Freitag, den 10. Februar 1888. 5. Jahrg. lS. M �misston. ,c bewl! von cre übn nie refi daß :tc erste Zoll auf n und!' einer Ai» on in S-t i, vor uf Brgan für die Interessen der Arbeiter. ... Ofden# ;n M ie Ruhe< ifgenommSE mng emg�sss. 'gebrannt- getrotke» Tie erst- icn Zoll l ncr#ß dem An? mö Adel! mmenM Soldaten Da»„Berliner Volksblatt" r nach Sonn« und Fcsttaam. AbonnementSvrei« für Berlin frei ......, �..ark, monatlich 1�5 Marl, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement rzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungs Preisliste für 1888 unter Nr. 849.) Jnsertiousaebühr beträgt für die 4 gesvaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbcitsmarlt größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 U m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-� Erhöhung des Preises, angenommen. 10 Pf.»«I ir Nachmittag» uteaux, ohn« Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Inr Situation. d es Krieg geben oder nicht? stt die große Frage, welche Alle in Anspruch � stiebt Leute, die mit ihrem Urtheil in solchen .gleich fertig sind. Dazu gehören vor allen jene .!! s™ Weißbiertisch, welche schon seit Jahren mit r«***!!„r. ne behaupten, ein Krieg stehe vor der Thür, Lic'le?. ob sie durch ihre diplomatischen Beziehungen esden(P{ Emai«� cn un5 t »ktio«. bniuW" ger Jas eßbu« Mond' erS vortrefflich informirt wären. Woche« str unser Theil maßen unS nicht an, aus den vor- kann V sn Thatsachen mit Bestimmtheit erkennen zu wollen, Ausgav miuen wird oder mn« Aucb in der am Biontaa im �..... wird oder muß. Auch in der am Montag im ___ I fJe von dem leitenden Staatsmann gehaltenen großen bie allgemeine politische Lage ist die Frage, ob TYto��lCJ.. Cl)___: J.T____ «sfe��i-gerische Verwickelungen aerathen werden, geblieben; doch hat Fürst Bismarck stark die Situation an sich eine unveränderte sei. wir sind die ersten, die aufrichtig wünschen, daß in bleibt. WaS uns indessen mit einer �«enugthuung erfüllt hat, ist die Thatsache, daß in Reichskanzlers daS„heilige Rußland" als die llayr für den europäischen Frieden erscheint. Das Aede nicht direkt ausgesprochen, aber eS ist auch "-Nennen. Unsere Leser werden sich erinnern, daß � betont haben, der Störenfried sei im Osten zu irrend die„patriotischen" Schreier bei jeder Ge- Mit dem Finger auf die Franzosen hin V�alle Kriegsgefahr von der Seine kommen süc*) die Thatsache, daß mit Garnot in Nt � M( durchaus friedliebende Richtung zur Herrschaft der Rede des Reichskanzlers Erwähnung. . �staerl� Regierung Frankreichs an sich wird den >'n bes Deutschen Reichs zwar nicht sympathisch W eine aber wird eine demokratische Regierung w «�«togschaft für den Frieden bilden als e oder ein B o u r b o n. Selbst wenn 290 fs? 'In et �etlichen Russenfreundschast herabgekommene lUt Regierung berusen werden sollte, so werden in ej�. M Kammern ebenso besinnen, Frankreich leicht- �1% ilüo an Errungenschaften aufzuweisen hat. es Krieg zu stürzen, bei dem es nicht weniger . l das Spiel setzen würde, was es seit dem 1 Ä'Jö MK %lSl» M 0; ©. der Rede des Reichskanzlers war noch ein »uri." vorhanden; die Freundschaft Ruß- ist Kg als sehr zweifelhaft charakterisirt. Richte k flu� immer gewesen; wenn einmal dich"er russischen Diplomatie geschrieben werden an erstaunen über die unabsehbare Reihe von KeuMeton. ____[33 («achdr»« Dtriolcn.) Der Crbe. Vornan von Friedrich Gerstäcker. einen scheuen Blick auf seinen daran gedacht haben würde, ihn gleich und entschieden von sich abzu- H vinre[ange Vorrede," sagte er endlich;„ich Mim? Du eine Wabl getroffen, deren Du— „ bacht;r?u lchämen brauchte. Aber ich glaube »-„ { ,u erhalten"R �be, um die Ehre unseres HauseS � WV unseres Hauses," wiederholte Bruno düster � Lr m&ttm Glanz, den Anstrich- fast, denn besHMe» isoöoi �■ Vater? es indessen mit dem Glück, dem Frieden Ich yöre und lese draußen manchmal _«'■-Mas t. eigenen Familie, dem Glück der „fg�rbe?""h gethan, daß mir das alleS ge- bab: 7712° m Du, und die Schuld, wir oder Falschheiten und Treubrüchen, welche diese Geschichte aus weist. Rußland hat wenig Freunde gehabt, die nicht von ihm geleimt worden sind. Der Leiter der Politik des Deutschen Reichs hat offen gesagt, daß er Rußland viele Dienste geleistet habe, um durch die russische Freundschaft den Frieden zu erhalten, namentlich auf dem Berliner Kongreß. Nun, wir erlauben uns in Bezug auf den Kongreß etwas anderer Meinung zu sein. Der Berliner Kongreß hatte offenbar den Zweck, in die durch den orientalischen Krieg in totale Verwirrung gerathenen Zustände auf der Balkan Halbinsel wieder einige Ordnung zu bringen und durch einen Vertrag auch Garantien für diese Ordnung zu schaffen. Aber der mit Vorliebe im Dunkeln wühlenden russischen Diplomatie ist die größte Verwirrung am Balkan stets lieber gewesen, als die geringste Ordnung; wer im Trüben fischen will, der liebt die Ord nung gewöhnlich nicht. Und wie der Reichskanzler selbst sagte, sind die russischen Beziehungen nach dem Berliner Kongreß erkaltet; die Freundschaft hat von dort ab auf- gehört und man hat sich in Berlin also schon vor 9 Jahren genöthigt gesehen, eine Friedensgarantie in dem jüngst ver- öffcntlichten Bündniß mit Oesterreich, statt in der Freund- schüft mit Rußland zu suchen. Nun, die Freundschaft Rußlands war immer zweideutig genug; man erinnere sich doch daran, wie Rußland nach dem für Preußen so unglücklichen Krieg mit Napoleon I., 1806 bis 1807, plötzlich aus einem Bundesgenossen Preußens ein Bundesgenosse Napoleons wurde und wie 1813 die russischen„Befreier" die schöne Stadt und Festung Danzig so gerne behalten hätten 1849 zogen die Russen uem Hause HabSbura gegen das aufständische Ungarn zu Hilfe und eS finoen sich in den Ereignissen jener Tage Anzeichen genug, daß die Russen mit der eigentlichen Absicht kamen, ein Stück Un- garn, Siebenbürgen oder Galizien zu schlucken, auS welchen Anzeichen sich auch die sonderbare Haltung des ungarischen Generals G ö r g e n theilweise erklärt. Die Veröffentlichung des Allianzvertrags mit Oester- reich, die Mittheilung, daß ein ähnlicher mit Italien be- steht, sowie die Rede deS Fürsten Bismarck waren mehr als ein bloßes Pressionsmittel für die rasche Durchdringung der nunmehr en bloo angenommenen Wehrvorlage. Diese Dinge haben den Zweck, Rußland, das im Orient neue Verwickelungen spinnt, zu zeigen, auf welche Gewalten eS stoßen wird, wenn eS sich zu einem Angriff entschließen will. Den russischen Diplomaten wird mit all diesen Dingen nicht viel neues gesagt worden sein. Aber sie werden sich wohl auch nur sehr schwer zu einem Angriff entschließen. Eine große Kriegsgefahr liegt unserer Meinung nach in den inneren Zuständen Rußlands. Bei anderen Völkern wird mit der Tante lebte. Doch genug— übergenug davon! Die Zeit liegt hinter mir, und von dem Augenblick an, wo ich die Erbschaft habe, denke ich mir meinen eigenen Herd zu gründen— aber nicht hier in Wendelsheim, denn keine freundliche Erinnerung zieht mich hierher zurück." „Nicht hier in WcndelSheim?" rief der Vater rasch und erstaunt, ja fast erschreckt.„Und wohin sonst willst Du ziehen?" „Fort von hier, Vater; ich habe meinen Abschied schon eingereicht und die Versicherung erhalten, daß er mir be- willigt wird." „Und wer ist die Dame, die Du Dir zur künftigen Gattin ausersehen?" sagte der Vater mit fast tonloser Stimme; denn zum ersten Mal fühlte er, daß der Sohn die ihm bisher auferlegten Fesseln wirklich abgestreift habe und entschlossen sei, seine vollständige Unabhängig- keit zu wahren.„Ich bin so fremd in Deinen Bekanntschaften, daß ich nicht einmal auf irgend Jemand rathen tünn Und doch hast Du gerade mir den Weg in die Familie gebahnt, Vater," sagte Bruno, während ein eigenes trotziges, aber doch düsteres Lächeln über seine Züge flog.„Ich liebe die Tochter des alten Solomon." Bruno," schrie der Baron emporsahrend, indem er wirklich bleich vor Schreck wurde,„bist Du wahnsinnig ge- worden oder treibst Du Deinen Spott mit mir? Die Tochter des alten Juden?" Die Tochter deS alten Juden," wiederholte Bruno scharf" und langsam;„ich bin nicht wahnsinnig, Vater, und treibe auch meinen Spott nicht mit Dir— habe eS nie gcthan�nd meinen Namen willst Du beschimpfen?" "Ist eS nicht auch der meine? Ich sehe keinen Schimpf darin" ein braves Mädchen zum Altar zu führen." 'Bruno," rief der alte Baron außer sich,„Du weißt nickt"was Du thust! Unser Geschlecht ist bis jetzt rein und unbefleckt erhalten— der alte Stamm wenigstens—, und Du bast keine Ahnung, welche Opfer Einzelnen von unS auferlegt wurden, um das durchzuführen. Willst Du gerade der Erste sein, der einen schwarzen Strich durch durch einen Krieg der Wohlstand geschädigt und eine unter allen Umständen nicht wünschenswerthe Aenderung der Dinge insofern bewirkt, als sich jeder in seinem Erwerb und seinen Einnahmen augenblicklich beeinträchtigt sieht, von den Opfern an Blut, Leben und Gesundheit ganz abge- sehen. Aber in Rußland sind die ökonomischen Zustände so elend, daß dem einzelnen der Krieg als eine Art Er- lösung erscheint, welchem Schicksal er dabei auch entgegen- gehen mag. Im Lager und im Felde lebt ein russischer Tagelöhner immer noch besser und weniger strapaziös, als auf der Scholle seiner Bauern oder auf den Ländereieir seiner Gutsherren. Man kann hervorheben, daß die Russen es noch nie fertig gebracht haben, Heeresmassen über ihre Grenzen zu senden, die der Größe dieses ungeheuren Reiches auch nur entfernt entsprachen. Der Koloß ist schwächer, als man. glaubt, wenn man ihn nur äußerlich betrachtet. Und er hat es mit keinen schwächlichen Gegnern zu thun. Die russische Orientpolitik ist auf Zerreißung der Türkei, vor allem aber auf Jsolirung Oesterreichs ge- richtet. So lange es den russischen Diplomaten nicht ge- lingt, Oesterreich zu isoliren, wird man sich sehr besinnen, ehe man angreift. Womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß die Mög- lichkeit eines Angriffs trotz alledem ausgeschlossen wäre! Uolitische Ueberstcht. Da« ungeheuere Aufsehe,:, welches die letzte Sozia- listengeseydebatte des Deutschen Reichstages in den weitesten- Kreisen des In- und Auslandes hervorgerufen bat, wird durch die Veröffentlichung des deutsch-österreichischen Bündnisvertrages und die Reichstagsrede des Kanzlers durchaus nicht geschmälert. Und eS wäre auch sehr traurig, wem, unser Volk sich durch eine Frage der auswärtigen Politik von der inneren ob« lenken ließe. Die innere Politik, auf die in Deutschland bisher leider nur ein untergeordneter Werth gelegt wurde, ist von weit. größerer Wichtigkeit als die auswärtige. Und wir behaupten aus vollster Ueberzcugung, daß das Bedrohliche der auswärtigen Lage ganz wesentlich eine Folge der inneren Politik ist. Deutschland ist so groß, daß, wenn die Gesammtdevölkcrung einig ist, keine Macht der Erde daran denken kann, uns an- zugreifen. Wenn aber die Feinde des Deutschen Reichs in den deutschen Zeitungen lesen, wie der Parteifanatismus gerade der sogenannten„nationalen" Parteien so weit geht, gegen eine große Partei, und zwar die Partei der Arbeiter, die soziale Acht zu verhängen— was tn Deutschland tbatsächlich der Fall ist—, und wenn die Feinde des Deutschen Reiches sehen, wie die Regierung selbst ein Gesetz vorgeschlagen hat, das diese soziale Acht zur politischen Acht erweitert— zu welchen Schluß- folgerungen müssen sie kommen? Müssen ste nicht folgern- ein Staat, der so in sich zerklüftet ist und Hunderttausende von Bürgern, deren unser Wappen zieht? Es kann, es darf nicht sein, und ich� werde eS nie und nimmer dulden!" „Du kannst es nicht hindern, Vater," sagte Bruno ernst und kalt; Du hast Dir das Recht vergeben, über mein Thun und Handeln zu bestimmen. Du hast keine Liebe in meinem Herzen gesäet, Du kannst nicht erwarten, dort Liebe zu ernten— kannst mir aber auch nicht verdenken, daß ich sie dort suchte, wo sie mir von ganzer Seele entgegen- gebracht wurde. Du kennst auch Rebekka nicht," fuhr er etwas weicher fort, als der alte Mann wie gebrochen in einen Stuhl sank und sein Gesicht mit den Händen deckte' „hättest Du nur ein einziges Mal in ihr liebes, engelschönes Antlitz geschaut, hättest Du gesehen, wie lieb und gut sie mit mir ist. Du würdest begreifen, daß ich das vergaß, wa» mir noch nie ein Segen, nur ein Zwang gewesen." „DaS kann, darf nicht sein!" rief der alte Baron, wieder von seinem Stuhl emporspringend;„die Erbschaft war von jenem alten Manne nur deshalb unserem Hause zugewendet, um den Glanz des Namens aufrecht zu er- halten, das Geschlecht nicht aussterben zu lassen." Die Erbschaft lautet auf Deinen ältesten Sohn nach Zurücklegung von dessen vierundzwanzigstem Lebensjahre' die Bedingung ist in wenigen Wochen erfüllt," erwiderte Bruno ruhig. . kofc ich so— daß ich so hart gestraft werden ollte, rief der Baron die Hände ringend, indem er in dem großen Saal rasch auf und ab schritt—„so hart ge- „Wofür Vater?" . Der alte Mann war zur Glasthür getreten, lehnte seine Stirn an eine der Scheiben und starrte in den Garten hinaus; aber er beantwortete die Frage nicht. Bruno fühlte sich beängstigt; er war auf Vorwürfe und Zornesworte gefaßt und entschlossen gewesen, denen kalt und entschieden zu begegnen so weich, so gebrochen hatte er den Vater nicht zu finden geglaubt �— so hatte er ihn nie gesehen. Langsam gwg er auf ihn zu, und die Hand auf seine fwocherr er' freundlicher, als er bis jetzt ge- „Und was ist denn weiter, Vater, daß Du es Dir so 1878: Arm zu seiner Vertheidigung nothwendig wäre, unter das Damorlesschwert eines Proskriptionsgesetzes stellt, kann seinen Anareifem nicht die Streitkräfte entgegensetzen, über die es sonst verfügen würde, und ist in seiner Vertbeidigung gelähmt! Die Soldaten allein tbun's nicht— es muß auch der richtige, freudige, einheitsvolle Geist in ihnen sein, der zu den höchsten Anstrengungen befähigt, und ohne den das tapferste Volk und die bcstdisziplinirte Armee verloren ist. Man weiß, daß?!a- poleon im Jahre 1870 an die Uneinigkeit der Deutschen, namentlich des Südens und Nordens glaubte, und durch diesen Glauben in den Krieg gestürzt wurde. Muß— angefichts der letzten Sozialisteimesetzdebatte das Ausland nicht ebenfalls und in noch höherem Maße an die Uneinigkeit Deutschlands glauben? Wir zeigten schon oft, daß das Schimpfen vom„vater« landslosen Gesindel" ein sehr gefährliches Wort ist. Jetzt rächt es fich. Der Unfriede im Innern hat uns die Kriegsgefahr geschaffen. Nur der Friede im Jnnem kann die Kriegsgefahr bannen. Also fort mit dem Ausnahme- gesetz! Das wird uns dem Ausland gegenüber mehr Ansehen geben und unseren Feinden mehr Respekt einflößen, als die neue Militärvorlage. Mus Ii«»« der bewaffnete Friede kostet, läßt nach- stehende Aufstellung der„Voff. Ztg." erkennen. Nachdem bis zum Jahre 1876 alle außerordentlichen Bedürfniffe für das Reichsheer aus der französischen Kriegskosten-Entschädigung Deckung gefunden hatten und aus derselben außerdem noch mehrere hundert Millionen ark zum Umbau der Festungen zurückgelegt worden waren, sind im Wege des Kredits zur Be- strcitung einmaliger Ausgaben für die Militärverwaltung zum ersten Male im Jahre 1877 6 420 000 Mark flüssig gemacht worden. Seitdem ist kein Jahr ohne Anleihe vergangen, und zwar sind— in runden Zahlen— bewilligt worden; 5 760000 Mark und 8 270 000„ 10 880000„ 15 011000„ 36 930 000„ 12 800 000„ 10820000„ 9820000„ 29 080 000„ 17 740000„ 87 990000 Mark und 172270000„ Hierzu kommen noch rund 63 Millionen, deren Bewilligung die Regierung für das Etatsjahr 1888 89 verlangt, und endlich die 280 Millionen,, welche zur Durchführung der neuen Wehrvorlage Verwendung finden sollen. Unter Hinzurechnung der zuletztgenannten beiden Beträge ergiebt sich somit eine Gcsammtsumme von 710 370000 Mark. Die für die Marincvcrwaltung durch Anleihen beschafften außer- ordentlichen Mittel erreichen ebenfalls bereits eine ansehnliche Höhe. Die erste Anleihe für Marinezwecke im Bettage von 13 180 000 Mark wurde im Jahre 1875 aufgenommen; alsdann wurden weiter bewrllrgt.— 25 570 000 32 580 000 19 590 000 11660 000 9 370 000 6 730000 11690000 8 130 000 18 790 000 5 640 000 7700000 7140 000 1879: 1880: 1881: 1882: 1883: 1884: 1885: 1886: 1887: 1877 1878 1879 1880 1881 1882 1883 1884 Mark und 1885 1886 1887 zusammen Kredit 177 770000 Mark, welche Summe sich durch den für 1888 89 geforderten noch um_. 6 600000 Mark erhöht; zusammen also sind Anleihen aufgenommen für die Militär- und Marine-Verwaltung 894 740 000 M a r k. Neu- Aussaben für Mititärzwecke kündigen schon wieder Regierungsblätter an. An unserer Ostgrenze soll nämlich das Eisenbahnnetz unvollkommen und zur nachhaltigen Berthe:- digung dcr Bau mehrerer strategischen Balinen nofhwtmdi� sein. Da außerdem die Zahl der vorh........ zu den durch die neue Wehrvorlage zu schaffenden Heerhaufen viel zu gering ist, weiter aber es schon lange im Werke ist, die Gehälter der Ofsiziere auszubessern, so wird der Reichstag wohl noch manches Hundert Milliönchen bewilligen dürfen, ohne da- durch doch im Stande zu sein, das Danaidenfaß, genannt Mili- tarismus, zu füllen. arg zu Herzen nehmen solltest? Der alte Solomon ist ein braver, rechtlicher Mann und hat den Ruf in der ganzen Stadt; und was mich betrifft, ich ziehe fort von hier, auf Zahre vielleicht, und wenn ich zurückkehre, ist die Sache längst vergessen und begraben. Hier bei Euch," fuhr er fort, als der alte Mann ihm nichts darauf erwiderte und regungslos in seiner Stellung blieb,„könnte ich ja auch nicht einmal bleiben, denn rch möchte meine Frau, und wenn sie einem der edelsten Geschlechter angehörte, nicht unter ein Dach mit Tante Aurelia bringen— Du weißt selber recht gut, daß Haß und Unfrieden im Hause die nächsten Folgen davon wären." „Gottes Strafe— Gottes Gericht!" flüsterte der Baron. „Aber von was redest Du, Vater?" rief Bruno ordentlich erschreckt.„Wofür Gottes Strafe, wenn Du das eine Strafe nennst, daß Dein Kind endlich das Glück findet, das es so lange gesucht und— leider nicht im Vaterhause finden konnte?"... „Geh," sagte der alte Mann, indem er:hn mit der Hand" langsam von sich schob, ohne ihm aber sein Auge zuzuwenden,„geh, Du bist mündig und bald Dein eigener Herr. Was kümmert Dich auch der Name unseres Hauses, auf das Du Schmach und Schande häufst? Ich will Dir nicht fluchen— ich darf es nicht; aber— verlange nie memen Segen zu einer Verbindung mit der Judentochter— er würde Dir auch nichts nützen."— fetzte er heiser hinzu —„er würde selber nur zum Fluche werden!" Die Worte des alten Mannes waren für den Sohn räthselhaft; er begriff nicht, welche mögliche Deutung er ihnen geben konnte. Ehe er aber im Stande war, eine weitere Frage an ihn zu richten, öffnete sich die Thür und Tante Aurelia, deren scharfer Blick, selber staunend, die Gruppe überflog, stand auf der Schwelle. „Was ist da vorgegangen?" sagte sie finster.„WaS hast Du wieder mit dem Vater gehabt, Bruno? Das weiß doch der Himmel, daß Du das Haus nie betrittst, ohne einen Verdruß zu bereiten!" „In der That, Tante?" sagte Bruno, der ihr gegen- über ganz wieder den alten Groll erwachen fühlte und sich> H de» Kerathung dro Anleiheges'etzr» zu Zwecken der Militärverwaltung(278.5 Millionen Mark) in der Sitzung der Budgetkommisfion des Reichstags gab der Kriegs- minister am Dienstag, der„Lib. Korr." zufolge, eme ins Einzelne gehende Berechnung der Verwendung der Summe von 212Mill. Mark, welche für das Gebiet des preußischen Äilitärkontingents in Anspruch genommen wird. Darnach find zur Beschaffung von Waffen 160 Millionen Marl, für Ausrüstung 30 Millionen Mark und entsprechend kleinere Summen für Unierbringung der Vorräthe u. f. w. erforderlich. Der Kriegsminifter erklärte, die Militärverwaltung beabsichtige die möglichst schleunige Be- schaffung der Vorräthe. Auf alle Fälle aber würde schon im nächsten Etatsjahr eine Einstellung von 2,8 Millionen Mark Zinsen erforderlich sein. Russtscher Anteiheversnch. Der„Kreuz-Zeitung" wird von„gut unterrichteter Seite" aus Brüssel gemeldet, daß der russische Anleiheversuch bei einer Gruppe bel- gischer und holländischer Finanzhäuser als definitiv gescheitert zu betrachten sei, da der Zar zu dem angebotenen Emisfionslurs von 50 pCt. seine Zustimmung endgiltig vcr- weigert hat, und ein erheblich höherer Preis schlechterdings nicht bewilligt werden soll. In Belgien nimmt man allgemein an, daß ein noch unter den gegenwärtigen Stand der Oricntanlcihen angesetzter Kurs nur den Zweck gehabt habe, mit guter Manier sich aus Verhandlungen herausziehen zu können, m welche sich eingelassen zu haben von den obigen Finanzinstitutcn bedauert werde, nachdem man die Gewißhert erlangt hatte, daß weder der deutsche, mit russischen Wetthen noch immer stark genug belastete Markt noch der französische zur Aufnahme neuer, der- artiger Effekten, wie günstig fich diese auch von vornherein dar- bieten möchten, geneigt und fähig seien. Man sieht die Aus- führung der für alle Fälle schon im Herbst v. I. geplanten russischen Zwangsanleihe von 500 Millionen Rubel als nahe bevorstehend an, da die rund anderthalb Millionen Pfund, welche die russische Reichsfinanz für den Verkauf 4prozentiger Obligationen ihrer großen Staatsbahnen(vielleicht Dcpotstücke) in London erhalten, rasch genug aufgebraucht sein werden. Die Aussagen der Haupt und Schröder find von dem Reichstagsabgeordneten Singer gekauft— das ist die neueste Entdeckung der �Krcuzztg.", mit der sie fich aus der Ver- legenheit helfen will. Sie schreibt:„Wir aber fragen jetzt, worauf bauen sich all diese unerhörten Verdächtigen auf, die in dieser Sache gegen die preußische Regierung geschleudett wur- den?— Lediglich auf den„freiwilligen G e st ä n d- nissen" der zwei Männer Haupt und Schröder. Wer hat den Beweis dafür erbracht, daß preußische Polizeibeamte mit Haupt in Briefwechsel gestanden hätten?— Haupt selbst.— Wer hat die Summen angegeben, die Haupt und Schröder als Besoldung von Berlin erhalten hätten?— Sie selbst haben alles„freiwillig" gestanden!— Wie kläglich fällt da doch das ganze Gebäude der Enthüllungen Singers zusammen, der im Reichstage die Haupt und Schröder als„verdächtige Sudjette" brandmartt, dabei aber deren Aussagen, wofür auch nicht der Schatten eines Beweises herbeigcbracht werden tonnte, zum Aus- aangspunkt seiner wenig rühmlichen Kampagne gebraucht. Nehmen wir ruhig an, daß Haupt und Schröder für Bezahlung an eine preußische Behörde Berichte über die sozialdemokratische Propaganda einsandten, liegt es da nicht auf der Hand, daß sie alsdann vielleicht gegen ein h ö h e r e s A n g c b o t für Herrn Singer die von diesem gewünschten Aussagen machten?"— Die„Kreuzztg." merkt nicht einmal, daß sie mit der Zeit wirk- lich lächerlich wird. Wer war es, der zuerst die unrichtige Be- hauptung aufstellte, die Aussagen der Haupt und Schröder seien„erpreßt" worden, und wer formulitte daraus die hirnverbranntesten Anklagen gegen die Sozialdemokraten?— Und dasselbe Blatt denüyt nun das erwiesene Gegenthefl der ersten Voraussetzung, um in dieselben verleumderischen Schmähungen auszubrechen! Ein besseres Gedächtniß wenigstens sollte sich die„Kreuzzeitung" bei ihren krampfhaften Mohren- wüschen anschaffen. Z« den Uerhandlungen der Kottalistengrsetzkom- mifTlon sagt die„Freist Ztg." folgendes:„Wäre es den kon- servativcn Parteien Emst damit, einen Konflitt herbeizuführen wegen Ablehnung der Verschärfung, so brauchten sie nur nach Ablehnung der Verschärfung gegen den betreffenden Para- graphcn zu stimmen. Alsdann würden die Konservativen zu- stimmen mit denjenigen, welche überhaupt auch gegen die ern- fache Verlängerung des Gesetzes find, überall die Mehrheit er- langen, und ein positiver Kommissionsbcschluß würde ausge- schloffen sein. Daß die Konservativen diese Tattik, welche sie früher bei dem Septennatsgcsetz und der Dampfersubventions- vorläge beobachteten, nicht befolgen, beweist, daß man auf Seiten der Regierung schon jetzt entschlossen scheint, die Ver- schärfungen des Sozialistengesetzes fallen zu lassen und sich mit einer einfachen Verlängerung für 2 Jahre zu begnügen. Man nimmt an, daß nach etwa 3 Sitzungen die Kommisston ihre nach dem Verlauf der ersten Berathung rein formale Aufgabe erledigt haben wird." Der Gesetzentwurf, betreffend die Alters- und Invalid enverstcherung der Arbeiter» ist, den offiziösen„B. P. N." zufolge, ebenso wie der Gesetzentwurf, detteffcnd die auch wenig deshalb sorgte, die ihm verhaßte Verwandte zu schonen. „In der That," lautete ihre Antwort,„ich erwarte es gar nicht anders." „Dann möchten heute Ihre Erwartungen vielleicht noch übertroffen werden— guten Morgen, Tante!" Staunend sah sie ihm nach; aber Bruno kümmerte sich nicht weiter um sie. Ohne selbst noch einmal zu dem Zim- mer des Bruders hinaufzugehen, schritt er nach dem Stall hinüber, sattelte sich selbst sein Pferd und ritt dann in die Stadt zurück. Am Krankenbett. Ungleich der stürmischen oder doch bewegten Unter- Haltung im unteren Theil des Schlosses verhandelten die Personen im oberen, in Benno's Krankenstube, und Benno selber saß mit hochgerötheten Wangen in seinem Bett und lauschte der Erklärung Baumann's, der vor ihm auf einem kleinen Tische die mitgebrachte Maschine stehen hatte und jetzt ihre Wirksamkeit beschrieb. „Aber woher haben Sie das wunderliche Ding, Bau- mann?" sagte der Knabe mit blitzenden Augen, denn sein ganzes Interesse war geweckt worden.„Doch nicht selber verfertigt? Das sieht ja gerade so aus, als ob es schon über hundert Jahre alt wäre. „Das ist eS auch vielleicht, lieber Baron," erwiderte der junge Mechanikus,„und eine nicht ganz werthlose Antiquität, die dem alten reichen Salomon gehört." „Aber was stellt es vor? Wasbezweckt es? All' die vielen Räder, die schwere Kugel dann und die Hebel!" „Es sollte ein altes Problem lösen," lächelte Baumann, „das perpetuum mobile." „Um vielleicht durch ein xerpetuum immobile zu be- weisen, daß es auch das Gegentheil geben müsse," lachte Benno, der seine Krankheit ganz vergessen hatte.„Wie ko- misch das ist! Es rührt und regt sich ja gar nicht." „Weil es noch nicht in Gang gebracht ist," erwiderte Baumann;„wenn das aber geschieht— und wir wollen daS gleich einmal thun—, so kann ich Ihnen versichern, daß es ununterbrochen fortläuft und kein Aufhören mehr zu berechnen ist, die Zeit natürlich ausgenommen, wo sich . ioo'm xW rj? wiederh> und eber nach und Ausdehnung der Unfallversicherung auf die dem UnfnErffy�,. fnde zum rungsgesetze noch nicht unterworfenen Gewerbe, im..j?-wu des Innern fertiggestellt; beide werden augenblicklich nmJtl». W Van Revision unterzogen, che sie an die weiteren Instanzen IP«eineptaj werden. Es sei zweifellos, daß auch diese Gesetzentwurf!� nächst dem Bundesrathe zugehen werden..,% in Belm Auf ihre Iitiruug durch dr« Neichstzaufl««> kti- wachsen� Montagsfitzung des Reichstages ist die„Freist Ztg. bdP h k�ri L E. Richter nicht wenig stolz. So drückt fie wohlge'al!«' gendes ab:„Daß der Reichskanzler, so schreibt der parM» Ich ein ausae rische Korrespondent der„Brest. Ztg.", seinen AusganM stiersuche find von einigen Aeußerungen der freifinnigen Presse hcrnM der> kündet, wie viel Bedeutung er auch jetzt noch immer der t-st k dieselbe ur dieser Presse und dieser Partei beilegt."— Es muß> um die freifinnige Pattei stehen, wenn fie solchen Trost hast Zugleich lernt man auch begreifen, welche Verachtuw Reichskanzler für solche Opposition haben muß., Au der Kommiffio« für Erlaß der Wittwen'> Waisengeldbeiträge wurde der Gesetzentwurf der RegieruM genommen mit einer Ergänzung, daß ein Beamter, wclam dem Widerrufe Gebrauch macht, diejenigen Beträge"Ngg», 11UU( uni erhatten soll, welche er seit 1 882 an eine Militär- oder Iii die Höhe beamtenwittwenkasse oder an eine sonstige dergst VcranM w bem des Staates gezahlt hat. Ein Antrag, das Widerrufsre«' auf Wittwen und Waisen der seit 1882 gestorbenen L» auszudehnen, wurde abgelehnt, da die finanzielle Tragwc»! nicht zu übersehen; man könnte sonst unbillig gegen die bliebenen der vor 1882 Gestorbenen sein, und die crstM Hinterbliebenen könnten leicht Doppelbezüge erhalten.' rallele solcher Hinterbliebenen mit dem Beamten selbst nicht anerkannt, da dieser(wenn z. B. die Frau vor ein Risiko auf fich nimmt, während die Hinterblieben«� sicheren Gewinn erhalten würden. r „Schlestfchev Gesinde empfing und empfiehlt; Utilrm. in Gnn# Also zu lesen in sächsischen Blättern. Herr Uhlrick � wohlrcnommitte„Firma", er liefest seine„Waare" dilW. was sonst er noch„handelt", wissen wir nicht, erfahren vielleicht nächstens. Warum er seine„Waare" nicht „frisch" annonzist? Die Sklavenhändler von Konst« vestehlen nie, es zu thun. Ader Grimma ist vielleicht — heikel wie Konstantinopel. In Elberfeld wurde eine ArbeiterversammlustS' welche ein Vortrag des Baumeisters Keßler angeküno'e verboten. Magdeburg, 5. Febr. Gestern wurde der G en z m % .""i andern »on sozü eng di: , mg im I stntcrnehm ' einen gri aus Bei Hunde: wen am . daß bereits t Uderein gc aufzun stellen Oddal . daß -morgen "en. ist je'll fonds der deutschen Maurer beschlagnahmt; f ~ �; der Sitz derstW den sich zur Zeit 400 M. in der Kasse;______ Giebichenstein bei Halle a. S. Vestrauensmann A- Revisor C. Schach in Magdeburg. Frelburg i. K., 6. Februar. Heute Nachmittag in der Wohnung des Seffelmachers Wilhelm Krame»' suchung nach verbotenen Schriften gehalten und sodanst�, der Vater von 5 klemen Kindern ist, und zwei be: � ' gi:or x., wacht in uöthige I und vom � dem i �Hinaus >rtee schh der% b erlit Dem nende Buchbinder, Drechsler und Ändler, verhaftest. Italien somit ein Sozialistenprozeß zweiter Auflage zu bevoM�U�a und d Apolda, 4. Februar. Heute Abend sollte im Bürgelvereins eine Volksversammlung mit folgender ordnung stattfinden: Arbeitsbücher und Alters- und% Versorgung. Referent Herr W. Bock aus Gotha. sammlung wurde vom Bürgermeister Schrön auf Gn»' Ministerialverordnung vom 29. Mai 1887 verboten. Ausweisung. Aus Altona wurde der vom letzten streik her dekannte Former Schmoll in Ottensen aus � Sozialistengesetzes ausgewiesen. Kchwedeu«ud Aorwege«. Im weiteren Verlauf der Sitzung nahm d». schwedische Kammer einen Zoll von 4 StWi auf Mehl, Grüye und Arrow- root, einen Zoll vf auf Malz, einen Zoll von 30 Oer« auf Kleie— p« gramm— an. ,-ch Die zweiteKammer nahm mit 114 gegen ebenfalls einen Zoll auf Roggen von 2% Kronen per gramm an. Grotzbritattnie«.,. Der Rücktritt Lord Dufferins von% als Vizekönig von Indien und die Ersetzung destel�, den Marquis Lansdowne, sowie die Ernennung � Stanley of Preston zum General-Gouverneur von nunmehr amtlich bestätigt. Frankreich. Der Ausschuß für die Pariser Stad hat die Berathung des Goblet'schcn Entwurfes bee« Bestimmungen desselben wurden angenommen, m» derjenigen, betreffend die Polizeipräfektur und die-j' (Spitäler u. s. w.), über welche der Ausschuß sich"ow änderunzanträze einzubringen.! Cordicr wird. die Polizeipräfektur einfach auf den Staat zu u. Einen gleichen Antrag hat Leon Say im Senat e: toebunfu l�rutirt dem ' Personen Megenhe Mafien ein 1% % SR enfi das Material selber abnutzt und die Räder ausgebe den— ein Nachtheil, der allen Menschenwestcn an er sie nun später oder früher ereilt." ,Und wie kommen Sie dazu, Baumann � � „Es war die erste Arbeit, die mir, seit� ich � .K 9% „ stre nonuc" Ä»fS davon fch ständig etablist habe, anvertraut wurde," sagte MechanikuS,„und ich glaube, ich habe �-,, ehrenvoll gelöst, denn der alte Salomon versicher g' J, hätte das kleine Werk schon in alle größer_,(5Ine Deutschlands, zu den berühmtesten Arbeitern gesa � n es je reparirt zu bekommen. Die Antwort von.-. gelautet, sie wollten lieber etwas Aehnliche», f% �" stellen, als den Fehler finden, der hier st n%� j) verhinderte, fostzuarbeiten. Und doch lag daS � ß« an einer Kleinigkeit, an einem falsch eingesetzte' i.„tz„ das vielleicht einmal eine ungeschickte Hand herausgenommen und, da machen einem..........................-,_ brachte. DaS aber störte natürlich die Arbeit� es Aclj'chstjj_ anderen hatte, nicht wieder an die st � jf>h.Aensälls if* C*" dö? M C Ichc 5°pf > nur in f noch Werkes, weil seine Zähne etwas weiter stehen." „Und sie fanden den Fehler?" „Ja, und Sie sollen sich jetzt selbst»V'�ei wüßt arbeitet vortreffttch, und ein Ablaufen des Doch» ist, so lange die Räder selber in Ordnung bleu1> � Und denkbar.". Er hatte dabei die Metsingkugel auf einen gßi&J Punkt gelegt und ließ sie dort auf einen Hebe � � durch kam das ganze Räderwerk in Gang, a�er, selber wurde langsam, aber in genau abgstn � nach und nach von Zahn zu Zahn wreve thre alte Stelle gebracht, um ihren Kre:s w Neuem zu beginnen. Jedesmal aber, wenn I erreichte und dann wie vorher ab und auf 1 brachte sie das Ganze von Frischem in Gang- W Kathinka, die sich noch im Zimmer bef u# kleinen Maschine, an der sich Benno nicht> i"' mit vielem Interesse zugeschaut, aber" >4 n Unfi , im licklich [nflonjfli Ä, roi J �krichterstatter ernannt und soll in seinem M Wunsch ausdrücken, daß am jetzigen Stand der geändert werde, bis die Vorlage berathen sei, daß lnepräfekt noch nicht ins Stadthaus überfiedle. Zto, Holland. Sri?« so macht fich auch in den Niederlanden � V°chsende Arbeiterbewegung bemerkbar, welche uhi J£n besonders in der durch ihre Webereien be- ~ atl' Almeloo hervortritt. Dort herrscht äugen- m w!! ausgedehnter Streik. Die gemachten Vermitte- r!tn«�e als gescheitert zu betrachten, der Provinz- h f � iu diesem Zweck in die Stadt gekommen war, j,«li r unverrichteter Sache wieder verlaffen, und die TrnS ff!, to_.o4rIe0tc Abtheilung Husaren wurde durch ein «uf Ä11 Infanteristen verstärkt. Die öffentliche Meinung f �? der Streikenden. Die Klagen der Arbeiter find Hrrriffl.,!!« fi/w k Ö�rjndct. So wurde über den Bestand einer durch . mlnWi tl. 5 �beiter gegründeten Kranken- und Unterstützungs- *. m# v».?!. /�a�ar Aufforderungen noch niemals Rechenschaft , F' c""d ebenso schloß der Konsumverein, zu welchem jeder •v«wr b Ici>!!? Hnd nach 50 Gulden beigesteuert hatte, und deffen ? ni-rf m* �b« von etwa 40 000 Gulden erreicht hatte, als- � p, 1i,n.re!n Beginn des Aufstandes seine Läden, und es iderrusv»� � Jlemltrfr-t- S»— irbenen le Tragi! Terft- ballen. ten sc' u vor erblieb %. in©niti» AÄ w a Kons'« tneflevH der U?llch lange, ehe der Geschäftsbetrieb wieder eröffnet fviele der Aussländischen haben Almeloo bereits ver- anderweitig Arbeit zu suchen; die Zurückbleibenden n sozialdemokratischer Seite mit Geld unterstützt. ng die Stimmung überhaupt unter der arbeitenden ng im Augenblick ist, hat in voriger Woche ein bei- uernehmer erfahren. Derselbe hatte in der Provinz «NM großen Wald gekauft und kam mit etwa hundert «ls Belgien an, um das vorhandene Holz zu fällen. Hunderten zählende Menge empfing die angekommc- �ven am Bahnhofe, und so drohend war die Haltung A daß der Wirth, mit welchem der belgische Unter- ereits wegen der Aufnahme und Beköstigung seiner aoererngekommen war, es nicht wagte, dieselben unter aufzunehmen. Ein Bauer, der seine Scheune zur ltellen wollte, um den Fremden wenigstens während Obdach zu geben, wurde ebenfalls derart einge- lbaß er die Thür geschloffen hielt, und alle Äalb, nachdem fie endlich im Bahnhof wäh- i- Jcatht ein Unterkommen gefunden hatten, am �rgen mit dem ersten Eisenbahnzuge nach Belgien ä»" INN-b Italien. lrordano-Bruno- Denkmal- Komitee aiacht in den Blättern bekannt, daß es schon seit langer «othlge Summe zur Herstellung des Monuments ge- und vom Munizipium um die Üeberlaffung eines Ter- 1 tut£?em Eampo dl Fiori gebeten, von demselben aber « aw#.lw?'"�chiebung berechnete Antwort erhalten habe. n SÄ!!!" schlage daher vor, am 17. Februar, dem Datum, d der Philosoph� von Ztola vor drei Jahrhunderten � erlitten, in Rom und in den vornehmsten anderen '"alienS öffentliche Vorträge über sein Leben und Wirken . und den Entschluß zu betonen, daß man die beregte �bung nicht länger dulden wolle. $£«... Kvaaien. '„vV lrtenkammer. Romero Robledo aiebt die dem Konflikt mit dem Militär in Rio Tinto ge- Prrsonen auf 45 an und fügt hinzu, er werde über öttegenheit die Debatte eröffnen, sobald vollständige %n eingegangen sein werden. »ei bei »ästet. bevor» lte im folge»*, - und boten. om ;n aus r&A ly -genl�D nen F i'H rJSl s � Parlamentarisches. K b.''ch»tagskommisston für das Kostalistengeseh K-e Berathungen fort. Die§§ 20 und 21, für •'%\tea,n5)aunfl beantragt ist, pafsirten ohne Debatte. 'wlÄ�ie Regierungsvorlage folgende neue Fassung ?Nch„�t5�onen, welche fich die Agitation für die im nner%,!! Bestrebungen zum Geschäft machen, ist im vis Zg�theilung wegen Zuwiderhandlungen gegen die _ Gefängniß nicht unter zwei Jahren zu er» änfmM1. der Freiheitsstrafe kann auf die Zuläsfigkeit der i. ftp'orcs Aufenthalts erkannt werden." Reg.-Kom- des t-Pilsach tritt für die vorgeschlagene Ver %%......,>' Zünften und die Einschmuggelung verbotener ! l? den. bc-Ä Zta es b r, nist ? die ick vor! wird Senat dt� uefikb,''�"orn Gesetzes ein. In fast allen größeren Bo�/.0/heime Verbindungen zur Umgehung der ge Derh» n.» un� die Einschmuggelung verbotene» s8cn p:.?efD1ffcrma6en gewerbsmäßig betrieben. Die . deiltpn �n geben der Regierung keine Gewähr, daß leiea nA �tc fich von der Agitation abwenden, dnoinj.«?0.kre Strafen erforderlich. Die„Freiheit" und leren bei weitem nicht so gefährlich, als der in l"»!10 stKr'Zk«'"«"'."'U»» ,u UC,uy«.u„ (trottet fübr?«• etef«Sozialdemokrat"; denn die ersten - davon Al" tmc solche Sprache, daß fich die deutschen 8et scharst s?.wahrend der„Sozialdemokrat" bei ��arjer Sprache das gefährlichste Truckerzeugniß »e», ldj, Fenste WK •n �de«-vL.- 3-■ vo» ritL��Uch|, vL?hllr rasch 9e5 trb flut'let'n'z«T« tnnfen, Mamsell, heh? Haben wir Dich iter L' Um Rut �,_9onommen und die langen Jahre ge- Ä den* ng j. & �17»'n Ston. �0.�,.ame aus Dir zu machen, die frch tvrrst und dann den ganzen Tag »or�JoKuich auch noch die Zeit, wo wir die Bürde valse los werden!" (Fortsetzung folgt.) ««d geben. ' eine auserlesene Gesellschaft aus sei. Die Expatriirung sei allerdings eine exorbitante Strafe, dieselbe solle darum auch nicht der Polizei, sondem dem Richter überlassen werden. Uebrigens liege eine Bürgschaft darin, daß die Regierung die Maßregel der Expatnirung rückgängig machen könne, wenn der Bestraste von seinen verderblichen Ge- finnungen geheilt erscheine.— Abgeordneter Ku rtz(konservativ) hofft, daß die beantragten Verschärfungen gegen die Agitatoren wenn nicht diesmal, so doch später genehmigt werden würden. Als Richter müsse er den Vorwurf zurück- weisen, daß die Gerichte zu milde geurtheilt hätten, wenn es fich um Delikte gegen das Sozialistengesetz ge- handelt habe. Die milden Urtheile, welche in einzelnen Fällen gefällt wurden, erklären fich durch das Mitleid mit Personen, welche verführt worden find. Das Volk und die Richter ver- stehen es nicht, daß untergeordnete Leute besttaft werden, die Verführer aber, die Hauptagitatoren frei ausgehen und in den Reichstag gesandt werden. Diese gerade müßten strenger be- straft werden, das verlange die Gerechtigkeit. Abg. T r a e g e r: Das Sozialistengesetz habe die doppelte Tendenz der Abwehr und der Strafe. Die Strafen des jetzigen Gesetzes seien schon hoch genug. Es gebe keine Stelle, welche autoritativ die Ur-� theile des Richters kritifiren könne. Geh. Rath Held: Er habe im Reichstage nicht die Richter tadeln wollen, daß fie zu milde urtheilen; denn die Ursache liege gerade in der zu milden Strafandrohung. Wenn die angedrohte Maximalstrafe gering sei, so könne auch das Urtheil im Durchschnitt nur gelinde ausfallen. Abg. Dr. Meyer- Jena stimmt dieser Auffassung bei. Beklage man die zu niedrigen Strafurthelle, so müsse man eben das ganze Strafgesetzbuch verschärfen. Aber trotz höherer Strafen würden dennoch Vertteter der sozialdemokra- tischen Partei in den Reichstag kommen. Der gegen die national� liherale Partei erhobene Vorwurf, daß fie die Sache dilatorisch behandeln wolle, sei unbegründet. Der nothwendige Schutz werde von seiner Partei der Regierung nicht versagt werden.— Abg. Bebel hittet Herrn Geh. Rath Held, seine heutigen Er klärungen im Plenum des Reichstags zu wiederholen; denn seine neuliche Auslassung sei überall dahin verstanden worden, daß die Richter zu milde urthellen. Diese Auffassung habe auch Abg. Kurtz heute vertreten, welcher fich mit einem wahren Fana- tismus gegen die Sozialdemokratie gewandt habe; er bedaure den Mann seiner Partei schon jetzt, der ihm einmal zur Abur- theilung in die Hände falle.(Der Vorfitzende v. Kardorff rügt den Ausdruck Fanatismus.) Man solle doch nicht vergessen, daß das Reich noch genug andere Strafgesetze habe, außer dem Sozialistengesetz. Er verstehe nicht, warum die Regierung gerade den gemäßigten„Sozialdemokrat so sehr fürchte, während die„Auto- nomie" und die„Freiheit" durch Polizciagenten verbreitet worden sei, was noch jetzt von Belgien aus geschehe. Der in letzter Zeit oft genannte Schröder habe vis zu seiner Verhaftung 200 Eremplare der„Freiheit bezogen. Bei den Geheimbundpro- zessen habe es sich herausgestellt, daß es fich zunächst immer nur um ganz legale Handlungen, wie Wahlen u. dergl., gehandelt habe, sodann allerdings höchstens noch um die Verbreitung des �Sozialdemokrat. Minister von Puttkamer: Im Plenum habe Abgeordneter Bebel ihm gegenüber sozusagen einen Ucderfall gemacht; gleichwohl habe er im Plenum sofort darauf geantwortet. Die beiden Polizeibeamten, von denen Abg. Bebel gesprochen, seien inzwischen glänzend gerechtfertigt und auf seinen Antrag dekorirt worden. Der Abg. Bebel sei ehcn von seinen Zuträgern stark belogen worden. Das Soziw listengesetz stehe zudem mit den meisten Dingen, welche Abg. Bebel vorgebracht, in gar keiner Verbindung. Daß deutsche Be amte mit den in der Schweiz verhafteten Leuten in Verbindung gestanden haben, sei lediglich eine aus der Luft gegriffene Be- hauptung. Abg. v. Kleist-Retzow tritt für die vorge- fchlagene Verschärfung des Gesetzes ein. Abg. Kurtz: Es habe ihm fern gelegen, mit seinen Ausführungen den Richtern oder Verwaltungsbehörden irgend einen Vorwurf zu machen. Von Fanatismus sei er keineswegs beseelt. Herrn Bebel könne er übrigens verstchem, daß er auch ihm gegenüber eintretenden Falles ein durchaus unparteiischer Richter sein werde. Abg. Robbe(Reichspartci): Daß die Führer und Agitatoren härter hesttaft werden müssen als die Verführten, sei selbstverständlich. Gleichwohl habe er Bedenken gegen das von der Regieru_ beantragte Strafmaß. Die Regierungsvertreter und die Motive der Vorlage haben dafür zu wenig vorgebracht. Der Begriff„geschäftliche Agitation" sei allzu dehnbar. Es würde fich vielleicht empfehlen, nicht zwei Jahre, sondem ein Jahr als Mindcststrafe zu setzen. Abg. Bebel protcstirt gegen die Annahme, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten die Ver- breitung verbotener Blätter so einrichten, daß fie selbst nicht er- wischt werden könnten. Es sei doch allgemein bekannt, daß er felbst und seine Freunde auf Schritt und Tritt polizeilich be- wacht würden. Herr v. Puttkamer habe drei Tage Zeit gehabt, auf seine(Redners) Enthüllungen im Plenum zu antworten, gleichwohl sei es nicht geschehen. Bei der Abstimmung wird die vorgeschlagene Verschärfung gegen 6 Stimmen ab- gelehnt. Der Antrag, ein Jahr Gefängniß statt zwei Jahre anzudrohen, wird mit denselben Stimmen abgelehnt,§ 22 in der bisherigen Fassung angenommen. § 22a, welcher von der Regierung nun vorgeschlagen wird, wissenschaftlichen und joumalistischen Kreisen Europas den Atlantic und dann den 3000 Meilen breiten Rücken des amcri- konischen Kontinents kreuzte, um der Eröffnung der„Nord- Pacific-Bahn" als„Ehrengäste" besonderen Glanz zu verleihen. Auf denselben Sttecken fuhren letzte Woche, so wird der„Magd. Ztg." geschrieben, nur unheimliche„Züge des Todes" dahin. Hunderte, armselig in Thierfelle gehüllte, stumme Gestalten drängten fich wehmüthig heran, um eine thcure und doch so entsetzliche Fracht in Empfang zu nehmen: die erstarrten Leichen von Verwandten und Freunden, aufgelesen von der eifigen Schneedecke der bäum- und strauchlosen Einöde! Hat eine Schlacht mit den Jndianerstämmen, die jene Wildniß durch- streifen, stattgefunden, find es die Opfer eines Erdbebens oder Eisenbahnunfalls, die da in Reihen auf der hartgefrorenen Erde ausgestellt werden? Nein, und doch haben nur wenige Minuten hingereicht, dem Tode so reiche Beute zu schaffen. Der„Blizzard" war es, der den Würgengel gespielt! Was ist der„Blizzard"? Man denke fich einen trocken- kästen Wintcrtag. Kerzen grade steigt der Rauch aus den mit Rasen gedeckten Erdhütten der Anfiedler zum blauen Himmel empor, von dem die Sonne freundliche, wenn auch nicht er- wärmende Strahlen auf die erstarrte Erde herabsendet. Nur wenige wirstiche Häuser find zu sehen: denn die neuen?ln- fiedler, die, angelockt von den billigen Bedingungen, hier eine Bodensttecke von 160 Acckern vom Staate erworben haben, find zu arm, um das kostspielige Material für ein festes Holzhaus von weiter Ferne her zu beziehen. Die weite, ungeheure Steppe, ihre neue Hcimath, bietet ja iveder Baum noch Strauch, soweit das Äuge auch den sehnsuchtsvollen Blick sendet. Der schöne Tag aber hat Alles ins Freie gelockt. Die Männer find auf die Jagd gegangen, oder haben den Pfad nach der nächsten Ortschaft eingeschlagen, um mit den Geschäftsleuten ihre Pro- dukte auszutauschen. Die Kinder haben die Wanderung zur Schule angetteten. Da, urplötzlich, zeigt fich am nordwestlichen Horizonte eine blinkende, weiße Wand. Sie scheint fich zu nähern. Die Sonne erbleicht, hüllt fich immer tiefer m einen fahlen Nebelschleier und verschwindet bald gänzlich. Immer drohender zieht das unheimliche weiße Gespenst im Nordwesten herauf, und endlich bricht das Wetter los; auf den Fittigen des Orkans, stöhnend anfangs, dann heulend und brüllend, kommt es heran. Das ist nicht Schnee, nicht Hagel, was dahersaust. Ersnadeln finds, die auf den Wanderer eindringen, wre glfirge Pfette. Immer dichter hüllt ihn das eifige, wüthcnde Trerbcn ein, verhüllt ist jeder Aus- blick, verweht Weg und Steg, sowett davon dort überhaupt Handell von der Entziehung derEtaatsangehörig- keit und der Ausweisung aus dem deutschen Reichs- gebiete. Abg. Dr. M e y e r- Jena: Ob die Expatriirung Völker- rechtlich möglich sei, erscheine fraglich, da die Leute, die wir andern Staaten aufbürden wollen, uns wieder zurückgeschickt werden können. Die Personen, welche als Führer an ver Spitze der Sozialdemokratie stehen, würden übrigens doch nicht ge- troffen werden, vielmehr in der Mehrzahl nur untergeordnete Leute. Prinz C a r o l a t h(Reichsp.): Seine Partei sei gegen die Expatriirung, da fie ihr nutzlos und zu weit gehend er- scheine. Die Sicherheit des Vaterlandes würde mehr verbürgt, wenn die gefährlich erscheinenden Leute im Jnlande beobachtet werden können. Die Expatriirung würde auch einen gehäsfigen Eindruck machen. Die Anwesenheit der Sozialdemokraten im Reichstage halte er für kein Unglück; man habe dadurch viel- mehr ein Ventil für die Bewegung. Diejenigen, welche scharfe Polizeimaßregeln befürworten, hätten aus der Geschichte wenig gelernt(Heiterkeit), er meine damit nur Leute außerdem Hause. Abg. v. Kleist-Retzow: Nicht Mangel an Patriotismus, sondem Mangel an Verständniß beweisen die Gegner der Ver- schärfung. Gegen vaterlandslose Gesinnungen, wie fie sich bei den Sozialdemokraten zeigen, sei die Expatriirung sehr wohl angebracht.— Abg. Kurtz befürwortet nochmals die Regie« rungsvorlage, da die sozialdemokratische Bewegung seit dem Jahre 1875 viel intensiver geworden sei. Der sozialdemokratische kleine Staat im großen Sraat habe seine internattonalen Be- ziehungen. Bebel, Singer unterhalten Verbindungen in der Schweiz, wie ein souveräner Staat. Die Expattiirung sei eine durchaus gerechtfertigte Maßregel. Die Schweiz würde immer bereit sein, die Leute aufzunehmen, da fie doch wahrscheinlich nicht mit leeren Taschen kommen würden.— Abgeordn. Prinz Carolath: Durch die Expatriirung würde gar nichts erreicht werden, die Sozialdemokraten würden alsdann vielmehr.rst recht wie die Pilze aus der Erde schießen. — Abg. Dr. Wind tho rst: Die Ausführungen des Abg. v. Kleist-Retzow gipfeln darin, die Sozialdemokraten müssen todtgeschlagcn werden. Glauben die Freunde der Vorlage wirk- lich, die sozialdemokratische Idee mit Gewalt ausrotten zu können? Die Expatriirung sei absolut unzulässig, und es sei unbegreiflich, daß solche Vorschläge überhaupt gemacht werden können.§ 22» der Regierungsvorlage wird darauf gegen 6 Stimmen abge- lehnt.— Abg. Kurtz, welcher inzwischen denAnttag gestellt hatte, die vemrtheilten Sozialdemokraten des attiven und pasfiven Wahlrechts verlustig zu erklären, sowieAbg.v. Kleist-Retzow, welcher die Zuerkennung der Expatriirungsstrafe dem Reichs- gerichte überweisen wollte, verzichten nach dieser Ablehnung auf die Abstimmung über ihre Vorschläge.— Die Berathung wird morgen fortgesetzt._ Gerichts-Zeitnng. Die Enthüllungen de» Abg. Kinger im Reichstage über die Thätigkeit einzelner Organe der politischen Polizei de- ginnen bereits in den Genchtssälen eine Rolle zu spielen. Gestern stand der Knopfmacher Johann Nowack wegen Ver- breitung sozialdemokratischer Druckschriften vor der fünften Straf- kammer hiesigen Landgerichts I. Der Angeklagte ist sofern eine interessante Persönlichkeit, als er das erste Opfer jener neuen Reichsgcttchtsentscheidung geworden ist, wonach schon das bloße Abonnement auf den Züricher„Sozialdemokrat" sttafbar sein kann, weil es die Begünstigung der Verbreitung verbotener Druckschriften enthält. Bei dem Angeklagten, welcher der poli« tischen Polizei aus verschiedenen Gründen verdächtig war, wurde eine Haussuchung abgehalten und dabei ein Exemplar des „Sozialdemokrat vorgefunden. Da der Angeklagte zugegeben hatte, zu eigener Lektüre dies Blatt durch einen Parteigenossen bezogen zu haben, so vernrtheilte ihn das Schöffcngerichtzu 30 M. Geldbuße.— Sowohl der Angeklagte, wie auch der Staatsan- walt legten hiergegen Berufung ein und letzterer berief sich u. a. auch auf das Zeugniß des Knminalkommissarius Grafen Stillfricd darüber, daß der Angeklagte ein Mann ist, der zweifellos das Blatt zu weiterer Verbreitung bezogen habe.— Graf Stillfried erklärte auch auf Grund der ihm zugegangenen Berichte, daß der Angeklagte eine gewisse Rolle in seiner Partei spiele, an den Landpartien der Sozialdemokraten nach dem Grunewald und Grünau Theil genommen, dabei auch mehrfach mit dem Abg. Singer gesprochen habe und daher zweifellos ein sozialdemokratischer Agitator sein müsse.— Staatsanwalt Unacr befürwortete, die Gcldsttafe durch eine vierzehn« tägrgc Gefängnißsttafc zu ersetzen. In wenigen Wochen würde durch ein n anderen Prozeß klar der Nachweis geführt werden, daß alle derattiaen Geldstrafen, wie auch die Gerichts- und sonstigen Kosten nicht von dem Einzelnen, sondern von der Partei gettagen würden. Die fühlbare Gefängnißsttafe empfehle fich auch aus dem Grunde, weil der„Sozialdemokrat" notorisch eine besonders verhetzende und giftige Sprache führe. Der Vertheidigcr, welcher aus juri- stischcn Gründen die Freisprechung forderte, wies darauf hin, daß manche neueren Vorkommnisse den Glauben an die absolute Zuvcrlässtgkeit solcher Berichte untergeordneter Polizeiorgane, wie sie hier dem Grafen Stillfned über die Person des Ange- die Rede lein kann, und dem Unglücklichen wird der Athem ge- raubt. Dabei wird die Käste immer grimmiger; sie durchdringt auch die dichteste Kleidung, den dicksten Pelz, ertödtct den unglücklichen Opfern das Mark in den Knochen. Nur die unmittelbare Nähe eines Obdachs, wenn es mit den fast geblendeten Augen in der grauenhaften Finsterniß des Schneewirbels noch wahmehmbar, kann Rettung bringen. Kein Pferd, kein Vieh, kein Hund ist im Stande, gegen den Orkan anzukämpfen. Alles verschlingt sein unersättlicher Rachen, er reißt es oft meilen- weit durch die Lüfte fort, um es dann wieder zur Erde hinzu- speien. Das ist der„Blizzard"! In jenen, durch Waldgebirge nicht geschützten, unseligen Territorien, welche die Heimath des „Blizzard" bilden, find diese furchtbaren Erscheinungen nicht selten, aber von so ungeheurer Gewalt, wie der letzte, dem Tausende von Menschen zum Opfer fielen, wissen die traurigen Annalcn jener Gebiete doch nicht zu berichten. Freilich haben fich aber auch die Anfiedler in den letzten Jahren, seitdem die Eisenbahn ihre Arme in die Einöde gestreckt hat, stark vermehrt. Die aus Minnesota, Dakota, Montana u. s. w. gemeldeten Einzelheiten über das Wüthen des letzten„Blizzard" find wahrhaft grauenvoll. Wer fich außerhalb des Hauses oder der Erdhütte befand, war so gut wie verloren. Es find Leute auf dem Schritte weiten Wege zwischen Stall und Haus umgekommen. Männer, die nur das Vieh zur Tränke führen sollten, kamen mit demselben nicht zurück,.tum- derte von Schulkindern, die fich auf dem Wege zum väterlichen Dache befanden, sind dem Dämon zum Opfer gefallen. So grimmig war die Kälte, daß die Leute in ihren Behausungen erfroren. Sogar auf den Eisenbahnzügen erschlug der Würg- engel„Blizzard" die auf sein plötzliches Erscheinen nicht vorbe- retteten neuen Anfiedler, obwohl die besser verwahrten Passagiere alles aufboten, was zu ihrer Rettung möglich war. Der Ver- lust an Vieh ist unermeßlich und daher die Noch unter den Ansiedlern doppelt groß. Pflicht der europäischen Presse ist es, den Warnruf ergehen zu lassen an alle diejenigen Europamüden, die fich durch die fast unentgestliche Landerwerbung unter dem amettkanischen Heimstättegesetz etwa noch verleiten lassen könnten, nach der Hcimath des-„Blizzard" auszuwandern. Nagten geworden, doch stark erschüttert haben müßten. Bei dem Prozeß Jhring-Mahlow habe die sechste Strafkammer schon eine döse Erfahrung in dieser Beziehung gemacht. Und was die Ge-> fährlichkeit des„Sozialdemokrat" betrifft, so sei dieser ein weißes Lamm gegen die„Freiheit", und nach den neuesten Ent- hüllungen stehe es doch fest, daß selbst letztere die Polizei für so ungefährlich hielt, daß Werkzeuge der Polizei die Verbreitung der„Freiheit" lörderten.— Der Gerichtshof erkannte auf Ver- wcrfuna der beiderseitigen Berufungen und beließ es bei dem ersten Erkenntniß._ Vereine nnd Uersammlnngen. Herr I. Mehlich, LadriKant für Nähmaschinen- Stahlapparate, Sophicnstr. 21, ersucht uns um Ausnahme folgender Berichtigung:„In Nr. 33 Ihrer geehrten Zeitung „äkrl. Volksblatt" haben Sie einen Bericht über eine von meinen„entlassenen" Schleifern abgehaltene Versammlung ge- bracht. Tie meisten in dieser Versammlung gemachten Angaben beruhen auf Unwahrheit und bitte ich um gest. Aufnahme und Veröffentlichung, wie sich der Hergang thatsächlich verhält. Von ca. 200 Arbeitem, die ich beschäftige, haben 32 Schleifer auf- gehört zu arbeiten und zwar wegen einer Lohnreduktion von 6 bis 8 Prozent; von dieser Lohnreduktion find aber nur 10 bis 12 Mann betroffen worden. Die Leute wurden bei mir am 28. Janriar er. vorstellig, worauf ich ihnen aus- drücklich erwiderte, daß fie bis zum Donnerstag, den 2. Februar er., nach den alten Lohnsätzen arbeiten und von da ab 14 Tage nach den neuen Preisen ver- suchen sollen, da ich überzeugt sei, daß fie ganz gut zu recht kommen werden. Auf die Erklärung seitens der Gehilfen, fie müßten dann Streik machen, habe ich ausdrücklich gesagt: „Streik kenne ich nicht"; fie, die Schleifer, können wohl alle aufhören zu arbeiten und ihre Entlassung fordern, aber keinen Streik in Szene setzen. Am Sonn- abend, den 4. Februar er., war Lohntag und hat fich kein einziger von den Leuten seinen Lohn geholt, obgleich meinem Buchhalter schon am Montag, den 30. Jan. ct., seitens des Komitees der Auftrag wurde, den verdienten Lohn für sämmtliche Gehilfen dereit zu halten. Am Montag, den 6. d. M., habe ick die Leute ernstlich auffordern müssen, ihren Lohn nebst Entlassung zu holen. Trotzdem am Montag vor der Versammlung sämmtliche Komitee-Mitglieder bis auf einen ihre Entlassung hatten, ist kein Wort davon in der am Abend desselben Tages abgehaltenen Versammlung— zum Zweck der Fortsetzung des Streiks— erwähnt worden; hierauf erhielten sämmtliche Gehilfen am Dienstag, den 7. ct., ihre Entlassung. Diejenigen, welche die Arbeitseinstellung„in Szene setzten�, haben laut meinen Büchern pro Tag bei 10 stündiger Arbeits- zeit 6 M. 35 Pf. verdient. Ferner habe ich nach ganz genauer Berechnung des gesammten Lohnes meiner Schleifer einschließlich der Lehrlinge und Arbeitsburschen einen Durchschnittslohn von 40 Pf. per Stunde festgestellt.— In der betr. Versamm- lung wurde mir auch eine ganz maßlose Aeußerung in den Mund gelegt, welche ich meinen Schleifern gegenüber gethan haben soll. Ich erkläre dies hiermit für eine Unwahrheit. Wenn ich mich wirklich zu einer Äußerung habe hinreißen lassen, so hatte dieselbe auf Flugblätter Bezug, welche während meiner Abwesenheit von Berlin gedruckt worden waren, und auf einen Zeitungsartikel, welcher mir, herausgeschnitten, zugestellt worden ist, der aber nicht Ihrer Zeitung entstammte. Indem ich Sie hiernnt höflichst bitte, von ineinen Mittheilungcn gefl. Notiz nehmen zu wollen, bemerke ich Ihnen noch, daß ich überhaupt nicht weiß, ob Herr Singer in irgend welchen Beziehungen zu Ihrem werthen Blatte steht. Meine vier Buchhalter, Gustav Feuge, Otto Sager, Max Kobsa und Eduard Schneider, welche den Veihandlungen mit meinen Schleifern beigewohnt haben, können meine Ausführungen nur bestätigen. Berlin, den 8. Februar. Hochachtungsvoll I. Mehlich." Urrewigung Drechsler Deutschland», Lrtsver» waltung Berlin l>(Stockbranche). Laut Beschluß der letzten Versammlung soll in jeder Werkstatt ein Vertrauensmann ge- wählt werden, der wöchentlich die laufenden Beiträge einkasfirt. Der Vorstand ersucht die Mitglieder, mit der Wahl der Ver- traucnsmänner baldigst vorzugchen. Die Gewählten werden ersucht, am Montag, den 13. Februar, Abends 7k Uhr, bei Teigmüllcr, Alte Jakobstraße 48 a, zu erscheinen und die noth- wendige Jnfornration und das Material vom Kasfirer Herrn Böttcher entgegen zu nehmen. Daselbst werden auch neue Mit- gliedcr aufgenommen. Allgemeine Kranken- und Sterdekafle der Metallarbeiter(E. H. 29 Hamburg). Der von Mitgliedern der Filiale Berlin vil; veranstaltete Wiener Maskenball findet am Sonnabend, den U. Februar, Abends 8% Uhr, in Huth's Salon, Badstraße 22, statt. Billcts find vorher zu haben bei Voike, Pankstr. 17 und bei sämmtlichen Mitgliedern der örtlichen Verwaltung. Die Zahlstellen sind am Sonnabend geschlossen, dafür aber am Sonntag von 11 bis 12 Uhr Vormittags geöffnet. KrauKrn- und Kegräbnihkasse de« Nerrin» sämmt- licher Krrufsklasse«. Filiale Berlin I. Sonnabend, den 11. d. M., Abends 8 Uhr, bei Wollschlägcr, Blumenstr. 78, Versammlung.— Die Filiale Berlin>! hält ebenfalls morgen, Sonnabend, Abends 9 Uhr, im Restaurant Löskow, Prinzen- straße 79, eine Versammlung ab. Der diesjährige Wiener Maskenball findet am Sonnabend, den 18. d. Ä., m Habells Brauerei, Äergmannstr. 4 5, statt. Billets, Herren 50 Pf., Damen 30 Pf., find in der Versammlung, sowie beim Kasfirer, Herrn Schumacher, Mariannensir. 8, zu haben. Kranken-«nd Degräbni�kafle für die im KerUner Gürtler-«nd Kronzeurgemerbe beschäftigten Personen (E. H. 60). Ordentliche Generalversammlung laut§ 29 des Statuts am Sonntag, den 12. d. M., Vormittags 10 Uhr, im Louisenstädtischen Konzerthause, Alte Jakobstr. 37. Tages- ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Wahl des gesammten und der Ausschußmitglieder. Das Quittungsbuch l Freie|tereini»ung der Graveure nnd Der Kommers der Vereinigung findet am SomwK» 11. Februar, Abends 81 Uhr, im„Dresdener Garten,. denerstr. 45, statt. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, kommen. Der Derein der Parqurtbvdenleger Berli«« statt» t seinen Wiener Maskenball in„Dräsel's Festsälen� B iricdrichslr. 35, am Sonntag, den 12. Februar., Abend-, � ß% iillets nur vorher bei Schubert, Alte Jakob- und 8* straßenecke, und Saß, Ackcrstr. 170.. Zum Sattlerstreik. Die gcstem angekündigte s Sattlergesellen-Versammlung findet nicht Mittwoeb" sondern Freitag Vormittag 11 Uhr statt. JJ* haben gestern die Sattler der Werkstatt von Admiralstr. 9, die Arbeit eingestellt; es sind hierbei 6« 83. S l», die Zuschneider besagter Werkstatt betbeiligt. Am Tische d! Grsang-, Turn- und gesellige Derein» am i t von Eck Kaiscr'scher Männergesangverein Abends 9 Uhr im w tshan. Vettin, Veteranenstr. 19.— Gesangverein„Pauscbeutel• & Uhr im Restaurant Hensel, Älexandrinenstt. 15.'' K hat dj? m tafcl der Maler Berlins" Abends 3; Uhr Kaiser-Frair � Platz 7, Restaurant Berg.— Gesangverein„Alpenglül 9 Uhr im Restaurant Hildebrandl, Prinzenstr. 97. verein„Flöter'sches Doppel-Quartett' Abends 9Uhr im$ Musehold, Landsberaerstt. 31.— Gesangverein„BZ Abends 9 Uhr im Restaurant Schmidt, Manteuffelf Gesangverein„Norddeutsche Schleife" Abends 9 Ubr L str. 127a im Restaurant Goelling.— Gesangverein„Ossi»»: 9 Uhr Dresden erstr. 85 bei Gustavus.— HuppertM Vereinigung„Harmonie" Abends 9 Ubr bei Rieft straße 17.— Berliner Turngcnossenschaft(V Mäm lung) Abends 8% Uhr in der städtischen Waffetthontt.31.—(Tumverein„Hasenhaide"(Männev Abends 8 Uhr Dieffenbachstr. 60 61.— Turnverein, Frei"(Männerabtheilung) Abends 8t Uhr Bergig Wissenschaftlicher Verein für Rollcr'schc Stenographie-� Uch � yntl 3t Uhr im Restaurant Ziethen, Dorothecnstr. 31, Untelm i)|ut Uebungsstunde.—„Allgemeiner Arends'scher SteU Luippen verein'', Abtheilung„Vorwärts", Abends 84 Uhr im l)& Unter! Koll, Marianncnplatz 11.— Arendssscher Stenograf. Und Ausrüs .Apollobund""" � m" 1 �serent v.- °er Budget! '"ckenstein -ngcn zu sefetz als Berathu wister du Anfang a che ich b. misfion mal, Nd die Un Abends 9 Uhr im Restaurant, Äydelltr-.. Mrzeuae Verein ehemaliger Dr. Toebbelin'scher Schüler" Abendf«erpfleguna, '' ant Krebs. Friedrichstr. 20».— Voiat'M.<' im Restaurant Krebs, Friedrichstr. 208.— Voigts Äiitätswcs tanten-Orchesterverein. Abends 8« Uhr Uebunasstunot. staurant Lehmann, Älexandrinenstt. 32.— Zilhcrvcrnn- vellchen" Abends 8% Uhr im Restaurant„Wahlsta� alliancesttaße 89.— Rauchklub„Westend" Abends Hohcnzollerngattcn, Steglitzcrstt. 27.— Rauchklub„W Abends 3» Uhr im Reftaurant Wassetthorstr. 10 11- der Bei Antheil Zugaben tnnerhall Theater. Freitag, den 10. Februar. »piruqa«». Der Der Waffenschmied. AchUUsptelKaa«. Tante Therese� Witsch»» Theater. Wulluer-Theater. . Götz von Berlichingen. _______, Ein toller Einfall. Der tpiKk�ck'�Wilh-lmSädttsches Theater. Die Dreizehn. � ri Mtktvrta-Theater. Die Reise um die Wett in 80 Tagen. «Seud-Theater. Geschlossen. »eft>««»-TH»at»r. Franeillon. Pevealliaure-Thrater. D,e Salonttrolenn. Walhalla-Theater. Le coeur et la luain. «eutral-TK-ater. Höhere Töchter. M-uigstädttschea Theater. Das Milchmad- chen von Schöneberg. m »«erieau-Thrater. Svezialrtaten-Vorstellung. Theater»er Keichshalleu. vpezialttätm- Aa»�»«««« �UartStT. Spezialttäten' Vor- ftellun«._ Zum Die schöne Ungarin. Gesangsposse in 4 Akten von 33. Mannstädt. Aouplets v. G. Görß. Mufik von G. Steffens. ZHe neuen K-uplet« find vom Kapellmstr. Kerru Franz Roth komponirt. Irma: Clara Halmer. Lilli: Olga Dato. raK. Fritze: Grete Gallus. Häppchen: Rosa L«d. Miesebcck: Direktor Ad. Ernst. Schröder: Aug. Kurz. Walzebock: Gustav GBrss. Triller: Paul Barthold. Alfred: Wilhelm Ruft. Teteph-m AuschluS:»« �1 «assencröffnung 64 Uhr. Anfang der Vorstellung 74 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung._____ KimzWlischa MMr. Alexander-Sttaße 41— Kurze Sttaße 6. 25. Gastspiel von Anna Schramm. Zum 2, Mal«: Bts li(d)mnbd)n 1 Schinebng. Vöde mit Gesang in 3 Akten von 33. Mannstädt. SämmtUche K-u» stnd«iltig. Sonnabend: Mohtthätiakrtts- Vorstellung. Einmaliges Gastspiel der Kgl. preuß. Schau- spielerin Frl. Clara Meyar ia6a(e und ließe. Sonntag: lt. Nachmittaxs-Kkdkr-Vßlstellvvs. Hans im Glück. , Parquet 0,25 Pf., Loge u. Fauteuil 0,50 Pf. Passage 1 9 M.- 10 A. Kai „Blfier-Panorama. Eine bequeme Wanderung durch Kaden-Heidelberg u. s. w. Neu! V. Abth.: Schweif. ?lle�20�Pf.,�Kinder nur 10 Pf- Abonn. Berliner Stadt Theater ZLollnettheatersttaße 15, fr. Albambra« Theater. ienionnene Kerzen. Volksstück mit Gesang in 3 Litten von Dr. Hugo Müller. Bor und nach der Vorstellung im Tunnel: Grosses Konzert. Anfang des Konzetts 7 Uhr, der Vorstellung 74 Ubr. Die beleidigende Aeußerung überFrauKleiuert erkläre ich für unwahr und Frau Kleiueet für eine ehrenhafte Frau.(323) A. Uaue. Oeffeutltche Uersammlung der KM« Kkklias imd UmWezd am Feeitag, den 10. Febr., Vormittags 11 Uhr» in Habel'. Brauerei, Bergmannstt. 5—7. Tages-Ordnung: 1. Der Streik im Sattler- Gewerbe. 2. Dis- kusfion.[320] Dee Gillbeenfer. Fachverei» der Kteiaträger Kerlii Sonntag, den 12. Februar, Vormittags 11 Uhr, in Scheffe»'« Salon, Versammlu Tages-Ordnung: Stellungnahme zum Tarif für 1883. Wahl eines zweiten Schriftführers. Beitragsammlers für die Zablitelle und Fragekasten.— Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist ein zahlreiches der Mitglieder nöthig. Wahl eines Mitgliedes im Westen sowie für die Zahlstelle im Osten. n g. Abrechnung vom 4. zur Fachkommission., [317] Carl Walleuth u. Vorst? CentralKranten- u. Sterbekasse der Tischler etc. (Gertliche Verwaltung Krrllu D.) Montag, den 13. Februar, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Gclach, Stromstt. 28, Soeben erschien: Heft 17 der Internationale! Bibliothek. Preis pro Heft 50 Pf. Zu beziehen durch die Eepeditio« des„Kerl. Kolksblatt", Zimmerstraße Einbanddecken zu Heft 1-3, 4-6 u. 7-10 ä 30 WierierverkAuffern Rabatt. .�Keifall ichen i Nie Charles Fourier, sein Leven u. seine Theot��� Von A. K e k e 1. itzW< Soeben erschien: Mtglieder-Vttsammiung. Um zahlreichen Besuch btttet 322] Die Verwaltung D, Verein der Sattler u. Fachgen Sonnabend, den 11. Febr., Abends 84 Uhr, in Gratweil'» Kierhalleu, Kommandanten« sttaße 77—79, Versammlung. Tages-Ordnung: Gewerkschaftliches, Fragekasten, Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste haben Zutritt. 321] Der Vorstand. |lr. 49 des Gold- ilud „Wahren Jakob". Zu beziehen durch die Erpedltiou d. St. Ziutmerstruste 44. Weiss- u. Bairischbier- Lokal von Kerrmanu Stramm, /achverciu der Nohrlkgcr. Sonntag, den 12. Febr., Vormiltags 10 Uhr, Weberstrast« 17, Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vorttag des Herrn Dr. B e n k e n d o r f f: „Die Rechtsgüter des Menschen im Schutze der Moral und des Strafgesetzes." 2. Vierteljähr- licher Kassenbericht. 3. Wahl des Vergnügungs- Komitee's zum bevorstehenden Stiftungsfest. 4. Verschiedenes und Fragekastcn. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. 318] Der Vorstand. i 10, 20 etc. Pf. belehrende Schriften zur freien Besichtigung und eigenen Auswahl. mane v. Gerstäcker, Heyse, Marlitt, Spielhagen U.A. enthaltend & U Qfl Meyers Konv.-Lex.m. d, IN. Ou �arten und Illustrationen tc. 2. A. cplt. geb. und andere größere Werke in billigen Exemplaren, Kurstr. 37 F.KLeierer Knchhdlg. fett 1851 [168 Kaal und|I«retn»|iwin«r zu vergeben. Cöoliuerste« 17._ 5 b. Brücken-Strasse 5 b, 35 empfiehlt seinen reichhaltigen Früh stückst! fch, Mittagstisch n. 31usw.& Eouv. m. Bier 50 Pf. Reichhaltigen Abendti ch zu soliden Preisen. 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"B' 3J!änJ icbcn lönni erein ■t ?»n Schellendorff, an. Anleihe für Zwecke der Verwaltung des Rcichsl >1 die Buvgetiommisfion unverändert zu genehmigen .. rent v. Hnene(Z.): Der Reichstag hat das Anleihe '«er Budgetkommission überwiesen, um dort, wie der Abg. "■Menftein bemerkte,„die nothwendigen und möglichen ngcn zu erhalten". Auch hat er bereits konstatirl, daß 'esetz als Konsequenz des Wehrpflichtgesetzcs erscheine. Berathungen in der Kommission ist der preußische Herr ,«mister diesen Wünschen dadurch zuvor gekommen, daß 'Anfang an eine Spezifizirung der großen Summe über- «eiche ich beauftragt bin, auch dem Reichstage im Ramm nisfion mitzutheilen. Die einzelnen Positionen find r#- ;t StenjJ: br im!' eno Sen LoigtM gsftunW! Iicrvcrem, Jichlfttf'ti i. ematerial, Waffen, Munition � Unterbringung dieser Sachen Kl> ,un,0 Schanzzeug, einschließ' �ur«Einbringung...... 118 und Ausrüstung der ),......... «nb q,?�bnngung der Bekleidung nß � Luippen und der 163 242075 M. 9 144 000 31 348 340 1 179 650 2 324 000 197000 rlill! r, Jnstl!» 4. Cu� on. n. I eiches Vorfiel len eo j-,. Summa.. 213 199 670 M. . 1 Betrag, der sich auf Preußen bezieht, den Sie auf i ein cü?�uleihegesctzes finden. Aus diesem Betrag läßt ' bf/w(bluß für Sachsen und Württemberg ziehen, wäh- « J/Miheil Bayerns blos rechnungsmäßig festgestellt wird. Angaben waren der Gegenstand einer eingehenden Dis- ..uutnhalb der Kommission. Sie war darüber einig, daß e in i cr Spezifizirung abzusehen habe, welche dem Aus i" ugend welcher Weise einen Einblick in die Organi »«wahren könnte, und' sie erklärte sich ausdrücklich befrie- die Mittheilungen, welche ihr der preußische Herr Mister gemacht hat. Es ist noch zu bemerken, daß die »mb tchnze Summe bewilligt wird, daß also für eine i. uug innerhalb der einzelnen Fahre eine Reubewilligung i T«zusinbm hat, sondern daß der Umfang der Verwm- outch Rechnungslegung zur Kenntniß kommen wird. Immission bittet das Haus, diesem ihrem Beschlüsse und gleichfalls unverändert die Summe zu de- »an»„Anlei hegesetz wird hierauf ohne Debatte unter all- Beifall im ganzen unverändert und nahezu einstimmig <«m m c n. Gegen dasselbe stimmen nur die sozial- %3|fcn Abgeordneten Singer und Bebel und der Däne dritte Berathung des Behr-Benniasen'schen b«st- die Verlängerung der Legis- Äb» w« d e. 7™"!) t)on�tr' Jena, natl.): Rls Herr Häncl in zweiter .bUnm x.'.finet angeblich fundamentalen Aendenmg der Ver ) Pf- Ii»» älndl Unseren Antrag sprach, brachte der Abg. Rickcrt I.Attt ein, durch welchen Art. 32 der Verfassung abae-! 1!? die ÜB(®e.n sollte. Diese Acnderung ist viel fundainentaler l'J deiti»n 8e- Was hat die Dauer der Legisiaturgeriode «Und ,/�wetnm Wahlrecht zu thun? Herr v. Bennigsen LH '«Hl) I(y. v"-TT----- r.---- c. einen"«st erklärt, daß wst eine Einschränkung des all- «e>n und geheimen Wahlrechts nicht wollen. Auch en, LMderger Programm steht ausdrücklich, daß wir an •tltntCCfjt � � CW仫 i m Vi n � 1 1 1. M MÜ festhalten. Von einer Verminderung "e ist keine Rede. Wollen Sie eine mög- ttendauer�der Parlamente, so kommen Sie vre Standpunkt der Sozialdemokraten, die :'w einff?,lt wissen wollen. Dann hätten wir aber eine .«lehr m«hU.st, Volksvertretung. Denn die Regierung legt d« c?«?cht auf eine Vertretung, mit der sie eine längere kann. Der Einfluß des seinen Höhepunkt�errcicht, , VC 0nn Q,— uui»III oiiuiiuuu, im»" ?''l4fn» T�ten zusammenarbeiten kann. Der Einfluß des die Parlaments hat erst dann seinen Höhepuntt erreicht, ' UeK«.,'s'alurperioben länger geworden waren. Wir find ' Ä""8' daß gerade durch eine länge"~ des Parlaments gestärkt wird. eine längere Legislatur Wenn Herr »rrbotrn.I Der zinnerne Krng. T> Von itlev Freiherr von Lilie ncron. ide'l AWWW 3 M ___«"nölchofte, was mein-paus �.i "veaen.»'7,«4 bitte doch um alles in der Welt, sich st sich. cvV�4■••" Mein Freund hat schon die Thür bestacht»".n allein. Wie ich mir seinen Schreib- a----- �' DctrftAi'""7 stüic iiy iuu ftcfii£t„auf dem jeder Gegenstand in peinlicher Orb- r« toenp' J®"4 wir ein zinnerner Krug in die Augen, der b" öbtinp Je,"er höchst geschmacklosen Ärbeit durchaus nicht "st n,«stSGulm Sachen aus Euivre poli, aus feinster ! Bald r e Metallen überhaupt zugehörig erscheint. so Op"tet>44un0. Ich bin meinem Freunde nicht n?,e"herz'8 wie früher und thue ihm im Geheimen J leine""regend er erzählt, wie klar und bestimmt �"stth��upwnge« zu geben, und kommt es darauf an, �liuh'b'Sen weiß. T)abei ist er nicht eigensinnig, hört 0Und mit jener köstlichen Gabe: Durch kaum ->?.°öfnicken, durch Worte wie: ei, ei... da bin >%« Meinung... aber wie lebhaft Sie sich Hänel uns die Verantwortung für unseren Antrag zugeschoben hat, so find wir gern dereit, diese Verantwortung zu tragen dem deutschen Volk und unseren Wählern gegenüber.(Bestall bei den Nationalliberalen.) schg. Dr. Kambergrr: In Ermangelung guter Gründe bat meine Person das Sprungbrett für die Argumentation der Gegner abaeben müssen, und man hat mich zitirt wie eine patriftischc Autorität, wie einen Kirchenvater, dessen Aue spräche von links und rechts kommentirt werden. Das Beste an Gründen hat noch Graf Vehr vorgebracht, dessen Rede wir mit Unrecht unterschätzt haben. Ich leiste ihm für dies Urtheil Abbitte, denn die übrigen Gegner beschäftigen sich mehr mit meiner Person als mit dem Aufsuchen sachlicher Gründe. Herr v. Kardorff hat sogar meinen Charakter kritifirt und mir Versatilität vorgeworfen. Aber was ist denn meine Auto- rität wcrth, wenn ich wirklich als Charatter und Denker der Typus der Versatilität bin? Weit entfernt davon, meine Leistungen zu überschätzen, weiß ich nur, naß ich zu allen Zeiten zu arbeiten und meine Pflicht zu thun nach bester Ueberzeugung bestrebt war. Herr v. Kardorff hält mich für so veränderlich, daß er auf eine Rede von mir zu Gunsten der Doppelwährung gefaßt ist. Vielleicht liegt das außerhalb der physischen Mög- lichkeit, außerhalb der moralischen liegt es nicht. Man hat aus meinen Schritten viel vorgelesen, aber nicht die Klausel, die ich gemacht habe: Wenn einmal die nachbessernde Hand an die Verfassung gelegt werde, würde ich für die längere Legislatur Periode fem. Glauben Sie. daß ich so verrückt sein würde, jetzt eine allgemeine Verfassungsänderung vorzuschlagen? Wir haben diesmal den Antrag auf Diäten mit diesem An trage in Verbindung bringen wollen, weil er dann vielleicht Aussicht auf Annahme seitens der Regierungen gehabt hätte. Bringen wir den Diätenanttaa allein, so werden die Regierungen ihn kühl ablehnen. Indem Sie mit Ihren sindigen Einwendungen wegen der Geschäftsordnung, die min- destens zweifelhaft— nach meiner Meinung vollkommen unbe- rechtigt- sind, dem Antrage auf Diätengewährung den Genick- fang gegeben haben, haben Sie die einzige Gelegenheit absichtlich todtgetreten, wo man in der Sache vorwärts kommen konnte. DaS charakterisirt die Situation und das Verhalten der national- liberalen Parteien. Bei Herrn v. Bennigsen verdichtet sich die Legende von den verzweifelten Eisenindustriellen, die zur Schutz- zöllnerei gedrängt haben, zur historischen Wahrheit. Ich bin kein Paladin des Freihandels gewesen, sondern habe nur eine unter- geordnete Rolle dabei gespielt. Freihändler waren nicht nur auf der Reckten, die ganze nationalliberale Partei war die Kohorte des Freihandels. Fch nenne nur die Herren Gumprccht, Loewe(Calbe), später eine Autorität derSchutzzöllner, v. Benda, Braun, v. Forckcnbeck, Gneis», v. Marquardsen, Poage, Prince- Smith, Senator Römer, v. Treitschke, v. Unruh, Dr. Wcigel, Dr. Wolffson, ferner von Wedell-Malchow, v. Maltzahn-Gültz, von Minnigerode und sogar Herr von Below-Saleske. Daß Herr von Bennigsen die Legende, der Schutzzoll habe die Industrie gerettet, mit seinem Namen deckt. Die Frage von Schutzzoll und Freihandel...(Der Präsident bittet den Redner, bei der Sache zu bleiben.) Ich antworte nur auf die Reden, die gegen mich gehalten worden sind. Herr v. Bennigsen meinte, als geärgerter Freihändler hätte ich alle Freude an der Welt verloren. Wenn es nichts weiter auf der W lt gäbe als die nationale Krittk, dann würde meine Freude am Dasein allerdings nicht mehr groß sein. (Heiterkeit.) Ich meine aber, es geziemt einem Mitgliede einer besiegten Partei nicht, die Fahne zu verlassen. Es hat mich ge- kränkt, daß Herr von Bennigsen mir vorwarf, ich hätte ihn un- höflich behandelt. Ich bitte ihn, mir zu sagen, wo ich es an Höflichkeit ihm gegenüber habe fehlen lassen. Sie haben jetzt die Tete der Bewegung genommen, die Sie 1885 noch nicht nehmen wollten! Da Sie das in dem heutigen Augenblicke über- nommen haben, wo eine auf die Konservativen sich stützende Regiening so sebr den Liberalismus bedrängt, so bleibe ich da- bei, die ganze Maßregel ist in unserm Sinne ein Odium für Sie, es beweist die Schwenkung, den Riedergang der ganzen nationalliberalen Partei.(Beifall links.) Abg. Stöcker(Siegen): Der Abg. Bamdergcr hat heute einen viel milderen Ton angeschlagen, als in seiner neulichen Rede. Er hat wohl einiges, was er neulich gesagt hat, in Vergessenheit bringen wollen, und hat übrigens so viel von sich selbst gesprochen, daß man denken konnte, es handle sich hier nicht um eine hochpolitische Sache, sondern um das Thema von der aekränttcn Unschuld.(Sehr richtig! rechts.) Wir find uns des Ernstes, der in jeder Verfassungsänderung liegt, wohl be- wüßt; wir wissen, daß der Buchstabe solcher Urkunden ein ge- heiligtes Monument ist für die Geschichte einer Nation; aber dessen erinnenr... nun, das muß ich sagen... und ähn- liehe seine Aufmerksamkeit kund zu geben, mir zu. Bei einer eingetretenen Stockung fragte ich ihn plötz- lich:„Auf Ihrem Schreibtisch fand ich eben einen zinnernen Bierkrug, der mir zu den anderen dort stehenden Sächelchen nicht ganz stimmen will. Ver- zeihen Sie meine Neugierde. Wenn Sie mir mittheilen möchten, wie er dahin gerathen, so würde ich Ihnen dank- bar sein. Sie wissen, wie mein Gemüth(— zwar Sie haben immer über dergleichen Unbegreiflichkeiten mich aus- gelacht—) oft durch eine scheinbar kleine Nebensächlichkeit erregt werden kann. Wenn Ihnen nicht etwa ein Geheim- niß verbietet, oder..„Aber ich bitte Sie, natürlich, natürlich. Es ist eine ziemlich gleichgiltige Geschichte," lächelte der Gutsbesitzer. Er beginnt: „Ich war in eine große Stadt Ostpreußens als Brigade- Adjutant versetzt. Der Ehrgeiz fing mich zu plagen an. Ja, er hatte mich bald dermaßen in seinen scharfen Krallen, daß ich völlig jene Fühlung mit dem übrigen Leben verlor, und im Besonderen mich nicht mehr den natürlichsten Lebens- fteuden, die uns als Gegengewicht im schweren Tagewerk gegeben sind, hingab. Ich hatte mich in einer Vorstadt eingemiethet, um hier in ungestörter Ruhe mich in Arbeit zu versenken zu weiterem, raschem Vorwärts auf dem Wege zum Generalfeldmarschall. Ich vernachlässigte in der That sogar meine kamerad- schastlichcn Pflichten, immer einsamer und zurückgezogener lebend. Außer mir wohnten in dem kleinen Landhause meine alte Wirthin, die Wittwe eines Kaufmanns, mein Bursche und das Dienstmädchen. Die Lebenseigenschaften meiner Mitinsassen sind bald gegeben: Die alte Dame sorgte mütterlich für mein Wohl. Ich sah sie selten. Mein Bursche Domigalla war ein gut- müthiger, etwas beschränkter Pole, der mich zuerst, wenn ich so steht's doch nicht, daß an einer Verfassung nicht geändetr werden könnte. Ich hoffe auch, daß, seitdem von Selten deS Freisinns selber eine Aenverung beantragt worden ist, dieses keine Spur von Logik besitzende Geschrei endlich aufhört. Von weiteren Verfassungsänderungen ist durchaus keine Rede; aber unser Volk scheut sich davor gar nicht. Fragen Sie doch unsere Jugend, ob es ihr unangenehm ist, wenn man das Alter für die Wahlberechtigung auf das dreißigste Jahr beschränkt! Sie wird Ihnen sagen, daran liegt uns nichts. So steht es auch mit manchen anderen Dingen; im Volke ist der reaktionäre Sinn, den Herr Bamberger beklagt, vorhanden in den, Sinne einer gesunden Reattion gegen falsche, krankhafte Zustände, gegen Fieberzustände in unserem Volksleben. Ich scheue mich gar nicht, die Verlängerung der Legislaturperiode vor jeder Berliner Volksversammlung zu vertheidigen, ich werde es morgen wieder thun; bitte, besuchen Sie uns(Heiterkeit), dann werden Sie sehen, wie es da zugeht.(Beifall rechts.) Die ganze Art» wie die Gegenparteien den Antrag angegrissen haben, macht mir nicht den Eindruck der vollen Sachlichkeit. Windthorst hat daS Schreckgespenst der dunklen Pläne der Kartellmehrheit vorge« führt; das find doch ebenso Erfindungen seiner Phantasie, wie die Anfrage bei dem Straßburger Professor. Herr Rickert be- dauert, daß der Sozialdemokratie bei den Wahlen die Gelegen- hcit der Agitation genommen, das Volksrecht vermindert werden solle. Alle Ehre vor Herrn Rickerts Offenheit und Wahrheitsliebe; aber daß dem Fortschritt nicht sehr viel daran liegen kann, wenn die Sozialdemokratie ihm sein Sündenregister vorhält, das liegt zu sehr auf der Hand, als daß man ihm von vornherein zu glauben geneigt wäre. Es liegt ja doch ein stillschweigendes Uebereinkommeir vor zwischen beiden; Einer hilft dem Andern, nur hin und wieder führen sie vor dem Publikum ein Gefecht auf. Mit dem eigenen politischen Ehrgefühl sollte es doch wenigstens nicht ganz verträglich sein, daß man eine Partei, welche die eigene Partei gelegentlich so scharf bekämpft und geradezu beschimpft, öffentlich in Versammlungen und im Parlamente zu schützen und zu stützen sucht— da müssen wir ja Hintergedanken haben. Herr Singer stellt sich auf denselben Standpunkt; auch der sozial Riedrigste fühle am Wahltage seine ganze Menschenwürde. Welche armselige Menschenwürde, die nur am Wahltage zum Ausdruck kommt!(Heiterkeit rechts.) Wenn dann einmal ein asiarchistisches Flugblatt kommt, über die sozialdemokrattschen Führer herfällt, sie Verräther nennt und die unqualifizirtesten Schmähungen gegen sie ausstößt, muß es schon schwierig sein, seiner Menschenwürde froh zu werden.(Heiterkeit rechts.) Wenn dann von derselben Genoffenschaft nach den Wahlen wieder ein Flugblatt kommt, in dem es heißt, daß durch den gemeinsten Schwindel und mit Hilfe von Gewalt- thaten aller Art eine Mehrheit zusammengebracht sei, die eine hündische Gesinnung bekunde, daneben aber auf die Ausrau- buna dce Volkes ausgehe, dann behaupte ich, derartiges ist nicht nöthig, um politische Bildung zu verbreiten.(Sehr wahr! rechts.) Das ist ein Abgrund, nichts weiter! Wenn die Herren Ratio- nalliberalcn ihre Bedenken überwunden haben, um ein gemein- samcs Werk dieser Art zu fördern, dann kann ich nur der Si» tuation, aus der dies hervorgegangen ist, von ganzem Herzen Glück wünschen. Erst wenn die Religion als gemeinsames Eigenthum alle Parteien mehr in Verbindung bringt, zwischen den Gegensätzen Brücken schlägt, wird unser jetziges politischen Partefleben einer besseren Stimmung und Stellung der Par- teien weichen. Ich habe dieses erwähnen wollen, weil mein Schweigen hätte übel gedeutet werden können. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich an meine Person daran anknüpfen mußte. Im Uebrigen wer- den Sie aus meiner Rede wohl schon gehört haben, daß ich für die fünfjährige Legislaturperiode bin.(Große Heiterkeit und Beifall rechts.) Abg. Windthorst: Ich bin mit dem Vorredner darin einverstanden, daß es sehr wünschenswerth wäre, wenn politische und kirchliche Gegensätze nicht mit einander verquickt würden; ich wünsche nur, daß der verehrte Herr und alle, die ihm zu- jubelten, als er das sagte, dies zu jeder Zeit beachtet hätten, dann hätten wir nicht die schwerste Sünde des Jahrhunderts erlebt, den Kulturkampf gegen die katholische Kirche(sehr richtig« im Zentrum), und er hätte sich ein großes Verdienst erwerben können, wenn er diese Auffassung schon damals begriffen und bethäligt hätte. Wenn er dann erwähnte, daß auch der Gegen- satz der Konfessionen sich schärfe, dann wünschte ich, er möchte sich doch im stillen Kämmerlein fragen, wer denn diese Gegen- sätze geschärft hat. Durch Verlängerung der Legislatur« periode wird die Agitation nur heftiger werden, weil der Preis,? um den es sich handelt, ein viel ihm Befehle gegeben, mit offenstem Munde und mit auf» gerissensten Augen ängstlich angesehen hatte. Als ich seine Eigenart erkannt, sprach ich ihm meine Aufträge langsam und ruhig aus, und ich habe nie einen besseren Diener ge» habt. Im Uebrigen lebte er still und stumm vor fich hm, und seiner Gedanken höchster, war er nicht mit Heimalhs» bildern beschäftigt, mochte der prächtigst zu erreichende Glanz meiner Stiefel und Sporen sein. Für meine Pferde sorgte er wie eine zärtliche Mutter für ihre Kinder. DaS Dienstmädchen endlich, ein sechszehn, siebenzchn« jährig Ding, in der Gegend von Köslin geboren, war nicht schön, nicht häßlich. Ich sah sie in den ersten Monaten selten oder nie. Was gingen mich die Weiber an. Ich war viel zu sehr mit des Leben» Ernst be« schäftiat. Einmal komme ich Nachts spät nach Hause. Ich finde Licht, und auf meinem Sopha, die Stirn auf der Tischplatte, sitzt schlafend das Mädchen. Sie erwachte, als ich durch Rücken eines Stuhles Geräusch verursachte. Ganz „verbiestert" starrt sie mich an, wurde dunkelroth, lächelte verlegen, und bat um Entschuldigung: sie wäre, nachdem sie meinen Schreibtisch abgestaubt, eingeschlummert. Ich machte ihr selbstredend keine Vorwürfe, und sie schlich täppisch und unbeholfen hinaus. Ich dachte nicht mehr an den Vorfall. Doch bald fiel es mir auf, daß sie mich au» irgend einem Versteck, einem Winkel, hinter einer Thür, einem Fenster ansah, wenn ich am Tage aus meinem Bureau heimkehrte... Sie wollte Domigalla allerlei kleine Dienstleistungen abnehmen für mich, die dieser, ich möchte sagen, eifersüchtig auf seinen eigensten Wirkungskreis in An- spruch nahm. Es kam deshalb zu unerquicklichen Reibereien zwischen den beiden. Da, eines Nachts, als ich spät mein Zimmer betrat, fand ich wieder das Mädchen dort. Sie . schlief, den Kopf an die Sophalehne zurückgebeugt. In ihren Händen hielt sie eine Photographie von mir. Ihr 1 Mund war ein wenig geöffnet; einfältig, unschuldig war größerer ist. Bei den nächsten Wahlen wird es bis aufs Messer gehen, davon bin ich überzeugt. Ich bin nicht Angst vor der Wahlbewegung und vor der Wahlagitation. Mit Flugblättern allein können Sie mich nicht bekehren.£>crr Stöcker hat dann gesagt, man führe weiter nichts Böses im Schilde, es solle im Uebrigen Alles beim Alten bleiben. Und doch hat derselbe Herr in demselben Athem gesagt, die Leute hier in Berlin sähen lieber das 30. Jahr als die Altersgrenze für die Wahlberechtigung. Er hat danrit einen deutlichen Fingerzeig gegeben, in welcher Richtung die weiteren Absichten gehen. Zum Glück hat Herr v. Bennigsen das abgelehnt, und ohne den können Sie nichts machen, ebenso wenig wie Sie ohne ihn zweijährige Budgets machen können. Bekehren Sie also den erst einmal; er steht Ihnen ja jetzt so viel näher, als bisher. Ich habe schon seit dem Tage, wo der„Hannöverische Kourier" sich dafür erklärte, gewußt, daß der Antrag der Kartell- Parteien angenommen werben würde. Das hat mich aber nicht abge- halten, einen kleinen Rekognoszirnngsritt in das jenseitige Lager zu unternehnien(große Heiterkeit), von dessen Ergebnissen ich sehr befriedigt bin. Ich habe erstens die Erklärung des Herrn von Boettichcr, die sehr werthvoll war, zweitens den wichtigen Brief des Prof. Laband, eine sehr schätzbare Errungen- schast, welche jenes damals überall verbreitete, durch alle Zeitungen gegangene Gerücht widerlegt, und endlich ein außerordentliches Resultat ist, daß ich den Haupt- und Zentralpunkt der Kartell- Mehrheit zu Erklärungen veranlaßt habe, daß es nun nicht weiter gehen solle. Die Erklärungen des Herrn v. Bennigsen werden in großen Lettern aufbewahrt werden, damit wir sie ihm und seinen Freunden zu jeder Zeit unter die Augen hatten können. Angesichts dieser Resultate schrecken mich auch die Angrisse des Herrn v. Kardorff nicht. Die Zentrumsfraktion hält zusammen, weil sie eine freie Bereinigung ist. Herr v. Kardorff kann sich beruhigen. Wir find vict einiger als er und seine eigene Partei. Wir haben das bei den llornzöllcn erfahren. Die Nationalliberalen sind von dem Beifall der Regiemng so berauscht, daß sie meinen, es werde immer so ble den. Warten wir es ab. So viel ist sicher: die langen Ligislaturpcrioden werden dazu führen, daß eine Reihe von Maßregeln, die dem Volke unbequem sind, einfacher durch- geführt werden können, als es jetzt der Fall ist. Ich bedauere, daß eine Partei, die den stolzen Namen national und liberal führt, aus eigener Initiative mit einen solchen Antrag hat stellen können.(Beifall im Zentrum.) Die Diskussion wird geschlossen. Zur Geschäftsordnung bemerkt Abg. v. Unruhe(Vomst): Ter Abg. Stöcker hat vorhin erwähnt, daß der Abg. Bam- berger in zweiter Lesung gesagt habe, daß man im Auslände über Deutschland eine verachtende Kritik übte. Herr Samberger habe nachher durch Korrektur diesen Ausdruck gemildert, so daß er sich nicht im stenographischen Bericht befände. Mit dem zweiten Schriftführer bin ich beauftragt, daran zu halten, daß nicht wichtige Ausdrücke, die den Anlaß zu einem Angriff geben könnten, herauskorrigirt werden. Ich hatte dem Herrn Vorsteher des Bureaus gesogt, er möge die Freundlichkeit haben/ aufzu- passen, ob Herr Bamberger nichts berauskorrigiren werbe, was er gesagt hat. Der Herr Vorsteher hat mir nachher mitgetheilt, daß es nicht geschehen sei. Ich war daher sehr überrascht, als ich diesen Vorwurf des Herrn Stocka hörte. Ich habe mir nun auf das genaueste das Material im steno- graphischen Bureau vorlegen lassen und finde allerdings, daß Herr Stöcker darin Recht hat, daß Herr Vamberger von Verachtung gesprochen hat(hört! rechts), daß er aber mit der Bchaup- tung, Herr Bambergcr habe diesen Ausdruck aus dem Steno- gramm herauskorrigirt, nicht Recht hat. Herr Bambergcr pflegt nämlich nickt das Stenogramm zu rorrigircn, sondern den schon gedruckten Satz. In dem Stenogramm selbst steht: fragen Sie irgend Jemand, nämlich einen Parlamentarier im Aus lande, ob er mit unseren Zuständen tauschen werde und warten Sie, welche verachtende Antwort Sic bekommen werden.(Hört, hört! rechts.) Herr Bamberger bat in einer persönlichen Bc- mcrkung gegen.Herrn von Bennigsen zugegeben, daß er von Verachtung gesprochen habe, aber nicht in der Weise, wie tcrr von Äcnnigsgn gemeint habe. Es ist also kein weifel, daß dieser Ausdruck gebraucht worden ist, die Stenographen können sich nicht verhört haben. Nun bat aber der Setzer(aha! rechts) beim Drucken des Satzes daß„verachten" in„vernichten" umgewandett.(Heiter- keit rechts.) Das Stenogramm kann ja schlecht geschrieben sein, und dieses Verschen ist durchaus entschuldbar. Herr Bamberger hat also keine Veranlassung gehabt, zu korrigiren und hat faktisch nichts korrigirt.(Heiterkeit rechts.) Ich werde nun Veranlassung nehmen, die Sache durch eine Truckfehlerbcrichtigung ins Reine zu bringen und bei dem Präsidium den Antrag zu stellen, daß Herr Bamberger ersucht werde, das wirkliche Stenogramni zu korrigiren, wie es alle übrigen Abgeordneten auch machen, da- mit ein Anlaß zu solchen Vorwürfen nicht mehr vorkommt. (Beifall rechts.) Abg. Köckel konstatirt, daß er auch in dritter Lesung nicht zum Wort gekommen sei, um die Gründe darzulegen, weshalb er gegen diesen auf die Beschränkung der Volksrechte abzielen- den Antrag stimmen müsse. Persönlich bemerkt Abg. Stöcker: Herr Windthorst hat keine Veranlassung gehabt, mich zu ersuchen, den konfessionellen Frieden zu schützen. Ich habe jede Gelegenheit benutzt, um den konfessionellen Frieden zwischen der katholischen und unserer Kirche zu empfehlen. Allerdings die Schuld des Streites ein Lächeln stehen geblieben, und aüf ihren Wangen lagen Thränen. Sie mußte erst vor Kurzem sich in den Schlaf geweint haben... Plötzlich siel mir eine Binde von den Augen. Ich weckte sie und ließ sie, ohne ihr rauh das Unschickliche ihres Benehmens zu verweisen, aus der Stube. Am andaen Tage aber hatte ich ein Gespräch mit meiner Wirthin. Zch sagte ihr, daß ich kündigen müsse, wenn Marie nicht entfernt würde. Auch die alte Dame hatte die Sache bemerkt. Sie gab mir Recht. Ich bat sie, die Entlassung des Mädchens ohne jedes absichtliche Merken- lassen zu bewirken. Sie fand bald einen Grund, und nach vier Wochen mußte die kleine Pommeranerin in einen anderen Dienst. Absichtlich war ich am Tage ihres Abzuges erst am Abend in meine Wohnung gegangen, um jeden Abschied, jede„Scene" zu vermeiden. Mein Zimmer war schon er- hellt. Auf dem Tische stand, in Papier verpackt, unge- schlacht mit Lack geschlossen und betröpfelt, ein Gegenstand. Mein Name war' darauf geschrieben. Zch entwickelte ihn, und es entpuppte sich der zinnerne Krug, den Sie vorhin n meiner Arbeitsstube sahen. Ein Zettel lag in ihm: Ahngedenken an Maria. Das Mädchen hatte für zwei, drei Mark aus ihren Ersparnissen mir das Stück gekauft... Lieber Freund, ich weiß, daß Sie mich für hartherzig halten. Da muß ich Ihnen denn sagen, daß ich bis in Herz und Nieren getroffen war. Ich fühlte Thränen, und ich schämte und schäme mich ihrer nicht. Das anne Dienst- mädel Hab' ich natürlich nicht wiedergesehen, den Krug aber habe ich bewahrt, und er soll auf meinem Schreibtisch stehen bis an mein Ende."— Zch mußte meinem Bekannten bewegt die Hand reichen; er aber lächelte und sagte ein wenig boshaft: Na nu, na nu... iegt nickt auf unscra Seite. Bestreiten muß ick, daß ich irgend welche Fingerzeige gegen das allgemeine Wahlrecht gegeben habe. Wir haben solche Absichten für jetzt nicht.(Zuruf links: Jetzt nicht!) Das allgemeine Wahlrecht ist ja für uns ge- wcsen. Abg. v. Kenuigse«: Hr. Bamberger hat sich, wie es scheint, einigermaßen verletzt dadurch gekühlt, daß ich ihm neulich vorgeworfen habe, er hätte mich unhöflich behandelt. So stark habe ich mich nun freilich nicht ausgedrückt, wohl aber habe ich, als ich und meine Freunde durch Herrn Bamberger in einer politischen Angelegenheit, die er nach früheren Vorgängen doch selbst als wenigstens zweifelhaft halten muß, in der stärksten Weise ohne Fundament unter die Reaktionäre geworfen wurde, vergleichsweise gesagt, Herr Windthorst hätte mich doch noch höflicher behandelt als Herr Bambergcr, eine Bemerkung, die ich nicht blos aufrecht erhalte, sondern die auch das Haus als de- rechtigt anerkennen wird. Dann freue ich mich, nach den Worten des Herrn Bamberger, mich in meinem Urtheil berichtigen zu können. Ich darf nun persönlich darauf rechnen, daß Herr Bambergcr mit mir künftig dem vielfach künstlichen Großziehen des Pessimismus entgegentreten wird. Tann muß ich noch zwei starke Mißverständnisse berichtigen. Ich habe allerdings mit einem ziemlich starken Ausdruck von der politischen Verkehrtheit gesprochen, so einflußreichen Leuten wie den Großindustriellen der Eisenindustrie gegenüber die äußerste Leidenschaftlichkeit und Erbitterung dadurch in ihren Gemüthern hervorzurufen, daß in furchtbarer Krifis die letzten Eiscnzölle beseitigt wurden. Es hat mir aber fern gelegen, zu behaupten, daß die freihändlcrische Strömung, die allerdings damals selbst bei der Regierung, den Konservativen, ja in ganz Europa von Anfang der 60er bis tief in die 70er Jahre die herrschende war, die Industrie in Deutsch- land ruinirt hak. Ich habe im Gegentheil hervorgehoben, wie thöricht es von den bürgerlichen liberalen Parteien ge- wesen sei, daß sie diese Dinge unter sich politisch nickt haben übertragen können. Es ist ein großes Unglück für die liberale Entwickelung, daß das einen Bruch in unsere Partei geführt hat. Oder glaubt Herr Bamberger, daß nicht durch wirkhschaftliche Tinge allein, oder etwa durch persönliche der Bruch herbeigeführt worden ist? Weiter hat Herr Bam- berger mich gefragt, ob ich nickt bei aller Verschiedenheit unserer Anschauungen anerkennen müsse, daß das Ansehen des Par- laments doch jetzt ein viel geringeres sei, als in den siebziger Jahren. Er hat dann in meinem Sinne eine Antwort gegeben, die ich doch einschränken muß. Ich habe nicht nur anerkannt, daß das Ansehen der Parlamente tief henintergegangen ist seit 1878, sondem es auch zur Begründung unseres Antrages ge- niacht. Es sollte dies Sinken des Einflusses des Parlaments nach oben und unten durch die Verlängerung der Legis- laturperiode aufgehoben werden.(Beifall bei den National- liberalen.) Abg. Kamberger(persönlich): Herrn v. Bennigsen bc- merke ich, daß gerade, als ich dazu übergehen wollte, ihm zu hcweisen, daß die Dinge in Bezug auf die Wirthschaftspolitik nicht so ständen, wie er sie auffaßt, der Präsident mich unter- brachen hat. Es scheint, als ob ich nicht dieselbe Geschick- lichkcit habe, wie Herr v. Bennigsen und noch weniger wie Herr Stöcker, um mich in dem vom Präsidenten zugelassenen Rahmen der Debatte zu halten.(Heiterkeit.) Ich komme nun zu der Frage von dem Stenogramm. Herr v. Unruhe hat die Behauptung des Abg. Stöcka in so viel Baumwolle eingewickelt, daß eine Lupe dazu gehört, um sie wieder herauszu- lesen. Herr Stöcker hat gesagt, ich hätte im Stenogramm eine Korrektur angebracht, um den Sinn meiner Rede zu verändern. Herr v. Unruh hat, nachdem ich verlangt, daß das Stenogramm herbeikomme, konstatiren müssen, daß ich dazu absolut keine Feder angesetzt habe.(Unruhe rechts.) Ich bitte, lassen Sie sich durch Ihren Parteieifcr nicht dahin führen, die einfache Richligstellung einer falschen Behauptung, die man belastend einem Kollegen hat aufhalsen wollen, durch Ihre Zurufe zu verhindern. Alles, was zur Unterlage da Aeußerung des Abg. Stöcker gedient hat. ist gänzlich ohne mein Vor- wissen geschehen. Es liegt ein einfacher Druckfehler vor. Herr v. Unruhe hat zu meiner Ucberraschung gesagt, die Stenographen mögen in Zukunft aufpassen, ob ich nicht uner- laubte Aendemngen vornehme. Ich bitte Herrn v. Unruhe, aus seiner Erfahrung oder unter Zuziehung der Stenographen zu eruiren, ob ich ein gewohnheitsmäßiger Vcrändercr bin, daß ich polizeflicher Ueberwachung unterstellt werden müßte, wie er sie den Stenographen ans Herz gelegt hat. Ich hin über die Aeußemng des Herrn v. Unruhe um so mehr erstaunt, als es in seiner Erklärung sich darum handelte, mir Gerechtigkeit wi- Verfahren zü lassen.(Sehr richtig! links.) Ich gehöre gewiß zu denen, welche am wenigsten korrigiren, und habe mir, weil ich an meinen Stenogramnien wenig ändere, ausgebcten, mir statt des Manuskripts sofort einen Fahncnabzug vorzulegen, in welchem ich das bischen, das ich korrigire, leichter und �schneller korrigiren kann. Das geschieht nun. Ich habe also das Manuskript mit keinem Wort gesehen und in dem Abzüge absolut nichts korrigirt. War an- gesichts dieser Thatsache für Herrn Stöcker ein Grund vor- handen, zu behaupten, daß ich eingegriffen habe, um den Sinn meiner Rede zu ändern, und für Herrn v. Unruhe, dem Abg. Stöcker noch zu akkompagniren? Herr Stöcker sollie doch, wenn er seinen Nächsten beschuldigt, erst näher zusehen und sich besser unterrichten; er hätte grundsätzlich prüfen müssen, ob die Sache wahr ist, wenn er den Versuch machen wollte, mich gleichfalls der Lächerlichkeit preiszugeben, indem er zeigt, daß ich als reuiger Sünder die eigenen Worte korrigirt habe. Ich saß in der Nähe des Herrn Sröcker während seiner Rede und habe ihm dreimal zugerufen, es sei nickt wahr, daß ick etwas geändert habe. Herr Stöcker aber nahm, wie es doch in einem solchen Falle billig gewesen wäre, von meiner Unterbrechung keine Notiz. Ich sage zum Schluß nur dieses: Ich habe nickt mit einem Finger, nicht mit einer Feder, nicht mit einem Stift in die Herstellung des Berichts eingegriffen«Unruhe rechts); ob Sie dies beachten oder nicht, ich kann das deschwören, und ich beschwöre nur, was ich ganz genau weiß. Abg. Stöcker: Wenn mir der Abg. Bamberger erklärt, daß er an seinen« Manuskript nicht korrigirt hat, so versteht sich von selber, daß ick das ohne weiteres zugebe. Im Manuskript steht allcrdiirgs„Verachtung" im Druck„Vernichtung"; es ist also korrigirt; aber aus der Erklärung des Herrn Bamberger ergiebt sich, daß nicht er, sondern ein anderer das gemacht hat. Ich habe auch in Bezug auf die Korrektur nicht belastend, sondern anerkennend gesprochen. Was ich gegen Herrn Bambcraer gesagt habe, will ich danach zurücknehmen; in der Sache selber ändert das nichts; ich glaube sogar, daß sie durch die Bemer- kungen des Herrn Bainberger eher verschärft ist. Abg. v. Unruhe: In welcher Weise ich das Aint, die Stenogramme zu überwachen, übe, will ich nicht sprechen. Herr Bamberger hat sich darüber sehr scharf geäußert; aber der Aus- druck„polizeiliche Ueberwachung" beleidigt mich nicht, da ich ja außerhalb des Hauses Polzeibeamter bin.(Heiterkeit.) Wenn Herr Bamberger mir vorwirft, daß ich Aeußerungen des Abg. Stöcker in Baumwolle gewickelt habe, so soll doch damit nur gesagt sein, daß ich dieselben habe entschuldigen wollen. Ich habe ausdrücklich mitgetheilt, daß der Setzer geändett habe, und als von allen Seilen Zurufe„Aha!" kamen, erklärt, es sei sehr undeutlich geschrieben und diese Aendcrung deshalb sehr cnt- schuldbar. Also ich habe da auch für Herrn Bamberger etwas Baumwolle gehabt. Abg. Kamberger: Ich bemerke noch, daß es ein Setzer der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gewesen ist. Polizei- licke Aufsicht zu üben ist nicht schlimm, unter polizeilicher Auf- ficht zu stehen nicht sehr angenchin. Das Haus tritt in die Spezialdiskusston ein. Bei§ 1, welcher die Dauer der Legislaturperiode von 3 auf 5 Jahre erhöhen will, nimmt das Wort Abg. Sättel: Der Abg. Stöcker hat sich für(««j führungen den Rahmen so breit wählen können, wie« Redner einer andern Partei wohl nickt gestattet gewem Prästdettt: Herr Hänel, ich muß in dieser Ar"" eine Kritik meiner Geschäftsordnung erblicken, die dm zulässig ist._. Abg. Sättel: Ich erkenne an, Herr Präsident,» berechtigt find, eine solche Bemerkung für unzulässig zu?! Mtenthum L (Unruhe rechts.) Ich bitte Sie aber, sich in M'Me in den K wichtigste F b°us eine .bäte, die 'd-n Relittenkc MMMisston v ÄU« T® locke W Mretung einig 0' wird in'' eines Mitgliedes da Minorität zu versetzen. fidenten.)_ I�wird m dritt prästdenl; Herr Hänel, ich muß Sie bitten, B« folgt die dr Kritik meines Verhaltens zu enthalten._ �«si?.�ung von Abg""'~' einer rechts.— r.„,„......... � wv—v u.,..______ mma u nachkommen und mich fernerhin mit dieser Frage tu® M, die in einen beschäftigen. Die Gründe des Abg. Stöcker w««ndes deutscher' Antrag konzentrirten sich einfach in der Beb-e: Aden gegen jh, daß er hoffe, das Gesetz werde den schweren J°-öemerkungen tionen bei den Wahlen eine gewisse Schranke o#"K der in ahn Er hat uns sodann den Chamkta dieser Agitation(Ä wd, wie ich es« Wer hat denn den Frieden mehr gestört als Hew x.% wterteit.) Welche Agitation hat mehr Haß in da deutschen% ift Gesetzentw nährt, als die des Abg. Stöcker.(Sehr wahr!) Hess/j schließt .b die Er we andern) und Boc [Äff 'nicht erwie Wommisfioi Mrungskom «Aenchtseinx W in Bw Bortet hät Schmiet vnv»uw»iv ivwv, v«vwna VII/ UUVCVV-pUlrtVIVll 0"*' �„W« W v* 1' feit und Herabminderung der Agitation zu ermahnen, �.worden; s... Ai-- qge»! �"Ocschnlen, d hat eine Reihe von herausgerissenen Stellen aus Flugblättern verlesen. Ich habe im Sinne, eine Sw Reden des Abg. Stöcker vorzulesen, die an Leidens Verhetzung der religiösen Parteien gegen einander Sil. treffen. Wenn es wirklich wahr wäre, daß ihn dm) tionsmittel so sehr anekelten, warum wühlt er mit sol> Hägen darin hemm? Heute hat er hier den Frieda herausgekehrt, aber für seine Sünden auf diesem Geb« seine Stellung zum Antisemitismus und seine höchst) Stellung, die er selbst in der evangelischen Kirche e« Er hat jedes Mittet benutzt, um eine orthodoxe die in der Kirche nicht die Mehrheit hat, am Regimes). halten. Die Verquickung des Christenthums mit einer Parteiricktuna hat Niemand so sehr wie er herbeiz«. sucht. Kein Mensch in Teutschland ist fo wenig beimfaffi*...... er, hier Ermahnungen zum Frieden an uns und das. je Berichte i Volk zu richten. Ich hoffe, daß Herr Stöcker von des?.-oechner Sic denen er heute einen gewissen Dank abgestattet hat,/?),«/Bon Bestir verleugnet werden. Es ist charakteristisch, daß Herr 6%■ � Prirateise seiner Unschuld und Liebe, die ihm so wohl ansteht h links), uns zurufen konnte, daß den Verdächtigungen �Muß 3% Uh« teien einander ein Ende gesetzt werden solle, und in �.�epchung Athemzug von einer Verbindung zwischen uns n»> �siaturperio! Sozialdemokraten. Wenn man gewisse Symptome Wahlkampfes betrachtet, kann man allerdings w» Stöcker sagen: wir stehen vor einem Abgrund- wenn gewisse leidenschaftliche Erregungen in«L-, Stui»« Weise ausgebeutet werden, liegen manche moralische vor. Diese Gefahr ist aber auch außerhalb der j �nß"o namentlich in Berlin vorhanden, wo seitens des Hees".< �-tadtverc in einer von keinem anderen übertrossenen Art#%«"rn 51 X Niemand war so wenig berufen, andere Parteien zur«%%) //lüsse si iu befassen. "ttnen. Stöcker. Den Widerspruch zwischen der Art und We"', ,, Agitation und seiner heutigen Rede vermag ich nickt"'"ü parlamentarisch zulässigen Ausdruck genügend zu ken«>r. f.jMnen.; Herr Meyer meint, ich hätte den Nationalliberalen ooyK �jgen Sitz daß sie Verfassungsangelegenheiten leicht behandelten, hält m. hätte gesagt, daß Verfaffungsändenmaen nicht stattfinde" Auf diesen Boden habe ich mich nicht gestellt, sonder» sagt, aus bloßen Lpportunitätsgründen solle man niem'J über die Verfassung hinweg gehen. Die Verfassung Gesetz, welches wohl abgeändert werden kam«, aus bloßen Opportunitälsgründen. Die Verla« Legislaturperiode ist eine Korrektur des Wahlrechts! zweifle, ob die Nationalliberalen, obwohl sie jetzt U hält du %@mtr«tt Möns-, #2 rung des bestehenden Wahlsystems ablehnen, später c Position haben werden,«im von anderer Seite f/' gesonnenen Abänderungen mit Erfolg entgegentreten Herr Meyer bat mir fchließlich mit großem Pathos J0?,-/ W fiV Nn« daß ich den Nationattiberalen die Verantwortung f«» N ifin.??»««! trag zugeschoben habe. Allerdings haben nicht nur wir Alle hierfür eine große und schwere VerantivortuN» iBMml nehmen. �utin ÄnJni Die Diskussion wird geschlossen und§ 1 gegen dU Mle��*JPa der Deutschfreisinnigen, des Zentrums, der«Sozi»'5 uild Polen angenommen. Ohne Debatte wird der Rest des Gesetzes und Gesetz im Ganzen definitiv angenommen. 1 S>an Schluß gegen 5 Uhr. Nächste Sitzung Freetoj.. (Dritte Berathung der Militäranleihe; erste Berack»■«t aus Gesetzes über den Schutz der Vögel; Wahlprüfungen-) k-W" nur m CIN Abgeordnetenhaus... 15. Sitzung vom 9. Februar 1888, 12 U». Am Ministertische Friedberg und Koinmiffariew/ Eingegangen ist ein Antrag des Abg. Hansen legung eines G.G. zur Ermäßigung des Stempels.. sowie für Pacht- und Miethsvertw» & iyn> äußerungsverträge, Immobilien. Vor der Tagesordnung nimmt das Wort Richtigstellung. Abg. Uickert: Ich habe gestern in metner _L, Steher Antrag v. Benda über die Verlängerung da Legisleck«� rmf htp hf>r.fvrrpn n UN" r«.K< der konservativen Versammlung tn.vannover tm � �' Bezug genommen, und vordebaltlich eines Jrrthmn-|.) ,/eh�m P% druck ztürt;„Gebot Sie uns�die Möglichkü/g t) vativen Majorität, dann sollen die Wunder erleben." Es war dies eine gefallenen aeußerung nicht dem Wortlaut, aber dem auf die Aeußerungen der Herren v. Rauckhalipt und � oe« der konservativen Versammlung in Hannover in«/ h >.... itwstsß&fi»ä über da heißt Grimm: Hannover für die konservative Meh« Ho r 9 �houe heißt nichts anderes, als daß wir die winnen. Geben Sie uns eine konsavative-. werden wir der Welt zeigen, was ei«« vreub„ servatives Abgeordnetenhaus zu thun im Stanve. links, Gelächter rechts.) Ich überlasse es hienm* t tz,, zu beurtheilei«, wer die absolute Unwahrheit geW qM>l Fti Auf der Tagesordnung steht zunächst dte erste, Mähst. A! Antrags Kropatsckeck und Genossen auf Annahm- � i' � 3 entwurfes, betreffend das. Diensteinkommen und r" wf« utch/ der Lehrer an nichtstaatlichen öffentlichen ho»,; Wm,-.Mrkum stalten._... einer Sehr zahlreiche Kommunen haben sich zur%L«tt#42 �ctLi51', bis Anstalten entschlossen, weil sie dem energischen j V habe niß Rechnung trugen, das ssch aus ihrer eigenen de geltend machte; diesen Gemeinden gegenüber ha« ßo«n>y� ihre TCiU�V 5«,• Recht die Forderung geltend gemacht, als die staatlichen zu stellen, wenn ...................... L............... verliehenen Rechte wieder entzogen werden sollen-, � t• Ji-, fähigen Gemeinden werden in diesa Beziehuirg � ,/0's tJ ihre Pflicht tbun: kür die wemaer IciftungsWS, ,l5 cinF ihre Pflicht thun; für die weniger leistungsramv� nach meiner Meinung im Sinne� der AuSfuhru»» � r Weber im Gesetz selbst Vorsorge Abg. v. Schenlcrudorff; Ich muß mick : allgemeinenVerstaallichung der stävt. höheren-"ficht, bgj L . für s-i«x wichtigste Frage ist die der Relikten; hier hat len, wtt-V Haus eine Ehrenschuld von 1882 ernzulosen. et gewese«? bitte, die bezügliche Resolution der schon de- iser Au-'P-iden Rcliktenkommisfion. den Gesetzentwurf einer beson- Die durlb-M-tommisston von 21 Mitgliedern zu überweisen. . J>a5 Haus beschlieht demgemäß... Zfidenh Gesetzentwurf, betreffend den Rechtszustand eln»acr lässig zu«» Mtmlhum Lippe-Detmold an Preußen abgetretener Ge- ) in in den Kreisen Herford, Bielefeld und 5)oxter, sowre Glocke k.»btretung einiger preußischer Gebictstheile an �.ippe-Tet- .. ss�/d in dritter Berathung ohne Debatte angenommen. bitten.#% folgt die dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend .- Michtung von Kehrbezirken für Schomstclnfcgcr. ?ent, d-ß«~~ ht. 0 Meyer(Amswalde) wünscht eine strengere Hand- . ber baupolizeilichen Vorschriften bei Prüfung der mnrlt/'P.F,.;*.. cn i c �.... n.-.v..... �___ in. w« WWMMZM.« ��7». lhn erhoben werden, zurück� diese unbercch- schweren �Bemerkungen rührten ihn nicht; er halte es mit dem "5 iZk''.n ähnlicher Lage erklärte: Erregen Sie sich nicht. auon g fl.- tv,e rch es vertragen kann, können Sie gar nicht werden. lsHenMhnterkeit.) hin'!1'11-' dj?„L Emchtuna eines Landgerichts in Bochum, anderweitige Abgrenzung der Amtsgenchtsbczirke i aus ne öunofi seidenst der Al ihn dick- mit soll i Frieda m Gebil : höchst< ilirche" Ähovoxe Regung i einer' und Bochum und der Landgerichtsbezirke Essen und „Dr. Miirmelwg spricht sich gegen die Vorlage aus, Bedürfniß für die Errichtung eines Landgerichte m nicht erwiesen sei, und beantragt eine Vorberathung m bzkommisfion..... l'-ningskommissar Geh. Rath Schmidt weist darauf h.n, �erichtseingesessenen den dringenden Wunsch nach emem 'cht in Bochum ausgedrückt und sämmtliche Behörden ...... Schmieding empfiehlt die Annahme des G.E. ohne erbeizufi�s»Nina in der Kommission. � Gesetzentwurf geht an die Juitrzkommisston des Berichte über die Verwendung des Erloses für ver- von den?x-v-rlincr Stadtbahnparzellen und über die bisherige Aus- t hat.»nn kn"f�------ �— /»-r— >g ;nÖ yerr »steht «"rm0«1. Bestimmungen verschiedener Gesetze über den Er- ' �rateisenbahncn für den Staat werden ohne Debatte «ZM» Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr. �„nD toi«::"'"""» des Antrages, betreffend die Verlängerung uns Uli. �'Staturperiode.) mptome�t s- %nSn«? Kommunales. falische g; Stadtverordneten-Versammlung. Der Wf;:i �""8 vom Donnerstag, den 9. Februar. � in!1 Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Stryck eröffnet die rt OtNU... � Z um Sj Uhr mit einigen geschäftlichen Mittheilungen. i M'LL!% Ü�Vffe sind vor der Sitzung von den Abtheilungen lahnerl-.!°;»ifins,"P�ben; der eine hat sich mit dem Neubau einiger nd vWjj ii in...'chulen, der zweite mit der Festietzung von Bauflucht- nicht rt J ii,.. befassen. Der Etat kann erst in 8 Tagen zur ersten zu ü'" L teti(iü,men~ Der Magistrat hatte vorgeschlagen, schon in len vors, siil,. 8en Sitzung den Etatsausschuß zu wählen. Der delten,.Mii� halt dies aber erst nach der ersten Lesung für an- rttsindeii sonder» an erst Ii Eintritt in die Tagesordnung wird eine Anzahl Möns-, Anstellungs- und Pensionirungsgesuche ge- pungsmäßig erledigt. . Mschuß für Rechnungssachen erstattet durch Stadtv. — m-ji%iii,?n Bericht über eine Anzahl Rechnungen, deren chts �MA Tr�M«beten und ausgesprochen wird. tst c>r eyer i berichtet sodann über die E n t b i n- läter? ,» � td ü b. Unbesoldeten Gemeindebeamten aus seinen Aemtern -eite»»'0 d« stimmenden Beschuß des Magistrats rtcn s-.'Vtädt�.Merordneten-Versammlung auf Grund des§ 75 % Lej�g. Es handelt sich um folgendes: Ter an- lg fuP. is»! M ihn M�indel eines unbesoldeten Gcmeindebcamtcn grcbt 5»-' Bietzen. Die Frage ist nun: Ist die Stadtvcr- worluW- btdebcani.�mlung allein befugt, einen unbesoldeten Ge- .�Whiiina feines Amtes zu entbinden, oder ist die Zu- feffte» iJ�isttats erforderlich? Der Magistrat vertritt Wer zi,.„!?ndpunkt, während der Referent in längerer rUriQ„ ,°lUhrung nachweist, daß die Stadtvcrordneten-Ver- M e i n befugt sei, einen unbesoldeten Gemeinde- JufLi,,®"wtes zu entkleiden. Der Referent beantragt, .b'urch einen Beschluß festzustellen und hierbei "i? ifdiiJ»Ufzufordern, in Zukunft der Versammlung in ,iWden, das Material zugänglich zu machen. k«pH,!n Kommissar des Magistrats den Standpunkt 1t di» m" und sich eine längere Debatte angeschlossen, �-Versammlung nach dem Antrage des Refe- Vorlage, betreffend die Zulassung des Herrn l?« ÄJ? ,t>cn Geschäften der Versammlung. Vorerst er- btichtpn' �oß er die Herren Syndici der Stadt um �-�Mcgangcn habe. Das eine Gutachten sprach sich Wien l Ms Mandat des Herrn Ziethen als erloschen r...... »ä.« �* �Mraa&»rtÄr s % der m®6" Geschäften der Versammlung thellzunehmen. im YU � h n. i�o fmö zwei Anträge eingelaufen: inms,' Ü und Genossen beantragen: Die Stadt- it e>m � �Mmmlung wolle beschließen: Infolge des Be- )kr u'�ummlung vom 29. Dezember 1887, Prot. 8 e, rgab-��l% j)Cll Sung des bisherigen Stadtverordneten, Apotheken- dem L. p'n Den(j-ateth e n zur-rheilnahmc an den Berathungcn .ethan.�ull ,?Vstreitnp�?sten der Versammlung trotz der im Ver- l Geb fuhren gegen diesen Beschluß erhobenen Klage s>bisch-n 1 beantragt Stadtv. Meyer': Tic Stadtverord- ung. dpg, lui'S wolle beschließen; Das Stadtverordneten- :,»5 der z z?,Mknbcstßers Ziethen bleibt bis zur Einführung mä;W, rMifi aemife un0 6cä 9- Kommunal Wahlbezirks ord- g»; hche'1 I St � oder zu wählenden Stadtverordneten m preußis�i?' i w i tz begründet seine Auffassung. Es führe uide 9' x,»N»>luua Tri en' wenn ein von der Stadtverordneten- räch Dj, Ql5 ungiltig bezeichnetes Mandat weiter ausgeübt ett�(|'ijMähli! l(i? �wann meint, daß der bei der letzten «°% s As aÄ -S- und ÄÄ ungen-) , 12U� nicn. j ansen< empel« I, thsvelträS' zu ei»-' fO-U einer zum völlig Bei dieser Sachlage habe er, ISöBssÄ*""«« % bleiben müßten? Redner sei, big'hiYT �ryen)o lange Mitglied der Ver- W habe nlp«4?�urr�rte Neuwahl wirklich erfolgt sei. ein'ri vor der l-� perordneter seinen Platz einzunehmen, «•*"»öiÄ'SÄS'1' ■ m abgegeben. Der Gesetzgeber Habenichts anderes gewollt, als daß die Bezirke nicht unvertreten bleiben sollten. Ein Schlußantrag wird angenommen, nachdem noch der Stadtv. Buchow gegen den Antrag des Stadtv. Meyer 1 gesprochen. Der Antrag des Stadtv. Meyer l wird angenommen. Die Stadtvv. Langerhans und Genossen beantragen: Die Stadtverordneten Versammlung wolle beschließen: Die Stadtverordneten-Versammlung ersucht den Ma- gistrat, in gemischter Deputation in Berathung zu treten über Reformen des Feuer-Sozietäts-Reglements, nament- lich mit Rückficht auf die durch die neue Bauordnung nöthig gewordenen Aendemngen. Der Antrag wird angenommen. Einige unwesentliche Magistratsanträge werden debattelos genehmigt. Eine Anzahl Rechnungen geht an den Rechnungsausschuß. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß der Sitzung 3 Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Kokales. Ueber die Gefahre», welchen die Kleiröhren unserer Mafserlritnngen ausgesetzt sind, geben die gestrigen Verhandlungen der Polytechnischen Gesellschaft inter- effanten Aufschluß. Oberingenieur Frischen von der Firma Siemens u. Halste verwies zunächst auf Grund eigener Er- fahrungen auf den zerstörenden galvanischen Einfluß. Ein kleines Stück Kupferdraht, welches durch Zufall in das dick- wandige bleierne Brunncnrohr des Siemens'schen Fabrikgrund- stückcs gerathen war, hatte bewirkt, daß binnen kurzem das Blei- rohr an der Berührungsstelle vollständig zersetzt wurde. Aebn- lich zerstörend wirkt infolge galvanischer Ströme bei Feuchtigkeit und Wärme Blei auf Eisen, wie aus den Erfahrungen einer andern Fabrik bekundet werden konnte. Noch viel verhängniß- voller und häusiger sind aber die Zersetzungen der Bleiröhren infolge der Berührung mit alkalischen Lösungen. Schon seit langem hat man beobachtet, daß in'Neubauten die Bleiröhren oft erstaunlich bald defett werden. Die Untersuchungen, die vor allem Max Müller in Braunschweig angestellt hat, haben nun ergeben, daß diese Zersetzung auf das feuchte, frische Mauerwerk zurückzuführen ist. Man wird es daher vermeiden müssen, die Röhren mit frischem Kalk zusammen zu bringen. Auch das Waffer an sich greift das Blei an, und zwar scheint namentlich der Sauerstoffgehalt des Wassers dazu beizutragen. Die frühere Annahme, daß destillirtes Wasser sich dem Blei gegenüber inaktiv verhalte, hat sich nach neueren Forschungen nicht bestätigt. Dagegen sind alle Wässer, die doppelkohlen- saure Bestandtheile enthalten, völlig gefahrlos. Es ist das in- sofern bcachtenswettd, als man daraus erkennt, daß der von manchen für bedenklich gehaltene Bleiverschluß vieler Mineral- Wasserflaschen ungefährlich ist, da die meisten Brunnen Bikar- bonate(Doppelkohlensäure) und somit gegen Blei schützende Be- standtthecle enthalten. Es werden seit einer Reihe von Jahren Kauzettet herausgegeben, früher von ungenannten, jetzt von genannten Personen. Diese Bauzettel, welche den Namen des Bauherrn und des Ausführenden, sowie Art und Ort des Baues ent- halten, haben schon zu verschiedenen Malen Anlaß zur öffent- lichen Besprechung in der hiesigen Bauinnung und anderen hautechnischen Kreisen gegeben. Meist war man, wie die„Bau- gcwerksztg." schreibt, außerordentlich erregt darüber, daß die Beröyenttichung von auszuführenden Bauten, noch ehe dieselben die baupolizeiliche Genehmigung erlangt hatten, bezw. bevor die Konsensertheilung dem Bauherrn selbst bekannt gemacht worden war, geschah. Nicht selten ist denjenigen Bauunternehmern, Architekten und Baugewerksmeistcm, welche die ganze Vorarbeit für einen Neubau gemacht hatten, die Herstellung dieses Werkes dadurch entzogen worden, daß mit dem Augenblick der Ver- öffentlichung viele unberufene Konkurrenten an den Bauherrn herantraten und freiwillig Preise für Herstellung des Baues ab- gaben, für welche ein joliver Bau eben nicht auszuführen ist, und was in Berlin für eine Menge von Bauunternehmern be- denklichster Sorte vorhanden ist, weiß jeder Kenner hiesiger Ver- hältniffe. Sehr viel gerichtliche Klagen sind aus der vorzeitigen Veröffentlichung dieser sogen. Bauzettel hervorgegangen und haben vielen Bauunternehmern erhebliche Verluste bereitet. Schon früher haben sich die geschädigten Bauinteressentcn an das Polizei- Präsidium mit der Bitte gewendet, doch solche Veröffentlichungen zu verhindern. Indessen ist es dieser Behörde bis jetzt unmög- lich gewesen, trotz der sorgsamsten Nachforschungen, festzustellen, aus welchen Quellen diese Veröffentlichungen fließen. Es bleibt unerfindlich, wie die Herausgeber der Äauzettel zur Kenntniß der rcvidirten, mit Bauerlaubniß versehenen Bauprojette kom- men können. Obgleich in Berlin eine große Menge findiger Köpfe zusammenströmt, erinnert doch diese Findigkeit an die Quellenriechcrei der Quellensucher und ähnliche-Taschenspieler- kunstslücke, welche sich der gesunde Mcnschenversiand immer noch nicht erklären kann und will.— Im Anschluß hieran wird der „Voss. Ztg." femer geschrieben: Bereits seit acht Jahren bin ich eifrig bemüht, dem Äusbaldowercr der Vaumittheilungen auf die Spur zu kommen. Die Bauzeichnungen müssen in drei Exemplaren eingereicht werden, wovon je eins das Polizei- Präsidium, das andere der Magisttat und das dritte später der Bauherr zurückerhält. Es ist also die Vermuthung gerechtfertigt, daß die Quelle aus einer dieser Sammelstellen fließt und zwar erfolgen die mit sehr genauen Angaben hergestellten Veröffent- lichungen keineswegs erst nach Erthcilung des Konsenses, sondem meist schon kurze Zeit nach Einreichung der Projekte. Nach den Bescheiden des Herm Polizeipräsidenten sind Beamte des Polizeipräsidiums hierbei nicht betheiligt. Ich bin nun in der Lage, durchzwei prattischc Beispiele zu beweisen, daß auch Beamte des Magistrats hierbei nicht mtcressirt sind. Der Magistrat erhielt von zwei von mir verfertigten Bauprojekten, weil aus anerkannten Gründen nur 1 resp. 2 Exemplare beim Polizeipräsidium eingereicht wurden, keine Kenntniß. Dies wurde von dem damaligen Vorsitzenden der Bauabtheilung des Polizeipräsidiums seiner Zeit aktenmäßig festgestellt; dennoch standen dieselben schon nach einigen Tagen in den Bau- mittheilungen. Da muß ich denn doch die große Geschäfts- kenntniß des Ausbaldowcrns um so mehr bewundern, als von den geplanten Bauten auf der Baustelle noch nichts zu merken war. Mir scheint aber doch bei der großen Zahl der hiesigen Architekten und Inhaber von Baugeschäften ein großes Stück des öffentlichen Interesses geschädigt zu sein, da deren Ge- schäftsgeheimniffe in so unerhörter Weise preisgegeben werden. Auch bin ich der Meinung, daß den Verbreitem der Baumit- theilungen ihr unsauberes, aber sehr gewinnbringendes Hand- werk dadurch gelegt werden könnte, daß wegen Preisgabe des Geschäftsgeheimnisses gegen sie der Staatsanwalt auf eine be- gründete Klage einschreiten kann. Wie unsere Kourgeoiste lebt, d. h. wie sie frißt, das erzählt Dr. Hajek in Wien in einer äußerst interessanten und lehrreichen Abhandlung. Dr. Hajek weist auf die Anomrlien des Stoffwechsels hin, welche durch llebermaß in der Emährung, durch systematische Uebcrfüttemng mit exquisit guten Nahrungs- mittel» vemrsacht werden.„Der Reiche, der mit Sherry und Madeira seine Tafel beginnt, der nur die Suppe von rassinirt langsam gekochten Fleische genießt, der seine Ragouts verzehrt hat, ehe er an die Pis.e de resiutance seines Menu gelangt, der als Nachspeise noch gerade so viel Kost verzehrt, als ein Mensch überhaupt zu einer Mahlzeit braucht— dieser sorglose Prasser wird nicht müde, seinen Arzt auszuforschen, ob Reh- rücken nahrhafter sei, als Fasan, ob und wie lange ein Beefsteak gebraten werden müsse, damit es ja keine Kraft verliere, ob der Käse wirklich verdauen helfe und ob sich zwischen Bier, Wein, Liqueur und Kaffee nicht noch einige exquisit kräftige Getränke oder Speisen einschalten ließen. Mr das Kind in der Wiege, das kaum die ersten vier oder sechs Zähne hat, steht beim Erwachen schon ein blutiges Stück Fleisch bereit, die grö- ßeren Kinder dürfen ohne einen Schluck Rothwein gar nicht aus dem feaufe, und„unser tägliches Fleisch", womöglich ohne Brot, kommt Abends so gut wie des Mittags wieder auf jeden gut beschickten Tisch. Wahre Hekatomben bilden die Füttemng der wohlhabenden Kreise in den großen Städten. Dieser unge- sunden Fleischeslust des Magens huldigt Groß und Klein, und die wilden Thiere in unseren Menagerien und zoologischen Gärten verzichteten eher auf ihre Fleischration, als so ein kulti« virtes Stadtkind auf einen abendlichen Schinken oder Braten. Von jeder Mahlzeit erhebt sich unser Kultur-Äastobjekt schwerer, es gedeiht so zusehends fort, bis Gicht, Fettsucht, Zuckenuhr, Gallensteine ihre erste Mahnung ins Haus schicken. Diese Krankhcitsreibe steht in schönster Eintracht zu einander, sie thellt sich in ihre Opfer, und nursvie Fettleibigkeit, die ja auch von Cäsar begünstigt wurde, hat das Vorrecht, jede einzelne dieser Krankheiten begleiten zu dürfen."— Wie geht's dem Prole- tarier dagegen? Auch sie sind Liebhaber von Fleisch, häufig(je- nug allerdings stammt dasselbe vom edlen Roß her oder es wird als Ileberbleibsel aus den Hotelküchen geholt. Prompte Antwort. Der Vorstand des Potsdamer Droschkenbesitzcrvereins hatte am 25. v.M. an den dortigen Polizei- Präsidenten eine Petition gerichtet, auf die nach dem„Fuhrhalter" schon drei Tage darauf die folgende Antwort einging:„Auf den von dem Vorstande des Droschkenbefitzervercins an mich ge- richteten Anttag: zu genehmigen, daß diejenigen Droschken- besitzer, welche ihre Droschke selbst fahren, diese an den Wochen- Markttagen nach Belieben in Fahrt stellen können, erhalten Sie hiermit zur Nachricht, daß ich es ablehne, demselben näher zu treten, da ich den Droschkenbesitzerverein nicht für befugt halte, einen solchen zu stellen.... gez. Wolffgram."— Ja, wenn es Innungen wären! Es ist schon häustg darüber geklagt worden, daß die bei der königlichen Eisenbahnvcrwaltuna beschäftigten Diätare tagaus tagein, auch Sonntags von 19— 1 Uhr Vormittags, ihren Dienst zu versehen baden, ohne daß ihnen ein Tag freigegeben würde. Für jeden Tag, den die Diätare versäumen, gleichviel ob wegen Krankheit oder aus anderen Gründen, würden ihnen die Diäten abgezogen. So käme es, daß diese Hllfsarbciter, um der Diäten nicht verlustig zu gehen, jahraus jahrein ihren Dienst versähen, ohne sich je die Erholung oder bildende Belehrung des Besuchs eines Museums, ja selbst den Besuch des Gottes- dienstes erlauben zu können. Diese Klage erfährt in der„Nordd. Allg. Ztg.", augenscheinlich von behördlicher Seite, folgende Er- widerung:„Abgesehen von einer geringen Anzahl nichtan« stellungsberechtigter Anwärter für die Stellen des subalternen Dienstes, welche während des ersten Jahres ihre Beschäftigung im Bcamtenverhältniß, also nur auf eine kurze Zeitdauer, rage- weise besoldet weiden, erhalten alle übrigen„Beamten", sowohl etatsmäßige als außcretatsmäßige— zu letzteren gehören auch die „Diätarc— eine vierteljährlich oder monatlich zahlbare feste Be- soldung, von welcher Abzüge aus Anlaß von Erkrankungen und Beurlaubungen nicht gemacht werden." Diese Beamten- klaffen kamen in unserer Zuschrift gar nicht in Betracht. Dar- auf heißt es in der Erwiderung aber weiter:„Gegen Tages- diäten werden im übrigen nur die zur vorübergehenden Verwen- dung außerhalb des Beamtenverhältnisses angenommenen Per« sonen beschäftigt, welche übrigens nicht als„Diätare", sondern als„Gehilfen" bezeichnet werden. Auch diesen wird ohne Lohn- abzug in angemessenen Zeiträumen Gelegenheit zum Besuche des Gottesdienstes gewährt. Den im Bureaudicnst beschäftigten Personen, welche das Blatt besonders im Auge zu haben scheint, ist für die Sonn- und Feiertage die volle Tagcsbesoldung zu gewähren, selbst wenn sie an denselben nur theilwcise thätig oder nur dienstbereit find, so daß ihnen auch zur Erholung aus- reichende Gelegenheit geboten ist." Das würde ja genau mit den obigen Klagen übereinstimmen, daß den Diätaren oder, wie es in der Erwiderung heißt, den„Gehilfen" niemals ein dienst- freier Sonntag gewährt würde. Denn Gehilfen, die Sonntag für Sonntag von 10—1 Vormittag im Dienst sind bezw. dienst- bereit sein müssen, sind doch in keinem Falle vom Sonntags- dienst befreit, und die Bitte dieser Leute geht dahin, den Ge- Hilfen doch wenigstens alle 3 Wochen ohne Abzug der Diäten einen freien Sonntag zu gewähren, und das scheint uns keine unbillige Bitte zu sein. von einem Sattler erhalten wir folgendes Schreiben: In Ihrer Nummer vom 2. Februar veröffentlichen Sie im lokalen Theil unter„Eine sehr bewegliche Klage" sehr interessante Thatsachen, die aber unbedigt einer Richtigstellung bedürfen. Schon im vorigen Jahre war dem„Berliner Tageblatt" eine ähnliche Mitthcilung gemacht worden, die meines Erachtens aus ganz derselben Quelle zu stammen scheint. Da Sie nun wünschten, daß sich ein Arbeiter aus der Sattlerbranche zu dieser Sache äußern möchte, so will ich auf den Sachverhalt näher eingehen. Die Klagen des Herrn lgl. preuß. Hof-Sattlermeisters betrachte ich als sehr einseitig und sind dieselben weiter nichts, als eine Denunziation, die den Zweck haben soll, die kal. Verwaltung der Artilleriewerkstatt zu bewegen, in Gemeinschaft mit dem kgl. preuß. Hof-Sattlermeister und der Innung die Arbeitslöhne der Sattlergesellcn zu drücken, um so ihre Taschen zu füllen. Was die hohen Löhne betrifft, welche in Spandau auf der Artilleriewerkstatt bezahlt werden, so muß ich konstatircn, daß kein Sattler den von der Verwaltung gestellten Lohnsatz über- schreiten darf, um nicht Gefahr zu laufen, daß Abzüge gemacht werden, und wenn ich nicht irre, so bettägt der jetzige Stunden- Akkordsatz 35 Pf. Sollten die Sattler jetzt mehr verdienen, so verdienen sie es nicht in der sonst üblichen 10 stündigen Arbeitszeit, sondern in einer sehr ausgedehnten Arbeitszeit, und dieses letztere ist augenblicklich der Fall. Weiter schreibt der Herr königl. pr. Hof-Sattlermeister, daß in Berlin der schlechteste Arbeiter bei Biilctärarbeit 30 Mark verdient. Das ist unrichtig. Gerade das Gegentheil ist der Fall, der beste Arbeiter verdient allen- falls 30 Mark in einer Normalarbeitszeit. Nun kommt es ja vor, und das ist in den Militär-Werkstätten in ausgiebigstem Maße Gebrauch, daß bis in die Nacht hinein gearbeitet wird. Daß unter solchen Ilmständen mehr als 30 Mark verdient werden kann, gebe ich zu. Aber die Behauptung, daß der schlechteste Ar citer 30 Mark verdient, ist unrichtig. Im weiteren rühmt der Herr Hof-Sattlermeister die Thätigkeiten der„Handwerker" — soll höchst wahrscheinlich heißen„der Jnnungs-Handwerker". Da möchte ich noch auf Eins hinweisen, wie nämlich die Herren über den Befähigungsnachweis denken, da doch ihre Vertreter sich im Reichstag auch so sehr warm darüber ausgesprochen haben. Bei unseren Herren Zunftmeistern ist es jetzt Logik, Arbeiter zu beschäftigen, die unserem Handwerk sehr fern stehen, so z. B. Schuhmacher, Buchbinder, Kürschner, und auch von der weiblichen Arbeitskraft machen sie den weitgehendsten Gebrauch. Da sich doch dieses auf keinen Fall mit der Hebung des Hand- werkS verträgt, wollte ich darauf hinweisen, was für Vorstcllun- gen die Herren Zunftmeister sich davon machen. Und diese Logik ist gerade bei den hervorragendsten Zunftmeistern im Sattlerhandwerk der Brauch.— Dann schreibt der Herr kgl. preuß. Hof-Sattlermeister, daß so und so viele Existenzen von Sattlermeistern auf dem Spiele ständen. Da möchte ich darauf hinweisen, daß hier in Berlin auch genug Mililärarbcit vor- handen ist und nicht nur allein in Spandau. Also möchten doch die Herren Zunft- und kgl. preuß. Hof-Sattlermeister sich Militärarbeit verschaffen und den Gesellen ihre jetzt geforderten Löhne geben, dann werden sie nicht zu Grunde gehen. Daß sie auch nicht zu Grunde zu gehen brauchen, ist in diesem Blatte schon haarklein bewiesen worden. Die Photographie gewinnt, wie der Gcrichtschcmiker Dr. Paul Jeserich in der letzten Sitzung der Polytechnischen Gesell- schaft mittheilm konnte, in der Rechtspflege immer größere Be- deutung. Dieser Tage ist es mit Hilfe der Photographie gelungen, den Nachweis der Fälschung eines Kontobuches zu führen. Dr. Jescrich, dem auf Veranlassung der Staatsanwaltschaff die Bücher eines der Fälschung verdächtigen Kaufmanns zur Prüfung vor« gelegt waren, photographirtc die betreffenden Seiten der Bücher. Er ging dabei von dem Gedanken aus, daß die Farben photo- graphisch verschiedenartig wirken. Während Blau beispielsweise auf der Photographie fast weih erscheint, nimmt Braun eine fast schwarze Färbung an. Waren nun in den Büchern thatsächlich zwei verschiedene Tinten benutzt, die eine zur ursprünglichen Eintragung, die andere zur späteren Fälschung, so mußten diese Tinten, da ein großer Zeitraum zwischen ihrem Gebrauch liegen sollte, photoaraphisch einen verschiedenen Farbenton geben. In der That erschienen die nachträglich mit einer Blau enthaltenden Tinte ausgeführten Fälschungen auf dem Bilde ganz schwach, die ursprünglichen schwarzen Eintragungen tief dunkel. Die exakte chemische Untersuchung der durch die photographische Vor- Prüfung gefundenen Schriflstellen hat denn auch die Fälschung zur Evidenz festgestellt. In einem zweiten ähnlichen Falle han- Veite es sich um eine Wcchselfälschung. Man hatte den Monat Mai in April umgeändert, indem man aus dem dritten Grund» strich des großen lateinischen M ein p, aus dem a ein r gemacht und ein I angefügt hatte. Der Werth dieser photographischen Feststellungen liegt vor allem auch darin, daß der Sachverstän- dige durch Vorlegung der Bilder den objektiven Beweis für sein Gutachten geben kann, während aus der chemischen Untersuchung allein immer nur ein mehr oder weniger subjektiver Beweis hervorgeht. Außerdem bewahrt die Photo- äraphie das getreue Bild des Fälschungsobjeltes, welches bei der chemischen Untersuchung oft ganz der Zerstörung anheimfällt. Das„Dentschr Tageblatt", bisher antisemitisch und gouvcrnemental, soll, der„Frcis. Ztg." zufolge, nationalliberal geworden sein. Der bekannte Führer der Nationallibcralen, Stadtverordneter und Baurath Kyllmann, soll bei der Um- Wandlung eine Hauptrolle gespielt haben. Auch formell habe sich die Umwandlung in der Weise vollzogen, daß die bisherige Kommanditgesellschaft, Deutsche Verlags- und Buchdruckcrei- Gesellschaft Luckardt u. Co., in eine Aktiengesellschaft umge- wandelt sei. Buchhändler Luckhardt und ein Kommis desselben werden als Vorstand der Aktiengesellschaft bezeichnet. Krieg gegen Klingrl-KoUe. Der Molkereibefltzer Herr Bolle, genannt„Klingel-Bolle", hat seinen Leuten durch öffent- lichcn Aushang den Verkehr in den Lokalen in sechs Straßen Moabits verboten und straft jeden mit Entlassung, der dieses Verbot überttitt, sei es in, sei es außer dem Dienst. Diese An- gelegenheit, welche ein berechtigtes Aufsehen erregt hat, be- schäftigte am 8. d. M.(Mittwoch) den Verein der Berliner Weißbierivirthe in seiner stattaehahtcn Sitzung und wurde sehr lebhaft der Wunsch geäußert, daß der Verein Stellung zu diesem dittatorischen Verfahren nehmen möchte. Es wurde in Vorschlag gebracht, namens des Vereins an Herrn Bolle ein Schreiben zu richten, in welchem derselbe zur Aufhebung des gedachten Ver- botes bestimmt werden soll. Auf Änrathen des Präfidenten des deutschen Gastwirthsverbandes, Herrn Wiese, wurde jedoch von einem derartigen Schritte Abstand genommen, vielmehr, weil zweckdienlicher, eine Resolution gefaßt, welche es jedem Mitglicde des Vereins zur Ehrenpflicht macht,' von Herrn Bolle keine Milch zu entnehmen, bis zur Aufhebung des gedachten Verbotes.— Wir kommen in den nächsten Tagen noch aus- führlichcr auf Herrn Bolle und seine hochinteressante Kutscher- ordnung zurück. Der Kestber de» oft erwähnten„vermauerten" f anse« Friedenstraße 97, der im Prozeßwege durch die St. eorgengemeinde gezwungen wurde, die Fenster der auf den Friedhof stoßenden Hausfront zumauern zu lassen, hat, wie ein Lokalkorrespondcnt wissen will, im Instanzenwege jetzt erreicht, die verbotenen Fenster durch kleine Lichtöffnungcn(Lichtscheiben) ersetzen zu dürfen. Gin„freudig«» Greigniss" hat sich am Montag im Kameelgehege des Zoologischen Gartens ereignet. Das Kameel- weibchen hat nämlich zwei lebende Junge zur Welt gebracht, die sich ausnehmend wohl befinden und Hoffnung geben, daß sie am Leben bleiben. In der Gefangenschaft gehört das Wersen von Jungen bei den Kameelen zu den Seltenheiten. Durch de« Muthausbruch eiue« Angeklagte» wur- den gestern die in der dritten Sttafkammer des Landgerichts I anwesenden Personen in nicht geringe Aufregung versetzt. Der Kellner Max Stein befand sich wegen Dieditahls auf der An- klagebank, wurde für schuldig befunden und zu anderthalb Jahren Gefängniß verurtheilt. Während der Gerichtsbof sich mr Berathung zurückgezogen hatte, sprang der Angeklagte plötz- ich mit einem Wuthgebrüll über die den Anklageraum um- gebende Barriörc und stürzte sich mit erhobener Faust auf die Hauptbclastungszeugen. Zum Glück für diese wurde der Wütherich von den hinzuspringenden Gerichtsdienern ergriffen und unschädlich gemacht, bevor er das beabsichtigte Attentat auszuführen vermochte. Er ließ sich später willig zur.Haft ab- führen. Die in den lehten Tage» herrscheude Kälte hat leider ein Menschenleben vernichtet. Die Umstände, unter welchen: das geschah, sind sehr eigenthümliche. In der Alten Jakodsttaße 21 wohnte eine Wittwe G. Den Mit« bewohncrn des Hauses fiel es am Dienstag Vormittag auf, daß sich die G. nicht, wie üblich, in den Morgenstunden hören und sehen ließ, auch die Fenster ihrer Wohnung trotz der Kälte ganz offen standen. Man klopfte wiederholt an die Thür und als dieselbe nicht geöffnet wurde, requirirte man polizeiliche Hilfe. Die Thür zur Wohnung der G. wurde gewaltsam geöffnet und da fand man denn die Inhaberin aus einer Kopfwunde blutend und völlig erstarrt vor Kälte auf dem Fußboden liegen. Obgleich dieselbe sofort in ein Krankenhaus überführt wurde, war alle Hilfe vergebens: die Acrzte konstatirten, daß die Frau in- folge der Kälte verstorben sei. Wie die Verstorbetie zu der Kopfverletzung gekommen und warum sie während der.kalten Nacht die Fenster ihrer Wohnung geöffnet, bleibt völlig unklar. Polizei-Pericht. Am 8. d. M. früh wurde in der Nähe der Von der Heydtbrücke die bereits stark verweste Leiche eines etwa 30 Jahre alten Mannes aus dem Wasser gezogen und nach dem Leichenschauhause gebracht.— Gegen Mittag machte ein Arbeiter in seiner Wohnung in der Forstersttaße den Ver- such, sich durch Schwefelsäure zn vergiften. Er wurde noch lebend nach der Charitee gebracht.— Um dieselbe Zeit wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Cbristinenstt. 6 todt im Bett liegend vorgefunden. Nach ärztlicher Annahme ist der Tod wahrscheinlich durch Einathmen von Kohlendunst herbeige- führt worden; od Selbstmord oder Unglücksfall vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt.— Nachmittags wurde in der Prenzlauersttaße 15 Jahre altes Mädchen durch einen von dem Arbeiter Ii ein Nemcns unvorsichtig geführten Handwagen angefahren und am rechten Fuße nicht unbedeutend verletzt.— Abends wurde eine Frau in ihrer Wohnung in der Ackerstraße mittelst eines Halstuches an der Thürklinke erhängt vorgefunden.— An demselben Tage fanden Prodststr. 5 und Oranienburgerstt. 63 unbedeutende Feuer statt. Gerichts-Zeitung. In dem Pofener Kozialistenprozrß haben die meisten der vemrtheilten Angeklagten gegen das II rt heil der zweiten Strafkammer des Posener Landgerichts durch ihre Verl heidiger Revision einlegen lassen. Reichsgericht»- Gntscheidung.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 6. Febmar.(Postbeamtin und Dienstbenin.) Eine Strafsache, in der es sich um den Widerstreit der Pflichten han- delte, kam heute vor dem ersten Strafsenat des Reichsgerichts zur Verhandlung. In Kochel, einem kleinen bayerischen Orte, verfleht seit 17 Jahren Frau Marie Kainz selbstständig die Ver- ricbtungen eines Postbeamten; sie ist Post-Expeditorin und als solche mit allen Rechten und Pflichten eines Staatsbeainten ausgestattet. Im Juni v. I. trug sich nun ein Vorfall zu, der die Frau mit dem Strafgericht in Berührung bringen sollte. Sie hatte im Einverständnisse mit ihrem damals noch lebenden Ehcmanne ein 14jähriges Mädchen namens Anna Meis in Dienst genommen für häusliche Arbeiten. Eines Tages sagte die Meis, sie habe einen Brief an ihre Schwester geschrieben und wolle denselben fortschicken, weshalb sie um eine 10 Pf.- Marke bitte. Frau Kainz erwiderte darauf, sie solle nur den Brief nebst 10 Pfennig in das Expeditions- zimmer tragen, was sie auch that. Einige Zeit danach kam Frau K. in das Amtszimmer und beschäftigte sich mil Schreiben. Als sie fettig war und Sand auf die Schttft schütten wollte, ergttff sie aus Verschen das Tintenfaß und über- goß damit nicht nur ihr Geschriebenes, sondern auch den Brief der Meis. Als diese hiervon hörte, sagte sie, das thut nichts und nahm den Vorschlag der Frau K. an, welche versprach, ein neues Kuvert um den Brief zu machen. Während nun Frau K. das Kuvett löste, fiel ihr Blick auf den Inhalt und sie las gerade eine Stelle, welche sich in wenig schmeichelhafter Weise mit ihrer Person und der ihres Ehemannes beschäftigte. Die Meis be- klagte sich in dem Briefe über schlechte Behandlung seitens ihrer Dienstherrschaft. Frau Kainz stellte das Mädchen deshalb zur Rede, und letztere forderte den Brief zurück, offenbar mit in der Absicht, ihn nun nicht mehr abzuschicken. In diesem Augen- blicke zeigte es sich nun, daß zwei Seelen in der Brust der Frau Kainz wohnten: bis jetzt war sie als Postexpcditottn thätig gewesen, nun aber fühlte sie sich als Dicnstherttn. Sic erklätte, sie werde den Brief der Mutter oder dem Lehrer der Meis übergeben und steckte ihn vorläufig in ihre Tasche. Als einige Tage darauf die Mutter der Meis kam und Frau Kainz jener den Brief zeigen wollte, war er nirgends zu finden, an seine Adresse ist er auch nicht gelangt. Wo er geblieben ist, war nicht zu ermitteln.— Gegen Frau Kainz wurde bald dar- auf das Verfahren auf Grund des§ 354 Str.-G.-B. eröffnet und das Landgericht München I sprach auch am 29. November v. I. ihre Veruttheilung zu der aettngsten zulässigen Strafe von 3 Monaten Gefängniß aus. Aus den Utthcilsaründen ist folgendes von Interesse: Der Brief war als der Post anvcr- traut anzusehen, auch wenn noch keine Marke darauf war, denn es ist in Bayern nicht verboten, den Brief nebst dem für die Marke bestiinmten Geldbetrage abzuliefern. Tie Angeklagte hatte daher die Pflicht, den Brief weiter zu befördern. Durch die Oeffnung wurde derselbe dem Postverkehr nicht entzogen, auch der Absendettn nicht zurückgegeben, denn zur Zurückgabe find ganz andere Formalitäten nöthig. Die Angeklagte, welche die postalischen Bestimmungen kennt, hat nicht behauptet, daß sie auf Grund einer Gesetzcsbcstimmuug sich für berechtigt gehalten habe, den Bttef zurück zu halten. Sie hat ihn deHalten un- geachtet dieses Bewußtseins, daher hat sie rechtswidrig gehan- delt.— In ihrer Reviston, die vor dem 1. Strafsenat zur Verhandlung kam, hatte Frau Kainz ausgeführt, sie habe als Dienstherrin geglaubt, vollauf berechtigt zu sein, den Brief erst der Muter des Mädchens zu zeigen. Mit Unrecht habe das Gericht angenommen, daß das betr. Schreiben ein der Post an- vertrauter Bttef sei. Sie habe den Brief erst erblickt, als er mit Tinte übergössen war; damals hatte er noch keine Marke und sei daher der Post noch nicht anvettraut gewesen. Wenn die Meis an sie das Ansinnen gestellt habe, selbst eine Marke auf den Bttef zu kleben, so sei dies ebensoiuenig ein Anver- trauen, als wenn jemand einen Werthbttef stillschweigend in ein Postbureau lege. Wenn ein solcher Werthbttef abhanden kommen würde, dann wäre die Post nicht ver- pflichtet, Ersatz zu leisten, da er der Post nicht anvettraut war. Das Thatbestandmoment der Unterdrückung sei auch ver- kannt worden. Diese könne nicht darin liegen, daß die Ange- klagte nicht, wie sie versprochen, ein neues Kouvett helgegeben oder den Bttef gar ohne Umschlag abgeschickt hat. Daß die Unterdrückung in dem Nichtzurückgeben zu erblicken sei, habe das Gericht selbst nicht angenommen. Die Vettheidigung der Angeklagten vor der Strafkammer sei dahin gegangen, daß sie sich als Dienstherttn für berechtigt gehalten habe, Eltern und Lehrer des Mädchens zu benachttchtigcn.— Der Reichsanwalt bezeichnete die Revision als begründet, da die Feststellungen be- züglich des Bewußtseins der Rechtswidrigkeit unzureichend seien. Ob die Absicht der Unterdrückung, der Entziehung aus dem Postverkehr vorgelegen habe, sei nicht vom Gerichte erwogen, obgleich Veranlassung dazu vorlag, da die Angeklagte sich selbst darauf berufen habe, daß die Meis selbst den Bttef zurück- verlangt habe, sie, die Angeklagte, also nicht die Absicht haben konnte, den Brief dem Postverkehr zu entziehen. Dann habe sie sich auch, wie das Sitzungsprotokoll ergebe, auf ihre Eigen- schaft als Dicnstherttn berufen und das Urtheil schweige sich in dieser Beziehung ungerechtfettigter Weise aus. Es handle sich hier übrigens, so bemerkte der Reichsanwalt weiter, um ein Poststück, welches gar nicht, bevor es durch ein Kuvett ergänzt war, der Post zur Beförderung übergeben werden konnte und welches nothwendigcr Weise erst an den Absender zurückgegeben werden mußte, ehe eine Postbcförderung eintreten konnte.— Deni Antrage der Revision und des Reichsanwalt entsprechend hob sodann das Reichsgettcht das littheil auf und verwies die Sache an ein anderes Gettcht, das Landgettckt München>, zurück, indein es den von beiden Pattcicn angeführten Gründen zustimmte._ Kleine Mittheilungen. Civlebe«, 6. Februar.(Unglück im Schacht.) Auf dem Glückhülfsschachte verunglückte der Bergmann Thate dadurch, daß er von einer niedergehenden Wand getroffen und auf der Stelle getödtet wurde. Pari», 7. Febmar. Man erinnert sich noch der be- rühmten Flucht Rochefott's und einiger andern Verschickten von Neu-Kaledonien im Jahre 1877. Das Boot, welches die Flüchtigen an Bord eines englischen Dampfers brachte, gehötte einem Geschäftsmann Dusser in Numea, welcher von der über die Flucht erbittettcn Behörde unter Einziehung des Bootes ausgewiesen wurde. Nach Europa zurückgekehrt, hat nunmehr Dusser von Rochefott Schadenersatz verlangt; 2500 Franks für sein Boot und eine noch zu bestinimende Vergütung für den Verlust seines Geschäfts. Da Rochefott nicht gutwillg zahlt, so ist es zu einer Klage gekommen, die demnächst verhandelt werden soll. London, 6. Febmar.(Brennendes Schiff.) Auf dem Bramley-Moorc-Wettt in Liverpool verbrannte am Freitag Abend ein sehr großes amettkanisches Schiff. Dasselbe war theilweise mit Kohlen beladen nnd machte sich zur Reise nach seinem Bestimmungsotte, San Francisco fettig. Sobald das Feuer entdeckt wurde, waren Spritzen und Feuerwehr zur Stelle, aber es zeigte sich bald, daß �das Schiff nur durch Versenken gerettet werden könne. Die Seiten wurden daher an verschie- denen Stellen durchbohtt, aber das Werft war nicht tick genug, um das Fahrzeug ganz unter Wasser zu bringen. Wäbrend vom Sckiffe selbst nichts mehr zu sehen war, wüthete das Feuer in den Masten und dem Takelwcrk fott und widerstand allen Löschunasversuchen. Erst Sonnabend Mittag wurde man des Feuers Herr. London, 8. Febmar. Auv Shanghai wurde gemeldet, daß Uebettchwemmungen durch den Austtttt des Hoangho infolge der---------------> nahezu zwei Millionen Menschen in Roth und Gefahr versetzt wurden. Der Hoangho, dieser kolossale Strom Chinas, dessen Länge auf 4400 km, dessen Gebiet an Flächeninhalt auf 1 800 000 qkm geschätzt wird, ist wegen seiner großcnthefls sehr reihenden Strömung wenig schiffbar, vemrsacht dagegen durch Ueoettretcn seines infolge von Sturzseen oder des Schmelzens von Schnee im Gebirge furchtbar anschwellenden Gewässers auf das neben ihm gelegene Flachland häufig Uebettchwemmungen, die um so verwüstender ssnd, als das Flußbett in seinem unteren Laufe das angeschivemmte Flachland überragt, das auch durch die großartigen und kostspieligen Dammbauten nichts werden kann. Schon der obere Lauf zeigt eine£, kichkeit des Stromlaufes, noch mehr aber der untere; in v. Chr. hat der Fluß neunmal seine Mündung gean�I letzte Mal 1855,........~ das Gelbe Meer brach. 30 wo die größte Wassermasse, die mündete, 350 km weiter nach AotW] Sprechsaal. Die Redaktion stellt die Benutzung des Cprechsaals, soweit Raum dafür ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgememe» zur Verfügung; fie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit desselben identifizirt zu werden. An die Zimmerlente Kerlin« und 9> Kameraden! Die streikenden Sattler-, Riemer- und aehllfen Berlins richten an uns die Bitte um w Wir alle wissen nun, daß zur Zeit wenig Wege uns zu einer sofortigen thatkräftigen Unterstützung. somit im Sinne der Berliner Zimmerleute zu bands ich die Kameraden aus sämmtlichen Plätzen und Baund und Umgegend ersuche, sich an der Sammlung% werkschafr zu betheiligen. Ich glaube, uns allen m, Kampf, welcher zur Erlangung geringer LohnaufbesicM dieser Gewerkschaft sich augenblicklich vollzieht, bckanw bekannt, daß einmüthig fest die Gehilfenschaft noch auf die Erreichung ihrer gerechten Forderung hofft., sich hier nicht um einen planlosen, muthwilltg provoz sondem um die gerechte Forderung der Gewerkschaft Kameraden, ich füge der Bitte der Gehilfenschaft den Mahnruf an die Solidarii Arbeiter bei; seid eingedenk der Lage, in bcr_ auciiW tägli Lfcaul vi oft befanden, denkt daran, daß auch wir fremder Hilst! Also tretet ein so schnell als möglich und mit allen. Unterstützung der Gehilfen Berlins, streikenden Sattler, Riemer helft mit den Sieg erringen. listen im Umlauf sind, ersuche ich, auf dieselben z% � Y f 1 4 4 1 d-, O•-C+siY f.* S. a.-»C.n».» � andernfalls bitte ich um Zustellung der gesanmielstn- Zur Empfangnahme gegen Quittung bin ich alle L Abends von 8 bis 9 Uhr, Sonntags Vormittags von.. im Restaurant Schulz, Beuthstr. 10, gern bereit. N» der schaftlichem Gruß H. Jäckel, Zimmerer, N., Schönt°lt 1878 Nr. 177b. über den Pöi» Sie d Telegraphische KtpeW*�* s i B#" (Wolffls Telegraphen-Bureau.) Kamburg. Donnerstag, 9. Februar. Der MMs— j „Rugia" der Hamburg-Amerikanischen PacketfahttH? � �trage, schaft ist, von New-Uork kommend, heute früh 7 W S etngebr Elbe eingetroffen. �.t TOng an München, Donnerstag, 9. Februar. Der MF Egling durc Borscht(klerikal) ist mit 52 von 55 Stimmen äulJ �haupt;c Bürgermeister� gewählt worden. j'jniat 8er Mir». Donnerstag, 9. Februar. Bei der heu...., meisterwahl wurde der bisherige Bürgermeister Uhl F 116 Stimmen wiedergewählt.— Die Stadthalstw Burschenschaft„Teutonia" aufgelöst. Wien. Donnerstag, 9. Febmar. Die„PoIit"°| spondenz" meldet aus Petersburg, die im Finanzaw» Zollkommisston bereite eine Erhöhung des Einfu� Blei, Zink und Kupfer aus den westlichen Staaten F Kern, Donneistag, 9. Febmar. Ter BundcsrF Regicmng in Zürich seine Mißbilligung der von � Hauptmann Fischer durch die bekannten MitthciluB deutschen Reichstagsabgeordncten Bebel und Singer Indiskretion und der von ihm versuchten Rechtfett" gesprochen. Der Bundesrath beansprucht das Ri- w stcht und der Oberleitung über Untersuchungen,*6- Deicht, «ite, d ittiaus j 'zustand '■ Herr ftltn teilen( Rechte auch s % Vetli * Vevöli psseti d Äi sjt Mick einen bestimmenden Einfluß hinsichtlich derartiger Wen. sichern.'kß W Stockholm, Donnerstag. 9. Februar. Die"Gen nahm ebenso wie die erste einen Zoll von B 1 Uf y,| Weizen, Geiste, Mais und Bohnen an.| ßj�®<)tt (Nach Schluß der Redaktion eingete»� � Ghemnik, Donnerstag, 9. Febmar. Infolge HM be„ � vergangenen Nacht stattgehabten Schneeverwehungen.Lfrch." kehr auf den Bahnlinien Zöblitz-Rcitzenhain, OldfAHÄijt. jW Schwarzcnberg-Johanngcorgenstadt, Wilischthal-M U t und f dorf-Thum, Ännabcrg-Weipert, Wcipett-Komotau V des mühle-Moldau eingestellt. Auf der Linie Cbemniy'71 dxz die Züge wegen der Glätte nicht vorwärts kommen- San Nemo, Donnerstag, 9. Febmar. Dr.»n unter Assistenz aller übrigen Acrzte heute NwWS 50 Minuten bei dem Kronprinzen den Luftröhremst nommcn; der Zustand desselben ist ein befriedigend�« London, Donnerstag, 9. Febmar. Der Cö(u.w „Roslin Castle" ist gestern auf der Heimreise in kommen. Ihorst Markthallen-Kericht von Z. Sandmann Vettaufsvermittler. Berlin, den 8. Febmar 1888. Wetter: Regen. Temperatur� in der Halle 4 Grad Rcaumur. � Butter.(Reine Naturbutter.) 1. Feinste rahm- Tafelbutter(bekannte Marken) 98—. 3,01 schmeckende Tafelbutter 90-98 M.. 3.%athin!, M., 4. fehlerhafte Tischbutter 75-85 netto 'täglich � ohne Abzug!� hinal -13 ebigt 90...»WM. WWW Backbutter 65—75 M. pr. Ztr. Auktion Vormittags. Eier 2,70-4,10 eier— M. p. Schck. Käse. Jmpottitter Emmenthaler—87, Schweizer 35—50—63, Quadrat-Backstein 8- �... burger 20—30—35, Rheinischer Holländer Kase%>> Mchi pr. 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Richtstroh-- 30 M-, He» 1000 Kilo._ Verantwottlicher Redakteur: K. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW., Beuthstraße.2. SV