. Diel ind zur! ztcn chneeo ichtigmil» hte zu! den ge< ob fich Anna. ellerhalsl; erHalse' b, welche j Unglück' tt i Hieben ördert i SS. Donnerstag, den 1. Mar» 1888. 5 Jahrg. etlraet ♦ e Ab Brgan für die Interessen der Ardeiter. «folge ZLahlgesel Eintheib « von den des� nmtliche? es Einach arg sei e>!« >ic Versta� Abscha!. i sprach lmänner, Z>a« �Berliner«oliSilatt- . Uglich ZRorgeni außer nach Sonn« und FMtaaen. WonnemmtSprei« für Berlin frei g*U# vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1�5 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement Gintelne Stummer 5 Pf. SonntagS-Nummer mit dem.SonntagS-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungS Preisliste für 1883 unrer Nr. 849.) JnsertiouSaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbeltsmarkt 10 oßeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebcreinlunft. Inserate werden bis 4 Uhr Na. der Expedition, Berlin SW.. Zimmerstrahe 44, sowie von allen Annoncen-Bmeaux, oh« Erhöhung deS Preises, angmommen. KedaKtio«: Deuthstraße S.— Erpedition: Zimmerstraße 44. AdxlllltMkllts-Eiilladllug. Bür EilS ">>kritell� den Monat März eröffnen wir ein neues Abonne- v--- ftrf auf das »D erlitter UolKsvlatt' urde dem wöchentlich erscheinenden Konntagsvlatt. au' ffl �bo»neme«t»preiv beträgt frei i»« Ha«« monatlich «s Vf.. wöchentlich 35 Pf. Bei Selbstabholung xes de« I" der Expedition. Zimmerstrahe 44. ldesratb gl 1 Mark pro Monat. " j'ifflfcj��'ellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, ctenden��«« von der Expedition unseres Blattes, Zimmersttahe 44, lversamw a�engenommen. thwendig� ung der rM 000 V- � Sfl1 ter Sü« auherhalb en für den Monat nehmen sämmtliche März gegen Postanstalten Be« Zahlung von 1 M. Die Kedaktion nnd Grpeditio« des„Kerlinrr Voltrsblatt". zegenl»envild«ng. „Meine Herren, vor welchen Zuständen würden wir ', wenn wir das Gesetz nicht gehabt hätten?" Diese 'S* richtete der Vertreter des Königreichs Sachsen im �»desrath, Generalstaatsanwalt Held, gelegentlich der drit- I ll-�ung des Sozialistengesetzes an den versammelten etr-ff��'» Mtaa, und die allseitige Zustimmung, die der geehrte rhaus- V-� LIM diese Frage fand, zeigt, daß der Glaube, daß die tsordK�s'-'' «en nÄV «k# '"wff (Uf«««» vor dem Sozialistengesetz wirklich schauderhafte ein �d daß eine Katastrophe direkt vor der Thür stand, vi allgemein verbreiteter ist. besten, Reichstagsabgeordneter zu werden, man min- bot?»„t 5 Zahre alt sein muß, die Zahl der Herren Reichs- habe»"ber, das 30. Zahr noch nicht überschritten schaff. sehr geringe ist, die Herren also zur Zeit der % des Ausnahmegesetzes alle schon im besten Mannes- tische. 0°" und die meisten sogar bereits mitten im poli- "titfi«« en standen, so ist es geradezu unfaßbar, daß im .. 1.- Märchenhaft klingende Ansichten über die angeblich ästen �ktobergesetz bei uns gewesenen Zustände vorge- führend. � werden können, ohne daß der Ausbruch allgemeiner ' K den Vortragenden aus dem Reiche der Phantasie lgtgw'v VIC nflrfvi«__ err»- JlV- r.tt.ü____ 'A (, ui" p;!ft�etne Wirklichkeit zurückbringt. ''seh« man b'e Reden der Vertheidiger des Ausnahme- ritn e Uf� deren Schilderungen der Zustände vor dem- > so sollte man denken, daß es damals bei uns wirk- � Strafgesetz, keine Richter und vor allem keine JeuMeton. »' '"*4*«■«* „Ä [50 («.»»ruck MrtotOL) Per Erbe. Stoma* von Friedrich Gerstäcker. .................. � A Kl zurück zu kommen. Es wurde auch spät; 40-3 ÄmL M.eS schon an zu dämmern,_ und ÜÖB l l t U t l Uj s�tr�. mochte nicht weiter in sie dringen; er glaubte Net« t| der heutige Vorfall bei Witte's sie so tief habe, und hütete sich deshalb wohl, noch einmal I Alltiif#««t f Atttt». Aw tttur�ö rtitrlh fnäf• tm «m der alte w m i B schloß immer, wie er recht gut wußte, sehr zeitig I willst fort. Fritz?" Nn.�ater, ich treffe den alten Mann sonst nicht mehr Wd ßj,tt®d in seinem Hause weiß ich nicht Bescheid; auch Nchto�fHuungen in der Judengaffe immer Abends fest i feb"?ann komm aber auf dem Rückweg wieder vor und �st Abend bei uns— ich laffe nachher Bier holen. i%«P" so allein zu Hause?"_ Via' �°ter, ich werde kommen," sagte der zunge Mann, Ahmend, verließ er die Stube und schritt auf die �i hinaus. N Unx.�onne mußte längst untergegangen sein, denn !Het- njurhp« ifftnn Stp 9trfttpr in ben fiäbcn '"a wurden schon die Lichter in den Läden ange- M.ot«tz schritt deshalb auch wacker aus, um nicht zu m 2ni« v°il«men und den ganzen Weg umsonst zu machen, ;r"| jibliA"ich ein paar kleine Seitenstraßen und erreichte m nnen und den ganzen Weg umsonst zu machen, Jtllich'e judengaffe, durch welche er jetzt so rasch als T«J s°rwärtS eilte. Heber die kleine Maschine hatte Ne. ,em Tuch gedeckt, damit nichts daran geschehen l fi|ne�er Erweiterung der Straße, die er jetzt betrat, sah Staatsanwälte gegeben habe. Haß, Zwietracht und Auf- rühr soll damals ganz ungenirt von den Sozialdemokraten gepredigt worden sein und die Lehre, daß Eiaenthum Dieb- stahl und daß das Geld und der Besitz der Arbeitgeber den Arbeitern„abgestohlen" ist, soll alle Tage in den Volks- und Arbeiterversammlungen vorgetragen worden sein. Und das Schlimmste dabei soll gewesen sein, daß die ordent- liche Gesetzgebung diesem revolutionären und auf Umsturz abzielenden Treiben gegenüber vollständig macht- und gegenüber hilflos gestanden habe. Wenn man das so liest und es nicht Keffer weiß, dann mag man ja wohl dazu gelangen, in dem Sozialistengesetz wirklich ein AuShilfsmittel zu erblicken, vorausgesetzt natür- lieh, daß man mit schwachen Nerven behaftet ist und an die Wirksamkeit politischer Unterdrückungsmittel überhaupt glaubt. Wenn man es aber Keffer weiß, dann kann man wirklich nur mit Kopfschütteln Reden lesen, wie sie während der letzten Sozialistendebatten im Reichstage wieder gehalten wurden und ivelche Deutschland vor dem Sozialistengesetz als eine förmliche politische Mördergrube erscheinen lassen. Man muß den Kopf um so mehr schütteln, als diese Reden von Männern gehalten wurden, welche vor 1878 bereits im politischen Leben standen und deshalb wiffen mußten, wie die Dinge wirklich lagen. Zur Auffrischung des Gedächtniffes der Alten und um den Jüngeren zu zeigen, daß es wirklich nur Gespensterseherei ist, waS im Reichstag und auch in der Preffe über die an- gebliche Hilflosigkeit der Staatsgewalt gegenüber der sozial- demokratischen Agitation erzählt wird, mag hier an einige Vorgänge erinnert werden, welche aus der Zeit vor dem Ausnahmegesetz datiren und die wohl geeignet sein dürften, die Legende, daß vor dem Ausnahmegesetze die Behörden hilflos der Sozialdemokratie gegenüber standen, in ihrer ganzen Hohlheit zu zeigen. Da ist z. B. die Behauptung über die maßlose Ver- ung und Aufreizung, welche die Sozialdemokraten an- eblich in ihren Versammlungen betrieben haben sollen. ' ie Herren, die solches behaupten oder solche Behauptungen gläubig hinnehmen, scheinen wirklich noch nie einen Blick in das preußische Vereinsgesetz— wir reden in diesen unseren Erinnerungen nur von Preußen und speziell von Berlin— gethan zu haben, sonst müßten sie wiffen, wie leicht sich auf Grund deffelben daS Auflösen von Versamm- lungen macht. Daß man aber in diesem Punkt damals be- reits etwas leistete, dafür mögen hier zum Beweise einige der Gründe folgen, auf die hin hier in Berlin Arbeiter- Versammlungen von den überwachenden Beamten geschloffen «vurden und zwar lange bevor man an ein Ausnahmegesetz dachte. Also Versammlungsauflösungen erfolgten: um sein Gesicht zu erkennen, war es aber noch zu weit und zu dunkel, und ehe er an ihn herankommen konnte, bog der- selbe plötzlich nach links ein und verschwand in dem Hofe, der zu dem Hause des alten Salomon gehörte. „WaS hat denn der Lieutenant noch so spät bei dem alten Mann zu thun," dachte Fritz,„und warum geht er nicht in den Laden— oder sollte der schon geschloffen sein? Dann seh' ich, daß ich den Eingang dort ebenfalls finde, mitnehmen möchte ich das schwere Ding doch nicht noch einmal." Er hatte indeffen daS HauS fast erreicht und sah, daß der Laden wirklich schon geschloffen sein mußte. Die Läden waren zu, ebenso die Thür; aber jedenfalls befand sich der alte Salomon noch im Innern, denn der Offizier kam nicht wieder heraus. War denn das wirklich Baron Wendelsheim gewesen, und schon so rasch vom Schloß zurückgekehrt— und ging gleich zu dem Juden, wo er doch nichts anderes suchen konnte, als Geld zu borgen? Fritz schüttelte vor sich hin mit dem Kopf und überlegte sich eben, daß der Lieutenant gerade nicht besonders erfreut sein würde, wenn er ihn bei seinem Geldgeschäft überraschte; aber das ließ sich jetzt nicht mehr ändern. Hätte er nicht das Werk bei sich gehabt, wäre er vielleicht wieder umgekehrt. Das Hofthor war noch offen, und gleich links hinein mußte auch die Thür zum Laden führen; er erinnerte sich, daß Salomon einmal dort hinausgegangen war, als er sich im Laden befand, um irgend etwas aus seiner Wohnung herunter zu holen. Im Hofe war es fast noch dunkler als auf der Straße, denn das hohe Nachbargebäude schloß selbst den matten Widerschein des westlichen Himmels ab; aber die Thür in dem helleren Gebäude ließ sich noch deutlich erkennen, und als Fritz näher darauf zutrat, bemerkte er, daß sie nicht nur halb angelehnt, sondern daß auch noch Licht im Innern war. Salomon war noch drinnen, und ohne sich lange zu besinnen, griff der junge Naumann nach der Thür und«vollie sie eben öffnen, als plötzlich eine dunkle Gestalt ihm dieselbe aus der Hand riß, ihn bei Seite warf, daß er fast gestürzt wäre, und dann, ehe Fritz nur recht zur Be- 1. Weil der Mittelgang nicht frei war.(Ein sehr beliebter Auflösungsgrund.) 2. Weil ein F e n st e r offen war und der über- wachende Beamte dadurch zu der Ueberzeugung ge- langte, es tage eine Versammlung unter fte«em Himmel. 3. Weil Menschen hinter einer verschloffenen GlaSthüre standen und in den Saal hineinsahen; der Beamte löste im Namen des Gesetzes auf, weil jene Menschen möglicherweise eine Scheibe eindrücken konnten. 4. Weil ein Anwesender während des Vortrages das Wort„lächerlich" gerufen hat. 5. Weil einzelne Anwesende bei einer Aeußerung des Redners gelacht haben. 6. Weil sich ein Hund in die Versammlung verlaufen hatte. So, das wären so einige„Gründe", auf die hin hier in Berlin Dutzende von Versammlungen aufgelöst wurden. Und nun ftagen«vir: ist es wohl glaubwürdig, daß Beamte Mord und Todsehlag, Aufruhr und Umsturz haben ruhig predigen laffen, die aus Anlässen wie die oben angeführten bereits Versammlungen auflösten? Wahrlich, es gehört die Unruhe und Unaufmerksamkeit, die im Deutschen Reichstag gewohnheitsmäßig herrscht, dazu, daß nach solchen Be- hauptungen nicht ein Sturm von Heiterkeit losbricht. Aber, der Strafrichter und die Staatsanwälte und das Treiben der sozialistischen Preffe! Die„National- Zeitung" hat in ihren vor einigen Tagen erschienenen Artikeln über die Ersetzung des Sozialistengesetze« durch Bestimmungen des gemeinen Rechts auf die sozialistengesetzlich verbotene„Verl. fr. Preffe" hinge- wiesen und von derselben behauptet, daß dieselbe nur von Strohredakteuren gezeichnet worden sei. Eine unwahrere Behauptung ist noch nie niedergeschrieben worden. Gerade die verantwortlichen Redakteure des genannten Blattes haben, mit Ausnahme des letzten derselben, alle am Blatte mitgearbeitet und das volle und fteie Dispositionsrecht gehabt. Daß außer dem verantwortlichen Redakteur auch noch an- dere Personen am Blatte mitarbeiteten, ist richtig, aber ge- schieht dies bei anderen Blättern nicht auch? Gegenüber der sirengen Kontrole, welche Polizei und die Staatsanwalt- schast dem Blatte gegenüber übten, hätte der Versuch mit einem Strohredakteur unfehlbar zu einer Anklage geführt. Eine solche ist aber nie erhoben worden. Wenn Most im letzten Zahr nicht zeichnete, so geschah es, theilS weil er be- reits mehrere Prozesse auf dem Hals hatte, theilS«veil er — im Gefüngniß saß. Die Fischer, Emerich, Schapira und Pulkrabeck k. aber, welche im letzten Jahre die„Freie Preffe" zeichneten, waren Redakteure so gut wie Herr Dern- bürg einer ist. Es ist auch weder einem Straftichter, noch der Staatsanwaltschaft je eingefallen, diese Redakteure als sinnung kommen konnte, mit wenigen Sätzen aus dem Hof verschivand. War das Salomon selber gewesen— oder vielleicht ein Dieb? Wie ihn nur der Gedanke durchzuckte, sprang er der Gestalt nach an das Hofthor und schrie in die menschen- leere Straße hinaus:„Hilfe! Diebe! Haltet ihn! Er wäre auch selber nachgesprungen, aber er sah jetzt nicht einmal, ob sich der Flüchtige nach links oder rechts ge- wandt hatte— und war eS wirklich ein Dieb gewesen? Er mußte sich selber überzeugen und lief deshalb in den Lade» zurück. Dort stellte er sein Werk rasch auf einen Tisch und wollte die Lampe aufgreifen, um selber nachzusehen, als er vor sich auf dem Boden einen leblosen Körper lang aus- gestteckt erkannte. Er hob ihn auf und hielt sein Gesicht gegen daS Licht der Lampe— großer Gott, es«var der alte Mann selber, mit Blut bedeckt— ermordet vielleicht von Räuberhänden! Aber hier konnte er nicht bleiben— er mußte Hilfe herbeirufen, nicht allein für den Ueber- fallenen, sondern auch um dem Mörder so rasch als möglich nachzusetzen. Er legte den unglücklichen alten Mann so sanft als möglich wieder auf den Boden zurück und eilte dann auf daS Haus zu, daS er aber verschloffen fand. Salomon trug den Drücker dazu immer in seiner Tasche. Aber dort hielt er sich nicht lange auf, klopfte nur heftig an, um die Bewohner aufmerksam zu machen, und sprang dann der Straße zu, um dort die Nachbarn zu alarmiren und Polizei herbeizurufen. Er war von Schreck und Entsetzen so verwirrt, daß er kaum selber wußte, was er that. Mit flüchtigen Sätzen erreichte er auch das Hofihor und wollte eben hinaus auf die Straße springen, als er sich plötzlich von vier nervigen Fäusten gefaßt und gehalten fühlte. „Um Gottes willen," rief er,„der Mörder ist entflohen — ruft Leute, die ihm nachsetzen!" „Heda, mein Bursche, ich glaube nicht, daß er so weit fort ist," schrie ihn da ein derber Bursche an.— „Hauet ihn fest— gebt ihm eins auf den Kopf, wen» Strohmänner zu nehmen, das zeigen schon die harten Strafen, zu denen sie alle verurtheilt wurden. Diese Strafliste illustrirt aber auch die Behauptung, daß das Strafgesetzbuch nicht genügend Mittel an die Hand giebt, um„sozialdemokratische Ausschreitungen" genügend zu bestrafen. Wir haben kein Berzeichniß dieser Strafliste, sondern zitiren nur aus dem Gedächtniß, wir glauben auch nicht alle Redakteure, welche Strafen bekommen, im nach- stehenden Berzeichniß aufzuführen, auch das Strafmaß mag bei dem einen oder anderen nicht genau stimmen, aber dann ist es eher zu niedrig als zu hoch gegriffen; aber auch in dieser Unvollständigkeit zeigt die Liste, wessen sich die sozial- demokratische Presse unter dem gemeinen Recht zu versehen hatte. Hier ist die Strafliste: Grottkau 1 Jahr— Monate Gefängniß, Milke— ,, 6„„ Dolinski—.. 9„„ Fischer—„ 9„„ Emerich—„ 6„„ Schapira 3„ 6„„ Pulkrabeck 5„—„_„ Summa 12 Jahr Gefängniß. Diese Strafen sind erkannt worden innerhalb eines Jahres, dazu kommen noch diverse Geldstrafen. Bemerken wollen wir noch dazu, daß der letzte Redakteur des Blattes, der einzige Strohredakteur, den dasselbe gehabt hat, am Tage, als das Blatt verboten wurde, flüchtig ging. Mehrere Monate, wenn nicht Jahre, wären auch»hm sicher gewesen. Zwölf Jahre Gefängniß innerhalb eines Jahres für ein Blatt, wir dächten das genügte, um das Gerede von unserem milden Strafrecht und der Hilflosigkeit der Behörden ohne Ausnahmegesetz in das gebührende Licht zu setzen. Wie leicht"es damals war, in einen Preßprozcß ver- wickelt zu werden, dafür nur ein paar Beispiele. Einer der Redakteure brachte im lokalen Theil eine Notiz über irgend einen Straßenvorfall, woran die Bemerkung geknüpft war: „Ein Schutzmann war nicht in der Nähe." Die Staats- anwaltschaft erblickte in dieser Bemerkung den Vorwurf der Pflichtvernachlässigung gegen das Schutzmannskorps, und die Richter schlössen sich dieser Ansicht an und verurtheilten. Ein andermal befand sich unter den Wahlfondsquittungen die Notiz:„Bau, Elisabethufer." Die Nummer ist uns entfallen, ebenso der quittirte Betrag. Wer sollte es nun glauben, daß in dieser Notiz der Keim einer Anklage steckt? Der Wahlbeitrag rührte natürlich von Bauarbeitern her, welche an dem Hause beschäftigt waren, aber in derselben Nummer wohnte unglückseliger Weise auch ein Wildpret- Händler Namens Bau; der fühlte sich durch die Quittung beleidigt, und die Klage war fertig. Zwar in diesem Fall erfolgte Freisprechung, aber daß überhaupt eine Klage mög- lich war, zeigt doch wahrlich zur Genüge, wie kritisch die Lage eines sozialdemokratischen Redakteurs auch unter dem sogenannten gemeinen Recht und vor dem Ausnahme- gesetz war. Wir könnten die Beispiele verhundertfachen, doch wir denken, das Gebotene genügt, um endlich die Legende aus der Welt zn schaffen, vor dem Ausnahmegesetz haben„wir" uns in einem Zustand vollständiger Hilflosigkeit gegenüber der sozialdemokratischen Agitation befunden. Trigmllk'Korre�onämzen» München. 27. Februar. Noch haben die letzten Opfer der vorjährigen Gebeimbundsprozesse die Gefängnisse nicht verlassen und schon ist die Polizei wieder in voller Thätigkeit, um neues Material zu einem neuen Prozeß herbei zu schleppen. So fan- den heute früh bei einer größeren Zahl von Arbeitem wieder Haussuchungen nach verbotenen Schriften w. statt. Besonders gründlich suchte man in einer Witthschaft, dessen Besitzer Sozialdemokrat ist. Fünf Mann kehtten dort das unterste zu oberst und erstreckten die Untersuchung sogar auf die am Leibe ge- tragenen Kleider. So weit wir in Erfahrung bringen konnten, war das Ergebniß all' dieser Mühen ein negatives, außer einigen trossenen auf die Denunziation eines Menschen zurückgeführt, der mit großer Vorliebe den„radikalen Genossen" spielt, bei der letzten Reichstagswahl sich auch ganz unberufener Weise in den Vordergrund drängte und der in den letzten Tagen mit großem Eifer die Quelle suchte, wo man sozialdemokratische Broschüren kaufen kann. Da diese Quelle auf diesem Wege nicht zu er nicht still ist! Was ist hier vorgefallen?" riefen die anderen. Fritz Baumann rang aus Leibeskräften, um sich frei zu machen, denn durch den Jrrthum entkam der wirkliche Thäter. „Setzt nur nach!" rief er, als er sah, daß das nicht möglich war, denn immer mehr Leute kamen herbeigestürmt und warfen sich auf ihn.„Schickt Leute nach rechts und links die Straße hinunter— ein Mann ist dort hinaus gc- flohen— er kann nicht groß sein!" „Na, Du wirst ihn schon später noch genauer beschreiben können!" rief ein korpulenter Bursche, ein Bierbrauer, der in der Nähe wohnte und mit herbeigesprungen war, als er den Lärm hörte. In dem Hause selber wurden unruhig hin und her fahrende Lichter sichtbar. Baumann war in Ver- �„A�er Ihr könnt mich ja meinetwegen hier festhalten, seht nur, daß Ihr den weggelaufenen Mörder fangt!" „Mörder?" schrie eine Frau aus dem Fenster in Todesangst. „Mörder?" wiederholten auch die Leute unten im Hof erschreckt, and einer schrie:„Mit der Laterne hierher— kommt einmal her, Freund, leuchtet einmal hier!" Der Zuruf galt einem der schüchternen Nachbarn, der mit einer Laterne herausgekommen war, um zu sehen, was vorgehe, und eben damit in dem Hofthor erschien. Der Mann kam auch, wenngleich ein wenig scheu, in demselben Augenblick mit der Laterne heran, als die Hausthür geöffnet wurde und ein Offizier heraussprang. „Was geht hier vor?" rief er, und Fritz erkannte zu seinem Erstaunen den Lieutenant Wendelsheim, den er in- dessen ganz vergessen hatte. Ehe er ihn aber anreden konnte, rief einer von denen, die ihn noch immer wie in einem Schraubstock hielten, indem er die Laterne aufgriff und gegen Fritz Baumann anleuchte: � it Bei Gott, seht, wie blutig der Kerl aus- sieht l" Herr Baumann!" rief auch jetzt der Lieutenant er- schreckt.„Was ist vorgefallen? Wie kommen Sie hierher?" sinden war, so scheint jetzt die Polizei darnach gesucht zu haben. Wie daS politische Leben in den Gegenden, wo der Ultra- montanismus ausschließlich herrscht, vollständig versumpft, das zeigt ein Vorgang, der sich bei der letzten Reichstaaswahl im Wahlkreis Amberg abspielte. Dort ist nämlich im Orte Neu- stadt, der 199 Wahlberechtigte zählt, nicht eine einzige Stimme abgegeben worden. Sogar die Mitglieder des Wahlausschusses haben nicht gewählt. Der Wahlkreis ist eine Domäne der Schwarzen; bei der Wahl am 21. Februar vor. fts. erhielt der Kandidat derselben 10 345 Stimmen, während auf den Kartell- kandidaten 2994 Stimmen fielen und 108 für den Sozialdemokraten Grillenbcrger abgegeben wurden. Dieses Mal haben kaum 4000 Wähler gestimmt. Die Nichtschwarzen haben es gar nicht der Mühe wcrth gefunden, an die Wahlurne zu gehen und von den Schwarzen blieben auch'mchr als die Hälfte zu Häuft. Wie groß auch hier Sie Arbetts- und Verdienstlofigkeit ist, mußte ein Grossist erfahren, der für drei Wochen einen Schreiber für sogenannte Avisobriefe suchte und infolge eines Inserats in zwei Tagen nicht wmiger als 150 Besuche und Offerten von Stellen- suchenden erhielt. Auch die Gerichtesäle werden alle Augen- blicke geräumt, da sich dort, nach der geschmackvollen Aus- drucksweise unserer Presse, viel arbeitsloses Gesindel auf- halten soll. Die Würzburger Landtagswahl und deren negatives Er- gcbniß beschäftigte gestem unsere Landboten. Die Leser kennen das tragikomische Geschick der alten Bischofs- und Univerfitäts- stadt am Main, welche zu keinem Vertreter im Landtag kom- men kann, weil die liberalen und ultramontanen Wahlmänner sich in gleicher Zahl gegenüber stehen und so keine Majorität zu Stande kommen kann. Ilm diesen zum allgemeinen Gespött gewordenen Zustand zu beseitigen, petitioniren nun die ultta- montanen Wahlmänner um Acndcruna des Wahlgesetzes, durch Einführung allaemeiner und diretter Wahlen und gesetzliche Ab- grenzung der Wahlkreise. Der Bericht über diese Petition kam gestern vor das Plenum. Zu allgemeiner Ueberraschung be- nutzte nun diese Gelegenheit der Führer der Schwarzen, der Abgeordnete Ruppcrt, um eine Art Verwahrung gegen die zwar nickt ungesetzliche, aber trotzdem nicht unparteiische Wahlkreis- cintheilung vom Stapel zu lassen. Daran knüpfte sich dann eine lange Debatte über das Mehr und Minder der Bevor- zugung, welche die beiden in Betracht kommenden Parteien er- fahren haben. Der Inhalt dieser Katzbalgerei ist aber für wei- tcre Kreise vollständig gleichgiltig. Interessant und für das Wesen unseres heutigen Parlamentarismus recht bezeichnend waren nur die Ausführungen des Ministers von Feilitzsch, der mit vollem Recht hervorheben konnte, daß, wenn unser Wahl- systcm noch ein so außerordentlich mangelhaftes sei und infolge der Wahlkreiseinthcilung heute es noch jede Regierung in der Hand habe, die eine Partei auf Kosten der anderen zu bevor- zugen, daran nicht die Regiemng, sondern die Kammer selbst schuld sei. Die Regierung hat seinerzeit einen Gesetzentwurf vorgelegt, welcher sowohl die Beseitigung des Wahlmänner- instituts, als die direkte Wahl und die gesetzliche Begrenzung der Wahlkreise enthielt. Dieser Entwurf, welcher sich in allen wesentlichen Punkten dem Reichswahlrecht anschloß, fand aber in der Kammer keine Gnade, und so kam der elende Kompromiß zu Stande, nach welchem heute gewählt werden niuß und der das Institut der Wahlmänner und der Wahlgeometrie beibehielt. Es ist ja nun zivar richtig, daß es besonders die Liberalen waren, welche seiner Zeil die wirklich liberale Regierungsvorlage zu Fall brachten. Die Herren Schauß, Marquardsen und Fischer fürch- teten eben— und zwar mit vollem Recht— eine Anzahl Mandate zu verlieren, wenn die Volksstimmung unverfälscht zum Ausdruck käme. Aber die Ulttamontanen trifft der Vorwurf, daß sie überhaupt auf das Kompromiß eingingen, mit dem sie, nebenbei bemerkt, auch noch recht gründlich über den Löffel bar- bat wurden. Hätten die Schrvarzen standhaft zur ursprüng- lichen Regierungsvorlage gehalten, so wären die Liberalen gc- zwungcn gewesen, nachzugeben, denn das alte Wahlgesetz mit seinen großen Wahlkreisen— die Regierung konnte Wahlkreise bilden die fünf Abgeordnete und auch solche, die nur einen zu wählen hatten— und den Ersatzmännern für die Abgeordneten war einfach unhaltbar geworden. Aber die Regierungsvorlage brachte die Möglichkeit der Wahl eines oder mehrerer Sozial- demokraten und um deswillen mußte sie beseitigt werden. Wir erfreuen uns eben belgischer Zustände. Ultramontane und Libc- rale betrachten das Ländchcir als ihre Domäne,' und so in- grimmig sie sich auck gegenseitig hassen und die Beute streitig machen, sobald ein Sozialdemokrat auf der Bildfläche erscheint, vergessen sie ihre Zänkereien und unterstützen sich gegenseitig in brüderlicher Eintracht. So wählten die Liberalen bei der letzten Landtagswahl im Wahlbezirk München r. d. Isar den ultra- montanen Ruppett, um die Wahl Vollmars zuj hintettreiben, und so stimmen jetzt die Schwarzen für die Giltigkeit der Nürnberger Wahlen, obwohl deren Ungiltiakeit offenkundig ist. Aber Neuwahlen könnten einen Sieg der Arbeiterpartei bringen und das muß mit allen Mitteln Hintettrieben werden. Der Ausspruch von der einen reaktionären Masse gilt eben auch hier wie üb« call. „Der alte Salomon liegt da drinnen ermordet," rief Fritz,„und mich haben die Menschen gefaßt, während sie den wirklichen Mörder entkommen ließen!" „Salomon ermordet? Um Gottes willen, ein Licht!" Oben an dem einen Fenster wurde der Aufschrei einer weiblichen Stimme gehött, und gleich darauf stürzte des alten Mannes Frau, an allen Gliedern zitternd, aus der Thür und dem Laden zu, aus dem ihr gellender Hilfe- ruf gleich darauf ertönte. "Der Hof hatte sich indessen mehr und mehr mit Menschen gesüllt, und Alles drängte nach dem Laden. Wendelsheim aber fühlte, daß er hier, so lange noch keine Polizei eingetroffen war, die Leitung des Ganzen über- nehmen müsse, und der Thür zuspringend, wies er die Masse zurück. „Nur drei oder vier von Euch mögen eintreten," sagte „Ihr anderen wartet hier draußen. Ist schon Jemand er. auf die Polizei gelaufen? Noch nicht? Schickt augenblicklich einen Boten dorthin ab; ich werde so lange hier bleiben. Sie, Freund," wandte er sich dann an einen ordentlich aussehenden Mann, der auch mit von der Straße hereingekommen war, seien Sie so gut und fassen Sie an der Thür Posto, daß Niemand weiter eindrängt. Den jungen Plann da könnt Ihr ruhig loslassen; ich glaube nicht, daß er den Mord begangen hat." „Abwarten," sagte der Bierbrauer, der nicht die geringste Lust hatte, sich die eingefangene Beute entgehen zu lassen.„Wovon ist denn der Bursche so blutig ge- worden? Wenn wir ihn jetzt loslassen, ist er in einer Viertelstunde über alle'Berge. Gebt einmal einen Strick her, daß wir ihm die Hände ein bischen zusammenschnüren können." Wendelsheim hötte schon nicht mehr, was er sprach, denn er war jetzt ebenfalls in den Laden gesprungen, um dort zu sehen, was geschehen sei, und die alte Frau zu unter- stützen.-- (Fortsetzung folgt.) Posten in Ben» über di« olchen wü inr. «n Elm». _ jjrt« Aitarbudg« Mu des oeffchwänd 6 des den: J* und sie .Muß ein« bellen, und Wir be ihnen ab, .Der fr dem Örga Aanns i st genc in de! halte nac lkreich ur ische A dem T itbält ül . auch in wird u tonnen, ÄiS rann, wa iche ein Zürich, 26. Februar. Der Grütliverein, die gröst! sche Organisation des Landes, die aber zugleich auch« lichen(gewerkschaftlichen) Charakter besitzt, hält nach stimmungen seines Statuts alle zwei Jahre an einem Otte sein Zmtralfest ab. Turner, Sänger und SchüW hierbei Beweise ihrer Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit ab; außer diesen Spottsmen hat das Fest auch seine ernft und wichtige Bedeutung und gerade die ist es, die diü liche Zusammenkunft zu einer dcmerkenswerthen und Arbetterbewegung niehr oder weniger maßgebenden An dem Zentralfeste, das vor zwei Jahren in Grenlbn>. fand, wurden von den Herren Scherrer, Cut Ii, Prof. Vorträge gehalten über die„Internationale Fabntgesl »Tie Unfallversicherung" und„Die soziale Fragt Schweiz"-c. Im Juli dieses Jahres findet das Zcni Glarus statt und bereits rüsten sich schon einzelne Ma ernsten Mitwirken bei demselben. So veröffentlicht Nationalralh Schäppi, der sich mit Vorliebe mit der Fv' beschäftigt und vielleicht in dieser Beziehung der sck Bebel genannt werden könnte, in Bezug auf diesen E und rücksichtlich des Zenttalfestes, bei dem er jedem« gehender darüber referiren wird, folgende Thesen: 1. Die Frauen kommen immer mehr in Ueb« bilden nicht nur die schönere, sondern auch die z« Hälfte. 2. Die Heirathsmöglichkeit vermindctt sich vo zu Jahr. Es kommen immer weniger Mädchen zur lichung., u 3. Die geschlossenen Ehen verlaufen in ihrer Mehrzoo glücklich. Das wird von der Frau am tiefsten empfunden 4. Die Familien und vermögenslosen Frauen mujl*, ihre Selbstständigkeit zu wahren, einen Bemf ergreifen.• muß den Mädchen schon in ihrer Jugend zu Gemüth« daß sie— wie die Knaben— sich für einen Beruf scheiden haben. 5. Die Bildung der Mädchen muß eine ganz andtfjjfc den. Sie haben ein Anrecht auf dieselben BUbun0%FB|Q 3. und Bildungsmittel, wie die Knaben. Auch für die™ Aß 00n müssen Berufsschulen geschaffen werden. t.Allheiten 6. Tie Großindustrie, getrieben von der Konkurrenz.. 2» die Herstellungskosten ihrer Fabrikate fottwährend zu wü# ift, suchen. Die männlichen Arbeitskräste werden deshalb o& Uns. h" durch weibliche ersetzt. Während die männlichen■ ZJft>,»!? Rekruten der industriellen Reservearmee abgeben,®ii°.»t bei den i. Weib industrialifirt und allen Wechselfällen der jj'�nd ein l)?e weiblichen Arbeitskräfte haben dasselbe Anreibt'»��stoßer eine humane Schutzgesetzgebuna wie die männlichen. �>>! 3«0h.• Neues sagt mit diesen„Thesen" Herr Schäppi g= nicht. So lange aber auf diesem Gebiete der SchltlMÄ Uiningen dp gestört fottwaltet und die Verhältnisse sich immer ton unseren gestalten, ist es schon ein Verdienst, auch das t gebar war immer zu wiederholen, bis es allseitiges Gehör und QUj n,c Die Reservekassen-Kommisfion(Streikkasse) in öffcntlicht in den Ärbciterblättcrn eine Erklärung, da« Genehmigung von Streiks so lange ablehnt, bis ein vell Kapital von 30 000 Frks. vorhanden ist. Zur Aul desselben wird der Vorschlag gemacht, daß jedes M schweizerischen Arbeiterorganisationen pro Woche 10 zu zahlen hätte. Ob diese Propofition Annahme finde» läßt sich heute noch nicht sagen. Sie haben bereits Roiiz genommen von dem, des Zcntralkommitees der Grütli- und Arbeitervew»ß Kantons Zürich, im Name» sämmtlicker stadtziu� Fachvereine, an die Baumeister und Äauhandwcri»� Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit und Jffß eines Tagelohnes von 4,50 Fr., was eben ist. Es fand vorige Woche in dieser Sache eine offt»*; deitcrversammlung statt, in welcher ausdrücklich daß man einen«streik nicht beabsichtige. An diese» hcit hat sich eine hübsche ZeitungSpolemik geknüpft, � lustigung Ihrer Leftr hier Platz finden möge. Dc». Käpitalistenblatt«Die Limmat", die früher von dem berühmten Major, Iredigirt wurde und nun verwandten Pfarrer zum Rcvalteur hat, sagte im A"' jenes gestellte Verlangen,„daß es, wie es scheint's, dm Arbeitern wieder einmal zu wohl sei jund sie daher neuen Streik studiren." Darauf antwortet nun der rath Dr. Scheuchzer in seinem demokratischen Blatte« die Arbeiter eine eigene Amtswohnung und über 240U soldung für nicht einmal 10 Stundenarbeit in der Aß dann für eine andere, das Amt schädigende Privatbel«» (die redaktionelle Thätigkeit bei der,, Limmat") Franks und überdies noch das Recht auch rwe hätten, dann wäre es ihnen vielleicht nicht„zu würden sie nicht an einem Streik herumstudiren!' Bekanntlich giebt es solche sonderbare Heilige, dst möglich für 2 oder 3 Posten sogar mit je 30000 noch mehr bezahlen lassen und neben der Amtswb einen Postens noch die Wohnungsentschädigung so sei mit Ruß »un eir ss. glauber jft ollerb /Endlich. Iin den( # «1 der «L I sU je � auf dl «ö also, Ä- Au» Kunst und zebe». Im Wallner-Theater geht nächsten Sonnab ,'5% Baris mit großem Ei folg jmT Aufführung �ebtaAt� chwank:„Durand und Durand" von A. Valabr« Ordonneau zum ersten Male in Szene. In den dieser Novität sind die Damen: Bender, LeuchtmanW Stähle und die Herren: Alexander, Blencke, Gm? Meißner beschäftigt. Die alte Uäder'sche Posse„Robert«»d oder: Die lustigen Vagabonden", welche sich ouftP o„ .Jen. des{ % toire der meisten Bühnen viele Jahre hindurch als. Kassenstück bewährt �bat, gelangt im Berliner Stadttbc�.�� K > Erl tzenbe% Donnerstag, zum Benefiz für den trefflichen Volksbühne, Herrn Arthur Wincklcr, zur Aufführung. so gern gesehenen Darsteller wünschen wir zu lew abend ein recht volles Haus. Mit einer„Festvorstellung" verabschwdrt fi«�. zösischc Operettengesellftliaft heute Abend vom Berliner. „Zu Ehren der Berliner Presse", so kündigt die D � Vorstellung an, und insofern darin etwas wie ein samkeit für die Presse sich ausdrücken soll, s" gern anerkannt. Zur Vermeidung von Mlßverira aber hinzugefügt, daß die Vorstellung keinesw� x A� � � de aa- Mtz Neber die Nrsachen der strengen„ gehören strenge Winter mit anhaltend langen Seltenheit; auch diesmal brachten die Monate D i ?>rn Seltenheit; auch diesmal brachten die'Uionaa~\- jä"C% Ä'ÄSÄl-aS KH war, seit dem 14. Februar eine Schneedecke über»0�%} ausgebreitet ist und seit dem 5 und 10 Grad Kälte m 3%%# nnr bis»u � fiiiD, J"" An .Xh« Oft h digkeit in oberen Regionen der Atmosphäre und � Abnahme der Temperatur, wiewohl derzeit""T jg.- wehten. Diesem Zustande entsprach die Witterung 1 Wkn in bedeutender Höhe beziehen, auch in anderen Bemerkenswerth ist es aber, daß gerade solche am Uder die Mästung der Arbeiteragitatoren von den Ar- !r°ichcn wüthcn— wie auch' der geistliche Redakteur der not". , volittsch- Ueberstcht. 8'n Ihanvinistrn und Freunden eines stets wachsen» unlrtarbudgets wäre es natürlich sehr unangenehm, wenn des msfisch-franzöfischen Bündniffes von der Bild- Uistchwände. Der von uns neulich erwähnte Artikel der ae» dem mondes" ist ihnen deshalb keineswegs will- « find jetzt in allen Tonarten bemüht, denselben «usfluß eines vereinzelten Geistes, eines„weißen Raben" llen, und so jeder symptomatischen Bedeutung zu cnt« Äir begreifen den Aerger der Herren Chauvinisten, ihnen aber nicht erlauben, der Wahrheit ins Geficht zu Der fragliche Artikel ist, wie wir bereits mittheilten, Organ des in Frankreich jetzt einflußreichsten unanns(oder dürfen blos die zünftigen Po- i? genannt werden?) nicht blos„an leitender »w den Haupttheilen abgedruckt, sondern auch .Mhalte nach ausdrücklich gebilligt worden. Es ist das mich ungefähr ebenso, als wenn in Deutschland irgend uüsche Abhandlung von der„Nordd. Allg." abgedruckt dem Billigungsslcmpel versehen worden wäre. Der thält übrigens durchaus nichts Zieues; Alles, was er ' auch in Frankreich schon hundertmal gesagt worden, u wird uns nicht einen ernsthaften franzöfischen Politiker wnnen, der seit dem Sturze Mac Mahon's jemals die aut Rußland befürwortet hätte. Selbst Gambetta, den { die Albernheiten der Frau Adam nicht verantwortlich «nn, war ein zu guter Demokrat, als daß er nicht das gliche eines Bündniffes der Republik mit dem despoti- o�wnreich empfunden hätte. Das Unglück ist blos, daß Wche Presse ausschließlich unter der Leitung oder dem .vl.aon Geistern steht, welche ein Interesse daran haben, „kurrenz, Deroulsde's und seiner paar Mit-Stöckcr— die ociir�t�T� nicht den zehnten Theil des Einfluffes haben, npsbalb i�#tr»sammcnde Mann" in Deutschland"— an die große locken 9'�# M dem französischen Volk an die Rockschöße zu hän- >en»Wjttt unslmpulös diese Geister find, das hat fich jetzt UroWnf„„Ü,~en letzten franzöfischen Ersatzwahlen gezeigt. Kaum U1i?ad) W einem Schütz« fö: S, die n und enden GtendK«, Zrof. cikgesl Frag«.« s Zelt le_... iffentluht »r Fll' >er fii fen 7 jedcnß i: Ueber! die za ich von. m zur r Mehl,� mpfundq t en wuflÄi rgreifen. S!- INJ 1 ldui ir die be Anr� hen. ippr ellel in« Se» i»«' % Ä Ä e 10_, ic finde» vsj. Bonlanger aui« y vi w*w a la 24. Februar? Und das Resultat? Äoulanger gegen seine Kandidatur; die Republikaner aller '*?r verlachten die Idee, und das Mäuschen, welches "' i..Unseren deutschen Chauvinisten mühsam aufgeschichtete «ine*-v n'Qt eine Handvoll Stimmen von Royali stcn, die h,'.'vr machen wollten. Und da wir gerade von Äoulanger «v sei bemnkt, daß auch er sich niemals für die Rußland ausgesprochen hat. Daß die Franzosen, ."un einmal an kriegerische Absichten des Fürsten u glauben, keine Lust haben, Rußland vor den Kopf zu 5Utrdings richtig— aber in ihrer Lage auch einfach "udlrch� Worauf es vor allem ankäme, das wäre, den ,i" den Glauben zu nehmen, fie hätten von deutscher „"/u Angriff zu befürchten. An eine so friedliche Arbeit l(Vr• Hcypresse jedoch nicht— sie gießt im Gegentbeil «ic. Feu« und stellt die franzöflsche Republik, welche �"chland gegenüber skrupulös korrekt verhält, unablässig ,ule der Beunruhigung Europas hin, während das Rußland, welches uns Tag für Tag durch skandalöse !,.UMtäten insultirt und den Weltfrieden auf das mit Sammtxfötchen angefaßt wird. �lachtfeld der Familie von Koller in ilie schon gemeldet, ist die Stichwahl im Kreise nmin ganz plötzlich auf heute, Donnerstag, »etzt worden, so daß zur Veröffentlichung eines - m�je LT'« die am Dienstag früh erscheinenden Kreis- «" inc» Ä L diese m!:tn waren. Von den Schwiengkeiten, die man L ,.R. sSf der Gegenpartei in den Weg gelegt hat, gicbt t's ve"�öV.. Ztg." ein Beispiel: Die„Kamminer Kretz- ' �».P lik... ee ein r.hinfirfi die Aukiorderuna. für «S gsa&Sff ÄÄf I Xü (Dm derselben, Herm Behrendt, augenscheinlich so ff' jlu sein, daß er am Nachmittag seine Einwilligung "«Iten v dasselbe Blatt, in dem ein von gehässtgsten vvy.�"vektiven strotzender Angriff gegen die freisinnige , errcn, �? gewissen Herrn Ilgen, der allgemeine Eni- itz JL'ß' unbeanstandet aufgenommen wurde. Ebenso olfn r. tonsewative Blatt die Ausnahme verweigert. "dern welchen Mitteln man hier jede Agitation aw u.l ,?«• 9iiir das„Greifenberger Kreisbl." und die H' haben in anerkennenswerther Kvrrettheit auch I»b��fie�Schneefall, Thau und Nachtfrost bei westlichem mLse Abnahme der Westwindgeschwindigkeit in der Atmosphäre hatte aber auch eine Ver« " in der Depressionen zur Folge, weil die De- �horcW Aahnrichtung wesentlich dem oberen Luft- i heg ,.® begann seit dem 14. Februar eine Vcr- >gedi-�- ochlang ,m Nordischen Meere lagernden De- .Wien Lach>i?üd England und darauf nach Holland Ues Li.. F veränderten Lage des Gebietes niederen «Sb un«ns?' wendete sich der Wind bei uns, in ganz "ach r,-,"'m West,'Nord und Ost angrenzenden resp. Nordosten. Es folgte der Wind der l'�Ufthr!,*? im Nordnordost höheren, im Süden nie- ""ch@5}�? und floß die Luft alio zunächst von Nord- J>er est, oder vielmehr, nach rechts durch die ende R ihre Achse abgelenkt, als Ostnordostwind. & �N�vegung ist so aufzufassen, wie die Strömung i«g zu Thal gerichtet ist. In jenen sür 1 »»' Ä Ä!?- A«"W"zs« Med, Wk, MQrfjp � �as viUTireien vcv™ l der � die Ausbildung der Tempnaturabnahme, es Dne'Lost dann nach dem 14. Februar auch am Aage h. 0..r•.x•• w. L. L fr»ir nPTTl dem un- aus, voriger_____ Depressionen des die Tem- p"«innh.,.— ic--- vMwvk.— n 10 und fe'i'IS'HÄ ÄÄÄ f 1% faßljch ir, �.Öle Wärmeausstrahlung kalter Körper Wn%"n tni»®,ele Thatsache der Ausstrahlunaerklätt den Liberalen ihren Jnsnatentheil zur Verfügung gestellt. Die Konservativen bieten übrigens alles auf; am Mittwoch um 7 Uhr und um 8 Uhr finden in verschiedenen Lokalen kons«- vative Versammlungen statt, von denen die eine durch Herrn v. Normann, der gleichzeitig einen Wahlaufruf für Herrn v. Köller erläßt, die andere von Henn v. Thadden einberufen wird, der außerdem noch einen besonderen Wahlaufruf erlassen will. Die Stimmung unter den Liberalen ist trotzdem eine zu- verfichtliche; es wird sich zeigen, ob alle diese Mittel im Stande find, den Ausdruck der politischen Meinung zu verhindern.— Der in der obigen Mitheilung«wähnte Wahlaufruf des Herrn v. Thadden ist im„Greifend. Kreisbl." abgedruckt und fängt wie die Rede des Antonius an, mit:„Landsleute, Freunde, Kreisgenossen!" Er enthält unter anderm die überraschende Versicherung, daß ein konservativer Abgeordnet«„nicht einen Erwerbsstand vor dem andern bevorzugen, nicht den Spiritus- brenner und Kartoffelbauer zum Nachlheil anderer Nahmngs- zweige und Volksllassen begünstigen wird". Danach haben also die Gegner der Konservativen wahrscheinlich die Agrarpolitik und das Branntweingesetz, und wie die Errungenschaften der konservativen Aera heißen mögen, gemacht. Die Uersammlung der Kürgermeister und Magi- stratvvertreter der Brandenburgischen Städte, welche gestern im Berlin« Rathhause tagte, nahm nach länger« Diskusston folgenden Beschluß an:„Die heute in Berlin versammelten Vertreter der Städte der Provinz Brandenburg geben in Bezug auf das dem Landtage vorgelegte Gesetz über Erleichterung der Volksschullasten folgende Erklärung ab:„In der Hoffnung, daß die von der Kommission des Hauses der Abgeordneten zu§ 1 gefaßten Beschlüsse, welche die finanziellen Schwierigkeiten, die den Kommunen aus der unveränderten Annahme des Gesetzes erwachsen würden, wesenttich mindem, zur Annahme gelangen werden, und in Erwägung, daß die große sozialpolitische Absicht der Vorlage durch den Beschluß der Kommission:„den Ge- meinden die Forterhebung der Schulgelder soweit zu gestatten, als der Ausfall durch die Staatshilfe nicht gedeckt wird nahezu vereitelt werden würde, spricht die Versammlung ihre Anficht dahin aus: 1. Die Aufhebung des Schulgeldes an den Volks- schulen wird in voller Würdigung der großen sozialpolitischen Bedeutung der Maßregel von den Städten vollständig gebilligt, doch schließt der Vorschlag auf Zulassung der Forterhedung von Schulgeld an einer über das Ziel der Volksschule nicht hinaus- gehenden Schute, wenn neben dieser Scbule eine Freischule»or- Händen ist, eine schwere Gefahr für die weitere Entwickelung unseres Volksschulwesens um deshalb in sich, weil eine derartige Einrichtung zum Wiederaufleben der in fast allen Städten glück- lich beseitigten Armenschule führen würde. II. Auf die sogen. gehobenen Volksschulen(Schulen, die dm vollständigen Lehr- plan der Mittelschule nicht erreichen, über das Ziel der Volks- schule aber hinausgehen) ist das gegenwärtige Gesetz weder in Bezug auf die neuen Zuwendungen des Staats an die Ge- meinden, noch bezüglich d« Aufhebung des Schulgeldes anzu- wenden. Dasselbe gllt von gehobenen Klaffen einer Volksschule, sofern dieselben nicht auch der Erfüllung der allgemeinen Schul- pflicht dienen müssen. Diese gehobenen Schulen, auf deren Bei- deHaltung die Städte großes Gewicht legen, müssen also ihre rechtliche Stellung und ihre Ansprüche im gesammten Unter- richtswesen des Staates unverändert behalten. Der Vorstand der Versammlung wurde beauftragt, den Beschluß den beiden Häusern des Landtags in geeignet« Weise mitzutheilen. Nach Arußerunge« von verschiedenen Ketten» auch nach Korrespondenzen von halbamtlicher Stelle, ist es als sicher anzusehen, daß der Entwurf einer Alters- und Jnoalidenversor- gung dem Reichstage nicht mehr zugeht und seine Berathung einer späteren Session vorbehalten bleibt. Wenn auch an den maßgebenden Stellen, so wird d«„Voss. Ztg." von offiziöser Seite geschrieben, der Abschluß der Gesetzgebung über die Ar- deiterverfichemng mit einer erklärlichen Dringlichkeit behandelt wird, so sprechen doch manche Gründe dafür, unter den heutigen Umständen die Berathung noch hinauszuschieben. Sollte über- Haupt eine Erledigung des wichtigen Gesetzes jetzt noch erreicht werden, so wären darüber noch Monate vergangen. Denn zunächst wird der Entwurf, wie gewöhnlich, noch eine gründliche Durcharbeitung im Bundesrathc erfahren, die verschiedme Wochen in Anspruch nehmen wird. Hieran hätte sich die nicht minder ausgedehnte Durchberathuna im Reichstage anschließen müssen. Dann aber v«langt der Entwurf finanzielle Maßnahmen des Reichs, welche um so mehr in Betracht kommen, als der Etat für 1888 89 durch die Beschlüsse des Reichstags in zweiter Lesung eine Höhe erreicht hat, wie nie zuvor(1207 Millionen). In den„K. Pol. Nachr." liest man: Zu den wenigen Waaren, welche wir z. Z. noch in einigermaßen nennenswerthem Umfange nach Rußland importiren, gehören Farbstoffe und Farben. Es kann daher bei der in Rußland vorherrschenden Stimmung nicht Wunder nehmen, daß man, wie verlautet, im russischen Finanzministerium zur Zeit mit Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs, betreffend die Erhöhung des Zolles auf Farben und Farbstoffe, beschäftigt ist.— Der Crbfreund kann es fich ja leisten. Der Abgeordnet« Gehlert veröffentlicht in der„Post" einen zwei Spalten langen Artikel gegen den Abgeordneten niedrig« Temperatur«füllt ist, welche der Erdobnfläche keine, oder nur sehr geringe Wärmestrahlung zurücksenden kann, so daß in hellen Nächten mehr Wärme von der Erdoderfläche entsendet als empfangen wird. Eine mäßige Wolkcnhülle verhindctt aber schon die Entweichung der Strahlen in den Weltenraum, die- selben werden zurückgeworfen und gelangen wieder am Erdboden an, diesem die entsendete Wärme zurückgebend. Der Strah- lungsverlust ist also nur in heiteren Nächten bedeutend. Das Strahlungsvermögen einer Schneedecke ist sehr groß, so viel er- hedlichcr als dasjenige der atmosphärischen Luft, daß der Schnee an seiner Oberfläche in hellen Nächten bis zu 5 Grad tiefere Temperatur annimmt als die Luft und somit in bedeutender Weise erkältend auf die Luft einwirkt. 4) Für unsere Gegend ist es für die Tcmperaturfrage noch von Bedeutung, ob in Heller Nach der Wind aus Ost, resp. Ostsüdost oder aus Nordost weht. Bei der Richtung aus Ost oder Ostsüdost streicht der Wind nur über Land, jetzt Schnecflächen dahin, bei d« Richtung aus Nordost kommt der Wind von der Ostsee her und überstreicht derselbe nur die vcrhällnißmäßig schmale Landfläche zwischen Lübeck und Hamburg. Die ohnehin über dem Meere höhne Temperatur besitzende Luft hat auf ihrer Bahn nach Hamburg hin nicht die Zeit, stark zu erkalten und fällt daher nordöstlicher Wind bei heiterem Wetter im Winter nie so kalt aus, wie Ost- oder Ostsüdostwind. Neber eine von Kklavenhänblern verübte Gränel- that wird vom Nyassasee in Mittelafrika folgendes berichtet: Seit geraumer Zeit trieb eine Horde arabischer Sklavcnhändl« ihr Wesen in der Umgegend des Nyaffasees. Die Einwohner der umliegenden Dörfer wurden des Nachts von den Arabern überfallen. Die kräftigen Männer, Frauen und Kinder wurden als Sklaven weggeschleppt, die übrigen getödtet od« in die Flucht getneben. Gegen Mitte Novemb« suchte eine große Menge von Flüchllingcn des Stammes Nkouda, eine Zuflucht in einer wenige Meilen von Karouga, einer Station der afrikanischen Seegesellschaft, gelegenen Lagune. Dotthin wur- den fie von den Ärabem verfolgt, welche aus reiner Mordgier das Schilfrohr und das struppige tropische Gebüsch, welches die Lagune umgab, in Brand steckten. Die unglücklichen Afnkan« verbrannten entweder bei lebendigem Leibe oder wurden, wenn sie den Flammen zu entrinnen suchten, von den unmenschlichen Sllavenjägern, welche das brennende Ge- büsch umstellt hatten, erschossen oder mit Speeren niedergestochen. Viele der Unglücklichen sprangen in ihrer V«zweiflung in die Lagune, wo sie entweder ettranken oder von den zahlreichen Krokodilen hinabgezogen und verzehtt wurden. Dr. Bamberg« über die Pflichten des Staates gegen die Lohn- arbetter. Herr Gehlert schließt seine Auseinandersetzung mit den stolzen Motten, die dem Staate obliegende Pflicht zur Be- kämpfuna der Sozialdemokratie dränge zu Gewaltmaßregeln, „wobei Sentimentalität und Halbheit keine Rolle spielen, son- oern lediglich die Rücksichten auf den Erfolg gelten sollten". Aber Herr Gehlett, wo find denn die„Erfolge" des Sozialistengesetzes? Der„Kladderadatsch" als rnsstscher Kofdichter. In sein« letzten Numm« bringt derselbe zu den russischen Vor- schlagen ein Spottgedicht aus den unglücklichen Ferdinand, welches den geschmackvollen Refrain hat: „Ferdinand und Clementine, Clementin' und Ferdinand." Wir find wahrhaftig keine Bewunderer des bulganschen Füttten, aber jedenfalls steht« der russischen Eroberungspolitik im Wege und verttttt bis zu einem gewissen Punkt deutsche Interessen. Er ist auch ein deutscher Pttnz, was in den Augen eines„nationalen" Blattes doch eine Att Empfehlung sein sollte. Doch freilich, der„Kladderadatsch" ist ja russischer Hofpoet ge- worden und wird nächstens ein Gedicht zur Verherrlichung der Knute bringen, die in Deutschland schwer verkannt wird und ebenso gut eine Kulturmisfion hat, wie der Woermann'sche Schnaps. Der rohe«nd kindische Ausfall, den neulich� die „Post" auf die Schweizer machte, hat zu der verdienten Züchti- gung geführt. Die„Post" und ihre Geschwister haben es glück- lich soweit gebracht, daß zwar nicht das deutsche Volk, ab« das Deutsche Reich, als dessen Vertreter diese Schimpfbrüder fich aufspielen, in argen Mißkredit gekommen ist.„Wir sollen das deutsche Volk hassen?, fragt höhnend die„Zürich« Post".— Sind die Lockspitzel etwa das deutsche Volk?" Nun, unsere patriotischen Schimpfbrüder dürfen nicht Ja! sagen, denn fie haben ja die Lockspitzel für„eine häßliche ausländische Sache" erklätt. Gest-rr-ich-Ungar«. Das offiziöse„Fremdcnblatt" fühlt aus, daß bei mehr«en Kabinetten noch Bedenken über die Folgen des Schrittes Herr» schen, welchen die Mächte in Konstanttnopel zu unternehmen hätten. Es sei begreiflich, wenn die Kabinette, bevor fie den ersten Schritt zum Sturze der gegenwättigen bulgarischen Re» gierung machen, vor allem Klarhett darüber erlangen möchten, wie Ruhe und Ordnung in der unmittelbar darauf folgenden Zeit mindestens sichergestellt werden sollen, weil sonst nicht nur Bulgarien in eine Katastrophe gestürzt, sondern auch die Ruhe der europäischen Besitzungen der Pfotte und der übrigen Balkan- länder bedrohlichen Gefahr n ausgesetzt werden. Die vorläufigen V«handlungen seien noch nicht abgeschlossen. Frankreich. Ein merkwürdiges Schauspiel bietet jetzt die französische Republik. Der Schwiegersohn des vorigen Präsidenten der Republik sitzt, gemeiner Verbrechen beschuldigt, auf der Bank der Angeklagten; und sollte er auch vielleicht, aus Mangel an genügenden Beweisen, der gesetzlichen Strafe entgehen, so ist er doch für sein Leben gebrandmarkt und aus d« politischen Arena ausgestoßen. Herr Wilson ist beschuldigt, den politischen Einfluß, welchen er als Schwiegersohn des erwählten Hauptes der Republik zu erwerben wußte, zu seinem persönlichen Vor- thell ausgenutzt zu haben. Es ist nur zu aewöhnlcch, daß die Angehörigen derer, welche„die Klinke d« Gesetzgebung" in d« Hand haben, auffallend rasch Karri«e machen, hohe Gehalte beziehen und mit Ehrenzeichen geschmückt werden, ohne daß eigenes Verdienst vorliegt. Man hat für diesen— leider sehr verbreiteten Mißbrauch den Namen Nepotismus, d. h. Enkel» und Verwandten-Witthschaft erfunden. In Ländem, wo kein öffentlicher Geist herrscht und das Gefühl für Recht und Sitte abhanden gekommen oder durch Unter- drückung geschwächt worden ist, kann der Nepotismus herrschen, ohne daß fich eine Stimme dagegen erhebt. Wo aber politisches Ehrgefühl und Sittlichkeit herrscht, da er- hebt fich das Volk gegen d«artige Praktiken. In Frankreich ist es geschehen. Das Treiben des Herrn Wilson war nickt un- bemertt geblieben und hatte die Entrüstung der weitesten Volks- kreise erregt. Durch die Achtung vor Grevy, der, bei all' seinen Schwächen, den Ruf eines durchaus ehrenhaften Mannes genoß, wurde ein Ausbruch d« Unzufriedenheit lange zurückgehalten. Der Skandal wurde aber schließlich zu groß, und da Grevy es nicht verstand, sich rechtzeitig von seinem Schwiegersohn zu trennen, so fiel er selbst dieser Unzufriedenheit zum Opfer. Er mußte sein Amt als Präsident der Republik niederlegen— Carnot wurde an seiner Stelle gewählt— und der Schwiegersohn des vorigen Präfidenten sitzt auf der Bank der Angeklagten. Das er seinen politischen Einfluß zu seinem persönlichen Vor- theil ausgenutzt, das stellt er nicht in Abrede, meint aber, das sei nichts V«wettliches und komme überall vor. Das wird ihm natürlich nichts helfen. Wenn Völker mit stumpferem Sinn für Ehre und Sitte derattigen groben Unfug dulden, so ist das im Interesse dies« Völker sehr zu bedauern, bildet jedoch keine Rechtfertigung. Jedenfalls gereicht das Vorgehen gegen Wilson der französischen Republik zur Ehre; es beweist, daß der Grund- Nur ein kleines Häuflein Eingeborener entkam der Metzelei. Eine alte blinde Frau, die in die Gewalt der Unholde siel, wurde frei gelassen, nachdem ihr die Ohren abgeschnitten worden. Am 23. November griffen die Sklavenhändler, etwa 500 an Zahl, die unweit des Schauplatzes der Metzelei gelegene eng- lische Station an, in welcher sich zur Zeit nur der britische Konsul O'Neill und mehrere schottische Missionare befanden. Diese Handvoll von Weißen schlug, obwohl fie überrumpelt wurde, den ersten Angriff auf das Fort zurück und nahmen alsdann die 500 Eingeborenen der Station auf, während ein Mr. Nicoll abgesandt wurde, um Beistand von den in nörd« lich« Richtung wohnenden britenfreundlichen Stämmen zu er- langen. Die Araber belagctten dann das Fort in systematischer Weise,(richteten Pallisaden zwischen Bäumen mit gut geschützten Platforms in bedeutend« Höhe, von denen sie, wie von dem Balkon auf dem Dache eines verlassenen Magazins das Fori beschossen. Die Belager- ten v«schanzten sich so gut fie konnten und es gelang ihnen, während eines verzweifelten Ausfalles das Magazin ntedcrzu- brennen. Die Belagerung dauerte fünf Tage. Die Munition der Belagetten ging zur Neige und Lebensmittel konnten nur durch Ausfälle beschafft werden, während das Feuer der An- greif« immer heftiger und wirksamer wurde. Am sechsten Mor- gen nach einer bang verbrachten Nacht bem«kten die Belagetten eine ungewöhnliche Stille im feindlichen Lager. Sie wagten sich hinaus und fanden, den ganzen Platz verödet. Die Araber waren still abgezogen, nachdem sie in Erfahrung gebracht, daß 5000 Eingeborene zum Entsatz der Engländer im Anzüge seien. Diese 5000 Krieger trafen auch bald ein und mit ihrer Hilfe wurden die Pallisaden demolirt. Für die Europäer der Sta- tion lief die Affäre glücklich ad; fie alle blieben unversehtt und nur wer Eingeborene wurden verwundet. Ml-«.n»l-al-n b-s-ittgt. Jn dem Städtchen Nagq Bobrocz(Ungarn), Liptauer Komitat, hat dieser Tage die Stadthauptmannswahl stattgefunden. Das Resultat war, daß der bisherige Polizeichef von Nagy-Bodrocz fallen gelassen und et n neu« gewählt wurde. Auf das hin machte der früh«e „Würdenträger" kurzen Prozeß; er siel- wie„Bub. Hirl." berichtet- über fernen Nachfolger, den neuen Stadthauptmann, b« und erschlug rhn mit einem einzigen Hieb. Nun fitzt der �'Stadthauptmann rm Kühlen, wohin bisher auf sein Geheiß andere Miffethater gesetzt wurden. sctzung deS Tarifs in Klasse IV(Grünkram. Gemüse � wendet werden, dergestalt, daß der Tarif in den p5* n, II, IV und Vi von 25 Pfennige auf 20 Pfennigs der Zentralmarkthalle von 30 auf 25 Pfennige pro � Quadratmeter im Monats-Abonnement ermäßigt wird � außcrordentlick hohe Wasserverbrauch in den MaruM das laufende Etatsjahr sind bereits 100 000 M. etatisirt ß" 1888/89 werden mindestens 130 000 3J(. erforderlich die fortgesetzten Petitionon der Händler mit lebende» n um Ermäßigung des angeblichen viel zu hohen von 60 Pf. pro Tag und Quadratmeter haben den W veranlaßt, in den sämmtlichen Markthallen Wassermesiri» Fischerständen anbringen zu lassen und nach TurchführMIl Maßregel den betreffenden Standabnehmem die aufzuerlegen, die Kosten ihres Wasserkonsums selbst zoZ dagegen aber den Tarifsatz für den Handel mit lebende» g in den Hallen I— IV für die Monatsabonnenten w, und für die Tagcsabonnenten auf 40 Pf. pro Quadratmeter herabzusetzen. Auf diese Weise hofft der� den Wünschen der Händler mit lebenden Fischen am D entsprechen, da diese Händler nunmehr selbst in doj-B werden, sich ihren Hallenstand durch sparsamen Wassels billiger zu machen._ Sitz. �«gegangen "Mieinhandel jDntcr allgen Mchtzec tn gfy"»wegen worden rinnet Sethe Haus ti jjjwg. Munck« 'ZU der S ittuni Annahme h( � Antrages| jungen un a" wit dem -Wird der Vllichkeit, w soweit L Lurch m �Funktion ,» nch um p C m, Preßpro Q fo soll l Uorochen sei der Berr it r" müssen, i �khrhr W»er neuest 2)"" ergan Swiem getra :'u der Lage 5 fctanti zu I «"Ä.' M I'Wng, wie Kleine Mittheilnnge«. Itadt Theater tLallnÄbeaterstraße 15, fr. Albambra> Theater. Donnerstag, den 1. Mär» er.: Kencsh für Arthur Winckler. Bevolverliqueii' in originellen Revolverflaschen incl-,-» Jugberliquenr hochfein,» N Ä«treidek«mm«ah« Glsasserstr. Wöbet ans Theilzahlung M J Keilermann Soeben erschien Internationalen Bibliothek. Charles Fourier» sein Feben u. seine Theorien Mo» A. K* b- i. 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Februar, S*.Mische des Bundesraths: Delling und Kommissarien. �Scgangen ist d.r internationale Vertrag, beireffend den mhandel innerbalö des Gebietes Der Nrrdseefischeret. allgemeiner Heiterkeit erhält der Abg. Buderus, ltzer m Hirzenhain, dem vor einigen Tagen ein auf „wegen Familienangelegenheiten" beantragter Urlaub worven war, nunmehr einen 14 tägigen Urlaub„beer Verheirathung". Haus tritt hierauf in die zweite Berathung des von Munckel beantragten Gesetzes, betr. die Z u st ä n- 'U' t der Schwurgerichte. £>{!. Munckel: Obwohl mein Antrag keine Aussicht /anahme hat, so ist eine Veranlassung zur Diskussion Antrages schon deshalb gegeben, weil die verbündeten angen uns einen Gesetzentwurf vorgelegt haben, 'Alt dem meinigen in einem gewissen Zusammenhange W«d der Gesetzentwurf, betreffend den Ausschluß der achkeit, wirklich Gesetz, fo wird das Laienelement, we- Zi soweit es sich um Zuhörer handelt, zurückgedrängt. .iA durch meinen Gesetzentwurf dem Laienelement in rich- �.Funktionen Vorschub leisten. In beiden Fällen han- ..alb um politische Prozesse. Wenn ich wünsche, daß die w. Preßprozeffen an die Stelle der Berufsrichter treten , so soll damit kein Mißtrauensvotum gegen die Richter Ittwhen sein, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß die , der BemfSrichter in vielen Fällen anders ausfallen und >>«üffen, als die von Laienrichtern. Wer seine Äugen -�Wahrheit verfchließen will, wird nicht leugnen können, " der neuesten Zeit in politischen Fragen Voten von Bk- »«n ergangen sind, die nicht in allen Punkten vom Volks- nein getragen werden. Feder Berufsbeamtenstand wird Idee Lage sein, auf die Dauer einem starken Druck von stand zu hallen. Fch will ja nicht sagen, das wir ein 'kgiment haben. Wenn aber drei große Parteien sich M�'lgen und sich die eigentlich staatserhaltenden, natio- Nennen, so wird damit doch implkite gesagt, daß die ? Parteien nicht existenzberechtigt sind, und dann % Parteiregiment da. Unser Wunsch nach der u�rkert. der Schwurgerichte ist kein neuer. Schon i jmunnZ M. er erhoben, und zur Zeit einer politischen da tB'e � seWcn, im Fahre 1865 erneuert worden. ... ergingen ähnliche gerichtliche Entscheidungen, wie Atzt m Bezug auf die Diätenprozesse erlebt haben. Ich vie Schwurgerichte in politischen Fragen entscheiden zu Am die Richter jedes Verdachtes einer parteilichen Ent- "8 zu überheben. Erkenntnisse, wie das gestern be- in dem wegen Beleidigung eines Staatsanwalts eine 1 Lochen feln nicht Bemfsrichter in dieser Sache Recht gc- Deshalb kann ich Ihnen nur empfehlen, die !r Schwurgerichte für politische und Preßvergehen Ä/m �'inbaben(R.-P.): Frage ich mich, weshalb die Partei einen völlig aussichtslosen Antrag hrer ,m >i �8 e>no°s..,---■'•" J'Wetftn' Jf'e>ynen umieoiam n»v, ,1»............. < tl''t bem m tAv Dieser Zweck ist ja erreicht. Wir haben [KUaekJv �cdatteur eines obskuren Winkeldlattes aus dem ' L• A* x(7\..___ t eines obffurcn � � mehr beschäftigt, als er verdient hat. Danach X igst-' BüL nur{ ■Ht jm""" erwarten sollen, daß der Antragsteller auf die 'nichj„°,bung seines Antrages verzichten würde. Da dies W' gestatte man auch mir ein Wort über e. Gerichte. Ich bin persönlich ein Freund der Schwur- ie dag joerden in den meisten Fällen in ihrem dunkelen ,,»iche.v.,'ge treffen. Einen Vorzug wird man ihnen iljkeit.�erkennen können, nämlich den der Unab- °n der öffentlichen Meinung und der Fähig- on dem Druck der Tagesströmung loszulösen; »• verboten.) Gerungen an M. G. Saphir. Von Adolph Kohut. Spezialität der Sati- ..ft mit Witz und Satire Menschen gebieten oft über .„ wenn sie erst reden und über ihr ?s> em verklärender Schleier des Genies sich ife* Tatsache ist jedoch, daß manche der namhaftesten .».'welche die Eitelkeiten und Lächerlichkeiten ihrer auz geißelten, von grober Häßlichkeit waren. Ich l''J> Ä r*7*" � V»V v*« V V* V•."— y.... y-----/ Vn geißelten, von großer Häßlichkeit waren. Jc! der Fälle nur Lichtenberg, Voltair 1 1 1— die lebenden sind natürlich ausgeschlossen, verletzen möchten. Der häßlichste von einer der von Mutter Natur am meisten W darauf kommt es aber bei politischen und Preßvergehen an. Fn einer Stadt wie Berlin würde dieses Bevenken besonders ins Gewiäst fallen. Die Selbstständigkeit des Urtheils ist bei aller menschlichen Schwäche den Berufsrichtern in diesen Fragen eher zuzutrauen, als den Laienrichtern. Der Beweis dafür, daß.wir ein Parteiregiment haben, daß von oben her, von der Justizverwaltung irgend ein Druck auf die Richter aus- geübt und ber ihrer Anstellung auf ibre politische Gesinnung Rücksicht genommen worden sei, mit einem Wort, daß das Urtheil der Richter von oben beeinflußt und getrübt sei, wie die bedauerlichen Ausführungen eines so hochgestellten richterlichen Beamten, wie des Abg. Rintelen, glauben machen wollten, ist bisher von keiner Seite erbracht worden. Ich halte den Druck von unten für viel bedenklicher, als den von oben, und deshalb werde ich gegen den Antrag stimmen. Abg. Hulemann(natl.): Mit der Grundidee des An- trags, politische und Prcßvergehen den Laienrichtern zu über- weisen, bin ich einverstanden. Die Form der Schwurgerichte scheint mir aber für solche Prozesse keine geeignete zu sein. Die bestimmte Fragestellung auf ja oder nein in dem Urtheil, die Unmöglichkeit, daß die Geschworenen den Thatbestand feststellen, find unübersteigbare Hindernisse. Die Laien müßten zu diesen wie allen andern, mit Ausnahmeder des Reichsgerichts, nur als Schöffen zugezogen werden. Ich halte die Schöffengerichte für die Gerichte der Zukunft. Die von den Antragstellem in erster Lesung zur Be- gründung ihres Antrags angeführten Gesetzwidrigkeiten zu prüfen, kann Aufgabe des Reichstags nicht sein, weil wir hier die Angegriffenen nicht hören können. Sind aber die Einzel- Herten wahr, so bilden sie doch bei den Tausenden von Straf- fällen eine verschwindende Minderheit. Und am Ende ist mit den Schwurgerichten den Wünschen der Herren, wie der Vor- redner bereits darlegt, auch nicht gedient, weil die Laienrichter auch einer Beeinflussung, wenn auch von anderer Seite, aus- gesetzt find.(Beifall.) Abg. Wvaevt(Pole): Wenn auch die Geschworenen durch die öffentliche Meinung beeinflußt werden können, so ist doch dieser Druck von unten viel weniger gefährlich als der, welcher von oben auf die Bemfsrichter ausgeübt-werden kann, da diese für ihre Existenz besorgt sein müssen. Der Richter wird, wenn es nur irgend mit seinem Gewissen vereinbar ist, ein möglichst strenges Urtheil fällen, einem Dmck von oben nach dieser Richtung sich nicht entziehen können; und eine besondere Gefahr liegt darin, daß der Richter sich allmälig an diesen Dmck gewöhnt. Gerade bei politischen Prozessen muß die Möglichkeit, daß infolge dieser Umstände strenger geurtheilt wird, als sonst geschehen würde, von vornherein ausgeschlossen werden. Deshalb müssen politische Prozesse einem Richter kollegium aus Laien, also den Schwurgerichten, zugewiesen werden. Es sind polnische Re- dakteure wegen Abdruck von Artikeln verurtheilt worden, die in deutscher Sprache unbeanstandet veröffentlicht waren. Bei den Schwurgerichten werden solche Vemrtheilungen nicht mehr mög- lich sein, und deshalb ist uns der Antrag Munckel durchaus sympathisch. Abg. Träger: Der Vorwurf, daß wir diesen Antrag nur gestellt hätten, um eine Gelegenheit zur Kritisimng einiger ae- richtlicher Erkenntnisse zu haben, ist unzutreffend, es ist uns ledig- lich um die Sache selbst zu thun. Der Fall Dörholt war so eklatant, daß er einer Besprechung bedurfte, er ist aber auch bei einer anderen Gelegenheit erörtert worden. Es ist nicht unter allen Umständen Pflicht des Strafrichters, zu vemrtheilen, und die Staatsanwälte werden weniger Anklagen erheben, wenn sie nicht mehr Bemfsrichtem. sondem Geschworenen gegenüber dieselben vertreten sollen. Herr Kulemann ist ein Freund der Laien- gerichte, aber nur der Schöffengerichte, die Form der Schwur- gerichte hält er für falsch. Aber gerade die Schöffengerichte haben die an sie gestellten Erwartungen nicht überall erfüllt. Ich ziehe den Druck von unten dem von oben vor. Der preußische Minister des Innern hat ja einmal offen erklärt, daß bei der Anstellung von Beamten auf deren politische Meinung Rücksicht genommen werden müsse. Gerade für das Kapitel der Beleidigungen ist die öffentliche Meinung der kompetenteste Richter, da werden die Geschworenen als Organ der öffent- liehen Meinung am besten urtheilen können. Dem Ansehen des Richters kann nichts mehr förderlich sein, als wenn er gar nicht in die Lage kommt, den Verdacht der öffentlichen Meinung zu erregen. Ausficht auf Annahme des Antrags haben wir aller- Vings nicht: aber es ist nothwendig, diese gerechte Forderung des Liberalismus zu stellen. noch das Schrecklichste! Dieses Lachen glich demjenigen Fauns und Silens, und der fast zahnlose Mund erschien wie ein Hohn auf den sechsten SchöpfungStag. Seit jener Zeit habe ich oft an M. G. Saphir gedacht und mich mit seiner Person beschäftigt. Denn nicht allein das Gegentheil eines Adonis machte ihn zu einer SehenS- Würdigkeit, nicht allein sein beißender Witz und seine schonungslosen Kritiken jagten so manchem Angst und Schrecken ein, auch das Leben dieses merkwürdigen Menschen bot so manchen packenden Stoff zu einem Roman oder zu einer Posse. Ich wußte, daß er einer der bestgehaßtesten Menschen in Deutschland und Oesterreich war, denn er hatte mit seinem Stilet, valgo seiner Feder, gar vielen sehr weh gethan. Klara Schumann, Henriette Sontag, Friedrich Halm und viele andere hatte er mit einer wahren Berserker- wuth angegriffen, und namentlich die Schauspielerinnen und Sängerinnen beteten ein„Vaterunser", wenn sie nur seinen Namen hörten. Trotz seines Aeußeren und trotz seiner Bos- heit, die sich in Wort und Schrift kundgab, hatte doch dieser Kaliban einst geliebt, und zwar leidenschaftlich geliebt. Da diese Episode seines Lebens nur wenigen Zeitgenossen sich bekannt sein dürfte, will ich sie hier in Kürze erzählen. Man wird daraus erkennen, daß Saphir im Grunde ein weiches Gemüth hatte und daß er edleren Regungen keineswegs unzugänglich war. Saphir war nie verheirathet. Er haßte die Ehe, wahr- scheinlich weil er wie her Fuchs dachte, dem die Trauben zu hoch hingen. Er pflegte zu sagen:„Die Ehe ist das Grab der Liebe und die Frau ist sogleich das Kreuz darauf."... „In der Ehe beweist der Mann alles und behauptet nichts, die Frau beweist nichts und behauptet alles," und so war er zeitlebens ehescheu. Doch Gott Amor rächte sich einmal an ihm. Er verliebte sich in Wien in eine Eng- länderin, Frau G o d o n. Es war dies eine ebenso schöne, wie hochgebildete Frau, die viele Sprachen geläufig sprach und schrieb. Sie wohnten jahrelang zusammen und er betete seine Geliebte, auf die er sehr eifersüchtig war, abgöttisch an. Auf die Erziehung des Sohnes der letzteren verwandte er eine außerordentliche Sorgfalt, und er, der Frauen- spötter, war ein vollständiger Sklave seiner Herzenskönigin. Abg. Hartmann: Auf Grund so allgemeiner Angaben des Abg. v. Graeve können wir gar nicht beurtheilen, ob seine Vorwürfe über die Vermtheilung polnischer Redakteure be- gründet sind oder nicht. Für seine Existenz hat der Richter nichts zu besorgen, wenn er einem Dmck von oben nicht folgt, denn seine Versetzung in den Ruhestand, in welchem ja auch für seine Existenz gesorgt ist, kann nur mit seinem Willen, auf Grund bestimmter gesetzlicher Vorschrifter oder eines richterlichen Urtheils erfolgen. Dagegen sehen wir bei den Wahlen, wie der Dmck von unten viele Leute von dem Ausdmck ihrer Ueberzcugung zurückhält. Wir wissen, wie die Geschworenen in causes cflibres bearbeitet werden, und wenn schon, was ich allerdings nicht zu- gebe, polnische Richter sich von einer politischen Anficht leiten lassen, so wird das bei den Geschworenen noch viel mehr der Fall sein. Auf den Fall Dürholt- Heim will ich nicht zurück- kommen. Es liegt wohl nicht im Interesse des Hauses, sich nochmals mit dieser Sache zu beschäftigen. Der Antrag Munckel ist für uns unannehmbar. Abg. Herme«: Herr v. Reinbaben hat den„Boten aus dem Riesengebirge" ein obskures Blatt genannt; wenn ich ihm aber sage, daß dieses Blatt 10(XX) Abonnenten(Abgg. Lüders und Rickert rufen 20000), also 20000— ich habe vorsichtiger Weise nur die Hälfte genannt— hat, so wird er sein Urtheil wohl nicht aufrecht erhalten. Abg. Mnnckel zieht mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses und um nicht durch eine Abstimmung wiederum die Beschlußunfähigkeit festzustellen, seinen Antrag zurück, ebenso verzichtet er für diese Session auf die Weiterberathung des gleich- falls auf der Tagesordnung stehenden Antrags auf Wieder- einführung der Berufung. Abg. Neichensperger schließt sich diesem Vorgehen be- züglich seines Antrags auf Wiedercinfühmng der Bemfung an, da er in dieser Session doch nicht mehr zur dritten Lesung kommen würde. Es folgt die zweite Berathung der Anträge Hitze und Ackermann über den Befähigungsnachweis. Abg. Ackermann: Bei der ersten Berathung ist mehrfach darauf hingewiesen worden, daß der Befähigungsnachweis sich in Oesterreich nicht bewährt habe. Dem gegenüber kann ich mich auf zahlreiche Zeugnisse einer großen Reihe von Handwerker- Innungen,-Verbänden und-Genossenschaften aus allen Theilen Oesterreichs beziehen, welche zwar nicht bestreiten, daß anfangs Kompetenzstteitigkeiten vorgekommen sind, aber andererseits allgemein anerkennen, daß, nachdem dies lieber- gangsstadium überwunden ist, die Einrichtung sich als eine durchaus zweckmäßige bewährt habe und geeignet sei, der ttost- losen Lage des Handwerkerstandes abzuhelfen dadurch, daß die schädlichen Elemente aus dem Gewerbe allmälig ver- schwinden. Abg. Kaumbach: Nachdem so viel über den Befähigungs- Nachweis gesprochen ist, sollten wir im Interesse des deutschen Handwerkerstandes endlich zur Entscheidung kommen, sei es zu Gunsten der Antragsteller, sei es gegen dieselben. Wenn der Antrag hier angenommen wird und die verbündeten Regie- rungen ihn nicht zum Gesetz erheben, so wird ein wesentlich agitatorisches Element aus der zünftlerischen Bewegung, deren letztes Ziel die obligatorische Innung ist, ausgeschieden werden. Würde der Antrag heute hier abgelehnt, so würde auch dieses Votum des Reichstags dazu beittagen, dem zünftlerischen Treiben, wie es noch auf dem letzten Handwerkertage in Dortmund her- vorgetteten ist, einen Damm zu setzen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, daß die Petitionen wegen Einführung obligatorischer Arbeitsbücher, welche auf dem deutschen Handwerkertage angeregt worden sind, neulich klanglos zum Orkus hinabgegangen sind. Sie find als ungeeignet zur Verhandlung im Plenum einfach ad acta gelegt worden, ohne daß von Seiten der Konservativen oder des Zentrums einer sie aufgenommen hätte. Wie diese Forderung der Arbeitsbücher damit endlich aus den Erörterungen der Handwerkertage aus- scheidet, so wird es auch in Bezug auf den Befähigungsnachweis und die Zwangsinnungen der Fall sein, wenn wir heute zur Ablehnung kommen. Wenn dieses Gesetz zu Stande kommen und die Gesetzsammlung des Deutschen Reichs damit verunziert werden sollte, so würde es die unerquicklichsten Stteitigkeiten innerhalb der Zünfte geben. Ich verweise nur auf die heute eingegangene Petition der Barbiere, Friseure und Perrücken- macher, die sich auf das Entschiedenste gegen eine Unterscheidung zwischen Barbieren und Friseuren einer Seine Liebe ging so weit, daß er Frau Godon, die Wittwe war, bestürmte, ihm ihre Hand zu reichen, aber sie wies seinen Antrag zurück, weil sie durch die Verehelichung ihrer nicht unbedeutenden Pension verlustig gegangen wäre. Ur- plötzlich traf ihn ein herber Schlag, der schrecklichste Schmerz seines Lebens: eines schönen Tages ging seine Geliebte mit einem jungen Manne durch, ihn in seiner Verzweiflung allein lassend. Bezeichnend für die Liebe, mit welcher der Sohn seiner Ex-Geliebten an ihm hing, ist die Thatsache, daß dieser der Mutter nicht folgte, sondern bei Saphir blieb, der ihm mit großer Zärtlichkeit stets entgegenkam. Das fürchterliche Ereigniß verbitterte ihn noch mehr und machte ihn thatsächlich zu einem Feind des weiblichen Geschlechts. In dieser Stimmung verfaßte er mehrere seiner malitiösesten Ausfälle gegen die Frauen, von denen ich hier nur einige mittheilen will: Das Gedächtniß der Frauen ist kurios: an den ersten Liebhaber denken sie nach dreißig Jahren noch, den letzten vergessen sie in drei Tagen.— Die Frauen sind alle muster- Haft, wenigstens was die Haubenmuster betrifft.— Jede Frau ist ein Buch: noch so schön und noch so gut, hinter- drein doch noch immer ein kleines— Fehlerverzeichmß.— DaS erste, was die Frauen wissen, ist, wie schön sie sind; das erste, was sie lernen, wie stark sie sind; das erste, was sie erfahren, wie schwach sie sind; das erste, was sie ver- gessen, wie alt sie sind; das erste, woran sie sich wieder er- innern, daß sie das wieder vergessen haben.— Die Frauen wissen einen gescheidten Menschen nicht eher zu schätzen, als bis sie einen dummen Kerl geheirathet haben... Das weitere verschweig' ich! Der Hauptfehler Saphir's bestand in einer grenzenlosen Eitelkeit. Wer ihn in Wort und Schrift oder auch nur durch eine Geberde verletzte, wer ihn nicht gehörig estimirte, den haßte er glühend und sein Rachegefühl kannte keine Grenzen. Hierzu gesellte sich eine große Bestechlichkeit, nicht so sehr durch Geld und Geschenke, als vielmehr durch eine Art von Liebenswürdigkeit, die Künstler und Künstlerinnen dem eitlen Manne entgegen zu bringen wußten. Sein Freund Eastelli, der ihn sehr genau kannte, da er dreißig Jahre hindurch mit ihm in literarischer und theilweise auch seits und Friseuren und Perrückenmachern andererseits verwahren. Der eimige Unterschied sei der, daß diese srifiren, barbiren und Perrücken machen, jene barbiren, fristren und Perrücken machen. Aehnlich liegt die Sache in zahllosen anderen Füllen. Ich hoffe, daß die verbündeten Regierungen so viel Einsehen haben werden, diese Bestimmungen nun und nimmermehr zum Gesetz zu erheben. Die Kundgebungen, die Herr Ackermann uns mitgctheilt hat, find ohne Belang. Daß die österreichischen Innungen einen solchen Standpunkt ein- nehmen, ist ja selbstverständlich. Herr Ackermann könnte eben- sogut zünftlerische Zeugnisse aus Deutschland für seine Anficht anführen wollen. Thatsachen hat er gar nicht vorgebracht. Ich möchte aber auch auf eine Erklärung der Salzburacr Handels- und Gewerbekammer hinweisen, der beschrittene Weg sei unge- eignet und es könne nicht so fortgehen. Unser Gewerbe hat sich ohne den Befähigungsnachweis in den letzten Jabren gut entwickelt, und die nächste Kunstgewcrbeausstellung in München wird zeigen, ob das Kunstgewerbe so herunter ist, daß man ihm mit dergleichen Mitteln aushelfen müsse. Ich hoffe, daß im deutschen Handwerkerstande das Vcrständ- niß für die Segnungen der Gewerbefreiheit sich wieder- finden wiro. Abg. Kiebl(Zentrum): Unser Antrag hat keineswegs einen agitatorischen Zweck. So lange diese Frage nicht erledigt ist, ist auch eine erhitzte Debatte über die Einführung obligatorischer Arbeitsbücher zwecklos. Wenn der Abg. Baumbach den groß- artigen Gesichtspunkt der Friseure und Pcrrückenmacher ins Feld geführt hat, was wohl mit den Haaren geschehen wird, so möchte ich fragen, was mit denen geschehen wird, die keine Haare mehr haben.(Heiterkeit.) Die Handelskammern sind auch absolut nicht kompetent, sie beuten permanent das.Hand' werk für ihre Zwecke aus.(Lebhafter Widerspruch) Das Kapital spielt bei der Unterdrückung des Handwerks doch eine große Rolle. Wenn das Kunsthandwerk heu'e zur Blütke gelangt ist, so verdanken Sie dieses den Vorbildern, welche die alten verrufenen Zünfte uns hinterlassen haben.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Damit ist nun aber nicht gesagt, daß im Handwerkerstande nicht Manches faul rst. Wenn sich Anwalte, Aerzte zusammenschaaren, um ihre Interessen gegen Unbefugte und Pfuscher wahr- zunehmen, warum sollten die Handwerker nicht auf ähnliche Weise ihre Interessen vertreten? So viel mir bekannt, ist eine Enquete über die Einführung des Befähigungsnach- weises veranstaltet worden. Es wäre erwünscht, wenn wir dar- über eine volle Klarheit bekämen. Stehen die verbündeten Regierungen auf dem Standpunkt, den Befähigungsnachweis für das gesammte Bauhandwerk einzuführen? Das wäre wenigstens eine Abschlagszahlung. Wir betrachten unseren Ge- sctzentwurf als eine Konsequenz der durch die Kaiserliche Bot- schaft inaugurirten Sozialpolitik. Rachdem die Verhältnisse der Arbeiter durch das Krankenkassen- und Unfallverficherungsgesetz geregelt worden find, ist es eine berechtigte Forderung, daß auch die Handwerker gewissermaßen eine Entschädigung dadurch be- kommen, daß sie unberechtigte Personen vom Handwerk fern- halten können.(Beifall im Zentrum.) Geheimrath Fohman»: Die Erhebungen über die Frage der Einführung des Befähigungsnachweises im Baugewerbe find noch nicht abgeschlossen, die verbündeten Regierungen haben deshalb über diese Frage noch keinen Beschluß fassen können. Abg. Duvignra«: Die österreichischen Verhältnisse passen gar nicht auf Deutschland. Die Oesterreicher sind aus der Ge- werbcfreiheit direkt zu den obligatorischen Innungen über- gegangen, während wir Gott sei Dank noch ein Mittelglied bc- firen in den freien korporativen Innungen. Wir haben bei- nahe zu viel für diese korporativen Innungen gethan.(Hört, hört! im Zentrum.) Nehmen wir diesen Antrag an, so thun wir damit den ersten Schritt zur Zwangsinnung; und schließlich bleibt nichts anderes übrig, als den Handwerkern auch noch die Kundschaft zu verschaffen.(Zuruf aus dem Zentrum: Lächerlich!) Ich hätte gewünscht, Herr Bichl hätte es unter« lassen, von einer Ausbeulung des Handwerks durch das Groß- kapital zu sprechen. Würden Sie vielleicht das Großkapital ver- missen können? Ueberlassen Sie diesen Kampf gegen das Groß- kapital doch anderen Leuten! Gerade unter der Gewerbcfreiheit ist das Kunsthandwerk zur Blüthe gelangt(Znstimmung links), und es ist gerade ein Vorzug des jetzigen Kunsthandwerks, daß es nicht, wie im Mittelalter, für Fürsten, Kirchen und Klöster arbeitet, sondern auch den mittleren Klassen das Leben an- genehm macht. Und wie wollen Sic nun den Antrag praktisch durchführen? Selbst der Weisheit der Regierung wird es nicht gelingen, die einzelnen Handwerke genau zu umgrenzen. Die meisten Fabriken sind nichts anderes als durch günstige Um- stände groß gewordene Werkstätten. Was nützt mir der Be- fähiaungsnachweis, wenn nebenbei Schwindel und Betrügerei im Handwerk vorkommt?(Oho! rechts und im Zentrum.) Die intelligentesten Leute sind nicht immer die moralischstenGeschäfts- leute. Das Publikum ist also vor einem schlechten Schuh und schlechtgebauten krause bei einem Befähigungsn achgewiesenen (Heiterkeit) ebensowenig geschützt wie bei einem Nrchtbcfähigungs- nachgewiesenen. Man will sich durch den Befähigungsnachweis Die Journali bei ihm persönlicher Verbindung stand, berichtet, daß die größte Kleinigkeit ihn in Harnisch bringen konnte. Er wollte immer nur gelobt und gehätschelt sein; wenn jemand über etwas, was er geschrieben hatte, auch nur eine zweideutige Miene machte, so durfte er ver- sichert sein, bei nächster Gelegenheit an den literarischen Pranger gestellt zu werden und dieses nicht nur einmal, sondern so oft sich Gelegenheit dazu bot. Er hatte speziell unter seinen Kollegen sich eigene Zielscheiben seines Wiestz errichtet, auf welche er immer seine vergifteten Pfeile ab- schoß. Er selbst war gepanzert gegen alle Schmähungen; die Kugel, welche man auf ihn schoß, prallte von ihm ab, verwundete ihn aber nicht und fuhr auf den zurück, der sie abgeschossen hatte. er Typus eines sarkastischen und spottsüchtigen ten war ein grand sdgueur. Das Geld spielte keine Rolle. In den letzten Jahren, als er be- deutende Einnahmen hatte, war er sehr splendid und er liebte es, gute Freunde um sich zu haben und dieselben glänzend zu bewirthen. Dabei warf er mit den Hundert- und Tausendguldennoten so um sich— das Urbild von Raimunds Verschwender. Bei dem Souper, zu welchem ich an seinem Geburtstage in Wien geladen war, stoß der Champagner in Strömen. Der feinste Tokaier wurde servirt und dreihundert Menschen nahmen an der-bafelTheil. Bei solchen Anlässen hielt er so witzige Ansprachen und gab solche drastische Anekdoten und Kalauer zum besten, daß man sich vor Lachen ausschütten mußte. Ich habe in der That in meinem Leben noch nie so gelacht wie damals. Infolge seines luxuriösen Lebens und seiner Verschwendungssucht befand er sich stets in Geld- Verlegenheiten; aber sein erfindungsreicher Kopf ent- deckte immer neue Einnahmequellen. Er bekam für seine humoristischen Sachen glänzende Honorare. Ueber- dies hatte er große Gönner und Freunde in den Börsenfürsten Sina und Rothschild, die ihn oft mit bedeutenden Summen unterstützten. Mit dem Freiherrn von Rothschild in Wien erlaubte er sich dabei allerlei mehr oder weniger zarte Witze. Einen derselben kann ich als authentisch verbürgen und zwar einen, wobei i h m das blas die Konkurrenz vom Leibe halten. Wir aber glauben, daß den Handwerkern durch Institute auf der Grundlage freier Entschließung und der Selbsthilfe besser gedient ist als durch Zwangs- maßregeln.(Ledhafter Beifall links.) Auf Antrag des Abg. v. Kleist-Retzow erfolgt über den neu zu beschließenden§ 14a, welcher diejenigen Gewerbe, für welche der Befähigungsnachweis obligatorisch gefordert werden soll, aufzählt, namentliche Abstimmung. Der Paragraph wird mit 115 gegen 114 Stimmen angenommen, während ein Abgeordneter sich seiner Stimme enthält. Dafür stimmen die Konservativen, das Zentrum mit den Welsen und von der Reichspartei die Abgg. Brauer, v. Ellrichshausen und Grumbt. Dagegen stimmen die Nationalliberalen, die Freisinnigen, die Sozialdemokraten, die Polen, die liberalen Wilden Deahna, Hildebrand. Retemeyer, ferner von der Reichs- partei die Abgg. Graf Arnim, Baumbach, Bormann, Prinz Carolath, Delbrück, Drechsler, Frhr. v. Eckardstein, Gamp, Fürst Hatzfeldt, Henning, Holtz, v. Kardorff, v. Kulmiz, Lohren, Melbach, Robbe, Herzog von Ratibor und Schultz Lupitz. § 14 b wird durch Auszählung mit 114 gegen 105 Stimmen angenommen. § 14 c bestimmt, daß der Befähigungsnachweis vor einer Innung bezw. einer besonderen Prüfungsbehörde geführt wer- den soll. Abg. Schmidt(Elberfeld, dfr.): Von den 6000 Innungen in Preußen haben sich kaum 10 Prozent gemeldet, um die Vor- rechte, die in der Gewerbeordnung vorgesehen sind, zu er- werben, und nur 5 Prozent haben von der Regierung berück- fichtigt werden können. Die Innungen zeigen also einerseits kein Interesse, weitere Vorrechte zu erlangen, und andererseits entspricht die größte Zahl derer, die sich dazu für befähigt halten, nicht einmal den Anforderungen, die an sie gestellt werden müssen. In Bayern gab es im vorigen Jahre überhaupt nur 145 Innungen; nur 6 oder 7 davon hatten sich bemüht, die Vorrechte zu bekommen, und auch nicht ein einziges derattiges Privileg bat ertheilt werden können. Es ist dies dem Umstände zuzuschreiben, daß dort die freien Handwerkt r- und Gewerbe- vereine besonders blühen. Angesichts solcher Verhältnisse kann man doch unmöglich dazu übergehen, den Innungen noch wei- tere Vorrechte zu gewähren. Die mißlichen Verhältnisse im Handwerkerstande sind nicht in irgend einer gesetzlichen Bestim- mung, sondern in den allgemeinen wirthschaftlichen Verhältnissen begründet. Die Schwierigkeiten bei der Durchführung des vor- liegenden Antrages werden von den Antragstellern offenbar ver- kannt. Sie hätten die Verpflichtung gehabt, die Dcsinstion des Handwerks, die, abgesehen von der geistreicheu Bemerkung des Abg. Gebiert, daß das Handwerk ein endliches Ding ist, das aber die Eigenschaft hat, kein Ende zu haben— noch nie gelungen ist, klar zu legen und eine scharfe Abgrenzung der einzelnen Innungen festzustellen. Das letztere wäre deswegen nothwendiz, damit man weiß, vor welcher Innung die Prüfung abzulegen ist. Man geht sogar soweit, daß man Innungen für weibliche Personen wünscht, welche auch den Befähigkerts- Nachweis zu führen haben.(Rufe: zur Sache; der Präsident bittet den Redner, nicht von der Sache abzuschweifen.) In Oesterreich haben sich Stimmen genug gefunden, welche sich gegen den Befähigungsnachweis ausgesprochen haben. Ein Vertagungsantrag wird abgelehnt. Abg. v, Kleist-Rehow: Tie Befugnisse der Innungen werden yier nicht erweitert, sondern beschränkt, da die Examina unter dem Vorsitz eines Kommissars stattfinden sollen. Der Vorredner hätte sich seine lange Rede ersparen können, nachdem wir nur noch über die Art des Befähigungsnachweises zu beschließen haben. Abg. v. Kardorff: Ich konstatire, daß mein Freund Gehlert sich nicht für, sondern gegen den Antrag Ackermann ausgesprochen hat. Der Vorredner hatte also keine Ursache, Gehlert anzugreifen. Die Abstimmung über den§ 14c ist auf Antrag des Abg. Rickert eine namentliche. Der Paragraph wird mit 114 gegen 110 Stimmen angenommen. Ein Abgeordneter enthält sich der Abstimmung. Um 5& Uhr wird die weitere Berathung auf T o n n e r st a g 1 Uhr vertagt. Außerdem soll die zweite Beratbung des Gesetz- entwurfs, betreffend die unter Ausschluß der Oeffentlichleit statt- findenden Gerichtsverhandlungen und betreffend die Rechts- Verhältnisse in den deutschen Schutzgebieten, fortgesetzt und der Antrag Lieber-Hitze, betreffend die Sonntagsarbeit, berathen werden. Abgrordnetonhau«. 28. Sitzung vom 29. Februar 1888, 11 Uhr. Am Ministertische: v. G o ß ler, v. Bötticher und Kommissarien. Auf der Tagesordnung steht der Antrag des Zentrums auf Annahme eines Gesetzentwurfs, betreffend die k i r ch e n- politischen Gesetze. Abg. Prinz Arenberg beantragt, den ssiieverlussungen aufgelöster Orden, welche Korporationsrechte besaßen, diese Rechte bei ihrer Wiederzulaffung wieder zu ver- leihen. Lachen verging. Als er wieder einmal kein Geld im Beutel hatte, schrieb er an Rothschild einen lakonischen Zettel fol- genden Inhalts:„Leihen Sie mir 1000 fl. und vergessen Sie mich." Der Baron schrieb zurück:„Ich vergesse Sie und— sie." Ein Beispiel seiner Verschwendungssucht er- zählt Castelli. Er hatte in seiner Zeitschrift„Humorist" einen Zuckerbäcker sehr gelobt und dieser sandte ihm dafür eine schöne große Torte; da er nun diese allein nickt zu ver- zehren im Stande war, so gab er am nächsten Abend ohne allen anderen Anlaß, blos dieser Torte wegen— eine Soiree, die ihn mindestens 100 Mark kostete. In Otto von Corvin's kürzlich erschienenen Lebens- erinnerungen habe ich eine sehr unliebsame Schilderung des Charakters Saphirs gelesen. Es habe, sagt Otto v. Corvin, eine große Ueberwindung dazu gehört, ihm nicht stets eine Tracht Prügel zu aeben, wie er sie übrigens oft genug im Leben genossen habe... Gewiß war Saphir, wie bereits erwähnt, grundhäßlich und in hohem Grade unliebens- würdig, aber er hatte auch manche hübsche Seiten. Hierzu gehört namentlich sein großer Wohlthätigkeitssinn. Ich kann versichern, daß er zahlreiche Wittwen, Waisen und Arme unterstützte und daß er alle seine Wohlthaten mit größter Diskretion übte, ohne daß jemand etwas davon erfahren hätte. Ja, eS schmerzte ihn, wenn von seinen Wohlthaten etwas in die Oeffentlichkeit drang. Die meisten Feinde machte er sich durch seine scharfe Zunge, die noch verletzender als seine Feder war. Von seinen zahlreichen Bonmots und CalembourgS kann ich die nachstehenden als echt, d. h. von ihm selbst herrührend bezeichnen, während ihm eine große Masse von Witzen und Malicen zugeschrieben worden, an denen er ganz unschuldig war. In Wien war eine hübsche Schauspielerin, welche schon mehrere ihrer Liebhaber zu Grunde gerechtet hatte. In der Wiener Lokalsprache heißt:„ausziehen", jemanden an den Bettelstab bringen, und es heißt auch:„die Wohnung ver- ändern". Saphir begegnete einst dieser Schauspielerin und fragte sie, warum sie so traurig sei? Ach�Gott! antwortete sie, ich muß schon wieder ausziehen und Saphir fragte hier- auf nicht: wohin, sondern wen denn? Als ich selbst einen Brief Saphirs, den er mir ge- Abg. Prinz v. Arenberg: Ich will keine kirchenp Debatte anregen, auch keine Aenderung der Ordensgehkf langen, sondern nur mit den wieder zugelassenen Ordens laffunaen beschäftigt sich mein Antrag, der lediglich ein» ratorischen Zweck hat. Nach dem Ordcnsgesetz könnte es als wenn die früher bestehenden Niederlassungen ihre rationsrechte verloren haben; aber das halte ich nicht für ich fasse die neueste Novelle zu den kirchenpolitischen<- dahin auf, daß den Ordensniederlassungen, soweit sie ver Auflösung Korporationsrechte hatten, dieselben� gebliede» lfllich, und burchgenw «e enthalten,) • Man habe' "n es jetzt nicht »hg der Bei kleine< Das Vermögen der Niederlassungen' hat der Staat nÄ'C fisziren wollen; das Vermögen gehört jetzt Niemand:„KL.", 9, w, Ä v. i (**%%% NU Staat nicht, den aufgelösten Orden nicht und auch einzelnen Mitgliedern derselben. Wenn die lassungcn jetzt wieder zugelassen werden, muR auch das Vermögen zurückgegeben werden. dies thun. da es Niemand besitzt? Die Sache ist ff! dunkel. Die Ordcnsniederlassungen sollen nach dem vo: Gesetze ihren Vermögensbestand wieder erhalten; sie nicht in den Besitz desselben gekommen, weil Staatski das Vermögen verwalten und die Niederlassungen in# wendung desselben beschränken, so daß sie oft nicht diene Ausgaben machen können. Dabei muß aus dem Vermös die Verwaltung bezahlt werden, deren Kosten oft nicht gi bältniß zu dem Werthe des verwalteten Vermögensstückes Ein solcher Zustand ist unhaltbar, deshalb bitte ich, den anzunehmen.(Beifall im Zentrum.) Minister v. Goffler: Die Staatsrcgierung ist der? daß der§ 4 der vorjährigen Novelle erheblichen Schwül bei der Ausführung unterliegt und zwar weil der Znnh................... Sobald dieselben Korporationsrechte besitzen, einen Dar l dettk-m• ,,,, hat. Es sollte bedeuten, daß die Korporationsrecht- g i ein« schon im Besitz der Niederlassungen sein können, als �«; n,an B*e. wieder verliehen weiden können. Durch das% eines Komma und eines Wortes„werden" ist der@4 iiilehnen ,„m? Herrenhausbeschlüsse entstellt worden,_ so daß sich MsT � sicher'die Re Schwierigkeiten ergeben haben. Die Staatsregicruna'Üj. Ab» Uedcrzeugung gekommen, daß sie auch mit der Fukultat> besser n«*;«, vor Erfüllung der Voraussetzungen desselben h® bensimJ" ;n Niederlassungen ausgeliefert werden kann, nick 0 dofj auch oor'ii i. s............>v"~.( per gedier den WWWW|WWWWWWW..W.... kommen wird. Es wird eine Aenderung der G-s-M haben m,",„(*« nothwendig sein. Es sollte eine Novelle eingebracht$"nsrnfinner b« welche den zugelassenen Niederlassungen ihre Korporativ� der Ein»«ll,«i( wahrt. Die Novelle wird hoffentlich in der nächsten Z-u 1(iieneralLiLi Landtage zugehen.(Beifall.) Aeröffentlni i»l Ang eine #e laut ge M> Veröffei Ue gefaßt fision ersehe Machen, we "In. Einem l-n des Kail Die Magi l-jirk druck :n auch, we «KwÄ Abg. Hagens(nl.) glaubt, daß nach den Erklärung? t w"g' Ministers keine Veranlassung vorliegt, über den Antrags:it( ÖCn L Abg. Prinz Arenberg beantragt, mit Rücksicht& Erklärungen des Ministers den Gegenstand von der. roei[[onft ordnung abzusetzen; er behalte sich vor, später darauf r% auf ml: kommen. ,1 Wen. WDasHausttittdiesem Antragebei und wendet P Abg. Berathung von Petitionen zu. Eine Petition des Geheimen Regierungsraths Li Köln, betreffend Einkommensteuer, �urch Ilebergang zur Tagesordnung werden Petitionen: 1. von W. Lehmann in Pankow um � der Erlaubn ß zur Erziehung und Ausbildung nick', Pflichtiger blinder Kinder, und 2. der Gemeinde Klein um Abänderung der Provinzial-Schulordnung vom 11- 1815; als Material werden der Regierung überwiese" Petitionen von Geistlichen wegen der RelittenversorgruÄ Petitionen empfiehlt Abg. Lttbrecht dem Hause besonders; da zur 3' die Reliktenfrage geregelt werde, sollte man auch den' die Sorge abnehmen, die sie in ihrer Amtsfreudigs daß für ihre Relikten nicht gesorgt ist. Abg. von Mlinnigerode schließt sich diesen rungen an. Dse Budgetkommisfion beantragt, den Antm. und Genossen, betreffend die Veröffentlichung der berichte der Fabrikinspektoren, abzulehnen. Referent Graf Limbnrg-Stkrnm: Die A wünschen neben dem Auszug aus den Berichten de' aufstchtsbeamten auch den vollständigen Text derselben licht zu sehen, weil nur dann die Berichte ihren voll'" erhielten und überall bekannt würden. In der Budgetis'" sei ausgeführt, daß einmal dieser Abdruck große Koste fachen würde, daß aber auch die Berichte den Gewerbe' mitgctheilt würden, die nach Bedürfniß die ih' interessirendcn Berichte veröffentlichen könnten. Der in der Kommission mit 7 gegen 7 Stimmen abgelehnt- Abg. Hitze glaubt, daß die Kosten des Drucks der nicht so sehr erheblich sein würden. Aus den Berichte" alle Behörden sehr Vieles lernen, während der Ausi nicht geeignet sei. Die Berichte werden den kammern zugestellt, sie werden im Reichstaj legt; aber dadurch find sie noch nicht 'neralberich köln, betreffend Kenntnißgabe der Veranlagung der kla�Ä> großer Einkommensteuer, wird durch Ilebergang zur Tage-"' b Barern u rledigt....j'den-;m m• K im Reib erst d fcK '" 300 Exem SK i i» 1ÄS mit ""ithf* üb( Ii unlrf; "beschrieben, nicht lesen konnte, weil er sehr und darüber mein Bedauern ausdrückte, sagte er haben recht, das ist keine Handschrift mehr, sondern Buchstaben geschriebene Darmentzündung." g Der erste Censor war Noah, meinte preßte den Saft heraus und warf dem Publ' Hülse vor. Als von Fanny Elßler, der berühmten Rede war, die aus Begeisterung die amerikanische o küßt habe, sagte er: Kein Mensch hat so viel M. Ii Erde zu küssen, als Fanny Elßler, denn kein Nlenl so gut dafür bezahlt, die Erde mit Füßen zu treten- ihrem Grabe wird man nichts als die Worte lesen- Erde, sei ihr leicht, fürwahr, So leicht, wie sie Dir eS war. Der Mensch soll nur kriechen, meinte er, man zu etwas. Unter den Thieren haben nur z> die kriechen, eigene Häuser: die Schildkröte Schnecke...„ Was ist der Mensch? In der Jugend'IL/ Fragezeichen an die Zukunft, in seinem reiferen- J Paranthese der Gegenwart, und in seinem Alter rufunaszeichen an die Vergangenheit. Man sagt:„Mutterwitz", warum sag' � nicht Vaterwitz? Weil man versichert sein kann, J Mann witzig ist, so ist er nur durch die Fr"" worden. Diese Aussprüche ließen sich noch vermehren, � werden schon genügen, um den Beweis zu liefern-� Bezug auf JSchlagfertigkeit Saphir ein � bnltog ' sowie rbfa 01 M % Gchü Höheren r�Nen. %% M K •« t�NkN Reiche des Witzes, war. Er selbst sagte des war. er iciog laare mir einn uver leine fälle: ein solcher Einfall zur rechten Zeit hat das Leben gerettet, z. B. der lustige Einfall, e Humors einst über und seine mancher Tyrann viel früher gestorben ist, einige Hundert hat hinrichten lassen— eine i Antwort ist oft wirksamer als eine schlagfertige kostet auf jeden Fall weit weniger. (Schluß folgt.) Ä><*der I % Crti' ich einni nte es i ihre licht für tischen(k rit fic c« geblieben '4 und das ist die Hauptsache. Er habe einige ' durchgemustert und dabei entdeckt, daß dieselben viele Erhalten, die in den Gencralbericht nicht übergegangen habe die Berichte früher vollständig veröffentlicht. « jetzt nicht mehr geschieht, so liegt darin eine Gering- W der. Berichte und des Amts der Fabrikinspektoren. �vas kleine Sachsen kann, sollten wir doch auch leisten um»"-«i l!!?1?"*' Kötticher: Der Antragsteller entwickelt ja bei rat nÄ D� ,?°�ung seines Zieles eine große Energie; aber er hat icmanb: M��cht, wenn er den Fabrikinspeltoren den Rechtsanspruch auch«AM daß ihre Berichte veröffentlicht werden müssen.~' die NW .Reichstag volle Freiheit gegeben, in welcher Form i Berichte haben will; man hat sich über die llung eines Generalderichts geeinigt. Es sind ■ laut geworden, zu dem alten Verfahren der voll- lg> Veröffentlichung zurückzukehren: es sind aber keine Ae gefaßt worden. Aus dem Protokoll der Budget- fsion ersehe ich, daß die Antragsteller die Veröffentlichung Mnjchen, weil sie die Objektivität des Generalberichts be- la. Einem Antrag, der von dem Mißtrauen gegen die 'kn des Kaisers ausgeht, kann ich nicht zustimmen.(Un- •Cre Magdeburger Gewcrbekammer hat den Bericht für �ezirk drucken lassen; das können die anderen Gewerbe- "n auch, wenn sie es für nöthig halten. Die Theilnahme Eckums ist doch nicht sogroß, als man darstellt! denn von wn- i r�LruUet abgesetzten Exemplaren wurden 1200 amtlich gekauft iSrabit m �beilt; nur 300 privatim erworben. Die Ausgabe ist . als"ne kroße. Der Generalbericht ist besser abgefaßt wor- nnS>ann kaum annehmen, daß ein Privatmann sich beide der sASfR n anschaffen wird. Deshalb bitte ich Sic, den Antrag firfc mmüVo-.rT"'. iumal er dazu dienen soll, eine Kontrole zu üben, nina ist z/k bre Reichsverwaltuna keinen Anlaß gegeben hat. ukuttät k~ �»ttler meint, die Antragsteller hätten ihrem An- Iben gedient, wenn sie mit etwas weniger Lebhaftigkeit •*" selben angetreten wären. Redner tritt für den Antrag - ist Ä >em oosi 'ta«tsH % Bn«« "ssÄ ch, den� ist wj renB >sten irflätunj sintrag icksicht , endet -thsS der kl zen essel um.. rg niltf Klein m 11. rwiesc» t'orguns lann,•vmw«»» i/vw*»vv**•»♦»>»»- w»» r Mlffe Kreise die genaueren, ausführlicheren Berichte bracht namentlich auch die Beauftragten und Ver- rvoratioM � Lsiner der Genossenschaften, denen eine genauere Kennt- n nzclhellcn erwünscht sein muß. bracht fb1 Einzelheiten erwünscht sein muß. Dem Verdacht, daß ETOieralbeiickt tendenziös gefärbt sei, kann man am besten .�kröffentlichung der Spczialberichte entgegengetreten. Auch liha__ /r*->■ w». t___ur sehr bedeutend. Was machen denn 20 000 M. bei ÄEtat. iimster v. Kötticher: Für die Fortbildung der Kenntniß A Oralen Verhältnisse wird nichts erreicht durch die Be- SrftWm.Fabrikinspektoren, denn in denselben werden nicht diesen Antro� g ten bek selben :n volles udgetkl» nicht be- deshalb hat man den auf welche sie ihr Moniten«'" gleichen Sinne die gleichen Fragen behandelt; die Nnft- den Fragen ihrer Berichterstattung oviten z'st schon mißlich empfunden, genTn.rfvimmte Themata angegeben, uu, i». . i auf suchten sollen. Ich werde dafür sorgen, daß in Be- Wt• bn�cho Themata der Generalbericht ausführliche Auskunst tollen W kann man sich die Ausgabe der Einzelberichte er- "j f onft könnten auch die Berichte über die Landwirth- %""oführlichem Abdruck verlangt werden, was bisher noch v OinfnI an9t ist. Wir werden versuchen, allen berechtig- �®etfiB.lln9cn an den Generalbericht zu entsprechen: ]e l.wato Urfoh" �""0 der Einzclberichte nebenher halte ich nach jewcrbc� z,Mrungen für überflüssig. e'hl�Ito!sj�.?»rNg; Wenn ein Verlangen nach Veröffentlichung - ISt, Jb'o über die landwirthschaftlichcn Verhältnisse hervor- ner k�fo not�?ir prüfen, ob eine solche Veröffentlichung f Mtn 5 9 ist wie die hier verlanate. en«??9 Hitze wird dem Vorschlage der Budgetkom- " 5"L�Ter"Ä«chmd abgelehnt. WlQ �tadtrath zu Cassel, die Magistrate zu Posen und r i x.jirtWJtn, W die Magistrate und Stadtverordnctenversamm- i)t l�/An..-�born, Frankfurt a. O., Äromberg, Görlitz und ? die Bitte an das Abgeordnetenhaus, die Be- rnleserl'� Uü??ni?.�.�s Gesetzes vom G. Juli 1885, betreffend die . et: ii anders « 0«# Publik #1 u treten- ; lesen! ■Mirf,,.-—» u««eyrer uno �eyrcrrnnrn uu ym unt.uuu»» T0CneVuf die Lehrer und Lehrerinnen an den offentstchcn �'".Schulen«Bürger, Mittel-, Gymnasialvor-, Real- Ttaen n Töchterschulen ic.) durch ein Ergänzungsgcsetz pnterrichtskommission beantragt: Die Petitionen der ..........."'sichtigung zu über- Abgcordnetenhause .!!jn».sry�>uwurf vorlege, durch den das Pcnfionsgcsetz hj'stchullehrcr vom G. Juli 1885 sinngemäß, mit Aus. u. r Vorschrift bezüglich der S aats- ,u den Pensionen, auf alle Schulen aus- \L%d, die weder zu den Volksschulen im Srnne des ge- Gesetzes noch zu den höheren Lehranstalten gehören. M&��me�&f(WßWW%d(r Sümtsbestteuer Verchen- Bromberg beantragt, statt der nachdem lntrage zu streichende Beihilfe des Staates' tir ,we!?«JvTiben*- Bromberg Beantragt, stark oer NNW oem i-iite»senden m zu streichenden Worte zu setzen: Unter Abg �Beihilfe des Staates". will in Bezug auf den Staatsbcitrag zu der.�i". Präjudiz schDm,�denn sonst wäre ja die nd>! eren- illter ehren, � If'li,« der e W-MKßMZ DiWZ«S>K gSÄnÄV'ÄS 3 Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr. Zokales. Stöcker kontra Hein». Unter diesem Titel findet sich folgendes treffliche Stimmungsbild über die letzte Stöcker'sche Skandalversammlung in der„Frkftr. Ztg.": Herr Hofprediger Stöcker trat am Freitag Abend in Berlin in dem Saale der Tonhalle in einer neuen Rolle zum ersten Male auf. Eine Ent- rüstungsversammlung gegen die Errichtung eines Heine-Denk- mals in Düffeldorf war in der Stadt der Intelligenz einbe- rufen worden, und wohl an 1500 Personen, zu zwei Dritteln mindestens aus Studenten bestehend, widerstanden der Ver- suchung nicht, Herrn Stöcker als Kunstkritiker zu hören. Das Publikum, das in die Komödie, christlich soziale Volksversamm- lung genannt, gegangen war, erschien, seinem sehr jugendlichen Charakter gemäß, etwas unruhig und lebhaft; schwere Sorgen um ein ideales Gut des deutschen Volkes bedrückten die er- schienenen Muskel- und Kraftmenschen jedenfalls nicht. Nur mitunter vernahm man einen Kernfluch(unverfälscht teutonischer Kraft voll) über das miserable Bürger- und Arbeitervolk, das sich gleichartig verhalte gegenüber einem Attentat auf die Ehre der deutschen Nation. Da, gegen 9 Uhr, erscheint er, der Gefeierte, von brausendem Zumf empfangen. Er betritt fiegessicher die Bühne und ruft ein helles, frisches Guten Abend in jener herablassenden Weise, in welcher der Höchflkommandirende seine Grenadiere begrüßt, in die Menge, die hundertfach das„Guten Abend" erwidert. Der „Kontakt" mit dem Publikum ist hergestellt. Es sind Jahre vergangen, seit, ich Herrn Stöcker nicht wieder gehört habe; der Mann ist inzwischen ergraut, aber der Wahrheit die Ehre, er hat an schauspielerischem Können gewonnen. Er ist selbst- bewußter geworden, um seine etwas verkniffenen Züge in der unteren Geficktspartie, die mich lebhaft an den Satyrmund des Komikers Meixner im Wiener Burgtheater erinnert, spielt die Freude, der höhnische Vorgenuß dessen, was nun kommen soll. Armer Heinrich Heine, nun wirst Du auf Herz und Nieren geprüft..Herr Stöcker hat es in dem schwierigen Stück, die Kunstmittel zu beherrschen, weit gebracht. Er donnert nicht mehr, wie früher, und läßt sein wohlklingendes Organ nicht mehr so häufig elegisch wettern; sein Händespiel ist nicht so lebhaft mehr, wie früher, seine Mimik beredt zwar, aber nicht so verwirrend rege wie sonst. Er hat mit den Effekten weise sparen geleint und das ist viel. Zwar das im Zorn anschwellende Crescendo, wie den Kontrast hierzu, das sanfte Ersterben der Stimme, als schäme der Hofprediaer sich der Aufwallung, die ihn unchristlich hinriß, das hat er sich treu bewährt und das wendet er mit nie verfehlender Wirksamkeit häufig an. Fest stützt er seine Linke an den Rand des Tisches und beginnt mit gedämpftem Organ, als wollte er bei einer Predigt die Aufmerksamkeit sich erzwingen, den kunst- kritischen Vortrag. Sein Her; ist des Erbarmens voll mit dem armen Sünder Heinrich Heine, er ist ja Mensch, er ist ja Christ. Nicht den Juden in Heinrich Heine, sagt er. will er würdigen, sondern den Dichter, den Künstler, den Patrioten. Heber die Tobten soll man freilich nichts denn Gutes berichten— Stöcker's Stimme sinkt zu einem wehmüthigcn, klagenden Tremolo—, wenn aber des Tobten Hand unhellvoll in das gegenwärtige geeinigte Deutschland greift,—.Herr Stöcker steht da, wie ein rächender Prophet, die eine.Hand zur Faust geballt, die andere nach oben erhoben— dann ist es ein Verbrechen, ja eine Un- Möglichkeit, diesem Tobten, diesem undeutschen Dichterling— das Wort wird mit voller Lungen kraft in den Saal geschmettert — ein Denkmal zu setzen. In München, in Wien und in Frankfurt haben sich, traurig genug und beschämend für das Na- tionalgefühl der Deutschen, Komitees gebildet zur Errichtung des Denkmals auf preußischem Boden; mit„orientalischer Ucber- schwenglichkeit werde in den Aufrufen erwähnt, Goethe und Walther von der Vogelweide strecken dem Dichter Heine im Paradiese die Rechte entgegen; solche Blasphemie! Goethe ist zu vornehm, Walthcr zu deutsch dazu. Im karrarischen Marmor gebe es einzelne dunkle Flecken, die die Schönheit des Marmors noch heben, aber Heine sei ein umgekehrter karrarischer Marmor, ganz schwarz und nur mit winzigen weißen Fleckchen. Nach diesem witzigen Vergleich, der mit homerischem Gelächter aufge- nommen wird, läßt Herr Stöcker den Zwicker von der Nase gleiten, spöttisch wirft er die Oberlippe auf und den Kops mit der breiten Stirne wirft er trotzig zurück, bis das Beifallsgetöse aufgehört hat. Wie kann Heine ein Dichter sein, was weiß er von Liebe, er, den sein Pariser Lotterleben ans Siechenbett ge- fesselt hat? Verbogen und verwirrt und unklar ist jede Em- pfindung in Heine; man denke nur an das Gedicht, wo der Dichter, an das tobte Liebchen geschmiegt, der Welt Ende über- dauern will. Das, meine Herren, ist wüste Leichenschänderei, ruft Stöcker im Fortisstmo sittlicher Entrüstung, und ein minutenlanger Beifallssturm gicbt den Widerhall:— Es ist Leichenschändung! Von dichterischen Vifionen waren ja diese guten Leute nie geplagt. Aber das muß man gesehen haben, mit welcher mimischen Vollendung Herr Stöcker diese Stelle spielte. Als rieche er Verwesung, so verzerrte er seine Gesichts- muskeln, und rümpfte sich die Nase, wie Carlos es vor Clavigo thut, wenn er von der Schwindsüchtigen erzählt und verächtlich meint;„ein Verliebter hat keine Nase." Und von nun an ist in dem versöhnlichen Stöcker der Löwe erwacht, der aller Welt zum Trotz behauptet, nicht nur ein verrätherischer deutscher Jude, ein Hasser Preußens und der preußischen Armee, der Hohenzollem und der Wittelsbacher, ein Verächter Christi ist Heine, nein, er ist auch nicht einmal originell begabt. Er war ein Anempfinder. Beweis dessen, das wenigstens ist Stöcker'sche Logik: die Komponisten lieben Heine's Lieder, weil sie ihrer unklar wogenden Empfindung wegen sich für die Musik so vortrefflech eignen.„Ist Goethe's„Heber allen Wipfeln" so oft und so trefflrch in Musik gesetzt worden, wie Heine's„Das Meer erglänzte weiter hinaus", das an Werth von der bekannten Schumann'schen Musik hierzu hundert Mal übertroffen wird?" Herr Stöcker meinte zwar die MustkZvon Schubert, doch ver- wechselte er hartnäckig Schubert mit Schumann. Er muß die Musik sehr genau kennen und gegen den Werth des Gedichts abgewogen haben. Jndcß das sind kleine Jrrthümer großer Geister. Heine selbst habe Paris das neue Jerusalem genannt. Jerusalem,— Stöcker macht hier eine Kunstpause, läßt den Zwicker fallen und zwinkert mit den Augen, dann wirft er die Zwischenbemerkung rns Publikum, leise, ganz leise:„Sie hätten doch nichts dagegen, wenn seine Stammesgenossen und Verehrer in das neue Jerusalem einzögen"(brausendes tzalloh!) und fährt fort;„In diesem seinen Jerusalem hat er im Sündenpfuhl der Wollust gelebt."— Hier zeigten Stöcker's Augen einen feuchten Schimmer von Verklärung, fast als beneidete er Heine ob seiner Sünden,—„in diesem Jerusalem mag man ihm ein Denkmal aus jenem Stoff errichten, in dem er selbst eingestandenermaßen sich am wohlsten fühlte,— aus Koth, und die Deutschen, die das Denkmal wollen, mögen hierbei Handlangerdienste thun." Mit dieser Unfläth:gkeit schloß Stöcker, indem er noch in vollster Extase beide Fäuste ballte, dann ein eingegangenes Glückwunschtelegramm verlas und in Erregung zerknitterte. Ja, sprach er endlich, wenn Heine sich als Vetter Beelzebubs geberde, so müsse ein Vetter des Erzengels Michael erstehen.— Wer aber dieser Vetter sei, das verricth Herr Stöcker nicht. Dies eine Augenblicksaufnahme aus einer sehr charakteristischen Berliner Volksversammlung. Was auf die Rede Stöckers folgte, ist mit wenigen Worten erzählt.„Wer für Heine ein Denkmal errichten will, ist so frech, wie dieser... selbst. Weilen solche Leute in dieser Versammlung, so rief ein Redner, so mögen sie vor der Abstimmung den Saal verlassen, und in der That gingen die wenigen Vernunftigen, von wüstem Gebrüll jungdeutscher Studentenschaft verfolgt. Sodann wurde, natürlich einstimmig, eine Resolution angenommen, welche den Minister Puttkamer auffordert, zu bewirken, daß die Errichtung des Heinedenkmals auf preußischem Boden verboten werde. Gleiche Abwehrresolutionen wurden nach Düsseldorf gesandt. Wer aber die studentische Zuhörerschaft, erhitzt, heftig gestiku- lirend, aus dem Versammlungslokale kommen sah, der mochte an die herbe Wahrheit dessen denken, was einst der frühere Di- rettor der Berliner Sternwarte dem konservativen Herrn von Wagener bemerkte, wie dieser in seinen Erinnerungen erzählt: „Halten Sie die Leute für so albern, als Sie wollen, Sie wer- den zu Zeiten zu Ihrem eigenen Erstaunen erfahren, daß sie noch alberner sind, als Sie annehmen." Die Polizei beherzigt ein Mort Nückert'»: In Winterstagen richte Deinen Wagen und Deinen Schlitten in Sommers Mitten. Ja, sie thut mehr als das! Schon jetzt— das Thermometer zeigt 8 Grad unter Null und mahnt an Weihnachtswetter, wie wir es haben sollten, aber fast leider nie haben— erläßt sie eine Bekanntmachung bezüglich des nächsten Weihnachtsmarktes. Mit Rücksicht auf den, den Schloßplatz be- rührenden Pservebahnverkehr— so heißt es darin— ist es im öffentlichen Verkehrsinteresse nothwcndig, eine Aenderung in dem Aufbau der Wcihnachtsmarkibuden für den nächsten Weih- nachtsmarkt in Aussicht zu nehmen. Bei dieser Aenderung wird seitens des Kommissariats für Markt- und Gewerbeangelegen- Helten die möglichste Rücksicht auf die bisherigen Marttstellen- besitzer genommen werden. Und da vorauszusehen ist, daß in den Kreisen der Interessenten darüber große Bestürzung herrschen wird, so ist der Bekanntmachung gleich die Erklärung Hinzuge- fügt, daß etwaige Reklamationen gegen die betreffenden Anordnungen der Marktpolizei eine Berücksichtigung nicht finden können. Dieser Beschluß der Polizei bedeutet nicht mehr und nicht weniger als einen neuen Nagel zum Sarge des Weihnachts- Marktes. Der Abbröckelungsprozeß, der vor etwa fünfzehn Jahren begann, als ein Theil des Weihnachtsmarktes aus der Breitenstraße verwiesen wurde und nach dem Lustgatten übersiedeln mußte, wird fottgesctzt. „Der Verkehr erf ordert es"— das war damals das ausschlag- gebende Motiv und ist es heute. Gegen diese ultima, ratio aiebt es in der That keine Einwendung. Der Verkehr ist ein Tyrann und crzwingte sich Beachtung. Er schreitet rücksichtslos einher und nimmt keine Rücksicht auf Gefühlsregungen, et kennt keine Pietät. Er baut auf Gräbern und rüttelt an de» Marksteinen unserer Vergangenheit. Er bläht sich auf, daß er die breitesten Straßen füllt und zwängt sich zusammen, daß er durch die engsten Gassen schlüpft. Er bricht den Widerstand von Behörden und ist zäher als alle ihm entgegengestellten Ab» Weisungen. Der Verkehr bricht Mauern, der Verkehr ist es, der in letzter Reibe entscheidet über alle Fragen der Ausgestaltung der Stadt. Er war der Anwalt der Pferdebahnen, der Bcfür- worter der Stadtbahn, er wird dem Zweirad zum Siege ver» helfen, nicht heute oder morgen, aber später und er ist es, der gegen die Thränen der Kinder und das Bedauern der Er» wachsenen auch dem Weihnachtsmarkt wieder ein Stück ab» zwackt. Und ein tüchtiges Stück soll diesmal wieder abgezwackt werden. Der Raum, welchen die Pferdebahngeleise von der Schleusenbrücke an der ehemaligen Stechbahn vorüber,. dann bis zur Breitenstraße einschließlich des Insel» streifcns einnehmen, ist ein bedeutender. Er war bisher von mehrfachen Reihen Buden besetzt, die nun dott wenigstens fallen sollen. Was dann übttg bleibt ist ein Torso,. um Haupt und Glieder beraubt. Und schon steht man den neuen, dritten Nagel zum Sarge kommen. Auf dem Schloßplatz soll eine meteorologische Wettersäule errichtet werden, auch von dem Schmucke durch einen Kunstbrunnen ist die Rede. Ist's erst so weit, dann ade ganz und gar an dieser Stelle, Weihnachts- markt. Um die Wende des Jahrhunderts herum werden märckenkundige Mütter den die Ohren spitzenden Kindern von den Herrlichkeiten erzählen, die einstmals dagewesen find in der guten, alten Zeit. Denn, wenn der Weihnachtsmarkt sich jetzt auch noch eine Weile weiter kümmerlich hinschleppen sollte, seine Umgebung ist eine andere geworden und er, der früher wie eine Königstochter in der kleinen Umgebung dastand, nimmt sich schon jetzt aus wie ein geduldetes Aschenbrödel. Die ausgepichteste Kehle des Ausrufers von„haarigen Männern" u. s. w. kommt auf die Dauer nicht auf gegen das Gebimmel des Pferdebahn» kutschers. Diese eherne Stimme hat den Vottheil nicht heiser zu werden. Und es wird viel gebimmelt werden, oft anhaltend und laut. Die Kleinen werden schließlich unter den Pferden herumknechen, bis vorsichtige Mütter sie zu Hause halten. Die Entschließung der Polizei ist unter dem Zwange der Verkehrs- anfordcrungen gefaßt worden und es läßt sich nichts dagegen sagen. Aber man mag ebenso gut schon an d-n Leichenstein denlen» der diesem letzten Ueberbleibsel aus Berlins Jugendzeit gesetzt wird. Die Heilsarmee in zmeiter Auflage. Trotz der schweren und ernsten Zeiten, in denen wir leben und denen wir entgegengehen, fehlt es nicht an heiteren und komischen Zwischenfällen, welche den Ernst der Situation auf Augenblicke vergessen lassen und dem bedrückten Gemüthe unter der momen» tanen Einwirkung der sich entwickelnden Komik eine wohlthuende Erleichterung verschaffen. Und es ist vielleicht gut, daß dem so ist! Und je ernster die Zeiten werden, desto häusiger scheint dieses„Absührungsnrittel" in Anrvendung kommen zu sollen, denn kaum hat am Sonntag die Invasion der Heilsarmee unter Führung des Herrn—„Schaaff" der gesunde Sinn und noch gesundere Humor der Berliner frischweg abgeschlagen, so war ein Theil der Berliner am Dienstag Abend bereits wieder mit einer Ueberrumpelung einer anderen Heilsarmee bedroht, welche aber, wie wir gleich vorausschicken wollen, ebenso abgewendet wurde, wie der sonntägliche Angriff. An sämmtliche Damen» mäntelschneidcr Berlins, soweit dieselben selbstständig sind(und ihrer soll es 3000 in Berlin geben), war nämlich seitens des Vorstandes der Damenmäntel- Schneiderinnung die Einladung für den genannten Abend zu einer öffentlichen Versammlung ergangen, um sich sowohl über die allgemeine Geschäftslage zu unterhalten, als auch den§ 100f der Reichsgewerbeordnung, welcher von der Berngniß der Heranziehung der Nichtinnungsmeister zu den Kosten derWohlsahrtseinrichtungen handelt, Jedermann plausibel zu machen und ad oculns zu demonstriren. Dieser§ 100 f mußte aber durchaus nicht dem Geschmacke der 3000 Schneidermeister entsprechen und schien sich ein großer Theil derselben bereits den Magen daran verdorben zu haben, denn von den 3000 Meistern hatte sich kaum der 30. Theil eingefunden, zum aller, größten Leidwesen des Herrn Obermeister Kurtz und seiner Ge- treuen. Und auch dieses kleine Häuflein verhielt sich kühl bis ans Herz gegenüber dem Liebcswerben der Jnnungsmeister, welche es nicht begreifen konnten, daß nicht„sämmtliche" mit offenen Armen und geschlossenen Augen in den Schoß der allem seelig machenden Innung hineinliefen. Da es im Guten nicht gehen wollte, so wurde es im Bösen versucht, und den„Wilden" wurde die niederschmetternde Kunde, daß bereits über sechzig Vertrauensmänner ausgesandt seien, um alle„Wilde" zu no- tiren. Und diese sollten nicht etwa wagen, sich zu mucksen, denn jeder Vertrauensmann hätte das Reckt, sich einen Schutzmann zu holen und den Renitenten zur Räson zu bringen.(Man wurde hierbei lebhaft an die schöne Zeit erinnert, wo durch Dragoner dem beschränkten Unterthanenverstande in der Erkennt- niß seines Heiles nachgeholfen wurde.) Alles auf die Hinter- beine setzen nütze den Wilden nichts, sie müßten auf alle Fälle berappen. Das empörte selbst zum größten Entsetzen des Jnnungsvorstandcs das Innere des Jnnungsmeisters Herrn Schmidt, so daß er sich erkühnte, zu behaupten, so weit wäre es noch lange nicht, denn erst müsse die Innung doch überhaupt Wohlfahrtseinnchtungen besitzen. Dies sei durchaus nicht nöthig, belehrte ihn indessen der Herr Obermeister, die Innung brauche nur die Absicht zu haben, Wohlfahrtscinttch» tungcn zu wollen, so genüge das schon. Ueberdies besitze die Innung ein Schiedsgericht, ein wirkliches Gewerbe- Schiedsgettcht; das städtische geplante Gewerbe- Schiedsgericht wäre gar kein solches. Die Fachschule wäre allerdings selig entschlafen, da sie sich als lebensunfähig erwieS, würde aber zu neuem Leben und neuem Glänze erwachen, wenn nur die„Wilden" erst berappen> Der Arbeitsnachweis würde sich mit der Zeit wohl auch finden, doch erst müssen die„Wilden" berappen. Herr Schmidt erwieS Ach nach wie vor als ungläubige? Thomas und glaubte noch immer nicht, daß der Innung die Rechte des§ 100 f zuerkannt werden würden, zumal da nach§ 100g die„Außenstehenden" zuvor„gehört" werden müßten. Und wieder war es der Herr Hauptmann— Pardon!— Obermeister, welcher auch in dieser Hillen Sache Rath wußte und— etwas indiskret aus der Schule plauderte. Der Herr Schmidt solle sich unter dem„ge- hört werden" nicht etwa vorstellen, daß die 2000 Wilde nun einzeln gehört werden. Bewahre. Das mache der Jnnungs- ausschuß v el einfacher und praktischer! Bon den 2000 werden etwa 10—20 gehört, das genügt, dann wird an die Behörde derichtet und— wer dann noch zweifelt, daß die Zucrkcnnung der Rechte des§ 100 f erfolgt, das kann eben nur ein„Wilder" sein. Doch die Wilden hielten sich für bessere Menschen und sagten sich: Nicht in die Hand! Nachdem die Jnnungsmelodie genugsam gepfiffen, genugsam die Lobeshymnen auf die Innung ertönt waren, nachdem wacker auf die„untüchtigen",„nichts- leistenden"„weiblichen Mamsells" räsonnirt worden war, die Einrichtung von Lehrwerkstätten in Aussicht genommen war und andere schöne Dinge mehr, nachdem sich wirklich 5 oder 6 Personen hatten„überzeugen und in die Innung unter Er- leaung des vorschriftsmäßigen Geldstücks(nicht Meisterstücks) als Jnnungsmeister hatten emschreiben lassen, wurde die klägliche Versammlung in noch kläglicherer Weise geschlossen.— Die Berliner sind eben zu„helle"! Wir lesen Im„Kerl. Tagebl.", daß in Sachen der Verlegung des Stettiner Bahnhofes jetzt hinsichtlich der Unter- führung des Treffpunktes der Liescnstraße, Acker- und Garten- straße unter der Bahn eine vollständige Einigung erfolgt sei. Die Bahn werde soweit gehoben werden, daß die nach den früheren Voranschlägen etwas bedenkliche Entwässerung der Straßen ordnungsmäßig erfolgen kann. Die Grenzstraße, welche in einen Außgängerstcig bei der Kreuzung mit der Bahn ver- wandelt werden sollte, werde, was allgemeine Genugthuung bei den betheiligtcn Stadtbezirken erregen dürste, als fahrbare Straße erhalten bleiben. Daß hinsichtlich des Gesunvbmnnens, wo die landespolizeiliche Prüfung noch aussteht, ebenfalls eine vollständige Einigung in naher Aussicht steht, könne bei dem entgegenkommenden Verhalten der bethciligten Behörden gar nicht bezweifelt werden. Auch dem vielseitigen Wunsche der Stadtgegenden, östlich und westlich der Bahn zwischen der In- validen- und Liescnstraße auf dieser Strecke eine Straßen verbin- dung quer einzurichten, werde hoffentlich noch, wenigstens in der Form einer Fußgänger-Paffage unter der Bahn im Zuge einer der Straßen auf dem vonnals Wöhlert'schen Grundstück ent- sprachen werden können. Ans unserem Leserkreise wird uns folgendes geschrie- den: Jeder Kollege, welcher infolge einer Annonze von A. Schmetz Arbeit nach Warschau annimmt, wird gewarnt, da die Firmen Kaganowski und Gamarniko resp. Schneider, genannt Pohl, ihre gemachten Versprechungen nicht gehalten haben, und die Kollegen, welche herüber gekommen find, alle schon nach ein paar Wochen wieder ausgehört haben. Gin alter Kekanntrr aller Frennde de« Zoologischen Garten», die mächtige Eiche bei der sogenannten Waldschenke, war Ende des verflossenen Sommers vom Blitz getroffen worden. In den Wurzeln gelockert, neigte sie stark nach der Seite des naheliegenden Gewässers und über den Fußweg zur Schenke hinüber; da sie auch allmälig in ihren Zweigen abzusterben bc- aann, so wurde seitens der Gartenverwaltung beschlossen, die Eiche ganz zu beseitigen. Der gewaltige, auf etwa 80 Ztr. geschätzte Stamm wurde Ende vergangener Woche unmitielbar über der Erde durchgesägt und, nachdem man ihn aller Aeste entledigt, auf einem Lastwagen nach einer Schneidemühle in Charlotten- bürg geschafft. vor Zimmerer Homan«, Arndtstraßc 9 wohnhaft, ver- anstaltite am Sonnabend, den 25. Februar, im Lokale von Hcckert in der Bergmannstraße eine kleine Sammlung für einen Kollegen, dessen Frau sehr schwer von Zwillingen entbunden war. Er verließ bald darauf das Lokal. Auf der Straße wurde er plötzlich von drei Herren gestellt, die sich ihm als Kriminal- bcamte vorstellten und ihn aufforderten, niit zur nächsten Wache zu kommen. Auf der Wache wurde Herr Hamann einer kör- verlichen Visitation unterzogen und es wurden bei ihm zwei Quittungen im Betrage von 22 M. für die streikenden Satller, eine Sammelliste, auf welcher stand:„Freiwillige Samm- lung für einen hilfsbedürftigen Kameraden, ein Exem- plar„Ceterrnn censeo", außerdem 8 M. 10 Pf. baarcs Geld, welche Summe auf die Sammelliste eingegangen war, gefunden und beschlagnahmt. Am Montag darauf wurde in Herrn Ho- mann's Wohnung in dessen Abwesenheit gchaussucht, wo aller- dings nichts gefunden wurde. Das beschlagnahmte Geld hat .Herr Hamann bis heute noch nicht zurückerhalten. Masken auf dem Polizeibureau. Ein eigenartiges, 1 untes Treiben entwickelte sich gestern Morgen gegen kl Uhr ruf den Revierwachen 15 und 16 der Dragoner- und Grenadier- s raße. In den geräumigen Arrestantenstuben saßen hier Marquis Posa neben Lohengrin, King Bell neben dem Wickelkinde, spazierte Preciosa am Arm eines martialischen Landsknechtes, während der Pierrot neben einem veritablen Pennbruder kauerte, !em ein dicker Mönch eine Büßpredigt zu halten schien. Und rlle diese Masken befanden sich sammt und sonders in polizei- 1 icher Verwahrung. Das fröhliche Völkchen war am Sonntag labend auf einem Maskendalle zusammengetroffen und der edle 'Gerstensaft hatte bald alle zu Freunden gemacht. So kneipten sie, bis der helle Morgen rns Zechgemach hincinschien. Dann war die lustige Gesellschaft, um noch ein Cafs zu besuchen, auf- gebrochen und, wohl 20 Personen stark, bis zur Alten Schön- Hauserstraße in vollem Kostüm(unter dem Jubel des sie beglei- tenden Publikums) gewandert. An der Ecke der Liniensttaße aber kam es zu Sttcitigkeiten zwischen dem Gefolge und den Masken; es kam bald zu Thätlichkeitcn, welche mit einer großen Schlägerei endeten. Schutzleute eilten hinzu und im Handum- drehen war die maskirtc Gesellschaft auf den oben erwähnten beiden Polizeiwachen, da auf einer der Platz nicht ausreichte. Das Ende des lustigen Maskenscherzcs war die polizeiliche Vernehmung, der in Bälde eine Zitation vor den Sttafrichter folgen dürfte. GisrnbahnunfaU. Von dem kgl. Eisenbahn-Betriebsamt Berlin— Direktionsbezirk Erfurt— erhalten wir folgende Mit- theilung: Der gestern— am 29. Februar— Morgens 7 Uhr 30 Minuten von Berlin nach Dresden abgelassene Personenzug ist zwischen Lichterfelve und Gioßdecren infolge Radreifcnbruches eines Personenwagens 3. Klasse derart entgleist, daß dieser Wagen aus den Schienen gekommen ist. Verletzungen von Per- sonen sind nicht vorgekommen. Dieser Zug hatte infolge dessen 1 Stunde 21 Minuten Verspätung, während der darauf sol- gende, von Berlin 8 Uhr 35 Minuten abgehende Kourierzug nach Frankfurt a. M. nur mit 5 Minuten Verspätung die Sta- tion Großbeeren pasfitt hat. Die geringen Beschädigungen warm bis 10 Uhr 6 Minuten beseitigt. Der Grund des Rad- reifensvrungs ist vermuthlich die langdauernde strenge Kälte. pollzelberlcht. Am 28. v. Ä. Vormittags fiel in der Admiralstraße infolge Ausgleitcns auf einer übcreistcn Stelle des Straßcndamms der Arbeiter Trötzer und erlitt dadurch eine so schwere Verletzung der Kniescheibe, daß er nach der Charitee ge- bracht werden mußte.— Gegen Mittag wurde in der Neuen Friedrichstraße ein Arbeiter auf dem Bürgersteig liegend vorgefunden und, da er betrunken schien, nach der Polizeiwache ge- brecht. Er verstarb dort noch vor Ankunft des sofort gerufenen Arstes, wie dieser feststellte, infolge eines Gehirnschlags.— An demselben Tage brannten Alt-Moadit 89—90 Werg und Tapeten •In einer Tapezirerwcrlstatt, Simeonstt. 11 die Balkenlage unter einem Ofen, Markgrafcnstr. 102 Gerumpel in einem Keller und Auppinerstr. 7 Holz in einer Kammer. Gerichts-Ieitung« Nechtsanwalt Mesch hatte sich gestern vor der 96. Ab- theilung des Berliner Schöffengerichts wegen Anbringung eines Geschäftsschildes vor seinem Hause ohne polizeiliche Erlaubniß zu verantworten.§ 84 des Straßcnpolizeieeglements verordnet die Erforderlichkeit der polizeilichen Genehmigung zur Anbrin- gung von Schaukästen, Äushängeschildem und anderen Ankün- digungsmitteln des Gewerbebetriebes, der Kunst und Industrie, sobald dieselben so angebracht werden, daß sie von der Straße aus fichtbar find. Der Angeklagte hatte aber sein Schild an- dringen lassen, ohne zuvor die polizeiliche Genehmigung nackzu- suchen. Auf Intervention des Reviervorstandes suchte er später die polizeiliche Genehmigung nach und erhielt vom Präsidium den Bescheid, daß ihm die Genehmigung von der Hauptmann- schaft ertheilt werden würde, wenn er vorher einen Stempel von 1 Mark 50 Pfennig einreiche. Hierzu hielt sich Rechtsan- walt Mesch nicht für verpflichtet und provozirte den Erlaß einer Sttafoerfügung gegen sich, um die in Betracht kommenden Rechtsfragen zur richterlichen Entschei- dung zu bringen. Der Erste Amtsanwalt Dr. Borchardt er- achtete den Angeklagten als einen Gewerbtreibenden im Sinne des Straßen-Polizei-Reglements und sonach verpflichtet, die polizelliche Genehmigung zur Anbringung eines Schildes nach- zusuchcn. Bevor dieselbe nicht in seinem Besitz, durfte er auch ein Schild nicht anmachen lassen. Hier gegen habe der Ange- klagte gefehlt und muß deshalb verutthellt werden. Er bean- trage das niedrigste Strafmaß von 1 M. cvent. 1 Tag Haft. Der Angeklagte hielt eine längere Vertbeidigungsrede, in wel- cher er prinzipaliter ausführte, daß auf Rechtsanwälte der§ 84 Str-P.-R. nicht anwendbar sei, alsdann aber auch die Be- rechtigung zur Einforderung des Stempels bekämpfte. Er bean» tragte ferne Freisprechung und Auferlegung sämmtlicher Kosten auf die Staatskasse. Diesen Anträgen entsprach der Gerichts- Hof, da die Rechtsanwälte weder zu den Gewerbetreibenden, noch zu den Künstlern gehören, sondern gesetzliche Organe zur Ausübung der Rechtspflege seien. Zur Unfallversicherung. Ein Zimmermann war am Nachmittage eines ungewöhnlich heißen Sommcrtagcs nach mehr- stündiger Arbeit in voller Sonnenhitze damit beschäftigt, auf einem Stapel Bretter stehend, die einzelnen Bretter herunterzu- schieben. Er war auch hierbei voll den Sonnenstrahlen ausgc- setzt, während die Temperatur der ihn umgebenden Luft durch das Zurückstrahlen der Hitze von den in der Sonne lagernden Brettern aus noch gesteigert war. Während der Arbeit wurde er vom Hitzschlage betroffen und verstarb binnen kurzem. Das Reichsvcrsicherunasamt hat in seiner Sitzung vom 2. Januar d. I.(481) in Uebcreinstimmung mit dem Schiedsgericht hierin einen Betriebsunfall erblickt, und die Verurtheilung der be- theiligten Berufsgenossenschaft zur Zahlung der gesetzlichen Renten an die Hinterbliebenen anerkannt. Ierewe«nd Versammlungeu Per Fachverein Kerllner Drofchkrnbesttzer hielt cm 24 Febmar Neue Friedrichsk. 44 seine Monatsoersammlung ab. Zum ersten Gegenstand der Tagesordnung:„Besprechung über Berufsangelegenheiten", nahm Herr Kulnig das Wort und wies auf die vielfachen Beschwerden hin, welche von den Fahrgästen bei den Behörden gegen die Führer öffentlicher Fuhrwerke wegen groben, unhöflichen Benehmens einlaufen, und welche von den Behörden auf die Rohheit der Kutscher zurückgefühtt werden. Es hätten sogar einige Staatsanwälte sich veranlaßt gefühlt, Gcfängnißstrafen zu beantragen, um so durch strenge Bestrafung den Rohheiten der Kutscher Einhalt zu thun. Redner suchte an der Hand von Thatsachen nachzuweisen, daß nicht die Rohhcrt, sondern die Rechtlosigkeit der Kutscher an solchen Vorfällen die Schuld trage. Die Bestimmungen der§§ 21 und 24 des Droschken- Polizcireglements würden von den Fahrgästen nicht selten in gewissenloser Weise gemißbraucht, indem bei der Behörde Beschwerden einlaufen, die jeder Begründung ent- Kehren. Redner kritifirt hierauf die verschiedenen gesetzlichen Bestim- mungcn, durch welche die Führer öffentlicher Fuhrwerke in eine Ausnahmestellung gegenüber anderen Staatebürgern gebracht und der Willkür gewissenloser Personen preisgegeben werden. Es sei endlich an der Zeit, daß die Führer öffentlicher Fuhr- werke diesen Punkt näher ins Auge fassen und den bestehenden Mißständen entgegengearbeitet werde, d.imit nicht die Droschken- kutschcr immer mehr herabgewürdigt werden. Redner crmahnte die Kollegen, bei eintretenden Fällen sich von den Fahrgästen in keiner Weise provoziren zu lassen, sondem sich ruhig zu verhalten und wenn irgend möglich sich Zeugenbeweise zu verschaffen, damit endlich dem Mißbrauch gewissenloser Fahrgäste Einhalt gethan werde. Sämmtliche folgende Redner sprachen sich in demselben Sinne aus.— Hierauf wurde beschlossen, im Monat März eine große öffentliche Versammlung sämmtlicher Führer öffentlicher Fuhr- werke einzuberufen und Schritte zu thun, damit die Ehre und der gute Ruf der Kutscher gewahrt werde.— Herr Brauer theilte alsdann im Namen des Vergnügungs Komitees das Rc- sultat der Abrechnung vom letzten Vergnügen mit. Die Ein- nähme betrug 200.50 M., die Ausgabe 85,50 M., mitbin bleibt ein Uederschuß von 115 M., welcher auf Beschluß der Versamm- lung dem Vergnügungsfonds überwiesen wurde. Die„Allgemeine Atntzlirrbetterverrinignng Kerlin«" hielt am 27. Februar eine außerordentliche Generalversammlung ab, in welcher zunächst einige Unterstützungsanträge bewilligr wurden. Hieraus erstattete der bisherige Rendant den Kassen- bericht, wonach das Vereinsvermögen über 1500 Mark beträgt. Ein Antrag aus Auflösung der Vereinigung wurde nach längerer, sehr lebhafter Diskussion abgelehnt. Zum Rendanten der Ver- einigung wurde darauf das Mitglied E. Bander gewählt.— Einige Vorstandsmitglieder haben ihr Amt niedergelegt, und wurde beschloffen, dre dadurch nöthig gewordenen Ersatzwahlen in der nächsten Generalversammlung, welche am Montag, den 26. März stattfindet, zu vollziehen. Die Allgemein» Kranken-«nd Kterbekasi» der f elallarbeiter(E. H. Nr. 29), Filiale Rixdors, hält am März seine Mitgliederversammlung ab, mit Vortrag über den dreißigjährigen Krieg. Gesang», Turn-«nd gesellige N ereine etc. am Donnerstag. Männergesangvcrein„Lätitia" Abends 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Veteranenstt. 19.— Gesangverein„Bretzel- schluß" Abends 3 t Uhr im Restaurant Schumann, Alte Jakob- straße 38.— Männergesangvcrein„Nordstern" Abends 9 Uhr im Restaurant JFacob Lindowerstr. 26.— Schäfer'scher Gesangverein„der Elfer", Abends 9 Uhr bei Wolf u.Krüger, Skalitzer- sttaße 126, Gesang.— Gesangverein„Blüthenkranz" Abends 9 Uhr im Restaurant Wassetthorsttaßc 54.—„Freya", Gesangverein der freireligiösen Gemeinde, Abends 8t Uhr Neue Friedrichstraße 35, Saal 3.— Männergesangverein „Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Straußberger- straße 3.— Turnverein„Hasenhaide"(Lehrlings- Ab- theilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachsttaße 60—61. —„Berliner Turnaenossenschaft"(7. Lehrlings-Ab-thei- lung) Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Britzersttaße 17—18;— desgl. 6. Männer- Abtheilung Abends 8 Uhr in der städtischen Tumhalle, Gubener- straße 51.— Lübeck'schcr Turnverein(Männer- Abtheilung) Abends 8 Uhr Elisabethstraße 57 58.— Allg. Arends'scher Stenographenverein, Abth.„Louisenstadt", Abends 8j Uhr im Restaurant Preuß, Oranicnsttaße 51.— Arends'scher Steno- araphenvercin„Phalanx" Abends 8| Uhr im Restaurant„Zum Buckowcr Garten", Buckowcrsttaßc 9.— Berliner Steno- graphen-Verein(System Arends) Abends 3t Uhr Mohren- sttaße 47(Brandenburger Haus).— Stolze'scher Steno- grapbcn-Verein„Nord-Berlin" Abends 9 Uhr Schlcgelsttaße 44. — Verein der Naturfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Wienersttaße 35.— RauchNub„Kernspitze" Abends 8t Uhr im Restaurant, Holzmarktstraße 44. Rauchtlub„Arcona" � 9 Uhr bei Brandt, Forstersttaße, Ecke der ReichuA straße.— Rauchklub„Dezimalwaage" Abends 8t# Restaurant, Memelerstraße 82.— Rauchllub„Vorwätts' M 9 Uhr bei Herrn Tempel, Restaurant„Zum Ambos,* lanerstraße 27.—„Orientalischer Rauchtlub" Abends- «m Restaurant Wiechert, Oranienstraße 8. Kleine Mittheilnugen._ Mir«, 28. Febmar. Das Attentat auf den Abgcord�' Pernerstorfer, über welches wir bereits in der DienstagnM berichtet haben, wird mit der letzten Rede des Abgeordni» Reichsrathe in Verbindung gebracht, wobei Pemerstorfer Ws? lieh hochstehende Persönlichkeiten in die Diskusston zog-J* die Flucht der beiden Attentäter wird noch folgendes k# Nachdem die Eindringlinge wider Willen und der Wsl den beiden mit einer solchen Beschleunigung das Haus% der Döblinger Maricngasse verlassen hatte, daß er förinM Treppe hinabkollerte, wandten sich die zwei nicht, wie m? erst annahm, nach Döbling, sondern der Richtung nach-I dem freien Felde zu. In der'Neustiftergasse trafen flj. einen Arbeiter der Oberdöblinger Gasanstalt, den sie«jM und um die Ueberlassung seines Hutes ersuchten. Der C" Fremden, der barhäuptig war und sein Geficht mit einem verhüllte, erklärte mit wenigen Worten, er sei soeben Straße„angerempelt" wurden und dabei um seilst?\ gekommen. Ehe der Angeredete noch einen seine Kopfbedeckung fordern konnte, hatten ihm die«S Betrag von 2 fl. 50 kr. in die Hand gedrückt.™ den gab er ihnen darauf den alten Filz, der ihm an"� 50 Kr. feil gewesen wäre. Die Beiden entfernten eiligst in der Richtung auf Gersthof zu, wo man sie cM?„ in Neustift bemerkt haben dürste, denn Abends und sH) herrschenden Kälte ist es in den Gassen dieser O-rtscha�. menschenleer, daß zwei Fremde dort leicht auffallen � Eine weitere Handhabe zur Emimng der geheimnißvolle"» Abi dringlinge glaubt die Polizei in Händen zu haben. festgestellt hat, wo die beiden in der Pernerstorfer'schen � nung zurückgelassenen Stöcke gekauft worden sind. j» sind dre in Wien zur Ueberwachung der Hotels WsAjL# nto vw tektives angewiesen worden, zu eruiren, ob nicht zwei'®fn wöc in Uniform angelangt sind, die sich um die kritische. Der Aboi Zivilkleidung aus ihrem Quartier entfernt haben. V"! RarK 35 ordneter Pemerstorfer angab, der eine der beiden Angw. � der Exped beim Kampfe im Gesichte verletzt worden und müsse M;) Hautrisse erlitten haben, wurden die hiesigen Aerzte st, Polizei aufmerksam gemacht, daß, falls sich ein Mann UstJ schundcnem Gesichte irgendwo der ärztlichen Act unterziehen sollte, hiervon ungesäumt die Anzeige i statten sei. i? der Gasiel, 27. Febmar. Ein Raubmord Cassel nach Frankfurt führenden Straße, i.. Fritzlar, am 22. d. M. an einem Offiziersburschen verübt .in Bauersmann entdeckte in dem Chausseegraben Die j � der Ä{ Uhr und Börse fehlten. Der Bauer fuhr den �oldffczi Fritzlar. Hier erkannte man in dem Ermordeten den» � j Hie des von Cassel nach Fritzlar versetzten Majors r hessischen Feld- Artillerieregiment Nr. 11. Derselbe Wjj Pferde nach dort verbracht und war später in Gesellst' schleckt beleumundeten Mannes aus Zemern gesehen fa» Der Erschlagene war ohne Waffen; er hieß ReinWaw und war aus Rotenburg. Der muthmaßliche Thäler verhaftet...M kotJ™ Wilhelmshaven, 27. Febmar.(Beim Exerziren st.st � � e Chr. Heute Vormittag 8 Uhr 20 Minuten fand im KovA� Handwerkcrkaserne(Roonstraße) ein Unglücksfall statt, ssnem Schrcibergast Knoche durch einen tückischen Zufall, eine scharfe Patrone in die Hand spielte, beim ChaM-K»Z Entfemung von nur zwei Schritten den BäckeVr� st Giese durch die Brust schoß. Der Getroffene stürzte 1 »Ke, Aestellunx von de .mom Di nieder, sein Leichnam wurde in die Leichenhalle tyf. iü in int•cciu.uiliuuc ii. gamisonlazareths geschafft. Wie man femer mittvev/.» Vorfall in folgender Weise zu erllären: Am Sonist% t?"«« lauf dem Schießplatz der Werftdivifion Scheibens£>ek-.rst' L„�eig(n nach welchem auch noch Oinricre schollen. Die s, Meten«t. nach welchem auch noch Offiziere schössen. letztercin Schießen theilte der rc. Knothe aus Jeden' er dabei eine übrig behalten haben, die mit den übrige®. rengt wurde. Wie nun schon erwäPst Patronen vermengt wurde. Wie nun schon Unglück eben bei Chargier- und Ladeübungen vorgc'®�� Vizeseldwebel N. kommanditte Feuer und der in derst�e des irrthümstch mit der verhänanißvollen Patrone gel®, � wehrs stehende Unteroffizier G. fand durch den# Schuß sein jähes Ende. Telrgraphifchr Depesche� Kl. Urw-, 29. Febr. Gestern Nacht hatte der � einen gefährlichen Erstickungsanfall. Der Kunst ver, lang es, noch einmal das Äcußerste abzuwenden. 0' Vf. h „Reichsanzeiger" wird folgendes Bulletin veröffem ist Nachtruhe des Kronprinzen war anfänglich unterbrv g#/ befriedigend. Auswurf etwas reichlicher. Mackenzie- Krause. Hovell. Bramann. ttTm R. 6%„2 -S W e.n. p Kst'°- Ä % (Wolff's Telegraphen-Bureau.) j (Mach Kchluß der»rdaktlon elngetrsss �. London. Mittwoch, 29. Febmar. Unterhaus � heute fortgesetzten Berathung über die AbandeM schäftsordnung wurden die Anträge der RejJieen trägen von der namentlichen Abstimmung und daß die zweite Lesung der Antwort-Avr Thronrede wegfällt. Die weitere Debatte wurde es "�Fondon. Mittwoch. 29. Febr. Der Pyne ist heute in Clonmel wegen einer„aufr�ren'cv � 6 Wochen Gefängmß verurtheilt worden. Derse Bemfung ein.__ Hrlrfkastrn der Kedal-ti'"' � -...>. «nr von I»— l Uhr Mittags—•» Bei Anfragen bitten«ir die �tbonnementt-Ouittung ?d- .«nnSHMSÄiSS ru soroem nai, ,0 orauwi ti" monfl1" gf Es ist aber kaum zu glauben, daß j;r sich m", zahlungen von 10 M. nicht begnügen sollte- f "Tlt ,»"'a zu kündigen, io war die Herschaft zur Rucks, -'«-WÄ» deren als den angegebenen Städten bestehen,„iitL ei, sä«": die Genchtskosten aufzukommen, die dura) D--' Militärbehörde melden. t" Ro Den% V Ä > allei «em la w i ...„�Ülle e n 1 b rel "lchti Verantwortticher Redakteur: ZU Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kadwg in Berlin SW„ Beuthsttaße 2.