Dienstag, den 28. Februar 1888. 5. Jahrg. n ds. Bl. ftc it jeder illig »rät, >»«« Ho. läßigung.� kengardf m«*> f 11 . Tic) M 130, s.l sandri«»?� Kostüme inj t billigen M crliiitrlollisblalt Brgan für dir Interesse» der Arbeiter. 4 Da»„Berliner«olksblatt« .- taglich Morgen» auter nach Sonn» und Festtagen. AbonnementSprei» für Berlin frei Jtou» vierteljährlich 4 Marl, monatlich 1A5 Man. wöchentlich 35 Pf. Postabonnement Einzelne Rümmer 6 Pf. SonntagZ-Nummer mit dem„SonntagZ-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der PostzettungSpreiSliste für 1888 umer Nr. 849.) Jnfertio»«aebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbeitsmarlt 10 Pf. Bai größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittag» in der Expedition, Berlin SW� Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, oh» Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraste 2.— Grpedition: Zimmerstraße 44. Alstumeitmjs-Ewladllug. �ben Monat März eröffnen wir ein neues Abonne- »Jerlwer Volkslilatt" wöchentlich erscheinenden Konntagsbiatt. bettägt frei ins Oa«» monatlich alten poflc.T» fc, Tf 3o Vf., wöchentlich 85 Pf. Bei Sclbstabholung Lranienstr j%* Expedition. Zimmerstraße 44, �eiKlew.- 1 Mark pro Monat. D hrnS" Hungen werden von sämmtlichen Zeitungsspeditemen, nnÄfe LZ der Expedition unseres Blattes. Zimmersttaße 44, �genommen. ih.Bier � Li außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Be- nr, in f it? für den Monat März gegen Zahlung von 1 M. Weiße toj � an. tagstisch gestt. 70, Die Redaktion nnd Grpeditio« des„Kerliuer Polkablatt". n billiger 10 Wff ka.# rS'#; Sä d'S«V furter� Ä straßel' ißr'it rr Tippet schick ftt. Ehe und die Familie sind, neben dem Privat- die Grundsäulen der heutigen Gesellschaftsord- dixse gegen die umstürzlerischen Bestrebungen der .�okratie zu schützen, zu diesem Zwecke reichen sich sogar Stöcker und Herr von Bennigsen die ' J* Herr Oechelhäuser hält zur Bekräftigung dieses M Reden, wie sie salbungsvoller noch nie von den äxj. Herrn von Helldorff geflossen sind. Familie ist eine herrliche Einrichtung und deren fÄ Wohl des Schweißes der Edlen werth. Wie in /"den nicht unser großer Schiller das Familien- Gedichte,„Die Glocke": Der Mann muß hinaus Ins feindliche Leben, Muß wirken und streben Und pflanzen und schaffen, Erlisten, erraffen, Muß wetten und wagen �Wr®aä®Iüdt äu eria9en- iblicfcp G'ta der Mann wirket und strebet und die " R*"ke" herbeiströmt, die Speicher mit„köstlicher da m,' die Räume wachsen und das Haus sich altet drmnen »Die züchtige HauSftau, Die Mutter der Kinder, Und herrschet weise 3m häuslichen Kreise, JeuiCeton. 1 [48 (N«4krMl Mtlolm.) 9»;i im# jen. Der Grbe.����D •Sta von Friedrich T e r st ä ck e r. *<]£* Kathinka," sagte Fritz bewegt,„ich hatte Sie � chutr n)ie"-eh mir der Verlust unseres armen sagte das junge Mädchen mit leisem l»!�, en;„er hat alles überstanden, und sein mit starb heute Morgen in meinen Armen, TW w."."»Y«-, v«ß es rym uu tu,, i�.v. fl�i-in 5 m,rmeinen Gruß für Sie anfgetragen. ' � arm« Benno! Und sein Vater war nicht bei Vfi �lx H°rr Baron hat in der letzten Zeit sein k�ulein llVÄusheitn?" bleib"n« und winkte mir nur zu, ber dem ��r�'nBruder?" lo��lrx010?1 traf mich in der Stadt, und ich )U r fch nicht widerstehen, dem armen Todten Kr% 'Zräu, Werden! Wie wird auch Ihnen der Knabe �lein�' Wie wird auch Ihnen der«naoe habe'f,?�.sa mit ganzer Seele an Ihnen hmg Ber im Schlosse alles an ihm verloren, Und lehret die Mädchen Und wehret den Knaben Und regt ohne Ende Die fleißigen Hände Und mehrt den Gewinn Und ruhet nimmer. Ein idyllisches Bild, nicht wahr? Und diese herrliche Institution wollen die fff Sozial- demokraten zerstören und an deren Stelle die„freie Liebe", die reine Kaninchenwirthschaft setzen. Sollte aber jemand zweifeln, daß dem so sei, der lese das„Leipziger Tageblatt" oder die„Post" und er wird es bestätigt finden. „Die Familie ist der Grund- und Eckstein jeder ge- sittctcn Gesellschaft und unsere Zivilisation ruht auf ihr", diesen Satz lesen wir soeben in einem gutgesinnten Blatte und wir nickten beifällig. Da läutete eS an unserer Thüre. Wir öffnen den Korridor und vor uns steht eine„Tippel- schicksel" und bittet uns um eine Gabe. Eine„Tippelschicksel", was ist das, wird der eine oder der andere unserer Leser fragen. Ist das eine Bettlerin? Wir müssen darauf antworten: Ja und Nein! Bettlerin in dem Sinne, daß sie zur Arbeit infolge irgend eines körperlichen Gebrechens unfähig wäre und des- halb auf die Mildthätigkcit ihrer Mitmenschen angewiesen wäre, ist sie nicht; ebenso wenig ist sie Bettlerin aus Ar- beitsscheu. Die groben, rauhen und zerwüsteten Hände, welche sie uns entgegen hält, als wir ihr die kleine Gabe reichen, zeigen uns auf den ersten Blick, daß die Frau oder daS Mädchen, das jetzt als Bettlerin vor unS steht, gearbeitet haben muß bis vor wenigen Wochen. Die„Tippelschicksel" gehört also nicht in die Kategorie der gewohnheitsmäßigen Bettler, so wenig wie der Gewerbe- gehilfe oder Fabrikarbeiter, die als„reisender Handwerker" uns um einen„Zehrpfennig" ansprechen. Die„Tippel- schicksel" ist die reisende Arbeiterin und zwar nicht die arbeitslose Fabrikarbeiterin oder Gewerbegehilfin, son- dern die Proletarierin des ländlichen Gewerbes und der mit der L a nd w irt h sch a st verbun- denen Industrien. Diese von Ort zu Ort auf der Landstraße ziebenden, auf Herbergen oder in Scheunen und Ställen, ober bei mildem Wetter auch bei„Mutter Grün" nächtigenden Frauen sind ein Theil der industriellen Reservearmee, welche jetzt auch das landwirthschaftliche Gewerbe gebraucht, seit es die patriarchalische WirthschaftSform abgestreift hat und kapita- listisch betrieben wird. Die Magd, die im JahreSgedinge stand, im Sommer auf dem Felde mitarbeitete, im Winter aber entweder in der Scheune dreschen half oder am Spinnrocken saß und zöanf oder Flachs zum Garne spann, sie ist im Aussterben sagte das junge Mädchen leise,„denn er war nicht allein mein einziger Trost in der Einsamkeit, sondern auch mein Schutz." „Ihr Schutz, Fräulein?" „Die Tante wird mich jetzt entbehren können," sagte Kathinka leise,„und ich selber wäre auch nicht im Stande, allen ihren Ansorderungen zu genügen. Ich werde am Ersten nächsten Monats Wcndelsheim verlassen." „Sie wollen auch fort?" „Ja, und da wir uns wahrscheinlich nicht wiedersehen, so leben Sie wohl, Herr Baumann— ich muß fort und dem Herrn Baron das Frühstück bringen, und— die Tante würde auch sonst böse. Nicht wahr, Sie bleiben nicht länger hier allein? Ich bekomme sonst gezankt.".... „Nein, liebes Fräulein," sagte Fntz bitter„haben Sie keine Furcht, daß ich dem Fräulein von Wendelsheim ze Grund zur Unzuftiedenheit geben sollte. Ich werde ihr auch wohl schwerlich wieder in den Weg kommen so wenig wie sie mich suchen wird. So leben Sie wohl!" und damit reichte er ihr die Hand und verließ dann mit einem letzten Abschi-dsblick auf die Leiche das Zimmer Drüben im Gang hörte er heftiges Reden- das war die Tante- und eS klang wie e,n Mißton in dem Hause des Todes; waS eS aber war, mochte er nicht untersuchen. Ihn selber trieb es fort, um ihr aus dem Weg zu kommen, denn er fürchtete heute für sich, daß er ihren gewöhnlichen Hochmuth nicht so leicht und geduldia ertragen hatte als sonst. Er gewann die Treppe und eilte hmab Unten stand einer der Diener und horchte nach dem Zank hinauf Nicht einmal an einem solchen Tage halt die Ruhe! Sind'Sie ihr in den Weg gelaufen, Herr Baumann?" „Nein," sagte»%: W mich gat mcht gesehen." „Gar nicht gesehen? Na, dann haben Sie heute Ihren Glucks tag,©ludlätag in der That," nickte Fritz sinster vor sich hin-»ich werde ihn mir merken. % Ä 2 tÄMÄT im vor sich hinträumend, ging er auch ziemlich rasch seinen begriffen und muß der Tagelöhnerin Platz machen. Die Dreschmaschine hat die Winterarbeit des Handdrcschens längst überflüssig gemacht, der Flachs und Hanf aber, wo er noch gebaut wird, wandert in die Fabriken, kein Mensch denkt daran, ihn noch mit der Hand spinnen zu lassen. Im Winter wird also die Tagelöhnerin überflüssig, sie wird arbeitslos. Hat sie ein Heim— und bei dieser Art länd- sicher Arbeiterinnen ist dies noch meist der Fall, dann bleibt sie in der Gegend, um bei Kartoffeln und Wassersuppen sich durchzuhungern, bis sie mit Beginn des Frühjahrs beim Bauern oder auf dem Gute wieder Arbeit findet. Die Zahl der Tippelschickseln ist unter diesen Arbeiterinnen gering. Der Torfstich, die Kartoffelsaat und-Ernte, die Runkel- rüben- resp. Zuckerplantagen, daS Hopfenzupfen, das find die großen ArbeitSzweige, welche während der Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonate tausende und abertausende von Frauenhände beschäftigen, nach Hunderten und Tausenden die Arbeiter beiderlei Geschlechts auf engbegrenzte Territorien zusammenziehen, um sie nach Verlauf von wenigen Wochen oder Monaten wieder als überflüssig auf die Landstraße zu setzen. Dazu kommen noch die Ziegeleien, die zufälligen Erdarbeiten, Kanal- oder Festungsbauten und die Stein- und Mörtelträgerinnen bei den Hochbauten. Alle diese Be- rufszweige konsumiren Frauenarbeit, aber nicht stetig, meist nur auf einige Monate, im Winter aber ruhen sie ganz und gar. Wie die Arbeitszeit und Arbeitsgelegenheit, so ist auch die Lebensweise dieser Arbeiter ungebunden. Verhältnisse werden angeknüpft mit dem Beginn der Arbeit und gelöst mit dem Ende derselben. Die milde Jahreszeit und die Bedürfnißlosigkeit der Leute erlaubt ihnen, mit den primi- tivsten Wohnungsverhältnissen vorlieb zu nehmen. Räum- lichkeiten, die im Winter zur Unterbringung von Schafen , benutzt werden, dienen in den Sommermonaten zu Schlaf- räumen für diese Nomadenbevölkerung. Wie es um die Sittlichkeit unter diesem Völkchen bestellt ist, kann man sich denken, zum besten wahrlich nicht. Mädchen, die jedes Jahr gebären und zu jedem Kinde einen anderen Vater haben, dessen Aufenthalt sie zur Zeit der Geburt schon meist nicht mehr kennen, sind keine Seltenheit. Was in diesen Kreisen aber fast unbekannt ist und dort nicht geübt wird, daß ist jene Art der Prostitution, die aus der Hingabe des Körpers gegen Entgelt an Jedermann ein Gewerbe macht. Die Fabrikproletarierin oder die in der KonfektionSbranche beschäftigte Näherin, die von ihren Hungerlöhnen kaum den nothdürftigsten Lebensunterhalt be- streiten können, verfallen in Zeiten der Arbeitslosigkeit, oder auch, wenn sie die Lust anwandelt, sich einmal satt essen zu wollen, der Prostitution. Sie steigen auf die Straße. Die Landproletarierin thut in Zeiten der Arbeitslosigkeit, welche Zeit für sie mit jedem Winter regelmäßig kommt, dasselbe Weg und bemerkte gar nicht dabei, daß er unterwegs einen Herrn überholte, der, seine linke Hand auf dem Rücken, den Kopf etwas zurückgebeugt und außerordentlich gerade, aber auch ein wenig steif, derselben Richtung folgend wie er, nach der Stadt zuspazirte. Ohne zu grüßen oder ihn anzusehen, passirte er ihn auch, als er sich plötzlich angerufen hörte und natürlich schon unwillkürlich den Kopf dorthin wandte. „Ah, mein lieber Baumann," rief der Spaziergänger, „wohin so eilig? Warten Sie ein wenig, ich begleite Sie, und zu Zweien macht sich ein langweiliger Weg immer besser!" „Herr Rath Frühbach!" sagte Baumann, halb über- rascht, von dem Herrn angeredet zu werden, der sich sonst in der Stadt gar nicht um ihn bekümmerte. Er kannte aber den Rath zu wenig, dem vor der Stadt und in einsamer Gegend jedes menschliche Wesen, und wäre ti eine alte Bauerfrau gewesen, nur als gute Beute galt, um ein Gespräch mit ihr anzuknüpfen und seiner Suada freien Lauf zu lassen. Baumann würde auch viel lieber allein gegangen sein, aber er konnte jetzt nicht mehr gut aus- weichen und schritt, etwas langsamer als vorher, neben dem Rath her. „Aber nun ein mäßigeres Tempo, mein junger Freund" sagte der Rath, indem er ihm mit seinem Stocksnopf in den Arm hackte.„Das glaub' ich, wie ich noch in Ihrem Alter war, da konnte ich auch laufen, und eS kamen nur wenige mit mir fort. Da bin ich einmal in Schwerin— kennen Sie Schwerin?" „Nein, Herr Rath." „Ach wie schade!— wunderschöne Stadt, und unge- mein gemüthlich— da bin ich einmal in Schwerin, wie ich Ihnen erzählen wollte, eines Morgens früh aufgestanden, um einen Spaziergang zu machen, denn ich muß regelmäßig jeden Tag mem Ouantum gehen, um ordentlich in Schweiß zu kommen, da meine Verdauung nie in Ordnung ist. Unterwegs traf ich denn auch einen intimen Freund von nnr, den Grasen Kotopshien, der in einer geheimen Mission an unserem Hofe war— ein liebenswürdiger auch. Auch sie begiebt sich auf die Straße, aber nicht um ihren Körper zu verkaufen, nein, sondern um sich durch die arbeitslose, die schreckliche Zeit durchzubetteln. Sie wird„Tippelschicksel". Meist trifft mau diese unglücklichen Geschöpfe auf ihren Wanderungen allein, nie reisen sie mit einer Genossin, sie vertragen sich nicht— dagegen trifft es sich allerdings öfter, daß sie in Gesellschaft ihres Liebhabers reisen, den sie entweder während der letzten Arbeitskampagne kennen gelernt haben oder der sich ihnen erst auf der Straße an. schloß. Nicht selten trifft man solche Frauen auch mit einem Kind auf dem Arm, noch häufiger mit einem solchen unter dem Herzen. Was da alles möglich ist und in welcher Weise in diesen Kreisen das„Volk zur Welt" kommt, dafür nach- folgend ein paar Beispile. Bayerische Blätter schrieben dieser Tage: „Zn Reuth bei Ansbach kam am Montag, den 20. Februar, Abends ein Handwerksbursche mit seiner Frau Gemahlin fürbaß daher gezogen. Ihr gemeinschaftliches Gepäck bestand aus einem einzigen— Wanderstabe. Sie fanden Unterkunft bei dem Gastwirth Braun. Wer malt sich aber den Schrecken des Gastwirths aus, als am nächsten Morgen diese Handwerksburschenfamilie sich gleich um drei Köpfe— prächtige Mägdelein— vermehrte. Die Frau war ohne alle HilfS- mittel und die Wirthin, selbst kinderlos, mußte erst in der Nachbarschaft um die nothwendigen Windeln zc. fechten gehen. Dem Wirth ist die Freude, seinen Gasthof als Entbindungsanstalt betrachten zu können, in jüngster Zeit schon drei Mal passirt, eine solch' üppige Vermehrung widerfuhr ihm aber doch noch nicht." DieS der eine Fall. Vor wenigen Wochen brachten dieselben Blätter eine Gerichtsverhandlung, in welcher ein wanderndes Mädchen, das aus Noth und Jammer ihr neugeborenes Kind aussetzte, zu Gefängniß verurtheilt wurde. Dies der zweite Fall. Beide zusammen aber gewähren einen Einblick in den Jammer und das Elend, dem diese wandernden Proletarierinnen auf der Landstraße ausge- setzt sind. Wie sie aber leben, wenn sie in ihrer Weise seßhaft sind, d. h. während der Sommermonate, wo sie Arbeit haben, das mögen dem Leser die nachfolgenden Zeilen zeigen, die wir einer Schilderung des Lebens der Torfstedher im Graslinger-Moos, wie sie der Bezirksarzt Dr. Schönbrod in Brück(Bayern) entwirft, entnehmen. Der- selbe schreibt: „Die dort befindlichen Hütten bestehen aus Brettern, haben vier vertikale Wände, ein nach einer Seite leicht ab- fallendes Dach, und sind außer gegen West und Nord zum Schutze gegen Wind und Wetter mit Torf- und Rasenstücken belegt. Eine solche Hütte enthält nur einen Wohn- räum,' der aber zugleich Schlafraum, Küche und Stall ist. Betten giebt es hier keine. Alt und Jung liegt bei Nacht auf einer auf dem Boden ausgebreiteten Streu von Heu und Moos. Diese Hütten sind noch im gewiffen Grunde komfortabel gegen die zweite Art von Hütten, welche die Form eines ZelteS haben, aus einem Gerüste von Pfählen und Brettern bestehen, mit Rasen- stücken vollkommen belegt sind und nur eine Seite ftei lassen, während die drei anderen geschloffen sind. Der kubische Raum, der von drei Wänden umschloffen wird, dürfte höchstens 3'/, Kubikmeter umfassen. In dieser elenden Erdhütte wohnen oft Mann, Weib und mehrere Kinder und liegt bei Nacht alles auf einem Lager bunt durcheinander.... In diesen elenden Hütten, auf diesem nach elenderen Lager kommt die Mutter nieder ohne Hebeamme, ohne jeden Bei- st and als den ihres Bettgenossen. Aber am zweiten oder dritten Tage sieht man die Wöchnerin schon wieder leichtere Arbeiten verrichten und nach acht Tagen er- innert sie nur das Geschrei ihres Sprößlings, dem sie trotz der nicht entsprechenden Kost die Brust reicht, an die statt- gehabte Entbindung." So der Bezirksarzt in seinem offiziellen Bericht. Im Winter, wenn die Erde gefroren und die Torf- fiaide mit Schnee bedeckt ist, dann sind diese Hütten natür- ich unbewohnbar. Dann geht die Familie auf die Wanderschaft. Nicht immer aber sind die Bewohner Mensch, sage ich Ihnen, so einfach und human— wir haben kostbare Abende mit einander verlebt. Das war ein famoser Fußgänger und der Arzt hatte ihm auch da« Gehen ver- ordnet. Wir marschirten also zusammen los, und zwar in keinem Paradeschritt, das versichere ich Ihnen— ich führte sogar noch dabei die Unterhaltung. Der Graf hielt es aber nicht lange aus.„Nein, lieber Rath," sagte er, wie wir eine Strecke zusammen gegangen waren, „Sie laufen mir zu rasch"— und so bog er richtig in die nächste Straße ein." Frühbach hätte sich keinen besseren Gesellschafter auf der weiten Welt wünschen können, als Fritz Baumann heute war; denn mit seinen eigenen trüben Gedanken beschäftigt, schritt er nur schweigend neben ihm her, und er hörte wohl Worte, verstand aber deren Sinn nicht, und mühte sich noch viel weniger, ihn aufzufassen. Aber auch dem Rath, so sehr er in seinen interessanten Erinnerungen schwelgen mochte, konnte die niedergedrückte Stimmung seines Be- gleiterS nicht entgehen. „Nun," sagte er nach einer kleinen Weile, indem er ihn von der Seite ansah,„was fehlt Ihnen denn eigentlich heute? Sie schneiden ja ein ordentliches Trauergesicht." „Ich komme auch aus einem Trauerhause, Herr Rath." „So? Woher denn?" „Aus Schloß Wendelsheim." „Alle Wetter," rief Rath Frühbach und drehte sich rascher nach ihm um, als er sich sonst zu bewegen pflegte, „der alte Baron gestorben?" Und unwillkürlich überkam ihn ein behagliches Gefühl, denn nach den letzten Vorgängen in Vollmers und mit dem Bewußtsein, was er dort ange- richtet und die entsetzliche Frau Müller gedroht hatte, würde er auf gar keine angenehmere Kunde haben denken können. Er sollte sich aber darin getäuscht sehen. „Nein," sagte Fritz,„der alte Baron nicht, aber der jüngste, der zweite Sohn, Benno, ist heute Morgen ver- schieden. Ich komme eben von seiner Leiche." „Hm— so?" sagte der Rath, indem er den Stock- knöpf im Gehen an seine Lippen hielt.„Also der junge Baron— schade l" solcher Hütten ein Ehepaar, das Gegentheil ist sehr häufig der Fall. Kommt der Winter, so hört für diese Pärchen daS Zusammenleben meist auf. Die„Tippelschicksel" und der„Handwerksbursche" kommen allein reisend leichter durch und vielleicht trifft man sich zum Frühjahr ja doch wieder. Wenn aber nicht, nun, dann eben nicht. Sicher aber ist, daß im Frühjahr das Torfstechen, das Ziegelstreichen, das Rübenstecken und die vielerlei anderen Arbeiten wieder los gehen, zu denen man die„Tippel- schicksel" und den„Handwerksburschen" wieder braucht. Er- frieren sie bis dahin nicht, oder ruinirt sie der Schnaps- genuß— dieses ihr einziges Labsal— nicht und entgehen sie dem Zucht- oder Arbeitshaus, dann rücken sie wieder ein in ihre Arbeitsstätten und hören für einige Monate auf, Arbeitsreserve zu sein. Wo aber bleibt bei solchen Zuständen die Heiligkeit der Ehe und die Reinheit des Familienlebens, Herr von Kleist- Retzow?_ volitische Ueberstcht. Zwischen der„Krenzztg." und dem„Reicheboten" auf der einen Keite, der„Norddeutschen" und der„Nat.- Zeitung" auf der andern, tobt seit mehreren Tagen ein Kampf um die Person des Herrn Slöcker, auf dessen Anfänge wir vor kurzem aufmerksam gemacht haben, als die„Nat.- Ztg." den Ver« such machte, diesen Helfershelfer bei der Abänderung der Ver- fassung von den nationalliberalen Rockschößen abzuschütteln. Das jetzige Kampfobjekt ist das christlich soziale Flugblatt, das im 6. Berliner Reichstagswahlkreise verbreitet worden ist, und zwar unmittelbar, nachdem Stöcker im Reichstage und Land- tage sich heuchleriich über die Ausschreitungen der Wahlagitation ereifert hatte. Die„Kreuzztg." hat die Begriffsverwirrung oder Unverfrorenheit so weit getrieben, dieses Flugblatt in extenso abzudrucken, um zu beweisen, daß es so schlimm nicht sei. Dre„Nat.-Ztg." hat ihr darauf attcstirt, und dieses Urtheil ist nur gerecht, es sei„das unwahrhaftigste und abgeschmackteste Machwerk, das man sich denken könne". Die„Norddeutsche" hat es für literarisch unanständig erklärt. Beide Blätter wußten damals noch nicht, ob Stöcker persönlich für das Flugblatt ver- antwortlich sei. Inzwischen hat er sich dazu bekannt und die „Norddeutsche" erklärt, daß dies an ihrem Urtheil nichts ändere. Dieser ganze Streit und das energische Losschlagen gegen Stöcker und die„Kreuzztg.", an dem sich auch noch andere Kartellblätter htheiligen, wäre an sich nichts Auffälliges. Es tritt von Zeit zu Zeit das Bedürfniß hervor, die mit einer ge- wissen liberalen Vergangenheit beha'teten Theile des Kartells in ihrem Gewissen dadurch zu beruhigen, daß man den Kartell- bruder Stöcker unsanft vor die Thür weist. Dieses Manöver haben wir wiederholt erlebt, es ist stehendes Reportoirestück vor jeder Wahl, und speziell die„Nat.-Ztg." holt von Zeit zu Zeit die liberale Fahne hervor und schwenkt sie gegen Stöcker. Die Ab- ficht ist leicht zu durchschauen, man verliert darüber nicht mehr viel Worte. Der Kartellbruder Stöcker geht seinen Weg ruhig weiter und er tommt auch vorwärts. Diesmal scheint es sich um etwas anderes zu handeln. Die Thellnahme der„Nord- deutschen", die sonst nur zu Wahlzwecken eingreift, weist darauf hin. Man fürchtet Herrn Stöcker offenbar als den Mann einer nahen Zukunft oder wenigstens seinen Einfluß in dieser Zukunft. Die Stadtmissionsversammlung beim Grafen Waldersee, an welcher Prinz und Prinzessin Wilhelm theilnahmcn, ist ihm noch nicht vergessen. Die damals so energisch gegen ihn in- szcniite offiziöse Kampagne mußte aus naheliegenden Rücksichten abgebrochen werden, und es wurde der famose Ausweg gewählt, daß man einige nationalliberalc Führer durch ihre Unterschrift das Stöcker'sche Werk als unpolitisch und parteilos decken ließ. Herrn S'öcker hat das nicht beirrt. Er hat den Nationalliberalen für die Unterstützung seines Werkes höflich gedankt, er fühlt sich auch gar nicht diskreditüt und bei Seite geschoben, sondern spekulirt, wie neulich sein christlich-soziales Korrcspondenzblatt ziemlich unverblümt zugestand, auf die Zukunft. Der Kampf um diese Zukunft geht hier im Stillen weiter. Herrn Stöcker für dieselbe nach Kräften unmöglich zu machen, ist der Wunsch nicht nur der liberalen Theile des Kartells, sondern auch einer mächtigeren Stelle und manches, was sich im Berliner Partei» leben in nächster Zeit abspielen wird, ist ebenso wie der jetzige durchaus berechtigte Feldzug gegen Stöcker darauf berechnet, ihn gewissen Stellen zu verleiden. Ob es wohl gelingen „Da» nationale Kapital" ist bekanntlich sehr entrüstet, wenn die Arbeiter sich international zu organisircu suchen. Wenn es aber g It, die„nationale Arbeit zu schützen, dann vergaßt das Kapital so'ort seine„nationalen Pflichten" und wird international in des Wortes s ch l i m m st e r Bedeutung; nämlich es wendet sich an die fremden Nationen, um die eigene zu unterdrücken. Es ist das eine alte Geschichte, die doch stets neu bleibt. So lassen z. B. jetzt die Leipziger Steinmetzen-Jnnungsmeister— lauter echt„nationale" Kartellbrüder— das ganze Ausland, namentlich Italien „Ja, es war so ein lieber Knabe," seufzte Baumann, der ihn ganz falsch verstand.„Armes Kind!" „Hm," fuhr der Rath fort, dessen Gedanken unter der Zeit mit ihm durchgegangen waren,„der Baron von Wendelsheim hatte nur die zwei Söhne?" „Er hat jetzt nur noch einen." „Ja, der in den nächsten Tagen die große Erbschaft macht. Sie wissen wohl nichts Näherei über die Sache?" „Ueber welche Sache?" „Nun, über die Erbschaft, mein' ich— oder über den Erben. Es wurde einmal eine Zeit lang so vielerlei er- zählt..." „Ich habe nichts gehört," sagte Fritz,„kümmere mich auch in der That nur wenig um den Stadtklatsch." „Ja, da haben Sie ganz Recht, junger Freund," lenkte der Rath ein, der wohl merkte, daß er von seinem Be- gleitcr nichts neues über diese Angelegenheit erfahren würde. „DaS ist auch genau dasselbe, was ich immer meiner Frau sage. Was hat denn aber dem jungen Baron eiaent- lich gefehlt?" „Ach, ein böses, innerliches Leiden!" seufzte Fritz. „Rettung war wohl nicht gut möglich, denn er kränkelte von frühester Jugend an. Es soll ein Herzfehler gewesen sein." „DaS ist schlimm," sagte Rath Frühbach, bedenklich mit dem Kopf schüttelnd,„das ist sehr schlimm. Da wohnte in Schwerin ein sehr auter Freund von mir— er war früher Präsident der Ersten Kammer, aber ein bischen hypochondrisch und, wie er glaubte, mit einem Leberleiden behaftet. Er behauptete nämlich stets, seine Leber sei zu groß; es war aber nicht wahr, sondern sein Herz. Oft und oft haben wir zusammen auf dem Sopha gesessen, und er hat mir von seiner Krankheit erzählt und ich ihm von ähn- lichen Fällen, die mir zu Ohren gekommen waren. Wenn man älter wird, bekommt man ja auch nach ver- schiedenen Richtungen hin Erfahrung, und ich rieth ihm damals— ich weiß es noch, als ob eS gestern gewesen wäre— wieder und wieder, er solle eine Apfelweinkur gebrauchen. Aber bewahre— er blieb hartnäckig auf seinem Kopf, und nach vierzehn Tagen war er todt. Durch nach fremdländischen Arbeitern absucheir welche ein paar Hundert deutsche Arbeiter dafür, daß sie die Ruthe der Meister nicht geküßt gemacht werden sollen. Das ist gewiß sehr �.pä wird die biederen Jnnungsmeister nicht hindern, patiiotischen Gelegenheiten nach wie vor aus den, Ausschwung" nationales Bier zu vertilgen. Ei» ergötzliche» Dementirungskunststuck „Vorwärts". Derselbe versichert, daß Nationalliberelt wenig mit dem„Deutschen Tageblatt" wie auch mit> wärts" auch nur das Geringste zu thun haben.— wohl sein. Aber das„Deutsche Tageblatt" und der find in das Eigenthum der neugebildetcn Aktiengesellsl gegangen, und in dieser Attiengesellschaft, welcher das Tageblatt" und der„Vorwärts" gehören, haben natioi Führer das Heft in Händen.„Der verchtte Herr A' Cremer," so schreibt der„Vorwärts",„steht uns na und genau so wie seit Jahren nahe". Das glauben Herrn Cremer's Persönlichkeit ist noch niemals ein für anderweitige politische Arrangements gewesen. inncrn nur an das Ende seiner Kandidatur im 5. Berlr tagswahlkreise. Die deutsche« Ge«v erknereine unter St Herrn Hirsch haben nun glücklich ihr Jnvalidenkassenst Dach und Fach gebracht. Dieses Musterstatut ist darnach und wir glauben kaum, daß Arbeiter sich auf dieser Kasse anschließen werden. Bei fünfzehnjährig� zeit sind die Leistungen und Beiträge folgende: Beitritt bis zum für eine Rente oder für ein vollendeten' von wöchentlich 30. Lebensjahr 2,25 M. 40.„ 2,25„ 45.„ 2,25„ 50.„ 2,25„ Es beträgt demnach die tägliche Unterstützung ein würdiges Gegenstück zu der in Ausficht stehende» invalidenunterstützung.— Verschiedene Bestimmung� Statuts, auf welches wir nicht näher eingehen wl"" übrigens so streng, daß wir die Einwilligung der kaum für möglich halten. Eegrn da» Alter»versorgu«g»-Program« gierung hat sich der Referent des Nautischen Vereins, anmalt Dr. Hübner in Hamburg, in einer Denkschrift Eine eigentliche Jnvalidilätsrente werde von Seeleuten verlangt werden können. Bis zum vorgeschriebenen" jähre bleibe kein Matrose im Dienst. Ein alter Me ein alter Postillon gehören schon nach dem Sprichwort größten Seltenheiten. In den meisten Fällen werdeF»j mann sich, wenn er eine Zeit lang gefahren habe, eW', erübrigt haben, mit dem er sich einem anderen Erwewj Kapital von 1000 M. %: 700 welche Güte "nb die be beant, (k&u jf« sämmtl Ikfonder' # Prodr ä: N J' im 51«, yffße Hanf .folgende B -M # Arbetterv 'meMm0 Pr V" den( ge mit Crgamiafi ' der Sei «enommer M M tSi- dfilfif *ie -l5er wurde ferner der Modus der Erhebung der dem Min Fehlen der Fürsorge für Wittwen und Waisen und»»»tl Mhann Svcr schwache Punkte Der Gmndlagen besprochen und'®.™Ochet mit I die Anficht ausgesprochen, daß für die vorgeschlagen«> jK»,"0eordnung, rung vom Standpunkte der Seeschifffahtts-Jntereffen fjf �Ministen deres Bedürfniß nicht so vorliege, wie vielleicht be> Berufs zweigen. Gegen da» G-ld Sqndikat der deutschen scllschaft für Südwestafiika" wendet sich ein Artikel � zcitung" mit dem Bemerken, daß dasselbe keine Anzw auf andere ausüben könne. Die„Kreuzzeitung' gleichzeitig das Gerücht, daß noch eine andere deun schaft zur Ausbeutung der angeblichen Goldfunde> dung begriffen sei. Nach der„Boss. Ztg." ist von dikat zunächst ein Herr Franken, der früher im DW] itüderiy stand und auf dem Gebiete von Angra P war, als Geschäftsführer mit dem Sitze in Wal" nommen worden; sodann wird sich nächstens der i Mundtscheidt aus Attcnbahum nach Südafrika bcg Auftrage des Syndikats nach den Metalllaaern zu das Goldsyndikat find bisher nur 300000 M. aufgf den. Es soll ein neuer Entwurf einer kaiserlichen zur Regelung des Abbaues der Goldlager fcrtiggcst� Don der russtschcn Grenze. In unserer meldeten wir aus Oberschlesien, daß neuerdings die"' deutscher Privatbeamtcr aus Russisch-Polen miedrt Umfang annehmen. Gleiches wird aus Bodject� Radom, unterm 20. Februar geschrieben: Einige., Verfügungen der russischen Behörden rücken die ftie, sichten der hiesigen Regierung in helleres Licht. Dw neuen Verfügungen betrifft diejenigen Ausländer- Diensten russischer Staatsangehöriger stehen, und' selben auf, binnen 24 Stunden außer Dienst zu ttem, diesseitige Staatsgebiet zu verlassen. Den im Jll" diensteten ausländischen Beamten ist diese Vers zugestellt worden, in unserem Kreise(Lpatow) soll, der Krcisbehörde in den nächsten Tagen veröffemm Femer werden neuerdings eingehende Erhebungen 0 <.�myierr M Sverdr �en Sethe Otttreten z» Jra wird nu iMten Li «fe r 1 D den Apfelwein wäre er vielleicht zu retten 0' hätte ihm das Herz zusammengezogen." Sie erreichten jetzt die Stadt, wenigsten» Häuserreihen der Vorstadt, wo noch ziemlich vw und Ställe zwischen Wohngebände» standen: o* zählte aber immer fort. Jeder Gegenstand, ob e Ochsen im Zuge, ein von einem Dache gefallene- ohne Maulkorb herumlaufender Hund, ein vor der� gebliebenes Faß, kurz, was auch immer war, er � Erinnerung an Schwerin daran, und Baumann Gesellschaft endlich lästig. Er hatte sich auch{ nommen, unter irgend einer Entschuldigung an Seitenstraße einzubiegen, als gerade, wie er FL Rath verabschieden wollte, der Staatsanwalt 2. j, Ecke bog und auf Frühbach einlcnfte. Er han m Shnei Augenblick auch jedenfalls nur ihn erkannt� � „Ah, mein lieber Rath, sehr erfteut,. — habe Sie schon in der ganzen Stadt wie ewe gesucht!" „Püch?" fragte der Rath verwundert, den» er gewöhnlich auf der Suche. m' Fritz Baumann war bluttoth geworden, � Staatsanwalt bemerkte, und wollte sich m i)' bcugung tntfernen. Aber jetzt erkannte Witte ss"1" sagte, indem er ihm die Hand enigegenstteckte- jjf „Herr Baumann, entschuldigen Sie, 7„if unfern Rath so fest auf dem Korn, daß ich gar. feinen Begleiter achtete!" Sein Blick traf h'� jungen Mannes und der herzliche, derbe%* bewies diesem wenigstens, daß der Vater hege als die Tochter— und wie dankb» dafür! � A Sie "9 weg« # "4?_ S is Ü Sf4| der Oberfläche herumschwamm und Blasen si�% Begrüßung der beiden Herren eine form, und er sagte denn auch,®atart &£• M Und er„tun uuty,*" atc „Aber was wollten Sie vonmir? Baumann— Adieu, auf Wiedersehen. junger Mann, der Baumann, wie?* b suchen ?eiter z«[ ekußt havchs : f,patr' hlndem, M nststLck ionallibcral! uch mit aben.— ind der� tiengesellsl elcher bai ben notioi c Herr A> uns nach glauben nals ein gewesen. n 5. Berlii mter Lei lenkassensta atut ist, c sich auf i zehnjährig de: i ein w» ff rstützung 32 t stehenden 9eflimmun8f»| gehen rot"" ung der eogram» en Vereins, Denkschnfi > Seeleuten riebcnen'f. alter Matu i Sprichwon en werde» % habe, eta� Deren Erw� nicht untcw�I welche Güter sich in Händen ausländischer Ansiedler und die betreffenden Besitzer aufgefordert, ihre?tatu- iu beantragen oder sich innerhalb dreier Jahre ihrer lwer zu entäußem und das russische Staatsgebiet zu - Endlich ist den Ortsbchörden die Weisung zuge- bei sämmtlichen Gutsbesitzern und Ackerwirthen ihrer W, besondere Nachforschungen darüber anzustellen, wie erde, Mehl, Futterstoffe rc. sie bereits vorräthig haben ««viel sie davon noch zu gewinnen gedenken; es verlautet . b für jede einzelne Äirthschast eine bestimmte Menge der "wen Produkte festgestellt werden solle, welches nicht werden dürfe. ?»>»», 24. Februar.(„Franks. Ztg.") Hinsichtlich der W zur Alters- und Jnvaliden-Vcrsorgung der Arbeiter hiesige Handels- und Gewerbekammer in ihrer gestrigen folgende Beschlüsse gefaßt, welche neben dem sächsischen um des Innern auch dem Bundesrath und dem Reichs- Mnbreitet werden sollen. In voller Anerkennung der Ewigkeit der geplanten Maßnahme spiicht sich die Kammer >-tierfichcrungszwang aus und erklärt, daß sie eine allge- Arbeiter-Wittwen- und Waisenverficherung für ebenso w'g erachte. Da aber eine gleichzeitige Durchführung "n im Allgemeinen auf große Schwierigkeiten stoßen, euch die Industriellen gar zu sehr überlasten würde, so 0>e Kammer für geboten, diesen weiteren Ausbau der Arbeiterverficherung späterer Regelung vorzubehalten. Ehrung der Altersrente neben der Invalidenrente hält Wrer im Prinzip für richtig, jedoch vermag sie derselben "l, in den Grundzügen aufgestellten Bedingungen eine Wunsche Bedeutung nicht zuzuerkennen. Den Vorschlägen Aufbringung der Mittel stimmt die Kammer ebenfalls zu, /Ü sie der Meinung, daß die Errichtung von Verfiche- ollen mit territorialer Abgrenzung im Anschlüsse Organisation der Krankenkassen und unter Bei- i der Selbstverwaltung, der in den Grundzügen in Senommcnen Ausführung durch die Berufsgenossen- »vorzuziehen sei. den 26. Februar 1886. Der Feilenhauer . Heinrich Julius Werner aus Oppeln, welcher auf Sozialistengesetzes am 1. Fcbmar d. I. aus Leip- llmgegend ausgewiesen wurde, ist auch am 25. d. M. �urtz, woselbst er sich seit dem 13. Februar aufgehalten, sio der§§ l und 2 des sächsischen Landesgesetzes vom 1886 ausgewiesen worden. Werner wurde am 3; wegen Vergehen gegen§ 19 des Sozialistenge, Verbindung mit§§ 128 und 129 des R.-Str.-G. zu oten Gefängniß verurtheilt, womit die Polizei, Lomnitz die Ausw.isung begründete. Der Regierungspräsident von Arnsberg verbietet » di .-& w» °oner Freie Presse". "•r— AHB. Schweden n«d Norwege«. rsicherung,' e btet Vertreter der„reinen Linken" im nonve�ischen lenießen k�r�um, die Staa der Staatsrathe Astrup, rm Arctander und Kildal, . JfrAifci diia v"v XX W4uui»iuiyc mvuwwcr unv-VW» • slick v vtnk Ministerum ausgetreten, weil der Ministerpräst. en und vi JE Hann Svcrdrup sich weigerte, seinen Neffen Jakob Sver Hm und mit seinem Gesetzentwürfe, betreffend die kirchliche weschlagen-L' eordnung, eine parlamentarische Niederlage erlitten hat, Interessen � J�tnisterium zu entfernen. Die„reine Linke", so er- elleicht bei'Evv h. Sv�drup der„Voss. Ztg." zufolge, habe unter den ®e'1 Verhältnissen keinen Anspruch darauf, in der Re- 'utschen � vertreten zu werben, und der Führer der radikalen Oppo- r Artikel iB'M� lorthjngsprtifident Stcen, der auch den Arbeitern das eine Anzk°ZM ewt geben wolle, könne niemals Minister werden, da tzzeitung entschiedenen Widerstand beim Könige stoßen werde. ldere deuv�H, vh wird nun versuchen, die Regierung aus Mitgliedern -ldfunde'L&n vWen Linken, den sog. Oftcbalcrn, zu ergänzen. Diese . liberale Mittelgruppe des Storthings, find 20 bis imDienfyMii einiJ'atf, erhalten jedoch bisweilen einen kleinen Zuwachs Wilden, in Norwegen„Nomaden" genannt, die n WnlsiKMß:� vJ1 Rechten, bald mit Iben Moderaten stimmen. Die 1s der% bis 81 Mitglieder und die„reine Linke" 32. nka oegfPUT chsten A der parlamentarischen Lage ist wohl vor den nicht zu erwarten. serlichen Ueber, Frankreich. B" lliiitn bi. drohende Klippe der Geheimgelder ist das Mi- «en. ß"5�fltfommen; es hat seine Gehcimgelder bewilligt heil der Rechten und der radikalen, ja selbst nserer I Bodz» nZ m -cht. lusländek,� en, und t"# fe Verfn 'Sfe ebungen 0 retten ge� enigstea» mlich iden; dtt nd, ob et. war,-r kn' !aumann , auch &. Er hatte nnt. it, daß ich t wie eine ün? Linken hat"im" letzten Augenblick Bedenken de- auf Verantwortlichkeit für eine neue� Mimsterkrise brg'o"..nehmen wollen. Ein Hemer«mir, den die Ate. ersonnen, hat nicht verfangen. Pradon gelber erst zu beschließen, wenn der edigt ist. Der. Zweck dieser Ver- ..an wollte Each haben, dann konnte das Ministerium we, üh..'":'."""ii""""' M-wm..„ hbria. J01' Gehcimgelder erst zu beschließen, wenn der i Aar ,,,???f�lag erledigt ist. Der Zweck dieser Ver- .Dach llHtbar. Man wollte das Staatshaushaltsgesetz i v der aiir,.0 Fach haben, dann konnte das Ministerium " 3chch über die Geheimgclder gestürzt werden � den 4 l Dirard's, voraussichtlich Floquet, hatte sich �sziifp). einer Berathung des Staatshaus- ibw'' vlt Regierung verstand diesen Schachzug .' tndem sie sich der Vertagung widersetzte und W 'en nach? nickte und sah sinnend dem Davon- Beesen a',et Frage des Raths war doch zu : Untel v unb sich wieder an diesen wendend, indem ste tt. n 9fr« nahm und die Straße hinabführte, ... habe sa- was ich gleich sagen wollte, den br«nf�"�te vergeblich gesucht; ich war zweimal wiederholte Frühbach, und Frau A, ,n all' ihrer Entsetzlichkeit leibhaftig vor ihm. SStSanJi' f®urer fatalen Geschichte wegen," bestätigte * m cv. all;„er war aber nirgends anzutreffen, und " �sinen kam, hieß es ebenfalls, Sie wären über »«».'.Ä wohl, bester Staatsanwalt, meiner .ert, den" worden, � if �? W n r»Vb7Btn r" 1 �ieVÜ'ri�4 einerlei, und die Hauptsache bleibt, "KaT�.habe." HjÄ toerhe �"�e.9ar"icht—" «ist b.«, m nicht lang zappeln lassen. Sie waren � Major in Vollmer«, wie?" �ch, ja doch— ich erinnere mich jetzt." (Fortsetzung folgt.) n di-s-w blichA T ti % Amtst und jeden. In Kabul, so schreibt die indische . b, wird noch alle drei Monate ein Sl.lü�noc� uuc-fc'vv..v«.v.... 'i ob��'e 2)�15' Die Sklaven kommen zumeist von iA .Unb w Rupien h; ber Spanne de- Hand mißt und \,L. fohvPQuchfeer, Spanne. Dagegen werden die von I fen. �a>ankt. Uebrigens dürfen nur Mahomedaner die Vertrauensfrage in aller Form stellte. Tirarv erklärte, er lasse sich die ihm bereitete Lage nicht länger gefallen. Jeden Tag kündige man den Tod des gegenwärtigen Kabinets an. Man bezeichne offen seinen Nachfolger. Die Regiemng wolle nicht länger als eine vorübergehende, einstweilige, mit Mühe ge- duldete, bestehen, der man das Dasein tagweise zumesse. Nach dieser Rede bewilligten ihm(wie schon gemeldet) 248 gegen 220 Stimmen die Geheimgelder im Betrage von 1 600 000 Franks. Damit war für heute die Ministerkrise verhütet. Aber auf wie lange? 248 Abgeordnete sind noch lange nicht die Mehrheit der Kammer, mit Mühe und Roth sind sie die Mehrheit der Republikaner. Die Abstimmung hat also die Lage des Kabinets nicht geändert und das Dasein desselben hat nicht aufgehört, jenes„vorübergehende, einstweilige und mit Mühe geduldete" zu sein, über das Tirard fichmit Recht so beweglich beklagte. Sein Schicksal ist nach wie vor in den Händen der Rechten und äußersten Linken und schlechter als in diesen Händen kann es nicht aufgehoben sein. Grotzkritanuie«. Die Adreßdebatten deS englischen Parlaments haben in allen Theilen die Richtigkeit dessen bestätigt, was wir vor 14 Tagen über die Stellung Englands zu den kontinentalen Wirren gesagt haben. Den Engländern fällt es nicht ein, sich nach irgend einer Richtung hin zu binden, oder gar, wie das naive Bierphilister vermeinten, der sogenannten Friedensallianz beizutreten. England folgt einfach seinen Interessen, und seine Interessen erheischen dem sogenannten Friedensbund gegen- über unbedingt die Politik der„freien Hand". Richtete der- selbe sich einfach und einzig gegen Rußland, so würde England sicherlich keinen Moment angestanden haben, Vierter im Bunde zu werden. Allein der sogenannte Friedensbund hat eine zweite Spitze, und diese richtet sich gegen Frankreich. Daß aber Frankreich durch eine— sagen wir Heilige Allianz— nieder- geworfen werde, das liegt unter keinen Umständen im englischen Interesse. So weit Deutschland Front macht gegen Rußland, kann es auf die„moralische" Unterstützung Englands rechnen; und unter gewissen Voraussetzungen auch auf die materielle. An ein solches Frontmachen ist indeß nach der letzten Rede des Fürsten Bismarck vorläufig nicht zu denken. Und sollte Deutschland im Fall eines Kriegs mit Rußland von Frankreich angegriffen werden, so hätte England immer noch kein Interesse, Frankreich anzugreifen. Würde jedoch Oester- reich von Rußland angegriffen, so könnte der Zweck dieses An- griffs nur der sein, den Russen die Straße nach Konstantinopel zu öffnen und England würde, verbündet oder nicht verbündet, sich auf Seiten Oesterreichs zu schlagen haben, wie das traditionelle englische„Interessen Politik" ist, namentlich traditionelle Torypolitik. Und träte diese Eventualität ein, so könnten wir sehr leicht eine Tripleallianz England-Oesterreich- Italien erleben— oder richtiger eine Ouadrupelallianz, denn die Türkei wäre auch dabei. Nimmermehr kann aber England die ihm von unseren chauvinistischen Bierpolitikern zugemuthete Rolle eines europäischen Schutzmanns gegen Frankreich über- nehmen. In den drei Staaten, welche den sogen. Friedensbund bil- den, stecken zu verschiedenartige Interessen, als daß eine Ha* monie mit den englischen Interessen möglich wäre. Wer weiß, vielleicht bringt die nächste Zukunft uns schon ganz neue Interessengruppen und ganz neue Allianzen. Im Augenblick, wo die französische Republik sich klipp und klar von dem Gedanken des unnatürlichen Bündnisses mit dem russischen Despotenreich lossagt, und sich scharf und fest als Feind des kosackischcn Europa bekennt, ist die verwirrte politische Lage mit einem Male geklärt, und der einzige Friedensbund, der diesen Namen verdient, kann geschloffen werden: der Bund des nichts kosackischen Europa gegen das kosackische. Italie«. Es wird berechnet, die afrikanische Expedition koste Italien augenblicklich tätlich über 600 000 Lire; um von Monkullo bis nach Sahati vorzudringen, habe der Generalslab nicht weniger als 67 Festungswerke angelegt. Indessen scheint die Thätigkeit des Oberkommandanten mehr eine politisch- diplomatische und admini- strative, als wirklich kriegerische zu sein. Die Italiener setzen große Hoffnungen auf den Abfall gewisser Stämme vom Negus und auf den Beistand dieser Apostaten. So freut man sich, daß der Stammeshäuptling Dedschasmal sich dem italienischen Kom- mando mit 700 Mann zur Verfügung stellt. General San Marzano wird diesen vornehmen Abessynicr mit Munition ver- sorgen. Auch die der Armee des Königs von Godjam, eines Vasallen des Negus, von den Derwischen des Sudans bereitete Niederlage hat die Hoffnungen der Italiener gesteigert. Die Derwische sind neuesten Nachrichten zufolge in Denbea und Gondar eingefallen. Indessen hat der Hadab Häuptling Kantibay Ailet besetzt, und ein andererÄundesgenosseJtaliens, der Häuptling Adam Aga, bemächtigte sich Ambatokavs und Baresas. Debet, der tapfere, im Dienste Italiens stehende Bandenführer, hat mit seiner von Affaortincrn verstärkten, mit Remington- Gewehren bewaffneten Bande die abessynische Grenze überschritten und sich auf Digsa geworfen. So sind die Abessynicr auf allen Seiten bedrängt. Auch Ras Alulah ist in der Person des Urber die Hoangho-UrbrrschMrmmungr« schreibt man aut Shanghai:„Amtliche Nachrichten über den durch den Hoangho angerichteten Schaden, besonders auch in der Provinz Kiangsu liegen nicht vor. Nach chinesischen Zeitungsangaben soll inzwischen ein zweiter Damm- bruch, wenn auch in geringerer Ausdehnung, rn der Nähe des ersten stattgefunden haben, und an der Wiederherstellung der Dämme an dem früheren Bette des Hoangho gar nicht zu denken s.in, da trockene Erde oder sonstiges Material auf 20 Kilometer im Umkreise nicht zu beschaffen sei. Während einzelne der chinesischen Blätter auf die Nothwendigkeit hin- weisen, den großen im Tieflande angesammelten Wassermassen möglichst schnellen Abfluß zu verschaffen, diskutiren andere ganz emsthaft den Plan, die ganze Bevölkerung der überschwemmten Distrikte, welche sich allerdings in einem entsetzlichen Zustande der Noth und des Elends befinden soll, nach anderen wenig bevölkerten Gegenden zu versetzen, und das Verschwinden des Wassers der Zeit zu überlassen. Bestimmte Beschlüsse find seitens der Regiemng bis jetzt nur in Betreff der Ableitung des Wassers nach Süden und Osten gFaßt worden." Da» Sinke« der Anden. Aus den Beobachtungen, die von den wichtigsten Punkten der Anden aufgenommen worden sind, ergiebt sich, daß die Höhe derselben allmälig ab- nimmt. Die Stadt Ouito, die im Jahre 1745 9596 Fuß über dem Meere lag, hatte im Jahre 1803 eine Höhe über Meer von 9570 Fuß, im im Jahre 1881 e ne solche von 9567, im Jahre 1867 kaum noch 9520 Fuß. Die Meereshöhe von Ouito hat demnach in einem Zeitraum von 122 Jahren um 76 Fuß abgenommen. Tie Höhe des Pic Pichincha hat während der- selben Zeit um 218 Fuß abgenommen, und sein Krater ist in den letzten 25 Jahren um 425 Fuß niedriger geworden. Die Höhe des Kraters Antisana hat in 64 Jahren um 165 Fuß abgenommen. Ein schreckliches Ereignis wird aus Beaufort, Graf- schaft Killarney, in Irland berichtet. Dort ist die ganze Familie eines Farmers'Namens Doyle, bestehend aus Frau und fünf Kindern, plötzlich wahnfinnig geworden, während Doyle selbst kaum zurechnungsfähig zu sein scheint. So weit aus seiner etwas unzusammenhängenden Erzählung zu entnehmen ist, wurde die Frau in der Nacht vom vorigen Sonnabend zum Sonntag von der Einbildung ergriffen, daß ihrem Hause schweres Unheil widerfahren würde, so lange ihr drei- zehnjähriger schwachfinniger Sohn am Leben bleibe. Sie schlug den Jungen, der ganzlich hilflos war, mit einem Beile todt und warf seinen Leichnam in den Hof, wo er von adessynischen Deserteurs, des Stammeshäuptlings Mangascha, ein neuer Feind erwachsen, der sich in die Dienste Italiens ge- stellt. Hält man all' das zusammen, so konn man die Lage deS Negus nicht allzu rosig finden, und es giebt hier in Rom Viele, die nunmehr einem entscheidungsvollen Schlage auf dem afri- kavischen Schauplatze für die nächsten Tage mit Spannung ent- gegengesehen. Freilich sind die leitenden Staatsmänner Italiens auch von der europäischen Lage nicht wenig in Anspruch ge- nommen. Wenigstens heißt es, der Marineminister habe einer Firma in Ancona die Lieferung von 13 000 Matrosen-Hänge- betten und-Jacken aufgetragen, und ebenso habe das Kriegs- Ministerium große Bestellungen von Schuhen, Decken u. s. w. gemacht. Ueberdies seien strenge Befehle ausgegangen, die den Zutritt zu den Arsenalen und den Forts nur gegen besondere Erlaubniß des Kriegs- oder Marineministers gestatten, beziehungs» weise der Befehlshaber der See- und Landdepartements, wobei jedoch diesen die volle Verantwortlichkeit zufällt. Afrika. Vom oberen Kongo(Mitte August) wird gemeldet, daß die Araber von den Stanley-Fällen aus das ganze Gebiet durch Brand, Mord und Wegschleppung der Einwohner in Schrecken gesetzt haben; auch das von Stanley errichtete Lager von Bambuya war von(ihnen wiederholt angegriffen worden, aber Major Bartelot hatte alle Angriffe siegreich abgeschlagen. Die von Tippo-Tipp fest versprochene Karawane war nicht ein- getroffen, so daß die von dem Dampfer„Stanley" mitgebrachten Vorräthe und Mannschaften Stanley nicht nachgesendet werden konnten. Am 15. August verließ der Dampfer Arewhimi und seitdem soll von dort keine Nachricht mehr eingetroffen sein. Auf telegraphische Anweisung von Brüssel aus ist nun, der„Voss. Ztg." zufolge, der General-Gouverneur des Kongostaates ersucht worden, zu veranlassen, daß die am 19. Dezember von Boma aus abgesandte militärische, für die Fallstation bestimmte Expe- dition vor ihrer Fahrt nach den Fällen das Lager von Bambuya besucht und über die dortige Lage auf schleunigstem Wege Berichte nach dem Pool und Boma gelangen läßt. Seit 13 Monaten fehlt der Kongoregierung jede Nachricht von dem oberen Kassai, von der Station Luluaburg, den dortigen bel- gischen Offizieren und Mannschaften. Auch jede Kunde von dem Kapitän van Göle fehlt. Derselbe hat im Oktober mit dem Lieutenant Lirnart auf dem kleinen Dampfer„En avant" die Aequator- Station verlassen, um den Ubangi, den großen Zu- fluß des Kongo, zu erforschen, seinen Lauf so weit wie möglich zu verfolgen und seinen Ursprung festzustellen. Seitdem ist auch er verschollen; auch in der Aequator-Station weiß mar» nichts von ihm. vereine und Versammlungen. � Der Derein Kerlwer Buchdrucker«»- d Schrift» gieffer hielt am vergangenen Sonntag in den Gratweil'scheir Bierhallen eine zahlreich besuchte außerordentliche Vereins» Versammlung ab, um über den event. Fortbestand der Invaliden» sowie Reise- und Arbeitslosenkasse zu berathen. Der Vorfitzende verlas zunächst eine Antwort des Staatsministers von Böttichev an den Vorstand des Unterstützungsvereins, worin derselbe er- klärte, daß er, angeregt durch ein Mitglied des Reichstags, aus- geführt habe, daß die Jnvalidenkaffe der Buchdrucker den rech- nerischcn Nachweis ihrer Lebensfähigkeit nicht erdringen könne. Es würde ein dreimal so hoher Beitrag nöthig sein. Er habe nicht die augenblickliche Zahlungsfähigkeit, sondern die dauernde Leistungsfähigkeit der Kasse im Äuge gehabt. Im übrigen werde er hei passender Gelegenheit auf den Gegenstand im Reichstage zurückkommen. Redner empfahl, einen letzten Versuch zu machen und das von dem Gau Hannover ausgearbeitete Invaliden- kassenstatut(welches, wie wir schon mitgetbeilt, die Beiträge erhöht und die Karrenzzeit verlängert) der Regierung zur An- nähme vorzulegen. Dem gegenüber erklärten mehrere Mitglieder, daß es unmöglich sei, die Kasse in der Weise, wie sie jetzt be- stehe, zu erhalten, und auf eine Aenderung des Statuts nicht ein- gehen zu wollen. Der Buchdrucker-Unterstützungsverein sei kein Versicherunas-, sondern ein humanitärer Verein. Jedes Mit» glied sei bestrebt, seinen Kollegen auf der Reise u. s. w. zn helfen, ohne die Absicht zu haben, selbst Gebrauch von diesen Kassen zu machen. Der Unterstützungsverein habein den Jahren 1876-1886 die Summe von 1200000 M. für Reife» und Arbeitslosenun terstützung ausgegeben. Fasse man die Nichtbezugsbercchtigten ins Auge, welche im Laufe dieser zehn Jahre ebenfalls unterstutzt worden seien, so er- gebe sich eine Summe von zirka zwei Millionen Mark. Nachdem die Regierung uns über zehn Jahre habe wirthschaften lassen, seien wir auf einmal nicht mehr Humanitär. Die Hauptsache sei wohl die, daß wir den Prinzipalen zu mächtig geworden. Der Staat wolle ein christlicher sein, für die Wohlthätigkeit jedoch, die auf rechnerischer Grundlage be- ruhe, müsse man danken. Man erklärt uns für einen Streik- verein, und doch seien wir nur bemüht gewesen, den mit derr Prinzipalen vereinbarten Tarif aufrecht zu erhalten. Vom Jahre 1876 bis jetzt sei für diese Tarifzwecke die Summe von 250 000 M. ausgegeben worden. Wir sollen für noch nicht den Schweinen gefressen worden wäre, hätte ihn nicht ein Hund gegen die Thiere beschützt. Jetzt fiel die Frau mit ihren drei Töchtern und ihrem 22 jährigen Sohne auf die Knie unk» alle fingen an zu beten und die„bösen Geister" zu beschwören, die ihrer Meinung nach in dem Hause umgingen und von denen sie alle besessen zu sein glaubten. Der Sohn sagte, er sei am«Himmelsthor" gewesen, aber nicht eingelassen worden, und er sowohl als seine jüngeren Schwestern forderten ihr.n Vater auf, mit ihnen zu beten und„gen Himmel zu fahren". Zuletzt geriethen die Unglücklichen in eine förmliche Raserei, fielen einander an und würden sich ermordet haben, wären sie nicht. von der Polizei überwältigt und nach dem Jrrenhause abgc- führt worden, wo sie sich noch jetzt befinden, während Doyle verhaftet und in Killarney vor Gericht gestellt wurde, wo er oben beschnebene Vorgänge schilderte und hinzufügte, seine Töchter Julia und Mary hätten schon am Freitag angefangen zu beten und behauptet, sie seien im„Himmel" gewesen. In diesem Zu- stände befanden fie sich den ganzen Sonnabend, wo auch seine Frau und die anderen beiden Kinder von Halluzinationen er- griffen wurden, die schließlich in dem Morde des schwachsinnigen Knaben und in offener Raserei endeten. Sie forderten ihn auf, mit ihnen zu beten, und als er dies nicht konnte, behaupteten fie, er müsse etwas Böses degangen haben und würde nie in den Himmel kommen. In dem Hause wurde der stark in Ver- wesung übergegangene Kadaver einer Ziege gefunden, von deren verwestem Fleisch die Leute Tage lang gelebt hatten und dem Genuß dieses verdorbenen Fleisches wird der plötzliche Ausbruch des Waynfinns der Unglücklichen zugeschrieben, die jetzt im Jrrenhause keine Nahrung zu sich nehmen wollen und Tan und Nacht bewacht werden müssen, damit sie sich kein Leid anthun. eines der Großwurdentrager am türkischen Hofe, Hamdi Pascha, wurde eine strenge Untersuchung angestellt, die schließlich zur Verhaftung eines aus Malta stammenden Apothekers führte. Derselbe unterhielt schon seit geraumer Zeit mit einer Odaliske des Harems zärtliche Beziehungen, und von wahnsinniger Eifer- sucht gegen den Pascha gequält, wußte er seine Geliebte zu be- stimmen, diesem ein Pulverchen in den Morgentrunk zu schütten. Durch ernen Eunuchen, der die heimlichen Zusammenkünfte des Paares begünstigte, kam dre Geschichte an's Tageslicht, und der lpotheker wurde verhaftet. Mit der Odaliske verfuhr man grausam nach türkischem Brauch: Sie wurde in einen Sack ge» naht und in s Meer geworfen. Geborene 8 Millionen Mark für. Jnvalidenzwecke sparen, wäh- rend der Staat gerade umgekehrt durch seine Anleihen der späteren Generation bedeutende Pflichten und Lasten auferlegt. — Die Versammlung erklärte fich mit diesen Ansichten einver- standen und beauftragte die Delegirten zur Generalversammlung, dahin zu wirken, daß, wenn die Jnvalidenkassc in jetziger Gc- stalt nicht erhalten werden könne, eine Liquidationskommission gewählt werde, welche mit den vorhandenen Invaliden abrechnen möge. Ferner, da einzelne Zweige des Unterstützungsvcreins als unter das Versicherungsgesetz fallend betrachtet würden, möge die Generalversammlung den Unterstützungsverein auf- lösen, die Humanitären Leistungen unter genauer Angabe der Ziffern der Oeffentlichkeit übergeben und ernen neuen deutschen Gewerkverein gründen. Der Gefangverei« KorbeerKran? veranstaltet seinen diesjährigen Wiener Maskenball am Sonnabend, den 3. März, im Etabliffement Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117. Entrce .50 Pf. Anfang 8 Uhr. BiNets sind zu haben bei den Herren G. Rühlicke, Pctristraße 8; A. Grühn, Rheinsbergerstraße 61, v. 2 Tr.; F. Hartwig, Langestraße 44, Hof 2 Tr.; F. Hermer- schmidt, Koppenstr. 92, H. Qug.; H. Hoffmann, Reichenberger- straße 62, vorn 4 Tr.; F. Langmeier, Friedrichsbergerstraßc 4, H. 2 Tr.; F. Hübner, Gollnowstr. 12, vorn 2 Tr., bei Otto. Fachverein der Tischler. Mittwoch, den 29. Abends 8t Uhr, Versammlung in Gründer's Salon, Schwerinstr. 26. Tagesordnung: 1. Der Maschinenbetrieb im Tischlcrgewerbe. Referent Herr Millarg. 2. Verschiedenes und Fragekastcn. Reue Mitglieder werden aufgenommen. Grffentlicher KortraA. Der praktische Arzt und An- staltsvorstand Dr. med. C. Sturm wird heute, Dienstag, im Saale des katholischen Vereinshauses, Niederwallstr. 11, über „Nervenschwäche und Blritarmuth" einen Vortrag halten. An- fang Abends 8t Uhr. Damen wie Herren haben Zutritt. Gesellschaft für Uertretung van Kunftverftändniff. Heute Abend 8 Uhr, Versammlung in den„Arminhallen", Kom- mandantenstraße. Vortrag und Diskusston. Gäste haben Zutritt. U er band deutscher Zimmerlente. Lokalverbanb. Ost". Mittwoch, den 29. Februar, Abends 8; Uhr, lung in Horstmann's Lokal, Frankfutter Allee 127. nung: 1. Die Anträge zum diesjährigen Handwerkes' Aufstellung zweier Kandidaten zür Telegittenwahl. eines ersten Vorstehers des Arbeitsnachweises. 3. Wiek wir das Geld für unsere Kommission? 4. Verschied«»» s Fragekasten. Uerein ,«r Mahrung der Interefle« der ardriter. Der diesjährige Wiener Maslendall des findet am Sonnabend, den 10. März er., in den Säle«! „Philharmonie", Bernburgerstraße 22a— 23, statt. » 60 Pf. sind zu haben bei: H. Nagel, WienerftaD 3 Treppen; G. Hahn, Lübbenerstr. 13; F. König, Kl. A>>> straße 5; Mahnke, Pücklersttaße 15, 3 Tr.; Wintzer,,' straße 78; im Arbeitsnachweis bei K. Psister, sowie bei I liehen Vorstandsmitgliedem. An der Kasse werden keine- verkauft. B 50 Vm S" llrlaubsgl Theater. Dienstag, den 28. Februar. VpKinrhous. Der Trompeter von Säkkingen. f chus'Kielban«. Ein Wintermärchen. «sttsche. Theater. Galeotto. WsedSuer- Theater. Ein toller Einfall.— Der Mizekado. Geutral-Ttzeater. Die Himmelsleiter. WrliedrU,- Withelmstädtisches Theater. Die Dreizehn._ WAeteria-Theater. Die Reise um die Well in 80 Tagen. Vfteud-Theater. Der Mikado in Berlin. Uestdeuz-Theater. Franeillon. KsSsallwucr-Thrater. Die Salontirolettn. Mathalla-Uheater. Giroll�-Giroll». KSutgstadtische» Theater. Das lachende Europa. Kwerirau-Theater. Spezialitäten-Votttellung. Kaucheur»«» Uari SrMajestätdes Kaisers and sH % PrötEctorafe detDtofitli«1 „KchützenUsl". Gesangsposse Kouplets von in 4 Akten von Leon Treptow. G. Görß. Musik von G. Steffens und Franz Roth. Lisi: Bert» Fetdau. Hedwig: Olga Dworak. Asta: Clara Helmer. Liese: Hota Lid. Felix: Hugo Haaokerl. Franzi: Adolph Kratx. Max: Paul Barthold. Stöpsel: Dir. Adolph Ernet Kassen-Eröffnung 6j Uhr. Anfang der Vor- stellung 7 t Uhr. Im 4. Akt: Fra- cUlon-p- rodle, vorge- tragen von Kerta Fetdan und Dir. Ad. Erna.\ Fachverein sammtlicher im Drrchslergewerk beschäftigten Arbeiter Kerlinv. z? Versammlung% Aente! Dienstag, Abends 8t Uhr, Heute! in DeigmLller'o Salon, Alte Jakobstr. 48». Tages-Ordnung: Vottrag über:„Die endglltigen Ziele der ae- wcrkschaftlichen Organisationen der deutschen Ar- beiter in der Jetztzeit", unter besonderer Berück- fichtigung der„Geschichte der Arbeileragitation Ferdinand Lassalle's." Diskusston.— Gäste haben Zutritt. 452 Der Vor st and. 1 halbe Looae U Mark Dritte Marienburger GELD-LOTTERIE ■ Ziehung am 17., 18. und 19. April 1888 unter Aufzieht der Königlichen StaatareglerunS Nur Geldgewinne: Verein der Sattler u. Fachgen. Wiener Maskenball am Honr ab» d. den 3. März 1888. Billets ä 75 Pf. find in dem Restaurant von Marr, Neue Jakobstraße 11 und bei Jona», Stralauer Platz 21, zu haben. 447 Das Komitee. Serlioeir Kt»dt Theater WollnÄbeaterstraße 15, fr. Alhambra- Theater. iemonnene Volksstück in 3 Akten von Dr. Hugo Müller. Bor und nach der Vorstellung im Tunnel: äresess Konzert von Th. Franke. Anfang des Konzerts 5t Uhr, ver Vorstellung 7t Uhr. Morgen und folgende Tage: Gewonnen» Hers,«.__ # Natur % Weine N Oswald JTier BtaptltuUn[N* 101 e BERLIN Komykadtillhes Kheater. Nlexander-Sttaße 40— Kurze Sttaße 6. Letzte Gastsvielswoche von Anna Schramm 49.»astspiri von Anna Schramm. Zum 12. Male: Dosiadiendeiacopa Luftige Possen-Revue mit Gesang in 3 Akten und 1 Vorspiel von Dr. Gust. Braun, mit dem Schlußbild: Der zfläjimimie Iwhithf, oder: Wenn auch der Bosheit Schlancentücke Die Unschuld oft erzittern macht— Doch es lebt noch ein G�tt und eine Vottehung wacht! Großes romantisches Ritter-, Trauer- u. Schauer- spiel mit Musik und abwechselnd n Szenen mit Todtschlag, Mord und Geistertanz in einem Pro- und einem Epilog, zwo Aufwickelungen, einem Nach piel und einem Gespenstettanz von Cuno, Ritter von Chohnstein, Musik vom Ritter von Trampedach. Anfang 7t Uhr. Kämmtlich» B-«» stnd giltig Passage 1 Tr. 9 M.— 10 A. Kaiuer-Panorama, 1. Reise durch d. schöne Kvanie». I™rv 2. Reise durch«ber-Itaiie». «omo-Kee. Villa Jirio de« Kronprinie«. Hochinteressant: Die Hrriha-Retsr. Ebne Rene 2U Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonn. Meinem Freunde, dem Maurer Ferdinand tavdt zu seinem am 28. Februar stattfindenden Wiegenfeste die besten Glückwünsche von seinem Freunde SHchoi Sremeia. Rostock, 28. Februar 1888. [444 DsnkBaganK. Allen Freunden und Bekannten für die herz- Hält Theilnahme und für die zahlreichen Blumen- spondcn bei der Beerdigung unseres tteuen Freun- des und Kollegen, des Pantmenmachers Mari Keil«an«, sage ich meinen verbindlichsten Dank. 451 Die tiefbetrübte Hinterbliebene. Frau Heukei, Mariendott- Kkihhauz-Aii-inkaiis. 2. Weinbergs- Weg 2. dicht am Rosenthaler Thor. Laut Beschluß der Generalversammlung vom 2. d. M. sollen nunmehr die vor- handenen diesjähttgcn Vrtma H-rrrn- Garderoben für dra 4. Gheii des reellen Wetthes schleunigst ausvettauft werden. 14 000|f. moderne Frühjahre«nd Aommrr-pairtot» von M. 10—34 prima, 12, 500 hochfeine Noch«. Jagnett Anzüg» v. M. 15 bis 39, 16 200 ff. Hosen von 3—10 Mark prima, 4500 Iaqnett», schwarze Nocke. Frack», schwarze Hosen, Buttchen-Anzüge, Hamb. Leder- Hosen, div. Uhren ic. Sämmtliche Gegenstände werden wegen Uebettüllung unter Feihwerth ausver« kauft. 20 Auch Sonntag bis Abends. 2. Weinbergs-Weg 2. Hie Direktion. 90000 30 000 15000 6 000 3000 1 600 600 300 160 60 30 1 5 M.= ttfo aöaelc dritter Ber tSlT, del mit au am 1. Ol, an schließt Jd den S ck f§ 8, der angenommen, ""S internati " folgt die i �rhindern, 3ahl erlös _ ohne Ei "" Ausland �dnungssti ooo»!« Ar A Websk r! der Han Zeit zu 80 30 OOO 15 000 1 2 000 1 6 OOO 18 006 30 OOO 30 000 30 OOO 80 OOO 30 OOO 16 OO0> baar 3750CO ISS'sS AM .Klammer I T*l#gräinm-Wr«i:e Ganze Loose ä, M, 3.** Halbe„„„ i.BO A.nf lO Loose ein Freü Lalterlebaili BarUa,| «mpfleUt und Ttnendat preaft Carl üeiBitze Bank-Geschäft, Berlin W. 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Februar, 1 Uhr. >4e[r des Bundesraths: von Boettiche.. Em Urlaubsgesuch des Abg. Buderus lnatl.) für 4 Wochen - Familienverhältnisse kann der Präsident mit �tücksichl auf lchäftslage dem Hause zur Genehmigung nicht empfehlen' Ao abgelehnt. dritter Berathung wird der vom Abg. G o l d s ch m i d 'TO Gesetzentwurf genehmigt, nach welchem das Gesetz �Verkehr mit blei- und zinkhaltigen Gegenständen für 'bei mit auf Lager befindlichen Konserven ein Jahr später, am l. Oktober 1889, in Kraft treten soll. «n schließt sich die dritte Berathung des Gesetzentwurfs, �'d den SchutzderVögel. � f*1§ 8, der Rest des Gesetzes und das Gesetz im Ganzen .anzenommen, desgleichen die Resolution bezüglich der Ab- WZ internationaler Verträge. die erste und eventuell zweite Berathung des tof Mwurfs, betreffend die Löschung nicht m e h '-r«w,..(A'nber Firmen im Handelsregister. Die ij und 26 des Handelsgesetzbuches reichen nicht L Derhindetn, daß das Handelsregister fast überall L."ahl erloschener Finnen enthält, sei es, doß der ohne Erben verstorben oder verschollen ist oder :% Ausland befindet, sei es, weil die Verhängung �Ordnungsstrafen gegen den Anmeldungspflichtigen [u/itomögensloflgtcit erfolglos bleibt. Ztunmehr soll das .\ ii;!*as Erlöschen der Firma von Amtswegen eintragen, 'um Widerspruch ausreichende Fristen abgelaufen > ß.,, das Gericht über den etwaigen Widerspruch ent % hat. . ink8' �'b»ky(natl.): Das Gesetz entspricht einem alten , o, f der Handelskammern. Die Handelsregister sind im mL, her Keil III Immer nrnSerer Redeiiliinir aelnngt. Es Handels ,............„_______ ein anderer ,________.ine Fabrikmarke eintrage« zu vor der Kammer für Handelssachen zu führen, achter zu werben u. s. w. Die höchst traurige Ver- vieler Register ist deshalb sehr zu bedauern. Die -lainmer von Schweidnitz hat mit Hilfe der w,» e festgestellt, daß im ihrem Bezirk unter 1014 Muen Firmen 237 tobte, also zu löschen waren, und '.Firmen dort bestanden, die nicht eingetragen wiewohl sie dazu verpflichtet waren. Es wäre FUcht nöthig gewesen, daß die Register sich olntr» ival-Aelb iDinfstlni ildvitl rung ooo » ooo 2 ooo 6 OOO 8 OOO o 000 0 OOO ,0 000 10 000 10 OOO 15 OOO wcht nöthig gewesen, daß...... Mordnetem Zustand befanden; die gröbsten Unrichtig, nen beseitigt werden können. Aber sicherlich waren die �Jerichtc nicht in der Lage, die Register ganz korrekt fest- und sind dadurch entmuthigt worden; denn es bedarf des dabei betheiligten Antragstellers. Das vor- !�«iv.,Uetz wird deshalb gewiß wohlthätig wirken. Die wird besser durch ein besonderes Gesetz, als durch iCT Vr. tum Handelsgesetzbuch geregelt. Denn es soll zu- ,i vonÜJTO Verfahren der Löschung festgestellt werden, das 2� den Einzelregierungen uberlassen ist; also M noJif«mneidende Inkongruenz verhindern, um das � Lelur" �eser Session zu Stande zu bringen, wäre dre wrt- lun9 ohne kommissarische Berathung im Plenum vor- ** Btvvu WUIU4., IVW»«» vvv uy----' T'* Das ist etwas anderes als die Momrung eines weil der Begriff„Erlöschen der Firma" i-n'r zweite Berathung des Gesetzentwurfes, betr. tßt»- B.iiititnft, Fungz. Gesetzes geändert werden.—§ 173 soll A m Juuten: Bgn allen Sachen kann durch das Gericht 1 ÄÄß°der für einen Theil derselben die Oeffent- litw®eichloffen werden, wenn sie eine Gefahrdung der ei i(tnung, insbesonder e.der S t a a t s- u oder eine Gefährdung der Sittlichkeit besorgen Kesperrten Worte find die vorgeschlagene Aende- «lt. ■asse »ße. rzusatz % & f ihc setzte. »<■1 teb«ftin5"ntz h-bt hervor, daß die Aenderuna des§ 173 g'°"eUer Natur sei. Ten verbündeten Regierungen 6 itellr�Jfion hat es fern gelegen, die Voraussetzungen, 5'° Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlungen aus- »,?°en tann, irgendwie zu erweitern.. : Es handelt sich hier um eine weitere der m," Oeffentlichkeit im nrasprozessualischen Ver- wesentlichsten Garantie unserer modernen Recht- Kausche ich mich nicht, so will man durch diesen ,.islnri daß gewisse Zirkel der politischen Geheimpolizei JRon m eibcn- 9# will dem Auswärtigen Amt gern eine d�"tlick? n,?!. ober nur die, daß in gegebenen Fallen A�-�rkundigung d" 1SKSÄ lpnl.Ä bei Das Schweigegebot paßt .ch nicht, in den Rahmen l"ove innein. via ist aber immerhin besser, es Äetö-if i rs zulegen, als, wie Munckel will, m du Sgen%v"' die urtheilen sollen, ob und wann sie durch .skföbrw den Gerichtsverhandlungen die Sicherheit des 5j8eboi Wenn ich auch nicht glaube, daß von dem m* em— /TJ r.r.---- JLi»turn[ 0 M r/öMJOl 0:� zu, uuu�.. r' dafc In■®I0Jer Gebrauch gemacht werden wird Ä die Existenz dieses Schweigegebots dazu vorsichtiger in den Mittheilungen über & ÄW in w«»»! n»««■ .... V�ö IÜUIUC III V«............ r. �"nter allen Umständen das, was man hier der Oeffentlich- handelt es sich Kategorie von Aus- wollen, als bei Das thun wir, „insbesondere der Staatssicherheit" dieser Meinung der Mehr- Hut der Kommission Ausdruck zu geben. Ich habe keinen An- laß zu bezweifeln, daß der Vorschlag der verbündeten Regie- rungen bezüglich des Schweigegebotes von wohlwollenden Tendenzen eingegeben ist. Andererseits aber ergiebt sich aus den folgenden Paragraphen, daß bie_ Besorg» niß einer weiteren Beschränkung feit nicht unbegründet ist. Jetzt darum, ob wir bei einer bestimmten schließungsgründen strenger verfahren den übrigen Ausschließungsgründen. indem wir den§ 173 annehmen, und wir müssen uns schon jetzt schlüssig machen, wie wir diese Ausnahme bezeichnen wollen. Ich stimme gegen diesen Paragraphen, weil ich überhaupt nicht anerkennen will, daß ein aus der öffentlichen Ordnung her- geleiteter Grund der Ausschließung der Oeffentlichkeit schwerere Folgen nach sich ziehen kann, als ein anderer. Abg. Klemm: Ich nehme als Vorfitzender der Kommisston das Wort, um nach Außen zu beruhigen. Die Diskussion hat eine Wendung genommen, als handele es sich um eine Gefähr- dung des Prinzips der Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlungen. Das gebe ich nicht zu, das Gesetz enthält diese Tendenz nicht. Nach wie vor schwebt über den Gerichten, welche die Oeffent- lichkeis ausschließen, das Schwert der Revision. Die Tendenz des Gesetzes, die verfolgt wird und auch in der Kommission anerkannt worden ist, geht dahin, zu sorgen, daß, wenn aus gesetzlich zulässigen Gründen die Oeffentlichkeit einer Gerichtsverhandlung ausgeschlossen ist, nunmehr das, was nicht öffentlich verhandelt worden ist, auch nicht öffentlich ver- breitet werden kann, daß also das Gesetz nicht umgangen und illusorisch werde. Man hat Erfahrungen, daß das geschehen ist, und das will man beseitigen. Meine persönliche Ansicht ist allerdings auch die: ein Gesetz, welches unter den Augen des Gesetzes umgangen und illusorisch gemacht wird, ist die größte Gefährdung für die Autorität des Staats, und dann ist freilich besser: Kein Gesetz! Abg. Windthorft: Ich akzeptire die letzten Worte des Vorredners. Ich bitte Sie, um Gottes willen das Gesetz nicht anzunehmen. Ich bedauere, daß unter dem Vorsitze eines so ausgezeichneten Richters ein solches Gesetz ausgearbeitet wor- den ist. Wenn durch das gegenwärtige Gesetz an dem be- stehenden Zustande nichts geändert wird, warum diese neue Redaktion? Dann lasse man es bei dem Bestehenden, was nach meiner Anficht vollkommen genügt. Bei der Abstimmung über einen Schlußantrag bezweifelt Abg. Meyer(Halle) die Beschlußfähigkeit des Hauses. Die Auszählung ergiebt die Anwesenheit von nur 145 Mitgliedern, während 199 Mitglieder zur Beschlußfähigkeit erforderlich find. Die Sitzung wird deshalb abgebrochen. Schluß 4% Uhr. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr. (G.E., betr. die Rechtsverkiältnisse in den Schutzgebieten; Fortsetzung der abgebrochenen Verhandlung; Petitionen.) Abgeordnetenhaus. 26. Sitzung vom 27. Februar 1888, 11 Uhr. Am Ministertifche: von Puttkamer, v. Scholz und Kommissare. Eingegangen ist ein Antrag des Abg. Pnnz v. Arensberg auf Annahme eines Gesetzentwurfs, betr. die Wiederverleihung der Korporationsrechte an die Orden; ferner ein Antrag Windt- horst wegen Vorlegung eines G.E., betr. die Befugnisse der Kirche und ihrer Organe in Bezug auf den Religionsunterricht in den Volksschulen. Der Rechenschaftsbericht über die Verwendung der flüssig gemachten Bestände der im§94 der Hinterlegungsordnung vom 14. März 1879 bezeichneten Fonds und der im§ 95 al. 3 daselbst erwähnten Gelder für 1887 wird durch Kenntnißnahme für erledigt erklärt. �, Es folgt die Berathung des 39. B e r i ch t s d e r S t a a t s- s ch u l d e n k o m m i ssi o n. Auf Antrag des Abg. Stengel wird der Hauptverwal tung der Staateschulden für das Rechnungsjahr 1886 87 Techarge Die Rechnungen der Kasse der Ober-Rechnungskammer für 1886—87 werden der Rechnungskommisston überwiesen. Darauf wird zur ersten Berathung des G.E., betreffend die Kosten königlicher Polizeiverwaltungen in Stadtgemeinden, übergegangen.. Abg. Zelle(dfr.): So einfach zahlenmäßig, wie es scheint, liegt das Veihältniß nicht, daß man ohne weiteres behaupten kann, die großen Städte erhalten vom Fiskus an personrillen Kosten allzuviel; es kommen da noch eine Reihe anderer Mo- mente in Betracht. Die Vorlage ist rein mechanisch ausgearbeitet. Die Frage, was denn Polizeikosten seien, beantwortet der Minister dahin: Es find diejenigen, welche ich in den Etat schreibe, und wenn für mehrere zusammengespannte Ortschaften zusammen bezahlt werden muß, dann setze ich fest, wc� jede einzelne zu bezahlen hat. Diese Art der Festsetzung ist einfach, ob aber auch gesetzgeberisch richtig, muß dahin gestellt bleiben. Bei der Vertheiluna der Kosten ist nach den verschiedensten Grundsätzen verfahren worden. Im Jahre 1820 hielt man es für lichtig, sie so zu vertheilen, daß die Städte lediglich d»e Lokalitäten hergaben. 1850 begann man zwischen personellen saWte»:«arÄte »m««ÄS sazf&A suä ä« weit dies in den letzten drei Jahren geschehen ist, stelle ich vor- WWW ÜliWI »£**% SS.'WS ÄS ist, den§ 6 des Polizeiverwaltungsgesetzes von 1850 einmal klar zu stellen, der diese Definition zu geben versucht, kann dies Ziel erreicht werden, und das wäre wohl eine Aufgabe, des Schweißes der Edlen werth, hier könnte der Minister sich in Wirklichkeit ein monnmentnm aere perennins setzen. Ilm jeder Mißdeutung vorzubeugen, erkläre ich, wir wünschen eine starke, wirkuugsvolle Polizei, ein kräftiger Staat kann eine solche nicht entbehren; nur Phantasten oder Spitzbuben werden diese Roth- wendigkeit bezweifeln. Das ist nicht der Polizeistaat: darunter verstehen wir diejenige Einrichtung, welche es zuläßt, daß die Polizei sich anderer Gebiete bemächtigt, welche naturgemäß der gewöhnlichen Verwaltung zustehen. Schon wenn die Nomen- klatur geändert würde, wenn statt Polizei Armenpflege, Jagd- wesen u. s. w. gesetzt würde, kämen wir einen Schritt weiter. Vor allem halten wir den§ 6 des Gesetzes von 1850 für reformbedürftig, der nach Auszählung aller Ressorts der Polizei noch hinzufügt: außerdem alles andere, was im besonderen Interesse der Gemeinden und ihrer Angehörigen polizeilich ge- regelt werden muß. Was bleibt da für die Kommunalverwaltung übrig? Ein Erkenntniß des Oderverwaltungsgerichts von 1885 besagt dagegen, daß die Gemeinden in ihren Wirkungs- bereich alles ziehen können, was die Wohlfahrt des Ganzen, die materiellen Interessen und die Entwicklung des Einzelnen fördert. Hieraus ergiebt sich, daß bei solchem Regime Polizei und Verwaltung jeden Augenblick aneinander rennen. Von jeher ist denn auch dieses Dilemma Gegenstand der lebhaftesten Klagen gewesen; so schon 1856 im Herrenhause, wo von der Fraktion Stahl der Antrag gestellt war, die Wohl» fahrtspolizei den Städten mit königlicher Verwaltung znriickzu- «eben. Es war ein durchaus konservativer Antrag, und dieser imstand zeigt schon, daß wir es hier mit einer durchaus un- politischen Sache zu thun haben. Im Jahre 1859 sprach im Herrenhause der Finanzminister aus, daß die Regierung die Revision in dieser Richtung für ihre Aufgabe ansehe, und den Hauptstreitpunkt bildete derselbe Gegenstand 1876 bei den Berathungen über die Städteordnung. Auch die heutige Vorlage wegen der Polizeibefugniffe des Polizeipräfidenten von Berlin erkennt in den Motiven an, daß die Vereinigung der Kommunal- und Polizeiverwaltung in einer.Hand der gedeihlichen Entwicke- lung in den betreffenden größeren Städten wesentlichen Vor- schub geleistet habe. Nun wollen wir die Scheidung nicht derart, daß ein Gemeindepolizeidirigent und ein königlicher Dirigent neben einander stehen. Das hat noch Niemand verlangt, und es wäre auch ein Nonsens. Eine Wohlfahrt- polizei aiebt es eigentlich überhaupt nicht, alle Polizei konzentrirt sich m der Sicherheitspolizei. Schon der§ 10 des Allgemeinen Landrechts sagt: Die nöthigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit und zur Abwendung der dem Publikum drohenden Gefahren zu treffen, ist das Amt der Polizei. Auch die neuere Wissenschaft, namentlich die Schrift des Professors Lorenz Stein, stellt als erstes Axiom hin, daß die Verwaltungen positiv fördernd zu arbeiten haben, während die Polizei nur abwedrend und schützend, nicht positiv aufbauend zu wirken hat. Keine Verwaltung untersteht der Polizei, aber in allen Verwaltungen hat die Polizei mitzuwirken. So möchte ich z. B. in einem Stadttheater, das sich in städtischer Verwaltung befindet, die Polizei zum Schutze des Publikums gegen Feuersgefahr nicht missen, ebensowenig in den Markthallen, obwohl das Marktwesen recht eigentlich zur städtischen Verwaltung gehört. Durch das Straßenanlegungsgesetz von 1875, dem ein ganz un- leidlicher polizeilicher Zustand vorausging, ist wieder Ruhe und Frieden eingekehrt, da jetzt die Initiative zur Anlegung und Aenderung von Straßen bei der Stadtverwaltung liegt, und doch ist auch hier die polizeiliche Mitwirkung nöthig. Ebenso verhält es sich mit der Gewerbeordnung, bei allen ge« werblichen Konzessionen hat die Polizei mitzusprechen. Eine Aenderung des Gesetzes ist allerdings keine leichte Aufgabe, aber die Schwierigkeiten werden doch nicht unüberwindlich sein. Wir müssen auf die alte Forderung, den§ 6 des Gesetzes von 1850 abzuändern, zurückkommen. Ich glaube nicht, daß die Regierung gerade in diesem Augenblick die paar Millionen so nothwendig braucht, welche sie von den großen Städten nehmen will. Berlin steht durchaus nicht besser da, als die anderen großen Städte wie Elberfeld und Barmen. Wenn Sie die Kosten für die Feuerwehr betrachten, so steht es sogar schlechter pro Kopf der Bevölkerung als die übrigen Städte. Berlin trägt über 12 pCt. zu den direkten Staatssteuern bei, obwohl seine Bevölkerung nur 4% pCt. von der des Staates ausmacht. Von allen Staatsvotationen müßte Berlin nach seiner Steuerleistung 11 Millionen erhalten, während es nur etwas über 3 Millionen erhält. Allerdings bedarf Berlin gerade eines besonderen poli- zeilichen Schutzes; die Hochstapler aus allen Orten treiben ihr Unwesen hier, aber andererseits bringen die Berliner Poli- zisten dem Lande Hilfe und Schutz. Sie wissen ja, wie erst kürzlich ein Berliner Kriminalbeamter irrthümlich als Vagabond verhaftet worden ist.(Heiterkeit.) Von Berliner Kräften und Kosten gehk also sehr viel in die Provinzen wieder zurück. Die Landbezirke erhalten auch durch die staatliche Gendarmerie, die Distriktskommissare und die Landrathsämter Unterstützung vom Staat. Es wird keinem Abgeordneten der großen Städte ein- fallen, dem Lande zu mißgönnen, was es in dieser Beziehung an Polizeikosten vom Staate erhält. Aber wir müssen auch hin- fichtlich der großen Städte eine gerechte abwägende Vertheilung der Lasten verlangen, nicht nur eine mechanische, die hier ein- fach den Knoten durchhauen soll. Ich beantrage, diesen schwierigen Gesetzentwurf einer Kommission von möglichst großer Zahl zu überweisen, um alle Einzelheiten auch seitens der Vertreter der einzelnen Städte zur Geltung zu bringen (Abg. v. Eynern lacht), auch damit die Freunde des Abg. v. Eynern möglichst zahlreich darin vertreten sind.(Beifall links.) Minister v. puttkamer: Ich bin mit der gründlichen kommissarischen Berathung einverstanden, denn es stecken in der Vorlage eine Menge streitiger Punkte. Ich erkenne dank- bar an, daß der Vorredner sich mit Erfolg bemüht hat, seinen Ausführungen jeden politischen Hintergedanken zu nehmen. Es handelt sich um die Regelung eines Punktes, bei dem Billigkeit und Gerechtigkeit herrschen soll. Wenn er aber meinte, daß es sich hier um ein Gesetz handelt, welches sich an den Namen eines hervorragenden Mitgliedes dieses Hauses knüpfte, so hat er doch die Sache nicht richlig verstanden. Diese Frage hat seit Jahrzehnten die östentliche Aufmerksamkeit be- schaftigt. Ob die Vorlage die Frage richtig löst, wird die Ver- Handlung ergeben. Die Frage ist, ob gerade die blühendsten. steuerkraftigsten Städte den exorbitanten Vortheil haben sollen. daß der Staat, d. h. alle übrigen Steuerzahler, fast die ganzen Polizeikosten zu tragen hat, wahrend in den übrigen Gemeinden die Kosten zu den Kommunallasten gehören. Die Vorlage s«ll eine mechanische Lösung bringen. Es handelt sich darum. für die T hellung der Pollzeikosten einen besseren Vertheilungs- Maßstab zu finden. Die Regierung hält eine quotitatioe Thei- jung für die beste, die alljährlich durch den Etat erfolgen soll. Der Vorredner wollte die Aufmerksamkeit von diesem Haupt- punkte ablenken auf"die.sehr interessante und sehr schwierige Frage der Theilung zwischen Polizei- und Kommunalverwaltung. Gegenstand dieser Vorlage kann diese Frage nicht sein. Ich glaube auch nicht, daß der Versuch, den Begriff der Polizei auf den der Sicherheitspolizei zu beschränken, gelingen wird. Der betreffende Paragragb des Landrechts spricht von der Aufrechterhaltung der Sicherheit, der öffentlichen Ruhe und Ordnung. Wenn man diese Vorschrift ganz füllen will, dann muß man fast die ganze Kommunalverwaltung umfassen. Es wird schwierig sein, die Polizei so zu scheiden zwischen Staat und Gemeinde, daß man daran wirkungsvoll eine Vcrtheilung der Kosten knüpfen kann. Jetzt steigen die Kosten der Polizeiverwaltung von Jahr zu Jahr, ohne daß die sgaben für die Städte fich in demselben Maße vermehren. Ausg Deshalb wird die Frage von Jahr zu Jahr in finanzieller Be- ziehung dringender. Sämmtliche Stävte der Monarchie, welche keine königliche Polizeiverwaltung haben, müssen ihre Polizei- kosten allein bezahlen. Das platte Land hat allerdings eine kleine Dotation erhalten, aber ein Drittel der gcsammten Kosten müssen die Amtsbezirke jetzt schon von den Polizcikosten auf- bringen, und wie soll man die ehrenamtliche Verwaltung der Polizei veranschlagen? Im Westen liegt die Sache noch etwas anders, weil dort die Gemeinden den größten Thcil der Polizei- kosten allein tragen müssen. Selbst in der Rühe von Berlin müssen die Kreise mehr aufbringen, als inan jetzt von den Städten verlangt, viel mehr alt die Hälfte. Hannover ist aller- dings sehr gut weggekommen, denn die gesammte ländliche Polizei- Verwaltung wird auf Staatskosten besorgt und Hannover bezieht die Dotationen, welche es für pro- vinzielle Zwecke verwenden kann. Allerdings wird die Kciminalverwaltung Berlins manchmal in den Provinzen verwendet, um zur Entdeckung von Verbrechen Aushilfe zu leisten. Aber wenn man fich das ziffermäßig klar macht, kommt man auf komische Ergebnisse. Bei einem Gcsammtbcdarf von S Millionen für die Berliner Polizei betragen die Gebalts- aufwendungen für die Tbätigkeit außerhalb Berlins im Jahre 1887 13 661 M.! Die Kommunen haben durch die Staats- Zuschüsse eine so enorme Ersparniß gemacht, daß nun endlich die Zeit gekommen ist, eine Ausgleichung herbeizuführen. Man könnte eine Trennung dahin einführen, daß die Kommunen die Kosten tragen, welche fic tragen müßten, wenn fie allein_bte Polizei verwalteten. Aber diese Lösung der Frage ist früher schon vergeblich versucht worden. Das Haus wird sich cnt- schließen müssen, diese Frage einer endgiltigcn Lösung ent- gegenzuführen. So wie die Sache heute liegt, kann fie nach der Anschauung der Regierung nicht bleiben. Man wird der Regierung nicht verdenken, daß fic einer Resolution, welche das gesammte Haus beschlossen hat, in dieser Weise Folge gc- geben hat. � Abg. v. Rauchhanpt; Das Haus kann der Regierung nur dankbar sein, daß fie dem vorjährigen Beschlüsse des Hauses Folge gegeben hat; die Vorlage wird Anlaß geben, einmal eine grönd- liche Erörterung der Frage der Polizeiverwaltung eintreten zu lassen; die Sache ist beim Zuständigkeitsgesetz nicht genügend ge- regelt worden. Ich freue mich, daß die Freisinnigen statt einer mechanischen eine organische Regelung verlangen; bei dem Gesetz wegen Aufhebung des Schulgeldes haben sie sich einer rein me- chanischen Lösung angeschlossen, weil Berlin sich den Luxus er- lauben konnte; das Schulgeld ist beseitigt. Hier empfehlen die Berliner eine organische Lösung der Frage, weil sie dabei mehr Staatszuschüsse erhalten.(Zuruf: Die Verfassung verlangt Auf- Hebung dcS Schulgeldes!) Seit dem Anfang des Jahrhunderts hat man den Städten immer mehr Lasten für die Polizei auf- erlegt; seit 1850 hat man von ihnen alle sachlichen Kosten ver- langt und jetzt tritt an die Gesetzgebung die Frage heran, ob man auf diesem Gebiete nicht weiter gehen muß. Der Munster soll nach§ 4 feststellen können, welche Kosten als solche der Landespolizei zu betrachten sind. Sollte man nicht die Kosten der Landespolrzei als eine bestimmte Ouote feststellen? Denn wenn der Minister nach Aufstellung des Etats die Kosten der Landespolizei ausscheiden will, so kommen wir in eine seltsame Lage. Ueberhaupt ist es nicht gerade zweck- dienlich, daß diese Frage in das Abgeordnetenhaus geworfen wird! denn wir beschließen dann nicht blas über eine Staats> Icistung, sondern auch über die Zuschüsse, welche die einzelnen Städte leisten müssen. Die Stellung des Abgeordneten, der nur die Interessen des Landes vertreten soll, wird dadurch eine unbequeme. Wie soll es bei Elatsüberschrcitungen werden? Wer soll fie anordnen, wenn sie im Laufe eines Jahres nolh- wendig werden? Doch nur der Minister des Innern, daß fie dmch die Oberrechnungskammer an uns zur Prüfung gelangen. Uebrigens ist es nicht richtig, daß die Städte durch das Schul- lastengesetz erleichtert werden; wenn sie das Schulgeld aufheben und noch die Mehrausgaben für die Polizei machen sollen, dann wird eine sehr bedenkliche Mehrbelastung entstehen. Ich glaube, den Städten die Hälfte der Kosten aufzulegen ist bedenklich; die Regierung habe deshalb auch früher nur% der Kosten auf die Städte übertragen wollen und diesen Satz noch für zu hoch ge- halten. Man kann auch die Städte mit königlicher Polizei nicht ohne weiteres mit denen vergleichen, die allein städtische Polizei haben; die ersleren sind durch die könig- liche Polizei- Verwaltung an sich schon mehr belastet. Man wird in der Kommission gründlich prüfen müssen, ob sich nicht ein anderweiter Maßstab finden läßt. Da es fich hier um 21 Städte handelt, bitte ich für„das" lex Eyncrn(Heiterkeit) eine Kommisston von 21 Mitgliedern einzusetzen.(Beifall rechts.) Abg. Kachem(Zentrum): Da es sich um 21 Städte handelt, so müssen wir die Vertreter derselben sämmtlich in die Kommission wählen und dann von den anderen Herren noch sieben dazu.(Heiterkeit.) Man sollte versuchen, die Frage der Vcrtheilung der Kosten der Polizei zwischen Stadt unv Staat allgemein zu regeln, nicht für die 21 Städte mit königlicher Verwaltung allein. Für Berlin ist da vorgeschlagene Maßstab geradezu eine Ungerechtigkeit, denn in Berlin sind viele Polizei- einrichtungen getroffen, die nur im staatlichen Interesse noth- wendig sind.(Sehr richtig!) Pas Verhältniß, daß der Staat zwei Drittel der Kosten übernimmt, wird wohl besser sein. Man wird jedenfalls etwas mehr statistisches Material beibringen müssen. Uebrigens ist das Gewitter ohne jegliches Vorzeichen so schnell über die Städte hereingebrochen, daß man einige Uebcrgangsbestimmungen macht, wonach die Kosten zunächst in einem geringeren Bctiage— vielleicht in Höhe von r,— auf fünf Jahre den Städten auferlegt werden und daß nachher erst die volle Belastung eintrete. Denn die plötzliche Mehr- delastung muß jeden städtischen Etat in Verwirrung bringen, auch den der Stadt Berlin. Deshalb bitte ich um Ein- setzung einer 28er Kommission. Unterstaatssekretär Kerrfnrth: Die Staatsregierung hat eigentlich nichts anderes gethan, als einen Wunsch erfüllt, den die Landesvertretung vor 20 Jahren ausgesprochen und vor 2 Jahren wiederholt bat. Es scheint, daß der Mensch oft mit der Erfüllung seiner Wünsche gestraft wird. Die Bedenken des Herrn v. Rauchhaupt sind nicht zutregend. Die Kosten der Landespolizei sollen vorweg im Etat festgestellt und der Rest als Kosten der Ortspolizei soll zwischen Staat und Stadt getheilt werden, lieber beide Posten hat das Haus dann zu beschließen. Eine Ungerechtigkeit den Städten gegenüber liegt nicht vor, denn das Obervcrivaltungsgericht hat stets enlschieden, daß die Frage des Bedürfnisses seitens der Gerichte in dieser Angelegenheit nicht untersucht wird; das Bedürfniß ist von Staats wegen festzustellen. Abg. Kurth(frk.): Wenn man die bestehenden Ungleich- Helten beseitigen will, dann giebt es mehrere Wege. Der erste ist die Beseitigung der königlichen Polizeiverwaltungen: aber zu einem solchen Experiment kann ich mich trotz allen Re- spekts für die städtischen Polizeiverwaltungen nicht entschließen. Der zweite Weg wäre die Trennung der Sicherheits- von der Wohlfahrts- Polizei: die Trennung ist leicht, aber es entstehen bei Uebertragung der letzteren auf die Städte doch manche Schwierigkeiten und namentlich auch große Mehrkosten; denn wenn die Beamten von beiden Ressorts gemeinsam beschäftigt werden, kann ihre Arbeitskraft besser verwendet werden. Ter dritte Weg, die Polizeikosten nach der Kopfzahl zu vertheilen, ist auch nicht gangbar, weil die städtischen Ausgaben dann noch geringer sein würden. Den vierten Weg ist die Regierung gegangen. Die Vcrtheilung scheint mir, abgesehen von Berlin, auch gerechtfertigt. Aber Berlin müßte eine Ausnahmestellung einnehmen, einen erheb- lichen Theil der Kosten der Zentralstelle müßte das ganze Land tragen. Denn die Polizeiverwaltung in Berlin hat eine Be- deutung über die Hauptstadt hinaus. Ich möchte doch glauben, daß einige der von Berlin geschlossenen Sonderoerträge unter dieses Gesetz fallen, so daß der Staat weitere Lasten auf sich nehmen müßte.(Sehr richtig!) Abg. Friedländer(dfr.): Es fragt fich, ob für eine solche Vorlage auch der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Gerade jetzt, wo der Staatshaushaltsetat ein sreundlicheres Angesicht zeigt, sollte man nicht den Kommunen gleichsam überflüssiges Fett abzapfen. Die Regierung hat früher die Lage der Gc- meinden als nicht so günstig angesehen, daß sie denselben auch nur den vierten Theil der Polizeikosten auferlegen könne. Seit- dem hat sich die neue Wirthschaftspolitik entwickelt und die Lage der Städte des Ostens erheblich verschlechtert. Der Ge- treidehandel zum Beispiel ist aus Breslau, welches ich zu vertreten die Ehre habe, vollständig verschwunden; er ist zu einem elenden Lokalhandel herabgesunken. Infolge der Tabaks- steuer ist eine Anzahl von großen Tabaksfirmen gezwungen worden, ihre Geschäfte einzustellen. Numerisch ist die Stadt Breslau gewachsen, finanziell hat sie fich erheblich verschlechtert. Es wird meinem Freund Zelle zum Vorwurf gemacht, daß er sich mit der Erörterung des Begriffs Polizei beschäftigt habe. Es muß die Bestimmung des Gesetzes vom Jahre 1850 ihrem Begriffe nach festgestellt werden. Diese Vorlage setzt an die Stelle der seit 30 Jahren bewährten Scheidung der Kosten in sachliche und persönliche eine neue Scheidung in mittelbare und unmittelbare. Die Städte werden mit geknebelten.Händen der Regierung ausgeliefert; fie haben gar kein Widerspruchsrecht. Man überweist den Städten oft ältere Beamte, welche abgear- bellet find und daher bald pensionirt werden; die Städte sollen nun von jetzt ab die Hälfte der Pensionen tragen, ohne die Hälfte der Beitrüge zu erhalten, welche die Staate lasse seit Jahren ein- gezogen hat. Ein Theil der städtischen Budgetberathung wird in dieses Haus verlegt. Die Abgeordneten der von dem Gesetz be- troffenen Städte müssen sich gegen die Regierung und das ganze Haus wehren, wenn es sich darum handelt, neue Ausgaben für dle Polizeikosten zu bewilligen. Die Reden der beiden Redner für die Vorlage lassen die Hoffnung nicht schwinden, daß wir eine sachliche Erörterung und Prüfung der Frage herbei- führen können. Ein Verhältniß, Weltes sich geschichtlich entwickelt hat, kann nickt so leicht beseitigt werden. Der Staat kann eher eine solche Aenderung und Erhöhung seiner Ausgaben ertragen, als eine Stadt, welche nicht in der Lage ist, ein Defizit durch Aufnahme einer Anleihe zu decken. Eine Aen- derung, die ja nothwendig ist, muß mit möglichst schonender Hand vorgenommen werden. Es wird versucht werden müssen, eine begriffliche Unterscheidung herbeizuführen und einen anderen Vertheilungemodus zu finden. Eine weniger glückliche Verthei- lung, als die vorgeschlagene, könnte kaum gefunden werden. (Beifall links.) Abg. Alt Haus(kons.) ist für die Vorlage gemeldet, seine Ausführungen bleiben im Hause und auf der Tribüne unver- ständlich, so daß auch der nachfolgende Redner, Abg. Gnnecreru»(natl.), bedauert, nicht darauf eingehen zu können. Tie vcrthcilende Gerechtigkeit ist doch nur auf einer Seite vorhanden, denn es wird nur den großen Städten etwas genonimen, während den Städten, in deren Jntereste die ganze Frage angeregt ist, nichts gegeben rvird. Der Vortheil fällt allein der Staatskasse zu und zwar in einem Augenblicke, wo die staatlichen Finanzen allgemein günstig sind, während die Gemeinden unler großen Lasten zu leiden haben, so daß eigent- lich die Entlastung der Gemeinden die Parole der Zeit ist. Wenn der Staat von Ausgaben für die Polizei sich entlasten will, dann soll er solche Zweige der Polizeioerwaltung, die fich zur kommunalen Verwaltung eignen, den Städten übertragen. Tic Vorlage wird, wenn sie unverändert angenommen wird, dazu reizen, die Zahl der königlichen Polizciverwaltungen zu vermehren und die Selbstverwaltung zu beschränken. Jetzt muß der Staat etwa'/« der Kosten tragen; jetzt soll er nur j, tragen. Die Bedenken gegen die Vorlage würden vielleicht beseitigt wer- den. wenn inan den Städten nur% der Kosten auflegen würde. 1883 hat Minister v Puttkamer dem Abg. v. Eynem gegenüber darauf hingewiesen, daß die Einrichtung königlicker Polizeiver- waltunzen kerne Bevorzugung der betreffenden Gemeinden sei, denn es handele sich dabei um ein staatliches Bedürfniß, welches auch aus staatlichen Mitteln befriedigt werden müsse. Ich halte eine Kommission von 28 Mitgliedern für wünschens- wcrth. Finanzminister v. Scholz: Von, finanziellen Gesichtspunkt aus ist die Vorlage nicht gemacht. Ich bin mit der Auslassung des Ministers des Innern von 1883 vollständig einverstanden, auch er wird seine Ansicht nicht geändert haben. Wenn die Vorlage vom finanziellen Standpunkt aus gemacht worden wäre, dann hätte man einfach zu einer Deklaration des Gesetzes von 1850 kommen müssen; denn das Gesetz ist viel zu günstig für die Stadtgemeindcn gehandbabt worden; meiner Meinung nach sollte der Staat danach nur die Kosten der besonderen Behörden und besonderen Beamten tragen, nicht aber alle perjönllchen Kosten. Ich habe mich mit dieser Vorlage einver- standen erklärt, weil ich vom fiskalischen Standpunkt weit entfernt bin. Sie finden überall in dieser Vor- läge die Rücksicht auf die bestehenden Verhältnisse, und das staatliche Interesse ist nicht übermäßig darin vertreten. Wenn man die Lasten nickt nach einem festen Maßstäbe theilen kann, dann halbirt man sie eben. Das Haus ist die Vertretung des ganzen Landes, nicht der 21 Städte, welche hier in Frage kommen. iZuruf des Abg. v. Eynern: Hört!) Der Fiskus ist die Vertretung der gcsammten Steuerzahler, und wer wird sich gcniren, deren Interessen den Sonderinterrssen Einzelner gegen- über zu vertreten? Man bezweifelt, daß jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Man muß nur fragen, warum hat man die Vor- läge nicht schon längst gemacht? Die Regierung ist bemüh', die Kommunen Theil nehmen zu lassen an der günstigen Finanzlage des Staates; das hat sie durch ihre Vorlage be- wiesen. Der Getreidehandel in Breslau soll zurückgegangen, nach Berlin übergesiedelt sein; ebenso soll es mit der Tabaks- fabrikation gehen. Ich kann diese traurige Schilderung nicht bestätigen; die Thatsachen entsprechen diesen Schilderungen nicht. Die meisten großen Firmen denken nicht daran, von Breslau wegzugehen. Ich weiß ja, daß sehr viele Leute aus dem fernen Osten nach Breslau kommen, um fich nach Erwerbung eines gewissen Wohlstandes nach dem Westen, namentlich nach Berlin zu wenden Das hat mit unserer Wirth- schaftspolitik nichts zu thun. Ich bitte Sie, bei der Bildung der Kommission sich nur von dem Interesse der Gesammthcit leiten zu lassen.(Beifall rechts.) Abg. v. Eynern(nl.) hebt hervor, daß die freifinnige Presse die Vorlage namentlich vom Berlinischen Standpunkte aus lediglich als eine Mehrbelastung für Berlin ansehe; 25 pCt. Klassensteucr mehr müssen erhoben werden! Die Herren Zelle und Genossen sollten sich einmal auf den Standpunkt der vielen nicht privilegirten Klein- und Großstädte stellen, welche außer den Kosten ihrer eigenen Polizei auch noch in Form der Staats- steuern die Kosten der königlichen Polizciverwaltungen tragen müssen. Das Gesetz von 1850 sei durch ein Erkenntnis; des Obertribunals vollständig falsch ausgelegt worden zu Gunsten der Ge- meinden, denn das Gesetz habe nicht daran gedacht, daß der Staat die Kosten der Ortspolizei übernehmen solle; der St« nur kraft seiner Oberhoheit das Recht, die Leitung zu übernehmen. Redner weist darauf hin, daß die M des Hauses, namentlich aus der nationalliberalen Panai darauf hingearbeitet haben, die Zahl der königlichen waltungen zu vermehren. Die Theilung der Kosten Ml defriedigt mich noch nicht; die Städte müßten noch r zahlen. Jedenfalls muß bei der Aufstellung des Etats Gemeinde gehört werden, die Regierung darf i «nler Wien, treffende ohne Weiteres eine beliebige Summe auferlegen. Staat an Polizeiausgaben 4* Millionen Mark erspast, müssen wir das Geld dazu anwenden, den nicht pro Städten einen Theil der Polizeikosten zu ersetzen; ich bin nicht geneigt, dem Finanzminister dieses Geld zur Schuldentilgung etwa zu übergeben.(Heiterkeit.) Damit schließt die Debatte. Abg. Friedländer weist in einer persönlichen nach, daß in Breslau das Aufkommen an Klassen konrmensteuer in den letzten drei Jahren erheblich berä sei, trotzdem die Bevölkerung sich um 20 000 Köpfe hat und durch die neu eingeführte Besteuerung der und juristischen Personen viele Aktiengesellschaften«c. zur herangezogen werden. Die Vorlage geht an eine Kommission von 21 M Es folgt die erste Bcrathung des Gesetzentwurfs die Uebertragung polizeilicher Befug n den Kreisen Teltow und Niederbarnim sowie im Charlottenburg an den Polizei-Präsiden Berlin. Abg. Zelle(dfr.) ist im Allgemeinen mit dem Gest einverstanden und hat nur einzelne Bedenken. EsZbel--�me. m t Streit darüber, ob§ 2 des Gesetzes vom 31. Dezember wonach die Landespolizei das Recht erhält, Personen, M mQn �n( irgendwie einmal verfehlt haben, im Aufenthalt zu b# r«## allgeim noch zu Recht besteht. Jedenfalls möchte ich diese« Wi Zahlen c ite« graphen nicht dadurch sanktioniren, daß wir ihn m H'Mimen, wird Die Einfügung der Genehmigung des d» Sch�inds für ortspolizeiliche Verordnung erscheint«r Derer fcpitäli Gesetz zitiren. Präsidenten fü..____________,.., ein Eingriff in die Selbstverwaltung. Diese und einige�? in diesen V kleinen Bedenken können in kommissarischer Vdend, welc erledigt werden.« An in Beban Minister», pnttlramer spricht seine Freude über«' II ist eint �IQt stimmende Haltung des Vorredners aus. Seine Bedci>» Größten Bei wohl nicht durchschlagend. Der§ 2 des Gesetzes vom'' %>eine Theo »gemeinen ar Iben Krankhei Kranken zusc du letzteren, 'n> haben, nii i schwere Kri fi m Betracht 'di bietet, ih dlung und! �iger und zr " st anderen, , nner niedr dm, und eil Wasser e Messungen spezielle Beha '«i lassen, \ reine L, "ge Dcsin Me ihrem L ' zukommen j stenläßt. 35 in Kran wie wird Die Bca Zahl der >e eine S Mirge, so■ woyr man vulwlwrugenv.-rar 8 z oes iseic?is vv"' M,?"' wenn m zember 1842 ist vom Oberoerwaltungsgericht als nolb' Mrungsstörun stehend anerkannt worden; also muß die darin enthau« Mtarrh, Dia fugniß auch der betreffenden Instanz übertragen werde«-« ein, und si die ortspolizeilichen Anordnungen nur der Zustimm««iF Mr d� Befa! Oberpräsidenten erfordern, entspricht dem Gesetz, �r'Mweise das bei sicher heilspolizeilichen Maßregeln nur die AnhstX nicht aber die Zustimmung der Amtsausschüsse crfordM« Abg. v, Kenda(nl.) glaubt, daß die Bedenken« Zelle zu weitläufigen Erörterungen kaum Anlaß geben' die Vorlage könne von derselben Kommission berathcn welcher der vorhin erledigte Gesetzentwurf überwiesen'!- Abg. Lohren(frk.) protestirt gegen die Motivir� Vorlage, welche in Bezug auf die Vororte, Lichtenberg- Friedrichsberg, Weißens« und Folgendes sage:„Aus denselben ist namen» bekannt geworden, daß in den Vororten sich förmliche banden gebildet hatten, welche ihre Raubzüge gegen%% thum der städtischen Bewohner in planmäßiger Astl'■ firten und sich bei ihren Untemehmungen durch eist Rollenvertheilung lange Zeit hindurch vor einer Eft' schützen wußten. Trotzdem diesem Unwesen in(«'; Weise entgegengetreten ist, kann nicht behauptet n eine Besserung erreicht worden sei. Die amtlich feWl der gewerbsmäßigen Verbrecher, Zuhälter, liederlichen Tsts ist in den genannten Orten nach wie vor eine sehr/ und da außerdem notorisch eine ganze Anzahl fönen sich daselbst aufhält, ohne bei der Polizei sein, so bleibt die Unsicherheit und Beunruhigung-... 1886 MÖS größerer geben ein Mg derLu ' es aber fftli 6% % iu kön iS�kes Sende .,, ryerr unv Beunrumgung, �i' aus der Anhäufung einer größeren Anzahl gefährlichst�.� Verbrechen und vom Laster lcbenderSubjekte in den Vstst.,/ wendigerweisc v;-"-----" Stärke bestehen Vororte erst aus_ es doch vermeiden, vre romervanven üeutc, weicye beCm*1 Wahlen als die besten Stützen der Regierung bcvst�? J%ben- durch solche unbewiesene Behauptungen beleidigen-.««* befürchten, daß ihr Grund und Boden entwertyct stv, Geh. Rath v. Kitter: Tic Schädigung»st welche der Vorredner befürchtet, ist eher durch sr'st� durch die Motive herbeigeführt worden. Bei&■' Aenderung der Organisation muß die Regierung die Mißstände aufdecken. Tic bisherigen Beamten ständig ihre Schuldigkeit gethan; daß sie nicht med« liegt an den eigentbümlichcn Verhältnissen an% der Hauptstadt. Wenn in Rixdorf 120, in 2'$!..,$, in Weißensee 109, in Reinickendorf 65 profesn" s« Polizei bekannte Verbrecher gezählt werden,.� das angesichts der Bevölkerungszahl bede» erinnere an die verschiedenen Banden, die sich 0«" die im Prozeß Dickhoff hervorgetreten sind, an die gesellschaft" in Rixdorf, deren 16 Mitglieder, und« Leitung einer gewissen Markowska stehende Banve- Mitglieder zu Zuchthaus verurtheilt sind. Abg. Eremrr(Teltow) meint, daß die Vlot- den Berliner Vcrbrecherkolonien sprechen, nothwendig, daß man das Gesetz auch auf ststM ji» namentlich auf RummelSburg, dieses Progynrnastu brccherthums, ivegen der dort befindlichen Filiale v ausdehnen müsse. 2 Das Gcsey wird darauf der vorhin beschlossene' Mission überwiesen.. Schluß 3% Uhr. Nächste Sitzung Dienst" (Etat.) Mose i, «IS * y I entspi ab SW SS «us für Lokales. Die von der Deputation für öffentll� � HWÄ ..... 1 «•»V keitspflege eingesetzte Subkommission v»-/& Resolution beschlossen, in welcher erllärt wird," B. äi! Rücksicht auf die große und voraussichtlich ststst. von chronischen Brustkranken, welche in den städtis� g, vvu-cuujuvuiutii; ivcrn/t»»»' r und Siechenanstalten aufgenommen werden muv, � einer besonderen Heil- für V und Pflegcanstalt ,#2',, der Umgegend der Stadt für dringend wum � KI i»,j Der Referent, Stadtrath einer solchen Anstalt in S I hch hin Ko sti gründet und /einen Gründen haben sich��i�Mol� Virchow als Mitglied der Kommission, Dr. Fürbringcr, die auf besondere Einladung zu der Kommission zugezogen wurden, durchaus mm � Wasserfuhr äußerte sich etwa wie folgt: Dw' Haupt aus medizinischen Gründen eine räumlich gesonderte Unterbringung und „str feiÄn£ ivj ................. Wtfp fönen, welche an Lungentuberkulose leiden, � M .sf „ st nöthig sei, sei zu bejahen, weil seit Entdeckung� bacillus durch Koch vielfache Untersuchungen�� ist ,««, '% deiS" nÄü sich anhaltend in in nahe Berührung find der Gefahr denselben mit_______. der Ansteckung der SMMbte| nv ilen lichen loften M< n noch"!> >es etotöj mg ien. i erspäh licht pnoi n; ichr !cld zur i t-) lichen So lassen' ich lierobi Köpfe i ig der' m rc. zutf keine Theorie, sondern Erfahrung. AerztlichersertS wird »gemeinen anerkannt, daß man Kranke, welche an an- lien Krankheiten leiden, in Krankenhäusern nicht mit an- «ranken zusammenlegen und behandeln soll. Denn man w letzteren, welche schon mit ihrer eigenen Krankheit zu lw haben, nicht der Gefahr aussetzen, noch eine neue, fast 2 schwere Krankheit sich zuzuziehen. In zweiter Reihe m in Betracht, daß eine Jsolirung ansteckender Krankenden W bittet, ihnen in einem Krankenhause gerade diejenige »nolung und Pflege, welche ihrem Leiden entspricht, besser, Miger und zweckmäßiger zukommen zu lassen, als wenn man uuln anderen Kranken liegen läßt. Typhuskranke z. B. be- ™ einer niedrigen Temperatur des Raumes, in dem ste sich �en, und einer Kaltwasserbehandlung, zu welcher Bade- men, Wasser von bestimmten Temperaturverhältnissen, � Messungen ihrer Körpertemperatur u. dergl. gehören. mzielle Behandlung wird sich leichter und zweckmäßiger ' ien lassen, wenn man die Typhuskranken zusammen- n ähnlicher Weise würde eine Jsolirung von Lungen- Wuchtigen es ermöglichen, denselben gerade eine be- � reine Luft von angemessener Temperatur, eine chge Desinfektion und Entfernung des Auswurfes ssne ihrem Leiden entsprechende Pflege in viel sichererer zukommen zu lassen, als wenn man sie mit anderen Kranken renläßt. Wenn man hiernach eine Jsolirung der Tuber« m Krankenhäusern für nöthig erachtet, so fragt es wie wird diese Jsolirung am zweckmäßigsten aus- Die Beantwortung dieser Frage wird fast ausschließlich Zahl der Schwindsüchtigen abhängig zu machen sein, �»e eine Stadtgemeinde zu sorgen hat. Handelt es sich e, so werden einzelne Zimmer oder ein Saal eines v-iufes genügen, handelt es sich um eine größere Zahl, 1?" man ihnen einen besonderen Pavillon in Verbindung nirem allgemeinen Krankenhause einräumen müssen, bei noch 2% Zahlen aber, wie sie in den großen Städten Europas rMen, wird man, nachdem nunmehr die Ansteckungsfähig- Schwindsucht außer Zweifel gestellt ist, die Einrichtung derer Spitäler in die 5)and nehmen müssen. Für Berlin ? diesen Beziehungen die Zahlen der Schwindsüchtigen »eioend, welche in den städtischen Kranken- und Siechen- w-.!.«• SiKt jfi"? Behandlung kommen werden. Die Lungcnschwind- ude übt ff'1!' eine Krankheit, welche für die Bevölkerung Berlins von ne Bedci o| JJtoßten Bedeutung ist. Sie nimmt unter den Todes- r 21 M iwurfs, !\i'e idenl >em®efi w Dezember .ersonen, t zu befi ich diese« •'b"& SV rnd scher hes vom jgvm, wenn man von den dem ersten Kindesalter verderblichen und deren Folgen, nämlich Magen- und U, büßten tzes vow/jWm, wer "S in entha Milatarrh, Diarrhoe, Atrophie unv Krämpfen absieht, die erste en weroe �M� ein, und sie trifft, wodurch das Elend und Leid, welches /V-Hiitf ü iik P' ste trifft, Zufsrw'" die Befallenen und deren Familien bringt, erhöht wird, Gefe%, Meise das erwerbsfähige Alter von 20 bis 55 Jahren. jJrSje 1886 wurden von den bei uns vorgekommenen '' �»erbefällen nach einer von unserem statistischen Amte en Rechnung 4418— 12,59 pEt. durch Lungen schwind- "-. wim.i, ursacht. Auf 1000 Lebende im Alter von 35 bis berathcv fuhren starben an derselben 5 bis 6 Personen jährlich. In rwresen>■ JL Jn größeren öffentlichen Krankenhäuser Berlins wurden in MotivoAM»�'� Jahre als an Lungenschwindsucht leidend aufge- Vororte, 3204 Personen, von welchen 1646 starben. Diese d lKw �ven ein ungefähres Bild von dem Umfange und der nameriu��Mii�sUg der Lungenschwindsucht für die Gesammtbevölkemng. rmliche' e.® aber insbesondere für die zur Erörterung stehende gegen, fumt, ist, zu wissen, wie viele Schwindsüchtige täglich ger ln den städtischen Krankenhäusern Moabit und Fried- urch eins Pr' sowie in den beiden Siechenanstalten sich befinden. rer-„„.amtlichen Verwaltungsberichten dieser Anstalten find l in Jahresberichte über die Krankenbewegung nicht ptet ivei�PMii�urselben Schema aufgestellt und die Benennungen der b f tht n Krankheitsformen stimmen nicht übcrein. Referent ' Vw dicht in der Lage, jene Fragen jetzt befriedigend be- ien!!! M können, sondern hat sich darauf beschränken müssen, Bet, 2 Jahresberichten einige Ziffem zu entnehmen, welche t Vg%nde Anhaltspunkte für die Beantwortung bieten. Me � sich nämlich am 1. April 1887:». im Kranken- Psiet]»'iL. an Lungenschwindsucht Leidende 116, an Blut- Mse j'.«r akuter Miliartuberkulose und Kehlkopftuber- r%oir meir 120; b. im Krankenhaus Fricdrichshain an �■'jcbt Leidende 80, überhaupt iechenanstalten und des Friedrich- den Jahresberichten 1885 86 nur _.. � w C\ T1______ »Ä V* ijer -Sung. in um idie Ken. welche ß be0% N-'. 1% erung rmteir ht mehr SSi x zh'*- Bande, 0- iale von - ojN [offenen' iensta» 1 i h, Ml)w'Vt,ult' rann aus, neu uiiyicamnu)«,.■u j>.», Aeben 5 gestorbenen, nämlich 6 Frauen und 6 Männer en- Man wird hiernach nicht fehlgreifen, wenn nP1'. daß in den städtischen Kranken- und Siechen- |&An. S.-.gS'ich 200 Lungenschwindsüchtige in Behandlung ssW�ssickn.*. Beantwortung der Frage, ob man für die IZ A sali l®4? in Berlin ein besonderes Krankenhaus ein- J'Unbe.�gugt es aber nicht, ein Bedürfniß für 200 Betten 'Aitai Ä4"' fondern es muß, in Erwägung, daß ein Micke nach mehreren Jahren eröffnet werden könnte, tÄ'iklied-F� 4L"0�uwachs und das wachsende Zuströmen Mltiat m* v 1 �rtskrankcnkasscn in unsere Krankenhäuser ihren.si' welches bewirkt hat, daß letztere mehr und und �»Slichen Charakter als Armenkrankenhäuser Äecbn-r als allgemeine Kraroken Häuser angenommen �en, hnd m?n diese beiden Momente hinzu, so darf man hllich niÜ SQ� 4 Jahren, bis wohin die Bevölkerung vor- Berlin t-.flev von 1 600 000 erreicht haben wird, die wird für über 300 Schwindsüchtige zu sorgen ab' gio daß man in Berücksichtigung des auch von J-P'eehenö weiter wachsenden Bedürfnisses ein �'Ur etwa 400 Schwindsüchtige ins Auge fassen ri�ischlof?4' iv a rm e»" de« Ken erat Kooth in London und k große Sündenbabel Berlin mit Sturm zu :.Hofprcdigcr Stöcker Konkurrenz zu machen. 4 Uhr hatten die beiden schon mehrere Tage i�'u�AiBersuch mißlang, aber der Bevollmächtigte au- tion sohlen zu den Glaubensfanatikern, ein cri. g leicht aufgeben, sie versprechen viel- .kleines wieder zu kommen. Dann freilich ____ e die Erfahmng machen, daß !U"Baber'dre Ansicht nicht geändert hat, daß Äie, ni**?rr Spree wohl ein Verständniß für �erfammfiL �UI Glaubenskomödien besivt. Die !fl in 0. war zahlreich besucht,„Wissens- e berechtigte Eigenthümlsthkeit des Bcr- ,"n x-.». ssm s„ b&aeMt % t J« ÄÜS Schriften'.' das'Liederbuch der tzeilsarmmec heulst, oi idas amtliche Organ der Heilsarmee für alle c.�onge), sowie die kleine Broschüre„Was ist die '«äs'.s •>vt c-«rt7.v•öv// iwwic uit wcmc St tnarfH pro Stück 10 Pf. reißenden Absatz tWJ.wie tveninftong Nnir-a fffpfffiäft. Die Ge- !ung en v-'., i'i m "" Zwei brennenden Kerzen, seitwärts davon ""'------'« erw.!— W v.' wit den nöthigen Stühlen Hi-Ani der>,2 handelnden Personen. An V Sck.,k"kochende Polizeilieutenant Platz, Wieb unten, wo er bildeten das dem kleinen der ihm &."-KZSS et fltöfi-r» �, nfl einmal in der Gefahr der Bete Tisch hatte den Zweck, den wunderlichen Heiligen als Betpult zu dienen. Jmponirend wirkte daS Erscheinen der beiden„höheren Offiziere" der Heilsarmee gerade nicht, die schwarze Joppe mit den dunklen Achselstücken und dem silbernen H. am Kragen, ließ eher auf Angestellte eines Handlungshauses schließen. Railton, der Hauptmacher, ist von kleiner Statur und scheint mehr zum Stadtreisenden denn zum Mucker qualifizirt. Schaaff, ein Deutscher von großer Gestalt, macht den Eindruck eines Gelehrten und hat als Dolmetscher der Andern die Hauptarbeit. Die religiöse Posse begann mit dem herzerquickenden Duett, nach der Melodie„Thenderiy the Stiepherd",»Seht, ein guter bitte— Sucht sein Schäflein treu."— Alsdann begann Railton seinen Vortrag über die Ausbreitung und die Erfolge der Heilsarmee. Ruhig hörte das Publikum die Uebersetzuna mit an, hatte sie doch den Reiz der Zteuheit für sich, bis der Redner auf den Beschluß des Generals kam. auch Deutschland der.Heilsarmee zuzuführen. Man sei sich der Schwierigkeiten jedoch bewußt gewesen und seine Freunde in England hätten die Köpfe geschüttelt, als sie von seinem Entschluß hörten, nach Deutschland geben zu wollen,— da brachen die ersten Zwischenrufe:„Die hatten auch sehr recht!" los und sie steigerten sich zu bald mitleidigen, halb satirischen Benerkungcn, als der Redner die Hoffnung aus- sprach, wie in Amerika so auch hier, in acht Jahren 14000Offi- ziere der Heilsarmee znführen zu wollen.„Im Lande der Ver- nunft", ertönte es vnn allen Seiten,„wird Euch das nie ge- lingcn." Dem ersten Akte folgte wieder ein Duett der„Ossi- ziere", das unter Ztr. 44 im„Liederbuche der Heilsarmee" ver- zeichnet steht, ein für sich ganz tief empfundenes Lied, das aber durch die Tingeltangel-Melodie und den Chansonetten- Refrain: „Ich laß Dich nicht, ich laß Dich nicht, ich lasse Dich nicht gehen. Denn Du bist mein und ich bin Dein; ich lasse Dich nicht gehen," geradezu profanirt wurde.„Hauptmann" Schaaff hatte als Bekehrungsapostel einen schweren Stand. Man rief ihm zu: In London werdet Ihr ja mit faule Eier geschmissen! Ihr seid besoldete Faullenzer u. dgl. mehr. Als die beiden Heiligen sahen, daß sie nichts erreichen konnten, knieten sie nieder, um für ihre Feinde zu beten. Als„Hauptmann" Schaaff noch- mals die Versscherung abgab, daß Berlin, in welchem er 5 Jahre lang in der Sünde gelebt habe, ihm so ans Herz gewachsen sci, daß er die Wiederkehr nicht aufgebe, da brach die bisher müh- sam zurückgehaltene Heiterkeit der Versammlung sich Bahn. Im Hintergrunde begann man zu pfeifen und bald vereinten sich die unartikulirten Töne in die schöne Melodie:„Ftscherin du Kleine". Unter den Klängen dieses Konzerts leerte sich der Saal.... Für den Sonntag werden die„Offiziere" der Heils- armee wohl genug gehabt haben! Dem„Kladderadatsch" schreibt das„Hamb. Fremden- Watt" folgendes ins Album: Einst jagtest Löwen Du und Tiger, Als Du noch dachtest stolz und frei, Da warst in manchem Kampf Du Sieger Und geißettest die Narrethei! Jetzt aber bist Du alt geworden Und duckst Dich nach Lakaienart Und möchtest jede Zeitung morden, Die noch im freien Sinn beharrt. Da du verloren Deine Zähne, So jagst Du auch kein großes Wild, „Druckfehler" sind jetzt die Domäne, Die Deine fromme Jagdlust stillt. Darlehen an Beamte. Die Kluft zwischen dem Volks- gewissen und dem Gesetzbuchc hat das Wuchergesctz vom 24. Mai 1880 zwar auszufüllen versucht, wie wenig ihm dies aber ge- lungen ist, beweisen die zahlreichen Fälle„verschleierten" Wuchers, welche zeitweise in den Blättern besprochen werden, ohne daß es möglich wäre, den Halsabschneidern auf strafrecht- lichcm Wege zu Leibe zu gehen. Ein solcher Fall wird der „Berl. Ztg." mitgetheilt: Ein in Roth gcrathener Beamter wendet sich mit der Bitte um ein Darlehen an einen Agenten C. in der C.-Straße, welcher in einer hiesigen Zeitung inserirt hatte'„Kein Vorschuß!! Darlehn an Beamte rc.! C.-Straße rc." Der Agent stellte„mit dem Darlehnc suchet ein hochnothpein- liches Verhör über dessen Gehalts-, Dienst- und Familienver- hältnisse an und führte ihn zu„seinem Banquier", den wir X. nennen wollen. Auf die Frage, wie viel Zinsen beansprucht würden, raunte der Agent dem Bittsteller ins Ohr:„Danach müssen Sie nicht fragen; zeigen Sie sich nur koulant, dann be- kommen Sie das Geld auch später, und wiederholt. Herr X. erneuerte das Jnquifltorium und ließ sich sodann einen Wechsel über die geforderte Summe, sowie einen Schein des Inhalts ausstellen, daß der Darlehnssucher bei der und der Behörde gegen so und soviel Gehalt beschäftigt sei, keine Gehaltsabzüge erfahre, keine Schulden und die volle Valuta für den Wechsel erhalten habe. Die letztere wird dann auch thatsächlich gezahlt und erst bei der kurze Zeit darauf folgenden Rückzahlung be- ginnt das eigentliche„Geschäft". Der Agent, der sofort nach Empfang des Geldes hinter dem Darlehnssucher herläuft und sich von diesem ein„Geschenk" von 10 M. aeben läßt, instruitt seinen Kunden genau. Dieser legt bei der Rückzahlung die ihm angegebene„noble Vergütigung" in Gold neben den Wechsel- betrag und erhält dann die geliehene Summe in einigen Tagen nochmals als Darlehn, da ihn das Geld auf so kurze Zeit er- klärlich nicht herausreißen kann. Nun wiederholt sich die Ge> schichte mit dem Agenten, mit der koulanten Entschädigung an den Darlehnsgcber, dem Ausstellen eines neuen Wechsels k. Und rechnet der Beamte schließlich die Unkosten zusammen, so findet er, daß er für das Darlehn etwa 50—60 pCt. Zinsen gegeben hat. Unser Gewährsmann lieh z. B. 200 Ä. auf 3 Monate, zahlte dann 222 M. zurück und 10 M. Provision— 232 M. ---- 64 pCt., in der Hoffnung, das Darlehn, wie ihm versprochen, wieder gewährt zu erhalten. Er bekam es aber aus irgend welchen Gründen(angeblich war Herr X. selbst in Verlegenheit, da ein„Graf" einen Wechsel über mehrere Tausend Mark nicht eingelöst hatte) nicht wieder— wahrscheinlich weil er sich nicht „nobel" genug gezeigt hatte. Daß durch solche Manipulationen ein Beamter sehr bald ruinirt werden kann, versteht sich von selbst. Herr X. hat übrigens mehrere Agenten, die ihm Nothleidende zuführen. Die letzteren lassen sich ja leider nur zu leicht von den Agenten drillen, thun und schreiben alles, was diese von ihnen verlangen. So wird alles stillschweigend gemacht und„das" Geschäft erscheint als ein erlaubtes, da die„Zinsen" die Gestalt einer— freiwilligen Gabe, eines Geschenks annehmen. Ein unerwartete« Honorar erhielt gestern einer jener Wunderdoktoren, welche in Berlin, der Stadt der Intelligenz, noch immer ihr Unwesen treiben. Besagter„Doktor" ist zwar nicht in Berlin selbst ansässig, er haust vielmehr im Sprecwald, hat aber einen solchen„Ruf" erlangt, daß er regelmäßig nach der deutschen Reichshauptstadt kommt, um seine zahlreichen Patienten heimzusuchea. Seine Kuust und Wissenschaft besteht im„Besprechen". Damit kurirt er alle bekannten und unbe- kannten Krankheiten, und zwar ohne„alle Medizin". Wenn er nach Berlin kommt, dann trägt der Biedermann aus dem Spree- walde nicht etwa die alte Wendentracht, sondern erscheint stets in Frack, weißer Weste und mit Zylinder. Betritt er die Woh? nung eines neuen Pattenten, dann gilt seine Aufmerksamkeit nicht etwa in erster Linie der Person des Hilfesuchenden, sondern der Wohnungseinrichtung und wenn ihn diese einigermaßen befriedigt,.dann erklärt er ganz gelassen:„Na. zehn Mark werden Sie für reden Besuch wohl zahlen können!" Erst wenn ihm dieses Honorar bewilligt ist, aiebt er seine Kunst zum Besten, aber vorher legt er dem Patienten noch die Verpflichtung auf. keinen Arzt zu Rathe zu.ziehen,„weil sonst das Besprechen nichts Hilst!" So war er rungst auch zu einem Rentier in der Weberstraße gerufen worden, der an Asthma litt. Dreimal hatte er die Krankheit schon besprochen, ohne daß der mit größter Bestimmtheit vorhergesagte Erfolg eingetreten war. Bei seinem vierten Zehn Mark-Bcsuche meinte der Kranke zaghaft:„Es hilft doch wohl Alles nichts, ich werde doch wohl müssen einen Arzt zu Rathe ziehen!"—„Um Gottes willen" — rief der Wunderdoktor—„keinen Arzt, sonst müssen Sie sterben!" Kaum war dieses Wort dem Gehege seiner Zähne entflohen, da erhielt er rechts und links ein paar derbe Maul- schellen und ehe er sichs versah, da laß er draußen auf der Treppe und sein Zylinder flog hinterdrein. Der Schwiegersohn des Kranken, der den Wunderdoktor längst auf„dem Strich" hatte, war nämlich während der Konsultation in das Zimmer getreten, hatte das Gespräch mit angehört und der Kur in der geschilderten Weise ein drastisches Ende gemacht. Der Wunder« doktor hat sich auf der Straße ruhig seinen Zylinder glatt ge» strichen und ist von bannen geschlichen. Gin Bräutigam der seine Kraut pfänden läßt. Vor etwa einem halben Jahre hatte sich der Schneidermeister G. mit einem hübschen jungen Mädchen, Fräulein Wanda F., verlobt und vor vier Wochen sollte die Hochzeit sein. Einige Tage vorher kam es zu stürmischen Auftritten zwischen beiden Brautleuten und Herr G. ging wutherfüllt fort, um der ehe- maligen Geliebten seines Herzens einen Absagebrief zu schreiben, welchem er sämmtliche Geschenke, die er von seiner Braut er» halten beifügte, seinerseits sich dagegen nur den Verlobungsring zurückerbat. Statt dessen empfing er ein höhnisches Briefchen, in welchem Fräulein F. rundweg erklärte, den Ring nicht heraus- geben zu wollen, was den Schneidermeister veranlaßte, erfolg- reiche Klage auf Herausgabe des Verlobungsringcs anzustrengen. Die Exekution fiel das erste Mal fruchtlos aus, da die Exbraut erklärte, das Pfand der Treue versetzt und den Pfandschein ver- loren zu haben. Herr G. muß aber wohl seine Pappenheimer gekannt haben, denn kurz nach der Pfändung erschien derselbe nochmals in Begleitung eines Gerichtsvollziehers in der Woh- nung der Eltern des Fräulein F., und siehe da, der Ring steckte am Finger des Fräuleins, welches ihn nun wohl oder übel herausgeben mußte und dazu noch die nicht unbeträchtlichen Gerichtskosten zu zahlen hatte. Herr G. aber hat sofortige Ver- wendung für den erbeuteten Verlobungsring gehabt und nach 14 Tagen denselben einem anderen jungen Mädchen an den Finger gesteckt. Der an der Trichinost« erkrankte hiestge Schneidermeister Kusch hat sich jetzt soweit erholt, daß er zeitweise das Bett verlassen kann. Die Entkrästung des schwerheimgesuchten Mannes, dessen drei kleine Kinder durch die tückische Krankheit der Mutter beraubt sind, ist aber so groß, die Starr- heit der Glieder so anhaltend, daß noch lange nicht darnn zu denken ist, daß Busch seine Arbeit wieder aufnehmen kann. Den Rechtsweg gegen Zink zu betreten, hat er aufgegeben, nachdem ihm von vielen Seiten die Aussichtslosigkeit dieses Schrittes klar gemacht worden ist. Zu dem Schmerze um die verlorene junge Gattin tritt nun noch die materielle Roth, die Sorge um die Erhaltung der drei Kinder, deren ältestes fünf Jahre zählt und deren jüngstes noch in der Wiege liegt. Großfeuer in Gharlottenburg. Freitag Ziacht kurz nach 11 Uhr wurde von Charlottenburg aus die nachbarliche Hilfe der Feuerwehr erbeten: auf dem„jenseits der Spree" belegenen Holz- und Stätteplatz von Edmund Schramm war Feuer ausgebrochen. Der in Moabit stationirte 15. Zug rückte sofort nach Charlottenburg ab und betheiligte sich erfolgreich an der Löscharbeit.— Von anderer Seite wird uns über den Brand noch gemeldet: Gegen&11 Uhr war in dem Speicher der Schramm'schcn Ztutzholzhandlung auf bisher noch nicht aufge- klärte Weise Feuer ausgebrochen, welches, genährt durch die vielen dort aufgestapelten Holzbestände in kurzer Zeit riesige Dimensionen annahm und das unmittelbar in rer Nähe sich befindliche Pferdebahn- Depot arg gefährdete. Die Charlotten- burger Feuerwehr, wie auch die freiwillige Feuerwehr, welche prompt zur Stelle waren, erwiesen sich dem wüthenden Element gegenüber so schwach, daß man um Suecurs nach Berlin tele» graphiren mußte. Mit der bekannten„Fixigkeit" trafen denn auch umgehend mehrere Löschzüge von Berlin auf der Brand- stelle ein und begannen sofort einen Massenangriff auf das entfesselte Element. Inzwischen hatte die Pferdebahngesellschaft um Hilfe in der Garde du Corps- Kaserne nachgesucht und die aus derselben abkommandirten Mannschaften machten sich daran, die Wagen der Gesellschaft aus den gefährdeten Schuppen zu schaffen. Trotzdem sind viele der Wagen durch die furchtbare Hitze beschädigt worden. Erst gegen 4 Uhr früh war das Feuer derart eingeschränkt, daß die Berliner Löschzüge wieder abrücken konnten. Die Charlottenburger hatten noch bis gestern Vor- mittag mit dem Ablöschen und den Aufräumungsarbeiten zu thun. Der Schaden ist ein ganz kolossaler. Polizeibericht. In der Nacht zum 25. d. M. geriethen auf dem Hofe Charlottenstraße 95 vor dem dort belegenen Restaurant von Kunst mehrere Studenten mit Arbeitern in Streit, in dessen Verlans zwei Studenten durch den Schlächter Radecke mit einem Messer an den Armen verletzt wurden. Radecke, welcher Veranlassung zum Stteit gegeben haben soll, ist verhaftet.— Am 25 d. M., Nachmittags, stürzte auf dem Zieubau des naturhistorischen Museums in der Jnvalidenstraße der Schlosser Rink, während er mit dem Einsetzen einer Thür beschäftigt war, von der mit Geländer noch nicht versehenen Treppe etwa 12 rn tief herab und erlitt durch den Fall einen Bruch des reckten Unterarms und des Nasenbeins. Er wurde nach der Charitec gebracht.— Gegen Abend wurde in dem Lagerkeller eines Kaufmanns in der Leipzigerstraße ein dort beschäftigter Hausdiener an einem in der Decke befestigten Haken erhängt vorgefunden.— An demselben Tage fanden mehrere unbedeutende Feuer statt. Es brannten Sophienstraße 8 der Fußboden in einem Fabrikraum,— Kurfürstenstraße 81 A Stroh in einem Pferdestall,— Boyenstraße 22 die Schalvecke unter einer Treppe, durch eine darunter aufgehängte Petroleumlampe in Brand gerathen— und am 26. d.M., früh, Alexauderstraßc Nr. 26 Lumpen und Fußboden in einem Fabrikraum.— Am 26. d. M., gegen Mittag, fiel in der Grimmstraße eine Frau plötzlich nieder und schlug dabei mit dem Kopfe derartig auf das Straßenpflaster auf, daß ste bedeutende Verletzungen erlitt, bewußtlos liegen blieb und mittelst Krankenwagens nach der Charitee gebracht werden mußte.— An demselben Tage brannten Sckmidstraße 7 Fußboden und Balken unter einem Ofen.— Kaiserstraße 29 Kohlen in einem Keller— und in der Ztacht zum 27. d. M. Gartenstraße 153 Kleidungsstücke in einem Schlafzimmer. Gerickts-Deltnng. Geizrn da» übermäßig schnelleFahrenderKchlächtrr- fuhrwerke wird jetzt seitens der Adtheilungen der Berliner Schöffengerichte ganz energisch eingeschritten. Behufs Fest» stellung der Kontravenienten werden nach der Aussage eines als Zenge vernommenen Schutzmannes allwöchentlich des Montags und Freitags in der Thaerstraße und in der Nähe des städti» schen Zentralviehofs von des Morgens 7 bis Nachmittags 4 Uhr berittene Schutzleute aufgestellt, und sind von diesen bereits eine große Anzahl Führer von Schlächterfuhrwerken wegen über» mäßig schnellen Fahrens zur Anzeige gebracht worden. Da der Polizeibehörde nicht die Kompetenz zusteht, höhere Freiheits- strafen zu verhängen, werden die Amtsgerichte zum Erlaß amts- richterlicher Strafbefehle angegangen. Und so werden denn die Kontravenienten auf diesem Wege je nach der Schwere des Falles mit tzaftstrafen von vierzehn Tagen, von vier, ja sogar von sechs Wochen belegt. Selbstverständlich beantragen die Betioffenen gegen diese Strafbefehle richterliche Enscheidung, und zumeist finden sie milvgestimmte Schöffen, die es noch einmal mit einer empfindlichen Geldstrafe von 50 M. abgethan sein lassen. Der Schlächtermeister Borchart, welcher am 17. November v. I. eben- falls in überschneller Gangart von dem Weidenweg in die Thaerstraße einbog, blieb aber trotz seines Einwandcs, daß sein ungewöhnlich muthiges Pferd nicht zurückzuhalten gewesen sei, mit einer Haftstrafe von einer Woche hängen, indem der Ge- richtshof der Ansicht war, daß der, welcher muthige Pferde nicht fu regieren verstehe, auch mit solchen nicht fahren dürfe, da er onst zu leicht großes Unheil anrichten könne. Gin Angestellter der Firma Heinde und KlanKertz, der Kommis Karl S., stand gestern wegen Unterschlagung vor der dritten Strafkammer am Landgericht I. Der Angeklagte hnlte die Portokasse, die sogenannte kleine Kasse und den Klein- verkauf der Stahlfedern an die Angestellten unter sich. Durch geschickte Manipulationen hat er es nun verstanden, im Laufe eines Jahres die Summe von 865 M. 35 Pf. zu veruntreuen. Eines Tages w r er krank und mußte unterdessen vertreten wer- den. Bei dieser Gelegenheit fand nun der Vertreter, daß an einem Tage 49 Briefe als frankirt angegeben waren, während in Wirklichkeit nur 19 Briefe aufgegeben worden waren. Diese Fälschung war in der Weise ausgeführt worden, daß nachträg- lich die Lahl 1 in der Zahl 19 in eine 4 verwandelt worden war. Dadurch hatte der Angeklagte das Porto für 30 Briefe zu seinem Nutzen erhoben. Eine genauere Prüfung ergab den erschwindelten Betrag in der oben gesagten Höhe. Ter Ange- klagte war eigentlich durch die Erfüllung der Sohnespflicht zum Verbrecher geworden, denn er hatte seme betagten Eltern, die durch Krankheit erwerbsunfähig waren, erhalten, wozu sein Ge- halt von monatlich 235 M. nicht mehr ausreichte. Aus diesem Grunde bat der Vertbeidiger, Rechtsanwalt Wronker, den An- geklagten zu einer Geldstrafe zu vcrurtheilen, während der Staatsanwalt 6 Monate Gefängniß beantragt hatte. Der Ge- richtshof erkannte auf 3 Monate Gefängniß. Eine strafbare Handlung begeht man, wenn man aus einer Bier- oder Mineralwaffcrhandlung beim Kauf von Bier oder Mineralwasser geliehene Jlaschcn zu eigenen Zwecken ver- wendet. Ein bisher gänzlich unbescholtener Tischler� in Dresden mußte dies jüngst erfahren. Derselbe hatte eine Flasche, mit Patcntvcrschluß versehen, welche Eigcnthum des Hofbrauhauses in Cotta bei Dresden war und den Stempel„Unverkäuflich" im Glase trug, seiner Tochter übergeben, damit dieselbe Petro- leum darin hole, was auch geschah. Durch die Verwendung der Flasche übte der Tischler aber das Eigcnthumsrecht an derselben aus und machte sich somit der Unterschlagung schuldig. Der Vorgang kam zur Kenntniß der Steatsan waltschaft, welche An- klage erhob, und nur unter der besonderen Annahme mildernder Umstände erkannte, wie die„Gerichtsztg." meldet, das Schöffen- aericht zu Dresden auf die gelinde Geldstrafe von 4 M. als Ahndung. Dies diene zur Warnung. «rfährdung eine» Eiftnbahusuge«. Mit einem seltenen Leichtsinn setzte am 19. September v. I. der Bäcker Gustav Emil Hengst ous Gruna sein Leben und die Sicherheit eines ganzen Eisenbahnzugs aufs Spiel. Er war beauftragt worden, ein Fuhrwerk von Reichenbrand nach Gruna zu fahren und kam gerade bei dem Uebergange der Chemnitz- Glauchauer Bahn gegen 7 Uhr Abends an, als der von Chemnitz kommende Kouricrzug sich näherte. Eigenmächtig öffnete er, trotzdem der Bahnwärter abwinkte, den schon herabgelassenen Schlagbaum und trieb sein Pferd mit Ungestüm über die Schienen. Nur dem Umstände, daß eine Privatperson, den auf der anderen Seite befindlichen Schlagbaum schnell öftnete, ist es zu danken, daß kein Zusammenstoß erfolgte. Diese Frivolität glaubte das Landgericht Chemnitz nachdrücklich ahnden zu müssen, denn es verurtheiltc den Hengst zu 2 Monaten Gefängniß.— Die von dem Angeklagten eingelegte Revision, in welcher behauptet wurde, es liege nur ein strafloser Versuch vor, wurde kürzlich vom 3. Strafsenat des Reichsgerichts verworfen, da das Gesetz nur eine Gefährdung, nicht aber eine Beschädigung eines Eisen- bahntransportes verlange. Mir», 25. Februar. In dem Hochverrathsprozesse gegen den Dr. Zivny wurde der Angeklagte auf Grund des Spruches der Geschworenen freigesprochen. Die Schuldfrage war mit sieben Ja und mit fünf Nein beantwortet worden. Kerewe nnd Versammlungen. Der Derew zur Unterstützung erkrankter Mitglieder der Maurer Kerlins kielt am 23. Februar im »Louisenstädtsschen Konzerthause", Alte Jakobstraße 37, eine Mitgliederversammlung ab. Ter 1. Punkt der Tagesordnung war die Neuwahl des gesammten Vorstandes. Bevor in die Tagesordnung eingetreten wurde, verlas der Vorsitzende Herr Krieg ein Schreiben des Königlichen Polizei-Präsidenten, über welches später debattirtz wurde. Bei der Vorstandswahl wurden gewählt die Öerren Krieg als 1. Vorsitzender, Herrmerschmidt als dessen Stellvertreter; Wilhelm Müller als 1. Kasfirer; Wagener als dessen Stellvertreter; Wernau als 1. Schriftführer; Ferdinand Müller als dessen Stellvertreter und als Revisoren die Herren Noelte und Dähne. Hierauf wurden einige Unterstützungegesuche bewilligt und sodann deschloffen, daß bis zur nächsten Versammlung alle Unterstützungnachsuchende sich direkt an den Vorstand zu wenden haben, worauf die Rege- lung dieser Sache der nächsten Mitgliederversammlung vorbehalten bleibt. Alsdann wurde das oben genannte Schreiben des Herrn Polizei-Präsidenten besprochen. Herr Krieg erklärte, daß er doch unmöglich für jedes Mitglied einstehen könne; wenn einzelne darunter wären, die außerhalb des Vereins für andere Sachen eintreten, so sei das nicht Sache des Vereins. Der Ver- verwende in keiner Weise� Gelder zu anderen Zwecken, ern als im Statut vorgeschrieben. Er(Redner) könne gar nicht be- areifen, was durch dieses Schreiben bezweckt werden solle. Herr Grothmann meinte, die Schreiben wäre ein Beweis für ihn, daß die Mamer Berlins sich schon die nöthige Beachtung ver- schafft hätten. Niemand hätte wohl geglaubt, daß Sammlungen für nothleidende Brüder ungesetzlich wären. Da diese Ange- legenheit aber in keiner Weise mit dem Verein etwas zu thun habe, so möge man das Schreiben ruhig zu den Akten legen. Herr Heinz meint, daß, wenn hier die sächlichen und Porto- ausgaben mit angezogen werden, so gehörten dieselben unbe- dingt mit zur Verwaltung. Wenn man gestatte, für Kirchen- bauten und derartige Zwecke Gelder zu sammeln, dann solle man auch den Arbeitern in dieser Hinficht keine Schwierigkeiten bereiten, denn, was Einem Recht ist, sei dem Andern billig. Nachdem noch einige Fragen ihre Erledigung gefunden, wurde die Versammlung mit Hochrufen auf das fernere Gedeihen des Vereins geschlossen. Polizeiiiltz aufgelöste Nersammlung. Die Vereini- �ung der deutschen Stellmacher(Mitgliedschaft Berlm) hielt am M. in Lammer's Salon, Kommandantenstt. 71—72, eine Versammlung ab, in welcher zunächst eine aus 8 Personen be- stehende Ardeitsvermittelungs-Kommisfion gewählt wurde, hierauf wurde von mehreien Rednern hervorgehoben, daß die Organi- sation mehr als bisher an die Oeffentlichkeit treten müsse, weil von den Meistern alles das, was vor zwei Jahren durch den Streik errungen wurde, wieder illusorisch gemacht würde. Es sei kein Wunder, wenn diejenigen Gesellen, welche das Hand« werk hochhalten wollen und für eine Verbesserung ihrer Lage eintreten, deshalb von den Meistern gemaßregelt würden. Schuld daran wären die Kollegen, welche sich allem, was die Meister ibnen bieten, willig fügen. Dadurch schädigen sich die betreffen- Kollegen nickt nur selbst, sondern es würden auch andere Handwerker der Holchranche in Mitleidenschaft gezogen. Es sei daher nöthig schnellstens eine öffentliche Versammlung der Stell- wacher Berlins einzubemfen, um über die einzuschlagenden Wege zu berathen. Ueber einige hierauf gestellte Fragen entspann sich ei..e längere Diskussion, welche dem überwachenden Beamten Grund gab, zu erklären, daß er, wenn in dieser Weise fortge- fahren würde, die Versammlung auflösen würde. Als Herr Wachhaus dem Beamten das Recht absprach, unter diesen Um- ständen die' Versammlung aufzulösen, erhob sich dieser und erklätte die Versammlung für aufgelöst; zugleich forderte er die Anwesenden auf, so schnell als möglich den Saal zu verlassen. Ruhig ging hierauf die Versammlung auseinander. Eine neue gewerkschaftliche Lohnbewegung bereitet sich gegenwärtig vor, und zwar sind es die Lackirer, welche zum ersten Male in eine solche eintreten. Behufs Stellungnahme zur Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit fand am Sonntag Vormittag eine öffentliche Versammlung der Lackirer aller Branchen Berlins und Umgegend in den Arminhallen statt. Herr Rautenhaus begründete die Forderung einer zehnstündigen Arbeitszeit mit dem Hinweise darauf, daß die jüngst vergangene Zeit und das von der Lohnkommission s. Z. gesammelle stati- stische Material gezeigt habe, daß wohl 70 pCt. der Arbeitskräfte arbeitslos waren, während höchstens 30 pCt. Beschäftigung hatten. Im Sommer, wenn viel zu thun fei. dann würden neben einer elfstündigen Arbeitszeit noch Ueberstunden gemacht und auch des Sonntags gearbeitet, ja sogar jetzt im Winter wäre m Wc' dies der Fall. Dies müsse hinfort in Wegfall kommen und die Arbeitszeit allgemein verkürzt werden, um den Arbeitslosen Arbeit zu verschaffen. Das Arbeitslohn würde sich infolge hier- von selber heben, während dasselbe unter den heutigen Verhält- nissen immer mehr zurückgeht. Auch in gesundheitlicher Beziehung sei eine Verkürzung der Arbeitszeit dringend geboten, da die giftigen Substanzen, mit denen die Lackirer zu arbeiten haben, deren Gesundheit zerrütte. Der Berufskrankheit, der Bleikolik, könnten manche Opfer entrissen werden durch eine Verkürzung der Arbeitszeit und einer dadurch ermöglichten Pflege des Körpers. Die Meister sollen, wie Herr Rautenhaus versicherte, nicht abgeneigt sein, die Gehilfen in dieser ihrer Forderung zu unterstützen, falls sie eine solche stellen sollten. Im allgemeinen Interesse befürwortete der Redner die Einführung der zehn- stündigen Arbeitszeit, wie solche bereits zum Thcil in den Fa- briken und Blcchlackirereicn auf Wunsch der resp. Arbeiter eingeführt worden sei, insbesondere bei den Kleinmeistern. Die Diskussion, an der sich viele Redner, namentlich Herr Schüßler betheiligten, bewegte sich durchaus im Sinne des Herrn Rauten- haus und schloß mit der einstimmigen Annahme folgender Re- folution:„Die heute tagende öffentliche Versammlung der Lackirer aller Branchen Berlins und Umgegend erklärt sich mit den Ausführungen der Redner, welche sich für eine Verkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen haben, voll und ganz einverstanden, indem die Versammlung der Anficht ist, daß durch eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht nur die physische Kraft des Arbeiters geschont, sondern auch eine Besser- stellung des Lohnes eintreten wird."— Auf Antrag des Herrn Rautenhaus wählte die Versammlung sodann(durch Zeltelwahl) die Herren Rautenhaus, G. Walsdorf, A. Müller, H. Müller, Kranz, Bcdau und Kolaczinski in eine Kommission, welche mit den Meistern in Verbindung treten, einen Lohntarif unter Zugrundelegung der zehnstündigen Arbeitszeit und eines fest- zusetzenden Minimallohnes ausarbeiten und diesen den Meistem vorlegen soll. Zur Besprechung dieser Angelegenheit wird in nächster Zeit eine gemeinsame Versammlung von Meistern und Gehilfen einberufen werden. Der Kommission wurde an's Herz gelegt, wenn irgend möglich in Güte eine Einigung mit den Meistem herbeizuführen. Sollte es indessen doch zum Stteik kommen müssen, so sind die Gehilfen gesonnen, mit allen Kräften für ihre Fordemngcn einzutreten. Mit einem Hoch auf das Gelingen des Vorhabens der Gehilfen wurde die Ver- sammlung geschlossen. Kerliner Verein fnr naturgemäße Gesundheit«- pfleg» und arzneilose Heilkunde. Heute, Dienstag, Abends 3 Uhr, Alexanderstraße 27 Vortrag des Herrn I>r. med. Dock aus St. Gallen über:„Ursache und Wirkung in ihren Beziehungen zu Gesundheit und Krankkeit". Fachverein sämmtlicher im Drechslergemerk beschäftigten Arbeiter Kerlin». Versammlung heute, Dienstag, Abends 8t Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Die cnd- giltigen Ziele der gewerkschaftlichen Organisationen der deutschen Arbeiter in der Jetztzeit, unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte der Arbeiteragitation Ferdinand Laffallc's". 2. Dis- kussion. 3. Gewerkschaftliche Angelegenheiten. 4. Verschiedenes und Fragekasten.—»Gäste haben Zutritt. Freireligiöse Gemeinde. Heute, Dienstag. Abends 8% Uhr, Möckernstraße 117(Eingang Teltowerstt. 38) öhler's Salon, Vortrag des Herrn Vogtherr über„Haben die freien Gemeinden Religion?" Damen und Herren find als Gäste willkommen. Gauvrrei« der Kildhauer. Heute, Dienstag, Annen- straße 16, im Restaurant Sahm. Bibliothekabend. Gesang-, Turn- und gesellig« Vereine am Dienstag, Gesangverein„Gutenberg" Abends 8', Uhr im Restaurant Quandt, Stralauerstraßc 43.— Gesangverein„Alpenglühen" Abends 9 Uhr im Restaurant Hildebrandt, Prinzenstraße 97.— Schäfer'scher„Gesangverein der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf und Kniaer, Skalitzerstraße 126, Gesang.— Männer- gesangverein„Gartenlaube Abends 9 Uhr im Restaurant Firk, Kottbuserstraße 22.— Männeraesangverein„Steinnclke" Abends 9 Uhr im Restaurant Schulz, Stettinersttaße 56—57.— Gesangverein„Schwungrad" Abends 3', Uhr Annenstraße 16, im Restaurant Sahm.— Gesangverein„Sänaerhain" Abends 9 Uhr im Rest. Kaiser Franz Grenadierpl. 7.— Gesangverein„Hoffnung Moabit" Abends 8'/, Uhr Wilsnackerstraßc 63, im Restaurant Jlgcs.— Gesangverein„Felicitas" Abends 9 Uhr im Restaurant Nebelin, Langestr. 108.— Männeraesangverein„Accordia", Abends 9 Uhr, bei Brademann, Markusstraße 7.— Zitherklub ,Amphion". Abends 9 Uhr, in Triebers Restaurant, Hoher Steinweg 15.— Turnverein„Froh und Frei"(Männer- abtheilung) Abends 8'/, Uhr Bergstraße Nr. 57.— Berliner Tumgenossenschaft(V. Männerabthciiung) Abends 8 Vi Uhr in der städtischen Tumhalle, Wasserrhor- straße Nr. 31.— Turnverein„Hascnhaide"(Männer- Abtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstraßc Nr. 60/61. — Rauchklub„Deutsche Flagge" Abends 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelstt. 11.— Verein ehemaliger Schüler der 37. Gemeindcschule Abends 9 Uhr im Restaurant Kinner, Köpnickersttaße 68.— Verein ehemaliger Schüler der 44. G«> meindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant„Albrechtsgarten", Wilhclmstraßc Nr. 105.— Arendssscher Stenographen- Verein „Äpollobund" Abends 8% Uhr Brunnenstraße 129».— Arendtscher Stenographen-Verein Abends 3'/, Uhr im Restaurant„Zum eisernen Kreuz", Lindenstt. 71.—„Deutscher Verein Ärends'schrr Stenographen Abends 8' i Uhr in Randel's Restaurant, Brunnen- sttaße 129».— Verein„Rose" Abends 8>, Uhr im Restaurant Eltze, Alexandrinensttaße 99.— Vergnügungsverein„Mollig" Abends 9 Uhr im Restaurant Reimcke, Gipsstraße 3, jeden Dienstag nach dem 1. und 15.— Rauchklub„Zum Wrangel" Abends 8 Uhr bei Blocksdorf, Wrangelstt. 32. Kleine MittheUnngen. Hamburg, 27. Februar. Der Postdampfer„Moravia" der Hamburg Amerikanischen Packetfahrt-Attiengesellschaft hat, von New-Bork kommend, gestern Abend sechs Uhr Scilly pasfirt. Krevla«, 24. Februar.(Tod infolge Explosion einer Petroleumlampe.) Als die in einem Hause auf der Großen Fürstenstraße wohnende 33 Jahre alte Stickerin Marie Freitag am 22. d. M. Abends zu Bett gehen wollte, schraubte sie die Flamme ihrer Pettoleumlampe herab und blies alsdann von oben in den Cylinder hinein, um die Flamme vollständig zum Verlöschen zu bringen. In demselben Augenblicke explodirte die Lampe und das brennende Petroleum ergoß sich, Kleider des Mädchens, so' daß dieselben im Momente Flammen standen. Die Bedauernswettbe erlitt, ehe# gebracht werden konnte, außerordentlich schwere B am ganzen Körper; einzelne Theile des letzteren zum Theil bereits verkohlt. Die Leidende wurde um Nachts in die chirurgische Klinik aufgenommen, wo fic am nächsten Morgen gegen 5 Uhr der Tod von ihren erlöste. Crefeld, 26. Februar. Der Rhcintrajekt zwis Hausen-Welle der Strecke Cleve-Zevenaar ist von heute des Eisganges für den Verkehr gesperrt. Die Reiß und von Holland müssen über Cleve- Nymwegen> rheinisch über Oberhausen-Emmerich fahren. Lahr, 24. Februar.(Von der Eisenbahn ui Gestern Morgen wurde der im 83. Lebensjahre ste! seit 37 Jahren als Bahnwärter angestellte Joseph Wartestation 263(tzugsweierer Uebergang) von dem zug Nr. 32, welcher um 6 Uhr 18 Minuten von landabwärts fährt, überfahren und blieb auf der Zur gedachten Zeit kreuzten sich beim Uebergange 2 es ist dem alten Manne jedenfalls nicht mehr möglich auszuweichen.— Der alte unglückliche Mann hf längst verdient, pcnfionirt zu werden, statt in Alter noch auf einen so lebensgefährlichen Posten werden. Wien, 26. Februar.(Ueberfall in der Woh Reichsrathsabgeordneten Pernerstorfer.) Gestern um halb 2 Uhr war in der Wohnung des Abgeord:. nerstorfcr ein Mann von: etwa 30 Jahren, welcher M digte, wann der Abgeordnete zu sprechen wäre, indem; einem Gespräche mit der Frau des Abgeordneten vorgab� gend wegen eines Manuskriptes mit Herrn Pemerstorftt� zu müssen. Um 18 Uhr erschien er in Begleitung eine« � Mannes in demselben Alter. Kaum hatten die beiden. das Schreibzimmer des Abgeordneten betreten und ,i>°. Meyer und Wagner vorgestellt, als sie Beide Stöcke, � der Hand hielten, erhoben und auf den Kopf des Abgeordm- tv., schlagen begannen. Es entspann sich ein Handgcw» 1% �. welches auch die Frau des Abgeordneten, durch den beigelockt, sich einmischte. In dem kurzen Kampfe!!' dem Angegriffenen, beiden Angreifern die Stöcke zu den einen auf den Boden niederzustrecken, worauf der zur Thür hinaus entwischte. Auch dem zweiten gelang Vings unter Hinterlassung seines Hutes, die Thür zu Eiligst flohen sie über die Treppe und waren nicht wem, holen. Kurze Zeit hierauf hat die Polizei den aufgenommen und die hinterlaffenen Gegenstände m rung genommen. Die Wunden des Abgeordneten Warschau, 26. Februar.(Panik in der Synal der Tlomackischcn Synagoge wurde gestern bei dem>. durch falschen Alarm eine Panik hervorgerufen, wöbet dränge 4 Frauen getöstet und 16 schwer verletzt wurden Opfer der Katastrophe sind meistens Frauen. Gin unmenschlicher Mater. Wie der, Bclostok in Rußland berichtet, f ritte ein verwittweter% eine junge Bäuerin, die seinen Werbungen nicht abgem� nur forderte sie die Entfernung der Kinder, die der erster Ehe hatte, aus dem Hause. Eines Tages führte b-L seine Kinder, ein 5 jähriges Mädchen und einen* Knaben, unter dem Vorgeben, er bringe sie zur � Pension, in den Wald, wo er ihnen die warmen! nahm und sie abseits vom Wege aussetzte. Zwei,«n t,, fanden Bauern, welche in den Wald nach Holz? n, beiden Kinder unter einem Baum erfroren vor. AuZ l�aM»,/ sozial ist zu ersehen, daß die armen Kleinen erst lange'Jisr J�Ji'Vtärtä str herumgewandert waren, ehe sie sich ermattet unter d'Vj'%rnb in d niederließen. Die ältere Schwester hatte den Kopf �n€n t Adom .HerU 1 der dem wöchentl ■ßet Adouuee °rtz 35 Ms. Expedition 1 Bestellungen t von der E Angenommen nfo außerha! Ken für de: %T' an. Vi Kicherst chens mit ihrer Schürze umwickelt und dessen eingehüllt und hielt ihn eng umschlungen. Vater wurde oerhaftet. Kern, 26. Februar.(Lawinenstürze.) Die# ist auf der Südseite des Gotthard infolge massenhasl� falls und stattgehabter Lawinenstürze heute in einer ca. 400 Metern überschüttet; man hofft indeß durch des Umstcigens den Personenverkehr bald wieder aust können.„ Mailand, 24. Februar. Eine ungeheure Laa» in Valtorta(Bergamo) eine Hütte mit 33 Personen, jetzt 7 todt und 10 lebend herausgeholt wurden, Valbella(Navarra) wurde eine Hütte mit 4 Pen schüttet. fadtfrj T rieft, 25. Februar. Der Lloyddampfer„EL, f mit der ostindisch-chinefischen Post aus Alexandrien b troffen. zst, London, 23. Februar.(Soziales Elend.) völlig aller Mittel Entblößten(paupers) betrug in- in Irrenanstalten Aufgenommenen nicht e ngen Sonnabend 110 220, während sie an dem gle. Vorjahres nur 104 560, 1886 nur 102050 und 1%J 97 434 betrug. Die»Klagen über die wachsende somit doch wohl mehr Begründung, als manche zuM neigt sind._ tum daß 1 Literarisches. Molksbibliothrk de« gekämmten Wissen», herausgegeben von Wilhelm Kommissionsverlag von R. Schnabel in Dresden, straße 3. Erscheint in Wochenheften zu 10 Pf- fj zur Ausgabe gelangten Hefte 27 und 28 enthalten.. tjC 27. Neueste Geschichte fortgeführt von Brun (Fortsetzung.). 28. Astronomie, Astrophysik und Kosmogonm --K1 von K. Steinmetz. Zu beziehen durch alle (Fortsetzung.) Buchhandlungen und Telegraphische Depesch� ■wrvtj, m S*' Roman Sach. Summen( "Aber K lieb "�Ute. lass (Wolff's Telegraphen-Bureau.) London, Montag, 27. Februar, Nachnuttags. y Unterstaatssekretär Fergusson erklärt, die gestern tts gebrachte Nachricht, daß England sich tn der J M danellen die- Zession eines türkischen Hastns, ha türkischen Insel ausgewirkt oder eine solche geio. �/ unwahr, auch alle übrigen in dem fraglichen Artii enthaltenen Nachrichten entbehrten der Begrundr j (Und, Schluß der Redaktion eing-tr-" � Ghicago, Montag, 27, Februar. mir einfach I"iv1 bin n lington-Ouincey Eisenbahn ist unter den Herzern ein allgemeiner Streik ausgebrochen, sowie der Passagierverkehr stocken augenblicklich- �«edal-ti'"' Kriefkasten„_ i Sprechstunden der Redaktion� iy ttuv von 12-1 Uhr Mittag» und e J »ei»nfragen bitten mir bie Abonnementb-Quittmia W« fv «ntmort wirb nicht etthe.lt.„ stt»' Isenburg. 1. Alle Postabonncnten mU'lH qW unregelmäßiger Zustellung zunächst immer bei � schweren, wo 0- fmbefl..- ,'Aber die Do sie unsere Zeitung bestellt baben. � liefert das Blatt stets pünktlich an d>e Post° FeN 1?/ Sie Zusendung eines Notizkalenders wunschcU'■ gefälligst 60 Pf. einsenden. Auf Ihren weiter. wir nicht eingehen. Die Erpedition.. fl etr Garl A-r, Wil»»ackerstraß-. Betrag abgeliefert. 'ZW "vgz W •JU lass en. "Ab� mw l�iiÜ�erst Verantwortlicher Redakteur: M.»rauhet« in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Aadiug in Berlin Beuthstraße 2.