»» 76. Dotttterstag, de« 29 Marz 1888. S. Kahrg» SeMrVÄsM Brgan für die Interessen der Arbeiter. Aboniitmellts-Eillladullg. Zum devorstehenden Quartalswechsel erlauben wir uns zum Abonnement auf das „Kefüner Uolksklatt" nebst dem wöchentlich erscheinenden Sonntagsblatt einzu. laden. Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf dem Boden des unbeugsamen Rechts. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und Stretter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klassen- aegensätze ist das„Kerliner Nolkablatt" ein entschiedener Gegner jeder Polrtih die ihre Endziele in der Bevorzugung einzelner, heute schon mehr berechtigter Gesellschaftsklassen findet. Das„Kerliaer Nolksblatt" sucht seine Aufgabe durch sachliche Behandlung der politischen als auch der Tagesfragen »u erfüllen. Die gleichen Grundsätze leiten uns bei Besprechung unserer städtischen Angelegenheiten. �".................. Mrnnifvei in« Hans für das Zimmerstraße 44� Expedition, Mark pro Monat. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstraße 44, entgegengenommen. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Bestellungen an. Die Redaktion und Expedition des„Serliner Nolksblatt". Deutschtand und die Kchiueiz. Schweizerische Blätter beklagen sich, daß Deutschland gegenüber der Schweiz eine unfreundliche Haltung ange- nommen habe, die so fühlbar sei, daß sie sich nicht mehr vertuschen lasse. Man kann im allgemeinen nicht sagen, daß die schweizerische Presse empfindlich ist, denn sie hat schon häufig gegenüber Angriffen von Außen eine Kalt- blütigkeit an den Tag gelegt, die wir nur der deutschen Presse wünschen möchten, damit diese nicht gleich eine europäische Kriegsgefahr wittert, wenn ein französischer Chauvinist oder em Kosack einmal eine kriegerische Nado- Montade losläßt. Wenn sich sonach die schweizerische Presse über Un- sreundlichkeiten seitens des Deutschen Reichs beklagt, so wuß wohl etwas daran sein. Um so mehr, als man weiß, daß in den letzten Jahren die öffent- IeuMelon. -[74 OWkrnl.»teMtt) Der Grde. Roma» vo» Friedrich Terstäcker. R a t h lo S und Rath Frühbach. Zn den letzten Tagen hatte ein so wunderliches Verhält- n Baumann'schen Hause geherrscht, daß selbst der Gesell >ie Lehrlinge darauf aufmerksam geworden waren und köpf darüber schüttelten. Sonst war nichts als Friede Freundlichkeit m der Familie, und wenn der alte ssermeister mit seinem jüngsten Kind, seinem kleinen ng, manchmal nach Feierabend spielte, lachte er oft so h über dessen kindischen Frohsinn, daß die Leute auf straße stehen blieben und unwillkürlich mitlachen m, wenn sie auch keine Ahnung hatten, was da drinnen stigeS vorging. Jetzt war das anders, viel anders den. Der alte Baumann stand den ganzen Tag bis >S spät am Amboß und hämmerte auf das Eisen ein feilte an seiner Arbeit; wenn er sich aber noch vor en Tagen ein lustig Lied dazu gepfiffen oder gesungen, richtete er jetzt sein Tagewerk stumm und mit düster mengczogenen Brauen, und kein Wort wurde in der tätte gesprochen, das sich nicht auf die Arbeit bezog >othwendig gesprochen werden mußte. lnd welche Veränderung konnte erst mit der Meisterin fangen sein? Sie war nicht krank, denn sie ' den ganzen Tag in der Küche und ver- ■ alle ihre Besorgungen pünktlich, wie zuvor; sie kam gar nicht mehr vorn in die Stube, außer sie Morgens rein machte und Mittags zum und selbst dann hatte sie einen andern Platz am als früher, nicht mehr neben dem Meister, sondern n ihrer kleinen Else und dem Gesellen; und keine that der Meister an sie, keine Silbe wurde überhaupt bei gesprochen. f>en Leuten war das natürlich unheimlich, aber Keiner liche Stimmung in der Schweiz eine durchaus deutsch- fteundliche war. Es giebt freilich Leute bei uns, welche demokratisch mit deutschfeindlich verwechseln und dadurch manche Verwirrung anrichten. Aber die schweizerische Demokratte ist durchaus nicht deutschfeindlich. Dies hat man am besten gesehen bei der jüngsten Affäre in Basel, als dort ein deutschfeindliches Flugblatt verbreitet wurde. Gerade die demokratische Presse der Schweiz verurtheilte das kindische Machwerk am allerschärfsten und die Offiziösen in Berlin und anderwärts hätten ihren ganzen Aufwand an sittlicher Entrüstung sparen können. Der Gedankengang eines Theils der schweizerischen Presse bewegt sich etwa um folgende Punkte: Deutschland, resp. die leitenden politischen Kreise des Deutschen Reichs, sind ver- stimmt wegen der bekannten Lockspitzel-Angelegenheit. Daß dem Polizeihauptmann Fischer nicht zu Leibe gegangen wurde und daß man die schweizerische Fremdenpolizei neu organisirte, um etwaige fremde agents provocatenrs besser überwachen lassen zu können, das ist, so sagen die schweizer Blätter, in Berlin übel vermerkt worden. Wie dem auch sei, den Schweizern wird etwas un- heimlich, denn sie fühlen sich von Italien bedroht. Daß Herr Crispi die schönsten Friedensmelodien im italienischen Parlament abspielt, scheint den Schweizern gar nicht zu imponiren. Sie lassen sich einmal nicht ausreden, daß bei den Italienern starke Gelüste nach gewissen südschweizerischen Gebietstheilen vorhanden sind. Ein ulttamontaneS schweizer Blatt brachte jüngst sogar die Mittheilung, daß in dem deutsch-österreichisch-ttalienischen Bündnißvertrag ein Punkt enthalten sei, der sich auf den Kanton Tessin beziehe. Allein ein Beweis dafür ist nicht erbracht worden und das ultramontane Blatt hat wohl auch ein Interesse daran, die italienische Regierung als der Schweiz recht feindlich darzustellen. Die Besorgniß des schweizerischen Volkes vor einem allenfallsigen italienischen Angriff ist durch andere Umstände noch verstärkt worden. Die Schweizer glauben zu wissen, daß die an Italien stoßende Ostgrenze Frankreichs mit einem so starken Gürtel von Befestigungen gedeckt ist, daß eine italienische Armee sich dort unmöglich durchwinden kann. Wenn es nun zwischen Deutschland-Jtalien einerseits und Frankreich andererseits zu einem Kriege käme, so würden die Italiener, glaubt man, sich auf die Schweiz stürzen, um sich dort einen Durchpaß zu erzwingen. Diese Anschauung hat noch eine neue Bestärkung dadurch erhalten, daß der schweizerische Bundesrath bekanntlich die Befestigung des Gotthard verlangt hat. Die Schweizer glauben unter solchen Umständen sich vorsehen und für die nächste größere Katastrophe sich gefaßt machen zu müssen, daß sie mit in den Kampf hinein- von ihnen, selbst Karl nicht, der Sohn vom Hause, wagte nach der Ursache zu fragen. Meister und Meisterin mußten sich mitsammen gezankt haben, wenn das auch eigentlich nie vorfiel und Keiner von Allen etwas gehört haben wollte; das aber blieb die einzige Erklärung, die sie darüber wußten, und war daS der Fall, dann versöhnten sie sich auch wieder und das alte Verhältniß wurde hergestellt— daß es nur so viele Tage dauerte! DaS Essen war vorüber; der Meister stand wieder draußen bei seiner Arbeit und die Frau wusch das Geschirr auf, als ein Polizeidiener in die Werkstätte kam und nach der Frau Baumann ftagte. „Was soll sie?" sagte der Schlossermcister, der todten- bleich geworden war, indem er den Hammer aufdem Amboß ruhen ließ. „Ich habe hier eine Vorladung für sie auf heute Nach- mittag vier Uhr." „Schön, legen Sie das Papier nur dahin, eS soll ausgerichtet werden." „Nein; ich muß es ihr selber geben." „Dann gehen Sie in die Küche," sagte der alte Mann düster, drehte sich ab und schob das Eisen in den Feuer- Herd, dessen Gluth, durch den Blasebalg angefacht, empor- loderte. Die Leute in der Werkstätte sahen ihm verwundert nach. Sie begriffen nicht, was die Meisterin mit der Polizei zu thun haben könne. Der Meister wußte es, aber er sagte kein Wort; er sah nicht auf, als der Polizei- beamte seine Pflicht erfüllt hatte und die Werkstätte wieoer verließ; er ging nicht zu seiner Frau, um mit der zu sprechen. Er hätte sich nicht weniger darum bekümmern können, wenn die Bestellung im Nachbarhause abgegeben worden wäre. Da warf Karl plötzlich seine Feile hin, rief:„Der Fritz!" und sprang der Thür zu, durch deren kleines, angelaufenes Glassenster er den Bruver erkannt hatte. Und die kleine Else hatte im Zimmer den Ruf gehört und kam heraus- gesprungen, und wie er die Thür öffnete, klammerte sie sich an ihn, ließ sich von ihm emporheben und herzte und küßte ihn. gezogen werden. WaS thun sie? Nun, sie thun, was alle anderen auch thun; sie bewaffnen sich möglichst vollständig und auf diesem Wege kann auch die Republik Schwerz noch dahin kommen, ein Militärstaat zu werden. Wie weit diese Befürchtungen der Schweizer begründet sein mögen, lassen wir dahingestellt. Sie erscheinen indessen begreiflich, wenn man erwägt, daß dies kleine Land zwischen lauter großen Mächten eingeschlossen ist. Zwar bietet die natürliche Beschaffenheit dieses Landes mit seinen mächtigen Gebirgszügen einen gewissen Schutz gegen feindliche Invasionen und es hat auch seit dem Jahre 1799 keine solche mehr gesehen. Allein immerhin ist eS begreiflich, wevn die Schweizer erregt sind über eine nun wirkliche oder vermeintliche Bedrohung von Seiten Italiens. Denn sie besorgen von einer feindlichen Invasion, wenn sie übermächtig sein sollte, nicht nur eine Niederlage im Felde, sondern auch den Ver- lust ihres kostbarsten Gutes, ihrer durch Jahrhunderte sa sorgsam gehüteten politischen Freiheit und Selbstständigkeit. Von allen europäischen Staaten hat die Schweiz gewiß die ftiedlichste Politik. Sie wird niemals Erobe- rungszüge machen wollen und auch niemals machen können. Ihre Grenzen sind nach den alten Bundesverträgen festge-- stellt. Deutschland hat sonach als Ganzes keine Ursache, gegen die Schweiz irgendwie unfreundlich zu sein. Wenn die Schweizer ihre inneren Zustände neu ordnen, so können sie daS halten wie sie wollen, und wen» bei uns einzelne Personen darüber verstimmt sind, so ist das für das gesammze Volk noch lange kein Grund, auch verstimmt zu sein. Man kann übe? die Lockspitzelaffäre denken was man will, und man wird, wer man auch sei, immer zu dem Resultat kommen müssen, daß man der Schweiz in dieser Sache keine Vorwurfs machen kann. Die Schweiz hat Niemandem etwas gethan und eben deshalb sollten auch alle anderen Mächte bemüht sein, dajj die Neutralität dieses Landes für einen eventuellen Kriegs- fall gesichert bleibt. Wir glauben an einen auf das Tessin bezüglichen Punkt im Allianztraktat zwischen Deutschland und Italien nicht eher, als brS wir diesen Punkt schwarz auf weiß gesehen haben. Aber was wir glauben, ist die Gier der italienischen Chauvinistenpärtei nach neuen„An- gliederungen". Dieser Partei wird man sagen müssen, daß eS auch für den Begriff„Italien" eine Grenze giebt; man könnte ja sonst ein schönes Stück Erde für Italien rekla- miren, weil es zur Zert des alten Rom auch„italienisch" war. Jener italienischen Partei haften alle Fehler der Chauvinisten an und vielleicht stärker als anderSwo. Hoffen wir, daß die Besorgnisse der Schweizer unbe- gründet sind und daß dieser kleinen friedlichen Macht daS Und das war jetzt ein Fragen und Jauchzen zwischen den jungen Leuten, daß der Fritz wieder frei war und kein Verdacht der nichtswürdigen That mehr anf ihm lastete; und die Kleine hatte nur immer ihre Aermchen um seinen Nacken geschlagen und weinte und lachte: die bösen Männer dürften lhren Fritz nun nicht wieder in'S Gefängniß stecken, und er solle bei ihr bleiben und nie wieder von ihr fort- gehen. Auch der Vater hatte seine Arbeit bei Seite gelassen und ihm die Hand entgegengestreckt, die er derb schüttelte und drückte. „Aber wo ist die Mutter?" rief Fritz.„Weshalb kommt sie nicht? Geh hin, ElSchen, und ruf sie; sag' ihr, der Fritz sei wiedergekommen." „Bleib, Else," sagte der Vater;„sie ist in der Küche — geh dann zu ihr." Fritz sah den Vater verwundert an und dann den Bruder. Karl machte ihm aber hinter dessen Rücken ein Zeichen, das er zwar nicht verstand, aber doch daraus ersah, eS müsse etwas vorgefallen sein, und er thäte besser, für den Augenblick nicht weiter nachzuforschen. Wie er aber nur in der Werkstätte dem Vater und den Uebrigen flüchtig erzählt hatte, wie eS da oben gewesen und er heute Morgen freigelassen sei, ja, eigentlich schon vor drei Stun- den hätte hier sein muffen und nur durch ein Versehen deZ albernen Schließers noch zurückgehalten wäre, da griff er sein Schwesterchen wieder auf und sprang hinüber in die Küche zur Mutter, um diese zu begrüßen. ES dauerte lange, bis er wieder zurückkam, und jetzt ohne die kleine Else, und als er in die Werkstatt kam, ging er auf den Vater zu und sagte:„Vater, was ist denn eigentlich hier im Hause vorgegangen? Ihr seht mir Alle so sonderbar aus, so fremd. Mir ist, als ob ich Jahre lang entfernt gewesen wäre und nicht nur kaum eine Woche oder etwaS mehr. WaS habt Ihr nur? Wie ich in die Küche kam, fiel mir die Mutter um den Hals und weinte, als ob ihr daS Herz brechen müßte, wollte sich auch gar nicht mehr beruhigen, und jetzt hat sie die kleine Else auf dem Schooß und küßt das Kind in einem fort und drückt es an sich." Wohlwollen erhalten bleibt, dessen sie sich immer bei allen zu erfteuen gehabt hat, die eine friedliche Politik lieben. Und so denken wir auch, daß die„Verstimmung" zwischen Deutschland und der Schweiz, wenn sie vorhanden, auch wieder nachlassen wird. Politische Ueberstcht. Ihren Liebling und Kort, Herr« von pnttkamer, rn achte, so schreibt die„Franks. Ztg.", die„Krcuzzeitung" gern vor der Konstatirung der Thatsache bewahren, daß er sowohl durch die Ablehnung des verschärften Sozialistengesetzes, wie euch durch die Vorgänge bei der Beratbung desselben eine Vie» der läge erlitten habe. Einen wichtigen Puntt übergeht das konservative Blatt aber ganz dabei. Herr v. Puttkamer hatte be- kanntlich mit einer Zuversichtlichkeit, die sofort Aufsehen erregte, erklärt, er werde beim Reich-kanzler diplomatische Schritte bei der Schweiz wegen der Indiskretion des Polizeihauptmann Fischer„verlangen". Wenn er gesagt hätte,„erbitten" oder„be- eintragen", so wäre das schon in Anbetracht der besonderen Eigenthümlichkciten des Herrn Reichskanzlers ein Beweis edlen Muthes gewesen; aber„verlangen",— das war stark. Was ist nun aus diesem Verlangen geworden?—®ar nichts. Entweder hat Herrn von Puttkamer schon vorher die Kourage ver- lassen, oder Fürst Bismarck hat ihm sein Verlangen abgeschla- gen. Eines so schlimm wie das andere, und beides, wre doch die„Kreuzzeitung" selbst nicht leugnen wird, eine Bloß- ftellung, um kein härteres Wort zu wählen, des Herrn Ministers des Innern. Eine öffentliche Bloßstellung auch der Schweiz gegenüber. Die„Kreuzzeitung" findet es so entsetzlich, daß„ein in Deutschland erscheinendes und sich deutsch nennendes Blatt" bei dieser Gelegenheit die„Partei des Aus- landes ergriffen habe". Ja, Fürst Bismarck scheint in viel un- zweideutigerer Form dasselbe gethan zu haben. Er hat nach der Logik der„Kreuzzeitung" auch die Partei der Schweiz ergriffen, als er auf das vor versammeltem Reichstage ausgesprochene „Verlangen" des Herrn v. Puttkamer nicht einging. Es handelt sich eben hierbei gar nickt um Deutschthum und Ausland, son- dcrn um Recht und Billigkeit, die man auch dem Ausländer nickt verweigern darf. Fürst Bismarck scheint keine Lust gehabt zu haben, sich für die provokatorische Thäligkeit der Agenten des Herrn v. Puttkamer in der Schweiz zu cngagiren. Er hat wahrscheinlich denselben Standpunkt vertreten, wie der ganz überwiegende Theil der deutschen Presse. Giebt doch selbst die „Kreuzzeitung" zu, daß die Menschen, für die sie den Namen „Nichigentlcmen" akzeptirt, in einer gewissen nothwendigcn Folge ihres Handwerks zu„Lockspitzeln" werden. Daß Herr v. Puttkamer das letztere wünsche, hat Niemand behauptet; daß er aber für das Treiben dieser Leute verantwortlich ist, könne nur blinde Voreingenommenheit bestreiten. Das konsewative Blatt möchte nun gern die Ablehnung des verschärften Sozia- listengeietze nicht als eine Niederlage des Herrn v. Puttkamer, sondern als eine der verbündeten Regierungen, d. h. also des terrn Reiche kanzlers, hinstellen. Formell ist das ja richtig. ie„Kreuzzeitung" selbst wird aber wohl bemerkt haben, daß der Ncichekanzler mit einer ihm sonst gar nicht eigenen Ge- laffenhcit diese Niederlage ausgenommen hat und sie den daran schuldigen Nationalliberalen so wenig nachgetragen hat, daß diese sogar die Besettiguna des Sozialistengesetzes für die näch- sten Jahre ankündigen. Das läßt tief blicken! Wenn das So- zialiltengesetz einst fällt, so fällt es wegen seiner Mißerfolge, und für die wird, ganz gleich od mit ssiecht oder Unrecht, der- jcnige verantwortlich gemacht werden, bei dem die prattische Handhabung lag, und das ist Herr v. Puttkamer. Fürst Bis- uiarck hat Vre Eigenthümlichkeit, gesetzgeberische Aktionen, für die er ursprünglich mit seiner ganzen Persönlichkeit eingetteten ist, einfach zu verleugnen, wenn sich herausstellt, daß sie vcrtehlt waren und den von ihm gewollten Zweck nicht erreicht haben. Er läßt den unglücklichen Ressortminister dann ein- fach sitzen. Man denke an den Kulturkampf und das Schicksal des Herrn Falk! Es kann Herrn v. Puttkamer einst ähnlich ergehen. Wie immer, so tritt anch diesmal wieder in dem Augenbttck, mo die Hochwassergefahren in den Gebieten der Elve und Weichsel in voller Schwere eingetreten find, die Frage nach Maßregeln in den Vordergrund, mit denen der Eintritt solcher Gefahren zu bekämpfen sei. Vorläufig scheint indeß nach alter deurscher Weise die Frage ver„Zuständigkeit" hier ganz besondere Schwierigkeiten zu bereiten! so heißt es z. B. in einer Betrachtung der„Post in dieser Hinficht:„Wie bei den Strömen, welche mehrere Bundesstaaten berühren, die Frage zur Erörterung steht, wie zweckmäßig einer Förderung de: Sonverintereffen eines derselben zum Nachtheil der anderen vorzubeugen ist, so liegt für Preußen die Prüfung der Frage nabc, ob seine Ressortverhältnisse so geordnet find, daß Hoch- rvassergefahren so wirksam wie möglich vorgebeugt werden kann und bei dem Erntritt derselben die rechtzeitige energische und Planmäßige Bekämpfung derselben ausreichend gefichert ist. Die Erörterung dieser Frage liegt um so näher, als die Verhältnisse des Großllaats eine weitgehende Trennung der Staatsgcschäste «Komm einmal mit herein, Fritz," sagte der Vater ernst;„ich habe ein Wort mit Dir zu reden." „Mit mir, Vater? Ist etwas vorgefallen?" „Ja. und etwas, das Dir nicht länger ein Geheimniß bleiben darf, eigentlich hätte nie ein Geheimniß bleiben sollen." „Aber willst Du nicht erst einmal zur Mutter gehen?" „Nachher, mein Zunge; zuerst komm einmal mit mir in's Zimmer hinüber, denn mir— hat's beinahe das Herz abgedrückt die letzten Tage, und eS ist Zeit, daß ich's loS werde— ich halt's nicht mehr länger aus." „Ich begreife Dich nicht, Vater." „Du wirst's bald begreifen lernen," nickte der Alte still vor sich hin;„komm nur mit, daß wir die Sache abmachen, denn ich muß wieder an die Arbeit. Und Du, Karl, geh einmal zur alten Bertram hinüber und frage sie, ob sie Zeit hätte, e,n paar Tage hier zu uns herüber zu kommen und uns in der Wirthschast zu helfen." „Ist die Mutter krank geworden, Vater?" rref Karl ��'„Netn," sagte der Schlissermeister;„aber laß es auch lieber sein, ich will nachher selber zu ihr gehen- komm, Fritz'." Und ihm voranschreitend, grng er m die«Stube hinein, setzte sich dort in den alten Lehnstuhl und winkte dem Sohn, auf einem andern Sessel Platz zu nehmen. Karl schüttelte mit dem Kopf; er konnte sich gar nicht denken, was„der Alte" heute hatte und wie tief und langsam er da drinnen sprach, und dann sem Bruder— wie heftig. Die Worte freilich ließen sich hier draußen nicht verstehen; aber etwas Besonderes mußte es sein. Und weshalb erfuhr er nichts davon? Gehörte er nicht zur Famitte� wußte, waS die beiden Männer mitsammen sprachen. Draußen in der Küche saß sie niedergekauert an der Thür, die in die Stube führte und deren Schwelle sie nicht mehr zu überschreiten wagte, das Gesicht m den Händen geborgen, und zwischen den Fingern quollen dre heißen, brennenden Thränen vor. So saß sie, bis die rSeit kam, in der sie auf das Amt gefordert war; sie wußte, daß sie von dort nicht wiederkehren würde. Sie war aufge- nach Ressorts bedingen, während doch sowohl die vorbeugende Thättakeit des Staates, wie die Aktion im Momente der Gefahr ohne Frage der Einheitlichkeit bedarf. Be- züglich der öffentlichen Ströme besteht gerade eine arge Reffortzcrsplitteruna. Dem Handelsminister untersteht die Strom- und Schifffahrtspolizei, dem Minister für Landwitth- schaft das Dcichmesen, der Schutz der Bewohner vor Waffers- gefahr und die Eissprengungen, die allgemeine Polizei ressortirt von dem Minister des Innern, und dem Minister der öffent- lichen Arbeiten liegt der Ausbau und die Unterhaltung der Ströme in ihrer Eigenschaft als öffentliche Verkehrsstraßen od. Dem letzteren allein aber stehen in der Staatsbauverwaltung ausreichende technisch geschulte Kräfte zur Verfügung. Er- schwerenver tritt neuerdings der Umstand hinzu, daß die frühere Vereinigung aller Ressorts in der Provinzialinstanz, in der Re- gierung, gerade bezüglich der größeren Ströme durch die Er- richtung besonderer Behörden, der Strombauverwaltunzen und dergleichen mehr mehrfach durchbrochen ist. Es erscheint daher in der That ernstlich Erwägung zu verdienen, ob nicht auf eine Reorganisation dieser Dienstzwcige in der Richtung stärkerer Konzentratton derselben unter einer Zentralstelle behufs plan- mäßigerer und intensiverer Bekämpfung der Hochwassergefahren hinzuarbeiten ist."— Wenn nur, bis diese„Jnstanzenfrage ge- ordnet ist, die Schnee- und Eisschmelze des nächsten Frühlings die gefährdeten Gebiete, ohne daß etwas geschehen, nicht mit einer neuen Heimsuchung bedroht. Der„Hamb. Karr." erfährt, daß die Untersuchung wegen der skandalösen Vorgänge vor dem Dome einen den Polizeipräsidenten von Richthofen nicht belastenden Verlauf ge- nommen habe. Es heißt in der Zuschrift:„Das Hofmarschallamt hatte bekanntlich die Mitglieder des Bundesraths, des Reichstags und des preußischen Landtags benachrichtigt, daß fie Abends nach 10 Uhr den Dom, wo die Leiche des Kaisers Wilhelm aufgebahrt war, besuchen könnten. Als aber die Herren vor dem Dom erschienen, war für ihren Einlaß nicht gesorgt. Miliiär machte ihnen den Vorrang streitig, und zum Ueberfluß hob die Polizei auch die bis 10 Uhr angeordnete Sperre der Zugänge zum Lustgarten auf. Die Mitglieder des Bundesraths wie der Parlamente wurden in unerhörter Weise insultirt. Als Präfident v. Wedell-Piesdorf dem Reichskanzler Mittheilung von diesen Vorgängen machte, erklärte derselbe, er habe bereits eine Untersuchung darüber eingeleitet, wer die Schuld trage. Die Untersuchung hat stattgefunden, aber nur ergeben, daß das Hofmarschallamt unterlassen hat, die Polizeibehörden von dem Besuche der Parlamente u. s. w. zu benachrichtigen, und daß dieselben demnach nicht in der Lage gewesen find, die wünschens- werthen Vorkehrungen zu treffen. Damit war die Sache um so mehr erledigt, als der Hofmarschall Graf Perponcher ohnehin feine Stellung wenigstens für den Hofhält des Kaisers aufgeben mußte. Herr v. Richthofen aber bleibt auf seinem Posten."— Daß die Untersuchung, so demerft die„Voss. Ztg." hierzu, über die Vorgänge auf dem Domplatze diesen Verlauf genommen habe und nehmen mußte, war uns schon bekannt. Zu untersuchen war aber aus den allgemeinen Sperrmaßnahmen, ob es gerathen erscheinen könne, bei ähnlichen Vorkommnissen, die ungeheuere Menschen- mengen in Berlin zusammenführen, die polizeilichen Sicherheitsmaßregeln wieder einer Hand anzuvertrauen, die sich nach allge- meinem Urtheile so wenig bewährt hat. Je allgemeiner freilich ein solches Urtheil ist, um so weniger ist nach den Gepflogen- heiten bei uns zu Lande zu erwarten, daß die Entscheidung hierüber als ein Zugeständniß an die Volksstimmung erscheinen darf. Vielleicht aber findet sich Gelegenheit, in nicht allzu langer Zeit die Verdienste unseres Herrn Polizeipräsidenten durch eine Beförderung in einen höheren und entsprechenderen Wirkungs- kreis zu belohnen. ,Jjer Kladderadatsch" geplötzt. Vor einigen Wochen oder Monaten demonstrirten wir die Bedientenhaftigkeit und Rohheit des juchtenledernen„Witzblattes", genannt„Kladdera- datfch", an einigen hübschen Exempeln von Beispielen. Unter anderem erwähnten wir damals eines brutalen Lakaien Gcreimscls, betitelt Oderint, dum metuanr! Eine säbelraffelnde Kapuzinade an das„verkommene" Ausland, dessen Haß uns zur Ehre und zum Ruhme gereiche, weil er der Furcht seinen Vorsprung verdanke! Das lateinische Titelwort rührt bekannttich von einem der allen römischen Cäsaren her. Nun gab uns ein Zufall dieser Tage die„Auszüge aus der Geschichte des Alterthums, des Mittelalters und der neuen Zeit" von Carl Plötz, Berlin, Herbig's Verlag 1877, in die Hand. Auf Seite 185 dieses in den preußischen Schulen eingeführten— und, wie man fich hiernach denken kann, von jedem freifinnigen oder gar demo- kratischen Hauch sorgfältigst purifizirten Lertfadens der Well- geschickte finden wir bezüglich jenes Spruches, in welchem fich das chauvinistische Kosackenideal des„Kladderadatsch" ausdrückt, folgende lakon'sche Bemerkung:„Caligula, grausam und halbvrrrültrt(Oderint, dum metuant)." Diese lakonische Notiz besagt, daß der Mann, welcher jenen Ausspruch geführt, dadurch seine Grausamkeit und Halbverrücktheit offenbart habe. Wie gefällt den Juchtenledernen des„Kladdera- datt'ch" dieses Urtheil des königl. preußischen Schulmannes Plötz über ihr politisches Ideal? standen und hatte ein kleines Bündel Wäsche zusammen- geschnürt, das Nothwendigste nur, das sie brauchte, und das unter dem Arm, trat sie endlich in die Werkstätte — sie vermied die Stube—, um ihren schweren Weg an- zutreten. Aber Fritz hatte sie durch das kleine Fenster in der Wohnstube gesehen, und mit wenigen Sätzen war er draußen bei ihr. „Mutter!" rief er und schlang seine Arme um ihren Nacken. „Und Du nennst mich Mutter?" sagte die Frau er- staunt und sah ihn mit den großen, thränengefüllten Augen an. „Meine liebe, liebe Mutter!" Und fest und innig drückte er sie an sich; sie aber, während sie ihr Haupt einen Moment an seine Schulter lehnte, sagte leise: „Ich danke Dir, Fritz, ich danke Dir aus tiefstem Herzen' jetzt werd' ich hingehen und für Dich sprechen— verlaß Dich darauf, Dir soll Dein Recht werden!" „Und Du, Mutter...?" „Sorge Dich nicht um mich, ich habe es nicht verdient. Leb' wohl!" Und ihn noch einmal auf die Stirn küssend, machte sie sich von ihm los. Fast unwillkürlich wandte sie sich dabei dem Mann zu, um auch Abschied von ihm zu nehmen; aber der Schlossermeister hatte die Arme auf die Brust gekreuzt und schaute finster zur Seite— es war keine Spur von Versöhnung in seinen harten Zügen zu er- kennen. „Leb' wohl, Gottfried," sagte sie leise und streckte ihm die Hand entgegen. „Leb' wohl!" sagte Baumann, ohne sie anzusehen, drehte sich ab und schritt wieder in die Stube zurück. Seine Frau wagte nicht, ihm dahin zu folgen. Karl war vorgesprungen und wollte jetzt wissen, was sie habe, weshalb sie Abschied nähme. Sie küßte ihm das rußige, ehrliche Gesicht, hob noch einmal die kleine Else auf, die sich an sie hing und nicht von ihr lassen wollte, riß sich loS und eilte mit raschen Schritten auf die Straße hinaus und dem Polizeigcbäude zu, in dessen düsterem Thor sie ver- schwand. Der Staatsanwalt Witte befand sich an dem Tag in Zleüer die Kildung eiuev„Dentsch-afrikanifche» MinengrseUschaft" ist bereits mehrfach derichtet. Heute liegt ein Zirkular der genannten Gesellschaft nebst einem sogenannten wissenschaftlichen Gutachten des Herrn Dr. Bernhard Schwarz vor. An der Spitze der Gesellschaft steht der Bergingenieur Dr. Braumüller in Berlin und ein Konsul a. D. Martinsen in Oderlößnitz- Dresden. Die Gesellschaft will nickt selbst Bergbau treiben, sondern nur Untersuchungen und Schürfungen auf Gold ic. vornehmen und auf eventuell entdeckte Gold- oder Evelsteinfelder Verleihungen oder sonst Eigenthum erwerben. Die erworbenen Gerechtiame sollen sodann entweder im Ganzen oder theilweise veräußert oder verpachtet werden. Die Mitglied- schaft der„Deutfch-afnkanischen Minengesellschaft" kann durch Zahlung eines Betrages von mindestens fünfhundert Mark er- worden werden und hat jedes Mttglied im Verhältniß seiner Einlage entsprechenden Antheil an dem Gewinn und Verlust der Gesellschaft. Nachzahlungen, welche die gezahlten Mitglieds beitrüge überschreiten, können von den Gesellschaftsmitgliedern nicht eingefordert werden. Der Vorstand will auch weitere Ex- pedittonen über die Grenzen des deutschen Schutzgebietes hinaus unternehmen. Der Vorstand will namentlich in bestimmte, ihm bekannte Gegenden, die bereits von deutschen Forschern besucht find, Expeditionen senden, welche auch nach Edelsteinen suchen sollen. So weit der Prospekt der Gesellschaft. Als Wissenschaft« liche„Autorität" fungirt, wie gesagt, Herr Dr. B. Schwarz, aus dessen Gutachten wir übrigens erfahren, daß der deutsche Reichskommissar Herr Dr. Göring bei seinem letzten Hiersein eine Goldprobe von der Größe etwa eines Maiskornes bei fich gehabt habe. Herr Schwarz hat fich bei seinen im Auftrage der Reichsregierung in Kamerun unternommenen Expeditionen nicht gerade mit Ruhm bedeckt. Seine Autorität kann die „Deutsch-afrikanische Minengesellschaft" in unseren Augen nicht vertrauenswürdiger machen. Her» Dr. Karl petero ist kalt gestellt worden. In einer am Montag stattgehabten Vierteljahrsfitzung der ostafrika- niscken Gesellschaft, in welcher Herr Peters über seine Thätigkeit in Ostafrika Bericht erstattete, wurde beschlossen, daß Herr Peters in seine Stellung in die Berliner Direftion wieder zurücktreten solle. Bisher ließ Herr Peters durch die ihm zu Gebote stehende Kartellpreffe bekanntlich stets verbreiten, daß er bald nach Afrika zurückzukehren gedenke. Nunmehr ist als Generalvertreter für Sansibar der frühere Konsul an der Sierra-Leone Küste, Herr Vohsen, bestimmt worden; letzterer hat als Generalagent der Compaguie du S nural eine mehrjährige Thätigkeit hinter fich. Der Vertrag zwischen Herrn Vohsen und der ostaftikanischen Gesellschaft ist bereits im Dezember 1887 abgeschlossen worden, also ungefähr zu derselben Zeit, als die Gerückte über neue Differenzen zwischen Herrn Peters und der ostafrikanischen Ge- fellschaft zirkulirten. Die herzliche» Kitten um Geld für die Stöcker'sche Stadtmisfion find, wie die„Potsdamer Nachrichten" hervor- heben, plötzlich aus dem„Potsdamer Jntelligenzblatt" fortge- blieben. Dieselbe Bemerkung hat man auch an vielen anderen Orten gemacht. Es ist auf einmal mit diesen Sammlungen still, ganz mäuschenstill geworden, obgleich noch vor kurzem fich anscheinend unter sehr lebhafter Begeisterung für die Sache die einflußreichsten und hochgestelltesten Persönlichkeiten an die Spitze der Unterzeichner gestellt haben. Kuchbinder Michelfen, aus Mecklenburg gebürtig, der von den Behörden gleich Christensen und Keßler von Ort zu Ort gejagt wurde, entschloß fich, der alten Welt mit seiner Familie den Rücken zu kehren. Er befindet fich schon mit den Seinigen auf dem Wege nach Buenos-Ayres. Möge es auch ihm gelingen, ein ficheres Heim auf ftemdem Boden zu finden. Ans Düsseldorf schreibt man uns: Hausdurchsuchungen find jetzt an der Tagesordnung. So fanden am 11. März und am Sonntage vorher bei einer Anzahl Personen, die ge- werkschaftlich thätig waren, oder sonst auf eine Art der Polizei bekannt find, solche statt. Ob man damit die„reoolutionären Auswüchse"— diese sollen ja nach des Ministers v. Puttkamer Aussage im Reichstage nur getroffen werden— treffen, oder ob man mit Stoff zu einem Geheimbunds Prozeß sammeln will? Die Sozialdemokratie wächst Hierselbst, wie aus den Reichstags- wählen erfichtlich, immer mehr und mehr, und es ist absolut keine Ausstchl vorhanden, daß fie zurückgeht. Obengenannte Durchsuchungen waren, abgesehen von der Beschlagnahme einiger laufenden Nummern des Züricher„Sozialdemokrat", alle rcsultatlos. An» Cölbe a. S. wird der„Fränl. Tagespost" geschrieben: „Wie weit es heute geht, beweist wohl am besten folgender Fall. Zum Weihnachtsfeste vorigen Jahres hatten eine Anzahl Freunde, unter welchen fich auch polizeidekannte Sozialdemo- kraten befanden, mit ihren Familien unter fich eine gemüthliche Weihnachtsfeier in einem aparten Zimmer einer hiesigen Restau- ration veranstaltet. Die Feier bestand in einer Weihnachts- baumausschmückung und wurde durch Gesangs- und Dekla- mationsvorträge verschönt. Von Redenhalten keine Spur- Dennoch ist nunmehr gegen sämmtliche Theilnehmer wegen „nicht angemeldeter Versammlung" Anklage erhoben worden! einer sehr unbehaglichen Stimmung, denn er hatte etwas unternommen, von dem er noch nicht recht klar sah, wie er es ausführen sollte. Wenn er sich auch bewußt war, nur seine Pflicht dabei zu thun, und ihn gesetzlich— der Fall mochte entschieden werden, wie er wollte-p nicht die geringste Verantwortlichkeit treffen konnte, r täuschte er sich auch nicht einen Moment über das Aufsehen, das derselbe, besonders in den höheren Schichten der Ge- fellschaft, erwecken würde, und er wußte dabei recht gut, daß alles für ihn nur von dem Erfolg dabei abhänge, denn nach dem Erfolg allein urtheilt die Welt. Fiel er mit seiner Klage durch, so konnte er sich ernstlich darauf ver- lassen, daß Fräulein von Wendelsheim Himmel und Erde in Bewegung setzen würde, um sich an denen zu rächen, die es gewagt hatten, ihr entgegen zu treten. Aber da» nicht allein: es mußte ihm auch wesentlich in seinem Rufe als Staatsanwalt schaden, zu einer dann als Schwindelei hingestellten Geschichte die Hand geboten r haben, und dagegen half ihm nicht einmal der gute NarM* den er bis jetzt als redlicher Mann in der Stadt hatte.®r kannte die Welt dafür viel zu genau. Aber es ließ sich nicht mehr ändern; der Stein rollC und durch seinen heutigen Besuch bei Fräulein von Wendel»' heim hatte«' überdies dem Faß den Boden auSgestoM' Jetzt kämpfte er so gut für sich selber, als für die Ntth des wirklichen und leiblichen Wendelsheim'fchen Erben,% wußte überdies die gute Sache auf seiner Seite— noch immer nicht genug gegen zwei böse Weiber, so lang diese einig waren. Wenn man sie nur hätte entzioer können— aber wie? Einer seiner Schreiber steckte den Kopf in die Thür meldete einen Besuch. � »Habe ich Ihnen nicht gesagt, daß ich für Nieinan heute zu sprechen bin?" ftagte Witte scharf. „Es rst der junge Baumann; er behauptet, er m« Sie sprechen, und zwar in einer wichtigen Angelegen? er JP1 Kriegen? »Der junge Baumann, hm— lassen Sie ihn r fi kommen. Der kann mir nachdenken helfen," brumw halblaut vor sich hin. (Fortsetzung folgt.) Gesterreich-Uttgar«. In Wien ist einer der thätigsten Fach vereine aufgelöst worden. Der„Fachverein der Bäcker" hatte sich eingehend mit der Lage seiner Berufsgenossen beschäftigt, ein eigenes Fachorgan, die„Bäcker-Ztg." herausgegeben, eine umfassende Sozialstatistik angestellt, welche durch Veröffentlichung es ermöglichen sollte, die schreienden Uebelstände im Bäckergewerbe zu beseitigen. Nun mit einem Handstreich ist all' diese Thätigkeit vernichtet worden. Am Mittwoch wurde die Monatsversammlung verboten und am Donnerstag der Verein sistirt! Die statistische Untersuchung, die Aussendung der Fragebogen durch die Redaktion ist plötzlich eine Handlung des Vereines geworden, und zwar eine solche, durch welche er fich„eine Autorität in einem Zweige der Exekutivgewalt anmaßt."— Die Thätigkeit des Vereins ruht; einen Rekurs giebt es nicht, die„Ausnahmsverfügungen" kennen diese Einrichtung nicht. Vorläufig müssen die Bäcker Wiens zu- sehen, wie ihre beste Abficht, auf vollständig gesetzliche Weise, durch gesetzlich erlaubte, öffentliche Agitation das Bäckcrelend zu beseitigen oder wenigstens zu mildern— aufgeschoben werden muß. Im Abgeordnetenhause wurde an demselben Tage von den Adgg. Dr. Kronawetter, Pernerstorfer und Genossen eine Jntervellation an den Minister des Innern gerichtet,„ob derselbe von der Maßregel des Polizeiraths Franke gegenüber dem Fachvercin der Bäcker unterrichtet ist, und wenn ja, ge- denkt derselbe im Interesse der Wahrung des Gesetzes und der Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung die zeitweilige Einstellung der Thätigkeit des Fachvcreins der Bäcker Wiens sofort aufzuheben, resp. an die Polizeidirektion Wien dazu das Nöthige verfügen zu wollen?" Man ist begierig, welche Ant- wort der Minister geben wird.— Wir find es nicht. Wozu hat das österreichische Abgeordnetenhaus der Polizei Macht- defugmffe ertbeill, welche ihr jederzeit erlauben, unliebsame Er- örterungen hintanzuhalten. Und unliebsame Erörterungen wären gepflogen worden über die traurigen Verhältnisse der Bäcker Wiens. Aber daran sind die Bäckergesellen Wiens nicht schuld und müssen dennoch büßen. Schweiz. Wie aus der Schweiz gemeldet wird, hat die Untersuchung in Sachen der Lockspitzel durch die kompromittirenden Dinge, welche sie zu Tage förderte, der deutschen Regierung mancherlei Verlegenheiten bereitet und— was auch tn unserem Blatte schon früher angedeutet wurde— die diplomatische Aktion der deutschen Regierung unangenehm durchkreuzte. Es war den schweizer Behörden einfach nicht möglich, die Ausweisung einer Anzahl von Sozialdemokraten zu bewilligen, nachdem durch die richterliche Untersuchung und durch die freiwilligen Geständnisse der Schuldigen selbst festgestellt war, welche Rolle gewisse be- kannte Personen gespieÜ und in wessen Sold fie ge- standen Kaden. Gegen diese„Logik der Thatsachen" war einfach nicht anzukommen. Und die Bundes- behörden, so nachgiebig sie fich auch sonst zeigten, hiellen doch in derHauptsache fest und es gelang nicht, sie von ihrer festen Position abzudrängen. Die nachtheilige Wirkung der Lockspitzel- Enthüllungen spielte auch auf das Gebiet der internationalen Politik hinüber. Was hier vorgegangen ist, wird noch von einem mystischen Dunkel umhüllt. So viel steht aber fest, daß— welche Tragweite die Wünsche oder Forderungen der deutschen Regierung immer ge- habt haben mögen— die Schweiz eine weit entschiedenere ab» sehnende Haltung beobachtet hat, als erwartet worden war. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß die Eid- oenoffenschaft, so„klein" fie unseren Großmachts-Kraftmeiern er- scheinen mag, dock— ganz abgesehen von ihrer inneren Stärke — einen sehr starken Rückhalt nach Außen hat.— und zwar in der französischen und der englischen Regierung, die ibr gegenüber eine besondere Freundschaft bekunden. Und auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika dürfen nicht völlig außer Berechnung gelassen werden. Dieselben haben die Eidgenossenschaft stets als Schwesterrepublik betrachtet und behandelt, und wenn die Vereinigten Staaten auch das Programm haben, sich in die europäischen Angelegenheiten nicht einzumischen, so würde sich, falls die Schweiz irgend einer ernstlichen Gefahr ausgesetzt sein sollte, doch bald offenbaren, welch' kolossale materielle und moralische Macht dem transat- lantischen Riesenreich innewohnt. Also die Schweiz ist nicht der unbedeutende Frühstücks- bissen, für den er von unseren Chauvinisten ausgegeben wird. Sie ist ein Faktor, mit dem sehr ernsthaft gerechnet werden muß.- Apropos, durch die neuesten Geständnisse des Lockspitzels Schröder ist festgestellt, daß er nicht erst seit 1885, wie er anfangs behauptete, sondern schon seit l88i im dekannten Solde stand- und damit ist der vermeintliche Be- «eis. daß er die„Freiheit" im Jahre 1882 nicht mit seinem Gclde habe drucken lassen, hinfällig geworden., Die Untei suchung gegen Schröder wird eifttg fortgeführt, und der Wechsel in der Person des Untersuchungsrichters ist nach dieser Richtung hin ohne Einfluß geblieben. Die schweizer Be- Hörden sind nicht gesonnen, die Waffen, welche ihnen ein günstiger Zufall in die Hände gespielt hat, freiwillig weg zu werfen. Aus Kunst und Keben. «» man in Europa Musik»eunt. Ein Amerikaner, dem Konzert einer modernen Klavierspielerin in einer lchen Metropole beiwohnte, schildert den Eindruck, welchen rstlerin auf ihn gemacht, folgendermaßen:„Es war eine Dame mit so vielen Volants um fich� daß fie aussah, wie inet Satum mit seinen Ringen. Sie gab dem runden uhl eine oder zwei Umdrehungen und flaumte darauf wie ein mit Seifenschaum gefülltes Laooir(Waschbecken). rülpte sie ihre Manschetten auf, als ob sie daran ginge, eis in einem Ringkampfe zu gewinnen. Darauf bear- fie ihre Handgelenke und Finger, um sie geschmeidig zu wie ich denke, und breitete ihre Finger aus, bis fie aus- us ob fie die ganze Klaviatur von dem brummenden bis quikcnden Ende umspannen wollten. Schließlich mach- e beiden Hände einen Sprung über die Tasten, als ob r Tiger über eine Heerde schwarzer und weißer Schafe ten, und das Piano ließ ein Gebeul vemebmen, als od wand auf den Schwanz getreten hätte. Plötzlich Tobten- - Man konnte das Haar auf dem Kopfe wachsen hören. rin stärkeres Geheul, als ob das Piano zwei Schwänze d man ibm auf beide getreten wäre! Dazu ein größeres >er, Geklapper, Gequike und eine Reihe von Sprüngen ! ab, vorwärts und rückwärts, eine Hand über die andere, «e eine allgemeine Flucht von Ratten und Mäusen. Und ncn sie in Europa— Musik!" terikanische Erfinderinnen. Aus den Archiven des -rikanischen Patentamts hat man nachfolgende Thatsachen -'lt, welche bezeugen wie lebhaft dort das weibliche Ge- «i öffentlichen Leben theilnimmt und selbst auf tech- Gebiet den Männern Konkurrenz zu machen sucht. Nicht als l9(X) Patente haben Frauen erhalten, und außerdem vie ein Fachmann versichert, noch vielen Männern er- patente in Gedanken und Anregungen von Frauen Besonders aussallen muß es, daß der erfinderische ' Geist so oft Gebiete aufsucht, die dem Frauenleben » liegen. Das unterirdische Teleskop rührt her von einer fiatber in New-Noik, eine Panzerung für Kriegsschiffe u Montgomery. ein Fräulein Gosham hat eine neue erfunden! Eine Dame in Baltimore will die Koppe- t Bahnwagen, eine andere die Straßcnbahngeleise ver- Frau Beakely ersann ein Rettungsboot für Schiff- Frau Tanney von Pennsylvanien eine Vorrichtung zur gesunkener Schiffe und eine Syphon-Propeller-Pumpe, Großbritanttie«. Im englischen Staatswesen finden fich in ganz zusammen- hangsloser Weise neben den vorgeschrittensten Errungenschaften der Neuzeit verrottete und mißbräuchliche Ueberreste der Ver- gangenheit, die sich entweder deshalb in die Gegenwatt hin- ubergerettet haben, weil man über den dttngenderen Erfordernissen wichtiger Neuschöpfungen ihre Abschaffung versäumt hat, oder weil die aus ihnen Nutzen ziehenden Interessenten eifrigst darauf bedacht find, die Verstopfung dieser Quellen ihres Ein- kommens zu verhüten. Es bedarf immer erst einer längeren Bearbeitung der öffentlichen Meinung, um einen Sturm zu er- regen, der im Stande ist, diese Hindemisse hinwegzufegen Jahre lang haben fich so eifttge Rcformfreunde es angelegen sein lassen, dem Pcnfionsunwcsen, insbesondere den immerwährenden vererblichen Penstonen, ein Ende zu machen, aber cyt jetzt ist auf Bradlaugh's Anttag ein einstimmiger Beschluß des Unterhauses erzielt worden, der dem alten Uebel die Axt an die Wurzel legt. Schon im vorigen Jahre war ein Sonder- ausschuß zur gründlichen Untersuchung der immerwährenden Pensionen eingesetzt worden. Was dessen Arbeiten zu Tage gefördett haben, würde einen trefflichen Beitrag zu den Ännalcn eines Abdetttenreiches liefern können. Die schlimmsten dieser dem steuerzahlenden Volke aufgebürdeten Lasten entstammender kläglichen Reattionsp'.node, die England zur Zeit der sog Re- stauration unter dem ausschweifenden dntten Stuatt, Karl Ii., durchmachte. Den vielen Sprößlingen seiner Neigungen pflegte der leutselige Monarch außer hohen Titeln durch Anweisung immerwährender Pensionen den standesgemäßen Lebensunter- halt für sie selbst und ihre Nachkommen zu sichern. So bezieht noch beutigen Tags der Herzog von St. Albans als penstonirter Großfalkonier jährlich 1000 Pfd. Sterl. Auch die Ehurchill's beziehen eine immerwährende Penston. doch hatte ihr Ahne, der Feldherr Mariborough, wenigstens Verdienste um den Staat aufzuweisen. Ein großer Theil der immerwährenden Pensionen ist tn den letzten Jahren von den Bezugsberechtigten gegen eine einmalige Kapitalzahlung des Staates abgelöst worden, doch sind immer noch deren 76 in Kraft. Es liegt im Interesse der meist die Inhaber zu ihren Anhängern zählenden konservativen Rc- gierung, auch die Ablösung dieses Restes jetzt vorzunehmen, so lange fie noch das Heft in Händen hat, da spätere liberale Mini- stenen den Inhabern schwerlich so günstige Bedingungen ge- währen werden, wie ein Ministerium Saltsbury. Aus diesem Grunde beeilte fich auch Mr. Smith, dem radikalen Antrag- steller möglichst entgegenzukommen. Sogar der andere Zweck des Bradlaugh'schen Antrages, die Bedingungen der nur lebens- länglichen Pensionen einer Neuregelung zu unterwerfen, fand seitens der Regierung Billigung. Auseinander gehen die An- sichten in dieser Hinficht nur detteffs der Ausdehnung der zu ermattenden Reform. Dem Wunsche Bradlaugh's und anderer Radikaler, Pensionen nur solchen Leuten zu gewähren, die im Dienste des Staates erwerbsunfähig geworden find, wird sich die Regierung nicht anbequemen, doch war man allerseits ein- verstanden, daß die auch hierbei vielfach eingewurzelten Miß- bräuche, die ganz jungen Mcnschm aus diesem oder jenem Gmnde eine Pension verschafft haben, abgestellt werden müssen. DS«-mark. Die parlamentarische Session nähert fich mit schnellen Schtttten ihrem Ende und mit diesem Ende wird die Herrschaft der Provisotten wieder beginnen. Weder das Finanzgcsetz noch das Kunstbuttergcsctz werden zwischen den gesetzgebenden Faktoren vereinbart werden; beide Thinge hatten an ihren Be- schlössen dritter Lesung fest und auch die nunmehr beschlossene Berathung im gemeinsamen Ausschusse wird keine Verständigung herbeiführen. In dieser sicheren Voraussicht haben die be- Keffenden Ausschüsse des Lavdsthings die Gutachten über die drei provisottschen Gesetze erstattet, die für die Linke unannehm- dar find, nämlich über die Gendarmerie, über die Presse und über Ergänzungen zum Strafgesetze. Die Mehrheit in den Aus- schüff. n erklätte sokott, daß sie die Provisorien durchaus billigt und fie im hohen Grade vortrefflich findet. Die bei dem Volke so sehr verhaßte Gendarmctte soll nach dem Vorschlage allerdings in eine Staatspolizei umgewandelt und dem Justizminister unter- stellt werden, aber das Wesen der Einttchtung wird durch diese Aendemng nicht berührt. Die Staatspolizei bleibt ein mili- tänsches Korps mit militärischer Ausrüstung, welches dem Militärstrafgesetzbuch unterworfen ist. Die Bevölkerung wird dieser Staatspolizei ebenso fremd gegenüber stehen, als der Gendarmette. Nach dem Ausschußvorschlage soll auf je 1200 Einwohner in den Städten und auf je 3000 auf dem flachen Lande ein Staatspolizist kommen.— Das Straiprovisorium und das Preßprovisorium sind von dem Ausschusse nicht in ein anderes Gewand gekleidet, aber die Rechte des Landsthings hat den Charakter dieser Provisotten als Unterdrückungsmittel der freien Meinungsäußerung der politischen Gegner wesentlich ver- schärft. Werden diese Verschärfungen in die neuen Provisotten ausgenommen, so ist jeder, der fich der Opposition anschließt, dem Strafrichter verfallen; selbst derjenige, der nur zu rechtsstreitigen, wenn auch nicht sttafbaren Handlungen auffordett, ist sttafbar. Natürlich sind auch solche Aeußerungen, die geeignet sind, das Vettrauen zu der Unpatteilichkett der Gerichte zu erschüttern, Fräulein Bird erfand eine neue Dampfpfeife, Frau Coston ein pyrotechnisches Nachtfianal, Frau Beaumont von Ohio ein an- deres Rettungsboot. Viele an Frauen verliehene Patente schlagen aber auch in den weiblichen Wirkungskreis ein, wie eine von Fräulein Rosenthal vcrbeffette Nähmaschine, die in einer Hand- tasche tragbar und an jeden Tisch anzuschrauben ist. Neue Ma- schinen zum Melken und Aufwaschen find gleichfalls weiblichen Ursprungs. Unter den Erfinderinnen stehen die Frauen von New-Aork obenan, dann folgen die von Massachusetts, Ohio, Indiana und Wisconfin. Da» Elektric- Cinb- Hons» in Uew- Uork. Am 31. Januar d. I. ist zu New-Uott das Elektttc- Club- House seiner Bestimmung übergeben und, wie das Patent- und tech- nische Bureau von Paul Hattert in Görlitz mittheilt, von Pro- feffor Rowland der erste Vottrag gehalten worden. Der Einttttt in das Haus ist nur den Eingeweihten gestattet, denn das Pottal unter dem in elektttschem Lichte strahlenden Schilde öffnet fich durch elektttsche Vorrichtung nur nach einem auf eine bestimmte Stelle ausgeübten Druck. Im Kellergeschoß find eine schnellgehende Dampfmaschine und zwei Dynamomaschinen auf- gestellt und von letzteren aus die Leitungen nach den verschie- denen Räumen des fünf Stockwerke hohen Hauses in einem vielgliederigen System geführt. Das Museum enthält eine voll- ständige Sammlung aller elettttschen Apparate und Maschinen. Beleuchtung'und Beheizung für den großen Vorlesungssaal wie für den geringsten Nebenraum werden durch Elektrizität gespeist, ja selbst der Küchenofen des Restaurants durch Eleftrizität be- heizt und sogar der Stiefelwichsapparat damit angetrieben. Das Elektttc- Club- House dient jedoch in erster Linie nicht Vergnügungszwecken, sondem wiffenschafttichen Votträgen und Versuchen. Die Angst vor-iner böse« SchMirgermnttrr ver- mag selbst den gutmüthigsten Mann zu einem verzweifelten Schritt zu treiben. Ein Jrländer Namens McCattney war im September vottgen Jahres nach Amettka ausgewandett, jfand lohnende Beschäftigung in New-Nork und erspatte fich genügend Geld, um seiner Frau ein Reisebillet nach den Staaten zu kaufen. Frau McCattney machte alle Vorbereitungen zur Reise und meldete ihrem Mann, daß fie in dem Dampfer„British Pttnce" in Begleitung ihrer Mutter ankommen werde. Diese Meldung versetzte McCattney in solche Verzweiflung, daß er schnurstracks zum Emigrationinspettor ging und ihn warnte, eine gewisse Frau Hunter nicht landen zu lassen, da sie eine mittel- lose Person sei und der Gemeinde zur Last fallen werde. In Begleitung des McCattney ging der Inspektor an Bord des sttafbar. Damit hött nicht nur jede Ktttik, sondern auch jede Besprechung der politischen Prozesse, ja in gewissen Fällen die einfache Kundgebung des Uttheils auf. Amerika. Der Senat in Washington genehmigte am Mittwoch die Vorlage, welche die amtliche Besichtigung des für die Ausfuhr bestimmten Fleisches verfügt und die Einfuhr von gefälschten und ungesunden Nahrungsmitteln, von Wein, Spitttuosen und Bier, die gefälscht oder mit giftigen und schädlichen chemikalischen Stoffen oder anderen gesundheitsgefährlichen Zuthaten vermischt find, verbietet. Der Entwurf ermächtigt ferner den Präsidenten, die Einfuhr dieser Artikel zu verbieten, wenn er überzeugt ist, daß sie in gefährlicher Weise gefälscht find, und gestattet, wenn irgend ein auswättiges Land Vettheidigungszölle gegen Erzeug- niffe der Vereinigten Staaten einführt, daß der Präsident Gegen- maßregeln ausüben darf. Femer untersagt der Entwurf die Einfuhr von krankem oder angestecktem Vieh oder von solchem, das Seuchen oder Ansteckung ausgesetzt ist. Uereine und Nersammwugen. Der Fachverein der Rohrleger hielt am 25. März, Alte Jakobstr. 75, eine Versammlung ab. Als erster Schrift- führer wurde Herr Schmidt gewählt. Hierauf fand die Aus- gäbe der Billets zum Stiftungsfeste statt. Sodann wurde zum 3. Punkt der Tagesordnung„Verschiedenes" die Nothlagc der streikenden Lackirer Berlins geschildett. Der Vorsitzende ersuchte, die Streikenden nach Kräften zu unterstützen, worauf eine Tellersammlung für die Streikenden veranstaltet wurde. So- dann schloß der Vorfitzende mit einem„Glück auf der guten Sache" die Versammlung. Allgemein» Kranken-«nd Kterbekasf» der Metallarbeiter(E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin l. Am 3. Apttl, Vormittags 10 Uhr, im Lokale Lichterselderftr. 7 u. 8(Restaurant Wilhelmshöhe): Außerordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Aufstellung der Delegitten zur General- Versammlung. Die definitive Wahl findet in demselben Lokale am Sonnabend, den 14. Apttl, Abends 85 Uhr, statt. Das Nähere wird in der Versammlung bekannt gemacht.— Da die Versammlung für jedes Mitglied von großer Wichtigkeit ist, werden alle Mitglieder ersucht, ihre Rechte auszuüben und Mann für Mann zu erscheinen.— Die Filiale Berlin lv hält am zweiten Osterfeiertage, Vormittags 10V Uhr, in Keller's Lokal, Andreasstt. 21(oberer Saal), eine Versammlung ab, de- Hufs Vorwahl der Delegitten zur Generalvettammlung. Kranken-«nd Kegröbniffkaste de» Verein« sämrnt- l ich er Kerufsklaste», Berlin 1. Sonnabend, den 31. d M., Abends 8 Uhr, Blumenstr. 78 bei Wollschläger: Versammlung. Neue Mitglieder werden in jeder Versammlung, sowie zu jeder Tageszeit beim Vorsitzenden Sasse, Hascnhaide 48, und beim Kasfirer Schilling, Koppenstr. 48, aufgenommen. Fachverrin der Kteinträger Kerlin». Am 2. Oster- feiettag gemüthliches Zusammensein mit Frau und Kind im Louisenstädtischen Konzetthaus, Alte Jakobstr. 37. Musik, Ge- sang, humoristische und komische Vorttäge werden als Unter- Haltung dienen. Das Mitgliedsbuch legitimitt beim Eintritt. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zuttttt. Eröffnung des Etablissements Vormittags 10, Anfang der Unterhaltung Vormittags 11 Uhr. Zur Deckung der Unkosten Enttee nach Belieben. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Verein Kerliner Mohnnugsmiether. Allgemeine Micther Versammlung heute, Donnerstag, Abends 8 Uhr, im „Deutschen Vereinshause", Wilbelmstraße 118. Tagesordnung: 1. Die Aufgaben des Vereins(Referent: Herr Malzahn). 2. tuj- nähme neuer Mitglieder. 3. Freie Diskussion. 4. Ergänzungs- wähl des Vorstandes. Der Fachverein der Tischler feiert am Sonntag, den 1. Apttl(1. Ostetteiettag), in der„Berliner Ressource", Kom- mandantenstraßc 57, sein vlll. Stiftungsfest, bestehend aus großem Vokal- und Jnstrumentalkonzett, ausgeführt vom Gesangverein Echo I und der verstärkten Kapelle des Hauses; Auftreten des beliebten Mignon-Tänzerwaares Matths und Georg Stoster. Nach 12 Uhr großer Ball. Anfang des Konzerts Nachmittags 5 Uhr.— Btllets sind nur vorher bei folgen vm Vereinsmitgliedern zu haben: Markmann, Adalbettstraße 14, 1, (bei Brandt)( Apclt, Sebastianstraße 27—28(Möbelhandlung); Wiedemann, Forsterstraße 50: Schulz, Britzerstraße 42; Glocke, Wrangelstr. 30, Iii; Meinz, Manteuffelstr. 97, Hof III; Noack, Skalitzerstr. 24, lv; Postel, Manteuffelstr. 22, 11; Merkel, Zossenerstt. 33, Hof U: Wanke, Nostizsttaße 35, III; Witte, Mbckernstt. 95; Normann, Steglitzerstr. 3, Hof parterre rechts; Grabert, Pallisadenstt. 43, IV; Grünwaldt, Pttnzenstt. 1 0, Hof 11(ber Schlüter); Bielstein, Gartenstt. 3a, IV(hei Bieder» mann):�Müllcr, Hollmannstraße 23, und Millarg, Lehrter» sttaße 22, 11.— An der Kasse des Lokals werden keine Billets ausgegeben. Veffentliche Versammlung sämmtlicher Lackirer Kerlin» und Ugcaend heute, Donnerstag, Abends 8V Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20. Tagesordnung: Die Lage unserer Streikbewegung. Dampfers, um die Schwiegermutter zu identifiziren und benach- ttcktigte sie, daß er ihr nicht gestatten könne, zu landen, da fie mittellos sei. Die alte Dame sagte entrüstet, daß fie einen Schwiegersohn habe, der für sie sorgen könne, bis sie Beschäfti- gung gefunden habe.„Aber er will nichts mit Euch zu thun haben und Euch nicht helfen", war die Antwort. Die Schwiegermutter wäre auch richtig mit dem Dampfer wieder nach der grünen Insel zurückgereist, hätte nicht ein Ärbeitsagent von ihrer Verlegenheit gehört und ihr eine Stelle verschafft. Die Beziehungen zwischen der Schwiegermutter und McCattney haben sich seither nicht gebessert. Di« Angenblickapftotographie im Dienst» der Augenheilkunde. Der Breslauer Augenarzt, Prof. Hermann Cohn, hat neuerdings versucht, die besonders von Ottomar An» schütz gepflegte Augenblicksphotographie für die Augenheilkunde nützbar zu machen. Zunächst war es ihm darum zu thun, Bil- der der Jtts und der normalen Pupillcnweite bei Lebenden zu gewinnen. Man weiß, daß bei Gesunden die Pupille sich ver- engt, sobald Licht ins Auge fällt, und daß zu enge oder zu weite Pupillen oder ungleiche Pupillen bestimmte Krankhetten des Nervensystems anzeigen. Es ist daher für die Aerzte von Bedeutung, die normale Weite der Pupille bei Personen, die sich im Dunkeln befinden, auszukunden. Prof. Cohn ist es nunmehr gelungen, diese normale Weite vermittelst des Licht» bildcs aufzunehmen. Er verwandte bei der Aufnahme des Bil- des sogen. Bliypulvcr. Dieses Blitzpulver wirkt so schnell, daß die im Finstern befindliche Pupille sich erst dann verengt, wenn das Augenblicksbild beendigt ist. Das Bild ist früher fettig. ehe der Lichtreiz die Pupille zur Verengerung zu bringen vermag. Mit der nämlichen Vorrichtung hat Prof. Cohn zwei Krankheitsbilder der Jtts fixirt, eine angeborene Spaltung der Jtts und Reste einer fötalen Membran, welche die Pupille be- deckt. Weiterhin hat Prof. Cohn versucht, was bei Weitem wichtiger ist, nnt der nothwcndigen Zuhilfenahme des Augen- spiegels von dem Augenhintergrunde Augenblicksbilder aufzu- nehmen. Diese Versuche sind aber bisher am lebenden Auge nicht gelungen, hingegen schon an der künstlichen'Nachbildung des Auges. Werden diese Vettuche noch vervollkommnet, so werden sie voraussichtlich für die Augenheilkunde sehr bedeutsam werden. Vielleicht gelingt es dann, wie Dr. Jeserich an dem Schreibpapier dargethan hat, vermittelst des Lichtbildes auch ganz geringe Veränderungen des Auaenhintcrgrundes wahrzu- nehmen, welche mit den jetzt üblichen optischen Hilfsmitteln. nicht erkennbar find. ®«m- ttttb gesrllige Pereine etc. am Donnerstag. Männcmesangverein„Lätitia" Abends 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Veteranenstr. 19.— Gesangverein„Bretzel- schluh" Abends kt Uhr im Restaurant Schumann, Alte Jakob- ftraße 38.— Männergesangverein„Nordstcm" Abends 9 Uhr im Restaurant JSacob, Lindowerstr. 26.— Schäfer'scher �Gesang» .. iTtena", Gesangverein der freireligiösen Gemeinde, Abends 8t Uhr Reue Friedrichstraße 35, Saal 3.— SliännergcfangDetein „Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Straußbcrger- Itraße 3.— Männergesanavcrein„Liedesfreiheit' Abends Uhr im Restaurant Siemund, LiniensKaße 8.— Turnverein„Hasenhaide"(Lehrlings- Abtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbach- straße 60—61.—„Berliner Turngenossenschaft"(7. Lehrlings- Abtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Britzerstraßc 17—18;— desgl. 6. Männer- Abtheilung Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Gubener« strafte 51.— Lübeck'scher Turnverein(Männer- Abtheilung) Abends 8 Uhr Elisabethstraße 57 58.— Allg. Arends'scher Stenographenverein, Abth.„Louisenstadt", Abends 8t Uhr im Restaurant Preuß, Oranienstraße 51.— Arends'scher Steno- phenverein„Phalanr" Abends 8t Uhr im Restaurant„Zum ckower Garten", Buckowerstraße 9.— Berliner Steno- phen-Verein(System Arends) Abends 8t Uhr Mohren» 47(Brandenburger Haus).— Stolze'scher Steno- -Verein„Nord-Berlin" Abends 9 Uhr Schlegelstraße 44. ____ ein der Naturfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Wienersttaßc 35.— Rauchklub„Kernspitze" Abends 8t Uhr im Restmnant, Holzmarktstraße 44. Rauchtlub„Arcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forsterstraße, Ecke der Reichenberger- straße.— Rauchklub„Dezimalwaage" Abends 8t Uhr im Restaurant, Memelerstraße 82.— Rauchklub„Vorwärts" Abends 9 Uhr bei Herrn Tempel, Restaurant„Zum Ambos", Bres- lauerstraße 27.— Orientalischer Rauchklub" Abends 9 Uhr im Restaurant Wiechert, Oranienstraße 8. grap Kleine Mittheilnngen. 27. März. Die weinberühmte Stadt Tokay und die Theißniederung ist überfluthet. Viele Häuser sollen einge- stürzt sein. Von hier find Genietruppen entsandt. Mir«, 25. Män.(Eine unmenschliche Mutter.) Die Be- wohner des Hauses Nr. 1 der Pramagcrgafse im neunten Be« urk befanden fich während der letzten Tage in der peinlichsten Aufregung. Es hatte fich im Hause herumgesprochen, daß die Frau eines Angestellten der Börse, eines Herrn Grüner, ihr vierjähriges Töchterchen in wahrhast unmenschlicher Weise miß- handle, /und thatsächlich entsannen fich fast alle Nachbarn, entweder das arme blaffe Kiud winselnd die Treppe hinabeilend gesehen oder seine Schmerzenslaute aus der Grüner'schen Wohnung vemommen zu haben. In der letzten Woche scheint der Jammer des kleinen Kindes von Tag zu Tag fich gesteigert zu haben. Frau Grüner hatte das Kind schon neun Monate vor der Ehe, als Josefa Hambeck, zur Welt gebracht, und daher datirt vielleicht der Widerwille, der tödtliche Haß der Mutter, der nur dann nicht infurchtbaren Mißhandlungen des Kindes seinen Ausdruck fand, wenn Herr Grüner in der Wohnung an« wesend war. Sonst hatte die arme Kleine furchtbar zu leiden. Aus der Küche der Grüner'schen Wohnung erschollen tagtäglich die Wuthausbrüche der übrigens selbst kranken und deshalb umso leidenschaftlicheren Mutter, dazwischen die Klagelaute des wehrlosen Mädchens. Die Nachbarsleute, welchen diese schreckliche Mustk durch den gleich einem Sprachrohr funktioni- renden Lichthof zugefühtt wurde, schloffen bei diesen Auftritten die Fenster und steckten nachher auf der Stiege der zitternden Kleinen wohl einige Leckereien zu, aber schließlich sahen sie fich doch trotz der Rückficht auf den an diesen Brutalitäten offenbar unschuldigen Mann gezwungen, die Polizei zu Hilfe zu rufen. Diese war noch mit den Erhebungen beschäftigt, als gestern das Kind den Mißhandlungen seiner Mutter erlag. Die gerichtliche Obduktion wird ergeben, inwieweit der Tod die direkte oder indirekte Folge der erlittenen Mißhandlungen gewesen ist. Die Aussagen der gestern, theils von der Polizei, theils von dem Untersuchungsrichter vernommenen Zeugen find sehr belastend für Frau Grüner. Es wurde konstatirt, daß die kleine„Peppi" am 22. d. Vormittags in der schrecklichsten Weise mißbanvelt wurde und seit diesem Tage bettlägerig war. Das Mädchen defand fich erst sieben Wochen bei seiner Mutter, die es kaum kannte, da es seit seiner Geburt im Hause der Großmutter er- zogen wurde. Nana««, 21. Marz.(Feuersbrunst.) Die am östlichen Ufer des Jrrawady gelegene Stadt Myingyan in Oberbirma ist fast gänzlich ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer brach während eines Sturmes aus. Die Ursache ist unauf« aeklätt. 15 000 Menschen find obdachlos geworden und große Mengen am Flusse aufgestapelter Maaren, wie Getreide, Felle rc., find verbrannt. Eine andere große Feuersbrunst in Rangun zerstötte 150 kleine Häuser. Qntenotanitt, 24. März.(Erdbeben und Ueberschwem» mung.) Von einem amerikanischen Misfionär in Nunnan ist hier ein Brief eingegangen, der die jüngsten Erdbeben in dieser Provinz schildert, wodurch 15000 Menschen ihr Leben verloren und mehrere Städte zerstört wurden. Die größte Verheerung wurde im Innern des Departements Ebing Chan angerichtet wo die Erschütterungen vier Tage anhielten. Die Städte Lamon und Damen wurden in Trümmerhaufen verwandelt und über 4000 Personen unter den einstürzenden Gebäuden verschüttet. In So Chan, in Chuen, vollzog fich eine vollständige Ver- Wandlung der Oberfläche des Landes. Ganze Landstriche wur- den verschlungen und die Oberfläche verwandelte fich in einen nefigen See. Ueber 10 000 Personen ettranken. Das Schreiben theilt auch mit, daß der kaiserliche Kommissär, der besonders er- nannt wurde, um den durch den Austtitt des Gelben FluffeS verursachten Lebensverlust festzustellen, einen amttichen Bencht erstattete, demzufolge die Gesammtzahl der Ertrunkenen fich über 100000 beläuft, während etwa 1 800000 Menschen durch das Unglück in Nothstand versetzt worden find. Theater. Donnerstag, den 29. März. «p mchan*. Geschloffen. SchWfpiett»««». Geschlossen. He« sche» Theater. Götz von Berstchmgen. Wall»»»- Theater. Geschlossen. »eatral-Theater. Die Himmelsleiter. rsteartch- Wtlh»t«aädtische« Theater. Die Hochzeit des Reservisten. Atbtari«-Theater. Die Reise um die Well in 80 Tagen. Nst»«h»Th»at»r. Unsere braven Jungen in der Kaiserstadt. Francillon. ' er. Therese Krones. Almenrausch und Edel- weiß. �«»rie««-Theater. Spezialitäten-Vorstcllung. üumtmumn» UariSt«. Spezialitäten« Vor- stellung. Aauherdia- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. Theater V ...... W» Neichohalle«. Spezialitäten- Vorstellung. Koup Äi«ise«Wtifches Theater. vresdenerstt. 72. Direktion: Adolph Ernst. Zum 190 Male: „SchützenUs'l". lgspoffe in 4 Akten von Leon Treptow. ts von G. Görß. Mufik von G. Steffens und Franz Roth. Lisi: Berts Fetdsu. Hedwig: Olga Osrorak. Asta: Clara Helmer. Liese: Rosa Lid. Felix: Hugo Hasskerl. Franzi: Adolph Arat«. Max: Paul Barthold Stöpsel: Dir. Adolph Ernst. Im 4. Akt: Ür Franciiion-Parodie,'MG vorgetragen von Kerta Felda» und Dir. Ad. Gr»t». Anfang 7t Uhr. mr Telephon-Anschluß Amt IX. p». 9788.-mm Freitag: Keine Vorstellung. Berliner Stadt Theater �'allnertheatersttaße 15. Der Ghartvoche Wegen bleibt das Theater bis inkl. 31. Marz geschlossen. .(3� W Passage 1 Tr. 9 211- 10 31. fk'Xy Kalser-Panoram«. Ue«! Zum ersten Male: ***** Zweite Wanderung durch Rom. Uilla Iirto. Kaiser Ariedrlch III. Aufdahrung Kaiser Wilhelm I. Neu! Zum ersten Male: II. Wanderung durch die Tnrket. Ane Reise 20 Pf., Kinder nur 10 Pf. Abonn. Killige Neste z. G'nseg.-Anzügen, welche glcicb angef. w. können, verk. Carle, Laufiyer- platz Nr. 1 im Keller(Porzellangeschäft).[43 Teppiche zu billigen Preisen. Wir verlaufen unser Teppich-Lager aus und verkaufen gewöhnliche haltbare Teppiche für 4, 5 und 6 M., große Tapestry-Plüsch- Teppiche für 12, 15, 18 und 20 M. Tischdecken Manilla-Tischdecken mit Franzen 2, 2,50 M., Bunte Tischdecken mit Schnur und Quasten 3, 3,50 bis 5 M.. Gobelin Tischdecken mit Schnur und Quasten 5, 6 und 8 M. Gardinen, weiße Zwirn-Gardinen, reellstes Fabrikat, Meter 45, 50 und 60 Pf, Englische Tüll- Gardinen, auf beiden Seiten eingefaßt, Meter 50, 60, 75 Pf. und 1 M. Einzelne abgepaßte Fenster 3,50, 4—6 M. Hübsche Manilla-Gardinen, Meter 40 und 50 Pf. Kommandantenssraße, Ecke Findenstraß«. �hlerhaste Tepptlhe! Nach veenveter Inventur auch an Private. lanama- Koptm- Teppiche. 2 Meter jjroß, Stück 4,50 Kensse»- Teppiche. 2 eter roß Stück 6 M. Keerliche Salon-Teppich» (fehlerhafte), Stück 10, 15, 20 und 27 Mark. 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April, täglich früh 10 Uhr beginnend, im Exerzierhaus am Landwehr- Tienstgehäude, Kaiser Franz- Grenadier-Platz Nr. 11 12. Städtische Sterrrrn. Es wird der„Staatsb.-Ztg." ge- schrieben:„Wie wir hören, hat die Stadt auch dieses Mal wieder den Schneeschippern die rückständigen Steuern von dem verdienten Tagelohn in Abzug gebracht, was für viele dieser Leute, welche ai bciten, um nicht zu hur gern, sehr hatt war." — Wir halten dies Vettahren für durchaus möglich, da dasselbe ja schon öfter beodachtet worden ist, wie ja auch bei Arbeitern seitens des Magisttats noch Steuern eingezogen worden find, zu deren Einziehung derselbe gar nicht mehr berechtigt war. Im Interesse derer, welche sich durch Schneeschippen zu hatter Zeit einen kärglichen Verdienst zu verschaffen streben, möchten wir aber doch fragen, ob diese Einbehaltung des zur Fttstung deS Lebens nothwendigen Verdienstes sich auch mit den liberalen Anschauungen verträgt, welche unfern Magistrat ja im Uedrigen. so sehr beseelen. Krumme Straßenzüge besitzt Berlin in seinen älteren «tavttheilcn noch viele— man braucht z B. nur die Um gegend vcs Molkenmarktcs nach dieser„Richtung" hin zu prüfen; diese krummen und engen Straßen, Gassen und Gaß- chen rühren noch aus der ältesten Periode Berlin-Köllner Straßenbaukunst her, ahnte man doch damals nickt im ge ringsien, zu welch' ungeheurer Riesenstadt das kleine Fischerdcw dermaleinst heranwachsen würde. Viele solch' alter Ueberdleibsel find bereits in den vierziger Jahren verschwunden, so z. B. jener sckluchtartige Weg, der die alte Ield-(Alerandrinen-) Straße mit der Orangen-(Oranien-) Straße verband, und welchem der Volkswitz den Namen:„Laustger Aermel" bei- legte; andere, wie z. B. der Bullenwinkel, find erst in neuerer Zeit freigelegt. Bei mehreren der heute noch existirenden krummen Straßenzüge hat gerade diesirümmung ein besonderes historisches Interesse, so z. B. die, welche man pasfiren muß, wenn man durch die Dresdenerstraße dem Südosten zusteuert. Das Terrain, auf welchem die Louisenstadt erbaut ist, die Ursprünge liche Feldmark Köllns, bestand zuerst nur aus 45 Hufen sandigen und sumpfigen Terrains, bis sn durch die sie unigebende wüste Haidegegend(„Myrica") welche der Markgraf Otto 1 1. der Stadt Kölln schenkte, bedeutend erweitert wurde. Ueber das Köpenicker Feld hinweg führte der„Ricksdorfer Tamm", der ursprünglich die.vecresstraße über„RickSvorf" nach Köpenick und Freicnwalde bildete. Bis zur Anlegung des Stadttheils auf dem Köpenicker Felde führte sie aus der Neuen Roßstraße in gerader Linie bis zu einem Knie, von welchem man zwischen den meckern zum Kottbuser Thor, das bis 1735„Wendisches Thor" hieß, gelangte. Jenes Knie war entstanden durch einen großen Sumpf, um den man die Sttaße herumgeführt hat; dasselbe ist auch bei der späteren Bebauung des Rirdoner Dammes(im 17. Jahrhundert) beibe� halten worden und hat sich konservirt bis auf den heutigen Tag. Die Passage an diesem Engpaß wird von historisch merkwürdigen Gebäuden begrenzt. So gehörte das noch in den 5Cer Jahren durch sein altmodisches Aeußerc absteckende.Haus Ztr. 34 der Dresdencrstraßc dem Bäckermeister Kochhann; dasselbe soll im Jahre 1761 in den Besitz der Familie K. gekommen und vor dem eine Kapelle gewesen sein. Dafür sprechen die noch erkenn baren Veränderungen, namentlich die ursprünglichen bis an das Dach reichenden(Kirchen) Fenster, die etwa i. I. 1820 getheilt und für zwei Etagen eingerichtet wurden. Vordem bewohnte das Haus ein Dr. Brandes. Auf diesem und den Nachbarprund- stücken(Nr. 33 und 35) soll(nach Fidicin) ein kurfürstliches Jagdschloß gestanden haben, welches noch im 17. Jahrhundert als bewohntes Gartenhaus vorhanden war; zu Anfang des 18. Jahrhunderts soll der Geheimrath Wagner noch Besitzer dieses Gebäudekomplcxcs gewesen sein. Die Heerstraße erkielt nach dem Anbau den Namen„Rirdorfer Sttaße", und später von der über Mittenwalve nach Dresven führenden älteren Heerstraße den Namen„Dresdenerftraße". Noch vor wenigen Jahren degrenzten den genannten Engpaß auf der Südseite eine Reihe einstöckiger baufälliger Häuschen, deren Dächer man mit der Hand erreichen konnte; von diesen steht heute nur noch das Haus Nr. 109, dessen letztes Stündlein übrigens auch bald schlagen wird. Abgesehen davon wird die Sttaße nur noch ein- geengt durch das Haus Nr. 104(nahe der Prinzenstraße) welches die neue Baufluchtlinie um ca. 6 Meter überschreitet; die übrigen, Ibeils im Vorjahre vollendeten, theils noch im Bau begriff, nen Häuser(Nr. 105 bis 110) sind weit zurückgezogen, so daß der so nothwenvigen Verbreiterung des Fahrdammes und der envlichen Beseitigung dieser Krümmung bald nichts mehr im Wege stehen dürfte. Zlrber Arbeitamangel bei den beiden Straf Kammern de» Landgerichts II ist dieser Tage in verschie- denen Zeitungen berichtet worden gelegentlich einer Besprechung des Projekts, betreffend die Ilebertiagung polizeilicher Befugnisse in den Vororten Berlins an den Berliner Polizeipräsidenten. Von zuverlässiger Seite ist uns nun eine Mittheilung zuge- gangen, welcher wir, um einer ungerechten Würdigung der Sachlage vorzubeugen, gern Raum gewähren. Die Ausführun- tcu in jenem Referat, betr.„die Ausdehnung der Berliner Zolizeigewait auf die Berliner Vororte" stehen zu den thatsäch lichen Verhältnissen— so schreibt uns unser Gewährsmann- in direktem Wideispruch. Alle Anzeichen deuteten seither darauf hin, daß die beiden Strafkammern deS Landgerichts II, welchen zu ihren Sitzungen nur ein gemeinschaftlicher Sitzungssaal im Kriminalgerichts- Gebäude zur Verfügung steht, mit Arbeit vollauf delastet— nahezu überlastet waren. Bis zu den späten Nachmiltagstunden, häufig sogar bis zum Abend, währten die Verhandlungen der genannten Straf- kammem. Die hieraus sich ergebenden Klagen von Leuten, die bis zum Abend des Aufrufs gewärtig auf dem Korridor aus- harren mußten, nahmen wiederholt den Weg in die Presse. Es ist zwar neuerdings, seit einigen Wochen, vorgekommen, daß weniger Termi ssachcn für den Sitzungstag, wie am vergangenen Montag z. B. nur 3 Sachen angesetzt waren, zu welchen in- dessen nicht weniger als 30 und in anderen Füllen eine noch größere Zahl von Zeugen Vorladung erhalten hatten' ein Blick auf die hohe Ziffer der Aktenzeichen, die neben den Namen der Angeklagten der Aushangzettel am Sitzungssaal aufweist, muß aber eines Besseren belehren und den Beweis dafür liefern, daß, wenn auch ausnahmsweise eine Sitzung zu kürzerer Dauer sich gestaltet, dennoch keinerlei Arbeitsmangel herrscht. An maß- gebender Stelle ist hiervon nichts bekannt, denn am letzten Sonnabend verzeichnete der Aushangzettel nicht weniger als rund 20 Terminssachen, deren letzte auf 2 Ilhr angesetzt war; Schluß dieser Sitzung fand kurz vor 4 Uhr Nachmittags statt. — Dies beweist das stritte Gegenthell jener Behauptung. Dabei bleibt noch in Betracht zu ziehen, daß dem Richterkollegium der Strafkammern noch außerdem die Bearbeitung derjenigen Anklagesacben obliegt, welche bei dem Schwurgericht am Land- gericht Ii(Beginn der zweiten diesjährigen Periode am 10. d. M.) abgeurtheilt werden sollen.— In einigen Gegenden Deutsch- lands steht eine Vermehrung der ständigen Land--c. Gerichte bevor, dem vorhandenen Bedürfniß entsprechend; denn eine Verminderung der Verbrechen und sonstigen Strafthaten — davon ist jeder aufmerksame Zcitungsleser sicherlich vorweg überzeugt— hat zur Zeit durchaus nicht wahrgenommen wer- den können; keineswegs aber ist dies im Jurisdittionsbezlrk des Landgerichts Ii der Fall. Hier dürfte im Interesse der Rechts- v siege vielmehr die Errichtung einer dritten selbst, tändigen Straf- kammer in Erwägung zu ziehen sein. In diesem Falle mußte allerdings der zur Zeit vom Schöffengericht Amtsgericht II de- nutzte Sitzungssaal seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß als Sitzungssaal der Strafkammern des Landgenchts U wieder Zurückgegeben werden unttr Verlegung verschiedener Bureaus Nack zur Zeit völlig vereinsamten Warteräumen.- Es wäre das höchste Ziel de, dem Streben nach Volkeivohlfahrt erreicht, n*nn wirklich„Arbcitsmangel" in der Sttafrechtspflcge einge- treten wäre und die Menschheit„holder Friede, suße Eintracht gefangen hält. Von diesem Gesichtspunkte wäre die Behauptung. baß eine„Verminderung von Verbrechen K. eingetreten ist, annehmbar als ein Zeichen der beginnenden Aufbesserung der wirlhschaftlichen Verhältnisse, sofern diese Behauptung auf de- Sjunveter Boraussetzung berudt und den Thatsachen entspricht. Sensationslüsterne Leser allenfalls würden nur bedauern, wenn 5° infolge„Arbeitsmangcl" in der Strafrechtspflege auf die Jüchen Schilderungen von Schauergeschichten, Kapitalverbrechen �rzichten müßten; in jenem Referat sogar dringt es aus Sck Hintergründe fast wie ecke bange Klage hervor, daß„die beiden Sttafkammern"„seit Monaten" in jeder Sitzung nur "''eine Sachen",„nur Bagatellsachen" verhandeln."Nwilttiir- l'ch aber drängt dieser bedauernde Ton zu der Frage:„Soll ttn immer und noch mehr gemordet werden?' I» der Berliner GaftWirths-Innnng W eS dieser jü# gekracht. Der Obermeister Keck. Inhaber des Eafs Keck. ttstrrde von den Vereinsmitgliedern derartig angegriffen, daß sein Amt sofort niederlegte und auch auf vieles Zureden ein- zelner enragirter Jnnungsbrüder nicht wieder annahm. Dem zweiten Obermeister Kühne, Besitzer des Ballsalons„Kühne's Gesellschaftshaus", Niederwallstraße, wurde ebenfalls ein Miß- trauensvotum ertheilt, er war aber weniger sensibel und legte sein Amt nicht nieder. Herr H. hat in seinem Hause für einen seiner Verwandten das Nachweisebureau, ebenso wie die Erpe dition der am 1. April erscheinenden„Deutschen Gastwirths Zeitung", Organ der Innung, etablitt. Herr Warnecke, der Rendant, legte nicht allein sein Amt nieder, sondern trat auch aus der Innung aus, weil er mit dem Obermeister am Bei- setzungstage beim Svalierbilden Differenzen gehabt, anderer. seits ihm aber der„Mumpitz" zu groß geworden war. Nette Zustände! In der Vewehrfndrik in Spandau find, nach dem „Anz. f. d. Hav." bis jetzt im Ganzen ca. 1000 Mann gekündigt worden. Unter den zur Entlassung kommenden Gewehr- arbeitern befinden sich viele Berliner. Eine Anzahl tritt schon vor dem gesetzten Termin aus der Arbeit, weil der Verdienst sehr gering geworden.— Aus Amberg in Bayern kommt die Nachricht, daß in der dortigen Gewehrfabrik den Arbeitern er- öffnet wurde, daß die bisherige 12stündige Tagesarbeitszeit um 4 Stunden gemindert und die Nachtarbeit ganz eingestellt werde. Mit dieser plötzlich eingetretenen Arbeitsverminderung steht noch im Zusammenhang die Entlassung des größten Theiles der Ar- bester, welche in kurzer Zeit von nahezu 1000 auf ca. 200 re duzirt wurden. Einem Theile der Arbeiter, insbesondere den Schmieden, wurde mit dem Bedeuten gekündigt, sie möchten im Herbste wieder um Arbeit nachfragen. Rrporterwitz und Ueberschwemmung. Unter diesem Titel führt die„Nordd. Allgem. Ztg." einen Berichterstatter der „Voss. Ztg." in folgender Weise ab: Als ob des Unglücks, wel- ches über den Norden Deutschlands durch die Hochwässer herein gebrochen, noch nicht genug wäre, als ob die Szenen des Jam- mers und des Schreckens, welche die Wirklichkeit zeugt, noch nicht grausig genug wären, hat sich ein Lübecker Korrespondent der„Voss. Ztg." nicht versagen können, Schreckensbilder aus Nordamerika von Anno d-mals nach Deutschland in die Früh- jahrszeit 1888 zu übersetzen. Der Lübecker Herr hat nach gutem, nach berühmtem Muster gearbeitet; er steckte Bret Hatte's„Kali- fornische Erzählungen", übersetzt von W. Lange(Reclam'sche Bibliothek), in die Tasche und entschloß sich zu einer Fahrt ins Ueberschwemmungsgebiet der Elbe bei Dömitz,„um sich von der Wahrheit und Unwahrheit der Schreckensnachrichten zu über- zeugen". Was er da sah, wer vermöchte es festzustellen? Was er beschrieb, das haben ungezählte Tausende bereits seit zwei Dezennien an der Hand des amenkanischen Novellisten miterlebt und mitgefühlt. Doch hören wir den Lübecker.Herrn: Er ist in das überschwemmte Dorf Heidhof gekommen; da hat sich eine„rührende Szene in einem Büdner- hause" zugetragen.„Der Mann war über Land, die Frau allein zu Hause. Es war am Donnerstag Morgen; sie wiegte ihr Kind. Ein Scharren an der Thür stötte sie in ihrer Be- schäftigung. Sie öffnete die Thür. Nero war es, der Hund. Er winselte und war über und über naß." Wir bitten um Entschuldigung— aber der Hund hieß Peter. Wir lesen näm- lich in Dret Hatte's Schreckensgemälde„Die Sturmfluth": „... als sie an der Thür ein Scharren vernahm. Aenastlich öffnete sie dieselbe und freute sich, daß es nur der alte Peter, ibr Hund war, der triefend ins Zimmer geschlichen kam." Der Lübecker Herr fähtt fott:„Da höttc sie wieder ein Geräusch an der Thür. Es ging„klick-klick" und„kluck-kluck"." Auch diese Onomatopöic gehött Brei Hatte, dessen Schöpfung sich nun der Plagiator in folgenden Sätzen gänzlich zu eigen macht.„In demselben Augenblick wurde ihre Aufmerksamkeit auf etwas ge- lenkt, das unter der Hintctthür hervor nach der Mitte des Zimmers zu kttechen schien. Es war anfangs nicht viel größer als ihr kleiner Finger, aber bald wurde es so breit wie ihre Hand und begann sich über den ganzen Fuß- bodcn auszudehnen. Es war Wasser. Sie lief nach der Vordetthür und riß sie auf— nichts als Wasser; sie flog nach der.dintenbür— nichts als Wasser."„Sie sank nicht in Ohn- macht", so fähtt Bret Hatte fort, und schließt daran eine seiner ergreifenden psychologischen Begründungen, welche der Bericht- erstatter aus Lübeck mit den nüchternen Worten ersetzt:„Denn Bauernfrauen pflegen selten in Ohnmacht zu fallen." Auch noch der folgende Satz ist wöttlich der„Sturmfluth" entlehnt:„Sie zog ihr Bett in die Mitte des Zimmers, stellte darauf einen Tisch und auf diesen Tisch die Wiege." Die furchtbare Fahrt auf dem tteibcnden Baumstamm, auf welchem sich die Holz- haucrsfrau aus dem Dedlower Moor rettete und der die Ohn- mächtige in das Lager der Indianer brachte, blieb der Büdners- frau aus Heidhof erspatt; der nächste Morgen brachte ihr Rettung. Der namenlose Schrecken hatte aber auf beide die- selbe Wirkung.„Das Kind weinte so jämmerlich, als sie ihm die Brust reichte, daß ihr sofort klar wurde, die Milch müßte versiegt sein," erzählt Bret Harte,„Sie wollte ihm die Brust geben, die Milch versagt," der Lübecker Abschnftsteller, dessen weitere Würdigung wir der„Voss. Ztg." getrost überlassen können. Als rine Sorte der denkbar dümmste«, albernste« «nd zugleich gefährlichsten Milze stellen sich die neuerdings wieder auftauchenden, scheinbar amtlichen Strafbefehle, Aus- Weisungen, Steuerveranlagungen zc. dar. So liegt uns ein solcher Wisch vor, der einem hiesigen älteren Arbeiter per Post zugeschickt wurde. Das mit einem Stempel versehene, theils gedruckte, theils geschriebene Machwerk hat folgenden Wottlaut: „Sie haben in vergangener Woche am Abend die Straße passirende Damm mit Worten und Zudringlichkeiten in unan- ständiger Weise belästigt und sich somit eines groben Unfuges schuldig gemacht. Die Uebertretung wird bewiesen durch das Zeugniß der betreffenden in den diesseitigen Akten verzeichneten Damen. Es wird deshalb gegen Sie auf Grund des§ 11 des Reglements eine bei der Hauptkasse Hierselbst zu erlegende Geld- strafe von zehn Mark, an deren Stelle, wenn sie nicht beizu- treiben ist, eine Haft von zwei Tagen ttttt, festgesetzt. Sollten Sie sich durch diese Straffestsctzung beschwert halten, so können Sic binnen einer Woche bei der unterzeichneten Verwaltung schttftlich oder zu Protokoll auf Entscheidung antragen. Erfolgt binnen dieser Fttst ein solcher Anttag nicht, so wird trotzdem die festgesetzte Strafe nicht vollstreckt. Adthellung V. für Strafmandate. Bangmacher."— Der Ar- bciter, der mit einer jungen Frau verheirathet ist, hatte mit dieser eine recht unerquickliche Szene, da die Frau das Schnftstück nur oberflächlich gelesen hatte und nur mit Mühe davon zu überzeugen war, daß es sich hier um einen „Ulk" handle. Ein anderer Arbeiter, ein in der Schwerinstraße wohnender Tischler erhielt eine„scherzhafte" Ausweisung. Der Mann fing bereits an, sein Handwerkszeug zu verkaufen, als er auf den„Witz" aufmettsam gemacht wurde.— Es giebt doch heute so viel Dinge, die unter den groben Unfugsparagraphen fallen— warum nicht der Vettauf dieser überaus abgeschmackten Mackwette? Di- Kürg-rmrist-rstell- in F-hrb-lli«, deren Besetzung, wie wir s. Z. meldeten, dem dortigen Stadtverordneten-Vorfteher Herrn Vinzelberg so viele Sorgen bereitet hat, ist nun besetzt und zwar durch einen früheren Bureaubeamten des Magistrats von Berlin. Am 26. d. M. wurde der Bureaudiätar Westphal zum Bürgermeister von Fehrbellin erwählt und heute wird der- 'elbe in sein neues Amt eingeführt werden. Die„guten Rath- chläge" des Herrn Vinzelberg(pro Stück 2 M. in Briefmarken) haben somit ein ganz erfreuliches Resultat gezeitigt!— Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, daß die Bureaubeamten des hiesigen Magistrats sich für Bürgermeisterposten ganz besonders zu qualifiziren scheinen: in einem Zeitraum von noch nicht zwei Jahren sind beretts fünf unserer Maaistratsbeamten als Bürger- meister nach mittleren und Leinen Städten der Umgegend ge- wählt worden. Von einem RanbanfnU in der Provinz, der bereits aus dem November v. I. datirt, hatte die hiesige Kriminal- polizei vor wenigen Tagen durch eine aus Verbrechertteisen stammende Mittheilung Kenntniß erhalten. Vier Personen— so wurde ihr mitgctheilt— hatten sich zu dem angegebenen Zeitpunkte von hier nach Torgau� begeben, um eine auf einem Dorfe in der Umgegend dieser Stadt wohnende, alleinstehende wohlhabende Frau in der Nacht zu überfallen, niederzuschlagen und zu berauben. Einer von der sauberen Gesellschaft habe sich indessen auf der Reise, die thells mit der Eisenbahn, theils zu Fuß zurückgelegt wurde, die Füße wund gescheuett und sei infolge dessen zurückgekehtt. Die übrigen hätten das geplante Unternehmen wirklich ausgeführt, seien dann aber wegen der Beute in Streit gerathen, weil der Anstifter des Ver- brechens, ein Bäcker Lerm, nach der Meinung seiner beiden Komplizen die letzteren detrogen haben sollte. Obwohl nun von diesem Raubanfall hier nichts bekannt gewoiden war, klang diese Mitthcilung doch so glaubhaft, daß die Polizei zur Verhaftung der ihr bezeichneten Raubgesellen schritt. Drei von ihnen wurden hier in Berlin festgenommen» während der viette, der Bäcker Lerm, der sich inzwischen nach Kottbus begeben hatte, auf tclcgraphische Requisition dottselbst verhaftet ward. Dadurch, daß man den Dreien sagte, Lerm habe alles eingestanden, gelang es, die ersteren zum Geständniß zu bnngen, doch mußte einer von ihnen, und zwar jener, der sich die Füße wund gelaufen und nach Berlin zurückgekehtt war, wieder entlassen werden, da er an der Ausfühmng des Ver- brechens thalsächlich nicht betheiligt gewesen ist. Die beiden anderen sind zwei Barbiere Namens Witzle und Kumm, einer von ihnen war bisher völlig unbescholten, während der andere eine unerhebliche Vorstrafe erlitten hat. Nach ihren aussagen hätte sie Lerm, der in Schildau im Kreise Torgau bei jener Bäckerfrau in Kondition gestanden, zu dem Verbrechen über» redet.'Nachdem sie sich während der Abendstunden in einem Schuppen verborgen gehalten, drangen sie zwischen 11 und 12 Uhr Nachts in das noch erleuchtete Zimmer, wo die Bäckerfrau aus einem Sopha saß und in dem sich sonst nur noch ein kleines Kind befand. Witzle und Kumm sielen über die Frau her und versuchten zuerst durch Zu- drücken der Kehle sie am Schreien zu verhindern, und als das nicht den gewollten Erfolg hatte, stopften sie ihr ein Taschen- tuch in den Mund. Mittlerweile hatte Lerm, der sich unkenntlich gemacht, nach dem Gelde gesucht und an sich genommen, so viel er davon entdeckte. Alle Drei verließen darauf den Thatott, ohne daß die nach den Räubern angestellten Ermittelungen zu irgend einem Resultat fühtten. Sie wären vielleicht nie ermittelt worden, wenn sie sich nicht betrogen geglaubt— sie hatten nämlich von Lerm nur je 10 M. erhalten— und ihrer Entrüstung im„Freundeskreise" Ausdruck gegeben hätten, v-uf diese Weise ist das Verbrechen zur Kenntniß der Polizei gelangt. Die Thatsache desselben ist inzwischen telegraphisch von Torgau aus bestätigt worden. Da der Raub unter Anwendung von schweren Gewaltmaßregeln begangen ist, so haben die Uebelthätcr eine außerordentlich strenge Strafe zu gewättigen. polizeibericht. Am 27. d. M. Vormittags wurde im Thiergatten, in der Nähe des Hippovroms, die Leiche eines etwa 20 Jahre alten unbekannten Mannes aufgefunden. Acußere Verletzungen waren an derselben nicht wahrnehmbar. An- scheinend ist der Mann schon vor einiger Zeit dort im Schlafe erfroren und durch den inzwischen gefallenen Schnee bis jetzt den Blicken entzogen worden.— An demselben Tage wurde in der Jnvalidenstraße ein 75 Jahre alter Bildhauer durch eine Droschke— und in der Fruchtstraße eine obdachlose Frauens- person durch einen Gcschäftswagen überfahren. Gerichts-Aeitung. Vorsicht bei Stammtisch-Gespräche«! Kurz nach einem am 31. Juli. v. I stattgehabten Brande in Weißen sie defand sich daselbst der Klempner Grabe in einem Bierlokal, dessen Stammgäste im Laufe der Unterhaltung die Leistungen der Berliner und der Wcißenseeer reiwilligen Feuerwehr einer vergleichenden Betrachtung unterzogen.— Grabe verstieg sich hierbei zu der Aeußerung, daß beim Brande des Kaiserhofs manches s. Z. gestohlen und ebenso sei ihm in Weißensee bei einem Brande ein Regulator entwendet worden. Diese Aeuße- rung fand insofern geneigte Ohren, als auf Grund derselben nun gegen Grabe Anklage erhoben ward wegen Beleidigung der Berliner und der Wcißenseeer Feuerwehr. Namens der ersteren hatte der zuständige Vettreter derselben, der Berliner Polizeipräsident Sttafantt'g gestellt; andererseits war eine von der Mehrzahl der Mitglieder der Wcißenseeer Feuerwehr einge- gangenc Prozeßvollmacht dem zuständigen Schöffcngcncht des Amtsgericht 1 überreicht, bei welchem der Oberführer der Wcißenseeer Feuerwehr, Herr Büttner, den Sttafantrag gestellt. Das Schöffengericht hatte den Oberführer zur Stellung des Strafantrags'Namens der Wcißenseeer Feuerwehr nicht für be- fugt erachtet, denn diese Feuerwehr sei keine Behörde oder juristische Person, sondem nur ein Verein; ferner sei die im Laufe des Verfahrens übrigens erst später eingereichte Prozeß- vollmacht deshalb nicht für voll anzusehen, weil dieselbe nicht von sämmtlichen, sondern nur von einigen Mitgliedern unter- zeichnet worden ist. Aus diesen Gründen war Grabe nur wegen Beleidigung der Berliner Feuerwehr veruttheilt worden; wegen des zweiten Anklagefalls, die Weißensee'er Feuer- wehr betreffend, beschloß das Schöffengericht das Verfahren gegen Grabe einzustellen.— Gegen dieses Urthal legte der Staatsanwalt Revision ein; die Berufung richtete sich gegen die theilweise Einstellung des Verfahrens. Im gestrigen Audienztermin vor der zweiten Strafkammer des Landgenchts II nahm der Staatsanwalt in seinen Rechtfertigungs Ausführungen Bezug auf einen analogen Fall, welcher jüngst in der Be- rufungsinstanz eine Zurückverweisung in die Vorinstanz zur Folge gehabt. Nach einer Reichsgerichts-Entschcidung, Bandet,, Seite 172, sei anzunehmen, daß auch eine Mehrheit von Per- sonen, weiche als Kollektivdcgriff bezeichnet sind, beleidigt werden können. Von diesem Gesichtspunkte beantragte der Staatsanwalt außer der obigen Strafe noch 30 M. Geldbuße gegen G., indem er schließlich noch erwähnte, daß es ganz gleichgillig sein kann, od von allen Mitgliedern oder nur von Büttner Strafantrag ge> stellt ist. Rechtsanwalt Freudenthal machte hiergegen geltend, daß doch lediglich hier nur ein und dieselbe Handlung vorliege, bei welcher einmal die Berliner Feuerwehr und dann die Wcißenseeer Feuerwehr angegriffen sei. Büttner, der den Strafantrag'Namens der Feuerwehrmänner gestellt, sei hierzu nicht berechtigt, dieser sei nicht Feuerwehrmann; die Aeußerung des Angeklagten dagegen bezöge sich nur darauf, daß einem gewöhn- lichen Feuerwehrmann ein Regulator abgenommen ist.— Der Gerichtshof trat der im schöffengettchtlichen Urtheil ausgesproche- nen Anficht der; es wurde angenommen, daß Büttner den Sttafantrag zu stellen nicht berechtigt war. Er für seine Petto« war hierzu allerdings berechtigt, er hatte aber nicht für sich per- sönlich, sondem Namens der freiwilligen Feuerwehr einen An- trag gestellt. Aus diesem Gnmde sei die Ansicht des Vorder- richters gerechtfertigt. Die Berufung des Staatsanwalts wurde verworfen und das erste Urtheil bestätigt. Die Kosten fielen der Staatskasse anHeim. Der gestern mitgetheilte Keschlnsi de» hiesigen Schöffengericht« betreffs der sofottigen Verhaftung der zu 3 Monaten Gesängniß vemttheilten Arbeiter Adolf Dietz und Karl Knobel resp. dessen Wiederaufhebung ist bisher nicht ge- nügend gewürdigt worden. Ohne daß ein Antrag des Staal?» anwalts vorgelegen hätte, hat der Vorsitzende des Genckits, Amtsttchter Dr. Dickel, nach Verkündung des Urtheils de- Be- schluß publizitt, daß Dietz und Knobel in Haft zu nehmen seien. Um wenigstens zu Motte zu gelangen, stellte der Vettheidiger, Rechtsanwalt Dr. Flatau, den Anttag, die Angeklagten gegen Stellung einer Kaution aus der Haft zu entlassen, und erfuhr: nun, tmfi die Inhaftnahme wegen KollufionSgefahr beschlossen worden sei. Die Bestimmung hierüber(§ 112 der Str.-Pr.-O-) lautet:„Der Angeschuldigte u. s.«. darf nur dann in Unter- suchungsyaft genommen werden, wenn Thatsachcn vorliegen, aus denen zu schließen ist, daß er die Spuren der That vernichten over daß er Zeugen oder Mitschuldige zu einer falschen Aus- sage verleiten werde." Da die qu. Angeklagten sich darauf de- schräntt hatten, ihre Betheiligung an der Verbreitung der Flugschrift zu leugnen, Dietz auch, sein vor der Polizei abge- legtes Geständniß zurückzuziehen, bezeichnete der Vertheidiger den Verhaftungsbeschluß als nicht begründet und verlangte von dem Gerichtshofe die Angabe der Thatsachcn, aus denen die Kollusionsgefahr geschlossen sei, damit er seine Ansicht über die- selben verlautbaren könne. Auch machte er die Mitglieder des Gerichtshofes, von denen die Laien ihre Stimme ebenso in die Wagschale legen dürften, wie der vorfitzende Bcrufsrichter, auf die schwere Verantwortlichkeit aufmerksam, die sie bei der Ver- Haftung der Angeklagten übernähmen, und beantragte, den an- gefochtenen Beschluß zurückzunehmen. Der Staatsanwalt widersprach mit Rückficht auf die Sbohe der Strafe.(Das wäre ein anderer Verhaftungsgrund.) Nach beinahe � stündiger Berathung hob der Gerichtshof den Haftbeschluß wieder auf. Kleine MittheUungen. Die Klagerufe über Hochwassergefahr erbeben sich immer lauter. Von der Elbe, der Weichsel, dem Rhein, der Over werden Ueberschwemmungcn gemeldet, die, ganz abgesehen von den noch gar nicht festzustellenden materiellen Verlusten, auch schon Opfer an Menschenleben gefordert haben. Vom Ueberschwemmungsgebiet an der brandenburg-mecklenburgischen Grenze wird unterm 26. März berichtet: Noch ist nicht zu er- kennen, wie lange die Fluth noch anhalten wird, ob tage- oder od wochenlang, aber man hat wenigstens die tröstliche Sicher- hcit, daß eine augenblickliche Gefahr nirgends mehr vorhanden ist. Ueberall find die Verbindungen hergestellt. Von einzelnen Ortschaften, über die noch Ende voriger Woche keinerlei be- glaubigte Nachrichten vorlagen, sind beruhigende Meldungen ein- gegangen. Die Leute dort glauben, die noch kommende Gefahr bestehen zu können, und wollen sich von ihrem Besitzthum unter keinen Umständen trennen. Das ist es, was die Rctwngsar- besten sauer macht. Die Landleute hängen zu sehr an der Scholle. Sie weichen erst in der größten Roth und auch dann nur, wenn ihr Vieh gerettet ist. Die Pioniere haben viele mit Ge- walt aus ihren Häusern reißen müssen. Die Nachricht der „Mecklenb. Ztg.", daß 15 Pioniere beim Eissprengcn verunglückt seien, ist ganz unbestätigt. Dagegen scheint festzustehen, daß so- wohl bei Lenzen als auch bei Dömitz, und zwar in Mödlich, je ein Pionier umgekommen ist. Rekognoszirungen der Pioniere von Dömitz aus haben ergeben, daß die Elbe oberhalb der Lög- nitzmündung noch ganz mit Eis bedeckt und scheinbar verstopft ist; unterhalb ist das Wasser eisfrei.— Aus Dannenberg wird unterm 26. d. M. geschrieben: Wie viele Menschenleben zu beklagen sein werden, ist noch nicht zu ermitteln, weil es bis zur Stunde unmöglich war, auch bei der größten Hilfsbereit- schaft die fem gelegenen Ortschaften bei der entsetzlichen Strö- mung zu erreichen. Doch werden allein aus dem nächsten Dorfe 8 bis 10 Personen genannt, die ein Opfer der Fluth wurden. Einigen Bauern ertrank das sämmtliche Vieh.— In Alt- Darchau stürzte sich nach dem Dammbruch das Wasser so dirett auf das Dorf, daß mehrere Häuser fortgerissen wmden; jedenfalls sind Menschenleben dabei verloren gegangen. Auf anderen ebenfalls bedrohten Häusem saßen die Menschen auf den Dächern und schrien laut um Hilfe. Solche zu schaffen ist sehr schwierig, für den Augenblick unmöglich.— Nach ungefähren Schätzungen haben die nach- folgenden Marschdörfer, und zwar zum größten Theil furchtbar, durch die beiden Deichbrüche vom 21. zum 22. d. M. ber Jase- bcck und vom 23. d. M. bei Nebenstedt gelitten: Bamitz, Brandleben, Breese i. d. M., Bückau, Dambeck, Damnatz, Grippel, Grabau, Gümse, Gr. und Kl.-Gusbom, Gr.-Heide, Kl.-Heide, Jasebeck, Laase, Landsatz, Lanaendorf, Langenhorst, Liepe. Nebenstedt, Niendorf, Penkefitz. Piffclberg, Prabsstorf, Predöhl, Pretzetze, Seedorf, Seybruch, Sipnitz, Soven, Splietau und Wussegel.— Boizenburg, 26. März. Es wird ein neuer Durchbruch in der Nähe von Tcldau gemeldet, der am Sonntag Nachmittag gegen 3 Uhr erfolgt ist. Rettungsmann- schaften mit Booten aus Boizenburg gelang es, gegen 9 Uhr bis Teldau vorzudringen und vielen auf Dächem und Böden ihrer Häuser fitzenden Leuten Hilfe zu leisten. Das Unglück ist noch nicht in seinem ganzen Umfange zu übersehen, doch hält man es für nicht geringer als das bei Dömitz. Die Umgegend von Teldau bildet ein Kessel, der von allen Seiten durch Deiche umschlossen ist. 15 Ortschaften liegen darin. Ueber alle Deiche läuft das Wasser, einen Abfluß giebt es nicht. Auch ein Theil des Amtes Ncubaus ist überschwemmt. Die ausgesandten Boote find abgeschnitten, man will jetzt versuchen, mittelst Dampfers den Unglücklichen Hilfe zu bringen.— Aus Lübeck wird der„Voss. Ztg." unterm 27. März telegraphitt: „Das Rettungswcrk im Teldaukessel ist heute durch Pioniere ge- lungen; kein Menschenverlust. Dagegen kamen diese Nacht in Boizenburg 9 Personen ums Leben. Ueber die Wassersnoth an Weichsel und Nogat be- richtet die„Danz. Ztg." folgendes:„Die Bromberg-Schwctzer, die Gr.-Falkenau-Pieckelcr Niederung und vor allem das Mün- dungsgebiet und die rechtsseitige Nredcnmg der Nogat bieten ein Bild furchtbarer Verheerung dar. An der Einlage sind acht Ortschaften unter Wasser und gegen 3000 Personen sollen dort obdachlos sein. Mehrere Ortschaften sind ganz geräumt und auf einzelnen Gehöften wehte mehrere Tage lang die Noth. flagge, ehe es gelang, die auf ihren Hausboden vom Wasser rings eingeschlossenen Bewohner zu retten. Wahrhaft verzweif- lungsvoll wurde gekämpft, um die Dämme zu erhalten, welche das Gr. Umerwerder schützen. Tag und Nacht arbeitete man an dem der Länge nach gerissenen und theilweise versunkenen Damme bei Lakendorf! 3000 Säcke wurden dorthin gesandt, mit Sand gefüllt und in den Riß gesentt. Alle nur irgend ar- beitsfähigen Kräfte wurden hier und in dem ganzen Dcichrevicr von Terranova zum Schutz der Teiche aufgeboten. Gestern um 4 Uhr fuhr die erste Kompagnie des Pionierbataillons mit sechs Pontons und einem Wagen voll Säcken nach Grünau und Ällfelde ab. Die energische Schutzarbeit an dem Kol! Jungfer- schen Teiche ist nicht vergeblich, wie sich aus nachstehendem Bencht ergiebt: Neuteich, 26. März, früh. Das war gestern eine gewaltige Aufregung in unserer Stadt. Während noch vor- gestern aus Kaldowc die Mittheilung hierher gelangte, daß für das Oberwcrder keine Gefahr vorhanden sei, verbrestete sich gestern Nachmittag 2 Uhr wie ein Lauffeuer die Nachricht, daß in Kaldowe das Wasser 60 Zentimeter höher als der Damm stehe und ins Werder fließe. Sofott gingen die Bewohner ans Werk, die Keller zu räumen; von den Gärten wurden Vieh und Lebensmittel in die höber gelegene Stadt gebracht; manche Leute brachten sogar ihr Mobiliar aus den niedrig gelegenen Häusern fort. Gegen Abend legte sich die Aufregung, nachdem vom Lieffauer Hauptquartier gemeldet wurde, daß die Weichsel stark ziehe und bei Wernersdorf die Nogat bedeutend gefallen sei. Um 6 Uhr kam die Unglücksbotschaft, daß ein Damm- hruch ins Kleine Werder bei Sommerott erfolgt sei. Für die betreffenden Ottschaften ist das Unglück um so größer, als dott seit vielen Jahrzehnten kein Durch- bruch erfolgt ist und man auf eine solche Mög- lichkeit gar nicht vorbereitet war.— Ferner wird uns D a n z i g, 26. März, beuchtet: Eine annähernde Schätzung der ganzen Größe des Unglücks, welches unsere Nackbarn an der rechten Nogatseite betroffen hat, ist auch heute noch nicht möglich, da die Zerstörung der Eisenbahnverbindung die Annäherung an das Ueberschwemmungsgebiet ungemein erschwert. Die Sonntag Nachmittag zur Hilfeleistung von hier abgesandte 1. Kompagnie des Pionier-Bataillons wurde von Dirschau aus per Exttazug nach Altfelde beföidctt, und dieser Zug kam nur mit knapper Noth noch bis Altfclde durch. Die Mannschaften find nun in den oberen Räumen des Altfclder Bahnhofs untergebracht, das Gepäck liegt in den Eisenbahnwagen, die bis über die Räder im Wasser stehen. Auch der ganze, hier noch verbleibende Rest des 1. Pionier-Bataillons ist nun mit Rettungsutenfllien nach dem Ueberschwemmungsgebiet beordert, da nach Mittheilungen des Regierungspräsidenten v. Heppe vielfach Menschenleben in Gefahr sind. Demgemäß ging gestern Nachmittag wiederum ein Kommando von Pionieren mit 6 Pontons ab; in der Nacht wurde der Rest des Pontonmatenals verladen, welcher heute mit dem Frühzuge abgehen sollte, so daß nunmehr das ganze Pionierbataillon mit seinem sämmtlichen Pantonmaterial nach dem Uederschwemmungsgebiete abgegangen ist. Ueber den Wasserstand der Warthe meldet die„Post. Ztg." vom 27. März: Das Waffer der Warthe, welche gestern Morgens hier eine Höhe von 4,82 Metern erreicht hatte, war mit gleichzeitigem starken Eisgange, welcher Mittags begann und noch gcgenwättig anhält, heute Morgen auf 5,41 Meter, als» um 0,59 Meter gestiegen. Dies starke Steigen scheint die Folge einerseits des bedeutenden von Pogorzelice seit dem 23. d. M. gemeldeten Steigens, andererseits der Anstauung des Waffers durch Eisstopfungen an der hiesigen Großen und der Tom» schleuse ic. zu sein. Von Porg rzelice wurde gestem Abend em Fallen um 0,l5 Meter, d. h. von 5,15 Meter Morgens auf 5 Meter gemeldet; da gleichzeittg aber auch die Nachricht von. einem Dammbruch bei Pogorzelice eingetroffen ist, so scheint das plötzliche Fallen die Folge des Dammbruchs zu sein, und es ist erst abzuwatten, ob nicht noch ein ferneres Steigen von Po» gorzelice gemeldet werden wird. An der tiefsten Stelle der Gr. Gerberstraße, bei der Büttelstraße, beginnt schon das Wasser sich zu zeigen, ebenso am Ende der Allerheiligenstraße. Zahlreiche Familien sind durch das erneute Steigen der Warthe obdachlos geworden und haben seitens des Magistrats untergebracht werden müssen. Die Feuerwehr und viele städtische Arbeiter waren während der Nacht in den gefährdeten Stadt- theilen beschäftigt, um Hilfe zu bttngen. Nach dem Steigen um 1 Meter vom 22. bis 26. d. M. in Pogorzelice zu urtheilen, wird auch hier das Waffer von 4,66 auf mindestens 5,66 Meter steigen. Der Wasserstand am 1. März 1878 betrug 5,78 Meter. Aastet, 26. März. Wie schon bereits kurz telegraphitt, ist die Fulda über Nackt und im Laufe des heutigen Tages zu- sehends gestiegen. Die Schlagde war in der Frühe um 8 Uhr noch von Wasser frei und Mittags um 12 Uhr stand sie schon fußlioch unter Wasser. Die Eisbrecher ragten damals noch 2 bis 3 Fuß aus dem Wasser hervor, heute Abend ist nur noch die oberste Spitze zu sehen. Dabei hält die warme feuchte Witte» rung an und der Fluß steigt weiter. Telegraphische Depesche«. (Wolff's Telegraphen-Burcau.) Kiek, Mittwoch, 28. März. Der Hafen ist für Dampf- schiffe nunmehr wieder offen: Main». Mittwoch, 28. März. Der Rheinpegelstand ist hier 2,75; das Wasser ist seit gestem um 0,63 gestiegen. In Maxarr ist der Pegel 5,04, in Mannheim 5,45; an beiden Orten steigt das Wasser. Der Stand deS Neckars ist in Wimpfen 4,09, der Stand des Mains in Schweinfurt 3,12. Glbi-g, Mittwoch, 28. Mörz. Die Ueberschwcmmung in der Mariendurger und Elbinger Niederung hat sich nunmehr auf ca. 12 Ouadratmeilen ausgedehnt. 77 Ortschaften mit 30 000 Einwobern sind in Mitleidenschaft gezogen. Posen, Mittwoch, 28. März. Das Wasser der Warthe ist in raschem Steigen begriffen und hat den höchsten Stand der großen Ueberschwcmmung von 1876 bereits überschütten. Die Vorstädte Schrodka, Städtchen und Wallisckei sind ganz über- schwemmt, auch ein großer Theil der Unterstadt steht seit heute früh unter Wasser. Posen, Mittwoch, 28. März. Das Wasser der Warthe dringt in der Stadt immer weiter vor. Da die Gasanstalt über- schwemmt ist, entbehrt die Stadt überdies das Gaslicht. KnKaeest, Mittwoch, 28. März. Zu der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer hatten der Opposition angehörige Depu- tirte eine'emzahl Personen in die Kammer eingeführt, um da» selbst Lärm zu provoziren. Aus der von der Ansttftern des Auftritts geführten Gruppe wurde ein Revolverschuß abgefeuert, durch welchen der Thürsteher am Eingang der Kammer tödtlich verwundet wurde. Herbeigezogene Soldaten stellen die Ordnung wieder her. Infolge der über den Vorgang stattgehabten Verhöre find die Dcputirten Fleva und Philipvesco, sowie mehrere Journalisten, darunter Cretzu- lesco und Costaforo, verhaftet worden. Die Untersuchung dauert noch fort. Allen Freunden und Bekannten hiermit zur Nachricht, daß unser lieber Mann und guter Vater, der Kammmacher «. Städtter am Montag, den 26. d. Mts., Vorm. 10 Uhr sanft entschlafen ist.[669 Die Beerdigung findet am Freitag, den 30. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause Oranienstr. 28 nach dem neuen Thomas-Kirchhof, statt. Frau Htädtler nebst Tochter. Fach verein der Steinträger Keriin». Den Mitgl. zur'Nachricht, daß Kamerad Franz Turack am Freitag, den 30. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, vom städtischen Krankenhause Moabit, Birkenstraße, aus, beerdigt wird. Der Zug bewegt sich über Blücherplatz, Haisenhaide nach Britz.[677 Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der Vor st and. EeYolveriiqnenr in originellen Revolverflaschen incl. 60 Pf. Ingberliquenr hochfein, a, Fl. excl. 90„ G«treib»nnmm»i, übertt. Gilka, do. 90„ t!fter Uo.dhänser do. 75„ unr do. 100„ Krrnnspiri'us, geruchlos, do. 50„ empfiehlt die Groß-Dcstillation von[365 Lettan& Keil,SSÄ£ KSnigl. Preaß. 178. Klaff.-Lott. Ziehung I. 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