g." f°lS Ä» s-s lesisckcn P erklärte» ällt w-Z rnot, T-s vom olitiscbe l ? die r verl« len.' Resultat' Abflcge» uf Obers [fielen, j che Post- spätetcs» che Post- ? tarier 9* VignM liches T- n und. Aburtb ie�An Mr. 11. Freitag, de« 13. Janvar 1888. 5 Jahrg. MiutDolMlI. Krgan für die Interessen der Ardeiter. � Da«„Berliner Volksblatt" erscheint taglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei W'S Hau- vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummcr mit dem„Sonntems-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.) Jnsertionsaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Ubr Nachmittag« m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoneen-Bureaux, ohn« Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 3.— Gepedition: Zimmerstrahe 44. delfy bo» swngen oecks dtt gierung. im i? ariens. it für Frage onfercnl falls die Jen erst* echnen W ür zeitg- Rüfnis en an !°Tk terprästde- Die internationale Konkurrenz der Arbeiter. Zn den vom Daseins- und Jnteresienkampfe bestimmten Beziehungen des sozialen Lebens war es einstmals geraume Zeit hindurch ein regelmäßiger Hergang, daß ganze Stämme und Völkerschaften ihre heimathliche Erde oder die Stelle ihrer Niederlassung, die ihren Ansprüchen nicht mehr ge- nügte, verließen, um wie ein Raubbienenschwarm in andere Volkskörper einzudringen, diese vernichtend, verdrängend »der unterjochend. Mit einem ähnlichen, wenn auch nicht in so roher Form sich äußernden, so doch auf denselben Mo- tiven beruhenden Hergange haben wir es in der Gegenwart zu thun. Auch in unserer hohen Zivilisation fehlt der vernichtende, verdrängende und unter- jochende Daseinskampf nicht; er besteht vielmehr noch im größten Umfange fort und äußert sich unter anderem sehr scharf in der ruhe- und heimathslosen Fluktuation des Proletariats im Innern der Länder, in der Auswanderung »ach fremden Ländern, dem beständigen, oft wildfluthenden Ausweichen nach anderen Zivilisationskreisen, mit einem Wort: in der internationalen Konkurrenz der Arbeiter. Unter dem stets zunehmenden Drucke der aus der wirthschaftlichen Anarchie resultirenden sozialen Roth stehend, gedrängt vom Selbsterhaltungstriebe, dem der Glückseligkeits- trieb sich zugesellt, schieben sich große Theile der arbeitenoen Klasien nicht nur aus einem Landes- theil in den anveren, aus den Ackerbaugebieten in die industriellen Städte, sondern, was wichtiger ist, auch von einem Lande in das andere und zwar, was leicht erklärlich, immer zunächst dahin, wo die wirthschaftlichen Verhält- niste den besten Erwerb garantiren oder zu garantiren scheinen. Schon unter sogenannten„normalen" wirthschaftlichen Verhältnisten hat solch eine Fluktuation für die Arbeiter des Distrikte« oder Landes, wohin sie sich richtet, ihre großen Bedenklichkeiten, weil sie eine Vermehrung der Angebote von Arbeitskraft, also einen Druck auf die Löhne bedeutet. Geradezu verhängnißvoll aber wird sie in Zeiten großer an- haltender Krisen, wie wir sie jetzt schon so viele Jahre durch- , leben. Dann zwingt der Hunger, die Roth und das Elend die Arbeiter zu einer furchtbaren Konkurrenz um Arbeit und Brot, deren internationaler Charakter immer schärfer hervortritt. Verschlimmert wird dieser Zustand noch dadurch, daß spekulative Unternehmer sich bemühen, ohne Rücksicht auf die nothleidenden heimischen Arbeiter, von auswärts gerade ütbare � M4e Arbeiter heranzuziehen, die möglichst vollkommen in offen.) ig des mee erstens iitanacl igegcbeftj en; r höre de! otefani"' befiiM »1 der zß" ens ensi] tien ICN so ist uns i solches utter ). Koch', jj um 11 JeuiU'eton. Ztr. Schck.. Gjsäs Vereine und Versammlungen, um"vom Sozialistengesetze seinen au f f a l l e n d e n A n we n d u n g e n gar#1 �enf 6ctnj .....................■ana reden, thatsächlich nicht."— Brentano giebt wemtz ehrlich zu, was die Arbeiter schon längst wissen und emps» haben. Ein�Z eichen der Zeit. Es ist eine bekannte Thalia daß das D e n u n z i a n te n t b u m in den letzten Jahre»'■ Im n schreckend überhand genommen hat, und aus S a ch s e n ist-«ine lebhaf vor Kurzem geschrieben worden, daß dort das D c n unzi" statt, derer von den Kartellbrüdern förmlich gepflegt wird. Eine abordneten: li che Bekanntmachu ng, die soeben in dem„SM* Prof. S u blatt" der Stadt Geyer im Erzgebirge erschienen j wird in L zeigt, wie weit es in dieser Beziehung schon gekommen ist./ noch nie g lautet wörtlich:„Bekanntmachung. Wiederholt ist 1» mal den S den letzten Wochen und Tagen vorgekommen, daß an den»»f Steudel, zeichneten Stadtrath oder den Bürgermeister Anzeigen» Oesterreich Nennung des Namens des Verfassers abgegeben worden 1» führen." Dergleichen Anzeigen finden keine Beachtung, es sei denn' zu hören I sich der Verfasser nennt oder verschiedene die Anzeige& stützende Momente in glaubhafter Weise vorgebracht iM � Das unbegründete leichtfertigeDenunziaiitenwesen, hinten«» m.-;" sich eine gewisse Feigheit und Unlauterkeit des Charaftersl ni birgt, ist höchst verwerflich. Geyen am 4. Januar 1888. j Nationalist von ffttnei ß Londoner Stadtrath. Mayer."—. Der Stadtrath von Geyer sicherlich demnächst als„sozialdemokratisch" den>' ,u ßiauber zirt werden. Die Unschuld vom Lande. Wir gehören zwar ni* denjenigen, welche die Moral des Volks nach der Zahl detj ehelichen Kinder— im umgekehtten Verbältniß— befflK allein für unsere Gegner gilt doch dieser Maßstab, nam«? für die Konservativen und Ehrisllich-Sozialen, die bei jeder' legenheit die Sittlichkeit der konservativen LandbevölkcruG daß der P Gegensatz zu der sittlichen Verkommenheit der sozialdemokraß Das Jour und fortschrittlichen Stadtbevölkerung lobend hervorheben. 1 die aebcim es fich in Wirklichkeit mit dieser Unschuld vom Lande"*"" haben wir früher schon wiederholt dargelegt. Jetzt ha Zahl der unehelichen Gebutten größer, zum Theil beb größer— bis z u 90 p Ct.— als in den Städten. sagen die Herren Konservativen und Christlich-Sozialen zu' fatalen Thatsache? Resultat der lach fischen Landtagswatzl in Freib Nach vorläufiger Zusammenstellung ward Amtshau?� Dr. Fischer_(Kartellbruder) mit etwa 1451 Stimmen jj �tcr— � Liebknecht(349 Stimmen) und Erbrichter Butze(189 61� w rnw dessen Rücktrittserklärung ziemlich gewunden war und%.7�?, noch in letzter Stunde agitirt wurde, gewählt. Die S»' dcmokraten hatten in den letzten Tagen Wahlaufrufes( Stimmzettel für ihren Kandidaten in allen Häusern �4 P~a?e.'c bezirks vertheilt. Z«r Affäre Morgenstern bringt die„Münch- noch einen pikanten kleinen Nachttag:„Der Zufall füh" dieser Tage— so schreibt das Blatt— in einen KrW der Klenzesttaße, in der Nähe des Hauses, wo Ehren-. stcrn gewohnt hatte, und entdeckten wir daselbst einen-. vorrath des seligen„Blitz." Auf Befragen erzählte u» Frau, daß ihr M. im Sommer ein Quantum von etwa sss ßig Z entnern dieses so„verbreiteten" Blattes zum% angeboten habe, daß sse ssch aber mit etlichen Quantität _ r_..................«»ri 30 bis 70 Pfund zu je 6 Pf. begnügt habe. JnteressaA, daß von einer einzigen Septembernummer nicht wewSZ 472 Stück in den Händen dieser Frau waren. Da n»° Aussage des Buchdruckers Gradinger bis zum Septeinbel? die Auflage des„Blitz" überhaupt nur 700—800 ßfj jettug' 1° find also zwei Drittel der Gesammtauflage zu 1 das Kilo als Makulatur vcrwerthet worden! Dieser lltz laßt den verübten Schwindel um so«ngrh�i-ri'Vr«lg — Wie beispiellos übrigens die Frechhett des Morgens». belegt die Thatsache, daß uns soeben die Abschrift eincki gensburg, 3. Januar" datitten Schreibens des M. an � fige Amtsgericht zugestellt wurde, inhaltlich dessen M. gss llrtheil vom 29. Dezember Berufung einlegt! M-' zu einer Zeit, wo seine Ausweisung aus ganz Bayern rechtskräftig war, noch inff aller Gemüthlichkeit Briefe � hiesigen Behörden expedirt und zwar von einem Orte% aus, der nur wenige Stunden vom Sitze der ihn auswe" Staatsregierung entfernt liegt! Die Kölner Sozialdemokraten haben in den Tagen ein Flugblatt verbreitet. Am Sonntag und- tag wurden 50 000 Exemplare„zum sunfzigl? Priesterjubiläum des Papstes Leo XI II." in besonders gss Weise vettheilt. Das Verbot des Flugblattes ist im< anzeiget" bereits publizirt. Ludwigshafen. Die bisher in Kaiserslautern tag» schienene„Psäl zische Freie Presse" ist nach L" Hafen verlegt, wo sie als Wochenschrift fortgeführt wer» Ihr Herausgeber bittet alle Freunde der Ärdeitersawe- „Das Hab' ich auch nicht gesagt, Herr Major," � Frau rasch,„keine Silbe davon! Wie das Kind a», boren war, ließ die Heßberger damals die WartefraU� Deutschlai m' r" w— in..»!.."> zwar wur! Verwandte von ihr, mit der sie dicke durchsteckte, obe» bei der Wöchnerin und der„Tante" und ging in de*. hinunter, so viel ist sicher, denn das habe ich mit n eigenen Augen gesehen. Sie ttug auch etwas unttt Mantel und kam ebenso zurück, und wir Alle ha� darüber gesprochen, denn so eine Frau gehört in deft in das Wochenzimmer und nicht in den Hof. D'* im Hause meinten auch damals, es sei gar kein Kn» wesen, sondern ein Mädchen, und der Herr BaroN i loeicn,>vnvrrn ein a/iuvlyen, uno oer der Papst, wie schon früher einmal, ine geleitet wird." nra� Das Journal selbst demerkt dazu:„Wenn das ittsche Volk auf die geheimen Benchte der Feinde der irischen B'schöfe hin ver- uttheilt werden soll, dann wird die Religion in Irland einen schweren Schlag(!) erleiden." Fra«krt.) war die Petersburger Geheimpolizei in größter Auf- regung; sie hatte bereits seit einiger Zrit die Spur eines neuen geplanten Verbrechens gegen den Zaren entdeckt, allein sie konnte doch die Fäden nicht vollständig in die Hand bekam- men i das gelang ihr erst zu Weihnachten. Nach den bisher nur spärlich bekannt gewordenen Bruchstücken hatte die Polizei längst bemerkt, daß die Nihilisten stets auf das Genaueste und Prompteste unterrichtet waren, sobald der Zar Gatschina verließ. Allein es war nicht zu ermitteln, durch wen die bczüg- lichen Winke ettheilt wurden. Die eigene Unvorsichtigkeit des Verräthers fühtte endlich zu der Entdeckung. Ein aus dem * �,5 aS un* le Hab«" i in d-j f. Di«' ein Kn-si BaronJ chbochl" gut öj mu-a. 0 Metall wurde von der Verwendung der Papierscheibenräder im Elsenbahnbctneb crne Erhöhung der Betriebssicherheit, insbe- pk sondere eine aenngere Abnutzung der Radreifen und ein ruhiger. -,;„v aifi geräuschloser Lauf der Fahrzeuge erhofft. Diese Annahme ver- ". I anlaste seit dem Jahre 1881 einige Eisenbahnverwaltungen Deutschlands, Versuche mit Papierscheibenrädern anzustellen, und lü«! zwar wurden solche Räder mit wenigen Ausnahmen nur unter Personen- und Schlafwagen meist in schncllfahrenden Zügen verwendet, wobei zum Theil Bremsen auf dieselben wirkten. Anfänglich schienen die in Amerika erzielten günstigen Wahrnehmungen sich zu bestätigen, insbesondere wurden weder Reifenbrüche, noch andere Unfälle bekannt, deren Ursachen auf die Verwendung von Papierscheibenrädem hätten zurückgefühtt werden können. Im Monat Dczem- der 1886 jedoch erhielt das Reichseisenbahnamt Kcnntniß von einer, anscheinend durch dcrattige Räder verursachten Ent- gleisung eines Personenwagens, bei welcher es fich zeigte, daß die Papierscheiben sämmtlichcr lvier Räder völlig ausgebrochen und sowohl die sonst unbeschädigt gebliebenen Reifen, als auch dw Achsen mit den an ihnen festsitzenden metallenen Naben unter ienck dem Wagen fottgeschleudett waren. Da nach dem Aussehen des > Bruchs der Papierscheiben auf eine im Gefüge des Materials | eingetretene Veränderung geschloffen werden mußte, so wurden # fic■,nuf.. den Eisenbahnen Deutschlands verwendeten Papier« t%, wMvenräbet einer eingehenden Untersuchung unterworfen, wobei 2%% Beschädigungen im Material, namentlich Ausbrüche oon" der Papierscheiben in einer Länge bis zu ein/t Tiefe bis zu 90 mm entdeckt wurden. Diese Befchamgungen fanden sich vorwiegend an Rädern, welche der Einwirkung einer Bremse ausgesetzt waren. Wegen der nach diesen Wahrnehmungen für den Eisenbahnbetrieb möglichen Gefahren werden die vorhandenen Papierscheibenräder, wie be- richtet wird, fottan weder unter Bremsen noch in schnellfahren- den Zügen venvendet werden, auch wird die Beschaffung der- attiger neuer Rader w lange unterbleiben, bis erhebliche Ver- bcsserungen in der Herstellungsweise jeden Zweifel an der Halt- darkeit ausschließen. Zur Beobachtung derUorgänge. welche stch Während der Entwicklung de» Huhnchen« im Ei abspielen, hat � Gerlach einen neuen Apparat: das Embryoskop erfunden, welches wohl geeignet erscheint, durch seine Anwendung in der Embryologie und der Teratologie(der Lehre von den Miß. vudungen) neue Fottschritte auf dem Gebiete des Wissens anzu. Mden- Der Apparat besteht im wesentlichen aus einer kleinen Glasscheibe, welche in eine in der Eischale hergestellte Oeffnung Bahnhof der baltischen Bahn angestellter und auch dott woh- nender Feldscheer wurde dabei abgefaßt, wie er verdächtige Signale gab, und sofott verhaftet. Me bei einer Haussuchung vorgefundenen Briefschaften ergaben zur Evidenz die Schuld des Feldscheers und gaben deutliche Fingerzeig dafür, daß aber- mals ein nihilisttsches Attentat geplant und vorbereitet sei. Be- sonders kompromittitt erscheinen zwei Offiziere, welche neben vielen anderen wahrscheinlichen Mitwissern arretitt wurden. Der Feldscheer versuchte einen Selbstmord, der indessen mißlang. Auf diese Entdeckungen wird der Entschluß des Zaren zurück- gcfühtt, Heuer nur 14 Tage nach Neujahr in Petersburg zu Falka« lS«der. Im Belgrader Lehrerseminar fand ein kleiner Aufruhr gegen die Liberalen statt. Der zumeist radikale Lehrernachwuchs pfiff den Professor Simitsch, einen heißblütigen Liberalen, aus und soll ihn sogar handgreiflich zum Hörsaal hinausgeworfen haben. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet, die jedoch nicht sehr scharf gefühtt werden dürfte._. Der„Corr. de TEst" wird aus Sofia gemeldet, in einer dortigen Vorstadt sei eine Verschwörung entdeckt und Tausende von Proklamationen vorgefunden worden, welche die Bevölkerung zu einem allgemeinen Aufstande gegen den Koburger und die Regierung auffordern; als der einzige Freund und Wohlthätcr, als der Hersteller dauemden Friedens in Bulgarien wird Rußland bezeichnet. Soziales und Arbeiterbewegung. Leb tr>1« Entwlckelung der deutsche« Kplel- waarenbranche ,«r Erportl«d«strie„freut sich von Herzen ein Professor JuliusFrühaufin einem herzlich beschrank- ten Attikel über die Sonneberger und Nürnberger S p i e l w a a r e n i n d u st r i e. Der hochgelehtte Herr Professor, der fottwährend von der„erstaunlichen Billigkeit der Spielsachen redet, scheint nicht zu wissen, welch' unsägliches Elend die Hausindustrie des meininger Oberlandes und der Städte Nürnberg und F ü r t h in fich schließt. Erscheint nicht zu wissen, daß Emanue l Sax in seinem ausgezeich- neten Buch über die thüringische Hausindustrie die Zustande m, Meiningen'schen so beredt und klar geschildert hat, er scheint nicht zu wissen, mit welchen Löhnen die Nürnberger Klemmeister abgespeist werden. Blos die Kaufleute, die kapita- listischen Verleger profitiren, die Hausindustriellcn- vegitiren. Wer sich von„Herzen freut" über solch' eine In- dustrie, der hat in der That ein recht seltsam oraanifittes Herz, oder eine recht sonderbare Art und Weise, die Dinge zu sehen. Die Chemnitzer Handschutzindustrie leidet, wie ein Fabrikantenblatt schreibt, an einer„Stagnation der Geschäfte, die auf die Dauer nicht ausgchalten werden kann." Die Ueber- vroduttion sei Ursache der chronischen Stockung. Aber die Ueberproduttion ist ja eine selbstverständliche Konsequenz in dem Zustand witthschaftlicher Anarchie, die euphemistisch freie Kon- kurrcnz genannt wird. Zu bedauern find vor allem die armen Handschuhmacher und Handschuhmacherinnen— es handelt sich um gewirkte Handschuhe—, die jetzt Noth leiden müssen. Die Feinblechmerke von Ntzeinland und Westfalen haben eine Uebereinkunft zur Feststellung der Preise getroffen, der bereits 88 pEt. aller Werke beigetreten sind. Der Preis wurde um 2 Mark erhöht. Ganz hübsch für die— Kapitalisteni! Die Handelskammer von Siegen erklärt in ihrem letzten Bericht, daß die Eisenindustrie das letzte Jahr zu den schlechtesten feit 1851 zähle. Die Lage der Gerbereien wird eine„erbärmliche" genannt.„Witthschaftlicher Auf- schwung"! Der Eesammtmerttz der dentschen Tabakernte im Jahre 1886—87 betrug 30 275 571 M.(gegen das Vorjahr mehr 1 123 711 M.); der mittlere Preis von 100 Kg. Tabak 78,34 M., gegen 1885—86 mehr 2,72 M.! Der Tabak- konsum in Dentfchland nimmt beständig ab, weil stch die Lebenshaltung der großen Massen fottwährend ver- schlechtett. Gute Geschäfte machen die chemischen Fabriken in Deutschland, die bekanntlich sehr viel Frauen und jugend- liche Arbeiter beschäftigen, sehr gesundheitsgcfährlich sind und sehr schlechte Löhne zahlen. Nach dem Jahresbericht des „Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie", also sicher einer offiziellen Ouelle, bettagen die Durchschnittsdividenden von 1882—86: 13, 11, 8,4, 7,9 und 9,25»Et., der Soda- und Kali- industrie speziell 9,8, 9,2, 6,5, 5,5 und 5,6 pEt. Die deutsche Sodaproduttion betrug im Jahre 1878 nur 42 500, jetzt 150 000 Tonnen. Vor 10 Jvhren wurden noch 27 000 Tonnen Soda eingefühtt, jetzt führen wir aus. Am besten rentirten die Farben fabriken, nämlich 20*, 14, 10;, 6,7 und 9,4 pEt. Die Ausfuhr derselben stteg von 4 605 000 Kg. im Jahre 1885 auf 5 700 000 Kg. im Jahre 1886. unter Beobachtung der gebräuchlichen antiseptischen Vorstchts- maßregeln eingesetzt wird. Hierzu wird zunächst auf die unver- letzte Eischale ein Metallring aufgekittet, welcher innen ein Schraubengewinde besitzt. Nachdem dann der von dem Ringe umschlossene Theil der Schäle nebst der zugehörigen Schalen- haut entfernt ist, wird die Glasscheibe, welche in einem zweiten, gleichfalls(aber außen) mit einem Schraubengewinde versehenen Metallring steckt, in den ersten Metallring einge- schraubt und zuletzt der zivischen der Scheibe und dem freiliegenden Eiweiß befindliche Raum mit dem Eiweiß eines anderen Eies gefüllt. Nun läßt sich die Ent- Wickelung des Embryo im Innern des Eies mit Hilfe schwacher Vergrößerungen unmittelbar beobachten; vor allem aber können, indem die Glasplatte auf einige Zeit losgeschraubt wird, Reize der verschiedensten Art auf den Embryo ausgeübt(was nach den früheren Methoden durch die geschlossene Eischale nur unvollkommen möglich war) und der Einfluß dieser Reize auf die Weitercntwickelung des Embryo studitt werden. Der Er- findcr des Apparates ronnte mit demselben bereits einige Be- obachtungen anstellen. Die eine lehtt, daß das Herz des Vogel- embryo eine große Lebenszäbigkeit besitzt; es überdauett den Tod des Embryo um 2—3 Tage; noch länger lebt übrigens das Amnion— jene wichtige, den Embryo umgebende Haut, nach deren Vorhandensein oder Fehlen wir die Wirbelthiere in zwei große Gruppen theilen: die Amniota, zu denen Säuge- thiere, Vögel und Reptilien, und die Anamnia, zu denen Amphibien. Lurchfische, Fische, Rundmäuler und Röhrcnherzen gehören, sitach einer anderen Beobachtung wird durch Ehloral die Entwickelung des Embryo auffallend verzögett. Meber ein» Ballon fatzrt von«uropa nach Amerika schreibt die„New-Uotter Volks-Zeitung":„Vor einigen Tagen wurde in der Nähe eines Kentuckyer Dorfes ein großer Lust- ballon im Röhricht gefunden, neben der Gondel befand sich eine Leiche, der Lustschiffer war aber augenscheinlich nicht ver- unglückt, sondern verhungert. Das Merkwürdigste an der Sache ist, daß nirgends im Lande ein Ballon aufgestieaen ist oder ein Luftschiffer vermißt wird." Die„New-Norker-Volks-Zeitung" bringt diese Sache mit folgender Pariser Zeitungsnotiz vom 2. Dezember in Verbindung:„Man muß heute leider mit Ge- wißheit annehmen, daß die vergangenen Sonntag früh mittelst des Ballons„Arago" aufgestiegenen Aeronauten Thoste und Mamgot verloren find. Als Passagier fuhr Advokat Archdeacon mit. Der Ballon trieb dem Meere zu und wurde zuletzt Sonn- tag Abend in Havre gesehen, wo er die Richtung der ameri- konischen Dampferlinien nahm. Er segelte nordwestwätts."— In der Achatindnstrle von Gberstei« a.sKt., welche Achate zu Schmuckgegenständen verarbeitet, find Tausende von Arbeitern beschäftigt.'Die Ächatschlcifer, arme Haus- industrielle, sind Pächter der Schleifsteine in den Schleifereien, in welchen sie etwa 240 M. jährlich einschließlich Benutzung der Wasserkraft bezahfen müssen. Die Arbeit ist äußerst gesundheits- schädlich. Das sicher unverfängliche„Polytechnische Notizblatt" sagt darüber:„Die Leute arbeiten in liegender Stellung, indem sie die Mineralien gegen den Schleifstein pressen; in dieser angreifenden Stellung können sie allerdings große Kraft entwickeln und gut sehen, müssen sich aber häufig ausruhen. Man kann in dieser Weise täglich 12% kg Achat schleifen." Brustkrankheiten sind deshalb Berufsleiden der in der Achatindustrie beschäftigten Arbeiter. Dl- nordbötzmlfche Glasrafstnevi-, einer der Haupt- fitze der Glasveredelung und der unerhöttesten hausindustriellen Exploitation, geht stetig zurück. Die Zahl der Glas- und Porzellanarbeiter in Haida, Steinschönau und Um- gcgend, den Otten, in welchen Haus an Haus Glas verarbeitet wird, ist von 8021 im Jahre 1882 auf 4029 im Jahre 1887 zurückgegangen. Seit dem großen Krach haben stch von Jahr zu Jahr die Lohn- und Lebensverhältnisse der in den nord« böhmischen Bezirken beschäftigten Glasarbeiter verschlechtert. Hundette von Klcinmeistern sind zu Grunde gegangen, Löhne von 3 bis 4 Gulden(4,80 bis 6,40 M.) sind ganz gewöhnlich. Dazu kommt die mächtige englische und deutsche Konkurrenz, die großindustriell arbeitet und den technisch zurückgebliebenen, weil hausindustricllen Betrieben, viel zu schaffen macht. Die Agave, jene bekannte tropische Faserpflanze, ist ein vottreffliches Ersatzmittel des Flachses. Jetzt ist von A. Berthet in R o u e n eine Maschine zur EntHolzung der Agave-Blätter, aus denen die Faser gewonnen wird, erfunden worden. Wäh- rend mit den bisherigen Werkzeugen zwei Männer bei einem zehnstündigen Arbeitstage 5000 Blätter reinigen konnten, können mit dem neuen, technisch vollkommenen Apparat, den Betthet hergestellt hat, zwei Männer in zehn Stunden 15 000 Blätter cntholzen. Das ist das Dreifache der bisherigen Leistung; wozu früher 6 Männer nöthig waren, braucht man nur noch ein paar. So macht die Ntaschinerie, so macht die fortschreitende Technik täglich menschliche Arbeitskräfte überflüssig, wirft sie außer Brot und stürzt zahlreiche Existenzen in Nolh, in Elend und in die Schrecken des Lumpenproletariats. Das sind die natürlichen Folgen der kapitalistischen Anwendung der Maschine. Durch die Reblau« sind in Frankreich nicht weniger als 787 000 Hettar Wingette völlig zerstört worden, die kranren be- tragen 600 000 Hettar. Arme Parzellenbauern! England ist zwar noch immer der Hauptproduzent von Textilfabrikaten, aber die Zeit seiner Allein Herrschaft auf dem Weltmarkte ist vorbei. Die Konkurrenz des europäischen Festlandes, der Vereinigten Staaten und Ostindiens haben der britischen Industrie ein Stück Terrain nach dem anderen abge- nommen. Es betrug der Verbrauch von roher Baum- wolle in Ballen 1860 61: 1870|71: 1876 77: 1886/87: 2614 000 3 013 000 3 182 000 3 961 009 in England.. im europäischen Festland... in d. Vereinigten Staaten... in Ostindien insgesammt. 1723 000 1 962 000 2 450 000 3 640 000 1 009000 1 116000 1 571000 2 448000 65 000 87 000 231 000 710 000 5410 000 6 178 000 7 434 000 10 489 000 Es entfielen darnach vom Gesammtbettage auf: 1860 61: 1870 71: 1876 77: 1886 87: %° o•1« 48,30 48,77 42,80 35,25 31,84 31,76 32,95 34,70 18,65 18,06 21,14 23,33 1,20 1,41 3,11 6,72 Also im Jahre 1860 61 deckte England, die Heimath der Textil» industrie, noch fast die Hälfte des Weltbedarfs(48,30 pEt.), 1886 87 nur noch 35,25 pEt. Den Rückgang der englischen Textilgewerbe erkennt man auch an der Zahl der Spin- dein. Man zählte nämlich Spindeln Großbritannien.. Das europ. Festland die Verein. Staaten. Ostindien in Großbritannien. auf dem europäischen Festland.... in den Ver. Staaten in Ostindien 1883: 42 000 000 1885: 43 000000 1887: 42 740 000 22 500 000 22 750 000 28 180 000 12 600 000 13 260 000 13 500 000 > 1790 000 2 145 000 2 420 000 So großartig auch noch heute die Macht der britischen Weberei und Spinnerei ist, sie kann nicht mehr Anspruch darauf machen,. Alleinherrscherin zu sein. Bei uns in Deutschland hat die großindustrielle Textilindustrie den handwettsmäßig- hausindu- striellen Kleinbetrieb immer mehr verdrängt, so daß der Klein- betrieb bereits auf dem Aussterbeetat stch befindet. Aber, da wir keine Fabrikgesetzgebung, die diesen Namen verdient, haben, so ist die Textilindustrie mit ihren Weiber- uud Kindcrarmen ein Feld schlimmer Äusnützung. Wann wird die Gesetzgebung hier Wandel schaffen? „Wenn man nun annimmt, daß man hier sicherlich wissen würde, wo ein Ballon in Amerika aufgestiegen und verloren gegangen wäre, was nicht der Fall ist; wenn man ferner in Be- tracht zieht, daß die Länge der Zeit für eine transatlan- tische Luftreise gerade stimmt, und daß, was außerdem ein schon charakteristisches Symptom ist, der todtgefundene Passagier den Hungettod starb, so liegt die Vermuthung nahe, daß der in Paris vor länger als 14 Tagen aufgegangene und ins Meer hinausgettiebene Ballon mit dem hier im Westen niedergegan« genen identisch sei. Die Thatsache, daß der eine aufgefundene Passagier vcrhungctte, beweist jedenfalls, daß der Ballon sich wochenlang in der Luft herumtrieb. Man müßte denn an- nehmen, daß die beiden anderen Passagiere vielleicht bei Ge- legenheit eines Sturmes ins Meer geschleudert wurden." Auch diese letzte Annahme der amerikanischen Zeitung ist zutteffend, denn neulich wurde bekanntlich gemeldet, daß der Kapitän eines englischen Schiffes einen in westlicher Richtung steuernden Luft- ballon über dem Atlantischen Ozean bemerkt habe, den bald darauf der Sturm ins wogende Meer niederriß. Wahrscheinlich war dies der„Arago", und bei dieser Katasttophe ettranken zwei der Luftfchiffer im Meere. Der Ballon wird stch dann mit dem letzten der drei Genossen wieder emporgehoben und seinen Flug in westlicher Richtung fortgesetzt haben, bis er Ken- tucky erreichte, wo er mit dem unterdessen dem Hunger und der Kälte unterlegenen Fahrgast niedettrieb. Eine Iahnradbaun i« Asten. Das in der Schweiz erfundene System der Ucbersteiguna der Berge mittelst der Zahnraddahn hat jetzt auch seinen Weg nack Asien gefunden. In direktem Auftrage der indisch-englischen Regierung hat Herr Ingenieur Abt eine erste Sendung von 720 000 Kilogramm Lokomotiven und Zahnstangen seines Systems mit der Be- stimmung nach Kurrachee im Hafen von Antwerpen abgeliefert. Weitere Sendungen von mehr als 100 000 Kilogramm werden in den nächsten Wochen folgen. Kurrachee ist ein bedeutender vafenplatz am Indus. Dort werden diese Lieferungen von den Schiffen wieder ans Land gebracht und mit einer vorhandenen Eiserwahn dem Indus entlang ins Innere des Landes nach der Grenze von Afghanistan transportitt, um auf der nun fettig« gestellten Bahn über den Bolan-Paß montitt zu werden. Die Lokomotiven sind noch stärker, als jene von Herrn Abt für die tzarzbahn gelieferten; sie haben einen Zug von 150 Tonnen zu befördern. Kleine Mittheilungen. Wien, 10. Januar, liebet zwei unglückliche Opfer des Lotteriespiels berichtet das„N. W. Tgbl." folgendes:„In dem Hause Nr. 10 der Stefaniestraße bewohnten seit Jahren still und zurückgezogen zwei junge Mädchen, Julie und Josefine Baier, gemeinsam mit ihrer Mutter eine bescheidene Wohnung. Julie Baier war sieben Jahre lang in der Tabaktrafik der Frau Forche, früher Ankergasse, jetzt Stefaniestraße 3, bedienstet, ihre Schwester hatte fich als Krankenpflegerin ausgebildet, war jedoch wegen eines Brustleidens häufig und zumal in letzter Zeit an- dauernd gezwungen, auf ihre Berufsthätigkeit zu verzichten und selbst häusliche Pflege in Anspruch zu nehmen. Julie arbeitete Sern für fie mit und bei der Anspruchslosigkeit beider Mädchen ätte das kleine Einkommen wohl zur Erhaltung der Famllie ausgereicht, wenn nicht die Mutter vom Lotterieteufel besessen und so der Dämon des Hauses geworden wäre. Die Leiden- Mast des Spiels war es auch, die den Frieden unter den drei Frauen untergrub und die Mädchen, die sonst im Hause so wohlgelitten waren, in den Mund der Leute brachte. Da die jüngste der Schwestem kein Geld hatte, so mußte Julie für immer neue Lotterieeinsätze sorgen, und als ihr Einkommen dazu nicht mehr ausreichte, da übte die Mutter ihren ganzen Einfluß aus, um sie zu Unterschlagungen und Veruntreuungen an den ihr anvertrauten Geldern der Trafik(Tabakgeschäft) zu verleiten. Das Mädchen muß den Einflüsterungen energischen Widerstand geleistet haben, denn nachweisbar sind die ersten Unterschleife vor etwa vier Monaten begangen, und kurz vorher hatte Julie Baier mit ihrer Mutter einen heftigen Zwist, in- folge dessen fie sogar eine Woche lang aus der Wohnung fort- blieb und die Nächte in ihrer Trafik schlief. Allmälig muß die alte Lottospielerin aber diesen Widerstand theils durch direkte Einwirkungen, theils durch Zureden ihrer Tochter Josefine zu überwinden gewußt haben. Julie kehrte in die gemeinsame Wohnung zurück, und die erste Veruntreuung war erfolgt. Daß fie der Äusgangspuntt einer ganzen Reihe von weiteren An- griffen auf fremdes Eigenthum wurde, war unausbleiblich. Julie Baier hat fich offenbar zuletzt selbst in die von ihrer Mutter genährten Hoffnungen auf einen entscheidenden Gewinn im Lotto eingewiegt, doch hielten diese Hoffnungen angesichts der täglich drohender werdenden Entdeckungsgefahr nicht mehr Stand, und es wiederholten fich in letzter Zeit die Augen- blicke der Verzweiflung bei dem armen Mädchen. Am letzten Donnerstag— die Summe des unterschlagenen Geldes war bereits auf fast tausend Gulden angewachsen, außerdem schuldete Julie Baier ihrer Hausfrau 90 Gulden für Zigarrenankäufe, durch welche fie die Lücken in der Trafik nothdürftig ausgefüllt hatte, sowie 29 Gulden an Zins— hatte Julie Baier das Unhaltbare ihrer Lage erkannt und fie wie ihre Schwester waren entschlossen, vereint in den Tod zu gehen. Aber noch einmal gelang es der Mutter, die Mädchen von dem verzweifelten Schntte abzuhalten. Nur noch den Sonnabend sollten fie abwarten, diesmal müsse der unfehlbare Spielplan— welcher Spieler hielte seine Methode des Setzens nicht für unfehlbar!— einen Gewinn bringen, der der ganzen Noth ein Ende mache. Zwei bange Tage verstrichen— die Ziehungslisten brachten keinen Gewinn. Was nach dieser letzten Enttäuschung mit den Mädchen geschehen ist, wird bis auf die Schlußkatasttophe wohl im Dunkeln bleiben. Von der Mutter jedoch weiß man, was fie weiter gethan. Sie hat unter den raffinirtesten Vorspiegelungen eine ganze Anzahl von bekannten Personen zu Darlehen veranlaßt, die in einzelnen Fällen 100, ja 200 Gulden übersteigen. Fast ausnahmslos wurde bei diesen Darlehnswerbungen Julie Baier als die Befitzerin der Trafik hingestellt und fie als die Darlehnsnehmenn bezeichnet. Nach- barn, welche das Mädchen näher kannten, sind auch jetzt noch überzeugt, daß dieser letzte Schwindel sowohl, als überhaupt das ganze Unheil auf Rechnung der Mutter zu schreiben ist. Vor- gestern am Abend reisten die beiden Mädchen mit ihrer Mutter sott— wohin, das wußten die Hausleute nicht. Gestern Mor- gen blieb die Trafik in der Stefaniesttaße geschloffen. Der Raponsposten benachrichtigte schließlich die Besitzerin Frau Forche von dieser Thatsache und die alte Frau eilte bestürzt zu dem Laden, den fie mit einem zweiten Schlüssel öffnete. Eine kurze Nachschau ergab eine gar betrübende Thatsache. Die Zigarren« kistchen enthielten Papier und nur oben eine dünne Lage Zigarren, die anscheinend so wohlgefüllten Regale maskitten ihre Leere durch vorn ganz am Rande aufgestellte Zigarren- päckchen, die theueren,„gebündelten" Zigarren waren durch sehr minderwerthiges Kraut ersetzt und die ganze Wochenlosung für Tabak, Stempel und Briefmarken— an 1000 fl.— war verschwunden. Die Vettäufettn Julie Baier war durchgegangen. Heute Morgen wurden in Mödling aus dem hochangeschwollenen Mühlbach zwei ettrunkene Mädchen gezogen, die mit Stttcken zusammengebunden waren. Die Unglücklichen waren nettg� eine von ihnen hielt noch in den erstartten Händen einen � Muff. Zwei Tagelöhner sahen fie durch die schmutzigen W» Baches hintreiben und zogen fie bei der Eisenthorgaffe � elektttsche Eisenbahn die Feldgasse quett— an das Utft lagen fie, von Schlamm desudelt, bis die gettchtliche KoB erschien und ihren Weitertransport veranlaßt. Taxi waren die beiden Mädchen in einem Witthshause gcseW den, wo fie ganz unglücklich bei einander saßen, und auf— die Mutter matteten. Die alte Frau to» Als die Dunkelheit immer tiefer hereinbrach, zahlten die®* ihre Zeche und gingen sott.... Sie wurden erst W wiedergesehen, tobt.--- Wie ermittelt wurde, M die Mutter der beiden Mädchen gestern Mittag im „zur Sonne" nach ihren Töchtem erkundigt und waM 6 Uhr Abends in dem Gasthause Helmstreit's, Feldm auf ihre Töchter. Als diese nicht kamen, suchte sie ein* quartier auf. Heute Vormittag um 10 Uhr erschien% mals in dem genannten Gasthause und fruq, ob ihre' nickt gekommen seien. Vor etwa 10 Minuten nxJ Leichen ihrer Töchter vorüber getragen worden. Man o# ihr schonungsvoll die Wahrheit und sandte fie zur Nachmittags wurde Frau Äetti Bai er in den Straßen M gesehen; zur Polizei kam sie nicht und ist seitdem versdj» Petersburg, 8. Januar.(Erdbeben.) In 9% Trans-Kaspigebiet, wo im Sommer das schreckliche ß die Stadt zerstörte, fanden vom 18. bis zum 23. Deze« täglich unterirdische Erschütterungen statt, die von Es gleitet waren. In der Nacht auf den 27. v. Ä. erfol? heftige Erschütterung. Marseille, 10. Januar. Der englische Allan! Ogildie, auf der Fahtt von Bombatz nach Marseille, k bei der Magdaleneninsel in der Straße von Bonifacio sende und Mannschaft find gerettet. Aerv-Uork, 4. Januar. In St. Louis fand gel dem Rekrutirungsbureau in der Jeffcrson-Kaserne eine Schlacht zwischen Weißen und Negersoldaten statt, w weilig über 200 Mann sich mit Knütteln, Steinen u. fj arbeiteten. Es mußten 4 Eskadrons Kavallerie werden, um dem Kampfe ein Ende zu machen, oi Theilnehmern 100 Mann verwundet worden sind, 3 tödtlich. Theater. Freitag, den 13. Januar. Tannhäuser und der Sängerktteg auf der Wartburg. Achattfrielhai». Othello, der Mohr von Venedig. Ieatsche» Theater. Götz von Berlichingen. »allurr-Theater. Ein toller Einfall. Der Mizekado. Kiedrich- Wilhelmstädtische« Theater. Die 7 Schwaben. Uthtaria Theater. Die Reise um die Welt in 80 Tagen. Gstead-Theater. Die Lieder des Musikanten. Uestdenz-Theater. Francillon. Kroll'» Theater. Patience. tellealliance-Theater. Die Fledermaus. tathalla-Theater. Alle Neune. Teutral-Theater. Höhere Töchter. Konigftädtisches Theater. Uttel Acosta. A«eriran-Th»ater. Spezialitäten� Coacordia- Theater. stellung. Theater der Keichshallen Vorstellung. Spezialitäten- VorVorstellung. Kaafmann« UariStS. stellung. Spezialitäten- Spezialitäten- Vor- Stadt Theater WallnÄheaterstraße 15, fr. Alhambra- Theater. Drhtr Woche dKiPhnnz in: Morpheus auf der Oberwelt. Phantastische Posse mit Gesang in 3 Akten von E. Jacobson. Vor und nach der Vorstellung im Tunnel: Grosses Konzert. Anfang des Konzetts 6 Uhr, der Vorstellnng 74 Uhr. Imit Bedingung: der Rückgabe nach beendeter Ziehung ev nach Auszahlung des Gewinnes. Könnt ag. de« 15- d., Vormittags 10 Uhr,! Große öffentliche Uersam»l»«g de» Verbandes deutscher Iimmerleute I- LomstlMdtlsches Theater. Dresdenerstr. 72. Direktion: Adolph Ernot. Kea eiustudirt u. mit«enen Konplets.g Zum 189» Male: Die schöne Ungarin. Gesangsposse in 4 Akten von W. Mannstädt. Kouplets v. G. Görß. Äuflk von G. Steffens. Die«««»« Konpiet» find vom Kapellmkr. Herrn Franz Roth komponirt. Irma: Clara Helmer. Lilli: Olga Dmto- raK. Fritze: Grete Gallus. Häppchen: Clara BDchler. Miesebeck: Direktor Ad. Ernst. Schröder: Aug. Kurz. Triller: Paul Barthold. Walzebock: Gustav GBrss. Alfred: Wilhelm Ruit T-l-dh-n Anschtnv: Amt III ßr. NO40. Kasseneröffnung 65 Uhr. Anfang der Vorstellung _ 71 Uhr._ CirciiM A. Krembner Friede, ch-Karl-Zifer, Ecke Karlstraße. Heute, Freitag, den 13. Januar 1888, Abends 7 Uhr: Sport- Konkurrenz Auftreten des von den sämmtlichen Berliner Athleten- Vereinen deflgnitten Präfidenten des Athleten- Vereins Norden, Herrn Oskar Stechow, prämiitt auf sämmtlichen deutschen Kongressen, «elcher versuchen wird, im Preisarbeiten Herrn Carl Abs zu besiegen. Herr K.echom ist anerkannt der gewandteste und bedeutendste Athlet und der einzige, welcher noch in engere Konkurrenz mit dem stärksten Man« De«t:chtaad», Herrn Ab», treten kann. Zum 11 Male: Zit lichip Schailgeroiolter Große ottginelle Pantomime, ausgefühtt von 80 Personen und 40 Damen vom Corps de Ballet. Auftreten der vorzüglichsten S ttt'aSnstler und Deitkuc tlert»! en. Vorführen und Reiten der best dresfitten Schul- und Freiheitspferd». Auftreten sämmtlicher T-omns. A. Krembssr, Direktor. (Lokalverband Berlin Nord) in Zimmermann»Gesellschaftshaus, Köslinerstraße 17. Tages-Ordnung: 1. Die Alters- und Invaliden- Versorgung. Referent: E. Pankow. 2. Verschiedenes. Der V 0 r st a n d. I. A.: Meißner, Schwedensttaße 14. Hauplziehungs iHönlgl. Pren�T» 177. Klapnen-liotteri' vom 20. Januar bis 8. Februar, tttgllcli€COO Gewinne. Haupttreffer 600 000 IHk. Original- Loose /'l, 20««., 2 100 it.,'1, 50 M.,'|8 25 M All-.»-» Sif» deren Gewinne sofort ohne jeden Abzug an us� ASilblHdslSj Kasse ausbezahlt werden, V» 40, Vs 25,>/,„ 20, 12%,'/« 10, 6i,'/«„ 5, Si Mark. (Für Liste und Porto sind jeder Bestellung 75 Pfg. beizufügen.) Staatolotterien» Effecten• Handlung Croner& Co., Bank- und Wechsel-Gechäft, Berlin W», Passage Laden 8. _ Um Verwechselungen zu vermeiden, bitten darauf achten zu wolle», sich unser GeschLtslokal innerhalb der Passage befindet."MW zachverm der Stemtraser Kerlias. Verfawmluug am Konntag, den 15. Januar, Vorm. 11 Uhr, in Scheffer»« Salon, Jnselstr. 10, 2 Tr. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Tarif für 1888. 2. Abrechnung vom letzten Quartal 1887. 3. Wahl eines Mitgliedes zur Fachkommission. 4. Wahl eines Beittags- Sammlers für die Zahlstelle im Westen. 5. Verschiedenes und Fragekasten. 124] Carl Mallenthin, Vorsitzender. Die Teneral-U-rsamminng der Krg«ktk°v Sttrbe-Ullwßötzllllgskaffe drr Kersolder und Knllfsgevoffes (Eing. Hilssk. Nr. 19) findet am Konntag, den 29. Jan., Bormittags 10i Uhr, im Lokal des Herrn Kantenberg, Wasserthorstraße 54, statt. Tagesordnung: 1. Jährlicher Kassenbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes. 6. Anträge der Mitglieder. 4. Ver- schiedenes. Um pünttliches Erscheinen bittet 120] Der Gorstan». Iloirag* 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kaiser-Panorama. Schlösser König Lndmig II. N-vschwanstei«. Hosenschw- nga«."WD Neu! Zum ersten Male: Kirrte Keif d. d. maier. Alpe«. Ketl» pr. Was. Achiss Hertha. Eine Reff- 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonn. tmr General- Nersammlnua des[128 Vereins der Sattler u. Fachgen. am Sonnabend, den 14. Januar, Abends 8 t Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantensttaße Nr. 77/79. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über die Thätigkeit des Vereins. 2. Ab- rechnung. 3. Wahl des gesammten Vorstandes, der Revisoren und eines Arbeitsvermittlers. 4. Ver- schiedenes. Der Aufgang ist im Hofe links, 1 Tr. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. Mitglieder-Uersammlnng der Central Krank �-llvd Ztkrbkkaffe der Töpfer v. v?m Sernfsz. KeMlands (E. H.) für die öttliche Verwaltung Berlin am Sonntag, den 15. d. Mts., Vorm. 10 Uhr, Äleranderstr. 31 im Restaurant Weick. Tagesordnung: 1. Berichterstattung von�der 2. ordentl. Generalversammlung. 2. Der Sanitätsverein und sein Wetth für Mitglieder freier Hilfskassen. 3. Verschiedene Kassenangelegenheiten.[ 130 Um zahlreichen Besuch der Mitglieder bittet ipir»eil. Neemaltnng. Prenss. Original-Loose und Anthesi' Kanpt Iiehnng vom ÄO. Januar bis 8. Fe ruar 1888. j Oniainal-1 mit der Kedlnguna der Rückgabe nach beendeter Jicvs. Lo0«"{'Ii 208 M..'|2 104 M..'|4 53 M..'|8 3? Antheile:'U 14 M..% 7 M..'L 3 M. 50 M empfiehlt und versendet das Lotterie-Geschäft von ML 1 V* tfb Aüb gut mm Berlin O't � � 9 Andreasstralte Nach Auswärt»«nr«nter Porto- Kergntuns. _ SaBStige Capitalenlage, rwuss. IOO« hl*. SerioMloos, Baupttrefier 150000 M., Stück 685 M. Anthei'e hierzu: V 350 11.,% 180 M., 7, •/4o 20 II., V» 10 M. Femer empfehle Antheile der 90 II., IJedts Lop» gi-win-lj 177. KonigL PrcuMsischen Classen- Lotterie. Haupttreffer: Mark«CO 000,» X 300 000,» X 150 OOO etc. etc. Haupt- und Sehl»ss-Ziehung i 20. Januar bis 8. Februar 1888« Vi 210 M.,«, 105 M, V« 52) M.,' 8 27 M.,'/.« 22 M., Vi. 14 M.,'/„ Iii ff-, V»i 7 M., 6 M., 1« 4 M. Porto und Liste 75 Pf. Badener Loose& 2,10 � 11 St. 21 M. CBIner Dombau- Lonse h 3 M., 10 SL 29 M. MarienbufH* Loose 4 3 M., 11 Loose 30 M. Porto und Liste 30 Pf., empfiehlt AUGUST FÜHSE, Karl in W Frtedrichetr. Dül llll TT im Kaberhan? Berliner Getreide Kümmel übertrifft«IUib., b Ltr.,Fl. exkl. 90 Pf. Ini�erliqnezy, Hochs.„ L 90„ Alter Marbhanser„„ 7s.. Punsch,«rogb und GlShwew.' l Ottglfl.„ ISS„ empfiehlt die Groß-Destillation von Lettau& Keil, 118] Kophtenstr. IS, a. d. Rosenthalerftt. Lieg. Waskengarderobe sür Herren und Damen von C. Tietzy Graulenstraße 130, S Trepp. (Ecke Alerandrinenstr.). Geschmackvolle Kostüme in reichster m20eto.pf.KS belehrende Schriften zur freien Besichtigung und eigenen Auswahl. äM.I,50»«tÄ mane v. Gerstäcker, Heyse, Marlitt, Spielhagen U.A. enthaltend SM Meyers Konv.-Ler.m. <4,n'JU Harten und Illustrationen jc. 2. A. cplt. geb. und andere arößereWerke in billigen Exemplaren, _.lt�wahl zu billigen Preisen. Vereiwm Preisermäßigung. DM. Tizarren und Tabake von August Hintze ____ patchür. 14a.[1514 — Rippentabak 30 Pfg. p\ 3l n >WWWWWWWW»>W»»>W»�— WeiSbier ohne jeden WasserzusaS' 4 Weiße 20 Pf., die kl. 10 Pf., gieb* V Restaurant Franks. Alle» 74.] Ostend-Apotheke bei Emil BÖHL Arbeitsmarsi' Ein tüchtiger pofamentier ,, arbeiter), der in sämmll. Arbeiten bc. auch ev. eine Werkführerstelle üdernc» zj wird sofort gesucht. Nur soWst melden..„m F. Siemering ülokamci« Brande: Verantwortlicher Redakteur: K. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von War Fading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierin ti** Sär haupteter bekanntes nur eine: gar bald Handschu hatte, ur Fremdln gender 3 daß M- entschiede lagen— Und «cht gewe so war t im Stan in seinen bestritten Die tionen e M— hau grünen( Nachtwäi besten A und schal Räumen Pflichtve: die öltest |u entsin rath Eas Iwanzigji »L- :n nett# einen fc rgaffe Ufet, uni� Beilage zum Berliner BoMlatt. Mr. 11. Freitag, den 13. Januar 1888. 5. Jahrg. i r? Wi Jlustttd in die Suknft der lüleft. Von Karl Steinmetz. Weiter und weiter hat stch das Menschengeschlecht vervoll- kommnet im Laufe der ungezählten Jahrtausende, die es bereits auf der Erde lebt. Von dem rohen, th'erischen Wesen, das, den Affen ähnlich, auf den Bäumen umherklettert und blind seinen Trieben und Instinkten gehorchte, ohne ein Gestern und Morgen zu kennen, hat der Mensch fich vervollkommnet zu dem Verstandeswesen, das die Entfemungen der Gestirne mißt, das mit Titanenkraft Gebirge versetzt und Meere austrocknet; das mit Sturmesgeschwindigkeit auf den Flügeln des Dampfes durch die Mnder und Meere dahinjagt, das selbst dem Donnergotte d»e Waffe des Blitzes aus der Hand gewunden hat und durch den Blltz seme Worte und Gedanken über Länder und Meere dahmsendet. Doch weiter noch wird fich das Menschengeschlecht ver- vollkommnen, folgend dem Darwin'scken Entwicklungsgesetze. Die Errungenschaften der Kultur und Wiffenschaft, die heute uur für wenige Menschen da find, werden dereinst allen Menschen zu Theil werden. Der wilde Kampf ums Dasein unter den Menschen, der jetzt die Erde von ewigem Kampfesgetöje erdröhnen laßt unds die Menschen in tödtlichem Hasse einander gegenüber- stellt, wird aufhören, und nach einheitlichem Plane wird die genossenschaftlich organifirte Menschheit den Kainpf ums Dasein gemeinsam gegen die Kräfte der Natur führen und dadurch zu immer höheren Kulturstufen fich emporringen. An Stelle der verderblichen und ungezügelten anarchistischen Produktionsweise der Jetztzeit wird die planmäßig organifirte Produktion auf sozialistischer Grundlage sich aufbauen und die vereinte Kraft der Menschheit wird Kulturleistungen möglich machen, gegen die die Werke der Jetztzeit in Nichts zusammen finken. Aberglaube und Vonrrtheile werden verschwinden, und aus den Grund- lagen des gleichen Rechts und der gleichen Pflicht wird fich eine neue menschliche Gesellschaft auf den Trümmern der alten erheben. Wohl den Generationen von Menschen, die dann leben werden! Doch weiter walten unerbittliche Naturgesetze. Auch die Menschheit wird einen Höhepunkt erreichen, von dem es kein Weiterschreiten mehr, sondern nur noch ein Zurückfinken giebt, dann, wenn die alternde Erde das Leben zu erhalten unfähig zu werden beginnt.— Wie der Mond todr und starr ohne Luft und ohne Waffer durch den Weltraum rast, von keinem lebenden Wesen bewohnt, so droht dasselbe Schicksal dem Erdengestim. Denn langsam— in Jahrtausenden nur merkbar— sinkt der Spiegel des Meeres, vermindert sich das Wasser der Erd- oberfläche und die atmosphärische Luft, aufgesogen von der drcker und dicker werdenden Erstarmngskmste der Erde. Länder rauchen aus dem Meere empor— Wohnpiätze künftiger Menschengenerationen. Dünner und dünner wird die Luft, und einst kommt dann der Tag, wo auch die Erde ohne Luft und Wasser, den unentbehrlichen Bedingungen allen Lebens, todtenstarr durch den Weltraum saust. Auch das Sonnenfeuer muß erlöschen. Tag für Tag sendet die Sonne ungeheure Licht- und Wärmemengen in den Weltraum hinaus. Mögen Meteoritenstürze nach der Sonne, mögen chemische Vorgänge im Sonnenkörper und die Zusammen- ziehung und Verdichtung der Sonne noch so lange ihren Wärme- verlust ersetzen: endlich muß auch der größte Kraftvorrath sich erschöpfen, und im Laufe von Jahresmillionen wird die Sonne kleiner und immer kleiner und schwächer leuchtend werden, immer weniger Wärme der Erde zusenden; die Eismäntel der Pole werden sich von Nord und von Süd her über die ge- mäßigte Zone ausbreiten und die Lebewelt weiter nach dem Aequator zurückdrängen. Das Polarmeer wird bis in seine Grundfesten erstarren, Europa wird unter Eis und Schnee be- graben werden, und endlich wird das letzte nur noch dürftige organische Leben am Aequator gegen die von Nord und Süd eindringende Kälte einen aussichtslosen Todeskampf führen, bis von Nord und Süd vordringend der ewige Eismantel sich zu- sammenschließtl und die letzten Spuren des Menschengeschlechtes, das dann schon im harten, aussichtslosen Kampfe gegen die ungastlich gewordene Natur von seiner stolzen Höhe herabgesunken ist, unter sich degräbt.— Ein trauriges Schicksal, daß das Menschengeschlecht zu Grunde gehen soll, just, wenn es gerade Vre höchste Stufe der Voll- tommenheit erklommen hat. Doch trösten wir uns damit, daß dann, wenn auf der Erde der letzte Mensch am nnol 0 tU«chdv«ck o-rb-ten j Die beiden Falsche». Humoreske von Georg Lichtenstein. Sämmtliche Städte im Umkreise von zehn Meilen be- baupteten, M— hausen sei eines der unberühmtesten und un- bekanntesten Orte des Deutschen Reiches, aber man brauchte nur einen Fuß in die alte ehrwürdige Stadt zu setzen, um gar bald zu erfahren, daß dies nur Neid war, denn ein Handschuh, den der König bei einem Besuche dort verloren hatte, uno der als Reliquie unter Glas und Rahmen jedem Fremdling unentgeltlich gezeigt wurde, dürfte wohl aenü- gender Beweis sein, um über jeden Zweifel hinweg zu setzen, daß M— hausen jeder Zeit mit allen Städten— aber entschieden mit denen, die zehn Mellen im Umkreise lagen— in die Schranken treten konnte. Und wäre auch wirklich der königliche Handschuh nicht .«cht gewesen, sondern nur der eines Lakaien des Königs, gtl so war doch keine der bösen Zungen, die dies aufgebracht, O im Stande, die Thatsache hinwegzuleugnen, daß M— Hausen m seinen Mauern heute eine Festlichkeit beging, die es un- bestritten jeder Residenzstadt würdig an die Seite stellte. Die Notabilitäten, die angesehensten Bürger, Deputa- tronen einer jeden Innung, mit einem Worte die Elite M— Hausens hatte sich im großen Saale des Hotels„Zum grünen Elephanten" ein Rendezvous gegeben und selbst der Nachtwächter stand hinter der Thüre mit einem Glase des besten Apfelweins, M— Hausen seinem Schicksal überlassend, und schaute schmunzelnd der Fröhlichkeit zu, die in diesen Räumen herrschte. Man durfte dem alten Krabbe diese Pflichwergessenheit wirklich nicht so hoch anrechnen, da auch die ältesten Leute sich eines ähnlichen Vorkommnisses nicht zu entsinnen vermochten; denn heute feierte der Herr Kanzlei- t rath Casimir Günthermann das Jubiläum seiner fünfund- zwanzigjährigen Amtsthätigkeit. Er war in diesem Vierteljahrhundcrt einer der tüch- Msten, gewisienhaftesten und zugleich pünktlichsten„Stützen Staates" gewesen, und die goldene Schnupftabaksdose, de« Aequator erfroren, vielleicht ein anderes Geschlecht vernünftiger Wesen auf einem anderen Gestirn gerade zum Leben erwacht! - und dem Verderben geweiht ist alles, was existirt, mit diesem traurigen Naturgesetze müssen wir uns befreunden; wie jeder Einzelne sterben muß, so muß auch das ganze Menschengeschlecht dereinst aussterben und alles Leben der Erde dereinst zu Grunde gehen, ebenso wie es entstanden ist. Wohl mag den Untergang des Lebens auf der Erde noch eine Zeit lang die Annäherung der Erde an die Sonne aufhalten. Denn auch die Erde bewegt sich, wie alle anderen Planeten, infolge des Widerstandes, den sie im Welträume, sei cs nun durch den Lichtäther, oder durch einen im Welträume vertheilten kosmischen Staub, durch die Sternschnuppenschwärme, erfährt, nicht absolut genau in Ellipsen, sondern in Spirallinien um die Sonne, und rückt daher— im Laufe von Jahresmillionen— der Sonne näher und näher, um endlich ein feuriges Grab in ihr zu finden.— Wohl mag daher die Annäherung der Erde an die Sonne noch eine Zeit lang den Ausfall der Wärme infolge des beginnenden Erlöschens der Sonne ersetzen; wenn aber nach Jahresmillionen der Sonnenball seine Leuchtkraft verloren haben wird, dann wird auch das Schicksal der Erde endgiltig bestegelt sein. Mag sie auch dann noch Jahresmillionen in ewige Nacht gehüllt durch den dunklen Weltraum kreisen, bis fie in der Sonne ihren Untergang findet und durch ihren Sturz die Sonne nochmals hell auflodern läßt, und die Erde ist ja erst das dritte Opfer der ihre Kinder verschlingenden Sonne: kein Astronom wird mehr den Merkur als erstes Sonnenopfer im Schöße der Sonne verschwinden sehen, um nie mehr aufzutauchen, denn längst schon durchfliegt die Erde dann als starrer Eisklumpen den finstem Weltraum... r, �_ Die Planeten und die Monde werden dereinst der Sonne näher kommen und mit ihr fich vereinigen zu einem einzigen, dunklen Weltkörper. Auch die Fixsterne, die jetzt Billionen Meilen von einander entfernt ihre Kreise ziehen, wer- den sich vereinigen, und endlich, nach unfaßbar langen Zeiträumen, wird das ganze Fixstemsystem sich zusammen- geballt haben zu einem einzigen gewaltigen Weltkörper. Auch die Fixsternsysteme werden sich vereinigen, und weiter und weiter wird sich die Masse der Welt in einzelnen Riesenkörpern anhäufen. Die Summe aller Kräfte im Sonnensysteme ist eine end- sich bestimmte. Kraft bleibt Kraft in Ewigkeit, ob sie gleich heute als Bewegung eines starren Körpers, morgen als Wärme oder als Licht, oder als ein elektrischer Strom und als chemische Spannkraft auftritt; nichts geht verloren, nichts kommt hinzu, und kann man auch jede Kraft in jede beliebige andere Kraft verwandeln, so bleibt ihre Größe doch stets dieselbe, nur ihre Erscheinungsform ändert sich. Ein Perpetuum mobile, d. h. eine Maschine, die von selber, ohne daß neue Kraft hinzu- kommt(wie bei der Dampfmaschine die in den Steinkohlen aufgespeicherte chemische Spannkrast, die aus den �orienstrahlcn entstanden ist, welche über dem Steinkohlenwalde der Urzeit leuchteten), geht und noch eine Kraftleistung vernchtet, ist daha ein Unsinn und eine Unmöglichkeit.— Doch ein eigenthümlicheL Gesetz beherrscht die Verwandlungen der Kräfte: das Claustus- sche Gesetz der Entropie. Darnach ist zwar jede Kraft in einen ganz bestimmten Bettag anderer Kraft zu verwandeln, doch stets kann die Umwandlung nur in der Richtung erfolgen, daß die Summe der vorhandenen Wärme größer wird als sie bisher war,— die Summe der anderen.Kräfte also kleiner. Immer größer muß demnach im Welträume die Summe der Wärme, immer kleiner deshalb die der anderen Kräfte werden. Schon ist im Sonnensystem der größte Theil der verfügbaren Kraft in Warme verwandelt; nur>>,, der Kraft des Sonnensystems (nach Helmholtz) ist noch nicht in Wärme verwandelt, sondern noch für die Bewegungen und Kräfteumsetzungen im Sonnen- stfftemc verfügbar. Ist aber dereinst alle Kraft im Weltall in Wärme verwandelt, dann erlischt alles Leben und alle Bewegung, denn Leben und Bewegung sind nichts anderes wie Umsatz einer Kraft in eine andere, und wenn alle Kräfte in Wärme ver- wandelt sind, die Wärme aber nicht mehr zurückverwandelbar ist, muß auch aller Kräfteumsatz und somit alles Leben und alle Bewegung im Weltall aufhören und die Welt zur Todtenstarre verurtheilt wieder in ihr ursprüngliches Chaos zurücksinken, und damit sind wir beim Weltuntergange wieder in dem Ge- biete des Unendlichen angelangt und dürfen uns daher nicht wundern, bei Widersprüchen eingettoffen zu sein. Denn wenn wir auch die nächste Vergangenheit und die nächste Zukunft an der Hand der Kenntniß der Naturgesetze mit großer Sicherheit die Stutzuhr, sowie der„Geheime", den man von nun an vor den Kanzleirath zu setzen hatte, bewiesen zur Evidenz, daß es verstanden wurde, treu geleistete Dienste in erken- nenswerther Weise zu würdigen. An der Seite seiner Euvoxia saß er nun im Kreise seiner Vorgesetzten und Untergebenen und nahm die Glück- wunschbezeuaungen der ersteren mit ebenso tiefer Ehrfurcht entgegen, wie er die Toaste der letzteren mit der freundlich- sten Herablassung zu erwidern verstand. Und mit Recht behauptete man vom Herrn Kanzlei- rath,„er sei das reine Uhrwerk", denn man konnte einen Schwur darauf leisten, daß, wenn man ihn in's Gerichts- gebäude treten sah, die Uhr der gegenüber liegenden Kirche eine Minute vor neun zeigte, und wehe dem Schreiber, den er nach Ablauf dieser Minute nicht mit bereits eingetauchter Feder an seinem Platze fand. Aber ebenso pünktlich und gemessen wie im Dienste war er auch in seiner Häuslichkeit und wenn Meister Krabbe die zehnte Stunde blies, so wußte jedes Kind in der Stadt, daß der Herr Kanzleirath bereits seit einer vollen Stunde in Morpheus Armen ruhte. Heute hatte er von dieser Regel eine Ausnahme ge- macht und war nach langen heftigen Debatten, die schon seit einigen Wochen vor dem feierlichen Tage geführt wur- den, mit Frau Eudoxia darüber eins geworden, mit dem Schlage zwölf den Heimweg anzutreten. Die Kanzleiräthin hatte zwar darauf beharrt, man müsse so lange dableiben, bis die Letzten sich entfernt hätten, aber Casimir Günther- mann war nicht der Mann, der von einem gefaßten Prinzip nur einen einzigen Finger breit abwich. Eudoxia hatte sich nun in ihrem Innern beruhigt, ihr Casimir werde schon im geeigneten Moment vernünftig sein und sich mit dem Gedanken getröstet, daß er in der Weinlaune seinen Vorsatz ganz vergessen würde, sich sogar mit der ftohen Hoffnung vertraut gemacht, Günthermann werde mit ihr ein Tänzchen riskiren und sich zu diesem Zwecke, natürlich ganz im Geheimen, einen Fächer gekauft. Auf die Erfüllung des letzten Punktes glaubte sie mit Be- stimmtheit rechnen zu können, weil Casimir nur ein einziges bestimmen können: je weiter wir in die Vergangenheit zurück oder in die Zukunft vorauszublicken versuchen, desto unficherer werden unsere Forschungsresultate, und unsere Bemühungen müssen scheitern, wenn wir in unendliche Zukunft voraus- zublicken fuchen. Ob wir daher annehmen, daß die Welt der- einst entstanden ist und wieder untergehen wird, oder daß fie schon von Ewigkeit her bestanden hat und in Ewigkeit bestehen wird: das eine wie das andere führt uns auf Widersprüche, und ganz natürlich. Denn wir müssen bedenken, daß auch die Zeit nur eine Anschauungsform der Dinge, ist die, aus dem Endlichen entnommen, auch nur fürs Endliche Sinn hat und „unendliche Zeit", d. h.„Ewigkeit", daher eigentlich schon ein Widerspruch, also ein Unsinn, ist; weshalb es uns nicht wun- dem darf, daß wir bei der Frage, was vor unendlicher Zeit war und was nach unendlicher Zeit sein wird, auf Widersprüche stoßen, wie bei jeder Frage nach etwas Unendlichem, wie z. B. nach der Unendlichkeit des Raumes, oder der unendlichen Theil- barkeit eines Körpers u. s. ro.*) Also mag die Welt nun untergehen, oder ewig bestehen, mag das Gesetz der Entropie die Summe der Wärme des Weltalls ins Unendliche vemiehren, oder mag die Welt in un- endlicher Zukunft wieder in den Anfangszustand zurückkehren, in dem fie fich vor unendlicher Zeit befand, ebenso wie die gerade Linie im Unendlichen in fich selbst zurückläuft: nicht soll es uns kümmern! Sicher wissen wir nur das Eine: das Leben auf der Erde wird in Finsterniß und Vereisung, aus Mangel an Luft und Wasser zu Grunde gehen, und die Erde wird in künftigen Zeiten in der Sonne ihren Untergang finden, in der Sonne, die dann schon längst ausgebrannt und erloschen, als dunkler Fixstern durch den Weltraum zieht, bis auch sie dem Untergange verfällt. Doch wenn hier die Erde und die Sonne und das ganze Fixsternsystem in Todesstarre versinkt, dann keimt vielleicht neues Leben in den fernen Nebelflecken empor, und dann wird vielleicht der Orionnebel in Fixsterne, Sonnen und Planeten zerfallen sein und denkenden Wesen Wohn- statten gewähren, und neue Generationen neuer Verstandeswesen werden das Walten der Naturgesetze erforschen. Drum denn: Rollt hin, ihr Sterne, meßt den Schritt der Zeit, So lang' euch Jugend Glanz und Schimmer leiht! Doch nah und näher rücket ihr euch leise, Und immer enger werden eure Kreise. Blumen des Himmels! Ihr müßt auch vergeh», Den Schwestern gleich, die auf dem Felde steh». Vom hohen Himmel Stern auf Sterne fallen, Auf Sonnen Sonnen und Systeme prallen. Ihr Licht verlischt und dunkel stürzen nieder In eines Chaos Nacht die Sterne wieder.— Doch aus dem Wrack des Weltensturzes steigt Aufs neu das Leben, neue Formen zeugt Natur, die ew'ge, die auf Flammenschwingen Dem Weltenbrand sich phönixgleich entringen. Erasmus Darwin. Kommunales. Ktadtveryxdneten-Nerfammlung. Sitzung vom Donnerstag, den 12. Januar. Der Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Stryck eröffnet die Sitzung um 6 Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mittheilungen. Die(fünf) Abtheilungen haben sich konstituirt und ihre Vor- fitzenden und(Schriftführer sowie die Stellvertreter für dieselben gewählt. Die Abtheilungen haben hierauf die Wahl einer Reihe von Ausschüssen vollzogen und zwar i. einen Ausschuß zur Vorbereitung verschiedener Wahlen; 2. einen solchen zur *) Dieser Widerspruch, der in dem Begriff»„unendlich" steckt, wird um so mehr deutlicher, je fester man den Begriff ins Auge faßt, und sobald man die strenge mathematische Bereck» nung, die fich weder durch philosophische noch durch theologische Phantastereien etwas vorgaukeln läßt, auf die Untersuchung des Begriffes„unendlich" anwendet, stellt stch der in diesem Begriff enthaltene Widerspruch, die Unlogik des Begriffs„unendlich", in voller Klarheit heraus, indem man mathematisch durch Be- Nutzung des Begriffes„unendlich" alles beliebige beweisen kann, und gleichzeitig auch das Gegentheil davon, und so erkennt, daß überhaupt der Begriff„unendlich", also auch„ewig",„Gott"-c. ein unlogischer ist. Mal während ihrer Ehe mit ihr getanzt, und das war an ihrem Hochzeitstage gewesen. Aber sie sollte nach jeder Richtung hin entsetzlich ge- täuscht werden. Zehn Minuten vor zwölf konnte man in dem vom Wein hochgerötheten Gesichte des Herrn Rath eine eigen- thümlich beängstigende Unruhe wahrnehmen und an seinem mehrmaligen ungeduldigen Zupfen an dem„Schwarz- seidenen" der Frau Räthin durfte sie die Gewißheit ge- winnen, daß es ihm fürchterlicher Ernst sei, seine Worte wahr zu machen. Nicht die leise zugeflüsterten Worte, daß sie noch einige wichtige Fragen betreffs Zubereitung von Backobst und Klößen— nämlich das Leibgericht des Herrn Rath— mit der Frau Protokollführer Piepenberg zu erledigen hätte, nicht die flehentlichsten Bicke vermochten ihn, seinen Vorsatz zu ändern. Und richtig! Kaum erschallte der erste Glockenschlag, der die Mitternachtsstunde ankündigte, so erhoben sich der Herr Kanzleirath Casimir Günthermann nnd mit ihm die Frau Räthin. Sie hätte es ja nimmermehr gethan, aber wie eine Handschelle hatte der Herr Rath seine etwas langen, knöchernen Finger um das Handgelenk seiner besseren Hälfte gepreßt und hielt es mit eiserner Kraft. Sie mußte — und sie ging. Mit den verbindlichsten Händedrücken, dem angenehm- sten Lächeln verabschiedeten sie sich, und da die Vorgesetzten des Herrn Rath bereits früher gegangen, war die Ver- abschiedung des Herrn„Geheimrath" den Subalternen um so willkommener, als sie sich nun mit ungezwungenster Aus- gelassenheit dem langentbehrten Vergnügen des Tanzes hin- geben konnten. Wuthentbrannt schritt Frau Eudoxia an der Seite des gefeierten Gatten durch die. dunkle Nacht ihrem Hause zu. Günthermann versuchte zwar durch alle möglichen wichtigen und gleichgiltigen Gespräche, die Gefährtin" seines Lebens wieder in das alte Geleise zu bringen, aber vergebens; unbeantwortet blieben alle Fragen, die er an sie richtete, unerwidert alle zärtlichen Sentenzen, die er aus dem Archiv Vorberathung des Antrages von Mitgliedern der Versammlung, betr. die Freileguna des Lützowplatzes; 3. einen solchen zur Vorberathung der Vorlage, betr. den Ankauf des Grundstücks Melchiorstraße 22 behufs anderweitiger Unterbringung der Werk- statt der städtischen Wasserwerke; 4. einen solchen zur Vor- berathung der Vorlage, betr. die Abänderung von Baufluchten am Platz F und 5. einen solchen zur Vorberathung der Vor- läge, betr. den Verkauf des der Stadtgemeinde gehörigen Vor- gartenterrains vor den Häusern Urbanstraße 84 86. Der Vorsteher gedenkt des Ablebens der früheren Stadtv. Römstedt und Ä o r ch e r t. Die Versammlung erhebt fich zu Ebren der Verstorbenen von den Plätzen. Der Stadtv. G ö r ck i hat ohne Angabe von Gründen schriftlich angezeigt, daß er sein Mandat niederlege. Er vertrat den 13. Wahlbezirk dritter Äbthcilung; seine Wahlzeit läuft Ende 1839 ab. Der Vorsteher wird den Magistrat veranlassen, eine Neuwahl auszuschreiben. Nach Eintritt in die Tagesordnung kommen einige Natu- ralisations- und Stipendiatsgesuche zur geschäftsordnungsmäßigcn Erledigung. Die Versammlung ninimt sodann Kenntniß von der Vor- läge des Magistrats, betreffend die Frequenz in den Ge- m ei nde schulen am 1. November v. I. Die während der Etatsjahre 1. April 1885— 87 entstandenen Einnahmen des bei der Hauptstiftungskasse geführten Fonds ,, Ueberschüsse aus herrenlosen Erbschaften" betragen 5309,49 M. Die Versammlung erklärt sich damit ein- verstanden, daß diese Summe der städtischen Armcndircktion zur Unterstützung„verschämter Armen" zur Verfügung gestellt werde. Der Etat der Markthallenverwaltung für 1887—88 ist bei dem Titel„Besoldungen und Löhne" um 9615 M. über- schritten worden. Stadtv.?t a m s l a u erklärt diese Ueberschrestung für„gröb- lich". Die Verausgabung der Gelder sei ein direkter Gegensatz zu dem Willen der Versammlung erfolgt. Bei der Etats- berathung sei von keiner Seite gegen die Streichung der Posten protestirt worden, die nun doch eingestellt worden seien. Die Beschlußfassung über diese Angelegenheit solle gelegentlich der neuen Etatsberathung vorgenommen und dem Etatsausschuß das Material zugestellt werden. Stadtv. Nicolai vertritt denselben Standpunkt. Stadtsyndikus E b e r t y vcrtheidigt das Markthallen- Kuratorinm. Der Jnspektions-Asflstent, die beiden Lampen- anzünder und die drei Aufseher, die gestrichen worden seien, hätten nicht entbehrt werden können. Das Etatsrecht der Ver- sammlung werde auf das Peinlichste gewahrt. Den Beamten sei zuerst, wie die Versammlung es gewollt, gekündigt worden. Im Oktober v. I. wäre es aber nicht so weiter gegangen. Die Vorlage an die Versammlung hätte allerdings schleuniger erfolgen können, doch hätten die Geschäfte gedrängt. Stadtv. Singer: Die Ausführungen des Magistrats- kommissars waren für mich nicht genügend. Ich finde in ihnen einen gewissen Widerspruch. Wenn der Magistrats- Konimissar es mit Ueberhäufung der Geschäfte entschuldigen wollte, daß die Vorlage nicht zeitiger eingebracht wurde, so wäre es wahrlich nicht zu viel gewesen, wenn der Magistrat dieser Auffassung in der jetzigen Vorlage Ausdruck gegeben hätte. Wir werden, so- weit ich sehe, die Ueberschrestung des Etats bewilligen; aber zweierlei muß man doch auseinander halten, einmal die Roth- wendigkcit, mehr Beamte einzustellen, und zweitens, daß man an unserem Etatsrecht nicht rütteln darf. Wie man es aber als eine.Respektirung unseres Etatsrechts betrachten kann, daß man Be- amten auf unfern Beschluß hin kündigt und fle dann sofort wieder einstellt, ist mir nicht recht erfindlich. Es wäre besser gewesen, der Magistrat hätte sofort beantragt, den ersten Be- schluß der Versammlung, der sich als nicht durchführbar erwiesen, aufzuheben. Auch ich empfehle Ihnen, die Angelegenheit einem Ausschuß zu überweisen, der eine Form findet, in welcher wir den materiellen Theil der Vorlage bewilligen, zugleich aber Ver- Währung gegen das Vorgehen des MagistratS-Kommissars einlegen. 'Nach weiterer Diskusston wird die Angelegenheit an einen Ausschuß verwiesen. Nach der Vorlage des Magistrats soll das vor dem Grund- stücke S ch l e s i s ch e Straße 3 zum Bürgersteig erforderliche Terrain von rund 29 Quadratmeter Flächeninhalt zu einem Preise von 60 M. pro Quadratmeter erworben werden. Die Versammlung erklärst: sich damit einverstanden. ,, Zur Deckung der in dem Zeitraum vom 1. Oktober 1886 bis dahin 1887 entstandenen, der Feuersozietätskasse zur Last fallenden Brandentschädigunaen e. c. soll ein Beitrag von 5 Pf. v«n jedem 100 M. der Versicherungssumme ausge- schrie'oen werden. Die Versammlung erklärt fich hiermit einver- standen. Behufs Errichtung eines Depots zur Unter- b r i n g u n g der für die Chausseen im Thiergarten zu verwen- dcnden Materialien und Gcräthschaften soll das Grundstück Siegmundshof 8a freihändig erworben werden. Der Besitzer, Kaufmann M. Engelbrecht fordert für den Quadratmeter des ungefähr 175,50 Quadratruthen großen Grundstückes 75,78 M. Auch diese Vorlage geht an einen Ausschuß. Schluß der Sitzung 7 Uhr. Es folgt eine geheime Sitzung seines Herzens hervorsuchte. Sie hörte nichts. Sie sann auf Rache und als sie in die erleuchtete Flur ihres HeimS trat, da war der fürchterlichste Plan zur Reife gediehen— sie kannte die größte Schwäche ihres Gatten: seine Eitelkeit. Wenigstens Eudoxia nannte es so, im Grunde jedoch war der Herr Rath nur sehr eigen. Es brauchte nur ein Stäubchen am Rocke zu sein, so hörte die Nachbarschaft manchen Ton aus des Kanzleiraths Zimmer, nach dessen Klang man annehmen konnte, wie der Schneider Leberecht von gegenüber einmal in seiner spitzen Manier meinte, „der Herr Kanzleirath müsse wohl tobsüchtig sein." Mit der strengen Weisung, ihn am anderen Morgen präzise acht Uhr zu wecken, hatte er sich zur Ruhe gelegt, und ein stummes Kopfnicken Eudoxia's bedeutete ihm, daß dies geschehen würde. Und würde es nicht ein Gaudium für M— hausen ge- wcscn sein, wenn der„Geheime Kanzleirath" Günthermann nach fünfundzwanzigjähriger Pünktlichkeit zu spät im Dienst erschienen wäre? Würde nicht Schneider Leberecht von gegenüber am Stammtische im„gelben Zwieback" in unerbittlichster Weise darüber hergezogen sein? Er konnte es dem Herrn Rath nie vergessen, daß er ihn einst einen„Ziegenbock" genannt, weil er Günthermann einmal ein Paar graue Hosen verpaßt, die dieser zu einer Landpartie an- ziehen wollte und von denen er seinen Kollegen schon vor- her erzählt hatte. Was blieb ihm daher übrig, als wegen Unpäßlichkeit zurückzubleiben. Ja, sie waren seitdem bittere Feinde, und gerade die Verachtung, mit der der Herr Rath auf den Schneider herabblickte, reizten diesen zu immer er- neuten Gehässigkeiten. Es war auch kaum glaublich, er wußte stets etwas vom Herrn Rath und hauptsächlich Alles, was zu den internsten Hausangelegenheiten desselben ge- hörte. Neun Dienstmädchen waren schon deshalb entlassen, aber es hatte nichts genützt und Günthermann sich in das Unvermeidliche gefügt. Wenn er also verschlafen hätte! Ich muß Dich, geneigter Leser, um Verzeihung bitten, wenn ich die beiden erzürnten Eheleute jetzt so ruhig schlafen Lokales. Necht bezeichnend für die heutige« Nerhältnisse ist die Art und Weise, in welcher gegenwärtig verschiedene Arbeil- geber Berlins die Kraft ihrer Arbeiter, namentlich der Maurer ausnutzen, indem sie dieselben in ihrer Thätigkeit über alles bisher dagewesene anspannen und sich nicht entblöden, noch gar zu behaupten, sie beschäftigten ihre Leute nur aus Arbeiter- freundlichkeit und böten denselben die schönste Gelegenheit, etwas mehr zu verdienen. Was nun auf natürlichem Wege nicht möglich ist, das wird künstlich versucht und zwar durch das eleftrische Licht. Wir sind weit entfernt, dieses schöne helle Licht von vornherein zu verdammen, aber es geht uns damit so, wie mit jeder anderen Maschine, welche Arbeitskräfte überflüssig macht. Denn es hat derjenige, welcher eine Maschine erfindet, dieselbe wahrlich nicht erfunden zur Unterdrückung der Arbeiter, sondern jedenfalls zur Erleichterung der Arbeit, und so meinen wir, hat der Erfinder des eleftrischen Licht ebenfalls nicht dabei Auge� gehabt, die Interessen der Arbeiter auf solch nur rm.............________. empfindliche Weise zu schädigen. Wenn es aber angewandt wird, wie beut zu Tage auf verschiedenen Bauten, so kann man wohl mit Recht sagen, es ist wiederum ein Machtmittel, welches dem Kapital gewaltig zur Seite steht, um die Arbeitskraft der- jenigen, welchen ein trauriges Loos beschieden hat, durch ihrer Hände Arbeit fich ihr Brot verdienen zu müssen, auf eine unwürdige Art und Weise auszunützen. Für diese Annahme spricht nur zu deutlich folgender Fall: Auf dem Bau am Kämerun- Panorama in der Wilhelmstraße ist das elektrische Licht ebenfalls eingeführt, und wollen wir das dortige Arbeitsverhältniß in Bezug auf die Zeit kurz nüttheilen. Es wurde gearbeitet von Morgens 7& Uhr bis Abends 10 Uhr mit gewöbnlichen Zwischenpausen, wie i Stunde Frühstück, 1 Stunde Mittag, i Stunde Vesper und dann auch noch Abend- brot auf dem Bau, und zwar wurde dasselbe in der Abendzeit von 8 bis 8% Uhr eingenommen. Jeder vernünftig denkende Mensch, und wenn er noch so wenig Vcrständniß von Arbeiter- Verhältnissen hat, muß doch wohl meinen, ja, das geht wohl ab und zu einmal, aber daß dies gar zur Regel gemacht werden könnte, das glaubte doch wohl so leicht Niemand. Anders dachte jedoch der betreffende Arbeitgeber, ivic uns das Folgende lehren wird. Den auf diesem Bau beschäftigten Maurern wollte es schon lange nicht niehr recht in den Sinn, auf solch' über- natürliche Weise ihre Arbeitskraft ausbeuten zu lassen, jedoch traute es fich zuerst Niemand, dagegen emstlich Stellung zu nehmen; die Maurer sahen aber von Tag zu Tag immer mehr ein, daß sie nicht im Stande seien, dies auf die Dauer auszu- halten, weil etliche von ihnen weit ab von der Arbeitsstelle wohnten, und es ihnen daher nicht möglich war, vor Mittemacht nach Hause zu kommen. Am vergangenen Montag nun wurden fich die Maurer dahin einig, wenigstens doch für einen zehnstündigen Arbeitstag ein- zutreten(bisher hatten sie zwölf Stunden gearbeitet), denn es erinnerten sich einige von ihnen an die harten Kämpfe in den siebziger Jahren, welche dazu nöthig waren, denselben einzu- führen und aufrecht zu erhalten. Sämmtliche Gesellen zeichneten ihren Namen in eine Liste ein, welche sie sodann gegen 10 Uhr Vormittags nach dem Baubureau beförderten mit dem Be- merken, daß es ihnen nicht mehr möglich sei und daß sie nicht mehr gewillt seien, bis 10 Uhr Abends zu arbeiten, und ferner mit dem Ersuchen, ihnen sobald als möglich Bescheid ertheilen zu wollen. Auf diesen gewiß billigen und vemünftigen Vor- schlag kain Mittags folgende Erklärung zurück:„Auf das Schreiben der Maurergesellen auf denr Bau Wilhclinstraße 10 diene zum Bescheide, daß derjenige, welcher um 1 Uhr die Arbeit nicht wieder aufnehmen will, den Bau zwischen 12 und 1 Uhr zu verlassen hat. Die alten Bedingungen mit verlängerter Arbeitszeit bleiben' bestehen. Berlin, den 9. Januar 1888. Maaß und de Uries."— Dies hatte man doch kaum für möglich gehalten, und die Wir- kung dieser Antwott hatte denn auch zur Folge, daß mehr als 20 Mann die Arbeit sofort einstellten, fünf Mann dagegen konnten sich dennoch nicht entschließen, trotzdem sie durch Namcnsunterschrift ebenfalls die Forderung gestellt hatten, dar- auf zu bestehen, sondern sie arbeiteten weiter. Wie dieses Bau- geschäft sich schon bemüht hat, fich der Sympathie ihrer Arbeiter erfreuen zu können, dafür sprechen noch fernere Beispiele: Als der Bau Kommandanten- und Alcxandrinenstraßen- Ecke vor einigen Jahren von demselben Geschäft geführt wurde, bekamen die Maurer dott auch zweierlei Lohn, und zwar 9 Mann je 3 M. 50 Pf. und 22 Mann je 3 M. 25 Pf. Nun sollte man meinen, dieser Lohn wäre nach„Leistungsfähigkeit" bezahlt wor- den, doch im Gegentheil, es wurden daselbst Leute beschäftigt, welche in ganz Berlin dafür bekannt waren, daß sie praktisch tüchtig waren, aber leider mußten sie ebeirfalls mit dem gerin- gercn Lohn vorlieb nehmen, bis dann auch einmal sämmtlrche 22 Mann anhielten, trotzdem es noch früh im Frühjahr war. Die übrigen 9 Mann wurden Nachmittags un> 3& Uhr entlassen. Auch in Maßregelung machen die Leute, wie uns infolge eines Falles aus dem Jahre 1885 bekannt ist. In der Blücherstraße, gegenüber der Kirche auf dem Johannistisch, be- kam ein Maurer, welcher ebenfalls dafür bekannt war, daß er gut arbeitete, ohne Verairlassung Feierabend, und als die übrigen lasse, als wäre nie zwischen ihnen etwas Unangenehmes vor- gefallen, und Dich ein wenig mit ihrem vergangenen Leben vertraut machen. Frau Kanzleiräthin Eudoxia Günthermann, die Tochter eines der angesehensten Käsehändler der Residenz— obgleich der„Ziegenbock" ja wieder behauptete, Herr Bumke wäre nur Kutscher bei einem Käsehändlcr gewesen— hatte ihren Casimir, zur Zeit da er noch subnumerirte, eines schönen Tages im Lustgarten auf einer Bank kennen gelernt, als er gerade im Begriff war— in Ermangelung eines Besseren — ein Paar Butterbrote nebst einem Sechserkäschen seinem inneren Menschen als Diner zuzuführen. Ob nun angelockt durch das Aroma des ihr von Jugend auf bekannten Ar- tikels, ob die Schönheit Günthermanns,— der Kanzleirath war in seinen jungen Jahren, wenn auch etwas mager— er lebte von Stipendien— eine ganz reputirliche und manierliche Figur— eine Anziehungskraft auf Eudoxia ausübte, kurz und gut, sie setzte sich unter dem Schutze ihres Sonnenschirms neben ihn auf die Bank. Einen Augenblick kämpfte der Magen mit dem Herzen! Aber was ist es nicht für ein tiefes Gefühl um die Liebe, und mag das Herz eines Subnumerars eine noch so feste Mauer von Aktenstaub umgeben, Liebe bahnt sich dennoch wie ein Blitzschlag den Weg hinein. Casimir blieb' Da nlw die gütige Vorsehung es so eingerichtet hatte, daß unser Casimir Käse für sein Leben gern aß, so sah man ihn von jetzt ab täglich in das Geschäft des Herrn Bumke treten und ein aufmerksamer Beobachter konnte wahr- nehmen, daß er es vor einer Viertelstunde nicht wieder ver- ließ. Mit seligem Lächeln hüpfte er dann die Straßen entlang, drehte sich noch einmal an der letzten Biegung um und nickte mit emem noch seligeren Lächeln der Gegend zu, wo Bumkes Kasekeller- pardon Käsehandlung- lag denn dort stand sie, die vom ersten Augenblicke an sein Her, ae- fangen hatte, und schaute ihm nach, bis er ihren Blicken entschwunden war. Es wäre kühn gewesen, zu behaupten. Eudoxia sei eine beauto,- nem- aber sie hatte ein Paar blaue Augen, jchwanz nich 'ie Geschäft .istiren? I frieden mit ertragen. I ns zum E erliner B« Ichen Zensu „Im Allgen I wir ui eahndet w «schwellen ierhundertti aben. Der Kes! _ Die i Stadt ist ei der Mitmen ls man gl Kollegen anfragten, aus welchem Grunde dies geschehrn wurde ihnen auch keine allzu höfliche Antwott zu Theil,® sodann 18 Mann die Arbeit verließen. Aus diesen lungcn mögen sich die Leser selbst ein Uttheil bilden. 397 000 Fremde haben, wie Herr Stadtsyndikus � an einem der letzten Abende in einem Vottrage über die liner Verkehrsverhältniffe mittheilte, im Jahre 1887 Berlin Besuch abgestattet. Es wäre interessant gewesen, festzuw in welcher Weise diese Ziffer ermittelt worden ist. Wir schreibt die„Nat.-Ztg.", nicht zu irren, wenn wir an daß sie sich lediglich auf polizeiliche Anmeldungen stützt, also fast ausschließlich diejenigen Fremden in Betracht b" die in Hotels und Chambregarnies absteigen und neben etwa noch die Fremden, die von gewissenhaften Staats! der gesetzlichen Vorschttft gemäß angemeldet werden. Aber groß ist einerseits die Zahl der zum Familienbesuch einttl Fremden, man nennt sie in Berlinischem Deutsch:„Logt einerseits, und wie groß andererseits die Zahl der Ge......... haften bei der Anmeldung? Es ist ein seltsam Ding to'xinx. That um diese Anmeldungen. Der Preuße und spezMHürften alau Berliner wächst auf in der Furcht des Wachtmeisters.®Hahre aufs b des Morgens die Klingel durch die Wohnung zittett unb»{q,,,, schr erfährt, daß ein Schutzmann eine Nachfrage zu halten d�breitcr, mer dann überfliegt der wackere Hausherr im Geiste alle die die ihm auf's Sündenregister gesetzt werden k Es ist Sommer, und er ist nicht Hauswirth, also kein Verstoß gegen die Schneeschipper-Verordnung Der jüngste Stammhalter ist schon ein Jahr alt, ci weniger gefi seiner Zeit angemeldet worden. Die vorschttftsmäßige Jmm svrünglichstc ist vollzogen ivorden. Das Dienstmädchen hat bei ihrem SliW legcnheitcn, — drei Tage später— das abgestempelte Buch richtig ze» bricht sich di gebracht. Bezüglich des Gesindebelohnungsfonds ist nich®'dann die P absäunit worden. Der älteste Knabe ist zwar schon 6s S Mehrhett d aber er ist in dem benachbarten Gymnasium auch ohne°'unrd, um c nung schon vorgemertt. Auch die Erlaubniß zun» Anbrüs werden. U des Schildes— unser Freund ist Arzt— an der Äußew gewissen St des»auses ist rechtzeitig nachgesucht worden, kurzum, so M>um zurü, strengt man auch nachdenkt und so sehr man auch das z sonderen< zermattett, es fällt dem Gewissenhaften kein Versehen und> mehr an d gehen ein. Aber der mit einem Attcnstücke bewaffnete 6* kreuz und mann reißt ihn aus allen Himmeln.„Frau Amanda 1 stoßend, do thea...," so beginnt er, und wie Schuppen fällt es Augen des Hausherrn. Frau Amanda Dorothea ist Schwiegermutter. Sie war aus Anlaß eines freudigen F ereignisses zu Besuch gekommen.� Wie hätte er auch ?und große 'aber die Ku Straßen|u ' haben. Gefahr unc Regentag, s, auch für die Gelegenheit der i w.t zugeklav denken sollen, sie anzumelden. Damals stand ihm o»-- wahrlich nicht danach. Wie die Polizei dahinter gekommen, L ,, f mögen die Götter wissen, aber sie war dahinter gekommen'„ i? kassitte die drei Mark Strafe unerbittlich ein. Unser cjne«j Freund, der einen Zuwachs seiner Familie zu verzeichnen L ist vor seinem Gewissen einigermaßen entschuldigt, b®, unter dem durch seine Unterlassungssünde dazu beigetragen hat, den\ Ünmtc ist i den Berlin empfinden müßte, wenn es die wahre, richtig Strafverfüg, des Fremdenverkehrs erführe. herabzumindern. Wer anderes übi auch auf ihn den ersten Stein werfen, wer griffe? h., a mit dem Emeriten aus dem Freischütz in seinen it emande Denn hier- es wird kaum ein Widerspruch ß�aber warun heben— hier ist die Achillesferse auch des para#] köftiguim A festesten und verordnungsbewandertsten Staatsbürgers> � wird viel von ihm verlangt und er studirt mit AufmerkK«welle plm die amtlichen Bekanntmachungen. Aber aus Gewohnheit, Z— Unsitte lasfigkeit und aus Vettrauensduselei verstößt er just gege»> eine besont Bestimmung.„Es wird nicht herauskommen", so lügt oder gar Vi selbst vor. Ehe der Sand von der Anmeldung auf breiten gestrichen ist— denn auf den meisten Polizeibureaus gestatten, sc Äandfässer, nicht Löschblätter— reist der liebe Besuch ab. Es geschieht niemandem ein Schaden, so glaubt eh Sicherheit des Staates leidet nicht. Tic Kousine stellt fich da die auf die! werden. De Straße zur Personen de bleibend, hii Sekunden, im branden, ein Abschiedsaedicht ihres Pttmaners in ihrer SchttM Und da die Rubrik:„Wie lange dauert der Aufenthalt Anmeldung nicht ausgefüllt werden kann, well man va noch nicht weiß, so unterbleibt es ganz. Es liegt ui® denunziren zu wollen. Denn wenn ein altes Sptichwfw- „Charily begins at hoaie", wenn also die Wohlthätrg's- dre Tsogen Hause beginnt, so könnte auch das Denunziren dem Denuni« erlaubt rst, etliche Drei-Mark-Kontravcntionen auf den Hals bttngen-�t Verkehr der wie schon angedeutet: Wir sind allzumal Sünder. Vom Furcht lassen bis zum Osten Berlins, vom Minister bis zu seinem P?Aus den ai hier ist die Stelle, wo wir alle sterblich find. Daß gcr mehren liefe, polizeiliche Bestimmung verstofeen wird, der Himmel Hat e und wir sind sicher—, wird es verzeihen. Aber der Low® werden als in mir ist cmpött. Wie! Lumpige vierhunderttausend lAUnangenehni hätte Berlin nur in einem Jahre gehabt? Die rnfolg, stimmt nicht, sie ist falsch in Grund und Boden. Das%tcr angefuh ja pro Tag des Jahres— ich will noch nicht eii»>i®i Eine Schaltjahr sprechen, sondern von dem ganz gemeinen Jad�Mranstlieit, wir eben hinter uns ließen— knapp mehr als 1000 w Tagen in ei machen. Und davon sollten die Theater mit Aussib�°� Montags-Frackabende— denn der Fremde fühtt den ;it Pünktl ird man e war niedlich und kugelrund und hatte auch ein gaist, sj Der a tables Gesichtchen; aber da nichts vollkommen W, g&tütze nicht Erdenrunde, so besaß Eudoxia— natürlich nur Zeitlich mirs Meinung— einen Fehler, und zwar zwei, Kanzleirath etwas große Zähne, die unter ihrer Oberlippe Hertzott das sc Selbst die reizenden Grübchen, welche sich stets beim z~ � in ihren Wangen bildeten, waren nicht im Stande," g%)stnstmäbch angenehmen Eindruck zu mildern, den diese beider'„ leben" aus Casimir hervorriefen. War dies nun Neid odc � � etwas Anderes, das mag dahingestellt bleiben, ,'QAnefer chat komisch— gerade an derselben Stelle in Günther®�, �- Munde fehlten sie gänzlich. Er war sogar einmal mancj Flitterwochen- man denke in den Flitterwochen. zheseltte sich Iboria tn'a Gellckit zu sagen, b��Mekam soger zart gewesen, Eudoxia in's Gesicht beiden Zähne manchmal Bedenken nr"ihm erregt thte'etge ob er um sie anhalten solle oder nicht! es der gekränkten jungen Frau da sagen, - „ M verargen, �ihrem gast,, sie rhm, als er sie einst fragte, warum sie ihn, paar falsche « stch überlegen, einem Manne die Hand zu reichen, be» Da Eudoxia zwei Zähne fehlten?„verwahrlos Aber sie hatten sich doch geheirathet!__ �(sjaffen könne " Eines ungern seinen SegenZ/ denn er verlangte von Casemir, er solle daS GeschO' ch nehmen und unter der Firma Bumke und Kompaß/ stärkte ihren Vater sogar in err Rath endetcm I fetö' ä ä-siä4 ben Hintergrund und da Herr Bumke sein e'">�>tt�teß Pr# L««« yuu et ne oem„�eversucyser"— rote er vatzm»- r;;, besten Abwesenheit nannte— sogar noch mit hu",, pi' nnhundert Thalern jährlichem Zuschuß, damit, Eudoxia nicht Hunger leide Und das war sehr vernünftig von wesen; denn man wird nicht gleich KanzUrt� f„Aber, ffif :fen n. idikuZ iber chwanz nicht bei sich—, davon sollten die echten Bierkneipen, iie Geschäfte in der Leipzigerstraße, das Panoptikum u. s. w. .istiren? Niemals! Wir verlangen mehr, wir find nicht zu- neben mit so kleinen Abzahlungen, Berliner Magen kann mehr ertragen. Es ist nicht ohne Ueberwindung geschehen, daß wir ns zum Eingeständniß der Schwäche in dem Charakter der erliner Bevölkerung entschlossen haben. In unserer polizei- lichen Zensur steht und wir können stolz darauf sein: Betragen: „Sm Allgemeinen gut." Aber lieber wollen wir eingestehen, ".i�aß wir uns Uebertretungen schuldig machen, die, wenn fie rSlcahnbet werden könnten, sicherlich auf eine Million Biark ./-��anschwellen würden, als daß wir zugeben können, nur „ l"fijmerhunderttausend �remjje weniger dreitausend gehabt zu vtaatsbM��! der Lokalstolz geht dem Berliner noch heute über n. Ada* Die Kunst des Gehen«. In unserer verkehrreichen e'?- �''htige,_ für das eigene wie für das Behagen er M Ding»> i speziell stets. ort und halten le die en k! h. rdnung alt.-r lige rem ichtig ist ni. er Mitmenschen gleich bedeutsame Kunst viel weniger verbreitet, ls man glauben sollte: Die Kunst, zu gehen. Das Gehen ine Kunst— das wird manchem paradox erscheinen, und viele ürften glauben, darin hätten sie sich seit ihrem dritten Lebens- jähre aufs höchste vervollkommnet. Aber mit Nichten! Man kann sehr gut zu Fuße sein, das gemächliche Schlendern auf breiter, menschenleerer Promenade von Grund aus verstehen und große Dauermärsche ins Freie ohne Beschwerde ausführen, aber die Kunst, sich geschickt durch das Gewirr der belebten Straßen zu winden, braucht man darum noch nicht inne zu haben. Bielmehr wird hierin wohl von uns allen mehr oder weniger gefehlt und besonders in Berlin jselbst gegen die ur- svrunglichsten Grundregeln verstoßen. Nur bei besonderen Gelegenherten,, festlichen Einholungen, Illuminationen u. dergl. vncht sich die Ahnung des Rechten Bahn; rechts gehen, heißt dann die Parole in den Zeitungen, die dann auch von der hon 6; Z Mehrheit der auf und ab wögenden Bevölkemng beobachtet l ohne"wird, um aber gleich am anderen Morgen wieder vergessen zu m Anbritz werden. Und doch herrscht auch an gewöhnlichen Tagen zu :r Auße»' gewissen Stunden in den Hauptstraßen ein Gedränge, das am, so"iJ kaum zurücksteht hinter demjenigen, wie es sich bei be- »ch das? sonderen Gelegenheiten entfaltet. Niemand aber denkt hen und � mehr an das bequeme AuskunftsmittelZdes rechts Ausbiegens; ffnete S 1 kreuz und quer windet man sich durch die Menge, hier an- inanda! stoßend, dort selber unsanft berührt und nicht selten in die t es vo Gefahr unangenehmer Erörterungen gerathend. Ist gar ein ea jst Regentag, so hat man nicht blos für Schirm und Hut, sondern acn FaM auch für die Augen zu fürchten, und das Beste bleibt bei solcher • auch I Gelegenheit noch, den Regen auf sich niederrieseln zu lassen und bm der mit zugeklapptem Schirm die drohenden Stahl- und Fischbein- 'fn miien,' Labe vom eigenen Haupte abzuwehren. Welche Linderung der „ hu noch eine Menge anderer Sünden begangen. Von dem ver- �* hü! werflichen Leichtsinn, den Stock oder Regenschirm horizontal KS*' Hunter dem Arme zu tragen, wollen wir absehen, denn diese »Unsitte ist dank dem allgemeinen Unwillen und den polizeilichen gil Strafverfü�ungen ziemlich beseitigt worden, aber es bleibt noch Einen guten Bekannten auf der Straße zu 'Z anderes übrig. _ hti3 treffen, ist gewiß ein freudiges Ereigniß, und gern tauscht man mit einander die Erlebnisse seit der letzten Begegnung aus— aber warum geschieht das mitten auf dem Trottoir, zur Be- lästiguug Anderer, die minder großen Ueberfluß an Zeit be- fitzen? Hart an der Häuserfront oder am Rande der Bord- schwelle plaudert sich's ja auch viel ungestörter! Eine besondere — Unsitte wollen wir galanter Weife nicht sagen— aher eine besondere Neigung der Damenwelt ist es, zu Dreien oder gar Vieren in einer Reihe einherzuschreiten. Wenn das ng auf breiten Promenaden geschieht, die ein bequemes Ausweichen � Jdls Fakten, so läßt sich dagegen gewiß nichts sagen, anders aber iesuch stellt sich das Verhältniß in manchen ftequenten Geschäftsstraßen, nrbt er-| die auf diese Weise oft in der ganzen Trottoirbreite gesperrt äne 1 werden. Der höfliche Mann wird trotzdem bei Seite treten, aber n HAI die Eile nimmt diese Rücksicht nicht und— aufrichtig!— ist nitiet* eine solche sperrende Phalanx nicht auch eine Rücksichtslosigkeit Ütvolwi Wen Andere? �Fa,_ die anscheinende Höflichkeit kann auf der -"'■■ä: Straße zur Rücksichtslosigkeit werden. Man sieht befreundete nthau Personen daherfahren, zieht den Hut und schwenkt ihn, stehen ran das bleibend, hinter dem Gefährt her. Das ist eine Bewegung von „t uns Sekunden, aber sie genügt, aus dem Hutschwenker einen Fels richwo?! im brandenden Meere zu machen, an dem manchmal derb genug ilthätig'�! die Wogen anprallen. Mit einem Worte: was an sich durchaus DeminZi? erlaubt ist, erscheint nicht statthaft im auf- und abfluthenden iringcn-L Verkehr der Straße, und wer trotzdem von seinen Gewohnheiten Pom Z nicht lassen will, wird leicht zum Spott den Schaden haben. inem P? Nus den angeführten Beispielen, die sich noch um viele ver- >aß geg�I mehren ließen, wird man ersehen, daß es in der Großstadt in „Niel'fj der That eine Kunst ist, zu gehen; sie könnte auch bezeichnet er Lokauw werden(stg die Kunst, aus dem Wege zu gehen, nämlich dem usend �unangenehmen. Denn wie viele Verdrießlichkeiten ergeben steh )ie Reafnicht infolge des Außerachtlassens des einen oder andern der ■"hier angeführten und ähnlicher Puntte. Gin» der eigenthiimlichste» und räthsclhaftrllen rankheiten, welche noch zu den�, jüngsten" gehört, ist dieser !en8% lwssM en•' « nach » UVV*) gv* vviv VVU yv-yvn, tj» agen in einer hiesigen bekannten Poliklinik bei einem 32 jähr. rit Pünktlichkeit, gewissenhaftem Fleiß und Ausdauer oird man es doch und Günthermann war es geworden. Der alte Bumke, der den Fortgang seiner einzigen stütze nicht überwinden konnte, hatte kaum in Jahresfrist das Zeitliche gesegnet, und die Erbschaft, die der Herr et,.„.Manzleirath bald darauf antrat, glicht das schlechteste Geschäft sei. _ i vi rfj'iiVvrtvt/i( bewies wohl, daß Käse noch , Frau Eudoxia gestattete sich nun den Luxus eines ' �Dienstmädchens, denn sie mußte fortan„ihrem Stande ge- � oder �"äß leben" und wie sie oft genug sagte:„hatte sie es jetzt lD„ lvazu." Die Folge davon war, daß sie nun nichts anderes �.�.�niehr that, als ein wenig„herumzupusseln" und dadurch in nach und nach eine Korpulenz erlangte, um die sie der Herr inm� st Rath manchmal— natürlich im Stillen— beneidete. Hierzu T s gesellte sich aber ein großes Hebel; sie wurde launig und u, l>Mekam sogenannte„Mucken" und weiß der Kuckuck— war nie'ßre eigene Idee oder Folge böser Einflüsterungen— Kon �inez schonen Tages verlangte sie mit aller Energie von ihrem Casimir, er müsse sich unter allen Umständen ein I"'[,ilH4paar Mche Zähne an Stelle der fehlenden einsetzen lassen. , Casimir war vor Wuth abwechselnd blaß und roth ge- dem es hatte einen furchtbaren Auftritt gegeben, aber ' da Cudoxia erklärte, daß sie sich mit ihm in einem solch' ..verwahrlosten Zustande" in keiner Gesellfchast mehr fehen men gca�ühen tonne, war er endlich zur Einsicht gelangt. Hschäst a Gin es Morgens erschien der Herr Rath mit zwei funkel- npaf�jtPW�neuen Zahnen in der Kanzlei. Die Lippen fest zu- und E��'ammengepreßt war er eingetreten und an dem gemurmelten , acioe° /Guten Morgen glaubte man ganz sicher zu sein, daß der W« Herr Rath heute fürchterlich übel gelaunt sei. Mit abge- verwendetem Gesicht hatte er seine Befehle ertheilt, immer ' dci> Ängstlicher das Inkognito der Zähne bewahrend, bis der inriq� Werr Präsident— ganz gegen seine Gewohnheit, denn sonst .Aefl»ieß er Günthermann stets zu sich rufen— an sein getreten war, um ihm einen wichtigen Auftrag zu ,„pelb �jgeben. sie er Günthermann mußte antworten. >■ i«Aber, lieber Rath, Sie haben ja über Nacht ein Manne zur Beobachtung gekommen. Das„Berl. Tagbl." be- richtet darüber: Es ist dies die„Agoraphobie" oder„Platzfurcht",„Platzangst", wie unser berühmter Neuropathologe, Ge- heimrath Westphal, diese höchst seltene Erkrankung im Jahre 1871 zum ersten Mal beobachtet und nach ihrem Haupt- charakteriftikum benannt hat. Dieses besteht in einem eigen- thümlichen Zustand, welcher gewisse Personen, wie im vorliegen- den Falle, befällt, sobald dreselben einen freien Platz zu über- schreiten im Begriffe sind. Es entsteht in ihnen in diesem Augenblicke ein enormes Angstgefühl, eine wahre Todesangst, verbunden mit allgemeinem Zittern, Beklemmung der Brust, Herzklopfen, Empfindungen von Frost oder nach dem Kopf auf- steigender Wärme, Schweißausbruch, einem Gefühle von Gefesseltsein am Boden oder von lähmungsartiger Schwäche der Extremitäten, mit der gleichzeitigen Angst hinzustürzen, nicht selten begleitet von mannigfachen anderen Sensationen, wie Flimmern vor den Augen, Ohrensausen jc., Erscheinungen, die bei verschiedenen Individuen oder bei demselben Individuum zu verschiedenen Zeiten bald von größerer, bald von geringerer Intensität sind. Ist die Angst sehr intensiv, wie fie bei diesem Patienten sich zeigte, so gesellt sich zuweilen vorübergehend ein Gefühl von Verwirrtheit dazu. Die betreffenden Personen sind infolge dieses Zustandes nicht im Stande, den Platz zu überschreiten und— umgehen ihn. Haben dieselben sich über- wunden, einen Versuch zum Ueberschreiten zu machen, so kehren sie, selbst wenn sie den halben Weg bereits zurückgelegt haben, lieber wieder um, als daß sie den Platz vollständig passiren. Dagegen gelingt ihnen das Ueberschreiten des Platzes leicht, wenn sie in Begleitung Jemandes, sei es auch nur eines Kindes, sind, ja zuweilen genügt das Tragen eines Stockes oder Schirmes, oder ein langsam über den Platz fahrender Wagen, dem sie folgen können, um das Ueberschreiten zu ermöglichen; auch fchnelles Traben erweist sich manchmal hilfreich. Die Er- scheinung kann nach Westphal ganz ausbleiben, wenn der Be- treffende mit„seinen Gedanken wo anders" ist und nicht be- merkt, daß er über den Platz geht; sobald er sich jedoch dessen bewußt wird, stellt sich auch sofort die Angst ein. In der Regel beschränkt sich dieselbe nicht auf das Passiren von Plätzen, sondern auch das Gehen in menschenleeren Straßen oder ent- lang ausgedehnter Häuserfronten mit keinen oder nur wenigen Eingan gsthüren erzeugt das Angstgefühl, ja, häufig hat auch das Eintreten in größere Versammlungen und der Aufenthalt in denselben, zum Beispiel in Theatem, Kirchen, einen analogen Zustand im Gefolge. In seltenen Fällen kann endlich das Angstgefühl auch beim Allein- sein im Zimmer entstehen oder beim Fahren(ohne Begleitung) in einem offenen Wagen. Eine während des Anfalles auf- tretende interessante Erscheinung ist neuerdings auf der Nerven- klinik der Charitee beobachtet worden: die Zunahme einer schon bestehenden Einschränkung des Gesichtsfeldes beiderseits. Das Angstgefühl selbst ist, wie unser Patient in Uebereinstimmung mit anderen derartigen Beobachtungen angab, ein durchaus motivloses, dem Kranken selbst unerklärliches. Es ist keine be- stimmte Vorstellung, durch welche dasselbe erzeugt wird, sondern es tritt, dem Betreffenden felbst unerklärlich, mit plötzlich zwingender Gewalt während eines vollkommen indifferenten Gemüthszustandes auf, sobald ein Platz, ein großer freier Raum durchschritten werden soll, ja oft schon bei der bloßen An- Näherung an denselben. Es verknüpfen sich damit dann aller- dings gewiffe unbestimmte Vorstellungen; der Patient fürchtet, er könne Anderen auffallen, hinstürzen, einen Schlaganfall be- kommen— niemals aber gehen solche Vorstellungen dem Angst- gefühle voran, sie sind vielmehr nur die unmittelbare Kon- sequenz des Angstgefühls und nur durch dieses angeregt und in ihm begründet. Sobald der Patient die Absicht aufgiebt, den Platz zu überschreiten, ist Alles vorbei und das Befinden nicht weiter gestört; in manchen Fällen nur bleibt ein Gefühl von Mattigkeit zurück. Manche Kranke sagen geradezu, es sei„die Angst vor der Angst", welche sie ergreift.— liebet die Ursache dieser, jedenfalls auf rein psychischer Grund- läge beruhenden, sonderbaren„Platzangst" läßt sich wenig Sicheres sagen. Gin Zeiche» der Zeit, und zwar ein sehr bedeutungs- volles insofern, als man daraus die Anschaungen kennen lernen kann, welche in hohen Kreisen über die Bedeutung unserer Strafrechtspflege bestehen, kann ein neuerer Ministerialerlaß ge- nannt werden, der gegenwärtig den Behörden und Beamten zur Kenntniß mitgetheilt worden ist. Danach soll nämlich, wenn ein Beamter in gerichtliche Untersnchung geräth, feine Amtsenthebung kraft Gesetzes nur in denjenigen Fällen ein- treten, in welchen durch die Schwere der dem Beamten zur Last gelegten strafbaren Handlung die weitere Belassung im Amte mit den„Interessen des Dienstes" und der„Würde des Amtes" nicht vereinbar ist. Hierzu werden,— so heißt es in der Ver- fügung— zweifellos alle Fälle zu rechnen sein, in welchen die Untersuchungshaft beschlossen ist, während eine große Zahl von leichten Verstößen gegen die Strafgesetze Freiheitsstrafen zur Folge haben kann, ohne daß dadurch das Ansehen des schuldigen Beamten in dem Maße erschüttert wird, welches die Amtsent- lassung oder die vorläufige Enthebung vom Amte erforderlich macht. Zum Schlüsse wird noch darauf hingewiesen, daß eine vom 17. Mai 1820 datirende Bestimmung Paar Zähne bekommen!" rief plötzlich der Herr Präsident, indem er in ein sehr lautes, gar nicht präsidentliches Lachen ausbrach. Der Schleier war gefallen. Der Herr Kanzleirath machte zwar ein äußerst freund- liches Gesicht, aber die Pille war bitter. Ein allgemeines Flüstern wurde hörbar, einer der Kanzlisten hatte ganz nothwendig etwas draußen zu besorgen und verließ das Zimmer. In einer Viertelstunde wußte das ganze Gerichts- gebäude, vom Präsidenten bis zum Aktenträger hinab, „daß der Herr Kanzleirath Günthermann zwei falsche Zähne habe." Seines Bleibens konnte nun nicht länger mehr in der Residenz sein, er kam um seine Versetzung ein und er- hielt sie. In M— hausen, seinem neuen Wirkungskreise, hatte ja niemand eine Ahnung von diesen beiden Zähnen und fünf- zehn Jahre hindurch— denn so lange war er schon dort — hatte er dies Geheimniß tief im Herzen bewahrt und man konnte es als ein Wunder des Himmels betrachten, daß der Schneider Leberecht von gegenüber noch keinen Wind davon bekommen hatte. Allabendlich wanderten diese beiden Zähne in ein vor dem Bette des Herrn Raths stehendes Wasserglas, um am anderen Morgen, nach gehabter Ruhe, in erneuter Frische ihren Beruf im kanzleiräthlichen Munde auszufüllen. O, sie konnten sich etwas erzählen, wenn sie so fest zusammengekittet selbander im Glase lagen. Durch sie war schon manch böses und gutes Wort gewandert. Ja, sie durften sich sogar berühmen, einstmals einen armen Familien- vater vom Untergange gerettet zu haben, denn als der Herr Rath diesen— er war Kanzlist— wegen einer Unpünkt- lichkeit aus dem Dienste entlassen wollte, da waren sie, ehe er im höchsten Zorne das entscheidende Wort sprechen konnte — und er nahm es dann nie zurück— dazwischen gefahren und hatten sich dicht vor den räthlichen Schlund gelegt. (Schluß folgt.) noch gegenwärtig in Kraft ist, wonach Beamte bei Verbüßung einer vier Wochen übersteigenden Freiheits- strafe eine Kürzung des Gehaltes um die Hälfte zu erleiden haben.— Die mannigfachen Anregungen, welche die letztere Bestimmung namentlich für die Frage der Entschädigung unschuldig Verurtheilter und Verhafteter giebt, wollen wir hier nur andeuten und die weitere Entwickelung und Ausbeutung dieses Gedankens den Herren Juristen in den gesetzgebenden Körperschaften überlassen. Was aber an der vorerwähnten Ver- fügung ganz besonders interessant erscheint, das ist die von unseren obersten Staatsbehörden gehegte Anschauung, daß selbst längere und jedenfalls vier Wochen weit übersteigende Freiheits- strafen an sich noch kein zwingender Grund zur Dienstenthebung sind. Man könnte ja eine solche Auffassung„liberal" und „menschenfreundlich" finden, wenn man nicht sähe, wie zu der- selben Zeit Männer wegen geringfügiger Vergehen von Ott zu Ort ruhelos umherflüchten müssen. Das kommt aber daher: Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich! Anläßlich mehrfacher in ihren Ursache» unaufgeklärter Gaserplostonen, welche in der letzten Zeit von der Berliner Feuerwehr beobachtet worden sind, hat der Brand- direktor Stüde eine Reihe von Versuchen angestellt, welche zu einer ganz neuen Theotte über die Ursachen von Gasexplosionen geführt haben. Die Theotte selbst und die in Frage' kommen- den praktischen Erfahrungen werden von dem Brandmeister der Berliner Feuerwehr, Herrn Bmhns, in der neuesten Nummer des„Centr.-Bl. des Bauw." entwickelt und klar gestellt. Bis- her hat man wohl angenommen, daß Gasexplosionen im ge- wöhnlichen Sinne des Wortes entstehen, wenn Jemand mit nicht genügend verwahrtem Licht einen Raum, in welchem sich ausgeströmtes Leuchtgas befindet, bettitt. Vielfach kommen nun aber auch Explosionen vor, bei denen solche unmittelbare Ursache gänzlich ausgeschlossen erscheint. Die vom Branddirektor Stüde aufgestellte Theorie, welche Herr Bmhns durch praktische Erfahrungen erhättet, geht nun im allgemeinen dahin, daß man die Annahme aufgeben müsse, daß Gase„vollkommen elastisch" sind und„keine Kohäston" besitzen, daß man vielmehr annehmen müsse, daß die kleinsten Tbeilchen des Leuchtgases eine, wenn auch nur ganze schwache Anziehungskraft auf einander haben, vielfach sich auf rauhen Wandflächen ablagern und eine Art von zusammenhängender Zündschnur bilden, welche oft da eine Explosion hervortust, wo von einem unmittelbaren Herantreten mit Licht an die gasaussttömende Stelle keine Rede ist. Indem Brandmeister Bmhns auf die große Bedeutung dieser Beobach- tungen hinweist, spricht er die Vermuthung aus, daß die ge- waltige Explosion in der neuen Wesermühle in Hameln viel- leicht auch auf eine solche unscheinbare Zündflamme zurückzu- führen ist. Wege» der Vorkommnisse mit den fingirte» homöopathischen Rezepten in hiesigen Apotheken hat das Polizeipräsidium die betheiligten Apotheker ersucht, sich über die Angelegenheit zu äußern. An» Spanda« berichtet der„Atiz. für das Havelland": Wie wir vernehmen, stellen die Direktionen hiesiger königlicher Fabriken, z. B. des Feuerwerkslaboratoriums, Erhebungen darüber an, ob es nicht angängig sei, unter Fortfall der Mittagspause von Morgens bis zum Feierabend durcharbeiten zu lassen. Auf dem genannten Institut würde dann die Arbeitszeit 9 Stunden, im Sommer von 6 bis 3 und im Winter von 7 bis 4 Uhr dauern. Den Arbeitern sollte jedoch der Arbeitstag mit 10 Stunden voll berechnet werden. Durch den Äinderuerbrauch an Gas- und Dampfkraft, den die geplante Betttebsändernng mit sich bringen würde, hofft man erhebliche Ersparnisse zu er- zielen. Den Arbeitern, besonders aber den verheiratheten mit läßt sich wohl nach englischem Muster leicht in größeren Kontors und Bureaus einführen, wie zahlreiche Beispiele in den Handels- städten beweisen, schwerlich wird sie aber den gegenwärtigen Lebensgewohnheiten der hiesigen Arbeiter anzupassen sein. Ein Kerichterstatter, welcher gestern den hiesigen Zei- tungen einen Bericht übet ein Schadenfeuer zugetragen hat, durch welches einige Wirthschaftsbaulichkeiten auf dem Grund- stück des Puhlmann'schen Vaudeville-Theaters in der Schön- hauser Allee verbrannt sein sollten, hat sich arger Uebertreibungen �MSNWW zu löschen. Ein Schwindler auf R-isen. Auf der Fahrt von Hamburg nach hier lernte ein lunges Mädchen einen Menschen kennen, der sich unter Ueberreichung seiner Visitenkatte als „Baron Gab- von Massarellas" vorstellte. Als der.Herr „Baron" hotte, daß das Mädchen ihre Reise nach Ostpreußen fortsetzen wolle, war er hocherfreut, denn gerade ebendahin wollte er auch reisen. Wahrend ihres hiesigen Aufenthaltes besuchten beide mehrere Lokale und amusirten sich ganz vorzüglich. Vor- gestern Abend begaben sie sich zum Bahnhof Friedrichstraße, um abzureisen Der Hern Baron erbot sich galant, für das Mädchen das Billet nntzuloien; er wolle das Geld so lange auslegen. Nach kurzer Zeit, türmte er wieder in den Wartesaal herein mit den Worten:„Geben Sie mir schnell zwanzig Mark Silbergeld oder Goldgeld, an der Kasse wollen sie mir diesen Papierschein nicht abnehmen!" Bereitwillig gab das Mädchen zwanzig Mark Kleingeld und empfing dafür den Papierschein, den sie ohne weitere Beachtung in ihr Portemonnaie steckte. Als der Herr Baron nach langer Zeit noch nicht zurückgekehrt war. stieg in dem jungen Madchen eine dunkle Ahnung auf. Mechanisch griff sie nach ihrem Pottemonnaie und als sie den„Papiettchein" auseinanderfaltete, da sagte ihr der erste Blick auf denselben. warnm der Kasfirer den Schein nicht genommen hat: Es war eine„Tausendmarkbluthe", auf deren Rückseite allerhand schöne Sachen zum Kauf von einem Abzahlungsgeschäft angepttesen wurden. Der Herr„Baron Gabö von Massarellas" blieb ver- schwunden. Gin- raffinlrte Diebin ist der Kttminalbehörde in die Hände gerathen. In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember ?:.§•'vurden auf unerklärliche Weise dem in der Neuenburger- straße wohnhaften Schlachtermeister F. aus der verschlossenen Kellerwohnung und zwar aus dem Ladenkasten etwa 400 M. gestohlen. Der Verdacht lenkte sich zunächst auf verschiedene Hausbewohner und namentlich auf einen, der in sehr bedrängter Vermögenslage war; denn der Diebstahl konnte nach den Er- mtttelungen nur von jemandem ausgeführt sein, der mit den ört- lichen Verhältnissen vertraut war. Doch alle Verdachtsmomente ergaben sich als unzulänglich. Da fiel einem Hausbewohner, der in der fraglichen Nacht etwas spät»ach Hause gekommen ivar, ein, daß ihm beim Aufschließen ein Frauenzimmer ent- aegengekommen sei, die auf seine Frage ihm mittheilt habe, sie >ei mit einem Herrn in das Haus gegangen, der fie nicht wieder hinausgelassen habe. Die von diesem Hausbewohner gegebene Beschreibung paßte genau auf eine unverehelichte Ottilie Krause, welche am Abend »oi dem Diebstahl die F.'schen Eheleute besucht und ge- hört hatte, daß dieselben am folgenden Abend zu einer Gebutts- tagsfeler eingeladen waren. Da die Kriminalbehörde aus den Personalakten ersah, daß d,eK. bereits dreimal wegen Diebstah s vorbestraft war, so zögerte man nicht mehr, bei ihr eine Haus- suchung abzuhalten. Man fand denn auch in ihrem Reisekorb einen Schlüssel, den der Schlächtermeister F. als den ihm fehlen- den Ladenkastenschlussel auf das Bestimmteste rekognoszirte. Die K. legte denn auch angesichts des erdrückenden Beweismatettals ein umfassendes Geständniß ab. Sie hatte sich von dem Wächter das Haus aufschließen lassen und war durch ein Fenster, das sie bei ihrem vorangegangenen Besuch schon zu diesem Zweck un- bemerkt losgehatt hatte, in die Wohnung eingedrungen. Sie mußte, wo der Schlüssel zum Kasten aufbewahrt wurde, ssiach Ausführung des Diebstahls kletterte sie wieder aus dem Keller- fenster und zog es wieder zu. Dann ließ sie sich von dem Herrn die Hausthür öffnen. Ein gefiihrticher ,, Kinderfreund" wurde heute Vor- nnttag von der Kriminalbehörde dingfest gemacht. Derselbe trieb sein Unwesen vor der Zentral-Markthalle und vor Schulen und lockte kleine Mädchen dadurch in dunkle Hausflure, daß er ihnen kleine Geschenke, in Puppen, Bällen, Konfekt zc. bestehend, in die Hand drückte. Der Wollüstling wurde au frischer That ertappt und zur nächsten Polizeiwache fistirt, von wo aus seine Ueberfühmng nach dem Molkenmarkt erfolgte. Haussuchung. Am 4. Januar, Nachmittags zwischen und 4 Uhr, wurde in der Wohnung des Arbeiters Herrmann Kersben, Herrmannstr. 22, Rixdorf, eine polizeiliche Haussuchung nach verbotenen Schriften abgehalten. Gefunden wurde nichts. _ Polizei- Bericht. Am 11. b. Mts. früh wurde in der Schumannstraße ein Mann krank auf dem Bürgcrsteig liegend vorgefunden und nach der Charitee gebracht.— Nachmittags wurde in der Großen Hamburgerstraße die unverehelichte Scholz durch eine im Trab um die Ecke biegende Droschke und an der Ecke der Charlotten- und Mohrenstraßc ein�Töpferlehrling durch einen von dem Kutscher Rehse geführten Schlächterwagen über- fahren und namentlich der Lehrling nicht unbedeutend am Fuße verletzt.— Abends wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Straßburgerstraße an der Thürklinke erhängt vorgefunden. — Um dieselbe Zeit machte ein Arbeiter im Kloset eines Hauses in der Pankstraße den Versuch, sich zu erhängen. Er wurde noch rechtzeitig bemerkt und zum Leben zurückgebracht, mußte aber, da er detrunken war und den Versuch wiederholen wollte, zu seiner Sicherheit bis zur Ausnüchtemng nach der Polizeiwache gebracht werden.— An demselben Tage brannten Schönhauser Allee 78 Ruß im Schornstein und Pallisadenstr. 20 Fußboden und Balkenlage unter einem Trockenofen. Oerichts-Ieitung. Mege» eines recht gröblichen Erzefle«, der beinahe an vorsätzliche Gefährdung eines Eisenbahntransports heran- streift, hatten sich gestern die halbwüchsigen Burschen August Fluth und Wilhelm Bath vor der 94. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts zu verantworten. Die Angeklagten kamen am 14. Oktober pr. auf einem an den Nordringgleisen führenden Fußsteig daher, der nur bis zur Ueberbrückuna an der Pappel- allee reicht Tort wurden sie von einigen Bahnarbeitern zur Umkehr aufgefordert. Die Burschen kehrten sich aber nicht daran, kletterten die Böschung empor und warfen von der Brücke herunter auf einen sie verfolgenden Eisenbahnardeiter mit faustgroßen Steinen. Etwa zwei Stunden darauf kehrten die Burschen auf demselben Wege zurück und warfen wiederum mit Steinen auf die dort beschäftigten Arbeiter. Trotzdem in diesem Moment gerade ein Zug daherbrauste und die Leute die Steine von den Schienen auflasen, verlief der Exzeß ohne Un- fall. Die beiden Angeklagten hatten aur Entschuldigung nur vorzubringen, daß sie von den Arbeitern geschimpft worden wären. Nur mit Rücksicht auf die große Jugend derselben und deren bisherige Unbestraftheit belegte sie der Gerichtshof mit nur je 3 Tagen Haft. r ied Xagen yast. Die Konsequenzen der bestehende» VeVerbe-törd- nm. Auf der Chaussee zu Friedrichsberg traf eines Tages ....... ,, im September v. I. der daselbst stationittc Gendarm einen Handelsmann Namens Frühling, welcher dort in„Manufaktur- waaren machte". Ter Gendarm forderte den F. auf, seinen Ge- werbe-Legitimationsschein zu zeigen. F. verweigerte vorerst die Vorzeigung mit den Motten:„Auf der Straße zeige ich ihn nicht!„Bitte treten Sie mit mir in jenes Haus dott!" Während dieser Rede gttff Frühling zwar nach seiner Brust- tasche, in welcher der Legitimationsschein verborgen war, indessen beharrte er bei der Weigerung, angeblich weil ihm das Ver- langen des Gendarm vielleicht aus„ethischen Rücksichten" un- angenehm war. Der Gendarm erklätte nunmehr:„Ich habe werter rein Haus zur Verfügung als das— Amtshaus! Kommen Sie mit!"— Dieser Aufforderung leistete Frühling allerdings Folge und stehenden Fußes begab er sich in Begleitung des Gendarm nach dem Amtshaus. Nachdem dott die Vor- legung des Leaitimationsscheins stattgefunden hatte und derselbe für giltig befunden, ward Frühling dann wieder entlassen. Tie voraufgegangene Weigerung, den Schein auf der Straße zu zeigen, fühtte jedoch zu einer An- klage wegen Vergehens gegen den§ 149, Abs. 4, der Gewerbeordnung. Das Schöffengericht des Amtsaettchts II erkannte auf Freisprechung. Der Amtsanwalt legte hiergegen Berufung ein und Frühling hatte demnächst gestern vor der 2. Straf- kammer des Landgerichts 11 sich zu verantworten. Die Strafkammer war der Anficht, daß eine endgiltige Weigerung nicht stattgefunden habe, weil der Gendarm auf das Verlangen des Angeklagten alsbald eingegangen sei. Das erste freisprechende Urtheil ward demgemäß bestätigt und die Berufung des Amts- anwalts verworfen. Hamburg, 7. Januar. Gestern verhandelte das hrefige Schwurgericht gegen eine ungewöhnlich durchttiebene Verbrcchcttn, die sich eine ganz neue Ätt des Betmgs ausgeklügelt hatte. Sie verstand es nämlich auf bisher noch gänzlich unaufgeklätte Weise, sich bis in alle Einzelheiten hinein mit den häuslichen Verhältnissen zahlreicher in Untersuchungshaft befindlicher oder auch schon im Gefängniß fitzender Personen verstaut zu machen. Dann begab sie sich in die Familien derselben, stellte sich als die Frau des Gefängnißaufsehers vor und bat im Austrag der Gefangenen um Geld und Lebensmittel, durch welche die Lage der Gefangenen wesentlich verbessett werden sollte. In keinem einzigen Falle wurde die schlaue Person als Schwindlettn er- kannt, denn sie war in alle verstauten Angelegenheiten der Ge- fangenen so vollständig eingeweiht, daß die Angehörigen keinen Anstand nahmen, sie als eine vettrauenswürdige Person mit allem auszustatten, was sie nur verlangen mochte. Das Gettcht nahm an, daß die Betrügerin wahrscheinlich mit Gefängniß- beamten in Verbindung gestanden habe, die ihr mit den ettor- derlichen Mittheilnngen an die Hand gingen. Sie eignete sich auf diese Werse zahlreiche Geldbeträge in der Höhe von 400, 300, 200 bis hemnter zu 10 M. an und hatte selbst nicht ein- mal Mitleid mit Familien, die durch die Einspermng ihrer Angehörigen an den Rand der Verzweiflung gebracht waren. Die Betrugenn erhielt eine achtjähttge Zuchthausstrafe so- wie eine Geldbuße von 3300 Mark oder noch weitere 230 Tage Zuchthaus. Der D-sener Kozialistenprozest.(Achter VerHand- lungstag.) Posen, 11. Januar. Auch heute stellte� der Erste Staatsanwalt den Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit. Der Gettchtshof lehnte jedoch diesen Antrag ab, da er aus dem bishettgen Gang der Verhandlung die Ueberzeuguna nicht habe gewinnen können, daß bei Beibehaltung der Oeffentlichkeit durch Die Zeugenaussagen eine Gefährdung der öffentlichen Ruhe zu befürchten sei. Zunächst wird der Kriminalkommissanus Graf Stillfned vernommen. Derselbe sagt aus, daß es in Berlin einige Restaurants gebe, die nur von Sozialdemokraten besucht würden. Jeder nicht zur Pattei gehörige Gast werde durch spitze Redensatten oder dadurch, daß ihm schlechte Gestänke vor- tesetzt würden, aus diesen Lokalen verstieben, so daß ihm das Liederkommen verleidet würde. Gehe er nicht gutwillig, so würde in der Regel eine Ursache gefunden, um ihn auf gewaltsame Weise zu entfernen. Der Kttminal- Schutzmann Naporra, welcher alsdann vernommen wird, bestätigt dies. Dabei erzählt er folgenden Vorfall: Im November 1886 sei in das(sozialdemokratische) Restaurant von Zakrzewski in Berlin ein Schneider Namens Osstowski gekommen, der das Aeußere eines Polizeibeamten gehabt habe. Der- selbe sei bei seinem Eintritt mit höhnenden Zurufen wie: „Spitzel'" u. s. w. empfangen worden, so daß er es vorgezogen hätte, daS Lokal zu verlassen. Naporra war damals mit den Angeklagten Merkowski und Porankiewicz in das betreffende Lokal gekommen: dieselben hielten ihn für einen Patteigenossen. Die Zeugin Frau Klickowiez aus Berlin bekundet, daß im De- zember 1886 ein gewisser Szukalski zu ihr gekommen sei und zwei Packest mitgebracht habe, welche ihr Sohn wegstagen sollte. Eins dieser Packete war an Goscinki in der Mark- grafenstraße und das andere an Marowski in der Eisenbahn- straße adresfltt. Da ihr Sohn keine Zeit hatte, habe sie selbst die Packete abgestaaen; ob dieselben sozialdemokratische Schuften enthalten haben, weiß Zeugin nicht anzugeben. Szukalski, welcher die Packete gebracht, ist inzwischen gestorben. Der Tischler Braziszewski aus Berlin war mit Szukalski be- freundet und arbeitete mit ihm in einer Bautischlerei. Sz. hat ihn eines Tages gebeten, zwei Koffer in seiner Wohnung auf- zubewahren. Zeuge glaubt, daß die Koffer sozialdemokratische Schuften enthielten. Szukalski kam mehrmals zu ihm und entnahm den Koffern verschiedene Packest, die er dann mit sich fottnahm. Einmal kam mit Szukalski noch ein Fremder, welcher aus Paus gekommen war und nach Posen weiter reiste. Der selbe nahm einen der Koffer mit nach Posen. Es sei damals davon die Rede gewesen, daß der Betreffende auch nach Warschau reisen würde. Der Fremde war mit Slawinski identisch. Der zweite Koffer sei später von der Kriminalpolizei in der Wohnung des Zeugen mit Beschlag belegt worden. Zeuge sagt ferner aus, daß einmal sozialdemokratische Schuften nach der in der Kommandantenstraße belegenen Arminhalle geschafft worden seien, woselbst sich das Versammlungslokal des polnischen Hand- werkervereins befand. Ten Transpott der Schnsten hätten Szukalski, Naporra und er selbst besorgt. Hierzu bemerkt der Angeklagte, Felix Witkowski, daß dieser Zeuge„gekauft" sei, wofür ihm der Herr Vorsitzende eine Rüge ettheilt. Der erste Staatsanwalt ersucht den Gettchtshof, den Zeugen Braciszewski zu vereidigen. Hiergegen erhebt der Rechtsanwalt Dr. Flatau energisch Einspruch, da Zeuge der Mitthäterschaft ver- dächlig sei. Der Gerichtshof beschließt, von der Vereidigung des Zeugen abzusehen. Der Tischler Mias- kowski aus Berlin kennt den Kttminalschutzmann Naporra nur als angeblichen Tischler. Derselbe habe ihn einmal aufge- fordert, mit nach der Kommandantenstraße zu kommen; er sei jedoch nicht mitgegangen, da er den Naporra für einen Sozialdemokraten habe halten müssen. Als nächster Zeuge wird der Arbeiter Szymanski aus Berlin vernommen. Derselbe hat den Naporra im Restaurationslokal des Zakrzewski getroffen. Zeuge war mit seinem Kousin zu Z. gekommen; es siel ihm auf, daß der Schutzmann Naporra ein sozialistisches Gespräch anfing: sein(des Zeugen) Kousin habe jedoch erklärt, daß er davon nichts wissen wolle.'Naporra habe ihm hierauf ein Flugblatt gegeben. Der Gettchtshof beschließt auf Antrag des Rechtsanwall Dr. Flatau, den Kousin des Zeugen aus Berlin zu laden. Uereine und Versammlungen. Der Derei« für Uechtsschutz«nd Instizreform hielt vorgestern Abend bei Gratweil seine Monatssitzung. Der Vor- fitzende, Rechtsanwalt Kaufmann, sprach über„Revision und die Praxis des Reichsgettchts". Der Vottragende erörterte eingehend Geschichte, Wesen und Formalitäten jenes Rechtsmittels. Er trat für die Verlängerung der Rechtfettigungssttst ein: die gegcnwättig bestehende kurze Fttst einer Woche bade zur Folge, daß vielfach mangelhafte Rcvifionsschttften zu Stande kämen. Klage wurde auch über die Abfassung der Strafkammer- uttheile gefühtt, die das vom Angeklagten Zugegebene und Bestrittene nicht sondern und bei der Att ihrer Begründung sehr schwer einen Rechtsirtthum nachweisen lassen. Der Redner bettihtte sodann aphottstisch einige bedenkliche Grundsätze von politischer Färbung, die der oberste Gettchtshof ausgesprochen hat. Hierher gehörte die Praxis, daß die Presse nicht das Recht habe, auf den§ 193 sich zu berufen, daß ein Redakteur„groben Unfug" verüben kann, wenn er in gutem Glauben, aber fahr- lässig handelt. daß sozialistische Stimmzettel unter Umständen als Dmckschttften angesehen werden können(durch die Gesetz- gebung nicht anerkannt), daß der Begttff einer„Verbindung" schon aus konkludenten Handlungen anzunehmen ist, und daß „Verbreitung" einer verbotenen Druckschrift vorliegt, wenn Jemand den„Sozialdemokrat" bestellt und bezieht. Darnach wären also auch diejenigen strafbar, welche das Blatt zu rein informatorischen Zwecken sich kommen lassen. Aufsehen erregten die Entscheidungen des Reichsgettchts bezüglich der absolut untauglichen Mittel und Objekte. Man bestraft jetzt den Bettuch mit absolut untauglichen Mitteln, ja sogar den Vettuch einer Tödtung, aus- geübt an einem Todten. Darnach müßte auch der sog.„Feuerbach- sche Bauer", welcher seinen Prozeßgegner todtbeten wollte, den Versuch einer Tödtung begangen haben! Die Revision sei ge- wiffermaßen ein hölzernes Bein im Vergleich mit dem gesunden Bein der Berufung. Der Korreferent, Redakteur I. Fränkel, verlangte strengere Prüfung formaler Rechtsverletzungen und hob ebenfalls die sehr geringe Garantie hervor, welche jenes Rechtsmittel biete. Im Fragekasten verlangte Jemand Auskunft, ob die bekannte Vettammlung bei der Gräfin Waldersee hätte polizeflich angemeldet werden müssen. An die Schneider Kerlin». Kollegen! Endlich ist es wohl an der Zeit, aus der Ruhe, welche sich seit Monaten un- serer bemächtigt hat, herauszutreten und sich wieder mehr mit unserem und unserer Kollegen Wohl zu beschäftigen. Es tragen sich deshalb die Unterzeichneten mit dem Gedanken, eine Filiale des Reiseuntctttützungs- Verbandes, welcher schon jetzt in 85 größeren und kleineren Städten Deutschlands vertreten ist, zu gründen. Am 18. dieses Monats, Abends 8 Uhr, findet dieserhalb im„Louisenstädttschen Konzetthaus", Alte Jakodsst. 37, eine öffentliche Versammlung statt, zu welcher die Unterzeichneten alle Schneider Berlins einladen. I. Weinand. N. Zilm. R. Tik. H. Jeschonneck. Kranken- und Kegrädnisskafle des Vereins jammt- licher Kerufsklasseu. Berlin i. Sonnabend, den 14. d. M., Abends 8 Uhr, Blumcnstr. 78 Vettammlung. Neue Mitglieder werden in jeder Versammlung, sowie zu jeder Tages- zeit beim Vorfitzenden Sasse, Hasenhaide 48, und beim Kasfirer Schilling, Koppenstr. 48, ausgenommen. Zentral-Kranken- und Kterdekasse der deutschen Magenbauer. Bezirk„Berlin I." Sonntag, den 15. Jan., Vormittags 10V Uhr, Mitgliederversammlung bei Saeger, Grüner Weg 29. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Kaffen- angelegenheiten.— Der Bezirk„Berlin IV" hält ebenfalls am Sonntag Vormittags 10 Uhr der Kloth, Dresdenetttr. 10, eine Vettammlung ab. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quattal 1887. 2. Innere Kassenangelegenheiten. Fachoerein der Metallschrauden-, Faeondreher und Berufsgenossen Berlins. Sonntag, den 15. Januar, Vormittags 10; Uhr, im„Königstadt.Kafino, Holzmarttstr. 72, General- vettammlung. Tagesordnung: 1. Jahreskassenbettcht. 2. Berichterstattung über die Arbeitsverhältnisse bei der Firma Hülle und Weise. 3. Vereinsangelegenbeiten. Allgemeine Kranken-«nd Sterbekajfe der Metallarbeiter z« Hamburg(E. H. Nr. 29), Filiale Berlin i. Sonntag, den 15. Januar, Vormittags 10 Uhr, Versammlung bei Deigmüller, Alte Jakobstr. 48 a. Das Erscheinen stimmst licher Mitglieder ist nothwendig. Gesang-, Turn-»nd gesellige Vereine am Freitag. Kaiser'scher Männcrgesangverein Abends 9 Uhr im Restaurant Lettin, Veteranenstr. 19.— Gesangverein„Pausebeutcl" Abends 8; Uhr im Restaurant Hensel, Alexandttnenstr. 15.—„Liedertafel der Maler Berlins" Abends 8» Uhr Kaiser-Franz-Grenadier- Platz 7, Restaurant Berg.— Gesangverein„Alpenglühen" Abends Uhr im Restaurant HUdebrandt, Pttnzenstr. 97.— Gesangverein„Flöter'sches Doppel-Quartett' Abends 9 Uhr im Restaurant Musehotd, Landsbergerstr. 31.— Gesangverein„Bruderbund" Abends 9 Uhr im Restaurant Pätzold, Reichenbergerstr. Gesangverein»Norddeutsche Schleife" Abends 9 Uhr ßfj straße 127a im Restaurant Goelling.— Berliner Turngeno (V. Männcrabthcilung) Abends 8'/ Uhr in der städt. T? Waffetthotttt.31.— Turnverein„Hasenhaide"«Männerat Abends 8 Uhr Dieffenbachstr. 60 61.— Turnverein Frei"(Männerabtheilung) Abends 8t Uhr Bergsir Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie. 8i Uhr im Restaurant Ziethen, Dorotheenstr. 31, Untcri» Uebungsstunde.—„Allgemeiner Arends'scher Stenoi verein". Äbtheilung„Vorwätts", Abends 8t Uhr im Rc Kall, Mattannenplatz 11.— Arends'scher Stenogrard „Apollobund" Abends 9 Uhr im Restaurant, Scvdclslr „Verein ehemaliger Dr. Toebbelin'schcr Schüler" Abcndl im Restaurant Krebs, Fttedttchsst. 208.— Voigt'slda tanten-Orchcsterverein. Abends 8« Uhr Uebungsstunde staurant Lehmann, Alexandrinenstt. 32.— Zitherverei»! Veilchen" Abends 8% Uhr im Restaurant„Wahlstatt", alliancestraße 89.— Rauchklub„Westend" Abends Hohenzollemaatten, Sstglitzerstr. 27.— Rauchklub„ Abends 3t Uhr in~" im Restaurant Wassetthorstt. 10 11. Kleine Mittheilungeu. Ilsenburg a.§., 9. Januar.(Durchgebrannt.) Weihnachten brannte hier die Handelsmühle von F. nieder. Obwohl die EntstehungSursache nicht ermittelt� zahlten die betheiligten Feuerverficherungsgesellschaftcn Versicherungssumme im Betrage von 45000 M. ohne! aus. Anstatt Vorbereitungen zum Wiederaufbau der treffen, suchte der Besitzer unter Mitnahme der 45 000' Weite, lieber sein Vermögen wurde infolge dessen Kost öffnet, er selbst aber wird steckbrieflich verfolgt. Der$ war auch Rendan t des hiesigen Konsumvereins. Stettin, 10. Januar.«Ausgewiesen.) In letzter wurden zwei Frauen mit einem kleinen Kinde obdachl«- troffen. Die Frauen gaben an, sie seien aus Rußland! wiesen und hätten den Weg von der österreichischen' hierher zu Fuß gemacht, um sich nach ihrer Heimath& begeben. Der Mann der einen Frau soll in Pomw Soldat dienen, während der Ehemann der zweiten fich' an der Grenze von seiner Frau getrennt hat. Erfurt, 8. Januar. Ein entsetzlicher Unglücksfall sich während der Nachtschicht vom Sonnabend zu heul r hiesigen königlichen� Gcwehrfabrik. Kurz vor 2 Uhr> der„Fallhammer-Schmiede" der einundzwanzigjähttgc Wolsramm aus Niednordhausen von der Riemenscheit gequetscht und mehrere Male rundum geschleudert.� schlugen die Beine so heftig gegen die D-Träger, daß t» maßen des Verunglückten wert umherflogen. Das des Unglücklichen ivar markdurchdttngend. Der Tod t danach ein. Kraunschweig, 9. Januar. Dr. Franz Dcdekin Sonnabend Vormittag 11 Uhr in Wolfenbüttel im- 72 Jahren gestorben. In ihm verliert die Welfenpal der unermüdlichsten und uneigennützigsten Kämpfer.■ storbene stand fest auf dem legitimistischen Standpunkt: „Königthum von Gottes Gnaden" stand und siel n» Ansicht mit dem Prinzip der Legitimität. Abgesehen»' politischen Standpunkte verdient die CharakterfestiS Mannhaftigkeit des Vctttorbenen die Anerkennung M denkenden Mannes. Er gehötte zu den leider wenige katen im Lande, der eine Sache um ihrer selbst will est viel ob sie in Gunst oder Ungunst stand, ohne Am Petton fühtte. Er hatte ein stark ausgeprägtes Reck und dieses machte ihn vielfach zum Anwalt auch seiner p Gegner. Wie bekannt, führte Herr Dedekind seiner! die Sache Brackc's und der mit ihm 1870 nach Lotzen( Genossen gegen den General Vogel»an TWstnstein reichem Ende. Letzterer wurde zur Entschädigung# von ihm widerrechtlich vorgenommenen Verhaftung uttheilt.— Gegen den Verstorbenen schwebte nock klage wegen Beleidigung des Pttnz-Äegenten, die von ihm verfaßten Flugblatte enthalten gewesen sein r tfim m nun mtrfi hrr nild 1 erscheii w'-L i Ma Di. ihm ist nun auch der Majestätsbeleidigungsprozeß aus 1 geschafft.. Kraunschweig, 9. Januar.(Verbot.) Der biei' Wels" gedachte mit seiner Fahne an dem heute mW/ stattsindenden Leichenbegängniß des Dr. Dedekind thcüst Die Erlaubniß zur Führung seiner Fahne im Leick« jedoch dem Klub, wie das„Wolfenb. Kreisbl." midr der Polizei versagt worden. j Mainz» 9. Januar.(Der Säbel.) In der v< Nacht fand auf der Gaugasse ein arger Militär-Exzeß a Soldaten des Nass. Jnkantette-Regiments Nr. 87 un® JJ Infanterie-Regiments Ztr. 117 statt. Der Streit Mj einem Tanzboden und pflanzte fich auf die Straße fott-z die Gauthonvache einschreiten und verschiedene Ver®*, vomehmen mußte. Ein Soldat vom 87. Jnf... Tauben 38-50 Pf., Hühner 0,60-1,00-%% Obst und Gemüse. Weißfleischige SpeisekattoffA 5,00, Zwiebeln 9,00-14,00 M. pro M Kilo, MmM 30 M. pro 100 Kopf, Birnen 6-10-13-18, bis 15—20, Wallnüffe la. 10—20 M. pro Ztr. brutto- Jaffa 9-10, Messina 13-14, Balenzia pro Kiste. Citroner 9—13 M. per Kiste. _ Feldfrüchte in Wagenladungen, Kattoffeln,'DK hohen Speisekattoffeln 40— 50 M. per 1000 Kilo, Hafer>�M gefornr Erbsen 120-200 M.. Futtererbsen 115-120#' 6ti? 5' ümt bis 180 M.. Richtstroo 35-40,00 M.. Heu 4° 1000 Kilo. habe«. gang«ich „Nu der Man, lieferte, a - Die selber lommen „Ich Verantwottlicher Redakteur: N.«r-nh-in» in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2.