N-. 152, Sonntag, den 1. Juli 1888, 5* ZichsN �crlinerDolksbloll Drgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Bsrlii»»rVo!?sblatt"__ crajrint täglich MergenS außer nach Sonn« und FeMagcn. AdonnementSpre�i für Berlm frei in'5 Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich IIS Mark, wöchnülich 35 Pf. Poftabonnement « Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nunrmer mit dem ,,SonntagS»Blatm 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungsvreiSlistr für 1888 unter Nr. 849.) ZusertionSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf.' Arbeitsmarkt 10 Pf. Bet größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Ueberemkirnft. Inserate werden biS t Uhr NuchmUtag» w der Expedition, Berlin SW. Zimr-ierstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux. ahn» Erhöhung des Preises, angenommen. R-d-Ktio«: K-iitJ$raf|- S.— Erpedition: Zimmerstraße 44. S-r heutige« Nummer liegt für«ufere Adonneute» Ur. 40 de»„Kon«tag«-Klatt" bei. AdoiilltGk«iz-Gmlad«g. Beim Ouartalswechsel erlauben wir uns, zum Abonnement auf das „DerUtter Polksblatt' suchst dem wöchentlich erscheinenden Kormtagvblatt einzu» laden. Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf dem Boden des unbeugsamen Rechts. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und Streiter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klaffen« gegensätze ist das„Kerliuer Kolksblatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung einzeln«, heute schon mehr berechtigter Gesellschaftsllaffen findet. Das Nolk»blutt" sucht seine Aufgabe durch sachliche Behandlung der politischen als auch der Tagesfragen zu erfüllen. Die gleichen Grundsätze lösten uns bei Besprechung unserer städtischen Angelegenheiten. Im Feuilleton unseres Blattes veröffentlichen wir einen äußerst spannenden Pariser Kriminalroman. Neu hinzutretenden Abonnenten wird der bisher erschienene Thest des Romans gratis nachgeliefert. In unserem Sonntagsblatt bringen wir eine der natur- wahren und geistvollen Erzählungen von Robert Schweichel. Der beträgt fvti iu» Hans monatlich 1 Pnrfe 35 Pf., wöchentlich 35 Pf. Bei Selbstabholung aus der Expedition, Zimmerstraße 44, 1 Mark pro Monat. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspeditemen, irnrne von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstraße 44, entgegengenommen. Für außerhalb nehmen sänuntliche Postanstallen Be» NcUungen an. Die Redaktion nnd Grpedttion des„KprUtw» Poikoblntt". <****<<* mHM«.] AeuMeton. [24 Ihre Tochter. anminal-Roman nach dem Französische« von K. D e t r i n g. So gingen sie denn Seite an Seite bis zu dem Platz, wo sich einst das alte Stadtthor befand. „Da sind wohl Deine Werkzeuge drin?" fragte Gun- tram von Arbois und klopfte auf das Felleisen, das Pelikan trug.„Weshalb schlepptest Du Dich denn eigentlich mit den Sachen, wenn Du nicht die Absicht hattest, dem Hause heute Nacht einen Besuch abzustatten?" Pelik"�"6 me'n Werkzeug gehe ich nie aus," erwiderte r, J?t4 sie auf dem Platz d'Ztalie angelangt waren, sah • um und bemerkte zu seiner Genugthuung in näherten �""ung zwei Lichtpunkte, die sich langsam 1". sesch'ckter Ausführung seines Befehles Pelikan war fügsam gefolgt, aber er war auf der Hut und seiner Aufmerksamkeit war die Bewegung Tuntram S ncht entgangen. „Weshalb drehst Du Dich denn eigentlich um«" fraate er und wandte gleichfalls den Kopf. ."2ch sehe rur, ob man uns etwa nachkommt," erwiderte der Mazor. o"% unbeorgt. Ein„Blauer" läßt sich hier um diese �seu mcht mehr sehen. ES ist ihnen hier nicht recht geheuer, und gern truger sie ihre Haut auch nicht zu Markte. Nur ein Wagen komm hinter uns her." „ES wird ene Droschke sein, die ins Depot fährt." „Rem. Doschkenlaternen leuchten nicht so." „Run meintwegen mag eS auch ein herrschaftlicher In den Stichwahlen im Ä4. nnd 87. Kommunal-Mahlbezirk. Arbeiter, Handwerker, Genoffen! Wähler des 24. und 37. Kommunal-Wahlbezirks! Am Dienstag, den 3. Juli, von Vormittags 9 Uhr dis Abends 6 Uhr, finden in den Kommunal- Wahlbezirken 24 und 37 der II). Abtheilung die Stichwahlen zur Stadtverordneten- Versammlung statt. In beiden Wahlbezirken haben die sozialvemokratischen Kandidaten im ersten Wahlgange am 12. Juni d. I. die rela- tive Stimmenmehrheit erhalten. Es wurden abgegeben im 24. Kommunal-Wahlbezirk für den Schankwirth Gustav Tempel(Soz.Äm meisten fürchtete Guntram, daß Pelikan ihm ent- wischen könnte. Er beobachtete daher jede seiner Bewe- S- lÄAIr? hätte allerdings gern gesehen, wenn rhm drese Nothwendlg- keit erspart blieb. Aber was sollte er schließlich thun, wenn er die Persönlichkeit des Burschen, seine Wohnung und seine Absichten feststellen wollte? Allerdmgs war dann noch die Frage, waS man zu fetner Verkleidung sagen und ob man ihm in dieser Glauben schenken würde. Aber er beruhigte sich bald. Er konnte sich l« sofort legitimiren und erzählen, daß er den Burschen, den er beim Uebersteigen eine? Gitters gesehen habe, so habe aus- forschen«ollen. Trotzdem hoffte er, auch ohne Hrlfe der völkerung eingetreten find und dieselben auch in der Stadt» verordneten-Versammlung vertreten werden. Stimmt im S4. Kommunai Mahtbezirk (bestehend aus den Stadtbezirken 168—173) für den Schankwirth Gustav Tempel, Breslauer st raße 27: im 37. Kommunatmahibezirk, (bestehend aus den Stadtbezirken 251—254 und 260—264) für den Fuhrherrn Johann Gnadt, Rügener st raße 38. Wenn Jeder seine Schuldigkeit thut, dann wird auch der 3. Juli für die Arbeiter Berlins ein Tag des Sieges, ein Tag der Freude sein. A«f denn zur Mahl, a«f zum glänzend-« Sieg«! Die Wahllokale, wo jeder in den Wählerlisten eingeschriebene Wähler am 3. Juli seine Stimme abgeben kann, befinden sich: für den 34. KommnnatwahtbezirK in der 30. Gemeindeschule, Rüdecsdorferstraße 4—5. fvr den 37. Kommnnalwahlbezirir in der 132 142. Gemeindeschule, Demminerstraße 57. Die Wahl findet ohne Unterbrechung von 9 Uhr Vor» mittags bis 6 Uhr Abends(also auch während der Mittagsstunde) statt. Die Wähler haben sich durch die vom Magistrat ihnen zugestellte Karte zu legitimsten. Wer eine solche Karte nicht erhalten hat— was namentlich für die seit Ostem 1887 aus den Wahlbezirken verzogenen Wähler gllt— kann sich durch seinen letzten Steuerzettel zu legitimiren. Di« Mählerliste« liegen heute(Sonntag) zur Einficht für Jedermann aus für den 24. Wahlbezirk im Zigarrengeschäft von H. Laske, Rüdersdorferstr. 20; für den 37. Wahlbezirk im Restaurant„Zum Nordstern", Demminersst. 60. Die Mahtdnr an» der Ardeiterpartei befinden sich am Tage der Wahl, Dienstag, den 3. Juli, in folgenden Lokalen: 1. fnr de« 34. Kommnnal-Mahldezirk im Restaurant Böhl, Rüdersdorferstraße 8. 3. für de« 37. Kommunal-Wahlbezirk im Restaurant„Zum Nordstern", Demminerstraße 60. Alle Genossen, welche am Wahltage für die Wahl der Ar» beiterkandidaten thätig sein wollen, werden ersucht, fich möglichst schon 8 Uhr Vormittags in den Wahlbureaus einzufinden. Auch liegen am Wahltage die Wählerlisten zur Einstcht für die Wähler in den Wahlbureaus aus. Polizei hinter die Pläne Pelikan's zu kommen. Zweifelhaft war nur, ob ihn dieser wirklich für einen Verbrecher seiner Art hielt. „Das werde ich schon in der Kneipe sehen, wohin ich ihn führe," dachte er.„Wenn eS mir nur gelänge, ihn be» trunken zu machen." Die Unterhaltung war eingeschlafen. Schon waren st? an dem Fabrikgebände der Gobelinsweberei vorübergekommen und hatten den Boulevard St. Marcel gekreuzt, aber Pelikan that nicht den Mund auf. „Verträgst Du was?" erkundigte sich Guntram und unterbrach endlich das Stillschweigen. „O ja," erwiderte der Mann.„Nur Wein vertrage ich nicht. Ich halte mich an Branntwein." „Der Vater Lunette führt keine schlechte Sorte. Er wird Dir schon schmecken." „Hoffentlich. Wie steht eS denn mit Dir?" „Viel vertrage ich nicht. Wenn ich fünf, sechs Gläser drinnen habe, bin ich fertig. ES ist mir schon oft passirt, daß ich unter den Tisch gefallen bin, wenn ich über mein Maß trank. Aber heut ist ja keine Gefahr. Du bist d» und wirst mich schon aufheben." Der Major war viel zu bescheiden. Er konnte so viel trinken, wie er nur wollte, ohne daß er etwas spürte. Und darauf rechnete er. »Sei unbesorgt," erwiderte der gutmüthige Pelikan. „Einen Kameraden verlasse ich nicht, wenn er nicht mehr allein auf den Beinen stehen kann. Wohin soll ich Dich denn bringen, wenn Dir so etwas AehnlicheS passirt?" „Nach der Rue des AbbesseS, Nummer 79, vierter Stock... Du brauchst nur ach Heloise zu fragen, so meine augenblickliche Liebe... Der Name steht auä der Thür." „Das genügt. Du kannst Dich auf mich verlassen, Rupin. Du kommst so sicher nach Hause, als wenn Du jetzt schon im Bett lägst. Und morgen Vormittag besuche ich Dich und sehe, was Du machst. Wir essen dann eine Zwiebelsuppe zusammen." au Ausnahmegrsktz und gemeine« Recht. Die Stelle der Thronrede, die sich auf das Sozia- listengesetz bezieht, ist in den Blättern viel besprochen »norden, und die„Frankfurter Zeitung" hat an dieselbe die Vertnuthung geknüpft, die Nationalliberalen würden in dieser Stelle einen Sporn erblicken, ihr altes Projekt wie- der aufzunehmen, nämlich das Sozialistengesetz aufzuheben und an desien Stelle entsprechende Bestimmungen in das Strafgesetzbuch und vielleicht in ein neu zu entwerfendes Vereinsgesetz aufzunehmen. Das ist nicht unmöglich; die Regierung pflegt in solchen Dingen, wo eine Initiative ihrerseits nicht gerade eine Vermehrung ihrer Popu- larität mit sich bringen würde, den dienst- »villigen Parteien gerne den Vortritt zu überlassen, »vie dies bei der Verlängerung der Legislatur- Perioden ja auch geschehen ist, die, nachdem sie vom Reichs- tag beschlossen worden, vom Bundesrath recht dankbar ent- Hegen genommen worden ist. Im übrigen haben auch noch andere Leme, als die Nationalliberalen, sich dafür aus- gesprochen, daß sie gerne anstatt deS provisorischen Sozia- liftenaesetzeS entsprechende definitive Bestimmungen im Straf- gesetzbuche sähen; Herr H ä n e l gehört bekanntlich zu ihnen. Indessen ist eine solche Veränderung nicht so einfach und man wird dabei auf manche Schwierigkeit stoßen. Wir zweifeln zwar nicht daran, daß die Nationalliberalen sich alle Mühe geben werden, einen goldenen Mittelweg zu finden. Aber der Weg vom Ausnahmegesetz zum ge- »neinen Recht führt über Klüfte, die nicht überbrückt »vcrden können, ohne daß man gewisse prinzipielle Auf- fassungen aufgiebt. Ein Hauptmerkmal deS Sozialistengesetzes ist bekanntlich die in demselben enthaltene Verwaltungsjustiz. Nach dem heute bestehenden Wortlaut des Gesetzes kann ein Blatt unterdrückt, ein Verein verboten, eine Ausweisung verfügt werden, ohne daß ein Gericht dabei nur in Frage kommt. Die Gründe für solche Maßregeln werden nicht durch richterlichen Spruch als ausreichend oder unzulänglich festgestellt, sondern die Verwaltungsbehörde befindet nach ihrem Gutdünken. Will man aber die einschneidenden Be- stimmungen des Sozialistengesetzes ins Strafgesetzbuch über- führen, so muß man auch dem Richter überlassen, zu ent- scheiden, ob und wie sie angewendet werden sollen. Der kleine Belagerungszustand in seiner gegenwärtigen Form wäre im Strafgesetzbuch nicht unterzubringen. Man könnte nichts Anderes thun, als dem Richter die Befugniß geben— die er im§ 22 schon hat— über den wegen Verstoßes gegen das Sozialistengesetz Angeklagten auch eine Aufenthaltsbeschränkung zu verhängen. Dann aber setzt die Ausweisung erst eine Bestrafung voraus und das wäre ein wesentlich anderer Zustand als der gegenwärtige, denn jetzt genügt es, wenn im BelagerungSzustandSgebiet jemand der Polizeibehörde als„eine Persönlichkeit, von der eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu be- sorgen ist", erscheint, um den Betreffenden auszuweisen. Ob das Sozialistengesetz unter einer rein richterlichen Handhabung weniger hart empfunden werden würde, das lassen wir dahingestellt. Erst die Erfahrung könnte hierüber Gewißheit bringen. Aber es kommen auch noch andere Fragen ins Spiel. Die sogenannte loyale Handhabung, auf die sich Herr von Puttkamer so viel zu Gute that, wäre nicht mehr in der Art denkbar, daß man sich sorgfältig darauf beschränken könnte, nur Sozialisten mit dem Gesetze zu treffen. Wir haben gewiß keinen Grund, für die moderne Jurisprudenz zu schwärmen und wir verspüren ihre Verknöcherung schmerzlich genug. Aber wir glauben denn doch nicht, daß man in einem Strafgesetzbuch, daS. doch nur gemeines Recht enthalten kann, Be- stimmungen aufnehmen kann, welche die Bestrebungen einer einzelnen Partei besonders treffen oder unter Strafe Jtellen. Es ist unter den heutigen Verhältnissen vieles »enkbar, was man sonst für unmöglich gehalten hat. Aber »nan kann gemeines Recht nicht so zuspitzen, daß eS nur auf eine einzelne Partei anwendbar ist. Ja dem Augen- blick, da die einschneidenden Bestimmungen des Sozialisten- aesetzeS in das Strafgesetzbuch übergeführt werden, unter- liegen denselben alle Oppositionsparteien. Die Partei- stellung wechselt heutzutage oft, je nach der politischen „DaS ist ein vernünftiger Vorschlag. Ich sage Dir, auf Zwiebelsuppen versteht sich die Heloise. Und dann lad' ich Dich zu einem Frühstück im„Schweizerfelsen" oben auf b»em Montmartre ein." „Ich wollte, ich wäre schon da... Aber weißt Du, bis zum Vater Lunette ist es höllisch weit. Da läuft man sich ja die Beine ab." „Schäm' Dich doch, alter Faulpelz. Du willst wohl eine Equipage gestellt haben? Zum„Fußlatscher" scheinst Du gerade nicht zu taugen." „Eine Equipage? Es fährt ja fortwährend eine hinter uns her." „Ach ja; ich sehe auch die Laternen.... Soll ich ben Kutscher anrufen? Der Herr hier will in seinen Wagen steigen?" Guntram witzelte, um unbefangen zu erscheinen; innerlich aber war er gar nicht zur Heiterkeit aufgelegt. Sein Verdacht wuchs und er fand, daß FournsS etwas zu nahe herangekommen war.„,, „Lange brauchst Du nicht mehr zu schmachten," fuhr er fort.„Wir sind in der Rue Monge und der Maubert- Platz liegt dort unten.".,_., „Ja, aber die Straße hier will gar kern Ende nehmen. Ich möchte mich gern ausruhen." t � „Genire Dich nicht. Wir sind ja vor der Pelagie. Du brauchst bloS an die Pforte zu pochen. Der Gefänginß- birektor wird Dir schon noch Unterkunft verschaffen. Ich kenne daS Loch. Sechs Monate habe ich hier abgemacht. Man ist hier sehr gut aufgehoben." Guntram hatte sich schon so sehr in seine Rolle einge- lebt, daß sie ihm ansing, Spaß zu machen. „Danke schön," brummte Pelikan.„Lieber will ich mich bis zu der Kneipe, wo Du mich hinführen willst, müde laufen. Eine komische Idee von Dir, so weit zu laufen!" „Reisen erhält jung, alter Knabe, und wenn man etwas lernen will, muß man eben alles sehen." Diese Sentenz schloß dem bärtigen Manne den Mund, und er schien keine Lust zu haben, ihn wieder aufzuthun. Tückisch blickte er zur Seite, so oft sie auf dem Wege an Haltung der Regierung, und so kann eine Partei leicht aus einer loyalen eine Oppositionspartei werden, so kann es den Nationalliberalen, wenn sie ihr Projekt ausführen, noch passiren, daß sie die„Seg- nungen" des Sozialistengesetzes am eigenen Leibe verspüren. Wir würden eine solche Ironie der Geschichte für eine sehr wirksame Lehre halten. Sonach mögen die Herren nur mit ihrem Projekt herausrücken; uns, die wir prinzipiell für Aufhebung des Sozialistengesetzes sind, kann dessen Umschmelzung in eine andere Form ebenso wenig sympathisch sein, wie der gegen- wärtige Zustand. Die ewigen Vermittler und Ausgleicher werden an der spröden Materie des Sozialistengesetzes sich umsonst abar- beiten; zwischen Ausnahmegesetz und gemeinem Recht giebt eS keine Vermittelung. Bevor das Sozialistengesetz in der Aufregung des Sommers von 1878 gemacht wurde, hatte man es mit der S t r a f g e s e tz n o v e l l e versucht, die vom Reichstage abgelehnt wurde; man wußte damals recht §ut, daß von dieser Neuerung alle Oppositionsparteien mit etroffen werden würden. Nun, unsere Sorge ist eS nicht, den nationalliberalen „Staatsmännern" einen Ausweg zu zeigen. Wir wissen auch keinen und wollen keinen wissen. Wir wollen den Herren nur zeigen, daß man nicht so„leichten HerzenS" über die Sache hinwegkommen wird, wie man glaubt und wie manchmal in nationalliberalen Blättern zu lesen steht. Mögen sie sich die Kopfe zerbrechen; es wird umsonst sein._ Politische Uederstcht. Auf eine« neuen Minister de» Innern braucht man sich sobald noch nicht gefaßt zu machen. Die„Krcuzztg." meldet, daß jetzt gar keine Unterhandlungen mit betreffenden Persönlich- leiten stattfänden.„Im Zusammenhange damit verlautet aus sonst unterrichteten Kreisen, daß dieses Ministerium zunächst un- besetzt bleiben dürfte, zumal Herr Unterstaatssekretär tzerrfurth bereits öfter beurlaubte Minister vertreten habe."— In den Augen der ,Freuzztg." scheint also Herr von Puttkamer als ein nur beurlaubter Minister angesehen zu werden.— In dem „Hamb. Korresp." begegnen wir einem Berliner Telegramm von Donnerstag, wonach Herr von Levetzow Minister des Innern werden soll. Loa vom Kartell. Die nationalliberale Fraktion des Abgeordnetenhauses hat auf Betreiben des Abgeordneten Miquel beschlvffen, das Kartell für die bevorstehenden Landtagswahlcn mit den Konseroativen und Freikonseroatioen nicht zu erneuern. Es wäre unrichtig, wollte man hieraus auf eine Umkehr der Nationalliberalen schließen. Die genannte Partei ist zu einem Verhalten wie das eben dezeichnete schon aus reinem Selbst- erhaltungstrieb gezwungen. Die Konservativen bedürfen nur weniger Stimmen, um die Mehrheit für stch allein zu haben, und vie Ziaiionalliberalen wissen ganz genau, was dann ihrer warten würde. Sie müssen also unbedingt darauf dedacht sein, die Bildung einer rein konservativen Mehrheit zu hindern.— Im Lager der äußersten Rechten herrscht anscheinend große Freude über die Lösung des Kartells durch den Beschluß der Nationallidcralen. Die„N. Pr. Ztg." hält zunächst die ander- weite Mittheilung, daß das Kartell zwischen Konservativen und Freikonservativen erneuert sei, in so weit für richtig, als münd- liche Abmachungen damit gemeint find; fie äußert sich dann über den Beschluß der Nationalliberalen in folgender Weise: „Sollten die Nationalliberalen wirklich einen derartigen Beschluß gefaßt haben, so würden wir in dieser offenen Erklärung, daß ein Kartell im üblichen Sinne des Wortes eben nicht mehr cxistirt, was ja bekanntlich der Abgeordnete Dr. Friedberg im Abgeordnetendause schon kürzlich eingestand, nur eine erfreuliche Klärung der Situation begrüßen. Wir haben so oft schon die politische Konfusion, in deren trübem Wasser gewisse Partei- Politiker so gern fischen möchten, als das größte Hinderniß der Herbeiführung„guter" Wahlen bezeichnet, daß wir uns nur freuen können, wenn diesmal unsere Parteigenossen in allen Kreisen zunächst offen das konservative Banner hoch halten und nur, wenn es die Roth wendigkeit des politischen Kampfes for- dert, sich auf Wahlbündnisse einlassen— und auch dies am richtigsten erst bei Stichwahlen."— Ebenso erfreut äußert stch der„Äeichsb.". Derselbe meint, daß die konservative Partei durch diesen Beschluß ihre Freiheit wieder erhalte; das Blatt fährt dann fort:„Kartelle ruiniren die Parteien. Es können sich einzelne Parteien, die fich in wichtigen Punkten nahe stehen, bei den Wahlen unterstützen, und wir werden einem verständi- gen Vorgehen in dieser Beziehung stets das Wort reden; aber ein vorher abgeschlossenes Kartell ist immer eine gebundene Marschroute für die Wahlbewegung. Die konservativen Ge- danken können dabei nicht zur freien Entfaltung kommen aus Rückficht auf die liberalen Kartellbrüder; das kann man einmal machen, aber nicht oft, sonst wird die Partei zersetzt."— Die einer Seitenstraße vorbeikamen. Wenn er zu entspringen gewagt hätte, hätte er eS gethan; er sah aber ein, daß er hierbei den Kürzeren ziehen würde, denn die Gestalt des Majors verrieth, daß er ein ebenso guter Schnellläufer wie Boxer sei. Der Wagen hielt sich jetzt beständig etwa hundert Schritte hinter ihnen. Pelikan that so, als bemerke er ihn nicht mehr, aber es war wohl anzunehmen, daß er ihn nicht vergessen hatte. DaS ungleiche Paar war endlich auf dem Maubert- Platz angelangt. „Nun sind wir da," sprach Pelikan und warf einen raschen Blick nach rechts.„Wo ist denn Deine Kneipe?" „Dort weiter unten. Wir müssen links in die Rue Galende einbiegen, und unS dann wieder nach links in die Rue deS AnglaiS wenden. Dann aber sind wir angelangt," erwiderte Guntram, der sich zu beunruhigen anfing, was sein Kutscher jetzt thun würde. Der Wagen konnte ihnen nicht in daS Gewirr der Straßen und Gassen folgen, die um den Maubert-Platz herumliegen. FourneS mußte also Halt machen und seinen Herrn aus den Augen verlieren. Würde er nun so ver- nünftig sein und errathen, daß der Major ihn hier wieder aussuchen wollte, wenn er mit dem Burschen fertig war, und würde er die nöthige Geduld zu warten haben? Die Sitzung in der Kneipe konnte lange dauern. Guntram hätte seinem Kutscher sehr gern neue Verhaltungsmaßregeln er- theilt, aber wie konnte er sich mit ihm bereden? Er durfte Pelikan nicht verlassen, und als Dritter war der bärtige Einbrecher bei einem Gespräch mit dem Kusscher auch nicht zu gebrauchen. Guntram blieb also nichts weiter übrig, als sich auf die Einsicht des wackeren Peter zu verlassen. „Wenn ich ihn nicht wiederfinden sollte," sagte er sich, „dann bin ich gezwungen, seine Bluse, Hose und Mütze in einen Winkel zu werfen und in Hemdärmeln und bar- häuptig inS Grand-Hotel zurückzukehre«. Ist mir aber gleich." freunde des mit nationalliberaler Hilf- gewählten Herrn I.'öcker schemen demnach für die nächsten Wahlen ihrer Sache sehr sicher jWH d-r abstchtUchen Ausstreuuug von Attentats- gernchten stehen gewisse Sichcrheitsoorkehrungcn in der kaiser- in Zusammenhang. Der S'öcker'sche „Reich-bote erzählt: Es wird ring?, um das S»!oß gegen- wartig em hohes ersernes Gitter errichtet, das den Park voll- stand lg von dem Verkehr mit der Außenwelt abschließt. Gegenwärtig patromlllren 12 Posten mit geladenem Gewehr um das Palms herum, außerdem find aber zahlreiche Schutzleiste in Z.vil zum Wachtvienst beordeit. Es find dies meist Potsdamer Polizeibeamte, während die nach Potsdam ommandilten 2o Schutzleute aus Berlin, unter Führung eines Polizeilieutenants, m Potsdam selber Straßenpatrouillcndienst tdun. Von der Wasscrseite aus wird das Marmorpalais durch Mannschaften des auf der Matrosenstation beim'Reuen Garten statlomrten Matrosendetachements dewacht.— Ferner erzählt der „Rachsbote.daß auch die Schutzmannschaft, in Unifarm und Zivil, eine bedeutende Verstärkung erhalten habe. Es fuaktio- niren zetzt deren an den verschiedenen Thoren und Wegen über 15, wahrend früher kaum einer zu sehen war; auch aus Berlin find yilfs kracke herangezogen worden. Endlich unterliegt die Annäherung an das schloß einer bisher nicht üblichen Karten- kontrole.— So wird Stimmung für die Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes über Berlin gemacht. Die Ausschüsse de» Kundesrath s haben am Mittwoch Abend mit der zweiten Lesung des Entwurfs der Alters- und Jnvalidenverficherung begonnen, doch ist die Berathung nicht weit vorgeschritten. Es wurden nur eine kleine Anzahl Paragraphen erledigt, da fich trotz der eingehenden früheren Berathung immer wieder neue Bedenken zeigten, hinstcht. lich deren die einzelnen Mitglieder noch Instruktionen von ihren Regierungen einholen müssen. Trotzdem hegt man in offiziösen Kreisen die Anficht, daß die zweite Lesung in kürzester Zeit wird beendet werden können. Dann würde in nächster Woche nur noch das Plenum des Bundesraths über die etwaige Ver- öffentlichung des stark umgearbeiteten Entwurfes zu beschließen haben. De» Chauvinismus scheint mit Hirnerweichung in einem gewissen Zusammenhang zu stehen. Ob er nun dabei als Ur- fache oder Wirkung zu betrachten ist, das wollen wir dahin ge- stellt sein lassen. An der Thatsache des Kausalzusammenhangs kann kein Zweifel sein. Wie anders ließe es sich sonst erklären, daß ein Blatt, wie die„Leipziger Zeitung", in Bezug auf vie Bologneser Vorkommnisse schreibt,„an den Berichten von der Verbrüderung der deutschen und gallischen Studenten sei kein wahres Wort".(.?)„Gallischen" Studenten! Französisch ist dem„Moniteur" Boulangers natürlich zu deutsch, weil es fich von frank und Franke ableitet. Demnächst wird der Deutsche Reichstag wohl in dem amtlichen Organ der sächsischen Regierung als germanischer Volksthing aufmarfchiren— was übrigens noch viel weniger albern wäre, alsdie„gallischsnStudenten", denn die modernen Franzosen, welche ein Völkergemisch find, kann nur ein Ignorant ersten Ranges mit den alten Galliern iden- tisch erklären, während bei uns Deutschen die Annahme, wir seien reine Germanen, mit einiger Phantasie noch aufrecht er- halten werden kann. Und sonst ist die„Leipziger Zeitung" doch so feinfühlig in Bezug auf die Ausdrucksform. So macht sie z. B. der„Kölnischen Ztg.", der geliebten Schwester im Kartell, bittere Vorwürfe, daß fie von„Junkern und Muckern" spricht. Fi dono. Solche veralteten Motte solle man heutzutage, wo wir es so herrlich weit gebracht, dock nicht mehr gebrauchen Es habe vielleicht einmal Junker und Mucker gegeben— aber„die Zeiten sind längst vorbei." Nun— statt Mucker kann die „Kölnische Ztg." ja künftig„ S t ö ck c r" sagen, und statt Junker— aber wie d a eine Auswahl treffen bei diesem überwältigendem ewbarras de richesses von Namen!— Die Kchnrlligkrit der deutsche« Justiz wird mitunter gerühmt, obgleich Schnelligkeit in Sachen der Justiz nicht gerade immer etwas sehr Erstrebcnswerthes ist. Aber schnell kann die Justiz in Deutschland nrituntcr sein. So erhielt z. B. der Redakteur des Leipziger„Wähler", Herr H e i n i s ch am 28. d. eine Anklage wegen Beleidigung eines Schulmeisters, der eine patriotische Rede geredet— und gleichzeitig auch schon für den folgenden Tag Vorladung zur Prozeßverhandlung. Das war gewiß fix. Mit der Anklage, welche Bebel gegen das„Leipziger Tageblatt" genchtet hat, geht es nicht so rasch. Sie wurde schon vor 4 Monaten ein- gereicht; und bis heute ist noch kein Termin angesetzt. Freilich, dem nicht pattiotischen Bebel fehlt die Fürsprache des Herrn Staatsanwalts, der den patriotischen Schulmeister sofott unter seine schirmenden Fittiche nahm, obgleich die Beleidigung dieses Herrn sich auf das sehr harmlose Wott„unverfroren beschränkt, während Bebel vom„Tageblatt" in der chreniühngsten Weise angegriffen worden ist.— Die Stellung der Staatsanwaltschaft zu Privatbeleidigungsprozessen bedarf überhaupt sehr der Desi- nirung. Sicherlich würde es weder der Würde der Justiz noch der Aufgabe der Staatsanwaltschaft entsprechen, wenn die polr- tische Parteistellung der Kläger und Beklagten den Ausschlag gäbe. „VorwättS!" nahm Pelikan das Wort.„Die Zunge klebt mir am Gaumen, und meine Beine wollen mich auch nicht länger tragen." Dieser Eifer bewies am besten, daß der Bursche mit einem Plane umging, und daß er sich von Gunttams Ge- schichten nicht hatte täuschen lassen. Und Guntram sagte sich: „Der Bursche da weiß, daß ich ihn nicht für einen Dieb halte, und er wird alles mögliche versuchen, um mich an der Entdeckung seiner Wohnung zu verhindern. Ich möchte wetten, er schmeichelt sich, mich betrunken zu machen, und sich dann, wenn ich nicht mehr klar sehe, zu drücken. Er soll eS nur versuchen! Ich will ihm zeigen, wie man bei unS Jägern trinkt." Der Major hatte die Absicht Pelikans in der That er- rathen. Ein Duell sollte sich zwischen ihnen entspinnen,— ein Duell in Branntwein. „Komm," sprach der Major.„Noch einige Schritte, und wir sind da. Etwas weiter davon liegt das Eafs zur „Guillotine"; da würden wir auch unter Freunden sein. Nur gute Jungen da. Aber beim Vater Lunette ist die. Ge» sellschaft weniger gemischt." „Gehen wir zum Vater Lunette," brummt- Pelikan, dem eS gleichgiltig zu sein schien, welches von beiden Lokale» sie besuchten. Zur größeren Sicherheit faßte ihn Guntram unterm Arm und ging mit ihm schräg über den Maubctt-Platz. Bevor sie in die Rue Galande einbogen, hatte er noch die Freude, sein Kupee sich längs des Trottoirt auf dem Boulevard Saint-Germain aufstellen zu sehen. Nur wenige Gentlemen wären die Spelunke aufzufinden im Stande gewesen, die er gewählt hatte. Um Vater Lunette'S Kneipe zu kennen, muß man ein alter Praktiku! sein. (Fortsetzung folgt.) Der Vorstand de» Vereins Dentscher Tabak-Fabrikanten»nd Händler hat an die Lereinsmitglieder eine sehr umfangreiche Denkschrift versandt, welche fich mit der V er- ordnung des Bundesraths vom 9. Mai d. detreffend die Einrichtung der für den Betrieb der zur Anfertigung von Zigarren bestimmten Anlagen beschäftigt. Der Verfaffer der Denkschrift, Dr. Gustav Lewinstein, Geschäftsführer des genann- ten Vereins, bat alles dasjenige zusammengestellt, was fttHert dem Jahre 1882 in den Berichten der Fabrikinspektoren über die Gesundheit und Moralität der Arbeiter und Arbeiterinnen in den Zigarrenfabriken findet, und meint, es„müsse jeder nach Kenntnisnahme des sehr umfangreichen und authentischen wla- ieriols einsehen, daß kein Grund vorlag, der Zigarrenfabrrkatron üls einer besonders gesundheitsgefährlichen Jndustne eine Aus- nahmestellung anzuweisen." Es wäre nach ihm sehr zu wünschen, wenn die deutschen Handelskammern, und besonders diejenigen, in deren Bezirken Zigarrcnfabrilation in größerem Umfange be- trieben wird, fich der Angelegenheit im Sinne der Denkschrift annehmen, d. b. fich bemühen wollten, die bundesräthliche Ver- ordnung für Arbeiterschuy wieder rückgängig zu machen.— Unsere Stellungnahme für die Maßregel des Bundesrathcs im Interesse der Arbeiterhygiene, aber auch für eine Entschädigung der durch dieselben enteigneten Kleinindustriellen ist bekannt. Auch die neue Denkschrift des Vereins kann uns nicht in der Anerkennung des bundesräthlichen Vorgehens irre machen. Wenn man nämlich bedenkt, wie schlecht es mit der Fabrik- lnspektion bestellt ist und wenn man daneben hält, welche be- denklichen Zustände in der Zigarrenfabrikation, die lückenhaften Jnspektorenderichte, welche der Verein auszugsweise mittheilt, dennoch enthüllen, so fragt man fich unwillkürlich, wieso es möglich ist, daß noch jemand für Konservimng dieser Zustände einzutreten vermag, selbst wenn er betheiligter Unternehmer ist. Die Denkschrift des Vereins stellt die glänzendste Rechtfertigung des bundesräthlichen Vorgehens dar, und es wäre nur zu wünschen, daß diese Körperschaft in dem Erlaß weiterer gcwerbe- hygienischer Verordnungen folgerichtig fortführe. Die Gntschlirtznng de» K«nde»rathes, bei dem Alters- und Jnvaliden-Verforgungsgesetz von der Theilung nach Berufsgenosscnschaften abzusehen und die Errichtung von lokal- degrenzten Verwaltungen an deren Stelle zu setzen, hat bei unsem Zunftschwärmern eine sehr große Mißstimmung hervorge- rufen, denn diese haben in den Berufsgenosscnschaften ein Mittel ge- sehen, das Zunft- und Jnnungswesen weiter auszubilden und so endlich zu dem von ihnen ersehnten mittelalterlichen Zustand der voll- ständigen Knechtung des Handwerks im Zunftzwang zu ge« langen. Hat man doch schon jetzt den Vorschlag gemacht, die bestehenden, auf Grund des Unfallverficherungsgesetzes vom Jahre 188t gebildeten Berufsgenoffenschaften zu benutzen, um„die Produktion zu regeln"' das heißt, man wollte den Vor» ständen der Berufsgenoffenschaften die Macht einräumen, jedem einzelnen Mitgliede vorzuschreiben, was und wie viel er produ- ziren darf. Bis jetzt finv solche vereinzelte Verlautbarungen allerdings wirkungslos gewesen, und auch der Genossenschafts- verband, welchen diese Herren für ihre Zwecke zu gewinnen hoffen, hat fich von ihnm abgewendet und in diesem Frhhjahr durch Aenderung seiner Statuten allen solchen Gelüsten einen Riegel vorgeschoben, aber trotzdem halten die extremen Zünftler mit der ihnen eigenen Zähigkeit an der Idee fest und fie find daher sehr bestürzt darüber, daß man jetzt die Berufsgenoffen- ichasten für die Alters- und Jnvalidenversorgung aufgeben und o mit dem Prinzip derselben brechen will. Sie sehen sehr wohl ein, daß fich dann die Theilung in Berufsgenoffenschaften auf die Dauer auch bei der Unfallverstcherung nicht mehr halten kann, und daß damit alle ihre schönen Pläne ins Wasser fallen. Urber«in recht schmutzige» Stück Betrügerei, ausgeübt an armen Arbeiterinnen, wird der„Fränkischen Tagespost" aus H o f berichtet. Darnach wird in einer dortigen neu eingerichteten Fabrik für ein Stück Bettzeug, welches 60 bis 62 Meter lang sein soll, 3 M Lohn bezahlt. Nun erfährt aber kein Arbeiter, wie lang die Stücke wirklich find, denn in das Lohnbuch wird das Längcmaß nicht eingeschrieben. Eine Arbeiterin,.welche einmal darauf beharrte, das Längemaß der Stücke zu wissen, erfuhr, daß es statt sechzig 74 Meier waren. Sie hat aber bis zum heutigen Tag für die 14 Meter, die zu viel waren, noch keinen Pfennig bekommen; das macht 70 Pf. bei diesem einen Stück Bettzeug. Vor ein paar Jahren wurde bekanntlich über ähnliche Prattiken aus einer schlefischen Fabrik berichtet, wo es schließlich zu einem allgemeinen Aufruhr der Weber kam und die Behörde zu Gunsten der Arbeiter inter« venifte.— Schon im Jahre 1878 bei der damals im Gange befindlichen Revision der Gewerbeordnung beantragte der dama« lige sozialdemokratische Abgeordnete Motteier einen Para- Saphen, nach welchem die Textilfabrikanten verpflichtet sein llten, bei Uebcrgabe der Materialien an ihre Arbeiter in oder außer dem Hause schriftliche Arbeitsverträge(Schuß- oder Musterzettel) auszustellen, welche neben anderem auch eine ge- vaue Angabe des Lohnes für ein bestimmtes Quantum Arbeit enthalten sollten. Natürlich wurde dieser Antrag abgelehnt. Wäre er angenommen worden, so könnten Schwindelerm wie Äie vorstehend aufgeführten nicht mehr vorkommen. Die Lösung her sozialen Frage entdeckt— und zwar von einem sächsischen Kartellbruder. Der fragliche Wohlthäter der Menschheit hat nämlich ausfindig gemacht, daß ein Bataillon Soldaten seinem Garnisonsort 50—60 000 M. jährlich einbringt. Es brauchen also nur so viele Bataillone im Deutschen Reich geschaffen werden, daß jedes Dorf sein Bataillon bekommt, und jede Stadt und jedes Städtchen eine seiner Bevölkerungsziffer entsprechende Zahl von Bataillonen— und die soziale Frage ist gelöst! Das Rezept ist einfach und wird auch unseren Militärs sicherlich Wohlgefallen„Der Soldat ist produktiv", sagte schon der alte General Steinmetz. Damals glaubte man's aber nicht. Jetzt wird der Gedanke bessere Aufnahme finden. Also: je mehr Soldaten wir haben, desto reicher find wir. Doch wir müssen der Welt auch den Namen jenes genialen Wohl- thäters mittheilen: er heißt Jucl, ist Teppichfabrikant und wohnt in Würzen bei Leipzig. Konservative KolKsliebe. Der landständische Konvent zu Schwerin bewilligte für die durch die Ueberschwcmmungen heimgesuchten Landeskinder, meist lleine Landleute und Hand- «erker, statt der geforderten 846 000 Mark nur 300000 Mark. ,.. Tküriugen, 26. Juni, wird der„Franks. Ztg." ge- « �%:. Die Kartellparteien, zumal in Thüringen Achsen, betrachten die Kriegewereine als die festen Ordnung und erblicken in ihnen wcrthvolle �.��enofstm. Mit dieser Anschauung harmonirt es nun � fefllidien äutomenliinlt, dich. sroÄÄÄ'ÄÄ'r'li WKpWWVS eines auswärtigen Kriegerverews(aus Tauber) begingen insbe- sondere auf dem Geraer Bahnhof solche Brutalitäten— fie schlugen die Bahnbeamten blutig, prügelten fich mit den hinzu- eilenden Schutzmännern—, daß fie nur mit Unterstützung des empörten Publikums überwältigt und gefesselt abgeführt werden konnten. Man sollte meinen, daß derartige Exzesse nicht in solcher Anzahl bei den Festen von Vereinen vorkommen dürften, die fich so gern und so oft selbst als Vertheidiger der Ordnung bezeichnen. m Kchweis. Bekanntlich hat der N a t i o n a l r a t h einen wichtigen schritt auf der sozialpolitischen Bahn durch seine Anregung an die Regierungen hinsichtlich der internationalen Ar- beiterschutzgesetzgebung gethan. Interessant find die näheren Berichte über die Verhandlungen, die zur Annahme dieser Anregung geführt. Wir entnehmen der„Z. Post" fol- gendes darüber: Decurtins und Favon begründen ihre Motion: In Erwägung, daß eine Reihe von Staaten bereits eine Arbeitergesetzgebung besitzen oder anstreben, die von den Gefichtspuntten ausgeht und die Tendenz verfolgt, welche auch diejenigen der schweizerischen Ardeitergesetzgebung sind, wird der Bundesrath eingeladen, fich mit jenen Staaten in Verbindung zu setzen, um durch internationale Verträge oder internationale Arbcitergesetzgebung hinsichtlich 1) des Schutzes minderjähriger Personen, 2) einer Beschränkung der Frauenarbeit, 3) Festsetzung der Sonntagsruhe und 4) des Normalarbeitstag's gleichartige gesetzliche Vorschriften zu erzielen. D e u eher erklärte Namens des Bundesraths, daß derselbe die Motion ein- stimmig gutheiße, obgleich er die Schwierigkeiten, auf welche er bei den Unterhandlungen stoßen werde, nicht verkenne. Die Idee einer internationalen Arbeitergesetzgebung sei bereits vor dreißig Jahren aufgetaucht, ohne fich seither der Realifirung erbeblich genähert zu haben, indem die Re- gierungen wenig Neigung zeigten, der Frage näher zu treten. Inzwischen habe doch die Fabrikgesetzgebung uberall Fortschritte gemacht. Der Bundesrath werde planmäßig vor- gehen und ein Programm ausstellen; er hoffe dabei auf die Unterstützung der schweizerischen Arbeiter, welche fich damit nütz- licher machen können als durch Beschlüsse, die sie an Festen fassen. Die Arbeiter sollen nickt dlos Motte machen, sondern vorwärts gehen und den Bundesrath unterstützen. Das rufe er. Deucher, denen zu, welche auf die Arbeiter Einfluß haben. Curti findet diese Mahnung Deuchers gerade bei Anlaß der Fabrikgesetzgebung am wenigsten wohlangebracht. Da find die Arbeiter und ihre Führer seit Jahrzehnten thätig; fie haben die Fabrikgesetzgebung in verschiedenen Parlamenten verfochten und sind dafür als international, anarchistisch u. s. w. verschrien worden. Nachher habe dann die Gesetzgebung doch diesenWeg befchtttten und jetzt wandle ihn auch der Bundcsrath. Das sei löblich; aber eine gar so kolossale Leistung sei es doch nock nicht, wenn der Bundesrath eine Einladung an die fremden Staaten zu einer Konferenz schreibe, und deshalb soll Herr Deucher nicht gleichzeitig Vorwürfe auf diejenigen abfallen lassen, welche fich längst mit der Fabttkgesetzgcbung beschäftigten. Herr Deucher fordere die Unterstützung der Arbeiter für die internationale Fabttkgesetzgcbung. Wenn nun aber die Arbeiter zu diesem Zwecke einen Kongreß abhielten, würde man fie vielleicht de- schulvigen, fie stten nicht national. Dr. Joos zöge ttne Herab- setzung der Arbtttszeit in der Schweiz den internationalen Ver- ttnbarungen vor. Dem Basler..Arbeiterfreund" schreibt, wie wir dem„Hamb. Corr." entnehmen, ein Einsender aus Bern, daß die Kantons- regicrungen seitens der eidgenösfischen politischen Polizei aufgefordert worden seien, öffentliche Versammlungen streng zu überwachen. Schweden«nd Usrwege«. Das Slotthing beschloß, die jährlichen Gehälter der Staatsräthe von 12 000 auf 10 000 Kr. herabzusetzen und die bisherigen Zulagen für die in Stockholm wohnenden nor- wegischen Staatsräthe zu streichen. Ein Antrag, auch die Ge- hälter der Staatsminister von 20 000 auf 12 000 Kronen zu ermäßigen, fand nicht die Mehrheit, doch wurden die den beiden Staatsministern in Chttstiania und Stockholm zustehenden Tafel- gelber auf 15 000 und 12 000 Kronen herabgesetzt. Das Gehalt der Staatsrevisoren setzte das Stotthing von 3200 auf 2400 Kr. herab. GroKdrituttttie«. Eine Versammlung der Bergwerksbesitzer und Arbeiter-Delegirten von der Grafschaft Northumberland fand in Newcasile statt. Die Bergarbeiter waren»ertreten durch die Herren Butt, Fenwick, Niron und Joung. Die Bergardeiter forderten eine Lohnerhöhung von 15 Prozent; fie wurde aber abgeschlagen. Eine Arbeitseinstellung dürfte dadurch in Aus- ficht stehen. Die Bergarbeiter in Sud-Wales und Monmout- schin faßten eine Resolution zu Gunsten der achtstündigen Ar- btttszeit. Die Meister haben versprochen, die Resolution in Betracht zu ziehen. Die Schiffsdauer an der Tees, 8000 an der Zahl, setzten ihre Forderung nach 16tägigem Streik durch. Sie erhalten vom 1. Juli 5 Prozent Lohnerhöhung für Akkordarbeit und 1 M. 50 Pf. per Woche für Tagcarbeit. Im Durch- schnitt beträgt die Erhöhung 10 Prozent. Die Schiffsbauer an der Tyne und Wear erhielten dieselbe Lohnerhöhung ohne Streik. Die Schmelzer, Schürer und Bttschürer in Hattleys Glashütten, Sunderland, haben die Arbeit niedergelegt. Sie verlangen 3 Mark mehr die Woche. Im Unterhause wurde vor überfüllten Bänken und Galerien die Debatte über den die irische Politik der Regierung tadelnden Anttag Morley's fottgesetzt. William O'Btten, der zunächst das Wott ergriff, vettheidigte den Feldzugsplan gegen die Angriffe Saundesson's und TT W. Russell's. Hätte das Haus 1886 Parnell's Vorlage für die Einstellung von Pächter- ausweisungen angenommen, so würde der Feldzugsplan niemals das Licht der Welt erblickt haben. Die Verbrechen in Irland habe nicht der Felvzugsplan verursacht, sondern die Politik der Regierung, welche nicht auf die Unterdrückung von Verbrechen gerichtet sei, sondern auf die Ausrottung der Pächter; aber so lange die irische parlamentarische Pattei bestehe, würde sie nicht zugeben, daß die Pächter der Tyrannei der Grundbesitzer zum Opfer fallen. Dem Obessekretär für Irland sei es nicht ge- lungen, den Feldzugsplan zu bewättigen. und zur Verstärkung der btttischen Waffen mußten die guten Dienste der Heiligen In- quisttion in Anspruch genommen werden. Der Feldzugsplan sei bis jetzt nirgends besiegt worden und würde auch niemals besiegt werden. O'Brien schloß seine häufig durch stürmischen Beifall seiner Pattttgenossen unterbrochene Rede mit einem Aus« druck der Zuverficht in den schließlichen Tttumph der ittschcn Sache. Nachdem der Konservative Chaplin gegen den Antrag gesprochen, erhob fich Gladstone unter dem enrbufiastischen Zu- rufen seiner Batteigenossen und der Jrlander. In ttner langen, den Antrag Äorley's unterstützenden Rede behauptete er, vaß die Behandlung, welche Dillon zu Thell werde, ttne für einen Mann seiner Stellung unwürdige stt. Er klagte über die systematische Weigerung der Regierung, dem Hause genauen Aufschluß über die wegen Verschwörung eingeleiteten Prozesse zu geben, was, wie er bemerkte, auf das Bestreben hinauslaufe, dem Hause der Gemeinen seine gehörige Juttsdittion zu ent- ziehen, die Wirssamleit von Ausnahmegesetzen zu überwachen und die Helligkeit von Pttvattechten zu schützen. Nach ttnigen Bemerkungen zu Gunsten des Feldzugsplans rügte er wieder- holt das Vorgehen der Regierung gegen Dillon, indem fie, um ihn des Rechtes zu berauben, vor Geschworene gestellt zu werden, über die Grafschaft, in welcher er die inkttminitte Rede gehatten, nachträglich den Ausnahmezustand verhängte. Seine Verurtheilung zur Maximalstrafe, sowie seine BeHand- lung im Gefängniß bezeichnete er als hatt, grausam und ge- mein. Eine solche Handlungswttse wäre nicht dazu angethan, die Achtung für das Gesetz in Irland zu fördern. Irland wäre gegenwättig in der Gewalt der Armee, der Gendarmette und gewisser ungeordneter Tttbunale. Unter solchen Umstanden könnte kein Land Fottschtttte auf der Bahn ttner befnedigenden Regelung der Verhältnisse machen. Niemals vorher hatte eine solche schatte Opposition zwischen der Dublmer Burg und dem ittschen Volke bestanden, wie gegenwättig; er freue fich icdoch, daß er und sttne Pattei ttnst Gelegenheit haben wurden, an ein Tttbunal zu appelliren, welches sicherlich schließlich ein Utthttl zu ihren Gunsten fällen würde. Nach dem Fuhrer der Oppofition, dessen Rede 1 Stunde 40 Minuten in Anspruch genommen, ergriff der Obersckretär für Irland, Balfour, das Wort zu erner fast zweistündigen Vetthttdigung der mschen Politik der Re- gietung. Er behauptete, daß in kttnem Lande der Welt ttne Regierung, welche einen organifirten Widetttand gegen das Gesetz, einen organifitten Wunsch, die Regierung des Landes zu stürzen, und einen organifirten Entschluß, sich der Zahlung gerechter Schulden zu entziehen, zu bewältigen habe, mit weniger Härte vorgegangen wäre, als die englische Regierung in Irland. Mit Bedauern müsse er zugeben, daß das Gesetz in Irland nicht geliebt werde, aber dafür sei die jetzige Regierung nicht verant- wottlich. Nachdem noch der Jrländer Sexton(Lordmayor von Dublin) in langer Rede für den Antrag eingetreten, wurde gegen 1 Uhr Morgens zur Abstimmung geschritten, welche, wie bereits mitgetheitt, die Verwettung des von Morley gestellten Tadels- antrages mit 366 gegen 273 Stimmen ergab. Das Eraebniß der Abstimmung— eine Mehrheit von 93 Stimmen für die Regierung— wurde von den Anhängern des Ministeriums mit langanhaltendem Jubel begrüßt. Der dekannte Marine> Ingenieur und Abgeordnete Sir E. I. Reed übte im nationalliberalcn Kluh eine dttßende Kritik an der Verwaltung der britischen Marine, welche er der ärgsten Vettckwendung bezichtigte. Drei Millionen Pfund Sterl. würden für wirklich geleistete Dienste bezahlt und zwei Millionen für nicht gelttstete Dienste. Die Admiralität zahle 13 Admiralen jährliche Gehälter von 37 600 Pfund Sterl. im Ganzen, während 281 nicht dienstthucnde Admirale 160 990 Pfund Sterl. erhielten. Es gäbe sechsmal so viel Admirale als Panzerschiffe. Viele Schiffe würden gebaut, von denen man schon im Voraus sagen könne, daß sie völlig unbrauchbar für den Krieg seien. Die Admiralität habe 3% Millionen für neue gepanzette Kreuzer ausgegeben, von denen jeder ttnzelne seine Panzerung unter Waffer hätte, sobald er den Hafen verließe. Frankreich. Die franzöfische Regierung hat im Senat eine Nieder- läge erlitten, die dadurch Bedeutung erhält, daß die Regierung den ganzen Senat geschlossen gegen fich hatte. Der etwas un« klare und ergänzungsbedürftige Bericht des„W. T. B." meldet darüber:„Der radikale Senator Marco u richtete an den Justizminister eine Interpellation, in welcher er mittheilte, daß der Maire von Carcassonne, der wegen Wechselfälschungen zu einer ttnmonatlichen Gefängnißstrafe veruttheilt worden war, fich gewttgett habe, die Strafe anzutreten und der Substitut die Verhaftung habe vornehmen lassen. Marcou fragte an, w s- halb der Substitut, welcher doch das Gesetz ausgeführt habe, seines Amtes enthoben worden sei. Der Justizminister erkläile, ärztliche Zeugnisse hätten bescheinigt, daß der Maire krank ge- wcsen sei. Der Substitut sei zu diensteifrig gewesen und Haie die Absetzung verdient. Der edcmalige Polizeipräfett Lson R-� nault machte dem Minister heftige Vorwürfe, daß er tt> en richterlichen Beamten bestrafte, welcher nur seine Pflicht getban habe, und sprach fich weiter mißbilligend darüber aus, daß der Minister den Präfekten in Schutz nehme, der doch Beziehungen »u dem wegen Wechselfälschungen verurthttlten Maire unterhalte. Der Senat nahm einstimmig ttne Tagesordnung an, in welcher Bedauern ausgesprochen wird über die Maßregelung eines richterlichen Beamten, der das Gesetz habe ausführen lassen und der Justiz Achtung geschafft habe.(Lang andauernder Bttfall.) Der Voranschlag der ordentlichen Militäraus- gaben für 1889 beträgt 556% Millionen Frks., rund 20 Milk. mehr als die für das laufende Jahr bewilligten. Die Haupt» Mehrausgabe ist für Kleidung und Zeltwerk gefordett: fast 28 Millionen Ftts., außerdem für Lebensmittel 4%, Stroh und Futter 3%, Pulver und Salpeter 2j und Pferdeaushebung etwas über 1 Million. Der gesammten Mehttorderung von rund 42$ Million stehen Minderforderungen von 22* Millionen gegenüber; darunter 10% für Sold der Infanterie, 2% für den der Kavallerie, 3% für den der Attillerie und fast 3 Millionen für Heizung und Beleuchtung. Das außerordentliche Militärbudget für 1889 verlangt 178% Mill, und zwar für Feldpark 23", Millionen, Bewaffnung der festen Plätze 12, der Küsten 8, Belagerungspark 14, Handwaffen 51, Munition 28, Verschiedenes 2, östliche Festungen 16, südöstliche 5, Hafen und Mündungen rund 3, Pulvermagazine 6, Verbesserungen. Beförderungen je. 2, Eisenbahnen 4, Gesundheitsdienst 1* Millionen. Das linke Zentrum des Senats wollte darüber berathen, od es dem Manifeste des„Republikanischen National- Vereins" als Gruppe betreten solle; es waren aber nur etwa 10 Mitglieder erschienen, welche sich nicht sür befugt ansahen, einen solchen Beschluß zu fassen, so daß die Frage von selbst vemeint war. Alan überließ es jedem Mitgliede, persönlich bei- zutreten. Kelgie«. In einer von ungefähr 400 Mitgliedem besuchten General» vettammlung der„Association Liberale" wurde mit allen gegen blos 2 Stimmen beschlossen, die mit den liberalen Assoziationen der Faubourg's seit Jahren bestandenen und stets, wenn auch nach Kämpfen, erneuerten Bündnißvetträge zum 1. Dezember er. zu kündigen. Dieser wichtige Beschluß soll eine weitere Klärung und Scheidung zwischen den gemäßigt Liberalen und progresfisti- schen Elementen in diesen Vereinen herbttführen und dem Zentralvcrein in Brüssel eine gleichmäßig feste progresststische Polttik erleichtern. Amerika. In ganz Mexiko haben die Wahlen derjenigen Personen stattgefunden, welche den neuen Präsidenten der Re- publik zu wählen haben. Es machte fich nur wenig Oppofition gegen den Präsidenten Diaz bemerklich. Asien. Heber die Wirren in Korea find in Shangai wettere Nachrichten eingegangen. In Seoul wurden neun Regst rungk- deamte von der Bevölkemng in den Straßen ergriffen und ge- köpft. Die in Chemulpo vor Anker liegenden sranzöstschen, rusfischen, japanischen und amerikanischen Kriegsschiffe ent- sandten Mannschaften zur Bewachung der Konsulate, wohin fich die Ausländer geflüchtet haben. Man glaubt, daß die Revolution ihren Uttvrung chinesischer Anstiftung verdanke und daß weitere Ruhestörungen und ttn Staatsstreichversuch be- vorstehen. Afrika. Sämmtliche disponiblen Truppen von Natal haben Ordre erhalten, sich für den Marsch nach Zululand bereit zu halten. Außerdem geht ein Bataillon von Kapstadt ad. Anstralie«. Das politische Interesse dreht fich allenthalben in Australien noch immer um die C h i n s e n f r a g e. Es ist wiederhott darauf hingewiesen worden, daß fich die austtalischen Kolonien durch den Vertrag von Tientsin nicht für gebunden erachten, vielmehr fich denselben nach eigenem Gutdünken dergestatt zu- rcchtgclegt haben, daß von jedem einwandernden Chinesen eine Kopftaxe von 10 Lstr.(200 M.) erhoben wird, wozu die weitere Beschränkung tritt, daß es jedem Dampfer, welcher Chinesen befördctt, nur gestattet ist, für je 100 Tonnen netto Raumgehatt ttnen cinzigm Chinesen an Bord zu nehmen. Chinesen als Mannschaft, naturalifitte englische Untetthanen und solche, welche die Kopfsteuer berttts ttnmal erlegt haben, find nicht den Bestimmungen dieses Gesetzes unterwottcn, sondern sollen nach dem Wottlaute des letzteren niemals an der Landung verhindett werden. Auf Uebertretung dieser Vottckristen steht ttne sehr hohe Strafe— 100 Lstr. für jeden weiteren Chinesen über die nach dem Raumgehalte des Dampfers zuläsfige Zahl, — welche der betreffende Schiffskapitän selbst dann zu tragen bat, wenn er nachwttsen kann, daß ihm ttn nach einem anderen Hasen bestimmter Chinese trotz aller Ueberwachungsmaßregel» entwichen ist. Theater. Sonntag, den 1. Juli. Wperah««». Geschlossen. Achaafpiethaa«. Geschlossen. K»»tsch-» Theater. Geschloffen. Friedrich» Wilhelmstädtisch«» Theater. Pariser Leben. Montag: Dieselbe Vorstellung. »r-U'« Theater. Hans H-iling. Wrtaria- Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. Montag: Dieselbe Vorstellung. KeNeaUiane«- Theater. Historische Taugenichtse. Montag: Sie ist wahnsinnig. Eine Partie Piquct. Temtral-Theater. Die Himnrelsleiter. Montag: Dieselbe Vorstellung. HKstead- Theater. Die Löwenbändigerin von Paris. Montag: Dieselbe Vorstellung. Oaastaa«»'» Uaritta. Spezialitäten> Vor« stellung. G««e«rdta- Theater. Spezialitäten« Vor« stellung. Aufforderung. ?Ille diejenigen Genossen, die mit thätig sein wollen bei der Stichwahl zur Gemeindevertretung am 3. Juli, mögen sich bei einem der unterzeich rieten Mitglieder des Wahlkomitees melden: Für den 24. KommusalwahldlMk F©elf«, Rüdersdorferstraßc 57 II. 1416 #. Maehler, Koppenstrahe 35 II. A. Lehman», Friedrichsfclderstrasie 43 v. I'. H. Laske, Rüdersdorferstraße 20 part. R. Meyer, Rüdersdorferstraße 20 h fit Um 37 KßwMsalwiZhlbkzirk ®. Thierbach, Rheinsbergerstraße 29, 2 Trepp A. Llinhe, Demminerstraße 8, Hof 1 Treppe. F. Wagner, Bmnnenstraße 77, Hof 2 Trepp Lt. Planh, Ruppinerstraße 29, im Keller. ©. SplrttstSßer, Oderbergerstr. 35, 2 Trepp, Weiss- und Bairisch-Bier-lokal gr. Weiße 20 Pf., kl. Weiße 10 Pf., ein gutes Glas Bairisch, Mittagst, m. Bier a Couoert 50 Pf. b. F Schmalowsky, Langestr. 70, pt, agr Mereiuszimmer?» vergeben. Mkl's khtüft DolksMkU Gesundbrunnen 60 Kad- Straß- 60. Sieben Sonntag: Gr MlitSr-Konzert vrrb. mit Schlachtmnsth. w«" 1. Neu i epochem. Neuheit auf aeronaut. Gebiete. Auftreten der RailSnder ■ Thier Kapelle.■ ■C Im Saal: Großer Kall. Jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag: Grosses Frei- Konzert. Eintritt an Wochentagen frei, Sonntags 15 Pf. Tie Kaffeeküche ist von 2—6 Uhr geöffnet. Mo speisen Sie? In der alten pommerschen Küche, Oraniensrr 181, Hof parterre, bei Klein! Jrübsi 30 Pf., Mittagstisch tri. Bin 50 Pf., Abendtisch von 30— 60 Pf. nach Auswahl. . Nasfag- 1 Tr. 8 3%.-10S KatBer-Panormua. PrachtschloßKönigLudwigs Herrenchiemsee mit Sehens- Würdigkeiten.— Der ganze Trauerzug u. Auf» bahrung Kaiser Wilhelms im Dom. Entree& Cycl. 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. Mittheilung. An die Feser dieses Klatte». Zur Kenntnißnahme, daß ich in kürzerer Zeit zu wiederholten Malen wegen Umbau genöthigt worden bin, mein seit 15 Jahren am Platze b.'kanntesu.bcstrenommirtes Uhren- Geschäft verlegen zumüssen und befindetsich dasselbe vom 1. 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Sonnabend, den 7. Juli: Zommerfest de» Ne»ius«viformirter Krieger. Alles Nähere die Tages- Anschlagzettel! Schweizer- Gartsn. Am Friedrtchshain— A m Konigsthor. Täglich: Theater- u. Spezialitäten-Vorstellung. -"Wm.Zt-rn mm I bbIbb bedentendst« Sei knnst- Sonntag: f&UIBa Ua L.UIU| ierinuen d Gegenwart. Dinoa-Truppe, Luft- u. Patterregqmnastik. Lea Klicke, Erentriks-Tr o. Willberg, Tanzparodist. Elly Hettown, Vcrwandlungs- Künstlerin. Geachm. Oelorlne, Duettistinnen. Voikebelustgiungen tS.& Ball. .»«»»•!. 2. Kricgsfcnrrivrrl! Ä: Die Schlacht bei Wörth. 3. Juli Fr. Gragert IVo. 5 Zlonekirchplatz]*o. 5. Digaziil s«kH»uz- iißülh'xriiitilhtiiiiW, Empfiehlt sein reichsottirtes Lager in Küche« möbel eigener Fabrik, sowie Wasch und Wringmaschinen, Eisschränke und PetrOleUni-KOCher, Patent(wollkommen geruchlos). Musterküche im Gesch astslokal. 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Ottoder 1886—87 entnehmen wir, daß in dem Berichtsjabre 951 Brände einschließlich 12 Schornstein- und 69 lAardinen- drände, 10 Leuchtgasexplofionen und 8 Bl-'tjftradlbifchäbigu ißen an Gebäuden vorgekommen find, für milche die städtische s�uer- Sozietäl Vergütigun..en zu zahlen hat. Außerdem find 50 Brände angemeldet und zweimal ist wegen eines Feuers außerhalb des Weichbildes von Berlin Feuerlärm gewesen, wodurch jedoch kein zu vergütender Schaden entstanden, sondern nur Löschkosten ver« ursacht find. Tie Kosten, welche durch die Brände verursacht worden, einschließlich des antheiligen Beitrages zu den Kosten des Feuerlöschwesens, der Verwaltungskosten:c. belaufen fich aus 1 220 482,52 M. Hiervon gehen an Einnahmen zc. ab 1843,45 M., es find demnach auszuschreiben 1 218 639,07 M. Werden von jedem Hundert der Verficherunassumme, welche fich am 1. Oltober 1887 auf 2482 502300 M. belaufen hat, fünf Pfennige ausgeschrieben, so kommen auf die Grund- stücke zum einfachen Beitrage 1 237 017,95 M. zum doppelten 1122,50 M., zum vierfachen 14642 M. und zum sechsfachen Beitrage 68,70 M, mithin in Summa 1 252 851,15 M. und bleibt ein Ueberschuß von 34 212,08 M. Hierzu treten noch Uedcr- schüffe aus früheren Fahren zc. mit 794 124,69 M., so daß dem Ausschreiben pro 1. Oltober 1887-88 noch 828 336,77 M. zu Gute kommt, welche mit dem vorhandenen eisernen Bestände von 15 000 die Summe von 843 336,77 M. ergiedt. Durch Kabinrto-rdre vom SV. Mai er. ist der Stadtgemeinde Berlin das Enteignungsrecht behufs Erwerbung von Terrains zur Freilegung des Halle'schen Ufers zwischen Schöneberger- und Möckernstraße, sowie der Königsbergm'iraße zwischen Aüdersdorfer- und Memelerstraße ertheilt worden. Damit ist bezüglich der erstgedachten Tenains ein bedeutender Schrstt zur Verwirklichung der längst projcttirtcn Ladestraße weiter gethan._ Lokales. Zahlreichen Anfragenden bezüglich der Räumung«- frist der Wohnungen zur Nacheicht, daß die Polizciverord- nang vom 26. März 1870 bestimmt, daß a) kleine, höchstens aus zwei Zimmern nebst Zubehör bestehende Wohnungen am ersten Quartalstag, d) mittlere, d. h. aus 3—4 Wohnzimmern nebst Zubehör am zweiten Ouartalstag um 12 Uhr Mittags, C) große, d. h. mehr wie vier Wohnzimmer nebst Zubehör um- fassende Wohmmgen am dritten Quartalstag um 12 Uhr Mittags geräumt werden müfien. Bei jeder Wohnung von 3 Zimmern nebst Zubehör muß jedoch ein Zimmer, bei Woh nungen von mehr als 3 Zimmern, 2 Zimmer schon am ersten Quartalstage zur Benutzung des zuziehenden Miethers vollständig geräumt sein. Fällt einer der drei ersten Tage des Quartals auf einen Sonn- oder Feiertag, so braucht die Räu- mung, statt an diesem Sonn- oder Feiertage, erst an dem nächstfolgenden Wochentage zu erfolgen. Da« neue Vogrlschuhgrfeb tritt heute, am 1. Juli, in Kraft Mohtnnterrichtet,«le immer. Für gewöhnlich inter- rsfiren wir uns nicht für die Vorkommniffc in den sogenannten vornehmen Kreisen. Trotzdem ist es aber doch bisweilen ganz tnimssant, zu sihen, wie gewisse Blätter, die ihren höchsten Beruf darin erblicken, im gegebenen Augenblick allerrmtertdänigst im Staube zu ersterben, auf ihrer Jagd nach pikanten Nach- richten in grober Weise hineinfallen. Die moralischen und fal- tischen Kosten trägt natürlich der Bicrphilister, für den ein J.d.r, der einen Titel oder eine Präposttion vor seinen Namen setzen darf, eine Art höheren Wesens ist. Die„Berliner Ztg." hält dem„Berl. Tagcbl" folgendes unter die Nase:„lieber den Fürsten Anton Sulkowski wußte das„Berliner Tageblatt" dieser Tage allerhand pikante Daten zu berichten, welche fich, wie jetzt das erwähnte Blatt zugeben muß, sammt und sonders als„Enten" des fettesten Kalibers erwiesen haben. Das„B. T." meldete als neueste Neuigkeit, daß der Fürst mit Einladungen zu Hoffestlichkeiten nicht mehk beehrt werde, aber nichtsdesto- wenrger keine Gelegenheit versäume, auf denselben zu erscheinen, wenn auch die Vorbedingung einer besonderen Einladung nicht «ristire.„So sahen wir," meldete das genannte Blatt,(,ben Fürsten beim Neujahrscmpfangc, bei der Traueriour und jüngst bei der Beisetzung Kaiser Friedrich's in Potsdam." Darauf sandte der Fürst eine Berichtigung, in welcher es heißt:„Ich Kerliner Sonntagsplanderei. B. C. Ein reinigendes Gewitter hat unS endlich in dieser Woche die ersehnte Kühlung gebracht. Es war mit dem ganzen Komfort ausgerüstet, mit welchem derartige Naturereignisse bei unS in d'e Erscheinung zu treten pflegen: die Fische starben, der Blitz schlug ein und den Keller- bewohnern lief das Wasser in die sogenannten Putzstuben. Die Hitze hatte eS wirklich etwas zu gut gemeint; sie schien sogar in Köpfen, die sonst ganz normal sind, recht bedenk- liche Verheerungen angerichtet zu haben. An sich ist die Hitze ja gar nicht so gefährlich; leider aber erzeugt sie als unangenehmste Beigabe den Durst, und wer denselben nicht mit unschädlichen Mitteln stillen kann— der hat sich die Folgen selbst zuzuschreiben. WaS vom einzelnen Menschen gilt, hat auch so ziemlich für die Allgemeinheit eine gewisie Richtigkeit. Die Freisia- u>ge« beriefen hoch oben im Norden eine Arbciterversamm- wng ein, und sie hatten sich zu diesem Zweck ein eigenes Alvenerwahlkomitee zugelegt. Entschieden eine der merk- würdigsten Früchte, welche der diesjährige Sommer gezeitigt hat. Hen: Berliner— das Einzige, was uns an dem Herrn gefallt, ist der Name— war zwar nicht selbst an- wesend, dafür waren aber andere Leute erschienen, die im Handumdrehen auS der freisinnigen Versammlung eine ganz andere machten. Was ihut das, die Freisinnigen wollten einmal Musterung halten über die Heerschaaren der Ar- bester, die ihnen zur Verfügung stehen— ob ihnen die Augen vor Rührung oder vor Schmerz gethränt haben, wer kann eS wissen?! Nur wenige Tage noch, und eS wird sich zeigen, was das Ergebniß solcher Versammlungen ist; wir sind niemals neugierig und werden es ruhig ab- warten. Inzwischen ist der Wollmarkt ohne nennenswerthe Be- triebSstörung ruhig vorbeigegangen; von der KonditorenauS- stellung dürfte kein ungegessener Kuchenkrümel mehr übrig sein; die Reichs- und Landboten haben ihre heimathlichen Gefilde wieder aufgesucht, sie sind dem Asphaltpflaster ent- bin weder beim Neujahrsempfange, noch bei der Beisetzung Kaiser Fiiedrich's in Potsdam gewesen, kann also auch nicht von Ihrem Berichterstatter, wie in der Notiz behauptet wird, gesehen worden sein." Das„B. T." wußte ferner, daß der Fürst per Extrazug hier eingetroffen war» was die Wettweisen des„B. T." um so mehr in Erstaunen setzte, als ihnen ja ganz genau bekannt war, daß die Vermögensvcrbältnisse dis Fürsten vurchaus keine besonders gute seien. Der Fürst berich- iigt diesen kleinen Jrrlhum wie folgt:„Ich habe keinen Exlia zug benutzt, der, wie Ihr Bericht behauptet, allgemeines Er- staunen erregt babe, habe vielmehr am Tage der Beisetzung krank in meiner Wohnung gelegen." Zugleich sendet der Fürst im Original die Einladung zu dieser Feierlichkeit mit. indem er daran die Bitte knüpft, daß man sie an ihn zurückgelangen lassen möge. Mst dem Extrazug, den der Fürst also gar nrcht benutzt hat, hat es aber nach dem famos unterrichteten„B. T." noch eine besondere Bewandtniß. Der Fürst sollte nämlich, um fich den Extrazug leisten zu können, daß Fideikommiß Porzellan, ein Geschenk Königs August's des Starken an seinen Ahnen, den Fürsten Alexander Josef Sulkowski. verlauft haben. Die Hauptstücke, jedes mit dem entsprechenden Wappen versehen, seien in das hiesige Kunstgewerbe-Muscum gewandert, während die übrigen in die Hände von Antiquitätenhändlern übergingen. Das„Berl. Tagebl." sah natürlich sogar„einige Stücke in emer Auslage in der Mohrenstraßc."... Daraufhin berichtigt der Fürst, daß er das betteffenve Porzellan nicht nur nicht ver- kauft habe, sondern nicht einmal wisse, ob einer seiner Ahnen ein solches Geschenk von August dem Starken erhalten habe. Mit anderen Worten: kein einziges der Fakten, welche das „Berliner Tageblatt" seinen Lesern auftischte, ist wahr gewesen. Recht sauersüß druckt es dieses Bouquet Berichtigungen ab mit dem mehr denn unglaubwürdigen Zusatz, daß ihm die ursprüng- liche Notiz auS„Hofkreiscn" zugegangen sei. Ja, das müssen nette Hofkreise lein, welche solche Unwahrheiten in die Welt streuen! Die Ente von dem Nichterhalten der Einladung, die Fabel vom Erscheinen bei der Trauerkour, die Mär von der Benutzung des Extrazugcs, die Berufung auf die„Hofkreise", deren Hofdienst fich natürlich nur auf den Mond beschränkt,— das find für das„B T." kleine harmlose Scherze, an die man fich mit der Zeit gewöhnt hat. Aber daß das Alatt mit der ernstesten Miene von der Welt erzählt, daß der Fürst Fidei- kommiß- Porzellan verkauft habe, ohne zu wissen, daß Gegen- stand eines Fideikommiffes nur Grund und Boden oder Kapital sein kann, daß es ferner seinen Lesern zumuthet, zu glauben, daß das hiesige Kunstgewerdemuseum, also ein staatliches Institut, TKeile dieses Fideikommiß-Porzellancs in seinen Befitz gebracht bade— das ist denn doch zu starker Tabak!— Das„Berliner Tageblatt" ist trotzdem das wohlunterrichtetste und„geblldetste" Blatt. Die Stellung der Gemeinde-Waifeneäthe in unserer Stadl hat insofern fich als eine vielfach schwierige erwiesen, als diese Gemeindebeamtcn vielfach oftmals nicht in der Lage find, die Verhältnisse solcher Personen richtig zu beurthcilcn, die zur Uebernahme nothwendig werdender Vormundschaften heran- gezogen werden müssen. Meist befinden fich die Waisenräthe in erner Zwangslage, wenn von ihnen die Bezeichnung einer ge- eigneten Persönlichkeit für irgend eine Vormundschaft gefordert wird, und so kommt es unter dem Drängen der Verhältnisse nicht selten vor, daß für die Vormundschaft Jemand vorge- schlagen wird, der dies immerhin bedeutungsvolle Amt ohne Interesse, ohne Vcrständniß für dasselbe und dlos deshalb über- nimmt, weil er keinen gesetzlichen Grund nachweisen kann, der ihn berechtigen würde, die Uebernahme der Vormundschaft abzulehnen. So kommt es denn, daß zahlreiche Vormünder ihren Jahres- dericht an die Behörde erstatten, während fie ihr Mündel viel- leicht kaum einnlal oder nur flüchtig gesehen haben. Bei ihrer kontrolirenden Thätigkeit finden die Waisenräthe oft genug Gelegenhest, über solche Vormundschaften zu klagen, die dem zu versorgenden Mündel nicht den mindesten Vortheil gewähren und jenen Anhalt vermissen lassen, dessen die Waisen gerade in dem Leben und Treiben einer großen Stadt dringend bedürfen. Andererseits hat es fich herausgestellt, daß für das Vormund- schaftsamt sehr wohl geeignete Leute gar nicht hierzu herangezogen worden find, weil fie den Gemeinde- Waisenzäthen nicht genügend bekannt waren. Unter diesen Umständen hat nunmehr die Erwägung Play gegriffen, ob es nicht zweckmäßiger sei, in den einzelnen Gemeindebezirken der Stadt einen in ge- eignetet Form zu erlassenden Aufruf zu verbreiten, der zu frei- willigen Melsungen für die Uebernahme von Vormundschaften auffordert. Besserung in den einzelnen vormundschoftlichen Ver- flohen, während wir dasselbe immer noch mit den Dreirad- fahrern theilen müssen, die sich die äußerste Mühe geben, nicht nur sich selbst, sondern auch ganz Unbetheiligte zu Falle zu bringen. Sie sollen nach einer geistreichen Ansicht jetzt nummerirt werden— die anderen Leute können sich die Knochen nummeriren, damit sie dieselben in ihrer Ge- sammtheit im gegebenen Falle ruhig nach Hause befördern können. Wa« liegt daran, wenn jetzt jemand überfahren wird? Wer jetzt noch in Berlin ist, ver kann auf eine menschenwürdige Behandlung kaum noch Anspruch machen; Alles, was ein bischen was ist, muß entweder bereits abgereist sein, oder auf dem Punkte stehen, abzureisen, oder endlich mindestens die Kursbücher studiren und sich mit dem Gedanken, ein Rund- reisebillet zu erstehen, herumtragen. AlleS hat die Arbeit eingestellt, die leitenden Staatsmänner gehen monatelang in die Sommerftifche, wahrscheinlich muß die Staats- Maschine gereinigt werden. Hoffentlich wird keine Inventur gemacht. Anderen ist die Sommerruhe aufgezwungen wor- den, von ihrem Dasein erhielt man nur noch aus den Spalten der„Kreuzzeitung" Kunde, und nichts ist mehr von ihnen übrig geblieben. Am besten sind noch die Leute daran, die ihre besseren Hälften der eigenen Erholung wegen weit weg spediren können. Das Geschlecht der Strohwittwer keimt überall lustig empor, und aus dem soliden, sitten- strengen Ehemann ist urplötzlich ein kaum zu bändigender Durchgänger geworden. Doch was kümmert das uns, wir sind in dieser Beziehung kaum zuständig und wollen das Urtheil über diese Erscheinung, die sich alljährlick wiederholt, getrost denen überlassen, die während des übrigen TheileS des Jahres für das sinnige Familienleben, d. h. für den mehr oder weniger sanften Pantoffel schwärmen. Nichts bleibt auf dieser Welt, nur der Wechsel ist be- ständig. Herr von Puttkamer weilt in Pommern, und da ihm von seinen übrigen Verdiensten nichts geblieben ist, so verzichtet er jetzt freiwillig auf daS, was man ihm sonst als seine eigene Errungenschaft anrechnete. Jedermann— oder auch nicht— kannte die Puttkamer'sche Orthographie, Z der waltungen herbei zu führen, ist die Einrichtung der Gemeinde- Waisenräthe allein und mit ihren Kontrolbefugniffen nicht im Stande. Eine wesentliche Besserung dieser Verhältnisse aber erhofft man von einer auf freiwilliger Entschließung beruhenveir Uebernahme der Vormundschaften. Die Waisenräthe würden fich in solchen Fällen dann auf die Prüfung zu deschränken haben, od der zur Uebernahme einer Vormundschaft Erbötige in seinem Verkalten die für einen Vormund nöthigen Garan- iien in sittlicher und rechtlicher Beziehung bietet. All», wrlche die Stadtbahn zu einem Ansflng nach dem Grunewald benutzen, empfinden es als einen großen Uedel» stand, daß auf der Potsdamer Vorortsttecke im Grunewald selbst keine einzige Haltestelle angelegt ist. Nur der Eingang(„Grüne- wald") und der Ausgang(Wannsee) des großen Forfies ist durch eine Haltestelle ausgezeichnet worden. Sehnsüchtigen Blickes überschaut der Fahrgast den blanken Spiegel des Schlachtensees, der in nächster Nähe aus dem dunklen Grunde des Hochwaldes und dem freundlichen Grün der Schonungen zur Bahnskecke hinauf leuchtet; fragend durchsucht sein Auge die schönen Waldgebiete am großen Sterne— nirgends die Möglichkeit, auszusteigen. Wer zum Schlachtensee will, mag die Reise nach dem Potsdamer Bahnhofe antreten, um von dort das ersehnte Ziel zu erreichen Der große Stern, dieser idyllische Mittelpunkt des prächtigen, eichen- und buchenbeschatteten Weges, besitzt übeibaupt keine benachbarte Bahnstation. Soll der Grüne- wald den Berlinern weiter zugänglich gemacht werden, so ist der nächste Schritt hierzu die Anlage von Haltestellen der Stadt» bahn am Schlachtensee und am großen Stern. Eine Halte- stelle am Schlachtensce würde auch den Spaziergang nach dem viel genannten„großen Fenster" mit dem herrlichen Blick über die seeartige Havel bequemer machen, und eine Hattestelle am großen Stern würde Paulsborn, den Riemeister und die Krumme Lanke einerseits, Saubucht und Dachsberge auf der anderen Seite für Viele erschließen, denen diese Partien jetzt zu weit aus dem Wege liegen. Heber da« Hrieathen«nter Klutsverwandten un!» das Nerhältniß der Meifteskranitheit dazu schreibt der „T. R." ein medizinischer Mitarbeiter: Die Statistik hat die bedeutsame und interessante Frage, ob die Blutsverwandtschaft der Eltem Erkrankungen der Nerven oder des Gehirns bei den Kindern hervorruft, noch nicht endgiltig gelöst und die Mei- nungen gehen noch heute unter den autoritativen Forschern weit auseinander. Während West und der französische Nsuropa» thologe Tiousseau die Blutsverwandtschaft in die erste Reihe der Ursachen zur Degeneration des Gehirn- und Nervensystems stellen, sehen andere berufene Forscher wie Jarvis und auch bereits Darwin in der Gesundheit der verwandten Eltem doppelte Sicherheit der Kinder gegen körperliche und geistige Unvollkom- menheiten. Demgegenüber spricht fich neuerdings Schuttleworth dahin aus, daß zur Veredelung der Rasse bei Thieren durch In- zucht sorgfältig nur die besten Thierc ausgewählt werden, während zu blutsverwandter Ehe gerade Abkömmlinge neu» ropathisch belasteter Familien vorzugsweise neigen, und Liebe oder andere Motive zur Verbindung führen, nicht die Rückficht auf die Gesundheit der Individuen. Nach den unvollkom- mencn Ermittelungen in englischen Anstalten für Nerven- und Geisteskranke läßt fich etwa in drei bis fünf Prozent der Idioten Blutsverwandtschaft der Eltern(Kousin und Kousine) nach- weisen, ein Prozentsatz, welchen bekanntlich auch Darwin für die aesammte Bevölkerung als geltend annimmt. Schuttleworth bestreitet dieses und steht in den Thatsachen einen Beleg für die Schädlichkeit solcher Ehen. Immerhin aber, so meint dieser Forscher, sei kein Grund vorhanden, bei Personen, in deren Famllie ein genaues Nachfragen keine erbliche Schwäche in neu- rotischer oder sonstiger Hinficht ergiedt, unbedingten Einspruch gegen das.Heirathen zu erheben. Im Auftrage der chinestfche« Regierung kommt in den nächsten Wochen eine technische Sachverständigenkommisfion nach Berlin, um die größeren industriellen Etablissements in Augenschein zu nehmen und ihre Einrichtungen genauer kennen zu lernen. Die Kommisston hat die Aufgabe, alle Hauptstädte Europas zu besuchen. Der beim Kerliner Fandgericht I zugelassen gewesene Rechtsanwalt D. bat im Oktober 1886 trotz einer ganz einträg- lichen Praxis plötzlich Berlin verlassen und fich nach B. in Nordamerika begeben. Erst von Rotterdam aus hatte er einem Kollegen von seinem Entschluß Kenntniß gegeben und denselben mit der Uebernahme der laufenden Mandate betraut. Dieses auffällige Verschwinden des betreffenden Rechtsanwalts und der an den Herrn Justizminister gerichtete Antrag, ihn aus der Liste ehemalige Minister de« Innern wurde überall als der Vater der neuen Rechtschreibung— nicht nur in orthogra- phischem Sinne— anerkannt, und nun ist auch das nicht einmal wahr. Herr von Puttkamer läßt die neue Ortho- graphie auf den Minister Falk zurückführen; Herr Falk dürste sich vielleicht aber recht sehr dafür bedanken, wenn er die Verantwortung für alles das, was im Puttkamer'schen Sinne geschrieben wurde, übernehmen sollte. DaS wäre vielleicht etwas starker Tabak, noch stärker als daS neue Kraut aus Kamerun. Aus Neudeutschland ist nämlich ein Quantum Tabak nach Hamburg gebracht worden, und die Kolonialschwärmer und diejenigen Leute, die an dem Kamerununfug ein klingende» Interesse haben, ließen wahre LobhymnenüberdaSGiftkrautvom Stapel. Sogar salonfähig sind die neuen Zigarren geworden, sie dringen bis in die höchsten Kreise. Lesen wir doch in gut« gesinnten Zeitungen: Nach dem Essen, das Dienstag Abend der Reichskanzler den Mitgliedern des Bundesraths gegeben hat, wurde unter andcrm auch eine Probe von Zigarren angeboten, die aus Kameruner Tabak hergestellt waren. Sie fanden viele Liebhaber und Kenner rühmten sehr ihren Wohlgeschmack. Hoffentlich bleibt eS bei diesem Wohlgeschmack, nur fürchten andere Leute, daß nicht nur die Zigarren, son- dern auch ganz Kamerun einen Nachgeschmack haben wird, der sonst nur den ersten Rauchversuchen eigentümlich ist. Von den anderen unappetitlichen Folgen ganz abgesehen. Leider sind zu wenig von den Kameruner Zigarren nach Deutsch- land gekommen, als daß sich jeder aus eigener Erfahrunz ein endgiltigeS Urtheil über den neuen Tabakssegen bilden könnte. Den Mittheilungen der Presse mißtrauen wir grundsätzlich, eS muß hier einfach heißen: Selber rauchen, macht— einem übel. Sollte vielleicht der Kameruner Tabak noch eine andere Mission haben? Man hört soviel vom Tabaksmonopol in der letzten Zeit— eS wäre schrecklich, wenn wir von Reichswegen zu Kameruner Tabak verurtheilt werde» sollten!— I der Rechtsanwälte zu löschen, erregte selbstverständlich damals um so größeres Aussehen, als derselbe in geregelten Verhält« nisten lebte und sonst ein Grund dieses sonderbaren Verhaltens nicht erfindlich wurde. Aus einer Korrespondenz des Rechtsan- nzalts D. mit einem hier wohnenden Freunde wird jetzt dieses Dunkel völlig gelüstet. Bereits im Jahre 1881 hatte D. nach absolvirtem Staatsexamen einen einjährigen Urlaub zu einer Reise nach Nordamerika erhalten, wohin sein Vater schon vor einer Reihe von Jahren ausgewandert ist und dort, seinem Drange nach Vervollständigung seiner wiffenschaftlichen Bildung folgend, die ganze Urlaubszeit zum Studium der Medizin ver« wendet. Nach seiner Rückkehr ließ er fich als Rechtsanwalt einschreiben und hatte als solcher auch eine reichliche Beschästi- j»ung gefunden. Diese genügte ihm aber nicht und er nahm Privatunterricht in der italienischen und spanischen Sprache. Schließlich hat ihn aber seine Vorliebe für die Medizin von er fortgctrieben und den bisher unbegreiflich erschienenen chritt thun lassen. Gestern erhielt sein Freund von ihm die erfreuliche Nachricht, daß es seiner Ausdauer und seinem Fleiße gelungen ist, das medizinische Doktorexamen glücklich zu bestehen. Die verschiedenen Formen, unter welchen ein Gerichts- Vollzieher in Thätigkeit tritt, find vorgestern Abend um eine neue Variante bereichert worden. Auf dem Blücherplatze stand am Freitag Abend um 7 Uhr ein Gerichtsvollzieher hinter einem Brunnen gedeckt, anscheinend harmlos auf jemanden war- tend. Wer das Ziel seines Harrens war, wurde bald klar. Aus Ziem Hause Nr. 1 kam ein junger, elegant gekleideter Herr hoch zu Roß, um ernen angenehmen Spazierritt nach dem Thier- Zarten zu machen. Kaum hatte das Thier die Straße betreten, als zwei Herren, die vor dem Hause gewartet hatten, dem Reiter in die Zügel fielen und ihn zum Halten nöthigten. Der Ge- richtsvollzicher trat hinzu und ersuchte den flotten Reiter kraft seines Amtes, abzusteigen. Derselbe folgte der Aufforderung und begab fich schleunigst in das Haus zurück, als der Gerichtsvoll- zieher auf das Pferd Beschlag legte und es in amtlichen Ge» wahrsam bringen ließ. Da« Gewitter am Donnerstag hat wieder eine an der Unterspree und Untcrhavel häufig nach Gewittern beobachtete Erscheinung gezeitigt. Tausende von Fischlerchen, meist kleiner und mitteler Größe, bedecken die Oberfläche des Wassers und treiben mit ihren weißen Bäuchen nach oben gekehrt auf dem Wasser; noch lebende Fische streben in Schaaren den Ufern zu, um fich dort in dem seichten Wasser aufzuhalten, wo fle leicht eine Beute alter und junger Raubfischer werden, die schon Morgens früh namentlich in der Gegend von Moabit eifrigst bei der Arbei waren. Mit Hamen, Käschern, Mützen und Hüken, ja in einem Falle sogar mit einem Waschkorb war man auf der Jagd hinter den sonst so behenden Wafferbewohnern, die jetzt so inatt waren, daß fle fich oft mit den Händen fangen ließen. Ueber den Grund dieser Erscheinung ist man noch nicht im Klaren. Die Beobachtungen des Schreibers dieser Zeilen haben ihm die Ueberzeugung verschafft, daß die durch die großen Wasserzusttömungen nach Gewittern der«Spree und Havel zu- geführten starken Verunreinigungen die Ursache bilden; wenigstens weist der Umstand darauf hin, daß z. B. das Wasser an der Lesfingbrücke, wo es jetzt recht klar ist, am Donnerstag früh ganz trübe war wie braunes Lehmwaffer, hauptsächlich im Strom, während die seichteren Uferränder klar waren. Und gerade die Beobachtung, daß die Fische diesem klaren Wasser zustrebten, läßt die Annahme der Tödtung der Fische durch die plötzlich das Wasser verpestenden Unreinigkeiten als gerechtfertigt erscheinen. Da» Metter übt auch auf den Zigarrenoerbrauch einen Einfluß aus. In den jüngsten heißen Tagen ging der Verkauf fühlbar schwächer. Auch der Tabak hat übrigens seine Moden. Der Zigarettenverbrauch nimmt gewaltig zu, und die Zahl der Läden, in denen es nur Zigaretten giebt, mehrt fich rasch. Die ältesten Berliner Tabaksfirmen find durch die Fabri- tation von Schnupftabak groß geworden, Do affin speziell durch die von Neifins?, Ülrici durch die Carottcn. Der Schnupftabak- keller von Schiersmann war früher so lang, wie das ganze Haus, heute genügt ein Eckchen desselben. Die Schnupfer sterben aus, ebenso die Pfeifenraucher. Und die junge Gene- ration hat auch schon die Zigarre ad acta gelegt; fie kennt nur noch die Zigarette. Dom Metter. Die Depresfion, welche am Sonntag, den 25. Juni, im Biscaischen Meere erschienen war, bewegte fich nach Nordost und brachte Gewitter und Regenschauer. Das Depresstonsgebiet hat sich— wie aus Hamburg geschrieben nZird— noch vertieft und es beherrscht jetzt ganz Europa, den Äußersten Süden ausgenommen. Ueberall ist Gewitterregen ge- fallen, zumal im Nordwesten Deutschlands. Im Rücken der Depression ist der Luftdruck noch nicht gestiegen; die Wind- richtung ist infolge dessen noch eine südwestliche bis westliche und die Abkühlung ist mäßig stark; es wird jedoch zeitweise bei Wendung des Windes nach Nordwest noch weitere Temperatur« «miedrigung erwartet. Die Wetterlage ist als eine unfichere und unbeständige zu bezeichnen., � Derdächtig-r Uauch. der von dem Kleide emer Dame aufstieg, erregte am Freitagabend die Aufmerksamkeit Vorüber- gehender an der Oranien- und Mantcuffclstraßen-Ecke. Bei näherer Nachforschung fand man, daß fich in dem stoffreichen hinteren Theil des Kleides ein brennender Zigarrenstummel bc« fand, und es wurde auch ermittelt, daß derselbe aus einem Fenster der vierten Etage des letzen Hauses der Naunynstraße .herabgeworfen war. Die angesammelten Leute stritten eimge Zeit darüber, ob in diesem Falle die Eigenartigkeit unserer Damentracht vortheilbaft oder nachtheilig gewesen sei. Der„Korsen Courier" schreibt: Wie wir hören, hat fich unlängst beim Umbau des Zirkus Renz ein Unfall ereignet, der zwar an den Gerüsteinsturz im königlichen Sckauspielhause erinnert, glücklicherweise aber weniger unheilvolle Folgen hatte. Ein großes Montagegerüst neigte fich nämlich unter der Last eines zu wuchtigen Pfeilers plötzlich bedenklich zur Seite. Menschen flnd hierbei jedoch nicht verunglückt. Dur«» den Radbruch eines Flaschenbierwagcns wurde vorgestern Nachmittag der in der Hochstraße wohnhaste Ardeiter August N. recht erheblich verletzt. N. saß auf dem Bocke des Gefährtes und bog von der Klopstockslraßj: in die Händelstraße ein. Als hier durch den Radbruch der Wagen nach der Seite kippte, verlor N. das Gleichgewicht und stürzte herunter, blieb aber am Wagen hängen und wurde, da ihm die Zügel ent« glitten waren, eine Strecke lang mitgeschleist. Passanten hielten die Pferde endlich an und transportitten den durch starke Quetschungen übel zugerichteten N. nach einem Krankenhause. Gräßlich verbrüht wurde vorgestern Abend der Koch Voigt des Zenner'schen Restaurants in Treptow nach dem Krankenhause Bethanien geschafft. Derselbe, vor einem Kessel niit siedendem Wasser stehend, war gervdc beschäftigt, Aale zu schlachten. Hierbei entschlüpfte ihm einer derselben auf den Fuß- Hoden und um ihn zu fangen, trat V. mit dem linken Fuß auf das Thier. Hierbei glitt jedoch der Koch aus, versuchte fich an dem Rande des K.ffels festzuhalten, der letztere schlug um und übergoß den V. mit seinem siedenden Inhalt. Hierbei erlitt der Unglückliche schreckliche Brandwunden am ganzen Körper und einen Bruch des reckten Armes durch den Fall, so daß die sofortige Ueberführung des V. nach einem Krankenhause �°�DttBM<0erücht, daß ein Hotel-Inhaber einen seiner Haus- diener mit einem Hammer erschlagen habe, war dieser Tage im Westen der Stadt verbreitet. Das Gerücht ist die Ueber- treibung eines Vorfalles, der allerdings immer noch bedauerlich aenug ist. Der eine der Pächter eines am Potsdamer Platz neu errichteten Hotels hat fick- es geschah dies bereits vor acht Tagen— einem seiner Hausdiener gegenüber soweit ver- aessen, daß er ihn im Jähzorn schlug und dem Angegriffenen eine nicht unbedenkliche Verletzung der Wirbelsäule zusugte.— Müßte einem solchen Pation nicht sofort Gleiches mit Gleichem vergolten werden? Dom eigene« Fuhrrverlr überfahren wurde vorgestern Mittag auf dem Neuen Packhof der Kutscher Wilhelm M. aus der Oderberger Straße, welcher beim Aufladen von Frachtgut beschäftigt war. Tie Pferde des Wagens wurden plötzlich s.r,eu und zogen an; M. wurde umgestoßen, überfahren und noch eine Strecke weit fortgeschleift. Recht erdebliche Verletzungen machten die Ueberführung des Kutschers nach einem Krankenhaus noth- wendig. D« der gerichtlichen GbdnKtion der Leiche des er» mordeten Kutschers Noack aus Scköneberg sei nachträglich noch bemerkt, daß die Verletzungen so schwere und die Zertrümmemng des Schädels so furchtbar war, daß eine Bcschreibung derselben im Obduttionsbencht den Geschworenen keinen klaren Begriff von der furchtbaren Gewalt, mit der die Schläge beigebracht, und von dem entsetzlichen Zustand, in dem der Schädel fich de- finget, gegeben haben würde. Der ganze Schädel ist deshalb der Leiche entnommen und wird nun präparirt, um später bei der Gerichtsverhandlung den Geschworenen vorgelegt zu werden. Mit den Nachforschungen nach den Mördern ist der Kriminal- kommissanus Maaß betraut, dem seitens der Schöneberger Amts polizei der Amtsdiener Fürstenhaupt beigegeben ist. Ob den Beamten die Ermittelung der Mörder bei dem Fehlen jeden Verdachtsmomentes gelingen wird, bleibt leider sehr zweifelhaft. Noack ist am Donnerstag von dem Pfeifenklub, dessen Mitglied er war, feierlich beerdigt worden. Unfall in der Uenen Synagoge. Die Gemeinde der Neuen Synagoge(Oranienburgerstraße) wurde gestern Vor- mittag plötzlich während der Andacht durch ein donnerähnliches Geräusch aufgeschreckt. Es hatte stch nämlich unterhalb des rechts belegenen Seitenbalkons ein etwa 20 Pfund schweres Stück Gefims abgelöst, das in die erste Stuhlreihe des Mittelschiffes hinabfiel. Glücklicherweise war diese Reihe un- besetzt. Einen gefährlichen Hnffchlag vor die Krnst ver- setzte vorgestern Nachmittag in einer Schmiede am Schiffbauer- dämm ein Pferd dem beim Beschlagen behilflichen Schmiede- gesellen Karl P. aus der Bmnncnstraße. P. brach sofort de- wußtlos zusammen und wurde mit anscheinend schwerer Ver- letzung des Brusttastens und der Lunge in ein Krankenhaus transportirt. Kelbstmord eine» Stndentrn. Im Gebüsch bei Plötzen- see wurde vorgestern die Leiche eines jungen Mannes mit einer Schußwunde im Kopf aufgefunden. Wie aus den bei dem Todten gefundenen Papieren hervorgebt, ist der Selbstmörder der Student der Medizin R, dessen Eltern auswärts wohnen. Wie mitgetheilt wird, hat R schon längere Zeit Medizin studitt; da ihm jedoch dieses Studium nicht mehr zusagte, wollte er eine andere Karriere einschlagen. Der Zweifel über die un- fickere Zukunft, die Angst, was wohl die Eltern zu seinem Ent- schluß sagen würden, haben den jungen Mann, welcher in letzter Zeit ein auffallend niedergeschlagenes Wesen zur Schau trug, die entsetzliche That begehen lassen. Die Leiche des Unglücklichen wurde nach der Leichenhalle in Plötzensee geschafft. Nach Mit Heiinngen de« Statistischen Amt« der Stadt Berlin find bei den hiestgen«Standesämtern in der Woche vom 17. Juni bis einschl. 23. Juni er. zur Anmeldung gekommen: 199 Eheschließungen, 890 Lebendgcborene, 27 Todt- geborcne und 557 Sterbefälle. Uolizeibericht. Am 29. v. M. früh wurde die Leiche eines Mädchens am Maydachufer aus dem Wasser gezogen und nach dem Leichcnschauhause gebracht.— Zu derselben Zeit wurde am rechten Spreeufer, in der Nahe des Lehrter Güterbahnhofs, die Leiche eines neugeborenen Kindes, welche am Kopf und Leid Verletzungen trug, aus dem Waffer gezogen und nach dem Leichenschauhause gebracht.— Als am 29. v. M. Nachmittags der Kutscher Ducat mit seinem Flaschenbierwagcn die Klopstock- sttaße passttte, löste fich während der Fahrt ein Hinterrad ab, infolge dessen der den Wagen begleitende Neitzel herabstürzte, eine kurze Sttecke geschleift wurde und eine Quetschung des Oberschenkels erlitt.— Am 30. v. M. Vormittags wurde in de Holzzubcreitungsanstalt Schmidstraße 25 dem Arbeiter Schulz von der im Betriebe befindlichen Kreissäge ein Brett mit solcher Gewalt gegen den Leib geschleudert, daß er bedeutende inner- liche Verletzungen erlitt und im Krankenhause Bethanien, wo- hin er gebracht worden war, alsbald verstarb.— Am 29. v. M. fanden Wallstraße 76, Alte Schönhauserstraße 41, Friedrichs- straße 217, Feldstraße 1 und Neue Königsstraße 17 unbedeutende Feuer statt. Uergnügungs-Chronik. Meimnnn'« Uolhsgarien. Die bereits fignalifitte Original-Japanesentruppe Godayou hat ihre umfassenden Vorbereitungen deendet und wird heute zum ersten Male vor das Berliner Publikum tteten, das nun in der Lage sein wird, fich selbst ein Urthcil über die einzig in der Wett dastehenden Leistungen der originellen Truppe zu bilden. Auch die schöne Miß Victorina Dare ist eingetroffen und wird mit ihrem Partner Mr. Angelo Gertiny das Publttum durch ihre graziösen, mit großer Kühnheit gepaarten Produk- tionen entzücken und in Bewunderung versetzen. Wir kommen später noch auf die Leistungen der einzelnen Künstler zurück. Gerichts-Zeitung. Eine Anklage wegen versuchten Morde« kam gestern vor dem Schwurgericht hiesigen Landgerichts I zur Verhandlung. Dem Angeklagten, Agenten Jaqucs Barasch, wird zur Last gelegt, am 3. Mai d. I. einen mördenschen Angriff auf seine eigene Ehefrau vollfühtt und dieselbe mehrfach verwundet zu haben. Der Angeklagte, welcher ein abenteuerndes Leben hinter fich hat, ist erst 30 Jahre alt. Er stammt aus Jassy in Rumänien und hatte früher als Advokat in Bukarest gelebt. Er ist seit dem Jahre 1872 mit der achtundzwanzigjährigcn Er- nestine Mendelowitsch aus Rustuchum in Rumänien vcrhei- rathet. Die Ehe, welcher zwei Kinder entsprossen find, scheint aber von Anfang an keine sehr glückliche gewesen zu sein; fie wurde noch unglücklicher, als Nahrungssorgen hinzukamen. Der Angellagte gab nämlich gegen Ende des Jahres 1886 seinen Beruf als Advokat auf, verließ Bukarest und ging ziemlich zweck- und ziellos nach Konstantinopel, Marseille, Paris, Brüssel und schließlich nach Berlin. Die beiden Kinder waren bei den Eltern zurückgelassen worden, das Ehepaar Barasch traf am 3. Dezember 1887 in Berlin ein. Ihr ganzes Hab' und Gut bestand außer ihrer Kleidung in einer Baar- summe von 50 M., die natürlich sehr schnell verausgabt war. Da Frau Barasch fich in der Nothlage befand, fick und ihren Mann ernähren zu müssen, so wurde fie Kellnerin, ging in ein Bierlokal und da sie eine große Schönheit ist und im rumänischen Nationalkosiüm ihre Gäste dediente, so machte sie gute Geschäfte, freilich nicht ausreichend, um die Bedürfnisse rhres Ehemannes zu befriedigen. Dieser hatte fich dem Müsfig« gang ergeben und bezog von seiner Ehefrau sein Taschengeld. Entsprach letzteres nicht seinen Wünschen, so drohte er ihr, fie umzubringen. Es scheint, als ob auch eine immer stärker werdende Eifersucht dazu bcigetragen hätte, das Verbältniß zwischen den Eheleuten immer mehr zu verschlimmern. Da die Ehefrau sah, daß ihr Gelv immer knapper wurde und fie dessen wohl überdrüsfig wurde, ihren Mann fottgesetzt zu erhalten, verließ fie am 2. Mai heimlich die gemeinschaftliche Wohnung und zog in Schlafstelle, ohne dem Angeklagten Mittheilung von ihrer neuen Wohnung zu machen. Der Angeklagte wußte fie aber doch zu finden. Am 3. Mai Morgens lauerte er ihr in der Seydclstraße auf, da er wußte, daß fie dieselbe passtren mußte, um in das Restaurant, wo fie bediente, zu gelangen. Als er fie auf der anderen Seite der Straße erblickte, winkte er ihr, sie kam auch zu ihm herüber, gab ihm die Hand und fragte, warum er nicht nach Leipzig gegangen sei, wo er eine Stellung annehmen wollte. Er ertlärte, daß er das Reisegeld bis auf 4 Mark durchgcbracht habe und als fie ihm ihr ziemlich leeres Portemonnaie zeigte, ersuchte er fie, mit ihm zu der Wäscherin Friedrich, Alte Jrkobstraße 33, zu kommen, wo fich ihre Wäsche befand, die vielleicht versetzt werden könnte. Beide begaben fich dotthin, da aber Frau Äarasch nicht genug Geld hatte, um das Waschgeld zu bezahlen, so verließen fie unverrichteter Sache die Friedrich'sche Wohnung. Als Beide die Treppe hinabgingen, scheint es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen zu sein. denn plötzlich zog der Angeklagte ein spitzes Kattoffelmcsser aus der Hosentasche, versetzte seiner Frau mehrere Stiche ins Geficht, warf sie zu Boden und brachte ihr noch mehrere Schnitte am Halse und Stiche in den Oberarm bei. Die Hilferufe der Fcau, welche im Ganzen acht Verletzungen davongetragen hat, lockten Hausbewohner herbei, bei deren Annäherung der Angeklagte rasch entfloh. Als er aber vor dem Hause zwei Männer stehen sah, bat er dieselben, ibn verhaften zu lassen,„da er soeben seine Frau ermordet habe." Er wurde denn auch zur Polizei gebracht, die Verletzte aber beförderte man zur Charitee, wo fie 16 Tage in Behandlung gewesen ist. Der An- geklagte stellt die Sache so dar, als ob er die Messerstiche nicht mit Ueberlegung ausgeführt habe, sondern nur als Abwehr gegen angebliche' Angriffe seiner Frau; die Anklage behauptet dagegen, daß der Angeklagte durchaus planmäßig und mit der destimmten Abficht gehandelt habe, seine Frau zu ermorden. Den Vorfitz des Gerichtshofes führt Landrichter Denso. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Krobitzsch, die Vertbeidigung Rechtsanwalt Dr. F. Friedmann. D-r Angeklagte ei klärt sich für nicht schuldig. Aus dem Verhöre geht h«rvor, daß der An- geklagte im Laufe der letzten Jahre mit einer ununterbrochenen Kette von Widerwärtigkerten und Schicksalsschläaen zu kämpfen gehabt hat. Er giebt über seine persönlichen Verhältnisse an, daß er der Sohn eines jüdischen Kaufmanns aus Jahrg ist. Ein Gymnasium hat er nicht besucht, dagegen eine höhere Lehranstalt, die er„Akademie" nennt. Ohne ein Examen gemacht zu haben, verließ er mit seinem 18. Jahre die Schule, um einen praktischen Kursus bei einem Advokaten durchzumachen. Nach einigen Jahren gründete er selbst ein Recbtsdureau in Bukarest und nannte sich„Advokat". In diese Zeit fällt auch seine Verhör- rathung, er will seine mittellose Frau aus Liebe geheirathet haben. Seine Neigung scheint nicht erwidert worden zu fein, denn drei Tage nach der Hochzeit verließ ihn seine Frau heimlich wieder, um bei ihren Eltern Unterkunft zu finden. Die erfolgte Einigung der Ehe ist nicht von langer Dauer gewesen, die Ehe war höchst unglücklich und die Flucktoeisuche der Frau wieder- holten fich noch häufig. Er will aus seinem Rcchtsbureau eine m natliche Einnahme von gegen 400 M. erzielt haben. Als die judenfeindliche Strömung in Rumänien zum Ausbruch kam, wurde auch er dermaßen angefeindet und verfolgt, daß seine Stel- lung in Bukarest unhaltbar wurde. Dem Drängen seiner Ehefrau nachgebend, verkaufte er seine Wirthschaft und fiedelte nach Paris über. Die Kinder wurden bei seinen Schwiegereltern unterge- bracht. Er will im Besitz von ca. 600 M. gewesen sein, als er Bukarest verließ. Das Ehepaar reiste über Konstantinopel und versuchte der Angeklagte hier Beschäftigung zu erhalten. Seine wochenlang fortgesetzten Besttedunger, waren erfolglos und der Aufenthalt des Ehepaares in Konstantinopel hatte die mitge- brachten Mittel erschöpft. Von dieser Zeit an begann das Wan- derleden. Durch Verwandte wurde ihnen ein Freibillet nach Marseille verschafft und als der Angeklagte auch hier keine Be- schüftigung fand, reisten fie nach Paris. Hier mußten fie die- selbe Erfahrung machen wie in anderen Städten, der Änge- klagte will fich vergebens nach irgend einer Arbeit umgesehen haben. Sie fristeten nothdürftig das Leben durch die Unter- stützung von Verwandten. Schließlich wurde ihnen eine Frei- (arte erwirkt, um nach Rumänien zurückkehren zu können. Sie sollten über Aachen, Berlin, Wien nach Bukarest reisen. In Aachen angekommen, wußte die Ehefrau des Angeklagten diesen zu bewegen, von der vorgeschriebenen Route abzuweichen und nach Brüssel zu fahren. Hier hat das Ehepaar fich über vier Monate aufgehalten und will der Angeklagte stch durch einen kleinen umbulanten Handel nothdürftig ernährt haben. Das Elend wurde aber immer größer, als seine Ehefrau zu kränkeln anfing, der Angeklagte setzte nun seine ganze Hoffnung auf Berlin. Am 5. Dezember traf das Ehepaar hier ein. fast mittellos und die Frau so krank, daß fie sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Ihre Genesung nahm mehrere Wochen in An- svruch, als fie das Krankenhaus verließ, wurde sie Kellnerin. Der Angellagte behauptet, daß ihr Lebenswandel von dieser Zeit an ein unmoralischer gewesen sei; von Eifersucht gequält, habe er ihr häufig Vorwürfe machen müssen und es sei zwischen ihnen zu heftigen Szenen gekommen. Die weiteren Angaben des Angeklagten decken stch mit dem Inhalte der Anklage, als der Beschuldigte aber zur Schilderung des ihm zur Last gelegten Mordversuchs kommt, weicht er erheblich von seinen früheren Angaben ab und steht in striktem Widerspruch zu der Darstellung der Zeugen. Er behauptet nämlich, daß seine Ehefrau ihn, als sie gemeinschaftlich die Treppen von der Wohnung der Wäscherin hinabstiegen, plötzlich unter der Drohung, ihn todt- stechen zu wollen, mit dem Messer überfiel, das fie aus der Kellnerinnen-Tasche zog. Zuerst habe er einen Stich erhalten, der durch die Hutkrempe drang und ihm eine leichte Kopfverletzung zufügte. Seine Ehefrau habe dann noch mehrere Stiche gegen sein Geficht geführt, er habe aber in das Messer hineingegriffen und dadurch noch mehrere Verletzungen an den Händen erhalten. Nun sei er in Wuth geralhen und was er dann getban, das schwebe ihm nur so dunkel in der Er« innerung vor, daß er darüber nichts auszusagen vermöge. Seine Ehefrau habe ein äußerst heftiges Naturell und ihn schon früher mehrfach mit einem Messer bedroht, er müsse dabei bleiben, daß er fich im Zustande der Nothwehr befunden habe. Der Änge- kiagte bittet, seinen Hut untersuchen zu wollen, derselbe müsse noch den Riß zeigen, den das Messer hervorgebracht. In der That zeigt der Hut einen Schnitt, der zu der Spitze des in Frage kommenden Messers paßt. Auf die Frage des Präfi- denken, weshalb der Angeklagte im Laufe der Voruntersuchung lein Wort von dieser wichtigen Thatsachc erwähnt hat, weiß der Angeklagte keine Erklärung zu geben. Auch behauptet er, daß der seinerseits gefallenen delastenden Aeußerung:„Verhasten Sie mich, ich habe soeben meine Frau ermordet," die Bemerkung vorangegangen wäre:„Meine Frau hat mich todtstechen wollen. — Hiermit ist die Vernehmung des Angeklagten beendet und es wird zur Zeugenvernehmung geschritten. Aus der Zeugenververnehmung ist das Benehmen der Ehe- frau des Angeklagten bemerkenswerth. Der Präsident macht fie darauf aufmerksam, daß ihr als Ehefrau des Beschuldigten das Recht zustehe, ihr Zeugniß zu verweigern. Wiver Erwarten er- klärt fie, von diesem Rechte Gebrauch machen zu wollen und bleibt dabei, daß fie nicht Schuld an der Bestrafung ihres Ehemannes sein will, obgleich der Prästdent ihr vorhält, daß damit alle ihre früheren belastenden Aus- sagen zusammenfallen. Es muß somit von der Verneh« mung dieser Hauptzeugin Abstand genommen werden.— Der Staatsanwalt hielt die Anklage aufrecht, wogegen der Ver- theidiger letztere als eine solche bezeichnet, die auf thönernen Füßen steht. Erwiesen sei nur alles, was der Angeklagte bc- hauptet habe, vermuthet werde seitens der Staatsanwaltschaft nur alles dasjenige, worüber"die Hauptzeugin fich ausgcschwiegen habe. Die Geschworenen schloffen fich den Anschauungen des Verthcidigers an und erklärten den Angeklagten für nichtschuldig; der Angeklagte wurde infolge dessen freigesprochen. , Angemessen". Eine nette Probe von der List und Geistesgegenwart eines gewerbsmäßigen Spitzbuben gelangte gestern zur Kenntniß der vierten Strafkammer des Landgerichts l. Als die Ehefrau des Kaufmanns Winter am Nachmittage des 11. AprU vom Spittelmarkt in die Kurstrabe einbiegen wollte, demerkte fie an dieser belebten Ecke, daß eine fremde Hand stch mit ihrer rechten Manteltasche zu schaffen machte. Sie sah stch schnell um und stand einem gutgekleideten Herrn gegenüber, der das Portemonnaie, das sich in ihrer Tasche befunden, noch in der Hand hielt. Mit dem Rufe:„Sie Spitzbube!" entriß sie dem Etappten, der völlig faffungslos schien, die Beute. Der letztere schien plötzlich zu sich zu kommen; die kleine Szene war nicht ohne Augenzeugen geblieben, mit Windeseile lief er die Kurstraße entlang. Seine Verfolgung wurde aber sofort aufge- nommen. Der Taschendieb flüchtete in das Haus Kurstr. 31, seine Verfolger waren ihm auf den Fersen. Elfterer eilte vier Treppen hinauf, und hier kam er seinen Verfolgern plötzlich aus den Augen. Er mußte in eine der nicht verschlossenen Wohnungen geschlüpft sein. Als seine Verfolger sich hierüber klar geworden, begannen fie, bei den Bewohnern Nachfrage zu halten. Als sie die Thür zur Wohnung des Schneiders Ko< walke öffneten, bot sich ihnen ein überraschendes Bild; inmitten der Stube stand mit größter Seelenruhe der Spitzbube und ließ sich von dem Meister einen Anzug anmessen. Er zeigte ein höchst erstauntes Geficht, als der Schutzmann, welcher stch der Menge angeschloffen, ihm seine Verhaftung und den Gmnd derselben ankündigte. Er bestritt mit aller Entschiedenheit, daß er mit dem gesuchten Taschendieb identisch sei. Der Schneider- Meister erklärte, daß der ihm völlig unbekannte Herr in unauf- fälliger Weise in die Stube getreten sei mit dem Bemerken, daß der Meister ihm cmp'ohlen worden sei, und er von ihm einen Anzug wünsche. Ter Fremde habe stch allerdings gleich- zeitig schon seiner Ldeikleidcr entledigt,„da er Eile habe."— Wenn noch ein Zweifel an der Persönlichkeit des Verhafteten obwaltete, so schwand derselbe, als man auf der Wache fest- stellte, wcß Geistes Kind derselbe war. Man hatte einen alten Zuchthäusler, den Kellner Heinrich Schubrrt, erwischt, der sich nach Vcrbüßung seiner letzten Strafe nach London begeben hatte und vor kurzem nach Berlin zurückgekehrt war. Ter Angeklagte versuchte auch in der Hauptverhandlung sein Heil im Leugnen, trotzdem er von den Zeugen mit aller Bestimmtheit wiedererkannt wurde. Der Gerichtshof belegte ihn mit drei Jahren Zuchthaus und den üblichen Nebenstrafcn. Die Grh-immittrl- Verorduuug de» Kerlinrr Po- Uzeiprästdium» vom 30. Funi 1887, deren Recktsgiltigkeit mehrfach angefochten, durch Urtheil des Strafsenats des Kammer- gerichts aber endgiltig anerkannt worden ist, fand gestern seitens der 97. Adtheilung des Berliner Schöffengerichts eine sehr weit- gehende Auslegung und Anwendung. Die qu. Verordnung verbietet das öff.niliche Anpreisen von Geheimmitteln und von solchen Medikamenten, deren Verkauf verboten oder beschränkt ist. Eine Reihe von Berliner Tagesblättern, darunter die „National-Zeitung",„Volks-Zestung",„Lokal-Anzeiger" und „Nordd. Allgem. Ztg.", veröffentlichten ein Inserat, in welchem Nervenleidcnden re. die Anschaffung der vom Landwehr» bataillonsarzt Dr. Romann Weißmann herausgegebenen Bro- schüre empfohlen wird. Angedeutet ist in dem qu. Inserat, daß die fragliche Broschüre eine ausführliche Anleitung über das Verfahren bei der Anwendung des vom Verfasser erfundener. Schlagwassers zu den damit vorzunehmenden Kovfwaschungcn enthält. In diesem Inserat fand die Polizeibehörde die öffentliche Anpreisung eines Geheimmittels; sie diktirte daher den Redakteuren der genannten Zeitungen, einigen sogar mehrmals, sowie dem Dr. Weißmann je eine Strafe von 30 Mark cvent. Tagen Haft »U. Der Relakreur der„Nat. Ztg." ist mit seinem Widerspruch bereits von der 94. Abtheilung abgewiesen worden und hat Be- rufung eingelegt. Heute wurde von den Vertheidigern R.-Ä. Wronker, Dr. JverS und Schmidt II geltend gemacht, daß vor- liegend überhaupt kein Mittel, sondern ein Verfahren ange- priesen worden sei: es wurde unter Beweis gestellt, daß das Schlagwasser aus Arnika bestehe, welches überall verkauft wer- den dürfe. Der Gerichtshof verurthcilte die angeklagten Redak- teure zu je 5 M., indem er annahm, daß eine indirekte An- preisung eines sogenannten Gcheimmittels— denn es sei ja nicht angegeben, woraus es bestehe— vorliege. Gegen Dr. W. wurde aus subjektiven Gründen die Sache vertagt. Vereine und Persammiungen. Große KommnnalWählrr- Versammlung für die Wähler des 24. Kommunal-Wahlbezirks am Montag, den 2. istili, Abends 8f Uhr, Große Frankfurterstr. 30. Tages- ordnung: Die Stichwahl im 24. Kommunal- Wahlbezirk. Re- ferent: Herr Stadtverordneter Kunert.— Die Wähler des Bezirks werden zu zahlreicher Betheiligung an der Versammlung eingeladen. Zum Tischlerstreik in Hamburg. Hamburg, 28. Juni. Die Versammlung des Verbanvsvercin der Tischler am Dienstag Abend war sehr zahlreich besucht. Herr Slomke wendete fich in seinem Situationsbericht zunächst gegen die gehässigen Angriffe eines Theils der hiesigen Presse auf die Streikenden. Durch allerlei erfundene und entstellte Berichte über angebliche Aus- schrcitungcn der Streikenden suche man diese bei der Bevölkerung zu diskreditircn. Am meisten habe in dieser Beziehung das „Hamburger Fremdenblatt" geleistet, zumal, seitdem dem Be- richterstatter des„Frcmdenblattes" verschiedener total entstellter Berichte wegen der Zutritt zu den Versammlungen verweigert worden; die seit dieser Zeit gebrachten verdächtigenden Angriffe seien gradezu unerhört. Zum Streik selbst übergehend, kon- statirte Herr Slomke. daß fich in den letzten Tagen die Lage der Dinge für die Streikenden bedeutend günstiger gestaltet hätte und daß der siegreiche Abschluß wahrscheinlich unmittelbar bevor- stände. Eine größere Anzahl Arbeitgeber hätte wieder die Forde- rungen unterschrieben, so daß schon am vorigen Sonnabend nur noch 499 Mann zu unterstützen waren; durch weiter eingegangene Unterschriften habe fich diese Zahl inzwischen noch weiter ver- mindert. Ter Stand der Unterstützungskasse sei ein günstiger und die importirtcn Holländer auch zum größten Therl wieder abgereist, theils in die Heimath, theils weiter landeinwärts. Von einem neuen Versuch, andere Ausländer herbei zu schaffen, sei nichts bekannt. Da auch aus dem Jnlonde nur wenig zu- reisen, die zudem meistens sofort weiter spedirt würden, so könne die Situation als für die Streikenden äußerst günstig bezeichnet «erden. In Erwägung dieser Umstände sei die Innung jetzt überzeugt, daß fie kapituliren müsse, und es seien daher bercsts in voriger Woche, nachdem man sich deshalb an ihn tSlomle) gewendet, Unterhandlungen angeknüpft. Diese zu führen sei »on der Streikleitung sowie von der Innung je eine Kom- mtsston von 7 Personen ernannt worden, welche am Sonn- abend rhre erst« gemeinschaftliche Sitzung abgehalten habe. Ein bestimmtes Ergcbniß habe diese Sitzung nicht gehabt, weil beide Kommissionen noch nicht mit bestimmten Machtvollkommenheiten ausgestattet waren. Die Berbandlungen hätten aber bewiesen, daß die Innung wohl gern Frieden schließen, dahci jedoch so wenig wie möglich und am liebsten nichts bewilligen möchte. Am meisten sträube fie sich gegen die zweijährige Giliigkeitsdaucr der Abmachung, welche vrelmehr nur bis zum 1. Äai nächsten Jahres gelten solle. Die Unterschreibung der Uebereinkunft solle nach Vorschlag der Meisterkommisfion rn der Weise erfolgen, daß fich einerseits der Vorstand der Gesellenoigamsation, andererseits der der Innung oder eventuell auch jeder einzelne Arbeitgeber unter- zeichnet, daß das Original der Unterschriften beim hiesigen Gc- werblichen Schiedsgericht deponirt wird und jeder der beiden vertragschließenden Theile eine Abschrift erhält. In einer für Mittwoch Abend stattfindenden Versammlung der Innung soll über die Friedens bedingungen verhandelt werden.— In der dem Referat folgenden sehr lebhaften Debatte sprach man all« seitig seine Freude über den günstigen Stand der Sache aus; allseilig wurde aber auch mit Entschiedenheit betont, daß man die vielen Opfer, die dieser Kampf gerostet, nicht umsonst gebracht haben wolle und daß darum die Friedensbedingungen «ine andern sein könnten, als die seither gestellten For« derungen, um derentwillen man überhaupt gestreikt. Vor einer großen Anzahl diesbezüglicher Anträge wurde einer der das Festhalten an den Forderungen am entschiedensten be- tonte, angenommen. Die zur Führung der Unterhandlungen von der Streikleitung ernannte Kommission erhielt die Bestä- tigung der Versammlung. Den bezüglich Deponirung der Unteischriften beim Schiedsgericht von den Arbeitgebern ge- machten Vorschlag beschloß man zu akzeptircn, im Ucbrigcn aber die Unterschrift jedcs Einzelnen zu fordern. In einer Versamm- lung des Verbandsvereins am Freitag wird die Kommission Bericht erstatten darüber, ob die Innung auf die gestellten Be- dingungen eingegangen. Sollte dies jedoch wider Erwarten infolge der Ucberstimmung durch Mitglieder, die keine oder nur wenig Leute beschäftigen, nicht geschehen, so dürfte trotz alledem der Streik doch baldigst beendet sein, denn das Interesse der Sclbsterbaltung wird dann zweifellos alle vernünftigeren Arbeit- geber bestimmen, Innung Innung sein zu lassen. Betont wurde noch, daß, so lange an die auswärtigen Kollegen der Friedens- schluß nicht offiziell gemeldet sei, fie als treue Bundesgenossen die bisherigen Verpflichtungen vor wie nach einhalten möchten, nämlich die, für Herbeischaffung von Geldmitteln und für Fem- Haltung konkurrirender Arbeitskräfte zu sorgen. Grffeutliche Versammlung der Fackirer aller Branchen Berlins und Umgegend am Montag, den 2. Juli, Abends 8& Uhr. in den„Armin- Hallen", Kommandantenstraße 20. 1. Rückblick auf die im März und April d. I. stattgefundene Streikbewegung, und Abrechnung darüber. 2. Wahl von drei Revisoren. 3. Verschiedenes. Kranken- und Kegradnißkasse der Kau- und Fabrikardeiter Kerlin«(E. tz. Nr. 13). Generalversammlung der Mitglieder am Sonntag, 8. Juli, Vormittags 10� Uhr, im Lokale des Hm. Säger, Grüner Weg 29. Tages-Ordnung: Kassenbericht. Innere Kassenangelegenhcit. Verschiedenes. Das Kassenbuch legitimitt. Der Unterstustnngsbund der Hausdiener Kerlin» hält cm Dienstag, den 3. Juli, Abends 9 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, seine ordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Mittheilungcn, Aufnahme neuer Muglicder. 2. Viertcljahrcsberichte. 3. Wahl resp. Bestätigung des Gesammtvorstandcs per Juli bis September. 4. Verschie- denes und Fragekasten. Das Sommersest findet am 8, Juli auf dem„Berliner Bock" statt. Btllets& 30 Pf. find bei sämmtlichen Mitgliedern, sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. veffentliche Versammlung der Vosameutierr«nd Kernssgrnossen heute, Sonntag. Vorm. 10% Uhr, im „Königstavt. Kasino", tzolzmarktstraße 72. Tagesordnung: Die gegenwärtige Lage in unserer Branche, zu- mal in derjenigen der Möbelarbeiter. Alle im Möbelfach beschäftigten Arbeiter, als Dreher, Stuhlarbeiter u. s. w., find ganz besonders dazu eingeladen. Verein Kerliner Portier» und Bemfsgenoffen. Montag, den 2. Juli, Abends 9 Uhr, Krausenstr. 16 part. bei Page, Generalversammlung. Tagesordnung: Rechnungsbericht. Anträge des Vorstandes. Ausgabe der neuen Statutenbücher. Verein zur Wahrung der Interessen der Kchnh- macher und verwandten Berufsgenossen. Montag, den 2. Juli, Abends 8 t Uhr, Versammlung in Täger's Salon, Gattenstr. 13. Gäste haben Zutritt. Freie Kranken-«nd Kegräbnißkasse der Kchnh- macher und Berufsgenossen Berlins(E. H. 27).: Das Sommer- Vergnügen findet am Montag, den 2. Juli, in Kliem's Volks- garten, Hasenhaide 14—15, statt. Billets find zu haben bei den Vorstands- und Ausschußmitgliedern. Freireligiöse Gemeinde, Rosenthalersttaße 38. Heute, Sonntag, Vormittags 10 Uhr, Vortrag des Herrn Dr. Äölkel- Magdeburg über:„Sokrates und Christus." Damen und Herren als Gäste willkommen. Tnrn- und gesellige Verein« am Sonntag. Lübeck'schcr Turnverein(2. Lehrlingsabtheilung) Abends 6 Uhr Elisabethstraße 57— 58.— Turnverein„Wedving"(2. Lehrlingsabtheilung) Nachmittags 4 Uhr Pankstr. 9.— Turnverein„Froh und Frei" (Lehrlingsabtheilung) Nachmittags 4 Uhr Bergstr. 57. Gesang-, Tnrn-«nd gesellige Verein««te. am Montag. Männergesangverein„Freimuth" Abends 8t Uhr im Nestau- rant Lehmann, Naunynstraße 44.— Gesangverein„Sänger« lust" Abends 9 Uhr im Restaurant, Landsbcrgcrstraße 80. — Männergesangverein„Weiße Rose" Abends 9 Uhr im Re- staurant Kleine, Gerichtsstt. 10.— Männergesangverein„Eintracht 1" Abends 9 Uhr Köpnickerstr. 68, im Restaurant.— Männergesangverein„Firmitas" Abends 9 Uhr bei Wolff u. Krüger, Skalitzerstr. 126, Gesang und Musik.— Turnverein„tzasenhaide"(Lehrlingsabtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstr. 60—61.—„Berliner Turngcnossenschaft" (7. Lehrlingsabtheilung) Abends 8 Uhr in der städt. Turn- Halle, Britzerstr. 17— 18;— desgl. 6. Äännerabtheilung Abends 8 Uhr in der städtischen Tumhalle, Gubenerstr. 51.— Lübeckscher Tumverein(Männerahtheilung) Abends 8 Uhr Elisabeth« straße 57—58.— Verein ehemaliger Schüler der VU. Ge- meindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Poppe, Linden- straße 106.—„Friedrichs-Verein"(ehemalige Zöglinge des großen Fnedrichs-Waisenhauscs der Stadt Berlin) Abends 8% Uhr bei Bormann, Ohmgasse 2.— Zitherklub„Amphion" Abends 8% Uhr im„Kurfürstenkeller", Poststraße 5.— Ver« gnügunasverein„Lustig" Abends 9 Uhr bei Thamm, Schön- hauser Allee 28.— Verein„Ratibor" Ähends 8% Uhr im Restaurant Fritze, Elisabethstt. 30.— Arends'scher Stenographenverein„Mercur" Abends 8% Uhr im Restaurant„Baatz" Blumenstr. 10.— Arends'scher Stenographenverein„Apollobund" Abends 8% Uhr Thurmstr. 31(Moabit.)— Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie. Abends 8% Uhr im Münchener Bräuhaus, Neue Friednchsstr. 1, Unterrichts- und Uedungsstunde._ Kleine Mittheilungen. Stolz», 29. Juni. Das hiefige Eisenbahn-Vetriebsamt macht bekannt: Die Betriebsstörung durch Hochwasser zwischen Hammer« stein und Bärenwalde ist beseitigt und wird der gesammte Ver- kehr auf der Strecke Neustettin- Könitz am 29. d. M. mit den Zügen 629 und 622 wieder aufgenommen. Eastrl, 29. Juni. In unserer Nummer vom 28. Juni theilten wir mit, daß zwei Soldaten vom 117. Regiment, die einen Posten mit ihrem Seitengewehr angegriffen hatten, zu 14 dezw. 11 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden seien. Wie wir erfahren, lag hier eine Verwechselung vor; die bestraften Soldaten gehötten zum 87. Regiment, nicht zum 117., von welch letzterem vielmehr die angegriffene Wache gestellt wor- den war._ Geestendorf, 28. Juni.(Soziales Elend.) Einen trau- rigen Fund machte gestern Morgen der Feldhüter Steffens auf einem Kornfelde zwischen Schiffdorf und Geestendorf. Als er bei dem betreffenden Acker vorbeiging, sah er einen Mann und ein kleines etwa vierjähriges Mädchen besinnungslos auf dem Boden liegen und ein Unglück vcrmuthend, erstattete er sofort Anzeige, auf welche hin dre zwei Personen abgeholt und nach dem Krankenhause gebracht wurden. Das kleine Mädchen war bereits todt und der Mann, der Vater des Kindes, der etwa 50 Jahre alte Arbeiter Mutschall aus Posen, verstarb noch im Laufe des Tages. Bei ihm fand man einen Todtenscheln seiner vorigen Herbst verstorbenen Frau. Mann und Kind scheinen "��Hchiffonachrichten. Hamburg, 29. Juni. Der Postdampfer„Hammonia" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahtt- Attiengesellschaft ist, von Hamburg kommmd, heute früh 5 Uhr in New-Yorl eingetroffen.— Der Postdamvfer„Francia" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft hat, von Westindien kommend, gestern Scilly pasfirt.. Telegraphische Depesche«. (Wolffls Telegraphen-Bureau.) Pari«. Sonnabend 30. Juni. Infolge des gestrigen Vo« tums des Senats wegen der Maßregelung eines richteilichen Beamten in Carcassonne soll der Justizminister Ferroulliat be- absichtigen, zu demisfioniren. Der Ministerrath wird fich Herste Morgen mit der Angelegenheit beschäftigen. Dem Vernehmen nach wird heute in der Deputittenkammer eine diesbezügliche Interpellation eingebracht werden, um die Angelegenheit zur Sprache zu bringen. Die gemäßigten Blätter billigen das Äo- tum des Senats und hoffen, daß die Regierung die ihr erthetlte Mahnung beherzigen wird. Die„Revublique Francaise" ver- langt den Rücktritt des Justizministers Ferrouillat und Absetzung des Präfekten des Audedepartements. Fonds», Sonnabend 30. Juni. Bei der heutigen Wahl eines Parlamentsmitgliedes für die Insel Thanet wurde Lowther (kons.) mit 3547 St. gewählt; Hugueffen(Gladstonianel) erhielt 2889 St. Athen, Sonnabend, 30. Juni. Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Monastir haben die türkischen Behörden vier Personen verhaftet, darunter einen rumänischen Lehrer, welcher die dem griechischen Konsul Panourins zugeschriebenen Doku- mente gefälscht haben soll. VeM-Uork, Sonnabend 30. Juni. Alle westlichen Eiser» werke, soweit fie Mitglieder der Gewerksvereine als Ardeiter de« schäftigen, schließen heute wegen der Weigerung der Arbeiter, die Lohnsätze der Fabrikanten anzunehmen. Von dieser Maß- rege! werden etwa 100 000 Arbeiter betroffen. KriefKaste« der Redaktion. v«t»nftagen bitten wir die AbonnementS-Ouittung b-ijufitgen. Brietlich- Antwort wird nicht ertheilt. A. K. Besten Dank für die Mittheilung. Einen Arzt können wir Ihnen für Ihr Leiden aber nicht empfehlen. K. H. Sie müssen noch einmal einen gerichtlichen Rück kehrbefehl beantragen und Ihrer Frau zustellen lassen. Während der in diesem Rückkehrbefehl angegebenen Frist müssen Sie eine zur Aufnahme Ihrer Frau geeignete Wohnung(Stube uro Küche) haben. Reh. 99, Eine Honorarforderung eines Arztes aus dem Oktober 1884 verjährt am 31. Dezember d. I. Wenn Sie verklagt weiden, ohne vorher zur Zahlung aufgefordett zu sein, so erkennen Sie im Termin die Forderung an, protestiren aAr gegen Kostenlast. I. K. Gitfchinerstraße. Die Kündigung am 15. I mi war rechtzeitig; Sie brauchen für den Juli nicht noch Miethe zu zahlen. G. K. 402. Ihre Frage ist nicht vollständig genug, um genaue Beantwottung zu ermöglichen; zu mündlicher Auskunst find wir bereit. K. S. Kirchbachstraße. Die üblichen Miethskontrakte verpflichten den Miether, die Wohnung jederzeit zur Befichtigung offen zu halten. Wenn also zeitweise Niemand in Ihrer Wohnung sein kann, so müssen Sie dem Wirth die Schlüssel über- lassen oder demselben sonstwie die Möglichkeit gewähren, mit Mietbslustigen die Wohnung zu besichtigen. Ä. K. 1. Die Kündigung ist verspätet; zeigen Sie dem Wnth sofort an, daß Sie dieselbe nicht anerkennen. Die Nicht- stempeluny des Kontraktes ändert an dessen Giftigkeit nichts. Zeigen Sre Ihren Wirth wegen Unterlassens der Stempelung lieber nicht an; denn einmal würden Sie auch bestraft werden und dann haben Sie im Konttakte wahrscheinlich die Stempelung übernommen und müßten dem Wirth seine Strafe er- setzen. G. H. 206. Sie find nicht verpflichtet, für den durch Ungezogenheit Ihres Sohnes verursachten Schaden aufzu- kommen. Wienerstraße. Ein Privaikollekteur kann für ein Laos einen so hohen Preis fordern, wie er will. Hat Ihre Frau das Loos zur 3. Klaffe nicht rechtzeitig erneuert, so hat sie auf das Loos der 4. Klaffe keinen Anspruch. r r Wegen rückständiger Steuern kann das laufende Arbertslohn nicht mit Beschlag belegt werden. ,, A- K-.Wenn Sie die Wohnung zum 1. April d. I. ohne schnstlrchen Kontrakt gemrethet haben, so gilt sie auf höchstens 1 Jahr gemiethct, sofern der Miethszins 150 M. übersteigt. Ist aber mundlich eine kürzere Miethszeit ausgemacht, so müssen Sie nach deren Ablauf ziehen, ohne daß Kündigung erforderlich ist. Zu näherer mündlicher Auskunft sind wir bereit. W. F., Steinmrhsteaße. Sie können fich wegen des Ihnen vermietheten Bodens nur an Ihren Vermiether halten; zu demjenigen, der den Boden rechtlos inne hat. stehen Sie in keinerlei Vertragsverhältniß und können gegen ihn nicht klagen. Die von Ihnen deabstchtigtt Selbsthilfe könnte Ihnen eine An- klage wegen Hausfriedenbruches zuziehen. Also verlangen Sie vom Wirth Einräumung eines Bodens oder einen Abzug von der Miethe. . Piicklerstr. Das ist keine Beleidigung für Sie. da die Beschmutzung der Zeitung sehr wohl durch die Boten. stau oder sonst einen Dritten erfolgt sein kann. Treuer Abonnent. Natürlich ist die Versicherungsgesell- schaft, der Sie beigetreten find, zur Einklagung der Mitglieder. prämie berechtigt. Daß Ihre Verhältnisse Ihnen die Zahlung nicht gestatten, ändert doch nichts an Ihrer rechtlichen Ver- pflichtung. N- B- Sie können den Arbeitgeber ohne Weiteres auf Rückgabe des von Ihnen anoettrauten Krankenkassenbuchs beim Gemeindevorstand verklagen. W. G. Abgesehen von vereinzelten Ausnahmen wird man Vormund nur dadurch, daß man vom Vormundschaftsgerick t eidlich dazu verpflichtet wird und sodann eine schriftliche Be- stellung erhält. Antworten Sie also der Armendirektion, daß das an Sie gerichtete Schreiben wohl auf einer Verwechselung beruhen muß. ®. K. KöniggrStzerstr. Wir bringen heute im Lokaltheil die diesbezüglichen Bestimmungen. Ch. A. 10. 1. Der Verkauf eines Geschäftes bedarf keiner besonderen Form, der mündliche Verttag genügt. 2. Ein Mieths- kantrakt wird, wenn nicht ausdrücklich etwas Anderes vereinbart ist, dadurch nicht aufgehoben, daß das Haus verkaust wird. E» ist aus diesem Grunde auch keine frühere Kündigung zuläsfiz. G. Fl. Zeitungsspediteur. Ein Schulkind, das erst nach dem 30. April das 14. Lebensjahr vollendet, kann erst mit Schluß des nachfolgenden Schuljahres die Schule verlassen. wenn nickt vom Kreisschulinspektor Dispens etthellt wird. K. N« l. Natürlich ist die Bigamie strafbar. 2. Ihr Mann würde im Falle der Scheidung für den schuldigen Theil erklärt werden und müßte für Ihren und Ihrer Kinder Unter- halt sorgen. 3. Das erfahren Sie auf dem Eisenbadnauskunft- bureau, Aleranderplatz. H. P. 10. 1) Das Darlehn der 100 M. ist auch klagbar. wenn gar nichts schriftlich vereinbart ist. Dagegen ist die Ver- pfändung der Witthschast nur dann rechtsgiltig, wenn der Gläubiger in den Besitz der Witthschafrssachen gesetzt ist; es macht leinen Unterschied, ob die Verpfändung schriftlich festgesetzt ist oder nicht. 2) Die Frau möge fich beim Amtsgericht über den Gerichtsvollzieher beschweren. 3) Eingefordette Gerichts- losten verjähren in 4 Jahren. A. Z. 88. Heber die Behauptung, daß Sie Zahlung be- reits aelerstet haben, kommt der Eid zunächst dem Kläger zu. Vielleicht geht aber das Gericht darauf ein, Ihr Kind als Zeuge zu vernehmen, und verstattet Sie dann zum Eid. Kolumbus 1000. Ihr Freund möge stch mit schrist- licher Anfrage an die Staatsanwaltschaft beim Igt. Landgerich. I wenden. Die Generawerjammluug d. freien Kranken- n.Kegradniß Kasse der Schuhmacher «. K»rufsge»oss,n Kerlin»(G. H. Ur. S7) findet Montag, d. 9. Juli, Abends 8 Uhr, im Jnnungshause, Fischerstraße Zir. 25, statt. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Innere Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Ouittungebuch legitimirt. NB. Das Sommervergnügen findet am Montag, den 2. Juli, in Kliem's Volks garten, Hasenhaide 14—15, statt. Der Kassenabend am selbigen Tage fällt aus. 14! 4 Der Vorstand. Eentral-Kranken-u. Sterkekasse der Maler «.»erw. Keeusogenosse» Deutschland». ße 155 am Rosenthaler Thor. [1232 Nur 1 Mark. Gingabe», Klage«, Kriefe. Kittgesuche. Jurist. Math in allen Rechtssache«. Pollok, Elisabcthstr. 44 part. rechts. Roh-Tabak! Kraftl-Takak,«»«» Anpstanzung, s Pfd. so Pf. SstMsttras's& Pfl�. 140, 170, 250, 300, 320, 330, 350, 370, 380, 390, 400, 460, 500, 520 Pf. Segdleaf 95 und iio Pfg- Java- Decke 140 Pf. Umklsttt 125, 110 und 105 Pf. 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