>». 198. Freitag» de« 24. Attgitst 1888. 5. Jahrg. MitcrDoliisbltll Lrgan für die Interessen der Arbeiter. DaS„Berliner Volksblatt" scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei ms Haus vierteljäbrlich 4 Marl, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnemcnt 4 Mark. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.) JnsertionSaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkrmft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Ziinmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureanx, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Trübe Ausstchte«. . Herr von Bennigsen, der Staatsmann der National- Skalen, war in Friedrichsruh beim Kanzler, und die �mungsschrsiber zerbrechen sich den Kopf darüber, welcher Aweck wohl mit dieser Reise verknüpft gewesen sein mag. �ationalliberale Zeitungen wagten schüchtern anzudeuten, ?9p eS sich bei der Zusammenkunft vielleicht darum ge- handelt habe, den hannoverschen Landesdirektor zum Eintritt J9 das preußische StaatSministerium zu bewegen, aber daS Hohngelächter, daS über diese Vermuthung im konservativen Mer laut wurde, belehrte die Herren von der Partei Drehscheibe sehr schnell darüber, daß die Zeit, wo sie aus der Schüssel essen könnten, auch jetzt noch nicht o» sei. Wenn aber nicht anzunehmen ist, daß Herrn von Dennigsen gelegentlich seiner Anwesenheit im hübschen Lust- ichloß im Sachsenwalde etwas angeboten wurde, so ist eS Bm so viel wahrscheinlicher, daß von ihm etwas verlangt B>urde. Und dieses Etwas dürfte allen Anzeichen nach °arin bestehen, daß der Zeitpunkt, wo den riesigen Opfern, Welche dem Militarismus erst im vorigen Jahre gebracht wurden, neue folgen werden, direkt vor der Thüre steht, und Baß der Kanzler den Versuch gemacht hat, den auch über die Preise seiner eigenen Partei hinaus Einfluß ausübenden Partei- Führer für die neuen Forderungen zu gewinnen. Daß das Letztere dem Kanzler gelungen ist, daran wird wohl niemand zweifeln, und so kann sich das deutsche Volk wieder daS Wort JagoS zu Gemüthe ziehen und„Geld in >oi»en Beutel" thun. Ilm waS eS sich zunächst bei den neuen militärischen angen handeln wird, weiß freilich noch niemand zu doch geht die Vermuthuna allgemein dahin, daß . VTsätyich Ausgaben für die Marine und die Küsten- piJi"""g in Betracht kommen. Danzig, so heißt eS, soll f.* �chigter KriegShafen werden, und vielleicht trägt man N au maßgebender Stelle mit dem Gedanken, au« emer ?�macht.weiten Ranges, womit wir uns bis jetzt begnügt �°en. mne solche ersten Ranges zu werden. Auf alle Falle !"Uß es sich, wenn die Vermuthungen, welche an den Be- 'J(h Bennigsens geknüp't werden, anders richtig sind, um �le, vielleicht hunderte von Millionen handeln, denn um agatellen von etlichen Millionen willen brauchte sich der '""skr keine Mühe zu machen, dazu ist ihm die Zustim- 9Bg der Kartellparteien immer sicher. Es wird also aller Voraussicht nach der nächste Reichs- � den deutschen Michel wieder Ueberraschungen sehr unan- Rehmer Art bringen, und daß dieselben auf dem militärischen kb, et liegen, dafür zeigt schon der Umstand, daß die Kriegs- ■%reien jetzt wieder im Schwünge flnd, wie schon lange "'cht mehr. Der Michel muß präparirt werden, und wenn > Um r te» N&rw »l JeuMeton. [69 Ihre Tochter. "iwinal-Roman nach dem Französische« von K. D e t r i« g. Wollte er Martine Ferrette auffinden, so schien eS iu Iv, einfacher zu sein, i» zedem Hause der Rue tr äVä'ä! aber er hatte einen Widerwillen dagegen, dieses tn, w'tt seiner Wohnung aufzusuchen und eS dort r! Auskunft zu bitten. Die Vertraulichkeiten waren W" unangenehm, die sich an diesen Besuch anschließen tr.;'. während ein zufälliges Zusammentreffen im en mit Martine diese Unannehmlichkeiten ausschloß. . begann aber schon die Hoffnung aufzugeben, ihr nit% begegnen, und seine Gedanken beschäftigten sich letzt „.Theresen, die er nicht mehr wiedersehen sollte. WaS j'�.5 ste jetzt wohl in ihrem Häuschen am Boulevard detjJ5 dachen? Hatte ein Anderer seine Stelle m ihrem >en c �"genommen? Dachte sie noch zuweilen an ihn, >er ii öwei Tage lang mit ihrer Liebe beglückt hatte und ie"»cht vergessen konnte? Waren die Gefahren, die »ank. h�en, gebannt? Wie oft war ihm der Ge- staL gekommen, unsichtbar über sie zu wachen und des mit aar dem Gartengitter der einsamen Villa auf WnJ»» stehen, in die-in Feind so leicht emdnngen \imn Aber er hatte kein Recht mehr, sie zu beschulen. mmim dann im Winter die Möglichkeit des Krieges mit zwei Fronten— vielleicht werden es dieses Mal gar drei Fronten, nämlich eine zur See gegen England, was ja die Nothwendigkeit der Vermehrung der Seerüstung plausibler macht— wieder auftaucht, dann wird der„Patriotismus" wohl schon den nöthigen Hitzegrad erreicht haben, und viel- leicht erleben wir noch einmal da« Schauspiel, daß eine Vorlage, zu deren Durchführung hunderte von Millionen nothwendig sind, gewissermaßen im Handumdrehen ohne Debatte bewilligt wird. Die meisten europäischen Völker, und wir Deutsche leider an der Spitze, befinden sich in einem förmlichen KriegsparoxismuS; alles Sinnen und Trachten des Herr- fchenoen TheileS der Nationen ist von dem Gedanken an den bevorstehenden Weltkrieg— der als etwas Unver- meidlicheS betrachtet wird, in Anspruch genommen, und die Vorbereitung zu diesem Kriege, den angeblich Niemand will und den doch alle Welt befürchtet, saugt den europäischen Völkern das Mark aus den Knochen. In welchem Maße dies bei uns in Deutschland der Fall ist, zeigt da« kolossale WachSthum der Staatsschulden, welche wir für militärische Zwecke im Laufe der letzten zehn Jahre zu machen genöthigt gewesen sind. Bis zum Jahre 1876 waren wir in der angenehmen Lage, alle außerordcnt- lichen Bedürfnisse für das Heer aus der französischen Kriegsentschädigung decken zu können, wie ja auch unsere Festungen mit französischem Gelde umgebaut, der Invaliden- fond aus derselben Quelle gespeist und der KriegSschatz im Spandauer Juliusthurm davon errichtet wurde. Im Jahre 1877 waren aber die französischen Kriegsgelder verbraucht, und es mußte zum ersten Male zu einer Anleihe von 6 420 000 M. für militärische Zwecke geschritten werden, der dann regelmäßig jedes Jahr und zwar in der Ziffer fast ununterbrochen steigend, weitere Anleihen folgten. So haben wir es denn in diesem Zeitraum von knapp zehn Jahren glücklich dahin gebracht, daß für Zwecke des Land- heereS allein Schulden im Betrage 710 370 000 M. haben gemacht werden müssen. Dazu kommen noch 184 370 000 M. Schulden, welche für die Kriegsmarine gemacht wurden, so daß die Gesammtsumme der Schulden, welche daS Reich für militärische Zwecke innerhalb der letzten zehn Jahre ge- macht hat sich auf 894 740 000 M. also beinahe eine Milliarde beläust. Diese kolossale Schuldenlast wurde aufgehäuft, obwohl wir ungestörten Frieden hatten und nicht eine scharfe Patrone verschoflen wurde. Wir wissen nun wohl, daß man uns sagen wird, andere Nationen und speziell die Franzosen, haben innerhalb dieses Zeitraums noch viel mehr Schulden für militärische Zwecke gemacht. Da« ist ja richtig, andererseits aber ist es ein sehr schlechter Trost für einen Ertrinkenden, wenn er weiß, weiterritten, einen halblauten Fluch über seine Ungeschick. lichkeit ausgestoßen. Andreas achtete nicht darauf und hob nicht einmal den Kopf bis ihn fein Pferd schließlich mitten auf eine von ent- gegengesetzter Richtung herangaloppirende Reitergruppe " �.Heiliges Donnerwetter! Herr! Passen Sie doch auf!" rief eine entrüstete Stimme. Der Zusammenprall war so heftig, daß der in seine Träume versunkene Andreas beinahe bügellos geworden wäre: aber schnell saß er wieder fest im Sattel, hob den Kops und erkannte flch gegenüber den Major von ArboiS, der im Mittelgliede einer Gruppe von vier Herren ihn mit eingeschlossen sich befand. Wie! Sie sind es, lieber Freund?" rief Guntram und war sofort besänftigt.„Der Teufel soll mich holen, wenn ich Sie hier zu treffen... und noch dazu so... ge- dacht hätte! Ein reines Glück, daß Sie und ich fest zu Pferde sitzen, sonst hätten wir daS Vergnügen haben können, uns unten im Sande zu begrüßen!" „Entschuldigen Sie," bat der Baron.„Ich war einen Augenblick zerstreut.", Sie dachten wohl, Sie ritten durch eine betrag- nische" Haide, wo die ganze Kavallerie Frankreichs bequem manöveriren kann! So viel Platz ist hier rm Boiü de Baulogne nicht, und wenn man um diese Stunde spazieren reitet, so muß man sein Pferd fest im Zügel haben Nun, das Uebel war nicht so schlimm, wir sind ja beide nicht gestürzt, und das ist auch kein Grund, weshalb ich noch immer verabsäume, Sie meinen Freunden vorzustellen. Meine Herren, der Herr Baron Andreas von Elven Lieber Andreas... Herr Desternay... Herr von Sartilly..." fuhr der Major fort und stellte seinen Nachbar zur Rechten und feinen zur Linken vor, die mit Andreas einen kurzen Gruß weckselten.„Und hier... Aber wo sind Sie denn, Randal?" Herr von Randal befand sich im Hintergrunde, ließ sein Pferd nun vorschreiten und sagte halblaut: daß er nicht der Einzige ist, der auf diese Weise fein Leben einbüßt. Statt uns immer darauf hinzuweifen, daß unsere-uro- päischen Nachbarn sich in derselben Lage befinden wie wir, d. h. ebenfalls langsam aber sicher am Militarismus ver- bluten, wäre eS besser, den Blick über den Atlantischen Ozean zu werfen, wo sich Dinge abspielen, welche unsern chauvinistischen Schreiern und Verherrlichern des MilitariS- mus zu denken geben sollten. Während die europäischen Finanzminister sich die Köpfe zerbrechen, wo sie dir Gelder herbringen sollen, um die immer mehr wachsenden Ausgaben für die stehenden Heere zu decken und eine Anleihe um die andere aufgenommen und eine neue Steuer um die andere den europäischen Völkern aufgelegt wird, beschäftigt den Finanzminister der Vereinigten Staaten die Frage: wo er mit den über« flüssigen Millionen bleiben soll, welche sich im Staatsschatz befinden. Während bei uns die Staatsschulden mit beängstigender Schnelligkeit wachsen und so die Steuerzahler immer mehr den internationalen Geldftzrsten tributär werden, fordert der amerikanische Finanzminister die Besitzer der erst in den Jahren 1892 und 1904 fällig werdenden BundeS- fchuldbondS auf, dieselben jetzt schon— und zwar unter Gewährung einer ganz erheblichen Prämie— zur Ein- lösung zu bringen. Am Ende des letzten Finanzjahre?, am 30. Juni d. I. betrug der Ueberschuß der Einnahmen über die Äu?gaben in dem einen Jahre 130 Millionen Dollar, und alle« in allem befanden sich im Bundesschatz 600 Mil« lionen Dollar Ueberschuß Die amerikanischen Staats- männer sind Angesichts dieser'Sachlage ernstlich bemüht, die Einnahmen des Staate« zu verringern, d. h. die Steuern und Zölle herabzusetzen. Besonders gegen die letzteren, welche in der Union eine ganz ungerechtfertigte Höhe haben, richtet sich die Agitation und im Repräsentantenhause ist eine Bill zur Annahme gelangt, welche eine allgemeine Zollreduktion enthält und besonders Erleichterungen für Rohmaterialien und vor allem für importirte, nothwendige Lebensmittel bringen würde. Salz soll darnach vollständig steuerfrei werden. Dies ist eine Forderung, die auch bei uns noch in den sechziger- und anfangs der siebziger Jahre auf jedem liberalen Programm stand, heute aber fast verschollen ist. Auch ein Zeichen des Rückschritt«, den wir im Laufe der letzten 25 Jahre durchgemacht haben. Während also das alte Europa unter den Militärlasten fast erdrückt wird und wir in Deutschland uns anschicken, die fo wie so schon überschwere Bürde, noch zu vermehren, be» zahlen die Amerikaner den letzten Rest ihrer Staatsschulden und verbilligen durch Beseitigung unnützer Zolllasten daS Leben und damit thatsächlich auch die Arbeitskraft. Schon heute ist der junge, amerikanische Riese ein gefährlicher Konkurrent auf dem Weltmarkt; in wenigen Jahrzehnte« „Ich hatte mich darauf eingerichtet, den Herrn durch- reiten zu lassen." UebrigenS grüßte er Andreas mit großer Höflichkeit, jener aber dankte mit auffälliger Kälte. „Sie kennen sich wohl schon?" nahm Guntram wieder das Wort. „Ja," erwiderte der Baron.„Der Herr ewies mir bereits einmal die Ehre, mich aufzusuchen, und ich bin sehr erfteut, ihn wiederzutreffen." „DaS ist aber noch kein Gnind, daß wir hier im Kreise stehen bleiben und plaudern," sagte der Offizier heiter.„Wir sperren den Weg. Vortwärt«, meine Herren. Sie bgleiten un« doch, lieber Andreas?" „Ich danke Ihnen," erwiderte Herr von Elven,„ich bin aber leider gezwungen, nach der Stadt zurück zu müssen." „Jetzt, wo alle Welt erst hier erscheint!... Da» wäre doch absurd... Ich lasse Sie übrigens nicht loS, ich habe Ihnen sehr viel zu sagen... Begleiten Sie uns nur bis zum Wege nach Longchamp." ES war Andreas nicht besonders angenehm, in so zahl« reicher Gesellschaft mitzureiten, aber der Major hatte ihm soeben gesagt, daß er ihm Mittheilungen zu machen hätte. Dann hatte er sich ja auch schon entschlossen, in die Kreise einzutreten, in denen Guntram verkehrte, ein Anfang mußte gemacht werden und die Gelegenheit war günstig. So gab er also dem Wunsche des Majors nach und die Gesellschaft ordnete sich wieder. Andreas ritt zwischen Herrn von ArboiS und Desternay, der sich zu seiner Rechten befand. Den linken Flügel des Trupps bildeten der dicke Sartillv und der Baron von Randal. Der Major machte, während sich die Reiter in Bewegung fetzten, die Bemerkung, daß Herr von Elven wohl nicht mehr lange in Paris bleiben würde. „Verzeihung," erwiderte für Andreas Herr Desternay, „Herr von Elven denkt gar nicht daran, uns so schnell zu verlassen, er hat erst vor kurzem seine Aufnahme in unserem Klub beantragt." „Ach! Ist es möglich?" rief Guntram von ArboiS. aber wird er die europäische Konkurrenz überall schlagen. Und nicht am wenigsten wird dies herbeigeführt dadurch, daß vor den persönlichen und pekuniären Lasten, welche der Militarismus den europäischen und speziell auch unseren Bürgern auflastet,.jährlich es tausende und hunderttausende vorziehen!, steh jenseits des Ozeans ein neues Heim zu gründen, statt im alten Europa unter Umständen als Kanonenfutter zu dienen. Wir zahlen also auch noch die Kosten der Erziehung jeneS ArbeiterheereS, dessen Kon- kurrenz uns schließlich vom Weltmarkt verdrängen wird. Wahrlich, eS ist höchste Zeit, daß sich die Völker deS europäischen Kontinents ermahnen und dem alles über- wuchernden und zerdrückenden Militarismus ein Halt! zu- rufen._ Tngiuak-Korresxolläenzen. Hamburg, 22. August. Wie ich schon früher berichtete, ist durch die gesteigerte Bauthätigkeit, besonders hervorgerufen durch die beschleunigte Fertigstellung dir Freihafenanlagen, das Baugewerbe dir am Platze das begünst gte von allen andern Gewerken. Es konnten infolge dessen zuerst die Maurer tbren Stundenlohn von 50 auf 60 P,:. steigern, auf welchem Wege ihnen die Zimmerer, wenn auch zögernd folgten, insofern als die Besonnenen unter ihnen lieber an demjj im vorigen Jahre vereinbarten Tarife festhalten wollten, um so im Voraus schon den Rückschlag zu porircn, der unausbleiblich eintreten wird, so bald die großen, öffentlichen Bauarbeiten der Hauptsache nach vollendet sein werden. Andererseits kann man es den Arbeitern jedoch auch nicht verargen, wenn sie die günstige Konjunktur benutzen, um so lange es eben geht, täglich l M. m e h r zu verdienen, als zu gewöhnlichen Zeiten. Die Baugewerksinnung ihrerseits rüstet sich jedoch schon auf zukünftige Zeiten und hatte vor kurzem eine Kommission von 9 Personen gewählt, um die erforderlichen Schritte zur Abwehr der „enormen" Forderunren seitens der Arbeitsnehmer zu berathen und Vorschläge zur Abstellung, der die Bauherren so„arg bedrückenden" Verbältnissc zu machen. In einer engeren Ver- sammlung von Mitgliedern der Innung hat diese Kommission nun jüngst ihr Elaborat den Herren Kollegen unterbreitet. In diesem Berichte, der eigentlich geheim gehalten werden sollte, dennoch aber zur Kenntniß der Arbeiter gelangte, wird zunächst über die geringe Mitglilderzahl der Innungen geklagt, dann aber, und das ist das Wunverbare, darauf hingewiesen,„daß das Akkordsynem zu einem alle Ordnung sprengenden Zustande stch gestaltet habe." Jedweder fester Lohn, Arbeits- oder Her- stellunpswerih. beißt es in dem Bericht, ist bei Akkordarbeit illusorisch, und mutz, um diesen unhaltbaren Zusiand aufzuheben und wredcr feste Löhne in Hamburg herzustellen, so wie den Uebertheuerungen und dem maßlosen Benehmen der Arbe ter ein unbedingtes Halt entgegenzustellen, folgender Para- graph im Jnnungsstatut aufgenommen werden:„Jeder Jnnungsmcister verpflichtetsich, keineAkkord- arbeit zu dewilligen." Wunderbar, sollte man sagen, wie kommt Saul unter die Propheten? Wie ge- langen Jnnungsmeifter dazu, die Akkordarbeit als verwerflich zu bezeichnen, da doch ihresgleichen bis auf die jüngste Gegenwart das Akkordsystem als die ideale Art und Weise der Arbeit gerühmt haben, wogegen die Arbeiter in unzähligen Resolurionen die Akkordarbeit als verwerflich in jeder Beziehung bezeichneten? Aber die Herren von der Bau- gcwerksinnung verwerfen nicht deshalb die Akkordarbeit, weil dieselbe, wie die Arbeiter sagen„Mordarbeit" ist, weil Gesund- heit und Kraft des Arbeiters frühzeitig durch dieselbe aufgerieben wird, auch nicht well die Qualität der Arbeit durch die lieber« hastung leiden könnte, sondern„um dem maßlosen Benehmen der Arbeitnehmer ein unbedingtes Halt entgegenzustellen." Es ärgert sie der momentane Mehrvcrdicnst, und die Baugewerks- innungsmeister betrachten diesen Mehroerdienst als ihnen ent> zogen; darum sind sie augenblicklich gegen die Akkordarbeit und beschließen den alten Lohnkarif, nach welchem der Stundenlohn 50 Pf. und für Junggesellen 40 Pf. betrug, wieder ern- zuführen. Das ist des Pudels Kern! Wenn wieder einmal eine Zeit kommt, wo die Baumeister Vorthell aus der Akkord- arbeit ziehen zu können meinen, dann werden die alten Lobes- Hymnen ans die Alkordarbeit wieder auf's Neue angestimmt.— Die Arbeiten für den Zollanschluß Hamburgs find schonzur Zeit so weit vollendet, daß die neuen Einrichtungen zum Ter- mine ins Leben treten können. Der Zollkanal ist bis auf einen kleinen Rest, an dem noch eifrig gegraben und gebaggert wird, fertig gestellt. Die Brücken sind sämmtlich fertig und dem Ver kehr übergeben. Ein Theil der Ringbahn, welcher bisher durch das zukünftige Freihafengcbiet führte, wird gegenwärtig verlegt und die Schienen find auf der ganzen Strecke in den nächsten Tagen fertig Zahlreiche neue Zollbeamte begegnet man in den Straßen. Somit haben unsere süddeutschen Brüder nun ja bald ihren Willen, die freie Reichsstadt Hamburg zum Zoll- gebiete zählen zu können. Hamburg aber hat eine enorme Schuldenlast auf sich nehmen müssen, und seine Einwohner „Nun ja," erwiderte Andrea? mit einer gewissen Ver- legenheit,„ich fürchte hier durch Geschäfte zurückgehalten zu werden." „O! Ich mache Ihnen daraus ja keinen Vorwurf. Im Gegentheil, ich freue mich sehr, daß Sie sich an uns anschließen wollen... und hoffe, daß Sie sich nun ent- schließen werden, dauernd hier zu bleiben. Sie haben lange genug wie ein Einsiedler in der Bretagne gehaust und werden schon finden, daß eS sich hier ganz erträglich leben läßt." „Sie finden bei uns sehr nette Spielabende," rief Sartilly.„Nur rathe ich Ihnen, sich nicht an Randal zu versuchen. Das ist der ärgste Glückspilz, den ich kenne. An jedem Spielabend nimmt er mir regelmäßig mem Geld ab, und wenn das so fortgeht, kann ich bald trocken Brot essen." „Ach, gehen Sie doch." meinte der Major,„Sie sind ja zu reich. Wenn Sie auch noch Glück im Bakkarat haben sollten, wäre das ja eine himmelschreiende Ungerechtigkeit." „Ich bin kein Spieler," erwiderte Andreas. „Da thun Sie recht daran," gab der Dicke zur Antwort, der sich über sein Pech ärgerte.„In ihrem Alter, da liebt man nur die Frauen. Wenn ich noch fünfundzwanzig Jahre alt wäre, würde ich keine Karte anrühren." „Sie haben doch jetzt auch noch Glück bei den Weibern," meinte Desterney spöttisch. „O ja!" erwiderte Sarttlly.„Ich habe jetzt Eine kennen gelernt, die ganz toll nach mir ist." „Wohl eine russische Prinzessin?" stagte der Major [/Nein, aber ein sehr netteS Mädchen, das Marttne Ferrette heißt.".,_. „Martine Ferrette!" rief Desternay und brach m em Gelächter aus.„Sie bilden sich doch nicht etwa ein, sie entdeckt zu haben?" „Nein," erwiderte Sartilly ernst.„Ich weiß. Sre alle kennen sie. Ich aber bin der Erste, der ihren Werth auf- zufinden gewußt hat." „Ach was! Sollte sie denn Vorzüge haben, die wrr nicht bemerkt hätten?" fügen sich der großen Mehrzahl nach nur mit Murren in ihr Schicksal; besonvers diejenigen, welche durch die Verödung des bisherigen, sog. Nieder- und Jonashafen ihre Erwerbsquelle ent- zogen wird. Die Einzigen, welche sich vor einigen Tagen den Freihafen zu nutze gemacht haben, find 13 Krokodille, die im neuen Segelschiffhafen über Bord eines amerikanischen Schiffes springend die Freiheit suchten, auch bis jetzt nicht wie- der eingefangen wurden. Da diese Bestien aernc stromauf- wärts gehen, könnten sie am Ende gar noch der Reichshauptstadt einen Besuch abstatten und zwar ohne irgend welchen Zoll zu entrichten. Zürich. 20. August. Ein gütiges Geschick läßt immer da- für sorgen, daß den Gegnern der klassenbewußten Ardeiter der Stoff zur Hetze und Befriedigung derselben nicht ausgeht. So find die schweizerischen Geldsackspatrioten und ihre Preßorgane schon seit Jahren sehr verstimmt darüber, daß der Grütlivercin nicht chauvinistisch ist, sondern immer mehr der Sozialdemokratie verfällt. Wie der Bürgermeister und Senat von Krähwinkel, so vermuthcn sie hinter allem, was ihnen gegen den Strich geht, fremde Ausländer, ja sie vermuthen es nicht blos, sondern geben diese willkürliche, haltlose Annahme als Thatsache aus. Es kam ihnen eine kleine Sektion des Grütlioereins entgegen. Im Kanton Appenzell liegt ein kleines Dörfchen mit dem Namen Teufen. Eine daselbst zum größten Theile aus Krüppelschützen destehende Grütlisektion hat anfangs dieses Jahres für die Generalversammlung in Glarus den Antrag ge- stellt, keine Ausländer mehr als Mitalieder aufzunehmen. Der Grütliverein hat nämlich auf 14 000 Mitglieder 200 Ausländer, und diese sind fast ausnahmslos in der Schweiz von ausländischen Eltern geboren und erzogen worden, find also bis auf den Nichtbefitz des Bürgerrechts vollständig Schweizer. Außerdem, daß die Ausländer im Grütliverein nur Pasfivmit- glieder sein können, also in keine Angelegenheit, am wenigsten in eine politische, drein zu reden haben, steht mich noch jeder Sektion das Recht zu, angemeldete Ausländer einfach abzuweisen und sie nickt aufzunehmen. Durchschnittlich sind überdies diese 200 ausländischen Mitglieder politisch völlig indifferente Leute, die im Grütlivereine sich höchstens an der Gesangs- oder Turnsektion betheiligen. In Erwägung dieser Umstände hat die von 261 Delegirien besuchte Generalversammlung in Glarus den Antrag einstimmig abgelehnt. Doch die Teuscner Krüppclschützen besitzen eine anerkennenswerthe Aus- Dauer und weil sie sich bei dieser Abl hnung nicht beruhigten, muß ihr Antrag der gesammten Mitgliedschaft zur Urabstim- mung vorgelegt werden, die in den nächsten Wochen in den Sektionen stattfinden wird. Aus diesen sachlichen Darlegungen geht hervor, wie einfach und bedeutungslos diese Angelegenheit ist, ob sie nun mit dem Sieze oder einer Niederlage der Teuscner endet. Ader die la- vitalistische, gegen die Sozialdemokraten Gist und Galle speiende Presse hat davon eine andere Auffassung und triumphirt in einem wahren Freudentaumel, daß endlich den fremden Hetzern und Wühlern im nationalen Grütliverein das Handwerk gelegt werden wird. Alle Widerlegungen dieses Unsinns, alle Gegen- erklärungcn find wirkungslos, die Gegner haben sich das einmal so zurechtgelegt und„Stadtdote" und„Neue Züricher Ztg." sind konsequent. Uebereifrige Korrespondenten auswärtiger Blätter, die die einschlägigen Verhältnisse weder kennen noch das nölhigc Vcrständniß dafür besitzen, werden nicht ermangeln, diese künstlich und tendenziös aufgebauschte Geschichte in ihrer Weise weiter zu verarbeiten, für die klassenbewußte, organifirte Arbeiterschaft ist die ganze Aktion nur ein Schlag in's Wasser. Das vom Grütliverein abgelehnte Obligatorium der Bei- träge an die Reservekaffe hat deren Kommisston in Bern, welcher ausgezeichnete Männer angehörten, veranlaßt, ihre Funktionen niederzulegen. Wie sich die Sache nun weiter gestalten wird, kann ich Ihnen heute nicht mitthcilen. Auf jeden Fall ist der Rücktritt der Kommission in Bern sehr bedauerlich. Das vor einiger Zeit in B a s c l in Kraft getretene Arbeiterinnenschutzgesetz wird strenge gehandhabt. Bereits find meh- rere Gcschäftsinhaberinnen wegen Ueberzeitarbeit zu empfind- lichcn Geldstrafen verurtheilt worden. Nach einem bezüglichen behördlichen Ausweise waren Ende des Jahres 1887 im Kanton Baselstadt 125 Firmen, 4 mehr als im Vorjahr, dem eidgenösfi- schen Fabrikgesetz unterstellt. Davon waren 14 Bandfabriken, 10 Floretspinnereien, Seidenzwirn creien, Nähseidenfabrikcn:c., 10 Färbereien, Appreturen und chemische Wäschereien rc., 5 Fabriken für chemische Produtte. 2 Papierfabriken, 1 Papier- waarenfabrik, 1 Litzenfabrik, 1 Maschinenstrickerei, 1 Hutfabrik, 1 Schubformenfabrik und 4 Tabak- und Zigarrenfabriken, 1 Spritfabrik, 1 Zichorienfabrik, 6 Mühlen, 12 Bierbrauereien, 1 Teigwaarcnfabrik, 1 Gasfabrik. 21 mechanische Werkstätten, Gießereien, Schloffereien und Metallbearbeitungs- Werkstätten, 7 Bauwerkstätten und Sägereien, 2 Möbelfabriken, 1 Packkistenfabrik, 1 Zementfabrik, 1 Glanzsiberfabrik, 2 Hadern- sortirereien, 13 Buchdruckereien und 5 Lithographien. Für die Verlängerung der Arbeitszeit, meistens bis Abends 3 Uhr, wurden während deS verflossenen Jahres 110 Bewilligungen erthellt; in 28 Fällen dauerte die „Gewiß; Sie verstehen aber nicht zu sehen.... So sind Sie aber alke.... Sie studiren die Frauen nicht. Ich entdecke ihre Fähigkeiten, und wenn ich Eine finde, die eine Zukunft vor sich hat..." „... So helfen Sie ihr. Das ist ja sehr hübsch von Ihnen, aber deswegen brauchen sie noch nicht in Sie ver- liebt zu sein. Solche Dämchen sind undankbar." „Weil man sie nicht zu behandeln versteht. Da ist die kleine Marttne... ein sehr hübsches Kind, nicht wahr? ... sie steht am Beginn ihrer Laufbahn und hat noch mit allen Leiden der Anfängerin zu kämpfen. Und doch ist sie wie geschaffen, alle ihre Rivalinnen aus dem Felde zu schlagen.... Bis jetzt hat ihr zum Emporkommen nur ein verständiger Mann gefehlt, der ihre Vorzüge erkannt hat und sie nun mit seinem Rathe unterstützt." „Wenn Sie sie bloS mit Ihrem Rathe unterstützen wollen..." „... So wäre das nicht genug. Ich werde auch alles thun, um ihr weiter zu helfen, aber nur allmälig. Ihr Anderen werft so einem neu entdeckten Sterne eine Wohnungseinrichtung und einen Wagen auf den Hals, und nach drei Monaten las läßt Ihr sie sitzen. Ich habe ein an- deres System. Ich beginne mit Ihrer Erziehung. Ich halte ihr Lehrer." „Um sie worin zu unterrichten?" „In allem, worin sie nichts weiß. Im Französischen, in der Geschichte, in der Musik, im Gesang, in..." „.. Und im Anstand. DaS richtige PensionSftäulein! Sartilly, Sie sind ein großer Mann." „Lachen Sie, so viel Sie wollen. In einem Jahre werden Sie sehen, was aus Fräulein Ferrette geworden ist, die Sie jetzt für ein Gänschen halten. Sie wird literarische Theeabende geben, und ich werde die berühmteste Maitresse von Paris haben." „Ich wünsche Ihnen alles Glück dazu, lieber Sarttlly," sagte der Major. �»Danke schön. Fragen Sie nur Jeanne von Lorris, die Marttne kennt und weiß, was sie werth ist, da sie die Kleine zu ihrer Freundin gemacht hat." Desternay zuckte die Achseln und erwiderte: . des'Z .«äPienii 5»achstcn Mehrarbeit mehr als 14 Tage. Eine Maschinenfabrik und n« Zigarrenfabrik wurden mit ihren Gesuchen abgewiesen, da st von der verlängerten Arblitszeit zu oft Gebrauch gemacht hatten, dai� Fabrikgesetz dagegen nur von einer„ausnabmsweisen ostl vorübergehenden Verlängerung der„Arbeitszeit" spricht. Mtt dem eidg. Fabrikinspektor wurde laut dem Bericht* Depattements des Innern ein Modus vereinbart, wonach Wi ,, ersteie die anläßlich seiner Jnspekttonen ertheilten Voischnst« und zw dem genannten Departement schriftlich mittheilt; letzteres M �md. g- alsdann durch die Mitglieder der Fabrikkommission nach, ob W �Zugleich gegebenen Weisungen nachgekommen wird. werden An Unfällen wurden im vergangenen Jabre 147 Iw' 1« ein fälle eingetragen gegenüber 86 des Vorjahres; die Venne bruns s«««retch rührt davon her, daß seit 1. November auch die Unfälle eingo zu der: tragen werden, die in den nicht zum Fabrikgesetz, sondern vtf Wochen. Z dem Hastpflichtgesetz unterstellten Etablissements vorkommen- mt bericht, Auf die verschiedenen Industrien und Unternehmungen vfl- wagen mal tbeilen sich die 147 Unfälle wie folgt: Bandfabrikation 1 � der il Floret'pinnerei 11, Färberei und Appretur 21. EhemW Mr BlAtei Industrie 23, Mech. Werkstätten w. 38, Papierfabrikatton s-'''lig erdo Tabakfadrikation 3, Bierbrauerei 21, Zimmerwtrkslätten u"''®,e Sollt Holzbearbeitung 6. Polygraphische Gewerbe(Buchdruckerei ufl? w%n.— Lithoaraphie 6. Maurerhandwerk 4, verschiedene Industrien o nicht No und Eisenbahnen 4 Unfälle. Sti In 112 Fällen ging die Verletzung mit gänzlicher HeiluWj, N»Reichs in 2 mit Heilung mit Amputation, in 7 mit Heilung. m.�ger sonstigem Nachtheil und in 3 m t Tod aus; von 23 FäW ei war der Ausgang am Schluß des Jahres noch unbekannt. SMpfft: Das Polizeidepartement wurde deauftragt, jewcilen bei o« Mhull ersten Einvernahme der Verletzten Angaben über den Sta»« der Entschädigungsansprüche aufzunehmen. Die Prüfung Unfallakten durch das Departement des Innern erstreckt jf» und daupilächlich auf die Frage, ob von Seite der betreffenden lesst schäftsinhader das Mögliche zur Verhütung des Unfalls geis� jd bei i worden sei. Ws letzteres nicht geschieht, find nach vorfet*& W. g Untersuchung durch den obrigkeitlichen Techniker, den Pb#» Jjs.&eS„ oder den eidg. Fabttkinspektor die genügenden Schutzvorrichlu«� L:, G vorzuschreiben. Wiederholt zeigte stch daß seitens der Arde� r bin und wieder schnftlichen Verboten, welche zur Verhütung/ L Unfällen erlassen worden, zuwidergehandelt wird oder vorhat/ Schutzvorrichtungen trotz Vorschrift nicht denützt werden. SD - Politische Ueberstcht. „Der große Wahlsteg" Koulangers erfüllt i# Kartellpreffe mit Begeisterung. Wenn der„brave General" mals ein Deutschenhasser und französischer Chauvinist iieiwjj ist, dann muß er sich jetzt bekehrt haben angesichts der Zärih* feit, welche die deutschen Chauvinisten für ihn bekunden und JJ mächtigen Reklame, die sie für ihn machen. Leider besteht große Wahlsieg" nur in der Phantasie unserer deuss� Chauvinisten. Der„brave General" ist in drei der reaklionäi� Departements Frankreichs gewählt worden; er ist in ihnen m" von Republikanern, sondern von erklärten Gegnern der Rc/ blik— und mit geringerer Stimmenzahl gewählt worden, � bei den vorletzten Wahlen auf die Kandidaten der Reaktion fallen waren. Der„Rückgang" ist also unzweifelhaft, aber/ k#«Wl h, j�atte best wir Mdlman" M die ""age vor % Walls 1 Sufärif s&T . meine P ÄTs Mt b( -D U-girn ist kein„Rückgang" der Republik, sondern der Monarchist l �- 0!'3el Reaktioneparteien. ,. Zur KrrUnrr MahU»-»rg««g bemerkt die„Frkf. Zkß. „Man will demerkt haben, daß den Sozialdemokraten W* Bewegung aelaffen werde, als in den letzten Jahren des kamer'schen Regiments und be llt stch, daraus einen Schluß die Anschauungen des neuen Ministers des Innern zu zie! Unseres Erachtens mit Unrecht, denn nach wie vor verfahren unteren Polizeiorgane der Eozialdemokratie gegenüber ganz I subjektiver Auffassung und wenn einmal der eine Beamte Zügel lose zu hatten scheint, so zieht ein anderer sie uw straffer an, was darauf hindeutet, daß eine allgemeine Av#' nunc, darüber, in wie weit den Sozialdemokraten für ihre Waiw arbert Bewegungsfreiheit zu gewähren sei, von Seiten Ministers nicht ergangen ist. Wir haben gesehen, daß die Pa� in einer großen Versammlung die Kandidatur Liebknccht'e K gehindert verkünden konnte, aber das Gegenstück dazu kftw man am Montag Abend erleben. In einer Versammlung? Kattellparteien, in welcher eine der lustigen Personen Bn? für die Kandidatur des Herrn Holtz eintrat und iich bis zu? Blödsinn verstieg, bei einem Siege Liebknecht's könne basQ land auf den Gedanken kommen, daß es mit der Reichs»� doch nicht so gut bestellt sei, ergriff auch einer der anwes� Sozialdemokraten das Wort, natürlich, um für den Kandis seiner Pattei zu werden. Als er dabei die Worte sprach: denkende Arbeiter, der es mit seiner Frau und seinen Ktu% gut meint, wird für den sozialdemokratischen Kandidaten-iL knecht"— unterbrach ihn der überwachenve Beamte mit der� klärung, die Versammlung sei auf Grund des Art. 9% Sozialistengesetzes aufgelöst. Also die einfache E-npfehlunS L, unter polizellicher Aufficht unbeanstandet proklamirten Kandis eine auf den„Umsturz" gerichtete Bestrebung— roundcrlf®� Blüthm der Handhabung des Ausnahmezustandes hat«w»" Aera Puttkamer nicht gezeitigt.". M „Sie irren, lieber Freund. Frau von LorriS etnpr„ Marttne nicht mehr, und zwar aus demselben Grunde,# �Mdliel Atsä-hl * Q• V- V4V MMV Vblll|WVVIi Vi/ 4 r � halb sie überhaupt Niemand mehr empfängt. Zhr How der Avenue d'Eylau steht zum Verkauf. Sie haben� als- Sie wird W sagen. 3# Gelegenheit, es Martinen zu verehren. schenk nicht abschlagen." „Ein Jahr später würde ich nicht Nein aber wäre es vorzeitig." „Da haben Sie recht. Denn sobald dieses& Geschöpf das Hotel hätte, würde es Ihnen den Lansp geben."(Fortsetzung foW' naiv- Aus Kunst und Zedeu. Wittel gegen die Folge« de» Ktenenstiitts. Ue/ die Behandlung des Bienenstichs schreibt Sanitätsrath Dr. zu Hattersheim in der„Biene": Die Behandlung des zl''Wien' empfehlen i abzi stichs, wenn rationell und rasch eingeleitet, ist crfolgmcb-«t � dz nächst muß die Sticksvitze mit den Fingerspitzen redst 1 A N> D ei' ausgepreßt werden. Ist dies nicht möglich, well sich, äußetft ■-«tAf txt,* ein ton 2 ein. B&r ist mir unbegreiflich. Die nackA wird durch Foitgedrauch des Bk- � natürlich nur alkalisch wirkende sein Salmiakgeist und Bleiwasser find Wie man hier Karbolsäure u. dergl. neuerdings geschieht, eintretende Geschwulst___________________ und Kälte(Wasser oder Eis) beseitigt. Die bekannten mittel, wie ftisches Fleisch, geriebene Kartoffel, fenAle � wirken lediglich kühlend und um nichts besser als Wai!.# Eis. Zur besonderen Freude gereicht es mir, ein«dio fast momentan wirkendes Mittel gegen den Schntett fr uiuiiiciuuii uaucuucö amuti V*" m-rtflVr 4 zu können. Man spritzt mittelst einer sogenannten Sptttze, die für wenig Geld gehalten werden kann, 2—=.-? • rV»/»D*fn ITnrifit. 0 Ann � 5"�. Stichwunde: Cocain lluriat. 0,u>, Aqn. destill. Mittel hält stch, die Anwendung ist schmerzlos und schädlich. Geradezu gcboter, erscheint die Anwendung- Schmerz, wie bei Kindern und Frauen, Neroenzufa» lassen sollte. Q.t Laifische in der Adria. Vor nicht langer" "9? fr >K die Nachricht verbreitet, daß in dem Meerbusen von % bri! und M Ausführung des Kozwlisteugefetze»(Verlängc lesen, Vi st Mnniger Belazerunstszuständc) bedingt," wie die„?iat.-Ztg." macht hatW,.Mit,„dcß der Bundesrath seine Arbeiten schon vor lsweisen ooa Mwf des September wieder aufnimmt. Die Ausschüsse haben richl, w, L �Plenum zwei der wichtigsten Arbeiten vorbereitet, welche i Bericht W Fj nächsten Reichstag beschäftigen sollen: das Arbeiter- Alter- roonafflW Ficrgungsgxsetz und das Genossenschaftsgesctz, welche beide in i Vorschnmn pRr und zweiter Lesung durch die Ausschüsse vorberathen war- letzteres fiev F ttnd. Es steht zu erwarten, daß beide Entwürfe mit dem nach, ob W �» zugleich dem Reichstage bei seinem Zusammentritt unter- , werden können." einem ihrer bekannte« Hetzartikei gege« Venne brun« �»reich hatte kürzlich die„Nordd. Atlg. Ztg." ein Nach- lnfälle ringe-«t zu der Belforter Studentenangelegenheit sondern n« Die Studenten hätten, so wurde von dem offiziösen vorkommen«ue berichtet, die Stadtgemeinde Beifort auf Schadensersatz mungcn vO' wollen, aber in ganz Frankreich keinen Anwalt ge- Fabrikation>- der ihre Sacke übernehmen wollte. Jetzt melden Frei- 1. ChanW Wr LlÄter, ein Anwalt in Paris habe fich frei- fabrikatwn chU g erboten, die Vertretung der Studenten zu übernehmen, ur.Z die Vollmacht der Studenten sei bereits nach Paris ab- „Nordd. Allg. Ztg." hat hiervon natürlich _______-.„ J\t,r' re u der ais extrem vervachllgren nonicrvailven revr. icilen bei W Mk Enthüllung über die Quellen, aus denen die„Post" ihren W* SfJ�sttrholt dezieht, ist nicht ohne Interesse. Wenn die ............ kstätten----------- druckerei ur° tojcn.- Die Industrien'"l nicht Notiz- enommen. l»»» Streit der KarteUbrüder unter einander wird icker Heilung?»Reichstoten" am Mittwoch Abend in einer scharfen Heilung � gegen die„Post" fortgesetzt. Der„Reichsbote" nennt n 23 W0 Ihm i" Din Organ, dessen Partei vorzugsweise von der bekannt, � als extrem verdächtigten Konservativen lebt. den SW Prüfung erstreckt reffenden «falls gl ich ootbeifj den PinPj vorrick der 3ltL_ erhütungF er oorhiuM erden. t rrüllt iinff General" f tinist uciwf der ZÖf rden und* besteht* erklärt der„Reichsbote" weiter, auf die ..... Anhang angewiesen wäre, so könnte fie fich lassen. Die Gefinnunasgenossen des„Reichsboten" ,-i den Wahlen der„Post" zeigen, wo Barthel den Wt Bei dieser Gelegenheit erfahren wir auch aus dem iwr Uca„Reichsboten", daß alles seine Grenzen hat und unj Z, Geduld der Konservativen. Diesen Gemeinplatz ist? wir schon früher. Es fragt fich nur, wann iL Frenze bei den Konservativen erreicht sein wird. Hier- �Merbi auch diesmal der„Reichsbote" die Aufklärung hatte im Reichstage bei der großen Sozialistenge- «atte bekanntlich geäußert, daß in Zürich es die Spatzen >»., Dächern pfiffen, daß der frühere Polizei- Jeimann Bollier, der Vorgänger des jetzigen Po- Mbtmanns Fischer, in preußischen Polizeidiensten gestanden �— Darauf hatte Bollier, der jetzt in Amerika lebt, S durch einen Züricher Advokaten anter Bestreitung der JJDgrett dieser Behauptung ersucht, ihm die Informativ- c bette«»l?, �Heilen, die ihm zur Begründung seiner Angaben ge- re-- beutst rs,?, ��n, damit er dieselben widerlegen könne. Bebel hatte reakiionärst'' dfiorderung, die dreimal wiederholt wurde, unbeant- in tbnenn'« � fassen. Nun hat fich der Advokat(Prof. Dr. Weili) n der Rrt* SrfS Reichstagsprästdium mit dem Ersuchen gewandt, dem worden& S?e non seinen Briefen Mittheiluna zu machen, weil„es Reaktion f M��hig sei, daß der Reichstag selbst erfahre, in wel- IKnit aber 0 r�erie die politische Rednerbühne durch Herrn Bebel miß- nonarchisl� sei"— Bebel bat nun an die„Frlf. Ztg.' '.-F-kf.� ckraten frei� len des PeZ n Schluß m zu ziel verfahren Iber ganzi e Beamte wer fie um «eine Anini ür ihre Wal i Seiten b» baß die Paip edknecht's � ,L ICl.--dCVtzb WIU I1UU uu wie ,,?z�k- o*»-, . ttenfallg die advokatliche Korrespondenz gebracht hatte, fol- C Zuschrift gerichtet:„Soeben lese ich in der Nr. 234 rLMoißenWatt Ihrer Zeitung die Eingabe des Herrn Prof. *'Seilt in Zürich an das Prästvium des Deutschen Reichs- Meine Person detreffend. Ich habe darauf kurz folgendes Morien. Herr Dr. Weili setzt ganz richtig voraus, daß $ drei Briefe, die Herr Rechtsanwalt Müselcr in seinem an mich schrieb, empfing, er setzt aber auch weiter rich- w#, daß ich dieselben nicht beantwortete, weil ich die- urcht beantworten wollte. Alles Weitere findet fich im % Die Redaktion würde mich sehr verbinden, wenn fie « i? in die nächste Nummer ihres Blattes aufnehmen Bebl�el." '(% die Nachtsteile e Alage. Nichtinnungsmeistem Wille der ne«rn Innung«- Handwerk führt die„Köln. Ztg." ZSWWAMMM ch bis zu nne das [durch ;n9en und Gesellen bemerkbar wird.„Die Hoffnung, jene Bestimmung alle noch außerhalb der Innung Reicks� nW:"fkr fich deellen würden, der Innung beizutreten, vsA feÄ S«? �>chnend ist, vielfach durchschnittlich mehr zu thun haben, j.fJMüngf meiftcr, werden mehr junge Arbeiter gehatten l lnfle zu Gesellen ausgebildet." f e n, saurer hat Hachsen den traurigen Ruf, in Bezug ich,/ d st m o r d e in der Reihe der Kulturstaaten obenan - Ist zwar die absolute Zahl der Selbstmorde im Drach: Ä nncn Kind? ididaten% ! Äfe rounBcrI'% l hat«uS � % welchem fich dieselbe von 643 im Jahre 1861 gesteigert hatte, glücklicherweise nicht wieder erreicht iS empfä"� wunde, 0;t ihrHottl haben iÜ das igen- 5" noi"/ ra folgl � tU 1U* KSK i nWel- S-Z kann toi'iS hat fie doch im Jahre 1887 gegen das Vorjahr wie- - 3(5 zugenommen, indem sie von 1071 auf 1104 ange- Äffis K»ÄS'UÄÄS Von dxn Fischern und Schiffsleuten wurde Me Behauptung aufgestellt, daß dieses ernae- , lterthier gewiß von seiner Brut begleitet gewesen leg lange sollte die Bestätigung dieser Annahme auf fich Vorige Woche umkreiste ein kleiner Haifisch vre ule im Hafen von Pola. Derselbe wurde von � Leuchtschiffes der Untiefen von Pola ver- dz. q?/'"ner Harpune verwundet. Außerdem wurde am den o�Jn den Gewässern von Medolino bei Pola mit ihren Netzen ein anderer Hai von Hl fonf-n LnBe eingefangen. Dieser letztere ist ebenso wie i zu.„u harpunitte ein junges Thier und durfte erst sein. Trotz seiner Jugend wäre aber die demselben für Badende Meere ohne Sl demselben für' Badende" im freien t seinem denn für ein so gefräßiges Threrchen " Arm lurchtbarm Gebiß wäre es ein leichtes, eine Hand, 'Mbtn nrn Fuß oder Unterschenkel vom Körper emes hatte-�trennen. Das in Rede stehende junge Seeunge- von"�JM�öffnung von solcher Weite, daß es einen S? öufeetft fi ganz leicht verschlingen konnte. w Mittelländischen Meere hatte erst seit dem iouezkanals beträchtlich zugenommen. Denn in Blei-K- i VS tot f?1 lut J°hr das Mittelmeer durchkreuzen, ver- Sfe%. Ä te mmm :« ÄS wachsen ist. Von letzterer Zahl kamen 889 aus das männliche und 209 auf das werbliche Geschlecht, während bei 6 Fällen die Angabe des Geschlechts fehlt. Dem Alter nach defanden fich im vorigen Jahre unter dm Selbstmördern 6 im Alter bis zu 14 Jahren(5 Knaben und 1 Mädchen)— im Jahre 1883 betrug die Zahl der Kinderselbstmorde sogar 271— 130 im Alter über 14 bis 21 Jahre, 163 im Alter bis zu 30, 191 im Alter bis zu 40, 212 im Alter bis zu 50, 190 im Alter bis zu 60, 180 im Alter bis zu 70, 63 im Alter bis zu 80 und 12 im Atter bis zu 90 Jahren. Abgesehen von 45 Personen, bei denen der Zivilstand nicht zu ermitteln gewesm, waren 346(266 männliche und 80 weidliche) Selbstmörder ledig, 542(462 männliche und 80 weibliche( verrvittwet und 11(9 männliche und 2 weibliche) geschieden. In Bezug auf die zeitliche Vertheilung wurde festgestellt, daß im vorigen Jahre die meisten Sclbstmordfälle in den Monaten April, Mai und Juni(121, 123 und III), die wenigsten dagegen in den Monaten Januar und Februar(70 und 72i vorkamen. Was die Art der Selbstenlleibung anbe- trifft, so nahmen, wie gewöhnlich, auch im letztvergangenm Jabre wieder die meisten der Lebensmüden zum Erhängen ihre Zuflucht und zwar 732(gegen 578 im Vorjahre), darunter 617 männliche und 116 weibliche; 195 Personen machten durch Ertränken, III durch Erschießen, 20 durch Vergiften und 16 durch Ueberfabrenlaffen(auf der Eisenbahn) ihrem Leben ein Ende. Als Ursache des Selbstmords wird angegeben: in 259 Fällen Melancholie, in 115 körperliches Leiden, in 105 unordentliches Leben und Trunksucht, 95 Scham oder Furcht vor Strafe und in 30 unglückliche Liebe und Eifersucht; in 186 Fällen blieb die Ursache unbekannt.— Dabei ist zu bemerken, daß wiederholt beuchtet worden ist, die Ursache der Selbstmorde seien in mehreren Fällen Nahrungssoraen, heruntergekommene Verhältnisse und dergleichen gewesen. Das sorgenvolle, ebenso hungernde Menschen melancholisch werden können, liegt sehr nahe! Betrübend ist diese Erscheinung! Eine fehv bemerkenswertste Maßregel hat der Dresdener„Verein für Volksbildung" in Anbettacht seines am 6. August d. I. stattfindenden Sommerfestcs ge- troffen. Auf den Einlaßkarten zu dem gedachten Vergnügen befinden fich nämlich die Worte:„Militär hat nicht Zutritt!"— Bisher ereignete es fich regelmäßig, daß die Garnisonverwaltung dem Militär vorübergehend den Auf- enthalt in jenen Lokalitäten verbot, welche vom „Volksdildungsverein" öffentlich zur Abhaltung seiner Vergnü- gungen bekannt, gegeben wurden. Obgleich fich diese Verbote nur auf den Tag des jeweiligen Vergnügens erstreckten, hielten es die betreffenden Wirtbe doch meist für gerathm, das gegebene Versprechen alsbald zurückzunehmen, also dem Verein die Lokali- täten zu verweigem. Um derartigen Unannehmlichkeiten vor- zubeugen, publizirt nunmehr der Verein gleichzeitig mit der Bekanntmachung des Vemnügens, daß dem Militär der Zutritt nicht gestattet ist. Das Garnisonkommando bat demnach keine Veranlassung, seinerseits ein diesbezügliches Verbot zu erlassen. — Die Ardeiter find es somit, welche dem Milttär den Aufenthalt in ihrem Kreise verbieten. Warum sollen fie auch ruhig warten. bis die Garnisonverwaltungen eine solche Maßregel treffen? Der Verein hat eben in diesem Falle die Rolle mit der Militärbehörde vertauscht und ist ihr mit seiner Verfügung zuvorgekommen. Und in der That hat auch der Arbeiter ein Recht, fich seine Gesellschaft sorgfältig auszuwählen und nicht- konvcnirende in derselben Weise fernzuhalten, wie es seitens milstärischer Kreise zu geschehen pflegt. Uom deutschen Snionenfieber. Am 19. d. M. wurde ein in Wattenscheidt i. W. ansäjfiger, in M a r i e n b u r g ge- borcner Zeichenlehrer angehalten und als Spion verhaftet, weil er vom Marienburger Schlosse mittelst eines photo- graphischen Apparats verschiedene Aufnahmen machte und fich auf Befragen nicht sofort legitimsten konnte. Natürlich mußte man ihn später, nachdem er rekognoszitt war, wieder frei- geben. Uli« gelogen wird. Der«Franks. Ztg." wird von ihrem �.Korrespondenten aus Berlin über die„Ängstversammlung" der Deutsckfreistnnigen in der Tonhalle folgendes telegraphirt: „Um die Noininstung einer frcifinnigen Kandidatur von vorn- herein zu verhindern, versuchten zahlreiche Sozialvcmokraten trotz weitgehender Kontrolmaßregeln der Freistnnigen in den Saal einzudringen, sowie Eugen Richter am Eintritt zu ver- hindern."— Daran ist kein Wort wahr. Ja nicht erschrecken k Wegen Theilnabme an einer geheimen Verbindung wurden zwei Schüler des Fuldaer Realprogymnafiums von der Anstatt ausgewiesen, und über zwölf andere schwere Karzerstrafen verhängt. Die jungen Leute waren während einer sogenannten speziellen Kneipe von einem Schutzmann„abgefaßt" worden, wobei diesem sämmtliche Dokumente und Abzeichen der Verbindung in die ���Dir�Elberfelder(yberpolizeibestorde macht bekannt, daß auf Grund des§ 16 des Gesetzes gegen die gemeingefähr- lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Ottober 1878 das Einsammeln von Beiträgen zur Unterstützung der wegen Geheimbündelei hierseldst verhaftet gewesenen oder noch verhafteten Personen und deren Familien, sowie Meilen entfernt. Vor dem Ausbruch war fie mit einem üppigen Pflanzenwuchs bedeckt, welcher aber bei der Katasttophe gänzlich vernichtet wurde. Die Berichte derjenigen, welche settdem der Insel aus der Ferne anfichtig geworden waren, lauteten verschieden in Betreff der Frage, ob fich dort eine neue Pflanzendecke gebildet habe. Diese Frage aber es'ÄinrÄ wsä« CÄiÄ& TMZ5MM fast überall mit einem dünnen Ueberzuge nrederer Aken be- deckt, welche die Bodenoberfläcke gallertattrg und fähig zur Wasseraufsaugung machen. Auf dieser Oberfläche ver- mögen dann die Farne zu keimen. So beresten diese mikro- skopischen Wesen den Boden für die Farne, und diese ihrerseits schaffen die Bedingungen, unter welchen die Bluthenpflanzen gedeihen können. die öffentliche Aufforderung zur Leistung solcher Beitrage für den Umfang der Stadtgemernde Elberfeld verboten ist. Zuwiderhandlungen«erden nach§ 20 o. a. C. mit Geldstrafe bis zu 500 M. oder mit Gefängnißstrafe bis zu 3 Monaten geahndet. — Zu diesem Ukas bemerkt die Elberfelder„Fr. Pr." mrt Recht: „Was aus den Familien der inhattirt Gewesenen geworden wäre, wenn fich nicht edeldcnkende Menschen gefunden hätten, welche die Roth linderten, das wissen die„Götter". Möglich, daß die Stadtarmenverwaitung hätte eingreifen müssen. Als vor Jahren das Berliner Polizeipräfidium ein ähnliches Verbot erlassen hatte, welches die Sammlungen für die Familien der aus Berlin Ausgewiesenen zum Gegenstände hatte und der Minister des Innern im Reichstag deshalb interpellitt wurde, da hatte das Berliner Polizeipräfidium nichts eiligeres zu thun, als das Verbot zurück zu nehmen. Jetzt nach zehnjähriger Dauer des Sozialistengesetzes werden durch Verbot von Sammlungen für die Familien der auf Grund dieses Gesetzes Jnhaftirten die Familien selbst in Mitleidenschaft gezogen, während Sammlungen zu allen sonstigen Zwecken frei und ungehindert ausgeübt werden können. Das liegt im Geist der Zeit. Aber auf einen Umstand wollen wir nicht unterlassen aufmerksam zu machen. Geschenke können nicht verboten werden und dann spricht das Verbot nur von Verhafteten oder verhaftet Gewesenen, nicht aber von den noch event. zu Verhaftenden oder gar den event. Verurthellten. Mit de» erfolglosen Massenstanssucknugeu am 3. April in Ronsdorf haben auch dort die Maßregeln gegen die arbeitende Klaffe ihr Ende noch nicht erreicht. Einige„ver- dächtige" Vereine mußten ihre Mitgllederverzeichnisse der Polizei- bchörde einreichen, verschiedene Wirthe wurden gerichtlich ver- nommen und eine ganze Anzahl bisher unbestrafter Arbeiter unter Anklage gestellt, wegen„Tbcilnahme an verbotenen Ver- dindungen rc." Die Letzteren hatten bereits dieserhalb vordem Untersuchungsrichter zu erscheinen. Es kann jedoch heute schon trotz der noch stattfindenden eifrigen Nachforschungen der un- ermüdlichen Polizei konstatirt werden, daß all' der Liebe Müh' umsonst sein wird, eben weil's nicht da ist, was man finden will. Nerbotenes. Eine von Basel kommende Frauensperson wurde am 13. d. M. unter dem Verdacht des Schmuggels am Stettener Zoll angehalten. Bei deren näheren Untersuchung hatte fie ein großes Packet verbotener sozialdemokratischer Druck- schriftm unter ihren Kleidern verborgen.'Nach ihrer Angade hatte fie diese Drucksachen im Auftrage eines unbekannten Dritten in Stetten zur Post geben sollen. Sie wurde in den Unter- suchungsanest verbracht. Oesterreich-ülttgarn. Herr Schönerer hat am Sonntag seine Kerkerstrafe an- getteten. Das Gesuch um Einzelhaft wurde abgeschlagen und das Gesuch an das Justizministerium, dem Gefangenen das Tragm von Sträflingskleidem und das Bartscheeren zu unter- lassen, blieb unbeantwortet. Schönerer kündigt an, daß er nach der Kerkerhast Vorttäge in Deutschland über österreichische Zu- stände halten und außerdem seine Erlebnisse im Kerker veröffentlichen wolle. Dänemark. In Kopenhagen tagte gleichzeitig mtt dem sozial- demokratischenKongreßeinnordischerFrauen- k o n g r e ß, der von dem fottschrittlichen Frauenverein einbe» rufen war. Aus den gepflogenen Verhandlungen kam viel Interessantes zu Tage. So z. B. wurde mitgetheilt, daß auf Island, von wo Fräulein Bjarnarson als Deputirte kam, die Frauen wohl das aktive, nicht aber das pasfive Wahlrecht, sogar bez. der Wahl eines Pfarrers, hatten. Allein die gestellten Be- dingungen waren dermaßen gepfeffert, daß nur wenige Frauen wählen dürfen. Auch in Schweden hat die Frau, und zwar kommunales, Wahlrecht, doch ist dies gleichfalls an ein be- stimmtes, ziemlich Hobes Einkommen gebunden. Fräulein Alli Trnzg berichtete, daß in Finnland die Frauen attives Kommunalwahlrecht und pasfiocs Wahlrecht bez. der Armenvorstehcrposten haben, aber hier ist es gleich- falls an einen hohen Zensus gebunden. In Däne- mark selbst ist bekanntlich die Frau vom Wahlrecht ebenso ausgeschlossen wie in Norwegen. Mit Bezug auf die politische Stellung der Frau wurde einstimmig eine Resolutton angenommen, in welcher man sagte, man wolle für das aktive und pasfive Wahlrecht der verherratheten und unverheiratbeten Frau in Staat und Kommune arbeiten. Ein anderer Dis- lusfionspuntt war die Stellung der weiblichen Arbeiter. Tiefer liegendes Material zur Beurtheilung dieser höchst interessanten Frage wurde leider nicht geliefert, aber im allgemeinen war die Auffassung von der Stellung der Frau eine korrekte. Man betonte stark, daß die weibliche Arbeitskraft, sofern fie dasselbe produzirt wie die männliche, auch denselben Werth haben müsse. Bezüglich der Unterrichtsfrage meinte Frau Ragna Nielsen (Norwegen), daß man unter allen Umständen hinarbeiten müsse auf gemeinschaftlichen Unterricht.„Der Sohn des Staats- Ministers solle neben der Tochter des Tagelöhners fitzen; dann erst ist es so, wie es sein soll!" meinte fie. Aus Finnland wird mitgetheilt, daß dort Knaben in weiblichen Handarbeiten und Mädchen in Arbeiten, die sonst nur von Knaben verrichtet werden, Unterricht erhallen. Ebenfalls theilte die Deputirte aus Schweden mit, daß man mit der gemeinsamen Unterweisung gute Resullate erzielt habe. Außerdem beschäftigte fich der Kon» areß noch mit der Totalenthaltsamkettsfrage und mtt dm Friedensbestrebungen. Auch hat man angefangen, unter dem Tttel„Was wir wollen" eine Zeitung herauszugeben, welche die Frauen-, Friedms- und Arbeiterfrage diskuttren soll. Redal- teurin ist Frau Joh. Meyer in Kopenhagen. Grogbrita«»!»«. Die Erbrtterung gegen die irische Zwangs- p o l i t i k d e r R e g i e r u n g, welche bei den Staatsmännern der liberalen Partei im Laufe der letzten Monate fich angesam- melt hat, ist in Morley's Rede und kräftiger noch in G lädst o n e' s Ansprache in Hawarden zum Ausbruch gekommen. Wenn Gladstone indcß auf Polen und Neapel als Bei- spiele einer Unterdrückungspolitik hinweisen zu können glaubte, die von den gegenwärtigen irischen Zuständen noch Übertroffen würden, so hat er fich, wenigstens was Polen angeht, starker Uedertreibung schuldig gemacht. Aus Neapels Schrcckmszett führte Gladstone nur einen einzigm Zug an, der allerdings den Vergleich mtt Balfour's irischer Zwangsherrschaft aushalten w den neapolitamscken Gefängnissen von den gemeinen Verbrechern abgesondert gehatten wurden, während die inschen politischen Gefangenen über nichts bitterer klagen, als daß fie wie gemeine Verbrecher behandelt und auch mtt solchen Leuten stets in Beruhwng gebracht würden. Was Polen anbe- WM. so schickte Gladstone voraus:„Zunächst muß ich sagen. daß ich sehr wenig über das Verhalten Rußlands in Polen% Sehr genau kenne ich aber das Verfahren Englands gegenüber Irland. Bei dieser Sachlage hätte Gladstone jedenfalls besser gethan, fich eines Vergleichs überhaupt ,u enthalten, anstatt„die Unterdrückung durch einen einzigen Mann" für etträglicher zu erklaren als die„Unterdrückung durch eine ganze Nation." Glucklicher als mit diesem polnisch-irischen Vergleich war Glad- stone in seiner Beleuchtung der parnellitischen Untersuckungs- kommisfion, da es ihm gelang, diesem viel erörtertm Gegm- stände eine neue Seite abzugewinnen. Er stellte die Folgen ZUWMS'-MS SsSSfSSä.'SaSS dagegen als gefälscht heraus, so schadet es weder erheblich den Leitern jenes Blattes, daß fie fich geirrt haben, noch dem Blatte da die politischen Anhänger deffelben deshalb nicht von abfallen werden und da es auch von den Gegnern künftig wegen seiner Parlamentsberichte und in seiner hervorragendsten Eigenschaft als Sprechsaal für englische Staatsmänner aller Parteien gehalten und gelesen werden wird. Eine Geldstrafe irgend welcher Art zu verhängen, ist die Kommission nicht de- recbtigt, so daß die„Times" unter allen Umständen der Kom- mtsstonsentschcidung mit weit größerer Ruhe entgegensehen kann als Pamell. Aus diesem Grunde billigt Gladstone es voll- kommen, daß Parnell die Sache noch einmal vor eine schottische Jury gebracht hat, von welcher er eine ge- rechte Bcurtbeilung der Streitfragen voraussetzen darf. Mit seinen Ausführungen hat Gladstone übrigens nicht die Unparteilichkeit der Kommissionsmitglieder anzweifeln wollen. Er hielt vielmehr eine Rebenklage in Schottland nur deshalb für erforderlich, weil so allein fich eine Entschädigung von der„Times" erstreiten läßt, und weil die Sache dort auf einige Streitfragen beschränkt ist und deshalb rascher von Statten gehen wird, als die Kommissionsuntersuchung mit ihrem ausge- dehnten Prüfungsgediet. „Freeman's Journal" meldet, daß über die schottische Jurisdiktion im Parnell'schen Prozesse fernerhin kein Zweifel obwaltet. Es verlautet, daß die Dreirichter- Kommisfion ihre Erbebungen auf bestimmte Anklagen beschränken werde. Zur Widerlegung der gefälschten Briefe würden die vollständigsten Beweise beigebracht werden,„freeman's Journal" glaubt, Walter und Buckle(der Eigenthumer und Chefredakteur der „Times") würden die Auskunft darüber verweigern, wie fie in den Befitz der Briefe gelanat find. Sie würden behaupten, fie von dem Geschäftsführer Macdonald erhalten zu haben, der seinerseits eine Aussage als Zeuge verweigern werde. Frankreich. Aus den Auslassungen der Pariser Presse ist hervorzuheben, daß der Appell der Boulan giften an die Radikalen, fich mit dem Sieger zu versöhnen, von den radikalen Blättern mit Entrüstung zurückgewiesen wird. Kvanie«. Nach einer Meldung des Pariser„Temps" soll in Madrid eine Militärverschwörung entdeckt sein, welche in dem zu VMovaro garnisonirenden Artillerie' Regiment ihren Hauptfitz habe. Sechs Sergeanten und verschiedene Militär-Reitlehrcr, darunter der Chef der königlichen Manege, sollen bereits ver- haftet, sechzig zur Artillerie und zum Genie in Madrid kom- mandirte Subalternoffiziere in ihre Regimenter zurückgeschickt worden sein. In der Provinz soll auf Offiziere sowohl wie Sergeanren die größte Achtsamkeit gerichtet werden. In Madrid schlafen höhere Offiziere zur Ueberwachung in den Kasernen. Die Revoltirenden sollen ihr Augenmerk hauptsächlich auf die Garnisonen in Madrid, Katalonien, Aragon und Ravaira gerichtet haben. Eine Bestätigung der Nachricht bleibt ad- zuwarten. K(tlKa«lS«der. In Rumänien giebt es der Wiener„Pr." zufolge wieder Bauernrevolten. Am 13. August erhoben fich gegen 40 Insassen des Dorfes S ab aoni� gegen den dortigen Pächter, nahmen die gepachteten Grundstücke m ihren Befitz und theilten dieselben untereinander. Dem an den Ort geellten Staatsanwalt gelang es jedoch ohne Gewattanwendung, die Bauern zu beruhigen und die Ordnung scheinbar herzustellen. Am nächsten Tage brach jedoch die Revolte neuerdings aus; der Pächter flüchtete fich nach Roman, wo er um Hilfe bat, währenddem die Bauern dessen Felder mtt ihren Pflügen ackerten. Die angeordnete Untersuchung ergab, daß der Urheber dieser Unruhen ein Ortsprimar sei, welcher auch sofort vom Präfetten enthoben wurde. Der Untersuchungsrichter ordnete dann die Vorführung der Hauptschuldigen an: die zu dem Zwecke abgeordneten Kalaraschi trafen jedoch auf einen�uncr- warteten Widerstand. Im Dorfe wurden nämlich die Sturm- glockcn geläutet, gegen dreihundert Bauern rückten der Truppe entgegen und gaben auch Schüsse ab. Der Pächter mußte fich wiederum nach Roman flüchten, wo er den Schutz der Behörden neuerdings anrief. Nach weiteren Berichten sollen auch mehrere Gemeinden des Distritts Teleorman neuerdings in Aufruhr ge- rathen sein. Asie«... Dem„Reuter'schen Bureau" wird aus Simla ge»®' daß Jshak-Khan, Generalgouverneur> Afghani st an und Türke st an, die Einladun» Emirs, nach Kabul zu kommen, abgelehnt und jetzt eine fordernde Stellung onj kommen, abgelehnt und jetzt eine»01 »genommen habe. Ein Theil der Tw J■ habe fich gegen Jshak-Khan zu Gunsten des Emirs gw?' Die Garnison von Maimena habe dm von Jshak-KW"'% setzten Gouverneur abgesetzt. Auf das Gesuch der W um einen neuen Befehlshaber habe der Gouverneur von r � den Bruder des dortigen Oberbefehlshabers als Nachfolg«•», abgesetzten Gouverneurs gesandt. Kämpfe haben nicht ItfQ funden, die Autorität des Emirs scheine gcfichcrt. Aus K u l d s ch a wird dem rusfischen„Regierunj vom 15. Juli d. I. gemeldet, daß nach dort ringe: Nachrichten in U r u m t s ch i eine Militärverschwor! entdeitt wurde, welche dem Gouverneur der neuen lbiml» Provinz Lui-fin-tan hätte das Leben kosten können. Dje daten, welche in Urumtschi in Gamison liegen, empört W_ daß fie fett mehr als einem halben Jahre keinen Sold erb j�'»cvutcn i und keine Möglichkeit hatten, sich an dm Gouverneur, d«, Me mit\ sein Haus verließ, persönlich zu wenden, entschlossen fiA-. wlllon Palais des Gouverneurs in die Luft zu sprengen. Acht. 6,. zur daten, welche das Loos traf, führten eine Mine unter defl- �'i" ejper und luden dieselbe mit sechs Pud Pulver. Eine Halde£» y Pn-tjebe' vor dem verabredeten Momente der Explofion lieferte>>«t einer der Betheiligten seine Kollegen aus. indem er d«,..-'"Wuiig 1 gebung Jäui-stn-wns über die ihm�drohende Gefähr den�{j��enicha ern eine könne» tigte. Die Mine wurde sofort entdeckt und unschädlichst die Verschwörer wurden ergriffen. Sie gaben in d«� ,• suchung an, daß nicht nur die ganze in Urumtschi in" liegende Mannschaft, sondern auch die Mehrzahl der v an der Verschwörung theilgenommen hattm. Ünverzügl«'"r o den die Haupturheber hingerichtet und mehr als hu� ob- n"uhn znl,"mecht t wißW D« prav �gehören i gekerkert. »SÄ es Theater. Freitag, den 24. August. Gperatza««: Flick und Flock. Kchemspielhaa«(im Wallnrr» Theater): Der Menonit. Med»im- Mithelmstädtisches Theater Die Fledermaus. «»»trat-Theater: Die Schmetterlinge. Ar»»'» Theater» Margarerhc. «eSead-Theater: Die Bluthochzeit. M»«alli«mce- Theater: Das elfte Gebot. Othello's Erfolg. Aiktarta-Theater» Die Kinder des Kapitän Grant. AiftrigstLd tische» Theater. Die Waise von Lowood. Uarichtt i Spezialitäten-Vor- Aemfmam»'» stellung. T»«e»rdia- Theater» stellung. Spezialttäten- Vor- Schweizer Garten. Entp£e 30 Pf. Entere 30 Pf Theater-« Sveeialitaten- Uorstellnug 1 HuDßlM'FamM, S. W.ilberg, Ktsthers Almiaz, Geschw. Delorme. Volksbelustigungen Im Saal: Damm- M Volks! Im aller Art. Abends: Kall. Gr. Illumination. 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Um zahtteiche Betheiligung bittet 407] Der Dorstand Kroße Wäßler-DersammlÄ Billige Rester zu Knadenhosm, große Hosen, Jaquets, für Damen Regenmäntel, Jaquets, Trikots, Morgentteider, Sammet, Atlas, Spitzen s. w. Karle, Laufitzerpl. 1, auch�Dres- denerstraße 23, an der Markthalle. Nur bis Mittag. für den 6. Berliner Reichtztaflswahlkres am FreHag, den 24. August er., Abends 8 tu der TonhaHe, Friednchstraße 112. Tages- Ordnung; Die bevorstehende Grstchmahl im 0. Kerliner Reichst . Wahlkreis. (Referent: Schriftsteller K. Baaks.) Die Deutschfreifinnigm find hiermit eingeladen. 367 Der Einberuf Wdel, Spiegel und Polsterwaaren eigener Fabrik wegm Erspamng der Ladenmieth- billig Geunnorrsteatz«»8. iaat* und De»ka«f»nr Aof»«et. Zahlung nach Uebereinkunft. NchKckiiilkr pro 1889 Soeben erschien und ist durch die Expe- dition dieses Blattes, Zimmerstraße 44, zu beziehen: Der yelltsche HalldwerKer- md Arbeiter-Nsth-Kaleoder sör das Jahr 1889. Inhalt: Kalendarium mit Geschichts- kalender; Postalische Bestimmungen, neu zusammengestellt und ergänzt; Da»«e«e Wehegeseh vom 11. Februar 1888; Aus- zag aus dem Reichs- Patmtgesetz; Gesetz. betreffend den Verkehr mit blei- und zink- haltigen Gegenständen vom 25. Juni 1887; die wichtigsten Bestimmungen der Gewerbe- ordnung über das Verhältniß der gewerb- lichen Arbeiter zu ihren Ardeitgebern; Das neueste Jnnungsgesetz vom 6. Juli 1887; ylr hauptkärblichst«« Bestimmungen an» siimmtlichen in Deutschland geltende» Dereiavgeseheu; Einnahme- und Ausgabetabcllcn für die Haushaltung; Schreidpapier mit Datum für Tazesnotizen; Leeres Schreibpapier in verstärkter Bogenzahl; Brieftäschcken. Wir haben, wie seit vier Jahren, den Kalender wieder in zwei Qualitäten an- fertigen lassen, 1. Qualität brieftaschenartig, sehr gut gebunden, mit Gummiband und mehr Schreibpapier wie Sorte 2; Preis 75 Pfg. 2. Qualität, einfache Ausgabe, solid ausgestattet, mit weichem Einband, etwas weniger Schreibpapier wie Sorte 1; Preis 50 Pfg. Wiederverkänfe» erhalte» lohnende« Rabatt. für den 6. Berliner Reichstagswahlkr am Sonnabend, den 25. August, Abends 8 in der®chl0jjfcr«tt«ei, Schönhauser Alice l Tages Ordnung: Die bevorstehende Ersatzwahl im 0. Serliner Reichs Wahlkreis. Oer Einberuft 405 Wo giebt'a den guten Magenbittern won Dr. Heugk? 871 Weinstraste 22. Liter Echten N�r��anfer,- c 80 Pf., im Restaurant von[323 Cmil«5hl, [323 Frankfurter Allee 74. Fachverein der TifE Morgen, Konnabevd. den 25. Aug--, S& Uhr, Neue Grünstr. 28, in Iordan's' MitgliederVtisamB Durch die Erpedition des ,,Kee- , linrr Volksblatt", Kerlin 8W., »I Zimmerstr. 44, ist zu bezichen: ybil Sozial-politischer Roman von Disraeli. Uebersetzt Natalie Kiebknecht. Ptel» ele,-u«»r-schlr« vtt. 1,50. _ Tages-Ordnung.. 1. Vortrag des Herrn Schn, elzpMi „Aus der Nahrungsmittellehre". 2. Veieinsangelegenheiten. 3. Fragekasten.. Neue Mitglieder werden in der Verß aufgenommen. Versig der Sattler OOOOOOOOOOOOOOOOO Soeben erschien: Die fransöjische Revolution. Von W. Bios. Heft 3. preis 20 pfg. Zu beziehen durch die Eppedttio» des„Der!. UolKsblatf, Zimmerstraste 44. WledereerkSufern Rabat«. genossen., Sonnabend, den 25. Aug., Abends>> l- in Cratweil'a Bierhallen, Kowwa straßc??- 79, ME' Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn M. Canit und Lungenleiden, ihre Ursachen,' und Heilung nach den Grund Naturheilkunve". 2. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Aufnahme neuer w 408| Der Vor#*; Der Fachverei« der �. Wasser-, Heizungs und Derufsge«. zu Versammlung W' am Konntag den 26. bei Feuerateln, Alte Tages-Ordnung: 1. Arbeitsnachweisbericht.. 2. Wahl eines Vergnügungskomitee»- 3. Veischiedencs und Fragekasten. 404_ Der Kchlafsteli« mtt separatem Eingang zu vermiethen bei Ktark, Schönhausri| Hof rechts parterre. Artteitsmarv� auf Tüchtige Grundir� Goldleisten verlangt J. Ktistan, Kottbufor Verantwortlicher Revalteur: D.«ronheim in Berlin. Druck und Verlag von Mae Kading in Berlin SW., Beuthstraßr 2. Hier»« ein« imla goß* erneur! ASZ Emirs gm* « erneut von v—. ls Ziachfolg«, den nicht st» A?» Ichert. Beilage zum Berliner Bolksblatt. 198. Freitag, den 24 August 1888. 5. Jahrg. In der Socainnatlofe. m in der rtschi in ß* mU der � Ünoetjugi», als orTcingek# ersch w°r° neuen "emvört d«i Der prattische Arzt, gleichviel welcher Rasse oder Konsesfion ,'en Sold mW Z??bören mag, fühlt sich nicht berufen, an feinen Patienten uoetncut, d« Muche mit Arzneimitteln zu machen, deren Wiikungen nicht schloffen si� vollkommen klar und unumslö sich festgestesit find. Ohne- naen. Acht r svird zur Genüge von den Professoren der medizmrschen , unter denP«N>erimentirt, welche sich freilich, durch die Afolirmrg ine Kalbe 8* ��fl�ebcfofcknen im Krankenhause, vor störenden Einflüssen on lieferte!< K'Jüßen wissen und bei der sorgfältigen, ununterbrochenen nbem er die.® Achtung durch eifrige Asfistenzärzte, die mit sehr kostspreli- Gefahr benc* dur wissenschaftlichen Instrumenten ausgerüstet sind und denen �'-'!->?°>r ein tüchtig geschultes Warteversonal zur Seite 0 eine summe von exakten Beobachtungen sam 'm r™ können, welche von diesen Fachmännern ersten Zo�es gesichtet, geordnet und verwerthet, dann zum für die leidende Menschheit und zur Vermehrung des innen Ruhmes veröffentlicht werden. Der Prakliker würde Siimecht thun, wenn er alles das, was in der medizinischen gesprochen, geschrieben und gedruckt wird, lediglich auf die Mittat eines noch so berühmten Verfassers hin, für baare '(UnJe nehmen würde. Bei solchen Publikationen spielen mit- Spi gar wunderliche Motive eine ziemlich bedeutende Rolle. N es giebt Persönlichkeiten, die der medizinischen Elite ange- f m K und sich trotzdem dazu hergeben, industrielle Gesell' I Ä?lten, die auf die Verwertbung unnützer Abfälle ausgehen, II I ILUn i. 0,1 Glorienschein der Wissenschaft zu umgeben. So hat vor kurzem die a> derweitig unbrauchbaren Rückstände bei N Fabrikation der Karbolsäure mit Harz gemengt und mit verseist, als Kreolin um lächerlich hohe Preise in Handel gebracht. Dieser ordinärsten Harzseife wurden erdenklichen desinfekiorischen Tugenden zugeschrieben. Win wurde für den aseptischen Verband von Wunden Mhlen, ja als Heilmittel gegen Tuberkulose gepriesen, .Mend es in Wirklichkeit nichts weiter vermag, als die Tasche 5 Karbolsäure-Fabrikanten mit Gold zu füllen. . Der praktische Arzt liest demnach und hört, was die Pro- M. tAtt iip11 ßethan oder auch nicht getpan haben sollen. Erscheint EiCtlJ|0w p.bann das Mittel der Mühe wertH, einer weiteren Prüfung Mirdigt zu werden, so geht er auf die Klinik und überzeugt 5, bort durch den Augenschein, wie man mit dem neuen Arznei- "'ael vorgeht und welche Resultate man hierbei erzielt. Sind 7� diese Studien zu seiner Befriedigung ausgefallen, dann ist 0 wohl berechtigt, die Ztooiiät zunächst in jenen verzweifelten [l«nufer pntheitsfällen anzuwenden, in welchen alle bekannten und ___' �erprobten Heilmetboden bereits versagten und der Kranke mit dem Versuch, der ihm. ohne seinen Zustand zu Miden, Ausficht auf Besserung, ja Genesung bringt, einver- Mit�dem salzsauren Cocain find die praktischen Aerzte wohl lich vertraut, aber nur mit der Applikation desselben auf die , seitdem im Jahre 1884 Dr. Karl Koller auf llJlll'l'JSffcn schmerzstillende Eigenschaften zunächst für Zwecke der rÄ!�ikunde aufmerksam gemacht hatte. Tie Bepinselung, �viun �intröpfelung. einer zwei-_bts zwanzigperzenligen 1)11% Vs 8 WSi 112. bct~5?t,>0Ä salziaurem Cocain auf die Schleimhäute der Augen, i lirfi 5 des Mundes, Rachens oder Kehlkopfes dewirtl näm- I in sebr kurzer Zeit eintretende Unempfindlichkeit der von fünfzehn Minuten bis zu zwei ll*J.4»ÄrtK.'h.nrö£tt anhält. Das salzsaure Cocain wurde daher mit |IX lllJJ" fr0?' begrüßt und da es äußerlich angewendet ganz unschad- , l"< bei den verschiedensten Zufällen oerorvnet, so in der tJ> P�beflkunde gegen Schmerzen und Lichtscheue der berUP/lP�' bei Entfernung von Fremdkörpern aus dem Ti! i 25. Ausl� „ und anderen operativen Eingriffen, dann bei Operationen rliasen', Rachen- oder Kehlkopfraume, um die Schmerzen zu uAUten und es den Patienten zu erleichtern, sich bei den ver- pdenartigsten Manipulationen auf diesem sonst so heiklen »«..»„.«'s'' lÄn, ruhig zu verhalten. Ebenso bemächtigen sich die Ohren Jordan. Zahnärzte dieses Mittels. Endlich wurde Cocain auch der In MI Ulli* fchnierzenben oder juckenden Hautleiden und nach Ver> I»»»»»»' pnungen in Anwendung gezogen. Durch die gesunde und ung:. k, bhte Haut wirken aber die Cocainlösungen wenig oder m e l z P i Hier muß eine andere Anwendungsmethode platz- ellehre. sz,'?. indem man es mittelst der Spritze, welche Dr. Pravaz J��subfutanen Morphium Injektionen erfand, unter die der Versv��. �iese Anwendungsart des Cocains ist aber nicht nur den sondern auch den Aerzten wenig geläufig. Heber ihren rn und ihre Bedeutung viel Worte zu verlieren, ist wohl über« '0- Es giebt eine Anzahl wohl nur kurze Zeit währender, ? trotzdem sehr schmerzhafter chirurgischer Eingriffe, bei denen «r Kranke als ein großes Glück betrachten würde, wenn man jene qualvollen Minuten, die stch durch die Marter der tuschen Arbeit zu Stunden dehnen, ersparen könnte. So bei Extraktionen von Zähnen, bei welchen durch bloße Ein- mng over Einreibung des Zahnfleisches der Akt des Zahn- nicht vollkommen schmerzlos gemacht wird, und selbst bei �deutendm Operationen, wenn sie an besonders empfindlichen 'Mellen vorgenommen werden müssen. Die lokale Narkose ou-�kutanen Cocaininjektionen wird aber auch angezeigt sein, Bs««* �dloroform- oder Lustgasnarkosen nicht ausführbar find, weil 'P Kranke nicht verträgt oder weil seine aktive Mitwirkung »j ud der Operation erforderlich ist, ferner bei Manipulationen ;%n, z. B. der Entfernung der Mandeln im Kehlkopfraume, Jpst bei der Tracheotomie, dem Kehlkopfschnitte, bei durch Herabfickern von Blut in die Luftröhre narkoti- Patienten in Erstickungsgefabr gerathen können._ Kranke, bei dem die subkutanen Injektionen mit einer '"9 von salzsaurem Cocain in destillirtem Wasser zum ersten w Anwendung gebracht werden sollten, hatte selbst im �.Verständnisse der Sachlage seinen Arzt darum gebeten. ivftRpnr ähnliche Operationen, wie die diesmalige schon oft Wen mit der Resignation des Mannes� der sich ms Vorw''«jiftil j?�dliche fügt, wenn es ihm auch peinlich ist. Dieses Jakobsttaßt �nnte er kaum die Stunde �erwarten, zu welcher �der Ver> iung: kl. [., Abends n, Komrm Iung« lNg! . Canis irsachen, , Gcun ckasten. � ne neuer M BP VQ� der s äSi VorM- hönhauser lartlk undir� lottbuser erwarten sei,.so durch das . und Hllfe pfermuth zum Wohle an den Stufen bauen Besten der Menschheit � angestellt werden sollte. Begnügte er sich sonst Hoffnung, daß von der Operation eine Minderung seiner -�7—»u haben, sondern auch durch seinen O pfermuth z ..... % iäät.» sq: -- M. L? fühlt. Mit beiden waren zwei volle, je ein Gramm FWsfigkeit haltende Spritzen einer fünfpcozenttgen Lösung, also im Summa ein Decigramm salzsaures Cocain unter die Haut gebracht wor- den. Schon wenige Sekunden später fühlte der Operirte, daß seine Aufregung dem angenehmen Gefühle des allgemeinen Wohl- bebaqens Platz machte. Er war sehr redelufitg geworden und erzählte in beväbizer Breite, w> chei Erleichterung er sich gegen. wisikq erfreue, und Laß, nachdem in den letzten Wochen ihm sein Leiden den Humor beinahe gänzlich geraubt hatte, seine Lebenslust wieder erwache. Sonderbarer Weise hatte fich auch seine Sehkraft bedeutend gesteigert. Im normalen Zustand kurz- fichtig, war er nun im Stande, sehr entfernte Obiekte genau zu erkennen und alle Farben erschienen ihm lebhafter, frischer, intensiver, freudiger. Bald steigerte fich die Wirkung noch um ein Geringes. Da stellte sich etwas Ohrenklingen und Schwindel ein, so daß man nicht wohl einsieht, wie manche Bergsteiger anrathen können, bei sehr anstrengenden Hochtouren Cocain zu nehmen. Man geht wohl unter dem Banne des Coeains leichter, die gesammte Muskelthätigkeit ist erhöht; man ist physisch leistungsfähiger, aber man bat nicht die volle Ver« läßlichkeit und Sicherhett der Muskelaktion, wie im normalen Zustande. Unbedingt gesteigert durch das Cocain werden aber auch die geistige Leistungsfähigkeit, die Selbstbeherrschung und die Willenskraft, so daß der Entschluß, stch schmerzhaften Einflüssen unterziehen zu wollen, bedeutend erleichtert wird. Es handelte sich darum, am Halse eine an drei Zentimeter breite Hautbrücke durchzutrennen und dann den gesammten Grund der Wunde mit Äetzkali zu zerstören. Der eoca'inifirte Patient gab an, den Schnitt nichr empfunden zu haben, nur das Knirschen der Klinge, als fie die Haut theilte, habe er deutlich gehört. Ebenso wenig empfand er die nachfolgende Aetzung, die sonst durch mehrere Stunden heftige Schmerzen zur verursachen pflegt. Nach angelegtem Verbände begab fich der Operirte zu Fuß nach seiner eine Stunde Weges entfernten Wohnung in der heitersten Stimmung und so geistesfrisch, ja gehoben, daß er sofort eine ziemlich anstrengende geistige Thätigkeit aufnehmen konnte, während er sonst nach der Operation in der peinlichsten Stimmung, von Schmerzen gequält, die Stunden träge dahin- schleichen sah. Viele behaupten, daß auch das Ziahrungsbedurfniß nach Cocain herabgesetzt sei. Dies scheint nicht richtig zu sein. Um 11 Ubr wurde das Cocain injizirt und um halb 1 Uhr schmeckte dem Overirten sein Mittagmahl ganz prächtig. Heber den weiteren Verlauf ist nur wenig, aber Gutes zu berichten. Am selben Abende schlief der Cocainistrte etwas unruhig, dock mit angenehmen Träumen. Am andern Tage war jeder Effekt des Cocains vollständig verwischt. Das außerordentliche Wohlbehagen hatte der normalmäßigen Stimmung Platz gemacht. Der Öeilungsprozeß der Wunde verlief genau wie in den früheren Fällen, ohne oaß irgend ein Einfluß des Cocains, weder im günstigen noch im ungünstigen Sinne, fich bemerkbar gemacht hätte. Ungerecht wäre es, wenn wir vom Cocain Abschied nehmen würden, ohne auch die Kehrseite der Medaille betrachtet und erfahren zu haben, welche Nachtheile der Mißbrauch dieses Arzneimittels nach stch ziebt. Es wird mitunter Morphinisten verordnet, um ihnen die Injektionen mit diesem Gifte abzu- aewöhnen. Da geschieht es nicht selten, daß solche Kranke jede Mißstimmung, jedes Unbehagen, jeden auch noch so unbedeuien- den Schmerz, so wie früher durch Morphium, jetzt durch Cocaininjektionen beseitigen wollen. Bald gewöhnen fie sich an das neue Mittel, stumpfen fick gegen seine Wirkung ab und find gezwungen, um einigen Effekt zu erzielen, zu immer höheren Gaben zu steigen. Dann stellen fich Störungen der Funktionen der Seh-, Gehör- und Riechnerven ein, Zittern der Glieder, endlich Wahnvorstellungen, die mtt dem Säuferwahn- finn frappante Aehnlichkeit haben. Beelzebub hat den Teufel ausgetrieben, aus dem Morphinisten ist ein— Cocainist geworden. lokale** Die gerichtliche Zwangvvollstrecknng kann man wohl als den weitaus wichtigsten Tbeil der praktischen Rechtspflege bezeichnen. Ob die Parteien stch streiten um Mein und Dein und wer von Beiden recht hat, das ist bei der heutigen Höhe der Kunst der Gesetzesaw legung viel weniger wichtig, als die Vollstreckung des ergangenen Rlchterspruchs und besonders die Eigenartigkeit, die fich im Laufe der Zeit in dem Zwangs- vollstreckungSverfahren einstellen. Das Leben der Großstadt bat auf diesem Gebiete schon seit langen Jahren eigenartige Erscheinungen geboten, Erscheinungen, wie fie erfahiunqsgemäß in keinem anderen Otte des Reichs zu Tage treter. Wir erinnern uns noch sehr wohl der manchmal geradezu drakonischen Härte, mit welcher die frühere Exekutions- Kommisfion des Berliner Stadtgerichts bei dem Exekutionsverfahren zu Werke ging. Die Stadt war damals in eine gewisse Anzahl von Inspektionen getheilt, die je eine von einem Exekutionsinsvektor beaufsichtigt wurde, welcher Beamte die Aufgabe hatte, auf solche Schulvner besonders zu oigiliren, denen der Exekutor nicht beikommen konnte. Wehe dem Verwandten, der einem solchen verschuldeten Menschen ein Unterkommen gewährte: er setzte stch der größten Gefahr aus, sein eigenes Mobiliar wegen der Schulden desjenigen, dem er Obdach ge- wähtt, gepfändet und zur Pfandkammer geschafft zu sehen. Zahlreich warm die Jnterventionsprozesse, in denen dann diese für ihren guten Willen schwer Gestraften ibre Rechte geltend machen mußten. Für die Bearbeitung und Entscheidung dieser Prozesse bestand eine besondere Kommission für Bagatellsachen und eine besondere Deputation für summarische Prozesse. Mit- glieder der letzteren waren zugleich die Dezernenten der Exeku- tionskommisfion. Mit welchem Erfolge diese Behörden arbeite- ten, das bewies der Schrecken, dm fie zeitweilig über die ganze Berliner Bevölkerung verbrettetm. Das berüchtigte Meineids- bureau eines Rechtskonsulenten war die unmittelbare Folge dieser Gerichtstbätigkeit. Hierher flüchteten stch die bedrängten und rathlosm Opfer der Exekutionskommisfion, und, um ihr Eigenthum aus den Händen der Exekutionskommisfion zu retten, wurden jene eidesstattlichen Versicherungen und falschen Zeug- nisse massenhaft fabrizirt, die zum Beweise des Eigenthums bei dem Prozeßverfahren vor den genannten Gerichtshöfen nöthig waren. Da gelangten plötzlich mehrere verschuldete Größen in der Politik zur Geltung; fie kannten dieses Verfahren und beweglich schilderte es einmal ein Redner im preußischen Abgeordnetenhause: „Der Schuldner wird von seinem Gläubiger gehetzt wie ein wildes Tbier!" Dann kam die neue Justizo-ganisation. Die Berliner Exekutionskommisfion mit ihren Jnspeklionen verschwand; das neue Institut der Gerichtsvollzieher trat an ihre Stelle. Untrennbar mtt dem ersten Auftreten dieses Jnstttuts in Berlin ist die Erinnerung an die Katastrophe einer ganzen Reihe dieser Beamten verknüpft, die nach Vergehen im Amte theils durch Selbstmord endeten, theils dem Strafrichter überliefert wurden. Vergehen im Amte! Woher kamen fie plötzlich? Niemand hat es bisher der Mühe wetth gehalten, gründlicher darüber nach« zudenken, aber jeder, der mit den Verhättnissen näher bekannt ist, der weiß auch, daß diese Katastrophen mtt dem Gebahren der allen Berliner Exekutionskommifion in einem engen Zu» sammenbange standen. Die Zwangsvollstreckung aber hat neben chrer rechlichen auch eine hervorragend volkswirthschaftliche Bedeutung und gerade als volkswirthschaftlicher Faktor hatte die Exekutionskommisfion oft geradezu verheerend gewirll. Man kann die Richtung, nach welcher hin die Exekutionskommisfion ihre Thätigkeit entwickelte, zutreffend als die kapitalistische bezeichnen, denn ihre bedeutendsten Leistungen kamen den Besttzenden zu Gute und waren darauf gerichtet, den vor der Verfolgung seiner Gläubiger fliehenden in seinem Versteck aufzusuchen und ihn der ganzen Strenge seines Verfolgers preiszugeben. Unmittel- bar nach dem Inkrafttreten der neuen Justizgesetze änderte fich die Sache, da kein Gerichtsvollzieher auf seine eigene Gefahr die Dinge unternehmen mochte, die früher die Crekutionskom- Mission als Behörde ohne Gefahr unternommen hatte. Aber gegenwärtig zeigen fich bereits wieder deutliche Spuren einer solchen kapitalistischen Tendenz im Vollstreckungsverfahren. Das Gesetz betreffend die Anfechtungen von Rechtshandlungen, zah« lungsunfähiger Schuldner, die sogenannte Actio Pauliana, wird in der Praxis der Gerichte vielfach in einer Weise ausgelegt, daß keinem Verwandten eines in Zahlungsbedrängniß Gerathc» nen zu empfehlen ist, demselben beizustehen. Rettungslos steht der Vater den Sohn oder Schwiegersohn, ein Bruder den andern dem Konkurse zu treiben; selbst der Hilfsbereite darf nicht helfen und kann nicht helfen, denn Verträge, die er mit dem Verwandten schließt, unterliegen der Anfechtung und wer» den von den Richtern krast der diesen Herren gegebe» nen freien Würdigung in einer Weise beurtheill, daß man stch nur wundern kann, wenn überhaupt noch ein Verwandter den andern hilft. Auch die Zwangsvollstreckungsmaßregeln haben fich nach der neueren Praxis verschärft. Während früher nach erfolgter Pfändung von Mobilten die Hinterlegung des Wetthes derselben vor der Abholung zur Pfandkammer schützte, wenn ein dritter Eigen- thums-Ansprüche geltend machte und diese einigermaßen be* scheinigt waren, wird jetzt die Hinterlegung der vollen Schuld- summe, wegen der die Pfändung erfolgte, verlangt. So kann es vorkommen, daß für ein Mobiliar im Werthe von 500 M. in dem vorgedachten Falle 5000 M. hinterlegt werden müssen, weil die Schuld, wegen welcher die Pfändung erfolgt ist, diese Höhe erreicht Natürlich ist das. nach Erschöpfung des In» stamenzuges, die einzig richtige Rechtsauslegung. Daß fie aber die Wirkung hat, recht viel Unzufriedenheit zu erzeugen und recht sehr zur Vergrößerung des hilflosen Proletariats beim» tragen, das ist nicht zu bezweifeln. Fiat justiiia et pereat mundus(Hebe Justiz, und wenn darüber die Welt zu Grunde geht!), das ist der allen Juristen geläufige Grundsatz. Man könnte wirklich manchmal glauben, daß gewisse Juristen es auf den Versuch ankommen lassen wollen, ob die Welt wirklich in« folge ihrer Justiz zu Grunde gehen könnte. Den Gefallen wird fie ihnen nun aber doch nicht thun! Wir glauben unsere« Lesern einen Dienst zu erweisen. wenn wir hier eine Stelle aus der Rede des Herrn Abgeordneten Cremer, die er am Dienstag in Meyers Salon in der Boyenstraße vor versammelten Kattellbrüdern hielt, rekapituliren. Herr Cremer verstieg sich nach der„Staatsb.-Ztg." ,u folgenden Aeußerungen: Die sozialdemokratische Partei ist weder eine politische, noch eine soziale Partei; denn fie will die soziale Frage erst lösen, wenn unsere ganze Gesellschafts» ordnung gestürzt ist. Glauben denn die Herren, daß u- srr Kaiser, der erklärt hat, keinen Schritt breit Landes abtreten zu wollen, die Traditionen seiner Väter ohne weiteres aufgeben wird? In Amerika hängt man die Sozialdemokcaten, in Frankreich prügelt man sie, nur bei uns haben fie es besser, hier zieht fich der Schutzmann Glaceehandschube an und dann erst bringt er fie zur Wache.(Heiterkeit und Beifall.) Was wollen denn also die Sozialdemokraten von uns? Nirgends in der Welt geschieht so viel für die arbeitende Klasse wie bei uns. Aber man weiß, was man will: die Taschen der Agitatoren find leer, man muß fie füllen, deshalb der immer wieder neue Lärm.(Beifall.) Der zukünftige sozialdemokratische Kandidat hat einmal gesagt:„Der Reichstag ist weiter nichts, als die auf den Ruf eines Natur- und Menschenrechte verachtenden Mannes zusammengekommene Versammlung von Junkern, Apostaten und Nullen." Herr Liebknecht ist kern Junker, kein Apostat, also kann er nach seiner eigenen Anficht nur„Null" sein.(Heiter- keit.) Auch hat er einmal gesagt:„Der Reichstag hätte nur den'Nutzen, daß, wenn die Arbeiter vor den Thoren sieben, vielleicht einmal ein freies Wort wie ein zündender Funke in die Massen fällt und das Signal zur befreienden That wild." — Umsturz also ist das Ziel, und dazu reizt der Kandidat jener Pattei in diesem Wahlkreis auf!(Beifall.) Wir aber bitten Sie, angesichts dieser Thatsachen nicht zu erlahmen, sondern einem Manne Ihre Stimme zu geben, der selbst mit den Re- dürfniffen der Arbeiter verttaut ist und dieser Umsturzpartei energisch gegenübertteten wird."— Es hieße Herrn Cremer zu viel Ehre anthun, wollten wir uns mit seiner Person oder seinen Aeußerungen irgendwie befassen. Wir glauben, daß die einfache Wiedergabe solcher Redewendungen das beste Agitationsmittel ist, ein Agitationsmittel, welches schließlich auch dem Blödesten die Augen öffnet. Mit den Nerkehrohemmnissrn in Kerlin beschäftigt sich ein Artikel des„Wochenblattes für Baukunde". Der Ver» fasser macht u. a. folgende neue Vorschläge:„Eine Stadtbahn, welche die Stadt von Nord nach Süd durchschneidet, eine Stadtringbahn, welche den Stadtbewohnern selbst dient, werd. n von Jabr zu Jahr wichtiger und nothwendiger. Von Hoher Be- deutung ist die nunmehr beschlossene Verlängerung der Zimmer» straße nach der Königgratzerstraße. Soll dadurch aber der Zweck einer wirksamen Entlastung der Leipzigerstraße erreicht werden, so gehött dazu auch eine weitere Verlängerung derZimincrstraße über die Lindenstraße, die zugleich in gerader Linie bis zr-m Spittelmartt zu fuhren wäre, hinaus, wenigstens bis zur Kom- Mandanten- und Alten Jakobstraßenecke, besser noch bis zur Ecke der Annen- und Prinzenstraße. Als ferner wichtige und wün- schenswetthe Verbindungen, von denen manche allerdings wohl nur ftommer Wunsch bleiben werden, wären etwa zu nennen: eine weitere Durchbrechung der Potsdamer- und Anhalter Bahn durch Verlängerung der Kurfürstenstraße bis zur Tettowerstrche, eine Verbindung der Mauerstraße über die Friedrich- und Char- lottenstraße bis zur Junker- und Rilterstraße; ferner im No den zur Entlastung der Rosenthalerstraße eine Durchlegung der Gr. Hamburgerstraße bis zur Burgstraße, sowie ein direkter S!n» schluß der Kleinen Hamburgersiraße an die Große Hamburger» straße." Di- K-hrs-it- der Medaille. Das Straßenpflaster Berlins wird allgemein gelobt, aber doch giebt es noch immer Gegenden, in denen Zustände herrschen, die an die seligen Zeiten erinnern, in denen dem Fiskus die Sorge für die Er» Haltung der Straßen oblag. So schreibt ein Bewohner von Alt- Berlin dem„Börsen- Kurier":„Den Wenigsten unserer Mit» burger dürfte es bekannt sein, daß sich im Mittelpunkte Berlins eine, sowobl durch ihr Alter als auch durch ihre Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit ausgezeichnete, höchst werthvolle Stein- sammlung befindet. Der Besuch derselben ist ebenso lehrreich wie amüsant und dabei öffentlich und kostenfrei. Wer dieselbe kennen lernen und studiren will, den laden wir ein. fich nach dem Petrikirch- Play, Berlin C, zu begeben. Mit Leichtigkeit unterscheidet in dem dortigen Straßenpflaster selbst das ungeübte Auge des Laien die noch aus vem Anfang dieses Jahrhunderts stammenden spitzigen„Findlinge" von den fich daneben brüsten- den behäbigen„Kopfsteinen". So liegen ste in Gruppen sortirt friedlich nebeneinander, kunstvoll aneinander gefügt, so gut es eben gehen wollte. Spitze und runde, kleine und große, breite und schmale Steine, alle Sorten find vertreten, mit denen im Laufe dieses Jahrhunderts in Berlin gepflastert worden ist, denn von einer jeden ist stcherlich eine Probe der Sammlung auf dem Pctri- kirch-Platz durch eine daselbst vorgenommene„Ausbefferung" ein- gereiht! Auch in der letzten Woche find auf diesem in Berlin nicht ungewöhnlichen Wege der„Pflasterverbefferung� dem Petri- kirch-Platzc stcherlich wieder einige recht intereffante Sorten hinzu- gefügt. Zwar verdeckt dieselben augenblicklich noch der Sand, welcher nach der bei uns so beliebten Manier über die ausge führte Pflasterei zollhoch gestreut wird, aber wenn derselbe seiner Aufgabe genügt hat und durch den am Petrikirch-Platz herrschen- den Zugwind den Passanten in die Augen aestrcut ist, dann werden nicht nur die neu hinzu gefügten Sorten der Stein- sammlung. sondern auch gleichzeitig die gediegene Arbeit des Berliner Pflasters helllcuchtend und musterhaft zu Tage treten. Dies eben jetzt wieder befolgte Verfahren der Verbesserung läßt hoffen, daß das Pflaster des Petrikirch-Platzes in seinem jetzigen historischen Zustand noch lange erhalten bleibt und nicht durch irgend welche Neuerungen, wie Asvbalt oder gar Holzoflaster und dergleichen verdrängt werde. Nachdem es ordentlich vom Himmel herab gegossen hat, oder auch schon wenn die Spreng- wagen ihre Tbätigkcit in reichlichem Maße pflichtgetreu genügt haben, dann dürfte der günstigste Moment zum Besuch unserer Sammlung gekommen sein. Dann find nämlich die einzelnen Epochen dieser„Steinzeit" durch Waffcrrinnen und Tümpel- chen, welche fich in den zwischen den einzelnen Perioden gebildeten Vertiefungen angesammelt haben, deutlich von ein- ander zu unterscheiden. Der Beschauer wird übrigens nicht nur sein wissenschaftliches Interesse, sondern auch seine stttlichen Empfindungen bei diesem Ausflug angeregt finden. Nicht ge- dankenlos über den Platz schlendem!— Die Zwinge Deines Stockes oder Deines Schirmes wird unfehlbar in den Spalten des Pflasters festgehalten werden und Du wirst den Ruck im Handgelenk spüren. Nicht zu schnell und zu hastig hinüber ge- stürmt, Du und Dein Fuß würden es zu bereuen haben! Das deachte für Deinen Weg über den Petrikirch-Platz, und wenn Du willst, kannst Du Dir daraus Sprüche fürs Leben ziehen! Solltest Du aber eine Dame sein und Das Wunderwerk betrachten wollen, so richte Dich mit Deiner Toilette auf vie Eigenschaften desselben ein: namentlich keine hohen, svitzen Ab- sätze an den Stiefelchen; es wäre schade, doch schwer vermeidlich, sie auf dem Platze zu lassen. Und nun kommen Sie, meine Herrschaften aus Beriin W und sehen fich unsere Ausstellung an!"— So weit der Bewohner von Alt-Berlin, dem trotz der absonderlichen Zustände seines Petriplatzes nicht der Humor aus- gegangen ist. Hoffentlich kommt auch für diesen vernachlässtgten Platz bald eine gründliche Aenderung, ebenso wie für verschiedme andere nicht minder vernachläsfigte Stadttheile Berlins. Sie Flora de« botanische« Garten» steht jetzt auf öaepuntte ihrer Sommerpracht; insbesondere heroorzu- heben find die herrlichen Beete von Begvnia liybrida aus Peru resp Bolivia beim Braundenkmal, Deren Kultur erst seit 17 Ja'aren hier gepflegt wird. In dem A.pinum blühen zahl« reiche Gebirgsblümlein. Die Kürbißanlage ergötzt durch ihre Früchte, die in den verschiedensten Farben von Schwarz bis Purpur vertreten find und oft sehr phantastische Formen haben. Die Victoria regia dürfte bei einigermaßen günstiger Witterung noch zur Blüthe kommen, jedoch nicht vor Anfang September, ivre umfangreichen Blätter setzen jetzt den tellerförmigen Rand an. Im Orchideenhause find die schönsten blühenden Exemplare so gestellt, daß ste durch die Scheiben an der Südsette in Augen- sche n genommen weiden können. Wir erwähnen hier nur die seltene Periateria cerina, die durch die Holzgitterung, in welcher ste hängt, nach unten eine prächtige Traube großer goldgelber Glocken treibt, serner die große violettfarbcne Blüthe von Cattleya labiata, sowie prächtige Exemplare von Stanbopea. Dem Arboratum wendet die Direktion jetzt besondere Sorgfalt zu. Es gilt, verschiedene fremdländische Bäume und Sträucher zu akklimatifiren. In der Koniferengruppe vor dem Palmen- hause find sehr beachtenswerth Biota Orientalis mit ihren goldigen Zweigspitzen nnd Picea pungens argentea mit ihren laub- grünen Nadeln. Die Gruppe der We livgwnia gigantea oder der kalifornischen Riesentanne hat bereits eine solche Höhe er- reicht, daß der Zeitpuott eintritt, in dem man von der alljähr- liehen Winterumbüllung Abstand nehmen muß. Hoffentlich haben diese Nadelhölzer fich so akklimatisttt, wie die Nymphäen auf dem Teiche zwischen dem Ziktotta- und dem Patmenhause, die bort gut überwintert haben und in diesem Jahre schöne bläuliche Wasserrosen in großer Menge entfaltet haben. Folgende Remi«i»c»«kfind»t stch in der„Nolks- Zeitung": Der Berliner Maschinenbau feierte heute vor dreißig Jahren— dem Tage nach allerdings erst am künftigen Sonnabend— eines der größten Jubelfeste, welche deutscher Gewcrdefleiß je zu verzeichnen hatte. Am Vormittage dieses denkwürdigen Tages war unter Ehren, wie sonst nur fürstlichen Häuptern, großen Potentaten gewidmet werden, die 1000 Lokomotive aus dem Borfig'schen Etablissement am Oranienburger- Thor den Schienenstrang durch die Tieck- und Borfigstraße nach dem Stettiner Bahnhofe geführt worden, und tausende von Arbeitern aus den Fabriken von Egells, Pflug, Schwartzkopff, Wöhlert, Tietsch, Foske, Weber u. s. w., u. s. w. hatten Spalier gebildet und dem prachtvollen Erzeugniß deutschen Gewerbe- fleißes das Geleite gegeben. Man muß jene tausende von Ar« deitern in ihrem Ehrenkleide, der charakteristischen blauen Blouse, selbst gesehen haben, um fich eine Vorstellung von dem derech- tigten Stolze zu machen, mit welchem damals der Berliner Maschinenbau an der Spitze der gesammten deutschen Gcwerd« thätigkeit marschitte. Es war zwar noch die Zeit des Zunftzwanges, das Handwerk schmachtete noch in den Fesseln des mittelalterlichen Wesens, aber der frische Zug der Zeit, der genau zehn Jahre später auch die Schranken des Handwerls brach, machte fich im handwerksmäßigen Bettiebe doch unaufhaltsam freie Bahn. Zwar hatte der Vater des deutschen Lokomotivbaues, der„alte Borfig", diesen seinen Ehrentag nicht mehr erlebt— er war bereits am 6. Juli 1854, kaum 51 Jabre alt, verblichen— aber seinem Sohne und Nach- folger war es vergönnt, das Werk des Vaters im Sinne und Geiste desselben fortzuführen und das Etablissement zur höchsten Blüthe zu entfalten. Heute ist ja leider der Schaup ay jener für so viele Familien segendringenden Thätigkeit vom Erdboden verschwunden und nur noch als Objekt für Bauspekulation von Bedeutung, aber die Erinnerung an jene Zeit frei aufstrebenden Gewerbefleißes, welcher den Deutschen erst den Wettbewerb auf dem Weltmartte ermöglicht hat, ve: dient wohl in der jetzigen Zeit aufgefrischt zu werden, in welcher Kurzfichtigkeit und Ver- blendung das Heil für Gewerde und Handwerl in der Schaffung von Schranken, künstlichen Grenzen und polizeilicher Bevor- mundung erblickt. Den damaligen Gedenktag der deutschen Industrie schloß ein ebenso großes als eigenartiges Arbeiterfest in der Kolonie Moabit, und noch heute lebt dasselbe unvergeß- lich in der Erinnerung aller Theilnehmer als ern Gedenktag der freudigsten Art. Möge die Zukunft dafür sorgen, daß deutscher Gewerbefleiß auch in ferner Zeit noch im Stande sei, ähnliche Jubelfeste zu feiern und trotz aller Einschränkungsversuche die ehrenvolle Stellung zu behaupten, welche ihm Männer wie der „alte Borfig" in der Welt errangen! Poetische Ergüsse«nserer ftndirenden übermittelt der„Bert. Ztg." ein Abonnent mit dem Bemerken, daß er dieselben von den Bänken der Universttät gesammelt. Einige Proben aus der mannigfachen Sammlung mögen an dieser Stelle Platz finden. Mit besonderer Aufmerksamkeit mag wohl jener cives academicus den Vorlesungen gefolgt sein, der seinen Kommilitonen mittheilt: „Heut Abend um neun auf dem Weddingplay, Da mattet auf mich mein liebster Schatz, Sie wartet auf mich an der Kirchenthür, Ich eile so gerne zu ihr, zu ihr, Wenn's nur mcht regnet!" Dickt darunter befinden fich von anderer Hand geschtteben folgende Vette: „Die Kirchenthür ist ominös, Ich glaube, Freundchen, Du täuschest Dich bös; Wer mit dem Liebchen tändelt vor der Kirchenthür, Der geht durch fie wohl schwerlich mit ihr." In gefühlvoller Schwärmern plaudett ein anderer seine Herzensgefüble aus: „Louise, nach Dir sehnt stch mein Herz gar zu sehr; Kein anderer Gedanke beherrscht mich mehr, Als Du allein. O, wärst Du mein! Ach, könnt ich doch immer bei Dir sein!" Ein wahres Muster von Fleiß muß wohl der Herr Studiosus Holbein sein, denn ein guter Freund ermahnt ihn zum Besuch der Vorlesungen: „Holdein, auch im neuen Jahr Wird man Deiner nicht gewahr; Wenn Du auch jetzt nicht erscheinst, Glaube mir, so büßt Du's einst." Umsonst, Herr H. folgt nicht den Mahnungen; denn sein Freund berichtet weiter in einigen Zwischenpausen: „Holbein, Du betrübst mich sehr, Denn Dein Platz ist wieder leer. Glaub', Du lernst nie Ki.chengeschicht', Hörst Du fie zu Zeiten nicht." „Holbein, Holbein, das ist wahr, Schwänzen kannst Du wunderbar, Doch bedenk', in wie viel Tagen Wird Dich einst Nachreiten plagen." Doch H. schwänzt nach wie vor, selbst am Semesterschluß erblickt man ihn nicht; denn es heißt weiter: »Das Semester wendet fich, Du schwänzt unveränderlich. Möchten doch in späteren Jahren Deine Stunden besser fahren." Daß den Vorlesungen nicht immer mit regem Eifer gefolgt wird, ja daß einige der Musensöhne dieselben benutzen, um ihren versäumten Schlaf nachzuholen, davon zeugen nachfolgende Er- güffe der Poefie: „Kommst Du Fremdling nach Haus, so melde dotten. Du habest Uns hier schlafen gesehn, schliefest selber wohl auch!" „Vom hohen Katheder herab schwatzte der Professor, Er schwatzte und ich schlief gut dabei ein." Man schläft indessen auch aus anderen Gründen: „Vor Deiner Trockenheit erschttckt, Selbst wer mit Strebtalent beglückt. Ich fühle wie mein Blut fich jäh verdickt, Und schlafe bis die Uhr die Stunde tickt." Das Resultat seines Studiums v-rkündet ein bemoostes Haupt mit der pejfimistischen Anschauung: „Wer acht Semester hat stuvitt, Der ist hier gründlich angefühtt. Man lernt nichts in den Vorlesungen; Das Geld ist schnelle ausgeklungen, Und ich Hab' herrlicher denn je gesungen." Diese wenigen Proben der Lyrik unserer Studenten möge eine gutgemeinte Ktttik beschließen, die fich auf einer Bank im Auditorium VI befindet und nachstehenden Wottlaut hat: „Wenn solche schneidige Poeten Doch ihre Schnäbel halten thäten!" Amerikanische Aundstagsblüthen. Als ich neulich in Alabama war, so erzählte ein Herr aus Atlanta, Ga., zwi- schen Porters Gap und Milleroille, sah ich, daß ein Mann zehn oder zwölf Gänse in ein Baumwollfeld ttteb. Was der Tausend haben Sie den Gänsen denn da um den Hals gebunden? fragte ich ihn. Flaschenkürbisse find es, voll Wasser, antwortete er mir; ich treibe die Gänse ins Baumwollfeld, damit ste das Unkraut ausjäten; da es aber dott kein Waffer giebt, gebe ich ihnen welches mit, sonst bleiben fie nicht darin.— Ader wie können fie denn das Waffer aus den Flaschenkürbissen, die an ihrem eigenen Halse hängen, trinken?— O, fie trinken aus dem Kürbis der Nachbattn; jeder Kürbis hat an der Seite einc Oeff- nung, durch die die Gans den Schnabel stecken kann. Wenn Äie's nicht glauben wollen, so überzeugen Sie stch selbst.— Ich wartete einen Halden Tag auf die„Vorstellung", und schließlich sah ich fie wirklich. Die Gänse machten es genau, wie der Mann gesagt hatte! War eine durstig, so ging fie zur nächsten und löschte ihren Durst aus deren Vonath. Fei dem Kriminal-Kommissariat lagern noch folgende aus Bodendiebstählen herrührende Sachen, welche die Eigen- thümer im Zimmer 77 in Emvfana nehmen können. Ein kupferner 4—5 Eimer haltender Wasckkeffel mit kupfernen Oesen und einem Fleck auf einer Bodenseite; weißwollene Kapotte; rother Kinder. Maskenanzug; schwarze Damenmuffe in hellblauer Schachtel: weiße Strümpfe, gez. C. M.; graues Kleid mit Mlsss, auf der Brust dunkelbrauner Atlaseinsatz; violettes Satinkleid mit gleichfarbigem Sammctkragen und Aerm> lauf- schlägen; grau und röthlich gesprenkeltes Kleid mit Plisss. Taille mit vuntelrothem Sammeteinsatz; dunkelblaues Damen-Winter- jaquet mit schwarzem Pelzbesatz, Futter roth abgesteppt; schwarzer Sammet- Umhang mit Perlen und Spitzen besetzt und mit Atlas gefüttert; Umhang aus gepreßtem Sammet mit Spitzen und Perlen; alter dunkelblauer Winterüderzieber, in der Tasche ein Paar Lederhandschuhe mit dem Namen Kohrhammer oder Kehrbammer; lila Damentaille ohne Kragen jmit rothem Sammeteinsatz, ein defektes Nähtischchen und zwei blaue Tassen mit weißer Verzierung; ein ziemlich neuer, draungettppter Herren- Taillenrock mit braunem Futter, zwei Reihen braunüder- zogenen Knöpfen, eingefaßt mit brauner Borde; ein schwarzer Damen-Double-Mantel, am Kragen, Aermeln und Taschen mit schwarzem Krimmer besetzt, am Taillenschluß schwarzseidene Quasten, und ein blaues Kattunkleid mit rothen Blumen, dazu zwei gleichfarbige Taillen.— Einem wegen Diebstahls oft vor- destraften Menschen wurden vorgestern Abend zwei neue mit Leinwand gefütterte wollene gelbbraune Pferdedecken mit rothen und blauen Randstreifen abgenommen, als er diese den am Anhalter Bahnhof haltenden Droschlenkutschem zum Kauf an- bot; er will diese Decken von einem unbekannten Händler zum Kauf erhalten haben. Die Pferdedecken können auf dem Ktt- minalkommissattat Zimmer 73 rekognoszitt werden. Gena« an derselben Stelle bei der Station Schöneberg, wo am Sonntag vor acht Tagen die Entgleisung eines Güter- zuges stattfand, ei eignete fich vorgestern wieder eine Betttebs- störung. Auf dem Ringbahngeleise war ein Stück Schiene ge- sprungm, so daß fie ihren Halt und ihre Tragfähigkeit verloren hatte. Zum Glück pasfitte der diensthabende Streckenläufer die schadhafte Stelle zur rechten Zell, so daß die pasfirenden Züge durch Signale darauf aufmerksam gemacht werden konnten und und auc # Reichs er wi ...»� von 4# Beruf ? Beiträgen NW V0N 5« Auf anz langsam über die schadhafte Schiene fuhren. Gestew iiotmittag wurde letztere durch eine neue ersetzt.— Bei FriedeM find gestern wieder die Erdarbeiten begonnen worden, die zul Erweiterung des Bahnkörvers nöthig find. Frellich ist auzen» blicklich die Zahl der Arbeiter noch viel kleiner, als fie vorigen Jahr gewesen, wo die Ausschachtu- gs- und Planirung»' arbeiten in größerem Umfang betrieben wurden. Auf dem Kriminalkommissariat stellte fick am M«' wock der Buchbinder Emst Drewrtz, Roiensti.13, und dezichM fich der wiederhotten W-chselfälschung. In den letztoergangwS Jahren gettetb Drewitz, der früher in den glänzendsten Ass- kältnissen gelebt hatte, in Vermögensverfall; er ließ fick, da se« Kredit erschöpft war, hinreißen, Wechsel auf die NamenvM Bekannten zu fälschen. Lange Zeit wußte er die Entdeckung dadurch hinzuziehen, daß er die Wechscl vor ihrer PräsentÄwii. durch Prolongations- und neue, ebenfalls wieder gefälschte WschP% Eegensto einlöste, jetzt jedoch, als die Gläubiger auf endliche Baar Rcgv' rnnet. De lirung drängten, ist die Katastrophe hereingebrochen. Ter(f Wung. Ve sammte Betrag übersteigt die Summe von 20000 M. Dreatt Mn noch st weiß selbst nicht mehr, wie viel Wechsel und auf welche Naoue.«an Bekannt er gefälscht hat; die Interessenten, die Wechsel von Drewitz'? g- Der Händen haben, werden gut thun, ungesäumt der KnminalpoW««mten, n hiervon Kenntniß zu geben., Mwelt. D In eine recht traurige Lage ist die WebersamM.» als vorbc Münzer durch den Brand gerathen, welcher am Dienstag Abeti» P* der B, der Markusstraße 20_ wüthete. Die Familie, in welckM Mtshof itQ KSS Wen habe. in Vater und Sohn nebst jüngeren Geschwistern an zwei Mdst auf V Webstühlen arbeiteten, hatte stch schon zm Ruhe begeben, als W» W in einer p Feuer in dem unter ihrer Wohnung gelegenen Shawl- nP*n hinau- Tüchcrlager ausbrach. Die Münzer'sche Wohnung war ffljj öffent — 2— s: j.*™ o...r_„u.-.n» f»■not W � ajseoN!�— Wannt nach wenigen Minuten in dichten Qualm gehüllt, so daß Erschreckten nicht wehr Licht anzünden konnten, sondern nothdürftig dekleidet die schleunige Rettung des Lebens erstreb-* mußten. Gleich darauf stand auch ihre Wohnung in Flama»*' welche die Habe der Familie Ms auf den letzten Rest"v nichtetcn. Versichert war weder das Mobiliar noch aria Webstühle; ein zwölfjähriger Knabe konnte des anderen nicht zur Schule gehen, da ihm bis auf eine Hose und sämmrliche Kleidungsstücke verbrannt find, und eine erwaAK* Tochter errählte unter Thränen, daß fie ihre bisherige S#? in einem Geschäfte wegen des völligen Verlustes ihrer Gack� aufgeben müsse. Gin Gauuerstückchen ist dieser Tage wieder mit s% Frechheit verübt und dabei ein Droschkenkutscher in arger'S geprellt worden. Der betr. Gauner ließ fich mehrere in einer Droschke umherfahren und versetzte sodann dm beim St. Anna-Bräu(Leipziger- und Charlottenstr.) 5 er dem Kutscher ein Butterbrot und ein Glas Bier welches er gleich dezahlt hatte, verschwand er durch den 2#%, ausgang des Lokals. Der Kutscher, welcher eine Fordetung'. 20,50 M. an ihn hatte, mattete vergeblich 2 Stunden auf j"! Wiederkommen des„guten Kunden". Als er fich am an# nach dem Hause szagelsbergerstraße 45 begab, wob'" itchen «erden ch« eine Ks% MW �.Kenen l M Wun! �-nTerm Äbem% C dies nick «Jen Hab, Tage tL ro' yuw m m Zustand jjwtogte an �ssprechu f uuu# will*vuyn»wvui.*,f*4,uöt-XU, IVVW-J fiaAultheil i seinen Kunden mehrmals gefahren hatte, um dort Erkundigu*� Pächter O über denselben einzuziehen, brachte er zu seinem Schrecken f"tttmtmone Erfahrung, daß sein„Uttan" dortseldst am Tage zuvor die de Uhr gestohlen habe und dieserhald bereits Anzeige gegen. erstattet worden sei. Nun erklärte fich auch die Fahrt naiv* Leihhäusern und der Umstand, daß der Gauner in dem™ Anna- Bräu zur Bezahlung seiner Zecke eine Krone gewer hatte, und daß er, trotzdem er fich im Bcfitze von Geld W dem Kutscher das Fahrgeld nicht dezahlte. Jedenfalls hatte Gauner nach Ausübung des Diebstahls die Droschke den um so schnell wie möglich von dem Schauplätze seiner etf* reichen Thätigkett fortzukommen. Der Kutscher hat nun et*. falls eine Anzeige gegen den vielseitigen Herrn, der fich in fi Hagels bergerstraße als Offizier- Aspirant v. Strachwitz dc geben hat. erstattet und ist Verselbe bereits vernommen w%,LrWi( noch Wie wir hören, ist die Kriminalpolizei dem gefährlichen* KzMi 6 W schen bereits auf den Fersen._.V?. A*..Ali Unfälle. Die Ardeitettn Emilie B. aus der Ritt geitern mit Waschen beschäftigt. Beim Anheben e ene Sckl der sti kestzuste eng mi #0 M.� -anmalt den Sck rglich de Äe Ge der war Waschfasses, welches mit heißem Wasser gefüllt war, lich der Boden heraus und die B. verbrühte fich hierbei� rechten Fuß.— Der Kutscher Karl S. aus der Bernau«� fuhr heute morgen, auf seinem Wagen fitzend, über diejgi, dauerbrücke. Die Räder des Wagens blieben in den Wi bahnschienen stecken. Als fie plötzlich los gingen, nwj Wagen einen Ruck, so daß der Kutscher vom Wagen fstLji das rechte Bein brach.— Der Weißgerber August HfV gestern am Zeughaus von einem Arbeitswagen üb Er erlitt eine schwere Quetschung der Brust und des' Oberarmes. Polizribericht. Am 22. d. M. Vormittags wurde A Ecke der Wall- und Jnselstraße ein 4 Jahre altes durch einen von dem Kutscher Britz geführten Geschc. überfahren. Es erlitt außer mehreren Quetschungen einen«"j des linken Oberarms und wurde auf ärztliches Anrathen der Univeifitätsklinik gebracht.— Gegen Mittag fuhr on t&nW -S- (.Als€ tzMius R Schloßfreiheit der Kutscher Windig mit dem von ihm gen-���mmng de Rollwagen gegen ein von dem Koch Menfing benutztes T®/ Ulen, so daß dasselbe umstürzte. Zeit sprang an der Fennstraßenbrücke ein etwa 20 9#* Jn' Uu den B Mann in offenbar selbstmörderischer Abficht ins Waffer un �% bewegt trank. Die Leiche ist noch nicht gefunden.— Abends � � dex auf dem Platz am Zeughause ein obdachloser Weißgerber �(£ttQtmQ eine übermäßig schnell fahrende Droschke übettahren � � � ind s< scheinend innerlich verletzt, so daß er mittelst Droschke na«. �i den, Charitee gebracht werden mußte.— An demselben Tage �%tb ju � in einem Fremdenzimmer des Hotels„Münchener* Spandauerstraße 11—12, ein unbedeutendes Feuer statt- scbeinlich durch ein achtlos f ottgeworfenes brennendes®l mW'_•- schcinlich durch ein achtlos holz verursacht. der Ki hZV Der Gerichts-Zeitims. * Mit dem Krand einer Miefe hatte fich gesteh 96. Adlheilung des Schöffengerichts zu beschästigen. Knaben im Atter von 14—15 Jahren fühlten das B«, stch auch einmal wie erwachsene Männer an dem Genus edlen Tabakirautes zu delektiren. Um nun aber diese« haben ungestött ausführen zu können, beschlossen ste,. nannte„Judenwiese" hinter MoaMt aufzusuchen, v'-tz kommen kramten fie ihre Rauchutenstlicn aus und da kew O. ihnen wegen der bekannten Seekrankheit den Anfang mackev.:4\ mußte fich schließlich der älteste, Namens Bembardt, 8U ,, Wagniß bequemen. Ob nun aber zuviel Kartoffelkraut») dem Tabak war, oder ob der kleine Raucher das 3�%, vetttand, mut dahin gestellt bleiben, genug, der Gllw? j wollte nicht brennen und die vier Zuschauer hatten thun, dem Kameraden fnsches Feuer zu reichen-. Jj# lich fing das dürre Gras der Wiese an zu ,�1% � und ein dicker Qualm hüllte die erschrockenett tl® .denn K & laufen Uebelthäter ein, die nun aber schleunigst suchten, während von der Flamme nahezu 25 Meter der Fläche abgesengt wurden. Einige der Ausreißer nw jgf" angehalten und so kam die Angeleaenheit zur Kenntnis � Hörde, welche gegen die fünf„Raucher" die Anklag groben Unfugs erhob. Der Gerichtshof hielt nach der aufnähme den Bernhardt für schuldig und belegte Strafe mit einem Verweise; die anderen vier»nu, wurden freigesprochen._...Lti'V * Urber de« K-griss de« öffentlichen" hatte geitern die Berufungslammer des Landgettckt r schttden. Der Drechsler Julius Klein hatte ,n® i % L ei Friede»» den. die M h ist auzw' als fie« Planirun� & und auch in einem Schanklokalc Beiträge für den er> Reichstagsabgeordneten Hasenclever auf eine Liste ge- SSfu; er wurde denunzirt und vom Schöffengericht zu einer Jrjrcufe von 5 M. verurtheilt. Hiergegen legte de: Ber- �me Berufung ein, weil nur das„öffentliche" Sammeln ? �Mgen verboten sei, im vorliegenden Falle aber von w öffentlichen Kollektiren nicht die Rede sein könne, da er ck am M«' nur von Verwandten und Bekannten Beiträge entgegen ld dezrchM habe. Demnach sei die Polizeiverordnung vom wergangw»* tjebiuoi)867 zu Unrecht vom Vorderrichter angezogen -ndsten"»«n.$uf Wunsch des Vertheidigers wird durch die Aus- sich, da seu> Zeugen, Schankwirth B., konstatirt, daß Klein in seinem Ziamen oo»«nicht von Tisch zu Tisch gegangen sei, um Beiträge ein- EntdcckuM Ameln, sondern mit ihm, dem Wirth, allein an einem Tisch Präsentallo« Wen habe. Klein habe dann das Gespräch auf den bezüg» Ischte �Gegenstand gelenkt, und darauf habe er einen Betrag Baar Regp mmnet. Der Staatsanwalt beantragte die Verwerfung der m. Der Hüning. Vertheidiger Rechtsanwalt Friedemann hebt hervor, M. DreMk.m noch keine öffentliche Sammlung, wenn Jemand von ,elche Naw<"%» Bekannten an einem öffentlichen Orte einen Beitrag er- n Drewitz w«. Der Angeklagte habe thatsächlich aber nur bei iminalpiw Mnten, wenn auch in einem Falle in einem Lokale Atznnelt. Die öffentliche Sammlung könne doch nur dann SA- tVt noch au® � 'deren% se und te ernwil ;ige sie®? rer r mit i&t r arger V rere St®�. orderuns, nden � am id. Ii/ ttl i»•t'le vfienlnrye ooinmiung rönne uuui WebersaniM' vorbanden angenommen werden, wenn enstag Ab�n k?. der Bekanntschaft hinaus kollektirt worden über sei. den Der trat aber dem Antrage des Staatsanwalts bei und x.« mw-.■ Verwerfung der Berufung. Der Angeklagte habe -den, als oa- m einer geschloffenen Gesellschaft, sondern weit über diesen shawl- u«' ii A» hinaus bei verschiedenen Personen'und an verschiedenen, g war I# W We öffemliien Orten gesammelt. Dadurch sei das Moment so W' M-�tlichcn Kolleltitens gegeben und es habe, wie geschehen, "hmi mit werden müssen. Tchttradjeu Füßen ruhte eine Anklage wegen fahr- Anneids, welche gcstem vor der dritten Fericnstraf- Landgerichts I gegen die Steinsetzer Ehefrau Ehren- »!�.?�delt wurde. Die Angeklagte, die mit ihrem Ehe« "äff tn Scheidung liegt, hatte im November v. I. einen lAdAungseid zu leisten. Sie unterließ dabei, einen in ihrem befindlichen Sonnenschirm anzugeben und wurde von ■; l Serien Ehemanne wegen fahrlässigen Meineides denunzirt. ?Uß Wunder nehmen, daß die Anklage erhoben wurde. Im '� Termine erklärte die Beschuldigte, daß sie den Schirm, bmn Boden gestanden, völlig vcrgcffen habe, aber selbst wJJ«'es nicht der Fall gewesen, würde sie ihn dennoch nicht leben haben, denn der Richter habe ihr gesagt, daß sie nur �.Gegenstände angeben solle, die etwas mehr als einen ge- � Werth hätten. Sie hatte den fraglichen Schirm mitge- und nachdem der Gerichtshof sich überzeugt hatte, daß k?. Zustand wohl einer achtjährigen Benutzung— wie die '"Iwi ffte angab— entsprach, beantragte der Staatsanwalt au� oteisprxchung, auf welche der Gerichtshof erkannte. «i»»» srhr empfindlich«« Denkzettel erhiett gestern ,v wv.-, i&Jjchefl der 91. Äbtheilung des Schöffengerichts der En gros' trkundigU"!� �chtcr Oskar Stecher, der Zchrecke» ;e zuvor ei- sich wegen Beamtenbeleidigung �antworten hatte. Ein Schlachthausauiseher betrat eines � die�dem Angeklagten auf dem städtischen Viehhofe an- ichwitz otu. nmen J ihrlichen e Schlachtbude, um die Persönlichkeit eines seiner Ge- ahrt nach atK der sich eine Ungehörigkeit hatte zu Schulden kommen in dein �.�- festzustellen. Als er dem Angeklagten den Zweck seines one geweM? Mnens millheilte, wies dieser ihm mit groben Worten die Gelv be,®L W Da der Angeklagte bereits wegen Beamtenbeleidigung 'alls hatte" 300 M. Geldstrafe vorbestraft ist, so kennzeichnete der oschke deM Msanwalt idn als einen jener auf ihre Wohlhabenheit seiner%ben Schlächter, welche nur zu geneigt sind, die Autorität ,at nun e1*/ tatglich besoldeten Aufsichtsbeamten zu mißachten und bean- »er sich t",.' � eine Geldstrafe von 400 M. Der Gerichtshof ging unter der von der Staatsanwaltschaft geltend gemachten noch über den Antrag hinaus, indem er auf 450 M. ueu§ Wedjen Haft erkannte. Außerdem soll das Urtheil W�e»Allgemeine Fleischer-Zeitung", sowie durch Ausdang iral. Markthalle und auf dem Viehhofe veröffentlicht �erkauf einer„nnzüchtigen" Schrift stand , tidler Richard Jacodsikal vor den Schranken der .,1-, tttafkammer des Landgertchis I. Es handelte sich um � Mg einer Auflage des Buches Dekamcrone von Boccacio(!), "M die in anderen Auflagen vorausgehende Vorrede en einen Anrät hcn fuhr utztes~. dt verletzt des Rolle zu spielen. Neben den uniformirten Droschkenlut .' welche auf den Korridoren der Termmsstunde harren, w kL. letzt, wenn auch vorläufig noch vereinzelt, bereits die .. ßkii,, wodernen Fahrkunst Platz. Gestern mußte die 96. �->z>ietl� pb-ii! � des Schöffengerichts wieder einen Dreiradfahrer ab» »rtTßt WZ' welcher mit seinem Gefährt am Kreuzungspunlt der �'»er- und Friedrichstraßenccke eine alte Dame angefahren ' Es war dies'------ A»01 dies der 19jährige Kommis Milch, welcher stch um viel/ stgen �sdof in dem bekannten Radfahrer Hoppe und de- - C"»i emem Sportorben vräsenttrte. Er will im Gegen- 'u� unv Ä �e i„?lmandat erhalten. Durch die Zeugenvernehmung nach �' bem m 6 lestgestelli, daß der Angeklagte nicht ohne Schuld » siS' An � D" Büglet Slomski in Berlin, welcher ftuher Scharf- % war und nebenbei in einem bestimmten Bezirke * 31 Sr �undefänger thätig war, schloß sich am Ztachmittag l*> qV Dezember v. I. dem Hundefänger eines anderen Bezirks . derselbe seiner pflichtgemäßen Thätigleit nachgehen wollte. ästigen-� bald � Arbeit""für �dVn'°WScktn°'der Ord- das Bedüll�. v�enn zwei große Hunde ohne Maulkord erschienen em Genuß � Bildfläche. Wäbrend nun der rechtmäßige er dieses st»nd�- llen einen Köter verfolgte, fing Slomsü n sie, Vi� �"�.jedoch lieb er ihn auf Bitten des Eigenchumers f ICM ein"?ei dieser Gelegenheit trug Slomski an seiner D da leinet st�r st��es Schild,, ähnlich denen, wie. sie die Hunde- aiben Äj!s�vrgM?en. Hierdurch konnte bei Uneingeweihten der Glaube :, zuA>�F°N werden. Slomski sei wirklich ofsiziellerL'Unde. g machen mittelbarer Staatsbeamter. Qlfbe» UjH) v'Ws ernen v,».. «ts arten v"1 « ockenen'{«.f m *it dabei I_________ M Em anderes Mal fing einen Hund, ohne dazu berechtigt zu sein; er »war ein richtiges tzundefängerzeichen, aber welches nur für einen anderen Bezirk Giltig- e e Thätigkeit nicht __ Privatmann dem QkZtoLt lHundefänger" straflos zu. Theil werden ""d w Reichsgericht verwarf jedoch die Revision, da festgestellt sei, daß der Angeklagte nicht als Gehllfe des berechtigten Hundesängers, sondern selbstständig und dolos« Weise aufgetreten sei. Soziales und Arbeiterbewegung. Die Abrechnung vom Ktreik der Schiffdauer auf der Vulkan-Werft bei Stertin liegt uns vor. Wir entnehmen derselben, daß aus Berlin 468,50 M. eingegangen find. Im Ganzen find 3593,90 M. eingelaufen; die Ausgabe beträgt 3443,03 M., mithin verbleiben noch 150,87 M. Das Streikkomitee sagt allen Gebern seinen besten Dank. Kammtlich« Arbeiter der Grnnbergee Konsoli- dirte« KrannKoKlengrnbe« haben am 20. d. M. die Ar- beit eingestellt. Grund hierzu ist eine von der Grubenverwal- tung beschlossene Verminderung des Tagelohnes von um 10 bis 20 Pf., welche durch den„flauen Geschäftsgang" verursacht sein soll. Uereiue und Versammlungen. Große Wählrrversammlung für den sechsten Berliner Reichstagswahlkreis heute, Freitag, Abends 8 Uhr, in d« Ton- halle, Friedrichstraße 112. Tagesordnung: Die bevorstehende Ersatzwahl im sechsten Berliner Reichstagswahlkreis.(Referent: K. Baake.) Die Deutschfteistnnigcn find hierzu eingeladen. Der Derein KerUner Zlagelfchmiede hielt am 19. d. eine Generalversammlung ab. D« Verein besteht seit dem 24. Juli 1887 und harte bisher keine gedruckten Statuten. Es war eine Kommission gewählt worden, um die bis dato giltigen Statuten zu verbessern und zu erweitern. Dieselbe«startete B«icht üb« ihre B«athungen und wurde die von ihr ausge- arbeitete Vorlage angenommen. D« Vorstand wurde ermächtigt, die neuen Statuten baldmöglichst drucken zu lassen. Hinauf wurde üb« einen Antrag dedattirt, betr. die Gewährung von Reiseunterstützung an wandnnde Kollegen. Der Antragstell«, He-r Miehlke, führte aus, daß der Verein, nachdem er einm Arbeitsnachweis gegründet, auch nothwendig« Weise dafür sorgen müßte, daß die wandernden Kollegen den Verein auf- suchen müßten. Dies würde am besten erreicht werden, wenn den Reisenden eine kleine Unterstützung gewährt würde. Gleichzeitig würde dadurch das Umschauen nach Arbeit in Wegfall kommen und dem Verein d« Besuch mancher fragwürdigen Gestalten erspart bleiben. He« Berndt spricht die Befürchtung aus, daß die Meister es dem Verein verübeln würden, wenn er die Fremden abhielte, die Werkstätten zu besuchen. Hinauf erwiderte Herr Gerstenberger, daß die Meister es vollständig in der Hand haben, die Zureisenden nach ihren Werkstätten zu ziehen. Sie dürften nur jedem ein„Geschenk" verabfolgen, dann würden die Frem- den alle Meister besuchen. Bisher war es gerade umgekehrt. Die wenigsten Meist« gaben ein„Geschenk", während verschiedene Gesellen ein solches gaben. Zum Dank dafür arbeiten solche beschenkte Kollegen bei einem Streik weit«, wie der Verein ja zu seinem Schaden erfahren habe. Der Antrag wurde angenommen und der Vorstand beauftragt, die Sache zu regeln. Ein Antrag, die bei den Kollegen übliche„Brüderschaft aufzu- heben, wurde der vorgerückten Zeit wegen vertagt. Hierauf wurden noch einige interne Vereinsangelcgenheiten erledigt und dann die Versammlung geschloffen. Der Lacht>er«in der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampfarmaturen hielt am 18. d. M. bei Heidrich, Beuth- straße 22, eine Mitgliederv«sammlung ab. He« Dr. Wille hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über das Thema:„D« Prüfstein des Guten." Grundlage wahrer Moral sei der richtige Begriff des Guten. Gut sei alles, was zum Glücke beitrage; höchstes Gut also ein Zustand, welcher der größten Anzahl der Menschheit ein möglichst hohes Glück verschaffe Sittlich gut sei, was zum höcbsten Gut beitragen wolle, also Eigenschaften des menschlichen Willens, welche das Wohl der Gesellschaft fördern. Moralisch seien viele Gewissens- gefükfle. Redner erklärte die Entstehung dieser Gefühle und den W«th d«selben, insbesond«e den Werth d« Wahrhaftig- keit, d« Uederzeugungstreue und des Mitgefühls und schildert die schädlichen Wirlungen dn Lüge und der geistigen Unduld- samkeit, besonders der politischen Jntol«anz. Wichtig«, als moralische Predigten und Belehrungen loszulassen, wichtiger, als blos zu sagen:„Du sollst nicht stehlen, Dich nicht prosti- tuiren u. f. w. sei es, dafür zu sorgen, daß niemand zu stehlen und fich zu prostiwiren brauche, also bessere soziale Zustände zu schaffen. Eine Diskusston fand nicht statt. Nach dem Vortrag wurde die Jahresabrechnung v«lesen: dieselbe ergab eine Einnahme von 1177,40 M.; die Ausgabe betrug 1082,60 M. Es bleibt inkl. der Werthpapierc(307,10 M.) ein Bestand von 401,90 M. Die Abrechnung vom Stiftungsfest ergab eine Einnahme von 285 M.; die Ausgabe betrug 242.20 M., der Ueberschuß dem- nach 42,80 M. Nachdem die Revisoren die Richtigkeit be stätigt harten, wurde den beiden Rendanten Dcchargc ertheilt. Hi«auf wurde beschlossen, am 22. November ein Kränzchen zu veranstalten: dasselbe findet im Saale des Vereins jung« Kauf- leute, Beuthstr. 20/21, statt. He« Printz erstattete hierauf Be- richt über die Ausgaben für Reiseunterstützung. Dieselben de- trugen 2 50 M. Hierüber entspann stch eine lebhafte Diskussion. Herr Gottfr. Schul, stellte den Antrag, die Reismnt«stützung von 50 Pf. bis auf 3 M. zu«höhen. Der Antrag wurde ein- Ä Ä«Ä -u der Bücherzahl. Die Bücher können jeden Mittwoch und nächste Versammlung findet am 15. Septemb« in demselben Lokale start«�� Mahrnng d-rIntev-fien der Kchnh- mitckt«« tagte am 20. August tm Königjtadt-Kafino, tzolzmarkl- SÄ."! STÄrS'Äi MÄ «MW sei die Gewerbefreihcit eingeführt worden, welche aller- »Ä!r»r«afÄ ä ZMMM Handwerker geradezu entgegenarbeiten. Redner schließt damit, daß gegenwärtig die Kleinhandwerk«, welche jeden Tag ins Proletariat zurückgedrängt w«den können, mit den Arbeitem gemeinsam vorgehen müßten. Vollständig abgeändert konnten diese Zustände allerdings nur durch Beseitigung der heutigen Produftionsweise und Einführung d« genossenschaftlichen Pro- duttion werden. Uednhaupt müßten Zustande geschaffen wer- deii, wo jeder an der Konsumtion gleich berechtigt und zur' Produktion gleich verpflichtet sei. An der Diskusston betheiligte« fich noch die He«en Baginski, Borchardt, Woyal und Wopschal. — Im Fragekasten waren verschiedene Fragm, eine Landpartie betreffend, welche dabin deantwortet wurden, daß Montag, de« 27. August, die nächste Versammlung stattfinde, in welcher üb« die Partie beschloffen werden soll. Eine öffentliche Uerfammlung de» Zigarren- and Tabakardeiter Kerlins fand am 21. d. M. statt. Nach Konstituirung des Bureaus, aus den Herren Witzle, Renn« und Dresch«, nahm He« Redakteur M. Schippet zu seinem Vor- trage, die Vernichtung der fteien Konkurrenz durch die großen Kapitalsmonopole das Wort. Derselbe schilderte in l�stündig« Rede zunächst die früher bestehende Theorie der freien Kon- lu«enz, wie sie von den düra«lichen Oekonomen als regelndes Prinzip der ganzen Wirthschaft verfochten wird. In dem Ver- hältniß zwischen Kapital und Arbeit bleiben die versprochenen Wirkungen selbstverständlich aus, weil die Konku«enz eine ganz ungleiche ist. Von der Konku«enz der Unternehmer unter sich ließe stch vielleicht Günstigeres aussagen, aber diese Konkunenz höre mehr und mehr auf und werde ersetzt durch V«einbarungen, durch Monopole. Das sei neuerdings um so leichter geworden, als an Stelle viel« Kleinbetriede wenige Großbetriebe getreten seien, deren Einigung nicht so schwer fallen. Auch Schutzzölle, künstliche Steuerprivilegien wie bei der Branntweinsteuer) hätten die Zahl der Konkurrenten eingeschränft und so den Monopolen vorgearbeitet. Redner schildert nun die einzelnen Arten der Monopole von den vorüb«gehenden Verkaufsmono- polen bis zu den dauernden Produktionsmonopolen, die er be- sonders an der Hand amerikanisch« Erfahrungen beleuchtete. Hier schaffe das Kapital eine gewisse„Ordnung", es beseitige in gewissem Sinne die„Anarchie" in der Produktion, aber nur zu Gunsten weniger Einzeln« und zum Schaden des arbeitenden Volkes, dessen Arbeitslofigkeit und Abhängigkeit wachse, und das als Konsument durch künstliche Preis«höhung noch mehr geschröpft werde. Aber andernseits fördere das Monopol die Aufklärung gewaltig. Der einzelne Unternehmer erscheine jetzt als unselbstständig, als Beamter des Kartells, seine riefige Ein- nähme daher als ganz unberechtigt. Warum eine Regelung der Produktion zu Gunsten dieser ganz entbehrlichen Unternehm« und nicht zu Gunsten des gesammtcn Volkes? Diese Frage wird dann mehr und mehr aufgeworfen und zu Gunsten des Sozia» lismr s entschieden w«dcn. Lebhafter Verfall lohnte den Redner. Hierauf wurde folgende, von He«n David eingereichte Reso- lution einstimmig angenommen: Die heutige össentliche V>"» sammlung d« Ziganen- und Tabakarbeiter Berlins, erklärt stch vollständig mit den Ausführungen des He«n M. Schippe! einverstanden und«klärt mit allen ihr zu Gebote stehenden ges tz- lichen Mitteln für die Verwirklichung dieser Ideen eintreten zu wollen. Zum 2. Punkt der Tagesordnung theilte He« Butry die Verordnung des Bundesraths betr. das Ziga«en- und Tabakgewerbe mit und detonte die Nothwendigkeit derselben in hygienischer, wie moralischer Beziehung. Auch die Dresden« und Hamburg-Altona« Ziga«enarbeiter hätten stch in dickem Sinne schon geäußert, sowie mehrere Berichte der Fabrikinspektoren aus Tabakszentren auf die Nothwen- digkeit solcher Verordnung schon längst hingewiesen. Aufgabe d« Zigarrenarbeiter sei es nun. gegen die so schädliche Hausarbeit Front zu machen, welche wahrscheinlich jetzt aufblühen werde. Die Herren Ritter und Witzle erklärten sich ebenfalls mit der Verordnung einverstanden und gegen die Hausarbeit, und letzterer sprach fich hauptsächlich dahin aus, daß wir keine Rücksicht auf die Fabrikanten nehmen dürften, denn diese haben dies uns gegenüber fast ausnahmslos auch bisher nicht gethan, und er spricht die Erwartung aus, daß die Behörden diese Verordnung zur vollen Geltung bringen müssen, wenn fie einen Werth für die Arbeiter haben soll. Herr Males trat in energischer Weise gegen die Handarbeit ein und wies auf die Schäden d«selben in sanitärer und moralisch« Hinsicht hin. He« Benn« konnte fich nur bedingt für die Verordnung erklären, weil nach sein« Meinung die Kleinfabrikanten zu sehr getroffen würden, doch konnte er den Einwurf von Witzle, od ie Kleinfabrikanten uns vielleicht nicht mindestens eben so aus- beuteten, wie die großen, fie, die doch aus unseren Reihen her- vorgegangen und die uns jetzt in unseren Interessen ebenso feindlich gegenüberständen, nicht widerlegen. Herr Dresch««- mahnte die Versammlung, nicht zu zeitig Jubcllied« anzu- stimmen. Zum Schluß wurde der Antrag angenommen, in nächster Zeit noch eine Versammlung über dieselbe Sache, sowie über die Schmutzkonku«enz einzuberufen. Eine öffentliche Kchneiderverfammlnng füllte am 22. d. M- die Räume des„Louisenstädtischen Konzerthauses". Dieselbe fand unter Vorfitz des Herrn Täterow statt und be» schäftigte stch mit d« Gcsetzesvorlage der Alters- und Invaliden» Versorgung der Arbeiter. He« Mar Schipvel beleuchtete in läng«« Rede den Gekebentwurf. An den Vortrag schloß stch eine Pause von zehn Minuten, während welcher folgende Re- solution beim Bureau einlief:„Die heute, am 22. August 1883, im Louisenstädtischen Konz«thause tagende öffentliche V«samm- lung d« Schneider Berlins erklärt: In Erwägung, daß die in Ausficht genommene Alters- und Jnvalidcnverstcherung dn Ar- bester in materieller Hinficht fast gar leine Vorthcilc für die Arbeiter im Schneidngewnbe bietet durch die viel zu niedrig bemessene Alters- und Invalidenrente einerseits und die viel zu hohe Altersgrenze andernseits. die kaum jemals ein Schneider je«reichen, geschweige denn überschreiten wird; in ferner« Erwägung, daß die Einführung von Quittungsbüchern nur als ein Ersatz für die Arbeitsbücher betrachtet werden kann, den ganzen Gesetzentwurf für unannehmbar, und die Vnsammlung erhofft nur durch Einführung der genossenschaftlichen Produktionsweise eine Aufbesserung der sozialen Verhältnisse und beaustragt den Berlin« Abgeordneten der Arbeiterpartei, s. Z. gegen diesen Gesetzentwurf bei Berathung desselben Front zu machen." Diese Resolution brachte.Herr Täterow zur Abstimmung und wurde dieselbe, nachdem Hen Thoma dieselbe energisch besürwortet hatte, einstimmig angenommen. Daraufhin erklärte d« an- wesende He« Polizeivertreter die Versammlung auf Grund des Sozialistengesetzes(§ 9) für aufgelöst. Der Fachverein zur Wahrung der Intereffe»»er Kerliner Knopfarbeiter hielt am 21. August, Abends 8 Ii Uhr, in Breuer's Salon, Große Frankfurterstr. 74/75, eine ziemlich gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand, Vortrag des Herrn vr, med. Straus über „Ernährung des Menschen". Der leh«eiche Vortrag wurde von d« Versammlung beifällig aufgenommen. Zum 2. Punkt, „Gewerkschaftliches", wurde vom Vorsitzenden ein Antrag v«-- lesen, daß der Verein, die vom Fachvcrein sämmtlicher im Drechslergewerk beschäftigten Arbeiter B«lins hinterlaffene Bibliothek käuflich an fich bringt, da dieselbe jetzt für ca. 62 M. zu haben ist, während eine gleiche später 100 M. kostete. D« Dorfitzende meinte zuerst, daß man vorläufig von der An» schaffung der Bibliothek Abstand nehmen solle, erklärte stch aber später für den Antrag. He« Weispfluk unterstützt den Antrag und fuhrt ferner an, daß noch Bücher, sowie ein Hektograph vorhanden sei und wir so billig und schnell zu einer Bibliothek so leicht nicht gelangen würden. Herr Sündermann führte an, daß nach der letzten Generalversammlung des alten Fachvereins die Drechsler nicht im Stande wären, den damaligen Beschlüssen zufolge die Bibliothek»u üd«nebmen, da fie an die Knopfmach« 40 M., an Herrn Babing 41 M., an Rechts» anwaltsgedühren 20,67 M. zu zahlen hätten und die Darlehne von 40,50 M. von den Mitgliedern nicht einzutreiben seien. Redn« aber haftbar für die 20,67 M. Rechtanwaltsgebühren wäre, die bis zum 1. September gezahlt sein müssen. Nur die Buch«, die auf die Drechsl« Bezug haben, sollen vom Verkauf ausgeschlossen sein. D« Vorfitzende erwähnt, daß der Vorstand mit der bestehenden Kommsfion die Regelung der Schulden bei Herrn Bading und beim Rechtsanwalt in die Hand nehmen unb regeln werde. Darauf wurde mit allen gegen eine Stimme der Antrag angenommen, nachdem sich noch mehrere Redner an der Dislusston dethciligt hatten und die Versammlung ge- schloffen.� arbeitslose Posamen- tlerr und Berufsgenofsen, begründet im Mai 1887, hiel! am Montag, den 20. August, im„Königstadt-Kasino, Holzmarlt- straste 72, ihre vierteljährliche Versammlung ab. Nach der vom Kasstrer erstatteten Abrechnung betrugen die Ausgaben im letzten Quartal 31,50 M., während sich die Einnahmen auf 120,25 M. destfferten. Das Gesammtvermögen der Kaffe hat somit die L>öhe von 397,50 M. erreicht. An Unterstützungen wurden von Anfang Januar bis Ende Juli 1888 ausgezahlt 74 Mark und »war an 7 Mitglieder, welche zusammen 74 Tage ohne Arbeit waren. Die Mitgliederzahl betrug am Ende des Quartals 40. Das Resultat ist mithin als ein sehr günstiges zu bezeichnen, und doch könnte es noch günstiger lauten, wenn stch nicht viele Kollegen durch den wöchentlichen Beitrag von 25 Pf. abschrecken liehen, der Kaffe beizutreten. Ist auch die Unterstützung von 1 M. pro Tag, welche die Kaffe bei eintretender Arbeitslofigkert zahlt, nicht als besonders hoch zu bezeichnen, so ist doch nicht ausgeschlossen, daß späterhin bei einer eventuell größeren Zahl von Mitgliedem die Unterstützung erhöht und der Beitrag er- niedrigt werden kann. Ferner mögen auch die Kollegen in's Auge fassen, daß sie durch den Beitritt zur Kaffe stch indirekt die Konkurrenz der Arbeitslosen fern halten, indem solche dann als unterstützte Mitglieder einer Kasse nicht mehr darauf ange- wiesen find, durch sogenanntes„Haufiren" auf den Werkstätten fich Arbeit zu verschaffen und für Hungerlöhne zu arbeiten. Es ist daher Pflicht aller Posamentierer und Berufsgenossen dieser Kaffe beizutreten und für dieselbe zu agitiren." Kon Herrn Iubeil erhalten wir folgende Zuschnst: Von verschiedenen Seiten wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß mein Name als Einberufer der öffentlichen Versammlung vom Dienstag, den 21. August, im Lokal„Königshof", Bülowstraße Nr. 40, auf den Plakaten an den Anschlagssäulen stand. Ich erkläre hiermit, daß ick weder die Versammlung einberufen, noch den Säulenanschlag besorgt, auch niemanden meine Zustimmung dazu ettheilt, persönlich auch den L-äulenanschlag nicht gelesen ��#fff Franz Robacremstri, Langestr. 38 39, sendet uns folgenves Schreiben mit der Bitte, dasselbe zu veröffentlichen: Die Resolution in der Versammlung der Damenmäntel- Schncidergesellcn am Montag, den 20. August, wurde mit allen gegen eine Stimme angenommen entgegen den Ausfüh. rungen des Berichterstatters in seinem Bericht in der Nummer vom 22. August d. I., wo gesagt wird, man habe vergessen über die Resolution abstimmen zu laffen. Bei der Abstimmung war der Berichterstatter im Saale nickt anwesend. Es ist zwar die Aeußerung durch einen dazwischensprechenden gefallen, daß der Unterrichtskursus der Fachschule des Vereins der Damen- niäntel-Schneidergesellen von 35 Mark zu hoch wäre; es wurde jedoch von feiten der Redner dieser Zwischenruf zurückgewiesen mit der Begründung und Erklärung, daß diese Quote in einem halben Jahre in Ratenzahlungen geleistet wird und, obgleich auch bei uns die Löhne nicht besonders hoch sind, so kann jedoch jeder tüchtige Geselle, welcher noch immer 21—25 Mark pro Woche verdient, so viel in einem halben Jahre zurücklegen, daß er das Honorar in Ratenzahlung von 3 Mark in sechs Monaten leisten kann. Er thut es ferner Ausbildung wegen, er verbeffert fich damit seine augenblickliche Lage. Uebrigens kostet die Ausbildung in anderen Instituten Hunderte von Mark, also für die Gesellen eine unerschwingliche Summe.(Berl. Schneider. Akademie.) Es wird ferner in dem Berichte dem Herrn Schmidt, Lehrer der Fachschule, der„Vorwurf" gemacht, er hätte in der Versammlung gemeint, der Geselle verdiene zu viel(!). Das ist eine falsche Auffassung des Berichterstatters. Hier die Worte des Herrn Sckmidt:„Ich sehe zu meinem Bedauern, wie schwach diese Versammlung besucht ist, der Verein bietet allen Gesellen unter schwerm pekuniären Opfern, welche er bei der Begründung der Fachschule gebracht hatte, eine gewerbliche Ausbildung und hiermit eine Verbesserung der materiellen Lage. Er verfolgt die Interessen aller Berufsgenossen und dennoch bringen ihm die Gesellen einen solchen Jndiffcrcntismus entgegen, daß fie nickt einmal in den Versammlungen zahlreich erscheinen. Soll ich hieraus schließen, daß dieselben fich so sehr im Wohlstande befinden, daß es ihnen nicht mehr nöthig erscheint, fich an der Bewegung zu betheiligen? -Es ist jedoch das Gegentheil, die ganze materielle Lage ist nicht so glänzend, daß fie nicht aufgebessert werden könnte, und der Verein hat den richtigen Weg eingeschlagen, auf welchem man auch etwas erzielen kann. Rege Betheiligung an dieser Orga- nisation ist daher am Platze."— Dies die Worte des Herrn Schmidt. Kl» Kurios«« wird uns mitgetheitt, daß in der Diens- tazs-Wählerversammlung bei Dessow, die von etwa 1200 Personen besucht war und bei schrecklicher Temperatur in vollster Ruhe und Aufmerksamkeit tagte, der überwachende Beamte dem Tischler Berndt, Grüner Weg wohnhaft, das Wort nicht ge- stattete, weil es eine Versammlung des 6. Wahlkreises sei, gleich darauf jedoch Kaufmann Guttmann, K a i s e r st r a ß e, das Wort zur Geschäftsordnung erhielt, um das Verfahren des Beamten zu rügen. Fachoerrin der Kuchdinder und verwandten Berufs- genossen. Sonnabend, den 25. d. M., Abends 8i Uhr, außerordentliche Generalversammlung im Louisenstädtischen Klub- Haus, Annenstr. 16. Tagesordnung: 1. Antrag des Vorstandes, Verlegung des Vcreinsadends betreffend. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Qutttunzs- buch legitimitt. Um zahlreichen Besuch ersucht der Vorstand. Uutef stLtzungooeftl« def Maurer Kerlin«. Sonntag, den 26. d. M., Vormittags 10% Uhr, in Scheffcr'S Lokal, Jnselstr. 10, Veisammlung. Tagesordnung: 1. Sottraa des Herrn Dr. M. Baumgart über„Die Ideen des ewigen Völker- ftiedens." 2. Diskussion. 3. Berathung einer Bibliothek- ordnung. 4. Vereinsangelegenheitcn und Fragekasten. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. vefs««Mche N-rsammlnng der Iteindrucker, Litho- araphen und sämmtlichc in der Branche beschäftigten Arbeiter am Sonnabend, den 25. d. M., Abends 8V Uhr, im Schützenhause. Linienstr. 5. Tagesordnung: 1. Die Alters- und Jnva- ltdenverficherung der Arbeiter. Referent: Th. Metzner. 2. Ge- werkschaflliches. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. �.. Der pervand der Möbelpolirer Kerliu» und Umgegend veranstaltet Sonnabend, den 25. August eine Herren- partie nach der märkischen Schweiz. Sammelpunkt Abends 11 Uhr, bei Wirstng, Andreasstr. 44, oder um 11t Uhr am Scklefischen Bahnhof, Eingang Madaistraße. Abfahrt nach Müncheberg um 11 Uhr 42 Min. Abends. Mitglieder erhalten Fahrgeldzuschuß. Auch ist Nichlmitglkdern Theilnahme an der Pari e MMeh freireligiöse« Leben«. Sonntag, den 26. d. M., Vormittags 10% Uhr, Niederwallstraße 20, Vortrag dcs Herrn E. Vogtherr über:„Die Bedingungen geistiger Freiheit." Gäste(Herren und Damen) baden freien Zutritt. Gesang-, Tarn-«nd gesellige Verewr am Freitag. Kaiser scher Männergesangvcr in Abends 9 Uhr rm Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28.- Gesangverein„Pausebeutel" Abends 8UhrimR-stauranttzenseI,Alerandrinenstr.l6.-„Lreder- tafel der Maler Berlins" Abends 8j Uhr im Restaurant Klein, Brandcndurgstr. 60.—■ Gesangverein„Flöter'sches Doppel- Quartett" Abends 9 Uhr im Restaurant Musehold, Lands- bergersttaße 31.— Gesangverein„Fortschritt" Abends 9 Uhr im Restaurant, Blumenstraße 46.- Gesangverem„Nock- deutsche Schleife" Abends 9 Uhr Kopenrckerittaße 127a im Restaurant Goelling.- Gesangverein„Ossian" Abends 9 Uhr Dresdenerstt. 35 bei Gustavus.— Huppert'sche Sänger- Vereinigung„Harmonie" Abends 9 Uhr bei Rieft, Weber, sttaße 17.— Gesangverein„Bouvardia"(Männerchor) Abends 8% Uhr im Restaurant„Teutonia", Belfortersttaße 15.— Berliner Turngenossenschaft(V. Männerabtheilung) Abends 8V- Uhr in der städttschen Turnhalle, Wafferthorstt. 31. — Turnverein„Hasenhaide"(Männerabtheilungl Abends 8 Uhr Dieffenbachstraße 60 61.— Turnverein„Froh und Frei(Männerabtheilung) Abends 8% Uhr Bergstr. 57.— Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie. Abends 8t Uhr im Restaurant Ziethen, Dorotheenstr. 31, Unterricht und Uebungsstunde.—„Allgemeiner Arends'scher Stenographen- vereint Abthellung„Vorwärts", Abends 3j Uhr im Restaurant Koll, Mariannenplatz 11.— Arends'scher Stenographenverein „Äpollobund" Abends 9 Uhr im Restaurant, Seydelstr. 30.— Verein ehemaliger Dr. Doebbelin'scher Schüler" Abends 9 Uhr im Restaurant Krebs, Fricdrichstr. 208.— Voigt'scher Dilettanten-Orchesterverein. Abends 8z Uhr Uebungsstunde im Re- staurant Lehmann, Alerandrinenstr. 32.— Zitherverein„Alpen- veilchen" Abends 8% Uhr im Restaurant„Wahlstatt", Belle- alliancestraße 89.— Rauchklub„Westend" Abends 9 Uhr im Hohenzollemgarten, Steglitzerstt. 27.— Rauchklub„Weichselblatt" Abends 8t Uhr im Restaurant, Skalitzerstr. 147a. Kleine Mittheilunge«. Osnabrück, 22. August. Die Augenkrankheit hat ihren Höhepunkt überschritten und ist fichtlich in der Abnahme de- griffen. Bei den wöchentlichen ärztlichen Untersuchungen der Augen der Volksschüler hat fich herausgestellt, daß die oberen Klassen schon ganz überwiegend wieder hergestellt find. In der Noclle'schcn Handelsschule ist die Krankheit von vornherein so wenig aufgetreten, daß der Schulunterricht nicht unterbrochen wurde, und dasselbe gilt von einer Klasse auf der Eversheide. Es ist wohl mit Sicherhett anzunehmen, daß nach Ablauf der verlängerten Ferien, am 3. September, alle Schulen wieder ihren Anfang nehmen können. Erfreulich ist es namentlich auch, daß die Krankheit ihren harmlosen Charakter einer folli- cularen Augenbindehaut- Entzündung nicht aufgegeben hat. Zu egyptischer Äugenkrankhett(Ophthalmia rnilitaris) oder auch nur Trach m ist fie in keinem Falle ausgeartet. Die folliculare Augenbindehaut-Entzündung aber ist zwar in der ersten Zeit recht ansteckend; von Gefährlichkeit für das Augenlicht kann aber bei ihr so wenig die Rede sein wie bei einem«Schnupfen, dem fie am meisten gleicht, für die Nase. Natibof» 22. August. Das Hochwasser vom 18. und 19. d. Mts. hat, wie der„Oberschl. Anz." schreibt, auch das Dorf Godow, Kreis Rybnik, arg mitgenommen. Zum dritten Male wurde das Dorf durch Hagelschlag und Ueberschwemmung hart heimgesucht. Der wolkenbruckattige Regen am 18. d. M., begleitet von Sturm und Gewitter, war Ursache dessen, daß die sämmtlichen, das Dorf umschließenden vier Gewässer, über die Ufer sich ergießend, die Feldmarken in einen großen See um- wandelnd, geschnittene Gerste, Hafer, Klecheu theils weg- führten— theils verschlämmten. Im Dorfe selbst stieg das Wasser 1 Meter hoch über die Dorfstraße, in die Wohnungen und Ställe eindringend. Unter großer Anstrengung wurde das Vieh aus den Ställen gerettet, das an den Ufern weidende aber vom Waffer erfaßt und vom Strome fortgetrieben. Teiche, mit Fischen gefüllt, wurden durchbrochen, sehr schöne Äckerparzellen zerrissen und fortgeschwemmt.— Das Dorf Syrin ist in Kürze von drei Wolkenbrüchen hintereinander heimgesucht worden, von denen der letzte vom 17. auf den 18. d. M. am schlimmsten gewüihet hatte. Ein Drittel der Kartoffeln find auf den Syriner Sandfeldern von den kolossalen Waffermafien aus- gespült, was die Syriner sehr hart detrifft, da es hierorts sehr viele arme Leute giebt, deren Hauptnahrung Sommer wie Winter nur Kartoffeln find.— An der Adler'schen Papierfabrik in Ostrog stand das Wasser über einen Fuß hoch, ebenso war der Weg hinter der Dom�'schen Schnupftabakfabrik unter Wasser. Vor der sogenannten Walkmühle waren(etwa 100 Quadratmeter Feld unter Wasser gestellt. Hinter dem Birkenwäldchen find die Felder ebenfalls in einen See verwandelt. Auch das Birken- wäldchen ist unter Wasser gesetzt. Getreide und Holztheile find in bedeutender Menge hier aufgefangen worden.— In Dichau hielt der heftige Regen 15 Stunden an, wodurch eine Ueber- schwemmung verursacht wurde, welche furchtbare Verheerungen anrichtete.— Die Klodnitz bei Halcmba war zum zweiten Male ausgetreten und hatte die Fluren in einen See verwandelt. Bretter, Balken, sogar eine starke Eiche hat das Waffer mit fort- geführt. Der Damm an der Halemdaer Schleuse ist zerrissen. — Ebenso haben der Klodnitzfluß und der Jannabach bei Antonienhütte, Gleiwitz, Pancwnik,� Althammcr und Laband durch Ueberschwemmung der Felder Schaden angerichtet. Manofeld, 21. August.(Unglück im Schacht.) Auf den Freistebener Schachte verunglückte der Bergmann Jeffer von hier dadurch, daß er von einer Heradstwzendcn Felswand so gequetscht wurde, daß der Tod sofort eintrat. Ffriberg, 21. August. Der Vorwurf einer abgebüßten Gefängniß strafe ist an und für stch strafbar; es erscheint aber als doppeltes Unrecht, wenn dies jemand gegenüber geschieht, der seitdem viele Jahre hindurch ein vorwurfsfreies Leben ge- führt hat. Ein solcher Fall, der fich hier in den letzten Tagen ereignete, erregt tiefes Ästleid. Ein Handarbeiter M., der seit 1885 bei einem Baumeister ununterbrochen zu dessen vollster Zufriedenheit arbeitete und überhaupt als ein fleißiger und streng rechtlicher Mensch galt, gerieth mit einem Mitarbeiter an dem- selben Bau in_ Wortstreit, wobei ihm eine vor sechszehn Jahren abgebüßte, längst in Vergessenheit gcraldene längere Gefängneßstrafe vorgeworfen wurde. Still ging darauf M. zum Bauschreiber und meldete sich ab, indem er erklärte, daß er allerdings infolge eines im jugendlichen Leicht- finn begangenen schweren Vergehens einst destraft worden sei, es aber nicht ertragen könne, deshalb in Zukunft noch öfter ver- höhnt zu werden. Den Wcchenlobn ließ er ruhig liegen. Am vorigen Sonntag fand man im Gebüsch bei Conravsdorf die Leiche eines Erbängten, in dem die bedauernswetthe Frau dcs Handardeiters M. ihren vermißten Gatten erkannte, der stch 16 Jahre hindurch so brav und ehrlich gefühlt hatte und durch die gewiß schon von dem Arbeitsgenossen bitter bereute unbarmherzige Mahnung an ein längst gesühntes Vergehen in den Tod gertteben worden war. München, 19. August.(Biernöthe) Das Hofbrauhaus am Platzl ist schon seit einigen Tagen gesperrt, angeblich wegen baulicher Veränderungen, in Wahrheit aber weil die Bierquelle versiegt ist; nun wird in den ersten Tagen der nächsten Woche auch der Hof- Brauhauskeller geschlossen, um erst im September, wenn das Winterbier zum Ausschank gelangt, wieder eröffnet zu werden. Welche Quantitäten Bier seit Äai in den beiden königlichen Brauhäusern konsumirt wurden, ist gradezu honend und man kann fich davon annähernd einen Begriss machen, wenn man hött, daß das Hosbrauhaus am Platzl seit zirka drei Monaten jeden Tag 60 Hektoliter, der Hofbrau- hauskeller, in dem nur das Adendgeschäft in die Waagschale fällt, 35 Hektoliter Bier ausgeschenkt haben. Die Stammgäste der beiden Etablissements find voll Wuth und Ingrimm über die Ausstellung und was drum und dran hängt.„Da fchn S'," sagte kürzlich Einer,„wos ma von solckene Ausstellungen hat. Da komm'n die Fremden aus aller Welt nach Müncha, trink'n ci'm's Bier weg und unsereins, den die ganze Komödie nix angeht, kann nachher mitten in Summa's neucke Bier sauf'n! Solchene Ausstellungen führen nie nix zu was Gutem. denn das hat man nachher davon!" und im Hofe der Kaserne anwesenden Soldaten ihre Waaren anzumeten. Dre Soldaten scherzten mtt der Händlerin und der Korporol der 2. Eskadron, Wilhelm Cristen, alte Flinte, zielte scherzend nach der Frau und druckte� Mit einem markerschüttemden Schrei sank die Habetin« Boden; die Flinte war geladen gewesen und die Kug� armen Frau durch das Auge in dm Kopf gedrungen. wenigen Augenblicken gab die Unglückliche den Geist auf. hinterläßt eine zahlreiche unversorgte Familie.* Die Cholefalqmphe entdeckt? Aus Paris trn» richtet: Ein Schüler Pasteurs, der russische Arzt Gamal*' die Choleralywphe entdeckt haben; derselbe behauptet, er» Tauben und Meerschweine, bei denen das Vorhanvenser» Cholerabazillus erwiesen war, durch Einimpfung der cholerasest gemacht.(?) Gamaleia will angeblich an fick r Experimente anstellen. Kelgrad, 20. August.(Uedcrfallene Geldpost.) 3»� Cacak und Kraljewo im alexinatzer Kreise wurde die Gem von Räubern überfallen, welche 12 000 Dinar in kling? Münze raubten; 30 000 Dinar in Banknoten, welche in w Packet lagen, blieben unbemerkt. Die hier eingefaiW Räuber gestanden, daß fie im Begriffe, nach Oesterreich zu« ten, von Gendarmen aufgefangen wurdm, wodurch ihre W verettett wurde... Trieft, 20. August.(Feuerbrunst.) Mehrere italie« Zeitungen melden, daß seit zwölf Tagen im Trentino, M Nähe der italienischen Grenze, die dickten Wälder der» Castelberto, Dosso und Ronchi, unweit Velo Veronese, in tj Flammen stehen. Das Feuer gewinnt immer mehr an- dehnung. Ganze Dörfer und einzelne Höfe fielen berew> Brande zum Opfer. Es ist noch unbekannt, ob auch% an Menschenleben zu dellagen find. Aus Ala brechen zaW Gendarmerieabtheilungen mtt, welche die RettungS- und$ rungsarbeiten leiten. Tie vom Feuer ergriffene Fläche W* 200 Kilometer. London, 21. August. Ueber Untersuchung der Ursachen dcs Ungmua m uti liegt noch kein Bericht vor. Der Sohn des Transoaal� lings Marada und 40 Anhänger desselben befinden fich% lich unter den Getödteten. Es herrscht der Glaube vor die Zahl der getödtetm Eingeborenen viel größer ist, ali' geben wurde. Onedeck, 20 August. Ein heftiges Gewitter su« Donnerstag Abend das östliche Ontano und Qucbcck hei zerstörte eine Menge Häuser und Scheunen, wobei Hundi Pferden und Rindern umkamen. In St. Louis de G war das Unwetter von Veilust an Menschenleben b> Kapitän Louissauvöe, dessen Frau und Sohn, sowie ein arbeiter wurden �tn St. Jgnace getödiet In St. Hy-� wurde George S. Loriller durch einen vom Blitz geWT 19 «farint tä % r das Ergebniß der a«� Unglücks in der Debets Da vei « uns Prononne «fct w d U geradl �hriwesen Mntasirm M«, ohn 4ta- und wurde George s. Lonller durch einen vom Blitz getrm�*,. fallenden Baum gctödtet, während er ein Fenster schloß. I, � 11 zwei Holzfäller fanden ihren Tod. während fie über einen ir kgencs fuhren. In Chandie schlug der Blitz in einen Kahn«fl-j bren tödtete die zwei Insassen desselben. Das Hotel in Smiths Miert gerieth in Brand und die Gattin des Besitzers starb vor i' In Loriginal schlug der Blitz in die Pfarrkirche ein. nst,. dieselbe mit Menschen gefüllt war. Es entstand eine Pan») viele Personen erlitten ernste Verletzungen in dem Gw® Der durch das Gewitter angerichtete Schaden deläuft ftL Quebeck allein auf 1 500 000 Dollar. In Walleyfstld,™ schaft Beaucharnois, wurden fünf Männer vom BW schlagen. Sprech saal. �twort er j,efo immer mo! Uewen u �chkhunder ».r—M � folgen) Dt« Redaktion stellt die Benutzung deS Sprechsaals, soweit Raum dafür ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten ....... allgemeinen zur Verfügung; fie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem desselben identifizirt zu werden. Bezugnehmend auf die Sprechsaal Notiz in Nr. 196 „Bcrl. Solfehl." erlaube ich mir folgendes zu erwidern! ver betreffenden Notiz heißt es:„Es liegt sowohl im Ja des Vereins" u. s. w Dadurch wird mir eine den schädigende Handlung unterschoben. Da ich nun vom V> sowie vom Verein beauftragt bin, die VersammlungSbench� zusenden, so fasse ick dstsen Auftrag so auf/, daß ich d möglich sämmtlrcke Redner im Wortlaut stenographiren sondern nur das Hauptsächlichste. So auch hier; nach bei' Redner gesprochen, einige zweimal, und die Zustände gi Fabrik m sehr scharfer Weise kritifirt hatten, sagte Wenn da Nachts und Sonntags gearbeitet wird; wenn/ Re"l «efäh Sozi- gegen einem Arbeiter, um einen„moralischen Druck" auSzuüdeit� er fich weigerte, so mitzuarbeiten, das Material weggertts/ gp? $ dies wird und von fremden Arbeitern Nachts und Sonn arbeitet wird, so daß der bett ffende Arbeiter zwei Tage muß und schließlich entlassen wird— so ist der Gel der geschilderten Zustände„menschenunwürdig". L—,, brauchte ich dieses Wort in dem Verso.mmluugsbericht op. sammtbcgriff. Wenn nun die Zustände in der betr. Wss. nichi so find, oder wenn es den dort arbeitenden KÄ vielleicht leid thut, daß in der geschilderten Weise die � legenheit im Verein besprochen wurde, so bin ich nickt verantwortlich. Aber alle in der Versammlung anwesen® wcsenen, vielleicht mit Ausnahme des Herrn Schaar, wohl wissen, daß der von mir gewählte Ausdruck nicht z» war hinsichtlich der geradezu drastischen Ausdrück.', die w Versammlung gebraucht wurden. Ernst Sparfeld, straße 27. Telegraphifchr Depeschen. (Wolff'S Tclegraphen-Bureau.) Hamburg, Donncrstgg, 23. August, früh. der HolzbearbeitongSfabrik von F. H. Sckmidt gebrochene Feuer ist noch nicht gelöscht. Da der Brand uk bar an der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn um fi», müssen die Züge zwischen Hamburg und Altona über vre bcrger Strecke fahren. s z,!'!"°nslel 558 Vh «a de "»al.Sc inAlton-L Ab« tl* zurü �ageu "We a ijj«■ttsenn P.ft, Mittwoch. 22. August. Vierzig Bauern d? sM.Wen/ nischen Gemeinde Bombest, welche infolge oer Grenzregustru � mehr üj Ungarn fällt, widersetzten fich der ungarisch-rurnänischeN»Mein« regulirungskommisfion. Der rumänische Delegirte stej�e„-jjjir 9e'mniß\ netes Einschreiten in Ausficht, falls die Bauern ihren rmm, dqß nicht gütlich aufgeben sollten. � Briefkasten der Redaktion- � k Lei ilnsragen bitten wir die Abonnementi-Ouittung beizufilzen. j."(in z.» Antwor« wird nicht erteilt., G. D. 1. Ein gesetzlich bestimmter Minimallohn leider nicht, die Höhe des Lohnsatzes deruht auf„ftc"-» � harung" zwischen Arbeiter und Unternehmer. 2. ""�rfrau plötzlich aus der Arbeit Un er und Unternehmer. 2. entlassen worden find, können »ntcrnchmer auf Jnnchaltung der 14 tägigen Kündig» � res», auf Schadenersatz bei der Gewerde- Deputation oe* strats(im Köllnischen Rathhause, Breitestraße 20a) vcru p. K. Schlosser's Weltgeschichte. K Der Kevollmachtigtc der„Allgemeinen Kran' � Stei befasse der Metallarbeiter(E. H. 29 Hamburg),%, den Osten Berlins wird ersucht, seine Adresse an vre-n einzusenden.' ©. S. Meddingftraft» Ä. Führen Sie Besck� � der Stadtocrordneten-Versammlung. L ,,,,,/ Die Vorstände der Jachvereme der MetallarbcN �- Putzer und der Metallschraubendreher werden\reünvlatff beten, die Adressen ihrer Kasstrer nach der Expedition," straße 44, zu schicken./ y % % SÄ mei Wt Verantwortlicher Redakteur: K. Cf°»h-i« in«erlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin SW, Beuthstraße 2.