anbrt lebt« luibto Do4 A ; SoM 'SÄi 191. DonnerKag, de« 16. A«g«st 1888. S. Jahrg. erliiertltstM Organ für die Interessen der Arbeiter. Da» täglich Morgeai tnerteljäfcdid) Einzelne? (Eingetragen „Oerliner Volksblatt" nach Sonn« und Frfttaaen. Wonnementiprei» für Berlin frei monatlich 1,35 Marl, wöchentlich 85 Pf. Postabonnement 5 Pf. SonntcgS-Nummer mit dem„SonntagS-Blatt" 10 Pf. in der Postteitungs Preisliste für 1888 unter Nr. 849.) Insertion» Betüjeile oder deren _. gebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 26 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden biS 4 Uhr Nachmittag» m der Expedition, Berlin SW� Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux,»hö« Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. vor S| eundw »r di« '"&H Mai alte . Der Orduungsbrei � wieder zum Vorschein. Wir haben unseren Lesern Einladung mitgetheilt, welche die„Nordd. Allg. � an den Freisinn gerichtet hat, einen gemeinsamen a'öa'en zu suchen, der lein Parteimann sein soll und ein sich ostg Stimmen der„Ordnungsparteien" ver- tonnten, um so den Sieg de«+f+ Sozialdemokraten Il��gen 6. Wahlkreis zu verhindern. Der Freisinn hat .�Uinuthung verschämt abgelehnt, was insofern immer- »en Fortschritt bedeutet, als es vor ca. 10 Jahren v oee Freisinn— damals Fortschritt— selbst gewesen bte Phrase von der Ordnunqspartei erfand und mit > Soiu�rselben die bei den Wahlen 1877 von den 0'ra>en Kreits arg bedrohten fortschrittlichen Mandate Städte noch zu behaupten hoffte. In der Praxis dl�nungSparteiliche Humbug freilich gerade den Fort- J** resp. dem Freisinn sehr schlecht bekommen. Die ly. t>ar großen Städte gingen dem Freisinn, ttotz �netivilligen Kastrirung doch verloren, und wo diese auf dem Lande Mandate hatte, da verlor sie sie an die Partei, welche sie hauptsächlich selbst mit ««den hat rufen helfen, nämlich an die„OrdnungS. ', J".'uräer Seit sich dahin entwickelte, im n selbst den zu bekämpfenden Gegner zu erblicken. deshalb heute die Führer der deutfchfreisinnigen , von der Ordnungspartci nichts mehr hören wollen, d jj«n sie ihre guten Gründe dazu. Dieser Wechselbalg, 'ot zehn Jahren selbst haben mit schassen helfen, �1!«« sie sich zur Ueberwindung der Sozialdemokratie Srojen Städten und Jndustriebezirken bedienen zu klaubten, er ist nur seinen eigenen Vätern gefährlich . und der Fortschritts- resp. deutschfreisinnigen JPttt Zj? wohl manch' bittere Erfahrung der letzten Jahre ' klagen, wenn sie eS vor 10 Jahren unterlassen JjL �rdnungsbrei einzurühren. r«®« eS aber erklärlich finden, daß die Herren i. Comp, im Ordnungspartcispielen ein Haar ge- i?* tn~ waS allerdings nicht ausschließt, daß die 7* �bilister, wenn ihnen der rolhe Lappen vorge- w kr' doch gelegentlich wieder den Ordnungsparteilern miriJch* helfen— so muß anderseits wirklich die, -».ungenirtheit imponiren, mit der es die„Nordd. Ar,.'0 brachte, überhaupt ihre Einladung an die tzj, Innigen zu richten. 'ok."ad von dem Organe des Herrn Pindter ja manches te!sad wir hätten nicht geglaubt, daß unS von dieser ' die n e'nt Üeberraschung werden könnte, aber als >»��?ladung an den Freisinn lasen, sich mit Pindter zur Eroberung dcS G. Wahlkreises zu ver» da waren wir doch ü ft#* JeuMeton. [62 KÄ""»".."" 1 hm Jt- weiß "�dtt, I#*./!-�«i» 5, ich Sie lieber Mos rufen?" g.''' besser, Sie holen mich ab." ' w�n Fräulein. Ich bitte nie, was geschehen kann, in lenschen... Wenn eS Ihnen voran,... Sie können ja * warirn, nw wir jetzt sind. Sobald ich at... �be. hole ich Sie." Ae." �0ie Therese nach kurzem Nachdenken. böse SA Sie um VerHaben hier Uni» dann werde ich auch nicht lange So etwas hielten wir selbst in der„Nordd. Allg. Ztg." für unmöglich! Vergeht doch kaum eine Woche, in der der Freisinn nicht in der gehässigsten Weise in den Spalten der„Nordd. Allgem." angegriffen wird und die Behauptung, daß Eugen Richter einer der gefährlichsten Feinde des neu gegründeten Reiches ist, ist unS schon hundert und aberhundert Mal auf dem Thcile de« Pindter'schen Papier« begegnet, welcher gelegentlich auch anderen Personen als den Redakteuren des offiziösen BlatteS zur Verfügung steht. Und nun mit einem Male sehen wir Herrn Pindter mtt weit ausgespreizten Armen vor dem freisinnigen Lager stehen, bereit, den „großmäuligen Eugen", wie die Offiziösen Herrn Richter schon so oft betitelt haben, ans ordnungsparteiliche Herz zu drücken. Ein Anblick für Götter, besonders wenn man die für einen ZeitungSmenfchen sehr nützliche Gewohnheit hat, be- sonders markante Aeußerungen, die die Herren von der O.d» nungSpartei über einander gelegentlich zum Besten geben, sich aufzubewahren, und wenn man nun vergleicht, was z. B. ge- rade die„Nordd." schon über denselben Freisinn geschrieben hat, den sie heute einladet, im Kampfe mit allen„bürgerlichen Elementen" den 6. Wahlkreis wieder für einen„OrdnungS- mann" zu werben. Wir müßten Bände füllen, wenn wir alles wiederholen wollten, wa« Herr Pindter schon über den Freisinn an Schlechtigkeiten zu erzählen wußte, wir wollen un« deshalb nur mit einem Zitat begnügen, und zwar wollen wir das- selbe aus der Zeit der letzten Wahlkämpfe wählen. Drei Tage vor der ReichStagSwahl im vorigen Jahre stand in der„Nordd. Allg." zu lesen: „Die freisinnige Partei fährt fort, mW et ordl vorzulügen, daß Europa im tiefsten Frieden lebe, und daß alle gegentheiligen Behauptungen nur ein Manöver seien, um die armen Wähler einzu- schüchtern und für da« Septennat günstig zu stimmen. Zum Beweise dafür beruft man sich neuerdings auf eine Aeußerung, die der Kriegsminister bei der Ein- bringung der Gcsctzesvorlage über die FriedenSprä- senzstärke gemacht hat... Die Thatsache, daß der Freisinn sich mit Fragen der äußeren Politik beschäf- tigt, beweist einen erstaunlichen Grad von Drei- sti gleit; eS fehlt den Herren Richter und Gen. jede Vorbedingung dafür. Ueber jene Fragen ein Urtheil zu gewinnen, erfordert einer ganz andern Bildung, als diejenige ist, über welche ein penny linen(Zeilenschreibcr) verfügt. Dann aber ist ihnen auch infolge ihrer sozialen Stellung jedes Mittel zur Information verschlossen. Sie schöpfen ihre ganze Weisheit aus einigen Pariser Blättern, und die „Gehen Sie nur, ich sagte eS Ihnen schon. Ich habe keine Furcht und werde hier stehen ble,ben." Liebesapfel gehorchte. Er konnte nicht anders, denn sonst hätte er den Verdacht deS jungen Biädchen« geweckt. Auch war eS ihm ganz angenehm, sich mit Immergrün erst noch einmal zu bereden, bevor er ihm Fräulein Valdieu auslieferte. Liebesapfel war neugierig und er wollte sehen, worin die Vorbereitungen zu diesem nächtlichen Werk bestanden, von dem ihm sein Meister nur sehr oberflächlich Mittheilung gemacht hatte. Der Gedanke kam hm nicht in den Sinn, die That zu verhindern, aber er hatte sich für das Opfer doch schließlich zu interessiren begonnen, und außerdem konnte er vielleicht später auS dem, was er jetzt sah, Nutzen ziehen. Mit leisen Schritten ging er vorwärts. Theresen hinter sich zurücklassend, und kaum war er um die Straßenecke herum, so fiel er Immergrün in die Arme, der leise zu ihm sagte: „Nun, wo ist die Kleme? „Im letzten Augenblick bekam sie„Manschetten"; sie steht aber nur fünfzehn Schritte von hier entfernt. Sie hat mich weggeschickt, ich soll sehen, ob der lange Blondin da ist. Ich soll wieder zurückkommen und ihr sagen, ob er auf sie wartet. In drei Minuten haben Sie sie hier. Worin wollen Sie sie denn fortschaffen?" „In einer Droschke, die am anderen Ende der Straße „Und wo ist Pelikan?" Siehst Du ihn denn nicht! Er sitzt ja dort drüben auf einem Prellstein. Wir zwei sind genug für d.e Sache, und Du würdest unS nur stören, �uhr die Kleine Heer- her. und sobald ich Hand an sie lege, mach Dich davon. ohne Dich umzudrehen und Dich um das weitere zu kümmern.".... „Ist mir lieb, Herr Immergrün denn Sie können mir glauben, es ist mir unangenehm, daran zu denken, daß die Kleine jetzt eine böse Viertelstunde verleben soll. Redakteure derselben sind klug genug, die Gelegenhei zu benutzen und die politische Beschränktheit ihrer freisinnigen Kollegen in Deutschland nach Be- lieben zu fruktifizireo, d. h. ihnen diejenigen Lügen aufzubinden, die sie für nützlich halten. Kurzum, der Freisinn soll jeder auswärtigen Frage gegenüber einfach und bescheiden erklären: uoi» liquet, Anders macht er sich lächerlich. Die Art und Weise, wie die Freisinnigen ihr Urtheil über die politische Lage Europas begründen, rst aber noch mehr perfide als lächerlich. Sie berufen sich auf eine Aeußerung, die der Kriegsminister bei Einbringung der Vorlage gemacht hat. Damals hatte der politische Himmel ein ganz anderes AuS« sehen. Aber inzwischen hat er sich mtt Wolken bc» deckt, und zwar lediglich infolge deS Ver» halten« der Oppositionsparteien. Die vaterlandslose Gesinnung, die stch in demselben aussprach, erweckte jenseits der Vogefen die Ueberzcugung, das Deutsche Reich sei in sich uneinig und schwach, der Moment sei gekommen, um über dasselbe herzufallen. Also— die Worte deS Kriegs« Ministers waren damals, als sie gesprochen wurden, ganz zutreffend. Aber Herr von Bronsart wird sie schwerlich heute wiederholen, denn in» zwischen haben die Oppositionsparteien— dar» über können sie sich selbst doch nicht im Unklaren sein— die Kriegsgefahr herauf» beschworen; dieselbe wird nur dann verschwinden, wenn Frankreich sieht, daß da« deutsche Volk sich nicht durch vaterlandslose Polittker leiten läßt, d. h. wenn eine Majorität in den Reichstag gelangt, die entschlossen ist, da« Reich gegen den Feind zu schützen?" Schwerere Vorwürfe als sie hier die„Nordd. Allg. Ztg." gegen den Freisinn erhoben hat, lassen sich wohl überhaupt nicht mehr erheben. Mit nackten, dürren Worten wurden die Führer der freisinnigen Partei der Förderung französi- scher Interessen, also des Landesverraths geziehen. Und das geschah in einem Moment, wo die Frage, ob Krieg ob Frieden, nach offiziöser Darstellung an einem Zwirnsfaden hing und der Befehl zum Maischiren alle Augenblicke ge» geben werden konnte. Und Diese„vaterlandslose" und „landeSverrätherische Partei" ladet heute die„Nordd. Allg. Zettung" wieder ein, sich dem Bunde der„bürgerlichen Elemente anzuschließen und im Vereine mit Liebermann von Sonnenberg, Stöcker, Pindter und den nationalliberale« Gentlemännern den Sozialdemokraten zu bekämpfen. Bis zu welcher Stufe polttischer Charakterlosigkeit muß man heruntergesunken sein, um eine solche Einladung er» gehen lassen zz» können? „Ist nicht so schlimm, wie Du vermuthest. Hol' sie nur, mein Junge." Liebesapfel beruhigte sich dabei. Solch' zarte An- Wandlungen waren bei ihm nie von langer Dauer, und der Befehl, den er soeben erhalten, beruhigte sei» Gc- wissen. „Ich drücke mich," dachte er und rieb sich Me Hände. „Mögen sie machen, was sie wollen. Ich bin nicht dabei. Ich geh' nach dem„Kl>mm-Bimm" zurück." Er fand Therese dort, wo er sie verlassen hatte, und daS Interesse, das er für sie empfand, hinderte ihn weiter nicht, ihr vorzulügen, der Baron erwarte sie. DaS junge Mädchen ftagte nicht weiter, und sie machten sich nach der Rue Corvisart auf den Weg. Der Boulevard lag noch immer einsam, aber man hörte daS entfernte Rollen eines Wagens, der aus der Richtung des D'Enfer-Platze« kam. „Immergrün mag sich beeilen," dachte LiebeSapfek. „Wenn die Kleine schreit, so kann es der Kutscher de« Wagens, der hier vorbeikommen muß, leicht hören, und wenn er ihr zu Hilfe kommt, dann wird die Verpackung gestört... Ich wundere mich nur, daß unser Herr nicht daran gedacht hat. Mir ist eS schließlich egal. Ich Hab' gethan, waS ich thun sollte, und daS Uebrige geht mich nichts an." Vor der Ecke blieb er stehen und sagte zu Theresen: „Wo soll ich mich aufhalten, Fräulein, während Sie mtt Herrn von Elven sprechen? Nicht zu nahe, nicht wahr?" „Weder zu weit noch zu nahe," erwiderte lebhast das junge Mädchen.„Ich kann Ihrer bedürfen und außerdem müssen Sie mich dann sofort wieder nach HauS bringen." „Dann werde ich dort an jenem dicken Baume warten, und wenn ich gebraucht werde, so brauchen Sie nur„Hugo" zu rufen. DaS ist mein Vorname. Aber wir verlieren hier Zeit, und Herr von Elven wttd un- geduldig." Wie zweifelhaft aber muß auch der Ruf desjenigen sein, bei dem man eS wagen darf, eine solche Einladung mit Aussicht auf Erfolg an ihn zu richten? Und hier liegt allerdings der wunde Punkt für den Freisinn. Die„Nordd. Allg. Ztg." durste ihrer Menschenverachtung, die sich in ihrer Einladung ausspricht, die Zügel schießen lassen, denn sie wußte eben, sie hatte nur— Freisinnige vor sich. Jene Freisinnigen, welche 14 Tage, nachdem die vor- stehend wiedergegebene, infame Verleumdung— die übrigens nur eine unter de« tausend anderen gleichartigen und schlimmeren war— in der„Norddeutschen" stand und die Runde durch die Kartellpresse machte, in Königsberg, Maade« bürg, Hamburg und Breslau und an anderen Orten ihren Verleumdern und Verräthern den Wahlsieg apportirten! Daß die„Nordd. Allg. Ztg." die Einladung schreiben konnte, ist bezeichnend für den Grad politischer Korruption, die in den sogenannten Kartellparteien herrscht; daß aber die deutsch- freisinnige Partei sich sagen muß, sie habe diese Einladung verdient, deweist, daß sie ihrer bürgerlichen Gegner würdig ist. Sie schlagen sich eben und vertragen sich wieder. Stroas üter„iüeifcfd" berichtet das„Norddeutsche Volksblatt" aus Bremen. Der Schutzmann Haake besuchte eines Sonntags in Zivil eine Schenke und traf dort die beiden Zigarrenarbeiter K n ö p f e l und Wagner, welche mit Sammellisten für die Streikenden der Bremer Jutespinnerei versehen waren. Er ließ sich mit den Genannten in ein Gespräch ein und stellte sich sckließlich als Fuhrmann vor, worauf ihm Knöpfel mit dem Bemerken:„Wenn er sich für die Sache interesfire, so könne er auch etwas zeichnen", einen Sammelbozen präsentirte. Haake lehnte jedoch die Aufforderung mit dem Hinweis ab, daß Knöp fel und Genossen auchnichtsfür die Fuhrleute thäten. Bald verschwand Haake, um nach kurzer Zctt zurückzukehren und Knöpfel nebst Wagner nach dem Polizeidureau zu führen. Hier angekommen, wurde das ge- sammelte Geld, zirka 5 M.. beschlagnahmt und die beiden Misseihäter später von der Polizeidirektion zu drei Tagen Haft wegen Belteins verurtbeilt. Gegenüber dem polizeilichen Unheil fand auf Antrag der VeruNheiltcn gerichtliche Entscheidung vor dem Schöffengericht Hierselbst statt. Der Slaaisanwalt unterließ es, einen Antrag zu stellen, weil er annahm, daß der Begriff des Bettclns auf die Handlungsweise der Angeklagten keine Anwerbung finden könne. Die Angeklagten führten zu ihrer Vertheidigung ungefähr folgendes an: Wir haben gesammelt, weil es galt, eine Ehrenpflicht zu erfüllen, und wenn Sie(die Richter) dir Noch und das Elend mit angesehen hätten, welche sich unter den Arbeitern und Arbeiterinnen der Jutespinnerci abspielten, wenn Sie gesehen hätten, wie frische, blühende Manschen, nachdem sie wenige Monate in dem genannten Etadlrffcme t beschäftigt waren, abgemagert mit hohlen, blassen Wangen einhergingen, und wenn Sie wüßten, daß, nachdem die Arbeiter bei den» Fabrikdirektor einen Antrag auf Auf bcfferung ihrer Lage stellten, dieselben zur Antwort erhielten; „Wenn Ihr mit dem Loos nicht auskommen könnt, da schmiert Euch dw Butter etwas dünner auf das Brot!" und die Ar« Heilerinnen, welche noch gesund waren, mit den Motten:„Ihr seid ja r.odj jung und frisch, schaff: Euch einen Nebenverdienst!" abgespeist wurden; wenn Jbnen(den Richtern) ein solcher Grad fitilichei und moralischer Depression zum Bewußtsein gekommen wäre, dann hätten Sie gewiß selbst mit gesammelt. Wenn das Entgegenncismen freiwilliger Beiträge für Bedüiftige als Bettelei zu betrachten wäre, dann müßte ja auch das Sammeln für Uederschwemmte, für Abgebrannte, für milde Stiftungen, beispielsweise für das Waisenhaus, erst recht aber das Geld- sammeln für den Dombau, das Kaiserdenkmal ic. als Bettelei aufgefaßt und bestraft werden. Es ist ja schon vorgekommen, daß selbst Nichter bei besonders markanten Fällen für den An> teklagten Mittel unter sich aufgebracht haben; behält die !ol zeidireklion recht, dann wären unter solchen Umständen seidst jene Richter straffällig. Ueberdies sei nach einem Reichsg.richisdttchluß das Einsammeln von Geld nicht als Bettelei aufzufaffen, sobald der Sammelnde nicht für sich selbst oder für solche Personen, zu deren Alimentation er verpflichtet ist, Beträge entgegennimmt. Die Angeklagten beantragen daher ihre kostenlose Freisprechung und ersuchen, zu veranlassen, daß das beschlagnahmte Geld wieder herausgegeben wird. Der Stoateanwatt will von dem Vorhandensein des an- geregten Reiche� richtsbtschlusses nichts wissen, er wird jedoch durch die Angeklagten üd-rzeugt, daß wirklich ein solcher Be- schluß vorliegt.— Der Gerichtshof erkannte dem Reichsgerichts- desckluh gmäß aus Freisprechung.— Als sich die Ange- klagten jedoch an die Polireidnekiion um Zurückgabe der Gelder wandt n. wurde ihnen eröffnet, daß gegen das schöffengencht- liche U ihttl seitens der Behörde Berufung eingelegt sei. Die Das Geräusch des Wagens näherte sich immermehr und Liebesapfel beeilte sich. Er ging voran, um Fräulein Valdieu zu ermuthigen, und sie zögette nicht, ihm zu folgen. Immergrün hatte sich an die Mauer gedrückt, und Therese sah ,hn nicht, aber sie sah Pelikan, der über die Straße auf sie zukam, und sie blieb sofort stehen. In demselben Augenblick machte Liebesapfel, der ihr voranging, einen Seilensprung und schtte: „Fräulein, Fräulein, das ist nicht der Baron! Retten wir uns, retten wir unS!" Pelikan, der ihm gern eins versetzt hätte, bog zur Seite, um ihn zu fassen, aber Liebesapfel bückte sich und gab ihm einen Stoß, dessen Wirkung nicht gering war. Pelikan fiel hm, so lang wie er war, und der Bursche lief, ohne noch weiter zu schreien, auf den Boulevard zurück. Jetzt löste sich Immergrün von der Mauer ab und sprang auf Theresen zu. „Was wollen Sie von mir?" ftagte sie tapfer. Statt aller Antwort packte sie der Bube um die Taille und suchte sie hochzuheben. Therese wehrte sich. Die Gefahr gab ihr Kräfte. Immergrün brauchte die seinigen nicht, um sie zu mißhan- dein. Sem Herr hatte ihm gewiß Befehl gegeben, nicht brutal vorzugehen. Er begnügte sich, sie festzuhalten und Pelikan leise herbeizurufen. Pelikan hatte sich noch nicht aufgekrabbelt, aber mußte alsbald da sein. Therese sah, daß sie verloren sei, aber sie ahnte noch immer nickt, daß der vermeintliche Jäger dei Hotels du H> lder im Emverständniß mit den beiden Männern gehandelt habe, und ohne sich zu erklären, weshalb sich Herr von Elve« nicht hier befinde, glaubte sie, er sei nicht fern. Und so schrie sie aus aller Kraft. „Andreas!... Andrea«!... hilf mir!" Ihre Stimme verlor sich in dem Geräusch eines Wagens, der herangejagt kam und eben die Straße er- reichte. Sie wendete den Kopf, sah den Wagen halten, den Begründung der Berufung ist den Betreffenden nunmehr zuge« stellt und lautet wie folgt: An das Amtsgericht Abtheilung für Strafsachen, Bremen. In der Strafsache gegen den Zigarrenmacher Emil Mattin Hermann Knöpfel und den Zigarrenarbeiter Franz Wagner wegen Bettelns lege ich hiermit gegen das Uttheil des Schöffengcttckts hier vom 20. Juni 1888 das R.chtsmittel der Berufung ein. Bremen, den 26. Juli 1888. Der Staatsanwalt. I. V.:(gez.) Dr. Feldmann Rechtfertigung. Das Uttheil des Schöffengcttckts vom 20. Juni dieses Jahres desinirt den Begriff des Bettelns dahin, daß das Betteln das Ansprechen eines Fremden um eine milde Gabe für den Lebensunterhalt des Ansprechenden oder dock für einen mit diesem in enger verwandtschaftlicher Beziehung stehenden Dtttten, zu dessen Alimentation der Ansprechende verpflichtet ist, sei. Dieser engen Begriffsbestimmung kann fick die Amtsanwaltschaft nicht unbedingt anschließen. Oppenhoff bezeichnet als Betteln das Ansprechen eines Fremden um ein Almosen, er beschränkt den Begttff mithin nicht dahin, daß der Ansprechende von der erhofften Gabe direften oder indirekten Vottheil haben muß. Entscheidungen höherer Gettchte find, soweit hat ermittelt werden können, in dieser Sache noch nicht ergangen. Die seit- her von der hiesigen Verwaltungsbehörde, der Polizeidirektion, welcher zunächst die Verfolgung von Uebertretungen des§ 361* des Str.-G.-B. obliegt, geübte Praxis widerspttcht aber der in der Entschttdung des Schöffengerichts zum Ausdruck gekommenen Auffassung. Nach dieser Praxis ist bither jedes Ansprechen frem- der Personen um ein Almosen, sei es zu ttgenem oder zu Frem- der Nutzen, als Betteln verfolgt. Als Beweis hierfür wird eine Afte der Polizttdircktion beigefügt, wonach Hamburger Diako nissinnen das öffentliche Einsammeln von Gaden für ein katho- lisckcs Diakoniffenhaus unter Androhung der Bestrafung wegen Bettelei verboten worden ist. Nickt im Widerspruch mit dieser Prrxis steht es, wenn seither öffentliche Aufrufe an das Publikum zu Beiträgen für öffentliche oder mildthätige Zwecke unbeanstandet gelassen find, denn hier handelt es sich nicht um ein Ansprechen brstimmter dtttter Personen, ebenso w.nig ist selbstredend das Einsammeln von Almosen btt verwandten oder befreundeten Personen zur Verfolgung gekommen. Ohne Zweifel liegt es auch im Interesse der Verwaltungs- behörde, eine Kontrole über das Einsammeln von Almosen dei Fremden zum Vottheil Dtttter zu üben. Können daher solche Kollekten auf Grund des§ 361* des St.-G. B. nicht verboten werden, so würde die Verwaltungsbehörde zu erwägen haben, ob nicht im Verordnungswege ein solches Verbot zu schaffen sein würde. Es ist daher, um ein Präjudiz und damit die Grund läge einer einheitlichen Praxis zu schaffen, die Berufung aen das freisprechende Erkenntniß des Schöffengettchts er- en. Es wird beantragt werden: Das Urtheil des Schöffengerichts aufzuheben und die Angeklagten wegen Bettelns zu verurthttlen. Der Amtsanwalt. I. V.:(gez.) Dr. Feldmann. Man siebt, unsere Polizeidirettion ist mit dem unsterblichen Ruhm, welchen sie sich auf dem Gebiet der Gesetzes- künde durck die Auswttsung Bruhns, welche bekanntlich wieder zurückgenommen werden mußte, erworben hat, nicht zuftieden; sie verlangt nach neuen Lorbeeren, und wenn ihr diese nickt werden, will sie sich bemühen, auf dem Verordnungswege ein Verbot der in Frage stehenden Geldsammlungen zu schaffen. So das„Norddeutscke Volksblatt". Wir aber fragen, wo- hin muß es mit der Rechtspflege und der Rechtsachtung kommen, wenn man, um vermttntlicke Uebelstände zu beseitigen, immer wieder dahin kommt, den Gesetzen ttncn Sinn unterzulegen, an den weder die Gesetzgeber noch auch die Handhader der Gesetze in jahrelanger Prodis dachten. Hätte das Reichsstrafgesetzbuch wirklich derattize Sammlungen verbieten wollen, man hätte für sie gewiß einen anderen Ausdruck als den deschimpfenden des Bettelns gewählt. Wir sind außer Zwttfel, daß das Land» gettcht das freisprechende llttbeil des schöffengettchts bestätigen wird, bezeichnend für die Gegenwatt ist nur, daß fast überall Behörden sich finden, die danach streben, in bisher allgemein glttch verstandene Gesetze und die jahrelange geübte Praxis durch neue scharffinnige oder spitzfindige Auslegungen einen Kell zu treiben. Es leidet hierdurch die Rechtswissenschaft, die Rechtspflege und nicht zum mindesten die Rechts- achtung._ Politische Ueberstcht. Die Grhasstgkrit, mit welcher unsere Reptilienpresse von freien Ländern uno Völkern spricht— namentlich von Fran- zosen und Engländern— ist wiederholt in diesem Blatte be- Schlag aufgerissen werden und einen Mann eiligst heraus- springen. War es der Freund, den sie gerufen? Sie hatte nicht Zeit, ihn zu erkennen, denn Immergrün preßte sie jetzt mit aller Gewalt an sich und gleichzeitig faßte sie Pelikan mit seinen Tatzen. „Retten Sie mich!" schrie sie und wehtte sich. Der Retter kam und that Wunder. Pelikan erhielt mit dem Stocke einen solchen Schlag auf den Schädel, daß er lautlos zusammenbrach. Bestürzt ließ Immergrün sie los und entzog sich durch eilige Flucht den Schlägen, die auf ihn herabhagelten. Therese brach zusammen, al« sie so aus den sie um- klammernden Armen des Bösewichts befteit war und sank ohnmächtig auf den staubigen Boden der Rue Corvisart nieder. Die schreckliche Ueberraschung hatte ihr völlig das Bewußtsein genommen und sie wußte nicht, wie lange ihre Ohnmacht dauette. Als sie wieder zu sich kam, war das erste Wort, das sie flüftette: Andreas. Sie dachte nicht, daß sie ein Anderer gerettet haben könnte. Als sie die Augen aufschlug, sah sie einen Mann vor sich knieen, der ihr ein Fläschchen mit flüchtigem Salze unter die Nase hielt; obwohl sie seine Züge nicht genau unterscheiden konnte, erkannte sie doch, daß dieser Mann nicht der Baron von Elve» sei. Wer er aber auch sein mochte, sie schuldete ihm Dank, denn er hatte die Banditen, die sie angegriffen, in die Flucht geschlagen, und sie dachte nicht daran, ihn zurück- zustoßen. Sie suchte ihm sogar für seine Mühe zu danken, aber der edelmüihige Unbekannte erwiderte ihr sanft: „Strengen Sie sich nicht an, gnädige Frau. Erholen Sie sich erst und fürchten Sie nichts mehr; jede Gefahr ist nnritRor" vorüber.' Es war nicht Andreas Stimme, aber die Stimme klang tief, harmonisch und angenehm. daß die fc in\ Einrichtet } llnmözii 'Btm vom l »Äonalliber deruh-.gen sp-ochen worden, wundern kann sie uns in keiner Weise. R.gierungssystem, welches sich in Deutsckland ausgedüvel ist ein dem französischen und englischen so gegensätzliches, Blätter, welche dafür bezahlt find, das in Deutschland schende System nicht bloß zu vetthttdigen, sondern in den mcl zu erheben, keine andere Wahl haben, als die ftan, und englischen Zustände nach Möglichkeit schlecht zu—__— Das ist so natürlich, daß man kein Wort darüber zu oeil- dem Gefiete braucht. Und wenn z. B. die„Norddeutsche AllgaZ w, vielleicht welche die deutsche Grcnzpolitik gegen Frankreich und N mich ist es p Lothringen für durchaus human und staatsmännisch erlläst�mmung des Franzosen wegen einiger— wirklichen oder erdichteten, donallibeialen Privalungczogenhttten, wie deren in D utschland jeden' m die Zum hundctt und hunderte vorkommen, zu„W-lden" stempelt'dedeutenden weiß jeder halbwegs vernünftige Mensch, was er von ei"« Wangen aew, durchsichtigen Gaffenbudentaktik zu hallen hat. Etwas'' diese Din; wirrender ist es, wenn die Rcptilblätter, um die„Verkom» Mlls, daß heit" und den„Verfall" der Franzosen und Engländer'"eitrauensse ocnlns zu demonslttren, französische und englische Zeugen 9 wir d ihr eigenes Volk aufmarsckiren lassen Nehmen wir». j kür das B erklärt er, i Bruchtb läen Schul P#, welche iven Fr u eine s englischen Flottenmanöver, die seit einigen an der englisch irischen Küste vor sich gehen Wer die der deutschen Reptildlätter über diese Manöver liest und für daare Münze nimmt, muß nothwendig zu d.-m kommen, daß die Seetüchtigkeit der Engländer Märchen aus alten Zeiten ist,— daß die englischen j durck die Bank nichts taugen,— daß die englischen S kapitäne durch die Bank nichts taugen,— daß die"toipt nickt „morschen",„lecken",„schlechtsegelnden"„Kasten", roeldi'''\ Munt He stolzen Namen:„englische Kriegsflotte" führen, mit der%"sinnigen zu scken Kriegsflotte, auf der Alles am Schnürchen gebt,!"> llonservan Vergleich auch nicht entfernt aushalten können. Und zu �"> und poli Uttheil muß der Leser um so mehr kommen, weil die"i". Diese j schätzigen Aeußerungen über die englische Flotte von Engläs�"«"alliberalen und zum Theil sogar von englischen Seeoffizieren her:r-V�r sehr nie Trotzdem ist das Urlheil ganz verkehrt. Em Faktor isi mT vie Antil unberücksichtigt gelassen, welcher uns Deutschen allerdings fremd geworden ist, nämlich das, was der länder ont8pokenn»ss nennt, die freie S> des an Freiheit gewöhnten Mannes, welcher kttn Blatt Mund nimmt, und, um den Tadel wirksamer zu mach> zu drasttschen Ausdrucken, ja zur Uebettrttbung seine nimmt. An Uebcttreidungen dieser Art ist freilich c deutsche Piesse nickt arm, allein sie gelten nur dem A> wohingegen die fremden Völker vor allen Dingen Sei üben— eine Kritik, die in den meisten Fällen von des, streben eingegeben ist, ttne Befferung der gerügten Z« herbeizuführen. Bei uns in Deutschland ist eine solche d-r beimischen Zustände und Einttchtungen einfach>' Ein Zeitungsredakteur, der über die deutsche Flotte, ihre und mannigfachen Unfälle und Katastrophen(„Gri' fürst" u. s. w.) auch nur Hab so offen und kräftig wollte, wie das die englische Presse über die e# � tertrt, Flotte thut, würde die Hälfte seines Lebens vor®£ii4l, en, ö-t im Gefängniß zuzubringen haben. Gerade dieser 2*#% JP* deutl lofigkeit der Kritik verdankt aber die englische Flotte i. der wesentlich ihre Vorzüglichkeit. Und denen, die etwa gj Ma feine S »�erg hat .Höckel beroe um eine Beziehungen iJBattei st vsahren, 1 x!v°rgestelli «ttn Etöcl »ff.fr» ha von i M ausge �ttg nie NML- Deg neration glauben sollten, wollen wir nur bemerken, �3% siefer ein zeitgenössische Presse:an der Flotte Nelson's genau dieselbe,«l barmherzige Kritik geübt hat, wie sie gegenwärtig an der igR von heute geübt wird. Um so recht den Unterschied iw halten ttner freien und einer nickt freien Presse zu sehen, man nur das Verhalten der englischen Presse in Bezug a« englische Flotte mit dem Verhallen der deutschen Presse in Bcz> die deutsche Gewehrfrage zu vergleichen. Es um absolut keinem Zweifel, daß die deutsche Militärlettuw Sacken der Jnfantettebewaffnung nickt„so früh aukgestajj ist, wie die französiicke. und daß das Mausergewedr dem gewehr nicht das Waffer reicht. Herrichte nur in Derttl] Preßfreiheit, wie in England und Frankreich, so würve fis die deutsche Militärverwaltung auf's Schättste ssjjgffletiz! werden— in so scharfer Form, daß irgend ein der Vf-Tsiirt. nicht kundiger Franzose oder Engländer zu dem SM,., tfl die deutsche Armee sei keinen Schuß Pulver wetth und trifflick bewaffneten französischen Armee gegenüber keine Chancen. Nun— genau so richtig wie dieses wäre, ist das Uttheil unserer Reptildlätter— und � Spießbürger über die englische Flotte und den„Zerst"» landS und Frankreichs. U«t>er dir Krsprrchungrn, die in Friedrichsruh ij dem Reichskanzler und Herrn v. Bennigsen' funden haben, scheint bis jetzt nichts in die Kreise der gedrungen zu sein und od man das gänzliche Einstcun Kartellfeindseligkttten mit der Zusammenkunst in irgend kausale Verbindung bttngen kann, ist doch wohl ftaalick> Sommerspott könnte auch das Einschwenken der„Nord, Ztg.", das auf ein:„Es bleibt Alles beim Alten" M ein Ende gemacht haben, denn den Konservativen ist' nach Wunsch und Begehr gedient und die National wagen es längst nicht mehr, gegen ein Kommando„ Seite sich aufzulehnen. Die„Demokr. Korresp." w>u Tod ;e, Eud al Gele fälschen Erguß glaubte mit all können 5 mordw h Die sie nid .dvltar -k'nm"® # ?ren.% lich öi Wid Therese wußte, daß sie sich auf ihren Vetthe'd'S �gemacht lassen könne, der so unerwartet erschienen war., w L'iuß unt" Wieviel andere hätten an seiner Stelle ruhig ck.. ps n" Ausdcj fortgesetzt, ohne sich um das Geschrei zu kümmern,.(,#""bebeut Frau ausstieß, und sich in eine Szene einzumischen, � ih„ eu un! eine Prügelei zwischen Trunkenen oder noch etwas sck"i bi," sein konnte. Der unerwartete Beschützer konnte nur und so sah er auch aus. (Fortsetzung folgt.) er« Geist ist# sein Lei, Sa Aus Kunst und Leben. Tod am Drrigrntenpnlte. Der Mu% � Trautmann in Breslau ist Donnerstag voriger Wo%. g, eines jähen Todes gestorben. Nach dem zweiten* � ......------------- Nach dem. Konzettes im dottigen Volksgatten, das er dingirte,- ........_.~ Trautnian«!- % frier d, ZZ % oaiüu nrau lonitatirten.«urje � � Weise die Symphonie beginnen sollte, fiel Herr von seinem Stuhle herab. Er wurde alsbalo in ven bracht, woselbst die anwesenden Aerzte nach sorgfaiu suchung einen Schlaganfall konstatittm. Kurze Zeu der Tod ein. Eine gefährdet» „New-Borker Siaatszlg.",•, Professor der Geologie an der Universität in H B nach wissenschaftlicher Prüfung der Naturgas, Quellen»on h. Ohio, eingetroffen. Der Professor verfichett. daß kMen. nung der Gasquellen- Region dedeutend unterscdatzi �,i q,», daß unter der Ottschaft Findlay in großer Tiefe em � l'• entzündlichen Gasen gefüllte Höhle sich befind �' Explosion'—- L-----"der o- l fürckten s der Gasquelle„—-------------—„...„„ beträchtlicher Tiefe in Verbindung gebracht wurden,«�e" deutlich das Krachen und Bersten der glühenden nehmen. Durch einen Wärmemesser wurde v ,n fessor konstatitt, daß unter der Ortschaft W? e>? Meile Tiefe von der mit Gasen gefüllten Hfr(rt /jk.b«'' gah ,|frr n bei dem ungeheuren Drucke zu>fr-,pen��i!i,fras m sei. Durch sehr empfindliche Telephone, Vi g,;,, VJ A zA° wie ■quelle hinab mit dem unterhalb gelegene/ n, von; ■?er mir rsaien gesuu,-» � g y- r, rv�����ttwrkolofsaler�Hitzeentwicklu�v���bst��„sPs nrnioei mu einer loioyaien«lyeeniroium"»'.iflOKu, Düse Entdeckung schien ihm anfänglich selbst � � � ig«fr wiederholt angestellte Untersuchungen ergaben daN� tc An verschiedenen Stellen innerhalb eines Na ner Weise. U?.-.daß bic nationalliberalen Parteiführer seit bcm Besuche auSgebüD i(ysien s in Friedrichsruh, von dessen Ergebnissen fie jeden- gensätzlichee, �unterrichtet worden sind, sehr zuverfichtlich in die Zukunft veutsetilanS unmöglich sei es nicht, meint das genannte Organ, daß !ern in den.v°Mn � Reichskanzler Zustcherungcn erhalten habe, welche die franzo'>?Ul!twnalliberalen über die nächste Entwickelung der Zu- echt zu deruhigen sollten.„Diese Zusicherungen können entweder über zu eei l? vem Geriete der Personensragcn oder der sachlichen Fragen he AllgeweV», vielleicht auch auf beiden Gebieten. So ganz unwahr« eich unv ElMÄ»st es nicht, daß es dem Reichskanzler geglückt ist, die misch erkwd«>mmung des Kaisers zur Heranziehung von ein oder zwei r erdicdteM"»ralltbetalen ins Staatsminiüerium zu erlangen. Dagegen and jeden r m die Zustimmung der Nationalliberalen zu abermaligen n" stempsld dcveutenden Geldforderungen für Heer und Flotte unschwer er von eM rriangen gewesen sein. Die nächsten Tage werden vielleicht it. Et-v-s> r diese Dinge weitere Äufklärungen bringen. Sicher ist sie„Ve:kon» Mus, daß man im nationalliberalen Lager wieder einmal Engländau ueltrauenssclig ist. Od dazu wirklicher Grund vorhanden he Z rügen A Mllen wir dahin gestellt sein lassen. JOiLJ' Mol Jf-' v"* Nardorff legt in der„Post" nochmals eine einigen». Mut das Kartell ein. Den Nationalliberalen gegen- i/o.mh i»f m' er''km sei es bisher unbekannt, daß auch nur ein liest un«a« Bruchtheil der deutschkonscrvativen Fraktion den Windt- re r;'!ILr w■£." Schulanträgen zuzustimmen beabsichtige. Nach der Lnalande Mniß, welche Herr v. Kardorff von der Stellung der deutsch- rglischen Wiaiwen Fraktion besitzt, soll in der deutschkonservativen iglischen co Wton eine Hinneigung zur Windthorst'schen Schulpolitik iß die Btaipt nicht besteben(??). Die lliattonaUiberalen könnten n'•i'sff w �tnt Herr v. Kardoiff schließlich, um die Wahl eines ' zu verhindern, unter Umständen sehr wohl„auch chen gebt,.«Konservativen ihre Stimme zuwenden, gegen dessen kirch. politischen Standpunkt fie sonst große Bedenken „Ä Zumuthung ist nicht eben schmeichelhaft für die eren h'r'i� ��eralen, dcrm Ueberzeugungstreue Herr v. Kardorff Faktor ist allerdings >as der ie S? n Blatt su machl z seine reilich ai : dem A agen Sel !ehr niedrig tojirt. Antisemiten unter sich. Herr Liebermann von cherg hat sich durch die Kontumazialandrohung des Herrn »ei bewegen lassen, die Erklämng abzugeben, daß er sich um eine Stelle bei der„Konscrvatioen Korrespondenz" n bade. Er giebt bei dieser Gelegenheit Kenntniß von siehungen, in denen er zu Parlamentariern der konser- iiartei steht. Darnach ist er dem Grafen Mirbach etwa Mhren, brm Herrn v. Hammerslein etwa vor 8 Jahren j. oorgest-llt worden, und bat sie nie wieder gesprochen; lv" MW„'-'u, Stocfet ist er im Laufe der letzten vier Jahre ein- t.oon dei» eine halbe Stunde zusammen gewesen.— Wir finden rügten jr-'v„"at von den Führern der konservativen Partei, daß sie ine tolax u � lo ausgezeichneten Mann wie Herrn Liebermann von »fach nickt mebr Aufmerksamkeit schenken. Daß seine tte, rhre. an Herrn Böckel übrigens im liebenswürdigsten Tone („Großer � jj Hl nerstedt sich von selbst. Sie schließt mit den kraftig i&üj nip,•„Es ist nicht unbedingt nöthig, daß Herr Böckel das c% Ä«�eia-n itttet, wenn es nur überhaupt gerettet wird." Wir vor Em«»„ dieser Erklärung ist das Vaterland schon gerettet. lkser schräg �Vn deutsche Kerei« gegen Mißbrauch geistiger che Flotte � �«ke, oer in den Tagen des 13. uad 14. September d. I. e etwa seine Versammwng abhalten wird, beabsichtigt diesmal rmcrken, fiK � tiefer einzugehen auf den Antheil der„höheren Stände" lau dieseid� � icki VoUsüdel.— Na, da wird er sein blaues Wunder an der fÄ- W t i tz 3� Tod de» Klar quiste» und ehemaligen General der E u d c s, hat der bürgerlichen Presse Teutschlands wie- «mal Gelegenheit gegeben, in alter Gewohnheit zu lügen � fälschen. Als Stilprobe bringen wir unfern Lesern 'n Erguß eines deut'chen Blattes, welches seinen Ge- klaubte keinen Zwang anlegen zu müssen:„Nach usit all dem Gesindel, das in einer Republik nicht frei 'önnen vorgiebt. Ins Pfcfferland mit diesen ver- mordmüthigen Gesellen— aber ohne nachherige Die trockene Guillotine sei ihr Schicksal; ein anderes ., Ty nicht." Diese Sprache ist allerdings— nicht„auf- gemeine und recht dumme Kriefkasten- lv»— nth ocr �Vorwärts", die literarische Kloake des lautet:„Dem früheren Sozialdemokrat. ». m* f �«« l-f.___ ............ den Menschen also zu einer höheren Stufe ! fj,. degradirt. 2. Er frrdert zu politischem Meineid des Eides ist natürlich für Leute nicht da, l�ott und an kein ewiges Leben und eine Ver« .(ff,, ,fn' 3-®t proklamirt die„freie Liebe", die Heilig- i>a � F/nnt er nicht. Wenn also einem Sozialdemokraten mehr gefällt, so kann er sie nach fozialdemokra- ivieh.�?�giagen, eine andere nehmen, nach einigen Wochen >, /Ziagen u. s. f. Sollte man es wirklich für mög- Zl-V�o hier im Wuppcrthal und den angrenzenden 4-r, er sich finden, die einer solchen Partei angehören? 'Ken m, JO' daher Pflicht eines jeden, diese Ardeiter glauben nicht, daß viele Arbeiter das wollen, w � die Sozialdemokraten anstreben. Verbreitet daher 'Jta/sÄ Organ der Sozialdemokraten ist der Züricher trs r�oftai". Es ist Tbatsache, daß derselbe 1. das Dasein den""'—'— Ä von dem Professor genau dieselben B-odach. �wacht. Seinem Befunde nack liegt in einer Tiefe von N".�..ZS�t�NUß' wwmeni iDtjunoe nom IKUI m»..v.v ruhig'b'' j(f*», N AwhA genannten Ortschaft eine ungeheure Höhle, mcrn, hf, unbebp,,t ünfl ,im Vergleich die bekannten Mammuth- ischen, tveit erscheinen. Die Höhle erstreckt sich viele uns schliß KZ bef. Kd ist an verschiedenen Stellen über eine halbe ,(K? bie Hzi,,. m?vlofive Gase unter kaum faßbarem Drucke . ß Steile ij-!.' Viehrere Lagen Felsen in einer Dicke von etwa ein stü Zbduva unter der Hohle. Gegen diese Felswand schlägt L Aab. z>! inneren Erdfeuers mit einer Gluth von ff iz�feuer zwischen der mit Gasen gefüllten Höble und Kr Felswand ist von dem Piofessor ebenfalls Ni �°us snirnT. �.-Uu'orsucht morden Die oberste Schicht Nthen r����niasse. es folgt dann eine bedeutende ■ ersten Gesteins und darunter befindet fich vNterd�mi verwandte Steinmaffe, deren unterste ' Unter hpr Feuers im Eindringen dahinsckmelzen. t der a£Slt~f3aft Nndlay ist die schützende Felsschicht, wesenm* Gluth von Tag zu Tag sich ver- Nemden» dünner als in der ferneren Umgebung. Aus Delevbnn und Bersten, welches durch die ange- it daraus vernehmbar ist. läßt sich mit Be- n,« durch, Ml die Verzehrung des schützenden 3ßf�p„L Erdfeuer beständig vorwärts schreitet. innati PVlSth Utiter„ der Anficht, daß das Bersten der mmmmm siusilviktl W lutmonsi den J �ie hfp V"v»""o von 24 er d* oine solche Drehung, nur in der kür- vollendet. Nachdem nun aus den- . die Achse der sonne und ihre End- ;,n.r k." in> ieiasp""1""„ ouch der Sonnenäquator bekannt ge« NWWMW '' Dle Umdrehungszeit der Sonne zwischen KZ den„Vorwärts"."— So, nun Wasser und Seife her, damit wir den Schmutz beseitigen- demerkt trocken die Elberfelder „Freie Presse" dazu. Zahle« find doch ganz eigene Dinger! Hat doch auf dem neulich stattgefundenen 13. deutschen Feuerwehrtag in Hannover der Inspektor der vereinigten landschaftlichen Brandkasse, Herr Unger, auf Grund seiner Erfahrungen einen Vortrag über Brandursachen und feuerfichere Bauten gehatten und dabei statistisch nachgewiesen, daß von 7257 von ihm untersuchten Brandschäden zur Ursache hatten: Brandstiftungen 15 pCt. Fahrlässigkeit 7„ Kindcrspielerei 6„ Blitz, sogenannter kalter 10„ Blitz, zündender 10„ Selbstentzündung 2„ Fehlerhafte Feuerungsanlagen 8„ Zlnermittelt 42„ Letztere Zahl ist allerdings eine sehr erhebliche und veranlaßt zum Nachdenken über die Moral der Besitzer! Al» ei« charakteristische» Zeiche« der überall henschen- den Noth müssen die Arbeiterlolomen bekachtet werden, welche wie Pilze aus der Erde wachsen. So ist bei Großackern, im Kreise Borken(Westfalen), die zweite Kolonie ins Leben ge- treten. Auf dem dort angekauften Tenain von rund 600 Morgen Haide- und Torfboden erhebt fich bereits ein 40 Meter langes Gebäude, in der Bauart der westfälischen Bauernhäuser, welches zu einem Drittel der Länge zu Wohn- und Arbeits- räumen der Kolonisten und im übrigen zu Viehstallungen be- stimmt ist. Ein Kötterhaus, welches auf der Haide stand, ist zu einer Kapelle und zugleich zur Wohnung der zur Leitung der Anstatt bemfenen„Trappisten" umgebaut worden. ZLnstlerische». In München traten im Saale des Hackerdräu die Delegirtcn von 25 bayerischen Schubmacherinnungen zusammen, um über die Gründung eines B a y e- rischen Schuhmacherinnungsverbandes zu de- rathen. Sie haben das Werk auch nach fünfcinhalbstündiger Berathung vollendet und Herr Marx(München) hat ihm schließ- lich etwas kurios den Segen gegeben. Zweimal sei man schon auf's Glatteis gefühtt, einmal mit einem Deutschen Verband, dann mit einem Süddeutschen, jetzt probire man wieder, Hassent- lich mit mehr Glück. Es scheint wirklich, als ob sich Bayern immer mehr als Versuchsstation für derartige Gründungen ausbildet. Außer Bayern waren bei der Gründung des bayerischen Schuhmacherinnungsverbandes auf dem bayerischen Schuhmachertag vertreten: Berlin, Stuttgart. Köln, Eßlingen, Cannstatt, Leipzig und last noi leaat Herr Carl Billing, Exdemokrat und Blumcnfabrikant in München. Anwesend waren 45 Delegirte, darunter 21 Münchemr Ausschußmitglieder, ca. 30 weitere Tbeilnchmer, in Summa etwa 100. Nach einer kurzen Be- grüßung durch Magistratsrath Märkl Namens der Stadt München referirt Ried(München) über die deabfichtigte Grün- dung eines Bayenschen Schuhmacherinnungsveidandes. Man habe zuerst die Adficht gehabt, in den Provinzstädtm Innungen in's Leben zu rufen und dann einen Verband zu gründen. Dann habe man fich zu dem umgekehrten Verfahren entschloffen. Der Verband bezweckt die Hebung des Gewerbes, nichts weiter, in die Zustände früherer Jahrhunderte wolle man nicht zurück. (Na. na!) Nach längerer Debatte wird gegen 2 Stimmen die Gründung deschloffen, worauf die Satzungen zur Berathung gelangen, die fich eng an die reichsgesetzlich vorgeschriebenen Normen hatten. Der„Reichsanzeiger" veröffentlicht folgende Bekannt- machung: Jede Art von sozialdemokratischer Gedächtnißfeier für Ferdinand Lassalle, wie solche in den letzten Jahren versucht worden ist, wird hierdurch auf Grund des§ 9 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial- demokratie vom 21. Ottoder 1878 und mit Rücksicht auf das Erkenntneß des königlichen Schöffengerichts zu Köpenick vom 19. Juli 1888 für den Ämtsbezirk Ält Glienicke verboten. Jede Betheiligung an einer derattigen verbotenen Festlich- keit wird nach§§ 17 und 18 des vorgedachten Reichsgesetzes mit Geldstrafe bis zu 500 M. oder mit Gejängniß bis zu 3 Monaten bezw. bis zu einem Jahre bestraft. Adlershof, den 13. August 1888. Der Amtsoorsteher. von Oppen. G-st-rr-ich-M«gar«. Die Korruption in Ungarn wurde durch folgenden Vorfall drastisch illustrirt. Der israelitische Branntweinbrenner und Abgeordnete Ludwig Krausz de Megyer, dessen Wahl wegen Stimmenlaufes beanstandet wurde, hat kürzlich eigens eine Wette gemacht und behauptet, daß er den als antisemitisch gesinnt Mannten Düna Szerdahelyer Wahlbezirk für gute Be« zablung der Wahlberechtigten zu einem liberalen bekehren und selbst die ersten Wahlagitatoren der Antisemitenpattei für sich gewinnen werde. Der Mann hat die Wette gewonnen und es ist auch ganz so geschehen, wie er behauptete, natürlich für's Geld. 25 Tagen 2 Stunden und 27 Tagen 17 Stunden schwankte, je nachdem fie aus Fleckenbettachtungen am Aequator der Sonne oder bis zu 40 Grad Entfernung davon hergeleitet wurde. In noch höheren sonnenbreiten kommen gewöhnlich keine Flecken mehr vor. Hätten die Sonnenflecke aber keine eigene Bewegung in Beziehung zur Sonne, sondern hafteten fie, so könnten natürlich jene Unterschiede überhaupt nicht entstehen. Es ist nun sehr interessant, daß jetzt auch der Versuch gemacht wurde, aus den Beobachtungen der Sonnenfackeln, wie man die auffallend helleren Stellen oder Lichtgewölke auf der Sonne nennt, die Umdrehungszeit der Sonne zu bestimmen. Solche ganz neuen Beobachtungen find auf dem königl. Observatorium m Potsdam von Dr. Wilsing angestellt worden, und zwar auf photographifchem Wege, wobei die negativen Bilder der Fackeln als dunkle, scharf begrenzte Flecke gut zu erkennen waren. Merk« würdiger Weise zeigten fick dabei die einzelnen Resultate nicht mehr abhängig von dem Abstände der Fackeln vom Sonnen« äquator, so daß die Veränderungen hier ganz wegfielen, welche die Fleckenbeodachtungen immer noch übrig gelassen hatten, und nunmehr als Ergebniß der Umdrehungszeit der Sonne 25 Tage 5 Stunden und 28 Minuten festgestellt werden konnte. Damtt ist sonach ein für die Physik der Sonne sehr schätzbares Resullat alanr wordew'� der seit seinem letzten Erscheinen im Jahre 1880 bis 1881 einen vollen Umlauf um die Sonne vollendet hat, ist am Morgen des 10. August auf der Stern- warte in Nizza wieder entdeckt worden. Er erscheint im matten Glänze leuchtend in stärkeren astronomischen Fernröhren am Morgenhimmel im Sternbilde des Stiers in der Nähe des be- kannten Siebengestirns, der Plejaden. Der Faye'sche Komet wurde 1843 von dem Pariser Astronom Faye entdeckt, er geHort ,u den wenigen Kometen, welche in kurzer Zeit ihre Bahn ZMZNW sftÄ? äää FffHsr so nimmt seine Leuchtkraft noch etwas zu, indessen wird er in diesem Jahre ziemlich lichtschwach bleiben. Die Sonntagsnummer d er„N. Fr. Pr." in Wien wurde wegen des Leitartikels k o n f i s z i r t, worin aus Anlaß des neunten Jahrestages der Ernennung des Grafen Taaffe zum Ministerpräsidenten dessen bisherige Polttik besprochen war. — Die„N. Fr. Pr.", ein Bourgeoisblatt reinsten Waffers, mmmt ihre Konfiskation gewaltig Übel und bewerft dazu, was fie bei der Unterdrückung eines sozialdemokratischen Blattes nie- mals demerkt hätte:„Der Jahrestag der Ernennung des Grafen Taaffe ist gestern, wie aus der vorstehenden Anzeige erfickllich, unter Anderm auch durch die Beschlagnahme unseres Blattes ge- feiert worden. Auch darin liegt eine Kritik und ein Beitrag zur Würdigung der vielgefeierten Veriöhnungs-Aera. Die Regie- mnasprcffe hat gut loben, wenn hinter ihr der Staatsanwatt steht, der die Stimmen erstickt, die in das Lob nicht einstimmen. In einem der gestern erschienenen Festartikel, der von Ruhm und Preis des Ministerprästdenten uberfließt, ist übrigens fok- gende Sentenz zu lesen: Mit den Mitteln der Gewatt kann man Gehorsam erzwingen, und es giebt Fälle, wo der Staat auf dieses Mittel nicht Verzicht leisten kann. Allein die Ge- walt ist die schlechteste Antwort, die den Widersttebenden»u Theil werden kann, und die Gewatt ist eine zweischneidige Waffe. die zuweilen gerade denjenigen verwundet, der fie zur Verwen- dung dringt." Das Zitat stammt, wir wiederholen es, aus dem Festariilel eines Regierungsblattes, welches natürlich nicht konfiszirt worden ist." Großvvita««iet». Die Sitzungen im Oberhaus kamen, soweit legis» latorische Geschäfte in Betracht kommen, zu Ende und schloffen mit der besten Rede, die seit Anfang der Session im lang« weiligen Saal der Lords gehalten worden ist. Lord Herschell. der in Lord Gladstone's drittem Ministerium Lordkanzler war. gab seine Ansichten über die P a r n e l l- B i l l zum Besten in einer Rede, die selbst seinen politischen Gegnern die vollste Billigung abzwang. Unter den Lords, welche dem geschickten Juristen und überzeugungstreuen Politiker ihre Glückwünsche darbrachten, befand sich auch Lord Camarvon, der ehemalige konservative Vizekönig von Irland. Lord Herschell behandelte die Angelegenheit in ihrer ganzen Ausdehnung, wies nach, wie unfinnig es ist, daß das Land die Unkosten einer Untersuchung über Lidelle tragen muß, die ein einziges Journal zu machen fich angemaßt habe, dessen Worten niemand den geringsten Giauden schenft; er bezeichnete es als einen schlechten Präzed.nz- fall, daß das Unterhaus fich der Jurisdittion über seine eigenen Mitglieder degicdt, und äußerte die Anficht, daß kein Politiker gezwungen werden solle, wegen polittscher Libelle den Rechts- weg zu betreten. Die Konservativen hatten wenig auf diese Rede zu erwidern: fie wird nicht nur auf die Richter, deren Zusammensetzung Lord Herschell keineswegs billigt, sondern auch auf das Land einen tiefen Eindruck machen. In einer in Dundec abgehaltenen Versammlung von Flachsspinnereidesiyern und Fabrikanten wurde de- schloffen, vom 31. d M. wieder volle Zeit zu arbetten und die Löhne der Spinner um 5 pCt. und die der Weber um 2% pCt. zu erhöhen. Seit den letzten sechs Monaten hatten die Spinnereien nur halbe Zeit gearbeitet. Das Jutegeschäft be- kündet Zeichen der Besserung, und die Preise haben fich etwas gehoben. Frankreich. Unter den 70 in Amiens verhafteten Personen waren nur zwei streikende Arbeiter; die übrigen waren ein Bürgermeister aus der Oise, ein Student, ewige Kellner und viele Fremde. So derichtet der„Temps". Wer hat wohl diese Hilfstruppen geliefert? In Lille waren 700 Zigarrenarbeiterinnen auf dem Punkt zu streiken; durch Entgegenkommen der Fabrikanten wurden sie von dem Entschlüsse abgebracht. DieBerichte über den Verlauf derRund- reise des„brav' Qsnsral" in der Charente-Jnferieure, dieser festen Burg des Bonapartismus, werfen ein grelles Licht auf die Bemühungen der Boulangisten, ihrem Kandidaten den sieg in der Wahl am nächsten Sonntag zu fichern, und gleichzeitig auf die Erbitterung, welche der fahnenflüchtige Republikaner bei seinen ehemaligen Gefinnungsgenossen hervorruft. Wenn dem Boulangisten loyale Agitationsmittel fehlen, dann greift er ein fach nach dem Knüppel, den die aus Paris verschriebenen „Camelots" mit besonderer Virtuosität zu handhaben verstehen. Allerdings wäre das einfachste Mittel, fich seiner politischen Gegner zu entledigen, das, sie ohne viel Federlesens zu er- schlagen, und B o u l a n g e r, der fich nickt gescheut hat, das rothe Halsband des Komthurs der Ehrenlegion in den von Bruderblut angefüllten Straßen von Paris aufzulesen, scheint gewillt, dieses edle Vorgehen bei den Abgeordnctenwahlen zu wiederholen. Seitdem die Horden der boulangistischen Frei- schärler das Fausttecht in den Wahlkämpfen zur Geltung ge- bracht haben, ist an eine ruhige, gemessene Wählerversammlung überhaupt nickt mehr zu denken. Der Muth, den die Vertreter der republikanischen Partei zeigen, indem sie nichts desto weniger für ihre Sache Propaganda zu machen suchen, ist darum kem geringerer, well der bezahlte Pöbel sie überschreit. Herr Bou- langer dürfte aller Vorausficht nach bei den Anhängern des Staatsstreichs vom 2. Dezember, welche in der Charente- Interieure noch die Mehrheit bilden, Gefallen erregen, allein weder in der Somme noch im Nord, wo die republikanische Partei ihm geeinigt gegenübersteht, hat er Aussicht auf Erfolg. Um wenigstens in der Charente-Jnferieure sicher zu sein, hat der ehemalige Schützling des Herzogs von Aumale nun auch seine klerikale Neigung aus jener Zeit wiedergefunden, da er in Bellay als Oberst mit seinen religiösen Ueberzeugungen prunkte, die er allerdings, wie so manche andere, im Laufe der Monate vergessen hatte: seine neuen Bundesgenossen find die Jesuiten, deren Organ„La Croix" eine Depesche des Generals veröffentlicht, in welcher er doch und heilig verspricht. nie und nimmer seine Hand zu religiösen Verfolgungen herzu- geben, obwohl er als Kriegsminister den Radikalen zu Liebe alle Seminaristen in die Kaserne schicken wollte. Sein Busenfreund und intimer Rathgcber, der Abgeordnete Laguerre, de- kanntlich ein gewesener Jesuitenzögling, hat ihm ohne Zweifel dazu gerathen, fich die Hilfe der Gese schaft Jesu zu erkaufen, was um so leichter wäre, als er nur seine früheren„Jrrthümer" abzuschwören brauchte. Ob er nun auch wirklich alle Klerikalen für fich haben wird, das kann erst der Wahltag ausweisen. Kelgien. Der amtliche„Monilcur" hat in dieser Woche zwei wichtige Erlasse veröffentlicht. Der eine dezieht fich auf das im vorigen Jahre von den Kammern beschlossene und am 26. August 1887 publizirte Gesetz über Einrichtung von In» dustrie« und Arbeitsräthen und enthält eine allgemeine Aus- sührungsverordnung zu demselben. Der andere giebt die näheren Ausführungsbestimmungen zu dem vor einigen Monaten beschlossenen und bereits in mehreren Fällen angewandten Ge- setze über die dedingte Freilassung der Strafgefangenen. Was die Institution der Industrie- und Arbcitsräthe betrifft, so ist dieselbe bekanntlich kurze Zeit nach den Unruhen, die durch den Jnteressenkampf zwischen Arbeitern und Unternehmern hervorgerufen worden, auf Betreiben Frcre-Ordans im Prinzip de- schloffen worden. Ihre Aufgabe sollte die Vermitlelung in Streitigkellen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, deren Schlichtung und Verhütung und überhaupt die Erötteruna der beiderseitigen Interessen sein. Man hätte nun denken sollen. die Regierung werde fich mit der Durchführung des Gesetzes, die ohne eine besondere Ausführungsverordnung gar nicht wog- lich war, beeilen; es hat aber nahezu ein volles Jahr gedauert, bis dies geschehen, und auch jetzt, nach deren Veröffentlichung. bedarf es noch besonderer Erlasse, welche die neue Jnstttution in den einzelnen Jndusttiebezirlen ins Leben rufen und ihre« Wirkungskreis feststellen. So lange dies nicht geschehen, bleibt das Gesetz ein todter Buchstabe. Die sehr verwickelten AuSführungsbestimmungen zeigen übrigens, wie wenig von dieser Institution, die keineswegs eine permanente ist, sondern nur auf Anregung und Initiative der Industrie- ir Hader oder Arbeiter ins Leben gerufen werden kann, zu hoffen ist. Bis jetzt haben, unseres Wissens, nur in zwei Städten, darunter eine der Vorstädte Brüssels, die Vertreter der In- dustric das Verlangen nach Einrichtung eines Industrie- und Ardeitsraths gestellt.— Der andere Ei laß, der von der Aus- führung des Gesetzes über die bedingte Freilassung handelt, schreibt in minutiöser Weise vor, unter welchen Bedingungen und in welcher Weise diese zu gewähren und wie der Entlassene während seiner relativen Freiheit zu behandeln ist.— Die Freilassung erfolgt nur in Fällen von Verurtheilung zu mehr als 3 Monaten und wird nur auf Grund moralisch guter Führung während der Haft und unter Zurathcziehung der Familien- und Vermöaensverdältnissc des Jnhaftirten bewilligt. Hierüber haben zunächst die Gcfängnißdirektoren, sodann die Verwaltungskom- misstonen der Strafanstalten, die Parquets und in letzter Instanz der Justizminister zu urtheilen. Während der Haft wird über die Führung der Strafgefangenen ein besonderes Buch geführt, aus welchem dem Minister Auszüge mitzutheilen find. Die Freilassung ist in jedem einzelnen Falle an besondere Bedin- gungen gebunden, die nach den Umständen bestimmt werden. So kann zum Beispiel dem Entlassenen der Aufenthalt an be- stimmten Orten untersagt oder ihm eine bestimmte Refidenz an- gewiesen werden; doch werden seine Wünsche in dieser Be- ziciiung berücksichtigt; auch kann er seine Freilassung zurückweisen. Auf jeden Fall bleibt er unter Aufsicht der Behörden seines Domizils, und bei schlechter Fühmng kann er wieder ins Ge- fängniß gebracht werden. ItaH-tt. liebet die Note Crispi's an die griechische Regierung betreffend Massauah theilt die„Triduna" fol- gende Details mit: Griechenland habe, heißt es in der Note, anfangs dos Recht Italiens, allen Bewohnern von Massauah Steuern aufzuerlegen, nicht nur nicht in Zweifel gezogen, son- dern es habe sich der griechische Gesandte in Rom, Papagiro- pulos, bei dem Empfang des diplomatischen Korps durch Crispi am 8. Juli d. I. über die ungehörige Einmischung Frankreichs in diese Frankreich nicht betreffende Frage sogar beschwert. Das diplomatische Verfahren Griechenlands in dieser Angelegenheit sei übrigens ein Gewebe von Widersprüchen. Griechenland habe anfangs die Rechte Italiens anerkannt, dann habe es Frankreich deauftragt, in seinem Namen zu protestiren, späterhin habe es dm in Massauah lebenden Griechen befohlen, die ihnen aufer- legten Steuern zu bezahlen und schließlich habe es der fran- zösischen Theorie über die Kapitulationen beigepflichtet. Nach der„Tribuna" schließt die Note Crispi's mit dem Hinweise darauf, daß die kleineren Staaten, weil sie in dem Konzert der Mächte eine gewisse Unverantwortlichkeit gmössen, ihre Rechte doch durch eine würdige und konsequente Politik wahren sollten.. Kußland. Schauderhafte Zustände herrschen im Gou- vernement Perm, doch dürfte Athnliches auch in anderen Gouvernements zu finden sein. Die meisten Kreise des Gou- vernements, so schreibt man den„Moskowskija Wjedomosti", haben seit dem Jahre 1883 nur Mißernten zu verzeichnen. Bald scheinen die Sckleußen des Himmels unversiegbar, bald wieder zeigt sich kein Wölkchen am Himmel und es herrscht da- für eine Hitze, die zm Zeit des Wachsthums des Getreides ebenso schädlich wirkt wie der Getreidewurm. Die Kreise Schadrin und Kamyschlow, die noch vor kurzem als die Kom- kammer des Urals galtm, find in dieser Beziehung besonders hart heimgesucht und gewähren gegenwärtig ein betrübendes Bild. Die Hälfte des früheren Viehstandes wird nur noch kümmerlich durchgefüttert, ungeheure Wiesenflächen find vernach- läsfigt worden und können auch nicht bearbeitet werden, da es an landwirthschaftlichen Geräthschaften fehlt! das in früheren Jahrm in schwerer Arbeit Erworbene muß jetzt zu Schleuder- preisen verkauft werden, denn am Orte giebt es keine Gelegen- heit zu irgend welchem Verdienst. Die Bauern begrüßten den diesjährigen frühen Frühling mit Freuden, sahen ihre Saaten infolge warmer Regen und Dank der warmen Witterung üppig emporsprießen und hoffte auf efo> Erntejahr. Seit Mitte Juni herrscht aber schon eil« pische Hitze, die oft 40 Grad Reaumur und mehr» seit Anfang Juli fiel kein Tropfen Regen und infolge dessen ist nun das halbgewachsene Sommer«« in die Nehren geschossen, das Wintergetreide gelb gewordm volle Kömer anzusetzen; das ganze Getreide, auch der find von den Sonnenstrahlen verbrannt. Gegenwärtig einem schrecklichm Hungerjahr entgegen. Zum wurde auch noch aus dem Gouvemement Todolsk die tische Pest eingeschleppt und hatfich schon über den J und einen Tbeil des Kamyschlow'schen Kreises verdreiier Pferde erliegen der Pest zu Hunderten, dabei ist noch n« etwas von Vorbeugungsmaßregeln gegen diese schreckliche Ä die durch Fliegen auch auf vre Menschen übertragen ww hören, denn es ist Niemand da, der in dem Zentrum der* die Maßregeln leiten könnte. Der Präsident der Lank******( steht wegen Amtsüberschreitungen in Untersuchung! jenes?en Aerzte) glied, welches ihn vertreten mußte, ist aus dem Landsc�l?�n deendete ausgetreten und ein noch amtirendcs Mitglied desselben ist, Jr5 Ende Ii des Lesens und Schreibens unkundig.< �die stch i wenn man gleich zu Beginn des Auftretens der Seuche ibl™ A�hheit entgegentreten wollen, so wäre man dazu doch nickt im A J � Airllion gewesen, denn es fehlt an Geld und Medizin. Man Host �. �mehoror eine Wendung zum Besseren von einem Witierungsweckst Ä"6" und man glaubt, die Seuche werde von selbst erlöschen,(oN Ul0"en a' kälter wird. Um die Stadt Kamyschlow hat man wciw �"n Veixfle rings einen Quarantänckordon gezogen. � Afrika. Jfc I* Dem„Rcuter'schen Bureau" wird aus PietermaritzbMii tiatüst meldet: Am 10. d. M. fand ein Zusammenstoß schen einer Abtheilung englischer Sold und Zulus statt, wobei letztere mehrere Todte und] wundete auf dem Platze ließen. Der Verlust der Eng! unbekannt. ionen sich, l'ch kostete dieser Sr n stellen ß nnen dm «zlliche 1 K weil wert Theater. Donnerstag, den 16. August. Schanspielhaus(im Wallner» Theater): Der Menonit. vpernha«»: Keine Vorstellung. tzeto»»tch- Wilhelmstädtisches Theater: Gasparone. firolT» Thealer: Der Troubadour. «Sead-Theater: Die Grille. »»iUalltarre• Theater; Das elfte Gebot. Othello's Erfolg. Uilltorta-Theater: Die Kinder des Kapitän Grant. Aönigstäd tische« Theater. Die Waise von Lowood. Kansmamt'» Uaricktck t Spezialitäten- Vor« stellung. Saaeordta- Theater» Spezialitäten- Vor- ftelluna. M# M'MU (früher Zontsen städtisch-«), Dresdenerstt. 72. Zum 6. Male: Die llm Orazim. Schweizer Garten. Am Königethor. Haltestelle der Ringbahn. Am Friedrichshain. Donnerstag, den 16. August: Benefiz für A. Kliesch. Grosse« Berliner National Volksfest. Zum ersten Male: Una.r luatigea Berlin. Possen-Pantomime in 4 Bildern. Alles Nähere die Plakate. Möbel-, Kpiegel-«nb Nolsterniaaren- Magazin von Jnlms Apelt, Sebastianstraße 27— 28. Meelle Maare. Prompte Kediennug. ßl Gesangsposse in 4 Atten von Leon Treptow, Kouplets von Gustav Görß, Mustk von Franz Roth(Novität). Elly: Bertha Feidau, Clara: Elly Bender, Gleichen: Marie Reichert, Nickel: Guido Tielecher, Heller: Hugo Hasokerl, Bullerkopp: Dir. Ad. Ernst. Anfang 74 Uhr. Killet- Bestell«« gen»erden stet« aas 4 Tage»oraua an der»aste«ut- segrn genommen._____ ""SffiiJÄJJ-''° Zweite Reise durch Ober- ttalien. Lago Maggiore und Como-See. Der ganze Trauerzug und Auf zahrung Kaiser Wilhelms im Dom. Tntree& Cycl. 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. r Soeben erschien: Die französische Revolution. Von w, Bios. Heft 2. Zu beziehen durch die Grpeditio« de»„Kerl. IZoUwMati", Zimmerstraße 44. WiederwerkAufern Rabatt. Meinem Freunde Siedel ein donner zu seinem heutigen Geburtstage. F. Heute Abend treffen sich die Dusselie bahn Ar. 4„Veieinsdlatt" und liegen aus. Es laden ein 344] Mehrere Du . urv ug/om jS2.Ku Selbstunterricht in der einfachen u. doppelt«' U" 0* O kaufmännischem und Darstellung eines Ei neuen abgekürzten Systems»ar doppelten Bndunetbode TM C. Schmidt, L.kt.i«„ M..4. I r» u Ifitse Preis I Mark. Zu beziehen durch die ExpeditiO«i| des„Berliner Volksblatf�(f Zimmerstraase 44. Internationale Bibliothek« Fortsetzung: Di» französtsche Kenolutio«, sowie sämmll. wiffensch. Werke u. Zeitschr. k. liefert frei ins Haus nach all. Gegenden d. Stadt 337] l* � rtltl Ititrhf Buchhandlung und Buchbinderei, Atz» gtzWtZttzZwVOtz, Brandendurgstraße 56, Hof 11. M Mi Zimmerleilß . Serie komplet � Sie desteht aus folgenden 7 Bände»: Die Darwi�'sche Theo-ie. Vo»� W .�eftsetzur ' Mden stets die ar int ei, E d w A v e l i n g. Broschitt Mk- Gebunden Mk. 2,—. Karl W»r»' Gek-nomisch» ,,. Gemeinverständlich dargestellt»»�Ji S'bung be läutert von Karl Kautsky. P™ Mk. 1,50. Geb. Mk. 2,-. � Wrlt.cköpfuug und Weltuntrrs» y Die Entwicklung von Himmel unv. vom Standpuntte der NaturwissenM' dargestellt von Oswald K ö h l e*- Broschitt Mk. 2,-. Geb. Ml. Die ländliche Arbeiterfrage. Nack- Ausfischen des K a b l u k o w. Bro! Ml. 1,—. Geb. Mk. 1,50. aifl Thomas More und feine Utsple-.' einer historischen Einleitung von Kautsky. Broschitt Mk. 2,— � Mk. 2,50.„„1 «harte« Fourier, sein Lebe» u ß seine Theorien. Von Bebel. Broschitt Mk. 2.— � Mk. 2,50. sozialen Entwicklung. Von- 9' Schippel. Broschirt Mk. 1.50. � Mk. 2,—. ' Kr, lEinx 1 et i! � e' k. war i l r Wind .-.nnen i i| �jenb u, uderr .'UD - Revolution, volkstümliche Darfst� Die II. Serie ist mit einem reichillusi-�, Wette von W.B los, Die fraulf?,!.«- der Ereignisse und Zustände in Fl»" von 1789 bis 1894, eröffnet worden. � Die Lieferungsheste(32 Sellen g- gp in Umschlag i 20 Pf.) find in der pedilion, Zimmerstraße 44, zu haben- Hochachtungsvoll l«. S>. PieVS«1" 202] i« Stuttgart. �'n wil «ott fiel braußen Ä � Em Arbeitsmark� den E. Vta«grave«r suckt Stell., V5'. fUUH o„Ctr iP/ Perlmtt. Adr. Ii. Lafeld, Reich-nbergew�� -— r— Zw««; Tüchtige 331] Verantwortticher Redakteur: K.«r-nheim in Berlin. Druck und Verlag von War Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hier?«»9* »e Kelegertn auf Leisten T-:- httun »uz st. 18 bei Beilage zum Berliner Volksblatt. Ä k Wl. i auf eii>! schon eil« nt> mehr> Regen i Sommel!« lb geworden auch dfl •nroärtigPA i. 3m bolsk die iber den„ verdreiier ist noch nk schreckliche Ö rtragen�w� t d!r Lank?ri d«r«esetzUchen KranKenverstcherung scheinen die ung; jenes Aerzte das weitaus dcste Geschäft gemacht zu haben. Die 7, Lanvschal T" beendete Statistik der Lage des gesetzlichen Krankenkaffen« »cffelben ist S» Ende 1886 läßt in ihren Zahlen n�den viUen Unsicher» indig.', It-bie sich daraus übet die Lage der siostcn ergeben, diese : Seuche idr"e Gewißheit klar hervortreten. Von der Gesammiausgade nickt im 8 5� Millionen Mrrk entfällt die Kleinigkeit von 10 Millionen Man Host �"-rsichor orar. 8 Millionen sind für Heilmittel und Arzneien irungsroed)!» �[8(bcn und 26 Millionen für Krankengeld, während weitere öschcn, soi� �ionen an Sterbegelder, Unterstützung von Wöchnerinnen man Donnerstag» de« 16. Angnst 1888. 3. Jahrg. Kokales. tlm stermmitz n en stoli !t Sold Lodte >er Engst donner . F. Duffelis und rere Du »ppelte* Ischen ng eine» em» inr liode i.h.d peditioWJ •biatWf xpediti'� 44: Kibli-t� lomplet Bänden- % "n Veipflegungsgl lder an Heilanstalten gezahlt find. Man Welleicht, den Aerzten sei durch die Einrichtung der Kranken- ' ein dedeutendes Feld ihrer früheren ärztlichen Thätigkeit |en. Das ist doch nur zum sehr geringen Theile richtig. latrstik ergiebt nämlich, daß die G�sammtausgade der 52 lwncn sich auf 1 692 307 Erkrankungsfälle vertheilt. Durch« «ch kostete jede Erkrankung eines Versicherten etwa 31 Mark. biescr Summe entfallen auf Arzthonorar 6,04 M. Für % stellen sich die Beträge böber. Jeder Einzelfall erforderte einen durchschnittlichen Gesammtaufwand von 45,55 M. ..ärztliche Honorar dabei genau festzustellen, ist nicht gut weil sehr zahlreiche Kranke in Heilanstalten verpflegt uiritt werden. Aber sehen wir von Berlin ad, so können boch wohl die Behauptung aufstellen, daß schwerlich ein von Angehörigen der ärmeren Bevölkerungsklasie für ärzt- «oe Handlung in jedem einzelnen Kcankheitefall 6 M. erhält. VZUte find einfach zu solcher Bezahlung außer Stande, am Wen, wenn Krankheit die Familie heimsucht. Im wahrsten des Wortes ist daher der größte Theil des Aerztehonorars ko Millionen für die Herren Aerzte gefundenes Geld, das beute infolge der Kaffenorganisation zufließt. Wir miß- den Aerzten diese Einnahme wahrhaftig nicht, aber koch nicht unwichtig, bei dieser Gelegenheit an das Vcr- 711*2*1 Arzte den neuen Kaffen gegenüber zu erinnern. Die i von den ärzllicken Berufe korporationen gestellten An« log Jw Aenderung des Krankenkafsengesetzes zielen ausnahms- ab, die Stellung der Äcrzte den Kaffen gegenüber *)u verdeffcrn und zwar was das Schlimmste bei der ? I. auf Kosten und zum Nachtheil der Versicherten, die ' m der freien Wahl ihrer ärztlichen Rathgeber noch mehr Witt werden sollen, als dies heute schon der Fall ist. Wir : Nebenbei bemerkt, überzeugt, daß die den Aerzten that- � zufließende Summe aus der Krankenvelficherung auch � schon höher ist: denn unter den 26 Millionen Krankengeld den stck auch die Krankengelder solcher Kaffen, die an Stelle usteien Arztes ihren Mitgliedern ein Höheres Krankengeld ij und ihnen die freie Wahl eines Arztes übcrlaffen. In -.diesen Fällen bezahlt der Kranke den Arzt aus eigener ah und diese Summen find aus der Statistik natürlich nicht r'ith. Nichtsdestoweniger find die Herren Aerzte unzu- Wie würde man wohl gegen Arbeiter wettern, wenn z�vter ähnlich� Verhältnissen, wie den hier gegebenen, für 1 1 �bhne agitiren wollten?— Indessen, es scheint heute .�rzte ,u geben, welchen das bekannte Sprückwolt nicht m; Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ! . der Gewerbedeputation de« hiesigen Ma- »eiterKiWch in letzter Zeit mebrtach Streitsachen zwi>chen Uiidnrdcn und ihren Gehilfen zur Verhandlung ge. vklche erkennen lassen, daß über die Verpflichtung zur �eib-?8 einer vierzehntägigen Kündigungsfrist, wie sie Vre i �,?Wdnung vorschreibt, sowohl bei den Prinzipalen wie bei , ow°%7n unrichtige Auffaffungen bestehen. Sowohl die �llbeitseinstellung seitens der Gehilfen, wie die so- �utlaffung durch den Arbeitgeber ist von den inter- Uonfr v cn in gewissen Fällen damit motivirt worden, daß VJ Unoiger Arbeitsvertrag nicht vorliege, wenn eine Bei- % Silber die Höhe des Lohnes nicht getroffen ist sondern W�nletzung erst nach einiger Arbeitszeit des Gehilsen ver- forden sollte. Die Gewerdedeputation hat in solchen »öi!,! �'e JnnehaUung der vierzehntägigen Kündigungsfrist 8 aachtct, wenn einer der beiden Theile die Aufhebung lo m!�untraktes verlangte. Der Arbeitsvertrag ist perfekt .,"9% eine vom Amtsgericht I als zutreffend anerkannte ÄS* cv. h- t'K,______________.._____________ . äro#?11 S"!!8 bn Gewerbe-Deputation aus— durch die Zusage ly. Bröl � vestsgelegenheit von der einen, und den Arbeitsantritt Ä'SS S# in Fran"� wW-ßpf haben- C' lfvwu7/ llVV VVk dvvvy.v.- wvrr/ Hknsp,. Holzriegel seiner Thür vorgeschoben und das � angeblasen hatte.„Jetzt wird mein Weib für wohl'S Christbamerl bald holen, sie werden , z- �über und auch auf mich denken. Na,i will mir auch ein' � Ä.?. 0g iNörflPn iinS =1� ' Kraut des Zuchthäuslers. , �®NE Dorfgeschichte, dem Leben nacherzählt.) U?'st eine böse Nacht!" brummte der Kohler-Sepp, % w* letzten Rundgang um seinen dampfenden, qnalmen- bivk ffemacht und mit aller Kraft gegen den Sturm p'en mußte, um in seine kleine Hütte zu gelangen. war eine böse Nacht! Mit'unheimlichem Geheul > vom„Hinterg'schoad" durchs Thal gebraust. und Fichten im Walde neigten und wiegten it%- unter fernem Anpralle und schlugen mit ihren % Ä?wmen, daß cS oft gar gespenstisch im Holze zu llhinr. Wenn der Sturm auf Augenblicke ver- sah man die hohen Lärchen, alle anderen Bäume l"tagend, ihre kahlen Aeste wie um Erbarmen ffen Himmel strecken und sich finster vor den bler- «w wilder Flucht dahinjagenoen Wolken abheben. b* r?eh' bem Wanderer bei, der bei dem Wetter heut' x war< r Wind Mannen v- i"-y wem Wanoerer ver, oer ver vern xoewee utu» »em p"\en'1* sprach, sich schüttelnd, der Kohler-Sepp, » s i wachen und meine Erdäpfeln sied'n. Wann besser wär'n, hätt' ich mir an Wein'taust, aber unterdrückend, griff er nach seinem und machte sich daran, sein Vorhaben auS- Em mächtiger Windstoß trieb p'ötzlich den Moos- �fter« welcher die kleine Oessnung der Seitenioand, sein .�"schloß, heraus und fuhr im Wirbel in dem J �epv?r>m, die Funken wild herum treibend. Schnell , t|0%aq(st Topf fallen und stopfte mit rascher Geistes- '«t' wied�en Hut in die Oeffnung, suchte dann das Mammen, um damit, sobald der Sturm etwas L ot}'- itj'W, a�' bas Fenster wieder zu verschließen. Da war Auf � draußen mitten in dem Aechzen dcS Wal- au« hätte. Lauschend beugte er sich vor � ez x /w sich entfernenden Brausen und Rauschen "ch:„Kohler l" von der anderen Seite, und ist keineswegs abhängig von einer vorherigen Vereindamng über Lohn und Arbeitsbedingungen. Der Arbeiter kann daher ohne Aufkündigung seine Arbeit auch dann nicht verlassen, wenn eine Einigung über den Arbeitslohn nicht erzielt wird; es steht dem Arbeiter in solchem Falle nur das Recht zu, im gerichtlichen Prozesse eine höhere Lohnforderung gellend zu machen.— Nach dieser Entscheidung, die gleichmäßig in alten derartigen Prozessen gefällt wird, dürfte es sich empfehlen, bei Eingehung des Arbeitsoertrages entweder einen destimmten Lohn festzusetzen oder ausdrücklich zu vereinbaren, daß bis zur Festsetzung eines bestimmten Lohnes beide Theile von Jnnehallung der gesetzlichen Kündigungsfrist defreit sein sollen. * Ueder das spät« Auszahlen der Löhne am Sonn- abend wird von den Bauarbeitern lebhast Klage geführt. Ab- gesehen von den Unzuträglichkeiten, die den Arbeitern im allge- meinen dadurch bereitet werden, leiden die an Bauten be- schästigten Ardeiter unter dem genannten Uebelstand noch im besonderen, weil fie zumeist in großer Entfernung von der Ar- beitsstätte wohnen. Es ist juridisch wie auch moralisch ent- schieden zu verurtheilen, daß der Arbeiter, der 6 Tage im Schweiße seines Angefichts ums kärgliche Brot gerungen hat, nun auch noch am Zahlungstage stundenlang auf die sauer er- wordenen Groschen warten muß und es ist daher der Wunsch, daß solche Fälle öffentlich gerügt werden, als ganz berechtigt zu betrachten. Ein solcher Fall wird uns von dem Bau des Unternehmers Hennig in der Urdanstraße gemeldet. Um 5 Uhr hatten die Arbeiter am vergangenen Sonnabend Feierabend ge- macht und um 7 Uhr war die Auszahlung noch nicht beendet; einige Arbeiter sollen sogar noch viel später auf Geld gewartet haben. Hoffentlich trägt diese Notiz dazu bei, daß der beregte Uebelstand beseitigt und den Arbeitern nunmehr der wohl- verdiente Lohn zur gehörigen Zeit ausgezahlt wird. Kei de»� diesjährige« Psiasterreparaturen ist in verschiedenen Straßen das sogenannte geräuschlose Pflaster de- theiligt und die Art, wie bei diesen Reparaturen zu Werke ge- gangen wird, ist für das vorübcrkommcnde Publikum manchmal geradezu gefährlich. Daß man die Straßen, wo die Ausbesse- rungen nothwendig waren, nicht alle vollständig gesperrt hat, war jedenfalls eine wohlgemeinte Rückficht für den Verkehr; wenn man aber steht, wie an solchen eingeengten Theilen der Straße fich drei, vier Wagen begegnen und dicht dabei die mit Kohlenfeuer gefüllte rolhgluhende Äsphaltwalze steht, vor deren beängstigender Wärmcausströmung auch die ruhigsten Berliner Droschkenpferde fich erregen, dann scheinen die Folgen einer Karambolage von Fuhrwerken mit diesem glühen- den Wärmeinstrument nur zu leicht möglich unv ge- radezu entsetzlich. Die koloffalle Wärme- Ausströmung, weiche die eisernen Gluthkessel von fich geben, in denen die zum Glätten des Asphalts nölhigen Eiseninstrumente zum Glühen gebracht werden, muß fich der Passant nun schon gefallen lassen, auch trotz der reichlichen, nachträglichen Sommerhitze der letzten Tage. Aber mit Recht wurde am Montag in der Potsdamer- straße eine Eimichtuna zum Theerkochen inhibirt, die auf der Bordschwelle unter Zuhilfenahme einiger Mauersteine etablirt war, und wo ein hellaufflammendes Feuer unter einem mächtigen Thcerkessel brannte, während die Vorübergehenden wenige Schritt von diesem Heei de entfernt, entlang gehen mußten. Ein Wind- stoß, der die Flamme hier weiter als vorauszusehen über das Troittoir trieb, konnte jeden Augenblick die Kleider vorüber- gehender Damen in Brand setzen und Unheil anrichten. Tie nothwendige Benutzung solcher Feucmngs Einrichtungen bei den Reparaturen unserer Asphaltdämme wird in Zukunft doch größere Sicherheitsvorkehrungen namentlich da nöthig machen, wv die Straßen während der Reparaturen n cht gesperrt werden. In keiner Straße K erlins wird augenblicklich so viel gebaut, wie in der Chausseesttaße. Neben den vollständig neuen Terrains, nicht nur auf denen der ehemaligen Borfig'schen und Wöhlert'schen Maschinenfabriken, entstehen neue Häuseranlagen, auch an anderen Stellen werden zahlreiche alte Häuser nieder- gerrssen, um Neubauten Platz zu machen. Die Vesnndheitvverhältnisie Kertin» gestalten sich im Allgemeinen günstiger als diejenigen der übrigen Weltstädte Europas, geschweige dem der anderen Erdtheile. Die Beob- achtungen, welche darüber von Zeit zu Zeit angestellt werden, find wcrthvoll genug, um in die Erinnerung zurückgerufen zu werden. Käme im Sommer nicht alljährlich der Würgeengel, um die Kinder so zahlreich hinwegzuraffen, so könnte fich in Sich ftomm bekreuzend trat er vor die Thür und sah, obwohl nahe vor sich, im Blättertreiben undeutlich die Ge- stalt eines großen Mannes. „Der Hauf'n brennt außa!" schrie ihm der Fremde durch daS Tosen der Elemente zu und eilte mit geschäftiger Dienst- Willigkeit hinter ihm zur Stelle, wo wirklich das Feuer zwischen den Brettern der Verschalung sich einen Ausweg gebahnt hatte. Trotz der Kälte trat den Beide» bei Bewältigung des Rebellen der Schweiß auf die Stirne, doch endlich krönte der Erfolg ihr Bemühen. „Schönen Dank," sagte Seppl, seinem Helfer die be- rußte Hand darreichend, die dieser jedoch nicht zu s ben schien.„Komm' in mei' Hütl'n und warm Dich a biss'l." Dabei öffnete er die Thüre, der erneuert ausbrechende Sturm fachte die Gluth zur hellen Flamme und im rothen Scheine derselben blickte er dem Unbekannten in» Gesicht, wich jedoch mit einem leisen„Jesus Maria!" zurück, eilte in seine Hütte und verschloß sie sorgsam. Daun setzte er sich, der Wirkung deS Schreckens nachgebend, auf sein mit Stroh und einem alten Soldatenmantel ausgefülltes Bett- aestelle und schien nun seine Mahlzeit gänzlich vergeffen zu habep. „Der Keanbauer Nazl war's," murmelte er vor sich hin. „3wei Jahr' war er im Gefängniß. weil ihm die Herren vom G'richt beschuldigt hab'n, er hätt' den Jaga-Simerl er- schaffen! Zwa Jahr im Zuchthaus und jetzt ist er wieder da. Was wohl die G'schoader-Julia dazu sagen wird und wo er in der Nacht hingeht? Den Kopf schüttelnd ging er schweigend an die Bereitung seines bescheidenen Abend- brodes, bei jedem heftigen Windstoße mit großer Besorg- niß nach der alten, kaum noch zusammenhaltenden Thüre blickend, schob er dann die Gluth zusammen, bedeckte sie sorgfältig mit Asche und legte sich, den Rosenkranz m der Hand, zur Ruhe. Der Fremde war einen Augenblick, nachdem ihn der Kohler so bestürzt und eilig verlassen hatte, vor der Thür stehen geblieben, ein schmerzliches Lächeln zuckte um seine Lippen und die gutmüthigen Augen nahmen den Ausdruck unendlicher Wehmuth an.„Mein Gott," klagte er still und schritt durch den Morast dahin,„der war amal mein Freund sanitärer Hinsicht überhaupt keine Großstadt der Welt mit der Metropole Deutschlands meffen. Uebriaens läßt diese Epidemie schon in dem Maße nach, wie fich die Milchverhältnisse bei uns verbessern. Gleichwohl bietet der Boden Berlins für gewisse Epidemien ein Terrain, wie es sich der Sensenmann kaum günstiger wünschen kann; und nur eine andauernde Ueberwachung der zu Tage trete, ifcn Verhältnisse ist im Stande, hier Abhilfe zu gewähr, n. Und gerade der Westen und Süden, zumal des Zukunfis B.rlins, soll, wie medizin.sche Autoritäten behaupten, den gefährlichsten Herd darbieten. Der Grundwasserspiegel liegt nämlich, besonders im Westen, nahe unter der Oberfläche. Nun hat nach den maßgebenden Untersuchungen des berühmten Ge» lehrten Pettenkofer das Steigen und Fallen desselben ren denkbar größten Einfluß auf die sanitären Verhältnisse eines Ortes, weil die Berührung mit den zahlreichen organischen Einfllüffen des Bodens leider niemals zu vermeiden ist. Die Kanalisation, diese sanitäre Zierde Berlin, bat damit absolut nichts zu thun; was nützt es aber, daß die Straßenreinigung Berlins so vollkommen ist, wie in keiner anderen Stadt der Well, wenn man dem Boden selbst nicht die Keime zu den vielen Krank« hellen entzieht, welche andauernd durch ein zu hoch gehendes Grundwasser in ihr geleitet werden!— Besonders ungünstig liegen die Grundstücke in der Nähe des Schifffahrtskanals und des Schwarzen Grabens, wo die Grundwafferfrage fich für die Gesundhcitsverhältnisse im allerbedenklichsten Lichte zeigt. Da>u kommt, daß man in gewissen wenig bebauten Gegenden die Be- dingungcn für die gefährlichsten Epidemien geradezu künstlich erzeugt, indem man der Unsitte buldigt. die tiefliegenden Grund- stücke mit sogenanntem„Müll" auizuhöhen. Dieser wird direkt in das Grundwasser gesetzt, wodurch demselben natürlich alle die famosen Bestandtbelle des Mülls, als da find: Reste von alten Stiefeln, Schuhen, Thierleichen, Haare von Menschen und andere nicht auf zählbare und zuweilen unaussprechliche Gegen» stände beigemischt werden. Ein Mal auf solche Weise infizirt, kann der Boden nur sehr schwer von seinen schädlichen Be- standthrilcn befieit werden. Daß dadurch die Brunnen der ganzen Gegend vergiftet werden müssen, liegt auf der Hand; aber die sanitären Behörden tragen bei weitem nicht die ge- nügende Sorge, daß das Publrkvm belehrt und nöthigenfolls verhindert werde, den Boden Neu- Berlins so zu einem Herde von den gefährlichsten Bacillen aller Art zu mache». Und solche Terrains legt man gerade in den schönsten Theilen der Landes- Hauptstadt an, im Süden und Westen, wie wenn man es sich- angelegen sein ließ, denselben für alle Zell in ein unausrott- bares Krankheitsfeld zu verwandeln! Anläßlich dr« Unfall» auf der Berlin- Potsdamer Eisen« bahn am Sonntag kommen aus dem Publikum.mancherlei Klagen. In erster Reihe wird darüber geklagt, daß die Her- stellung des dritten und vierten Geleises, welche nach Beendi« gung aller Vorarbeiten längst genehmigt ist, in auffallender Weise verschleppt wird. Wie oerlautet, ist für die Erwerbung des Grund und Bodens in mehreren Fällen keine Einigung er- zielt worden; gegenüber dem Umstände, daß unter den heutigen Betriebsvcrbällniffcn die Sicherheit von Hunderten von Menschen gefährdet erscheint, kann aber die Frage nicht in Betracht kommen, ob der Fiskus nach längeren Verhandlungen das Land vielleicht etwas billiger erwirbt, als es ihm zur Zell angeboten wird. Das Publikum bat Anspruch auf eine schleunige Regelung dieser Angelegenheit. Ferner wird darüber geklagt, daß die Eisen- babnoei waltung den Reisenden nach Potsdam an Sonntagen zumuthet, in den ältesten, eng gebauten und verstaubten Wagen, die oftmals sonmndurchglüht in den Bahnhof gebracht werden, die Fahr: zurückzulegen. Die Elser bahnstrecke von Berlin nach Potsvam ist für die Verwaltung eine der rentabelsten im preußischen Staate, und somit wären wohl die an sich recht mäßigen Ansprüche, welche seitens des hiesigen Publikums gestellt werden, einer Betrachtung werth, ohne daß es zu jeder Neuerung entsetzlicher Vorfälle bedürfte, wie sie auf der Berlin- Potsdamer Bahn in den ützlen Jahren vorgekommen find. Ein Brief- schreibet, den die Natur mit ziemlich langen Beinen ausgestattet bat, schildert der„Voff. Ztg." in sehr beweglichen Klagen die Pein, welche er während eines mehr als vierstündigen ununter- brachen en Aufenthalts in einem solchen schmalen Kovpee zweiter Klaffe(für ihn wurde es zum Martcrlastcn) auszustehen gehabt bat. Er ladorirt noch heute an dieser Fahrt. Auch ein fernerer Mißstand verdient Abhilfe. Die bureaukratische Zugeknöpstbeit unseres Beamtcntbums ist bekannt. Als die ersten Wagen von Berlin aus ankamen, erkundigte fich natürlich Jeder, was vorge- und jetzt rennt er vor mir davon! Freilich muaß er alaub'n, daß ich den Jaga erschoff'n Hab' und ich darf'S nöt sagen, daß ich unschuldig bin und derHanS'l, mei' Bruder, das am G'wiffen hat, denn sonst kunnt er doch no' ein- g'sperrt werden und er hat Weib und Kinder! In Gotr'S Namen soll'n die Leut' glauben, was sie woll'n, wenn nur mei' Jula mir treu blieb'» iS, wie s' mir versprochen hat. Zum Hansl kann ich heut' nimmer, sonst nimmt mich Nie- mand auf, ich muß also zu ihr! Vorwärts!" Diese Selbstermuthigung war durchaus nicht überflüssig, denn durch den Graben kam der Sturm mit rasender Gewalt in kurzen Intervallen dahergerast. Jetzt wandte sich Nazl gegen einen steil links nach aufwärts führenden Weg und durch die hohen Felswände zu beiden Seiten ge- schützt vor dem Elemente, arbeitete er sich mit keuchender Brust vorwärts. Jetzt hatte er die Höhe erreicht und gleich- zeitig erfaßte ihn der hier oben mit ungeheurer Wuth da- herbrausende Sturm und trieb ihn trotz seines Widerstande» unaufhaltsam vor sich hin, bis es ihm gelang, sich an einem einzeln stehenden Baume festzuhalten. Endlich trat er auf eine weite, vollkommen fteie und baumlose Ebene und hier erst begann das schwerste Stuck Arbeit. Der Schweiß lief ihm von der Stirne, während eisige Kälte seine Füße und Hände durchdrang. Da— durch der Morast hindurch— flammte es vor ihm auf, wie ein trost- und hilfeverheißender Stern grüßte der noch ferne Schein zu ihm hinüber; er kannte das Fenster, dem da» Licht entströmte gar wohl, er wußte, daß dort seine Jula wohnte und die letzte Kraft zusammenraffend, arbeitete er sich vorwärts. Plötzlich heult ein Windstoß gegen ihn; er wollte sich am Zaune festhalten, doch dieser, als und morsch, gab der Wucht des Anpralles nach und stürzte, ihn mit sich reißend, in den Graben Einen grellen Schrei des Schreckens stieß Nagl bei seinem Sturze auS, dann trachtete er sich aufzuraffen und auS dem Schutt sich zu be« fteien. Wohl gelang ihm das, aber feine Arme hatten keine Kraft mehr, feine Füße versagten ihm den Dienst, gänzlich erschöpft brach er wieder zusammen. Noch einen Blick warf er nach dem erleuchteten Fenster, daS ihm früher so freund- lich zu winken schien und nun kalt und gleichgiltig auf seine fallen sei, denn nur eine schwere Verkehrssiöiung konnte so langen Aufenthalt verursachen. Man blieb nur auf die unbe- stimmten Mittheilungen einzelner Paffagiere der vorüberfahrenden Züge angewiesen. Alles lautete so unbistimmt, daß die Unruhe und Ungeduld nur noch größer wurde. Hätte man mit einiger Sicherheit erfahren können, was wirklich vorgefallen und wie lange annähernd der Aufenthalt noch dauern könne, so. wäre das Publikum weit beruhigter gewesen. Gleichwohl muß gesagt werden, daß das Verhalten des Publikums, soweit es der Schreiber dieser Zeilen beobachten konnte, musterhaft war. Man will durch solche Zugeknöpftheit keine Beunruhigung ins Publikum bringen, vermehrt dadurch aber die Unruhe. An der Ktation KchSnederg waren noch gestern einige Personen mit Erdarbeiten beschäftigt, um die letzten Reste des Eisen babnunfalls vom vorigen Sonntag zu vertilgen. Raffinlrte Miethsverträge. Bekannrlich find Haus« eigenrhün er, welche bei eintretender Dunkelheit Treppen und kliere nicht gehörig beleuchtet hatten, neuerdings wiederholt bestraft und zum Ersätze des Schadens verurtheilt worden, welchen Diejenigen erlitten hatten, die Treppen und Flure im Dunkeln benutzten. Um nun die Gefahr des Schadenersatzes von den armen Hausbefitzern abzuwenden, bestimmt ein dem„B. T." vorliegendes, von dem Grunddefitzerverein des Schönhauser Sradttheils herausgegebenes Miethsoertrags-Formular in 8 3 Abs. 6: „Für Schäden und Unfälle, welche der Miether und seine Angehörigen im Bereiche des Grundstücks treffen, hat der Vermiether ohne Rücksicht auf etwaiges Verschul- den unter keinen Umständen aufzukommen." Charakteristisch ist das Bestreben, jedes Recht, welches dem Miether gesetzlich zusteht, durch Vertrag zu beseitigen und den Mielher rechtlos zu machen. Dies Bestreben macht sich auch dort geltend, wo der Vermiether offenbar im Unrecht ist und eine ibm offenkundig obliegende Verpflichtung, wie die der Be- leuchtung der Treppen und Flure, vemachläifigte. Können nun freilich durch solche Vertragsabreven die Strafen nicht beseftigt werden, welche die Straflichter über diejenigen Hauswirthe ver- hängt, welche die Uebertretung begangen haben, so schützt der Hauswink sich doch durch einen solchen Kontrast gegen dm privatrech llichen Schadensersatzanspruck des Miethers, wenn dieser ven Vertrag unterzeichnet. Die Miether, welche fich nicht rechtlos machen lassen wollen, werden fich daher hüten müssen. einen solchen Kontrast zu unterschreiben, und die Hauswirthe werden fich genöthigt sehen, eine so unbill'gc Vertragsklausel fallen zu lassen, wenn die Miethcr bei ihrer Weigerung bc- harren. Bei allen Verträgen soll Sonne und Wind zwischen den Kootrabcnt-n gleich vertheilt sein, der Vermietbcr, welcher seine gesetzliche Pflicht nicht erfüllt, soll für diese Nichterfüllung verantwoitlich bleiben und der Miether sein gutes Recht nicht dem Eigennutz des Vermiethers opfern. Dies Ziel ist jedoch nur zu erreichen, wenn der Miether auf seinem Rechte fest und standhaft besteht, solche rafstnirte Miethskonstatte also nicht unterschreibt. Histirnng, Vorgestern Abend wurden 7 Personen beim Austrrll aus einem Lokal in der Mariannenstraße von einigen Gehe mpolizisten verbastet und nach der Polizeiwache in der Reichendergerstraße ststirt. Sechs von ihnen wurden bald darauf entlassen, während ein Buchbinder, bei dem ein Buch mit Nolijrn gefunden wurde, zuiückbeh alten wurde. Einer von den Entlassenen, der Buchdrucker Wilh. Werner wurde dagegen am nächsten Tage auf dem Wege zur Arbeit in der Nähe des Oranienplatzes verhaftet und nach dem Molkenmartt gebracht; bis um 3 Uhr war er noch nicht entlassen. In Anbetracht unserer heutigen Kierverhältniss«. welche an Reichhaltiakeit kaum etwas zu wünschen lassen, scheint eine Annonze vom Fahre 1786 von Interesse, aus welcher er- fichtlich ist, welche Äiere zur damaligen Zeit in Berlin ver- schänkt wurden. Dieselbe lautet wörtlich:„Da ich meine Wohnung in der Rosenstrnßc verändert und bereits den 3. dieses(3. April 1786) E E. Berlinschen Ratbskeller bezogen; so mache solches einem gechrien Publiko hierdurch bekannt, und daselvst Mittags und Abends speise, auch veischicdene Sorten hicstge uno fremde Biere, sowohl in, als außer meiner Wohnung verkaufe als: weiß Englisches in verfiegclten Botcillen a 4 Gr., braun Englisches» 2 Gr., Schwedisches 4 2 Gr., dopp.lt Schwedisches 4 3 Gr., braun Fredersdorfer 4 1* Gr. 9 Pf., und Coltduffer 4 1 Gr. 9 Pf." Jedenfalls waren die Bier- preise mit Rücksicht auf den großen Werth, welchen damals Geld hatte, außerordentlich hoch und nur die„oberen Zehw tausend" werden in der angenckmm Lage gewesen sein, des Abends fich an„weißem Englischen" laben zu können! Daß hrs ig» Grmüthvanfregnngen den körperlichen Zustand oeci. stussen lönnen, und zuwerlen Krankheiten hervor- zurufen im Stande find, ist bekannt und wird auch von der medizinischen Wissenschaft zugegeben, wenngleich manche Eigen- thümlichke>ten und B ziehungen zwischen Ursache und Wirkung, zwischen seelischen Affeltionen und körperlichen Leiden nicht ge- nügend aufgeklärt sind. Die vulgären Ausdrücke, wie„stch ärgern, daß emem die Galle übergeht", haben daher ihre volle Berechtigung. In der That geben viele Personen, welche an Gelbsucht leiden, auf Befragen des Arztes nach der Ursache der Kiaulh.il mit großer Bestimmtheit an, daß fie bald nach einer schweren G.mütbsdcrreifion gelb geworden seien. Es trist nämlich Verzweiflung herblickte. Er dachte daran, wie nahe ihm Hrlfe sei, und doch sah er keine Möglichkeit, sie herbei- zurufen! Der Sturm tobte mit ununterbrochener Gewalt, er fühlte die Kälte des TodeS von seinen Füßen rjegen das Herz heranschleichen, ein wilder VerzweiflungSschrer entrang sich seinen Lippen, dann ward'S ihm dunkel vor den Augen, bewußtlos sank er zurück. Beim„G'schoader" oben war es recht gemüthlich und traulich. Ze ärger der Sturm an ven verschlossenen Fenstern rüttelte, desto lustiger prasselte das Feuer im großen grünen Ofen, der beinahe den vierten Theil der Stube einnahm. Die Bäuerin saß auf der Ofenbank und ließ das Spinnrad lustig schnurren, während der Bauer in stiller Beschaulichkeit fern Pfeifchen schmauchte und Zula, seine schmucke Tochter, bald neues Kienholz auf den alterthümlichen, mitten im Zimmer hängenden Herd warf, daß die lustig zuckenden Flammen alle Theile der weiten aber niederen Stube be- leuchteten, bald ihren Strickstrumpf wieder zur Hand nabm, den sie gar oft, in Gedanken verloren, in den Schooß sinken ließ und dann, aus ihren Träumen zur Wirklichkeit zurück- kehrend, seufzend wieder aufnahm. Jetzt kündete die alte Uhr in ihrem unförmlich hölzernen Kasten die neunte Stunde, der Bauer legte seine Pfeife beiseite, die Bäuerin ließ ihr Spinnrad stehen. Jula legte ihren Strumpf weg und holte die alte, dicke, in Schweinsleder gebundene Bibel vom Spind, die sie dem Vater hinlegte. Nachdem er seine großen runden„Glasaugen" vorgenommen, laS er langsam und feierlich ein Kapitel vor, die Seinen hörten ihm in ruhiger Andacht mit gefalteten Händen zu und als er geendet und seine Brille wieder ab- gelegt halte, beteten alle zusammen die in der Adventzeit gebräuchlichen Gebete und dann noch besondere für die Ruhe und Seligkeit ih er todten Lieben. Zwei Söhne waren als „Kaiserliche" auf dem Schlachifelde geblieben, eine Tochrer mir einem Raubschützen durchgegangen, verkommen und ver- dorben, und nur Jula war ihnen geblieben und alle die unendliche Liebe der Eltern konzentrirte sich jetzt auf sie. in solchen Fällen ein plötzlicher Verschluß des Gallenganges ein, welcher den normalen Abfluß der Galle verhindert und den Gallenfarbstoff ins Blut übertreten läßt, der dann die Haut gelb färbt. Eine Statistik, welche Gekeimrath Gerhardt in der zweiten medizinischen Klinik über die Ursachen der Gelbsucht aufnehmen ließ, hat eraebcn, daß in vielen Fällen heftige Ge- müthsaufregunger. die Veranlassung gewesen waren. Bei dieser Gelegenheit mag ein seltsamer Fall erwähnt werden, welchen der genannte Kliniker kürzlich seinen Zuhörern aus eigener Ersah- rung crzähste. Zwei berühmte Diplomaten verhandelten einst über ein politisches Thema. Im Verlaufe der jedenfalls heftigen Diskusston wurden die beiden Staatsmänner so aufgeregt und geriethen derartig in Zorn, daß beide Politiker ohne weitere Umschweife zugleich, jeder durch eine andere Thür, das Be- rathunzszimmcr verließen und in zwei Vorzimmern gleichzeitig fich— erbrachen. Da» Ginmachen oder Aufbewahren der Pilze. Die in Deutschland fast in allen Waldungen wachsenden Pilze oder Schwämme lassen fich auf einfache und billige Ast konserviren. Morcheln, Champignons, Ziegenbast, Stein- und Herrenpilze, Hünchen oder Pfifferlinge werden wie folgt vorbereitet: Man wäscht fie rein ad, läßt fie gut abtropfen und legt fie dann in einen Topf und destr.ut je ein Liter Pilze mit vier Eßlöffel Salz, deckt dann einen Teller über den Topf und läßt ihn so über Nacht stehen. Die Pilze werden infolge dessen sehr zu- sammenschwinden und viel Saft gebildet haben. In diesem Saft läßt man fie ordentlich aufkochen, am besten in einem reinen irdenen Topfe. Nachdem fie etwas abgekühlt sind, füllt man die Pilze in Büchsen, läßt etwas Saft überstehen und ver- schließt fie wie jede eingemachte Frucht gut lustdicht. Es ist zu empfehlen, die Büchsen nicht allzu groß zu wählen, indem an- gebrochene Büchsen an Haltbarkeit verlieren. Die Pilze werden mit der Brühe zu allerhand Braten und Saucen verwandt und geben diesen einen sehr feinen Wohlgeschmack. Auch werden Pilze mit verschieden gewürztem Essig eingemacht, auch wer- den viele Pilzcrlen getrocknet, wodurch manche aber an Wohl- geschmack verlieren, nur Champignons, Stein- oder Eichpilze nickt. Wo Pilze in Menge wachsen, da lohnt cs sich, diesen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, zumal selbige in Städten gern gekauft und auch gut bezahlt werden. Morcheln und Cham- pignons find vor allem stets gesucht. Der Abenteurer Asstng. Ter jetzt', in Wien in.Hast befindliche ehemalige preußische Premierlieutenant Asstng bat seine bereits erwähnten Manipulationen in weit größerem Umfange betrieben, als es nach den bisher an die Oeffentlichkeit gekom- menen Mittheilungen scheinen mag. Er inseriste nicht nur in deutschen Zeitungen, sondem auch in czechischen, polnischen (Warschauer), französtschen und anderen Blättern. Aber in allen diesen Anzeigen, wenigstens in denen, welche in slawischen Zeitungen erschienen, war von seinem System zur Sprengung von Spielbanken niemals die Rede. Vielmehr suchte einmal Asfing Damen mit Vermögen, um angeblich ein lukratives Modewaarengcschäft zu begründen; ein anderes mal wünschte er durch seine Zeitungsankündungen die Bekanntschaft von Kapitalisten, um eine Theatertrupp: zu sammeln, welche Rund- reisen durch die Hauptstädte von Europa unternehmen sollte, ein drittes mal verlangte er einen Associö zur Errichtung einer Heilanstalt in Steiermark, bezw. in Tirol rc. w. Meldeten sich auf diese Annonzcn irgendwelche Personen, so theilte er denselhen mit, daß das in Rede stehende Unternehmen augenblicklich nicht verwirklicht werden könne, daß er aber dafür im Besitze eines Rezeptes sei, mit dem man 100 000 Fils den Tag verdienen könne� Dies s„Rezept" war nun sein„System zur?prengung von Spielbanken". Aus den meist sehr langen Briefen des Asstng geht übrigens hervor, daß er nur mit geringem Ge- schick voi gegangen ist und daß seine Bildung auch nur eine ober- flächliche ist. Kri dem MilchständUr pikalau» Cierpka, Mitten- walderstr. 61 Hierselbst, ist, polizeilicher Bekanntmachung zufolge, wieverholt Milch entnommen worden, welche nickt den Bestim- munpen in der Polizeiverordnung vom 6. Juli 1887 entsprach. Der Genannte ist deshalb in diesem Jahre schon wiederholt be- straft worden. Ei« böfer Streich wurde dem Fuhrherm Groß, Pappel- Allee 7 dadurch gespielt, daß ihm eines Abends durch einen Fahrgast während ver Fahrt von der Münzstraße nach der Memclerstraße das Hintere Plüschkiffen und ein Seitentheil seiner Droschke zerschnitten wurden. Der Fahrgast wurde nach Be- cndigung der Fahrt der begangenen ruchlosen That zwar nicht sofort üdersührr, denn er verschwand zu schnell im Hause, aber olle Anzeichen sprechen dafür, daß er und kein anderer der Thäter sein müsse. Groß begab fich anderen Tages nach dem Hause und traf auch glücklich seinen„Kunden" an. Als ihm Groß die That auf den Kopf zusagte, wollte jener zwar von nichts wissen, dennoch fand er sich bereit, einigen Schadenersatz leisten zu wollen, Groß solle nur das Kissen-c. wieder repariren lassen. Groß, welcher die Sache im Verein Berliner Droschken- kutscher zur Anzeige brachte, ist thatsäcklich von seinem Kunden nunmehr schadlos gehalten worden, wodurch dessen Thäterschaft erwiesen ist.— Und aus welchem Grunde wurde dieser Buben- streich verübt? Die Ursache ist nach der Erklärung des Fuhr- Herrn Groß darin zu suchen, daß er bei Beginn der Fahrt das Fahrgeld von seinem Fahrgaste forderte, worüber derselbe Bauer und Bäuerin hatten sich von den Knien er- hoben, nur Jula lag noch vor dem kleinen HauSaltar in der Stubenecke in brünstigem Gebete. Die Mutter nahm ihr Spinnrad wieder vor, der Vater saß still und nachdenklich, den Blick unverwandr auf seine betende Tochter geheftet, auf der Ofenbank. Als sich endlich diese erhob und an seiner Seite Platz nahm, ergriff er ihre Hand und sagte m,ld:„Schau, Jula,'s kommt Weihnacht, eine gar heilige Zeit, da möcht' ich Dich doch nochmal, wie schon oft, bitten, daß Du Dir G'walt anrhust und den Nazl aus Dein'n Herz'n reißt! Hab' ja auf der Welt nur Dich allein und Du hist unser Freud' und Glück, folg' also unserer Bitt' um Christi willen, zu dem Du jetzt g'wiß bei' hast für den Nazl, der im ZuchihauS sitzt! Er hat den Jaga—" Weiter kam er nicht. Jula war aufgespiungen und stand mit blitzenden Augen vor ihm.„Vater," rief sie, und ihre Stimme bebte wie von verhaltenem unendlichen Leid:„Vater, ich Hab' Euch schon ein Mal g'sagt, daß ich mir wohl mein Herz, nimmer aber die Lieb zum Nazl herausreißen kann! Frei- lich ist er im Zuchthaus und heut' sind'S g'rad' zwei Jahr', daß s' ihn eing'führt hab'n, deSweg'n lass' ich not von ihm, denn ich weiß, daß er unschuldig ist." Der Bauer stand erregt auf.„Jula," sagte er,„Du bist unser einzig'S Kind; wenn uns der liebe Gott abruft, fallt der große G'schoaderhof Dir zu und Du wirst die Bäur'in sein, die Alle beneiden werden. Aber eh' bevor ich zugieb, daß ehrlich erworbenes Hab und Gut durch Deine Händ' ein Zuchthäusler kriegt, eh—?" „Um GotteSwillen, Bauer, versündig' Dich nicht," bat die Mutter flehend. Aber die Jula trat dicht an ihren Vater heran und die Hand besänftigend auf seine Arme legend, sprach sie ernst und ruhig:„Vater, ich Hab' Euch all' die lange Zeit her daß der Nazl eing'sperrt ist, ruhig ang'hört und reden lassen; hört mich jetzt auch an:„Der Nazl hat den Jaga nit er- schössen, er ,st unschuldig an dem Blut, aber der HanSl hat s than und dam« er nit eing'sperrt wird und sein Weib Biburg, Du ton, St. Pe i m Bres Opfer z 'n der Vorw kich als aufs I- ilmge.- S . allzemkin sc Moiiskrankb ungehalten war und das Fahrgeld nur mit Wid. zahlte! Wege«««achtsame» Wegwerse«« von Apseh schalen ist vorgestern vom Schöffengericht eine junge Dame thcilt worden, nachdem die Betreffende unter Protest gegen zugegangenes polizeiliches Strafmandat gerichtliche Entslhei beantragt hatte. Von wie trauiigen Folgen diese so oft 8# tttinerer Unfilte sein kann, zeigt leider wieder ein schwerer Unglüi"� der fich am Montag Unter den Linden ereignet hat. Eine Frau trat auf einen Kirschkern, fiel zu Böden und brach den Arm. n—-■-nuiamv Die mit dem meikbeachtet« Tage de«## hjutöfen% tausend», dem 8./8. 88. abgestempelten Briefmarken fino 1 Dorfen in a die Sammler bereits zu einem geschätzten Objekt gewott, an gjfor* denn eine gleiche Säkular-Abstcmpelung würde erst im 3»o turnen tvi 2888 stattfinden, falls die postalischen Einrichtungen bis%»tu, Qchar keine Veränderung erfahren. Zu den größten Seltenheiten achte vorl-eae erwähnten Marke gehören diejenigen Exemplare, welche in dsfallt ani 8. Poüexpedition um 8 Uhr abgestempelt worden find und I«er, m Mei mit die 8 sechsmal aufzeigen. tingen käme Gefährliche Lichtfreunde. Die vor wenigen I jul eingetretene warme Witterung hat die Entwicklung von m Tat in foltern aller Art derart rasch gefördert, daß vielfach clelm% Christiani Bogenlampen durch den Einflug der die Glocken umschwärmGere, ch Mn den Falter nach kurzer Brennzeit haben ausgeschaltet rvnM- kle nere o müssen. Nicht allein stö te das Flat crn der Falter die## meist' ti der Lichter, sondern cs wurde auch durch die im Lichtdogen SMientn ssabl brannten Thierlörper Leitungsschluß und damit starkes �5 Bliche, ,n< flammen und rasches Al fließen der einzelnen Kerzen vcranMPitersbura schließlich sogar Rückleitung, welche durch starkes Brumme« GNgerufen über 50 Meter Entfernung die Aufmerksamkeit erregte. ifT�burn etre nach dürfte selbst für städtische Anlagen eine gewisse Aoiß? i jo6c. tc geboten sein, um Betriebsstörungen zu vermeiden. Eine Woiburg 4 a spannung der Ocffnungen mit feinmaschigem Trahtgewede bü»T'«idemischei wie die„Dtsch. Bauztg." schreibt, dazu genügen. JjManlung Au» der Höhe der i. Etage des Neubaues auf»a. �chleswil Grundstück Chauffcestr. 36 fiel vorgestern Nachmittag t�C�cbrs der Pankow wohnhafte Maurergeselle Ferdinand«ch. Er d�Mufien Hai schlug zunächst im Fallen das Schutzdach und stürste sodan«« ��odesfälle die Straße. Sch. soll stch merkwürdigerweise nur einige g I�°?aen, S Verletzungen am Kopf, eine Quetschung der Hüfte undL—(S Fingerbruch an der linken.Hand zugezogen haben. Er b.RJjUnd seine fick i» einem hiesigen Krankenhause. Lyon Gin unbrkauutir, anscheinend taubstummer J»5ßl?en wur wurde vorgestern Abend gegen 9 Uhr in der Kloster straff je 1, einem Postpacketwagen so unglücklich überfahren, daß er% Anz das 21. Polizeirevier mittelst Kiankenwagens zur Charitee ßfLr: sanitär führt werden mußte, woselbst er nach einigen Stunven p, schweren, inneren Verletzungen verstarb. Bebuis RtlogrosK$:%, 4 zah lassen wir hier das Signalement folgen: Alter 40—45 oM?AfäUen Größe 1 Meter 75 Zentimeter. Haare grau melirt, Stirn d�er c3! Borr Nase gewöhnlich, Mund gewöhnlich, grauer Schnurrbart,% WkZlßmb unvollständig, Kinn gewöhnlich, Gefichtsbildung oval, EW» r Moimei falbe grau, Gestalt kräftig. j ßL siele Gemäß den Verösfe»tlichu»se« de« Kaiserl! Gesundheit«- Amt» find in der Zeit vom 29. Juli 4- August cr. von je 1000 Bewohnern, auf den I durchschnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin in Breslau 28,9, in Königsberg 26,3, in Köln 30,3, in furt a. M. 12,7, in Wiesbaden 15,2, in Hannover 20, Kassel 20,9, in Magdeburg 40,8, in Stettin 30,1, in 26,1, in Straßburg 20,6, in Metz 25,7, in 31,2, in Nümberg 22,0, in Augsburg 25,2 Dresden 21,5, in Leipzig 21,8, in Stuttgart 17,6, in ruhe 24,3, in Braunschwcig 16,7, in Hamburg 22,8, in. 21,4, in Pest 33,5, in Prag 31,8, in Trieft 29,0, in K 33,0, in Amsterdam 16,9, in Brüssel 27,0, in Paris 1.. Basel—, in London 15,9, in Glasgow 18,?, in Liverpool 1_ in Dublin 21,1, in Edinburg 16,7, in Kopenhagen 20,5,,? Stockholm 18,5, in Christianra 20,3, in St. PctcrSburaA? i" Warschau 25,7, in Odessa 31,8, in Rom 28,5, in% 20,6, m Venedig 32,1, in Alerandria 48,9. Ferner in 4 vom 8. bis 14. Juli dieses Jahres: in New-York S&%% � Philadelphia 23,0, in Baltimore 29,7, in Kalkutta 19,5- Bombay 25,4, in Madras 29,3. Die Sterblichkeit hat in der Berichtswoche in einem der europäischen Großstädte wieder etwas zugenommen, a fie in einem anderen Theile, namentlich in den süd- und deutschen Städten, vielfach kleiner wurde. So werden kleine Ster olichkeitsziffer n(bis 15,0 pro Mille und Jahr) Duisburg, Lüdeck, Frankfurt a. M. gemeldet. Sehr gu«'? 3 wenn auch etwas höher(bis 20,0 pro Mille und Jahr) � �loinmine ■toien W en an i viellach N kam B und: sich M. lyvdösc i »men fie pWlchrin. und E- kr Jjjnt wes Mn fip an U nur nie l%n t « Ml'ibr J ESfe 2 Sterblichkeit in Wiesbaden, Bochum, Dortmund, en,-.« Barmen, Elberfeld, Stuttgart, Mainz, Darmstavt, Ha«& Sn,5 l Biaunschweig. Amsterdam, Paris, London und in den 7% LZ englischen Städten, sowie in Stockholm. Mäßig hoch über 20 p. M. u. I.) war die Sterblichkeit in Strö Dresden, Leipzig. Aachen, Kassel, Kopenhagen, Chiil»� Dublin und Turin. Sehr hoch(üoer 35,0 pr. M.) war Sterblichkeit unter den deutschen Städten in Halle und bürg.— Unter den Todesursachen waren es vornehmlich katarrhe und Brechdurchfälle der Kinder, die in Berlin,.* r* bürg, München, Dresden, Leipzig, Köln, Königsberg, Bükt Qg °°n i "net taubs so 2ÄS Jrheit -'im S recht. cheno um 1 Slam pe, mit die vielen Kinder verdirbt und umkommt, hat der-. nix g'sagt und den G'richtsherr'n nur immer g' schwor'«, er'S nit than hat. Die hab'n ihm aber neu' glaubt u«® er hat sich für sein' Bruder einsperr'n lassen! So ist i � gangen und daß ich ftüher nöt schon g'red't Hab', kommt®'.,. daß ich dem Nazl g'schwor'n Hab', nöt eher die Wahr' sag'n, bis'S nöt bei Euch sein muß, damit'S nöt ausw, � und der Hansl am End' doch noch g'straft wird. dem Nazl sein' Zeit auS, morgen oder übermorgen w» kommen und dann—"-m, Plötzlich hielt sie ein und sah lauschend zum „War mir's doch auch, als wann wer g'rufen häti'," die Bäuerin. Der Sturm brauste mit dumpfem Geheul ums jetzt ließ seine Wuth wieder nach und jetzt—. „Der Nazl iS'," schrie Jula und eilte, die.3« und Abmahnungen ihrer Eltern nicht beachtend, � � stürmische, finstere Nacht hinaus. Der Bauer weckte � � otesi g die Knechte und mit Laternen versehen folgten st � Sen*> Tochter. Erst nach längerer Suche fanden sie dieselbe 4 � daß ihrem Nazl...„K* Den anderen Tag herrschte furchtbare Auflegung jetlR ganzen Gegend. In derselben Nacht, da der Nazl 9� Q die■ kommen war, hatte man den Pfarrer zu seinem vo« ��>et% Schlaganfall heimgesuchten Bruder HanS gerufen. LL:' Augenblicke vor seinem Ableben hatte Han« die �# wieder erlangt und dem geistlichen Herrn alle � � gestanden mit der Bilte, sein Geständniß weiter i„5%% breiten. sie i4( Als die Jula und der Nazl das hörten,"" die Knie und stammelten:„Ehre sei Gott in der V.. Herr gieb ihm die ewige Ruh'." �ai Kopf hoch, Nazl, für Dich liegt unter dem Gh daS schönste Geschenk— der ehrliche Name! r "'"sp er» d- 8 iUdikli, Ik welch »oik, war e a'-ledt tlttlen t #3 Hofmann v. % Mi fen'" % t Widei « Apstll> je Dame> lest gegen< he Entslbeil c so oft -er Ungli mt. Sinei und brach t des|i arken sin« >jekt gewoN erst im gen bis »bedu�, Tüsseldorf, Stettin, Wien, Pest, Paris, Brüssel, jton, St. Petersburg zahlreiche Todes fälleZveranlaßt haben w Breslau, Straßburg, Warschau war die Zahl �pfer zwar eine große, jedoch eine kleinere -«er Porwoche. Der Anth-il des Säuglingsalters an der nerdlichkeit war im allgemeinen ein größerer, in Berlin >erer als in der Vorwoche. Von je 10(00 Lebenden «ufs Jahr derechnet, in Berlin 117, in München 161 fli'nge.— Akute Entzündungen der Athmungsorgane wur» allgemein seltener als Todesursachen angeführt.— Von den ' �"««iranEfieiten wurden Sterbefälle an Masern, Scharlach �aräsen Fiebern in geringerer, an Diphtherie, Keuckhusten h � gesteigerter Zahl mitgetbeilt.— So haben Todes- ■t an Masern in Hamburg, Wien, Prag, Paris, St. Petersburg .„____ �nimer', während sie in Berlin, Krakau, London etwas zu- .r+LniLn i u."' Erkrankungen wurden aus fast allen Orten, aus denen in 1 S e.„ootI«0en- in geringerer Zahl zur Anzeige gebracht.— .« 5„nn»?°u Scharlach waren in Danzig, London, Warschau i sind un Wer, in Metz und Pitrrsdurg etwas gesteigert. Neue Er- ._ er* �agen kamen aus den meisten Berichtsorten in verminderter oenigen I zur Mittbeilung.— Die Sterblichkeit an Diphtherie und W? �?ar w Berlin, Hamburg, Breslau, Köln, Paris, Wien, kl �iiriftiania, St. Petersburg eine zum Theil nur wenig rf?** Li! ch München, Pest. Kopenhagen, London, Warschau eine twaltet am v kleinere, als in der Vorwoche. Neue E-kranlungen wurden n 5.?aist in gerirgerer, nur aus München in etwas <..chtbogen«aertei ZM dericttd.— Typhöse Fieber haben in Berlm ffl re' in Hamburg, Paris und London eine kleinere, in «P VC1� i Diersburg eine nur wenig größere Zahl von Sterbefällen Brummen%enrstn. Neue Erkrankungen kamen in Berlin und St. i i o? atwas zahlreicher zum Vorschein. An Flecktyphus gewisse 1 Tode- fall aus Königsberg, 2 Erkrankungen aus St. E'ne. �burg, 4 aug oem Regierungsbezirk Düsseldorf zur Anzeige. tgewebe W®".�«emischer Genickstarre wird 1 Todesfall aus Kopenhagen, . �ckraniung aus Kopenhagen und aus dem Regierungs- baues auf � J* Schleswig mitgetheilt. Rosenartige Entzündungen des hmittaa T�dcs der Haut waren in Kopenhagen nicht selten. Der ch. Er W Muen hat in Berlin und London weniger, in Dublin nie sodaiq?, J-CodeSfalle veranlaßt. Erkrankungen waren in Hamburg, rr einige E r?°?lten, Stockholm und Wien etwas häufiger als in der üfte und» lr%.— Einzelne Todesfälle an Pocken kamen aus Berlin, l. Er brW. 1 g und seinen Vororten, und aus Paris zur Anzeige, mekr- ■E°"i Lyon(2), Trieft(4), Prag(10), Warschau(13). Er- 'kT�nReri wurden aus dem Regierungsdezirk Hllvesheim und , ie 1, aus Breslau 2, aus Wien 3, aus St. Peters- jv iur Anzeige gebracht. tamtären Verhältnisse in Berlin blieben auch in dieser •poche günstige und die Sterblichkeit eine mäßig hohe. '4 zahlreich waren Todesfälle an Tarmkatarihen und k echtällen der Kinder, die, wenn auch ein wenig häufiger e,.,?" Vorwoche, doch erheblich weniger Sterbefälle als in n'�«henden Woche des Vorjahres veranlaßten, wo diesen r":'%inen 390 Kinder gegen 168 in der Berichtswoche g,? kr fielen. Die Belheiligung des Säuglingsalters an T�lltMlsterdlichkeit war eine geringere als in der voran- uiett Woche.— Sehr abgenommen haben auch Er- «n an akuten Entzündungen der Athmungsorgane und «ielkach einen milden Verlauf. Von den Jnfektions- n kamen sowohl Erkrankungen an Masern, wie an und Diphtherie seltener zur M lduna; am häufigsten sich Mosern nur noch im Stralau-r Viertel. Dagegen 'ijnböse Fieber etwas� mehr Erkrankungen hervorgerufen, sie in keinem Stadtviertel in nenncnswerlher Zahl Eicheln. Rosenarlige Enlzündungen des Zellgewebes der und Eikranlungen im Wochenbett zeigten gegen die Vor- ,Wne wesentliche Veränderung auf. Weitere Erkrankungen ' m find nicht gemeldet worden. Erkrankungen und mmer losterstraße# l. daß er>> Cbariter 1 Stunden liekogno 40-45 rt, Stirn luirbarf, ooal, E dm n Berlin 10,3, in >over 20, ,1, in in j 25,2, 7,6, in Kl 2,8, in 1,0, in K Varis 18,0, Liverpool' Ingen 20.5.. rtrrSbmf ■r> in t ' 3Ji�na(fcer in seiner Wohnung in der Landsderger Allee. am ler m Sork 38,1 kutta 19,«' � an Keuchhusten wurden seltener bekannt,"auch ge- �•�wemge Erkrankungen an rheumatischen Beschwerden ����'bericht. Am 14. d. M. Vormittags erhängte fich dwS�er in seiner Wohnung in der Landsderger Allee. fuhr an der Ecke der Niederlagstraße und des % u,;, on�hause der Schlächter Eckhardt aus Spandau so "er, n.J'nn Droschke zusammen, daß der Kutscher der �ide.,®0£t derabgeschleudert wurde, ohne jedoch Schaden dieselbe Zeit stürzte auf dem'Neubau � der Maurergeselle Schüler infolge eigener Un- eili,.'°us dem vierten Stock auf den Bürgersteig herab ''i osfct1'« o-r,.T" fo schwere V.rletzunzen, daß er nach der Sehr gu"� Kr1 ein werden mußte.— Gegen Abend fiel im Lust- Jahr) wo*,,'jubtroerfsbefißer infolge von Schlaftrunkenheit vom eir 0a rj w geführten Droschke herab und erlitt dadurch �eftetzung am Kopfe einen Bruch des rechten i 77 Abends wurde in der Klosterstraße ein an- �-udstuwmer Mann durch einen Postpacketwagen über- 1 ß? w schwer verletzt, daß er mittelst Krankenwagens 0,-in-, bantee gebracht werden mußte. Den Postillon soll '- e 8>tt Don Augenzeugen keine Sckuld treffen.— Um > einem imen, wav äd- und 1 werden id Jahr). and, m Berlin, orgen ww« U ums ich, .„„ bemerkt da er angetrunken schien, .der Polizeiwache gebracht. und zu seiner eigenen — An demselben hat der M mehrere unbedeutende Feuer statt. Es brannten 'schwor'n,° 7o �lroh- Flaschenhülien in einem. Keller, welche laubi und Q"et flnabe absichtlich in Brand gesteckt hatte, um e Wahrh� � �u-Kölln a. W. 23 Petroleum aus einer ge- e~4„„akoio» .to Grrichta-Ieitnng. Oifite% worden, gegen den er richterliche Entscheidung ' steif 1 Sachverhalt ist folgender: K. erbat fich vor .mm dem hiesigen Polizeiprästdium ein Leumunds- elches er zu gewissen Zwecken den Behörden in , mikgen. wollte. Als er später das Schriftstück ein» . fr!k,eä*n der Mitte durchgeschnittm und wieder zu- l worden. Bei näherer Prüfung ergab fich, daß gi di-s. s"rch diese Manipulation entfemt waren, und da c itübPr n den Hinweis auf eine Strafe enthieltm, kS. flc0en K. verdangt worden war, so wurde ange- r entfern? die bezüglichen Bemerkungen geflissentlich zu dem dem nj a f' die Behörden zu täuschen.— Der Angeklagte Jb; 7m. Gerecht die Erklärung ab, seine Kinder hätten die A dj.oen und er habe dann, um ste wieder benutzen zu d, N d-/„Theile zusammengefügt. Diese Behauptung de» �7, die f.k, �anwalt mit der Ausführung, daß der Ange- «aM-»"den Zeilen augenscheinlich mit der Scheere ent- ''falls das Schriftstück wirtlich von den Kindern %%den sei, so hätte er dasselbe auch mit dem natür- »WWWW Ehristb� rnbsu kS- 8en beantragen. Der Gerichtshof erkannte auf M faßte------.. n nq*« oo'S Sache milder auf und verurtheiite den tz-�aft. 8 363 des Strafgesetzbuch>s zu 30 M., event. sSf««»« Kontra» bildeten die Zeugenaus- .$ der 97 S' wiöet den Rollkutscher Grunett, welche die% kUnm,» ¥tIun0 des Schöffengerichts verhandelt d>eyi�"NwAs?. kuhr der Angt klagte mit seinem Wagm Schritte der Ehariostenstraße zu. Als er nur «an dem Kreuzungspunkt der genannten % R Straßen entfernt war, sah er plötzlich einen Pferdebahnwagen in der Richtung nach der Lindenstraße heransausen, und ehe er noch im Stande war, sein Pferd zu wenden, hatte der Scheer- bäum seines Gefährts bereits den Waggon erfaßt, dessen Fenster unter lautem Geklirre zerspliltetten und in das Innere flogen. Glücklicherweise waren nur wenige Fahrgäste in dem Pferde- bahnwagen und somit beschränkte fich der angerichtete Schaden lediglich auf einige zerbrochene Scheiben und Abschürfungen der Holzwände. Der Vorfall wurde polizeilich notitt und Grunert, dem die Schuld beigemessen war, empfing das übliche Straf- mandat, gegen welches er aber Einspruch erhob und richterliche Entscheidung beantragte. Der Angeklagte gab vor dem Schöffengericht die Thatsache zu, behauptete aber, ganz vor« schriftsmäßig gefahren zu haben, während der Pferdebahnwagen im schnellsten Trabe angekommen sei, so daß ihm keine Zeit zum Wenden verblieb. Diese Behauptung wird von zwei Augenzeugen der Karambolage in allen Punkten unterstützt, während ein dritter Zeuge, welcher fich zur Zeit auf dem Ver- deck des Pferdebahnwagens befand, mit aller Entschiedenheit das Gegentdeil behauptete und dabei verblieb, daß Grunert zu schnell gefahren habe, obgleich er zugeben mußte, daß der Roll- wagen hoch beladen war. Diese Widersprüche in den Zeugen- aussagen bewogen den Amtsanwalt die Freisprechung zu bean- tragen, weil der Vorfall nicht genügend aufgeklätt sei und der Gerichtshof beschloß nach diesem Antrage. In einer schlesttchen Ziegelei hatte fich in der Lehm- grübe, welcher das Material zur Ziegelfabrikation entnommen wurde, eine Wafferansammlung gebildet, die im Winter zuge- froren war. Das darauf befindliche Eis überließ der Ziegelei- befitzer einem Brauer mit der Abrede, daß dieser cs auf seine Kosten brechen und abfahren lassen solle. Die Ausführung dieser Arbeit wurde dem Ziegelmeister übertragen, welcher dabei zu Falle kam und fich den rechten Arm erheblich verletzte. Die Zieaeleiberufsgenosscnschaft bestrill, daß hier ein Betriebsunfall voiliege, und verweigerte daher die Zahlung der geforderten Rente. Der Verletzte habe sich bei Ausführung der Arbeit nicht im Lohne seines Arbeitgebers, des Ziegeleibefitzers, sondern im Dienste eines Fremden befunden, nämlich des Eiskäufers, für dessen Rechnung das Eis gebrochen wurde. Das Schieds- gericht verwarf diesen Einwand und verutthcilte die Be- rufsgenoffenschaft zur Zahlung. Die Rekursbeschwerde der- selben wurde von dem Reichsverstchernngsamt mit folgen« der Begründung verworfen: Ob der Kläger im Lohne des Ziegeleibefitzers gestanden hat, ist für seinen Rentenanspruch überhaupt unerheblich; nach§ 1 des Unfallverstcherungsgeseyes ist entscheidend vielmehr nur, ob er zur Zeit des Unfalls in dem verstcherungspflichtigen Ziegeleibetriebe beschäftigt war oder nicht. Der Gerichtshof hat auf Grund der ermittelten Umstände kein Bedenken getragen, diese Frage zu bejahen. Das Aufbrechen des Eises auf der gefrorenen Lehmgrube geschah unzweifelhaft im Interesse des Ziegeleibetriebes; es mußte geschehen— unter allen Umständen und gleichviel, ob das Eis verkauft wurde oder nicht, um einen Zugang zu dem Lager des für den Betrieb un- entbehrlichen Materials zu gewinnen. Nicht die Verwetthung des Eises, sondern die Beseitigung des Betriedshinderniffes war der tzauplzweck der Arbeit. Hiernach charatterifitt dieselbe fich als eine Betnebsthätigkcit, und hieran wird auch dadurch nichts geändert, daß der Einfachheit halber zwischen den Betheiligten verabredet worden war, daß der Abnehmer des Eises statt des Kaufpreises den Lohn für das Brechen des Eises direkt an den Kläger zahlen solle. Gin Arbeiter hatte steh infolge erlittener(stuet- schung beider Lüste ohne Aaznthnn der Berufsgenossen- schalt in ein Krankenhaus begeben, wo ihm dieselben adgenom- men werden mußten. Die Berufsgenoffenschaft verweigerte an- fänglich die Rentenzahlung ganz: auf die Berufung des Verun- glückten wurde fie von dem Schiedsgericht verurtheilt, für die Dauer des Aufenthalts desselben im Krankenhause die volle In- validitätsrente, demnächst aber eine Rente von 75 Prozent zu zahlen. Nunmehr-rkannte die Berufsgenoffenschaft ihre Zah- lungepflicht an sich an; ste erhob aber Rekurs gegen die Ent- scheidung des Schiedsgerichts, insoweit fie dadurch zur Zahlung der vollen Rente für die Zeit der Krankenhausverpflegung ver- urlheilt war. Sie machte geltend, daß nach 8 7 des Unkallver- stcherungsgesetzcs der Verletzte nur Anspruch auf freie Vervfle- gung im Krankenhause, nicht aber daneben noch auf eine Rente für seine Person habe, was ebensowohl gelten müsse, wenn die Unterbringung auf Veranlassung des Verletzten selbst oder einer dritten Person, als wenn fie auf Betreiben der Berufsgenoffenschaft erfolgt sei; ste gab ferner die ausdrückliche Erklärung ab, daß ste von dem ihr zu- stehenden Wahlrecht noch nachttäglich Gebrauch machen und die Aufnahme in das Krankenhaus als für ihre Rechnung geschehen anerkennen wolle. Hierauf änderte das Reichs- Verstcherungsamt die Borentscheidung dem Antrage der Berufsgenossenschaft ge« mäß ab, indem es begründend ausführte. Es war den Aus- führungen der Rekursbeschwerde dahin beizutreten, daß die Berufsgenossenschaft, wenn ste erst nachträglich ihre Fürsorge- pflicht anerkennt, und der Verletzte inzwischen für fremde Rech« nung in ein Krankenhaus aufgenommen ist. befugt ist, auch mit rückwirkender Kraft zu wählen, ob fie die ihr nach§ 5(Rentenzahlung) oder nach§ 7 Unf.-V.-G.(V.rpflegung in einer Heilanstalt) obliegenden Leistungen gewähren will, liebt fie dieses Wahlrecht im letztern Sinne aus. so hat ste die Kur- und Ver- pflegungskosten für den Aufenthalt im Krankendause vom Ab« lauf der 13. Woche nach dem Unfall an zu bezahlen, ist dadurch aber von Zahlung einer Rente an den Verpflegten frei. Die Frage, ob etwa Angehörige des Verletzten vorhanden find, welchen gemäß§ 7 a. a. O. für die Dauer der Krankenhauspflege ein selbstiländiger Rentenanspruch zusteht, bildet nicht den Gegen- stand des gegenwärtigen Streites. lieber den Kozialiste«-«md Geheimbundprozeß, dessen Resultat wir scdon kurz meldeten, wird aus Karlsruhe folgendes berichtet: Unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Fischler wurde vor der Fettenstrafkammer gegen den Färbermeister Reichert von Durlach und Weißgerber August Keese von Rostock wegen Vergehen des§ 19 des Sozialistengesetzes verhandelt: elfterer war ferner angeklagt des Vergehens gegen § 129 des Reichsstrafgesetzbuches. Als Verthttdiger fungitt Rechtsanwalt Dr. Seeligmann. Reichert sowie Keese find an« geklagt, elfterer, den„Sozialdemokrat", letzterer die gleiche Zeit- schrift, 1 sowie die in London erscheinende„Freiheit" und andere verbotene Schriften verbreitet zu haben. Reichert erklärt, daß er den„Sozialdemokrat" nicht verbreitet, sondern daß er lediglich die„Internationale Bibliothek" seinem Bekannten gesendet habe. Sein Verbältniß zu Jost sei das eines Bekannten gewesen, derselbe habe fich auf die„Ardeiterzeitung" und auf„Das Recht auf Arbeit" bei ihm abonnirt und sei später nach Weinheim gezogen, wohin er ihm drei Sendungen dieser Schriften gesendet habe. Bezüglich des „Sozialdemokrat" erklätt der Angeklagte, daß er in den letzten vier Jahren den„Sozialdemokrat" nicht gelesen, auch nie mit d>r Expedition in Zürich verlehtt habe. Der Angeklagte be« kennt, Sozialdemokrat zu sein und bei den Wahlen eine diesbezügliche Thätigkeit entfaltet zu haben. Seine politische Kennt« niß habe er aus verschiedenen Werken Laffalle's, Marx', Lieb« knecht's u. s. w.. geschöpft, jedoch habe er nie verbotene Schriften verbrettet. Es kommt ein Bttef Heine's aus Halberstadt vom Mai dieses Jahres zur Verlesung, in welchem der Angeklagte als„Genosse" angerufen wird. Heber Parteisachen habe der Angeklagte mit Heine nicht korresponditt, sondern lediglich Mützen und Hüte bezogen. Heine gebrauche an alle mit ihm in Verbindung stehenden Freunde die Ueberschrift „Genosse". Kraoatten:c. habe er auch von einem Karl Wösch in Krefeld dezogen; dessen politische Stellung kenne er nicht. In einem Brief desselben an den Angeklagten wird die Heber« schritt„Bürger" gebraucht. In politischer Beziehung habe er mit demselben nichts zu thun gehabt. Auf eine Empfehlung in der„Arbeiterzeitung" habe et Sachen bei demselben bestellt. Von einer Abrechnung oder einem Bücherauszug, die bei dem Angeklagten gefunden, will derselbe keine Kenntniß haben, will auch nicht wissen, wie dieser Bttef unter seine Papiere ge« kommen. Ferner kommt ein gedrucktes Zirkular zur Ver« lesung, das bei dem Bücherauszug gefunden und in welchem um Abrechnung im Interesse der Fortführung mit den Schweizer'schen Freunden gebeten wird. Eine gleiche Aufforderung findet fich auch in dem„Sozialdemokrat". Der An« geklagte bezeichnet diese Zusendung als eine gegen ihn gerichtete Denunziation, worauf der Vorsitzende ihn darauf aufmerksam macht, daß dieses Zirkular von Konstanz gekommen sei, daß man also kaum annehmen könne, daß man von Konstanz aus gegen ihn denunziatorisch vorgehe. Der Angeklagte widerspricht ener« gisch, daß er jemals einer sozialdemokratischen Verbindung ange- hört habe. jAngeklagter beschwert fich über die Votunter- suchung; er habe bei der Verhaftung den Hntersuchungsttchter gebeten, von einem Verhör seiner Frau Abstand zu nehmen, da fie in einem hochschwangeren Zustande fich befunden habe. Trotzdem habe ein Verhör stattgefunden und sei seine Frau da« durch krank geworden. Angeklagter Keese bezeichnet die An« klage als falsch und die Denunziation als einen Racheakt, Sozialdemokrat sei er, doch habe er niemals verbotene Schttften verbreitet. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird das Protokoll vom 12. Mai 1888 verlesen, das Keese abgegeben. In demselben erklärt derselbe u. a., daß er den„Sozialdemokrat" in einem Exemplar bezogen und daß er denselben mit Reichert gelesen, was er nicht für strafbar gehalten habe. Das „Deutsche Wochenblatt" habe er nach dem Verbot nicht mehr verbreitet. Ferner wird die in München vorgenommene Vernehmung des Herrn L. Viereck verlesen. In derselben bandelt es fich um den Viereck'schen Schttftenverlag. Es wird ferner der Beschluß des Schweizer Bundesraths Über die Ausweisung der Herausgeber und Redakteure des„Sozialdemokrat" verlesen. Es folgt das Zeugenverhör. Zeuge Jost erklätt, daß er von Reichert einmal den„Sozialdemokrat" gesehen und gelesen habe, in Weinheim habe er von dem Angeklagten nur einmal ungefähr zehn Num- mcrn des„Sozialdemokrat" erhalten, bezahlt habe cr dafür nichts. Zwischen einzelnen Zeugen und den Angeklagten kommt eS jeweils zu scharfen Auseinandersetzungen und find seitens der Vertheidigung bei einigen Zeugen die Strafregister angerufen. Zeuge Werner bekundet, daß er bei Keese wohl die„Freiheit" ge» sehen, aber nicht bekommen habe. Die„Freiheit" habe er auch bei den übrigen Arbeitern gesehen, ebenso den„Sozialdemokrat", doch wisse er nicht, wo dieselben hergekommen seien. Mehrere Zeugen bekunden auch, daß der Hauptbelastungszeuge Wermr Drohungen gegen Keese dahin ausgesprochen habe, daß er dem- selben ein paar Monate einbringen werde. Staatsanwalt Hübsch hält die Anklage bezüglich der Verbreitung vollkommen aufrecht und betont, daß bezüglich der Theilnahme an einer ge- Heimen Verbindung es für Niemand ein Geheimniß sll, daß innerhalb der sozialdemokratischen Pattei eine feste Organisation bestehe zum Zweck der Propaganda und zur Ver- breitung der Zeitungen. Und daß Reichett dieser Organisation zugehöre, gehe aus dem Briefe der Expedition des„Sozialdemokrat" hervor, in welchem derselbe um Begteichung des Saldos angegangen worden sei. Er bean» trage Verurtheilung desselben auf Grund des§ 19 des Sozialistengesetzes in idealer Konkurrenz mit dem§ 129 des Reichsstrafgesetzes. Auch bei dem Angeklagten Keese beantrage er Verurtheilung wegen Verbreitung des„Sozialdemokrat". Ver- theidiger Rechtsanwatt Dr. Seeligmann weist auf die politische Bedeutung dieses Prozesses hin, bei dem es für den Vetthei- biger fich jedoch nur um die Rechtsfrage handle. Bei Keese halte er es nicht für erwiesen, daß derselbe den„Sozialdemo« trat" verbreitet habe. Die bloße Uehergabe an eine ein- zelne Person sei laut Reichsgettchtserkenntniß nicht straf- bar. Auch bei Reichett könne eine Verbreitung nicht nachge- wiesen werden. Jeder Beweis aber fehle für eine Venitthei» hing auf Grund des§ 129 des R-St.-G., dem jede Hand- lung fehle, und der Richter dürfe nicht auf Notorietät hin uttheilen. Für die ZugeHöttgkeit zu einer Organisation habe die Staatsanwaltschaft keinen Beweis erbracht; auch das ge- druckte Zirkular beweise nichts, denn ein jeder Abonnent werde ein solches erhalten. Für das Vorhandensein einer„geheimen Verbindung" sei daraus kein Schluß zu ziehen. Er bitte um Freisprechung der Angeklagten, resp. um Anrechnung der Unter- suchungshaft bei Reichert. Nach kurzer Berathuna wird Reichert zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt wegen Vergehens gegen§ 19 des Sollalistengesetzes, in Verbindung mit dem§ 129 des R.-SK.-G. Keese wird freigesprochen. In der Begründung wird betont, daß das Gettcht die Ueberzeugung gewonnen habe, daß eine Verbindung im Sinne des§ 129 des R-St.-G. vorliege und daß Reichett Mitglied dieser Verbindung sei zur Um- fchung des Sozialistengesetzes. Der aus Züttch zugekommene iuchauszua und die Aufforderung, den Saldo zu begleichen. zeige deutlich, daß der Angeklagte gewissermaßen Kommissionär des„Sozialdemokrat" gewesen sei. Durch die vom Ange- klagten bethätigte Ueberschreitung des§ 19 des Sozialistengesetzes sei auch die Theilnahme an der Verbindung im Sinne des§ 129 des R.-It.>G. erwiesen. Soziales und Arveiterbewegung. Den Kistenmacher«»nr Nachricht, daß wegen Lohn- differenzen in der K>stenfabrik von Hermann Streubel, R.ue Friedrichsstr. 5—8 ein Streik ausgebrochen ist. Zuzug ist fern- zuhalten. Kiel. Der Streik der Maurer hier ist deendet. Wir haben uns mit unseren Arbeitgedern dahin geeinigt, daß wir von unserer ursprünglichen Forderung pro Stunde 45 Pfennige Minimallohn etwas abgelassen und die Meister ebenfalls von ihrer bisherigen Zahlung pro Stunde 40 Pfennig abgesehen und uns zugelegt haben. Im großen Ganzen hat das Kapital fich doch beugen müssen.— Die Meister haben fich verpflichtet» uns von nun an bis zum 5. März 1889 pro Stunde 42) Pfg. und vom 5. März 1889 bis 5. März 1890 pro Stunde 45 Pf» zu zahlen. Jedoch soll dies kein diretter Minimallohn, sondern ein Durchschnittslohn in dem Sinne sein, daß den ersteren eS gewissermaßen freisteht, an junge, unerfahrene, ebenso auch an absolut untüchtige Gesellen, aber auch nur an solche, weniger Lohn zahlen zu können.(!)— Bei Zuwiderhandlungen wird unsererseits der Vertrag sofort gekündigt.— Für die Wahl eines später in Ausficht genommenen Gesellenausschusses ist fest- gestellt, diesen nur aus der Mttte s ä m m t l i ch e r Maurer Kiel's zu wählen.(!!)— Allen Kollegen, die uns während der Dauer unseres Streits unterstützt haben, unfern besten Dank. Die Maurer Kiel's._ Uerewe unv Persammlungen. Grosse Wählerversammlnng für den 6. Berliner Reichs- tagswahlkreis, Freitag, den 17. A u g u st, Abends 8& Uhr in der Tonhalle, Friedrichstraße 112. Tagesordnung: Die bevorstehende Ersatzwahl im 6. Berliner Reichstags« Wahlkreis. Die öffentliche Generalversammlung der Manrer Seriin« und Umgegend am 14. d. M. in der Tonhalle unter Vorsts des Herrn Fiedler tagend, beschäftigte fich zunächst mit dem Gesetzentwurfe, die Alters- und Jnvatidenoersorgung der Arbeiter detreffend. Der Referent Herr Weise erörterte in ausführlicher Weise verschiedene Paragraphen und die wichtigsten Äesttm» mungen des Gesetzentwurfs, die bekannten Mängel hervorhebend und der Versammlung klarlegend. Er legte es jedem dringend an'S Herz, die Petition an den Reistag geäcn dasQuittungs- buch zu untcrzeicknen, damit dieselbe mit Millionen Stimmen bedeckt an den Reichstag gelange und auch die Stimmen der Arbeiter ins Gewicht fallen. Im Anschluß hieran nahm Htrr Grothmann das Woit, J)(e Ausführungen des Vorredners ergänzend und erweiternd. Seine Meinung ging dahin, daß die Alters' und Jrwalidenversorgung für die Arbeiter, nament» lich Bauarbeiter, völlig wcrthlos sei. Gebe man den Arbeitern das Koalitionsiccht wieder und ste würden sich im Rahmen des Gesetzes soviel verdienen, daß fie leben könnten, dann würden sie fich selber versichern und auf die Atters- und Jnvalidenver- sorgung Verzicht leisten. Nachdem noch Herr Siedler im Sinne der Vorredner gesprochen hatte, liefen zwei Resolutionen ein, von denen die von Herrn Krieg gestellte zur Annahme gelangte. Dieselbe hat folgenden Wortlaut:„Da der Gesetzentwurf, betr. die Atters, und Jvvalidenversorgung der Arbeiter, 1) nur eine geringe Leistung verspricht! 2) eine viel zu hohe Karenzzett voraussetzt; 3) ein Ourttungsbuch in Ausficht nimmt, welchem der Charakter eines von den Innungen längst ersehnten Ar- beitsduchcs nicht abzusprechen ist, so beschließt die beutige öffent- liche Maurerversammlung. auf die ganze Alters- und Jnvalidenver- fickerung zu verzichten. Die Anwesenden verpflichten fich, für die Unterschrift dervomMar rerL.Schoch(Magdeburg) herausgegebenen PetitionSorgezu tragen."— Nach eincmSchlußwortedcsReferenten wurde die Diskusfion über den ........... ersten Punkt der Tagesordnung geschlossen. Es folgte der zweite Punkt:„Verschiedenes." Herr Blandowski legte wegen Arbeitsüderbürdung sein Amt als Revisor nieder. Infolge dieser Amtsniederlegung mußte eine Neuwahl stattfinden. Zur Annahme dieses Amtes erklärten fich 4 Herren dereit. Die Wahl viel auf Herrn Wille. Gegen die Unterstellung der s. Z. gewählten Lohnkommisfion unter das Vereinsgesctz durch Verfügung des Polizei- Präfidiums ist an den Minister des Innern Beschwerde erhoben worden. Eine Ant- wort ist noch nicht erfolgt. Herr Grothmann beleuchtete des Längeren die Akkordarbett und deren Nachtheile und erwähnte hierbei eines Vorkommnisses, das wohl verdient, bekannt gegeben zu werden. Ein Bauunternehmer hatte eine Wette(!) gemacht, ähnlich dem Helden aus:„Die Reise um die Wett in 80 Tagen," einen Bau in der Stralsunderstraße, 13 Fenster Front und 2 große Seitenflügel, innerhalb 30 Tagen unter Dach zu bringen. Die Wette galt 6000 M. Und stehe da, der Unternehmer hat die Wette gewonnen, denn der Bau wurde in— 27 Tagen und 2 Stunden fertig gestellt,— mit Hilfe der„eifrigen Maurer"! Die weitere Diskusfion drehte fich um die allgc- meine gewerkschaftliche Lage. Zum Schlüsse verpflichteten fich poch die Anwesenden durch Annahme einer diesbezüglichen Re- solution zum Beitritt zum Unterstützungsverein der Maurer, nachdem Herr Bernau über denselben referirt und eine längere Diskusfion. in der die Herren Weise, Hinze u. a. sprachen, statt- gefunden hatte. Gegen die polizeiliche Auflösung der Mähler- uer ammlung, welche am 2. August in der Tonhalle statt- «and, halte der Vorfitzcnde der Versammlung, Herr Grothmann, nch beschwerdeführend an das kgl. Polizcipiäfidium gewandt. Demselben ist darauf folgendes, vom 9. �ugust datrrte Antwortschreiben zugegangen: Ew. Wohlgcboren wird auf die erhobene Beschwerde vom 6. d. M. wegen der auf Grund des§ 9 des Reichsgesetzes vom 21. Lltoder 1878 erfolgten Auflösung der am 2. d. M. in der Tonhalle abgehaltenen Wählervcrsammlung ergebenst er- widert, daß ich die Auflösung der Versammlung als ungerecht- fertigt nicht erachten kann. Der Polizeipräsident. F. V.: F r i e d h e i m. Der Verein der ModeUtifchler hielt am 13. d. M. im „Vorstädtischen Kafino", Ackerstr. 144, eine Versammlung ab. Es wurde bekannt gemacht, daß die Werkfiattangelegenheit in der Arndt'scken Maschinenfabrik zur Zufriedenheit der Mitglieder geregelt worden ist. Hierauf wurde ein Veranügungskomitee zum Stiftungsfeste gewählt. Ferner wurde beschlossen, daß die Herrenpartie nach Waidmannslust, welche am Sonntag, den 19. d. M, stattfindet, durch Inserat im„Berliner Volksblatt" bekannt gemacht werden soll. Treffpunkt der Theilnehmcr an der Herrenpartie um 7 Uhr Morgens auf dem Steltiner Bahn- bofe. Die nächste Versammlung findet am Montag, dm 27. d. M., Abends 8% Uhr, im„Vorstädtischen Kafino", Acker- straße 144, statt. Allgemeine Kranke«-«nd Kterbekassr der Metallarbeiter(E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin Vlll. Sonnabend, den 18. Auaust, Abends 3 Uhr, Badstraße 16 bei Hagen: Versammlung der Mitglieder. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl eines Revisors. 3. Innere Kassenangelegenheiten. Große öffentliche Versammlung der Töpfer Kerlin» und Umgegend, heute Donnerstag, Abcnrs 6& Uhr, im„König» stadt-Kafino", Holzmarltstraße 72. Tagesordnung: 1. Auf welchen Bauten wird der Tarif nicht dezahtt? Stellungnahme zu denselbm. 2. Gewerkschaftliches. Große öffentliche Versammlung der Hanvdiener V-rlinv, heute, Tonnerstag, Abends 9 Uhr, Alte Fakobstr. 37 im„Louisenstädtischen Konzcrthause". Tagesordnung: Die Altere- und Jnvalidenverstchcrung der Ardeiter. Referent Herr W. Licfländer. Der Arbiettsnachmei« der Klavierarbeiter befindet fich Waldemarstr. 61 im Restaurant Pfistcr. Die Adressen- ausgäbe findet jeden Abend von 8—9* Uhr und Sonntags Vormittags von 10—11% Uhr, sowohl an Mitglieder wie an Nicht- Mitglieder unentgelttich statt. Wie«, 13. August.(Arbeiterversammlung.) In Drcher's Eaallokalitätm fand Sonntag Vormittags eine vom Arbeiter- »crcine„Wahrheit" einberufene, sehr zahlreich desuchte Versomm- lung statt. Nach einer lebhaften Debatte über die Nützlichkeit der Institution der Gewerbeinspektorcn nabm Ardeiter Grabinger Veranlassung, fich gegen die antiscmttische Bewegung vom Stank punkte des ehrlichen Arbeiters in mtschicdcnster Weise vuSzusprechen. Was heute die Arbeiter zu verlangm hätten, das sei vornehmlich die Abschaffung der Frauenarbeit; der Mann müsse so viel verdienen, um seine Frau erhalten zu können. Auch gegen die klerikale Presse, wie die Kolportageliteratur, welche dem Ardeiter jeden sittlichen Halt benehmen wolle, wurde eine scharfe Kritik geübt. Gesang-, Tuen-«nd gesellige Vereine»tr. am Donnerstag. Mannewesangverein„Lätitia" Abends 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Veteranenstr. 19.— Gesangverein„Brcycl- schluß" Abends 8% Uhr im Restaurant Schumann, Alte Jakob- straße 38.— Männergcsangvercin„Nordstern" Abends 9 Uhr im Restaurant Jacob, Lindowerstr. 26.— Schäfer'scher Gesangverein„der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf u. Kniger, Skalitzer- straße 126, Gesang.— Gesangverein„Blüthenlranz" Abends 8 Uhr im Restaurant Dresdenerstr. 40.— Männergesangverein „Al�ander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Straußoerger- straße 3.— Männergesangverein„Liedcsfrcibeit" Abends 9% Uhr im Restaurant Siemund, Lmienstr. 8.— Gesangverein Männerchor „St Urban" Abends 9 Uhr Ritterstr. 105.— Gesangverein „Deutsche Liedertafel" Abends 9 Uhr Köpnickerstr. 100.— Tum- verein„Hasenhaide"(Lehrlings-Abthcilung» Abends 8 Uhr Dicffenbachstr. 60—61.—„Berliner Turngcnossenschaft�(I.�Le�r- Gubener- lings-Abtheiluna) Abends 8 Uhr in der städttschen Tum!. Britzerstraße 17—18;— desgl. 6. Männer- Abtheilung Abends 8 Uhr in der städtischen Tumhalle, straße 51.— Lübeck'scher Tumverein(Männer- Abends 8 Uhr Elisabethstraße 57 53.— Allg. Stenographenverein, Abth.„Louiscnstadt", Abends. Restaurant Preuß, Oranienstraße 51.— Arends'scher Stenographenverein„Phalanx" Abends 8% Uhr im Restaurant„Zum Buckower Garten", Buckowerstraße 9.— Berliner Stenographen- Verein(System Arends) Abends 9 Uhr im Restaurant Friedrichstraße 208.— Stolze'scher Steno- Ärends'sche 8t Uhr im graphen-Verein„Nord-Berlin" Abends 9 Uhr Schlegelstraße 44. — Verein der Naturfreunde" Abmds 9 Uhr im Restaurant Wienersttaße 35.— Verein der Unruhstädter Abends 8 Uhr im„Königstadt-Kaflno", Holzmarktstraße 72.— Rauch- kttib.Fkernspitze" Abends 3t Uhr im Restaurant, Holz- marttstraße 44.— Rauchllub„Arcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forsterstraße, Ecke der Reichmbergerstraße — Rauchllub„Dezimalwaage" Abends 9 Uhr im Restaurant Lock, Krautsstraße 48.— Rauchklub„Vorwärts" Abmds 9 Uhr bei Herm Tempel, Restaurant„Zum Ambos", Bres- lauemraße 27.—„Orientalischer Rauchklub" Abends 9 Uhr im Restaurant Wiechert, Oranienstraße 8. Verantwortlicher Redakteur: Kleine MMlseilungeu. München, 13. August.(Unfall.) Der Reichs- und bayerrjche Landtagsadgeordnete Maler Haberland aus Eggm- felden, einer der Führer der bayerischen Zünftler, ist bei Nach- ficht der unter seiner Lettung ausgeführten Restaurimngsarbeiten der Pfarrkirche in Amstorf etwa 4 Meter von einem Gerüste hemntergefallen und wurde bewußtlos vom Platze getragen. Herr Haberland stellte fich auf ein überstehendes Brett, welches umkippte, fiel so mit aller Wucht auf den Taufstcin und von da kopfüber auf die Kante eines Betschemmels. Der Verun- glückte soll fich eine Lebensgefährliche Gehirnerschüttemng zuge- zogen haben. Neueren Mittheilungcn zufolge befindet fich Herr Habeiland auf dem Wege der Besserung. Warfchan, 11. August.(Fcuersbrunst.) Die Stadt Hemel im Gouvemement Witebsk ist dieser Tage zum drttten Male in diesem Jahre durch eine furchtbare Feuersbrunst heim- gesucht worden. Einige Kinder düßtm bei dem Brande ihr Leben ein. Nunmehr liegt fast die ganze Stadt in Asche. Kndapeft, 13. August.(Mit Brautkranz und Schleier.) Als heute in den frühesten Morgenstunden der aus Wien kommende Postzug der ungarischen Hauptstadt zueilte, warf fich auf dem zwischen Dunakesz und Palota fich hinziehenden Schic- nengeleise, plötzlich bei einer Biegung aus einem Gebüsche her- vorstürzend, ein junges Mädchen, ganz weiß geküidct, den Kopf mit Brautkianz und Schleier geschmückt, vor dem heranbrauscn- dcn Zug auf die Schienen— im nächsten Momente waren Lokomotive und Waggons über die Unglückliche hinweggerrollt. Als der Zug zum Stehen gebracht war, eilten die Bahnbediensteten herbei und fanden die Unglückliche bewußtlos und blutüberströmt auf den Schienen; beide Füße waren ihr in der Kniegegend furchtbar gequetscht, und außerdem war der Unterkiefer Herabgeriffen. Vorerst wurde die Verunglückte in das nächste Wächterheus, und dann mit dem nächsten Omnibuszuge in die Hauptstadt befördert. Die Verletzungen waren so gefährlicher Natur, daß noch im Bahnhofe die Amputation der Füße vorgenommen werden mußte; hierauf wurde die Unglückliche auf die chirurgische Klinik übertragen. Die Lebensüdcrdrüsfige ist die achtzehnjährige, aus Mähren gebürtige Gouvernante Anna Sechcrt. Sie weilte zuletzt in Dunakesz, im Hause des dortigen Notars Kiß, dessen Frau eine nahe Anverwandte der Sechcrt ist. Das hübsche Mädchen hatte vor nicht langer Zeit die Bekanntschast eines jungen Manncs gemacht, der ihr das Heirathsverspiechcn gab; doch war es ihm mit dem Versprechen nicht Ernst und bald mußte die Sechcrt zur Erkenntniß gelan- gen, daß fie einem Unwürdigen ihr Herz geschenlt dabe; wohl versuchte fie durch wiederholtes Bitten den jungen Mann zur Pflicht zurückzurufen, allein Alles war vergebens. In ihrer Verzweiflung faßte fie endlich den Entschluß, fich gewaltsam des Lebens zu entäußern. Heute Morgens zog fie ein weißes Balllleid an. ihren Kopf schmückte fie mit Schleier und Kranz, Myrthm und Orangenblüthen, dann ging fie und warf fich auf die Schienen vor den Zug hin. In ihrem Be- fitze wurde die Photographie des jungen Manncs und ein Schreiben gefunden. Dasselbe lautet: Liebe Anverwandte; Ich bedauere sehr, daß ich auf eine so schreckliche Weise enden muß, da Derjenige, den ich liebte, mich zur Frau nicht nehmen will. Selbst im Tode gedenke ich sein, er vergesse ja nicht, zu meinem Begräbnisse zu kommen und mir eine Kamelie in den Sarg zu legen. Lebet wohl, meine lieben Verwandten, und gedenket Eurer unglücklichen Anna. Krakau, 10. August.(Aus Rache.) Bei den Schieß- Übungen wurde vor einigen Tagen der Hauptmann Mendt er« schössen. Die Militärbehörde hat eine Untersuchung eingeleitet, und diese ergab, daß der Schuß die Folge eines wohlüberlegten Attentates eines Soldaten war. Hauptmann Mendt woknle nämlich nicht dienstlich den Schießübungen bei. Dieselben leitete ein Oberlieutenant, welcher der Schwiegersohn des Haupt» manns Mendt werden sollte. In der Kompagnie be«and fich ein degradirter Unteroffizier, der dem obigen Oderlieutenant Rache geschworen hatte, und er denützte die Schieß- Übungen als willkommenen Anlaß, um ungesehen mit einer scharfen Pairane den von ihm gehaßten Oberlieutenant zu erschießen. Er zielte sehr gut— im selben Moment machte Hauptmann Mendt, der neben dem Oderlieutenant stand und die Uedungcn verfolgte, eine Bewegung, infolge welcher er mit seinem Leibe den Lbcriicutenant deckte, und so empfing er das tödtliche Blei. Tie Kugel traf den Hauptmann ins Herz, und nach einem Aufschrei stürzte er als Leiche zusammen. Die be- treffende Kompagnie, sowie deren Gewehre wurden sofort einer Untersuchung unterzogen, doch konnte der Attentäter nicht ge- funden werden. Erst gestern stellte fich dieser seinem Vorgesetzten und meldete, daß er der Attentäter sei; er habe es aber nicht auf den Hauptmann Mendt, sondern auf den Oderlieutenant, an dem er fich rächen wollte, aboeschen. InnsKntck, 9. August.(Ein neuer Unglücksfall in den Alpen.) Aus Unterlcutasch, 6. d. M., schreibt man dem„Boten für Tirol und Vorarlberg":„Gestern bestieg ein junger Mann mit Namen Caro aus Glogau in Peeußisch-Schlefien, über Rhein- tbal und Lautersee kommend, den Grünkopf und wollte die Franzosenalpe besuchen, um da eine Ausficht auf das Leutascher Thal zu haben. Beim Pasficen des schmalen Fußsteiges am Grünlopfc fiel starker Nebel ein und infolge dessen glitt Caro aus und stürzte über Felswände und Geröll gegen die Zoll- schanze ad. Die Finanzwache hörte Hilferufe und es begaben sich die beiden Oderaufseher Wallnöfer und Sotter schnell an Ort und Stelle, wo fie den Verunglückten unter dem Felsen in seinem Blute liegend fanden. Sie brachten den haldbewußt- losen Mann in das Gasthaus„Zur Brücke", wo er von dem aus Miltewald schnell herbeigerufenen Dr. Mair in Behandlung genommen wurde, welcher Verwundungen an Kopf und Rippen, doch nicht lebensgefährliche Verletzungen konstatirte. Heute wurde der Verwundete zur wetteren Behandlung nach Mittewald überfühtt." ... 3- August. Die zur Erhebung über die Erdbeben- schaden des 23. Februar v. I. und zur Bertheilung der Unter- sluyungen eingesetzte Regierungskommisston hat, wie der „Allg. Ztg. berichtet wird, nach 42 Sitzungen endlich ihre Ar- deiten erledigt. In den Prooin en Genua und Porto Mauricio find für Schäden an Gebäuden, beweglicher Habe, Erwerbs gelegenbeit-c. 1 514 082 Lire, an 191 Waisen 114 990 Lire, an 69 Wittwen 39500 Lire, an andere Personen 4000 Lire, zusammen 1 673 082 Lire vertheilt worden. In der Provinz Cuneo betrugen die Zuweisungen für die gleichen Zwecke ins- gcsammt 21 404040 Lire. Ueberdics wurden an Unterstützungen unter die Gemeinden der Provinzen Genua und Porto Mau- ricio 7 444 553(von den durch Gesetz bewilligten 10 Millionen) Lire, unter diejenigen von Cuneo 449 980(von 1 Million) Lire vertbeilt. Sophia. 13. August.(Räuder in Bulgarien.) Nach Mel- N-«ronhei« in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading aufgenommen.— Eine zweite Truppenabtheilung verfl aus etwa zehn Köpfen bestehende Räuberbande, welche" führung des Photographen Stojanow in der Umgeg« Rylo ins Werk gesetzt hat, und die man für ein Fv Brigantenbande von Bellova hält. Stojanow Aufnahme pittoresker Gebirgslandschaften nach Rylo worden.— Die„N. Fr. Pr." bringt einen I Bericht über die Räuber von Bellova, welchem wir ß entnehmen:„Der italienische Militär- Attachee Cugia Frau Binder gesagt:„Ich hole die Gefangenen; k nicht wiederbringen, so komme ich selbst nicht zurück. zunächst nur wachen, od die guten Maßnahmen der b Regierung gut ausgeführt werden, und falls ich mich überzeugt habe, werde ich einen Mittelsmann suchen» den Räubern verbandelt." In der That gelang es. Umstände ist die R.ttung der Gefangenen zuzuschn" Räuberbande, welche die Gefangenen wegschleppte, i Mann stark; aber außer dieser giebt es noch zwei B« die gemeinsam operiren. Bei einer derselben find einige Offiziere, die den Fürsten Alexander entführen halfen. Uebettntt der Banden auf türkiichcs Gebiet erschwert die nahmen der bulgarischen Regierung. Die Banden drohen, nächst wieder einen Streich ausführen zu wollen. Als d« fangenen festgenommen wurden und Widerstand leisteten,*4. fie mit Rippenstößen und Kolbenschlägen zum Aufgebe« Widerstandes veranlaßt. Später wurden fie wohl sehe bewacht, aber gut behandelt. In letzter Zell wurbt Verhältniß so vertraulich, daß nach der Uebergode des geldes die Räuber ihre Gefangenen umarmten und adu Der Räuderhauptmann beschenkte die Gefangenen Abschiede, gab Ländler eine Meerschaumspitze, eine Bernsteinspitze, die ihm früher abgenommen war, und Mikoglou eine Jagdtasche. Die Zeit den Gefangenen sehr einförmig. Täglich wurtck gebunden und eine Strecke weitergesührt. 9 man am Tagesziele der Wanderung war, wurde den# genen eine Erleichterung gegönnt. In den letzten T suchten fie, um fich zu zerstreuen, das bekannte Spiel ziehen". Als Binder hierzu eine Zeichnung entwarf, unter den Räubern ein großes Geschrei, er entwerfe zu ihrer Gefangennehmung. Es gelang ihm auch dies Hauptmann zu seinen Gunsten zu gewinnen. So mil! gegen die Gefangenen sich zeigte, so streng war er, Bevölkerung fich den von den Räubern auferlegten butionen entzog. Der Häuptling der Bande, die Land' Binder entführt hatte, ist Elia Kafiroff, ein bekannt r Agitator in Serbien— ein Umstand, der auf einen p Hintergrund des Räubcrunwcsens dcut t." Unruhen in Korea. Die neueste Post bringt% über ernste Unruhen, welche in Seul, der Hauptstadt ausgebrochen find. Die Ursache ist eine eigenthümliche. Chinesen verbreiteten das Gerücht, die amerikanischen Mi tödteten die Kinder und lochten fie darauf, um Arzneie« den Leichnamen zu bereiten. Nach einer anderen sollten die Missionäre aus den Leichen Chemikalien zu graphischen Zwecken deretten. Solche Dinge werW* China allgemein geglaubt und das im Jahre 18'" Tientfin vorgekommene Gemetzel soll auch auf Gerüchte zurückzuführen sein. Neun koreanische Beamte, Kinder verkauft haben sollten, wurden von der VollsmeaS' offener Straße geköpft. Die auswättigen Gesandtschaften" telegrapbisch von dem 40 engl. Meilen entfernten.Hofe", mukpo Kriegsschiffe kommen. Um 10 Uhr langten n" amerikanische und französische Seeleute von den Kanonen in Seul an. Am nächsten Morgen traf auch eine Abt japanischrr Marinesoldaten ein. Mittlerweile hatten die nischcn Behörden ebenfalls Truppen aufgeboten. Ulymonth, 13. August(Schiffszusammenstoß.) Die „Abdcy Town" aus Liverpool lief gcsicrn Abend in Sound ein und landetc'die aus 27 Mann bestehend« Aiiederui schöne H " Tewalt Der S Mer un lieber de Unglück. berühn * Hau barübel der nm°un ''fZ len b« u Staats en ist. % Jahr enscher regulirt e nicht sür den Di des englischen Dampfers„Bosphorus" aus Newcastle, ver Daß die' >b Tru sicher P brfin) aeflem Morgen nach einem Zusammenstoß mit der Town" unweit Start Point sank. Die„Abbey Tow", iW von London mit einer Ladung Zement nach Melbourne l�Oerb; stimmt während der Dampfer mit einer Ladung Getreide Alexandrien nach London unterwegs war. Die Kollist»»! folgte bei nebligem Wetter. Das Segelschiff rannte� großer Gewalt in die Steuerbordsette des Da und drang mit dem Vorsteven mehrere Fuß in das „Bosphorus" ein. Die Schiffe blieben mehrere Minuta jammen, bis ste durch Rückwättsar betten des Dampfers ander frei kamen. Dem Segelschiff wurde der Bug eins und der Steven zerschmettert. Die Mannnschaft flücht die Böte und wollte fich zuerst auf den Dampfer retten, aber bald nach ihn m Schiffe zurück, als fie sah, daß der D langsam wegsank. Die Besatzung des„Bosphorus" darauf von dem Segelschiff aufgenommen, welchem Mühe und Noth gelang, den Hafen von Plymouth zu e Die Besatzung des Dampfers konnte nichts von ihren retten. Kchiffsnachrichten. Hamburg, 14. August. Der. dampfer„Albingia" der Hamburg-Amcrikanischen Packe' Aktiengesellschaft ist von Hamburg kommend, heute"jj Thomas eingetroffen.— London, 14. August. Der � dampfer„Nubian" ist gestern auf der Ausreise in Eap f angekommen und der Dampfer„Athenian" ist heute"«> Heimreise in Plymouth eingetroffen. Telegraph! i /e Depeschen. (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Ä-4(?c. Vom, Mitttwoch, 15. August.(Telegramm der»-Aß- � � Stefani"). Nach einer Depesche des Generals Be. er find von dem unter dem Befehl eines italienischen Haup-w j abgegangenen 400 Baichi- Bozuks 221 zurückgekehrt,% W welchen 57 Verwundete; außerdem kehrten von den oOv utTmc** Bozuks unter dem Befehl von Adam Aga 260 zurück, L Runkel welchem 19 Verwundete.. Me 1 Konstantinopel, 14. August. Ter erste Orientiw� Pfa, neuen Linie Wien-Konstantinopel ist soeben ringetrostem«Jüchen j, den Bahnhöfen aller Stationen, welche der Zug pat�' ßa, eine große Menschenmenge anwesend.|»fit Ä Kriefkasten der Redaktion- � SJ*n, toaen bitten wir die»boimem-nib-Ouittuna b-iiuwge».."et Bei anfragen aborniementS.Cuittimg beijufilgf- »nttoort wird nicht eriheUi.«l.5� In, J®at i F K. Der Abgeordnete Ludwig Löwe starb am � t-mber 1886. ßJKl Kredo» bei Stettin. Der Kasfirer des 6*## der streikenden Arbeiter des„Vulkan" wird ersucht, an die Redaktion einzusenden. Wasserstand der 4. August 1888.(Angl re» in der Woche vom 29- in Metern.) 'HÄ, Am Oberbaum Dammmühle, Oberwasser. Dammmühle, Unterwasser. 29.7. 2,38 2,35 0,85 in Berlin SW„ Beuthstraße 2.