Dienstag, den 13. Marz 1888. 5. K»Nr» and, 4 3 mwi M.-»>' rnram* ten Mod» tantin»? ilie«. ironpri� 't% Drgan für die Interessen der Arbeiter. _ Da»„Berliner VolkSblatt« Meint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. WonnementspreiS für Berlin frei 7�.haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mari, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement Mmt. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. fWIlM(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.) Jnsertionsaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 26 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittag» m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonceir-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. lften Abreise" bst FcnM' ::::!§o,i«ivoiitut? . � Tjj.Wir haben nun schon zur Genüge die Versicherung von zeige«�beiien unserer leitenden Staatsmänner vernommen, daß ** gut, sehr gut mit den Arbeitern meinen und daß sie nur aus diesem Grunde überhaupt Sozialpolitik treiben. �'eptiker wie wir sind, lasten wir uns natürlich nicht mit Korten abspeisen, sondern wollen auch Thaten sehen, und funen wir immer, die Regierung hätte am besten Ge- fljheit, ihre Arbeiterfreundlichkeit zu beweisen da, wo sie si als Unternehmer auftritt, oder auf die Unternehmer ... j»,.ßuß hat. Man wird sich erinnern, daß bei der Be- ii 10 des Nordostsee-Kanals im Reichstage ch mu I Antens der Arbeitervertteter verlangt wurde, die Y,„art/nnS'�ug möge, wenn sie die Arbeiten Redaktio«: Keuthstraße 3.— G»pri>iti»n: Zimmrrpr«ße 44. große, � ade im ein. baltiges allen iden, Entnahme mkerstr. cht-. s, Bs r billh >el u. ige. ans ih'yi aufsch'-ÄI bis sc. Jj iftei c# wenn ste tue Aroeuen an vergeben wolle, mit diesen Unter- Verträge über Lohnhöhe, Arbeitszeit u. f. w. schließen. Herr v. Bottich er gab zunächst eine aus- ■chende Antwort. Nachttäglich schien es, als wolle man Sache einmal anders in die Hand nehmen, als sonst derartigen Gelegenheiten der Brauch war. Die kaiser- Kanalkommission hat in der That eine Menge von Schriften erlassen, welche von Unternehmern und Ar- lern beim Kanalbau zu befolgen sind. Wenn man diese Schriften durchliest, so könnte man glauben, Acker- . a n n oder Kleist-Retzow hätten sie entworfen. Sie Md äußerst charakteristisch, weil man doch annehmen darf, die Regierungskreise darin dokumentirt haben, wie sie dch eine ihren humanen Intentionen entsprechende BeHand- ""l des Arbeiters denken. Wir heben aus den Vor- isien diejenigen hervor, die uns am bedeutsamsten er- heißt es u. A.: Unb Lauschen Arbeitern ist bei sonst gleichen Eigenschaften ZW wwngen vor fremdländischen der Vorzug zu geben. tj-. anarchistisch en und s o z i a l d e m o k r a- '.�n Partei angehörende oder ihren Be- Übungen Vorschub leistende Arbeiter dürfen beim Kanal- U nicht beschäftigt werden. Mit jedem Arbeiter ist ein . ,, ur| Anderer Vertrag abzuschließen. Jeder Arbeiter er- ein Arbeitsbuch. Ueber Einrichtung und Ge- i�ver M 4 sind genaue Bestimmungen gegeben. Die Eintragung '» llrthei» über die Führung und die Leistungen des Deiters in das Arbeitsbuch darf nur auf Antrag des rkaufcn, ,.kb eiterS geschehen. Ferner sind sehr genaue Vor- Veiten für die Lösung des Arbeitsverhältnisses gegeben; '. i» �nter findet sich auch die, daß Arbeiter ohne Äh�llündigung entlassen werden können, i sie der anarchistischen oder sozial« akratischen Partei sich zuwenden oder ü II#*' paratur� ÄZ i "4 Jeuilreton. *•'«»cht, Der Erbe« [60 »wloto».) Roma» oo» Friedrich Gerstäcker. d. ist eine traurige Thatsache in der Welt, daß eine Zunge oft so viel Unheil anrichten kann. Wenn "Xi�en, kurzsichtigen Menschenkinder nur überhaupt immer n:,a8 uns zum Unheil oder zum Heil gereicht! Seit rä wir für ein Glück, was sich in späterer hj uls unfern größten Fluch herausstellt, und dann sehen ton n Himmel nur mit schwarzen, drohenden Wolken um- lack?' n'enn dahinter schon die helle, freundliche Sonne nur auf den Moment wartet, wo sie das düstere � wölk durchbrechen und unseren Pfad mit ihren lieben Zahlen erhellen soll. ein"Ach, liebe Frau Meisterin," sagte die kleine, förmlich (j»?s�ocknete Frau, indem sie wie ein Wiesel zur Thür her- (j'Xstüpfte, das Schloß eindrückte und sich dann gleich auf ttitt■' stehende Fußbank niederkauerte,„erschrecken Sie L. Jstcht; aber erfahren müsten Sie es ja doch einmal, und L Unglück, ach Du liebes Gottchen, das Unglück!" Und kr Schneiders frau zog ihre Schürze über's Gesicht und chjte laut. tzn„"Hören Sie einmal, Frau Volkert," sagte die Frau h��ann,„wenn Sie mir etwas Bestimmtes mitzutheilen "'cht' f0 lhun Sie es; aber schneiden Sie mir das Herz iinsj Nacheinander in kleinen Stücken ab. Mir ist so angst % n,e� sienug zu Sinn, machen Sie's nicht noch ärger, h>>o ich erfahren muß, je eher, desto besser, denn die W. �heit nimmt einem sonst noch das bischen Verstand fort." Hü''Ach. das Fritzchen, das Fritzchen," klagte die arme kqß Krau,„nein, daß er auch so'was nur thun konnte, 5w,? auch so'was nur thun konnte— und so braver Kind, so braver Leutchen Kind!" "Aber Sie glauben doch nicht etwa, daß mein Fritz die die Gesinnungen dieser Parteien unter ihren Mitarbeitern zu verbreiten oder den Bestrebungen derselben Vorschub zu [eisten suchen. Zeder beim Kanalbau zu beschäftigende Arbeiter hat an der Kopfbedeckung ein Blechschild mit der Aufschrift X. A.(Kanalarbeiter) jeder Zeit sichtbar zu tragen. Die tägliche Arbeitszeit ist durch die Kanalkom- Mission festzusetzen. Nachtarbeit darf nur mit Genehmigung der Kanalkommission stattfinden. An Sonn- und Festtagen dürfen bei dem Kanalbau nur dringliche Reparatur- und sonstige unaufschiebbare Arbeiten vorgenommen werden. Die Lohnzahlung ist so einzurichten, daß ein Lohnde trag für einige Tage zum Zweck etwaiger dem Arbeiter bei der Entlassung zu machender Abzüge einbehalten wird. Arbeiter, welche einen Familien- Hausstand mit sich führen, haben für ihr Unterkommen und ihre Verpflegung selbst Sorge zu tragen. Alle anderen Arbeiter sind verpflichtet, in den von der Bauverwaltung errichteten Baracken zu wohnen und wenigstens an dem dort verabreichten Mittagessen Theil zu nehmen. Für Woh- nung und Mittagessen ist von jedem Arbeiter der von der Kanalkommission nach Maßgabe der Selbstkosten festzusetzende Preis zu entrichten. Jeder Arbeiter ist berechtigt und auf eine an ihn ergehende Aufforderung seitens der Baracken- Verwaltung verpflichtet, an den Lehrstunden und Uebungen Theil zu nehmen, welche zur Ausbildung von Mannschaften im Feuerwebrdienst wie im praktischen Samariter- dienst in oen Baracken stattfinden. Alle Ordnungsstraf- gelder, welche den Arbeitern seitens der Unternehmer, der Bau- oder Barackenverwaltungen auferlegt werden, sind bei der nächstfälligen Lohnzahlung in Abzug zu bringen und an eine besondere, durch die Kanalkommission zu verwal- tende Sttafgelderkasse abzuführen, über deren Bestand allein der Kanalkommission die Verfügung zusteht und aus der Haupt- sächlich die Kosten gemeinnütziger Veranstal- tungen für die Arbeiter bestritten und außer- ordentliche Unterstützungen an letztere gewährt werden sollen." Und so weiter. Wir haben hier ein Bild eines Stück- chens„praktischer Sozialpolitik," wie es bezeichnender nicht gedacht werden kann. Wir sind schon damit einverstanden, wenn der Staat das Verhältniß zwischen Unternehmer und Arbeiter regelt, aber es kommt doch auch ein klein wenig darauf an, wie er es regelt. Und wenn er es so regeln will, wie in den angegebenen Vorschriften, dann soll er es lieber gar nicht regeln. Es ist schon recht, wenn die verehrliche kaiserliche Kanal- kommission die deutschen Arbeiter bevorzugt, sowie die Sonntags- und Nachtarbeit verbietet. Aber das ist auch alles. Im übrigen aber sehen wir überall— Ackermann. furchtbare That begangen haben kann, Meisterin?" rief die Frau Baumann wirklich halb außer sich. „Aber er hat's ja schon gestanden," klagte die kleine Frau wieder,„es Hat'S ja schon gestanden; die ganze Stadt sveiß es ja, und das Fränzchen kam vorhin noch ganz be- sonders zu uns herüber, um uns das schreckliche Geschieht« chen zu erzählen. Ach du lieber Gott, du lieber Gott, und übermorgen, noch dazu an einem Feiertag, soll ihm das Köpfchen heruntergeschlagen werden." „Volkert," stöhnte die Meisterin, indem sie von ihrem Stuhl aufsprang und ihr Herz mit beiden Händen faßte, „treibt Ihr auch noch Euren Spott mit mir?" Aber der Verdacht war gewiß unbegründet, denn die kleine Frau weinte selber so bitterlich, als ob ihr das eigene Herz darüber brechen sollte. Des Schlossers Frau stand starr und unbeweglich neben ihr; das Antlitz war ihr todtenfahl geworden, ihre Glieder zitterten, ihr Auge haftete stier und gläsern an der Un- glücksbotin. Endlich sagte sie mit leiser, heiserer Simme: „Aber es kann ja gar nicht fem, Volkert; wenn der Fritz wirklich die schreckliche That verübt hat— und es müßte das in der Verzweiflung geschehen sein, denn an dem Tage war er seiner Sinne kaum mächtig—, wenn er den Juden wirklich geschlagen hat, so ist es im Zorn, in der furcht- baren Aufregung geschehen. Wer weiß auch, wie ihn der Mann gereizt, ob er ihn nicht gar vielleicht seines Unglücks wegen verspottet hat, daß der Fritz gegen ihn die Hand ge- hoben, und dann— dann können und dürfen sie ihn doch nicht am Leben strafen. Es ist nicht möglich! Denken Sie nur, Volkert, wie vor noch gar nicht so langer Zeit jener Offizier den Mann erstochen halte, und der war nur vom Wein aufgeregt gewesen, da bekam er zwei Jahre Festungs- strafe, wurde aber nach dem ersten Jahre schon begnadigt und kam wieder frei. Sie können und werden doch meinen Fritz nicht ärger strafen als jemanden, der eine solche That im Trunk verübt?" „Ja, aber liebe, beste Frau Baumannchen," winselte die kleine Frau hinter ihrer naßgeweinten Schürze vor, „das>var doch auch ganz'was Anderes' das war ja doch auch ein Gräfchen, das den armen Menschen erstochen Arbeitsbücher müssen eingeführt werden. Wozu? Sie müssen doch noch einen anderen Grund haben, als nur dazu bestimmt sein, daß„auf Wunsch der Arbeiter" Urtheile über Führung und Leistungen eingettagen werden sollen, sonst hätte man ja warten können, bis die Arbeiter selbst solche „Zeugnisse" verlangt hätten. Dann sollen die Arbeiter, wenn sie eine der Regierung unliebsame politische Gesinnung verrathen, ohne Kündigung entlassen werden können. Darüber wunder» wir uns nicht. Läßt doch auch die Militärverwaltung bei solchen Personen nicht arbeiten, welche Sozialisten nur be- schäftigen. Wir fragen nur, zu welcher Verbitterung mau im geschäftlichen und gesellschaftlichen Leben kommen müßte, wenn die Privatunternehmer und Geschäftsleute dies Bei- spiel, daS die Regierung da giebt, befolgen wollten. Da würden die einen die Sozialdemokraten, andere die Ultramontanen, wieder andere die Liberalen und wieder andere die Konservativen aus ihren geschäftlichen Beziehungen ausschließen. Man müßte sich auf seine politische Gesinnung förmlich abstempeln lassen. Die» würde zu einem neuen Krieg Aller gegen Alle führen. Glücklicher Weise hat unter den Arbeitgebern die Gewohn« heit, Arbeiter wegen ihrer politischen Gesinnung zu maß« regeln, etwas nachgelassen, wenngleich solcher Maßrege« lungen immer noch mehr als genug vorkommen. Die Be« Hörden aber scheinen nunmehr diese Gewohnheit auf's Neue bestärken zu wollen. Wir bedauern das tief, sowohl um der Arbeiter willen, die darunter zu leiden haben, als auch um der Gesinnungsfreiheit willen. Niemand findet es mehr auffällig, daß man Arbeitern um ihrer Gesinnung willen eine Arbeitsgelegenheit verschließt und das gerade ist da» Bedauerliche. Wie hoch die Arbeitszeit sein soll, welche die Kanalkommission festsetzt, wird nicht gesagt. Um so mehr hören wir von Lohnabzügen, Strafgeldern und dergleichen, aus denen die verehrliche Kanalkommission „gemeinnützige Veranstaltungen" für die Arbeiter bestreiten will. WaS sind dies für Veranstaltungen? Ueber den Begriff des Gemeinnützigen kann man bekannt- lich sehr verschiedener Meinung sein. Gedenkt man den Arbeitern vielleicht Bibeln anzuschaffen oder ihnen ein Lese- zimmer einzurichten, wo die„Norddeutsche Allgemeine" und „Kreuz-Zeituna" ausliegen? Es wäre doch besser, man machte nicht so viele Abzüge und ließe die Arbeiter ihre gemeinnützlichen Veranstaltungen sich selber einrichten. Sie wissen doch offenbar selbst am besten, was für sie gemein- nützlich ist. So hat die Regierung das Verhältniß zwischen Unter- nehmer und Arbeiter„geregelt". Von der Lohnhöhe ist hatte, ein ganz vornehmes Gräfchen, und sein Vater war Ministerchen oder sonst so'was. Ja, wenn das Fritzchen ein vornehmes Gräfchen oder ein Barönchen wäre und sein Vater kein Schlosserchen, dann könnten Sie Recht haben, und er käme vielleicht ein Jähr- chen oder so in die Festung, und nachher wäre das Ge- schichtchen aus und würde kein Wörtchen mehr darum ge- sprochen. Aber so, ach Du mein liebes Himmelchen, wenn sie dem Herzen von einem Menschen das Köpfchen herunter- schlagen!" Die Frau Baumann hörte gar nicht mehr, was sie zu- letzt sagte, und wie von einem neuen und plötzlichen Ge- danken ergriffen, starrte sie die Schneidersfrau mit einem Blick an, daß diese jedenfalls darüber zu Tode erschrocken wäre, wenn sie nur hätte vor lauter Schluchzen aus den Augen sehen können. „Und Ihr glaubt, Volkert, daß er frei käme, wenn e» ein Baron oder Graf wäre?" sagte sie mit heiserer fast ton- loser Stimme. „Ach, gewiß glaub' ich's," wimmerte die kleine Frau; „und die Homeier war auch heute Morgen bei mir, und wir haben darüber gesprochen, und der ihr Männchen hatte daffelbe gesagt, und der versteht es, denn er ist Bote bei dem Gerichtchen und hat immer die Aktenstückchen von einem der Herren zum andern zu tragen. Aber ein Handwerkerchen, ach, das ist ja gar nichts! Deren giebt'S die Hülle und Fülle, und so ein armes Schlosserchen oder Schneiderchen, oder was eS auch sonst ist, mit dem machen sie keine Um- stände und lassen dem Gcsetzchen seinen Laus." „Ja, ja," nickte die Schlossersfrau,„es ist wahr; wir sollen alle vor den Gesetzen gleich sein, so steht's in den Büchern und so sagen's die Leute. Aber es ist nicht so: den Vornehmen lassen sie eine Hinterthür offen, und die schlüpfen durch, und mit den Armen und Gedrückten füllen sie ihre Zuchthäuser und Gefängnisse— und wer verdient mehr Strafe, wenn er ein Verbrechen begeht, der Reiche und Vornehme, der alles, was er braucht, im Ueberfluß hat und im Ueberfluß braucht, oder der Arme und Gedrückte, den oft Roth und Verzweiflung dazu tteiben?" „Aber wir machen's nicht besser, Frau Baumannchen," nichts gesagt; wenigstens haben wir nichts darüber gefunden. Vielleicht ist'S auch bester so. DieS Bildchen„praktischer Sozialpolitik" ist eine vor- treffliche Charakteristik der staatssozialistischen Bestrebungen, wie sie im Gehirn mancher Geheimräthe zu Hause sind. Wir danken bestens. Volitische Ueberstcht. Kaiser Friedrich III. ist am Sonntag Abend in Char- lottenburg angekommen. Die Freisinnigen knüpfen bekanntlich schon seit langer Zeit die überschwänglichsten Hoffnungen an die Person des neuen Herrschers, einzelne Blätter des deutschen Freisinns spielen sich schon förmlich als Regierungsorgane auf. Die„Freisinn. Ztg" rechnet bereits mit der Möglichkett einer Reichstagsauflösung und räth ihren Parteigenossen, überall mit der Bildung von freisinnigen Wabloereinen vorzugehen. Es dürfte sich auch für die sozialistische Arbeiterpartei dringend em- pfehlen, an die Füllung der Kadres für eine eventuelle Wahl- schlackt zu denken und bei Zeiten die Vorbereitungen für eine Mobilifirung der Partei zum Wahlkampf zu treffen. Von der großen Wichtigkeit, die gerade jetzt vorgenommene Neuwahlen für die Entwickelung der politischen Verhältnisse Deutschlands haben müßten, ist es nicht nöthig, ausführlich zu reden, weil dieselbe auf der Hand liegt. Der Koulanger-Kuttns ist und bleibt das Steckenpferd unserer Chauvinisten und Franzosenfresser, von denen man frei- lich denken sollte, sie hätten jetzt wichtigeres zu thun. Wir haben nicht Lust, uns hier mit Herrn Boulanger zu beschäf- tigen! und wir haben auch keine Lust, die Gründe zu erörtern, aus denen unsere Chauvinisten und Franzosenfresser fich mit Herrn Boulanger beschäftigen. Wir wollen unseren Chauvinisten und Franzosenfressern nur sagen, daß gerade sie das wenigste Recht haben, über den Boulanger- Kultus zu skandalifiren, und zwar nach dem bekannten biblischen Sprichwort vom Splitter und vom Balken. Das Häßliche und Verwerfliche am Boulanger« Kultus— sei'er nun Dichtung oder Wahrheit— ist, daß Götzendienst mit einer Person getrieben wird. Ein solcher Götzendienst ist vernunftwidrig, un- männlich und— undemokratisch. Wer da weiß, daß die politische und soziale Entwicklung nicht von der Laune und dem Willen eines Individuums abhängt, kann fich vor einem menschlichen Götzen nicht beugen. Wer Mannesstolz und das Bewußtsein seiner Menschenwürde hat, muß den ver- achten, der fich vor einem menschlichen Götzen beugt. Und wer ein Demokrat ist, der zertrümmert die menschlichen Götzen wo und wie er es kann. Wir glauben die Gesetze der historischen Entwicklung zu kennen, soweit fie bekannt find; wir glauben Mannesstolz zu besitzen! und da die Sozialdemokratie konsequente Demokratie ist, so find wir auch Demokraten. Wir find also nach allen Richtungen Gepncr des Boulangerkultus, wie eines jeden anderen Personenkultus. Allein wie steht es mit unseren Herren Chauvinisten und Franzosenfresscrn? Sie glauben nicht an die historischen Entwickelungsgeseve, sondern an die Wunder- kraft einzelner Wundermenschen, welche die Weltgeschichte machen. Sie haben keinen Mannesstolz, sondern nur Bedientenstolz, der im Bauchrutschen seine höchste Befriedigung findet. Und endlich fie find keine Demokraten, sondern das diametrale Geaentheil: Anbeter der Gewalt, Anbeter der Gewaltherrschaft. Kurz, fie stehen ganz auf dem Boden des Personenkultus. Weit entfemt, ihnen zu widerstteben, ist der Personenkultus ihr eigenttickes Lebenselemcnt und wird von ihnen in einem Umfange geübt, verglichen mit dem das Bischen Boulaimer Kultus drüben in Frankreich als reines'Nichts erscheint. Wünschen die Herren, daß wir deutlicher werden? Die„Nationalliberale Korrespondenz" spricht fich in Sachen des bürgerlichen Gesetzbuchs dahin aus, daß an fich gegen eine Kritik desselben nichts einzuwenden sei; denn um der uneingeschränktesten Beurtheilung Raum zu geben, sei das« selbe jetzt bereits veröffentlicht worden. Die Abficht dabei sei eben gewesen, die Bedenken und Einwendungen der öffentlichen Kritik hervorzurufen, um dieselben, soweit fie begründet seien, noch berücksichtigen zu können, bevor der Entwurf zur Vor- leaung an die gesetzgebenden Faktoren endgiltig festgestellt werde. „Wenn aber", fährt die„Natt. Korr." wörtlich fort, was in der deutschen Juristenwelt allerdings nicht überraschen kann — auch schlechtweg absprechende Uttheile über den Entwurf laut werden, so muß denselben von vornherein mit aller Ent- schiedenhcit entgegengetreten werden. Der Entwurf, wie er liegt, bietet unter allen Umständen eine brauchbare Grundlage, um zu einem gemeinsamen Zivilrecht für das Deutsche Reich zu gelangen. Und das Bedürfniß des deutschen Volkes nach dieser Rechtseinheit ist ein so tiefempfundenes, ein so dringendes und unüberwindliches, daß die Befriedigung desselben an einer über- triebenen juristischen Kritik unmöglich scheitern kann. Noch mehr als seiner Zeit bei dem Gerichtsverfassungsgesetz und den Prozeßordnungen� werden fich die doktrinell en Gegensätze hier Reflgnation auferlegen müssen, wenn man überhaupt zu einem praktischen Ergebniß kommen will. Und daß man zu einem solchen komme, ist eine unausweichliche Nothwendigkeit. Die klagte die Kleine;„wir ändern die Welt nicht, und dürfen noch nicht einmal ein Muckschen thun, sonst werden wir ebenfalls eingesteckt." „Za, wenn es ein Graf oder Baron wäre," sagte die Schlostersfrau, noch immer vor sich hinstierend. „Aber er ist es nicht," winselte die Kleine;„daS Fritzchen ist ja nur ein MechanikuSchen, und noch ein ganz junges, und wenn's auch nur ein Jude war, den es todt- geschlagen hat, jetzt Hetzen sie alle dahinterher, bis sie ihn unten haben. Oh, mein Männchen sollten Sie darüber reden hören, Frau Nachbarin, der kann's! Die Härchen stehen einem zu Berge, wenn er davon spricht, daß alle die Kaiserchen und Fürstchen sterben müßten, und das Völkchen allein zu sagen hätte, was es will. Aber er thut es nur immer, wenn wir allein mit einander sind, denn sie haben ihn schon einmal deswegen eingesteckt. Ja wahrhaftig,'< ist wahr," setzte sie hinzu, als die Frau sie mit ihrem stieren Blick wie fragend anschaute;„sechs Wöchelchen hat er brummen müssen bei Wasser und Rübensuppe. Ach, und wie er wieder herauskam, war er so dünn geworden, man hätte ihn durch ein Nadelöhr fädeln können!" „Und wer hat Euch gesagt, Nachbarin, daß der Fritz am Freitag schon hingerichtet werden soll?" „Wer? das Fränzchen; expreß ist es zu uns herüber- gelaufen gekommen. Und der Herr Staatsanwalt Witie hat sich die größte Mühe gegeben, um ihn frei zu bekommen, und gleich von Anfang an versprochen, daß er seine Partei nehmen wollte; aber wenn das Fritzchen nun gestanden hat, da ist freilich alles vorbei." „Der Staatsanwalt Witte hat feine Partei genommen?" „Ja, gewiß; das Fränzchen war ja an dem Abend dabei in der Judengasse, wo sie das Salomonchen im Laden fanden, und hat's mit seinen eigenen Oehrchen gehört." „Der Staatsanwalt Witte?" wiederholte die Frau köpf- schüttelnd.� � � braver, rechtlicher Mann," bestätigte die Schneidersfrau,„und wenn ein armes Teufelchen zu ihm kommt, dem jemand unrecht thun will, da springt er mit beiden Füßchen in die Sache hrnern, und ruht nicht, bl« er Zeit, bis zu welcher die Rechtseinheit erreicht sein wird, ist ohne- Sin auch beim günstigen Verlaufe noch recht lang bemessen. Die iommisfion ist zur Zeit mit der Ausarbeitung der Einführungs- aesetze beschäftigt. Bis zur Fettigstellung dieser Arbeit wird ein Jahr vergehen. Alsdann wird man wieder eine längere Zeit verstreichen lassen müssen, bevor man das Ganze einer zweiten Lesung unterziehen kann. Und erst nach Beendigung dieser zweiten Lesung wird das gewaltige Gesetzgebungswerk dem Bundesrathe zugehen. So rechnet man, daß vier Jahre ver- gehen werden, bevor der Entwurf dem Reichstage unterbreitet werden kann. Unter diesen Umständen liegt auf der Hand, daß sehr viel Selbstbeschränkung und guter Wille geübt werden muß, wenn die große Aufgabe nicht ins Unabsehbare hinaus- gezogen werden soll."— Die„N. A. Z." schließt fich diesen Ausführungen offenbar an, indem sie dieselben ohne Kommentar wiedergiebt. Herr Mar Kirsch Lbrr die Fachvereine. Aus Weißen- fels wird gemeldet: Am vorigen Montag Abend fand hier im „Bade" eine öffentliche Versammlung statt, in welcher das Ver- hältniß der Gewerkvereine zu den Fachvereinen eröttett werden sollte. Herr Dr. Max Husch aus Berlin erklätte, daß hier der einzige Fall vorgekommen sei, daß an einem für Bauhandwetter gegründeten Fachoereine auch Mitglieder des Gewerkvereins Theil genommen hätten. Das aber sei in keinem Falle zuläsfig. Scheinbar sei zwar der Zweck beider Vereine derselbe, da auch die Fachoereine nach ihren Statuten die sittliche und matettcllc Hebung des Arbeiterstandes erstrebten, allein der Weg zu diesem Ziele sei ein sehr verschiedener. Die Gewerkvereine vemrtheilten zwar die Streiks nicht, aber fie suchten dieselben zu vermeiden und zu einer Verständigung mit den Arbeitgebern zu gelangen. Die Fachvereine dagegen vettckärften unaufhörlich den Gegensatz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, machten die Streiks zu ihrem Hauptziele, hätten nur gettnge Erfolge aufzuweisen und wären nur der Deckmantel für ganz andere Be- stredungen. Die pommersche« Arbeiter und der Polizeiprast- dent v. Kölker. Aus dem Wahlkreise Greifenberg-Kammin wird der„Freist Ztg." über nachstehendes Vorkommniß berichtet. Polizeipräsident v. Köller begab fich auf seiner jüngsten Wahl- und Wühlreise auch von Kammin nach den Nachbarstädten, um dott seinen Einfluß behufs der Wahl zu Gunsten des Bruders geltend zu machen. Auf einer solchen Fahtt traf er auf der Chaussee 100 Arbeiter, welche damit beschäftigt waren, die Chaussee vom Schnee zu säubern. Flugs stieg Herr v. Köller vom Schlitten und hielt, natürlich ohne vorher eingeholte poli- zefliche Erlaubniß für diese Versammlung,„unter freiem Himmel" den zusammengerufenen Arbeitern eine Siandrede. Polizeiprä- fidcnt v. Köller ermahnte am Schluß dieser Rede die Arbeiter, ja allesammt zur Stichwahl zu gehen und seinen Bruder, den Herrn Major v. Köller auf Hoff zu wählen. Zum Schluß rief er:„Habt ihr auch alle Stimmzettel?" Darauf antwortete einer der Arbeiter:„Nee, ick hew noch keenen." Da reichte ihm der Herr Polizeipräfident einen Zettel mit den Motten: „Hier ist ein Zettel." Der Arbeiter tritt zum Schlitten, sieht den Zettel an und sagt:„Nee, deen will ick nich, hab'n sei keenen von den'n Stettiner?" Unwillig erwidett Herr v. Köller: „Ihr müßt nicht undankbar sein. Wir Konservativen besckäfli- gen euch doch hier und lassen euch was verdienen."„Nee," sagt der Arbeiter,„det is nich wohr, der lciw Gott löt uns Vit verdeenen, dei hatt' et schneen laten." Nach dieser Antwort suchte Polizeipräfident v. Köller unter Hurrahrufen der ihm nachschauenden Arbeiter das Weite.— Vielleicht wird auch ein- mal der Tag kommen, wo auch bei den hintcrpommerschen Ar- deitern nicht mehr der„leiw Gott" den Ausschlag bei der Stimmenabgabe abgiebt. Da» allgemeine Ehrenzeichen, welches auf Antrag des Staatsministers von Puttkamer die Herren Naporra und Jhring- Mahlow als eklatante Genugthuung erhielten, haben vier preußische Lehrer, welche die gleiche Auszeichnung empfangen sollten, nämlich die Herren Kuding- Bromberg, Wirtson-Gumdinnen, Jeschke-Schwiebus und Wiehle-Btteg, dankend abgelehnt. Der Lnrn» der herrschenden Klassen.„Soll ich den Fluch der Nation in meinen Haaren ttagen?" Diese Worte legt Schiller jenem Opfer despotischer Laune und ungezügelter Leidenschaft in den Mund, das selbst in seinem Verfalle noch ein menschlich fühlendes Herz bewatt hat. Die Favotttin des Fürsten weigerte fich dies zu thun und verschmähte die ibr als Ersatz für die verlorene Ehre und Gemüthsruhe vom Fürsten überreichten funkelnden Diamanten. Die fashionablen Ladies der Bourgeoisie find lange nicht so skrupulös.'Nicht nur scheuen fie fich nicht, den Fluch der'Nation in ihren meist falschen Haaren zu tragen, sondern fie binden denselben sogar an ihre — Waden. Die Zeitungen berichteten kürzlich, daß ein New- Borker Weibsbild Strumpfbänder aus gediegenem Gold mit Diamanten besetzt sich anscttigen ließ, die 2000 Dollars kosteten. Wenn die also ihre Waden blicken läßt, dann ist's nur von w gen der kostbaren Strumpfbänder. Hoffentlich wird nicht nächstens etwa ein von ihren weichen(oder weichlichen?) Um- armungen noch berauschter Liebhaber diese Bänder als theure Liebespfänder halb aus Versehen, halb aus Begeisterung in seinen Hosentaschen verschwinden lassen! ihn frei gemacht, und nimmt nachher auch noch nicht einmal ein Gröschchen Geld dafür." „Der Staatsanwalt Witte?" murmelte die Schlossers- frau noch einmal. „Ja, und wie hat er sich neulich der Frau Müller aus Vollmers angenommen," fuhr die redselige kleine Schneiders- frau fort.„Sie war noch bei uns, ehe sie wieder nach Vollmers hinausfuhr, und hat uns das ganze Geschichten erzählt. Da war ein Majorchen und ein Räthchen zu ihr gekommen, lauter vornehme Leutchen mit großen Titelchen, und hatten sie in ihrem eigenen Hause schlecht gemacht und ihr einen Kindertausch bei Wendelsheim draußen und Gott weiß was alles vorgehalten. Aber sie ging an die rechte Schmiede. Der Staatsanwalt hat ihr gesagt, daß sie sich nicht vor den Leuten zu fürchten brauchte; Abbitte müßten sie thun vor den Gerichten oder Beweischen bringen; und nun will er sie vorkriegen, und das wird ein schöner Skandal im Städtchen werden, wenn so ein paar große Herrchen gefordert werden und Beweischen bringen sollen — Herr Du mein Gottchen," unterbrach sich aber die Frau plötzlich, als sie zufällig aus dem Fenster sah und den zurückkehrenden Baumann bemerkte,„da kommt das Schlossermeisterchen wieder, und wenn der mich hier findet, drückt er mich armes Weibsen todt. Er kann mich so nicht leiden, und hat mir verboten, daß ich wieder herüber- komme." „Ja," nickte die Frau still vor sich hin,„sie werden die Beweise bringen— aber zu spät, zu spät! Heute ist Mittwoch— übermorgen, oh mein Gott, mein Gott!" „Nachbarin, ich rutsche durch die Küche auf das Höfchen," sagte die Frau, die in dem Augenblick noch um sechs Zoll kleiner und schmächtiger schien;„wenn er mich findet, giebt's ein Unglück!" Und ohne eine weitere Erlaubniß abzumatten, fuhr sie durch die Himetthür in die Küche hinein und verschwand dort in demselben Augenblick, als Baumann seinen Hut »och auf dem Kopf und mit finster zusammengezogenen Brauen in's Zimmer ttat. Sie hatte in der That Recht gehabt, ihm in dieser Stimmung aus dem Weg zu gehen; freundlich wäre sie keinesfalls von ihm empfangen worden.' Vthtv dl- am 13. d. M. ablaufende Meld: auf Grund des neuen Wehrpflichtgesetzes herrscht im P trotz der vielfachen Bekanntmachungen:c., wie uns Zus> beweisen, immer noch große Unklarheit. Wir bemerken d daß lediglich die im Jahre 1850 und später geborenen Pech welche nach abgeleisteter gesetzlicher Dienstpflicht im m Heere und in der Landwehr(bezw. in der Flotte und S oder als geübte Ersatzrcservisten nach Ablauf der Ersatzreß pflicht bereits zum Landsturm entlassen waren, zur Anm«" verpflichtet find. Die Landsturmpflichtigen, soweit solche nach obigem zur Landwehr zurücktteten, sind keiner Konttole<■ i 51, gefleH unterworfen._________. Tabakfabri In KeSätiguus der Meldung, daß auf der SponW mm; der i Gewehrfabrik Arbeiterentlaffungen bevorständen, weil die roviO lionm Mark Fabrikation des jetzt in Arbeit befindlichen Repetirgewehres&% 772 M. lestellt werden soll, wird der„Voss. Ztg." aus Spandau#> hiervon 55 l März geschrieben:„Die Herstellung des neuen Gewehrs, Nettoertrag kleinem Kaliber ist dem Vernehmen nach nunmehr genehm� A 373, 42; Gestern traf hier in der Gewehrfabrik der Bescheid ein, dof* Nahten. bisherige Fabrikation des Magazingewehres auf das möglij»»e t)0n z gz geringste Maß zu beschränken ser. In einer Konferenz, w# Vorjahren. der Inspektor mit den Meistern abhielt, wurden diese Da# deutschen Zo aufmerksam gemacht, daß 600 bis 1000 Arbeiter schon in#® nächsten Tagen gekündigt werden müßten. Die Vorarb#% komme bezw. Neueinrichtungen�für die Anfettigung des neuen Gewj �ten neuerd dürften noch 3 bis 4 Monate in Anspruch nehmen. schießen mit dem neuen Gewehr hat unter Leitung des Kühn vom großen Generalstade hier stattgefunden." Holz, nach Panzern, die mit Zeug, Pferdefleisch waren, geschossen worden. In den übrigen hiesigen flu— Fabriken geht der Betrieb flott. Wegen der verlängetten" Tabak fie: für 100 J 72,05 M. i lg der P Minderung Brande Der der St .000 M. Das M ang des Ä«5 Ifc h :n. Es ist m 184 isch u. a. ßi#*",71 OUV4.VH.ll ÖV4J* VtV vtt üctiuuycnw». tj) /TVl u beitszeit in der Attilleriewerkstatt und in der Geschützgießerei-die Namen mit der Betriebsverwaltung der Hamburger Eisenbahn ein �gen bekan kommen getroffen und wird eine ganze Anzahl von Arbeiw> Wlen aus: mit dem Abends 8 Uhr 56 Minuten von hier abgehenden�"Nkmeria ortzuge in Wagen 4. Klasse befördert."— Dagegen meldet»ilung beric! „Anz�f.�v. lßao/, daß die Arbeiterentlaffungen� ettoll-en� geweigert, die ettorderliche Zahl von Repetirgewehren fettig gestellt �mamg zu Der Betrieb der Gewehrfabrik soll wieder auf das frühere nf verbot. male Maß beschränkt werden. Von Vorbereitungen zur Truckschrif tigung eines neuen kleinkalibrigen Gewehrs sei nichts belang Well. Zü�ic Ebenso seien die Gerüchte über eine beabsichtigte Erweiten ll» � von Z 1 der Fabrik unbegründet. Zungen d Nach den in dritter Etntsberatbung de» Keich- i Dresder tage» gefaßten Beschlüssen beträgt die Gesammtausgabe«v Jschaft, v. Reichs für 1888,89 1 207 778 084 M. An MatrikularbeitM Nannschaft haben nach der Schlußzusammenstellung für dasselbe Etatsja» MsMggg.j aufzubringen: Preußen 113 658 088 M.(im Jahre 1887"? Gesetzes n 100 580169 M.). Bojern 27 153 501 M.(31 423 821 9# Keniokrati Sachsen 12 765 724 Mk.(11 263 341 Matt), WürtteiM Wrz 188! 10 080 971(11 471 096 M), Elsaß- Lothringen 7 1 18 732 � (6 459 414 M.). Weniger als im Vorjahre haben an## kularbei trägen aufzubringen die Staaten Bayern, WürttewtZ. und Baden. Für alle Bundesstaaten zusammen beziffern fi«% Kst pr J Beiträge auf 197 218 213 M., während fie pro 1887� 186 937 315 M. betrugen., f es nach n „Unzufriedene Elemente". Die„Leipziger Zeitu�. im, die fc, das amtliche Organ der sächsischen Regierung, bringt in K Zusehen Nummer vom 10. d. Mts.— also vom Tage nach dem Kretwem-n des Kaiser Wilhelm, einen sonderbar pessimistisch gefärbten% Anarchie 011 attikel über den Thronwechfel. Es wird darin u. a. die%( Slegierunc fürchtung ausgesprochen,„unzufriedene Elemente" würden„JJ Nnd wer offen hervorwagen". Wir glauben, die„Leipziger Zeitung"? ß ruhigen zu können. Die„unzufriedenen Elemente" find � ß so wütt ebenso gut bekannt, wie der„Leiziger Zeitung", welche dieses mg jenft 1870 dui hatte, s Kg., I und v Groden, t hat in frellich sehr gut kennt. Und wir begreifen auch sehr wohl, � � es selbst für einen Prediger der„christlichen Liebe" kein t gnügen ist, wenn sein Treiben als„Schmach des JahrhuntÄ(.7�1 aebrandmarkt wird. Aber trotzdem können wir der„ Zeitung" unseren journalistischen Ruf dafür verbürgen, „kommende Mann", so lange das jetzige Regiment dau die Kourage haben wird, offen hervorzutreten. Km Ge> — er wird Vre Welt, für welche er noch existitt, durch scheidene Zurückgezogenhett in Erstaunen versetzen. Wir unseren Stöcker und seine Mitstöcker. Da« neueste Monatsheft zur Statistik de» D> Reich» enthält umfangreiche Tabellen über den To die Besteuerung des Tabaks, die Ein- und Ausfuhr von und Tabaksfabrikaten, sowie den Ettrag der Tabaksabgabe"� deutschen Zollgebiet während des Erntejahres 1886—87. nach hat der Tabaksbau im Jahre 1386—87 �- Zustö der vorgej nicht iu be $ 001 An; Ü? ungen di % rn�lches jähr ein wenig zugenommen, indem 19 843 Hektar bebaut% al gegen 19529 im Jahre 1885—86. In dem Hauptprodukvs.j, � gebiete, der Pfalz, ist allerdings ein weiterer erheblicher(v schritt zu verzeichnen, da die mit Tabak bepflanzte 4% die 1881-82 10 649 Hektar und 1885-85 noch 883', w voi Jahre 1885- 86 auf 7482 und 1886-87 auf 6867% C&nfinl zurückgegangen ist; dagegen hat der Anbau in der UckeN» 7 Wohl h und Odermündung nicht unbeträchtlich zugenommen; er uW, U jAfifdji hier 3295 Hektar gegen 3003 und 2669 m den beiden V) L n«>" jähren. Die Ernte war mit 38 585 Tonnen(a „Wieder nichts I" sagte er, als er selbst ohne Gruß � seiner Frau vorüberging und an's Fenster trat. � rein um verrückt zu werden, daß sie Einem nicht einwa VVVt»***** VV*«,44V4.» 0**•VV«,VV*»/ I*V �/4»4V»II C lauben wollen, ihn nur zu sehen oder zu sprechen, bei erzählt sich das wahnsinnige Volk in der Stadt r die tollsten und albernsten Geschichten!"„U Seine Frau war im Zimmer; er hatte sie gesehen, t Whiyr fw fflt« gllott. ttr,. er an ihr vorüberging. Aber sie erwidette. kein Wort,-'•Urf ihn, und mehr erstaunt als beunruhig' keine Frage an dieses Schweigen, drehte er sich nach ihr um. Seine Frau stand mitten im Zimmer; aber# ,hxl begegnete dem feurigen und hing mit unendlicher Liebe, � auch einem unsagbaren Schmerz an ihm, so daß er stt» verwundert deshalb anstartte. „Nun," sagte er endlich erstaunt,„waS hast Du p Alte? Du siehst mich ja so merkwürdig an. Ist etwas gefallen?" „Gottfried," flüsterte die Frau mehr als sie ing auf ihn zu und lehnte lano�— tnr ÄSnuvt a C' Nti .Sbie langsam ihr Haupt a, � ruft,„Gottfried, mein braver, braver Gottfried,'ch„ jch Vruji,„©onyrieo, mein vraver, oraver w Dir für alles Liebe und Gute, das Du mir gethan, l � so glücklich wurde, Dein Weib zu werden; ich ba, � dafür viel tausend- und tausendmal, und möge*- Himmel dafür segnen!"... iler>� „Aber was hast Du nur?" sagte der Schloss„ fast wie verlegen.„Was soll denn all' die Fei„ Und mit Bedanken? Ei, da glaub' ich, hat Einer gerade so viel Ursache als der Andere.",._ „Nein, Gottfried," flüsterte die Frau Wied, t„ich Du weißt es nicht, und ich kann's Dir auch sagen. Aber Du wirft's bald erfahren— ba' �se � heute noch, und dann— dann fei mir I»„jcht,,, denk' nicht, daß ich schlecht war, Gottfried, den h ich bm s nie gewesen! Nur übergroße, thorich � jW mich dazu getrieben. Wenn e« mich aber auch �. zusammengeschnürt hätten, an Dir Hab' ich d._ fiffi an Dir und an ihm, und alles, was jetzt m steht, ist, daS zu sühnen." K P,»"'cht i & «ttfrie M Ef'wS s' K" Äl % 0riiei entn im und_ r Ersatzresl ur Anme5 it solche WW � Tabaksblättern fast genau so groß, wie im Vorjahre, '>m Pu°'?Ä?lchem sie 38 548 Tonnen betragen hatte. Der mittlere ins ZuslMM für 100 Kg. betrug im Berichtsjahre 78.3 M. gegen 75,6 leilenjxsgwg<2,05 M. im Vorjahre. Besonders in Baden ist die Auf- ig der Preise erheblich gewesen, während in Preußen eine mderung von 76,4 auf 74,1 M. stattgefunden hat; in der Brandenburg ist der Preis von 77,0 auf 70,4 M zurück- en. Der Bruttogeldertrag der gesammten Emte nach der Steuer berechnet fich auf 16 464 000 M. gegen i— v,„000 M. im Vorjahre. Es kommen somit auf den Hektar er Kontrollt. ygg M jm Vorjahre Die Einfuhr von Tabak ,. 1 Tadakfabrikaten betrug 432 Tonnen, die Ausfuhr 832 ver SpanM«en: der Werth der'Tabake 65,8, der Tabakfabrikate 7,3 eil die wM wnen Mark. Der Ertrag der Tabaksteuer bezifferte fich auf rgewchres«772 M., der Eingangszoll betrug 36 992303 M.; rechnet Spandau W"> hiervon 550 540 M. Ausfuhrvergütungen ab, so emiebt sich Gewehrs® Nettoertrag der Tabaksabgaben von 47 534 535 M. gegen br.genehm» 01373, 42 287 461, 37 003 214 und 32 636 040 M. in den v em, daß m«rjahren. Auf den Kopf der Bevölkerung entfiel eine Ein- das mogw'«e von 1,02 M. gegen 0,95, 0,92, 0,81 und 0,72 M. in iferenz, n»» lsorjahren. Der Verbrauch an fabrikationsreifem Rohtabak diese dM, Mschen Zollgebiet wird auf 69 879 Tonnen berechnet gegen f*on>n � im Vorjahre, so daß auf den Kopf der Bevölkerung e VorawXPgKg, kommen. Es scheint, als ob der Tabaksverbrauch im ' neuerdings zurückgeht. Nachdem der Verbrauch von 1870 durchschnittlich jährlich 1,32 Kg. auf den Kopf be- hatte, stieg er im Jahrfünft von 1871/72 bis 1875/76 ' Kg., betrug dann von 1876/77 bis 1880/81 jährlich euen Gel Das g des Es ist h u. a. l gen staaiM llängerten# bützgicßerelo u% von 1%81 82 bis 1886 87 jährttd, 1,41 K, ---- iterverein zu 3 beschlossen, von Zeit zu Mesde«, 9. März. Der Arbeiterverein zu Dresden hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, von Zeit z» gjtt Namen derjenigen Gastwrrthe und Restaurateure in den oahn em bekannt zu machen, welche Sozialdemokraten aus ihren von Arveu«Aalen ausgewiesen oder die Hergabe ihrer Räumlichkeiten zehenden � �ertcrversammlungen verweigert haben. Wie in jener Ver- 'IL J"6«vi» 8 berichtet wurde, haben fich einzelne Wirthe neuerdings W �weigert, den freien Hilfskassen ihre Räumlichkeiten zur l gesteh'%ung stellen. j frühe«!»'rbot. Die unterzeichnete kgl. Kreishauptmannschaft hat iur An' Druckschrift:„Amselrufe." Neue Strophen von Karl uchts bekM» ig. Züei� Vcrlagsmagazin. I. Schabelitz. 1888." auf ' Erweitere«o von§ 11 des Rerchsgesetzes geuen die gemeingefährlichen . Hungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 ver- „Dresden, den 9. März 1888. Kgl. sächsische Kreishaupt- ntausgabe Maft. v. Koppenfels.— Die unterzeichnete kgl. Kreis> l ularb�«Mannschaft hat die Dmckschrift:„Sturm." Zürich, 1888 ssde Etatsi�. M-Nagazin.(I. Schabelitz.)" auf Grund von§ 11 des ft m WfirfieraW n.L. Oesterreich Zlngar«. fitb � m-5 die gegenwärtige Gestaltung der Orientfrage schreibt rn i RS7--r- KM. Lloyd": ssiach der Erklärung, welche die Pforte am � A an den bulgarischen �Ministerpräsidenten gerichtet hat, nach wie vor möglich sein, über die formellen Ge- infli in iirS ich dem vom Königlich sächstsche Kreishauptmannschaft. SttÄfe■ �■cIIun� Öcä Punzen Ferdinand anhaften, nh.dem V» Egg*__________________ M______ lefoibten � j�chie auszusetzen. Wenn es richtig ist, daß die bulga V&v vci WVXJ-pnujtu �WsllUlsV wnyw, tMsehm, dieselben zumindest nicht so hoch anzuschlagen. lMetwegen das Fürstenthum neuen Erschütterungen, ja selbst würden ß 8 bei Pforte zu antworten beabfichtigt, Prinz steiluna � Fi J, werde Bulgarien nicht verlassen, da er befürchten ffnö k r fcme Abreise die Anarchie im Lande hervorrufen üwu hifüß Pn»'0 würde hierin eine scharfe, nicht unverdiente Zurecht- hrLüht vi kj.8 stner russischen Behauptungen liegen, daß die gegen- l" Mn R h J Zustände in Bulgarien anarchische seien. Der Um- KlhH dem Fürsten auf dem Throne eines der für seine tahrhun� r wz vorgesehenen vcrttagsmäßiaen Erfordcmiffe fehlt, giedt nicht das Recht, die Zustände in Bulgarien als iu bezeichnen. Gerade der Erfolg jener Aktion aber, zur Beseitigung des Prinzen Ferdinand einge- fin- gleichzeitig für eine regelrechte, friedliche Ablösung -™ Regimes durch das andere bedacht zu sein, -vm. Bulgarien jenen Zustand der Anarchie herauf- -lvz,' vor dem gewisse russische Blätter scheinbar eine J* Angst bekunden, während sie ihn in Wahrheit ..dein L herbeisehnen. Wie die Dinge jetzt stehen, » di.(Sj? Pforte ihre Erklärung abgegeben und nach- W.r'ftjngslosigkeit derselben mit ziemlicher Sicherheit --. w\ darf man wohl dieses Kapitel der russischen unc.wF» bekanntermaßen am 14. v. M. seinen Anfang bebaut®�, � en, aIS nahezu abgeschlossen betrachten. Erhebliche lproduitu-j, Ä dürften sich aus demselben kaum mehr ergeben. eblicher u � � ro h,� �nd da von Eröffnungen gesprochen, welche die lnzte» ,0 L. 8« Regierung dem Wiener, Londoner und Römischen Snop„ Friller Woche gemacht haben soll und derartige stnd nicht einfach zurückzuweisen. Diese Eröffnungen er l>der liauplfädjlich den Zweck gehabt haben, die Mächte, ?'JL Leo Wtn st'c�en Aktion aus wohlerwogenen Gründen fern- i/W) 9$ � iu bestimmen, sich noch nachträglich dieser \ 100» � KL��Wlteßcn und den seitens Rußlands gethanenSchritt hr von �5 ksabgabe»� a ul l 6-87. >ne.ß at.«erV Butter, rief Baumann erschreckt, denn er glaubte dii, �"ssrnblick nichts anderes, als daß sie über die Angst H an■ �en Beistand verloren habe,„so schlimm ist's noch Alles besser werden; habe Hgd' 1*—-•*'■--"—«---- n Äi- 0 icht bös- nichß ■ni S- %."f dem richtigen Weg und wollte, ich wäre ihn L �Sangen viel Unheil wäre dadurch Allen von unS . /°rden!" P Alte, sei gut, mach' Dir deshalb keine Sorgen," Püe« ttL0nn freundlich, denn er gedachte sie jetzt nur zu IIC:"sswit sie die quälenden Gedanken fahren ließe. W£ie Glse noch nicht aus der Schule zurück? Es »ickt �9°" lange zwölf Uhr vorbei sein. Du hast auch �winal den Tisch gedeckt?" % wuß sein, Gottfried," nickte die Frau, die auf die gar nicht gehört oder geachtet hatte;„aber ft J werde die Strafe erleiden, weil ich sie verdient ß Ihr- nicht er- es muß sein! Leb' denn fo�nftteb— Gott segne Dich viel tausendmal, und �'Äegung war zu viel für sie. Sie wurde todten- r wanti konnte sie noch eben mit seinem Arm S �Irnst wäre sie zu Boden gesunken. Jetzt wurde Z � Lwlsirmeister aber wirklich besorgt um den Zu- SiÄ;. 2hr tiefsinniges, zerstreutes Wesen das :"Usopf'S4 in ihrer Art lag, war ihm schon die letzten r*T, und die Ursache dafür suchte er natürlich & bat �Haftung des Sohnes. Aber er hatte me i,W„ r e8 bei der nervenstarken Frau so gefahrlich !?i'rk1l"ien könne. Er selber wußte auch m dem | Jbha J"ichts mit ihr anzufangen, als sie eben auf � le9en; aber ein Arzt mußte her, vielleicht K'S SSrlt'ä otbei seiner Mutter zu sehen, es sei ihr un- ' er selber käme gleich wieder, und eilte dann, bei der Pforte zu unterstützen. Die Thatsachen haben ergeben, daß dieser Zweck nicht erreicht worden und daß Oesterreich Un- garn, England und Italien nicht zu bestimmen waren, die ein- mal gewählte Haltung zu verlassen. Jetzt, da die Pforte bereits gesprochen und die Attion so gut wie beendigt ist, ist natürlich für weitere Verhandlungen kein Raum und keine Zeit mehr vor- handen und die Staatsmänner der drei genannten Reiche mögen wohl eine berechtigte innere Befriedigung darob empfin- den, daß durch ihr wohlerwogenes Widerstreben eine Aktion, die auf weile Ziele angelegt schien und große Gefahren in ihrem Schöße barg, allmälig und ohne Schaden anzurichten im Sande zu verlaufen beginnt. HulKattlSnd-r. Aus Sofia, 6. März, wird offiziös geschrieben:„Die bul- garische Regierung hat ihren Vertreter in der türkischen Haupt- stadt angewiesen, der Pforte auseinanderzusetzen, daß die bulga- rische Regierung jede Zumuthung von sich weisen werde, die geeignet wäre, die Ruhe im Lande und die gegenwärtige Ord- nung der Dinge daselbst zu stören. Indem die bulgarische Re- gierung eine derartige Erklärung abgiebt, verharrt sie nur auf dem von ihr seit langer Zeit eingenommenen Standpuntte und nimmt daher eine folgerichtige Haltung an, welche dem mssischen Ansinnen gegenüber auch als gerechtfertigt erscheint. Die politi- schen Kreise Bulgariens wenigstens wittern die Absicht, noch einmal eine Störung der Ruhe in Bulgarien zu versuchen, und man ist in denselben Kreisen mehr als je davon überzeugt, daß der einzige Wunsch Rußlands darauf hinausläuft, Bulgarien in einem Zustande der Gesetz- losigkeit zu sehen, welcher elfterem den Vorwand zur Aus- fühmng des langersehnten Wunsches nach einem militärischen Einschreiten liefern könnte. Sei dem wie immer, so ist doch soviel sicher, daß die Bulgaren durch harte Schicksalsprüfungen dazu gelangt find, die Winkelzüge und geheimen Absichten ihrer Feinde kennen zu lernen. Sie werden daher, so weit dies von ihnen abhängt, für die sttengste Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung Sorge ttagen." Die„Pol. Corr." schreibt: Meldungen, die uns von der serbisch-türkischen Grenze zugehen, berichten von allerlei Vor- gängen in Altserbien, speziell im Distrikte von Pristina, die auf die Abficht schließen lassen, von dieser Seite einen Einfall be- waffneter Banden nach Bulgarien zu organistren. Es sei in der letzten Zeit auffallend viel Geld in die Gegenden gesendet worden, und man bringt mit diesem Vorhaben auch die angesichts der in Montenegro herrschenden Hungers- noth und Erwerbslosigkeit sehr auffällige Rückkehr zahlreicher Montenegriner aus Konstanttnopel in ihre Heimath in Ver- bindung. Soziales mh Arbeiterbewegung. An alle Tapeiiergehilfen Deutschland». Hamburg, 11. März 1888. Kollegen!„Die Tapezicrgehtlfen Hamburgs und Altonas befinden fich in einem Lohnkampfe. Wir haben bisher alles Mögliche versucht, uns mit den Prinzipälen zu einigen, bisher aber ohne Erfolg. Auf langes Warten hat uns endlich die hiesige Innung einen Lohntarif zugeschickt, welchen der hiesige Fachverein in einer stark besuchten Versammlung er- klärte, nicht annehmen zu können, dagegen wurde folgende Re- folution angenommen:—„Da die Anerbietungen der Innung auch nicht annähernd den Forderungen der Gehilfen nachkam- wen, beschließt der Fachverein an seinen Forderungen festzu- halten und Alles aufzubieten, dieselben durchzusetzen!"— Kollegen, da wir sehen, daß wir ohne Kampf unsere gestellten Forderungen nicht erreichen, so appelliren wir an Euer Kollegiali- tätsgefühl, denn unser Kampf ist auch der Eurige, und rufen wir Euch zu:„Kollegen, meidet Hamburg!"— Weiterer Bericht folgt. Etwaige Anfragen in dieser Sache find zu richten an den ersten Vorsitzenden des Fachvereins Th. Meier, Gr. Rosen- stt. 35 in Hamburg. Z«r Keachtung fäv Tischler. Aus Rostock wird uns berichtet, daß die Tischlergesellen der dortigen Sttobelderger- schen Möbelfabrik mit dem Chef der Fabrik in Differenzen ge- rathen find wegen;u_ niedriger Akkoidpreise. Es wird ge- beten, den Zuzw Meisterschaft weiden alle Mittel aufgeboten, um die Arbeiter zu besiegen. Durch Annonzenschwindel und Entstellungen des Sachverhalls sucht man auswärttge Arbeiter, die mit den hiesigen Verhältnissen gar nicht betraut find, herbeizulocken. Süddeutsch- land, Börmcn, die Schweiz u. s. w. wurden von den Meistem bereist und den Steinhauern plausibel gemacht, daß kein Streik wäre, es würden vielmehr größere Staatsbauten ausgeführt und hätten 1000 Steinmetzen 5 Jahre Beschäftigung bei einem Durchschnittslohn von 45—50 M. pro Woche, wo in Wirklichkeit bei der günstigsten Bauperiode höchstens 500 Mann beschäftigt werden und der Durchschnittslohn beträgt noch lange nicht die Hälfte. Eine schwarze Liste von sämmtlichen Steinmetzen, die einmal in Leipzig gearbeitet haben, ist in Zirkulatton und haben bereits schon Maßregelungen stattge- was er konnte, auf die Straße hinaus, um nach dem Arzt zu laufen und diesem gleich selber unterwegs die Krankheits- Symptome anzugeben. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Zeben. Atreikende Pfarrer. Nach einem Telegramm, das eines der Journale von Rio de Janeiro,„O Paiz", veröffent- licht, haben die sämmtlichen Pfarrer von Buenos- Ayres am 7. Februar eine Erklärung unterzeichnet und bekannt gemacht, daß sie fich weigern, den kirchlichen Dienst ferner zu verrichten, da ihre Einkünfte auf ein Minimum herabgesunken find. Die Glocken der Kirchen haben aufgehört zu läuten, die Rauchfässer werden nicht mehr geschwungen, und wenn nicht bald Hilfe kommt, so beabsichtig! man, eine„große Einwanderung" von Geistlichen zu inszeniren. Bereits find die Pfarrer auf dem Lande aufgefordert worden, nach der Hauptstadt zu kommen, um dem„uebelstande" ein Ende zu bereiten. Gin eigeuthümlicher Prozeß ist kürzlich in New-Bork zum Austrag gekommen. Als Klägerin erschien eine Frau Guion, der Angeklagte war Herr Wellman, Redakteur des Blattes„Cupid" und Agent eines Heirathsvermittelungs-Ge> schäftes. Frau Guion verlangte Rückerstattung von 55 Dollars, welche dieser Herr von ihr erhalten hatte. Frau Guion, die sich von ihrem Gatten hatte scheiden lassen, wandte sich an Wellman, um fich einen neuen Lebensgefährten zu verschaffen. Sie zahlte 5 Dollars als erste Gebühr und am 25. Juni weitere 50 Dollars, unter der Bedingung, daß der Agent ihr einen Mann unfehlbar bis zum 17. August verschaffen solle. Wellman that sein Möglichstes für die Bewerberin, er sandte ihr über zwanzig Freier, aber keiner erfüllte das Ideal, das fich Frau Guion von einem Lebensgefährten gemacht hatte. So ging der 17. August vorbei und die Dame verlangte Rückerstattung ihres Geldes vor dem Richter. Der Agent sprach seine Ueberzcugung aus, daß unter den 25 Männern mehr als ein paffender ge- wesen sei. Der Richter jedoch erklärte, daß das gleichgiltig sei, weil das Abkommen gegen das öffentliche Recht verstoße und wies die Klage ab. funden. Gegen 40 fremde Steinhauer find auf den Leim ge- gangen und haben die Arbeit begonnen, doch ist die Zahl gegen- über der der Gemaßregelten nur ein Bruchtheil, und können uns dieselben nicht beirren. Die Angekommenen werden per Droschk(Stockbranche), hielt am 6. d. M. in den„Arminhallen", Kommandantenstraße 20, eine Versammlung ab. Der Kasstrer gab einen kurzen Ueberblick über die Kassen« Verhältnisse; demnach beträgt der Bestand etwa 38 M. Ein genauer Bericht über die Abrechnung soll in der nächsten Ver- sammlung eistattet werden. Herr Hildebrand referirte hierauf über die Ursachen und Folgen des letzten Streiks in der Stock- blanche. Der Streik bei Eckersdorf sei deshalb ausgebrochen, weil die Firma ihren Arbeitern die Löhne um 6 bis 20 pCt. reduziren wollte. Durch einmüthigcs Zusammenhalten der Ar- bester sei dies indeß verhindert worden. Bei der Firma Gebauer habe es fich um ähnliche Lohnabzüge gehandelt. Der Streik bei dieser Firma sei ein sehr hartnäckiger gewesen. Da gerade die „Lohnarbeiter" fich nicht an der Arbeitseinstellung bethelligten, weigerte fich die Firma entschieden, die bescheidenen Forderungen der Stteikenden zu bewilligen. Diese verloren nach einigen Wochen den Muth, und wer von ihnen wieder angenommen wurde, nahm die Arbeit unter den vom Fabrikanten gestellten Bedingungen wieder auf. 18 Mann, welche Herr Gebauer nicht wieder einstellen wollte, hatten unter den üblen Folgen dieses Stteiks zu leiden, indem sie Monate lang arbeitslos waren. Zum Schluß wies Redner auf die bestehende Vereinigung hin und hob hervor, daß nur durch etne starke Organisation der Berufsgenoffen die schlechten Lohn- und Arbeitsverhältnisse ge« bessert werden können. Jeder Stockarbester sei daher in seinem eigenen Jnteressr moralisch verpflichtet, fich der Vereinigung als Mitglied anzuschließen. Wäre die sstothwendigkeit einer dauern« den Organisation schon früher von der Mehrzahl der Fachgenossen erkannt worden, so wäre der letzte Streik sicher für die Arbeiter günstiger verlaufen. An der Diskusston betheiligte fich Herr Jamke, welcher das Verhalten des Herrn Gebauer während der Arbeitseinstellung in seiner Fabrik drastisch beleuchtete. Alsdann wurde beschlossen, zur Prüfung der Abrechnung vom Gebauer« schen Streik eine Kommisston zu wählen. Diese Kommisfion besteht aus den Herrn Jamke. Prausenbergcr, Vogel, Zillm und Böttcher. Am 20. März soll ein gemüthliches Zusammensein mit Damen in Deigmüller's Salon, Alte Jakobsttaße 48», statt- finden. J»r Uerbaud deutscher Mechaniker und verwandter Berussgcnosscn, Zahlstelle Berlin, tagte am Mittwoch, �en 7. d., bei Lammers, Kommandantenstr. 71 72. Auf der Tagesord- nung stand: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bcnkendorff über„or- panischen Mechanismus deS Denkens". 2. Diskusfion. 3. Ver» schiedenes. 4. Fragekasten. Der Vortragende erläuterte an der Hand wissenschaftlich begründeter Thatsachen die Funktionen des verglich das Nervensystem mit emer elektrischen Gehirns und„. Telegraphcnanlage. Im weiteren erklärte Redner die bewußten und unbewußten Handlungen und Bewegungen und bedauerte, daß in unserer Rechtspflege die momentane Geistesstörung zu wenig Beachtung fände, und schloß mit den Worten:„Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet weidet." Bei der Diskussion beantwortete Redner mehrere auf den Vortrag bezügliche Fragen in zufriedenstellender Weise. Zu Punkt 3 d> ver Tagesordnung wurden die in einer hiesigen Werkstatt entstandenen Differenzen durch Annahme eines von der Kommisston vorgeschlagenen An« träges für erledigt erflärt. Zu dem in verschiedenen Zeitungen erschienenen Artikel:„Mangel an Fachtechnikern und Feinmecha- nikern" versprach die Preßkommisston demnächst Stellung zu nehmen. Nach Erledigung verschiedener Fragen wurde die Ver- sammlung geschlossen. Der verein zur Unterstützung erkrankter»«> verunglückter Mitglieder der Maurer des Westen Ber- lins hielt am 6. d. NT in Rennefahrt's Lokal, Tennewitzstr. 13, eine Mitgliederversammlung ab mit der Tagesordnung: 1.„Ent- spricht der Verein den statutenmäßigen Anforderungen?" 2. Diskusston. 3. Vereinsangelcgenheiten. Herr Freidank führte aus, daß der Verein in der kurzen Zeit seines Bestehens schon recht Tüchtiges geleistet, indem er schon 75 Mark als Unter- siützung an erkrankte Mitglieder gezahlt habe. Redner befür« wortete, daß sich die Mitglieder nicht nur materiell, sondern auch moralisch unterstützen müßten dadurch, daß bei der Arbeit nicht Einer den Andern zu überbieten sucht. Durch die allzu- große Arbeitsleistung Einzelner würden auch die Anderen zu was schon oft die oft übermäßiger Körperanstrengung getrieben, n,. Ursache von Krantheits- und Unglücksfällen war. Redner schloß seine Ausführungen, indem er darauf hinwies, daß die Men- schenliebe den Verein begründet und diese den Verein nur erhalten wird. Herr Pankow sprach ebenfalls im Sinne des Vorredners. Er wies femer auf das dem Vorstand vom Polizeipräsidium zugegangene Schreiben hin, durch welches dem Verern untersagt wird, stch an nicht erlaubten Sammlungen zu detheiligen oder Bereinsgelder zu anderen als im Statut vorgesehenen Zwecken zu verwenden. Der Vorfitzende verwahrte sich ganz entschieden gegen die Annahme, daß der Verein derartiges untemommen habe. Hierauf wurde beschlossen, am Charfteitag eine Herren- Fußpartie zu veranstalten. Ferner beschloß die Versammlung, den erkrankten Mitgliedem künftig, so lange die Kassenverhält- nisse dies gestatten, an Unterstützung pro Woche 6 M. zu zahlen. Mitgetheilt wurde, daß für verlorm gegangene und durch neue ersetzte Statutenbücher 10 Pf. zu zahlen sind. Am 5. Mai soll ein Tanzkränzchen stattfinden und wurde hierzu ein Komitee gewählt. Zum Schluß wurde zu recht zahlreichem Besuch der Vereinsversammlungen aufgefordert. Derband deutscher Zimmerleute. Generalversamm- lung sämmtlicher Berliner Lokalverbände am Sonntag, den 18. März cr., Vormittags 10% Uhr, Kommandantenstr. 72, im „Neuen Klubhaus". Tagesordnung: 1. Wahl der Delegirten. 2. Vorlage, betreffs Bildung nur eines Lokalverbandes. 3. Ver- schiedenes. Quittungsbuch legitimirt. Oefseutlichcr D-eteag für Du«»». Der praktische Arzt Dr. med. C. Sturm wird heute Abend im Saale des katholischen Vereinshauses, Nicdcrwallstr. 11, über„Verhütung und Heilung der Frauenleiden sprechen. Nur Damen haben Zutritt. Anfang 8% Uhr. N»rl»a«d»»«tscheu Zimmerleute, Lokalverband„Berlin Ost". Mittwoch, den IT März, Abends 8 Uhr, Versammlung ge. 2. Die Tagesordnung der am I«. März stattfindenden Generalversammlung der Berliner Lokalverbände. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gauuerei« Berliner Dild Hauer, Annenstt. 16. Heute, Dienstag, Bibliothekabend und Bericht der Kommission über die Vergnügungen. Freireligiöse Gemeinde. Heute, Dienstag, Abends 8% Uhr, im Lokale„Sanssouci", Koltduserstt. 4a, Vortrag des Herrn Dr. F. Huber über:„Begriff und Bedeutung des allge- meinen und besonderen Priesterthums". Damen und Herren als Gäste willkommen. Zentral-Kranken- und KterbeKastV der Drechsler «nd anderer gewerblicher Arbeiter(E. H. 48). Verwaltungsstelle„Berlin A". Die Äuszablung des Kranken- und Medizingcldes findet vom Mittwoch, den 14. d. M., bis auf weiteres beim stellvertretenden Kasfirer, Herrn A. Werdermann, Langestr. 68 v. II, Mittags zwischen 12% und 1% Uhr statt. Kranken« und Medizinscheine stellt aus für den Osten Herr Gerlach, Kleine AndreaSstt. 4 H. III, Abends von 7%— 8i für den Südosten Herr Stein, Muskauerstr. 14 v. III, von 7—9 Uhr. Der Bevollmächtigte, Fr. Schräder, Pücklerstr. 7 v. 11. Gesang-, Turn-«nd gesellige Uereine am T Gesangverein„Gutenberg" Abends 8', Uhr im Rest Quandt, Stralauerstraße 43.— Gesangverein„AlpengN Abends 9 Uhr im Restaurant Hildebrandl, Prinzenfttaße 91 Schäfer'scher„Gesangverein der Eiter". Abends 9 Uhl Wolf und Kruger, Skalitzersttaße 126, Gesang.— M gesangverein„Gartenlaube Abends 9 Uhr im Restaurant Kottbusersttaße 22.— Männeraesangverein„Steinnelke" Ab 9 Uhr im Restaurant Schulz, Stettinersttaße 56—57.— Gel verein„Schwungrad" Abends 8-, Uhr Annenstraße 16, Restaurant Sahm.— Gesangverein„Sängerhain" Abends 9 im Rest. Kaiser Franz Grenadierpl. 7.— Gesangverein„Hos' Moabit" Abends 8'.', Uhr Wilsnackersttaße 63, im Res Jlges.— Gesangverein„Felicitas" Abends 9 Uhr im Rel Nebelin, Langestr. 108.— Männergesangverein„Aco Abends 9 Uhr, bei Brademann, Markusstraße 7.— Ziti „Amphion". Abends 9 Uhr, in Triebel's Restaurant Steinweg 15.— Tumverein„Froh und Frei"(L abtheilung) Abends 8% Uhr Bergstraße Nr. 57- Berliner Tumgenossenschaft(V. Männcrabtheilung) 87i Uhr in der städtischen Tumhalle, Wal straße Nr. 31.— Turnverein„Hasenhaide"(5 Abtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstraße Nr. — Rauchklub„Deutsche Flagge" Abends 8 Uhr im Rel Händler, Wranaelstr. 11.— Verein ehemaliger Schüler 37. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant ll>l Köpnickerstraße 63.— Verein ehemaliger Schüler der# meindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant„Älbrechb Wllhclmstraße Nr. 105.— Arends'scher Stenographen. „Apollobund" Abends 8'' Uhr Brunnenstraße 129-.— Ä scher Stenographen-Verein Abends 8V, Uhr im Restaurant eisernen Kreuz", Lindenstt. 71.—„Deutscher Verein Aren" Stenographen Abends 8', Uhr in Randel's Restaurant, N straße 129-.— Verein„Rose" Abends 8', Uhr im Rest> Eltze, Alerandrinenstraßc 99.— Vergnügungsverein Abends 9 Uhr im Restaurant Reimcke, Gipsstraße Dienstag nach dem 1. und 15.— Rauchklub„Zum Abends 8 Uhr bei Blocksdorf, Wrangclstt. 32. 68 ssentlicht sse: Aus S In der , Ar M lot Preu utsche% adene i Unzertr 1 aller Gi "s die a> lck schöns Indem rsorge da " erhob, _ er .natwno eine ersehn: Und w ungen. 1 voller Sicher itet im «tlebliche Daß d vreußi schen C . Auf B tojSfn, die {•b welche ng I Jen dir Durch! �zesBest. «gtündi Machen A�rungei " wic m. 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Und was Er in heißem, opfervollem Kampfe Seinem Volke '"gen, das war Ihm beschieden, durch lange Fricdensarbeit voller Regierungsjahre zu befestigen und segensreich zu Sicher in seiner eigmm Kraft ruhend, steht Deutschland �btet im Rathe der Völker und begehrt nur, des Gewonnenen friedlicher Entwickelung froh zu werden._ > Daß dem so ist, verdanken wir Kaiser Wilhelm, Seiner nie Unkenden Pflichttreue,(Seiner unablässigen nur dem Wohle ? Baterlandes gewidmeten Thätigkeit, gestützt auf die von p preußischen Volke unwandelbar bewiesene und von allen �«schm Stämmen getheiltc opferfreudige Hingebung. . Auf Mich find nunmehr alle Rechte und Pflichten überge- Mm, die mit der Krone Meines Hauses verbunden sind. (ü, welche Ich in der Zeit, die nach Gottes Willen Meiner """"mg beschieden sein mag, getreulich wahrzunehmen ent- r— mit bin.. Durchdrungen von der Größe Meiner Aufgabe, wird es Mein Mes Bestreden sein, das Werk indem Sinne fortzuführen, in dem «gründet wurde, Deutschland zu einem Horte des Friedens Machen und in Uebereinstimmung mit den �verbündeten 'Mngcn sowie mit den verfassungsmäßigen Organen des wie Preußens, die Wohlfahrt des deutschen Landes zu im. Meinem getreuen Volke, das durch eine Jahrhunderte lange Schichte in guten wie schweren Tagen zu Meinem Hause ge- S�den, bringe Ich mein rückhaltloses Vertrauen entgegen. £f>n ich iiberzcuat, daß auf dem Grunde der untrennbaren Mmdung von Fürst und Volk, welche, unabhängig von «her Veränderung im Staatcnleden, das unvergängliche Erbe Hohenzollernstammes bildet, Meine Krone allezeit ebenso £i �4." 6' VllWi/-ywmv üvwuv vvvirjv wht, wie das Gedeihen des Landes, zu dessen Regierung toM»unehr berufen bin, und dem Ich gelobe, ein gerecht:?, Ä Freud' wie Leid treuer König zu sein. KehO�it wolle Mir Seinen Segen und Kraft zu diesem Werke iädtrn fortan Mein Leben geweiht ist! den 12. Mä� 1888. __ Frredrrch III. S*. Majestät de» Kaiser»«nd König« an den •"»irantler«ndprästdenten de» Ktaatsmrnisterinm». Mein lieber Fürst! dem Antritt meiner Regierung ist es Mir ein Be- Mich an Sie, den langjährigen vielbewahrten eilten �«er Meines in Gott ruhenden Vaters zu wenden. Sie find £|®Me und mutl, volle Rathgeber gewesen, der den Zielen kfl«er Politik die Form gegeben und deren erfolgreiche Durch- i% gesichert hat. j��onen bin Ich und bleibt Wem Haus zu warmem Dank iL S'e haben daher ein Recht, vor Allem zu wissen, welches l>Mi, �'spunkte find, die für die Haltung Meiner Regierung sein sollen. ®te Verfassungs- und Rechts-Ordnungen des Reiches und «vens müssen vor Allem in der Ehrfurcht und in den Sitten Ai v Hfurtt«erboten.) Gin altes Märchen in Briefen. Von Hermann Heiberg. Nr. 1. wjfmnerjt Du Dich noch, Mensch, daß wir uns einst Schlehen wollten um das kleine Fränzchen mit den rothen Du wirst es vergessen haben, da Du, gleich ' schier unglaubliches Register aufrolltest. Und Mr in Spanien: tausend und drei!—— L. �ver, wie wund müssen Deine Lippen sein! Und auf '«lhen' ttli Deiner Erfahrung schwurst Du, nie zu hei- L%oH[! Es muß auch Schmetterlinge geben, sonst würde umsonst iK bt �°hl! Es muß auch Schmetterlinge geben, ,on,t der Blumen in allzu vielen Kellereien ui M. schert werden.,„_.. Fjii aber, Freund, habe mich nun entschlosien die ein- ffflf[Cj�oleurnlampe und die Butterdose mit dem trub- * dM � 3kest in die Ecke zu stellen. Ich habe m,ch verlobt! I��arte nicht, daß Du nun vor Ueberraschung einen �baum schlägst. ti« Lch weiß. Zn der Regel nehmen die Verlobten an, der ganzen Welt müßten sich auf sie richten. w.tgar die Geburt des ersten zahnlosen klemen Hernr ungeduldig strampelnden Beinen erfolgt, vergißt % 3v ,n seinem stolzen Selbstgefühl den wirklichen Schopfer Freund, ich nehme die Sache als eine solche, � 3-0& passirt, aber da ich nun wirklich auf «-te Küch. Keller und' Dienstboten umfassenden Einfall bin, so will ich Dir doch wenigstens Mittheilung in dem ganzen AusdruckS-Ueberschwall meiner sie aussieht und mache kein Gesicht,�wie der 1 sMMsÄ- BÄPr'um ih« W« � der Nation sich befestigen. Es find daher die Erschütterungen möglichst zu vermeiden, welche häufiger Wechsel der Staatsein- lichtungen und Gesetze veranlaßt. Die Förderung der Aufgaben der Reichsregierung muß die festen Grundlagen unberührt lassen, auf denen bisher der preußische Staat sicher geruht hat. Jin Reiche ssnd die verfassungsmäßigen Reckte aller ver- kündeten Regierungen ebenso gewissenhaft zu achten, wie die des Reichstags: aber von beiden ist die gleiche Achtung der Rechte des Kaisers zu erheischen. Dabei ist im Auge zu be- halten, daß diese gegenseitigen Rechte nur zur Hebung der öffentlichen Wohlfahrt dienen sollen, welche das oberste Gesetz bleibt, und daß neu hervortretenden, unzweifelhaften nationalen Bedürfnissen stets in vollem Maße Genüge geleistet wer- den muß. Die nothwendige und sicherste Bürgschaft für ungestörte Förderung dieser Aufgaben sehe Ich in der ungeschwächten Er- Haltung der Wehrkraft des Landes, Meines erprobten Heeres und der aufblühenden Marine, der durch Gewinnung über- seeischer Besitzungen ernste Pflichten erwachsen find. Beide müssen jeder Zeit auf der Höhe der Ausbildung und der Vollendung der Organisation erhalten werden, welche deren Ruhm begründet hat und welche deren fernere Leistungs- fähigkeit sichert. Ich bin entschlossen, im Reich und in Preußen die Regie- rung in gewissenhafter Beobachtung der Bestimmungen von Reichs- und Landesverfassung zu führen. Dieselben sind von Meinen Vorfahren auf dem Throne in weiser Erkenntniß der unabweisbaren Bedürfnisse und zu lösenden schwierigen Auf- gaben des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens begründet worden und müssen allseitig geachtet werden, um ihre Kraft und segensreiche Wirkfamkeit bethätigen zu können. Ich will, daß der seit Jahrhunderten in Meinem Hause heilig gehaltene Grundsatz religiöser Duldung auch ferner alle Meine Unterthanen, welcher Religionsgemeinschaft und welchem Bekenntnisse sie auch angehören, zum Schutze gereichen. Ein jeglicher unter ihnen steht Meinem Herzen gleich nahe— haben doch alle gleichmäßig in den Tagen der Gefahr ihre volle Hin- gebung bewährt. Einig mit den Anschauungen Meines Kaiserlichen Herrn Vaters, werde Ich warm alle Brestrcbungcn unterstützen, welche geeignet find, das wirthschaftliche Gedeihen der verschiedenen Gesellschaftsklassen zu heben, widerstreitende Interessen derselben zu versöhnen und unvermeidliche Mißstände nach Kräften zu mildern, ohne doch die Erwartung hervorzurufen, als ob es mög- lich sei, durch Eingreifm des Staats allen Nebeln der Gesell- schaff ein Ende zu machen. Mit den sozialen Fragen enge verbunden erachte Ich die der Erziehung der herwachsenden Jugend zugewandte Pflege. Muß einerseits eine höhere Bildung immer weiteren Kreisen zu- gänzlich gemacht werden, so ist dochju vermeiden, daß durch Haldbildung ernste Gefahren geschaffen, daß Lebensansprüche geweckt werden, denen die wirthschaftlichen Kräfte der Nation nicht genügen können, oder daß durch einseitige Erstre- bung vermehrten Wissens oie erztehtlche Aufgabe u�hsückstchtizi bleibe. Nur ein auf der gesunden Grundlage von Gottesfurcht in einfacher Sitte aufwachsendes Geschlecht wird hinreichend Wider standskraft besitzen, die Gefabren zu überwinden, welcher in einer Zeit rascher wirthschaftlicher Bewegung, durch Beispiele hochgesteigerter Lebensführung Einzelner, für die Gesammtheit erwachsen. Es ist Mein Wille, daß keine Gelegenheit versäumt werde, in dem öffentlichen Dienste dahin einzuwirken, daß der Versuchung zu unverhältnißmäßigcm Aufwände entgegengetreten werde. Jedem Vorschlage finanzieller Reformen ist Meine vorur- theilsfreie Erwägung im Voraus gesichert, wenn nicht die in Preußen altbewährte Sparsamkeit die Auflegung neuer Lasten umgehen und eine Erleichterung bisherigen Anforderungen herbeiführen läßt. Die größeren und kleineren Verbänden im Staate ver- liebene Selbstverwaltung halte Ich für ersprießlich. Dagegen stelle Ich es zur Prüfung: ob nicht das diesen Verbänden ge- währte Recht der Steuer- Auflagen, welches von ihnen ohne hinreichende Rücksicht auf die gleichzeitig von Reich und Staat ausgehende Belastung geübt wird, den Einzelnen unverhältniß- mäßig beschweren kann. Weib eines Mandarinen beneiden, und ihr rothschwellender Mund gleicht einer Pfirsichblüthe. Ihre Augen— sie hat nämlich tiefblaue, mit dunkelschwarzen Augbraucn um- rahmte Augen— sehen aus, als ob ein in dichtem Gebüsch versteckter Waldsee ein Paar Kinderchen ge- boren hätte, still, unschuldig, tief, geheimnißvoll— und doch bei Sturm und Sonnenschein, bei Tage und bei des Mondes silberglänzender Behäbigkeit— gefährlich! Ich fiel, wie ein Trunkener, in diese wunderbaren Abgründe, und als ich zum Bewußtsein kam, lag ick an dem Schnee eines Halses, dessen Farbe das Gefieder ver Schwäne beschämen würde.— „Aber nun hören Sie auf, Herr Doktor Federico Lamprecht. Es ist genug!"— höre ich Dich sagen. Gut! Ich will meinen Hahn abdrehen und das Faß meiner Be- geisterung auf Abbruch verkaufen. Aber eines muß ich Dir noch sagen, und sollte ich auf einem alten Lehnstuhl des Qainquecento festgebunden und todtgekitzelt werden. Ihr Haupt muß ich Dir beschreiben: Sie hat Haare, als brenne der Berg Ida und als züngelten kleine rothe Schlangen in einem Champagnerrausch nach Liebe! So, nun weißt Du, daß sie ebenso wie Fränzchen, um die Du meine schöne, weiße Seele einst in die Unterwelt schaffen wolltest,— rothe Haare hat. Ich bin ganz tobsüchtig glücklich, dieses kleine, stille, demuthvolle und unverdorbene Kind auf dieser abgeplatteten Himmelsinsel— Erde— gefunden zu haben. Und nun, mein Herr, mache ich die Thürcn meines Königreichs zu. Zch will zu Bett gehen und habe mir Schlaf und Traum mit Mohnblumenkränzen bereits bestellt. Sie warten! Nachschrift: Also ernsthaft! Ich habe mich wirklich ver- lobt und Du kannst mir gratuliren. Sprich unglaublich viel Gutes gegen mich aus, wenn Du antwortest. Therese — so heißt sie muß glauben, es sei Apollo, Jupiter und MarS in mir vereint.— Und endlich noch eins: Sie hat Grübchen auf den Handflächen! Grübchen, welche aussehen, wie Wiegen für Engel!— 3n gleicher Wesse wird zu erwägen sein, ob nicht in der Gliederung der Behörden eine vereinfachende Aenderung zu- lässig erscheint, in welcher die Verminderung ocr Zahl der An- gestellten eine Erhöhung ihrer Bezüge ermöglichen würde. Gelingt es, die Grundlagen des staatlichen und gesellschaft- lichen Lebens kräftig zu erhalten, so wird es Mir zu besonderer Genugthuung gereichen, die Blüthe, welche deutsche Kunst und Wissenschaft in so reichem Maße zeigt, zu voller Entfaltung zu dringen. Zur Verwirklichung dieser Meiner Absichten rechne Ich auf >re so oft bewiesene Hingebung und auf die Unte:stützunz >rer bewährten Erfahrung. Möge es Mir beschieden sein, dergestalt unter einmüthigem Zusammenwirken der Reichsorgane, der hingebenden Thätigkeit der Volksvertretung, wie aller Behörden, und durch Vertrauens» volle Mitarbeit sämmtlicher Klaffen der Bevölkerung Deutschland und Preußen zu neuen Ehren in friedlicher Entwickelung zu führen. Unbekümmett um den Glanz mhmringender Großthatcn, werde Ich zufrieden sein, wenn dereinst von Meiner Regierung gesagt werden kann, sie sei Meinem Volke wohlthätig, Meinem Lande nützlich und dem Reiche ein Segen gewesen! Berlin, den 12. März 1888. Ihr wohlgeneigter Friedrich III. %n|cr MiiJett>efen. Von Hermann Schlüter. („Die neue Zeit.") (Fortsetzung und Schluß.) Wir haben gesehen, daß die gesetzlichen Bestimmungen, die zur Regelung des Gcfindewesens erlassen wurden, ohne Aus- nähme ein recht ehrwürdiges Alter zeigen, und die Gesetz- gedungen haben seit mehr als einem Menschenalter, in deu altpreußischen Provinzen sogar seit über 70 Jahren nichts für die Dienstboten aethan. Im Gegentheil, sie haben sogar noch die geringen Rechte eingeschränkt, welche das Gesinde besaß. So wurde in Preußen im Jahre 1854 durch das Gesetz über die „Verletzungen der Dimstpflichten" den Dienstboten das d,s dahin zugestandene Koalitionsrecht entzogen und ihnen jede Vereinigung, Verabredung und Auffordeiung zum Zwecke der Lohnerhöhung mit Androhung schwerer Strafen untersagt. Während der ganzen Dauer der liberalen Aera in Deusschtand haben sich auch die liberalen Parteien nicht ver- anlaßt gesehen, irgend etwas für die Dienstboten zu tbun. Sie hatten wohl ihre guten Gründe dazu! Die Gebundenheit und Unzufnedenheit des Gesindes oeranlaßte viele, die demselben angehörten, ihr bisheriges Abhängigkeits- Verhältniß aufzugeben und in den mehr persönliche Unabhängig» keil bietenden Fabriken Unterkommen zu suchen. Andererseils lag die Gefahr nahe, daß bei Verdesserungen der Lage der Dienstboten Industriearbeiter, besonders die dem Fabritanten so willkommenen weiblichen, ins Gesinde zurücktreten könnten. Schritte zum Besten der Dienstboten hätten also das Angebot von.Händen" vermindert, während bei dem vorhandenen Stand der Dinge dieses Angebot vermehrt wurde. Erhöhtes Angebot bewirkt Fallen der Arbeitslöhne, bewirkt billige Arbeitskrast, und hier haben wir das Geheimniß, weshalb die mit ihrer„Frei- stnnigkeit" sich brüstenden Liberalen die schlechte Lage der Dienst» boten nicht linderten. Ein Eingreifen der Legislative ist aber hier so nöthig, wie irgend wo anders. Die Dienstbotenordnungen mit ihren dra- konischen Bestimmungen find veraltet. Sie stehen im Wider» sptuch zum Geiste der Zeit und sind infolge dessen zum Theil unwirksam geworden. Auch der Richter ist von der öffentlichen Meinung abhängig und er wird es heutzutage kaum noch unter- nehmen wollen, gegen Leute, wie Köche, Kellner, Gärtner u. dergl., die sich im Wesen vollständig vom Gesinde losgelöst haben, aber trotzdem noch unter jenen Gesetzesbestimmungen stehen, diese in voller Kraft in Anwendung zu bringen. Die wirthschaftlichen Grundlagent auf denen jene Gesetze errichtet worden, sind eben verschoben. Das Verhältniß der Herrschost zum Dienstboten war zu jener Zeit noch ein patriarchalisches: die Nr. 2. Lieber Freund! Dank für Deine Zeilen. Also Du kommst am Mitt- woch zur Hochzeit? Zch freue mich, Dich wiederzusehen, als solle ich das Glück in einer Sandtorte verspeisen. Und ge- wiß, Du wirst sie schön finden. Wenn ich sie ansehe, dünkt mich, sie müffe einer seidenweißen Rose mit einem rosen- rothen Kelch entschlüpft sein, und sie liebt mich mit einer Zärtlichkeit, die mich wahnsinnig macht. Zch greife immer um mich, um irgend etwas in Bewegung zu setzen!— Wäre ich Poseidon, ich würde den Atlantischen Ozean in meine Handflächen füllen und dem Himmel ins Gesicht spritzen.— Also Mittwoch! Schätze mich bis dahin weiter. ES sei Dein einziger, Beruf!— Nr. 3. Roßtrappe-Harz. Wir kommen eben vom Felsen herab. Die Gegend lag vor uns, wie das Lächeln auf den Lippen einer Wald- nymphe. Meine kleine rothe Venus sendet Dir einen Sack voll Grüße. Er ist zugeknotet! wenn Du ihn aber ausmachst, verwandelt sich jeder Gruß in ein geschwätziges Märchen� das Dir von unserem Glück erzählt! Adieu, Theurer! Hoffentlich bist Du mit der Nach- Wirkung des Hochzeit-Champagners zuftieden gewesen. Wir sind bereits auf der Rückreise. In acht Tagen adressire die Briefe an: Doktor Federico Lamprecht, Berlin W., Kurfürstenstraße... Nr. 4. _,, Berlin. So spät beantworte ich Deinen Brief, Lieber! Aber nach unserer Rückreise gab es tausend Schubladen aufzu- machen, um alle die Pflichten, die sich darin angesammelt, herauszuholen. Allerlei in der Einrichtung, Visiten hin und her u. s. w. u. s. w.!— Und nicht zum Geringsten meine Berufsthätigkeit, die ich doppelt nachzuholen hatte, hielt mich vom Schreiben ab. Heute ist endlich einmal ein ruhiger Abend.— Zch habe «irthschaftliche Entwicklung hat abcr auch dieses Verhäliniß wesent- lich gelockert. Die Unsicherheit der Stellung, die Abhängigkeit von und die Ueberflüsfigmachung durch die Maschine, die Ungewiß- heit der Arbeitsgelegenheit, kurz, jener ganze wirthschaftliche Prozeß, der die modernen Arbeitsverhältnisse so eigenartig gestallet hat, wirkt auch auf das Gesinde. Das frühere patriarchalische Vcr- hältniß hat sich gelöst und das Gesinde findet in der Familie der.Herrschaft keinen Halt mehr. Jenes Ideal des Gcstndeverhältnisses, welches nach Roscher darin desteht, daß es von Herrschaften wie Dienstboten als ein Stück christlichen Familienlebens bethätigt wird, daß Gewogen- heit von der einen, Ergebenheit von der andern, Treue von deiden Seiten, uneigennützige Sorge für das gegenwärtige und „zukünftige" Interesse des andern Theils und namentlich auch für dessen„ewige Zukunft" vorhanden sein muß, dieses„Ideal- verhältniß" ist so wenig für unsere Zeit, als für irgend eine andere Zeit vorhanden und vorhanden gewesen, weil die ver- schiedcnen Interessen von Herrschaft und Gefinde auch ver- schiedcne entgegengesetzte Bestrebungen hervorrufen müssen. Die modernen Ideen von Menschenrecht und Menschenwürde, die frch als Resultat wirthschaftlicher Entwicklung unter dem Arbeiter- stände ausbildeten, wußten auf die Dienstboten zurückwirken und jene absolute Unterordung des Gesindes unter die Herrschaft zerstören, die eine Vorbedingung für das Gefindewesen bildet. Da die Herrschaft nicht meyr in so enge Berühmng mit den Dienstboten kommt, wie früher, da sie nicht mehr mit ihnen arbeitet, nicht mehr mit ihnen ißt, das Standcsbewußtsein sie auseinanderhält, so ist auch die Behandlung und Nahrung der Dienstboten eine schlechtere geworden. Sie find blos Hand- langer der Herrschaft und das Verhältniß dieser zum Gesinde ■ist kein— wie wohl behauptet wird— erziehendes, sondern ein ausnutzendes. Die Hausfrau hat bei der Verwendung der Dienst- wädchen blos das Interesse des eigenen Hausstandes im Auge und bei materiellem Rückgange der Herrschaft sind es zuerst die Dienstboten, die darunter zu leiden haben. Die auch hier hervortre- tende Arbeirstheilung bewirkt bei den Dienstmädchen eine einseitige Ausbildung, weil sie stets dieselbe Arbeit, z. B. Kinderwarten, ver- richten müssen. Es wird behauptet, daß die Dienstmädchen einen großen Prozentsatz zu den Prostituirtcn stellen— in Berlin waren 1873 48,3 pCt. der Prostituirten frühere Dienst- und Ladenmädchen— zu erklären ist dieses aus dem Abhängig- keitsverhäitniß der Dienstmädchen von den männlichen Mit- gliedern ihrer Hcrrschastsfamilie. Wenn in mancher Beziehung sich auch die Dienstboten freier bewegen können, als früher, so ist das eine Folge der allgemeinen Kulturentwicklung, die auch zur Hebung des Bewußtseins der Dienstboten beigetragen hat. Das kann aber nicht genügen. Die Anschauungen, die wir heute von den Rechten der Menschen haben, stehen im Widerspruch mit den Gesetzesvorschriften, welche die rechtliche Stellung unseres Gesindes bestimmen, und darum ist es hohe Zeit, daß zu der durch die wirthschaftliche Entwicklung herbeigeführten Zersetzung der patriarchalischen Bc vormundung auch die Aufhebung der polizeilichen und recht- liehen Bevormundung der Dienstboten trete. Ein Eingreifen der Elesetzgebung ist um so mehr geboten, als das Gesinde zerstreut und deshalb weit weniger widerstandsfähig ist, als der aewerb- liche Arbeiter, der Stärkung im Verkehr mit seinen Genossen findet, während der Dienstbotc stets nur vereinzelt und allein den Kampf ums Dasein auszufcchten hat. Die Geschichte hat uns noch wenig von gemeinsamem Vorgehen der Dienstboten zur Vertretung ihrer Interessen erzählt, doch kamen vereinzelte Fälle vor. Im Jahre 1848 tagte in Leipzig eine Versammlung von Dienstmävckien, die sich energisch über Arbeitsüberdürdung seitens der Herrschaft, über ungenügende Kost und ungenügende freie Zeit beklagten. Praktischen Werth halte natürlich diese Ver- fammlung nicht, sie zeigte indeß, daß auch die Dienstmädchen ihre Jnlercssen vertreten können und daß Gesctzesvor- schriften zu ihren Gunsten eben so gut von ihnen benutzt werden würden, wie die zum Schutze der gewerblichen Arbeiter er- lassenew Gefetze von diesen benutzt werden. Die Richtung, in welcher eine Reform der Dienstboten- gesctze zu geschehen hätte, ist durch die bisherige Gesetzgebung des Deutschen Reiches vorgezeichnet- Unterstellung der Dienst- boten unter die entsprechenden Vorschriften der Gewerbeordnung und gesetzliche Gleichflelluna mit dem gewerblichen'e-rbeiter. Natürlich wäre das allein mcht genügend, so wenig, wie die gegenwärtige Gewerbeordnung für die Industriearbeiter genügt. Im Allgemeinen wären auch hier die Forderungen aufzustellen, welche der fortgeschrittene Theil der Industrie- und Landarbeiter erhebt, also etwa: Einführung einer Normalarbeit, die heute beim Gesinde bis zu 20 Stunden dauert; Abschaffung der Dienstbücher, gegen welche dieselben Einwände zu erheben find, wie gegen dre Arbeitsbücher für die gewerblichen Arbeiter; Ein- fchränkung der Sonntagsarbeit; Verbot des"Naturallohnes und des Versprechens von Geschenken als Theil des Lohnes, und Ersatz derielben durch Geldlohn; Ausdehnung deS Fottbildungs- schulwesenS auch auf das Gesinde und besonders auch Schulen für Hausslandswesen und Handarbeit, soweit letztere nicht durch die Entwickelung der Industrie übe, flüssig geworden. All diese Forderungen erllären sich zur Genüge selbst. Neben diesen wären aber noch verschiedene Vorschlisten in die Gewerbeord- nung hineinzubringen, welche sich auf die speziellen Verhältnisse der Dienstboten beziehen und welche gerade deshalb die Unter- fiützung dts dem Fortschritt huldigenden Gesetzgebers erlangen sollten, weil sie die Ersetzung des bisherigen Verhältnisses der Tienstboten zur Herrschaft durch ein anveres Aibeitsverhältniß und das Verschwinven des Gesammt- instituts beschleunigen dürften. Hierher gehört zunächst die Aufhebung des Wohnzwanges des Gesindes bei der Nr. 5. Mein lieber Freund! Es qiebt Situationen, in denen der Humor eilfertig wie vom Zuge erfaßte Schreibtischpapiere zum Fenster hinaus- wirbelt. In einer solchen befinde ich mich, denn ich muß Dir melden, daß das kleine Männchen, welchem meine Frau das Leben gab, nach allerlei ängstlichem Athemholcn die dunklen Augen für immer wieder schloß. Der Himmel konnte gar kein besseres Mittel ersinnen, mir meine Freude am Leben zu dämpfen. Verteufelt schlecht ist mir zu Muthe; die Trauer sitzt in meinem Hause und grinst mich kalt an. Ein Drost ist es noch für mich, daß meine Schwägerin bei uns ist. Sie kam zur Pflege ihrer Schwester, aber allerdings unter anderen Erwartungen. Statt ein lachendes Gesicht bei Freude zu zeigen, hat sie einen schwarzen Mantel umgehängt, und mir graut schon, wenn ich, heim- kehrend von den Patienten, die Klingel an meiner Wohnung ziehe. Vor acht Tagen las ich noch in dem„Wintermärchen" Polyxenes Worte: „Bin ich daheim, ist er mein Spiel für Scherz und Ernst, mein Spielwerk. Jetzt mein geschworener Freund, und dann mein Feind. Mein Höfling, mein Minister, mein Soldat. Es kürzt mir Juli- zg Dezembertagen und heilt durch tausend Kindereien Gedanken, die sonst mein Blut ver- Mensch, wie hatte ich mich auf dieses Kind ge- freut!' Noch dazu war'S ein Bube, und die Kinderftau meinte sogar, er habe mir geähnelt, wie einem Conchinchina ihr jüngster Zweibeiniger.-- Doch ernsthaft: Was alles meinten, glaubten, hofften wir nicht! 5zerrschast, durch welchen besonders die Abhängigkeit des elfteren von der letzteren gestärkt wird. Der weitaus größte Theil der Dienstboten wohnt bei der Herrschaft, doch hat sich in der Stavt, wo die höhere Stufe der wirthschaftlichen Entwicklung auch die zersetzenden Folgen derselben eher zu Tage treten läßt, schon ein nicht unbeträcht- licher Prozentsatz der männlichen Dienstboten dem Wohnen im Hause der Herrschaft zu entziehen gewußt. Im Jahre 1871 wohnten nämlich in Berlin beim Arbeitgeber nur 34,2 Prozent der mit persönlichen Dienstleistungen beschäftigten männlichen Personen, während 65,8 Prozent in eigener Wohnung, bei Anverwandten, als Schlafleute u. s. w. lebten. Bei den weiblichen Personen derselben Branche stellte sich das Verhältniß wesentlich anders. Von diesen lebten nämlich noch 93,5 Prozent beim Dienst- Herrn, während nur 6,5 Prozent anderweitig Unterkommen hatten. Schon im Jahre 1873 wies in England eine Frau King darauf hin, daß durch das Wohnen bei der Herrschaft das Dienstmädchen in sehr geringen Verkehr mit dem männlichen Geschlechte komme. Dadurch wird aber die Gelegenheit zur Verheirathung für dasselbe wesentlich verringert und sie empfahl daher, für Dienstboten Häuser mit assoziirtem Haushalt einzu- richten. Weiter schlug sie vor, daß die Arbeit in zwei Schichten geschehen solle, wodurch dem Dienstboten freie Zeit, die er jetzt wenig oder garnicht hat, zur Verfügung gestellt werde, und er gleichzeitig verheirathet leben könne. Daß die meisten Stuben und Kammern, in welchen die Dienstboten im Hause der Herr- schaft zu leben gezwungen find, bei weitem nicht den Anfor- derungen der Hygiene genügen, ja gesundheitsschädlich sind, davon kann sich jeder durch eigene Beobachtungen leicht über- zeugen. Mit dem Aufheben des Wohnzwangcs bei der Herrschaft wäre eine Ablösung der Kost durch Geldlohn anzustreben. Beköstigung der Dienstboten ist häufig eine so un- Jte genügende und schlechte, daß dieselben gezwungen sind, einen Theil ihres Geldlohncs noch zur Beköstigung hinzugeben. Weiter würde die Aufhebung der Vermiethung auf lange Zeit, also die kürzere Vertragsdauer, sowie Aufhebung der Kündi- aungszeit oder doch die Verringerung derselben auf ein Minimum wesentlich zur Besserung der Lage der Dienstboten beitragen. Die langen Kündigungsfristen, wie sie jetzt üblich sind, nehmen den Dienstboten die Gelegenheit, zu Zeiten, wo ihre Herrfchaften großen Arbeitsandrang haben, wie z. B. zur Erntezeit, ihre Löhne zu erhöhen. Sie find auf lange hinaus gebunden und ihre Abhängigkeit ist dadurch wesentlich verstärkt. In den Vereinigten Staaten finden wir monatliche Miethung, und eine Kündigungsfrist besteht überhaupt nicht, ein Verhält niß, welches das Gefinde in den Stand setzt, günstige Erwerbs- chanzen ür sich auszunutzen. Eine weitere Reform hätte einzutreten betreffs der Aus- zahlung des Dienstlohnes. An vielen Orten erhält das Gesinde erst nach vollem Ablauf der Dienstzeit, also nach Ablauf bis zu einem Jahre, den verdienten Lohn ausgezahlt, und das Gefinde hat dadurch der Herrschaft diese ganze Zeit über den Lohn borgen müssen. Dazu kommt noch, daß die Herrschaft häusig willkürlich Strafen verhängt und wohl selbst diese Strafen an sich zieht. Daß hiergegen Vorschriften zu erlassen find, liegt auf der Hand, wie denn auch unentgeltliche Dienstnachweis' bureaus in jeder Gemeinde einzurichten wären, wie ein solches schon 1810 in Frankfurt a. M. auf der dortigen Polizeibehörde bestand. Aus moralischen Gründen schon wären die Gefinde- märkte und der Handel mit Dienstboten zu verbieten. Alle diese Maßregeln würden natürlich nicht aufhalten, daß das Gefinde immer mehr oerschwindet, im Gegentheil, dieser Prozeß würbe wohl dadurch beschleunigt werden. Es tritt uns nun die Frage entgegen, wird dieses Schwinden fort- daucmd anhalten und wird das Gesinde überhaupt verschmin- den, oder wird es einen Einhalt geben? und wird, wenn die Frage des vollständigen Schwindens zu bejah.» ist, das Dienst- botenwesen für die Gesellschaft überflüssig sein? Die Abnahme der Dienstboten beruht, wie schon erwähnt, hauptsächlich darauf, daß mit der zunehmenden Geschäfts- und Arbeitslheilung der wirthschaftliche Theil der Dienstleistungen des Gesindes sich nach und nach von den rein häuslichen Dienst- leistungen derselben loslöste und zu eigenen Gewerben cnt- wickelte, in denen nicht mehr die Dienste, sondern die in Gegenständen verkörperten Arbeitsleistungen der Person begehrt werden. Die produktiven Arbeiten sind im Laufe der Entwicklung zum großen Theil aus dem Dienstboten- wesen verschwunden und nur die häuslichen Dienstleistungen find noch geblieben. Aber auch nur zum Theil. Mit der fort- schreitenden Entwickelung wird der Spielraum, der dem Ge- sindcwesen noch gelassen ist, ein immer engerer. Ist die wirth- schastliche Arbeit des Gesindes durch freie Gewerbe vermindert, so wird die häusliche Dienstleistung immer mehr durch öffent- liche Institute, mechanische Einrichtungen, Umgestaltung unseres Haus- und Wohnungswesens, Vereins- und öffentliche An- stalten u. dergl. mehr aufgehoben. Das Institut der Kranken- wärter und-Wärterinnen verdrängt den Krankcndienst der Dienstboten, wie mit der steigenden Entwickelung des Schul- wesens der öffentliche Lehrer immer mehr den Hauslehrer und die Gouvernante verdrängt. Dicnstmannsinstitute, öffentliche Stiefelputzer, wie fie in größeren Städten, besonders in Amerika, immer allgemeiner werden, weiter die sogen. Monatsfrauen, die Wäschefrauen u. s. w. übernehmen immer mehr die häus- liche Tienstlelstung. Die Entwickelung der Industrie hat erne große Masse von Arbeiten im Haushalle überflüssig gemacht. Wie lange ist es her, als noch die Hausfrau in Verbindung mit dem Gefinde den Bedarf an Brot selbst buk, das Bier selbst braute, die meine Doktorklingel abgeschnitten und unter meinem Schilde steht das drohende:„Nicht zu Hause!"— Ich kann Dir nur sagen, Freund, daß ich mich unend- lich glücklich fühle. Meine kleine Frau ist zierlich, hinreißend, liebenswürdig, häuslich, sanft, und was ihr viel- leicht an anregendem Geiste abgeht, das ersetzt mir ihre Weiblichkeit. Man müßte meine Schwiegermama in Spiritus setzen, um sie der Nachwelt aufzubewahren. Sie hat ihre Tochter vortrefflich erzogen. Kein unreines Stäubchen siel in die Seele dieses Kmdes. Und fast beschämend ist ihre Unter- ordnung und Sanftmuth. Du weißt, ich bin ein heftiger Mensch! Als wir jüngst eine kleine Szene hatten, ging sie wortlos hinaus und ich fand sie weinend in ihrem Zimmer. „Ich denke mir. Du könntest mich je weniger lieben!" — sagte sie, als ich sie um diesen starken Ausbruch ihrer Empfindungen beftagte.— Nie habe ich ein weibliches Geschöpf gesehen, das im Verkehr mit Männern so züchtig verlegen, so mädchenhaft ist. Sie erröthet, als sei ein Unschuld-Aederchen in ihrem Herzen gesprungen. Schon ein Blick scheint sie zu verwirren und ihre zarte Seele zu verletzen. Mit meiner Praxis geht es gut. Ich habe viele Patienten und bilde mir und ihnen ein, daß ich direct aus einer Rippe des AeSkulap geschnitten sei. Also, alles in Ordnung und vollkommen glücklich! Schreibe doch einmal. Immer entfernt und doch bei Dir. Dein F. Kerzen selbst goß und die Seife selbst einkochte, und in* �mndkapital: freien Zeit sowohl die Hausfrau wie die Dienstboten, weib» Wende Aktie; wie männlich, den Strickstrumpf in Händen hatten? All w Jad: Buchhä Thätigkeit ist nun größtentdeils aus dem Haushalt verschm» Wchafter der den. Auch die eigentliche Hausarbeit wird immer mehr vcw» midier Hans facht und vermindert. Mit der Ausbreitung der Gas-** Willschaft, 33 Wasserleitungen, mit der Einführung von Koch- und fflaMjWset mehrerer stalten, von Zentralheizungen und Verallgemcir erung des Wilw M Broschüre hauslebens und der Einnabme des Essens im Wirt wird ein großer Theil häuslicher Dienstleistungen und auch der Dienstboten selbst überflüssig, und mit der, Wicklung der Gesellschaft zum organifirten Wirthschaftski wird die Klasse der Tienstboten verschwinden, und ihre Angehörigen zu produktiver Arbeit übergeben müssen. Man könnte einwerfen, daß zwar in den Städten der Minderung der häuslichen Arbeit durch öffentliche Jnstitu� nichts im Wege stehe, daß sich aber auf dem Lande den nicht durchführen ließe. Dem ist entgegen zu halten, rnrnsmuS lann Lue lionsratb servative A! verordne und M beide vrteien --.-dt und �»wnt das 9 dem Lande ver Dienstbote viel weniger zu häuslichen, W 105 000 wirthschaftlichen Arbeiten verwandt wird, und es ist doch"j* Miggrätzcrst zu bestreiten, daß die letzteren sehr gut durch besondere GeM Wktei für übernommen werden können. Zudem überwiegt die Zahl? ,0600 Mark uujirn vycuicic, vic quiu«usyiciw uci.niuiicuunaiswiv*-«.. w,M,, trägt und die veraltete Institutionen lockert und zersetzt; I. Mngenen Lockerung der persönlichen Abhängigkeit des Menschen von«� �zu sehet andern, ist ein Fortschritt, der die gesellschaftliche Stellung. Betreuenden hebt und ihn und mit ihm seine Klasse der ML lym Unabhängigkeit näher bringt, und darum ist das Berschn»�.wen ech» der Dienstboten als Fortschritt zu bezeichnen. Das Schwinden dieser Bevölkerungsklasse darf"'"JM gefitzgebenden Faktoren nicht abhalten, die Lage einer Prüfung zu unterziehen und ihre rechtliche Gleichst� mit dem gewerblichen Arbeiter zu veranlassen. Wir wohnt geworden, untere Gesetzgebungen häufig in der das wirthschaftliche Getriebe eingreifen zu sehen, daß % Umwandlungsprozeß, dem unsere Gesellschaft beständig� liegt, aufzuhalten suchen, wie wir dies bei den Vorschlags Aufrechthaltung des kleinen Handwerks gesehen haben- leicht werden fie, wenn sie überhaupt an die Regeln®' � Gesindewesens gehen, in derselben Weise zu wirken fij�V Eisolg wird dann auch derselbe sein. .Herr U lligten I .lle Rege liche Vert '*■ Don .. betheilig & Genossen Roman städtischen Gesindes das des platten Landes ganz dcd; Von den mit persönlichen Dienstleistungen beschä'tigten P kamen 1837 in Preußen auf die Städte 646 418, aufs Land nur 361 777. Letzteres stellt also nur 34,18, aber 65,82 Prozent zur Gesammtheit des Ge! Daß die Luxusbedienten, und wir können wohl Gesinde in Haushaltungen mit 3 und mehr Dienst* größten Theils hierher rechnen, überflüssig find, wird nie"*...... bestreiten können, und diese allein sind es, deren Zahl von � schönen I Dienstboten sich vermehrt. M&: Mrnii Heber die Ueberflüsfigkcit des Gesindes ist nach dem%* mancher scl führten nur noch wenig zu erwähnen übrig. Der größte P Vorgang, der häuslichen Arbeit wird durch gcmeinnützlichc Anstalten£ Men beim 1 Institute übernommen werden. Die wenigen noch verblcid� Wensin Ge bäuelichen Arbeiten kann ein jeder selbst verrichten, wie Fj"behängen. heutzutage von 90 Prozent der Bevölkerung selbst verii®" raten Dicbtu; werden müssen.. 2®tuch hero Das Dienstbotcnwescn ist ein Rudiment einer Gefells� Wn fort." Organisation, die weit hinter uns liegt, und dessen Verschanz. m einer I! als Fortschritt zu begrüßen ist. Je rascher der Prozeß% Abaßen au< Äufsaugens der häuslichen Arbeit durch selbstständipe Veno Maße. g,. zweige und öffentliche Institutionen vor sich geht, 2%"; ein. besser. Die Unterordnung des Menschen unter den Me»!�? wehmüth ist heutzutage nirgends stärker ausgedrückt, als im Dienlfle?% er einen wesen. Das Bedauern über das Schwinden des patrM' sA.aus kostb lischen Verhältnisses zwischen Dienstboten und 9? W befand. schaffen ist ein durchaus reakttonäres Gefühl und diejenfj»äderte arist die diesem Gefühl unterliegen, verkennen durchaus die x. w erncr Ge Wickelung der Gesellschaft. Jede Bewegung auf wirthM derselbe lichem Gebiete, die zum Ausgleich der Klassenunterschiede JJ �tzerr umsä aus. 3i Wn rothmü Lunken, ar Mute- dc »ti ihm sein :*Jt war; eil JJWkennbnt Wsilben v Mden wäre >«mme eini M und> wegungen lassen sich nicht durch Gesetze Äss&te' ste die ihnen entgegenstehen, werden illnsönsch und ketrt'.'Nt bestehenden Gesindeoor! erkennt sie sckiießltck, an. Die--------------------. sind derartige Gesetze, und hier wie überall gilt da»' Buckle's, daß die Abschaltung veralteter Gesetze die beste gebung ist. Lokales. 4 Der große Schneefall vom Sonntag Abend Unheil angerichtet. War der Wagenverkehr innerhalb ifl* Berlin schon ein sehr geringer, so hattte er nach Charlo» � hin gänzlich� aufgehört._Die Schwierigkeiten, die si« 1# geschützten Straßen der Stadt dem Pferdebahnvetkehr stellten, waren auf der Charlottenburger Chaussee vielfach nnrftpvitfffp ru»rf»rtf Kii* fnnff fxüi _____________ I............... nach Charlottenburg gefahren waren, um den Kaiser»» M und auf eine sichwe Gelegenheit zur Rückbeförderung iL, p hatten, mußten den Weg zu Fuß zurücklegen. Man Die vorgerückte stunde verbot die sonst Maßnahmen, die Pferde waren außer Last zu schleppen. Viele Pferdebabn wagen standen_. auf der Strecke. Hunderte, viele Hunderte von Mcnlffl%tf denken, wie lange dieser Heimweg fich dehnte..-n f Der llrUrrgmig des..Deutsche» Taget»»' � de»„Dorwärto" in den Bcsiy des nationalliberal- tiven Konfertiums ist, der„Volks-Ztg." zufolge, � vollM. � die neue Aktiengesellschaft, welche beide Blätter weiteftNW-�# ins Leben getreten. Die Gesellschait führt den Titel et» Verlags und Buchdruckerei- Aktien- Gesellschaft" und Lebe wohl! Eben ruft mich meine Schwägerin. ein vortreffliches, liebes, schönes Mädchen. Nr. 6. Euer Excellenz gefälliges Schreiben vom in welchem Sie die fteundschaftliche Zuvorkomme v..,? Regierung, bei welcher Sie die Ehre haben, begl« � sein, bezüglich der Grenzregulirungsftage Zum gl# bringen, habe ich s. Z. empfangen und verfehle n«? in der Anlage die Anschauungen hierorts zur Kenntniß und weiteren Begutachtung zu übersend•# scheide 'Hatte. Stl lCl'J1 erv kie' ihre ich da« ge "»e So, hier hast Du eine Deiner An"'',l sönlichkeit entsprechende diplomatisch formulirte u lieber Freund. Ich danke für Deinen güflge", �f, meine, die Grenzregulirungen unserer or£ ,»«0, dürfen nach unserem letzten Austausch keines w druckes. Ich schreibe Dir diese Zeilen als StrohwtOM" jV nicht übles, unter Umständen anheimelndes W � fl( nicht uoces, unier umpanoen anyetmet»-----' die Abwechselung erfreut nun einmal das menpv � und sollte man auch seine Frau lieben, une l UTlb biß ßrltß pt«pm CArtißTßlX und die erste Zigarre nach Einern schweren � 'strande-. ch Meine gute kleine Frau sitzt im Seehade, 1 strahlen im Walde und trinkt Ozon am � io schreibt Briefe voll Entzücken und bedauert' abgelöst von ihrem rosenfarbenen Schatte«,' Schlemihl umherwandere.'Ln Indessen. so schlimm ist die Sache? mchL#! Schwägerin Daja, ich nannte Dir bisher entzückenden Vornamen, der ebenso viel �.gsißt' in seinem Klange aushaucht, wie sie wirkuE mir die Wirthschast und ich entbehre nich�' ??»- Ä.S Gott v.arbest. W Vkc>s, Vjj'"reli K K Mchaft wie st vi idkapital von 470 000 M., welches in 470 auf Nomen de Aktien eingetheilt ist. Die Gründer der Gesellschaft Buchhändler Friedrick Luckhardt, persönlich haftender Ge« ter der Kommanvit- Gesellschaft Luckardt u. Ko., Buch- c Sbans Unruh, bisheriger Kommanditist vorgenannter ichschaft, Major z. D. Hermann v. Pflister-Schwaighusen, Ver- " mehrerer geschrchtlichcr, militärischer und politischer Bücher Broschüren, die sich zum Theil durch einen hochgradigen vinismus auszeichnen, Hauptmann a. D. Friedrich Hönig, lann Ludwig Balm Den ersten Aufsichtsrath bilden: Geh. onsrath z. D. Professor Dr. Aegidi, der frühere frei» ervative Abgeordnete, Baurath Kyllmann, der nationaalliberale verordnete, General der Infanterie z. D. Ludwig von ch und der schon genannte Hauptmann a. D. Hönig, beide konservativ. Im Aufftchtsrathe find also alle arteten vertreten. Den Vorstand bilden Buchhändler dt und Redakteur Ludwig Balm Die Gesellschaft über- das Verlagsrecht der beiden Zeitungen für den Preis 105000 M., das Herrn Luckhardt gehörige Grundstück Auggrätzcrslrafie 41 und die auf demselben vorhandene Buch- Jjckem kür 771 000 Mark. Auf den Gesammtpreis werden JJlOOO Mark Hypotheken übernommen. Herr Luckhardt erhält ß, Herr Unruh 30 Aktien der Gesellschaft, für die übrigen lthnligten bleiben demnach noch fünf Aktien übrig. So die swelle Regelung, durch welche dem Gesetze genügt wird; die gliche Vertheilung der Aktien ist heute wohl schon eine ganz �ere. Ton Christob al Jose Cremcr ist bei der Gründung W betheiligt; ob er seine Kräfte in Zukunft Herrn Kyllmann ® Genossen widmen wird, wissen wir nicht. RotttunstU. In der bekannten Wiener Zeitschrift„An schönen blauen Donau" finden wir folgende Briefkasten- Jbz: Maiie E. in Wien: Sie haben die Eigenthümlichkeit den:% �Mancher schriftstellerndcn Frauen, jeden, auch noch so winzi« röste TP P, Vorgang, jede beliebige Person, jedes beliebige Ding, welche lstalten Mcn beim Schreiben unter die Finger konimen, mit einem .'rdleittfl* Mnensen Geklingel von Schilderungen und Charakteriflnlngen "ie sltf w behängen. J,n gewöhnlichen Leben und auch in der pro- erixp lvien Dichtung sagt man zum Beispiel:„Schani zog sein «i 5�uch heraus, putzte sich die Nase und schickte einen Dienst- leselisch»?*im fort." Dieser Satz würde in einem Roman von Ihnen erschivi»�-wr einer Ihrer gleich bestrümpsten Mitschwcstern etwa folgen- Prozeß% Nniaßen ausschauen:„Norbert von Heimburg stand auf der ige Smche. Er war ein schöner, hochgewachsener Mann mit blauen ,eht, rjjflen! ein tiefer, schmerzlicher Ernst lagerte auf seineni Geficht; n WcmJ? wehmüthigcs Lächeln umspielte seinen Mund; in der Hand DienflWJ% er einen Stock aus Ebenholz, an dessen oberem Ende sich putrwj P* aus kostbarstem indianischen Elfenbein geschnitzter Todten- and 9? 7-r �fand. Er seufzte tief auf, senkte hierauf seine feine, blau diese»*? Äderte anstokiatische Hand in die Tasche seines Pelzrockes und zog s die*lJ einer Geberde von lässiger Vornehmheit ein schneeweißes Tuch wirths<«� M derselben. Tasselbe war aus feinstem Stoffe gewebt; ischicde fj Mtzen umsäumten es; in einer Ecke waren die ineinander ver- ersetzt: �Mungenen Buchstaben N und H kunstvoll in rothcr Seide ge- , von ßß? zu sxhen; ein leiser Ulang-Nlang-Duft ging von dem Ge- tellifflUfe aus. Norbert ließ das Tuch einen Augenblick im Abendwind n, führte dasselbe air seine Adlernase, welche durch ihren „r Schwung Kraft, Muth und Energie ausdrückte und ließe . j"cn langgezogenen Ton hören, der in melodischen Schwin- inMfüi Mint durch die Dämmerung hinzitterte. Hierauf trat er an 2" rothmüyigen Mann heran, welcher, in träumerisches Sinnen Lunken, an einer Mauer lehnte. Man sah es diesem Dienst- cjtne— denn es war ein solcher— auf den ersten Blick an, JJ® ihm sein jetziges Loos nicht an der Wiege gesungen wor- war; ein gewisser dämonischer Zug in seinem Antlitz war Erkennbar; und man wußte nicht, ob die tiefen Furchen in �selben von der Sorge oder von der Leidenschaft gegraben ?°!t>en waren. Norbert sagte ihm mit seiner tiefen, sonoren 5bntme einige Worte, drückte ihm hierauf ein Goldstück in die U> und entfernte sich mit raschen, elastischen Schritten. In Augenblick versank die Sonne mit einem blutrothen Hammen hinter den Bergen, nachdem sie noch einmal mit oT? scheidenden Strahlen die Kuppeln und Spitzen der Stadt ö hatte." w, �iscmitischer Zlebersall. Was von den Antisemiten ist. geht aus Folgendem hervor: Die Redaktion in die Redaktion des„N. inm% schlaf iben.% Ä" % kein cuotl 5® zes» A 0 b-L. I '.Üß >g i latt alck�'V m übd«1 D #■> it. eres u .Ao« oe., in ■in« '«'F >__ ien 5'' drangen'28 Personen unter. Führung des Reichsraths. Mwrdnelen Ritter v. Schönerer rn dre Redaktion des„N. Tagblatt", wo sie offenbar nur einen oder zw« Nacht- lÄ«(!) anzutreffen gehofft haben mögen.. Dre bewegten JJamffe des gestrigen Abends hatten icdoch eine größere An- °?n Redakteuren zusammengehalten, deren vier m dem /"' Zimmer an der Arbeit waren, die überrascht aufjchauten, C Invasion erfolgte. Zuerst glaubten sie, es mrt zu thun zu haben, welche, wre so vrele Andere, � mesem Abend bezüglich des deutschen Kayers Er unvigunaen /Uen wollten, als der Ruf erscholl: Zhüren besitzen! Nre- hinauslassen! Der dieses rief, war Hr. v. Schonerer, h/letzt sich breitspurig in Pose warf, um eine„Rede" zu Er begann:„Hier seht Ihr sie nun an der Arbeit, dJVchandblattjudcn." Er sprach sodann mrt erhobener Stimme ..Die freche Juden presse hat uns schon viel angethan, # ms.ir" WiL D. R.)„Wenn ein toller Hund uns angreift, schlagen ' Rdn nieder. Ihr habt uns in unseren heiligsten Ge» � verletzt. Run ist der Tag der Rache ge» Aber heute ist nur der Anfang, das Rache- k. Sie holt aus ihrem Heiligenschrein die wunderbarsten hervor, und dieses seltsame Frauenzimmer zieht mich tz»? l9te amüsante Laune— sie hat sogar Espnt•— so L' M ich selbst den Kegelklub und meinen Donnerstag m .% gestellt habe.—... kj. �ch will Dir noch einmal eine Beschreibung von dieser 'enlinie der Porschöels— Du weißt, meine Frau ist �..geborene Porschsel— machen: In erster Linie hat ste C�ar schöne Naslöcher! Sie sehen aus als ob der ein neues Patent erworben habe. Es ist eben HT°°llständia Abweichendes von der bisherigen Hrm- x{ deit. Nicht klein, aber von einer besonderen Form; geschweift, im Grunde nur die anmuthrge kokette �'ung xcher Vertiefung der Nasenflügel! Kr"*!1 hat fle jene gewissen Frauenhände, welche sich S„ Ebenen Roben verstecken und sich inem fortwahren- % �egenen Schrecken zu befinden scheinen, daß sie so ' tle"t und wohlgeformt sind. Dabei erröthen sie�aber ultern, die wie AuSruhpunkte .ch wette, daß ihr mit der Zeit K». Dein Lamprecht. (Schluß folgt.) werk wird fortgesetzt werden. Den Stock in der mit einem eisernen Schlagring ausgerüsteten Rechten schwingend, rief er: „Schlagt sie nieder! Juden auf die Knie!" Dreimal wieder- holte er diese Aufforderung, selbstverständlich ohne einen anderen Effekt zu erzielen als das Lachen der Apostrophitten. Nun er- hob sich aber auch einer der Redakteure und gab seiner Ver- wundemna über dieses Auftreten Ausdruck:„Was wollen Sie hier?! Wir find hier zu Hause, wie konnten Sie es wagen, hier einzudringen?! Ich bin preußischer Offizier!" Da unterbrach ihn Einer:„Zeigen Sie Ihr Patent!"—„Das Hab' ich nicht nöthig...." In diesem Moment fiel auch schon der erste Schlag, während zugleich einer der Eindringlinge einem Redakteur einen Zündslein mitten ins Geficht schlug, das sofort von Blut überströmt war. In der nächsten Sekunde waren die Beiden, die da geschlagen hatten, gefaßt, und fast in demselben Moment trafen auch schon die Falzer und Stereo- typeure ein, welche mit mächtigen Armen eingriffen. Schönerer, der als Erster das Hasenpanier ergreifen wollte, erhielt einige Hiebe und wurde mit großem Schwung die Treppe herab- geworfen, von seinen Genossen bis auf Einen gefolgt. Dieser Eine, welcher den ersten Schlag geführt hatte, war festgehalten worden, während die Anderen im Hofraume eingeschlossen ge- halten wurden. Der Festgehaltene war der 2gjährige Eduard Gerstgrasser, Stenograph bei Dr. Klinger in der Margarethen- straße. Ein Sichcrheitswackmann brachte ihn zur Rettungs- gesellschaft, welche ihm drei Rißquetschwunden am Kopfe ver- band, und dann auf die Wachtstube. Die llebrigen wurden von einem Wachmann, soweit sie ihm nicht davongelaufen waren, zur Polizeidirektion gebracht, wo es der jourhabende Herr Kom- missär nicht einmal für nöthig hielt, sie um ihre Namen zu be- fragen. Das höchst ungebührliche Benehmen des Herrn v. Sckö- nerer auf dem Komniiffariat selbst bedauerte der Kommissär allerdings, doch entschuldigte er es mit den Wotten: Was sollen wir mit einem Betrunkenen anfangen? Und so konnte Herr v. Schönerer mit dem Reste seines Heerbannes leider von dannen gehen." Reizende Zustände!! Eine„ausgerechnete" alte Geschichte. Liebhaber des Schachspiels dürfte es vielleicht interessiren, eine kleine Bcrcch- nung, die an die sagenhafte Geschickte des Schachspiels anknüpft, zu erfahren. Bekanntlich soll der Bramine Siffa, Erfinder des Schachspiels, an seinen Fürsten, zu dessen Zeitvertreib er dieses Spiel erfand und der ihm als Belohnung einen Wunsch frei- stellte, folgende unscheinbar klingende, aber unausführbare Forderung gestellt haben. Man möge ihm die Summe der Weizenkörner, abgezählt, zum Geschenk machen, welche man er- hält, wenn man auf das erste Feld des Schachbrettes 1, auf das zweite 2, auf das dritte 4, auf das vierte 8 rc. Weizenkörner legt; so daß also auf jedem der 64 Felder immer Anzahl der Körner des vorhergehenden Feldes Summe aller dieser so abgezählten Weizen- die doppelte liegt. Die kömer ist: 18 447 745 555 370 859 683. Um fich nun einen Begriff zu machen von derUnmöglichkeit der Abzählung dieser Anzahl von Weizenkömem, diene folgende Betrachtung: Angenommen, ein Mensch zählt in einer Minute 100 Körner, so wird er, wenn er von jeder Stunde 50 Minuten auf die Zählarbeit, 10 Minuten auf die Erholung verwendet, in einem Tage— den Tag zu 10 Stunden gerechnet— 50 000 Körner, also in einem Jabre— das Jahr nach Abzug der Sonn- und Feiertage zu 300 Tagenaerechnei— 15 000 000 Körner abzählen. Ein einzelner Mensch würde somit 1,229,849,370,358 Jahre gebrauchen, um bei rastlosem Fleiße die Forderung des Braminen zu erfüllen. Würden fich indessen alle Bewohner der Erde(im Jahre 1882 1,456,000,000)— vorausgesetzt, daß alle zählen könnten— an der Zählaufgabe betheiligen, so würden fic dieselbe in 844 Jahren vollenden, ein Resultat, welches vielleicht mancher nicht ermattete, das aber der kluge Bramine wohl voraussah. Somit sehen wir, daß auch schon vom altindischen Kletus das wahre Wort galt: Denn einer von der Geistlichkeit Ist wahrlich keine Kleinigkeit. Ei« falscher Fünfzigntarkschei« ist, wie die Reichs- schuldcnverwaltung dem königl. Polizeipräsidium mittheilt, im Großherzogthum Baden zur Ausgabe gelangt. Der Fälscher hat in höchst geschickter Weise den Fünfzigmarkschein so gebildet, daß er die vorzüglichen Abbildungen eines solchen Scheines, wie fle in dem illustritten Anzeiger von Adolf Henze gegeben wurden, herausgeschnitten hat. Die Vorderseite des Falsifikats ist die Nachbildung eines Scheines vom Jahre 1874, die der Rückseite die Nachbildung eines gleichen vom Jahre 1882. Es ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß weitere derattige Falsifikate in den Verkehr gebracht werden. Gin bedentendrr Ginbrnchsdiebftahl, welcher seine Schatten bezüglich der'Nachforschungen nach den Dieben bis Berlin wirft, ist in der Nacht vom 2. zum 3. März in Braun- schweig in der Friedttch-Wilhclmstraße bei dem Goldwaaren- Händler J.Klingelhöfer ausaefühtt worden. Es find eine Menge goldene Ringe, Broschen, Uhr- und Halsketten, Armbänder und Silbermünzcn gestohlen. Der Geschädigte hat eine Belohnung von 300 M. für Wiedererlangung des Gutes und Ergreifung der Tbätcr ausgesetzt. Ein Mädchen hat die beiden Einbrecher bemerkt, wie sie unter der Rolljaloufie der Ladenthür hervorge- krochen sind. Der Eine der Thäter ist von mittlerer Größe und korpulent, der Zweite ist kleiner Statur. Beide waren dunkel Mieder hat da« üderschneUe Fahre« eines Schlächterfuhrwerk» Unheil angerichtet. Als gestern Vormittag gegen 10 Ubr ein Kohlenhändler mit seinem Wagen den Kohlenplatz am Stettiner Bahnhof verließ, sauste um die gegenüberliegende Ecke der Borsigskaßc in gesttecktem Trabe der Einspänner eines Schlächters und rannte gegen den Kohlenwagen an. Dem Pfcrde des Kohlenhändlers wurde dabei das linke Vorderbein zerschmettert. Mit Hilfe des Publikums gelang es Schutzleuten, den Führer des Schlächterwagens anzuhalten, so daß derselbe zur Verantwottung gezogen werden kann. Das verunglückte Pferd wurde der Abdeckerei übergeben. Ein Kiudevmord wurde in verflossener Nacht verübt. Gestern früh fanden Passanten hinter der Munck'schen Villa auf dem Tempclhofer Berg die Leiche eines neugeborenen Kindes weiblichen Gefchlechts, nur in eine blaue Küchenschürze eingc- wickelt. Die Polizeibehörde stellte fest, daß das Kind von der unnatürlichen Mutter entweder getödtet und dann fottge- motten oder lebend ausgesetzt worden und dann erfroren ist. Die Recherchen nach der Mutter, von der bis jetzt jegliche Spur fehlt, sind in vollem Gange. �~ �. Ei« erschütternder Unglücksfall, der den Tod eines Menschen nach sich gezogen, ereignete fich vorgestern Mittag. Die in der Solmsstraße wohnende Kutscherfrau Karoline Dege- low, geb. Dötth, hatte sich zum Besuch ihres in der Charitee untergebrachten geisteskranken Ehemanns auf den Weg gemacht und hatte bis zur Karlsttaße die Ringbahn benutzt. Beim Aus- steigen aus der Pferdebahn strauchelte die Frau und siel zur Erde; sie erhob fich indeß bald wieder und setzte ihren Weg zum Krankenhause fort. Als sie kurze Zeit bei ihrem kranken Ehemann geweilt, wurde thr plötzlich so unwohl, daß sie selbst zu Bett gt bracht werden mußte und bald darauf eme Lerche war. Zu Hause hatte sie zurückgelassen, fle würde den Vater wohl bald zurückholen können, vielleicht schon heute. Der etwa 18jähttgen Tochter fiel es daher nicht auf, daß die Mutter am Nackmittag noch nicht zurück war. Als aber der Abend dämmette, b(.schlich das bedauernswetthe Mädchen doch eine quälende Un- ruhe. Sie machte sich auf den Weg zum Krankenbaus, um Er- kundigungen einzuziehen.„Ist mein Vater noch hier?" so fragte das Mädchen.„Jawohl." war dre Antwott.„Wie geht es ihm?" fragte es wieder.„Er muß morgen leider nach Dall- wf"— Lautlos sank das'Mädchen auf einen Stuhl.„Und meine Mutter?" schrie es angstvoll zurück.„Was ist mit ihr? wo ist meine Mutter?"— Dem von tiefem Mitleid ergttffenen Beamten wurden die Motte schwer. Gebrochen wankte das arme, schwächliche Mädchen hinaus in die Dämmerung.... Polizeibericht. Am 10. d. M. Morgens wurde in der Spree hinter dem Grundstück Dorotheenstr. 32 die Leiche eines etwa 35 Jahre alten, dem Arbeiterstande angehöttgen unbe- kannten Mannes aufgefunden und nach dem Leichenschauhause gebracht.— An demselben Tage Nachmittags brachte sich ein Mann in seiner Wohnung in der Wilhelmshavenerstraße in selbst- mörderischer Absicht mittelst eines Schuhmachermesseis oberhalb des linken Handgelenks eine Schnittwunde bei,— Abends wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Gattenstraßc todt vorge- funden. Er halte sich durch einen Messerstich in das Herz ge- tödtet.— Als am 11. d. M. Vormittags der Kutscher Peschel dre Ltchtetteldetttraße entlang fuhr, schlug das Pferd aus und traf den auf dem Vordettheil des Wagens fitzenden Peschel derattig am rechten Unterschenkel, daß er einen Bruch desselben erlitt und nach dem Krankenhausc Bethanien gebracht werden mußte.— Gegen Mittag hatte der 4 Jahre alte Soln des Vergolders Joseph, Bernauerstr. 93 wohnhaft, auf das im Ofen brennende Feuer Petroleum gegossen, und waren seine Kleider dabei in Brand gerathen. Als die Mutter auf sein Geschrei zur Hilfe eilte, wurde sie ebenfalls von den Flammen ergriffen. Beide wurden durch Brandwunden schwer verletzt, so daß sie nach dem Lazaruskrankenhaufe gebracht werden mußten.— Nachmittags wurden auf dem Askanischen Platz, an der Ecke der Anhalrsttaße. eine Frau durch eine von dem Rutscher Matthcs gcfühtte Equipage, im Lustgatten ein junger Mann durch einen trotz des starken Fußgängerverkehrs im schnellen Trabe fahrenden Äierwaaen, ferner auf der Kreu- zung der Bad- und Pankstraße ein Arbeiter durch einen vor- schriftswidrig schnell fahrenden, von dem Kutscher Padskun aus Neu-Weißensee geführten Break und gegen Abend in der Schützcnstraße ein 11 Jahre alter Kirabc nach Angabe von Augenzeugen infolge eigener Unvorsichtigkeit durch eine Equi- page überfahren.— Nachmittags fiel an der Ecke der August- und Großen Hamburgerstraße ein Kutscher vom Bock der von ihm geführten Droschke und erlitt dadurch so schwere Verletzun- gen, daß er nach dem katholischen Krankenhause gebracht werden mußte.— Abends siel auf dem Leipziger Platz ein Mann in Folge der Glätte und brach das rechte Bein. Er wurde zu- nächst nach der nächsten Sanitätswache gebracht.— In der Nacht zum 12. d. M. geriethen Memelei straße Nr. 41 in einem auf dem Flur befindlichen Bretterverschläge Kleidungsstücke Brand. Das Feuer wurde leicht gelöscht. rn Gerichts-Zeitnng. Die Nerbreitung eine» sozialdemokratische« Flng- dlatte» beschäftigte gestern die fünfte Strafkammer des königl. Landaenckts Berlin I. Am Abende des 15. August trat der Tischler Schultheiß in einer im östlichen Berlin belegenen Straße an einen anscheinend ruhig seines Weges gehenden Mann heran und überreichte ihm im geheimnißvoller Weise ein sozialdemo- kratisches Flugblatt. Sckullheiß war an einen Unrichtigen ge- rathen, der betreuende Mann war nämlich Kriminalbeamter, der den Flugblättervertheiler sofort verhaftete. Gleichzeitig bemerkte der Beamte noch einige andere Leute, die, als sie die Fest- nähme des Schultheiß sahen, mit einer großen Anzahl Flug- blätter bepackt schleunigst die Flucht ergriffen. Schultheiß wurde vom Schöffengericht wegen Vergehen gegen das Sozialist engest n zu 50 Mark Geldstrafe veruttbeilt. Der Vertheidiger des An- geklagten, Rechtsanwalt Dr. Meschelsohn legte gegen dieses Ur- theil die Berufung ein, indem er behauptete, es sei wohl nach- gewiesen, daß der Angeklagte gewußt, daß er ein sozialdemokra- tisches Flugblatt verbreite, nicht aber, daß dies Flugblatt ver- boten sei. Es liege mithin nur eine Uebettretung gege,' das Sozialistengesetz vor. Die fünfte Strafkammer schloß sich dieser Auffassung an und erkannte auf 20 M. Geldstrafe. Vor einig«» Monate» stürzte bekanntlich ein vor dem am städtischen Siechenhause in der Prenzlaucr-Allee daselbst ernchtetes Baugerüst ein, in welcher Folge einige Arbeiter auf gräßliche Weise getödtet, andere schwer verletzt wurden. An- läßlich dessen baben sich heute der Baumeister Gause und Maurerpolier Jäckel wegen fahrlässiger Tödtung und fahr- lässiger Körperverletzung vor der zweiten Strafkammer des Land- gcttchts Berlin' zu verantworten. Mit der Frage, ob der Ausbau eines Stadtbahnbogens als die Errichtung eines Gebäudes anzusehen ist oder nicht,'war gestern die 95. Abthcilung des Berliner Schöffengerichts befaßt. Im Auftrage der Vittottabrauerei hatte der Marirermcistrr Gottheiner im Herbst v. I. den an der Lüneburgerstraße dele- aenen Stadtbahnbogen Nr. 392 zu einem Verkaufslokal für die Biere der genannten Brauerei ausgebaut. Die Rohbauabnahme fand in der zweiten Hälfte des'November statt, und da nach der Annahme des zuständigen Bauinspektors Thiemann die ge» schaffencn Räume als zum dauemden Aufenthalt von Menschen destimmt sind, so wurde der Putztermin in Gemäßheit der sechs Wochen hinausgeschoben. aber mit den Putzarbciten be- vorigen Jahres beginnen lassen sie am gedachten Tage polizei- Baupolizei-Ordnung auf Herr Gottbeiner hatte reits am 29. November und dieselben, nachdem lick inhibitt worden waren, am 14. und 15." Dezember fortgesetzt. Es ist deshalb gegen denselben eine Strafverfügung wegen Verletzung der baupolizeilichen Bestimmung in drei Fällen in Höhe von zusammen 45 M. event. 9 Tagen Haft ergangen, gegen welche er Widerspruch erhoben bat. Im Termin machte er geltend, daß auf Vorstellung der Viktoriabrauerei die Putz- erlaubniß bereits am 10. Dezember ertheilt worden ist. Im Uebttgen bemerkt er, daß er einer Putzerlaubniß gar nicht be- duttt habe, weil es bei dem Ausbau des Stadtbahnbogens sich weder um die Errichtung eines Gebäudes handle, noch weil die hergestellten Räume zum dauemden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind. Der Gerichtshof bejahte mit dem Amtsanwatt beide Fragen; er erachtet einen Stadtbahnbogen für ein Ge- bände und eine Restauration als zum dauernden Aufenthalt zumindest des Witthes und der Kellner bestimmt. Er veruttdeilte den Angeklagten zu 10 M. o-,«l«* wegen Hehlerei beschäftigte gestern die 87. Abthellung am Amtsgencht I. Frau Auerbach hatte eine Gans, welche ihr lljähnger Pslcgesohn bei einem Kaufmann gestohlen hatte, � zu einem Braten verwendet, obwohl ste wußte oder den umständen nach annehmen konnte, daß die Gans ge» stöhlen war. Der Dieb konnte, da er das strafjähttge Alter von zwölf Jahren noch nicht erreicht hat, nicht unter Anklage ge- stellt werden, dagegen mußte sich Frau Auerbach gegen die Be- schuldigung der Hehlerei verantwotten. Es war unbedingt ihre Pflicht, die Gans dem Polizeiburcau zuzustellen, wenn, wie sie behauptet, es ihr nicht gelang, von dem Knaben den Diamen des Bestohlenen zu erfahren. Sie hat das jedoch unterlassen, und der Gerichtshof neigte angesichts der Sachlage sogar zu der Annahme, daß die Angeklagte wohl den Knaben zu dem Diebstahl angehalten haben könne; der Verdacht erschien um so ge- rechtfettigter, als die Angeklagte schon mehrfach vorbestraft ist. Die Anklage richtete sich redoch nur auf Hehlerei, es konnte also auch nrcht«Sache des Genchtshofes sein, eine Anstiftung, die sich nur auf Vermuthung stützte und schwer zu erweisen war, festzustellen: jedoch wurde bei der Strafzumessung das graoirende Moment mit in Betracht gezogen, und das Uttheil lautete auf einen Monat Gefangnrß. cn Mea»» fahrlässtger Tödtung hatte sich der Kutscher Paul Johann Scheffler vor der dttttcn Strafkammer aur Landgencht l zu verantwotten. Der Angeklagte war in schnellem Tempo rn dre Flottwellstraße eingebogen und hatte einen Ar- beuer, der dem dahinsausenden Gefähtt nicht mehr ausweichen konnte, so unglücklich überfahren, daß der Gestürzte auf der » 68« Stelle tobt blieb. Das Urtheil lautete in Hinsicht auf die grobe Fahrlässigkeit unb beten schwere Folgen auf eine Gefängnißstrafe von 1 Jahr. Kleine MMheilungen. Storkow, 8. März.(Opfer des Kohlcnbunstes.) Am 6. b. M. fielen hier zwei junge, kräftige Leute ben giftigen Steinkohlengasen zum Opfer. Es waren bies zwei Hanbwerks- gesellen, bie sich gemeinschaftlich ein Zimmer gemiethet halten. Siachbem sie basselbe dezogen unb ben Ofen tüchtig mit Steiw kohlen geheizt hatten, legten fie sich zu Bett. Als sie am an deren Morgen nicht an ihrer Arbeitsstelle erschienen, wurde die Zimmerthür erbrochen. Man fand die beiden jungen Leute tobt in ihren Betten vor; alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Leipzig, 9. März. Ein Deserteur des in Bautzen garni- sonirenden Infanterieregiments Nr. 103, welcher vorgestern Abend von hier aus nach Dresden transportirt werden sollte, sprang zwischen Oschatz und Dahlen mitten während der Fahrt zum Zuge hinaus und wurde überfahren und sofort getödtet. Der Unteroffizier, welcher dem Deserteur zur Bewachung bei- gegeben war, sprang ihm nach und erlitt dabei schwere Ver- letzungen.___ fjörlib, 10. März. Infolge des Thauwetters ist die Neisie mit ihren Nebenflüssen zu einem uferlosen See ange- schwollen; die Ueberschwemmung hat in Girbigsdorf, Jänken- vor, Marklissa, Ostritz, Greiffenbcrg und Löbau einen bedeu- tenden Schaden angerichtet. Airschkerg, 10. März.(Lawinensturz.) Am Freitag Abend erfolgte, wie hierher gemeldet wird, im Reifträgerloche ein mächtiger Lawinensturz, wobei drei Männer vom Schnee verschüttet wurden. Attouo, 11. März. Die königliche Eisenbahn- Direktion macht bekannt: Folgende dänische Staatsbahnstrecken find jetzt unfahrbar: Aahrau-Langaa, Randers-Frcderikshavn, Aarhus- Grenaa, Ryomgaard-Randerr, Helfingör Kopenhagen, Frederiks- berg-Fredenkssund und Skive-Nyljöbing. Fahrt über den großen Bett unsicher. Direkte Beförderung von Reisenden und Gütern über Madsnesund wieder aufgenommen. Dresden, 11. März. Die Elbe ist in starkem Steigen de- griffen; man befürchtet eine Hoch fluch. Herzogenrath, 8. März.(Schlagende Wetter.) Auf der Zecke Nordstern wurden 3 Grubenarbeiter, 2.Hauer und 1 Schlepper durch schlagende Wetter schwer verbrannt, so daß fie zum Hospital gebracht werden mußten. Fürth, 9. März.(Die rochen Plakate gefährlich.) Zu emer am vergangenen Sonnabend stattgefundencn Versammlung sollten, wie gewohnlich Plakate angeschlagen werden, welche bc- kanntlich zuvor im Bezirksamt abgestempelt werden. Als die Frau des Dienstmannes, welcher das Anheften der Plakate zu besorgen hatte, fich zu diesem Zwecke auf des Bezirksamt ver- fügte, wurde ihr jedoch bedeutet, daß die Plakate nicht abgestempelt werden, weil sie alle von„rothem Papier" sind; dem Einberufer blieb nichts anderes übrig, als zu den verpönten„rothen" auch noch Plakate von verschiedenattigem Papier drucken zu lassen, worauf denn auch die rochen mit abgesrempelt wurden. Soweit hatte die Maßregel keine weiteren üblen Fachen, nur dos der Arrangeur der Versammlung einige Mark Mehraus- lagen hatte, lieber die Zweckmäßigkeit derattiger Maßnahmen wollen wir den Herrn Bezirksamtmann auch nicht belehren, aber die Art und Weise, wie derartige Machtaussprüche erfolgen, verdient veröffentlicht zu werden.„So, weil die Plakate alle von rothem Papier find, werden fie nicht gestempelt, wenn sie nicht alle von rothem Papier wären, würde ich sie stempeln lassen." Das war die ganze Beanstandung. Wir meinen doch, daß derattige Maßnahmen eine gesetzliche Grund- läge haben müssen und daß es der Mühe wcrth wäre, diese Gründe auch anzuführen. In Berlin z. B. werden Versamm- langen verboten, wenn ein Saalfenster geöffnet ist, weil dieses �eine Versammlung unter freiem Himmel ist." Es wird das Trage» von rochen Nelken im Knopfloch verboten, weil dieses „ein sozialistisches Abzeichen ist", das find wenigstens Gründe, mögen fie auch darnach sein. Aber gar keine Niottve, das ist nicht schön. Wenn man zum Beispiel gesagt ?«Ue, die röche Farbe übt auf die Nerven gewisser Leute einen rankhaften Reiz aus, oder die rothen Plakate könnten die durch unsere Stadt sich bewegenden Gehörnten in Erregung versetzen, so wäre dieses immerhin etwas und gar viele Leute würden fich sagen, unser Bezirksamtmann ist ein grunvgescheidter Herr, der ist auf Menschen und Vieh bedacht. Aber so, allgemeines Kopf- schütteln und Kommentare, die wir nicht wiedergeben können. Wien, 10. März, lieber das große Brandunglück, von dem wir bereits Rtittheilung gemacht haben, berichtet die„N. Fr. Pr." noch folgendes Nähere:„Gegen j>l Uhr kam zur Feuerwehr-Zentrale Am Hof die kurze Meldung: Zimmerfeuer, Bauernmarkt 14." Sofort gingen Löschtrains ab, die alsbald bedeutend verstärkt wurden, als eine zweite Meldung:„Feuer im Zunehmen, Gefahr für die Bewohner groß", eintraf. Kurz darauf besagte eine dritte Nachricht, daß das Feuer rapid um fich greife. Nun wurde der ganze zum Kampf nöthige Apparat aufgeboten, alle Filialen telegraphisch um Sulkurs berufen. Das brennende Gebäude ist ein Eckhaus. Die eine Front desselben liegt gegen den Bauernmarkt, die andere gegen die Marien- gasse, jenes schmale, für Wagen nicht passirbare Gäßchen, das den Bauernmarkt mit der Rothenthurmslraße verbindet. Im Parterre des vier Stockwerke hohen Hauses sind nach beiden Seiten Geschäftslolale. Im ersten Stock befinden fich das Geschäft und die Niederlage des Schmuckfcdem- Fabrikanten Max Steiner. Hier im linken Flügel des Gebäudes war der. Brand zum Ausbruch gekommen. Aus den Fenstern sowohl auf dem Bauernmarkt als auch in der Maricngasse zischten die Flammen, schlugen klafterhoch empor und leckten mit ihren rothen Zungen gierig am ganzen Mauerwerk des Hauses bis zum Dachgiebel. Weithin tagheller Feuerschein! Die Bewohner des Hauses, die schon im Schlafe gelegen hatten, sprangen, er- schreckt durch den von der Straße herausdringenden Lärm, vom Lager, eilten an die Fenster und sahen rings um fich ein Meer Flammen. Nur an die Rettung des Lebens denkend, von stürzten die Leute auf den Korridor; krachend und polternd stürzte die Treppe ein. Jammernd eilten Männer und Frauen, Grerse und Kinder an die Fenster. Von dem grellen Feuerschein beleuchtet, bot das Haus mit aus allen Fenstern schreienden Menschen, auf deren Mienen Todesangu zu lesen stand, einen wahrhaft entsetzlichen Anblick, dessen Schrecken noch vermehtt wurde dadurch, das einige Personen sich hinab- stürzen wollten. Die Feuerwehrmannschaft hatte Haken- leitern befestigt, klettette mit bewunderungswürdiger Behendigkeit hinauf und beruhigte die Leute. Auf der Bauern- marktsette wurde ein Sprungtuch ausgebreitet; bis&12 Uhr Nachts waren 5 Frauen in das Tuch gesprungen." Von anderer Seite wird berichtet:„Zum Entsetzen der Leute war der ein- zige Ausweg abgeschnitten; die Armen sahen einen Abgrund vor fich— das Treppenhaus war mittlerweile eingestürzt. In allen Stockwerken des Gebäudes wurden Hakenleitern angelegt, und mit katzenartiger Geschwindigkeit kletterten die Löschmänner bis in das letzte Stockwerk hinauf, um die an den offenen Fenstern um Hilfe rufenden Personen nach Thunlichkett zu bc- ruhigen und sukzessive in Sicherheit zu bringen. Um 112 Uhr war der Plafond der Fabrikniederlage des Herrn Steiner durch- gebrannt, und die Flammen fanden nun ihren Weg in die Wohnräume des zweiten Stockwerkes. Eine halbe Stunde später gerieth der Dachstuhl des Trattes am Bauernmarkt in Brand, und dadurch wurde die Gefahr noch weit ver- größert. Ununterbrochen wurden Personen durch das Sprung- jucfi gerettet, und um&1 Uhr konnte man annehmen, daß der Brand lokalisirt sei. Um Mitternacht wurden noch zahlreiche Personen aus den Stockwerken durch die Feuer- wehr in Rettungsschläuchen geborgen und in's Freie gebracht. Bevor die Feuerwehr mit Sprungtüchern und Rettungsschläuchen erschien, sprangen einige Bewohner des weitläufigen, winkeligen Hauses durch die Fenster auf die Sttaße. Eine Frau verletzte fich hierbei erheblich. Ein Mann fiel beim Springen auf ein Schild, das am ersten Stock angebracht ist, und verletzte fich am Kopfe. An einem Fenster zur Mariengasse erschien ein ver- zweifelndes Elternpaar mit zwei Kindern und rief der unten stehenden Menge zu:„Helft! Wir werfen euch die Kinder zu!" Die Leute auf der Straße spannten die Hände und preßten sie dicht aneinander, so daß eine lebendige Unterlage gebildet wurde. Die Kinder flogen, entsetzlich schreiend hinab, wurden jedoch unten glücklich aufgefangen. Einige Personen retteten sich, indem sie die an dem brennenden Hause angelehnte Leiter benutzten, um in der engen Mariengasse in die Stock- werke des gegenüberliegenden Hauses zu steigen. Pest, 9. März.(Eisenbahn-Unfall.) Gestern Abend um Tj Uhr hat ein Zusammenstoß zwischen einer aus der Station Tura abgegangenen leeren Lokomotive und dem aus Hatvan kommenden Kaschauer Personenzuges Nr. 203 stattgefunden. Von den Paffagieren des Personenzuges wurde Niemand be- schädigt, dagegen wurde der Führer des Personenzuges, Daniel Fränkel, erdrückt, der Lokomotivführer desselben Zuges, Josef Nelhaus, und der Heizer Johann Szuchadowsky erlitten genn- gcre Verletzungen. Ferner wurden der Führer der Lokomotive, Emil Kreutzer, und deren Heizer Ludwig Molnar verwundet. Beide Lokomotiven und der Packwagen des Personenzuges ent- gleisten, diese wie der Postwagen wurden arg beschädigt, die Perfonenwagen blieben unversehrt. Infolge des Zusammen- stoßes wurde die Strecke unfahibar und die Personenzüge konnten daher heute nur mittelst Umsteigcns verkehren. Linz, 9. März.(Ein Nothfianal.) Das Bürgermeisteramt St. Wolfgang am Wolfgangsce schreibt unter dem 8. d.: Der „Hilferuf vom Schafberg"(siehe Nr. 59 des„Berk. Volksbl.") ist nun wieder verklungen. Die von hier ausyesandte Hilfs- expedition ist von ihrer schneeigen Schafbergpattre zurückgekehrt und fand den anderen Hotelwäckter(der Eine war mit m der Hilfsexpedition) gemüthlick ein Pfeifchen schmauchend, lesend an der Ofenbank seines an 1800 Meter hock gelegenen Stübckens. Er hatte selbstverständlich von dem allseitigen Mitleide für feine Person und seinen Beruf keine Ahnung.—„Bin i dcrsckrockcn, wie i Enk klopfen(an der Hausthüre) g'hört Hab'; auf Enk Hütt i nöt denkt! Was treibt den Enk aufa in den furchtbaren Schnee?" war seine Rede an die braven Männer, die ihm be- reitwilligst und selbstlos die vermeintlich nöthige Hilfe bringen wollten.— Zweifellos hat eine schneefreie Stelle des Sckaf- berghauses die Bewohner Kammers zu dem voreiligen Glauben gebracht, daß eine Traueifahne an dem Schaf- berghause angebracht sei, welche Unglück bedeute. In St. Wolfgang konnte eine Nothfahne nicht gesehen werden, weil nie eine ausgesteckt war. Wir hörten von der angeblichen Bedrängniß des Schafbergwächters erst durch ein Telegramm des Herrn Moser aus Linz. Die Schneemassen in den höheren Gebirgslagen, dort wo der Sturm den Schnee liegen läßt, sind kolossal. Schon im Wolfganzscethal liegt er 1 bis 2 Meter hoch. Auf dem sogenannten �chafbergalpenhütten-Plateau sind die Senncrhütten(9 an der Zahl) sammt dem sogenannten „Unteren WirtKshaus" total verschneit und vom Thale aus gar nickt sichtbar. Ueber deren Dächer wateten die Männer der Hilfs- expedition hinweg. Am ersten Tage kam diese bis zur Dorner- alpe, am zweiten Tage nach sieben Stunden mühseliger Schnee- Wanderung auf den Gipfel des Schafberges.— Schneefall war während der zwei Wandettage nickt, dagegen wütbete der Sturm auf dem sedr exponitten oberen Sckafderg und über das sage- nannte„Krapfel" in arger Weise. Zumeist der Manst mit dem die Hilfsutensilien entbaltenden„Buckelkorb"— selbstverständlich weckselte man beim Tragen des Korbes ab— hatte schweren Stand. Innsbruck, 7. März.(Lawinen.) Aus Cles erhält der „Bote für Tirol und Vorarlberg" unter dem 5. d. M. über die in der Gemeinde Comafine fottgesetzten Arbeiten debufs Rettung der durch die am 26. Februar herabgegangene Schneelawine Verschütteten nachstehenden Berickt:„Am 28. Februar setzte die von Eufiano abbeorderte Gendarmerie- Patrouille mit Beihilfe von 30 Arbeitern die Rettungsversuche fort. Denselben wurde von den Ottsbewohnern eine Stelle angedeutet, wo vielleicht verunglückte Personen aufgefunden werden könnten. Als man daselbst eine Schnceschickt von ca. fünf Metern weggeräumt hatte, hätte man ttchtig das leise Stöhnen eines Menschen. Man kann sich denken, daß die Arbeiten mit möglichster Schnelligkett fottgesctzt wurden, bis man deutlich eine menfch- liche Stimme vernahm. Endlich gelang es, nach langwieriger, beschwerlicher Arbeit eine kleine Ocffnung zwischen Holzbalken und großen Baumstämmen herzustellen. Ter Unglückliche, namens Domenico Battislini, war noch am Leben, aber eine Bc- frciung des armen Mannes aus seiner schauerlichen Lage, in welcher er volle 48 Stunden zugebracht hatte, war noch nicht mög- lich, weil ein Fuß unter einer todten Kuh im Schnee einge- zwängt war; über einem Knie lag ein mächtiger Balken und über der Bauchgegcnd ein kolossaler Baumstamm, so daß nur der Kopf und die Brust des Mannes frei und ihm das Atbmeii ermöglicht war. Ein Knabe schlüpfte nun in die gemachte Oeff- nung und labte den Unglücklichen, so gut es möglich war. Nach der Lage des Verunglückten mußte man trachten, auf einer anderen Seite durch Ausheben der Sckneemassen denselben zu befreien. Erst um 1t Uhr früh des 29. Februar, das ist nach achttiündiger beschwerlichster Arbeit, gelang es, den Domenico Battistin zu erlösen. Man kann fich vorstellen, was der Mann während der 56 Stunden, die er unter einer sechs Meter hohen Schneedecke verleben mußte, gelitten haben wird. Der Gerettete hat keine äußeren Verletzungen erlitten und wurde in das Haus seiner Mutter getragen, wo er von derselben und dem Ärzte fogleich in Pflege genommen wurde. Am selben Tage wurden auch noch fünf Kühe lebend ausgegraben. Drei Kinder der ver- unglückten Eheleute Bottolo und Placido Sonna haben Vater und Mutter verloren, ihr Elternhaus ist verschwunden, fie find an den Bettelstabacbracht." Kasel, 6. März.(Zollvergehen.) Ein hiesiger Uhren- Händler ist laut„Morgenztg." in arge Fatalitäten mit den deutschen Zollbehörden gerathen. Demselben ist nämlich eine ganze Kiste unverzollter Uhren, welche nach Berlin bestimmt waren, in Teutschland konfiszitt worden; der Werth der mit Beschlag belegten Waare wird auf die Summe von 40 000 Frks. angegeben. Wegen desselben Zollvergehens ist außerdem der Bruder des Betreffenden in Berlin verhaftet worden. Bei der Höhe des Werthes der nicht verzollten Waare ist die Geld- strafe für die Betreffenden eine fast unerschwingliche zu nennen. London, 8. Män. Ein schreckliches Ende fanden zwei Knaben namens Ralph Eummings und Samuel White, im Alter von etwa 15 Jahren in den Tarlington Stahlwerken. Am Dienstag Nachmittag befanden fich fünf Knaben auf den großen Asckcnhaufen der Fabttk, welche im Innern stets noch brennen. Drei von den Jungen erzählten, daß sie plötzlich eine große Staub- und Rauchwolke aufsteigen sahen und darauf zwei ihrer Gefähtten vermißten. Seltsamerweise meldeten fie aber erst am Abend den Vorfall. Als man nachsah, fand man eine 10 Fuß tiefe Höhlung, in welche Eummings und White wahrscheinlich eingesunken sind. Der Direktor ließ sofott Nach- grabungen veranstalten. Dieselben mußten aber unterbrochen werden wegen der furchtbaren Hitze und der Gefahr von Senkungen. Eine in den Aschenhaufen 18 Fuß tief hineingestoßene Eisenstange wurde rothglühend. Vermischtes. Gin ganzer Hochzeitszng erfroren. Aus TschuB (Rußland) machte fich kürzlich ein aus 16 Bauern und# rinnen bestehender Hochzeitszug auf, um in eines der umlicf den Dörfer zu fahren. Infolge des Schneegestöbers irck Zug vom Wege ab und wurde später in der Nähe des D» Rogani erfroren gefunden. Von den 16 Personen ist nm Mann ins Leben zurückgerufen worden. Eine Eifenbahn nach Amerika. Wie aus Nei 4. März, gemeldet wird, beabsichtigen Eisenbahnunternehmer Ehikago, St. Paul und Minncapolis, eine Bahn von den einigten Staaten über Bntish-Kolumbien, Alaska und schatka nach Jrkutsk in Sibirien zu bauen. Die BeKrim ist nur wenige Meilen breit und voller Inseln, läßt I leicht überbrücken. Daß die Eisenbahn gebaut werben unterliegt wohl keinem Zweifel, ob sie aber mehr als zwei nate im Jahre fahrbar sein würde, ist eine andere Frage. Telegraphische Depesche«. (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Mainz, Montag, 12. März. Heutige Rheinhöhe Kehl 3,35, Maxau 4,96, Mannheim 5,33 steigend. langsam steigend. Kamburg, Montag, 12. März. Der Postdampfer„B der Hamburg-Amcrikanischen Packetfahtt-Aktiengescllschwt von Hamburg kommend, gestern Abend 6 Uhr in RS eingetroffen. Paris, Montag, 12. März, Morgens. Bei den gel Ersaywahlenzur Kammer sind in den Departements Eote und Haute Marne die radikalen Kandidaten Cernesson und gewählt worden. Im Departement Bauches du Rhone st Sttchwahl zu Gunsten Felix Ppat's aus. (Wach Schluß der Kedaktio« eingetroffen.) Frankfurt a. M., Montag, 12. März, Abends. Main ist seit gestern stark gestiegen und überspült th bereits die Ufer Die Äainhöhe deträgt jetzt 2,80 Meter. Pari», Montag, 12. März. Deputirtenkammer. A Berathung des Einnahmebudgets beantragte der Konscilpräl Tirard, daß vor der Berathung der Anträge der Buvgs Mission, betreffend die Aufhebung der Zölle auf Weine und' weine, welche eine Einnahme von 170 Millionen ergeben, diejenigen Vorschläge bcrathen werde, welche zum Ersätze Ausfalles bestimmt seien. Jules Roche erhob den Ein wenn man eine Berathung über die Getiänkebesteuerung ginne, könne das in Vorschlag gebrachte Budget nicht werden; er beantrage das Einnahmebudget im Ganzen i Grundlage desjenigen von 1887 zu votircn. Dieser wurde mit 261 gegen 251 Stimmen abgelehnt. Es infolge dessen neue provisottsche Zwölftel votirt werden. Meint täglich TL&aus vier 1 Karl. Einzi (C Kriefkasten der Redaktion Sprechstunden der Redaktion «nr von 13—1 Uhr Mittags und 7—8 Uhr AW Bei Anfragen bitten wir die Abonnementi-Quittung beijufügen. Antwort wird nicht ertheilt. P. Ritter str. 1. Nur wenn den Vermiether eine Schuld daran tnfft, daß Sachen von Schlafburschen oder Eh garnisten gestohlen werden, muß er für den Werth dersell kommen. 2. Der Ordnungsruf gegen Reichstagsabgeordn keine bestimmten Folgen. Auch nach dem dritten_ nunasrufe kann ihm das Wott nicht entzogen wohl aber wenn er vom Präsidenten zum drittel zur Sache gerufen wird. 3. Bei namentlicher Absti werden die Namen sämmtlicher Abgeordneten einzeln aum und jeder antwortet dann mit Ja, Nein oder gar nicht.% Modus hat die Bedeutung, daß sich von jedem Abgeel" feststellen läßt, wie er gestimmt hat. Vor einige r obiges The Bter Seite u den wi � Heber tvuche »nung in stenb. Daß ten Beamti unung macl nenpfählen möchten, ?oahmsloS i Ideale un Mute Staat ht eingeräur Jeicheiten ein ?cht des Feu Mste Vertret "dige Gäste profitab! 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Rehböcke 70-80- 90 Pf., sehr geringe 40-% männlich Dammwild 35—60 Pr., Rothwild, männlich bis 50 Pf., Schwarzwild 40—75 Pf., Rennthier 60 pr. Pfd., Kaninchen 50—70 Pf. per Stück. Fasanenhähne 2,75—4,50 M. pr. St., Schneehuhns» bis 1,10 M. pr. Stück, Schnepfen——, Birkhähne Ir.A 2,00, Wildenten 55-1,20 M. pro Stück. Wildauttio» um 10 Uhr Vormittags und 6 Uhr Nachmittags. Fleisch. Rindfleisch 28-38-52, Kalbfleisch 35 Hammel 32—40—50, Schweinefleisch 40—42 Pf. pro Schinken geräuchert mit Knochen 65—85, Speck get 50 pr. Pfund._ q% Geflügel, lebend. Gänse In---, junge 7— f Enten 1,20—1,50—2,50 M., junge Hühner 1,00— l.�V Hühner 1,20-1,70, Tauben 35-55 Pf., junge Ta� - Pf. pr. Stück. Puten 4,00-6,00 M. Geflügel, fett, geschlachtet. Fette Gänse 60-65-%' Fette Enten 60—75 Pf. pr. Pfd., fette Puten 60—70% Pfd., Tauben 38-55 Pf., Hühner 1,00-1,20-1,70 � Obst und Gemüse. Weißfleischige Speisekartoffeln 5,00, Zwiebeln 14,00-22,00 M. pro 100 Kilo, Blumen W 35 M. pro 100 Kopf. Apfelsinen Jaffa 8— 11, 10—17, Valenzia 420er 15—26 M, Citronen 9,00 bis per Kiste. Fcldfrüchte in Wagenladungen, Kattoffeln, Speisekartoffeln 40-50, Zwiebeln 140-220 M. Hafer 105-130 M Erbsen 110-200 M.. Futtercrbftn jf _ sm rswete ins— iftft M-- 30 '•«»h Mrt» Roma, ,�n nächst 'i'nalrath i traf ei auch her !' den Fa »e°bei. Es m wohl 6, W 5'e beiden berul ?ot ni "K-tter. di tt"' - M.. Gerste 103-180 M., Richtstroh -- M.»et 1000 Kilo. Wasserstand der Spree in der Woche vom 26. Febr� 3. März 1888.(Angabe in Metern.) Verantwortlicher Redakteur:&. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kadi«« in Berlin 8W„ Reuthstraße 2. GT°"ge mau war rm t°" sich 1 da voi