Dienstag, den 6. März 1888. 5 Jahrg. Mgan für die Interessen der Ardeiter. (Eingetragen m der Poitzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.) Jnsertiousaebnhr beträgt für die 4 gesvaltete Petitzeile oder deren Raum 2S Pf. Arbeitsmarft 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinlunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. n, Redaktion: Keuthstraste Ä.— Grpedition: Zimmerstraste 44. «fy ung e Giunlt Abrechneuer Zeichengks er Vo�! amwll r ZW lerlilA Die Reaktion mit dem Feigenblatt. Herr von Bennigsen kann in Deutschland keine Reaktion Es grimmt ihm zwar sehr, daß ein gewisser Minister- -och immer von einem Manne besetzt ist, gegen den Hannoversche Landesdirektor schon vor Jahren seine .�zugespitzten Redepfeile abgesandt hat, aber abgesehen o>esem einen„dunklen Punkt", hängt dem national- alen Führer und patentirten Staatsmann der Himmel * Teigen. giebt Menschen, welche nie zugeben, daß eS ihnen [Tfleht. Mag Schmalhans noch so sehr Küchenmeister .?Ntn sein, die Wohnung noch so dürftig und der Rock und abgetragen, immer werden diese Käuze finden, �» eigentlich Menschen gebe, oder doch einmal gegeben 'denen es noch schlechter ging und geht, und sie wer- I�halb ihr Schicksal preisen und sich trotz alledem und r glücklich fühlen. Selten sind zwar diese Exemplare, öo exiftiren doch, und auf das politische Gebiet über- präsentirt sich uns in Herrn von Bennigsen ein »iß, der liberale Flitter, mit dem der National- �MuS seine schlotternden Glieder verhüllt, er wird dünner und der reaktionäre Schelm— und zwar -Wort im schlimmen Sinne genommen— er grinst Allen Rissen und Löchern der Toga, in die sich die lA Größen des Nationalvereins hüllen. Trotz alledem _ �det Herr von Bennigsen, daß das verbrauchte % ihn und seine Freunde noch immer prächtig ziere vS» r�lhaft unterscheide von den Führern der Reaktion Qli«Seiten, bie nj. ""b lu bekennen �Heigenblatt«„ Ad R,.'1' nun allerdings richtig, eS hat eine Zeit gegeben, °er i J noch nicht so weit hinter uns, in der die Kämpen \(Ir•0n eä verschmähten, mit Phrasen, wie Rechts- Ad'Gleichheit aller Staatsangehörigen vor dem Gesetze Ad Fl- der Redensarten mehr sind, die heute die Bennigsen Hn 7lett«och immer im Munde führen, herum zu Ml qL®ie drückten ihre Gefühle offen und ohne Rück- I dnt r4 n>ar baare blanke Reaktion, was sie vertraten. �alin lie häßlicher waren als die heutigen National- [%i ihre Freunde vom Kartell, das finden wir tli»'n runzeliges, altes Weib ist ja gerade kein schöner «er„, lausend Mal angenehmer und das Gefühl ■t ,l°?letzend ist so eine Alte, die die Spuren ihrer "......... ehrlich genug waren, sich auch und ihre Gesinnung ungeschminkt offen nen. die eine im Gesicht mit'" tragt, doch, als Hilfe des Schneiders, jene des Ä->. JeuMeton. [54 Der Erbe. m vo» Friedrich GerstScker. ihn Un( Cn— ich komme gleich selber nach! Lassen 'den, nicht entspringen und daß er mit Nie- Mi ehrt oder sich unterhält! Er wird auch vorher 'g'S ob er keine Waffen oder sonst etwas Ber- Lücken? trägt! Sind ihm die Hände noch fest auf J t"Dst k��unden?" >i4,"®ut � ,or nicht lo», Herr Aktuar." »et}er-T>ort mit ihm; wir brauchen ihn heute hier ' �"nen mich doch wahrhaftig nicht nur auf sf��Nn, linnigen Verdacht hin einkerkern wollen!" rief IS?-- er." dem der Zorn auch jetzt die Oberhand ge- 7* Sta�sehen denn hier nicht Männer, die mich kennen? > r Sil."�"tt Witte, Herr Lieutenant v. Wendelsheim, iahjz �?louben, daß ich eines solchen Verbrechens auch "Ich glaube ich nicht," sagte Witte. �i'�einp« nicht," fiel Wendelsheim ein. ü ,'sser sagte der Aktuar,„eS thut mir leid, fL0l,nen%. N Ihren Glauben keine Rücksicht nehmen SJ"«nget�ff �er,'0n hi" ist unter verdächtigen Um- %«etfirf.,.°llen' und wir müssen uns ihrer jedenfalls so . � finben"' bis wir vollgiltige Beweise ihrer I n!!* Hobe den Hof nicht drei Minuten nach dem I et iis, k�ndelsheim betreten— kaum zwei, wenn t:"zw. b-m--... w mu�«estehen, daß ich mich gar nicht umgesehen," PuderS und der Schminke den Kampf gegen die Natur siegreich führen zu können vermeinen. Gewiss, es klingt brutal, wenn Herr v. Thadden-Trig laff in seinem Haß gegen die freie Meinungsäußerung neben jeder Redaktion einen Talgen errichtet sehen wollte. Und der Wunsch deS damaligen Herrn von Bismarck, die großen Städte möchten vom Erdboden vertilgt werden, ist sehr urwüchsig und für ein Bourgeoisgemüth klingt eine solche Forderung auch sehr„umstürzlerisch". Aber Aufrichtigkeit und Offenheit kann man diesen Aeuße- rungen nicht absprechen. Man weiß bei denselben wenigstens wie und wo! Ebenso wie eS eine klare Sprache war, die kein Mißverständniß zuließ, alS HanS von Rochow, der jetzige erste Vizepräsident des Herrenhauses, auftrat und erklärte, daß die Gesetze deS Landes nicht für das Junker- thum gemacht seien und daß die„kleinen Herren" nicht nach den Gesetzen des Landes zu handeln brauchten, sondern nur nach ihrer Ehre und nach ihrem Gewissen— Aeußerunaen, zu denen daS Herrenhausmitglied Graf Pfeil die Jllustra- tionen bereits einige Tage vorher geliefert hatte, indem der illustre Herr in einer Rede erzählt, daß er als Polizeiverwalter einen Menschen, von dessen juridischer Unschuld er überzeugt war, habe schließen und fünf Tage einsperren lassen, daß er, von einem Einwohner seiner Güter bedroht, diesen Menschen Nachts verhaften und als Richter in eigener Sache zehn Tage Haft diktirte, und einem anderen jungen Menschen 30 Hiebe aufzählen ließ. Selbstbewußt erklärte der Herr Graf:„Unsere Gewalt ist nicht an diese Gesetze geknüpft, die für Beamte gegeben sind, sie ist wesentlich diskretionär. Wir handeln nach unserer Pflicht, unserer Ehre und unserem Gewissen." DaS ist allerdings eine Sprache, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt, und wie die Herren gehaust haben, weiß man ja auch, sintemalen da«„Gewissen" derselben die nöthige Weite hatte und sie bei ihren Maßnahmen durchaus nicht genirte. Aber verleugnet haben diese Herren nichts, sie wollten niemand täuschen. Sie gaben sich wie sie waren. Hierin aber liegt ein Vorzug, den die Reaktion der vierziger und fünfziger Jahre, gegenüber ihrer Schwester von heute, voraus hatte. Die politische Heuchelei hatte damals noch keinen offiziellen Kurs. Wenn die„kleinen Herren" den Bauern als ihr Eigen- thum betrachteten und frei über dessen Besitz und Person zu schalten und walten beanspruchten, so beleidigt daS aller» dings unser Rechtsgefühl; aber wir müssen uns doch er- innern, daß die Söhne damit nur thun wollten, was das unbestrittene Recht ihrer Väter war. Der Bauer war in Deutschland Eiggnthum des Adels seit dem fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert und wenn die RochowS und die sagte der Lieutenant.„Ich erinnere mich, Jemanden in der Straße bemerkt zu haben, als ich in den Hof ein- bog, aber es war schon dunkel und ich achtete auch nicht darauf." „Und wie lange vor der Entdeckung des Mordes waren Sie im Hause?" „Allerdings nur wenige Momente; als ich den Hilferuf hörte, hatte ich eben erst das Zimmer betreten." „So? Na, das wird Alles die spätere Untersuchung ergeben. Also paßt mir gut auf ihn auf! Schultze mag lieber noch mitgehen, falls etwas vorfallen sollte oder viel- leicht einige sejner Spießgesellen Miene machten, ihn zu be- freien." „Mein lieber Herr Baumann," sagte der Staattan- walt jetzt zu dem Gefangenen,„fugen Sie sich vor der Hand in das Unvermeidliche, denn Ihre vorläufige Haft muß allerdings stattfinden; aber ich hoffe und bin fest davon überzeugt, daß Sie genügende Beweise Ihrer Un- schuld beibringen werden. Ihre Haft wird in dem Fall nicht lange dauern, und ich ersuche Sie, Herr Aktuar, dem Gefangenen jede Bequemlichkeit zu gestatten, welche die Ge- fängnißordnung erlaubt— auf meine Verantwortung und Garantie. Sorgen Sie dafür, Freund ," wandte er sich dann an den Gendarmen, daß das richtig bestellt und aus- geführt wird." Während die Leute den jungen Mann abführten, beugte sich Witte zu dem Aktuar über und flüsterte ihm etwas zu, womit dieser nicht recht einverstanden schien, denn er wiegte ein paar Mal den Kopf hin und her, schrieb auch noch erst Einiges nieder. Dann wandte er sich plötzlich an den Lieute- nant und sagte:„Und dürfte ich mir wohl erlauben, Herr Baron, Sie zu fragen, was Siehst» spät, oder vielmehr so früh ins Haus geführt hat, da Sie doch schon hier waren, ehe der Lärm entstand, und eigentlich an dem Laden müssen vorübergegangen sein, während der Mord im Innern verübt wurde? Haben Sie nichts gehört?" „Keinen Laut," sagte Wendelsheim, von der Frage eben nicht erbaut, die Gegenwart des Staatsanwalts genirte ihn.„Als ich vorüberging, war alles dunkel. Ob die Ladenthür angelehnt oder geschlossen war, weiß ich nicht die wahren Beweg« ihre Ziele klar unt» ihnen abhanden ge- Pfeil, die Jtzenplitz und die Strudelwitz von diesem ihrem Herrenrecht auch in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts noch glaubten Gebrauch machen zu dürfen, so machten sie damit nur einen historischen Schnitzer, aber Heuchelei oder Unwahrhastigkeit wird darin niemand finden können. Wie anders dagegen unsere modernen Reaktionäre! An Habsucht und Eigennutz nehmen sie es freilich noch ge- trost mit ihren Vorgängern auf, sind ihnen darin. sogar noch über. Aber der Muth, gründe ihres Bestrebens anzugeben, ohne Schminke darzulegen, der ist kommen. Die Väter unserer Agrarier ließen den Bauer frohndeir und die Arbeiter, die sie auf ihren Gütern gebrauchten, be- handelten sie halb und halb als Haussklaven. Aber zu der Unwahrhastigkeit, daß sie hohe Kornzölle im angeblicheir Interesse des kleinen Bauern verlangten, haben sie sich nie verstiegen. Sie hatten den Muth, ihre Privilegien als ihr Recht zu vertheidigen, und das läßt sie in einem ungleich günstigeren Licht erscheinen, als wie die von Huenen, Kar- dorff und Minnigerode, bei denen man oft in Verlegenheit ist, zu unterscheiden, was größer ist, ihre Habsucht, oder die Kunst, mit der sie diese ihre Leidenschaft mit volltönender» Phrasen über das allgemeine Wohl zu verschleiern wissen. Es ist nicht mehr der Glaube an den höheren Beruft der die modernen Reaktionäre bei ihren Feldzügen nach Macht und Reichthum leitet, sondern eS sind Advokaten- kniffe, die sie dabei in Anwendung bringen. Deshalb ver« tragen sich unsere Junker von der Rechten jetzt auch so vor- trefflich mit den Miquels, Hammacher und von Bennigsen, es ist die beiden Theilen eigene Methode, die sie zusamme» führt. Wenn Herr von Helldorff mit dem ernsthaftesten Gesicht von der Welt die Verlängerung der Legislaturperioden damit vertheidigt, daß das Volk wahlmüde und der mit den Wahlagitationen verbundenen Aufregungen satt sei, so bleibt Miquel nicht hinter dieser Leistung zurück, wenn er die Blicke des Volkes von dem Millionengeschenk, das die Branntweinsteuer den reichen Brennern brachte, dadurch abzulenken suchte, daß er mit dem ganzen Pathos des Schützenfestredners den Kreuzzug gegen die„Branntweinpest" predigte. Und so wie in diesen beiden Punkten die purste Heuchelei die eigentliche Absicht, den wirklichen Zweck ver- decken sollte, so wird dasselbe Manöver bei allen anderen Gelegenheiten wiederholt,- wo es gilt, ein weiteres Volksrecht zu eskamotiren oder für die Klassengenossen des Kartell» neue Vortheile einzuheimsen. Angeblich um die Pfuscher zu beseitigen, in Wirklichkeit aber um den JnnungSmeistern ein Monopol auf ihre Kund- einmal; ich habe mici das geringste Geräusck nicht danach umgesehen, auch nicht darin gehört, und glaubte deshalb, der alte �alomon befände sich oben in seiner Stube." „Und wie Sie oben ins Zimmer traten, Hörten Sie den Hilferuf?" „Ja." „War jemand in dem Zimmer?" „Allerdings; die Frau des alten Mannes und das Fräu- lein da." „Sie wollten den alten Mann sprechen?" „Ich wollte der Familie, mit der ich befreundet bin," sagte Wendelsheim ernst, aber entschieden,„eine Trauer- Nachricht mittheilen, die mich heute betroffen hat— den Tod meines Bruders." „Der junge Baron Benno ist gestorben?" rief Witte rasch.„Ach, das thut mir wirklich recht leid um Sie Alle!" „Ja," sagte Wendelsheim leise,„es war ein schwerer Verlust, obgleich wir alle schon lange darauf vorbereitet sein mußten." „In so jugendlichem Alter! Wie alt war Ihr Herr Bruder?" „Noch nicht achtzehn Jahre." „Er lebt! Er lebt!" jubelte da plötzlich Rebekka, die neben dem Bett des Vaters gekniet und ihr Ohr an sein Herz gelegt hatte— was kümmerten sie die Fragen de» Beamten! „Es ist allerdings noch Leben vorhanden," nickte der Arzt,„und die Wunden— wenn nicht im Innern der Hirnschale mehr Unheil angerichtet ist, als man von außen beurtheilen kann— sehen auch nicht gerade zu bösartig aus, wenigstens nicht so, um Ihnen jede Hoffnung zn rauben." „Er lebt, Doktor?" rief aber auch jetzt der Aktuar. „DaS allerdings würde die Untersuchung sehr erleichtern, wenn wir erst seine Aussage bekommen könnten!" „Aber doch nicht heut Abend, Herr Aktuar," sagte der Arzt ruhig.„Ich muß überhaupt die Herren bitten, diese» Zimmer jetzt zu verlassen, damit der Verwundete kein Ge- täusch mehr hört und, wenn er ja schneller, als ich vermuthe, schaft zu schaffen, soll der Befähigungsnachweis im Hand- werk wieder eingeführt werden. Unter dem Vorwande, daß die bisherige Ocffentlichkeit im Gerichtsverfahren das Vater- land in Gefahr bringe, beseitigt man das öffentliche Ver- fahren im politischen Prozeß und schafft so eines der Funda- mente für die Unparteilichkeit der Rechtsprechung ab. DaS geheime Wahlrecht hat man angegriffen, weil der Wähler den„Muth seiner Ueberzeugung" haben müßte und im Landtag widersetzten sich konservatwe und ultramontane Junker der Abschaffung des Schulgeldes in den Volks- schulen, weil die Väter eine Demüthigung darin sehen würden, wenn ihre Kinder unentgeltlich unterrichtet würden." So sehen wir überall die Reaktion am Werke, nir- gends aber offen und ehrlich auf ihr Ziel losstürmend, son- dern heuchelnd und auf Umwegen wandelnd, mit verloge- nen Gründen und falschem Pathos. Der Pfaffe, dcffen Lippen Vormittags Menschenliebe predigen und Abends in der Volksversammlung giftigen Racenhaß verkünden, der Adelige, der im Wappen den Spruch ,,Noble8,.e ob) ige" führt und sich nicht scheut, an den Steuergroschen der ärmsten und gedrücktesten Volksgenossen sich zu bereichern, der Groß- bourgeois, der für die Heidenmission steuert und Mitglied des Vereins gegen Thierquälerei ist, in seiner Fabrik aber 12— 14stündige Arbeitszeit anordnet und schwache Kinder und arme Frauen an die Plätze von Männern stellt, daS sind die Jräger und Stützen unserer heutigen Reaktion. Herr von Bennigsen aber kann sie nicht sehen, weil er selbst mitten drin steht und am eiftigsten mit bemüht ist, ihr da« Feigenblatt vorzubinden. DriMllk-Uorresponämzen. Zürich, 3. März. In meiner letzten Korrespondenz habe ich Ihnen Mittheilung gemacht von der im Juni stattfindenden Generalversammlung des Grütlivereins und Ihnen auch die Thesen mitgctheilt, die Nationalrath Schäppi bezüglich der Frauenfrage veröffentlicht bat. Inzwischen bat auch der amt- uche Statistiker des Kantons Aargau, Herr Näh, seine Thesen publizirt, betreffend die obligatorische Alters- unv Jnvalidcnver- sicherung der Arbeiter. Es dürfte für Jbre Leser um so größeres Interesse haben, diese grundlegenden Sätze kennen zu lernen, als ja diese Art Verficherung im Deutschen Reiche die„große Sozialreform" sozusagen krönen soll. Vernehmen Sie nun, wie in der Schweiz über diese Angelegenheit ein nichtsozialdemokra« tischer Staatsbeamter denkt. Die Thesen lauten: 1. Die Lohnarbeiter werden durch zwei Hauptformen der Noth bedrängt: Die Erwerbslosigkeit und die Erwerbsun- fähigkeit. Die Arbeitcrvcrficherung will die nachtheiligen Folgen der Erwerbsunfähigkeit mildern. Erwerbsunfähigkeit entsteht: 1. durch Krankhnt, 2. durch Unfall und 3. durch Alter und Invalidität infolge von Ge- brechlichkeit und Sicchthum. Die Kranken-, Unfall-, Alters- und Jnvaliditätsverfiche- rung muß dem Lohnarbeiter gegenüber zunächst Gegenstand staatlicher Fürsorge sein. 2. Die Alters- und Jnvaliditätsverstchemng im besonderen soll sich nach Anfang und Einrichtung so viel als möglich an die Kranken- und Unfallverstcherung anschließen, fie soll wie diese obligatorisch sein, fich auf alle Lohnarbeiter erstrecken und vom Bund organifirt und verwaltet sein. 3. Den Verficherten sollen bei eintretender Erwerbsunfähig- keit und im Todessalle den Hinterbliebenen Wittwen und Waisen Unterstützungen in Form von Jahresrenten gewährt werden, vorausgesetzt, daß Unlerstüyungen nicht von der Kranken- und Unfallveificherung geleistet werden müssen. 4 Die Rentenzahlung geschieht in Form von Altersrenten, Invalidenrenten, Äittwenrenten und Waisenrenten. 5. Die Alters- und Invalidenrente soll im Minimum nicht weniger als 20 pCt. und im Maximum nicht weniger als 50 pCt. desjenigen Lohnes betragen, welchen der Verficherte in dem seiner Penfionirung vorangegangenen Jahre verdient hat. Tie Festsetzung der Rente und der Wartefrist erfolgt inner- halb dieser Grenzen nach der Zahl der Beitragsjahre. Die Altersrente soll, unter Vorbehalt der Uebergangsbe- stimmungen, ohne Rücksicht auf seine Erwerbsfähigkeit derjenige erhallen, welcher das 65. Lebensjahr vollendet hat; fie kommt in Wegfall, sobald der Empfänger Invalidenrente bezieht. 6. Die Wittwc emcs Verficherten soll eine Wittwenrente in der Höhe von mindestens der Hälfte desjenigen Renlenbetrages erhalten, welchen der Verficherte entweder bezogen hat oder zu dessen Bezug er berechtigt ist. Der Pensionsbezug der Wittwe erlischt mit der Wiederver- heirathung, doch soll als Aussteuer der doppelte Rentcnbetrag verabfolgt werden. 7. Für die vaterlosen Waisen der Versicherten soll bis zum seine Besinnung wieder erhält, nicht erschrickt— ich stehe sonst für nichts." „Ob, er lebt! Er lebt!" jauchzte Rebekka leise vor sich hin, uno wie ihrer selbst unbewußt, lehnte sie ihre Hand auf den Arm des jungen Offiziers und schaute mit strahlen- dem Antlitz zu ihm auf. Der alte Staatsanwalt nickte still vor sich hin mit dem Kopf, aber der Arzt drang jetzt entschieden auf Räumung des Zimmers. Der Kranke mußte Ruhe bekommen, und nur die Tochter sollte bei ihm bleiben. Er selber versprach aber, vor Mitternacht noch einmal nachzusehen, wie es ginge— er hatte noch einige Krankenbesuche zu machen und durfte die nicht vernachlässigen. Der Lieutenant von Wendelsheim zögerte, mitzugehen. Der Staatsanwalt faßte ihn aber am Arm und sagte: „Kommen Sie einen Moment mit uns in ein anderes Zimmer oder auf den Hof, Herr Lieutenant. Ich habe den Herren einen Vorschlag zu machen, bei dem ich Sie eben- falls betheiligt wünsche; Sie können ja nachher immer wieder zurückgehen." „Einen Vorschlag? Welchen?" fragte der Aktuar. „Bitte— unten; hier nichts weiter. Mein liebes Fräulein," wandte er sich dann an Rebetta,„fassen Sie guten Muth; vielleicht und hoffentlich wird das Schwerste noch von Ihnen abgewandt. Seien Sie aber versichert, daß wir den innigsten Antheil an Ihrem Schicksal nehmen, und was geschehen kann, jene verruchten Buben, welche die That verübt, zur Strafe zu bringen, soll gewiß geschehen." „Aber jener junge Mensch hat meinen Vater doch ge- wiß nicht geschlagen," sagte Rebekka mit tiefer Wehmuth im Ton. „Ich bin fest davon überzeugt, daß er eS nicht gethan hat,"' bestätigte der Staatsanwalt;„doch wird das die Unter- suchung bald ergeben." Und bedenken Sie, daß Sie heute den Laden nicht"mehr betreten dürfen," sagte der Aktuar;„er ist ver- �l'Gott soll mich behüten, daß ich den Schreckens- zurückgelegten 14. Lebensjahre eine Jahresrente(Waisenrente) in der Höhe von mindestens einem Viertel der Wittwenrente und für die vater- und mutterlosen Waisen eine solche in der Höhe von mindestens der Hälfte der Wittwenrente gezahlt werden. Der Bezug der Waisenrente ist unabhängig von der Wieder- verheirathung der Wittwe. 8. Die zur Alters- und Jnvaliditätsverfichcmng erforder- lichen Umlagen sollen in drei gleichen Thellen dem Bund, dem Arbeitgeber und dem Arbeiter auferlegt werden, doch soll die Belastung des Arbeiters nicht mehr als 2 Prozent des Jahres- Verdienstes betragen und ist der mehrerforderliche Betrag vom Bund zu übernehmen. 9. Dem Bund find für die Durchführung der Arbeiter- verficherung neue Einnahmequellen zu schaffen und zwar könnte dies geschehen durch Zuweisung eines Theils des Alkohol- Monopols, des Banknotcnmonopols, Besteuerung des Tabaks, Zündhölzchen(Tabak- und Zündhölzchenmonopol), der Speku- lationspapiere und Börsengeschäfte, Erbschaftssteuer u. s. w., je nach Auswahl. Das find die Ansichten des Herrn Näh, und wenn fie auch, da selbst die gesetzgeberische Inangriffnahme dieser Materie noch etwas hinausgerückt erscheint, vorläufig nur aka- demische Bedeutung haben, so find fie doch immerhin symptomatisch dafür, daß man in der Schweiz diesem Gegenstande gegenüber keine so beschränkte Auffassung hat wie in gewissen bureaukratischen Kreisen Deutschlands und daß daher voraussichtlich die Eidgenossenschaft in dieser Beziehung besseres schaffen wird als allem Anscheine nach in unserem Nachbarstaate zu Stande kommen wird. Seit etwa einem Jahre ereignete fich jetzt schon der dritte Fall, daß schweizerische Fabrikanten, Auch-Rcpublikaner, ihren Arbeitern bei Strafe der Entlassung untersagen, fich zu vereinigen. Zuerst betraf es die Uhrmacher, dann die Tischler und jetzt kommen die Schuhmacher an die Reihe. Im Kanton Aargau ist in einem kleinen Dörfchen eine Schuhfabrik, deren Arbeiter in den umliegenden Dörfern zerstreut wohnen und auch arbeiten. Da der betreffende Fabrikant Jahraus Jahr- ein in schweizenschen und deutschen Blättem Arbeiter sucht, viel dies den organisirten Arbeitern auf und so entsandte der Schuhmacherfachverein in Bern einige Mitglieder dahin, um die Lage zu unteisuchen. Es wurde nun eine allgemeine Schuh- macherversammlung einberufen und die Gründung einer Ge- werkschaft beschlossen, der sofott durch Unterschmt 20 Arbeiter als Milglieder beitraten. Am anderen Tage forvette der Fadri- kant die Arbeiter auf, entweder der Gewerkschaft nicht beizu- tteten oder freiwillig aus dem Geschäfte zu treten. Die Arbeiter find nicht gesonnen, ihr Vcreinsrccht eskamotiren zu lassen und so haben wir also wieder einen Konflikt. Politische Ueverstcht. I« attrn Kozialistrnprozessrn spielen jene Elemente, die Herr v. Puttkamer als„Nicht-Gentlemen" bezeichnet hat, die Spione oder Zuträger, deren sich die Polizei bedient, eine her- vorragende Rolle, ohne daß fie jemals auf der Bildfläche er- scheinen. Sie find und bleiben die„großen Unbekannten", die die werthvollsten Funde gemacht haben und hinter alle Geheim- niffc gekommen find. Die Beamten der Polizei berufen fich auf fie als auf sichere Gewährsmänner; wenn aber Angeklagte oder deren Vertdeidiger diese Leute zu sehen verlangen, um sie auf ihre Zuverlässigkeit und auf die Richtigkeit ihrer Angaben zu prüfen, so erfolgt stets die Antwort: das dürfen wir nicht, das verbietet das Interesse des Dienstes. Die Gerichte haben es also mit indiretten Zeugen zu thun, deren Glaubwürdigkeit fich jeder Feststellung oder Kritik entzieht und oft ruht der ganze Bau der Anklage auf dem Fundament der Berichte jener Unfichtbarcn. Da tritt dann an die Gerichte die Frage heran, ob sie die Berufung der Polizei auf solcke Berichte für beweis- kräftig halten sollen oder nicht. Man sollte memen, die Eni- scheidung könne gar nicht zweifelhaft sein; nur was Jemand aus eigener Wissenschaft berichtet, könne vor Gcncht alS voll- gilliges Zeugniß angesehen werden. Jndeß haben wir es schon erlebt, daß in Ürtherlen das den Gerichten übermittelte Eraed- niß der Thätigkeit Ver„Nicht-Gentlemen" als wesentlicher Bei- trag zur Uederführung der Angeklagten angesehen wurde, indem die Richter die Polizeibcamten für ausreichende Bürgen der Spione und Angeber hielten. Ganz anders hat die Straf- kammer des Berliner Landgerichts bekanntlich fich in dem Er- kenntniß zu den„großen Unbekannten" gestellt, fie ist der An- ficht gewesen, daß nicht als glaubwürdig erachtet werden könne, was sich der richterlichen Prüfung auf Glaubwürdigkeit entziehe. „Der Gerichtshof," so heißt es in den Urtheilsgründen,„hat die Bekundungen der vernommenen Polizeibeamten, so weit sie über ihnen von Vertrauensmännern gewordene Äittheilungen berichteten, nicht für beweiskräftig erachtet, da er nicht in der Lage war, die Glaubwürdigkeit dieser Verttaucnsmänncr zu prüfen. Der Gerichtshof hat diesen Bekundungen nur insoweit Glauben geschenkt, als dieselben durch andere Zeugnisse und Thatsachen unterstützt wurden." Damit find also die Berichte dieser Art von Agenten in dasselbe Dunkel verwiesen, mit ort in der Nacht betrete!" sagte das Mädchen zurück- schaudernd. „Kommen Sie, meine Herren, kommen Sie," drängte der Arzt.„Der Kranke regt sich— ich mache Sie sonst für die Folgen verantwortlich"— und die drei Männer vor sich her schiebend, verließ er mit ihnen das Gemach. „Und was wollten Sie uns sagen, Herr Staats- anmalt?" fragte der Gerichtsbeamte, als sie unten im Hof zusammen standen, während der eine Polizei- diener noch draußen am Hosthor Wache hielt. Die alte Magd war mitgegangen, um hinter ihnen das Thor zuzu- schließen. „Ich habe," sagte der Staatsanwalt,„schon oben meine Ueberzeugung ausgesprochen, daß der junge Baumann un- schuldig ist; ich wiederhole das jetzt, und die Untersuchung wird es bestätigen. Wir wisien aber noch gar nicht, ob der alte Salomon den oder die Menschen, die ihn überfallen haben, erkannt hat, wenn er wirklich wieder zum Bewußt- sein kommt, denn derartige Schufte schwärzen gewöhnlich ihre Gesichter oder brauchen andere Kunstgriffe. Wir müssen sie also in den ersten Tagen sicher machen, daß sie nichts zu fürchten haben, und das geschieht am besten durch das Gerücht von des alten Salomon's Tode. Die Stadt braucht's vor der Hand nicht anders zu wissen, als daß der alte Mann wirklich erschlagen oder seinen Wauden erlegen sei, und meinetwegen auch, daß man den Mörder gefangen und eingezogen habe; ein falscher Verdacht schadet dem Namen des jungen Baumann, wenn er denn doch einmal abgeführt ist und gefangen gehalten wird, auch nicht mehr, und bekommen wir nachher die wirklichen Thäter heraus, so wollen wir ihn schon wieder weiß waschen." „Ich begreife nicht, was Sie damit bezwecken wollen" sagte der Aktuar. „Ich halte es'auch für das Beste," meinte der Arzt „Die Verbrecher laffen sich dadurch möglicher Weise ver- leiten, mit ihrem Gelde groß zu thun oder mehr zu verzehren, als ihre Bekannten an ihnen gewohnt sind— wie viele Diebstähle und Raubmorde sind schon dadurch an's Tages- licht gekommen!" welchem die Persönlichkeiten derselben von der Polizei werden. Ob die Polizei daraus künftig Veranlassung wird, zu gestatten, daß vor Gericht die Glaubwürdig� Vertrauensmänner geprüft werde? Nach der Chariil welche diese Sorte von Leuten durch Herrn von Pub' fahren hat, ist das nicht anzunehmen, denn welche Ers würde die„Staatsordnung" erleiden, wenn sich einmal Schranken des Tribunals der zuverläsfigste Spion als zuverlässigste Zeuge entpuppen sollte!_ Kleber die Latifundien(Grossgrundbesthi preußischen(Osten begegnen wir in der Münchener„ einigen interessanten Mittheilungen. In den östlichen Preußens giebt es nicht weniger als 159 Personen, m Güterkomplex von mehr als 5000 Hettar Fläche besitzen. sehen von dem größten derselben, dem preußischen M' fügen dieselben über 7,79 pCt. des gesammten Areals vinzen; allerdings von der Ackerfläche nur über 4,71 in diesem Befitze der Wald(17,52 pCt.) eine Übi Rolle spielt. Unter den Latifundienbefitzem finden Souveräne und Mitglieder souveräner Häuser. Nur 19 liche haben sich in diese Kategorie hinaufgearbeitet nur verhältnißmäßig kleinere Flächen in Anspruch. figuriren unter den Latifundienbesitzern zwei Env« schaften(die Mansfelder Gewerkschaft und die Berk kontogesellschaft), die Universität Greifswald, 6 Städte braunschweigische Fiskus. Nicht weniger als 100 dies fundienbesitzer gehören souveränen Häusern und alten und Grafengeschlechtern an, und auch von den, zählen die meisten zu jenen Adelshäusern, die w Hunderten mit der preußischen Geschichte find. Die 20 größten Grundbesitzer haben alle» Güter mit 588 000 Hektaren und mehr als 4 Millionen Grundsteuer-Reinertrag in der Hand, das find 2,79 Kulturflächc der Provinzen und 1,65 pCt. des Gesaitf Reinertrages. An der Spitze steht der Fürst Pleß nnt lern, 87 OOO Hektar Land, mit mehr all- 353 000 M- steucr-Reincrtrag; es folgen der Herzog von Ratibor, gras von Schaffgotsch, Prinz Friedrich der Niederlande, Thurn und Taxis rc., sämmtlich der höchsten Aristekralii hörig. Unter den Latifundienbefitzern befinden fich auch � mit mehr als 115000 Hektar, so daß dieselben unter' hohen Grundaristokratie eine ganz hervorragende Steulw« nehmen. Es ergiedt fich ferner, daß über U Mill. Territoriums, das find 7,65 pCt. in Lehn- und Für' gütern festgelegt find, während inkl. des Staats-, ww Kircheneigenthums jc. fich fast 23 pCt. in gebundenem befinden. Da nun der gesammte Besitz des Adels 5 Hettar beträgt und die Lehn- und Fideikowmißgüter nur in der Hand des Adels befinden, so ergiebt sich,. weniger als 26.5 pCt. des adeligen Grundbesitzes in dm gestützt ist, wobei die Rechnung wohl noch hinter der i-1 zurückbleibt.„.,, Die Reichstagvfefston naht stch ihrem an parlamentarischen Arbeiten noch aussteht, ist entw- j die Konsequenz der früheren Beschlüsse oder eine an verständliche Ausdehnung derselben. Der Charatter b« kann dadurch nicht berührt werden. Was ist denn eigentliche Bedeutung dieser Session? Zu den her«* Leistungen des Reichstags gehört ohne Zweifel die der Getreidezölle von 3 auf 5 M.; aber die früheren selbst diejenigen, in denen die sog. reichsfeindliche P*® Oberherrschaft hatte, haben Beschlüsse in der gleichen/ nicht verhindern können. Daß das Gleiche auch in diep möglich gewesen, mußte allerdings überraschen, W? Führer der Kartellmehrheit in der vorigen Session alle politischen Fragen darauf hin beurtheilen zu woM selben das Kartell in Frage stellen oder nicht. Sobald es Erhöhung der Getreidezölle handelte, siegte der Eigennutz über das sogenannte nationale Interesse. Leidet nationalliberalen Kartellgenossen es abgelehnt, Libettät da, wo es sich um Fragen der politWo bandelte, Gebrauch zu machen. Sie haben in WV Verlängerung der Legislaturperioden und des Ai Leffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen jeden leugnet, um fich des Beifalls der reaktionären L zu versichern. So hat die rückschrittliche BewegUNS Session des Reichstags überraschende Dimensionen ans ger Zeitun; " Kammer gen und Nlsmus ver das entspr von der dürfte (oder ! gew ündlich"käll würde ., Blatt sch des deutsch thohngejächter 'der Franzost sjititten. ' ö-rr Bretuil Jflei dieser Ge • von jehe 1 nur an Mit dem . 1 aber rasch ?usbau d 1 Reo c nur D des Fürs vokatonsch, ntliche R , man sie '.giebt auck .kr« einen 5 welche Thorh von se 'ck für 5 '"kaner rasch �Tiegsvorl r-ffe" the Antheil � um für! MZ kltc Sonnte weit oen ahl mit ,«M der i Ermrttclun 'lern. Bis gestellten tJ Men n & da es vi Forderung n/mtreten; ieit ein ttg gesch en Satz i, l? d dem J -/nieralverso ;S}n Berlin ai ;d 0 ül in auf dem wirthschaftlichen Gebiete durch das 8»%%? der Konservativen und des Zentrums, auf dem Po1 lner i Eilige f eine -ttrrz biete durch die Unterwerfung der Nationalliberalen un Willen der Konservativen und der Regierung. C"r unserer Anficht das eigentlich Charakteristische an Lä»- Reichstage: die wirthschaftliche Reaktion betreibt die mit Hilfe Vereinen, der konservativ- klerikalen,° � Reaktion mit Hilfe der konservativ- nationalliberalen Im Deutschen Reichstage ist für Alles eine Mehrh�" nur nicht für einen wahrhaft liberalen Gedanken! politische Weisheit.„Im Großen und Gabf französische Presse überzeugt, daß das orleanistrt®c das einzige sei, welches dem wahren Interesse M/ssL.' spreche." Also steht zu lessen im Sonnabend-�» J gesu M unt. Siss? ÄS „"Uneh !>ti % 1 scher „3Bir ÄAÄÄ ÄUtt>1 nichts� dadurch erreichen, denn wenn nach �, Versuch machen, na« nicht daß die Beerdigung des alten ManneS wird man doch augenblicklich wisien, storben ist." �$ „Drei Tage sind eine lange Zeit," sagte anmalt;„wir wollen wenigstens die unS 9%ie> nach besten Kräften benutzen, und Sie, He**\ bitte ich, im eigenen Interesse der Familie, wen selbe wiedersehen sollten, sie zu bitten, alles z»„ das Gerücht aufrecht zu erhalten. Aber jetzt& � meine Herren! Es ist spät geworden, und'4 fe kW* Hause, oder gehen wir einen Weg?" „Jedenfalls anfangs," sagte der Arzt:. muß dort von dem Thor fort, daß sie« »Ii" % >r machen." me«� „Ueberlaffen Sie daS mir, ich werde sie sagte Witte. Sie hatten jetzt den Thorweg erreich hmau*. 0 „Nun, wie steht'S oben?" fragten zah» 9 „Wie geht'S dem alten Manne?"£tai. „Geht nach Hause, Leute," sagte ber1 „Gott der Gerechte, und so cm i„U" geschrien!" tönte eS von allen Seiten- Mörder?"„erl, „Werden ihrer Strafe nicht entgehe, � iW darauf; eine so nichtswürdige That soll � hingehen. „Was ist der mehr." sagte ein alter., neben stand;„werden sie ihm auch nicht wi es boch_bIo8 ein Jud', der alte Salomon t��nt o■ r/'Komri Iii M fe-w i,»i , **&% x.ui7- f Veav" durch unnöthiaen Lärm nur noch die // die so schon Schmerz und Sorge genug 9 Ü ''"üwrS r«ndbelUl>, chener J östlichen! onen, n Ilreals er 4,71 eine üt n finden . Nur 10 »eilet und! spmck. vei Er die Berlm 6 Städte: 100 nd alten »on den , die s< schichte. laben alle», 4 Million� nd 2,79 es Gesa» Äm ; Ratibor, liiederlaM Arist-W i fich auch l'j ?en unter lde St i Mill. und Fide aats-. Gl undenem Adels S. mißgiiter lebt fich,.l em®n>'v ist mW* eine an arakter der ist denn' n hervorr� ifel»iej >liche Äft IS«'<|*1. gennut Leidel nt,«g, N'ger Zeitung". Weil der Orleanist Bretouil in der fran- Kammer einige Dinge gesagt hat, welche fich— freilich rgen und Würgen— für die Zwecke des deutschen nismus verwerthen lassen, deshalb muß das orleanistische tonm das„einzige sein, welches den wahren Interessen entspricht". Schade nur, daß die Franzosen selbst, von den franzöfischen Interessen ziemlich ebenso viel dürsten, wie die Gelehrten der„Leipziger (oder sollte„Klein- Paris" über Nacht ns geworden sein?), von ihren„wahren Jnter- Wz andere Ansichten haben und die Herrn Orleanisten Wdlich kalt gestellt haben. würde die„Leipziger Zeitung" sagen, wenn ein fran- ,' Blatt schriebe, Herr Stöcker verttete die„wahren Jnter- des deutschen Volks? Die„Leipziger Zeitung" würde '�hngelächter anschlagen über die unwissenden Franzosen. � der Franzose, der das geschrieben hätte, würde viel weniger unflig geschrieben haben, als die„Leipz. Ztg." in dem itisten Satz; denn Herr Stöcker ist„der kommende Mann" Km Bretuil ist ein abgethancr Mann. ser Gelcgenhett ser erwähnt, daß die o r l e a n i st i sch e l von jeher für die russisch-französische Allianz war. Wir � nur an die bekannten,, Enthüllungen" des Generals Mit dem Sturze Mac Mahon's wich der orleanistische aber rasch den vordringenden demokratischen Ideen, und '»au der Republik trat als leitende Idee an die Revanche-Gedankens. Wohl giebt es in # nur Wenige, welche nicht an die Feindseligkeit der des Fürsten Bismarck glaubten— und angesichts des vokatorischen Tons, den unsere sogenannte oder Wiche Regierungspresse Frankreich gegenüber führt, man sich darüber wahrhaftig nicht wundem— J*fitebt auch in Frankreich nicht einen einzigen Republi- km einen Krieg mit Deutschland wünschte. Die Feinde der % welche die Maske des Revublikanerthums vomehmen Me Thorheiten dann der Republik aufhalsen, zeugen von sehr großer Ignoranz oder sehr bösem Willen. .Äck für Frankreich und die Welt nehmen diese falschen >"kaner rasch ab und die echten Republikaner noch rascher zu. � m �I�vorbereitungen i« Deutschland. Die„Ehern« ik jr theilt mit, daß auch Chemnitz an den mit auf« " Hast betriebenen Vorbereitungen zu irgend einem «ntheil hat. Insbesondere entwickelt sich auf dem �.Werkstätten- Bahnhof Chemnitz eine ungewöhnliche «»ert. Es soll eine große Anzahl Waggons umgearbettet um für Militärtransporte zu dienen. Statt der sonst k r Stunden Arbeitszeit müssen jetzt die Arbeiter von .vis Wends i8 Uhr, also 13; Stunden arbeiten und " Sonntagsarbeit muß in einzelnen Branchen wie die aveit verrichtet werden._ Cb die außerordentlich hohe ispruch genommenen darüber fehlen noch i......vtuuytii. vi»(vuviv vw. i vCt. der Arbeiter er- >«.'°'n. Bis jetzt ist es den Arbeitern möglich gewesen,� den g8#llkn außerordentlichen Anforderungen zu genügen. ! thnen weiter möglich sein wird, darüber hört man .».da es vorgekommen sein soll, daß das Bestreben nach emsiger Herstellung der Arbeit sich bemerkbar gemacht Ware das der Fall, so würde trotz der erheblichen Forderungen an die Arbeitskraft ein Mehrverdienst � Wtreten; ja es würde vielleicht trotz der längeren im ein gegen früher geringerer Lohnsatz fich er- dem Spiritusring war es also wiederum nichts! >.cheralversammlung der Spiritusfabrikanten hat am Sonn- ' U Berlin trotz alles Zuredens der Börsenblätter und der 'S nachfolgende Resolutionen einstimmig angenommen: tu«ierein der Spritfabrikanten Deutschlands scheint das in ��Versammlung des Vereins der Spiritusfabrikanten "vJjgojjd(Brenner) vom 25. Februar dieses Jahres der übergebene Projekt, betreffend Gründung einer ,n�'n der vorliegenden Fassung nicht geeignet, den :s Ag'ü Mver jn,�%en für das Spiritusgewerbe herbeizuführen; nach »en r,% ist vielmehr von demselben eine Zerstörung der -n � �tontfation des Gewerbes, wie sie fich aus der Sach. WkZK äiäbää Ä �tigsst"f. Befunde Hebung desselben gerichtet find, auf das >ken! i? .nd G-V W »aß er iir t unterstützen.".., CJteifovt kommende neu» Aera soll auf konservatwer Niich.Niervativer Seite, wie in Reichstagskre.sen verlautet, Jnrt Werden, Programmreden bei Gelegenheit der dritten .k befow"de*»st. Die Unverfrorenheit unserer Reaktionäre daß sie aber die Schamlosigkeit so weit treiben uns trotzdem unwahrscheinlich. >„Ja wohl, ja wohl!" riefen die meisten, 8e Minuten später war die Straße menschenleer. (Fortsetzung folgt.) sj�* K««ft««d Lebe». �M�Us'l übt im Louisenstädtischen Theater eine sel. % aus; das Theater ist allabendlich zahlreich besucht. iA: «S Stgi, Direktor Adolph Ernst hat mit der Aufnahme «d w.." w#,: ' v.°°n der Heilsarmee in der Schauenburgerstraße "en der Polizeibehörde errichtete Bethalle fertig gestellt. %) kL�"nmisfioner" Railton(Sekretär des„Generals' V ein, um die Erlaubniß zur Niederlassung der IK VLW- Abhaltung von Versammlungen zu erwirken. WBs-gse# UWZZM %�B»1 w cr Verwendung finden.__„ OJ Etf{ny.*t Telephon bestellt. nur durch die Wien von Einige Couleurstudenten" machten sich schon #### Verbot. Auf Grund der§§ 11 und 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Besttebungen der Sozial- demokratie vom 21. Oktober 1878 ist die nichtperiodische Druck- schrift:„Mitten ins Schwarze!>. Den Volksschullehrern ge- widmet zur Erinnerung an die Hundertjährige Jubelfeier der großen Revolution, von H. E. Wilmsen, Lehrer in Rungholt." Druck und Verlag bei Hartebeest in Groningen, von der Königlichen Regierung zu Schleswig am 3. März er. verboten worden. Kelgie». In Bälde wird das belgische Publikum Gelegenheit finden, sein Interesse am Kongo-Unternehmen zu bethätigen: von der Gesammtanleihe von 150 Millionen Franken, welches die belgische Kammer vor einem Jahr erlaubte, sollen am 5., 6. und 7. März zehn Millionen zur Subskription aufgelegt wer- den. Die Verschreibungen lauten auf 100 Franken, find un< verzinsbar, sollen aber bis zu ihrer Ausloosung Jahr um Jahr um 5 Franken Kapitalzuschlag wachsen und in sechs jährlichen Verloosungen mit erheblichen Gewinnen ausgeloost werden. Die Anleihe ist garantirt durch Werthtitel, welche die Kongo- Regierung bei der emittirenden Bank(SocisM Gänsrate) hinterlegt hat und für welche der„Herrscher des Kongostaates" eine besondere Verwaltungskommisston ernannte. Der Erfolg der Anleihe soll gesichert sein. Dieselbe werde zur Schaffung von Verkehrswegen und-Mitteln, in erster Reihe zur Herstellung einer dem Kongosttom entlang laufenden Eisenbahn dienen. Für die Vorarbeiten dieses bedeutenden Unternehmens sorgt an Ort und Stelle eine vor langem nach dem Kongo abgegangene Spezialkommisfion, die aus Eisenbahn-Jngenieuren und Arbeitern besteht. Dieselben stecken zunächst die zu verfolaende Linie ab und sollen bedeutende Fortschritte in ihrer Arbeit zu ver- zeichnen haben. Von Stanley und seiner Expedition liegen noch immer keine Berichte vor; die letzten hier eingegangenen Neuigkeiten datiren von Bangala und erwähnen ausdrücklich, daß man über das Schicksal des muthigen Forschers gar nichts weiß. Die Kehrseite der Hoffnungen, so schreibt man der„Zür. Post", welche sich an die Projekte im Ausland knüpfen, bildet die Krise in unfern Kohlenbergwerken. Die ohnehin traurigen Zustände der letztem werden zusehends verzweifelter. Selbst konservattve und offiziöse Zeitungen find gcnöthigt, es einzu- gestehen, daß das herrschende Elend, besonders in einzelnen Theilen der Provinz Hennegau, ergreifend ist. Obwohl die Arbeiter in den Gruben fich auf's Aeußerste an- strengten, um fich einen bessem Erttag ihrer Arbeit zu fichem, blieben die Eigenthümer, anonyme Gesellschaften, taub gegen diese Klagen, und die Hungerlöhne find die nämlichen geblieben. Schlimm steht es im Basfin von Charleroi. Um dem Schrecken des Hungers zu entgehen, find viele Arbeiter über- eingekommen, ein so undankbares Vaterland zu verlassen und jenseits des Meeres das zu suchen, was ihnen hier versagt ist: einen erträglichen Lohn für harte Arbeit. Selbst das Centre, wo bisher die Löhne noch höher standen und Arbeit ziemlich leicht zu haben war, ist jetzt von der Krifis heimgesucht worden. Zu Huuderten zählt man dort die Arbeiter, welche das Opfer des Arbeitsmangels geworden. Am meisten ist vom Damiederliegen aller Geschäfte die Arbeiterschaft in den Maschinenwerkstätten betroffen worden. Obschon gegenwärtig in Frankreich die einheimischen Arbeiter so bevorzugt werden, suchen die brotlos gewordenen belgischen Mechaniker in diesem Nachbarlande Beschäftigung. Die aber in Belgien blieben, oft die geschicktesten Arbeiter, mußten Arbeit nehmen, wo sie solche fanden: sie gingen in die Walzwerke. Um nicht zu verhungern, arbeiten fie in der modernen Hölle 13—14 Stunden des Tages um den Taglohn von höchstens 2 Fr. 30 Cts. Und was für Arbeit! Im Basfin von Lüttich soll es nicht besser stehen, auch hier wächst das Elend fortwährend. In Brüssel, wo fich die Be- sitzenden darin zu gefallen erklären, daß ja die Löhne sehr hoch slünden, ist die Zahl der Aibeitslosen-Legion und die Glieder vieler Berufsarten, wie Maler, Schuhmacher, Posamenter, Zigarrenarbeiter find genöchigt, sonstig irgend welche Beschäf- tigung zu suchen, d. h. Stellen zu suchen als Magazinier, Bureaudiener, Packträger, Erdarbeiter u. s. w. Aber von Tag zu Tag werden offene Stellen auch dieser Art immer seltener, da sich zu den einheimischen Arbeitslosen eine Menge Ausländer hinzugesellen, die von der im Mai zu eröffnenden großen Weltausstellung Arbeit und Verdienst hoffen. Der letzte Zufluchtsort der Aermsten Brüssels find die Sackgaffen und Pesthöhlen der Rue Haute und der Rue de Schaerbeck. In diesen Löchem, Brutstätten des Lasters, des Verbrechens und zahlreicher Krankheiten, in denen die Lebemänner des Quartiers Leopold bei weitem nicht ihre Hunde unterbringen wollten, da leben die Elendesten und Aermsten unter dem Pro- letariat der prächttgen Hauptstadt. Abgestumpft durch das Elend, verwildert unv geradezu verthiert durch unglaubliche Un- wissenheit und durch Aberglauben, erwarten fie für die Milde- rung ihres Looses kein anderes Heilmittel als die offizielle und öffentliche Wohlthätigkeit. Der Leser wird glauben, ich schildere zu schwarz. Aber die Sttaße und bemertte einige jugendliche Gestalten, die unter Gelächter und Gespötte, da fie fich beobachtet sahen, in Eil- schritten ihren Rückzug zur nächsten Brücke über die Wien nah- men. Der Abgeordnete erkannte, daß fie sich seiner Fabrik näherten, und eilte ans Telephon, das seine Wohnung mit dem Fabriksgebäude verbindet. In dem Momente, wo die„jungen Herren" das Fabriksthor pasfirten, wurden fie von starken Fäusten gepackt, in den tzofraum gezogen und gründlich durch- gewalkt. Die„jungen Herren" waren ganz starr über diesen vermeintlichen Ueberfall, den fie fich gar nicht erklären konnten. Sie drohten mit Polizei und Gericht, bis man ihnen begreiflich machte, daß die Prügel telephonisch bestellt und daß mit diesen Prügeln nur die im sechsten Bezirke eingeschlagenen Fenster im fünften Bezirke quittirt worden waren. So endete dieser nicht ganz harmlose Studentenscherz durch's Telephon. Selbstmord au» Todesfurcht. Em junges Madchen hatte sich in Görlitz„wahrsagen" lassen, und die Kartenlegerin hatte ihr„prophezeit", daß fie das erste Viertelhundert ihrer Lebensjahre nicht überschreiten würde. Dies hatte sie dem aber- gläubischen Mädchen so eindringlich erzählt, daß letzteres kürzlich nach Dresden fuhr und in der Elbe den Tod suchte. In einem hintcrlaffenen Briefe hatte das Mädchen die Angst geschildert, die es vor dem Ereignisse hätte, welches ihren noch vor dem 25. Lebensjahre erfolgenden Tod herbeiführen würde. Der Name der„Wahrsagerin" ist der Behörde bekannt ge- ro0rtCi« originelle» vaunerstiickche« wurde dieser Tage in Odessa verübt. Am ganzen Körper«tternd, trat ein junger Mann schwankenden Schrittes in eine Apotheke ein und wies stumm bald auf seinen Hals, bald auf die Brust, dann stürzte er plötzlich zu Boden mit dem Rufe:„Um Himmels willen, schnell Gegengift." Er wand und krümmte sich am Boden und flehte fortwährend um Gegengift, er habe fich mit Phosphor vergiftet. Der Apothekergehilfe verlor ganzlich den Kopf, stürzte auf die Straße hinaus, warf fich m eine Droschke und fuhr zu dem zunächst wohnenden Arzt. Als er mit demselben zurück- kehrte, fand fich der Kranke ,n der Apotheke nicht mehr vor. Mit ihm zusammen war die Tageseinnahme aus der erbrochenen Kasse verschwunden. Auch mehrere Stücke Seife und diverse ÄS-Ä»* ÖS'IÄ" Ä Frankreich 14 316, England 14 091, Oesterreich kaum 11000. wie kann man Optimist bleiben, wenn man täglich die Jam-. merfrage hört: Hast Du keine Arbeit für mich, Alles habe ich schon abgesucht und nichts gefunden, oder wenn man stünd- lich aus der Provinz Briefe erhält, voll von Verzweiflung, finsterer Entmuthigung oder Androhungen von Revolten. Es ist fürwahr eine traurige Pflicht, solches berichten zu müssen; aber noch find die belgischen Arbeiter nicht am Ende ihrer Müh- sale und Entbehrungen angelangt, denn von Tag zu Tag wächst das Elend, es verallgemeinert fich zusehends und nimmt immer mehr eine grausame Gestalt an. „Wir find noch nicht am Ende unserer Prüfungen," sagte zu mir vor einigen Tagen ein solcher Arbeiter,„immer ist's ja der Kleine, auf dem die Starken ungesttaft herumtreten dürfen. Die Direttoren der Gesellschaften berechnen dafür fette Dividen» den, um die Attionäre zu befriedigen. Wir dürfen ungestört Hungers sterben. Es wird bei uns nicht besser, bis das ganze Staatsräderwerk umgeändert ist. Gütlich geht's nicht, dafür find wir ja mundtodt gemacht worden, also"... Und in Brüssel tollt und tobt Prinz Karneval, die Theater find über- füllt und eine vergnügungslustige Menge drängt fich zu den Maskenbällen und in die Tingeltangels. «rankreich. ie Presse beschäftigt fich heute in erster Linie mit der Verurtheilung Wilsons.„Rappel" und andere republikanische Blätter weisen auf dieselbe als auf einen Beweis hin, daß die Rechtspflege selbst wider ihren Willen dem Volks- bewußtsein, das Wilson's Bestrafung verlangt habe, Rechnung tragen müsse. Unter der Monarchie wäre, sagen fie, eine solche Verurtheilung ebenso unmöglich gewesen, als die Absetzung des Staatsoberhauptes, die doch von der öffentlichen Meinung eben- falls erzwungen worden sei. Unter den radikalen Blättern, die, „Jntranfigeant",„Lanterne" und„XI X. Siöcle" voraus, den Richtem der 10. Abtheilung Weihrauch streuen, bildet der „Radikal" eine vielbemerkte Ausnahme. In demselben schreibt der Abg. Sigism. Lacroix: Wenn die Richter durch die Ver- urtheilung des Schwiegersohnes des Exprästdenten der Republik ihre Unabhängigkeit beweisen wollten, so haben sie mit dem Maße auch das Ziel überschritten. Das Publikum verlangte nicht so viel von ihnen.... Die Strenge der Gründe genügte; die Härie der Verurtheilung ist überflüssig, zumal die Rechtsfrage immerhin zweifelhaft ist und viele Rechtsgelehrte der Meinung find, daß die Wilson vorgeworfenen Handlungen, obwohl sie eine durchaus unsittliche Handlungsweise bilden, doch nicht unmittelbar unter das Straf- recht fallen. Freilich konnte das Gericht, durch seine früheren Entscheidungen gebunden, nicht wohl freisprechen. Andere An- geschuldigte, wegen nahezu ähnlicher Handlungen verfolgt, waren verurtheilt worden; es war schwierig, Wilson nicht auf Grund der gleichen Rechtsprechung zu verurtheilen, und in der That ist die Verurtheilung wiederum auf die gleiche juristische Spitz- findigkeit begründet. Wilson ist verurtherlt als Betrüger, nicht weil er Geld für die Verschaffung von Orden empfangen, son» dem weil er Orden versprochen und nicht verschafft habe. Diese Theorie ist die juristische Uebersetzung des Sprichworts:„Der Zweck heiligt die Mittel." Wenn Eure unehrlichen Kniffe erfolgreich find,.'wenn Ihr durch Eure Ränke erlangt, was nur dem Verdienste bewilligt werden sollte, so habt Ihr vom Gesetz und seinen Auslegern nichts zu befürchten. Der Erfolg deckt alles. Habt Ihr aber das Unglück, nicht das Ziel zu erreichen, wird das gegebene Ver- prechen nicht gehalten, ist trotz Eurer Anstrengungen Euer Ein- luß nicht siegreich, dann seid Ihr schuldig, nicht etwa Ränke ge- chmiedet und unanständige Geschäfte gemacht, sondern lediglich chuldig, Euer Ziel nicht erreicht zu haben. Habt Glück, und die Justiz wird Euch für unschuldig erklären; seid unglücklich, und Ihr werdet getroffen und gebrandmartt. Das ist die seit- same Moral— Unmoral sollte man sagen—, die aus den langathmigen Erwäzungsgründen des Urtheils hervorgeht! Und diese nicht sehr tröstliche Betrachtung drängt fich einem von Neuem auf, wenn man bedentt, welche sonderbaren Wandlungen der Prozeß Wilson durchgemacht hat. Herr Lacroirer- innert dann daran, daß das Gericht vor noch nicht drei Mo- naten, als Wilson noch das Elisee bewohnte, gegen die öffent- liehe Stimme, die ihn als betheiligt an den Schwindelsachen, die damals ab�eurthcilt wurden und in denen sein Name jeden Augenblick wiederkehrte, taube Ohren zeigte und daß der Staatsanwalt damals erklärte, Wilson sei der Sache völlig fremd, wie Boulanger nach seiner Verstcherung seinen vielfachen Kandidaturen fremd sei. Der Unterfuchungs- richter lehnte sogar ab, Wflson vorzuladen; er war mächtig, also wurde er geachtet. Nach dem Sturze Grevy's aber hätten dieselben Richter auf Wilson losgeschlagen, ihn ohne Mitleid gebrandmarkt. Sie hätten geglaubt, ihre Strenge von heute werde ihre Schwäche von gestern in Vergessenheit bringen. Allein darin hätten fie fich getäuscht. Sie hätten besser gethan, eher und weniger schwer zu strafen. Das wäre gerechtere Gerechtigkeit gewesen und der Zusammenbruch der Macht Wilson's hätte nicht so düster ausgesehen. Der„Temvs" billigt die Anschauungsweise von Lacroix, indem er dessen Ar» tikel wörtlich abdruckt. Das„Joumal des Debats" wundert fich, daß das Gericht nach den scharfen Erwägungsgründen und dem Ausschluß aller mildemden Umstände nicht das höchste Strafmaß angewandt habe. Von jeher sei mit politischem Ein- fluß Schacher getrieben worden; nicht immer werde er für Geld verkauft und diese Art des Verkaufes sei noch nicht die verächt- lichste:„Orden für politische Dienste, Gunstbezeugungen für Wahlabmachungen, SteUenvergebung an Wahlagenten,— was ist das Alles, wenn nicht ein Schacher wie der, den die 10. Kammer so energisch und mit Recht gebrandmarkt hat? Wir haben verlangt, daß man die Händler zum Tempel hinaustreibe. Dieses heilsame Werk ist noch nichtbeendet, es ist erst begonnen, und der schwierigste Theil desselben ist noch nicht gethan." Grsßkrit>»««ie«. Seit langer Zeit hat der Straßenzeitungsabsatz nach Mitter- nacht nicht mehr so geblüht, wie gestern Morgen in der Frühe. Es handelte sich um das Wahlergebniß von Deptsord, um die Person des Sträflings Wilfrid Blunt, um Home Rule und politische Proskription, um den Sieg oder die Niederlage des Unionismus. Deptsord sollte den Maßstab abgeben für das Anwachsen der Home Rule-Bewegung in England; und Wil- frid Blunt ward dort als Bewerber der Gladstonianer aufge- stellt, weil er als Engländer ein Märtyrer für die Sache der Parnelliten geworden ist und augenblicklich in einem irischen Kerker schmachtet. Von den Ersatzwahlen der jüngsten Zctt— Dundee, Southwark, Edinburg und Doncaster— ist die von Deptsord die wichtigste; nirgendwo ward so gearbeitet und ge» wühlt; nirgendwo erinnerte die allgemeine Aufregung so an die gute alte Wahlzeit vor den Reformgesetzen, als todte Hunde, Katzen und faule Eier zu den erlaubten Betriebsmitteln der Parteien gehörten. Vom Morgen bis Abend wurden die Straßen von Deptsord nicht leer von Wagen aller Art, in welchen die säumigen Wähler zur Wahlurne geschleppt wurden. Hatten die Liberalen Möbelwagen und Mctzgergefährte aufgeboten, so rückten die Konservativen mit Landauer, Viktorias und Feuerwehrwagen heran. Ihr Kandidat, Herr Darling, fuhr mit seiner Gemahlin in hochfeinem, von zwei Grauschimmeln gezogenem Wagen in der Stadt herum; hinter ihm her eine Menge von grunzenden oder frohlockenden Burgern; bald auch umschlossen sie den Wagen; Steine flogen durch die Luft und Darlings Hut ward eingetrieben; schließlich befreiten ihn scme Anhänger aus der bösen Lage. Einer der letztern. Oberstlieutenant Graham, erhielt leider dabei eine nicht ungefährliche Verwundung. Kurzum, auf beiden Seiten schürte nwn d® HAsleidenschaften von Grund aus auf; der Zweck sollte die Mittel heiligen. Es begreift fich daher, mit welcher Gler man das Ergedniß der Stimmenzählung, die gegen Mit- temacht zum Abschlüsse kam, hier in London erwartete; und roic viel Flüche und Freudenrufe laut wurden, als endlich d,e Anzeige:„Konservativer Sieg in Deptford!" ausgeschrien ward. Mit 4345 gegen 4070 Stimmen ging der uniomstesche Bc- werbcr Darling aus der Zählung hervor; er errang 663 bezw. 41� Stimmen mehr als sein Vorgänger ,n den Iahren 1886 1885. Dabei läßt sich freilich nicht leugnen, daß Wilfrtd Blunt über tausend Stimmen mehr davontrug als sein eigener liberaler Vorgänger; aber dies ist aus zwei Gründen sehr erklärlich. Erstens war dieser Vorgänger ein Bengale, Namens Lalmohun Ghose, für den sich die Einwohnerschaft von Deptford nicht be- geistern konnte; und zweitens zog diesmal der frühere konser« vative Vertreter von Deptford, Evelyn, der zu den Gladstorna- nern überging, viele seiner politischen Freunde mit sich hinüber und warf gestern noch das ganze Gewicht seines persönlichen Einflusses bei der Wahleinpaukung in die Wagschale. Wie man aber auch den gestrigen Wahlausfall ansehen mag, die Konser rativen haben gesiegt und Wilfrid Blurt's interessante Frgur wird vorlöussa noch nicht im Unterhause neben den übrigen Märtyrern L Brien, Harrinaton und Cunninghame Graham auftauchen. Blunt hat, gleich Labouchere, eine Zeitlang dem diplomatischen Dienste angehört und war den Gesandtschaften in Athen, Frankfurt, Madrid, Paris und Lissabon beigegeben. In Frankfurt soll er mit Labouchere und dem damaligen Herrn v. Bismarck> Schönhausen manche Nacht zusammen verbracht haben— so wenigstens erzählen die radikalen Blätter. Später heirathete er die Enkelin Lord Byrons und interessitte fich für unterjochte Völkerschaften und gefangene Volksführer, wie die Egypter und Arabi Pascha, und ward dann schließlich selbst das Lpfer seines Freiheitsdurstes. Zu seinen Gunsten darf man anführen, daß ihm dieses Vergnügen heidenmäßig viel Geld kostet. Die Vertheidigung Arabis allein kam ihm auf 3000 L. zu stehen. Sein glücklicherer Mitbewerber um Deptford, Dar- ling, ist ein noch junger Mann von 37 Jahren, Rcchtsgelehttcr und reich. Kleine MMHeUnngen. � Chemnitz, 1. März. Die Typhusseuche greift hierj® immer weiter um fich und auch in den benachbarten Inde« otten soll dieselbe aufgetreten sein. Bei uns beträgt dies der Kranken jetzt 337, gestorben find etwa 40, eine gelingt? die auf den verhältnißmäßtg leichten Verlauf der fl/wl zurückzuführen ist. Wie schon erwähnt, find die Wohm» und Ernährungsverhältnisse der hiefigen Arbeiterbevölkerung« höchst traunger Natur. Namentlich die traurigen Wop« Verhältnisse haben viel dazu beigetragen, daß die gw Krankheit solche Verbreitung gewonnen hat., Hamburg, 2. März. Der Postdampfer„Franc« Hamburg- Amerikanischen Packctfahrt- Aktiengesellschaft« Hamburg kommend, gestern in St. Thomas angekommen. Trieft, 1. März. Der Lloyddampfer„Saturn o" w Vormittag aus Konstantinopel hier eingetrossen. Theater. Dienstag, den 6. März. G#*#%###. Die Zauberflöte. S tzWUspirlhau». Die Weisheit Salomo s. »eststtzr» Theater. Die berühmte Frau. » Theater. Durand und Durand. Hierauf: Vermischtes. TRitrut-Theater. Die Himmelsletter. „tebrtch- Wilhelmftädtische» Theater. Die Dreizehn._„ AÄ-wrta-Theater. Die Reise um die Well in 80 Tagen. »Seud-Utzeater. Muttersegen. S»sttz»in-Th»ater. Francillon. y ÄsaSiauce-Theater. Drei Paar Schuhe. �sthava-Theater. Der Herrgottschnitzer von Ammergau. Aursrieaa-Theater. Spezialitäten-Vorftellung. Zexfmmnn* UariSt«. Spezialitäten• Vor» Kenkordia- Theater. Spezialitäten» Vor- Ntzeak»�«» Keichshatte». Spezialitäten» Vorstellung. l'amstilMischks Theater. Dresdenerstr. 72. Direttion: Adolph Ernst. Zum ß* Male: Hiermit allen unseren Freunden und Bekannten zur Kenntniß, daß am 3. März unsere eheliche Verbindung stattgefunden hat. Wtlholm krall. Clara Grell, geb. Rokowsky. Berlin, den 6. März 1888.[506 Allen Freunden und Bekannten hiermit zur Nachricht, daß am Sonntag Nachmittag 6H Uhr mein Gatte H. D i e k e sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. März, Nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhausc, Koppenstr. 15, aus statt. Die trauernden Hinterbliebene«. 503 Elise Dieke nebst Kindern. In die Mliler *1« Gesangsposse in 4 Akten von Leon Treptow. Kouplets von G. Görß. Musik von G. Steffens und Franz Roth. Lisi: Berts Feidsu. Hedwig: Olga Dworsk. Asta: Clara Helmer. Liese; Roea Lid. Felix: Hugo Hasekerl. Fianzl: Adolph Kratx. Max: Raul harthold. Stöpsel: Dir. Adolph Ernst. Anfang 7i Uhr. Im 4. All:_ Francillon Parodie, vorgettagen von Herta Felda« und Dir. Ad. Trnv. Wall« Berliner adt Theater terstraße 15, fr. Alhambra« Theater. Der Graf von Monte-Christo. Schauspiel m 3 Abth. nach dem Französischen des Alex. Dumas. Vor und nach der Vorstellung im Tunnel: Grosses Konzert von Th. Frank». Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 7t Uhr._ KiitzMlischa Water. Alexander-Straße 40— Kurze Straße 6. Unwiderruflich letztes Gaftfpirl von Anna Schramm. Zum letzte« Mal«: Don Stufe zn Stufe. Lebensbild mit Gesang in 3 Allen von Dr. Hugo Müller. Kammtlich» Hone und Pafte-part-ut» stnd gUtig. Donnerstag, den 8. März er.: Zur Feier des 40jährigen Schauspieler-Jubiläums für den Oberregisseur Herrn Carl Karuta d« 13. Knamaiil-Mahllikzirks. Alle Diejenigen, welche bei der Wiederwahl eines Stadt- verordneten in diesem Bezirk mit thätig sein wollen, werden ersucht, am Mittwoch Abend zwischen 8 und 9 Uhr ihre Ad' esse im Restaurant Man, Wienerstr. 33, abzugeben. 501 Verband deutscher Mechaniker und verwandter Serafsgrnoften (Zahlstelle Berlin). my Versammlung am Mittwoch, den 7. März, Abends 3t Uhr, bei jammer'a, Kommandantenstraße 71—72. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Benkendorff. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Die Mitglieder werden ersucht, die Fragebogen auszufüllen.[498] Der Vorstand. # Natur � 3372 Geldgewinne= 375000 Kark sofort sahlbar In Brstlan bei d. 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Beilage zum Berliner Bolksblatt. 86. Dienstag» den 6. März 1888. 5 Iichrg. ilmtz» j wat-Actl«* Parlamentsberichte. K»»tfch-r N»ich»iag. Sitzung vom 5. fUläti, 1 Uhr. S* Tische des Bundesraths: von Boetticher Miere. e zweite Berathiung des von den Äbgg. Ampach und beantragten Gesetzentwurfs, detrejfend'Abänderungen Gesetze(Aufhebung des Identitätsnachweises)/ wird IgW 30 xttii ung für die Borberaihung eingesetzte Kommission hat mit H Stimmen ein? Fassung des Antrags beschlossen, 'Aer bei der Ausfuhr von Weizen, Roggen, Hafer, Buchweizen, Hülsenfrüchten, Raps und Rübsaat in von mindestens 500 Kilogramm auf Antrag der Be- ; ubertragbare Einfuhrvollmachten erihcilt werden sollen, j�uinerhalb von 9 Monaten zur zollfreien Einfuhr einer Lv.Alenae derselben Waare ermächtigen sollen. Dieselben n sollen den Inhabern von Getreidemühlen, Preß- und Kakesfabrikcn, sowie von Oelmühlen bei der 1°.'"-r Fabrikate ertheilt werden; das Ausbeuteverhältniß » Fällen der Bundesrath festzusetzen. Das Gesetz soll r fcrttn � der Kommission am 1. Oktober d. I. in Mn beantragt Abg. v. Wedell-Malchow(dk.), «..Ausfuhr der oben genannten Getreidearten auf Antrag �Uheiligten 90 pCt. des für die Einfuhr gleichartiger ifgi. iu zahlenden Zolles baar zu vergüten, während bei der 1% 0" vorgenannten Waaren der tarifmäßige Zoll baar zu j Sit nln soll. ■ k.®J?.- Mardorf f(Rp.) beantragt in Uebereinstimmung Mirbach für den Fall der Ablehnung der Kom- Muisse: die durch das Zolltarifgesetz vom 24. Mai 1885 ■tiuä. den Mühlen durch den Erlaß des Jdentitäts- 1-'! gewährte Vergünstigung wieder aufzuheben. »,.den Fall der Ablehnung auch dieses Antrags beantragt b b e folgende Resolution: i..,?rbundcten Regierungen zu ersuchen: der Bestimmung in Ziffer 3 des ß 7 Mai 1885 Fürsorge zu treffen, daß die >iLr"!»«u der Mühlen, der Malz-, Preßhefe- und Kakes- 1«.Hue Begünstigung der Verwendung ausländischen Ge» imchert werde; * uandenveitiges, den thatsächlichen Ausbeuteverhältnissen �sprechendes Rendcment für Mehl aus Weizen und �"Ntreten zu lassen. Ä v Antragt Abg. Gebhard: für den Fall der E der Resolution Robbe hinter den Worten:„der «a K einzuschieben„der Oelmühlen, der Bäckereien", und !l!�esfabriken" einzuschieben:„bez. die Möglichkeit der ggwu »Ä00" Schiffen in deutschen Häfen mit t'"ühlcnfabri- »C vackwaaren." *. WedeU-MalchoW: Für den Kommisfionsantrag bin ich, zur Zeit wenigstens, nicht in der Lage. der die Verschiedenheit der Interessen zwischen N und nordöstlichen Landwirthsckiaft in Deutsch- hri" will, wird vielleicht heute die Zustimmung der iVim�ddeutschland noch nicht finden. Gegen die aus •xiaiM._ rr, V r---- r. S- kl in hervorgegangene Vorlage aber muß eingewendet f Z' ii)n(Jle Konz auf dem System der FmportvoUmachtcn '' vorausgesetzt ist, daß diese Jmport-Voll� Export beim Import als Eine Preissteige» ............. aber auf diese Daß diese Jmportvollmachten einen festen m•.. f n._ 1..........'.. 1 i>. I 1% gegeben und werden. in, L., angenommen SJ käiift, ,r'!en und Norden wird »ftJWiirz Daß diese Jmportvollmacyren einen;ei Il�Itez werdm, so daß der Exporteur einen Theil des den Landwirth abgeben könne, bestreite ich. rK w s in fnlrf» cJ...... �'"iporl l v'imponvollmacht gegeben wird, kommt es, guten Export sich in einer Hand befinden, darauf } Hz k'i°R�hrbaren Realitäten möglichst billig einzu- P den rii.r�eine 9 Monate gelten, wird jeder geschickte dissis-f,� V Moment abpassen. Uninaffcn fremden, erg ,7,? Getreides werden auf die Lagerplätze von Hcr, Stettin strömen und den Preis noch mehr JOi?)rPia inete Händler in der Provinz aber kann gar Hin f.;„'"J1 Landwirth gegenüber kalkuliren und des- »orlnn. ss besseren Preis zahlen. Dann hat die Kom- , den. Mangel, daß sie die Transitlager i��chäd?�..�nifange aufrecht erhalten will, über S die Landwirthschaft einer Meinung �.gemischte Tranfitlager ist eigentlich ein Q-d�enn solche in Berlin auch nicht existiren, Lettin, das vermöge der Eisenbahn gewisser- rn. Thoren Berlins liegt, ferner ist Breslau, etin?iuch die& oovto-Diühlenlager find schäd- ,> bmim �ne Bonifikation durch Jmportvollmachten ...... T i�donn i»!?i"e Bonifikation ourcy omvuuuu«,.."«,.... v ein? mif doppelte Spekulation möglich, eine auf des b(g Es wird ferner eine große Ver- (»IJ'Ren. orfv/ fff" /rhoffen, würde allein dem Groß- Ä& tt Abglich aukÄ L zwischen Import und Export so ' loL�e�te fnm� �"d die kleinen Müllereien wieder %!der%| � 2�"-.Jeder Käufer wird dann in der Lage .�,�">kai,o„ halt, die guten Qualitäten mit Hilfe der iHt, Pid an w®r braucht sich nicht an die Börsen- >dkji Ein übP.�-?�i"börse in Berlin so stark zu binden, %'Jvfnn der wilder Erp ort ist hierbei nicht mög- Äeltin�daltspreis die Grenze erreicht hat, wo Is«.Ü also? exporttrt werden kann, der Ankauf auf- ° ffridsz.."ur em Export innerhalb der eigentlichen L)Mer.d."k glich, während nach dem Antrage der PSa ■üt /Ltw. Je stn„„.,?ud ein Interesse daran, solche Lager zu verschiedenen Anträge der Kom- etteide S? ch�Htcn""'„�dt ausgeführt wurde und wofür später gffd, so würde die Reichskasse doch /! Ue£•' auib 1.20 pEt. von dem Ausfall verdienen. SÄ» etn ffüri und mit Exportvollmachten expor- "trag erreicht im Interesse der Landwirth- Sr* s schast des Ostens daS, was der der Kommission will, und sogar noch viel besser und sicherer. Die-Interessen der Landwirth- schaft, des Effektivhandels und der Rhederei werden gerade so begünstigt, wie durch den Antrag der Kommission; der Speku- lationshandel allein wird beschränkt. Abg. Moerman«(nl.): Schon bei der Einführung der Getreidezölle ist die Aufhebung des Identitätsnachweises als derjenige Weg bezeichnet worden, welcher allein die nachtbeiligcn Wirkungen Ut Getreidezölle für den Osten und andere Gegen- den paralyfiren könne. Der Antrag Hcereman-Rickert bezweckte thatsäcblich weiter nichts als die Wicderermöglichung des deut- schen Getreideerports. Je höher der Getreidezoll ist, desto nothwendiger die Aufhebung des Identitätsnachweises, das ist die Meinung fast sämmtlichcr Kaufleute in den Seestädten. Nicht etwa blos der Großhandel, der gesammte Handel hat ein Interesse an der Annahme dieses Antrags. In den Jahren 1877, 1878 und 1879 wurden über 3 Millionen Tonnen Ge- treibe ein- und ausgeführt, davon 2 100 000 Tonnen eingeführt. Diese Bewegung ist nach Einführung der Getreidezölle auf etwa 1 Million Tonnen jährlich zurückgegangen. Was der Handel in den Seestädten wünscht, ist die Wiedererlangung der freien Bewegung. Tie Rhederei in den Ostseestädten ist infolge des Zolls ganz bedeutend zurückgegangen. Der Uebergana von den hölzernen Schiffen zu den ersernm Dampfschiffen hat keineswegs diesen Rückgang verschuldet. Durch Annahme des Kommisfions- antrages wurden wir den Seestädten nicht nur, sondern auch vor allen Dingen der Landwerthschaft zur Blüthe verhelfen. Offen gestanden würde ich, obwohl ich sonst ein Anhänger des Frei- Handels bin, es keineswegs bedauern, wenn in den Seestädten Stettin, Danzig, Hamburg:c. thätsächlich eine Erhöhung der Preise stattfindet. Was die Konsumenten infolge der Erhöhung der Preise mehr zahlten, würde reichlich aufgewogen durch die ver- mehrte Arbeitsgelegenheit, welche sich dann wieder fände. Uebrigens würde sich diese Preissteigerung fast nur in vollem Maße in den Seestädten vollziehen, für das Binnenland würde sie eine verhältnißmäßig geringe sein. Die Erhöhung der Ge- treidezölle im vorigen Jahre hat auf den Preis des Getteides im Osten Deutschlands fast gar nickt eingewirkt, ein Beweis, wie richtig es ist, daß Handel und Landwirthschaft zusammen- gehen. Leidet aber ein Theil Deutschlands, so leidet ganz Teutschland mit. Und deshalb ist es nicht richtig, was der Abg. v. Hornstein gesagt hat, daß wir hier nur dem Osten helfen würden. Vom Standpunkte des Handels würde ich gegen den Anttag v. Wedell verhältnißmäßig wenig einzuwenden haben. Auch die Stettiner Kaufmannschaft hat sich für denselben aus- gesprochen.(Sehr richtig! rechts.) Ich habe aber Be- fürchtungen finanzieller Art. Nach dem Antrage der Kommission haben wir die Garantie, daß für jeden Zentner Getreide, der ausgeführt wird, auch ein Zentner Getreide wieder eingeführt werden muß, so daß also der Fiskus nickt eigentlich geschädigt werden kann. In dem vor- liegenden Antrage erblicke ich nichts weiter, als einen Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit, um denjenigen, welche durch die Zollgesetzgebung ganz außerordentlich geschädigt worden find, nämlich den großen Seestädten, die Möglichkeit eines Auf- schwunges zu geben.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. v. pfetten(Z.): Der Anttag Ampach wird zum Theil damit begründet, daß die Zollerhöhungen einen-iljcil der inländischen Landwirthschaft noch nicht genügend schützten. Die hier vorgeschlagene Maßregel nützt aber nur einem ein- zelnen Theile Deutschlands, während er den übrigen großen Bezirken Nachtheil bringen wird. Die Interessen des Groß- Handels, mit denen der Anttag femer begründet wird, stehen im Widerspruch mit den Gründen, aus welchen wir im Dezember v. I. die Getreidezölle erhöht haben. Es ist daher verfrüht, schon jetzt einem solchen Antrage zuzustimmen. Endlich soll der Antrag ein Korrektiv für die durch die Zollerhöhungen herbei- geführten Ungleichheiten sein. Die in anderer Richtung ge- machten Erfahmnaen sollten uns aber nicht ermuntern, diesen Weg weiter zu beschreiten. Der Antrag v. Wedell-Malchow würde alle Gefabren der Exportprämien mit sich bringen, wie sie sich in der Zuckerindustrie gezeigt haben. Es ist nothwendig, daß der Getreidemarft nach den Aufregungen, die er durch dre Zollerhöhungen erlitten hat, endlich zur Ruhe kommt, damit sich die Wirkungen der letzten Zollnooelle zeigen können. Dann werden wir später berathen können, wie den Beschwerden einzelner Landestheile abgeholfen werden kann. Abg. Kroemel(dfr.): Sehr schwer verständlich ist mir der Standpunkt der vollständigen„Wurschtigkeit", den der Vor- rebner eingenommen hat, gegenüber Bestrebungen, gewisse un- leugbare Nachtheile des Zollsystems zu mildem, wenn er sagt, daß ein solcher Antrag verfrüht sei. Gerade das Zentmm hat von Anfang an, seit 1879, betont, daß, wenn auch die deutsche Landwirthschaft gegen die ausländische Konkurrenz geschützt werden müsse, doch gewisse Erleichterungen im Jnter- esse des berechtigten Handels und der verechtigtcn In- dustrie eintreten müßten. Auf die Initiative deS Zentrums find im Jahre 1879 die gemischten Tranfitlager eingeführt worden, und der Abg. v. Heereman hat jedes Jahr Erleichterungen für den Export gefordert. So haben wir wegen der Nolhlage der Müllerei diesem Industriezweige Erleichterungen geschaffen. Der Abg. v. Heereman hat die Regiemng dringend ermahnt, mit solchen Maßregeln nicht säumig zu sein und den Brunnen nicht erst dann zuzudecken, wenn das Kind bereits darin ertrunken ist. Herr v. Pfetten will abwarten, bis d s geschehen ist. Der Abg. v. Heereman hat auch im Jahre 1885 die Resolution beantragt, Ermittelungen anzustellen, wie weit eine Erleichterung für die Ausfuhr möglich sei. Die Resolution hat allerdings bei der Regiemng keinen Erfolg gehabt, aber von den Handelskammern find solche Ermittelungen angestellt worden. Die Herren, welche das Interesse Süddeutschlands voranstellen und nicht wollen, daß einzelnen Landestheilen ein besonderer Vortheil zuwachse, mögen doch daran denken, daß diese Landestheile bei den bisherigen Maßregeln besonders im Nachtheil gewesen find, daß hier nichts anderes als eine gewisse Ausgleichung angestrebt wird. Die Sache hat aber auck eine nationale Bedeutung. Das m Deutschland bis 1379 vorhandene System, das durchaus kein abstraktes Frei- Handelssystem war, ging darauf allerdings hinaus, die deutsche Werkthätigkeit von jeder zollpolitischen Belastung ihrer Rohstoffe allmälig zu entlasten. Auch in dem System der Belastung der Rohstoffe, das seitdem eingetreten, wird immer die Frage bleiben, wie weit man gehen kann, obne die weitesten Kreise der Station so schwer zu schädigen, daß Abhilfe absolut nothwendig wird. Das hat sich 1879 bei der Einfuhrung der Getreidezölle schon gezeigt, schärfer 1885 und heute in noch viel höherem Maße. Wir müssen daran denken, bestimmte Schädigungen, welche die Hoden Getreidezölle herbeigeführt haben und herbeiführen werden, so weit es innerhalb des gegenwärtigen Systems möglich ist, zu mildem. Die Frage der Aushebung des Identitätsnachweises ist dadurch noch mehr komplizut worden, daß man sich allzu viel von dieser Maßregel verspricht; man knüpft daran Hoffnungen, die sich nun und nimmermehr erfüllen werden. Manche Freunde der Kommisfionsvorschläge tragen sich mit dem Gedanken, mit diesem System werde man es fertig bringen, bei hohen Ge- treidepreisen einen internationalen Gelreidev� ikehr herzustellen, wie er unseres Erachtens nur bei vollständiger Zolim iheit möglich ist- Es bleibt nichts übrig, als in den bestehenden Schranken gewisse Durchlässe zu machen. Ob man dafür diese oder jene Form wählt, scheint mir eine untergeordnete Frage; ich habe deshalb auch nicht recht verstanden, wie Herr Richter bei der ersten Berathung ein großes Gewicht darauf gelegt� hat, daß mit den Vorschlägen ein vollständiges Novum geschaffen werde, welches alle bisher festgehaltenen Anschauungen über Wirkungen des Zolles und Zulässtgkeit eines Rückzolles über Bord wirft. Der Grundgedanke der Kommisston ist richtig, daß er sich eng anschließt an vorhandene Verkehrs- und Handelsverhältniffe. Es ist von je her üblich gewesen, im Osten einen Ueberschuß an Getreide im Auslande abzusetzen und im Süden und Westen Getreide einzuführen. Beiden Richtungen will der Antrag dienen. Der Abg. Richter meinte, es seien künstliche Veran- staltungen zur Verschiebung von Handel und Verkehr. 1882 hat er aber selbst für Aufhebung des Identitätsnachweises, betreffs der Exportmühlen, gestimmt, welche dieselben Folgen nach sich zieht. Daß wir Bedenken gegen dieses System an sich haben, haben wir immer erklärt. Es ist aber eine Folge der Getreidezölle. Ich bin der Ueberzeugung, daß, je höher die Zollsätze, man um so mehr wird Bedacht nehmen müssen, Formen der Erleichtc- rung ins Auge zu fassen. Dem Theil der landwirthschaftlichcn Interessen, der fich beschwert, daß er bei der letzten Zollerhöhung zu kurz gekommen, wollen wir durch Aufhebung des Jdentitäts- Nachweises seine Lage erleichtern. Wenn wir mit den Agrariern in dieser Frage zusammengehen, so find wir im übrigen dabei über unsere Gefühle nicht im Unklaren; dämm keine Freund- schaft nicht!(Heiterkeit.) Das ist doch unbestreitbar, daß, wenn nicht durch irgend eine Maßregel für die vorhandene Beschwerde Abhilfe geschaffen wird, der Ruf nach weiterer Erhöhung der Getreidezölle mit starker Gewalt hervortreten wird. Wir befinden uns also in einer gewissen Zwangslage. Wenn es gelingt, einen lebhaften Getteideexport hervorzurufen, so wird das seine Wirkung auf die Getreidepreise im Osten nicht verfehlen. Die gleiche Folge wäre aber auch eingetreten durch den auch von Richter und Rickert unterzeichneten Antrag v. Heereman vom vorigen Jahre. Der einzige Unterschied liegt im Grade, und darüber läßt fich streiten. Die Maßregel wird in einem gewissen Umfange nur wirken, sofern ihm nämlich bestehende frühere Verkehrs Verhältnisse dem System entgegenkommen. Wie der Antrag im Einzelnen wirken wild, ist mit voller Bestimmtheit nicht zu sagen. Ein fester Punkt ist der, daß er da, wo ein Ueberschuß vorhanden, den Export, und wo ein Bedarf vor- handen, die Einfuhr zu ermöglichen sucht. Ich habe schließlich nichts dagegen, wenn im Hause der Wunsch überwiegen sollte, die Entscheidung noch zu vertagen. Davor aber warne ich, die ganze Frage als überhaupt nicht vorhanden zu bettachten. Das wäre ein verfehltes Verfahren. Wollen Sie eine weitere Prüsung und genauere Untersuchungen, so mag das durch einen besonderen Beschluß ausgesprochen werden. Das gerechte Ver- langen des Ostens wird früher oder später in der Gesetzgebung einen Ausdmck finden.(Beifall.) Während dieser Rede ist von dem Abg. v. Bennigsen folgende, von Mitgliedern der Reichspartei und der konservativen Partei unterstützte Resolution eingebracht worden: In Erwägung, daß der Anttag Ampach und Genossen durch die Neuheit und Schwierigkeit des Gegenstandes erheblichen Zweifeln Raum läßt über die Wirkungen, welche seine Annahme und Durchführung für die Land« wirihschaft und den Handel, insbesondere auch in den einzelnen Thcilen Deutschlands, haben würde, in fernerer Erwägung, daß für die erforderliche sorg- fältige Prüfung des Antrags im Ganzen und im Ein- »einen, namentlich aber für die nach verschiedenen Rick- tungen noch wünschenswerthen Erhebungen die Zeit während der gegenwärtigen Session mangelt, sowie in der Erwartung und dem Wunsche, daß die verbündeten Regierungen den in dem Antrage angeregten wichtigen Fragen ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden und das Ergcbniß der über dieselben anzustellenden Erhebungen dem Reichstage in der nächsten Session mittheilen werden, geht der Reichstag über den Antrag Ampach und Ge- nassen zur Tagesordnung über. Abg. Kinaev: Meine Fraktion ist gegen den Anttag der Kommission. Es ist zweifelhaft, ob die in den in Betracht kom- wenden Gewe ben beschäftigten Arbeiter davon Vorlheil haben werden; jedenfalls hat die gesammte Arbeiterbevölkerung von einer solchen Maßregel infolge der Vertheuerung des Getreides entschieden Nachtheil. Die Einfuhrvollmachten würden zudem die Börsenspekulation vermehren, und dazu die Hand zu bieten haben wir nicht die geringste Neigung. Das wesentlichste Be- denken gegen den Antrag aber ist dies, daß über seine Wirkungen völlige Unklarheit und Niemand die Folgen über- sehen kann. Wir werden aber auch gegen den Antrag auf motivirte Tagesordnung stimmen, da auch ohne Aufforderung des Reichstags die verbündeten Regierungen der Sache ihre Aufmerksamkeit schenken werden. Abg. v. Puttknmer(Plauth, kons.): Daß unser Antrag keine politische Tendenz hat, wird dadurch bewiesen, daß fast sämmtliche Parteien dasselbe wollen. Um so mehr bedauere ich, daß dac-IZentrum ihm nicht zustimmt, trotzdem es doch für die Erhöhung der Getreidezölle, die Ursache dieses Antrages, ge- stimmt hat. Die Zollerhöhung ist wesentlich durch die Resignation des Ostens und des Nordens gesichert wor- den, denn wir Vertreter des Ostens und Nordens waren keinen Augenblick im Zweifel darüber, daß die Zoller- höhung uns nicht annähernd den Gewinn bringen kann wie dem Süden und Westen. Wir haben die Vorlage mit der Jdentilätsfrage nicht belasten wollen, um das Zustandekommen der Zollnovelle nicht in Frage zu stell, n. Deshalb ist es ein ungerechter Vorwurf, daß wir eine Oder- und Weichsellinic her- stellen ivollten. Selbst Richter hat anerkannt, daß der Norden und Osten nicht den Vortheil von den Zöllen hat wie Süd- deutschland, wenn er auch aus politischen Gründen zu anderen Schlußfolgerungen gekommen ist wie wir. Herr von Wedell- Malchow meinte, daß dieser Antrag nur dem Handel zu Gute kommen würde, wenn große Getreidemassen eingeführt werden. Diese Befürchtung ist unbegründet, denn die Kaufleute in Danzig und Königsberg fuhren schon heute soviel Getreide ein, als überhaupt aus Rußland kommen kann. Unser Anttag hat eine hohe politische Bedeutung. Es ist keine Frage, daß der Patnottsmus und dre Opfcrfreudigkeit der östlichen Bewohner auch ihre Grenze finden wird. Man sollte darauf Bedacht nehmen, die Zufriedenheit in diesen Landes- theilen nicht auf eine zu harte Probe zu stellen, daran denken, daß dre Leute dort auch Wähler find und sich erinnern, daß eine so regierungstreue und patriotische Mehrheit wie>etzt dort nicht immer vorhanden gewesen ist(Zu- ruf ttnks) und auch einmal umschlagen kann, wenn man dauernd ein non possumns den berechtigten Forderungen aus dem Osten gegenüberstellt. Wir wünschen weiter nichts, als für unser Ge- trribe das frühere Absatzgebiet zu gewinnen. Auf den Werth der Qualität kommt es dabei gar nicht an. England hat un- seren Ostsccweizen hoch bezahlt, weil es ihn zur Mischung mit amerikanischem Getreide brauchte. Es ist überhaupt eine lieber- schätzung, wenn man glaubt, unser Antrag würde eine große Revolution im ganzen Getreideverkehr hervorrufen. Es handelt sich nur dämm, unser Getreide dorthin zu dringen, wo es wirklich gesucht wird. Was die motrvirte Tagesordnung be- trifft, so würde ich deren Annahme sehr bedauern, Haupt- sachlich deshalb, weil in ihr das vielseitig betonte Auer- kenntniß fehlt, daß der Norden und Osten durch die äugen- blickliche Lage der Zollgesetzgebung prägravirt ist. Wir wissen ja, wie die Regiemngm zu dieser Frage stehen. Mit Begeisterung hat der Osten an den großen nationalen Aufgaben mitgearbeitet. Die Zufriedenheit des Ostens ist auf die Dauer abcr nicht in Ausfickt zu stellen, wenn in dieser Beziehung nicht irgend etwas geschieht.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Richter: Der Umschwung in der Meinung und die ahnungsvolle trübe Stimmung des Borredners ist mir gerade heute sehr erklärlich.(Rufe links: Kohli!) Daß das Programm der Aufhebung des Identitätsnachweises die Wähler nicht bei den Kartellparteien festhalten kann, beweist das Wahlergebniß dieser Tage. In den Wahlaufrufen der konservativen Partei in Greifenberg Kammin ist die Aufhebung des Identitätsnachweises in den Vordergrund geschoben und gesagt worden, der konser- vative Kandidat v. Köller wäre für, der freisinnige gegen die Aufhebung desselben. Trotzdem haben Sie die schwankenden Reihen Ihrer Getreuen nicht festhalten können. Der Patriotismus eines großen Tbeils der Wähler hängt zwar nicht davon ab, wieweit die Klinke der Gesetzgebung benutzt wird, um einzelnen Landestheilen Bortheile zu schaffen, aber die Geduld der Wähler mit den Kartellparteien wird sich in dem Maße er- schöpfen, wie fort und fort die Lasten gesteigert und die Volks- rechte beschränkt werden, so wird die wachsende Unzufriedenheit alsbald in größeren! Umfange eine Aenderung in der Volksvcr- tretung herbeiführen. Ich könnte der motivirten Tagesordnung zustimmen, indessen die dritte Motivirung in derselben macht mir die Zustimmung unmöglich. Denn es ist darin gesagt, daß man die volle Aufmerksamkeit der Regierung auf diese Frage hinlenken möge. Ich halte es für ganz selbstverständlich, daß eine Regiemng einer Frage, welche hier 2 Tage und auch überall im Lande erörtert wird, wozu so viele Mitglieder der Parteien eine bestimmte Stellung einnehmen, ihre Aufmerksamkeit schenken wird. In dieser Beziehung habe ich mehr Vertrauen zu den verbündeten Regierungen als Sie!(Heiterkeit.) Es werden Erhebungen über die Frage verlangt. Mit den amtlichen Erhebungen haben wir abcr nicht immer die besten Er- fahcungen zur Ermittelung der objektiven Wahrheit gemacht; der Kreis dieser Erhebungen müßte doch auch genau umschrieben sein, wenn man etwas erreichen will. Wir wollen nach keiner Richtung gebunden sein, und man muß des- halb vorsichtiger mit seinen Unterschriften unter eine solche Reso- lution sein. Wird die Resolution angenommen oder nicht, so liegt die Frage genau so wie vor Einbringung des Antrags Ampach. Wird sie angenommen, so wird eine nationale Frage erledigt sein, aber es wird auch kein besonderes Unglück damit angestiftet sein. Einer solchen überflüssigen und bedenklichen Resolution kann ich nicht zustimmen. Abg. Uobbe(R.-P.): Ich beklage den Gang dieser Ver- Handlung auf das Allcrlcbhafteste, denn ich glaube, daß die Sache auf allen Seiten spruchreif ist. Abg. von Huene(Zentrum): Unter dem Antrag Bennigsen stehen dieselben Namen wie unter dem Antrag Ampach standen, die Herren geben damit selbst zu, daß der Antrag Ampach verfrüht und noch nicht spruchreif war. Der Antrag Ampach läßt sich in seinen Folgen noch gar nicht über- sehen, er wird selbst dem Osten kaum Vorthelle bringen.(Ab- geordneter v. Mirbach: Das überlassen Sie uns!) Sie ver- langen aber von den Änderen Opfer.(Abg. Mirbach: Nein! Nein!) Nur der Vortheil des Handels ist sicher, weil derselbe von jedem großen Umsatz Vortheil hat. Die Aeußcmngcn des Herrn v. Puttkamer wegen der Anspannung des Patriotismus hüue ein Mitglied des Zentrums gar nicht wagen dürfen. Abg. Gebhard(nl.) motivirt seinen oben mitgetheilten � 1 Abg. Nickert: Im Jahre 1879 ist allgemein, nur nicht von den Konservativen, anerkannt worden, daß die Aufhebung des Jventitätsnachweises im Interesse des freien Verkehrs noth- wendig sei. Ich habe darin keine Befestigung der Zoll- politik, sondern nur eine Durchlöcherung derselben ge- sehen, und ich bedauere, daß man die Tragweite des Antrags Ampach nach dieser Richtung hin ver- kennt. Der Herr Abgeordnete Richter bat selbst am 12. April 1880 nicht blos für die Mühlen, sondern auch allgemein die Aufhebung des Identitätsnachweises verlangt. (Lzört! hört! rechts.) Engagirt ist allerdings die freisinnige Partei in dieser Frage nicht, und ich habe mir in der ersten Lesung mein Votum ausdrücklich vorbehalten. Es ist eine Illusion, wenn die Landwirthschaft in dem Antrage Ampach eine Rettung sieht. Allerdings wird der Preis des nach dem Londoner Markte geführten Getreides beffer werden; aber in Bezug auf den inländischen Preis wird die Landwirthschaft keinen Vortheil haben. Ich stimme dem Antrage nicht wegen des Vortheils für die Landwirthschaft zu, wie ich auch für die Zölle nicht gestimmt habe, weil dadurch der Landwirthschaft auch nicht geholfen wird. Ich werde, ob- wohl ick für die Aushebung des Identitätsnachweises bin, für die Resolution stimmen; es wird niir das allerdings schwer, weil ich darin eine sehr weite Vertagung der Sache sehe. Nach einigen persönlichen Bemerkungen konstatirt Abg. Grueve(Pole), daß er nicht mehr zum Worte gekommen sei, um seine Stellung klar zu legen. Damit schließt die Debatte. Die motivirte Tages- Ordnung wird mit 178 gegen 101 Stimmen angenommen. Die Mehrheit setzt sich zusammen aus den Nationalliberalen, der Reichspartei, den Polen, den Deutschkonservaliven mit Aus nähme der Abgeordneten Graf Schlicffen- Schlieffenberg und Uhden; ferner stimmen mit der Mehrheit vom Zentrum die Abgeordneten Borowski und Szmula, von den Freisinnigen Barth, Broemcl, Goldschmidt, Lüders, Maager. Meyer, Münch, Nickel, Rickert und Schräder. Die Minderheit desteht aus den Sozialdemokraten, dem Gros des Zentrums, dem Rest der Freifinnigen und dem Abgeordneten Hilvebrand. Der Abstimmung enthält sich der Welfe Baron v. Arnswaldt. Die Anträge der Kommission und der Antrag v. Wedell's find damit erledigt; die Resolution v. Mirbach's ist zurück- gezognr.g � will auch meine Resolution zurückziehen, aber nur unter dem Druck der besonderen Umstände,� keineswegs, weil ich glaube, daß ich in diesem Hause dafür keine Mehrheit finde. Damit ist der Gegenstand erledigt. Als Vorlagen der verbündeten Regierungen sind einge- gangen: 1. Entwurf eines Gesetzes über die Auslegung des Artikels 11 des Gesetzes vom 30. August 1871, betreffend die Einführung des Strafgesetzbuchs für dos Deutsche Reich in Elsaß-Lothringcn. 2. Entwurf eines Gesetzes, betreffend den Reingewinn aus kriegsgeschichtlichen Werken des Großen Generalstabes. 3. Entwurf eines Gesetzes, betreffend die AuS- führung der am 9. September 1886 zu Bern abgeschlossenen Uebereinkunft wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst, und 4. Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichsdaushaltsetat für das Elatsjahr 1888 89. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Drenstaa 12 Uhr.(Internationaler Vertrag wegen des Verbots des Branntweinhandels auf der Nordsee; Verträge mit Ecuador, Guatemala und Hon- duras; Rcchnungsvorlagen; Rechtsverhältnisse in den Schutz- gebieten; Wahlprüfungen.) Kommunales. I«r Grateiterrinfl den Schmuckanlagen in Kerlin werden im Etat 58 800 Mark gefordert. Davon kommen auf den Spittelmarkt— unter Berücksichtigung des aus privaten Mitteln herzustellenden Spindler-Brunnens— 6000 Mark; für Herstellung neuer Schmuckstreifcn auf dem Spazierweg in der Bülowstraße und der Gneisenaustraße find 7800 Mark angesetzt, für die Verschönerung des Marheineckeplatzcs 7000 Mark als erste Rate, zu Schmuckanlagen auf der östlichen Hälfte des Vinetaplatzes 8300 Mark, für den Kaiser Franz- Grenadierplatz 4300 Mark, für den Platz an der Vereinigung der Skalitzer- Mark. Weitere 3500 Mark sollen zur und Oppelnerstraße 4000 ivtarl. Weitere äöOO Marl sollen zur Verschönerung der Schutzinseln an der Tbomaskirche verwendet werden, und die größte Summe, 17 900 Mark, wird als zweite und letzte Rate zur Vervollständigung der Schmuckanlagen auf dem projcklirten Hohenstaufenplatz gefordert. Zur Grmeiterung der Zeutrat-Markthalle sollen die Grundstücke Neue Friedrichstraße 29 bis einschließlich 35 dienen. Davon befinden sich die Nr. 31 bis bis 35 bereits im Besitz der Stadtgemeindc, während für die Grundstücke Nr. 29 und 30 die Summe von 1 4Ö0 000 M. gefordert wird. Der Magistrat wird bei der Stadtverordneten- Versammlung die Bewilligung dieser Summe beantragen. Anlrgnng größerer Turnplätze. Mehrere Mitglieder der Stadtverorvncten-Versammlung beantragen, den Magistrat zu ersuchen, die Anlegung größerer Turnplätze für unsere Schul- jugend in Erwägung ziehen zu wollen. * Petitionen an die Gemeindeverwaltung find ein- gegangen vom Müblcnbefitzcr Schweitzer wegen Versorgung der �tadt Berlin mit Wasser aus dem Wandclitzcr See; von Herrn Zeitler wegen einheitlicher Gestaltung des jetzt geltenden Tarifs für Wasserentnahme aus den städtischen Werken und Deckung des dadurch der Stadt- Hauptkasse entstehenden Ausfalls durch eine Erhöhung der Kanalisationsabgabe von 1 auf 1', pCt. * Au öffeutlichr« Naoflammrn, welche durch die städti- schen Gasanstalten gespeist wurden, brannten ult. Dezember 1887 16 339 Stück; die öffentlichen Gasflammen, welche durch die englischen Gasanstalten(auf dem ehemaligen Schöneberger Gebiet) gespeist wurden, betrugen zur selben Zeit 589. Mithin war der Bestand ult. Dezember 1887 an städtischen und eng- tischen öffentlichen Gasflammen 17 928 Stück. Die Anzahl der durch die städtischen Gasanstalten gespeisten Privatflammen bc- trug ult. Dezember 1837 756 079 Stück, dieselben hatten sich während des Vierteljahrs Oktober Dezember 1887 um 11 Ö38 Stück vermehrt. Der Bestand an Petroleumlaternen betrug ult. Dezember 1886 1046 Stück, das Vierteljahr Oktober�Dezembcr 1887 weist einen Zugang von 21 Stück nach. Die Gasproduk- tion pro Quartal Oktober Dez mber 1887 betrug 31 448 000 Kubikmeter gegen dasselbe Quartal 1886 mehr 1669000 Kubikmeter. zokales. Der scheidende Winter gehörte zu den milden Herren, welche seit 1870 das Regiment innegehabt haben; aber auch jener Gestrenge kann kaum in Betracht kommen, wenn wir die Annalcn des vorigen Jahrhunderts nachschlagen und ersehen, mit welcher oft furchtbaren Strenge die Winter in unserer Mark und auch in der Hauptstadt auftraten. Vor 180 Jahren begann die Kälte schon in den ersten Tagen des Oktober hereinzubrechen und hielt bis Mitte März 1709 mit einer Strenge an, daß die alten�Nuß-, Maulbeer�und Pfirsichbäume eingingen und auch 'esc' die Wcinstöcke, deren Berlin damals noch viele besaß, vernichtet wurden. Schlimmcrc Folgen noch hinterließ der Winter des Jahres 1716, dessen kältester Tag, der 17. Januar, 107 Grad Fahren heit aufwies. Während der nachfolgenden drei Jahre trat ein Mißwachs und infolge dessen große Theuemng ein. Anno 1728 begann der Frost ebenfalls Anfangs Oktober ein- zutreten, und noch am 27. März waren in Berlin die offenen Straßcnbrunnen zugefroren. Erst am 12. April begann der Müggelsee aufzugehen. Die furchtbarste Kälte brachte dagegen das Jahr 1740, in welchem der Winter erst nach dem 13. Juni zu weichen begann, an welchem Tajje noch Reif und Frost eintraten. Von den Wirkungen dieses Winters wollen wir aus unserem engeren Vaterlandc nur Einiges mittheilen. In der Nähe von Lebus fiel am 4. Mai noch starker Schnee, und die herrschende Kälte machte selbst Pferde erstarren. An einigen Orten soll der Wein bei Austheilung des Abendmahls im Kelche gefroren sein, und die eisenfesie Ervrinde das Bestatten der Todten nicht ermöglicht haben. Noch im April waren unsere Berliner Straßen mit fußhohem Eise belegt. Ganze Schäfereien starbt n aus, und an den Bäumen spaltete sich die Rinde. Die dürftige Ernte des Jahres konnte erst zu Ende August eingebracht werden; die Lebensbedürfnisse erreich- ten einen bis dahin ungekannten Preisstand. So war beispiels- weise das Fuder Heu, welches bis dahin 1 Thlr. im Preise ge- standen, bis auf 20 Thlr. gestiegen. Die„Kocksnifon" ist für Berlin herangebrochen, jene Zeit, in der sich vordem eigentlich etwas, was ernem Karneval- treiben ähnlich sah, in Berlin entwickelte, es wird ihrer aber kaum Erwähnung aethan. Wenn nicht aus den Kreisen der Altberliner etliche Sehnsuchtsseufzer nach der alten Bockherrlich- keit ertönen, man wüßte kaum, daß noch der Urbock draußen an der Grenze Berlins und des großen Tempelhofcr Exerzierst ldes seit einiger Zeit seine Pforten offen hält. Tie junge Entwicke- lung ist dem alten Berlin über dm Kopf gewachsen; es befitzt nicht mehr die Kraft, zu asstmiliren, von Jahr zu Jahr mehr verblaßt der Inhalt seiner EigentKümlichkeiten. Wie der Stra- laucr Fischzug, das sommerliche Volksfest der Berliner in dem lieblich idyllischen Vororte Stralau an der Obcrsprce heute schon seiner alten Bedeutung entkleidet ist, genau so wird es der traditionellen Bocksaison geben. Den Gnadenstoß bat dem Bock- treiben ohnedies schon die Polizei mit ihren Verordnungen ver- setzt, welche die Tollheit zur Zahmheit bändigen. Es giebt einn hafte Leute, welche diesen Umstand beklagen, weil sie der Volksseele das Bedürfniß zuerkennen, einmal entfesselt um sich zu schlagen; aber die Berliner Saturnalicn hatten etwas Ge- waltthätig- Verletzendes an sich. Ich kenne, so schreibt man der „Frkf. Ztg.", das Münchcner Salvatoitreiben, ich habe oft genug in gedrängt vollen Sälen„beim Heurigen" in Wien eine wein- frohe Menge zum Streichorchester jauchzen und mit den Händen „paschen" gehört, ich habe die philiströs-angehauchte Lustigkeit auf der Vogelwiese zu Dresden mir betrachtet, und es fällt mir nicht bei, zu behaupten, daß alles schöner, wenn auch über- schäumender Frohsinn war, was ich zu schen bekam, aber nir- gends vergaß man eher das Gesetz der Harmonie im Genuß, als in Berlin. Als ich zum ersten Male mir vor mehreren Jahren das Berliner Bocktceiben besah, da es noch auf der Höhe stand, war ich erschreckt über dessen wüste Entartung. Das war kein ungebundener Frohsinn mehr, das war die Entfesselung von Rohhcit jeglicher Art. Statt des Verlangens, auszugleichen und die Versammelten zu einer einzigen Körperschaft durch harmlos heiteren Uebermuth zusammenzuschweißen, herrschte die Sucht vor, nach Auffälligkeiten zu spähen und diese im ver- letzenden Witze dem Gelächter preiszugeben. Am meisten hatten einzelne Damen darunter zu leiden; sie mußten manchmal förmlich Spießruthen laufen. Freilich waren diese Damen auch danach. Jetzt ist der ,�Bock" ziemlich fromm und schal ge- worden; er ist keine Sehenswürdigkeit mehr; weder der Heimische noch der Fremde muß ihn besucht haben, um das „Berliner Volksleben zu studiren". Die schönsten Sprüch- lein an den Wänden der Bockbiersäle, sie ziehen nicht mehr. Vor dem Eingang zum Urbock find Verslein angebracht, die im lustigen Kärnthnerlande entstanden, und die W Striyow in's Schriftdeutsch übertragen hat. Als BciW' seltsamen Wanderung seien sie hier angeführt. Sie loiw Wer Aepfel schält und sie nicht ißt, Bei Jungfem fitzt und sie nicht küßt, Beim kühlen Bock und schenkt nicht ein, Das muß ein fauler Geselle sein. Der bajuvarische Vierzeiler klingt freilich kräftiger: Wer an Apfel schöllt, und er ißt'n nüt, Wer a Diarndel Hot, und er küßt es nüt,_„m nur Wer ins Wirthshaus geaht, und er trinkt koan Ächörde miti Tees muaß a rechter Patzenlipp'l sein. che von Einbr „Trinkbare" Männer allerdings beherzigen die Ermad�i Laden des' Sto«"? aus 6A t"1 Wer der im v T und vcrsi Jüngeren M geschah i Wrte. Citte Dieb Lüftet) auf keine faulen Gesellen zu sein, wie ehedem; aber zum% f dost stehende der Spiritus, der sonst in den Bockhallen geherrscht Hai! chlen, währen Bierwalzer wird mehr mit Gejohle und dem Takte von J anliegen lasse auf den Tischen begleitet, kein Füßegetrampel macht den-Dl. � erdröhnen, die lauten Witze und Kalauer fliegen nicht I dann den Tisch zu Tisch, zu einem stürmischen Stimmengebraus' dem Buchbi einend, die starke Zahl ernstblickender Schutzleute erinnl von Neuem daran, was die ominösen rothen Zettel Wänden verkünden; jede Ausschreitung wird empsinvlich So sind die Bockbierstätten in Berlin gewöhnliche Wistl für den Massenbesuch geworden, und man überläßt% denen, welche nun einmal dem Alten Pietät in jedem weisen, weil es das Alte ist. Der kann lange nrarte» l In der„Westf. A ist folgendes Inserat zu lesen:„Suche für's Frühjabr hohen Lohn einen jüdischen Knecht und eine jüdische meine Landwirthschaft. Durch persönliches Vorstellen w> zu erfahren in der Expedition dieser Zeitung."— W meldet sich Herr Singer, bemerkt hierzu die„Staatsb.l zu beweisen, daß er sich auch ohne die MäntelnäberinnlN blasse leer; "Jen. Hierai «den des l kam die -e die Diel (führt, die :n auch hh Iolizeiber Nre alte Ti chtigkeit I weiten St, '4m Wohn flu uciucistu, VUß LL fUU UWU) UljUC WU- A/bUlUClUU«CiUM»y � n tüVl die Welt schlagen kann! Damit gäbe er doch seinen Glee-.ere innere genossen ein sehr gutes Beispiel. Er wird sich aber hukgarfte alte.( wie bei der vorgeschlagenen Erhöhung der Löhne der � Jj'flms, aus svW?. Wilhelms Näherinnen, warten, bis die anderen vorangegangen i�Mf. Wenn vielleicht einmal irgendwo ein Sauhirt verlangt' Mab und i darf sich der Schreiber obiger Zeilen getrost melden. J", Mann Eine weitere Illnftratio« f« der vielbespr»� iM�ange. „Trinkgelderfrage" der Kellner haben gestern med«., In Inhaber eines hiesigen, vor kurzem erst eröffneten SW mv. g Bier-Ausschanks gegeben. Die Herren St. und S.,„AW Löwenbräu" in der Königstraße, zahlen ihren Kellnern 1°: in[erJ!|,r e~ Salär monatlich, wofür die Kellner sich aber ver# r tnüfFcr** iPtfh 0' 1) das Gehalt des Hausdieners mit monatlich p alte Kn zu decken; 2) etwa abhanden gekommenes Silberzeug, Wäsche(Servietten), Porzellan und sonstiges aus ihren eigenen Mitteln zu ersetzen: 3) ebenso für alle zerbrochenen Gegenstände, Porzellan, Stühle u. s. w. aufzukommen; 4) für jeden Fall des Zusammenstehens obst fernens aus dem Hause ohne Erlaubniß der 1 M. Strafe zu zahlen. Da die durchschnittliche Trinkgeld- Einnahme sich% 1,50 M. pro Tag und Kellner stellt, das Bier gleichst den Kellnern zu eigenem Genuß mit 30 Pf. pro Glas werden muß, während es außer dem Hause zu 25 Pf. wird, so haben die bisher dort funktionirenden acht gestern die Arbeit eingestellt. � Justizrath Aurel falthoff ist, wie aus Wiesbst� meldet wird, daselbst im Alter von 79 Jahren gestorbe»- Verstorbene, welcher vor einigen Jahren seine Avvokatu: legte und von Berlin nach Wiesbaden übersiedelte, nwj.-- weitesten Kreisen der Berliner Bevölkerung bekannt€( geschätzt und als tüchtiger Vertheidiger sehr gesucht. /U dinand Lassalle war Justizrath Holthoff durch die Bai* Freundschaft eng verbunden. Zur Fertigstellung de« Kumbaldtd»«k>»7,, Kumbaldthain sind im diesjährigen Stadtetat noch 2,* also gegen die im letzten Etat bewilligten 10000 /a 7000 M. weniger, angesetzt. Es haben sich nämli«- Denkmal eine Anzahl schöner, großer Blöcke dargebotcs, bei der Kostenveranschlagung nicht zu erwarten waren- hierdurch die Gedenisteingiuppc um so großartiger si®, ließ, so ist doch andererseits durch die kostspicligen. nicht genau berechenbaren Transporte der Findlings etersburger J auf dem l; A Hambur; ."de Troschk . nicht bedc "raße und .die erheb! |%m nöthü jch durch d ' S.efchlagen, brannten "uschenfab D 'Durand ui Letzter( «ig van sag Wien TJ-men Uf wogen mehr als 200 Zentner) und durch deren die bewilligte Summe aufgebraucht worden, ohne daß r f stellung beendet und der bea stchtigte kleine Wasstt'�« das Becken am Schlüsse desselben hergestellt werden, Warnung. Wie die„St. Petersburger ZJ�S. 5. Januar d. I.(Nr. 51) erwähnt, hat die„Deutsche Zeitung" vor kurzem eine Zuschrift veröffentlicht, ein Baron von Hepking aus Grosny im Terekgebiet ihm im nörv liche n Kaukasus in der Nähe der Festung,. schenska aufgefundene mineralische Schätze unv fflaipn i Mittheilung macht und die Bildung einer Gefellschan aj bcutung dieser Funde in Aussicht stellt.— Nack « der„Nordd. Allg. Ztg." zugegangenen Mittherlunge»% Ljn Don I bei Fachleuten eingezogenen Erkundigungen nicht-ckj wehr ode stätigung der Nachricht über die vermeintliche Entdeckung s e ter —---->... ew' Qey,-- und wir möchten daher davor warnen, der Zuschrift tischen Werth beizulegen. Aufrichtigkeiten. Fräulein Ida(die fünnj, Sommer hinter sich bat):„Ach, sich das Haar zu oro; uns Mädchen im Alter von fünfzehn Jabren � ji« im fünfundzwanzigsten Lebensjahre— ein Vergnügen, A, unddreißigsten— eine Kunst!"— Er:„Genirt Ä garnicht, Haare von anderen Frauenzimmern auf trf zu tragen?"— Sie:„Und ist es"Dir denn garw nehm, Wolle von anderen Schafen auf Deinem haben?".. v. i Da«..Wahrfngrn" ist in der Millionen»-?' einträgliches Geschäft. Vorgestern machten zwei Le � bei der Kriminalpolizei Anzeige von einem eigen arrrg.-� Beide hatten eine Frau S. aufgesucht, welche ve' itt könne aus dem Dotier eines Eies die Zukunft m „enträtbseln". Sie verhieß denn auch den, glänzende Zukunft, die aus Freude über d>e gern den 20 Pfennig betragenden Obulus entriß».,-, statt Glück, Ebre und Reichthum Fehlschlag auf � W da gericthen die Betrogenen dermaßen in Zorn, o v a. i zeige wegen Betruges erstatteten, weil ihnen v# Thatsachen„vorgespiegelt" habe.„Uieb�rf' ©in©annrrstitckchrn. Ein unbekannt S�nabe"% sprach vorgestern Nachmittag einen neunjährigen z» Herkulesbrücke mit der Bitte an, einen Gang'"«„„bc i er zahle ihm dafür auch 50 Pfennige. Als ver- N. ging der Unbekannte mit ihm nach dem Hause paa fl,i Auf dem Flur nalmr der Unbekannte dem Jung gt.igj mit Trikotiaillen ab und schickte ihn in die vcnic � sollte er bei„Lehmann" eine Violine abholen- a jß S:*J PKi H O ¥' W ,ne ade! Efe. tl SU�Ü, ging hinauf und kehrte unvemchtcter Er fand aber auch W "«Äerte Lehmann nicht finden. mehr vor. gestern im Krankenhaus seinen Wunden erleg-n— � �| Sistirung wurde der M.i. Kriminalbeamten verhaftet____ ML Stranßbergerstraße fistirt. Er wurde H# locpeilichen Visitation unterzogen. nud nach dem P�r � � die trsffil Sturz aus de« Feufter. Am Sonnabend Nachmittag Stc kut.'�tio-' Hause Wilhelmstraße 138..infolge eigener Un- ißt, ,e küßt. cht ein, 'Wigfett der 1V jährige Sohn des Aufsehers B. aus dem PF der im vierten Stock belegenen Wohnung auf den Hof und verstarb auf der Stelle. Ter Knabe war mit 5! Jüngeren Bruder allein in der Stube gewesen. Das rüstiger' Plchrte dem Augenblick, als der Vater vom Dienst �iu» Diebesbaude, vermuthlich eine solche, welche von ,n_ W sich auf Reisen begiebt, hat, wie der hieflgen Sicher- alt koan~ Morde mitgetheilt worden ist, in Königsberg N.-M. eine ..~.tg%°°n Einbruchsdiebstählen verübt. Nachdem die Diebe in L 1..J i N? des Kaufmanns Schmerel eingebrochen, haben sie (IT w i».u stehende Geldspinde geöffnet und aus demselben 700 M. r»»%% Cr' rührend sie eine goldene Uhr und eine goldene Brosche 3n ben�udm sind fkpon, giut aus ge- n nicht m*' agebraus W ute erinnq :n Zettel npsindlich liche Wirt! überläßt ß- n jedem berzeug, onstigcs genstände eh'ens ods !ß der 7 ISP pro Glas 25% nden affli is WieSb> r gestorb� lldvokatin iclte, war. bekannt esuckt.. Sie Bal� während sie eine goldene Uhr und eine goldene Brosche legen laffen. In den Laden find sie vom Flur aus ge- "■Sie hatten die Thüqarge beim Schloß weggcstemmt dann den Riegel des Schnäpperschlosses zurückgedrängt. dem Buchbinder Kadzick find sie sodann ebenfalls in den " eingebrochen und haben die Ladenkasse mit Inhalt ge- ■ Bei dem Schlächtermeister Lindemann fanden sie die lasse leer; dafür haben sie aber etwa 30 Würste mitge- Jen. Hierauf versuchte dieselbe Bande einen Einbruch in «den des Uhrmachers Fluth Auf das Klirren der Glas- 1 kam dieser jedoch mit Licht in den Laden und ver- e die Diebe. Da in Königsberg die Spuren zur Eisen- „Wests, �»geführt, die Diebe auch nur baares Geld gestohlen, werden > Frühjabr f;«kn auch hier schwerlich zu ermitteln sein. üdische SW»Jolizeibrricht. Am 3. d. M. Nachmittags stürzte die rstellen g Mre alte Tochter des Postschaffners Stramke� infolge eigener g."— W? �Nchtigkeit beim Fensterpuyen aus dem Küchenfenster der itaatsb.-W' Alten Stock des Hauses Rüdersdorferstr. 59 belegenen [näberinnen' Alchen 520|nung QUf den Hof hinab und erlitt anscheinend seinen GIB% innere Verletzungen.— Zu derselben Zeit fiel der aber hütwj Me alte Knabe Äalttusch, vermuthlich infolge zu weiten hne der W MMs, aus dem Fenster der im vierten Stock des Hinter- ■gangen M 7. Wilhelmstr. 138 belegenen elterlichen Wohnung auf den irt verlangl' Mab und verstarb auf der Stelle.— Nachmittags erhängte elden. M Mann in einem Hause der Stromstraße neben dem tlbtfortW C2?n0Qni>e. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause ■stern wie»«,%■— In der?!acht vom 3. zum 4. d. M. wurde auf sneten Mül� des Hauses Zionskirchstr. 29 der obdachlose Schleifer S" bewußtlos aufgefunden und auf Anordnung des ellnern>0.gerufenen Arztes mittelst Krankenwagens nach dem .Js. hause Friedrichshain gebracht.— Am 3. d. Mts. fanden .»r�ülllerstr. 65, Grünthalerthalerstr. la und Andrcasstr. 20 r«crsburgelsttaße ein Mann mit gebrochenem rechten Unter- u 0lst dem Bürgersteig liegend vorgefunden und auf seinen M nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht.— n-sbend wurde in der Auzuststraße, an der Ecke der fJJ vainburgcrstraße, eine Frau durch eine übermäßig schnell �e Droschke erfaßt und zu Boden geworfen, anscheinend nicht bedeutend verletzt.— Abends fanden in der Köp- und in der Bellealliancesttaße größere Schlägereien nie erhebliche Aufläufe verursachten und mehrere Ver- »m nöthig machten. Bei der letzteren wurde der Gürtler w.durch den Schriftgießer Schmidt derartig in das rechte Sachlagen, daß dasselbe zerstört wurde.— An demselben brannten Neue Grünstr. 34 Kisten und Papieradfälle in ■nuschenfabrik._ KerUner Theater. _ Wallner-Theater. hjAnb und Durand" nennt sich ein aus dem französischen v Letzter Schwank, der am Sonnabend über die Bretter '''"■ �' sich eine Stunde interessant unter- ...._—__che einen schönen und dergleichen,—„Durand und Durand" .. und noch mehr. Die Franzosen find auch in lg des Unsinns und unsem Schönthan und Moser eichnen sich durch eine schärfere Pointimng aus und in all dem Gallimathias die Gebresten der durger- ltanh Mchaft in ihrer ganzen Verwerflichkeit. Durand und iVLTT zwei Vettern, der eine ist cm Gcwurzkramcr mtt �re�k°bschluß von 300 000 Franken Baarbestand. der �"Advokat, dessen Spezialität das„Frersprechenlassen" Mer. Giftmischer und sonstiger Nichtgentlemens ist.- �lautenden Namen bringen dem Gcwurzkramcr ohne fem k hübsche Frau. Ein alter„Oekonomikcr" will Auhmten Schwiegersohn und da ein Durand ohne .r. r.... a. ü oi v__ l denk#" rt nodi i 10 000% nämlilb j ngebotew i waren- iger sub M i kgebret S"Ä, lungcn cht zu Letzter Schwant, der am Sonnabend über vre z»| mp Jaan sagt den Franzosen nach, daß sie sich eine �MeiiTseinen Nagel in der Wand ganz interessant W So*« cmen psbrutf■ - ein« O rem trzstan..»berühmte" Advokat sein muß, so wird der u«? � verheirathet. Der Schwiegervater schwelgt in .�ewür.kr" mit Entzücken auf all den Blödsinn, den >b d»; a.mer von sich giebt. Das Dazwischentreten des ! ee bat mi W bringt nun eine heillose Verwirrung her- LJ»Un �ssw mrt einem adligen Mädchen verlobt und ver- Z ttfabrt v, rm Vergangenen abzuschließen, wobei das Publi- T'"aß er nicht nur ein berühmter Advokat, sondern a$CSctr%3uQn°dcr richtiger ein zweiter Casanova ist. jy C k G°.b(: minder geschickte Schürzung des Knotens wird Aen.wurrkrämer all der Schändlichkeiten, die der Advokat ?brzstz beschuldigt, während der Advokat als Betrüger, als bie„Ts1 entlarvt wird, mit dem weder der„Oekonomikcr" -,,'Se Braut etwas zu thun haben will,— aber Rache hps a. bic vereinigten Parteien weiblicher Linie das "btenw v �bvotaten demolirten, eilen sie in den TlÜ� ,..uben, um dort das Rachewerk fortzusetzen. "•'■VV Ii, um VUVV VUV I"— U"'..,. ■ foX-d6t ber Verfasser uns das Zerstömngswerk nicht , dmchd'n Gewürzkrämer erzählen, wie die Schwiegermutter in spe, Braut und ,?rau der Kthspohn SDutQnb'" Schweizerläse. Petroleum, Chokolade jc. im Betrage von 15 000 Franks durch- im dann foitzustürmen— in den Genchts- r dar der Advokat, einen Mörder freisprechen zu Vorzimmer des Verhandlungsiaals entmint sich � Der Gewürzkrämer wird erkannt und seine S Un>? sichern ihm Pardon; der Advokat plaidirt mit L sein? Tr der Freisprechung des Mörders gewinnt er -�Sesxn.?delige Braut zurück,— die kleinen Scherze seiner säk ä&= StÄÄ« w»« « z�sen zum Beifall hingerissen hätte. Die kostbare likers" Coquardier fand in Herrn Guthery '.'let Vertreter, er verstand es, den dummitolzen, T�stbenden Landwilth mtt so vielen femen Zügen und den Charakter bis zum Fallen des Vorhangs fisi'"- M-w cÄÄfÄ sstkihe r. unbektrgt zugeschrieben werden muß. In M Alerander(Durand der Advokat) und .k,-b Bend-r(dte Tochter Coquardiers), Schmidt, .J?>Ner,„ �. Zu nennen,— während Herr Blencke(der KWUMSMAW .»ich 3# liiBVHOanen" h«. vlu �-ieignrk uiuu/n----- - er verdammt ist, in dem Stück eine An- u•.ji.'ofintc Tjch zur Geltung. Mit einem dreimaligen U vML aus dem Lachen gar nicht herausge- ! m die Darsteller. Summa summarum: Berlin Gerichts-Zeitung. Giuen komischen Keigrschmack hatte eine VerHand- lung wegen Bedrohung, welche vor der 91. Abtheilung des Schöffengerichts gegen den Rentier Kl. zur Verhandlung ge- langte. Der Angeklagte spielte eines Abends in einem hiesigen Restaurant mit zwei Bekannten Skat. Einer derselben, ein Herr G., wurde beim„Mogeln" ertappt, worauf der Angeklagte erklärte, daß er seinerseits es im weiteren Verlaufe des Spiels auch nicht so genau nehmen würde. Bald darauf wurde auch er des falschen Bedienens überführt und nun entspann sich zwischen dem Kleeblatt ein ziemlich heftiger Wortwechsel. Plötz- lich zog der Angeklagte aus seiner Tasche einen Revolver hervor und damll auf G. zielend, rief er in drohendem Tone die Worte aus:„Ach was, wenn Sie noch lange reden, schieße ich Sie über den Haufen". Die Drohung war von einer höchst drastischen Wirkung, Herr G. fiel rücklinas vom Stuhle und blieb ohnmächtig am Boden liegen. Die Anwesenden bekamen keinen geringen Schrecken, besonders die beiden Mitspieler beeilten sich, dem Ohnmächtigen zur Hilfe zu eilen und ihn durch Be- sprengen mit kaltem Wasser, durch Einflößen von Kognak rc. wieder zu sich zu bringen. Dies gelang denn auch bald. Der Angeklagte deschwor dringend den Herrn G., ihm den unziemlichen Scherz nicht übel»u nehmen, er forderte ihn auf, durch Besichtigung des vermeintlichen Revolvers sich zu überzeugen, daß derselbe einer jener bekannten zusammenlegbaren Stiefel- knechte, in Form eines Revolvers gewesen sei; der wieder ins Leben Gerufene war keinen Entschuldigungen und Aufklärungen zugänglich, entfernte sich vielmehr voller Wuth mtt der Erklä- rung, daß er die Sache der Staatsanwaltschaft unterbreiten würoe. Er fühtte sein Vorhaben auch aus, erwähnte in seiner Anzeige aber nichts von dem„Stiefelkncchts-Revolver", sodaß die Anklagebehörde richtig den Kl. zur Verantwortung zog. Nachdem der Beschuldigte im heutigen Termine den Sachverhalt wie vorstehend mitgetheitt und die wirkungsvolle hölzerne Schuß- waffe vorgezeigt hatte, erklärte der Staatsanwalt selbst, da er unter diesen Umständen die Anklage nicht aufrecht erhalten könne, da es sich ja nicht um eine ernstlich gemeinte Drohung, sondem nur um einen Scherz handele, dessen Folgen man nicht habe voraussehm können, er beantragte deshalb die Freisprechung, auf welche der Gerichtshof auch erkannte. Gine für Huudrbrsttzer wichtige Entscheidung fällte gestern die 6. Bcrufungsstrafkammer des Landgerichts l. Die Schutzleute find angewiesen, jeden Fall zur Anzeige zu bringen, in welchem ein Hundebesitzer seinen vierfüßigen Be- gleiter, der sich anschickt, das Trottoir zu verunreinigen, nicht auf den Damm jagt. Der Gerichtsassistent G. hatte die Gepflogen- heit, jeden Morgen vor seiner Wohnung auf- und abzugehen, während sein Hund regelmäßig das that, was den Schutzmann veranlaßte, gegen den Herrn Anzeige wegen Verunreinigung des Trottoirs zu erstatten. Das Schöffengericht sprach den Beschul- digten frei. Der Amtsanwalt legte gegen das Erkenntniß Be- rufung ein, und die zweite Instanz verurtheilte den Beschul- digten zu einer Geldstrafe von sechs Mark. Kein Hundebefitzer habe das Recht, mit seinem Hunde lediglich deshalb die Straße aufzusuchen, damit der letztere seine Nothdurft verrichte— dazu sei der Hof da! Ein großer Jrrenhansschwindel oder„Moderne Hetz- jagd auf Menschen"— so lautete der Titel einer Broschüre, welche der Kaufmann F. Draal, früher in Ottensen bei Ham- bürg, jetzt in Berlin, verfaßt und verbreitet hatte. Der Inhalt der Broschüre ist so haarsträubend, daß dieselbe s. Z. von Polizei. wegen mit Beschlag belegt worden ist. Dieselbe erzählt die Schicksale und Adenteuer, welche Herr Draal in einem bis aufs äußerste geführten Kampfe gegen eine Anzahl von Irrenärzten, die ihn ins Irrenhaus sperren wollten, sowie gegen mehrere Advokaten und Gerichtspersonen mehrere Fahre hindurch erlebt hat. Diese Frrenhausgeschichte klingt in vielen Punkten ganz unglaublich, obgleich der Verfasser wiederholt versichert, daß die- selbe durchaus wahr sei. Die Unterlage zu derselben bildet ein von dem Hamburger Advokaten Wex geführter Zivilprozeß gegen Draal, bei welchem der letztere nach seiner Behauptung eine ge- waltige Beugung seines Rechts erlebt hat. Aus diesem Prozesse erstand u. a. ein Beleidigungsprozeß des Draal gegen den Ad- vokaten Wex, in welchem der letztere verurtheilt worden ist. Der Verfasser ist dann— trotz lebhaftester Proteste seinerseits— entmündigt worden und zwar auf Antrag seiner Ehefrau und auf die Initiative seines Hausarztes, welchen er in dem Verdacht hatte, ein sträfliches Verhältniß mit seiner Ehefrau zu unterhalten. Der Angeklagte hatte sich, nachdem er seinen Verdacht durch die Geständnisse seiner Frau bestätigt glaubte, von seiner Ehefrau getrennt und derselben 5000 M. bewilligt, er scheint aber der Meinung zu leben, daß diesVerwandten seiner Ehefrau, um noch weit mehr Geld aus ihm herauszuschlagen, alle mög- lichen Mittel in Bewegung setzten und schließlich auf Grund von Gutachten des Kreisphyfilus Dr. Wallicbs in Altona, ferner des von ihm in der oben angedeuteten Weise verdächtigten Arztes Dr. Ebert in Wandsbeck, den Versuch gemacht haben, ihn ins Irrenhaus zu sperren. Draal hat sich sofort, als er vor ver Entmündigungsgefahr stand, einer Untersuchung des Ober- stabsarztes Dr. Becker unterworfen, welcher ihn für völlig ge- sund erklärte. Draal lebt nun der festen Ucbcrzeugung, daß er das Opfer einer Koalitton von Gegnern sei, welche schließlich mtt den denkbar schlauesten Mitteln, mtt Hilfe instruirter Zeugen und Personen, die ihn systematisch zu Bewciseir irgend welcher Erregtheit provoziren wollten, das Entmündigungsvcr- fahren durchgesetzt hätten. Die Gutachten, daß Draal gcistes- krank sei, waren vom Kreisphyfikus Dr. Wallichs und dann auch von einem Dr. Heidemann abgegeben und Draal wäre gewiß ins Irrenhaus gesperrt worden, wenn er nicht seinen Wohnsitz inzwischen nach Berlin verlegt und mit der Wucht eines bald Verzweifelnden gegen das ihn umschleichende Berhängniß ange- kämpft hätte. Er hatte sich hier vom Prof. Dr. Mendel und dem Frrenanstaltsdircktor Dr. Richter in Pankow nochmals auf seinen geistigen Zustanv untersuchen lassen und nach einer Beobachtungszeit von etwa sechs Wochen haben ihm Beide im Jahre 1882 sehr umfangreiche und ausführlich moti- virte Gutachten ausgestellt und bekundet, daß derselbe zwar an einer Nerven- oder Geisteskrankheit leidet, aber sich im Voll- besitz seiner geistigen Gesundheit befindet. Diese gcgenthelliaen Gutachten haben dann noch zu äußerst lebhaften schriftlichen Auseinandersetzungen zwischen Dr. Wallichs und den Doktoren Mendel und Richter geführt. Trotz dieser Meinungsoerschiedcn- heiten wurde Draal nach langem vergeblichen Kampf um seine geistige Gesundheit am 29. Juni 1883 entmündigt und zwar auf Grund der Gutachten Dr. Wallichs, Dr. Herdcmann, des Provinzial-Medizinal Kollegiums in Kiel und des Geheimen Mcdizinalraths Or. Wolff. Draal glaubte aber zu wissen, daß er gesund sei, er unterwarf sich abermals der Untersuchung zweier anerkannter psychiatrischer Kapazitäten, des Prof. Dr. Eulenbmg und Geh. Sanitätsratb Dr. Lewin in Berlin. Beide beschei- nigten ihm nach sorgfältiger Untersuchung, daß Draal völlig geiund sei und irgendwelche krankhafte Stömng der Geistes- thätigkeit bei demselben nicht vorliege. Anträge auf Aufhebung des Entmündigungsverfahrens blieben erfolglos, bis Draal seinen Wohnsitz nach Stargard in Pommern verlegte. Von dem dortigen Gericht ist nach 3�jährigem Kampfe die Ent- mündigung aufgehoben worden und zwar auf Grund eines Gut- achtens des Geh. Medizinalraths und Kreisphnsikus Dr. Goeden, Vorsitzenden des Medizinalkollegiums der Provinz Pommern. Derselbe hat begutachtet, daß Draal ein geistesgesundcr Mensch ist und hinzugefügt:„Wie man die dem Draal nachgesagten Handlungen als Gegenstand zu einer Untersuchung seines Ge- müthszusiandes, ja. zu einer Entmündigung habe verwenden können, ist mir geradezu unerfindlich." Diese Aufhebung der Entmündigung kam für Draal m rechten Zeit, denn es lag schon wieder ein Antrag des Dr. Willichs in Altona vor, Draal ins Irrenhaus zu überführen. Nachdem Draal auf diese Weise dieses Ergebniß erzielt hat, hat er seine Erlebnisse in jenen Broschüren niedergelegt, die von Beleidigungen gegen den Kreisphysikus Dr. Wallichs in Altona, den Dr. Ebert und den Amtsrichter Bähr strotzen. Letzterem wirft Draal besonders vor, daß er den Entmündigungsbeschluß in Szene gesetzt habe, ohne ihn persönlich zu dem betreffenden Termin vorzuladen. Auf den Antrag der eben genannten drei Personen ist nun gegen Draal der Strafantrag wegen Beleidigung gestellt worden und Draal hatte sich deshalb gestern vor der zweiten Strafkammer hiesigen Landgerichts I zu verantworten. Mit ihm waren sechs Personen als Drucker und Verbreiter der Broschüre angeklagt. Draal blieb gestern bei seiner in der Broschüre vertretenen Anficht stehen und hält sich für das Opfer einer Klique von Familiengcgnern, Ad- vokaten, Richtern und Aerzten, die sich nach seiner Mei« nung dazu verbunden hätten, ihn trotz völliger geistiger Gesundheit ins Irrenhaus zu sperren. Er sei bei der Heraus- gäbe der Broschüre in dem Stande der Nothwehr gewesen und habe sich in der Wahrnehmung berechtigter Interessen befunden. Geisteskrank zu sein, sei ein trauriges Loos, das Schrecklichste aber sei es, als gesunder Mensch in eine Irrenanstalt gesperrt zu werden. In dieser Gefahr habe er sich befunden. Man habe ihn verfolgt wie ein gehetztes Reh, man habe ihm nicht nur seinen Ruf, seine Ehre, sondern auch sein Vermögen geraubt und ihn finanziell und geschäftlich ruinirt. Es sei ein wahres Wunder, daß er darüber nicht wirklich verrückt geworden sei. Er habe durch seine Darlegungen klar machen wollen, daß in Bezug auf das Einsperren in Irrenanstalten noch Vieles im Argen liege; er habe das Publikum warnen und auch dem Justizministcr an die Hand geben wollen, daß das Entmün- digungswcsen nicht mehr einem einzelnen Richter überwiesen bleiben dürfe und künstig nicht auf das Gutachten eines einzigen Arztes, sondern nur auf das übereinstimmende Gutachten von fünf Aerzten Jemand für geistes- krank erklärt werden kann. Was die Beleidigung des Dr. Bär anbelangt, so habe der Justizminister in einer Verfügung vom 10. Mai 1887 ausdrücklich festgestellt» daß die persönliche Vernehmung des zu Entmündigen- den stattzufinden habe. Den Strafantrag des Dr. Ebert halte er für verspätet und bezüglich des Dr. Wallichs machte er geltend, daß derselbe ihn persönlich in seinem Gutachten, sowie in Artikeln der Vierteljahrsschrift für Medizin fortgesetzt be- schimpft und beleidigt habe. Schließlich berief er sich noch auf einige Zeugen in Altona, welche allerdings ausgesagt haben, dafc die Frau des Angeklagten ihren Aeußerungen nach das Ent- mündigungsverfahren wider besseres Wissen eingeleitet habe. Der Staatsanwalt hielt es für zweifellos, daß die Gutachten der Sachverständigen über den Geisteszustand des Angeklagten sich direkt widersprechen, daraus sei aber nicht erwiesen, daß semer Zeit die Entmündigung zu Unrecht stattgefunden. Das Ent- mündigungsverfahren sei vielmehr unter Beobachtung aller gesetz- mäßigen Formen vor sich gegangen und es habe mithin kein Grund zu den außerordentlich schweren Schmähungen und Be» lcidigungen vorgelegen. Er beantragte gegen Draal vier Monate Gefängniß, gegen die übrigen Angeklagten Geldstrafen bezw. Freisprechung. Der Gerichtshof erachtete die Erregung des An- geklagten Draal angesichts der ganzen Sachlage für sehr erklär» lich und billigte demselben den Schutz des§ 193 zu, da derselbe bei Allem, was ihm widerfahren, zu einer persönlichen Abwehr wohl befugt sei, zumal derselbe auch in seinem Vermögen schwer geschädigt worden. Mit Rückficht auf seine berechtigte Hohe Er» regung verurtheilte ihn der Gerichtshof für die schweren Be» lcidigungen zu nur 30 M., die übrigen Angeklagten zu je 20 M. Geldbuße. Ei« durch Uerösfentlichung rin-sInserata begangener grober Unfug beschäftigte am Montag die 96. Ab» theilung des Berliner Schöffengerichts. Am Abend des 4. Ja» nuar d. I. erschienen bei dem Chemiker Krüger eine sehr große Anzahl Ärbcitsleute und desgl. Burschen, um auf die im„In- telligenzblatt" von demselben Tage offerirten Stellen zu reflek- tiren. Krüger brauchte weder Leute, noch hatte er von dem an- geblichen Inserat eine Ahnung; er wies daher die erscheinenden Leute, die ob dieser Auskunft sehr ausfällig wurden, zurück. Der größte Theil der Zurückgewiesenen sammelte sich auf dem Hofe an und ergingen sich dort unter Vorlegung des betreffen» den„Jntelligenzblatt" in heftigen, spöttischen Bemerkungen gegen Krüger, der m so frivoler Weise arme Arbeiter zum Besten halte. Nur mit Mühe gelang es den Hausbewohnern, die angeführten Arbeiter aus dem Hofe und Hause zu entfernen. Die Vizewirthsleute lenkten den Verdacht sofort auf den Schlosser» meister und Eigenthümer Paul, bei dem Krüger bis zum 1. Oktober v. I. gewohnt hatte; denn dieser sei öfter zu ihnen Sekommen, um dem Krüger Uebles nachzureden. In der That nd zwischen beiden wegen des Auszuges des Krüger Differenzen entstanden, und das von der Expcdttion des„Jntelligenblatt" eingeforderte Manuskript des qu. Inserats ergab, daß die Hand» schrift mit der des Paul identisch sei. Derselbe stellte vor Ge» richt zwar entrüstet den Koup in Abrede und meinte, daß wohk- irgcnd Jemand seine Handschrift nachgeahmt haben werde, um ihm Unannehmlichkeiten zu bereiten. Der Amtsanwatt beantragte Ladung eines Schreibsachverständigen, der Gerichtshof erachtete dieselbe für überflüssig, da seine Mitglieder die Identität der Handschrift selber festzustellen in der Lage waren. Der An- geklagte wurde deshalb zu 10 Mark eventuell 2 Tagen Haft verurtheilt. Ein Tobfiichtiaer vor Erricht. Pest, 2. März. Georg Böppcrl, 36 Jahre alt, der versuchten vorsätzlichen Tödtung und schweren körperlichen Verletzung angeklagt, stand heute vor dem Gerichtshofe, Böpperl hat im Mai vorigen Jahres seiner Kon- kubinc, namens Straub, mit einem Messer die Nase abge- schnitten, weil letztere nach einem jüngeren Burschen sah. Bäpperl hat übrigens schon längere Zeit in der Beobachtungs- anstatt zugebracht. Dahin gelangte er auf folgende Weise: Im Jahre 1883 wurde er in der Nähe von Graz wegen Subststenz- losigkeit aufgegriffen und in Haft genommen, weil er einen ihn eskortirenden Gendarmen beschimpfte. Da ihm die Kost schlecht mundete und er bei den Gefängnißwächtern diesbezüglich kein Gehör fand, zündete er das Gebäude des Grazer Landes- gcrichts an. Hierauf wurde Böpperl in die Heilanstalt von Prof. Krafst-Ebing zur ärztlichen Behandlung übergeben. Prof. Krafft Ebing konstatirte epileptische Anfälle, die eine zeit- weise Geistesstörung verursachen. In der heutigen Schluß- Verhandlung antwortete der Angeschuldigte gelassen auf die an ihn gerichteten Fragen und erst als die ehemalige Konkubine von den Mißhandlungen erzählte, die sie zu erdulden hatte» ward der eingeklagte blutroth, schleuderte der Zeugin halblaut ein Schimpfwort zu, wofür er vom Vorsitzenden zurechtgewiesen wurde. Noch einmal bemühte sich Böppcrl, sich zu beherrschen» doch als die Straub in ihren Erzählungen fortfuhr, rannte er bis zum äußersten Ende des Saales und stieß mit aller Kraft den Kopf an die Wand. Im nächsten Moment hatte ihn der Wächter erfaßt und zurückgeführt. Einen Augenblick lang er» schien es, als hätte Böpperl sich beruhigt, doch war diese Ruhe nur eine scheinbare, denn er näherte sich plötzlich dem Fenster und wollte sich vom ersten Stockwerk hinabstürzen. Selbstver- ständlich wurde er auch an diesem Vorhaben verhindert. Nun- mehr beschloß der Gerichtshof, die Verhandlung zu vertagen und den Geisteszustand des Angeklagten ärztlich untersuchen zu lassen. Mir«, 1. März.(Der Lotterieteufel.) Das tragische Ende der Schwestern Julie und Anna Bayer, die, wie bekannt, ge- meinsam ihr Leben durch Selbstmord in dem Mödlinger Mühl- graben beschlossen, fand heute ein bewegtes Nachspiel vor dem Erkermtnißgerichte unter Vorsitz des Landcsgerichtsrathes Preiß. Die Mutter der beiden unglücklichen Mädchen, die 65 jährige Barbara Bayer, deren unseliger Hang zunr Lottospiele die ältere Tochter Jrrlie zur Diebin gemacht und ihre beiden Kinder in den Tod getrieben hatte, erschien nämlich wegen Mitschuld und Thcilnahme an dem Verbrechen der Veruntreuung angeklagt. Tie Angeklagte, welche körperlich ganz gebrochen ist, durfte ihre Aussagen sitzend abgeben und that dies in leisen und mühsam vorgebrachten, theilweise unzusammcnhängendcn Sätzen. Sie ist so recht ein Bild des Jammers und zugleich ein warnendes Beispiel für alle Lotterieschwestern beiderlei Geschlechtes. Barbara Bayer wurde in Prag als die Tochter eines Gastwirthes ge- deren, später aber von der Familie verstoßen, weil sie ein Ver- hältniß mit einem Apotheker eingegangen war, dem ein Sohn und die obenerwähnten beiden Töchter entsprossen.— Der Ge- richtshof verurtheilte die Angeklagte zur Kerkerstrafe in der Dauer von sechs Monaten. Gntschridnngen des Reichsgericht«.(Nachdruck ver- boten.) Leipzig, 1. März.(Vom Trucksystem.) Die Gewerbe- ordnung schreibt bekanntlich in§ 115 vor, daß der Gewerbe- treidende seinen Arbeitern die Löhne baar in Rcichswäbmng auszuzahlen hat und ihnen keine Waaren kreditiren darf. Durch diese Bestimniung soll der wucherischen Ausbeutung der Arbeiter vorgebeugt werden, aber es gelingt nicht immer. Die Korb- macher des Thüringer Waldes können hiervon ein trauriges Lied fingen, denn fie kommen nie auf einen grünen Zweig. Wird an und für sich das Korbflechten, welches dort für viele Familien der einzige Erwerbszweig ist, schon sehr schlecht be- zahlt, so werden obendrein die hilflosen Arbeiter von den Agenten oder Unternehmern in einer Art von Sklaverei dadurch geyalten, daß ihnen von denselben das Rohmaterial für die Arbeit geliefert wird sowie auch alles das, was zum Leben nöthig ist. Letzteies ist zwar ganz schön und von der Gewerbe- ordnung ausdrücklich gestattet, jedoch nur unter der Bedingung, daß die Nahrungsmittel zum Selbstkostenpreise geliefert werden. Zu solcher Menschenfreundlichkeit können sich aber nur wenige „Arbeitgeber" aufschwingen, und der beste Beweis dafür, daß sie ihre Arbeiter doppelt ausnutzen wollen, liegt darin, daß sie drohen, den Arbeitern die Arbeit zu entziehen, wenn fie die Nah- rungsmittel nicht mehr bei ihnen entnehmen wollen. Sobald solche Zustände zur Kenntniß der Strafbehördc kommen, wird natürlich gegen die Gesetzesübcrtreter eingeschritten und es wer- den ihnen Geldstrafen bis zu 300 M. auferlegt; aber oft findet fich für fie noch eine Hinterthür, durch welche fie der Gcrechtig- keit entschlüpfen, wie ein kürzlich vor dem 3. Strafsenat des Reichsgerichts verhandelten Fall beweist. Der Spezerei- und Korbhändler Eduard Bemhard Karl Schmidt in Fürth am Berg war von der Strafkammer beim Amtsgericht Koburg zu 170 M. Geldstrafe verurthcilt worden, weil er in den letzten drei Jahren an 17 verschiedene Personen, sogenannte Heim- arbeiten, Waaren zu höherem als Selbstkostenpreise auf Kredit geliefert und Körbe dafür in Zahlung genommen hatte. Nun hat zwar das Reichsgericht in einer Reihe von Fällen ent- schieden, daß unter Heimarbeitern im Sinne des§ 119,2 der Gewerbeordnung auch solche Personen zu vcrstehn find, welche auf eigene Rechnung arbeiten, aber das Reichsgericht gab doch in diesem Falle der Revision des Angeklagten Folge und hob das Urtheil auf, weil nicht festgestellt sei, daß ein dauerndes Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeiter bestanden habe. Verworfen wurden dieser Tage vom vierten Strafsenat des Reichsgerichts die Revisionen des vom Landgericht Bcuthen wegen Verleitung zum Meineid verurtheilten Hausbesitzers Bialek, des vom gleichen Gericht wegen widernatürlicher Unzucht verurtheilten Fleischers Piwowar, der vom Landgerichte Breslau wegen Kuppelei verurtheilten Konditorsfrau Haude, des vom Landgericht Glogau wegen fahrlässiger Körperverletzung ver- urtheflten Fleischermeisters Schmidt, des vom gleichen Gerichte wegen Betrugs verurtheilten Fleischermeisters Tripke, der vom Landgerichte Breslau wegen Abgabe einer falschen cidcsstatt- lichen Versicherung verurtheilten Schncidersehefrau Gerlich; dagegen wurden vom selben Senate aufgehoben die Urtheile des Landgerichts Breslau gegen den früheren Gerichtsvollzieher Pelz (Vergehen im Amte) und des Landgerichts Gleiwitz gegen die Witlwe Oehr(Wucher).— Der erste Strafsenat verwarf ani 1. März die Revisionen des wegen Uutcrschlagung verurtheilten Agenten Philipp Schmitz in Köln und des wegen Konkursver- gehens verurtheilten Malzfabrikanten Heinrich Aslach in Ehren- feld-Köln, ferner die Revision des wegen Bankerotts vemrthcilten Kaufmanns Bernhard Schülein in München. Uereine und Uersammwngen. Der Herein zur Wahrung der Interessen der Klavierardeiter hielt am 3. d. M. eine gut besuchte General- Versammlung ab. Nach einigen geschäftlichen Mitthcilungen verlas der Kassirer die Abrechnung vom Kommers, welche einen Ueberschuß von 97 M. ergab, welche Summe dem Kranken» Unterstützungs'onds überwiesen wurde. Sodann erstattete der Referent der Statuten- Revisionskommission, Herr Sparfcld, den Bericht über die Abänderungen des Statuts. Eine lebhafte Diskussion entscann fich über den von der Kommission vorge- legten Entwurf, insbesondere über den Namen des Vereins. Die Kommission schlug folgenden Namen vor:„Verein zur Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter(Mechanik- und Klaviaturarbeiter) und verwandter Berufsgenossen." Herr Schmidt beantragte, den Verein künftig„Fachverein ver Klavier- arbeiter und Berufsaenoffen" zu nennen. Der Antragsteller führte aus, daß der Name, wie ihn die Kommission vorschlägt, zu lau sei und daß zu den in Paranthesen angeführten ver- wandten Berufen unbedingt noch andere gehören. Schließlich wurde der Kommissionsantrag mit Streichung der in Parenthese angeführten Worte angenommen. Ueder den Antrag, eine Kommission zur Prüfung von Rechtsstreitigkciten zu wählen, wurde längere Zeit debattirt und der Antrag schließlich ange- nommen. Bei§ 7 angelangt, wurde Vertagung der Statuten- berathung beschloffen. Nachdem mehrere Kran kenunterstützungcn bewilligt waren und der Antrag, ein Sommerfest bei Keller (tzasenhaide) abzuhalten, abgelehnt war, schloß der Vorfitzende, Herr Hahn, die Versammlung. Grts-Krankrnkasse der Tischler und Pianoforte- Arbeiter. Den Milgliedern zur Nachricht, daß die zu Sonn- tag, den II. März, beabsichtigte Versammlung Umstände halber ausfällt. Dafür findet am Sonntag, den 18. Män, eine Versammlung statt mit der Tagesordnung: Die drei Tage Karenz- zeit(§ 13 AI. 2 des Statuts). Näheres wird durch Inserat bekannt gemacht. Verband deutscher Zimmerleute Lokal- Verband „Berltn-Nord". Mittwoch, den 7. d. M., Abends 8% Uhr, in Zimmcrmann's Gesellschastshaus, Cöslinerstr. 17, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über West-Afrika mit optisch-bild- lichen Vorstellungen. 2. Anträge zum Handwerkstag und Vor- schlage zur Delegirtenwahl. 3. Verschiedenes und Fragekasten. — Neue Mitglieder werden aufgenommen.— Gäste find willkommen. Vereinigung der deutsche« Kchmiede. Heute, Dienstag, Abends 8% Uhr, Versammlung in Mundt'S Lokal, Köpnickerstr. 100. Tagesordnung: 1. Welche Vortheile bringt die„Vereinigung" den Berliner Schmiedegesellen? 2. Gewerk- schaftliches.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gesfentltche Versammlung der Lackirermeister und «ehilfeu heute, Dienstag, Abends 8t Uhr, in Jordan's Lokal, Neue Grünstr. 23. Tagesordnung: Stellungnahme zu dem von der Kommission ausgearbeiteten Tarif. Geff«ntlicher Kortrag. Heute, Dienstag, Abends 8& Uhr, hält Herr Cr. med. Sturm im Saale des karh. Vereinshauses, Niederwallstt. 11, einen Vortrag über„Die sanitären Ursachen der unglücklichen Ehen." Damen und Herren haben Zutritt. Zentral- Kranken-«nd Kterbekasse de« Deutschen Senefelder Kunde«(E. H), Verwaltungsstelle Berlin. Heute, Abends 8 Uhr, im Restaurant Weick, Asixanderstr. 31, Mitglieder- und Verwaltungsversammlung. Tagesordnung: Rechenschaftsbericht pro rV. Quartal 1887 und Neuwahl der Verwaltung. Nerei« zur Uuterstuiznug erkrankter snd vernn- gluchter Mitglieder der Maurer im Messe» Kerlius. Heute, Dienstag, Abends 8 Uhr, in RcnnefahN's Salon, Denne- witzstr. 13, Mitgliederversammlung. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht werden. Grtskraukrnkasse der Zigarrenmacher rte. General- Versammlung am Mittwoch, den 7. März, Abends 8 Uhr, Gypsstr. 11. Tagesordnung: Vorlegung des Jahresberichts. Bericht der Kommission zur Prüfung der Jahresrechnung. Statutenänderung§ 24. Anträge. Nereiniguug der Drechsler Deutschland«. Ortsver- waltung Berlin I.(Stockarbeiter.) Heute, Dienstag, Abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung in den„Ärminhallen", Kom- mandantenstr. 20. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Kassenbericht. 3. Die beendeten Arbeitseinstellungen in unserer Branche; ihre Ursachen und Folgen. 4. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen. «auverein Hrrliner Hildhauer. Heute, Dienstag, den 6. März, Abends 8i Uhr, in Sahm's Lokal, Annenstr. 16, Vortrag des Herrn Prof. Dr. Paulus Cassel über„die Hamlet- sage". Neue Mitglieder werden aufgenommen. Seffentliche Versammlung vom Arbeitsnachweis der Zimmerer Kerlin» heute, Dienstag, Abends 8 Uhr, im Neuen Klubhaus, Kommandantenstraße 71—72(unterer Saal). Tagcs-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal. 2. Neuwahl des Bureauvorstehers. 3. Innere Angelegenheiten deS Nach- weises. Der Ausschuß des Roller'sche« Ktenographen- Kunde« z« Kerlin wählte in seiner Sitzung am Montag zum Präsidenten Herrn Ad. Müller vom Berliner Central-Verein, zum Schriftführer und Archivar Herrn Wilh. Krusemark vom Verein„Zukunft" und zum Kassirer Herrn Karl Matz vom Verein„Louiscnstadt". Der Bund hält seine diesmalige Sitzung am Dienstag, den 6. März, Abends 8% Uhr, im Restaurant Lehmann, Raunynstr. 44, ab. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Karl Sack über Methodik des stenographischen Unterrichts. 2. �Bericht über die Konstituirung des Bundes- Ausschuffes. 3. Verschiedenes. Gesang-, Turn-«nd gesellige Vereine am Dienstag, Gesangverein„Gutenberg" Abends 8', Uhr im Restaurani Quandt, Stralaucrstraßc 43.— Gesangverein„Alpenglühen" Abends 9 Uhr im Restaurant Hildcbrandt, Prinzcnstraße 97.— Schäfcr'scher„Gesangverein der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf und Krüger, Skalitzerstraßc 126, Gesang.— Männer- gcsangverein„Gartenlaube" Abends 9 Uhr im Restaurant Firl, Kottbuserstraße 22.— Männemcsangvcrein„Steinnelke" Abends 9 Uhr im Restaurant Schulz, Stcttinerstraße 56—57.— Gesangverein„Schwungrad" Abends 8'/, Uhr Anncnstraße 16, im Restaurant Sahm.— Gesangverein„Sängerhain" Abends 9 Uhr im Rest. Kaiser Franz Grcnadicrpl. 7.— Gesangverein„Hoffnung Moabit Abends 3'/, Uhr Wilsnackcrstraßc 63, im Rcstauranl Jlges.— Gesangverein„Felicitas" Abends 9 Uhr im Restaurant Nebelin, Langestr. 108.— Männergesangverein„Accordia", Abends 9 Uhr, bei Bradcmann, Markusstraße 7.— Zitherklub .Nimphion". Abends 9 Uhr, in Triebel's Restaurant, Hoher Steinweg 15.— Turnverein„Froh und Frei"(Männer- abtheilung) Abends 8'/, Uhr Bergstraße Nr. 57.— Berliner Turngenosscnschaft(v. Männerabthcilung) Abends 81/» Uhr in der städtischen Tumhalle, Wasserthor- praße Nr. 31.— Turnverein„Hasenhaide"(Männer- Abtheilung) Abends 3 Uhr Dicffenbachstraße Nr. 60/61. — Rauchklub„Deutsche Flagge" Abends 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelstr. 11.— Verein ehemaliger Schüler der 37. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Kinner. Köpnickerstraße 68.— Verein ehemaliger Schüler der 44. Ge- mcindcschule Abends 9 Uhr im Restaurant„Albrechtsgarten", Wilhelmstraße Nr. 105.— Arends'schcr Stenographen- Verein „Apollobund" Abends 3'. Uhr Bninnenstraße 129— Arends- scher Stenographen-Verein Abends 8'/, Uhr im Restaurant„Zunt eifemen Kreuz", Lindenstr. 71.—„Deutscher Verein Arcndssscher Stenographen Abends 8', Uhr in Randcl's Restaurant, Brunnen- straße 129?.— Verein„Rose" Abends 8'/, Uhr im Restaurant Eltze, Alexandrinenstraße 99.— Vcrgnügungsverein„Mollig" Abends 9 Uhr iin Restaurant Reimcke, Gipsstraße 3, jeden Dienstag nach dem 1. und 15.— Rauchklub„Zum Wrangel" Abends 8 Uhr bei Blocksdorf, Wrangelstr. 32. Kieme WittheUungen. Ascheosleke», 2. März.(Unglück im Schacht.) Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich in vergangener Nacht auf Schacht 1 1. des hiesigen Kaliwerkes. Als der Drittelführer Kleine in einem Kübel einfahren wollte, setzte letzterer, wie nian hört, auf ein Stück Holz auf und K. stürzte infolge des Stoßes etwa 200 Meter tief in den Schacht hinab. Furchtbar zerschmettert fand man ihn unten als Leiche. Es wird erzählt, Kleine habe die Seite des Schachtes, auf welcher eingefahren werden sollte, selbst fahrbar gemacht, nachdem dieselbe wegen Arbeiten an den Pumpen am Tage nicht befahren war, und habe dabei wahr- scheinlich das betreffende Stück Holz übersehen. Dt.-Eytan, 28. Februar. Das Blaken einer Petroleum- lawpc hat zwei Menschen den Tod gebracht. Wie dem„Ges." von hier gemeldet wird, haben in der Nacht zum Montag die Gattin des Töpfermeisters Gilgenast und dessen Tochter da- durch ihr Leben verloren, daß vor dem Schlafengehen eine im Schlafzimmer brennende Petroleumlampe halb herabgeschraubt wurde und nun während der Nacht das ganze Schlafzimmer mit dichtem Qualm anfüllte. Der Ehemann G. soll ebenfalls bedenklich darniederliegen. Thstr«, 4. März. Der Verkehr auf den durchgehenden Strecken Thorn-Allcnstein und Thorn- Marienburg ist durch Schneeverwehungen unterbrochen. Die Unterbrechung wird vor- ausfichtlich noch über 6 Stunden dauern. Kromberg, 5. März. Die Bahnstrecke Bromberg bis Dirschau ist wieder frei. Kamburg, 4. Man. Der Postdampfer„Rugia" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Akticngesellschaft ist, von Hamburg kommend, gestern Nachmittag 5 Uhr in New- Kork ein- getroffen. Kambnrg, 5. März. Die Postdampfer„Lessing" und „Saxonia" der Hamburg- Amenkanischen Packetfahrt- Aktien- gesellschaft haben heute früh, ersterer von New-Nork, letzterer von Westindicn kommend, Lizard passirt. Elberfeld, 29. Februar.(Städtische Elektrizitätswerke.) Wenn nicht andere Städte fich sehr daran halten, wird unsere Schwesterstadt Barmen die zweite deutsche Stadt fein, welche, dem im vorigen Jahre von Elberfeld gegebenen Beispiele fol- gend, mit einer ausschließlich auf Kosten der Stadt erbauten und für städtische Rechnung betriebenen Zentralstation für elektri- sche Beleuchtung aukzuwatten hat. Der seit längerer Zeit vor- bereitete Entwurf ist bereits so weit gediehen, daß, nachdem in der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung über den Ankauf eines geeigneten Grundstückes Beschluß gefaßt wor- den ist, mit seiner Ausführung in der allernächsten Zeit wird be- gönnen werden können. Auch für Barmen, in dessen Haushalt die Einnahmen aus der städtischen Gasfabrik dieselbe große Rolle spielen wie in demjenigen Elberfelds, war wohl in erster Linie die Erwägung maßgebend, daß die Stadt fich nicht der Gefahr aussetzen dürfe, bei fortschreitender Verbreitung des elektrischen Lichtes das Beleuchtungsgcschäft eines Tages den städtischen Händen entschlüpft zu seben. In dieser Beziehung ist ubngens in Elberfeld, wo die Elektrizitätswerke seit dem November v. I. in Betrieb find, die Erfahrung gemacht worden. daß trotz der bisher in Gebrauch befindlichen 3023 elektrischen Lampen, eine Abnahme des Gaskonsumcs noch nicht zu merken war. Die Anzahl der an die Zentralstation angeschlossenen Lampen durfte bis zum Herbst dieses Jahres auf 3500 anae- wachsen sein, und in dem Etat für das Jahr 1888—89 hat schon ein Ueberschuß von 22000 M. vorgesehen werden — In Berlin zieht man es vor, derartige Ueberschüffe Tasche der Aktionäre fließen zu lassen. Prss, 3. März.(Thcaterbrand.) Die Theati mehren sich in diesem Jahre in auffallender Weise. Jassy tetegraphisch gemeldet wird, ist gestern Abends tige Nationaltheater ein Raub der Flammen geworden Dekorationen und die Garderobe wurden total einj' Ein Verlust von Menschenleben ist nicht zu beklagen. Triess, 29. Februar.(Ein Opfer seines Berufes.! furchtbaren Bora, die seit drei Tagen in unserer Stadt ist gestem ein Menschenleben zum Opfer gefallen. Weichensteller Johann Steterer Abends 7; Uhr seine auf der Herbeljebahn beging, wurde er plötzlich vom© faßt und unter die Räder des eben heranbrausenden P zuges geschleudert. Der Unglückliche hinterläßt eine zl Familie. Triess, 4. März. Der Lloyddampfer„Achille" iß früh mit der ostindischen Post aus Alexandrien hier troffen. London, 27. Februar.(Von der Stanley. Ei Der Sekretär des Emin-Unterstützungskomitees, G. S.' erklärt in einer Zuschrift an die Blätter, daß nach einer aus Sansibar eingetroffenen Depesche die letzten Nachri$ Emin Pascha bis zum 3. September v. I. reichen. Bis hatte derselbe keine direkte Verbindung mit Stanley. daher Stanley Mitte September mit Emin Pascha zuß gekommen sei, so könnte eine Nachricht hierüber nicht füL Ende dieses oder zu Anfang des nächsten Moni» Sanfibar eintreffen. Wenn Stanley aber die von einem Agenten des Komitees, gesandten Boten benütze- erst Ende April Nachricht von ihm eintreffen. Stokck Uganda am 6. November auf dem Wege nach Wadeis lassen, um eine Karawane mit Rcservegütern für Stanlet Msallale zu befördern und dort Instruktionen von St erwarten. Daß letzterer nach Khartum gegangen sei, wäul unwahrscheinlich. rU% ber' R»M-Nork» 27. Februar.(Schiffsunfälle.) Ein � i«« jn Unglück ereignete sich in Süd-Villejo, Kalifornien. Kamill» k Passagieren gefülltes Dampsboot fuhr über den Fluß, � Kessel explodiüe. Sieben Personen wurden auf der j J J, k tödtet und viele erlitten schivere Verletzungen. Es befand«« harte 70 Personen an Bord, zumeist Arbeiter. Die Explosion- dran hij nete fich gerade, als das Schiff die Werfte verließ. Als«- der einsl Material für den Kessel diente Petroleum, welches in BrM cht den ki ricth, und in wenigen Augenblicken ergriffen die Flamin«« ju nur das ganze Schiff, sondern auch die Werfte. Ehe de« bie glücklichen an Bord Hilfe geleistet werden konnte, brann« � J Boot bis zum Wasserspiegel nieder und sank. Viele der gx. JP defanden sich in der Kajüte, als das Schiff unterging.%% � '' Cunarddampfcr„Umbria" si«? nach täglich viey Einze (ü heute hier angekommenen e efflOI hat. viitt iWi heich Sonnabend ein Unfall zu. Eine mächtige Woa über das Schiff, wodurch eine Kajüten- unvzwei Zwis Passagiere mehr oder weniger erhebliche Verletzungen trugen. Uenl-Nork, 28. Februar.(Theaterbrand.) Das Square Theater, welches, wie bereits kurz gemeldet, dM« Feuerbrunst zerstört worden ist, war im Jahre 1871 er! ist stets als eine„Feuerfalle" angesehen worden. Es ß mitten eines.Häuserkomplcxes, war auf drei Seiten mit Gebäuden verbunden und hatte sehr mangelhafte A> Der Zuschauerraum faßte 1200 Personen. Das Feuer 1 Uhr Nachmittags aus, als Niemand im Theater i verbreitete fich schnell nach dem anstoßenden Dtorto» Hotel, dessen 5. Stock zerstört wurde. Die Insassen geriethen in große Aufregung, konnten sich jedoch retten. Die Feuerwehr arbeitete verzweifelt, um dl tung des Feuers zu verhindern, und in ihrem Eifer., sechs Feuerwehrleute zu lange auf einer Treppe, wel»Nfi»»nste menbrach, so daß die Feuerwehrleute unter die b'" Ruinen stürzten. Während die Schwerverletzten Hospital gebracht wurden, fielen zwei derselben aus b««'' fahrenden Ambulanzwagen, dessen Achse gebrock«� 15 Feuerspritzen waren zu gleicher Zeit in Thätigkert. geheure Menschenmenge sammelte sich auf dem S« Manche entgingen nur mit Mühe Verletzungen durch welche die aufgeregten Insassen des Hotels aus den desselben warfen. Eine Zeit lang war auch das in befindliche Star-Theater bedroht, wo sich die werthvollen Henry Jrving's befanden, welche in größter Eile fr wurden. Der Schaden wird sehr verschieden, von 250000 Dollars, geschätzt. W N vi«. m i# Telegraphische Depesche� (Wolff's Telegraphen-Bureau.),. Kerlin, Montag, 5. März. Der Bundcsrath W heutigen Sitzung dem Ausschußbcrichte über den Gel«" wegen Feststellung eines Nachtrages zum RcichShausr für das Etatsjahr 1888 89 zugestimmt. ,,. Grrifenberg, Montag, 5. März. Das amtliw� der Reichstagsersaywahl im siebenten Wahlkreise des■ Stettin ergiebt: Im Ganzen wurden abgegeben i davon entfallen 5597 St. auf den Stadtsyndikus oos Dr. Kohli(dfr.), und 5375 St. auf den Major a. D- zu Hoff(d.-k.). Der erstere ist mithin gewählt. Dresden. Montag, 6. März. Durch ein deN�,, zugegangenes Dekret ist der Landtagsschluß auf den � festgesetzt. Chemnitz, Montag. 5. März. Auf der Strecke Borna-L-ipzia fehlen infolge von Schneeverwehungen 1«� Abend alle Züge von und nach Leipzig. j Altona, Montag, 5. März. Betrieb auf Stres« � Meyenburg des diesseitigen Eisenbahndircktionsbezir«� großer Schneeverwehungen voraussichtlich auf mehrere möglich._ Kr-mberg, Montag, 5. März. Ter durch artigen Schneesturm am Sonnabend unterbrochene den Hauptlincn der Eisenbahndirektion Bromberg>1' ,.�' nähme der Strecke Stolp-Danzig, welche vorausst«»| frei wird, wieder hergestellt.„„»tei� München. Montag. 5. März. Die Abgeordnet j hat heute den Gesetzentwurf, betr. die Ausführung}lltj bahnerweiterungs- und Neubauten, mit einem Betrag. 6% Millionen nach den Ausschußanträgen einstimmig* Oy.< % # JlCpll '�4 Krieslmsten der Kedakti�' nf w Sprechstunden der Redaktion nur von 1S-1 Uhr Mittags«nd 7-8 W*.. Bei Anfragen bitten wir die Abonnements-Quittung beizufüß� n l Antwort wird nicht ertheilt. 1? � � , Lachmaunstrasse. Soviel wir wisi«�' i treffende bei der„New-Norker Volkszeitung 0 schäftigt. Zwei Wettende. Erkundigen Sie fich. der früheren Markthalle in der Karlstraße. wir auch thun, um Ihre Stteitfrage entscheiden »nd£. 1 Rubel- 100 Kopeken Ap s. sogenannte Silberrubel ist PaP'j Är ---" feit sind � 3,24 M. Der............ hier z. Z. ungefähr 1,65 M 100 Kopeken find 4. r j . St- K. Eignet fich nicht zur Beantworw� Bnefkastcn. � U' K* rKtafldfbnyg, Fragen Sie an, vielleicht können Sie sich das holen. :Cn «tl beim Blatt gOilß Verantwortlicher Redakteur: L- Crouhrt« in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kadwg in Berlin SW., Beuttsslr k 2