ifenbii Dirsch, eit 1 tmachutz jftem flf stargaä noch W Wehl« blonotw unöSW weites zm Zs liegt B l infolA tag statt der Ost !il-Auriit Schnei' r Emde» zor uni x Stä-le zu üba- Haus«< ichtliche» altsame» ter Tage- »mmerses >en Aus' mag ge- Antr« an de» t. it heute 'etrauto ndesrath tion der tstimmÄ General Ordens» (u Ende ildernde t. Geld» niß ott» u. I Oster» nauereS fen@c mig bc 33. 70. Dimrierftag, de« 22. pfcf 1888. 5. Iichr«. etliaerMsH Brgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt- Monnementsprei» für Berlin frei __________________ tot'------- 5 Bf. Sonntags-Nummer «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen.................... in'§ Haus vierteljährlich 4 Mar!, monatlich 1,35 Marl, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Morl Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonniags-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeiKmgsvreisliste für 1888 umer Nr. 849.) 8 fi Po Jnsertionsgebühr ....... Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei werden bis 4 Uhr Nachmittags allen Annoncen-Bureaux, ohn* Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Seuthstraße Ä.— Expedition: Zimmerstraße 44. ren. md s 61# -find� isst-»' iW.» 56, lwd� An die futsche Adresse! Die kaiserliche Botschaft an den Reichskanzler hat, wie sich daS bei einem solchen Schriftstück von selbst versteht, den blättern der verschiedensten Richtungen Anlaß zu den tief- sinnigsten Betrachtungen gegeben, die je nach den verschie- denen Standpunkten, welche die betreffenden Blätter einnehmen, verschieden ausfallen mußten. Wir muffen gestehen, daß uns das betr. Schriftstück ebenso wie die daran geknüpften Schlußfolgerungen recht wenig Kopfweh gemacht haben. Wir wiffen, daß sich Programme leichter niederschreiben als aus- führen laffen, und dann sind wir gewohnt, nicht mit Worten, sondern mit Thaten zu rechnen. Die letzteren warten wir Whig ab und sollten dieselben wirklich den von einer ge- wiffen Seite gehegten Hoffnungen entsprechen, so soll uns das vecht sein. Sollten diese Hoffnungen sich aber als trügerische irweisen, was wir zu glauben sehr geneigt sind, so be- trachten wir das auch als kein Unglück. Am sympathischsten a» den Proklamationen ist uns die klar ausgesprochene Ab- süht, den Frieden Europas nicht stören zu wollen, und das �treulichste daran ist, daß diese Erklärung überall und au: allen Seiten vollen und uneingeschränkten Glauben gefunden W. An ähnlichen Versicherungen in ebenso feierlicher Form hat es ja auch früher nicht gefehlt, aber der Glaube an die Auftichtigkeit und Wahrhaftigkeit derselben war nie «a so allgemeiner und überall vorhandener wie dieses %!, und daß dem so ist, daS ist das Erfreuliche an der �ache. WaS sonst aus den Proklamationen herausgelesen wird, ist uns, wie gesagt, gleichgiltig. Rur die Abgeschmacktkeit vfr„Nationalliberalen Corr.", die aus dem Erlaß oes Eifers an den Kanzler den Anlaß nahm, den Arbeitern \ber einmal das Eia Popeia vom„Entsagen" zu singen, Wst UNS Anlaß zu ein paar Bemerkungen. Das genannte 4%Qe Organ unserer in der nationalliberalen Partei or- flirten Großbourgeoisie findet nämlich, daß das deutsche mehr als alle anderen Nationen zu harter Arbeit be- %a sei und daß eS sich bescheiden muß. nur einen mäßigen �bensgenuß erringen zu können. Es müffe deshalb ver Durchzieht", liegen darin, daß LebenSansprüche geweckt wer 'w, denen die wirthschaftlichen Kräfte der Nation nicht ge- "ügen können. Mit anderen Worten: Die deutsche Nation ist eine arme Kation und die arbeitende Klaffe muß ihre Ansprüche an daS g-ben, ihre Lebenshaltung, noch mehr herunter setzen, als das 'chon jetzt der Fall ist, wenn der Nation nicht schwerer Schaden »ffchehen soll. IeuMeton. »«•ttaj Der Erbe. [68 («■•kn« MitotaL) Roma« oo« Friedrich Gerstäcker. »Was. der Herr Rath Frühbach hat das behauptet?" die Frau, während die Frau Räthin hinter der Thür Schreck fast in die Knie zu brechen drohte.„Der �chte nichtsnutzige Mensch will ehrliche Leute zu Dieben �en, und indessen kommt seine Frau hier zu mir und �üßt und freundlich, als ob sie von nichts a»So? Die Frau Räthin Frühbach ist bei Ihnen?" 2% Staatsanwalt Witte, der in diesem Augenblick vor- M»Da bedauere ich allerdings, daß wir so zur unrechten S. 8#r( haben- aber jetzt kann's nicht mehr helfen. �«ommiffar, bitte, thun Sie Jbre Schuldigkeit! ;L»3a wohl, Herr Staatsanwalt," rief die Frau?Mlt S1" tiefen, spöttischen Knix, indem sie die Thür zu ihrem aufriß, dann seien Sie nur so gut und heben Sie w Sanze Nest aus und können dann Ihre Frau Gemahlin üht haben!"_. L,»Alle Teufel!" murmelte der Staatsanwalt vor steh »Aber das ist ja gar nicht möglich!" »«ver das ist ,a gar mcyi myuyu,- L)"�elftben Sie vielleicht gefälligst naher zu treten. Die eine Behauptung ist so unwahr wie die andere. Was zunächst die behauptete Armuth der Nation betrifft, so ist eS ja richtig, daß unser Proletariat in Bezug auf seine Lebenshaltung gegenüber den Arbeitern fast aller Kultur- länder zurücksteht. DaS hat aber nicht verhindert, daß Deutschland der Gläubiger fast aller verschuldeten Staaten, nicht blossEuropas, sondern der gesammten Welt ist. Ruß land und die kleinen Donaustaaten sowohl als die süd amerikanischen Republiken und Portugal haben ihre Anleihen auf dem Berliner Geldmarkt kontrahirt, Millionen und Milliarden fremder Schuldtitel sind im Besitze deutscher Geldsürsten. Daß das Gros der Nation von diesen Milliarden nichts besitzt, ist ja richtig, daffelbe ist aber bei den sogenannten reichen Ländern, England und Frank reich, auch der Fall. Auch dortZbildet sich das National vermögen aus dem Schweiße der Nation, befindet sich aber im Besitze einiger Weniger. Ganz wie bei uns auch. Wenn Deutschland wirklich die arme Nation ist, wie man so gerne behauptet, besonders wenn eS gilt, den Ar beitern plausible Gründe für die Nothwendigkeit ihrer ge drückten Lebenslage vorzuführen, warum erlauben wir uns denn, das stärkste Kriegsheer der Welt auf den Beinen zu halten und dafür Ausgaben zu machen, die in gar keinem Verhältniß stehen, zu den sonstigen Ausgaben für staatliche und öffenl liche Angelegenheiten? Wenn man aber die koloffalen Ausgaben für das Heer damit rechtfertigen will, daß Deutschland sich in einer ge- fährdeten geographischen Lage befindet, indem eS nach allen Seiten von großen Militärstaaten umgeben ist, so bleibt noch immer vie Frage: wenn Deutschland eine arme Nation ist, wie ist es dann zu verantworten, daß man, in Gestalt der Ausfuhrprämien bei der Zuckersteuer, den Zuckerprodu- zenten— also sehr reichen Leuten— Jahre lang hindurch Millionen und Abermillionen zum Geschenke machte, daß man den deutschen Zuckerkonsumenten Jahr um Jahr Millio- nen abnahm, um es dadurch zu ermöglichen, daß der deutsche Zucker auf dem englischen Markte fast unter den Produk- tionSkosten verkauft werden konnte? Wenn wir eine arme Nation sind, warum dann die Millionen-Geschenke an die Spiritusproduzenten, warum ver- theuern wir dann durch hohe Lebensmittelzölle den Lebens- unterhalt? Die Behauptung, daß wir eine arme Nation sind, läßt sich mit all' diesen Vorgängen nicht verein- baren. Gewiß, unsere arbeitende Bevölkerung, unsere Hand- werker und Kleinbauern leben in einer gedrückten Lage, aber das beweist nicht, daß ihre Arbeit nicht produktiv ist, son- dern daS beweist nur, daß die Früchte ihres Schweißes anderen zu Gute kommen. In den ungeheuren Summen, die für „Meine Damen," sagte der Kommissar, aber jetzt wirk lich selber in Verlegenheit,„eS thut mir leid, so zur un- rechten Zeit gekommen zu sein. UebrigenS habe ich nicht den geringsten Auftrag, Sie hier zurück zu halten, und stelle Ihnen deshalb ftei, den Platz zu verlaffen, wann eS Ihnen beliebt." „Herr Kommissar," sagte die Frau Räthin,„wir wer- den von Ihrer Güte Gebrauch machen." Und ohne den Blick rechts oder links zu wenden, erfaßte sie den Arm ihrer Begleiterin und eilte mit dieser, so rasch sie über das in der Werkstätte umhergestreute Leisten- und Lederwerk hinweg- kommen konnten, der Treppe zu. Dorthin begleitete sie aber noch der Kommiffar, gab dem dort stationirten Polizeidiener, der schon vortreten wollte, Befehl, die Damen durchzulassen, und kehrte dann in die Stube zurück, um seine vorgeschriebene Haussuchung zu beginnen. Heßbcrger selber zeigte sich dabei außerordentlich de- müthig, aber doch auch stönisch; er meinte, eS solle dem Herrn Rath Frühbach theuer zu stehen kommen, ihn auf solche Weise verdächtigt zu haben, und noch dazu, da er ihn heute Mittag selber in den Laden geführt hätte, wo das Hosen- zeug zu verkaufen wäre, auf daS sich, wie er jetzt ver- muthen müffe, feine Nachfragen bezogen hätten. Dort aber könne ihm Jeder bezeugen, daß er oen Stoff da gekauft und gleich bezahlt habe, und er wolle doch einmal sehen, ob er sich auf diese Weise als ehrlicher Mann brauche be- 'chimpfen zu laffen. Die Frau Heßberger selber, die ihren ersten Zorn hin- untergekämpst, benahm sich jetzt vollkommen vornehm gegen den Kommiffar und dachte gar nicht daran, ihm im ge- ringsten zu unterstützen. Da wären die Schlüssel, sagte sie, zu allen ihren Schränken und Laden; nun möge er selber, wenn es ihm Freude mache, nachsehen, ob er dort irgend etwas von des Herrn Frühbach Sachen fände. Sie selber aber rühre keine Hand und sei auch nicht dazu verpflichtet, bitte sich aber aus, daß alles wieder so ordentlich gelegt würde, wie man eS gesunden. Dem Kommiffar gefiel das nicht; die Leute betrugen ich nicht wie ertappte Verbrecher, sondern handelten genau so, als ob sie in ihrem guten Recht wären, und der Staats- unproduktive Zwecke bei uns zur Verausgabung gelangen,. und in den Milliarden, welche unsere Geldfürsten übrig haben, um der halben Welt Vorschüsse und Darlehen zu machen, darin stecken die Produkte des Fleißes und Schweißes unserer arbeitenden Bevölkerung, und zwar ver- stehen wir unter dieser alles, was mit Kopf und Hände» thätig ist. Die Behauptung also, daß wir eine arme Nation sind und daß sich deshalb der arbeitende Theil der Nation noch größere Beschränrungen, als dies bisher leider schon der Fall ist, auflegen soll, ist eine durchaus falsche, absolut. volks- und kulturfeindliche. Die Millionen derjenigen, die sich in das„National- vermögen" theilen, würden ja freilich noch schneller wachsen, wenn der arbeitende Theil des Volkes noch genügsamer würde, die Löhne sich noch mehr kürzen, die Arbeitszeit noch mehr verlängern laffen würde. Aber daS Gedeihen der Nation beruht nicht auf dem Wachsthum der Millionäre, sondern auf dem Wohlbefinden der großen Masse. Dieser großen Masse aber bei uns Enthaltsamkeit zn predigen, ihr den Vorwurf überflüssigen Aufwands und schädlichen Luxus' zu machen, dazu muß man Redakteur eines Blattes sein, hinter dem die rheinisch-westfälischen Schlotjunker und Kohlenbarone und die Berliner Bankiers stehen, um solches fertig zu bringen. Wir wollen das Elend, in dem sich die Arbeiter in der sächsischen und schlesischen Textilindustrie befinden, nicht wester erörtern, alle Äugenblicke veröffentlichen ja die Blätter Thatsachen aus dem Leben dieser Aermsten der Armen, welche auch den abgebrütetsten Prositmacher in seiner Seelenruhe stören müssen. Wir wollen nur auf die Thatsache verweisen, daß die amt- lich veröffentlichte Lohnstatistik, die aus den Lsha» tabellen der in der Unfallversicherung einbegriffenen Arbeiter aufgestellt wurde, crgiebt, daß der Durchschnitts- lohn eines versicherten Arbeiters nur 600 M. beträgt. Also noch nicht 2 M. pro Tag haben die deutschen Arbeiter im Durchschnitt zu verzehren und da stellt sich ein Soldschreiber der Millionäre hin und predigt diesen Arbeitern, sie sollen ihren Luxus einschränken und allen unnützen Aufwand bei Seite laffen. Glaubt man wirklich, daß unsere Arbeiter für solchen Hohn und Spott, denn weiter ist ein solches Geschreibsel doch wirklich nichts, unempfindlich sind, und fürchtet man nicht, daß auch hier das Maß der Geduld einmal erschöpft werden könnte? Will man absolut Tiraden gegen Luxus und Ver- schwendung loslassen, so richte man sie gegen diejenigen Kreise, wo diese Untugenden zu Hause sind. Die Arbeiter aber verschone man damit. anmalt besonders befand sich nichts weniger als behaglich. —.... 1 � MO» VVyUUUUJ. ©r wußte recht gut, welche Verantwortung er übernommen, zum ersten Mal stieg der Wunsch in ihm auf, die "' Qr—'— Heit gar nicht berührt zu haben. Aber und � ganze fatale An„,„J I-----,...... was half es! Die Haussuchung hatte durch das polizeiliche Besetzen der Wohnung faktisch begonnen und mußte nun auch durchgesetzt werden. Und wer konnte denn überhaupt wissen, ob sie nicht doch etwas fanden, was sie in der Aus- führung entschuldigte und rechtfertigte! Zuerst wurde die Werkstätte untersucht, aber nur leicht- NN, denn hier war auch kein möglicher Platz, wo etwas Me versteckt werden können, den Ofen vielleicht ausqe- nommen; dann kam das Zimmer der Frau, was schon mehr Schwierigkeiten bot. Aber trotz genauer Durchsuchuna der sammtlichen Schränke und Kommoden fand sich auch nicht das geringste Verdächtige, eben so wenig in der Küche. Der kleine Holzverschlag war fast leer und konnte mit einer Laterne leicht abgeleuchtet werden: er enthielt nichts als einst weiß gewesene schmutzige Kalkwände mit vielleicht einem Korb Hol, darin. Einen Keller hatten die HeßbergerS Sar nicht, eben so wenig Bodenraum; nur noch ein dunkles üfterchen, in dem vielleicht zwei Scheffel Steinkohlen lagen. Auch das wurde durchsucht und der Bestand zum großen Theil bei Seste geschaufelt; aber auch dort fand sich nichts und der Kommissar sah den Staatsanwalt an und zuckte die Achseln. 0 Staatsanwalt Witte befand sich in Verlegenheit Die Sache war ihm entsetzlich fatal, und noch fataler, daß sich die Frau Heßberger auf einen ihrer Lehnstühle gesetzt und ,hn mit Honischen Blicken betrachtete. Aber was ließ sich fe! M HeßbergerS jetzt den Rath Frühbach wegen falscher Anklage vor Gericht belangen würden, verstand si von selbst, und er hatte eine heftige Szene mit dem Rat. u gewarstgen; aber daS ließ sich eben nicht ändern. Keines- alls wollte er sich dem Hohn der Schustersfrau hier länger aussetzen; der Kommissar mochte sehen, wie er mit der allein fertig wurde. „Schön" sagte er,„wenn nichts zu finden ist, brechen Sie die Verhandlung ab!" Und ohne sich länger aufzuhalten ® nginaf-forrefpon Jenjen* A«» Kachsrn. Der Typhus ist seit Monaten in Chem» nitz, und trotz der mancherlei Schutzvorrichtungen, welche die Behörden ergriffen haben, nimmt die Zahl der Krankheitsfälle fortwährend zu. Die Zahl der Erkrankungen soll, nach durchaus zuverläsfigen Mitthcilungen, zweitausend überschreiten. Bis jetzt est die Zahl der Todesfälle noch eine ziemlich geringe, die Krankheit scheint aber allmälig einen bösartigen Charakter an- nehmen zu wollen. Bon den Acrzten und Behörden wird ge- leugnet, daß wir es mit dem sogenannten Hungertyphus zu thun haben; und auf den ersten Anblick spricht auch der Um- stand hiergegen, daß die Krankheit sich ihre Opfer nicht blos unter den ärmeren, schlechter ernährten Bevölkerungsschichten sucht. ?lndeß stellen diese dock, wie stch das übrigens in einer Fabrikstadt wie Chemnitz von selbst versteht, bei weitem das größte Kontingent. Ferner wird von den Aerzten und Behörden in Abrede gestellt, daß das Wasser die Schuld trage. Fn so weit das Trinkwasser ins Spiel kommt, find diese Ableugnungen nicht berechtigt. Dagegen steht fest, daß der Boden, auf dem Chemnitz steht— es ist in einem Thalkessel erbaut— von Kloakenwasser durchseucht ist, und daß ganze Stadttheile stark vom Grund- wasser zu leiden haben. Nach den Erfahrungen anderer Orte — namentlich Münchens— genügt dies für die Erzeugunavon Typhus. Und rechnen wir hierzu die sehr ungünstigen Wob- uungsverhältnisse der Arbeiterbevölkerung, die vielen engen, lichtlosen Straßen und die mangelhafte Ernährung vieler Tausende von Arbeitern, so kann man stch über diese bedrohliche Typhusepidemie wohl kaum wundem, und die Annahme, daß es stch um den Hungertyphus handle, der ja ansteckend ist, läßt stch nicht so ohne weiteres von der Hand weisen. Die Thatsache, daß in vielen Orten des Erzgebirges und Vogtlands die Ernähnmgsverhältnisse der Arbeiter weit ungünstiger find als in Chemnitz, und daß trotzdem dort der Hungertyphus nicht grasfirt, macht jene Annahme keineswegs hinfällig, denn in den hetreffcnden Orten des Erzgebirges und des Vogtlandes athmcn die Leute meist sehr gesunde Luft und haben vortreffliches Wasser, was fie unter Bedingungen gesund erhält, unter denen man kaum denken soMe, daß Menschen leben könnten. Jedenfalls haben wir es in Chemnitz mit Krankheitsursachen zu thun, die aus dem Wege geräumt werden können und zum mindesten theilweise sozialer Natur find. Und jedenfalls haben die Behörden es bisher nicht verstanden, die Wurzel des Uebcls zu treffen und der Epidemie die Quellen abzugraben. Sonst müßte stch doch eine Eindämmung der Epidemie bewirken lassen._ Politische Ueverstcht. Mrnn es keinen Konlanger gäbe, müßte er erfunden werden— für einen Theil unserer Presse. Im Grunde ge- nommen ist er ja auch mehr Erfindung als Wirklichkeit. Unfern Splitterrichtern und Balkeninhabern möchten wir aber den guten Rath geben, stch in ihrer nächsten Nähe etwas mehr umzusehen, wenn fie von„Unstcherheit der Zustände",„Hervordrängen des militärischen Elements",„Diktaturgelüsten" und ähnlichen schönen Dingen kassandern. Die verkommenen Franzosen haben den wirklichen Äoulanger, weil er stch gegen die Disziplin vergangen, genau so behandelt und bestraft, wie es in einem Staat, wo das Gesetz herrscht, geschehen muß— das zweite große Exempel, nachdem der„Schwiegersohn" des obersten Staatsbeamten nor einigen Wochen über die Kl'nge zu springen hatte. Wir dächten, wenn es gilt, militärischen Uebermuth zu bestrafen» so hätten unsere Splitterrichter und Balkcninhaber, angefichts weltbekannter Vorgänge in jüngster Zeit und nächster Nähe, es wahrhaftig nicht nöthig, ihre Entrüstung nach Frankreich zu ex- Portiren. Was nun die Frage Boulanger betrifft, welche die Heinde der franzöfischen Republik wiederum glücklich entdeckt haben, und unter Mithilfe einiger sutavts tembles vom Schlage des Herrn Rochcfort geschäftlich ausbeuten, so ist dieselbe bereits entschieden. Kein ernsthafter Republikaner glaubt im Emst an die„Frage Boulanger", und sollte Herr Boulanger nicht post festam noch so klug werden, seine Stellung zu begreifen, und sollte er fich zu der Rolle hergeben, welche die Feinde der Republik ihm präparirt haben, so wird er alle ernsthaften Re- Publikaner gegen stch haben und mit Schande von der Bühne verschwinden, während er jetzt noch die Möglichkett der Reha- dilitation hat. Die sogenannten„Volksdcmonstrationen", von denen unsere Splitterrichter und Balkeninhaber zu berichten wissen, gehören in die Kategorie der Hanswurstiaden. Man lese nur, wie die ernsthaften Blätter„Justice" u. s. w. die Maßregelung Bou- langer's auffassen— mit einer Ruhe und Nüchtemheit, die nur aus Kraftbewußtsein zu erklären sind. Beiläufig giebt die„Kölnische Zeitung" fich die äußerste Mühe, den Boulanger als Wauwau am Leben zu erhalten. Sie läßt sich nämlich aus Paris schreiben, wir Deutschen hätten den meisten Grund, uns über die Besei- tigung Boulanger's zu freuen, denn er wäre im Krieg oder das also gekränkte Ehepaar wester zu grüßen, schritt er durch die Werkstätte der Treppe zu. Dort an der Thür saß der Lehrjunge, den der Meister vorher so geprügelt hatte; er schien sich die ganze Unter- suchung schadenfroh betrachtet zu haben und eben so wenig zufrieden zu sein, daß man nichts gefunden, wie der Staats- anmalt selbst. Als Witte aber an ihm vorüberging, zupfte er ihn plötzlich am Rock und flüsterte:„Kohlenkammer— Meister geht immer hinein!" und drehte sich dann scharf ab in die Werkstätte, wo er sich in einem Winkel niederkauerte. Witte hatte die letzten Worte kaum oder vielleicht gar nicht verstanden, aber das Wort„Kohlenkammer" war ihm nicht entgangen, und mit einer letzten Hoffnung, seine Ehre als Ankläger noch zu retten, drehte er sich rasch auf dem Absatz herum, ging auf den Polizeimann zu und sagte:„Herr Kommissar, ich wünsche die nochmalige Durchsuchung der Kohlenkammer, ehe wir das Haus verlassen." „Aber, lieber Herr Staatsanwalt," sagte der Mann, „wir haben fast die ganzen Kohlen bei Seite geschaufelt." „Wir werden es mit dem Rest ebenso machen," sagte Witte, der sich an diese letzte Hoffnung klammerte. „Meinetwegen— wie Sie eS wünschen; ich bm Ihnen gern gefällig," erwiderte der Mann.„Aber ich fürchte, wir versäumen nur unsere schöne Zeit— wo ist die Laterne?" „Hier, Herr Kommissar." „Gut— schaufelt noch einmal den letzten Kohlenrest bei Seite; es könnte doch möglich sein, daß noch etwas darunter wäre." Die Leute gingen willig an die Arbest, denn es war ihnen selber nicht recht, daß sie unverrichteter Sache wieder abziehen sollten— ist doch das ganze Polizeileben auch nur eine Art von Jagd, und ohne Beute scheut sichern jeder Jäger heimzukehren. Aber selbst die letzte Mühe schien vergeblich; denn mit jeder Schaufel voll Kohlen, die bei Seite geworfen wurde, stellte sich mehr und mehr heraus, daß der kleine Vorrath nichts heimlich Verborgenes mehr verdecken könne; ihre ganze Mühe war vergebens gewesen. Aber der Staatsanwalt beruhigte sich noch immer nicht. Er nahm selber die Laterne unser gefährlichster Feind Natürlich wird das ins Französische übersetzt— von dem Skribenten selbst oder einem guten Freund — und die Franzosen würden fich sicherlich für Boulanger patnotisch erwärmen, wenn— je nun, wenn sie die„Kölnische Zeitung" und ihre Pariser Korrespondenten nicht kennten. Auch diese Reklame wird also nichts nützen. Die allgemeine Kranken-«nd Kterbekafle der Metallarbeiter(E. H. 29, Hamburg) veröffentlicht ihre Ab- rechnung für das Jahr 1887, die stch als ein vier große Zeitungs- druckseiten umfassendes Opus darstellt. Dieselbe giebt einen eklatanten Beweis für die im Arbeitcrstande ruhende Fähigkeit, seine Angelegenheiten selbst zu verwalten und dieselben die jenigen Bahnen zu führen, welche seinem Interesse entsprechen und für ihn die ersprießlichsten find. Erscheint das Resultat der Thätigkeit, welche die Kasse im letztverflossenen Jahre ent- faltet hat, schon an fich als ein außerordentlich günstiges, so springt dies um so mehr ins Auge, wenn erwogen wird, mit welchen großen Schwierigkeiten gerade die zenttalistrten, über große Theile des Deutschen Reiches sich erstreckenden Kassen zu kämpfen haben. Die Kasse schloß ultimo Dezember 1886 mit einem Kaffenbestand von 127 611,35 M. ab; derselbe erhöhte fich bis zum Schlüsse 1887 auf 200 672,08 M., so daß ein lieber- fchuß von 73 060,73 Ä. erzielt wurde, 13 849,89 M. mehr, als das nach den Vorschriften des Gesetzes erforderliche Zehntel der Beiträge beträgt. Die Gesammtein- nähme des Jahres 1887 beziffert fich, einschließlich des von 1886 übernommenen Kassenbestandes, auf 737 680,69 M. Davon waren eingegangen an Eintrittsgeldern 10 080,80 M., an regelmäßigen Beiträgen 592 108,45 M., an außergewöhnlichen Einnahmen 6928,82 M und an Zinsen 951,27 M. Die eingegangenen Beiträge vertheilen fich auf die einzelnen Klassen wie folgt: 1. Klasse..... 196 935,02 M. 2.„..... 387 095,14„ 3.„..... 8078,29„ Bei den Ausgaben der Kasse steht selbstverständlich die Summe des ausgezahlten Krankengeldes obenan, und zwar mit 470 947,97 M. Außerdem find für ärztliche Behandlung ge- leistet 4687 25 und für Arznei und sonstige Heilmittel 4782,21, sowie an Angehörige von kranken Mitgliedern 9 8, 23 Mark. Sterbegeld wurde bezahlt für Mitglieder der 1. Klasse 6968 M. 53 Pf., der 2. Klasse 12016,58 M. und der 3. Klasse 48,— M., zusammen 19 033 M. 1 1 Pf. Die Verwaltungskosten be- trugen in der Haupttasse 12 958 M. 2 Pf. und in den östlichen Verwaltungsstellen 18 973 M. 34 Pf., zusammen 31 931,36 M., also 5% pCt. der gcsammten im Jahre 1887 eingegangenen Gelder in Summa von 610069,34 M. Ein gleich günstiges Resultat in Bezug auf die Billigkeit der Verwaltungs- maschineste dürften nur sehr wenige Kassen aufzuweisen haben. Die Zahl der Mitglieder der Kasse betrug am Schlüsse des Jahres 1886 31 831 und stieg bis ultimo 1887 auf 33 388. Eingetreten sind im Laufe des Jahres 7855 und ausgeschieden 6398 Mitglieder; unter letzteren find 284 vesttorben. Die Mit- glieder vesthcilten fich am Schlüsse des Jahres 1387 über 416 östliche Verwaltungsstellen gegen 391 im Vorjahre, abgesehen von den einzeln an verschiedenen Osten fich aufhaltenden Mit- gliedern. Die Zahl der eingetretenen Krankheitsfälle betrug 16 529; davon waren mit Arbeitsunfähigkeit vestnüpft 12 43a und ohne solche 2198; infolge von Betriebsunfällen traten 1896 Krankheitsfälle auf. Die Zahl der Krankheitstage im Jahre 1887 betrug 274869, wovon 36 603 infolge von Betriebsunfällen. Das Hauptkontingent für die Sterbefälle stellten die Lungenkrankoheitcn, die ja leider in so vielen Schichten des Arbeitesttan es ihre reichliche Ernte halten; die Zahl der an solchen Verstorbenen beträgt 173, während die übrigen fich auf die mannigfachsten anderen Krankheiten ver- theilen. In vorstehendem haben wir ein übersichtliches Bild der Thätigkeit einer großen, nur in den Händen von Arbeitern ruhenden Organisation gegeben, und jeder, der mit unpar- teiischcm Auge die Funktiomrung des Verwaltungsapvarates betrachtet, wird fich sagen müssen, daß hier etwas Tüchtiges ge- leistet worden ist; noch mehr aber hätte geleistet werden können, wenn nicht an allen Ecken und Enden fich noch immer Schwierigkeiten entgegenstellten, welche die treie Entfaltung der in jenen Organisationen schlummernden Kräfte hinderten. Nach der vom prästdcntrn des Reichstag» in der letzten Sitzung mitgetheilten Geschäftsübcrsicht war der Reichs- tag vom 24. November bis vorgestern, zusammen 118 Tage, versammelt. Es haben während dieser Zeit 59 Plenarsitzungen, 125 Sitzungen der Abtheilungen und 128 Sitzungen der verschiedenen Kommissionen stattgefunden. Seitens der verbün- Veten Regierungen wurden folgende Vorlagen gemacht: 19 Gesetzentwürfe einschließlich des Reichshaushaltsetats für das Etatsjahr 1888/89, zweier Ergänzungen und eines Nachtrags, 6 Vesträge, 1 allgemeine Rechnung über den Reichshaushalt für das Etatsjahr 1884 85, 1 Ucberficht der Reichsausgaben und -Einnahmen für das Etatsjahr 1886 87, 1 Rechnung der Kasse der Oberrechnungskammer für das Etatsjahr 1885 86, 1 Bericht der Reichsschuldenkommisston, 3 Anträge auf Erthcilung der Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung wegen Beleidigung des Reichstags, 10 Denkschriften, Be- und leuchtete an den Wänden herum, und als er dort keine Möglichkeit eines Verstecks sah, auf der kohlengeschwärzten Diele. Heßberger stand an der Thür und sah ihm zu. „Aber, verehrtester Herr Geheimer Staatsanwalt," sagte er,„glauben Sie denn wirklich, was der böse Herr Geheime Rath über uns gesagt hat? Habe ich Sie nicht immer bedient, wie sich's gehört und gebührt, und halten Sie mich wirklich für einen so korrumführten Menschen, um den Zorn Gottes auf mich zu laden?" „Herr Kommissar," sagte Witte, der in der Diele, aber von Kohlenstaub fast verdeckt, ein kleines Stück blanken Eisens bemerkt hatte. ES war kaum sichtbar; nur dadurch, daß das Licht der Laterne einmal darauf fiel, blitzte es ein wenig, und Witte's Auge haftete daran. Was der Schuh- macher sagte, Höste er gar nicht.—„Bitte, kommen Sie einmal hierher." „Ja wohl, Herr Staatsanwalt; was wünschen Sie?" „Sie haben mehr Praxis in derlei Dingen— was ist daS da auf dem Boden?" „Das hier?" ftagte der Kommissar, indem er sich da- zu niederbog.„Hm, das sieht beinahe aus wie der Riegel an einer Thür, und ich weiß eigentlich nicht, was das biet auf dem Bode» bezweckt." „Haben Sie kein Instrument bei sich, um es einmal zu versuchen?" „Vielleicht finden wir etwas in der Werkstätte. Heh, Heßberger, was ist das hier für ein Eisen?" „Kann ich nicht sagen, Herr Geheimer Kommissar," er- wideste der Schuster; aber dem Staatsanwalt entging nicht die Verlegenheit des Mannes.—„Hat vielleicht früher hier einmal ein Schrank gestanden. So lange ich hier wohne, habe ich die Kammer immer nur zu Kohlen benutzt. Wahr- scheinlich sind die Dielen damit zusammengefügt. DaS Haus »st sehr schlecht gebaut, eS trocknet Alles zusammen, wenn es nicht genagelt und geschraubt wird." „Geben Sie mir einmal irgend ein Instrument her," sagte der Staatsanwalt, der indeß den Kohlenstaub mit den Händen von der Stelle weggewischt hatte—„und richte und Ueberfichten ic. Von diesen Vorlagen haben 18 Gesetzentwüste, 6 Vesträge die Zustimmung deS Reichstags erhalten. Die Rechnung der Kasse der Ober« rcchnungskammer und der Bestcht der Rcichsschuldenkommission find durch Ertheilung der Decharge erledigt worden. Ein Nach- tragsetat ist durch Aufnahme in den Reichshaushaltsetat er- ledigt; die Ueberficht der Reichs-Ausgaben und-Einnahmen für das Etatsjahr 1886 87 ist durch vorläufige Genehmigung der nachgeiviesenen Etat- Überschreitungen erledigt: zwei Anträge auf Estheilung der Ermächtigung zur strafrechtlichen Vestolgung wegen Beleidigung des Reichstages wurden abgelehnt, ein An- trag ist unerledigt geblieben. Die Denkschnften, Berichte rc. haben durch Mittheilunz derselben an die Mitglieder bezw. durch die Beschlüsse des Reichstags ihre Erledigung gefunden. Unerledigt bleibt 1 Gesetzentwurf und die allgemeine Rechnung über den Reichshausbaltsetat für das Etatsjahr 1884/85.— Von Mitgliedern des Reichstags wurden eingebracht 12 Gesetzentwürfe und 4 Anträge.— Von den vorgeschlagenen Gesetz- entwürfen haben 5 die Genehmigung des Reichstags erhalten, 3 find zurückgezogen, über 1 ist zur motivisten Tagesordnung übergegangen, unerledigt blieben 3 Gesetzentwürfe. 3 Anträge haben durch Plenarberathung ihre Erledigung gefunden, ein anderer ist zurückgezogen.— Die Zahl der Petitionen beträgt 12 482, darunter 7773 betreffend den Zolltarif, 2593 betreffend die Trunksucht:c., 534 betreffend den Verkehr mit Wein, 276 betreffend den Identitätsnachweis rc., 260 betreffend die Altersversorgung, 259 betreffend die Regelung der Rechtsverhältnisse der Werkmeister, 136 betreffend die Aufhebung des Impfzwanges u. s. w., 134 die Arbeiterlegitimation und die Arbeitsbücher de- tteffcnd, 93 betreffend den.Handelsvertrag zwischen dem Reild und Oesteneich-Ungarn, 68 betreffend die Ausübung der Heil- künde durch nicht approbiste Personen, 61 betreffend den Hauff t- Kandel, Wanderlager rc., 35 betreffend j)ie Abänderung des§ 149 Nr. 8 der Gewerbeordnung, 20 betreffend die Abänderung der §§ 73 und 74 der Gewerbeordnung, 19 betreffend den Verkehr mit blei- und zinkhaltigen Gegenständen, 16 betreffend den Vogelschutz, 16 betreffend Jöie Branntweinsteuer, 15 betreffend den Befähigungsnachweis, 13 betreffend die Verlängerung der Legislaturperioden. Die Petitionen haben folgende geschäftliche Behandlung erfahren: 2371 Petitionen find dem Herrn Reichs- kanzler überwiesen, 5 Petitionen find durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, 8107 Petitionen sind durch Beschlüsse des Reichstags für erledigt erklärt, 2182 Petitionen find zur Er- österung im Plenum mcht für geeignet erachtet worden, 571 Petitionen, über welche Kommisstonsberichte vorliegen, find wegen «Schlusses des Reichstages nicht mehr im Plenum zur Verhau»- lung gekommen, 688 Petitionen— hauptsächlich Altersversorgung und Impfzwang betreffend— sind auch in der Kommisston nickst mehr berathen worden, 5 Petitionen find zurückgezogen, 1447 Petitionen find, da fie verschiedene Materien behandelten, in mehreren Kommissionen Gegenstand d-r Berathung und Be- schlußfassung gewesen.— Die Kommissionen haben 28 schriftliche und 31 mündliche Berichte esttattet.— Bei den in laufen- der Session stattgehabten Wahlprüfungen wurde die Wahl von 17 Mitgliedern für giltig erklärt, über eine Wahl wurde die Entscheidung ausgesetzt, drei Wablprüfungen find unerledigt geblieben. Gegenwästig find zwei Mandate erledigt. Uon de« gestern er«»äknten Gerüchten bestätigt sieh bis jetzt nur ein einziges: der bisherige Adlatus des Chefs dcs Generalstabs, Grafen v. Moltke, Generalquastiermcister, General- lieutenant Graf Waldersee wird das Kommando eines der dem- nächst vakant werdenden Armeekorps, des rheinischen oder han- noverschen erhalten. Als Nachfolger Waldestee's wird Graf v. Haeseler, Chef der 6. Division, bezeichnet.— Dagegen schreibt die„Freis. Ztg.": Allerlei Gerüchte zirkuliren in Parlamente rischen Kreisen. Wir erwähnen dieselben, ohne im Stande zu sein, fie auf ihren inneren Werh prüfen zu können. Dana» soll Minister v. Puttkamer allcrvings das Äedüifniß fühlen, i» den Ruhestand zu steten. Als sein Nachfolger wird von einer Seite der Minister v. Boetticher, von einer anderen Seite f" Ministerialbeamter bezeichnet. Räch einer andern Version loU Fürst Bismarck bei dem früheren Minister des Innern,»c01 Oberpräsidenten Graf zu Eulenburg in Kassel, angstragt habe» ob er bereit sei, seinen alten Posten, den derselbe nach der kannten Szene mit dem Ministerialrath Rommel verließ, wiet� zu übernehmen. Darauf>oll eine abschlägige Antwort eins»' gangen sein. Eine Keschränkung der Zahl der Regier«»#' referendarirn für die einzelnen Bczirksregierungen haben»? Ministerien vorgenommen, indem sie die Zahl der Regierun# referendarien, deren Annahme bei den einzelnen BezirksregU' rungen zulässig sein soll, festgesetzt haben. Die zur grosP Staatsprüfung oder vorübergehend zur Beschäftigung in Domäncnverwaltung oder in den Bezirksausschüssen zugelassen� Referendarien kommen auf diese Zahl nicht in Anrechnung- Es mag schwer sein, eine zu große Zahl von Reaierungsrefcrch darien an Bezirksregierungcn angemessen zu beschäftigen�.."' jetzt vorgenommene Maßregel aber hat zur Folge, daß nur sodn sehr wohlhabender Familien im höheren Verwaltungsdienst gebildet werden können, weil es diesen allein möglich sein fich während einer gewissen Wartezett bis zur Annahme bei P gehe yi# if,? wenn es ein krummgebogener Nagel ist. Ich fort, bis ich den Platz hier untersucht habe."„ „Wenn Sie erlauben, sagte der Schuhmacher, ich Ihnen gleich etwas holen; ich habe da unten noch etw Werkzeug stehen." Und ohne eine Antwort abzuwari»� sprang er nach der Treppe.... „Halt," sagte der dort stationirte Polizeidiener, Mensch durch!" j, „Aber ich will gerade für den Herrn Geheimen anwalt..."_ Lrr) „Laßt ihn nicht durch!" rief Witte.„Er soll K kommen— wir kriegen das Ding schon auf— nur i»!r etwas her, um damit zu heben!" Der eine Polizeidiener hatte sich die Stelle falls angesehen und brachte rasch einen Haken herbei, denen die Leisten aus den Stiefeln gezogen „Können Sie das vielleicht gebrauchen, Herr St# anwalt?"(( „Wie dazu gemacht!" rief Witte vergnügt, indelN� den Haken in die Oeffnung brachte und daran hob-„ brauchte aber gar nicht etwa stark zu ziehen, denn»# � den Kohlen befreite Brett gab außerordentlich leicht nach � zeigte jetzt an seinem untern Ende sogar ein Charnier, � o essen Hülfe sich eine ordentliche Klappe bildete. Wie et den Deckel hob, entstand draußen an der Treppe ein — der Schuster hatte mit Gewalt hinunterbrechen o# und der Polizeidiener wäre beinahe von ihm die Treppe Y> � Seworfen worden. Auf seinen Hülferuf sprang aber ew � Kameraden hinzu, und wenige Minuten später Ho".�t den wüthend um sich schlagenden Schuhmacher überw, � und fest gepackt, und der Kommissar, der nun ojl# K- vermuthen mußte, daß der Bursche ein böses Gewisien v � befahl, ihm schnüren die Hände auf dem Rücken zusaw»»# „Hallo, Kommissar," rief Witte jubelnd aus, //', ufp toiffi ............,......._______ da h-bK Hol'S der Teufel, das ist ein ganzes Rest von Sachet- Sie einmal hierher und sehen Sie, was wir Sie werden ein paar Stunden Arbeit bekommen, alle zu Protokolliren!" Die Frau Heßberger hatte in ihrer Stube hin auf ZW fei» Lezirksregierung zu unterhalten. Zualeich ist die Gefahr ge- Äen, daß ein Protektionismus ohne Gleichen bei der Auswahl «r Regierungsreferendarien unter einer größeren Zahl von Be- Werbern Platz greifen kann. Z« de« Ausweisungen wird dem„Dzenn. Pozn." aus Oberschlesien mitgetbeilt, daß in dem Kreise Pleß ansässige grö- ßlle und kleinere Grundbesitzer, bewogen durch vollständigen Mangel an Arbeitern für die Ackerbcstellung. sich an den Re- �erungsprästdenten von Oppeln, Grafen Baudissin, mit der Bitte gewandt haben, derselbe wolle ihnen in Berlin an ge- iiznetcr Stelle die Begünstigung erwirken, daß den bei ihnen früher im Dienste gewesenen Knechten und Mägden aus Gallien, welche vor zwei Jahren infolge der Ausweisungen den Drenst und das Land haben verlassen müssen, die Genehmigung zur Rückkehr nach Preußen ertheilt würde. Auf diese Bittschrift «be der Regierungspräsident erwidert, daß er sich nicht bewogen fühlen könne, dieselbe zu befürworten, well in anderen benach- »arten Kreisen sich bisher Riemand wegen Mangels an Arbeits- frästen zur Ackerbestellunz beklagt habe. Der Kaiser hat das Gesetz, betr. die Verlängerung der Legislaturperiode des Reichstages, unterzeichnet. Kielefeld, 16. März. Der hiesige evangelische Pfarrer Otto Müller ist flüchtig; er wird vom Staatsanwalt wegen eines schweren Sittlichkeitsvcrbrechens steckbrieflich verfolgt. Müller ist zu Klöye, Kreis Gardelegen, geboren und steht im 43. Lebensjahre. Auf Vruud des Sozialistengesetzes verboten wurde Jon der Polizeibehörde zu Hamburg das Flugblatt:„An das Bolk", mit der Unterschrift:„Es lebe die Sozialdemokratie", ohne Angabe des Druckers und Verlegers. Frankreich. Paris, 21. März. Die heutige Kammcrsitzung hatte ein ganz eigenthümliches Gepräge. Um das, was im Sitzungssaal vorging— es stand eine Interpellation über ein Dekret des Rckcrbauministcrs zur Diskusston— kümmerte man sich fast gar nicht. In den Wandelgängen aber sprach man von nichts «lderem, als von der zu erwartenden Interpellation über die Maßregel, welche die Regierung gegen Boulanger ergriffen hatte. Bald hieß es, daß sie von der äußersten Linken ausgehen sollte, bald wieder, daß der Abg. Jaurss— ein radikal gefärbter Un- abhängiger— sie einbringen würde. Gegen halb fünf entstand plötzlich eine heftige Bewegung auf der Rechten. Cassagnac war mit einem gefüllten Portefeuille erschienen und seine Partei- genossen schämten sich um ihn. Das Gerücht verbreitete sich, baß der schneidige Bonapartist die Interpellation übernehmen würde. Um 5 Uhr stieg er mit gravitätischem Schritt die Stufen Km Sitze des Präsidenten empor und legte ein Blatt auf den Tisch des Hauses nieder. Die Bänke der Kammer und die Tribünen halten sich inzwischen dicht gefüllt und ein unruhiges Murmeln durchiauschte den Saal. Der Abg. Meziöres konnte seine Stimme mit noch so großem Zorne erheben, vom Forst- rnstitute in Rancy wollte lein Mensch mehr etwas wissen. Um 5 Uhr 15 Minuten endlich verlas Floquet, der schon die ganze Zeit nervös mit seinem Lineal gespielt hatte, die kune Interpellation. Sie lautete einfach:„Der Abg. von Cassagnac wünscht die Regierung über die Gründe zu intervelliren, welche Ne zu der gegen den General Boulanger ergriffenen Maßregel veranlaßt haben." Cassagnac bestieg die Tribüne und verlangte bie Dringlichkeit für seine Interpellation. Unter lautlosem stillschweigen ergriff nun der Ministerpräsident das Wort. «eine Stimme bebte ein wenig, aber der Ton war entschlossen. Man sieht diesem Manne an, daß er die Verantwortlichkeit beffen, was er sagen will, fühlt, daß er aber auch entschlossen m, sie ganz und voll zu tragen. Er sagte: Da die jüngsten Ereignisse die Regierung veranlaßt haben, neue Maßregeln gegen den General Boulanger zu ergreifen, so bitte er Ue Kammer, die Interpellation zu verschieben, bis diese Maßregeln bekannt gemacht sein werden. Darauf eilte Eassagnac wieder auf die Tribüne und klagte die Re- stzrung an, Ausflüchte zu gebrauchen. Der Ministerpräsident Re ihm, als er die„Lalle des pas perdus" betrat, auf sein tragen geantwortet, daß er bereit sei, die Jnter- *%ion sofort zu beantworten. Inzwischen habe ihm Wahrscheinlich einer seiner Freunde davon abgcrathen und nun behc er sein Versprechen zurück. Der wahre Grund davon sei »er, daß die Regierung sich davor fürchte, die Motive der Absetzung Boulanger's kundzuthun. Der Präsident Floquet er- klärte darauf, daß er den Antrag der Regierung— die Interpellation wahrscheinlich in der nächsten Sitzung zu verhandeln— Abstimmung bringe. Bei dem Worte„wahrscheinlich" brach bie Rechte in schallendes Gelächter aus. Tirard erklärte darauf 'n heftiger Erregung, daß er das Wort„wahrscheinlich" nicht gebraucht habe und daß die Regierung die Interpellation für bie nächste Sitzung annehme. Die Kammer akzcptirte darauf last einstimmig den Antrag der Regierung und die Sitzung wurde auf morgen um 3 Uhr anberaumt. Welche neuen Maß- LZeln kann die Regierung gegen Boulanger ergreifen wollen? H kann kein Zweifel darüber obwalten, sie will ihn nicht aus 5? Nicht-Aktivität in den Ruhestand versetzen. Er soll aufhören, Soldat zu sein. Dazu hat die Regierung das Recht— auch �ehnstuhl gesessen und wollte jetzt aufstehen— aber sie konnte nicht; wie in einander gebrochen sank sie zurück und �or so weiß geworden, wie ihre Gardinen. , Witte indessen, den Kohlenstaub und die Arbeit nicht Jätend, sprang fast jubelnd in die kleine Höhlung Mein, und die Gegenstände von dort herauf gegen Licht werfend, rief er:„Da, sehen Sie- Heiland Welt, was sich der Schuft hier für eine ordentliche Schatzkammer von Waaren angelegt hat— silberne Löffel I11 Masse— bei Gott, da ist der Deckel von meiner Zucker- !.°se und hier die Schalen— Seidenzeug, Meerschaum- >f°, alte, kostbare Goldsachen— sehen Sie nur den �«chthum!" ..«Herr Staatsanwalt," schrie da der Kommissar er- treckt,„dabei sind Sachen, die dem alten Salomon gehört 9abr" den!"' (Fortsetzung folgt.) WDSN mmsm mmmm ohne einen Kriegsrath zu berufen— da Boulanger über 32 Jahre im Dienste ist. Aber die Maßregel ist sehr ungewöhn- lich. Ja. es ist ohne Beispiel, daß ein General durch Dekret des Präsidenten der Republik, ohne daß ein Kriegsrath seiner Standesgenoffen ihn verurtheilt hat, dieser härtesten Strafe unterworfen wird. Ungewöhnlich schwer wiegende Gründe müssen deshalb auch dem Ministerium zu Gebote stehen. Das- selbe hat in dieser Angelegenheit mit einer verblüffenden Energie gehandelt. Wenn diese Regierung keine anderen Spuren zurück- ließe, als die Absetzung dieses Generals, so wird man sie sobald nicht vergessen. Rußland. Vor einiger Zeit gingen durch verschiedene Blätter mit mehr oder weniger Bestimmtheit auftretende Andeutungen über die Absichten der russischen Regierung, die Polen durch Zugeständ- nisse zu gewinnen, um der Gefahr vorzubeugen, daß sie in einem Kriege zwischen Rußland und Oesterreich für letzteres Partei er- greifen könnten. Die betreffenden Mittheilungen hat die rufst- sche Regierung iür so wichtig angesehen, daß sie dieselben im „Warschawsky Dnjewnik" in Abrede zu stellen für geboten hält. Dieses Warschauer Blatt dient im ersten Theil als amtliches Publikationsorgan, im zweiten als offiziöses Sprachrohr, und in diesem letzteren schreibt es: Das russische Reich schließt keine Kompromisse mit den Völkern ab, welche seinem Verbände angehören. Dies entspreche weder seiner Geschichte, noch seiner Natur. Eine sogenannte Verständigung mit den Polen wie das Ding in publizistischen Organen genannt wird, habe für Rußland nicht den mindesten Werth. Air der scharf ausgeprägten und unerschütterlichen Politik Rußlands gegenüber den Polen werde nichts geändert werden. Die Hoffnungen der Polen auf den wcstländischcn Konstilutio- nalismus und auf das katholische Lateinerthum seien illusorisch. Für die Polen gebe es nur einen Weg, das sei eine vollständige Jdentifizirung der polnischen Interessen mit den Interessen des russischen Reiches. Aus Petersburg, 17. März, wird„Reuter's Büreau" ge- meldet: Ein in einer geheimen Druckerei hergestelltes Pamphlet ist dieser Tage bekannten russischen und fremden Persönlichkeiten zugestellt worden, wahrscheinlich auch dem Zaren. Die Flug- schrift ist ausgezeichnet abgefaßt, verdammt in gemäßigten Aus- drücken die russische Rcaktionspolitik und sagt innere Katasttophen voraus. Die Polizei ist bemüht, die geheime Druckerei, welcher diese Schrift entstammt, aufzuspüren. Großbritanui-«. Die Voraussage der Oppositionsführer, daß das Unionisten- bündniß Sprünge und Risse bekommen würde, sobald die Re- aierung und die Parteien Stellung zu gesetzgeberischen Reu- schöpfungen zu nehmen hätten, hat sich schnell bewahrheitet. Selbst die liberal-unionistischen Parlamentsmitglieder haben sich nicht zu einer Meinung und einem gemeinsamen Vorgehen einigen können, als in ihrer vorgestrigen Versammlung die Frage zur Erledigung gebracht werden sollte, wie sich die Partei zu der von Parnell vorgeschlagenen Abhilfe der aus rückständigen Pachtzinsen erwachsenen Mißstände in Irland stellen solle. Die meisten Pächterexmisfionen, welche in der nächsten Zeit in Jr- land bevorstehen, werden durch die Unfähigkeit der Pächter ver« anlaßt, nicht die gegenwärtigen Pachtzinse, sondern die aus früheren Jahren angehäuften Rückstände zu zahlen. Bereits im vorigen Jahre wollte Parnell eine erhebliche Herabsetzung und im Uebrigen eine Stundung der Rückstände durchsetzen, sein Entwurf scheiterte jedoch an dem Widerstande der Regierung. Die Folge war eine Zunahme der Exmissionen, was wiederum zu dem von Dillon und O'Bnen befürwor- teten Auskunstsmittel des sogenannten Feldzugsplanes führte. Jetzt hat Parnell einen gleichen Antrag wie im Vorjahre ange- kündigt und gleichzeitig hat der liberale Unionist Ruffell, selbst ein Jrländer aus Ulster, einen ähnlichen Vorschlag gemacht. Da Parnellls Antrag eher auf die Tagesordnung gesetzt ist, als der Ruffell's, so hat dieser im Einvernehmen mit Gefinnungs- genossen beschlossen, für den Parnell'schen Antrag einzutreten. Diese Angelegenheit sollte in der voraestrigen Versammlung be- sprachen werden, um womöglich ein Einvernehmen aller liberalen Unionisten zu erzielen. Es stellte sich indeß im Laufe der Be- sprechung heraus, daß dort nicht weniger als drei ganz ver- schiedene Standpuntte ihre Vertretung fanden. Der Marquis von Hartington und eine Anzahl anderer whiagistischer Groß- grundbcsttzcr erklärten, daß ein abermaliger Eingriff in das Pachtveihältniß in Irland überhaupt schädlich sei; min- destens müsse er auf ein geringfügiges Maß ein- geschränkt werden. Unter den Vertretern der Berück- sichtigung der Pächterbeschwerden machten sich ferner zwei verschiedene Auffassungen geltend. Russell, gestützt auf seine irische Erfahrung, stellte sich ganz auf den Stand- punkt der Parnelliten und führte als Beweis für die Roth- wendigkeit entschiedenen Eingreifens an, daß bereits 5000 Exmissionen in Irland angekündigt seien. Chamberlain beharrte gleichfalls auf seinem früher bereits geltend gemachten Vor- schlage, die Schwierigkeiten dadurch zu bewältigen, daß die Pachtzinsrückstände ebenso wie andere Schulden behandelt würden, und deshalb zahlungsunfähige Pächter das Recht er- Schnee zu beten. Die Zivil- und Militärbehörden der Stadt von den obersten bis zu den untersten Beamten, werden sich deshalb jeden Morgen in der Frühe nach dem Kuan-ti-Tempcl in Tientstn begeben und ihre Gebete bis 3 Uhr Nachmittags fortsetzen. Das werden sie, pon heute an gerechnet, drei Tage thun, außerdem strenge fasten und auch nicht öffentliches Schlachten von Vieh gestatten. Es ist sicher, daß so viel Auf- richtiakeit und Hingebung von Seiten der regierenden Klasse das Herz des Himmels bewegen und die Erwartungen des Volkes erfüllen wird."— Wenn sich die Zopfträger nur nicht unnütz mit ihren Gebeten quälen. Da« Aationalgetriink der Japanesen ist der Sake oder das Reisbier. Es gehört sogar im Reiche des Mikado zu den„Anstandsgebräuchen", bei besonderen Gelegenheiten eine vorgeschriebene Quantität Sake zu stinken. Die Sakebrauereicn arbeiten nur von Anfang Rovemder bis Ende Febmar, da eine niedere Luftwärme erforderlich ist. Reisbier soll in Japan schon seit 2600 Jahren fabrizirt worden sein, und es wird berichtet, daß im Jahre 400 vor unserer Zeitrechnung Reisbierbrauer aus China kamen und das verbesserte chinesische Verfahren einführten. Eigentliche Brauereien wurden indessen erst vor 300 Jahren und zwar in Osaka errichtet, wo noch jetzt der beste Sake gebraut wird. Bis dahin wurde das Gebräu in geringeren Mengen her- gestellt und seine Fabrikation war„Privatangelegenheit" der Hausfrau. Heute werden sieben bis neun Prozent der ganzen Reisernte in Japan zu Sake verwandt. Im Jahre 1874 betrug die jährliche Produktion bereits 6 745 798 hl und der Berbrauch 20% 1 pro Kopf. Seitdem sind diese Ziffern mit jedem Jahre gesttegen. Die Steuer auf das gegohrene Gestänk, die 1875 schon 322616 Pfd. Sterll betrug, belief sich 1885 auf zirka % Mill. Pfd. Stert. Es giedt fünf Sorten Sake. Der Fabri- kant zahlt jährlich 2 Pfd. vterl. auf jede Sorte für die Befug- niß, sie anzufertigen, außerdem 10 pCt. von seinem gesammtcn Verkaufseinkommen. Die Konzession des Kleinhändlers kostet 1 Pfd. Stert, jährlich. Die Sakebrauer und Verkäufer werden durchweg wohlhabende Leute, und mit ziemlicher Sicherheit kann man annehmen, daß jedes große, hohe und gut gebaust Haus, das auf einem umschlossenen Grundstück steht und einigen Wohl- stand verräth, in den Dörfern des Inneren stets einem Sake- drauer gehört. Ein aushängender Reisigbüschel— vom dürren Fichtenzweige bis zum grünen Wedel aus Tannenzweigen— deutet sowohl auf die Anfertigung wie auf den Aus« schank des Sake. Das ganze Verfahren beim Sakebrau erfordert vierzig Tage. Dem Geschmacke nach muß das Reisbier fünf bestimmte Eigenschaften befitzen. Es muß süß, scharf, sauer, halten sollten, für ihre sämmtlichen Verpflichtungen auf Grund der Bankerottgesetze eine Begleichung erzielen zu können. Dem-- gegenüber machte Ruffel darauf aufmerksam, daß die Pächstr selbst, als dieser Vorschlag früher gemacht wurde, den ent- schiedensten Widerspruch erhoben hätten, da zwischen den Pacht- rückständen und sonstigen Schulden der wesentliche Unterschied bestehe, daß erstere einer ungerechtfertigt hohen Veranlagung des Gmndrentenwerthes entstammten. Seine Auffassung fand Zustimmung bei etwa einem halben Duyend anderer Radikalen, so daß es unmöglich war, eine Einigung der Versammlung herbeizuführen, obgleich Hartington in seinen Schlußworten erklärte, trotz seiner grundsätzlichen Be- denken sich dem Chamberlain'schen Vorschlage anschließen zu wollen. Es blieb deshalb nichts übrig, als die Abstimmung über Parnell's Anstag den Mitgliedern offen zu lassen. Wie es heißt, beabsichtigt die Regierung, um einen größeren Abfall der liberalen Unionisten zu vermeiden, einen Chamberlains Vor- schlügen entsprechenden Antrag einzubringen. Da das Ruffel und andere Radikale nicht bewegen kann, von ihrem jetzt ein- genommenen Standpunkt zurückzutreten, so wird diese erste Reformfrage bereits im Parlamente eine Absplitterung radikaler Elemente von dem Unionistenbunde herbeisühren. Wie ernst der Fall im Regierungslager angesehen wird, geht aus einer Betrachtung des konservativen Hauptblattes, des„Standard", hervor, die mit der Ermahnung schließt:„Wst wünschen es denjenigen liberalen Unionisten, die die Sachen aufs äußerste treiben wollen, zu Gemüthe zu führen, daß sie eine sehr gcfähr« liche Haltung einnehmen. Wenn die Aufrechterhaltung des unionistischen Verstages solch' geringfügiger Sachen halber aufs Spiel gesetzt werden soll, so müssen sie sich daraus gefaßt machen, die Folgen zu tragen." Mereiue und Uersammlnnge«. Der Fachnerein der Stnckatenre tagte am Montag, den 19. März, im Lokale des Herrn Ksinski, Fischcrsstaße 10. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Lehrers der Naturheilmethode Henn Sperling über„epidemische Volkskrank- heiten". Redner wies nach, daß den epidemischen Krankheiten eine„geistige Epidemie" vorangehe. Je unentwickelter ein Volk in geistiger Beziehung sei, desto weniger vermag es die Ursachen der epidemischen Krankheiten sich zu erklären, sondern hält die» selben für eine übematürliche Erscheinung. Redner führte als Beweis verschiedene Beispiele aus dem Kulturzustande astikani- scher und astatischer Völker an. Das Auftreten epidemischer Krankheiten in Europa wie die Pest und Cholera geschah aus den gleichen Ursachen, indem durch pfäffische Lehren die Pflege des Körpers vernachlässigt wurde. Je wissenschaftlicher ein Volk gebildet und je besser es in seinen sozialen Einrichtungen da- steht, desto leichter könne es epidemischen Krankheiten begegnen. Durchaus nothwendig sei daher die Förderung der Naturwissenschaften und Besserung der sozialen Verhältnisse, durch welche selbst der einzelne in die Lage versetzt wird, durch gesunde Woh- nung, angemessene Nahrung und Reinlichkeit des Körpers(ins- besondere Baden) sich gegen Krankheiten schützen zu können. Nach lebhafter Diskussion über den Vortrag, sowie Erledigung fachgewerblicher Angelegenheiten, theiltc der Vorsitzende mit, daß die Versammlung am 2. April ausfällt und die nächste General» Versammlung am 16. April stattfindet, in welcher die Neuwahl des Vorstandes erfolgen soll. Drr Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampfarmaturen hielt am 17. d. M. Beuthsstaße 22 seine Mitgliederversammlung ab. Herr Gottfried Schulz hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über„die Steig, mg der Metallpreise, ihre Ursache und Wirkung." Referent führst etwa folgendes aus: Durch das Zusammenthun der Börsen- spekulanten wäre seit Oktober v. I. das Kupfer um 90 Prozent im Preise gestiegen. Hierzu hätte Rothschild sein Möglichstes aethan, denn sämmtliche Kupferminen wurden von ihm mit Beschlag belegt; so kaufte er 4600 Tonnen,& Tonne 45 Pfo. Sterling, mit einmal auf: die Folge war, daß das Kupfer in kurzer Zeit bis auf 76% Pfd. Sterling stieg, so daß Rothschild in kurzer Zeit ein Verdienst von rund 20 Millionen hatte. Redner kam nun auf den kleinen Betrieb zu sprechen. Da ver- schiedene Geschäfte kontraktlich abgeschlossen hätten mit den billigen Metallpreisen, so wäre der Druck auf den Arbeiter noch nicht so sehr ausgeübt worden. Verschiedene Fabrikanten wären schon 25 Prozent mit ihren Preisen in die Höhe gegangen. Redner empfahl, fest gegliederte Korporationen zu bilden, um so den Fabrikanten, wenn sie in nächster Zeit mit Lohnabzügen kommen würden, was ja nicht ausbleiben würde, einen Damm entgegenzusetzen. Der größte Druck würde ja leider immer auf den Arbeiter ausgeübt. Referent kam nun auf die Arbeiter der Kupferminen von Rigo Tinto zu sprechen, welche noch viel zu anspruchslos wären; sie kennen absolut nichts anderes, als ihre schwere Bergwerksarbeit. Da nun die KapUalfften die Preise der Metalle nach Wunsch in die Höhe geschraubt hätten, so wären endlich auch die anspruchslosen Ar- bctter dazu veranlaßt worden, höhere Löhne zu verlangen. Man habe sie jedoch mit Gewalt zur Arbeit getrieben; die Minenbefitzer riefen die Hilfe der Regierung an, welche ihnen bitter und zusammenziehend zugleich schmecken und dabei den Geruch von Fuselöl haben. Es enthält nicht weniger als 11—17 Prozent Alkohol. Manche europäische Chemiker halst« es mckt nur für schal und ekelhaft, sondern auch für ungesund. „ Trannng. Am 21. v. Mts. zwischen 6 und ? Uhr. Abends, erzahlt die„Odessaer Ztg.", sollte in der fSretenskaia-Kirchc auf dem Neuen Bazar zwischen einem jungen .archen das Band der Ehe geschlossen werden. Zur bestimmten ett erschien das Pärchen vor dem Altar in voller Gala, mit allen dazu gehörigen Brautführern, Verwandten und Be- kannten. Freudig bewegt flüstern sich die Liebenden Zärtlich- leiten m die Ohren, mit Ungeduld die Ankunft des Priesters erwartend, der ihren langgehegten Wunsch endlich verwirklichen sollte. Da plötzlich stürzt sich ein kleiner Kobold in Weibes- aestlüt mit fliegenden Haaren herein, reißt der Braut den Schleier berab. streicht dem Bräutigam einige Male mit dem zarten Handchen ziemlich unsanft Ubers Gesicht, schleppt ihn am Kragen zur Kirche hinaus, wobei sie noch die am Gange stehenden Krön euchter umwirft, setzt sich mit demselben in einen Wagen und fahrt mit ,hm unter Lachen und Pfeifen der hcrbeigeeitten Gassenlungen davon. Die Braut aber stand noch eine ganze Weile m tiefe Gedanken versunken vor dem Altar und entfernte sich betrübt, als der Geistliche ihr bedeutete, daß er in Ab- Wesenheit des Bräutigams das„goldene Eheband" nicht knüpfen könne. JPf arvkte perjonendampfer der Meli wurde am 15. Marz ,n Glasgow vom Stapel gelassen. Derselbe ist im Dienst der Jnman u. Internationalen Gesellschaft zum Verkehr zwischen Liverpool und New-Nork bestimmt, 580' lang, über 63' breit und 42' tief. 2000 Passagiere können bequemes Unter- kommen auf diesem Riesendampfer finden, der mit allen erdenk- &%%%% wird ,n einigen Monaten von derselben Gesellschaft vom Stapel gelassen werden. ... Nanmgrösse einer Kubikmrile wird vielfach unterschätzt. In Bernsteins naturwissenschafttichen Schriften wirdd-eselbe folgendermaßen geschildert:„Eine Maschine, die m leder Sekunde emen Ziegelstein von einem Kubiksuß Größe anfertigt und m eine Kiste von einer Meile Höhe, Breite und Lange hineinlegt, braucht, um nur den Boden zu füllen, acht» mich gewährt wurde, indem man ihnen sofort ein paar Rcgi- Menter schickte. Statt höhere Löhne bekamen fie Blei in den Rücken, und 45 brave Arbeiter büßten ihr Leben auf solche Art ein. Redner kam auch auf die Lage der Zinnschläger in Fürth zu sprechen. Das Zinn sei ebenfalls um 50 pCt. im Preise ge- stiegen. Die Löhne wurden deshalb so sehr gedrückt, daß ein Aroeiter bei langer Arbeitszeit(über 10 Stunden täglich) mit Frau und Kind bei schwerer Arbeit 11—13 M. pro Woche er- hielt. Redner empfahl, sämmtliche große Unternehmungen nur durch den Staat ausführen zu lassen. Nur so könnte Remedur geschaffen und dem Arbeiter bessere Löhne gesichert werden. In der hierauf folgenden Diskussion bedauerte Herr Erlich, daß trotz des interessanten Bortrages die Versammlung so schwach besucht war: die Gründe wüßte man nicht zu finden. Herr Printz sprach hierauf im Sinne des Referenten. In seinem Schlußworte ersuchte der Referent alle Kollegen, doch recht warm für dre gerechte Sache einzutreten und bei der nächsten Versammlung, welche am 21. April in demselben Lokal stattfindet, reckt zahlreich zu er- scheinen und so viel als möglich für den Verein zu agitircn, getreu dem Wahlspruch:..Einer für Alle und Alle für Einen! — Hierauf berichtete die Vergnügungskommisfion über den nicht stattgefundenen Maskenball. Nach kurzer Debatte beschloß die Versammlung, vorläufig von einem Vergnügen ganz Abstand zu nehmen, bis zu dem Stiftungsfeste des Vereins, welches im Juli d. I. bei Puhlmann, Schönhauser Allee, stattfindet. Auch wurde die Einziehung der Billets von dem nicht stattgefun- denen Maskenball beschlossen. Zum Schluß wurden noch mehrere innere Angelegenheiten geregelt und die eingelaufenen Fragen beantwortet. Iserlohn, 19. März. Im Verein zur Wahrung der In- tereffen der Gelb- und Eisengießer Iserlohns hielt gestern Abend Herr Alwin Körsten aus Berlin einen Vortrag über Heinrich Heine. In einstündiger Rede verbreitete sich der Vor- tragende über Heine's Leben und dessen Werke, deren An- schaffung er den Arbeitern dringend empfahl. Heine sei einer der Wenigen gewesen, welcher voll und ganz für die Unter- drückten, die Juden sowohl wie die arbeitende Klasse, einge- treten sei. Daß mancher Klaffe das, was Heine geschrieben, nicht gefalle, sei sehr erklärlich, denn er habe für die Arbeiter geschneben.„Und", schloß der Redner seinen Vortrag,„es muß in Erstaunen setzen, daß es Leute geben kann, welche sich de- mühen, daS Andenken an Heine zu beschmutzen. ES ist dieS Seschehen seitens des Hofpredigers Stöcker in Berlin. Nun, das t klar, ein Dichter, der für alles, auch für uns, Interesse hat, wie kann der von einem Stöcker verstanden werden. Herr Stöcker hat die Aeußerung gethan, wenn man Heine ein Denk- mal setze, so wäre das eine Schandsäule für das Deutschthum. Ich bin der Meinung, daß, wenn man je dem Herrn Stöcker ein Denkmal setze, so wäre das eine Schandsäule für das ge- sammte Ehristenthum. Studiren Sie die Werke Heine's und Sie werden finden, daß er nur deshalb von Stöcker so gehaßt wird, weil er ein Jude war. Hat Stöcker nur Haß für Heine, so haben wir für unseren Dichter ein ehrendes Andenken." Die Versammlung, welche dem Redner wiederholt, namentlich zum Schlüsse seines Vortrages, lebhaften Beifall spendete, war sehr zahlreich besucht. Potheilich nicht genehmigt wurde eine zu Dienstag, den 20. März, beabsichtigte Volksversammlung im Konzcrthause „Sanssouci", Kottbuserstraße 4a, in welcher der Reichstagsabge- ordnete Singer über das Thema:„Die Sozialdemokratie und die polittschen Parteien im Deutschen Reichstage", sprechen sollte. Fachvorein der Kteindrncker«nd Lithographen. Heute, Donnerstag, Abends 8t Uhr, Vereinsversammlung' bei Gratweil, Kommandantenstr. 77—79. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Wurm über„Die Erhaltung der Sehkraft. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste will« kommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der unent- geltliche Arbeitsnachweis des Vereins befindet sich bei Scheiden- reich, Elifabethufer 42. Sprechst. Abends von 7 Uhr ab. Fachverein der Fithographiesteinschleifer und Berufs- genossen. Versammlung heute, Donnerstag, Abends 9 Uhr, in tzenkel's Bicrhaus, Brüderstr. 26. Tagesordnung: Reuwahl des ersten Schriftführers. Innere Vcreinsangelegenheiten. Gäste find willkommen. Merei« zur Wahrung der Interesise» der Klavierarbeite». Der Wiener Maskenball des Vereins findet am Sonnabend, den 24. d. M., in der Philharmonie, Bernburger- sttaße 22a— 23, statt. Diejenigen, welche noch Billets übrig haben, werden gebeten, dieselben bis Freitag Abend zurück zu geben, andernfalls fie als verkauft betrachtet werden. «effrntliche Kersammlung d«» Kiltenmacher Krrlwo und Umgegend am Sonnabend, den 24. März, Abends 8 Uhr, im Restaurant Deigmüller, Alle Jakobstt. 48a. Tagesordnung: Diskussion über die Lage der Berliner Kistenfabrikation. Ua zahlreiche Betheiligung wird gebeten. Gesang-, Turn-«nd gesellige Kereine etr. am Donnerstag. Männcwesangverein„Lätitia" Abends 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Vcteranenstr. 19.— Gesangverein„Bretzel» schluß" Abends 8t Uhr im Restaurant Schumann, Alte Jakob« sttaße 38.— Männergesangverein„Nordstern" Abends 9 Uhr im Restaurant Jacob, Lindowerstt. 26.— Schäfer'scher Gesangverein„der Elfer", Abends 9Uhr bei Wolf u. Krüger, Skalitzer» sttaße 126, Gesang.— Gesangverein„Blüthenkranz" Abends 9 Uhr im Restaurant Wasserthorsttaße 54.—„Freva", Gesangverein der freireligiösen Gemeinde, Abends 8* Uhr Neue Friedrichstraße 35, Saal 3.— Männergesangverein „Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rofe, Sttaußberger- straße 3.— Turnverein„Hasenhaide"(Lehrlings- Ab« theilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstraße 60—61. —„Berliner Turngenossenschaft"(7. Lehrlings-Ab-thei» lung) Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Britzersttaße 17—18;— desgl. 6. Männer- Abtheilung Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Gubener- straße 51.— Lübeck'scher Turnverein(Männer- Abtheilung) Abends 8 Uhr Elisabethstraße 57 58.— Allg. Arends'scher Stenographenverein, Abth.„Louisenstadt", Abends 3t Uhr im Restaurant Preuß, Oranienstraße 51.— Arends'scher Stcno- graphenverein„Phalanx" Abends 8t Uhr im Restaurant„Zum Buckower Garten", Buckowersttaße 9.— Berliner Stenographen-Verein(System Arends) Abends 8t Uhr Mohren« straße 47(Brandenburger Haus).— Stolze'scher Stenographen-Verein„Nord-Berlin" Abends 9 Uhr Schlegclstraße 44. — Verein der Naturfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Wienersttaße 35.— Rauchklub„Kemspitze" Abends 8t Uhr im Restaurant, Holzmarktstraße 44. Rauchtlub„Arcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forstersttaße, Ecke der Reichenbergcr« straße.— Rauchllub„Dezimalwaage" Abends 8t Uhr im Restaurant, Memelersttaße 82.— Rauchklub„Vorwärts" Abends 9 Uhr bei Herrn Tempel, Restaurant„Zum Ambos", Bres- lauerstraße 27.—„Orientalischer Rauchklub" Abends 9 Uhr im Restaurant Wiechert, Oranienstraße 8. Theater. Donnerstag, den 22. März. Gp$*#«**. Geschlossen. Kch t»fpielh««». Geschlossen. 9»« fGw Theate». Prinz Friedrich von Homburg. MhUm«- Theater. Geschlossen. L»»t»«t-Tl»eate». Die Himmelsleiter. 4»t»torfab- Wilhelmstäd tische» Theater. Die 7 Schwaben. Ktttorta-Ttzettter. Die Reise um die Welt in 80 Tagen. Wft«»>-Ttz»«ter. Die Waise aus Lowood. T»ft»«»»-Theater. Francillon. !»»t»aUt«»c--Theater. Die Fledermaus. MmUmtln-Theater. Der Herrgottschnitzer von Ammergau. &»«»ta«»-Ccheiiter. Spezialitäten-Vorstellung. Uari«t«. stellung. O-alwrdia- Theater. stellung. <%%»«*»» der Keichshallr». Vorstellung. Spezialitäten- Vor- Spezifitäten- Vor- Spezialitäten- BwlinM- Stadt Theater ival'nertheatersttaße 15. Donnerstag: Kr«ep,f«r Hro. Hugo Hummel Einmalige» Gastspiel de» Frl. Ida feUiler PhMppwe Metjer. Vaterländisches Schauspiet in 5 Alten von O. v. Redwitz. Bor und nach der Vorstellung im Tunnel: Grosses Konzert von Eheodo» Franke. Anfang der Vorstellung 7t Uhr. 610] Eh enerklärung. Die Beleidigung, welche ich gegen Frau Kügom bei Nelson». Co. ausgesprochen habe, nehme ich hiermit zurück und erkläre meine Aeuße- rung für Unwahrheit. Frau Fiedler. C. Wildberger Tapezierer«ud Dekorateur BERLIN S, Kommandantenstr. 60, empfiehlt sich zur Anfertigung von Polster-«. Dekorattonsarbeiten in der einfachsten bis zur elegantesten Ausführung, sowie zum Zlm- polstern w. und Neuarrangiren von Gardinen unter Zusicherung solid. Arbeit bei bill. Preisen. Z�lerhaste Teppiche! Nach beenoeler Inventur auch an Private. Panama-Sopha- Teppiche. 2 Meter groß, Stück 4,50 M. 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In dri» Augenblick, als ein Beamter in Zivil einen der Verhafteten barsch anfuhr und denselben bei der Brust gepackt durchrüttelt� fiel aus der umstehenden Menschenmenge der Ruf:„Das# ja eine Flegelei von Ihnen, den Mann so anzufassen l""T Als denjenigen, welcher diesen Ruf ausgestoßen, hatte der Amts« diener Tauschet den Schuhmachermeister Schröder dezeichnet rurn dieser war daraufhin auf Grund der Aussage des Beamten wegen Beleidigung zu zwanzig Mark Geldbuße eventue» vier Tagen Gefängniß vom Schöffengericht II Berlin verutthew worden.— Der bisher völlig unbescholtene Schröder legte gegen dieses Utthell mit Erfolg vor der Strafkammer Lano gerichts II Berufung ein. Er hatte den Einwand erhoben, da» er mit seiner Familie, Frau und Kindern, in einem Gattem lokal fich befand, als er auf der Dottstraße Lärm gchött uiw sich nun zu der angesammelten Menschenmenge gesellte, deren Mitte der Ruf erscholl. Er selbst habe diesen Ruf nnb ausgestoßen, als derselbe aber ertönte, sei der Amtsdrnl� Tauschet auf ihn zugesprungen, habe ihn, einen schwächlichen Mann, ohne weiteres geschüttelt und beim Vorwättsschieb� gegen einen Zaun gestoßen. Als dies geschah, habe er au-s' Vings gerufen:„Ich verbitte mir solche Flegelei!" FreiweU!i habe er fich erboten, zum Amtsbureau mitzugehen. Daß Taul«. übrigens Beamter sei, habe er nicht wissen können, gesagt%, ihm derselbe, der in Zivil gekleidet war, nichts hiervon.-3, Befragen des Herrn Vorfitzenden, Landgerichtsrath Herzog,»?,. Tausche!, als Zeuge vernommen, zu, daß er es nicht für«om� befunden, fich als Beamter dem Angeklagten gegenüber zu tw timiren; der Angeklagte mußte aber, well er, T., fichin BegleitU'w des uniformirten Gendarm Vogler befand, daraus erkennen, daß « Beamter sei. Daß Schröder„Flegelei" gesagt, behauptete T., dagegen bestritt er seinerseits, den Schröder gestoßen zu haben, «dwohl der Gendarm Vogler bezüglich dieser beiden letzten e wesentlich anderes bekundete zum Nachtheil des Zeugen chel. Dieser ließ fich vor Gericht verleiten, gegen einen von dem Angeklagten vorgeschlagenen Entlastungszeugen, öbel- wrbler Schädel! den Vorwurf der Lüge zu erheben, was ihm nne Rüge Seitens des Herrn Vorsitzenden zuzog.— Sckädell, welcher mit seinen 5 Kindern in einem Lokal unweit des That- vrtes zur kritischen Zeit beim Familienkaffeekochen sich befand, bekundete vor der Strafkammer, daß er gesehen, daß ein Herr mit schwarzem Bart(Tausche!) den Schröder, einen kleinen hmn, vor fich herstieß und gegen einen Zaun warf; wie„ein lunö Flicken", meint Zeuge, habe Schröder bald im Sande, der Amtsdiener habe ihm zu- !"— Ein anderer Zeuge, der .—................--------- ziemlich dasselbe und fügte noch hinzu, daß er Angesichts solcher Vorgänge fich genöthigt gesehen, «ms seiner Reserve heraus zu treten und dem Beamten zuzurufen: »Horm Sie mal! Das ist keine Art, Leute'u behandeln; lassen Sie sich Instruktionen geben k. jc.— An der Hand dieses Ergeb« Visses der Beweisaufnahme war es dem Vertheidiger ein Leichtes, «s erstergangene Urtheil zu erschüttern; die Ausführungen des «ertheidigers zielten dahin, daß bezüglich der Beamtenbeleidigung «shalb Freisprechung erfolgen müsse, weil Sch. keine Kenntniß von der Beamtcnqualität des Tausche! gehabt, der übrigens seine Befugnisse weit überschritten habe. Zum Schlüsse verwies der Bertheidigcr darauf, daß sein Klient stets und ständig Mitglied «nrs konservativen Vereins, also ein Mann sei, von dem man sich solcher That nicht versehen könne. Der Gcrichthof war zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Amtsdiener Tausche! gegen den Angeklagten in einer Weise aufgetreten, welche zum min- destm nicht gerechtfertigt sei. Mit dieser Sentenz ward das Ichöffengerichtliche Urtheil aufgehoben und die Strafkammer er- kannte auf Freisprechung. Die Kosten fielen der Staatskasse vuheim. Ei« rathfelhafter Diebstahlsfall beschäftigte die 89. Ab »Heilung des Berliner Schöffengerichts. Der Kommissionär Neu Mann und die 5?andelsfrau Wilhelmine Kerskow hatten den Beikauf eines Restaurationsgeschäfts vermittelt und dabei je eine Provifion von 150 M. verdient. Am Nachmittage des 30. November v. I. war der Verkauf zum Abschluß gelangt und die brdungme Anzahlung an den Verkäufer geleistet, der seinerseits wr Neumann die demselben zustehende Provision von 150 M. w Banknoten und Papiergeld zahlte, während der Käufer die ffrau Kcrkow bezüglich der ihr zustehenden Provifion noch auf ttnige Tage veri röstete. Neumann hatte das empfangene Geld w sein Portemonnaie gesteckt. Nach Erledigung der Formalitäten wurde seitens der bethciligten Personen und einiger anwesenden Iäste das abgeschlossene Geschält in üblicher Weise gefeiert. Plötzlich erklärt Neumann, daß sein Portemonnaie mit den kj>0 M. verschwunden sei, welche Mittheilung selbstverständlich allgemeine Bestürzung hervorrief. Man einigte fich, einen Schutzmann herbeizuholen und durch denselben eine Leibes- wfitation der sämmtlichcn Anwesenden vorzunehmen. Dieselbe aKolgte, ergab aber ein negatives Resultat. Kurze Zeit darauf Siff ein nur unter dem Namen„Der Trompeter" bekannter ast in die Haare der Frau Kcrkow und zog aus denselben ttuen Fünfmarkschein hervor, gleichzeitig will er der Tasche der ffrau K. das Portemonnaie mrt dem übrigen vermißten Inhalt entnommen haben. Frau K. betheucrte, nichts davon zu wissen, wie das Portemonnaie in ihre Tasche gekommen sei: man glaubte ihr aber nicht, sondern brachte sie nach dem Polizei- vureau, wo sie, um ihrer Festnahme zu-mtgeben, den ihr zur M gelegten Diebstahl einräumte. Im Termin vor dem Schöffengericht nabm sie das Geständniß zurück und bezichtigte inzwischen verschwundenen, übrigens vielfach vorbestraften »irompeter". Der Staatsanwalt beantragte vier Wochen Ge- wtgniß; es gelang aber den Ausführungen des Rechts- Jtolts Freudenthal, die Freisprechung der Angeklagten herbei Eihren. ß. Ein Doppelmord an»— Aberglauben. Vor dem �wurgericht m Oldenburg wurde heute, wie uns von dort Merm 17. d. Mts. geschrieben wird, der mehrfach erwähnte »tordvrozeß gegen den Arbeiter H. Bliefernicht aus Sage nach «reilägiger Verhandlung zu Ende geführt. Ter Prozeß ist des- «lb von höchstem Interesse, weil die muthmaßliche Ursache des Verbrechens eine so seltene ist, daß fie in der zweiten Hälfte «es 19. Jahrhunderts wohl einzig dasteht. Dem Prozeß liegt folgender Sachverhalt zu Grunde. Im Dorfe Sage wohnt die «mnilie Bahi S, bestehend aus den Eheleuten und zwei Mädchen von 6 und 7 Jahren, nur durch zwei Weideplätze, die mit hohen dämmen umgeben find, von der Familie des 40jährigen Bahn- swbeiters Bliefernicht getrennt. Am 2. September v. I. weideten beiden Bahrs'schen Mädchen Kühe auf den Weideplätzen, der angeklagte von der früher beendeten Arbeit seinem Jtouse zueilte, das er verschlossen und leer vorfand; seine Familie 2°* ins benachbarte Dorf zur Scdansfeier gegangen. «ndere Leute wohnen nicht in nächster Nähe, ebenso �nrg sind an dem Nachmittag fremde Personen dort gesehen .worden. Gegen G; Ubr Abends rief die besorgte Frau Babrs Wut über den Kamp ihre Kinder an, so daß Bliefernicht, der 'Ugeblich in seinem Hause war, diese Rufe hören mußte. Nur «nes der Mädchen antwortete, und die Mutter gab fich damit Flieden. In der Zwischenzeit ist das eine Kind, und, wie zugestellt wurde, erst nach diesem Rufen das andere gctödtet worden. Das früher ermordete Mädchen zeigte nicht nur einen Muw durchschnittenen Hals, sondern auch einen aufgeschlitzten M. so daß Gedärme, Lunge und Leber freilagen. Ein großes Fituck Fleisch aus der Gesaßgegend war„kunstgerecht" heraus- TOrntten und trotz vielen Euchens nirgends zu finden. Die Mden Leichen wurden erst in später Nacht durch herbeigerufene Mtte �s einem anderen Dorfe, denen sich Bliefernicht trotz Überholter Aufforderung auffälliger Weise nicht anschließen vvllte, gesucht und gefunden. Am folgenden Tage entdeckte jwr das Brotmesser des Angeklagten in der Nähe der Mn Leiche. Bliefernicht lenkte zunächst durch sein eigen- Mrnlichcs Benehmen die Aufmerksamkeit auf fich. Einzelne die um einen Knopf seiner Weste hingen, wurden seines hartnäckigen Leugnens wurde der Angeklagte des Doppel- mordes für'chuldig befunden, und das Gerichtsunheil lautete auf Todesstrafe für jeden Einzelfall. Bei und nach der Publi- kation bewahrte der Angeklagte seine stoische Ruhe. Was nun das Motiv des entsetzlichen Verbrechens anlangt, so hatten zwei Zeugen bekundet, Bliefernicht habe zu ihnen geäußert: Wer Fleisch von jungen unschuldigen Mädchen genieße, könne Alles auf der Welt thun thun, ohne daß Jemand vermöge, ihn zurVerant- wortung zu ziehen!! Der eine Sachverständige gab daher seine Anficht dahin ab, daß jener Doppelmord aus Aber- glaube geschehen sei. Strecke gemacht Dalle Kleine Witihei lun gen. e a. K., J9. März. Ein erschütternder Ui Unglücksfall das rechtsseitige Geleise verschoben und dadurch die Bruck-Pernegg bis Nachmittags eingcleifig fahrbar werden._ Trieft, 17. März.(Spät entdeckter Mord.) Eine grauen» hafte Mordthat wurde hier heute entdeckt. Am 5. Januar d. I. verschwand auf geheimnißvolle Weise der im hiestgen Groß» Handlungshause Jacob Eisner angestellte siebzehnjährige Grimme. Derselbe wurde von dem gegenüber der Elsenbahnstation gcle- gencn Komtoir mit einem Check von 600 fl. in die Kreditan- stalt zum Einkasfiren geschickt. Da der junge Mann jedoch sehr lange ausblieb, wurden Nachforschungen nach demselben ringe» leitet. Grimme hatte den Check, wie ermittelt wurde, einkasfirt und war hierauf spurlos verschwunden. Man befürchtete schon damals ein Unglück. Allein alle Nachforschungen der Polizei blieben vergebens. Heute langte aus Budapest eme telegrapdische Meldung an die hiestge Polizei, daß ein daselbst wegen Crida lonTI 0,6 um oinen»nops lern»-rvenr lN'meii, muiucn I VUUI» VUIU, vc,ruuc>igt unv viele nno ganzuai ein- mmt den Kleidern und einigen Hausgcräthen, demZBrotmesser 1 gestürzt; mehrere Hundert Familien find obdachlos dem Qunacr % Den Gerichtschemiker Dr. Bein nach Berlin gesandt, und Elend ausgesetzt. cjw Nachweise, ob an den Gegenständen Menschenblut vorhanden 15» � lt. f--- w.......* tl-(Tfi WrtAd.. fest .wlotp»'"�besondere, woher die auf den Kleidern des Angel hqs Är.��undenen Haare stammen. Bliefernicht behauptete, her u'v1 �hre von einem acht Tage vorher geschlachteten Huhn »no die Haare entweder von seiner Gattin oder von der A m Ohnmacht gefallenen und von ihm aufgefangenen , Btchri Diese Behauptungen erwiesen fich als falsch. Als tz�veritandlge erschienen in der Verhandlung der Geh. Ober- �etn Ä.rath Tappehorn und der Berliner Gerichtschemiker Dr. hielt qs Nachdem jener über den Sektionsbefund berichtet hatte, Bein zuerst in öffentlicher Sitzung einen zweistündigen V root'n er erläuterte, daß an den 23 Objekten sieben >»>. vuren von Menschen oder Säugethieren stammen, während »leffp, � �eil nur Vogelblut nachzuweisen war. An dem Brot- Sri,' welches die Gerichtsärzte für das wahrscheinliche Mord- hielten, wurde dagegen Säugethierblut festgestellt. Von Blixs�swen wurde bewiesen, daß sie mit denen der Frau oder Vahrs nicht identisch sein können, .°ver mtt denen der einen verstümmetten Leiche. Unter ...... beiden v" Dessen tlichkeit wurden dann von den Kbn.Endigen weitere Belastungsmomente hervorgehoben. ,%Qltc3 f" Aussagen machten. Das Plaidoyer des Oberstaats- �bkeit zum Theil unter Ausschluß der Oeffent- "Nter allernigcr Zulassung des Justizministers statt. Trotz ................. o---- uu vis yicuHc Pvuzci, oag ern oaieivsl wegen Erida kam heute auf der Saale bei dem benachbarten Trotha vor; es Verhafteter die Anzeige gemacht habe, man werde in Trieft Via ettranken drei Arbeiter, indem fie von dem Zugseile eines Kohlen- Valdirivo 15 in einem Zimmer im ersten Stock den Leichnam fohnea n» 0— V------ eines jungen Mannes finden. Eine Kommission begab fich sofort dahin und fand in der That in einem Koffer den Leich- nam. Derselbe wurde als derjenige des jungen Grimme er- kannt; dessen Tod erfolgte durch Erdrosselung. Ueber die That schwebt noch ein unaufgeklärtes Dunkel. Der in Budapest ver- haftete Kaufmann heißt Sinisch; es ist unbekannt, ob er selbst der Thätcr oder, wie andererseits behauptet wird, nur der Mii» wisser des Verbrechens sei. Der ermordete Grimme genoß das vollste Vettrauen; man dachte um so weniger an eine Unter- schlagung, als in seinem Pulte ein ihm anvertrauter Geldbetrag von mehr als 1000 fl. aufgesunden wurde. New-Uark, 17. März.(Schiffs- und Eisenbahnunfälle.) Nach den jetzt vorliegenden Nachrichten über die Schiffsunfälle in Chesapeake-Bai find während des jüngsten Sturmes über 100 Fahrzeuge verunglückt und 40 Personen umgekommen.— Fünf Lokomotiven und ein Schneepflug, welche versuchten, fich einen Weg durch eine Schneeanhäufung auf der Harlcm-Eisen- bahn zu bahnen, wurden zerttümmert, wobei vier Personen gc- tödtet wurden und fünf Verletzungen davontrugen. Sprechsaal. Die Redaktion stellt die Benutzung deS Sprechfaals, soweit Raum dafür abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen ZnteresteS zur Verfügung; fie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identifizirt zu werden. Am 13.-d. Mts. um 11 Uhr Vormittags ging ich in Gc» sellschaft zweier Herren aus meiner Wohnung mit dem Vorhaben weg, meine hier ansässigen zwei Brüder zu besuchen. Wir gingen zu Fuß bis zum Dönhofsplatz und fuhren mit der Pferdebahn bis zur Landsbergerstraße. Während dieser Fahrt hatten wir uns verabredet, gemeinschaftlich die Ruhestätte der Märzgefallenen auf dem Friedhof im Friedrichshain anzusehen. Wir waren bis zum Platz vor dem Landsbergetthor gekommen, ungefähr an der Pserdebahn-Haltestelle der Ringbahn. Es konnte 12'i Uhr sein, da bemerkte ich, daß ungefähr 20 bis 25 Männer aus der Landsbergerstraße kamen und fich bis zur Mitte des Platzes nach dem Friedrichshain zu bewegten. Unter diesen Umständen entstand hier etwas Tumult, worauf fich Schutzleute nnd Publikum ansammelten und von dem Publikum mehrere Mann nach dem Polizei-Revier in der Friedenstraße fistirt wurden. �ch, Schreiber dieses, begab mich unmittelbar darauf, durch ureden meiner beiden Freunde einestheils und andcrntheils aus eigener Ueberzeugung, freiwillig nach dem Polizeirevier als unparteiischer Zeuge behufs meiner Legitimationsaufnahme; jedoch wurde von dem Herrn Polizeibeamten verlangt, daß ich meine Aussage dort zu machen habe, was ich auch gethan hätte, jedoch hatte ich kaum ein paar Worte gesprochen, so trat mir einer von den beiden anwesenden Herren Polizeioffizieren entgegen und erklärte mich für fistirt. Ich wurde darauf von mehreren Schutz- leuten in ein Nebenzimmer föimlich hineingestoßen. Nach sechs Stunden langem Warten wurde ich von einem der anwesenden Beamten behufs meiner Legitimation vernommen, worauf ich bestimmt glaubte, entlassen zu werden, jedoch vergebens! Nach weiteren zwei Stunden von einem der Herren Polizeioffiziere zu Protokoll verhört, verweigerte ich jede Aussage, indem ich erklärte, daß ich mich aus eigenem Antriebe freiwillig als unparteiischen Zeuge gemeldet hätte, und würde meine Aussage, falls eine solchegewünschtwürde, nurvor Gericht machen. Ich wurde bei dem betreffenden Herrn vorstellig, daß ich Frau und Kinder habe und eine eigene Wohnung inne habe; ich bat ihn, mich zu entlassen. Dieses wurde mir jedoch verweigert. Hierauf wurde ich in eine Zelle gesteckt, wo außerdem schon eine Person anwesend war, angeblich wegen Vagabundirens, und wo ein pestialischer Geruch vorherrschte. Außerdem aber wurden nach fünf Mann in dieselbe Zelle ein- gesperrt. Hier in diesem Gestank mußte ich mich ungefähr eine Stunde aufhalten; in der elften Stunde wurde ich mit zehn Mann in einen Polizei-Arrestantenwagen eingesperrt. Nachdem wir eine Weile gefahren, machte der Wagen Halt, es mochte wohl in der Weinstraße sein; hier wurden außerdem noch fieben Personen in ein und denselben Wagen eingepfercht, und nicht lange darauf verspürte ich Ungeziefer auf meinem Leide. Außerdem war ein ekelhafter Geruch in dem Wagen. Nachdem ich auf dem königlichen Polizcipräfidium kommissarisch vernommen war, bei welcher Gelegenheit ich dasselbe zu Protokoll gegeben habe, wie oben angeführt, war ich der Meinung, von da ab auf freien Fuß zu kommen, denn ich bat auch hier den Herrn Beamten um meine Entlassung, da ich Familie hätte und eigene Wohnung besitze. Auch hier wurde meine Bitte abgeschlagen und mußte ick die Nacht hindurch in einer Zelle mit zwei Mann bis Montag Mittag 12 Uhr zubringen, wo mir dann erklärt wurde, daß die Affäre wohl noch unlieb- same Folgen nach fich ziehen würde.— Man könnte wohl daraus schließen, daß ich für meinen guten Willen und in Ausübung meines gutes Rechts in Anklagezustand versetzt werde; nun, derartige Sachen find schon mehr vorgekommen! Zu bewundern war außerdem, daß ich nach meiner politischen Richtung befragt wurde. Als Bürger glaubte ich in meinem guten Rechte zu handeln, indem ich stets bestrebt bin und war, Ruhe und Ord« nung zu wahren und aufrecht zu erhalten, und habe mich stets im Rahmen des Gesetzes auf Grund meines guten Rechts de- wegt, so auch in diesem meinem Handeln am 18. d. M. I. Wilschke, Maurer, Bellealliancesttaße 78 v. pari. Telegraphische Depesche«. (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Sertin, Mittwoch, 21. März. Der Bundesrath hat in seiner heutigen Plenarsitzung den von Abgeordneten eingebrachten Gesetzentwurf betreffend Abänderungen und Ergänzungen der Gewerbeordnung(äußere Heilighaltuna der Sonn- und Fest« tage) den Ausschüssen für.Handel und Verkehr und für Justiz. wesen überwiesen. Der internationale Vertrag zur Unterdrückung des Brauntweinhandels unter den Nordseefischern auf hoher See wird zur Allerhöchsten Ratifikation vorgelegt werden. Der von Abgeordneten eingebrachte Gesetzentwurf betreffend die Eni» schädigung für unschuldig erlittene Strafe wurde dem Ausschüsse für Justizwesen überwiesen. Ueber den Entwurf eines Gesetzes über die unter Aus>chluß der Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichts» Verhandlungen wird in einer der nächsten Sitzungen Beschluß gefaßt werden. Anlangend den Ausschußbericht über den Ein- laß von russischem Roggen zum früheren Zollsatze, wurde aus Billigkeitsrückfichten der Zulassung zu dem früheren Zollsatze stattgegeben. KrrUn, Mittwoch, 21. März. Das Eisenbahnbetriebsamt Berlin theilt mit: Die Verkehrsstörungen auf den Strecke« Ducherow-Stralsund, Ducherow-Usedom, Jatznick-Ueckermünde, kahnes, das fie mittelst Handkahns ans Land bringen wollten, in den Fluß geschleudert wurden. Es war nicht möglich, die Männer zu retten. Durtmttud, 19. März.(In fernen Landen.) Vor mehl reren Jahren wanderte der Bruder eines hiesigen achtbaren Wirths nach Ostindien aus, um bei den holländischen Kolonial- tiuppen Dienste zu nehmen. Statt des erträumten„Glückes" fand der junge Mann aber nur Strapazen, Entbehrungen, Leiden aller Art, und was ja in jedem mörderischen Klima die Regel, ein frühes, trauriges Ende. Sonderbar genug erhielten seine hiesigen Angehörigen nach langer, peinlicher Ungewißheit über das Schicksal des fernen Bruders erst dieser Tage von der niederländischen Regierung die Nachricht, daß derselbe als Soldat in Dyambi(Indien) am 29. Ottober 1885 gestorben sei. Diese Verspätung einer für die Angehörigen so wichtigen bedeutsamen Nachricht um ganze 2, Jahre wirft ein bezeichnen des Licht auf die zarte Fürsorge der ostindischen Koloniah Verwaltung für die in ihren Diensten sich aufreibenden fremden Landeskinver. Dortmund, 19. März.(Erdbeben.) In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag hat hier ein erheblicher Erdstoß statt gefunden, durch welchen Spiegel und Bilder von den Wänden geschleudert wurden. In manchen Gebäuden zeigen fich auch leichte Risse. Derzberg, 19. März.(Opfer der Kälte.) Vor einigen Tagen wurde die bejahrte Botenfrau Richter aus Zahna am Morgen bei dem Dorfe Kiebitz erfroren aufgefunden. Das Thermometer zeigte 10 Grad R. Kälte. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Kromberg, 18. März.(Ueberschwemmung.) Infolge einer am Ausflusse der Brahe in die Weichsel, unterhalb des Dorfes Dtsch.-Fordon vorgekommenen Eisstopfung trat gestern Nachmittag eine Ueberfluthung der bei Langenau, Ezersk, Dtsch.'Fordon jc. belegenen Wiesen und niedrig gelegenen Län dcreien ein. Gegen 5 Uhr war aber auch die Brahe bis hier her nach Bromberg weit über ihre Ufer getreten. Um 5t Uhr betrug der Wasserstand am Unterpegel hier 4,06 Meter, d. h. 2,06 Meter über den Normalwasserstand. Das Steigen des Wassers war so rapide, daß in der Kasemenstraße am linken Braheufer den dort ausstehenden Töpfern ein Theil ihrer Waare fortgeschwemmt wurde. Sämmtliche Keller der in dieser Straße stehenden Häuser find unter Wasser gesetzt. In ein Haus an der Kaiserbrücke, Alexanderstrahe, kam das Wasser so- ar bis in die Wohnstube, so daß die Leute über Hals und topf aus derselben flüchten mußten. Die königliche Magazin Verwaltung, welche in einem Speicher dort Mehl(1200 Säcke) lagern hatte, ließ dasselbe durch schnell herbeigerufene Arbeiter auf die oberen Räume schaffen. Um den Zugang zum Speicher zu erhalten, mußten die Leute erst einen Bretteraufgang her richten. Welchen Schaven das jetzt eingetretene Hochwasser in der Niederung angerichtet, hat noch nicht festgestellt werden können. So viel ist aber bereits ermittett, daß dieThore ander Hafenschleuse bei Dtsch.-Fordon eingedrückt find bezw. stark ge- litten haben. Heute beträgt der Wasserstand am Unterpegel hier 3 Meter, 1 Meter über den?lormalwafferstand. Posen, 19. März.(Nothfignale.) Im Vittoriapark, der gleich den übrigen an dem Hinteren Theile der E chwaldstraße gelegenen Gehöften seit Donnerstag früh vom Wasser bezw. Eise eingeschlossen ist, find Sonntag Abend mehrfach Feuerzeichen, jedenfalls Zeichen der Noth, beobachtet worden. Da der Äa- gistratskahn, welcher den Verkehr vermitteln soll, zur Zeit nur bis zu den unmittelbar hinter dem Thore liegenden Grund- stücken fährt, eine weitere Fahrrinne scheinbar auch nicht hergestellt wird, kann Hilfe nur von Unterwilva aus gebracht werden. Mainz, 18. März.(Unschuldig verurtheilt.) Wie der Ztg." geschrieben wird, ist soeben auf dem hiesigen ericht eine Untersuchung wegen eines vor mehreren Jahren unschuldig Vcrurtheilten anhängig. Vor etwas über 4 Jahren wurden in einer Nachbargemcinde eine Anzahl junger Bäume abgebrochen und es wurde ein in der Gemeinde wohnender Handarbeiter als der Thäter bezeichnet und in Untersuchung ge- zogen; der Angeschuldigte leugnete entschieden, die That de- gangen zu haben, das Gericht erachtete ihn aber für überführt und wurde er zu einer Gefänznißstrafe von 10 Tagen und zu einer Geldentschädigung von 60 M. verurtheilt. Durch em Gerede in dem fraglichen Orte hat es sich nun vor kurzem her- ausgestellt, daß der damals Verurtheilte die That garnicht verübt hat, sondern daß einige Burschen im Uebermuth diesen Frevel begangen haben. Pest, 16. März. In Szathmar ist die Szamos über die Ufer getreten und hat mehrere Straßen und Plätze unter Wasser gesetzt. Viele Häuser find eingestürzt. Die Bewohner find ver- zweifelt, da für die Rettung ihrer Habseligkeiten nichts vorge- sorgt wurde. Im Komitate Szathmar hat das Waffer schreck- liche Verheerungen angerichtet. Mehr als zwanzig Dörfer sind üderfluthet. Die Roth ist schon jetzt sehr groß, viele Häuser find eingestürzt, hunderte von Menschen ohne Obdach. Die Szamos ist fortwährend im Steigen begriffen, die Gefahr wächst mit jeder Minute. Pest, 17. Män. In der Stadt Szatmar find über 400 Häuser durch Wasserfluthen beschädigt und viele find gänzlich ein- ---"- c>----" C* O-.W I i- r r~ L» Krakau,"17. März.(Ein verhütetes Eisenbahnunglück.) In einer der letzten Nächte wurde auf der Weichselbahn ein Attentat auf einen Personenzug versucht. Der oder die Atten- täter rissen die Schienen auf und infolge dessen wäre der Zug ficherlich entgleist, wenn nicht ein 16jähriger Bursche, Namens Pribnsch, die Beschädigung des Geleises rechtzeitig bemertt und den heranbrausenden Zug durch Feuersignale zum Stehen ge- bracht hätte. Nach einer Stunde Verzögerung konnte der Zug weiterfahren. Der junge Mann, welcher hunderte von Personen vor Schaden oder gar vor dem Tode bewahrt hat, erhielt dafür zehn Rubel Belohnung. Wien, 17. Man.(Felsabsturz und Entgleisung auf der Südbahn.) In dem Momente, als die Lokomotive des gestern Abend von Wien abgelassenen Kourierzuges Ztr. 2 die zwischen Bruck und Pernegg befindliche Felslehne vasstrte, erfolgte ein Felssturz, wodurch die Lokomotive sammt Tender, der Konduk- teur- und Postwagen vollständig, der Schlafwagen mit dem vorderen Räderpaare entgleisten und letzterer mir den rechts- seitigen Rädern knapp am inneren Schienensttange des rechts- seitigen Geleises stehen blieb. Von den Paffagieren wurde außer dem Postkondutteur, der eine geringe Verwundung im Gesichte erlitt, Niemand verletzt. Dieselben setzten insgesammt ihre Reise mit dem aus Graz requirirten Kourierzuge nach 4t stündigem Aufenthalte fort. Da durch den Unfall beide Ge- leise verstellt wurden, ist die Aufrechthaltung des Personen- Verkehrs nur mittelst Umsteigens möglich; es wird jedoch Neubrandenbura-Stralsund find behoben. Auf der Rügenbahn, sowie auf der Strecke Usedom-Swinemünde wird der Verkehr vorausstchtlich im Lause des heutigen Tages wieder aufge- nommen. Altona, Mittwoch, 21. März. Die dänischen Eisenbahn- strecken in Jüiland und Mhnen find überall wieder fahr- bar; auf Seeland dagegen unfahrbar mit Ausnahme von Hclstngör-Kopcnhagen-Klampenburg-Vahn und Kallundbourg Holbäck. Hamburg, Mittwoch, 21. März. Nach Bekanntmachung des hiestaen Eisenbahn-Betriebsamts ist der Personen- und Güterverkehr zwischen Hamburg und Hannover wieder aufge- nommen. Sommerfeld, Mittwoch, 21. März. Das kgl. Eisenbahn- Betriebsamt theilt mit, daß in vergangener Nacht infolge Eni- aleisung eines Güterzuges bei Station Frankfurt a. O. die Nachtkurierzüge nach Posen, Thorn und Breslau nur bis Fürsten- walde gelangt find und die Personenzüge nach Breslau mehr- stündige Verspätung erlitten haben. Seit heute 8 Uhr Morgen ist indessen die Strecke wieder fahrbar. Krombrrg, Mittwoch, 21. März. Die Strecke Bromberg- Dirsckau ist wieder in Betrieb. Thor«, Dienstag, 20. März.(Verspätet eingetroffen.) Im Bezirk des diesseitigen Eisenbahnbctriebsamts find gegen- wärtig nur die Strecken Thom-Allenstein und Thorn-Alexan- drowo fahrbar; alle übrigen Strecken sind durch Schneever- wehungen gesperrt. Kreslou, Mittwoch, 21. März. Die Stadtverordneten nahmen gestern die Vorlage des Magistrats, betreffend die Mhmng der Großschifffahrt durch die Stadt Breslau, an und bewilligten mit großer Majorität alle bezüglichen Forderungen. Mismar, Mittwoch, 21. März. Die Stadt Dömitz ist überschwemmt. Das Waffer steht in den Straßen bis U Meter hoch. Die Einwohner flüchteten nach der Zitadelle. Der Post- und Eisenbahnbetrieb ist eingestellt. Ueustrelitz, Dienstag, 20. März. Auf der Neustrelitz- Warnemünder, der Mecklenburgischen Südbabn und der Frie.d- land- Neubrandenburger Bahn ist der Verkehr infolge Schnee- verwchungen eingestellt. Auch auf der Nordbahn find große Verkedrsstörungen vorgekommen. München, Mittwoch, 21. März. Die Abgeordnetenkammer hat den Anträgen des Ausschusses gemäß 532 200 M. zur Aufbesserung der Gehälter katholischer Geistlichen und 261 300 M. zur Aufbesserung der Gehälter protestantischer Geistlichen, sowie 574 500 M. für die Vermehrung der Dienstalterszulagen an die Volksschullehrcr- und Lehrerinnen bewilligt. Haag, Mittwoch, 21. März. Bei der engeren Wahl eines Deputitten zur zweiten Kammer wurde der Sozialist Nieuven- huis in Schoterland mit 1167 von 2203 St. gewählt. Paris» Mittwoch, 21. März. Hundert Mitglieder der Rechten enthielten fich bei der gestrigen Abstimmung über die der Regierung verlangte einfache Tagesordnung ihrer von Stimme. Die Majorität bestand aus 268 Republikanern und 71 Abgeordneten der Rechten. Die Blätter billigen meisten- theils die Abstimmung der Kammer. Dem„Neunzehnten Jahr- hundert" zufolge erklärte der General Boulanger, daß, da er durch keine militärischen Rücksichten mehr zurückgehalten sei, er sich der Wahlagitation seiner Freunde anschließen werde. Marseille, Mittwoch, 21. März. Felix Pyat verweigert«; zu Gunsten Boulangers seine Kandidatur zurückzuziehen. Lissabon, Mittwoch, 21. März. In Öporta brach in dem dortigen Theater Baquet infolge einer Gasexplosion während des letzten Aktes der Vorstellung Feuer aus, durch welches das Theater vollständig zerstört wurde. Bisher find 10 Todte und zahlreiche Verwundete unter den Trümmern aufgefunden worden. N> Kricfllaftr» der RrdaKtto«. Sprechstunden der Redaktion «nr von 1S-1 Uhr Mittags und 7-8 Uhr Atw«>» »e< anfragen bitten wir die Ubonnementi-Quittung beizufügen,»riefltche Antwort wirb nicht ertheilt. f. C. Es war der Todestag seiner vor vier Jahren ver< storbenen Tochter.— Haben Sie denn sonst gar nichts zu thun? A. 888. Die große Ueberschwemmung der Stadt Szegedin durch die Fluthcn der Theiß erfolgte in der Nacht vom 11. zum 12. März 1879. P. H. 1- Nein. K. Wien erste. 39, Der 12. Kommunal-Wahlbezirl besteht aus den Stadtbezirken 104 bis 113; der 13. Kann munal-Wahlbezirk aus den Stadtbezirken 88 bis 94 und der 14. Kommunal-Wahlbezirk aus den Stadtbezirken 95 bis 103. Da Sie im 110. Stadtbezirk wohnen, sind Sie Wähl» des 12. Kommunal-Wahlbezirks, welchen der Stadtverordnete Singer vettritt. PROSPEC T 6 pCt. ronsoNdirte Merikanische äußere Anleihe im Nominalbetrage von 10 500000 Livree Sterling= 214 200 000 Mark D. R. W. Die Erecutiv-Gewalt der Vereinigten Staaten von Mexico ist durch Gesetz des Eongresscs vom 13. Dezember 1887 ermächtigt, eine Anleihe im Nominalbetrage von 10 500 000 Pfund Sterling aufzunehmen, für dieselbe die Bedingungen der Verzinsung und Amortisation zu bestimmn und die erforderlichen Sicherheiten zu bestellen. Der Ertrag der Anleihe soll zur Zahlung und Tilgung der zinsentragenden schwebenden 2000000 Pfd� St.), ferner zm Tilgung der Schuld im betrage von ca. 13 Millionen Pesos(ca. Bonds der consolidirten Schuld der Vereinigten Staaten von Mexico im Betrage von circa 15000000 Pf. St., welche auf Grund des Uebereinkommens datirt London 23. Juni 1886 und der späteren, bis zum heutigen Datum von der Mexikanischen Regierung getroffenen Verein- damngen ausgegeben find und endlich zur Ausführung von gemeinnützigen, von der Regierung zu bestimmenden Bauten, sofern Anleihebeträge zur Verfügung bleiben, verwendet werden. Auf Grund dessen wird unter dem Ztomen Alle Bekanntmachungen bezüglich der Anleihe erfolgen in zwei Berliner, einer Londoner und einer Amfterdamer Zeitung. Meviro, im März 1888. Der Fiuanz-Mimster. Dublan. consolidirte Mexikanische äußere Anleihe die Anleihe in Höhe von Nominal Pfd. 10500000 oder Nominal M. 214 200000 D. R. SB,, wobei das Livre Sterling zum festen Eourse von M. 20,40 bestimmt ist, ausgegeben. Diese Anleihe wird vom 1. April d. I. ab mit jährlich 6 pEt. in vierteljährlichen Raten vom 1. Juli, 1. Octobcr, 1. Januar und 1. April jeden Jahres verzinst und vom 1. April 1893 ab mit& pEt. des ausgegebenen Anleihebetrages, dem die ersparten Zinsen zuwachsen, amortisirt. Die Mexicanische Regierung ist berechtigt, vom Jahre 1898 ab den Amortisationsfonds beliebig zu verstärken oder die ganze Anleihe auf einmal zurückzuzahlen. Die Amottisation erfolgt, so lange die Anleihe unter pari gehandelt wird, durch Ankauf von Stücken und wenn fle pari oder darüber steht, durch Ausloosung in London und zwar 15 Tage vor dem nächsten Zinszabltermine. Die verloosten Stücke werden bekannt gemacht. Als specielle Sicherheit für Verzinsung und Amortisation der Anleihe überweist die mexikanische Regierung den jeweiligen Inhabern der Anleihe: 1. 20 pEt. von dem Gesammterträgniß der Abgaben, welche das Einnahmegesetz unter der Generalrubnk„Contribu ioneo sobre irnportaciones i exportationes" bezeichnet welche in den Hafen- und Grenzzollämtern der Republik erhoben werden, gleichviel welchen speziellen Namen diese Angaben auch haben und an welchem Orte auch die Verzollung vorgenommen werden sollte; 2. das Gesammterttägniß, abzüglich der Verwaltungskosten, aller directen Steuem, welche unter der Benennung von„Predial, Patente, Profcstonal k.(Grundsteuern und Gewerbesteuern)" im Federal-District(Gebiet der Stadt Mexico) erhoben werden. Diese überwiesenen Abgaben, Zölle und Steuern sollen in jedem Jahre den zur Zinsen- zahlung und Amortisation nothwendigen Betrag um wenigstens lO pEt. übersteigen, und wenn fie wider Erwarten letztere Summe nicht erreichen, in der Quote zu 1. entsprechend erhöht werden. Die gesammte Anleihe ist sowohl auf Kapital wie Zinsen von jeder mexicanischen Steuer absolut befreit und darf auch künftig mit keiner Steuer von der Mexicanischen Regierung belegt werden. Die Anleihe wird in folgende Abschnitte eingetheilt: 37 500 Stück& Pfd. 20= M. 408 Pfd. 750000= M. 15 300 000 D. R. W. 47 500„&„ 100=„ 2040„ 4 750 000=„ 96 900 000 6000„ ä„ 500„ 10200„ 3000 000=„ 61 200 000 2000„&„ 1000=„ 20 400„ 2 000000—„ 40800000 93000 Stück Pfd. 10 500 000--- M. 214 200 000 D.R.W. Die Anleihestücke lauten auf den Inhaber und werden in spanischer, deutscher und englischer Sprache ausgefertigt. Sie werden mit Zinscoupons� und Talons versehen. Gegen Angabe der letzteren werden neue Coupons kostenfrei für den Inhaber der Anleihe ausgegeben. Die Nationalbank von Mexico ist beaufttagt, den Ertrag der für diese An« leihe speziell überwiesenen Sicherheiten einzuziehen und ist der Dienst derselben in Europa für Zinsen und Amortisation dem Bankhause S. Bleichröder in Berlin übertragen. Die Zinsen werden außerdem auch in London bei den Herren Antony Gibbs* Sons und in Amsterdam bei Herren Lippmvnn Rotenlhal A Co. gezahlt. Auf Grund der vorstehenden Prosvektes des Finanzministers der Vereinigten Staaten von Mexiko dringen die unterzeichneten Bank-Firmen hiermit von der 6 pCt. consolidirte» trricanische« äußeren Anleihe im Gesammtbetrage von om. 10 500 000 Vfund St-rl.= 214 200 000 Mark D. R. M' einen Theilbetrag von Dm. 3700000 Ds-iiil Ml.-- 75480000 Dirk D.K.A zur öffentlichen Subskription. Dieselbe findet und am SB. März 1888 in London bei dem Bonkheuse Antony Gibbs A Sons in Amsterdam bei dem Bankhaus« Lippmann Rosenthal A Co. zu den Modalitäten, welche diese Firmen an ihren Plätzen gesondert bekannt geben werden, in Berlin bei dem Bankhause S. Bleichröder während der üblichen Geschäftsstunden unter nachstehenden Bedingungen statt: 1. Die Subskription erfolgt auf Grund des zu diesem Prospect gehörigen Anmeldung«' Jormular«, welches von dem Bankhawse S. Bleichröder bezogen werveN ann. Letzterem ist die Bcfugniß vorbehalten, die Subskription auch schon vor Ab- lauf des obigen Termins zu schließen und nach seinem Ermessen die Höhe des Be- träges jeder einzelnen Zutheiluna zu bestimmen. 2. Der Subskriptionspreis ist auf 78% pCt. des Nominalbetrages, zahlbar in Mark i» Verhältniß von 20 M. 40 Pf. für 1 Pfd. Sterl., festgesetzt. Daneben find t"' Stückzinsen ä 6 pCt. vom 1. April bis zum Tage der Abnahme vom Subskribenten zu vergüten, wobei das gleiche Umrechnungsverhältniß Platz greift. Bei der Subskription ist eine Caution von 5 pCt. des Nominalbetrages zu Hintf' legen. Dieselbe muß entweder in baar oder in solchen nach dem Tagescourse/ veranschlagenden Effecten hinterlegt werden, welche das Bankhaus» Bleichröder für zuläsflig erachtet. Die Zuthcflung wird sobald als möglich nach Schluß der Subscription, unter 2# nachrichtigung an die Zeichner, erfolgen. Die Abnahme der zugetheilten Stücke kann vom 10. April ab gegen Zahlung du Preises geschehen. Der Zeichner ist jedoch verpflichtet ein Fünftel des'Nominalbetrages der Stücke spätestens bis einschl. 30. April 18$ Sl::::::::::»8511» abzunehmen. Nach vollständiger Abnahme wird die auf den zugetheilten Betraf) hinterlegte Caution verrecbnet bezw. zurückgegeben. Für zugetheilte Betraf unter 1000 Pfd. Stlg.---- 20 400 M. D. R. SB. ist keine succesfive Abnahme \ 3. 4. stattet und find solche bis zum 30. April 1888 ungetrennt zu reguliren. mr.-.... der definitiven Stücke werden voir dem seitens der SDW* Bis zur Fertigstellung der definitiven Stücke................... canischen Regierung dazu ermächttgten Mexicanischen Finanz-Agenteb in London ausgestellte, auf den Inhaber lautende und mit zwei Coupons vel- sehene Jnterimsscheinc verabfolgt. Dieselben werden später kostenfrei geg«" die entsprechenden definitiven Obligationen in Gcmäßheit weiterer Bekanntmachung umgetauscht. Die von dem Bankhause S. Bleichröder auszuhändigend� Jnterimsscheine und Oriainal-Obligationcn find mit deutschem Reichsstempel versehen' 7. Die von dem Finanz-Äinister noch zu erwartende Zahlen des Präliminar-Budge� 1887/1888, sowie die Gesammtziffer der umlaufenden inneren Anleihen werden b» zum Subscriptionstage von uns veröffentlicht werden. Berlin, London, Amsterdam und Mexico, ini März 1888. 8 öle chröder. Antony Gibbs& Sons. Banque Nationalo du Mextque. L'ppmann Rosenthal& Co. Wdrl i WiIzWunz L'nlptuWc. 75 Hugo Lewent. Soeben erschien: Heft 18 der Internationalen Bibliothek. Charles Fourier» sein Leben«. seine Theorien. Up» A. L e b c l. Preis pro Heft 50 Pf. Zu beziehen durch die Grpeditio» des»»Kerl. Molksdiatt«» Zimmerstraße 44. Einbanddecken ä 30 Pf. Wiederverkauf ern Rabatt. i5r«chbiindcr, Leibbinden, U-belbnnd»g?n. Knspenf»�! Gradebaiter, orthopädisch« Maschinen, idtnstL Ar»? und Kein«. Mastdarm- und Uorfall-Kandagen, Kidets, Stechbecken, Urinhalter, Klqstier- und Wnttt* spritzen, Gtysopomp Irri- ator, Inhalations-Appar»�' Luftkissen und franzostsche Gummi-Artikel empfehle»}u soliden preise» Prinzen ftr. 43, vort. l. Für Damen, Damenbedienung. St COny Lieferant sämmtlicher Srankenkasse« [52? Arbeiter-Notizkalender pro 1888 ||| Preis 80 Pfg. Stärker# Ausgabe 70 Mg. Wiederverkiisfnm hohe» Uakatt. Z« ksziehss dnrch die Gryeditioa» Zimmerstraste 44» Verantwortlicher Redakteur: iL GronKeim in Berlin. Druck und Verlag von Ms» Sabina in Berlin»SW.. Beuthstraße 2.