die Internirung, wie sie von der„Nat.- Lib. Korr." vorgeschlagen, wird von einer Anzahl nationalliberaler Blätter ganz beifällig aufgenommen. Die nationalliberalen„Staats- männer" besitzen eben viel Talent, wollen sich„regierungsfähig" deweisen und offenbaren eine auffallende Seelengemcinschaft mit den Vätern des neuen Sozialistengesetzes. Es verlautet nämlich in politischen Kreisen schon seit einiger Zeit, daß der neue Ent- wurf auch die Zuläsfigkeit der Aufenthaltsbeschränkung in einem bestimmten Orte, das ist also die Jntemirung, enthalten soll. Bestätigt sich dies, so wäre ja schon eine Brücke zur Verständi- tung gefunden, und das übrige findet sich dann wohl auch noch. ln dem nöthigen Nachdmck für ihre Forderungen wird es die Regierung nicht fehlen lassen; es wird immer deutlicher, daß das verschärfte Sozialistengesetz zu einer Art Probestück oder sagen wir zeitgemäßer zur Erbringung des Befähigungsnach- weises für praktische nationale Politik den Nationalliberalen de- stimmt ist. In Sachen dea„kommenden" Sozialistengesetze« hält der Jbamb. Korr. an seinen Behauptungen fest. Er schreibt: Was wir über ein nochmaliges Herantreten des Bun- desraths an das Sozialistengesetz gemeldet haben, gewinnt volle Bestätigung. Der Text des Gesetzes ist endgiltia beschloffen und wird weitere Veränderungen im Bundesrathe nicht er- fahren. Etwaige Abänderungen der Motive würden lediglich die Fassung derselben betreffen, so daß also von einer etwaigen Aenderung des Gesetzes selbst nicht die Rede sein könnte. Uationalliderale Krklemmnngen. Das„Leipziger Tageblatt" hatte jüngst mit einem gewissen Stolz behauptet, kein sächsischer Nationalliberaler habe für die Erhöhung der Kornpreise gestimmt. Daraufhin meldete sich der national- liberale Fabrikant und Gutsbesitzer L e u s ch n e r aus Glauchau und sagte, das sei falsch, als Landwirth und im Interesse der Landwirthschaft habe e r für die Brotvertheuerung gestimmt. An diese tapfere Erklärung fügte das„Tageblatt" eine redaktionelle Bemerkung, in welcher es ausdrücklich feststellte, also habe nur ein einziger der nationallibcralen sächsischen Reichstagsabgeord- ncten für die Erhöhung der Komzölle gestimmt. Es sei nöthig, dies festzustellen, weil bei den nächsten Wahlen die Brotver- theuenmg jedenfalls die Hauptwaffe der Oppositions- Parteien sein werde. Das„Leipziger Tageblatt" hört also schon das Todtenglöckchen des Kartells. Uedrigens ist Herr Leuschner nickt einmal der einzige nationalliberale Kartcllbruder aus Sachsen, der für die Erhöhung der Kornzölle gewirkt hat. Bei der entscheidenden Abstimmung fehlte bekannt- lich der ex-sozialdemokratisch-dcmokratische Dr. Götz aus Linde- was einem indirekten Wirken für die Brodvertheuerung nau gleich kam. Wären damals infolge des Fehlens genannten Reichstagsschwänzers— er hielt in Dresden eine Turner- kneiperei ab— die 6 Mark Erhöhung durchgegangen, so wären wir sie auch bei der dritten Lesung nicht los geworden. Und ein Abgeordneter, der sich„drückte", war den Brotvettheuerern am Tage der Entscheidung gerade so lieb und nützlich, wie einer, der für sie stimmte. Freilich, das„Tageblatt" kann geltend machen, daß Herr Dr. Götz kein Nationalliberaler ist. Würde er doch selbst in die tödtlichste Verlegenheit kommen, wenn er sagen müßte, zu welcher Partei er gehört und was er eigentlich ist. � ■UeUrr die Alter«-«nd Invatidrnvrrstchrrnng der trbeiter meldet der„Hamb. Korr." anscheinend offiziös:„Die inbringung des Gesetzentwurfs über die Alters- und Jnoali- denverstcherung im Reichstag wird nach dem jetzigen Stand der Vorbereitungen nicht vor Mitte oder Ende Februar zu erwarten sein. Es ist nicht zu übersehen, daß bisher nur die Grundzüge ausgearbeitet sind, noch nicht aber ein vollständig fommlirter Gesetzentwurf, und daß auf Grund der inzwischen abgegebenen Gutachterr des Volkswirthschaftsraths und anderer sachverständiger Kreise auch die Grundfragen einer erneuten sorg- fältigen Prüfüng unterzogen werden müssen. Bei diesem Stand der Arbeiten ist es nicht gerade wahrscheinlich, daß das Gesetz noch in der gegenwärtigen R ei chsta g s sessi on zur vollen Erledigung gelangen kann. Denn bei der Neuheit und Wichtigkeit der vorliegenden Aufgabe wird auch der Reichs- tag eine sehr eingehende und sorgfältige Prüfung vornehmen müssen, die jedenfalls geraume Zeit beanspruchen wird. In parlamentarischen Kreisen ist man der Ansicht, es werde in der doch neulich, Du hättest jetzt strengen Dienst und könntest nicht abkommen." „Freundlich ist die Frage gerade nicht," lächelte der Lieutenant, aber doch etwas verlegen, denn er war sich be- wüßt, daß die Ursache seines Besuches den Vater allerdings nicht besonders ergötzen würde;„aber— ich will Dich auch nicht lange auf die Folter spannen, Vater, und Dir rund heraussagen, was mich hergeführt." „Geld," sagte der Alte trocken. „Geld allerdings." „Das konnte ich mir denken; aber wofür schon wieder?" „Ich muß den Fuchs bezahlen." „Und was kostet der?" „Zweihundert Louisd'or." „Bist Du wahnsinnig?" rief der Vater, indem er vor ihm stehen blieb und dabei eine alte, verräucherte Silhouette fixirte, vie gerade über ihm hing.„Und wer heißt Dich jetzt ein so theures Pferd kaufen? Konntest Du nicht warten?" „Nein; denn wenn ich nicht rasch zugriff, hätte ihn Graf Bentheim gekauft; er hatte schon darauf geboten. Es ist ein prachtvolles Pferd." „Dann sieh auch zu, wie Du ihn bezahlst," knurrte der Vater und setzte seinen Spaziergang sott.„Der Ver- käufer mag bis zum Termine warten; ich habe kein Geld." Das geht nicht, Vater," sagte Bruno ernsthaft;„ich muß das Geld bis spätestens morgen Abend sechs Uhr schaffen; denn ich habe mein Ehrenwort gegeben und in der Stadt schon umsonst Himmel und Hölle aufgeboten, um das Kapital nur für menschliche Zinsen zu bekommen." „Weshalb giebst Du Dein Ehrenwort in Geldsachen?" sagte der Vater finster.„Jetzt sieh, wie Du es einlösest; ich kann Dir nicht helfen." „Und ließe es sich denn gar nicht machen, die paar Wochen vor der Zeit ein paar tausend Thaler abschläglich von der Erbschaft zu bekommen?" „Daran ist kein Gedanke; sie thun es nicht." „Hast Du es schon versucht, Vater?" ftagte Bruno nicht ohne Spott. „Sie können es auch nicht," fuhr der alte Freiherr gegenwärtigen Session nur noch zu einem allgemeinen Mei- nungstausch und vielleicht einer Kommisfionsbcrathung über den Gegenstand kommen und auf Grund der Ergebnisse dieser Er- ötterungen alsdann der Gesetzentwurf, vielleicht in veränderter Gestalt mit Benutzung der im Reichstag laut gewordenen Ur- theile, in der nächsten Wintersession auf's Neue vorgelegt wer- den. An dem demnächstigen Zustandekommen des Gesetzes ist nicht zu zweifeln, allein ein so schwieriges Werk erfordert natur- gemäß längere Zeit zur Reife." Die gewerkschaftliche« Dereine«nd Krankenkassen der Arbeiter««d da» Konalisiengeseh. Bekanntlich findet sich in der Denkschrift, mit welcher die Regierung die Verlängerung des„kleinen Belagerungszustandes" über Frank- furt a. Ä.„begründet", folgende Stelle:„Einen starken Rück- halt findet in Frankfurt die sozialdemokratische Bewegung in einer größeren Anzahl dort bestehender gewerkschaftlicher Ver- eine, welche fast sämmtlich durch sozialdemokratische Agitationen in das Leben gerufen sind und andauernd untersozialdemokratischem Einflüsse stehen. Die in den Bibliotheken dieser Vereine be- sindlichen Werke revolutionären Inhalts werden fleißig benutzt. Auch in den gewerblichen Kassen, namentlich den zentralifitten eingejchriebenen Hilfskassen für die Krankenversicherung der Arbeiter, ist das sozialdemokratische Element vorwiegend vertreten." Diesen Behauptungen gegenüber konstatirt der„Neue Bauhand- werker" auf Grund genauer Informationen zunächst folgendes: Die in Frankfurt a. M. bestehenden gewerkschaftlichen Vereine find zum größten Theil erst unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes entstanden. Sie haben ihre öffent- liche Thätigkeit— und nur von einer solchen kairn die Rede sein— entfaltet unter der steten und peinlichsten Beobachtung seitens der Polizei. Trotzdem ist keiner der hier in Rede stehenden Vereine dem Sozialistengesetze zum Opfer gefallen, was gewiß als Beweis gelten darf, daß sie nicht gegen dieses Gesetz verstoßen haben. Es ist auch bis jetzt nicht der Fall ein- getreten, daß ein Vorstandsmitglied eines dieser Vereine wegen „Verbreitung" der„in den Bibliotheken befindlichen Werke re- volutionären Inhalts" zur Verantwortung gezogen worden wäre. Im Uebrigen haben wir folgende Erwägungen geltend zu machen: Das Sozialistengesetz richtet sich ganz direkt und speziell nur gegen solche„sozialdemokratische, sozialistische oder kommu- nisiische" Besttebungen, welche auf den„Umsturz der be- stehenden Staats- und Gesellschaftseinnchtungen" gerichtet find. Als ganz bestimmtes Kriterium der Gemeingefährlichkeit ist hier die Umsturzbestrebung ins Auge gefaßt. Die Regierung selbst hat im Jahre 1878 in den Motiven zu ihrem Sozialistengesetz- Entwürfe ausdrücklich erklärt: das Bedenken, daß durch den- selben auch andere, als die zu bekämpfenden Umsturzbestrebungen getroffen werden könnten, sei grundlos. Ja, die Regierung selbst hat mehr als einmal im Reichstage erklärt, daß es Be- strebungcn der Arbeiter gebe, die, obwohl„sozialdemokratisch", doch nicht unter den Gesichtspunkt der„Gemeingefährlichkeit" zu stellen wären. Fürst Bismarck sprach am 17. September 1878: daß er als Hauptkern der Sozialdemokratie zu Laffalle's Zeit recht verständige Bestrebungen entdeckt habe,— in der Reichstagssitzung vom 9. Oktober 1878 erklärte er weiter wörtlich:„Ich werde jede Bestrebung fördern, welche positiv auf Verbesserung der Lage der Arbeiter gerichtet ist, also auch einen Verein, der sich den Zweck gesetzt hat, die Lage der Ar- beiter zu verbessern, den Arbeitem einen höheren Antheil an den Erträgnissen der Industrie zu gewähren und die Arbeitszeit nach Möglichkeit zu verkürzen.— Solche Vereine mit positivem Zweck find auch in Deutschland gar keine Neuerung: sie finden sich vor mehr als einem halben Jahrtausend in derselben Thä- tigkeit, wie heute. Sie haben im Anfange des 14. Jahrhun- derts in den großen deutschen Städten Beispiele von Streiks der Gesellen, Arbeiter und„Knechte" nach damaliger Sprache gehabt. Alle diese Stteiks find, wie heute, schon damals den Meistern gegenüber zur Erscheinung gekommen. Aber immer waren es' positive Zwecke und Bestrebungen, die man zu fördern suchte. Wenn ich damit eine Scheidewand errichte für das- jenige, was die verbündeten Regierungen, wenigstens unter meiner Mitwirkung, nicht bekämpfen und was sie bekämpfen, so kann ich das wesentlich mit den Motten positive Besttebungen und negative Bestrebungen bezeichnen."— So Fürst Bismarck.— Wohlan! Die in dem Rechcnschaftsbettcht der preußischen Regierung attakitten gewerkschaftlichen Vereine und Krankenkassen der Arbeiter haben lediglich positive Be- strebungen, wie sie Fürst Bismarck zu fördern versprochen hat! Zugegeben, daß der größere Theil der Mitglieder dieser Vereine und Kassen aus Arbeitern besteht, die sozialistischen An- schauungen huldigen, so rechtfettigt dieser Umstand noch keines- wegs die Taktik, zur Rechtfertigung der Verhängung des„kleinen Belagerungszustandes" auf diese Vereine und Kassen zu verweisen. Der Hinweis ist um so weniger zulässig, als die Vereine und Kassen von Behörden selbst auf Grund des Sozialistengesetzes, ttotzdcm dasselbe mit haarscharfer Subtilität gehandhabt wird, bislang nicht angefochten, bezw. zerstört wer- den konnten. Was gesetzlich unanfechtbar ist, das kann doch wahrhaftig nicht dazu dienen, Maßregeln, die zur Bekämpfung der Ungesetzlichkeit ergttffen werden, zu recht- fettigen. Unseren Begttffen von Logik wenigstens entspricht fort, ohne die Frage zu beantwotten;„denn das Testament lautet auf Auszahlung erst nach dem zurückgelegten vier- undzwanzigsten Lebensjahre meines Sohnes. Stürbest Du noch vorher, so müßte der Zeitpunkt erst in Bruno's Alter abgewartet werden, und stürbe auch er, was Gott verhüten wolle, so wäre die ganze Erbschaft für uns verloren." Ein schmerzliches und doch bitteres Lächeln zuckte über das Antlitz des jungen Offiziers, als er erwiderte:„Du sagtest nur bei Benno, Vater, was Gott verhüten wolle." „Sei nicht kindisch!" murmelte der Baron.„Wenn ich das Geld hätte, solltest Du es haben; aber das ist nicht der Fall, also kann ich Dir nicht helfen. Sieh, wie Du mit Deinem Gläubiger ein Abkommen triffsi. Du mußt doch auch Uebung und' Erfahrung darin haben; vielleicht hilft Dir auch die Tante— versuch' es." »Sie könnte, wenn sie wollte, das weiß ich," sagte Bruno finster,„und wenn es Benno gebrauchte, würde sie sich keinen Augenblick besinnen; ich selber bin ja aber bei Euch Beiden immer der Ausgestoßene gewesen, der lästig wurde, sobald er sich nur blicken ließ." „Das hast Du nur gedacht, kein Mensch weiter; geh zur Tante; wenn sie Dir helfen kann, thut sie es." Ick will zu ibr gehen, weil ich muß," sagte Bruno aufstehend,„aber ich weiß vorher, daß eS nutzlos ist; ich kt»nnt» meint» Ttt»mt»rtit»"___ rx*7; kenne meine„steinerne" Verwandte." Und langsam schritt er aus dem Zimmer. Der alte Freiherr folgte dem Sohne, als dieser ihm den Rücken drehte, mit den Augen, und sein Blick haftete noch fest an der Thür, als diese sich schon geschloffen Aber es war em häßlicher Blick, mit nicht einer Spur von väterlicher Liebe darin, ja die zusammengebisienen Lippen bewegten sich sogar, als ob er eine Verwünschung hinter ihm drern murmele; doch wurde kein Laut hörbar- nur seme buschigen Brauen zogen sich zusammen, und fest auf einander hatte er die Zähne gebissen. Er stand auch eine lange Weile so, bis draußen wieder ein Schritt auf dem Gange laut wurde. Kehtte sein Sohn zurück? Nein es war nur em Diener, der in der Thür stehen blieb und meldete: es se, eine alte Frau draußen, die Frau vom Schuhmachermeister Heßberger, die sage, der gnädige Herr Uaturaeschichte der Keschäftsmoral. In En; >at das Auswättige Amt ein Blaubuch über die ein derattiges Verfahren nicht. Wir meinen, die gewas tappt wc schafllichen Vereine und Krankenkassen der Arbeiter find duol tttzt die mancherlei gesetzliche Bestimmungen sowieso schon schwer gemh J16 Sac betroffen und in ihrer Thätigkeit behindett. Um so wenig« die zwei können wir dazu schweigen, wenn man versucht, sie in der p durg m schilderten Weise verantwortlich zu machen für Maßregeln,% gezogene: sich auf ihre Tendenzen und Besttebungen gar nicht dezieha. Gegen ein solches Verfahren entschieden zu protestirtt ttn.c,~U£ haben alle diejenigen, denen die freie, selbstständige, fnedlÄ weitgetiei und legale Initiative der Arbeiter zu positiven Leistungen ff r, die Verbesserung ihrer Lage am Herzen liegt, ein Recht und o»!- 04 Pflicht! Wir wollen diesem Rechte und dieser Pflicht hii genügt haben! Zur x l and bat trügereien im französischen Kognak- Handel herai geben, wottn sich nachstehender Bettcht des btttischen Kon! in La Rochelle befindet:„Reiner Kognak ist sehr selten gei den, und der Kognak, der verkauft wird, ist meist mit Rui rüben- oder billigem deutschen Spitttus vermischt. Sehr l wird letzterer ohne alle Zuthat als Kognak verkauft. Das W hier allgemein verstanden, und das Publikum weiß, was« In kauft, und es kann sich in Acht nehmen; es ist jedoch zu mein« G e n o s Kenntniß gelangt, daß ausgedehnte Betrügereie'William verübt werden auf Kosten englischer Käufer von französisch«« ncter ist, Kognak, die nicht so viel darüber wissen, indem ein aus Ka« Arbeiter tosfeln in Deutschland fabrizitter Branntwein g s Stelle la wöhnlicher und ungesunder Art als Kognak ismung hei Frankreich hinübergesandt wird...... Würde dieser SM Leute, tt von Deutschland direkt nach England gesandt, so würde er bleiben, argwohnt werden, und darum wird der Betrug in folgend lediglich| Weise ausgeführt: Eine im Kognakgeschäft in London engagwTrotzdem Eirma hat ein Zweighaus oder vielleicht einen Agenten i')u steigen am b u rg oder irgend einem anderen Platze, wo dieser f toffelspitttus fabttzitt wird. Derselbe wird nicht dir« nach England gesendet, sondern gelangt nach Äordea oder irgend einem anderen Seehafen in seinem gehör breitet w Di- wcist als denen je! und weit Marin eet wigen Z ferner de Nestern ii Charakter und augenscheinlich für den Konsum in r trinkt eit ist ü uß. E, en oder iiihren Um bestimmt, allein in Wirklichkeit zu dem Zweck, seinen �krspnttstattet nic zu verheimlichen und ihn über London nach den Disttttten ,. �............... nach den Disttttten FKalnszeick langen zu lassen, wo Kognak noch immer produzitt wird, liowohnliche: von da nach irgend einem Hafen, der als Expotthafen für Kog�So lange wohlbekannt ist, von wo er, nachdem er dort längere oder küttsosttazirt, Zeit gelagett hat, an das Haus in London als Kognak gesottve. lagen. wird." So hat also der deutsche Kattoffelschnaps die doppck,, Die „Kulturmission", Körper und Moral der Menschen zu»«wuie betet giften. Aber wir sind doch beffere Menschen, als diese„eW«G|�-?, heuchlerischen Engländer", die den Opiumlri�� fühtten und deren Schande in allen unseren Schulbüchern«Neath m Mer die anarchistischen glatter bezahlt, das erzMrötterun die„Kölnische Zeitung", dieses alte nationalliberale„MfiWWatbes ae (für Alles", was der„'Norddeutschen Allgemeinen" zu«Hvorläusia ständig ist), in einer Artikelsette über Hans Most folgen� maßen:„Trotzdem Most in seiner„Freiheit" eine tück Pottion„Frechheit" verzapfte, fand sein Leibbüllctin ans keinen großen Anhang; das Blättchen, damals in sehr kl Format, kostete 5 Cents die Nummer, aber der gettngc S deckte kaum die Druckkosten; die Auflage, welche nach E Aufs H e n n e x lemein> Germino ging, stand als passiver Posten im Geschäftsbuche, denn �werden. europäischen Genossen schicken in der Regel keine Abonnemtt�gesetzt, du beitrage; sie sind schlau genug, sich damit auszureden, daBjJunb die sich durch eine Geldsendung nach Ämettka als Anarchistenrlneitere Ä Behörden gegenüber bloßstellen würden, was zu vermeiden'fr, n Sars-s " �■ des Blattes eiiMße Arbeit Die lämlich) hne Zenj üfung > dies« niruale, .Im m Herr Most selbst predigte. Die Zusendung vev-tuuuc»---Z stellen geht auch nicht an, denn dann würde die Agitation tt, damrt der Nimbus absterben. Am promptesten lauf die Abonnementszahlungen von der PolUfl,� ESgGSaS&i-'' fertige Versteckenspiel zwischen Most und der deutl« P o l i z e i ist ergötzlich. Die Geldsendungen an Johann' langen unter dem Namen„John Müller" in New-B � und die„Freiheit" geht dafür vorsichtig unter Kouvevt, genommenem Namen, auf daß die europäische Polizei ß dahinter komme, an die— curopäischePolizei."� „Kölnische" muß das ja wissen! An« Mainz geht dem„Darmst. Tagebl." nach: Korrespondenz zu:„Der sozialistische Landtagsabge' Jöst, dem, wie bereits mitgetheilt, am 29. d. M. vo»�jz Staatsanwalffchaft die Aufforderung zugegangen ist, rnnffS drei Tagen die ihm zuettannte sechsmonatliche Gesäng anzutreten, hat neben einem Gesuch um Aufschub der streckung des Urlheils sowohl bei der Staatsanwaltschas bei dem Präsidenten der zweiten Kammer Protest gei angedrohte Verhaftung erhoben. Der Protei: sich auf den§ 84 der hessischen Verfassung, nach' während der Dauer des Landtags ohne Ermächtigu Kammer kein Abgeordneter verhaftet werden darf, es sei daß er beim Begehen eines Verbrechens auf fttscher T' über als ien Blä Wie! niver em Vorß ie UrHebe drehte sich plötzlii Weib ist wohl hätte sie herausbestcllt, um ihm die Hühneraugen schneiden. „Ich?" rief der Freiherr und seinem Absätze herum;„das alte hieß sie?" „Die Heßberger, Herr Baron; sie kam früher manchmal heraus, ist aber jetzt die langen Jahre nu gewesen." Der Baron qualmte wieder, daß eine dicke wölke über ihm emporwirbelte, und ging mit Schritten auf und ab, so daß der Diener im die Beobachtung machte, arg weh thun könnten r Univ irften. lten soll Mit: üngstes 9 Zanken, f Herrn die Hühneraugen nicht, denn er trat wenigstens p.u M MW''■ auf 5 Im Schi Montag, l tag, den aus; Z eitag, d ahn;@ alotti. Im >en 14. d .Die Verl Zonntag, Götz von oche ist m Herze leotto. Die Die herzhaft auf. Es war aucy fast, als ov er den wg##«««*« Wattenden ganz vergessen habe, bis dieser endlich tt' Zassage) fragte;.u eiche bei »Wie befehlen der Herr Baron? Soll ich sie vieu� cl besuch wieder fortschicken, daß sie ein andermal..." Jlb rnw „Laß sie hereinkommen, Christoph," nnterbrach ih" Lk i,t9 Herr;„wenn sie einmal da ist, mag sie meinetwegen" i»>%ar sehen. Ich hatte gar nicht mehr daran gedacht. rmittelst Benno?" Jfeenun »Er geht unten im Gatten mit dem Frö»"0 dab. spazieren." »Es ist gut; daß Du mir nachher Niemanden läßt, bis wir fertig sind?" „Sehr wohl, Herr Baron." «Fottsetzung folgt.) thierisl berci'rgane ai i fitere in m im G ine neu« nbeimisck kademie 5 chuppem lattgrün Aus Kunst und Leben. �Wn-arz »jkttrtre« Rrvertoir der könlnlidie« fvlrn- in(l 1 ufern, a tollt auf Sonnabend, den 14.: VI. Symphonie- Sonntag, A � Montag, den 16. Siegfried(Anfang 7i W' Merlin; „fafi tappt worden, liebet den Protest an die Staatsanwaltschaft hat jlnd duü jetzt die Strafkammer des hiesigen Landgerichts zu entscheiden. nM- rifnui Die Sache gewinnt dadurch ein weitergebendes Jntereffc, weil t net flClÄI utiuuuu vuuuiu; cm»wv* roeni# zweite Kammer auf Anregung des Abgeordneten Wasser- bürg im vorigen Jahre mit großer Majorität dem an- gezogenen Versassungsparagraphen im Gegensatz zu ander- artigen Interpretationen verschiedener hessischer Gerichtshöfe - st ire! eine Auslegung gegeben hat, welche den Abgeordneten den 'sl�vIÄ weitgehendsten Schutz gegen Verhaftungen leiht und es jetzt a seit dieser Interpretation m der Kammer das erste Mal ist, daß "»l J. der§ 84 der Verfassung einer richterlichen Entscheidung unter- h" hier« breitet wird. o In der egeln, vejie! te"' In En t die her« n Koni! en gei it AU! Sehr Das rvv Die neueste Kchisfoliste der deutsche« Kriegvstotte weist als Gesammtzahl 103 Schiffe und Jahrzeuge auf, von denen jedoch nur 62 den aktiven, zu wirklichen Krtegsleistungen und weiten Kriegsfahrten bestimmten Stamm bilden. Unser Marineetat schwillt immer mehr an, eine natürliche Folge der j ewigen Rüstungen zur— Erhaltung des Friedens, eine Folge ferner der Kolonialpolitik, die uns zu den Sand- und Fieber- Zas ei .M« heftein in Ost- uud Westafrika verholfen hat. - c# Or»tzbrita««ie«. „ was' In einem Monatsbericht fordert der Sekretär der zu mei« Genossenschaft der Grubenarbeiter von Durham, g e te:('William Crawford, welcher auch zugleich Parlamentsabaeord- mzösischO neter ist, direkt dazu auf, nicht zu dem Gewerkverein gehörige ms Kal Arbeiter in den sozialen Bann zu thun. Die bemerkenswerthe oein gl Stelle lautet:„Es wundert mich nicht, daß eine üble Stim- »gnak asmung herrscht gegen nicht zu Gewerkvereinen gehörige Leute. leset SU Leute, welche den Organisationen ihres eigenen Berufs fern :rde er �bleiben, sind niemals gut, sondern in der Regel schlecht und folgenttlediglich schlecht. Wenigstens sollte man aber konsequent sein. > engagi? Trotzdem ihr euch weigert, mit diesen Leuten in den Schacht nt en izu steigen, geht ihr häufig mit ihnen nach der Zeche und zurück, Zieser Ktirhr trinkt mit ihnen Bier und sitzt bei ihnen in der Kirche. Die direlLeit ist jetzt gekommen, wo man klar über die Sache sprechen zrdeaistnuß. Entweder arbeitet mit diesen Leuten im Schachte zusam- gehörigtwen oder ostrazirt sie zu jeder Zeit und überall. Betrachtet FrnnkrÄihren Umgang als unwürdig für euch und eure Söhne; ge- UrspruMattet nicht, daß sie eure Töchter Heirathen. Laßt sie mit dem stritten YiKainszeichen gebrandmarkt sein als Leute, welche sich in ge- vird,»mvöhnlicher achtungsvoller Gesellschaft nicht bewegen dürfen. sür Kog«So lange ihr diese schwarzen Schafe nicht völlig und absolut der kurztwltrazirt, dürft ihr euch nicht über die etwa entstehenden Folgen ak nesaflbeklaflen." ie doppe' Die Meldung, die irische Vollzugsregierung en ,u»sbabe beschlossen, die Nationalliga in den Grafschaften Dublin --�und Meath zu ächten, erweist sich als verfrüht. Anlaß zu dem Gerücht gab die offene Feindseligkeit gegen die Betheiligung des Vizekönigs an Jagden, und die gegenwärtigen Zustände in Meath und Westmeath, sowie die in gewissen südlichen und westlichen Grafschaften, haben ohne Zweifel den Gegenstand der Erörterung in der Äontagsfitzung des Dubliner geheimen RalHes gebildet. Weitere Unterdrückungsmaßregeln werden indeß zu �i�vorlaufig nicht ergriffen werden. le tüchtj Kelgien. r aniM Aufs Neue beginnt sich die Arbeiterbewegung im hr kle'i�H ennegau zu regen. Sozialisten und Anarchisten sind un- nge rüMgemein rührig. Dazu verbreitet man massenhaft Zola's ich C>ir2„@enmnor in Lieferungen zu 2 Centimes, die eifrigst gelesen denn �werden. Einzelne Werke haben neue Arbeitsreglements in Kraft mnemeflkgesetzt, die für jedes Vergehen beträchtliche Geldstrafen festsetzen !N, dafc die Wuth der Arbeiter herausfordern. Daher inimer chisten«Jiveitere Arbeitseinstellungen; alle Grubenarbeiter in Houssu, 800 iden'hr, n Sars-Longchamps, 1000 Marmorschleifir bei Charleroi haben ttes ein�ije Arbeit eingestellt. Rußland. m li-ei Die Redaktionen der Petersburger Jour- >„ asPa l e wurden zu Nmjahr mit einer Verfügung des neuen ilaren �.jcnsurdirektors unliebsam überrascht. Es wurde ihnen >«cimlich das Privilegium des Bezugs ausländischer Joumale ebne Zensur entzogen. Die Maßregel ist um so härter, als die "Ifung gewöhnlich einen ganzen Tag in Anspruch nimmt ) diese Verspätung den politischen Betrachtungen hiesiger •j, ournale, welche vorwiegend in Reproduktionen der ihnen %|)ühet als dem Privatpublikum zugänglich gewesenen ausländi- �Sben Blätter bestehen, ihren Werth benimmt. "eW Wie die„Times" mittheilen, hält in der Petersburger n i v e r s i t ä t eine Art Gerichtshof von Professoren unter em Vorsitze des Rektors Wladislawiew täglich Sitzungen, um ie Urheber der letzten Ruhestörungen herauszufinden. Ein jeder ptudent wird vorgeladen und befragt, und diejenigen, welche licht erscheinen, werden als Schuldige angesehen, welche von r Universität ausgeschloffen oder sonst bestraft werden rften. Man sagt, daß ungefähr 400 Studenten Strafen ersten sollen. Amerika. Mit denry George ist es rasch„alle" geworden. Sein üngstes Wahlfiasko hat ihn so entmuthigt, daß er den Ge- nken, für die Präsidentschaft zu kandidiren, aufgegeben r Th ten lötzlii »hl üherl e ntl Am Schauspielhause. Sonntag, den 8.: Die Maus: Montag, den 9.: Wallenstein's Lager, Die Pieeolomini; Dienstag, den 10.: Wallenstein's Tod; Mittwoch, den 11: Die laus; Donnerstag, den 12.; Der Seestern, Mamas Augen; eitag, den 13.: Othello; Sonnabend, den 14.: Auf glatter ahn; Sonntag, den 15.: Harold; Montag, den 16.: Emilia alotti. Im Deutschen Theater findet am nächsten Sonnabend, »en 14. d. Ä., die erste Aufführung des fünfaktigen Lustspiels .Die Verkannten" von Adolph L'Arronge statt.— Heute, jb sonntag, werden„Die Journalisten" und morgen, Montag, cke M�zGötz von Berlichingen" gegeben. Das weitere Repertoir dieser tit k*L�o*e ist folgendermaßen festgestellt: Dienstag, 10.: Der Weg im Sii�um Herzen. Mittwoch, 11.: Don Carlos. Donnerstag, 12.: 5«Jatcotto. Freitag, 13.: Götz von Berlichingen. Sonnabend, ". a�4.: Die Verkannten. Sonntag, 15.: Die Verkannten. zsten» v'm Die vierte Keise durch die malerischen Alpen m am nvoqens, welche zum ersten Male im Kaiser- Panorama llich Ii' Zassage) ausgestellt ist. wird infolge der Schönheit und Plastik, ip elche bei allen Ansichten zur Geltung kommt, außerordentlich piel»� el besucht. An Stelle von Herrenchiemsee gelangt der zweite � lus der Schlösser Hohenschwangau mit Neuschwanstein für ie viel' es eine Anzahl ""' alio i me, i« es vum ueuuge Ausscheidungen, sei es lt. A» rmittelst eigenthümlicher Fallen oder Klappen kleine Thiere . ick L. äu'hier Ernährung verwenden. In einigen Fällen 1 gtJWMud dabei von der Pflanze ein Verdauungssaft sezemirt, der e thierischen Eiweißstoffe löst, worauf dieselben durch besondere dm hef� rgane ausgesaugt werden; in anderen Fällen aber verwesen die ihiere m ihrem Gefängniß und die Verwesungsprodukte werden m im Grunde der Fallen befindlichen Saugzellen aufgenommen. ine neue und interessante Form des Thierfangs ist bei zwei nheimischen Pflanzen beobachtet und in den Sitzungen der kaiserl. kademie Bd. XCUl. beschrieben. Die eine dieser Pflanzen ist die chuppenwurz— Latbraea sqnamaria, chlorophyllfrei— ohne lattgrün— sie gilt fut einen Schmarotzer, weil sie mit kleinen u» laugwarzen auf den Wurzeln der Waldbäume festsitzt. Im _«ch�chhling erscheinen an feuchten schattigen Waldabhängen die Np e lL-ißen Stengel, welche ganz dicht mit schuppenförmigen Blättern "„ g.:*Jjfbt sind. Die letzteren haben eine eigenthümliche Bildung nIimltsiÄlosern, als jedes Blatt mit seiner oberen Hälfte zusammen- anide*�.!,°uf der Rückseite des unteren Theils dicht aufliegt und KeIs l bis zum Endpunkt desselben reicht, doch so, daß zwischen dj � eine Hohlkehle zu Stande kommt. In dieselben münden hat. Mit seinem Adjutanten M' G l y n n, dem zu Liebe er mit dem Katholizismus und dem bigotten Jrländetthum gelieb- äugelt hatte, hat er sich überworfen, so daß er richtig zwischen zwei Stühle zu fitzen gekommen ist. Er befindet sich auch in sehr katzenjämmerlicher Stimmung, und hat gestanden, daß er des großen Fehlers, seine Kräfte überschätzt zu haben, sich schuldig gemacht habe. Nun— das war nicht sein größter Fehler. Wäre Henry George klar gewesen, zielbewußt und entschlossen— an den Kräften hätte es nicht gemangelt. Einem Interviewer gegenüber, der ihn betreffs der Präsident- schaftskampagne befragte, äußerte er sich wie folgt:„Eine der- artige Kampagne erregt die Gemüther aller Wähler derart und die große Mehrzahl derselben hängt noch so fest an den alten Parteien, daß unsere Agitation in dem großen Kuddelmuddel vollständig außer Sehweite verschwinden würde. Wir find noch nicht in der Lage, mit Vortheil in eine solche Kam- pagne eingreifen zu können. Die Sache kostet auch zu viel Geld. Die letzte Kampagne in diesem Staate hat ja allein fast unsere sämmtlichen Mittel erschöpft. Es mag nun gesagt werden, daß, wenn wir keinen Kandidaten aufstellen, unsere Anhänger das Zutrauen zu unserer Sache verlieren werden. Aus diesem Grunde ist die Mehrzahl meiner Freunde für die Aufstellung eines nationalen Tickets und ich glaube daher, daß sie einen Kandidaten nominiren werden. Persönlich bin ich dagegen; werde mich indessen dem Willen der Partei fügen." George wurde dann gefragt, was er thun würde, wenn niemand anders als er etwas in der Sache zu sagen hätte? Er antwortete:„Ich wäre dafür, daß wir uns einer der alten Parteien anschlöffen. Wenn B. eine derselben eine ehrliche Stellung der Tariffrage gegenüber ein- nähme, d. h., wenn sie sich offen für Freihandel erklärte, wäre ich dafür, daß wir für deren Kandidaten stimmen." Das ist allerdings ein trauriges Armuthszeugniß, das Herr Henry George sich hier ausgestellt hat. Uebrigens will er auch, um tue Farmer an sich heranzuziehen, den Ausdruck Arbeiterpartei streichen. Die Arbeiter allein, meint er, seien außer Stande, eine lebens- und siegfähige Partei zu bilden. Henry George bestätigt wieder einmal so recht deutlich die alte Wahrheit, daß jeder Politiker, der Kompromisse macht, allmälig den Boden unter den Füßen verliert, und daß jede politische Partei, welche den Boden des Prinzips verläßt, damit die Lebensbedingungen aufgiebt.— Kozmlrs und Arbeiterbewegung« � Aus Strausberg berichtet die„Frankfurter Oder-Ztg": Wie groß augenblicklich die Roth unter den hiesigen Tuch- machern und Webern ist, geht daraus hervor, daß die jüngeren derselben täglich einen fast zweistündigen Weg nach Hennickendorf nicht scheuen, um daselbst in den Ziegeleien zu arbeiten, wofür sie den kärglichen Lohn von 5 Mark pro Woche erzielen. Andere bieten sich als�Kellner und Holz- schläaer an. Zur GewerkfchaftsbrWegung. Am schärfsten ist man gegen die gewerkschaftliche Bewegung der Arbeiter wohl von jeher in Bayern und zwar speziell in München vor- gegangen. Schon vor Jahren, lange vor dem Sozialistengesetz und dem Puttkamer'schen Streikerlasse, sind dort die gewerb- lichen Vereinigungen regelmäßig nach kurzem Bestände aufgelöst worden und Prozesse gegen sämmtliche Theil- nehmet dieser Vereine— wobei es manches Mal hundert und mehr Angeklagte gab— sind dort etwas alltägliches. Trotz dieser Verfolgungen entwickeln die dortigen Arbeiter doch eine außergewöhnliche Rührigkeit und Energie in der Wahrung ihrer Interessen. So find augenblicklich die Schreiner(Tischler) dabei, eine allgemeine Statistik über die Verhältnisse in ihrem Gewerbe aufzustellen und sind zu diesem BeHufe tausende von Frage- bogen zur Verthellung gelangt. Der Bogen enthält nicht we- niger als 32 Hauptfragen und mehrere Unterfragen und beziehen sich dieselben auf die gesammten Verhältnisse des Arbeiters. Auf das Ergedniß dieser Umfragen kann man gespannt sein, auf alle Fälle aber ist ein solches Vorgehen ein sehr geeignetes Mittel, um klares Licht auf die Zustände innerhalb eines Gewerbes zu werfen und deshalb zur Nachahmung sehr geeignet. Die Derrinigte König»- und Lauraliiitte, das weit- aus größte der schlesischen Werke, kommandirt über 10681 Angestellte, darunter 1328 Weiber. Der durchschnittliche Verdienst für Männer betrug im Geschäftsjahre 1836—87 694 M., für Weiber 258 M. Das find doch sicher glänzende— Aussichten für die Aktionäre. Cine der unverschämtesten Forderungen, die je auf- gestellt worden, nennt der„Patent-Anwalt" das Verlangen der deutschenSprengstoff-Fabriken nach Erhöhung des schon jetzt bestehenden Schutzzolls. Die Herren de- zogen meist sehr hohe Dividenden, 8—10 pCt., führt der„P.-A." aus. Weshalb der Lärm? Der Appetit kommt beim Essen. Die Maschine verdrängt den Kauarbeiter. Beim Bau der zweiten katholischen Kirche in Hannover ist ein durch einen Gasmotor getriebener Aufzug zum Heben von Bau- Materialien im Betriebe, der billiger arbeitet, als Menschen- mit kleinen Löchern 5—13 von einander sonst getrennte Kam- mein, welche die dicken Schuppenblätter aushöhlen. Die Ober- fläche jeder dieser Kammern ist besetzt mit zweierlei Werkzeugen, einmal kleinen Köpfchenhaaren, welche in großer Anzahl sich vor- finden, und serner halbkugelig sich vorwölbenden Hörnern. Durch die kleinen Oeffnungen gelangen nun kleine Thiere, Infusorien, Räderthierchen, steine Milben, Blattläuse, welche in feuchter Erde sich immer aufhalten, und so auch in die Kammern der Blätter gelangen. Im engen Zusammen- hang mit der Tödtung bezw. Verdauung der Thiere scheint die Erscheinung der beschriebenen Werkzeuge der Kammern zu stehen. Sowohl von den Köpfchenhaaren, wie von den halbkugeligen Hörnern treten auf den Reiz der Berührung durch die Thiere zahlreiche Plasmafäden aus den Zellen durch die Zellhaut nach außen, die sich den Thieren anlegen und sie wie mit Fanaarmen festhalten. Man sieht nun, daß von den eingedrungenen-rhiercn nach einiger Zeit nichts übrig bleibt, als die unverdaulichen Reste. Da die Pflanze wegen Mangels des Chlorophyll unfähig ist, die Kohlensäure der Atmosphäre zu ersetzen und den Kohlen- stoff als Ernährungsmaterial aufzunehmen, so ist die Annahme begründet, daß die Pflanze denselben von den Thieren empfängt, welche sie tödtet und verdaut. Auffallender ist es, daß eine chlorophyllhaltige Pflanze ähnliche thierfangende Werkzeuge be- sitzt, nämlich Banaia alpina, welche an feuchten Orten in den Alpen, hoch im Norden wächst. Dom Schiff der Wuste. Es bestehen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Kameele eine ganze Reihe von Fabeln, wie z. B. die, daß ein Reitkameel(Mehari) mit der Schnellig- keit eines Eisenbahnzuges marschiren könne. Die folgenden Mit- theilungen, welche einem in der„Bevue du Gerde militaire" veröffentlichen Aufsatz entnommen sind, dürften geeignet sein, richtigere Vorstellungen an die Stelle jener übertriebenen An- nahmen zu setzen.„Im Tell(Algier) und der algerischen Sahara, wo die Wasserstellen selten mehr als 2—3 Tagereisen von einander entfernt sind, haben die Karawanen keine große Eile nöthig. Die Thiere haben die Freiheit, auf dem Wege zu grasen und können beträchtliche Lasten schleppen. In diesen Gegenden findet man daher riefige Kameele mit niedrigen Beinen und von starkem Muskelbau, welche Lasten von 200 bis 250 Kilo tragen können. In der großen Wüste andererseits, wo wasserlose Strecken von 6 bis 8 Tagemärscken nicht selten find, muß das Kämeel eine genügend große Marschgeschwindigkeit haben. Hier sehen wir daher Kameele mit hohen und dürren Beinen und verhältniß- mäßig kleinem Körper. Das Thier marschirt mit erhobenem Hände. Gegenwärtig find täglich 15 000 Mauersteine und der dazu nöthige Mörtel zu heben, wobei gewöhnlich jeder Wagen mit 100 Steinen beloben war. Diese 15 000 Steine würden l 1000 Stück 3 M. 50 Pf.--- 52 M. 50 Pf. gekostet haben, wenn dieselben durch Steinträger hinaufgettagen wären. Die Unkosten des Aufzuges stellen fich dagegen pro Tag folgender« maßen: 6 Arbeiter 4 2 M 80... Gasverbrauch, 12 Kbm. 4 12 Pf. Del und Putzwolle.... Bedienung der Maschine.. Abnutzung der ganzen Anlage. 80 Pf. 44„ 16 M. i; 31 M. 24 Pf. Mithin kostet jedes durch den Aufzug beförderte Tausend Steine 2 M. 8 Pf., während für das Tragen durch Arbeiter Ä. 50 Pf. zu zahlen wären. Man sieht, auch in das Bau- gewerbe dringt immer mehr die Maschine ein; ein mahnendes, belehrendes Zeichen der Zeit. Spulerinnen in Kreslaner Pofamentierfabrike« verdienen nach den Angaben des städtischen Breslauer Statistt- kers Dr. Reese wöchentlich die Riesensumme von drei Mark. Man versteht, weshalb in Breslau mit seinen vielen Tausenden weiblicher Arbeiter, vor allem in der Schneiderei, Konfettionsbranche, Wäschefabrikation, die P r o st i t u t r o n so sehr gedeiht. Die tranrige Lag» der Kchwabacher MetaUfchiager ist vor kurzem in diesem Blatte erörtert worden unter Hinweis darauf, daß in der letzten Zeit die Börsenjobberei durch künst- liehe Preistreiberei die Situation der bedauernswerthcn Haus- industriellen noch mehr verschlechtert habe. Das Organ der oberbayerischen Handelskammer, die„B a y e r i s ch e Handels- zeitung", also gewiß eine unverfängliche Quelle, schreibt darüber:„Die Spekulation regiert nach Belieben Lager und Preise. Statt sich indeß wie in früheren Zeiten mit Vorliebe solcher Erzeugnisse zu bemächtigen, deren Produktion fast ebenso unbegrenzt ist als der Bedarf dafür, wie z. B. Weizen oder Eisen, wird die Gefahr um so größer, je weniger es mög- lich ist, die Vorräthe der ganzen Welt zu kontroliren. Diesmal find zwei verhältnißmäßig nicht bedeutende Artikel, nämlich Kupfer und Zinn in erster Linie in Angriff ge- nommen worden. Von Anfang an war diese Spekulaiion auf statistische Zahlen basirt, die eine wesentliche Verringerung der Vorräthe und des schwimmenden Materials, einem vergrößerten Bedarf gegenüber, darstellten. Das Verdienst(!), diese günstige Gelegenheit erkannt zu haben, fällt einem französischen Syndikate(d. h. Kapitalistenvereiniaung) zu, das sich in aller Stille die gesammte n Vorräthe und der zu erwartende Zufuhr vonKupfer bemächtigte. So lange das Metall eine stets rückgängige Bewegung ver« folgte(d. h. billig war), versahen sich die Konsumenten uberall nur mit dem nöthigsten und vermieden, Lager anzusammeln, aus Angst, dabei zu verlieren. Als es sich nun Anfang No- vemdcr herausstellte, daß keine disponible Waare vorhanden war, sträubten sich Käufer zwar anfangs, die höheren Forde- rungen zu bewilligen, dieselben hatten indeß diese Politik auf- gegeben, weil sie schließlich unter allen Umständen zu kaufen ge- zwungen waren. Mit der dadurch eingetretenen erhöhten Nach- frage hatte es das Syndikat in der Hand, den Londoner Preis (London ist der Hauptzinnmartt, und die dort festgesetzten Preise find für den internationalen Verkehr giltig) fast täglich herauf- zusetzen, bis er jetzt 72 Pfd. Sterling(144b M.) per Tonne (20 Zentner) erreicht hat, während derselbe noch im Ottober zwischen 38 bis 40 Pfd. Sterling(760 bis 800 M) sich bewegte. Wenn man annimmt, daß die Spekulation die ganzen Kupfervorräthe in Höhe von 50 000 Tonnen (— 1 Million Zentner) an sich brachte, und dafür den Durchschnittspreis von 60 Pfd. Strl.(1200 M.) zahlte, so würde sich die Operation auf ein Kapital von 3 000 000 Pfd. Strl. oder über 60 Millionen Mark erstrecken." D. h. in ehrliches Deutsch übersetzt: Wenn der heutige Marktpreis per Tonne auch nur 1440 M. beträgt, würde das famose Syndikat, an dessen Spitze die Rothschilds stehen, an jeder Tonne 240 M. oder im Ganzen zmölf Millionen Mark Profit für seinen gelungenen Streich einheimsen. Thatsächlich ist aber der Markt- preis für Kupfer bereits viel höber, am 29. Dezember 1887 z. B. standen Chili-Bars auf 85 Pfd. Strl., d. h. 1700 M, was für die modernen Monopolisten per Tonne einen Ge- winn von 500 M. ausmachte. Wie pfiffig die Herren vor- gingen, beweist die Thatsache, daß fie, um auf jeden Fall ge- deckt zu sein, das ganze disponible Material von Aktien der bedeutendsten Kupferbergwerksgesellschaften in ihre Hände brachten, besonders Rio Tinto, Tharsts und Äason d'Barvy.— Die Tonne Zinn, die im Mai 1887 auf 100 Pfd. Strl.(2000 M.) stand, steht heute auf rund 170 Pfd. Strl.(3400 M.)! Was ist die natürliche Wirkung dieser Preistreibereien? Die Spekulanten ernten Millionen, die Unternehmer der Kupfer- und Zinn- dranche aber halten sich durch Lohnherabsetzungen schadlos, und eine großeAnzahl Arbeiter wird brotlos. Doch das schadet nichts. Europens übertünchte Höflichkeit nennt diese Nachfolger der Monopolgesellschaften des sechzehnten Jahrhunderts Börsen- g— enies, und ihre Profitmacherei Börseng— lück. Kopf, frißt niemals während des Marsches und hält einen gleich- mäßigen Schritt inne; es trägt nur 150 bis 200 Kilo im Winter und höchstens 150 Kilo im Sommer. Dieselben Eigen- thümlichkeiten wie dieses Kameel, nur im verstärkten Maße, zeigt das Mehari oder Reitkameel. ES hat einen schnelleren und gleichmäßigeren Gang und seine Belastung darf 100 Kilo nicht übersteigen; sie begreift in sich den Sessel, den Reiter und seine Lebensmittel, v. h. etwa 15 Liter Wasser und 6—8 Kilo Datteln und Mehl. Im Tel! machen die Karawanen nicht mehr als 4 Kilometer in der Stunde, in der Sahara 4— 6 Kilo- meter. Das Mehari dagegen macht im Schritt 6 Kilometer in der Stunde; im Paßgang kann es Geschwindigkeiten von 12 bis 20 Kilometern erreichen; die mittlere Geschwindigkeit be- trägt 10 Kilometer. Was den Galopp anbetrisst, so ist der- selbe ebenso ermüdend für das Thier, wie für den Reiter und hat keinerlei praktische Bedeutung. In der großen Wüste kann das Kameel im Winter täglich 6—8 Stunden marschiren, das macht einen Weg von 25—30 Kilometern, mit einem mittleren Gewicht von 160 Kilogramm. Als mittlere Länge eines Tage- Marsches bei einer Reise von langer Dauer kann man 30 Kilometer rechnen, wobei vorausgesetzt ist, daß die Thiere alle fünf Tage Wasser und fast alle Tage Futter finden. Durch Mangel an Nahrung leiden die Kameele mehr, als durch Mangel an Wasser; unter sonst gleichen Bedingungen schwächen drei Tage ohne Futter ein Kameel mehr als acht Tage ohne Wasser. Ein gutes Mehari kann im Winter 7—8 Tage hintereinander Märsche von 8—9 Stunden machen, also täglich einen Weg von 80—90 Kilometer zurücklegen. Bei kaltem Wetter kann es 15 Tage ohne Wasser bleiben, im Mittel kann es 10 Tage lang-sehr gut ohne Trinken bestehen. Für einen Marsch von langer Dauer kann man nicht inehr als 60 Kilometer auf den Tag rechnen, wobei die Thiere alle 6 Tage zu trinken haben muffen; im Sommer find sogar nur 50 Kilometer anzunehmen mit Tränkungen alle 4 bis 5 Tage. Uebrigens find ausnahmsweise oe deutende Leistungen von Meharis bekannt. So haben im Mai 1880 zwei Meharis der Chaambat-bou- Rauba einen Marsch von 360 Kilometern in 52 Stunden bewerkstelligt. Rechnet man 12 Stunden auf die Ruhe und das Packgeschäft, so bleiben 40 Marschstunden übrig, d. h. 9 Kilometer für die Stunde. Die Gangart des Meharis ist nicht ermüdender, als die des Pferdes. Man gewöhnt fich sehr leicht daran; indessen ist die Fühlung des Thieres schwierig, da seine Gelehrigkeit mittel- mäßig und in keiner Weise mit der des Pferdes zu ver- gleichen ist. de"/ Theater. Sonntag, den 3. Januar. Margarethe. rtag: Die Walküre. KaiaafptelKa«». Die Maus. G» m,t, au»% Montag: Die Walküre. Montag: Die Piccolomini. Vorher: Wallen- stcin's Lager. »«rtsch-« Theater. Die Journalisten. »Ä&r mtsrmm D-- Mizekado. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- With-lmstadtisches Theater. Die 7 Schwaben. Montag: Dieselbe Vorstellung. Uiktoria-Theater. Die Reise um die Welt in 80 Tagen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ostend-Theater. Licht und Schatten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Uestdeni-Theater. Francillon. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kroll'» Theater. Patience. Montag: Dieselbe Vorstellung. KelleaUtanre-Theater. Die Nedermaus. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla-Theater. Alle Neune. Montag: Dieselbe Vorstellung. Tentral-Theater. Höhere Töchter. Montag: Dieselbe Vorstellung. Konigstädtische« Theater. Don Carlos. Montag: Dieselbe Vorstellung. K«f mit der Kedingung der Nnchgab««ach b««»det«r Ziehung. Loi« K 210 P„ 1, 105 M.. l, 5« M..'|8 27 M. Anthcile:'|„ 14 M..'U 7 M..' 3 W. 50 Pf. empfiehlt und versendet das Lotterie-Geschäft von m. Fmaenbel Jr..„fzHA Man beeile sich mit dem Austrag, da der geringe Vorrath bald vergriffen.[68 Möbel auf Theilzahlmig w J. Keilermann, Kujjros». bo. bo. prima........ 15 Silbern» Remnntoir-Uhren»cr... 17—30 _ bo.„ Ancre.... 25-50 Tolbene Damennhren, i4kar....... 20 „» mit Rem.-Aufj.»pn. 3« ,,„« 3 Solbkapfiln»Ott 40 ".-- 3„ 57— 200 » Hlrren'Remontpir-Nhren mm..«o K*„ m»«"tbl». 70 ". ,, 3,o. 90300 Regulateure, Ii lag« gehend ca. I Meter lang». 10 bo. in Polin. Nuhbaiun-Sehiiuse pon Ii dp. bo. mit SchlagwerL... 18—75 Staub Weckeruhreu»on....... 5—30 ZllustNrt« Preiioeizeichniffe gratii und frauco. auhnhald g-gen Nachnahme. Umtausch bereitwMigst 31 Manufactur-, Mode- und Fertige Wäsche Trirotagen. 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Die vauptcinnahmen setzen sich zusammen aus den Abgaben und Renten, welche die ver- schiedenen Pfcrdceiscnbahn-Gcsellschaften zu zahlen haben. Die- selben sind angenommen auf zusammen 1 120 450 M. Die übrigen Einnahmen bestehen aus Zahlungen von Pflasterkosten, Kanonzahlungen sür Entwässerungsanlagen, aus der vom Fiskus zu zahlenden Rente für die durch das Dotationsgesetz seiner Zeit in die Verwaltung der Stadt übergegangenen Chausseen u. a. m. Die Hauptausgaben setzen sich zusammen aus den Kosten für Landerwcrb, für Pflastersteine, für Straßenreguli- rung und Bruckenbauten. * Nach dem Voranschlage(früher Etat genannt) der städtischen Baudcputation Abtheilung l(Hochbau) hat der Magistrat für das nächste Jahr eine größere Anzahl Neubauten beschlossen. Der Anschlag fordert für Gemeindeschulbauten die Summe von 457 900 M., geplant find zehn neue Schulen, für den Bau der städtischen Webeschule 120 000 M., für den Bau einer Bolksbadcanstalt in Moabit 100000 M., eine Leichenhalle auf dem städtischen Zentral-Viehhofc in Friedrichsfeldc ist auf 80 000 M. veranschlagt, während die Erweiterung des städti- schen Krankenhauses in Moabit 150 000 M. erfordert. Als weitere Bauraten sind für den Bau eines neuen städtischen Krankenhauses auf dem Urban 1 200 000 M. vorgesehen. Der Bau der neuen bei Lichtenberg zu erbauenden Irren- Anstalt ist auf 4—5 Millionen veranschlagt, wovon als erste Rate 1 000 000 M. gefordert wird. Der Boranschlag schließt ab mit einer Einnahme von 4 828 500 M. gegenüber einer Ausgabe von 8 291 364 M. ♦ Die bisherige Privatstraste„Siegrsmundhos" mit der längs der Spree vor den Grundstücken Siegcsmund- g)f 8 und 8a befindlichen Promenade soll in die städtische ntcchalwng übemonimen werden unter der Bedingung, daß der Stadtgenieinde Berlin das erforderliche Straßcnland un- entgeltlich abgetreten, auch derselben sämmtliche Gas- und Wasserleitungs- ic. Anlagen übereignet werden, daß außerdem für die erforderliche Umpflastcmng der Straße von den Adja- zenten die Summe von 72 436 M. gezahlt wird, außerdem dieselben zu den Kosten der allgemeinen Kanalisation einen Beitrag von 50 M. für das laufende Meter Frontlänge ihrer Grundstücke zahlen. Der Magistrat wird eine hierauf bezüg- liche Vorlage der Stadtverordncten-Versammlung zugehen lassen. * Neue polizei-vrrordnung. Das Polizerpräsidium hat dem Magistrat eine Polizei-Verordnung in Bezug auf die Darstellung von künstlichem Miniralwasscr zur Zustimmung zu- gehen lassen, deren hauptsächlichste Bestimmungen folgender- maßen lauten: 1. Die Räume, in welchen künstliche Mineral- wasser dargestellt werden, müssen gut ventilirt, geräumig und *o bell sein, daß die darin aufgestellten Apparate in allen Einzel- Kiten genau beobachtet werden können. 2. Dic Verwen- düng von Brunnenwasser ist ausgeschlossen. Die bei der Bereitung der Mineralwasser zu verwendenden Salze müssen die durch die Pharmakopoe vorgeschriebene chemische Reinheit haben. Dann folgen verschiedene Bestimmungen über die Beschaffenheit der Apparate, über den Betrieb und die Anlagen. Zuletzt enthält die Verordnung eine Be- stimmung zum Schutze der Arbeiter in diesen Fabriken und lautet: Zur thunlichsten Sicherung der Ardeiter gegen Gefahren sind ferner die mit kohlensäure- haltigem Wasser gefüllten Flaschen bei ihrem Verschließen mit Sichcrheitskörbcn aus starkem, angeflochtenem Draht zu über- decken, auch sind geeignete Schutzbrillen vorzuhalten. Endlich werden die Uebertrctungen dieser Verordnung, sofern nicht die Bestimmungen des§ 147 zu 4 der Gewerbeordnung beziehungsweise des§ 367 Nr. 6 des Strafgesetzbuches Anwendung finden, mit Geldstrafe bis zu 60 M. bedroht, an deren Stelle im Falle des Unvermögens entsprechende Haft treten soll. Der Magistrat hat beschlossen, dieser Polizeivcrordnung seine Zustimmung zu geben. Mach Mittheilung des Statistischen Amt» der Stadt Kertin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 25. Dezember bis inkl. 31. Dezember zur Anmeldung gekommen: 292 Eheschließungen, 936 Lebendgeborene, 36 Todtgeborene, 496 Sterbefälle. Kerliner Koimtagsplattlterei. R. C. Ein Frack und eine weiße Weste: das ist'S ja, was den Menschen zieret!— Die größte Mehrzahl unserer Leser hat bisher noch keine Kenntniß erhalten von der großen Umwälzung, die in den letzten Tagen mit einem der Sache würdigen Wortschwall in Szene gesetzt wurde. Die Berliner Hofoper, ein Institut, welches in den letzten Jahren mehr durch die Jntriguen und Kabalen, die sich daselbst abspielten, als durch wirkliche Kunstgenüsse, die es den Besuchem bot, von sich reden machte, glaubt nicht mehr in würdiger Weise bestehen zu können, wenn an ge- wissen Wochentagen die Inhaber der bevorzugten Plätze nicht in einen Frack gehüllt ihren Pflichten als Kunstverständige nachkommen. Die dazu gehörigen Damen haben in„Ge- sellschaftstoilette" zu erscheinen. Wir würden dieser neuen Verordnung auch nicht einmal dieses bescheidene Plätzchen «ngeräumt haben, wenn die hauptstädtische Presse diesem Ereigniß nicht eine Bedeutung beigemessen hätte, die deutlich erkennen läßt, daß die Hofgesellschaft, die Gardelieutenants und die Börsenbesucher in unserem Gemeinwesen eine sehr gewichtige Rolle spielen, und daß es Pflicht eines jeden strebsamen Staatsbürgers ist, wenigstens den Versuch zu wagen, diesen Repräsentanten der menschlichen Gesellschaft auch in der äußeren Erscheinung möglichst nahe zu lammen.-- Leise zieht durch mein Gemüth Plötzlich der Gedanke: Ach, was hängst du armer Frack Einsam hier im Schranke?-- Kleider machen Leute; aber auch ohne daß wir dem Intendanten der Hofoper irgend welche Kenntniß dieses alten SchrichworteS zumuthen, müssen wir doch gestehen, daß sein KleiderukaS von unendlich wohlthätigem Einfluß auf alle Frackverleih-Jnstitute sein wird, denn ohne Zweifel werden Kokale». Der Frage, wer das iRecht hat, öffentliche Verkehrswege mit Substanzen zu bestreue«, durch welche Schnee und Eis aufgethaut werden, widmet die..Allgemeine Fahr-Zeitung" einen längeren Artikel, dem wir folgende Aus- lassungen entnehmen:„Bei dem jetzigen großen Schneefalle kam die Neue Omnibus- und Packetfahrtgesellschaft auf die ori- ginelle Idee, ihre Kolleginnen, die Pferdebahngesellschaften, nachzuahmen und— Salz zu streuen. Die Einrichtung hierzu war eine sehr einfache. Jeder Kutscher dieser Omnibusse hatte neben sich auf dem Vorderperron zwei mit Salz gefüllte Säcke zu stehen, welche sich mit den Köpfen zur Seite neigten und auf den Straßen hinterher stets eine rothc Spur hinterließen, die schließlich zu Wasser wurde. Die Pferdebahngesellschaften benutzen, wie bekannt, zum Aufthauen von Schnee und Eis auf den Schicnengelciscn Seesalz oder Viehsalz. Die Neue Omnibus- und Packetfabtt- Gesellschaft sagte sich, was den Pferdebahngescllfchasten gestattet ist, kann dir nicht verboten werden; denn was dem einen recht ist, muß doch sicherlich dem anderen billig sein! Nicht so dachte aber unsere Polizeibehörde. Sie verbot der Neuen Omnibus-Gesellschaft das fernere Salzstreuen; dagegen ist es den Pferdebahngesellschaften noch heute gestattet. Wir wissen nun nicht, ob das Bestreuen der öffentlichen Sttaßen mit solchen Salzen mit zur Reinlichkeit gehört. Der§ 93 des Straßenpolizei-Reglements vom 7. April 1867 für Berlin besagt, daß jede Verunreinigung der öffentlichen Sttaßen verboten ist. Desgleichen wird durch Polizei- Verordnung vom 28. November 1876 das Bestreuen der Bürgersteige und Rinnsteinbrücken mit Seesalz, Viehsalz oder Kochsalz verboten. Wir sind der Meinung, da nach dem Gut- achten verschiedener Sachverständigen die Flüssigkeit, welche sich durch das künstliche Schmelzen des Schnees und Eises ergiebt, nicht nur auf das Schuhzeug der Passanten, sondem auch auf die Hufe der Pferde einen nachtheiligen Einfluß ausübt, die Substanzen, welche zum Schmelzen von Schnee und Eis verwendet werden, den Straßen nicht zur Zierde gereichen können, aus diesem Grunde aber auch als Unrath be- zeichnet werden müssen, welchen auf die Sttaße zu werfen nach § 93 des Straßenpolizeireglements verboten ist. Wollte man wirklich annehmen, daß die Pferdebahngesellschaften diese Sub- stanzen nur dirett auf die Schienensttänge streuen, welche mit der Straße sonst weiter nicht im Zusammenhange stehen, so wird uns jedes Kind bekunden können, daß sich die Wirkungen dieser Substanzen über die ganze Straße erstrecken und hier noch ebenso gut ihren schädlichen Einfluß ausüben, als wenn sie direkt auf die Straße, beziehungsweise auf den Fahrdamm ge- warfen wären. Jedenfalls sind Arbeiter in Hülle und Fülle vorhanden, die oft nicht wissen, wo sie bei Schnee- und Frost- wetter ein Stückchen Brot hernehmen sollen. Beschäftige man diese Leute mit dem Reinigen der Geleise. Erst wenn dies Verfahren zur Anwendung kommt und die Menschen wie Thiere schädigenden Substanzen in Wegfall kommen, erst dann kann von den Pferdebahnen gesagt werden, daß sse dem öffentlichen Verlehr voll und ganz gewidmet sind. So lange dies nicht der Fall ist, kann von einem der Oeffentlichkeit nützlichen Institut nicht die Rede sein und darf nur angenom- men werden, daß dasselbe nur für die Herren Aktionäre errichtet ist, um deren Kapitalien zu vermehren." Aber auch im Jnter- esse der ohnehin schon schwer geschädigten Droschkenkutscher wünscht das genannte Fachblatt, daß den Pferdebahngesell- schaften das Privilegium des Salzstreuens entzogen werde, in- dem es hierin eine weitere Benachtheiligung dieser ebenfalls ge- werbtreibenden, im öffentlichen Fuhrbetriebe stehenden Kutscher erblickt. Nach der Meinung der„Allg. Fahr-Ztg."I hegen die- ienigen, welche Droschken benutzen wollen oder müssen, den Wunsch, imWinter, wenn die Straßen mit Schnee bedeckt sind, auch einmal Schlitten zu fahren. Dies Vergnügen wird aber den Leuten benommen, weil durch die schädlichen Substanzen die Schlittenbahn zerstört und die asphaltirten oder gepflasterten Straßen in Wasserstraßen umgewandelt werden. Das Fach- dlatt schließt seine Auslassungen wie folgt:„Hoffen wir. daß allen in dieser Sache bisher schon längst laut gewordenen Klagen endlich GehörZgeschenkt wird. Wir wissen genau, daß wir die große Maffe der städtischen Bewohner auf unserer Seite haben." Der Berliner Vmnlbn». Wir haben die Ausführungen des Professors Dietrich-Berlin zu Gunsten des Omnibus in ihren Hauptpunkten wiedergegeben. Es dürfte dämm nicht un- interessant sein, auf die Entwickelung des Omnibus hinzuweisen. Die Omnibusse entstanden zuerst in London. Viel später, etwa zu Anfang der vierziger Jahre, tauchten sie zuerst in Berlin auf, verschwanden aber bald wieder, und erst im Jahre 1847 auch von den Leuten, welche sich nicht zu dem eigenen Be- sitze eines Schwalbenschwanzes bekennen können, doch bis- weilen einige das Bedürfnitz fühlen, einmal die glanzvolle Hofgesellschaft in dem ersten Range und im Parkett des Opernhauses bewundern zu dürfen. Welch' beseligender Anblick, wenn das Freifräulein von Knickebein mit dem Grafen von Habenichts einige süß kosende Worte wechselt? Heilige, goldene Hundettzehn, hilf' Allen, die ftacklos das berauschende Vergnügen entbehren müssen! Was kann es verschlagen, wenn unterdessen die Geigen und Klarinetten nicht stimmen und wenn eine Musik verübt wird, auf welche sonst nur in milden Mainächten verliebte Kater ein natürliches und unbestreitbares Vorrecht haben?! Hüpft doch das Herz unter dem gestärkten Hemd noch einmal so ftöhlich, wenn man sich als„seiner Mann" unter anderen seinen Männem weiß—— und die Damen in ihrer Ge- sellschaftstoilette. Es ist ein etwas abgebrauchter Scherz, der von den Balleteusen handelt, denen unten ein Stück am Kleide fehlt, während die Damen aus der„Gesellschaft" es„oben" am nothwendigsten fehlen lassen. Im Opernhause wird der Witz jetzt Wahrheit werden, und wer Augen hat zum Sehen, der kann sehen, notabene, wenn er sich in einen Frack zwängt. Ein alter General behauptete ja auch einmal, als er„festlich geputzt" Damen aus der Gesellschaft betrachtete, daß er so etwas seit seiner Entwöhnung nicht mehr gesehen hätte. Der Mann war Kenner auf diesem Gebiet, während wir uns im Zustande unschuldsvollster Ignoranz befinden. Ge- stützt aber auf diese Autorität sehen wir mit einiger Spannung den Berichten der modernen Berliner Journalisten entgegen, denen auch die gewiegteste Schneidermamsell in der Be- schreibung einer Damentoilette nicht gleichkommt. Wenn jene Damen nichts anhaben in ihrer Gesellschaftstoilette,>so sollte man meinen, daß auch eigentlich nichts zu beschreiben wäre, oder aber die Fleischbeschauer des Zentralviehhofes wurde ein geregeltes Omnibuswesen von Heckscber und Freiburg aus Hamburg eingerichtet. Es kam dann an verschiedene Privat- Unternehmer, welche in den Jahren 1862—1864 dreihundert Omnibus in Betrieb setzten. Dann ging es an die Kommanditgesellschaft Busch u. Rosenberg über. Das Bedürfniß hatte sich bereits in so dringender Weise geltend gemacht, daß schon um die Zeit jenes Ueberganges im Ganzen 46 Linien eingerichtet waren, trotzdem fanden die Unternehmer ihre Rechnung nicht: im März 1868 kam das Geschäft in Liquidation und ging aus eine Aktiengesellschaft mit einer Million Betriebskapital über, welche 1869 ihr Zentralbüreau in der Leipzigerstraße 41 hatte. Im Laufe des Jahres 1868 wurden im Ganzen 10 707 334 Personen durch die Omnibusse befördert und die Einnahmen betrugen 499 030 Thlr. 14 Sgr. Nach amtlichen Ermittelungen find m Berlin im Jahre 1874 durch Omnibus 14 696 976; im vorigen Jahre 15 870 272 Personen befördert worden; die Steigerung ist also unverhältnißmäßig gering; der Einfluß des Straßenbahnsystems und der Stadt- und Ringbahn macht sich geltend. Die Berliner Omnibus haben sich im Laufe derZeit, was äußere und innere Einrichtung anlangt, nur wenig verändert und es stimmt die Beschreibung derselben aus dem Ende der sechziger Jahre, wie wir sie in der jüngsten Nummer des„Bär" fanden, noch ziemlich mit der heutigen uberein. Darnach find sie 4räderig und 2spännig. Sie haben meist auf jeder der beiden Längsseiten drei Fenster und sind auf der Hinterseite mit einem Tritt und der Eingangsthür versehen. Auf den beiden äußeren Seiten und an der Rückenwand des Wagens stehen oben mit schwarzen Buchstaben auf weißen Schildern die Endpunkte der Tour, zu- weilen auch die wichtigsten dazwischen liegenden Punkte angegeben. Des Abends unterscheiden sich die Omnibus der einzelneu Linien noch durch verschieden farbige Laternen. Im Innern befindet sich auf den Längsseiten und der Ouerseite eine mit Leder oder Plüsch überzogene Bank. Auch gab es Omnibus mit Stuhl- bänken mit Rohrgeflecht ohne Verdeckplätze. An der vorderen Querseite zeigt eine gedruckte Karte die Abfahrszeiten von den beiden Endpunkten der Tour an. Auf der linken Seite der 5?interwand neben dem Platze des Kondukteurs befindet sich eine Lateme, die mit der Nummer des Wagens bezeichnet ist, außerdem die Zifferscheibe, auf welcher die Zahl der Passagiere mittelst des stellbaren Zeigers angegeben werden muß. Im Innern des Wagens ist affichirt, daß das Fahrgeld gleich beim Einsteigen entrichtet werden soll und nicht geraucht werden darf. Auf dem Deck find ebenfalls 2 Bänke für je 5 Personen, zu welchem vom Trittbett eine eiserne Treppe führt. Der Kutscher steht mit dem Kondutteur durch eine Schirur-Zugleine in Verbindung. Ende 1860 besaß die Omnibus-Gesellschaft 6 Depots in der Hauptstadt. Bettachten wir uns ein solches Depot näher. Ein ausgedehnter Hofraum wird von zwei langen Gebäuden begrenzt; das eine enthält die Schuppen für 20—50 Wagen, das andere die Stelle für 300—350 Pferde; ein kleines Büreau- gebäude für den Depotverwalter befindet sich am Eingange des Hofes. Stallknechte und Kutscher find beschäftigt, die Wagen und Ställe zu reinigen, die Pferde zu füttern, zu putzen und anzuschinen. Kondukteure und Kutscher treten dann vor den Inspektor zum Appell an. erhalten ihre Stelle zugewiesen, wer- den über eingelaufene Beschwerden vernommen und mit den neuen Verordnungen des Zentralbureaus bekannt gemacht. Zur vorgeschriebenen Zeit werden die Wagen bespannt, die Kutscher und Kondukteure nehmen ihre Plätze ein, und fort rollen die mächtigen Fuhrwerke nach ihren verschiedenen Hauptplätzen. Um 7� Uhr früh sind die letzten Wagen abgefahren. Jetzt tritt in dem regen Treiben ein Stillstand ein, es wiederholt sich am Abend, wenn die Gefahrte nach gethaner Arbeit zurückkehren. jS t r dort fortwahrend noch geschäftig genug zu: die Stallknechte besorgen die Reservepferde, reiten mit den Thieren, welche zum Umspannen bestimmt sind, nach den Stationen und fuhren die ausgespannten und ermüdeten, die sie mit leinenen oder wollenen Decken überhängt haben, nach den Ställen zurück. Damals(Ende der sechziger Jahre) versahen jene 6 Depots, unter Aufficht von 3 Vermaltem und 6 Inspektoren, den städti- schen Verkehr mit 140 Wagen und ungefähr 1100 Pferden. welche auf 25 Linien vettheilt waren, und von 170 Kutschern, ebenso vielen Kondukteuren, 30 Konttoleuren und 140 Stallknechten bedient wurden. Die Bediensteten, sämmtlich Tage- diener, hatten zu jeder Zeit kein beneidenswerthes Loos. Die Kontroleure erhielten einen Monatsgehalt von nur je 25 Thlr., Kondukteure und Kutscher je 18 Thaler und Stallknecht je gliche Einnahme wurde auf 10 Thaler angeschlagen. Von vorn herein verloren sich die Berliner Omni- busse nicht wie die Pariser, in den Nebenstraßen, sondern wählten auf ihren Linien die besuchtesten Hauptstraßen. Außer innerhalb der Stadt kourfirenden richtete man früh Omnibus- Verbindungen zwischen der Stadt und den Vororten ein. müßten, ähnlich wie die Stenographen, unentgeltliche Lehr- kurse in der Abfassung und Stilisirung modemer Opern- rezensionen ausschreiben. Wenn wir recht berichtet sind, haben sich jedoch in letzter Zeit Damen diesem beschaulichen Berus gewidmet, und so dürften die Opernkritiken sich nach wie vor in den althergebrachten Geleisen der Balltoiletten- berichte bewegen. Und das schadet auch nicht. Es wird nicht all zu lange dauern, und wir werden ganz genau über die Garderobenverhältnisse der weiblichen Stammgäste der Hof- oper unterrichtet sein, und das hat unter Umständen viel- leicht auch sein Gutes. Jedenfalls nähem wir uns mit der Verordnung immer mehr den gepriesenen chinesischen Zu- ständen; bei den langzopfigen Herrschaften, die wir ja in Berlin kennen zu lernen auch Gelegenheit haben, wird die Rangklasse nach der Farbe ihres Mützenknopfes— oder umgekehrt— bestimmt; bei uns regulirt sich von jetzt ab der Werth des Mannes nach der Güte seines Fracks. Der Kastengeist ist es, der einen seiner schönsten Triumphe in diesen albernen Abschließungen feiett. Als ob die wahre Kunst sich an solchen Plunder kehrt, ols ob nicht unter dem schäbigsten Kittel ein Herz schlagen kann und viel öfter schlägt, welches heißer und begeisterter fühlt, als das monotone Uhrwerk unter dem bestemten Geheimraths- ftack! Und wenn jene Herrschaften nur wüßten, wie unend- lich lächerlich sie sich in den Augen aller vernünftigen Leute durch derartige Bestimmungen machen. Ein bisheriger Frackbesitzer verabschiedete das nütz- liche Bekleidungsstück, als er von der neuen Opemkleider- ordnung hörte, mit den nachstehenden, warmempfundenen Worten, die sich an den obigen Vers anschließen: Zieh' hinaus bis an das HauS, Wo sie Geld vorschießen; Wenn Du meine Hose schaust, Sag': ich laß sie grüßen!--- Folgende dächst bemerkenswerthe Inschrift erhält die„Utit.-Ztg.: Sehr geehrte Herren! Wollen Sie einem Provinziellen, einem Nicht-Berliner, der aber in seiner Heimath zu den eifrigsten Lesern Ihres Blattes gehört, gestatten, Sie mit der Bitte um Auskunft bezw. um Belehrung zu belästigen. Ich kam Ende vorigen Monats hierher, um mir die Reichs- Hauptstadt einmal während der Weihnachtsfetten anzusehen. Ich kannte Berlin nicht und wandte mich darum an meine Freunde zu Hause mit der Frage— Sie werden mich auslachen, aber ich habe mir vorgenommen, Ihnen in keiner Beziehung etwas zu verhehlen— ob man etwa einen Revolver oder sonst eine Wape nach Berlin mitnehmen müsse. Man lachte mich natürlich aus; als wenn in Berlin Zustände herrschten, wie in dem unsittlichen Patts oder in anderen verderbten Großstädten. Es würden wohl zuweilen einnial Leute, wie z. B. Nachtwächter u. dergl. ermordet, ohne daß es gelänge, die Missethäter aus- findig zu machen, aber sonst sei der Gedanke lächerlich! Ueberdies liefe ich Gefahr, mit der Polizei wegen verbotenen Wafsentragcns in Konstikt zu gerathen, man redete mir vom kleinen Belagerungszustand, Dynamit-, Sozialistengesetze u. s. w.— kurz und gut, ich ließ meinen Revolver und jede andere Waffe zu Hause. Wie ich nun in der Sylvestcmacht so und Behrenstraße hinein. Na, ich bin kein Unmensch und wir Provinzialen können auch einen Spaß vertragen; außerdem wollte ich ja Berliner Sitten und Zustände kennen lernen. So sah ich mich denn bald von einer Rotte halbbetrunkcner Rowdies umringt, die mir unter Gebrüll und Geschrei den Hut vom Kopf schlugen und rissen, denselben— es war nicht einmal ein Zylinder— im Handumdrehen in Atome zerfetzten und mir die Stücke ins Gesicht matten. Außerdem regnete es Hiebe mit Stöcken, Schirmen, Fäusten und allen möglichen Instrumenten auf mich herab, meine Kleider und Wäsche wurden zerttssen— kurz, in unbeschreiblichem Zustande langte ich in meinem Hotel an. Der Portier meinte:„Ja, das ist einmal so Sitte hier in Berlin und auf die Fremden haben sie es am meisten ab- gesehen." Nun, ich bin ja, abgesehen von verschiedenen Beulen, blauen und blutunterlaufenen Flecken und von meiner minitten Toilette, noch ganz gut davongekommen, man hätte mir ja auch den Schädel statt des Hutes ein- schlagen können, und ich weiß jetzt doch wenigstens, wie es in unserer Kaisetttadt zugeht, wenn der Berliner vergnügt ist. Bei uns zu Hause möchte ich die großstädtische Sitte aber dennoch lieber nicht eingeführt sehen- Wie ich nun heute Nach- mittag bei Herrn Borchardt, der ja zufällig in der Gegend wohnt, wo mir Sylvester das vorerwähnte Malheur passitte, einen neuen Hut kaufen wollte— mit der Reisemütze ging's doch nicht so weiter— sehe ich vor mir vor einem Waffenladen eine größere Zahl halberwachsene Burschen zusammengedrängt die Schaufenstern umlagem und höre immer„Du, das wäre so was!"„Dat wollen wir uns zulegen" u. s. w. Die Bur- schcn erinnerten mich sehr an das Gesindel, das in der Sylvester- nacht hier die erste Rolle spielte-WNun gut, in dem Schau- fenster dieses Ladens waren merkwürdige Gummiinstrumente, etwa dreimal so lang wie eine Frankfutter Wurst, ausgestellt, und dabei stand auf zahlreichen Zetteln„Waffen ohne Knall!" Ich muß gestehen, das bcrühttc mich, trotz aller Liebe, die ich für unsere Reichshauptstadt hege und trotz aller Prärogative, die ich ihr alS Provinziale einräumen muß, nicht angenehm. Wenn ich Unrecht habe, so ist immer noch die Neujahrsnacht daran Schuld. In meiner Heimath wurden vor mehreren Jahren verschiedene Mordthatcn, unzählige Verwundungen und andere Bestialitäten mit Gummischläuchen ausgefühtt, in deren geschwungenes Ende man Bleikugeln ic. angebracht hatte. Diese infame Waffe wurde von uns alsbald— ich selbst war da- mals Geschworener— als eine tödtliche crklätt und verboten. Sie können Sich mein Erstaunen vorstellen, als ick diese selbe Mordgesellenwaffe, nur etwas handlicher und zum Verbergen in der Rock- oder Hosentasche eingerichtet, auf offener Fricdttch- sttaße, noch dazu mit der Empfehlung„Waffe ohne Knall" zum Verkauf ausgestellt sehe. Weniger erstaunt war ich jetzt über die sich drängenden Käufer. Was heißt,, Waffe ohne Knall"? heißt das nicht so viel wie:„Mit dieser Waffe kann man Jedermann todtschießen, ohne daß ein Schutzmann, Nachtwächter oder über- Haupt irgend ein anderer Mensch, der sich zufällig in der Nähe befinden sollte, etwas davon merkt?" Ich verstehe das nicht, denn ich muß doch annehmen, daß man in Berlin nur Schutz« waffen für Angegriffene, nicht lautlose Mordwaffen für Angreifer auf onener Sttaße verkauft, ebenso wie ich glauben muß, daß auch selbst die Polizei dem Angegriffenen gestattet, bei seiner Vettheidigung möglichst viel Lärm zu machen, um Hilfe herbei- zurufen. Darf man denn Erdrosselungsinstrumentc, wie sie vor Jahren in London eine umheimliche Rolle spielten, etwa als „Waffe ohne Blut" in Berlin öffentlich verkaufen, oder„Gifte, die keine Spur in der Leiche zurücklassen"? Ich möchte Sie nun auch bitten, mir folgende Frage zu beantworten. Gesetzt den Fall, ich werde Nachts von irgend einem Kerl, der sich so einen bleigefüllten Gummischlauch in der Fttedrichstraßc gekauft hat, angefallen; gesetzt ferner den Fall, daß ich, durch die Vor- gänge in der Neujahrsnacht gewitzigt, mir in demselben oben genannten Laden einen Revolver nebst Munition gekauft habe, mit dem ich mich meines heimtückischen Angreifers zu entledigen suche, den ich aber vettchle und statt dessen irgend einem harmlosen Wesen, Mensch oder Thier oder gar eine noch harmlosere Spiegelscheibe tteffe, kann ich da wirklich 1) wegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Körperverletzung, 2) wegen unerlaubten Tragens von Waffen, 3) wegen böswilliger Sachbeschädigung oder 4) gar wegen groben Unfugs in Anklagezustand versetzt werden? Be- trachten Sie denn nicht— ich wende mich an Sie persönlich und hege sonst nicht die geringste Animosität gegen Berlin und die Berliner, bin auch gewiß kein Konkurrent des Waffen- Händlers in der Fttedrichsttaße, eine Gegend, die mich über- Haupt so bald nicht wiedersieht— das Verkaufen solch nieder- trächtiger Waffen an Rowdies, Zuhälter, Einbrecher, Diebe:c., die sich die Paar ettorderlichen Mark leicht verdienen können, geradezu als eine Herausforderung zur Verwendung derselben, kurz— als gröbsten Unfug? Bitte, verzeihen Sic meine Frei- hcit und seien Sie überzeugt, daß nur die volle Erkcnntniß des Uebergewichts der Reichshauptstadt uns Provinzialen gegen- über:c. jc, Ihr ergebenster Provinziale. Die Mineralwasser-Fabrikation, welche hier und da „etwas wild" betrieben wird, soll gemäß der Vereinbarung zwischen den Kommissattcn des Polizeipräsidiums und des Magistrats einer verschättten Aufficht, unter Aufhebung der Polrzeiverordnung vom 8. November 1862, unterstellt werden. Die Datttellungsräume müssen gut ventilitt sein, die verwen- Veten Salze die durch die Pharmakopoe vorgeschttebene chemische Reinheit besitzen. Bei der Darstellung, falls flüssige Kohlen- säure verwendet wird, müssen die nöthigen Sicherheitsvor- richtungen gettoffen werden, dergleichen bei der Verfüllung des Mineralwassers gegen das Explodiren der Flaschen. Die ver- wendeten Apparate sollen alle zwei Jahre auf ihre gute Ver- zinnung und auf ihre Zuverlässigkeit, indem sie dem 1 fachen Ueherdruck ausgesetzt werden, durch einen Sachvetttändigcn er- probt werden. Etwas bedenklich erscheint uns nur, daß die Verwendung von Brunnenwasser ausgeschlossen werden soll. Zunächst müßte doch von vornherein und unbedingt destillittes Brunnenwasser als unbedenklich zulässig erachtet werden. Außer- dem ist manches Brunnenwasser mindestens ebenso gut. wenn nicht besser, als Leitungswasser. Wenn also ein chemischer und analytischer Nachweis bezüglich des Brunnenwassers in gesund- heitttcher Hinficht geliefert wird, dann sollte es auch bei der Mineralwasserherstellung zugelassen werden., Mit vrrbtuss,nd-r Dreistigkeit hat em Schwindler einen Gastwitth in einem Vorort Berlins um 300 Marl geprellt. In das Gasthaus logitte sich ein Fremder ein, der vorgab, Handlungsreisender zu sein und von seinem außerhalb wohnen- den Prinzipal den Auftrag zu haben, in dem Vorott Gelder einzukasflren. Gestern Morgen begab er sich fort, um den ihm ettheilten Auftrag zu erledigen. Gegen Mittag kam der Herr „Handlungsreisende" in aller Eile zum Gasthaus zurück und bat den Witth, er möge ihm doch für 300 M. Papiergeld geben, da er diese Summe sofort abschicken müsse; er habe auf seinem Rundgang nur Gold einkasfllt. Dienstfettig holte der Witth drei Cinhundettmarkscheine und erhielt dafür von dem frechen Patton eine Rolle mit angeblich 300 M. in Zwanzigmarkstücken. Während sich der Eilende nun zur Post begab, entnahm der Witth dem rothen Papier die angeblichen Gold- füchse. Doch wie groß war sein Erstaunen, als er statt dieser für 3 Mark Zehnpfennigstücke in der Hand hielt. Obgleich sich der Geprellte sofott auf die Suche begab, blieb der Schwindler spurlos verschwunden. Und als sich der Witth nun wuth- schnaubend auf das von seinem Gast zurückgelassene einzige Ge- päckstück stürzte, wickelte er aus dem mit dickem Papier sorg- fältigst umgebenen Packet— einen Garderobenhalter, den er für einen ihm bereits gehöttgen erkannte. Der Gauner ist ein junger Mann mit schwachen! blonden Schnurrbatt; er trägt einen Kneifer und spttcht sächsischen Dialekt. Der Dieb, welcher vorgestern bei dem Kaufmann K. in der Auguststraße den bedeutenden Diebstahl ausgefühtt und Werthgegenständc im Gesammtbetrage von 30 000 M. entwendet hat, ist gestern Abend in dem bereits vielfach vorbe- straften Kaufmann Gläser ermittelt und festgenommen worden. Gläser kam vor einigen Tagen, um Beschäftigung bittend, zu der Witthin des K., Frau M. Die Witthin nahm den„Kauf- mann" Gläser für einige Tage auf unter der Bedingung, daß er sich nützlich mache und Besorgungen und Gänge vernchte. Die gute That der Frau M. hat Gläser nun auf undankbare Weise gelohnt. In einem unbeobachteten Augenblick erbrach er das die Kostbarkettcn des Herrn K. bergende Spind und entfernte sich ebenso unbeobachtet aus dem Hause. Gläser begab sich zunächst nach der Wohnung seiner Geliebten, der unverchc- lichten F. Gläser hatte sich— den Miethskontratt der Witthin des Herrn K. anzueignen gewußt und begab sich nun zu Pfandleihern, um die Petrioscn zu versetzen. Die Kttminal- polizci hatte sofott sämmtliche Pfandleiher benachrichtigt, und als eine Frau I. bei einem Pfandleiher erschien, um unter Vorzeigung des Miethskontraktes der M. Sacken zu versetzen, wurde dieselbe angehalten. Die Frau I. crklätte sofott, ein junger Manu habe sie heraufgeschickt, derselbe matte unten auf das Geld..Hier wurde Gläser durch Kriminalbeamte verhaftet. Auf dem Boden der Wohnung seiner Geliebten fand man fast sämmtliche Sachen, sowie die gestohlenen Staatspapicre versteckt vor. Die Vttllautcn hatte Gläser vorsorglich in ein Päckchen versiegelt zu einem Verwandten getragen, mit der Bitte, das- selbe vorläufig auszuheben. Der ehrliche Mann hat das Päckchen gleich nach dem Bekanntwerden des Diebstahls der Kttminal- polizei übergeben. Die Geliebte des Gläser, Fräulein F., ist ebenfalls, und zwar wegen Hehlerei, in Haft genommen worden. Dir Leiche eines neugeborenen Kindes weiblichen Geschlechts wurde gestern Nachmittag in einem Hausflur der Michaelkirchstraße liegend aufgefunden und der Polizeibehörde übergeben. Die erste Besichtigung erweckte den Anschein, daß das Kind durch Schläge auf den Kopf getödtet worden sei, da man auf dem Schädel mehrere blaue Flecke wahrnahm. In- wieweit diese Vermuthung zutrifft, wird die gettchttichc Lbduk- tion— die Leiche ist in dem polizeilichen Leichenschauhaus sichergestellt— bald ergeben. Die Mutter ist noch nicht er- mittelt. Durch einen Sturz von der Hintertreppe eines Hauses in der Rosenthalcrstraße wurde gestern gegen Abend infolge der Dunkelheit und Schlüpfrigkeit auf der treppe die in der Nordbahnstraße wohnende Postschaffnersfrau Anna S. lebensgefährlich am Kopf verletzt und blieb bewußtlos liegen. Mitleidige Hausbeivohncr ließen der Verunglückten die erste Hilfe angedeihen, bis das 12. Polizeirevier die Uebcrführung der Bewußtlosen zur Chatttee veranlaßte. polizeibericht. Am 5. d. M. Abends wurde der f rcmier-Lieutenant a. D. Witte bewußtlos im Flur des Hauses aarbrückerstr. 33 liegend vorgefunden und nach dem Kranken- hause im Friedttchshain gebracht. Er hatte anscheinend einen Schlaganfall erlitten.— In der Nackt zum 6. d. M. machte ein Herr in seiner Wohnung in der Straßburgerstraße den Ver- such, sich durch Einathmen von Kohlcndunst zu tödten. Er wurde bereits bewußtlos vorgefunden und auf ärztliche An- ordnung nach der Charitee gebracht.— Am 6. d. M. wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Holzmarktstraße erhängt vorgefunden. Wahrscheinlich hat derselbe den Selbstmord in- folge einer Geistesstömna begangen.— Vormittags wurde in der Wilhelmstraße ein Arbeiter durch ein von dem Kutscher Kurzhals geführtes Fuhrwerk umgestoßen und dabei am Knie verletzt.— MchmittagS stürzte auf dem Neubau Köpnickerstr. 195 der Arbeiter Witte durch eigene Unvorsichtigkeit aus der Höhe des ersten Stocks herab und erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er nach dem Krankenhause am Fttedrichshain gebracht wer- den mußte.— Um dieselbe Zeit wurde in der Brunnenstraße ein vor einen Schlächterwagcn gespanntes Pferd scheu und ging durch, wobei der Wagen umstürzte; der darauf sitzende Schlächtcrgcselle Schütz wurde auf das Pflaster gcschleudctt, schien jedoch besonderen Schaden nicht erlitten zu haben. Das Pferd konnte erst am Rosenthalcr Thor festgehalten werden.— Abends wurde in der Jnvalidensttaße ein Herr bewußtlos und aus einer Kopfwunde blutend auf dem Bürgersteig liegend vor- gefunden. Anscheinend ist derselbe in einem Krampfanfall ge- fallen und hat dabei die Verletzung erlitten. Er wurde nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht.— An demselben Abend wurde auf dem Flur des Hauses Michaelkirchplatz 9 die Leiche eines neugeborenen Kindes vorgefunden und nach dem Leichen- schauhause gebracht.— Am 6. d. M. brannten Engel-Ufer 8 ein Webcstuhl und Teppiche in einer Fabttk, Krausenstraßc 47 Gardinen in einem Wohnzimmer, Ärandenburgstraße 30 die Balkenlage unter einer Kochmaschine, Chausseestraße 113 der Fußboden in einer Fabttk und Ält-Moabit Nr. 126 Petroleum, Fässer und Kisten im Keller eines Matettalwaaren-Geschäfts. Gerichts-Ieitung. Eine Anklage wegen Masestätsbelridigung hatte sich der Stellmacher Franz Brockel durch ein Gespräch am Bier- tisch zugezogen. Er kanncgießctte mit mehreren Freunden über Jnnungs- und Zunftwesen, wobei ein Schmiedemeister be- hauptete, er könne seine Mcistcttckaft durch kaiserliche und könig- licke Papiere nachweisen. Der Angeklagte ließ sich bei dieser Gelegenheit zu gettngschätzigen Aeußerungen über den Kaiser hinreißen, und ein zufällig anwesender Schutzmann brachte ihn deswegen zur Anzeige. Die zweite Strafkammer am Land- gettckt I veruttbeilte ihn zu 2 Monaten Gefängniß. Wegen Keleidigung und Bestechung eine» Zahl- mristers hatte sich gestern der Hof-Jnstrumcntenmacher C. B. Moritz vor der V. Strafkammer des Landgerichts Izu verant- warten. Dem Angeklagten waren Lieferungen im Wetthe von zirka 2000 M. für das 2. Bataillon des 96. Jnfantcrie-Regic- ments zu Gera übettragen worden. Die Zahlungen für die ge- liefetten Instrumente erfolgten mit der größten Pünktlichkeit, und der Angeklagte sendete an den Zahlmeister Schröder einen Bttek, der nichts enthielt als ein zweites Kouvctt, in dem sich 63 M. 50 Pf. befanden. Eine Andeutung über den Zweck war nicht gegeben, auch der Absender war nicht verzeichnet, dagegen stand auf dem zweiten Kouoett: Saldo für— hier folgen Zahlen, die den Betrag der an den Angeklagten ge- zahlten Summen ergaben. Aus diesem Umstände schloß der Empfänger, daß der Bttef nur von Mottv abgesendet sein konnte, und da er fürchtete, daß die Sendung eine Bestechung bezwecken könne, lieferte er das Empfangene an den Bataillonskommandeur, den Major v. Tresckow, ad, wA dieser stellte gegen Motttz den Strafanttag wegen ÄelttdigH und Bestechung. Der Angeklagte giebt an, es sei ihm nichts den Sinn gekommen, eine Bestechung zu bezwecken, die Ee» dung sei lediglich ein Akt der Dankbarkeit, denn als er 6# Angeklagte) seine erste Rechnung an das Bataillon einreiid» wurde er von dem Zahlmeister daran erinnert, daß er ein Teno» Horn, welches er ebenfalls geliefert hatte, aus Verseben nicht in Rechnung gestellt hatte. Er habe dadurch das Versehen g» machen können, und die Zahlung sei dann auch sehr proat erfolgt. Diese Angaben konnten durch die Beweisaufnahme n» widerlegt werden. Da nun die Bestechung nicht erwiesen vfl den konnte, mußte auch die Anklage wegen Beleidigung M fallen, denn diese war ja eben nur durch die Bestcchu» begangen. Der Gettchtshof erkannte also in beiden PutiHi der Anklage auf Freisprechung wegen mangelnden Beweises. Der pofener Verbandlungstages.) die Beweisaufnahme inspektor Bösenberg Zeuge vernommen. ?ozialistrnpro,est.(Schluß des via* sn ihrem ferneren Verlaufe gestaltetes besonders interessant. Der Gefängist war erschienen und wurde nunmehr ß Seiner Aussage zufolge machte Zeuge# Jahre 1882, als Mendelsohn im hiesigen Gettchtsgefängniß st die Wahrnehmung, daß eine der vor seinem Zellenfenster\ findlichen Traillen beinahe ganz durchsägt war. Eine äbnlß Wahrnehmung machte er alsdann in der Zelle des Twj kowski, wo einer der Gitterftäbe angeschnitten war, und> Janiszcwski war ebenfalls eine Traille durchsägt. Ällerdinl macht Janiszcwski geltend, daß er selbst damals den Gest nißaufsehcr Fcllmann auf diesen Umstand aufmerksam geiw habe. Die drei genannten Strafgefangenen wurden dm« der größeren Sicherheit halber in Plötzensee internirt. Der Gerichtshof beschließt zunächst, in Hinblick auf Behauptung des Janiszcwski den Gefangenenaufseher Fellni als Zeuge zu laden.— In Bezug auf die mehrerwähnte( weichung des Kasprzak erklätt Zeuge Bösenberg, daß dicsi mit großer Verwegenheit in Szene gesetzt worden sei, ob> oder ohne fremde Hilfe, vermöge er nicht zu sagen. Zeuge g« ferner an, im Juli v. I. habe der Gefangenenaufseher Bttchest ihm die Anzeige gemacht, daß ein.Herr ihm 400 M. für st Btthilfe zur Befreiung des Slavinski geboten und hinzugeij habe, es seien„von der Leitung" zu diesem Zweck 4000 1 5000 M. ausgesetzt worden. Der nächste zur Vernehmung I langende Zeuge ist der Tischlermeister Wistrzycki, der Schw» der Angeklagten Zielonacka. Derselbe sagt aus, daß letz» seit 15 Jahren bei ihm gewohnt und zuerft mit eist gewissen Hellwich, später mit Kurowski verlobt gcwst sei. Zeuge giebt auf Befragen zu, daß er ein 3* in Warschau„wegen Sozialismus" inhaftitt gewesen% Auf die Frage, ob er denn Sozialist sei, giebt Zeuge die est gewundene Erklärung ab, daß er„kein Gegner des Sozialisn» sei. Der Angeklagte Slawinski war, wie Zeuge angicbt,)' oder drei Mal bei ihm. Korrespondirt habe seine Schwäge mit Hellivich und Kurowski, ihrem früheren und ihrem spä« Bräutigam. Einmal hat sie von einem gewissen„Leon Bog» aus Genf einen Bttef bekommen. Zeuge räumt ein, da« pestönlich mit Janiszewski in Korrespondenz gestanden? Ueber die Bedeutung des Ausdrucks„Faeet" befragt, we« in den beschlagnahmten Bttcfen häufiger vorkommt, sagt Ze« dies sei ein Warschauer Ausdruck. Der Erste Staatsaist meint, daß„Faeet" allerdings ein Warschauer Ausdruck sei, derselbe jedoch nur angewendet werde zur Bezeichnung von sonen, die auf der Warschauer Zitadelle gesessen. Der Zeuge i unter Berücksichtigung seines Verwandtschaftsverhältnisses z» » Angeklagten Zielonacka nicht vereidigt.— Die Aussagen* Frau Wistrzycka decken sich in allen wesentlichen Punkten� denjenigen ihres Mannes. Auch von ihrer Vereidigung»J Abstand genommen. Nachdem die Zeugen abgetreten, 11 Rechtsanwalt Dr. Meschelsohn, er sei jetzt überzeugt, daß Zielonacka unschuldig aus der Anklagebank sitze. Der Gesangs aufseher Brichewicz wird noch einmal über den vermetz' Bestechungsversuch vernommen. Er setzt hinzu, daß er pe.. die Ucbcrzeugung gehabt habe, daß der Vorschlag ernst gf1* gewesen sei.— Der Gefangenenaufseher Fellmann, t#' inzwischen herbeigeholt wurde, bestreitet, daß Janiszewslj mitgetheilt habe, es sei eine Traille in seiner£ durchgeschnitten.— Als nächster Zeuge wird der d rucker Wroblewski aufgerufen. Der Polizei- Jiyvst Glasemann bekundet, daß Zeuge der Polizeidireltion als Sei demokrat„verdächtigt" sei. Der Erste Staatsanwalt beantr den Zeugen nicht zu vereidigen, da er im Verdachte stehe, theiligter zu sein. Die Vettheidigung protestitt mit aller> schiedenheit gegen den Antrag der Staatsanwaltschaft. Res anwalt Dr. Flatau fühtt bei diesem Anlaß aus, daß sich Angeklagten ihre Schutzzcugen unmöglich in den Reihen Ersten Staatsanwälte, Richter oder sonstigen Standespers» suchen könnten; als Arbeiter kämen sie fast ausschließlich 1 Arbeitern in Berührung und könnten sich demgemäß nur solche berufen. Nach kurzer Berathung beschließt der Gest Hof, den Zeugen zu vereidigen. Hiermit schloß der vierte< Handlungstag. Wegen des katholischen Feiettages fand Fw reine Verhandlung statt. Uereine und Versammlungett« Der Unterstnkunasbund der Hausdiener hielt am 3. Januar bei Deigmüller, Alte Jakobstraße 48a, erste diesjährige Generalversammlung ab. Nach Erledh mehrerer geschäftlichen Mittheflungen, sowie Bewilligung er Unterstützungen, wurde als neues Vorstandsmitglied Herr Mohnke gewählt, ebenso eine Kommisston von fünf Mitalie zur Statutenänderung. Der Kasflrer gab hierauf den Vis jahrsberickt, wonach die Einnahme 870,99 M. und die A 476,66 Mark betrug. Es verblieb ein Kasscnbestand 1032,93 M. Dem Kasfircr wurde Techarge ertheilt.? wurde die Abrechnung vom Feste am 13. November ver! dieselbe ergab einen Ucberschuß von 165,50 M. Vom Vo wurde darauf der Bericht über den Verlauf der am 26. 5 in der„Berliner Ressource" stattgefundenen Weihnachtsfeier stattet. Auch den Stellenlosen wurde eine Freude bereitet,' zwar erhielten solche am.Heiligabend jeder 5 Mark als schenk. Der Maskenball findet am 21. Januar in der„0% Ressource" statt und sind Äillets& 50 Pf. bei sämmtltchcn � standsmitglicdern zu haben. i Grtskrankrnkassr der Tischler und|Iia»l>fe? arbeitrr Berlins. Mitgliederversammlung am Sonntag-,? 8. Januar, Vormittags 10 Uhr, Große Frankfurt erstraße!. Tagesordnung: Vorwahl von 35 Delcgitten. Alle Mitgl» welche an den Kassirer Schulz ihre Beiträge zahlen, wK zu dieser Versammlung eingeladen. Mitgliedsbuch legitimA Fachverein der Marmor-«nd Granitarbef» Heute, Sonntag, den 8. Januar, Vormittags 10% Uhr,*' sammlung bei Deigmüller, Alte Jakobstt. 48».< Fachverein der Dosamentirer und Berufsgeno» Versammlung Montag, den 9. Januar, Abends|8% llstJ Königstadt-Kasino,.Holzmarktstraße 72. T.-O.: 1. Die A'%, und Invalidenversicherung der Arbeiter. Ref.: Herr Müller. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Kollegen als willkommen. Verein Berliner Mechaniker. Montag, den 9. 1 Abends 8j Uhr, im Restaurant H. Götze, Alte Jakob straße Vortrag des Elektrotechnikers Herrn E. Raub über„Eine' Thermosäule" und Kandidaten-Äufstellung für die Vorsts wähl. Gäste sind willkommen. Am Montag, den 23. findet die ordentliche Hauptversammlung(Neuwahl des � standest statt. Anträge zu derselben sind schttftlich bis"J 16. d. M. dem Vorstand einzureichen. Am Sonnabend, findet der zweite gesellige Abend im Vereinslokal statt.® ä 30 Pf. sind in den Vereinsfitzungen zu haben. Urrlmnd deutscher Zi««erleute, Lokalverband„Berlin West". Montag, den 9. Januar, Abends 8 Uhr, in Sauge's Salon, Steglitzerstr. 27(tzohenzollerngarten), Gencralversamm- lung. Tagesordnung: 1. Quartalsabrechnung. 2. Vortrag des Herrn Canitz über„Naturheilkunde". 3. Verschiedenes und Fragekasten. Fachverein sämmtlicher im DrechslergemerK beschäftigten Arbeiter Kerlin«. Versammlung am Dienstag, den 10. Januar, Abends 8t Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a. Tagesordnung: 1. Vortrag über„Hamlet" von Shakespeare. Referent Herr Kunert. 2. Diskusston. 3. Abrechnung von a) der Röhllhchen Arbeitseinstellung, b) des Siegel'schen Streiks. 4. Der Streik der Arbeiter der Schirm- fabrik von M. Gebauer. 5. Verschiedenes und Fraaekasten.— Der wichtigen Tagesordnung wegen werden die Mitglieder um zahlreiches Erscheinen ersucht; auch ist allen Gewerksgenosten der Zutritt gestattet. Uerrin Kerliner Hausdiener. Die nächste ordentliche Generalversammlung findet diesmal nicht am Montag, den 9., sondern Dienstag, den 10. d. M., Abends 9 Uhr, Neue Grün- straße 28 statt. Tagesordnung stehe Inserat. Der Vorstand bittet um rege Betheiligung der Mitglieder. Auch wird in dieser Versamnilung der Jahresbericht ausgegeben. Freie Vereinigung der Graveure, Ziseleure und verwandten Kernfsgenolsen. Generalversammlung am Montag, den 9. Januar, Abends 8& Uhr, im Restaurant Sahm, Annenstr. 16. Tagesordnung: 1. Geschäftliches, Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Jahresbericht. 3. Aenderung des Arbeitsnachweises. 4. Wahl des Vorstandes. 5. Verschiedenes, event. Verlegung des Vereinsabends, Hcrrenpartie. Vereinigung der deutschen Stellmacher(Mitglied- schaft Berlin). Versammlung am Dienstag, den 10. d. Mts., Abends 8 Uhr, in Niest's Salon(früher Hildebrand), Weber- straße 17. Tagesordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Freie jKranken-«nd Kegräbnistkafte der Schnh- «acher und Berufsgenossen Berlins. Die ordentliche General- Versammlung findet am Montag, den 9. Januar er., Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Feuerstein, Alte Jakobstraße 75, im oberen Saale statt. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher und jährlicher Kassenbericht. 2. Innere Angelegenheiten. 3. Wahl des Vorstandes und Ausschusses. 4. Verschiedenes.— Quittungsbuch legitimirt. Der Wiener Maskenball findet am 13. Februar statt. Verband deutscher Jimmerleute, Lokalverband„Berlin Zentrum". Versammlung am Dienstag, den 10. Januar c., Abends 8 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße Nr. 77—79. Tagesordnung: Bericht über die Beschlüsse der kombinirten Sitzung, Abrechnung, Verschiedenes und Frage- kästen. Verein zur Mahrung der Interessen der Lackirer Berlins und Umgegend. Montag, den 9. Januar, Abends 8 Uhr, in Niest's Salon, Weberstr. 17, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Benkendorff über die Rechts- güter des Menschen vom Standpunkt der Moral und des Strafgesetzes. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 3. Ver- schiedenes und Fragekasten. Kerliner Verein für naturgemäße Gesundheitspflege und arzneilose Heilkunde. Montag, den 9. Januar, Abends 8� Uhr, Kommandantenstr. 71—72, Vortrag des Herrn Th. tziekc über„Zimmerluft und Zimmerwärme". Im An- schluß daran ordentliche Hauptversammlung. Nur Mitglieder haben Zutritt. Verein zur Unterstützung erkrankter Maurer Kerlius. Mitgliederversammlung am 10. d. M., Abends 8 Uhr, in Wulf's Salon,„Königsbank", Große Frankfurter- straße 117. Tagesordnung: 1. Zweck und Ziele des Vereins. 2. Abrechnung des Kassirers pro November und Dezember. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelegenheitcn. Gäste(Maurer), welche geneigt sind, dem Verein als Mitglieder beizutreten, haben Zutritt. Den Mitgliedern wird in der Ver- sammlung gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte das Vereins- statut ausgehändigt. Verein der Modelltischler. Versammlung am Montag, den 9. Januar, Abends 8% Uhr, im Vorstädtischen Kasino, Ackerstr. 144. Tagesordnung: 1. Vierteljahres-Bericht. 2. Wahl eines Vcrgnügungskomitees zum Wiener Maskenball. 8. Innere Vereinsangelegcnheiten. 4. Fragekasten. Aufnahme neuer Mit- glieder. Gäste find willkommen. Der Besuch des Postmuscums steht in Aussicht. Der Arbeitsnachmei» für Kistenmacher befindet fich jetzt im Restaurant Nieke, Franzstr. 6. Tnrn- und gesellige Vereine am Sonntag. Lübeck'scher Turnverein(2. Lehrlingsabtheilung) Abends 6 Uhr, Elisabeth- straße 57—58.— Turnverein„Wedoing"(2. Lehrlingsabtheilung) Nachmittags 4 Uhr, Pankstr. 9.— Turnverein„Froh und Frei" (Lehrlingsabthestung) Nachmittags 4 Uhr Bergstr. 57. Gesang». Tnrn-«nd gesellige Vereine etr. am Montag. Männcrgesangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Re- staurant Klose, Äariannenstr. 31—32.— Liedertafel der im Drechslergcwerk beschäftigten Arbeiter Berlins Abends 8} Uhr im Lokale„Bukower Garten", Bukowerstr. 9.— Gesangverein „Sängcrlust" Abends 9 Uhr im Restaurant, Lands bcrgerstr. 80. — Männergesangverein„Weiße Rose" Abends 9 Uhr im Re- staurant Kleine, Gerichtsstr. 10.— Männcrgesangverein„Eintracht 1" Abends 9 Uhr Köpnickerstr. 68, im Restaurant.— Männergesangverein„Liedesfreiheit" Abends 9 Uhr im Restaurant Heinrich, Linienstr. 19.— Männergesangverein„Firmitas" Abends 9 Uhr bei Wolfs u. Krüger, Skalitzerstr. 126, Gesang und Mufik. — Tumverein„tzasenhaide"(Lehrlingsabtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstr. 60— 61.—„Berliner Turngenossenschaft"(7. Lehrlingsabtheilung) Abends 8 Uhr in der städt. Turnhalle, Briyer- straße 17—18;— desgl.(6. Männerabtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Tumhalle, Gubencrstr. 51.— Lübeck'scher Turnverein(Männerabtheilung) Abguso 8 Uhr Elisabethstraße 57—58.— Verein ehemaliger Schüler der VII. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Poppe, Linden- straße 106.—„Medrichs-Verein"(ehmalige Zöglinge des großen Friedrichs-Waisenhauses der Stadt Berlin) Abends 8": Uhr bei Bormann, Ohmgasse 2.— Zitherklub„Amphion" Abends 8'/, Uhr im„Kurfürstcnkellcr", Poststraße 5.— Vergnügungsverein„Lustig" Abends 9 Uhr bei Thamm, Schön- hauser Allee 28.— Verein„Ratibor" Abends 8", Uhr im Restaurant Fritze, Elisabethstraße 30.— Arends'scher Stenographenverein„Mercur" Abends 8'/, Uhr im Restaurant „Baatz", Blumenstraße 10.— Arends'scher Stenographenverein „Apollobund" Abends 83U Uhr Thurmstr. 31(Moabit).— Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie. Abends 8'/, Uhr im Münchener Bräuhaus, Neue Friednchsstraße 1, Unterrichts- und Uebungsstunde. Neueste Nachrichten. Die preußische Fandtagsfesston wird vermuthlich schon zu Ostern geschlossen werden können. Wichtige Vorlagen fehlen, die Verlängerung der Legislaturperiode wird im Abgeordneten- Hause keine großen Debatten hervorrufen, da der Berathung da- selbst die über das gleiche Thema im Reichstage vorausgegangen sein wird. Kirchcnpolitischc Kämpfe werden nicht erwartet. Bis Ostern werden Reichstag und Abgeordnetenhaus ununterbrochen nebeneinander tagen, und es wird nach der Geschäftslage auch nicht möglich sein, daß sie viel Rücksicht auf einander nehmen. Das ist allerdings auch nicht mehr nöthig, da flch's im Land- tage ja doch nur noch um die formelle Bestätigung der Beschlüsse des Staatsministeriums handelt. Im Reichstage wird's freilich bald auch nicht mehr anders sein. Urber die geheimen Koldatenmerbungen Holland« in Dentschland wird der„Frkf. Ztg." von der holländischen Grenze geschrieben: Im vergangenen Jahre sind von dem kolo- nialen Werbedepot in Hardervpk(an der Zuidersee) im Ganzen 1840 Mann nach Ostindien abgesandt worden, darunter 245 Deutsche, 58 Belgier, 33 Schweizer, 9 Oesterreicher, 4 Franzosen, 2 Russen sc. Für dieses Jahr(1883) ist der Nachschub für die niederländisch-ostindische Armee, die bekanntlich ganz aus Frei- willigen besteht, auf 2000 Mann festgesetzt, ob er aber erreicht wird, ist noch sehr die Frage, denn die Zahl der Dienst- suchenden, respektive der Angeworbenen, vermindert sich mit jedem Jahre. Aus diesem Grunde sind im vorigen Jahre bereits die Vorschriften über Körperbeschaffenheit der Rekruten nicht unwesentlich gemildert worden. Ferner wurde jetzt in Maastricht eine Filiale des genannten Zentralwerbedepots ernchtet, von welcher man sich guten Erfolg verspricht. Die holländischen Zeitungen rühren fleißig die Werbetrommel. In Deutschland geht das natürlich nicht an, dafür treten die Werber hier im Geheimen auf, und zwar sind es in der Regel Deutsche selbst, die sich zu diesem unlauteren aber lohnenden Geschäft hergeben. Das holländische Werbedcpot hat in Deutsch- land mehr Agenten als man denkt, und trotz aller Warnungen fallen denselben jährlich Hundefte junger Leute in die Hände, welche aus irgend einem Grunde das Vaterland verlassen wollen, um„Blutdienst" in der Fremde zu suchen. Auch kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß mindestens 50— 40 pCt. der deutschen Deserteure sich zunächst nach Holland wenden. Von den übrigen deutschen Dienstsuchenden erweist sich in der Regel nur eine kleine Minderheit als tauglich für die mancherlei Strapazen auf Java und Suniatra. Die Abgewiesenen werden auf dem nächsten Wege per Schub wieder über die Grenze zurückgebracht. An» pari«, 7. Januar, meldet die„Voss. Ztg.": Vor Zusammentritt der Kammern wird der Ministenath seine Ant- wort auf Lamarzelle's Interpellation über die Umsturzumtriebe des Pariser Stadtraths feststellen. An« Petersburg, 7. Januar, meldet das„B. B.": Der Minister des Innern, Graf Tolstoi, verbot alle öffent- lichen st»den tischen Versammlungen und Soireen, welche der Ursprung politischer Verbrechen wären.(!) — Aus Moskau wurden im letzten Vierteljahr siebenhundert Juden ausgewiesen. Ansässige und Handwerker blieben unbe- rührt._ Telegraphische Depeschen. (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Kromberg, Sonnabend, 7. Januar. Bei der am 4. d. im Reichstagswahlkreise Wirfltz-Schubin stattgehabten Ersatzwahl an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Falkenberg wurde der Gutsbesitzer Poll in Samoklemsk gewählt. Gegenkandidat war Graf Skorszewski(Pole). Kambnrg, Sonnabend, 7. Januar. Der Postdampfcr „Thuringia" der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt- Aktien- gesellschaft ist, von Hamburg kommend, vorgestern in Colon ein- Setroffen und der Postdanipfer„Bomssia" von derselben Gesell- Haft hat, von Westindien kommend, gestern Lizard passirt. Metz, Sonnabend, 7. Januar. Heute Vormittag 10 Uhr fand auf dem Fort Manteuffel die Explosion eines Verbrauchs- Pulvermagazins statt, wobei 1 Unteroffizier und 1 Kanomer des sächsischen Fußaftillerieregiments Nr. 12 getödtet wurden. Der Unfall soll durch Unvorsichtigkeit verursacht sein. Rom, Sonnabend, 7. Januar. Wie der„Esercito" aus Massauah denchtet, sei, nachdem nunmehr die Eisenbahn bis zur Affcnebene vollendet, die Wiederaufnahme des Vormarsches gegen Sahati als nahe bevorstehend zu betrachten. Dublin, Sonnabend, 7. Januar. Das Tribunal in Pottumna verwarf die Berufung des irischen Agitators Wilfred Blunt und bestätige in einem heutigen Spruche das Urtheil des Tribunals in Woodford, welches denselben wegen Gewalt- thätigkeiten gegen die Polizei bei einer ungesetzlichen Ver- sammlung in Woodford zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt hatte. (Nach Schlnß der Redaktion eingetroffen.) Hamburg, Sonnabend 7. Januar. Der„Hamburgischen Börsenhalle" zufolge beschloß die Hamburg-Amenkanische Packet- fahrt-Aktiengesellschaft den Bau zweier neuer Dampfer, welche auf deutschen Werften und zwar der eine auf der Werft von Blohm und Voß, der andere auf der Reiherstieg-Schiffswerft gebaut werden sollen. Pari«, Sonnabend, 7. Januar. Einem Telegramm der „Agence Havas" aus Sofia zufolge machten etwa 50 Montenegriner einen Landungsvcrsuch südlich von Burgas, wurden aber von Bauern daran verhindert. Darauf suchten sie in den Fluß bei Burgas einzulaufen, wobei sie auf Tmppen der Gamison stießen. In dem Gefecht, das sich alsbald entspann, wurden 12 Montenegriner und 8 Soldaten theils getödtet, theils ver- mundet. Die übrigen Montenegriner ergriffen die Flucht. Wie es heißt, wurden die Insurgenten von Nabokoff kommandift. London, Sonnabend, 7. Januar. Nach dem offiziellen Handelsausweise betragen die Einfuhren im Dezember v. I. gegen die Einfuhren im Dezember des Jahres 1886 um 3% Mill. Pfd. Sterl. mehr, die Ausfuhren um 3% Mill. Pfd. Sterl. mehr. Die Einfuhren des verflossenen Jahres sind um 12% Mill. Pfd. Sterl., die Ausfuhren um 8'/« Mill. Pfd. Sterl. größer als im Jahre 1886. Kriefkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. H. D. Ueber solche Anstandsfragen existiren keine gesetz- lichen Vorschriften. Wenn es Ihnen Spaß macht, so beschweren Sie sich über den Steuereinnehmer. C. H. in T. Natürlich müssen Sie den Brief frankiren. K. 54. 1. Das ist uns nicht bekannt. 2. Es heißt in beiden Fällen der, nicht das. P. L. Kelleallianrrstr. Ihre Mutter erbt in Gemein- schaft mit Ihnen und den Geschwistern. Der Nachlaß wird unter Sie Alle nach gleichen Theilen vertheilt. Alter Abonnent. Ob Ihre Frau für die Schuld an den Bäckermeister haftet, läßt sich aus Ihren Angaben nicht recht ersehen. Zu weiterer mündlicher Ausklärung sind wir bereit. C. F. Daß Sie durch Ihr Amt als Vormund in Ihrem Bemfe gestört werden, ist kein Grund, die Vormundschaft ab- lehnen zu dürfen. Nur wenn Sie über 60 Jahre alt sind, oder schon mehr als eine Vormundschaft haben oder mindestens 5 minderjährige Kinder haben, sind Sie zur Ablehnung bc- rechtigt. F. Z. Wenn Sie gegen den Zahlungsbefehl Widerspruch erheben, so wird der Vergleich hinfällig und Sie werden auf erhobene Klage hin sicher verurtheilt, das Ganze auf einmal zu zahlen. Erheben Sie keinen Widerspruch und halten die Raten pünktlich ein, so ist Ihr Gläubiger nicht berechtigt, den Zahlungs- befehl in ganzer Höhe vollstrecken zu lassen. Thut er es doch, so müssen Sie bei dem betreffenden Gericht auf Grund des geschlossenen Vergleichs Klage erheben und falls Sie die Ab- schtteßung des Vergleiches durch eidesstattliche Vcrsichemng glaubhaft machen, die einstweilige Einstellnng der Zwangsvoll- stteckung beantragen. G. M. Lehrbellinerftr. Es liegt Weifellos eine Be« leidigung vor, die Sie, nach fruchtlosem Verfahren vor dem Schiedsmann, im Wege der Privatklage verfolgen können. Es wird wohl eine Geldstrafe festgesetzt werden, zulässig ist aber auch Haft- oder Gefängnißstrafe. C. R 100. Eine Kündigung ist schriftlich(und deshalb iltig erfolgt, gleichviel ob sie durch den Portier oder durch den lostboten übcrbracht wird. G. M. Sie müssen das Dienstmädchen bis zum 2. April behalten und thäten gut, am 15. Februar noch einmal zu kün- digen. Darin, daß monatlich Lohn bezahlt wird, liegt noch nicht, daß monatlich auch gekündigt werden kann. I. P. Das Singen der Marseillaise ist an sich nicht ver- boten, doch könnte die moderne Rechtsprechung darin unter Um- ständen einen groben Unfug erblicken. i H y ;> i Am 7. Januar starb unser geliebter Mann und Bruder, der Steindrucker Rob Jonas. Die Beerdigung findet am 10. d. M., Nachmittags 3 Uhr, vom Hause Landwehrstr. 40 aus nach dem Georgenkirchhof vor dem Landsberger Thor statt. Marie Jona». Carl Jona». Herzlichen Dank allen Bekannten und Ver- wandten für die Ehre, die sie meinem lieben Manne bis an seine Ruhestätte erwiesen.[99 Frau Zeutsch, Ädmiralstr. 4. Kerein d. NarPettlsdevleger Serlivs. Montag, den 9. Januar, Abends 8 Uhr, in Herin s Salon, Mauer straße 86 General- Versammlung , m Tages-Ordnung: 1. Neuwahl des Kassirers. 2. Verschiedenes. �Fraaekasten.[91 Die Mitglieder werden auf§ 7 des Statuts hiernnt aufmerksam gemacht. Der Vorstand. WitgUez,,r-Si,t�itintnZtt>t� dtrIklltral KkanKevll.Stettekajstder und vem. KetufsnenofftU Deutschlands(E. H. 71). Filiale I Dienstag, den 10. Januar, Abends 8 Uhr, Ackerstr. 144, V o r st ä d i s ch e s Kasino. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Wahl sämmtlicber Verwaltunasbeamten. 3. Wahl der Krankenkontroleure. 4. Verschiedenes. Der wich- ttgen Tagesordnung halber ersucht um zahlreiches Erscheinen[84] Der Bevollmächtigte. Mo steckt denn J!cr Jigarrenfritze Ziemer jetzt?! Der ist in f,eit?�Aillation Skalitzerstr. 7 und empfiehlt das Lokal zum Arbeits-Nachweis zc.. 1304 Zentral-Kranken und Hegriibnißkajfe .für die Mitglieder des Unterftützungsnerein« der Kildtzauer Deutschlands Verwaltungsstelle Krrlin. Dienstag, 10. Januar, Abends 9 Uhr, im Restaurant Sahm, Annenstraße 16 Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl der Verwaltungsbeamten. 3. Wahl eines Dele- giften und zweier Ersatzmänner für die Unfall- Versicherung. 4. Verschiedenes.[93 Zentral-Kranken- n. Sterkekaste d. Maler und verw. Berufsgenossen Deutschlands. (Eing. Hilfskgjse Nr. 71), Berlin W., Filiale 4. Dienstag, den 10. d. M., Abends 8 Uhr, Kurfürstenstr. 10 im Restaurant Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl der öftlichen Verwaltung. 3. Verschiedenes. Zahl- reiches Erscheinen erbeten.[83 Mitglieder- Versammlung der Keankenkaste der Maler«nd verw. Kernfsgenolsen, Eing. Hilfskasse, Filiale Süd, Dienstag, den 10. d. Mts., Abends 8 Uhr, Äste Jakobstr. 83, CafS Reiher. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl der Verwaltungsbeamten. 3. Statistischer Bericht. 4. Verschiedenes.[85] Der Bevollmächtigte. fatln ßerlwer HausdlMr Zweite ordentl. General-Versammlung am Dienstag, den 10. d. M., Abends 9 Uhr, Neue Grünstt. 28. Tages-Ordnung: � 1. Mittheilung und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vierteljahrsbericht. 3. Verschiedenes. 4. Frage- kästen. Der Vorstand. August Kuhntke, Vor- fitzender, Bergstr. 58.•[93 August Herold, Berlin SO., 113 Skalitzerstr asse 113. 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Dasselbe ist sowohl auf dem Schnetder- IrongreA in Dresden 1874, als auch auf der Hertiner Gr«»rrbe-A«»st»llung 187n|mit ehrenvollen Anerkennungen vrämtirt worden. Viele Auerkeuuuugsschreibeu. welche über die Dorsüglichkeit des RlrAClt'ichen Zufchneide-KqNem« Zeugniß ablegen, liegen im Bureau der Akademie zur gefl. Einficht aus. Bei den Aumeldnuge», welche täglich entgegen- genommen werden, bitte ich grua« auf obige Firma und Hausuummer N. 2 achten zu wollen. Ktrllnuge» mrrde« auf Wunsch nachgrwirse».[69 Prospekte franko und gratts. Der Direktor: Robert Hlracta. Geld gespart— heisst Geld verdient. Laut Beschluß der Verwaltung des ersten Kerliuer Leihhaus«« 2Weinberg«-Weg n * nm iHnWfWM- Thnr mm* am Rosenthaler Thor werden die vorhandmen diesjährigen prachtvollen prima Herren- Garderobe«, bestehend aus 16 000 ff. Winter Paletot«, darunter feinste Esbtmo-Palrtor« für M 11 bis 80. 11 000 prima Iaqnet»»ud Uock-Anzüge, darunter ff. 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