N-. 18«. Freitag, de««. Juli 1888. 8 erlinerDolteliltttL Brgan für die Interessen der Arbeiter. Die russische Freundschaft. Die offiziösen Blätter, voran die„Norddeutsche Allge- meine Zeitung", haben in diesen Tagen mehrfach gerühmt, daß„eine Besserung der Beziehungen Rußlands zu Deutschland" eingetreten sei. Im Smne der offiziösen Blätter ist dies auch sicherlich nicht zu bestreiten, und wenn man die Sache rein objektiv nimmt, so kann man nichts da- gegen haben, daß die Stimmung zwischen beiden Mächten eine mehr friedliche geworden ist. Aber die russische Freundschaft hat ihre zwei Seiten. Wenn man die Sache genau und in ihren verschiedenen historischen Gestaltunge betrachtetn, so kann man unschwer finden, daß die Russen als Freunde manchmal eben so unangenehm werden können, wie als Feinde. Dieser Anschauung hat auch der Reichskanzler in seiner bekannten großen Rede über die poli- tische Lage aus Anlaß des Wehrgesetzes einen wenn auch nur indirekten Ausdruck gegeben, und man hat aus seinen Worten den Schluß ziehen müssen, daß die Freund- schaft Rußlands zum mindesten eine sehr zweifelhafte Sache ist. Sonst hätte man ja auch sicherlich eS nicht für noth- wendig erachtet, den deutsch-österreichischen Bündnißvertrag zu veröffentlichen und durch diese Enthüllung, die andere nach sich zog, die politische Situation mit einem Schlage zu erleuchten, so daß nun jedermann weiß, daß ein großes mitteleuropäisches Bündniß besteht, dessen Spitze sich in erster Linie gegen Rußland, in zweiter Linie freilich auch gegen Frankreich für den Fall einer russisch-ftanzösischen Allianz richtet. Dieses Bündniß zwischen Deutschland, Oesterreich und Italien ist es denn auch, welches Rußland bisher von einem Angriff abgehalten hat. Die perfide Orientpolitik Rußlands und seine Wühle- reien auf der Balkanhalbinsel haben nicht aufge- hört und werden nicht aufhören, gleichviel, welcher Art die Beziehungen Rußlands zu Deutschland sind. Die Balkan- Halbinsel mit ihrer politischen Zerrissenheit und ihren un- aufhörlichen Wirren bleibt immer ein offener Krater, der mit Ausbrüchen droht, und die russische Diplomatie hält eS für ihre Aufgabe, stets ihre Hand in den Umtrieben auf der Halbinsel zu haben, um je nach Belieben und Be- dürfniß einen Ausbruch bewirken zu können. Die b u l- g a r i s ch e Frage ist nur scheinbar gelöst und die unruhige AktionSpartei in Griechenland kann eben so leicht in Bewegung gesetzt wer- den, wie die montenegrinischen Hammeldiebe, die jederzeit § einem alarmirenden Raubzuge bereit sind. Rußland be- lt auf dem Orientgebiete immer freie Hand für alle seine achinationen, und wenn man sagt, daß daS, was dort sich abspielt, uns nichts anginge, so ist das eine Art von sF 2,3' 0.9! JeuMeton. Kl_[28 Ihre Tochter. Krtmi»al«Roma» nach dem Französische« von K. D e t r i n g Guntram fand ihn in einem elegant ausgestatteten Salon und musterte ihn mit raschem Blick. ES war ein mittelgroßer, hagerer Mann, der sehr vornehm aussah. Er konnte vierzig Jahre alt sein, aber er sah viel jünger aus. Seine Haare waren tiefschwarz und glänzend, ebenso sein Schnurrbart und sein Backenbart, den er nach russischer Mode geschnitten trug. Er hatte lebhafte Augen mit scharfem Blick, eine Adlernase, eine breite und offene Stern, rothe und fleischige Lippen, und seine Zähne, die er gern zeigte, waren etwas lang, aber sehr regel- mäßig. Der Gesammteindruck war sympathisch. Höflich ging der Baron dem Major entgegen, begrüßte rhn und sprach: „Wie ich eben höre, haben Sie, mein Herr, einen Menschen bei mir einsteigen gesehen, und ich bin Ihnen sehr verbunden, daß Sie mich davon benachrichtigen. Sollen wir nach ihm suchen?" „Nichts ist mw Itcber," erwiderte der Major.„Ver- zeihen Sie nur, daß ich zu so ungewohnter Stunde in Ihr Haus falle, ohne daß ich dre Ehre, Sie zu kennen, hatte. Ich sah den Einbrecher über die Mauer Ihres Gartens klettern. Ich konnte nicht dukden, daß er Sie aus- plündere." �. „Hebet die Mauer meines Gartens sagen Sie?" „Ja, und zwar von der ChantierS-Gaffe aus. Er be- nutzte, um hinüberzuklettern, ein Seil, das er an dem Gitter auf der Gartenmauer befestigt hatte." „Ein kühner Bursche muß daS sein. Und tch ver- stehe, weshalb Sie ihn gewähren ließen. Er war gewiß bewaffnet..." „O, Furcht hätte mich nicht zurückgehalten, aber ich saß im Wagen.... Ich fuhr die Straße entlang und sah Selbsttäuschung, die auf die Dauer nicht wird vorhalten können. Die Orientintriguen bereiten einen Konflikt zwischen Rußland und Oesterreich vor oder sollen ihn wenigstens vor- bereiten, und wie leicht ein solcher Konflikt schon eintreten konnte, sah man beim Feldzug Battenbergers gegen Serbien. Der Battenberger war damals im Einver- ständniß mit Rußland, das ihn später aus Bulgarien ver- trieb; er hatte den ungehorsamen Vasallen Milan zu bändigen. Als Milan geschlagen war und der Batten- berger ungestüm vordrang, stellte fich ihm Oesterreich in den Weg, und daß er sich zur Umkehr bewegen ließ, war viel- leicht einer der Gründe, die Rußland bewogen, mit ihm zu brechen. Doch wer kennt die geheimen Gründe der Ka- binette? Nach der Befestigung des deutsch-österreichisch-italieni- schien Bündnisses läuft die russische Zntriguenpolitik darauf hinaus, Oe st erreich zu isoliren. Wenn Rußland dies gelänge, so wären die Folgen kaum berechenbar. Rußland würde sich auf Oesterreich stürzen und eS niederwerfen. Nach der Niederlage Oester» reichS aber wäre der Angriff auf Deutschland nur noch eine Frage der Zeit; er würde erfolgen, sobald sich in Frankreich eine Regierung fände, die leichtfinnig genug wäre, das kulturfeindliche Rußland bei seinem Angriff auf Deutschland zu unterstützen. Diese Negierung wird sich in Frankreich nicht so leicht finden; sie wäre indessen gefunden, wenn der BoulangiSmus, dessen„Stern" glücklicher- weise in Frankreich im Sinken ist, die öffentliche Gewalt an sich zu reißen im Stande wäre. Man sagt, em amerikani- scher KrösuS habe mit seinen Millionen den BoulangiSmuS großgezogen, um sich ein Vergnügen zu machen. Was dem Dollar gelungen, kann auch dem Rubel ge- lingen. Die Thronrede hat die Aufrechterhaltung des deutsch« österreichischen Vertrages ausdrücklich betont. Die Katzen- fteundlichkeit Rußlands ist offenbar darauf berechnet, vaS Verhältniß zwischen Deutschland und Oesterreich zu stören. Deshalb haben wir keinen Grund, gleich den Offiziösen vergnügt zu sein, weil man in Petersburg zur Abwechslung wieder einmal ein freundliches Gesicht macht. Wir können und wollen den Herren Diplomaten keine Rathschläge ertheilen und wissen auch nicht, was sie an ihren grünen Tischen beschließen. Ueberhaupt ist unser Augenmerk mehr auf unsere inneren wirthschaft» lichen Zustände und auf die Besserung der Lage des ar- beitenden Volkes gerichtet, als auf die äußere Politik, deren verschlungene Pfade uns nicht anziehen. Wir reden nur gelegentlich von derselben. Aber wir glauben, daß eS eine Hauptaufgabe des zivilisirten Europa ist, den Einflüssen ihn... Er saß schon auf der Mauer. Ich ließ meinen Kutscher in der Gasse zurück, um den Burschen abzufassen, wenn er auf demselben Wege entschlüpfen wollte, und eilte in aller Hast an Ihre Hausthür und klingelte." „Ich danke Ihnen, mein Herr. Wenn der Dieb aber in den Garten gestiegen ist, so muß er noch dort sein. DaS Fenster des Ankleidezimmers, in dem ich Toilette machte, geht nach dem Garten hinaus und ich ließ es halb offen. Wenn er ins HauS gedrungen wäre, hätte ich ein Geräusch hören müssen und wäre eS auch nur daS Klappern eines Dietrichs im Schloß gewesen." „So werden wir ihn im Garten aufjagen." „O! Die Jagd wird nicht lange dauern. Mein Garten ist sehr klein. Sehen Sie nur," setzte Herr von Randal hinzu und schlug den Vorhang zurück, der eine Fensterthür verbarg. „Ach! Der Salon steht mit dem Garten in Verbin- dung!" rief Guntram überrascht. „Ei gewiß! Eine Freitreppe von sechs Stufen führt in ihn hinab. Wir können gleich hinuntersteigen." Herr von Randal öffnete die Thür, die von innen verschlossen war, und läutete nach seinem Kammerdiener. „Holen Sie zwei Revolver aus meinem Waffenkabinet und begleiten Sie uns," sagte er kurz. „Ach, das ist unnöthig," unterbrach ihn der Major. „Der Mann wird sich nicht erst zu vertheidigen versuchen. Er sieht nicht so aus, als sei er besonders stark. Ich werde schon mit ihm allein fertig werden." „DaS bezweifle ich gar nicht," erwiderte der Baron. „Erlauben Sie aber doch, daß ich meinen Diener mit- nehme. ES wäre Ihnen sicherlich widerwärtig, so wie eS mir widerwärtig wäre, einen solchen Kerl auch nur anzu- rühren. August kann eS auf sich nehmen, ihn zu fassen und zur Polizei zu schaffen." „Wie Sie wollen, mein Herr.' Der Kammerdiener ergriff eine Lampe und trat auf dre Freitreppe. Der Baron und der Major folgten ihm. Der Garten war nicht größer, als der der Villa am Boulevard d'Jtalie, aber lange nicht so hübsch angelegt Rußlands entgegenzuwirken, die geeignet sind, jede gesunde Entwicklung auf lange hinaus aufzuhalten. Leider haben wir auch ohne dies keine gesunde wirthschaftliche Entwickelung. Von den Russen aber würde Deutschland ausgeplündert werden, wie seiner Zeit von den Hunnen und A v a r e n. Die russische Diplomatie hat immer ebensoviel Schlau- heit und Hinterlist als Brutalität besessen. Ihre Freund- lichkeit ist gefährlich. Man sehe, was aus dem einst so mächtigen OSmanenreich geworden ist, und man sehe auch die Mittel, die zu dessen Zertrümmerung angewendet worden sind. Nicht etwa, daß wir glaubten, daS deutsch-österreichische Bündniß sei in Frage gestellt. Man wird eS auftecht er- halten, das glauben wir. Wir wollen nur ausdrücken, daß wir nicht zu jenen gehören, die sich durch die russische Freund- lichkeit täuschen lassen. Die so oft sich wiederholenden Droh» ungen gewisser Kosaken in Generalsuniform pflegen die wahren Gedanken der russischen AktionSpartei zu verrathen. Wenn diese Leute über Europa herfallen könnten, so würden sie eS in einigen Jahren ärger verheeren, denn der dreißigjährige Krieg. Daß dies nicht geschieht, daran haben Alle ein Interesse, die an Kultur und Zivili» sation ein Interesse haben. Triginllk-Konefponclcnzeu. Hamburg, 4. Juli. Kurz nach der allgemeinen großen Landestrauer hatte Hamburg in voriger Woche noch seine spezielle Landestrauer, nur daß bei letzterer einzig an der Börse eine Flagge zunr'Zeichen der Trauer halbstock gehißt war. Der verstorbene Senator Hain hatte als„kaufmännisches" Mitglied dem Senat angehört. Hamburg hat nämlich 18 Senatoren, davon muffen 9 Juristen und 7 Kaufleute sein. Die zwei übrigen konnten den gesetzlichen Bestimmungen nach irgend einer andern Geschastsbranche angehören. Es könnte ein Archttekt ein Arzt, ein Zunftmeister und— warum nicht— es könnte auch ein Arbeiter einen der kurulischen Sessel einnehmen. Der Wottlaut der gesetzlichen Bestimmungen widerspricht dem nicht. Aber die hohen Herren, welche als souveräne Behörde die Ge» schicke unsrcr Hansestadt leiten, gehen von der althergebrachten Usance nicht ab, nur Kaufleuten, d. h. wirklichen Großkauf» leuten, keinen Krämern, oder aber Juristen, welche das„Recht" aus dem ff kennen, den Zutritt in ihren Kreis zu gewähren. Die Wahl erfolgt nämlich durch Selbstergänzung der Art, daß der Senat in seiner Sitzung einen Wahlaufsatz von drei ihm ge» nehmen Persönlichkeiten macht. Aus diesen dreien hat dann die Bürgerschaft, welche zu gleicher Zeit tagt, einen zu wählen. Findet keiner der Vorgeschlagenen die nöthige Stimmenzahl, so muß der Senat sich bequemen, seinen Wahlaufsatz zu modiflziren und irgend eine andere Person, welche man schon in petto hat, t. Statt der Kastanienbäume und Akazien waren esträuch und Zierpflanzen vorhanden. ....... U......~ sei••- und gep hier nur In der Mitte lag ein Rasenplatz,' ein Weg führte herum und schnitt die schmalen Beete ab, die längs der Mauer hinliefen. Das war alles. Nichts hinderte die Aussicht. Der Regen hatte aufge- hört, der Wind war eingeschlafen und die Luft so ruhig, daß daS Licht der Lampe nicht einmal flackerte. Man hätte den Menschen sehen müssen, wenn er dagewesen wäre. „Mir scheint, hier ist Niemand," sprach Herr von Randal in sanftem Tone. „Gehen wir weiter," erwiderte Guntram etwas ver, legen.„Der Bursche kann sich in einem Winkel verborge« haben, wenn er nicht—— Sind Sie ganz sicher, daß er nicht in Ihr HauS gekommen ist?" „Ganz sicher. Die einzige Verbindungsthür mit dem Garten war verschlossen, Sie haben eS ja selbst gesehen, ich öffnete sie eben erst. Und Sie können sich ja auch über- zeugen, daß die Fenster unberührt geblieben sind. Bleibe» nur noch die Kellerlöcher. Die sind aber mit so engem Gitter versehen, daß kaum eine Katze durchkann." „So muß er zu Ihrem Nachbar geflohen sein." „Sie meinen das große Gebäude da, das an meine» Garten anstößt. Das ist aber auch unmöglich. Es hat nach dieser Seite gar keine Fensteröffnungen." „Richtig...., es ist mir ganz unerklärlich." „In der That ist dies Verschwinden räthselhaft. Aber, glauben Sie nicht, mein Herr, daß der Mensch auf dem- selben Wege fortgekommen ist, auf dem er eingestiegen ist, nämlich über die Mauer? Er wird Ihren Wagen heran- rollen gehört und Furcht bekommen haben." Dann müßte ihn mein Kutscher erwischt haben. Wir können uns übrigens überzeugen, ob er Spuren zurück- gelassen hat." „Von wo aus ist er denn eingestiegen?" „Von dort au*... von der ChantterSgasse.... Ich finde die Stelle schon wieder." Sie gingen hin, und der Kammerdiener folgte ihnen mit der Lampe. Seil ist nicht mehr da," sagte Guntram. vorzuschlagen. So bleibt der Senat immer hübsch rein von Elementen, welche seiner Majorilät nicht konveniren, und er setzt sich nach wie vor— dem Althergebrachten getreu— aus Juristen und Kaufleuten„ersten Ranges" zusammen. Eine solche Senatorswahl vollzieht fich übrigens ganz in aller Stille, da die überwiegende Zahl der Angehörigen unseres .Freistaates" von der Mitwirkung an der Gestaltung des Ham« vurgischen Staatswesens ausgeschloffen ist. Man fleht plötzlich einige restende Schutzleute zu ungewohnter Stunde und am un- tewohnten Orte auftauchen und fragt:„Was ist denn los?" Run antwortet:„Heute ist Senatswahl!"„Ah so!"— das Hingt genau so:„Na, wenn weiter nichts ist!" Nur in den betheiligten Kreisen mag etwas Aufregung herrschen, da doch manche Dame flch danach sehen mag,„Frau Senatorin" zu werden. Dieses Mal war deralückliche Gewählte ein Käufmann, mit fast eben so vielen Vornamen wie ein spanischer Infant: Herr Eduard Wilhelm Ludwig Heinrich Roscher. Der neue Senator war 1883 seitens der National- liberalen, wenn auck ohne Erfolg, hier als Reichstagskandidat aufgestellt worden. Er gehörte damals sogar dem linken Flügel derselben, den sog. Sezesfionisten an. Wenn darüber nun hiesige Blätter ihre Befriedigung aussprechen, daß ein verhältnißmäßig freifinniger Mann in den Senat eingetreten sei, so will das nicht viel verschlagen. Wir haben erlebt, daß die sog. Liberalen, welche Senatoren wurden, sehr bald viel ärger stockkonservativ waren, als die Herren aus der alten Schule. Die freien Hllfs- kaffen wissen davon ein Lied zu fingen. In dieser Woche begeht unser Zoologischer Garten in fest- licher Weise das Äjährige Jubiläum seines Bestandes. Der Garten wurde seiner Zeit auf einem vom Staate kostenlos zur Verfügung gestellten Terrain von einer Aktiengesellschaft er- richtet. Die Aktionäre erhalten für ihr eingeschossenes Geld keine Dividende, sondern genießen freien Eintritt, so daß an manchen Tagen der Garten so zu sagen für das all- gemeine Publikum versperrt ist und ohne besondere Protektion nicht einmal gegen Erledigung von einer Mark Zutritt erlangt werden kann. Es wollen dann die Aktionäre und Abonnenten mit ihren Familien unter fich sein. So wird auch die Jubiläumsfeier am Freitage vor fich gehen. Der Garten ist übrigens in seiner Weise ein Musterinstitut. Günstig zwischen der eigentlichen Stadt und den Vororten gelegen, wird er jetzt mit seinen sauberen, soliden Bauten in Sandstein und Eisen, in seinen prachtvollen gärtne- rischcn Anlagen und seinem reichen Bestände an Thieren wohl selbst nicht vom Berliner Zoologischen Garten über- troffen. Letzten Sonntag fand hier eine Versammlung der Vorstände der freien und eingeschriebenen Hilfskaffen Hamburgs und der Umgegend statt zwecks Berathung der Gründung eines Kattell- Verbandes oder Anschluß an den deutschen Krankenkassenverband. Einstweilen verlief die Berathung resultatlos, nur wurde, um der Sache näher zu treten und die Ansichten noch mehr zu klären, eine neue Versammlung in Ausficht genommen und bc- schloffen, dazu die Vorstände sämmtlicher Kassen ein« zuladen. Die letzthin gemeldete Beschlagnahme der von dem Agi- tationskomitec der Maurer herausgegebenen Broschüre:„Denk- schrift und Petition an den hohen Reichstag", betreffend das Koalitionsrecht der Arbeiter erfolgte, wie mir mitgetheilt wird, deshalb, well in der Schrift ein Attikel aus einer früheren Nummer des vor kurzem verbotenen„Bauhandwerker" zum Ab- druck gebracht ist. Die Beschlagnahme ist aufrecht erhalten, doch ist dagegen Beschwerde erhoben worden. Politische Ueberlicht. Di- Lr-isttmigrn«»d die Dart-Uist-« find mit der Ernennung des Herrn Herrfurth zum Minister des Innern ziemlich zufrieden, und da man von dem neuen Minister so wenig wie möglich weiß, zeugt diese Erscheinung für die Be- scheidenheit der verschiedenen Parteien. Die Freikonservativen freuen fich, weil eine, wenn auch politisch farblose, doch ihnen recht nahestehende Persönlichkeit das erledigte Portefeuille er- halten hat; die Freifinnigen betrachten es immerhin als einen Gewinn, daß Herr v. Puttkamer nicht jetzt schon wieder aufer- standen ist; die Natumalliberalen find froh, daß kein stramm konservativer, die Konservativen ebenso, daß kein nationalliberaler Kartellbruder Minister geworden ist. Kurz, Herr Herrfurth kann mit dem Empfange, welcher ihm zu Thell geworden ist, zufrieden sein, wenn er dessen Freundlichkeit auch theilweise nicht dem eigenen Verdienste in Rechnung stellen kann. Nur die„Kreuz- zettung" trauert noch immer um den Mann ihres Herzens. Zwar ist fie auch mit der gettoffenen Lösung der Ministersrage zufrieden, doch wäre ihr die Zurückberufung Puttkamer's eingc- standcnermaßen lieber gewesen. Fast täglich wird von ihr der „vornehme Staatsmann", der„Kavalier vom Scheitel brs zur Sohle" gepriesen und in den Himmel erhoben, und ein der- artiger Attikel schloß sogar mit dem frommen Wunsche, daß Herr Puttkamer zum Minister auf Lebenszeit ernannt werde. Wir bezweifeln indeß mit einigem Fug, daß diese„eklatante Genug- thuung" ihm zu Thell werden wird; gerade Fürst Bismarck hat „Aber hier ist der Beweis, daß ich nicht etwa geträumt habe! Hier sind- seine Fußtapfen in der weichen Erde." „Richtig," murmelte Herr von Randal.„Hier, aerade am Fuß der Mauer haben fich zwei breite Füße abgedrückt. Er ist also von hier aus geflohen." „Nein, gekommen! Denn wenn er von hier seinen Rückweg genommen hätte, müßten die Spuren anders aus- sehen. Er kann unmöglich gerade in dieselben Fuß- tapsen wieder getreten sein, noch dazu in der Finsterniß." „Weshalb nicht? So ein Bursche versteht sein Hand- werk und ist überaus vorfichtig. Man muß schon anneh- men, daß er diesen Weg zurück gewählt hat,... wenn er »icht etwa fliegen konnte..." „... Oder ein Mittel gefunden hat, sich in Ihr Haus einzuschleichen." „Wenn Sie es von oben bis unten abzusuchen wün- sehen, so bin ich gern bereit, Ihnen diese Beruhigung zu verschaffen," erwiderte Herr von Randal etwas ironisch. Der Major senkte den Kopf. Er merkte, daß er an- fing, lächerlich zu werden, und daß er, wenn er nicht die Güte dieses Herrn über Gebühr in Anspruch nehmen wolle, nicht weiter in ihn dringen könne. Leicht hätte eS hierbei auch zu indiskreten Fragen kommen können. Guntram sagte sich auch, daß Pelikan ihm entwischt sein konnte, während er mit Fournss am Eingang der Äue du Cardinal- Lemoine sprach und die Kleider wechselte. Es fiel ihm zwar schwer, an eine so kühne und schnelle Flucht deS Verbrechers zu glauben, aber es blieb ihm keine andere Annahme übrig, denn der Gedanke, daß Herr von Randal Pelikan ein Asyl gegeben haben könne, war einfach absurd. „DaS ist überflüssig, mein Herr," sprach er und richtete sich auf.„Der Bursche scheint in der That den Augenblick zur Flucht benutzt zu haben, als ich an Ihrer Thür läutete. Ich tröste mich über sein Entweichen, habe ich Sie doch auf sein Unternehmen aufmerksam gemacht, daS er bei befferer Gelegenheit wiederholen kann. Es bleibt mir jetzt nur noch übrig, Sie wegen der Störung um Emschuldigung zu bitten und mich zurückzuziehen." Proben abgelegt, daß er für die Lebenslänglichkeit der Minister nicht sehr schwärmt. Die„Kreuzzeitung" wird fich. also wobl trösten müssen. U-b-r de« n-«-n Minister des Inner«, Herr« Herrfurth» und feine Handhabung des Sozialistengesetzes schreibt die„Frkf. Ztg.":„... Immerhin ist der Schluß ge- stattet, daß in der Handhabung des Sozialistengesetzes und in der Haltung gegenüber den Wahlen der neue Minister von seinem Vorgänger und frühern Vorgesetzten fich unterscheiden wird. Es geht ihm der Ruf eines vortrefflichen, kenntnißreichen und gewissenhaften Beamten voraus; außerdem weiß man, daß er nie ein Streber war, und, well er das nicht war, niemals in der Bekämpfung der Oppofition über den Rahmen des Sach- lichen hinaus sich hervorgcthan hat. Er soll der konservativen Partei angehören; nach anderer Lesart ist er überhaupt kein Parteimann. Das scheint festzustehen, daß cr Beamtenminister und nicht Parteiminister sein wird, und bescheiden, wie man in Preußen ist, wird man mit dieser Enungenschast wohl vorläufig zufrieden sein. Ein strenger und gerechter Beamter, der nur solcher ist, ist dem„Edelmann vom Wirbel bis zur Sohle" (dessen Schutzbefohlene in der Schweiz eine so merkwürdige Thätigkeit entfalteten) unter allen Umständen vorzuziehen. Leicht genug wird es übttgens Henn Herrfutth gemacht; bei allem, was er thut, wird man ihn mit seinem Vorgänger vergleichen, was ihm außer bei den ausgesprochenen Reaktionären gewiß nicht von Nachthell sein wird." Die verkommene« Franzose« haben unter vielen anderen schlechten Eigenschaften auch die: der Volkss chule, die ja noch der Anficht unserer erprobtesten Kartellxatrioten viel unnützes Wissen unter die Menschen bringt und das Volk un- zufneden mit seiner Lage macht, eine höchst überflüsfige, wo nicht pofitiv schädliche Pflege angeveihen zu lassen. Die Republik wirft für diesen Zweck geradezu fabelhafte Summen zum Fenster hinaus. Während das Kaiserreich, welches die Aufgaben einer guten Regierung noch annähernd richtig zu würdigen wußte, das Budget für den Volksschulunterricht auf 38 Millionen Franken jährlich bemaß, gab die Republik im Jahre 1875 schon 50 Mill., und im vongen Jahre— 1887— gar 170— in Motten: ein- bundertundficbzig Millionen Franks für die Volksschule aus, so daß also die Ausgaben für die Volksschule fich unter der Re- publik verfünffacht haben. Wir find überzeugt, Herr Stöckcr, der die moderne Wissenschaft für Teufclswcrk hält, und die sächfiichen Kartellbrüder, welche in jeder Landtagssesfion gegen die abscheuliche, das Hirn des Volkes mit unnützem Kram be- lastende Fottbildungsschule Sturm laufen, werden uns recht geben, wenn wir sagen, daß die vorstehenden Ziffern ein Hand- greiflicher Beweis für die Verkommenheit der Franzosen und die Verderbtheit ihrer Republik find. Die Fr»ib«rger Studentenschaft hat in vernünftiger Weise den chauvinistischen Exzeß der„Hasso Boruffen"(zu deutsch„verpreußtm Hessen") veruttheilt. Eine Versammlung der Vettreter fast aller Freiburger Studcntenkorps, sowie der Ausschuß der nichtkorpottrten Studentenschaft faßte bezüglich des Vorfalls auf dem Bahnhofe folgende Resolution: 1. Die Fcei- burgcr Studentenschaft bedauert lebhaft den Vorfall und ver- mtheilt aufs schärfste die Aeußerungen und Handlungen der be- treffenden Herren. 2. Sie verwahrt sich dagegen, daß eine solche Handlungsweise als Ausfluß der Gesinnung der hiefigen Studentenschaft bettachtet werde. Dieser Beschluß ist seit Sonn- tag, den 1. Juli, durch Anschlag am schwarzen Brett zur öffent- lichen Kenntniß gebracht. So albern auch da» Altmeibermarche« von der „Harmonie" zwischen Arbeit und Kapital ist, so steht es doch fest, daß zwischen den Interessen der Arbeiter und der Kapitalisten gewisse Wechselbeziehungen bestehen— daß es also für die Arbeiter nicht gleichgiltig ist, wenn die Fadttkanten ruinirt werden, und für die Fabttkanten nicht, wenn die Ar- better durch Hungerlöhne dcgenetttt oder aus dem Lande ge- trieben werden. Elfteres ist von den Arbeitern unseres Wissens niemals bestritten worden— letzteres aber desto energischer von den Fabttkanten. Je schlechter die Löhne, desto besser find die Kapitalisten daran— das war, vom famosen„Rezept Camp- hausen's" bis in die neueste Zeit, staatlich approbitte Weisheit, und die systematische Maßregelung der Arbeiter hatte überhaupt keinen anderen Zweck, als die Arbeiter von der Richtigkeit dieses Satzes zu überzeugen und vor Abwegen zu bewahren. Jetzt scheint eben hier und da den Herren Kapita- listen aufzudämmern, daß fie fich stark auf dem Holzwege be- fundcn haben, und daß zwar die deutschen Arbeiter sich rm Nothfall ohne die deutschen Kapitalisten behelfen können, dre deutschen Kapitalisten aber nicht ohne die deutschen Arbeiter— wenigstens in denjenigen Branchen, wo die deutschen Arbeiter nicht, wie im Baugewerbe, ad libitum durch ausländische Arbeiter ersetzt werden können. Die sächfischm Stickereifabrikanten z. 33. fangen jetzt an zu entdecken, daß die Auswanderung„ihrer" Arbeiter ihnen gefährlich wird, und fie haben fich soeben in ihrem„Stickereiverband" dazu entschloffen, die Löhne zu erhöhen und einen Minimallohn einzuführen. Man greift fich an den Kopf, ob das auch Wirklichkeit ist. Hätten die Arbeiter eine Versammlung angemeldet, zu dem „Sie haben sich nicht zu entschuldigen, mein Herr, ich schulde Ihnen vielmehr Dank. Jedenfalls werde ich von nun an auf der Hut fein und mich gegen einen nächtlichen Einbruch zu schützen wissen. Wenn ich den Dieb fassen sollte, soll ich Sie dann benachrichtigen?" „Ja," erwiderte Guntram von ArboiS lebhaft.„Die Geschichte interessirt mich, wie ich offen gestehe, und ich wäre neugierig, ihre Weiterentwicklung kennen zu lernen. Meinen Namen wissen Sie, ich bin im Grand-Hotel abgestiegen und halte mich sechs Monate lang in Paris auf." „Ich werde es nicht vergessen," sagte Herr v. Randal und verneigte sich.„August, begleiten Sie den Herrn zurück." Man ging in den Salon zurück und zum Abschied reichte Gunttam dem Edelmanne die Hand. Er war wüthend, der wackere Major, aber nicht auf Herrn von Randal. Er war wüthend auf sich selbst und warf sich vor, sich wie ein Gttinschnabel benommen zu haben. Der Bursche hatte ihn überlistet, hatte ihn schmählich über- listet und er mußte seine etwas vorzeitig gefaßte Hoffnung aufgeben, durch ihn hinter die Schliche des geheimnißvollen William AtkinS zu kommen. Während er melancholisch den Weg nach der ChantierS- Gasse einschlug, tröstete er sich schließlich mit dem Gedanken, doch seine Zeit nicht ganz verloren zu haben. „Wiederkommen wird der Bursche nicht," sagte er sich, „denn er weiß jetzt, daß die Villa bewacht wird. UebngenS will ich Jeanne veranlassen, ihre Tochter so rasch wie mög- lich wo anders unterzubringen. Sie ahnen nicht, in welcher Gefahr sie sich befanden. Morgen habe ich ja mit Jeanne eine ernste Besprechung. Wie dumm, daß ich dem wackeren Andreas nicht schicklich rathen kann, Therese zu Heirathen! Er hätte sie in seine Bretagne mitgenommen, und der ent- erbte Vetter hätte sie nicht mehr finden und beunruhigen können. Ach was! Es wird sich schon noch ein anoerer Gatte für sie in der Provinz finden." „Run, Herr Major," ftagte ihn FournöS, der feinen Posten nicht verlassen hatte,„haben Sie ihn?" „Nein. Er muß wieder über die Mauer zurückge- klettert fein. Hast Du ihn nicht gesehen?" Zweck, eine Lohnerhöhung und dein, so ist neun gegen eins einen Minimallohn zu for- zu wetten, daß ihnen die polizeiliche Genehmigung versagt worden wäre. Die Sache ist' uwahl nichl rntgabe de ucht wordei aber wahr, und befindet fich amtlich beglaubigt in der„Leipziger S'*»' i Zeitung", die— in ihrer Nummer vom vottgen Sonnabend— rnern hat r folgende Notiz brachte:„Lohnerhöhung in der sächstschcn �geordneten Stickerei- Jndusttte. Heber die letzte Vorstandsfiyung des sächfi- bstcmd geno schen Stickereiverbandes brachtet der„Vogtl. Anz." aus Plauen: Sä Der Plauensche Äntraa geht dahin, daß die Minimallöhne für � alle Klassen und alle Rappotte um je 10 Pfennig zu erhöhen 5 seien, was, sofern es fich um die gröbere und gröbste Waare L■?,, handelt, nachdem der schweizer Verband durch Einführung der' Aufspanngcbühr eine bedeutende Erhöhung für dieselben ge-! schassen, selbst jetzt wohl vollständig unbedenklich und, was die. ffü. vers gute Waare anlangt, durch die eingetretenen Verhältnisse JÖaule! dringend geboten erscheint. In letzterer Zeit wird aller- otts über den eingetretenen Mangel an guten Stickern geklagt. Viele haben fich von der Stickerei wendet und gehen anderer Beschäftigung nach, Uebelstand, welcher schon jetzt Bedenken hervorrufen muß und fi Äj-{ noch mehr fühlbar werden wird, wenn das Geschäft, wie manlz königl H etti rt hiergegi nicht zu von diese hofft, fich wieder der besseren ZLvare zuwenden sollte. An eine, stanhesi, Heranziehung neuer Arbtttskräste ist nicht zu denken, falls nicht Lhaam fb ein etwas besserer Verdienst geboten werden kann, eine Auf« desserung lediglich der groben Waare würde aber nur den„n-n nick, Stickcrn zu Gute kommen, welche den Schund machen, und die L v,pr f..;, guten Arbeiter, welche wirklich noch etwas leisten, leer ausgehen ucklakr-anl.' lassen, was für unsere gesummte Jndusttte doch nur von Räch«»afi-satti-n tbsil sein kann. Der zur Berathung gelangte Antrag tief sehr iaen[n lebhafte Debatten hervor, es wurde von allen Seiten die drin- t bpa köntt gende Nothwcndiakeit einer Aufbesserung anerkannt und dieselbe 91, in Höhe von 10 Pf. für alle Rappotte und Klassen in Aussicht„t welche- genommen. Bezuglich des Zettpunktes, mit welchem die Er« tassdes- un! höhung in Kraft treten soll, wurde ein bestimmter Beschluß noch wn dasi in nicht gefaßt, doch dürfte jedenfalls am besten der 1. Oktober amter ist ins Auge zu nehmen sein. Dem schweizer Verbände soll unge- aituno des säumt Mittheilung gemacht und ebenfalls eine Erhöhung ,hen,ollern'I Minimalsatzes in Vorschlag gebracht �nten Kro! des werden. aeifelt nickt .. Die diesjährige Generalverfammlung de«„D-rein- jan! it. 21 der D« de» auf f«r Kosialpolitik" findet in Frankfurt am 23. und 29. Scp«.m Hausmi tember statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1) Der ländliche nber Herr i Wucher und die Mittel zu seiner Abhilfe, insbesondere die if sein Mai Organisation des bäuerlichen Kredits. Erster Referent: Pro' Dr. v. Miaskowski(Breslau); zweiter Referent: Geh. Ober Regierungsrath Dr. Thiel(Berlin). 2) Der Einfluß des Detail« Handels auf die Preise und etwaige Mittel gegen eine unge« sunde Preisbildung. Referent: Prof. Dr. Conrad(Halle a./S.). j r?! 1° Von allen dm Mücken, welche die Herren Professoren der Volks«. v UAJ'M witthschaft zur Zeit seihen, wären obige beiden noch nicht ein-. V! mal die kleinsten; aber so lange das Kameeleschlucken so wie iniS' J;°' bisher an der Tagesordnung ist, können wir uns selbst von dem,~y am engsten gewobenen Frankfutter Seihetüchlein nicht viel Er» onjf? folg versprechen. Welcher bäuerliche Kredtt soll denn organisitt- nö'id werden? Der ganze deutsche Bauernstand hängt ja wie die® r Fliege im Netz in den Fangstticken des Großkapitals und darf> g x n-> d« fich überhaupt nur insoweit Bewegung gestatten, als das Groß-„t„„i kapital es ihm erlaubt. Im besten Fall kommt also bei oben« g,.,-.?? erwähnten Vorträgen für das wahre Wohl des Volkes— nicht* ,n Preufier heraus ,. Yj-tn auf, Wie die Schutzzölle wirken. Die Eisenbahndirektion!t„ssiddeut Magdeburg hatte 8700 Tonnen Schienen zur SubmisfioN jx Pontius ausschttcbcn. Die deutschen Werke verlangten 116 M., die eng« Mer hatte lischen 114 M., frei Bahnhof Essen bezw. Hamburg, was loco Mit di Magdeburg einen Unterschied 126,36 und 118,80, also einen Zieik/« in Unterschied von 7,56 ergab, d. b. für die ganze Lieferung drcssen des 65 000 M. Dazu 30 M. Zoll— 260 000 M. oder in Summa!mmt hat feSÄ lassen, läßt man die Eisenwerke ihn einstecken. Auf diese Wejf mg. daß vi verliert der Staat jährlich Millionen, welche aus der Tasche d»'orbehalt g Volks genommen werden und den reichen Eisenbaronen flCtztionolen 1 schenkt werden."»en Vertret einem ihm mit Recht zugeschrie« hren, daß gesammte St> denen �luisatz in der„Zeilschttft für die gesammte Staats»>t, daß dor Wissenschaft" erklätt er. daß die großen Grundbesitzer seh sprecher infolge sinnloser Verschwendung und nicht infolge linne auftrc niedriger Getreidep. eise verarmten. Wer die Herren Großgrund« Dreitzi befitz-r in Berlin zu sehen Gelegenheit hat, wird dem Exminister ach Einssch Recht geben._ e zweite, Auch frristnuige glätter rügen jetzt, daß eine Nach« quidation wähl im VI. Berliner Reichstagswahlkreise noch nicht angeordnet reralen un sei. Sie schreiben:„In der Sitzung des Reichstags vom chen steller 25. Juni theflte der Schriftführer Abg. v. Kleist- Schmenzin rger Wah mtt, das Mandat im VI. Berliner Wahlkreise, welches durch evisottschf den Schttftsteller Hasenclever vertreten war, sei durch Nieder« rochene M legung erledigt; der Herr Reichskanzler sei sofort nach der Be«> - misse noch „Keine Spur! Wir haben aber auch vorhin fünf Mi« k Tag und nuten verloren, und er war nicht so dumm und wartete, anmrung i Jetzt ist er längst über alle Berge." d andewri „Ich werde ihm nicht nachlaufen. Ich habe eS satt, mreiterei c noch länger den Detektiv zu spielen." �n aije jh, „So geht es jetzt nach dem Grand-Hotel?" an fie in „Nein. Zum Schlafen habe ich auch noch keine Lust,»cssur ihrci Bring' mich nach dem Klub und fahre dann in den Stall- M« pl Bis morgen Mittag brauche ich Dich nicht." � (Fortsetzung folgt.) M'n wi Ivnographis n Phonogi Au» Kunst und Leven. 1%"' Die Kosake«. Ein Kaoallette-Osfizier schreibt im neuestc» uffen, da, „Wajenny Sbornik" folgendes über den Wetth und Unwetth'npfanger der Kosaken. Bekanntlich find die ganzen Gebiete der KosakeN�hrere Säe völlig militättsch organifitt und d,e Militärbehörden durch sorg«",%%n Leute halten ein brauchbares Pferd, Bekleidung und Ausrüstung � s' auf ihren kleinen Höfen stets bereit und können beim erste« tflnders g Appell ohne weiteres zusammengezogen werden. Wenn auck�em mei die Pferde nur klein find und die Intelligenz der Leute nur den letzte auf schwachen Füßen steht, so find dieselben in letzter Zeit dolb)> nahe ge gleichmäßiger militättsch ausgebildet worden, so daß fie ohttt•nirng fpio Zweifel den früheren Kosakenhorden, die besonders in der Ver« rstandlich folgung nicht unbedeutende Dienste thaten, entschieden über« rwesenden legen find. Zillerdings, meint der Autor, seien die Kosaken de» Znffen, vei europäischen Kaoallette- Regimentern nicht gewachsen, allein was n.son seine müsse nicht vergessen, daß auch die weiten astatischen Gebiete»ft auf di zu beherrschen und zu beschützen seien, und daß hier die Kosaken d bemerkt eine Verwetthung fänden, welche fie nach jeder Hinficht zu einew m breher überaus brauchbaren Material mache. Auch wäre die Wichtigled>re, well t nicht zu unterschätzen, welche fie als Kolonisatoren in Sibine* L"-«Cem und Zentralasien hätten, indem es aerade diesen Truppen i" verdanken sei, daß die fremden Völkerschaften fich so leicht as üttchlossen das russtsche Regime angeschlossen hätten. Der Kosak erhält voiN»onograph Staate nur das Gewehr, alles übrige an Ausrüstung u. iSr ...... 3 Jahre lang wird er zum Dienste ftn' Ufte Jötfc sein Privateigenthum. 3 Jahre iang wiro ei zum taeniw:>•;>„rr-r gezogen und sofort entlassen, wenn seine Witthschaft ein Unßw» rn�Gesan trifft. Auf dem Pferde und in wilden Steppen geboren, � der Kosak alle Eigenschaften eines Einzelretters, der weder 5?tn zu for- nen die Zache ist Leipziger ticderlcgung um Veranlaffung einer Zieuwahl Gleichwohl ist bisher von derAnordnung einer intgabe der acht worden... :uroaht nichts bekannt geworden." � teivAiacv Kew« Landtags- Ersatzwahlen. Der Mimster des nhcnN— wern hat von der Vornahme einer Ersatzwahl zum Hause der mmfAar �geordneten für die Kreise Kroffen a. L.-Züllichau wieder bstand genommen, da eine nochmalige Berufung des Land- Nu»?»• res vos Schluß der Legislaturperiode nickt zu erwarten steht ibn? tür � den Wahlkreisen Guben-Sorau und Marienburg verlautet chne für erhöhen e Waare Gleiche. Gb das ««• fc'feÄ.ÄKÄ'a- ää tgl. Hauses nicht im Sinne des Art. 21, Abs. der Retchs- fafsung ein besoldetes Staatsamt sei.— Dre„Franks. Ztg. rt hiergegen aus:„Richtig ist. daß dieses Mmisterimn sett l8 nicht zu den verantwoitlichen Staatsmtntstenen zahlt, und iß von diesem Ministerium auch Angelegenheiten reffortiren, „ elche nur Angelegenheiten des Hofes und nicht des Staates muß und.;,. Die„Kreuz-Ztg." übersteht aber,'—-• rote man>g(ßnigl. Hauses durch Kabinctsordre An eine( Standesangelegenheiten der Krone Iben ge- was die rhältnisse d aller- Stickem i abge- ch, ein muß und daß dem Ministerium vom IG. August 1854 ~.................................... und des königl. Hauses ■«i r«ertragen find. Das Ministerium bildet zugleich den ordent- ine Auf« hxn Gerichtsstand für die Mitglieder der königlichen Familie nur den allen nichtstreitigen Rechtssachen, namentlich in Betreff der , und die{{e ber freiwilligen Gerichtsbarkeit, der Testamentserrichtung, ausgehen achlaßregulirungen, Familienbeschlüsse, Ehe- und Vormund- on Aach« laftssachen, der einer gerichtlichen Fideikommißbehörde über- rief sehr lßenen Funktionen. Schon daraus ergiebt sich, daß der Mini- oie.dnn' r des königl. Hauses zu den Justizbeamten des Staates ge- ) �teselbe ,tj. Außerdem ist dem Ministerium unterstellt das Herolds- Aussicht at, welches infolge des �Erlasses vom 16. August 1854 die «die Eg tandes- und Adelsangelegenheiten bearbeitet. Daraus erhellt ?iuß. rioch ,on, daß in der That der Minister des königl. Hauses Staats- . Lktocer amter ist. Dazu kommt, daß demselben nicht blos die Ver- oll unge« hltung des Privatvermögens und des Hausvermögens der öhung chenzollern'schen Fürsten unterstellt ist, sondern auch des söge- e b r a ch t Hunten Krontresors und des Krongutes. Die„Franks. Ztg." M. oeifelt nicht, daß der Reichstag bei seinem Zusammentritt das Nrrein» iandat des Henn v. Wedell- Piesdorf durch die Ernennung 29. Scp- m Hausminister für erloschen erklären wird, vorausgesetzt, daß ländliche nher Herr v. Wedell-Piesdorf nicht seiner Zeit durch Verzicht ädere die>f sein Mandat alle Kontroversen über die Auslegung des t: Prof rt. 21 der Reichsverfassung abschneidet. la aEwl, Zu dem v-r»„süddeutscher Kette" beadstchtigte« «trag auf Bewilligung einer bedeutenden Summe für die n„. epräsentationspflichten des Kaisers— einer Art Reichs- ivilliste- bemerkt das„B. Vtld." des Dr. Sial: Uebcr . e„süddeutsche Seite", die fich zu einem solchen Antrag er- " j*"jj iwingen kann, ist nichts näheres bekannt. Gegen eine Reichs- "'«illiste aber werden fich höchst gewichtige staats- und parti- L(1-. rlarre chtliche Bedenken erheben. Aus Reichsgeldern hat .fl-i r Kaiser bereits einen reichen Dispositionsfonds(4 Millionen), s König von Preußen 16—17 Millionen, weit mehr als der aiser von Oesterreich. Hat der König von Preußen mit der !ürde des Kaisers als den Vorsitz führender Bundesfürst, so 'r. uß er auch die Bürde des Vorfitzes tragen; besondere persön- > Ausgaben als deutscher Kaiser, die er nicht schon als König i mchls m Preußen hatte, hat er sicherlich nicht. So wird es wohl .....„ n t'em guten Wtl'en sein Bewenden haben müssen, mit dem ndrrekttoN;r„süddeutsche Anttagsteller" jedenfalls bewiest n hat. daß er mbmtsfion te Pontius Pilatus ein Freund des Kaisers sein wolle; und ., die eng« eiter hatte es auch wohl keinen Zweck. was loco Mit der polnische« Landtagsfraktion ist der„Gonicc ilso einen Zielt." in hohem Grade unzufrieden, weil dieselbe für die Lieferung drcssen des Abgeordnetenhauses und des Henenhauses mitge- n Summa immt hat. Das Blatt hebt dabei hervor, daß die Adresse des -udmission bgeordnetenhaufes„im Namen des deutschen Volkes" spreche andrg m» id die Freude darüber ausdrücke, daß Friedrich III. an der wohl thre Erstellung der nattonalen Einheit mit gearbeitet hat; in der . vemerN h reffe des Herrenhauses sei unter anderem der Satz enthalten: und dem Der Thron ruht auf dem festen Grunde deutscher Art und mmen Vi lestttung". Der„Goniec Wielk." kommt zu der Schlußfolge- lese Wex tng, daß diejenigen Polen, welche für derartige Adreffen ohne Lasche od lorbehalt gestimmt, ihrer polnischen Nationalität und allen ronen ge« Miottalen Sonderrechten entsagt haben; es sei mit der polni- »en Vertretung in Berlin zu Ende. Die Nation müsse er- zugeschrie« hren, daß sie polnische Repräsentanten in Berlin nicht mehr :e Staats« st, daß dort nur Abgeordnete find, welche hier zu Hause pol- b e s i tz e r sch sprechen, aber dort in Berlin in deutschem und preußischem ,t infolge inne auftreten. roßgrund« 1 Dreißig Pfennig! In der„Frk. Tagespost" lesen wir: Exminister ach Einsichtnahme der Regierungsentschließung, durch welche e zweite Krrtellbrüderliquidation(es handelt fich um die eine Nach« jquidation von Versäumnißkosten, welche die national- mgeordnet reralen und freifinnigen Wahlmänner an die sozialdemokra« tags vom chen stellen, durch deren Wegbleiben einige Mal die Nütn« Schmenziir rger Wahl für den bayerischen Landtag vereitAt wurde) hes durch eoisorisch festgestellt" wurde, müssen wir die kürzlich ausze« ch Nieder« rochene Meinung, daß an den aufgesteMcn Forderungen nichts ch der Be« t. - stnisse noch Ermüdung kenne, dessen scharfe Sinne ihn aber fünf Mi»' Tag und Nacht nicht verließen. Allerdings habe diese Kom- t> wartete, andimng den vorübergehenden Vottheil gehabt, daß die Ko> ken einen Begriff von dem militärischen Exerzitium erhalten .... td andererseits die reguläre Kavallerie von den Kosaken Ter- es satt, mreiterei gelernt hatte, allein man müsse fich hüten, den Ko- ken alle ihre vorzüglichen Eigenarten dadurch zu nehmen, daß an fie in ein Reglement zwänge» dem weder fie noch die keine Lust- ressur ihrer Pferde gewachsen seien. >en Stall. Gi« phonographifMer Krirf. Ein in London leben- r Freund des berühmten amenkanischen Elektrotechnikers dison, Mr. G. E. Gouraud, erhielt, wie der„Presse" ge- nieben wird, vor einigm Tagen mit der Post den ersten wnographischen Brief, welchen Edison mittelst seines verbesser- rt Phonographen hergestellt und über den Atlantischen Ozean schickt hatte. Dem„sprechenden Briefe" war der Apparat bei- schlössen, in welchen die Briefplatten geschlossen werben m neuesten ufsen, damit man ihren Inhalt vernehmen könne. Der d Unwerthwpfanger der Sendung lud einige seiner Freunde, sowie »er KosakeN�vrere Sachverständige ein, um der interessanten Eröffnung durch sorg-�z �'�'"»duttg beizuwohnen. Um 2 Uhr Nachmittags wurde in kürzest� 7�?�»eöffnet, die Briefplattc in den Apparat gesteckt und tellen. Di�bmd hörte die Gesellschaft, von der mehrere Herren Edison Ausrüstung 4%,� dre Stimme des in Amerika weilenden >eim erstes sonders ganz genau und deutlich ertönen. Edison theilte % dfc Ä BÄ» ÄÄ« ÄSS n der w-i.uiivuu) uub, vud.-y" su roeroen orautyre. viue -den übett'wesenden, etn fiebeniahrtff� Kind des Herrn Gouraud in- iosaken de" zrtffen. verstandm jedes Worst In dem Phonogramm bat ÄS FÄÄ ß ÄSÄÄ zä; die Kosakes d demerkt hierzu, daß diese Methode schon aus dem Grunde bt zu eines» m bisher üblich gewesenen brieflichen Verkehr vorzuziehen Wicktiake�««, weil die Nachtheile der unleserlichen Schrrft ausgeschlossen n Sibirien-n. Dem„Briefe" war ein Gedicht aus der Feder des in Lruvven)s W-Nork als Dichter hochgeschätzten Reo. Horatio Neson Powers so leicht as geschlossen, in welchem der Poet die neue Erfindung des erbält vos» wnographen in schwungvollen Versen befingt. Außer dem na u. a. ist'dicht, welches von der Stimme des Poeten deklamirt wurde, stienste eis« ickte Edison noch mehrere Briefplatten musikalischen Inhalts: ein Unglü»t en Gesangsduettbricf, eine Sonaten-Epistel für Pianoforte boren, b?� t> Geige rc. Das briefliche Konzett fiel glänzend aus und er- weder His' gestrichen worden sei, dahin korrigiren, daß allerdings eine „Streichung" stattgefunden hat. Die ursprüngliche Forderung der liebenswürdigen Fünfmarkbrüder betrug nämlich total 897 M. 15 Pf., während fie durch die„revisorische Prüfung" der Re- gierung auf 896 M. 85 Pf. reduzirt wurde. Es find also durch die erste Beschwerde schon 30 Pf. prosttirt worden! Es wurden nämlich überall da, wo für Eisenbahnfahtt 1 M. berechnet war, während das Billet in Wirklichkeit blos 95 Pf. kostet, die zu viel geforderten 5 Pf. gestrichen! Kann man es noch genauer nehmen?— Auf die Frage, wieso Privatiers, Beamte, Geist- liche, Lehrer, Kommerzienräthe, reiche Fabrikbefitzer u. s. w., die keinen Pfennig versäumt haben, dazu kommen, eine„Schad- losHaltung" für etwas, was fie nicht verloren Haben, in rechts« widriger Weise zu verlangen, hat die Regierung keine Antwort gegeben. Dieselbe wird also durch den Strafrichter gegeben werden müssen. Beigefügt möge hier gleich sein, daß u- A. auch der Standesbeamte Vollrath, der rm Frack aus seinem Amtszimmer ins Wahllokal und wieder zurückging, um das Geschäft des Trauens fortzusetzen, der also gewiß auch kerne „Vermögenseinbuße" erlitten, fich auch den Luxus erner Ltqui- dation von 5 M. geleistet hat. Worüber man noch mit ihm ���Mn'brkördlichvr Mißgriff hat, wie die„Franks. Ztg." belichtet, in Kaiserslautern einen jungen Amerikaner in eine recht schlimme Lage gebracht. Derselbe war als achtjähnger Knabe mit seinen Eltern nach Amerika ausgewandert, est feit jener Zeit niemals wieder in Deutschland gewesen, a m e r i k a- nischerStaatsbürger geworden, gegenwärtig 25 Jahre alt und vor einigen Tagen zum Besuch seiner Verwandten nach Kaiserslautern gekommen. Alsbald nach seiner Anmeldung rr- schien auch schon ein Gendarm in der Wohnum, der Ver- wandten und nahm den jungen Amerikaner auf Grund eines im Jahre 1884 ausgestellten Verhaftungsbefehls, in welchem er als fahnenflüchtig bezeichnet ist, in Haft. Beim ersten Verhör zeigte der junge Mann seine amerikanischen Bürgelpapiere vor, welche er glücklicherweise bei fich hatte, und man hat ihn hierauf gegen Stellung einer Kaution von 300 M. wieder auf freien Fuß gesetzt. Da der Betreffende am 21. d. M. wieder nach New Soll in seine Stelle zurückkehren muß. hat er fich nach Frankfurt a.M. begeben, um beim dortigen amerikanischen Konsul Beschwerde zu führen und diesen zu veranlassen, die Erledigung der Angelegenheit möglichst zu beschleunigen. In Herford sind kürzlich zwei Vereine, der Maurer- und Zimmerer- Gewerbe-Verein und der Unterstützungs-Verein der Tabaksarbeiter polizeilich aufgelöst worden, well fie im Verdacht standen, sozialistische Politik zu treiben. Oesterreich-W«gar«. Die österreichischen Antisemiten find wieder einmal in der Offensive. Im Wiener Gemeinderath haben fie gestern beantragt, die Juden von der Erlangung des Hei- mathsrechts in Wien auszuschließen und ihnen kein städttschcs Amt und keine städtischen Geschäfte zu übertragen. Der Anttag wurde, nachdem auf die Verfassung hingewiesen worden war, welche ausnahmlos gleiches Recht gewährte, ohne Debatte abge- lehnt. Kchweix. Dem„Hamburger Correspondenl" gehen aus Zürich fol« gende Ausführungen zu: Eine„ S o z i a l i st i s ch e Agitationsschule" oder, wie fie genannt wird,„Politische Fortbildungsschule der Bernischen Arbeitervereine" ist nun that- sächlich ins Leben gerufen worden: die erforderlichen Lehrkräfte find gewonnen und die Lokale stehen zur Verfügung. Vorläufig wird man das Lokal des Grütlivereins Bern, Brunngaffe 70, benutzen. Am 28. Juni nahm der Unterricht seinen Anfang; in der ersten Stunde ward die„soziale Frage und die Lehren der Sozialdemokratie" behandelt, in der zweiten Stunde soll schweizer Geschichte gelehrt werden. Die Zahl der Theilnehmer ist eine unerwartet große. Das Beispiel der Berner Sozialistett wird in anderen schweizer Städten schnell Nachahmung finden; schon beim Auftauchen des Projetts ließen fich zahlreiche Stim> men im ganzen Lande für dessen Verwuttichung nicht nur in Bern, sondern auch an anderen Orten mit ausgeprägter Ar- beiterbevölkerung vernehmen. «»»UvvUattttiett. Der von dem Journalisten und ehemaligen irischen Home- rule Abgeordneten Hugh O'Donnell gegen den Eigen- thümer und Verleger der„Times" angestrengte Verleumdungs- prozeß dürfte fich zu einer cauae cslebre zuspitzen und dem Sensationsdedürfniß der englischen Metropole vielleicht für mehrere Wochen Stoff gewähren. Es find nämlich nicht we- niger als 100 Belastungszeugen und 50 Entlastungszeugen zu vernehmen, unter letzteren Parnell, der Führer der irischen par- lamentarischen Partei, welcher, wie der Anwalt O'Donnells im Laufe seiner zweistündigen Eröffnungsrede mittheilte, beschwören wird, daß er den von den„Times" ihm unterschobenen„in- famen" Brief nicht geschrieben habe. Kürzlich wurde dieser Prozeß vor dem Lord- Oberrichter Coleridge eröffnet. Wir er- innern kurz daran, daß die„Times" in ihren bekannten Artikeln über„Paruellismus und Verbrechen" behauptet hatten, Parnell und manche seiner Anhänger seien die Komplizen der irischen füllte alle diejenigen, welchen es vergönnt war, dem höchst inter- essanten Versuche beizuwohnen, mit großer Beftiedigung. Der neue Phonograph unterscheidet fich, wie das„Frkf. Journ." schreibt, von seinem Vorgänger dadurch, daß die Einschnitte nicht, wie seither, in eine Zinkplatte, sondern in eine Wachsscheibe gemacht werden, und»war fitzt dieselbe unter einem runden Metallplätt- chen in der Größe eines Fünfmaristückes. Diese vidrirende Platte setzt einen feinen Stift in Bewegung, der die darunter befindliche Wachsschicht äußerst fein punktirt. Die zu über mittelnden Wotte werden gegen die vidrirende Mctallplatte ge sprachen und die Wachsplatte, welche durch eine mechanische Vorrichtung langsam in Umdrehung versetzt wird, kann nach vollendeter Rede entfernt und als einfacher Brief der Post über« mittelt werden. Durch Einsetzung in eine entsprechende Maschine wtrd durch Gegenwirkung das gewünschte Resultat eneicht. Edison beabsichtigt, wöchentlich derartige Phonogramme seinen Londoner Geschäftsfreunden zu übermitteln. Auch wurden be> reits im Crystal Palace gelegentlich des„Händel-Festes" phono- graphische„für Prof. Evison bestimmte Aufnahmen" gemacht. Auf einer der Scitengalerien hatte nämlich Oberst Gouraud mit einigen Asfistenten Posta gefaßt und versettigte daselbst seine Phonogramme der Mustk. Die kleinen Wachsscheidchen werden alsdann nach Menlo Park geschickt. Haiffsch» w der Kdriu. Man schreibt aus Abbazia, 1. Juli: Die Meldung, daß Haifische im Adriatischen Meere bei Spalato und Lissa von Fischern und von Dampfern aus ge- sehen und daß einer derselben im Quarnero bei Lovrana von Fischern gefangen worden sei, veranlaßten die Südbahndirettion, die Netze, die das Seebad in Abbazia umsäumen, noch zu ver« dichten und so jede Gefahr zu beseitigen. Uebrigens taucht die Nachricht von dem Vorhandensein von Haien in der Adria fast in jedem Sommer auf. Vor wenigen Jahren wurde ein 18 Fuß langer Haifisch am Strande bei Prelucca im Ouamcro gefangen; das kolossale Thier war in seichtes Wasser gerathen und hatte sich fötmlich festgerannt. Er konnte fich trotz seines mächtigen Herumschlagens und trotzdem es fich mit seinem Riesenschwanze unzählige Male in die Luft schleuderte, nicht mehr flott machen, umsoweniger, als eben die Ebbe eintrat. Fischerweiber bemerkten das Ungethüm zuerst, aber Niemand wagte es, fich ihm zu nähern, obwohl es nach und nach beinahe auf das Trockene gerathen war. Da kam man auf die Idee, die Ruder quer über den Körper des Fisches zu legen. Die Enden dieser 18 bis 20 Fuß langen Ruder drückte man fest in den Boden, und da man in kürzester Zeit etwa 20 solcher Ruderstangen in Verwendung brachte, gelang es, fich dem Pbönixpark-Mörder, hätten um den Mordplan gewußt, die Mörder auf ihrem Bureau versteckt und ihnen die Mittel zur Flucht gewährt. O'Donnell verlangt 50 000 Pfd. St. Schaden» ersatz. Der Kläger war nur durch einen einzigen Sachwalter vertreten, während der beklagten Pattei juristische Berühmtheiten, wie der Generalanwalt Sir Richard Webster und die Advokaten Sir Henry James, Lumley Smllh, W. Graham und Gwynne James zur Seite standen. In London fanden am Sonnabend etwa 30 Kundgedungen gegen das Zwangsregiment in Irland statt. In fast jeder Versammlung hielt ein irisches Parlamentsmitglied eine Ansprache und die gefaßten Resolutionen protestitten gegen die Art der Durchführung des Zwangsgesetzes in Irland und miß- billigten die Einsperrung Dillon's. Die von dem irischen Abgeordneten William O'Brien ein» gelegte Berufung gegen seine in Gemäßbeit des irischen Zwangs« gcsetzcs erfolgte Verurtheilung zu drei Monaten Gefängniß hatte das Ergedniß, daß der Dubliner Appellhof den Prozeß an das Gericht in Loughrea zur nochmaligen Verhandlung verwies. Das„Freeman's Journal" vublizirt ein langes Schrift- stück, daZ Ergedniß der kürzlich in Maynooth von den irischen Bischöfen gepflogenen Berathungen, über den Zustand der Landgesetze in Irland. Die Bischöfe verlangen im Interesse der Ordnung und Gerechtigkeit schleunige Abhilfe der dringendsten Beschwerden. Ein unparteiischer Gerichtshof soll über die Verhältnisse zwischen Gutshenen und Pächtern ent- scheiden und die letzteren sollen gesetzlich gegen übermäßige Pachtzinsen und Austreibung geschützt sein. Im Falle der Nichtzahlung der Pachtzinsen müsse der Gerichtshof die Voll- macht haben, die Rückstände zu mindern oder zu streichen. Wenn das Parlament nicht sofott Maßnahmen zum Schutze der Pächter träfe, so dürsten die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdet werden. FraNkr-ich. Die Jntriguen der Opportunisten gegen das Mini» sterium Floquet find vorläufig kläglich gescheitert und die Interpellation Flourens hat der Regierung sogar ein glänzendes iertrauensvotum eingetragen. Wie wir bereits gemeldet haben, hatte der opportunistische Abgeordnete de la Berge in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, nach welchem Per- sonen, die wegen Wahlfälschung besttaft find, für alle öffent» lichen Äemter nicht wählbar sein sollten. Dieser Antrag hat Bezug auf den Matte von Carcassonne und da man glaubte, daß Herr de la Berge für seinen Anttag die Dringlichkeit ver» langen werde, so hätte fich sofort Gelegenheit zu einer Abstim- mung für oder gegen die Regierung geboten. Allein die Dring« lichkett wurde gar nicht verlangt. Dann hieß es, Herr v. Lamar- zelle von der Rechten werde dte Angelegenheit zum Gegenstand einer Interpellation machen. Es wurde jedoch keine eingebracht. Die versteckte und die offene Oppofitton scheuten fich offen- bar, die heikele Angelegenheit anzurühren. Da erschien plötzlich Herr Flourens als Ministerstürzer. Der Angriff ist ihm schlecht. bekommen und hat dem Ministerpräfidenten nur Gelegenheit ge« boten, eine wuchtige Rede zu halten. Die Angreifer sehen fich in die Defenstoe gedrängt und die Angegriffenen gingen zum Angriffe über, welcher mit einem glänzenden Siege endete. Herr Floquet konnte mit vollem Rechte auf den Widerspruch hinweisen, dessen die Gegner der Regierung sich schuldig machen, indem fie derselben vorwerfen, daß fie nicht im Stande sei, Re- formen im Budget vorzunehmen, und ihr doch wieder nicht die Zeit lassen, dies zu thun. Die Gemeinderathswahlen haben zur Genüge bewiesen, daß das Land von der Republik nicht lassen will, und selbst die Jntriguen des Opportunisten gegen das Ministenum Floguet scheinen zu beweisen, daß die Gefahr, welche der Republrk von dem Boulangismus drohte oder zu drohm schien, für überwunden gilt. Eine Entschuldigung für den Ansturm der Opportunisten gegen das Ministerium Floquet ist das stelltet) nicht. Dem Schluß der oben erwähnten Rede Floquet's entnehmen wtt folgendes: Der Minister sprach fich gegen neue Gesetze zur Sicherung des allgemeinen Stimmrechts gegen Miß« bräuche aus; man solle nicht den Glauben erwecken, als seien derartige Ausnahmefälle die Regel und als sei das Stimmrecht in Frankreich bestechlich. In 36 000 Gemeinden werde gewählt und doch seien in Jahresfrist nur fieben Verurtheilungen wegen Beeinflussung bezw. Fälschung von Wahlen erfolgt. Wenn man der Anficht sei, daß die Regierung ihre Schuldigkeit nicht gethan habe, so genüge es nicht, ste zu tadeln, sondern fie müsse von diesen Bänken weggejagt werden! Allein der Zweck dieser An- griffe sei, die Regierung zu entehren, bevor man fie stürze. Sett einigen Tagen fanden in den Wandelgängen allerlei Umtriebe statt. Man zählt die angeblichen Niederlagen des Ministeriums und übettreibt fie. Man zeigt den Radikalen ihre Regierung als ohnmächtig, irgend eine Finanzreform vorzunehmen, während man ihr doch nicht die Zeit gewährt hat. welche zur Ausarbei- tung neuer Vorlagen, nachdem die Kammer die früheren zurückgewiesen hatte, unerläßlich war. In politischer Hinficht vergißt man das Vereinsgesetz, das keine unbe- deutende Reform ist.(Beifall links.) Zu den Gemäßigten sagt man, die Regierung werde alles verwirren. Allein, als wir die Regierung übernahmen, war die Lage schlimm. Es Ungeheuer zu nähern. Ein Finanzwächter stieß ihm eine alte Säbelklinge so glücklich in den Hinterkopf, daß es augenblicklich verendete. Der Fisch wurde nach Fiume gebracht und geössnet. In setttem Magen fand man die unglaublichsten Dinge, wie: einen ganzen Delphin, ein mit rauher Hose und einem Bund« schuh beklerdetes Bein eines morlakischen Bauern, große Tinten» fische, Folpo, Senia moscheta und anderes mehr. Das See« ungeheuer wurde ausgestopft und dem naturgeschichtlichen Museum der ungarischen Seebehörde einverleibt. Uebrigens ist der Hat von unglaublicher Feigheit. Auf Kämpfe mit seines- gleichen läßt er fich nicht ein, er greift nur Schwächere an, roenn_ er seines Sieges gewiß ist. Zahlreich find die Fälle, wo Schwimmer durch Schlagen und Lärmen im Wasser den Hai verscheuchten oder Taucher ihn durch Handbewegungen ad- schreckten. Vi« gemaSr-gelter Advokat. Aus Rom schreibt man dem ,,W. Fr.": Im Verhandlungssaale der 6. Sektion unseres Strafgerichtes ereignete fich neulich eine heftige Szene, welche in unserer juridischen Well große Aufregung hervorgerufen hat. Zwei Advokaten, welche einander entgegengesetzte Interessen ver- traten, waren in einen heftigen Streit gerathen, den der Vor- fitzende mit energischen Worten rügte. Einer der Advokaten, Dr. Fasoletti, sprach hierauf einige Worte, welche der Vorsstzende als für den Gerichtshof beleidigend erklärte; er verurtheilte den Advolattn im Disziplinarwege zu 24 Stunden Arrest. Der Ad« vokat protestirte, allein der Vorfitzende ließ die Wachen kommen und den Advokaten ins Gefängniß führen. Die Meinungen unserer Juristen über das Vorgehen des Vorsitzenden find ge- theilt und behauptet die Advokatenkammer, derselbe habe ferne Befugnisse weit überschritten und sei mit unnöthiger Strenge vorgegangen. Der verurthellte Advokat hat an den„Confialio dell' Ordine" appellirt, während die Advokatenkammer eine Pe« tition an das Ministerium gerichtet hat. Geschwindigkeit ist keine Heeerei. Mehrere hoch- gestellte Beamte der Pennsylvania Eisenbahngesellschaft hatten. kürzlich dem Betriebsleiter der„Baldwin Lokomotivenfabrik" in Phlladelphia, Pa., gegenüber ihre Anficht dahin ausgesprochen, daß zur Herstellung einer Lokomotive mehr als 24 Stunden Zell gehötten. Der Betriebsleiter erklärte, daß dazu noch nicht einmal 20 Stunden erforderlich seien, und proponirte eine Wette. Dieselbe wurde akzeptirt und von dem Proponenten glänzend gewonnen, denn in der genannten Fabrik wurde eine Lokomotive erster Klaffe in dem kurzen Zeitraum von 16 Stunden und 55 Minuten fix und fertig für den Gebrauch her- gesteA.(?) battcn Protlstwahlcn stattgefunden und man hatte kein großes Vertrauen in die Zukunft.(Lärm.) Seitdem find die Gcmüther beiuhigt worden, wozu das Vertrauen, welches das Land dem Ministerium bekundete, mit beitrug. Die Gemeinderatbswahlen bewiesen die Anhänglichkeit der Bevölkerung an die Republik. (Widerspruch rechts, Beifall links.) Die Ergänzungswahlen für die Kammer haben gezeigt, daß die Stimmung fich einer ent- schiedenen Rcformpolitik zuwendet. Möglich, daß diese glück- lichen Ergebnisse durch eine entschieden konservative Regierung besser gefichert werden, als durch eine entschieden rcformatorische. Sie müssen wählen zwischen einer Regierung, die fich nur auf Republikaner stützen will, und einer, die von der Mitte der Kammer bis auf die äußerste Rechte geht.(Beifall.) Wenn man eine solche Regierungsmehrheit will, so muß man es sagen. Wir wollen keine herabgewürdigte Amtsgewalt behalten, wir wollen nicht blos aus Enisagung geduldet sein. Die derart erniedrigte Staatsgewalt wäre weder gut für die Republik nech für die Verwirklichung de: Reformen, denen wir von Grund des Herzens ergeben find.(Stürmischer Beikall links.) Wilson scheint seinen Thaten dr? Krone aufsetzen zu wollen. Daß er durch seine Heirath mit der Tochter Gröoy's und seine seitherigen Geschäfte aller Art zum vielfachen Millionär gewor- den, ist bekannt. Und nun giebt er Frau Pclouze, seine Schwester, ihren Gläubigern Preis, trotzdem fie die Gründerin seiner Stellung ist. Frau Pelouze veranstaltete vor ungefähr zehn Jahren in ihrem Schloß ChSnonceaux ein glänzendes Fest, zu dem alle angesehenen Persönlichkeiten des Departements (Jndre-ct-Loire) geladen waren. Durch dasselbe und die sctther dort von Frau Pelouze geübte Gastfreundschaft und Beein- flussung wurde Wilson in die Kammer gewählt. Sie vermittette dann seine Heirath mit Fräul. Grsvij. Frau Pelouze ist dadurch in Schulden gerathen, während ihr Bruder reicher wurde. Kürzlich konnte fie einem Händler im benachbarten Tours 2000 Franks nicht bezahlen, wurde verklagt und hatte nun noch 900 Franks Kosten zuzufügen. Jetzt haben mehrere Gläubiger fich an die Gerichte gewandt und der Zwangsverkauf des herrlichen Schloßgutes ist nur noch eine Frage von Wochen, höchstens Monaten. Die Schulden übersteigen ändert- halb Millionen. Der Credit foncier hat 800 000 auf Ch-non> ceaux eingetragen, die Familie Trastot 270 000, ein Panser Bankherr 80000, der Koch Cuvelier 50000, der Maler loche 80000, eine Gewürzki änrerin in Tours 85 000; dann folgen ein Wagenbauer mit 5060, der Schneider Bergeot mtt 20- 0, ein Apotheker mit 2700, drei Kaufleute mtt je 4 00, drei andere mit 5900, 6000 und 8000 Franks, ein Klempner mit 2800, ein Pariser Tischler mit 15 000, ein Schlächter mit 10 000, der Bäcker mit 5800, zwei Goldschmiede mir 40000 und 4000, ein Müller mit 12 000 und einer mit 3500, ein Buchbinder mit 4000, ein Farbenhändlcr mit 3000 und ein Pferdehändler mit 700 Franks. Zusammen 1 456 200 Franks Schulden, obwohl die Liste nicht vollständig ist. Nicht inbegriffen find auch die Summen, welche Frau Pelouze für zugekaufte Felder schuldete. Alle Kundigen stimmen darin überein, daß das Schloßgut wegen seiner großen Unterhaltungskosten nur schwer einen Käufer finden wird- Deshalb wird es weit unter einer Million als darüber bezahlt werden. Frau Pelouze hat es für 800000 Franks gekauft, aber an drei Millionen für die Instandsetzung des Schlosses ausgegeben. Trotzdem zablte fie für das Schloß nur 394 Frks. Wohnstcuer, Tank dem Einflüsse Wilson's, welcher bis vor kurzem der All- gebietende des Departements gewesen ist. Ihm wäre es ein Leichtes, Schulden zu bezahlen, welche so zu sagen auf seinen Namen gemacht worden find. Wilson lebte viel bei seiner Schwester, mehrere Jahre hindurch hielt er sich jeden Sommer einige Monate mit Frau, Kindern und Schwiegereltern zu Chsnonceaux auf, wo er den Schloßherm spielte. Vielleicht hat er Lust, es wirklich zu werden, indem er das Schloß bei dem Zwangsverkauf billig erwirbt,— wodurch dann eine Menge Gläubiger mtt ihren Forderungen ausfallen. Die Blätter der Gegend legen fich ganz ungemein ins Zeug gegen Wilson, bringen Dinge und Ausdrücke über ihn, wie man fie nicht für möglich halten sollte. Wird doch erzählt, er bade Gemälde im Werths von 400 000 Frks. und eine große Kiste Silberzeug aus dem Schlosse fortgeschafft, anderntheils Ernten verkaust, welche den Gläubigern gehörten u. s. w. Wenn es fich verhält, wie die Zeitungen erzählen, dann wären bei Wilson die letzten Dinge ärger als die ersten. K-lgi-t». In immer kürzeren Zwischenräumen erlebt Belgien Skandale, die wahrhaft grauenhafte Zustände bei den herrschenden Klassen aufdecken. Den Vorgängen in Lüttich und Gent, wo reiche Wüstlinge mit kleinm Kindern ganz unsagbare Verbrechen verübten, folgte der Brüsseler Skandal, den der Generalstaatsanwalt Dewaret durch seinen Umgang mit Soldaten herbeiführte, und jetzt enthüllen fich in der Stadt C h a r l e r o i traurige Zustände. In den letzten Tagm hatte fich vor dem doitigen Gerichtshofe ein Prozeß abgespielt, welcher ein böses Licht auf die Zustände in der Stadt warf. 24 Per- sonen waren wegen Mißbraucks von Kindern angeklagt, von denen die meisten mit Gefängniß bestraft wurden. Hatten schon diese Verbandlungen Schauriges zu Tage gefördert, so haben weitere Ermittelungen die Thatsache festgestellt, daß es in Charlcroi ganze Häuser giebt, in welchen Greise ihren Leiden- schaften an 11-, 12- und 13jShrigen Kindern fröhnen. Die gerichttichen Behörden haben die Untcrsuchung bereits eingeleitet; Unsaghares tritt zu Tage. Ein 72 Jahre alter Greis hat sich bereits das Leben genommen, man fand seine Le-che in der Sambre.„Unsere Stadt macht fich einen schönen' Ruf im lande," nrft voll Schmerz das„Jounu de Charleroi".! um die Stadt Charleroi handelt es sich allein in diesem 5 sondern dem Auslande werden aufs neue die Augen da geöffnet, welche unsittlichen Zustände in den ohercn Klaff« belgischen Bevölkerung herrschen. Italie«. Die Gerichtsbehörden find angewiesen, die Geistlii unnachfichllich zur Rechenschaft zu ziehen, welche zum% borsam gegen die Landesgeseye aufreizen. Die„Gazetti Bergamo" theilt mtt. daß u. A. der Erzpriester von EM Don Rizzoli, vom Staatsprokurator zur Untersuchung gee weil er von der Kanzel herab den neuen Sttafkodex verfluä Kalkanlättder. Die finanziellen Schwierigkeiten, mit! die Türkei zu kämpfen hat, werden immer ärger. Dt denklichste Folge ist der Rückschlag, den fie auf die Arme« üben. Das Ausbleiben der Soldzahlungen ruft unter Truppen den Geist der Meuterei wach. Ueber i neuen deraftigen Fall, bei dem es fich um Resev bandett, die man ohne Zahlung des rückständigen S nach Hause zu schicken versuchte, wird in dem Londoner J Chronicle" berichtet. Als die Soldaten der 1883er Klaffe lassen und auf Transportschissen in ihre Provinzen beii werden sollten, weigerten fie fich hartnäckig, fich einzuscb bevor fie ihren Sold erhalten hätten. Endlich zahlte man t die halben Rückstände und die Schiffe segelten ad. An i Bestimmungsorte angekommen, weigerten fich die Truppen, Land zu gehen, bevor ihnen der Rest ausbezahlt wäre. D> Offiziere bedroht wurden, so tclegraphiften fie nach Konst« opel, worauf der Sultan befahl, die Forderungen der Leit befriedigen. Ob die türkischen Beamten den Wunsch des■ tans zu erfüllen vermochten, ist nickt ganz klar, jedenfalls> man aber die Unzufriedenen los. Erheblich schlimmer klinzl folgende Fall, bei dem nicht nur aktive Truppen, sondrt erster Linie einer der höchstgestellten Armeebefehlshaber betb ist. Marschall Nusret wurde kürzlich von dem Posten all spektor des vieften Armeekorps in Erzerum zum Komm«» desselben Korps defördert. An dem Tage des Avanzement!' graphifte er dirett an den Sultan und ersuchte denselbe», selbst und seine Truppen zu bezahlen, da ihnen schon seit$■ natcn der Sold rückständig sei. Den Sultan erbittertes formlose Vorgeben und er befahl, Nusret Pascha seines W zu entheben und ihn nach Bagdad zu schicken. Nusret ern» jedoch, daß er mit seinen Soldaten völlig eins sei und> eher weichen werde, bis er und seine Truppen bezahlt> den wären. Auf diesem Punkte befindet fich jetzt die v welche große Aufregung im Palaste hervorgerufen hat. Theater. Freitag, den 6. Juli. Geschlossen. iäiittfoitlhan». Geschlossen. - Wilhelmstädtisch-» Theater. Pariser Leben. tralT» Theater. Hans Hciling. irtoria Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. Oelealltattre- Theater. Das elfte Gebot. Die Unglücklichen. 4£*«tral-Th«ater. Die Himmelsleiter. Gst»»d> Theater. Das Käthchen von Heil- bronn. KSnigstiidtische» Theater. Verlorene Ehre. Maxfmaa»'» garittt. Spezialitäten- Vor- «-«r-rdia- Theater. Spezialitäten- Vor- stellung. SchweherGarteil. Täglich: Spezialitäten-Vorstellung itnut Uolksvirstelluttg bei halbe« Kassenpreisen. Alles Nähere die Anschlagsäulen. Ändä's khurt DolksMkll Gasundbrunnen 60 Kad Ktrast« 60. Jeden Sonntag: Gr. Militär-Ködert Neu! «erb. mit Hchlachtmustt». Aufatteigan de« Nah t legenden Kenschen I epochem. Neuheit auf aeronaut. Gebiete. Auftreten der Mailänder ■ Thier Kapelle.■ Im Saal:«roher Kall. TR Jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag: Gross# Frei-Konzert. Eintritt an Wochentagen frei, Sonntags 15 Pf. Die Kaffeeküche ist von 2—6 Uhr geöffnet. Vereiir der Einsetzer Sonntag, den 8. d. M., Vormittags 10% Uhr, Neue Friedrichstr. 44, Ordentliche General- Uersammlung. Tagcs-Ordnung: 1. Kassen- und Revifionsbertcht vom 2. Quartal. 2. Vorstands-Anträge. 3. Verschiedene Vereins- Angelegenheiten. 4. Fragekasten. 27 Der Vorstand. Nalsag» 1®r. 9 311.— 10 A. Sateer- Panorama PrachtschloßKönig Ludwigs Herrenchiemsee mit Sehenswürdigkeiten.- Der ganze Trauerzug u. Aus- ---- Dom. nur 10 Pf. Abonn. dahrung Kaiser Wilhelms im Dom Entree& Cycl. 0 ist., Kind Weimanu's Volksgarten. 54/56.«esundbranne«. 2. Eingang Pankstt. 25. �.�unaslok. d. Nordens v. Berlin(ca. 10 Morg. m. großare Park- u. Gaftenanll.g.). KrÄÄ.älÄ Si K# Ertt.-Milit. Concert, ausgef. v. ganzen Mufikkorps d.& Garde-Ulanen, u. Leit. d. Kgl. Musik- Dir. Herrn E. Neese. Elektt. Erleucht. d. ganz. Etabl., außerd. GaS-Jllum. d. 12,000 bunte Lamp. Gr. Volksball i. prächt. neuen Hohenzollernsaal. Reichbesetzter Polksbelusttgungspl- r Anfang stets 4 Uhr Nachm. Max Weimann. Spezial. für Mittwoch: Glänz, arrang. KmderbeluMgungsfeste. Pferdebahnverbindung mit allen Thetten der Stadt bis 12 Uhr 10 Minuten Nachts. fehlerhafte HePplHe! Nach beendeter Engros-Saison thatsächlich für die Hälfte! Panama- Iopha- Teppiche, 2 Meter groß, Stück 4,50 M. Krüssel- Teppiche. 2 Meter ' Stück 6 M. Oerrliche Kalon-Teppich«(fehlerhafte), Stück 10, 15, 20 und 27 Marl erth das Doppelte! Wall- Atta«- Ktepodecke»((mit), Stück 7,50 M., echt engl. Tüll «arttinen, Stück von 22 Meter, 12 Mark. Kerlin S.p Oranienstt. 158, zwischen Montzplatz u. Oraniendrücke. Fabrik» Lager Emil Lefevrey Fachverein der Rohrleger. Sonntag, den 8. Juli, Vorm. 10 Uhr, in Feuerstein's Tunnel Alte Jakobsttaße 75, Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Ergänzungs.vahl dcs Vorstandes. 2. Antrag bchufs Adänd�rung des Statuts § 9 ad 2 u. 3. 3. Freie Diskussion, Fragekasten und Aufnahme neuer Mitglieder. Um recht zahlreichen Besuch bittet 23 Der Vorstand. General-Uersammlnug des Stmills jot Vührllllg der IatmOo der Klavierardtiter. Tages Ordnung: Punkt 1. Abrechnung vom II. Quartal. Bencht der Ärbeits-Vermittlungs-Kommisfion und des Bibliothekars. Punkt 2. Vereinsangelcgenheiten und Ver- schieden es. NB. Billets zu dem am 23. Juli stattfinden- den Sommerfest find bei den betreffenden Komitec-Mitgliedern Kollege König, Kl. Andreasstr. 5 bei Lampe, „ App.lt, Wienerstr. 49, IT., „ Koppen, Manteuffelslr. 48, IL, sowie bei sämmtiichen Vorstandsmitgliedern ab- ***"'■ Do M»»34 Ttichler-Verein Am Sonnabend, den 7. d. M., Abends 9 Koitduserstr. 4a, General-Uersammlu« T.-O.: 1. Kassenbericht. 2. Erledigung k Antrages und eines Unterstützungsgesuches-� Schluß der Billet- Ausgabe zur Landpaill 10. Juli. Das Quittungsbuch legitimirt., 1440 Der Vorst-« 1(0(1, 10 Mail 1 Stand, vollständige Länge und Breite, � Mark, Bettfedern, Pfund von 35 Pf. cm, kaust allein die Bettfedem-Engros-Hand» 1. Geschäft Kottoas-rstraß» 4, pari.\ schäst tfrnxiunltraste 180, l. Zur Au0 stehen 23 Sorten Federn. Billigste Bezug* für Händler.' Möbel, Spk*gei und Poisterwa4 eigener Fabrik wegen Ersparung der Laden» billig Kr«*ne«stra<|-»8. jsarr«ttd Uerkanf nur Kof pa» Zahlung noch UebereinkunfL. Farbe? nefrocknat-Tr trocknet in 4— 5 Stunden Hart und glänzend, tP© macht das Uoberlackierea überflüssig. Das unangenehme Kleben ist vollstän-ig ausgeschlossen. . Nasse Witterung hat keinen Einfluss auf meine WorWicrstuLJ_ Farbe. Aufträg« führe nur �terseneh�bodm-m gegen vorherige Einsendung blasur-Lock-raroe �3 III Betrages oder gegen N a ch- und kostet nur WM II| nähme aus. Preis a Pfund 75 Pf das Pfwid. V VSlSa/Vjii 75 Pfennige. R. J. Suter, Berlin N., Zionskirchstr. No. 44. Kastiuiien- Allee No. 60 I f » 1 5' Bahn- Hofes unter Bezeichnung des ungefähren Gewichts und des Bestimmungsostes mitzuthcilcn. Zur Erleichterung solcher Mit« thcilungen werden Bestellkarten durch die Post verkauft, deren Beförderung die Post gegen das gewöhnliche Porto übernimmt. Die Abfuhr von den Bahnhöfen erfolgt stets durch die Rollfuhr- Unternehmer, falls der Empfänger nicht anderweite Verfügung bei der Güterexpedition hinterlegt. Die Rollfuhstaxe, welche die Kutscher auf Verlangen vorzuzeigen haben, beträgt für 100 Kilogr. an mindestens für eine Frachtbriefsendung bei der Anfuhr für Eilgut- stücke 60 Pf., für sperriges und gewöhnliches Stückgut 25 Pf. Bei Mengen über 100 Kilogramm wird für das Gewicht von 50 zu 50 Kilogramm der Geldbetrag auf volle 10 Pf. aufwälts abgerundet. Die Rollfuhrlutscher find zugleich zum Abtragen #" bei Sachen verpfl'chtct; fie erhalten, wenn die Stücke in den Keller ober in ein höher gelegenes Geschoß als bas Erdaeichoß tragen find, bei allen Stücken bis 50 Kilogramm 10 Pf. S uslblag und ebenso für jede ferneren 50 Kilogramm ebenfalls 10 Pf. ohne Rückficht auf die zu einer Frachtbriessendung ge- hörige Anzahl der Stücke, sofern die einzelnen Stücke von einem Mann getragen werden können.— Für die Ausstellung des Frachtbriefes, für das Zeichnen(öigniren) der Güter und für die Ausfüllung aller sonst nöthigen Formulare find 10 Pf. zu entrichten.— Stückgüter ohne ausdrücklichen Auftrag des Versenders als Sammelgüter aufzugeben, ist den Rollfuhr- Unternehmern verboten.— Die Beförderungsfristen betragen beim Abfahren für Eilgut 5, für leicht verderbliche Güter 3, für Frachtgut 10 Stunden, bei der Anfuhr für Eilgut 6, für Frachtgut 10 Stunden. Der Charakter Kerlins als Großstadt kommt wohl auf keinem Gebiete stärker zur Geltung, als in den Zahlen für Wohnunpspreise, und hier find in den letzten 30 Jahren die Verhältniffe geradezu bedenkliche geworden. Nicht etwa, daß Wohnungsprerse von 30000 und einige sogar von 40 000 M. gezahlt weiden— für einzelne Geschäftslokale, wie Panoptikum iL a., werden sogar über 70000 M. bezahlt— sondern in der äußersten Peripherie tritt im täglichen Verkehr diese enorme Miethssteigerung, namentlich bei kleinen und Mittclwohnungen, in die Erscheinung. So wird in einer der Querstraßen des Weddingplatzcs eine kleine Hofwohnung fünf Treppen hoch (Stube und Küche) für 270 M. angeboten, in der Forsterstroße am Görlitzcr Bahnhofe werden sogar für eine gleiche Hofwoh- nung 285 M. gefordert und eine andere, im Vorderhause fünf Treppen hoch, sogar mit 815 M. angeboten. Und da diese Wohnungen gerade die begehrtesten find, so müssen die Arbeiter auch solche Preise zahlen. Aus dem Terrain der ehemaligen „Mücken", an der Ecke der Gatten- und Elsasserstraßc, das vor dreißig Jahren als„Voigtland" noch zu den ärmlichsten Vierteln Berlins gerechnet wurde, wird jetzt eine Wohnung drei Treppen hoch, aus vier Zimmern bestehend, für 1000 M. Jahresmiethe angeboten. Man ficht also, wie die Zeiten fich ändern, und daß die Spekulation in Grundbcsttz ebenso ficher wie� lohnend gewesen ist. Die Verhältnisse find fast um die ganze Periphette Berlins in gleicher Weise verändett. Fordern nun aber die Arbeiter in Anbetracht der fortdauernden Erhöhung der Micths. preise Erhöhung der Löhne, so denkt kein Unternehmer daran, sie ihnen freiwillig zu gewähren. Die Zahl der bebauten Wrnndstücke in Berlin ist während der vorjährigen Bauperiode von 19 595 auf 19897 testiegen; es sind in dieser Zeit also 302 neue Häuser in ierlin entstanden. Berlin braucht jetzt jährlich etwa fünf- hundert Millionen Ziegelsteine und beschäftigt hunderte von Ziegeleien. Der Rosengarten des Humboldthain« steht in voller Blüthe. Tausende und Abertausende von herrlich duftenden Rosen in den verschiedensten Farben, hell und dunkelroth, rosa, weiß und gelb prangen an etwa dreihundert Rosenstöcken in nahezu 50 verschiedenen Arten. Besonders fesselt die Aufmerk- samkeit des Beschauers eine röthlich-weiße Rose, welche in ihren zarten Farben den Eindruck einer aus Porzellan gefertigten Blüthe macht; nickt minder schön haben fich die JSlüsch- Rosen" entwickelt, deren purpurfarbene Blätter vom Purpur- Sammetstoff nicht zu unterscheiden find. Auch die Zwergrosen find bereits zur vollen Blüthe gelangt, an den winzigen, schein- losen Sträuchen hängen Rosen von seltener Größe und Schön- heit. Dazwischen stehen 20 verschiedene Atten chinefischer Manolien, welche den Wasserrosen ähnlich find, jedoch etwas voller aufblühen und von rothen, weißen und gelben Blüthen förmlich überschüttet sind. Die„Kaiserliche Paulownia" aus Ehina, jener niemals blühende Baum mit der schönen, glatten Rinde und den eigentkümlich verzweigten Aesten hat fich in- folge der ungünstigen Witterung noch nicht völlig entwickeln können und wird es wohl noch drei Wochen dauern, bis dieser settene Baum in vollem Blätterschmuck steht. Die elektrischen Keleuchtungvanlagen Unter den Linden und am Lustgarten find nunmehr so weit vorac schritten, daß der Rest der hohen Kandelaber, welche die Kugellampen zu tragen bestimmt find, in wenigen Tagen aufgestellt sein wird. Eine gam besonder« rege Kanthätigkeit hat sich im Norden der Stadt noch in den letzten Wochen entwickelt. Während die Müllerstcaße in ihrem nördlicheren Theile im F.ühiahr nur eine mäßige Anzahl von Neubauten aufzu- weisen hatte, find kürzlich in dieser Straße allein nicht weniger als 32 neue Baupläne von der Behörde genehmigt worden und zahlreiche weitere Gesuche um Bauerlaubnißertheilungen liegen noch vor Nicht minder rege ist die Baulust in den angrenzenden Straßen. Man wird nicht fehlgreifen, wenn man dieses plötzliche Erwachen der Bau- tust in jenen, sonst etwas abgelegenen Gegenden mit der Fettig- stellung der Kanalisation daselbst in Zusammenhang bringt. Daß die Befitzer des wenig fruchtbaren Grund und Bodens darüber sehr erfreut find und jeden neuen Bauzaun mit neuem Jubel begrüßen, erklärt fich aus der ganz rapiden Preissteigerung, welche das Terrain in jener Gegend von Tag zu Tag erfähtt. Die Terrainspekulation steht demzufolge in jener Gegend in schönster Blüthe. Die an der Gstbahn gelegenen Stationen Rüdersdorf und Straußberg find dem Vorortsvcrkehr einverleibt worden und die bisherigen Fahrkarten nach diesen beiden Stationen ungiltig. Es werden jetzt von sämmtlichen Stationen der Stadtbahn zwischen Schlefischer Bahnhof und Westend' Fahtt- und Rückfahrtskatten ausgegeben und finden theilweise Ermäßigungen des Fahrpreises statt. Diese Erweiterung des Vorortverkehrs hat am 3. Juli begonnen. Die Crnenerung der Loose zur 4. Klasse der preußi» schen Lotterie muß bis zum 20. Juli, Abends 6 Uhr, erfolgen. Die Ziehung dieser Hauptklaffe beginnt am 24. Juli. Seltsam» Zustände herrschen vor dem neuerbauten Hause Ecke der Potsdamer- und Großgörschenstraße. Dort hat ein Schuhmacher einen Laden inne, dessen Schaufenster nach der letztgenannten Straße hinausreicht. Aber vergeblich wird man eine Eiogangstdür zu dem Laden suchen, wodl aber fällt der Blick jedes Vorübergehenden auf ein rm Schaufenster hängendes Plakat mit folgendem Inhalt:„Wegen Nichtregulirung des Etraßendammcs ist auf Vettügung des Königlichen Polizei- prästdiums meine Ladenthür vermauert. Nothaedrungcn sehe ich mich veranlaßt, das geehtte Publikum zu ersuchen, hier zu klopfen oder sich um die Ecke durch den Flur zu bemühen." Dieselbe Vermauerung seiner beiden Ladenthüren in der Groß- görschenstroße hat auch ein daneben wohnender Destillateur er- sichren, der aber glücklicherweise noch einen großen Eck-Eingang besitzt. Vor dem Hause ist allerdings ein Streifen des Straßen- dammes ungepflastctt, aus welchem Grunde, wissen wir nicht. Mehr Aufsehen als dieser unregulirte Streifen erregen aber die vermauerten Ladenthüren. Vrfäl chter Kreditbrief. Tie Vereinsbank in Hcm bürg ist/ wie von dort gemeldet wird, am jüngsten Freitag durch Pfd. Sterl. geschädigt wor- einen gefälschten Kreditbrief um 400 1 r. den. An diesem Tage stellte fich ein Mr. Henry Taylor in der Vereinsbank mit einem Zirkular- Akkreditiv der New-Pork Produce Exchange Bank ein, w.lches am 13. April zu dessen Gunsten in Höhe von 1000 Pfd. Sterl. unter fite. 56 ausgestellt worden war. Auf Rechnung dieses Betrages waren bereits zwei Zahlungen von je 150 Pfd. Step, von der Eity-Bank in Lon- von, welche ebenfalls in dem Kredilbttefe figurirte, ausgezahlt worden. Taylor lcgitimitte fich durch Papiere der Legation der Vereinigten Staaten in London, hatte außerdem Vifitenkatten auf diesen Namen lautend und ein Taschenbuch, auf welchem mit Golddruck Henry Taylor vermerkt war. Daraufhin wurden ihm die verlangten 400 Pfd Sterl. ausgezahlt. Der Betrug wurde gestern erst durch ein Telegramm der City-Bank in Lon- inn entdeckt, welche die Tratten der Vereinsbank über 400 Pfd. nicht honotttte, da der Kreditbrief gefälscht sei. Nach dem Schwindler wird eifrig gefahndet, doch dürfte derselbe schwerlich noch in Hamburg zu suchen sein. Ct«er Mystifikatiou ist vorgestern der größte Theil der im Schönhauser und Rosenthaler Viertel wohnenden K o n d i- t o r e n zum Qpfer gefallen. Vorgestern Morgen erhielt nämlich der rrr der Neuen Schönhauserstraße wohnende Fuhrhen L. von etwa zehn bis zwölf dieser Geschäftstreibenden prachtvolle theure Torten und altdeutsche Kuchen zugesandt, und die mit Ueberbnngung der Backwaaren betmuten Boten präscntirten gleichzeitig die quittitte Rechnung. Herr L. war sehr erstaunt über den ihm zugedachten süßen Moraengmß, verweigerte jedoch die Annahme desselben, da er gar nichts bestellt hatte. Wie fich nun ergab, hatte ein anständig gekleideter Mann am Tage vor- her in den verschiedenen Geschäften die Waare beordert, und der Name des Fuhrherrn hatte die Konditoren zur Ausführung des Auftrages veranlaßt, ohne Anzahlung zu verlangen. Der Vottall ist bereits zur Kenntniß der Polizei gelangt. In flagranti erwischt und doch entkomme». Am Dienstag Nachmittag betrat ein junger Mann, anscheinend ein Provinziale, die in der Breitenstraße 1 belegene Konditorei von Borsch, nachdem er fich allem Anscheine nach erst durch einen Blick in das Schaufenster davon überzeugt, daß die Büssctdamc allein im Laden sei, und forderte mehrere entfernt liegende Konfitüren. In dem Moment, wo ihm das junge Mädchen aber den Rücken wendete, um die bestellten Gegenstände herbeizuholen, ließ der Unbekannte mehrere in seiner nächsten Nähe stehende Flaschen mit wetthvollen Liqueuren in seine Rocktaschen gleiten. Ein vor dem Laden postitter Obsthänder hatte aber in diesem Augenblick durch das Schaufenster gesehen und diele Eskamotage bemerkt. Schnell entschloffen betrat er den Laden und packle den Dieb sofort mit eisernem Griff, worauf letzterer unter Thränen und Bitten die gestohlenen Gegenstände wieder zu Tage förderte. Der Obsthändler wollte nun den Dieb zur Polizeiwache bringen; vor der Thüre hotten sich aber bereits so viel Neugiettge angesammelt, daß der Langfinger das um die Beiden entstehende Gedränge geschickt benutzte, um fich mit hef- tigem Ruck loszuwinden und schnell um die nahegelegene Ecke zu verschwinden. Sträfliche Unachtsamkeit. Als am vorgefittgen Vor- mittag die zehnjättge Helene Baude, Bernauerstt. 88 wohnhaft, den Straßendamm an der Ecke der Bmnnenstraße überschreiten wollte, rannte ihr gerade ein des Weges kommender Mann, welcher auf der einen Schulter lange schwere Eisenstangen trug, in den Weg, wobei durch eine dieser Stangen dem Kinde eine so schwere Verletzung des Kopfes zugefügt wurde, daß es sofort zu einem Heilgehilsen geschafft werden mußte. Da der Zustand der Kleinen sich bedenklich verschlinrmette, wurde bald ein Arzt zugezogen, der eine Knochmhautverletzung konstatirte. Der Zu- stand des Kindes ist ein sehr gefährlicher und es ist zweifelhaft, ob dasselbe mit dem Leben davonkommen wird. Gine« Fall merkwürdiger Uerletzang stellte Professor Krause in seiner Poliklinik vor. Der Patient, ein 26jähriger Mechaniker, hatte die Gewohnheit, seinen Spazierstock beim Gehen im Munde zu halten. So hatte ihn eines Tages ein schwerer Unfall getroffen. Er stolpette, fiel zur Erde und dabei wurde der Stock so tief in Mund und Rachen getrieben, daß der Gaumen gespalten wurde. Nachdem der Patient im städti- schen Krankenhause Friedttchshain einer Operation unterzogeir worden war, welche indeß kein befriedigendes Resultat ergab, suchte er in der laryngologischen Poliklinik Hilfe. Es dürfte aber kaum gelingen, den armen Patienten dauernd zu heilen. U«fälle bei Kaute«. Dienstags Nachmittags verunglückte auf dem Neubau Cuvrystraße 50 der Maurergeselle Eckert da- durch, daß er vom 4. Stockwett, wo er beschäftigt war, über das Mauerwerk hinweg in den ungcpflastetten Hof hinabstürzte und außer einer Gehirnerschütterung Arm- und Beinbrüche er- litt. Eckett wurde mittelst Droschke nach dem Krankcnhause Bethanien gebracht, wo er nach kurzer Zeit an den erlittenen Verletzungen starb.— Als der Zimmergeselle Heine am Vor- mittag desselben Tages in einem Zimmer des Neubaues Badstraße 34—35 auf einem dort angebrachten Gerüst knieend ein Brett beschnitt, fiel er dabei durch eine im Gerüstbelage befind- liche Oeffnung aus einer Höhe von etwa 4 Meter auf den Boden des Zimmers herab und erlitt dadurch eine bedeutende Verletzung über dem linken Auge und anscheinend eine Gehirn- erschütterung. Heine wurde auf ärztliche Anordnung mittelst Droschke nach dem Lazarus-Krankenbause gebracht. Der drw Luftfchiffer Sqring am jnugsten Sonntag durchgebrannt» Kallan hat fich, wie dem„B. T." ge- meldet wird, in Storkow eingefunden und ist dort festgehalten worden. Dnrch den Tod von seine« Quake« erlöst wurde am Sonnabend Abend im städtischen Krankenhause am Friedrichs- Hain der schwer verletzte Arbeiter Haude, welcher am Nachmittage des 23. Juni auf dem Hofe des Grundstücks Kastanien- Allee 88 von dem Vizewiith Fritz Kaiser mit einem Dolchmeffer meuch- lings in die linke Brust gestochen worden war. Dienstag er- solgte die Sezimng des Verstorbenen in Gegenwatt des Staats. anwalts und deS Attentäters Kaiser. Es wurde festgestellt, daß H. den Folgen der ihm durch Kaiser zugefügten schweren Ver- lctzuna erlegen ist. Den Zopf abgeschnitten. Am Drenstag wurde erncm jungen Mädchen anr hellen lichten Tage sein prächtiger Zopf abgeschnstten. Das hübsche Mädchen aus Pommern hält fich hier zum Besuche bei ihrem Onkel in der Waldemarstraße auf. Bei einem Gange durch die Stadt mischte es fich neugierig unter einen Auflauf, der auf dem Motttzvlatz stattfand. Nach befriedigter Neugierde gings heim zur Tante. Doch wer be- schreibt das Entsetzen, als das Möschen den Hut abnimmt und dabei wahrnimmt, daß man ihm den prächtigen brünetten Zopf in einer Länge von 75 Zenttmetern abgeschnitten hat. Alles löste fich in Schmerz auf.„Nur auf dem Moritzplatz kann's pasfitt sein," erklärte das ihres schönen Schmuckes beraubte Mädchen,„denn da verspürte ich im Gedränge einmal'nen ... faKrts-Abthekkung gehoreuden Kollo«» ist am 26. v. M. ein beklagenswertder Unglücksfall geschehen, von welchem nran erst jetzt durch die in Ptttzwalk erscheinende„Märk. Zeitung" Kenntniß ettält. Dieses Blatt bettchtrt:„Am 26. Juni, Nachmittags 3V Uhr, fuhr über unsere Stadt ein Lustballon, welcher Vormittags 10 Uhr mit zwei anderen Ballons aus Berlin abge- fahren sein soll. In der Gondel befanden fich drei Personen, ein Lieutenant und zwei Soldaten. Der Ballon landete bei Jakobsdorf und sollte dort von dem darin befindlichen Gase befreit werden. Der Schulze Ehlett-Jakobsdott, sowie noch einige Bewobner des Dorfes erfaßten die heruntergelassenen Stricke, der Anker wurde aufgeworfen, und die kühnen Segler entstiegen der Gondel. Die Besatzung wollte noch mit dem Nackmittagszuge von hier nach Berlin abfahren und bcttteb die Entleerung des Ballons in eiliger Weise. Trotzdem das Ventil Sföffnet war und demselben dasGas entströmte, war derBallonnoch alb gefüllt und schwebte so noch über der Gondel. Während nun der eine Gefreite noch eine Klappe öffnete, hatte fich der andere das N ywerk um die Arme gewickelt und zog an dem Ballon. In diesem Augenblick explodirte das Gas, eine mächtige Feuersäule schwebte nach oben, den einen Gcfteiten mit fich ziehend. Als fich der Rauch verzog, sah man den unglücklichen Soldaten mtt ausgebretteten Armen langsam zur Erde fallen; derselbe athmete noch einige Male auf, starb aber ehe die hinzu- springenden Leute ihn aufzurichten vermochten. Augenzeugen versicherten, daß die Dorfbewohner in kurzer Entfernung der Entladung des Ballons zusahen; fie haben nicht wahrgenommen, daß einer dieser Leute Zigarre oder Pfeife rauchte, und fie glauben, die Exploston einer Selbstentzündung zuschreiben zu müssen. Die Leiche des Gefreiten wurde hierher gefahren und in der Leichenhalle des Johanniter-Kreis-Krankenhauses unter- nur einmi�chjAt, and die 3 fie obige B er Vereid orn zu, echtsanwc üngitte, v ne sozial orsttzende hervo gebracht, während der Offizier mit dem Abendzuge nach Berl«™"!? b( zurückfuhr. Mt mtt d Gin» seltene Krankheit. In der Hautklinik der\ liner Chantee kam dieser Tage eine überaus eigenartige Krautze wirv i heit zur Beobachtung, die A l e p p o- B e u l e. Der damtt dGcsell>ch«fr haftete Kranke zeigte an der Uebergangsstelle von Unterarm i, Hand linkerseits eine hübnereigroße Beule von blaßrother Fatt? �„ l' rf, mit einer pfenniggroßen Della in der Mitte, welche mit SorF1*"" bedeckt und vom Eiter unterminitt war.— Zweifel über l?./ Richtigkeit der Diagnose find nicht möglich, da der Patient rDor~ ein Arzt ist und die Krankheit aus Persten mitgebracht hat. ist der durch seine Publikationen in medizinischen Kreisen w bekannte Prof. Dr. Albu, kaiserl. Gesandtschaftsarzt aus Tehw welcher bei seinem Aufenthalt in Berlin es fich nicht versa! konnte, den studirenden Kollegen und Aerzten diese seltene Ho affektwn zu präsentiren.— Die Krankest ist eine rein endemisl und kommt nur in den Gegenden am Orontes, Euphrat Tigns vor, wo aber alle Eingeborenen und alle Eingewand von ihr befallen werden. Man erkrankt im Leben nur ei:. an der Aleppr-B.vle und die Krankheit dauert ungefähr ein Ja,w� moM daher der Name Aleppo, auf perfisch Jährchen. Am währ!chki!i,.r,I4f,n fj licksten ist, daß die Krankheit durch ein einheimisches JNWirunaen hervorgebracht wird. L„ Gin entsetzlicher Unglücksfall ereignete fich vorgeficr�,™ r�e Mittag in der Köslinerstrare. In der Wohnung des Arbeitel,,,, amüif L., Köslinerstraße 2 drei Treppen, befanden fich der 4jäh:ilLs m, Sohn und die 14jähnge Tockter der L.'schen Eheleute allelmgrsin-nde um genannte Zeit. Als das ältere Mädchen eine Besorgung luns»u. der Küche hatte, schloß es das Fenster des Wohnzimmers n�d kaum hatte das Mädchen dasselbe verlassen, als der Kleis Unt» das Fenster wieder öffnete und fich aus demselben h«Aakr«»a auslehnte. In diesem Augenblick kam die Mutter bstas Scköfi Kindes von einem Ausgang zurück und rief dem fröhlich �Himbeettiq jauchzenden Knaben zu, das Fenster zuschließen. Das K�ecressenz' welches vor etwa 4 Wochen den rechten Arm gebrechen u�ctr Liquei denselben noch in der Schi-ne trug, stützte fich, um den Feni!« � cu, riegel zu erlangen, auf den schwachen Ann. Der unglückist vielmehr Knabe vorlor jedoch bas Gleichgewicht und, während die Muttl snräp welche die gefährliche Lage ihres Lieblings von der Straße ej zu, durch' mit angesehen, nach oben stürzte, fiel der Kleine, nach verga ferner unt> lichem Bemühen, fich zu halten, aus der dtttten Etage auf W fich aber n Straßenpflaster, woselbst er bewußtlos liegen blieb. Mehr* L qucur ni Männer schafften das verunglückte Kind nach der WohSZ Termin gl hinauf; als jedoch der sofort hinzugerufene Arzt eintraf, � haben, der dasselbe bereits infolge schwerer rnnerer Verletzungen# fei und storben. schütten; c Setbllmord. Unsere Leser werden sich noch der AnfÄ ankomme, März d. I. gebrachten Notiz erinnern, nach welcher die Weicht das, des Schuhmachers Heidefeld, Falkensteinstr. 1 wohnhaft, H daher sei' beiden 4 und 6 Jahre alten Knaben an der Thürklinke u* nwrden. Ofenthür erhängt und nach vollbrachter That fich selbst in be> Da, Kanal am Görlitzer Ufer ettränkt hatte. Die Leiche der Sjj war die wurde nach 14 Tagen aufgefunden. Die Motive zu v* gestern dir Doxpelmord und Selbstmord wurden auf Geistesgestötthcit* Direktors[ Frau H. zurückgeführt. Dir Gatte war seit der Zeit, da# modern gi Frau und Kinder auf so jähe Weise entttffcn wurden, wie a» rend Herr gewechselt. Des Oefteren äußerte er sich zu Bekannten, daß 1 nimmt. S nun keine Ruhe mehr auf Erden habe, da er fich Sckuld< jener ein i dem Tode der Seinigen gäbe. Das oerstötte Wesen des Manns sügig ersch fiel so manchem ausi doch ahnte keiner, daß der vom Scbi-tk gedrückte so hart Betroffene den Tod suche. Dienstag Morgen entfew eine größe fich H. aus seiner im Hause Engelufer 21 belegenen Werkilbb Angeklagt Als er nicht wiederkehrte, wurde er von Kollegen gesucht n» gelangt ui in einem abgelegenen Winkel des Hauses entseelt aufgcfund* das leere Der Unglückliche hatte seinem Leben durch Erhängen ein Est bann dl gemacht. Apotheker Durch einen Stur? van der Leiter infolge Fehltrete» sehr belai beim Hinauflragen einer mit Kalk gefüllten Mulde zog fich If Fälschung in der Friednchsbergerstraße wohnhafte Steinträger Wilhelm Aenderuw auf einem'Neubau m dcr Klosterstraße so schwere innere t selbst gesck äußere Verletzungen zu, daß er in ein Krankenhaus Irans Widrigkeit werden mußte., Mittel zu Schwere innere Urrlrtzungrn zog fich gestern mittag der in der Fttedrichsfelverstraße wohnhafte Arbeiter � 10®tan1' mann K. auf dem Umbau des Walhalla-Theaters in der El lottcnstraße zu. K. war auf dem Gerüst auf das freilrega Ende des Breitcrbclages getreten; dies gab nach und K. st' aus einer Höhe von Itz Stockwerk in die Tiefe. Der 3) glückte wurde in ein Krankenhaus aufgenommen., Durch de» Kitz eine» großen Hunde« wurde dem> boren, n der Badstraße wohnhaften Hausdiener Eduard P. die rcck Schriftstü Hand zerfleischt. P. wurde in einem Krankenhause unter» sei die 5 bracht. j hier abe Kerliuer Astilverei« für Obdachlose. Im verflössest theils ge Monat Juni er. nächtigten im Männerasyl 8827 Person» strafe vi davon badeten 1177 Personen, im Frauenasyl 1397 Person» mann su davon badeten 94 Personen. tn gutem Gesperrt für Fuhrwerke und Reiter find bis? nrcht vorl weiteres die Bellermannfiraße, von der Stettinersttaße �„ schließlich des Kreuzdammes mit derselben bis zur Berl» lvrechung Stettincr Eisenbahn, behufs der Ausführung von Kanalisatio» arbeiten, die Linienstraße, von der Prenzlauer- bis zur Nest Urkunden Königsstraße, behufs der Umpflastemng, die Rosenstraße, st"ner der Kaiser-Wilhelmstraße bis zur Neuen Friedrichsstraße, beb»'in?eI'.aCil der Äsvhaltirung, und die Gipsstraße, von der Rosenthalt sollte> straße bis zur Au.mststraße, behufs der Aspbaltirung. � au��L o Polizeibericht. Als am 4. d. M. Vormittags meb* muden�L Arbei'.er auf dem Grundstück Koppenstr. 15 damit beschäl» fangmtz z waren, einen Mühlenstein abzuladen, glitt der Stein ab, fiel dem Arbeiter Taube auf den rechten Fuß. Taube erlitt* 5,?». durch einen Knöchelbruch und mußte mittelst Droschke nach st u'llu. Krankcnhause im Friedttchshain gebracht werden.— Zu? S!}: selben Zeit wurde in der Köp nickerstraße ein 5 Jahre �.'e.gr"l Mädchen, obgleich es fich in Begleitung seiner Mutter befst �7.?- von einem Bierwagcn überfahren und am linken Arm bedeut» 2"%'»«u verletzt, so daß es mittelst Droschke nach dem Krankenhause■ tbanicn gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit fiel{$ Steinttäger Ziethe, als er aus dem Neubau Klosterstr. 40»""Sebonk bezogene zu wirken zur Verw Apotheker wisse Me und erlitt hierbei so schwere mncre Verletzungen, daß er ärztliche Anordnuna mittelst Droschke nach der Chatttee g, werden mußte.— Am Nachmittage desselben Tages stür 4 Jahre alter Knabe aus dem Fenster der im dritten Köslinerstr. 2 belegenen elterlichen Wohnung aus die herab und erlitt hierbei einen Arm und Schädelbruch, so er auf der Stelle verstarb. Gerichts-Ieituug. Gwe recht interessant« Keleibigungsklas- schaftigte gestern vre 98. Abtheilung des Schöffengerichts. Restaurateur Hirte null von dem Böttchergesellen Holtn"» durch die Bezeichnung als' /Spitzes" beleidigt°wöÄ«, fein< hatte dieserhalb die Klage beim Schöffengettcht anhängig�! macht. Den Sachverhalt schildett der Kläger solgenderma?' Eines Tages, im Februar dieses Jahres, waren Holtmann? eine Anzahl seiner Kollegen in einem Bierlokal anwesend, � fich dieselben theils beim Billardspiel, theils an den Bicrtu? fr»« 4»«!„ri 1 T„ V�4A sM. �.f__ v.____ trw n e.„um* Herbst vi ein Fräu nung. klagten e fich eines Haltung' Weymar die beidi dann, w verschloss Dame ei eingeschtt Beweisai der Star eine Nöi der Schs 50 M. Nöthigur Mißhant Gir laut unterhielten. Unter den Anwesenden befand fich audQ Leben eil Böttchergcselle Horn, welcher zur bettessenden Zeit bei)% Schultze der Polizei Dienste stsi woch vor Kollegen im Verdacht stand, oer Ponzei ajiemie zu j woch vor An beregtem Tage wurden nun dem H. Vorwürfe gemacht, verbände forderte ihn auf, fich bezüglich der Anschuldigung zu«Z3 tcrei betr und gebrauchte dabei einige Ausdrücke, welche keincsaA iun0en u schmeichelhafter'Natur waren. Holtmann soll bei dieser 0»% dennoch heit laut gesagt haben:„Horn ist der erste Spitzel und v. Hnnfp ÄSnTtmrttin htefc der zweite." Der Angeklagte Holtmann bestreitet diese „4,«»..rlituni; er habe nur in Gegenwart keiner Kollegen auf Horn ge- zeigt mit der Bemerkung: Erst hat er uns bei der Krankenkusse ' her Vtgeschädigt und nun fängt er auch noch so was an. Diese Aus- im- ffrarf 0« wird von 5 Zeugen bestätigt, welche sich sämmtlich in der n-rmit diGesellschaft befanden. Alle konstatiren, daß von Hute mit crmm iirfl''ner Silbe die Rede war. Von einigen Zeugen wird hervor- cr�ueboben, daß eine gewiffe Gegnerschaft zwischen Hirte und Holt- mit Ä-�nann bestehe, weil auf Betreiben des letzteren die Zahlstelle r-h r jfet Krankenkasse der Böttcher aus dem Lokal des Klägers ver- 'gt worden sei. Im Gegensatz zu den übrigen Zeugenaussagen and die Bekundung des Zeugen Horn, nach welcher Holtmann ie obige Beleidigung gegen Hirte ausgesprochen haben soll. Bei er Vereidigung nochmals vom Präfidenten ermahnt, Riebt om zu, daß er fich vielleicht geirrt haben könne. echtsanwalt Meyer, welcher als Rechtsbcistand des Klägers ngirte, versteigt fich zu der Behauptung, daß es fich hier um me sozialdemokratische(!) Geschichte handle. Holtmann sei Zorsttzender eines sozialdemokratischen(!!) Fachvereins und werde ls bervo: ragender sozialdemokratischer Redner ins Land -schickt, mithin sei eine derartige Aeußerung von m wohl möglich. Der Prästdent unterbricht den ge- lehrten Herrn Meyer mit dem Hinweis, daß seine Aus kutter öhlich Das Kii cchen en Fenfi iingluckl« tient sei ht hat. :isen w> s Teberi t vcrsal ltene H endemij rphrat ewand nur ein! >r ein wahrsl hes Fut�ühiungen doch wohl nicht zur Sache gehören, und richtet an „ den Kläger die Frage, ob er nach dem Ergebniß der VerHand- .°«lung seine Klage noch aufrecht erhalten will. Da derselbe fich , Arbeue Zurücknahme nicht entschliefen kann, zieht fich der Gerichts- er* itiEpf*ur Berathung zurück. Nach kurzer Frist verkündet der 'Ute aUNVorfitzj-nde den Beschluß, nach welchem Holtmann freizusprechen sorgung«und die Kosten des Verfahrens dem Kläger zur Last zu "mers"legen find. der Klei» Unter der Anklage de» Feilhalten» gefälschter -Iben Nahrungsmittel war gestern der Destillateur Frömberg vor das Schöffengericht, Abtheilung 88. geladen. Frömberg hatte Himbeerliqueur verkaust, den er selbst bereitete, indem er Him- ' eereffenz dem Kornschnaps zusetzte. Das Polizei-Präfidium ließ jcn Liqueur chemisch untersuchen, wnbei festgestellt wurde, daß in der Himbeereffenz kein Tropfen Himbeersaft enthalten, dasselbe .. vielmehr ein dem Himbeersaft an Geruch ähnelndes, chemi- sie Mutt« schxs Präparat sei. Frömberg ging hierauf eine amtliche Warnung Straße 0#u, durch die er mit Strafe bedroht wurde, falls er seinen Liqueur ach verga ferner unter dem Namen,, tzlmbcer" feil biete. Frömberg lehrte ge auf V fich aber nicht an diese Warnung, sondern hielt seinen Himbeer- . Mehn» L queur nach wie vor feil und ward nochmals abgefaßt. Im WohaZ Termin gab Frömberg zu, seine Mischung weiter verkauft zu ntraf, haben, denn er könne doch das liebe Gut, was nicht schädlich ngen» sei und er mit theurem Gelde herg-stellt habe, nicht weg- schütten: aber der Gerichtshof erkannte, daß es gar nicht darauf Am® ankomme, ob der Liqueur schädlich sei oder nicht, derselbe sei ' die W nicht das, wofür er ausgegeben worden, und dies sei strafbar; llhast, i% daher sei der Angeklagte zu einer Strafe von 15 M. verurtheilt klinke us morden. dst inj*" Da» Kedurfniff«ach Uerfchönerung d<« Teint» der Fi« war die Triebfeder zu einer Urkundenfälschung, über welche e zu 10 gestern die 2. Strafkammer unter dem Vorfitz des Landgerichts- lörthcit> yirektors Makomasky zu befinden hatte. Fräulein Bartsch, eine fit, da w modern gekleidete junge Tame, betritt die Anklagebank, wäh- >, wie oi-rend Herr Rechtsanwalt Kallmann am Vcrtheidigertische Platz ten, das!' nimmt. Der Angeklagten wurde vor einiger Zeit vom Dr. Po- Sckulo« sener ein Quantum Arsenik verordnet, welches ihr zu gering- es Man«? fügig erschien; deshalb vergrößerte fie die in Dezimalzahlen aus» m Schiitf gedruckte Ziffer und verschaffte fich auf Grund dieser Aenderung n entfell» eine größere Dosts von diesem Gift. Durch Zufall war die WerkstÄ Angeklagte in den Befitz eines unbeschriebenen Rezeptformulars zesucht u* gelangt und diesen Umstand machte fie fich zu nutze, indem fie afgefund« das leere Schema genau nach dem ersten Rezept ausfüllte und i ein CM dann den Namen Dr. Posener darunter setzte. Dem J Apotheker war aber die Handschrift des genannten Doktors Fehltrete« sehr bekannt und von ihm angestellte Recherchen brachten die og sich Fälschung bald ans Licht. Fräulein Bartsch giebt zu, die Wilhelme Aenderung des ersten Rezeptes vorgenommen und das zweite nnere 4 selbst geschrieben zu haben, ohne aber fich dabei einer Rechts- Irans poln Widrigkeit bewußt gewesen zu sein. Das Gift habe fie als , Mittel zur Konservirung für fich und eine Freundin benutzt. stern Zeuge Dr. Posener bemerkt, daß ärztlicherseits höchstens bis zu beiter Ä� 10 Gramm Arsenik verordnet werden; das von der Angeklagten l per Eh« bezogene Quantum von 20 Gramm sei wohl geeignet, unheilvoll freiliegerll zu wirken, doch komme es darauf an, wieviel auf einmal davon z K. stüll zur Verwendung gelange. Der Staatsanwalt weist auf die Oer Vewt Apothekenordnung vom Jahre 1801 hin; nach dieser dürfen ge- . wisse Medikamente, zu welchen insbesondere die giftigen ge >rde dein' kören, nur auf ärztliche Rezepte verabfolgt werden. Diese die teil Schriftstücke find zweifellos als Urkunden anzusehen und somit se unlckf sei die Angeklagte der Fälschung schuldig. Weil es fich i hier aber nicht um Verschaffung eines Vermögmsvor vcrfloffei« theils gehandelt habe, beantrage er nur eine Gefängniß- Person« strafe von 3 Tagen. Vertheidigcr Rechtsanwalt Kall- 7 Pcrsoi» mann sucht den Nachweis zu führen, daß die Angeklagte in gutem Glauben gehandelt habe; die Abficht zu fälschen sei id bis 0 nicht vorhanden gewesen. Die Täuschung könne nicht als er iftrase ed wiesen betrachtet werden und deshalb vcantrage er die Frei- tur Bell« sprechung. Der Gerichtshof erkannte nach längerer Berathung nalisatio« auf schuldig im Sinne der Anklage. Die Rezepte seien als ,ur Urkunden zu betrachten und der Apotheker dürfe nur auf Gmnd strabe o» einer solchen Urkunde gewisse Medikamente verabfolgen. Die aß- bcW Angeklagte habe zum Zwecke der Täuschung die Rezepte gefälscht; Hofentbal' es sollte den Anschein gewinnen, als ob dieselben vom Arzte ,' ausgeschrieben waren. Da die Fälschung aber in einem sehr Q-.w milden.Lichte erscheine, sei die Angeklagte mit 3 Tagen Ge- beschäst' fängniß zu bestrafen. ein ob w' ibe erlitt! ke nach 3 - Zu* Jahre � tter bef® in bedeu« mhause I eit fiel! str. 40« wollte,' i hoch hf baß tri V ffii«« Dame aus den sogenannten besseren Ständen, die Ehefrau des Rentiers Türpe, Louise, geb. Conradi, stand am Mittwoch unter der Antlage der Kö.'perverletzung und der Frei- heitsberaubung vor der vlcrten Strafkammer des Landgerichts> Die Verhandlung bot große Schwierigkeiten, da die Angeklagte ein höchst reizbares Temperament an den Tag legte. Es bedurfte längerer Ueberredung und energischen Befehls des Vorfitzenden, bevor die Beschuldigte zu bewegen war, jenen Play einzunehmen, wo alle Standesunterschiede aufhören— die Anklagebank. Frau Türpe ist Befitzcrin eines Hauses in der Stein- meystraße und scheint nach dem vorliegenden Falle in höchst brutaler Manier ihre Stellung als Vermiethcrin zu wahren. Im Herbst vorigenJahres micthete eine 76 jährige gebrechliche Dame, ein Fräulein Wcymar, bei der Angeklagten eine kleine Woh- "un0- Als fie am folgenden Tage wieder bei der Ange- klagten elschien, um den Kontrakt zu holen, hatte die letztere in 0 rZ.'L» T' UM den Kontrakt zu holen, hatte die letztere Ktlf besonnen und verweigerte rundweg die Jnne- > Haltung der lafis suvot eingegangenen Verpflichtung. Fräulein ich, so Weymar bestand ihrerseits auf Vollziehung des Kontrakts und i die beiden Damen geriethen in einen Wortwechsel. Es soll I dann, rote die Anklage behauptet, die Beschuldigte die Thür verschloffen und gemeinsam mit ihrem Ehemann auf die alte ., z Dame eingeschlagen haben.(.) Gegen den Ehemann hat nicht W***$ eingeschritten werden können, weil derselbe geisteskrank ist. Die r u�/ii Beweisaufnahme ergab die Schuld der Angeklagten, jedoch hielt i der Staatsanwalt nicht eine Frelhertsberaubung, sondern nur ■"feiit f eine Nöthigung für vorliegend, da fich nicht feststellen ließ, daß qhangig 5 ver Schlüssel umgedieht war. Er beantragte eine Geldstrafe von mdcrinw} 50 M Der Gerichtshof hielt die Freiheitsberaubung ohne iltmann. Nöthigung nicht für erwiesen, sondern erkannte nur wegen der wesend,� Mißhandlung auf 50 M. r Biert'I� Ein hext" es auch. So hatte er neulich bei einem Bauern Ostheimer in Haslach den„verhexten" Viehstall von den„bösen Geistern" gereinigt, wobei er folgendermaßen verfuhr: Er machte Feuer im Kuhstall, nahm zwei Elsenstangen, erglühte dieselben und goß Milch darüber, bedeutete dann dem Ostheimer, indem er dazu betete, daß die auf dem Eisen zurückgebliebene Milchhaut die Haut der„Hexe" sei und daß diese selbst bis auf jenes Ueberbleidsel nun glücklich verbrannt wäre. Der Spaß kostet dem Bauer 17 M.— und dem biederen„Hexenbezwinger" 3 Wochen Haft wegen groben Unfugs. Wird«»«in Todeanrtheil. Wiesbaden, 3. Juli. Eine Liebesgeschichte, welche zu dem Verbrechen des Kindesmordes führte, beschäftigte gestem und heute das hiefige Schwurgericht. Angeklagt war der Milchhändler Reinhard Heß aus Norden- stadt wegen Mordes und die Dienstmagd Henriette Becker von dort wegen Beihilfe zum Morde. Heß, der verheirathet ist und dessen Frau den Verhandlungen als Zeugin beiwohnte, ist eine in der hiesigen Stadt sehr bekannte Person, da er Jahre lang täglich zahlreichen hiesigen Familien Milch geliefert hat. Schon lange vor Beginn der Verhandlungen war das Gerichtsgebäude vom Publikum förmlich belagert, nach Verlesung des Eröffnungs- beschlusses wurde jedoch die Oeffentlichkeit der Verhandlungen ausgeschlossen. Die Geschworenen erkannten Heß schuldig, in der Nacht vom 14. zum 15. Februar d. I. zu Nordcnstadt das von der Angeklagten Henriette Becker geborene Kind vorsätzlich und mit Ueberleaung getödtet zu haben. die Angeklagte Becker wurde schuldig befunden, dem Heß bei jener That wissentlich Hilfe geleistet zu haben, und zwar als Mutter, deren uneheliches Kind vorsätzlich getödtet wurde. Die Frage nach mildernden Umständen wurde verneint. Heß wurde nach diesem Spruche der Geschworenen zum Tode, die Henriette Becker zu 4 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Soziales«nd Arbeit�vbewegnug. Aufruf a« alle Zimmerer und folidarifch grstuute« Arleeiter. Am Mittwoch, den 27. Juni, haben die Zimmerer in Brislau die Arbeit angestellt. Der Streik, welcher durch ein kleines Entgegenkommen der Meister hätte vermieden werden können, ist--ur Thatsache geworden. Hartnäckig verweigern die Heiren Jnnungsmeiiier jede Unterhandlung mit der von den Arbeitern in öffentlicher Versammlung p ewählten Lohnkommisfion und wollen nur mit dem„Gesellenausschuß" unterhandeln. Ein solcher«xistirt aber gar nicht, da derselbe fich aufgelöst hat, weil dcmsilben der Zutritt zu der Sitzung, in welcher die Ablehnung der Forderung der Gesellen beschloffcn wurde, verweigert war. Schon im November vorigen Jahres stellten die Zimmergesellen in Breslau an die Meister das Gesuch, ihnen zum Frühjahr ar statt 30 Pf. pro Stunde 35 Pf. bei ll stündiger Arbeitszeit zu zahlen. Tie Meister hielten es aber nicht ernmal nölhig, irgend welche Antwort zu geben. Jetzt haben die Gesellen ihre gewiß bescheidene Forderung wiederholt. Die Zahl der in Breslau arbeitenden Gesellen beträgt etwa l 2(0. Hiervon streiken 1000, wozu jedoch ncch täglich neue hinzu kommen. Bewilligt haben sofort 7 Nichtinnungsmeister, welche 35 Mann beschäftigen. Da nun von den angegebenen 1000 Mann 300 dem Verbände- deutscher Zimmerer angehören, und diese beschloffen haben, mit den übrigen 700 gemeinsame Kaffe zu führen, so appclliren wir an die Solidarität sämmt- licher Zimmerer und aller Arbeiter anderer Gewerbe um Unter- stützung unserer im Lohnkampfe befindlichen Breslauer Brüder. Wir hoffen, daß reichliche Unterstützungen einlaufen werden, und zwar derart, daß die kleine Forderung von 35 Pfennige bei 11 Stunden auf 40 Pf. bei 10 Stunden Arbeit erhöht und durchgeführt werden kann. Es bedenke ein Jeder die traurige Lage unserer Brüder im ganzen Osten Deutschlands. Helfe daher jeder nach seinen Kräften! Unterstützungen find zu senden an Anton Wiesner, Breslau, Feldstraße 26, 1 1., oder an H. M ü l l e r st e i n (Verbandskasfirer deutscher Zimmerer). Hamburg, Winterbuder- weg 28.— Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten.____ Kereine und Versammw«se». Der Fachvrrrin der Tischler h-elt seine letzte Versamm- lurg im„Louisenstädtischcn Konzerthause" ab. Auf der Tages- ordnung stand: Vortrag des Herrn Dr. phii. Wille über:„Die natürliche Grundlage der Moral". Der Vorfitzende forderte zu» nächst zum Abonnement auf die„Neue Tischler Zeitung" auf, und machte bekannt, daß Billets zur Dampferpartie nur in den Versammlungen den Mitgliedern gegen Vorzeigung des Quit» wngsbuchcs verabfolgt werden. Sodann erhielt Heir Dr. Wille dos Wort zu seinem Vortrage. Er zeigte zunächst an mehreren Beispielen, wie man fich ernen Begriff zu erklären habe. Die natürliche Grundlage der Moral sei das Gute. Gut aber sei alles, was dem Menschen wirklich(nicht scheinbar) angenehm und nützlich ist. Es körne jedoch manches für eine Anzahl Menschen gut sein, während es für eine andere Klasse das Gegen- theil ist. Wirklich gut sei nur das zu nennen, was zur Förde» rung des allgemeinen Wohles diene. Mitgefühl, Uebcrzeugungs- treue, Wahrheitsliebe find Tugenden, die in fich den Begriff des Guten verbinden. Auch die Toleranz sei eine Tugend, wenn auch eine derjenigen, die am wenigsten geübt werden. In- toleronz sei es aber, wenn die herrschenden Klaffen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die mächtige, durch das Proletariat gehende Bewegung nieder zu drücken suchen. An der Wahrheitsliebe und an der Uebcrzeugungstreue würden alle diese Machinationen abprallen und das Proletariat zum Siege gelangen, um in einer besseren G.seUschaft die natürliche Grundlage der Moral, das Gute, zur Wahrheit machen.— Nach Erledigung einiger Vcreinsanaeleaenheiten wurde die Ver- sammlung geschloffen. Die nächste Versammlung findet am 7. Juli in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28, statt. Mitglied des Vereins kann jeder in Berlin wohnhafte oder arbeitende Tischler werden. Der Vcreinsbeitrag beträgt monatlich 30 Pf. und gewährt hierfür der Verein seinen Mitgliedern: 1. Rechtsschutz in gewerblichen Streitigkeiten zwischen Arbeitgeb. r und ?>rbeitnchmer; 2. freie Benutzung einer reichhaltigen Bibliothek; 3. wissenschaftliche Vorträge in den Versammlungen; 4. Ad- Haltung von geselligen Vergnügungen. Tischler Berln�, bedenkt, daß der Einzelne machilos ist im Kampfe gegen vre Gegner der Arbeitersache, daß der Verein aber eine Macht bilden kann, wenn Ihr Euch Alle demselben anschließt. � v__ Mit der Lohnfrag- beschäftigte stchaml. d.M. unter Vorfitz des Herrn Lachs eine sehr stark besuchte öffentliche Töpfer- gesellenversammlung im„flönigstädt. Kasino". Nach wiederholten Arbeikscinstcllungen ist es den Töpfergescllen gelungen, Vre Arbeitsve, Hältnisse durch einen von der Meisterschaft anerkannten Lohntarif zu regeln. Ein solcher besteht seit mehreren Jakren und wird auch zur Zeit nach demselben gearbeitet. Jetzt indessen, da ein Stillstand in der Arbeit eingetreten ist, indem die Bau- arbeit zum größten Theile fertig ist, Arbeitskräfte aber überreich cm Platze find, zudem die bestandene Organisation durch Richter- spruch vernichtet ist, sollen die Meister beabfichtigen, Lohnabzüge zu machen bezw. die Tarifsätze zu verkürzen, und sollen die Meister bereits auch diesbezügliche Versammlungen abgehalten haben. Zweck der Gesellenversammlung war nun, hiergegen Stellung zu nehmen. Das Resultat der mehrstündigen Besprechung war die Fassung folgender Erklärung:„Die heute am 4. Julr 1383 im Saale des„Königsiädt. Kasino" tagende öffentlicheVersammlung der Töpfirgesellen Berlins und Umgegend erklärt: In Erwä- gung, daß die heutigen wirthschaftlichcn Verhältnisse eine Herab- setzung der Lohntarifsätze nicht gestattt n und daß zur Zeit Ge» rächte im Unilauf find, nach denen die Meister beabfichtigen, eine Herabsetzung der Lohrtarife eintreten zu lassen, mit allen gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln einem derartigen Vor- haben der Meister entgegenzutreten. Gleichzeitig erwartet die Versammlung, daß fich jeder Töpfergcselle für seine Arbeitsver- Hältnisse den vor zwei Jahren nach schweren Kämpfen errungenen Lohntarif zur Grundlage nimmt, die neunstündige Arbeitszeit mindestens inne hält und nach Möglichk.it dahin strebt, die im Lohntarif nicht vorgesehenen Arbeiten im Tagelohn anzufertigen." — Zur Uebcrwachung der gegenwärtigen gewerkschaftlichen Ver- Hältnisse und event. Einberufung neuer Versammlungen wurde als Vertrauensmann Herr Kosclecki, Perlebergcrstr. 13, Moabit, gewählt. Tin- Ltf-ntlichr V-rsammlnng der Lackir-r K-rlin» fand am 2. Juli unter Vorfitz des Herrn Rautenhaus in den „Armin-Hallen" statt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung, „Rückblick auf die letzte Streikbewegung der Lackirer", nahm Herr Rautenhaus das Wort. Derselbe führte aus, daß unter den Meistern schon in früheren Jahren das Bestreben zu Tage getreten sei, der gcaenseitigen Konkurrenz entgegen zu treten und das Gewerk zu heben; jedoch seien derartige Maßnahmen immer nur ein frommer Wunsch geblieben. Als nun in diesem Jahre die Gehilfen energisch vorgegangen find, um ihre Lage zu verbessern, habe die Innung gezeigt, daß dieselbe nur ihre eigenen Vortheile ins Auge faßte, an eine wirk» liehe Hebung des Gewerkes aber niemals denke. Die Lage der Gehilfen sei den Jnnungsschwärmern ganz gleich- giltig gewesen, denn sonst hätten ste die billigen und gerechten Forderungen, welche die Gehilfen gestellt haben, ohne fich zu sträuben, anerkannt, da doch dre Nichtinnungsmlister, ohne fich lange zu befinnen, die Forderungen anerkannt hätten. Durch das Vorgehen der Gehilfen sei das ersteuliche Resuttat zu ver» zeichnen, daß die tägliche Arbeitszett von 11 Stunden auf 10 Stunden herabgesetzt und auch der Lohn in den meisten Werk- stellen erhöht worden ist. Es sei nun Pflicht aller Kollegen, durch größte Einigkeit und festes Zusammenhalten das, was nach schwerem, öwöchigem Kampfe errungen worden ist, auch fest- zuhalten. Keiner solle fich etwa in Hinblick auf eine flauere Geschäftszeit bethören und fich die errungenen Vortheile wieder entreißen lassen. Bei den Verhandlungen der Lohnkommisfion mrt den Meistem sei von Seiten der Jnnungsmeister geäußert worden, daß fie einem„Ausgelernten" doch nicht gleich den als Minimallohn aufgestellten Lohn zahlen könnten, in- dem derselbe doch diesen Lohn noch nicht verdiene. Herr Rauten haus sprach sein Bedauem darüber aus, daß die Herren Jnnungsmeister nicht im Stande wären, den Lehrlingen in ihrer Lehrzeit soviel beizubringen, daß dieselben nach Beendigung derselben auf den Minimallohn Anspruch er- heben könnten. Das käme aber daher, weil die Lehrlinge während der Lehrzeit zu allen möglichen Arbeiten verwendet würden, nur nicht dazu, um etwas Tüchtiges zu lernen. Nach beendeter Lehrzeit würden fie in dem Kampf für ihre persön- liche Existenz zu Lohndrückern. Derartigen Mißständen entgegenzutreten sei Pflicht eines jeden aufgeklärten Kollegen. Um aber eine wirksame Abhilfe zu schaffen, sei ein einiges Zu- sammenhalten dringend nöthig.— Die hierauf verlesene Ab- rrchnung vom Streik ergab eine Einnahme von 1799,05 M. und eine Ausgabe von 1595,25 M. Mitbin verbleibt Bestand 203,80 M. Der Vorfitzr nde sprach allen Gewerkschaften und Ardeitern Deutschlands, welche durch ihre schnelle und thatkräftige Hilfe die Lackirer in ihrem schwierigen Kampfe unterstützt haben, seinen Dank aus. Hierauf wurden die Herren Jacob, Arndt und Pilz zu Revisoren gewählt. Den streikenden Webern in Neu- münster wurden 30 Mark von dem oben genannten Ueberschuß einstimmig bewilligt. Ferner wurde beschlossen, die Kommisfion jetzt nur aus 5 Personen bt sieben zu lassen, da fich zwei Mit- glieder derselben durch Säumigkeit das Vertrauen der Kollegen verscherzt haben. K-ank-n- und K-gräb«isskafl- für di- im K-rlin«r VL-tl-r- und Kronz-ur- Gew-rde b-schaftigt-u per- sor-n iE. H. 60). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Nachtrag:> zum Statut:„Vierwöchentlich einen Extra- Beittag von 10 Pf. zu erheben", behördlichersetts genehmigt worden und seit Montag, den 11. Juni, in Kraft getreten ist. Das dies- jährige Sommerfest der Kaffe findet am Montag, den 16. Juli, in der Berliner Unior.sbrauerei statt. D-r Fachv-r-w d-r Kchlofl-r nud K-rnfsgenofl-n bält seine nächste Versammlung am Sonnabend, den 7. Juli, Abends 8t Uhr, bei Seefeld, Grenadierstraße. ad, mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Tr. Wille über dos Thema: „Was ist gut?" 2. Diskiisfion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes und Fragekasten. V-r-in zur Mah-nng d-r Int-r-sf-« d-r K-rtin-r Dackd.-ck-r. Sonntag, den 8. d. M, Versammlung Kleine Markusstraße 10. Tagesordnung: 1. Abrechnung von zweiten Ouartal 18b8. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. D-r N-r-i« d-r parqu-tbod-nl-g-r K-rlin» veran- staltet seine diesjährige Landpartie am 16. Juli nach Schild- Horn, und find Billets bei den Herren Simund, Fürstenstr. 9, Merkel, Zoffencrsttaße 33, Schmitz, Höchstestraße 22, Lundehn, Alvenslebenstraße 17, Ehlers, Admiralstraße 38, und Schubert, Hollmannstraße 14, zu haben. Die letzte Billetausgabe findet am 11. Juli, Atcnds, bei Schubert statt. Fachver-in d-r M-tallarb-it-r in Gas-, Wasser- und Damp'armaturen. Sonnabend, den 7. d. M., Abends 8 j llljr, bei Hcidrich, Beutbstr. 22, l, Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: 1. Wahl des gesammten Vorstandes. 2. Ausgabe der Billets zu dem am 21. d. M. stattfindenden Stiftungsfeste. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufge- nommen. Allgemein- Kranken- nnd St«rbrkass- d-r Metall- ardriter.(E. H. 29, Hamb rg.) Die Flliale Berlin 4 hält am Sonnabend, den 7. Juli, eine Versammlung Andreas- straße 21 bei Keller ab. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl eines Bevollmächtigten und Revisors, und 3. Ver- schiedenes. Gesank-.�Tnrn- und gesellige U-r-in- am Freitag. Kaiser'scher Männ«ycsangyer in Abends 9 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28.— Gesangverein„Pausebcutel" Abends 8 Uhr im Restaurant.Hensel, Alerandrinenstt. 16.-„Liedertafel der Maler Berlins" Abends 8) Uhr im Restaurant Klein, Brand» nburgstr. 60.— Gesangverein„Alpenglühen" Abends 9 Uhr im Restaurant Prinz, Böckhstraße 4 t.— Gesangverein„Flöter'sches Doppel-Quartett'Abends 9 Uhr imRcstaurant Musehold, Landsbergcrstt. 31.— Gesangverein„Bruderbund" Abends 9 Uhr im Restaurant Schmidt, Manteuffelstr.71.— Gesangverein„Norddeutsche Schleife" Abends 9 Uhr Köpenicker- str. 127a im Restaurant Goelling.— Gesangverein„Offian" Abends 9 Uhr Dcesdenerstr. 85 bei Gustavus.— Huppert'sche Sänger- Vereinigung„Harmonie" Abends 9 Uhr bei Rieft, Weber- straße 17.— Berliner Turngenoffenschaft(V. Männcrabthei- lung) Abends 8'A Uhr in der städtischen Turnhalle, Wassetthorstr.31.— Turnverein„Hasenhaide"(Männerabthellung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstt. 60 61.— Turnverein„Froh und :bi"(Männerabthellung) Abends 8t Uhr Bcrgstt. 57.— iissenschastlichcr Verein für Roller'sche Stenographie. Abends 8 Uhr im Restaurant Ziethen, Torotheensir. 31, Unterricht und Uebungsstunde.—„Allgemeiner Arends'scher Stcnographen- verein, Abtheilung„Vorwärts", Abends 8* Uhr im Restaurant Koll, Mariannenplatz 11.— Arends'scher Stenographenverein „Apollobund" Abends 9 Uhr im Restaurant, Seydelstr. 30.— Verein ehemaliger Dr. Doebbelin'scher Schüler" Abends 9 Uhr im Restaurant Krebs, Friedrichstr. 208.— Voigt'schcr Dilet- tanten-Orchcsterverein. Abends 3< Uhr Uebungsstunde im Rc» staurant Lehmann, Alerandrinenstt. 32.— Zitbervercin„Alpenveilchen" Abends 8% Uhr im Restaurant„Wahlstat?', Belle» alliancesttaße 89.— Rauchklub„Westend" Abends 9 Uhr im Hohenzollerngarten, Steglitzerstt. 27.— Rauchklub„Weichselblatt" Abends 8» Uhr im Restaurant, Skalitzerstt. 147a. Kleine Mittheilungen. «taubem, 3. Juli.(Der falsche Polizist.) Wie nach dem Graudenzer„G.selligen" verlautet, ist in einer der letzten Nächte ein schweres Vcrdiechen in der Postagentur zu Kleinkrug bei Graudenz geplant worden. Etwa um 2 Uhr Nacbts wurde der Postagent und Krüger W. daselbst durch heftiges Anklopfen an die Laden und den Ruf:„Im Namen des Gesetzes" a. weckt. Zwei Personen verlangten Eintritt; der eine trug die Uniform eines Polizisten und ernen Degen und übergab ein Schriftstück, angeblich am 28. Juni er. vom ersten Staatsanwalt Klingel- höffer in Graudenz vollzogen, wonach der Postagent sofflrt zu verdaftcn sei, well seine Krugwirtbschaft als der Herd einer Falschmünzers erkannt worden. Der Uedcrdringer war zugleich beauftragt, wegen des Schutzes vorhandener Poststücke und Gelder das Nölhige zu veranlassen. Ein in der Tasche desselben be- findliches Terzerol ließ darauf schließen, daß er fich vorbereitet hatte, Gewalt anzuwenden, wenn solche nöthig. Die Verhaftung ging auch vor fich, aber was etwa sonst noch geplant war, mußte unterbleiben, weil glücklicherweise ein Forstausseher und ein Forst» eleve ebenfalls im Kruge wohnen und diese ron der Ehefrau des W. herbeigeholt wurden. D den Vertreter desselben gesagt, daß er alles so» wie möglich besorgen wolle. Dies war am 27. Juni. An i selben Tage wurde meine Frau entbunden. Also, die krank, das älteste Kind nicht gesund, und das zweite krank und rch muß den Tag über zur Arbeit. Ich also am Montaa den 3. Juli, zu Herm Dr. Voigt, um die! möglichst zu beschleunigen, sweil das Kind ein paar Tage i keine Nahrung zu fich genommen hatte. Außerdem wollt auch den Herrn Arzt für die einmalige Behandlung» Kindes.dezahlen. Nun wird wohl jeder Leser denken, das Arzt mir mit Wohlwollen oder wenigstens mit Ansuin« gegen gekommen sei. Aber es kam anders. Ich hatte i meinen Namen genannt und des Kindes er» als der Herr Doktor von seinem Sitz et schnellte, mich erst einige Sekunden ansah und mir dank gende„Schmeicheleien" an den Kopf warf:„Sie arbeitssi Bummler, Sie fauler Kcpf! Sie wollen Armen» stuyung haben? Sie Lump Sie, heirathen Sie nicht und setzen Sie keine Kinder in die Welt u. s.« Auf meine Einwendungen, daß ich Armenunterstützung in I Weise beanspruchen wolle, und daß er fich die Sache dock m Ruhe erklären lassen möge, hötte der„humane" Artf von Rixdorf gar nicht, sondern ließ mich nicht»urt™ kommen. Er beschimpfte mich in einem fort mit lack Stimme. Schließlich wurde ich dann im ick Sinne des Wottes zur Thür hinaus geworfen. Ich gin» zum Gemeindeamt, erzählte dort den Sachverhalt und bck einen andern Arzt. Dort wurde mir gesagt:„Herr Dr. Voick uns geschri den, das Kind leidet an Brechdurchfall und brauche! ins Krankenhaus, er habe dasselbe in Behandlung genom» — Auf.meine Erklärung, daß letzteres unwahr sei und deck; wohl überhaupt nicht an Brechdurchfall leide, wurde mtt erivl „Das ist unser Armenarzt, wir können dazu nichts mach«» müssen Sie den Besä weidcweg beschreiten." Nun kann stä jeder Leser mein Gefühl vorstellen. Da ich noch nie in w» Leben und in keiner Weise eine Armenunterslützung erb habe, und auch ein unbescholtener Mann bin, mit dei» wußisein, meine Familie ehrlich ernährt zu haben. Jade» nun die Beurtheilung dieses„humanen" Armenarztes Rixdorf einem jeden überlasse, schließe ich und bin dereil Wahrheit meiner Angaben jederzeit zu beweisen. Paul« mann, Tischler, Kottbuserdamm 66, n. Telegraphischr Depesche« (W-lff's TelcgraphemBurcau.) � Lripzig, 5. Juli. Tie Plaidoyers im Landesvtf? Prozeß fanden heute unter Ausschluß der Oeffenllichke't dem Vernehmen irack, well die Veriyeidiger erklärt hatte», fie auf das fettete Material eingehen neüsse« zM Galli beantragte: Tä Gegen Dietz 14 Jahre, gegen Frau Dietz 7 JaBL gegen Appel 8 Jahre Zuchtbaus; außerdem bei mitn y klagten auch Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Die Urtheilsverkündigung ist auf nächsten Montag r 12 Übt anberaumt., Küttst, 5. Juli. Bei der Landtagsersatzwahl wurde B» meister Dr. Schuh in Erlangen(frerstnnig) mit 108 Sick gegen Eoora(Demokrat), dessen Wabl bekanntlich für uck erklärt worden war, gewählt. Auf Eoora fielen 94 Stick Kriefkasten der Redaktion. Bei«nsragen ditten wir di« zlbonn«m«nt»-Ollittung beizufügen. W» Antwort wird nicht er th eilt. K. T-mp-lh-rt-nsttaß-. Das Jnnungs-Schieds? befindet fich Neue Friedrichstr. 16. Der Obermeister der De innung, Brandes, wohnt Sebastianstr. 4. A. R- 124. Der Mann ist nicht zur Zahlung ver# wohl aber die Frau. Markthallen-K-rtcht von I. Hand«an«, stick wkaufsvermittler. Berlin, den 5. Juli 1888. Wild. Rehböcke Ja. 75-80, IIa.--, mfiit» Dammwild 40—60, männliches Rothwild 35— 50, Schmeck 30-50 Pf. pr. Pfd., Kaninchen 40 Pf. per Stück. Will 60—1,25, Seenten 40. b. muß feist, gut geschossen, mit! letzten Keulen, Filets und Rücken und blutfrisch sein.? auktion täglich um 10 Uhr Vormittags und 6ß Uhr mittags. J Fleisch. Rindfleisch 25-35-57, Kalbfleisch 32-4J Hammel 36—45- 50, Schweinefleisch 30—40 Pf. pro Lebendes Vieh wird zum Schlachten und zum Verke Fleisches angenommen. Schinken geräuchert mit Kno bis 80. Svcck g. 45—55 Pt pr. Pfund. Geflügel, lebend. Gänse 2,35- 3,50 M., Enten, 1,50 M., junge Hühner 0,50- 0,80, alt- Hühnet bis 1,50, Küken 20-40, Tauben 30-40 Pf. pr. Stück-i Geflügel, fett, geschlachtet. Fette Gänse 40-50- Fette Enten 50—60—70 Pf. pr. Pfd., Tauben 30—4 Hühner 0,50—1,00— 1,50, Küken 30— 40 pr. Stet. Butter.(Reine Naturdutter.) 1. Feinste haltbarrahm-Tafelbutter(bekannte Marken) 88—95 M., 2., schmeckende Tafelbutter 80—88 M., 3. Tischbutter' 80 M.. 4. feinste Koch- und Backbutter 65-70 M., 5. Kock Backbutter 55—65 M. vr. Ztr. Auftion täglich um' Vormittags. i Eier 1,70—2,10—2,15 M. netto ohne Abzug p- Kalkeier— M. pr. Schock. 1 Käse. Jmportirter Emmenthaler la 84—87, Jnläck Schweizer 54— 65, Quadrat-Backstein 6—10—19/. burger 16—18—30, Rheinischer Holländer Käse 55— 60-i pr. Ztr., Edamer 58—68, Harzer—2,65 M. 0% Dtsche. Camembert— M. vr. Dtz. Ncufchatel—./st Stück. Stcinbuschkäse(ff. Sahnenfettkäse) pr. Kiste, 40 ä Ii Pfd. schwer. 32 M. Probekisten 24 M. Obst und Gemüse. Neue weißfleischige Speisekartoffe� ist, 12,00 ll. 7,00-8,00 M., Zwiebeln 3,00-% Gmken 25-35 M. pr. 100 Stck., pr. Ztr. 5 M% 15-40 M. pr. Ztr., Kirschen 8-12,50 Dt., Johannisbeg bis 20 M. Stachelbeeren 10-15 M. pr. Ztr.#%%% bis 13 M. pr. 50 Ltr. Schoten 2,50—3,00 M. pr. 50. Feldfrüchte in Wagenladungen. Gutkochende, J| weißfleischige Speisekartoneln:a. 300—350, Ha. 250-8 Hafer 1200-1400 M.. Erbsen 1700 bis 3000 Dt,«fä bis 1800 M.. Richtstroh 450-550 M.. Heu 600 bis � sei 10000 Kilo. Verantwortlicher Redafteur:*» in Berlin. Druck und Verlag von ffcnr in Berlin SW., B-uthttraße 3