Nr. 153. D,e«stag, de« B. Z«li 1888. 5. Zichrx. SnlmrMsliM Krgan skr die Interessen der Arbeiter. 4 Da»„Berliner Volksblatt- «icbetnt täglich Morgens außer nach Sonn« und Festtagen. WonnemeruSpre:? für Berlin frei inI Haus vierteljährlich 4 Marl monatlich IIS Man, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Meül. Einzelne Numrner 5 Pf. SonntagS-Nummcr mit dem.SonntagS-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen te der PostzeiwngSsrsiSiiste für 1888 unter Nr. 849.) In sertionsaebühr beträgt für die 4 gesvaltete Petitzeilr oder deren Naum 25 Pf. ArbntSmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Ucberciniimft. Inserate werden big i Uhr Nachuntiag» m der Elvedition, Berlin SW, Zimmerstrastc 44, sowie von allen Armoncen.Bureaur, atzn» Erhöhung des Preises, angenomnien. KedaKtio«: Seuthstratze 2.— Grpeditwn: Zimmerstrahe 44. MB Zn den Stichwahlen im 24. und 37. Kommunal-W ahlbezirk. Arbeiter, Handwerker, Genoffen! Wähler des 24. und 37. Kommunal- Wahlbezirks! Heute, Dienstag, den 3. Juli, von Vormittags 9 Uhr bis Abends 6 Uhr, finden in den Kommunal-Wahlbezirken 24 und 37 der III. Abtheilung die Stichwahlen zur Stadtverordneten« Versammlung statt. In beiden Wahlbezirken haben die sozialdemokratischen Kandidaten im ersten Wahlgange am 12. Juni d. I. die rela- tive Stimmenmehrheit erhalten. Es wurden abgegeben im 24. Kommunal-Wahlbezirk für den Echan kwirth Gustav Tempel(Soz.'Dcm.) 357, für den Kandidaten der sog.„Bürgerpartei", Obermeister der Schornstein« fegerinnung Faster 317 und für den Kandidaten der deutsch» frrifinnigen Partei, Schriftsteller Pcrls, 179 Stimmen. Im 37. Kommunal- Wahlbezirk erhielt der Fuhrherr Johann Gnavt(Sozialdemokrat) 427, der Kandidat der Deutschfrei- siuuigen, Berliner, 378, und der Kandidat der Bürgerpartei, Dopp, 332 Stimmen. Da nach Vorschrift des§ 26 der Städteordnung bei den Kommunalwahlen die absolute Stimmenmehrheit erforderlich ist, muß zwischen den beiden Kandidaten, welche die meisten Stim« men erhalten haben, eine engere Wahl stattfinden. Alle Stim- men, welche für andere als die zur engeren Wahl stehenden Kandidaten abgegeben weiden, find unglltig. Arbeiter, Handwerker, Genoffen! Sorgt dafür, daß in beiden Wahlbezirken die Arbcitertandidaten am 3. Juli mit großer Majorität gewählt werden. Beide Wahlbezirke wurden jn der Stadtverordneten> Versammlung durch Sozialisten ver« treten. An Euch liegt es, diese Wahlbeziilc am 3. Juli mit aller Energie gegen die Gegner der Arbeitersache zu verthei- dizcn. Agitirt für die Wahl der sozialistischen Arbeiter» landidaten, sorgt dafür, daß auch diejenigen Arbeiter, welche fich am 12. Juni an der Wahl nicht betheiligt haben, heute am Wahlrische erscheinen und ihre Stimme für den Arbeiterkandi- daten abgeben. Auch die Gegner sind eifrigst bemüht, Stimmen für ihre Kandidaten zu werden. Zeigt ihnen, daß all ihr Bemühen, den Sozialisten diese beiden Wahlbezirke wieder zu entreißen, nutz« tos ist, daß Ihr entschloffen seid, die in schweren Kämpfen er- o'orten Positionen mit aller Euch innewohnender Energie zu v.rtheidigen. JeuMston. Ihre Tochter. [25 Arimiual-Romau nach dem Französischen von K. D e t r i» g. Guntram hatte Paris stets„bis auf seine[Warzen" geliebt, wie Montaigne sagt. Zu seinem Vergnügen war er oft genug in die Tiefen der Weltstadt hinabgestiegen und hatte sie auS eigener Erfahrung kennen gelernt. Die Gaunerkneipen und die vorstädtischen Balllokale hatten für ihn kein Geheimniß mehr. Er hatte sie alle in Ver- kleiduvgen besucht, und mehr als einmal hatte er Faust- schlage mit dem Gesindel austauschen müssen. Allerdings war er damals Sekondelicutenant. Zetzt hätte ihn fein militärischer Grad zurückhalten sollen, oberer ma* iung geblieben, und wenn er sich einmal in etwas ein- gelaffen hatte, führte er es auch durch. -tri u8re®utcn Gründen hatte er gerade diese Kneipe ge- wählt. Er wußte, daß hier nur Diebe verkehrten, und er brauchte nicht zu fürchten, erkannt zu werden. Auch wußte er, daß es hier viel eher als in einem anständigen Kaffee möglich sei, ungestört und unauffällig mit seinem Begleiter zu sprechen, denn das Lokal ist groß und die Gäste, die bc- ständig aus- und emgehen, kümmern sich nicht um ihre Nachbarn. Die Rue deS AnglaiS ist eine schmale, unsaubere Straße, und an ihrem Ende befindet sich in einem Hause, in dem ein Kaldaunenhändler sein unappetitliches Geschäft be- treibt, und das einem Trödlerladen gegenüberliegt, eine niedrige GlaSthür. Das ist der Eingang zu der Kneipe, die Vater Lunette seit Jahren würdig leitet. Guntram war so höflich, seinen Begleiter zuerst ein- treten zu lassen— d. h. diese Höflichkeit war Vorsicht. Pelikan, der ihn auf den Hacken hatte, konnte nicht mehr an Flucht denken, denn sie befanden sich in einem so engen Korridor, daß zwei Personen kaum aneinander vorbei konnten. Gebt Eure Stimme am heutigen Wahllage für folgende Kandidaten ab, welche stets für die Interessen der werkthätigm Bevölkerung eingetreten find und dieselben auch in der Stadt- verordneten-Versammlung vertreten werden. Stimmt im 24, Kommunal Wahlbezirk (bestehend aus den Stadtbezirken 168—173) für den Kchankwirth Gustav Tempel, Breslauer st raße 27; im 37. Kommuualmahlbezirk, (destehend aus den Stadtbezirken 251—254 und 260—264) für den Fuhrherrn Iohau« Guadt, Rügener st raße 38. Wenn Jeder seine Schuldigkeit thut, dann wird auch der 3. Juli für die Arbeiter Berlins ein Tag des Sieges, ein Tag der Freude sein. Auf beu« zur Wahl» auf zum gliinzrudra Sieg«! Die Wahllokale, wo jeder in den Wählerlisten eingeschriebene Wähler heute seine Stimme abgeben kann, befinden fich: für den 24. Kommuualmahlbezirk in der 30. Gemeindcschulc, Rüdersdorferstraße 4—5. für den 37. Kommuualmahlbezirk in der 132 142. Gcmeindeschule, Dcmminerstraße 57. Die Wahl findet ohne Unterbrechung von 9 Uhr Vor- mittags bis 6 Uhr Abends(also auch während der Mittagsstunde) statt. Die Wähler haben fich durch die vom Magistrat ihnen zugestellte Karte zu legitimiren. Wer eine solche Karte nicht erhalten hat— was namentlich für die seit Ostern 1887 aus den Wahlbezirken verzogenen Wähler gilt— kann sich durch seinen letzten Stcuerzettel legitimiren. Dir Wahlburrau» drr Arbeiterpartei definden fich am Tage der Wahl, heute, Dienstag, den 3. Juli, in folgenden Lokalen: 1. för de« 24. Kommunal Wahlbezirk im Restaurant Böhl, Rüdersdorferstraße 8. 2. für den 37. Kommunal-Wahlbezirk im Restaurant„Zum fit o r d st e r n", Demmincrstraße 60. Alle Genoffen, welche am Wahltage für die Wahl der Ar- deitcrkandidaten thätig sein wollen, werden ersucht, fich möglichst schon 8 Uhr Vormittags in dm Wahlbureaus einzufinden. Auch liegen am Wahltage die Mählerliste» zur Einstcht für die Wähler in den Wahlbureau» au». Der Korridor war gepflastert und führte zwischen einem unsauberen Schenktisch aus Zinn und einer Reihe leerer Fässer nach einem Hofe, der ein Holzdach trug und einen viereckigen Saal vorstellte, der mit schmierigen Tischen, wackligen Bänken und Sesseln versehen war, die schon längst ihr Polster verloren hatten. Flackernde Gasflammm warfen von oben ihr unruhiges Licht auf die Trinker herab, und Pelikan, der doch nicht gerade nervenschwach war, trat unwillkürlich einen Schritt zurück, als er das widerliche Schauspiel sah, das sich ihnen bot. Männer mit verthiertem Gesicht saßen vor plumpen Gefäßen aus Steingut, oder aus Eisen, die man sich an die Köpfe werfen konnte, ohne daß sie zerbrachen; andere, welche die Trunkenheit schon erfaßt hatte, lehnten sich an die Mauer an oder lagen auf dem schmutzigen Boden. Zer- lumpte Weiber drängten sich an die Betrunkenen heran und baten mit heiserer Stimme um die Erlaubniß, mit- trinken zu dürfen. Es herrschte ziemliche Ruhe. Wer sprach, sprach leise. Konnte doch der Nachbar ein Verräther sein, der die Misse- that verrieth, die man sich ins Ohr flüsterte. Einige aßen Wurst oder Fleisch aus fettigem Papier; sie aßen rasch, gierig, wie wilde Thiere im Käfig. Alle tranken in großen Zügen und leerten jedes Mal den Becher in einem Zuge. Wenn man so trinkt, wird man rascher trunken. Der Eintritt der beiden Männer wurde kaum bemerkt. Die Menschen saßen da, stützten die Ellenbogen auf den Tisch und verbargen ihr Gesicht hinter den Händen. Kaum wendeten einige den Kopf, um einen raschen Blick auf die Ankömmlinge zu werfen. Vermuthlich wollten sie sehen, ob beide Unbekannten nicht etwa verkleidete Polizeiagenten wären. „Na, was sagst Du dazu, alter Knabe?" fragte Guntram.„Siehst Du Freunde unter den Herren hier?" „Nein. Du etwa?" erwiderte Pelikan mürrisch. „O, hier verkehrt meine Art nicht. Bauernfänger kom- men nicht hierher. Aber Du als„schwerer Junge'"), der *) Einbrecher. Das Tabaks Monopol. Die Seeschlange ist heuer zur Zeit der sommerliche» Hitze noch nicht, wie sonst alljährlich, erschienen; dagegen treibt sich eine weniger harmlose Erscheinung in den Blätter» umher— das Tabaksmonopol spukt wieder. Die Andeu- tungen, daß bald wieder ein Monopolentwurf vorliege» werbe, sind zwar noch nicht direkt; wer indessen einiger. maßen zwischen den Zeilen zu lesen versteht, der wird nicht verkennen, daß so etwas wie das Tabaksmonopol in der Luft liegt. Warum sprechen denn sonst die Offiziösen vo» diesem Gegenstand. Zwar wenn Herr von Treitschke in seinen„statistischen Jahrbüchern" das Tabaksmonopol empfiehlt, so ist damit noch nicht gesagt, daß eS auch dem deutschen Volke willkommen ist. Aber man wird sich erinnern, daß auch der Herr Reichskanzler einmal gesagt hat, er setze bestimmt voraus, daß eine Zeit kommen werde, wo vom Reichstag die Be- willigung des Tabaksmonopols zu erlangen set. Daß also daS Tabaksmonopol nicht todt ist, kann als ganz sicher an- genommen werden, und wenn die Offiziösen von ihm sprechen, so ist daS ein Beweis, daß es demnächst wieder lebendig vor uns erscheinen wird. Wir brauchen kaum erst zu betonen, daß wir Gegner dieser StaatSmonopole sind. Sie werden n'cht etwa einge» führt, um die Form der Produktion in einer Industrie z» ändern und den in dieser Industrie Beschäftigten etwa die Wohlthat einer gesicherten Existenz und eines erhöhten Einkommens zu garantiren, sondern sie haben nur den Zweck, die Einnahmen des Staates zu erhöhen. Sie sind rein fiskalische Maßregeln und weiter nichts. HnS deucht, das an allen Nähten platzende ReichSbudact sei nun grade genug angeschwollen, nachdem die Karteubrüdcr erst vor kurzem mehrere hundert Millionen Mark neuer Einnahmen bewilligt haben. Es ist erklärlich, daß, wenn die StaatsauSgaben infolge der steigenden Rüstungen im bisherigen Tempo wachsen, sich die Fivanzmänner nach neuen Einnahmequellen um- sehen. Wir haben immer geahnt, daß man mit dem Mo- nopolgedanken wieder Versuche machen werde, und deshalb kommt unS die Geschichte nunmehr gar nicht überraschend. Dennoch wird eine gewisse Auftegung als die Wirkung dieser Nachricht nicht ausbleiben und die Presse wird nicht ver- fehlen, gewaltigen Lärm zu schlagen. Jn den große» Handelsstädten, wo die Existenz vieler Taufende auf dem Handel mit Tabak beruht, wird man unruhig werden. Man erinnert sich noch an die stürmische Agitation, welche da» erste TabakSmonopol hervorrief. Die neueste Alarmnach- richt wird dem Tabakshandel und der Tabaksindustrie wieder eine tiefgehende Beunruhigung bereiten; wenn eS Du noch dazu auS dem Viertel bist, müßtest doch hier Kameraden treffen! Komm', wir wollen trinken. Da unten ist ein freier Tisch." „Gut. Da können wir plaudern." Die Beiden glitten durch die Tischreihen hindurch, schritten über die am Boden liegenden Säufer hinweg unb gelangten an den gewählten Platz. „Du weißt doch, alter Knabe, daß ich zahle," sagte Guntram,„und hier zahlt man. bevor man etwas verzehr!. Da steht es an der Mauer. Ich werde zunächst einen Liter bestellen." „Rein... lieber Absinth." „Wie Du willst. Absinth ist mir auch recht. Nur steigt er mir sofort zu Kopfe. Schadet aber nichts." Guntram, der an alles gedacht hatte, war so schla» gewesen, sich ein FünfftankSstück in Gold in feine Seiten« tasche zu stecken. Er wäre sonst sehr in Verlegenheit ge- kommen, er bätte seine Bluse hochstreifen müssen, und Pe- likan hätte die elegante Weste gesehen, die er unter dem erborgten Kostüm verbarg. Der Kellner brachte eine Kanne und zwei„Tümmler"** auS dickem Glase. Hier gab eS kein Mittel, um zu betrügen. Das grüne Gift mußte bis zum letzten Tropfen ausgetrunken werden. Und mit Wasser konnte es nicht gemischt werden. Wasser war eine Flüssigkeit, die bei Vater Lunette nicht geduldet wurde. Guntram goß ein und trank und musterte dabei seine» Partner. „Der Mann trägt einen falschen Bart," sagte er sich sofort. „Kerl," rief Pelikan,„Du pflegst ja Deine Nägel! Man sieht'S ihnen an, daß Du mit Deinen zehn Finger» nichts thust." „Mehr als Volteschlagen brauche ich auch nicht z» können." „Es ist nur sonderbar, daß Deine Hände so schwarz *) Gläser ohne Fuß. MrigenS Leute geben sollte, die meinen, diese Industrie sei nun mürbe genug, um sich aus Erschöpfung der Verstaut- lichung von selbst in die Arme zu werfen, so irren sie sich. Soweit ist es noch nicht, wenn auch diese Industrie durch die unaufhörlichen Beunruhigungen schwer gelitten hat. Der Zeitpunkt für eine solche tiefgreifende Um- Änderung wäre in diesem Augenblick ganz be- sonders ungeeignet gewählt. Denn wer sich die Augen nicht gewaltsam verschließen will, dem kann eS nicht ent- Sehen, daß in diesen Tagen die wirthschaftliche Lage des IrbeiterS und des kleinen Geschäftsmannes eine besonders gedrückte ist. Die Löhne der Arbeiter sind vielfach auf ein Minimum gesunken; in der Tabaksbranche werden nament- lich da, wo Hausarbeit ist, erbärmliche Löhne gezahlt. Die Arbeiter können sich glücklich schätzen, wenn ihre Löhne nicht gesunken sind; daß sie gestiegen, lst von nirgendher berichtet worden. Die Abeiter haben nichts zurücklegen können und der Umsatz der kleinen und großen Geschäftsleute hat vielfach zurückgehen müsien, da sinkende Löhne auch stets einen sinkenden Konsum bewirken. Das Tabaks- Monopol aber würde durch die Konzentration deS Be- triebS eine Menge von Arbeitskräften überflüssig machen, denen dann keine Wahl übrig bliebe, als den erlernten Beruf aufzugeben und sich nach einer ganz neuen Erwerbs- thätigkeit umzusehen. Die Entschädigungen, die man seiner- zeit im Monopol- Entwurf angesetzt hatte, waren durchaus unzulänglich und wir könnten nur wünschen, daß in anderen Punkten von weniger allgemeinem Interesse sich die Finanzverwaltung einer solchen Knappheit und Sparsamkeit befleißigte. Aber was sollten alle die Arbeiter und Klein- Händler machen, die durch die Einführung deS Tabaksmonopols aus ihrem erlernten Beruf geworfen werden würden? Sie müßten entweder auswandern und gingen dann einem durchaus ungewissen Schicksal entgegen, oder sie müßten sich auf den Zw schenhandel werfen und so die Reihe von mit einander konkurrirenden kleinen Handlungen und Wirthschaften, die so oft nicht leben und nicht sterben können, ins Unabsehbare vermehren. Denn eS giebt wenig Leute, die, wenn sie einmal erwachsen sind, noch einen neuen Beruf erlernen wollen. Im übrigen sind die Aussichten auf eine Bewilligung des Tabaksmonopol» durch den Reichstag so gut wir aar nicht vorhanden; sie bestehen wohl nur im Gehirn der Herren Pindter und Treitschke. Die meisten Freunde deS TabakSmonopolS befinden sich bei den Konservativen; doch dürften diese in der Monopolfrage sich spalten. Das Zen- trum wird absolut keine Lust zeigen, den durch seine Schau- kelpolitik löckerig gewordenen Mantel seiner Popularität durch Bewilligung des Monopols ganz zu zerreißen. Die Nationalliberalen aber haben soeben das Kartell aufgegeben und haben damit ausgesprochen, daß sie den Konservativen auf dem Marsch nach rückwärts nicht weiter folgen wollen; man kann sonach mit Bestimmtheit annehmen, daß sie dem Tabaksmonopol nicht hold sein werden. Kurzum, der Zeitpunkt, da der Reichstag das Tabaks- Monopol bewilligen wird, scheint unS nicht gekommen, und da» ist gut._ Nolitischr Uebrrftcht. Die künftige Krhandlnng de« Kozialistengefetze« macht den RationalUberalcn sehr viel Kopfschmerzen. Jetzt wagt sich das offizielle Parteiorgan, die„Rat.-Lid. Korr.", mit einem Vorschlage heraus, der auf nichts anderes hinausläuft, als auf die Verewigung des Ausnahmegesetzes. Die„Nat.-Lib. Korr." hat hierfür allerdings einen anderen, nicht so harten Ausdruck gefunden, fie spricht zart und gebildet nur von einem dauernden Spezialgesetze, das der jetzige Kartcllreichstag noch rasch unter Dach und Fach bringen soll. Anlaß zu diesen Erörterungen aiebt noch immer die un- besetzte Stelle eines Ministers des Innern. Die„Rat.'Llb. Korr." sagt also wörtlich:„Zu den Aufgaben eines neuen Ministers des Innern in Preußen wird es wohl auch gehören, bei dem nächsten Ablauf der Giltigkeit des Sozialisten- Gesetzes neue Vorschläge zur Behandlung der sozialdemokrati- schen Bewegung zu machen. Die Sache ist freilich noch nicht dringlich, da das Sozialistengesetz na» seiner neuesten Ver- längerung noch bis zum 30. September 1890 gillig ist. Allein es hat fich bei den Verhandlungen dieses Frühjahrs gezeigt, daß der Weg einer alle zwei Jahre zu erneuernden und so in kurzen Zwischenräumen die heftigste Aufregung im Parla- ment und imVolke(aha!) hervorrufenden Verlängerung nachgerade von allen Parteien für auf die Dauer un- gangbar erkannt wird. Es ist bei diesen Verhandlungen sind. Man könnte fast vermuthen, Du hättest sie absichtlich schwarz gemacht." Guntram biß sich auf die Lippen. AuS allzugroßer Vorsicht hatte er einen Fehler begangen. Er hatte nicht daran gedacht, daß die Farbe seiner Hände, die er in den Rinnstein getauckt hatte, nicht zu seinen wohlgepflegten Nägeln passen würde. Man denkt nicht immer an alleS. Aber er ließ sich so leicht nicht außer Fassung bringen. „Du bist doch dumm," erwiderte er.„Bevor ich auf den Boulevard d'Jtalie kam, glitt ich in e ner schmutzigen Gasse auS und fiel mit den Händen in einen Schmutz- Haufen. Waschen konnte ich mich noch nicht, denn ich traf reinen Brunnen. Meine Nägel sind allerdings sauber ge- halten. Aber daS bringt das Handwerk so mit sich. Wenn sie in Trauer wären, so würden die„Freier", die ich beim Spiel rupfe, mißtrauisch werden. Und dann ist auch Heloise in solchen Kleinigkeiten eigen. Aber sage, alter Knabe, Du trägst ja einen mächtigen Bart! Der war wohl nicht billig?" „Ich Hab' ihn nicht gekauft; eS ist mein eigener. Trint' nur Deinen Absinth, statt daß Du mich ansiehst, als wenn Du dafür bezahlt wärst, mein Signalement aufzu- nehmen." „Wenn weiter nichts nöthig ist, um Dir eine Freude zu machen, dann kann ich's schon thun," erwiderte Guntram und stürzw, ohne eine Miene zu verziehen, die widerliche Mixtur hinunter, die er sich so eben eingegossen hatte. „Jetzt bist Du an der Reihe, Herzens-Pelikan." Pelikan trank, aber er schnitt ein schreckliches Gesicht, als der verfälschte Schnaps ihm die Gurgel verbrannte. Er war augenscheinlich an sanftere Getränke gewöhnt. Guntram hingegen hatte den Absinth der Marketender in Gabe» kennen gelernt, und seitdem konnte er alles ver- tragen. „Er kommt mir ein bischen fade vor," sagte er. Viel- leicht bin ich aber blos noch nicht auf den richtigen Geschmack gekommen. Das zweite Glas wird besser sein." „Er füllte die Gläser bis zum Rande und leerte das von den verschiedensten Seiten betont worden, daß man hoffe, während der zwei Jahre der neuen Frist dauernde organische Bestimmungen zur Bekämpfung der sozial« demokratischen Ausschreitungen ein, dauerndes Spezial- gesetz vorbereiten zu können. Man wird erwarten dürfen, daß auch in dieser Hinficht die Regierungen sowohl als die Parteien zur gegebenen Zeit in neue Erwägun- gen eintreten, damit spätestens in der Wintersesston des Jahres 1889—90, der letzten, in welcher der gegenwärtige Reichstag in Wirksamkeit ist, eine dauernde Verständigung über die gesetz- geberische Behandlung der Sozialistengefahr gelingt." Der lan- gen Rede kurzer Sinn wird sein, daß dem jetzt bestehenden Aus- nahmegesetz die Zeitbeschränkung genommen und es zu einer dauernden Institution des Deutschen Reiches erhoben wird. Vielleicht nimmt man noch die Erpatriirungsklausel oder den geistreichen Vorschlag des sächfifchen Kartellbruders Temper in das Geseü mit auf, wonach den sozialdemokratischen„Führern" die bürgerlichen Ehrenrechte genommen werden sollen. In der einen oder andern Weise wird eben der Versuch gemacht wer- den, die jetzige Kartellmehrheit zu benutzen, um der deutschen Arbeiterbewegung das politische Feld vollständig zu ver- sperren. Die deutschen Arbeiter werden in ihrem eigenen Lebensinteresse und im Lebensinteresse der Nation mit allen gesetzlichen Mitteln, namentlich durch kluge und kräftige Be- nutzung des Wahlrechts, diesen Bestrebungen entgegenzutreten haben. Und wir find überzeugt, wenn die Arbeiter ihre Schuldig- keit thun, planmäßig, besonnen, klar entschlossen vorgehen, so wird das Ziel auch erreicht und die Nothwendigkeit der Abschaffung des Sozialistengesetzes jedem ehrlichen und denkfähigen Bürger klar gemacht werden. Zwist im Lager der KarteUbriider. Die„Kreuzztg." schreibt:„Die„Nationalliberale Korrespondenz" ratifizirt offiziell den Beschluß ihrer Partei, fich auf ein allgemeines Kartell für die Landtags wählen nicht einlassen zu wollen. Wir wußten längst, daß es so kommen würde; schon im Winter hat Herr v. Bennigsen in Hannover ein Kartell für die ganze Monarchie abgelehnt und nur für Hannover und Hessen vorgeschlagen. Es ist deshalb eine abfichtliche Entstellung der Wahrheit, wenn das offizielle Organ der nationallilleralen Partei die Haltung der „Kr.uzzeitung" als Grund für den Linksabmarsch ihrer politischen Freunde angiebt. Und doch hat das Blatt in gewisser Weise Recht. Die"Nationalliberalen glaubten nach dem Tode des Kaisers Wilhelm die Zeit sei gekommen, wo fie wieder mit dem Anspruch hervortreten könnten,„aus der Schüssel mit zu essen"; indessen eine große geschlossene konservative Partei stand ihnen dabei im Wege, eine leitende Stellung konnte die natio- nalliberale Partei dieser gegenüber nicht erringen, deshalb richtete fie ihr Augenmerk auf die Herbeiführung einer Spaltung der ersteren, und so richtete man denn gegen die„Kreuzzeitung" und den äußersten rechten Flügel unausgesetzt die Pfeile natio- nalliberaler Angriffe und Verleumdungen. Jetzt scheint man endlich das Vergebliche dieser Bemühungen einzusehen; die „Kreuzzeitung" und„ihr Anhang" erweist sich als zu stark, um fie zu beseitigen, die Hoffnung, mit einem großen Löffel in die Schüssel greifen zu können, schwindet und so schwenkt die na- tionaltiberale Partei denn allmälig nach links ab, in der Hoffnung, bei den Wahlen fich auf Kosten der Konservativen den Anspruch auf eine ausschlaggebende Stellung zu er- kämpfen. Das ist die klare Situation; unsere Freunde wer- den mit Entschlossenheit die Konsequenzen daraus zu ziehen haben." Z« de« tugnevifchen Attentatsgerüchten wird der „Frkf. Ztg." aus Berlin geschrieben:„Seit dem Regierungsantritte des Kaisers werden mit einer gewissen Geflcssentlichkeit Gerüchte über geplante Attentate und Drohbriefe kolportirt, und gleichzeitig werden möglichst detailliite Schilderungen verbreitet über mllrtärische und polizeiliche Vorsichtsmaßregeln zur Bewachung und Absperrung des Marmorpalais, wo der Kaiser refidirt. Die Quelle solcher Gerüchte, so lange fie nur von Mund zu Mund gehen, ist schwer oder niemals festzustellen. Ihren Weg in die Zeitungen haben fie aber durch Lokalbericht- erstatter gefunden, die fich, ganz gleich, ob mit Recht oder mit Unrecht, ihrer Beziehungen zu der Polizei rühmen und jeden- falls von dem Verdacht oppositioneller Gesinnung frei find. Die Nachrichten find zuerst sehr bereitwillig opposttionellen Zeitungen zur Verfügung gestellt worden. Diese haben fie aber verständigerweise, soweit wir es beobachten konnten, zurückge- wiesen. Darauf find die Nachrichten in möglichst sensationeller Fassung in regierungsfreundliche Blätter übergegangen. Was daran Wahres ist, wissen wir natürlich nicht. Es ist wahr- scheinlich, daß der junge Kaiser Drohbriefe erhalten hat oder daß fie wenigstens an ihn abgesandt worden find, denn es giebt eine erkleckliche Anzahl hirnverbrannter Köpfe in der Welt, die Jahr aus, Jahr ein Drohbriefe schreiben, und zwar nicht nur bei einem so ganz besonderen Anlasse, wie dieser Thronwechsel war. Hervorragende Persönlichkeiten, die eine Rolle im öffentlichen, namentlich im politischen Leben spielen, find an Drohbriefe voll- kommen gewöhnt und dagegen abgehärtet. Gewisse Parteiführer erhalten solche Wische nach jedergrößeren Rede; Mackenzie fand bei jedem'Frühstück unter der ersten Postsendung einige vor; Redaktionen zählen derartige liebenswürdige Schreiben zu den gewöhnlichsten seine so leicht, als wenn es Brunnenwasser enthalten hätte. Pelikan versuchte eS ihm nachzuthun. Aber nach dem ersten Schluck mußte er innehalten und Athem schöpfen. „Was fehlt Dir denn?" ftagte der Major spöttisch. „Es sagt mir heut nicht zu." „Bist Du krank? Dann mußt Du gepflegt werden. Soll ich Dich zu Heloise führen? Sie wird Dir eine« Theo kochen." „Danke schön. Thee mag ich nicht." „Und Absinth auch nicht? Was fehlt Dir denn dann?" „Nicht». Aber ich fühle mich hier ungemüthlich. Einige Gesichter starren uns hier so an. Es sind gewiß verkleidete „Blaue". „Gar nickt daran zu denken. UnS hält man für „Blaue", weil man uns noch nie hier gesehen hat." „Um so mehr Grund haben wir, unS zu drücken. Sie können ja über uns herfallen." „Nun, dann prügeln wir unS eben. In meiner Tasche habe ich etwas, womit ich ihnen dienen kann.... ganz abgesehen von meinen beiden Fäusten. Trink' nur ruhig." ..Nein, ich habe genug, brummte der Mann und stieß sein GlaS zurück. Er versank in Nachdenken und Guntram errieth unge- fähr, was eS betraf. Nach dem ersten Zuge hatte Pelikan gemerkt, daß er in dem Branntweinkampfe nicht Sieger sein würde, und er sann auf ein anderes Mittel, um seinem Verfolger zu entrinnen. „Sinne, so lange Du willst, guter Mann," dachte Guntram.„Die Araber sind viel schlauer als Du, und sie haben mich doch nie überlistet." „Höre, Rupin," begann Pelikan nach einer ziemlich langen Pause,„wir scheu hier und verlieren unsere Zeit. Wir sind nun einig geworden, zusammen zu arbeiten und könnten also heut Nacht schon beginnen. Wenn ich Dir nun den Vorschlag mochte, sofort an etwas heran zu gehen, würdest Du mir dann yelfen?" Vorkommnissen; kein Mensch legt auf solche Drohungen Werth, denn Hunde, welche bellen, beißen nicht... Wozu aber werden solche Geschickten jetzt in besonders sensationeller Form ver- breitet? Der Verdacht, daß dies zu politischen Zwecken geschieht, »st nicht abzuweisen. Gewisse Kreise und Parteien scheinen wirklich zu glauben, daß fie damit auf den jungen Monarchen ernen ihnen erwünschten Eindruck machen können. Es liest fich ja sehr rührend und königstreu, wenn der„Reichsbote" von der Thatsache spricht,„daß unsere theuere Herrscherfamilie, seit ihr Oberhaupt den Thron bestiegen hat, eines erweiterten Schutzes bedarf"— und„daß unser deutsches Herz erschüttert eingestehen muß, daß die Zeit, wo ein treuer Fürst jedem treuen Unter- than sein Haupt in den schooß legen konnte, durch die Machen- schaften unserer guten und bösen Revolutionäre zur Sage ge- worden ist." Hier kommt der Pferdefuß und die niederträchtige Gefinnung offen zum Vorschein, und damit auch die Dummheit der Leser, für welche solche infame Verdächtigungen bestimmt sind, nicht irre gehe, wird direkt auf den Fortschritt als Vor- ftucht der Sozialdemokratie und des Anarchismus hingewiesen. Es genügt, diese Leistung des Organs der Partei, die Hödel und Nobiling zu ihren eingeschriebenen Mitgliedern zählte, niedriger zu hängen, um fie zu brandmarken. Nur eines fällt dabei auf, daß solche Mittel, um auf den jungen Monarchen zu wirken, jetzt schon für nothwendig gehalten werden." — Zu den Gerüchten über Attentatsabfichten schreibt die„Ber- liner Volkstribüne", daß ein Berliner Korrespondent des Pariser „En du Peuple", der fich Karl Kamps nennt, solche zu ver- breiten suche. Der„Cri du Peuple" sei kein sozialistisches Blatt. Ob ein Herr Karl Kampf überhaupt eristirt oder ob nicht ein auf Sensationserregung hinarbeitender Pariser Zeilenreporter hier groben Unfug treibt, soll ununtersucht bleiben. Die Berliner Sozialdemokratie sei einstimmig in dem Urtheil über die Ver- antwortlichkeit, die derjenige übernehmen würde, der eine Aende« rung der bisherigen wohlberechneten Taktik auch nur anregen und anstreben wollte, und daß fie nur die„Hoffnung" hat, daß kein Idiot oder Schröder- Haupt der Reaktion den Gefallen thut, deren— nicht unsere— Hoffnungen zu verstärken. Gl« kleine» Grlekniß unter fran?Sstfche« St«- denten, so schreibt uns ein Korrespondent, wird mir durch die traurigen Heldenthalen deutscher Studenten in Freibura und München in die Erinnerung gebracht. Vor 5 oder 6 Jahren war ich in Paris und besuchte eines Tages mit franzöfischen Fieunden eine Restauration im Quartier Latin, wo wir zu Mittag aßen. Außer uns mochten noch über 100 Gäste zugegen sein— meistens Studenten. Ich sprach mit meinen Freunden franzöfisch, als mir einfiel, daß der eine derselben— V a i l l a n t — in Deutschland studirt hatte, worauf ich einige deutsche Worte mit ihm wechselte. Ich war mit meinem Nebenmann schon wieder in franzöfischer Unterhaltung begriffen, da erhob fich plötzlich ein gegenübersttzender Freund und rief mit lauter Stimme einem mir unfichtbaren Herrn hinter mir zu:„Sie entfernen fich augenblicklich oder ich werfe Sie hinaus!" Natür- lich entstand eine kleine Erregung. Mein Freund gab kurz die Erklärung ab:„Dieser Flegel bat eine ungezogene Bemerkung gemacht, weil mein deutscher Freund hier(er zeigte auf mich) deutsch sprach. Und nun— wandte er fich wieder zu dem mir jetzt erst fichtbar werdenden Patrioten, der verlegen einige Worte hervorstotterte— und nun gehen Sie hinaus! Sie gehören nicht in anständige Gesellschaft. Hinaus oder—!" Und mein Freund machte Miene, dem Wort die That folgen zu lassen. Der Flegel sah, daß Niemand Partei für ihn ergriff und— entfernte fich wie je in begossener Pudel. Mein tapferes vis-a-vis, das so nachdrücklich das Gastrecht und die franchstsche Höflichkeit vertheidiat hatte, war der bekannte sozialistische Schrift- steller G a b r i e l D e v i I l e. Als Zeugen des Vorganges nenne ich noch Longuet und Lafargue.— Bei dieser Ge- legenheit will ich noch erwähnen, daß ich seit dem Krieg wiederholt in Frankreich war, niemals meine deutsche Nationalität verleugnete, mich auch unter solchen Fran- zosen, die nicht meine Parteigenossen waren, scharf verurtheilend — selbstverständlich in der Art gebildeter Menschen— über den franzöfischen Chauvinismus aussprach und niemals ein unfreund- liches Wort zu hören bekommen, niemals eine unfreundliche Miene demeru habe.— Und ein Mitglied der ersten sächsischen Kammer, das vor dem Krieg Frankreich häufig bereiste und etwa 10 Jahre nach dem Krieg mit seinem Schwiegersohn, einem preußischen Offizier, Paris besuchte und fich in französischer Gesellschaft, auch der von Offizieren bewegte, hat, wie er mir mittheilte, genau dieselben Erfahrungen gemacht wie ich. Der Herr, dessen Name— gleich dem Ihres Korrespondenten— auf Wunsch genannt werden kann, wird das sicherlich gern be- stätigen. Z«e Abschaffung der Htichmahle« spricht fich der nationalliberale„Hamb. Corr." folgendermaßen aus:„Es könnte sein, daß die nationalliderale Partei, deren Organe, soweit wir sehen, fich größtentheils für die Abschaffung aussprechen, nächstens mit einem dahingehenden Antrage h e r v o r t r i t t."— So der vor Altersschwäche reaktionär ge- wordene Augur. Er muß es wissen, denn er versteht Zeichen zu deuten. Aber warum die Stichwahlen abschaffen? Weil fie, Der Vorschlag kam unerwartet, und trotz aller Kalt« blütigkeit konnte der Major seine Ueberraschung nur schlecht verbergen. Was ihn hauptsächlich wunderte, war, daß der angeb- liche Pelikan ein richtiger Dieb war. Immer mehr war er doch zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Bursche e» nur auf Jeanne und ihre Tochter abgesehen habe. (Fortsetzung folgt.) Au« Kunst und Lebe«. Jeusurstücklein au» Gesterreich. Joseph Lewinsky, welcher bekanntlich manchen tiefen Blick hinter die Kulissen der Scheinwelt des Theaters gethan, läßt in Ecksteins humoristischer Bibliothek(Berlin, Richard Ecksteins Nachfolger) unter dem etwas holprigen Titel:„Von Brettern und Podium" einen Band lustiger Stücklein aus Bühne und Konzertsaal erscheinen. Das Schlußlapitel des heiteren Buches enthält Zensurstücklein aus Oesterreich, von denen wir einige wiedergeben wollen. Im Jahre 1862 begegnete Ludwig Barnay folgendes hübsche Zensur- stückchen. Auf seinem Engagement in Graz kam der Künstler einst zu einem kurzen Gastspiel nach der Krain'schen Hauptstadt Laidach. Er war bereits einmal aufgetreten und beabsichtigte, als zweite Gastrolle den bis dahin von der Zensur verbotenen, also ein volles Haus fichernden„Faust" zur Aufführung zu dringen. Um dies jedoch zu erreichen, begab sich Barnay zum Statthalter Freiberm v. C., einem bejahrten Aristokraten aus der Bach'schen Schule, aber versetzt mit einer gewissen altösterreichischen Gcmüthlichkeit und Beschränktheit. Dieser empfing denn auch den Künstler recht freundlich mit den Worten:„I hob Sie gestern g'sehn; Sö hob'n Ihre Sachen ganz brav g'macht. Was wollen's von mir?"—„Ich wollte Ew. Exzellenz um die Erlaubniß bitten, den„Faust" aufführen zu �dürfen."—„Den„Faust"? Was ist denn dös für a Stück?"—„Den„Faust" von Goethe, Exzellenz." — Goethe, Goethe!.... Was ist denn das nur gleich für a Goethe?"—„Jobann Wolfgang von Goethe, der große deutsche Dichter und frühere großherzoglich weimarische Minister." —„Ah, Minister!.... so, schau, schau!.... Na, darf denn dös Stück hier nicht gegeben werden? Herr von Sterzelhuber," wandte fich der Statthalter an einen eben eintretenden Sekretär. wie er statistisch nachzuweisen sucht, den reaktionären Parteien stets Verluste, den Frcistnnigen aber und auch ein klein wenig den Sozialdemokraten Gewinn gebracht haben. Was sagen dazu die Hamburger Freisinnigen, durch deren Hilfe doch der dermalige Vertreter des dritten Hamburger Reichstagswahlkreises gewählt worden ist? Obgleich die Arbeitrrgesetzgebtmg i« den Per- einigten Ktaaten Sache der Einzelstaalen ist, so tritt die Roth wendigkeit einer Zentralifirung doch immer mehr hervor; und der Kongreß hat denn auch in jüngster Zeit ein Arbeits' Departement gegründet, welches der Anfang eines amerikanr- schen Arbeitsministeriums sein dürfte,— ebenso rote das erd- genösfische Arbeiter- Sekretariat der Anfang eines schwerzertschen Arbeitsministeriums. Das neue Departement, welches zunächst eine genaue Arbeits- und Arbeiterstatistik für den ganzen Um- fang der Union herstellen und für die Arbeitergesetzgebung vor- beieitend wirken soll, ist finanziell großartig ausgestattet. Der Chef des Departements wird ein Gehalt von 5000 Dollars (--- 20000 M) beziehen; unter ihm wird ein stellvertretender Kommissar mit 3500 Dollars Gehalt, und ein erster Sekretär (Chief Clerk) mit 3000 Dollars stehen. Zwanzig Sekretäre (Clerks) mit je 2000 Tollars Gehalt sollen fest angestellt werden, und außerdem soll der Chef des Departements das Recht haben, 40„Agenten" mit anständigem, festem Gehalt für statistische Erhebungen anzustellen. Die Aemter find noch nicht besetzt. Und wie bei so fetten Besol- düngen erklärlich, drängen sich die Bewerber heran. In der Schweiz gelang es den Arbeitern, die Emennung des von ihnen für das Arbeitersckretariat vorgeschlagenen Kandidaten Greulich zu erwirken. Wären die amerikanischen Arbeiter gleich gut organifirt, so würden fie einen gleichbestimmenden Einfluß ausüben können. Allein so weit find ste leider noch nicht; und darum steht zu befürchten, daß die Arbeitersache— wenigstens auf einige Zeit hinaus— nicht diejenigen Vortheile aus dem amerikanischen Arbeiter-Departement ziehen wird, die unter anderen Verhältnissen unzweifelhaft und unmittelbar aus dem- selben gezogen werden könnten. Der Satz, daß die Emanzi- pation der Arbeiter nur durch die Arbeiter selbst erfolgen kann, ist keine bloße Zukunftsmufik. Anläßlich der Erneuerung de» Kelagernngsznstan- de»«der Leipzig und Umgegend dürfte es von Interesse sein, zu erfahren, daß von der Ausweisungsbefugniß bisher gegen 140 Personen Gebrauch gemacht wurde.— Der vormalige Reichstagsabgeordnete Viereck, welcher unlängst bei der Lripziger Polizeibehörde um die Erlaubniß zu einem mehrtägigen Aufent- halt in Geschäftsangelegenheiten nachgesucht hatte, ist, der„Voss. Ztg." zufolge, mit diesem Gesuche abgewiesen worden. Ei« Werthvolles Eingeständniß für die Kenrthei» lang der Getreidezölle. Im Leitartrkel der„Norddeutschen Allgcm. Ztg." vom 28. Zum Morgens findet fich folgender Satz:„Bei kleinen Parzellen fällt verhältnißmäßig nur ein sehr geringer, bei größeren Flächen ein immer größerer Antheil des Ertrages auf die Grundrente, während der Arbeitsertrag des Bcfitzcrs die umgekehrte Bewegung macht, der Kapitalzins bald bei der einen, bald bei der anderen Klasse, je nach der Art des Betriebes, im Verhältnisse größer oder kleiner sein kann. Das Steigen oder Sinken der landwirthschaftlichen Rente zieht daher den größeren Besttzer nicht nur absolut, sondern auch relativ viel mehr ins Interesse als den kleineren." InnunsovevgnSg»». In dem badischen Städtchen Offenburg soll am 2. und 3. Juli ein Landesverbandstag des dadischen Bäckerverdandes stattfinden. Die„Frkf. Ztg., der wir diese Mittheilung entnehmen, bemerkt dazu, nachdem fie 12 Punkte der Tagesordnung mitgetheilt hat:„Aus dem Ver- gnügungsprogramm der Einladung ergiedt fich, daß der Vor- sitzende der badischen Bäckervereinigung gut gerechnet, die Frist von 2i Stunden für hinreichend erachtete, um die zwölfpunktige Tagesordnung zur Förderung des Bäckergewerbes und größeren Ehre unseres neuerwachten Zünftlerthums zu erledigen. Jede weitere Bemerkung ist überflüssig." Eine vevunglückt« PartrigrLvduvg. In Stet- i i n e r Blättern erschien ein anonymer Aufruf, in welchem ein- geladen wurde zur Organisation einer politischen Mittel- partei Stettins. In dem Aufruf war angekündigt, daß die Hellbergschen Weinstuben sehr geräumig und kühl seien; auch werde für den Abend helles und dunkles Bier zu den üblichen Preisen bereitwilligst verabreicht werden. Der Aufforderung hatten ungefähr zwanzig Personen Folge geleistet. Jndeß erklärte der Inhaber des Lokals, er habe lctder vergessen, die polizeiliche Genehmigung für die Versammlung einzuholen; es stehe indeß einer unterhaltungsweisen Erörterung der Grün- dung einer Mittelpartei nichts im Wege. Er habe eine gute Erdbeerbowle gebraut, die er sehr empfehlen könne.(Bier wurde, weil eine Versammlung nicht stattfinden konnte, nicht verabreicht) Nach dieser Mittheilung verließ etwa die Hälfte der erschienenen Herren das Lokal. Es wurde privatim von Herrn Hellberg in Ausficht gestellt, daß demnächst eine neue Versammlung werde einberufen werben. Di« Eannstatter Kirchhofaffäre hat ein Nachspiel gehabt. Zwei Theilnehmer an der Leichenbegleitung find zu je 5 Mark Strafe verurtheilt worden; der eine, weil er einen Werktags- „Was ist denn dös mit dem„Faust" vom Minister v. Goethe, is denn der bei uns verboten?—„Zu Befehl, Epzellenz, es ist ein gefährliches Stück."—„Ader meine Herren," sagte der Künstler,„der„Faust" wird ja im Wiener Hofdurgtheater vom Direktor Laube schon längst anstandslos aufgeführt."—„Ja, wenn Sie mir das beweisen könnten", meinte der Statthalter. —„Für mich dürfte es schwierig sein, in der kurzen Zeit, die mir hier gegönnt ist, den Beweis noch beizubringen. Wenn aber Ew. Exzellenz die Gnade haben wollten, an den Herrn Grafen v. Lanstrop ski ober an den Direktor Laube telegraphiren zu lassen, so würde vie Antwort gewiß sofott in für mich günstigem Sinne erfolgen."—„Na, na, dös is z'umständlich. Was kommt denn in dem Stück vor?"—„Der Teufel kommt darin vor, Exzellenz", erklärte der Herr von Sterzel- huber.—„Der Teu... der Teufel!" rief ganz entsetzt der Herr Statthalter.„Na, dös wär a schöne G'schichte, den Teufel aufs Theater zu bringen. O je! o je! Sö san zwar a guter Mann, aber mit so was müssen's mir nit kommen. Habens kan anderes Stück?"— Der Künstler, auf diese Eventualität vorbereitet,� hatte die„Kreuzfahier" von Kotzebue in Reserve. Hter war; e. Exzellenz etwas heimischer.„Ah, die Kreuzfahrer", sagte er»„a schönes Stück. Aber die Nonne, die eingemauert mrt.. Die muß«aus,"-„Wie meinen dies Ew. Exzellenz?" —»Na, eme Nonne können wir doch unmöglich aufs Theater bringen, dös gab ern schönen Skandal. Sö müssen halt ein anderes Madel dafür emmauern lassen."—„Ein anderes Mädchen?"..•"«Fa, aus der Nonne müssen's halt ein Pen- fionsmadel oder so was machen.— Mit großem Vergnügen! Aber meines Wissens werden Pcnstonsmädchcn nicht eingemauert, wenn fie mit einem Manne sprechen."—„Ja— dann ist nix zu machen!" Alle Vorstellungen fruchteten nichts; Se. Exzellenz blieb dabei, die„Kteuzfahrer nur unter der Be- dingung zu gestatten, daß die Nonne fich die Metamorphose in ein Penfionsmädchen gefallen ließe. Da aber Barnay solchen Unfinn nicht auf die Bühne dringen wollte und auch der teuf- tische Faust nicht freigegeben wurde, so blieb schließlich nichts übng, als den„Sohn der Wildniß" zu wählen.— Ja, dieser Teufel! � Wenn die Zensur der„guten" alten Zeit— wie wir aus vor- : stehendem Geschichtchen ersehen— einen solchen Höllenrespekt vor ihm hatte, so muß fie wohl kein gutes Gewissen gehabt i haben. Den ttt aufs Theater zu bringen, ja, nur seinen ; Namen auszusprechen, galt schon als ern schweres Vergehen. , Auch der gute Ferdinand Raimund wußte davon ein Liedchen z- fingen. Er hatte einst ein dramatisches Volksmärchen ge I hrieden und dasselbe vor der Aufführung, wie üblich, der anzug, der andere, weil er eine helle Hose beim Leichenbegangniß trug Wir rathen der Polizei, zur Vermeidung solcher Dinge künftig schwarze Anzüge für die Leidtragenden aus Gemeinde- mittein parat zu halten.. Au« Kielefetd, 29. Juni, wird der Elberfelder„Freren Presse" geschrieben: Der nicht nur hier, sondern auch auswärts bekannte sozialdemokratische Schreinermeister Hegemann ist von einem schweren Lungenleiden befallen worden. Die Aerzte haben dem Kranken die sofortige Abreise nach Bad Lippspringe angerathen. Herr Hegemann ist bekanntlich erst vor kurzem aus dem Gefängniß entlassen worden, in welchem er wegen Verdrei- tung sozialistischer Schriften eine dreimonatliche Gefängnißstrafe verbüßte. Die Kerkerluft hat auf die Gesundheit unseres ver- ehrten Freundes höchst nachtheilig gewirkt. Hoffen wir, daß er von Lippspringe neu gekräftigt zurückkehrt. SchW-iz. Frau Dr. Kern p in hat mit ihrer Bewerbung um eine Dozentcnstelle keinen Erfolg gehabt. Die juristische Fakultät hat allerdings eine durchaus korreve Interpretation des Anstellungs- gesetzes gegeben und die Zulassung weiblicher Do- zenten ausgesprochen, die Zulassung von Frau Dr. Kempin aber vorerst nicht als oppottun dezeichnet. In diesem Mißerfolg liegt immerhin ein Erfolg, denn die prinzipiell zuge- standene Zulassung weiblicher Dozenten ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit. Frau Dr. Kempin liest jetzt in der Pension Merz vor einem überwiegend männlichen Auditorium über Pan- dekten.— Vom Studcntinnenverein zum Ehrenmitglied ernannt, wird ste in diesem Verein vor einem allgemeinen Publikum eine Reihe von Vorträgen über Frauenrechte halten. Der Andrang dazu wild wahrscheinlich groß werden. National- und Ständerath Katen zu erner Sitzung der Bundesversammlung zusammen. Es handelle fick um den An- spruch des Kantons Zürich auf Erhebung einer Erbschafts- st e u e r von 15 000 Frks. auf 100 000 Frks., welche seinerzeit von einem Herrn Brunner der eidgenösfischen meteorologischen Zentralanstalt vermacht worden waren. Der Bundesrath hatte die Zahlung der Steuer verweigert, weil die genannte Anstatt eine gemeinnützige und weil diese Erbschaftssteuer eine direkte sei und der Bund dirette Steuern nicht zu zahlen habe. Das Bundesgcricht hatte fich in der Sache für nicht zuständig erklätt und der Bundcsrath die Zuständigkeit der Züricher Gerichte ab- gelehnt, in welchem Falle die vereinte Bundesversammlung als oberstes Verwaltungsgericht zu entscheiden hat(nämlich die Frage, ob jene Steuer eine direkte und der Bund von ihr be- freit sei). Der Ausschuß stellte einstimmig einen verneii enden Antrag, wurde aber mit Erfolg vom Ständerath Haberstich und Bundesrath Ruchonnet bekämpft. Mtt 82 gegen 30 Stimmen wurde die Züttcher Regierung abgewiesen. GroßbritaUnie». In der Nähe von Rathdrum wurde ver Pächter Moonen ausgewiesen. Derselbe schuldete die 148 Pst>. Sterl. jährlich betragenden Pachtzinsen seit 3 Jahren. Mooney widersetzte fich mit Gewalt der Äefitzausweisung, und den Beamten gelang es erst nach dreistündiger Arbeit, in das Haus einzudringen. Am Abend sand eine Entrüstungsversammlung statt. Frankreich. Die Bildung der Budgetkommission wird von den Zeitungen als eine schwere Niederlage für die Regierung bezeichnet. Viele Blätter wollen voraussehen, daß das erneute osfenfive Auftreten der von der Rechten unterstützten Opportu- nisten in kürzerer oder längerer Zeit eine Ministerkrifis herbei- führen werde. Tie Differenzen der reaktionären Parteien treten nicht nur im Verhältniß der einzelnen Gruppen zu einander zu Tage, sondern ste setzen fich auch innerhalb der Gruppen fort. Es ist bekannt, daß die vereinigten drei Gruppen der Rechten fich zur Gründung einer Liga zusammengeschloffen haben, welche die Auflösung ver Kammer und die Reoifion der Verfassung mit allen Mitteln anstreben soll. Diese Liga nennt fich„Ligne de la consuitation nationale"; fie wird von einem Komitee von 12 Parleiführern geleitet; unter diesen befindet fich auch der Führer der Orleanisten, der Herzog de la Rochefaucould. Trotzdem scheint diese Liga nicht ganz den Wünschen des Grafen von Paris zu entsprechen: denn die„Corresporrderrce nationale", das osfiziellste der Organe Philipps von Orleans, warnt die Orleanisten, beim Eintritt in die Liga nicht ihre Selbstständigkeit zu opfern und auch nur eine ernzige Forderung ihres Programms aufzugeben.„Sie würden fich," so schreibt die„Corr. Rat.",„kompromittrren, w nn fie fich ohne Vorbehalt einer Vereinigung anschlöffen, die ihrer Partei fremde Elemente in fich birgt, sei es, daß fie fich zu einem persönlichen Beittage verpflichten, sei es, daß die orleanistischen Komitees, die zur Stunde ihr und ihres Führers Verträum genießen, in corpore der Liga beitreten." Dian irrt wohl kaum, wenn man annimmt, daß diese Mahnung aus der Feder des Grafen von Paris selbst geflossen ist, zumal das Blatt derselben die Bemerkung beifügt, daß kein Blatt das Recht habe, im Namen des Grafen von Paris zu sprechen, und Mit- theflungen, welche einen politischen Fingerzeig enthatten, nur in Zensur eingereicht. Tage und Wochen verflossen; endlich war die geistige Quarantäne aufgehoben, der Dichter erhielt sein Opus zurück. Aber in welchem Zustande! Der Rothstift des Zmsors hatte unter den zahllosen„Anstößigkeiten" des Manu- skripts„fürchterlich Musterung" gehalten. Die poetischsten Stellm waren theils gestrichen, theils in finnlosester Weise „verbessert". Zu den Anstößigkeiten des Stückes gehörte auch der Satz:„Mein Gott, laß nicht den Teufel triumphiren!"— Den Ton...! Um des Himmels willen! Mit einem dicken rothen Strich war der ttt beseitigt und an seine Stelle der minder gefährliche„Teuxel" gesetzt. Das war dem guten Raimund denn doch zu stark. Unverzüglich begab er fich zu dem gestrengen Zensor, um von seinem Stücke zu retten, was noch zu retten war, insbesondere aber für den degradirten „Teufel" Pardon zu erbitten. Doch da kam er schön an.— „Herr," schnauzte ihn der Zensor an, wiffm's nöt, daß mer den T..... den— Teufel nöt aufs Theater bringen dürfen? (Der Teufel blieb dem frommen Manne beinahe im Halse stecken.) Na, da lrüget'n mer die ganze Klerisei aus'n Hals und dös gäb' ein' schönen Skandal."—„Ader Herr Hofrath," wagte der arme Dichter schüchtern zu bemerken,„meine tragische Lieb- haberin kann doch in der ernsten Szene nicht mit einem Mal ausrufen:„Mein Gott, laß' nicht den Teuxel triumphiren," wenn wir uns nicht unsterblich lächerlich machen wollen!"— „Dös kann i gar nöt einleben, daß der„Teuxel" was Lächerliches war," meinte der Rttter vom Rothstift, um einige Grade milder gestimmt.„Aber meintswegen; nehmen wir halt ein anderes Wort, wie wär's denn mit Vizlipuzli?"— Vizli« puzli!... Der unglückliche Dichter glaubte vor Schreck in die Erde zu sinken.—„Herr Hofrath," rief er, seine Erregung nur mühsam niederkämpfend,„glaubens wirtlich, daß in dem Mo- ment, wo die Spannung des Publikums auf's Höchste gesteigert ist, die Liebhaberin mit Pathos ausrufen kann:„Mein Gott, laß nicht den Vizlipuzli triumphiren!?"—„No g'wiß," entgegnete der Hofrath, offenbar entzückt von seiner Idee.„Vizli- puzli muß fich sogar sehr gut machen."— Der arme Raimund wand sich bei der ihm zugemutheten Ungeheuerlichkeit wie ein Regenwurm an der Angel. Endlich rief er:„Nein, Herr Hofrath. Da Sie mir meinen Teufel nicht freilassen wollen und ich den Vizlipuzli nicht triumphiren lassen kann, so mag in Gottes Namen den ganzen Satz der—„Teuxel" holen." Indisch« E«s«tz«. Die Frauen in Hindostan defltzen so gut wie die Männer ihr eigenes Gesetzbuch, worin ihre Rechte schwarz aus weiß verzeichnet stehen. Sieben weise Frauen In- diens find die Verfettiger von diesem Kodex. Sämmtlrche die„Corr. Rat." aufgenommen werden. Diese kleinen Reibe- reien zwischen Haupt unv Gliedern der orleanistischen Pattei werden noch dadurch verschärft, daß in der Familie der Orleans selbst Zwistigkeiten ausgebrochen zu sein scheinen, weil der Herzog von Aumale durchaus Fräulein v. Clinchamp, die seinem Jung« gesellenhausstande vorsteht, Heirathen will. Man spricht davon, daß Fräulein v. Clinchamp bereits seit langer Zeit die recht» mäßige Gattin des Herzogs sei, und der Graf von Patts soll nicht sehr erbaut darüber sein. Es bestätigt fich das für unglaublich gehaltene Gerücht, daß in der Handwerkerschule zu Citeau von den da- selbst thätigen Brüdern des H. Joseph Hunder te von Knaben geschändet worden sind. Die Patres Hyacinthe und Philippe wurden verhastet, vier andere find flüchtig und werden steckbtteflich verfolgt. In der zweiten Berarhung des Gesetzes, bekeffend die Ver« antwortung für die den Arbeitern in der Ausübung ihrer Be- russthätiakeit zustoßenden Unfälle, wurden von einer ge- ringen Mehrheit der Abgeordnetenkammer folgende zwei Pa-a- graphen des Att. 1 angenommen:„Jeder Unfall, welcher den Arbeitern und Angestellten in den Fabriken, Manufakturen, Zimmerplätzen, Transpottunternehmungen, Gruben, Bergwerken, Steinbrüchen und außerdem bei allen Betttedsatten zustößt, die fich der Maschinenkrast bedienen, berechtigt das Opfer oder seine Angehöttgen zu einer Entschädigung, deren Höhe und Modus festzustellen find. Diese Entschädigung fällt dem Betttebsunter- nehmer zur Last, welches auch die Ursache des Unfalls sein mag." Wie man aus dem obigen Text ersteht, ist die Kategotte der- jenigen, welche auf Entschädigungen Anspruch haben, seit der ersten Lesung stark beschränkt worden. Kelgie«. Mit einer seltenen Uebereinstimmung haben fich die kle» r i k a l e n Blätter, die früher nicht müde wurden, den Sozia» lismus zu bekämpfen, der sozialen Frage bemächtigt. Wie auf ein gegebenes Losungswott spielen fich vie bischöflichen und anderen kirchlichen Organe als Vorkämpfer und Freunde des Arbeiterstandes auf und versprechen ihm Schutz.„Wir sind Sozialisten wie Herr de Mun und Herr Windthorst", ruft die „Gazette de Lisge" aus; wenn der Schwache, wie in unserer rndustriellen Gesellschaft, der Arbeiter, der Starke der Unter» nehmer ist, so zögern wir nicht, zu verlangen, daß man den Ar» beiter schütze."„Christus soll der der Lösung der Arbeiterfragen herrschen! läßt fich der„Courtter de Bruxelles" vernehmen, und das Gcnter„Bien Public" eignet sich die Argumentation des »Courtter" vollständig an. Sie alle wollen den christlichen Sozialismus dem Volke näher bringen und die Propaganda der sozialistischen Arbeiterpattei wo möglich dattn absorbiren, um jeden Preis zurückdämmen. Da die vlämischen Provinzen, die keinen einzigen liberalen Dcputirten mehr in die Deputirten» kammer entsenden, jetzt ganz dem Klettkalismus verfallen find, richten fich die Anstrengungen bereits auf das wallonische Land. Die„Gazette du Borinage" weiß zu berichten, daß der Kleri» kalismus fich von neuem über das Bottnage ergieße, daß man kirchliche Patronage- und andere Vereine dott gründe und die Ernennungen von dem Klerus unbedingt ergebenen, auf der Löwener Universtlät gebildeten Ingenieuren zu staatlichen Funktionen oder im Pttvatdienst fich mehren. Die Be- wegung wird immer allgemeiner, und es hat den Anschein, als ob auch dre Regierung fich diesem Druck nicht mehr entziehen kann oder will. Bei einem Fest, das der klettlale Baron Lsy de Wichen am Sonntag zu Ehren der Minister und zur Feier des Sieges der Antwerpener Meetingisten, wie dott die Kleri- kalen genannt werden, auf seinem Schlosse Hoogboom gab und dem unter Anderen auch die Minister Beernaert, de Chimay und Devolder, sowie der Kammerprästdent de Lantsheere bei« wohnten, hielt Beernaett eine Banlettrede, deren Schlußwotte in diesem Augenblicke fich wie das Echo zu jenen Attikeln der klerikalen Presse ausnehmen. Nach einer Verwahrung gegen den Verdacht, als od die klettkale Partei nach ihrem Wahlsieg etwa eine Politik der Rache gegen ihre Gegner in Szene setzen will, sagt der Kabinetschef wörtlich:„Wir wollen die nothwendigcn Verbesserungen, allein wir verstehen es, unsere Blicke über den Horizont hinaus zu richten, der die Parteikämpfe einzwängt! Es ms Mcife geffen wir nicht die Interessen der großen Mehrzahl, lassen wir uns angelegen sern, ihnen zu dienen." Nun. man wird ja die Minister am Werke sehen. In ganz ähnlicher Weise ist auch das Second Empire unter dem Beistand der Klettkalen mit Versprechungen eingeleitet worden. Wie die Komödie geendet hat. ist aller Well bekannt. Schon jetzt verwahrt sich der sozia- lrstische„Peuple" gegen die laut gewordene Bcsorgniß, als ob sich die Arberter-Demokratie auf eine Verständigung mit dem klerrkalen Konservatismus einlassen könnte. Kulkft« l ander. Popow und die anderen Veruttheilten wurden in Frei« h ei t gesetz. Es fand keinerlei Demonstration statt. Es haben n e u e V e r h a f t u n g e n stattgefunden. Ein Kompagnie» Kommandant des 1. Regiments hat nämlich angegeben, daß er mtt drei Kameraden für den Fall der Bestätigung des Urtheils ÄÄÄ|ÄiÄ standigen" versteht man solche, die im Stande find, eine Frau zu„ernähren". Die„Halden" vermögen dies nicht, und ihre Frauen muffen selbst mtt Hand anlegen, das tägliche Brot ,u SLÄ.. fie von dem«Halden" geschlagen wird, das Recht, wieder zuzu» schlagen: auch darf sie dem Manne Haare aus dem Batt zupfen. Am schlimmsten haben es die„tzulpul- Huplas". Die Frauen derselben können zehn Tage lang außer dem Hause bleiben, und SÄ sÄtffiÄ m'» wt s™* beriet, WK aus der �nmwarte � N'�za d�Aftronom�r. d- I) beobachtet. Dem Forscher war es vergönnt, mehrere „Kanäle deutlich wahrzunehmen, andere aber- und vermuth. lich waren dies Parallelkanäle- schienen von der Oberfläche des Planeten verschwunden zusein. Es wäre wohl anzunehmen, daß die von Penotrn vermißten Kanäle die Bestimmung haben, die Gewässer vom südlichen Eismeere in das nördliche zu fuhren; da aber ersteres gegenwättig im tiefen Winter fich be» findet und mithin an den Mündungen der Kanäle eingefroren sein muffe, so können fie aus demselben kein Waffer beziehen. bleiben demnach leer oder zum mindesten so seicht, daß wir fie nicht mehr wahrzunehmen vermögen, und es habe deshalb den Anschein, als wären fie gänzlich verschwunden. Ferner hat der genannte Astronom die Beobachtung gemacht, daß die auf der Karte Schiaparelli's mit dem Namen„Lybiurr" bezeichnete Stöbere Landschaft nicht mehr die röthliche, sondem die blau» «rune Farbe zeige. Desgleichen entdeckte Pe.rotin auf der nörd» lichen.Halbkugel, auf welcher noch immer Hochsommer ist, einen neuen Meeresarm, der 20 Grad Länge betragen soll. Die Eis- zone um den Nordpol herum fand er scharf abgegrenzt, doch will er einen durch die Eis- und Schneemaffen laufenden Kanal gesehen haben, der zwei sonst von einander getrennte Meere verbinde. Mars" Kitt bald in Quadratur zur Sonne (22. Juli d. I.), d. h. seine Stellung wird den Be- obachtern der Erde gegenüber eine derartige sein, daß er, wie der Mond rm zweiten Viertel, nur zur Hälfte deleuchtet er- scheinen wird. gegen Popow nur Besreiung dcffelden einen Handstreich machen wollte. Alle vier Offiziere wurden verhaftet. Der erste bestätigte beim Verhör seine Aussage, die anderen leugneten den Thatbestand. Amerika. Ein großartiges Projekt ist soeben im nord- amerikanischen Kongreß dcrathen und zu seiner Ausführung der Betrag von 100 000 Dollars bewilligt worden. Alle Regie- rungen der amerikanischer, Völker find eingeladen worden, an einer Konferenz Theil zu nehmen, welche im April nächsten Jahres in Washington stattfinden und folgende Gegenstände de- rathen soll: 1) Erhaltung des Friedens zwischen allen amerika- nischcn Nationen und Förderung ihrer Wohlfahrt. Einsetzung eines Schiedsgerichts für Streite zwischen den einzelnen Staaten. 2) Gründung eines Zollvereins, der ganz Amerika umfaßt. 3) Geiche Münze, Maß und Gewicht. Schaffung einer Silbermünze, welche in ganz Amerika gesetzliches Zal mittel ist. 4) Gleichmäßige Patent-, Muster- und Markenschutz- gesetze in allen Ländern und allgemeines Verlagsrecht.— Europa, alter Weltthcil! Wo bleibt deine vielgcrühmte Zivili» sation? Die Regierungen von Chili und Peru find zu einer Verständigung über die gegenwärtig von Chili besetzten Provinzen Arica und Tacna gelangt. Dem Friedensvertrag zwischen den zwei Ländern zufolge sollte Chili diese peruanischen Provinzen für 10 Jahre besetzt halten, und am Ende dieser Zeit sollte eine Abstimmung der Einwohner stattfinden und je nach deren Entscheidungen sollten die Provinzen an Peru zurück- fallen oder bei Chili verbleiben. Welche dieser Republiken die Provinzen erhielt, sollte der anderen eine Entschädigung von 10 Millionen Silberdollars zahlen. Diese Probefrist läuft erst in 5 Jahren ab, aber inzwischen ist Peru geldbedürftig, und es wurde ein Abkommen getroffen, demzufolge Arica und Tacna Chili verbleiben sollen, während letzteres Peru eine beträchtliche Baarsumme als Abstandsgeld zu zahlen hat. Soziales mtd Arbeiterbewegung An die Ardeiter Deutschlands. Arbeiter, Kollegen! Wir definden uns nun schon drei Wochen lang auf der Werft des„Vulkan" im Streik, und noch immer ist kein Resultat zu sehen. Trotzdem können wir mittheilen, daß die Stimmung der Streikenden eine gute ist. Wenn uns bisher von der Behörde keine Hindernisse in den Weg gelegt wurden, so ist dies wohl dem Umstände zuzuschreiben, daß bisher Alles in Ruhe und Ordnung verlaufen ist und daß Jeder bestredt ist, daß dies auch j einer geschieht. Ueber großen Zuzug können wir uns bis jetzt nicht beklagen; kommen einzelne zugereist, so haben wir bis jetzt das Gluck gehabt, dieselben, nachdem ihnen die Sache in Güte auseinander gesetzt worden ist, gegen Vergütung der Reisekosten wieder zur At reise zu de- wegen. Wankelmüthige Kollegen Hoden wir auch wenig. Am Montag, den 18. d. M., hatten vier Ucberläufcr, welche zu den ältesten Ardeitern gehören, zu arbeiten angefangen. Wir haben uns um diese Leute gar nicht gekümmert; dieselben find aber, nachdem fie einen halben Tag lang gearbeitet haben, wieder zu Hause geblieben. Ob ihnen das Gcwiffen geschlagen hat und fie stch vor fich selbst geschämt haben, oder od eine andere Ursache zu Grunde liegt, das wissen wir nicht, kümmern uns auch nicht darum. Kollegen! Für die gerechte Sache, für die wir hier in Pommern kämpfen, werden wir auch weiter ein- treten, wenn nur die Roth nicht zu groß wird. Betrachtet ein- mal: Ein Arbeiter verdient mit 18 Pf. pro Stunde tei zehn» stündigcr Arbeitszeit 1,80 M. pro Tag. Im Winter, wo die Tage kürzer werdm, wird auch die Arbeitszeit kürzer, so daß wir manchen Winter durch nur 8 Stunden lang pro Tag gearbeitet haben, das macht einen täglichen Verdienst von 1,44 M. Nun denkt Euch einen Familienvater mit 4—5 Kindern, deren wir hier sehr viele haben, kann der wohl auch nur den notbdürftigsten Lebensunterhalt mit diesem Verdiei st bestreiten? Rechnen wir ganz gering für 6 Persoren Frühstück 40 Pf., für den Mann zum zweiten Frühstück 20 Pf., Mitagcffen für alle 1 Mark, Vesper ganz ausgeschloffen, da- gegen Abendessen' 75 Pf. oder knapp eingerichtet 65 Pf., das macht zusammen eine tägliche Ausgabe von 2 M. 25 Ps. Der Verdienst beträgt aber im Winter nur 1 Mark 44 Pf. und im Sommer 1 M. 80 Pf. pro Tag, also ist der Mann nicht im Stande, auch nur den nothwendigsten Lebensunterhalt für fich Steuern, Schulgeld, Feuerung und Kleidung, wo soll das alles herkommen? Wir konnten also nicht für diesen Lohn weiter- arbeiten. Bis jetzt liegt die Sache für uns günstig. Die Direktion macht zwar allerhand Veranstaltungen, damit die Arbeit wieder aufgenommen werden soll, hat aber noch kein Glück damit gehabt. Am Sonntag ließ der Betriebsdirektor 3 Arbeiter zu fich kommen und suchte fie zu bereden, die Arbeit wieder aufzunehmen, das Andere würde fich schon finden. Kollegen, sollen wir jetzt, nachdem wir drei Wochen lang streiken, in diese Falle gehen? Wir sagen: Nein! Wir find ja geneigt, etwas von unseren Forderungen adzulaffcn, wenn unser Lohn nur etwas aufgebessert wird, aber auf's Gerathewohl können wir die Arbeit nicht wieder aufneh men. Diesen Bescheid haben auch die drei Kollegen gegeben. Damm, Arbeiter Deutschlands, helft uns in unserem gerechten Kampfe zum Siege, indem Ihr so schnell und so viel wie mög- lich Unterstützungen sendet. Schnelle Hilfe ist doppelte idilfe! Unsere Parole ist noch immer wie von Anfang: Alle für Einen, Einer für Alle! Bredow bei Stettin, 28. Juni 1888. Mit kollegialischem Gmß und Handschlag: Das Streik Komitee. I. A.: A. Waschkau.— Alle Briefe und Sendungen find zu richten an A. Waschkau, Bredow, Vrllenstr. 3a. Kleine Mittheiinngen. Dessau, 28. Juni. Ein Straßentumult, von polnischen Slrbc"»tn der Zuckerfabrik Waldau bei Bernburg am Abend des 6. Dezember v. I. in Szene gesetzt, bildete den Gegen» stand der heutigen Verhandlungen des Schwurgerichts. Ange» klagt waren der Arbeiter v. Czapiewski, aus Zekzun im Kreise Tuchel gebürtig, mit noch 8 Genossen wegen Landfrieder S» bmchs. Die Einzelheiten der That bieten kein weitergebendes Jntercffe. Die Angeklagten waren erst unter stch in Streit ge» rathen, dann hatte fich ihre Wuth gegen das Haus des Restou» ratcurs Roßberg in der Vorstadt Waldau gerichtet. Daffelde hatte mehrere Beschädigungen davongetragen! auch gegen Roß- berg und dessen Schwiegersohn waren die Raufbolde miß« bändelnd vorgegangen. Das Urtbeil lautete gegen die Arbeiter Czapiewski und Modrzynski auf je 5 Monate Gefängniß, gegen die Arbeiter Machey und Lateik auf je 3 Monate Ge« fängniß; die übrigen 5 wurden freigesprochen. Die Strafe wurde durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt er« achtet. Köln, 27. Juni.(Eine Säbelaffare.) Ein zu einer Uebung eingezogener älterer Reservist begegnete vor einigen Tagen am Malzbüchcl einer Gesellschaft von drei Offizieren und einem Fähnrich. Diese befahlen dem Soldaten, sofort mitzu» gehen, aus welchem Grunde konnte nicht festgestellt werden. Als man an die Königstraßc kam, bog der Rcseroist in diese Straße ad. Einer der Offiziere eilte ihm nach, zog den Degen und versetzte dem Flüchtling einen schweren Hieb über den Kopf, so daß der Mann blutüberströmt zusammensank und bernoch bei der Fortsetzung des Wegs von einem der Offiziere gestützt wer» den mußte. Die vielen Zuschauer der traurigen Szene gaben ihrer tiefen Erbitterung über das Vorgehen der Offiziere lauten Ausdruck, daß mehrere derselben von Nachtwächtern verhaftet wurden.„Der Reservist, welcher die Folgen seines leichtfertigen Benehmens zu tragen haben wird, ist verheirathct und Vater von mehreren Kindern," so schreibt die einfältige Presse. Als» die Schuld eines„leichtfertigen Benehmens" liegt bei dem arme» Reservisten. Ischl, 26. Juni.(Von der Zwergwand abgestürzt.) Sonn» abend Abend unternahm eine Gesellschaft von zehn Personen von Ischl aus einen Ausflug auf das Hütteneck, verblieb in der dortigen Almhütte bis 3 Uhr früh und setzte dann die Partie auf den Prcdigtstudl über die Zwergwand fort. Infolge deS beim Bergsteigen täuschenden Mondlichtes oder infolge der für eine solche Bergtour sebr mangelhasten Ausrüstung stürzte der der aus Goisern gebürtige 24 Jahre alte Tischlergehilfe Johann Pilz von der Wand ab und kam unten mit zerschmctiertc» Füßen und vielen schweren Verletzungen am Kopfe an. Sein« Begleiter eilten dem Unglücklichen zu Hilfe und brachten den» selben im bewußtlosen Zustande nach Goisern zu seinen Eltern. An dem Aufkommen des Verunglückten wird gez veifelt. Theater. Dienstag, den 3. Juli. Geschloffen. pchasspt-tha««. Geschloffen. M»>rtch- Mithelmstadtische««cheatev. Pariser Leben. »»»»'««heater. Don Juan. Uirtoria-Thrater. Die Kinder des Kapltan Grant. #d(*UH«aw-«heater. Sie ist wahnfinnig. Eine Partie Piquet. 4'iN»t»«l-Nheater. Die Himmelsleiter. , Theater. Die Löwenbändigerin von Paris. Aairf«««»'« Uarietö. Spezialitäten« Vorstellung. Ns»xsrdia- Theater. Spezialitäten» Vorstellung.__ Hndel's klmtt UolksZartev Gesundbrunnen 60 Kad Ktraß« 60. 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Das Attest muß von einem Physikus ausgestellt werden; nur in dringenden Fällen darf die Aufnahme auf Grund einer Bescheinigung eines anderen Arztes erfolgen; zwischen der Ausstellung des Attestes und der Auf- nabme dürfen nicht mehr als 14 Tage verflossen sein. Kranke, welche wegen grrfinns entmündigt find, und sogenannte frei- willige Insassen bedürfen der ärztlichen Bescheinigung behufs einer Aufnahme in die Anstalt nicht, doch muß in solchen Fällen die Zweckmäßigkeit der Aufnahme de« scheinigt werden, bei freiwilligen Insassen muß die schriftliche Einwilligung des Kranken vorliegen. Von jedem Aufnahme all hat der Vorstand der Polizei und dem Pbystkus innerhalb 24 Stunden vertrauliche Anzeige zu machen und eine Empfangsbescheinigung über dieselbe nackzusachen. Die Entlassung erfolgt, wenn Teilung eingetreten oder wenn der rechtliche Vertreter des Insassen ste fordert. Gemeingefähr- liche Kranke dürfen nur dann mtlaffen werden, wenn ihre un- mittelbare Ueberführung in eine andere Anstalt ficher gestellt ist. Das Verbleiben freiwillig Eingetretener darf durch keine über die Grenzen einer geregelten Hausordnung hinausgehende Mittel erzwungen werden. Der polizeiliche Phyflkus, dessen Oberauf- ficht die AnstaU unterstellt ist, ist verpflichtet, dieselbe jährlich zwei Mal zu besuchen, und zwar ohne vorherige Anmeldung seines Besuches und möglichst unvermuthet; er hat über den Be- fund ausführlich an die Polizeibehörde zu berichten. Für die Besichtigung durch den Pbustkus ist eine ausführliche Jnstrul- tion ausgearbeitet und der Verordnung beigegeben worden. N«d«r«i« Kirbevdrama im Grunewald wird be- richtet: Als am Sonnabend früh eine Abtheilung Soldaten durch den Grunewald marschirte, stießen dieselben am Jagen 72, unmittelbar hinter Halensee, auf einen blutüberströmten jungen Mann, welcher neben der Leiche eines jungen Mädchens kauerte. Auf Befragen gab derselbe an, daß er sich habe erschießen wollen. Er habe aber schlecht getroffen und sei jetzt außer Stande, sein Vorhaben ausführen zu können. Die Soldaten machten Anzeige bei der Charlottenburger Behörde und diese veranlaßt e die Ueberführung des Verwundeten, welcher im Bcfitze eines noch geladenen Revolvers war, in das Städtische Krankenhaus, die Leiche des Mädchens wurde nach der Leichenhalle überführt. Der vernehmungsfähige junge Mann, der einen Schuß im Unterleib und einen in der rechten Schläfe auszuweisen hatte, gab an, daß er der in der Wilmersdorferstraße 26 in Charlottcn- durg wohnhafte Tischlergcselle Haase sei, geboren zu K-nneberg in Sachsen am 7. Januar 1869. Mit seiner Geliebten, einer ebenfalls in Charlottenburg, in der Krummestraße wohnenden Arbeiterin, habe er beschlossen, gemeinschaftlich zu sterben. Die beiden hatten sich gegen Abend, ausgerüstet mit einem geladenen sechsläufigen Revolver, nach dem Grunewald begeben. Dort bade gegen 11 Uhr die Steller um den Revolver gebeten, den- selben auf ihre Brust gerichtet und fich erschossen. Er selbst habe dann zwei Mal den Versuch gemacht, fich zu tödten, sei aber infolge des Blutverlustes so matt geworden, daß ihm ein weiterer Versuch nicht möglich gewesen sei. Wie weit seine Aussage auf Wahrheit beruht, wird die Untersuchung ergeben. Uo« der KrrUurr Selbstmord Chronik entrollt eine hicfigc Korrespondenz das folgende düstere Bild: Täglich bringt uns der Polizeibericht in seiner lakonischen Kürze das Resümee der Unfälle, welche in dem Getriebe der Millionen- stobt vorkommen, kurze Auszüge aus dem Elend, welches tag« täglich seinen Abschluß findet in dem erschütternden Drama des fceiwillig gewählten Todes. Wie verschiedentlich die T desarten find, welche die zu diesem traurigen Entschluß Getriebenen wählen, um ihrem verfehUcn Leben ein Ende zu machen, dar- über giebt uns die folgende Statistik, die aus dem amtlichen Polizerderickt geschöpft ist, eine ausführliche Schilderung. Es ist das letzte Jahr am Ende April 1887 bis Anfang Mai 1888, welches ein erschreckendes Resultat in Bezug auf Selbstmorde in Berlin geliefert hat. Nicht weniger als 447 Selbstmorde und Selbstmordversuche find in einem Jahr in Berlin geschehen. Eigentliche Selbstmorde, d. h. solche, �die mit absolut tödtlichcm Ausgange waren, verzeichnet die Statistik mit 308 Fällen wovon 221 auf Männer, 82 auf Frauen und Mädchen und schließlich auf 5 Kinder entfallen. Selbstmordversuche wur- den gemacht von 139 Personen, und zwar von 94 Männern, 44 Frauen und Mädchen und 5 Kindern. Während demnach bei er eldstmord mit tödtlickem Ausgange Frauen und Rädchen in verschwindender Minderheit mit 23 pCt. vertreten find, finden wir bei den Selbstmordversuchen das weibliche Ge« schlecht mit 37 pCt. verzeichnet. Nach den Himmelsrichtungen gerechnet ist es der Norden, welcher 114 Personen, das heißt 25 pCt. der Gesammtsumme, zum Selbstmörder Kontingent liefert; am schwächsten ist der Süden, das vomehme Stadtviertel mit 22 Personen verzeichnet. DaS Durchschnittsalter der Selbst« «örder kann man bei den Männern auf 40 bis 50 Jahre annehmen, während Frauen mit 27 bis 35 Jabren den Tod auf- webten.— Das am meisten angewendete Todesmittel ist der Ytn«k(d. h. der Tod durch Erhängen), zu welchem nicht weniger .>43. Personen griffen. Nur 10 von diesen wurden durch rechtzeitige Wiederbelebungsversuche gerettet.— Eine nicht J?cnn.I' �5�utende Rolle in den Todcstragödien spielen die �klen Waffer der Spree, denn nicht weniger als 95 Personen haben dm verbangnißvollm Sprung in Vre Wellen gemacht, wovon zwei Drittel als Leichen herausgezogen wurden, wahrend das letzte Drittel durch Eingreifen muthigcr Lebensretter dem nassen Element entrissen werden konnte. — Den schweren Todeskampf durch Gift haben 64 Personen vorgezogen, wovon etwa die Hälfte Frauen und Mädchm find. Unter den Gistaften, woran die Un- glücklichen starben, finden wir Kleesalz, Cyankali. Phos- phor, Salpeter, Zucker-, Salz-- Schwefel.. Blausäure, Kreosod, Karbol, Strpchnin, Petroleum, Morphium, Chloral- Sdrat. Am beliebtesten— wenn man fich dieses Ausdruckes Dienen darf— find Kleesalz und Phospor, an denen je 5 Personen starben. Der Schußwaffe haben sich 63 Personen be- dient; dmch glückliches Ungeschick— oder verdantten fie ihre Lebensrettung ,m entscheidenden Moment der zitternden Hand — konnten 28 Personen dem Tode entrissen werden. Nur wenige dieser Selbstmörder erschossen fich in ihrer Wohnung, die meisten richtetm die Waffe auf einer Bank im Thiemarien, Friedrichs- oder Humboldtshain gegen fich. Einen jähen Sprung in die schwindelnde Tiefe— auch Sturz aus dem Fenster der dritten und vierten Etage— versuchten etwa 44 Personen, worunter etwa der dritte Theil Frauen und Mädchen; hierbei stellm die Kinder ein nicht unbedeutendes Kontingmt, von denm nicht weniger als 7— zumeist Schulkinver— bei dieser Seldstmordart zu finden find. Unter die Räder der Lokomotive warfen fich 4 Personen, wovon jedoch glück- licherweise nur eine starb; dm Tod durch Ersticken fuchten im Ganzen 5 Personen, von denen 3 gerettet werden konntm, auf. Das Turchsbneiden der Pulsodem und der Kehle wurde von 24 Personen ausgeführt, wovon 15 wiederhergestellt, mmeist aber den Irrenhäusern als„wahnsinnig" über- wiesen werden mußten. Doppelte und dreifache Todesarten, ausgeführt von ein und demselben Selbstmörder, kamen öfters vor. Wir finden Personen dabei, welche erst Gift nehmen und fich dann die Kehle durchschneiden, fich eine Kugel in die Brust jagen und dann aus der vierten Etage herabstürzen u. s. w. Mörder, die nach gelungener oder mißlungener That fich das Leben nahmen, finden wir in fünf Fällen vor; von der Berliner Gamison zählt man in diesem Jahr vier Selbstmörder. Auch mehrfache Doppelselbstmorde, d. h. solche, bei denen fich mehrere Personen von selbst den Tod gaben, sehen wir in der Statistik verzeichnet. Auch den Grund der Selbstmorde können wir, soweit dies möglich, unsem Lesern mittheilem Bei Kindern ist es ausschließlich die Furcht vor zu erwartender Strafe, bei Mädchen der Liebcsgram, bei Frauen Eifersucht und sträfliches Liebesvelhältniß, auch Irrsinn, bei Männern aber überwiegend schlechte Verhältnisse und Hunger, welche die Aermsten in den Tod getrieben. Die meisten Todesfälle weist der Januar auf, nämlich dreiundfünfzig, während der Dezember mit einund- zwanzig als der schwächste in der Selbstmordliste verzeichnet ist. Milhelm Gviuner erzählt in seinem Merke „Arthur Schopenhauer aus persönlichem Umgange darge- stellst'(Leipzig, 1862), S. 210, und in dessen späterer Um- arbeitung„Schopenhauer's Leben"(Leipzig, 1878), S. 530, folgendes aus Schopenhauer's Frankfurter Leben:„Bei der Alahlzcit(an der Wirthstafel) sprach er gern, doch verhielt er sich aus Mangel an tauglicher Tischgesellschaft öfter beobachtend. So legte er z. B. eine Zeitlang täglich ein Goldstück vor fich hin, ohne daß die Tischnachbarn wußten, was er damit wollte; nach aufgehobener Tafel nahm er es wieder an fich Endlich darüber zur Rede gestellt, erllärte er: das sei für die Armen« düchse, wenn die am Tische fitzenden Offiziere nur ein einziges Mal eine andere ernsthafte Unterhaltung als über ihre Pferde, Hunde und Frauenzimmer auf die Beine brächten." Nur wenigen Lesern dürfte es bekannt sein, daß dasselbe, was Gwinner hier von Schopenhauer erzählt, nach der Erzählung des Dichters Mattdiffon ein Engländer im Jahre 1799 in Innsbruck gethan hat. Matthiffon's jetzt wohl nur sehr wenig gelesene, obschon in mehrfacher Hinsicht lesenswerthe„Erinnerungen" enthalten im 5. Bande(Zürich, 1816) unter anderem„Bilder aus Helvetien, Tyrol und Italien. 1799", und darin erzählt Mathiffon S. 121—124(Schriften von F. v. Mathiffon, Ausgabe letzter Hand, 5 Bd.. Zürich 1825, S. 253—255) wie folgt:„Ich speiste gewöhnlich an der Wirthstafel, wo die Gefellschaft größtentheils aus jungen Offizieren bestand. Auch ein Eng- iänder von emstem und schweigsamem Wesen fand sich dabei regelmäßig ein. Er öffnete den Mund selten anders als zur Stillung der Begierde des Tranks und der Speise. Auffallm mußte der Tischgenoffenschaft indeß die Sonderbarkeit, daß er, Tag kür Tag, nach aufgefalteter Serviette, einen Louisd'or neben sein Gedeck legte und beim Dessert immer sorgsam in den Geld- beute! zurückschob. Ein Spiel, welches er unausgesetzt wieder- holte. Endlich fing es den Herren an, warm vor der Stirn zu werden, und man beschloß einmüthig, in der festen Meinung, der Fremde führe nichts mehr und nichts weniger im Schilde, als durch das räthsclhafte Goldstück fie sammt und sonders zum Besten zu haben, ihn deshalb um Er- klärung anzusprechen. Ein jovialer Lieutenant erbot fich auf der Stelle, als Repräsentant der verunglimpften Gesellfchaft aufzutreten und den wunderlichen Heiligen, wie er fich aus- drückte, dermaßen ins Gebet zu nehmen, daß ihm die Straßen- steine von Innsbruck zu glühenden Kohlen werden sollten.„Als am folgenden Mittag der verfängliche Louisd'or wieder auf das Tischtuch gelegt wurde, erhob sich der Lieutenant von seinem Sitze und sprach mit der feierlichen Würde des Meisters vom Stuhl in einer Freimaurerloge:„Mein Herr, wir find des ein- fältigen Spaßes überdrüssig, daß Sie den Louisd'or da zur Schau legen und wieder in den Sack stecken. Wir dringen auf Erklärung! Dahinter lauert eine?chalkheit! Sie haben es mit uns allen zu thun; das bedenken Sie wohl! Also nur hurtig zur Sache!"„Augenblicklich, meine Herren," erwiderte der Brite mit ruhiger, betnahe phlegmatischer Gleichmüthigkeit, bin ich bereit, Ihrem Wunsche zu willfahren. Das Ding, wel- ches Ihnen so wichtig erscheint, ist im Grunde nur ein ganz unschuldiger Scherz und verhält fich kurz gesagt also:„In den fünf Jahren, die ich nun bereits in der Welt umher ziehe, nahm ich meine Mahlzeiten immer am liebsten an der Wirthstafel ein. Daher wurde mir gar häufig die Ehre, mit jungen Herren vom Soldatenstande zusammen zu treffen. Wenn doch diese braven Gäste auch nur ein einziges Mal von etwas anderem gesprochen hätten, als von Dirnengeschichten und vom Dienste! Da lief mir denn der Einfall durch den Kopf, der Armuth einen Louisd'or zu geloben, wenn die Rede sich zur Abwechslung in günstiger Stunde viel« leicht mitunter auch auf andere Gegenstände lenken würde. Doch hat es mir bis auf den heutigen Tag noch immer nicht ge- lingen sollen, mein Goldstück an den Mann zu bringen."„Der Brite sprach diese kleine Tischrede mit so naiver Unbefangenheit, daß die jungen Herten das Ding wirklich für das nahmen, wo- sür der freimüthige Sprecher es ausgab: für einen unschuldigen Scherz." Dies die von Äatthisson sehr gut erzählte Gefchichte. Wir dürfen unbedenklich annehmen, bemerkt Reinhold Köhler, der in der Münchener„Allg. Ztg." auf dieses Zusammentreffen aufmerksam macht, daß Schopenhauer Matthiffon's„Erinnerungen" gelesen und somit auch obige Erzählung gekannt hat. Als er nun an der Frankfurter Wirthstafel die fast gleiche Erfahrung machte wie der Engländer in Innsbruck, da fiel dieser ihm ein, und er verschmähte es nicht, ihn zu kopiren. So erklärt fich, wie R. Köhler mein', die Uebereinstrmmung der Schopenhauer- Anekdote mit Matthiffon's Erzählung am natürlichsten und ein- fachsten. Die gegenwärtigen«Tage der Nasen", die sich in diesem Jahre etwas verspätet eingestellt haben, geben dem Treiben in unserer Stadt ein stanz eigenartiges Gepräge. Ucberall in den Ladengeschäften, wie in den Bureaus, in zahl- reichen Werkstätten und auf den Bahnhöfen in den Händen der Reisenden sieht man die duftenden Blumen. Die Berliner Gärtnereien vermögen allein den Bedarf nicht zu decken und so kommen denn täglich mit den Frühzügen auch bedeutende Vor- räthe an Rosen gegenwärtig bei uns an, die besseren, theuren Sorten in feuchtes Moos gehüllt, die geringeren in einer Lage von angefeuchteten grünen Blättem. Ein Schntttwaarcnhändler in der Oranienstraße hatte am Sonnabend einen größeren Posten solcher Rosen gekauft, der dieselben seinen Käuferinnen über- reichte, und dürfte, kotz dieser Extraausgabe, doch allem An- scheine nach damit ein gutes Geschäft gemacht haben. Ueker die gröffere Sterblichkeit und das niedrig? Durchschnittsalter der Arbeiterklasse äußert sich der gefeierte Ge- sundheitslehrer Fr. Oesterlein wie folgt:„Während jetzt bei der Gcsammtbevöllerung unserer Länder jährlich im Durchschnitt 1 von 40—50 stirbt, stirbt beim Proletariat schon 1 von 20 bis 35... Die mitttere Lebensdauer deträgt jetzt gewöhnlich 33 bis 40 Iahte, bei reicheren besser lebenden Klassen selten unter 50— 60 Jahren, bei der Arbeiterklasse steigt sie nicht leicht über 20—30 Jahre; sinkt oft sogar auf 20 und weniger... Unter 1000 Arbeitern, obgleich alle noch in jüngeren Jahren, find oft nur 2- 300 gesund, die anderen mehr oder weniger kränk« lieb, schwach und vielleicht 1 bis 200 wirklich krank oder krüppelhaft." Gin« fidel« Anktto« fand gestern Vormittag gegen 10 Uhr in dem Hause Markusstr. 35 statt. Dort wurde durch einen Gerichtsvollzieher ein ganzer Posten Gebisse und Zähne ösientlich versteigert. Reflettanten auf diese kostspieligen Attribute eines wohlgedildetm Mundes hatten fich zahlreich eingefunden. Der Eine wünschte ein Paar Backzähne, eine etwas antike Jung» frau diverse Schneidezähne; wieder andere bevorzugten ein ganzes Gebiß und dementsprechend jagten sich die Gebote. An Kalauern fehlte es dabei nicht, namentlich wenn Reflektantinnen durch ihren Eifer merken ließen, welche Zähne und wie viele ihnen erwünscht seien. Der Gerichtsvollzieher erzielte nicht nur ausnehmend gute Preise, sondern auch totalen Ausverkauf. Die„Po, ste" de» Adreßbuch«». In dem bekanntlich nicht dünnen Berliner Adreßbuch hat ein mit Ueberfluß an Zeit bevorzugter Leser der„N. Pr. Ztg." folgende Namen aufge- funden und„poetisch" oder wenigstens gereimt zusammengestellt: „Holder. Engel. Liebeskind. Gidb. Mir. Manchen. Kuß. Gesch. Wind. Siebe. Schätze!. Bin. Dier. Guth. Kombst. Dahinter. Fasse. Muth. Halte. Fest. Binn. Ewig. Treu. Küss.l. Schmeck. Mir. Immer. Neu." Der Alkoholgehalt der verschiedene« geistige» Getränke ist ebenso verschieden, wie ihre allgemeine Beschaffen- beit. Nach der„Allgem. Wein Ztg." find unter den geistigen Getränken die Biete durchschnittlich die leichtesten, dann kommen die Weine und als stärkste die Branntweine oder Schnäpse. Es ist bekannt, daß der Alkoholgehalt der Weine um mehrere Prozent schwankt; der des Bieres hat zwar keine so großen Verschiedenheiten, es find aber auch hier noch die niedrigsten Alkoholgehalte ziemlich von den höchsten entfernt. Unter den. Lchnäpsen giebt es auch schwache, welche nicht stärker find als schwere Weine, doch gehen dieselben fast bis zu der Stärke des käuflichen höchst rektifizirten Alkohols hinan. Man kann als Alkoholstarke der einzelnen geistigen Getränke etwa folgende Prozentsätze anzunehmen: Schankbier 3, Oestreichisches Lager- bier 3,-5, Münchcner Bier 3-4 Münchener Bockbier 5-5,5. Englische Ale 6, Schottisch 8— 9, Porter 5—5,5, Landwein 6-8, besserer Tischwein 8—10, schwerer Tischwein 10—12, schwerer Tafelwein 10—14, Dessertwein 14—18, Liquerwein 12—14, Rheinwein 9—10—13, Burgunder 9—14, Bordeaux 10—12, Champagner 10—11, Marasauino 30, Curcgao 31—32, Dan« ziger Goldwaffer 32, Benediktiner 34, Kümmel 40, Chartreuse (gelb und weiß) 43, Franzbranntwein 50, Kirschwasser 50, Rum 53— 72, Kognak 50— 60, Arak 50— 70, Chartreuse (grün) 62, Adsynth(Schweizer) 72—74, Kölner Wasser 85. Karmelitergeist 93. ,.t, Peennelnehtet' Luftschiffe»-. Ein aufregendes aeronau« ttsches Schausprel. das möglicherweise noch ein Menschenleben fordern durfte, spielte fich am Sonntag Abend in der achten Stunde rn der unmittelbaren Nähe der Verdindungsdah». zwischen der Grerfswalderstraße und der Landsberger Allee ab. Es war ungefähr 15 Minuten nach 7 Uhr, als die zahlreichen Paffanten der beiden Chausseen einen Luftballon, wie sich späiev herausstellte, den dem Luftschiffcr Ernst Syring gehörigen Ballon „Viktoria", der etwa 15 Minuten vorher von Huth's Konzert» garten auf dem Gesundbrunnen aufgestiegen, von NW. über Berlin kommend, mtt rapider Schnelligkeit fich aus den Wolken herabsenken sahen. Syring, der allem Anschein nach auf dem freien Felde in der Nähe des jüdischen Friedhofes bei Weißen- see zu landen beabfichttgte, hatte das Ventil gezogen, vermutblich aber etwas zu lange, so daß der Ballon, der beretts in sich selbst zusammenzuklappen schien, mit furchtbarer Schnellig» feit herabkam und zwischen der Stadt und denr Bahn» dämm mit der Gondel mehrmals den Boden berührte. Seltsam erschien es dabei, daß Syring keinen Versuch machte, den Anker auszuwerfen. Um eine Karambolage mit den Telegraphen- drähten am Bahnkörper, auf welche der Ballon mit Windeseile zutrieb, zu vermeiden, warf Syring den letzten Ballatt, Klei- dungsstücke zc. aus der Gondel, tonnte aber die Katasttophe nicht mehr verhindern und jagte mit solcher Wucht auf die Drähte los, daß diese die fingerdicken Taue, welche die Gondel mit dem Ballonnetz verbinden, gleich Zwirnfädcn durchschnitten und die Gondel in die Tiefe schleuderten, während der nunmehr feffel- lose Ballon gleich einem Pfeil emporschoß und sehr bald den Blicken entschwand. Tausende von Menschen, welche das auf- regende Schauspiel mit angesehen, strömten nunmehr der Stelle zu, an welcher die Gondel auf die Erde gestürzt war und fan» den Syring daselbst in einer bcjammernswerthen Lage vor. Derselbe schien außer Knochcnbrüchen auch schwere innere Ver» letzungen dävongettagen zu haben, vermochte trotzdem aber dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß man ihn nach dem Huth'schm Konzertgarten zurückschaffen möge. Ein rigrntkümliche» Schauspiel bot fich gestern allen, welche mrt der Bahn an Schönedcrg vorüber fuhren. Ab- springende Funken der Lokomotive hatten hier an verschiedenen Stellen der Böschung vor und hinter der Station das daselbst abgemähte und von der Wärme der vorhergehenden Tage be- reits stark gedörrte Gras in Brand gesteckt. Zum Glück lag daS Heu ziemlich dünn gemäht, so daß die Flammen nicht groft wurden, jedoch verbreitete fich das Feuer, von unten die Ab- hänge hinauf eilend, mit ziemlicher Schnelligkeit über weitere Strecken und gefährdete die oben angebrachten Zäune, sowohl den des Eisendahnkörpers als auch benachbarter Gärten. Der dick aufqualnrende Rauch lockte eine Menge Zuschauer herbei. von denen mehrere den aus Schönedcrg beorderten Arbeiter» und Eisenbahnbeamten beim Löschen hilfreiche Hand boten, in- dem fie fich bemühten, mit Hacken und Harken Sand über die Brandflächen zu schütten. Doch die eifrigen Bemühungen zeig» ten mcht den genugenden Erfolg, da fich die scheinbar gelöschten Stellen an dem wehenden Winde immer unter dem Sande entzündeten. Elstals einige aus Berlin herbeikommende Polizei. bcamte die Schöneberger Feuerw-hr zu Hilfe riefen, gelang i§. nach etwa dreistündiger Arbeit gegen 1 Uhr, den Brand zu er- sticken. In dem M-ed in K-rlinche» wird der„N. St. Ztg." noch gemeldet:„Ich habe noch mttzuthellen, daß der Müller Grundlmg, als die hiefiae Genchtskommisston bei demselben in Furstensee erschien, jede Auskunst über den von ihm vollführte» Mord verweigerte. Erst nach Hinzuziehung des dortigen Geist« lichen, welchem er bekanntlich das Verbrechen gestanden hatte. gelang es, die Aussagen zu erhalten. Der entsetzliche Mensch ist dann auch am 26. d. M., also am nächsten Tage nach seinem 'Geständniß, gestorben. Ferner wird von einem Augenzeugen. -welcher bei der Aussage der Frau Gründling(der Mutter des Werbrecheis) zugegen war. mitaetheilt, daß diese bestimmt aus- sagte, sie habe den Hilfsjäger Rostin an der Mordstelle in einer gebückten Stellung mit seinem Hirschfänger hantlren sehen, fie habe indessen geglaubt, derselbe habe ein Stück Wild geschossen und weide dies aus. Die Wiederaufnahme des Verfahrms er- folgte auf Veranlassung des Herrn Rittergutsbesitzers Sydow- Hasselbusch,«elcher ein Schwager des Revierförsters Ottow, des Vaters des ermordeten Mädchens, war. Wie wir noch erfahren, hätte der Hilfsjäger Rostin von Himmelstädt aus flüchten lön- nen, da ihm Geld und Fuhrwerk zur Verfügung gestanden haben soll; er hat aber beides mit dem Ausspruch, er sei un- schuldig an diesem Morde, abgelehnt. KrbeusgffährHche Quetschungen erlitt am Sonnabend Abend in der Müllerstrafte der Lindowerstrafte wohnhafte Kutscher Karl G. Hoch oben auf seinem mtt Brettern bcladenen Wagen fitzend, wollte er eine Durchfahrt pasfiren, hatte aber nicht be> rechnet, daß für ihn zwischen Durchfahrtsdecke und Kutschersitz zu wenig Raum geblieben war. Der Wagen ging durch den Thorwcg und G. fiel besinnungslos herunter. Der Brustkasten war ihm zerquetscht. Es erfolgte seine Aufnahme in ein Kranken- Haus. Polizeihericht. Am 30. v. M. Vormittags wollte ein 4 Jahre alter Knabe, als er vor dem Hause Grüner Weg 58 spiette, einen Ball, der ihm entfallen und unter einen vorüber- fahrenden Bierwagen gerathen war, unter demselben wieder hervorholen, wurde dabei jedoch überfahren und erlitt einen Bruch des rechten Armes, sowie Verlegungen an der Brust. Er wurde nach dem Krankenhause Bethanien gebracht.— In der Nacht zum l. d. M. wurde ein Herr in seiner in der Linden- strafte belegenen Wohnung im Bette liegend todt gefunden. Nach Ausspruch des hinzugezogenen Arztes ist der Tod infolge übermäftigen Genusses von Morphium eingetreten. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— Als am 1. d. M. Morgens ein im 23. Polizeirevier stationirtcr Schutzmann sich in Zwilkleidung nach der in der Ädalbertstrafte 16 belegenen Apotheke begab, um ein Medikament zu holen, und auf dem Wege dahin eine Frauensperson, welche vor dem Hause Oranienstrafte 186 laut schimpfte, zur Ruhe verwies, wurde er von deren Begleitern umringt, geschlagen und schlieftlich von dem Arbeiter Heft auf den Straftendamm geworfen und mit Füften getreten, so daft er einen Bruch des linken Armes erlitt.— An demselben Tage Vormittags wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Ackerstrafte erhängt vorgefunden.— Als am Nachmittag ein obdachloser Mann wegen Diebstahls verhaftet und auf die Wache des 1. Polizei« revrers, an der Fciedrichsgracht, gebracht worden war, machte er einen Fluchtversuch, indem er, ohne daft es die anwesenden Be- amten verhindern konnten, aus dem im ersten Stock befindlichen Fenster auf die Strafte hinabsprang. Er wurde schwer, jedoch nicht lebensgefährlich verletzt, mittelst Droschke nach der Charitee gebracht.— Zu derselben Zell fand eine Frau in ihrer Pückler- strafte 6 gelegenen Wohnung, welche fie eben erst bezogen hatte, im Ofen die bereits verkohlte Leiche eines neugeborenen Kindes. Als Mutter derselben ist die unverehelichte Wilhelmine Riet« pietsch, deren Mutter die fragliche Wohnung vorher inne gehabt hatte, ermittelt und verhaftet worden.— Ebenfalls Abends wurde im Flur des Hauses Brandenburgstrafte 15 die Leiche eines neugeborenen Kindes, in einer grauen Pappschachtel und in einen braunen Lappen eingewickelt, aufgefunden und nach dem Leichen- schauhause gebracht._ Gerichts-Zeitung. Wegen öffentlicher Urrtheilnng fottaldemokrati- scher Flugblätter hatte sich der Maurer Gustav Beyer am Montag in der Revifionsinstanz vor dem Strafsenat des Kammer- gerichts zu verantworten. Derselbe hatte ein Strafmandat zu 6 Wochen Haft wegen Uebertretung des durch das Reichspreft- gesetz bekanntlich nicht aufgehobenen preuftischen Preftgesetzes vom 12. Mai 1851, betr. das Flugblätter- und Plakatwesen, erhalten, weil er nämlich am Abend des 28. Juli pr. in einem tdeilung gebrocht hatte. B. beantraate richterliche Entscheidung indem er behauptete, daft er den Inhalt der betr. Flugblätter nicht gekannt habe und daft ihm letztere von einem Unbekannten gegen Einhändigung von 50 Pf. zur Vertheilung übergeben worden seien. Sowohl das Schöffengericht, wie die Strafkammer schenkten indeft dieser Angabe keinen Glauben und erkannten gegen B. übereinstimmend auf sechs Wochen Haft. Der Ein- wand des Angeklagten, so führte die Strafkammer aus, daft das preuftische Gesetz über das Plakat- u. s. w. Wesen durch das Reichsstrafgesetz aufgehoben sei, ist nicht zutreffend, ebenso auch nicht der Einwand, daft ein Korridor ein nicht öffentlicher Ott sei. Ten Inhalt der Flugblätter hat B. schon in Rücksicht auf den fetten Druck derselben gekannt und wenn dieselben auch damals auf Grund des Sozialistengesetzes noch nicht verboten gewesen waren, so hätte sich B. damals doch sagen müssen, daft, wenn fie noch nicht verboten waren, sie doch demnächst verboten werden mühten. B. legte Revision bei dem Kammergettcht ein. wo sein Vertheidiger namentlich die Oeffentlichkeit des Vettheilungsortcs desttttt, während B. selbst ausführlich darzulegen suchte, daft er ganz in guten, Glauben gewesen sei. Präi. Delius(zum Angeklagten): Können Sie denn nicht lesen?— Angeklagter gredt zu, daft er lesen kann.— Präs.; Nun, so lassen Sie sich nicht wieder in dieser Weise von der Sozialdemokratie verführm.(?)— Der Senat erkannte hierauf nach längerer Bcrathung auf Zurückweisung der Revision. Der Begriff der Oeffentlichkeit ist— so wurde in den Motiven aus- geführt— nicht gesetzlich stritt und ist daher nach Lage des ein- zelnen Falles festzustellen. Zweifellos kommt es stets auf Zweck und Tendenz der Handlung an. In diesem Falle wollte B. d e Flugblätter von Haus zu Haus tragen und an Leute, die oder deren Zahl er nickt kannte und auch nicht kennen konnte, in den verschiedenen Korridoren der Häuser vettheilen. Obwohl ein Hausflur an sich nicht immer ein öffentlicher Ort ist, so war er es doch in diesem Falle. Die Derfugung de« polizeiprästdente« v. Richt- hofen, nach welcher den Witthshausgästen nach Eintritt der Feieradendstunde 15 Minuten Zeit zum Entfernen gelassen wird, «ine für Wirthsleutc und Wirthshausbesucher gleich wichtige Verfügung, ist noch immer nicht zur allgemeinen Geltung und Anerkennung gekommen, denn noch immer erfolgen Anklagen und Bestrafungen, welche mit dieser Verfügung vollständig im Widerspruch stehen. Ein recht lehrreiches Beispiel auf diesem Gebiete ist die Prozeftgeschichte des Gastwirths Rothhöft, Prin- zenstrafte 91, welcher mit Energie sein Recht verfochten und schlieftlich auch erstritten hat. Derselbe war von dem Schutzmann v. Gureyti denunzirt worden, weil er in der Nacht zum 12. Oktober v. I. um II Uhr 10 Minuten noch Gäste in seinem Lokal geduldet hatte und der Aufforderung des Schutzmanns, Feierabend zu gebieten, nicht nachgekommen war. Das Polizei- Präsidium nahm daraufhin den Rothhöft in eine Polizeistrale von 3 M. event. 1 Tag Haft. Gegen dielen Strafdefehl erhob R. Widerspruch und beantragte richterliche Entscheidung in dicser Sache. Das Schöffengericht, welchem die obengedachle Polizei- Verfügung nicht bekannt war und dem fie vom Kläger auch nicht vorgelegt werden konnte, veruttheilte R. zu dcr gesetzlich niedrigsten zulässigen Strafe von 1 M. Gegen dieses Urlheil legte der Veruttheilte wiederum Berufung ein und er- zielte nunmehr kostenlose Freisprechung durch die 6. Strafkammer des Landgerichts», welcher R. die Originalvcrfügung vorzulegen ja der Lage war. Das jetzt im Wortlaute vorliegende diesbezüg- liche Erkenntnift ist von besonderem Interesse und heiftt es in demselben:„... Nach der Beweisaufnahme ist nicht als er- wiesen anzusehen, daft an dem fraglichen Abend noch später als 11 Uhr 15 Minuten Gäste in dem Lokal des Angeklagten ge- wesen find. Der Schutzmann von Guretzki ist übereifrig ge« wesen und zu früh in das Lokal gegangen. Auf seine Aussage konnte gegenüber den Aussagen der übrigen Zeugen, die einen durchweg glaubwürdigen Eindruck gemacht haben, kein Gewicht gelegt werden. Es find zweifelsohne nach 11 Uhr noch Gäste in dem Lokal des Angeklagten gewesen; um 11 Uhr ist an sich die ihm gebotene Polizeistunde. Das königliche Polizeipräsidium hat indessen an den Vorstand des Vereins Berliner Restaurateure unter dem 16. Januar 1886 ein Schreiben erlassen, in welchem es demselben wöttlich erklätt:„Bemerkt sei übrigens noch, wie es schon seit längerer Zeit nachgelassen ist, daft den Gästen nach der festgesetzten Polizeistunde eine Viertelstunde Zeit zur Ent- fernuna belassen bleibt." Hiernach muft die Polizeistunde für jeden Schankwitth um eine Viettelstunde verlängctt angesehen werden. Es handelt sich nicht nur um eine Anweisung' an die Erekutivbeamten der Behörde, nachsichtig zu sein und den Wittben eine Viettelstunde Zeit zu lassen, sondem um eine an die Witthe selbst gerichtete Erklärung, denn die Anweisung würde gegenüber der bestehenden Verordnung für die Wirthe keine Bedeutung haben, fie müftten doch die Verordnung be- folgen und machten sich strafbar, wenn fie nicht nach der in dieser festgesetzten Zeit für Entfernung der Gäste sorgten. Diese Erklärung an die Witthe selbst räumt diesen aber das Recht ein, binnen einer Viettelstunde nach der festgesetzten Zeit die Gäste sich entfernen zu lassen; fie verlängert mithin die Polizeistunde: da aber die Festsetzung der Polizeistunde Sache der Polizeibehörde ist, so kann dieselbe auch vollkommen rechtsgiltig in der Weise, wie geschehen, die Polizeistunde hinausschieden.." — Nach diesem Erkenntnift ist jeder Zweifel ausgeschlossen und die Situation so klar gelegt, daft für die Zukunft Prozesse, wie der vorstehende, ausgeschlossen erscheinen sollten. Gin Drama aus dem Kebe« der Restdeuz beschäftigte gestern die 94. Adtheilung am Amtsgericht I. Der„Arbeiter" Hellmuth Wattenbcrg hatte seine Frau und drei Kinder treulos verlassen, um sich mit einem anderen Mädchen, welches er kennen gelernt hatte, zu vereinigen. Die verlassene Gattin, eine flciftige und achtbare Frau, die ihren treulosen Gatten trotz seines Treue- bruches noch innig liebte, grämte sich bitter und nur mit dem Aufgebot aller ihrer Kräfte gelang es ihr, für sich und die Kinder einen kümmerlichen Lebensunterhalt zu erwerben. An einem Sonnabend Nachmittag begab sich dann die Frau aus ihrer in der Skalitzerstrafte belegenen Wohnung, um bei einem benachbatten Kaufmann Oleum zum Putzen des Hausgeräthes zu kaufen. Nachdem fie ihre Besorgungen erledigt und eben den Laden verlassen hatte, fügte es der Zufall, daft der Gatte mit seiner Geliebten vorüberging. Die unglückliche Frau be merkte das Paar, und vom Schmerze übermannt, verfolgte fie dasselbe und machte der Geliebten ibres Gatten Vorwürfe, daft fie einer bisher glücklichen Famflie den Gatten und Vater genommen. Der Mann gerieth durch diese Szene in groften Zorn, und im weiteren Verlaufe des Renkonttcs lieft er sich soweit hinreiften, seiner Frau ein paar Ohrfeigen zu geben. Die Geschlagene verlor nun ganz die Besinnung, fie ergriff die Oleumflasche, die sie eben hatte füllen lassen, und schüttete deren Inhalt über den Gatten aus. Der Getroffene trug erhebliche Brandwunden davon. Die Frau, die ohne Ueberlegung gehandelt hatte, wurde nun zur Verant- wottung gezogen und muftte auf der Anklagebank Platz nehmen. Die Angeklagte, welche einen sehr gutm Eindruck machte, er- zählte mit thränenersttckter Stimme ihr trauriges Schicksal. Der Vorfitzende ermahnte wiederholt den Gatten, den Strafantrag zurückzuziehen, doch der Mann, der mit seiner Frau in Schei- dung lebt, liegt, war nicht zur Zurücknahme zu bewegen. So muftte der Gerichtshof trotz seines Mitleidens zu einer Verur- theilung schreiten. Der§ 223 a Str.-G.-B.(Körperverletzung mittelst eines gefährlichen Werkzeugs oder hinterlistigen Ueber- falls) schreibt, falls mildemde Umstände nicht vorbanden find, ein Strafminimum von zwei Monaten Gefängnift vor. In dem vorliegenden Falle trug dcr Gerichtshof indessen kein Be- denken, die Sache äufterst milde anzusehen, die Gefährlichkeit des angewendeten Mittels und deren arge Verwüstungen mußten aber in Betracht gezogen werden, und deshalb schien eine Ge- fängniftsttafe von 14 Tagen als angemessene Sühne. Wegen sch«»«»«« Diebstahl» be»«». Krhleeet standen gestern vor der ersten Strafkammer am Landgericht l die vor- besttasten„Arbeiter" Kluge, Günzel und Gemeinhardt. Die An- geklagten hatten in einem Hause der Schönhauserstrafte einen Einbruch verübt, wobei einer Ballettänzerin und einer Kellnerin, die zusammen wohnten, Sachen im Wetthe von ungefähr 400 M. entwendet wurden. Den Diebstahl hatten die ersten beiden Angeklagten gemeinschafllich ausgeführt, während der dritte als Hehler fungirte. Der Gerichtshof erkannte gegen die ersten Beiden auf je 2 Jahre Zuchthaus, Ehrverlust auf die gleiche Dauer und Stellung unter Polizeiaufsicht. Gemetnhardt kam mit 4 Monaten Gefängnift davon. Landesverrath»- Prozeß. Leipzig, 2. Juli. Vor dem Forum des vereinigten zwetten und dritten Strafsenats des Reichsgerichts beginnt heute eine Verhandlung wegen Landes- verratbs, die dem Vernehmen nach alle bisherigen Lanvesverraths- Prozesse in den Schatten stellen dürfte. Auf d-r Anklagebank erscheinen: 1. Eisenbahm Bureau Hilfsarbeiter Tietz, 2. dessen Ehefrau, 3. der Färbereibcsttzcr Appel. Die Sacke ist gewisser- maften ein Nachspiel zu dem inr Dezember 1887 verhandelten Lanvesverraths- Prozeft wider den Kanzlisten Cabannes. Aus dem Notizbuch dcs letzteren soll zu ersehen gewesen sein, daft derselbe an einen gewissen Dietz 1C64 M. gezahlt und auch mit einem gewissen Appel in Verbindung gestanden hat. Cabannes sowohl als auch dessen Ehefrau scheinen, nachdem Cabannes am 19. Dezember 1887 zu 10 Jahren Zuchthaus verurtheilt war, verschiedene Geständnisse gemacht zu haben, denn Mitte Januar d. I. erfolgte zu Straftburg i. E. nicht dlos die Verhaftung der gegenwärtigen drei Angeklagten, es wurde auftcrdcm der Ingenieur Streiftguth in Stcaftburg und der Apotheker Girard in Schttmeck in Haft genommen. Alle diese sollen dem Cabannes bei seinen landcsvcrrätheriscken Verbrechen Hilfe geleistet haben. Gegen Streiftguth und Girard muft wohl das Belastungsmaterial nicht ausreichend gewesen sein, denn diese wurden nach längerer Untersuchungshaft entlassen und das Verfahren gegen sie ein- gestellt. Dietz war im Betriebsbureau der kaiserlichen General- direltion der Eisenbahnen für Elsaft- Lothringen als Hilfsarbeiter beschäftigt. Als solcher war ihm eine Reihe von Ver« fügungen zc. zugänglich, die dos militärische Transportwesen im Falle einer Mobilmachung betrafen. Dietz begnügte sich aber nicht mit diesen Verfügungen, er wuftte sich auch Fahrpläne. Zeichnungen zc. zu verschaffen, indem er mittelst Nachschlüssel die Schränke der erwähnten Generaldirektion öffnete, in denen die sekreten Aktenstücke aufbewahrt waren. Alle dicse Alten, stücke hat Dietz theils an Cabannes verkuuft, zum Thcil ist er aber auch selbst mit dem Oberst Vincent in Paris, dem bekannten Cbef des zum französischen Kriegs- Ministerium ressorlirenden Pariscr Nachrichtenbureaus(„Bureau de renseiguernents") in Verbindung getreten. Wie verlautet, gewährten dicse der französischen Regierung übermittelten Attcnstücke, Zeichnungen zc. ein genaues Bild von dem Ausmarsch der deutschen Armee nach der Westgrenze bei Ausbruch eines Krieges. Die französische Regierung erhielt durch die Dietz'scken Lieferungen genaue Kenntnift von der deutschen Etappenstrafte. Sic wuftte, wie schnell und in welcher Weise der'Aufmarsch er- folgt, welche Richtung die Eisenbahnzüge nehmen, die die Mann- schaften, Proviant, Munition zc. an die Grenze befördem, in welcher Weise die Verbindungen zwischen den Grcnzfcstungen und den Fcldtruppen unterhalten werden und dergleichen mehr. Die Frau Dietz soll ihrem Gatten bei seinem verbrecherischen Treiben Hilfe geleistet haben, indem sie ihm beim Abschreiben der Aktenstücke behilflich war und auch die Mitcheilungen nach Paris befördctte. Noch interessanter wird sich, dem Vernehmen nach, die Verhandlung bezüglich des Appel sowohl wegen seiner Person, als auch wegen seiner Strafthaten gestalten. Appel, der der Bestechung und der Beihilfe zum Landesverrath beschuldigt ist, soll hauptsächlich dem Cabannes Vorschub geleistet und ganz besonders den Vermittler zwischen diesem und der französischen Regierung gespielt haben. Während Dietz und Frau, bezüglich deren die Anklage auf Landesverrath, Beihilfe zum Landesverrath, Bestechung, Beiseiteschaffung von amtlichen Aktenstücken und Diebstahls lautet, gröfttentheils geständig find, soll Appel beharrlich leugnen. Letzterer ist ein sehr wohlhabender Färbereidcfitzer in Straftburg i. E., man wird mithin kaum an« nehmen können, er habe des Gelderwerbes halber ein so ftevel- Haftes Spiel getrieben. In den Kreisen seiner Bekannten ist man, seine Schuld vorausgesetzt, vielmehr zu der Annahme ge- neigt, er habe aus Patriotismus zu seinem ehemaligen Vater- lande Frankreich gehandelt. Er soll aus sehr feiner Familie stammen. Sein Bruder, Professor an der Sorbonne in Paris, befindet sich augenblicklich in Leipzig und wohnt als Zuhörer den Verhandlungen bei. Appel heiftt mit Vomamen: Karl August. Er ist am 2. April 1842 zu Straftburg(Elsaß) ge« boren, katholischer Konfession und verheirathet.— Aber auch die Dietz'schen Eheleute sollen aus sehr vornehmer Familie sein. Dietz heiftt mit Vornamen Max: er ist am 10. August 1832 zu Kulmdach, Kreis Oberfranken in Bayern geboren, katholischer Konfession. Seine Frau Karoline, geb. Siebenmorgen, ist am 14. September 1838 zu München geboren und ebenfalls katho« lischer Konfession. Die Vättr beider Eheleute waren sehr ange« sehcne Aerzte. Dietz hat in München die Kadettenschule de- sucht und soll es allerdings nur bis zum Fähnrich gebracht haben. Nach seinem Abgange vom Milttär war er zunächst Schaffner bei der Pfälzer Eisendahn und ttat später in den Eisendahnbureaudienst über. Er ist fett 1882 in Straftburg, und war hier bei der kaiserlichen Generaldirektion der Eisenbahnen für Elsaß' Lothringen viele Jahre als Hilfsarbeiter beschäftigt. Sein GeHall mag wohl, angesichts seiner zahlreichen Familie, er bat 12 Kinder, nicht sehr reichlich bemessen gewesen sein. Dieser Umstand mag ihn vielleicht veranlaßt haben, sein Vaterland an eine fremde Regierung gegen Bezahlung zu verrathen. Es sollen 18 Zeugen geladen sein. Zu diesen gehört in erster Linie der vielgenannte Cabannes, der bereits am Sonnabend von zwei Unterbeamtcn des Reichsgerichts aus dem Zuchthause zu Halle a. S. nach hier transportirt worden ist. Auch Freu Cabannes ist als Zeugin geladen. Diese soll ganz besonders de« Angeklagten Appel sehr belastet haben. Sie hat jedoch vor einiger Zeit ihr Domizil von Straftburg nach Paris verlegt und ist zu der gegenwärtigen Verhandlung nicht erschienen. Ferne». find als Zeugen geladen: Eisenbahn-Betriebs-Direktor Büttner, Kanzleirath Laads, die Betriebs- Sekretäre Ottlcpp, Ottlieb, Brocke und Fcssenmeyer, ferner der Rlltergutsbefltzer Freihett Hugo Zorn v. Bulach,(Sohn des bekannten Reichstagsabge- ordneten), im weiteren: der Untersuchungsrichter, Landrichter Äanzinger, Gerichtsaktuar Kern, ein Gefängniftaufseher, ei« Bankdirektor, ein Dienstmädchen u. s. w. Diese Zeugen find sämmtlich aus Straftburg i. E.— Als militärische Sachverständige sind geladen: Major v. Heeringen vom preuftischen Kriegsministerium und Hauptmann Budde vom groften General- stab. Die Verhandlungen finden, jedenfalls um der Orffentlick- keit den gröfttmöglichsten Spielraum zu gewähren, in der« groften Parterresaal des in der Harkortftrafte belegenen Land- gerichts Gebäudes statt. Es ist wiederum eine große Zahl vo« Zeitungsderichterstattern eingetroffen, denen, wie immer, gani vorzügliche Plätze eingeräumt sind. Den Gerichtshof bilden! Senalspräfident Drenlmann(Präsident), Senatspiäfident von Wolff und die Reichsgerichts- Räthe Thewalt, Schwarz, Kuck- hoff, Krüger, Dr. Petsch, Dr. Spies, Kienitz, Dr. Mittelstaedt, Schapcr, R-Hbein und Neiße(Beifitzende). Die kaiserliche Ober- Reichsanwaltschaft vettreten: Obcr-Reichsanwalt Teffendriff und Reichsanwalt Galli. Die Vertheidigung führen: Rechtsanwalt Dr. Deift(Leipzig) für Dietz. Rechtsanwalt Hacke(Leipzig)- für die Ehefrau Dietz und Rechtsanwalt Dr. Reinhard (Sttaftburg i. E.) für Appel. Die beiden elfteren find Ofstzial- der letztere dagegen Wahloertheidiger. Schon lange vor Beginn der Verhandlung dringt ein sei« gewähltes Damen- und Herren- Publikum in den Zusckauerramn. Kurz vor 9 Uhr Vormittags werden die Angeklagten auf die Antlogedank geführt. Dietz ist ein grofter, hagerer Mann mu grauem, echt mattialischem Schnurrbart und fast gänzlichem Kahl« topf. Seine Gattin ist eine ehrwürdig aussehende, mittelgroß« Frau. Einen imponirendcn Eindruck macht Appel. Es ist dies ein grofter Mann mit schönem, wohlgepflegten schwarzen Voll« hart und ebensolchem Haupthaar. Pünttlich 9 Uhr Vormittags erscheint der Gerichrshof. Präsident Drenckmann eröffnet Vit S tzung und srägt den Ober-Rnchsanwalt, ob er einen Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit zu stellen habe.— Obcr- Rcichsanwalt Tessendorff: Ich behalte mtt vor, einen Antrag auf tbeilweise Ausschließung der Oeffentlichkeit zu stellen. Es werden alsdann die Sachverständigen und Zeugen in de« Saal gerufen. Unter diesen befinden sich außer den bereits g«' nannten: der Staatsrath Klein, Mitglied des Landesausschuffcs für Elsaß- Lothringen, ehemaliger Bürgermeister von StraßburS im Elsaß.— Bei Feststellung der Personalien demettt Appel auf Befragen des Präfidenten, daft er nicht optitt, miihi« ��Mchcem der Protokollführer. Obersekretär Rösler, den An' klagebschluft verlesen, bcmertt Dietz auf Befragen des Präsidenten: Ich bekenne mich schuldig.— Präs.: Was veranlaß« Sie, die Ihnen zur Last gelegten Handlungen zu begehen?" Angekl.: Es war im Frühjahr 1883, da las ich in einer ZeituNt eine genaue Beschreibung von dem Bureau des reuseigueinent«' Ich beschloß, mich an das Bureau zu wenden, um meine matt rielle Lage etwas zu verbessern. Ich �versuchte, etwas an d» Bureau zu schicken und sandte die Verfügung, wonach die deutsc? Armee im Falle einer Mobrlmachung binnen 6 Stunden d« deutsche Grenze zu besetzen hat. Ich sandte damit meine Fca« nach Paris, glaubte, daß in Paris nur französisch gesprochen werde. Hätte ich gewußt, daft man im Bureau des reuseiga* iveats auch deutsch spreche, dann wäre ich selbst nach Paris gereist. Es wurde meiner Frau dort gesagt: Ich sollte nUj Sachen schicken, ein Preis könne nickt angegeben werden.«> komme auf den Wetth der geliefetten Sachen an. Ich habe iss folge dessen verschiedene Sachen gesandt. Inzwischen lernte i« Cabannes kennen. Diesem gab ich von nun an die Sache« Da ich nicht wußte. wann ich etwas hatte� so wurde zwischck mir und Eabanncs verabredet, in den in Sttaftburg erscheine«' den„Neuesten Nachr." eine Annonze aufzugeben:„Paul katt kommen". Dies war die Verständigung, daß ich wieder etw» hatte. Später habe ich die Sachen durch meine Frau in d« Wohnung des Cabannes gesandt. Präs.: Wir wollen jetzt zunächst einmal Ihre persönliches Verhältnisse feststellen. Ihr Vater war Kreisphyfikus in Cultt bach. Welche Schule haben Sie besucht?— Angekl.: Ä desuchte die Lateinschule in Bayreuth und trat dann& Freiwilliger in das 13. bayerische Infanterie-Regiment ei« Nach einigen Jahren wurde ich Korporal. Nach meinem M gang vom Militär war ich in verschiedenen Spiritusfabriken«o sckäftigt. 1868 wurde ich Schaffner der Pfälzer Eisenbab« später Burcauarbeiter. Wegen einiger Unterschlagungen wur°' ich im Jahre 1872 entlassen. Ich begab mich alsdann na» Straftburg, woselbst ich im technischen Bureau der Genera« dircttion der Eisenbahnen für Elsaß- Lothringen gegen Monatsgehalt von 120 Mark Anstellung fand. Ich W, 11 Kinder, von denen noch 3 die Schule besuchen.— Pia« Für wieviel Kinder haben Sie noch zu sorgen?— Angers Für drei.— Präs.: Nachdem Ihre Frau aus Paris zur«» gekehtt war, sandten Sie drei Sachen nach Paris, Ihre Frau nach Jgny-Avricoutt zur Post brachte?— Ang' klagter: Jawohl.— Präs.: Sie haben im Laufeder UntersuckÄ Ihre Aussagen verschiedene Male geändett. Zunächst haben& gesagt, Sie haben, nachdem Sie den Artikel über das Bnrean des renseignements gelesen, sich zunächst an den Obersten Vincent gewandt. Dieser schrieb �hnen: Sie sollten ihm zu- nächst eine Legitimation schicken, Sie haben ihm infolge dessen Ihren Veilobungsschein gesandt?— Angelt.; Das ist nicht wahr.— Präs.: Wann fuhr Ihre Frau nach Paris?— Angeklagter; Im Juli 1883.— Präs.; Sie haben also zunächst einen Erlaß geschickt, wonach im Falle einer Mobilmachung die deutsche Armee binnen sechs Stunden die deutsche Grenze zu besetzen hätte Wir wollen das einmal Grenzverstärkung nennen. Was schickten Sie dann?— Angekl.: Alsdann sandte ich eine Beschreibung über Zerstörungsobjekte und die Art der Zerstörung. — Piäs.: Im Ganzen haben Sie selbst drei Sendungen ge- wacht?— Angell.: Jawohl.— Präs.: Was betraf die dritte Sendung?— Angekl.: Das weiß ich nicht mehr.— Präs.: Unter welcher Adresse sandten Sie diese Dinge nach Patts?— Angekl.: Unter der Adresse:„Cordonnier, nie de gare 6, Paris". — Weshalb schickten Sie dann später Ihre Sacken durch Ca- bannes?— Angekl.: Im Januar 1883 kam Cabannes, den ich damals noch nicht kannte, zu mir und brachte mir für die drei Sendungen 1000 M. mit dem Bemerken, von nun ad alle Sachen ihm zu geben. Dies that ich auch.— Präs.: Was haben Sie nun alles an Cabannes gegeben?— Angekl.: Das weiß ich nicht mehr.— Präs.: Sie haben angegeben, daß Sie an Cabannes geliefett haben die Schienenlegung, Fahrpläne, die Einladung und Ausladung der Truppen, die Art der Vetthei- lung der Truppen, eine Beschreibung, wann und in welcher Weise die Lokomotive Wasser bekommt, eine untergeordnete Minenlegung, die Vorrichtung, um die Eisenbahnzüge über Steigungen und Abhänge zu führen ic.— Angekl.: Das ist richtig.— Präs.: Danach ist wohl anzunehmen, daß Sie dem Cadannes alles geschickt haben, was Sie erlangen konnten?— Angekl.: Alles, was ich zum Abschreiben bekam und für werth- voll hielt.— Präs.: Nicht nur das, was Sie zum Äbschrttben bekamen. Es ist festgestellt, daß Sie eine ganze Reihe von Schriftstücken an Cabannes geliefert haben, die Ihnen nicht zu- gänglich waren.— Angekl.: Ich habe nur das dem Cabannes gegeben, was mir zugänglich war.— Präs.: Run, wir kommen noch darauf zurück. Als Sie von Cabannes die 1000 Mark bekamen, da gaben Sie demselben eine Quittung?— Angekl.: Jawohl.— Präs.: Als Sie Ihre Frau nach Paris schickten, va wollte sich dieselbe dortseldst eine Anstellung suchen?— Angell.; Jawohl.— Präs.: Sie haben in Pnris eine Schwester wohnen, die an einen gewissen Mackenzie ver- heirathet ist; eine Tochter dieses Mackenzie ist an einen Grafen Parma verheirathet?— Angekl.: Jawohl.— Präs.: Mit welchem Namen unterschrieben Sie die Quittungen, die Sie dem Cadannes gaben?— Angekl.: Ich unterschrieb: „Dietrich".— Präs.: Auch die erste Quittung unterschrieben Sie mit Dietrich?— Angekl.: Das weiß ich nicht, ich glaube, drese unterschrieb ich mst„Dietz".— Präs.: Als Cadannes zum ersten Male zu Ihnen kam, da kannten Sic ihn nicht; deshalb verkehrten Sie mit ihm durch die Strahburger„Neuesten Ruch- richten".— Arnzell.: Jawohl.— Präs.: Wodurch lernten Sie schließlich den Cabannes kennen?— Angekl.: Ich sandte meine Kinder ihm nach, dadurch erfuhr ich seine Wohnung.— Präs.: Cabannes gab Ihnen einmal 200 M., einmal 400 M. und ein drittes Mal 500 M.?- Angekl.: Jawohl.- Präs.: Wie lange unterhielten Sie die Verbindung mit Cabannes? — Angekl.: Bis Anfang 1886 oder 1886.— Präs.: Weshalb brachen Sie mit Cabannes den Verkehr ab?— An- geklagter: Ich brach den Verkehr ab, als ich von seinem un- moralischen Lebenswandel Kenntniß erhielt. Ich hielt angesichts dieses Umstandes die Sache doch für zu gefährlich.— Präs.: Sie sagten einmal, Sie haben mit Cabannes gebrochen, weil Sie ihn im Verdacht hatten, daß er Ihnen das Geld, das Ihnen die französische Regierung gab, nur zum Theil ablieferte." — Angekl.: Davon bin ich noch heute uberzeugt."— Präs.: Danach scheint es, als habe weniger der unmoralische Lebens- wandel des Cabannes Sie veranlaßt den Verkehr mit ihm zu brechen?— Angekl.: Das ist doch der Fall.— Präs.: Das entschuldigt Sie auch gar nicht, dadurch kann man höchstens zu dem Schluß kommen: Sie haben den Verlehr mit Cabannes abgebrochen und sich alsdann direkt an die französische Regierung gewandt.— Angeklagter: Das habe ich nicht gethan.— Präs.: Wodurch erhielten Sie denn Kenntniß, daß Cabannes einen unmoralischen Lebens- wandel führt?— Angekl.: Ich wußte, Cabannes bezieht ein großes Gehalt, bekommt sehr viel Geld von Frankreich und trotzdem versuchte er noch bei mir Anleihen zu machen.— Präs.: Sie haben einmal an den Herrn Hauptmann Pudde vom Großen Generalstab aus dem Untersuchungsgefängniß einen Brief geschrieben. Dieser Brief lautet: Geehrter Herr Haupt- mann! Ich habe noch ein Geheimniß, das ich bisher ver» schwiegen habe, da ich geschworen, es nicht zu vcrralhen. Da dasselbe aber für das Deutsche Rrich von größter Wichtigkeit iit, so habe ich bereits meinen Beichtvater gebeten, mich dem Eide zu entbinden. Letzterer bedeutete mir jedoch, daß er dies nicht könne. Allein, wenn Sie, Herr Hauptmann, mir die Zusicherung geben wollten, daß von höchster Stelle die Unter- suchung gegen mich und meine Frau niedergeschlagen würde, so werde ich Ihnen das Geheimniß mittheilcn.— Im Westeren haben Sie bei dem Herrn Untersuchungsrichter in Straßburg einmal zu Protokoll gegeben:„Eines Mittags kann ich mir nicht erklären."— Nach einiger Zert erklärten Sie diese Ihre Aussage für ein Märchen.— Angekl.: Das war es auch. — Präs.: Welchen Grund hatte diese Ihre Erzählung?— Angekl.: Ich wollte nicht so häufig vernommen werden; ich überlegte mir jedoch, daß ich mich dadurch des Einbruchs geziehen habe und infolge dessen Zuchthaus zu erwarten hätte.— Präs.: Es find nun bei Ihnen drei Schlüssel gefunden worden. Von diesen paßt der eine zum Schrank des Direktors Büttner, der zweite zum Schrank des Kanz'-eiraths Laads, der dritte zum Schrank des Sekretärs Brocke.(Forts, folgt.) Prozeß wegen Verbreitung von Ftugblätter«. Stuttgart, 30. Jum. Am vorigen Freitag fand vor dem hiesigen Schwurgericht die Verhandlung statt gegen den 18jährigen Kauf- mann Fuchs, den 19jährigen Tischler Franke, den 23jährigen Tischler Rühle und den 24jährigen Tischler Püschel wegen Ver- breitung von Flugblättern, in welchen Majestätsbeleidigungen, sowie die Aufforderung zum Mord enthalten waren. Aus der Verhandlung, welche von srüh 9 Uhr bis Nachts 9% Uhr dauerte, nnb folgende Thatsachen zu konstatircn: Fuchs hat im Auf- trage des flüchiizen Anarchisten Schreiner Kämpf die Flugblätter gcschneben. Die Vervielfältigung derselben erfolgte durch einen sog. Zyllostrl Apparat. Wer die Vervielfältigung vorgenommen, ist nicht festgestellt. Franke hat eingestandenermaßen ca. 18 Adressen auf Kouverte geschti.ben, in welchen das Flugblatt ver- breitet wurde, u. A. auch an die Redaktion der„Württembcrgischen Lindeszcitung', welche der Polizei die erste Anzeige von dem er- schienenen Flugblatt machte. Rühle soll ebenfalls Adressen ge- schrieben haben, was nach Ausführung des Schretbverständigen, Oberlehrer Hartmann, als„höchst wahrscheinlich" anzunehmen sri. Bei Püschel wurde ein R.st Paprer gefunden, der mit dem P ipier, auf welchem das Flugblatt„Aus zur Nache!" gedruckt war, übereinstimmt. Fuchs und Frame find geständig, Rühke nnd Püschel bestreiten jede Thetlnahme an der Verbreitung. Fachs, Franke und Rühle wurden von verrn Rechtsanwalt Schickler, Paschel dagegen von dem Herrn Rechtsanwalt Schott, letzterer als Offizialvertreter, vertheidigt. Der Gerichtshof war z isammengesetzt aus den Herren Landgerichtsrath Weisser als Vorsitzender, Landrichter Goldmann und Amtsrichter Gunzler; Vertreter der Staatsanwaltschaft war Herr Staatsanwalt Hmschncr. Wir müssen hier konstatiren, daß wir noch nie einer politischen Gerichtsverhandlung beigewohnt haben, in welcher von allen Seiten mit derselben Ruhe und Objeltivität vorgegangen wurde, wie in dieser; die Leitung der Verhandlungen durch den Vorsitzenden machte allseitig den wohlthuendsten Eindruck. Nach- dem die Geschworenen die Schuldfrage bei Fuchs betr. der Majestätsbeleidiaung, sowie diejenige der Beihllfe zur Auf- forderung zum Mord bejaht, ebenso bei Rühle und Paschel die letztere Frage als zutreffend, dagegen bei Franke sämmtliche Fragen verneint hatten, beantragte der Vertreter der Staatsan- woltschaft gegen Fuchs 5 Monate und gegen Rühle und Püschel 4 Monate Gcfängniß, je unter Anrechnung eines Theils der erlittenen Untersuchungshaft. Der Vertheidiger Schickler plädnte in glänzender Rede bei Fuchs auf Erlenntniß von Festungshaft, bei Rühle auf Freisprechung; desgleichen Rechtsanwalt Schott bei Püschel. Das Üriheil des Gerichtshofes lautete gegen Fuchs auf 5 Monate, gegen Rühle auf 2 Monate, gegen Püschel auf 2 Monate 15 Tage Gefängniß, gegen Franke auf Freisprechung. Bei Fuchs und Rühle gegen 2 Monate, bei Püschel U Monate der erlittenen Untersuchungshaft ab. Franke und Rühle wurden demgemäß sofort in Frei- heit gesetzt, die beiden andern wandern nach Rottenburg, um dort den Rest ihrer Strafe abzusitzen. Aua der Provinz Sachse» wird dem„Berl. Tagcbl." geschrieben: Ein recht eigenthümlicher Prcßprozeß ist kurzlich gegen den Verleger einer größeren Zeitung unserer Provinz an- hängig gemacht worden. In der detreffenden Zritung waren in letzterer Zeit fcuilletonistische Aufsätze aus der Heimathskunde jener Gegend veröffentlicht worden, die sehr beifällig aufgenom- men wurden. In der letzten Abonncmentseinladung versprach nun der Verlag der Zeitung, mit dem Abdruck dieser Artikel auch im neuen Quartal fortfahren zu wollen. Da dies aber bis jetzt nicht geschehen ist, stellte ein Abonnent der Zeitung bei der königlichen Staatsanwaltschaft Strafantrag gegen den Zettungs- Verleger wegen Betrugs. Er setzte auseinander, daß er nur in Erwartung der versprochenen Artikel aus der Heimathskunde auf die Zeitung abonnirt habe, dies nicht gehaltene Versprechen sei eine„Vorspiegelung falscher Thatsachen," mittelst wel- cher sich der Verleger durch Gewinnung neuer Abon- nenten einen unerlaubten Vermögensvortheil verschafft habe. Der Verleger gab zu, das erwähnte Versprechen in der Abonncments-Einladung gegeben zu haben in dem guten Glauben, es erfüllen zu können; der Verfaffer jener Artikel, ein auswärts wohnender Lehrer, habe ihm aber in diesem Quartale kein weiteres Manuskript geschickt; sobald dies geschehen, werde es abgedruckt werden. Der nun gleichfalls gerichtlich vcrnom- mene Verfasser der Feuilleton-Artikel bestätigte diese Mittheilung und erklärte, daß er allerdings das Versprechen, jene Artikel fort- zusetzen, gegeben habe, ohne sich indeß an eine bestimmte Frist zu binden; er habe in diesem Quartale bis jetzt keine Zeit dazu gehabt, werde aber weiteres Manuskript senden, sobald es ihm möglich sei.— Bemerlenswerth ist hierbei, daß der Staatsanwalt des Landgerichts von vomherein die Strafverfolgung ab- gelehnt und erst auf Anweisung des Ober- Staatsanwalts, be welchem sich der Denunziant wegen dieser Zurückweisung be- schwert hatte, dem Strafantrag Folge gegeben hat. Auf die weitere Entwickelung dieser Frage darf man gespannt sein. Todrvurthril. Kiel, 29. Juni. Das Kieler Schwur- gericht hat während seiner diesmaligen Tagung auch ein Todes- urtheil gefällt. Dasselbe wurde gegen den 2Sjäbrigen Mattosen Dunkelmann ausgesprochen, der vor ungefähr Jahresfrist eine Frau Wüpper, wohnhaft in der Friedenssttaße, durch zwei Re- volverschüsse ermordet und sodann beraubt hat. Wegen Bei- Hilfe wurde die Tischlersfrau Ehlert zu 4 Jahren 9 Monaten Zuchthaus und 6 Jahren Ehrverlust verurtheill. Koziales nndArbeiterveniegimg. Die Metall- Schrauben-«ud Faroudrehev der Firma Erdmann und Groß, Brandenburgstraße 80, haben die Arbeit niedergelegt und bitten die Kollegen, den Zuzug fernzuhatten. Die Kommission. Kereine»ud Nersammwngen. Ein« öffentliche Versammlung der Stellmacher tagte am 27. Jum unter Vorsitz des Herrn Geelhaar im Saale des Herrn Fey, Brunnenstr. 140. Auf der Tagesordnung stand: Die Thütigkeit des Jnnungsgesellen-Ausschuffes und wie verhalten sich die Stcllmachcrgescllen Berlins zur devorstehenden Aus- schußwahl? Herr Me.zel legte zunächst klär, inwieweit der Aus- schuh seine Tbätigkeit auszudehnen hat, und daß derselbe den Vermittler zwischen Meistern undiGesellen, aber nur solchen, welche bei Jnnungsmeistern arbeiten, zu spielen habe. Zu einer Wieder- wähl könne er(Redner) seine Zustimmung nicht geben, indem der Ausschuß bisher noch nichts zu Gunsten der Gesellen aus- gerichtet habe. Die weitere Debatte, an der sich eine große An- zahl Redner betheiligten, die sich sämmtlich den Ausführungen des Vorredners anschloffen, hatte zur Folge, daß folgende Resolution einstimmig angenommen wurde:„Die heutige öffentliche Versammlung der Stellmachergesellen Berlins erklärt: In Erwägung, daß der Jnnungsgefellen-Ausschuß bis jetzt den gerechten Forderungen der gesammten Gesellen- schaft nicht entsprochen hat, sich an der demnächst stattfindenden Neuwahl des Ausschuffes nicht zu betheiligen, und fordert zu- gleich alle Kollegen auf, sich diesem Beschlüsse anzuschließen." Der zweite Punkt der Tagesordnung,„Gewerkschaftliches", gab ebenfalls Anlaß zu einer regen Debatte, in welcher vorauf hin- gewiesen wurde, daß von den Errungenschaften der letzten Lohn« dewegung keine Spur mehr vorhanden sei. Die lOstündige Arbeitszeit wäre gänzlich verschwunden; die Meister halten sich mit solchen Gesellen, welche an derselben festhalten wollen, nicht lange auf und der starke Zuzug, sowie der Jnnungs Arbeitsnachweis, welcher so viel zu wünschen übrig läßt, begünstige die Meister bei ihrem Vorgehen. Doch müßten die Gesellen nun bald eingesehen haben, daß sie durch den genannten Arbests- Nachweis von Tag zu Tag mehr geschädigt werden. Haupt- [Schlich das Kontrolbuch trage hierzu viel bei. Darum sei es Pflicht jedes denkenden Stellmachergesellen, nur den Arbeits- Nachweis der Vereinigung, Blumenstraße 66, in Anspruch zu nehmen. Es wurden die Kollegen aufgefordert, um das Gcwerk vor dem gänzlichen Untergänge zu bewahren und dem Sinken der wirthschaftlichen Verhältnisse einen Damm entgegenzusetzen, sich zahlreich der Vereinigung anzuschließen. Ein Antrag, in nächster Zeit in einem anderen Stadttheil eine Versammlung einzuberufen, wurde angenommen. Die Kollegen werden er- sucht, zu dieser Versammlung zahlreich zu erscheinen. Das Weitere wird noch bekannt gegeben werden. Nach Erledigung dieses Antrages wurde die Versammlung geschlossen. Eine Versammlung der Maurerarbeitsleute war zum 30. v. M. Abends nach dem Louisenstädtischen Konzert- Hause einberufen worden, um Stellung zum Windensystem zu nehmen. Die Versammlung fand unter Vorfitz des Herrn Noack statt, war aber verhältnißmäßig mangelhaft besucht, ein Um- stand, der von Herrn Rcnnthaler darauf zurückgeführt wurde, daß die polizeiliche Genehmigung zur Abhaltung der Versamm- lung erst am Abend vorher eingetroffen, es daher unmöglich war, die Versammlung öffentlich bekannt zu machen. Er hielt die zur Tagesordnung stehcnde Angelegenheit aber für zu wichtig, um dieselbe in einer schwach besuchten Versammlung zu erö:tern, und empfahl demzufolge Vertagung der Versammlung. Emde- rufung einer neuen Versammlung, Bekanntmachung derselben durch Plakate und Flugblätter und Wahl einer Kommission zur Ausführung dieser Beschlüsse. Herr Wallcnthin war entgegen- gesetzter Ansicht und hielt eine kurze Erörterung für sehr wohl am Platze. Ohne direkt auf das Windensystcm einzugehen hielt er doch dafür, daß die Windemaschinen zum Hinaufschaffen der Steine auf den Bau dem Unternehmer keinerlei Segen oder Vortheil brächten, indem sie, an sich schon sehr theuer, durch die vielen erforderlichen R-paraturkosten noch ungemein vertheuert werden. Der einzige Vortheil bestände höchstens darin, daß die Maschine nicht gleich bezahlt zu werden brauche, sondern in längeren Raten, der Bauunternehmer also mit dem Gclde nicht so gedrängt werde. Die Arbeiter an der Maschine erhielten auf dem Bau, von dem Redner sprach, 35 Pf. pro Stunde bei an» gestrengtester Arbeit. Einen solchen Lohn hielt der Redner für einen Mamerarbeitsmann für zu gering, um seiner Familie, sowie Staat und Kommune gerecht werden zu können. Hierzu sei mindestens ein Stundenlohn von 50 Pf. erforderlich. Dies müsse erstrebt und erreicht werden durch eine Organisation. Der Grundstein zu derselben sei bereits gelegt in dem Fachverein der Steinträger. Ein Fehler sei es, daß der Verein, welcher sämmtliche Maurer- arbeilsleute umfassen solle, den genannten Namen führe. Er empfahl den Beitritt zu demselben und die entsprechende Aende- rung der Firma des Vereins. Herr Knadt hielt es für den Zweck der Versammlung, weniger von den Steinträgern zu sprechen, als gerade über die soziale Nothlage derjenigen Arbeits» leute zu sprechen, welche für Hungerlöhne arbeiten und mit deren Hilfe die Steinträger gänzlich von der Bildfläche verschwinden gemacht werden sollen. Vielfach würden die Maurer in Akkord, die Arbeitsleute aber In Lohn beschäftigt. Es sei dies ein äußerft feiner Schachzug, indem hier ein Ärbester gegen den anderen ausgespielt werde. Der Akkordarbeiter arbeite aus Leibeskräften, um nur zu seinem Tagelohn zu kommen, und müsse demzufolge viel Material verarbeiten. Der Arbeitsmann müsse nun eben» falls aus Leibeskräften arbeiten und zwar zu einem Hungerlohn von 30, 27t, 25, ja 224 Pf. pro Stunde, wie fpäterhm kon» statirt wurde. Diese Arbeiter aus ihrem Schlummer zu wecken und zur Erkenntniß ihrer Lage zu bringen, müsse die wichtigste Aufgabe sein. In Altona z.B. arbeiten die Maurerarbeitsleute, wie Herr Wallenthin anführte, 9t Stunden pro Tag bei einem Stundenlohn von 55 Pf. Trotzdem Berlin Rcichshauptstadt sei,. würden hierseldst doch keine„Reichshauptlöhne" gezahlt. Die eigentliche Tagesordnung wurde vertagt und dem Antrage des Herrn Rennthaler gemäß eine Kommission gewählt zur Emde» rufung und Publizirung einer neuen Versammlung der Maurer- arbeitsleute von Berlin. Der Fachverein aller tu der chirurgischen Branche beschäftigte« Kerufsgenojse« hielt am 25. Juni eine Ver- sammlung ab. Zunächst wurde ein Anttag des Herrn Zeise, den Zugereisten ein kleines Geldgeschenk zu gewähren, ange- nommen. Darauf verlas Herr Schmädicke die durch die Sta- tistik ermittelten Arbeitsprcise für Arbeiten auf Gummiartikel. Herr Krause stellte den Antrag, den streikenden Schmiedegesellen 15 M. Unterstützung zu bewilligen: da aber die Kasse äugen» dlicklich sehr schwach ist, wurde der Anttag abgelehnt. Nachdem der Frazekasten erledigt, wurde die Versammlung geschlossen. Eine öffentliche Versammlung der Schmiede Kerlin«, welche am 30. Juni, Abends 9 Uhr, stattfand, be» schäftigte sich mit der Tagesordnung: Wie Verhalten wir uns zur Weiterführung des Streiks? Es wurde von sämmtliche« Rednern detont, daß der Streik unter allen Umständen noch auf» recht erhalten werden müsse, da die letzte Meisterversammlung so recht drastisch die große Uneinigkeit unter den Meistern be- wiesen habe. Nach dem eigenen Geständniß der Meister, wäre der größte Theil der Werlstätten durch Zugereiste besetzt. Es wurde ferner angeführt, daß, wenn die Streikenden, welche die besten Kräften Berlins repräsentiren, nur noch eine kurze Zeit aushalten, die Meister ihnen unbedingt Konzessionen machen müssen. Von anderer Seite wurde ausgeführt, daß viele hiesige Kollegen durch ihren Jndifferentismus an dem bis jetzt negativen Erfolg Schuld wären, und wurde darauf hingewiesen, daß die materielle Unterstützung dem Streikenden bisher nur in ge» ringerem Maße zu Theil werden konnte, da die Arbeiter doch nur von der Hand bis in den Mund leben; alles dieses wären Umstände, mit denen zu rechnen sei. Es wurde beschlossen, den Streik unverändert weiier zu führen und nur in den Werk- stätten die Arbeit aufzunehmen, wo die Forderung der Gesellen dewilligt ist. Vereinigung der Drechsler Deutschland«(Ortsver- waltung Berlin I). Versammlung heute, Dienstag, Abends 8% Uhr, in den„Jndustriehallen", Mariannenstraße 31—32. Tagesordnung: 1. Geschäftliches; 2. Wahl des Vorstandes; 3. Aufstellung einer Berufsstattstik; 4 Verschiedenes. Verband deutscher Zimmerleute. Lokalverband„Berlin >1 Mittwoch, den 4. Juli. Abends 8j Uhr, in Limmer- mann's Lokal, Köslinerstr. 17, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Die Verschmelzung der örtlichen Lokalverbände. 2. Abrechnung. 3. Jahresbericht. 4. Neuwahl des Vorstandes 5. Verschiedenes und Fragekasten.- Der Lokalverband„Berlin Sud" hält am Donnerstag, den 5. Juli, in den„Industrie- hallen", Mariannenstt. 31, eine Generalversammlung ab. Tages- ordnung: 1. Abrechnung der Lokalkaffe. 2. Neuwahl des Vor- standes. 3. Verschiedmes und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. «effentiiche Versammlung der Steindrucker und Lithograph-« heute, Dienstag, Abends 8t Uhr. in Mundt's Salon, Köpnickerstr. 100. Tagesordnung: 1. Vortrag über: „Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft in unserer Branche". 2. Diskusston. Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. Sranken-Unterstühungsbund der Schneider. Heute. ig, Abends 8t Uhr, Kommandantenstraße 20(Armin- Hallen): Versammlung. Tagesordnung: Abrechnung vom 1. Quartal 1888 und Verschiedenes. Geffentlichr Versammlung der Töpfer K-rlin« und Umgegend Mittwoch, den 4. Juli, Abends 6t Uhr, im König- stadt-Kafino, Holzmarltstr. 72(Ecke Alexanderstraße). Tages- ordnung: Unser Lohntarif. Zur Deckung der Unkosten Enttec nach Belieben. Vauverein Berliner Bildhauer, Annenstt. 16. Heute, Dienstag, Vortrag des Herrn Kand. Julius Steinschneider über: „Der schwarze Tod." Zentral-Arankeu- und Kterbekaffe der Maler und oerw. Bemfsgenossen Deutschlands.(E. H. 71.) Berlin O., Filiale II. Heute, Dienstag, Abends 8t Uhr, im Lokale des Herrn Göttel, Andreasstr. 34, Mitgliederversammlung. Tages» ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag. 3. Verschiedenes. Die nächste öffentliche Schneiderversammlnng findet Montag, den 9. Juli, in Gratwcil's Bierhallen, Kommandanten- straße 77—79, statt. Auf der Tagesordnung steht: Wahl der Delegirten zum Kongreß. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich in der Versammlung zu erscheinen. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am Dienstag. Gesangverein„Gutenberg" Abends 8t Uhr im Restaurant Quandt, Sttalauersttaße 43.— Gesangverein„Alpenglühen" Abends 9 Uhr im Restaurant Hildebrandt, Prinzenstraße 97.— Schäfer'scher„Gesangverein der Elfer". Abends 9 Ubr bei Wolf und Krüger, Skaliyerstraße 126, Gesang.— Männergesangverein„Gartenlaube" Abends 9 Uhr im Restaurant Firk, Kottbuserstraße 22.— Männergesangvercin„Steinnelke" Abends 9 Uhr im Restaurant Schulz, Stettinerstraßc 66 57. — Gesangverein„Harmonie" Abends 8 Uhr in Neukam's Bierhaus, Große Frankfurterstraße 49.— Männergesangverein „Echo Ii" Abends 9 Uhr im Restaurant„Zum Flügel", Loch» ringersttaße 60.— Gesangverein„Sängerhain" Abends 9 Uhr im Rest. Kaiser Franz Grenadierpl. 7.— Gesangverein„Hoffnung Moabit" Abends 8 Uhr Wilsnackcrstraße 63, im Restaurant Jlgcs.— Gesangverein„Felicitas" Abends 9 Uhr im Restaurant Nebelin, Langestr. 108— Gesangverein„Liederlust" Abends 9 Uhr im Restaurant Lehmann. Naunynstr. 44.— Männergesangvercin „Accordia" Abends 9 Uhr bei Ärademann. Marfusstt. 7.— Zitherllub„Ämphion" Abends 9 Uhr in Triebel's Restaurant, Hoher Steinweg 15.—Turnverein„Froh und Frei"(Männer» abtheflung) Abends 8t Uhr Bergstraße Nr. 57.— Berliner Turngenossenschaft(V. Männcrabthcilungi Abends> 8t Uhr in der städtischen-Turnhalle, Wafferthor-- straße Nr. 31.— Turnverein„Hasenhaide"(Männer» Äbthcilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstr. Nr. 60 61.— Verein ehemaliger Schüler der 37. Gemeindeschule Abs. 9 Uhr im Rest. Kinner, Köpnickerstt. 68.— Verein ehemaliger Schiller der 44. Gemeindeschule Äbd. 9 Uhr im Restaurant„Albrechtsgarten", Wilhelmstraße 105.— Arcnds'scher Stcnographenvcrein„Apollobund" Abends 8% Uhr Brunnenstraße 129 a.— Äreud'scher Stenographenverein Abends 8& Uhr im Restaurant„Zum eisernen Kreuz, Lindenstraße 71.— Deutscher Verein Arends'scher Stenographen Abends 8t, Uhr in Randcl's Restaurant, Brunnen- ftmße 129a.— Verein„Rose" Abends 8z Uhr im Restaurant Eltze, Alexandrinenstr. 99.— Unterhaltungsverein„Harmonie" Abends 8 Uhr Wrangelstr. 136, im Restaurant Schimpke.— Bergnügungsverein„Mollig" Abends 9 Uhr im Restaurant Reinicke, Gipsstraße 3, jeden Dienstag nach dem 1. und 15. — Rauchklub„Zum Wrangel" Abends 8 Uhr bei Herschleb, »daldertstraße 4.— Rauchklub„Deutsche Flagge" Abends S Uhr im Restaurant Händler, Wrangelstr. 11.— Rauchklub .Friedrichshain" Abends 9 Uhr im Restaurant Kipping, Lands- dergerstr. 116a.— Rauchklub„Lustige Brüder" Abends 3* Uhr bei Grothe, Fürstenbergerstr. 2. Kleine MittheUnngen. Stockholm. 27. Juni. Der Schaden, welchen die große Feuersbrunst in der Stadt Sundsvall angerichtet hat, beträgt noch ungefährer Schätzung 30—40 Millionen Kronen. Wie viel Geld in der Postkafse verbrannt ist, weiß man noch nicht. Da Sundsvall eine im starken Aufblühen begriffene Handelsstadt war, so darf man annehmen, daß die Summen, welche in den Handelsgeschäften verloren gingen, recht erheblich find. Die Stadt unterhält namentlich emen starken Holzhandel. Sie befitzt etwa 125 Schiffe, von denen die im Hafen liegenden, wie die zahlreichen anderer Nationen, glücklicherweise keinen großen Scha- den erlitten haben. Der Umstand, daß in Schweden noch fast allgemein die Häuser aus Holz gebaut find, ist für ganze Land- striche verhängnißvoll geworden. Jede laufende Post bringt noch neue Unglücfäbotschaften. Namentlich sind es die Städte Umea mit 3000 Einwohnern, Holmsund, Falun und Sola, sowie Lille Cdet bei Gothcnburg, die eingeäschert worden find. Sei langen Fahren hat in Schweden keine so verheerende Feuersdrunst ge- wülhet, wie diejenige von Montag. Es tobte ein furchtbarer Orkan durch das Land, der vermuthlich Funken aus den Schomsteinen der Häuser trieb und so den Brand ver- wsachte. In Sudsvall ist das Feuer am Mittag in der Blomberg'schen Filiale aufgegangen. Um 5 Uhr Nachmittags war schon der ganze westliche Theil der Stadt ein Flammen- meer. Die meisten öffentlichen Gebäude find ein Raub der Flammen geworden.— Gestern Nachmittag rückte Militär in Sundsvall ein, um mit den Abräumungsarbeiten zu beginnen. Mit Extrazügen und Dampfern trafen ferner 100 Baracken und 700 Betten ein. Von größeren Gebäuden ist auck die Bank ab- gebrannt. Ihre Gelder konnten gefichert werden. Dagegen haben die meisten Einwohner von Sundsvall nur das nackte Leben gerettet. Etwa 14 Millionen Kronen sollen an Privateigenthum vernichtet worden sein. In Umea, wo die Telegravhenleitung zerstört ist, sollen sämmtliche Archive verbrannt sein. In Sunds- vall wurden solche gerettet. Bei Svartvick find große Wald- bestände vernichtet worden. Kurth, 28. Juni.(Opfer des Wolkenbruchs.) Eine am 26. d.M. bei hiesigem Orte im Rhein gelandete weibliche Leiche iü als die Ehefrau eines Krambudenbefiyers aus Kruft, welche bei dm letzten Wollenbrüchen im Brohlthal vergangenen Sonn- abend ums Leben kam, anerkannt. Die betreffenden Leute. Mann und Frau, hatten in Brohl eine Kramdude aufgestellt und trieben in der Schreckensnacht mitsammt der Bude fort; der Mann rettete fich noch, als er bereits bis in den Rhein getrieben war, durch Schwimmen, während die Frau ein Opfer der Wellen wurde. pari«, 29. Juni(Hauseinstuq.) In der Cits Riverin, einem düsteren Häuserkomplex in der Nähe der Porte-Saint Martin, stürzte diese Nacht ein Haus ein oder viclmehr es klaffte, weil es auf der einen Seite, wo zur Grundlegung eines großes Gebäudes gegraben wird, nicht gestützt war, und fiel zur Hülste in die Grube hinunter, zwei Stockwerke mit dem Erdgeschoß, während die andere Hälfte an dem Nachbarhause kleben blieb. Hier konnte fich einer der Einwohner, Namms Klein, der im Augmdlick des Krachms aus feinem Bette sprang, noch an einen Balken hängen, aus welch unbc- quemer Stellung er erst nach längerer Zeit erlöst wurde, wäh rend die übrigen Miether, sieben Personen, mit den Mauern in die Tiefe fuhren. Auf die erste Kunde von dem Unglück eilte die Löschmannschaft der Maine des 10. Arrondiffcments herbei, aber in der Verwirrung obne Windlichter, wodurch die Rettungs- arbeit verzögert wurde. Vier der Ausgegrabenen wurden nach dem nahen Hospital Saint-Louis geschafft, ein fünfter, Namens Aron, war mit dem Schrecken und leichten Hautabschürfungen davongekommen. London» 28. Juni.(Schiffsunglück.) Es wird stark be- zweifelt, od das bei Kap Agulhas untergegangene Fahrzeug ein Auswanderelschiff war. Es wird vielmehr geglaubt, daß es ein auf der Heimreise begriffener Kauffahrer war, in welchem Falle nur wenige Paffagiere an Bord desselben ge- wesen sein dürften. Literarisches. Der in seinem 13. Jahrgang vorliegende„Uene Meli- Kalender fnr 1889'(Stuttgart, I. H. W. Dietz) enthält ri. A.: Kalendarium.— Ein sechszehnmonatlichcr Rückblick.— Messen und Märkte.— Im Kreislauf des Jahres(mit BUd).— Beatrice Cenci(Ponrait).— Um ein Haar. Erzäh- lung von H. v. Zülow.— Der alte Becker(mit Porttait).— Die Spieler(Bild).— Von dem Einfluß der Sonne und des Mondes auf das Wetter der Erde. Von Osw. Köhler.— Weil's mi freut. Gedicht mit Illustration.— Beim Pfandleiher(Bild).— Bleibe dir selbst getreu. Erzählung von H. Robert.— Sängerspruch. Gedicht von I. Audorf.— Die Samenbildung bei den Pflanzen und die Einheit der Zcugungsart im Pflanzen- und Thierrcich. Von Prof. Dr. A. Dodel-Port (mit Illustration).— Allerlei Wunder(mit Illustration).— Gedenkblatt an I. v. Eichendorff.— Der stille Schuster. Er- Zählung von E. Werner(illustrirt).— Dr. Adolf Douai(mit Portrait).— Wilhelm Hasenclever(mit Pottrait).— Max Kayscr (mit Portrait».— Ein mufikalischer Bäckerlehrling. Erzählung von Clara Reichner.— Fliegende Blätter(illustrirt).— Rebus, Räthsel rc.— Hierzu 4 Kupfer: Lieber Besuch— Was sich liebt, das neckt fich— Sommerlust— Winterabend.— 1 Wandkalender. Uo« der„Neuen Zelt", Stuttgart, Verlag von I. H. W. Dietz, ist soeben das siebente Heft des 6. Jahrgangs erschienen. Abhandlungen: Schutzzoll und Freihandel. Vv> a.1 s e d r i ch Engels.— Boulanger und die franzöfischa Sozialisten.— Ulrich von Hutten. Von Max Vogler (Schluß�)— Preußisch-deutsche Literaturgeschichte. Von Ma» fr e VW rt 1 1 ch.— August Strindberg, ein schwedischer Realiß Von Gustav F. Steffen.— Literarische Rund- Saf""'"""wich. R-iw- Wi- i» Telegraphische Depesche«. (Wolsfls Telegraphen-Bureau.) Hamburg. Montag, 2. Juli. Der Postdampfel „Rhenania der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Attien- gcsellschaft ist, von Hamburg kommend, gestern in St. Thomal eingetroffen. Pari«. Montag. 2. Juli. Bei der gestern im Departe- ment Charente stattgehabten Stichwahl erhielten Gillidert (Bonapartist) 37 714 Stimmen, Weiler(Opportunist) 26 93t und Teroulöse(Boulangist) 11 691 Stimmen.— Bei dei gestrigen Wahl in Loiret erkielten Lacroix(radikal) 21868 Stimmen, Deichtal(Opportunist) 20 526 Stimmen, und Dumal (konservativ) 24010 Stimmen; es hat somit eine Stichwahl stattzufinden. v Montag, 2 Juli. Rouvier ist zum Prästdcnte» der Budzetkommrsfion mit 21 gegen 7 Stimmen gewählt worden. Rouvier erklärte, die Kommission habe keinerlei politischen Cha- rakter; ihr komme nur zu, gute Finanzen und Ersparungen zu erzielen und die Arbeiten zu beschleunigen, damit das Budget vor Schluß des Jahres genehmigt werde. Kriefkaste« der Redaktion. »«i»nfragm bitten wir die«bonn-mentb-Outttuna beiiufüaen.»rieflUH Antwort wird nicht ertheilt. Sprechstuuden der Redaktlo« «ur von 13-1 Uhr Mittags und 7-8 Uhr Abrud«. Solmsstr. Ihre Einsendung ist uns gänzlich un- verständig. Was Ihre Fragen anbetrifft, so wissen wir nicht wieviel Militär Rutland, Frankreich, Oesterreich. Englant Italien und wieviel Marine die betteffenden Länder ins Fe* stellen können.— Der Steuerer Heber ist in seinem Recht. W- A. Königsbrück. Der Austritt aus einer Religions' gememschatt muß persönlich vor dem Amtsgericht des Wohnfitzös des Betreffenden erklärt, vorher aber die Anberaumung eines Termins hierfür beantragt werden. Außer Schreib- und Stein- pelgebuhren entstehen keine Kosten. Der Austritt befreit nicht von Zöblung der bereits zur Hebung gestellten oder der für dal nächste Jahr zu erhebenden Kirchensteuer. Erst vom zweitnäcksten Jahr ab böit diese Verpflichtung auf. Auf Wunsch erhalte» Sie eine Bescheinigung über den erfolgten Austritt aus der Religionsgemeinschaft. „„S. A.. 7. 1. Im Königreich Sachsen giebt es kein Kü« rasster- Regiment. 2. Das Eisenbahnrcgimcnt hat vier Bo» tatllone. L. A. i« Kt. Wir haben Ihren Brief Herrn C. H. zu- gestellt: jedenfalls wird er Ihnen antworten. Fachverew der Posamentiere «nd Kerufsgenssse». Godesanzeige. Nach längerem Leiden ist unser werthes Mitglied und Kollege Herr[1432 H Lemke sanft entschlafen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, Abends 6 Uhr, von der Leichmhalle des Thomaskirchhofes aus statt. ES bittet um rege Betheiligung Der Vorstand. M atscl Zimerlente (Lokalverband Berlin Uord). Mittwoch, den 4. Juli, Abends 8& Uhr, im Lokale von Zimmermann, Köslinerstr. 17: Generat- Versammlung. Tag es-Ordnung: 1. Die Verschmelzung der örilichen Lokal« Verbände.[1427 2. Abrechnung. 3. Jahresbericht. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Alle Mitglieder werden ersucht, pünttlich zu erscheinen. Der Vorstand. Oeffentl. Versammlung der Töpfer Berlins u. Umgegend Mittwoch, d. 4.Juli. Abends6iUhr. im Königstadt-Kastno, tzolzmarklstt. 72, Ecke Alexanderstraße. Tages- Ordnung: Unser Lohntarif. Zur Deckung der Unkosten Entree nach Be« lieben. 1420 Der Einberufer. Fachv. sämmtl. an Holzbearbeitungö- Maschinen beschäst. Arbeiter. General-Uersammlung am Montag, d. 9. Juli er., Abends 8% Ubr, im Lokale des Herrn Saegcr, Grüner Weg 29. Tages-Ordnung: 1. Vierteljahres-Äericht. 2. Innere Verrins- Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. 4. Frage- kästen. Gäste willkoinmen.! Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreichen Besuch btttet 1429 Der Vorstand. Verband deutscher Mechaniker «. verm. Lerufsgr«.(Zahlstelle K-rlin.) Versammlung am 4. Juli, Abends 8; Uhr, bei Lammer's, Kommandantenstr. 71—72. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Quartal 1888 und Bericht der Revisoren. 2. Vor- trag des Elektrikers E. Raub über„Thermo- fäule". 3. Diskusfion. 4. Verschiedenes. 5. Fragekasten. Gäste willkommen. Um recht zahlreichen Be- such bittet 1428 Der Vorstand. (X) @4)« i Z "i"4PDSslioäeD-&lasDr-Laci-FarI)e troelcnet in 4— 5 Stunden hart und glänzend, Und in to kurzer Zelt,_,„------ getrocknet. trocknet in 4— 5 Stunden hart und glänzend, macht das Ueberlackieren überflüssig. Das unangenehme Kleben ist vollständig ausgeschlossen. sse Wltserime hat keinen Einflu«-n.f meine barbe. Aufträge führe nur gegen vorherige Einsendung des Betrages oder gegen Nachnahme aus. Preis ä Pfund 75 Pfennige. Jo dos ist Sutep'sdie Fiissindsi- Glasur-üick-Farbe und kostet mtr 75 Pf dos Pfimd. Ii ;s R. J. Suter, 5 Berlin N., _ Zionskirchstr. 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Im volksthümlichen Tone ge- halten und nach dem Grundsatz:„Alles für das Volk und Alles durch das Volk", nur auf die Interessen des arbeilenden Volkes bedacht, tritt fie entschieden ein für durchgreifende soziale Reformen auf wirthschafllichem Gebiet und eine frei« heitliche Entwickelung auf politischem Gebiet. Die Nord Wacht" Reichstags- und Landtagsberichte, eine umfassende politische Ueberficht, genaue Be� richte über alle Vorgänge auf gewerkschaftlichem Gebiet, über Krankenkassmwesen rc., eine gediegene Unterhaltungslektüre sowie Original- Korrespondenzen aus allen Theilen Deutschland. Der Arbeiterbewegung aller Länder widmet„Die Nord- Wachst' ihre ganz besondere Aufmerksamkert und orientirt ihre Leser über alle dies- bezüglichen Vorgänge. DiC ist in der Postzeitungsliste im achten Nach- «MM»« WM— mm WM VMM» trage unter Nr. Abonnements nehmen alle Kaiserlichen Postanstalten, die [ Kolporteure entgegen. Zu zahlreichem Abonnement ladet ein Kebabtion und Uerlag der„Nord-Maüit". » eingetragen. Filialexpeditionen und 1430 j9Die em wöchentlich dreimal in Chemnitz, Sachs««» grögte» Industriestadt, erscheinendes hlßtt, hat es fich zur Aufgabe gemacht, alle die Arbeiterbewegung und die Arbeiterpartei berührenden Vorkommnisse, ebenso aber auch sonstige politische Ereignisse mitzutheilen. <311* MfienV« dringt daher alle Erscheinungen über Lohnverhättniffe. Arbeitszeit» zzUMk sonstige Arbeitsbedingungen, Streiks und Lobnkämpfe, berichtet über Vereins- und sonstige Versammlungen, behandelt die wirtbschafilichen Fragen eingehend in Korrespondenzen und Leitartikeln und in derselben Weise die politischen Tages« fragen. Zlf* bietet sowohl in einem gewählten Feuilleton wie in einer beigegebene» v Gratisbeilage„D«r Familitnfrennd". die außerdem noch belehrend« Anikel und poetische Beigaben von nur guten Dichtern enthält, ihren Lesern gediegene» Unterhaltungsstoff. unter Nr. 4716 eingetragen, ist für den Preis Zum Abonnement ladet ein ÄO Pf. pro Quartal durch alle Postanstalten zu deziehe«. 1405] Die Grpedltlo» Chemnitz, Gartrustrast« 16. Probrnnmmrrn auf Wunsch? ratio."MW Soeben erschien: Um Welt Kileider pro 1889. Preis 50 Pfeanige Wiederverkaufer erhalte« hohen Rabatt. Selbstunterricht in der«iufache« und doppelten kauf- «Lunischeu Bnchfiihrimg und Darstellung eines neuen abgekürzten Systems zur doppelten Buchmethodc von C. Schmidt, Lehrer der Handelswiffenschast. Preis I Mark. Zu beziehen durch die Erpedilion '' 44.[13721 ilttr i twwtw.[1402 Giugabe», Klage», Brief«. Kittgefuche» Jurist. Kati, i» alle« Uechtssache«. ____ Pollak, Elisabethstr. 44 pari, rechts. 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