8. Dieustag, den 10. Januar 1888. 3. Jahrg. ÄimMMI. Krgan für die Interessen der Arbeiter. DaS..Berliner VolkSblatt" wumiilvi'*J 4)1» wullliiu�xi'-vvuuuKvi um vvm»/ wvimvv.yv-v (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1888 umer Nr. 849.) Jnsertionsaebühr beträgt für die 4 gespaltete Pctitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebcreinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohn« Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße Ä.— Expedition: Zimmerstraße 44. U Oeffentliche Regelung des Ardeitsnachmeises. An dem bekannten Entwurf eines ArbeiterschutzgesetzeS, welchen die sozialdemokratischen Ageordneten während der vorigen Legislaturperiode in den Reichstag einbrachten, be- fand sich auch ein Paragraph, welcher sich mit der Ord- nung des Arbeitsnachweises befaßte und folgenden Wort- laut hatte: „§ 133 c. Das Arbeitsamt organisirt innerhalb seines Bezirks den unentgeltlichen Arbeitsnachweis und bildet für diesen eine Zentralstelle. ES ist be- fugt, in den ihm passend erscheinenden Orten für Viesen Zweck Filialen zu errichten, welche, wenn kein gewerblicher Verband sich findet, der eine solche zu übernehmen bereit ist, die Ortspolizeibehörde zu über- nehmen verpflichtet ist." Wie selbstverständlich, wurde auch dieser Vorschlag, wie alle anderen, welche von der Arbeiterpartei kommen, sowohl von der offiziösen Regierungspresse als auch von der Presse der verschiedenen Parteien als rein undurchführ- bar und utopisch hingestellt. Wiewohl das Arbeitsamt nach dem�Vorschlage des Entwurfes gebildet werden sollte auS einem Arbeitsrath, den das Reichsarbeitsamt, also eine Reichsbehörde zu ernennen hatte, und aus Hilfsbeamten, welche Sur Hälfte von den Arbeitgebern und zur Höfte von en Arbeitnehmern gewählt werden sollten, allen betheiligten Faktoren also der gleiche Einfluß gewährt war, und die denkbar größte Unparteilichkeit bei dieser Behörde von vorn herein feststand, so wurde dy. Vorschlag doch unter anderem da- mit bekämpft, daß die Organisation der Arbeitsämter ein Bollwerk für die sozialdemokratische Partei sein würde und daß man ihre Einführung schon um deswillen nicht zugeben und ihnen natürlich auch den Arbeitsnachweis nicht überlassen könne. Unter Anderen war eS auch der Staatssekretär Minister von Bötticher, welcher diesen Einwand gegen die Arbeits- ämter erhob. Welche Gründe der Herr Minister für seine Annahme hatte, hat er anzugeben unterlassen, und wir können sie deshalb auch nicht nachträglich auf ihre Stich- prüfen. So schwerwiegend aber diese Gründe ir den Herrn Minister gewesen sein mögen und vielleicht auch heute noch sind, so scheint es doch auch in Kreisen, deren Loyalität über jeden Zweifel erhaben ist, und an denen auch nicht der Schatten einer sozialdemokratischen Gesinnung haftet, noch Leute zu geben, welche die Befürchtungen des Herrn Ministers mcht theilen und welche die Uebertragung des Arbeitsnachweises auf Arbeitsämter als einen durchaus glücklichen Gedanken betrachten. (W«««cht»»ort ehalten.) Ieuillieton Der Crbr. [6 («achdruck o erboten.) Roman von Friedrich Gerstäcker. Der Diener verschwand und es dauerte nicht lange, so klopfte eS leise an die Thür, die sich fast augenblicklich auf das barsche„Herein" des Freiherrn öffnete. „Sie entschuldigen, mein gnädigster Herr Baron, wenn ich vielleicht stören sollte," sagte die alte Frau, indem sie die Thür wieder vorsichtig in's Schloß drückte; da Sie aber ge- wünscht hatten..." „Zch habe gewünscht?" rief der alte Herr, dessen Laune der Besuch wahrlich nicht gebessert zu haben schien. «Was wollt Ihr von mir, daß Ihr Euch mit einer Lüge hier hereindrängt? Was habe ich noch mit Euch zu schaffen?" Die alte Frau Heßberger war eine hagere, etwas lange Gestalt. Sie hatte schon eisgraue Haare, eine spitze Nase und etwas zusammengezogene Lippen, auch zahllose Falten NN Gesicht, aber ein Paar große, kluge, lichtblaue Augen, und ging auch sonst ganz nett und sauber angezogen. So demüthlg sie dabei auftrat, lag aber doch in ihrem ganzen Wesen mchts weniger als Schüchternheit, ja fast wie mit einem leisen Anflug von Spott erwiderte sie auf die rauhe Frage:, „Ach, gnädigster Herr Baron, Unsereins muß gar oft lügen: aber nicht unserer selbst, sondern zuweilen nur der Herrschaften wegen, die wir bedienen— und was für Dank haben wir nachher davon!" „Was wollt Zhr? macht es kurz!" fuhr der Frei- Herr sie an;„ich habe keine Zeit, mich lange mit Euch ein- zulassen." Die Frau antwortete nicht gleich; sie horchte erst nach Thür, als ob sie sich vor einer Störung oder vielleicht »or einem Horcher fürchte. Endlich trat sie dem Freiherrn, So wurde auf der Ende September v. Z. in Magde- bürg stattgehabten achten Jahresversammlung des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit eine umfassende Organisation des Arbeitsnachweises, also die Errichtung von „Arbeitsämtern" in Vorschlag gebracht, welchen die Aufgabe -stellt werden soll, die Vermittelung von Nachfrage und ngebot der Arbeit zu befördern, eine genaue Kontrole über das Angebot von Arbeit und die Nachfrage nach Arbeit in den einzelnen Industriezweigen zc. und in den verschiedenen Landestheilen zu führen, so daß sowohl Unternehmer, welche Arbeiter brauchen, dort anfragen können, wo sie solche finden, als auch die Arbeiter selbst erfahren können, wo sie mög- licherweise Arbeit erhalten. Daß der Verein für Armenpflege und Wohlthätigkeit unter sozialdemokratischem Einfluß stehe, wird wohl schwer- lich jemand glauben und doch wurde dort, wie sich aus dem Vorstehenden ergiebt, der Antrag der sozialdemokratischen Abgeordneten in Bezug auf die Regelung des Arbeitsnach- weises in seinem vollen Umfange in Vorschlag gebracht und als sehr wünschenswerth behandelt. Nun ist es ja allerdings richtig, daß den Arbeits- ämtern, wie sie in dem Arbeiterschutzgesetzentwurf vorge- schlagen sind, auch noch andere Aufgaben zugerechnet sind, als Regelung des Arbeitsnachweises. Sie sollten vor allem an Stelle der heutigen Fabrikinspektoren treten und zwar ist dabei der Wirkungskreis der letzteren erheblich weiter ge- dacht, als dies bei unseren heutigen Gewerberäthen der Fall ist. Jndeß, dies berührt uns hier nicht weiter, wir wollen nur konstatiren, daß auch in anderen als sozialdemokratischen Kreisen der Gedanke, die Regelung des Arbeitsnachweises Arbeitsämtern zu übertragen, bereits Anhänger gefunden hat. Hoffen wollen wir nur, daß dieser Gedanke in immer weiteren Kreisen sich einlebt, denn, soll der Arbeitsnachweis wirklich einmal öffentlich organisirt werden, dann darf es nur in der Form geschehen, daß in den damit betrauten Organen Arbeitnehmer sowohl als Arbeitgeber ihre volle und gleichberechtigte Vertretung finden. Der ArbeitSnach- weis darf nicht blos bureaukratisch organisirt sein, denn es werden bei demselben auch wesentliche volkswirthschaftliche Momente zu berücksichtigen sein. Nicht jeder Unternehmer, welcher nach Arbeitern verlangt, wird dazu durch den Um- stand bestimmt, daß es ihm an seinem Orte wirklich an brauchbaren Arbeitern fehlt. Nur allzu häuflg ist der Wunsch nach billigeren oder weniger selbstständigeren Ar- beitern das treibende Motiv zu dem Verlangen nach mehr Arbeitern. Diesem Streben nach billigerer Arbeitskraft, nach Lohndrückerei, entgegen zu kommen, darf durch die öffentlich organisirte Arbeitsvermittelung unter keinen Umständen geschehen, und deshalb ist es erste Bedin- gung, daß die�Prüfung der Gesuche um Arbeiter auch von der sie eben nicht freundlich betrachtete, näher und sagte mit leiser, aber vollkommen deutlicher Stimme: „Eigentlich hatte ich geglaubt, daß der Herr Baron eine arme alte Frau, die seinetwegen viel Ungelegenheiten .ehabt, nicht ganz vergessen hätte; aber eS ist einmal o der Welt Lauf, und ich will Ihrem Gedächtnisse u Hilfe kommen. Ich bin die Frau Heßberger, ie alte Kartenschlägerin aus der Stadt, und war früher, als die gnädigste Frau Baronin von einem allerliebsten Knäblein entbunden wurde, die Hebamme bei der gnädigen Frau." „Was soll der Unsinn?" fragte der Freiherr finster. „Eure Person habe ich doch wohl nicht vergessen; ich denke, Ihr sorgtet schon dafür, daß das nicht geschah. Was wollt Zhr jetzt?« „So, der Herr Baron erinnern sich also noch?" lächelte die Frau.„Nun, dann kann ich kurz zur Sache kommen und wir brauchen keine Umschweife weiter zu machen. Sie wissen, Herr Baron— aber Sie erlauben vielleicht, daß ich mich ein bischen auf den Stuhl da setzen darf, der Wo ist weit hier heraus, und die alten Knochen wollen doc nicht mehr so recht mit fort— Sie wissen also, Herr Baron, daß jetzt die Zeit umgelaufen ist, wo Sie die große Erbschaft antreten— Unsereins kann sich so viel Geld fast nicht einmal denken,— und wenn Sie das erst einmal haben, dann wird wohl das Gedächtniß für die arme Heßbergern ganz weg und verloren sein, und da wollte ich na< eiten so schlecht, und man thut ja wohl, was man kann, und ist immer bei der Hand, aber der Neid der Menschen macht Alles wieder zunichte. Die Herren Aerzte, wenn sie auch viele Krankheiten aar nicht kuriren können, Sonnen es doch einer armen Frau nicht, daß sie mit !räutern, die sie sich mühsam im Walde sucht, und mit frommen Gebet die Breiten der Menschen lindert. Nichts als Verfolgung und Anfeindung habe ich zu leiden gehabt die langen Jahre, und seit der Zeit sogar, wo einmal dem Gesichtspunkte aus erfolgt, welches Motiv dem Gesuche zu Grunde liegt. Es würde z. B. das Koalitions- recht der Arbeiter vollständig illusorisch werden, wenn der öffentliche Arbeitsnachweis im Falle eines Streiks für reichlichen Zufluß von neuen Ar- beitskräften sorgte. Würde der Arbeitsnachweis nicht vor diesem Mißbrauch behütet werden, so würde er nicht ei» Mittel zur Hebung des Arbeiterstandes, sondern ein weiteres und zwar sehr gewaltiges Mittel zu seiner Unterdrückung sein. Aus diesem Grunde darf der öffentliche Arbeits- Nachweis nicht blos bureaukratisch organisirt sein, es darf aber bei demselben auch nicht das Interesse der Arbeitgeber einseitig zur Herrschaft gebracht werden. Dieses letztere würde aber vollkommen der Fall sein, wenn geschähe, was ebenfalls schon vorgeschlagen wurde, daß die Unfallberufsgenoffenschaften mit der Regelung des Arbeitsnachweises betraut werden sollen. Diese Berufs- genossenschaften sind Arbeitgeberverbände, nichts weiter, und diesen den Arbeitsnachweis übertragen, würde nur heißen, die Arbeiter an Händen und Füßen gebunden den Arbeit- gebern auszuliefern, die Freiheit des Arbeitsvertrages voll- ständig zu vernichten. Es würde ja freilich herrlich in das System hineinpassen, nach welchem unsere Großindustriellen, wie sie z. Ä. im Zentralverband der deutschen Industriellen organisirt sind, die„Sozialreform" durchgeführt wünschen, wenn zu allen anderen bereits vor- handenen Mitteln, den Arbeiter an der möglichst vortheil- haften Verwerthung seiner Arbeitskraft zu hindern, auch noch die Regelung des Arbeitsnachweises rn die Hände der Kapitalistenzünfte, genannt Berufsgcnoffenschaften, gelegt würde, und so die Dirigirung der industriellen Reservearmee ausschließlich und in noch viel höherem Maße, als das heute schon der Fall ist, in das Belieben unserer Großindustriellen gelegt würde. Wer die Unzuftiedenheit der Arbeiter bis zum höchsten Punkt steigern will, der mag es wünschen, daß die öffentlich organisirte Arbeitsvermittelung den Berufsgenossenschaften übertragen werde, wer aber kein Interesse daran hat, die Arbeiter noch mehr zu beunruhigen, als dies so wie so be- reits der Fall ist, der muß den Vorschlag ganz entschieden zurückweisen. Die Berufsaenossenschaften dürfen aber auch um deswillen mit dem Arbeitsnachweis nicht betraut werden, weil in denselben das Handwerk fast gar keine Vertretung hat. Gerade dem Kleinbetrieb ist aber an einer ordentlichen und gerechten Regelung des Arbeitsnachweises am meisten gelegen. Das Großkapital hat seine zuverlässigen Verbin- düngen irnJn- und Auslände, ihm stehen die Mittel derReklame durch Inserate und Zeitungsartikel zur Verfügung, welche der Kleingewerbetreibende, weil viel zu theuer, nicht benützen kann. Die Arbeit in der Großindustrie ist auch durchschnittlich viel stetiger als im Handwerk und da die Ausbildung des das Kind der Frau Baronin Zühfel starb— eS war ein Wechselbalaund konnte nicht leben—, da habe» sie mir gar daS Metier verboten, und ich muß nun sehen, wie ich mich durchschlage durch die Welt." „Und was habe ich damit zu thun?" sagte der alte Freiherr finster. „Nichts, Herr Baron, gar nichts," erwiderte die Frau seufzend;„eS ist nur unser alltägliches Elend, das wir durch's Leben schleppen müssen. Behüte, daß Sie damit zu thun bekämen! Wessen aber das Herz voll ist, Sie wissen ja wohl, davon geht der Mund über. Es thut mir leid, Ihre werthvolle Zeit damit so lange in Anspruch genommen zu haben, aber— es ging eben nicht anders. Dazu sind wir Menschen ja auch da auf der Welt, daß wir einander helfen und beistehen sollen, und ich habe das Meinige redlich gethan, Herr Baron, das Zeugniß müssen Sie mir geben— wie?" „Ich habe Euch noch nicht das Gegentheil zum Vorwurf gemacht," sagte der Freiherr finster; aber...." „DaS ist hübsch von Ihnen," nickte die Frau, und wieder zuckte das spöttische Lächeln um ihre dünnen Lippen, „und ich werde eS Ihnen gedenken, so lange ich lebe; aber — schöne Worte verfliegen im Winde, wie die Spreu, den» nur das Korn fällt auf den Boden und wiegt. Bis jetzt kann Ihnen kein Mensch die Erbschaft streitig machen, Herr Baron— kein Mensch auf der ganzen Welt, und wird eS auch nicht, denn eher bisse ich mir die Zunge ab, ehe ei» Wort von der Geschichte über meine Lippen käme; aber leben wollen wir alle, und selbst der arme Bauer läßt die Kinder, wenn er sein Korn einfährt und den Segen in die Scheune fährt, ein paar einzelne Aehren lesen. Sie werde» wahrhaftig nicht weniger thun, Herr Baron." „Aber die Aehrenleser dürfen erst auf das Feld kommen, wenn das Korn eingefahren ist," sagte der Frei- Herr, der schon lange verstand, auf was die Frau abzielte; „daS meinige steht noch draußen." „Aber fertig geschnitten, beim schönsten Wetter, und die Wagen zum Einfahren bereit," nickte die Frau, nicht so leicht abgewiesen;„ich kann auch nicht länger warten. Industriearbeiters meist auch eine einseitige ist, waS den Arbeiter wieder am leichten Wechsel des Platzes hindert, so hat die Großindustrie immer einen festen Arbeitcrstand und ist lange nicht in dem Maße auf den Arbeiterwechsel ange- wiesen als der Handwerker, der während der Saison oft rasch mehrere Arbeiter gebraucht, während er vielleicht die Hälfte des Jahres nur allein oder höchstens mit einem Lehrburschen in seiner Werkstelle sitzt. Zum Schlüsse wollen wir noch bemerken, daß mit der Organisirung des Arbeitsnachweises nothwendig auch die Arbeitslosenunterstützung Hand in Hand gehen müßte. Die Einführung derselben würde freilich auch bedeutende Mittel in Anspruch nehmen, indeß muß fest gehalten werden, daß die arbeitslose industrielle Reservearmee doch auch heute lebt, daß eS sich also nur darum handeln kann, eine ge- rechtere Art für die Aufbringung der Mittel für die Arbeits- losen aufzufinden und einzuführen. Heute sind eS besonders die Landbevölkerung und die Gemeinden, welche für die industrielle Reservearmee aufzukommen haben; der Industrie den auf sie fallenden Antheit aufzuladen, wird erst möglich sein, wenn die Arbeitslosenunterstützung nicht mehr auf dem Wege des Almosens und der Armenunterstützung, sondern dem des gesetzlichen Rechts gelöst ist. Dnginak-Konesponllmzen. Leipzig, den 7. Januar. Wie an anderen Orten, so liegen auch in unserem Land die Preßorgane der Kartellbrüder sich in den Haaren. Ganz besonders amüsant ist die Fehde zwischen der„Leipziger Zeitung" und dem„Leipziger Tageblatt", die allerdings schon sehr alten Datums ist, jetzt aber einen unge- möhnlich bösartigen Charakter angenommen hat. Heute muß das„Leipziger Tageblatt" den Schmerz erleben, daß ihm von seiner amtlichen Konkurrentin nichts mehr und nichts weniger als— sozialdemokratische Gesinnung vorge- warfen wird. Diese fürchterliche Anklage ist hervorgerufen durch einen gegen die Agrarier gerichteten wirklich sehr guten Artikel im volkswitthschaftlichen Theil des„Tageblatt". Der Artikel ist beiläufig von A bis Z freihändlerisch, und auch, wenn ich nicht irre, einem Organe der Freihändler entnommen. Daß die auf ihre Gründlichkeit und Gelehrtheit so stolze„Leipziger Ztg." ein rein manchcsterliches Produkt— das aber in diesem Falle, wie gesagt, recht gut ist— für sozialdemokratische Waarc hält, kann die Komik dieses journalistischen Froschmäuslcrkricgs nur erhöhen. Begierig bin ich auf die Antwort des„Leipziger Tageblatt"— vorausgesetzt, daß es durch den entsetzlichen Schlag nicht vollständig betäubt ist.— Apropos, da fällt mir cm, das„Tageblatt" könnte sich grausam an der„Leipziger Zeitung" rächen, wenn es ihr Wurst wieder Wurst gäbe. Bor 4 Wochen schrieb nämlich die brave„Muhme" von den famosen „Grundzügcn" zum Invaliden- und Altcrsversorgungsgesetz, diese Alters- und Jnvalidenversorgung sei allerdings geeignet, den Hohn und Spott der Gegner berauszu- fordern. Wenn das nicht„sozialdemokratisch' und„reichs- feindlich" war, dann weiß ich nicht, was„sozialdemokratisch" und „reichsfeindlich" ist.— UoUttsche Ueberstcht. Zur Verschärfung des Zozialistengesetzes. Es muß wieder einmal„Stimmung" gemacht werden! Diese alt- bewährte Praxis unserer Offiziösen macht sich, wie seiner Zeit für die Militärvcrmehrung u. s. w. auch für die Verschärfung des Sozialistengesetzes„nöthig". Die Hetzpreffe schrieb damals jeden Tag von der Möglichkeit eines Krieges, sie sah Gespenster — in Gestalt von Baracken:c.— an der französischen Grenze; die offiziöse Presse leistet alles kaum Denkbare, um den„biedem Deutschen" gruselig zn machen, damit die Reaktion weitere Blüthcn treiben kann. Die unsauberen Manipulationen der Kattellbrüdcr bei den letzten Reichstagswahlcn find ja noch in aller Gcdächtniß. Jetzt muß„Stimmung" gemacht werden, � r pla um dem Spießbürger plausibel zu machen, daß den Sozial- demokraten ganz recht geschieht, wenn sie von Weib und Kind aus einzelnen Kreisen, aus dem ganzen Lande verwiesen werden. Die„Kölnische Zeitung"(und nach dieser die„Leipziger Zeitung") bringt einen Artikel„über den Meineid im DJ enste der Sozialdemokratie", welcher zu diesem Jptimmunginachcn" sein Theil beitragen soll und jedenfalls ein Theil einer Serie solcher Ausflüsse ist. Die„Kölnische Zeitung" fühlt sich in besagtem Artikel gedrungen, die Meineide aufzu- zählen, welche die Sozialdemokraten auf ihrem Gewissen haben. Demgegenüber ist zn bemerken: die Sozialdemokraten find Feinde des Meineids, weil sie Freunde der Wahrheit sind, aber sie stehen unter einem Ausnahmegesetz, welches unzählige Prozesse hervorgebracht hat. Wenn nun einzelne Sozialisten bei solchen Prozessen im Interesse ihrer Genossen falsche Eide geschworen haben, so ist das sehr bcdauems- werth. Aber woran liegt das? Hätten wir kein Sozialisten- Uebermorgen ist der Erste und wir müssen Hauszins be- zahlen; die Rechnungen sind uns außerdem über den Kopf Sewachsen, denn mein Mann war lange krank und konnte as Salz nicht zu seinem Brot verdienen." „Macht es kurz— was wollt Ihr?" unterbrach der Baron sie ärgerlich.„Ich sehe, das Ganze läuft nur auf eine Geldervressung hinaus. Ich sage Euch auch, Frau, heute will ich Euch noch einmal zu Willen sein; aber meine Geduld ist jetzt zu Ende— das kann so nicht fortgehen, und kommt Ihr mir dann noch einmal auf den Hof, so...." „So? Der Herr Baron haben noch nicht ausgesprochen." Und ihre blauen Augen hafteten in lauerndem Trotze auf ihm. Er begegnete aber vem Blicke nicht. „Macht eS kurz— wie viel braucht Ihr? Aber ich schwöre es Ench zu, eS ist das letzte Mal; nachher thut Euer Schlimmstes. Was Ihr selber dabei riskirt, wißt Ihr besser, als ich es Euch sagen könnte." „Es ist nicht nöthig, viel darüber zu reden," lächelte die Alte.„Wir sind beide nicht von gestern, Herr Baron, und wissen genau, wie weit wir gehen können; nur das ausgenommen, daß der eine Theil nichts oder doch beinahe nichts dabei zu verlieren hat und der andere eben alles." „Das ist nicht wahr," fuhr der Baron auf.„Ich be- reue, jemals Euren Worten, Eurem Rathe gefolgt zu sein, und zehn-, ja tausendfach trage ich jetzt an der Last, die ich mir damals ganz unnützer, unnöthiger Weise aufge- laden!" „Unnöthiger Weise, Herr Baron? Sie vergessen die Klausel." „Und habe ich nicht einen rechtmäßigen Erben für mein Haus— für meinen Rainen?" „Sie meinen den Baron Benno, nicht wahr?— Armer Bater, sehen Sie denn nicht, daß das Kind nur ein wurm- stichiger Apfel ist? Und sechs Jahre müßte er noch leben, um der Frist zu genügen." „Ich hoffe, daß er noch sechzig leben soll!" rief der alte Mann;„denn die Gefahr der Krankheit ist beseitigt. Heute noch war er kräftiger und gesünder als je. Seine gesetz, so würden auch diese Prozesse fortfallen. Ist denn nach der„Kölnischen Ztg." ein Meineid schlimmer zu taxiren, wenn er geleistet wird zur Rettung eines für seine Gesinnung leiden- den Menschen, oder ist er schlimmer, wenn er geleistet wird, um sich Millionen in die Tasche zu praktiziren? Da giebt es kein Geschreibsel:„Der Meineid im Dienste des Kapitalismus".— Jeder kehre vor seiner Thür, und es wird sich schließlich vor der Thür der„Kölnischen Ztg." etwas zum Wegräumen finden; sie möge nur ordentlich nachsehen. Die„Kölnische Ztg." ist es ge- wcsen, welche bei Schaffung des Sozialistengesetzes die Steine mit zugetragen hat; sie war es, die jetzt an den Früchten des Baumes zu mäkeln sucht, den sie selbst mit gepflanzt hat. Be- trachte man diese Meineide als Wirkungen und nicht als Ursachen. Lege man die Axt an die Wurzel und sorge man für geregelte Zustände, damit solche Meineide, die jetzt als Be- lasttmgsmaterial zur Verschärfung des Sozialistengesetzes dienen sollen, vermieden werden. Den Anlaß z« heftigen Fehden zwischen der„Kreuz- zeitung" und der„Nat.-Ztg." bietet nach wie vor das kommende Sozialistengesetz. So setzt jetzt die„Nat.-Ztg.", die gar zu gern Herrn v. Bennigsen zum Minister des Innern machen möchte, die Polemik gegen die ,Lreuzztp." folgendermaßen fort: „Die ,,Neue Prcuß. Ztg." kämpft mit nimmer erlahmendem Eifer für die im Einzelnen noch gar nicht bekannte Bestimmung betreffs der Verbannung aus dem Reichsgebiet in dem noch nicht eingebrachten neuen Soziali st engesetze. Das Blatt versichert, es habe„Grund zu glauben, daß diese Frage eine nickt geringe Rolle zu spielen berufen ist." Das klingt ja überaus gewichtig; wir gestatten uns aber die Ver- muthung, daß es ungefähr so viel werth ist, wie vor der zweiten Lesung der Getteidezollvorlage die Ankündigung, daß die Kon- scrvativen lieber gar keine Zollerhöhung, als eine hinter der Re- gicrungsvorlage zurückbleibende, annehmen würden; als es zur Entscheidung kam, stimmten sie Mann für Mann für den niedrigem Satz, wie wir es vorausgesagt hatten. Ohne allen gehcimnißvollen Hintergrund, wie das„wir haben Grund zu glauben", find wir der Meinung, daß die einfache Verlängemng des bestehenden Sozialistengesetzes auf zwei Jahre ohne viel Auf- regung das Ergebniß der Verhandlung sein wird, wenn die Nationalliberalcn daran festhalten, nicht weiter gehen zu wollen. Und wir hoffen nach wie vor, daß sie nicht weiter gehen wer- den.— Der Eifer der„Neuen Preuß. Ztg.' für die Verbannung von Deutschen aus dem Deutschen Reiche regt aber noch eine besondere Frage an. Seit längerer Zeit wird zwischen der- jenigen Presse, welche im allgemeinen als zur Vertretung der Regiemngspolitik berufen gilt, und der„Neuen Preuß. Ztg." eine überaus heftige Fehde durchgefochten; die Politik dieses Organs der äußersten Rechten wird dabei wegen seiner Vorliebe für„Muckerci und Stöckerei" als schädlich und hinderlich be- handelt. Danach ist es wenig wahrscheinlich, daß die„Neue Prcuß. Ztg." in der Frage der Verlängemng und Verschärfung des Sozialistengesetzes mit der Vertretung des Standpunktes der Reichsregiemng betraut sein sollte. Eher würden wir glauben, daß die„Neue Preuß. Ztg." die spezielle Vertretung des Heim von Puttkamer führt, der als Minister für die Durch- fühmng des Sozialistengesetzes vermuthlich der Urheber der neuesten Vorschläge ist, welche bis jetzt nirgends, außer im Lager des genannten Blattes, Anklang gefunden haben. In diesem Falle wäre der Eifer der„N. Pr. Ztg." begreiflich." Die Möglichkeit der Kildung einer Mehrheit für da« verschärfte Svzialistengeseh tritt mit jedem Tage deut- lichcr hervor. Die freikonscrvativc„Post" zeigt sich entzückt von der von uns erwähnten Auslassung des nationalliberalen Partei- organs, welches andeutete, daß in das Gesetz eine Bestimmung über die Jntemimng von Sozialdemokraten aufgenommen werden könne. Sie findet diesen Gedanken emstlichcr Beachtung werth. Von da bis zur Zustimmung ist natürlich nur ein Schritt, und da der Gesetzentwurf thatsächlich diese Jnter- nimngsbcfugniß enthalten soll, so wäre für diesen Theil eine Majorität gesichert. Die„Post" ertheilt dabei den National- liberalen ein Lob, welches ernst gemeint und in den Augen ver- ständiger Leute eine geradezu vemichtende Kritik ist. Sie schreibt nämlich:„Jedenfalls zeigt der Gedanke der Jntemimng, wie die ganze Äusfühmng der„Nationallib. Korr.", daß der nationalliberalen Partei die Betonung eines einseitig liberalen Standpunktes gegenüber brennenden Fragen der inneren Sicherheit völlig fem liegt, daß sie viel- mehr das Gemeinwohl über die Parteidoktrin stellt." Wenn das Hohn wäre— meint die„Frkf. Ztg."— wäre es eine prächtige Leistung, so ist es aber im Ernst ein hohes Lied der Gesinnungslosigkeit.„Einseitig liberaler Standpunkt und Partei- dottrin— fährt das demokratische Organ fort— soll also die Ueberzeugung sein, daß kein Staatsbürger seiner Gesinnung wegen aus dem Vaterlande verl rieben oder in einem entlegenen Winkel desselben verbannt werden darf; und das Gemeinwohl und die innere Sicherheit sollen solche Maßregeln den Sozial- demokraten gegenüber erheischen. Nach den nun zehnjährigen Erfahmngen mit dem Sozialistengesetz gehört ein trauriger Muth zu solcher Behauptung. Es läßt sich thatsächlich konstatiren, daß die angesehensten Führer der Nationalliberalcn in dem Hochge- fühl und der Schaffensfreudigkeit, mit der sie in der vorigen Wangen bekommen wieder Farbe, sein Geist ist frischer, sein Körper kräftiger geworden, und wenn...." Der alte Freiherr horchte auf, denn über den Gang kam ein hastiger Schritt; kaum fünf Sekunden später wurde die Thür aufgerissen und der alte Christoph stürzte mit einem ganz verstörten Gesicht hinein. „Was giebt's? Was hast Du?" rief ihn der Baron erschreckt an. „Ach gnädiger Herr Baron," stammelte der Alte, und schon sein Gesicht kündete ein Unglück—„Sie— Sie möchten doch einmal schnell in den Garten kommen; der junge Herr Baron...." „Benno?" schrie der Freiherr in Todesangst. „Der junge Baron Benno hat plötzlich einen Blutsturz bekommen, und Fräulein Kathinka ist allein mit ihm." „Armes junges Blut!" sagte die Frau, während der alte Herr fast starr vor Entsetzen auf einem Stuhl zu- sammenknickte und einen Moment das Antlitz in den Hän- den barg. Aber es war auch nur ein Moment. Im nächsten schon fuhr er wieder empor und griff mit wildver- störtem Blick nach seinem Hut. „Ist schon Jemand fort nach einem Arzte?" _„Der Karl sattelt eben das eine Wagenpferd; der Schimmel lahmte heute Morgen ein wenig." „Mein ältester Sohn ist mit seinem Fuchse hier; er soll augenblicklich selber in die Stadt jagen und einen Arzt heraussenden." Der Diener eilte fort, und der Baron wollte ihm nach, als sein Blick die noch dort stehende Frau traf. „Aber jetzt— jetzt kann ich nicht!" rief er von Angst gepeinigt aus. „Rein, Herr Baron," sagte die Frau, mit dem Kopf schüttelnd,„jetzt gewiß nicht; ich komme wieder— morgen oder übermorgen oder in acht Tagen vielleicht— wenn die„sechzig Jahre vorüber sind," setzte sie leise murmelnd hinzu, und verließ das Gemach und gleich darauf auch das Schloß. Der Diener hatte den Unfall, der den armen jungen Mann getroffen, nicht überttieben. Als der Vater mit zitternden Gliedern, aber festen Schrittes den Park durch- Session in den Reichstag einzogen, die Milderung A Sozialistengesetzes ganz offen als eine Aufgabe der neu errungen» Mehrheit proklamirt haben. Die Ausweisungen haben nL erbitternd gewirkt, die schaffen wir aus dem Gesetz heraus, v» lassen Sie sich darauf— das sind Aeußerungen, welche � angesehensten nationalliberalen Führer sozialdemokratW Kollegen im Reichstage gegenüber wiederholt gethan Es war ihnen auch voller Emst damtt, und die Hi einzelner nationalliberaler Organe, die mit den Frai_ führem Fühlung haben, hat das noch bis in die letzten Tag hinein bewiesen. Die Verschärfung des Sozialistengesetzes kom» den Nattonalliberalen überraschend und unangenehm, wie ihn« die Erhöhung der Getreidczölle gekommen ist. Um so intc? essanter wird es sein, zu beobachten, wie viel Widerstands�� die Partei noch hat und welcher Mittel es bedarf, bis sie B* „Parteidottrin" in die Tasche steckt. Der naheliegende und i> einzelnen Artikeln bereits durchleuchtende Gedanke, daß sich Kompromiß werde finden lassen dadurch, daß die Regienina D die Annahme der Befugniß zur Jntemimng auf die ExpatrilNi» verzichtet, dürfte wohl verfehlt sein. Man hat Gmnd zu W Vermuthung, daß es der Regiemng hauptsächlich darauf# kommt, die sozialdemokratischen Abgeordneten zu beseitigen u«i daß dies der eigentliche Zweck der Expatriimng ist. Dieses soll bekanntlich dadurch ermöglicht werden, daß der Verlust% Staatsangehörigkeit ausgesprochen wird. Damit verliert% Betreffende auch die Wählbarkeit, und auf diesem Wege wüi sehr bald der letzte Sozialdemokrat dem Reichstage den RA kehren müssen. Mit der Jntemimng wäre das nicht zu< reichen. Der Jntemirte bliebe wählbar, und es stände nil im Wege, daß er zur Ausübung seines Mandats in Berlin scheint, so gut wie jetzt die aus Berlin Ausgewiesenen dies tl dürfen. Daher ist anzunehmen, daß die Regiemng mit> Jntemimng sich nicht begnügen wird. Sie wird wieder ein» alles oder nichts verlangen, und der Reichstag, der dieser' role ja seine Entstehung verdankt, wird die in ihn gesetzten( Wartungen nicht täuschen. Zrntnsm und Konalistengefetz. Wir brachten kürzlii eine Auslassung des ultramontancn„Echo der Gegenwack welche allen Mitgliedem des Zentmms, die etwa für Sozi> listen-Expattiimng stimmen würden, Ausschluß aus S'1 Fraktion ankündigte. Zur rechten Zeit erinnert nun M die„Frkf. Ztg." daran,„daß jenes Blatt vor Jahr und T< in gleicher Weise über die„Schnapsjunker" im Zentmm» Parteiacht zu verkünden drohte; es blieb aber bei der Drohung.. — Damach ist der Werth der energischen Worte des„EM zu bemessen. „Krzüglich de« Gtfcheiurn« de« Kozialistengefetsee wird dem öffiziösen Berliner Korrespondenten des„Hamb. Cott jetzt nachttäglich bekannt,„daß von den entscheidenden Instanz� von vornherein in Aussicht genommen war, den Entwurf f. nach den Weihnachtsfcrien an den Reichstag zu bringen. daher eine Umarbeitung der Motive in der That stattfindet 0' den Gmnd des Vcrzögems des Erscheinens bildet, wird f)>? mehrfach bezweifelt. Im Bundesrathe waren der Text und � Motive vor der Vertagung vollständig festgestellt. Auch(r man, daß die Vcrändcmngcn, welche der Bundesrath an ff* Gesetze vorgenommen hat, im wesentlichen rein formeller RaN» waren. Ucdrigens will man wissen, daß die Annahme des � setzcs im Bundesrath keineswegs einstimmig � Was endlich über den Inhalt bereits in die Oeffentlichkeit S' langt ist, wird als vollkommen richtig anzusehen sein 0j damit also höchstens die Fassung des Wortlauts als Neuig»* erscheinen." trr Ausfall der franzöftfche« Kenator,nn,al,leu � anzosenfrcsscm wieder Wasser auf die Mühle. le Republik! Ein Hauch kann sie umblasen! Und ist ja jetzt bewiesen, daß der republikanische Gedanke unter WJ Massen an Boden verliert! Gemach. Die„Massen" find Haupt nicht in die Lage gekommen, zu wählen. Die Senators Stab gebrochen haben und welches zwar nicht allermiserabelste Wahlgesetz ist— wie nach tstS, Bismarck's Uttheil das preußische Treiklaffenwahlrecht—, dem allcrmiscrabelsten doch ziemlich nahe kommt.— Und_ diesem miserabelen Wahlsystem haben die Konservativen un� 82 Sitzen drei gewonnen, so daß sie jetzt 21 Mitglieder boof* wo sie früher blos 18 hatten! Und wohl gemerkt von W% 21 sei nur c i n e i n z i g e r sich als Monarchist bekennt! Uw das soll ein Triumph der Monarchisten sein! Sehr bescheidM Leute, unsere reaktionären Franzosenfrcsser. Wir wollen iK übrigens zugeben, daß sie wahrscheinlich recht haben, wenn sämmtliche französischen Reaktionäre für die Mon rcklamiren. Ein Kompliment für die Monarchie ist das g nicht.— Genug— wenn man den letzten französischen Sei torenwahlen eine symptomatische Bedeutung beimessen so ist es die: unter der Minorität von Besitzenden, die Senat zu wählen haben, machen reaktionäre Anschauungen„ schritte. Gut, das liegt nun einmal im natürlichen Entwickln gang und ist die nothwcndige, logische Folge des„Zuges links". 1 genau d merken,' das Bür Für die nur von gar eine maskirte franzäsis die prak eines S en a Ergebnij Senat i ein rneu Mahnur auch der Uel soll dem tragsetal die weit! verstärku die tzöh> werde. G« liberale ziösen, So schri sehen er stets H, Ricscnbi digt, we des„Ra machen< scheu. I tonen is Stöcker, hinstellte. daß er e vielleicht gegen de die eigen durch dü lich zu b „verderbt scheint c Unterricht Au- freihändl Tagebl." kürzlich v ein baro preußischl (das n votirt, kann d sich die an der 2 geworfen Und dies desselben eifrigsten Börsenrej hineinfall Ein talen„ G gendem(j schrocken, Geister s exklusiven anderen 5 möchten. fänden." Nack verforg, enossensc c r I) ü i eine frfchi Es ist ab von einer würden, Großindu in den( Art zu er Di- der Arbei rath von den, näm minister i Berufsgcv Kopf der „Soll ich eilte, fand er den Sohn auf dem Rasen liegend, den �geht?" an Kathinka's Knie gelehnt, deren lichtes Kleid von sei»�'( Blute geröthet war. Er sah todtenblaß aus, und die 3lu9'*entqe'qeni't hafteten mit einem ganz eigenthümlichen Glanz auf de» cm, Me Nahenden.„ich Dich „Benno, mein armer Benno, waS ist geschehen?" ri' � der Baron, neben ihm niederknieend und seine Hand'W 8 reifend.„Du bist gewiß zu rasch mit ihm gegangene m' iathinka, ich habe eS Dir so oft verbotm."j m.nis, Der Kranke schüttelte leise mit dem Kopf und hs'Benno,! mühsam die eine Hand; dann sagte er leise:„NetBfominen." Kathinka ist nicht schuld daran; es kam so plötzlich— jj — fühlte mich so wohl und leicht— wie lange nicht m# Ich war so glücklich— es ist so schön, gesund sein— ich bin immer krank gewesen. Arme Kathinka, und Dein hübsches Kleid aussieht— aber ich konnte nicht dafist'; «Mein lieber, guter Benno," sagte das junge Mädch� glttv bittend,„das hat ja gar nichts zu sagen!" Sie hielt in�stummer um die aussteigenden Thränen zu unterdrücken. Der Va>?lteferat de hatte mit angsterfüllten Blicken den Sohn betrachtet,"7°" der... seine Worte schnitten ihm in's Herz. Rur erst, als einen Versuch machen wollte aufzustehen, wehrte er ihw- jwnbe' sim «Bleib noch einen Augenblick, mein Kind," sagte er'�zchivindsv herzlicher Stimme;„die Leute werden gleich mit einem S�irztlicfic B hier sein, um Dich hinauf zu tragen— ich bin ihnen"w antiba vorausgeeilt. Du darfft Dich jetzt nicht anstrengen, oder Nittel um könnte sich wiederholen."' ie die Mi „Aber Kathinka wird müde mich zu halten, Papa."�purden de „Rein, gewiß nicht, gewiß nicht— ich könnte noch �.z�ielt'sind Stunde so knieen," rief diese;„und dort hinten sehe' �C(,C ,u c auch schon die Leute kommen. Du darfft Dich nicht 4■•~ strengen." „Run werde ich wieder diese Woche nicht mit M Maschine fertig," seufzte der Knabe-„ich soll auch Of« aufgi kerne Freude haben! Aber da kommt auch Bruno— habe ich recht lange nicht gesehen." t in De ar unsttl t seit ga ifer reibi 'bung, l „Und weshalb bist Du nicht fort nach dem Arj�chwindsuch bipfpm k**» sT)-. i cm. a xt-.n f7\., lU hier?" rief diesem der Vater entgegen.„WaS thust Du unßW •rrunaew laben raus, uelche* lokratisid» an hab� : HaltlUt Frakti«» tzten TG Kes ksm«! wie ihn» so% fianbsW >s fie i« De und» atz sich Z ienmjj B rpatritnUl nd zu W Darauf c» mM Beiluft* crlictt* ege wi ien Rl icht zu inbe nü Berlin a dies W ; mit Der cini dieser setzten en lür R aus dl' nun und atrum Drohn es„E-l links", der die franzBfischen Massen ergriffen hat. Es ist dies genau dieselbe Erscheinung, welche wir auch in Deutschland be- das Bürgerthum seinen Liberalismus an den Nagel gehängt hat. Für die Republik steckt hierin keine Gefahr. Es ist im Gegentheil nur von Vortheil, datz die Reaktionäre sich abseits stellen oder gar eine der Republik feindliche Haltung einnehmen. Nur als maskirte Republikaner könnten sie der Republik schaden. Die französischen Demokraten haben aus dem Wahlresultat bereits die praktische Nutzanwendung gezogen:„Weg mit dem Produkt eines so erbärmlichen Wahlsystems! Weg mit dem Senat!" Der Senat ist ohnehin nicht populär. Durch das Ergebnih der letzten Wahlen hat die Bewegung gegen den Senat mächtige Nahrung erhalten. Weit entfernt, der Republik ein memento aori zu sein, ist es ihr nur eine eindringlichere Mahnung, mit den imperialistischen Uebetblcibfcln, zu denen auch der Senat gehört, gründlich aufzuräumen. Nette Aussichten. Wie die„Kölnische Zeitung" berichtet, soll dem Reichstage bald nach seinem Zusammentritt ein Nach- tragsetat mit Forderungen für die Militärverwaltung und für die weitere, sich aus der neuen Wehrvorlage ergebenden Heeresverstärkung zugehen. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß die Höhe derselben nahezu hundert Millionen Mark betragen werde. Gegen Stomre macht augenblicklich die ganze national- liberale Presse Front, eimuthigt durch die Haltung der Ossi- ziösen, die, wie sie glauben, im„höheren Auftrage" handeln. So schreibt das„Lechz. Tagebl." unter Anderem:„.... Auf- sehen erregen die angekündigten„Vorträge", welche übrigens stets Herr Stöcker selbst hält, nur, wenn Herr Stöcker mit Riesenbuchstaben sein Lieblingsthema, die„Judenfrage", ankün- digt, weil sich alsdann die rohesten Antisemiten und alle Freunde des„Radau" für zehu Pfennig ein rechtes„Vergnügen" zu machen erhoffen und sich in ihrer Rechnung auch niemals täu- scheu. Was aber vor allem immer wieder und wieder zu be- tonen ist: zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hat Herr Stöcker, obgleich er dies stets als seine hauptsächlichste Aufgabe hinstellte, absolut nichts geleistet. Weit eher ist anzunehmen, daß er einigen recht verderblichen Lehren derselben, wenn auch vielleicht unvewutzt, entschieden Förderung gewährt und den Hätz gegen den Besitz und das Kapital gemehrt hat, ohne aber durch die eigene Person sich als Verächter des„Mammons" und der durch diesen gewährten Annehmlichkeiten dieses Lebens thatsäch- lich zu bekennen."— Je weniger das„Leipz. Tagebl." von den „verderblichen Lehren" der Sozialdemokratie versteht, desto besser scheint es über die Privatneigungen des Herrn tzofpredigers unterrichtet zu sein. An« der Hchnl« z« plaudern macht dem bekannten freihändlerischen Börsenreferenten des nationalliberalen„Leipz. Tagebl." augenscheinlich sehr viel Spatz. So schreibt er erst kürzlich wieder:„... Mag auch irgend ein Pester Journal ein barometrisches Minimum herausstecken, mag irgendwie ein preußisches Blatt offiziös eine möglichst ernste Miene ziehen (das neue deutsche Wehrgesetz ist ja noch nicht votirt, wird es allerdings jedenfalls), nur die Einfalt kann darauf hineinfallen. Von allen Seiten häufen sich die friedlichen Nachrichten und bringen vor allen Dingen an der Wiener Börse, welche bereits die Flinte in das Köm geworfen hatte, eine fast fabelhafte Umwälzung zu Stande." Und dieses niedliche Eingeständnitz findet sich im Handelstheile desselben Blattes, das m seinem politischen Theile eines der eifrigsten„Kriegsalarmschläger" war und ist. Wie urtheilt der Börsenreferent darüber?—„Nur die Einfalt kann darauf hineinfallen!" Einen unfreiwilligen Kommentar zur gouvememen- talcn„ S o z i a l r e f o r m" liefert der„Reichsbote" in fol- gendem Satze eines seiner letzten Leitartikel:„Wir sind er- schrocken, als wir neulich in offiziösen Auslassungen wieder die Geister sich geltend machen sahen, welche den Staat mit der exklusiven Bildung und dem Äeichthum identisiziren und die anderen Klassen nur als dienende Glieder desselben betrachten möchten. Es wäre ein Unglück, wenn diese Stimmen Gehör fänden." Aach dem Programm der Alter»- nnd Invaliden. versorgnng, so wird offiziös hervorgehoben, sollen die Berufs- Genossenschaften auch berechtigt sein, Vorschriften zur Verhütung von Krankheiten zu erlassen, durch welche eine frühere als die normale Invalidität herbeigeführt wird.— Es ist aber kaum anzunehmen, datz die Bemfsgenossenschaften von einer solchen Vollmacht einen erheblichen Gebrauch machen würden, da die Leitung der Bemfsgenossenschaften bei den Großindustriellen liegt und diese Anstand nehmen werden, tief in den Geschäftsbetrieb einschneidende Bestimmungen solcher Art zu erlassen. Die Uerwattnnaskosten für die neue Altersversorgung der Arbeiter sind, wie sich jetzt herausstellt, im Volkswirthschafts- rath von der Regiemng auf 12 Millionen Mark berechnet wor- den, nämlich 1 Mark auf den Kopf des Arbeiters. Staats- minister v. Boetticher gab an, datz die Verwaltungskosten der Bemfsgenossenschaften sich gegenwärtig auf ca.% Mark pro Kopf der Mitgliederzahl berechnen. Darnach würden aber die unter*3 sind 22 Senatott' ü Und iven uA eder 6% ,«3 wenn MonatwJ das gcra?. hen ngeni! twickluN! fuges „Was ich hier thue, Vater?" rief Bruno erstaunt. den selbst nachsehen dürfen, wie es dem Bruder °?„Guten Tag, Bruno!" sagte der Knabe ihm die Hand öie 7 Agent9eSenftrecfenb;„ich bin wieder einmal krank geworden." s auf d„Mein armer Benno— wie blaß Du aussiehst! Soll au ,,tch Dich hinauf in Dein Zimmer tragen?" '«v*„Du wirst mir weh thun." � a»Ah, dort kommen sie ja schon mit einem Sessel," gegang» rief Bruno;„so, das ist recht, Kathinka, laß ihn den Kopf .ein wenig anlehnen. Habe nur einen Augenblick Geduld, und h) Benno, Du sollst gleich zur Ruhe und auf Dein Bett :„Mchkommen." lich—£(Fortsetzung folgt.) nicht m# in— 4- und cht basist' Fluorwasserstoff gegen Kchwindsucht. In unserer hielt>0 Nummer vom 16. Dezember v. I. berichteten wir über ein Der Tw. Heferat des Dr. Herard, des Obmannes einer Kommission, die chtet, chJJjan der„Acadsrnie de medicine" in Paris zur Prüfung eines Us Bei"�11� Heilverfahrens gegen die Tuberkulose festgesetzt worden ist. -r ihm. erhält zu dem Referat des Dr. Hsrard fol- ate er Zuschrift:„Seit der Entdeckung von Koch, datz die 8 ben Tuberkelbazillus erzeugt wird, ging das il" �prztllchc Bestreben naturgemäß dahin, jene verheerende Krankheit chncn jiiit antihaftenellcn Mitteln zu bekämpfen; es sind wohl wenige n, oder Uiiltel unversucht geblieben, von denen es nachgewiesen war, daß ie die Mikroorganismen vernichten. Namentlich in Deutschland Papa. Wurden derartige Versuche streng methodisch gemacht, doch kann t fi�nan nicht zugeben, daß bis auf ganz geringe Fortschritte Erfolge 7. Erzielt find; ja es ist sogar fraglich, ob überhaupt solche auf diesem ege zu erwarten find, und die Behandlung der Krankheit wird st in Deutschland in ganz anderer Richtung angefaßt, und ar unstreitig mit einem gewissen Erfolge. In Frankreich ist st seit ganz kurzer Zeit diese Frage von neuem mit großem fer aufgenommen worden, aber man mutz bekennen, datz der sthusiasmus oft die Kritik überwog; denn es ist keine lieber- teibung, daß im letzten Jahre in Frankreich fast jeden Monat sij™ neue antibakterielle Methode der Heilung von Lungen- '"' auftauchte; einer jeden sollten wunderbare Erfolge Ans Kunst und Leven. Selbstverwaltung soll für die -chleswig-H olstein zur Verwaltungskosten für die Altersversorgung noch einen weit größeren Betrag erreichen. Eine Einschränkung bei neue K re isord nung für_.. Anwendung kommen. Cs wird beabsichtigt, und der national- liberale„Hamburger Korrespondent" befürwortet dies bereits, den Staatsbehörden die Befugnitz beizulegen, Personen, welche „nicht ausreichende Gewähr für die dem Staatsinteresse ent- sprechende Wahrnehmung der polizeilichen und obrigkeitlichen Geschäfte bieten", von dem Amt des Amtsvorstehers auch dann auszuschließen, wenn sie an der Vorschlagsliste der für das Amt befähigten Personen stehen und zur Uebemahme des Amtes bereit find. Solches empfehle sich gegenüber der dänischen und sozialdemokratischen Propaganda.— Die Vorschlagsliste wird aber bekanntlich von den Kreistagen aufgestellt. Bisher ist über- Haupt noch kein Sozialdemokrat m Preußen irgend wo auch nur in einen Kreistag gelangt. Daß ein Kreistag in Schleswig- Holstein eine dänisch gesinnte Mehrheit erlangen könnte, dazu gehört überhaupt eine ganz besondere Polizeiphantasie, wie sie nur nationalliberalen Blättern eigenthümlich ist. In Freiberg stehen sich für die sächsische Landtagswahl am 10. Januar Liebknecht(sozialdem.) und Amtshaupwann Dr. Fischer(kons.) gegenüber. Ei« nette» Ktnckchen„christlicher Nächstenliebe" ist in letzter Sitzung des Magistrats zu B a y r e u t h zum Besten gegeben worden. Kam da unlängst— so erzählt die„Fränk. Tagesp."— ein todtkranker Handwerksbursche zur Armenpflege Hollfeld und bat flehentlichst um Aufnahme ins dortige Kranken- haus. Anstatt ein wirkliches Werk sogenannter christlicher Barm- Herzigkeit zu üben und dem armen Teufel ein Obdach zu ge- währen, unter welchem er die Weihnachtsfeiertage hätte ver- dringen können, luden die jedes Funkens von Humanitätsgefühl baren Hollfelder„Armenpfleger" denselben aus einen Schlitten und fuhren ihn bei der grimmigen Kälte bis vor die Stadt Bayreuth, wo er auf freiem Felde abgesetzt und Jn Gottes Namen" seinem weiteren Schicksal überlassen wurde! Mit knapper Roth konnte sich der Unglückliche noch bis vor die Thüre des hiesigen städtischen Krankenhauses schleppen, welches ihm natürlich sogleich Aufnahme gewährte. Das Bezirksamt Ebermannstadt ertheilte der Armenpflege tzollfeld deshalb einen gehörigen Ver- weis, aber traurig genug, datz es bei so religiös und fromm thuenden Menschen erst. einer derartigen Zurechtweisung bedarf! Die Heiden in Zentral- Afrika hätten an einem Bruder ihres Stammes menschlicher gehandelt, als diese„schwarzen Seelen". Dl» Strafkammer de» Mainzer Landgericht» hat in dem jüngst erwähnten Protest des Landtagsabgeordneten Jöst gegen die ihm von der Staatsanwaltschaft angedrohte Verhaftung folgendes Urtheil erlassen:„Die von dem Landtagsabgeordneten Jöst aus Artikel 84 der Verfassungsurkunde hergeleitete Einwendung gegen die Zuläsfigkeit der Vollstreckung der gegen denselben rechtskräftig erkannten Gefängnitzsttafe von 6 Monaten wird als unbegründet verworfen.'Nach der Entscheidung des vormaligen höchsten Gerichtshofs des Grotzherzogthums vom 6. Juni 1843 in Sachen gegen Müller- Melchiors, deren Gründe das Landgericht sich aneignet, ist der angerufene Att. 84 der Verfassungsurkunde seinem Grunde und Zweck nach nicht vor der Haft, welche in Vollzug eines rechtskräftigen Strafurtheils stattfindet, sondern in Strafsachen nur von der Untersuchungshaft zu verstehen. Die erhobene Einwendung ist daher nicht begründet." Wie wir hören, hat der Abgeordnete Jöst gegen dieses Urtheil bei dem Oberlandsgericht in Darmstadt Berufung ergriffen. Menen Verbreitung sozialistischer Schriften wurde letzten Mittwoch in Karlsruhe ein junger Schlosser ver- haftet. Die Mgl. Württembergische Regierung be» Urckar- kreise» gez. Kraust verbietet zwei Flugblätter, die„angeblich" in Zürich hergestellt sind, auf Grund des Sozialistengesetzes. Das erste Flugblatt beginnt unter der Ueberschrift:„Arbeiter aller Länder vereinigt Euch" mit den Motten:„Arbeiter bereitet Euch" und schließt:„Hoch die soziale Revolution". Das zweite Flugblatt trägf die Ueberschrift:„Auf zur Rache!" Es be- ginnt mit den Motten:„Parsons, Engel" und schließt:„Hoch die soziale Revolution." Gesterr-tch-M«gar«. Polnische Blätter bettchten, in Sadagora sei ein Russe verhaftet worden, welcher sich in verschiedenen Verkleidungen in der Bukowina herumgetrieben habe und nach den bei ihm vorgefundenen Papieren eine ziemlich hohe Stellung bekleide. Grotzbritannie«. Aus Dublin meldet der Telegraph unterm 8. Januar: Der irische Deputittc Lane wurde gestern Abend wegen seiner am 4. v. M. gehaltenen Rede, in welcher er zum' Aufruhr reizte, verhaftet. Die Verhandlung wurde auf 8 Tage verschoben und Lane inzwischen gegen Kaution auf freien Fuß gefetzt.— Der ittsche Agitator Wilfred Älunt traf gestern Abend unter statter Bedeckung in Galway ein und wurde von einer großen Menschenmenge enthusiastisch begrüßt. Es kam hierbei zu Ruhestörungen, die Polizei muhte auf die Menge eindringen, zukommen und doch find die meisten schon längst vergessen. Es ist kaum ein Jahr her, da erfüllten die von Bergeon vettün- beten Erfolge mit seiner Methode, die in Einblasungen von Gasgemischen in den Darm bestand, die Gemüther namhafter Aerzte und unzähliger Kranker mit neuen Hoffnungen: in Amettka zwangen die Patienten geradezu die Aerzte zur An- wendung des neuen Verfahrens; wie wenig ist vor der stren- geren Kritik jetzt davon übrig geblieben? Die Methode vermag zwar gewisse Symptome zu vesiern, ist aber auf den Gang der Krankheit einflußlos. Die neueste französische Behandlung ist nun die mit Fluorroasserftoffeinathmungen. Ob derselben in der That eine Bedeutung zukommt, darüber werden erst Nach- Prüfungen entscheiden können, denn was bis jetzt darüber mit- getheilt ist, nämlich der Bericht des Erfinders Garein und der schon viel weniger sanguinische des zur Nachuntersuchung bestellten Referenten H-'rard, das fordert die kritischen Zweifel direkt heraus. Ob der Fluorwasserstoff die Bazillen tobtet oder nichf, ist gleichgittig; denn viele Stoffe tobten die Tuberkelbazillen im Reagensglas, find aber machtlos im Or- ganismus. Wenn Garcin von 100 Kranken 33 geheilt und 41 gebessert haben will, so fehlte jede An- gäbe bei ihm über Art und Grad der Krankheit. Die Ersah- rung lehtt aber, wie oft die auffallende Besserung im Befinden Schwindsüchtiger, wenn sie in geordnete Lebensverhältnisse kom- men, Veranlassung zu Jrrthümern bei Anpreisung neuer Er- folge war. Der Referent H rard sagt nun obendrein, datz die Methode vorzugsweise in beginnender Erkrankung Aussichten gewähre, und rühmt als ihren Vorzug, daß sie mit hygienischen BeHandlungsweisen zu komdiniren sei, also denjenigen BeHand- lungsweisen, mit denen man in Änfangsfällen auch sonst Erfolge hat. So lange aber exakte klinische Beobachtungen, die einen vollen oder selbst nur theilweisen Erfolg datthun, nicht vorliegen, möge das Publikum sich nicht voreiligen Hoffnungen hingeben, datz die Schwindsucht durch Fluorwasserstoff heilbar sei. Die Geschichte der Tuberkulose kennt genügend viel Bei- spiele, daß Empfehlungen anderer Mittel, die mit derselben und größerer Zuversicht aufgetreten find, sich als starke Jrtthümer herausgestellt haben. Gilt auch das Wott von Virchow, es sei die Aufgabe der Menschheit, jetzt die Lungenschwindsucht zu überwinden, wie der Skorbut des Mittelalters überwunden ist, find wir auch dieser Frage durch die Entdeckung von Koch näher gerückt, so ist es doch bei der verwickelten Beschaffenheit dieser Aufgabe kaum zweifelhaft, daß dieselbe nicht gelöst werden wird durch die einseitige Anwendung einer medikamentösen Methode allein." wobei einige Personen perletzt wurden. Blunt wurde schlietzli� in das Gefängnis) abgeführt. Frankreich. Der M i n i st e r desJnnernSarrien arbeitet einen Gesetzentwurf über das Vereinswesen aus, der dem Staatsrath zur Begutachtung vorgelegt wird, und einen weiteren über die Ärbeiter-Fachvereine, über welchen er sich mit dem für diese Frage vor 5 Jahren von seinem Vorgänger Waldeck-Ronssean niedergesetzten, aber schon nach einigen Monaten„eingeschlafenen" außerparlamentarischen Ausschutz in Ver- bindung setzen will. Ferner beschäftigt sich Herr Sarrien mit einer Vorlage über die Armenpflege auf dem Lande. In dem Kabinetsrath, welcher am 5. Januar im Finanzministerium abgehalten wurde, theilte Tirard mit, daß er die vom Budget« ausschutz vorgeschlagene Abänderung der Getränke- st euer aufrechterhalten, die geplanten Maßregeln über die Aendenrng der Erbschaftssteuer dagegen nicht unter« stützen könne. Der Minister will dem Ausschuß seine Pläne am Montag vorlegen. lieber den Ausfall der Wahlen für den Senat schreibt Rochefott: Wir wollen wetten, daß von hundetttausend Parisern nicht 25 gelehrt genug waren, um zu wissen, daß am gestttgen Tage ein Dritttheil des Senats er- neuett wurde. Leider sind jene Ausgestopften, die man alle drei Jahre einmal herausnimmt, um sie mit dem Wahlfeder- wisch abzustäuben, jene Museumsgegenstände, denen die Revolutionen nicht einmal die Ehre erwiesen, sich ihrer zu er« innern, heute unsere Gebieter und unsere Tyrannen. Der Orleanist Wallon hat seine Verfassung nur für sie gemacht, für das beschränkte Stimmrecht, gegen das allgemeine. Unter den Händen der obskuren Würger des Luxembourg windet sich heute die Republik. Sie hemmen alles, sie strecken ihre Scheeren nach jedem Fortschritt und noch jeder Reform aus.... Sie stellen das orleanistische Regime, nur noch verlogener, dar.— Eamille Pelletan bestreitet in der„Justice", daß das Wahlergednitz als eine Strömung im reattionär-monarchistischen Sinne zu deuten sei. Um sich vom Gegentheil zu überzeugen, brauche man nur die Ergebnisse des allgemeinen Stimmrechis in's Auge zu fassen. Das beschränkte Stimmrecht habe sich gestern selbst verdammt. Aber die Oppottunisten werden darum nicht minder fortfahren, den Senat eine feste Burg der Republik zu nennen. Sie hatten Himmel und sHölle aufgeboten, um die Radikalen aus dem Oberhause fernzuhalten, und nun schleichen sich die Monarchisten durch die halbgeöffnete Thür ein, wehe aber, wenn man sie ihnen ganz öffnete. Kelgir«. Seit zwei Tagen ist in den Zechen S a r s- L o n g- champs und Bouvy bei La Louviore, wo es bereits seit einiger Zeit gähtte, ein bedeutender Streik ausgebrochen. Bereits um Weihnachten hatten dott die Kohlenarbeiter vorüber- gehend die Arbeit eingestellt, well man sie dazu verpflichtete, nach ihrer Arbeit die Stützbalken, die zum Auszimmern der Minengänge dienen, selbst zu schneiden und zu bearbeiten. Da- mals wurde jedoch die Arbeit nach zweitägiger Unterbrechung, wenngleich unter Protest gegen die belastende Neuerung wieder aufgenommen. Diesmal richten sich die Beschwerden der Ar- heiter, die in Zahl von ungefähr 700 ihrem Tagewerk fern biteben, gegen ein neues voiMder Grubendirektion erlassenes Reglement, in welches dieselbe eine Anzahl äußerst sttengerBe- stimmungen einführte. Danach soll z. V. ein Arbeiter, welcher zwei Tage hintereinander ohne vorherige Benachrichtigung bei der Arbeit nicht erschien, als nicht mehr der Gefellschaft ange- hörig betrachtet werden und überdies eine Entschädigung in Form Lohnabzugs im Wetthe von 5 Arbeitstagen an dieselbe leisten. Beleidigende Ausdrücke, Verweigerung des Gehorsams und dergl. sollen mit Geldbußen bis zu 10 Fr. geahndet werden. Anrichtung von materiellem Schaden bei der Arbeit soll mit Geldbußen im Werthe des entstandenen Schadens gestraft werden. Die Arbeiter wollen sich diese drakonischen Äestim- mungen nicht gefallen lassen und hielten in dem bei Sars- Longchamps gelegenen Weller Mitant-de-Camps eine Verathung ab, worin beschlossen wurde, Delegitte zu dem Gruben- direktor und den Oberingenieuren behufs Unterhand- lungen zu entsenden. Letztere haben inzwischen statt- gefunden, jedoch ohne günstiges Ergebnitz für die Kohlenarbeiter; die Direktion will das Reglement nicht zurückziehen. Trotz des Elends, das in den meisten Arbeiterhaushaltungen herrscht,. wollen die Kohlenarbeiter nicht nachgeben, sondern den Kämpf bis aufs äußerste fortsetzen. Symptome von Widerstand gegen die Grubengesellschaften haben sich in jüngster Zeit auch anderswo gezeigt, so unmittelbar nach Weihnachten in Gilly(bei Charleroi), wo es vorübergehend zu einer Arbeitseinstellung kam. Die „Gazette" erhält von einem Industriellen des Hennegaues eine Zuschrift, worin es als ein„vollständiger Jrtthum" bezeichnet wird, wenn man glaube, die Versuche, einen allgemeinen Streik herbeizuführen, seien nicht mehr zu„fürchten". Vor zwei"' ren hätten die sozialistischen Lehren dominitt, heute würden diese immer mehr durch die anarchistischen Ideen verdrängt(?). An die Heilkraft des allgemeinen Stimmrechts glaubten viele Kohlen» arbeiter schon nicht mehr; die„Umsturzideen" griffen immer Schulbildung beutscher Rekruten. Im Deutschen Reich wurden im Ersatzjahre 1886-87 169240 Rekruten in die Armee und Marine eingestellt und dabei auf ibre Schulbildung geprüft. Von dieser Zahl hatten 163 203 Schulbildung in der deutschen Sprache, 4822 nur in einer anderen Sprache, und 1215 waren ohne Schulbildung, d. h. konnten weder lesen noch ihren Namen schreiben. Die Eingestellten, welche weder lesen noch ihren Namen schreiben konnten, betrugen im Prozent der Ge- sammtzahl aller Eingestellten im Ersatzjahre 1886/87 0,72, während sie 1875 76 2,37 betragen hatten. Diejenigen Bezirke, welche die meisten Rekruten ohne Schulbildung stellten, waren im Ersatzjahre 1886 87: Regierungsbezirk Marienwerder 5,18 Prozent, Reg.-Bez. Gumbinncn 4,98, Reg.-Bez. Posen 4,81, Reg.-Bez. Königsberg 3,51, Reg.-Bez. Danzig 3,21, Reg.-Bez. Oppeln 1,79, Reg.-Bez. Bromberg 1,64 pCt. aller Eingestellten des betreffenden Bezirks. _, Z5dälq««ll-n in S-lubschifta«. In den Hügeln von Belndschistan(Asien) haben englische Ingenieure Erdöl aufge- bohrt, welches so dick und schwer ist, daß es zur Feuerung taugt und,, da es sich an der Luft erhättet, wie Asphalt auch zu Pflasterungen und Eindachungen verwendet werden kann. Es handelt sich nur um die wohlfeile Verfrachtung dieses Erdöls nach Kurrachee zur Verschiffung. Ein fanatischer Gegner be» Tanzen». Der Bürger« meister von Lowestoft(England) hat den Grimm des dottigen Pastors Lewis Price auf sich geladen, weil er einen Ball zu geben beabsichtigte. Aus dem von großer Unduldsamkeit zeugen- den öffentlichen Schreiben des Pastors möge folgende Stelle herausgegriffen werden:„Es giebt in der Bibel keinen Präzedenzfall oder einen Spruch, welcher derartige Vergnügungen gestattet. Weder von Moses, noch von den Propheten, noch von Christas und seinen Aposteln hat man jemals gehött, datz sie einen Ball gegeben haben. Ein Ball ist das sicherste Mittel zur Entflammuug der schlimmsten Leidenschaften. Ich kenne nichts, was in höherem Grade die Fleischeslust und die Augen- lust und hoffähttiges Wesen zu erwecken im Stande wäre. Sie werden die Welt und den Teufel auf Ihrer Seite und Gott und die Bibel gegen sich haben.- Wir werden deshalb für Sie beten, daß Gott Sie und Ihre Genossen vor viefem fluch- würdigen Balle bewahren möge."- Hoffentlich haben sich die Tanzlustigen in Lowestoft durch diese wüthende Kapuzinade in ihrem Vergnügen nicht stören lassen. «ehr um fick. Viel habe zu ihrer Verbreitung der in einem sozialistilcheu Blatte abgedruckte Roman Zola's„Germinal" bei- getragen, der von Tausenden Arbeitem verschlungen und in zahlreichen Haushaltungen aufbewahrt, gelesen und kommentirt werde. Kurz, die Lage sei weniger beruhigend als vor zwei Jahren. Wenn auch in diesem Bilde vielleicht die Farben etwas zu stark aufgetragen sind, so läßt sich doch nicht verkennen, daß «ne pessimistische Stimmung unter den Kohlenarbeitern seit langer Zeit besteht. Rußland. Ueber die Behandlung russischer Studenten seitens der Vorgesetzten derselben thcilt man der ,,K. Z." fol- gende Einzelheiten mit: Nachdem in Moskau die Unrr Innchen mit Kosakenhiebcn und Blutvergießen vor sich gegangen, versammel- ten sich in der Universität unbetheiliat gewesene Studenten und ließen den Rektor um eine Unrerredung zu sich bitten. Der Rektor läßt ihnen sagen, sie mögen ihre Kotten beim Thorwatt abgeben und dann zu ihm kommen; Antwott: das würden sie nicht thun, da sie fürchteten, daß er mit ihren Karten in der Hand gegen sie vorgehen könnte. Der Rettor giebt ihnen darauf sein Ehrenwott, daß sie nicht verhaftet werden, sondem frei seine Wohnung verlassen würden. Sie erscheinen und ettlären, daß sie mit den Unruhen nichts zu schassen hätten und nichts zu schaffen haben wollten, daß aber der Jnspettor ein roher Mensch sei, von dem sie befreit zu werden bäten. Während da nun verhandelt wird, ttttt der Kurator Graf Kapnist in's Zimmer, wie es scheint, von einem reichlichen Mahle kommend. Sofort schreit er die Versammelten an:„Was ist das für eine Äer- sammlung? Ich werde Euch lehren!" u. s. f., und ruft nach der Polizei. Der Rettor beschwött ihn; er habe sein Ehrenwott für freies Geleit gegeben, man bespreche sich ganz friedlich.„Sie können Ihr Ehrenwott geben," ist die Antwott,„aber ich thue, was ich will!" Der Rektor bittet dann, ihm seinen Abschied zu geben, worauf eine ähnliche Antwott erfolgt, und die Studenten wer- den verhaftet.— Ein anderes Beispiel: Ein Gutsbesitzer Bar- tenjew hat einen Sohn auf der Petersburger Universität. Er wird eines Tages von dem Sohne benachrichtigt, daß er relegitt worden sei, eilt nach Petersburg und hört von dem Sohne, daß er den Grund nicht kenne. Er begicbt sich zu einem Beamten der Anstalt.„Warum ist mein Sohn relegitt? Was hat er verbrochen?"„Er hat sich hier allerdings nichts zu Schulden kommen lassen, aber er ist früher als Schüler im Gymnasium zu Kasan ein unruhiger Bursche gewesen, bat sich dott an gc- Heimen Gesellschaften dethelligt."„Wie? Mein Sohn ist nie in Kasan gewesen."„Ah, dann war es vielleicht ein anderer." Es erweist sich, daß ein Dattenjew in Kasan Gymnasiast war, daß vier Battenjew's in Petersburg studirten und, daß man wegen jenes„unruhigen Burschen gleich alle vier relegitte! Räch einer Meldung der„Agenzia Stefani" aus Massauah befinden sich die italienischen Vorpo st en in Dogali; Sonntag soll das Hauptquattier nach Monkullo verlegt werden. Auf den Dogali beherrschenden Höhen wird ein tteincs Fott errichtet. Kalkattläuder. Wie der„Agence Havas" über den gemeldeten P ut s ch bei Burgas weiter telegraphitt wird, wäre das Schiff mit Nabokoff und etwa 100 Insurgenten von Konstantin opel t kommen und wären in dem Kampfe 20 Insurgenten und 8# garische Soldaten getödtet worden. Kleine MittlseUungeu. Lemberg, 5. Januar. In ganz Galizien herrscht# einigen Tagen ganz ungewöhnliche Kälte. Auf den Landstrap wurden Leichen erstartter Bauem und Bäuennnen gefund< Das Wasser ist in vielen Bmnnen eingefroren; in zahlreitfe Städten wurde die Jugend für die Dauer des Frostwettjä vom Schulbesuche befreit. Aus Rusfisch-Polen kommen ebenf? Meldungen über einen außergewöhnlich strengen Winter.» den öffentlichen Plätzen Warschaus werden brennende W Haufen zur Erwärmung der Passanten unterhatten. Paris, 4. Januar.(Im Geldschrank erstickt.) Der sf$ jährige Sohn eines hiesigen Geschäftsmannes versteckte sich n" lich Abends, um nach Kinderatt sich suchen zu lassen, in K zufällig offenen Geldschrank seines Vaters. Letzterer wun schnell zu einem Geschäft abgerufen und schloß den Schrank 1 ohne zu bemerken, daß er das Kind einschloß, welches übrijjf kein Zeichen gab. Als die Nacht hereinbrach, suchten die" angstvoll den Kleinen überall vergeblich. Erst am an» Tage beim Ocssnen des Geldschranks fand der Vater sein erstickt. Pem-Uork, 4. Januar. Infolge des SchließenS der Gx fabnken der Vereinigten Staaten haben 12000 Arbeiter' Beschäftigung verloren. »r. Theater. Dien st tag, den 10. Januar. Wprrirhi»«». Eoppelia. Vorher: Sie weint. Aehmifvielha««. Die Piccolomim. Vorher: Wallenstein's Lager. Theater.„Der Weg zum Herzen". talluer-Theater. Ein toller Einfall. Der Mizekado. Friedrich- MUhelmstadtische» Theater. Die 7 Schwaben. MiKtoria Theater. Die Reise um die Well in 80 Tagen. Gstead-Theater. Licht und Schatten. Dlestderq-Theater. Francillon. Kroll'» Theater. Patience. Dellealliaace-Theater. Die Fledermaus. Mathalla-Theater. Alle Neune. Teatrat-Theater. Höhere Töchter. Königstädtisches Theater. Dorf und Stadt. A«erira«»Thrater. Spezialitäten-Vorftellung. Toorordia- Theater. Spezialitäten- Vor- stcllung. Theater der Keichshalle». Spezialitäten« Vorstellung. Maafman«« ParlStö. Spezialitäten« Vor- stellung._ Berliner Stadt Theater Wallnettheaterstraße 15, fr. Alhambra- Theater. Wr iidjt b. AiiMrmiz onn: Morpheus auf der Oberwelt. Phantastische Posse mit Gesang in 3 Atten Ivon E. Jacobson. Vor und nach der Vorstellung im Tunnel: Grosses Konzert. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 7t Uhr. )resdenerstr. 72. Direktion: Adolph Ernst. Me« einstudirt n. mit neuen Konplet». 186. Zum Male: Die schöne Ungarin. lw empfiehlt sich zur Anfertigung eleganter Herren- Garderoben. Für ouion Kitz und saubere Arbeit wird garantttt. Lager von Kuckskin» in großer. geschmackooller Auswahl. Auswerkeut eleganter fertiger Wiuterpaletot«. Koulante Zahlungs-Bedingungen![14 IM. SAeyePf 6 erlin O, Moppenltraße sistt Arbeitsmarkh Ein gut. Satte auf Wochenlohn oder Stückarbeit,; oder nicht, findet sehr gute, dauernde � in Hannover. Ilmzug wird vergütet. unter„Sattelmacher" in der Exp. d. Anfang i auch befi feboffen, trostlosen süchtige Gegenthe erbracht, in frisch Lebenswe tigung u sucht nich Bessemux Schwind] in einer nährer e festigt un Gewiß w kulose au festigen i Ursachen aber die nicht mox legen, bc; der Opfe, Kszentl Interesse Ein Lehrling, welcher Lust hat, Z tselenr zu we langt bei Atiwming& p-nzloff, ivÄ Kerstlberer und Aantenwatter 89] Braune A Co., Grimm ffi Anstand, jung. Mädchen, welches ij schläft, für Famtlie und Kind sofott. 109) pietsihmann, Luckauerl�/ Ftlr Hausfrauen V anille-Stticken-Chocolade, welche auf dem Transpotte zerbrochen, gar�ntiit rein Iulker, sonst 4 Pfd. 1,40 Matt verkauft, jetzt 4 Pfd.''L/, L. JAECKEL'S Ehokoladen-Vettandtgeschäft, Berlin,'■ SS in«Rfh tnff Ctnrfnn für 11 U-b Berliner du Bois- Monatsse überaus entnehme Wachsthp fänglich c ums Das sammengt Krystalle. für thr P _______- KOraesleretrasse 22. 10 Pfd. inkl. Katton für 11 � Beramwottlich:».«ronheim; für Vereine und Wammlungen:$. Tnhaume. beide in Berlin. Druck und Verlag von Mar Sabin« in Berlin SW., Bcuthstraßc� Aiirtu eine Hierzu ein» noptl und 8 1 Beilage zum Berliner Volksblatt. Dtr. 8. Dienstag, den 10. Januar 1888. S. Jahrg. wÄ 3 Uoj} Z JlnPüftiU für re�onoa�zenie Urweiler. r,# W Seit längerer Zeit wird in medizinischen Blättern die Frage der Rekonvalcszenten-Häuser für Arbeiter und deren Angehörige ventilirt, und ich glaube, daß es auch für die Arbeiter selbst nicht unintereffant ist, einiges über diese Frage zu lesen. Bei der enormen Zunahme der Bevölkerung und des sozialen Elends in den größeren Städten einerseits, und bei der immer mehr wachsenden Einficht, daß die Pflege des Kranken in vielen Krankenhäusern eine ungleich bessere ist, als fie in Arbeiterfamilien und Arbeiterwohnungen häufig sein kann, ist der Andrang zu den Krankenhäusern ein so großer geworden, baß die Verwaltungen dieser Krankenhäuser den Anforderungen nur mit aller Mühe gerecht verden können. Um die Schwer- kranken nicht abweisen zu missen, nehmen die meisten Kranken- Häuser nothgcdrungen zu dc Maxime ihre Zuflucht, daß fie die einigermaßen Genesenen entlassen, um so Platz für die Nachdrängenden zu gewinnen Das geschieh! natürlich häufig genug zum Schaden der Entlassenen. Entweder Heien fie in den einem Rckonvales- zenten unzuträglichen Arbcterwohnungen, müssen hier alle die alltäglichen Unannehmlchkeiten, die das Familienleben mit fich führt, in den Kauf ehmen, oder fie nehmen gar die Arbeit zu einer Zeit wieder uf, wo die Kräfte noch nicht zu der gewohnten Berufsarbeit genügen. Die Folge davon ist leider nur allzu oft, daß dies, Arbeiter zunächst wieder erkranken oder gar dauerndes Siechthui davontragen. All' diese Misere ist der Rekonvaleszenten aus der wohlhabenden Bevölkerung ausgeschlossen. Wer einen'yphus, Lungenentzündung oder sonst eine akute Krankheit übetanden hat, sucht in einem Bade- oder Luftkurort seine Gesunheit und früheren Kräfte völlig wiederherzustellen oder geht fü mehrere Wochen oder Monate in eine Heilanstalt nach Falkerein(Taunus), oder Grubersdorf oder Wilhelmshöhe bei Kassel,)der gar nach Montreux, Vevey (am Genfer See), oder an ie Rlviera(Mittelmccr); kurz tausenderlei Möglichkeiten sind em Wohlhabenden, in der Gc- ncsung Begriffenen geboten, voe Heilung und Gesundheit zu erlangen. Es hat sich deshalb«ei dem stetigen Wachsen des Proletariats die Frage mit Gerät herandrängen müssen, ob es nicht möglich wäre, schon unter cn jetzigen Verhältnissen etwas für die rekonvaleszentcn Arbeitethun zu können. In einer besser gestalteten Wirthschaftsordnung ics ja selbstverständlich, daß man es für die Pflicht einer vernünftigcPolksgesundheitspflege ansehen wird, alle die Mittel bei der Bandlung eines Kranken anzu- wenden, welche uns die Natr und menschliche Kunst zu Gebote stellt. Und ich zweifle cht, daß in späterer Zukunft auch ein einfacher Arbeiter, der ee beginnende Lungenschwind- sucht erwirbt, die Wohlthaten ees mchrwöchentlichen Aufent- Halts an der Riviera wird genieß können. Können wir für den rckonteszenten Arbeiter noch nicht den mehrmonatlichen Aufenthaltin einem Bad oder einem Luftkurort erreichen, so soll man ch wenigstens darnach streben, dem Rekonvaleszentcn Gelegenhczu bieten, seine völlige Ge- sundheit in einem Hause zu gewinn, das außerhalb dcrt Stadt, wenn auch nicht allzuweit davon tfernt, und in günstiger ge- sunder Umgebung liegt. In Frtreich und England bestehen solche Rekonvalcszentenhäuser schoAnast, und in der jüngsten Zeit hat auch Berlin begonnen, soe Häuser einzurichten. Die ersten Rekonvalcszcntcnhäuser denen sich in Heincrsdorf und Blankenburg(in der Nähe von Bin) und bieten Raum für je 20 Personen. Die Kosten für den einzelnen Konvaleszenten, welche die Krankenkasse zu tragen hat, betra, pro Tag 1 M. Selbstverständlich muß die Stadt Berlimoch einen großen Theil der Kosten tragen, da die Vcrpsungskosten allein, abge- sehen von dem Anlagekapital unideffen Zinsen, pro Kopf und Jahr zirka 450 Mark bellen. In den Häusern haben die Rekonvaleszenten völlig je Verpflegung und Woh- nung; fie haben sich der Hausordng, die zum Beispiel das Verbot des Alkoholgcnusses enthält,, fügen, im übrigen aber find sie in ihrer freien Bewegung urchaus nicht befchränkt. Bisher sind die Schwindsüchtigen t der Wohkthat der Re- konvaleszentenhäuser ausgeschlossen. Me Zahl dieser Kranken ist ja bekanntlich eine sehr große ,d deshalb belasten die Patienten die Krankenhäuser in sehohem Grade. Änderer- seits wäre es falsch, Schwindsiichtigmit anderen Rckonvales- zenten in eine solche Anstatt zusmenzubringen, weil das Zusammenleben für die Rekonvaleszen keineswegs sehr ange- nehm oder nützlich wäre. Aber mmird, wenn einmal der Anfang mit solchen Anstalten gemacist, nicht umhin können, auch besondere Rekonvalcszentenhäuj für Schwindsüchtige zu schassen. Man steht ja heute wissenschich nicht mehr auf dem trostlosen Standpunkt der Vergange, t, daß jeder Schwind- süchtige einem schnellen Tode unrar verfallen sei. Im Gegentheil, durch hundertfache Viele ist der Beweis erbracht, daß durch einen mclonatlichen Aufenthalt in frischer, freier Luft, bei Jnneinng einer geregelten Lebensweise, unter einer rationel ärztlichen Beauffich- tigung und bei vernunftgemäßer Ehrung die Schwindsucht nicht fchlechtere Ausfichten auf Esung oder wenigstens Besserung darbietet, wie viele andeKrankhciten. Mancher Schwindsüchtige kann durch einen mnonatlichen Aufenthalt in einer solchen Anstalt noch Jahre laseiner Familie als Er- nährer erhalten werden. Manches Filenunglück könnte be- festigt und ungeheure Ausgaben der Gesntheit erspart werden. Gewiß wird man auch durch diese Mahmen nicht die Tubcr- kulose aus der Welt schassen. Um dialkskrankheiten zu de- fettigen oder auf ein Minimum zu bünken, wird man die Ursachen der Krankheiten, die sozialen Vände beseitigen, d. h. aber die foziale Frage lösen müssen, jenn das heute noch nicht möglich ist, so soll man doch auchste schon Hand daran legen, den verheerenden Volkskrankheitennigstens einen Theil der Opfer abzuringen. Und hierzu wer sicherlich die Relon- valeszentenhäufer im Stande fem, VerLermehrung wir im Interesse des Proletariats von Herzen vchen. Dr. C. s Lokales. Usber da» Wachsthum der Mir veröffentlicht der Berliner Physiologe Professor Dr. Gadrster Äffistent von du Bois-Reymond, in der neuesten Nuic des„Humboldt", Monatsschrift für die gesammten Natrfcnfchaftcn, einen überaus interessanten längeren Aufsatz, Hein wir folgendes entnehmen: Des Menschenlebens viertereil geht auf das Wachsthum dahin. Dieser Prozeß, durchchen aus dem an- fänglich abfolut hilflosen Wesen der selbststg in den Kampf ums Dasein eintretende Mensch sich entw, ist ein sehr zu- sammengesetzter. Auch unorganische Dincachsen, z. B. die Krystalle. Hier legen fich gleichartige Mol aus der Mutter- lauge Schicht für Schicht derartig regelmäan den zuerst ge- bildeten Krystallkern a». Die Organismeizegen muffen den sur ihr Wachsthum verwendbaren Stoff am aufgenommenen Nahrung nicht nur auswählen, fie müssen ihn auch chemisch umformen, asfimstirm. Der asfimilirte Stoff kann nur theil- und zeitweise gleichartigem schon vorhandenem Stoff einfach angefügt werden. Der Größenzunahme der einzelnen Gewebs- elemente find nämlich durch die Bedingungen für die Aus- Übung ihrer spezifischen Funttionen Grenzen gesetzt, welche nicht überschritten werden können. Die Primitiv- Muskelfaser z. B., welche als histologische Einheit in die Zusammensetzung der anatomisch einheitlichen Muskeln eingeht, wird nie länger als 5 cm und me breiter als'/>, mm. Wenn nun die Muskeln, dem Knochenwachsthum entsprechend, an Länge zunehmen und den gesteigerten Anforderungen an Krastentfaltung entsprechend sich verdicken sollen, so reicht hierfür ein Auswachsen der von Anfang an ge- bildeten Elemente nicht aus, es muß vielmehr reichliche Vcr- mchrung solcher Elemente hinzukommen. Zu den am Wachs- thum der Weichgcbilde des Körpers bethemgtm Prozessen tritt beim Wachsthum der Knochen noch ein ganz eigenartiger Vor- gang hinzu. Die wachsenden Knochen ändem nicht nur ihre Dimensionen, sondem auch ihre Form, d. h. das Verhältniß ihrer Dimensionen in sehr erheblicher Weise. Die auffallendste Wachsthumerscheinung ist die Längenzunahme des ganzen Körpers, welche wesentlich dem Knochenwachsthum zu danken ist. Den größten Antheik an derselben hat die Streckung der langen Röhrenknochen der unteren Extremitäten. Von den feineren Vorgängen, welche den äußerlich wahmehmbaren Erscheinungen und Resultaten des Wachsthums zu Grunde liegen, sind am genauesten diejenigen erforscht, welche sich in und an den Knochen abspielen. Hierüber liegt eine Reihe systematisch und zum Theil auf experimenteller Grundlage durchgeführter Untersuchungen vor, an denen sich Forscher wie Flourens und Kölliker(Würz- bürg) in der fördernsten Weise bethefligt haben. Weit mehr offene Fragen harren noch ihrer Beantwortung auf dem Gebiete des Wachsthums der Weichgebilde. Hier wären namentlich Auf- schlüsse über das Verhältniß erwünscht, in welchem fich in dem Wachsthum einzelner Organe und Gewebe die Vergrößerung vorgebildeter Elemente und die Vermehrung derselben betheiligen. In mancher Beziehung leichter als solche Untersuchungen über die eigenttichen Wachsthumprozcssc selbst sind Untersuchungen durchzuführen, welche das Resultat dieser Prozesse zum Gegen- stände haben und welche fich auf die zeitliche Verthcilung des Langcnwachsthums, der Gewichtszunahme und der Wachs- thumsproportionen beziehen. Hier können einfache Messungen und Wagungen zum Ziel führen, welche freilich, um gemein- gütige Gesetze zur Anschauung zu bringen, planmäßig, sorgfältig und an einer großen Zahl von Individuen durchgeführt werden müssen. Bis vor kurzer Zeit waren alle hierher gehörigen Er- Mittelungen, mit denen Quetelet im Jahre 1855 in bahnvrcchen- der Weise vorangegangen ist, so angestellt worden, daß eine ge- wisse Anzahl, etwa 10 Menschen von„normalem" Wuchs aus jeder Altersklasse gleichzeitig untersucht und aus dem Ergcbniß die Durchschnittsmasse und das Durchschnittsgewicht eines l-2-3- sto. jährigen abgelestet wurden. Auf diese Weise sind de- ttächtliche Einsichten gewonnen worden, welche für die erste L rientirung ausreichten und deren wichtigste von Uffelmann zu- sammengestellt wurden. Ein gesundes, ausgetragenes Kind wiegt im Durchfchnitt 3 bis 3,5 Kilogr.; die erste Ziffer gilt für Mädchen, die zweite, höhere für Knaben. Bis zum Eintritt in die Pubertät nimmt das Kind um nahezu das zwölf- fache seines anfänglichen Gewichtes zu. Es wird dem- nach der Mensch im 15 Jahre 36 bis 42 Kilogramm wiegen. Die Zunahme ist aber keine in allen Stadien gkeich- mäßige. Die größten Schwankungen in derselben, welche zu verfolgen hier zu weit führen würde, finden im ersten Lebens- jähre statt. Nach Beobachtungen an deutschen Rekruten wird das Maximum der Körperlänge im 20.-22. Lebensjahre mit durchschnittlich 170,5 Zentimeter erreicht. Nach Quetelet ist„ein regelmäßiges Wachsthum bei einem Individuum bis zum Er- wachsensein eine durchaus ausnahmsweise Erscheinung." Die Rücksichten auf die Sorgfalt, welche in neuerer Zeit gerade der Hygiene des Schulalters so allgemein zugewendet wird, haben Dr. Landsberger veranlaßt, von 1880 bis 1886 alljährlich ein Mal eine große Anzahl von Schulkindern, armen und wohl- habenden, und zwar, worauf besonders Gewicht zu kegen ist, immer dieselben zu messen. Das Resultat der sehr eingehenden Untersuchungen ,st in Virchow's„Archiv für Anthropologie" (neueste Nummer) niedergelegt. Die Messungen geschahen stets zwischen dem 5. und 15. Mai zu derselben Tageszeit, in dem- selben Schulraume, mit denselben Instrumenten nach Entkleidung der zu Messenden(es waren Knaben) bis auf die Strümpfe. Durch diese das 6. bis 13. Lebensjahr betreffenden Messungen sind die von den früheren Beobachtern gewonnenen Resultate in umfangreicher Weise kontrolitt und in dankenswerthem Umfange erweitert worden. Der soziale Fattor inachte sich entschieden bemerkbar. Es scheint zu gelten, daß die Kinder der wohlhabenderen Bevölkemngskreise kräftiger, größer zur Schule kommen, daß aber ihr Wachsthum trotz der Fortdauer der besseren Ernährung während der ersten Schuljahre lein größeres ist. Diese Erfahrung tritt ergänzend zu einer alteren, sehr wichtigen hinzu, aus welcher hervorgeht, wie lange in der besseren Entwickelung des Körpers eine sorgfältige, gut geleitete Ernährung in der frühesten Kindheit sich geltend macht. Russow hat im„Jahrbuch für Kinderheilkunde"(Band Xvi.) in dieser Beziehung eine lehrreiche Tabelle, welche wir hier übergehen wollen, aufgesteA. Das Wachsthum des Schädels geht unabhängig von dem der Körperlänge und nach eigenen Gesetzen vor sich. Die meisten Kopfmaße, auch diejenigen, welche die Kapazität der Schädelhöhle bestimmen, nehmen während der Schulzeit nur unbeträchtlich zu; aber auffallend ist die starke Entwickelung des Antlitzes in der Lernzeit: infolge des starken Wachsthums des Körpers bleibt zwar der ganze Kopf beträchtlich in seinen Verhältnissen zurück, das Gesicht aber relativ am we- nigsten: dieses wächst von allen Kopftheflen noch am energisch- sten mit. Eine reformatorische That von voraussichtlich großer Tragweite auf dem vorliegenden Untersuchungsgebiet hat neuer- dings Malling-Hansen, Direktor und Prediger an der königl. Taubstummenanstalt in Kopenhagen, dadurch vollbracht, daß er durch das eigene Beispiel gezeigt hat, wie weit der Leiter einer derartigen Anstalt in der Sammlung von Beodachtungs- Material gehen kann. Malling-Hansen hat seit 1882, theiks selbst, theils durch seine ihm unterstellten Lehrer, täglich mehrmals an 130 Knaben und Mädchen Messungen und Wägungen ausgeführt. Seine Erfahrungen ergaben folgenden Schluß:„Die Gewichtsverhältnisse der 9— löjährigen Kinder unterliegen alljährlich drei Hauptperioden, einer Maximal-, einer Mittel- und einer Minimalperiode. Die Maximalperiode beginnt im August und endet in der Mitte des Dezember, dauert also 4% Monate. Die Mittelperiode dauert von der Mitte des Dezember bis zum Anfang des April, 4% Monate. Die Minimalperiode reicht vom Schluß des April bis zum Schluß des Juli, 3 Monate. Fast die ganze in der Mittelperiode gewonnene Gewichtszunahme geht während der Minimalperiode verloren." Mit der eigent- lichen Wachsthumsperiode verhält es fich etwas anders; diese erstreckt fich vom Schluß des März bis in den Dezember und zerfällt in zwei Theile: erst die Maximalperiode der Höhe und- dann die der Gewichtszunahme.„Während der Maxiinalperiode der Gewichtszunahme ist der Höhenzuwachs so gering, daß man diese Periode füglich die Ruhezeit der 5)öhenentwicklung nennen kann. Die Höhenperioden beginnen und schließen zirka fünfzehn Tage vor den Gewichtsperioden. Die Reihenfolge der Höhen« verioden ist umgekehrt wie die der Gewichtsperioden k." Von den mannichfachen Nutzanwendungen, welche die Praxis aus diesen Ermittelungen wird ziehen können. sei hier nnr eine betont, auf welche auch der Verfasser besonderes Gewicht legt und welche die Ferienzeit der Kinder betrifft.„Wir müssen einen möglichst großen Theil der beiden Maximalwachsthumsperioden unter die Sommerferien hinein- bringen." Die Schweden und die Süddeutschen, so sagt der dänische Verfasser, find uns Dänen(und den Norddeutschen) in dieser Beziehung vorangeeilt, indem fie ihren Kindern zwei ganze Monate Somnierferien gaben, an einzelnen Orten noch mehr. Wenn sich die Sommerferien vom Ende des Juni bis in den Anfang des September erftteckten, so würde ein be- deutender Theil der Maximalperiode sowohl der Längen- als der Dickenzunahme unter weit günstigeren Bedingungen als jetzt auf die Kinder einwirken können. So klar nun aber auch die prattische Bedeutung der Ermittelungen Malling-Hansens ist, so giebt nach Professor Gad der innere Zusammenhang noch viel zu rathen auf. Der dänische Forscher setzt, wie er selbst mittheilt, seine Untersuchungen nach erweiterte,» Plane fort. Auch Gad wünscht von Herzen zur Förderung dieser wichtigen Aufgbbe auf allen Seiten weiteste Theilnahme.„Neue Gebiete," so schließt Malling-Hansen,„sind eröffnet, nur ein kleiner Theil derselben ist untersucht, seltene Funde sind ans Licht gezogen, Ausstchtspuntte haben den Blick auf große und reiche Land- strecke» gestattet; Raum und Arbeit giebt es die Fülle; möchten doch recht viele als Mitarbeiter herantreten!' Einen verwirrenden Eindrnck, so vlaudert die„Voss. Ztg.", machen auf den Fremden, der aus der Kleinstadt nach Berlin kommt und Abends die verkehrsreichen Straßen durch- wandert, die allerlei Flammen, welche ihn umleuchten. Das allerdings hat der Provinzler schnell heraus, daß die bunt- farbigen Fixsterne, welche die Häuserfronten entlang glänzen, die Orte angeben, wo die verschiedenartigen, kaum noch zu zählenden Bräus spmdeln. Aber daneben das Ehaos der an» deren Lichter! Alles übersttahlend die elettrischen Flammen, dann das Gaslicht mit seinen mannigfaltigsten, um den Preis der höheren Leuchtkraft ringenden Brennern, hie und da auch in einem Schaufenster, zur besonderen Anlockung des PubL« kums, ein Vexirlicht, das hin und her flackert, und demjenigen, der allzulange darauf hinstarrt, Augen- und Nervenschmerzen verursacht. Aber was find diese stabilen Flammen gegen die Unzahl der beweglichen, auf und ab fluthenden, langsam einher- kostenden und im Galopp dahersausenden Lichter! In allen Farben des Regenbogens schillern die Latemen der Pferdebahnen, und zu diesen gleichsam militärisch geord» neten Lichtern— denn wie das Regiment an der Achsel« klappe des Soldaten, so erkennt man die Fahrstrecke der Spurwagen an ihren Latemen— gesellt fich noch die unendliche Fülle der Omnibus, Droschken und anderen Wagen, von der hochfeinen Eqnipage mit den silberblitzenden Leuchten bis zu dem gewöhnlichen Arbeitswagen, dem die vorschriftsmäßiae Lateme von der Deichsel oder dem Gurte des Gaules herab- baumelt— endlich der ärmliche Karren, der sich nicht einmal zu solcher Beleuchtung aufgeschwungen hat. Der Mann, der im Schweiße seines Angesichts das Gefährt zieht, muß dabei noch Obacht geben, daß der Lichtstumpf, den er in einer Düte dahertragt, nicht verlöscht, denn abgesehen von tückischen Wind- stoßen an den Straßenecken giebt es auch Uebermüthige, denen es Vergnügen macht, so einem schwer keuchenden und durch die Ruckficht auf sein Gefährt an der Verfolgung behinderten Manne die primitive Lateme auszublasen. Segenswünsche sind es nicht, die solchen Schalksgesellen nachhallen! In der Menge der Lichter dürfen auch nicht die kleinen Glühpuntte vergessen wer- den, deren Leuchtkraft zwar nicht über die Nasenspige hinausgeht, nach denen aber doch Mancher, der seine Zündhölzchen vergessen hat, eifrig ausspäht:..darf ich um Feuer bitten'iT- ..aem"— van. vaff..danke".— und die ßNiMmürniAen „gern"— paff, paff,„danke",— und die Glühwürmchen der Straße find um ein neues vermehrt. Doch fleh, welch rother Schein färbt plötzlich die Fassaden der Häuser, die Gesichter der Menschen! Wie auf Kommando halten alle Wagen an. selbst die Postwagen, die sonst kemem Gefährt ausweichen. Schrilles Glockenläuten ertönt, und umsprüht vom Lichte der Fackeln, die ihre Funken weit wegskeuen, saust die Feuerwehr einher,— ein Bild von stets erneutem malerischen Reiz. Und daß ihm der Humor nicht fehle, tritt gravitätisch der Schusterjunge hinzu und zündet an dem schwelenden, zu Boden geträufelten Harz den aufgelesenen Zigarrenstummel an. Wendet man den Schritt den Skaßen des Westens zu, nach jenem Theile, wo das Äsphaktpflaster fich weite Strecken lang dehnt, aber nicht eben starker Wagenverkehr herrscht, da mag der Fremde wohl zusammenfahren, wenn pfell- schnell ein Helles Licht auf ihn zusaust, das, ehe er noch recht Art und Natur des Dinges erkannt hat, schon wieder ver- schwunden ist. Das ist der Radmensch mit seinem Laternlein. der Abends, wie Jung Jochen sagen würde, wenn ihm das Schreckmß begegnete,„de Lüd' gmgen(graulen) matt". Um Vre achte Stunde erlischt em großer Theil der Straßenlichter; emes nach dem andern schließen fich die prunkenden Schaufenster, und bald sind nur noch die Zigarrenläden erhellt. Auch das ungeheure Wagengedränge hat nach- gelassen, doch zeigt hier und da an Straßenecken eine An- sammlung blauer Flämmchen, daß hier ein Droschkenhalteplatz ist. Unbeirrt aber schweben die rothen, blauen, grünen, gelben, ein- farbigen und farbig durchquerten Pferdebahnlaternen über das Geleise dahin, bis Mittemacht, mit vereinzelten Ausnahmen. auch ihrem Wandel ein Ende macht. Nun aber zeigt sich, was ein richtiger Fixstern ist. Unwandelbar flammen an alter Stelle die rothen Leuchten, die stegreich all' das irrwischartige Flimmem der Straße überdauert haben, und nun mit doppelt verführerisch blinkendem Scheine den Wanderer zur Einkehr locken. Endlich aber erlöschen auch diese Flammen, und es bleibt nur, abgesehen von dem mattleuchtcnden Winterhimmel, der trübe Glanz der Gas latemen übrig, die einen so mude anblinzeln, wie die Augen eines verschlafenen, der Nachtruhe begehrenden Kellners. Doch nem. dort sehen wir noch vor einer Hauslhür einen Lichtschein aufblitzen: Streichholchzen, die em Spätling mit unsicherer Hand anzündet, um cndlich das Schlüsselloch zu finden. Er lallt dazu ncch bekannter Melodie:„Die Nase leuchtet mir vor voran, fie d-ent mir als Lateme!" und muß sich auch, nachdem der spöttische Nachtwmd ihm das letzte Hölzchen ausgeblasen, mit der sclbstgezogenen Leuchte behelfen. Wenn's ihm nur nicht am andern Morgen allzu sehr vor den Augen flimmert- die ttaunge Nachwirkung ausgedehnter Latcmenstudien. � Da« Uereins- und Versammlungsrecht ist für Preußen durch Verordnung vom 11. März 1850 geregelt. Vor 1850 galt dle Verordnung vom 29. Juni 1849, welche fich nur eines etwa acht Monate langen Daseins erfreute: ihr Inhalt sowohl, ■ tüte die ihr widerfahrene Behandlung und Auslegung ver- ursachten ihren frühen Tod. Ohne ihre wohlverdiente Ruhe stören zu wollen, bemerkt die„Verl. Ztg.", laffen wir hier einige Reminiszenzen aus jener stürmischen Zeit folgen, welche heute doppelt erheiternd wirken. Im Dezember 1849 erschien in der Jlrwählcrzeitung" folgender Artikel: Der Polizeikommissär Mortzfeldt hat am 30. Oktober d. I. die Versammlung der Bezirke 1—4 aus keinem anderen Grunde geschlossen, als weil es 10 Uhr geworden war, und er den Befehl hatte, um diese Stunde zu schließen. Auf die deshalb am 31. Oktober eingereichte Beschwerde, in welcher besonders um einen geietzlichen Nachweis für ein solches Verfahren gebeten wurde, hat das Polizeipräsidium unternt 21. Dezember er. folgende Antwort gc- geben:„Auf die Beschwerde vom 31. Ottober d. I. eröffnet Ihnen das Polizeipräsidium, daß die Polizeistunde für Berlin in den Wintermonaten Abends 10 Uhr ist, und daß mithin der Polizei- kommissar Mortzfeldt nicht blos befugt, sondern verpflichtet war, die Fortdauer der Versammlung am 29. Ottobcr er. nach 10 Uhr Abends im Dättweiler'schcn Lokale nicht zu dulden." Und um dieselbe Zeit schreibt die„Konstitutionelle Zeitung":„Der Schutz- mannwachtmcister Auerbach, welcher jüngst eine Versammlung auflöste, weil ein Vortrag aus Friedrich des Großen Werken ihm staatsgefährlich erschien, ist denunzirend gegen den Vor- sitzenden aufgetreten, indem er behauptet, daß die Versammlung zu ihrer Auflösung an acht Minuten gebraucht habe.— Wir erwarten demnächst eine Bestimmung darüber, in welcher Zeit sich je hundert Versammelte von so und so viel Zoll Breite und Höhe(dort waren 80—100 Anwesende) aus einer Ausgangsthür zu entfernen haben.— Auf die früher ergangene Beschwerde desselben Vorfitzenden, wegen Amtsüberschreitung des jc. Auerbach, erfolgte keine Antwort, wohl aber hat jene Denunziation Grund zu einem Verhöre abgegeben." In einer anderen Nummer endlich berichtet das genannte Blatt den folgen- den Vorfall:„Vorgestern ward der achte Volksverein infolge der im Fragekastcn befindlichen Frage:„wie kann man die Seligkeit erlangen?"— im Namen des Gesetzes auf- aelöst!— Gestern erschien der berühmte Auflöscr Kaiser im Kemperhofc mit einer Schaar von zirka 20 Schutzmännern, besetzte alle Ausgänge und forderte den Wirth auf, zu erklären,„wel- cher Art von Versammlung sich in seinem Lokale befände." Nach der Aussage, daß eins der gewöhnlichen täglichen Konzerte statt- finde, verlangte der„berühmte Auflöscr" die obrigkeitliche Er- laubniß zu dem betr. Konzert zu sehen. Ihm konnte natürlich nur erwidert werden, daß zu diesen regelmäßigen Konzerten keine spezielle Crlaubniß eingeholt würde, worauf der brave �berühmte Auflöser" voll heiligen Diensteifers die durchaus keine Dummheit verrathcnde Bemerkung machte, daß„dies eine poli- tische Versammlung wäre, er sehe ja, wie sich die Leute um die Tische gruppirten, wie sie miteinander sich besprächen, wie alles darauf hindeute, daß hier eine demottatische Versammlung wäre! Und der„berühmte Auflöset' löste auf— im Namen des Ge- setzes!!— Geht man darauf aus, demokratisch gesinnte Wirthe zu miniren?" Dergleichen Beschwerden, sagt die„Berl. Ztg.", waren damals an der Tagesordnung, während sie heute nur in Ausnahmefällen vorkommen und zumeist sich um die Frage drehen, ob die Auflösung resp. das Verbot einer Versammlung zu Recht erfolgt ist oder nicht.— Ob sich das wirklich so ver- hält? Uns sind sehr schnurrige Versammlungsauflösungen be- rannt geworden, die ganz an den„berühmten Auflöser" von Anno dazumal erinnern. Mi» e» vor rinhuudertundfünCzig Jahren auf dem fchitfbaurrdamm aussah, davon weiß die„Voss. Ztg." noch olgcndcs zu erzählen: Wenn sich vor 150 Jahren dort die ersten beiden Schiffbauer niedergelassen und der Straße ihren Namen gegeben haben, so wies dieselbe 26 Jahre später schon 27 bebaute Grundstücke auf. Den ersten beiden Schiffbauem hatten sich weitere füuf hinzugcsellt, aber auch nicht weniger als zehn Lohgerber, ein Viktualien- und ein Stcinhändler. Außer- dem befanden sich daselbst die beiden umfangreichen Holzhöfe von Hesse und der Madame Diedrich, so wie die königliche Kalkbrennerei an der Panke. Das größte Besttzthum aber gehörte dem„Münz-Entteprencur" Friedrichs-, Beitel Heine Ephraim; dessen Prägungen im Volksmunde„Ephraimiten" oder„Blech- kappen" hießen, auf welche man, da sie„mit Fleiß gut weiß ge- sotten" waren, den bekannten Reim inachte:„Von außen schön, von innen schlimm,— von außen Friedrich von innen Ephraim". Sein mit einem prächtigen Vorgarten versehenes Wohnhaus(jetzt Nr. 20) dehnte sich mit den angrenzenden Gartenhäusern in einer Länge von 31 Ruthen zwischen den Grundstücken der beiden Schiffbauerwittwcn Meyer und Kersten aus. Fn dem Ephraim'schen Hause wohnte auch der türkische Botschafter Selims U'., Ali- Aziz- Effendi, vom 11. Juni 1797 bis zu seinem am 29. Oktober 1798 erfolgten Tode. Das sell- sanic Leichenbcgängniß erregte einen ungewöhnlichen Zulauf. Fn einem grünen Sarge wurde der Verstorbene auf einem ein- fachen Leiterwagen mitsammt der Dienerschaft, welche Geldstücke unter die Menge ausstreute, die Friedrichsttaße entlang nach der Begräbnißstätte unweit der Hasenhaide geführt, woselbst der Sarg in eine ausgemauerte Gmbe versentt wurde. Das weite Terrain hinter jenem Hause und den angrenzenden drei Grund- stücken, neben denen die Orangeriehäuser Evhraim's lagen, befand sich ebenfalls im Besitze desselben und erstreckte sich bis zum„Judengraben" am Steucrhause der Unterbaumsdrücke. Auf diesem Besttzthum errichtete Ephraim zum Betriebe der von Friedrich 1. 1762 in Erbpacht überkommenen Gold- und Silber- Manufaktur, deren Fabrikation ein Monopol des Potsdamer Waisenhauses war, die Silber- und Kupfer- Schmelzöfen nebst zwei Roßmühlen, deren jede sechs kolossale Blasebälge trieb. Nach diesen Mühlen führte das Etablissement, welches auch die Silberbarren zur Münze lieferte, im Volksmunde die Benennnng„Judenmühle". Wel- chen Aufschwung diese Manufaktur genomnien, geht daraus hervor, daß 813 Personen daselbst Beschäftigung hatten und jährlich nahezu für 300 000 Thaler Tressen, Borten, Schnüre und Flittern angefertigt wurden. Erst im Jahre 1821 hätte das Monopol auf, und die Manufaktur ging als Eigenthum auf die Ephraim'schen Nachkommen über. Einen fast gleichen Flächenraum hatte das angrenzende Besitzthum des damals be- deutcndsten Berliner Schissbauers Köppian; es dehnte sich in einem Umfange von zirka 90 Ouadratruthcn hinter den jetzigen Häusern Nr. 7 bis 20, also von dem Ephraim'schen Etablissement bis zur königlichen Kalkbrennerei an der Panke aus. Daß die dortige Gegend übttgens eines gewissen poetischen Zaubers nicht entbehtte, geht aus einer Schilderung Nieolai's hervor, welcher die lauschigen Stätten unter den Bäumen des heutigen Weidendammes mit der romantischen Aussicht über die Spree hinweg als einen Lieblingsaufenthalt der Berliner be- zeichnete. Sodbrennen, saures Aufstoßen und Magenkrampf ist bei Leuten mit schwachen Magen und Verdauungswerkzeugen eine beständige Klage, und in demselben Grade, in dem ihr Magen versauert ist, versauett auch das Gcmüth; solche Leute können selten recht heiter und fröhlich sein, sehen dagegen alle Dinge von der schwärzesten Seite an und gebe« sich gern schwer- müthigen Gedanken hin. Gelingt es, bei solchen Leuten den Magen zu kunren, das Sodbrennen u. s. w. zu beseitigen, so bessert sich in der Regel auch ihr Gemütbszustand. Leute, die mit Ilebersäuerung des Magens behaftet find, leiden auch sehr an Schlaflosigkeit. Erst gegen Morgen finden oft diese Kranken etwas Schlaf und derselbe ist dann in der Regel von unnihigcn Träumen begleitet. Selbst den Tag über müssen sie oft gähnen und werden von Schmerzen geplagt, welche von der Magengrube ausgehen und sich nach dem Rückgrat hin ausdehnen. Mehr als alle Arzneimittel kann zur Hebung dieses Leidens eine„richtige Diät" beitragen. Solche Kranke sollten alle sauren, fetten und süßen Speisen vermeiden. Selbst Eier und Milch dürfen nur mäßig genossen werden, dagegen ist der reichliche Genuß von Sülzen oder Gallerten, nicht fetter Fleischbrühe, magerem frischen Fleisch, sowie Rauch- und Pökelfleisch zu empfehlen. Das einfachste Mittel, die lästige Wirkung der überschüssigen Säure abzu- stumpfen, ist— frisches Wasser; man trinke jedesmal zu der Leit, wo sich das Sodbrennen einstellen will, ein halbes Glas fttsches Wasser, dadurch wird die Säure verdünnt und so dem Anfall vorgebeugt. Sodawasser und bei Verstopfung Magnesia- wasser sind als Gegenmittel zu empfehlen. Bei Gährungs- zuständen im Magen, fauligem Aufstoßen nehme man öfter eine Messerspitze voll feines Holzkohlenpulver. Recht gut ist auch, einige Tropfen Pfeffermünz, Kümmel oder Nelkenessenz in etwas Wasser nebenbei zu nehmen. Auch»in Grund zur Kündiguug. Ein Leser schreibt uns: Seit Oktober bewohne ich eine in dem Hause Skalitzer- sttaße Nr. 115 über der Wohnung des Witths, Herrn Effet, zwei Treppen hoch gelegene Wohnung. Gleich als ich einge- zogen war, wurde mir mitgetheilt, daß, wenn ich nach Arbeit gehe oder von dott komme, möchte ich die Stiefeln an der Thür aus- resp. anziehen. Selbst wenn meine Frau in Pantoffeln acht, stört die.Herrschaften das und sie sagen, daß ich Läufer legen möchte. Da ich inich einer solchen Verordnung nicht fügen konnte und wollte, so wurde ich zu Neujahr gekündigt. Wenn Jemand derattigen Wünschen des Öauspaschas nachkommen will, so sei ihm das Haus und die Wohnung aufs Wärmste empfohlen. Ei« Offizier der Feuerwehr ist gestem in der Aus- Übung seines Berufes zu Schaden gekommen. Bei der Ab- löschung eines Brandes, der in einer in der Markusstr. 37 a belegenen Drechslerei früh um 7 Uhr ausgekommen war, erlitt der Brandinspettor Strehl durch herabfallende Glassplitter eine nicht unbedeutende Verletzung an der rechten Stirnseite. Ein verhängnisvolle« Erwache» hatte gestern früh der Derfflingetttr. 15 wohnende Maler Johannes W. Auf einem sogenannten Hängeboden schlafend, trat derselbe in der Schlaftrunkenheit fehl und stürzte kopfüber aus der bettächtlichen Höhe auf den Korttdor. In bewußtlosem Zustande und aus einer Kopfwuude blutend, fanden chn bie durch das Geräusch des Falles herbeigelockten Witthsleute. Die Revierpolizei wurde sofott von dem Unglücksfall benachrichtigt, worauf ein Kranken- wagen reauinrt und der Schwerverletzte zur Chatttee transpottirt wurde. Die untersuchenden Aerzte konstatirten einen kompli- zitten Bruch der Schädeldecke. Der Zustand des W. ist ein be- sorgnißerregender. Da» Uilpferdhau» im Zoologischen Gatten ist jetzt fertig gestellt und dem Publikum zugänglich. Allerdings weilen die beiden Nilpferde noch im Elephanienhause, da dte neue Wohnung, wie die aufgestellten Feuerkörbe beweisen, erst ausgetrocknet werden muß. Aber sonst defindet sich alles im besten Zustande, und man darf wohl annehmen, daß der Umzug demnächst statt- findet. Sind doch längst auch die Gardinen angemacht,— nämlich die eisernen, ivelche die zatten Nilpferde vor allzu naher Berührung mit den Bewunderern schützen sollen, und umge- kehtt. Wer übttgens in diesen Tagen den Zoologischen Gatten besucht und sich an den schönen Winterbildcm, die derselbe jetzt bietet, erfreut, der versäume nicht, auch den Äobbenzwinger zu besichtigen. Daselbst befindet sich gegenwättig zwar nur eine Robbe, und auch diese ist aufs Trockene gesetzt, aber gar prächtig weiß das Thier sich den glatten schlüpfttgcn Boden seines Zwingers nutzbar zu machen. Es gebraucht ihn als Eisbahn, allerdings ohne Schlittschuhe, deren Verwendung es noch nicht gelernt hat; aber im bloßen Schlittern, rückwärts und vorwätts, auf dem Rücken wie auf dem Bauche, entwickelt es eine große Gewandtheit. Unermüdlich fährt so der schnauzdättige Geselle hin und her, und in gar drolligem Gegensatz zu diesen munteren Kapriolen steht das ernste Geficht, mit dem er zu den lachenden Zuschauem empotstarrt. vottzeiberfcht. In der Nacht zum 7. d. M. sprang ein 70 Jahre alter Mann im Verfolgungswahnfinn aus dem Fenster seiner in der Anllamerstraße 1 Tr. hoch belegenen Wohnung auf den Hof hinab und erlitt dadurch so schwere Verletzungen, daß er mittelst Krankenwagens nach der Ehatttee gebracht wer- den mußte.— Am 7. d. Ä. Vormittags fiel in der Rüders- dorferstraße die 80 Jahre alte Wittwe tzeske aus Altersschwäche zu Boden und erlitt eine Verstauchung des Hüftgelenks. Sie wurde mittelst Krankenwagens nach dem Krankenhause im Fttedrichshain gebracht.— Um dieselbe Zeit versuchte in der Bcllealliancestraße der Schlächter Lehmann, einen andem, vor ihm fahrenden Schlächterwagen zu überholen und fuhr dabei auf dem Blücherplatz so stark mit einem von dem Kohlenhändler Balke geführten Arbeitswagen zusammen, daß beide Wagen um- fielen und die Führer auf die Straße geschleudett wurden. Lehmann wurde dabei ani rechten Bein überfahren und der Wagen des Balke völlig zertrümmettc.— Als um dieselbe Zeit in der Wohnung des Schlächtermeisters Ahrendt, Magazinsttaße Ztr. 12, das Dienstmädchen Lichtenberg die Ursache eines auf dem Hängeboden wahrgenommenen starken Gasgeruchs ermitteln wollte und zu diesem Zweck Licht machte, entzündete sich das aus der wahrscheinlich nicht ordnungsmäßig geschlossenen Lei- tung ausgeströmte Gas. Die Lichtenberg, sowie zwei andere in der Nähe stehende Dienstmädchen und ein 2 Jahre alter Sohn des Ahrendt erlitten dabei nicht unbedeutende, jedoch anschei- nend nicht lebensgefährliche Brandwunden. Die Lichtenberg und das nächst ihr am schwersten verletzte Dienstmädchen Enge wurden nach dem Krankenhause im Fttedrichshain gebracht, die beiden anderen Verletzten befinden sich in der Wohnung in ärztlicher Behandlung.— Am Vormittag wurde auf einem in der Nähe der Konpttnzenbrücke liegenden Kahn ein Arbeiter todt vorgefunden. Allem Anschein nach war der Tod bereits vor längerer Zeit eingetreten. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhausc gebracht.— Gegen Mittag wurde unter der Lessingbrücke die Leiche eines neugeborenen Kindes vorgefunden.— Nachmittags machte ein Schutzmann in seiner Wohnung in der Dicssenbach- straßc den Versuch, sich mrttelst eines Revolvers zu erschießen. Er wurde noch lebend nach der Chatttee gebracht.- Um die- selbe Zett geneth auf der Kreuzung der Brcslaucr- und Andreas- straße etn Diensttnädchen infolge eigener Unvorsichtigkeit unter ernen Pfcrdebahnwagen. wurde jedoch anscheinend nicht verletzt. - An demselben �vage brannten Unter den Linden 10 Vorräthc von.getrockneten Blumen in einem Laden.- Ritterftraße 92 Papterabfalle, durch das Platzen eines Ballons mit konzcntttttcr ""d Kleine Alexanderstraße 13 Gas- $5' 7$ beim Abfüllen in Brand gcrathen. c!" k' w' wachte ein Laufbursche auf dem Boden nueder zum Bewußtsein gebracht.- Am 8. d. M. SUÄ fÄÄi" - Im q t.'Ä dem Krankenhause Bethanien gebracht. üm Gerichts-Aeitung. In dem Prozeß gegen de« Vorstand de« Kerlli Waurer-Fachvrrrinv und die sogenannte Mmirer-Presd Mission ist jetzt den einzelnen der Angeschuldigten eine Slnfk schuft von sehr großem Umfange zugegangen. Der Pl> umfaßt 40 Personen, den Vorstand des Fachvereins, die Bni> Preßkommisfion, den Redakteur des„Bauhandwerker", Maurcr-Lohnkommission in Berlin und die sogenannte% tionskommission in Hamburg. Eine interessante Freiheitsberaubung wurde vor der dtttten Strafkammer am Landgettcht< verhandelt.• der Luxuspapierfabttk von Wohlmuth wurde im Februar i der Arbeiter Pecht ohne vorherige Kündigung entlassen. klagte nun gegen seinen ehemaligen Brotherrn und crsltttt> ein Erkenntniß, durch welches der Pttnzipal zur Zahlung H Lohnrestes von einigen 20 M. veruttheilt wurde. Eine 3 später trat der Arbeiter bei dem Pttnzipal wieder ein. Er nÄ sich nun verpflichten, die crstrittene Summe zurückzuzahlen,» außerdem wurde ihm aufgegeben, einen Revers zu Unterschuß der besagte, daß er sich zu einer dreitägigen Kündigung* verpflichten und außerdem alle Vorschriften der Fi» ordnung anerkennen wollte, deren eine den Arbeit vvrschtteb, daß sie während der Arbeitszeit bis um 6 Uhr Ab« die Fabttkräume nicht verlassen dürfen.(Soll wohl der Angeklagte auf seinem Rechte tnd er schloß die Ausgt des Fabriksaales ab, damit der Abeiter auf diese Weise 1 Jnnehaltung seiner Pflichten gezwutgen wäre. Dieser Akt I ihm eine Anklage wegen Freiheitscraubung zu. Da abc Arbtttsräume noch einen zweiten Atsgang durch das Koni hatten, konnte von einer Freiheitsbcaubung im Sinne des setzes keine Rede sein, und der Statsanwalt selbst beai die Freisprechung, welchem Antrag sich Rechtsanwalt nur anschließen konnte. Der Erichtshof ettannte dl sprechend. Wegen Diebstahls«nd vrsuchter Kestechung ft gestern die 18jähttge Putzmachetti eine junge Tame aus achtctcr Famllie, vor der dtttten Lrafkammer am Landge Die Angeklagte hatte die Absicht, n einem Uhrengeschäft kleinen Einkauf zu machen und at zu diesem Zweck in Laden ein. Auf dem Tische lag ine silberne Uhr im Ä von ungefähr 20 M. Sie faßt nun den verderblichen schluß, sich das Wetthstück anzugnen, und, um diesen unbemerkt ausführen zu können, igte sie ihren Schirm so den Tisch, daß er die Uhr bedtte. und im nächsten Aut blick, als sich der Uhrmacher eine, Moment umdrehte, nah«, den Schirm auf und steckte die hr in denselben. So gi das Manöver auch ausgeführt m, so war dem Laden«. doch der Diebstahl nicht entgangi. Er sagte der Käufettn Wahrnehmung auf den Kopf zu und als diese leugnete entrüstet that, ließ er einen Schimann holen, der auch' die Uhr in dem schirm der Anklagten fand. Nun muri Diebin zur Woche sistitt, und nterwcgs beging sie nc Unvorsichtigkeit, dem Beamten x Geschenk anzubieten, fi sie laufen ließe. Die Angeklagl legte unter heftigem 2 ein reumüthiges Geständniß a die Sttafthaten an sich aber doch deratt, daß der Gevtshof als mildeste Stra" 1 Monat Gefängniß erkennt. In der Ktasstfizirung:« Rausche» nach seinen schiedencn Stadien scheint man och immer nicht eine erschöpf' Fülle der Bezeichnungen gefurn zu haben, denn fast tat werden vor den Schranken deGettchts neue Variationen' Rausches aufgedeckt, welche nie Bezeichnungen Verlan Während man annehmen sollt daß alle nur denkbaren Sc des Rausches beführt sein mten, wenn man„einen, � hat", oder„angcäthert ist, et wenn Jemanv„ityief gel«" resp.„einen zu fitzen hat", fter wenn man sich„mit Beinen vcrheddett",„zu tiesns Glas gesehen",„Einen pfiffen",„Einen hinter die.H-binde gegossen", oder gar i sternhagelbezecht" hat— ist.lern vor dem hiesigen s# gettcht wieder eine neue Spt's, und zwar der„pathol Rausch" zum Vorschein gekotien. Und das ging so zu: 22. August feierte im Lokale er Bockbrauerei der„Verein, Hausdiener" ein Fest, welche dadurch eine kleine Störung�. hielt, daß die Verhaftung eis Gastes erfolgen mußte.\ an der Ausganaothür des Elles aufgestellte KontrolbeantteZ nämlick einen Mann etwas'ereilt das Lokal verlassen, Z dieser Mann mußte ihm vbächtig erscheinen, da er«Jj weniger als vier Regcnschirn und drei Spazierslöcke unter � Arme trug, mit denen er stcentfernen wollte. Er wurde gehalten und da er über de Erwerb dieser Stücke keine nügende Auskunft zu aeben'ermochte, sondern nur mit« geöffneten Augen vor sich hglotzte, ohne sonst Merkmale J Trunkenhett zu zeigen so mrde er zur Wache gebracht«J in weiterer Folge die AnUe wegen Diebstahls gegen* erhoben. In der gestrige Verhandlung vor dem SdÄ gencht bestritt der Ansagte, ein Versicherungsbeamter% entschieden jede Schuld uir blieb dabei, daß er, wahrfcheW? infolge des Biergenusses, sh in einem Zustande vollster Wi�S lostgkett der Gedanken bchndcn habe. Mehrere Zeugen bcss tigten ihm auch, daß s.» Auftreten die Vermuthung Ä gelegt habe, daß er zwar ficht betrunken sei, aber einen S* zu wenig habe. Der aeriüichc Physikus Tr. Mitten, wei« zu dem gutachtlichen Schjj, daß hier entschieden ein Fall sogenannten„pathologisch* Rauschzustandes" vorgelegen welcher sich äußerlich nicht sehr bemerkbar macht, aber dos vollständige VerwirniNg«er Gedanken hervorruft. Der richtshof sprach infolge �en den Angeklagten frei, hieß. icdoch vor. daß es nuy ,eme Pflicht sei. darauf zu baß er nicht in diesen pathologischen Rauschzustand rem könnte � scsileicht einmal ins Gefängniß wan� - Amtsrichter» Kubissf au� Alt-Landsberg hatte ßck gestern der Schneidermeister Zt� Werfer vor der dntten EMkammer am Landgericht 1 zu veA UUMM-ZStz xm» ÄC%»f T» A4 SSS 1&'U-c i iwf.•)?'>, cr demZUItizministettum drei BeschwerdeschnA .� ��"�«("Ikbercrnffen und0< 3 Ämtsriitters die Rede war. Wegen dieser t �°on dem Landgericht I zu Berlin verp mmsi hatte, angemessen erschien. J her(Zt?nff ,an6tv&,r Prügelstrafe hatte fich gester"� Veranlassung, das Verhalten seines Lehrlings zu rügen; derselbe hatte sahrläsfigcrweise eine Tafel Zinkblech verdorben. Hierüber aufgebracht, ergriff G. ein Stück Tachlatte und schlug mit dem- selben den Lehrling derartig auf den Kopf, daß zahlreiche Beulen infolge der fortgesetzten Schläge entstanden. Hinterher hatte Gildemeister wohl eingesehen, daß er es zu arg getrieben und den Eltern des Lehrlings ein Schmerzensgeld im Betrage von 10 M. gezahlt; eine Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung, verübt mittelst gefährlichen Werkzeugs, vermochte Gilde- meister indessen nicht zu verhindern. Das Schöffengericht vcrurtheilte ihn zu 30 M. Geldbuße ev. 6 Tagen Gefängnis?. Weil er 10 M. Schmerzensgeld bezahlt hatte, glaubte Gildemeister straffrei zu sein und er hatte gegen das obige Urtheil Bemfung eingelegt mit dem Antrage auf Freisprechung. Vor der Straf- kammer des Landgerichts II ward ihm jedoch klar gemacht, daß er unter allen Umständen wegen einer derartig groben Aus- schreitung strafbar sei; denn wenn ihm, dem Meister, allerdings ein Züchtigungsrecht in gewissem Grade auch zustehe, so habe Gildemeister dasselbe ganz erheblich überschritten, das bewiesen die Beulen am Kopfe des gemißhandclten Lehrlings. Die erst- erkannte Strafe ward des weiteren für äußerst milde erachtet und die Berufung des G. verworfen unter Bestätigung des ersten Urtheils. Von Wichtigkeit für den Marktverkehr ist eine gestern ergangene Entscheidung des Kammergerichts. Der Fleisch- erportcur de Beer in Emden hatte im Sommer v. I. diverse Lluantitäten Fleisch an den früheren Verkaufsvermittler Treitel zum Verkauf m der Zcntralmarkthalle gesandt. Während des Auspackens der Körbe, in denen das Fleisch verpackt war, er- schien ein Polizeithierarzt auf dem Treitel'schen Stande und beschlagnahmte nach vorgenommener Untersuchung des Fleisches diverse Partien, namentlich aufgeblasene Kälber. Treitel und de Beer wurden wegen gemeinschaftlichen Feilhaltens verdorbener Nahrungsmittel angeklagt, vom Schöffengericht aber freigesprochen, weil vorliegend ein Fellhalten noch nicht stattgefunden hatte. Nur gegen vie Freisprechung de Becr's wurde von der Amts- anwaltschaft Berufung eingelegt, weil dieser Angeklagte nicht wegen Uebertretung der Wochcnmarkt-Ordnung, durch Einbringen verdorbener Nahrungsmittel, verurtheilt worden ist. Das Urtheil gegen Treitel wurde rechtskräftig. Die Straf- kammer VI a verurtheilte nun den de Beer, indem es gegen die rechtskräftige Feststellung des Schöffengerichts ein Feilhalten seitens des freigesprochenen Treitel als erwiesen annahm, wegen Mitthäterschaft an dieser Uebertretung zu 10 M. ev. 2 Tagen Haft. Auf die gegen dieses Urtheil eingelegte Revision des Angeklagten hob der Strafsenat des Kammergerichts die ange- ' fochtenc Entscheidung des Berufungsgerichts auf und verwies die Sache zur anderweiten Verhandlung in die Vorinstanz zurück. Der Gerichtshof stellte dabei folgende Rechtsgrundsäye auf: 1) der Versender verdorbener Eßwaaren an einen Kom- Missionär behufs Verkaufs derselben kann nicht als Mitthäter, sondern nur als Anstifter zum Feilhalten besttaft werden. 2) Die rechtskräftige Feststellung gegen den einen Angeklagten ist für den der Anstiftung Beschuldigten nicht präjudizirlich. Der posrner Kozialistenprozrss.(Fünfter VerHand- lungstag.) Posen, den 7. Januar 1888. Der heutige Verhandlungstag ivar der Verlesung von Schriftstücken gewidmet. Da die meisten derselben in polnischer Sprache abgefaßt waren, mußten sie erst polnisch verlesen und dann von dem Gerichts- dolmetscher Herrn Fromm ins Deutsche übertragen werden. Zu- nächst gelangte ein Brief zur Verlesung, den der Angeklagte Kurowski von einem gewissen Adamski aus Paris erhalten hatte. In demselben kam folgender Passus vor:„Reise sofort nach Krakau oder hierher; wenn Du nicht so viel Geld hast, so reise bis Verviers(Belgien) und gehe zu Pierre Flies, dort wirst Du Geld bekommen." Im Anschluß hieran und gewissermaßen als Erläuterung hierzu wird eine Auskunft des belgischen Justiz- Ministeriums verlesen, derzufolge der in dem Briefe an Kurowski erwähnte Pierre Flies, welcher früher Leinweber war und jetzt eine Schankwirthschaft in Verviers betreibt, Sozialdemokrat ist und mit ausländischen Sozialisten Beziehungen unterhalten soll. Das Polizeipräsidium in Aachen hat dieselbe Auskunft über die Person des Flies erthellt, die gleichfalls verlesen wird. Hiernach gelangt ein bei dem Angeklagten Pricelius vorgefundenes Pro- Stamm des Vereins„Kulko" zur Verlesung und demnächstigen lebcrsetzung ins deutsche. In diesem Programm werden den Mitgliedern des Vereins„Kulko" in Bezug auf Organisation und Taktik allerlei gut gemeinte, in der Praxis aber schwer durchführbare platonische Rathschlägc crtheilt. Pricelius will dieses Programm zufällig von Kasprzak erhalten haben. Er habe sich eines Tages in einem Wirthshause einige auf seine Arbeit Bezug habende Notizen machen wollen und da er kein Papier gehabt, habe ihm Kasprzak etliche Bogen gegeben, unter denen sich auch das fragliche Programm befunden hätte. In der Voruntersuchung hat der Ange- klagte anders ausgesagt. Er hat damals eingeräumt, das Programm von Kasprjak erhalten zu haben, damit er sich danach richte.— Gegen die Verlesung einer von der Warschauer Staats- anwaltschaft und dem dortigen Generalkonsulat über die Person des Angeklagten Slawinski crtheilten Auskunft erhebt die Ver- theidigung Widerspruch, da die Verlesung derartiger Leumunds- atteste gesetzlich unzulässig sei. Es entspinnt sich hierüber zwischen dem Vertheidiger Herrn Dr. Flatau und dem Ersten Staats- anmalt eine ziemlich lebhafte Konttoverse. Der Gerichtshof lehnt den Antrag der Vertheidigung ab und die betreffende Auskunft wird verlesen. Dieser Auskunft zufolge wäre Slaivinski eins der gefährlichsten Mitglieder der sozial- revolutionären Partei. Als er seiner Zeit in Warschau verhaftet werden sollte, habe er auf einen Polizei- bcamten geschossen und demselben eine schwere Ver- wundung beigebracht. Slawinski bestreitet dies. Nicht er, sondern ein gewisser Jankowski habe den Beamten mit der Waffe thätlich angegriffen. Der Angeklagte theilt femer mit, daß er hier in Ketten liege, weil man ihm irrthümlich jenen Angriff beimesse. Die Auskunft des Generalkonsulates in War- schau deckt sich inhaltlich vollkommen mit der des Warschauer Staatsanwalts. Der letztere hat auch über die Person des Kurowski eine Auskunft ertheilt, des Inhaltes, daß K. in Rußland wegen Theilnahmc an einer revolutionären Gesellschaft angeklagt ge- wesen und später auf administrativem Wege über d:e Grenze aeschafft worden sei. Kurowski stellt die Richtigkeit dieser Aus- runft in Abrede. Hierauf wird ein in Nr. 4 des sozialrevolu- tionären Blattes„Walka kias" enthaltener Aufruf verlesen und übersetzt, unter dem sich neben dem Namen Mendelsohns und anderer polnischen Sozialisten auch derjenige Slawinski's be- sindet. Dieser weiß nicht, wie sein Name unter den Aufruf gekommen. Er will Mendclsohn zwei bis drei Mal in �°nf gesehen haben, näher hekannt ist er jedoch mit demselben nicht geworden.(Die Zeitung„Walka k as" ist ein revolutionäres Organ, welches in Genf erscheint und in der Druckerei des Przcdzwit hergestellt wird.) Professor Zimmer- mann, welcher als Sachverständiger der französischen Sprache geladen ist. verliest und übersetzt den in dieser Sprache er- schienenen Rechenschaftsbericht des in London im Jahre 1881 abgehaltenen internationalen Anarchistcnkongreffes. Besonderes Gewicht wird hierbei auf jenen Passus des Berichtes gelegt, welcher von der anarchntlschen Bewegung in Deutschland han- delt.— Rechtsanwalt Dr. Flatau hat inzwischen die Wahr- nehmung gemacht, daß der Berliner Knminalkommiffattus Schöne, welcher— wie die übrigen auswärtigen Zeugen— zum 9. d. M. geladen ist, sich im Zuschauerraum befindet. Da dieses gesetzlich unzulässig ist, wird Herr Kommissarius Schöne vom Herrn Vorsitzenden ersucht, den Zuschauerraum zu verlassen. Alsdann werden mehrere Brochüren sozialrevolutionären In- Halts unter Ausschluss der Oeffentlichkeit verlesen und darauf die Verhandlung bis Montag vertagt. .... vojez,, 9. Januar(Telegramm.) Sozialistenprozeß. Nach blshengcr öffentlicher Verhandlung beantragt der Staatsanwalt, während der Vernehmung der Berliner Geheimpolizisten die Leffenttichkeit auszuschließen. Das Gericht beschließt trotz heftigen Widerspruchs der Vertheidiger, die Zeugen Jhring- Mahlow, Naporra, Schöne und Stillfried geheim abzuhören. Reichsaerichts-Gntscheidung. Leipzig, S. Januar.(Die vertriebene Schwägenn.) Herr Alfred Simon in München hatte das Ehejoch auf sich genommen, ohne vorher genau zu prüfen, „ob sich das Herz zum Herzen finde", und auf den kurzen Wahn war die lange Reue gefolgt. Schließlich war er zu der Ueber- zeugung gekommen, daß eine Trennung der Ehe das beste sei. Das Gericht nahm die Sache in die Hand, und bald hatte Herr Simon das Scheidungsurthell in Händen. Somit wäre alles nach seinem Wunsch gegangen, wenn nicht seine bisherige Frau, die sich in anderen Umständen befand, sich geweigert hätte, sein Haus zu verlassen. Da kam nun eines schönen Tages der Vruder des Genannten, der Kaufmaon Oskar Simon aus Kob- lenz zu Vesuch nach München, hörte von dem befremdenden Benehmen der geschiedenen Frau und war sofort entschlossen, der Sache ein Ende zu machen. Im Einverständniß mit seinem Bruder ging er in das Schlafzimmer, welches die Frau inne hatte, nahm aus einem dort befindlichen Kasten einen Revolver und sagte: „Wenn Sie nicht bis 7 Uhr das Haus verlassen,— der da ist geladen!" Ein Mensch in normaler Gemüthsverfassung wäre wohl kaum durch diese Worte in den Glauben versetzt worden, daß Herr Simon wirklich beabsichtige, die Bedrohte zu erschießen, wenn sie nicht weiche. Die aufgeregte Frau aber hielt dies für möglich und entfernte sich. Durch einen Gendarm, dem sie von dem Vorfall erzählte, erfuhr die Staatsanwaltschaft den Sach- verhalt und die Folge war, daß Herr Oskar Simon wegen Nöthigung unter Anklage gestellt wurde. Als aber Frau Simon vor Gericht Zeugniß ablegen sollte, weigerte sie sich unter Be- rufung auf ihr Schwägerschafts- Verhältniß. Das Ge- richt aber verschaffte sich die Kenntniß des Sachverhaltes in- direkt durch Vernehmung des schon erwähnten Gendarmen. Der Angeklagte wurde sodann mit Rücksicht auf die gegen eine schwangere Frau bewiesene Brutalität zu 1 Monat Gefängniß verurtheilt.— In seiner Revision, die in der letzten Sitzung des ersten Strafsenates zur Verhandlung kam, rügte er durch seinen Vertheidiger die Annahme der Rechtswidrigkeit seines Thuns als rcchtsirrthümlich, da die Frau kein Recht mehr ge- habt habe, in der Wohnung zu verweilen, er aber im Auftrage seines Bruders von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht habe. — Das Reichsgericht verwarf indessen am 5. Januar die Revision, da das angewandte ffiöthigungsmittel(Drohung mit Erschießen) ein rechtswidriges sei und deshalb auch die Nöthi- guna zu einer widerrechtlichen mache. Die indirekte Beschaffung der Aussage der Frau Simon, welche als unzulässig gerügt war, wurde als den Gesetzen durchaus nicht widersprechend be- zeichnet. Vereine und Versammlungen. Die Stockarbeiter Kerlin» hielten am Freitag, den 6. d.M., unter Vorsitz des Herrn Pindric eine zahlreich besuchte Versammlung ab, um über den Streik der Schirmstockarbeiter der Gcbauer'schen Fabrik, Dresdencrsttaße 79, zu verhandeln. Nach der Wahl des Bureaus las der Geschäftsführer des Herrn Eckersdorf einen Brief vor, welcher später ganz der Oeffentlichkeit übergeben werden soll und der hauptsächlich den Zweck haben sollte, zu veranlassen, daß ein gemeinsamer Tarif aufgestellt werde, namentlich für gebogene Arbeiten. Herr Mendt als Re- ferent legte in längerer Ausführung die Gründe der Arbeits- einstellung dar und erntete den Beifall der Versammlung, welche, wie schon eine frühere Versammlung, das Vorgehen der Streikenden als durchaus gerechtfertigt anerkannte und sich ver- pflichtete, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für die gerechte Sache der Streikenden einzutreten. Herr Sänger theilte der Versammlung mit, daß ein anonymer Brief an Herrn Gebauer gerichtet worden sei, dessen Inhalt er der Versammlung indeß aus Anstandsgefühl vorenthalten wolle. Er(Redner) halte unter den Arbeitern keinen für so ehrlos, um ein solches Schriftstück zu verfassen und abzusenden. In der Diskusston sprachen sich mehrere Redner dahin aus, als ob dieser Brief überhaupt nur ein elendes Machwerk sei, um die Arbeiter vollständig nieder zu drücken und vor der öffentlichen Meinung herabzusetzen. Die Streikenden brauchten indeß nicht zu ver- zagen, da nicht nur die Fachgenossen, sondern die ganze Ar- beiterschaft Berlins hinter ihnen stehe. Im Allgemeinen ist denn auch der Muth der Streikenden ein guter zu nennen. Nachdem sich eine größere Anzahl von Rednem an der Dis- kussion betheiligt hatte, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf das Gedeihen der guten Sache. Der Verein für Reform der Schul» nnd Gr- Ziehung hielt am 6. Januar unter Vorsitz des Herrn Gott- schling eine recht stürmische Versammlung ab, welche schließlich polizeilich aufgelöst wurde. Auf der Tagesordnung stand: 1. Berichte des Vorstandes und der Kasscnrevisorcn. 2. Ent- lastung des Kasscnführers. 3. Antrag auf Auflösung des Vereins, bezw. Statutenänderung, event. Vorstandswahl und Anträge des Vorstandes u. s. w. Nachdem ein Mitglied, welches, wie be- hauptet wurde, unrechtmäßig vom Vorstande gestrichen, und ein Berichterstatter der Presse veranlaßt worden waren, den Saal zu verlassen, erstattete der Vorstand seinen Bericht. Der Referent desselben, Herr Schäfer, der frühere Prediger der freireligiösen Gemeinde, schilderte den Stand des Vereins in den schwärzesten Farben und kam zu dem Schluß, es wäre das beste, den Verein aufzulösen; kurz, der Bericht war derartig abge- faßt, daß die Anwesenden, wie aus den Aeußerungen der- selben hervorging, glaubten, es handle sich bereits um den Auf- lösungsantrag. Aus dem hierauf folgenden Kassen- und Re- visionsbericht ging indeß hervor, daß der Kassenbestand im lau- senden Jahr zugenommen und auch die Mitgliederzahl gewachsen ist. Sodann wurde dem Kassirer Decharge ertheilt und zum dritten Punkt der Tagesordnung: Anttag auf Auflösung des Vereins, geschritten. Als Antragsteller erhielt Herr Dr. Schläger das Wort. Derselbe suchte unter Hinweis auf die gegenwärtigen ungünstigen Zeitverhältnisse sowie das„Fehlen einer geeigneten Presse", welche für die Ideen des Verems Propaganda macht, seinen Antrag zu begründen. In der sich hieran anschließenden sehr lebhaften Dislusston wurde auf die einzelnen Wider- sprüche des Referenten, sowie auf eine jedenfalls nicht beabsichtigte Aeußerung desselben, aus welcher hervorging, daß er gar nicht der eigentliche Antragsteller war, hingewiesen. Herrn Schäfer wurde Inkonsequenz vorgehalten, da er vor 2 Jahren erklärte, den Verein als seine eigene Schöpfung hochzuhalten und wenn er auch nur noch ganz allein darin bliebe. Die Aeußerungen einzelner Redner, daß es sich eigentlich nur darum handle, durch die Auflösung des Vereins das Vermögen desselben, bestehend aus zirka 3600 M., der von Herrn Schäfer gegründeten„Humanistischen Gemeinde" zuzuführen, blieben un- widersprochen. Da der Antrag auf Auflösung nicht die laut Statut nothwendige Dreiviettel-Majorität erhielt, fiel derselbe. Nun wurde zur Statutenänderung geschritten und zwar lautete der Antrag, den Passus des Statuts,„daß zur Auflösung des Vereins Dreiviertcl-Majorität erforderlich" in„einfache Mehrheit" umzuändern. Da hier nur einfache Majorität erforderlich war, ging der Anttag durch. Nun wurde der Antrag Dr. Schläger und Genossen wieder aufgenommen, trotzdem von der Minontät unter Hinweis darauf, daß die Statutenänderung die erforder- liche polizeiliche Genehniigung noch nicht erhalten, daß dieselbe femer den nicht anwesenden Mitgliedem nicht bekannt gemacht sei, protestirt wurde. Um nun die Minorität gänzlich mundwdt zu machen, erklärte der Vorsitzende kurzweg, über den Auflösungs- anttag abstimmen zu lassen und Niemand mehr das Wort zu ertheilen. Als derselbe jedoch trotzdem einem Redner der Ma- jontät das Wort gab, trotzdem sich Andere bereits früher gemeldet hatten, entstand ein solcher Tumult, daß der übcnvachende Be» amte sich veranlaßt sah, die Versammlung aufzulösen. Wie nachttäglich verlautet, beschloß der Vorstand, die Tagesordnung in einer neuen Versammlung, heute, Dienstag, zu Ende zu führen. Zentral-Kranken«nd Kterbekafle der Maler und verw. Berufsgenossen Deutschlands(E. H. 71), Filiale Berlin I heute, Dienstag, Abends 8 Uhr, Äckerstr. 144, im Vor» städischen Kasino. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Wahl sämmtlicher Verwaltungsbeamten. 3. Wahl der Kranken» kontroleure. 4. Verschiedenes.— Die„Filiale Süd" hält eben» falls heute, Abends 8 Uhr, im Cafö Reiher. Alte Jakob» sttaße 83, eine Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl der Verwaltungsbearnten. 3. Statistischer Äericht. 4. Verschiedenes. Für die Mitglieder der Filiale IV, Berlin W., findet gleichsalls heute, Dienstag, Abends 8 Uhr, im Restaurant Kurfürstcnstr. 10 eine Mitgliederversammlung statt mit folgender Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl der örtlichen Verwaltung. 3. Verschiedenes. Geffentllch» Versammlung derStockarbeltrr Kerl in» am Freitag, den 13. Januar, Abends 8 Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48 a. Tagesordnung: I.Bericht der Kom» Mission. 2. Diskussion. 3. Errichtung einer Verwaltungsstelle „Berlin»"(Stockbranche) der Vereinigung der Drechsler Deutschlands(Sitz Hamburg). 4. Wahl des Vorstandes. 5. Verschiedenes. Die Kommission bittet um recht zahlreichen Besuch dieser Versammlung. Verband deutscher Zimmerlente, Lokalvcrband„Berlin Ost". Mittwoch, den 11. Januar. Abends 8 Uhr, Generalversammlung im Lokale der Ww. Horstmann, Frankfurter-Allee 127. Tagesordnung: 1. Abrechnung der Lokalkasse vom 4. Quartal 1887. 2. Wahl eines stellverttetenden Schriftführers und eines Mitgliedes zur Kommission der Berliner Lokalverbände. 3. Ver- schiedenes und Fragekasten. Fachverel« sämmtlicher Im Drechslergewerk beschäftigten Arbeiter Kerlino. Versammlung heute, Dienstag, Abends 8& Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstt. 48 a. Wegen der wichtigen Tagesordnung dieser Versammlung(siehe Inserat), ladet der Vorstand die Mitglieder zu zahlreichem Be- such. Gäste haben Zutritt. Zentral-Aranke««nd KegriibniszKasse für die Mit» aliedcr des Untcrstützungsvereins ver Bildhauer Deutschlands, Verwaltungsstelle Berlin. Heute, Dienstag, Abends 9 Uhr, im Restaurant Sabm, Annensttaße 16, Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl der Verwaltungsbeamten. 3. Wahl eines Deleairten und zweier Ersatzmänner für die Unfallversicherung. 4. Verschiedenes. Der Verein für Rechtsschutz und Justizreform hält seine Monatsversammlung am Mittwoch, den 11. Januar, Abends 8 si Uhr, im oberen Saale der Gratweil'schen Bier» hallen, Kommandantenstr. 77— 79, ab. Tagesordnung: Vorttag über ein juristisches Thema und neuere Rechtsfälle. Freireligiöse(Gemeinde. Dienstag, Abends 8% Uhr, findet Rosenthalcrstraße 38 eine beschließende Versammlung der Mitglieder statt. Tagesordnung: Kassenbericht, Bericht der Revisoren, Neuwahl des Vorstandes u. s. w. Verein der Kerliner Kansdiener. Zweite ordentliche General-Versammluna heute, Dienstag, Abends 9 Uhr, Neue Grünstt. 28. Tages-Ordnung: 1. Äittheilung und Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Vierteljahrsbericht. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Gesang-, Turn-«nd gesellige Vereine am Dienstag. Gesangverein„Gutenberg" Abends 8', Uhr im Restaurant Quandt, Stralauerstraße 43.— Gesangverein„Alpenglühen" Abends 9 Uhr im Restaurant Hildebrandt, Prinzensttaße 97.— Schäfer'scher„Gesangverein der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf und Kruger, Skalitzerstraße 126, Gesang.— Männer» gesangverein„Gartenlaube Abends 9 Uhr im Restaurant Firk, Kottbuserstraße 22.— Männeracsangverein„Steinnelke" Abends 9 Uhr im Restaurant Schulz, Stettinersttaße 56—57.— Gesangverein„Schwungrad" Abends 3', Uhr Annensttaße Restaurant jScchm. � Gesangverein„Sängerhain" 16, im Abends 6 Uhr bei Beyer, Prlnzenstr. 96.— Gesangverein„Hoffnung Moabit" Abends 8v, Uhr Wilsnackerstraße 63, im Restaurant Jlges.— Gesangverein„Felicitas" Abends 9 Uhr im Restaurant Nebelm, Langestr. 108.— Zitherklub„Amphion". Abends 9 Uhr, im Kurfürstenkellcr, Poststraße 5.— Turnverein„Froh und Frei"(Äänncrabtbeilung) Abends 8'/, Uhr Bergstraße Nr. 57.— Berliner Turngenossenschaft(V. Männerabthei» lung) Abends 8 /, Uhr in der städtischen Tumhalle, Wasser- thorstraße Nr. 31.— Turnverein„Hasenhaide"(Männer» Abthelluna) Abends 8 Uhr Dicffenbachstraße Nr. 60/61. — Äauchklub„Deutsche Flagge" Abends 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangclstt. 11.— Verein ehemaliger Schüler der 37. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Kinner�. Köpnickersttaße 68.— Verein ehemaliger Schüler der 44. Ge» meindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant„Albrechtsgarten'V Wilhelmstraße Nr. 105.— Arends'scher Stenographen- Verein „Apollobund" Abends 3'/. Uhr Vnmncnsttaße 129».— Arends» scher Stenographen-Verein Abends 8'/, Uhr im Restaurant„Zum eisernen Kreuz", Lindenstr. 71.—„Deutscher Verein Ärendssscher Stenographen Abends 8'- Uhr in Randel's Restaurant, Brunnen- straße 129 a.— Verein„Rose" Abends 3V. Uhr im Restaurant Eltze, Alexandrinenstraße 99.— Vergnügungsverein„Mollig" Abends 9 Uhr im Restaurant Reimcke, Gipsstraße 3, jeden Dienstag nach dem 1. und 15.— Rauchklub„Zum Wrangel" Abends 8 Uhr bei Blocksdorf, Wrangelstr. 32. Kleine Mittheilnngen. Hamburg, 8. Januar. Der Postdampfer„Bohemia" der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt- Attiengesellschaft ist, von New-Bork kommend, heute Nachmittag 2 Uhr auf der Elbe ein- gettoffen. Mützltzanfen i. Tb., 7. Januar. Hier sind 11 Arbeiter an der Trichmosts erkrankt. Die Leute hatten frische Schweine» fleischwaaren von einem Fleischermeister gekauft, gegen den die Untersuchung eingeleitet worden ist. Gevelsberg. 6. Januar. Auf der Bahnsttccke Gevelsberg- Milspe verunglückte heute Vormittag beim Nachsehen nach der Bremse ein Lokomotivführer aus M.-Gladbach dadurch, daß er sich zu weit über die Maschine neigte, init dem Kopfe gegen eine Telegraphenstange schlug und durch den Anprall von der Äa- schine geschleudert wurde. Der Mann erhielt bedeutende Ver« letzungen am Kopf und klagte über Schmerzen im Rücken; er wurde, nachdem ihm ein Nothvcrband angelegt war, in das Krankenhaus nach Hagen übergeführt. Zürich, 5. Januar. Bei einem hiesigen Zahnarzte verschied gestern Abend eine Frau aus Baden in der Chloroformnarkose. Intensive Wiederbelebungsversuche, die beinahe zwei Stunden lang vom Arzt, Zahnarzt und zwei Gehilfen vorgenommen wurden, blieben erfolglos. Trlrst, 8. Januar. Der Lloyddampfer„Ettore" ist gestern Abend mit der ostindischen Post aus Alexandrien hier einge» troyen. London, 6. Januar. Ein heftiger Südweststurm hauste am 3. und 4. d. M. an der Küste der britischen Inseln, in der insmen See, im St. Georgs- und im englischen Kanal. Der Schifffahrt wurde durch den Sturm viel Schaden zugefügt; die Kanaldampfer hatten eine höchst rauhe Fahrt. In Queenstown dauerte der Sturm bis vorgestern Abend. Ein im Hafen liegender Schleppdampfer wurde ans Ufer geworfen und zcr- schellte. Die Signalftation beim Old Head von Kinsalc wurde theilweise zerstört. Bei der Einsahrt in den Hafen von Water- ford zerschellte eine große Barke an den Felsen. Die See ging so hoch, daß das Dunmore East Rettungsboot nicht zur Rettung der Mannschaft auslaufen konnte. Ein Schooncr, die„Luza von Port St. Mary, scheiterte am Barnck-Felsen und gmg unter. Die Mannschaft wurde gerettet, der Kapitän aber er- trank. Von Fethero meldet der Lloyd'sche Agent, daß bei den Sandbänken von Broombill ein großes Schiff unbekannten Namens scheiterte und nach den letzten Nachrichten scheint es, daß die gesammte Besatzung ertrunken ist. Viele Schiffe mußten in die Häfen einlaufen. Der„Great Eastern", welcher bei Greenwich liegt, riß fich von den Ankem los. Gestem Abend war das Wetter so stürmisch, daß der nach New-Uork fahrende Dampfer„Ohio" in Queenstown nicht anlaufen konnte, um Post und Passagiere an Bord zu nehmen. Alte Kapitäne versichern, daß der Seegang bei Oueenstown während der letzten 24 Jahre nicht so stark gewesen ist als in den letzten Tagen. Kgram, 4. Januar.(Schneesturm.) Der strmge Winter fordert seine Opfer. Auf dem Vratnik find mehrere Menschen erfroren. Die Verunglültten find Ardeiter aus der Licca, die aus Fiume mit dem Dampfschiff nach Zengg(Kroatten) fuhren und ihren Weg zu Fuß über den Vratnik fortsetzten. Auf dem Vratnik, dieser tückischen Heimstätte der Bora, ereilte fie ein fürchterlicher Schncesturni und grimmige Kälte! fie kämpften eine Zeit lang muthig gegen die von der Bora gepeitschten Schneemassen, die ihnen den Weg verlegten, doch wurden fie schließlich selbst eingeweht und fanden in dem Schnee ihr Grab. Bisher wurden, wie Ncpristran meldet, fünf Leichen aus dem Schnee gezogen. Nach den Uebngen wird eifrig geforscht. Außerdem sollen auf dem Vratnik auch mehrere beladene und leere Fuhrwerke unter den Schneemaffen liegen. Kouden, 3. Januar. Eine verheerende Erplofion schlagender Wetter hat in der Kohlenzeche Diglake in Äudlcy, Stafford- shire, stattgefunden. Menschenleben gingen nicht verloren, aber 600 Bergleute sind beschäftigungslos geworden, da die Schachte gänzlich verschüttet find. San Francisro, 2. Januar.(SchWbrand.) Die Barke „Barleton" ist mit 8 Ueberlebenden der Barke„Johanna" hier angekommen. Letzteres Fahrzeug war auf der Reise von Shields nach Jquique begriffen und verbrannte auf offener See. Acht andere Personen an Bord der„Johanna" kamen ums Leben. Knenoa-Aqre«, 6. Januar. Laut amtlicher Mittheilung hat die Zahl der im Jahre 1887 in Argentinien angelangten Einwanderer 138 000 betragen, d. h. 45000 mehr als im Jahre 1886. Gegen das Jahr 1885 ist nahezu eine Verdoppelung der Einwanderung nach genanntem Lande zu verzeichnen. Carthagena, 1. Januar.(Selbstmord durch Dynamit im Theater.) Eine Schreckensszene, wie man fie entsetzlicher sich kaum zu denken vermag, ereignete fich am 31. v. M. im Theater von Earthaacna während der Vorstellung. Das Publikum, das in großer Anzahl fich in dem Schauspielhause befand, war eben in der heitersten Stimmmung, als plötzlich eine heftige Detonation im Parquet gehört wurde und in demselben Mo- mente schon laute Rufe um Hilfe und furchtbares Schreien einiger Frauen vernommen wurden. Zugleich erlosch das Gas und in heilloser Verwirrung stürmte das Publikum nach den Ausgängen, vor denen fich die Massen stauten, so daß zahl- reiche Verletzungen vorkamen. Einige geistesgegenwärttge Männer zündeten Licht an und es zeigte sich, daß die Gas- laternen wieder brannten. Als es wieder hell geworden war, trat endlich eine kleine Bemhigung ein. Ein im Parquet des Theaters fitzender, bisher unbekannter Mann hatte fich mittelst Dynamits auf die greulichste Weise getödtet. Der Mann hatte eine Dynamitpatrone in den Mund gesteckt. Der Kopf zer- sprang in Tausende von kleinen Stücken und durch den Luft- druck erloschen die Gasflammen. Eine neben dem Selbstmör- der fitzende Dame wurde dadurch schwer verletzt, daß kleine Änochentheile des zerrissenen Kopfes ihr in das Geficht und die Hände gedmngen waren. Die Vorstellung wurde nicht mehr aufgenommen. Selm« i« Alabama. 23. Dezember.(Opfer religiösen Wahnsinns.) Seit zwölf Monaten wohnte hier ein„Wunder- doktor" Namens Wm. W. Jordan, welcher großen Einfluß auf die Neger gewann, denen er weismachte, daß er gekommen war, um die Juden zu„erlösen". Er veranstaltete heute Morgen ein „Paffahfest" in der Wohnung von zwei Negerinnen und sagte ihnen, daß ein„Opfer" nöthig sei. FrancesDttver erklärte fich bereit, fich„zu Ehren Gottes" abschlachten zu lassen, legte den Kopf auf den Tisch und Jordan tödtetc fie mit einem Schwerte. Die zwei Negerinnen schleppten dann die Leiche auf die Straße hinaus. Eine weiße Frau sah dies mit an und schlug Lärm. Polizist Payne überwältigte Jordan, der fich verzweifelt wehtte, mit Hilfe einiger Kameraden und brachte ihn nach dem Gefäng- nisse. Die zwei Negerinnen, welche bei der„Opferung" zugegen waren, wurden ebenfalls verhaftet. Die Neger sind über den Mord wüthend und drohen, den„Wunderdottor" zu lynchen, aber die Polizei bewacht ihn scharf.— In Lawrence(Kansas) hat eine Frau Solt ihren Tod durch Verhungem herbeige- führt. Seit Wochen suchte sie alle an fie gerichtete Fragen einzig und allein durch Bibelsprüche zu beantworten und kam zuletzt zur fixen Idee, ihr jüngstes Kind, welchem fie vor etwa zwei Monaten das Leben schenkte, sei der zweite Christus, und sie müsse fasten und beten, damit fie dem Volk„weissagett könne. Endlich wurde sie so schwach, daß fie kein Wort mehr sprechen konnte und zu Bett gebracht werden mußte. Bis dahin hatte sie ununterbrochen in einem Stuhl gesessen und allerhand Unsinn gesprochen. Es wurde Alles angewendet, um sie zum Essen zu bewegen, aber vergeblich, sie ist buchstäblich aus eigenem Willen und Anttieb den Hungertod gestorben. Sprechfaal. "oroeit Raum dasür adjugeben ._ leiten allgemeinen Inlereffe» gleich, etUg dagegen, mit dem Inhalt demselben identifiprt zu werden. Offener Brief. Der am 27. Dezember 1887 tagenden Versammlung des Verbandes deutscher Zimmerleute, Lokalverband Berlin Zentrum, lag zur Kenntnißnahme der in der„Baugewerks-Zcitung" unter der Ueberschnft:„Das Berliner Baugewerbe und die Sozial- demokratie" veröffentlichte Artikel vor. Dieser Artikel strotzt, nach Aussage der bei dem Wahltermin zugegen gewesenen Augenzeugen, von Unwahrheiten und falschen Tyatsachen, denn 1. Es ist nicht wahr, daß Gesellen versuchten Idas Wort zu erlangen, indem dieselben fich zur Geschäftsordnung mel- Veten, sondern der Vorsitzende hatte den zwei Rednern, welche gesprochen haben, das Wort zur Diskusfion ertheilt; 2. Brach kein Tumult aus, sondern die Versammlung protestirte nur gegen die Erklärung des Vorsitzenden, welcher bekannt gab, daß er keinem Redner mehr das Wort ertheilen werde. 3. Kein Geselle hat fich eingedrängt, sondern der Eintritt stand jedem frei. 4. Sind keine rohe Schimpfteden oder Drohungen gegen die Meisterschaft ausgesprochen worden. 5. Die größte Lüge ist, daß die Gesellen die am Tische fitzenden Meister mit geballter Faust bedroht hätten. 6. Um 12 Uhr wurde die Wahlverhandlung resultatlos geschlossen, die Urnen wurden umgestülpt und erklärt, daß kein Wahlzettel dann vorhanden. Woher kommt nun der mit sozialdemokratischen Abgeordneten beschriebene Wahlzettel? Hat Baumeister Fetisch denselben erfunden?-- oder--- 7. Es wurde kein Hoch auf die Sozialdemokratie ausge- bracht, sondern die Maurer brachten den Zimmerern ein Hoch, das gleiche thaten die Zimmerer, hierauf verließen in bester Ordnung mit einem donnernden Hoch auf die fest bewiesene Einigkeit die Gesellen den Saal. Die Gesellenschaft erklärt auch diesen Bencht der„Baugewerks- zeitung" nur für eine niedngeiTenunziatton, welche beweist, mit welch' erhärmlichen Mitteln heut von Seiten eines Zeitungs- schreibers vorgegangen wird, um die noch bestehende Einigkeit der Gesellenschaft zu sprengen. Die Gesellenschaft verurtheilte auch an diesem Tage das einseitige Vorgehn bei der Wahl des Gesellenausschusses, und mancher wünscht nun, daß durch Denunziation die Behörde veranlaßt würde, einzugreifen. Vorstehendes bin ich beaufttagt, bekannt zu geben, mit dem Ersuchm an alle arbeiterfreundliche Blätter Deutsch- lands, dieses ebenfalls zum Abdruck zu bringen, schon aus dem Grunde, well von Seiten maßgebender Meister selbst an dem Wahltage auf Vorhalten dieser Hetzartikel des Meisterorgans uns erwidert wurde: Wir Meister haben mit der„Baugewerks- Zeitung" nichts zu schaffen. Der Verfasser des betreffenden Artitels ist Zeitungsschreiber, sein Grundsatz ist:„Weß Brot ich esse, deß Lied ich finge." Berlin, den 9. Januar 1888. I. 31.: H. Jäckel, Zimmerer. N., Schönhauser Allee 177b. Neueste Nachrichten. Die bayrischen Ueservatrechte und da« Sozialistengesetz. Wir lesen in den Blättem:„Die in Ausficht genom- mene Verschärfung des Sozialistengesetzes durch die Einführung der Erpatttirung hat man als unzulässig bezeichnet, weil sie mit dem bayerischen Reservatrecht im Widerspruch stehe. Demgcgen- über hebt die„AugSb. Abd.-Ztg." miederholt hervor, daß, wenn das Sozialistengesetz den Verlust der Reichsangehöngkeit ver- hänge, dies das Reservatrecht Bayerns nicht berühre, da eine solche Bestimmung auf der in Bayern durch die Einführung des Gesetzes über Erwerb und Verlust der Bundesangcbörigkeit bereits santtionirten rcichsstaatsrcchtlichcn Grundlage beruhen werde, daß der Verlust der Reichsangehörigkeit unabhängig von dem Befitz des Jndigenats im Einzelstaat ausgesprochen werden kann."— Wir kommen auf die Angelegenheit noch zurück. Nach amtlicher Feststellung erhielt bei der am 4. d. im Rcichstagswahlkreise Wirsiy-Schubin stattgehabten Ersatzwahl an Stelle des verstorbenen 3lbgeordneten Falkenbcrg Rittergutsbesitzer Karl Poll in Groß-Samoklensk(natlib.) 8794 von 16 921 abgegebenen Stimmen. Der Gegenkandidat Ritter- gutsbefitzer Graf Skorszewski(Pole) erhielt 8122 Stimmen.— (Bei der Wahl im Vorjahr wurden 19 995 Stimmen abgegeben, davon 10173 für den deutschen Kandidaten, Rittergutsbesitzer Falkenberg(der inzwischen verstorben ist), 9585 für den polnischen Kandidaten, Grafen Skorszewski.) In dem posener S-zialistenvrozeste kommen— so schreibt die„Volksztg."— seitens der Vertreter der„Autontät" Anschauungen zu Tage, auf welche wir hinzuweisen für noth- wendig halten, ohne einstweilen auf den Prozeß selbst näher eingehen zu wollen. Beispielsweise beantragte der Staatsanwalt Martins, einen Zeugen nicht zu vereidigen, welcher erklärte, nicht an Gott zu glauben,„weil ein solcher Mensch von dem Wesen des Eides keine Vorstellung habe". Der Staatsanwatt stützte fich dabei auf die gesetzliche Vorschnft: Unbeeidigt find zu vernehmen:„Personen, welche wegen mangelnder Verstandesreife oder wegen Verstandesschwäche von dem Wesen und der Bedeutung des Eides keine genügende Vorstellung haben". Der Staatsanwalt hat wohl übersehen, daß nach seiner Ansicht auch Friedrich der Große wegen man- gelnder Verstandesreife hätte unbeeidigt vernommen werden müssen, um von allen sonstigen Beispielen abzusehen. Zu einer Entscheidung des Gerichtshofes kam es in diesem Falle nicht, weil der Staatsamvalt nicht bemerkt hatte,— daß der Zeuge bereits eine Minute vorher vereidigt worden war. Der Vor- fitzende des Gerichts nahm aber bei einer späteren Gelegenheit Veranlassung, auch seinerseits zu erklären:„Ob der Genchtshof einem Menschen Glauben schenken kann, der nicht an Gott glaubt, das ist Sache des Genchtshofes". An* Schmabach erhielten wir mit Ersuchen um Aufnahme folgende Zuschrift:„Wie wohl bereits bekannt, wurden am 2. d. M. die sämmtlichen Werkstätten der Weißmetall- schlägerei nicht mehr geöffnet. Die Meister waren infolge der Steigerung des Rohprodutts um«V«, per Pfd. nicht mehr in der Lage zu produziren, indem die Fabrikanten mit den Preisen der Steigerung des Rohprodukts nicht gleichen Schritt hielten. Es find deshalb 100 Gehilfen und Kleinmeister, mit 120 Ar- beitsmädchcn brotlos resp. ausgesperrt, welche bei der geacn- wärttgen Jahreszeit Unterkunft auf irgend welche Art und Weise durchaus nicht finden können. Es handelt fich also darum, ob wir diese Arbeiter zu Grunde gehen lassen wollen, oder ob wir ihnen beistehen wollen? Da nun diese Arbeiter 6 Wochen vor der Aussperrung wöchcnttich.nur 4—5 Tage arbeiten durften, was einen bedeutenden Lohnausfall verursachte, ist klar, daß an Ersparnisse in letzter Zeit nicht zu denken war. Diese Arbeiter stehen nun in Erinnerung, daß fie bei allen ähnlichen Fällen ihre Schuldigkeit voll und ganz gethan haben. Die Unter st ützungs-Kommmission des Fachvereins für Metallarbeiter aller Branchen. A. Hoffmann, Rudolph Linz, Vorsitzender. Schriftführer. NB. Alle Anfragen, schriftliche Mitthcilungen, sowie Geld- sendungen find zu richten an das Lokal des Fachvereins: Emst- sche Wltthschaft in Schwabach. An* Gesterreich kommt eine interessante Neuigkeit; die Vcrhängung des Kirchenbanns gegen Zeitungs- l e s e r. Der Generalvikar Bischof Dr. Zobl in Feldkirch hat nämlich, wie im„Lindaucr Tageblatt" zu lesen ist, von allen Kanzeln im Lande Vorarlberg verkünden lassen, daß Jeder, der das.Hregenzer Tagebl." hält, liest oder unterstützt, dem Kirchen- tL u« Pari«, 9. Januar, wird der„Voss. Ztg." telegraphirt: l a n q u i st e n feietten gestem am Grabe Blanqui's dessen Todestag. V a i l l a n t erging fich in bitteren Vorwürfen gegen C a r n o t, well er zum Neujahrstage die politischen Vemtthellten nicht begnadigt, sondem blos Einzelnen die Strafdauer abgekürzt habe. Basly will in der Kammer eine A m n e st r e sämmt- licher wegen politischer und Preßvergehen Verurtheilten, sowie der Militärflüchllinge und der wegen Vergehen gegen dte Manneszucht bestraften Soldaten beanttagen.— Der Deputirte Basly wird am Donnerstag einen Entwurf auf Amnestie auf den Tisch des Hauses legen, welcher die wegen politischer Ver- brechen und Vergehen und wegen damit in Verbindung stehender Thatsachen, ferner die wegen Preßvergchen Verurtheilten sowie wegen Vergehen gegen das Militärgesetz und die zu Disziplinar- strafen vemtthellten Soldaten umfassen soll. Tetegraphische Depeschen. (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Petersburg, Montag, 9. Januar, früh. Anläßlich der Entlassung des ältesten Mannschaftsjahrgangs des Gardekorps sagt die„Petersburger Deutsche Zeitung, die Kavallettstcn und Attillettften seien bereits cnttassen, die Enllassung der Jnfan- tcnsten erfolge in den nächsten Tagen. Das Blatt begrüßt die frühzeitige Enllassung als ein Fnedenszeichen._ (Aach Schluß der Kedakti-u eingetr�L-u.) Karlsruhe, Montag, 9. Januar. Bei der am 5. d.' im 13. Reichstagswahlkreise stattgehabten Ersatzwahl eines l tagsabgeordneten wurde, nach amtlicher Feststellung, Graf Helm Douglas(beutschkons.) mit 9554 von 14075 abgegel Stimmen gewählt. Kaufmann Jacob Lindau in Heidi (ulttamontan) erhielt 4465, Stadtrath Aug. Dreesbach in Mo» heim(Soz.) 42 Stimmen. Kriefkaste« der Redaktion. Bei Anfrage« bitten wir die Abonnements-Quittung beizufügen. Brieflicht Antwort wird nicht ertHeilt. H. F. 138. 1. Wenn derjenige, bei dem Sie als Ast» miether wohnen, auf Exmission vemttheilt wird, so W zwar das Uttheil nicht gegen Sie vollstreckt werden, es W aber der Wirth gegen Sie, da Sie ohne Recht die Wohiutt innehaben würden, sofort auf Exmission ttagen. Gegen Jh' Aftermicther haben Sie Anspruch auf Schadenersatz. 2. durch, daß Ihre Braut als Ihre Frau gemeldet ist, ist Meldepolizei-Kontravention begangen, wegen welcher aber• Hauswitth, nicht Sie, strafbar ist. K. W 100. In einem Vottrage über die neue Polizei-Ordnung ist die Eröttemng einer öffenllichen Anaeleg» heil zu erblicken. Dagegen hängt es ganz von dem llmfatf und der Organisation Ihres Rauchklubs ad, ob dessen 3» sammenkünfte als Versammlungen im Sinne des VereinSgcsex aufzufassen find. Falls nur eine beschränkte 3Inzahl von# gliedern, und nur von solchen zusammen find, und nicht& förmliche Leitung der geselligen Vereinigung durch Vorsitzen� Schriftführer zc. stattfindet, so können Sie Ihren Vortrag halten, ohne dem Vereinsgesetze zu verfallen. Zwei Wettend«. Am 5. Januar 1878. F F. Tie Gemeinde in Kulmsee muß ihre Schwäg einstweilen unterstützen. Wenn fie sich nirgends 2 Jahre I durch aufgehalten hat, so ist ihr Unterstützungswohnfitz an iW Geburtsort. Das Verhalten des Gutsbesitzers ist ja so herzb wie nur möglich; aus Ihren Angaben können wir aber nil ersehen, ob er überhaupt rechtlich verpflichtet ist, Ihre Schwäg« mit den Kindem bei sich zu behalten. A. I. Äulowstr. Unseres Erachtens können Sie dem Hauswitth Entschädigung nicht beanspruchen. Der anf t ebene§ 9 Nr. 7 Ihres Kontraktes setzt nur eine Pflicht% fiiethers fest, nicht eine solche des Vermicthers, doch ist% Sache rechtlich zweifelhaft. A. F. Stralauerplatz. Wenn der Hauswitth einen& zugesandten rekommanditten Brief nicht annimmt, so muß i trotzdem dessen Inhalt gegen fich gelten lassen. Enthielt z.JJ der Brief eine Kündigung und wurde ihm rechtzeitig präsent». so hat der Miether ordnungsgemäß gekündigt. K. A. Friedrichaderg. Die Honorarforderung � Arztes verjährt in 4 Jahren, beginnend mit dem 31. Dezew» des Jahres, in welchem die Forderung entstanden ist. I»? Schuld ist daher nicht verjähtt. Sie haften aber für die Jb Mutter geleistete ärztliche Hilfe nur, wenn Sic alleiniger E geworden find. Wenn Ihr Vater oder Geschwister von Ihn resp. deren Kinder noch leben, so können Sie nur gemeinsct lich mit diesen verklagt werden, die gegen Sie allein geriä Klage müßte abgewiesen werden. Markthalle«-Kericht von J. Sandmann, städtil� Verkaufsvcrmittler. Berlin, den 7. Januar 1888. Temperatur in der Halle 5 Grad Reaumur. Wetter: Regen. Butter.(Reine Rnturbtitter.) 1. Feinste haUlcue rahm-Tafelbutter(bekannte Marken) 108—112 Ä., 2. schmeckende Tafelbutter 100—108 M., 3. Tischbutter 90 100 Ä., 4. fehlerhafte Tischbutter 80—90 M., 5. Koch- L, Backbutter 70—80 M. pr. Ztr. 3luktion täglich um 11 Ü» Vormittags. � Honig, deutscher, 40—60. IIa. 30—40 M. pr. Pflaumcnmuß 15—17 M. pr. Ztr. Eier 2,50-3,10-3,25 netto ohne Abzug p. eiet 2,95 M. p. Sehet. Käse. Jmpottitter Emmenthal er—87,„------- Schweizer 35—50—65, Ouadrat-Backstein 12—16—26, burger 20—30—35, Rheinischer Holländer Käse 58—60—681 pr. Ztr., Edamer 58—68, Harzer—3,00 M. pr. K� Dtsche. Camembert— M. pr. Dtz. Neufchatel— M- Stück. Wild. Rehböckc 60-75-80 Pf., Dammwild 40-70 u Rothwild 30—40—50 Pf. Schwanwild 25—60 Pf., Rennt! 60— 65p. Pfd., Kaninchen 40— 60 Pf. per Stück, Hasen 2,20 2,50 Ä., Fasanenhäbne 3,00 bis 4,50 M., Fasanenhew 2,00 bis 3,00 M., Wildenten 0,90-1,25-1,50 M., Birkn»» 1,25-2,00 pro Stück. Haselwild 0,90-1,00 M. pr vW» Schneehühner 0,90—1,10. Wildauktion täglich um 10 Uhr mittags und 6 Uhr Nachmittags. Fleisch. Rindfleisch 35-42-54, Kalbfleisch im Fell 32 b» 50—60, Hammel 35—45—50, Schweinefleisch 40—45 Pf. Pfund, Schinken geräuchert mit Knochen 60—80 Pf., Speck g» 55—60 Pf. pr. Pfund. Geflü Fette En !fd., Tauben Ztr. Schck., K� Jnländisck Geflügel, lebend. Gänse 1« 4,00—5,50, IIa 2,00—3,50$jj Enten 0,85- 1,50-2,25 M.. junge Hühner 0,60-0,90, Hühner 1,00—1,50, Tauben 30—45 Pf. pr. Stück. Pum 2,50—350 M.— Auktion täglich um 9 Uhr Vormittags v» 6 Uhr Nachmittags... �„ tl Obst und Gemüse. Weißflcischige Speisekattoffeln 4,00 l» 5,00, Zwiebeln 9,00— 16,00 M pro 100 Kilo, Blumenkohl 2�1 27 M. pro 100 Kopf, Birnen 6-10-13-18, Aepfel 6 bis bis 15-20, Wallnüsse la. 10-20 M. pro Ztr. brutto. Avfelstn Jaffa 9-10, Valenzia 420er 15-24 M. pro Kiste. Citro» 9—13 M. per Kiste. Feldfrüchte in Wagenladungen, Kartoffeln, weißfleisä Speisekattoffeln 40—50 M. per 1000 Kilo, Hafer 105—130 Erbsen 120-200 M.. Futtererbsen 115-120 M.. Gerste 1" bis 180 M., Richtstroh 35-40,00 M., Heu 40-66 M./ 1000 Kilo. Maflerstand der Spree in der Woche vom 25. Dezew� bis 31. Dezember 1887.(Angabe in Metern.) � 31. 30. 12. 2,40 2,38 iM %* Bcrantwottlich:£, Grönheim; für Vereine und Versammlungen: F. Tutzaner, beide in Verlin. Druck und Verlag von Ma» Fading in Berlin SW� Beuthstraße 2.