Dt. 69. Mittwoch, den 21. Miir, 1888. S. Iichrz. öerliiurVsldsWl Krgan für die Interessen der Arbeiter. Der Kontanger-Rummet. Daß daS Vorgehen der französischen Negierung gegen den General Boulanger Demonstrationen und Bewegungen hervorrufen würde, war vorauszusehen. Die Leute, die schon seit Jahren den chauvinistischen Lärm machen, haben die Gelegenheit zu einer Straßendemonstration benutzt und «an hat richtig dem Paradehelden seine Pferde ausgespannt. Wer weiß, wer sie gewesen sind, welche die Pferde ausge- spannt haben! Dazu finden sich immer Leute. Zöge heute ein siegreicher Napoleon in Paris ein, so würden sich sicherlich auch Leute finden, die ihm die Pferde ausspannten, und würde dieser Napoleon wieder vertrieben, so würden die Pferdeausspanner vielleicht seine heftigsten Verfolger sein. Wir können also dem ziemlich knabenhaften Akt des PferdeauSspannens keine sonderliche Bedeutung beilegen. Dem Chauvinismus stehen wir fern und betrachten ihn als eine höchst überflüssige Ausartung eines erhitzten Patriotismus. Daß sich die Regierung in Frankreich die Gelegenheit nicht entgehen ließ, den General Boulanger abzusetzen, finden wir begreiflich. Dieser Mann ist ein Demagoge vom reinsten Wasser und als Kricgsminister der Republik und ihrer Zu- kunft insofern gefährlich, als sein bramarbasircndes Auf- treten die friedlichen Beziehungen der Republik zu aus- wältigen Mächten stört. Boulanger wird dann als Popanz benutzt, wie wir in Deutschland am 21. Februar vorigen Jahres gesehen und verspürt haben. Insofern hat die Re- �.------ r,. i. f_____ L' tbbbCIl II VW» V V V V* V»»»| Programm aufzuweisen hat, noch für seine militärische Tüchtigkeit einen Beweis beibringen kann. Daß es dennoch Leute giebt, welche diesen Helden des Parademarsches heute schon als einen Helden der Schlacht darstellen, beweist nur, wie groß noch die Dumm- heit ist. Aber, fragen wir, wie kommt eS denn, daß ein Mann wie Boulanger überhaupt in Frankreich eine solche Rolle spielen kann? Der Franzose sieht sich doch sonst so gerne m seiner Geschichte um; wer für militärische Erscheinungen wie Hoche, Kleber, Bonaparte, Carnot, Ney und Mass?na schwärmt, müßte sich doch eigentlich mit einem mitleidigen Lächeln von dem General Boulanger abwenden. Wo sind seine Schlachten, seine Belagerungen, seine Wunden und Strapazen? Daß trotz alledem sich ein starker Anhang für diesen General findet, liegt in den dermaligen politischen Zuständen Frankreichs. Frankreich ist eine parlamentarisch regierte Republik; das Land hat auf den Parlamentarismus voll Vertrauen geblickt und von ihm eine Umgestaltung der Verhältnisse Ieuilreton. «»»It.ftJttOJ [67 (fta«*»« Mttctia.) Der Erbe. Roman von Friedrich Gerstücker. Er mochte etwa bei dem sechsten angekommen sein, und der Junge saß noch immer still weinend bei seiner Ar- beit und wischte sich nur manchmal die dicken Thränen mit dem Bermel von Augen und'Nase ab, als es draußen an- pochte. Der eine Junge öffnete, um zu sehen, wer da sei. ES waren zwei Damen— die eine dicht verschleiert—, die nach der Frau Heßberger fragten, und da das zu häufig vorkam, um nur die geringste Aufmerksamkeit zu erregen, so wies sie der Bursche, indem er einfach mit der Hand uach der Thür der Wohnstube deutete, dort hinüber zu gehen, und setzte sich augenblicklich wieder auf seinen Schemel nieder. Die Jungen hatten strenge Ordre, nicht einmal den "opf nach einem solchen Besuch zu wenden, und Heßberger selber that gar nicht, als ob er existire. Er unterbrach seinen Vers nicht einmal und schrie so ruhig fort, als ob er draußen auf einer Haide und meilenweit von irgend einer Menschlichen Wohnung gesessen hätte. Desto förmlicher wurde der Besuch dagegen drinnen bei der Frau Heßberger selber empfangen, die, als die Damen das Zimmer betraten, bei einer sehr hübschen Lampe an chrem Tisch saß und in einer aufgeschlagenen Bibel las. „Frau Räthin," sagte sie mit einer nicht ungeschickten «erneigung,„es ist mir«ine große Ehre, Sie bei mir zu Aen. Wollen Sie nicht ablegen, und dürfte ich die fremde Dame nicht vielleicht ebenfalls bitten, Platz zu nehmen? geht bei mir fteilich ein wenig eng zu— aber wir haben in unserer beschränkten Wohnung nicht viel :*aum, und die Miethen sind in den letzten Jahren so ge- Weigert, daß man gar nicht daran denken kann, eine größere N» Nehmen!" Frau Staatsanwalt Witte fühlte sich anfangs unter Mem Schleier etwas unbehaglich; da aber die Schusters- erwartet, die einer Umgestaltung wahrlich bedürftig genug waren und sind. � Allein obschon der französische Park: gui oemümui|u;c»-omu,„»I» u4'v""*v"y*vm»v großen organisirten Parteien, sondern nur Fraktionen und Persönlichkeiten. Der Premierminister ist in den meisten Fällen nicht das Haupt einer Fraktion, sondern ein von mehreren Fraktionen vorgeschobener Strohmann, der, je nach dem es beliebt, unterstützt oder gestürzt wird. Einmal ge- stürzt, wird er sich in der Opposition selten mehr bemerk- bar machen und von Fühlungsuchen mit dem Volke ist vollends keine Rede. Er bleibt unthätig und stumm. Das Fazit dieser Verhältnisse ist der ewige Ministerwechsel, das fruchtlose Debattiren und Jnterpelliren in der Kammer. Positives wird wenig oder nichts zu Stande gebracht. Nicht einmal die Budgetvorlage kann zur rechten Zeit er- ledigt werden. Es darf daher nicht verwundern, wenn viele Franzosen sich nach Mitteln und Persönlickkeiten umsehen, die solch unerquicklichen Zuständen ein Ense zu bereiten im Stande wären. Im Boulangismus findet man die Wirkung derartiger Verstimmungen und die Monarchisten und Bonapartisten schüren diese Bewegung eifrig, um der Republik eine Falle zu legen. Bei den republikanischen Anhängern Boulanger? sind für ihre Haltung verschiedene Gründe maßgebend. Die Chauvinisten erblicken in dem rührigen General den Mann, der geeignet wäre, in dem bevorstehenden deutsch-französi- scheu Kriege die Hauptrolle zu spielen. Andere Republi- kaner benützen Boulanger als Mittel zum Zweck. Da sie auf legalem Wege nicht zur ersehnten Gewalt kommen können, so unterstützen sie den General in seinen Bestrebun- gen, um ihn dann, wenn sie ihre Absichten erreicht, bei Seite zu ichieben. Ob ihnen das nachher aber gelingen wird, ist eine andere Frage. Wiederum andere wünschen überhaupt eine Veränderung der Dinge oder treiben mit Boulanger ihren oppositionellen Spaß. Alle diese Mo- mente an und für sich betrachtet, würden noch keine Beun- ruhigung hervorrufen. In letzter Zeit hat man aber die Erfahrung gemacht, daß die verschiedenartigenD boulan- gistischcn Elemente mit einander in Verbindung zu treten versuchen."— Das ist ganz richtig. Die Bonapartisten haben sich der Person Boulanger'S bemächtigt und haben ihn als den Mann des Plebiszits bezeichnet. Wer weiß, was sich hinter diesem sonderbaren Soldaten alles versteckt! Die demokratischen Politiker aber haben nun auch mit einem Male die Gefahr der Boulanger-Spielerei für die Republik eingesehen. Herr Clemenceau, der früher unbesonnen genug war, den Boulanger- Rummel mit- frau nicht die geringste Notiz von ihr zu nehmen schien, ja sie wohl absichtlich kaum flüchtig ansah, so faßte sie nach und nach mehr Muth, nahm den angebotenen Stuhl an und beschloß nun, fest vermummt wie sie außerdem war, nur den stillen Beobachter zu machen. Die Zwischenzeit aber, in der sich die Räthin noch mit der Frau unterhielt, benutzte sie, um sich das Zimmer selber ein wenig genauer anzusehen— neugierig war sie lange tzenug darauf gewesen. Hatte sie übrigens irgend etwas Absonderliches darin erwartet, so fand sie sich getäuscht. Das Zimmer glich tausend anderen Wohnungen des Handwerkerstandes auf ein Haar und war, wenn auch sehr sauber und nett gehalten, doch einfach mit Erlenholzmöbeln ausgestattet. Nur ein paar hochlehnige und ledergepolsterte Stühle aus geschnitztem dunkelbraunen Wallnußholz schienen nicht hinein zu gehören und auch wirklich nur für„vornehmen Besuch" bestimmt zu sein. An der Wand hingen in schwarzen Holzrahmen ein paar schreckliche Oelgemälde, jedenfalls Familienbilder, die aber nicht die entfernteste Aehnlichkeit mit irgend einem be- kannten Gesicht zeigten, dann noch ein paar Silhouetten, und auf der Kommode standen einige Tassen mit Goldrand, die wohl je kaum im Gebrauch gewesen, ein paar blaue GlaSvasen mit Schilfblüthen und einige kleine, buntbemalte Gyps- figuren; aber schneeweiße Gardinen hingen vor den Fenstern, und die beiden ebenfalls im Zimmer stehenden Betten des Ehepaares waren mit reinlichen Ueberhängseln von buntem Kattun verhüllt. Frau Heßberger brauchte keine lange Zeit zu ihren Vor- bereitungen. Sie wußte genau, was Damen, die sie zu dieser Zeit besuchten, von ihr wollten, und versäumte nie, ihnen zu Willen zu sein. Fand sie ja doch auch ihren reich- lichcn Nutzen dabei, da sie für ihre Bemühungen nie unter einem Thaler bekam, sich aber auch wohl einzelner Fälle er- innerte, wo ihr beim Abschied deren fünf in die Hand ge- drückt wurden, und wahrlich mit leichter Mühe, wenn auch nicht ganz ohne Scharfsinn, war das Geld verdient! Sie ging jetzt zu einem kleinen Seitenschrank, um von dort ihre Karten vorzuholen. Hatte sie aber vorher, als sie sich beobachtet wußte, die verschleierte Dame kaum angesehen, so hastete ihr Blick jetzt, hinter dem Rücken des Besuches, zumachen, hat sich nunmehr entschieden davon losgesagt. Er bekennt, daß er eine Enttäuschung erfahren habe. So werden es hoffentlich auch noch andere machen. Als General war Boulanger gefährlich für de» Frieden; als abgesetzter General wird er für den Frieden nicht mehr gefährlich sein, als etwa Herr Deroulöde. Wenn auch noch viel Geschrei gemacht wird, so weiß man ja, was davon zu halten ist. Die Lenker der Republik aber sollten sich die abermalige Mahnung, die in dem Boulangcr-Rummel liegt, nicht ent- gehen lassen. Das Land verlangt noch Reformen und die Kammer hat ihm nicht viel mehr geboten als Partei- zustände. Wenn das Verlangen des Landes nach Reformen nicht befriedigt wird, so ist es dem ersten besten Abenteurer und Demagogen a la Boulanger leicht, die Massen zu ver- wirren und die Republik in eine Krisis zu stürzen. Die Regierung ist nun gewarnt. Boulanger ist nicht der Grund des Uebels; er ist nur eine Wirkung desselben. Andererseits muß man aber auch sagen, daß daS französische Volk mit Fug und Recht ungeduldig werden muß. Denn seit langen Jahren haben alle die vielen auf einander folgenden Regierungen Reformen versprochen, aber keine hat solche geschaffen. Alle haben sich durch Partei- intriguen in ihrer Stellung zu befestigen gesucht, statt mit fester Hanv und scharfem Blick die Schäden in der Staats- Verwaltung, die Mängel in der Gesetzgebung zu erfasse» und an deren Heilung zu gehen. Ist's denn da ein Wunder, wenn die Franzosen unruhig werden und wen» ein Reklameheld ä la Boulanger im Trüben zu fischen vermag? Die Regierung hat nach der einen Seite Energie ge- zeigt. Möge man nun aber auch in der Frage der Reformen Energie zeigen, sonst wird alles nichts nützen. üoufanaisimis. Der»Voss. Ztg." geht folgende Schilderung zu, die eine treffliche Illustration des oben Gesagten bildet. Herr Boulanger wird daselbst in folgender Weise charakterifirt: Dem Fernstehenden muß die Boulanger- Bewegung, a» deren Beginn wir eigentlich erst stehen, sehr befremdlich, wen» nicht ganz unverständlich erscheinen. Sie ist in der That nicht zu begreifen, so lange man nur den General Boulanger selbst ms Auge faßt, ihn von allen Seiten betrachtet und sich fragt: „Was ist an diesem kleinen Mann mit dem banalen Gesichte und dem sorgsam geglätteten Kopf- und Barthaare, was ihn zum Abgott weiter Bevölkerungskreise, zu einem Schrecken der Regierung und Volksvertretung, zu einer Gefahr für die Re- publik macht? Welche Großthaten hat er bereits vollbracht? um so viel forschender auf der Verhüllten, und nichts a» deren Anzug, nicht das kleinste, unbedeutendste Band ent- ging ihr. Ein spöttisches Lächeln zuckte auch um ihre Lippen, als sie den Schrank endlich öffnete; hatte sie die Fremde etwa doch erkannt? Aber es war nichts davon zu bemerken, als sie wieder zum Tisch trat und jetzt vor allen Dinge» die Bibel und dann auch ebenso die Lampe entfernte. Sie legte die Karten nur bei dem Schein von Lichtern, von denen sie zwei entzündete und auf den Tisch stellte. Dan» nahm sie selber auf einem hohen Rohrsessel ohne Lehne Platz, und das Spiel geschäftsmäßig mischend, sagte sie freundlich: „Nun, Frau Räthin— bitte, heben Sie erst einmal ab— so— nun sagen Sie mir gefälligst, mit was ich Ihnen dienen kann und was Sie zu wissen wünschen." Die Frau Räthin überlegte sich die Sache erst einen Augenblick; dann erzählte sie der Frau von dem abhanden gekommenen Stück Hosenzeug, beschrieb genau, wo es ge- legen hatte und wie es ausgesehen habe und bat sie dann, die Karten einmal zu fragen, wer es mitgenommen und ob und wie man es wohl wiederbekommen könne. Die Frau hatte bei der Erzählung wieder langsam ge- mischt und ließ noch einmal abheben. Dann legte sie die Karten aus und betrachtete sich nun, den gebogenen Zeige- finger an den Lippen, die bunten Blätter, wie in tiefem Nachdenken. Endlich sagte sie sinnend:„Ja, meine liebe Frau Rätbin, das Zeug ist wirklich gestohlen, so viel ist ricktig, und nicht etwa verlegt oder in eine falsche Schublade gekommen— da läuft der Bursche noch, der es mitgenommen hat— der Karobube zwischen zwei Dreien— ein hagerer, aufgeschossener junger Mensch. Er hat es auch nicht aus Armuth genommen, denn die über ihm liegende Zehn bedeutet Geld; aber wo er jetzt ist, wird schwer heraus zu bekomme» fem. Warten Sie einmal, da geht Ihr Mann hinter dem Treff-Buben— er hat auf irgend Jemanden einen falsche» Verdacht— der ist es nicht, der Hat'S nicht genommen, der ist ehrlich— sehen Sie, wie das Aß neben ihm steht— aber die Karo zieht sich hier herüber, und hier ist die Treff- Sieben und Fünf. Wenn sich Ihr Mann morgen Abend an die katholische Kirche stellt— um fünf Uhr, aber mit Sln'roort auf diese Fragen erklärt nicht im Geringsten die Thatsache, daß General Loulanger heute der meistgenannte, wenn nicht volksthümlichste Mann Frankreichs ist. Seine mili- tärische Laufbahn ist die der meisten anderen Divifions- und Brigade- Generäle, die in Afrika oder den Kalo- tuen, im deutsch- französischen Kriege, bei der siiiederwerfung des Kommuneaufstandes in noch nicht besonders Hervonagenden Stellungen ihre Schuldigkeit aethan haben. In Tunesien hatte er den Oberbefehl, als die Eroberung, richtiger Besetzung des Landes bereits vollendet und der eine Chrumir(die Franzosen schreiben Kroumir), den die französischen Truppen im algerisch- tunesischen Grenzgebirge antrafen und der einfach der greise Hüter einer einsamen Moschee war, bereits dem Sieger gehul- digt hatte. Boulanger konnte sich nur durch seine Ueberhebung gegenüber dem Zivilgouverneur, nicht aber durch kriegerische Heldenthaten bemerkbar machen. Zu einer politischen Rolle ge« langte er erst, als er— schon damals eine Gepflogenheit übend, die ihm zuletzt verhängnißvoll werden sollte, ohne Urlaub aus Tunis nach Paris kam, sich an Clemenceau heranmachte, ihn durch seinen blutigen Radikalismus und fanatischen Republika- tusmus entzückte, ihm von den älteren Generälen, die alle Real- tionäre seien, möglichst viel Böses sagte und ihm großartige Pläne für die Umgestaltung des Heeres entwickelte, unter denen die Abschaffung des Einjährig- Freiwilligendienstes trnd die Dienstpflicht der Seminaristen und Geistlichen für Clsmenceau ohne Zweifel die wichtigsten und an- ziehendsten waren. ClSmenccau war es, der sich zuerst für General Boulanger begeisterte, sein Lob zuerst der eigenen fortei sang ur d es dann seinem politischen Gefangenen, dem errn de Freycinet, so lange und heftig in die Obren rannte, bis derselbe betäubt um Gnade bat und dem Wundermann das Portefeuille der Heeresverwaltung anbot. Als Kriegsministcr zeichnete sich General Boulanger aller- dings mannigfach aus, vor allem durch ein prachtvolles schwarzes Pferd, das er den in der Reitkunst wenig sachverständigen Parisern mit mehr Kühnheit und gutem Willen, als Sicherheit und Korrektheit zuerst am 14. Juli 1886 und seitdem öfter vorritt und mit dem er ihre grenzenlose Bewunderung errang. Ferner durch eine Begleitmannschaft von 16 Spahis in rothen Mänteln auf weißen arabischen Rossen. Gewöhnlich lassen sich hier Kricgsminister und kommandirende Generäle von Dragonern oder Husaren, jedenfalls von Linien-Reiterci, begleiten. General Boulanger aber, der wohl an den Mameluken Rustan Rapoleons des Ersten dachte, verschrieb sich aus Algerien einen Zug Spahis, und wenn er sich öffentlich zeigte, er auf dem Rappen voran, hinter ihm die bronzenen Orientalen in rothen Opcrnmänteln auf reizenden feurigen, langmähnigen und langschwänzigen Schimmeln, so sah das Wandelbild wie eine arabische„Fantasia" ans und entzückte alle Zuschauer wie eine prächtige Gratisvor- stellung im Hippodrom. Boulanger entwickelte außerordentliche Thätigkeit. Tagübcr verfaßte er Verordnungen über die Bart- tracht im Heere, über den Anstrich der Schilderhäuser, über die Umtaufung der Kasernen und ähnliche für die Kriegstüchtigkeit des Heeres ebenso wesentliche Dinge. Abends lief er in die Theater, in die Salons, zu den Festen der Turner und Schützen u. s.w., so daß den Parisern ganz schwindelig wurde und sie den Ein- druck bekamen, daß ihr unvergleichlicher Kriegsminister die Gabe befitzt, an zehn Orten zugleich zu sein. Nicht bestritten sei, daß seine Thätigkeit nicht ganz in der- attigen kleinen Scherzen bestand. Er oeschästigte sich ernstlich mit dem gemeinen Mann. Das Wohlergehen des Soldaten lag ihm am Herzen. Er verbesserte die Mannschastskost sehr wesentlich, führte menschlichere Sitten bei den Mahlzeiten in den Kasernen ein, sorgte z. B. dafür, daß Eßtische und Bänke in den Zimmern der Mannschaften aufgestellt wurden und jeder Mann einen Teller, ein Trinkglas, ein Eßbesteck, ja an manchen Orten, wo die Regimenter etwas erspart hatten, sogar eine Serviette bekam, während brs dahin die Mahlzeiten in barbari- Jeher Weise eingenommen wurden, indem jeder Soldat auf einem Belte saß und mit einem Löffel aus seinem Blechnapf (Gamelle) aß. Endlich stahl er sich in das Herz des Heeres und des ganzen Volkes durch gewisse herausfordernde Reden ein, die einen um so größern Eindruck machten, als bis zu ihm wenigstens die Leute in amtlicher Stellung Lersetreterei geübt und sich an das jesuitische Wort Gambetta's gehalten hatten:„Wir müssen die Revanche immer im Herzen und nie auf der Zunge haben." Seine Anspielungen auf Frankreichs alte Glorie, die sich bald erneuern werde, sein geflügeltes Wort in der Kammer, daß „der Soldat in die Grubenbezirke geschickt werde, um seine Suppe mit den Arbeitern zu theilen", vollendeten die Er- oberung dcs Volksgemüths, welche sein Rappen und seine braunhäutigen Spahis begonnen hatten. Allein all' das würde noch nicht erklären, weshalb Bou- langer heute unter den Bauein auf dem flachen Lande, die ihn nie auf seinem schönen Pf.rde tänzeln gesehen haben, ebenso viel Anhänger bat wie unter den Lehilingen und Haufiiem der Großstadt, die ihn bewundem konnten, oder mit der Fell- bietung von Boulanger-Liedern,-Lebensbeschreibungen,-Bild- nissen und-Denkmünzen Geld verdienen. Mit einem Worte: Boulanger's Person und Leben bieten keine ausreichende Er- llärung für den„Boulangismus". Dieser ist die Offenbarung dem Glockenschlag—, dann wird der Dieb dort vorüber- kommen." „Das wäre in der That merkwürdig!" sagte die Frau Räthin.„Also morgen Nachmittag um fünf Uhr?" „Aber mit dem Glockenschlag, nicht früher, noch später, sonst verpaßt er ihn; er muß genau aufmerken." „Nun, da bin ich doch wirklich neugierig," sagte die Frau Räthin kopfschüttelnd,„und da hätte sich mein Mann auch die Anzeige auf der Polizei ersparen können." „Die hilft ihm nichts, die hilft ihm nichts," erwiderte die Frau, immer noch in die Karten sehend.„Die Polizei ist da ganz oben, weit von dem Karobuben entsemt und kommt ihm gar nicht in den Weg. Die findet ihn nicht— aber Ihr Mann wird ihn finden; doch er muß auch daS Herz haben, ihn anzufassen." „DaS wird er schon," nickte die Frau Räthin;„der fürchtet sich vor Niemandem, und wenn er erst einmal heftig wird, kennt er sich selber nicht mehr." „Und was war es noch, was Sie fragen wollten?" „Ach, liebe Madame Heßberger," sagte die Frau Räthin, „zuerst möchte ich Sie bitten, meiner Freundin eine Frage zu beantworten." „Von Herzen gern." � „Sie ist nicht von hier," fuhr die Dame fort,„sondern erst heute aus der Refivenz angekommen, und hat dort so viel von ihrer Kunst reden hören, daß sie vor Neugierde brennt, Sie kennen zu lernen." „In der That?" lächelte die Frau, ohne den Blick aber von der Sprechenden zu wenden.„Und ist ihr auch etwas gestohlen worden?" ..Za— über das möchte Sie ebenfalls nachher Ihren Rath hören; vorher wünscht sie aber Ihre Kunst recht auf die Prove zu stellen und den Namen ihres künstigen Schwieger- sehne« zu erfahren." ,DaS ist freilich viel verlangt," sagte die Karten- schläaerin kopfschüttelnd,„denn wirkliche Namen nennen die Karten nicht; sie deuten nur Personen an. daß man sich danach ihre Beschreibung oder vielmehr ihr Aussehen zu- fammenstellen kann. Außerdem wird es sehr schwer sein, einem ganz Fremden solch eine Sache vorherzusagen. Die eines Seelcnzustandcs ansebnlicber Bruchtheile des französischen Volkes, welcher schon bestand, als Boulanger's Name noch gänzlich unbekannt war. Man vergesse nicht, daß sich dem fran- zöfischcn Volksbewußtsein in den letzten drei Menschenaltern der Glanz und das Gedeihen ihres Vaterlandes in einem Eigen- namen verkörpette. Wenn der Franzose an Austerlitz und Jena, wenn er an Sebastopol und Solfenno denkt, so verbindet er damit nicht die demokratische Vorstellung einer großen und sieg- haften Anstrengung der Volkskraft, sondern die eines Triumphes sagenhafter Persönlichkeiten, die Napoleon I., Napoleon III. heißen. Der Sauerteig des Cäsarismus ist in der Volks- seele zurückgeblieben und versetzt sie unter nur einigermaßen günstigen Umständen immer wieder in Gährung. Reife Re- publikaner sind nur die Gebildeten des Volkes— unter diesen auch nur diejenigen, welche nicht durch Geburt und alten be- festigten Besitz an monatchisch-aristokratische Uebcrliefemngen festgeheftet sind— und die sozialistischen Arbeitermassen der Großstadt. Die Kleinbürger und Bauern aber hängen noch, oft ihnen selbst unbewußt, an den Formen persönlicher Regie- rung und sind auch beispielsweise unter der gegenwärtigen Ver- fassung geneigt, im Präsidenten der Republik eine Art Herrscher aus Zeit zu sehen und sich zu ihm wie Unterthanen zu ihrem Souverän zu stellen. Wenn sich nun dieser Massen, in denen der monarchische Geist noch nicht erloschen ist, politische und wirthschaftliche Un- Zufriedenheit bemächtigt, so ist es ihnen das Natürlichste, sich nicht nach einem Gesetze, nach unpersönlichen Staatseinrichtun- gen, sondern nach einem Menschen, nach einem Heros, nach einem Messias zu sehnen. Die Unzufriedenheit besteht aber seit Jahren. Es geht dem Volke schlecht. Die Reblaus vermindert das Einkommen des Landes jährlich reichlich um anderthalb Milliarden. Die Steuerlast ist seit dem Kriege um etwa acht- hundert Millionen jährlich gesttegen. Der Wettbewerb der Völker, welche ihr Großgewerbe in den beiden letzten Jahr- zehnten neu geschalten oder hoch entwickelt haben, verschließt den Ardeitserzeugnissen Frarkrcichs die fremden Märkte oder drückt ihren Preis herab. Die Folge davon ist eine griesgrämige Stimmung dcs Volkes. Dazu kommt die Unfähigkeit des französischen Parlaments, die häusige Aufregung durch Minister- krisen, die anstößige Selbstsucht der Partei, welche Frankreich seit 1879 regiert und während dieser Zeit gar nichts gebessert, wohl aber sich selbst frech bereichert hat— ist es da ein Wunder, daß die Menge bei ihrer erblichen Neigung zur Anbetung einer Persönlichkeit sich nach einem Götzen sehnte und vor der erst- besten Menschenerscheinung, die in genügend greller bengalischer Beleuchtung vor ihrem suchenden Blick erschien, in den Staub sank? So lange Gambetta lebte, war er der Götze der Menge. 'Nach seinem Tode hatte er lange keinen Erben. Jetzt ist Boulanger sein Nachfolger. Der Boulangismus ist also durchaus kein Fanatismus für einen bestimmten Menschen um bestimmter Eigenschaften willen, er ist einfach die Unzufriedenheit mit dem Bestehenden und die Sehnsucht nach Neuem, das man nicht kennt, aber von vorn- herein für besser hält. Es leuchtet ein, daß die Absetzung des Generals Boulanger an diesem Seclenzustand dcs Volkes nichts ändern kann. Wenn heute Boulanger stürbe, so würde ihn der Boulangismus überleben, höchstens würde er nach einiger Zeit den Namen ändern. Die Regierung kämpft vergebens gegen die Strömung, die beute Boulanger trägt. Nur eine geänderte wirthschaftliche Lage Europas, eine Besserung der französischen Staatswirthschaft und Steuerverhältnisse, und vor allen Dingen eine erfolgreichere Erziehung der Menge zum Republikanismus wird die cäsaristischen Triebe und den hieraus heivorgeherden Hcroenkultus des französischen Volkes unterdrücken können. Einstweilen bleibt jede Persönlichkeit, die sich richtig in Szene zu setzen weiß, eine Gefahr für die Republik und daran können einzelne Maßregeln der Regierung, und wären sie noch so „schneidig", nichts ändem. Politische Ueberstcht. Der Rücktritt de» Pizeprästdente« de« preußischen Staatsminilterium» Herrn von Puttkamer vom Mini- slerium des Innern steht, wie dem„Bert. Börsen-Cour." zuverlässig mitgetheilt wird, nahe bevor. Das Blatt weiß hierzu noch folgendes zu erzählen: Herr von Puttkamer hat seinen Abschied seinen Freunden und seinen Gegnern sehr erleichtert. Es ist überflüssig, auf die merkwürdigen Fehler noch besonders auf- merksam zu machen, welche dem Ressort des Innern zum Vor- wurf gereichen. Diese Fehler sind in der Presse und mehr noch in den intimeren politischen Kreisen zur Genüge erörtert worden. Es hätte ihrer am Ende gar nicht bedurft, um die Tage der Puttkamii'schen Ministcrschaft gezählt sein zu lassen. Flüstert man sich doch ganz vertraulich, dabei sehr vernehmlich zu, daß Herr von Puttkamer es gewesen, ver bei Lebzeiten Kaiser Wil- helm's im preußischen Staatsministerium— allerdings nicht in formeller Ministerialfiyung— eine Aendentng der Thronfolge, wir wollen nicht sagen beantragt, aber wenigstens angeregt hat, welche Anregung übrigens auf den entschiedensten Widerspruch nicht blos des in erster Reihe hierzu berufenen Justizministcrs Dr. von Friedberg, sondern auch dcs Reichskanzlers stieß. Herr Dame muß mir jedenfalls vorher erlauben, einmal die Linien ihrer linken Hand zu betrachten; ein kleines Hilfs- mittel muß ich haben, ich kann sonst nicht für den Erfolg einstehen." Die verschleierte Frau Staatsanwalt zog schweigend ihren linken Handschuh ab und reichte der Frau Heßberger die Hand und diese schien aufmerksam mehrere Minuten lang die Linien derselben zu betrachten. Aber sie sagte kein Wort dabei, sondern nickte nur langsam mit dem Kopf, und die Karten wieder aufgreifend, ersuchte sie die verschleierte Dame, abzuheben— aber mit der rechten, und zwar der vollen Hand, nicht nur mit zwei oder drei Fingern, und ohne Handschuhe. DaS geschah auch, und auf das Sorg- fältigste und Genaueste legte sie dann die Blätter aus. Aber sie kam nicht so rasch damit zu Stande, als bei der vorigen Antwort. Bedeutend und wie in tiefem Nach- sinnen schüttelte sie den Kopf; endlich sagte sie: „Die Dame muß aus einer sehr vornehmen Familie sein, denn Alles deutet darauf hinaus. Hier steht ein armer Werber— er hat rechts und links nichts als Zweier und Dreier aber die Coeur-Dame geht weiter. Da endlich laufen die Pfade von dem Coeur-König mit ihr zusammen — daS trist sich selten, daß Jemand seine erste Liebe be- kommt— der ist reich und vornehm, und hier..." Sie horchte hoch auf, denn draußen entstand ein ungewöhnlicher Lärm. Ihr Mann hatte auch aufgehört zu singen; aber sie hörte eine tiefe Stimme, die sie nicht kannte und die wie befehlend sprach. „Um Himmels willen," flüsterte die Frau Staatsanwalt der Räthin zu,„ich glaube, da kommt noch mehr Besuch, und ich möchte hier nicht gern gesehen werden— daß sie nur Niemanden hereinläßt!" Die Frau Heßberger war aufgestanden und horchte nach der Thür der Werkstätte hinüber, nach der zu ihr einziger Ausgang lag. Was in aller Welt ging da drinnen vor? — Sie sollte nicht lange in Zweifel bleiben. „Du, Thomas, stellst Dich an die Treppe," sagte die Baßstimme wieder,„und läßt Niemanden hinunter oder her- auf. Ist Ihre Frau zu Hause, Heßberger?" von Puttkamer konnte füglich nicht darauf rechnen, Minister za bleiben unter dem Könige, gegen den obige Anregung sich ge- ricdtet hatte. Daß er vielleicht ohnehin nicht darauf rechnen konnte, wird möglicher Weise hier und da eine üble Deutung finden, die wir für eine Mißdeutung zu erklären keinen Augen- blick anstehen.— Allzu lebbaftes Bedauern wird der Rücktritt des Herrn von Puttkamer, außer bei den mit„eklatanter Genug- thuung" durch seine Fürsprache bedachten Gebeimpoliziste« Jhring- Mahlow und Naporra, kaum erregen. Das erzessive Vertrauen auf eine allerdings durch ungewöhnlichen Äplowb gestützte dialektische Gewandtheit, reicht für einen Minister nicht unter allen Umständen aus, reicht nicht einmal aus, den unoor- sichtigen Gebrauch pomphafter Worte— wir erinnern an den „Stoß in das Herz des monarchischen Prinzips"— auszugleichen. Wir erwähnten die Fehler, die dem Ressort dcs Innern zum Vorwurf gereichen. Ünnöthig zu sagen, daß hierbei in erster Reihe der Polizeipräsident von Berlin Freiherr von Richthofen in Betracht kommt. Herr von Richthofen hat sich nicht, wie be- richtet worden, bereits am Sonnabend krank gemeldet. Ver- muthlich aber wird er von den Anstrengungen der letzten Tage einer Erholung bedürfen, die ihm die Großstadt nicht gewähren kann, und vielleicht schreibt er sich in die Fremdenliste seines Buen Retiro schon ein als„Polizeipräsident aus Berlin".— Noch einen anderen Mann soll Berlin missen: Herrn Hofprediger Stöcker. Dem ostpreußischen Konsistorium ist die Ehre zugedacht, Herrn Stöcker in Zukunft sein Mitglied zu nennen. Herr Stöckcr in der Stadt Kant's und Johann Jacoby's— er kann dort jedenfalls etwas lernen. Die„Kertiner politische« Nachrichten" fühlen sich berufen, die Berliner Polizei durch folgende Ausführungen in Schutz zu nehmen: In einem Theil unserer Presse wird das Verhalten der Berliner Polizei während der letzten Woche einer sehr abfälligen Krttik unterzogen. Man macht dieselbe zunächst verantwortlich für die„skandalöse" Behandlung, welche den Mitgliedern dcs Bundesraths und der parlamentarischen Körper- schatten zu Theil geworden ist, als dieselben am 14. d. M. de« Dom besuchen wollten. Sodann wird unseren Schutzmann- schatten vorgeworfen, daß sie am Tage des Trauerzuges einen kopflosen Uebereifer gezeigt haben, und ihnen die Polizei von London und Paris als Muster vorgehalten. Wir halten uns verpflichtet, gegen dieses absprechende urthcil Protest einzulegen- Bei einer gerechten Abwägung aller Verhältnisse würde man zu einem anderen Ergebniß gekommen sein. Während der letzten zehn Tage sind ca. 400000 Fremde in Berlin anwesend gc- wesen. Diese und ein großer Theil der ständigen Bevölkerung drängten sich in jener Zeit auf einem verhältnißmäßia beschränkte» Räume zusammen. Schon hierdurch wurde unserer Polizei, deren 'Mittel doch nur auf gewöhnliche Verhältnisse berechnet sind, die Arbeit wesentlich erschwert, zumal sie die übrigen Stadttbeile nicht völlig von allem Schutz entblößen dutfte. Dazu kam, daß das Publikum nicht leicht zu behandeln war. Es liegt uns fern, gegen dasselbe eine Anklage erheben zu wollen; wir wissen wohl, daß die Erregung der Massen sich in den letzten Tagen aus Gründen erllärt, welche Achtung verdienen. Immerhin aber bleibt die Thatsache bestehen, daß die Stellung der Polizer dem erregten Publikum gegenüber eine sehr schwierige war. Mehrere Schutzleute haben in dem Gedränge Verletzungen davongetragen; ein berittener Schutzmann ist sammt seinein Pferde von der Menge umgeworfen worden. Die gesammte Schutzmannschaft ist, wie uns glaubwürdig versichert wird, aM Sonnabend in einem Zustande derartiger Erschöpfung gewesen» daß es schwierig war, den Bedürfnissen dcs gewöhnlichen Dienstes Genüge zu leisten. Unseres Erachtcns war es geboten, am Abend des 14. Militär aufzubieten, um den Eingang zun» Dom frei zu halten. Die Polizei war durch den Dienst des Tages völlig aufgerieben und nicht im Stande, die andringenden Massen zurückzuhalten. Einer solchen Aufgabe wäre nur ein starkes Militärkommando gewachsen gewesen. Daß die Londoner oder pariser Polizei mehr geleistet haben würde als die unsrige, müssen wir, auf Grund langjähriger Bekanntschaft mit dem Aus- lande, bestreiten. Besten Falls würde sie auct, nur das haben erreichen können, was wir den Berliner Schutzleuten als Vrt- dienst anrechnen müssen, daß nämlich in den gefährllchen und anstrengeirden letzten zehn Tagen nicht ein einziger ncnncns- weither Unglücksfall stattgefunden hat.— Die Vertheidigung ist vetmuthlich sehr gut gemeint, aber sie ist gänzlich verfehlt- Der Schuymannschaft ist unseres Wissens ein Vorwurf von keiner Seite gemacht worden. Sie hat gethan, was sie irgend konnte. Das Polizeipräsidium ist es, über dessen unzulängliost Anordnungen man mit Fug und Recht Klage geführt hat, und das Ministerium dcs Innern, das man beschuldigt, angesichts offenbarer und skandalöser Unordnungen nicht eingegriffen 9» haben. Der Versuch, die Schuld auf die geringe Zahl der Schutzmannschaft abzuwälzen, ist ein recht unglücklicher. Dem Kundesrath ist der Gntmnrf einer halft'' tiihen Verordnung, betreffend die Inkraftsetzung der Unfall' und Krankenversicherung für land- und forstwirthschaftliche Bs- triebe in Preußen, Waldcck und Pyrmont sowie für die ftetf und Hansastadt Lübeck, zugegangen. In einer begleitenden Zuschrift beißt es, der Zeitpunkt, mit dem das Gesetz- betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der t» Sie hörte die Antwort ihre« Mannes nicht, aber mußte bejahend ausgefallen sein. „Nun gut," fuhr der Baß fort, als noch eine andere Männerstimme zu ihm gesprochen.„Niemanden hinunter oder herauf ohne meine Erlaubniß. Einer von Euch bleib' bei dem Schuhmacher und läßt ihn nicht aus den Auge». Gehören die Leute hier alle in's Haus?" „Nein, Herr Geheimer Kommissar," hörte sie jetzt Heß' berger sagen.„Nur zwei von den Jungen schlafen h>�- die beiden anderen sind auf der Arbeit.", „Gut, die mögen sich anziehen und ihrer Wege geh**! wir haben nichts weiter mit ihnen zu thun. Die Jungen blieben da." Die Frau Heßberger schritt nach der Thür. ,■ „Thun Sie mir den einzigen Gefallen, Frau berger," sagte die Frau Räthin rasch,„und schließen S die Thür zu, bi« die Leute wieder fort sind, oder wenn do nicht geht, lassen Sie uns hinten hinaus; wir kommen lieb morgen Abend wieder.". „Ich habe nur den einen Ausgang," sagte die%otaJ „aber gedulden Sie sich einen Augenblick— ich will ll sehen, was da vorgeht— die ganze Sache scheint ein N-Jv verständniß zu sein, und mein Holzkopf von Mann sich nie zu helfen." j, Damit verließ sie die Stube und trat in dte statte; die Frau Staatsanwalt aber, die aufgestanden � sank in ihren Stuhl zurück und stöhnte:„Oh Du herziger Himmel, das war die Stimme meines Mannes. ist mit Polizei gekommen, um mich abzuholen!" „Aber, beste Frau Staatsanwalt," bat die Frau Räch rt die viel ruhiger bei der Sache blieb,„das ist ja fl4* JL,« möglich! Der Zufall kann ihn herbeigeführt haben, ich auch nicht begreife, wie; aber er wird auch wieder l gehen, und wir warten eS hier ruhig ab." � „Horchen Sie nur— sie kommen hierher!""" hatte Recht.* ,,Thut mir leid, Frau Heßberger, Sie störe» � müssen, kann Ihnen aber nicht helfen— muh„ot Pflicht thun," sagte der Baß wieder.„Ich ersuche&,t �nd- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen vom 5. Mai 1886, soweit dieselbe nicht mit wm Tage der Verkündigung Geltung erlangt hat, in «mft zu setzen ist, wird nach§ 143, Abs. 2 des bezeichneten «esetzes mit Zustimmung des Bundesrathes durch kaiserliche «erordnung bestimmt. Dabei kann das Gesetz ganz oder theil- jjeise für den Umfang des Reiches oder für Tbeile dcffelden in «nst gesetzt werden. Nach einer Denkschrift des Reichsvcrstchc- wigsamls sind die Vorbereitungen zur Durchführung dieses «esetzcs in Preußen, Waldeck und Pyrmont, sowie in Lübeck s» weit gefördert, daß für das Gebiet der bezeichneten Staaten «t völligen Inkraftsetzung des Gesetzes vom 1. April 1888 «ne Bedenken entgegen liehen, für die übrigen Bundesstaaten &uß dagegen diese Maßregel noch ausgesetzt bleiben. Der Eni- ®urf lautet: Wir Friedrich, von Gottes Gnaden Deutscher jtöser, König von Preußen jc., verordnen auf Grund des§ 143, Ratz 2 des Gesetzes detreffend die Unfall- und Krankenverfiche- Ving der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben de- Wtigten Personen vom 5. Mai 1886 im Namen des Reichs Jach erfolgter Zustimmung des Bundesraths, was folgt: Das Gesetz, betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der in l°nd- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen «am 5. Mai 1886 tritt mit dem 1. April 1888 für das Gebiet «s Königreichs Preußen, der Fürstenthümer Waldeck und Pyr- jjant, sowie der freien und Hansastadt Lübeck seinem vollen Wfang nach in Kraft. «ln„Haussekonsortium" für den Kaffee.— Herr migen Richter würde sagen ein„Kaffeering",— soll sich wieder Frankfurt a. M. gebildet haben. Bekanntlich ist der Karree- «reis erst in letzter Zeit durch ein derartiges amerikanisches Kon- lartium hoch getrieben worden. Für solche Spekulation, durch vilchc das Täßchen Kaffee der armen Leute(oft deren einzige •arme Nahrung den Tag über) in maßloser Weise vertheuert Wrd, nur damit sich einige Jobber die Taschen füllen können. w Verr Eugen Richter wohl kauni ein verurt heilendes Wort. . Die jüngst erschienene Statistik der zum Ncstort 'preußischen Ministeriums des Innern gehörenden Äraf- und Gefangenenanstalten pro 1. April 1886/87 umfaßt 5® Anstalten, in denen bei Beginn des Jahres 27 919 Personen R befanden. Hinzu kamen im Laufe des Jahres 192998, ausae- Mieden find 103642, so daß am Schlüsse des Jahres 27 275 «ttsonen vetinirt waren. Das vorige Jahr hatte in dieser Beziehung Jae Besserung um 634 Personen ergeben, im Berichtejahre zeigt W eine erneute Abnahme um 644 Personen oder 2,31 pCt. iinter den am Jahresschluß detinirt Gebliebenen befanden sich '8 843(1. April 1886 19 319, 1885 29 028) Zuchthausgefangene, «löl(5859, 5563) Gefängnißgefangcne, 844(976, 941) Haft- skkangcne, 70(59. 33) Polizeigefangene, 1408(1704, 1442) Un- Muchungsgefangene. Die Gcsammtzabl aller im Laufe des wahres detinirt Gewesenen betrug 130 917, d. i. 1579 oder ',22 pCt. mehr als im Vorjahre, wogegen die Zahl der De» Mionstage mit 9854 375 um 260 678 oder 2,58 pCt. gegen Jas Vorjahr gesunken ist. Der tägliche Durchschnittsbestand be- M>s 26 999 gegen 27 697 im Vorjahre, hat sich also um 698 ««er 2.52 pCt. veningert. Man kann mit den Ergebnissen Wer Statistik einigermaßen zufrieden sein; erfreulich ist zumal Jst Abnahme der Zuchthausgefangenen, die überall hervortritt: L« Gesammtzahl der detinirt gewesenen Zuchthäusler ist von «10Z------" �--- •»uen jino im �auie ves Fchriften, welche die Wiederkehr des Jahrestages des Pariser /--istandes und die Herrschaft der Kommune(1871) verHerr- Wen, in großen Massen verbreitet worden. Bei dieser Gelegen *ü wurden 26 Personen verhaftet. vvv»;v.,.v». Grund des Sozialistrugesetzes verboten wurde Mn der kgl. sächsischen Kreishauptmannschaft Leipzig als Landes- Mizcibehorde die nichtperiodische Druckschrift mit 5 Aufschrift:„An das Volk! Ein Gedcnkblatt zum jd.März" und mit den Schlußworten:„Hoch die Sozialdemo- �t!" Druck der Gcnossenschaftsdruckerei Holtingen- Zürich. Oesterreich-Ungar«. b, Bicn, 20. März. Das„Fremdenblatt" und die„Presse ?�lsen auf die gefärbten Kommentare der ckaummstrschen Uschcn Presse, welche anläßlich des deutschen Thronwechsels Jssuptete, das deutsch-österreichische Bündniß gehe seiner Auf- aslina entgegen und der Dcpeschcnwechscl zwischen Bismarck Mb Kalnvky sei eine bedeutungslose Privatkorrcspondenz. Man Maine in Rußland ein Interesse daran zu haben, sich mit so Miven Selbsttäuschungen zu beschäftigen. Die Ereignisse Hörden aber alsbald die Nutzlosigkeit eines solchen Vorgehens Weisen. Frankreich. . Paris. 20. März. Eine von zahlreichen Dcputirten der L«nsten Linken unterzeichnete Erklärung protestirt gegen die Mlkundacbuna für den General Boulangcr und sagt: Wir Dingen, Ihre sämmtlichen Zimmer und Kammern auf- Schließen."_ r.„Aber auf wessen Befehl?" rief jetzt dre Frau Heß- empört über eine derartige Behandlung..„Wer darf glichen Bürgern bei Nacht und Nebel in das HauS fallen � ihre Wohnung durchsuchen?" k„Die Polizei darf alles, Frau Heßberger," sagte der ruhig,„und wenn Ihnen nachher Unrecht ge- 'hen ist. so steht es Ihnen frei, Ihre Klage anzubringen. ' jetzt haben Sie weiter nichts zu thun, als Folge zu L.„Aber wessen sind wir denn angeklagt? DaS darf man � erfahren, um sich vertheidigen zu können."_ „Za wohl, gewiß," sagte der Kommist w wieder; �.Herr Rath Frühbach hat eine Klage gegen Sie an- �>8 gemacht und eine Haussuchung beantragt, weil er J�upter. daß ihm von dem Schuhmacher Heßberger Zeug Beinkleide und verschiedene Silbersachen gestohlen (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst nud Zeven. W anstrcngungen zu bekämpfen, welche di Geister entnerven und die Ansichten irreleiten. Die Wahl eines Generals, der sich weigert, seinen Degen niederzulegen, würde ein wirkliches Ple- biszit darstellen. Ein Plebiszit aber würde die Abdikation eines freien Volkes bedeuten. Das Hineindrängen von höheren Offi- zieren in die Politik ist nicht nur eine Drohung für die In- stitutioncn eines freien Landes, sondern es ist auch eine Schwächung unserer Rüstung, indem es unsere Kräfte dem Auslande gegenüber gctheilt erscheinen läßt. Es hat das immer eine Unterdrückung unserer Rechte zur Folge gehabt und sich durch eine Niederlage gestraft. Wir fordern alle guten Bürger dringend auf, die gefährliche Manifestation zurückzuweisen im Namen der Traditionen Frankreichs und des demokratischen Prinzips, sowie im Interesse der Republik und des Vater- landes. Schweiz. Ein schmerzlicher Hilreruf kommt aus der Schweiz. Die „Neue Züricher Zeitung" schreibt:„Seit Menschengedenken haben keine so hohen Schncemasscn auf den Höhen gelagert, wie diesen Winter. Es ist nicht möglich, jetzt schon aus den zerstreuten Nachrichten zusammenzustellen, wie viele Menschen in Lawinen umgekommen sind, wie viele Kinder ihren Vater erst im Frühjahre aus einem eisigen Grabe hervorholen und in die Erdexbetten werden; die Zahl der zerstörten Häuser und Ställe hat noch kein Statistiker gezählt, den Werth der untergegange- ncn Fahrhabe und des getödteten Viehes noch kein Abgesandter einer Regierung oder eines Hilfskomitees geschätzt. Denn die Wohnstätten der Menschen, für welche wir ein bittendes Wort einlegen möchten, find zum Theil noch unzugänglich— eine kleine, abgeschlossene Welt, voll Schrecken, Elend und Jammer. Daß aber die Lawinenstürze dieses Winters in der Schweiz schon viermal mehr Menschenleben vernichtet haben als die Katastrophe von Zug, ist leider nicht mehr zu bezweifeln, und daß der Werth dieses vernichteten Eigenthums schon größer sein wird, als in Elm, läßt sich mit gutem Grund befürchten. Und noch ist die Gefahr nicht vorbei. Alle höheren Wetter-Bcobachtungsstationen meldeten in den letzten Tagen„Schnee". Es werden massenhaft neue, fürchtcr- liche Lawinenstürze stattfinden und hiernach wird durch den Föhn und warmen südlichen Frühlingsregen die Hochwasser- gefahr kommen. Was soll unter solchen Umständen im Früh- ling aus den armen Leuten in den Bergen werden, die ihre spärliche Habe, ihr Vieh �verloren haben? Wie sollen die Be- wohner wenig gekannter Seitenthäler leben, die keinen anderen Erwerb kennen, als denjenigen, welchen die Scholle der Heimath bietet— jene Scholle, auf der sie den Schrecknissen dieses fürchterlichen Winters trotzen und die sie mit Feuer und Pickel aufbrechen, um die den Elementen Erlegenen zu begraben." Hilfe von außen thut dringend noth; das-arme Bergvolk kann sie sich nicht allein verschaffen. Knlkanlander. Uebercinstimmenden Nachrichten aus Berlin, Wien und St. Petersburg zufolge soll der russische Vorschlag zur Ent« femung des Fürsten Ferdinand aus Bulgarien keinem Wider- stand mehr von Seiten der Großmächte begegnen, freilich unter der Voraussetzung, daß die Ausführung des Planes keine euro- päischen Verwickelungen herbeizuführen drohe. Der russische Botschafter Herr v. Nelidow hat der Pforte neuerdings die Ab' scndung eines russischen und eines türkischen Kommissars nach Sofia vorgeschlagen, deren Thätigkeit mit der Wahl eines neuen Fürsten aufhören würde. Amerika. Brasilien ist vor einigen Tagen wieder zum Liberalismus zurückgekehrt; der konservative Baron Eotegipe hat dem Pro- gresfistcn Correa de Olivcira den Play geräumt, und zwar ist es, wie meistens in Brasilien, auch dusmal die Sklavenfrage, welche die Konservativen zu Fall gebracht hat. Im Grundsätze ist die Sklavcnfrage im Jahre 1871 durch die Annahme des Gesetzes Rio-Bianco, welches alle in Zukunft in der Sklaverei geborenen Kinder frei gab, gelöst worden; au diese Weise aber schien die Abschaffung des entwiirdigcnden Menschenhandels dem euro- päischer Zivilisation nachstrebenden Brasilien zu langsam v i sich zu gehen, deshalb erwirkte Saraioa im Jahre 1885 die Freilassung der Sechzigjährigen unter der Bedingung, das dieselben verpflichtet seien, ihren bisherigen Herren und Besitzern noch drei Jahre zu dienen. Auch auf diese Weise aber würde die wirkliche Befreiung der Sklaven erst mit dem Ende dieses Jahr« Hunderts beendet sein, eine Verzögerung, mit welcher die Mehr- heit des Volkes nicht einverstanden ist. Auch belehrten die Wahl- Niederlage des Kabinetsmitglicdes Prado und andere unzwei- deutige Anzeichen des öffentlichen Mißtrauens das Kadinet Cote- gixe über die Aussichtslosigkeit, sich vor dem Anfangs Mai wiederzusainmentretenden Parlament halten zu können. Der neue Ministerpräsident Correa de Oliveira beabsichtigt, die Eman- zipation innerhalb Jahresfrist ins Leben treten zu lassen. Als Mitglied des ehemaligen Kabinets Rio-Branco, welches den ersten Schritt auf dem Wege der Sklavenbefreiung geth.n, hat er einen hervorragenden Antheil an der 1371er Vorlage gehabt und sich überdies durch seinen energischen Widerstand gegen die Ueber- griffe der Klerikalen ausgezeichnet. Tode des Erfrierens büßen. Das Pferd mit dem Schlitten ist dagegen glücklich zu Hause eingetroffen.— Zwei junge Leute, die zur Aushebung nach Strasburg gekommen waren, wurden aus dem Heimwege nach ihrem Dorfe vom Schneesturm überrascht, kamen vom Wege ab und mußten elendiglich er- frieren. Höhlen im Riefengrbirge. Unter den vielen Kalk- brüchen, welche der südliche Theil des Riesengebirges aufzu- weisen hat, ist der in Albcndorf befindliche einer der bedeu- tendsten. In diesen Brüchen sind jetzt weit ausgedehnte Höhlen entdeckt worden, welche„Im Riesengebirge in Wort und Bild", dessen Redatteur sich mit Professor Munter in diese Höhlen hineingewagt hat, ausführlich beschrieben werden. Wenn sich dieselben auch nicht mit der Gaittenreuthcr, der Baumanns- und Bielshöhlc im Harz, der Muggendorfer in Bayern messen können, so interelfiren sie doch als eine neue Erscheinung in den Kalklagern des Riesengebirges. Den Eingang zu den Höhlen bildet bis jetzt eine einzige Spalte von einer solchen Ausdehnung, daß man mittelst einer Leiter gerade durch sie hindurchzuschlüpfen vermag. Auf dem Grunde derselben, welche eine Tiefe von einigen 20 m besitzt, hat sich Wasser angesammelt. Etwa in halber Höhe dieser Spalte erstrecken sich die verschiedenen großen und hohen Höhlungen, zu denen man meistens nur stark gebückt gelangen kann. Der Boden ist mit einer zähen rothgelben Thon- und Mergelmasse, untermischt mtt kleineren oder größeren Kalk- trümmern, bedeckt und stellt sich nirgends vollkommen wagerecht, sondem geneigt. Dort, wo die Höhlungen am weitcstm und höchsten sind, bemerkt man nach oben zugehende schiefe, ver« schieden große röhrenförmige Aushöblungen, welche besonders beachtenswetth find, nickt bloß ihrer Form nach, sondern auch, weil man durch ihr Dasein die Entstehung der unter ihnen liegenden Räume sich zu erklären vermag. Die glatten, abge- schliffenen Wandungen aller vorhandenen Räume zeigen deut- tich, daß sie durch Erosion(einschneidende Thätigkeit der fließen- den Gewässer) entstanden oder doch wenigstens stark erweitert worden sind. Der auf dem Boden angesammelte zähe Thon- und Mergelschlamm wurde wahrscheinlich größtentheils von außen her in die Höhlen geführt. Er zeigt keine Spuren von Knochen. Der Besuch der Höhlen ist sehr schwierig, empfiehlt sich aber gleichwohl, da die Erofionserscheinungen, welche sie bieten, großes Interesse gewähren. A«f die Gesundheitsschädtichkeit gewisser Gpera- ttsnen in Pel»färb»reien macht Dr. F. I. Möbius in der „Münchener Medizinischen Wochenschrift" aufmerksam. Im von- gen Jahre kam ein 50jähriger Mann in die Univerfitäts-Polillinik Gerichts-Zeitung. Eine Rabenmntter beschäftigte am Montag die fünfte Strafkammer am Landgericht I in der Berufungsinstanz gegen die Töpferfrau Pauline Schütz. Die Angeklagte ist von dem Schöffengericht wegen Mißhandlung ihres Stiefkindes zu sechs Monaten Gefängniß veruttheilt worden, auf ihre Berufung wurde am Montag nun nochmals ein umfangreicher Beweis- apparat aufgeboten. Das Resultat war für die Angeklagte kein günstiges. Es wurde wiederum festgestellt, daß sie das Kind häufig mit einem Rohrstock und fogar mit dem Ausklopfer in brutalster Weise gezüchtigt hatte. Oft kam das unglückliche Kind,_ dem von allen Seiten, auch seinen Lehrern, das beste Zeugniß ausgestellt wird, blau gefroren und klappernd zur Schule, es stellte sich dann heraus, daß das Hemd des Kindes vollständig durchnäßt sei. Wollten dann die Lehrer das Kind nach Hause schicken, so bat dasselbe, es doch in der Schule zu belassen, da es sich dort erholen könne. Alle Zeugen sprachen sich in großer Erregung gegen das entmenschte Weib aus, nur das Kind, welches mittlerweile in eine Anstalt untergebracht worden ist, suchte die Angeklagte zu entlasten. Der Gerichtshof schenkte jedoch den anderen Zeugen Glauben und hielt das Kind für beeinflußt. Es wurde somit das erstrichterliche Urthcil bestätigt. Entscheidungen des Neichagrricht».(Nachdruck verboten.) Leipzig, 19. März.(Ein Erbschleicher.) Der Ackerbürger Becker und der Maurermeister Hofmann in Beucha(Schlesien) waren seit Jahren durch tteuc Freundschaft mit einander ver- Kunden. Das Verttauen, welches Becker, ein älterer Mann ohne Frau und Kinder, dem jüngeren Freunde entgegenbrachte, war so groß, daß er ihn mit der Abfassung seines Testamentes be- auftragte und ihm dafür ein Erbtheil von 300 M. versprach. Hofmann setzte nun auch das Testament so auf, wie es verlangt wurde, nur eine kleine Aenderuna gestattete er sich. Statt 300 M. schrieb er nämlich 3000 M. und 5 pCt. der Erbmasse. Als er Mitte Dezember 1386 in seiner Wohnung dem Becker das Testament wörtlich vorlas, sagte er jedoch 300 M. und eilte über die 5 pEt. etwas schnell hinweg. Nachdem er dann den Freund veranlaßt hatte, seinen Namen darunter zu setzen, schloß dieser vertrauensvoll das Testament in ein Kouvert ein, unr es auf dem Amtsgericht niederzulegen. Ehe Becker dies jedoch that, löste er zu Hause noch einmal die Hülle, um wegen einiger Punkte, namentlich wegen der 5 pCt., die ihm bei der Verlesung nicht klar geworden waren, sich Gewißheit zu verschassen. Dabei entdeckte er nun den Schwindel seines Freundes, der sich ohne Recht statt 300 Ä. 3000 M. und außerdem noch 5 pCt. der Erbmasse verschaffen wollte. Ueber eine solche beispiellose Dreistigkeit erbittert, erstattete er Anzeige, und das Landgericht Glogau verurtheilte den Maurermeister zu 6 Monaten Gefängniß, 200 M. Geldstrafe und 2 Jahren Ehrverlust wegen versuchten Betruges. Die Strafe wurde deshalb so hoch bemessen, weil der Angeklagte das Vertrauen eines alten Freundes auf's äußerste getäuscht hatte und weil der Bettag, den er sich zu ver» schaffen gesucht hatte, ein sehr erheblicher war.— Hofmann hatte Revision eingelegt und darin die verschiedensten Dinge vorge- bracht, u. a. daß er sich manchmal in einem Zustnnde krankhaft gestörter Geistesthätigkeit befinde; aber es half ihm nichts, denn der 4. Strafsenat verwarf kürzlich seine Revision als gänzlich unbegründet. Leipzig, 19. März.(Ungcmüthliches vom Dynamit- gesetz.) Einen neuen Beweis dafür, daßfdas Dynamitgesetz, wo immer es auch angewendet wird, das Rechtsgefühl des Volkes zu verletzen geeignet ist, liefette eine Verhandlung, welche heute vor dem dritten Strafsenat des Reichsgerichts stattfand. Als Angeklagte kamen in Betracht der Steinbruchspächtcr Blank und dessen Tochter Olga Blank in Zörbig. Herr Blank besaß die Erlaubniß, Dynamit bis zu 1 Ztr. in der Bude seines Stein- bruchs aufzubewahren. Er hatte diesen Bruch später an einen andern verpachtet und wollte sich nun des überflüssigen Dynamits entäußern. Er schickte deshalb seine Tochter Olga zu dem Kauf- mann Kohl in Landsberg, von dem er den Sprengstoff gekauft hatte, und ließ anfragen, ob er ihn zurücknehmen wolle. Kohl verweigerte jedoch die Zurücknahme. Damit nun nicht das Dynamit etwa aus der Bude gestohlen werde, ließ Frl. Blank es durch emen Knaben nach Nienburg a. S. schaffen und in einem Stalle des Kaufmanns Käthe vorläufig verwahren. Das Land- aericht Halle verurtheilte dann am 15. Dezember v. I. Fräulein Blank auf Grund des§ 9 des Dynamitgesetzes(Entäußerung ohne polrzerliche Erlaubniß) zu 3 Monat Gefängniß lMindest- maß), sprach jedoch Herrn Blank frei, da nicht festgestellt wer- den konnte, daß er seiner Tochter den Aufttag gegeben habe, das Dynanrit zu verkaufen.- Die Revision der Angeklagten Olga Blank führte aus, daß von einem Ucberlassen des Dynamits an andere hier gar keine Rede sein könne, denn der Kaufmann Käthe erlangte keineswegs das Verfügungsrccht über das Dynamit. Ueberhaupt scheine es bedenklich, das Gesetz auf Fälle wre der vorliegende anzuwenden, da es doch nur gegeben sei, um Mrßbräuche und Gefahren für das Gemeinwohl zu ver» hüten.— Dos Reichsgericht hob dann auch das Urlheil auf und verwies dre Sache an das Landgericht zurück. In den Grün» den wurde gesagt, daß die Handlung der Angeklagten nicht als zu Lerpzrg. Derselbe gab an, früher Maurer gewesen zu sein, sert einem Jahre aber sich in einer Pelzwaarenfärberei mit dem Bestrerchen kleiner Felle mit einer schwarzen Flüssigkeit beschäftigt zu haben. Fmher sei er immer gesund gewesen, seit 8-9 Wochen aber sei er an den Händen gelähmt und arbeitsunfähig. Gleich- zeitig sei mit ihm ein zweiter Arbeiter in gleicher Weise erkrankt. Dre meisten Arbeiter bleiben nur kurze Zeit, etwa ein halbes Jahr, bei der erwähnten Beschäftigung. Die Art der Lähmung. der graue Saum, welcher sich am freien Rande des Zahnfleisches des Betroffenen zeigte, die Angaben des Kranken, alles stellte eine chronische Blervergiftung außer Zweifel. Daß der Kranke sich drese Vergiftung durch seine Thätigkeit in der Pelzfärberei zugezogen hatte, war von vorn herein wahrscheinlich. Als Dr.Möbius jedoch Proben der schwarzen Flüssigkeit von einem Apotheker unter- suchen ließ, fand dieser nur Eisen. Erkundigungen bei Pelzhändlern führten nicht zum Ziele. Nähere Angaben über den Vorgang berm Pelzfärben werden verwergett, nur das werde zugestanden. daß Metallsalze Verwendung finden. Endlich erhielt Dr. Möbrus von einem sachverständigen Staatsbeamten folgende Auskunft: Eine Gefahr der Bleivergiftung liegt bei der Pelz- farberer allerdings vor, aber allein bei dem Schwarzfärben des weißen und gefleckten Asttachan und anderer Jungziegenfclle. um sie den geschätzten schwarzen Asttachanziegcnfellen gleich zu lrefern. Dre Haarsubstanz wird hier mit einer alkalischen Blei- oxydlösung befeuchtet, und infolge des Schwefelgehaltes der Haare schlägt sich(schwarzes) Schwefclblei auf dem Haare nieder. Das Haar allein wird auf diese Weise schwarz, nicht aber das Fell, während sich bei Anwendung von fchwarzen Holzfarben auch das Fell färben und die Imitation offenkundia werden würde. Eine Vergiftung ist bei diesem Verfahren recht leicht möglich, weil das Schwefclblei, in Form eines Pulvers. nicht fest am Haar des Pelzes haftet. Es sollen sogar Er- schernungen von Bleivergrftungen an Personen erkennbar sein. dre mit dem werteren Zurichten und Verarbeiten solcher Felle zu thun haben, denn es heißt, daß man das Säubern der Felle von jenem Stoff zu vermeiden sucht, um die Farbe nicht wieder abzuschwächen, und weil außerdem das Schwefeldlei die Motten abhalten soll. Dr. Möbius empfiehlt diese Thatsache der Auf- merksamkert der Aerzte und der Behörden. vpf-5 der Wissenschaft. Der Assistent des Uni- vcrsttatspro essors Hlava auf der czechischcn pathologisch- anato- rrnschen Abtherlung rn Prag, Dr. Kilcher, starb als Opfer seines Berufes. Er nahm nämlich behufs wissenschaftlicher Erprobung an sich selbst Blut von einem an Flecktyphus Verstorbenen zu sich, worauf er an Blutvergiftung starb. Versuch der Entäußerung angesehen werden könne. Da aber eine andere rechtliche Beurthellung nicht ausgeschlossen sei, so konnte nicht ohne weiteres auf Freisprechung erkannt werden. Kleine MittheUnngen. Stolp in Pommern, 20. März. Die Strecken Neustettin- Belgard, Rummelsburg-Zollbrück und Zollbrück-Bütow find wegen Schneeverwehungen unsahrbar. Allenstein, 20. März. Die Strecken Allcnstein-Johannis durg, Allenstein-Hohenstein und Korschen-Jnsterburg find bis auf weiteres durch Schneeverwehungen gesperrt. Thorn, 20. März. Das hiefige Eisenbahnbetriebsamt macht bekannt: Außer den gestern gesperrt gemeldeten Strecken ist noch die Strecke Maricnwerder bis Maricnburg durch Schnee- verwehungen wieder gesperrt. Königsberg i. pr.» 20. März. Die Strecke Wehlau bis Königsberg ist auf vorausfichtlich länger als 12 Stunden gesperrt. Danzig, 18. März. Ein interessantes Bild bietet gegen« : sie ist ein Eismeer, so weit selbst das wärtig unsere Ostsee dar „bewaffnete" Auge von den verschiedensten Küstenpunkten reicht, — ein Eismeer, dem selbst kleine Eisberge und die wunder- samsten Eisformationen nicht fehlen. Im Sonnenschein gc« währt diese Szenerie einen überaus reizvollen, großartigen An- blick, so wenig erwünscht sie auch für Verkehr und Erwerb ist. Von tzela und Rixhöft wird telegraphirt, daß auch dort nirgend offenes Wasser, nur ein starres Eisfeld zu sehen ist. Man fürchtet, daß außerhalb der Bucht verschiedene Schiffe im Eise stecken. Bei Zoppot liegen Lootscndampfer„Dave" und Fischerei- kutter„Walter" noch in ihrer alten Situation. Proviant wird ihrer Besatzung in Böten, die man über die Eisdecke zieht, zu- geführt. tiireifrnberg» 16. März.(Gräßlicher Unglücksfall.) Eine hiefige Arbeiterfamilie hatte wegen der starken Kälte ein Schwein in das Zimmer genommen, in welchem fich auch ein sechs Mo- nate altes Kind in einer Wiege befand. Die Leute verließen die Wohnung auf einige Zeit und fanden bei ihrer Rückkehr das Kind ohnmächtig vor, denn das Schwein hatte eine her- aushängende Hand des Kindes vollständig zerkaut und zwei Finger abgefressen. Ob es der ärztlichen Kunst gelingen wird, das Leben des Kindes zu erhalten, ist fraglich, da eine Ampu- totton des Armes nothwendig sein soll. Dortmund, 18. März.(Reklamationen.) Der hiefige Oberbürgermeister Schmieding hat. um der Winkelschreiberei ent« gegenzutteten und armen Eingesessenen Kosten zu sparen, an« geordnet, daß Klassensteuerrcklamationen für Alle, die es wün- schen, von einem eigens hierzu beordetten Gemeindebcamten unentgeltlich angefertigt werden. Aachen, 20. März. Die 1. englische Post vom 19. März (über Ostende) ist ausgeblieben. Grund: Das Schiff ist wegen Schneetreibens im Kanal in Ostende nicht herangekommen. Krenien, 20. März. Der Personen-, Gepäck-, Vieh- und Güterverkehr ist wegen Schneetreibens bis auf weiteres auf der Strecke Bremerhaven-Geestemünde bis Ritterhude inklusive eingestellt. Prag, 17. März.(Flecktyphus-Epidemie.) Nach den czechischen Abendblättern nimmt die Flecktyphus Epidemie hier bedrohlichen Umfang an. Am Schlüsse der Vorwoche zähste das allgemeine Krankenhaus 88 an Flecktyphus erkrankte Per- sonen. In den letzten Tagen wurden wieder neue Tyvhus- kranke aufgenommen. Von den behandelnden Aerzten starben bisher Dr. Kilcher und Asststent Dr. Pietsch, ferner vom Wärter- personale drei Personen an Typhus. Fn ärztlicher Be- Handlung befinden fich ein Arzt unv drei Wärterinnen. Pest. 16. März, lieber den schweren Unglücksfall, der fich bei Szasvar(Sasstn) ereignet, gehen dem„Pester Lloyd" folgende nähere Milthellungen zu:„Am 13. d. näherte fich der Brücke nächst Szasvar aus der hoch angeschwollenen Miava eine große Eisplatte. Die Brückenwächter trafen Anstalten, die Brucken- pfeiler vor Schaden zu bewahren. Auf der Brücke selbst standen viele Personen, welche, auf das Geländer gestützt, den Be- mühungen der Wächter zusahen. Plötzlich brach das schwache Geländer und mindestens 60 Menschen, welche fich an dasselbe angelehnt hatten, fielen ins Wasser. Diejenigen, welche schwimmen konnten, kamen ans Ufer, allein manche von ihnen, namentlich Kinder, die des Schwimmens unkundig waren, fanden ihren Tod in den Wellen. Zwei ausgediente Soldaten und zwei Fischer kamen den Ertrinkenden zu Hilfe, und es gelang ihnen auch, einige Menschen zu retten. Das ab- gebrochene Brückengeländer fiel zum Glücke auf die Eis- brechcr, so daß fich von den ins Wasser Gestürzten etwa dreißig an das volz klammem und dort ausharren konnten, bis sie gerettet wurden. Ein weiterer Theil der Hinab- gestürzten vermochte fich durch Schwimmen selbst zu retten. Die Zahl der Ertrunkenen konnte bisher nicht festgestellt werden. Es dürften elf Personen umgekommen sein. Vier Menschen hatten fich auf eine kleine von der Strömung gebildete 9 gerettet, woselbst sie, da keine Böte zur Stelle waren, fast< ganze Nacht ausharren mußten, bis aus einer Nachdargenuii zwer Fischerkähne zur Rettung kämm. Ein Bäckerlehrling d fich viele Stunden lang an einem in das Flußbett eingeramro Pflock, wobei ihm das Waffer bis an die Brust reichte.} Reservist Wilhelm Steer versuchte wiederholt, den armen Bät jungen watend zu erreichen, was aber nicht gelang. Er zimm daraus ein kleines Floß und gelangte auf diesem zu dem klagenswerthen Burschen, der bereits halb erstarrt war. Er iu den Bäckerlehrling auf das Floß, welches jedoch in diesem AuS blicke umkippte. Beide sanken ins Wasser. Der Reservist« wieder zum Vorschein, der Bäckerjunge aber, der schon ßW entkräftet gewesen, sank unter und ertrank." I Prst, 17. März.(Mißlungenes Petarden-Attcntat.) 4 Spezereiwaarenhändler Isidor Windt in der Schiffgasse Nm scheint zahlreiche Feinde zu befitzen. Es vergeht beinahe J Tag, wo ihm nicht ein schabemack gespielt wird. Bald üb klebt man seine Schaufenster mit beleidigenden Affichcn,& wieder vernagelt man seine Ladenthür u. s. w. Trotz' emsigsten Ueberwachung ist es aber Windt bisher nicbti lungen, die Urheber dieser Bubenstreiche zu entdecken. Gest Abend hatte man gar den Versuch unternommen, sein GeschO lokal in die Luit zu sprengen. Bald nach der Lad«# wurde nämlich Windt von Nachbarsleuten aufmerksam gem» daß aus seinem Laden Rauch hervordringe. Windt ging' Sache nach und entdeckte hinter der bis zur Erde reichem großen hölzernen Aushängetafel einen glimmenden Leinas fetzen, in welchen ein sich hart anfühlender Körper gewi° war. Windt ergriff den Fetzen und schleuderte ihn weit 1 fich auf das Straßenpflaster. In demselben Augenblick ers» eine heftige Detonation; der Gegenstand, welcher in dem N fich befunden hatte und, wie die Folge zeigte, eine Petarde wescn ist, war mit großer Gewalt erplodirt. Zum Glück J in diesem Augenblicke die Gaffe menschenleer und kam« weiteres Unglück vor. Die Polizei hat die Untersuchung bch Ausforschung des Tbäters eingeleitet London, 20. März. Der„Standard" meldet aus Sh® von gestern, bei dem jüngst in Nunnan stattgehabten Erd! seien die großen Städte Shihping und Kienshai zerstört war» die Zahl der durch das Erdbeben umgekommenen Men!l> werde auf 4000 geschätzt. >» Cchel , Pr beschloß Botscha in richt Entwui denselbl Theater. Mittwoch, den 21. März. «p.ratznn». Geschloffen. §ch Geschloffen. en fche» Theater. Galeotto. Wall«»»» Theater. Seine Hoheit. «.eatrat-Theater. Die Himmelsleiter. - Withelmftädtische» Theater Die 7 Schwaben. VUrtarta-Theater. Die Reise um die Welt in 80 Tagen. TlleaA'Eheater. Die Waise aus Lowood. Äestlleaz-Theater. Francillon. .söllealltanee-Theater. Die Fledermaus. Mathalla-Theater. Der Hcrrgottschnitzer von Ammergau. �»»rtean-Theater. Spezialitäten-Vorstellung. fitiafMaims DariStS. Spezialttäten« Vor« stellung. Kovkordia- Theater. Spezialitäten« Vor- stellung. »ter d- Theater der N-tchshalle». Vorstellung. Spezialitäten« «»iHinar Stadt Theater �allnertheaterstraße 15. Eim Derliuer Mhtmlt. Volksstück in 4 Atten von tz. Heisch. Bor unv nach der Vorstellung im Tunnel: Browss Konzert. Anfang der Vorstellung 7t Uhr. Ml sstr. 72. Zum ter. Direktion: Adolph Ernst. 182* Male: -U« Gesangsposse in 4 Äkten von Leon Treptow. Kmiplets von G. Görß. Mufik von G. Steffens und Franz Roth. Lisi: Berts Feidsu. Hedwig: Olgs Osiorsk. Asta: Clsrs Helmer. Liese: Roes Lid. Felix: Kugo Hasskerl. Franzi: Adolph Krsts. Mar: Paul Barthold, Stöpsel: Dir. Adolph Ernst. Im 4. Akt:._ Wff" Francillon-Parodie, vorgetragen von Kerta Fetdan und Dir. Ad. Grast. Anfang 7t Uhr. MT Telephon- Anschluß Amt IX. Ur 9788. tB»_ tzimMdlislhes Hula. Alerandcr-Straße 40— Kurze Straße 6. Gastspiel des Frl. Ida Müller. Die Anna-Liese. Schauspiel in 5 Akten von Heisch. Anns-Liese i Frl. Ida MDIIer a. G. Abends 7t Uhr: Aammtttih» Kon» und Passepartouts. gleichviel welchen Datums, find giltig. Freitag: Z. 1. M.: Gerechtigkett. Schau- spiel in 5 Asten von Wilhelm Friedenstein. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kaiser-Panorama. Zweite Reise Gber- Atatien. DtUaZirto. Kaiser Lrtedrich»I. Anfdahrnng Kaiser Wilhelm I. Neu! Zum ersten Male: IL Wanderung durch die Türkei. Sine Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonn. Unserem Freunde Robert Nürnberg zu seinem heutigen Geburtstage ein donnernde» Hoch, daß die ganze „Einigkeit" wackelt.'595 Wegen großer baulicher Veränderung unserer Lokalitäten sehen wir uns veranlaßt, einen Du Mutter, hat denn der schon bezahlt? " Ä. P." ©.©. M.©. A. z. G.». S. S. A. P A. S M Unfern Genossen, dem dreiblättrigen Kleeblatt, H. R. Onkel, A. J. Klamotte, Georg H— ke, zu'Jhrem heutigen Geburtstage ein donnernde» Hoch, daß allen dreien der Kopf wackelt. Onkel mit vem dicken Trommelschlägel, schlägt sein Ausgußbecken in zwei Stücke, Klamotte mag eS flicken und Georg mag zukieken. 603s Mehrere Genossen. _ P. 9.<ß.|l.#. H. P.! gcnjl. Aiisnerkauf modernerKleiderstoffe Den Mitgliedern, Freunden und Gönnern des Kereins zur Wahrung der Intereffen d. Klavierardeiter zur Nachricht, daß der Wiener Maskenball des Vereins Sonnabend, den 24. v. M-, in der Philharmonie, Bernburgerstraße 22a— 23, stattfindet. Diejenigen, welche noch Billets übrig haben, werden dringend gebeten, dieselben bis Freitag Abend zurück zu geben, andernfalls fie als verkauft betrachtet werden. 583]_ Der Porstand. Wottkilld. Fithsarophirstkillschltifer nnd Kerns» genossen. Persammlnng am Donnerstag, den 22. d. M., Abends 9 Uhr, Henkel» Kierhaa», Brüderstt. 26. Tagesordnung: Neuwahl des ersten Schriftführers. Innere Vereinsangelegenheiten. Gäste willkommen. 601] Der Vorstand. Kachverei« der Steindrucker und Kithographe«. Donnerstag» Abends 8% Uhr, Vereinö-Veriammlunst bei Gratmeil, Kommandantenstt. 77—79. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Wurm über„Die Erhaltung der Sehstast. 2. Diskusfion. 3. Ber schiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 606] Der Vorstand. zu eröffnen und bietet sich hierdurch unserer ge- ehrten Kundschaft Gelegenheit, den Frühjahrs' bedarf zu recht billigen Preisen einzukaufen. 1 großer Posten doppelt breiter Köper-Keiges..... 1 großer Posten doppelt breiter Tortans....... 1 großer Posten doppelt breiter gestreifter Plaids.... Moderne hübsche Stoffe mit hübscher Körte..... Ganz wollene Crepes, doppelt breit in allen Farben... I Hochfeine doppelt breite Mode- " stoffe z d ei cr K er w gl ai ui I i L w, wi Mir. 50 Pf Mir. 50 Pf Mir. 60 Pf! Mir. 1 PH Mtr. 1 M de un fi- Ki Mtr. 1 M Sdpnt pnplltiK Cchmirst, (Alls u M> 4 schließ I«ns M il-slich ;iniwj aenw weit-« crfeii mM tarfcl lud' gk» Ä um MW Beilage zum Berliner Bolksblalt. Pr.«S Wittw-ch, den St. März 1888. S. Zntz»,. von er -er V arlamerrtsverichte. Pentfcker Reichstag. S9. Sitzung vom 20. März. 1 Uhr. »m Tische des Bundesraths: von Boetticker, Echelling. Präfident v. Med?U»pir»d»rf: Der Reichstag hat gestern beschloffen, in Beantwortung der ai; uns genchtettn Lrlierhöchsten Botschaft eine Adresse an Se. Majestät den Kaiser und König «u rickten, und mich beauftragt, heute dem Reichstage einen Entwurf dieser Adresse vorzulegen. iIch habe die Ehre, Ihnen denselben zu verlesen. Derselbe lautet: Allerdurchlauchtigster, Großmächtigst Kaiser und König! Allergnädigster Kaiser, König un d H er. In tiefster Ehrfurcht hat der Deutsche Reichstag Em�r Kaiserlichen und Königlichen Majestät Botschaf: vernommen._ Wir sind erfüllt von Dankbarkeit, daß Eure Majestät nach dem Heimgänge Seiner Majestät, unseres in Gott ruhenden Kaisers, die mit der Deutschen Kaiserwürde ver bundenen Rechte und Pflichten, alle Hindernisse über windend, sofort übernommen haben, mit dem Ent schlusse, die Reichsverfassung unverbrüchlich zu beachten und aufrecht zu erhalten und demgemäß die ver- fassungsmäßigen Rechte der einzelnen Bundesstaaten und des Reichstags gewissenhaft zu wahren. Mit Eurer Majestät und dem Kaiserlichen Hause trauert ganz Deutschland in bitterem Schmerz um den großen Herrscher, dem Deutschland seine Wiederoereinigung dankt, dessen Leben gewidmet war der Stärkung der für Deutschland gewonnenen Machtstellung als eines Horts des Friedens und der Befestigung des Bandes, welches er um Deutschlands Stämme geschlungen hatte, der bis an sein Ende unablässig bemüht war, für das Wohl aller Klassen unseres Volkes zu sorgen. Der Reichstag ist entschlossen, an der Lösung der Aufgaben, welche Kaiser Wilhelm sich gestellt und als ein Vermächtniß dem Deutschen Volke hinterlassen hat, an seinem Theile mitzuwirken, in nie wankender Treue gegen Kaiser und Reich, in unerschütterlicher Hingebung an Eure Majestät und Allerhöchstderen Haus. Eure Majestät haben den Willen kundgegeben, Recht und Gerechtigkett, Freiheit und Ordnung im Vaterlande zu schirmen, die Ehre des Reiches zu wahren, den Frieden nach außen und im Innern zu erhalten und die Wohlfahrt des Volkes zu pflegen. Der Reichstag ist bereit. Eure Majestät in der Durchs führung dieses Willens mit allen Kräften zu unterstützen Einmüthig hat der Reichstag bewilligt, was zur Er- Haltung der Wehrkraft Deutschlands erforderlich war, in der festen Hoffnung, damit ein Bollwerk zu schaffen, welches, so Gott will, den Frieden Europas erhalten l wird. Wir leben der Zuversicht, daß das deutsche Volk fest geeint mit seinem Kaiser und den Regierungen der deutschen Staaten einer glücklichen Zukunft entgegengeht, und alle Stürme, welche über uns hereinbrechen könnten, siegreich bestehen wird. Möge Gottes Segen auf Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät und unserem Vaterlande ruhen In tiefster Ehrfurcht verharrt Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät allerunterthänigster Der Deutsche Reichstag. (Allseitiger lebhafter Beifall.) Ich eröffne die Berathung. Das Wort wird nicht verlangt; 'ch schließe dieselbe und darf feststellen, daß der Deutsche Reichs- M einstimmig beschlossen hat, die eben von mir verlesene treffe an Se. Majestät den Kaiser und König zu richten. Allseitiger lebhafter Beifall.) Ich stelle das hiermit fest. '"«ine Herren! Ich werde nicht verfehlen, die Adresse unver- Ntglich Se. Majestät dem Kaiser zu unterbreiten. Sollten die ®om Präsidium des Reichstages bei den Allerhöchsten und höchsten Herrschaften erbetenen Audienzen noch bewilligt wer- Iu können, so wird das Präsidium außerdem noch mündlich Majestät dem Kaiser und Ihrer Majestät der Kaiserin, so- 5le Ihrer Majestät der Kaiserin- Wittive, Se. kaiserlichen Hoheit D?" Kronprinzen und Ihrer kaiserlichen Hoheit der Frau Krön- ?Nnaesstn die Gefühle der Anhänglichkeit und der Therlnahme � Reichstages auszudrücken die Ehre haben. Weine Herren, ist mir soeben ein Antrag überreicht worden, der als iWeur'~•'•''■" a'-'— Muniger' Ärttag" bezeichnet iL Der Anttag steht nicht auf �Tagesordnung; über denselben kann daher heute nur ver- *?ldelt werden, wenn von keiner Seite Widerspruch erhoben 5#. Ein Widerspruch wird nicht erhoben, ich eröffne daher ** Beratbung über diesen Antrag. Derselbe lautet: Der Reichstag wolle beschließen, Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage indessen nächsterSesfion eine Vorlage behufs Errichtung eines Denkmals für den hochseligen Kaiser Wilhelm, den .Gründer des Deutschen Reiches, zu machen. < Dieser Antrag trägt den Romcn Ackermann und ist von gliedern aller Parteien unterstützt.) Das Wort wird nicht verlangt: ich schließe die Berathung. mm U SM»; n" nW S? §3 müßten Pattikularstaat des ' t der Gewtzent- von einer Menge «.«MM «UMSZW nicht auch die Prokura von selbst gelöscht wird. Ich habe mich aber an der Hand der Gesetzgebung überzeugt, daß dies nicht der Fall ist; nach dem Handelsgesetzbuch können Prokuren nur auf Antrag des Fümeninhabeis gelöscht werden. Es ist daher für Preußen ein dringendes Bedürfniß, die von mir beantragte Bestimmung in das Gesetz aufzunehmen. Geheimrarh Ooffmanu- hält den Antrag an sich für überflüssig, da mit Bern Erlösch.n der Firma auch die Prokura von selbst et lösche, will aber, nachdem einmal Zweifel darüber entstanden sind, gegen die Aufnahme des Antrags in das Gesetz nichts einwenden. Der Antrag Hammacher wird angenommen, und mit dieser Veränderung auch das Gesetz im Ganzen. Damit ist die Tagesordnung erledigt, und der Reichstag steht am Schlusse seiner Geschäfte. Nachdem der Präfident die übliche Geschäftsüberficht ge> geben, nimmt das Wort Abg. Graf Mottkc: Meine Herren! Ich glaube in Ihrem Namen unserem Herrn Präsidenten den Dank und die Anerkennung für die umsichtige, unpatteiische und erfolgreiche Leitung unserer Geschäfte aussprechen zu dürfen.(Lebhafter Beifall.) Ich bitte Sie, sich zum Zeichen Ihrer Beistimmung von den Plätzen zu erheben.(Die Anwesenden erheben sich.) Präsident v. Wrd»Jl-pie»dorf: Ich danke dem Herrn Abg. Grafen Moltke für die ehrenden Motte, welche er an mich gettchtet hat und Ihnen allen, meine Herren, für die Zustimmung, welche Sie denselben gezollt haben. Wenn es gelungen ist, unsere Verhandlungen einigermaßen befttedi- gend zu Ende zu führen, so ist dies vor allem der Nachsicht zu danken und dem Wohlwollen, welches ich auch in dieser Session auf allen Seiten des Hauses gefunden habe. Ich sage Ihnen Allen, meine Herren, dasür meinen Dank. Ferner bitte ich Sie, mir zu gestatten, Namens des Reichstages auch meinen Herren im Präsidium, den Herren Schrsstführern und Quästoren den Dank für die opferwillige Mitwirkung auszusprechen. Staatssekretär v. Koetticher: Ich habe dem Reichstage eine Allerhöchste Botschast zu verkündigen.(Die Mitglieder des Hauses erheben sich von den Plätzen�) Wir Friedrich, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen, thun kund und fügen hier- mit zu wissen, daß Wir Unseren Staatssekretär des Jnnem, Staatsminister v. Boetticher, ermächtigt haben, gemäß Attikel 12 der Verfassung die gegenwärtigen Sitzungen des Reichstages in Unserem und der verbun- deten Regierungen Namen am 20. März d. I. zu schließen. Urkundlich te. Gegeben Ckarlottenburg-Berlin, den 12. März 1333. gez. Friedrich. ggez. Fürst Bismarck. Ich habe die Ehre, die Ausfertigung dieser Allerhöchsten Botschaft dem Herrn Präsidenten zu überreichen. Auf Grund der mir von meinem allergnädigsten Herrn ettheilten Ermächti- gung erkläre ich im Namen der verbündeten Regierungen die Sitzungen des Reichstags für geschlossen. Präsident v. WedeU-Pievdorf: Meine Herren! Den Ge- fühlen der Hingebung und Verehrung für unseren Allerhöchsten Herrn und Kaiser, die in einer schweren Zeit, wie der, welche wir jetzt durchlebt haben, in doppelter Lebhaftigkeit in uns Allen rege sind, lassen Sie uns noch einmal dadurch Ausdruck geben, daß wir rufen: Se. Majestät der Deutsche Kaiser und König Friedrich von Preußen lebe hoch!(Die Mitglieder des Hauses stimmen dreimal lebhaft in diesen Ruf ein.) Ich schließe die Sitzung.— Schluß gegen 2 Uhr. Abgrordnetenha«». 39. Sitzung vom 20. März, 11 Uhr. Am Ministettische zu Anfang der Sitzung: Niemand; später: Dr. Lucius, Maybach, Friedberg, v.Scholz, v. Boetticher und Kommissatten. Auf der Tagesordnung steht die Berathung folgender Adresse an Se. Majestät den Kaiser und König: Allerdurchlauchtigster, Großmächtig st er Kaiser und König, Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Eure Kaiserliche und Königliche Majestät haben dem Landtage der Monarchie die Allerhöchste Botschast zu- geben lassen, daß der Gcsundheitvzustand Eurer Majestät zur Zeit es nicht gestatte, den im Artikel 54 der Ver- fassung enthaltenen Bestimmungen nachzukommen, daß Eure Majestät aber das Bedürfniß fühlen, Allerhöchst Deren Stellung zu den Staatsordnungen vor der Volks- Vertretung unverweilt zu bekunden. Gleichzettig haben Eure Majestät schon jetzt gelobt, die Verfassung des Königreichs fest und unverbrüchlich zu halten und in Uebereinstimmung mit derselben und den Gesetzen regieren zu wollen. Eurer Majestät danken wir alleruntetthänigst für diese Kundgebung und bitten Gott, daß Er Eurer Majestät die volle Gesundheit wiedergeben und eine reich gesegnete Regierung verleihen wolle. Mit Eurer Majestät trauett das preußische Volk ge- meinsam über das Hinscheiden seines von der Liebe Aller getragenen, in Gott ruhenden Kaisers und Königs; es empfindet ganz den Schmerz des Sohnes über den Heim- gang des Vaters, welchen Preußens Landeskinder auch als ihren Vater zu verehren gewohnt waren. Mit unaus- löschlichen Zügen ist in dem Herzen des preußischen Volks das Andenken an diesen König eingegraben: den Schöpfer und Mehrer des Deutschen Reichs, welches ein Hort der friedlichen Entwickelung für ganz Europa geworden, den Pfleger und Hüter des Glückes und der Wohlfahrt des Vaterlandes, deren Förderung das unablässige Bemühen Seiner glorreichen Regierung war. Eure Majestät sind der Erbe der Liebe und Ver- ehrung, welche das gesammte Volk für all diese Seg- nungen dem verewigten Kaiser und Könige zollt. Vcr- ttauensvoll schlagen die Herzen der Nation Eurer Majestät entgegen, Ällerhöchstdenen schon alö Kronprinzen des Deutschen Reichs und von Preußen sie in Liebe zugethan waren. Mit der den Hohenzollern eigenen Pflichttreue sind Eure Majestät in die Mitte Ihres getreuen Volkes geeilt. Wolle Gott in Seiner unendlichen Gnade Eurer Majestät Kraft verleihen, das Szepter zu führen, wie Eurer Majestät landesväterliches Herz es gewillt und ent- schloffen ist. Preußens Volk dantt seine politische Machtstellung der kraftvollen Führung der Hohenzollern und steht in hingebender Treue und freudigem Gehorsam zu Eurer Majestät. Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät unterthänigste, treugehorsamste Das Haus der Abgeordneten. Zur Geschäftsordnung nimmt das Wort Abg. v. Schorlemer(Z.): Ich erlaube mir den Antrag zu stellen, das hohe Haus der Abgeordneten wolle den vor- liegenden Adreßentwurf, welcher seinem Wortlaut nach im Seniorenkonvent von allen Parteien des Hauses einstimmig fest- gestellt worden ist, ohne weitere Debatte, sowie er vorliegt, per Akklamation annehmen(Beifall), um dadurch den Gesinnungen, welche im Adreßentwurf ausgesprochen sind, einmüthige, he- geisterte Zustimmung zu geben.(Beifall.) Präsident v. Koller: Der Antrag auf Annahme der Adresse per Akklamation ist nur zulässig, wenn sich von keiner Seite Widerspruch erhebt. Das ist nicht der Fall; ich erkläre die vorliegende Adresse für einstimmig angenommen.(Beifall.) Meine Herren! Die Ätt und Weise, wie die Adresse Sr. Majestät überreicht werden soll, enthält der Antrag nicht. Ich darf wohl annehmen, daß es der Wille des Hauses ist, mich zu er- mächtigen, Sr. Majestät die Adresse auf diejenige Art unt» Weise zu überreichen, welche Sr. Majestät die am meisten genehme sein wird. Dabei erbitte ich mir zugleich vom Hause die Ermächtigung, falls ein Empfang stattfinden sollte, im Namen des Hauses der Abgeordneten auch Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin die Gesinnung unwandelbarer Treue und ehr- furchtsvoller Ergebenheit, von denen das Haus der Abgeordneten erfüllt ist, aussprechen zu dürfen.(Lebhaste Zustimmung.) Auch damit ist das Haus einverstanden. Damit ist dieser Gegenstand erledigt. Es folgt die dritte Berathung des Staatshaushaltsetats' für 1888—89. Abg. Mindthorst(Z.) bemerkt, daß die Finanzlage eine bessere geworden sei, allerdings nur durch die Auflegung neuer Steuern. Deshalb wird erwogen werden müssen, ob nicht die Veranlagung zu den Steuern eine schatte ist. Es werden mehr- fach Klagen darüber geführt. Wir würden eine Aufforderung in dieser Richtung an die Regierung richten, wenn nicht schon in dem Allerhöchsten Erlaß darauf hingewiesen worden wäre. Auf diese wenigen Bemerkunzen werde ich mich de- schränken. Abg. Rickert(dfr.): Bei der ersten Berathung des Etats hat der Finanzminister v. Scholz die Erklärung abgeaeben, daß die Regierung damit beschäftigt sei, in Bezug auf die Wittwengelder und Antrittsgelder der Volksschullehrer eine Vorlage auszuarbeiten. Wir haben einen Antrag im An- schluß an diese Erklärung eingebracht. Das Haus habe ein Interesse daran, zu erfahren, od die Vorlage Fottschritte gemacht hat und ob die Regierung noch in dieser Session die Vorlage an das Haus bttngen wird. Es scheint allerdings, als wenn keiner der Herren am Ministertische zu einer Antwort kompetent ist. Auf die Bemerkung des Herrn Windthorft will ich nicht eingehen. Eine Reform der direkten Steuern ist nicht möglich, so lange die Regierung sich nicht mit der Volksvertretung dar- über einigt, daß die Einkommensteuer quotistrt wird. Präsident v. Koller bemerkt, daß seines Wissens heute im Finanzministerium die Vereidigung der Beamten statt- findet, und daß deshalb kein Vettrerer dieses Ministettums an- wesend sei. Damit schließt die Generaldiskusston. In der Spezial» diskussion, und zwar beim Etat der indirekten Steuern, klagt Abg. Hchrelber-Nordhaiisen(frk.) über die schweren Schädi- gungen. welche die Qualitäts-Branntweinbrennerei Nordhaustns durch das neue Branntweinsteuergesetz, und namentlich auch durch die dazu erlassenen Ausfübrungsbestimmungen des Bun- desrathes erlitten habe; es sei fast der ganze Expott verhindert worden. Geheimer Obettinanzrath Lehnert bemerkt, daß der Finanz- minister und die Beamten seines Ressotts durch eine ander- weite dttngende Dienstangelegenheit behindert seien, schon jetzt zu ettchemen; der Finanzminister würde aber später vielleicht noch eintreffen. Beim Etat der Bergwerksverwaltung empfiehlt Abg. Kchnlfc-Lupitz eine Ermäßigung der Preise fürKainit, welche durch die Konvention der Staßfutter Werke sehr hoch ge- halten werden. Abg. v. Kelow-Saleske unterstützt diese Forderung, welche den Interessen der Landwirthschaft dienlich sei; denn aus der Nothlage könne vre Landwirthschaft nur herauskommen durch eine Verbesserung der Technik, durch die Beschaffung billiger Düngemittel zur Verbesserung des Bodens. Dem Auslande gegenüber könnte man ja die hohen Preise der Konvention fest- halten. Abg. Numpff(nl.): Nicht allein die Landwirthschaft ist nothleidend, sondem auch manche Jndusttte; aber der Wunsch der Landwrrthe nach billigen Düngemitteln sei ein berechtigter, den er unterstützen müsse. Abg. Fetocha(Z.) bittet, die unter den einmaligen Aus- gaben aefordetten 154000 M. zur Fortführung der oberschlefi- sehen Schmalspurbahn von Tarnowitz nach der Fttedrichshütte abzulehnen. Das Haus genehmigt diese Position. i�at.K® isenbahnverwaltung dantt "" m,""" m»"G"*«'« Abg. V-petiu»(frk.) weist darauf hin, daß der Abg. Kanallnteressenttn w D'estfa'len die�uIbtt�ung�der K�sten stir den Grunderwerb erlassen werden möge. Wenn das geschehe, wurden sie sofort die wettere Forderung erheben, die Mosel zu kanalisiren. Eine solche Bauausführung auf Kosten der Allge- meinhett zum Schaden anderer Londestheile sei bedenklich. . �bg. o. Eqn-r»(nl): Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß die Privatinteressen sich so weit vorwagen, daß sie sich der Schiftbarmachung eines unserer bedeutenden Flüsse ent- gegenstellen. Das Landesinteresse geht dahin, daß die Flüsse. welche� Gott der Herr uns gegeben hat, schiffbar gemacht werden, nicht dahin, daß solche Pläne einzelnen Interessen zu Liebe hintertrieben werden.(Heiterkeit.) Abg. Glzem(natl.): Es handelt sich nicht um die Schiff- barmachung, sondern um die Kanalisirung der Mosel; die Herren attcß'ir&r&%,:! mSffSSS 0TVLel btf Veninsung der Eisenbahnschulden so bedeu- tende Mittel erfordett. kann man nicht auf Kosten der Steuer- zahler so viele Millionen für die Kanalisation ausgeben. Die Henen aus Westfalen können nicht einmal die Grunderwerbs- kos en für den ihnen bewilligten Kanal aufbringen. Deshalb sollten sie nicht immer neue Projekte vorbringen. Die Einnahmen werden bewilligt. ... Bei. dm Ausgaben für die Eisenbahndirettion Köln (linksrheinisch) erklärt auf eine Anfrage des Abgeordneten Fnch» bezüglich der �elelseverbindung der Hafen- und Werstanlagen w Köln em Vertreter der Regierung, daß dabei wich, tlge Interessen des Reiches und Preußens in Frage kommen; deshalb hätten umfangreiche Verhandlungen stattgefunden; es sei aber jetzt Aussicht auf einen befriedigenden Abschluß vorhanden. Die Ausgaden werden bewilligt. Beim Etat der Ansiedelungskommission erklärt Abg. v. Koerbrr(freik.), daß die in zweiter Lesung ge- machte Mittbeilung, daß die westpreußische Landschaft subhastirte Güter mit Polen kolonistrc, falsch scij es habe nur bei der Uebernahme eines subhastitten Gutes eine Abtrennung einzelner Parzellen stattgefunden, während das Gut im Ganzen sonst er- halten sei. Abg. Wehr(Könitz) hält es für falsch, daß die Ansiede- lungskommisflon nur von Polen kaufen soll; es seien infolge dieses falschen Grundsatzes manche deutsche Güter in polnische Hände gekommen. Beim Etat des F i n a n z m i n i st e r i u m s wiederholt Abg. R i et e r t seine Anfrage aus der Generaldebatte, bezüglich der Relittenbeiträge der Volksschullehrer. Finanzminister v. Kcholz: Die Regierung hält diese Frage ebenfalls für dringend; die Arbeiten an der Vorbereitung dieser Zfaage sind unausgesetzt im Gange. Aber ich bin nicht im Stande zu sagen, daß sie in 14 Tagen oder vier Wochen ju einem zufriedenstellenden Ergebniß führen werden. Die Schwierigkeiten, welche sich der Lösung dieser Frage entgegen- stellen, find durchaus nicht leicht zu überwinden. Beim Etat der Bauverwaltung macht Abg. Kerger auf die Nothwendigkeit der Durchführung der Zimmcrstraße über den Gatten des Kttegsministettums hinweg bis zur Königglätzerftraße aufmerksam; er hoffe, daß es dem Minister gelingen werde, den Widerstand des Kriegsministcrs zu überwinden; die Unterstützung des Hauses werde ihm dabei nicht fehlen. Beim Etat des Ministeriums für Handel und G e w e r d e klagt Abg. Pleß(Mühlbeim) über die mangelhafte Erziehung der Kinder in den Volksschulen, die vieles, aber nichts ordcnt- lich lernten, so daß sie für das Handwerk nachher kaum brauch- bar seien. Mst Rücksicht darauf verlangt Redner für die Fort- dilvungsschulen die Einführung des Religionsunterrichts und die Uebung in den Elementarfächern, die den Schülern fehlt, weil bei dem großen Unterttchtsstoff eine Uebung nicht möglich sei. Abg. Kuörcke nimmt die Volksschule in Schutz; die deutsche Volksschule sei die beste in der Welt und besser als die frühere Schule. Aus dem Unterrichtsstoffe der Volks- schule kann kaum etwas gestttchen werden. In demselben Sinne spttcht sich Abg. Langerhans aus, der namentlich sich dagegen wendet, daß der Religionsunterricht in den gewerblichen Fachschulen eingcfühtt werde. Abg. Kzmula: Die Vorredner mögen für Berlin im Recht sein, aber in anderen Landestheilen ist die Volksschule zurückgegangen, namentlich in Oberschlefien. Das liegt Haupt- sächlich in der Menge des Unterrichtsstoffes. Der Religions- unterttcht in den Fottbildungsschulen ist nothwendig, weil manche Volksschulen— namentlich die Simultanschulen— auf diesem Gebiete nur wenig leisten. Redner verliest einen Be- richt des Bürgermeisters von Kattowitz über die dottigen schlechten Schulverhältnisse, die einen Rückgang der Verhältnisse deweisen. Beim Etat des Ministeriums des Innern theilt auf eine Anfiage des Abg. Hagen»(nl.) der Geh. Ober- Reg.- Rath v. Kitter mit, daß auf Grund der lex Huene an 167 Kreise 4 960 409 Mark vertheilt seien. Da die Kreis- und Provinzialabgaben aber 27 833 897 M. betragen, so ist durch die Ueber Weisung nur ein Fünftel dieser Abgaben ge- deckt. Nur in ganz vereinzelten Kreisen hat man diese Ueber- Weisungen zu anderen Zwecken verwenden können. Es find ver- wandt zur Erleichterung ver Schullasten 23 818 M., zu Bei« dilfen an die Ottsarmenverbände 37 985 M., an die Gemeinden find 67 526 M. überwiesen. Beim Kapitel„Oberverwaltungsgericht" dieses Etats kritisirt Abg. v. Czarlinski das bekannte Erkenntniß des Ober- verwaltungsgerechis gegen einen polnischen Schöffen wegen pol- nischer, d. h. staalsfeindlicher Agitationen bei den Wahlen; das Urtheil sei ein leichtfertiges, da es ohne Beweise den Polen, auch den polnischen Abgeordneten staatsfeindliche Tendenzen vorwirft unv damit die Leistung eines Meineides; denn die polnischen Äbgeorvneten haben die Verfassung beschworen. Minister von puttkamrr: Ich kann den Vorredner selbstverständlich nicht daran hindern, unter dem Schutze der parlamentarischen Immunität gerichtliche, endgiltige Urtheile zu ktttisiien; aber er hat in seiner Ktttck sich, von politischen �nationalen Leidenschaften aufgestachelt, über jede Rücksicht hin- wcggeseyi. Ich muß es dem Hause überlassen, od es ange- messen erscheint, ein Uttheil in dieser Weise zu kritifircn. ��Ad«. Zelle: Die Verwaltungsgerichte stehen den eigcnt- lichen Gerichten vollständig gleich; eine solche Kritik, wie sie der Abg. v. Eiarlinski geübt, halte ich nicht für richtig und zuläsfig. Aber ich meine auch, man sollte mit Kanonen nicht nach Spatzen schießen. Man hat hier eine Kleinigkeit außerordentlich aufge- bauscht— nicht durch die Schuld der Gerichte, sondern durch die Schuld der Organe, welche die Kanone geladen, d. h. das Disziplinarverfahren eingeleitet haben. Die Beamten haben bei den Wahlen nicht alle Rechte wie jeder Bürger, namentlich dürfen sie sich zum Staatsaanzen nicht in Wiverspruch setzen. Aber ob solch ein kleiner Dorfschöffe, wenn er Wahlzettel für einen polnischen Kandivaten vettheilt, von der ganzen Trag- weite der Tendenzen der polnischen Fraktion eine Ahnung hat, daß man so scharf gegen ihn einschreiten mußte, das erscheint mir doch zweifelhaft. Der Minister sollte seinen nachgeordneten Organen doch einen kleinen Dämpfer aufsetzen. Beim Etat des Kultusmini st eriums, und zwar bei den Ausgaben für das Ministerium, bittet Abg. Paristu» den Minister um Auskunst über die vom Abg. Rlckett angeführten Fälle der Wahlbeeinflussung seitens einiger Sckulinipektoren und Lehrer. ' Minister v. Gofftr»: Der erste der fünf von dem Abg. Rickett in der zweiten Lesung vorgebrachten Fälle betraf den Erlaß einer Zirkulw Verfügung seitens der Schulabtheilung der R. gierung in Breslau, welche nur die Verweisung auf die kaiserliche Botschaft von 1882 enthielt. Diese Verfügung konnte an sich leine-, Anstoß erregen und diente auch nur dazu, um den zweiten Fall, den Erlaß des Landraths des Kreises Ohlau, zu illusturen. Der Landralh hat jene Verfügung den Schul- insp.ttoren seines Kreises abschriftlich mitgetheilt, sie zur strengsten Rackach. ung empfohlen und auegesprochen, daß er zu den Lehrcm des Kreges das Vertrauen habe, daß sie den Ermattungen der Regierung in vollem Maße entsprechen und die Regierung kräfligfi unterstützen werden. Der Landrath war nun nach der Botichaft oo» 1882 nicht nur berechtigt, sondem verpflichtet, die Politik Sr. Majenät auch bei den Wahlen zu unterstützen. Es kann sich nur darum handeln, ob der Schluxpassas seiner Ver- fügung. worin er die Lehrer auffordert, die Regierung zu un.erstüeen, zu weit geht. Ich glaube, daß er etwas zu weit geht. Der Lmdrath hätte sich darauf beschränken können und müssen, die Politik Sr. Majestät zur Kenntniß zu bringen und hätte richtiger den SchlußpassuS weggelassen. Eine weitere Folge hat der Sache nicht gegeben werden können, weil der Landrath inzwischen aus dem Leben geschieden ist. Was den Fall des Schulü.spektors Schrötlers in Tdorn betrifft, so hat die Re- gieruog ihre Mißbilligung dem Schulinspettor ausgesprochen und der Erm.tung Ausdruck gegeben, daß er künnig derattiger Kund eoungen sich enthatten werde. Damach kann der Fall als erl.viat' angesehen werden. In Bezug auf den Fall des Herrn GreaorooiuS in Waldenburg bemerke ich, daß ich generell schon vor Jaheen angeordnet habe, daß in Wahlangelegenheiten die Krcis-Schulinspcktoren überhaupt derattiger schriftlicher Aeußeiungen sich enthalten. Die Regiening hat aber erneut dem Schulinspektor ihre Mißbilligung über sein Verhalten auegesprochen. Den Fall des Lehrers Sommer habe ich der Regierung in Breslau mitgetheilt, und diese hat nicht unterlassen, dem Unfug, dessen sich der Lehrer schuldig gemacht hat, näher zu treten. Als sie das Disziplinarverfahren gegen den Lehrer einleiten wollte, erfuhr sie aber von dem Staatsanwalt, daß gegen denselben eine Untersuchung wegen Meineides schwebe. Die Regiening hatte schon früher über die Leistungen des Lehrers eine überaus ungünstige Ansicht und suchte ihn durch Penfionirung aus der Schule zu entfernen; die Schulverwaltung leistete aber Widerstand. Das Disziplinar- verfahren ist nach der üblichen Praxis so lange ausgesetzt, bis die Entscheidung über die Straffälligkeit des Lehrers Sommer in der Meineidssache erfolgt sein wird. Dieser fünfte Fall ist ein bedauerliches Vorkommniß und aus der Aufregung des Wahlkamwcs erklärlich, kann aber in keiner Weise dazu führen, dem Schulinspektor oder gar dem Minister daraus einen Vor- wurf zu machen. In allen den vorgebrachten Fällen bin ich, soweit ich persönlich habe eingreifen können, sofott eingcschtttten. Ob Sie nun noch auf Ihren Vorwürfen beharren werden, muß ich Ihnen anheimgeben. Abg. Richter: Ich fühle mich nicht veranlaßt, die Frage der Wahlbeeinflussung generell zu diskuti Gründe begreifen. Der Minister hat 1 diskutiren; Sie werden die welcher gemeint hat, die Freistnnigen seien Schufte, vollständig preisgegeben. Ich will nicht aussprechen, wer die Aufregung der Untcrbeamten bei den Wahlen gesteigert hat. Mehrere Fälle hat der Minister dirett mißbilligt; auf diese gehe ich nicht ein. Der Minister hat bemertt, daß er die Kreisschulinspettoren ange« wiesen habe, nicht schriftlich bei den Wahlen mit Kund- gedungen hervorzutreten. Ich weiß nicht, ob der Nachdruck auf das Wort schriftlich zu legen ist. Auch mündlich sollen die Beamten ihre Untergebenen nicht beeinflussen. Der Landrath ist über die Vorschnsten des kaiserlichen Erlasses von 1882 hinausgegangen, denn nach diesem Erlasse sollten die Lanvräthe nicht dazu dienen, regierungsfreundliche Wähler zuzutreiben durch Anwendung ihrer Disziplinarmittel. Abg. v. Rauchhavpt: Ich will nur konstatiren, daß der Landrath gar keine Disziplinarmittel hat.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Richter: Wenn das der Fall wäre, dann hätte der Landrath auch keinen Anlaß, für seine Verfügung strengste Nachachtung zu verlangen. Man weiß auch, daß der Landrath bei den Kreisschulinspettoren und den Regieningen Einfluß genug hal, um seinen Motten Nachdruck zu verleihen. Im Kapital 116 a waren von der Regierung statt 48 000 M. 54000 M. für einen(alt-) katholischen Bischof gefordett worden; das Mehr von 6000 M. ist in der zweiten Lesung gestrichen worden. Abg. o. Cqnern beanttagt, die 6000 M. wieder einzusetzen, da die Stellung der Altkatholikcn rechtlich anerkannt sei und man ihnen die Mittel zur Ausbildung ihrer Geistlichen gewähren müsse. Abg.#. Schorlrmer-Alkt: Die anderen Konfessionen bilden auch ihre Geistlichen nicht auf Staatskosten aus. Die bisher gewährten 48 000 M. geben schon 3� M. Staatsunter- stüyung für jeden Altkatholikcn; die Katholiken müßten danach 25 Millionen Mark erhalten, während sie nur 2? Millionen Mark erhalten. Minister v. Goffier bittet um Annahme des Antrages v. Eynem, da die rechtliche Stellung der Altkatholiken gesetzlich festgestellt und der altkatholische Bischof von Allerhöchster Stelle anerkannt ist. Die Ausbildung der altkatho« lischen Geistlichen hat sich verschlechtett, da die Zahl der alt- katholischen Professoren in Bonn sich vermindert hat. Abg. Richter: Ich mache keinen Unterschied zwischen den Konfessionen; es liegt kein spezieller Rcchtsgrundsatz zu Be- willigungen vor; soweit eine rechtliche Verpflichtung nicht vor- liegt, lehne ick jede Steigerung der bisherigen Bewilligungen ab. Herr v. Eynern hat einen gnaai-Rechtsgrund anführen wollen, indem er von rechtlicher Anerkennung der Stellung der Altkatholikcn sprach. In dem Sinne sind auch die Juden recht- lich anettannt; sie müßten bei der Ausbildung ihrer Rabbiner auch unterstützt werden. Dann müßte man auch den frei- religiösen Gemeinden Unterstützungen gewähren, die vielleicht noch zahlreicher sind als die Altkatholiken.(Sehr richtig!) Wenn hier über Bewilligungen von Geldern an einzelne Religionsgemeinschaften gesprochen wird, so sieht das immer so aus, als wenn man die eine oder andere Gemeinschaft be- günsiige oder benachlheilige. Wir stimmen bei dieser Position nicht ab für oder gegen den Altkatholizismus(Zuruf Eyncrn's: doch!)— dann stehen Sie in dieser Frage auf einem religiösen Standpunkt, der hier nicht maßgebend sein sollte. In dem Mcckc, wie wir hier die finanziellen Bedürfnisse einer ein- zelnen Gemeinde untersuchen, unterwerfen wir die ganzen Ein- richtungcn der betreffenden Gemeinschaft einer Ktttik, die ich von diesem Hause ferngehalten wissen möchte. Wenn eine solche Forderung angenommen wird, dann sieht es aus, als ob man den Altkatholizismus unterstützt; wird sie abgelehnt, dann sieht es aus, als ob man den römischen Katholizismus unterstützt. Ich bedauere überhaupt, daß man diese Frage durch Ansehung der neuen Summe an das Haus gebracht hat. Abg. Vnnerrerus: Auf die Summe, die auf jeden Alt- katholiken entfällt, kann es nicht ankommen; die Ausgaben z. B. für die landwitthschaktliche Akademie in Kiel vettheilen sich auf höchstens 2 bis 3 Studircnde. Die.Herren auf der rechten Seite, die noch kürzlich für die evangelische Kirche mehr Geld verlangt haben, sollten nicht so intolerant sein, hier das Mehr zu verweigern. Abg. Crrmer(Teltow): Ueber kdie bishettgen Bewilli- gungen für die Altkatkoliken hinauszugehen, liegt kein Anlaß vor. Auf die Billigkeit kann man sich nicht berufen. Der Alt- katholiziSmus ist längst todt, man soll ihn nicht durch künstliche Subventionen wieder in ein Scheinleben zurückrufen. Lasse man doch die Dinge ihren Gang gehen; wir wollen ja dem Bischof in Bonn ruhig sein Gehalt geben, aber eben nur für den Aussterbeetat,„künftig wegfallend".(Heiterkeit.) Abg. v. Schorlcmer-Alst: Die Verwaltung der wenigen Gemeinden ist nach den eigenen Angaben der altkatholischen Organe eine ungemein kostspielige, sie verschlingt unverhältniß- mäßig viel Geld. Die aus Rechtstiteln beruhenden Leistungen an die Katholiken können hier nicht in Vergleich gebracht wer« den; an die katholischeKirche zahlt der Staatnach der Säkularisation der Kirchengüter bekanntlich noch lange nicht so viel als er müßte. Die G mnde des Kultusministers find schon durch den Abg. Richter widerlegt worden. Abg. v. Gqnern(natl.): Der Standpunkt des Abg. Richter ist ein isolitter in diesem Hause(Widerspruch links); wenn die Forderung abgelehnt wird, wird damit einfach ein Att gegen den Altkatholiziemus vollzogen. Gerade um diese Kundgebung der Intoleranz zu vermeiden, haben wir den An- trag eingebracht. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag von Eynern mit 187 gegen 97 Stimmen verworfen. Gegen den- selben stimmten Zentrum, Polen, Konservative, die meisten Frei- sinnigen und einige Freikonservative; dafür Nationallideralc, fast alle Frcikonservatioen und einige Freifinnige, u. a. Drawe und Rickert. Um 4t Uhr vertagt das Haus den Abschluß der Etatsberathung auf M i t t w o ch 11 Uhr. Außerdem steht die dritte Äerathung kleinerer Vorlagen und Kommisstonsberichte über Petitionen auf der Tagesordnung. Kommunales. Außerordentliche Kitzung der Ktadtverordneten- Nersammlung. � � Berlin, den 20. März 1888. Die Bänke des Hauses sind mäßig besetzt. Gegen 5t Uhr Nachmittags eröffnet der Stadtverordncten-Vorsteher Dr. Stryck die Sitzung und theilt unter anderem mit: Die am 16. dieses Monats gewählte Kommission wurde beauftragt, die Beileids« adresse zu entwerfen, die Kommission hat aber außerdem die Ausschmückung der Traucrstraße, wie sie sich zu Ehren der Bei- setzungsfeier des Kaisers geziemte, gut geheißen. Die Kom- Mission, die mithin ver Verausgabung der Gelder für diese Ausschmückung zugestimmt hat, ersucht um Ihre Indemnität hierfür. Ter Magistrat wird Ihnen eine Vorlage deHufs nachträglicher Bewilligung der Gelder hierfür machen. Im Weiteren habe ich Ihnen anzuzeigen, daß die Kollege« Mitan und Herold ihr Mandat als Stadtverordnete nieder- gelegt haben. Die Herren Kollegen find bei mir gewesen, um sich persönlich von mir zu verabschieden. Ich habe den Herren meinen Dank für ihre Thätigkeit, die dieselben im Interesse der Kommune an den Tag gelegt haben, ausgesprochen und thue vies von dieser Stelle noch einmal. Das Mandat beider Kollegen läuft noch bis Ende des Jahres 1889. Ich ersuche die Herren Kollegen Maregold und Mattern als Recherchcnten für diese beiden vorläufig unvertretenen Wahlbezirke zu fungiren. Alsdann wird in die Tagesordnung eingetreten und wer- den zunächst einige Petitionen genehmigt. Als Bürger- Dcputittcr für die Schul-Teputation wird Oberlehrer Dr. Böhme gewählr. Alsdann wird der Etat betreffend Kämmereioerwaltung en bloc angenommen. Es folgt der Normal-Besoldungsetat. Es ist eine Petition von den städtischen Gemeindelehrern Gallee und Genossen um Gehaltserhöhung eingegangen, die die Kommission jedoch abge- lehnt hat. Stadtv. Dr. Langerhans: Ich ersuche Sie, die Petition der städtischen Gemeindelehrer nicht so ohne Weiteres bei Seite zu legen. Es ist doch zu erwägen, daß in unseren Gcmeindeschulen ganz Bedeutendes geleistet wird und daß die Gemeinde-Lehrcr bestrebt find, sich eine höhere Bildung an- zueignen, als sie in der That nöthig haben. Es ist im Weiteren zu erwägen, daß alle Lebensbedürfnisse in Berlin bedeutend gestiegen find. Wenn man endlich in Be- tracht zieht, daß die Lehrer an den Vorschulklassen, obwohl an diese wenige Anforderungen gestellt werden, eine nicht un- wesentliche Gehaltserhöhung erhalten haben, dann empfiehlt es sich doch wohl die Pelition nicht kurzer Hand abzuweisen, sondern dieselbe noch einmal an die Kommission zur eingehenden Erwägung zurückzugeben. Stadtv. Dr. S p i n o l a: Ich ersuche Sie, den Antrag des Herrn Kollegen Dr. Langerhans abzulehnen. Unsere Etatsver- Hältnisse machen Ersparnisse nothwendig, um so weniger find wir im Stande, der großen Zahl der Gemeindelehrer eine höhere Besoldung zu Theil werden zu lassen. Es würde dies unseren Etat weit überschreiten. Wenn auf die Lehrer in den Vor« schulen hingewiesen wird, so erwidere ich, daß letztere nicht der- artige Ehanzen haben, als die städtischen Lehrer, die sehr leicht in der Lage sind, Rettoren zu werden. Die Gcmeindelehrer können sich außerdem durch Ettheilen von Privatunterncht sehr gut einen Nebenverdienst verschaffen. Es ist doch auch zu er- wägen, daß die Gemcindelehrcr sich durchaus nicht schlecht stehen. Die Lehrer find, wie wenige Sterb- liche, in der Lage, zwölf Wochen im Jahre Ferien zu haben. Ich ersuche Sie, den Antrag des Herrn Kollegen Dr. Langerhans abzulehnen.(Beifall und heftiger Wider- spnrch.) Stadtv. Scheid ing: Ich ersuche Sie, die Petitionnicht kurzer Hand abzuweism. Unser Schulwesen ist ein anerkannt gutes, ein Umstand, der doch wesentlich unseren Lehrern zu verdanken ist; ich glaube, dieselben haben eine Gehaltserhöhung auch ver« dient.(Beifall und Widerspruch.) Es ist ein Antrag auf Schluß der Debatte eingegangen. Zum Worte, und zwar sämmllich für den Antrag, haben sich noch gemeldet die Stadtverordneten Schwalbe, Kreitling und Gcrth. Der Antrag auf Schluß der Debatte wird jedoch ange« nommcn.— Referent Stadtv. Solan: Ich ersuche Sie ebenfalls, de« Anttag des Kollegen Dr. Langcrbans abzulehnen. Würde wenig- stens ein bestimmter Antrag vorliegen, dann ließe sich vielleicht noch darüber sprechen, allein eine einfache Zurückweisung an die Kommisston hat doch absolut keinen Zweck. Der Antrag des Stadtverordneten Dr. Langcrhans wird hierauf mit großer Mehrheit abgelehnt. Stadtv. G e r t h ruft: Das schadet nichts!(Gelächter!) Der Normal-Besoldungsetat wird hierauf nach den An- ttägen der Kommisston angenommen. Bei Kapitel 17, Bcsoldungsetat der Lehrer der Vorschul- klaffen, bemerkt Stadtv. Dr. Schwalbe: Ich konnte vorhin nicht mehr zum Wott kommen, ich benutze deshalb diese Gele- aenheit, um zu bemerken, daß die Gemeindelchrcr seit dein Jahre 1873 kerne Gehaltsaufbesserung erfahren haben, während die Gehälter für die Lehrer der Oberschulllassen vor drei Jahre« wesentlich erhöht worden sind. Im Weiteren bemerke ich, daß die Ferien nicht blos der Lehrer, sondern auch der Schüler wegen da sind. Der Etat bezüglich der Besoldung der Lehrer für Vor- schulen wird hierauf und schließlich das ganze Kapitel genehmigt- Es wird hierbei noch beschloffen, vor dem Halle'schcn und Schönhau er Thor je eine höhere Lehranstall zu crttchten Stadtv. K a l i s ch rügt die unzulänglichen Heizvorrichtungen in der Eharlottenschule. Dottselbst herrsche oftmals ein uncr« träglicher Rauch. Stadtv. Schulrath Dr. Bertram verspttcht, die Sache 3* untersuchen. Ein Antrag des Stadtv. Dr. I r m e r und Genossen,„de# Magistiat zu ersuchen, die Anlegung größerer Turnplätze unsere Schuljugend in Erwägung zu ziehen", wird der Kow« Mission überwiesen. Die Etats für kirchliche Zwecke, für Armen- Verwaltung- für Krankenhäuser und Einrichtungen für die Gesundheitspflege werden en bloc genehmigt.. Der Vorsteher theilt hierauf mit: Es ist niN Schreiben von dem Kollegen Singer zug� nicht m Behörd setzen u Zukunf . Si tmge Sänge eignet. wichtig' liche V worden lt er en. wir g die Ve Domki innerer beHand Ritgli' tatione Recht. Ä W rüg Vroem willen Ichlage' _ S Meinu «lefuh der Be Sesperr ftömn blikum Lindei deutsch vor su Zustär komm« Vottn z Etats, Bespr, Asdar 3 G I S' Echw undE treibei fteseln Hügel damer die S es vo »nzw, Nadeli Z™ Cfc folgendes gangen: ich „Hochgeehrter Herr Vorsteher!, Da heute der Reichstag geschloffen worden ist, so ow anläßlich meiner Ausweisung genöthigt, Berlin itz verlassen. Ich habe deshalb die Ehre, einen Urlaub ow unbestimmte Zeit nachzusuchen. Ergebenst Paul Singer/ ,t Bei dem Etat der Bureauverwaltung beantragt Stadtnwi Borchardt Namens des Magistrats, 100000 M. zur Anlegung einer Volksbadeanstalt im Stadttheile Moabit wieder in Etat einzusetzen. Dieser Anttag wird jedoch nach kurzer Deb«'. abgelehnt und der Etat en bloc genehmigt. Es folgt der � der Polizciverwattung. Stadtv. Vor t mann: Bei dieser Gelegenheit suhle i®; mich veranlaßt, auf die Absperrungsmaßregeln hinzuweisen, o am vergangenen Freitag anläßlich der< Bcisetzungsfeier Kaisers stattgefunden haben. Es haben an diesem Tage, lieber Ankündigung entgegen, durch ganz ungerechtfettigte-3, sperrungen Verkehrsstörungen stattgefunden, die arg schävigc. in das wirthschaftliche Leben der Berliner Bürgerschaft eingegri�. haben. Ich meine, angesichts des Umstandcs, daß wir einen gro°, Theil zu der Unterhaltung unserer Polizei beitragen, ist es � sere Pflicht, dafür zu wirken, daß derartige Dinge in wer- wird nicht mehr vorkommen. Ich stelle den Antrag: Die städtischen «Hörden wollen sich mit dem Polizeipräsidium in Verbindung setzen und darauf hinwirken, daß die Absperrungsmaßregeln in Zukunft auf das geringste Maß beschränkt werden.(Bravo.) Stadtverordneter B r o e m e l: Ich kann dem An trage nur voll und ganz zustimmen. Widerliche Vor Sänge haben sich in der vergangenen Woche er- eignet. Die Polizei hat ohne jeden Gmnd Absperrungen der wichtigsten Verkehrswege vorgenommen, dadurch ist das öffent iiche Verkehrsleben eine gan,e Woche auf's tiefste geschädigt worden. Wenn dadurch die Beisetzungsfeier eine würdige Ge- ßalt erhalten hätte, so würde man eine Entschuldigung dafür haben. Allein ein widerliches, empörendes Schauspiel haben wir gesehen.(Rufe: Sehr richtig!) Nicht weil wir, die Vertreter der deutschen Reichshauptstadt vor den Thüren der Domkirchc, zu der wir gewiß nicht aus Neugier, sondern aus innerem Herzensdrange gezogen, in geradezu empörender Weise dehandelt worden sind, sondern weil dieselbe Behanvlung den Mitgliedern des Parlaments und den zahllosen fremden Depu- tationen u. f. w. zu Theil geworden ist, haben wir nicht blos das Recht, sondern auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß derartige Dinge in Zukunft nicht mehr vorkommen.(Lebhaftes Bravo.) Wir sind es uns und der Stadt Berlin schuldig, derartige Mißstände iu rügen und für deren Abstellung Sorge zu tragen.(Beifall.) Stadtv. Dr. H o r w i tz: Ich stimme dem Herrn Stadtv. Broemel vollständig bei, ich halte aber damit vie Sache um des« willen für erledigt, weil der vom Stadtv. Vortmann vorge- schlagene Weg unausführbar ist. Stadtv. Dr. F r i e d m a n n: Ich bin allerdings auch der Meinung, daß der vom KollegenVortmann vorgeschlagene Weg un- »«sührbar ist, ich will aber troydem noch bemerken, daß am Tage der Beisetzung die Straße Unter den Linden ohne jeden Grund ab- sperrt wurde. Abgesehen von der dadurch bewirkten Verkehrs- .ltung hat diese Absperrung bewirft, daß Schutzleute das Pu- ikum in den Nebenstraßen aufforderten, doch schnell nach den Linden zu kommen, da sonst die Beisetzungsfeier des ersten deutschen Kaisers bei spärlicher Betheiligung des Publikums »vr sich gehe.(Hört! hört!) Es sind das doch in der That Zustände, die dringend einer Abstellung bedürfen.(Bravo.) Da der Vorsteher mittheilt, daß die hier zur Sprache ge- kommen- Angelegenheit bereits in Fluß sei, so zieht Stadtv. Bortrnann seinen Antrag zurück. f. v. Der Etat für die Polizerverwaltung, sowie d,e werteren Etats, bet-effend Straßenbeleuchtung, Straßenreinigung und Desprengung, sowie noch einige unerhebliche Vorlagen werden alsdann genehmigt. Danach schließt die Sitzung gegen 8 Uhr Abends. Es folgt eine nichtöffentliche Sitzung. Lokales. Di» streng» K«lt» ist von»in»m Schn»rtr»ib»n ab- Krtost worden, welches die Rückkehr zu den zehn Grad unter Aull fast wie eine Erlösung betrachten lassen würde. An der schwelle des oifizicllen Frühlingsanfangs steckt Berlin inDchnee Und Eis. Fast ununterbrochen seit 48 Stunden hatte das Schnee- Leiben angebalten, Nachts stärker als am Tage, bald langsam rieselnd, bald heftig stürmend, dann wild gepeitscht. Tie Scknce- hugel thürmten sich zu Bergen, die Berge zu Gebirgsketten, Namentlich dcj, wo die Pferdebahnen wenigstens einigermaßen die Straßen frei zu bekominen trachten. Am schlimmsten war es vorgestern Vormittag. In den höheren Regionen war es Unzweifelhaft wärmer, als auf der Eide. Was uns als Eis- Nadeln und Hagelkörnerchen schmerzhaft in das Geficht schlug, U>enn der Weg nach Osten gerichtet war, das war uns ursprüng- »ch als Regen zugedacht. So schnell eifrige Hände den Weg zu 'ändern versuchten, der Wind und Schnee folgte jenen auf dem 'Me und machte alle Anstrengungen umsonst. Es war kein Scknee, sich festtreten ließ, sondern wie eine Art trockene Sandschicht. 3* sich zähe ansetzte. Das Gehen war überaus beschwerlich, der «ifebr in bisher kaum erlebter Weise beschwert. Pferdebahnen Omnibusse mußten sehen, wie gut sie fortkamen, der Fahr- war umgestoßen, auch Tausende von Arbeitern vermochten Mm Luft zu schassen. Die Stadt wird ein unermeßliches zu bezahlen haben. Die Eisenbahnen kamen selbst aus der unmittelbarsten Nähe Berlins mit großen Verspätungen an. •gon Steglitz nach Berlin wähtte die Fahrt eine halbe Stunde. Die Glätte der Schienen und die Schneeverwehungen wachten fcie äußerste Vorsicht nöthig. Bisher ist glücklicher Weise »ou Unfällen nichts bekannt geworden; hoffen wir, daß diese Fage, welche dem Verkehr ohnehin viel Schaden bringen, ohne «erlust von Leid und Leben vorübergehen. Im Jnncm der �tadt war man über das Wetter um so unglücklicher, als »Mn gehofft hatte, sich nun einigermaßen von dem Schaden Abölen zu können, den die polizeilichen Maßregeln während ßer vergangenen Wocke angerichtet hatten. Ilm die zweite �achmitlagsstunde wurde der Hagel- und� Eisschlag durch gegen abgelöst. Wenn diese gewaltigen Schncemassen ins schmelzen kommen, wird es ein Hochwasser sonder Gleichen ßeben. Möchte nian sich überall auf die vorauszusehende Kalamität rüsten. . Zu» K«handl«ng stotternd»» Kinder im Git-rn- tzans». Kinder, welche zum Stottern neigen— meist sind sie tat und engbrüstig und haben verschiedene Kinderkrankheiten »oerstanden— sollen frühzeitig, schon im Elternhausc, heil- a�agogisch behandelt werden«.Athcmübungcn, Singen. Turnen, Massage, Bäder). Für Kinder, die ängstlich in der Stube ge« Sölten werden, wird oft der Kindergarten, wo sie an Bewc- f»ngs- und Ballspielen Theil nehmen und ihre dünne Stimme ta Chorgesang ertl schüchtern, dann aber beherzt aufgehen lassen, �»Heilanstalt. Leider aber wird diese wichtige Zeit(4. bis 7. Lebensjahr) nicht immer ausgenützt. Das zum Stottern vis- Oonitte Kind tritt dann in die Schule und— so behaupten fast <üe Stotterleidcnden— hier in der Schule, vor den vielen Kin- r»n, die lautlos auf die Antwott matten, angesichts des Lehrers, {»eten peinliche Angstgefühle auf, die den Athem und die Sprache sONehmen, hier in der Schule kommt dann allmälig das Stot- zur vollen Entwickelung und das Kind zum Bewußtsein: V», du stotterst." Mit Schrecken geht nun das Kind in die s chule, fürchtet, dott zur Rede gestellt zu werden. Der Lehrer Lugt nun selten, weil von der Antwott nur mühsam der Anfang folgt. Endlich— es haben sich krampfhafte Vewe- Wogen, Zuckungen und dergleichen eingestellt— wagt man keine Möge mehr, und das Kind verliert nun die Freude an der t-wularbeit und bleibt in der geistigen Ausbildung zurück, wie e».ch die Brust durch das fottgesctzte Stillschweigen sich nicht wie S? den Altersgenossen entwickelt. Nun ist es hohe Zeit, das Md. wenn sich das Stottern nicht mit seinen Unannchm ich- Men für's ganze Leben festsetzen soll, aus seiner mißlichen Lage U befreien. Ader nur zu oft trösten sich Eltern und deren r*%eber in ihrer Unkenntniß mit der sehr eitlen Hoffnung. ooß das Leiden mit der Zeit- Pubertät- von selbst vergehen ?ttde. Mix viele Kinder find durch müßiges Hoffen und Harren ."-der Berufswahl gehemmt und für die ganze Lebenszeit un- geworden! So waren z. B. in Frankreich nach dem s�rutirungsergedniß 1876 von 296504 Militärpflichtigen 497 Toterer. Eltern könnten bei ihren stotternden Kindern anfangs K?* Manches thun. um diesen Sprachfehler zu bescitigen; aber «r den meisten Fällen spielen sie de» stummen Zuschauer und C;be», gxgm vieses Uebel sei nichts zu machen oder das l-boch" mit der Zeit von selbst vergehen. Sie irren sich Immer muudrrbarer»«»schichten werden über die Polizeianordnungen der letzten Tage rn Berlin bekannt. höhere Anweisung solche! dazu überging, das abge- spertte Publikum einzuladen, die leeren Plätze doch zu besetzen, weil die Oede an einzelnen Stellen sich bei den Feierlichkeiten zu seltsam ausnahm. Alle Berliner Zeitungen wimmeln von Be- schwerden über die Behandlung der Veitreter der Presse in den letzten Tagen seitens der Polizeibehörden und ebenso über die Schädigung der Gewerbtreibcnden und Bewohner in den von den Adsperrungsmaßregcln betroffenen Thcilen infolge der allzu frühen und allzu ausgedehnten Absperrungen. Da« W«tt»r and immer wieder da« Metter! Sonst bildet es gewöhnlich das Untcrhaltungsthema zwischen Personen, die um ein anderes Thema verlegen find und wenig- stens etwas sagen möchten, aber gegenwärtig gehött das Wetter oder vielmehr das Unwetter zu denjenigen Faftoren, die im Vordergrund des öffentlichen Interesses stehen und über die nicht genug gesprochen, gejammett und geschimpft werden kann Frühlings Anfang! Welch eine Ironie! Fußhoch liegt der Schnee auf Flur und Feld, ununteibrochcn noch fallen die Flocken hemieder, alles Lebende keucht unter der weißen Last, die sich überall festsetzt und störend in alle Verhältnisse eingreift. Wir kommen aus einem Vorort Berlins. Geht's mit einer Ver- spätung von 20—25 Minuten ab, dann können wir noch froh sein. Die Maschine pustet und schleppt sich auf der unabsehbaren Schneefläche sott; jeden Augenblick steht der Zug, denn der vor- hergehende hat langsamer fahren müssen und ist bedenklich zurück- geblieben. Kommt man in Berlin an, dann empfängt uns Finsterniß auf den Bahnhöfen, deren Glasdächer unter der Zentner- last der Schncemassen einzubrechen drohen. Auf den Straßen baust sich das Milliardenheer der Flocken zu einem weiten Schneetcppich an, den weder die öffentliche noch private Straßen- reinigung zerstören kann. Und gerade dott, wo am häufigsten gefegt wird, ist die Passage am gefährlichsten. Man fegt und fegt— um der allbekannten und mit Recht vielgeschmähten Polizeiverordnung nachzukommen— bis der spiegelblanke Granitboden des Bürgersteiaes sichtbar wird, auf dem dann, da Aschestreuen sich bei der Fortdauer des Schneefalls als über- flüssig erweist, die Menschen wie die Fliegen zur Erde fallen. Viel sicherer und gefahrlos geht es sich auf dem hocklicgenden Schnee, selbst wenn er festgetreten wird. Gestern Mittag sah man besorgte Mütter vor den städtischen Schulhäusem stehen, die ihre Kinder abholen wollten, um sie nicht allein der gefährlichen Passage auszusetzen. Das öffentliche Fuhrwesen hat mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Pferdebahngesellschaft arbeitet mit verooppelten Kräften. Jeder Wagen hat ein Pferd mehr erhalten, beständig fahren die Streusalzwagen auf den Schienen entlang, und überall find Hilfsmannschasten mit der Räumung der Schneemassen beschäftigt. Troydem kann nirgends die Fahrzeit innegehalten werden, denn oft kommen die Pferde auf langen Strecken nur schritt- weise vorwärts. Eine Fahtt im Omnibus auf Asphaltpflaster gleieht einer Karousselfahtt; von einer Seite zur anderen wird der Wagen geschleudett, plötzlich steht er quer auf dem Damm, dann giebt's wieder eine plötzliche Wendung im Halbkreis und oft genug berühren Pferde oder Hinterräder den Bürgersteig. Der Schlitten ist in Permanenz erklätt, in ihm macht man Tag- und Nachtfahttcn, in ihm eilt man des Morgens nach der Stätte seines Bemfcs oder Abends zu den hcimatblichen Penaten. Wehe aber, wenn in einer belebten Straße eine größere Bei- kehrsstömng entsteht, dann wissen weder Polizei noch Publikum Rath, dann fähtt, wie es gestern Vormittag in der Leipziger- straße der Fall war, eine weite Wagenburg auf, die nicht vor» wärts noch rückwätts kann, die wegen der hochragenden Schnee- berge nicht seitwärts sich aufzulösen vermag und fest stehen bleibt, bis vom an der Spitze der 20 bis 30 aufgefahrenen Wagen das Hinderniß beseitigt ist.— Es ist eine fchreckliche Zeit, diese schneeiceche, sonnenlose, frühlingsarme Uebcrgangszeit! Käme doch ein Sonnenstrahl und ein Landregen, daß er die dösen Wahrzeichen des Winters vertreibe und alle Welt wieder jubeln könnte: Vom Eise befreit sind Strom und Bäche von des Frühlings holdem, belebendem Blick! A«f schändliche Weise ist ein polnischer Arbeiter um seine sauer verdienten Ersparnisse geprellt worden. Derselbe fuhr am 18. März von Königs-Wusterhausen nach Berlin, um seine Ersparnisse im Betrage von 480 österreichischen Gulden in deutsches Geld einzuwechseln. Unterwegs lernte er einen Mann kennen, dem er sein Vorhaben mittheilte. Dieser erllätte, da fahre er, der Arbeiter, umsonst nach Berlin; denn an Sonn- tagen seien alle Bankgeschäfte geschloffen. Nach einer Welle er- klärte der Unbekannte, er wolle ihm für die Gulden einen Tausendmarkschein geben, worauf der arme Pole so- fort einging; denn er hatte schnell erfaßt, daß er bei dem Tausch ein gutes Geschäft mache. Der Pole gab daher seine blanken 480 österreichischen Gulden hin und erhielt dafür einen alten echt aussehenden Tausendmarkschein. In Berlin angekommen, begab sich der Pole in ein größeres Zigarrengeschäft, um nach dem guten Geschäft eine gute Zigarre zu kauten. Doch der Geschäftsinhaber wies lächelnd den Geld- schein zurück mit der höhnischen Bemerkung, da müsse er sich einen Dümmeren aussuchen. Dem erstaunten Polen las dann der Inhaber des Gesehäftes den Inhalt der Vorderseite der vermeinttichen Banknote vor:„1000 Mark Strafe zahlt, wer diesen Schein für echt hält."— Die Rückseite enthielt eine Geschäftsreklame. Das ganze war eine sogenannte Blüthe, die ein Gauner dem Polen in der richtigen Voraussetzung, daß derselbe nicht lesen könne, angeschwindelt hat. Der Gauner wird desehneben als ein kleiner Mann, 35 bis 40 Jahre alt, mit kurz- geschorenem Schnurr- und Backenbart. Nerhaftungen wegen Majeftätsbeleidigungen scheinen jetzt wieder an der Tagesordnung zu sein, so daß die Wamung nicht unberechtigt erscheint, die Zunge im Zaume zu halten und sich vor unbedachten Aeußerungen zu hüten. So wurde in Berlin ein älterer Mann aus Nowawcs verhastet, welcher von dott mit fertigen Weberwaaren nach der Hauptstadt fährt, weil er eine an sich harmlose Acußcrung falsch aufgefaßt hatte. Erst als seitens des Polizeipräsidiums telegraphisch von dem Amts- Vorsteher Mücke in Nowawes ein Leumundszeugniß und eine Auskunft über die politische Gesinnung des Mannes eingefordett war, wurde derselbe auf freien Fuß gesetzt. In Potsdam wurde aus dem Kreise seiner Familie ein ehemaliger Hausbesitzer, welcher im Alter von 65 Jahren steht, am Freitag verhaftet. Derselbe ist von Leuten, mit denen er in Prozesse verwickelt war, denun« zirt, weil er eine Majestätsbcleidigung begangen und geheime sozialistische Verbindungen unterhalten haben soll. An dem- felben Tage verhaftete die Potsdamer Polizei zwei Bäckergesellen wegen desselben Vergehens, während einige Tage vorher eine Marftfrau festgenommen wurde. Auch ein Potsdamer Ulan ist wcgm Majestätsbeleidizung verhaftet worden. Uermisst wird seit dem Tage der Trauerfeierlichkciten der Kutscher August Spann, welcher bei einem Arzte in der Zions- kirchstraße in Diensten steht und bei dem Kaufmann Caro, Fürstenbergerstraße 11, wohnt. Der Vermißte entfernte sich am Freitag früh aus seiner Wohnung, um sich die Leichenfeierlich- keit anzusehen. Seit dieser Zell ist Spann weder naeh seiner Dienst» elle, noch nach seiner Wohnung zurückgekehrt. Die„schweren Zangen" haben am 16. März angestrengt gearbeitet und in aufsichtslosen Wobnungen gute Geschäfte ge- macht. Unter anderem brachen sie in der Schützenstraße in die Wohnung eines Schneidermeisters ein und nahmen mehrere Spar- kassenbücher und Pretiosen im Gesammtwerthe von 450 Mark mit; ebenso wurde ein Maschinenbauer in der Reinickendorfer- sttaße geschädigt. Auf billige Weise wollte sich gestern Nachmittag der Schlächter Adolf Hohl in den Besitz eines Wagens setzen. Hohl bemerkte in der. Potsdamer Sttaße vor einem Schlächterladen ein unbeaufsichtigtes Schlächterfuhrwerk, das noch den Vorzug hatte,>it zwölf halben Schweinen belastet zu fein. Schnell entschlossen, sprang Hohl auf das Gefähtt und jagte davon. Als nach einiger Zeit der Kutscher herauskam, konnte er glück- licherweise die Richtung erfahren, in die der Dieb entflohen. In Schöneberg wurde Hohl eingeholt und festgenommen. Das Fuhrwerk hatte einen Werth von 1500 M., das auf demselben befindliche Fleisch einen solchen von 500 M. Taschendiebstiihle. Ungebetene Gäste, Taschendiebe, welche von Ungarn und Rußland her der Kriminalbehörde avifitt worden waren, sind hier in den letzten Tagen thätig gewesen. In einem Falle gelang es nach der„Post", einen der gefährlichsten inter- nationalen Taschendiebe dingfest zu machen. Es ist dies der bereits bestrafte und jetzt von Ostrom steckbrieflich verfolgte Handelsmann Bibulla aus Plock in Rußland. Der Kaufmann B. stand am Vormittage des 16. März Unter den Linden, als sich Bibulla an ihn herandrängte. Bald darauf vermißte B. seine goldene Uhr und Kette im Wetthe von 500 M. Als Bibulla festgenommen wurde, gericth er in solche Angst und Verwirrung, daß er behauptete, gar nicht zu wissen, daß der deutsche Kaiser gestorben und an diesem Vormittag hinausgetragen werden sollte. Er sei auf der Durchreise nach Amerika und fei, durch die Menschenmasse angelockt, Unter die Linden gekommen. Der Gauner hatte nickt ein einziges Stück Gepäck, weder Kleider noch Wäsche bei sich. Dies wollte er sich, wie er sagte, erst in Amettka„kaufen". Ein zweiter, bedeutender Taschendiebstahl ist Sonnabend Vormittag auf der Reichsbank ausgeführt worden. Der Kaufmann R. war dortselbst im Begriff, an der Zahlstelle für den Giroverkehr 2800 M. in einem Eintausend-Markfchein, zwei Fünfhundett-Markscheinen, den Rest in kleineren Papier- sotten einzuzahlen und hatte das Geld bereits auf das Zahldrett aufgezählt. Er mußte aber noch ein Formular ausfüllen und steckte währenddem das Geld in die linke Paletottasche. Als das Formular ausgefüllt war, fehlte das ganze Geld. Des �.aschendiebstahls verdächtig ist ein junger, gut in Schwarz ge- llerdeter Mensch, der an den schreibenden R. dicht Herwige. treten war. Dolizeibericht. Am 19. d. M. Nachmittags schlug an der Ecke der stralsunder- und Strelitzcrstraße der Lithograph Heybaum einen Knaben, angeblich, weil derselbe eine Peitsche von einem Wagen gestohlen haben sollte, in roher Weise und stieß ihn dann so heftig zu Boden, daß der Knabe den rechten Arm im Handgelenk brach. Heybaum flüchtete darauf über einen Zaun und in ein benachbartes Haus, wurde aber im vierten Stock desselben ergriffen und verhaftet.- Um dieselbe Seit erhängte sich die Ehefrau eines Handwerkers in ihrer Woh- nung in der Wollinersttaße. Veranlassung zur That scheint eme unheilbare Krankheit derselben gewesen zu sein.— Eben- falls am Nachmittag wurde auf dem Felde nördlich der Dan- zigcrsttaße die Leiche eines etwa 30 Jahre alten Mannes, an- scheinend Arbeiters, vorgefunden. Anscheinend ist derselbe er- froren.— Als gegen Abend der Zimmermann Postöhr im Lustgarten mit dem Umlegen der dott aufgestellten Dekorations- stanzen beschäftigt war, fiel ihm eine derselben auf den Fuß. Er erlitt dadurch eine schwere Verletzung des Knöchels und mußte mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden. — Abends fiel in der Andreasstraße eine Frau beim Ueder- schreiten des Fahrdammes und wurde von einer Droschke durch Ucberfahren leicht am Arm verletzt. Gerichts-Zeitung. Sofortige Uerhaftang de« Angeklagten Arbeiter« Moebel beschloß gestern die 88. Adtheilung des Berliner Schöffengerichts, obgleich die verhängte Strafe nur drei Monate Gefängniß beträgt und der Verurtheilte hier ansässig ist. Der Vertheidlger des Angeklagten, der sich etwas verspätet hatte und erst nach Verlündung des Utthcils und des Hmtbeschluffes im Gencktssaal erschien, hat sofort bei der fünften Strafkammer des Landgerichts 1 gegen diese Verhaftung Beschwerde ein- gelegt, weil der von dem Schöffengericht dafür angenommene Fluchtverdacht durch nichts begründet ist. Wir werden den Beschluß der Beschwerde-Instanz demnächst zur Kenntniß bringen. Der bekannte Destanratenr Mitan hatte sich gestern vor der 96. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts wegen Ueberschreitung der Polizeistunde zu verantworten. Der An- geklagte, welchem im Jahre 1886 die Ausdehnung der Polizeistunde am Sylvestcrabende abgeschlagen worden war, hatte in dem Jahre 1887, ohne die Eingabe zu wieder- holen, um%11 Uhr Abends sein Lokal geschlossen und die in demselben anwesenden persönlichen Freunde eingeladen, in seinen Räumen bei einer von ihm zum Besten zu gebenden Bowle das neue Jahr zu ermatten. Der Wachtmeister des Reviers hatte vom Präsidium den Befehl erhalten, das Lokal des Angeklagten zu observiren und eine Ueberschreitung der Polizeistunde unter keinen Umständen zu dulden. Infolge dessen begab sich der Beamte um Iii Uhr vom Hofe aus in das Lokal und forderte die Gäste zum Verlassen desselben auf, welchem Befehl der Angeklagte in der Meinung entgegentrat, daß er, wie jeder andere Staatsbürger, das Recht habe, ein Sylvcsterfest zu begehen. Schließlich wurden die Gäste mit Gewalt entfernt und Mitan in 30 M. Polizeistrast genommen. Hiergegen erhob er Widerspruch, und fühtte sein Vertheidiger. Rechtsanwalt Freudenthal aus, daß von einer Ueberschreiiung der Polizeistunde nicht die Rede sein könne, weil kein Geschäfts- betrieb vorgelegen habe. Der Gerichtshof war aber der Anficht, daß das Äylvcsterfest nur in Beziehung auf das Schankgewerbe veranstaltet sei, und verurtheilte den Angeklagten zu 5 M. eo. 1 Tag Haft._ Soziales und Arkeiterkemegimg. An alle Arbeiter Kerlin«! Anknüpfend an eine im Vereinsblatt vom 4. Februar dieses Jahres erschienene Notiz, betreffend die Petition gegen die Einfühmng der Quittungs» bücher der Alters- und Jnvaldenverficherung der Arbeiter, er- lauben wir uns, hiermit nochmals daran zu erinnern, daß es die erste Pflicht eines jeden Ardeiters ist, sich bei diesen Petitionen durch Namensunterschrift zu betheiligen. Es darf nicht angenommen werden, daß sämmtliche Petitionsbogen, welche der besagten Notiz nach im Umlauf gesetzt sind, schon benutzt sind; iu dieser Annahme ist wohl unter den heutigen Verhältnissen ein Gmnd vorhanden, weil die von verschiedenen Seiten ein- berufenen Versammlungen, welche die Sache noch fördern konnten, polizeilich nicht genehmigt wurden. Außerdem gicbtes wohl noch einige andere Faftoren, welche als Mitschuldige an der schlechten Bctheiligung zu betrachten find. In erster Linie ist es der Jnviffcrentismus der Arbeiter, das heißt, die Gleichgiltigkeit zur Sache selbst, ferner die deen- genden behördlichen Maßregeln dem Arbeiter gegenüber und endlich das fehlende Vettrauen zur eigenen Kraft. Dies find wohl die wesentlichsten Gründe für diese unerfteulichc Erschei- nung. Da wir jedoch wissen, daß keine Mittel gescheut werden von Seiten verschiedener Arbeitgeber, namentlich solcher, welche nicht genug für das abgewitthschaftcte Jnnungswesen schwärmen können, um die Arbeiter zu verknechten, so treten wir nochmals an sämmtliche Korporationen, soweit solche noch vorhanden, resp. Arbeiter mit der B ttc heran, mit aller Kraft ihre Schul- digkeit zu thun, die Listen, welche bei Unterzeichneten noch vor» räthig find, in Umlauf zu setzen und die beschriebenen an geeigneter Stelle abzuliefern. Wilh. Müller, Solwsstt. 24, Hof, part. Wilh. Gmbe, Bellealliancestt. 54. Franz Wilkniy, Stein- metzstr. 71. Jul. Wagencr, Ritterstr. 122. Heim. Fiedler, Oderbergerstt. 12, später 13. Dortmund, 18. März. Die hiesigen Maurer haben im vottgen Herbst einen Lohntarif ausgearbeitet, wonach der Ge- ringstlohn pro Stunde nicht unter 40 Pf., für Uebcrstunden nicht unter 45 Pf. betragen und an Stelle der bisher einstün» digen eine anderthalbslündige Mittagspause treten soll. Eine Kommisston war beauftragt, das Einverständniß der„Arbeit- Seber" nachzusuchen. In einer stattgehabten Mauremersamm- mg wmve indeß mitgetheitt, daß kein„Arbeitgeber" auf die an ihn gestellte Anfrage überhaupt geantwortet hat. Die sehr gut besuchte Versammlung beschloß daraufhin einstimmig, eine nochmalige Anfrage an die Meister bez. Unternehmer zu richten u»S dann denjenigen gegenüber, die ihre Unterschrift verwei» gern, zu geeigneter Zeit streik zu prollamiren. Zugleich wurde beschlossen, mit aller Kraft darauf hinzuarbeiten, um fremde zu- ziehende Maurer von solchen Baustellen fern zu halten. Aereine und Versammlungen. Die Urreinigung der Drechsler Deutschlands, Ortsverwaltung Berlin I, hielt vor einigen Tagen Mariannen- strafte 31—32 eine Versammlung ab mit folgender Tagesordnung: 1. Diskusston über§ 2 des Statuts der Vereinigung und die damit zusammenhängende Verbefferung der gewerkschaftlichen Lage. 2. Verschiedenes. Nachdem verschiedene Redner für die Nothwendigkeit des Anschlusses an die Vereinigung eingetreten waren, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die hcutwe Versammlung richtet, nach einer regen Diskusston über die Aufgabe der Vereinigung, an die Gewerkskollegen Berlins den dringenden Appel», fich in stetig wachsender Zahl der Vereinigung der Drechsler Deutschlands anzuschließen." Kerein Kerliner Nagrllchmiede. Außerordentliche Versammlung am Donnerstag, den 22. März, Abends 8 Uhr, bei Heise, Lichtenbergerstraße 21. Tagesordnung: 1. Lohnfrage. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Die Lohnkommisston der vcr« einigten Meister ist hierzu eingeladen. Geffeutliche Uersnmmluug sämmtlicher Droschlun- drsttzer am Freitag, den 23. März, Abends 9 Uhr, Sophienstraße 15, im Saale des Berliner Handwerkcrvcreins. Tages ordnung: 1. Wie verhalten fich die Droschkenbesttzer in Betreff der Beschränkung der Freizügigkeits- und Wohnungsnoth? 2. Besprechung über die S§21, 24 und 40 des Drosch kenpolizei- Reglements. 3. Das Asphallpflaster und dessen BeHand- lung. Derband deutscher Zlmmerleute, Lokalverband„Berlin Süd". Die zu heute, Mittwoch, anberaumte Versammlung mit der Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Benkendorff über „Denken und Handeln", kann nicht stattfinden, da hierzu die polizeiliche Genehmigung versagt worden ist. Die Zahlstelle des Lokalverbandes befindet sich Hochstr. 32 bei Wilke. Nrrdand deutscher Mechaniker und verwandter Be- russgenossen(Zahlstelle Berlin). Versammlung heute, Mittwoch, Tumverein„Wedding", _________ ng", von 81| bis 10h Uhr 8 Uhr Elisabechstraße 57 58.- Pankstraße 9. Männer- Abtheilung. Abends; desgleichen 1. Lehrlings- Abtheilung von 8 brs 10 Uhr Abends.— Schlesischer Verein„Holtet" Abends 9 Uhr im Restaurant Henke, Hollmannstr. 33.— Wissenschaftlicher Ver- ein für Roller'sche Stenographie. Abends 8t Uhr im Restaurant Beese, Alte Schönhausersttaße 42, Unterricht und Uebungsstunde. — Roller'scher Stenographenvercin„Süd-Berlin". Abends 8t Uhr im Restaurant Prinzenstr. 97 Sitzung und Uebungsstunde. — Ärends'scher Stcnographenverein„Amicitia" Abends 3 t Uhr im Restaurant Behrends, Schönebcrgerstraße 6.— Ärends'scher Stenographenverein„Philia" Abends 9 Uhr im Restaurant „Wilhelmsgarten", Kochstraße 7.— Verein ehemaliger Schüler der 22 Gemi-indeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Lehmann. ie 31.— Berliner Rauchklub„Wrangel" Abends tcstaurant Foge, Köpcnickerstraße 191.— Rauch 9 Uhr im klub„Havanna SO" Abends 8t U Reichenbcrgerstraße 16.— Rauchklui 9 Uhr im Restaurant Achsel, Kör klub„Columbia" Abends 8h iL.. Prinzenstr. 96.— Rauchklub„Frisch ge im Restaurant Tempel, Äreslauerstr. 27. ir im Restaurant Paetzoldt, „Gemüthlichkeit" Abends " r;t 161.- Rauch- ir im Restaurant Bcper, gewagt" Abends 8t Uhr Telegraphische Depesche». Dromberg, Dienstag, 20. März. Das kgl. Eisenb? Betriebsamt theilt mit: Die Strecken Bromberg bis Dirsct und Könitz bis Laskowitz find auf unbestimmte Zell Schneeverwehungen gesperrt. Kromberg, Dienstag, 20. März. Nach Bekanntma der kgl. Eisenbahndireftion find außer den bereits gestern sperrt gemeldeten Hauptbahnstrecken Hochstüblau— Pr. Starga Dirschau— Marienburg und Stolp— Hebron— Damnitz noch ZK.' Hauptbahnstrecken Laskowitz— Dirschau, Königsberg— Wehl« Znsterburg— Gumbinnen, Jnsterburg— Tilsit, Jadlono Ostrowitt, Bergfriede— Osterode, Korschen— Jnsterburg undl gard— Colberg infolge von. Schneeverwehungen bis auf weift unfahrbar, desgleichen find die meisten Nebenbahnen zm außer Betrieb. Dirschau, Dienstag, 20. März. Der Schnee liegt meterhoch. Jeder Verkehr hat aufgehört. Hier findet infoh Verstopfung der Weichsel oberhalb Dirschaus kein Eisgang sft dagegen ist der Eisgang in der Nogat ein starker. Miiaster i. Mestf.» Dienstag, 20. März. Von der tWolff's Telegraphen-Bureau.) Krrliu» Montag, 19. März. Die Post von dem 15. Februar aus Sydney abgegangenen Reichspostdampser „Braunschweig" ist in Brindisi erngetroffen und wird in Berlin am voraussichtlich am 22. d. zur Ausgabe gelangen. Stettin, �Dienstag, 20. März. Infolge starker Schnee- gliever werden ersucht, die Fragebogen baldigst auszufüllen. Fachvereiu der Putzer. Heute. Mittwoch, Abends 8t Uhr, bei Scheffer, Jnselstr. 10, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Fortsetzung der Tarifberathung. Erledigung von Rechtsschutzsachen. Äereinsangelegenheiten. Gesang», Turn» und gesellige Vereine am Mittwoch. Männergcsangverein„Jugendlust" Abends 8t Uhr im Restarant Pafsod, Gartenftt. 162.— Männergesangverein„Cäcilia" Abends 9 Uhr im Restaurant, Köpnikerstraße 127a.— Gesangverein „Männerchor Linde" Abends 3'. Ubr im Restaurant Haller, Naunytislraße 70.— Männergcsangverein„sangesfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Musehold, Landsbergersttaße 31. — Lübeck'scher Turnverein(1. Lehrlings-Abthellung) Abends stürme ist der Verkehr auf der Rügcndahn und auf der Bahn- strecke Neu- Brandenburg- Stralsund seit gestern unterbrochen. Die Strecke Jatznick- Ueckermünde ist vorausstchtlich bis morgen Mittag unfahrbar. Der Verkehr zwischen Ducherow- Swine- münde und Ducherow-Sttalsund ist gleichfalls sett gestern unter- brachen. Stettin, Dienstag, 20. März. Das hiesige Eisenbahn- '), Heb, >ron, Damnitz Bctriebsamt macht bekannt: Außer Stolp noch die Srecke Belgard, Schübben, Zanow und Hebron, Damnitz, Neustadt verschneit. Wann wieder frei, noch nicht ab- zusehen. Dnnzig, Dienstag, 20. März. Das hiesige Eisenbahn- betnebsamt macht bekannt: Infolge des andauernden Schnee- sturmcs find außer den gestern unfahrbar gemeldeten dies- festigen Skecken weiter unfahrbar geworden: Strecken Marien- burg-Köniasberg, Danzig-Dirschau, Danzig-Neufahrwaffcr und Zoppot, Mohrungen-Allenstein. Hiermit ist im ganzen Amts- bezirk der Betrieb unterbrochen, Rä läumungsarbeiten haben nur geringen Erfolg. Königsberg t. pr., Dienstag, 20. März. Die Bahnverbindung ist nach allen Seiten für den ganzen Tag infolge Schneeverwehungen aufgehoben. Gumbinnen, Dienstag, 20. März. Infolge heftiger Schneeverwebungen und in Anbetracht des ununterbrochenen Schneefalls ist nach amtlicher Meldung der Eisenbahnverkehr von Jnsterburg aus nach allen Richlungen voraussichtlich auf mehrere W' Tage vollständig unterbrochen. fricstichen Küstenbahn sind auch die Strecken Georgesheil-Är.. und Emden- Georgeshest und Esens- W'-Umund durch Schn- verwehungen unfahrbar, ebenso die Vollbahnstrecke Leer Emt infolge Verwehung zwischen den Stationen Neermoor un»l Oldersum. Der Schneesturm dauert in unverminderter Stärltj an, daher das Ende der Verkehrsstockung noch nicht zu übel> sehen ist. Wien, Dienstag, 20. März. Das Abgeordnetenhaus«' theilte mit großer Majorität die Genehmigung zur gerichttiche» Verfolgung des Abgeordneten Schönerer wegen des geivaltfome« Eindringens in die Redaktionszimmer des„Neuen Wiener Tag«« blatt" und wegen der Angelegenheit des aufgelösten Kommerses der„Teutonia". Schönerer erging fich hierbei in heftigen Aus» fällen gegen die Presse; er wurde wiederholt zur Ordnung gf rufen, schließlich wurde ihm das Wort entzogen. Ein Antra» von Pattai und Tuerk auf Rückverweisung der Sache an de« Ausschuß wurde mit allen gegen 15 Stimmen abgelehnt. Kern, Dienstag, 20. März. Der Nationalrath hat heut« entsprechend dem Antrage der mit der Vorderathung betraute» Kommission und nach Befürwortung durch den Bundesrath Droz, den vom Bundesralhe für eine bessere Organisation de« politischen Polizei geforderten Kredit dcbattelos und cinstimon» bewilligt. Paria, Dienstag. 20. März. Der Prozeß gegen den General Caffarel und Frau Limoufin wegen Handelns mit Ordens- dekorationcn wurde heute vor dem Zuchtpolizeiperichte zu End« geführt. Das Gericht nahm bei General Caffarel mildernd« Umstände an und verurtheilte denselben nur zu 3000 Fr. Geldbuße: Frau Limoufin wurde zu 6 monatlichem Gefängniß vkl- urtherlt. erschei in's S 4 Mc Kriefkasten der Redaktion. F. K., Kellermannstr. In der Regel am ersten Oster- feicttage: das Lokal wird noch bekannt gemacht. Genaueres können Sie am Sonntag Vormittag in der Freireligiösen Ge- meine, Rosenthalerstr. 38, erfahren. Falk V. Die betreuenden Kassen find uns zu wenig be- kannl, um darüber Auskunft geben zu können. - D sich bai Alätter sinnigst denen>s »erschie «ms da Schluß & sonderr Nlhig i «ijsen «echt sei erweise trachter an den %, d Erfreu! allen<- hat. 5 hat es Äufrrch «in so Sache.' * 35 A uns I W 1"" % «xsud treten -�utz dntchzt- k«n, b( dfigen _ R Aation fcr Heschehl Kgl. Ff- ik-s. 178. Klassen-Lotterie. Die Zieknng I. Clas»e beginnt am 8. April; hierzu empfehle Amheile; 1, 65 M. V, 27 i M,•/, 13,75 M.,>/8 7 M., Vio 6 M,»/„ 3.76 M., V,o 3 M.,'/» 2 M., Vio 1,<:0 M.,"14 1,10 M. Amtliche Listen für alle 4 Classen 1 M. Bei Vorauszahlung für _ Erste Klasse EZMa ßSnigi.Pltiß.Kl.Loltelu alle 4 Classen kosten Anth. 1, 220 M., J 110 M., V., 65 M., 1 9 27s; M., Vio 24 M,,'/,» 15 M., Vjq 12 M., 7,50 M,,'U, 6 M.,•/« 4 M.— Bei d. Uzt. Zhg. wurden die Hauptgew. v. 100 000 IM., sowie I ä 30 000 M., 2 ä 5000 M. etc. bei mir gezog. Mh, ienburger Loose Zhg. 17.4c. 53M, 11 L. 30 M., Halbe 1,60 M, 11 Halbe 15 M. K/.« Julius Apelt, Sebaftiaustraße 27— 28. Reelle Maare. Prompte Krdirnung.__ loos' M. 0X5 3,«5 1.75 1 Gleicher Preis für alle Klassen. Planmäßige Gewinn- Auszahlung ohne 6M]_ Abzug. Klanierardeiter befindet fich nach wie vor Waldemarstr. 61 i» Restaurant pfifter. Die Adreffenausgabe findv jeden Abend von 8—9� Uhr und Sonntag Vormittags von 10—11» Uhr, sowohl an glieder wie an NichtMitglieder uncntgestlick statt. s# Die Arbeitsoermittelungs-Kammisstad' 12000 alte wid«ene Frühjahrs- u. Sonmierpaletots mpl. Rock- u. Jaquett-Anzüae, einzelne Röcke, Jaquettes, Hosen, Westen, compl. Rock- u. 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Druck und Verlag von Mar Kabing in Berlin SW.. Beuthstraße 2. hie" »I ich %