P». 155. Dminerftag, de» 5. IM 1888. 5.?» ls Land s finde» Be-Zb , Kreise« Herren' > Reitze»' Grund' Wedaktia«: K-uthstraß- S.— Expedition: Zimmerstraß- 44. Die Prast�eUtenmaht in Amerika. Der Umstand, daß die Riesenrepublik der Vereinigten Slaaten zu derselben Zeit, wo die größte Militärmacht Europas einen doppelten Thronwechsel durchzumachen hat, sich verfassungsmäßig ein neues Oberhaupt aussucht, fordert mst unwiderstehlich zu Vergleichen auf, und der Presse des Auslandes— die deutsche ist durch Gründe der einen oder andern Art gebunden— ist die gute Gelegenheit nicht ent- gangen. Es wimmelt denn auch von Vergleichen in der auswärtigen Presse und, mit seltener Ausnahme, fallen sie sämmtlich zu Ungunsten Deutschlands aus. Die„Kraft- proben" der letzten Monate,— die dunkelen Jntriguen, von denen der Schleier jetzt abgezogen zu werden beginnt, — die bodenlose Gehässigkeit der Parteien, welche bisher das Monopol der Regierung besessen hatten und plötzlich ihren Besitzstand gefährdet glaubten,— diese wilden und von einflußreichster Seite ausgehenden Angriffe auf das, was dem Volke stets als vornehmstes StaatSfandament hin- gestellt worden war,— dieses Jnfragestellen der wichtigsten StaatSprinzipien,— dieses Hangen und Bangen zwischen Furcht und Hoffnung— dieses peinliche Schwanken, das durch kindisches Renommiren nur um so sichtbarer gemacht wurde,— daS Alles konnte dem Ausland natürlich nicht entgehen, und die wunderbare,— man kann fast sagen, geschäftsmäßige— Ruhe, mit welcher sich die Präsidentenwahl drüben in der neuen Welt voll- zieht, steht hierzu in einem so auffälligen Kontrast, daß in dem Ergebniß deS Vergleichs von vornherein kein Zweifel sein konnte. Jndeß, wir wollen bloS die Thatfache feststellen und werden nun ohne weiteres zu dem eigent- lichen Thema, der amerikanischen Präsidentenwahl, über- ehen. lieber die Formen, in welchen dieselbe vorzugehen = Rhaetia' baft ist. Elbe a»' ute Vor' er bs rngen i» then, z» „Agence izöfischc» Ualienr' onen zw ; dcsse« rzöfische» ,ot, sind die Leser bereits unterrichtet. Genug, die Wahl ist indirekt und findet durch Wahlmänner statt, die auf dte emzelnen Staaten der Union vertheilt sind. Da di- Amerikaner, wie jedes politisch gebildete Volk, die Ausübung des wichtigsten Bürgerrechts: des Wahlrechts, nicht auf den bloßen Akt der Stimmenabgabe beschränken und der Ansicht sind, daß das Resultat der Wahl möglichst dem Zufalle entzogen und langer Hand vorbereitet werden muß, so spielen bei ihnen oie Wahlvorbereitungen eine weit größere Rolle als bei uns. Die Aufstellung der Kandidaten ist selber gewöhnlich schon die Folge eines längeren Wahlkampfs, und was insbesondere die Präsidenten- wähl betrifft, so ist die Aufstellung des Kandidaten eine Haupt- und StaatSaktion, welche die Bürger der Vereinigten Staaten weit mehr beschäftigt und in Aufregung versetzt als die Wahl selbst. Die Wahlmänncr, welche den Präsi- denken zu erwählen haben, werden erst später gewählt. Die Bürger, welche jetzt auf den sogenannten Konventionen die btre dcl ist fei» Millio» Ieuilleton. [27 Ihre Tochter. Jlexican' Kriminal-Roma»«ach dem Französischen von K. D e t r i» g. h enge Der Major blieb seinen Gedanken überlassen, aber er � hielt sich nicht lange dabei auf, die außergewöhnliche Lage, in der er sich befand, zu prüfen. tädtffcht' Bevor er den eigenthümlichen Vorschlag des Ver- brecher« anzunehmen sich entschlossen, hatte er schon ce SuV seinen Plan entworfen, und er brauchte ihn jetzt nur aus- ™ tS �führen. hatte es satt, noch länger die Rolle deS Spieß- 0Ä', 11 Uti gesellen wo er ' zu geben, die er in der schmutzigen Kneipe gesplelt, betrunken machen und ihm Geständnisse ab- i. Schck. loaen sollte- er hatte seinen Schlachtplan gänzlich verändert und war entschloffen, den Burschen jetzt ohne weNereS in flagranti ändisck»' verhaften zu laffen. War er einmal gefaßt, so mußte er sagen, '.„ Ö« wer er war, und wo�er herkam. Sein wahrer Name und ft' „» as ,vv:"".,''»uyici yiumc uno letn :: -Sö—ifi Es wäre Guntram ja lieber gewesen, wenn er die > Pfunst Polizei nicht in die Sache hätte hinein p ziehen brauchen, kauf de» aber das war das einzige Mittel, das ihm geblieben war, ochen �um seinen Zweck zu erreichen, und er zögerte nicht länger' „tS anzuwenden. In«ist Als sie an der Rue de Poissy vorbei gekommen, I M er einen Posten vor der Feuerwehrwache Stachel' auf und ab schreiten gesehen. Und obwohl es sich nicht darum bandelte, einen Brand zu löschen, hoffte der Ij—Lf' Major doch, daß der Befehlshaber des WachtkommandoS, 300% wenn er sich ihm als höherer Offizier legitimiren würde, rstc! ihm kräftige Unterstützung stellen oder wenigstens einen Ausstellung deS Kandidaten besorgen, sind die Vertrauens- männer ihrer Partei, die jedoch nicht wie ein„wob"— Haufe— zusammengelaufen, sondern sämmtlich im Besitz formeller Mandate sind. Nachdem die amerikanische Arbeiterpartei vorläufig aktionsunfähig geworden und in ihrer Reorganisation noch nicht weit genug fortgeschritten ist, um mit Aussicht auf Er- folg in den diesjährigen Wahlkampf eintreten zu können, so spielt auch diesmal der Kampf sich wesentlich zwischen den beiden alten Parteien ab, den Demokraten und den Repu- blikanern. Nun ist zwar über die amerikanischen Demokraten und Republikaner schon so viel geschrieben worden, daß von Rechtswegen ein jeder genau aufgeklärt sein müßte, allein die zwei Namen sind so verwirrend und trügerisch, daß eS nichts schaden wird, wenn wir nochmals eine kurze geschicht- liche Desinition aeben. Die Parteien der Demokraten und Republikaner haben ihren Ursprung in den Kämpfen um die Sklaverei. Die Abolitionisten, d. h. die Gegner der Sklaverei verschmolzen sich zu der republikanischen Partei, der die demokratische gegenübertrat, welche im Nauen der Demokratie und Freiheit das absolute SelbstbestimmungS- recht der Einzelstaaten betonte, also auch daS Recht der Einzelstaaten, in ihrem Gebiet die Sklaverei einzuführen und aufrecht zu erhalten. Es ist das nicht der einzige Fall, wo der Name der Freiheit in solcher Weise mißbraucht wurde. Wenn die Manchesterleute die Unantastbarkeit der kapitalistischen Wirthschast betheuern und dem Staate das Recht absprechen, sich in das ArbeitSverhältniß zu mischen und Schutzmaßregeln für die Arbeiter zu treffen, dann führen sie stets die Freiheit im Mund. Und die schweizerischen Sonderbündler, die 1847 den Jesuiten zu Lieb die Eidgenossenschaft in Bürgerkrieg stürzten, thaten dies ebenfalls im Namen der Freiheit und des Selbstbe- stimmungsrechts der einzelnen Bundestheile. Nach zwanzigjährigem Ringen siegte die republikanische Partei bei der Präsidentenwahl deS ZahreS 1860; am 6. November des genannten ZahreS erhielt der Abolitionisi Lincoln die Mehrheit der Stimmen und das folgende Jahr brachte die Rebellion der Sklavenhalter, die sich von der Union lossagten und eine eigene„Confederation" bildeten. Die republikanische Partei, welche die Souveränstät der Union, d. h. des GesammtstaateS, verficht, nahm den Hand- schuh auf und cS erfolgte der vierjährige Bürgerkrieg, in dem die Nordstaaten eine bisher noch von keinem anderen Staat erreichte militärische Leistungsfähigkeit entwickelten— bei einer Bevölkerung von 22 Millionen über eine Million Soldaten vier Jahre lang im Feld und dazu eine mächtige Flotte. Die Union siegte— und mit der Union die repu- blikanifche Partei. Die Sklaverei wurde abgeschafft. Und da sie den Gegenstand des Streites zwischen der republikanischen und seiner Leute abschicken würde, um die diensthabenden Schutz- leute des Viertels herbeizuholen. In Bluse und Mütze konnte er sich aber nicht vor- stellen, wenn er Vertrauen einflößen wollte. Er mußte ArboiS bewahrte. War er auf diesem Platze geblieben, oder war er von fern seinem Herrn gefolgt? Das war eine schwer wiegende Frage, denn Guntram wollte sich nicht von der Mauer ent- fernen, die der Mann inzwischen von der andern Seite wieder geräuschlos übersteigen konnte, um sich aus dem Staube zu machen. Mit Hilfe von Foumös war die Ueberwachung leicht. Ohne seinen Wagen zu verlassen, konnte sich FournSs an der Ecke beider Straßen aufstellen, während Guntram nach der Kaserne lief. Guntrum war unschlüssig, was er thun solle, da be- merkte er, daß sein Coupö höchstens dreißig Schritt von ihm am Eingange der Rue du Cardinal-Lemoine hielt. Auf fünf Minuten dachte er seinen Wachtposten schon verlassen zu können. Pelikan mußte eben erst im Garten sein. Er hatte gewiß noch nicht Zeit gehabt, seinen Koup auszuführen und dachte auch noch nicht daran, sich heimlich davon- zumachen. So rasch ihne seine Beine trugen, eilte Guntram auf seinen Wagen zu und erschien alsbald vor den erstaunten Augen Peters, der ihm zurief: „Ach, Herr Major, wie bin ich froh, daß Sie wieder da sind. Ich wußte nicht, wo Sie mit dem Burschen geblieben waren. Ich folgte Ihnen von fern nach, aber ich war nicht sicher, ob Sie in das Gäßchen eingebogen seien, aus dem Sie eben kommen. Ich fürchtete schon, es sei Ihnen ein Unglück zugestoßen." „Ganz im Gegentheil, braver Peter. Ich habe ihn. der demokratischen Partei gebildet hatte, so war nun eigent- lich keine Existenzberechtigung mehr für diese beiden Par- teien vorhanden. Allein immerhin galt eS in den ehemali- gen Sklavenstaaten noch vieles zu regeln, wobei der Partei- standpunkt zur Geltung kommen mußte. Schon zu Anfang der 70 er Jahre hatte der Unterschied zwischen beiden Par- teien schon vollständig aufgehört. An Stelle der prin- zipiellen Gegensätze waren rein persönliche Detreten, und das gemeinsame Ziel beider Parteien war: die Klinke der Gesetzgebung, die Besetzung der StaatSämter. Die Republikaner, die durch die siegreiche Führung de» Kriegs gegen die Sklavenbarone sich große Popularität gesichert hatten, waren lange Zeit unbestrittene Herren der Situation, und sie handhabten die„Klinke der Gesetzgebung" mit einem Eifer, der ihre.auf dem Trocknen sitzenden Konkurrente« mit grimmigem Neid erfüllte; und sie betrachteten schließlich einträalic'''"""---- den einträglichen Besitz der Staatsämter als ihre Domäne, die sie aus Leibeskräften ausbeuteten. Eine abscheuliche Korruption riß ein, uno die Demokraten, welche die Saure- Trauben-Tugend des Fuchses übten, benutzten diese korrupten Praktiken als Sturmglocke gegen die alten Feinde, und mit solchem Erfolg, daß vor acht Jahren in Garfield, der schon kein richtiger Republikaner mehr war, obgleich er auch der demokratischen Partei nicht zugehörte, ausgesprochener- maßen ein Gegner der Korruption und Aemterjägerei auf den Präsidentenstuhl kam. Garfield wurde von einem halb- verrückten Aemterjäger ermordet, was der republikanische» Partei einen„Stoß ins Herz" gab. Bei der vorigen Prä- sidentenwahl— im Jahre 1884— siegte der Demokrat Cleveland mit Hilfe zahlreicher Republikaner, die mit ihrer faulen Partei nichts mehr zu thun haben wollten. Diesmal ist C l e v e l a n d, der bisherige Präsident. von den Demokraten, die ihre„Konvention" in St. Louis hatten, wieder als Kandidat für die Präsidentschaft aufge- stellt worden— und zwar mit Akklamation, gleich im ersten Gang In schlimmerer Lage waren die Republikaner, die ihre Konvention in Chikago fhatten und erst nach viele» fruchtlosen Wahlkämpfen sich auf den Durchfallskandidate» Harrison vereinigen konnten— einem tüchtigen, auch cha- raktervollen Mann, der aber dem unstreitig populäre» Cleveland gegenüber so gut wie keine Chance hat— zumal er ja kein neues Programm bieten kann. Es werden von anderen Parteien und Gruppen noch andere Präsidentschaftskandidaten aufgestellt werden, indeß keiner derselben kommt ernsthaft in Betracht. Hoffentlich ist es das letzte Mal, daß die zwei alte», überlebten, nur von der Tradition lebenden Parteien der Re- publikaner und Demokraten im entscheidenden Wahlkampf mit einander ringen. In vier Jahren hat die junge Arbeiterpartei reichlich Zeit, sich aufdie Erb- schaft vorzubereiten. Er ist da über die Mauer geklettert und wir werden ih fassen. Jetzt rasch meine Sachen!" fügte er hinzu, zo schnell Blouse und Drillichhose aus und warf sie neb Mütze und Halstuch in den Wagen. Rasch war der Wagensitz geöffnet, der Rock herauSg, nommen, in den er hineinfuhr, und der Hut ergriffen, de er sich auf den Kopf stülpte. „Endlich," sprach er und holte befriedigt tief Athen, „Ich bekam eS mit der Zeit satt." „Das glaube ich gern, Herr Major," meinte FournöS „Der Bursche ist wohl in ein HauS eingestiegen, um zi „Ja, in dieses HauS da. Fahre bis zur Ecke de so faß steckt noch Tasche ... ih.......................„v. Drillichhose. Nimm ihn, um den Burschen damit in R spekt zu halten, biS ich wiederkomme. Ich gehe Verstärkun holen."- „Zu Befehl, Herr Major. Der Bursche soll mir nick entlaufen... und stehlen wird er auch nicht, denn t wird schon Jemanden im Hause finden, der ein Wörtche mit ihm reden wird..." „Nein, eS ist Niemand da, aber das thut nichts... „Verzeihen Sie, Herr Major. Die Hausbewohm schlafen noch nicht. Im ersten Stock sehe ich Licht." Guntram sah empor, und in der That war ein Fenstc erleuchtet. Alles war dunkel gewesen, als Pelikan ihm da HauS gezeigt hatte. ES war nicht anzunehmen, daß d< Bursche selber eine Kerze angezündet habe. Diebe arbeite lieber im Dunkeln. „ES wird der Kammerdiener sein, der nach Hau» a, kommen ist, während ich im Gäßchen stand." „Seit ich hier bin, ist kein Mensch in das Haus hineir gegangen, Herr Major." „So ist er schon zurückgekommen, bevor Du hier warf Der Bursche wird festgenommen sein, bevor wir uns hineir TrigmakKorresponclmzttu Zürich. 2. Juli. Am Sonnabend wurde die Sommer- sesfion der Bundesversammlung geschloffen. Aus ihrer vierwöchentlichen Thätigkeit heben wir nur hervor die VerHand- hingen über die Motion C u r t i und über die Motion F a v o n und Decurtius. letztere betreffs internationaler Ardeiter- schutzgesetzgebung. Die Motion Curti wurde, wie bekannt, ab- gelehnt, aber darum war ste doch nicht zwecklos. Durch fie wurde der Bundesrath genöthigt, bestimmte Zusage zu machen bezüglich einer Vorlage zur Ergänzung des Bundesstrafrechts (in Bezug auf das Spttzelwcsen) und er muhte sich vor aller Welt eine obwohl in der Form gemähigte aber dennoch bittere Kritik der Sozialistenausweisungen gefallen« laffen. Die oppor- tunistischen und regierungsfähigen Staatsmänner in den Reihen der Radikalen haben zwar dem Bundesrath die Unannchmlich- kvlt der Annahme der Curti'schen Motion erspart, aber fie konnten nÄt verhindem, dah der eidgenösfiiche Minister des Acuhern, Herr Bundesrath D r o z, in die Enge getrieben wurde und stillschweigend zugeben wuhte, dah er nicht vermochte, der Schweiz tr die ihr von Herrn von Puttkamer im Reichstage angethane eleidigung Satisfaktion zu verschaffen. Das hat Herr Curti ,or aller Welt konstatirt und deshalb allein schon hatte er seine Motion nicht umsonst eingebracht. Die Herren Nationalräthe Decmtius und Favon brachte wiederum ihre bekannte Motion ein, welche die internationale Regelung des Schutzes minderjähriger Personen, eine Beschrän- kung der Frauenarbeit, Festsetzung der Sonntagsmhe und Rormirung eines gesetzlichen Arbeitstages erstredt und den Bundesrath beauftragt, die bezüglichen Schritte zu unternehmen. Der Vorsteher des Handels« und Jndustrie-Departcments, Herr Deucher, erklärte im Namen des Bundesrathes, dah dieser ein- stimmig die Motion gutheiße und die Unterhandlungen ein- leiten werde, trotzdem er fich der Schwierigkeiten bewuht sei, auf welche die Idee der internationalen Fabrikgesetzgebung allenthalben stohe, indem die Regierungen wenig Neigung zeigen, dieser Frage näher zu treten. Er verkennt jedoch die Fortschritte nicht, welche in den letzten Jahren die Gesetzgebung gemacht habe, und erklärt, dah der Bundesrath ein Programm aufstellen und planmähig vorgehen werde. In etwas prkirter Weise for- derte Herr Deucher die Arbeiter oder ihre Führer auf, den Bundes- rath in seinen Schritten zu unterstützen. Diese Einladung nimmt fich vom Ministertische recht hübsch aus, aber fie ist überflüsstg, weil ja die Arbeiter in allen Ländern die eigentlichen Pioniere der Fabrikgesetzgebung find und die Behörden nur von ihnen geschoben werden. Abgesehen davon, ist die Zusage des Bundesraths erfreulich und seinen Bemühungen der beste Erfolg zu wünschen. Zu meinem Berichte über das Grütlioereins« Zentralfest in Glarus habe ich noch nachzutragen, dah ebenfalls deschloffen wurde, das Verbot der Verwendung giftigen Phosphors für die Zündholzfabrikatton anzustteben. Ebenso soll für die von Cutti im Nationalrathe bereits angeregte Lebensmittel- und Getränkekonttole energisch gewirkt werden. Zur Vertretung des Grittlivereins am nächstjährigen internationalen Ar« deiterkongreh(Fabrikgesetzgebung) erhielt das Zentral- komitee den nöthigen Kredit dewilligt. Die gehaltenen Vor- träge werden in nächster Zeit im Druck erscheinen und ich werde auf dieselben noch zurückkommen. Von den vielen Tischreden, die gehalten wurden, will ich nur die des Herrn aarg. Kantonsstatistikers N ä h— der sonst nicht immer verlählich ist als Arbciterfreund— zitiren. Er sagte u. a.:„Die Lawine, die donnernd in's Thal fällt, der wilde Bergstrom, der aus der Felsschlucht hervoiströmt, fie er- innern uns an die gewaltigen Kämpfe in der Natur, und diese Kämpfe in der Natur wiedelspiegeln uns die Kämpfe im mensch- lichen Dasein. Was wahr ist, was gut ist, muh erkämpft werden, erst im Feuer wird das Eisen zum Stahl, erst auf dem Ambos sprüht es Funken. Erkämpfen müssen wir auch die sozialen Fortschritte, wre wir die politischen erkämpft. Und wenn die rothe Fahne das Wahrzeichen des sozialen Kampfes sein soll, so nehmen wir diese Fahne auf, aber wir wollen in das rothe Feld das weihe Kreuz, das Kreu, der Menschenliebe und der eidgenöstschen Bruderliebe setzen. Wenn wir am Lose eines jeden, auch des geringsten unserer Brüder thellnehmen, dann waffnen wir auch unsere Herzen gegen jedes Unrecht! die Menschenliebe, sie allein macht uns zu rechten Kämpfern für den sozialen Fortschritt. Schlicht und schön hat dies der Dichter beim Tod des Tell ausgesprochen: „Die Kraft derselben Liebe, die Du dem Knaben trugst, Sie ward in Dir zum Triebe, dah Du den Zwingherrn schlugst." So wollen wir uns Venn zum gemeinsamen sozialen Frie- denswerk die Hand reichen und unser schönes Schweizerhaus zu einer Wohnstätte machen, wo auch der Aermste, wenn er ehrlich arbeiten will, glücklich wohnen kann. Den im Daseinskampf Gefallenen und Verwundeten wollen wir auf humane, ihr Er- gefühl nicht verletzende Weise helfen und ste wieder zu selbst- ständigen, arbeitsfrohen Gliedern der menschlichen Gesellschaft machen." mischen, aber er muß bewaffnet sein und ist es ihm zuzu- trauen, daß er den Diener tödtet. DaS muß verhindert werden. Also aufgepaßt! Du faßt dort Posto und ver- fährst so, wie ich es Dir vorhin gesagt habe. Zch aber werde einfach an der Thür klingeln und die Person, die mir öffnen wird, benachrichtigen, daß ein Dieb im Hause ist. Wir werden dann mit dem Kerl schon fertig werden." „Nehmen Sie sich nur in Acht, Herr Major, wenn..." „Laß mich mit Deinen Bedenken zuftieden, und thu' mir den Gefallen, Dich jetzt auf Deinen Posten zu verfügen. Während wir hier schwatzen, kann der Bursche sich aus dem Staube machen." FourneS gehorchte ungern. Guntram wartete, bis er sich am Eingang des Gäßchen» aufgestellt hatte, dann ging er auf. die HauSthür zu und klingelte stark. Man ließ ihn warten, aber das Licht verschwand �„Pelikan hätte beim ersten Ton der Klingel das Licht ausgelöscht. Er ist also nicht da oben," dachte Gun- Er klingelte zum zweiten, zum dritten Male, und als sich nichts rührte, riß er wüthend an dem Glocken- Jetzt öffnete sich das Fenster, ein Mann wurde sichtbar Uni> Isias giebt eS? Was wollen Sie?" „Ein Dieb ist in Ihrem Hause," erwiderte Guntram „Ein Dieb? Um Himmels willen! Das ist ja nicht „Kommen Sie herab, ich werde Ihnen helfen, ihn zu faffen." „Zch komme, mein Herr, ich komme. Das Fenster wurde alsbald geschloffen, das Licht verschwand, und einen Augenblick später öffnete sich die Thür. t t Guntram sah sich einem Kammerdiener gegenüber, der sehr korrekt in Schwarz gekleidet war; es war ein großer und anscheinend kräftiger Mensch. „Führen Sie mich in den Garten," redete ihn der Der Streik der Z i m m e r l e u t e am hiesigen Platze, der schon zu versumpfen drohte, hat dennoch mit dem Siege der Ar- bester geendigt. Es ist also für die Sommersaison 10- und für die Wmterzest 8stündige Arbeitszeit, für Ueberstunden 15 Cts. Zuschlag, 45 Cts. Minimalstundenl hn, Abschaffung der Sonn- tagsarbcit bewilligt und vom Entlassungsschein abgesehen wor- den. Hingegen ist nicht ausdrücklich der Fachverein anerkannt worden, was wohl so wichtig nicht ist, denn die Meister können einen Arbeiterverein weder verbieten noch erlauben. Diese Zu- aeständniffe scheinen ihnen übrigens sauer genug geworden zu sein, denn fie haben deschloffen, fich mit einer Petition an die Regierung zu wenden, damit fie in Zukunft durch Erlaß solche Stteiks verbietet. Politische Ueverstcht. Do« Her»« Paul Singer geht««» folgend» Gr- Klärung zu:„Die„Post und mit ihr die„Nordd. Allgem. Ztg." drucken dem„Hamburg. Korresp." eine Spitzelkorrespondenz aus London nach, wonach: „ich mit meinem Patteigenossen Herrn Rackow in London behufs dessen Ueberfiedlung nach Züttch zur Uebcmahme der Redaktion des„Sozialdemokrat" und Führung der Pattei daselbst verhandelt und außer- dem, unter Ueberbttngung erheblicher Mittel, den Londoner Genossen angerathen habe, den Thronwechsel mit Stillschweigen zu übergehen, um die deutsche Regierung über die wahre Gesinnung der Sozialdemokratie nicht aufzuklären." Um jede Legendcnbildung in Bezug auf diese Mittheilungen unmöglich zu machen, erkläre ich hiermit, daß dieselben von An- fang bis Ende, in jedem Wort frech erlogen find. Fttedttchroda i. Th-, 3. Juli 1888. Dle Korse ist oft ein politisches Barometer genannt wor- den. Und der Vergleich ist ja nicht ganz unpassend, wenn auch zwischen diesem und dem wirklichen Barometer der Unterschied besteht, dah die Angaben des Wetterglases an fich in jedem Falle durchaus richtig find, während die Kundgebungen der Börse auf subjektiven und sehr oft trügenschen Empfindungen beruhen. Immerhin kann diesen Kundgebungen ein gewisser baromettischer Werth nicht abgesprochen werden. Gegenwärtig zeigt nun die Börse für die politische Welt gutes Welter an, und fie hat sogar durch eine„Hausse" in bester Form den Völ- kern zur Abwechslung einmal„Fneden in Sicht" angekündigt. Das ist sehr schön. Und wir wollen die Bedeutung des Symp- toms keineswegs zu verkleinern suchen. Nur möchten wir denjenigen, welche jetzt wieder das alte Thema:„Das Kaiserreich ist der Friede", in allen Tonatten vattiren und ihre Friedensliebe durch die obligaten Hetzereien auf das böse Frankreich bethäti- gen,— doch den guten Rath ettheilen, fich auch die Kehrseite der Hausse anzusehen, fie wird ihnen dann vermuthlich nicht so sehr gefallen. Wie erklätt sich die Hausse? Wottn liegt ihr Grund? Sie ist unzweifelhaft veranlasst worden durch den fttedlichen Ton der beiden Thronreden.— So weit ist alles gut. Aber wie kam es, daß einige friedliche Worte eine solche Wirkung hervorbringen konnten. Hier liegt der Haken. Wenn das Kaiserreich der Friede ist, verstand es fich ja von selbst, daß die Regierungsaussprachen des Kaisers friedlich sein muhten, und etwas Selbstverständliches konnte selbstverständlich die Börse in keine freudige Aufregung versetzen. Die Sache— und das ist die Kehrseite der Medaille— die Sache ist, die Börse hatte die Friedlichkeit der Regierungsaussprachen nicht für selbstverständlich gehalten, sondern im Gegentheil fich sehr lebhaften Befürchtungen hingegeben. Durch die Hausse wird die Größe dieser Befürchtungen verrathen; und so erfreulich der jetzige„Friede in Sicht" auch ist, so darf doch nicht vergessen werden, daß dieses plötzliche Hinüberspringen aus der Kriegs- angst in den Friedensjubcl au fand nur ein Zeichen der Herr- schenden Unficherheit der Zustände ist. Und noch eins: merken die Leute, die fich im Schweiße ihres Antlitzes abquälen, uns glauben zu machen, dah das döse Frankreich der„Friedens- störcr ist,— merken ste denn nicht, dah die durch die beiden letzten Berliner Thronreden hervorgerufene Hausse den handgreiflichen Beweis liefert, drh die Gefahr für den Weltfrieden nicht in Frankreich erblickt wurde? Oder verlangen die Leute, daß wir ihrem Denk- mit Hilfe eines Nürnberger Trichters nachhelfen? Was die bevorstehende Zusammenkunft des deutschen Kaisers mit dem Zaren angeht, so haben wir nicht nöthig, unsere Leser vor Ueberschäyung dieses„Ereignisses" zu warnen. Die herzliche Monarchcnfreundschast kann den Antagonismus der österreichisch-deutschcn Interessen einer- und der russischen andererseits nicht aus der Welt schaffen; und wenn die deutschen Staatsmänner nicht Oesterreich und die Zukunft Deutschlands der nisfischen Eroberungspolitik rückhaltlos opfern wollen, ist eine Allianz Deutschlands mit Rußland undenkbar. Unseres Erachtcns ist aber diese Voraussetzung un- denkbar. Ueber das bnndniff, wie es________________________ stellt der Pester Korrespondent der Münchener„Allg. Ztg." deutsch-österreichische Schutz- und Trntz- s von den Berliner Offiziösen verstanden wird, Major an.„Dort ist der Dieb eingestiegen. Zu Ihrem Glück kam ich gerade vorüber und sah, wie der Dieb über die Mauer kletterte. Also rasch! Lassen Sie mich herein. Vielleicht ist er schon dabei, den Sekretär aufzubrechen. Wir faffen ihn gleich dabei ab." „Verzeihen Sie, mein Herr," erwiderte der Diener kühl,„zunächst muß ich meinen Herrn fragen." „Ist er denn hier?" „Ja, mein Herr. Er macht Toilette, und ich wollte ihm eben eine Droschke holen gehen, als Sie klingelten." .„Wie? Er macht Toilette? Um ein Uhr Nachts! Das ist aber gleich. Führen Sie mich nur hinein. Ich werde mich mit ihm verständigen. Aber beeilen wir unS." „Wenn der Herr mir seine Karte..." „Zum Teufel, machen Sie nicht so viele Umstände! Eine Katte habe ich übttgenS, wie ich glaube, nicht einmal bei mir... Sagen Sie Ihrem Herrn, daß ich der Major von Arbois bin... Guntram von ArboiS, Major im ersten afrikanischen Jäger-Regiment." „Ich gehe. Wollen Sie eintreten, mein Herr." Guntram betrat rasch den Flur, während der Kammer- diener eine Treppe hinauflief, nachdem er die Thür geschloffen und das Licht, das er trug, auf einen Tisch ge- stellt hatte. DaS Vestibül sah vornehm aus. ES war reich mit blühenden Gewächsen geschmückt und bequeme Bänke standen herum. Der Major dachte jedoch nicht daran sich zu setzen. brannte darauf, den Eigenthümer zu sprechen, der zu einer Stunde sich zum Ausgehen fertig machte, wo man sich gewöhnlich auszieht und schlafen geht. Nach fünf langen Minuten erschien der Kammerdiener wieder und sagte: „Mein Herr erwartet den gnädigen Herrn." „Weiß er, um was es sich handelt?" „Ja, mein Herr, und er meint, eS müßte ein Jrrthum vorliegen." „Ich werde ihm das Gegentheil beweisen. Wie heißt er?" „Baron von Randal." „Gut. Führen Sie mich zu ihm." folgende beachtenswerthe Betrachtung an.„Es ist etwas Eigen- wöhnt,) thumliches um das Gezänk der offiziösen Berliner Organe mit Namen unserem„P. Lloyd"; man merkt es im ersten Augenblicke, dajt Charakte der Streit bei den Haaren herbeigezogen worden ist, um zuerst insters d dem genannten ungattsch-deutschen Blatte und dann den ünga- inneren ttschen Politikern unangenehme Dinge zu sagen. Die„Nordd setzung 1 Allg. Ztg." befaßt fich mit der Zeitung und ihrem RrdaktnU auf Sch Falk, der als ständiger Referent über das Budget des Ministe- polürsch« ttums des Auswättigen in den Delegationen eine grade für die j-�lillch auswättigen Angelegenheiten markante Persönlichkeit ist, und-druyschl nun kommt die„Nationalztg." und kanzelt die Ungarn und um eine ihre Politiker ab, die Chauvinismus treiben, Deutschland i» em Aus ihren Netzen fangen möchten, was ihnen jedoch nicht geling»'°ufig n werde, die heißblütig seien und die Stellung, welche fich dt nnffarisä Zaren auf auf der Balkan- Haldinsel geschaffen haben, erschütter« nannt n möchten, was nicht so leicht sei. Es ist höchst merkwürdig und dacht ha verdient die höchste Beachtung jedes Politikers in Oesterreich Z�ktzmi Ungarn, dah, sobald fich nur leise Symptome einer Annäherung Vefurcht Ruhlands an Deutschland zeigen— und wir definden um fl wieder in dieser Phase- die Berliner offiziöse Publizistik soforl Ick Rv für die Annexionsgelüste Ruhlands im Orient eintritt, ganz unbo tchemeni kümmert um die Interessen Oesterrcich-Ungarns, ja wenn möglich 2!e mit ostentativ-bewuhterZurücksetzuna derselben. Heute haben die Bs 1 ziehungen zwischen den Höfen von Berlin und St. Petersburg de«?'? V™ Charaker größter Herzlichkeit angenommen, und es kann kau»,: 9 mehr bezweifelt werden, dah mit dem Regierungsantritte Kaiser Wil>™ Helms n. die Annäherung zwischen Ruhland und Deutschlaifl vollzogen ist, und flugs schreiben die deuts _ tjchen Offiziösen ArtiÖ"•"Wss über das morgenländische Erbtheil des Zaren, das ihm sein« � Ahnen hinterlassen und das zu pflegen und zu erhalten Deutsch IP ei*er' land ihn nicht hindern werde; darauf laufe die Staatskunst det � tet Reichskanzlers hinaus. Es ist noch gut, dah fich die Herren dei Bundesvettrages erinnern, wonach ein Angriff Ruhlands aus J, österreichische Grenzen auch ein Angriff auf Deutschland sei,!,„L freilich vielleicht auch nur in der Abficht, um Ruhland den Weg„? zu»eigen, auf dem es vorgehen könne, ohne Deutschland zu b» w"5»'. gegnen. Die österreichisch« ungariscke Ziflinm prMipmt i« nicM Öe.s. F5M ,., arische Allianz erscheint in dies»< Auffassung nur als eine Art Refugium für Deutschland, wenlMSs.j- dieses nichts Besseres hat, so wie man auch mit nid Gleichgestellten umgeht, wenn Gleichgestellte eben nicht voihaie den find."- So der Korrespondent des Münchener Blattet welches besonders nach Oesterreich ausgezeichnete Beziehung» werden' hat, und von dem deshalb gewih nicht anzunehmen ist, daß»(�elnlld in einer immerhin sehr wichtigen Angelegenheit einem Main» Mini»? das Wort giebt, dessen Ansichten in den maßgebenden Kusse»' der ungarischen Hauptstadt vereinzelt dastehen und niraends g«' f, theilt werden. Ist das letztere aber wirklich nicht der Fall un* �en I spricht der Korrespondent die Anficht maßgebender Pester Kreist aus, dann scheint dort die Thronrede des deutschen Kaisers niÄ�.1,5, ganz den Eindruck gemacht zu haben, dm man eigentlich häl»Z>ip ßn ermatten können und der wohl hier in Berlin auch erwartn worden ist. Auf alle Fälle aber bleiben die vorstehend wied» sgmeit gegebenen Aeuherungen, die. nebenbei bemerkt, garnicht verernzt« dastehen, ein bedeutsames Zeichen der Zeit. i Gin recht nervöser Staatsmann scheint auch der italie spruchs nische Ministerpräsident Cttspi zu sein. Gelegenllich einer D» farblosei batte über die Finanzverhältnisse Italiens in der Kammer, n» jetzt ist bei die Opposition die neugeplanten Steuererhöhungen zu» tages. d Gegenstand ihrer Angriffe machte, schloß derselbe nämlich eil» Puttkan seiner Reden mit der Aufforderung, ihn und seine Kollegen vo« darin n der Last der Regierung zu befreien, wenn man nicht das erfov Parteim derliche Vettrauen in fie habe. Seine Erregung wuchs na» des Hei einer Replik des Abgeordneten Seismit-Doda, so daß er aus' fast wie ttef:„Unsere Politik ist so, wie fie ist! Sie kennen fie! Wen» Herr H, Sie nicht zufrieden find, so machen wir der Geschichte ein End» doch dii Ich habe es satt und wünsche nichts anderes, als ins Prioal' lehren, leben zurückzukehren Das kann ich schwören bei allem, was m» entsprar heilig ist. Mag die Kammer fich einmal deutlich erklären un» v. Puttl mich schnell von der Last erlösen. Jedermann weih, wie iSräthe m früher gelebt habe und welches Leben ich jetzt führen muh!, Herr H, Der Eindruck dieser Motte war natürlich ein sehr peinlich� Fürsten Nachdem Cttspi höchst aufgeregt fich niedergesetzt hatte, Verlan» der Fefc auch der Finanzminister Magliani in minder gemäßigtem ur nennun, ruhigem Ton als sonst ein Vettrauensvotum. Unter steige,/ N» Unruhe des Hauses und vergeblichen Versuchen des Vorflyend»Z> des Uw mehreren Rednern, welche Anträge stellen oder zurückjichv gesehen wollten, das Wott zu verschaffen, wurde durch Erheben von dei aus Be Sitzen ein Anttag Marzio's angenommen, dahin lautend:„Na» Herrn. Anhörung der Erklärungen der Regierung geht die Kammer zw Dz Berathung der Artikel über."— Italien steht wohl unter de« Ministe Großmächten mit am nächsten vor dem Staatsbanlerott und d» nichts l ungeheure Steuerlast drückt dort am schwersten auf die unterftesstettum Schichten. Dabei find dieselben fast vollständig politisch red�ober wi los, und die Volksbildung liegt noch sehr im Argen. Unt»Erwattr solchen Umständen dürfte das Großmachtspielen bald(("»leicht ifi Grenze erreicht haben, und Crispi mag alle Ursache haben drohenden Krach durch seine Abdankung aus dem Wege /machen gehen. ju Die Ernennung des bisbettgen Untetttaatssekretäähat am H e r r f u r t h zum Minister des Innern wird von der„Frll halten. Ztg." folgendermaßen besprochen: Man war bisher daran gl Guntram hatte den Namen des BaronS noch nie g»Campac hött. Er vermuthete aber, daß eS eine Art Original ode>Tasso's Menschenfeind sein müßte. strtten: „Wenn er in der vornehmen Welt verkehren würde, Eamp« sagte er sich,„würde er nicht in dieser abgelegenen Straff�"� H wohnen. Um so besser für mich! Ich laufe wenigstens nb Gefahr, ihm anderSwo zu begegnen. Ich will jetzt nur v> suchen, langen Auseinandersetzungen auS dem Wege gehen, die mich in Verlegenheit bringen würden." ES fiel ihm auf, daß ihn der Kammerdiener, statt i ins erste Stockwerk zu führen, durch eine lange Zimmi flucht des Erdgeschosses geleitete. ing's i du feJtc l" scher Bleibt V. ffo's diesem Herr von Randal war sicherlich aus Artigke�P! � gegen seinen Besuch auf einem anderen Wege heruntetSaget gekommen (Fottsetzung folgt.) würdig« nun de, Foße% « ne ar Eleono, Este wc für wa Aus Kunst unl» Zeveu. Torquato Taflo's Kerker. Ueder den aagebliu Kerker des italienischen Dichters Torquato Tasso zu Ferra»wahn. finden fich in der„Gazetta Ferrarese" folgende Bemerkung� „Mehr als sieben Jahre, will sagen bis zum Juli 1566, bli Tasso im Hospital von St. Anna in Ferrara eingeschloff« Aber es ist falsch, daß er in jenem Loche oder in jenem Hun>" käsig steckte, den man den Fremden als den Kerker Tasso's< preist und der Lord Byron zu so herrlichen Versen infpir' Tasso steckte über fiebcn Jahre im Hospital; aber die Gcmä die er da inne hatte, kennen wir nicht mehr. Und gewiß ist auch, dah er„dalle sae stanze"(von seinen Zimmern a> schrieb; er gesteht es ja selber, er empfing da die Besuche il befreundeter Beschützer. Er war also weit eher unter Obhut im Gefängnih." Die„Gazetta Ferrarese" fordett dem> die Hospitalverwaltuna auf, dem Jahrzehnte lan Schwindel endlich ein Ende zu machen und den Leuten w weiter vonuspiegeln, daß Tasso in dem Loche gesteckt, das iw als sein Gefängnih ausgebe und wo die Fremden auf der Ma« ihren Namen aufzuzeichnen aufgefordett werden. In diest nc mri ber, a ospital inschwl orslk m ihm sehen<2 >es arm riften « Fr . tuckche sott:„ nschliei äffen. ng vo hen zu «t Sinne sprach fich auch letzthin Herr Gaetano Lodi in der Ftt-�us Zoi ressischen Gesellschaft für Heimat hskunde(Deputazione dl stoKieutzuta Patrii) aus. Dabei gab aber ein Mitglied besagter GesellW.'enn wc noch folgende Geschichte zum Besten: Es find etwa zwanl vas Eiaeiv n'öhnt, daß dieses wichtige Reffort Männern mit klangvollem )raane mit Namen und ausgeprägtem persönlichen und politischen lblicke d< Charakter übertragen wurde, denn die Persönlichkeit des Mi- um wem nisters des Innern ist maßgebend für einen großen Theil der ven unflll' inneren Verwaltung. Beadfichtigt war auch diesmal die Bc- ie Nordb- setzung des Postens durch einen solchen Mann. Sie muß aber Redakteul°uf Schwierigkeiten gestoßen sein, die sowohl persönlicher wie - Minisw politischer Natur gewesen find. Der einzige Kandidat, mit dem de für bk ernstlich verhandelt worden ist, der Oberprästvent Graf Zedlitz- ist und Trüyschler, hat abgelehnt, man ist dann offenbar in Verlegenheit aarn und um einen anderen geeigneten Kandidaten gewesen und es sollte tschland i» kin Ausweg darin gefunden werden, daß Herr Herrfurth vor- ,t a-lina» läufig weiter die Geschäfte des Ministeriums des Innern kom- che fick Ä missarisch führte. Weshalb er nun plötzlich zum Minister er- erscküttelt nannt worden ist, während bisher Niemand ernstlich an ihn ge- S uS dacht hat, ist nicht klar. Vielleicht will man durch die definitive Österreich Besetzung des Postens die in letzter Zeit ernsthaft aufgetauchten nnäderuiu Befürchtungen beseitigen, daß Herr v. Puttkamer, der beim ?Xn nnl neuen Kaiser persona grata ist, zurückberufen werden könnte. liftif fnfnd Mit Rückficht auf die bevorstehenden Wahlen und die fich an- an«, i.nfiB scheinend vorbereitenden Parteiverschiebungen bei denselben wäre mäaiich die Fortdauer eines solchen Verdachts bedenklich gewesen. h«, Durch die Ernennung des Herrn Herrfurth ist auch der praktisch rawn n?« nicht unwichtige Streit, ob wieder ein Konservativer vom Schlage lanrt ocs«errn v. Puttkamer oder eine der Mittelpartei mehr zu- sagende Persönlichkeit an die Spitze des Ministerium des In- ViilfAfmd nern treten sollte, glücklich entschieden oder vielmehr richtiger, fen A-tikel umgangen worden. Herr Herrfurth hat keine politische Bergan- ilim Wni genhcit, er ist kein Parteimann, man weiß wenigstens nicht, i tfWkiS welcher Partei er angehört. Es ist selbstverständlich anzunehmen, IS daß er als erster Beamter des Herrn v. Puttkamer und des hj Grafen Eulenburg zur konservativen Partei gerechnet wird. Er ? � nuf'lt aber mit dieser�Zugehörigkeit niemals hervorgetreten. Er hat W« rnd zu b» , des Innern zu sprechen hatte, stets rein sachlich und ohne pole- i.®«, mische Schärfe gesprochen. Herr tzerrfurth ist seit langer Zeit bekannt, hat aber, was in der letzwen Zett auch hervorgehoben »ng« werden muß, niemals für einen Streber gegolten und wahr- bav JL schcinlich bis vor kurzem selbst nicht daran gedacht, daß er jemals im Mann Minister des Innern werden könnte. Wie er als solcher auf. ien% d» treten wird, bleibt abzuwarten. Vorläufig wird keine Partei �Trr ,,«» gegen seine Ernennung etwas einzuwenden haben, und wenn »rtlr cwlk man eine Persönlichkeit gesucht hätte, deren Ernennung leiden- «ich! schaftslos von Konservativen und Nationalliberalcn hingenommen je yg uvu jwujcvuuuucu uuu-/miiuuuuivtiunu yuiutnummcn Jllfr werden muß, so hätte man kaum eine geeignetere finden können. a Die Konservativen, die natürlich einen selbstbewußten Junker mtbtf �eber sehen würden, müssen schweigen, denn Herr Herrfurth ist, er überhaupt zu einer Partei gehört, konservativ; die vere.nz �iationallrberalen, die gegen einen Nachfolger vom Schlage des , Herrn von Puttkamer wahrscheinlich doch den Muth des Wider. ',"Ä? speuchs gefunden hätten, werden gegen einen Mann von so emer sj* farbloser Vergangenheit auch nichts einwenden können. Gerade nmer, w» jetzt ist die Adresse der drei konservativen Fraktionen des Reichs- ngen zu» tages, des Abgeordnetenhauses, des tzenenhauses an Herrn von ämlrch elli» Puttkamer bekannt geworden. Der ehemalige Minister wird ollegen vo» darin mit einer anerkennenswerthen Offenheit als konservativer das ersok' Parteiminister gefeiert. Dem gegenüber muß die Ernennung zuchs na» des Herrn Herrfurth vom Standpunkt aller übrigen Parteien aß er aus' fast wie ein Gewinn erscheinen. Ob fie ein solcher ist, oder ob fiel Wen« Herr Herrfurth als Wahl- und Polizeiminister wider Erwarten e ein Ende, doch die Bahnen seines Vorgängers einschlägt, kann nur die Zeit ns Privat» lehren, den Ton desselben wird er ficher nicht einschlagen. Der n, was m» entsprang der Eigenart und dem besonderen Talent des Herrn klären un» v. Puttkamer, den könnten ihm. nur einige seiner jüngeren Land- " wie.tgräthe nachmachen. Im Nebrigen darf man nicht vergessen, daß Herr Herrfurth Minister unter— oder vielmehr neben dem Fürsten Bismarck ist. Daß einem dieses„neben so schwer aus der Feder will, ist auch bezeichnend für die Bedeutung der Er- nennung." N«» at» ei« Vrouisoei««, wird hier die Ernennung des Unterstaatssekretärs Herrfurth zum Minister des Innern an- gesehen; so läßt fich der„Hamb. Corr." von seinem Leiboffiziösen aus Berlin telegraphiren.— Recht schmeichelhaft für den neuen md:„Naif Herrn Minister! Die Ernennung politisch farbloser Keamte« zu -...... u, ko schreibt die„Nat.'Ztg.", ist in Preußen bekanntlich � Ungewöhnliches, eher die Regel; gerade für das Mini- fw untcrMsterium des Innern ist fie allerdings kaum schon dagewesen, ltlsch K® mbei wir haben keinen Grund, fie anders als in unbefangener H", jßttoartung der Thatcn des neuen Ministers aufzunehmen. Viel- bald stilIeicht ist die Vermuthung berechtigt, daß der Einfluß des Fürsten baden de�Pjsmarck fich in diesem Reffort stärker, als bisher, geltend n Wege?machen werde. Der Marineminister«lenerallientenant v. Caprivi ratsselretiwhat am Freitag die Genehmigung seines Entlassungsgesuchs er- ; der„Mchalten. Am Sonnabend hat ihn, nach der„Kreuzztg.", General c daran ap——— en muß- peinlich vertan! zigtem steige! brsitzen! �urüct»ieh> en von dl lammer zi unter de« Min , �Tahre her, da war es der verstorbene Hospitalportier Giorgio >? u>e g�Eampagnoli, der den Führer durch den sogenannten Kerker zinal oveiOasso's machte. Das gmg ungefähr auf folgende Weise von st fiten: Ein Fremder kam— sagen wir ein Engländer, n würde, Campagnoli ging voran, hatte ein Bund großer Schlüssel in en Sirafe�V"* H*"� und eine Kerze in der andern, und durch den Garten gstens niM'J� 1-A?"fletlet Tasso's". Zwei schwarze Gitter öffneten ch, durch die man in einen dunklen, dumpfen Korridor kam; ann ging's in einen schmutzigen, feuchten Hofraum, wo eine setzstche Atmosphäre wehte— da bekam man eine Inschrift m sehen, die mit den Worten begann:„Fermate vi o posteri" Bleibt hier stehen, Ihr späteren Geschlechter), und wo die Leiden Laffo'S beschrieben waren. Mit Andacht las der Fremde. Aus diesem Hofraume drang Licht in den Kerker Tasso's, der fich nun aufthat, indem der Pförtner eine seit Jahren aus den Angeln gehobene Thür wegschob. Ist's ein Gefängniß?- lieber: Ein spanischer Jnquifitionskerker, ein Ezzelin's i? bemann... Der Engländer kam außer fich, und fc!»*, W-ü? M?icerone:„Das ist der Kerker, in dem der ÄFler fiebm � schreckliche Jahre lang steckte. Er hatte Eleonor,>u Schuld begangen, als seine Eleonore zu lieben— cht nur v Wege statt>tz Zimmei ArtigkS heruntfi lt. merkungl 1566, bli nzeschloffi nem Hun' Tasso's< n tnspirb e Gemäl gewiß ist limem ssi Besuche«1 r Obhut rt dem' ite lan Leuten n 't, das mi >f der Moo In diesr i der ne di stsi Gefells'„ twa zwoni MMMW )es armen Dichters ausruhte, und auf jener Mauer die Unter- chriften großer Männer, die dieses Gefängniß seither desuchten" kt Fremde steckte indessen irgend eine werthvolle Reliquie ein -tuckchen Ziegelstein, in die Tasche. Indessen fuhr der Pförtner «Hier war es auch, wo Lord Byron fich für einen Taa anschließen ließ, um das schönste unter seinen Gedichten abzu- fassen... Dann ging es wieder hinaus. Der Engländer gng von bannen im guten Glauben, den„Kerker Tasso's" ge- "hen zu haben. «in vergessener Gisenbahnzug. Dem„P. L." wird ls Zombor geschrieben: Es ist nicht mehr auffallend, wenn mtzutage die mannichfachsten Gegenstände in Verlust gerathen, ■Nn wenn man die Lizitationsausschreibungen der Bahnen über v. Albedyll besucht wegen Annahme eines höheren Kommandos n der Armee. Di-«ärmste« Lob-s-rh-bung-n des gestürmten Herrn v. Puttkamer tischt die„Kreuzztg." fast täglich auf. So läßt fie fich aus Mitteldeutschland einen„Eine Ehrenschuld Ztorddeutsch- lands" betitelten Artikel schreiben, in welchem das Werk der Glorifizimng des Erministers fortgesetzt wird.„Eine solche Ehrenschuld gilt es, so beginnt das Skriptum, gerade in den jetzigen bedeutsamen Tagen, wo Alldeutschland unter dem jungen Kaiser die Bewunderung jedes ernsten Politikers erregt, einzulösen einem Staatsmanne gegenüber, der allein jetzt in den großartigen Versammlungen im stadtschloß zu Berlin fehlte, wo er seit einer Reihe von Jahren nicht etwa durch ferne rfiter- liche, männliche schöne Erscheinung, sondern eben so durch seine Worte und Thatcn als einer der ersten Paladine der Königs- und Kaiserkrone geglänzt hat. Robert Viktor von Puttkamer darf die deutsche Nation in einem Augenblick, wo das Prinzip, für welches er in hervorragender Weise als vielleicht die meisten Staatsmänner seiner Zeit mit seiner ganzen gewinnenden Per- sönlichkeit eingetreten ist, der monarchische, zu neuem Glanz und epochemachender Bedeutung gelangt, nie und nimmermehr ver- gessen." Dann zählt der Einsender des Artikels die Verdienste des Herrn von Puttkamer auf und schließt:„Wir aber schließen mit dem innigen Wunsche, daß ein Mann, der so glänzend, wie Staatsminister v. Puttkamer, nicht nur dem preußischen Königshause, sondern ganz Deutschland gedient hat, nicht eher dem öffentlichen Wirken entzogen werde, als bis der Herr aller Herren ihm einst vereint mit dem ehrwürdigen Kaiser, dessen Paladine, gleich ihm selbst, der deutschen Nation unvergeßlich find."- Die„Frees. Ztg." fügt hinzu:„Umsonst. Du rettest den Freund nicht mehr!" D« einem Kruch de« Kartell« vo««ationalliberaler Keitr soll es doch nicht gekommen sein. Gerade Herr Miquel soll in den viel besprochenen Verhandlungen betont haben, daß auf die jetzigen Landtagswahlen spätestens im Februar 1890 wieder Reichstagswahlen folgen. Allerdings soll den Provinzen freie Hand gelassen werden, im Prinzip aber das Bündniß mit den gemäßigt Konservativen bestehen bleiben.— Dieses Prinzip ist das einzige, über welches der nationalliberale Mischmasch verfügt. J« der neuesten U mmer de«„Demokrat" finden wir einen ausführlichen Bericht über die Delegirtenversammlung der demokratischen Partei in Rheinland-Westfalen, in welcher bekanntlich die Ausschließung des Musterdemokraten L e n z m a n n erfolgte. Einige Ausführungen von Rednem in der Diskusfion find interessant genug, um wiedergegeben zu werden. So äußerte fich der Rechtsanwatt Melos-Leipzig u. a. wie folgt: Wenn Lenzmann erklärt habe, daß er nach wie vor eifriger Demokrat sei, so müsse er demselben erklären, daß es nicht genüge, fich zu den demokratischen Grundsätzen zu beken- nm, sondern daß man vor allem nach denselben handeln müsse. Das habe Lenzmann nicht gethan. Denn er habe den Grundsatz, daß der Einzelne fich dem Gesammtwillen unterwerfen müsse, vollständig ignorirt. Wenn Lenz- mann s-ge, daß seine Kandidatur ausfichtsvoll gewesen sei, gleichzeitig aber verfichert habe, daß er durch seine Kandidatur die demokratische Sache im Wahlkreise ruinirt haben würde, so sei dies vollständig unfaßlich. Denn wenn Lenzmann mit seiner anerkannt ausfichtsvollen Kandidatur gestegt haben würde, so würde er eben den Wahlkreis für die Partei erobert und denselben vorausfichtlich auf lange Zeit hinaus der Partei ge- stchert haben. Völlig unfaßlich seien die Ausführungen Lenz- manns über die Stellung der Demokratie zur freistnnigen Partei, der Unterschied sei klar gegeben, die Demokratie vertritt die Volkesouveränität, die freifinnige Partei verlangt dlos die konstitutionelle Monarchie, mit der fich der Demokrat nicht begnügen könne. Ebenso schroff, ja noch schroffer sei der Gegen- satz auf sozialem Gebiete. Die freifinnige Partei sei daher keine verwandte oder befreundete Partei, dieselbe habe selbst fich nie als solche gefühlt oder bezeichnet. Die folgenden Redner, Naumann, Adami, Hellmann führen an, daß Lenz- mann die Interessen der demokratischm Partei schon früher wiederholt geschädigt, und daß er seine frühere schroffe Stellung zur freifinnigen Partei völlig aufgegeben und fich der- selben wieder genähert habe. Schmemann: Das Verhalten Lenzmann's in den letzten Jahren habe ihn gründlich enttäuscht. Lenzmann habe alle seine Verpflichtungen gegen die Partei nicht erfüllt. Er, Redner, stehe vollkommen auf dem Boden der Melos'schen Ausführungen. In gleichem Sinne sprachen dann noch mehrere andere Redner, worauf die bekannte Resolution angenommen wurde. Dt- UothWendigkeit der dreijährigen Dienstzeit wird, so lesen wir in einer Korrespondenz ver Chemnitzer„Presse" aus Wilhelmshaven, dadurch treffend illustrirt. daß eine Anzahl Marinemannschasten die Maler- und sonstigen Reno- vimngsarbeiten in der Hafenkaserne hier ausführen und dabei schon seit Wochen thätig find. Jedenfalls muffen die Betreffen- den fich bereits alle militärischen Kenntnisse angeeignet haben, so daß ste auf ihre weitere Ausbildung in der Vaterlands� vertheidigung verzichten können, denn die Ausbildung in der „vergessene" Gegenstände oder aber die Rubrik des„Kleinen Anzeigers" mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt, kann man ffch hiervon zur Genüge überzeugen. Aber ganz ohne Beispiel dürste es sein, daß ein ganzer Eisenbahnzug mit„Mann und Maus" in Verlust geräth. Die Reisenden des am Sonnabend Morgen 6 Uhr von Szabadka nach Zombor abgegangenen Zuges können nämlich hierüber eine köstliche Geschichte erzählen. Der Zug trollte mit gewöhnlicher behäbiger Ruhe die endlos gerade Strecke dahin, als die Reisenden plötzlich eine merkliche Ad- nähme der„ermäßigten" Fahrgeschwindigkeit verspürten, der sodann cm vollkommenes Stehenbleiben folgte. Alles sprang erschrocken von den Sitzen auf, ritte angsterfüllt und klopsenden Herzens zu den Fenstern, aber schon in der nächsten Minute ertönte ein homerisches Gelächter, das fich von Fenster zu Fenster sottpflanzte. Man sah nämlich die Lokomotive imt einem einzigen Wagen vorauslaufen und dank dem abgeworfenen Ballast rasend dahinbrausen, so daß die Maschine bald den Blicken gänzlich entschwand. Dem ersten Bahnwächter, den der seltsame Zug pasfitte, kam dieser „Extrazug nicht geheuer vor, er gab daher das Signal welter, denselben aufzuhalten, was auch beim dritten Wächtcrhause ge- la'-g, zum nicht geringen Schrecken des Zugführers, der keine Ahnung davon hatte, daß er den Zug verloren. Nun hieß es, Kontredampf geben, die Lokomotive erreichte glücklicherweise den „verlorenen" Zug, wo fich inzwischen die Reisenden in den üppigen Weizen- und Haferfeldern ergingen, den Stand der- selben genau bestchtigen konnten, allerlei mehr und minder gute Gelegenheitswitze zum Besten gaben und der Komik der Situation entsprechend Kurzweil ttteden. Nun hatte aber der unfreiwillige Aufenthalt„im Grünen" ein Ende, man mußte einsteigen, das durchgegangene Dampfroß wurde vorgespannt, „Mehett!" ein schriller Pff ff, die Lokomottve pustete und stöhnte, aber der Zug rühtte fich nicht von der Stelle. Der Lokomotive war eben— was nicht zu verwundern— durch das schnelle Hin- und Herlaufen die Kraft ausgegangen, den ungewöhnlich, pardon ganz gewöhnlich langen Zug fortzuschleppen, und es blieb nichts anderes übrig, als denselben in zwei Hälften zu theilen und dann jede derselben separat zur nächsten Station zu„ziehen", wo der unglücklichen Lokomotive frische Lebenskraft für die Weiterfahrt eingeflößt wurde. lieber die höchst erreichbare Geschwindigkeit der Lokomotive« enthält der Londoner„Engineer" einen inter- effanten Aufsatz. Thatsächlich, heißt es dott, bttngen es die schnellsten Züge nie auf 60 englische Meilen oder 96 Kilometer in der Stunde, und es sei die erhoffte Schnelligkeit von 80 Handhabung des Pinsels dürfte doch schwerlich dazu zu rech« nen sein....- Gi« grösserer Kozialistenprozeß steht demnächst vor dem Landgettcht in H a m b u r g bevor. In Sachen der im November v. I. in Barmbek verhafteten Personen ist gegen zwanzig derselben Anklage erhoben und diesen vor einigen Tagen die Anklageschttst zugestellt worden. Die Anklage lautet auf Vergehen gegen vre§§ 128 und 129 des Strafgesetzbuches. Glsasstsche«. In Nancy will man an der Hand der Eisenbahnstatistik herausgercchnet haben, daß in den ersten vier- zehn Tagen der Paßpflicht(1. bis 15 Juni) einzig auf dem dottigen Bahnhofe nach deutschen Stationen ungefähr drei- tausend Fahrbillets weniger als in dem entsprechenden Zeiträume des Vorjahres ausgegeben worden find. O-sterr-ich-Uttgar«. Herr Schönerer, der Antisemit, hat, wie gemeldet wird, dem Landesaerichte durch' seinen Anwalt mittheilen lassen, daß er die über ihn verhängte viermonatliche schwere Keckerstrafe am 1. September antreten wird. Großbritanitie«. Oberhaus. Die Bill, detreffend den Spitttushandel in der Nordsee, wurde in dtttter Lesung angenommen. Wie das„Freeman's Journal" mittheilt, erhiell der irische Abgeordnete T. Harttngton einen G erichtsdefebl, für den bevorstehenden gegen die„Times" angestrengten Verleum- dungsprozeß alle Bücher, Papiere und Urkunden der Landliga, der Damen-Landliza und der Nationalliga dem Gericht vorzu« legen. In Downspatrick kam es zwischen nationalistischen Ausflüglern nnd 300 orangistisch gesinnten Milizen zu einer: Schlägerei. Es heißt, daß die Orangisten(Protestanten) ange- fangen und die mufikalischen Instrumente der Kapelle der Aus- flügler zertrümmett hatten. Die Polizei vermochte nicht, die Strettenden zu trennen. Frankreich. D e p u t i r t e n k a m m e r. In der Interpellation betreffs der Wahlfälschungen in Carcaffonne erklärte Flourens, es stehe fest, daß der Maire den gettchtlichen Befehlen Widerstand geleistet und Unordnung verursacht habe. Der Präfekt habe mit dem Bürgermeister komoromittirende Beziehungen gehabt. Flourens fragt an, welche Maßnahmen die Regierung in Bezug auf den Präfekten ergreifen werde. Floquet erwiderte darauf, der Bürgermeister von Carcaffonne sei krank gewesen und sein Stellvertreter habe die Verhaftung befohlen und damit unklug und ungesetzmäßig gehandelt. Floquet belobt den Prä- selten, dessen Dienste seitens der Regierung anerkannt werden müßten. Wenn die Kammer sich dahin aussprechen sollte, daß die Regiemng ihre Pflicht gethan habe, so müßte die Regierung zurücktreten. Floquet sagt, man suche die Regierung in Miß- kredit zu bringen, bevor man ihr den letzten Stoß versetze. Er glaube, daß gegen ihn Anschläge geschmiedet werden, aber die Re» gierung werde reine Unterstützung als von Seiten der Republikaner suchen und keine Hilfe von einer fich unwürdig benehmenden Seite annehmen. Nach der Antwort Floquets lehnte die Kammer die einfache Tagesordnung mit 339 gegen 193 Stimmen ab, welche Floquet zurückgewiesen hatte und nahm darauf mit 326 gegen 172 Stimmen eine Tagesordnung an, welche das Vertrauen dem Kabinet ausspricht. Im Loiret-Departement stand eine Abgeordneten- wähl an. Es handelte- fich um den Sitz des verstorbenen Republikaners Davade, der im Ottober 1885 als Zweiter der republikanischen Liste durchgedrungen war. Die Boulangisten hatten es nicht gewagt, dott einen Kandidaten aufzustellen, und fie dürfen Recht gehabt haben; denn der General, zu dessen Gunsten fie insgeheim eine Kundgebung erhofften, erhielt ganze 17 Stimmen, der konservative Advokat Dumas 24010, der radikalsozialistische Generalrath Lacroix 21 868 und der Opportunist von Eichtal, einer der Großgrundbesitzer des Loiret, 20 516 Stimmen. Somit vereinigten die Republikaner 42 394 Stimmen, 3000 mehr als Devade vor 3 Jahren erzielt hatte. Eine Stichwahl ist nothwendig. Vielleicht bringen die Oppor- tunistcn der republikanischen Disziplin ein Opfer und geben ihre Stimmen am 15. Juli Lacroix. Die Kammer nahm die Art. 3— 6 des Haftpflicht- g e s e tz e s mit Ausnahme des Paragraphen des Att. 4 an,. worin ausländische Ardeiter von der Entschädigung ausge- schloffen werden. Der Referent Ricard erklärte, daß die Kom- misfion diesen Paragraphen in das Gesetz ausgenommen habe als Repressalie gegen die deutsche Gesetzgebung, die ebenfalls ausländische, d. h. französische Arbeiter(Unruhe) ausschließe. Die Kammer lehnte diesen Paragraphen mit 216 gegen 139 Stimmen ad; der Att. 7 wird durch einen Antrag des Abg. Audiffret ersetzt, wonach einem Wittwer die gleiche Entschädigung. gewähtt wird wie gegebenen Falls einer Wittwe. Den belgischen sozialistischen Zeitungen war bisher der Eintritt in Frankreich verboten. Das Ministerium Floquet hat dies Verbot nunmehr aufgehoben. Der Unterrichtsminister Lockroy hielt dieser Meilen oder 128 Kilometern ein Wahn. Warum? Einmal wegen des Widerstandes der Luft. Derselbe komme bei dieser Geschwindigkeit dem Drucke des schwersten Orkans gleich, wozu noch der Umstand trete, daß die Maschinen häufig dem Winde entgegenfahren. Ferner müsse fich ein 7 Fuß Lokomotiv-Treidrad bei 80 Mellen in der Minute 320 Mal drehen, und jeder Zylinder fich 740 Mal mit Dampf süllen. Diesem bleibe aber hierbei zum vollen Entweichen keine Zeit, und er wirke daher dem ein« tretenden entgegen. Endlich seien die furchtbaren Schwingungen der arbeitenden Theile in Betracht zu ziehen. Der lästige Anbeter. Die gewesene Seiltänzettn und Trapezkünstlerin Wilhelmine Barteler in Wien hatte zwei Mal beim Wohnungswechsel in dem polizeiliche» Meldezettel ihren Namen und Gebuttsott falsch angegeben. Das Polizeikom- miffariat erstattete wegen dieser abweichenden Angaben gegen Wilhelmine Batteler eine Anzeige wegen Falschmeldung. Bei der hierüber vor dem Bezirksgettchrc Ottakttng stattgehabten Verhandlung erklärte fich die Angeklagte für schuldig und fügte ihrem Geständnisse folgende Erläuterung zu: Sie sei die Tochter eines Akrobaten, mit dessen Truppe fie viele Jabre lang in ungarischen Städten und Dörfern umhergezogen. Nachdem ihr Vater gestorben, wurde fie Dienstmädchen, was fie auch jetzt ist. Nun verfolgte sie seit geraumer Zeit ein„Künstler", ein Akrobat natürlich, mit Liebesanträgen. Dieser Mann sei ihr im höchsten Grade zuwider, fie könne fich vor ihm nirgends ver- bergen, denn jede Wohnung mache er, indem er bei allen Polizeikommiffariaten nachfrage, früher oder später ausfindig. Er meine es wohl ernst mit seinen Heirathsanträgtn, aber fie könne ihn nun einmal nicht leiden- Um ihm nun ein Schnipp- chen zu schlagen, habe ste auf dem Meldezettel ihren Namen und Geburtsort geändert, damit er auf der Polizei ihre Wohnung nicht mehr erfahre. Das Mittel sei auch probat ge- wesen, denn von nun an konnte ste der lästige Anbeter nicht mehr besuchen. Der Richter veruttheilte die Angeklagte unter Anwendung des außeroidentlichen Milderungsrechtes zu 24 Stunden Arrest. Kegräbniss««d Hochzeit«» einem Tage. In einer Ortschaft bei Jeffersonville, Ind., hielt der lutherische Prediger Andrews, wie die„N.-N. H.-Z." derichtet, vor einigen Tagen an dem Grabe einer Frau Wascom die Leichenrede. Am Abend des Begräbnißtages wurde der 73 Jahre alte Wittwer der Ver- storbenen mit der 71 Jahre alten Schwester der letzteren von demselben Prediger„getraut". Als Trauzeuge fungirte— ein Urenkel des Bräutigams. Tage im Amphitheater der Sorbonne bei der Preisvertheilung des ,, Vereins der Französtschen Jugend" eine Rede, in welcher «r als Ziel des nach 1870 gegründeten Vereins, dem er selbst angehört, die Hebung des nationalen Sinnes und die sittliche und geistige Kräftigung der Jugend dezeichnete und namentlich die von der Schteßabthcilung des Vereins erlangten Erfolge an- erkannte. Der Minister sagte dann:„Sie haben Recht, wenn Sie glauben, daß man sich auf alle Ereignisse vorbereiten muß, sogar auf solche, die man beseitigen will. Allein ich kann mich nicht enthalten, Vertrauen in die Weisheit der Völker zu ge> Winnen, und ich behar pie, daß trotz gewisser Politik viele Herzen in Europa einig mit den unsrigen schlagen. Unsre Studenten haben sich auf ihrer Reise zu den Bologner Festen davon über- zeugen können, wo ihre würdige, gefällige und echt französische Haltung die Zuneigung aller erregt und allen Achtung adaenöthigt hat. Ich denke mir, daß trotz allem die Welt nicht für immer durch Haß und Mißtrauen entstellt bleiben kann. Es find Be- stredungen der Gemeinsamkeit und Brüderlichkeit, wie die ihrigen, welche früher oder später diese alte Welt ändern werden. Ich dachte dies jüngst, als ich das Museum Guimet verließ, wo sich unter anderen Seltenheiten eine sagenhafte Gruppe befindet, den Kampf eines von Waffen strotzenden Riesen mit einem Kinde darstellend, das als einzige Waffe einen Fächer trägt. Der furchtbare Riese ist das Sinnbild des blinden Haffes, der drutalen Gewalt. Das Kind, dessen Fächer die ganze Rüstung Stück um Stück fallen macht und das schließlich triumphirt, ich finde es in Ihrem friedlichen und unansehnlichen Werke wieder, das doch gewaltiger Anstrengungen und heldenhafter Erfolge fähig ist." Ein neuer Spion ist entdeckt, welcher versucht haben soll, sich in den Bcfitz eines Lebelgcwehrcs zu setzen. Der Ver- haftete, ein Deutschschweizer Namens Jakob S...., soll be- hauptcn, er habe sich lediglich einen schlechten Scherz machen wollen. Aus Algerien werden mehrfache Ruhcstörungen durch die Eingeborenen gemeldet, unter welchen wegen Heuschrecken- fraßes Hungersnoth ausgebrochen ist. Der von den Heu- schrecken angerichtete Schaven wird auf vierzig Millionen an- geschlagen. Holland. Die holländische Kammer tritt am 10. d. M. zusammen. Der Nieuwenhuis'sche Antrag gegen das T r u ck s y st e m wird gleich in einer der ersten Sitzungen zur Verhandlung kommen. Amerika. In der„Turtle-Mountain"-J ndianer-Reservation im Staate Dakota herrschen nach den Berichtm, welche vom Misfionspräfidentm dieses Staates, Bischof Marty, soeben dem Gouvemement vorgelegt worden find, grauenhafte Zustände, die ledhaft an die Schilderung von„The famine"— die Hungersnoth, in Longfellows„Hiawatha" erinnern. Zur Zeit indeß, in welcher Longfellows Schilderung spielt, sorgt noch kein„milder Vater in Washington" für seine armen braunen Kinder, wie dies heute der Fall ist. Die genannte Reservation umfaßt nicht weniger als 5000 Seelen, Voll- und Halbblut-Jndianer, meistens Christen, welche buchstäblich verhungem, weil die ihnen von der Regierung zukommenden Provifionen seitens ungetreuer Agenten auf die Hälfte reduzirt oder auch gänzlich unterschlagen werden. Die betreffenden Stämme werden als äußerst intelligent und arbeitsfreudig aeschildert, aber jede Möglichkeit zu arbeiten und des Leibes Nahrung und Nothdurft dem Boden abzugewinnen, ist ihnen genommen. Trotz der schlechtm Bedienung der Agenten find diese Indianer verpflichtet, eine enorme Steuer für das von ihnen bewohnte Land(aus welchem fie keinen Nutzen ziehen) zu bezahlen; als ihnen dies in den Jahren 1885, 1866 und 1887 nicht möglich war, pfändetm brutale Agenten ihr Vieh, ihre Ackergeräthe, ja, ihr Samengetceide, so daß fie jetzt ohne alle Mittel dastehen. Und diese Indianer nennen nicht weniger als 9 Millionen Acker Landes ihr eigen, die unter einem günstigen Himmelsstriche liegen und, schlecht gerechnet, einen Verkaufswerth von 2 250000 Dollars haben. Zu diesem Preise wünscht nämlich die Regierung seit Jahren das Land zu übernehmen und dm Indianern vier Prozent Zinsen(90000 Doli.) zu bezahlen, wodurch dieselben aller Roth enthoben wären— inzwischm aber stehlen weiße An- fiedler das Land Stück für Stück, brutale Beamte entreißen den wehrlosen Indianern Geräthe und Vieh und entziehen ihnen die ihnen zukommende Unterstützung. Die Zustände sollen gräßlich sein, ganze Familien verhungern. Der Büffel, welcher ihnen in früherer Zeit Nahrung und Kleidung lieferte, ist längst von der Prairie jenes Landes verschwunden, die Flüsse find arm an Fischen und die Felder liegen brach. Afrika. Nach einem Telegramm des Rcuter'schen Bureaus aus Durban griff eine aus Polizeitruppen und eingeborenen Hilfs- Mannschaften destehende Streitmacht die Schaar der Jnsuraen- ten unter Anführung ihres Häuptlings an und schlug dieselben nach sechsstündigem Kampfe zurück. Die Verluste beiderseits sollen nicht unbeträchtlich sein. Die Engländer hätten unter anderen einen Offizier und zwei höhere Kommandirende der Eingeborenm verloren. Kleine Mittheilnngen. Giolebe«, 3. Juli.(Wolkenbruch.) Vor einigm Tg grng der Vattcrde ein Wolkendruch hernieder, alles, was seinen Bereich kam, vernichtmd. Wahre Ströme wälzten I auf ihrem Wege alles mit sich fottreißend, gen Groß Oerner Der hier vorbeifließende kleine Bach, der sogen. Stockbach, kor die neu hinzukommende Wassermenge nicht fassen, weshalb d« sich weit darüber hinaus ergoß. Namentlich haben die tw betroffenen Ackerflächm gelitten; die Frucht wurde aus d Boden gespult, der Acker selbst verschlämmt, Ackergeräthschaf davongefuhtt. Weiter unten nach Burg-Oerner zu konnte- später ausgerissene Pflanzen in dm Aesten der Obstbäume m nehmm. em Beweis dafür, wie hoch die Wasser gestanden hat Der Fleiß mancher Jahre ist mit einem Schlage dahin. Vieles bäude, so auch die Rheinische Dynamitfabrik bei Leimbach, stau! unter Wasser; die auf die Dächer derselben geflucht« Menschen wurden später von herbeieilenden, hilfsbereiten Menfi aus ihrer mißlichen Lage befreit. Außer den genannten r schiften baden noch sehr gelitten die Ortschaften Sinsled Hubitz, Thondorf u. s. w. Da es meist Kleinbesitzer betrifft. der Schaden um so nachhaltiger— Auch in der Gegend zwist Erdeborn, Hornburg. Aebtischrode und Holzzella oberhalb C lebens ging ein Wolkenbruch nieder, der noch verheerender> wirkt haben soll, als der erste. Hier find namentlich viele Hunde, Schweine, Hühner mit fottgeschwemmt und in> Fluthen umgekommen. In vielen von dem Wasser heimgesus Grundstücken mußte das Vieh auf den Böden geborgen wer» Die Hoffnung auf eine einigermaßen gute Ernte, die man 0 hegen konnte, ist mit einem Schlage zu Nichte gewordm. 0 leben selbst ist nicht berührt worden, es wurden die Fluren« durch einen Regen erfrischt. z-«d-n, 2. Juli.(Unglück zur See.) Der von New-N in Queenstown angekommene Cunarddampfer„Umbria" ül» bringt die Meldung von dem am 1. Mai im Stillen Oy während eines furchtbaren Sturmes erfolgten gänzlichen IW gange des Fischerschuners„Isabel". Von der aus 19 M bestehenden Besatzung erttanken 14. Die fünf Uederleben» wurden am 21. Juni in San Franziska gelandet, nachdci»' acht Tage in einem offenen Boote zubrachten ehe es ihricuL lang, auf einer unbewohnten Insel, 200 Meilen von Karlul.> landen. Dort blieben fie, fast todt vor Erschöpfung, 13 T« bis endlich der Schuner„Otter" ihre Nothfignale bemerkte fie aufnahm. Der Kapitän starb wenige Minuten nach> Landung auf der Insel an Erschöpfung. Theater. Donnerstag, den 5. Juli. »Ppratz««». Geschlossen. »chaasvipth««». Geschlossen. firtekrich. Wilhelmstadtische» Theater. Pariser Leben. «»»«'»«h-ater. Hans Heiling. ictoria-Uheater. Die Kinder des Kapttän Grant. GeUealliane-- Theater. Die Unglücklichen. Teatral-Theater. Die Gstead- Theater. Die Paris. Amrfto««»'» Partttt. stellung. T»»e»rdia- Theater. stellung. Das elfte Gebot. Himmelsleiter. Löwenbändigerin von Spezialitäten» Vor- Spezialitäten« Vor- Schweizer Garte«. Täglich: Spezialitäten-Verstellung Dino* Truppe, Leu Klick*, James Willen, Willberg und Elly Netto-«n. Nolksdetustigauge«. Im Saal: Ball. Abends: Gr. 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Im volksthümlichen Tone ge- halten und nach dem Grundsatz:„Alles für das Volk und Alles durch das Volk", nur auf die Interessen des arbeitenden Volkes bedacht, tritt fie entschieden ein für durchgreifende soziale Reformen auf wirthschafllichem Gebiet und eine frei- heitlicke Entwickelung auf politischem Gebiet. „Die Nord-Wacht" Reichstags- und Landtagsberichte, eine umfassende politische Uedeificht, genaue Be richte über alle Vorgänge auf gewerkschaftlichem Gebiet, über Krankcnlassmwcsen rc., eine gediegene Unteryaltungsleftüre sowie Onginal- Korrespondenzen aus allen Theilen Deutschlands. Der Arbeiterbewegung aller Länder widmet„Die Nord- Wacht" ihre ganz besondere 3lusmerksamkett und orientitt ihre Leser über alle dies- bezüglichen Vorgänge. „Die Nord- Wacht« Abonnements nehmen alle Kaiserlichen Postanstalten, die Filialexpedttionen und Kolporteure entgegen. Zu zahlreichem Abonnement ladet ein 1430 Kebaktion unb Perlag der„Nord-Macht�. Kaut- Milhelmshafen. Todesanzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nach- richt, daß mein lieber Mann, der Tischler Heinrich Wanke nach schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Freitag Nach- mittag 5 Uhr nach dem Neuen J.'cobi- Kirchhof vom Trauerhaus aus statt. Die trauernde Wittwe 1437 Marie Zvolanke. Steppdecken!! Nach beendeter E» gr a»- H ai f o a auch «tapinriumr Fabrik Große türkische und Purvur-Ateppdecke«, Stück 3,50 MI. Moll Atta»- Steppdecke«, imit. in Blau, Bordeaux und Grün, Größe 150x200 cm., Stück 7,50 Mf. Emil Lelbvre, oSSÄ, zwischen Moritzplatz und Oranienbrücke. Versandt gegen Nachnahme. NB. Einzelne läditte Decken, sonst.3 u. 10 Mk., jetzt 4 u. 5 Mk. 1269 j Unserm Genoffen Herrmann Seliger zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreifa� Hoch!! Die bekam»!»» Dicklacke� i Alle Zecher aufgewacht, Und erkennet(N Macht, Alle Kneipen? liegen still, Wenn# Portemonnaie es will. Doch wünsche ich, Euer Portemonnaie immer voll ist in Fü? 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Die Polizeiderichte melden aus verschiedenen Orlen jetzt bei der Hitze — wie sie geherrscht hat— Fälle von Hitzschlag. Sonderbarer- weise werden die Arbeiter, welche an heißen Tagen in den Fabrikräumen bei schwerer Arbeit schwitzen, und die Landleute, welche im Sonnenbrand die Ernte besorgen, viel weniger vom Hitzschlag heimgesucht, als Straßenpassanten oder marschirende Soldaten. Es wäre interessant, meint die„D. Gastw.-Zlg.", wenn die Aerzte darüber eine Statistik aufstellen und eine Er- kläruna geben wollten. Sucht man mit dem Laienvcrstandc eine Erklärung, so fällt einem zunächst der Unterschied in der Bekleidung auf. Der Arbeiter, sowohl der städtische wies der ländliche, trägt während seiner Beschäftigung eine Kleidung, welche außer den notbwendigsten Rücksichten auf die Scham- haftigkeit kein anderes Gebot kennt, als die Zweckmäßigkeit. Er hält die Haut bedeckt gegen die Sonnenstrahlen, aber es fällt ihm nicht ein, den Körper einzuengen, oder die Ventilation der .Haut zu hindern. Wenn aber ein„wohlgesctzter" Bürger über die Straße schreitet, so unterwirft er sich den Vorschriften des sogenannten„Anstandes" und der Mode, und wenn er auch darob zu Grunde geht. Um den Hals muß ein steifer Hemd- kragen sich schließen, der nicht blos erhitzt, sondern auch die Bewegungen des Blutes in den großen Halsadern beeinträchtigt. Nichts erfrischt bekanntlich bei großer Hitze schneller und besser, als eine Abkühlung der Handwurzel an der Stelle, wo die Armpulsadern zu fühlen find. Damit wir diesen Vortheil nicht genießen können, legen wir uns um den Unterarm ein geschlossenes Hemd und eine steife Manschette. Es giebt Thoren, die sich Hemdbündchen und Manschetten so eng auswählen, daß der Unterarm des Luftzuges vollständig entbehren muß. Und mag die Hitze auch noch so afrikanisch sein, der ordentliche Mensch muß doch eine Weste und einen Rock über dem Hemde tragen. Im Verein mit dem tzosenbund macht das eine vierfache Umhüllung in der Mitte des Leibes. Die Weste offen lassen wäre ein Vergehen gegen die gute Sitte. Die Mehrzahl der Männer trägt schwere Hüte, welche mehr ge- eignet sind, den Kopf zu belasten, als den Racken vor Sonnenstrahlen zu schützen. Die Filzhüte schließen die Ventilation des Kopfes ab, das undurchlässige Lederband im Hut trägt zur Er- regung und Konservirung des Schweißes redlich bei. Dazu noch schwere Stiefel von unporös gemachtem Leder und Strümpfe von überflüssiger Höhenausdehnung. Tie„feinen Herren" thun endlich noch ein Uebriges, indem sie die Hände in Handschuhe zwängen, wodurch nicht allein die Hand selbst von der Ventilation ausgeschlossen ist, sondern auch die Handwurzel eine neue Be- lastung empfängt. Die Soldaten haben den kleinen Vortheil, daß sie keine Weste zu tragen brauchen. Dafür haben sie aber den schweren Nachthal des fest geschlossenen Rockes, und be- sonders schlimm ist der stehende Kragen mit der ebenfalls eng geschlossenen Halsbinde darunter. Eine widersinnigere Tracht für beiße Tage läßt sich kaum ausdenken. Man hat nun in neuerer Zeit medr und mehr die Soldatenausrüstungen zu ver- bessern gesucht; die Oeffnung der oberen Knöpfe zur Befreiung des.Halses ist schon längst in Uebung gekommen, ebenso wie man von der grausamen Verirrung abgekommen ist, den lechzenden Truppen das Trinkwasser vorzuenthalten. Jetzt ist eine leichtere Ausrüstung der Soldaten in Einführung de- griffen, aber leider bleibt noch der enganliegende Waffenrock; er scheint unbezwingbar zu sein, ebenso wie die Metallknöpfe, welche nichts weiter wie Putzarbcit mit sich bringen. Reulich erschien ein sehr vernünftiger Artikel, welcher eine gründliche Umänderung der Mlitärbekleidung befürwortete: ein wollenes Hemd und eine leichte weite Blouse darüber. So praktisch diese Kleidung auch in jeder Hinficht sein mag, sie wird doch schwer- lich schon in nächster Zukunft zum Siege gelangen, da die Gegenwart noch zu viel Gewicht auf die äußere, stramme, parademäßige Erscheinung des Soldaten legt, obschon in Kriegszciten alle diese Eitelkeiten dahinschmelzen wie Butter vor der Sonne.— Bei den Kellnern ist zwar auch ein gewisses gc- schmackvolles Aeußere in der Kleidung geboten, aber jedenfalls wird Vasselbe nicht nur durch die fast allgemein übliche Tracht, deren sich die Kellner zu bedienen haben, erzielt. Die schwarzen Beir klcider und der schwarze Frack, beide eng anschließend, find nur zu oft nichts weniger als geschmackvoll gearbeitet und, was unausbleiblich ist, nicht gerade„sehr reinlich und zweifelsohne"; beide können unmöglich bei den Anstrengungen, denen sich ein Kellner, hat er im Sommer eine größere Anzahl von Gästen zu bedienen, unterziehen muß, praktisch und gesund sein. Man sehe nur, wie die Kellner Speisen und Getränke von der Küche und dem Büffet nach den entferntesten Tischen des Lokals, an denen die Gäste Platz genommen haben, tragend, in den heißen Stunden des Tages förmlich keuchen, wie oft und wie lange sie hin- und herlaufen müssen, wie dieser oder jener Gast schnell befriedigt sein will und wie mancher Kellner des Abends, wenn im Geschäft mehr Ruhe eingetreten ist, infolge der durch- gemachten Strapazen zusammenbricht. Es würde eine dankbare Aufgabe für unsere Klciderlünstler sein, für den Kellner eine Kleidung auszuklügeln, die an Stelle der jetzt fast allgemein üblichen zu setzen ist.—(Die obige Schilderung der strapaziösen Thätigkeit der Kellner, welche unter Umständen im Winter genau so Platz greift, wie im Sommer, ist gewiß durchaus zu- treffend. Um so unfaßbarer ist es. daß Gastwirthe sich erkühnen, eine derartige aufreibende Thätigkeit der Kellner im Interesse ihrer„Arbeitgeber" nicht zu bezahlen!)— An den weiblichen Theil der Menschheit— die sogenannte bessere Hälfte— richtet man oft Aufforderungen zur Opposition gegen die Mode- Tyrannei,— sie bleiben sämmtlich erfolglos! Ebenso erfolglos würde es bleiben, wenn man die Männer zum Bruche mit der unzweckmäßigen Tracht, z. B. zur Anlegung flncr losen Blouse zur Sommerszeit, ermuntern wollte. Es lassen sich nur Milderungen der henschenden Tracht, welche die Gesammterschrinung nicht auffällig machen, in Anregung bringen. Wenn man die Haut von den Vcntilationshinder- nissen der Kleidung zu befreien strebt, muß man aber auch zu- gleich an eine genügende Pflege der Haut durch Waschungen, Bäder und kalte Abreibungen denken. Je mehr Staub und Schweiß, desto mehr Wasser muß heran! Mit dem Baden sieht es zur Zeit sowohl in den Sadten, wie auf dem Lande bei der großen Masse noch sehr schlecht aus: die Sache hat ja auch, be> sonders für ältere und für werbliche Personen, ost die größten, vielfach unüberwindlichen Schwierrgkerten. Daher ist es wohl angezeigt, abermals darauf aufmerksam zu machen, daß man durch eine umfassende Waschung und anregende Abreibung des Körpers im eigenen Zimmer, am besten glerch nach dem Auf- stehen, sehr leicht die Erfrischung eines Bades sich sichern kann. Keine Kosten, blos eine lohnende Anstrengung von wenigen Minuten! Man hat den Seifenverbrauch als Kultur- barometer bezeichnet; mit mehr Recht könnte man an dem Wasserverbrauch den Stand der Gesundheitspflege ermessen. Die Durchlegung der Dimmerstraffe ist nunmehr be- schlossene Sache. Damit ist eine endliche Verbesserung errungen worden, welche die Stadt seit mehr als fünfzehn Jahren in un- ermüdlichem Kampfe gegen den Militärfislus erstrebt hat. Die Kr egsminist.r von Roon, von Kamele und bis in die neueste Zeit auch Bronsatt von Schellendorff haben dem Verlangennach einer kaum mehr aufschiebbaren Verkehrsverbrssemng stets wichtige militärische Interessen entgegengesetzt, welche das Aufgeben des kleinen Streifens des Gartens des Kriegsministeriums unmög- lich machten, welchen man zur Durchlegung bedarf. Nun geht es urplötzlich. Bald nach dem Regierungsantritte Kaiser Friedrich's hatten die Bewohner der Zimmer-, Wilhelm- und Königgrätzerstraße ebenko wie die städtischen Behörden neue Versuche in Form von Petitionen an den Kaiser und Anträgen an den Kriegsminister gemacht. Allerdings, wenn man sich den Theil des Gartens ansieht, der für den Durchbruch geopfert werden soll, wird man es zwar erklärlich finden, daß man sich im Kriegsministerium nur ungern davon trennt, aber die Stich- haltigkeit der militärischen Gründe wird nur schwer einleuchten. Denn dieser Streifen setzt sich, wie die„National-Zeitung" schreibt, zusammen aus einer schmalen Kante von Gemüse- anpflanzungen und dann dem Stück einer Sommer-Reitbahn für die Offiziere des Kriegsministeriums. Die Reitbahn würde eine kleine Verlegung erfahren müssen. Das Vaterland wäre sicherlich nicht in Gefahr gerathen, wenn diese Verlegung schon vor zehn Jahren stattgehabt hätte. Nun, freuen wir uns der endlichen Lösung und hoffen wir, daß nicht jede Verbesserung, bei der die Stadt mit dem Militärfiskus zu verhandeln hat, solche Schwierigkeiten gegen sich aufgethürmt findet. In welcher Weise der Durchdruch durchgeführt werden wird, ist noch gar nicht festgestellt. Eine Bebauung auf beiden Seiten in der Fluchtlinie der neuen jetzt in eine Sackgasse auslaufenden Ver- längerung würde finanziell sich ja empfehlen, dagegen würde sie die jetzt zusammenhängenden Gärten des Palais des Prinzen Albrecht und des Kriegsministeriums auseinanderreißen. Es er- scheint daher wahrscheinlich, daß die Straße nur durchgelcgt werden wird, wozu wahrscheinlich eine Brücke nothwendig ist. Gleichzeitig mit dieser hochwichtigen Verkehrs- Verbesserung wird eine zweite als bevorstehend an- gezeigt. Der finanzielle Plan zur Verbreiterung der Friedrichstraße zwischen Behrensttaße und Unter den Linden um 4 Meter ist aufgestellt und gesichert. Die Einholung der staatlichm und städtischen Zustimmung wird alsbald be- weikstelligt werden. Schon vor etwa einem Jahre bestand dieser Plan. Er fiel damals zu Boden, weil schon auf vertrauliche Anfragen bei der Stadt sich herausstellte, daß auf die von ihr ermattete Hilfe in dem geforderten Umfange nicht zu rechnen sei. Der Plan ist neu umgearbeitet worden und dürfte diesmal ver- wirkiicht werden. Es ist an dieser einen Stelle deutlich nachzu- weisen, wie sich Unterlassungssünden stets rächen. Dreimal hat man die Gelegenheit, die, wie Jedir sehen konnte, ganz unauf- baltsame Verbreiterung der Friedrichstraße in ihrem engsten Theile vorzunebmen, vorübergehen lassen, ohne sie in Angriff zu nehmen. Zuerst, als die Passage gebaut wurde, dann, als an der Ecke Unter den Linden das Hotel und Kafe Bauer entstand, dann vor anderthalb Jahren, als der neue Prachtbau der Schultheiß'schen Brauerei errichtet ward, ein Palast, der vor einem Monat erst bezogen wurde und nun wieder abgettssen werden muß. Statt der kostspieligen Bauten waren damals nur alte, vergleichsweise wcrthlose Häuser in Frage. Indessen wird dem oben zitirten Blatt mitgetbcilt, daß die Vettheuerung— durch diese Verschönerang der Häuser entstanden— die Verwirklichung des ganzen Plans nicht aufzuheben vermag. Denn wenn die Straße um 4 Meter verbreitert wird, so kann die ganze Reihe um ein Stockwerk höher gebaut werden. Es ist eine ganz merkwürdige Erscheinung, daß fast sämmtliche auf die Linden zuführenden Querstraßen, sobald sie die Näbe derselben erreichen, sich verengen. Das ist linksseitig bei der Charlotten- sttaße der Fall, dann bei der Friedrichstraße, weiter hinauf bei der kleinen Mauerstraße, die gar nur den Charatter einer Durch- fahrt hat. Auf der rechten Seite wiederholt es sich bei den schon genannten Straßen, dann bei der Neustädtischen Kirchstraße und der Neuen Wilhelmstraße. Diese Verengungen ver- hindern nicht allein die Weiterführung der Pferdebahn bis an die Linden oder quer über sie hinweg, sondern sind auch bei dem Zusammenströmen der Massen bei jedem außergewöhnlichen Anlaß die Stätten dringender Gefahr. Ganz besonders ist dies natürlich bei der„schärfsten Ecke" Berlins, an der Kranzlerecke, der Fall. Das Zurückrücken der Ostseite vom Hotel Bauer bis zum Safe Schultheiß würde eine Verbesserung von großartigster Tragweite sein. Zur Kutschrrfrage. Die Kutscherfrage hat sich bereits zu einer brennenden lokalen Tagcsfrage herausgebildet. Der Fuhr- werksdetrieb auf den Straßen Berlins und die vielen durch Ueberfahrin herbeigeführten Unglückefälle halten das Putlikum und die öffentliche Meinung unausgesetzt in Athcm. Die Presse widmet dieser Tagesfrage die größte Aufmerksamkeit, über die Kutscherfrage wird öffentlich debattirt und erst letzthin ging ein Attikel durch die Zeitungen, in welchem der Meinung Ausdruck verliehen wurde, daß es unter den obwaltenden äußerst schwiettg gewordenen Verhältnissen schwer sei, für schnellfahrendcs Fuhr- werk noch geeignete Kutscher zu bekommen. Zur Ergänzung der hierfür bereits angeführten Gründe mögen hier die Auslassungen eines Fachmannes folgen, welche zur richtigen Beleuchtung der Kutscherfrage einen nicht unwesentlichen Beitrag liefern. Wer bei den jetzt obwaltenden Verhältnissen, so meint derselbe, irgend eine andere Beschäftigung finden kann, verzichtet auf die Führung eines Fuhrwerks ganz gewiß, weil erstens die Ein- fünfte die denkbar schlechtesten sind und zweitens jeder befürchten muß, bei der ersten Gelegenheit mit Strafe belegt zu werden oder wegen eines, meist durch Paffanten veranlaßten Unglücks- fackes ins Gefängniß wandem zu müssen. Hierzu kommt dann noch gewöhnlich— beim öffentlichen Fuhrwesen— eine tief in das Erwerbsleben der also Bettoffenen einschneidende polizei- liche Bestimmung, nämlich die Entziehung der Fahrlegitimation, des sogenannten Fahrscheines. Was das zu bedeuten hat, kann nur derjenige beurtheilen, der davon betroffen worden ist. Die Entziehung der Fahrlcgitimation dauert nach den polizeilichen Bestimmungen— wenigstens ist dies in Berlin der Fall— mindestens 2 Jahre! Und ob nach Ablauf dieser Zeit diesen Personen eine Fahrlcgitimation wieder ertheilt wird oder werden kann, liegt im Ermessen der Polizeibehörde. Nun ist aber doch nicht anzunehmen, daß solche Kutscher fernerhin zur Führung eines Fuhrwerks absolut untauglich find. In den meisten Fällen wird dies aber von den zuständigen Behörden angenommen und werden die Gesuche um Wieder- erthellung der entzogenen Fahrscheine abschlägig beschieden. So kommt es denn, daß die vielfach geschulten und erfahrungsreichen Kutscher aus einem Berufe unfreiwillig ausscheiden muffen, in dem sie fast ein halbes Menschenalter zugebracht und sich und ihre Familien ernährt haben. Wenn auch die Behörde zu einem solchen Vorgehen befugt ist, so liegt doch in diesem Systeme eine besondere Hätte, die sicherlich nicht dazu angethan ist, ab- schreckend gegen die Ursachen, worauf dasselbe Anwendung findet, einzuwirken. Niemand, auch nicht die Behörde, wird dies in Wn klichkeit anerkennen können, da sehr häufig Kutschem, welche sonst als umsichtig und zuverlässig bekannt sind, das Unglück pasfitt, einer Körperverletzung im Berufe sich schuldig zu machen. Gerade� diese sonst bewährten Kutscher aber werden nunmehr dem öffentlichen Verkehre, in welchem sie sich lange I. ihre durch» aus nützlich erwiesen, für immer oder doch auf Jahre entzogen. Die also Gemaßregelten erhalten in den seltensten Fällen wieder Stellung in ihrem Berufe, aus einem alten Kutscher ist schwer etwas anderes zu machen, so ist ein solcher also gezwungen, das Proletattat zu vermehren. Das Glück spielt beim Kutscher eine ebenso große Rolle, wie im allgemeinen menschlichen Leben und so geht gar mancher straffrei aus, während man andere wiederum immerfort beim Schöpfe hat. Die Vorstrafen dienen der Be- Hörde aber größtentheils als Grundlage zur Fahrscheinentziehuna. Gleichwie es nicht die schlechtesten Früchte find, an denen die Wespen nagen, so find auch nicht immer diejenigen die untaug« lichsten Kutscher, welchen wegen irgend einer Sache neben anderen Strafen noch die Fahrlegitimation entzogen wird. Die Behörde würde dem allgemeinen Verkehrsinteresse nur nützen und dienen, wenn die alten erfahrenen Männer, welche im Fuhrwerksverkehr durchaus nöthig find, demselben erhallen blieben. Ueber die Spree sich lustig zu machen, gehört zu de» Eigenarten der Nichtberliner. Und doch übcttnfft die Spree, s» seltsam das im ersten Augenblick scheinen mag, nach ihrer Be- deutung als Wasserstraße die sämmtlichen übrigen deutschen Ströme mit allen ihren geschichtlichen Erinnerungen, malerischen Ufern, Burgruinen:c. Wie von sachverständiger Seite, vom Regierungsbaumeister W. Saegert in der„Nation" ausgeführt wird, kann sich der Verkehr keines einzelnen derselben, in Zentnern ausgedrückt, mit dem Verkehr auf der Spree messe«. Die Spree hat nur gettnges Gefälle und wird in ihrem Lauf vielfach durch Seen und Sümpfe unterbrochen. Das Waffer des Flusses fließt daher nur langsam ab, und ein etwaiger Uebcrschuß wird in diesen natürlichen Reservoiren aufgespeichert: sie genießt daher den Vortheil, daß die Schifffahtt nur selten durch zu niedrigen Wasserstand gehindert wird und daß ebenso selten bedrohliche Hochwasserstände eintreten. Bei Spandau er- §ießt sie sich in die Havel, welche an dieser Stelle nur etwa alb so viel Waffer enthält, wie die Spree, so daß man eigent» lich mit größcrem Rechte sagen müßte, die.Havel ergießt sich in die Spree; durch die Havel ist die Spree bekanntermaßen mit der Elbe verbunden. Mit der Oder steht sie direkt durch den Mühl- roser Kanal, indirekt durch die Havel und den Finowkanal in Verbindung, und weiterhin durch Warthe, Netze und den Brom- berger Kanal mit der Weichsel. Diese weitreichenden Waffer- straßen sind für Berlin von unermeßlicher Bedeutung. Der größte Theil der Baumatenalien: Ziegel, Kalksteine, Sand, Möttcl und Bauholz; die Brennmaterialien wie: Holz, Torf, theilweise auch Kohlen: von Lebensmitteln vorzugsweise Obst gelangen auf diesem Wege in die Stadt, werthvollere Güter allerdings in gettngerem Maße. Verhältnißmäßig unbedeutend ist dem gegenüber zur Zeit noch der Personenverkehr auf den Wasserläufcn der Stadt. Auf der Odcrspree unterhält eine Dampfschiffgesellschaft den Verkehr mit den am Flusse gelegenen Vergnügungsotten während der Sommermonate, aus der Unter» spree sind ähnliche Unternehmungen ins Leben gerufen worden, aber mit geringcrem Erfolge. Em eigentlicher Verkehr zur Ver» bindung der am Flusse liegenden Stadttheile, wie er z. B. in Paris und London so lebhaft im Gange ist, besteht nicht, ist auch bei der genügen bisherigen Breite des Wafferlaufs und der Unterbrechungen durch die Stauwerke kaum möglich gewesen. Bekanntlich wird demnächst eine Regulirung des Spreebettes in Angriff genommen. Hoffentlich werden sich dann auch in der Personenbeförderung auf dem die Stadt durchziehenden Strome Verbesserungen einfuhren lassen. Gbst im Sommer. Die wesentlichste Bedingung für Speise und Trank, die man bei warmem Wetter zu sich nimmt, ist die leichte Verdaulichkeit des Genossenen. Es ist dann we- Niger Arbeit nöthig, weniger Gewebeoerbrauch, wenigen von den der Muskelbildung und Hitzeerzeugung besonders dienenden Stoffen. Brot und Fleisch; Obst, das zugleich schmackhaft und leicht zu haben ist, wird daher viel verbraucht. ES bietet die Vortheile einer zeitgemäßen Aenderung der Kost, die leicht, ge- sund und ein angenehmes Stärkungs- und Reizmittel für die Verdauung ist. Es giebt nur wenige Menschen, die es nicht in einer oder der anderen Gestalt genießen können. Für solche, die an Diabetes leiden, find nur die am wenigsten wünschenswetthen Atten, wie gewisse Nüsse und Mandeln, mit Ausschluß aller anderen zuckerhaltigen, zu benutzen. Solche, die an Magensäure leiden, müssen bei der Wahl vorsichtig sein und ihren Verbrauch auf die am wenigsten reizenden, wie Erdbeeren und Weintrauben beschränken. Durchfall und Ruhr verbieten den Genuß allen Obstes. Auf der anderen Seite ist es für Leute, die an Ver- stopfung leiden, bisweilen das einzige verläßliche Mittel, das sie dauernd mit Behagen brauchen können; auch bei Nierenkrank- heilen ist es von Nutzen. Die meisten Leute vertragen Obst gut und fühlen sich wegen seiner verdauenden Eigenschaften wohler darnach. Gesunde Menschen dürfen fast jedes reife Obst essen. Tie milden Arten find die gesundesten und nahrhaftesten — Erdbeeren, Aepfel, Birnen, Trauben und Stachelbeeren. Die letztgenannten jedoch, wie auch Johannisbeeren und Himbeeren. weniger als die anderen. Steinfrüchte verderben leicht den Magen, doch sind die mehr wässettgen, wie Pfirsiche und gloße Pflaumen, besser als die kleineren und trockneren, wie Apii kosen und die kleinen schwarzen Pflaumen. Das Fleisch der Äpfel- finen macht den Magen schwer. Getrocknete Früchte, und im allgemeinen die Haut der Früchte, sind unverdaulich. Nüsse, deren eßbarer Theil der Samen ist, enthalten viel Eiweiß, etwas Fett in verdichteter Form und sind besondels schwer zu verdauen. Obst kann bei der Mahlzeit oder auch bei leerem Magen genossen werden. Im eisten Fall befördett es die Ver- dauung durch seine schwach reizende Wirkung auf die Schleim- haut des Magens und der Eingeweide. Die Menge des Obstes. die man nehmen darf, hängt von der Art desselben ab. Gehört es zu der milden, nahrhaften Klasse, so kann ein Gesunder davon so viel wie von jeder anderen Kost zu sich nehmen, doch hat er den meisten Nutzen, wenn er nur wenig und regelmäßig davon ißt. Dasselbe aill von dem Kranken, der es cettragen rann. Kochen denimmt dem rohen Obst viel von seiner Säure und macht es leichter und schmackhafter. Gekocht bttngt es nur Nutzen und keinen Schaden; bei dem ungekochten muß als Grundsatz fest- gehalten werden, daß es ganz reif, doch nicht überreif ist. Diese Bemerkung kann überflüssig erscheinen, und in der That, man ist darüber allgemein einig, doch scheinen einige Leute, und zwar nicht wenige, absichllich grüne Stachelbeeren, grüne Aepfel und dergleichen nicht nur selber zu essen, sondern auch ihren Kindern zu geben, während doch schon die Härte solchen Obstes, abge- sehen von seiner Herbigkeit, seine Untauglichkeit für die Ver- dauung anzeigt. Solche Menschen nehmen als Nahrung ein herbes, reizendes Gift zu sich, dessen nothwendige Wirkung in einer übermäßigen Absonderung der Eingeweide mit medr oder weniger Entzündung besteht. Obst dagegen, welches überreif und somit in Gährung eingetreten, ist häufig Ursache zu diesem Leiden und daher gleichfalls zu meiden, vielleicht aber um so schwerer, weil der versteckte Anfang zur Gährung nicht leicht zu erkennen ist. Diejenigen, welche Obst lieben, sollten nicht ver« gessen, dich der Mangel an Vorficht bei jedem Obst jenen rühr- artigen Du chsall erzeugen kann, der unter dem Namen „Cholerine" bekannt und nicht selten von den schlimmsten Folgen begleitet ist. Da» Giuschläfer« der Kinder. Wenn kleine Kinder gesund find, keinen Hunger haben, nicht naß liegen und nicht unpaffend eingewickelt sind, dann schlafen fie ein, ohne daß fie eingewiegt werden. Viele Menschen glauben aber, ein Kind könne nickt von selbst einschlafen, es muffe zuerst von der Mutter oder der Wärterin so lange umhcrgetragen oder eingewiegt wer- den, bis fich endlich die müden Augen geschloffen haben. Die Kinder gewöhnen fich recht bald an das Einschläfern und je älter fie werden, desto schwieriger wird es, ihnen diese Gewohnheit wieder zu nehmen. Ja, wenn fie einmal an das Einfingen, Einfahren und Einwiegen gewöhnt find, schlafen fie gar nicht mehr anders ein. Wie viel einfacher ist das Zubettgehen der Kleinen, wo diese Gewohnheit nicht herrscht. Von den ersten Tagen an werden da die Kinder in ihr Bettchen gelegt und fich selbst überlassen. Nach kurzer Zeit haben fie fich an diese Behandlung gewöhnt und liegen gewöhnlich schon nach einer kleinen Viertelstunde im tiefen Schlafe. Sind die Kinder älter, so wird man fie zuweilen noch in ihrem Bettchen fingen und summen hören, bis der Gesang allmälig verstummt. Auch bei so gewöhnten Kindern werden ab und zu Tage kommen, an denen der Schlaf fie flieht und wo sie angst. lich nach der Mutter oder Wärterin rufen oder auch zu weinen anfangen; dann genügen aber einige beruhigende Worte oder ein kurzes Verwesten am Bettchen, um sie zur Ruhe zu bringen. Allerdings gehört zu einer solchen Gewöhnung die äußerste Regelmäßigkeit. Ebenso pünktlich wie die Essenszeit muß auch die Zeit des Schlafens inne gehalten werden, und vor allem sorge man dafür, daß die Kleinen zum Schlafen nur hingelegt werden, wenn fie wirklich müde find. Bei einiger Aufmerksam- kett und vernünftiger Eintheilung wird fich bei jedem Kinde eine Regelung des Schlafes anerziehen lassen. Anfangs hat man bei einer solchen Behandlung der Kinder vielleicht ein wenig mehr Mühe und Last, als im anderen Falle; haben fich dieselben aber erst einmal an Einschlafen ohne Einschläfern ge- wöhnt, so wird man reich für seine Mühe belohnt. Mach«wer MittbeUttttg von C. I. van LooKere» in der„Milch-Zeitung" soll nachstehend geschildertes einfaches Verfahren im Stande sein, uns über den Unterschied zwischen Natur- und Kunstbutter aufzuklären, sobald der Zasay von fremden Fetten ein etwas beträchtlicher ist. Man kocht ganz x ines Wasser(wenn möglich destillirtcs) in einem reinen Ge- fäße und schmelzt zu gleicher Zeit eine geringe Menge der Butter (etwas mehr als nöthig ist, um einen Tropfen zu bilden) in e'nem Theelöffel über einer Flamme. Man füllt ein Uhrglas + 15 Zentimeter) theilweise mit dem fiedendcn Wasser und läßt dann sofort einen Tropfen des geschmolzenen heißen Fettes vorsichtig auf das Wasser fallen. Bei reiner Naturbutter breitet fich der Tropfen aus zu einer dünnen Schicht, aus welcher sich plötzlich mit großer Geschwindigkeit Hunderte von Tröpfchen bstden, die fich schnell nach der Peripherie des Wassers begeben. Bei Margarinebuttcr, Oleomargarin, pflanzlichen Oelen u. s. w. bildet fich auf die beschriebene Weise eine Fettschicht, welche sich in einigen großen Tropfen spaltet, die über der ganzen Flüssigkeit verthcilt bleiben. Bei Mischbutter neigt fich das Phänomen mehr nach der einen oder nach der andern Seite, je nach der Menge des der Naturbutter zugesetzten fremden Fettes. Kleinere Mengen find durch dieses Verfahren nicht nachweisbar. Damit der Ver- such ficher gelingt, ist es nöthig, daß das Wasser nicht die ge- ringste Trübung enthält und daß das Fett beim Aufschütten genügend heiß ist. Man darf es so stark erhitzen, daß sich unter Geräusch Dampfblasen bilden. Es muß dann sofort auf das Waffer gebracht werden. Wenn der Inhalt des Uhrglascs ab- gekühlt und einige Zeit der Ruhe überlassen ist, so findet man in dem erstarrten Fette auch noch Unterschiede. Mit unreinem Waffer zeigen fich nach dem Aufgießen des Fettes cigenthüm- liche Figuren, die je nach der Natur der Verunreinigung eine verschiedene Form annehmen. Wenn man dem Waffer eine geringe Menge eines Salzes, z. B. Chlorammonium(Salmiak) zusetzt, so vertheilt fich bei der Naturbutter die Fettschicht in viel größere Tropfen, die fich nur langsam nach dem Umkreise de- geben; bei Margarin zieht sich rn diesem Falle die Fett- schickst rascher als sonst zusammen, die Tropfen bilden fich schne�fn« besonder« Kelobigung ist der Pankower frei- wÄigen F.uerwehr zu Theil'geworden. Als am Freitag voriger Woche der Ruf„Feuer" in Pankow ertönte, eilten die Mann- schaften zum Spritzenhause, konnten jedoch kein Gespann im Orte auftreiben, um das Spritzengefährt nach der Brandstätte zu befördern. Kurz entschloffen spannten fich die Männer theils selbst vor den Wagen, theils stießen und schoben sie denselben, so daß er fich bald in ziemlich schnelle Bewegung setzte und nach verhältnihmäßig kurzer Zeit auf der Brandstätte in Nieder- schönhaust n anlangte, wo fich für die Herbeikommenden noch reichlich Gelegenheit zum Eingreifen in die Löschungsarbeiten fand. Für diese selbstlose und anstrengende Thätigkeit ist der Mannschaft der Pankower Feuerwehr auch von amtlicher Sette Anerkennung ausgesprochen worden. Gin«, alte Kekannte wird von Wiener Blättern der deutschen Reichshauptstadt unter der Spitzmarke?„Eine fahrende Prinzessin" wie folgt stgnalistrt: Ein Koupee während der nächtlichen Fahrt des Personenzuges von Wien nat, Budapest. Als Passagiere ein pechschwarzer, disstger„Moppel", der, alle Fahrreglements verhöhnend, auf den gepolsterten Sitzen hemm- springt und von Zeit zu Zeit bellende Laute von fich läßt. In einem Käfig ein munterer Zeisig, der beständig piept. Ein zehn- jähriger schlafender Knabe und eine statttiche, in einfaches Schwarz gekleidete Dame- In Preßburg steigt ein Reisender in diese Taschenausgabe der Arche Noah's ein, der„Moppcl" keift ihn an und zeigt drohend die Zähne, der Vogel fingt lustiger, der Knabe fahrt aus seinen Träumen empor und in der stattlichen Passagierin erkennt der Eindringling die Fürstin Pignatelli von Ciercarra. Die„Volkssängerin aus Familien- ruckstchten" hat soeben, wie fie erzählt, in der nächsten Umgebung Wiens eine Tournse beendet, von deren Resultat fie nicht besonders erbaut ist. Das Prestige der hoch. adligen Victuofin scheint auf die Eingeborenen von Maria- Enzersdorf, Kirchberg am Wagram und Korneuburg keine de- sondere Anziehungskraft gehabt zu haben, denn Ihre Durchlaucht ließ ihren Impresario im Stiche und verfügte fich nach Budapest, an welches sie jetzt ganz desondere Bande feffeln. N ichdem fie die Sehnsucht, die fie nach der stolzen Magyaren- stadt führt, gestillt haben wird, beabfichtigt die Prinzesstn nach B-rlin zu reisen, um daselbst ein Engagement anzutreten. Der Knabe(ihr Sohn), der„Moppel" und der Vogel reisen mit. Das Quartett ist unzertrennlich. Die Fürstin weiß diesmal wieder manches Interessante über ihre Familie zu erzählen. Ihre an einen in Paris lebenden polnischen Aristokraten verheirathete Schwester ist auf dem Punkt, fich von ihrem Gatten zu scheiden. Um diesen Schwager zu ärgem, ist die Prinzessin Pignatelli Volkssängcrin geworden. Wer weiß, fügte fie hinzu, ob meine Schwester jetzt nicht meinem Beispiele folgen und mir auf's „Brett'l" nachkommen wird! Das gäbe in der That ein merkwürdiges Duo! Kei dem letzte« heftige« Gemit erregen, der vor einigen Tagen über Berlin niederging, zeigten sich wieder die schon früher mehrfach beobachteten Störungen an der städtischen Kanalisation in besonders hohem Maße. Wie erst nach und nach aus den verschiedenen Stadttheilen bekannt wird, konnten die heftigen Regenfluthen nirgends ausreichenden Abfluß finden, da fich fast überall die Emfallschachte nach wenigen Minuten verstopften und das Regenwasser zurückstauten. War diese Er- scheinung schon störend für den Verkehr, da durch dieselbe auf weiten Straßenstrecken das Regenwasser fich ansammelte, so waren die hierauf folgenden Räumungsarbeiteu noch viel un- angenehmer. Einzelne dieser Einfallschachte waren zum größten Theil mit Kehrichtmaffen gefüllt, die von dem Regen- wasser dotthineingespült waren, und mußten während der nächsten Nächte gereinigt werden, eine Arbeit, die für die in der Nähe Wohnenden recht unangenehm bemerkbar wurde, da dieser durchnäßte Straßenkehricht, nachdem er längere Zeit in den Kanälen gelagert, die Luft mit einem unerträglichen Odeur erfüllte, sobald er an die Erdoberfläche befördert wurde. Besonders zahlreich zeigten fich solche Verstopfungen in den- jenigen Gegenden, wo lebhafter Pferdebahnverkehr stattfindet. Hier besteht bekanntlich die Einrichtung, daß der Kehricht von den Schienen an den Bordschwellen zur Seite des SKaßendammes aufgesammelt und dort durch die städtische Straßenreinigung weiterbefördert wird. Beim plötzlichen Eintritt eines heftigen Regens spült dieser nun die Kehrichtmaffen auf das Gitter zu dem nächsten Einfallschachte, welches dadurch in kürzester Zell verstopft wird und die weiteren Waffermassen nicht mehr auf- nimmt. So erklätt es fich dann, daß das mtt allen Stoffen von der Straße vermischte Regenwasser fich einen natürlichen Abfluß nach den Wasserläufen sucht und hier durch die mtteingeführten Schmutzmaffen das große Fischsterben hervorbringt, das bei uns ziemlich regelmäßig nach heftigen Regengüssen zur Sommer- zeit beobachtet werden kann und auch kürzlich beobachtet wurde. Da» ist ja«m Ttzräne« zu vergieße«! Eine hiesige Korrespondenz verbrettet folgende Sommergeschichte:„Die Avoptirung einer jungen Näherin durch eine im Osten der Stadt wohlbekannte Fabrikbefitzerin erregt in den Kreisen unserer Groß-Jndustriellen allgemeines Aufsehen, umsomehr, als die Vorschichte dieser Adoptirung eines romantischen Untergrundes nicht entbehrt. Vor etwa dreiundzwanzig Jahren war Frau Viktoria R von ihrem Manne geschieden worden; ihr Rechts- anwalt hatte dem Richter viele gewichtige Gründe für die Trennung der Ehegatten angeführt, hatte bewiesen, daß Herr Karl R. mit einer Tänzerin ein Verhältniß habe und seine eigene Frau schlecht behandele. Trotzdem war Frau R. damals bereit, ihrem Mann einen Thett ihres Vermögens abzutreten und mit dem Rest ihres eigenen ein Fabrikationsgeschäft im Osten der Stadt zu betreiben, das unter der geschickten Leitung der energischen Frau vorzüglich prosperirte. Anfangs vorigen Monats nahm Frau R-, welche nicht wieder gehcirathet, auf Empfehlung einer Freundin eine junge Näherin zur Anfertigung von Garderoben in ihr Haus, deren Gesichtszuge in ihr un- bestimmte Erinnerungen wachriefen. Vor etwa vierzehn Tagen nun erschien das bildhübsche Mädchen mit verweinten Augen, und auf Befragen der theilnahmsvollen Arbeitgeberin er- zählte fie, daß ihr Vater, welcher schon sett einem Jahre bettlägerig, vom Schlage gerührt und das Schlimmste zu erwarten sei. Frau R. wußte aus früheren Erzählungen des Mädchens wohl, daß dieselbe die einzige Ernäherin ihres Vaters sei und beschloß zu helfen. Am Abend des Tages degleitete fie das Mädchen nach Hause, Erfrischungen aller Art mitnehmend. Wie erschrak fie aber, als fie im niedrigen, dürftigen Zimmer an das Krankenbett tretend, in demselben ihren geschiedenen Mann gewahrte, welcher fie nicht erkannte. Durch geschickte Fragen wußte fie nun dem ehemaligen Gatten die Erzählung seines Lebensschicksals abzulocken; er hatte die Tänzerin geheirathet und war mit derselben nach Amerika gegangen; dort war ihm die Frau nach der Geburt eines Töchterchens gestorben. In dem neuen WeMeil war es ihm schlecht gegangen; er hatte sein Vermögen im Laufe der Jahre verloren und so war er denn krank und stech unier anderem Nomen mit seinem heranwachsenden Kinde nach Berlin zurückgekehrt. Frau R., welcher während der Erzählung ihres Mannes yeihe Thränen über die Wangen liefen, schickte nun zu einem Arzte, welcher erklärte, daß der Kranke nur noch wenige Tage zu leben habe. Getreulich blieb die„Geschiedene" bei ihrem ehemaligen Gatten, und als der- selbe starb, nahm die großmüthige Frau die Tochter ihrer Nebenbuhlerin, jene junge Näherin, zu fich und binnen kurzer Zeit wird dieselbe von ihrer zweiten Mutter gesetzlich adopiirt werden." Die gester« vv«»«» gebracht« Kiene au« der Fabrik von Krüger& Günther, Andreasstraße 10, wird uns von diesen Herren so dargestellt, als ob Herr Günther nur von seinem Hausrechte Gebrauch gemacht hätte und der Ver- golder Krüger fich diese Verletzungen durch einen Fall zuge- zogen habe. Die gerichtliche Untersuchung wird ja den wahren Thatbestand ergeben. Da» Anhängen der Kinder an die Hintere« Magen- tritte hat wieder einen bedauerlichen Unglücksfall zur Folge gehabt. Gestern Mittag kehrte ein etwa zehnjähriger Knabe aus der Schule zurück. In der Bülowsttaße begegnete ihm ein Flaschendierwagen, auf dessen Hinteren Tritt er fich schwang. Ein Schulkamerad wollte ihm das nachthun. Während der Wagen in die Zietenftraße einbog, ftritten beide Knaben um den Platz. Der Streit endete damit, daß der erste Knabe von dem Tritt herunterfiel und hierbei unter die Räder eines fol- genden Wagens so unglücklich gerieth, daß fie ihm über den Kopf gingen. Der Unglücksfall ereignete fich unweit der Woh- nung seiner Mutter, der Besitzerin einer Plättanstalt, deren einziges Kind der Knabe war. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft; die Kutscher deider Wagen soll keine �"«in�enisetzlich,« Unglüstr trug fich am Dienstag früh in der in fliieder- Schönweide belegenen Plüschfabrrk von Anton und Alfred Lehmann zu. Beim Beginn der Arbeit wollte der zwanzig Jahre alte, in Adlershof wohnende Arbeiter Haberecht einen Treibriemen auf die Rremscheibe legen, ohne zuvor die Maschine zum Stillstand zu bringen, wie dies vorgeschrieben ist. Hierbei wurde der Unglückliche von der Welle ergriffen, um die- selbe herumgewickelt und mit dem Kopf und den Beinen der- artig mehrmals gegen die Wand geschleudett, daß der Arme vollständig zermalmt wurde, bevor es gelang, die Maschine zum Stillstand zu bringen. Der Ve.ungluckte war sofort eine iccicljc. In de« Kiesgruben z« Nlrdvrf, Bergftt. 39, 40, sah man vorgestern Nachmittag von 4 Uhr ad verschiedene Gelehrte, darunter Professor Virchow nebst Familie, Professor Ott, zwei Delegirte des Märkischen Museums und andere Herren einen riefigen Thierschädel wissenschaftlich betrachten, welcher in der über 80 Fuß hohen fast senkrechten Sandwand beim Abgraben zu Tage gekommen war. Der Schädel wurde als der eines vorsündfluthlichen Rhinozeros festgestellt, er hat einen Meter Länge und enthält die Backzähne vollständig. Nach dem zugehörigen Unterkiefer wurde vergebens gesucht. Der Photograph Tepper aus Rurdorf benutzte die Gelegenheit, den Schädel in seiner ursprünglichen Lage, sammt den ihn betrachtenden Ge- lehtten und einigen dort ebenfalls gefundenen Mammuthknochen im Bilde darzustellen. ßDer Besitzer der Sandgruben hat die Funde aus den letzteren der Wissenschaft zur Verfügung pestellt; ein großer Theil derselben befindet fich beretts im Museum. Di« Wittevnng des Monats Juni er. oerlief im All- gemeinen etwas normaler, als die der Vormonate, wenn auch einzelne erheblichere Schwankungen vorkamen. Die ersten 7 Monatstage waren, mit Ausschluß des 4., der eine vorübergehende Erwärmung brachte, viel zu kalt; dann folgten ein paar ziemlich trübe regnensche Tage mit steigender Temperatur, die am 13. einen sehr Hohen Stand erreichte. Am folgenden Tage aber kühlte es fich erheblich ab und die Kälte hielt mehrere Tage an. Die mittlere Tagcstemperatur, die am 13. noch 21,8 Grad betragen hatte, war am 16. auf 10,4 Grad gesunken. Dann wurde es wieder wärmer, und vom 21. ab folgte eine Periode heißen sonnenhellm Sommerwetters, die am 28. durch ein heftiges Gewitter ihren Abschluß fand. Die letzten Monats- tage waren kühl und rcgnettsch. Das Resultat der meteorologi- igen dil lben w nicht k ie B. en A che. I ls Zeug as von spräche. ellt die berbaup ch stellt dlich i pegenth iemnächj mges zi .ngeleiü hen W en„Er >urde, 1 Ikllung -chenk( Ntworte t jener emgemi )ie mb turde sl ofes lm .nfäbigl schen Beobachtungen im SW. war das folgende: Der mittlere Barometerstand betmg 756,3 Mm., d. h. ungefähr 1 Mm. weniger, als für den Juni normal ist. Das Maximum erreichte das Barometer, dessen Schwankungen nur genug waren, am 2. mit 763,6, das Minimum mit 744,8 Mm. am 30. Die mittlere Morgentemveratur um 7 Uhr betrug 14,8 Grad(normal find 16,2), die Mtttagstemperatur um 2 Uhr 20,8(19,8) Grad, die Abendtemperatur um 9 Uhr 17,1(16,9) Grad. Hieraus ergiedt fich eine mittlere Monatstcmperatur von 17,4 Grad d. i. genau eben so viel, als dem Juni nach 40jährigen Beobachtungen zukommen. Beachtenswetth aber ist hierbei der Umstand, daß die Morgentemveratur um fast 1% Grad zu niedrig, die Mittagstemperatur dagegen um 1 Grad zu hoch war. Im Ganzen waren 14 Tage zu warm und 16 zu kalt; der kälteste Tag war der 16 mit 10,4 Grad, der wärmste der 26. mit 24 2 Grad Mitteltemperatur. Das Temperaturmaximum des ganzen Monats betrug 30,6, das Minimum 6,4 Grad, ersteres fiel auf den 26., letzteres auf den 2. Die Erdbodentemperatur schwankte zwischen 4,4 und 34,1 Grad. Die Windrichtung war vielfach wechselnd. Westliche und östliche Winde wechselten gewöhnlich im Laufe von 2—3 Tagen ab; nur während der größten Wärmezeit vom 21—27. herrschte stetiger Südwestwind. Die Hauptrichtungen waren Nordwest(19 Beobachtungen), Südost (18), Ost(15) und West(12). Windstille wurde 5 Mal, die Windstärke 6 nur 2 Mal beobachtet. Die mittlere Windstärke des Monats betrug 2,7 der 12theiligen Skala. Die Bewölkung war etwas stärker, als für den Juni normal ist. Sie betrug, wenn 0 ganz heiter und 10 ganz trübe bedeutet. 6,1 statt 5,6. 5 Tage(darunter 4 auf einander folgende vom 22. bis 25.) waren heiter, 11 trübe, die übrigen hatten gemischte Bewölkung. Die relative Feuchtigkeit der Luft war mit 60,1 pCt. um 6 p6t. geringer, als normal ist. Ihr Maximum erreichte fie mtt 99 pCt. am 7., ihr Minimum mit 20 pCt. am 25. An 19 Tagen ging fie Mittags unter 50 pCt. Die Niederschläge waren gering. Sie vertheilen fich auf 11 Tage und erreichten im ganzen Monat 33,8 Millimeter Höhe, während 69 normal sind. Gewitter wurden an 2 Tagen beobachtet. In de« städtische« Schwimm-«nd Kade Anstalte» entwickelte fich in der Woche vom 24. bis 30. Juni er. ein sehr reger Verkehr. Es badeten dott im Ganzen 88847 Personen und zwar 66 817 männliche und 22 030 weibliche. Davon ent- fielen auf die acht älteren Anstalten 75123, auf die drei neuen Nie- Schwimmbassins an der Schleusen-, Waisen- und unter der Schillings brücke 13 724 Personen. Den größten Verkehr hatte die erweiterte Männer-Badeanstalt am Nordhafen, nämlich 19 994 Besucher. Im städtischen Gbdach befanden fich am 1. Juni er. 34 Familien mit 115 Personen, darunter 12 Säuglinge. Am 1. Juli war der Bestand 23 Familien mit 102 Personen, darunter 9 Säuglinge. Das Asyl für nächtliche Obdachlose daselbst benutzten 9122 Personen, 8488 Männer und 634 Frauen. Von diesen Personen wurden dem Krankenhause Fttedrichshain 8, dem Krankenhause Moabit 102, der Chantee 4 überwiesen, 498 der Polizei vorgeführt. polileidericht. Am 3. d. M. Morgens wurde vor dem Hause Dresdenerstraße 25 ein Bäckerlehrling von einem Schlächter« wagen, gefübtt von dem Kutscher Hintze, überfahren und erlitt hierbei eine Quetschung des rechten Unterschenkels. Er wurde mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht.— Zu derselben Zeit wurde ein Handwerker am Engelufer 21 in der auf dem Hofe belegenen Bedürfnißanstalt erhängt aufgefunden und noch dem Leichenschauhause gebracht.— Als der Zimmcrgeselle Heine am 3. d. M. Vormittags in einem Zimmer des Neubaues Bad- straße 34—35 auf einem dort angebrachten Gerüst lnieend ein Brett beschnitt, fiel er dabei durch eine im Gerüstbelage befind- liche O-ffnung aus einer Höhe von etwa 4 Meter auf den Boden des Zimmers herab und erlitt dadurch eine bedeutende Verletzung über dem linken Auge und anscheinend eine Gehirn erschütterung. Heine wurde auf ärztliche Anordnung mittelst Droschke nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht.— Arn 3. d. M. stürzte in der L-chwerinstraßc ein 8 Jahre alter Knabe aus Schöneberg von einem in der Fahrt befindlichen Flaschenbierwagen, auf den er ohne Vorwissen des Kutschers geklettert war, auf das Straßen pflaster herab und erlitt Ci» »elt s« andgei! er ein naben »ten K ährend auensv ann dil egab fil :ltern? er Ums ein« Gehirnerschütterung, die nach wenigen Augenblicken seinen Tod herbeiführte.— Nachmittags verunglückte auf dem Neubau Cuvrystrahe 50 der Maurergeselle Eckert dadurch, daß er vom vietten Stockwerk, wo er beschäftigt war, über das Mauerwerk hinweg in den ungepflasterten Hof hinabstürzte und außer ein.r Gebirncrschütteiung Arm- und Beinbrüche erlitt. Eckett wurde mittelst Droschke nach dem Krankenhause Bethanien gebracht, wo er nach kurzer Zeit an den erlittenen Verletzungen starb.— Zu derselben Zeit fiel ein Arbeiter, als er in der Königstraße, in der Nähe der Stadt ahnüderführung, von einem Wagen sprang, so unglücklich zur Erde, daß er anscheinend schwere innere Ver- letzungen erlitt und nach dem katholischen Krankenhause gebracht werden mußte.— Am 2. d. M. Nachmittags erlitt ein Mann in der Belleallianeestraße beim Abspringen von der Pferdebahn eine Veistauchung des linken Fußes und mußte mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden.— Um dieselbe Zeit fuhr der Kutscher Rudolph mit seinem Müllwagen gegen einen Omnibus der Linie Weddingplatz— Spittelmairt, wobei ein auf dem Hinterperron des Omnibus stehender Mann durch die Deichsel am Bein anscheinend schwer verletzt wurde, so daß er mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden mußte. lngekla, nd der' eauftra ls fie atte, w is wie! bergab eklagte, ie Gap en Sab lnkauf rnklage lngekla! humver ioth de oben n at soga ehalten. emein chen ve »eblerei M.(5 i zwei N" oden; chwest ngen. untze, 'hrt wi er Beg nacht h- or ei etrusch iesem tzt im >ll die ann ebracht lststittei )ie Ge lardero -inbrech >aus gi Sacket,' »übschei nuth i untze i rächt i Mette agten: ad Loi bn der ill nick Gerichts-Zeitung. „Grbfchlüst'el«nd Grbt>«ch"— jene unter der länd» liche n Bevölrerung noch blühenden Ueberdleibfel des Mittelalter- lichen Aberglaubens— spielten in einer am Mittwoch vor dem Schwurgencht des Landgerichts 11 stattgehabten Verhandlung eine große Rolle. Das etwas abseits gelegene Städtchen Lieben- walde muß diesmal als der Ort bezeichnet werden, in welchem die Phantasmagotte noch ländlich sittlich gläubige Seelen fand, unseren„aufgeklärten" Zeitalter zum Trotz, welches derartige Wunderdinge für handgreiflich baaren Unfinn erklärt hat.— Die 60jährige Schissbauerwittwe Emestine Schenk— eine gebrechliche Greisin, die den Rest ihres Lebens an Krücken zu wandeln gezwungen ist— galt in Liedenwalde unter der vom Wahn des Aderglaubens befangenen weiblichen Bevölkerung seit längerer Zeit als„kluge Frau" und„Wahrsagerin".— Aus einem uralten Gebetbuch— das„Erbbuch"—„weissagte" die Wittwe unter Zuhilfenahme eines„Erbschlüssels"; den letzteren, ein p.ofanes Erzeugniß der Schlosserkunst, ihrer Schwiegertochter Hausschlüssel, hatte fie zu jeweiligem Gebrauch bei dem Hokuspokus entliehen, sobald eine gläubige Seele ihre Weiffagungsgabe in Anspruch nahm. Die Ottspolizeibehörde war diesem Treiben gegenüber völlig machtlos, denn die moderne Py'.hia bewies durch ihr Verhalten, daß fie wirklich eine„kluge" Frau sei.— Im Sommer v. I. ereignete es fich nun, daß einer Dienstmagd Namens Runge, welche in Lieben« walde diente, ihre gesammten Ersparnisse im Betrage von 30 Mark gestohlen wurden, die Runge nahm behufs Ermittelung des Diebes die Hilfe der„Wahrsagerin" in Anspruch und die Schenk hatte ihr, nachdem fie unter mystischen Förmlichketten „Erbbuch" und„Erbschlüffel" defragt, eine Hausbewohnettn als die Diebin bezeichnet— allerdings hatte das Mädchen der Py- thia, bevor deren Hokuspokus begann, ihrrn Verdacht gegen die bezeichnete Persönlichkeit bereits mitgctheilt. Des Wetteren er- bat fich die Schenk noch, dem Mädchen ein Mittel anzugeben, um das gestohlene Geld wiederzuerlangen, wenn die Runge un- verbrüchlich schweigen wolle. Indessen achtete die erzürnte Ein- falt vom Lande dieses Gebotes nicht und schon am nächsten Tage erzähllen fich die Mägde und Frauen auf den Höfen und an den Brunnen in der Stadt, daß die Diebin gefunden sei — der„Erbschlüffel" habe es kundgethan. Als die vermeinttiche Diebin hiervon Kenntniß erhielt, stellte fie im Pttvatklagewege Vc gestc nuth sc abe fie er Pol beigebe essen, n orlieget nd fie lachen ie Ang traun l en gestc larum ekannt je Poll �achla�i sommiss, lussage vienste recher irunde enen sc zentuel i den: ■ige zu em Ve deß. l ar. A iwalt sizer% .. Ab lucher rozeßw l Gele lumen Zt aus istern ßerden ladtgei lsficht n gest tenen nittlere jeniger, )tc das 2. mit mittlere al find id, die ergiebt genau >tungeu nstand, ig, die :■ Im kälteste lit 24.2 ganzen fiel auf , wankte vielfach ähnlich größten i. Die Südost toi, die idstärke »ölkung betrug, rtt 5,6. iiä 25.) ölkung. 6 pCt. 99 pCt. n ging gering. Monat ewitter kalte» in sehr ersonen on ent» neuen gen die Dienstmagd Runge den Antrag auf Bestrafung der- Iben wegen verleumderischer Beleidigung, vor dem Schöffen� nicht kam jedoch ein Vergleich der Parteien zu Stande, da ie Beklagte die Erklärung abgab, daß fie lediglrch en Angaben der„Wahrsagerin" Glauben geschenkt ibe. In dieser Privatklage-Sache war auch die Wittwe schenk ls Zeugin vernommen worden und bei dieser Gelegenheit kam as von derselben jahrelang betriebene Wahrsagegeschäft zur spräche. Unter dem Eise hatte nun die Schenk in Abrede ge- ellt die Privatbeklagte Runge zu kennen und derselben oder derbaupt jemand im Orte„wahrgesagt" zu haben und schließ- ch stellte fie den Befltz des„Erbbuchs" und„Erbschlussels" dlich in Abrede. Es fanden stch aber Leute, vre von dem aegcnthcil dieser Behauptungen Kenntniß hatten und es ward emnächst gegen die„kluge Frau" die Untersuchung wegen Be- mges zunächst, dann aber wegen wrffentlrchen Manerdeä noch lngeleitet, nachdem der mit einer Haussuchung in der Schenk- hen Wohnung beauftragte Gendarm Eisler das„Erbbuch" und en„Erbschlüffel" beschlagnahmt hatte.— Da nicht erwiesen >urdc, daß die Schenk gegen Entgeld gAveiffagt, erfolgte Ein- cllung des Verfahrens wegen Betruges; dagegen hatte fich die schenk gestern vor dem Schwurgericht wegen Meineides zu ver- ntworten." Die Beweisaufnahme ergab, daß die Angeklagten , jener Privatklagesache wider besseres Wissen falsch geschworen; emgemäß lautete das Verdikt der Geschworenen auf Schuldig. Die mit Zuchthaus bereits vorbestrafte„unmoderne" Pythia «urde somit vorläufig„kaltgestellt". Das Urtheil des Gerichts- ofes lautete auf 5 Jahre Zuchthaus, Ehrverlust und dauernde .nsäbigkeit der Angeklagten, als Zeugin zu fungiren. Eine Diebin, die stch ihre Opfer aus der Kiader- »elt suchte» stand gestern vor der vierten Strafkammer am andgericht I. Frau Emilie Markowski sah einst einen Knaben, er ein augenscheinlich werthvolles Packet trug. Sie rief den maben zu fich heran und beauftragte ihn, aus einem b enach- irten Keller für 15 Pf. Kohlen zu holen, das Packet wollte fie führend der Zeit an stch nehmen. Der Knabe reichte ver- �auensvoll seinen Schatz und führte den Auftrag aus. Als er onn die Straße betrat, erhielt er sein Packet richtig zurück und egab fich nach Hause. Wer aber deschreibt den Schrecken der iltern? Das Packet hatte einen vollständigen Anzug enthalten, er Umschlag war unverletzt, und dennoch war nur noch ein jäckchen vorhanden. Als der Knabe seine Erlebnisse erzählte, .. lar dies Wunder aufgeklärt. In einem zweiten Falle suchte die r,« tngeklagte ein 9 jähriges Mädchen in ihre Schlingen zu locken, ind der Plan glückte nur zu gut. Die Kleine war von ihren Eitern rämlich uni cr. !. Am rsonen, lachlose grauen. !hain 8, n, 498 or dem lächter« d erlitt wurde rselben uf dem ld nach t Heine s Bad» md ein bcfind» mf den -Utende ssehirn» mittelst - Am 'Knabe Glichen atschecs st eine n Tod Neubau er vom cerwerk -r eimr wurde cht, wo — Zu in der ang, so te Ver« icdracht Mann debahn )roschke ät fuhr einen ein auf :ch die daß er mußte. r länd« ielaltcr- or dem ndlung Lieben« zelchcm r fand, -rartige bat.— ine ge« ken zu er vom lkerung n".— iffagte" ; den ihrer ebrauch -le ihre >ehörde denn wirklich es fich Lieben« von 30 ttelung ind die chleiten rin als in Ph* gen vre -ren cr- ugeben, ige un- te Ein- rächsten 'en und den sei -intliche igewege cauftragt worden, ein Kleid vom Pfandleiher einzulösen, und ls fie eben mit dem Kleidungsstück den Heimweg angetreten atte, wurde fie von der Angeklagten bemerkt und angerufen. is wiederholte fich auch hier das übliche Manöver, die Kleine bergab vertrauensvoll das Kleid, um einen ihr von der An- «klagten ertheilten Auftrag auszuführen. Inzwischen verschwand ic Gaunerin mit dem Kleide. Später wurden die entwende- -n Sachen bei der Trödlerin Frau Filz ermittelt, und da deren lnkauf nicht in das Trödelbuch eingetragen war, wurde die inklage wegen Hehlerei gegen die Trödlerin erhoben. Die erste lngeklagte, die früher bereits mehrere Vorstrafen wegen Eigen- humvergchens erlitten hat, giebt an, daß fie nur aus bitterster tjth den Weg des Verbrechens beschritten habe, und diese An- oben werden auch glaubhaft bestätigt. Der beraubte Knabe at sogar tmich die Angeklagte einen Theil des Anzuges zurück- ehalten. Die zweite Angeklagte hat Preise gezahlt, wie fie all- emein gangbar find, die Eintragung ist nur durch ein Ver- -hen verabsäumt worden. Der Gerichtshof erkannte wegen »eblerei auf Freisprechung und wegen der Richteintragung auf | M. Geldstrafe. Die erste Angeklagte wurde wegen Betruges i zwei Fällen zu 3 Monaten Gesängniß verurtheilt. Da» NigUa«t»nhandu»rrlt hat nicht immer goldenen loben; es kann unter Umständen seinen Herrn auch an die schwelle des Zuchthauses und manchmal vielleicht fogar hinein- fingen. Dies bewies eine Verhandlung gegen die Wäscherin tuntze, welche vor der 1. Strafkammer des Landgerichts 1 ge- ährt wurde. Die mehrfach vorbestrafte Angeklagte sollte sich >er Begünstigung des Diebstahls resp. der Hehlerei schuldig ge- nacht haben. Der Anklage lag folgender Thatbestand zu Grunde: sor einigen Monaten wurden dem Lederwaarenhändler letruschke in der Skalitzerstraße diverse Maaren gestohlen; bei iesem Diebstahl war auch ein gewisser Hübscher, der fich tzt im Zuchthaus zu Brandenburg befindet, betheiligt. Diesem >ll die Angeklagte einen Beutel geborgt haben, in dem ann die gestohlenen Gegenstände in ihre Wohnung ebracht wurden. Bei dem betreffenden Diebstahl Wirten dem Hübscher noch zwei andere Personen. )ie Gesellschaft vereinigte fich später zu einem Einbruch in das larderobengeschäft von Simon in der Oranienstraße. Zwei der finbrecher, Knuth und Eichler, schlichen am Morgen, als das 'aus geöffnet wurde, mit je einem Packete davon, ein drittes »acket, das fie vorläufig liegen lassen mußten, wurde dann von »übscher abgeholt. Einen Theil des gestohlenen Gutes plazstte nuth in einen Koffer, der nach der Anklage Eigenthuni der 'untze war, während das Uebrige in ein anderes Versteck ge- rächt wurde. Der Werth der entwendeten Gardcrobenstücke bzifferte sich auf ca.�000 M. Knuth wohnte bei der Ange- agten und gab ihr einen der gestohlenen Ueberzicher für Kost nd Logis in Zahlung. Die drei Kumpane wurden bald darauf in der Polizei ergriffen und dingfest gemacht. Die Angeklagte ill nicht gewußt haben, daß Hübscher den Sack zum Transport -r gestohlenen Lederwaaren denutzen wollte. Den Koffer habe nuth schon vor dem Diebstahl von ihr gekauft und den Ueberzicher ade fie zwar in Zahlung genommen, doch nur um denselben er Polizei als Beweismittel für den begangenen Einbruch zu bergeben. Sie habe immer der Polizei Nachricht zukommen issen, wenn ihr ein Verbrechen bekannt geworden sei; in den �liegenden Fällen sei ihr aber die Polizei zuvorgekommen nd fie habe eine bezügliche Mittheilung daher nicht mehr lachen können. Auf weitere Fragen des Präfidenten erklärt le Angeklagte: Die Herren Kriminalkommissare Keßmann und traun haben mir gesagt, ich möge mir nöthigenfalls ein Stück von en gestohlenen Sachen beschaffen und dies dann derPolizei zustellen. aarum habe ich auch den Ueberzicher genommen, obwohl mir l-lannt rvar, daß derselbe von einem Diebstahl herrührte. Als te Polrzel am selben Morgen zu mir kam, habe ich von der Miltheilung gemacht.— Die Zeugen Kriminal- lmQnn und Braun bestätigen im Wesentlichen die 5 L.mh näi kTD" We Beweisstücke fehlen; aus diesem MMMMW deß, daß die Kuntze be, Ergreifung der Verbrecher behilflich ar. Auf Grund dieser Zeugenaussa�n beantragte der Staats- iwalt die Freisprechung und der Gerichtshof erkannte nach sizer Bcralhung dem Antrage gemäß. Abgeblitzt. Wie seiner Zeit erwähnt, hatte der Fürst lücher von Wahlstatt von der Stadtgemeinde Berlin im rozeßwege 1625 Mark Schadenersatz verlangt, weil durch die i Gelegenheit der Beerdigung Kaiser Wilhelms I. auf dem lumenparkett des Pariser Platzes errichtete Tribüne die Aus- zt aus den zu seiner Wohnung gehörenden fünf Parterre- istern des Hauses Pariser Platz 2 versperrt worden sei, und ßerdem Annerkennung des Prinzips beansprucht, daß die ladtgemeinde zur Errichtung derartiger Bauwerke, welche die lsficht von seinem Hause beeinträchtigen, nicht befugt sei. In n gestern vor der 10. Zivilkammer des Landger'chts> abge- tenen Verhandlungstermine wurde seitens des Vertreters der Stadtgemeinde insbesondere geltend gemacht, daß das Recht der Avjazenten an einer öffentlichen Straße fich im allgemeinen nur auf die ungehinderte Kommunikation zu dem Grundstücke ver- mittelst des Bürgersteiges und des Fahrdammcs erstrecke, daß daher, da weder der Bürgersteig noch der Fahrdamm durch den Tribünenbau berührt worden sei und dem Kläger weder nach den Grundsätzen des Nachbarrechts noch sonst ein weitergehen- der Anspruch zukomme, ein Eingriff in die Rechte des Klägers nicht vorliege. Das Gericht erkannte demgemäß auf kosten- Pflichtige Abweisung der Klage..,, Gegen die Auswüchse de» Louisthums gehen die Gerichte mit ganz besonderer Strenge vor, namentlich wenn Mitglieder dieser„edlen" Zunft durch Drohungen oder Mrß- Handlungen Existenzmittel von ihren Opfern erprcffen wollen. Ein derartiger Fall unterlag gestern der Beurtheilung der ersten Strafkammer des Landgerichts L Der Angeklagte,„Movel- polirer" Paul Hahn, ein sehr jugendlicher Mensch, über dessen Lippen fich kaum die ersten Flaumenhaare kräuseltem wurde aus der Haft vorgeführt, um fich wegen Kuppele, und Mißhandlung zu verantworten. Als Belastungszeugin war ferne ehemalige Zuhältcrin Auguste Schmidt vorgeladen. Wie gewöhnlich ,n solchen Fällen, so versuchte auch hier die Zeugrn ihre frühere bei der Polizei protokollirte Aussage abzuschwächen; doch ge- lang es den eindringlichen Mahnungen des Präfioenten, dem Mädchen die Wahrheit zu entlocken. Unter Thränen und den Blick zaghaft auf den Angeklagten gerichtet, gestand fie nach und nach, daß fie vom Angeklagten zum „Kobern" angehalten worden sei und von ihm mehrfach geimß- handelt wurde, weil fie ihm nicht genug Geld ablieferte. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts auf 4 Monate Gefängniß mit dem Hmweis, daß gegen solche Burschen das Gesetz in seiner ganzen Strenge angewendet wer- den müsse.— Auguste wankte hinaus, um auf dem Korr, Vor dem früheren Geliebten die Hand zur Versöhnung zu reichen, welche dieser auch willig entgegen nahm._ Landesverrath»- Leipzig, 3. Juli. Zweiter Tag der Verhandlung. Präs.: Es ist ja selbstverständlich, daß Sie auf eine Begnadigung hoffen?— Cabannes: Herr Präsident, begnadigt kann ich doch nicht werden, aber ich hoffe, daß mir gestattet werden wird, meine Strafe in Straßburg zu ver- büßen, damit ich hin und wieder meine Frau und Kinder sehen kann.— Präs.: Da Sie also durch Ihre Geständnisse eine Milderung der Strafe erhoffen, so müssen Sie umsomehr vor- stchtig sein. Die Hoffnung auf eine Strafmilderung wird Sie doch nicht etwa veranlassen, einen Unschuldigen ins Unglück zu stürzen?— Cabannes: Und wenn ich wüßte, sofort dadurch meine vollständige Freiheit zu erlanaen, so wurde ich dies nicht thun. (Sich zu Appel wendend): Mag Appel selbst sagen, ob ich die Wahrheit gesagt habe.— Appel, der bis dahin in ziemlicher Unruhe dagesessen hat, ruft zitternd: Das ist Alles erlogen, ich protestire gegen Alles.— Präs.: Cabannes, ich ermahne Sie nochmals, mit ihrem Gewissen zu Rothe zu gehen, stch durch nichts beein- flussen zu lassen. Sie würden, wenn Sie hier einen Unschul- digen beschuldigen wollten, Ihren bisherigen Verbrechen die Krone aufsetzen. Appel bat selbst zugegeben, daß er Ihre Frau unterstützt hat. Wenn Sie den Appel zum Dank dafür noch derartig, wie es geschehen, in unschulviger Weise beschuldigen wollten, so würde das eine grenzenlose Verworfenheit sein.— Cabannes: Herr Präsident! Gott soll mich in meiner Todes- stunde strafen, wenn uy ein unwahres Wort gesagt habe.— Präs.: Sagen Sie es einmal dem Appel in's Gesicht, damit wir es alle hören.— Cabannes(zu Appel gewendet): Appel, Sie können nicht bestreiten, daß Sie mir mehrfach Geld, das Vincent an Sie geschickt hatte, gaben, daß Sic eine Anzahl an Vincent bestimmte Sendungen für mich und Dietz nach Paris beför- derten. Sie waren selbst bei Vincent und haben mir von ihm Gelder gebracht.— Appel(mit zitternder Stimme): Sie lügen, ich weiß von nichts, ich kenne keinen Vincent.— Cabannes: Bei dem Wohle meiner Kinder rufe ich Gott zum Zeugen, daß ich die Wahrheit spreche. Wenn ich auch j.tzt im Zuchthause sitze, so habe ich doch mehr Wahrheitsliebe wie Sie.— Appel: Ich wiederhole, daß ich alles bestreite und Sie gelogen haben, die Sache wird fich ja finden.— Cabannes: Ich weiß, was Sie unter diesem„Sich finden" verstehen. Appel sagte mir nämlich einmal, als wir in Straßburg über eine Brücke gingen: Wenn ich einmal etwas verrathen würde, so würde er mich erschießen.— Appel: Das ist auch eine Lüge.— Cabannes: Ich beschwöre bei dem Wohle meiner armen Kinder, daß ich die Wahrheit gesagt habe.— Verth. Rechtanwalt Dr. Reinhardt: Hat Cabannes nicht bei einer Vernehmung vor dem Herrn Obcr-Rcichsanwalt gesagt, er sei in der Lage, über eine unterirdische Mine etwas zu bekunden; dies thue er aber nicht früher, ehe ihm eine Strafmilderung zugefichert sei?— Der Präsident konstatirt aus den Akten, Cabannes habe vor dem Oder- Reichsanwalt gesagt, er kenne in Frankreich eine unterirdische Mine, über diese wolle er jedoch vorläufig noch Schweigen beobachten, bis ihm eine Strafmilderung oder eine Begnadigung zugefichert sei. Diese Angelegenheit habe jedoch mit der gegenwärtigen Verhandlung nichts zu thun.— Cabannes: Ich habe aller- dings dem Herrn Ober-Reichsanwalt gegenüber eine derartige Bemerkung g macht, da diese Sache aber mit der gegenwärtigen nicht das Geringste zu thun hat, noch Schweigen beobachtet. Dies schließt nicht aus, daß ich später die Sache noch einmal dem Herrn Ober-Reichsanwalt oder dem Herrn Anstalts- Direktor mittheilen werde.— Der Präsident verliest hierauf einen Brief, den Frau Cabannes ihrem Manne in das Zuchthaus zu Halle gesandt hat. In diesem theilt dieselbe mit, daß fie u. a. von einem Herrn Färber unterstützt worden sei. Auf Befragen des Präfidenten bemerkt Cabannes, daß unter diesem„Färber" Appel gemeint sei.— Der Pcästdent läßt zwei Gefangenwätter in den Saal treten und befiehlt denselben, den Cabannes wieder ins 9. w». s. w,».» Frau Cabannes in Paris gewesen sei. Ich lud fie deshalb vor und erfuhr von ihr, daß fie im Burvan des renseignernents war, um daselbst den Oberst Vincent um Unterstützung zu bitten. Vincent habe fie zu Sandherr, dem jetzigen Chef des Bureau's gewiesen. Letzterer habe fich anfänglich geweigert, ihr eine Unterstützung zu gewähren, da, wie er ihr bedeutete, er in Zeitungen gelesen, daß ihr Mann seine Landsleute verrathen habe. Sie habe dies in Abrede gestellt und dem Herrn ihre große Roth geklagt; daraufhin habe ihr Sandherr 600 Frks. mit dem Bemerken gegeben: Wenn fie stch wieder in Roth definde, sollte fie fich nur wieder an ihn wenden, es seien noch einige für Cabannes destimmte Gelder vorhanden.— Frau Saum: Frau Cabannes habe einmal zu ihr gesagt: fie lasse stch lieber die Hand abhauen, ehe fie einen Meineid leiste. Auch habe ihr Frau Cabannes erzählt, daß fie von Appel Unterstützung erhalte.— Fräulein Dennier: Frau Cabannes habe ihr erzählt, daß ihr Mann stch in Unter- suchungshaft befinde, weil er an die französtsche Regierung berichtet habe. Diese Berichte seien durch Appel. Girard und Streißguth befördert worden. Sie habe, während ihr Mann in Untersuchung war. vom Appel Geld erhalten, das ihrem Manne von der französischen Regierung geschickt war. Amtsgenchtsakluar Kern: Frau Appel hat ihren Gatten einige Male in d.r Untersuchungshaft besucht. Appel fragte seine Frau: ob etwas neues vorgefallen wäre. Dieselbe Frage stellte Frau Appel an ihren Man». Da die Frage beiderseits verneint wurde, so athmeten beide förmlich auf. Beim Abschiede gab Frau Appel ihrem Manne einen Kuß und flüsterte ihm etwas zu. Ich konnte die Flüsterung nicht verstehen. Weiter läßt fich nichts machen, sagte Frau Appel. Appel bemerkte: Nur nicht den Muth verlieren, es wird fich ja bald aufklären. Da einige Tage vorher Frau Cabannes nach Paris gereist war, so entnahm ich aus dieser ganien Unterredung, daß die Appel'schen Eheleute froh waren, daß Frau Cadannes abgereist war.— Appel bestreitet, daß ihm seine Frau ein Geheimniß mitgetheilt habe.— Auf Befragen des Verth. R.-A. Dr. Reinhardt bestätigt die Zeugin Dennier, daß Frau Cabannes vor ihrer Abreise nach Patts ihre Möbel veräußert habe.— Auf Vernehmung des Staatsanwalts Stadler(Straßburg) wird verzichtet.— Der Präsident konstatirt alsdann aus den Akten, daß Frau Cabannes zu der Verhand« lung als Zeugin aeladen, daß jedoch laut Auskunft des Straß» burger Polizei-Präfidenten diese Vorladung nicht zugestellt werden tonnte. Der Ober-Reichsanwalt beantragt, die gerichtliche Aussage der Frau Cadannes zu verlesen. Der Präsident bemerkt, daß dertzMenchtshof über diesen Antrag berathen werde.— ES tritt alsoann eine kurze Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung verkündet der Prä- stvent: der Gerichtshof habe beschloffen, die unbeeidigte gertcht- kiche Aussage der Frau Cabannes zu verlesen. Danach hat Frau Cabannes die Bekundungen ihres Mannes im Wesent- lichen bestätigt. Ihr Mann habe ihr schon im Jahre 1883 ge- sagt: Appel ist Generalagent der französtschen Regierung. Unter dem„Färber" habe fie Appel gemeint. Appel habe ihr, als er ihr nach der Veruttheilung ihres Mannes Geld gegeben, nicht gesagt, daß die Gelder aus Patts seien, im Gegentheil, Appel habe ihr gesagt: er wolle der Sicherheit halber vorläusig nicht mit F.ankreich verkehren. Im Uebttgen sagte ihr Appel: fie solle nur nicht den Muth verlieren, die Franzosen werden fie nicht verlassen. Im Weiteren hat Frau Cabannes bekundet: Appel habe ihr bis zum 28. Dezember 1887 in verschiedenen Ratenzahlungen im Ganzen 900 Mark gegeben. Appel habe ihr ge- sagt: fie solle ihm Quittung geben, damit es aussehe, als ob er ihr Darlehen gemacht habe. Ferner habe ihr Appel gesagt: Sir solle nur beruhigt sein, ihr Mann habe ja nichts verrathen, in Folge dessen werde fie auch unterstützt werden.— Landrichter Munzinger, der die Vernehmung vorgenommen, bekundet, daß die Vernehmung geschehen, als Cabannes im Zuchthause zu Halle saß, mithin eine Verbindung zwischen den Eheleuten Cabannes vollständig ausgeschlossen war. Frau Cabannes habe ihre Aussagen in durchaus glaubhafter Weise abgegeben und sei auch bei ihren Bekundungen geblieben, als fie mit Appel kon- frontirt wurde.— Bürgermeister, Freiherr Bancalis(Gerstheim): Er sei mit Appel seit frühester Jugend bekannt und habe viel- fach mit demselben verkehtt. Er habe niemals eine deutsch- feindliche Gesinnung bei Appel wahrgenommen, er(Zeuge) hätte sonst den Verkehr mit ihm abgebrochen. Appel sei ein sehr wohlhabender Mann und stets ein sehr offener, ehrlicher Charak- ter gewesen, der sich eines sehr guten Leumunds erfreue. Apothekcnbcfiyer Klein(Straßburg i. E.) bestätigt diese Be» kundung mit dem Bemerken: Ich bin seit der Annexion in Elsaß- Lothringen und stehe in Straßburg an der Spitze der Wahl- bewegung im rcichsfreundlichen Sinne. Ich kann bekunden. daß ich den Appel niemals in den Reihen meiner Gegner ge- funden habe. Ich habe niemals wahrgenommen, daß sich Appel irgendwie an einer politischen Bewegung betheiligt Hot- Auf meine Einladung hat Appel oftmals an den von mir entrirten Jagden theilgenommen, obwohl er wußte, daß er dort mit vielen deutschen Beamten zusammenkommen werde. Ich war von 1870—71 Bürgermeister in Straßburg und kenne die Straßburger Bürgerschaft sehr genau. Ich kann danach de- künden, daß Appel fich in den Reihen der Straßburger Bürgerschaft einer sehr großen Beliebtheit erfreut. Ich traue ihm eine schlechte That durchaus nicht zu.— Auf Befragen des Vercheidigers, Rechtsanwalt Dr. Reinhardt, de- kündet der Zeuge: Er haae einmal gehört, daß Appel am Wechselfieder leide, er habe auch einmal ein darauf bezüg- liches Rezept gesehen.— Es erscheint hierauf als Zeuge der ehemalige Reichstagsabgeordnete, Rittergutsdefiyer Hugo Zorn von Bulach.(Im ersten Bericht ist dieser Zeuge irrthümlich als der Sohn des ehemaligen Reichstagsabgeordneren Zorn von Bulach bezeichnet worden.) Dieser Zeuge bestätigt vollinhaltlich die Bekundungen der beiden Vorzeugen. Ich stehe seit vielen Jahren im politischen Leben, so bekundet der Zeuge, ich vettrat während zweier Legislaturperioden die Stadt Straßburg im Reichstage und kandiditte bei der letzten Reichstagswahl in Straßburg, bei der bekanntlich auch in Elsaß-Lothringen der. Wahlkampf wegen der Septennatsfrage sehr heftig war. Ich habe den Appel aber niemals auf Seiten meiner Gegner gesehen.— Gefangenaufseher Löw(Straßburg i. E.): Er habe den Appel mehrfach im G.fängnißhof spazieren geführt. Von einem gegen- uberliegenden Hause habe Frau Appel in den Gefängnißhof ge- sehen. Appel habe, als er seine Frau erblickte, den Finger auf seinen Mund gelegt. Ich entnahm daraus, daß Appel seiner Frau damit sagen wollte: ich verrathe nichts. Ich habe diese meine Wahrnehmung dem Herrn Untersuchungsrichter gemeldet, der dann auch die ferneren Spaziergänge verbot. Als Appel nach Leipzig überfühtt wurde, übergab cr mir einen� Rock mit der Bitte, diesen seiner Frau zu übermitteln. Das Futter des Rock>s war oben am Kragen anscheinend gewaltsam aufgerissen, während das Futter sonst keinerlei Löcher zeigte Dieser Um- stand fiel mir auf, ich untersuchte deshalb den Rock und fand in dem unteren Thcile desselben eine Anzahl mit Bl istift be- schriedene Zettel.— Präs.: Diese Zettel find gestern bereits ver« lesen worden. Appel, was dezweckten Sie mit den Zetteln?— Appel: Ich habe die Gewohnheit, alle meine Gedanken derartig zu Papier zu dringen. Das, was auf den Zetteln steht, ist ja auch ganz harmlos. Ich will noch bemerken, daß die von Löw im Gefängnißhofe bekundete Beachtung fich auf einen Kuß redu- zirt, den ich meiner Frau zuwarf.— Auf Befragen des Ver- theidigers, Rechtsanwalts Dr. Reinhardt bekundet noch der Zeuge Löw, daß Appel im Untersuchungs- Gefängniß bisweilen am Wechselfieber gelitten und deshalb vom Arzt Chinin verschrieben erhalten habe. Landrichter Munzinger berichtet über die Vernehmung des Appel, als dieser ihm sagte, daß er ein militärisches Geheim- niß entdecken wolle, wenn die Untersuchung gegen ihn nieder« geschlagen würde. Ich sagte zu Appel— so fuhr der Untersuchungsrichter fort— nach dieser Ihrer Erklärung scheint es doch, daß Cabannes Recht hat. Appel bemerkte darauf: „'Ao ist erlogen. Aber'/,o ist wahr." Was ist also wahr? fragte ich. Ich kann nichts verrarhen, ich habe einen Eid ge- leistet, erwiderte Appel, das kann ich Ihnen aber sagen, es find in Straßburg mindestens noch 20 Leute, die seit der Verhaftung des Cabannes nicht mehr ruhig schlafen können.(Bewegung im Audttorium). Ich bemerkte dem Appel: Ich werde Sie nach ewigen Tagen wieder vorführen lassen, viel» leicht überlegen Sie es fich und sagen mir, was Sie nicht ver- rathen wollen. In Ihrem Interesse liegt es jedenfalls, daß Sie in jeder Beziehung ein offenes Gcsiändniß ablegen. Appel er- widerte darauf nichts, ich ließ rhn infolge dessen wieder ad- führen.— Präs.: Nun, Appel, was sagen Sie dazu, wollen Sie jetzt vielleicht sagen, was Sie noch zu verrathen haben?— Appel: Herr Präsident, ich war an jenem Tage ganz mahn- finnig, ich wußte nicht, was ich that.— Präs.: Herr Landrichter, haben Sie bei Appel derartige Wahrnehmungen gemacht?— Landrichter Munzinger: Appel war wohl sehr aufgeregt, ich habe aber nichts Krankhaftes an ihm wah-genommen.— Auf Antrag des Vertheidigers, Rechtsanwalt Dr. Reinhardt, konstatirt der Piäfident aus den Akten, daß Appel auch gesagt hat: Cabannes sei im Stande, noch 20 Str chburgcr Bürger ins Unglück zu stürzen.— Hauptmann Budde: Im Monat März d. I. be- schloß das Kriegsministerium, das von Appel angekündigte Ge- heimniß entgegenzunehmen. Ich wurde deshalb vom Herrn Kriegsminister nach Straßburg geschickt und begab mich in Be- gleitung des Herrn Landrichter Munzinger zu Appel in die Zelle. Herr Landrichter Munzinger sagte zu App-l: Hier ist ein Offizier vom Großen Gcneralstad, dem Sie Ihr Ge- heimniß anvertrauen wollen. Appel erzählte nun: Er sei einmal durch die Vogesen gefahren. Als er dort einen Vorpaß passtrte, habe ihm ein französtschcr Beamter be- deutet, daß es nicht weiter gehe, da unterirdische Sprengversuche gemacht werden. Er habe nun wahrgenommen, daß unter Mit» Hilfe von Militär diese Sprengversuche von weiter Ferne aus- geführt werden. Man habe ihm mitgetheilt. daß dies eine ganz neue Entdeckung sei, die im Kriege dem Feinde ganz erheblichen Schaden zuiügen könnte. Ich erwiderte dem Appel, daß Spreng« versuche mittelst Elektrizität, von weiter Ferne unternommen, durchaus keine neue Erfindung sei. Ich fragte ihn weiter, ob er noch etwas Anderes zu entdecken habe, vielleicht über das Brieftaubenwesen. Appel verneinte aber diese Frage. Derselbe war wohl sehr erregt, ich nahm aber nichts wahr, was auf eine Geistcsgestörtheit desselben schließen ließ. Der Prästdcnt forderte sodann das Publikum auf, fich zu ent« fernen, da der Gerichtshof von der Ober�Reichsanwaltschast einen Antrag auf Ausschluß dcr Oeffentlichkert entgegenzunehmen habe. — Das Publikum verläßt den Saal.— Nach etwa 5 Minuten werden die Thüren wieder geöffnet und es verkündet der Pcäfi Äent: Der Gerichtshof hat aus Antrag der Ober Reichsanwalt- schaft b> schloffen, für den folgenden Theil der Verhandlung die Ocffentlichkeit auszuschließen, da nunmehr eine Reihe von Akten- stücken verlesen werden müssen und durch das Verlesen derselben in öffentlicher Sitzung der öffentlichen Ruhe und Ordnung Ge- fahr droht. Der Gerichtshof behält sich vor, die Ocffentlichkeit, nachdem die Verlesung der Aktenstücke stattgefunden, wieder her- zustellen. Für heute wird die Sitzung auf morgen(Mittwoch) 9 Uhr vertagt.— Die morgigen Verhandlungen werden also, sicherem Vernehmen nach, unter vollem Ausschluß der Oeffent- lichkeit staltfinden. Am Donnerstag soll mit den Plaidoyers begonnen werden._ Soziales«nd ArbeiterbeivegunK An die Tischler Deutschland». Kollegen! Arbeiter! Genossen! Nach einem in der jüngsten Nummer der„Neuen Tischler Zestung" enthaltenen Versammlungsbericht werdet Ihr wohl zu der Annahme gelangt sein, daß nun der Streik bald deendet sei. Dies ist jedoch leider nicht der Fall. Die zu Donnerstag, den 23. Juni, festgesetzte Sitzung mit der Meister- kommisfion hat nicht stattgefunden, weil, nach einem Schreiben des Jnnungsvorstandes, mii uns doch nichts zu verhandeln sei, ja, daß uns selbst an einem Frieden garnichts gelegen ist und somit die Sitzung ihrerseits für unnöthig erachtet wird. Dabei verschweigt der Jnnunßsvor stand ganz und gar, welcher Art die Friedensbedingungen überhaupt sein sollen. Wir sind derMei- nung, daß es der Innung, als sie mit uns Unterhandlungen anknüpfte, nur darum zu thun war, den für uns günstigen Ver- lauf der Bewegung zu hemmen und größere Arbeitgeber, die schon im Begriffe waren zu unterschreiben, noch zu bestimmen, einige Zeit zu warten. Nun, ihrem Schicksal können die Herren nicht entgehen; da die Arbeit sehr drängt, wer- den sie früher oder später doch unterzeichnen müssen. Deshalb beschloß die am Freitag Abend in dieser Sache getagt habende Verbanosversammlung, fich mit der Innung garnicht weiter zu beschäftigen und nach wie vor auf der alten Forde- rung, die von jedem Arbeitgeber zu unterzeichnen ist, zu be- stehen. Wir müssen hier die deutschen Kollegen auf eine Eigen- thumlichkeit der hieffgen Innung aufmerksam machen. In an deren Städten wird man es finden, daß die Inhaber von größeren Geschäften auch den meisten Einfluß auf die Innung selbst und deren Beschlüsse haben; hier ist es jedoch umgekehrt. Die Wortführer in der Innung find gerade diejenigen Arbeit- geber, die ein bis zwei oder auch gar reinen Gesellen beschäfti« gen, die aber immer in den Versammlungen in der Mehrzahl vertreten find und natürlich' auch stets dagegen stimmen, dem Arbeiter überhaupt etwas zu bewilligen. Viel liegt auch an der Leitung des Vorstandes der Innung selbst. Die Herren versprechen uns in der Sitzung alles mögliche, setzen aber in der Veisamm- lung nichts durch. So lange also in der hiestgen Innung das bessere Element nicht die Führung übernimmt, wird dieselbe für ihre Mitglieder selbst mehr Schaden als Nutzen bringen, am allerwenigsten wird die Jnuung in solcher Verfassung jemals in die Lage kommen, Lohn- und Arbeits- bedingungcn zwischen Arbeitgeber und-Nehmer in beide Theile b.fciedigender Weise zu regeln. Der Stand der Bewegung ist immer noch ein für uns günstiger; trotzdem wir uns nun schon in der neunten Woche des Ausstandes befinden, kann uns der Sieg wohl nicht mehr streitig gemacht werden. Die ZaH der zu Unterstützenden nimmt immer mehr ab; obwohl wir jetzt noch an 470 Kollegen Gelder auszuzahlen haben, so defindet fich andererseits wieder ein größerer Theil in Arbeit, der pünktlich seinen Beitrag zur s-treiklaffe entrichtet. Jedoch reicht das, was tte in Arbeit befindlichen Kollegen hier aufbringen, allein lange nicht aus, die laufende Unterstützung zu decken, da etwa 550 Kolleg n abgereist find und somit die Steueckraft fich immer nur auf einen kleinen Kreis von Kollegen beschränkt. Wir sind deshalb immer noch auf die Hilfe der auswärtigen Kollegen angewiesen, um so mehr, da jetzt der Wendepunkt in unserem Kampfe eingetreten ist und wir, wenn nur mit den nothwm- dizsten Mitteln verschen, uns bald den vollständigen Siez er rungen haben werden. Die Kollegen müssen ferner erwägen, daß wir nur an Unterstützung allein bis jetzt 61 000 Mark ausgegeben haben und daß wir bei einer solchen Summe, die zur Auszahlung gelangt ist, bedeutende Verbindlichkeiten Hahn ingehen müssen. Wir find dir festen Zuverficht, daß uns die Kollegen auch ferner nicht im Stiche lassen werden und uns so viel wie möglich auch noch weiter Unterstützungsgelder zu- «enden werden, damit die Riesenopfer, die wir insgesammt bis jetzt gebracht haben, nicht nutzlos find. Ferner müssen wir die Kollegen doch dringend ersuchen, uns den Zuzug fernzuhalten; derselbe nimmt jetzt wiederum bedeutend zu, und zwar ent- schuldigt sich ein großer Theil der Kollegen mit der Ausrede, daß der Streik schon deendet sein soll. Wir bitten daher, daß die organisirten Kollegen über den Stand des Streiks in allen Kollegenkreisen Aufklärung geben, damit unserer Bewegung nicht doch noch, nachdem wir die Holländer bis auf einen winzigen Ziest weggeschafft haben, durch inländische Arbeiter Abbruch ge- than wird. Hamburg, den 2. Juli 1888. Mit kollegialischem Gruß und Handschlag der Vor st and des Verbands« Vereins der Tischler Hamburgs.— Briefe an G. Slomke, Kleine Drehbahn 40; Gelder find nach wie vor an den Strcikkasfirer der Hamburger Tischler, Herrn I. Heitgres, Neue Rosenstraße Platz 45, Haus 5, part., St. Pauli Hamburg, zu senden. Ueber die eingegangenen Beträge wird in der„Neuen Tischler-Zeitung" quittirt Kerewe und UersammltMKe». An dl« Kchlofler, Maschiuenbaner und alle in der Gisendranche beschäftigten Arbeiter ergeht folgender Auf- ruf: Kollegen! In letzter Zeit haben zwei öffentliche Schlosser« Versammlungen stattgefunden, welche den Zweck hatten, über die Ardeitslofigkcit und sonstige Mißstände in unserem Gewerk zu derathen. Es war dringend nochwendig, wieder einmal einen Einblick in unsere Arbeitsverhältnisse zu gewinnen. In beiden Versammlungen wurde konstatirt, daß die Arbeitslofigkeit in unserer Branche bedeutende Dimensionen angenommen hat; man schätzte die Zahl der arbeitslosen Schlosser in Berlin auf ungefähr 4000. Diese Arbeitslosen haben den Hamburger streikenden Schloffern große Schwierigkeiten bereitet, indem es nicht möglich war, den Zuzug von Hamburg femzu- halten. Es wurde ferner festgestellt, daß in Berlin die Arbeits- zeit im Durchschnitt(Feierabend« und Sonntagsarbeit einge« rechnet) 11 Stunden betrage; auch wurde hervorgehoben, daß einige Geschäfte sich fast ausschließlich mit Lehrlingen behelfen. Die Löhne find so herabgesunken, daß es kaum möglich ist, nothdürftig zu leben. Kollegen! Einige Wochen arbeitslos sein, heißt für den Verheiratheten dirett den Bettelsack ergreifen. An« gestchts dieser Thatsachen wurde in den Versammlungen von einigen Rednern besonders hervorgehoben, daß es nolhwendig sei, fich zu organifiren; denn nur der organifirte Arbeiter sei im Stande, all diesen Mißständen wirksam entgegenzutreten und Einhalt zu gebieten. Es wurde deshalb in der letzten Versammlung einmüthig beschlossen, dem hier bestehenden„Fachverein der Schlosser und Berufsgenossen" beizutreten. Von der Gründung eines neuen Vereins wurde Abstand genommen, weil man in Berlin schon zu üble Erfahrungen gemacht hat und deshalb zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß nur ein einheit« liches Vorgehen gegen diese Mißstände für die in der Eisen- brauche beschäftigten Arbeiter von Vottheil sein kann. Kon- venirt der Name des genannten Vereins nicht, so ist es den Mit- gliedern jederzeit gestattet, denselben entsprechend zu ändern. Darum auf, Kollegen, seid Ihr emst lich gesonnen, Eure Lage zu ver« bessern, so schließt Euch der Organisation an. Der Fach« verein der Schloffer und Berufsgenoffen hält seine nächste Versammlung am Sonnabend, den 7. Juli, Abends 8i Uhr, bei Seefeld, Grenadierstraße, ab, mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Wille über das Thema:„Was ist gut?" 2. Diskusfion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Die erste Versammlung de» Verein» der Kerliner Kaustuckateure tagte am 2. Juli in Wfinskis Lokal, Fischer- straße 10, unter Vorfitz des Heim Heindorf. Nachdem die Ver- sammlung die Tagesordnung, welche lautete: 1. Zweck und Ziele des Vereins, 2. Wahl des Vorstandes, 3. Wahl der Kom- Missionen, 4. Verschiedenes und Fragekasten, festgesetzt, nahm zum 1. Punkt Herr Heindorf das Wort. D.r Vcrcin habe fich zum Zweck gemacht, in allererster Linie nur gute und douer- hafte Arbeit zu liefem, damit das Publikum vor Unglück durch Herabfallen von Etuckthcilen in jeder Weise geschützt wird. Das Ziel des Vereins ist, die Interessen der Kollegen zu fördern, die Mitglieder durch unentgeltlichen Arbeitsnachweis vor Arbeitslofigkeit zu schützen, die Gewährung von Rechtsschutz in gewerblichen Streitigkeiten und Pflege der Kollegialität durch Abhaltung geselliger Vergnügungen. Zum 2. Punkt: Wahl des Vorstandes, wurden gewählt: 1. Vorsitzender W. Schulz; 2. Vorsitzender Aug. Hoffmann; 1. Schriftführer A. Jänicke; 2. Schriftführer F. Scherbing; Kasflrer C. Paethe; Revisoren Beaum, Woitschach, Klückmann und Kühling. Nach Wahl des Vcrgnügungskomitces wurde die Wahl der übrigen Kommisfionen vertagt. J£as Komitee wurde beauftragt, sobald wie möglich ein Vergnügen zu veranstalten. Nachdem noch bekannt gemacht, daß die nächste Vereinsverscmm- lung am 16. Juli in demselben Lokale stattfindet, wurde die Versammlung geschlossen. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine etr. am Donnerstag. Männeraesangverein„Lätttia" Abends 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Veteranenstr. 19.— Gesangverein„Bretzel- schluß" Abends 8j Uhr im Restaurant Schumann, Alte Jakob- straße 38.— Männergesangvercin„Nordstern" Abends 9 Uhr im Restaurant Jacob, Lindowerstr. 26.— Schäfer'scher Gesangverein„der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf u. Krüger, Skalitzer« straße 126, Gesang.— Gesangverein„Blüthenkranz" Abends 9 Uhr im Restaurant Dresdenerstraße 40.—„Frena", Gesangverein der freireligiösen Gemeinde, Abends 8j Uhr Neue Friedrichstraße 35, Saal 3.— Äännergesangvcrein „Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Straußbcraer- Üraße 3.— Männergesangverein„Liedesfreiheit" Abends 9% Uhr im Restaurant Siemund, Liirienstraße 8.— Gesangverein „Deutsche Liedertafel" Abends 9Uhr Köpnickcrstr. 100.— Turnverein„Hasenhaide"(Lehrlings-Abthcilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstr. 60—61.—„Berliner Turngcnossenschaft"(7. Lehr« linas-Abtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Tumhalle, Brryerstraße 17—18;— desgl. 6. Männer- Abtheilung Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Gubener« straße 51.— Lübeck'scher Turnverein(Männer- Abthcilung) Abends 8 Uhr Elisabethstraße 57 58.— Allg. Arcnds'sche L-tenographenverein, Abth.„Louisenstadt", Abends 3j Uhr«im Restaurant Preuß, Oranienstraße 51.— Arends'scher Steno« graphenverein„Phalanx" Abends 8| Uhr im Restaurant„Zum Buckower Garten", Buckowerstraßc 9.— Berliner Stenographen- Verein(System Ärends) Abends 9 Uhr im Restaurant Fiiedrichstraße 208.— Stolze'scher Stenographen-Verein„Nord-Berlin" Abends 9 Uhr Schlegelstraße 44. — Verein der Naturfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Wienerstraße 35.— Geselliger Klub„Careau Aß" Abends 8% Uhr im Restaurant Leinhose, in Boxhagen.— Rauchklub„Kernspitze" Abends 86 Uhr im Restaurant, Holz- marttslraße 44.— Rauchtlub„Arcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forsterstraße, Ecke der Reichcnbergerstraße. — Rauchklub„Dezimalwaage" Abends 8; Uhr im Restaurant, Memelerslraße 82.— Rauchklub„Vorwätts" Abends 9 Uhr bei Herrn Tempel, Restaurant„Zum Ambos", Bres- lauerstraße 27.—„Orientalischer Rauchklub" Abends 9 Uhr im Restallrant Wiechert, Oranienstraße 8. Kleine MMtzeilungen. Andernach, 2. Juli.(Die Roth im BrohlthalO Ueber die Maßen traurig lauten die Nachrichten aus der Gegend vom Oberihein und aus den Seitenthälern des Rheins über die am 23. Juni durck Wolkenbrüche dort angerichteten Verheerungen. Eines der am härtesten mrtgenommenen Thäler ist das schöne Brohlthal, aus welchem ein Brief, den ein Bewohner der nächsten Umgegend von Brohl an eine ihm befreundete Familie gerichtet hat, in beweglichen Worten die große Bedrängniß schildert, in die dort durch das Unwetter eine große Zahl von Famiiien plötzlich versetzt worden ist. Handelt es fich auch nicht um eine Katastrophe, die in Vergleich zu setzen wäre zu den ausgedehntesten Verwüstungen, welche im Frühjahr d. I. das Hochwasser in den östlichen Provinzen und an der Elbe im Gefolge gehabt hat, so ist doch die Roth, in der jetzt einzelne Familien und Gemeinden am Rhein sich befinden, nicht weniger groß.„Die Roth," so hieß es inldem Briefe,„ist größer als ich beschreiben kann. Viele Menschen, die am Sonnabend Abend um 10 Uhr noch als wohlhabende Leute zu Bett gegangen find, waren schon um;11 Uhr so arm, daß ste nichts mehr hatten, wo sie ihr Haupt hinlegen konnten. Leider sind auch mehrere Menschenleben dem tückischen Elemente zum Op er gefallen. Dem einen fehlte der Vater, der Ernährer der Familie, dem anderen die sorgsame Mutter oder das geliebte Kind; wie ich denn Augenzeuge solch herzzerreißender Szenen gewesen bin. Viele Menschen haben nur mit genauer Roth ihr Leben retten können. Mehrere Familien im Brohlthol find nur mit einem Hemd bekleidet den Wassern enttaufcn und auf die Berge geflüchtet» wo sie die ganze Nacht hindurch ohne Obdach den starken Regengüssen ausgesetzt waren, und als fie am Morgen in ihr Heim zurücklehren wolllen, fanden fie es nur in Schutt- und Trümmerhaufen wieder. Am verflossenen Sonntag, dem Tage nach der Katastrophe, habe ich mal einen Gang bis Burg- drohl, welches ca. 1 Stunde von Brohl entfernt ist, gemacht. Was das Auge hier ficht, spottet jeder Beschreibung. Die sonst so schönen Fluren des henlichen Brohlthals find stellenweise hauslief ausgetrieben, die Straße von Brohl nach Burgbrohl ist zum großen Theil zerstört, an mehreren Stellen ist fie nur noch einige Fuß breit. Man geht kaum zehn Schritt, so muß man schon wieder über einen Baumstamm klettern, welche das Wasser in mehreren hundert Stück bis zu einer Dicke von 75 Ctm. auf die Chaussee geschwemmt hat. Doch nicht allein Stämme, sondern auch Trümmer von Kutsch- und Lastwagen liegen rechts und links von der Chaussee, rcsp. auf derselben. Die Bleiweiß- und Kohlensäurefabrik in Burgbrohl ist zum Theil zerstört, ein großer Kessel ist aus der Fabrik mit fort- gerissen worden, welcher bis jetzt noch nicht wieder gefunden ist. Sämmtliche Brücken, welche üb-r den Bach zu dm Traßmüllern führten, find verschwunden und die Traßmühlen find zum Theil zerstört. Die Brohler Papierfabrik Konkordia hat auch sehr viel Schaden gmommen. In Brohl selbst find mehrere Häuser und Scheunen wie vom Boden wegrafirt, viele andere haben erheb- lrchen Schaden genommen. Der Schaden, den das Wasser gerichtet hat. ist nicht zu berechnen. Seit Montag früh ist- Kompagnie Pioniere hier, um die Chaussee nach Burgk wieder einigermaßen herzustellen." Krüssel, 1. Juli.(Stanley in Oberegypten?) l „Mouvcmcnt Geographique", welches fich in allen afrikanist Angelegenherten, besonders in den den Kongostaat betreffen! Fragen, einem unverwüstlichen Optimismus hingiebt, best: m semer heutigen Nummer in langer Ausführung Stanley sche Expedition und ihr muthmaßliches Schicksal.- hervorragende Brüsseler Fachblatt glaubt noch immer nicht das Scheitern des Stanley'schen Zuges und noch weniger den Tod seines Führers, weil hierfür blos die Aussagen i Deserteuren und arabischen Händlern vorliegen, die nicht v- Vertrauen verdienen. Man muß gewiß zugeben, daß spq die onentalischm Handelsleute über eine bedeutende Phanl verfügen und nicht selten aus einer Mücke einen Eleph-v machen. Die Deserteure dagegen mögen die Schis Stanley's und seiner» Beglester in schwarzen Farben! schildett haben, um ihre Ausreißcrei zu rechtfertigen.£ ist es sehr auffällig, daß gerade die Araber und Deserteure, also die einzigen Personen, welche von der 9 überhaupt etwes wissen können, die gleichen ungünsfi Angaben über Stanley mochm. Nicht minder bedeutungs ist es, daß Major Bartelot, welcher der Expedition Stank am nächsten steht und die Sttuation jedenfalls besser beurtd als alle den Eieiznissen fernstehenden Afrikakenner, ganz et seine Besorgmß um Stanley ausdrückt. Dem gegenüber er» das„Mouvement Geographique". daß eine unbedingt verläßt Nachricht über das Schicksal Stanley's nicht vorhanden ist. i dererseits glaubt das Brüsseler Blatt nicht an die von verss denen Seiten eingetroffenen Meldungen, daß Stanley,: „weiße Pascha", im Gebiete von Bahr-el Ghazal südlich' Khartum als Eroberer erschienen sei. In dieser Fassung, m das„Mouvement Gsographique", ist die Nachricht jedenfalls' richtig, da nicht anzunehmen ist, daß Stanley, selbst veili> durch die fünfzehnhundert Mann, welche Emin Pascha zur% fügung stehen, es wagen würde, den 1300 Kilometer langen 2 von Wadeld noch Khartum zu durchziehen, um auf die I ganz unbekannten Kräfte des Mahdi zu stoßen. � könnte nach der Ansicht des„Mouvement Gsogrophique" Richtiges an dieser Meldung sein. Es ist nämlich ist daß Stanley durch verschiedene Schwierigkeiten gezwu' wurde, auf Umwegen nach Wadelar zu ziehen und die 1 tung gegen Norden zu nehmen, und zwar durch das Gebiet> Quelle-Stroms und das Ouellengebict des Gazellen- Stiel In diesem Falle können arabische Elfenbeinhändler die» Wesenheit eines„weißen Pstcha's" im Gebiete von Babl Ghazal nach Khartum fignalisirt haben." Die arabische taste hätte dann aus Stanley einen Eroberer gemacht.# Stanlcy wirklich, statt nach Wadelar zu gehen, den Nord» eingeschlagen hat, so wäre der Mangel jeder verläßlichen% richt, der uns in so große Besorgmß versetzt, erklärt. Man ß aus dieser Darstellung, daß das Brüsseler Fachdlatt die Befü> tungen der Kongo- Regierung selbst nicht theilt und die Ä nung nicht aufgiebt, Stanley noch lebend zu sehen. Wir(st die Aeußerungen des„Mouvement Gsograph-'que" wieder, C wir unsere Leser nicht blos mit den pcsfimistischen, sondern Z mit den optimistischen Ansichten bekannt machen wollen.* fügen blos hinzu, daß gerade die Kreise, welche hg so viel Optimismus äußern, früher mit aller Bestimmt« erklärten, daß Ende Februar die Ankunft SJj lcy's in Wadcla! gemeldet weiden würde, weil k der äußerste Termin ist, bis zu welchem der bcriihl Forscher sein Ziel erreicht haben müßte. Seither find vier"« Monate verflossen und dieselben Kreise zeigen sich von dem 9% bleiben der Nachrichten kaum überrascht. Es will uns dcnn d scheinen, als ob dieser zur Schau getragene Optimismus vi# nicht ganz aufrichtig ist. Pest, 2. Juli.(Kampf zwischen Soldaten und Polizi� Heute um Mitternacht mar das zumeist von Soldaten�, Dienstmädchen besuchte Gasthaus„zum Maikäfer" im% Wäldchen der Schauplatz eines blutigen Kampfes zwischen y daten und Polizisten. Mehrere dem 6. Infanterieregiment> gehörige Infanteristen exzedirten in dem Gasthofe, so« fchließlich der Wirth fich veranlaßt fand, die Intervention> Polizei in Anspruch zu nehmen. Es erschienen bald darauf'' der nahegelegenen Polizei-Expofitur im Stadtwäldchen der Sa stabler Thomas Babirad und der Wachkommandant Ski SM. Ihre Bemühungen, die Ruhe wieder herzustellen, s wiesen sich als erfolglos, ja einer der Soldaten, Stefan Jvai? zog vom Leder und verwundete Babirad leicht an der reli>' Hand und SMi schwer am Kopfe. Den dedrängten Polizw kam der Polizeiwachmann Josef Szoradi zu Hilfe, der gk* falls von seiner Seitenwaffe Gebrauch und den Soldaten»>» einen Hieb kampfunfähig machte. Der ziemlich schwer" mundete I anits wurde sodann in's Garnisonspital und ins Rochusspital überführt. Die Untersuchung wird gleicht« von der Polizei und der Militärbehörde geführt.. Trieft, 1. Juli. Seit einigen Tagen laufen aus M(ß Nachrichten über angeblich daselbst vorgekckknmene Cholerast ein. Die dortigen Behörden dementiren, daß es Cholera« und geben nur epidemisch auftretende Gastrenteritis zu, die' m entlich in der Nähe des Hafens vorgekommen und woraus' Gerücht entstanden sei. Die Cholera soll durch ein Schiff* 25 000 von Bombay kommenden Getreidcsäcken eingeschk worden sein. Eine Haupwrsache der ungünstigen Sar# zustände in Mcsfina liegt in dem Wassermangel, da die L>? infolge zahlreicher Röhrenbrüchc in der Wasserleitung ohne Tst wasser ist. Unter dem Volke herrscht starte Aufregung, un* fand eine drohende Demonstration vor dem Hause des Büft meisters statt.__ Telegraphifche Depesche«. (Wolffis Telegraphen-Bureau.) Leipzig Mittwoch, 4. Juli. Prozeß gegen Dietz und� Nossen wegen Landesvenaths. Die ganze heutige Verbandst fand unter Ausschluß der Oeffentlrchkeit statt. Die Beweist nähme wurde deendet und beginnen morgen die Plaidoyers', Reichsstaatsanwaltschaft und der Vertheidigung; es ist noch> Beschluß darüber gefaßt, ob solche in öffentlicher Sitzung V finden werden. �„■ Rom. Mittwoch, 4. Juli. In Betreff der Beschwcl' der französischen und griechischen Regierung wegen der, Maffauah seitens Italiens eingeführten Besteuerung meldet' „Agenzia Stefani', daß die genannten Steuern die Jtal'� ebenso wie die Ausländer treffen. Der griechische Gesas- welcher auf Grund des Artikels 2 des italienisch griechilA Handelsvertrages anläßlich dir Stcuereinsührung rellaNU mußte anerkennen, daß Italien in seinem Rechte sei; im? dessen mußte auch Frankreich, welches im Interesse der gric% Bevölkerung reklamirte, seine Verwendung in dieser Angeles heit einstellen. u Wasserstand der Kpree in der Woche vom 17. Jun>' 23. Juni 1888.(Angabc in Metern.) Vercmtworllicher Redakteur: iU Cv»*fc*iai in Berlin. Druck und Verlaa von W«<«din> in Berlin Beutbttraße 7