Sonntag, den 29. Jannar 1888. 3. Jahrg. en wollen, ichem Wege daß die reiwillige tk». acht der ds?, lach dein, kannt ist, fr" -o�ialdemobK, ist mir nßj gerichts ürdigkeit züalich! e Druckst m übrigen ;cr des Bi mgt, so h« gewiesen. zre 1806 mg des Dieser ebungen ht Mein Anklage :n. Es politische e, Leuten n- � noch me dieser-, Erfolg% r können en, sollen Herren anwende# das Soz# genützt ing zu )aß man Es ist >cn Angel viescr Liste ze der DirtJ' ung komnie� verlängert � Ich schließe , und gebe rgclcgcni adlleae, e erliinVelKÄIiIl. Drgan für die Interessen der Arbeiter. � Da»„Berliner VolkSblatt" ?? Mich Morgens außer nach Sonn« und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei Mi rierteljafirlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonncment Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1888 unrcr Nr. 849.) 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Hungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, l!er Expedition unseres Blattes, Zimmerstraße 44, »mmen. »»l>-n N�?halb nehmen sämmtliche Postanstalten Be- 2%% die Monate Februar und März gegen Zahlung an' Die Redaktion und Expedition des„Krrtiuer Uolksblatt". t'Nom nächste« Krieg" "> kartellbrüderlichen Kreisen mit einer Now �den. als handele esjrch um eine Promenade oder halten ja Und für eine„Militärpromenade" ' � Sten'sS* Krieg"— namentlich die Herren von 3unft L Schlachtenbummler iben DiM��i«�.hier nicht die Absicht, uns über den Mili- ?ubfistcnU,We � e 0 W allgemeine Unsicherheit der europäischen alten."%ß,0er nw?n' Wir wollen auch nicht darauf hinweisen, h es Krieg" selbst unter den denkbar günstigsten ich glapst.:% �" Uns bei weitem nicht so günstige Chancen LandMÄ Ke»�letzte deutsch- französische Krieg, in welchem als rporra üoT&Sm Kadellbrübei Ho* auf emm PunÜ aan tbn V Jj}** bisher gänzlich entschlüpft zu fem scheint. !t Jayrc?� �.hjch.'Ochste Krieg", von dem unsere Kartellbruder ifts«nn j�ntt�Herjen" a la Olivier reden, wäre entweder % as von t gefähst' )llen fst das% reitet% !olizeipstÄ hrlichen| t Herr? [offen, d� a i:„2�, i Staats' ,, "Jlc e i ch, oder mit Rußland, oder mit Und Frankreich zu gleicher Zeit �entuari*'w �"nd wären unsere Streitkräfte wohl let, bj?) gewachsen— wenn auch, wie schon an- ' frürbe nfa eine weit, weit härtere und blutigere 1870—71. 1"-cht, Jeuilleton. [23 (9)a4bni» �• v•• vviuu-i von jtosctetoii i in% Aiyi zu sii Gegnerschaft zu dem Gesetze. l».?!r�u.stS her Nach einer persönlichen Erklärung Bambergens iL? heraushotte, Minister Puttkamer erfolgt die Vettagung um ib Uhr. JPJen mbeß mach a,-.-«am—i—....." gehenden Bestini Vfy,.' O VIV«OVl.il„ . Für die Montagsfitzung ist die"Anwesenheit des Bismarck, der heute Abend hier eintrifft, in Aussicht Politische Uederstcht. / 1»a,. W•_ 44fr ä« frfr-M_ rVl � I J r— Der Gindruck, den die GnthiiUungen des R abgeordneten Singer in der vorgestrigen Reichst«: über das internationale Spitzelthum überall gemacht spiegelt sich deutlich in den Aeußerungen der Presse wiet weit sie bis jetzt vorliegen. Am schärfsten und entschie äußett fich die„V o l k s- Z e i t u n g", aber auch die> und zurückhaltend aufttetende„Voss. Zeitung"» folgendem Ilrtheil:„Niemals hat ein Minister eine un> Sache unglücklicher vettheidigt als gestern Herr v. Puttk> Verschärfung des Sozialistengesetzes. Nicht als ob nur> des Herrn Singer ihn unsicher zu machen schien! Freilich, der Inhalt dieser Rede war für den Minister keine l denn immerhin werden die Uttheile über das Verfahi Ausweisungen, nammtlich über die Fälle Keßler, Kuw- Christensen, desgleichen über manche in neueren ProzW genannte Polizeiagcnten auch in Kreisen, welche I' sozialdemokratisch sind, von denjenigen des Herrn mannigfach abweichen. Ueberdies war es keine leichte- den verblüffenden Eindruck der Enthüllungen des Herrn abzuschwächen. Herr von Puttkamer hätte einen M Sieg erfochten, wenn er jene Mitthellungcn rundweg fundcn und unwahr hätte bezeichnen können. Aber me dem Minister die Verlegenheit an, selber wenigstens Möglichkeit der Bestätigung zu glauben."— Und dann „Es mußte dem Chef der Polizei doch ein Leichtes jede mögliche Auskunft seitens der Herren Polizeir und von Hacke zu erlangen, um die Anschuldigu: welche die Presse vielfach vorbereitet hatte, widerlegen. Es ist bedauerlich, daß Herr von dieses Entlastungsmaterial nicht beibringen konnte. sein heftiger Ausfall gegen den Züricher � Hauptmann und die Rechtszustände der Schweiz maW den Eindruck der Bestätigung als der Widerlegung Minister fcheint weder über die öffentlichen Verhältnisse Schweiz und namentlich im Kanton Zürich, noch über ratter der schweizer Bürger hinreichend unterrichtet, glaubt, seine herbe Kritik werde einen für Deutschland Erfolg haben. Thatsächlich find die fremden axeats cateurs förmlich zu einer Landplage für die Schweiz g wie schon der Bencht der eidgenössischen Untersuchungsw über das Treiben der Anarchisten ergeben hat, 1 Schweizer hätten viel eher Grund, sich über das Aus... beschweren, als das Ausland über die schweizer Beholl�j Aehnlich äußett fich die„Berliner Zeitung", J Singer'sche Rede meisterhaft findet, und auf die ,A hinweist, in der sich Herr v. Puttkamer befand:„Die „heillos",„ruchlos",„frevelhaft",„verlogen",„niede wechselten in bunter Reihenfolge ungemein rasch m» rtf» utlh fnTTfan SI«----- f � � Nation allib e '-Beibehält bisherigen Wei wie die beiden nen, so hat die «rtige Reichstag ' wa-> nach 5 a hat, und w gehalten, inn Ausnahmegl be Best im der gegenwär erlängerur aengesetzes »l- unzulässig N-t ein Mitarbei �--bannunk «unathsstaat ist "nagend einen nicht in der L braucht fi des Hein gefährli, Grundsa jeder Staat nrden aufzr dritten Sic muß. Mit Irnich. Dan der Staatsan «er, Englänt rnnb vielmehr i 3 u. Gebiete zu v «...nn auz ihm we m der sich dt würden, wür fremden St kür ihre A Nassen bekannt HMenzmitte ' Ichicken densell �gewiesenen<4 Meinung i**r, Verba. fct., iwrschen dei Warner nicht. w, und der V "'bei bald Kl« Tollte er i auch nach .............—..... ungemein mich in".';, s"« wm greitaa 3 ab und sollten wohl die mangelnde Beweiskraft da» neue führungen ersetzen. Die starken Worte thaten es aber u>«n � wir können gegenüber einem löblichen Wunsche o&motrn:- «MBS- gesetzlich )t der _........ P gegenüber einem löblichen Wunsche I Ministers versichern, daß es ihm durchaus nicht(PTOkir und>g? f, ist, durch seine Auseinandersetzungen den Eind�.U" 5%�%. j, L Singer'schen Rede zu verwischen."— Das ,'�»M.Wtive Nerick Tageblatt" spricht von einem„System der Koiwsilwi, dessen Wirkungen in ihrer weiteren Entivickclung zur'ff der öffentlichen Moral und zur Verwirrung des 3M* seins führen müßten.„Ein Gesetz, das solche Gefolge hat, das nur mit den sittlich verwcrflilbsi-" durchzuführen ist, hat schon darum allein die ExiMb und wir find überzeugt, daß von denjenigen, die Ü Sozialistengesetz zugestimmt, nur die g-'g>ar daß seine Ausführung uns auf so schlimme Wege bring — Und selbst die„N a t i o n a l- Z e i t u n g" kann nk�m;,«es n zu„folgern", daß die„Möglichkeit wesentlicher Wieder«' cfj t e r(;'' 0 lung der geheimen polizeilichen Thätigkett ein weltck�t J' Segen J e" ment zu den vielen anderen enthält, welche für die 4, Je»en, a(5. J-n des Sozialistengesetzes durch ein anderes System der Bli'M»«che sozialdemokratischer Ausschreitungen sprechen. Du\° bedingt die beständige Ausdehnung der geheimen Ra�JKi\be5 Don- f" fucht man durch eine entsprechende Ausdehnung der s Polizeithätigkeit zu begegnen; und daß diefe t der t amtlichen Verwahrungen in P r o v o k->' L% erwies�N zu gesetzwidrigen Handlungen a u s a r t-MSsichäst�-ll, im Wesen der dazu verwandten Personen und ihres � — Nach alledem kann Herr Singer wohl zufrieden sei» Eindruck seiner Enthüllungen.., Betreff» de« So?ialisteng»fetze« schreibt die« Korr.":„Da die nationalliberale Frakt i o« t der morgigen(Sonnabend) Sitzung näher cntwickcu «ne#u«h hc M m Nachbar, der Herr Rath Frühbach, sagt, eine Geschichte er- zählen. Mit dem Herrn Baron von Wendelsheim ist eben- falls nicht zu spaßen; ich kenne den Herrn, und wenn der etwas davon erführe, hing er Ihnen den fchönsten Prozeß an den Hals." „Prozeß?" rief der Major, denn Prozesse waren ja gerade sein Steckenpferd.„Damit soll er nur kommen, weiter verlange ich gar nichts! Dem wollen wir heimleuch- ten, dem alten Kujon und Schuldenmacher! Den Henker auch— kein Ziegel auf den Dächern von ganz Wendelsheim ist ja noch sein eigen, und die ganzen langen Jahre borgt er nun schon auf das Kapital los, das sein Sohn einmal erben soll! Hab' ich Recht oder nicht?" Der alte Gärtner zuckte die Achseln.„Das sind Dinge," sagte er,„von denen ich nichts weiß, und die mich nichts angehen, Herr Major, möchte auch nichts damit zu thun haben. Außerdem muß ich Sie auch bitten, mich nicht als Zeugen anzurufen, wenn die Sache wirklich vor Gericht kommen sollte." „Aber Sie können doch aussagen, was Sie gesehen haben?" „Wenn ich etwas gesehen hätte, ja; aber so war's dunkel und Regenwetter noch dazu, und das wissen Sie wohl, im Dunkeln sind alle Katzen grau." „Ihr habt Alle solch' eine Heidenangst vor den Ge- richten!" sagte der Major, eben nicht besonders erfreut, daß ihm der alte Gärtner auch wieder zwischen den Fingern durchschlüpfen wollte;„die beißen einen doch wahrhaftig nicht, und Recht muß am Ende doch Recht bleiben! Was können sie Euch thun, wenn Ihr bei der Wahrheit bleibt, heh? Gar nichts!" „Ich kann aber auch nichts nützen," meinte der Alte, „und habe im günstigsten Falle nur Lauferei und Acrger davon. Ich wollte überhaupt, die Meier hätte das Maul gehalten; da sie es aber in ihren jungen Jahren nicht ge- than, so war kaum zu ermatten, daß sie in ihren alten damit anfangen würde." „Und wie kann ich am besten nach Vollmers hinaus?" x„ V /V««v f f.— v• ojj fragte der Major.„Eine Post geht wohl gar nicht hin?" „Post? nein," sagte Tettelberg;„aber ich glaube, der Herr Rath Frühbach könnte Ihnen die beste Auskunft geben; der fährt manchmal hinüber und bezieht auch seinen Apfel- wein daher. In Vollmers pressen sie eine Menge Aepfel und der Wein schmeckt auch gar nicht so schlecht— wer ihn eben vettragen kann. Ich bekomme immer Leibschneiden danach." „Hm, so?" sagte der Major, noch nicht recht mit sich einig, ob er den Rath Frühbach zum Vertrauten gebrauchen könne. Der Mann hatte jedenfalls viel in seinem Leben gesehen und durchgemacht und war auch vielleicht praktischer Art— er wußte es nicht; aber er fürchtete sich vor seinen endlosen Geschichten, die wie die Bilder eines Kaleidoskops, immer und ewig aus demselben gehackten Material bestehend, einen langweiligen Stern darstellen. Da er übrigens so unmittelbar neben seinem Hause war, beschloß er, einmal hinüber zu gehen. Die Familie traf er ja auch wohl im Garten und konnte dann, was er zu ftagen hatte, im Vor- beigehen abmachen. „Also, Tettelberg," sagte der Major, indem er dem Gättner die Hand reichte,„ich danke Ihnen vorläufig für die ettheilte Auskunft, und wenn ich von Vollmer's zurück- kehre und ettvas ausgerichtet habe, komme ich noch einmal heraus, und wir verabreden das Weitere. „Wird wohl weiter nichts zu verabreden sein, Herr Major, sagte der Mann in der hattnäckiger Weise alter Leute; wenn Sie sich denn absolut die Finger verbrennen wollen, ich kann's nicht hindern. Durch Schaden wird ber Mensch klug, sagen die Leute; manchmal dauett's aber lange." „So wollen wir denn sehen, Tettelberg, daß wir den alten Baron klug machen können," nickte der Major, viel zu verbissen auf sein Steckenpferd, um auch nur eines Haares Breite davon abzuweichen.„Guten Morgen!" Und sich an seinem Stock emporrichtend, denn er war auf dem harten Stuhl ganz steif geworden, humpelte er zur Thür hinaus wieder m's Freie. Draußen hinkte der Major zuerst einmal um das Haus herum, wo der Rath wohnte, weil er ihn vorher da bei der Fruchtlese getroffen; aber der Weg wurde ihm nicht so leicht gemacht, denn quer vor dem schmalen Gang, der dotthin fühtte, hingen ein paar alte wollene Decken, die s« f, aussahen, daß sich der Major ekelte, nur daran Er wollte auch schon umkehren, aber sein Bein that® Er scheute den Umweg, und vorsichtig mit detn � Decke emporhebend, bückte er sich mit einem leist. melten Fluch darunter durch und fand sich le|v,|.c i n fj n. 1 �«i Garten selber, aus dem aber die Familie verschwund Mi t (Fottsetzung folgt.) W 1 Wdes stier ..W-----------■v.uvjm.l uuil �tUlUU S" Äts?'Iä V; 4?'?® Maffenkd>mi«N'«nrnA™ ß• f........ „uu.L, v�vuiiuvcnu, ven t.. zmuiure; öonniog« � s Waffensckmied: Sonntag, den 6.: Der Trompeter gen.— Im Schauspielhause. Sonntag, vtti. N.I.---*—<*■------- cm a <.." � w" i> v»« u u r t. �unrnun,"•/ Eben em Traum; Montag, den 30.: Tante Therese. den 31: Ein Sommcrnachtsttaum; Mittwoch, den 1- ..... /" i L_ ÜaAT i"Ml öpä ferl »»ri, Ol An« Kunst und lebess-lfi Laterne, Sylvia; Dienstag, den 31.: Tannhaisser,�» n ssstich die nf. den I.Februar------- Die Maus; �Donnerstag, den 2.: Egmont; Auf glatter Bahn; Sonnabend, 4.: Otbello; Sonw.- Tante Therese; Montag, den 6.: Der Seester«- Äugen.,... Kaiser-Panorama. In einer Zeit, wie die welcher viele neben ihrer engeren Hcimath now fremder Gegenden kennen, gar mancher sich in i"«.# r% TOpIltfipir«frfr- A----- 3fX.fr., M/T /r dl «MW er in der trotz aller Stürme immer noch bencrc. er m oer trotz aller Stürme immer noch bester� �Mss,egxi. uwlernt, geweilt, in welcher die Naturschönheiten der Schiveri J-bt de ibn in Enttückgi„•k.. 7---»4.»«nf ,ü bewillige ... vie o,aiur,wonyeiien Der>slyn>r'!> � ibn in Entzücken versetzten, oder in welcher er am einem fernen Lande zusegelte. Alle Erdtheile,.„et werden uns hier in der denkbar bequemsten— ist Kein Wunder, daß hier der Andrang stets ein 0TO® Inserat. und tl ie Sache wA auf bic jn 5jer Regierungsvorlage vorgeschlagenen Ver ,, J ugen nicht eingeht, so ist für dieselben eine scielsli lWl nicht zu finden, und Herr v. Puttkamer selbst hat «nheidigung heute(Freitag) in einer Weise geführt, aus tamberger's I heraushörte, daß er sie verloren gab. Sehr i t5 Uhr. Men mdeh machte der Minister gegen eine Abschwächung nheit des m gehenden Bestimmungen des Gesetzes Front, und da auch in Ausstcht g!l5°uonalliberale Fraktion für unverän- .J Beibehaltung eintritt, so wird eben das Gesetz « dishmgen Weise fortbestehen. Wird die Verlängerung lM|T» ,t®le ,.'5'e, beiden setzten Male, auf zwei Jahre vor- ill.... Presse wied» md entschied auch die w ung" fei :r eine um x v. Puttkar s ob nur da ' Freilich ..... andererseits bleibt wenigstens die Möglich- �.gehalten, innerhalb dieser Zeit an die Stelle des pro- Ausnahmegesetzes endlich einmal dauernde or- . e Bestimmungen zu setzen. Das unmittelbare a? ba gegenwärtigen Rcichstagsverhandlungen wird also ,?rrlangerung des unveränderten So- » ngesetzes auf zwei Jahre sei n." n' itrem» C �»lässtg nach dem bestehenden KölKerrecht keine Erb� w!? Mitarbeiter der„Münch. Allg. Ztg." die Strafe Verfahren k c?,?1 bannung. Er sagt:„Jn der Ausweisung aus �Oliathsstaat ist mit logischer Nothwendigkeit die Zuwei- ?gend einen anderen Staat gegeben, da der Äusge- blcht in der Luft schweben bleiben kann. Kein dritter braucht fich eine solche Zuweisung von bisherigen des Heimathsstaates, welche dieser als nichtsnutzig gefährlich erklärt, gefallen zu lassen; es ist ein Grundsatz des heutigen Staats- und Völkerrechts, jeder Staat jeden Fremden ausweisen kann, er auch �den aufzunehmen braucht, und daß jeder Staat dritten Staaten ausgewiesenen Angehörigen wieder muß. Mit diesem Grundsatz tritt die Verbannung ch. Damit, daß der ausgewiesene Deutsche seiner . Staatsangehörigkeit verlustig erklärt wird, wird er Mr, Engländer, Franzose oder Amerikaner; alle diese nno vielmehr vollkommen berechtigt, ihm den Aufenthalt Gebiete zu versagen, und wenn ste dies thun, was . aus ihm werden?... Schon die Frage der Mittel- - m der sich die ausgewiesenen Sozialdemokraten vielfach wurden, würde Anlaß zu Beschwerden werden. Man mmden Staaten nicht zumuthcn, daß sie solche Aus- n r«'btc Armenkassen übernehmen; die Vereinigten g�nen bekanntlich jeden Einwanderer, der sich nicht über > Ä'�nzmittcl ausweisen kann, überhaupt nicht landen, araen denselben kurzer Hand zurück: was soll also mit -gewiesenen Sozialdemokraten geschehen, der demgemäß wben Schiffe, das ihn nach sstew-Nork gebracht hat, * Wriuungsverschieden heit über die Gpportu- � Verbannungsuorlage besteht nach offiziösen iwgchen dem Reichskanzler und Herrn von am er nicht. Es ist das eine vollständig unberechtigte Und der Verlauf der Verhandlungen im Reichstage ws bald Klarheit verbreiten,"— schreibt der„Hamb. sollte er mit dieser so geflissentlich betonten Be- auch nach den Enthüllungen der Reichstags- % ren Prozesp welche&" Herrn te leichte des Herrn einen ßb . rundwcg Aber man icnigstens Und dann eichtes sein. Zolizeiräthe huldigui »aste, r von konnte. Züricher veiz mal liderlegunil, ierhältnisie ich über �richtet, ch'ch land N agevls Schweiz ß uchungskol i hat.> r das Aus. ;er Behor� r n g" if die ni®!J ' r!'nie5f rasch mit Kraft es aber irische b s nicht en Eind oa der K des che wm icrflid)� EriMNi t, die' n gcgi' lge bnm 1 kann m r Wiedl % J Freitag Recht bebaltcn? Ü ttn 5\0# neue Honaliftengesetz brachte das Kanzler- �-rIsV"arstag einen Artikel, in welchem es„den hohen e»„Situation,„das schwere Gewicht der That- ' L and die folgenschwere Entscheidung des Reichs- r. nsl. Aus den parlamentarischen Kreisen sollten ent- % sjOnje Vorschläge darüber, wie die Rückkehr zum ge- tawW gesetzlich normirt werden könne, gemacht werden, � die überwiegende Mehrheit des Reichstags auf stellen, welchen die verbündeten Regierungen mit betreten haben.— Wir rechnen auch auf„das W�bt der Thatsachen"— der„enthüllten" ürff esiiT Md hoffen, daß selbst diesem Reichs- k die in, Ächeidung zu„folgenschwer" erscheinen ■'Sftt vBssne der Regierungsvorlage ausfallen würde. Wst bca n'„Kchreckrnstribunate" wendet sich eine n derBt� Mögliche � der Richterstand, da ihm dadurch das moralisch Dieses, ��aork„%nnen wird.... Denn es sollen nach der m-lil#' des.T Gerichte wegen der geringfügigsten Ueber- der S, Z.handpm? bei Theilnahme an einer verbotenen Verbm- d«, V Paragraphen unseres Strafgesetzbuches nen mg se troll. t-.' . ,,M-�unz Paragrapyen unteres«iraigeitijuuuiLa aus ech vokal'■'flu: enni.r Staatsangehörigkeit erkennen können, ohne daß . AlffiÄt,, chan ist, bau der Anaeklaate die fraaliche Aaita- betrc Mtschr nan o, eibt die Besitz eines sozialdemokratischen Blattes be 1»X: eben sein � Wn, f0 � Hauptschuldigen, welche den Verstieb leiten, zu wclclipr■ Man ohne weiteres Federlesen an dem ersten 7..» tnivk.'M BeliN pineg kaüaldemokratisckien Blattes be- i, die so! daran Z» lein that> � �erich!p�',.mbem man ihn exilirt, und hierzu sollen sich "r»Schreckenstribunale" hergeben!" neue anB ttassagnac, der einzige Franzose, als mir„y Sozialistengesetz vertheidigt, war doch— n der glaubt. Er hat den Mund nicht gehalten, Span uÄ r" geantwortet:„Allerdings dürfe man � Ofi' jr A...-«Jtx X— sich i°.,, rschwunv»! AA Abnahme attische Richtungen nicht unterdrücken— nur beule er �b« es: den Sozialismus. Vom Sozia» . j' o z i g �'e sein Vater, welcher gesagt habe: ,, M i t Ä".& 8. Zw.....»ren Sumlk�uniier Granier aus tdasiagnac eine der ammenno�, Daß„"Wstanzen dieser Aera der Korruption gewesen ASÄWS; .t»t- ne5 BnLg% übrigens Herrn Granier junior an sein derselbe ifTcil, Qn8-en-aoeIt meint, Herr Granier P»ch nickt am wüthender Bonapartist— dürfe fich ltlich seivpn Smeren, wenn die französischen Republikaner >- 1 1 i S m ö r �ieptirten und statt Sozialismus nur B o- vie die � �..................... .»dest� der SeÄenwandemng. Das neunzehnte t äiiht r.>. Übet btpff» �rrtittnprpiprt Pttl _____ und nur zur Strafe wegen früherer K Sum öckmti""ver diese Träumereien. Wenn ein Kom- nverr"- BNn �asttions�I 8 der Nationalliberalen sich umhäutet, wenn ErinncM die g?Wn zum Lakaien des Rückschritts erhöht wird. -"' xHs�. jannct der Wissenschaft von der Quintessenz des der Arbeiterbewegung durch- von gestern zum Schuyzöllner mmm. ist. m ainorphose, eine Veränderung der Gestalt. angeweht, . wieder einer der Edelen vom Hauche der in seinem Hirne erwacht der Gedanke an längst vergangene Zeiten, an längst zerfallene Formen, und er besinnt sich auf sich selb st. Wenn er dann sieht, wie er und seinesgleichen vor der Reaktion sich ducken und wie er und seinesgleichen der Reattion Alles gelehrig herbeiträgt, was sie verlangt, da erwacht übermächtig in ihm die Erinnerung an das, was sie eigentlich sind und er r u f t aus: Hunde find w i r j a d o ch. So ragt aus dem grauen Alterthum hinein in die moderne Epoche ein Stück Seelenwanderung.— Nicht wahr, Herr Äamberger, Sie geistreichster Mann Ihrer Partei?! Eine ganz ausgezeichnete ZMaßresel hat die ö'ster- r e i ch i s ch e Regierung getroffen. Sie hat den österreichischen Fabrikinspektoren strengstens verboten, eine Einladung zum Diner u. s. w. seitens eines ihren bezüglichen Aufficktsdezirken ange- hörenden Fabrikanten anzunehmen. Dieses Verbot ist recht empfehlenswerth auch für deutsche Verhällnisse. Jn Deutschland stecken die meisten Fabrikinspettoren noch tief in bürgerlichen Vorurtheilen, und statt mit den Arbeitern, ihren Schutzbefolenen, direkt zu verkehren, denützen sie nur zu oft als „Mittler" den Kapitalisten, den Unternehmer. Der Fabrik- inspektor wie er sein soll— sein Bild haben wir im vorigen Jahre in'diesem Blatte entworfen— soll auch nicht beim Fa- brikanten speisen. Das giebt zu viel Vertraulichkeit. Herrn v. Boetticher empfehlen wir das Vorgehen seines öfter- reichischen Kollegen zur gefälligen Beachtung und Nachahmung. Ans Mainz wird uns geschrieben:„Von den in Straf- Haft befindlichen Sozialdemokraten war an die Staats- anwaltschaft ein Gesuch gerichtet worden, während der Dauer der Haft die eigene Kleidung tragen zu dürfen. Dieses Gesuch ist abgelehnt und die vollständige Gleichstellung mit den übrigen Gefangenen angeordnet worden.— Der Wunsch unserer kartellbrüderlichen Presse wäre also, wenigstens von der hessischen Regierung, erhört worden.„Engkisch" ist diese„Gleich- stellung" ohne Zweifel; schade nur, daß wir die Engländer blos in puncto ihres Gefängnißwesens nachahmen. Das erinnert ja etwas an den Schiller'schen Wachtmeister, der seinem Vorbsid „das Räuspern und Spucken" abguckte. Zu der ZurückMeisnng der Beschwerde des Land- tagsabgcordnetcn I ö st durch das Oberlandesgericht in D a r m- stadt(siehe gestrige Nummer) bemerken einige Blätter, daß „Herr Jöst nun die über ihn verhängte Gefängnißsstafe anzu- treten habe".— Wir verstehen das nicht recht. Unseres Er- achtens handelt es sich hier um ein Privilegium der Kammer, welches keinem Gerichtssvruch unterworfen ist, son- dern nur— ähnlich wie im Reichstag— durch Beschluß der Kammer selbst im einzelnen Fall einem einzelnen Mitglied gegen- über aufgehoben werden kann. Deutschlandmüde. Jn den 12 Jahren von 1874 bis 1866 sind aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten nicht weniger als 1 341 980 Köpfe ausgewandert. Jn keinem Lande Europas war die Auswanderung so stark, als im Deutschen Reich, denn in derselben Zeit kamen aus Groß- dritannien nur 1 248 336, auf Schweden und Norwegen 466 000, aus Oesterreich-Ungam 225 000, aus Italien 163 000, aus Rußland 130000, aus Dänemark 71 000, aus der Schweiz eben- falls 71 000 und aus Frankreich 65 000 Auswanderer in New- Uork und anderen Hafenpläyen der Union an. Im Durchschnitt wandetten jährlich 110000 Bewohner des DeutschenDReichs ein. Dieser gewaltige Menschensttom, der sich aus dem Lande, wo es— nach Herrn von Eynern— eine Lust zu leben ist, nach der nordamerikanischen Republik ergießt, ist natürlich ein schlagender Beweis für die Vortrefflichkeit der deutschen Zustände unter den Auspizien der„Sozialrcform". Ausweisung an» Hamburg. Der Redakteur des kurz- lich verbotenen Fachorganes„Der Schneider", Herr Magnus, ist auf Grund des Sozialistengesetzes aus.Hamburg ausgewiesen worden. Schweix. Wie in Genf, so war auch in Zürich eine allgemeine Studentendemonstration zu Gunsten der russischen Studenten und Universitäten in Ausstcht genommen. Der Polytechnikervcrein hatte beretts eine Polytechnikerversammlung angesetzt, doch wurde dieselbe wieder abgesagt, da die Anreger dieser Demonstration ihre Anträge wieder zurückzogen; wahr« scheinlich wird man dieselben später wieder aufnehmen. Der Bundesrath beschäftigte sich mit den Angelegen- hcitcn Ehrenberg und Haupt. Nächster Tage sollen mehrere Anarchisten und Spione ausgewiesen werden. Großbritanuien. Die Verhaftung des irischen Abgeordneten E o x auf englischem Boden wegen eines Vergehens gegen das irische Ausnahmegesetz liefert der Presse Stoff zu Betrachtungen über die Tragweite der Maßregel. Während die Tory-Blätter, sowie die Oraanc der liberalen Unionisten, die„Times" voran, es völlig in Ordnung finden, daß irische„Agitatoren", welche sich ihrer Verhaftung durch die Flucht nach England entzogen haben, dost verhaftet werden können, bedauern die freifinnigen „Daily News", daß England, dieses große und stolze Land, ein Asyl für die Unterdrückten eines jeden Landes und Klimas, sich zum Werkzeug der Dubliner Burg herabwürdigen lasse und irische politische Verbrecher ohne weiteres den Schergen Balfour's ausleere. Parlaments-Deputirte für Monagham, Patrick O'Bricn, welcher wegen einer aufrührerischen Rede am 20. ds. verhaftet worden war, ist zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Mit dem Herannahen derParlamentssessron macht sich in den ministeriellen Kreisen eine größere Thätigkeit bemerk- lich. So hat der Schatzkanzler Goschen in Hostings eine lange Rede gehalten und der Minister des Innern, Matthews, sprach in Birmingham. Jedermann erwartet einen sehr stürmischen Anfang der Session. Eine Menge Amendements zur Adresse werden eingereicht werden; eines von Parnell, über die Lage in Irland und die Regierungspolitik, wird die Home Rule- Frage auf's Tapet bringen; Wilhelm O'Bricn, der seit seiner Einkerkerung in Tullamore ein weit größerer politischer Faktor geworden ist, wird die Behandlung der politischen Gefangenen in Irland zur Sprache bringen. Bradlaugh's Amendement be- trifft das Versammlungsrecht und die Befugnisse der Londoner Schutzmannschaft; dann sollen auf Seite der Tones mindestens zwei Gegenstände angeregt werden: die Einführung des Schutz- zollcs unter dem Deckmantel fiskalischer Reform und die Roth- läge der Landwirthschaft. Auch die Crofters sollen eine Debatte erhalten... Frankreich. Im Kabinetsrath brachte der Minister des Innern die Zahlungseinstellung der Hammerwerke von Tcnenaire und Besseges und die dadurch herbeigeführte Beschäftigungslostgkeit vieler Arbeiter der Departements Loire und Gard zur Sprache. Durch den Stillstand der Werke von Terrenoire allein find 1200 Arbeiter brotlos. Viele Arbeiter haben noch rückständigen Lohn zu fordern, allein der vom Gericht bestellte Massenverwalter darf nach den Vorschriften des.Handelsgesetzes diese Forderungen, obwohl er die Mittel dazu in der Kasse hat, nicht befriedigen. Die Präfekten der beiden Departements haben der Regierung die Lage vorgestellt und sollen ermächtigt werden, den betreffenden Arbeitern Vorschüsse zu gewähren. Auch soll die Wetterführung des Betriebs der Werke gesichert werden.— Ferner genehmigte der Rath die Einführung eines Gesetzentwurfs, durch welchen die nöthigcn Mittel gewährt werden, um den staatlichen Bestieb des Hafens und der Eisenbahn der Insel R« u n i o n, nachdem die Unternehmergesellschaft ihres Rechts für verlustig ersiärt worden ist, zu sichern. Kelgie«. Im August v. I. erhoben sich die F i s ch e r O st e n d e s infolge ihrer Nothlage. Der Aufstand wurde blutig unterdrückt, und man versprach den Fischem Verbesserung der Verhältnisse. Monate lang erörterte man die Lage der Fischereibevölkerung in den Kreisen der Regierung, und was ist heuie das Ergebniß? Eine große Kommission pr Prüfung der Lage der„nationalen Fischerei" ist heute eingesetzt worden. Dazu hat man Monate gebraucht! Es liegt auf der Hand, daß es lange dauern wird, bevor den Beschwerden der Fischer Abhilfe geschaffen werden wird. Dafür hat man allerdings die„Bemhigung", daß eine Kommission die Sache prüft. Verfügt auch Belgien nicht über ansehnliche Heereskräfte, so doch wenigstens über eine starke klerikale Armee. Der Staat besoldet jetzt 5583 katholische Geistliche. Rechnet man dazu die Mitglieder der in Belgien vorhandenen religiösen- Orden, deren Anzahl nach amtlicher Angabe im Jahre 1880 25362 betrug, aber seitdem erheblich gewachsen ist, so sieht man die Macht der belgischen klerikalen Streitkräfte. H-Uattk. Das„Handelsblad" schreibt über das dem Deutschen Reichstag vorliegen de Sozialistengesetz:„Vom Standpunkte des internationalen Rechts ist die Verbannung sehr bedenklich. Früher war dieselbe eine bekannte Strafe für eine Anzahl Verbrechen, aber man iist in unserm.Jahrhundert zum Bewußtsein gekommen, daß es nicht angehe, wenn das eine Land die Uebersteter seiner Gesetze einfach einem andern auf den Hals schiebt, sondem daß es durch andere Maßregeln für die Handhabung der Ordnung und der Sicherheit zu sorgen habe. Für unser Land und für Belgien würde die Annahme des Ge- sctzentwurfs vermuthlich nicht ohne Folgen bleiben. Abgesehen von der Beförderung sozialistischer Ideen, der natürlichen Folge der Niederlassung von unruhigen und mitunter sehr fähigen An- hängern der Sozialdemokratie, wird die gezwungene Zufuhr von Arbeitskräften aus der Fremde unsere und die belgischen Ar- beitcr nur erbittem, da letztere ohnedies schon über Mangel an Arbeit klagen. Das freundschaftliche Verhältniß mit Deutsch- land wird sicher darunter leiden. Wir können den deutschen Reichstag natürlich nicht verhindern, das Gesetz anzunehmen, aber man darf sich doch die Frage vorlegen, ob es nicht Sache der niederländischen und belgischen Regierungen wäre, in freundschaftlicher Weise ihre Bedenken der deutschen Regierung gegenüber geltend zu machen. Es wird dies zwar wenig helfen, es kann aber in keinem Falle schaden, wenn man in Deutsch- land steht, daß man sich hier zu Lande die möglichen Fokgen des Gesetzes nicht verhehlt." Am Sonntag stat Domela Nieuwenhuis zum ersten Mal seit seiner Freilassung wieder als Redner im Volks- park in Amsterdam auf; wie immer war auch diesmal der An- drang ungeheuer groß._ Soziales und Ardeitervemeguuo. Zur Lage der Kuchdruckergehitfen-InvalidenKasse. An den Reichstagsabgeordneten Grillcnbergcr ist heute folgende Zuschrift gelangt: Geehtter Herr! Infolge Ihrer in der Sitzung vom 23. Januar erfolgten Bemerkung hinsichtlich der Leistungen unserer Jnvalidenkasse hat der Herr Staatssekretär des Innern v. Bötticher unter anderem die Aeußerung fallen lassen: „Die Jnvalidenkasse der Buchdrucker ist eben bankerott geworden." Wir haben uns deshalb veranlaßt gesehen, nachfolgende Berichtigung sowohl an den Herrn Staatssekretär v. Bötticher, wie auch an das Präsidium des hohen Reichstages abgehen zu lassen, wovon wir Sie hiermit in Kenntniß setzen. Achtungs- voll der Vorstand des Unterstützungsvereins deutscher Buchdrucker. Stuttgart, den 27. Januar 1888. Das Schreiben an das Präsidium lautet: „An das hochlöbliche Präsidium des hohen Reichstages. Jn der Sitzung des Deutschen Reichstages vom 23. Januar hat Se. Exzellenz der Herr Staatssekretär des Innern v. Bötticher auf die ohne Veranlassung unsererseits geschehene Bemerkung des Herrn Abgeordneten Grilkenbcrger, die Jnvalidenkasse der deutschen Buchdrucker gewähre mehr Rente, als wie in den Grundzügen zur Altersversorgung vorgesehen sei, die Aeußerung gethan:„die Jnvalidenkasse der deutschen Buchdrucker ist eben bankerott geworden!" Wir ge- statten uns, dem hochlöblichen Präsidium des hohen Reichstages den Rechenschaftsbericht von 1886 zu übersenden, woraus zu ersehen, daß das Saldo dieser Kasse am 31. Dezember 1886 659520 M. betragen hat. Am Schlüsse des 1. Quartals 1887 hatten wir einen Vermögensstand von 680 679,30 M., am Schlüsse des 2. Quartals von 703 143,03 M., am Schlüsse des 3. Quartals einen solchen von 731 958,33 M., während das 4. Quartals 1837 voraussichtlich mit einem Vermögensstand von rund 740 000 M. abschließen wird. Die Zahl der Invaliden ist gegenwärtig 167, und erhellt jeder jährlich 365 M. Rente. Äitgliederstand rund 13 000 und Beitrag pro Mitglied 20 Pf. wöchentlich. Der unterzeichnete Vorstand richtet deshalb das höfliche Ersuchen an das hoch- löbliche Präsidium, diese Berichtigung an geeigneter Stelle vcr- öffentlichen zu wollen, da es uns bei dem blühenden Stande unserer Jnvalidenkasse nicht gleichgiltig sein kann, von so Hoher Stelle aus für bankerott erklärt zu werden. Ehrerbietigst Der Vorstand des Untcrstützungs-Vereins Deutscher Buchdrucker. Für denselben: Franz Sulz, Fr. Arndts, Vorsitzender. Hauptverwalter." Stuttgart, 27. Januar 1888. Vereine und Versammlungen. Der Lachverein der Tischler nahm in seiner ordent- lichen Generalversammlung am 24. Januar den Rcchenschafts- bericht des Rendantcn, sowie die Berichte des Vorstandes und der verschiedenen Kommissionen entgegen und vollzog die Er- satzwahlen der Arbeitsvermittlungs- und Werkstatt-Kontrolkom- Mission. Nach dem Bericht des Rendanten betrug die Gesammt- einnahme des 4. Quartals 1887 481,80 M. Hierzu der Bestand des vorigen Quartals 2735,97 M., crgiebt die Summe von 3217,77 Ä. Die Gesammtausgabe deträgt 724,10 M. Kassenbestand war somit am 1. Januar 1888 2493,67 M. Die Aus- gaben die diesmal im Verhältniß zu den Einnahmen ziemlich groß sind, vertheilen sich wie folgt: Für den Arbeitsnachweis, der, nachdem die Tischlerinnuna das Lokal, wo der Verein eine Herberge errichtet hatte, durch irgend welche Schachzüge für fich gewonnen hatte, nach dem Zentrum der Stadt, Akte Jakobsstaßc 38, verlegt worden ist, wurde die Summe von 209,37 M. verwendet. Die Bibliothek, auf deren Vervollständigung der Verein sein besonderes Augen- merk richtet, wurde durch werthvolle Werke verschiedenen In- Haltes im Werthe von 180 M. bereichert. Der Gesammtwertch der Bibliothek betrug am Ende des 4. Quartals 1887 ca. 700 M. Für Rcchtsbeistand m gewerblichen Ssteitigkeiten wurden 28 M. ausgegeben. Als Reisegeschenk an zureiscnde Kollegen wurden 7 M. gezahlt und allgemeine Ausgaben betrugen 262,83 M. Aus dem Unterstützungsfonds, der 429,40 M. enthält, wurden 90 Mark an hilfsbedürftige Mitglieder theils als Geschenk, theils als Darlehn ausgegeben. Nach dem Kassenbericht brachte der Vorfitzende die im letzten Vierteljahr geführten Prozesse in ge- werblichen Streitigkeiten, die auf Kosten des Verems geführt wurden, zur Kenntniß. Prozesse wurden 7 angestrengt, hiervon find 3 erledigt und zwar einer zu Gunsten, zwei zu Un- gunsten der prozeßfuhrenden Mitglieder. 4 find nach un- erledigt. Hierbei gab der Vorsitzende einen Ueberblick über sämmttiche, seit dem Jahre 1883 vom Verein geführten Prozesse. Die Zahl derselben ist 44, von denen 43 von Mit- gliedem gegen ihre Arbeitgeber und einer von einem Arbeit- geber gegen ein Mitglied angestrengt wurden. Von diesen 44 Prozessen wurden 13 für die Mitglieder verloren, 11 wurden durch Vergleich erledigt und 17 wurden von den Mitgliedern gewonnen, während zwei nicht zum Austrag kamen und eine Klage zurückgezogen wurde.— Aus den hierauf folgenden Be- richten ist aus dem der Arbeitsvermittlungskommisfion die Thätig- feit der letzteren besonders hervorzuheben. Trotzdem die Kom- Mission Schritt für Schritt sich den Boden für ihre Thätigkeit erringen muß, ist dieselbe doch rührig und unverdrossen an der Arbeit, und es wäre zu wünschen, daß endlich die Tischler- gesellen Berlins dieses energische Arbeiten der Organisation an- erkennen würden und bei der Suche nach Arbeit sowie durch Zu- schicken von Adressen vakanter Stellen den Arbeitsnachweis des Ver- eins zu dem machten, was er sein soll, der Zentralpunkt der Rege- lung der Arbeitsvcrmittelung im Gewerk. Gleichzeitig aber sollen die Kollegen durch ihren Beitritt zum Verein mehr als bisher den Organisationsgeist im allgemeinen pflegen und stär- fem Nach Vollziehung der Ersatzwahlen der Arbeitsvermittc- lungs- und Werkstattkontrolkommisfion wurde von mehreren Mitgliedern auf mehrere Werkstcllen hingewiesen, in denen arge Mißstände zu Tage getreten seien. Unter anderem wurden die Arbeitsverhältnisse der Werkstellcn von Bülow, Grünstraße 7, und Kretschmann, Scbastianstraße 36, einer Kritik unterzogen. Es erfolgte sodann noch Erledigung einiger interner Vereinsan- gclegenheiten. Der Maskenball des Vereins findet am Sonn- abend, den 11. Februar, in der„Berliner Ressource", Kom- mandantenstraße 57, statt. Verein zur Wahrung der Interessen der Schuhmacher und verwandten Berufsgenoffen Berlins. Montag, den 30. d. M., Abends 8; Uhr, Versammlung in Gratweil's Ilokal, Äommandantenstt. 77—79. Tagesordnung: 1. Die Meeresströmungen und ihre Bedeutung für die Kontinente. Referent Perr Jerisch. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Turn- und gesellige Vereine am Sonntag. Lübeck'scher Turnverein(2. Lehrlingsabtheilung) Abends 6 Uhr, Elisabethstraße 57—58.— Turnverein„Wedding"(2. Lehrlingsabtheilung) Nachmittags 4 Uhr, Pankstr. 9.— Tumverein„Froh und Frer" (Lehrlingsabtheflung) Nachmittags 4 Uhr Äergltt. 57. Gesang-. Turn- und gesellige Vereine etr. am Montag. Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Restaurant Klose, Mariannenstr. 31—32.— Liedettafel der im Drechslcrgewerk beschäftigten Arbeiter Berlins Abends 8; Uhr im Lokale„Bukower Garten", Bukowerstt. 9.— Gesangverein „Sängerlust" Abends 9 Uhr im Restaurant, Landsbergerstt. 80. — Männergesangverein„Weiße Rose" Abends 9 Uhr im Re- staurant Kleine, Gerichts str. 10.— Männergesangverein„Eintracht i" Abends 9 Uhr Köpnickerstr. 68, im Restaurant.— Männergesangvcrein„Liedesfreiheit" Abends 9 Uhr im Restaurant Heinrich, Linienstt. 19.— Männergesangverein„Firmitas" Abends 9 Uhr bei Wolfs u. Krüger, Skalitzerstr. 126, Gesang und Mufik. — Turnverein„tzasenhaide"(Lehrlingsabtheflung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstt. 60— 61.—„Berliner Turngenossenschaft"(7. Lehrlingsabtheflung) Abends 8 Uhr in der städt. Tumhalle, Briyer- straße 17—18;— desgl.(6. Männerabtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Gubenerstt. 51.— Lübeck'scher Turnverein(Männerabtheilung) AbgußZ 8 Uhr Elisabethstraße 57—58.— Verein ehemaliger Schüler der VII. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Poppe, Linden- straße 106.—„Fricdrichs-Verein"(ehmalige Zöglinge des großen Fttednchs-Waisenhauses der Stadt Berlin) Abends B'.'i Uhr bei Bormann, Ohmgasse 2.— Zitherklub„Amphion" Abends 8V, Uhr im„Kurfürstenkeller", Poststraße 5.— Vergnügungsverein„Lustig" Abends 9 Uhr bei Thamm, Schön- hauser Allee 28.— Verein„Ratibor" Abends 3', Uhr im Restaurant Fritze, Elisabethstraße 30.— Ärends'scher Steno- graphcnverein„Mercur" Abends 8'/, Uhr im Restaurant „Baatz", Blumensttaße 10.— Ärends'scher Stenographenverein „Apollobund" Abends 8'/. Uhr Thurmstt. 31(Moabit).— Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie. Abends 8'/, Uhr im Münchener Bräuhaus, Neue Friedrichsstraße 1 Unterrichts- nud Uebungsstunde. Sriefkaste« der Redaktion. Bei Aufragen bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen. Brieflich« Antwort wird nicht ertheilt. Sprechstunden der Redaktion nnr von 12—1 Uhr Wittag» und 7—8 Uhr Abend». ©. G. K. Wir bedauern, Ihnen die gewünschte Auskunft nicht ettheilen zu können. P., Mantenffelstr. Sie können die Lebensverfichemngs- Polize Ihrer Eltern mit deren Zustimmung auf Ihren Namen umschreiben lassen. Sonst haben Sie allerdings die Ansprüche der Ärmendirektion zu befürchten. H. W. Granienstr. 1. Der Witth muß die Sachen, die ein Schlafbursche zurückläßt, aufbewahren, kann denselben aber zur Abholung auffordern und eventuell die Sachen bei einem Spediteur auf Kosten des Schlafburschen zum Lagern 2. Für den Schaden, den der Schlafbursche in der znw anrichtet, muß er dem Schlafwirth Ersatz leisten. 3.% reichung einer Privatklage wegen Beleidigung muß ein L termin vor dem Schiedsmann stattfinden, wenn beide p I in derselben Gemeinde, z. Ä. in Berlin wohnen. P'f I Angeklagte zu einer Geldstrafe veruttheilt und kann diesem zahlen, so wird die für diesen Fall eventuell erkannte W nißstrafe vollstreckt. Der Kläger braucht aber bei 3# Unfähigkeit des Angeklagten keine weiteren Kosten zu außer dem Gerichtskostenvorschuß von 10 M. C. K. 36. Verweigert der Wirth Annahme des gungsbriefes, so gilt die Kündigung als erfolgt. Nur i«, türlich der Miether event. beweisen, daß der betr. Bm s Kündigung enthielt., 1 £. F., Reickrnbergerstr. Ihr Mündel konnte obM Zustimmung die Uhr gar nicht kaufen. Sie können«st U Rückgabe des Pfandscheins die angezahlten 44 M. oMf abzüglich des an den Pfandleihcr zwecks Auslösung den», 24. g;*. zahlenden Betrages. Wenn Sie nicht wollen, so bwußj% sich um die ganze Sache nicht zu kümmern, da Ihre-�"utttam«.. schaft durch den Tod Ihres Mündels erloschm ist, Dh erste 3W noch die Erben desselben irgend welche Rechte oder 4' .--.—. � 7...-J-— f. f �. 0.' gegen den Uhrmacher haben. p. G. 100. Die Ehescheidungsklage würde 6 Monate dauern. Erst wenn die Ehe rechtskräftig ist, können Sic binnen 3 Monaten Strafantrag weM bruchs stellen; der Antrag muß aber auch gegen Ihre richtet sein, sonst ist er ungiltig. G. K. Zum Landen in Amerika wird der Befis Dollar— 100 Mark baar und von Legitimation z. B. Paß, Militärschein oder dergleichen von der Behörde erfordett. Die Etthefluna eines Paffes Regel versagt, wenn gegen den Nachsuchenden eine schwebt. M. und K. 1. Daß eine Kündigung früher dies nach dem Vertrage erforderlich ist, berechtigt nicht, die Annahme des Kündigungsschreibens zu Thut er es doch, so gilt die Kündigung als geschehen-, Wohnungen werden in diesem Jahre am 3. April gc den müssen, statt am 1., da der 1. und 2. April Feil Doch wird ficher noch eine polizeiliche Bekanntmachung tage erfolgen, welche dann maßgebend ist. v. Hell mxz an unsci gjs' moralisck iZuWBTT «mus unte (?.ne unserem J%n! Das ij1 Revolutioi �#,13.) 3 K Taktik d. ;' ba| durch '.auch mit 1 des P, Ur-L 7t Theater. Sonntag, den 29. Januar. Operithaii«. Lucia von Lammermoor. Montag: Sylvia. MMausspielbiitt». Das Leben ein Traum. Montag: Tante Therese. Dnrtfch»» Theater. Die Makkabäer. Montag: Zopf und Schwett. Wallver-Theater. Ein toller Einfall. Der Mizekado. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urtevrtch» Wilhelmstädtisch»« Theater. Die 7 Schwaben. Montag: Dieselbe Vorstellung. ?tt»taria-Th»ater. Die Reise um die Well in 80 Tagen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ostead-Theater. Berlin wie es weint und lacht. Montag �Dieselbe Vorstellung. U�de»i-Theat-r. Francillon. Montag: Die ______ Dieselbe Vorstellung. Westealltanee Theater. Die Näherin. Montag: Dieselbe Vorstellung. WalhaUa-Theater. La llaacotte. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kroll'« Theater. Sneewlltchen und die sieben Zwerge. Tentral-Theater. Höhere Töchter. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kön�stadtische» Theater. Die Tochter der Montag: Dieselbe Vorstellung. Amerieaa-Theater. Spezialttäten-Vorstellung. Taarordia» Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Theater der Reichshall»«. Spezialitäten- Vorstellung. M«»f««««» Vari«t«. Spezialllätm- Vor- stellung. Lolliseujlädtischts Theater. Dresdenerstt. 72. Direktion: Adolph Ernst. Uea eiastadirt und mit neu»» Touplet». 203. Male: Zum Die schöne Ungarin. —__. /w-, nrm ri ml i Gesangsposse in 4 Akten von W. Mannstädt. Kouplets v. G. Görß. Musik von G. Steffens. Die neuen Kauplet»� find»0« KapellmSr. Herrn Frnnz Roth kompanirt. Irma: Clara Holmer. Lilli: Olga Owo- raK. Fritze: Grote Gallus. Häppchen: Clara Büchler. Micsebeck: Direktor Ad. Ernst. Schröder: Aug. Kurz. Triller: Paul Barthold. Walzebock: Gustav Gflrss. Alfred: Wilhelm Ruft Teleph« Knschluß: Amt III. Jlr. 8043. Kasseneröffnung 5� Uhr. Anfang der Vorstellung 7 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Anfang 7i Uhr. Circns A. Krembser KiwiMdsslai» Thealrr. Alexander-Sttaße 41— Kurze Straße 6. Trost» Nachmittag»- und Kind/r-Uor- stellung sa ktetue« Preise«. Zum letzten Male: Robinson Crusoe. 1. Parquet 0,25, Loge und Fauteuil 0,50 Pf. Anfang 4 Uhr. Abend» Uyr. 12. Gastspiel von Anna Schramm. Zum 12. Male: Die Tochter d. Markthalle. __ v.—. I srt r» M CMti........ cvrrc__ Große Posse mit Gesang in 4 Akten von Alfred Schönfeld. Mufik von Paul Lincke. 1. Bild: In der Zentral-Markthalle. 2. Bild: Auf dem Viehhof. 3. Bfld: Fräulein Doktor. 4. Bfld: Die Hofsängerin. Caroline Gödewitz, Scklachter- utamseü aus Kalau: Anna Schramm a G. Montag, 13. Gastspiel von Anna Schramm: Die Tocvter d. Marklhalle. Lriedrich-Aarl-Ufer, Ecke Karlsttaße. Heute, Sonntag, den 29. Januar 1888, 2 große Uorßellmtgen. Nachmittags 4 Uhr: 1 Kind frei. Zum Schluß der'Nachmittags-Vorstellung, zum letzten Male Nachmittags: Ii? IbBij? Sihwirzermul«. Große originelle Pantomime mit Hallet. Außerdem großartiges grit gewähltes Programm. Grosse Gala Vorstellung. Zum vorletzten Male: Zie jvstlll? Kchuliellkmuitti'. Auftreten des preisgekrönten Athleten Herrn Carl Abs und des stärksten Wiener preisgekrönten Athleten und Preisringkämpfers Herrn Gottfried Nordmann im Konkurrenz-Arbeiten mit dem Stein/eher He in Rossow, welcher sich laut Aufforderung gegen Herrn Nordmona gemeldet. Auftreten der vorzüglichsten Reitkllnstl»- rinnen und Keitknnsttee. Auftreten sämmt- licher Klowns. Morgen» Montag, zum letzten Male: Dt» lallig» Schmie-,«rrnntter. Dienstag, zum ersten Male: Ein Eisfest auf der Neva bei Am Friedrichshain. 13 Mumzec-Gartm. Heute, Sonntag: Im neu erbauten Saale Grosser FEST-BALL. Gutree inkl. Garderobe 25 Uf. A« KS-isM .«ü �"'U Körungen g Roh-Tebak. I Staat ist!) K : hauptau) >ch ist dab 'eine Stättei 60«... F. Frank, Rohiabak-HaudlunK 6. Biunnenstraßc 6.-JSgÄ'w inil Wc, und wie ü en B« M. teil. Zimerlemeij Berliner Ktadt Theater Wallnettbeaterfttaße 15, fr. Alhambra- Theater. Sonntag- Dam 3. Ma e: Huf Tüll imdlßößn. Petersburg, 7...... in 12 Abthei- ringen, ausgeführt von zirka 160 Personen, inkl. große Ausstattungs-Pantomime lungen, ausgeführt von zirka 1(. 60 Damen vom Corps de Ballet. A. Krombser. Direktor. l» 1«*. 9 M.- 10 A. Uer-Psnorama Schlösser König Fadmig II. Hl. Abth.: Finderhof und Seeg. Neu! V. Äbth.: Schmeiz. Seif. Sr.»af. Schill«nttha. Eine Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonn. fcdit muß Jlccllt ökeiöen! Romantisches Schauspiel in 5 Bildern nach Bourgeois und Lemoine. Vor und nach der Vorstellung im Tunnel: Grosses Konzert. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 71 Uhr. Anfertigung von Klagen, Eingaben, Bitt- schnften, Steuerreclamationen, Jntcrventions- Nagen zu soliden Preisen. Große Praxis in Straf- fachen. Berufungsschriften; Strafaufschiebungs- gesuche; Besorgung des Armenrechts ic. Rath und Auskunft wird jederzeit kostenfrei ertheitt Rechtsbeistandsbnrean 112. Gioße F- ksuiterftr. 112 K-belbänke, klein u. groß, verkauft billigst Diemitz, Möckernstraße 106.[255 (Fokalverbaud Keeli« Zentrum). Getteral-Uersammlung ila Dienstag, den 31. Januar er., Abends 8 Uhr, j in Hnldermaan'» Salon Kommandantenstt.71 Tagesordnung: 1. Wahl zweier Kommisfionsmitglieder. 2. Abrechnung der Lokalkasse. 3. Abrechnung vom Sylvestervergnügen. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder findet statt. 254] Der Voestaud. Homöopathische Klih'Jj ür Brust-, Unterleibs-, Frauen- � rankheiten. Kasscnmitglieder rrhaltcl gung. Dr. Hoesch, Friedrichstr. 1' " l g_ n itc-.....««— � -7 Uhr. Sonntags nur Vornr Vedrauchte und zurückgesetzt dar. Garnituren, Spinden, Sophas, m. Federbodcn, Spiegel ic. sof. sehr®' i empf. eleg. u. eins. Möbel, Spiegel � ' waaren jeder Art. J. Can», Neue....... vis-ä-vis der Münzsttaße, 1 Etage. Ü ßauvemn der Maier Berlins Der Wiener Msokeuball findet am Fast- eine KM ... Mf die ü Kenmauu A&l Schneidermeister, 52, Koipenatr. 52,.- sttaße 17, nahe der Frankfuttersttaßei, statt. Anfang 8 Uhr. Enttee inkl. Tanz 50 Pf. Billets hierzu find vorher in allen mit Pia katen belegten Handlungen, sowie im Verkehrs ss»iwri»«-%hL%5 K* Köch'i elegante Maskoi-v'-oe" lokal Ritterstr. 123, bei SodtKe. wie auch beim zu dilligen Preisen bei, Vorsitzenden, Kollegen O Wentker, Memeler- 1 A. Tilgoner, Pnnzcsfinnem sttaße 61, Hof links 4 Tr., zu haben. Billet-" verkauf an der Kasse findet nicht statt. 250] De» H-rstand. Tertrittkrakkev- för Zraaea avd Mädchea (E. H. Nr. 26, Offenbach). t, Sonntag, den 29. d., Nachm. 3 Uhr, #»at», Alts Jaoobstrassc 83 (Gartensalon) Hauptversammmlung. Tages-Ordnung: M _:--------- vtc Jöeftim'* Böhmische Kettfeder« und gemeine und Mattatzen empfiehlt Vollen u Mite. �8«, 711] Buch-, Kuckokin-, Plüsch-. ist tdfü ei Arsten � Uellerh indlung v. A. Karle,— im Portellangeschäft, Keller. M) Weißdier ohne jeden Wasserzusatz- , Weiße 20 Pf., die kl. 10 Pf.,, g� Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Zwei Schlafstellen zu vermietpe 253] Der Vorstand. bergcrstraße 182 bei Weber. #= ??nt. ■-nt.Siecht wüi Griß» Ptfin fflnsttnlinll, Gute Schlafstelle für 1 oder 2 miethen Friedrichsfelderstraße 28,-V0' veranstaltet von den Mitgliedern der bei Fanednch. Allgemeinen Kranken u Sterbekasse der Metallarbeiter (#. H. 39 Hamburg). Filiale Kerlin Sonnabend, den 4. Februar 1888, den großen Sälen der Berliner Kockbrauerei (am Tcmpelhofer Berg). Anfang 8; Uhr. Biilets ä 50 Pfg. find zu haben: Bellealliancesttaße 96, Zigarrenladen von Werlina(vis-i-vis Bcllealliance- Theater): Mittenwalder- und Gneisenausttaßen- Soeben erschien: Ur. 49 große 3 «4ti SS, m Zimmer tirabe 44. smäasaases» Ecke, Restaurant Sander, sowie bei sämmtlichen ÄS. ch. 8.-5 Ä. s ung bittet Da» Komitee. Schlosser und«rrnf»««™']'' Kitterkratze 133 bei Sodt»� Verantwottlicher Redakteur: U. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Wae Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hier,« ii . Beilage zum Berliner Volksblatt. » Sattem der TrM t. 3. SP" muß ein ne�üg inn dieselbe %a osten zu hme des l? . Nur w!' betr. Bnef konnte obit-I önnen aliej f �■w lM Arutschrr Reichstag ÄÄnu::n"«Äk-«--. nr.■ t),1'*? tn C r. e oder®eta�un3 des Soziali st engesetzes wird iürde lräftig tag weg� n Zhre )er Bestt imatioiU on der iffesW ien eine -rüher chtigt ä zu tscheheiu pril gl ril Fei nachunz Sonntag, den 29. Jannar 1888. 5 Jailr». $ arlamentsberichte. Könit ale lungl een- crbaitl ckstr. 1 Vori«-� S*/' lphasi sehr du Haus'' tage. v. Kelldortf: Wie hat das Gesetz nach. U und viermaliger Verlängerung gewirkt? Der Partei «t. Gallen deweist, daß wir es nickt mit einer Parte talen Reform, sondern der sozialen Revolution zu thun CT- Vas beweisen die Reden Bebels und Liedknechts und tiii'jtion. Die Trennung von den Anarchisten beruht moralischen Motiven, und selbst in Deutschland ist der lwus unter den Sozialdemokraten verbreitet, welche Zu- ' an unsere deutsche Geduld und gesetzgeberische Weis- unserem Staatswesen feindliche Armee hier noch zu 'ton! Das Ziel ist zunächst die Vorbereitung der Massen Revolution durch Enegung des Klassenhasses.(Sehr Kdits.) Die Rede des Abg. Singer charakterisirt so ' Taktik der Partei mit ihren Uebertreibungen, von dem , das durch dieses Gesetz über Tausende gebracht sein soll. 'auch mit Selbstbewußtsein der Reformbestrebungen seiner torArbcitnschutzanträge, gedacht, die doch seit langer Zeit von ■.eit des Hauses gefordert find, nur über das Maß der- bie„ 8,l.n8en die Meinungen auseinander. Er beruft fich auf l�aniidje Auskunft der schweizerischen Behörden und die V des Parteitages in St. Gallen durch die schweize- -iilitärbehörden.(Hört! hört! rechts.) Ein Verhalten worden muß gerügt werden, wenn es wahr ist, daß sie roorungen gegen befreundete Nachbarstaaten dulden, und Lerechlwrtigt, Schritte dagegen zu thun.(Beifall rechts.) �«weiz sollte nicht vergessen(Abg. Bebel: daß sie ein «taat ist!), daß sie auch an dem Verkehr der Nachbar- g,.ein lebhaftes Interesse bat. Die Besorgniß bei Erlaß Metzes, es könne die naturgemäßen Reformbestrebungen T*en, war grundlos. Das Mündigwerden des vierten a**'st ein natürlicher Prozeß, eine Konsequenz der wachsen- �nwur, und wir find dabei, die notwendigen Reformen F. Hauptaufgabe der modernen Gesellschaft durchzuführen. 'th ist dabei nur die Sozialdemokratie, die alle Arbeiter- _.äu Stätten dor revolutionären Propaganda macht. Das jJ. W mit Loyalität ausgeführt worden. Kein anderes Ge- t;° alle zwei Jahre einer so scharfen Kritik unterzogen. i'? und wieder ein Mißgriff stattfinden kann, ist bei den �toen dabei betheiligten Beamten nicht wunderbar, die 2 stelle hat es aber an Loyalität nicht fehlen lassen. wÜ�ug rechts.) Daß man gegen den Anarchismus, den Singer von fich weist, auch Geheimpolizisten braucht, .Rch von selbst. Von allen gegen den Agenten Schrö- Achteten Behauptungen läßt nur die eine, wenn sie er- daß er die Arbeiter aufgehetzt und zur Gewalt %% habe, die Vermuthung einer Amtsüberschreitung zu. Sftor daß er z. B. bezahlt worden ist, versteht sich von � Macht auf den ruhig Prüfenden keinen Eindruck. fern 5 des Gesetzes war in manchen Beziehungen gut, I eituw Verhalten der Partei gegen früher eine Besse- Uiia tÄ?'st. Allerdings zeigen die Wahlen eine Aus- W ö, Bewegung und eine Zunahme ihrer Anhänger, "en Weisungen haben die Agitatoren aus den großen ' Re out überwacdt wurden, auf das Land ge- i d ,ulT i W olipe» �9� finnejÄ vtm d Daun ; sehe Stfc det "Ä khl- mieth-n fie gut überwacht aHIunfl�JjUtojn, NsAhe Wirkung des Gesetzes, daß es die Gefahr dem r w.k!!!">" verhüllt.(Hört! hört!) Eine Lehre wirkt um- r Ungebildeten, wenn fie mystisch verschleiert wird. oie n„.,�bst habe ich vorzuwerfen die Zeitbeschränkung Iii*.°Zaltnißmäßige Milde gegen die, welche es haup- die nJ; w soll- Der Agitation ist nichts erwünschter 'na.y. Erregung der Leidenschaften im Reichstag. Itr�KtWÄ f.®0 heben Sie es doch auf!) Der Pesfimist könnte er Weg mit dem Gesetz! Das würde aber nur Notb Gewalt und Revolution führen,(Bebel: Aha!) 'li*.n �end würden zehnfach so groß sein, als die � � Folgen des Gesetzes. Das Gesetz muß die m'nsamer treffen. Reichensperaer will die Be> gmtß söll'>5� Gesetzes in das gemeine Recht überführen. ß�st"t.zbcf,r,k Recht eines Staates so gestaltet sein, daß es n mir Qh"n8en unmöglich macht, in der Sozialdemokratie das nnn? einer so eigentümlichen Richtung gegenüber, die Seftim Recht nicht ausreicht. Und verallgemeinern Qein eine lu�ngcn des Spezialgesetzes gegen dieselbe durch en sollen,!' so treffen wir auf andere, die nickt getroffen 'e der verschärfen den Parteikampf. Nach Auf- 't wittb? l'�Mungen des Sozialistengesetzes in das gemeine verpetuiri" die Zeitbeschränkung fortfallen, das Gesetz sPer als Werden. Die Zeitbeschränkung erschien uns ste ist e>n Fehler, die Verlängerung auf fünf 'härften � also eine Verbesserung. � Auch die '."othm� �-Bestimmungen gegen die Druckschriften ie.'8' um dem Unwesen energisch zu steuern. Ferner tig, wcnn � eines Strafminimums für die Agitatoren sehr hr qZjl°"ch die Höhe streitig sein kann. Ein Gesetz zur )(ieon, Jettottionäre Umtriebe ist um so milder, je mehr -it. rL" die Verführer richtet und die verführten Massen .Ne Ueberführung solcher Bestimmungen in das ge- kOd . cSIä«? äsäiä« ssetz über>! tM. so ist allerdings die Analogie mit dem �hen»Ä' welche fich der Wehrpflicht durch Auswanderung [letz üb-r$ �reffend, wir haben aber eine Analogie in dem m � betienin» �kvatnirung der Geistlichen. Es ist natürlich, »""st, di- n welcher sich als einen Feind unseres Staatslebens i wird �"�'hen Rechte verlieren muß, � denn der rdtti-' vom Staate gestützt, und von dem Feinde des ..-''""edel: jeden Acht erklärte, find diese Be- Der Staat hat in der Noth- einfach in die lehr human. Sf ZAT'» ifi�eguemp».Gegenuber dem Mittelalter, wo man tSmunaen � W * wen� � zu schützen, indem er dem Feind die Freiheit Kst ftD™!ü.n er ihm auch das Leben läßt.(Abg. Bebel: scheint mir, ob der Vorlage richtig zum ist. Diese Maßregel darf nur auf die wirk- •, Falle Anwendung finden. In dieser Hinsicht � hSfen. gründliche Kommissarische Prüfung nicht ent< af e. nuc ««Leitung des Hochverraths außerhalb der Grenzen - um eine Verschwörung zur Vemichtng des Staats. Hier können lediglich praktische Rücksichten entscheiden. Man fragt, wohin sollen die Äusgetviesenen gehen. Ein großer Theil der Welt nimmt fie bereitwillig auf. lBebe l: Kamerun!) Vielleicht werden sie im Auslande anarchistische Ziele verfolgen; bleiben sie aber in unseren Grenzen, so könnte mit der Zeit ein blutiger Ausbruch erfolgen, gegen den die Tynamitattentate eine wahre Kleinigkeit sind. Während man uns offen den Krieg erklärt, befürchtet man, durch Verschärfung des Gesetzes Erbitterung zu erzeugen, Grund zur Erbitterung haben nicht der ruhige Bürger und Arbeiter, sondern lediglich die Agitatoren. Lassen wir uns nicht durch die Furcht vor Unpopularität zurück- schrecken, sondern beschließen wir, was wir im Interesse des Reiches für nothwendig halten.(Beifall rechts.) Sächsischer Bundesbevollmächtigter Generalstaatsanwalt Held: Nach dem Grundsatze:„devide et irnpera" liebt es die sozialdemokratische Partei, durch eine Reihe einzelner Be- schulvigungen die Aufmerksamkeit von der Hauptsache abzulenken. Es liegen eine Reihe von Anschuldigungen vor, die gedruckt an das Haus gelangt find. Dieselben dürfen nicht unberichtigt bleiben. Es handelt fich um die Fälle Christensen und Kayser. Christensen, aus Berlin und Umgebung ausgewiesen, wollte in Plauen in einer sozialistischen Versammlung sprechen; es wurde ihm dies polizeilich untersagt. Wenn der betr. Polizeibeamte nicht andern Rednern, die Rcickstagsabgeordnete find, sondern nur Christensen das Reden nicht gestattete, so war dies ganz korrekt. Das Verbot dürfte sich nur auf Thatsachen gründen, die in der Person des Redners begründet find, und diese That- fachen waren bei Christensen reichlich vorhanden. Er war nach seinem eigenen Geständniß nach Plauen gekommen, um der dort arg darniederliegenden sozialistischen Bewegung aufzuhelfen und nicht mit leeren Händin, in seinem Besitze war eine reichliche Menge sozialistischer Druckschriften, insbesondere nicht weniger als 45 Nummem des„Sozialdemokrat"(Bebel: fortlaufende?) Davon hat er nicht eine, sondern drei verschiedenen Sol- baten gegeben. Zu Ehren des in Plauen anwesenden Königs von Sachsen wollte auch der Wirth des Christenseu illuminiren und besetzte auch die Äauervorsvrünge vor den Fenstern des Christensen, da dieser sich geweigert hatte, selbst zu illuminiren, mit Lichtern. Christensen löschte die Lichter aus.(Hört! hört! rechts.) Es entstand darüber eine Entrüstung des Volkes und in der Befürchtung eines größeren Skandals schritt der Polizei- beamte in schonender Weise zu seiner Verhaftung, die nur so lange dauerte, als die Gefahr für die öffentjiche Ordnung bestand. Nach sehr kurzer Zeit wurde er wieder entlassen. Man könnte vielleicht wünschen, daß diese Verhaftung unterblieben wäre, schon mit Rückficht auf den Anlaß der Feier; eine andere Frage ist es, in wieweit fie berechtigt war. Es handelt fich um die Berechtigung der polizeilichen Verhaftung nicht wegen eines Verbrechens, einer Strafthat, sondern als Präventivmaßregel zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung, zur Verhütung ihrer Störung, deren grundsätzliche Zuläsfigkeit vom Reichsgericht wiederholt aner- rannt worden ist. In erster Instanz wurde die Beschuldigung gegen den Polizeibeamten von der Staatsanwaltschaft zurück- gewiesen und die Verhaftung als eine objektiv richtige, nicht ge- setzwidrige anerkannt. Christensen erhob Beschwerde und die zweite Instanz soll nun anerkannt haben, daß diese Verhaftung eine widerrechtliche war, jedoch die Verfolgung abgelehnt haben, weil dem Beamten das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit gefehlt habe. Die zweite Instanz hat aber in Wirklichkeil die Frage lediglich dahingestellt sein lassen, weil nach der ganzen Sachlage vom Bewußtsein der Rechtswidrigkeit bei dem Beamten nicht die Rede sein konnte, und diese Anficht teilte auch Herr Christensen selbst. Die ferner aufgestellte Behauptung, daß zwischen Sozialdemokraten und Beamten bei der Strafverfolgung ein Unterschied gemacht werde, muß ich mit voller Entschieden- heit, soweit meine Erfahrung reicht, zurückweisen.(Beifall rechts.) In dem Plauenscken Erkenntniß steht femer auch nicht ein Wort davon, daß Herr Christensen zu nur drei Mo- naten Gefängniß vemrtheilt worden, weil ihm das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit gefehlt habe. Das sind Ihre Gewährs- männer, auf deren Autorität Sie Ihre Anschuldigungen er- heben! Der Fall Kayser ist so milde, daß man ihn eigentlich übergehen könnte. Hier ist in der Darstellung manches Interessante verschwiegen worden. Herr Kayser ist wegen nach- gewiesener Betheiligung an der Verbreitung von 126 Nummem des„Sozialdemokrat" zu der— wie ich meine— außerordentlich billigen Strafe von zwei Monaten Gefängniß vemrtheilt (Heiterkeit); verschwiegen ist, daß er bereits vorher fünfmal wegen Beleidigung des Reichskanzlers, des Offizierskorps, des Richterstandcs und einzelner Behörden mit Geld- und Frei- heitSstrafen bis zu 3 Monaten belegt worden ist. Herr Kayser betheiligte sich sofort, nachdem ihm der Ausenthalt in Dresden gestattet war, wieder an einer sozialdemokratischen Zeitschrift, und zwar nominell nur als Herausgeber. Der nominelle Redakteur aber war ein Schneidergeselle; Herr Kayser wird dem Blatt also wohl etwas näher gestanden haben.(Zumf: Was schadet das?) Das schadet nichts; ich habe auch nickt gesagt, daß es ihm etwas geschadet hat.((Heiterkeit.) Uns hat es auch nichts geschadet. Herr Kayser ist aller« dings in gewissem Sinne in Dresden inlernirt, wenigstens ist richtig, daß er, wenn er aus Dresden heraus will, irgend einen Ort des Kreishauptmannschastsbezirk pasfiren muß, in welchem ihm der Aufenthalt untersagt ist.(Heiterkeit. Zumf: Luft- ballon.) Nein, da wir so weit noch nicht sind, so hat die Dies- bener Kreishauptmannschaft einstweilen einen Ausweg gefunden, fie hat ihm gestattet, mit der Eisenbahn den Bez rk zu pasfiren. Das ist auch verschwiegen. Herr Kayser beruft sich darauf, daß ihm ärztlich verordnet sei, weite Spaziergänge zu machen, und daß ihm das in Dresden unmöglich sei. Diese Bemängelung ist einigermaßen komisch, da doch gerade Dresden die beste Ge- legenheit dazu bietet(Heiterkeit), und wenn Jemand nicht ge- rade über Land gehen will, um mit den Bauern zu sprechen, kann er daran völlig Genüge haben. Herr Kayser hat auch wiederholt böflich für ihm gewordene Dispensationen gedankt. 'Nun wird man sagen: gestern hat aber doch die Sozialdemokratie glänzende Beweise erbracht! Ich habe es nicht zu bemängeln, wenn die Sozialdemokratie ihrerseits einmal das Zcugniß eines Po- lizeibeamten anmft.(Zuruf: Eines schweizerischen!) Ja, das weiß ich, daß die deutschen Polizeibeamten keine Existenzberechtigung haben. Ein Richtet wird auf jene mitgetheilten Thatsachen kein Schuldig aussprechen; sie find beachtenswert, aber nicht be- wiesen. Ich muß hierzu ein Beispiel geben. Es war in der Sitzung vom 16. April 1836: der damalige litg. Liebknecht be- nutzte die Begründung eines Antrags auf Sistirung eines Straf- Verfahrens gegen den Abg. Wiemer, um gegen einen genau be- zeichneten sächsischen Staatsanwalt die Beschuldigung zu erheben, er hahe einen reichen Mann, der fich eines schweren Sittlichkeits- Verbrechens schuldig gemacht habe, nickt nur nicht verfolgt, son- dem ihm sogar zur Flucht verholfen. Die Beschuldigung wurde erhoben unter Berufung auf altenmäßige Beweise, in deren Be- sitz Herr Liebknecht sein wollte, und es wurde daran die Er- wärtung geknüpft, daß die sächsische Regierung alles thun werde, um diesen Skandal aus der Welt zu schaffen. Der Abg. Windt- Horst möge noch jetzt meinen verspäteten Dank für seine dama- lige Aeußemng entgegennehmen, er nehme an, daß die Äe- sckuldigung wohl nicht begründet sein werde. Der Abge- ordnete Liebknecht hielt darauf die Beschuldigungen aufrecht und erklärte, wenn dies nicht wahr sei, so wolle er den Vorwurf auf fich nehmen, nicht nur ein Verleumder, sondern auch ein Fälscher zu sein. Und die Beschuldigung war falsch, in allen Punkten falsch. Es war damals kein sächsischer Ver- treter hier im Hause, um der Beschuldigung sofott entgegen- zutreten. Der Reichstag ging damals schnell seinem Ende zu und eine Gelegenheit, auf die Sache hier zurückzukommen, er- gab sich nicht. Das sächsische Justizministerium stellte durch einen offiziellen Artikel im„Dresdener Joural" die Thatsache unter Berufung auf die Akten richtig. Der Abg. Liebknecht hielt in einem sozialdemokratischen Blatt die Beschuldigung voll und ganz aufrecht und wiederholte sie. Es wurde Klage gegen ihn erhoben und er auf Grund des§ 186 des Strafgesetzbuchs zu 6 Monaten Gefängniß vemrtheilt.(Hört! hört!) Er selbst erklärte in einer bei den Akten befindlichen Eingabe, daß die Beschuldigung in den Thatsachen nicht begründet sei.(Hört! hört!) Allein dieses Geständniß ist in dem Verließ der repo- nirten Akten begraben,— öffentlich hier im Hause, vor der ganzen Welt, für die einem braven Beamten — er ist jetzt tobt— angethane Schmach eine Genugtuung zu geben, das ist nicht Herrn Liebknecht, das ist keinem Mitglied seiner Partei eingefallen. Ich habe früher einmal die Frage angedeutet. Herr Liebknecht hat die Veranlassung zu einer Berichtigung nicht benutzt.(Hört! hört!) So viel, meine Herren, zur Lehre von den sozialdemokratischen Beweisen. (Heiterkeit.) Herr Singer meinte, das Sozialistengesetz habe zu einer Versumpfung des politischen Gewissens geführt, indem man es gar nicht mehr auffällig finde, wenn Sozialdemokraten gemaßregelt werden. Maßregelung ist nämlich im Sinne der Herren jede, auch die loyalste Ausführung des Gesetzes. Es hat allerdings zu einer Versumpfung geführt, aber zu einer Ver- sumpfung des Bewußtseins von der Notwendigkeit seiner Existenz. Man liest jetzt so behaglich und ruhig selbst sozialdemokratische Zeitungen, deren Ton im Allgemeinen einmhiger geworden. Aber man muß die außerhalb Deutschlands er- scheinenden lesen, um einen Begriff davon zu be- kommen, was uns drohte, wenn das Gesetz aufgehoben würde.(Sehr richtig!) Gestern sagte der Abg. Singer, es sei das die Stimme einer unterdrückten Partei: nein, das ist nicht wahr, sondern es war das die Stimme dieser Partei, schon ehe fie unterdrückt war und eben deshat wurde das Sozialistengesetz erlassen, nach dessen Auf- Hebung diese Presse in den alten Ton zurückfallen würde. Was die Zunahme der Stimmen bei den Wahlen betrifft, so ist die Statistik die allertrüaerischste Wissenschaft, sofern man nicht den Thatsachen auf den Grund geht, auf welchem die Zahlen be- ruhen. Man hat Kandidaten in Bezirken aufgestellt, wo es sonst nicht geschah, also sozialdemokratische Stimmen nicht zur Erscheinung kommen konnten. Uebrigens war die Ausbreitung der Partei zu hindern weder die Absicht des Staates noch des Gesetzes, nur ihre krankhaften Erscheinungen wollte man hin« dern.(Singer: Unter die Sie alles subsumiren!) Ja, wir subsumiren etwas anderes als Sie, die Sie immer behaupten» das Gesetz habe ihnen sehr genützt, und doch seine Aufhebung verlangen. Mit Hilfe dieses Gesetzes könnte auf dem Gebiete der Religion ruhiger und mehr gewirkt werden, man braucht es darum nicht aufzuheben, wie Herr Rcichensperger verlangt: sonst aicbt man den Verführten, dem Volk, mit der einen Hand ein Gebetbuch, mit der anderen den Züricher „Sozialdemokrat" in die Hand. Er sagte, das Gesetz mache nur Märtyrer. Ich habe nie gefunden, daß die auf Grund des Gesetzes Besttaften besonders gefeiert wurden oder Neigung hätten, fich der Bestrafung zu rühmen.'Nennen Sie fie Mär- tyrer, dann schaffen Sie diese Märtyrer in der That zu dillig. Mit einigenJVagen oder Wochen Gefängniß wird man nicht Märtyrer. Sie bleiben in der Regel weit hinter dem Straf- maximum zurück. Nur wo wir bei Nachweis strafbarer Verbindungen mit dem gemeinen Reckt arbeiten, ist es vielleicht mög- lich, zu einer etwas höheren Strafe zu gelangen; auf Grund des Sozialistengesetzes ist es aber garnicht möglich. Was die Maßregeln bett. das Verbot der Druckschriften betrifft, so hat Herr Bebel selbst gesagt, daß unter dem gcaenwärttgen Gesetz eine Organisation des Schriftenvertriebes in Deutschland existire, daß nahezu ungehindett jedes Quantum gedruckter Schriften in Deutschland eingeführt werde. Das ist auch richtig, wenn auch vielleicht etwas zu stark aufgetragen. Ist die Sozialdemokratie witziger geworden, so ist es die Polizei auch in Bezug auf die Methode, nach welcher verbotene Schristen ein- geschmuggelt werden. Als das Sozialistengesetz eingeführt wurde, existirte eine solche Organisation und Findigkeit der Sozialdemokratie nicht. Man glaubte damals mit billigen Strafen fich begnügen zu dürfen. Jetzt haben wir nicht mehr die zulänglichen Mittel, zu verhindern, daß jene Organisation sich lebensvoll gestalte. Es fitzt in diesem Hause eine große An- zahl von Herren, welche ihre beste Kraft daransetzen, um die soziale Reform zu fördern, während die Agitatoren in das Land hinausziehen, um ihr Werk zu diskreditiren, ehe es noch vollendet ist S! ÄSfÄTSf s möglich zu machen(B e be l: Getteidezölle!) und inzwischen wirft das verführte Volk Unsummen zum Fenster hinaus, lediglich zu dem unproduktiven Zweck, fich den Ge- nuß der Unzufriedenheit zu verschaffen.«Sehr gut? rechts) Ich wende mich nun zu den Bestrebungen, die außerhalb des Deutschen Reiches fich vollziehen. Wollte man hrer nicht mit strengen Maßregeln vorgehen, so hätte das etwa den Sinn, als wollten wir nur denjenigen bestrafen, der unsere Möbel im Hause zertrümmert, und denjenigen straflos lassen, der uns die Fenster von außen einwirft. Hier ist eine effektive Lücke rm Gesetze, die allerdings erst die weitere Erfahrung und die Entwickelung der Agitation gezeigt hat. Und ist denn nun die betreffende Bestimmung ein juristisches Monstrum? Gewiß nicht. Sie fällt allerdings aus dem Rahmen des Sozialiften- gesetzes. Im Jnlande kann das Verbot einer Versammlung zur Wirkung kommen, die Verbreitung der Druckschriften ver- & SÄS patniarng eigentlich iun tisch und völkerrechtlich unzulässig, denn die Staatsangehor, gleit würde mit dem Menschen ge- boren und könne ihm nicht genommen werden. Die Staats- angehorigkeit wird mit dem Menschen nicht geboren. Sie wird nur rn der Voraussetzung gewährt, daß der Vater oder die Muster die Staatsangehörigkeit besessen hat. Die Staatsan- gebongkeit kann verliehen werden, auf dieselbe kann verzichtet werden, sie kann verloren werden durch reine Versäumniß. Daraus crgiebt sich, daß es fich hier nicht um ein unveräußer- liches Gut handelt. Völkerrechtlick unzulässig ist also die Ex- vatriirung nicht. Eine andere Frage ist deren Nothwendig- feit. Demjenigen, der seine Staatsangehörigkeit nur dazu de- nutzt, um sein Vaterland anzugreifen, darf man sagen: Gehe hinaus und suche Dir ein anderes Vaterland, aber schone das Vaterland, dessen Wohlthaten Du genossen hast. Man fönnte an eine Jnternirung denken, etwa wie on eine Verbannung nach Sibirien. Der Jntemimngs- gedanke liegt den verbündeten Regierungen um des- willen fern, weil diese Maßregel eine schwere Freiheits- deschränlung involvirt. Die Erpatriimng läßt den Betroffenen die ganze West offen. Bedeutet die Expatriirung den wirth- schaftlichen Tod? Der solide Arbeiter findet sein Unterkommen wahrscheinlich auch anderwärts. Es handelt sich aber auch bei den Personen, welche unter dieser Gefahr stehen, in der That nicht uni die Vernichtung beachtenswerther wirthschaftlichcr Exi- stenzen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Meisten dieser Arbeiter haben keine andere wirthschaftliche Existenz als die Agitation, die sie als ihr Gewerbe betrachten.(Abg. Bebel: Ist einfach nicht wahr!) Den verbündeten Regierungen ist es um die Vernichtung wirthschaftlicher Existenzen gar nicht zu thun(Unruhe links; Zurufe); und wenn die Herren einen anderen Weg finden, welcher unser Interesse deckt, so wird sich darüber reden lassen. Wenn Herr Reichcnsperger in dieser Hinsicht an die Entziehung der staatsbürgerlichen Rechte denkt. so r werden sich die verbündeten Regierungen der Erwägung dieses Ge- dankcns nicht entziehen. Das aber versteht sich, glaube ich, von selbst, daß derjenige, der im Auslande kein Unterkommen findet und unfreiwillig in den Heimathsstaat zurückkehrt, nicht bestraft werden kann. Eine redaktionelle Aenderung könnte dies cvent. noch klarer machen. Die Sängerin Schröder- Devrient, die in einer Probe dem Kapellmeister wegen seiner Auffassung vergeblich ernste Vorstellungen gemacht hatte, sagte restanirt: wohl, dann quälen wir uns weiter. Nun, wir bitten«Sie, uns reichlichere Mittel zu geben in dem Kampf gegen die Sozialdenwkratie, weil wir mit den gebotenen nicht auskommen. Wenn Sie uns aber diese Mittel versagen, wohl, meine Herren, dann quälen wir uns weiter; aber wir werden doch nicht fettig.(Beifall � Abg. Kamberger: Ich hätte eigentlich auf das Wort verzichten können, denn trotz der Auseinandersetzungen des Ver- tretcrs der sächsischen Regierung haben wir doch wohl seit gestern auf dem Standpunkt gestanden, daß die verbündeten Regierungen auf alle Verschärfungen und auch auf die Aus- dehnung der bisher bestandenen Geltungsfttst des Gesetzes be- reits verzichtet haben. Herr v. Puttkamcr hat sich eigentlich da- mit begnügt, uns zu empfehlen, die zweite Berathung des Ge- sctzes nicht sofott im Plenum vorzunehmen, sondem ihm die Ehrenbezeugung der Kommisstonsberathung zu gewähren. Man könnte glauben, daß die Auseinandersetzungen des Vettreters der sächsischen Regiemng diesen Standpunkt geändert hätten. Aber aus der Anekdote, mit der er uns zuletzt regalitt hat, haben Sie schon entnommen, daß auch er auf dem Standpunkt der äußersten Resignation steht; und wenn er glaubte, heute die Rede des Herrn v. Puttkamer noch benchtigen und verbessern zu können, so sage ich ihm: Zu spät, Du rettest den Freund nicht mehr! Die Sache ist aufgegeben, und wir haben es nur noch mit der Frage zu thun, ob wir das Gesetz einfach, wie es früher war, auf zwei Jahre verlängern wollen oder nicht. Herr v. Puttkamer hat sich gegen den Verdacht vettheidigt, als seien die Verschärfungen nur als Vorschlagspreis vorgelegt, da- mit wir etwas akkordiren und zufrieden wären, das Gesetz zum halben Preis zu erreichen, ich glaube auch nicht, daß.Herr von Puttkamer sein Geschäft so unreell treibt, daß es vielmehr wie bei ihm, so bei allen verbündeten Regierungen Ernst war, als sie die Verschärfungen und die Verlängerung des Gesetzes vor- schlugen. Ich erkenne an, daß sie damit ganz konsequent sind; ein solches Gesetz, wenn es überhaupt dauern soll, muß be- ständig verschärft werden; mit der Einführung einer verlängerten Geltungsfttst ist die Verschärfung von selbst gegeben. In der Verschärfung und der weiteren Erstreckung der Geltungs- dauer liegt der Gedanke ausgedrückt, daß das Gesetz eigentlich ein permanentes, auf ewige Zeit gegebenes sein müßte. Ich mißdeute die Absichten der verbündeten Regierungen gar nicht, indem ich das herauslese. Vor 10 Jahren, als das Gesetz zum ersten Male eingebracht wurde, war ja schon der Gedanke, es auf unbeschräntte Zeitvauer zu geben, und der Reichstag hat die be- schränkte Dauer eingefuhtt. Jetzt find wir an die Grenze gekominen, wo es gilt, sich zu entscheiden, ob wir ein pcrma- nentes Gesetz machen wollen, bei deni die Erneuerungsfrage nur eine Frage der äußeren Form ist, oder ob wir vor zehn Jahren ein Ausnahmegesetz gemacht haben, das blas durch besondere Umstände und Rücksichten hervorgerufen worden ist, und, nach- dem es schon länger gedauctt hat, als es dauern sollte, jetzt wieder in das Nichts zurückkehren soll. Aus diesem Grunde kann ich mir auch erlassen, zum dtttten Male die Gründe an- zuführen, die mich bestimmen, gegen die Erneuerung des Ge- setzes mich zu entscheiden, obwohl ich vor 10 Jahren beim ersten Mal dafür gestimmt habe. Der Unterschied zwischen einem Ausnahmegesetz ist charaktettfirt durch die Zeitdauer. Mögen Sie nun diese Zeitdauer fassen, so weit Sie wollen, ein De- zennium ist gewiß das Aeußerste, was man sich damals denken konnte, und man wird denen, welche damals ihre Zustimmung gegeben haben, und jeßt nach 10 Jahren nicht mehr zustimmen, nicht vorwerfen können, daß sie sich einer Inkonsequenz schuldig machen. Die Aufgabe des Redners der nationalliberalen Pattei wird nicht darin liegen, die Argumente für die Ver- schärfung zu widerlegen, als darin, zuneigen, warum jetzt dieses Gesetz noch einmal verlängett werden toll, was sie hoffen läßt, daß nach 2 oder 3 Jahren die Umstände anders liegen werden und sie bestimmt, nicht schon das zu thun, was mir zu thun vorschlagen, nämlich auf den gewöhnlichen Rechtsstand zurückzu- treten. Wenn jemand noch schwankend gewesen ist, so haben ihm die Verhältnisse, die gestern hier entwickelt worden sind, ge- zeigt, welche tiefe Schädigung des öffentlichen Lebens und der Moral der Verwaltung bis in die internationalen Verhältnisse hinein durch dieses Gesetz und seine Konsequenzen geschaffen worden find. Herr v. Helldorff hat zwar heute gemeint, daß die Mittheilungen des Abg. Singer reinen tiefen Eindruck auf das Haus gemacht hätten oder nur auf solche, welche der Dar- stellung nicht aufmerksam gefolgt sind. Darin liegt eine Entschuldigung des Herrn von Hclldorff gegen die Mit- glicder seiner eigenen Fraktion. Denn ich habe sehr deutlich beobachten können, wie der Eindruck der Mittheilungen des Abg. Singer gerade auf die rechte Seite des Hauses fichtlich immer mehr wuchs, je mehr er die Thatsachen langsam enthüllte, und wie das etwas ironische Lachen, das denselben erst natürlich, dann schon etwas gekünstelt folgte, bald nach und nach verstummte und Aufmerk- samkeit und Niedergeschlagenheit an die Stelle trat. Das ist Thatsache, und der Vettreter der sächsischen Regierung im Bun- deSrath hat mit eigenen Motten bezeugt, daß die Mittheilungen einen tiefen Eindruck auf das Haus gemacht und ihn mit ver- anlaßt haben, das Wort zu nehmen. Ich will gern zugeben, daß die Regierung und speziell die Polizei sich gewisser Jnstru- mente zur Ermittelung verbotener staatsgefährlicher Umtriebe be- dienen müßte; es giebt eine Anzahl von Staaten, die das mehr oder weniger mit Vorliebe thun; es ist besonders eine Spe- »ialität von Frankreich. Schön ist die Sache ja nicht. Aber ich mache den Behörden, die sie für nothwendig hallen, keinen Vorwurf. Es kommt nur darauf an, wie sie betrieben wird, und da lassen die gestttgen und früheren ähnlichen Mitilieilun- gen ein Maß von Anwendung dieses höchst bedenklichen Mittels errathen, das zu den größten Beschwerden Anlaß geben muß. Es ist eben der Unterschied zu ziehen zwischen den bloßen Spionen und den agenta rrovocateura. Nun sagt Herr von Puttkamcr, er würde nie einen Mann als agent provocateur anstellen, und die Geheimpolizisten müßten ausdrücklich zu Protokoll aeben, daß sie nicht eine solche Thätigkeit ausüben würden. Wenn aber der Minister von mir mit Recht verlangt, daß ich ihm das glaube, so wird er mir auch glauben, daß ich ihn für einen klugen und welterfahrenen Mann halte, der weiß, daß, wenn man solche Leute mit solcher Misston anstellt, diese es stillschweigend für ihre Aufgabe betrachten, sich auch als ageuta provoiateura zu bethätigen; sie sagen sich, jene Erklärung wird so zu Protokoll gegeben, das gehört zur Salvirung der Be- Hörde, die Herren wissen ja aber, wie die Dinge getttebcn werden, und deswegen ermatten sie von uns, daß, wenn wir das Geschäft gut betreiben sollen, wir uns als Verführer zu verbrecherischen.Handlungen einschleichen müssen, um den Zweck zu erreichen. Daß Herr v. Puttkamer, soweit es geht, die Leute in Schutz nimmt und gegen die Anklagen der Sozialdemokraten vettheidigt, ist ja natürlich und schön von ihm. So hat er auch gestern, als der Fall Jhttng-Mahlow erwähnt wurde, uns den Gefallen gethan, das Utthell des Landgettchts, welches den Christensen von der Verleumdung freisprach, etwas in Zweifel zu ziehen. Ich sage, er habe uns den Gefallen ge- than, weil wir jetzt auch in der Lage sind, oft über Urtheile von Landgerichten den Kopf zu schütteln, und gern darin von seiner Seite Unterstützung finden.(Heiterkeit.) Der Herr Mi- nister hat sich aber eines Jrtthums schuldig gemacht, ohne es zu wissen. Er meinte, das Landgettcht sei insofern über den Cha- raktcr des Christensen nicht unterttchtet gewesen, als der letztere unmittelbar nach der Freisprechung in Haft genommen sei wegen Vertheilung aufrührerischer Schriften an die sächsische Armee. Ein Journalist, der gestern den Verhandlungen hier beiwohnte, hat mir nun die Berichtigung, deren Richtigkeit sich leicht kon- statiren lassen wird, zukommen lassen, daß der Zeuge Chttstensen drei Tage später nicht verhaftet, sondem vemrtheilt worden ist, und zum Termin am 12. Oktober, wo die Freisprechung erfolgte, aus der Haft vorgeführt wurde. Das ist ein großer Unterschied; das Landgettcht war danach über die Verbreitung der Druckschriften durch Chttstensen vollständig unterttchtet und konnte diese Thatsache bei dem Uttheil über den Charakter Christensens mit in Betracht ziehen. Die Bweise für die Unschuld Christen- sens müssen also völlig sttingent gewesen sein, wenn das Gettcht ihn trotzdem doch freisprach und damit den Jhring- Mahlow wegen der ihm zur Last gelegten.Handlungen schulvig sprach. Ebenso irtt Herr v. Puttkamer in Bezug auf den Zeugen Witt- kowski, der bereits am 7. Ottober, also drei Tage vor dem Termin gegen Chttstensen, wegen Meineides vor demselben Land- gettcht vcruttheilt worden ist, und auf dessen Glaubwürdigkeit das Landgericht sich ebenfalls ein Urthcil bilden konnte. Das Landgettcht hat also mit vollster Kenntniß aller Thatsachen den Chttstensen freigesprochen..Herr v. Puttkamer meinte, diese Art von agenta irovocateurs seien keine Gentlemen. Das ist eine Milde des Ausdrucks, von der ich wünschen möchte, daß sie auch manchmal gegen andere Parteien zur Anwendung tarne. Eines wird man aber nicht vergessen können, daß diese Nicht- gentlemen die.Hauptzeugen in den Verfolgungen gegen die Sozialdemokraten find, daß sie in den Prozessen als maß- gebende Zeugen dastehen, von den Staatsanwälten als höchst respektable und unzweifelhafte Ehrenmänner in den Himmel er- hoben werden und daß auf ihren Aussagen das Schicksal eines Angeklagten beruht. Mich hat es gefreut, daß der Vettreter der sächsischen Regiemng mit einem Ton von unverkennbarer .Herzenswärme sich und seine Regierung von den gegen diese letztere vorgebrachten Beschuldigungen zu rechtfettigen suchte. Es thut wohl, wenn man den Herren auch in ihren Schluß- folgemngen nicht beistimmt, sehen zu müssen, wie ernst sie der- artige Anklagen nehmen, und es hat mich gefreut, daß in der gemüthlichen Unterhaltung, die zwischen dem Vertreter der sächsischen Regierung und dem sächsischen Vertreter der Sozialdemokratie stattgefunden hat, eine Art Mensch- lichkeit vorwaltete, die wir sonst zwischen preußischen Behörden und ihren Gegnern nicht finden. Ich glaube, daß der sächsische Vettreter die Ansicht des Herm v. Puttkamer nicht theilt, daß jene Justizminister und Staatsanwälte, auf die der Abgeordnete Singer sich bezog, nur deswegen so gerecht und an- ständig dachten, weil damals eine mildere und unschuldigere Zeit gewesen ist. Nein, nicht in der Schäfte der Anwendung liegt der Unterschied, sondern anderswo. Die demagogischen Umtriebe im Beginn der zwanziger Jahre wurden mit derselben Entrüstung, mit ebenso alarmirenden Reden und Tbaten auf- genommen und die Spionricchcrei war in derselben Weise aus- gedehnt. Was die Leute damals anstrebten, ist freilich heute von den Thatsachen längst übettroffcn, und die Sozialdemo- kratie könnte daraus den Schluß ziehen, daß man einst über ihre Bestrebungen von heute gerade so uttheilen wird. Dieses Argument könnte ich nichr bestreiten. Wenn also Herr von Puttkamcr nicht in der Spezies der Beamten, sondern in der Verschiedenheit der Aufregung der Zeiten den Unterschied sieht, dann int er sich. Die Beamten jener Zeit waren nur größer, als unsere Beamten. Herr von Puttkamer meinte, es sei zur fixen Idee bei den Sozialdemokraten ge- worden, daß Alles, was ihnen zur Last gelegt werde, nur ein Werk der sogenannten agenta provo atcurs oder von der Polizei inszenitt sei. Ich glaube� nicht, daß so übertriebene Behauptungen von der Sozialdemokratie aufgestellt sind, aber daß durch das Treiben, wie es gestern und srühcr hier geschildert worden ist, der Schein erweckt wird, daß viele Tinge, die vielleicht gamicht von der Polizei aus« gehen, von ihr gemacht seien, läßt sich gamicht leugnen. In Frankreich unter Ludwig Philipp und im zweiten Kaiserreich wurde von jedem Attentat immer behauptet, es sei ein Attentat der Polizei. Wenn man die verdächtigten Subjekte in so aus- giebigem Maße ihre Arbeit tbun läßt, so leistet man der Ver- muthung den bedauernswerthen Voftchub, daß die Polizei an den Thaten schuldig sei, die von anderer Seite ausgehen. Es fällt dadurch ein solcher falscher Stein nicht blos in Teutschland. sondern auch von auswärts auf die deutsche Polizei, denn die gestttgen Mittheilungen haben gezeigt, daß wir mit diesen Leuten den fremden Regierungen im höchsten Maße lästig werden. Nach dieser Richtung möchte ich eine dem Hause vielleicht nicht bekannte Thatsache, die mir heute zugegangen ist, mittheilen, daß nämlich der gestern hier besprochene Polizei- rath Krüger seit längerer Zeit ständiger Hilfsarbeiter im Auswättigen Amte ist. Wenn das auch in der Schweiz bekannt wirv, so darf man sich nicht wundern, wenn der deutschen Politik von der schweizer Bevölkerung kein Vcttraucn entgegen- gebracht wird. Der Ehre unseres Landes und unserem Ver- bältniß zu anderen Nationen dienen diese Dinge wahrlich nicht. Wir haben in der Thronrede gehört, daß wir uns in unserer Politik von chttsllichen Gesinnungen bestimmen lassen und nicht, wie andere Nationen, die'Nachbarn willkürlich zu übeftallen. Ich könnte allerdings Beispiele für das Gegentheil anführen. Wenn man sich aber so selbstgenügsam erhebt, dann darf man auch nicht der Anklage Vorschub leisten, daß man andere Völker mit solchen Jnfeltionsstoffen versehe, wie die agema provo atenra sind. Man hat es dem schweizer Polizeikommissar verdacht, daß er den Herren Singer und Bebel Mittheiiungen gemacht habe. Sttn erster Gnind dafür wirv gewesen sein, daß die Herren Reichstagsabgeordnete sind. In anderen Ländern besieht noch die Meinung, daß Abgeordnete des Deutschen Reichstags einen gewissen Respekt verdienen. Bei den deutschen Behörden liegt diese Meinung nicht vor.(Heiterkeit.) Manches geehtte Mitglied von uns wird, wenn es in das Ausland kommt und auf seiner Karte steht:„Mitglied des Deutschen Reichstags" mit Ehren überhäuft, die ihm, wenn es in der kleinsten Provinzialstadt zu seinem Amtmann kommt, verweigett werden. Der schweizer Polizeikommissarius hatte aber wahr- scheinlich noch den anderen sehr nahe liegenden Grund— und diesen hat Herr v. Puttkamer selbst schon angedeutet, indem er in seiner Rede davon gesprochen, daß ja die Schweiz der Sitz aller revolutionären Elemente in Europa sei. Unter dieser An- klage hat ja die Schweiz von jeher stark zu leiden? teel bedürfen d In letzter Zeit hat es keinen Bundespräsidenten gegebeii ldere Ziele �us c sich nicht beständig zu rechtfettigen und zu vertheidigen! wie von 120 M. hätte gegen die auswättigen Regierungen wegen des dg Praxis die' brauches, der von dem Asnlrecht gemacht worde» nnen, wenn Sie Warum soll ein braver schweizerischer Beamter von Grund aus Welt und allen ehttichen Leuten.....'• erweisen, daß er diese Dinge in das ruiuige tum u.vj.jr; ton zwei vei will gar nicht einmal der Angabc schon jetzt und»"#rt und i nicht dadurch einen«l heorie so ähnlich s das richtige Licht fetzt, W&n zwei vei null gar nicht einmal ver Angabe schon jetzt unbl«r � un� � � Glauben schenken, daß die Dynamitkiste, von der w' lwiikeln hören mi' Mittheilungen die Rede ist, durch dieselben Urheber, W die Herren den eil anderen Instruktionen den Herren Schröder und Haupt ß! BOn z�ron haben, befördett worden sei. Aber der Umstand frW' Kien. Herr Gel doch sehr stark substanziirt, daß eben dasselbe Subjekt, r v, während Her den Druck der„Freiheit", eines Blattes, welches zn denj| Angriffen gegen die Sozialdemokratie Anlaß giebt, in der' besorgt hat, auch daS Geld dazu hergegeben hat. ß schweizer Beamter diese Thatsachen entdeckt, wie köni ihm verdenken, daß er die Gelegenheit wahrnimmt, Licht zu setzen? Der preußische Minister hat uns geltet getheilt, er wolle den Reichskanzler in Kenntniß setzen«en- r�,UJUe cer ihm ungehörig scheinenden Art der Prozedur eines: het Beamten, um dagegen auf diplomatischem Wege so würde thun. Herr v. Helldorf hat es für gut gesunde», Mieit.) Da d Herrn Minister noch zu Hilfe zu kommen. Wir Theotten s ■ßt hat.(Heiter lngwßvollc Kap » Btttteben wii � werden könr wie Möro, »(Wen wir so vi der V-'e mehr unl tt in de, von unte demüht, des Fer Segen die und in der ! sin dems m einschränke Reichskanzler '..bei Fortsch J'eßt eben s ?»iialisinus' .siwus ist die er, er aber nie �wenden q ?S der sozic djratijung crj dürfen uns S-I.7Z nicht etwa der Schweiz einen militärischen Krieg Oder etwa den Zollktteg mit der Schweiz verschärfen leicht erleben wir es, daß infolge des Briefes des Hauptmanns Fischer der Zoll auf Käse und Uhren nc« hinaufgesetzt wird(Rufe rechts: au!; Abg. Bebel: ist. offiziell daran gedacht worden!) Ich hatte gehofft, der Bundesbevollmächtigte würde uns auf die Schweiz�' Mittheilungen machen. In dieser Hoffnung bin t* täuscht worden. Das Wichtigste und Angenehmste st» einandeftetzungen war, wie gemüthlich es sei, in spazieren zu gehen.(Heiterkeit.) Ich bin ja wahr! in der Lage, mich besonders zu erwärmen für die des preußischen Ministers des Innern. Das beruht Gegenseitigkeit.(Heiterkeit.) Aber ich kann ehrlich ß hätte gewünscht, der preußische Minister hätte sich Dingen gestern besser herausgezogen, als er es getbe» gemeinsamen deutschen Interesse, im Interesse uitf% sittung, unserer Verwaltung und unseres Resisif Es kann ja sein, daß die Sache sich später noch llasi» Aber vorerst ist der Eindruck der, daß der erste außerordentlich malt und unzulänglich gewesen ist, bedauere ich in hohem Maße. Der preußische Ministes nur dadurch herausreden zu können gehofft, daß er st gewisses französisches Blatt, die„Agence libre", babe rieht von diesen Machenschaften gebracht. Dies Blatt" Mensch in Frankreich ernst genommen. Wir Deutstsc schätzen überhaupt trotz unseres Nationalgefühls noch» sehr, was jenseits der Vogesen vorgeht. In jeW» Roman und Theaterstück erblickt die Kritik womöglich/' Wendung in der Kulturgeschichte der Menschheit.-t>e-, libre" ist wahrscheinlich die Spekulation irgend druckers, der sich durch die unglaublichsten Gerüchte zu erwerben sucht. Als ich zum ersten Mal in VeutK tungen die Uebertragung aus der„Agence libre" las, st mir und meinen Freunden, die Sache ist wattst rein erfunden. Ich unterdrückte auch meinen' nach der Schweiz um Auskunft zu schreiben. Gsi'f ich nun zu meinem Erstaunen, daß die Sa«- nicht so gänzlich aus der Luft gegriffen ist, wie ick tf lands Ehre wünschte. Weshalb will nun die Regien Sozialistengesetz verlängert haben? Auf der einen-e' wir, das Gesetz ist gut, folglich muß es verlängett.� der anderen ist es nicht gut, folglich muß es oefst�V Man weiß wirklich nicht, au wen man sich do haften Sache wirkt so komisch, wie die Geschichte mit der von einer anderen Frau einen Topf in beschädigte�.. zurückerhielt. Tie Angeklagte antwortete vor Klage ist falsch, denn erstens habe ich von der einen Topf geliehen, zweitens war er entzwei, als!? kam, und drittens habe ich ihn unbeschädigt Ji'r (Große Heiterkeit.) Das ist die Att, wie heute das den verbündeten Regierungen und ihren Vettheidigel» wird. Das Gesetz sollte physische Ausschreitunge» dem Niederwald und auf den Polizeuatd �«VJ- Co fQae Sehr unglücklich hat man sich auf andere Lämsi' j,%,'si11*, aif0. die ein solches Sozialistengesetz nicht haben.%i � Das ist Land besitzt eine so gut organisirte Armee, eine ankam gut geschulte Beamten, wie wir, und doch liegt z- � J diy,. französii 15 Mal größer als Deutschland, einer UeberrumpelunS. KL si'at ausgesetzt und militärisch 20 Mal schwächer, rubiasiH/'«»;_% jeder in den Schooß von Gesetz und Recht. Oder hat tet; einen e» * mich eigen dc fÜ?Ä |. bZ erlassen M .- �$1�. Cum n den bekannten Ereignissen ein Ausnahmegesetz Irland abstrahire ich, weil dott ganz andere VerM, scheu. Oder hat Belgien ein solches Gesetz gemacht- Schweiz, dieser bevorzugte Sitz aller revolusio», strebungen, aller Aussendlinge der Anarchie, stützt gesunden Sinn seiner Bewohner mit dem KrafweMMttft Qn guten Rechts, unterstützt durch eine ausreichende Pessj»as siisiettt aller bedenklichen Erkcheinunaen bat die Schweiz!»' Vierer Zejj M, Mf aller bedenklichen Erscheinungen hat die Schweiz ein Ausn ibmegesey entschieden; sie glaubt gehenden Schwiettgkeiten ohne ein so tief. eiiu Mittel begegnen zu können. Alle Nationen ohne Ausnahmegesetz existiren zu können w". Ausnahme der starken und auf ihre Statte pochenden deutschen Nation/ Nur wir glauben, Kraftbewußfteins, ohne Ausnahmegesetz nicht' so steht die Frage heut! gehört, daß Anhänger der IWfeB »frprt fit. h nöthig sein würden, wenn wir ein wollten. Dazu also eftcheint den Herren das gerne ! Gestern und heute nnedtt�ji Hcijun, uup iuiyuuyu oer Vorlage sagen: wftwoU? l e svg� ivrtap Bestimmungen nicht unser gemeines Recht verVerb Mi � nten F — TT:............... hoch; aber dann müssen Sie doch auch zugeben, b»°« JjUcn. eftch, Haupt ein Unrecht ist, solche Bestimmungen zu g%� 3|n vi, s? Falte wird das Recht damit auf alle Fälle. Die Begrün � Haupt ein Unrecht ist, solche Bestimmungen ivtvu vuv ent-un vumu uui uue tfuuc.-tviv& für das Sozialistengesetz das Verdienst in Anlpn>a>'� dehnung der sozialistischen Propaganda� aui�va�� 'v fit »latio verhindett zu haben, was ich sehr bezweifle.. das platte Land viel weniger als die Städte hie listischen Theorien beizutreten, und dennoch blew' � Bevölkerung vor den sozialdemokratischen G jjl bewahrt. Aber aus welcher Ouellc bezieo � jij bevölkerung ihr Wissen? Aus den kleinen TW F'ltelle� 51 tionspresse, die alle korrupten Ideen »emand reproduzircn, die der Landmann bei fünft bei Sauerkraut und Lebcrknödcln, die er ; da m soziaui-u«�.«-. ä�-' o,e auf-.' ünd'die Macht des Kap.ftalismu�Gcm��dft�� seiner Petroleumlampe. liest,. wie da in sozialistis� K ......# iÄ w gezogen wird über das römische! und die Macht des Kapitalismus, schmette aus der offiziösen, der sog. ReptGeiw»',, baran. tücnn ben P.putiMt mif hpm s'rmbe bet 5 daran, wenn den Leuten auf dem Lande ber,„ verdreht wird. Auch das, was wir hier. polsi'/\ nennen, hat vielfach stark sozialistischen Beiaeschw � eine J#er den kann, es wäre auch traurig, �% $ JSrJfÄraffc«?*» uu« nie«Nfauverficyerung:c. heute rein~ fts 5>,""ner v. j glaube gern, daß auf diesem Gebiete etwas b,„" Vorreb, Waffen werben trcuinö/_.,f rJüte schaffen werden Reick von 50 L------------------- im Verhältniß zu dem, was man sich und""'Ae rotrb baburch nicht eine einzige �ecle aus � Sozialdemokratie erlöst. Dazu würbe es anderer, 5% letzte hat. • finmi I h �dürfen, denn die Sozialdemokratie geht auf ganz m geged>>« Z,� aug als daß etwa ein 7<�ähriger Arbeiter eine iieidigtN. rate von 120 M. jährlich erhalten soll. Sie werden niemals W" L n„lt Pwxis die Ausbreitung der Sozialdemokratie hindem w' rarnn Sie derselben in der Tyeorie Vorschub leisten, Beamter vm Grund aus nähren durch Dinge, die der sozialistischen � /'flu L Jülich sehen wie ein Ei den: andem.(Sehr wahr! * n iwei verebrten Mitgliedern des Nauses, den Herren Kleist-Retzow. haben wir ganz sozialistische Ideen , M%?!�ln hören mit einem Schwünge der Beredtsamkcit, um die Urheber, me Herren beneiden könnte; beide Männer, sonst die treuesten -Ü™ Thron und Altar, haben ganz sozialistisch ge- ~ V Herr Gehlert stand mehr auf dem Standpunkt von «?ubjcti, wahrend Herr v. Kleisl-Retzow fich mehr mit Lassalle be- Wt hat.(Heiterkeit.) Da haben wir gehört, wie durch das "gn soolle Kapital die Tochter des Proletariers zur Prosti- .�„»Jj"rieben wird und wie alles Heil dem.Handwerk zuge- pW wn j werden könnte, indem man es vom Kapital befreit— imIn.fM IÄ wie Moros, den Dolch im Gewände—(Heiterkeit)— - Ln! i m wir so vieles der Art gehört, daß ich glaube: Wenn man ti,»t 0 J0�e der St. Galler Versammlung die Namen es sänH. ch. der Genosse Gehlert und der Genosse von Kleist- ,eöf X,« v; J# wurde kaum Jemand die Verwechslung bemerken. e'(iiw iiiiS, n:] Ta dürfen Sie sich über die Verbreitung sozia- ? JA �Pheorien freilich nicht wundern, auch nicht wundern, il! wehr und mehr zu der Konsequenz gedrängt werden, Ävert in der Hand der Behörden zu schärfen, denn je von unten das Feuer schüren, um so mehr sind Sie demüht, denen die Hände zu fesseln, die dem Um- (Up des Feuers wehren wollen. Der Geist, der fich jJ? Segen die bestehende Gesellschaftsordnung, wird auf- Kr' und in demselben Maße wächst die Gefahr einer Auf- MS'.in demselben Maße müssen aber auch Sie die Km Mschränken, um diesen Geist niederzuhalten. Der �.Reichskanzler hat einmal in einer geistreichen Wendung r Fortschritt sei die Vorfrucht der Sozialdemokratie. (IL„i'egt eben so viel oder eben so wenig Wahrheit wie in L �iradoxon; richtig ist nämlich, daß die Freiheit und �imismus eine gewisse Verwandtschaft haben. Der �wus ist die Tochter der Freiheit, aber die mißrathene n- er aber nimmt sie schützend in seine Arme und sucht uerwenden gegen die Mutter. Nehmen Sie die Ent- ?g der sozialistischen Idee von'den älteren Zeiten bis w werden Sie überall der Vorstellung begegnen, daß die J-.epee von Freiheit und Gleichheit nicht ausreicht, um ÄGlück zu begründen, sondern daß die praktische umachung erst erkämpft werden muß. Meine Herren, wir .Jwifet, uns rühmen, daß wir von jeher die entschiedensten , Psr Sozialdemokratie gewesen find.(Abg. v. Kardorff: Dahlen nicht!) Bei den Wahlen geht jeder von uns mit demjenigen, der ihm seine Stimme giebt, Krieg schärfen? es des wen W ebel: tft -ist, der SV nste M1 i, in wahr! e die ?eruht .lich W' sich au». i gethu» se ui»� loftg Minister ZÄ . InlÜvri niAif 0Z1* ÖCTnjvmyvsiy w*»v"» ivTTTC ; Wh«.®,e lnir eine andere Partei nachweisen, die einen '(iterff!10 lQten wit einem Stimnizettel zurückgewiesen hat? � wie j itiiet Gerade bei den Wahlen, Herr von Kardorff, C. uuottnt. unä eine weite Kluft von den Sozial- :'!L RiU» allem, daß ich ein hartgesottener ?.. wann bin. Uebrigens muß ich bemerken, da „ Heml letzten Jahren die sehr ehrenwerthe Stadt '■i„nl#% ii J>er Hauptfitz des Bimetallismus geworden ist, so . w?( fti � wtch eigentlich nicht Manchestermann nennen.(Heiter- �iiur Z1 JQSe das ausdrücklich, weil Herr v. Kardorff, der iaLte' Hirt � reden zu wollen scheint, wohl ausführen wird, daß •x Pitz Goldwährung schuld seien, daß das Sozialisten- ich Of ds. tzat erlassen werden müssen,(kaeiterkeit. Ada. n ssar- ; Regtts SÄ. haften t der� iK] ... erlassen werden müssen.(Heiterkeit. Abg. v. Kar- ißxHk richtig!) Auf die beantragten Verschärfungen will nv.un��Mhen, und nur eine kurze Bemerkung über die Ver- tonthlS gestatten, deren �w�tzhen Einführung der Vorlage ihren .,7-" CharakterZgiebt. Geschichtlich hat sich die Ver- Surrogat der Todesstrafe entwickelt, man wollte ,®e der Zeit lassen, durch Entfernung fich dem Voll- t hl, o,™—-•■- wJl'Jhb' r �en�sftafe zu entziehen; nach altem deutschen Wesen (h��ng der Todesstrafe gleiänverthig zu erachten. ' das SPi »"Ä e - v aigehört hat— ein sehr einer geheimen dehnbarer «iefriffi r""• v»x.—-n flSJenoi, sage ich: ich bin die Nation, Du bandelst anti- ' Stw ,)agen die Herren: Du Sozialdemokrat verleugnest "ei, i*ocJ» hat der Staat das Recht, Dich auch zu ver- '«Jos ift--- m Wauf eine Auffassung, bei der es eigentIA nur ss. I Qnfotrim'f*wo«*"fiio©eroalt buk, der wtond- der jetzt wieder modern e'est njoi! Ja, meine Herren, diesen Standpunkt l.edei Fabrikant von Dachpappe oder Schuhsohlen �ULQn�ommk, wer gerade die Gewalt hat, IWt ftfäen Absolutismus, g........' . 7frt;l�t er tnirt'woruaiit oo» ncuuiijuooe ouci ZerhS nackt zlutian. ützt � -P laubt, einsl tionen mit -tärkc en, rt �dcr th�"°le Interesse verlangt, daß die Leute mein lti* Nation u- zahlen, das liegt im Interesse der Nation, !" bat h''''ch! sscein, meine Herren, im Schooß der eb»n" eenäkr-n Recht, hier nickt nur zu leben und Nh lien riürf6', sondern auch seinen politischen Be- 'Ä«"ÄtVlLs >k vn.%tt ist �"iusctzen. Wie es ein betrübendes Zeichen feielf erschstfA. vielfach Angrisse auf Klassen, auf Raffen, enh& fvQlirnl J e unter dem Teckmantel der Religion sich dW®'0ttD flÜv doch nur Eigennutz und Selbstsucht das te fttiz Ärt ,,nntj"d, so ist es gleichfalls bedauerlich, daß das Wd elo,,,» � wird 5?, 6 Interessen, nationale Zwecke" so vielfach Neben& s fg wen, Uns'.Weshalb find denn die Regierungen dazu erderbc� ng h?enQnnten Reichstag erscheinen können, man will KKG---WMUW diese wer- Äftr,% • freie 5M°>>gy,,«e auf jehp- ftxnntn� der schweren Verantwortlichkeit icse ic iß tWt stimmt- �v �eordneten lastet, der gegen die Ver- üsrus»» oe ich rmch danach für die Aufhebung.(Bei- SÄfsrs iE�m&e 2% in den er fich verrannt hat. seitdem ■r- ssw""'(f) v tCch(s i«o�r"9* seinen Anschauungen gehen.(Sehr em rne Mit einem gewissen innerlichen Unmuty hat "ue unserer neuen, unter den Auspizien der ver- bündeten Regierungen eingeleiteten sozialpolitischen Gesetzgebung erfüllt, es war eine völlige Perfiflage(Zustimmung rechts), denn sachliche Gründe dagegen habe ich nicht gehört. Es mar eine Provokation, um nicht zu sagen Beleidung, zweier Mitglieder des Hauses, die er mit einem Tremplinsprung schloß, um die Heiterkeit des Hauses zu erregen, und dann, wie es in gewissen Lokalen Mode ist, mit einem süffisanten Lächeln den Beifall des Publikums einzuholen.(Sehr gut! rechts.) Einen so ernsten Gegenstand, der Se. Majestät den Kaiser, die vcrdün- deten Regierungen und die ganze Nation eingehend beschäftigt, mit solchen Phrasen abzufertigen, ist nicht gerechtfertigt.(Unruhe links. Abg. Richter: Selber Phrasen! Sckwätzerei! Abg. Kro- patscheck: Immer der freche Richter!) Was Herr Bamberger sonst vorbrachte, war herzlich wenig, er wies uns darauf hin, daß er bereits dreimal die Gründe dargelegt habe, weshalb er nicht für das Gesetz stimmen könne. Ich habe den Eindruck gewonnen, als wollte er Schritt für Schritt den Sozialdemokraten selundircn. Vielleicht hat ihn dabei das Be- dürfniß geleitet, seine unerhörte Schwenkung, die er bei diesem Gesetz gemacht hat, zu verschleiern. Wenn man vor 10 Jahren mit einem wahren Feuereifer, wie er, für dieses Gesetz einge- treten ist, und jetzt keine Gründe für die Ablehnung hat, ist man natürlich in Verlegenheit. Als tiefer liegendes Motiv seiner heutigen Haltung kann man wohl ein bischen Wahlpolitik ansehen.(Abg. Bebel: Natürlich!) Die freisinnige Partei ist in eine so vollständige Abhängigkeit von der Sozialdemokratie gerathen(Lachen linis; sehr richtig! rechts), daß sie etwas zu deren Unterstützung thun muß. Es ist notorisch: ein Wink des Herrn Bebel, und ein Theil der deutschfreisinnigen Mandate verschwindet in der Versenkung.(Gelächter links, Beifall rechts.) Die Hälfte ihrer Sitze verdantt die deutsch- freifinnige Partei der Gönnerschaft der Sozialdemokraten. Sie macht den Eindruck eines Baumes, dem der Wind- stoß die letzten Blätter abzustteifen droht und der dann völlig kahl dasteht. Das ist eine ganz bekannte That- fache.(Widerspruch links. Abg. Richter: Was find Sie denn ohne den Reichskanzler?) Auf diesen Zwischenruf ein paar Worte! Ich bin ja gewohnt, fast in jeder Rede des Abg. Richter kommen die obligaten Jnvettiven gegen irgend einen Minister vor. Das ist wie ein nothwendiges Natur- ereigniß, dem man fich nicht entziehen kann. Wenn Herr Richter aber meine Stellung zum Herrn Reichskanzler kennen lernen will, so kann ich ihm sagen: Ich habe keinen anderen Ehrgeiz, als den der wirksamen, treuen Hilfe der monarchisch- nationalen Politik des Herrn Reichskanzlers. Es fällt mir durchaus nicht ein, mich in die Rolle eines großen, selbst- ständigen Staatsmannes zu versetzen, wie der Premierminister irgend eines Reichs, dazu ist meine Natur viel zu bescheiden angelegt. Aber das ist allerdings meine Ueberzeugung, daß es für jeden deutschen Pattioten, namentlich wenn er Beamter ist, eine hohe Ehre ist, an der Seite des Herrn Reichskanzlers zu stehen, und möge Gott ihn uns noch recht lange erhalten, ich werde immer fottfahren, an seiner Seite zu stehen.(Lebhafter Beifall rechts. Abg. Richter: Keine selbstständige Bedeutung!) Herr Bamberger hat heute die Kapitulation vor der Revolution mit einigen leicht hin- geworfenen Worten angetreten, die ich von einem ernsten Politiker nicht erwartet hätte, indem er am Schluß sagte, er wolle gern die Verantwortung für die Aufhebung des Sozia- listengesctzes übernehmen, selbst auf die daraus entstehenden Ge- fahren hin. Das heißt doch, mit großer Leichtigkeit— Leichtfertigkeit ist ja wohl kein parlamentanscher Ausdruck— über eine zum Schutze der Nation nothwendige Maßregel hinweg- gehen. Man sagt ich schlüge vor und werde noch über das Gesetz akkordiren. Ich habe kein kaufmännisches Geschäft, das liegt vielleicht dem Abg. Bambcrger näher. Ich akkordire nicht, und wenn er sagt, es sei mir nicht ernst mit der Ver- theidigung der Vorlage, so irrt er ganz entschieden. Ich ver- wahre mich ganz entschieden dagegen, daß ich die Fahne bereits wieder eingezogen habe. Die Vorlage beruht auf dem wohl- erwogenen, nahezu einstimmigen Beschluß der Regierung. Wir können ruhig abwarten, was der Reichstag beschließt und uns dann darüber entscheiden. Herr Aamberger meinte, es müsse jetzt entschieden werden, ob wir das Gesetz permanent machen wollen, er wolle es nicht, denn die Ursachen, aus denen es ge- geben sei, seien fortgefallen. Die Ursachen sind nicht fortge- fallen, sondern in den Hintergrund getreten, weil eben das Ge- setz der Sozialdemokratie eine gemäßigte Haltung aufgezwungen hat. In dem Moment, wo das Gesetz aufgegeben wird, werden die Ursachen wieder aufleben. Sobald die Ursachen erloschen sind, werden die verbündeten Regierungen zuerst auf das Gesetz verzichten. Der Ton der Rede des xbg. Bamberger unterschied fich von dem, den gestern der sozialdemokratische Redner anschlug, nur in einem Punkte. Herr Bamberger hat eine beneidcnswerthe Meisterschaft darin, seine Giftpillen verzuckert zu geben. Man hört von ihm nie ein beleidigendes Wort, aber wenn man sich die Gesammtheit seiner Ausführungen vergegenwärtigt, so treffen diese Giftpillen härter als die Keulenschläge der Anderen. Das ist ja ein Kompliment für sein Talent, aber nachmachen möchte ich es ihm doch nicht. Obwohl die Affäre Jhring- Mahlow schon so breit getreten und aufgebauscht ist, muß ick doch noch einmal darauf zurückkommen. Es ist ein Unterschied zu machen zwischen angestellten und vereidigten Be- amten, wie Jhring ist, und zwischen den übrigen Agenten der Polizei. Ich habe nur meine Pflicht gethan, wenn ich einem königl. preußischen Beamten, dem seine Vorgesetzten nach Jahre langer Thätigkcit ein unbedingt lobendes Zeugniß ausgestellt haben, so lange Glauben schenke, bis durch das Gericht mit Evidenz das Gegentheil erklärt ist. Herr Bambergcr meinte, das Gericht habe von der Vcrurtheilung Christensens schon Kcnntniß gehabt. Das war nicht der Fall. Herr Christcnsen war allerdings verhaftet und ist aus Plauen hierher zur Verhandlung geführt worden; aber er ist erst drei Tage später verurtheilt worden, hätte das Berliner Gericht die drei Tage später gerichtlich festgestellten Thatsachen gekannt, so hätte es ihn auch hier nicht freigesprochen. Das Urthal über den Poscner Prozeß wird am 30. V. M. verkündigt werden und erklären, ob dem Manne Glauben geschenkt werden kann oder nicht, Der betreffende Staatsanwalt hat seinerseits die Anklagen des Beamten als völlig glaubwürdig anerkannt und deshalb so schwere Strafen beantragt. Die schweizerischen Vorgänge habe ich mit einem gewissen Interesse verfolgt, aber hieraus eine so tragische Konstellation entwickeln zu wollen, die die Ehre der deutschen Verwaltung angreifen und schädigen, ist doch eine sehr kolossale Uebettreibung, wie ich dies nie erwarten konnte. Ich habe als Chef der preußischen Polizeiverwaltung die Pflicht, Alles zu thun, was nützlich und möglich ist, um Ruhe und Ordnung im Staate zu erhalten, und kann deshalb auf das Recht, mich auch außergewöhnlicher und im bürgerlichen Leben nicht gewohnter Mittel zu bedienen, unter keinen Um- ständen verzichten. Wer mir das bestreitet, legt mir eine furcht- hare Verantwortung auf und nimmt mir gleichzeitig die Mittel, der Verantwortung gerecht zu werden. Das ist die einzige Entschuldigung für das, was man geheime Polizeiagenten nennt. Denken Sie, ein Ministerium irgend eines Kulturstaates ohne diese Mittel, so ist die öffent- liche Sicherheit auf politischem Gebiete nicht 24 Stunden auf- recht zu erhalten. Was aber mit der öffentlichen Moral nicht vereinbar ist, ist jedes Mittel, welches durch Anreizung zu Ver- brechen die Möglichkeit zur Anwendung drakonischer Strafen schafft. Alle Instruktionen an unsere Beamten enthalten die Klausel, niemals etwas zu thun, was auch nur zu einem solchen Verdacht Veranlassung geben konnte. Wenn nun in der Schweiz in einem für mich unkontrolirbaren Gebiete gewisse Organe in Thätigkcit gesetzt werden, welche gerade nicht zur ehrenwerthen Klass'e der Menschbat gehören— die meisten sind ja selber Sozialdemokreten oder Anarchisten gewesen(Heiterkeit rechts)—/ so lehne ich entschieden jede Verantwottung dafür ab. Dazu habe ich vollkommen das Recht(Un- ruhe links; sehr richtig! rechts), selbst dann, wenn solche Behauptungen bewiesen werden sollten. Sobald ein mir untergebener Beamter ein solches Organ mißbraucht, bin ich der erste, der mit größter Strenge dagegen ein- schreitet. So lange ein solcher Vorwurf nicht erhoben wird, gehen mich diese Dinge nichts an.(Zuruf links: Der Zeuge Horsch lebt noch.) Ja, und der Polizeirath Rumpff ist unter den Dolchen gefallen, für deren Schleifung ich den Abg. Bebel in- direkt verantwortlich mache.(Bewegung.) Wenn Herr Bam- berger sagt, die arme Schweiz sei jetzt ganz außer sich, daß sie mit solchen Agenten belastet werde, so ist die Schweiz selbst daran Schuld. Sie hat selbst sich diesen Stoff angesammelt. Wir haben die Leute nicht hingeschickt, und die schweizerische Regierung thäte gut, fich mit der Frage zu beschäftigen, ob sie nicht die Krapotkin und Genossen fernhalten solle. Alle diese Laite denken unter den Augen der Regierung an nichts Anderes, als die Ruhe und Ordnung der benachbarten Staaten zu bedrohen. Das„Journal de Geni-ve", das aller- Vings das Unglück hat, ein konservatives Blatt zu sein, erkennt selbst an, daß es eine Schmach und Schande für die Schweiz sei, daß sie sich mit diesen revolutionären Agitatoren belaster habe, deren sie jetzt nicht mehr Herr werde, und daß das Recht der anderen Regierungen anzuerkennen sei, darüber Be- schwerde zu führen. Wie kommt denn der Abg. Bamberger dazu, hier einen verdienten und talentvollen und sehr wirksamen Beamten der preußischen Verwaltung so zu kritisiren? Er sagt, der Polizeidircktor Krüger sei der Urheber aller dieser Umtriebe (Abg. Bamberger: Habe ich gar nicht gesagt!) In einem Brief wird Herrn Bamberger mitgetheilt, der Mann sei sogar stän- diger Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt. Das steht schon im Handbuch des Deutschen Reichs. Herr Bambergcr hätte fich also die Mühe ersparen können, einen Brief darüber zu extra- hiren.(Sehr gut! Heiterkeit rechts.) Das stellt Herr Bam- berger also als eine bedeutungsvolle und interessante That- fache dar. Es scheint ihm nicht mit der Ehre des Deutschen Reicks vereinbar zu sein, wenn ein solcher verdächtiger Mann im Auswärtigen Amte sei. Dagegen protestire ich mit aller Entschiedenheit und Kraft meiner Stellung. Der Herr Abge- ordnete Bambcrger hat kein Recht dazu, er hat ja keine Ahnung, welche Pflichten dieser Beamte ausübt. Wenn er wirklich die Thätigkcit dieses Beamten beurtheilcn könnte, würde er der deutschen Regierung dazu Glück wünschen, daß sie im Besitz eines so vortresslichen, klugen und umsichtigen Mannes ist. Es ist jetzt aber Mode, die unglückliche Polizei als ein gemein- gefährliches Institut hinzustehen.(Heiterkeit rechts. Abg. Bam- berger: Das habe ich nicht gesagt. Der Herr Minister legt mir lauter Worte in ven Mund, die ich nicht gesagt habe.) Der Abg. Bamberger hat den Polizeidirektor Krüger in die Debatte gezogen in der Absicht, es dem Hause als eine inter- essante, bedeutungsvolle Thatsachc hinzustellen, daß er im Aus- wärtigen Amte sei. Ferner hat der Abg. Bambcrger gesagt, ich hätte die geheimen Organe, deren sich die Polizei bediene, nicht gerade als Gentlcmen bezeichnet. Da Hai mir der Abgeordnete Worte in den Mund gelegt, die ich nicht gebraucht habe. Ich habe von den agents provocateur« gesprochen; solcher bedienen wir uns aber nicht. Einen solchen Mann bezeichne ich einfach als einen Schuft. Ich bin in meinem Gewissen vollkommen beruhigt und kann es mir nicht gefallen lassen, hier angezapft zu werden wegen Dinge, für welche ich keine Äer- anlwottung übernehmen kann. Der Herr Abg. Bamberger hätte besser gethan, seiner heutigen Aeußcrungen fich zu ent- halten.(Sehr richtig! rechts.) Wenn ich meme Stellung so wechselte, würde ich meine Stimme abgeben und mich im Uebri» gen still verhalten.(Heiterkeit rechts.) Vor zehn Jahren war gerade Herr Bamberger der Wortführer, der erklärte: die Si- tuation ist verhängnißvoll, und wenn es wahr ist, und es ist wahr, daß die Sozialdemokraten auf eine Katastrophe Hindrän- gen, und wenn wir den Katastrophen nicht entgehen können, so thun wir besser, wir schlagen vor der Katasttophe auf die So- zcaldemokraten los, als daß wir nach der Katastrophe sie mit Blut und Eisen bekümPfen. Seitdem find aba keine Umstände eingetreten, welche ein Abgehen von diesem Standpuntt recht- fertigen. Nun hat Herr Bamberger mit Emphase erklärt: Für ein solches Expatriirungsgesetz zu stimmen, ist unerhört, und muß die tiefste Entrüstung hervorrufen. Der Abg. Bamberger hat aber für das Expattiimngsgesetz der Geistlichen ge- stimmt.(Hört, hört! rechts. Abg. Windthorst: Das haben die Herren rechts auch gethan!) Abg. v. Marqnardsrn: Der Fall Jhring- Mahlow hat vor zwei Jahren hier seinen Anfang genommen und ich habe damals diese Angelegenheit gemißbilltgt für den Fall, daß die erhobenen Beschuldigungen sich als wahr erweisen sollten. Ich werde demgemäß abzumatten haben, wie die thatsächlichen Er- Hebungen ausfallen, und bis dahin mein Urtheil suspendiren. Was den neuen Vorfall in der Schweiz betrifft, so crgiebt er das traurige Faktum, daß gegen solche Verbrecher und Ver- brechen der Staat alle Mittel der Abwehr gebrauchen muß, welche sittlich zulässig sind; es werden Werkzeuge sehr zweifel- hafter Natur sein, mit denen dieser Kampf geführt werden muß. Insofern sich die Thätigkcit der Regierung bezüglich dieser Aufgaben— denen sich keine Regierung der Welt entziehen kann — in den Schranken hält, welche der Minister gestern und und heute bezeichnet hat, halte ich solche Thätigkcit für traurig aber nothwendig. Was darüber hinausgeht, wie die Benutzung von agents provocateur«, darüber ist jedes noch so harte Urtheil gerechtfertigt. Insofern sich Herrn Bnmbergers Argumentation hiergegen richtet, hat sie meine vollste Zustimmung. Eine solche Beschuldigung wird allerdings auch durch den Polizeihaupimann Fischer von Zürich in dem letzten Satze seiner Zuschrift erhoben, wo er zu wissen erklätt, daß Schröder die Ardeiter in den Versammlungen erhitzt, aufgehetzt, sie auf den Weg der Gewalt als den eigentlichen Weg zur Rettung verwiesen und zur Propaganda der That aufgefoidctt hat. Wenn das bewiesen wird, so ist der, der es gethan hat, nach dem Ausspruch des Ministers selbst ein Schuft, und diese Art und Weise der Verbindung des preußischen Staates mit einem solchen Organ muß abgestellt werden. Nun hat Herr einzigen kleinen Verbesserung, behalten hat. Er irrt sich aber darin, daß er nur einmal für das Gesetz gestimmt zu haben meint; er hat auch 1880 mit mir und allen anderen National- liberalen, mit einziger Ausnahme von Lasker, für die Verlängerung bis 1884 gestimmt, ist also für die Geltung des Gesetzes von 1878 kns 1884 verantwortlich. Auch noch 1884 hat ein großer Theil seiner damaligen politischen Freunde ebenfalls mit uns für eine weitere Verlängerung ge- stimmt. Wenn es also möglich war, daß noch 1884 unmittelbare Patteigenossen von ihm für diese Verlängerung stimmten, dann muß es doch mit dem Gesetz in seinen Grundzügen so schlimm nicht stehen, wie es nach seiner heutigen Beurtheilung scheinen könnte. Allen übttaen zivilisitten Ländern stellte er heute das unglückliche Deutschland gegenüber, wo Recht und Freiheit eigentlich nicht mehr zu finden sei; dabei sprach er nicht von den Zuständen, wie fic nach Annahme der Verschärfungen im Reich entstehen würden, sondern von dem heute geltenden Gesetz. Zu anderer Zeit hat Herr Bamberger die Sache ganz anders an- gesehen. Ich gebe völlig zu, daß man aus einer Reihe von Gründen seine Meinung ändern kann, aber man kann nicht, ohne daß diejenigen, welche auch heute noch seiner früheren Meinung sind, das Recht haben, fich darauf zu be« ziehen, dieser früheren Meinung ein so schroffes Dementi geben, wie er es heute gethan hat. Für diejenigen, die mit mn das Gesetz noch für vettheidigbar halten und noch einige Jahre damit Hausen wollen, beziehe ich mich auf die Ausführungen zu Gunsten des Gesetzes, die Herr Bamberger 1878 gemacht hat. und auf Grund deren ich für die Fortdauer des Gesetzes stim- men werde. Die Aufgabe, die er mir zuschieben wollte, in die Kritik der Verschärfungen einzugehen, hat er ja schon selber namentlich bezüglich der Expatriirung in einer meiner Heber- zeugung vollkommen entsprechenden Weise vorweggenommen! er hat also selber schon den Todten todtgeschlagen. Tie Haupt- fache aber bleibt die große Frage der Expatriirung, und da muß ich in Uebereinstimmung mit Vam berger die Analogie mit dem für die Geistlichen erlassenen Gesetz zurückweisen, wie ich denn auch die Zulässtgkeit der Berufung auf die frühere Vcr- bannung als Strafe für politische Vergehen nicht zugeben kann. In frühern Zeiten fand der in die Verbannung Ge- schickte überall in Europa und auch in Amerika Orte, wo man ihn gerne aufnahm, wo er auch mit seinen Ansichten ein guter Staatsbürger werden konnte. Aber nach der Auffassung der verbündeten Regierungen in dieser Frage ist ja diese ganze Richtung ein steter Kampf gegen die bestehende staatliche Rechts- ordnung, ein Kampf gegen die Institutionen, welche in allen Kulturländern bis jetzt noch bestehen und sich auch ihrer Haut wehren werden. Nun wollen Sie diese Leute über die Grenze schicken unb den anderen Staaten zuschieben. Das ist mit dem modernen Völkerrecht nicht in Einklang zu bringen. Sie muthen damit den anderen Staaten etwas zu, was Sie ihnen nicht zumuthen dürfen, woraus mst vollem Rechte völkerrechtliche Konflikte zu befürchten find. Wünschen andere Parteien Kommisfionsbcrathunaen, so können wir uns dafür erklären. Die Freunde der Verschärfung werden dann ihre Argu- mente nochmals vorbringen, und wenn sie uns nicht bekehren, so können wir ja ihre Auseinandersetzungen des Weiteren entgegennehmen. Vielleicht bringt dann auch Herr Windthorst seine Milderungsvorschläge wieder ein. Es soll mir Quälen wir uns denn weiter. nicht daraus ankommen. (Beifall links.) Ein Vertagungsantrag des Abg. Magdzinski wird darauf abgelehnt. Abg. v. KosrielsKi: zur Seite stehen, so lange nung auf dem Boden der Wir werden der Regierung immer sie die Aufrcchterhaltung der Ord- allgemeinen Gesetzgebung erstredt; keinen Schritt weiter folgen wir ihr, denn die Arznei könnte ge- fährlicher sein als das Uebel selbst. Selbst wenn wir die Berechtigung einer Ausnahmemaßregel an- erkennen würden, könnten wir nicht dafür stimmen, so lange die Regierung in Posen selbst die Sozial- demokratie fördert und entwickelt, indem fie das na- tionale Bewußtsein untergräbt— freilich, um ein anderes an seine Stelle zu setzen, aber die Regierung arbeitet damit nur der Sozial- demokratie in die Hände. Die Regierung verschließt den Polen den Zugang zu allen Aemtern und Stellen und drückt fie dadurch zum Proletariat herab. Die Regierung erzeugt die Unzufrieden- heit auf allen Gebieten des öffentlichen und kirchlichen Lebens und auch in der Schule durch die Unterdrückung der Mutter- spräche; fie entzieht den Kindern den segensreichen Einfluß der Seelsorge und treibt sie der Umsturzpartei zu. Durch die Aus- Weisungen werden die Begriffe von Recht und Unrecht ver- wirrt. Durch die Verletzungen feierlicher Versprechungen wird das monarchische Prinzip untergraben. Wir selbst leiden unter Ausnahmegesetzen, wir haben fie durchkostet und wünschen fie Man wird uns entgegenhalten, daß Gesetz nur stimmen, weil es das und in fernem Bestände befestigen von den westlichen Provinzen behauptet würde, so könnte das einen Schein von Wahrschein- keit haben. Bei uns trifft das nicht zu. Wir haben gar keine Lust, von dem Regen unter die Traufe zu kommen. Ich glaube sogar, daß wir unter den obwaltenden Verhältnissen eher jeden Grund haben, an der äußeren und inneren Kräftigung des Reichs mitzuarbeiten, so sehr uns die Mitarbeiterschaft verleidet wird. Wir stimmen also gegen das Sozialistengesetz, wie gegen jede Verschärfung, erstens weil wir prinzipiell gegen jede Aus- nahmegesetzgebung sind, zweitens weil wir der Regierung mit Rückficht aus das, was fie bei uns unternimmt, die Kompetenz dieser Maßregel verweigern müssen, und drittens weil wir die christtichen Satzungen nicht blos anerkennen und bekennen, son- dem auch stets befolgen. Ein Vertagungsantrag wird hierauf engenommen. Schluß ii Uhr. Nächste Sitzung: Montag 11 Uhr. (Sozialistengesetz.)_ keinem Anderen. wir gegen das Reich kräftigen soll. Wenn das Kbgeordnrtenhau». 3. Sitzung vom 28. Januar, 12 U Hr. Am Ministettische: Finanzminister v. Scholz und Kom- missanen. Nach unerheblicher Debatte wird der Gesetzentwurf, be- treffend den Erlaß der Wittwen- und Waisengeld- beiträae der unmittelbaren Staatsbeamten, an eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Der Rechenschaftsbettcht über die weitere Ausführung des Gesetzes, betreffend die Konsolidation preußischer Staatsanleihen, wird darauf durch Kenntnißnahme für erledigt erklärt. Der Nachweis über die Verwendung des außer- ordentlichen Dispositionsfonds der Eisen- bahnverwaltung wird dann der Budgetkommisfion über- wiesen. Schließlich erledigte das Haus in erster und zweiter Be- rathung die Gesetzentwürfe, betr. den Rechtszustand einiger vom FürstenihumLippe-Detmold an Preußen abgetretener Gebietstheile und betr. die Einrichtung von Kehrbezirken für Schorn- st e i n f e g e r. Schluß U Uhr. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr (Etatsberathung).__ Kleine Mittheilnngen. Ktuttgart, 25. Januar. Ein merkwürdiger Fall von Scheintodt erregt hier große Sensation. Heute Mittag 2 Uhr sollte eine Frau von 34 Jahren, welche am Schlagfluß ver- schieden war, beerdigt werden. Schon waren, wie der„Frkf. Ztg." geschneben wird, die Sargträgcr am Grab und erwarteten die Ankuntt des Leichenzuges, als dieselben von der Mit- theilung überrascht wurden, daß die Beerdigung nicht stattfinden werde, da die Verstorbene wieder zum Leben erwacht sei. In der That hat die Scheintodte, als auf Wunsch einer Ver- wandten der Sarg geöffnet wurde, zu athmen und fich zu be- wegen begonnen. Zur Zeit hat fie jedoch ihr Bewußtsein noch nicht erlangt. � llnruberg, 24. Januar.(Quecksilbervergiftung.) Sämmt- liche Gießarbeiter der hiesigen weltbekannten Zinnfigurenfadrik erkrankten an einer Ouccksiibervergiftting. Es war der Fabrik verfälschtes englisches Zinn geliefett worden. Die Untersuchung ist eingeleitet. Preßbnrg, 24. Januar. Ueber die bereits angezeigte Explosion in der erst vottgcs Jahr eröffneten Zumdoner Dhnamiffabrik werden folgende Einzelheiten berichtet: Die Explosion erfolgte in der sogenannten„Kapselfabrikations- Abthcilung", wo etwa zwanzig junge Mädchen beschäftigt find. Plötzlich erfolgte ein donnerähnlicher Krach, das ganze Gebäude ging in Trümmer; drei Zurndorser Mädchen, 13, 16 und 17 Jahre alt, wurden buchstäblich zerfetzt, andere 12 durch die Glassplitter der exploditten Schwcselsäureflaschen schwer verletzt. Sämmtliche Fenster der Fabrikgebäude find arg beschädigt. Die Bewohnerschaft der naheliegenden Otte Zumdorf, Halbthürn, Nikolsdorf waren schreckens- bleich auf den Schauplatz geeilt. Die Gliedniaßen der todten Mädchen mußten zusammengesucht werden. Es spielten sich unbeschreibliche Schreckcnsszcnen neben einzelnen Momenten freudigen Wiedersehens ab, als die herbeigeeilten Eltem und Angehörigen, von Entsctzensabnungen überwältigt, gekommen waren, ihr Liebstes zu suchen, das nur die Wenigsten unvcrschtt antreffen sollten. Die Verletzten wurden sogleich in das Spital befördert. Aus Preßburg wurden heute Särge requintt. Mar- gen erfolgt die Beerdigung der Opfer. Die Katastrophe wäre noch eine größere gewesen, wenn die Fabrik nicht auf einer An- höhe gebaut wäre. Die Explofion war stundenweit hörbar. Der Betneb der Fabnk ist heute eingestellt. Die Untersuchung leitet das Ragendorser Stuhlnchteramt an Ott und Stelle. Pest, den 25. Januar.(Ein Wolf in einer Fabrik.) Aus Miskolcz, 24. Januar, wird beuchtet: Die große Kälte und der hohe Schnee treibt die Wölfe nicht nur in die umliegenden Dörfer, wo sie viel Unheil annchten, sondern drängt fie sogar in die Stadt hinein. Vorgestern Abends haben die Hunde der Borsod- Miskolczer Dampfmühle durch ihr heftiges Bellen die Nachtwächter auf einen Wolf aufmerksam gemacht, welcher trotz des dort angebrachten bellen elektrischen Lichtes in den Hof ein- gedrungen ist. Das sehr abgemagerte Thier wurde dann von den Kutschern todtgeschlagen. Teiegraphische Depeschen. (Wolff's Telegraphcn-Bureau.) Kern, Sonnabend, 28. Januar. Ter Bundesrath hat den deutschen Reichsanaehöngen Hauptniann v. Ehrenberg, Emil Schopen, Ignatz Äetzler und Christian Haupt wegen anarchi- stischer und sozialistischer Umtn'ebe den Aufenthalt aus j4 rischem Gebiet verboten.• Zugleich spuckt der Bundesraih f über der Regierung in Zünch die bestimmte Envattuilz! dieselbe werde dafür sorgen, daß die Veröffentlichung Otfizin des„Sozialdemokrat" sich innerhalb der SchwnWH ruhigen und sachlichen Diskusston halten und AuM� Beschimpfungen, Beleidigungen und sonstiae Ausfälle Der Bundesrath behält sich jederzeit ein Einschreiten 0 Betheiligten vor. Htraffburg i.(£., Sonnabend, 28. Januar. T« Färbereibesitzer Appel wurde gestern verhaftet. lt. 25. Markthalle«-Kericht vo« I. Kandmaun Verkaufsvermittler. Berlin, den 27. Januar 1338. Butter.(Reine Naturbutter.) 1. Feinste haN«e rahm- Tafelbutter(bekannte Marken) 90—106 Abschmeckende Tafelbutter 90—98 Ä., 3. Tischbuttel 90 M.. 4. fehlerhafte Tischbutter 75-85 M., 5. Backdutter 65—75 M. pr. Ztr. Auttion täglich um Vormittags. Eier 2,70—3,35—3,25 netto ohne Abzug p. 6# eier 2,90 M. p. Schck._„ Fleisch. Rindfleisch 28-40-52, Kalbfleisch imU 50—57, Hammel 38—45—50, Schweinefleisch 40—& Pfund, Schinken geräuchert mit Knochen 70—85 Pst 50—60 Pf. pr. Pfund. )#f der| '.unglücklicher .?uf eine: en. Ali nschenlinde er, ltzers ge '/ die das «ersetzen sol wr widerfat iellen, 8. ZichMg der 4. Klaffe>77. König!. Prenß. Lotterie. ZUHun» vom z». Januar 1888, B-rrnittag«. Hut die«iwin»« Uder 210 Bioit lind den derrettenoe»«Ummer» in Bnrenlhe-e delgefuz� lOhne Ä-währ.) 38 193 224 65 400 514[300] 46 733 873[3001 947 1019 246 66 70 321 35 742 943 77 2035 234 99 318[500J 82 571 608 40[500] 68 709 862[1500] 64 91 918 22 58-1030 65 255 72 74 332 37 470[30001 657 72 731 817 32 997 4053 383 534[1500] 628 3048 188 93 213 22 42 328 508 58 3000) 720 56 65 69 71 944 98 6127 200 379 89 543 685 836 937 63 99 7400 512 72 623 32 98[15001 725 898 922 57 71 8009 60 [500] 383 89 440 54 521 49 867 9030 151 52 81 293 633 660 839 61 921 27 34 35 10127 227 40[300] 74 423 76 529 617 70[300] 785 11010 105 6 60 214[3000] 48 644 920 27 33 12020 22 220 328 543 664 861 1:1053 448 668 863 77 1 4377 87 414 36 42 74 78 583 831 71 92 931 71 15253 32137 93 490[500] 512 636 41 870 10144 303 603 25 794 995[100001 17169 261 366 442 70 538 95[1500] 906[1500] 18319 63 415 662 717 19002 28 219 1500] 362 472 628 734 804 51 99 20013 81 170 348 81 95[15001 97 412 581 87 844 994 21085 169 83 375(3001 621 73 780 836 45 115001 70 90 920 22110 259 331 88 443 501 73 644 855 2 3311 429 73 883[500] 915 91 24028 37 46 126 76 87 263[500] 438 628 82 808 922 25100 29 267 418 83 636 47 721 84 880 20052[1500] 98 176 358 486 94 767 2 7047 94 396 460 98 534 80 723 73 878 902 3 18 79 83 2*034 93[3000] 107 356[1500] 404 520686 833 965 11500; 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Ziehun» vom 2» Januar 1888,«-»»l»,,,«. Ilm die«, Winne über LI« Marl find den dctrenende» Hammer» in Porenlde-e deiaeiuzi. (Ohne«ewähr-) 158 289 425 669 770 825 31 933 1 292 341 667 82 92 721 905 44 2000 23 145 267 437 46 13000] 503 755 844 48 962 66»613 160 244 50 618.79[15-«: 770 848 1 5 224 444 96 554 619 65 729 54.91 6 J55 96 1«Ü10 18 29 129 130001 57 289 389 607 1300] 22 665 83 706 879 97» 88' 17020 468 71 73 587 650 91 804 1*007 295 440 74 528 32 44 84 ::oO»J• 88 1500 616:u 86 809 918 25 88 19080 168 222' 330 529" 74 612"45738 i«029 102 292 472 749 911 21188 254 419 515 66 76 619 975 SMMZWZ« OO OÜO »0321 639 838 979»1070 1600) 243 69 96 [1500] 918 82»2198 298 357 433»8075 81 113 88 98 810»4121 28 13000) 87 219[300] 364 507 31»5040 156 72 349'"'" 56» 6018 136 86 420 471 512 604 10 732 39 608 46 755 965»»070 376 604 659 " 100157 63 334(1500] 43 41990 6'............, [3001 366 411 97 551 646 SO 759 79 826 906 10 22 la «4052 69 M 239 40 48 335 gg 341 bü 7s 404 63 1150 000] 63 92 672 15001 733 IV7----- »5077 212 60 826 31 36029 88 ÄNkSMMZK 13 g%i"%# M a E 813 17 408 20 30 532 54 »«0169 99 625 708 938 28 48 88 778 1:5000] 930 62_______ 456 93 589 690 718 42 854 78 901 24 796 825-------------------- 77 260 24 37' KNMZSM EagKsfeKtttM 717[5000] 32[5001 42 873 954 69(3001)1 98 327 432 666 84 744 86 816 13000) #5# (1500! 46 513 693 96 783[300] 854 910 oo-? 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Als aufrichtiger Menschenfreund möchte ich alle Wknlinder, die es bis dato noch nicht zum Range eines Besitzers gebracht haben— namentlich aber alle Jung- um, die das wunderbare Geschick in eine ähnliche Lage wie ' versehen sollte, vor einer entsetzlichen Qual bewahrt wiffen, utr widerfahren ist. Ich sah mich in der vorigen Woche ™ genotNqt, eine Wohnung für zwei Personen per 1. März J%n. Diese Wohnung müsse, einer strengen Weisung der Person zufolge, aus zwei Zimmern, Küche»c. bestehen. % Bedingung, die ich selbst zu stellen gezwungen tutete: mehr als 150 Thal er darf die Wohnung Wen. Meine erste Thätigkeit in dieser für mich Reinlichen Sache bestand darin, daß ich die Woh- u>gebote in den Jnseratentheilen der Zeitungen genauen Studium unterzog. Da ich nichts Paffendes mserirte ich selbst. Mehr als ein Dutzend Offerten ü W Ich besichtigte die mir angepriesenen Wohnungen yikihe nach— und mein Weg führte mich in Winkel und die ich als alter Berliner bisher noch nicht betreten ,-us ich am Abend todtmüde in mein Junggesellenheim �»hrt war, mußte ich mir seufzend sagen:„Alles um Für den nächsten Tag nahm ich mir Urlaub. Ich M seihst eine Wohnung suchen. In der Prenzlauer- °egann ich nachzufragen.„Hier ist eine Wohnung zu hen las ich an einer Hausthür.— Ich kletterte vier m hoch, bis ich endlich die Residenz des Haushälters, an den n'r ,m Hausflur gewiesen hatte, entdeckte.—„Was kostet |%un8?"-„250 Thaler!"-„Entschuldigen Sie, daß ijwtte, sie eignet sich nicht für mich."— Weiter zog ich �.winkte mir eine zweite Tafel mit der Inschrift:„Hier «ohnung zu vermiethen" entgegen. Das Haus gefiel mir, ich nach einer Person um, von der ich Auskunft ließ sich keine blicken. Da wagte ich endlich, 65#(W Es ließ sich keine blicken, juu wuuee rnvna., !2; injj /j-ihut zu klingeln. Eine Dame mit einem Zwicker auf der -„Was wünschen Sie?" fragte sie vornehm.- PI 70' /&*•««Cüuö 1UUIIIUJCU Wlt. I Jlt wvmvym. 54 85�« 1 w-.? mir vielleicht Auskunft geben, an wen»ch mich 042 UvMait. � habe... ich möchte gern eine Wohnung im ü'■~ /-Wir haben keine Wohnung zu vermiethen!" ichnippisch und schlug heftig die Thür zu. Aergerlich 4» mM............ 9 6» vier Treppen empor, in der Hoffnung, dort den g*' V üt Älter zu treffen. Eine Krau, die ich oben traf, gab im dritten Stock sei, daß __ bemühen müsse— dort .>Jch ging nach der Schillingstraße. »omT«!e traf ich den Hauswirth an.„Die Wohnung ist i,>'• April ab zu vermiethen." lautete die Antwort auf J%. Also wieder nichts! Nun hauflrte ich in der !illil s°°e..der Rosenthaler- und Großen Hamburgerstraße. imbz Aich Tafeln in Menge, aber eine paffende Wohnung KaY-n Hauswirth antwortete auf die Frage, ob er eine Ä»-� ��"k!efähr 150 Thalcr zu vermiethen habe, ganz gell! � nur anständige Wohnungen."—„Eine solche c-®«bt�ifcben!" erwiderte ich.—„Na, für solches Lumpen- / faß, �iflne!"— Als ich des Abends spät in meiner 'ifie ich mir mit Entsetzen sagen, daß ich immer Nein Aiung habe. Abermals opferte ich einen halben ttste führte nach Moabit. Ich war fest entschloffen, � Nick« Malern— nh..r»;«!• mir nnnnhemb für mich paffende aber eine nur annähernd für mich paffende leite Adermals wollte ich gehen, aber mein Chef ta�t, nur* Urlaub. Ich habe einen Dienstmann de- Jr. wirb? Ä paffende Wohnung zu suchen. Ob er eine Tbet amüJ'un frage ich: Warum wird auf den Tafeln Rethen geschrieben?- Hier ist eine Wohnung >ng foft- Warum steht es nicht dabei, wie viel die ## W 'M-" InT0 wie viele unnötbige Anfragen bei den 55»1»"-AUen unterbleiben! Mögen die Herren Haus- Hl! neuer« gehoffen. || der pferdeeisendahne« hat � Iä- wV�cht eine wichtige Entscheidung gc alten"«w daher kommenden Wagen, welcher mcht - i die A„?�den konnte, schwer verletzt. Das Reichs« SmXt Bmmm beä Gesetzes zuzuschreiben. " � in. inta>.— angenehm" ge- atz von 300 bis s vvfcVMe»nt, öwf 100 0-„1j..lPn.... cn n ülb 91------- n, welche„Spiritus-Parfüm" an- �angenehmen Gemches im Vena- 4 M.; für 100 Liter Spiriws msf&sf'-'if» iiK~" »Nb �'ftanten Massrnwettkampf zwischen "»SUrchtn Schachspielern schreibt man der „Voss. Ztg." folgendes: In England find derartige Massen wettkämpfe seit langer Zeit gang und gäbe; sie erfolgen dort mit derselben Regelmäßigkeit, wie etwa die Ruderwettkämpfe zwischen den Universitäten Oxford und Cambridge. In Deutsch- land dagegen ist man über einzelne schüchterne Versuche nicht hinausgekommen, und noch im vorigen Jahre lehnte der Schach« klud„Augustea" in Leipzig eine Herausforderung der Berliner Schachgesellschaft zu einem in Wittenberg auszufechtenden Kampfe von jederseits 8 bis 12 Spielem rundweg ab.„weil derartige Kämpfe zu sehr vom Zufalle beeinflußt würden und deshalb kein richtiges Bild der gegenseitigen Spielstärke bieten könnten", ein echt deutsch-professorliches Bedenken. Jndeß faßte der Wunsch, das Beispiel Englands nachzuahmen, doch immer tiefere Wurzeln, und derselbe Mann, der als Mitglied der„Augustea" jener den Berlinern ertheilten Antwort zugestimmt hatte, Herr Zwanzig in Leipzig, Generalsekretär des deutschen SchachbundeS, erließ gelegentlich des letzten deutschen Schachtongrcsses(Frank- furt a. M. 1837) eine Herausforderung an England zu einem von jederseits 30 Spielern in Helgoland oder auf dem neu- tralcn Boden Hollands bez. Belgiens zu veranstaltenden Massen- kämpfe. Die Herausforderung wurde damals, beim Fest- bankette, an den anwesenden Herrn Hoffer, Generalsekretär der .British Chess-Association", gerichtet, später schriftlich wieder- holt und ist nunmehr, wie gemeldet, seitens der Engländer an- genommen worden. Als Zeitpunkt für das Unternehmen hält man den Monat Juli für besonders geeignet. Eine Schwierig- keit wird allerdings für die Deutschen die Frage der Reisekosten- Vergütung bilden. Denn wenn auch, wie von Seiten Zuker- tort's vorgeschlagen worden ist, Köln zum Schlachtfelde ausersehen würde, so müßte doch noch immer für die meisten Theil- nchmer von den Klubs, denen sie angehören, oder von Gönnern des Spieles ein Zuschuß zu den Kosten der Fahrt aufgebracht werden, weil sich Spielstärke im Schach nun einmal nicht allzu häufig mit der Stärke des Vermögens deckt, und man zu sol- chem Kampfe doch nur besonders starke Spieler gebrauchen kann. Abgesehen von diesem Punkte aber würden die Aussichten für Deutschland keine gerade ungünstigen sein. Zwar haben bei den großen deutschen Turnieren zumeist Engländer die ersten Preise davongetragen; aber das liegt nur daran, daß England{u solchen Turnieren immer nur seine„Professionals", d. h. die be- rufsmäßigen Schachspieler entsendet. Auch in England jedoch, dem Kanaan der Schachspieler, wird das Spiel nur von einigen wenigen Leuten geradezu berufsmäßig betrieben und geht man in der Gesammtzahl der Kämpfer nur einigermaßen hoch, wie dies ja geschehen, so wird das Uebcrgcwicht der„Professionals" (in Teutschland gicbt es keine eigentlichen Schachspieler von Beruf) hinreichend abgeschwächt. Man glaubt, daß im Uebrigcn die deutschen Spieler den Engländern allermindestens ebenbürtig ssnd und deshalb ein guter Erfolg ganz wohl auf unserer Seite sein könne. Es kommt hinzu, daß bei einem nur wenige Tage dauernden Ringen selbst die berufsmäßigen Schach- spieler nicht so sehr im Vortheile find, als bei den wochenlang währenden Turnieren der sogenannten Schachkongrcffe. Denn zum großen Theile beruht ihre Ueberlegenheit auf ihrer durch ununterbrochene Uebung erworbenen größeren Ausdauer. So fiel z. B. v. Bardelcben, der die größten Ausfichten auf den ersten Preis beim Frankfurter Kongreß hatte, in den letzten Tagen dieses Kongresses aus Erschöpfung ab, während die Eng- ländcr aushielten. Ferner hat sich gezeigt, daß die Partien, welche die Engländer auf unseren Kongressen verloren, fast stets gerade von deutschen Gegnern gewonnen wurden, und vor zwei Jahren erstritt unser Landsmann Eckallopp um ein Haar den ersten Preis in dem englischen Turniere zu Hereford. Man darf also wohl mit einiger Spannung dem geplanten Kampfe entgegensehen. Uon eine« etwa» seltsam klingende« Abenteue» hat, wie die„Post" berichtet, der Zigarrenmacher M. der Kri- minalbehörde gestern Anzeige erstattet. M. ist nach seinen An« gaben am 13. Jan. Nachmittags in ein Schanklokal am Grünen Weg gekommen, wo es ihm bei hübschen Kellnerinnen so gut gefallen bat, daß er sich dort bis 11 Uhr Abends häuslich nieder- gelassen hatte. Da sein Durst an diesem Nachmittage ein ganz gewalttger war, so verließ er um 11 Uhr das Lokal in der seligsten Stimmung. Auf der Straße wurde er von einem Unbekannten angesprochen. Gemüthlich plaudernd gingen sie fürbaß, bis sich die Sinne deS Angellagten völlig verwirrten. Derselbe kann sich nur noch dunkel entsinnen, daß er plöy- [ich in Wasser getreten und Bäume gesehen hat. Da wurde er von mehreren Männern umringt, die ihm ein blitzendes Messer vor daS Geficht gehalten und da- bei die Drohung ausaestoßcn haben,.sie wurden ihm das Messer in den Leib stoßen, wenn er einen Laut von sich gäbe. Während er. von zwei Männern festgehalten, ganz still gewesen sei, hätten ihm die anderen die Taschen v,fit,rt und, hm daS Portemonnaie mit 1 M. Inhalt, Zigarrcntasche und Legi- timationspapiere geraubt. Dann bade man ihn zu Boden ge- worfen, mit Füßen getreten und»hn sodann bewußtlos liegen gelassen. Gegen 3 Uhr Nachts sei er zur Besinnung gekommen und habe sich in der Hamburger Straße befunden. Wie er dahin gekommen, weiß er nicht. Er hat nach eigener Angabe erst heute Anzeige erstatten können, da er von dem Ucberfall völlig erschöpft zu Bett gelegen habe. Die Papiere des M. find von einem Beamten in der Lothringersttaße aufgefunden worden. Ob der gemeldete Vorfall sich in der That als ein Verbrechen herausstellt, oder ob es nur ein„holder Traum" dci Berauschten gewesen ist, wird wohl die Untersuchung er- geben. Gin gefährlicher Geisteskranker wurde Donnerstag Nachmittag auf Veranlassung des 1 1. PolizeirevicrSzur Irren- stalion der C-aritee transportirt. Der»n der Mullerstraße wohnhafte Arbeiter Alfred V. wurde im November vorigen Jahres plötzlich von Verfolgungswahnfinn befallen und schloß seine Mutter, welche aus einem großen Kleiderspind Sachen her- ausnehmen wollte, dieselbe mit Gewalt hineindrängend, in das Kleiderspind ein. Dann zog er den Schlüssel ab und entfernte fich heimlich aus der Wohnung. Hinzukommende Nachbarsleute befreiten die alte Frau und V. wurde auf Requisition der solizeibchördc auf der Jrrenstation der Charitee internirt. Der Geisteszustand des unglücklichen jungen Mannes besserte sich aber sehr schnell und V. konnte bald als gehellt entlassen werdm. Der Gebeilte ging auch mhig seiner Arbeit nach und betrug fich sebr verständig. In der Nacht vom 25. zum 26. Januar erdachte die alte Mutter von einem merkwürdigen, knisternden Geräusch. Sich in ihrem Bette aufsetzend, gewahrte sie zu ihrem Entsetzen, daß vre Stube Hell erleuchtet war von ernem lodernden Feuer, das auf ihrem in der Mitte der Stube stehen- den Tische emporzüngelte. Vor dem Feuer, stieren Blickes und egKtSsssrg sinntgc hatte eine Menge leerer Streichholzschachteln sowie Papierschnitzel auf dem Tisch angehäuft und dann angezündet. Jetzt siyt er wieder hinter den starken Mauern bei Leidensge« nassen und wird sobald nicht wieder die Freiheit genießen. Mo« alte« Kerliner Maße«, die Nicolai beispielsweise noch als gebräuchlich erwähnen konnte, sind einige schon völlig rn Vergessenheit gerathen, andere kommen nur noch in ganz be- stimmten Geschäftszweigen vor. Zu letzteren gehört das„Zim- mer", eine Zahl von 40 Stück, die im Pelzhandel noch ange- wendet wird. Vergessen find heute der Decher, welcher aus dem lateinischen Decern verbildet ist und zehn Stück bedeutet, ferner die Stiege, welche zwanzig Stück angiebt. Auch das„Lies- pfund" und der„Stein" zu 22 Pfund, der„Deiner" zu 20 Gran, das«Nößä", die„Kufe", die„Hakenhufe" u. s. w., das ist Alles mit Deutschlands Einheit für das Publikum wenig- stcns in die Rumpelkammer gegangen. Die„Mandel" indessen und die„halbe Mandel" haben fich bis heute in der Gunst der Marktfrauen und Küchenfeen zu erhalten gewußt. Auch die „Berliner Elle", die der Kölner Elle ziemlich nahe kommt, ist in kleineren Geschäften heute noch zu finden. Genau dasselbe Maß hat nur die alte große Elle in Halle; im Auslande stand ihr am nächsten die die Wollen-Braccia in Venedig. In einem Vergleich der Berliner Elle mit den Maßen anderer Städte in Europa werden 1786 aufgeführt u. A. Brabanter Ellen, Vanas (in Alikante), Staad(Abbeville), Klametellen in Augsburg, Cennas in Avignon, Braccien in Bergamo, Lcinwand-Nards in England. Palmen in Florenz, Pariser Ellen, Canncn in Neapel, Rast in Turin. Ein ähnliches Durcheinander bestand betreffs der Münzen und Gewichte, so daß früher der Betrieb eines ausgedehnten Handels nach dieser Seite hin sehr bedeutende Kenntnisse verlangte. Pereine nnk Uerfamminngen. Zentral-Kranken-«nd Kterkekast» für Kranen«nd Mädchen(E. H. Nr. 26, Offenbach). Heute, Sonntag, Nach- mittags 3V Uhr, Alte Jakobstt. 83(Gartensalon) Hauptvcrsamm- lung. Tagesordnung: Kassenbericht pro 4. Quartal 1887; Neuwahl des Gesammworstandes; Statutenbcrathung und Verschie« denes. Im Mai oder Juni findet die statutarisch festgesetzte Generalversammlung statt und ist hier der Ort, wo dm Äll- gliedern Gelegenheit gegeben ist, alle Mängel aus dem Statut zu entfernen. Die Aufnahme neuer Mitglieder geschieht beim Vorsitzenden Herrn Th. Bielefeldt, Brückenstr. 4(Papierhand- lung). Die Meldung zur Aufnahme beim Kasfirer Herrn G. Schicßl, Friedrichstr. 154, Hof 3 Tr., sowie in den Zahl- stellen und zwar bei Frau Grothmann, Bernauerstt. 76, v. K.; Frau Strauß, Mehnerstt. 1, v. 3 Tr.; Frau Schneider, Blumenstr. 29, im Laden: Frau Schneider, Naunynstr. 60, v. K. und Frau Jühnemann, Wilhelmstt. 3, Quergcb, 3 Tr.— Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Wirth des Versammlungs- lokaw Herr Regher, Alte Jakobstt. 83, für die Mitglieder nebst Angehörigen und Bekannten nach Schluß der heutigen Versammlung ein Tanzkränzcben arrangirt und zwar für das mäßige Entgelt von 10 Pf. für Damen und 15 Pf. für Herren, wofür die Garderobe aufbewahrt wird. Dem Derein Derliner Hausdiene», welcher seit seinem Bestehen die Gründung einer Invaliden- und Altersversorgungs- lasse beabsichtigte, ist es endlich gelungen, seitens der Behörde die Genehmigung zur Gründung einer solchen Kasse zu erlangm, und findet zur weiteren Besprechung und Beschlußfassung hier- über am Montag, den 30. d. M., Abends 9 Ilhr, Neue Grün- sttaße 28, bei Jordan, eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mittheilungen über das behördlich genehmigte Statut der Invaliden- und Alters- versorgungskasse des Vereins Berliner Hausdiener. 2. Referat des Herrn Kuhntke in derselben Angelegenhcll. 3. Einzeichnung der der Kasse beitretenden Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Die Invaliden- und Altersversorgungskasse wird nicht wie die Krankenkasse vom Verein getrennt werden und werden in dieselbe infolge dessen nur Vereinsmitglieder auf- genommen. Dereinigung der deutsche» Schmiede. Montag, den 30. Januar, Abends 8* Uhr, Versammlung bei Weick, Alexander« sttaße 31. Tagesordnung: 1. Die Einführung der zehnslün- digen Arbeitszeit. 2. Wahl des ersten Bevollmächtigten. 3. Ge- werkschastliches. Uereinlgnng de» deutschen Stellmacher(Mitglied- schaft Berlin). Versammlung am Dienstag, den 31. d. M., Abends 8 Uhr, in Cottmann's Salon, Bmnnenstt. 84. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1887. 2. Wahl eines ersten Bevollmächtigten. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Gewerk- schaftliches. 5. Fragckasten. Fachnerel« der Posamentirer und Bcrufsgenossen. Versammlung am Montag, den 30. Januar, Abends 8i Uhr, im ,Mnigstadt-Kafino", Holzmarktstt. 72. Uerei» der Modelltischler. Versammlung am Mon- tag, den 30. d. Mts., Abends 8% Rhr, im„Vorstadt. Kasino", Ackerstt. 144. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Wiegand über Papiermache und ihre Verwendung. 2. Vereinsangelegen- heiten. 3. Fragckasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Die Billets zum Wiener Maskenball am 25. Februar, im Lokale des Herrn Gentz, gelangen zur Ausgabe. Da der Ueberschuß dem Unterstützungsfonds zufallt, wird um zahlreichen Besuch gebeten. Das Arbeitsnachweisebureau befindet sich Feldstr. 9, vorn 2 Tr. bei Herrn W. Boede, Abends von 7—9 Uhr, Mon- tags Vormittags von 10—12 Uhr. Die Mitglieder werden ge- beten, dem Vorfitzenden die Adresse der Fabrikanten und Meister zuzuschicken. Allgemeine Ktnhlard»ite».Ue»einig«»g Kerlin». Ber- sammlung Montag, den 30. Januar, Abends 8i Uhr, im Lokale des Herrn Niest, Weberstt. 17. T.-O.: Vorttag des Herrn Vogtherr über„Drang nach Selbstständigkeit." Verschiedenes. Zentrol-KranKen-«nd Kterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter.(E. H. 3, Hamburg, Ver- waltung Berlin E.) Mitgliederversammlung am Montag, den so. Januar, Abends 85 Uhr, im Wcdding-Park, Müller- iße 178. Tagesordnung: 1. Vierteljahresbericht vom 4. Quartal 1887. 2. Ersatzwahl eines stellvertretenden Kassirers 3. Wiener Maskenball am 18. Februar im Wedding-Park»um Besten der Invaliden der Kasse. 4. Verschiedene Kassenange- legenheiten._ Krieflmstea der Redaktion. der Redaktion nnr oon 12 1 Uhr Mittag»«nd 7-8 Uhr Adend». ©et Anfragen bitten wir die AbonnementK-Quittung beizufügen,©riefliche Antwort wird nicht ertheilt. «->-.»» �"ber können wir Ihnen keine Auskunft geben. W. K. Sie müssen am 15. kündigen. ein {ftescbätts-Eröffniiiig-. Anfangs Februar eröffne ich Dresdenerstr* 123 y nahe am Oranienplatz, Karg- und MM-Magazin. Mein Bestreben wird sein, stets auf gute und gediegene Waare bei reelle« Preiteu zu halten und bitte daher, bei Bedarf mich in meinem Unternehmen gütigst unterstützen zu wollen. WM" Reelle Theilzahlung gestattet.'MW W. Abraham, Tischlermstr«, str?ie Ebenda Gin- und Uerkauf nener und gebranehter Möbel; auch wird jedwede Glaferarbeit sauber ausgeführt.[218 Das Möbelmagazt« befindet fich vor«, das Kargmaguzi« Hof recht». ■ Lehr-Institut für praktisches Zuschneiden von Damen- und Kinder-Miinteln. Aufnahme neuer Schüler und Schülerinnen zu jeder Zeit. In diesen Kursen wird Jedem die beste Gelegenheit geboten, fich nach jeder Richtung hin auszubilden.[1557 Prospekte gratis und franko. H. Schmidt, Schneider meifter.«5*0�:34/36. Bettfedern und Daunen. 0eriff~** v. 1 M. an. Fertig« Ketten 22 Ml., empfiehlt H. Glaser, Grüner Weg 7S._[32 Streng relle Bedienung.— Solide Preise. Geld gespart— heisst Geld verdient. 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