RcsiaurM !müthlichl�l fWe 161. j t RestaulBi laßt" Ab chten. r*#»*«rt, Berlin diel ?eft I. Si-' 'setzt aus Sruppe„i öardour©l i Kreishau iler!" mit_ lebe die Dresden. nzausschuß� M. fest. 'eratS zu, im. M. Hl i& Mill.Nl Verbrauch Zeitungen l Gelcgenhc»1 wahrschein» 'krise komii llen sollte. Pesch« leau.) r, Vormilb und Ausn>1 Donuerstag, de« A3. Fedr««r 1888. 5. Jahrg. McrMjM Krgi»« für die Interessen der Arbeiter. 4 �glich«olkSblatt" W-sSMDZK-SW Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Deuthstraße S.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. beseitigt das Sozialisten- Gesetz? Kammer n' erlaubt und darüber jammert, daß das Gesetz i ,,1 längere Zeit gesichert worden ist, da man nicht ler heutigen' tonne, wie der Nachfolger des jetzigen Reichstags Zossen � einer neuen Verlängerung stellen wird, so wird »« m»Lä ii! darüber klar sein, was von diesem Gerede Dlnflucn � nCH ist 5�1 s» Srta rtiif öirt nS#r Auf fünf roi�iu einer neuen Verlängerung lt darüber kl and seine �»«länger? worden-wäre, ist für die Frage neben habt' b»«»-" B leiser »Hicu i he den Äi* einzugelB/ ache wer sst. Ob das Gesetz auf ein Zahr oder auf fünf .''~_ der Er- Sowohl der jetzige wie der stellen wird, so wird rr sein, r setz auf ei "ö*.*» iwbvvii-lOäre, ist LS S�nz gleichgiltig. � Reichstag wird das Gesetz wieder erneuern, und f»b das so lange gethan, bis die Arbeiter zu einem � 4i>?"gen Faktor in unserem Staatsleben geworden sein —8' daß man eine gewaltsame Unterdrückung ihrer Be- ' b«>»ufa«e» TsSen nicht mehr wagen darf, weil man sie nicht mehr �,'ktzen vermag. Erst wenn es dahin gekommen ist, �t>tn � �st dann, wird das Ausnahmegesetz iteresse� ä°Slich ist es dabei freilich, daß man vorher noch den � machen wird, von dem man ja jetzt so en anzuz�L ti» et' das Ausnahmegesetz durch Aufnahme tigkeit C£. net Reihe neuer Strafbestimmungen in das gemeine ! 3U ersetzen. dies aber nichts weiter sein kann als eine Schein- »ersteht steh von selbst. Die Bestimmungen des ver- dem Scbll c-yicgo hören dadurch nicht auf, sich ausschließlich -'»zialistisch denkenden Massen zu richten, daß man nstchten stb» hinf�einen Recht einverleibt. Sogar die Befürchtung __, �'cht daß wenn solche Bestimmungen dem gemeinen S-e Zc-' rteie„>lnl>t werden, dann die Angehörigen aller Aufnahlfls."°p°l bet"-** leiben n'erben-- So Ian9e baä �.nrtaJc= r. 29 lutter deo fM ZeitpunttI vorden,("IT bei �ng Staatsanwaltschaft besteht, wird es jede Re- ,,,. �Sun» 5.�eit in der Hand haben, die politische ?t bekannt,.«e» st'iliren und mißliebige Parteien um Hand- Prozessen zu verfolgen, die Angehörige Ieten ungenirt ausüben dürfen. utter evei�M �.['Mche Vergehen unterscheidet sich eben von den 's all� ,, Sen dadurch, daß es nicht verabscheuungSwürdig iweiscn ch irsch„j"standen ist, sondern lobens- oder tadelnS- lhncn aWK*opUn,'/ je nachdem man es von einem politischen »"■sv' �er Anü ��tet, oder auch je nachdem eS von dem l,,ofriii;tiann«J3rSen das„verbrecherische Treiben" der k organik Agitatoren, welche die Arbeiter auffordern, �' eu, um sich gegen die kapitalistische Ueber- AeuiU'eton. —» ch-it»0 [44 (Ra4bniä gtclitm.) lascht 3 W-r' ouiiUll'11"- che unb-f"� IU Der Erbe. Vornan von Friedlich E e r st S ck e r. ��nn erschrak wirklich über die Blässe, die plötzlich aus ihren Wangen trieb, nur ihre Augen hatten JJ?») merkwürdigen Glanz angenommen, aber ihr , mar nicht mehr so freundlich, als vorher. Das �sdoch, während sie sich mit der Hand an dem *ssch stützte, fuhr mit immer fester, werdender '�,banke Ihnen für daS Vertrauen, da, Sie in i scheinen. Man sagt ja, daß ein jeder Ib"stag»in junges Mädchen ehrt, und ich darf mich bLssch* gekränkt dadurch fühlen. Was aber Ihre it" llh so thut es mir leid— ich kann sie nicht er- i 4� aothwendig, daß wir offen gegen einander sind," Ate�uaftau fort, und ihr Auge blitzte dabei wie.n lrkt-. aotm frfin« k.aknTk«ntf,«in«ii;n«m I-N-S [il'fil H daß ich Jhr-l ilVI UMS «MS macht wehren zu können, für desien Ohren sind die Stöcker'schen Hetzreden gegen das Zudenthum melodische Flötentöne. Umgekehrt fürchtet Herr Bamberger den Streik und die Koalition der Arbeiter nicht, da er den Kapitalismus für fest genug begründet hält, daß er mit den Arbeitern allein fertig wird. Dagegen graut ihm vor den staatssozialistischen Allüren, die sich an den Universitäten breit machen und er verdammt Stöcker's Treiben, weil durch dasielbe die „niedrigsten Triebe der Massen", Haß und Neid, gegen die besitzenden Klassen erregt werden. Für Herrn von Kleist ist Stöcker der zweite Luther, für Herrn Bamberger dagegen der im Schmutz wühlende Demagog, gegen den der überzeugte sozialistische Agitator ein Gentleman an Gesinnung und Manieren ist. Dieser Sympathien und Antipathien gegen politische und soziale Bestrebungen kann sich nun die Regierung so wenig entziehen, als der einzelne Privatmann. Dieselbe Handlung wird eine verschiedene Beurtheilung finden, ob sie von einem Freunde oder einem Gegner der Regierung ausgeht. Aenßerungen wie Hungerlöhne, Aus- beulung, kapitalistische Produktionsweise tc. genügen in dem Munde eines sozialdemokratischen Versammlungsredners, um die Versammlung zur Auflösung zu bringen, und doch sind alle diese Ausdrücke schon deS öfteren auch vom Bundes- rathstisch aus gefallen. Von Hungerlöhnen der Arbeiter hat Herr von Puttkamer sogar während der Sozialisten- debatte erst wieder gesprochen. Wie leicht es aber ist, auch bei der Anwendung des sogenannten gemeinm Rechtes sich denjenigen, gegen den man es anwenden will, vorher genau anzusehen, das sehen wir doch aus der praktischen Anwendung des Vereins- und Versammlungsrechtes. Wie viele VeremS- und Parteiorga- nisationen, sowohl der liberalen als konservativen Parteien, könnten denn bestehen, wenn die betreffenden GcsctzeSbestim- mungen gegen sie mit derselben Rigorosität wie gegen die im Perdacht der sozialdemokratischen Gesinnung stehenden Arbeitcrverbindungen angewendet würden? Wir behaupten, nicht ein einziger politischer Partei- verband und nicht eine einzige über ein größeres Territorium ausgebreitete wirthschaftliche Arbeitgebervereinigung würde vor dem Straftichter Stand halten, wenn sich ein Ankläger fände. Dieser Ankläger findet sich aber eben nicht, weil die Regierung von den gesetzlichen Bestimmungen keinen Ge- brauch machen will. WaS aber auf dem Gebiet deS Ver- eins- und Versammlungswesens bereits Uebung ist, daß man deffen Bestimmungen strenge gegen die OppositionS- Parteien und ganz und gar lax gegen die Regierungspar- teien anwendet, das würde sich auch durchführen lassen und würde durchgeführt, wenn die Bestimmungen des Sozia- Worte milderte, stand ihm in der That genau so gegenüber, als ob er sie auf das tödtlichste beleidigt hätte. Ihm selber stieg jetzt das Blut in die Stirn, denn er schämte sich der Rolle, die er hier spielte, obgleich er in der ehrlichsten Ab- ficht hergekommen. Das war nicht die Tochter ihres Vaters, vas war die Tochter ihrer Mutter, und wie er nur fühlte, daß hier jede« weitere Wort vergeblich sei, ja seine Lage nur unangenehmer machen konnte, sagte er artig, aber jetzt ebenfalls nur kalt und höflich: „Fräulein Ottilie, ich muß Sie um Verzeihung bitten, ich wußte nicht, daß Ihr Verstand schon so vollständig Ihrem Herzen über den Kopf gewachsen war. Ich bin mir jetzt unserer beiderseitigen Stellung bewußt, und seien Sie versichert, ich werde Ihnen nie wieder lästig fallen." Ottilie wurde blutroth. D«s klang wie ein Vormurf, und während sie vielleicht fühlte, daß sie ihn verdient hatte, empörte sich doch auch wieder ihre Eitelkeit dagegen, auch nur Aehnliches von dem Handwerker zu ertragen. Fritz Baumann ließ ihr aber keine Zeit, zu irgend einem Ent- schluß zu kommen. Er verbeugte sich kalt— sein Hut stand neben ihm auf dem Tisch und wenige Sekunden später schloß sich die Thür hinter ihm. Fritz Baumann dachte nicht daran, den Staats- anmalt wieder aufzusuchen. Er konnte ihn jetzt nicht sprechen, denn die Thränen standen ihm in den Augen, und Hals und Kehle waren ihm wie zugeschnürt. Aber nicht der Schmerz um eine verlorene Geliebte trieb ihm das Wasser zwischen oie Wimpern, sondern weit mehr verletztes Ehrgefühl. Ottilie verachtete in ihm den Handwerker, der es ge- wagt hatte, zu ihr, der vornehmen Dame, die Augen zu er- heben, und was war sie? Eines Advokaten Tochter, eines Bürgers der Stadt, wie sein alter, braver, von allen ge- achteter Vater ebenfalls Bürger war. Er biß die Zähne zusammen und stieg langsam die Treppe hinab. „Ein Korb," murmelte er dabei,„ein Korb in aller Form, und wie ertheilt— so höhnisch, so kalt, so herzlos! Was war ihr der Jugendgespiele, was die Liebe, die er für sie im Herzen trug!" listengesetzeS in das Strafgesetzbuch Aufnahme fänden. Ein solcher Platzwechsel der Ausnahmebestimmungen würde also für die Arbeiter gar keine Bedeutung haben und die Herren Nationalliberalen mögen deshalb ihr Bemühen, entsprechende Bestimmungen für das Strafgesetzbuch auszuhecken, nur ein-- stellen, es wird ihnen Niemand und am wenigsten die Ar» beiter dafür dankbar sein. Ob die Ausnahmebestimmungen im gemeinen Recht oder in einem Extragesetz vorhanden sind, ist für die, gegen welche sie angewendet werden, sehr gleichgiltig. Diese haben nur ein Interesse daran, daß diese Bestimmungen überhaupt ver« schwinden. Dies wird aber nur erreicht werden auf zweierlei Weise r entweder diejenigen, gegen welche sich die Ausnahmebestim- mungen richten— in unserem Falle also die Sozialdemokrate» — verschwinden, oder aber sie werden zu einem sg mäch- tigen politischen Faktor, daß die herrschende Gewalt mit ihnen rechnen muß und es zu einem Gebot der politischen Klugheit wird, den Unterdrückungsmaßnahmen Einhalt zw thun. Daß die Arbeiterbewegung aber aus den europäischen Kulturstaaten verschwinden werde, darauf weist absolut kein Zeichen, wohl aber sind alle Anzeichen dafür vorhanden, daß dieselbe immer noch mächtiger anschwellen wird. Spe» ziell in Deutschland ist die Arbeiterbewegung in dem letzten Jahrzehnt, trotz deS Ausnahmegesetzes, mächtig angewachsen und aller Voraussicht nach wird dieses Wachsthum ein noch aus Jahre hinaus andauerndes sein. Je mehr aber die Arbeiterbewegung sich ausdehnt, desto mehr werden die Ar- beiterstimmen bei den Reichstagswahlen ins Gewicht fallen, desto mehr aber auch wird die Antwort, welche die Reichs- tagskandidaten auf die Frage geben: Wie stellst Du Dich �um Ausnahmegesetz? ausschlaggebend für den Ausgang der Gewiß, die Zeit, daß eine sozialistische Majorität in den Deutschen Reichstag einzieht, die mag noch in grauer Ferne liegen, die Zeit aber, oaß der Wille der deutschen Urbeiterwählerschaft vom Deutschen Reichstag nicht mehr ignorirt werden kann, die scheint unS nicht mehr zu weit zu sein. S« ist daS Schicksal aller Ausnahmegesetze, daß sie, um wirksam zu bleiben, immer weitere Kreise treffen müssen. Das Sozialistengesetz ist diesem Fahrn ebenfalls nicht entgangen. Wo sich Arbeiter zufammenthun, sind auch Sozia- listen darunter. Soll das Gesetz aber seinen Zweck erfüllen, dann muß es die Sozialisten überall treffen. So ist es denn glücklich dahin gekommen, daß Arbeiterkindtaufen, Pfeifen- Klubs und Spaziergänge unter polizeilicher Ueberwachung stehen. Je größer aber der Kreis der Verfolgten wird, desto größer wird auch die Zahl der mit Unrecht Behelligten und desto mehr wächst der Unmuth über dieses System. So schritt er über die Straße hinüber, so die Bahn entlang nach seines Vaters Hause, und erst als er dort auf der Schwelle stand, zögerte er wieder, denn er schämte sich, dem alten Mann unter die Augen zu treten. Hatte der e» ihm nicht vorausgesagt? Aber das konnte er nicht wissen; kein Mensch konnte hinter so lieben, treuen Augen solche Eitelkeit, eine solche herzlose Brust vermuthen. Und wie würde jetzt das überstolze Mädchen auf ihn herabsehen, wenn sie ihm je wieder begegnete! Und konnte er sie denn hassen? Er schüttelte traurig vor sich hin den Kopf. Ach, zu lange hatte er jenes selige Gefühl der Liebe mit sich herumgetragen, um es jetzt so rasch und plötzlich gegen Haß umzutauschen! Aber da war er an der Schwelle, ja er stand in der Werkstatt, ehe er es selber recht wußte. Und sollte er hin- ein gehen? Die Stube öffnete sich, und Madame Müller, die in- dessen die ganze Zeit hier gesessen hatte, kam heraus. Sein Vater begleitete sie an die Thür. „Sie können gar nicht fehlen, Madame," sagte er; „links gehen Sie hinunter, und dann biegen Sie rechts hinein m die erste Straße. Es muß etwa das sechste oder siebente HauS sein; Sie sehen schon das kleine Porzellan- schild an der Thür unten:„Staatsanwalt Witte". Wenw Sie es denn nun einmal nicht anders haben wollen; aber ich an Ihrer Stelle... Holla, Fritz, schon wieder da? Junge, das ist schnell gegangen, fast ein bischen zu schnell," setzte er langsamer hinzu.„Na, komm nur herein; es ist beinahe, als ob ich heute meinen Amboß gar nicht wieder warn, kriegen sollte." Madame Müller grüßte, griff ihrenZ indeß vollständig abgelaufenen Regenschirm wieder auf und verließ das Haus, während Fritz langsam dem Vater in die Stube folgte. „Wo ist die Mutter, Vater?" „Ich weiß nicht, was sie vorhin angewandelt," sage der Alte;„sie wurde auf einmal unwohl und hat sich auf ihr Bett�gelegt. Ach, das geht rasch vorüber! Wenn man in die Jahre kommt, packt einen manchmal so'was ganz plötzlich, dauert aber gewöhnlich nicht lange. Mir wurde auch neulich einmal sehr schlecht, wie ich den drei DaS kolossale Wachsthum der Sozialdemokratie unter dem Ausnahmegesetz findet wesentlich seine Erklärung in der immer breitere Schichten aufregenden Ueberwachung und Ver- folgung der Sozialdemokratie. Das Sozialistengesetz, dessen Bestimmung angeblich sein sollte, den gestörten Frieden wieder herzustellen, hat in Wirklichkeit nur Unfrieden gesäet. An diesem Unfrieden und Unmuth aber, den eS erzeugt hat und fortwährend in höherem Maße erzeugen muß, wird es zu Grunde gehen. Schon die nächste Wahl dürfte die Frage: Für oder wider das Ausnahmegesetz? mitten in den Wahlkampf stellen, und die Zahl derjenigen Abgeordneten, welche ihren Sitz, wenn auch nicht sozialdemokratischen, so doch antisozialistengesctzlich denkenden Arbeitern verdanken, wird mit jeder Wahl wachsen. Wenn aus der deutschfreisinnigen Partei heute keine Stimme mehr für das Sozialistengesetz abgegeben wird, so geschieht das nicht zum geringsten Theil deshalb, weil diese Partei erfahren hat, welche Macht die denkenden Arbeiter heute bereits bilden. Diese Macht aber wächst und sie wird ihren Druck auch auf die anderen Par- teien fühlbar machen. Dieser Macht aber, die in den Ar- beitern selbst heranwächst, wird auch das Sozialistengesetz weichen müssen. Die Arbeiter haben es durch das allgemeine und gleiche Wahlrecht selbst in der Hand, ihre Klasse von dem Alp deS Sozialistengesetzes zu befreien und sie werden dies, deß sind wir fest überzeugt, viel früher fertig bringen, als ei den Herren Nationalliberalen gelingen wird, ihre Kautschukbestimmungen für das„gemeine Recht" zu fabriziren._ TriginakKorresponämzen. München, 20. Februar. Zu welchen Ungeheuerlichkeiten die Vergebung öffentlicher Anstalten an Privatgesellschaften führt, das zu beobachten hatten wir dieser Tage hier wiever reichlich Gelegenheit. Wie in vielen anderen deutschen Stödten, befindet sich auch hier die Gasanstalt in den Händen einer Privataesellschaft. Dieser Gesellschaft,— zu welcher natürlich die„Zierden der Stadl" gehören und welche horrende Dividcn- den einstreicht— wurde seiner Zeit ein Vertrag eingeräumt, der in Bezug auf Belcuchtungswescn die Stadt an Händen und Füßen bindet. Ein Erfolg dieses Vertrags ist zunächst, daß wir mit die tbeuersten Gaspreise haben, die man in Deutsch- land kennt. Die natürliche Folge davon ist, daß an Gas ge- spart wjrd, wo es angeht, und so zählt München zu den mangelhaft bcleuchtetsten deutschen Städten. Das Schlimmste aber ist, daß der Vertrag der Gesellschaft das absolute Be- leuchtungsmonovol sichert, so daß selbst den städischen Behörden nicht einmal die Möglichkeit gegeben ist, auf öffentlichen Plätzen oder Straßen Proben mit neuen Beleuchtungsarten— clekuschcm Lichte rc.— anzustellen. Wie weit das geht, mag folgender Fall zeigen. Behufs besserer Beleuchtung und Ventilation be- schloß der Magistrat, den Rathskellcr niit elektrischem Licht zu beleuchten. Es war dabei beabsichtigt, als Triebkraft eines der disponiblen Wasserwerke der Stadt zu verwenden. Die Gas- belcuchtungs- Gesellschaft erhob dagegen aber Einsprache und da die Stadt keine Leitungsdrähte über die eigenen S t r a ß e n führen darf, ohne Erlaubniß der Gasaesellschaft, )r im Rathhause aufgestellt wer- so muß nun ein Gasmoto.......—__________.... den. Dieser ungeheuerliche Vertrag bindet die Stadl noch bis zum Jahre 1899. Ein interessanter Kampf zwischen dem öffentlichen Interesse und dem Privateigcnnutz einiger einflußreicher Personen wird hier augenblicklich auf dem Gebiete des Pferdedahnwesens ausgekämpft. Die Pferdebahn- Verbindung zwischen dem Westen der Stadt, wo der Zentralbahnhof liegt, und b.n über der Isar liegenden Vorstädten Au und Haid» bauscn, ist nämlich eine außerordentlich mangelhafte. Nach der Au ist nur auf großem Umwege mit der Pferdebahn zu getan- gen, die Verbindung nach Haidhausen fehlt aber ganz, da vom Ministerium die Genehmigung zur Durchführung der Bahn durch zwei nur wenige hundert Meter lange Straßen der inneren Stadt bis jetzt nicht zu erlangen war. Sowohl der Ma- pistrat und die GemeindeloUegicn wie auch der Landtag haben sich bereits in der entschiedensten Weise für den Vahnbau aus gesprochen, die vorliegenden Projekte sichern die Ueberwindung sämmtlicher vorhandener technischer Schwierigkeiten und die Bürgerschaft hat sich in mehreren Versammlungen und in einer Petition, die mehr als 9000 Unterschriften zählt, für die Aue- führung des Anschlusses erklärt. Trotz alledem aber ist bis jetzt noch nicht die geringste Ausficht, daß eine zustimmende Antwort vom Ministerium erfolgen wird. Es sind eben gar hoch- gestellte Herren, die in den Straßen, durch welche die Bahn geführt werden soll, Häuser besitzen, und die wollen wahrschein- Zentner schweren Krahn auf den Wagen gehoben hatte; aber eS ging gleich wieder vorüber. Altersschwäche, mein Zunge, weiter nichts. Aber was ist mit Dir? Du schneidest gerade so ein Gesicht, als ob Dir der Hafer verhagelt wäre. Abgeblitzt, he?" „Za, Vater," sagte Fritz mit fester und entschlossener Stimme, denn er hätte dem Vater gegenüber nicht einmal Ausflüchte suchen mögen.„Du hattest Recht— wär' ich Deinem Rath gefolgt!" „Hm, und was sagte sie?" fragte der Vater, indem er beide Hände vorn in sein Schurzfell schob. Fritz sah eine Zeit lang schweigend vor sich nieder. Endlich flüsterte er:„Sie sagte, Vater, daß sie sich jetzt, wenn wir auch früher als Kinder mit einander gespielt hätten, in den Schranken halten müsse, welche die Gesell- schast für sie gezogen." „Unsinn," brummte der Schlosscrmeister;„das versteh' ich nicht. Was hat die Gesellschaft mit Eurer Heirath zu thun?" „Sie meinte damit," fuhr Fritz finster fort,„daß sie zu vornehm wäre, um einen Handwerker zu heirathen, wenn Dir das deutlicher ist." „Das ist allerdings deutlich genug," lachte der alte Schlosser ingrimmig vor sich hin;„aber nicht anders, als ich's mir gedacht hatte. Und die Mutter war natürlich ganz damit einverstanden?" „Die Mutter war gar nicht zu Hause." „Und der Vater?" „Ist ein Ehrenmann. Zch sprach mit ihm vorher dar- über, und er war freundlich und gut, und sagte mir, daß er mit Freuden seine Einwilligung geben würde, wenn die Tochter es wünsche." „Also ich hatte wieder einmal Recht?" „Za, Vahr" „Armer Zunge," nickte der Vater nach längerer Pause, in der Beide ihren Gedanken folgten.„Das war freilich ein böser Gang, und ein mäßiger Amboß ist manchmal leichter zu tragen, als so ein Korb. Aber laß Dir's nicht leid sein, Fritz. Mir ist dabei, ich gebe Dir mein Wort, eine Last vom Herzen, denn das Mädel hätte nicht zu Dir lich durch das Geklingel der Pferdebahn in ihrer Ruhe nicht gestört werden. Am letzten Freitag kam in unserm Magistrat die Kamin- kchrcrangelegcnheit noch einmal zur Sprache. Dabei wurde konstatirt, daß die sämmtlichen Gehilfen Münchens jährlich kaum 50 000 M. beziehen, während die 30 Meister ca. 400000 M. für ihr Nichtsthun einstecken. Immerhin beachteni- werth ist, daß einer der Herren Magiftratsräthe bei Erörterung der Angelegenheit ganz auf dieselbenVorschläge kam, welche wir in unserer letzten Korrespondenz bereits machten. Der Rath Krieger meinte nämlich, man sollte einen Lberausseher mit 4000 M. anstellen, den Gehilfen aber 2500 M. und den Lehr- lingen auch ein Geringes geben, so wäre den Arbeitern der Branche geholfen, die Hausbesitzer aber würden 200 000 M. zwecklose Ausgaben sparen. Natürlich ist an die Durch- führung dieses Vorschlages nicht zu denken, schon nicht um der Konsequenzen willen, denn es dürfte sich rasch ergebe», daß in einer ganzen Zahl anderer Gewerbe das„.Herrenthum" ebenso überflüssig ist, als bei den Kaminkchrern. Bezeichnend aber ist doch, daß unter allen Rätben nur der Zünftler Ä i e h l gegen den Vorschlag polcmisirte. Er und seine Zünftlergenossen finden eben im Kaminkehrergewerbc ihr Ideal verwirklicht. Das Ar- bcitsmonopol außerhalb ihres Bezirkes, Hungerlöbne für die deiter, für sich selbst aber ein nach Tausenden zählendes Ein- kommen, ohne dafür irgendwie arbeiten zu müssen, das wäre es, was die Herren Zunftschwärmer gebrauchen könnten und was sie unter der Phrase verstehen, dem Handwerk den gol- denen Boden wieder zu erobern. Ein Glück, daß auch diese Bäume nicht in den Himmel wachsen. Politische Ueverstcht. Eine rocht drastische IUastratian zur deutschen Ein- heit bietet trotz des Gesetzes vom 15. Juni 1883 die Krankenversicherung. Während alle freien Hilfskassen ihre Statuten in Bezug auf die Leistungen der Kasse entsprechend dem§ 75 des erwähnten Gesetzes einzurichten haben und die Genehmigung dieser Stawten durch die höhere Verwaltungsbehörde erst er- folgt, wenn dieS nachgewiesen ist, verfährt jeder Zwangskassen- Vorstand, und hunderte von Ortsoerwaltungen und Polizei- behörven üben das gleiche Verfahren, als ob die Unterschrift des Regierungspräsidenten gar nicht existire. So hat z. B. die freie Hilfskaffe der Bäcker in Dresden unbeanstandet die Genehmi- gung gefunden, während für Leipzig diese Genehmigung von der Landeshauptmannschaft versagt und erst nach unendlichen Schwierigkeiten ertheilt wurde. Auch in Staßfurt ist die freie Kasse des Gewerkvereins der Fabrik- und Handarbeiter trotz der Genehmigung des Regierungspräsidenten beanstandet worden und erst unbehelligt geblieben, als von Seiten der Aufsichts- behörde die amtliche Berichtigung erfolgte. In Bautzen haben ebenfalls die freien Hilfskassen einen langwierigen Kampf um ihre Existenz führen müssen, obgleich das Statut der Kasse(Ge- werkvcrein der Klempner) nicht nur dem§ 75 deS Gesetzes vom 15. Juni 1883 entspricht, sondern in mindestens hundert anderen Orten unbeanstandet geblieben ist. In Bezug auf die Leistungen der Kassen. Rechte der Mitglieder jc. herrscht gleichfalls eine geradezu erschreckende Buntscheckigkeit. Während viele Jnnungskassen schon nach dreiwöchentlicher Nichtbezahlung der Beiträge die Mitglieder streichen— so daß z. B. fast alle wandernden Ge- sellcn gar n cht mehr im Besitze der Kassenangehörigkeit sein können— haben andere die doppelte Wochenzahl für die Rc- stauten. Die Manöver aber, welche zeitweilig von den Zwangs- lassen aufgewendet werden, um sich ihren Verpflichtungen zu entziehen, sind geradezu staunenerregend und würden jeder freien Kasse die Existenz gefährden. So war vor kurzem in Berlin ein junger Zimmergeselle bei einem in Potsdam ansässigen Bieisrer in Arbeit getreten und bei diesem verunglückt. Die Angehörigen verlangten nun, da der Verstorbene bis zu seinem Todestage seinen Beitragspflichten beider hiesigen Ortskasse genügt, von der letzteren das versicherte Sterbegeld, hatten dabei aber die Rechnung ohne den Kassenvorstand gemacht. Dieser verweigerte, gestützt auf den Umstand, daß der Arbeitgeber ein Potsdamer war, die Zahlung und die Angehörigen mußten den Verunglückten, trotz seiner Versicherung, auf eigene Kosten unter die Erde bringen, bis später die Potsdamer Kasse Entschädigung leistete. Man darf wohl darauf gespannt sein, ob die geplante „Reform" des Krankenkassengesctzes diesen ganz unhaltbaren Zu- ständen ein Ende machen wird. Für die Arbeiter haben die- selben nicht nur unendliche Scherereien, sondern auch sehr oft schwere materielle Schädigungen im Gefolge. Die letzte Urde de» Neichokanzler». Es dürfte manchem wohl aufgefallen sein, daß unsere offiziöse Presse, abweichend von ihrer sonstigen Gewohnheit, fast gar keine „Preßstimmcn des Auslandes" über die letzte Rede des Reichs- kanzlers gebracht hat. Der Grund ist, daß sich mit dem Ur theile des Auslandes kein Staat machen ließ. Nicht daß die Rede besonders getadelt worden wäre. Aber man fand auch nichts darin zu loben. Man fand überhaupt nichts besonderes a n und i n der Rede. Daß der Reichskanzler wieder einmal das Bedürfniß empfand, im Reichstage zu sprechen, das erschien durchaus natürlich; und auch, daß der Reichskanzler in seiner 1 gepaßt, und Ihr wäret Beide für Euer ganzes Leben un- glücklich geworden. Gleich und Gleich gesellt sich gern; aber mit der Familie, den alten Staatsanwalt ausgenom- men, würden wir nie zusammen gegangen sein. Es ist gegen die Natur; und was wär' das nachher für ein Leben, wenn man nicht einmal den Sohn in seinem eigenen Hause besuchen dürfte, und die Schwiegereltern wie Hund und Katze zusammen lebten! Und paßt Du etwa zu Bällen und großen Mittagesien, wo eine Menge vornehmes Pack zusammenkommt und die Handwerker über die Achsel an- sieht? Daß sich das Volk selber nicht ernähren kann und mit seinem Adelstolz vom Staate gefüttert werden muß, sehen sie nicht ein! Das gehört sich, das war in der Welt- geschichte nie anders; aber der Plebs darf ihnen nicht in die Oucre kommen!" „Wittes sind ja aber doch gar nicht adelig, Vater..." „Um so viel schlimmer, mein Zunge. Mit einem wirk- lich vornehmen Manne ist immer leicht zu verkehren, aber das unausstehlichste Gesindel sind derlei Bürgerliche, wenn sie sich in den Adel hineindrängen, und die alte Frau Witte mitsammt ihrer Tochter gehören zu der Rasie, von der Frisur oben bis zur Fußspitze hinunter." Fritz hatte sich auf einen Stuhl geworfen und stützte den Kopf in die Hand. „Und Alles umsonst," sagte er leise;..wie habe ich ge- arbeitet und geschafft, wie gedarbt und gespart, nur immer mit der einen Hossnung im Herzen, und jetzt Alles ver- gebens!" „Wenn ich nur so'was nicht hören müßte!" rief der alte Schlosiermcister.„Du redest gerade, als ob Du ein Greis von einigen 80 Jahren wärst und Dich nun ganz be- haglich in die Grube legen könntest. Du hast gearbeitet und geschafft, ja, aber nicht fiir die stolze Liese, die sich zu gut dünkt, eines braven Mannes Frau zu werden, sondern für Dich selbst, und was Du gethan und geleistet hast, kommt Dir jetzt selber zu Gute. Erste Liebe— ja, prosit die Mahlzeit! Wie wenig Menschen gicbt es auf der Welt, die ihre erste Liebe bekommen! Das ist die Blüthe am Baume, die Frucht kommt später, und junges Volk glaubt gewöhnlich, wenn es sich in das erste glatte Gesicht vergafft Stellung keine Geheimnisse verrathen konnte. Enjf1&n: Dr. Lucio Diplomatie muß die Kunst üben, ihre Gedanken zu � als zur Ste und in mehr oder weniger eleganter Forin nichts i»® sich schwunc Das hegreift man im Ausland— wir meinen Frowlw Alling würde ei namentlich England—; was man aber nicht begrcist«jj bedeuten!" die deutsche Presse, oder doch ein sehr großer Theil da w 10 ein unbequ die Rede des Reichskanzlers zu einer„weltgeschichtlich�'' frommt, de aufgebauscht und sogar Gemeinplätze, die GemeiWi" dem beredte Nationen find, für wunderbare Ausstrahlungen des% Welche dem klärt hat.— Unsere Offiziösen mögen nur den Am«% Beifallssturr konservativen und deutschfreundlichen„S a t u r d a»& c* leb, der t lesen, und sie werden an dem ironischen Ton des BlaW% steigernden 5 kaum ihre Freude haben. Thatsache ist, daß das dents»% wird der allmälig in den Ruf kommt, das politisch genügsani� iß ö I Völker zu fein..t�staa-Nachmit Der Gesetzentwurf über die p-liz»ikosse» Mm Kirchhofe de Städten mit königlicher Polizeiverwaltung soll nuniwWIb, unmittelbar ar gestellt sein und dem Abgeordnetenhause zugehen. Bl-Msiider m in den betreffenden Städten der Staat die persönlichen.• meinde die sachlichen Kosten. Die Regierung schlägt a vor, die sachlichen und persönlichen Kosten nicht mehr I zu behandeln, sondern ste zu vereinigen und von den Summe die Hälfte der Kosten dem Staate, die anbWJ den Gemeinden aufzuerlegen. Dadurch müssen für die größeren Städte unter königlicher Polizei» große Mehrkosten entstehen, die zum Beispiel; nahezu drei Millionen betragen werden.— Wir ja dazu! Ueber die Handhabung de» präfldiuw», Deutschen Reichstag wird dem„Fränk. Kur." aus schrieben: Von Tag zu Tag tritt das Bedürfniß""IMÄ zu tM," parlamentarischen Diktionäre mehr und mehr zu Tage.�im, w' den Reichsbotcn'' m"" darüber giebt, chen Dnuonare meyr uno meyr de oten beim'Nachschlagen augenblicklichen ,�in<.c>nii M, welche Ausdrücke von einem gestrengen 4 � per � 1 für parlamentarisch zulässig erachtet werden und�velw« rA Mnei 'on in der Rici �Grenzsoldat «flelbe her un! renzc bele � auf i Ud°nn frei lch Laurahi Wehren d M�rhrcr Einr ÄHAandelten Z empöre m zu setz leipziger IUI. vuilumtiuuiiiu) JUIUI|iy HUUJIH IWWMI UllU JAweigsamkett zum obersten Grunds� seim-arlam�s.,tlemau"' .'der Zeit' bÄ'klär seln'kÄ�i�bester- ,,,... v--, Kartellpräsidiums mit lebhaftem"Urnbekrank-nn�i begleiten ist. Mit den Vorarbeiten zu diesem parlaw-'nssWd � 79q Taschenwörterbuch dürfte am besten der Vizepräsident un°N>ech�- ö'-R rath v. Unruhc-Bomst zu betrauen sein, welcher es n«��» n, als mentansch zulässig gehalten hat, daß Herr von PulMBlodi im Ausführungen des Abg. Dr. Bamberger gegenüber vo".-Wssoldete Phrasen" sprach und von den„dialektischen Trampolin'-� Teschch�d- i desselben Redners, die wohl die Heiterkeit des Haus�Ms.ilenz' sollten und mit denen man. wie das in gewissen LoW�Vgensrest,-! ist. mit einem befriedigten Lächeln von ver Bühne-dsiM,%. a" sich dem Beifall des geehrten Publikums empfiehlt.�'Ks-sig der kön'igli L. bto-k. 16. �nhin Phrasen" und„dialektische Trampolinsprünge" wäre». dem geplanten Werk mit dem Vermerk der parlaw�S Kannten Fad siitzs � vrelleicht doch Alles vergessen! Wie schön in dem Schreiben des Reichskanzlers lautete fernn� welches die neue �Reform- Aera" also� einleitete:» vom 15. W Zulässigkeit zu versehen, dagegen bereicherte Herr Pral Wedell die Regeln des parlamentarischen Svrachgs�A� den wichtigen Grundsatz, daß es den Ordnungsrul m ziehen muß, wenn ein Redner dem andern eine„n liche" Art und Weise der Behandlung eines Gegensi wirft. Derselbe Präsident hatte dagegen gestern finuationen" pasfiren lassen, welche Herr v. PuttkaD Rede gefunden hatte, die Dr. Bamberger in der des Sozialistengesetzes gehalten. Man steht, die kcit einer offiziellen Ausgabe des bewußten Dilti dringliche. Gelegentlich der Ml-derkehr de» Iaö...... Vl an dem die kartellbrüdcrliche Reichstagsmajorität ausges wurde, erinnert die„Volksztg." an einige Ausspru««' Männer. Dieselben seien auch unsern Lesern nicht BOt Wenn Jemand gleich bei seinem ersten Betreten W:.-theile n Arena so hineinfällt, wie Herr Adolf Wagner, deren konstitutionellen Ländern seine Rolle einfach.p�fl�nbrob* �tk Aber wer erinnert sich heute noch daran, daß der G-n w»,a und „Patrimoniums der Enterbten" so unbarmherzig ein �-.Kdes Herrn und Gebieter verleugnet worden ist, daß iT&nw würfe zum Tabakmonopol von vielen anderen Vau t; j, die Rede war, nur nicht von dem so pomphaft Ange> v,, Sozü O du grundgütige Langmuth des deutschen Mich»-'/ yiBt" Be hnrfi Allfö ru'rrtpiTpn' Wi« frfinn fmitpf. fprntl«t!««■»; steht sich von selbst, daß mit der Vermehrung Einnahmen des Reiches nicht eine Erhöhung ver � steuerlast bezweckt werden kann."— Die selige Korresp." fügte hinzu:„Von Millionen neuer 0%� Haupt nicht die......' gegangen und mehr zu*..> Volke zurückgegeben wurde. Und wie die Heiress.L Würden redeten!„'Nur ein geisteskrankes M>ni> « hat, daß sie das nicht es sterben und verderben werde und"Ich wahr, und sie leben ruhig fort und finden auch als Eigenthum bekämen,'s Andere, die sie eines Besseren belehrt. Glaub � hexe! ITS im'inp prftp npmpff n &»» feT'V # BW «ur „Adieu, Vater!" 1 i» Der alte Schloffermeister blieb noch eink �T st� stehen und sah ihm nach. So lieb es ihru daß aus der Verbindung, der er nie etwas �'7 nichts geworden war, so ärgerte es>9" stolze Ding seinen Fritz so hatte ablaus M dem 'chhnrZ f'„könnte die Mehreinnahmen anders ver- ,%*% ix iur Steuererleichterung/' Und berr v. Puttkamer , �n&Nriin, schwungvoller noch dahin:„Eine solche Steuer- >M äfident u>>' ser es n" on Pu» über p?11.. :ampolii S ipiircß parlawA� >err prachgett�I unßsm.� eine„jf Gegei»>Z -rn, Puma»» der die Dilti or rfniß zu Hilft zu erlen,"- SoUte«.... „> TiuK' der ttnv lxmm zu I. M enttot'""»m.«»>.«*-«"" zu.nLOö'. der empörenden Brutalität der msfischen Soldateska zu setzen? «�keipzisrr„Kuchtzändler" Mebel, welcher kürzlich �Mpitzel entlarvt worden, wurde im Rosenthal bei Btt a"0' aufgefunden. Furcht vor Strafe wegen Roth' m Wundern, Schwindeleien und Betrügereien sollen den QMleman" zu diesem anerlennenswerthen Schritt ver- �**k, 16. Februar. Ueder einen merkwürdigen Ver- �>erwendung von Arbeitcrgroschen berichtet das Fach« I i Arbeiter-Versorgung" wie folgt: Bei Auflösung der °elrankenverficherung in Koblenz war ein Vermögens- �.729 M, vorhanden. Dieses zu zwei Drittel auS xs?agcn, also aus Abzügen vom Arbeitslohn herrührend, .Ajunajzwecken gesammelte Vermögen vertheilte nun -">> Betrage von 700 M. als Gratifikation an zwei unverheirathete Beamte. Auf die dagegen er- .�Ochroerde der Ortskrankenkaffe verfügte die Regierung R verständiger Weise die Ueberweifung des ganzen ■festes an die Ortskrankenkasse. Statt sich damit zu- m'" Leben, hat der Magisttat von Koblenz gegen die An- i,'öniglichen Regierung noch remonstrirt. Man kann >di,!?" Fachblatte natürlich nur beistimmen, wenn es -.�enicrkung macht:„DaS Bestreben des Herrn Ober- "Ners von Koblenz nach materieller Verbesierung seiner �.Nnden wir recht löblich; die bezügliche Verwendung x merdeiiräge aber— man bedenke, daß sie zwangsweise v'elleicht kargen Lohn in Abzug gebracht sind— ver- %.**&**, 20. Februar. Wie das„Sachs. Wochenbl." zu �eiß, jst kürzlich ein Schneidermeister aus dem Mili- ><5'u Kötzschenbroda deshalb ausgestoßen worden, weil Mnuar d. F. als Miteinberufer einer Arbciterversamm- hatte. Wie es heißt, soll der Präsident deS sächfi ajoJä Km# i PrvereinsbundeS die Ausschließung mit dem Bemerken jujMen, daß andemfaUS der Militärverein selbst auS Schreiben, in %% W �gestoßen werden würde. C? Ä maßregelten über seine hat übrigens folgenden ll. Februar 1888. Herrn Paul Herrn. Kurtz! $ Sic unter heutigem Tage durch Befehl (, net--imph."--oa„. Herrn Tanner aus dem Militärverein zu hfrüa/ � Aunit Umgegend ausgeschlossen sein, da Sie sich .b in ttff d n mit und Vereins Statut vergangen haben, weil üdönen£>.,?■ fer sein von der Volkivettammlung, die auf st A»ae�M„ �ich � fm Januar 1888 abgehalten werden sollte, wo XÄ# - �eunt�ll, �otbet,.?tm selbst ist wegen dieser Ausschließung nicht .'.~{� jl?urde ihm vielmehr einfach die Thatsache, daß 'f b"Z< /JLb* WüZ."folgt sei mitgetheilt. »1 niA/IT�bero 19. Februar. Was doch in einem 'ti und c-fix, möglich ist; Die Lorbeeren der löblicher ter Polizei lassen unsere schwäbischen Ge ---- crx w.-----—-'X AT_n.. mg vel mg der sel'gc ,r c Steuern #1 'Minis" % iM i'echni, AHt zur Ruhe"kommen; mit Äufbietun» aller lten t>.�chlauheit find die um daS Hell des Vaterlandes den Sozialdemokraten und ihren So erhielt in dem sonst unschul- Wi.*? T-, links abseits der Hohenzollernbahn, die " irgendwie Wind, daß ein dortiger, ihr scheints und n'�Li nicht lange; Meister Baumann war kein . auch � � hatte" lang über geschehene Dinge nach- Glaub0 ji � /�"hexe!" brummte er nur leise in den Bart, dann d-cken., 1 W seines nur je. (Fortsetzung folgt.) Hammers wieder den ander Kunst«nd Leben Men. �"« meiste«»eheirathet? In Un zeigt nämltch, Ungarn und während der m Sater.'t i MW Z-rn 1873_"""- Baycm und 1"'Up"unps, UIIICI uciuyiinuu/vii � ilA würde, noch durch die Hoffnung auf ne&?L Entwicklung gezeitigt sein mag. ai" feN y dein war ein Bericht über Versuche, meine vorgestellten Patientin gemacht wor- anrüchiger junger Meister eine Kiste von der nächstgelegenen Bahnstation erhalten sollte. Das schien verdächtig; die heilige Hermandad beeilte sich daher, sobald die gefürchtete Sendung das Weichbild des friedlichen Fleckens berührt, ihre gewichtige Hand darauf zu legen. Alles Protestiren half nichts. Der Schultheiß, erfreut über den wichtigen Fang und schon schwel- aend vielleicht im Geist im Vollaenuffc des seiner hanenden LobeS, verfügte unerbittlich die Beschlagnahme und Ocffnung der verdächtigen Kiste; sie ward auf sein Getzeiß aufs Rathhaus gebracht, und nachdem man zur Vorsorge einen Krug Wasser daneben plazirt und so sich vor Lebensgefahr gesichert hielt, ge- waltsam geöffnet. Wer beschreibt aber die verdutzten Gesichter unserer Sozialißenjäger, als statt der vermutheten Päcke des „Sozialdemokrat" und anderem staatSgefäbrlichen Unrath, wie im Frachtbrief der bekannten Cannstatter Firma deutlich de- zeichnet, richtig die vom Besteller erwarteten Gerät he verpackt waren.— Das Schönste kommt aber hinterdrein; der Adressat, dem inzwischen die allzeit geschäftige Fama das Geschick des Kastens gemeldet, verweigert die Annahme seines entweihten EigenthumS, der Bote weigert sich, die erbrochene Kiste wieder zuiückzunehmen und die Bahnverwaltung, die ihm das„Stück Gut" heil und unversehrt überantwortet, kann ebensowenig zur Verantwottung gezogen»erden. Man ist nun sehr gespannt, wem die ominöse Kiste verbleiben und wer die Zeche bezahlen wird. WaS die höheren Behörden zu der sonderbaren Aus- legung des Sozialistengesetzes durch den sch«äbischen Dorfschulzen sagen, wird wohl AmtSgehcimniß bleiben; wahrscheinlich wird dem Gewaltigen, der gute Wille für die That gerechnet, eine Denkmünze— an die Rase gesetzt. Oesterreich-N«Sar«. Der österreichische Kultusminister v. Gautsch hat die antt- semitische Demonstration einer Grazer Studentenverbindung dazu benützt, die akademische Freiheit zu unterdrücken. Im Ab- geardnetenbause griff der deutschnationale, gut demokratische Ab- geordnete Pernerstorffer in die Debatte über das akademische Vereinsrecht ein und sagte u. a.:„Man spricht von Rohheiten unserer Jugend. Ich weiß auch von Rohheiten unserer Jugend zu erzählen. Da ist mir eine Geschichte bekannt von einem sehr hohen und sehr jungen Herrn, der nach einem überaus wüsten Gelage mit seinen Kameraden diese in das Zimmer seiner Frau führen wollte.(Rufe auf der äußersten Linken: Hört! Hört! Große Bewegung im ganzen Hause.) Ein bekannter hoher Herr! Da ist mir eine andere Geschichte bekannt von einem andern hohen Herrn, der mit seinen Kameraden— lauter fürstliches Blut— daherstürmt auf dem Felde. Sie sehen von ferne einen Leichenzug, zwingen denselben, stillzustehen, und all dieses edle Fürstenblut macht sich das Vergnügen, über den Sarg hinüderzuspringcn.(Hört! Hört! auf der äußersten Linken. Große Bewegung.) Da ist mir eine Geschichte bekannt aus einer Stadt, die zwar keine Universität defitzt, aber eine Kavalleriegarnison. Dieselbe dürfte dem Herrn Unterrichts- Minister auch bekannt sein, ist sie ihm nicht bekannt, soll er sich um dieselbe erkundigen. Die patriotische Entrüstung des UnterrichtS-Ministers wird darum nicht geringer werden, well die Stellung des jungen Herrn eine oerflucht hohe ist.(Höft! Höft! auf der äußersten Linken.) Wenn man diese Geschichten weiß, wird man mit Recht oon Verrohung und Verwilderung der Jugend sp-echen können. Das ist aber nicht die Jugend des gemeinen Volkes, das ist eine sehr vornehme Jugend, die viel- leicht ihre Bildung und Erziehung in den Institutionen jenes Ordens genossen hat, von dem wir noch nicht geböft haben, daß der Unterrichtsminister sich sonderlich um denselben gekümmert hätte.(Bravo! Bravo! auf der äußersten Linken.) Ja, meine Herren, da mögen Sie von Verwilderung, von Verrohung reden und da zusehen, daß diese Verwilderung und Verrohung auf- höre. Eine solche beispiel- und bodenlose Gemeinheit wird ver- aeblich gesucht bei den Söhnen unseres gemeinen Volkes."— Daß unter den beiden„sehr jungen und sehr hohen Herren" jugendliche Mitglieder des Kaiserhauses gemeint find, brauchen wir nicht erst zu erwähnen, sagen die rechtsliberalen Münchener „Neuesten Nachrichten. Wenn dies Blatt, das im Anhündeln der Mächtigen solch Gewaltiges leistet, solche Bekenntnisse ab- legt, so ist sohin viel faul im Staate Dänemark. Wir konsta« tiren, daß die Sittenvcrderbniß der„oberen Zehntausend" von einem Organ der„oberen Zehntausend" festgenagelt wird. Für das Studententhum uns ins Zeug zu legen, haben wir keine Veranlassung. Die Stöckerei, die Bedienten haftigkeit, das Wettknechen vor der Gewalt, die in weiten Kreisen der deut- schen Studentenschaft üppig wuchern, zwingen uns zu dieser Stellungnahme. Delgie«. Die am Sonntag in Brüssel stattgehabte Beerdigung des Sozialistenführers Brismö gestaltete sich, wie vorauszusehen war, zu einer großen sozialistischen Kundgebung, an der sich Sozialisten- und Arbeitervereine bethciligten. Die Brüsseler Vereine warm mit ihren Musikkorps und ihren rothen mit Trauerflor umhüll- ten Fahnen erschicnen, ihnen schloffen sich Gesinnungsgenossen aus Antwerpen, Gent, Verviers und dem Centte an; die Pa- nfer„Geächteten von 1851" fehlten ebenfalls nicht und die den waren. Die Betreffende war eine intelligente, etwa zwei- unddreißigjähnge Person; sie litt an Hysterie und war wegen Diebstahls arrctift worden. Die Versuche, von denen Krafft- Ebing erzählt, grenzen in der That an's Unglaubliche. Er ge- bietet der Patientin, zu einem bestimmten Zeitpunkte an einer bestimmten Hautstelle eine Röthung zu zeigen. Die Patientin kommt diesem Auftrage nach; ja noch mehr, an der genannten Hautstelle entwickelt sich eine förmliche Brandblase. Der Gelehfte gebietet ihr, eine gewisse Körpertemperatur zu haben; sie gehorcht; ein Woft des Arztes und die Körper temperatur steigt nach Verlauf einiger Zeit auf 39 Grad oder sinkt auf 35 Grad R. Es wird ihr gesagt, daß sie aus dem kalten Bade steige; die Hypnotisifte nies't wiederholt, sie wird blau vor Kälte und auf ihrem Rücken zeigt sich erne Gänsehaut. Es wird ihr geboten, 22 Stunden zu schlafen; sie erwacht um die bezeichnete Stunde. Ihre hysteroepileptischen Anfälle bleiben aus, nachdem ihr der Befehl gegeben worden, für den folgenden Tag von einem Anfalle frei zu bleiben. Höchst merkwürdig ist insbesondere ein Zustand, den man ein Wachträumen nennen könnte. In der Hypnose wird ihr befohlen, sie habe zu einer angegebenen Stunde in einem angegebenen Lokale zu erscheinen und dort ein Fenster zu öffnen. Die Patientin verlangt an dem betreffenden Tage plötzlich ihren Hut, sie macht sich auf den Weg und öffnet das bezeichnete Fenster. Run ober trat bei ihr ein Wechsel des Seelenzustandes ein, denn sie verlor sofoft die Erinnerung an das eben Geschehene, sie fand sich plötzlich in einer Situation, von der sie nicht wußte, wie sie hineingerathen war. Es liegt die Wahrschein« lichkeit nahe, daß sie in einem solchen Zustande Handlungen be- gangen haben mochte, für die sie nachher keine Erinnerung be- saß. Wenn sie dieselben begangen zu haben verneinte, so ist dies nur durch ein Ausfallen der Erinnerung zu erklären, zumal sie im Zustande der Hypnose, da sie ihren Willen vollständig dem des Erperrmentators unterwirft, nicht zu lügen vermag. Pro- fessor Krafft-Ebing zeigte an einigen Hypnotifirten, was für außerordentliche Fälle und Verwickelungen auf diesem Wege zu Stande kommen können; er zeigte, wie Jemand zur Erduldung oder zur Ausführung von Verbrechen oder zu einer falschen Zeugenaussage gezwungen werden könne, ohne nachher im wachen Justande je zu wissen, daß dies durch fremden Einfluß geschehen sei und wer diesen ausgeübt habe. Auch zahlreiche andere, ericht gerade als Verbrechen zu bezeichnende und doch sozial wichtige Ereignisse, wie Unterlassung oder Vollfühning gewisser Handlungen könnten entstehen, ohne daß der Be- treffende von dem auf ihn ausgeübten Zauber wußte; denn Panser Zeitung„l'Jntranfigeant" hatte einen Riesenkranz ge- sandt; über 3000 Männer und Frauen mit rothen Abzeichen folgten dem Sarge. Die Polizei duldete nicht, daß die Fahnen- träger den Friedhof betraten, aber nicht weniger als zwölf Reven, die den Verstorbenen feieftcn, wurden am Grabe ge- halten. Die Feier dauefte vier Stunden, verlief aber ohne Störung. Dänemark. „In Dänemark", schreibt die„Voss. Ztg.",„wüthet der Butterkneg, d. h. der Kampf für oder gegen die Kunstbutter. Da die Lmke in ihrer großen Mehrheit sich von vorn herein auf den agranschen Zweckmäßigkeitsstandpunkt stellte, so reizte sie sowohl den Appetit der Butter- Int ressenten, als auch den höchst berechtigten Widerspruch der arbeitenden Klassen. Für diese nahm sofoft die Pafteileitung der Sozialdemokraten die Bewegung in die Hand und im Lauft von einigen Wochen er- langte eine von ihr in Umlauf gesetzte Bittschrift an die Volkskammer zu Gunsten der Kunstbutter hier in der Hauptstadt nicht weniger als 63 252 Unterschriften. Auf dem Lande dagegen traten die Konservativen an die Spitze der Antimarganne- dervegung, ihre Parole ist: Verbot jeder Fabftkation von und jedes Handels mit Kunstbutter, aber ihr eigentliches Ziel ist ein politisches, sie wollen den liberalen Heerbann auf dem Lande erschüttern und die Bauern mit dem Köder der Jntereffenpolitik ins konservative Lager ziehen. Hunderte von Versammlungen find in den Provinzen schon abgehalten und das Ende ist noch nicht abzusehen. Ueber jede Versammlung berichtet der offiziöse Telegraph und es wird nicht eher wieder Ruhe im Lande wer- den, bis jedes Dorf seine Äutteroersammlung gehabt hat. Die Linkenführer sehen mit Bestürzung, daß diese Bewegung ganz gegen ihren Strich läuft und sie sinnen auf Mittel, um die Fehler einer in diesem Falle doppelt seichten Rüylichkeitspolitil gut zu machen; sie bereiten ein Rundschreiben an ihre Ver- trauensmänner por, sich in dem Butterkriege nicht von der Rech- ten umgarnen zu lassen, aber die Mahnung kommt zu spät, die Rechtemänner haben es kluger Weise verstanden, bei dieser Ge- legenheit mit den ländlrchen Linkeirwählem in Verbindung zrt treten, und den Abgeordneten der Linken bleibt kaum noch etwaS anderes übrig, als agrarische Politik zu treiben— d. h. ader„ das Bett für die Sozialdemokratie bereiten." FVattkreich. Die Pariser Sozialisten und Anarchisten begingen an? 19. d. Ä. auf dem Pbre Lachaisc den fünften Jahrestag JuleS ValleS'. Die deutschen Sozialisten hatten sich zuerst am Grabe eingefunden und legten einen Blumenkranz daselbst nieder. In einem in der Nähe des Kirchhofs gelegenen Saale wurde Nach» seicr gehalten. Ein gewisser Estignac, der schon vorher ver- schiedentlich geredet hatte, schlug vor, anläßlich der Annahme de« Sozialistengesetzes im Reichstage an die deutschen Sozialisten ein Beileidsschreiben zu richten, um ihren Muth zu stärken und aufzurichten, damit sie nicht aufhören, sich auf die nahe allge- meine Revolution vorzubereiten, und ihnen die moralische Unter- stützung der Sozialisten aller Länder zu versprechen. Er (Estignac) werde dafür Sorge ttagen, daß die Avresse richtig in die Hände der sozialisttschcn Abgeordneten gelange. Der Antrag Estignac's wurde einstimmig angenommen.— Die Arbeitet« Partei, an deren Spitze der Genreinderath Joffrin steht, hatte die Bälle auf dem Stadthause nicht gebilligt, weil dort die Gelder der Steuerzahler vergeudet würden. Nach ihrer Ansicht muß das Volk seine Feste selbst geben, und um zu zeigen, wie das anzustellen sei, hatte die Arbeiterpartei Sonnabend Abend im Saal Favis in Belleville ein großes Konzeft mit Ball veranstaltet. Ungefähr zweitausend Personen wohnten dem Feste oei. Der Festsaal war mit rothen Fahnen und Bannern geschmückt und überall waren revolutionäre Inschriften angebracht. Die Bürger und Bürgerinnen hatten sich sonntäglich herausgeputzt, einige Kinder waren in Karnevalstracht und viele Frauen und junge Mädchen trugen die phrygische Mütze und eine rothe Schärpe. Beim Eintritt in den Saal erhielten die Männer ein rothe? Band für das Knopfloch, die Frauen Blumcnsttäuße und die Kinder Spielzeug. Das Konzeft dauefte von 9 bis 12 Uhr. ES wurden nur revolutionäre Lieder vorgetragen. Paris, 21. Februar. Im weiteren Verlaufe der heutigen Verhandlung gegen Wilson und Genossen beantragte der Staatsanwalt, Wrlson auf Grund des Artikels 405 des Strafgesetz» buches zu veruftheilen, wonach betrügerische und schwindelhafte Manöver mit Gefängniß von 1 bis 5 Jahren bestraft werden. Gegen die anderen Angeklagten, welche nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatten, wurden geringere Strafen bcanttagt. Schweiz. Der Zentralausschuß der Arbeitervereine Zürichs hat den Baumeistern und Bauhairdwerksmeistern angezeigt, daß beschlossen worden sei, die tägliche Arbeitszeit für alle Bauhandwerler auf 10 Stunden anzusetzen, welche in die Zeit zwischen 6 Uhr Morgens und 6 Uhr Abends verlegt werden sollen, ferner den Mi- nimaltaglohn zu 4 Fr. 50 Cent, zu fixiren. Die Angelegenheit möge in einer später gemeinsam mit den Meistern abzuhaltenden Versammlung derathen werden. füglich kann man auf diesem Gebiete von einem Zauber sprechen, da ja auch Liebe und Haß in einer menschlichen Seele durch hypnotistrende Eingriffe zu erzeugen wären. Professor Kraft hält es daher für unbedingt nothwcndig, daß das Hypno- tifiren gesetzlich geregelt werde, damit es nicht in der Hanv von Verbrechern, die etwa auf der Höhe der Zeit stehen, zu Unfug mißbraucht werden könne. Bekanntlich ist ein derartiger Gesetz- entwuft vor einigen Monaten in der französischen Kammer ein» gebracht worden. Dir verschiedenen Untersuchungen de« Schlangengift» haben bisher noch nicht feststellen können, welcher blut» zersetzender Stoff eigentlich in dem Gift enthalten ist. Die Annahme, daß das Gift ohne Nachtheil verschluckt werden könne und nur unmittelbar ins Blut gebracht, verderblich wirke, ist eine irrthümliche, denn selbst mir Wasser verdünnt äußert es noch auffallende Wirkungen, ebenso ruft es beim Verschlucken Schmerzen hervor und stört die Gehimthätigkeit. Nach Fayoer's Untersuchungen führt es den Tod herbei, wenn es irr genügender Menge in den Maaen, in das Auge oder auf das Bauchfell ge- gebracht wird. Warmblütige Thiere sterben nach einem Schlangenbiß viel schneller und sicherer als Kriechthiere, weil bei ersteren der Blutumlauf ein viel schnellerer ist. Wenn eine große Giftschlange eine andere beißt, so zeigen sich die Folgen der Vergiftung ebenso, wie bei einem anderen Thiere, und die ge- biffene Schlange erliegt meist der Vergiftung. Die Klapper- schlänge soll die giftige Mokassinschlange abfangen und ver- schlingen; und die letztere wiederum kleine Giftschlangen verzehren. namentlich Sandvipem, nachdem sie dieselben gebissen und durch Vergiftung getödtet hat. ..."" 5- 6°-°' 60 Amerika. Unseren Sozial» nenfressern können wir wieder eine recht betrübenden Nachricht aus den Vereinigten Staaten mittheilen. Die amerikanischen Turnervereine haben sich näm- lich mit großer Energie gegen alle Versuche, die Einwanderung zu beschränken, ausgesprochen und auch die geplante Maßregel gegen einwandernde �Anarchisten" als reaktionär verurtheilt. Und dem Chikagoer Turnvereine, welcher sich ausnahmsweise für die letztere Maßregel erklärte, ist von den anderen Turn- vereinen der Kopf tüchtig gewaschen worden. Dieser Chikagoer Turnverein besteht beiläusig aus Bourgeois und Bourgeois- söhnchen und hat der Arbeiterbewegung gegenüber stets eine feindselige, ja gehässige Stellung eingenommen. Also wenn die Herren Haupt, Schröder und Kompagnie die Freundlichkeit haben wollen, nach Amerika auszuwandern, so laufen sie nicht Gefahr, zurückgeschickt zu werden. Das ist doch wenigstens ein Leiner Trost.— Und noch eine zweite unangenehme Nach- richt aus Amerika haben wir den Feinden der Arbeiter- brwegung mitzutheilen. In dem Riesen streik der Readingbahn-Beamten und-Ardeiter und in anderen Streiks, die sich gegenwärtig abspielen, nimmt das Publikum und nimmt die Presse, so weit sie nicht im Solde der Korporationen" steht, entschieden für die Ardeiter Partei. Und mehr und mehr kommt die Ansicht zum Durch- bruch, daß mit all' diesen„Korporationen", die nur kapitalistische Gesellschaften sind, gründlich aufgeräumt werden muß. Daß man Jay Gould und den Telegraphen-„Korporationen" zu Leibe gehen will, haben wir schon früher erwähnt. Kurz, diejenigen, welche gehofft hatten, infolge der Chicagoer Bomben- merferei werde in den Vereinigten Staaten eine allgemeine Reaktion zu Gunsten des Großkapitals eintreten, haben sich arg verrechnet. Neben der bewußt sozialistischen ist in Amerika auch eine unbewußt sozialistische Bewegung zu er- kennen, die von Tag zu Tag weitere Kreise erfaßt und aller Vorausficht nach in nicht ferner Zukunft zu großartigen Umgc- staltungen führen wird. betheiligt find, die vielmehr auf den Kohlenstaub zurückgeführt Die Strecken in den Gruben find durch den Kleine MittheUnngen. Saarbrücken, 16. Februar.(Grubenunglück.) Die Nach- richt von einem erschütternden Unglück, welches sich gestern Abend in der Grube Kreuzgräben, Berginspektion V zu Sulzbach, zugetragen hat, verbreitete sich heute in frühester Morgen- stunde durch unsere Städte und deren Umgebung. Kurz vor 9 Uhr ertönte auf der Grube ein dumpfer Schlag und schwarze Rauchwolken strömten zu Taße. Es war eine Explosion erfolgt. Der Grubenbau bewegt sich»m wesentlichen auf einem einzigen Flötz, und zwar nur auf einer Sohle. Die westliche Partie des Flötzes ist ahgebaut und nicht mehr belegt, die östliche Flötz« Partie wurde von dem Unfälle nicht berührt. Die Entzündung und Explosion beschränkten sich auf die mittlere Flötzpartie" Spuren ab- Schlagende Wetter waren— wenn von seltenen Spuren gesehen wird— bisher auf diesem Flötz unbekannt. Es wird daher angenommen, daß es sich im vorliegenden Fall um eine Explosion handelt, an welcher Schlagwetter wenig oder gar nicht werden muj Unfall mehr oder weniger beschädigt worden, Förder schachte, Wetterschächte, Maschinen und Ventilatoren blieben un- verletzt. Der Gang der Ventilatoren wurde durch den Vorfall nicht unterbrochen: man beschleunigte denselben, und eS ist diesem Umstände zu verdanken, daß die Hilfsmannschaften sofort nach dem unglücklichen Vorfalle ihre Thätigkeit in der Grube beginnen konnten. Die Explosion erstreckt sich über den größten Tyeil der Grubenräume. Es waren Nachmittags 70 Mann zur Arbeit ausgefahren, von welchen bis heute Vormittag 11 Uhr leider 42 als Leichen zu Tage gefördert wurden. 4 Arbeiter, ohne jeden Zweifel ebenfalls zu Tode gekommen, konnten noch nicht erreicht werden. Die übrigen 24 haben sich zum größten Theil, ohne eine Beschädigung davongetragen zu haben, sogleich nach dem Geschehnisse zu Tage gerettet oder wurden durch die unverzüglich zur Stelle geeiltcn Rettungs- Mannschaften, wenn auch bewußtlos, herausgebracht. Die Neben- strecken find mit Nachschwaden gefüllt. Kaarbrück«», 18. Februar.(Grubenunglück.) Das letzten Mittwoch in der Kohlengrube„Kreuzgräben" vorgekommene Unglück hat, wie jetzt endgiltig feststeht, 42 Bergleuten, die mit wenigen Ausnahmen sämmtlich verheirathet»varen, daS Leben Sekostet, während fünf andere Bergleute mehr oder weniger hwer verwundet find. Die Gewalt der schlagenden Wetter war so stark, daß nur die in den entfemtesten Enden der Strecke arbeitenden Leute verschont blieben. Die Verunglückten sind meist schwarz verbrannt, zum Theil auch so verstümmelt, daß sie von ihren Angehörigen nicht erkannt werden konnten. Die Bevölkerung befürchtet, und zwar nicht mit Unrecht, eine Wiederkehr ähnlicher Unglücksfälle, welche bei dem vor etwa einem Jahrzehnt in den Fischbachthaler Kohlengruben zur Ein führung gelangten„neuen Abbausystem" nur schwer zu vermeiden find. Die älteren Kohlengrüben, in 1 denen bis heute Massen- Unglücke nicht vorgekommen sind, haben zahlreiche zu Tage führende Ausgänge, welche der Änfanimlung gefährlicher Gase durch fortwährende Zufuhr atmosphärischer Luft entgegenarbeiten. Bei der bis zu 600 Meter tiefen Lage der abzubauenden Kohlenschichten in den neuen Kohlengruden nahm man statt des altbewährten Systems das englische an, das Tagesstreckcn über- Haupt nicht kennt, sondern den Verkehr zu Tage dllrch senkrechte Einfahrtsschachte vermittelt. Die frische Lnft muß dabei durch besondere Wetterschachte eingepumpt werden. Bei der bekannten, am 17. März 1885 in dem nur etwa eine halbe Stunde von Kreuzgräben entfemten Werke Camvhausen erfolgten Explosion schlagender Wetter, die gegen 200 Bergleute tödtetc, wurde die Entstehungsursache auf die ungenügende Zahl der Vcntilations- schächte zurückgeführt. Auch in dem vorliegenden Falle soll die Ursache eine ähnliche sei. Die bereits eingeleitete Untersuchung wird darüber wobl Aufklärung bringen und hoffentlich dazu führen, daß die Wiederkehr solcher Unglücksfälle, so weit es nach menschlichem Ermessen möglich ist, ausgeschlossen erscheint. 17. Februar.(Der Lawinensturz an der Gott- harddahn.) Nachdem die letzten Schneefälle gewaltige Schnee- Massen an den Bergabhängen der Urner-Gebirge aufgehäuft hatten, wurde von den_.. die Lawinenbildung derart vorbereitet, daß von schwere Schnecstürze vorausgesagt wurden. Um me-• � des 14. Febmar löste sich von der dem Dorfe überliesenden Bergwand eine gewaltige Staublawine( Ursch-laue) ad, welche der Entfernung wegen zw°r, nicht unmittelbar bedrohte, sich aber durch derartig Hess druck kund gab, daß von näher liegenden GcM die Dächer beschädigt und eine große Anzahl V, scheiden eingedrückt wurden. Der Alles 1 in Schneestaub hüllte eine Zeit lang das Dorf>n Nachmittags 3 Uhr erfolgte ein erster LawinenstM.� Entschigthal, das, zwischen dem Dorse und der GoNW� gelegen, durch zwer starke Gallerien und eine Mauer Durch diesen Sturz wurde der Einschnitt nördlich bei der Station etwas mit Schnee gefüllt. Infolge dePV einige Bahnarbeiter an Ort und Stelle geschickt, um ve» wegzuschaffen. Bei dieser Arbeit wurden dieselben buw zweiten und dritten Lawinensturz überrascht; bei letz" den sieben Mann verschüttet. Die Bahnbeamten beorvl fort HilfSmannschaften. Dieselben waren bald ZurJ? arbeiteten, 40 Mann aus Airolo und 70 3p1 den Ortschaften diesseits des Gotthard, � Nacht durch, um die Verunglückten aufzusuchen Linie frei zu machen. Bis Donnerstag den drei Mann ausgegraben, von denen em.. lebte. Die todt Aufgefundenen hatten sich in die M flüchtet, wurden aber gleichwohl von dem eindringen�! welcher die ganze Galerie ausfüllte, erfaßt und vom mauert. Nachmittags wurden dann die übrigen M todt ausgegraben.— Bei den Räumungsarbeiten, dem sofort herbeigeeilten Oberingenieur geleitet wurt* � beste es sich darum, durch eine beiläufig zehn A«, � Schneemaffe, welche den nördlichen Voreinschnitt der-,%cufIla[v galerie ausfüllte, einen Einschnitt' 1.....' v' .Weilm ß Izr�reibei�s jif �Mchein eseitigung einer etwa 2000 cbm detragenden Schnee � _ CUICI, CUVU cum VCUU�CliU�ll 3 forderlich. Als die Räumung am 17. Februar(o vollendet war, stieß man n»ch auf einen Felsblock,° seitigung die Freimachung der Bahn noch um- � Stunden verzögerte.— Wie das hiesige„Tagebla" erinnern sich die Thalbewohner seit dem Jahre 1874» licher Lawinenstürze von solchem Umfang. Pari», 16. Februar.(Brückeneinsturz.) Infolge,� jj i Hochwassers der seine ist die bei dem Stadthaust»MM Arcolebrücke heute in heftige Schwankungen goatt- U Uhr begann die Brücke mit dumpfem Knistern sich/ Man fürchtet den Einsturz derselben, da sich bereits ziemlich breite Risse zeigen.— Ein zweiter Bericht heute Nachmittag um 1 Uhr 40 Minuten ist die Ar mit donnerndem Krachen eingesunken. Ein Schutze � eine Frau, die sich auf ihr befanden, ertranken. Dam Menschen sind an der Unglücksstätte versammelt. it"< SlNttli gjß Anti .. muß D »,• Gn •"t»nme verurtl > das JBieder, ütojjere iffprochei war. di N* Dustizm ?> das b* Fä L�chandl % Theater. Donnerstag, den 23. Februar. »halt». Lohengrin. spielhaus. Auf glatter Bahn. fche« Theater. Die berühmte Frau. e»?heat-r. Orgelpfeifen. ck- Wilhelmstädtisch»» Theater. Die Dreizehn. UUrt»ri«-TH»ater. Die Reise um die West in 80 Tagen. Gsteäd-Theater. Der Mikado in Berlin. SU»stde«t-TH«ater. Francillon. Leatlianre-Theater. Die Salontirolerin. «thalla-Theater. Girofls-Oiiofla. »««trat-Theater. Höhere Töchter. ASnigstädtifche» Theater. Das lachende Europa. A«»riem»-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Aanfmann» UariSt«. Spezialitäten- Vor- stellung. Kankordia- 1 • Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Wzeater»er Vrich»hallen. Spezialstäten- Vorstellung._ KimBälllislh« Theil«. Alexander-Straße 40— Kurze Straße 6. Donnerstag, den Ä3. Februar: 40.« a st spi e l von Anna Schramm. Novität! Zum 6. Male: Novität! Dflslaiftcndeiutopfl Lustige Possen-Revue mit Gesang in 3 Alten Lusttge Poffen-Revue mit Gesang und 1 Vorspiel von Dr. Gust. Braun. Sonnabend, den LS. Februar: Große Wta-Norftrllllvz z»m Feste« der«enoLeuschaft deutscher Fuhueaanaehöriger. Unter gefälliger Mitwirkunj der Frau Königl. Opernsängerin Grnst, der Pianistin Frl. Ottilie Lichterfeld, des Frl. Anna Schramm und des Herrn Anton Schott. Alles Nähere die Zettel und morgende Annonce. lsage i T». 9 M.- 10 A. »iuer-PHnoraiu». Zum ersten Male: Eine Wanderung durch Uerdnn» Manrq. 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W.: Ni !cu einstudirt. „SchühenUs't". Trste» Auftrete« de» Frl. Bertha Fel- tfau, der Herren Hugo Haaakarl und Adolph Kratz, mar D-rbesteUni.gr« auf Killet» merde« bereit» hent« an der Theater-Kaste«nt- gegengenomme«."WM Pr.Lotterie-Anthetle 7,25 M.. Vi. 3,65 M., V« 1,85 M. ?.hab. d. M.West--m.Alexandersk.54. Gebrauchte«nd snrnckgeseht« Möbel, dar. Garnituren, Spinden, Sophas, Bettstellen . Federboden, Spiegel ic. sof. sehr billi> npf. eleg. u. eins. Möbel, Spi, waaren jeder Art. m. emp' femer olster- piegel u.., Thellzahlung gestattet. Neue Schön hauser st r. 1, Z. Taro» ▼ii-i-yi» der Münzsttaße, erste Etage. 273 Aröeiier-Motizkatender pro 1888 iß«MtaNK. Preis 80 Pffg. Stärkere Ausgabe 70 Pffg» Wiederverkänfer» hohe»»abatt. Z» beziehe« durch die Grpeditio». Zimmersiraße 44. Soeben erschien: der Intemationaleo Heft 17 Bibliothek. Charles Fourier, sein Felten u. seine Theot� Do» A. K e d- l. Preis pro Heft 50 Pf. Zu beziehen durch die GrpeditiK« des„Kerl. 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Jahrg. routM1 icn a die iS'S ien Ben» leiten, -tW ehn litt der is war ; Slünen ' Mittag Sblock, dn um j« Olg nfolge 1 mW;' I bereit' fft Icbui t. Ien .# 4* )Pf. Karlamentsberichte. i, Deutscher Reichstag. ;>? J l u n g vom 22. Februar, 1 Uhr. fing Bundesraths: v. Boetticher, von (f%ten Verathun8 steht der vom Ab 8. Munckel ,% Gesetzentwurf, betnffend die Entschädigung Vsm. i S erlittene Strafe in Verbindung mil ..«dp- N i n t cle n eingebrachten Gesetzentwurf, de ki; Wiederau fn ahme des Verfahrens �� Entschädigung für unschuldig er K/rafe. .»wtete«(Zentr.): Der Einwand, daß die Einbrin , Antrages inopportun sei, weil der Bundesrath fich Mn ausgesprochen, ist grundlos: er hat fich nur Wiedereinführung der Berufung ausgesprochen, und Z, gerade aus dieser Materie ausgeschieden wissen. Wigung unschuldig Verurtheilter unter Abänderung Mfnahmcverfahrens ist ein dringendes Bedürfniß. Ist "■ch ein ordentliches Gerichtsverfahren zu einer Strafe worden, und es stellt sich nachträglich seine Unschuld ' Muß ihn der Staat entschädigen. Das hat der ?°r zwei Jahren einstimmig ausgesprochen, und diesem $ auch das Unfallversicherungsgesetz. Die Entschädig von Rechts und Staats wegen, nicht im . Gnade gegeben werden. Die Schwierigkeit Limmer darin: wie wird festgestellt, daß Jemand . veruriheilt worden ist? Tie Kommission hat vor V,oas Uebel an der Wurzel gesaßt und eine Acnde- Wiederaufnahmeverfahrens für nothwendig gehalten, Schere Garantie dafür zu erhalten, daß Jemand nur "krochen werden kann, wenn er wirklich unschuldig . war. Das Wiederaufnahmeverfahren inuß fo kon- Leu, daß das„von liquet" ausgeschlossen ist. Der d. iizminister bat in einem Jmmediatbericht an Se. .w Kaiser das Wiederaufnahmeverfahren als ein solches ?' das dringend einer Abänderung bedarf, weil in C,1 Fälle Angeklagte im Wiederaufnahmeverfahren /�iQld freigesprochen wurden, weil ein non liquet vor- 51 vem bisherigen Verfahren war es in das Belieben Mandlunacn lettendeir Richters gestellt, die Zeugen �rstandigen zu vereidigen. In der Regel geschah es in liegt der erste Punkt der Aenderung. Wenn bereits „Erfahren eine gewisse Grundlage für die Unschuld .werden soll, dann müssen Zeugen und Sachverständige l"N es überhaupt zulässig ist, vereidigt werden. Das JJB das Wiederaufnahmeverfahren und die Erneue- MUptverbandlung nur dann anordnen, wenn auf ' neuen Thatsachen oder Beweise anzunehmen ist, daß eilte nicht schuldig ist, oder ein Umstand, durch Anwendung eines größeren Strafmaßes begründet M kommt. Nur so ist die Bürgschaft gewonnen, ! C Wirklich zu Unrecht verurtheilt war. Diese Abände �eraufnahmeverfahrens sind für mich eine Vod Sie i �?wiesen ist,"dann wenden sehr wahrscheinlich Leute » weinen Antrag an. %Ut WT**** Gl.): Sollen im Wiederaufnahmever Angeklagten freigesprochen werden, deren Um Sart- tz« ipi '"»i yt**, "S\ ?ä!i !eter, � 'Stciff l!te Strafe verbüßen, für deren Verurtheilung Gmndlage vorhanden war. Der Angeklagte G, MvN dem Wiederaufnahmeverfahren im Sinne des |,g" feinen Nutzen haben, denn das Gericht soll es nur wenn es die Ueberzeugung von der Unschuld k... gewonnen hat. Ich bin dann auch schon s hen Antrag Rintelen, weil ich glaube, daß die «er Berufung, von der vorliegenden Materie nicht en kann. (dfr.): Der Abg. Rintelen hat unfern An- KssUNg für unschuldig Verurtheilte) dem Bundes- »»Wer machen wollen. Diese Auffassung halte ich für tzM'ssch. Die Regierungen wollen sich mit dieser ' NssUpt nicht gesetzgeberisch befassen. Darnach bleibt "Lg, als unsere Ansicht festzulegen und es einer iUu �ett zu überlassen, ob die Regierungen sich unserer ._ i SR);! en- Wir glauben nach wie vor, daß nur für den �'«eliif.MitMereinfübruna der Berufung eine Abänderung des ldranie"� is>.«weverfahrens zulässig ist. Daß es durchaus nicht �e>i � ZU so glücklichen Resultaten führt, wie an- '"iitr v' beweist der Fall Ziethen in Elberfeld. Wir �er daran festhalten, daß wir einen Anklageprozeß Um,., Staat hat die Pflicht, die Schuld des Ange- zuweisen, und ein gewisserhafter Richter wird ihn einsprechen, wenn er sich von seiner Unschuld, kJM wenn er fich nicht genügend von seiner Äthai. Jetzt soll nun ein Unterschied gemacht "iib � Wiederaufnahmeverfahren nur stattfinden, wenn in.«es Angeklagten positiv erwiesen ist. Die Aende- I Strafprozeßordnung sind mir in mancher Be- ibil entlich bedenklich und zum Theil gegenstandslos. -Lung der Zeugen ist in jeder Lage des Unter» nJirens auch jetzt möglich und zulässig. Der von . �geschlagene§ 410 Nr. 3 ist eine entschiedene Vernix L'wm danach der Richter im Wiederaufnahmever- HJwarfere Strafe verhängen, als es der erste Richter Bcrathungen können ja nur einen theoretischen ixj'chen Charakter haben. Wenn die verbündeten lc» Ä so kalt gegen unsere Vorschläge und gegen den .«in°„ Dwillen benehmen, dann ist es nicht räthlich, Mw».?ch"tt entgegenzuthun. Dem Deutschen ist eine ( Ltt im Fortschritt angeboren, besonders dem Irr- bj»'s? der unschuldig erlittenen Untersuchungshaft, �üi, Regung im Volke eigentlich ausging, hat unsere gar......."' Ä'% ve< 3 nicht einmal verfolgt. Erst wenn es sich der Berufurrg handelt, wird es Zeit Ki'«us Wiederaufnahmeverfahren zu unterhalten. Hin?Uk: Als Gegner der Anträge bemerke ich Herrn 'Um,,,.?! die Vereidigung der Zeugen auch jetzt durch- W �chstg ist, sie hängt nur vom Ermessen des Rieh» worfw auch die Entschädigung nicht von der Gnade l Cff"' sondern die Budgets der Einzelstaaten sollen MeC anweisen. Die Fälle, in welchen eine Frei- ? titorlr, M>eil die Unschuld nachgewiesen ist, und die- H I len wegen mangelnder Aufklärung der Sache worden muß, hält der Antrag Rintelen nicht aus- Der Abg. Rintelen will die Zulässigkeit Wiederaufnahmeverfahren eingeschränkt »iGfe v' weil zu viel freigesprochen wird, sondern weil Geldentschädigungen für unschuldig erlittene werden könnten. Wir sollen das Prinzip der Eni- schädigung mit der Einschränkung des Rechts auf die nachträgliche Freisprechung selbst erkaufen. Unter diesen Umständen würde ich lieber das ganze Gesetz ablehnen. Die Kommission hat früher ein- mal diese Einschränkung nur in Verbindung mit der Wieder- einfühmng der Berufung debattirt. Ueber zu viele Frei- sprcchungcn im Wiederaufnahmeverfahren haben wir bisher noch nicht zu klagen gehabt, eher über das Gegeniheil. Auch die Fälle, in denen dann ein von liquet erfolgt, sind nickt sehr häufig; namentlich ist die Besorgniß nicht begründet, daß im Wiederaufnahmeverfahren vielleicht 5 Jahre nach der Verurthei- lung die Zeugen fich der Vorgänge nicht mehr genau erinnern und der Richter fich deshalb kein klares Bild mehr machen kann, fo daß eine Freisprechung erfolgt. Denn der Richter wird dem Unterschied der inzwischen vergangenen Zeit wohl Rechnung tragen. Man hält es für schlimm, wenn Leute, deren Unschuld nicht positiv festgestellt ist, eine Entschädigung erhalten sollen für eine erlittene Haft, und die Regierung hat einmal die Be- fürchtung ausgesprochen, es könnte daraus ein Gewerbe gemacht werden, noch dazu ohne Gewerbesteuer. Diese Besorgniß ist gänzlich unbegründet. Jede Hast, deren Berech- tigung nicht nachgewiesen werden kann, ist ungerechtfertigt. Die Autorität des Staates kann unmöglich darunter leiden, wenn in allen diesen Fällen gleichmäßig eine Entschädigung ge> währt wird, wie sie auch jetzt nicht darunter leidet, daß un- schuldig Venirtheiltcn eine Ehrenerklärung im„Reichsanzeiger" zu Theil wird. Die Frage der Einschränkung der Freisprechungen im Wiederaufnahmeverfahren könnten wir nur in Verbindung mit der Wiedereinführung der Berufung verhandeln, aber nicht an dieser Stelle. Abg. Rintelen: Die Abänderung des Wiederaufnahme Verfahrens wird von mir nicht vorgeschlagen, um an Entschädig gungsgcldern zu sparen, sondern weil es zu den größten Unzu- träglichkeiten geführt hat; bei SO pCt. von denen, die im Wieder- aufnahmeverfahren freigesprochen sind, erfolgte die Freisprechung, weil nunmehr ein non liquet vorlag. Dem muß abgeholfen werden, mögen unschuldig Verurtheilte künftig entschädigt wer- den oder nicht. Dem Abg. Kulemann erwidere ich, daß, wenn die Zulassung zur Hauptverhandlung wieder erfolgt ist, dann Grund genug vorhanden sein muß dafür, daß eine erneute Prüfung der Sache zu einem anderen Resultat führt. Wie dabei die Gefahr vorliegen soll, daß in dem neuen Verfahren ein Um schuldiger verurtheilt werde, ist mir unbegreiflich. Dem Abg. Träger bemerke ich, daß, da Aussicht auf Einführung der Be- rufung kaum vorhanden ist, es erforderlich ist, daß wir, wenig- stens so weit Mängel ohne diese beseitigt werden können, helfend eintreten und die wirklich unschuldig Verurtheiltcn entschädigt werden. Abg. Mindthorst: Da eine Erklärung von Seiten deS Bundesraths nicht erfolgt, so wissen wir absolut nicht, wie die Regierungen sich zu den einzelnen Anträgen stellen. Ich gehe deshalb lieber nur auf den Antrag Munckel ein, weil ich mir bei dem eistercn noch die Gelegenheit zu weiterem Entgegen- kommen gegen die Regierung vorbehalte. Davon, daß der Bundesrath dem Antrage Rintelen beistimmen würde, bin ich nicht überzeugt. Diese Verhandlungen sollen nur dem Bundes- rathe zeigen, daß wir an der Entschädigung für unschuldig Ver- urtheilte festhalten. Bei der Abstimmung wird Artikel I des Antrags Rintelen abgelehnt, und werden darauf die Artikel II, IV und V zurückgezogen. Artikel»Ii des Antrags Rintelen(Entschädigung für unschuldig erlittene Strafe) ist gleichlautend mit dem Antrage Munckel. Dann liegt ein umfassender Abänderungsantrag des Abg. Kulemann vor. Die§§ 1 und 2 des Antrags Munckel-Rintclen bestimmen, welche Personen zu dem«Schadenersatz berechtigt find. Der Antrag Kulemann will aussprechen, in welcher Weise die Rechte der einzelnen Berechtigten mit einander in Konkurrenz treten. Abg. Kulemann: Es ist allerdings zweifelhaft, ob der Gesetzentwurf auf Annahme seitens des Bundesraths zu rechnen hat. Da fich der Reichstag aber nicht auf eine bloße Resolution im Sinne des Antrags Munckel beschränkt, sondern einen voll- ständigen Gesetzentwurf vorlegt, so ist es nothwendig, ihn auch so zu gestalten, daß technische Bedenken ausgeschlossen find. Darum will ich feststellen, in welcher Reihenfolge die Personen, die ans Schadenersatz Anspruch haben, diesen Anspruch geltend zu machen herechtigt sein sollen. Sein Antrag wird abgelehnt und der Art. III von Munckel Rintelen in allen seinen Tbcilen angenommen. Es folgt der Antrag I o h a n n s e n(Flensburg) Revision des Gefängniß- und Strafvollstrcckungswesens. Abg. Johannfen: Die Mängel des deutschen und speziell preußischen Gefängniß- und Strafvollstreckungswesens werden allgemein enipfunden und anerkannt. Den ersten Anlaß zu meinem Antrage boten die Verhältnisse meiner Hcimath. Ich vertrete eine Bevölkerung, die nur durch das Recht der Erobe- rung zu Deutschland gehört. Es ist natürlich, daß unsere Presse sehr oft mit den Strafgesetzen in Konflikt geräth. Es kann nicht meine Absicht sein und ist es auch nicht, die Gerichte zu kritisiren und auch nicht die Staatsanwälte, welche die Strafen beantragen, und doch hin ich in einem Gefängniß in einer heißen Sommerstunde tsinter Schloß und Riegel zu dem Resultat ge- kommen, wie nützlich wenn nicht gar nothwendig es wäre, daß die Herren Richter und Staatsanwälte in Preußen vor ihrem Amtsantritt erst ein Jahr die verschiedenen Arten von Gefängniß« strafen durchmachten.(Große Heiterkeit.) Ich konstatire� daß die von den Ricktem zuerkannten Gefängnißstrafen bei der Strafvoll- trcckung häusig bedeutend verschärft werden— ich nehme an, gegen den Willen des Richters und Gesetzgebers. Es wird den Redakteuren in Nordschleswig die Selbstbeköstigung nicht gestattet, es werden ihnen körperliche Arbeiten auferlegt, welche ihnen nach ihrem Stande und nach ihrer Erziehung nicht zugemuthet werden können. Mit dem Strafvollzüge in Flensburg ist der Staatsanwalt Philipp betraut; ich glaube nicht, daß sein Vor- ;ehen von der Regierung gebilligt wird. Entgegen den gcsctz- ichen Bestimmungen hat er einem Redakteur die Annahme eines geschäftlichen Besuches untersagt. Nach dem Gesetze sollen die Gefangenen bis vier Freistunden am Tage haben. Drei Redakteuren in Flensburg hat man aber nur eine Stunde be- willigt! sie mußten jedoch in Reih und Glied mit den gewöhn- lichen Kriminalgefangenen im Gefängnißhof spazieren. Einer der Herren konnte sich nicht dazu bequemen und kam deswegen vier Monate nicht in die frische Luft. Der Gebrauch von Gabel und Messer wurde ihm beim Mittagessen nicht erlaubt, obwohl doch ein Mißbrauch durchaus nickt zu besorgen war. (Heiterkeit.) Nach den gesetzlichen Bestimmungen sind die politischen Gefangenen etwa gleich zu achten den rühcrcn Schuldgefangenen. In den ersten Jahren nach der Annexion wurden die Gefangenen auch in ziemlicher Ueberein- limmung mit diesen Bestimmungen behandelt. Je mehr wir aber an Alter als Mußpreußen zunehmen, desto strenger werden wir behandelt.(Heiterkeit.! So ging es auch mir selbst. Ju der ersten Zeit wurde ich ziemlich gut behandelt. Als ich aber dann das Unglück hatte, einen Staatsanwalt durch die Presse zu beleidigen, wurde ich viel härter behandelt. Ich mußte im Gefängniß sehen, wie ein wegen eines schweren Vergehens im Amte zu mehreren Jahren Gefängniß verurtheilter Richter mit einer Milde behandelt wurde, die im größten Widerspruch stand zu der Behandlung, die mir zu Theil ward. Der betreffende frühere Richter bekam Morgens seinen Kaffee fein servirt, dazu Weißbrot und Zucker. Ich mußte mit den übrigen Straf- gefangenen trockenes Schwarzbrot essen und ein Getränk aus einem gemeinschaftlichen Eimer trinken. Der Richter durste seine Taschenuhr tragen und seine Zelle war den Tag über nicht verschlossen. Mir war das alles versagt. Ich fühlte, daß die mir auferlegte Strafe durch die Art der Vollstreckung bedeutend verschärft werde, und fühlte das als ein mir zugefügtes Unrecht. Die dänische Presse in Nordschleswig hat die Interessen eines großen Theils der nordschleswigschen Bevölkerung zu vertreten. Wenn sie beispielsweise die Entbindung Preußens von dem Artikel 5 des Prager Friedenstrastats oder die Unterdrückung der dänischen Sprache zur Sprache brachte, so wurde sie in Preßprozesse ver- wickelt; haben die Blätter nun den Muth, ihre Ueberzeugung offen auszusprechen und werden die Redasteurc bestraft, so dürfen sie nicht wie Knminalgefangene bestraft werden. Dies auszu« sprechen, ist der Zweck meines Antrages, um dessen Annahme ich Sic bitte.(Beifall links.) Abg. Klemm: Bei Erlaß der großen Justizgesetze ist allerdings ein Strafvollzugsgesetz für das ganze Reich in Aus- ficht genommen worden. Bis jetzt aber existiren von Reichs- wegen darüber nur wenige Bestimmungen in der Strafprozeß- ordnung und im Strafgesetzbuch, während die ganze Regelung des Gcfängnißwesens den Einzelstaatcn überlassen ist. Es ist nicht möglich, das Gefängnißwesen und namentlich die Gefäng- nißdisziplin von den Befugnissen der Einzelstaaten zu trennen. Die Beschwerden deS Herrn Vorredners bezogen sich nicht auf das Gefängnißwesen im allgemeinen, sondern nur auf die Hand- habung desselben in einer einzelnen Gefangenanstalt. Zu gesetz- geberischem Vorgehen des Reiches liegt keine Veranlassung vor. Man sollte aber doch wenigstens bestimmte Punkte, die geändert werden sollen, bezeichnen; einem so allgemein lautenden Antrage können wir keine Folge geben. Die Verhältnisse in den Einzelstaaten find durchaus verschieden; in manchen find die Gefängnisse dem Ministerium des Innern, in anderen dem Justizministerium, in wieder anderen beiden zusammen unter- stellt. Ebenso find die Fonds, aus denen die Anstalten unter- halten werden, ganz verschiedener Natur und mit anderen finanziellen Anstalten des Landes vereinigt. Dies macht ein solches Reichsgesetz schwer und aus dem Grunde ist es wohl bis- her auch nicht erlassen worden. Abg. Schmidt(Elbeferld, dfr.): Der Antrag in seiner All- gemeinheit wird allerdings kaum von Erfolg sein, aber die Dringlichkeit des Erlasses eines Strafvollzugsgcsctzes für das Reich ist nicht zu verkennen. Bestimmte Vorschriften ließen sich wohl für das Reich aufstellen, namentlich bezüglich der Be- schäftigung der Gefangenen und die verschiedene Behandlung der verschiedenen Klassen von Gefangenen. Eine ein- heitliche Regelung im Reick ist um so nothwendiger, als nicht nur in den Einzelstaaten ganz verschiedene. Bestimmungen bestehen, sondern auch in manchen Staaten, z. Ä. Preußen, die Hälfte der Gefängnisse dem Justiz- Ministerium, die andere Hälfte dem Ministerium des Innern unterstellt ist, so daß die allerverschiedensten Maßregeln getroffen werden. Die Hauptpunkte find die Bestimmungen über die Ein elhaft und über die Gefangennrbeit. Die Strafe der Freiheitsentziehung bat auch den Zweck der Besserung des Gefangenen und dessen Gewöhnung an die Arbeit. Das wird bei den jetzigen Bestimmungen in Preußen nicht erreicht, son- dem vielmehr verhindert durch die gemeinschaftliche.Haft und durch die mangelhafte Organisation der Arbeit. Die gemein- schaftlichc Haft erzieht nur den jugendlichen Verbrecher zu einem größeren Verbrecher. Ein Sträfling, der in einem neuen Zucht- hause in Preußen sitzt, hat es nach jeder Richtung besser, als ein Gefangener, der kurze Zeit in einem alten Gefängniß zu- bringt. Die Arbeit der Sträflinge ist nothwendig, um sie an eine geregelte Thätigkeit zu gewöhnen und sie etwas zu lehren, damit sie später wieder in die menschliche Gesellschaft eintreten können. Das ist gerade der allr« wundeste Punkt. In Preußen legt man bei der Ge- fängnißarbeit zu großen Werth auf das fiskalische Jnter- esse, auf hohe Erträge der Arbeit. Das Hauptgewicht muß aber auf die Erziehung der Gefangenen gelegt werden. Wenn die Gefangenen an einen Unternehmer verpachtet wer» den. dieser im Gefängniß eine vollständige Fabrik etablirt, so erfüllt diese Art der Beschäftigung ihren Zweck nicht, sondern wirkt eher schädlich. Diese Mißstände sind auch vom deutschen Handelstag durch eine Enquete vom Jahre 1878 festgestellt worden. Man hat beispielsweise ländliche Tagelöhner als Schlosser und Schuhmacher beschäftigt. Daher kommen dann die Pfuscher, von denen die Jnnungsfreunde sprechen. So beklagt sich eine Petition der Kornblumindustrie darüber, daß man in den Gefängnissen die Männer mit der Blumenfabrikation be- schäftigt, während außerhalb der Gefängnisse nur Frauen dazu benutzt werden, so daß die Männer später die im Gesängnisse erworbenen Fertigkeiten nicht verwerthen können. Der Straf- anstaltsdirettor Sicherer in Ludwigsburg sagt in einer Schrift, daß bei diesem Systeme es für einen jungen Verbrecher, der nur wenige Monate sitzt, besser wäre, wenn er gar nicht ver- urtheilt wäre. Ausführliche Abänderungsvorschläge hat der Handclstag von 1878 bereits gemacht, die preußische Regierung hat sich lediglich aus fiskalischen Gründen ablehnend dagegen verhalten. In Bayern, wo das Verpachtungssystem der Gefangenen an die Unternehmer nicht besteht, ist auch keine so große Schädigung der freien Industrie vorhanden. Eine Klassifikation der Gefangenanstalten ist wohl möglich und würde eine Klassifikation der Gefangenen mit sich bringen, so daß jeder Gefangene in das für ihn geeignete Gefängniß gebracht werden könnte. Die Militärverwaltung hätte mit der Stiefelfabrikation in den Gefängnissen keine so trüben Erfahrungen gemacht, wenn in einem bestimmten Gefängnisse lauter gelernte Schuhmacher damit beschädigt worden wären. Der Geh. Justizrath Starke hat in seinem Werke darauf hingewiesen, daß die Kosten eines neuen Gefängnisses mit gemeinschaftlicher Haft keine anderen wären, als für ein Gefängniß mit Jsolirhaft. Durch die Jfolir- haft würden die Rückfälle vermindert, also auch die Gesammt- zahl der Gefangenen und der Untersuchungen:c. vermindert, und dadurch Kosten gespart werden. In Preußen hat man fich zu Gunsten der Beibehaltung des jetzigen Systems auf ein Ab- kommen der zweiten Kammer mit der Regierung vom 30. Ja- nuar 1850 berufen. Dieses Abkommen paßt nicht mehr für die heutigen Verhältnisse, und eine Menge Bestimmungen desselben werden nicht mehr gehalten. Was wir vor allen Dingen anstreben müssen, wäre eine anderweitige Beaufsichtigung der Strafanstalten, etwa wie sie in Württemberg besteht; dort sitzen in den Strafanstaltskollegien außer dem Direktor ein Arzt, ein Geistlicher und Gewerbetreibende. Sehr dringend nothwendig ist die Reform in der Richtung der allgemeinen Einfühmng oer Einzelhaft Und der Aufhebung der Verpachtung der Gefangenen an Unternehmer, wenn die Zahl der Verbrecher nicht erschreckend zunehmen soll. Nur wenn der Gefangene gelernt hat, auf eigenen Füßen zu stehen— und dabei kann ihn die Beschäf- tigung in der Anstalt unterstützen— wird ihm der Einwand entzogen werden, daß ihm kein anderer Weg als der des Ver- brechens geblieben ist.(Beifall links.) Abg. Mindthorst: Soweit der Antragsteller Klage geführt hat über unwürdige Behandlung politischer Gefangener und sich dabei auf gesetzliche Bestimmungen in Preußen bezieht, gehören die vorgebrachten Dinge in das preußische Abgeordneten- Haus. Ich n-ürde geneigt sein, wenn er ste dort vorbringt, ihn in aller Weise zu unterstützen. Aus den Verhandlungen im preußischen Äbgeordnetenhause ist mir bekannt, wie sehr hart und unrichtig die Behandlung solcher Gefangenen, die wegen Preß- oder politischer Vergehen verurtheilt find, gehandhabt wird. Das haben wir im Kulturkampf erfahren. Eine gründ- lichc und allgemeine Remcdur in dieser Richtung ist seitdem nicht eingetreten, und eS ist wünschenswerth, daß eine allge- meine Revifion der betreffenden Bestimmungen stattfinde. Was das Strafvollzugsgesctz betrifft, so würde, wenn man sich dabei auf allgemeinere Gedanken beschränken wollte, ein derartiges Gesetz recht nützlich sein können, namentlich auch insofern, als dadurch eine Reform in den Einzelstaaten angeregt werden würde. Man muß nur nicht glauben, durch ein solches Gesetz auf alle Einzelheiten einwirken zu können. In der von mir angedeuteten Richtung bewegt sich der Antrag aber nicht, und ich kann mich deshalb nicht für denselben erklären. Abg. Klemm verwahrt dem Abg. Schmidt gegenüber den sächsischen Fiskus dagegen, daß derselbe bei seinem Verfahren materielle Jntcrcffcn verfolge! er habe dabei lediglich die In- tcrcffcn der Gefangenen im Auge, indem er fie an Arbeit gc- wohnen und ihnen beim Verlassen der Anstalt ein paar Groschen mit auf den Weg geben will. Abg. Schmidt erklärt, es habe ihm ferne gelegen, dem sächsischen Fiskus zu nahe zu treten; er habe nichts weiter ge- sagt, als daß es schlechter als in Süddeutschland in Preußen sei, vielleicht auch in Sachsen, doch könne er über Sachsen nichts Näheres sagen. Wenn das ein so schlimmer Verdacht sei, so wolle er auch dieses„vielleicht" noch zurücknehmen. Abg. Karo: Der Abg. Johannsen hat von Gerüchten, die zu ihm gedrungen seien, gesprochen. Gegen Gerüchte kann man hier doch keine Rechtfertigung versuchen; der Abg. Johannsen wäre verpflichtet gewesen, nähere Informationen einzuziehen. Was er über den Staatsanwalt Philippi vorgebracht hat, wird wohl auch nur auf Gerüchten beruhen. Was gegen die Gefängnisse vorgebracht worden ist, hat in gewisser Weise seine Berechtigung. Indessen ist zu beachten, daß bei uns die Gefängnißstrafe für die große Anzahl der Verbrecher gar keine Strafe ist: sie begehen häusig verbotene Handlungen nur, weil fie es im Gefängniß viel besser haben als zu.Hause. Was die Beschäftigung der Gefangenen anbetrifft, so sind die Staats- anwalte angewiesen, nach der Individualität der Gefangenen die Arbeit für sie zu wählen. Und da die Gefangenen zum großen Theil ländliche Arbeiter sind, so werden fie niit länd- licher Arbeit beschäftigt. Den jugendlichen Arbeitern dagegen wird vorzugsweise in der Schlosserei, Schusterei, Schneiderei, je nachdem die Verhältnisse es gestatten, Beschäftigung zugewiesen. Daß in Preußen vorzugsweise das fiskalische Interesse in den Vordergrund gestellt wird, muß ich mit aller Bestimmtheit bc- streiten. Lediglich das Interesse der Gefangenen veranlaßt die Behörden, dafür zu sorgen, daß fleißig gearbeitet wird, damit die Gefangenen beim Verlassen der Anstalt eine Kleinigkeit ausgehändigt erhalten. Abg. Sattler(nl.): Man hat uns auf Befragen im prcußi- fchen Landtage von der Vertretung des Justizministeriums mit- grthellt, daß die Gefangenarbcit in Preußen durchaus zufrieden- stellend geregelt ist. Die Diskussion wird geschlossen. Der Antragsteller zieht seinen Antrag zurück, indem er sich vorbehält, später einen An- trag unter Beiückfichtigung der vom Abg. Windthorst ausgc- sprochencn Wünsche und Bedenken einzubringen. Hierauf vertagt sich das Haus. Schluß gegen 5 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr.(Etat, Petitionen.) Abgrorbnrtrnhans. 23. Sitzung vom 22. Februar 1888, 11 Uhr. Am Ministertische: Maybach und mehrere Kommissarien. Eingegangen ist ein Gesetzentwurf, betreffend die Koste n der königlichen Polizeiverwaltungen in Stadtgemeinden. Die zweite Berathung des Staatshaushaltsetats für 1889 89 wird fortgesetzt beim Spezialetat der Eisenbahn- Verwaltung. Referent ist Abg. v. Tiedrniann(Bomst), welcher roch eingehender Berichterstattung über die Vorgänge in der Koni- misston, namentlich über die Erörterung der Tariffragcn, speziell der Tarifermäßigung für Gctreidetransport vom Osten nach dem Westen, beantragt, die Titel 1 und 2(Einnahmen aus dem Güterverkehr), sowie die dazu eingegangenen Petitionen in einer Debatte zu behandeln. Trotzdem die Abgg. Rickert und Dr. Wehr(Deutsch-Krone) gegen diese Vereinigung Widerspruch erheben, beschließt das Haus demgemäß. Abg. Graf Könitz(kons.): Ich bin ein Anhänger des Staatsbahnsystcms, aber ich muß zu meinem Bedaucm erklären, daß ich mit den Resultaten desselben nicht zufrieden bin. Wäh- und man für die Industrie wirksame Ausnahmctarife ge- schaffen hat, fehlen solche namentlich für den zwischen der Ostsee und dem russischen Reiche eingeschlossenen Theil der Monarchie und seine landwirthschaftlichen Produkte, denen man den Landweg billiger machen sollte. Die schlesischen Kohlen kommen zum niedrigsten Tarife nach den Provinzen Ost- und Wcltpreußcn, nicht gerade zum Vorthcile der Waldbesitzer, deren Brennholz dadurch erheblich im Preise herabdrückt wird. Die oberschlesischen Kohlen drücken auch dte Getreideprcise, denn die oberschlesischc Kohle verdrängt die englische, welche namentlich als Rückfracht bei der Getreide- ausfuhr nach den Ostseehäfen kamen; jetzt kann die englische Kohle nicht mehr mit der schlesischen konkurriren; das deutsche Gctrnde hat seine Absatzgebiete über See verloren. Ich gönne den Kohleninteressentcn ihre Ausnahmetarife, wenngleich ich nicht sagen kann, daß dieselben den Kohlenproduzenten zum Vortbeil gereichen werden. Viele Jndustrieprodulte, die einen viel höheren Werth haben als Getreide, zahlen viel niedrigere Eisenbahntarife als das letztere, lieber diese Verschiedenheit kann man nicht hinwegsehen, namentlich wenn noch besondere Aus- nahmetarife für den Export von Eisen und Eisenfabrikaten gewährt werden. Tie Produktionskosten sind im Osten ebenso doch als im Westen.(Zumf: Niedrigere Löhne!) Wir haben kaum die nöthigen Arbeitskräfte, da die Arbeiter in ganzen Eisenbahnzügen nach dem Westen befördert wer.den, weil sie dort höhere Löhne (Zuruf links: Sehr richtig!) erhalten. Wir müßten also ebenso hohe Getreidepreise haben, wie der Westen. Der Wohl- stand geht in den östlichen Provinzen offenbar zurück(sehr zurück! rechts); die Einkommcnsverhältnisse verschlechtern sich; die Verschuldung wächst. Unsere Gläubiger wohnen in Berlin und den anderen Börsenplätzen des Westens, dort lagern unsere Pfandbriefe, dorthin zahlen wir die Zinsen. Wir werden all- mälig die Zinsbauern der fremden Kapitalisten.(Sehr richtig! rechts.) Die Herrschaft des fremden Kapitals ist das Schlimmste. Die Leistungen des Eisenbahnministers liegen auf dem Gebiete der Ausnahmetarifpolitik: ich hoffe, daß auch einmal die Interessen der Landwirthfchast des Ostens bei ihm Berücksichtigung finden werden(Zu- Limmung rechts): denn gerade die Vertreter des Ostens find es gewesen, welche die Verstaatlichung der Eisenbahnen mit durchgesetzt haben. Wir wollen keine besonderen Zuwen- düngen, sondern nur gleiches Recht bei gleichen Pflichten.(Bei- fall recht.) Abg. vom Heede(natl.): Die Tariffrage ist eine sehr schwierige, und die Landwirthe sollten sich erst einmal unter einander verständigen über das, was ste eigentlich wollen. Wenn wir im Westen die Eisenbahnverstaatlichung früher befürwortet haben, während wir uns jetzt nach den freien konkurrircnden Privatbahnen sehnen(hört! links), so liegt das daran, daß einige Leute bei uns meinen, die Tarifaufstcllung, namentlich bezüglich der Expeditionsgebübr, beruhe auf falschen Grundsätzen. Da die Meliorationen im Eisenbahnwesen die beste Amortisation sind, so hoffen wir, daß man bald zu einer Tarifreform kommen wird; denn der Minister hat selbst erklärt, daß die Eisenbahnen keine Finanzquclle sein sollen. Abg. Serr(natl.) befürwortet ebenfalls billigere Getreide- frachten, um durch den besseren Absatz im Jnlande den fortge- fallenen Export über See zu ersetzen. Minister Moqhoch: Bei dem Beginn der Verstaatlichung waren wir der Meinung, daß die Tariffragen möglichst aus dieser Vertretung verbannt sein sollten: deswegen haben wir die sachverständigen Eisenbahnräthe eingesetzt. Ich beklage, daß man den Osten und Westen in Gegensatz gestellt hat. Der Landeseisenbahnrath hat sich in der Getreidefrachtfrage gegen jede Ermäßigung ausgesprochen, weil daran auch das auslän- dische Getreide theilnehmen würde; die preußische Staatskasse würde den Ausländern also nur eine Theil des Zolles abnehmen. Ich habe schon früher hervorgehoben, daß gegenüber den besseren Finanzen mit Vorsicht'einige Ermäßigungen der Personentarife möglich sind, daß der Landwirthschaft Düngemittel und Wegebaumaterialicn billiger gefahren, daß die Brückenzuschläge beseitigt und die Anschlußfrachten herabgesetzt werden können; aber ich halte es für unzweckmäßig, Ausnahmctarife für bestimmte Landes- theile zu bewilligen, welche leicht Verschiebungen von großer Tragweite hervorrufen können. Wenn man die Reinüberschüsse für 1887—1888 in Rechnung zieht, die auf 222 Millionen Mark veranschlagt sind, während sie wahrscheinlich 260 Millionen Mark erreichen werden, so ergiebt sich, daß nach Deckung der Zinsen der Eisenbahnkapitalschuld noch ein Ueberschuß von 93 Millionen Mark verbleibt; wenn man die Zinsen der gcsammten Staats- schuld abzieht, bleibt noch genug übrig, um die Zinsen der ge- sammtcn Rcichsschuld zu decken.(Hört!) Dabei haben wir für die Beamtenbesoldung höhere Beträge eingestellt— alle meine Wünsche sind in dieser Beziehung noch nickt erfüllt— wir haben auch für eine bessere Sonntagsruhe der Beamten gesorgt. Wir werden auch nach Möglichkeit allen Wünschen nach besseren Eisenbahnverbindungen nachzukommen suchen. Die Eisenbahnen sollen keine Finanzquelle sein, aber auch nicht ein Finanzschaden. (Beifall.) Abg. Drechsler(frcik.) spricht sich gegen die Ermäßigung der Getrcidcfrachten von Osten nach dem Westen aus, empfiehlt die aber auch von landwirthschaftlicher Seite angeregte Ermäßi- gung der Frachten für Düngemittel. Geh. Obcr-Rcg.-Rath Fleck sagt eine gründliche Erwägung der Frage zu, bemerkt aber dabei, daß die Eiscnbahnverwaltung stets bemüht gewesen sei, die Tarife den Bedürfnissen der Land- wirthschaft entsprechend einzurichten; namentlich seien z. B. die Tarife für Holz und grobe Böttcherwaaren wesentlich im Jnter- esse der Forstwirthschaft ermäßigt worden. Abg. Richert idcutschfr.): Wir haben uns auf Grund schwerwiegender Bedenken gegen die Verstaatlichung aus- gesprochen; heute stehen wir loyal auf dem Boden der That- fachen; deshalb müssen wir den Minister unterstützen in seiner Tarifpolitik. Ich bitte nun, die Wünsche von dem Standpunkt aus zu betrachten, daß ich fie nur durchgeführt zu sehen wünsche, soweit sie sich mit dem finanziellen Interesse vereinbaren lassen. Wir halten es für eine Pflicht des Eisen- bahnministers, dem Ansturm der Tarifintcressentcn als Staats- minister Widerstand zu leisten; denn er ist jetzt mit vernntwort- lich für die Finanzgebahrung unseres Staates. Wir wünfchen auch eine Aufbesserung der Bcamtenbcsolduugen, aber mit vor- sichtiger Finanzirung. Ich wünschte, daß auf dem Gebiete des Personcntarifs etwas schneller vorgegangen werden möchte, wenn ich auch dem Minister nicht rathcn möchte, mit dem mehrseitig geforderten einheitlichen Personcngelde vorzu- gehen. Die Idee der kombinirten Rundreiscbillcts müßte ivciter ausgeführt werden; es zeigt sich, daß diese Billets in steigendem Maße benutzt werden, ohne daß deswegen das rollende Material vermehrt werden müßte. Zinsbaucrn des Ka- pitals sollen die Landwirthe im Osten sein! Ist denn das Ka- pital ein Ihnen feindlicher Faktor? Sie bauen doch Ihre ganze Thätigkeit auf das Kapital! Das fällt beinahe unter den§ 1 des Sozialistengesetzes und verfehlt seine Wirkung auf die unteren Volksklassen nicht. Die Gegenüberstellung des Ostens gegen den Westen sollte man nicht machen; der Staat hat dem Ojtcn in den letzten Jahren große Wohlthaten zugewendet. Ich liebe die Schutzzöllncr des Westens nicht; aber das Gold des Ostens fließt nicht nach dem Westen; dazu find wir viel zu arm, als daß die Herren im Westen sich an uns sättigen könnten. Je schneller Sic sich von dem Aberglauben trennen, daß Zölle der Landwirkhschaft Helsen können, desto eher werden Sie wieder auf die richtige Bahn des freien Verkehrs kommen.(Beifall links.) Abg. Dr. Wehr(Deutsch-Krone, frk.): Die Äugender Regierung waren seit 1866 entschiedcn mehr nach dem Westen ge- richtet als nach dem Osten. Wir wünschen nur eine ruhige Ausgleichung dieser Verschiedenheit. Die Getreidezölle sollten eine Ausgleichung für die Jndustriezölle sein; wir wollen nur, daß die durch Zölle eingetretenen Mißstände beseitigt wer- den. Wir empfehlen auch dabei die allergrößte Vorsicht; aber die Schäden im Osten sind so schwerwiegend, daß die dafür gc- forderten Opfer nicht ins Gewicht fallen. Abg. Wryrr(Breslau): Wenn Herr Dr. Wehr gesagt hat, daß der Landeseisenbahnrath ihm nicht imponirt habe, so hat er vielleicht Recht; wenn der Landeseisenbahnrath sagt, Dr. Wehr imponirt mir nicht, so hat er unbedingt Recht!(Heiterkeit.) Es wäre wünschenswerth, wenn die wirthschaftlichcn Interessen ibrcn Kampf durchsetzen ohne Entscheidungen vom grünen Tisch her. Die gute finanzielle Lage des Eisenbahnetats soll Tarifermäßignnaen zulassen. Es fehlen rm Ersenbahnetat manche rhm zur Last fallende Aus- gaben, z. B. die Pensionen; auch bezüglich der Erneuerungen weiß man nicht, ob mcht die überraschenden Ersparnisse des Jahres 1886-37 �roch später uns aufstoßen werden. Deshalb müssen wir bei Tanfermaßegungen vorsichtig sein, ganz abgesehen davon, daß durch solche Aenderung oft mehr Schaden als Nutzen gestiftet wiid. Worauf beruht dann die angebliche Vernachlässigung des Ostens? Soll in Ostpreußen eine In- dustrie aufblühen, dann müssen Sie mit dem System der Latifundien brechen. Darin liegt die Ursache der wirthschaftlicken Verödung Ostpreußens!(Unruhe rechts. Sehr richtig! links) Besser wäre es gewesen, die Ostseeprovinzen hätten bei ihren fmhandlenschen Anschauungen verharrt. Und wenn Graf Kamtz heute sagte, wenn es so weiter gehe, so mutzte man im Osten wieder zum Freihandel zurück- kehren, so sage ich nur: Wir wollen's nicht hoffen, aber Gott gcb S!(Heiterkeit.) ...Um 4 Uhr wird die weitere Berathung bis D o n n e r st a a 11 Uhr vertagt. Lokales. Di- Grsotzr-s-rv, noch dem n-n-u W-hrgrfrst. Nachdem nur bereits der„Landwehr zweiten Aufgebots" und des VnriYMTiirfMR" rtc�lnrftf knkaw f � �-I. Ti_ r.... v o*.■»,... ä vrl-« V IV■'VUIUIU"H zweiren AUfgeools" und des „Landsturms" gedacht haben, folgt nachstehend ein Artikel über die Er>atzre>erve unter dem neuen Wehrgesctz: Die bisherige Eintheilung der Ersatzreserve in eine erste und zweite durch das neue Wehrgesetz aufgehoben. Es giebt ß eine Ersatzreserve. Sämmtliche Dienstpflichtige, die w» alten Gesetz der zweiten Klasse zu überweisen waren,, jetzt dem Landsturm zugetheilt. Diejenigen Personen, i* bisher bestandenen„ersten Klasse der Ersatzreserve" c find jetzt Angehörige der„Ersatzreserve", diejenigen welche bisher der„zweiten Klasie der Ersatzreserve" sind jetzt Angehörige des Landsturms ersten Aufgebe� Abänderung der Papiere dieser jetzt dem Landsturm W Personen erfolgt nicht, vielmehr dient der denselben! Ersatzrcserveschein II als Ausweis der Angehörigkeit y" stürm. Diejenigen Angehörigen der bisherigen Ew erster Klasse, welche vor dem Inkrafttreten des neuen nicht übunaspflichtig waren, bleiben auch währen! weiteren Zugehörigkeit zur Ersatzreserve von befreit; ihre Ueberweisung zum Landsturm crsle gebots erfolgt zu demselben Zeitpunkt, in welche den bisher maßgebenden Bestimmungen ihre Uebe> zur Ersatzreseive zweiter Klasse erfolgt sein»örW Zugehörigkeit zur Ersatzreserve dauert zwölf I« rechnet vom 1. Oktober des ersten Militärpflichtjahaf Ablauf der Ersatzreservcpflicht treten diejenigen Ersatzm welche geübt haben, zur Landwehr zweiten Aufgebots, tn' zum Landsturm ersten Aufgebots. Die ErsayreservistiN nach dem neuen Gesetz(entgegen den früheren Bestie" zu den Mannschaften des Äeurlaubtenstandes und 1 jährlich einmal und zwar zu den im Frühjahr statH. Kontrolvcrsammlungen herangezogen werden. Die ErsaM sind im Frieden zur Ableistung von drei Hebungen � von denen die eiste zehn Wochen, die zweite sechs die dritte vier Wochen dauert(bisher vier llebungii> Gesammtdauer von 18 Wochen). Tie.Heranziehung r Hebung erfolgt in der Regel innerhalb eines Jahres f-r. der Ueberweisung zur Ersatzreserve. Ersatzreservistcn, zweiunddreißigste Lebensjahr vollendet haben, o* Uebungen nicht mehr herangezogen. Diese Bestimm�- jedoch keine Anwendung auf diejenigen, welche 1) inst Verschuldens verspätet der Ersatzreserve überwiesen, Kontrolentziehung in jüngere Jahrcsklasscn zurückversetz� ihren Antrag von der zuletzt vorhergehenden Hebung � den sind. Jungen Leuten von Bildung, welche sich n»lP Dienstzeit selbst bekleiden, ausrüsten und verpflegen% die gewonnenen Kenntnisse in dem vorschriftsmäßigen � dargelegt haben, steht für die erste Uebung unter Truppentheilen die Wahl frei, welchen für das betreff die Ausbildung von Ersatzrcservcn übertragen ist. diese Vergünstigung Anspruch macht, muß innerhalb nach seiner Ueberweisung zur Ersatzreserve dem Bezire* durch den zuständigen Bezirksfcldwebel nachstehen�' einreichen: 1) Den Ersatzrcservcpaß; 2) ein polizeilich f Attest über die eigene bezw. die Bereitwilligkeit un° des Vaters oder Vormundes zur Tragung der Ko!� Bekleidung, Ausrüstung und Verpflegung währen! Hebung; 3) ein von der Polizeibehörde ausgest'b scholtenhcitS-Attcst; 4) den Berechtigungsschein zun>P freiwilligen Dienst bezw. das den Nachweis der wiisij? Befähigung für den einjährig- freiwilligen Di-J�jl Schulzeugniß. Die cndgiltigen Entscheidungen n% Pflichtige bestehen fortan in a. der Aushebung für ciistL oder Marinethcil; d. der Ueberweisung zur Ersat Marine- Ersatzreserve; c. der Ueberweisung zum A Aufgebots; d. der Ausmusterung vom Dienst r der Marine; e. der Ausschließung vom Dienst in der Marine. D-r Polizeipröstdrnt v«m jZ-rtln erläßt kamrtmachung;„Es wird hiermit zur öffentlichen bracht, daß während des diesjährigen Ausschanks«r in der Bockbrauerei auf dem Tempelhost r Berge, übrigen Ausschanklokalen das Begleiten der Musik � Gebrüll oder Gesang, das gemeinsame Absingen das Aufschlagen mir Stöcken oder Bierkrügcn a»!. das Werfen mit Eiern oder Bretzeln, das Blasen � ten Radauflöten und dergleichen Ungehörigkeitcn' unterbleiben haben und daß Zuwiderhandlungen grober Unfug auf Grund des§ 360 Nr. 11 buchs behufs strafrechtlicher Ahndung zur Anzeige werden. Die Aufsichtsbcamten, welche in genügen! � dem Ausschanklokale anwesend sein werden, sine. WM-ll � stch folgend Wenn nchrungsmc jtoon der 4 stetem vors um Rückäu wünscht wi vtadtvertre legenbeit, d mf Menge Menge ooi !>e letzteren »ollen Blui Beweist Maus der Venn irgei Tage die Zu» diese. -Vorwahl gl und suchen »»» Verlan 'ollegium Welt glei »eheimnißv wt Hilfe t iu machen. ßm Ein Uen dam rie. One Ue Bewei hlcrauf st eigenei würdige Bl Men Bei �taat und r» gesamin u er es Awercr, a> verstehe, e>Nem prakl m besiändij P'dacht ne °UNgen des d>e nicht I ?°nau prüst 'Wut als Wst Hilfe Ä,ua '.iai «i»..' Die Bei «n im a "ssic eri Stellung Sjnen h i gegen Exzedentcn unnachsichtlich einzuschreiten und sorderlichenfalls zwangsweise aus dem Lokale zu hege daS Vertrauen, daß diese Warnung eine Beachtung seitens des Publikums finden und daß» ständiges und angemisstncs Verhalten des letz» seitigung des vorbezcichnetcn Unfugs ohne Ann Zwangsmitteln und ohne Herbeiführung von Ben lingen wird." Guter Roth ist— theurr! Unter diestn> AffotlfTlrflf htP ytprT Qfr*" fnfrtör w,r i der olize öffentlicht die„Berl. Ztg." folgende mehr wie Episode aus unsere Nachbarstadt Fchrbellin:% Stadt Fchrbellin war die Stelle eines Bürgers -vi 'Mnii'üh m % der' «r« SÄ X®« setzen. Die Zahl der auf die Ausschreibung einlaufenden Bewerbungen wird, daS ist unter Verhältnissen aber ganz sicher anzunehmen, eine wesen sein, so daß man alle Hände voll zu thud x 5chm. wird, die eingehenden Offcrtbriefe zu prüfen u j£eit�~ Unter den Bewerbern befand sich auch ein•V'1 fCm- wlchaisi din. fctetar«« Wechsel zur Kenntniß unserer Leser, um diesen K' die hellen Fehrbellincr sehr wohl verstehen, dm>-'. dem Nützlichen zu verbinden. Unser Gewährst. seinen Lffertbrief hin folgendes amtliche Schteu*"' Unter Zurückrcichung der der bicsig'K, neten- Versammlung vorgelegten sehr gum � bedaurc ich, daß bei der großen Zahl% die Wahl leider nicht auf Sie gefallen>> Fchrbellin, den 10. Februar 1888. Stadwerordneten�orsteh�f Diesem Schreiben lag eine Visitkarte be«, Seite gedruckt zu lesen ist: G. Vintzelberg Postoerwalter. und Stadtverordneten-Vorstcycr folgend®" 1 Tic andere Seite der Karte trägt Vermerk; „Bin auf Verlangen gem bcrem � für' sind einen willkommenen Rath zur Werbung zu geben. Gegen 2 M. in Briefmarken. Die gesperrt rcsp. fett gedruckten Worte ein resp. zwei Mal unterstrichen.. � Ter Empfänger dieses Briefes war o � Vermerkes auf der Visitekartc zwar oidd. glaubte aber doch, auf die guten Ratbschlas ß W ,83 #: &.P V' Verwalters und Stadtverordneten-Vorstehers verzichten zu sollen. Es wurde also bi'Lwst,"v Itj"' da sandt mrt vielen Worten des Bedauerns»st siX// J du*"KMbe, her rfforX...„s„u—f. mwf-n ve k#. �i HO.' lir9� der Offerte und mit ebenso viel Worten daß sich der Herr Stadtverordneten- Borstel r feinen Rathschlägen nicht hinter dem Berge � dieselben pro Stück zwei Mark zur Kennw« bringen. Die gewünschten zwer Mark H% Brrefe beigefügt...-ii*" Wenige Tage später erhielt dcr Adreffs MZ i"# D zweites f Vormittag aufgegebenen Brief. In demselben giebt stch folgendes gedruckte Zirkular: e, Die nm n waren,> rsonen, w! fem"®|c ijenigen# serve" Mi Aufgedck stürm anz« Wenn zu einer vakanten Bürgermessterstelle sich er- ichrungsmäßig durchschnittlich 100 Personen bewerben, toon der 4. Theil sich persönlich bei den einzelnen Stadtoer- "klein vorstellt und eine große Menge Änderer die Bitte um Rückäußerung ausspricht, ob eine Vorstellung ge- Wünscht wird, so setzt dies in den meisten Fällen die �tadtvertretung bezüglich einer zutreffenden Wahl en Ver- --------.._»genheit, denn die verschiedenen persönlichen Eindrücke über denselben l die Menge Bewerber und die Urtheile über die große ,rigkeilM rgcn Cr» !es neuen während von® >rm erste in welche ihre lieb« nn würde wölf# iflichtjah n Ersatzre gebots, ln weservisten en Bestl'f i und t"! >jahr ftnl Die Ersatz düngen ■Dicnoe von vorzüglichen Zeugnissen sind getheilt, denn me letzteren bilden eine Sammlung, die einem wunder- °°llen Blumengarten ähnelt. Wahl � 0) entscheidet daher über irgend eine Der sich mit Erfolg bewerben will, beachte folgendes Erfahren: Bewerben Sie sich schriftlich und nöthigen Sie nach «dlauf der Meldefrist dem«i-tadtverordneten-Vorsteher, wenn irgend möglich, die Mittheilung ab, an welchem igsge die eingegangenen Bewerbungen geprüft werden. ßU« diese, oder für die zwischenliegcnde Zeit bis zur ■Vorwahl geben Sic dem Vorsteher die Absicht zu erkennen und suchen ihn im Voraus hierfür zu gewinnen, daß Sie «or versammeltem Magistrats- und Stadtverordneten- ollegium einen Vortrag zu halten wünschen. Dieser . lynelt gleichsam einer Probepredigt und er hat den Geheimnißvollen Zweck, durch eine affektvolle Ausführung ■""»"mLM. Httfo des Gesammteindrucks eine stürmische Eroberung sechs iu machen. Hebung�; Im Ein gange des Vortrages, der etwa 10—15 Mi» nziehung r Mllen dauere, heben Sie das Bedürfniß hervor, daß iiie' nPne aufdringlich erscheinen zu wollen, Ihre schrift- Ue Bewerbung persönlich zu vervollständigen wünschen. Zlerauf folgt in gedrängter Kürze die Tarstellung «? eigenen Lebenslaufs und demnächst eine ernste und würdige Beurthcilung der Stellung eines Bürgermeisters, «Kien Beruf dadurch, daß er Verpflichtungen gegen k-iaat und Kommune zugleich habe und die Fürsorge für gesammten städtischen Interessen übernehme und wo- «e> er es selten Allen recht machen könne, zwar ein miwcrer, aber dadurch leicht sei, wenn der Bürgermeister verstehe, mit Leutseligkeit, einer edlen Denkweise und «nein praktischen Geschick die Geschäfte zu leiten; wenn 5 beständig auf eine Einigkeit mit der Stadtvcrtrctung gedacht nehme und namentlich die Gefühle und Empfin- «ungen des örtlichen Volkslebens beachte und ebenso auch «'0 nicht bis zum Uebermaß anzuspannende Stcucrkrast «enau prüfe.— Da die Gemeinde nichts mehr verab- !?«u(' als wenn der Bürgermeister seine Autorität erst K" Hilfe unwürdiger Polizeimaßrcgeln zu sichern sucht, ..muß in dem Vortrage auch diese Äesorgniß mit Geschick o-ampft werden. an A« bescheidene Andeutung, wie Sie im Falle Ihrer ■�ahl bestrebt sein würden, das Wohl der Gemeinde r-m Pflicht und Gewissen wahrzunehmen und so N-er, und in welcher gut situirten Lebenslage Sie sich ."Nden, würde den Schluß des erfolgreichen Vor- belebe QUgmQC�en'-darauf sich dann Rede und Gegenrede � Schluß dieses famosen Zirkulars bildet folgende ge- Bemerkung, die augenscheinlich von demselben Herrn „ü-velcher die zwei Mark Visitenkarte des Herrn Vintzel- «er oben milgetheilten Notiz versehen hat: t-Die Besuche bei den einzelnen Vertretern der Stadt im allgemeinen oft nur einen zweifelhaften Erfolg, N.sie ermüden beide Theile, namentlich wenn sich die ».«dteUunaen in unaufgeforderter Weise bis zu 20—30 " n häufen. Dagegen hat ein geschickter und ver- eckender Vortrag erfahrungsmäßig einen unge- Jahres«A rvisten,""S Iben,«fi bestimme«! 1) infol? rwicsen,- irückv ersetz!' iebung best« SL« i unter as betreßZ en ist. s nnerhalb n Bezirk" SR währen» ausgefte«�» ein er iviM « rWjg Gcfatzi im Li st im nstB erläßt ilichen chanks Berge : Musik Ingen«" jen am. lasen"jf, leiten ungen 1 des seige n>e- 'iiiig1 n und 1 ä"inChi letztes c Anf ,n ScP diesen-. rgcrme (irfotg. ng intcr eine' # liste) n zu kSnu- neiden K : von n ist. eher. . JehM�athschläge des Herrn Stadtverordnetenvorstehers i. K- narr Bürgermeisterkandidaten und solche, die es & Wir erachten dieselben für derart praktisch, daß . bamii" auch dem großen Publikum zugängig machen. .. Itzelberg. l-nd wir entschieden noch koulanter, denn Herr nO'sjE( Siarf i)?khebellin, der Stück für Stück seiner Rathschlage iZJoämat, bei dem also guter Rath wirklich Zheuer" Und f R>,t unfern Abonnenten die Fehrbelliner Weisheit r de» zur Verfügung stellen. Im übrigen stehen , find;" fhtbellinet Geschäftspraktiken ganz beschämt da; Herr wir in Berlin ja auch, aber so findig, wie ' jj0th nich/!��u«(«nvorsteher'n e5rvbellin, find wir denn Senbl Conrad erklärt in einer an das„Schlcs. 'it der i&'khktcn Zuschrift die Angabe, daß er in den :„ai JS? getreten sei, für gänzlich unwahr. Er fugt sein snn/uhre, falls meine Aechtung in Berlin wirklich er- ei bunir' �-Kelbe auf Machinalioncn und Verleumdungen �Ution, Ehrenmänner, in letzter Linie auf materielle >rdkn zurück."— Wir sind der Sacke näher getreten "etj.,, uns erlauben, namentlich Herrn Conrads„materielle - m den nächsten Tagen etwas näher zu bc- der; "tn. »uwrilru besser als Neben i». hat N»_--L. 21t 1" � AU seinem Schaden erfahren muffen. T �°lle beschäftigt und kehrt erst spät nach »ein(a? uvrgestern Abend nach Hanfe kam, gewa.,.... �seine„ daß sein Koffer erbrochen und aus dem Baarschaft von 140 M., sowie eine silberne ..�.. Wchwunden war. T. hatte erst vor einigen Tagen ist in Hause gewahrte er VIR et, h", end� find 1 b d-S, reds.n«----en gelernt und zu sich eingeladen. Wahrend Nock Mar. blieb sein neuer Freund so verschlossen, 'ine y.Mk einmal seinen Namen erfahren konnte. T. iftJ über i.lv gemacht und da sein Herz voll war, lief der �.-bschn«.. er vertraute seinem Freunde sogar an, daß er Paae(e-nem Koffer verschlossen aus bewahre. An dem- balle Co � der Diebstahl ausgeführt, war in der %e( Korridorschlüssel des T. aus dessen Paletottasche .- den. Dies konnte nur der namenlose Freund °n welcher den' T""in" d'cr'Mortthalle aufgesucht vräsi?.«' Pulelot gewesen war. weunb als"n Kriminalbeamter m gewesen war. 'war�'�d« Herr aus London". Kommt da am HO All I r � �— u sst 1 1 Aitr. Es dauerte nicht ........................ dem erstaunten T. dm bereits wegen Diebstahls vorbestraften welcher dii Uhr des T. ruhig in der Westen- der'bC�? Korbmacher y. ein fremder Mann»aus d°rt Aerfonen kennen gelernt hat, die wit�H.�zu- haben, Äänd�"«°°«beitct and 'Ä��g, _........... deren?!amen� aber dem entfallen waren. H. ist in der-ihat früher f M und freut sich, mit dem Londoner ein sprechen zu können. Plötzlich wird der Eng- beareift fptnpn htpfinfn �Aaufict nicht, vasj i lot«1 �C'ede. Vergnügt"zlcht�der" Londoner" ab, erscheint nur, um den H. nochmals wieder.— �iun eilt ö-ju eines Kommissionärs Arndt. Derselbe war der„rettende Engel" für alle geldbedürftigen, jungen Lebemänner, denen es auf 100 bis 150 Prozent pro anno nicht ankam, oder wie man sich ein- redete, der nur 25 damno per drei Monate nahm. Arndt hatte selbstverständlich gar kein Geld. Er vermittelte blas; seine Geldmänner standen hinter ihm, wie man zu sagen pflegt. Obgleich Arndt den Ruin gar vieler blühender Existenzen und bedeutender Karrieren auf seinem Gewissen hat, so konnte doch bis jetzt der Staatsanwalt nicht einschreiten, weil die Klagen, die bis jetzt gegen Arndt erhoben worden, sehr unbestimmt lauteten. Fetzt aber hat nach der„Post" ein verabschiedeter Offizier, dem Arndt das ganze Vermögen abgenommen, die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Arndt, ein äußerst raffinirtcr Mensch, wußte seine dunklen, lichtscheuenden Thaten so zu verwickeln und einzukapseln, daß der Unter- suchunasrichter mit den komplizirtesten Verhältnissen zu rechnen hat. Wie schandbar Arndt vorgegangen, erhellt daraus, daß er es möglich gemacht hat, einen Wechsel dieses Offiziers über 1500 M. in einer vcrhältnißmäßig kurzen Spanne Zeit zu 60 000 M. anlaufen zu(äffen; und das, nachdem der Offizier für 20 000 M. Wechsel eingelöst hatte und nur der Wechsel über 1500 M. rückständig geblieben war. Es spielen allerdings hierbei auch sogenannte Gefälligkeitswechsel eine Rolle, die sich Arndt hatte geben lassen und dann in seinem Nutzen vcr> werthet hat. Schwer verletzt wurde in einer Porzellan-Manufakiur zu Charlottenburg der in der Birkenstraße wohnhafte Arbeiter Georg H., welcher beim Aufladen von Porzellanabfällen, auf einem Brett stehend, ausglitt und heruntersiel. Eine auf ihn fallende Last quetschte ihn in bedenklicher Weise Rippen und Brustkorb, so daß der Aermste in nahezu hoffnungslosem Zu- stand in ein Krankenhaus transportirt werden mußte. Einem Raubanfall|ist der Arbeiter H. am 19. d. M. Abends zum Opfer gefallen. H. war mit der Bahn nach Berlin gerommen und kehrte in einem Lokal der Oranienstraße ein. Hier machte er die Bekanntschaft dreier Männer, welche ihm ein sehr gutes Nachtquartier besorgen wollten. Gegen Mitternacht brachen alle vier auf und begaben sich auf einen .Holzhof in der Nähe des Potsdamer Bahnhofes. Hier wurde H. plötzlich von seinen neuen Freunden gepackt und gewaltsam in einen dort stehenden Möbelwagen hineingedrängt. H. leistete aber Widerstand und hierbei entriß ihm einer seiner Angreifer die Uhr; dann ergriffen alle drei die Flucht. Gestern Nach- mittag kam 5). wieder durch die Oranienstraße und faßte den Entschluß, in demselben Lokal, woselbst er die unangenehme Bekanntschaft gemacht hatte, nach seinen„Freunden" zu sehen. Er war vom Glück begünstigt, denn als er eintrat, wollte sich ein Billard spielender Gast in auffälliger Weise verbergen. H. erkannte in dem später Festgenommenen den Räuber wieder.und veranlaßte dessen Verhaftung. Krwrgung der Bevölkerung Berlins nach den Ver- öffentlichungcn des statistischen Amts der Stadt. Die fortge- schriebenc Bevölkerungszahl betrug am 29. Januar einschließlich der nachträglichen An- und Abmeldungen 1 417 504, hat sich demnach gegen die Woche vorher um 1010 Seelen vermehrt. In der Woche vom 29. Jan. bis 4. Febr. wurden poli- zeilich gemeldet 2019 zugezogene, 1731 fortgezogene Personen; standesamtlich wurden 194 Ehen geschloffen. Geboren wurden 910 Kinder, und zwar lebend: 455 männliche, 421 weibliche, zusammen 876(darunter 105 außereheliche), todt 16 männliche, 18 weibliche, zusammen 34(darunter 7 außereheliche) Kinder. Die Lebcndgeborcncn, aufs Jahr be- rechnet, bilden 32,3, die Todtgeborenen 1,3 pro Mille der Be- völkerung, die außerehelich Geborenen 112,3 pCt. aller in der Woche Geborenen, davon die bei den Lebendgeborenen 11,99, die bei den Todtgeborenen 20,59 pCt. In der Charitce und Entbindungsanstalt wurden— Kinder geboren. Gestorben (ohne Todtgcborene) find 585, nämlich 295 männliche, 290 weibliche Personen. Von diesen waren unter 1 Jahr alt 201 (inkl. 44 außereheliche), 1 bis 5 Jahre 80(inkl. 7 außereheliche), 5 bis 10 Jahre 13, 10 bis 15 Jahre 7, 15 bis 20 Jahre 13, 20 bis 30 Jahre 40, 30 bis 40 Jahre 56, 40 bis 60 Jahre 95, 60 bis 80 Jahre 62, über 80 Jahre 18. Die Sterbefälle beim Alter von 0 bis 5 Jahren machen 48,02 ptC. sämmt- lichcr in der Woche Gestorbenen aus. Von den im Alter unter 1 Jahr gestorbenen Kindern starben 63 im ersten, 24 im zweiten, 20 im dritten, 28 im vierten, 19 im fünften, 8 im sechsten, 39 im siebenten bis zwölften Lebensmonate; von denselben waren ernährt 37 mit Muttermilch, 3 mit Ammenmilch, 108 mit Thiermilch, 3 mit Milchsurrogaten, 16 mit gemischter Nahrung, von 34 war es unbekannt. Todesursache war bei den in dieser Woche Gestorbenen namentlich: Lungenschwindsucht(91), Lungenentzündung(47), Bronchialkatarrh(20), Kehlkopfentzündung(29), Krämpfe(43), Gehirnschlag(14), Gehirn- und Gehirnhautentzündung(18), Krebs(29), Altersschwäche(16), Lebcnsschwäche(35), Abzehrung(17), Masern(4), Scharlach(1), Diphtherie(23), Typhus(5), Diarrhöe(1!), Brechdurchfall(9), an anderen Krankheiten starben 188 und durch Selbstmord 6, davon durch Erschießen 3, durch Erhängen 1, durch Ertrinken 1, durch Sturz aus dem Fenster 1. Die Sterblichkeit der Woche, auf das Jahr berechnet, kommen durchschnitt- lich auf 1000 Bewohner in Berlin 21,6, in Breslau 29,7, in Bremen 18,8, in Frankfurt a. M. 19,7, in Köln 22.0, in Dresden 23,3, in München 28,4, in Stuttgart 23,4, m Wien 25,5, in Paris 27,6, in London 18,4, in Liverpool 32,5. In der Woche wurden dem Polizeipräsidium gemeldet als erkrankt an Typhus 33, an Masern 61, an Scharlach 32, an Diphtherie 82, an Scharlach-Dipbterle 2, an Pocken—, an Kindbettfieber 4. In den 9 größeren Krankenhäusem wurden inder Berichtswoche 940 Kranke aufgenommen, davon litten an Masem 2, an Schar- lach 3, an Diphtherie 30, an Typhus 12, an Rose 2. Es starben 129 Personen oder 22,0 pCt. aller m der Woche Gestorbenen; als Bestand verblieben in den Krankenhäusern Voliiribericht. Am 21. d. M. fand Prinzen-Allee 90 ein unbedeutendes Feuer statt. Es brannten Fußboden und Balkenlage unter einem Badeofen. Gerichts-Zeitung. Der Kerlltier Kvzialist-nprozeß. Zweiter Tag der Verhandlung. Die heutige Verhandlung wird vom Präsidenten, Land- gerichtsrath v. Makomaski gegen% Uhr Vormittags wieder eröffnet und zunächst unter Ausschluß der Oesientlichkeit mit der Verlesung aus verschiedenen Nummem des„Sozialdemokrat" fortgefahren. Gegen 11% Uhr Vormittags wird du Oeffentlich- keit wieder hergestellt. Es wird zunächst nach stenographischer Aufzeichnung eine Rede des sozialdemokratischen Abg. v. Voll- mar verlesen, die dieser im Jahre 1883 im Reichstage gehalten hat. Es heißt in dieser Rede m A.:..Sie haben unsere Presse unterdrückt, vernichten können Sie dieselbe aber mchü Es wird ja auch in der Vorlage angeführt, daß in einem Vicrteliahre 30 000 Exemplare des„Sozialdemokrat" erwischt worden seien. Allein du Zahl der nicht erwischten Schriften, die in jedem Vierteljahre in Teutschland verbreitet werden und zwar nicht blos die Zeitschrift„Sozialdemokrat", sondern auch viele andere Schriften steht der angegebenen Zahl nicht nach. Daß selbst in den Bezirken des kleinen Belagerungszustandes die Verbreitung sozialdemokratischer Schriften nicht ver- hindert'verden kann, wird ja in der Vorlage selbst »uaeaeben."— Es wird weiter eine im Reichstage vom Abgeord- neten Hasenclever gehaltene Rede verlesen, in der es etwa heißt: Sie glauben, durch das Gesetz du Organisation zerstört zu baden Wir haben du Abhalrung von Versammlungen, um eine Organisation zu unterhalten, durchaus nicht noth wendig. Wir haben ja nur nöthig, mit unseren Parteigenossen einen Spaziergang zu unternehmen. Bei dieser Gelegenheit können wir über alle möglichen Parteiangelegenheiten sprechen, ohne von Jemandem gehindert oder wegen Abhaltung einer Ver- sammlung unter freiem Äimmel bestraft werden zu können." Im Weiteren wird ein Erlaß des Ministers des Innern ver- lesen, wonach darauf aufmerksam gemacht wird, daß das Sammeln für die Familien Ausgewiesener nicht strafbar sei.— Es erscheint alsdann als Zeuge Arbeiter Gerhard. Dieser bc- kündet auf Befragen: Ich wurde einmal wegen Verbreitung einer verbotenen Druckschrift bestraft und habe die Rechtsanwalt- gebühren an den Herrn Rechtsanwalt Freudenthal bezahlt.— Präs.: Die Gebühren wurden Ihnen von dem Angeklagten Apelt zurückerstattet?— Zeuge: Nein, den Angeklagten Apelt kenne ich gar nicht.— Präs.: Die Rechnung von dem Rechtsanwalt wurde aber beiApelt vorgefunden.— Zeuge: Davon weiß ich nichts— Präs.: Wie erklären Sie sich, daß die Rechnung in den Besitz des Apelt gekommen ist?- Zeuge: Das kann ich nicht sagen. Ich habe die Rechnung selbst bezahlt.— Präs.: Haben Sie die bezahlte Rechnung aus den Händen gegeben?— Zeuge: Es kam ein unbekannter Mann zu mir und sagte: er habe gehört, daß ich wegen Verbreitung verbotener Druckschriften verurtheilt worden sei, ich solle ihm die RechtsanwaltsMechnung geben, ich werde das Geld wieder bekommen. Ich habe die Rechnung ausgehändigt, Geld aber bis heute nicht erhalten.— Präs.: Wer war denn dieser Unbekannte?— Zeuge: Ich kannte den Mann nicht.— Präs.: Sind Sie Sozialdemokrat?— Zeuge: Nein.— Präs.: Sagen Sie die Wahrheit, Zeuge. Sozialdemo- krat zu sein, ist nicht strafbar, bedenken Sie, daß Sie einen Eid geleistet haben?— Zeuge: Ich bin nicht Sozialdemokrat, das kann mir nicht bewiesen werden.— Präs.: Wen haben Sie gewählt?— Zeuge:, Das will ich nicht sagen.— Arbeiter Hesse: Ich wurde wegen Verbreitung verbotener Druckschriften zu 10 Mark Geldstrafe verurtheilt.— Präs.: Wer hat diese 10 Mark bezahlt?— Zeuge; Die habe ich abgesessen.— fräs.: Wer hat die Kosten bezahlt?— Zeuge: Wegen der osten bin ich gepfändet worden, die Exekution ist aber frucht- los ausgefallen.— Arbeiter Glaubitz hat an seinen hier woh- nenden Schwager, Namens Nickel, einen Brics gesandt, in welchem er sich erkundigt, wie und wo man am besten aus der Schweiz Uhren beziehen könne: dieser Brief ist bei Apelt ge» funden worden. Der Zeuge erklärt, daß dieser Brief kein fingst- ter war und keineswegs die Beschaffung von Druckschristen be- zwecken sollte.— Auf Antrag des Vertheidigers, Rechtsanwalt Dr. Flatau wird beschlossen, den Schwager des Zeugen zn laden.— Arbeiter Brandt: Ich wurde'wegen Verbreitung einer ver- botcncn Druckschrift bestraft, die Strafe habe ich bezahlt.— Präs.: Die Rechnung wurde doch aber bei Apelt gefunden?— Zeuge: Davon weiß ich nichts. Ein Mann hat mir die Rechnung abgefordert mit dem Versprechen, daß mir der Betrag ersetzt werden wird, ich habe jedoch kein Geld erhalten. Der Zeuge bekundet im Weiteren auf Befragen, daß er nicht Sozialdetsio- krat sei und auch nicht wisie, was Sozialdemokrat bedeute.— Es erscheint alsdann als Zeuge Kriminalkommissar Schöne. Dieser bekundet auf Befragen des Präfidenten: Ich hatte einige Zeit vor der Verhaftung der gegenwärtigen Angeklagten in Er- fahrung gebracht, daß Berlin in 8 sozialdemokratische Bezirke cingctheilt ist. Der erste, zweite, dritte und fünfte der Berliner Reichstagswahlkreise war in je einen Parteibezirk, der vierte und sechste Wahlkreis in je 2 Bezirke, in Parteibezirk IV» und IV b u. s. w. eingetheilt. Jeder Bezirk wird- von einer Hauptmannschaft verwaltet. Die.Hauptleute haben Veistauensleute, die Vertrauensleute Hilfsmannschaften. Die.Hauptmannschaften unterstehen einem Zentralkomitee, das aus 8 Mitgliedern und 8 Stellvertretern besteht, und zwar wird auS dem ersten, zweiten, dritten und fünften Wahlkreis je ein Mit» glied und ein Stellvertreter und vom vierten und sechsten Wahlkreis je 2 Mitglieder und 2 Stellvertreter in das Zenstal- komitee gewählt. Das Zentralkomitee steht mit der sozialdemo- statischen Reichstagsfraktion in Verbindung, besorgt die Korre- spondenz mit Zürich, regelt die Rechtsangelegenheiten, giebt die tarole bezüglich der Wahlen aus, besorgt die Unterstützung von usgewiesencn und deren Hinterbliebenen, veranstaltet Festlich- leiten, konstituirt Gesangvereine, Rauchklubs in denen die Abonnementsgelder für den„Sozialdemokrat", Sammelbons zum Zwecke der Unterstützung Ausgewiesener verkauft werden k. Die.Hauptmannschaften haben die Agitation in ihren Bezirken zu leiten, die Abonnementsgclder für den„Sozialdemokrat" zu sammeln; diese Sammlung geschieht zumeist unter dem Vor- geben, daß für die Familien Ausgewiesener gesammelt werde.— Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Meschelsohn: Hat der Herr Kriminalkommissar alle diese Dinge, worüber er uns bc- richtet hat, selbst wahrgenommen?— Zeuge: Meine Bekun- düngen beruhen nicht auf meinen eigenen Wahrnehmungen» sondern sind mir in glaubwürdiger Weise mitgetheilt worden. — Vertheidiger: Kann uns der Herr Kommissar seine glaub- würdige Quelle nennen?— Zeuge: Dazu bin ich nicht be- rechtigt.— Vertheidiger: Woraus schließt der Herr Zeuge, daß er in glaubwürdiger Weise berichtet worden ist?— Zeuge: Weil diese Nachricht mir von den verschiedensten Seiten gemacht wurde.— Vertheidiger: Ist es dem Herrn Zeugen noch nicht passtrt, daß ihm von mehreren Seiten dasselbe berichtet worden und er dadurch düpirt worden ist.— Zeuge: Mir ist das noch nicht passtrt und kann mir um so weniger passiren, da ich alle Berichte genau prüfe.— Vertheidiger: Es wird vielleicht dem Herrn Zeugen bekannt sein, mit welchen Namen der Herr Minister v. Puttkamer im Reichstage die Leute belegt hat, die der Polizei Spioncndienste leisten?— Präs.: Derartige Dinge, die den Reichstag beschäftigt haben, gehören doch aber nicht hierher. — Zeuge; Wir können uns allerdings der Anerbietungen von Leuten, die uns Mittheilungen über sozialdemokratische Umtriebe machen wollen, kaum erwehren. Wir sagen den Leuten gewöhn- lich: vie sollen nur etwas bringen. Diejenigen Leute, die uns Unwesentliches und derartig berichten, daß uns die Sache nicht glaub- würdig erscheint, weisen wir gewöhnlich ab.— Staatsanwalt: Ich ersuche den Herrn Zeugen, sich zunächst im Allgemeinen über die sozialdemokratische Bewegung in Berlin zu äußern.— Kriminalkommissar Schöne: In den Jahren 1881 und 1882 haben itr Berlin vielfach sozialdemokratische Versammlungen stattgefundcir» in denen die sozialdemokratischen Prinzipien ganz offen dargelegt und betont wurde, daß du Verwirklichung derselben nicht auf friedlichem Wege, sondern nur mit Gewalt geschehen könne. Außerdem fand trotz aller Verbote eine sehr rege Agitation durch Verbreitung von Druckschriften, ganz besonders des in Zürich erscheinenden. Sozialdemokrat" statt.- Präs.: In welcher Weise wird der„Sozialdemokrat" nach Deutschland ge- bracht und hur verbreitet?- Zeuge: Dies geschieht in der ver chleden,ten Weise. Zumeist wird der„Sozialdemokrat" in Kisten oder Packeten durch Schmuggler über die deutsche Grenze gebracht, alsdann als Waaren, Waarenproben:c. an unverfäna- liche, sogenannte Deckadressen gesandt. Die Packete werden als» dann abgeholt und von den Vertrauensmännern an die Hilfs- Mannschaften gegeben, die für die Verbreitung und Einziebuncr ptstssään sS'rg&'z M Jahrm.: dasselbe wurde vielfach in den Personen gewechselt und hielt seine. Versammlungen in den verschiedensten Stadttheilen sw&g@ wurde mir berichtet, daß am 15. Juli Abends die frag. liche Komitcefitzung ,n der Lothringerstraße 51 stattfinden und dast in derselben eine große Abrechnung vorgenommen werden solle. Ich begab mich deshalb mit einer großen Zahl von Beamten dorthin und um die Obscrvirung besser ausführen zu lassen, steckte ich einige Beamte in die Uniform von Pferde- bahnkutschern.- Es wurde mir ferner berichtet, daß der Ange- klagte Apelt auch der fraglichen Komiteefitzung beigewohnt, sich, da er die Kasse hatte, im Hose versteckt und alsdann die Kasse an den Bruder des Abgeordneten Singer abgeliefert habe. Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. FlataU: Der Herr Zeuge sagte, daß das Zentralkomitee� seine� Mtglieder häufig wechsele, rann nun der Herr Zeuge frühere Mitglieder des Zentralkomitees nennen?— Zeuge: Das verbietet mir die Amtsverschwicgcn- heit.— Verth.: Von wem bat der Herr Zeuge erfahren, daß am 7. Juli rn der Skalitzerstraße eine Komitccfitzung stattgefunden hat?— Zeuge: Theils von Vertrauensleuten, thcils aus eigener Wahrnehmung. Ich hübe an jenem Abende selbst ein Äomiteemitglicd aus dem Hause der Skalitzerstraße herauskommen sehen.— Verth.: Wer war dies Mitglied?— Zeuge: Darüber verweigere ich die Antwort.— Verth.: Befindet sich dies Mitglied unter den gegenwärtigen Angeklagten?— Zeuge: Ich kann diese Frage nicht beantworten.— Vertheidiger: Der Angeklagte Avelt sagte mir nämlilb, daß ihm der Zeuge gesagt: er habe ihn am 7. Juli aus der Sitzung in der Skalitzerstraße heraus- kommen sehen?— Zeuge; Das kann nicht sein.— Angeklagter Apelt: Jawohl, das ist wahr, Herr Kriminalkommissar.— Kriminalkommissar Schöne: Ich erinnere mich nicht, diese Aeuße- rung gethan zu haben, wenn ich sie aber gethan habe, so hat das mit meiner bekundeten Wahrnehmung nichts zu thun.— Vertheidiger: Ich weiß nicht, wie weit die Berechtigung der Amtsverschwiegenheit des denn Zeugen geht, ich stelle deshalb den bestimmten Antrag: Das kgl. Polizeipräfidiunr anzufragen, ob es dem Herrn Zeugen bezüglich der Frage: wer das Mit- glied des Zcntralkomitee's gewesen, das er am 7. Juli aus dem Hause der Skalitzerstraße habe herauskommen sehen, Amtsver- schwiegenheit auferlegt habe. Ich stelle ferner die Frage an den terrn Zeugen: Wer ihm die Nachricht hinterbracht hat, daß pelt die Parteikasse an den Bruder des Abg. Singer abge- liefert habe?— Zeuge: Das ist mir von meinen Vertrauens- leuten mitgetheilt werden.— Vertheidiger: Tann beantrage ich die Ladung des Bruders des Herrn Abgeordneten Singer, des Kaufmanns Heinrich Singer, Werderscher Markt hierselbst wohn- Haft. Dieser wird bekunden, daß die Aussage unwahr ist.— Auf Befragen des Präsidenten bekundet noch der Zeuge: Es sei ihm mitgetheilt worden, daß in der Sitzung am lö. Juli auck ein zerlegbarer Stempel vorhanden sein werde. Die Polizei sei der Ueberzcugung, daß in dem Brief von Glaubitz(nicht Decker, wie gestern irnhümlich geschrieben), das Wort„Uhren" vcr- dotene Druckschriften bedeute.— Vertheidiger Rechtsanwalt Sachs: Der Herr Zeuge hat bekundet, daß zwischen dem Zentral- lomitee und der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eine Ver- bindung bestanden hat; diese Bekundung steht in direktem Widerspruch mit der gestern eidlich abgegebenen Aussage des Abgeordneten Bebel; ich frage den Herrn Zeugen, woher er zu seiner Behauptung kommt?— Zeuge: Tbeils habe ich es selbst wahrgenommen, theils ist mir durch Vertrauenspersonen mitgetheilt worden, daß zwischen dem Zentralkomitee und der sozialdemokratischen Rcichstagsfraktion ein reger Verkehr be- standen hat. Ich will noch bemerken, daß wir die uns gemachten Meldungen sehr genau auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen, daß jedoch alles, was wir zu den Akten genommen haben, auf That- fachen beruht.— Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Flatau: Hat ein Vertrauensmann der Polizei einer Sitzung des Zentral- komitce's einmal beigewohnt?— Zeuge: Darüber verweigere ich die Antwort.— Hierauf tritt eine kurze Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung thcilt der Präsident mit: Der Gerichtshof hat beschlossen, den Antrag auf Aus- kunftserholuna des königl. Polizeipräfidiums, ob der Kriminal- kommissar Schöne in einein bestimmten Punkte die Aussage ver- weigern dürfe, abzulehnen, dagegen hat der Gerichtshof dem An- trage auf Ladung des Kau! manns Heinrich Singer stattgegeben. — Es erscheint alsdann als Zeuge Kriminalwachtmeister Tomer. Dieser war bei der am 15. Juli vorgenommenen Verhaftung zu- gegen. Er wisse, daß ein sozialdemokratisches Zentralkomitee in Berlin bestehe, er habe das von seiner vorgesetzten Behörde er- fahren.— Kriminalwachtmeistcr Raupach macht ebenfalls vcr- schiedene Mittheilungen über die sozialvemolratische Organisation, die er durch seine vorgesetzte Behörde erfahren habe.— Kriminalschutzmann Siebert berichtet über eine geheime Versammlung, die am 22. Januar 1887 am Südufer stattgefunden habe. Wie rr gehört, sei in dieser Versammlung über Wahlangelegenheiten verhandelt worden.— Der Vertheidiger Rechtsanwaalt Dr. Flatau stellt an den Kriminalkommissar Schöne die Frage: Von wem er die Nachricht habe, daß der Angekl. Schmidt mit dem ausgewiesenen Stadtverordneten Ewald verkehrt habe? Kriminalkommissar Schöne: Ich habe dies von meinen Vertrauensleuten erfahren.— Angekl. Schmidt: Ich bin über- zeugt, daß der Stadtverordnete Ewald mich gar nicht kennt, ich kenne allerdings den Stadtverordneten Ewald und habe insofern mit ihm in Verbindung gestanden, als ich ihn einmal ersuchte, in dem Arbeiterbezirlsverein, dem ich als Mitglied angehörte, einen Vortrag zu halten.— Kriminalwachtmeister Weinert berichtet über die Organisation in ganz ähnlicher Weise wie der Kriminalkommissar Schöne. Neben dem Zentralkomitee habe noch ein Zcntralwahlkomitee, genau ebenso organisirt, wie das Zentralkomitee, bestanden. Diese beiden Komitees waren nicht miteindcr identisch, standen aber in engem Zusammenhange. Das Zentralwahlkomitee hat ganz besonders bei den jüngsten Reichstagswahlen durch Flugblättervertheilung u. f. w. eine sehr rege Thätigkeit entfallet. Das Zentralkomitee hat meines Wissens nach allwöchentlich eine Sitzung abgehalten.— Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Meschelsohn: Herr Zeuge, be- ruht diese Ihre Wissenschaft auf eigenen Wahrnehmungen? — Z-uge: Herr Präsident! Wenn man einem Fernde gegenüber steht, dann gicbt man seine Waffen nicht gern Preis. Ich bin seit 10 Jahren bei der poli- tischen Polizei und es wäre eine Schande, wenn ich mich um die sozialdemokratische Agitation nicht bekümmem würde. Meine Wahrnehmungen beruhen auf Mittheilunacn, die mir in der glaubwürdigsten Weise von 4 bis 5 verschiedenen Seiten mitgetheilt worden find.— Kriminalkommissar Graf Stillfricd: Es sei ihm schon seit langer Zeit bekannt, daß in Berlin ein sozialdemokratisches Zentralkomitee bestanden hat. Die Polizei- behörde sei über die fest gegliederte Organisation der Berliner Sozialdemokratie keinen Augenblick im Zweifel. Dafür spreche schon die Vcrtheilung von Flugblättern, die nach einem bestimmten System geschehe.— Kriminalkommissar v. Raumer: Ich habe speziell den Bezirk, in dem der Anhalter Bahnhof gelegen ist. Eines Tages im Monat Dezember v. I. erfuhr ich, daß auf dem Anhalter Bahnhof zwei große Kisten angelangt seien, in denen sozialdemokratische Schriften enthalten wären. Ich begab mich sofort auf den Bahnhof und erfuhr daselbst, daß eine Kisie, die als Eilgut angekommen war, schon abgeholt sei, die andere Kiste sei an einen Herrn Boas adresfirt, dieser verweigere jedoch die Annahme. Die Bahnverwaltung, die in solchem Falle dazu berechtigt ist, ließ die Kiste öffnen; in derselben be- fanden sich eine große Anzahl Protokolle über den sozialdemo- kratischen Kongreß zu St. Gallen. Die Krste wurde infolge dessen mit Beschlag belegt, der Absender der Kiste, die aus Nürnberg gekommen war, konnte nicht festgestellt werden.— Kriminalkommissar Graf Stillfricd: Als ich hörte, daß eine Kiste mit Druckschriften angekommen sei, da ließ ich die Hauptleute observircn, da mir bekannt war, daß diese die Vertherlung der Drucksch.iften an die einzelnen Vertrauensmänner bewirken. Kriminalschutzmann Perschke sah nun den Tischler Luch mit einer großen Papierrolle in der Hand in ein Haus in der Reichen- dergerstraße hineingehen, wo 6 Tischler- Werkstätten stch befinden. Kriminalschutzmann Perschke verfolgte den Lusch und trat gerade in eine Tischlerwerkstätte ein, als Lusch mit einem Tischler namens Seyd mit dem Auspacken der Kiste, in der sich Protokolle des St. Gallener Kongresses befanden, beschäftigt war. Die Kiste nebst Inhalt wurde selbstverständlich sofort po- lizeilich beschlagnahmt.- Verth. Rechtsanwalt Dr. Meschelsohn: Ist dem Herrn Zeugen bekannt, daß eine Anklage gegen Lusch deshalb nicht erhoben wurde?- Zeuge: Das Verfahren wurde eingestellt, weil eine Verbrcitiing nicht stattgefunden hat.- Kriminalschutzmann Perschke bestätigt vre Bekundung des Vor- zeugen.— Die Vertheidiger konftatiren, daß die ganze Assaire zu einer Zeit geschehen ist, als die Angeklagten längst verhaftet waren.— Kriminalkommissar v. Bodungcn berichtet über die lebhafte Agitation, die sozialdcmokratischerseits bei den letzten Reichstagswahlen im fünften Berliner Rcichstagswahlkrerse stattge- funden, wobei ganz besonders der Angekl. Jahn eine hervorragende Rolle gespielt habe.— Der Präsident fragt nun, wo der Schwager des Glaubitz, der als Zeuge benannte Nickel wohne. — Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Flatow: Nickel soll ja im Dienste der Polizei stehen, vielleicht kennt einer der Herren Polizeibeamten die Wohnung des Nickel?— Kriminalkommissar Schöne: Nickel wohnt Wrangelstraße 53, 2 Treppen.— Die Sitzung wird hierauf gegen 4% Uhr Nachmittags auf morgen (Donnerstag) Vormittags 9; Uhr vertagt. I» riner städiischen Urinlgungs- Anstalt war ein Arbeiter bei der Latrinenentleeruirg infolge des Einathmcns giftiger Gase verstorben. Die Bcrufsgenossenschaft lehnte den Rentenanspruch der Wittwe ab, weil der Unfall fich nicht in einem verficherungspflichtigen Betriebe ereignet habe. Das an- gerufene Schiedsgericht erklärte sich für unzuständig, weil dar- über, ob ein Betrieb verfichemnaspflichtig sei oder nicht, nur das Reichsversichenrngsamt als Beschwerdeinstanz zu entscheiden habe. Nachdem die Wittwe die Rekursbeschwerde eingelegt hatte, erfolgte im Verwaltungswege die Entscheidung des Reichs- verficherungsamts, daß der Betried als ein versicherungspflichtiger zu erachten sei, und die Berufsgenossensckaft setzte nunmehr die der Klägerin gebührende Rente fest. Darauf entschied das Reichsverstchcrungsamt dahin: der Rekurs ist zulässig und be- gründet. Nur wenir gemäß§ 59 Abs. 4 des Unfallverfiche- rungsgesetzes der Entschädigungsanspruch, weil der Unfall in einem nicht als versicherungspflichtig gemeldeten Betriebe sich ereignet hat, bei der unteren Verwaltungsbehörde angebracht und von dieser, weil sie den Betrieb nicht als versicherungs- pflichtig erachtet, durch Bescheid abgewiesen wird, findet gegen solchen Bescheid ausschließlich die Beschwerde an das Versiche- rungsamt statt. Wird hingegen, wie im vorliegenden Falle, der Entschädigungsanspruch von der Berufsgenoffenschaft, welche die Versicherungspflichtigkeit deS Betriebes verneint, abgelehnt, so kann gegen diese Entscheidung das Schiedsgericht und demnächst in der Rekursinstanz das Reichsverficherungsamt angerufen werden. Gegenwärtig ist die Beschwerde in der Hauptsache durch die inzwischen erfolgte Rentenfestsetzuiig erledigt. Sie kann daher nur noch den Erfolg haben, daß der beklagten Be- rufsgenoffenschaft die Verpflichtung auferlegt wird, der Klägerin die ihr durch Annahme eines Anwalts zur Vertretung ihrer Rechte entstandenen Kosten zu ersetzen. „Wanderfahrt streng«nd hart— da» ist Tnrner- Art'si— Ja, hart genug waren sie, jene Mitglieder eines Berliner Jugend-Turnvercins, welcher am 10. Oktober v. I. auf einer Wanderfahrt in einer Anzahl von 80 Jünglingen die Berlin-Zosscner Chaussee passtrte, aber das Verhalten der Theil- nehmer an der Tumerfahrt war durchaus nicht nach Turner- Art.— Es hatte Jemand auf einem der Kirschbäume, die zu beiden Seiten die Chaussee einsäumen, einige vergessene und vertrocknete saure Kirschen entdeckt und abgepflückt, eine unvcr- hoffte Erquickung für die ausgetrockneten, nach langem Marsch verschmachteten Turnerkehlen und bald war ein allgem ines Obstpflücken im Gange, welches jedoch mit großer Rücksichts- lofigkeit ausgeführt wurde. Tie Bäume wurden mit Lcichtig- keit erstiegen und nun wirthsckafteten die Turner zwischen den Zweigen der zum Theil nur schwachen Obstbäume derartig, daß nach gethaner Arbeit abgebrochene Zweige die Chaussee Haufen- weise bedeckten und einen Anblick boten, als ob ein Orkan die Bäume verwüstete.— Die Zossencr ließen sich die Zerstörung der Zierde ihrer Chaussee nicht gefallen, sie bewiesen den Turnern, daß in Zossen nicht„gut Kirschencssen ist."— Drei der Theil- nehmer, die 17 jährigen Lehrlinge Brückner, Pavel und Näter aus Berlin, weil man irrthümlich sie für Vorstandsmit- gliedcr des Vereins hielt, wurden zunächst, da auch ihre Bethel- ligung außer Frage stand, wegen Sachbeschädigung angeklagt u ib vom Zossencr Schöffengericht zu je 30 M. Geldbuße evcnt. 10 Tage Gefängniß verurthcilt.— Die Sache wurde am Mitt- woch in der Vtrufuugsinstanz vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II verhandelt, nachdem die Genannten gegen das schöffcngerichtliche Urthcil Berufung eingelegt.— Ihren Einwand, daß ein Sturniwind in der jenem Bcgebniß vorauf« gegangenen Nacht die Bäume verwüstet, erachtete der Gerichts- Hof vorweg auf Grund der entgegenstehenden Aussagen der in erster Instanz bereits vernommenen Augenzeugen für widerlegt. — Der Gerichtshof betätigte das schöffengerichtliche llrtheilund der Vorfitzcnde der Strafkammer, Landgerichtsdirektor Grün- Hagen, konnte nicht umhin, bei Verkündigung des Urtheils den Angeklagten eine scharfe Rüge zu erthcilen wegen ihres Vcr- Haltens, welches der Mitglieder eines Turnvereins, der fich Bil- dungszwecken widmet, durchaus unwürdig sei. Gin Palrtotmnrder treibt seit Jahr und Tag sein Un- wcsen in den Vergnügungslokalen des Grunewalds, den Ziel- U linkten der berliner VliiÄfTfmk<»r SfW ßinnnpr frnt es fvmnf« punkten der Berliner Ausflügler. Der Gauner hat es Haupt- sächlich auf die in Krembscrn und Equipagen liegenden Paletots, Damenmäntel k. abgesehen und derselbe pflegt sich seiner Beute zu bemächtigen, während die Kutscher auf den Wagcnplätzen plaudernd beisammen stehen. Dem in Halensee bedienstcten Gendarm Röttingcr waren viele derartige Diebstähle zur An- zeige gebracht, ohne daß es diesem gelang, des Diebes habhaft zu werden; zwar hatte der Restauratcur Jlges in Hundekehle vor einiger Zeit bei den Krembsern als Wache mehrere Kellner postirt. Dieselben hatten jedoch den auf frischer That ettappten Paletotmarder— einen alten schwerhörigen Mann— in einer Regung des Mitleids wieder laufen lassen.— Am 25. Juli v. I. waren wiederum mehrere Damen und Herren, welche in Halen- see eingekehrt, genöthigt, da der Dieb Paletots, Damenmäntel und eine Wagendccke gestohlen hatte, den Weg nach Berlin in der Nacht ohne ihre wärmenden Hüllen zurückzulegen; auch in diesem Falle wurde ein alter, schwerhöriger Mann, der fich eincS Hörrohres bediente, als Thätcr bezeichnet. Das Hörrohr, als ein besonderes Kennzeichen, führte zur Ernrittelung des in Charlottenburg wohnhaften, vielfach vorbestraften„Schneiders" Fritz Kühn, und auf Requisition der Staatsanwaltschaft des Landgerichts II»urde der Kriminalkommissar Krause beauftragt, bei demselben eine polizeiliche Durchsuchung vorzunehmen. Die Haussuchung förderte jedoch nichts zu Tage.— In dem polizei- lichen Register figurirte Kühn seit dem Jahre 1878 als berüchtigter Kollidied. Es war zu jener Zeit in der Nähe der Apostelkirche ein ähnlicher Diebstahl, wie die hier in Rede stehenden, verübt und in der Wohnung des Kühn ein Theil der gestohlenen Sachen vorgefunden worden, welche Kühn an- geblich von einem unbekannten gekauft. Beweise fehlten damals und das Verfahren gegen Kühn ward schließlrch eingestellt— Auf Grund dieses etwas anrüchigen Leumunds-Zeugnisses, welches voir der Charlottenburger Polizei der Staatsanwaltschaft berichtet worden, erfolgte die Erhebung der Anklage gegen Kühn wegen der im Gmne- wald verübten Paletotmardereien. Kühn hatte fich demgemäß am Dienstag vor der 1. Strafkammer des Landgerichts n ,u verantworten wegen Diebstahls im Rückfalle. Die Verhandlung bot große Schwierigkeiten, da mit dem Angeklagten nur ver- mittelst des Höhrrohrs verhandelt werden konnte, dessen sich der Vorsitzende und die zahlreich geladenen Zeugen dem Ange- klagten gegenüber bedienen mußten. Die Zeugen vermochten nur zu bekunden, daß sie den Angeklagten in der Nähe der de- stohlencn Krembser- pp. Wagen gesehen, wie er stch dort zu schaffen gemacht. Der Staatsanwalt erachtete unter diesen Um- ständen das Ergcbniß der Beweisaufnahme nicht für aus- reichend zur Venntheilung des Angeklagten; es fehle an positiven Beweisen für oie Thäterschaft des Angeklagten, dessen Verweilen in der Nähe der Wagen an sich zur Ueberführuna nicht hinreichend erscheine.— Der Gerichtshof schloß sich dieser Ansicht an und das Urthcil lautete auf Freisprechung. 47. Merewe nnh Uerlammlu« „Lunge»sch«i»dkmcht, ihre Perhütung»nd f war das Thema des letzten Vortrags, den der pratt? I)r med. C. Sturm hielt. Er besprach ihre Ursachen Ernährung und Athniung und den Einfluß, den die schwäche anderer Organe auf die Lunge habe. Speziell er die Erziehung der Stimme und Sprache mit Rüi die Verhütung genannter Krankheit und zeigte, daß zi durch Arzneien, wohl aber durch eine naturgemäße und Köiperpflege überhaupt dieses entsetzliche Leiden und gehellt werden könne. Er erklärte dann, daß alle Helten verhütet und selbst in sehr hohen, heute für gellenden Stadien noch heilbar seien, aber nicht durch sondern nur durch naturgemäße Pflege des Körpers Geistes. „Frey»", Gesaugverein der freireligiösen ißt veranstaltet am Sonnabend, den 25. ds. Mts., Abends in Ahlgrimm's Salon, Sophienstr. 34, einen Wiener ball. Billets,& 50 Pf., find zu haben bei den Herren Webcrstraße 36(Schankgeschäft); Suter, Oranienstt. 6» zellangeschäft); Tann, Schlosser, Husfitenstr. 6, IV; und Schuhmacher, Pücklerstt. 10, Hof II. Fachverei« der Lithographiesteinschleifer«nffl rnfogeuofle«. Donnerstag, den 23. d. M., Abends bei Dörnach Johanncsstr. 20, Versammlung. Tages or! Vortrag des Herrn Schäfer über:„Die falsche Gcfüh" der Frauen." Gäste sind willkommen. Die Versaml genehmigt. Nrrein ,«r Unterstühung erkraukter der Maurer Kerlin». Mitglieder> Versammlung Donnerstag, Abends 8 Uhr, im„Louisenstädtischcn} Hause", Alte Jakobstr. 37. Tagesordnung: 1. Neuwahl sammten Vorstandes. 2. Abrechnung vom Maskenball.» einsangelegenheiten und Fragekasten. Nur Mitglieder. Zutritt. Tie Mitgliedskarte ist als Legitimation mitzu�* Ml Oll Neue Mitglieder werden aufgenommen. Uativnale Krankenkasse der deutschen 40*1*' Kilberarbriter und verw. Äcrufsgenossen.(E. H.)™ schaft Berlin. Sonntag, den 26. Februar, Vormittags ersi in Lammer's Salon(früher Rieft). Kommandantensir. n- vre«us täglich au, vieri % Ausde °rel rapide ch pferch sehr tn war oö '«rtionsuiu nR, Jnfob aU(h an I � Einzeln "3 kaum fi venn man .US und i b- durch Betriebi Untern behäbic Men. d in Lammer's Salon(früher Niest), Kommandantcnsti Versammlung.(Näheres siebe Inserat.) Lachvereiu Kerllner Droschkenbestker. Vers' ain Freitag, den 24. d. M., Abends 9 Uhr, Neue i straßc 44. Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls Sitzung. 2. Besprechung allgemeiner Benifsintcressen. nähme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. 5."" Gäste find willkommen. GrtslrranKenKass« der Klempner. Auß Generaloersammlung der Vertreter der Arbeitgeber und, nehmer am Donnerstag, den 1. März d. I., Abends" bei Mündt, Köpnickersir. 100. Tages-Ordnung' Kündigung des Kassenbeamten Herrn Otte. Gesang-. Tnrn- und gesellige Vereine■ Donnerstag. Männcrgcsangvcrein„Lätitia" Abends 9 Vcttin's Restaurant, Vcteranenstr. 19.— Gesangverein schluß" Abends 8t Uhr im Restaurant Schumann, W, straßc 38.— Männcrgcsangvcrein„Nordstern" Abends Restaurant Jacob, Lindowerstr. 26.— Schäfer'scher verein„der Elfer", Abends 9 Uhr bei Wolf u. Krüger, straßc 126, Gesang.— Gesangverein„Blüthcnkranz" 9 Uhr im Restaurant Wassesthorsttaßc 54.— Gesangverein der freireligiösen Gemeinde, Aben Neue Friedrichstraßc 35, Saal 3.— Männerg> „Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Str straßc 3.— Turnverein„Hasenhaide"(Lehrli thcilung)_ Abends 8 Uhr Dicffcnbachstraße —„Berliner Turnacnosscnschast"(7. Lehrlings' lung) Abends 8 Uhr in der städtischen£ Britzcrstraßc 17—18;— desgl. 6. Männer- A Abends 8 Uhr in der städtnchcn Turnhalle, straße 51.— Lübcck'schcr Turnverein l Männer- Ab' Abends 8 Uhr Elisabethstraße 57 53.— Allg. m'7"" Stenographcnvercin, Abth.„Louisenstadt", Abends R)iajf t0atttt0nr Restaurant Preuß, Oranienstraßc 51.— Arcnds'schtt< de, � so Lt,nen seh, ,tn ander, daß sich ttikanisä ,ä steuer ' 5U Mor Werder üncr Gl c/u(lutuuiu vi.— k-d' t jmtYl"'' ttüf graphenvercin„Phalanx" Abends 8t Uhr im Restaura" Vwtefti Buckowcr Garten", Buckowerstraße 9.— Bcrlincr��ä Ez, 3 araphen-Vcrein(System Arends) Abends 8t Uhr% fest v,- straße 47(Brandenburger Haus).— Stottc'schei..� hau; eines graphen-Verein — Verein der Wicncrstraße 35__________. Restaurant, Holzmarststraße 44. Rauchtlub„Arcona 9 Uhr bei Brandt, Forsterstraße, Ecke der tedir straße.— Rauchklub„Dezimalwaage" Abends 81 � Jjojjen n,,; Restaurant, Mcmelcrstraßc 82.— Rauchklub„Vorwärts�' 9 Uhr bei Herrn Tempel, Restaurant„Zum Amb�'z lauerstraße 27.—„Orientalischer Rauchklub" Abends �-men im Restaurant Wiechert, Oranienstraßc 8.\ j� drer Neueste Nachrichten. � Auf Grund de»§ Ii de» Kotialisteugcl'*�!* vom kgl. Polizeipräsidium zu Berlin die nicht pcttod».j(l schrift:„S t u r m v ö a e l. Revolution ä r e � und Gedicht e." Gesammelt von Johann Mol'- New-Nork, 1888, verboten.. /. Pari», 22. Februar. Gestern war wieder, wie Ztg." telegraphirt wird, ein Wahnfinniger aus drt® aalcric und streute einige hundert Drucksachen mu v � Inhalt auf die Köpfe der Abgeordneten.— Wkten, rath des H' rault- Departements und Rechtsanwalt, chv fabrikmäßiger Herstellung falscher Roten zu sechsjahus haus verurtheilt._ "»U Telegraphische Depesche (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Amberg, Mittwoch, 22. Februar. Bei or- Wahlbezirke stattgehabten Ersatzwahl zum Reichstag Faenzl(Zentr.) mit ca. 4200 Stimmen gewählt«vor Gegenkandidat war nicht aufgestellt., auiffon-) Pari», Mittwoch, 22. Februar.(Prozeß den heutigen Plädoyers wurde von Seiten der c ausgeführt, daß es keine Gesetzbestimmungen gebe, � Personen, die ihren Einfluß verkaufen, bestraft London. Mittwoch. 22. Februar.' i�, Adresse wurde angenommen. Anläßlich der zweite Lesung der Adresse stellte Labouchsre einen welchem den, Hause darüber Mitthcilung zugchen Regierung Italien bindende Zusagen im Falle eine � Frankreich gemacht hätte, femer wird verlangt, vav�.�gi» Zusagen schon gemacht worden seien, dieselben zur, Hauses gebracht werden..-blick nufl Loudo», Mittwoch, 22. Februar, früh. � Teputtrten Labor, chsre zur Adresse beantragten, J stutzung im Falle eines Kriegs dctteffcnden Amendem&icy det die italienische Marine vernichtete und FraNi stnttcncs Uebergcrvicht im Mittelländischen es dre Pflicht Englands sein, zur Sicherung des' clit' zur Aufrechterhaltung � �jt f'CX T- ««Oese, U ■ b,e und Handels, sowie zur'AUsrecyicryairui'u' Pia Gleichgewichts und zur Erhaltung eines Staates, England durch die Bande der Snmvathic un Ml> Cngland durch die Bande der Sympathie'fv verbunden sei, mit seiner ganzen Macht ein M#" zuwenden. 1 H Verantwortlicher Redakteur:«r-uhrim in Berlin. Druck und Verlag von»a» Fading m Berlin 8W., Beuthslraße 2.