perHn. s-eptemba unynstrad m im itrfe. 3. es aus W scheinen» nie k SfeMf Mittwoch, de« IS. September 1888. S. JabrG. rämmtiii nnadcnd,> dhaus". � des Arb«! ines. ite, lahrung Zerufsai iderZi Montag U jeörrnet igenv erb Neue ommen. iämmtlil l. Scpteiis FrankkÄ rf der All ter. 2. ulen belli Vereins and Ben g und» ls Sanss« 55:"., D- >: H. Mi 13:--- Brgan für die Interessen der Arbeiter. Da«.«erli»er «olksblatt« WonnementSvrris Rk Berlin frei tSgkich Morgens außer nach Eoml- und Festtagen.- j* feaus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Man. wöchentlich 85 Pf. Postabonnement «arl. Einzelne Rümmer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem»SonntagS-Blatt* 10 Pf. (Eingetragen in der PofiHeiKmgSpreisliste für 1888 unter Nr. 849.) Jnsertionsaebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzcile oder deren Raum 25 Pf. ArbeitSmarkt 10 Pf. Set größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden biS 4 Uhr Nachmittag» in der Expedition. Berlin LW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommm. KedaKtto«: Keuthstraße S.— Erpebitio«: Zimmerstraße 44. KajnVarisches. icnds 9 'S n Rest. Ibends 9 gefani, lusstr. 7. Restaui "(Mä :. 57. u (Mai 60 61 s. 9 ch-chüler echtSz ein Areud' !um eis. Aren! » 5?ot kurzem ist der Generalbericht über d'ie ,/uit äts v erw a ltu n g im Königreich Bayern �die Zahre 1884 und 1885 erschienen. Wir sind �>r daran gewöhnt, daß die offiziellen und offiziösen Orga- inen mtt einem gewissen Phlegma ihre Arbeiten ver- 'ichen, man denke nur an die erstaunliche Langsamkeit, welcher die amtlichen Mittheilungen auS den Berichten Fabrikinspektoren zu erschemen pflegen; aber die Ruhe, b«r das bayrische Ministerium deS Innern seine wich- Publikationen ans Tageslicht fördert, geht denn doch » � baS Bohnenlied. cm-Ji«x®an denke: über die sanitären Zustände des König« 7 frA Bayern in den Jahren 1884 und 1885 wird daS ?�um informirt im Jahre 1888. Doch trotz alledem rfttlcke SS 5 der neueste Generalbericht ein recht beachtenSwertbeS in llleubs �sterial zur Illustration der Sozialzustände im Lande der -gesangv� �lavaren. Einige interessante Daten über die Volks- ügcl", lssfjpiihrung seien herausgegriffen! AuS Oberbayern wird gemeldet, daß„in jenen linden, in welchen der Boden nicht die nöthigen Lebens- >ukte zu erzeugen mag und außerdem der Verdienst 'ring ist, die Bevölkerung dürftig lebt." Um Traun- .(in z. B. nähren sich die l a n d w irt h s ch a f t l i ch e n � gelöhner„infolge deS Verdien st rückgangeS �ch die Maschinen im Winter mit Mehlbrei, der mit >« Fett bereitet wird". Also weit hinein inS bayrische i rjWbirge dringt siegreich der Kapitalismus, der sich der �wirthschastlichen Produktion ebenso leicht bemächtigt, wie bWllverbe». An Stelle der„Hände" treten in der Agri- die arbettsparenden Maschinen, der Loh» sinkt, die llfo'l k!?utzkonkurrenz unter den Ackerbauproletariern steigt, die ältt> k,, aus dem eben angeführten Grunde„Nachbier und ,., r*". Allgemein wird konstatirt, daß„der S ch napS- h-» �°uch in Zunahme ist". Bedarf e« eines we,- �Beweises dafür, daß in dem Idyll der Alpenherren Wen An- irchtet. ine Feuers« äuserkorres ken befan- i geschätzt Brkfl'.#« uns nicht JeuMeton. Ihre Tochter. «Roma»»ach dem Franzöfische» von K. D e t r i« g war ein Freudentag in der Villa am Boulevard 7% der Tag des Wiedersehens, der über d:e Zukunft (w>s entscheiden sollte._... D. �.te hatte eine traurige Nacht zugebracht, denn sie hatte i die Hoffnung aufgegeben, daß Andreas darauf em- oll«?' Mutter zu dulden, und sie war fest ent- q' stch nicht von ihr zu trennen. >t>»� festgesetzten Stunde fanden sich Andreqs und em und sie empfing sie im Garten. , Z-ndula hatte fi�wUlig in ihr Zimmer verbannt. Wißb n bei einer Zusammenkunft dabei fem, die sächstsche. tiz unserer fo r a08 war sehr bewegt, Guntram sehr lusttg. Und toft Mtigac war er, al» er die Nacht hindurch schreckliche z. us gestanden hatte.... . wasche Verschwinde« Jeanne'S hatte der Tafel- Xn\ Bojaren aufzusuchen..... die soziale Roth als unliebsamer Gast erschienen ist, unvermeidlich, unabweiSlich? N i e d e r b a y e r», mit seinen zahlreichen Glashütten, Porzellanfabriken, PhoSphorzündhölzchenfabriten, Töpfereien, hat Bezirke, wie A b e n S b e r g, wo„von ärmeren Fa- Milien Kaninchen-, Hunde- und besonders Pferdefleisch gegessen wird". Um Bogen und Grafenau ist„die Ernährung größtentheilS vegetabilischer Natur. Im bayerischen Walde, einem der älteren Sitze beut- scher GlaSmacherei, wird Fleisch nur an Sonntagen, unter der Woche dagegen nur an größeren Orten genossen, wozu noch die Mehrung de» Branntweingenusses kommt. Natürlich tritt als Reizmittel der Fusel da auf, wo die kompakte, kräftige Nahrung fehlt. Die Natur quittirt über diesen fortgesetzten Insult zu guter letzt durch Entartung des Volks und durch den Säuferwahnsinn." AuS der schönen Nheinpfalz werden Klagen laut über den Zerfall des Familienlebens der Fabrikarbeiter.„Die Lebensweise der Fabrikarbeiter ist eine ungeregelter� als die der kleinen Bauern. Nament- lich macht sich dieser Mißstand geltend in den größeren Jndustrieorten, wo Mann und Frau in der Fabrik be- schäftigt sind und in der Familie kaum noch regelmäßig gekocht wird. Hier muß die Wurst das Fleisch, Bier oder Kaffee die Suppe ersetzen; im WirthShauS sucht dann der Mann sich schadlos zu halten." Die Oberpfalz ist wohl einer der ärmsten Kreise deS Königreichs. Im Bezirksamt Hohen st rauß„ist die Ernährung ungenügend, namentlich erhalten die Schul- linder Mittags oft nur trockenes Brot". In diesem Distrikt ist eine hochentwickelte Glasindustrie daheim. Die Fabrikanten sind sehr reich, die Arbeiter find durch die Bank Schwindsuchtskandidaten; die Hungerlöhne, die hier gezahlt werden, sind bekannt. Ferner gedeiht hier eine Hausindustrie, die rund 5—600 Arbeiterinnen be- schäftigt, das Handschuhnähen.„Sie arbeiten," sagt der Generalbericht,„von Morgens 5 bis Nacht» 10 Uhr an der tretbaren Nähmaschine und haben bei vierzehn- bis sechzehn st ündiger Arbeitsdauer einen Verdienst von neunzig Pfennig bis 1 Mark. Infolge dieser Lebensweise und der ungenügenden, meist nur in Kaffee bestehenden Nahrung sind Chlorose(Bleichsucht) und Tuberkulose(Schwindsucht) unter ihnen häufig." Be- züglich der Glasarbeiter berichtet der Bezirksarzt Dr. G r Ün d l e r, daß das durchschnittliche Alter der Ge- storbenen 39,9 Jahre beträgt. ES wäre also nichts mit den 33'/, Pf- Altersrente für diese Hohenstraußer GlaS- "�IMerbie Ernährungsweise in Ober franken äußert sich der BezirkSarzt 3k. Sieger in Bayreuth wie folgt: „Die Kartoffeln sind die beinahe ausschließliche Nahrung der armen Bevölkerung im Fichtelgebirge selbst Packet vorfand, daS Celeste gebracht und welches das Testa- ment und den Abschiedsbrief enthielt. Da machte er sich bittere Vorwürfe, daß er aus ihren Worten nicht den Entschluß zu sterben herausgehört habe, um nicht länger ein Hindernitz für das Glück ihrer Tochter äU �Jetzt war c8 zu spät. Jeanne ruhte nun schon auf dem Grunde der Seine und er konnte nur noch ihren letzten Willen vollstrecken...__ i Das Morgengrauen machte der Trauer Guntrams em er iym seine Entschlüsse mit. Der Major ließ sich nicht zweimal bitten, seinen Freund zu begleiten Sein Temperament war wie geschaffen, über heikle Situationen hinwegzuhelfen, und er sorgte dafür daß die Zusammenkunft zwischen Andrea- und Theresen mcht zu Ä«r WS Hand des jungen Mädchens m Andreas' Hand um so kurz alle mißlichen Auseinandersetzungen abzu chnerden und als Jeanne kam, konnte sie ihr Kind in die Arme schließen, oa» glücklich, überglücklich war. Sie gingen über England nach Schweden; ,n London ZDWMN richtet hatte, gab sich redliche Mühe damit. Andreas, Therese und ihre Mutter verlebten den Sommer in Stockholm. Dort wurde ihre Ehe vor dem Konsul abgeschlossen und mt Herbst kehrten alle drei nach k" /Jeanne6 von�LorriS ist verschollen und in Pari» hat man Zhr°Hote?, ihre Pferde, ihre Einrichtung ist verkauft, Celeste hat eine kleine Rente ausgesetzt bekommen, und und dessen Ausläufern, sowie in den zum Juragebirge ge- hörigen Höhen und Thälern... Die Bevölkerung ist iir jenen Gegenden, wo die Kartoffeln nebst Kaffeesurrogaten, Kraut, etwas Kornbrot und SchnapS die einzige Nahrung bildet, schlecht genährt." In der kleinen Weber stadt H e l m b r e ch t S, wo die Lohnweber ein jämmerliches Dasein führen, ist„die Quelle frühzeitigen Kinder- sterbenS in den herabgekommenen, schlecht genährten, nicht selten tuberkulösen Müttern" zu suchen. Bekanntlich hat der berühmte Münchener Physiologe v o n V o i t als daS M i n d e st m a ß der Nährstoffe, das für einen erwachsenen männliche« Arbeiter erforderlich ist, 118 Gramm Eiweiß, 56 Gramm Fette, 500 Gramm Kohlehydrate berechnet. Der königliche Bezirksarzt in Fürth hat die Kost der Fabrik« arbeitet de» Landbezirks auf ihren Nährwerth berechnet und gefunden, daß dieselbe 95,8 Gramm Eiweiß, 43,1 Gr. Fett und 515,9 Gramm Kohlehydrate enthält; dieselbe ist also nicht genügend eiweiß- und fetthaltig. Aehnlich steht eS in anderen Bezirken MittelfrankenS. Die Hungergegenden Unterfrankens sind die Rhön- und Spessart distrikte. Dr. Obmann berechnet den Nährwerth der fast ausschließlich vegetabilischen Kost der Rhönbewohner auf blos 88 Gramm Eiweiß, 15 Gramm Fett und 400 Gramm Kohlehydrate, eine Er-» nährung, die tief unter dem Voit'schen ErnährungS» minimum steht. Dr. Obmann ist der Ansicht, daß dieser Mangel an Fett und animalischen Substanzen„den Körper zu anstrengender Arbeit nicht fähig mache". Bezirksarzt Dr. Braun in Mellrichstadt„berechnet aus der Menge des in feinem Bezirke erzeugten, dann aus- und ein- geführten Schnapses, daß im Jahre 1884 beiläufig 1100 Hektoliter getrunken wurden, was nach Abzug der Kinder unter 10 Jahren auf den Kopf der Bevölkerung 28 Gramm pro Tag, nach Abzug der zu � angenommenen nicht schnapstrinkenden Bevölkerung 56 Gramm ergiebt. „Getrunken wird meist schlechter, Fuselöl enthaltender Kar- t o f f e l schnapS, oder der in seinem Gehalt so sehr schwankende SpritschnapS, ja sogar reiner Sprit, von dem 150 Hektoliter eingeführt wurden." Im Bezirk Brückenau starben im Jahre 1885- 5 Personen, notorische SchnapStrinker, an Magenkrebs. Wie der Suff um sich greift, zeige folgendes!„Auf der Hohen Rhön erglebt sich das weibliche Geschlecht dem SchnapSgenuß fast noch mehr als da» männliche; hier starben 2 Frauen an AlkoholiSmuS." DaS geschieht im Bier land Bayern, im Wein revier Unterfranken. I» Schwaben breitet sich, wie in den anderen Kreisen, immer mehr der Genuß des Pferdefleisches aus, stets ein sicheres Kennzeichen des wirthschaftlichen Ver- falls der großen Maffe, die auf bessere Fleischkost(Rind- wie das Gerücht schon wissen will, hat Jeanne ihren Russen geheirathet. Sie hat ihr Testament bereit» gemacht. Alles, was sie besitzt, soll Gundula erben, die nicht die Bedenken deS BaronS von Elve» hat und im Häuschen am Boulevard d'Jtalie em beschauliches Leben führt. Die Millionen der'Lady Cairneß werden dazu ver- wandt, Land anzukaufen und das Schloß wieder in Stand zu setzen. Jeanne ist glücklich und zuftieden. Wenn sie an ihr früheres Leben denkt, ist es ihr, al» sei eS ei» böser Traum gewesen. Es war ihre eigentliche Bestimmung, nichts als eine liebende Mutter zu fein. Sie wird eine gute Großmutter werden. Viele Wege führen nach Rom. Martine Ferrette, ihr ehemaliger Schützling, ist dazu bestimmt, ihren Platz m den Reihen der galanten Damen- weit einzunehmen. Der dicke Sartilly hat sie vorwärts ge- bracht, und jetzt hat sie ihm schon einen Nachfolger in der Person eine» vornehmen Fremden gegeben, der aber dies- mal em wirklich vornehmer Fremder ist und nichts mit dem schuftigen Kammerdiener gemein hat den sie emmal für einen blaublutigen Edelmann hielt. Herr Immergrün hat sich inzwischen irgendwo aufge- hangen, oder ist aufgehängt worden. Nach dem Tode seine» würdigen Meisters hat man nichts mehr von ihm gehört. Pelikan hat sich gebessert Mit tausend Franks, die --d# «f««»«"»tot„Seblieben. aber das Bett im Style Es wird keinen mehr tödten. fleisch, Kalbfleisch u. s. w.) Verzicht leisten muß. Dr. Schäfer weist nach, daß die Bevölkerung Nordschwabens, so um Donauwörth,„größtentheils von Gebäck, Kraut und Kartoffeln" lebt. Ei« Bewohner von Donauwörth hat nur 98 Gramm Eiweiß, 70 Gramm Fett und 500 Gramm Kohlehydrate m seiner Kost zur Verfügung.„Ueber die Zunahme des SchnapSgenusseS wird aus vielen Bezirken sehr geklagt, so u. a. aus Augs- bürg Land(mit seiner hochentwickelten Textilindustrie), Füffea, Dillingen, Jllertiffen, Lindau, Kaufbeuren" u. s. w. u. s. w. Als Folgen deS Suffs werden Magen-, Leber-, Nieren- und Lungenleiden angeführt.--- Die bürgerliche Produktionsweise ist in Bayern völlig zur Herrschaft gelangt, auf der Sennhütte im Hochgebirge, im niederbayerischen Moos, im bayerischen Wald, im Fichtel- gebirg, in den fränkischen Bezirken, wie bei den Schwaben vnd Rheinpfälzern. Die schlechte Ernährung der arbeitenden Klaffen in Bayern ist eine naturnothw endige Folge der durch den Kapitalismus vollzogenen und sich noch vollziehenden Prole- tarisirung des Volkes. Kartoffeln und Schnaps, Schnaps und Kartoffeln, sie sind die Hauptspeisen des proletarischen Küchenzettels. Die satte Weisheit unserer bürgerlichen Politiker wird allgemach scheitern an unserm Küchenzettel: Kartoffeln und Schnaps, Schnaps und Kartoffeln! VoMische Ueberstcht. Koulanger, der„taplerc General", scheint gegenwärtig zum Schotzkinv unserer Offiüösen gemacht werden zu sollen. Auch die„Post" beschäftigt fich in ihrer neuesten Nummer mit tem früheren General und versucht dabei den Widerspruch zu erklären, welcher in dem Verhalten der Oifiziöscn zum General Boulangcr vor den letzten Reichstagswahlen und gegenwärtig liegt. Die„Post" meint, Boulanger habe als Knegsminister und als Held der Revanche eine ganz andere Rolle gespielt, wie der Ex- General als Exekutor der Republik mit Vermahlung gegen die Revanche. Die„Post" meint, man brauche in Frank- reich eine Ptrsönlichkeit, die trotz aller Anfeindungen mit dem Schein umkleidet worden sei, das allgemein gefühlte Bedürfniß befriedigen zu können. Man könne nicht alle Tage damit an- sangen, eine solche Persönlichkeit zu schmieden, und deshalb lasse ,,man fich diejenige, die einmal mrccbtgeschmiedet worden, durch reinen Fehler und leine Lächerlichkeit in ihrem Auftreten verleiden. Auch Napoleon HL war anfangs ein Geschöpf der Re- Harne, keine Lächerlichkeit, die er beging, konnte die Reklame erschüttern, schließlich wurde er Kaiser und hat Frankreich bei- nahe zwanzig Jahre zeitweise mit großen Erfolgen nach Innen und Außen beherrscht."— Damit will die„Post" in ihrer staatsmännischen Weise zu verstehen geben, daß auch Boulanger Kaiser der Franzosen werden kann, und das wäre ihr, der die französische Republik ein Dorn im Auge ist, sehr angenehm. Zum Glück aber hat es damit gute Wege. Berechnet find übrigens diese offiziösen Schreibereien nur darauf, der jetzigen französischen Regierung ein Bein zu stellen. Zur Auswanderung«ach Amerika wird der„Allg. Ztg." aus Washington geschrieben: Die Einwanderung in vre Vereinigten Staaten von Nordamerika ist zu einem modernen Sklavcnmarkt ausgeartet. Dies deweist die Untersuchung, welche gegenwärtig von einem Kongreßausschuß betreffs der Einwände« rung in den atlantischen Hafenorten geführt wird. Diese Unter- suchung zeigt eine Fülle von Elend, Betrug und allen denkbaren sozialen Uebeln. Diese Enthüllungen sollten in Europa all- gemein veröffentlicht werden, um als Warnung zu dienen; denn durch die Untersuchung sind Thatsachcn ans Tageslicht gefördert worden, welche die allgemeine Aufmerksamkeit nicht nur auf das Einwanderungssystcm, sondern auf alle mit dem- selben im Zusammenhang stehenden sozialen Fragen lenken muffen. Es ist nicht zu leugnen, daß die Massenimportation von europäischen Proletariern nach Amerika zugleich ein soziales Sicherheitsventil für Europa bildet: denn würde dieses Sicher- heitsventil der Auswanderung für Europa geschloffen, so würde dadurch eine soziale Explosion dort wohl unvermeidlich werden. Der Zufluß von Arbeitskräften in den Vereinigten Staaten kann nie zu groß und und muß nur erwünscht sein, da der Reichthum dieses Landes an Naturschätzen und natürlichen Hilfsquellen, die noch lange nicht alle enthüllt rWlden, kolossal ist, und da überdies dieses Land Raum für eine Bevölkerung bietet, welche mehr als zehnmal so groß wie die jetzige sein darf. Allein diese Sorte von Arbeitern, deren Einwanderung nickt auf natürlichem Wege, sondern durch künstliche, ja betrüge- rische Mittel befördert wird, ist ein so großes politisches und soziales Ucbel für die Republik, daß energische Schritte gegen deren fernere Einwanderung geboten find und auch sicherlich vom Kongreß sofort in Angriff genommen werden. Zunächst Aus Kunst nnd Leben. Dir Maser«. Die Masern, auch„rorhe Flecken" genannt, gehören zu den ansteckenden akuten Kinderkrankheiten, von welchen auch solche Erwachsene befallen werden, welche in der Jugend davon verschont blieben. Diese meist epidemisch auftretende Krankheit kommt bei einem Menschen nur einmal vor und hat in der Regel einen gutartigen Verlauf; jedoch dedürfen Mosern- kranke Kinder einer sorgfältigen Pflege, well der Ausschlag leicht zurücktreten und hartnäckige Nachkiankheilen entstehen können. Der Ansteckungsstoff(das Äaserngift) wird durch die Luft und die Menschen, an deren Kleider er hängen bleibt, weiter ver« breitei. Masemepidemien treten nicht nur im Herbst und Winter, sondern auch in feuchten Sommermonaten auf. Volkreiche Städte werden häufiger davon heimgesucht, als die Ortschaften des ��Zwrschen�'der Ansteckung und dem Ausbruche des Aus- schlapcs liegen gewöhnlich 10-14, manchmal auch 21 Tage. Während dieser Zell fühlen fich die infizirten Kinder- das eine mehr, das andere weniger— unwohl und matt. Die Kleinen haben keinen Appetit, klagen über Kopf- und Glieder- schmerzen, frieren leicht, bekommen Schnupfen und Luftröhren- katarrd, fangen an zu fiebern, die Augen werden roch, thlänen viel und find sehr empfindlich gegen das Licht. Zuweilen folgen auf die heftigen Kopfschmerzen Nasenbluten, reiches und wieder- holtes Gallerbrcchen und Durchfall oder ein Husten, der raub und bellend ist. Endlich tritt unter heftigem Fieder der Aus- schlag hervor, und zwar zuerst im Gesichte an den Schlä'en und neben der Nase und dann am Halse, auf der Brust, om Leibe, an den Beinen und zuletzt an den Füßen. Es find linsen- oder bohncngroße. bellrothe Flecken und Pünktchen, welche etwas erhaben sind, was man deut- lich'übst, wenn man mit der Hand darüber hinstteichL Drückt man mit den Fingern auß die rothen Flecke, so werden «e blaß; bört jedoch der Druck auf, so röchen ste fich wieder von der Milte nach dem Rande.(Beim Scharlach ist es gerade umgekehrt.) Die anfänglich vereinzelt oder gruppenweise stehen- dcn Fl cken fließen balv zusammen und verbreiten fich über große Hautpartien. Innerhalb 24-30 Stunden hat fich der Ausschlag über den ganzen Körper verbreitet. In dieser Zeit find die Kleinen sehr angegriffen; fie baden die entzündeten und mit Schleim verklebten Augen fast immer verschloffen, fordern öfters Waffer und verweigern meistens jede Nahrung. Der Puls schlägt sebr schnell, manchmal 120 Mal in der Minute, die Temperatur des Körpers steigt zuwellen auf 39, ja 40 Grad C. ist in der gegenwärtigen Untersuchung festgestellt, daß in den Kohlen« und Eisenminen Pennsylvanicns durch die reichen Minenbefitzer gegen 50000 Slowaken, Polen, Italiener im« portirt worden find, welche bei ihrer thterischen Lebens- weise mit Hungerlöhnen zufrieden find. Zu Gunsten dieser reichen Minenbefitzer und zum Nachtheile der entlassenen amerikanischen und deutschen Arbeiter, welche per Woche 15 bis 30 Dollars verdienten, ist jetzt durch diese impottirten und gänzlich demoralifirten Arbeiter der Lohn auf 50 bis 70 Cents per Tag gesunken. Doch, was das Schlimmste ist, diese Einwanderungsklaffe ist eine moralische Pest für das Land. Ferner find mit Hilfe südischer Vereine wohl 50 000 bis 80000 Juden aus Rußland, Polen und Rumänien nach den Vereinigten Staaten gebracht worden; dieselben stehen auf der tiefsten moralischen Stufe und find auch in physischer und ae- sundbeitlicher Beziehung eine wahre Landplage; fie dienen aber als Mlltel für die reichen Manufakturenbefitzcr, die Löhne auf ein Minimum herabzudrücken; so find in großen Ardeitsbranchen, namentlich in der Kleider- und Zigarrenfabrikation, die Löhne der Arbeiter um 50 pCt. gesunken. Das Kapital oder die reichen Fabrikanten begrüßen und begünstigen die Einführung dieser Arbell von Mittellosen, denn einesthells gewinnen ste durch Herabdrückung der Löhne, anderntheils werden die aus« gedehnten amerikanischen Arbeiter Organisattonen durch diese Paupers geschwächt und ibr Widerstand gegen das ausbeutende Kapital gebrochen. Die Mittel, durch welche diese Arbeit der Paupers imvortirt wird, find sehr verschieden. Vielfach werden Arbeiter in Europa durch Kontrakte, welche von Agenten hicfiger Fabrikanten zubilligen Löhnen abgeschlossen werden, gedungen und von diesen Agenten. nach Amerika befördert. Jnvetz fällt ein großer Theil der Schuld auf die Dampssckiffkompagnien, welche von England, Deutschland, Frankreich, Italien, Skandinavien, Rußland u. s. w., Emigrantm nach Amerika transportiren. Diese Kompagnien haben ihre Agenten, welche in allen Ländern Europas zur Einwanderung verlocken, ohne Rücksicht darauf, zu welcher Klasse die Emigranten gehören; diesen Agenten ist es nur um ihre Kommissionsprozente und den Schiffskompagnien nur um das Paffagegeld zu thun. Ferner bestehen in New- Nork und anderen amerikanischen Hafenstädten italienische Banken und KompagniW, welche in Amerika ihre Arbeitskontraktoren uud in Italien ibre Agenten haben, welche Alles aufbieten, die unwissenden Klassen in Italien unter allen Vorspiegelungen zur Auswanderung zu verleiten. Diejenigen, welche eine kleine Besitzung haben, ver« äußern dieselbe, um das Fahrgeld zu bezahlen; andere wieder, welche ohne alle Mittel find, erhalten freie Fahrt, und bier an« gekommen, fallfti fie in die Hände der italienrschen Arbeits- Unternehmer, welche zur Deckung der Ueberfahrt und ihrer Pro- vifion den Arbeitslohn mit Beschlag belegen, und, nachdem ste diese unglücklichen Paupers ausgebeutet haben, dieselben hilflos der Armenverwaltung überlaffen. An dieser Ausdeutung haben fich sogar italienische Konsuln bctheiligt. Aber auch Verbrecher der schlimmsten Sorte werden aus Europa durch staattiche oder Gcmeindcmittcl nach Amerika imvotirL Unter den Fällen dieser Art muß hier der„Verein zur Fürsorge für entlassene Sträf- linge" in München wegen der Deportirung von Ver« drechern nach Amerika bloßgestellt werden. Der Agent dieses Vereins in Bremen ist ein gewisser Bövecker, welcher diejenigen Sträflinge, bei denen alle Hoffnung auf Besserung ausgeschlossen ist, nach Amerika defördert. Das hiesige Staatsdepartement ist über alle diese Fälle in genaue Kenntniß gesetzt worden, um die nöthigen Schritte dagegen zu thun. Noch kürzlich kamen entlassene Sträflinge aus Bayern unter Hilfe der genannten Ge- sellschaft hier in Castle Garden bei New Jork auf dem Dampfer „Saale" an, fie wurden zurückgeschickt, find aber später unter falschen Namen durch Agenten der genannten Gesellschaft mit einem englischen Dampfer in Amerika gelandet worden. Um diesen Uebelständcn zu begegnen und eine moralisch wie phystsch gesunde, arbeite kräftige Einwanderung zu sichern, wird ver Nationalkongreß unzweifelhaft die strengsten Gesetze erlassen; die Einwanderung wird auf das strengste überwacht werden. Das deutsch-amerikanische Elemmt hat unter dieser Pest der Ein- Wanderung schwer zu leiden; man vermengt hier alles, was ein- wandert, unter dem Namen:„Fremdgeborene" und macht leider keinen Unterschied zwischen den besseren und den schlechteren Klaffen der Einwanderung, so daß sogar Anträge im Kongreß gestellt find, alle Frcmdgeborenen vom Bürgerrecht und stimm- recht auszuschließen. Die Uachrichte« Lver die Umgrstaltuug der oberste» N«ichvämter sind von der„Norvd. Allg. Ztg." wiederholt dementiit worden. Dem gegenüber vermutdct das kartellpartci« liche„Frankfurter Journal", Fürst Bismmck habe bei der Ver« folgung seiner Pläne Widerspruch seitens einiger größerer Bundesstaaten gesunden und deshalb vorläufig den Gedanken einer Reform der Reichsverfassung aufgegeben. Thatsache sei, daß der in die öffentliche Diskuiston geworfene Plan bei einigen verbündeten Regierungen, darunter die bayerische, Bedenken erregt habe. Mit der Alter«»«ud Invalidenverstcheruug be« schäftigte sich die Generalversammlung des Vereins der deutschen Volkepartei, die am Sonntag in Franksurt a. M. unter Vorfitz Nachdem das erkrankte Kind so 3—4 Tage gelegen bat, fängt der Ausschlag an, abzulassen, und zwar in deisclden Reihenfolge, wie er gekommen ist; das Fieber und die sonstigen Beschwerden lassen allmä ig nach und die Haut schilfert fich in kleinen Schüppchen ab. Wenn nun auch die Kinder wieder munter werden und die Genesung gute Fortschritte macht, so dürfen dieselben das Bett noch nickt verlassen. So lange die Adschuppung der Haut dauert(etwa 7—14 Tage) müssen die Kinder noch im Bette verbleiben und vor Erkältung sorgfältig gehütet werden. Die Beendigung der Abschuppung ist daran zu erkennen, daß ein über die Haut gestrichenes schwarzseidenes Tuch keine Ileienför- migen Hautschilfern mehr aufnimmt. Verläuft die Krankheit normal und gutartig, so ist fie im Sommer in etwa zwei bis drei Wochen und im Winter in vier bis fünf Wochen zu Ende. Treten jedoch die Masern bösartig auf, so erreicht das Fieber einen hohen Grad, die Kinder deliriren, athmenschr schnellundbekommen noch Lungenentzündung oder Kroup dazu. Tritt letzterer ein, so wird die Stimme heiser, der Husten bellend und das Athmen beschwerlich. Eine hinzugekommene Lungenentzündung ist daran zu erkennen, daß das Fieber nicht nachläßt, die Kurzatbmigkeit zunimmt und ein quälender Husten dem Kinde keine Ruhe läßt. Bei vernach- läsfiztcn Masern treten leicht, und besonders bei skrophulösen Kindern, hartnäckige Nachkrankheiten ein, z. B. Augenkatarrhe, Drüsenanschwellungen, Ohrenflüffe, Schwerhörigkeit, langwierige Durchsälle, Stickhusten und Lungenlciden. Nachdem ich nun den Verlauf der Masern und die etwa eintretenden Nachkr mkheiten angegeben habe, füge ich noch hinzu, w'e man die Kinder während der Erkrankung und in der Rekonvaleszenz pflegen und behandeln muß. Im Allgemeinen beobachte man folgende Regeln: 1. Das fiebernde Kind lege man ins Bett und hüte es vor Erkältung und übermäßigem Warmhalten. Man gebe dem Krankenzimmer eine gleichmäßige Temperatur von 14—15 Grad R. und verdunkle dasselbe mäßig, weil die Augen das helle Licht nicht vertragen können. Zugluft muß streng vermieden werden, doch sorge man stets für reine Lust, öffne z. B. einen oberen Flügel der verhängten Fenster. Die Leid- und Bett- wüsche kann getrost gewechselt werden, wenn fie vorher gehöria durchwärmt ist.- Von. großem siiutzen find auch während des JiSÄS Ä des Herrn Kröder- München tagte. Es wurde eine Resoluiw» eingebracht, die sich mit dem Grundgedanken des Entwurfes ocl obligatorischen Altersverstcherung einverstanden erklärt, jedoch steden Punkte feststellt, welche den Entwurf unannehmbar deM adänderungsbedürftig machen. Zuerst koll auch die theil- weise Erwerbsunfähigkeit Anspruch auf Vre Ms ficherung gewähren; ferner wird die Zahlung von dm Viertel der RentS in Naturalien für unzulässig erklait, die Berechnung von 47 vollen Beitragswochen a» Beitragkjahr wird für zu hoch gegriffen erklärt und venaim. daß auch im Falle unverschuldeter Ardeitslofigkeit die Rnm weiter laufen soll. Die Minimalrente von 120 M M» als zu niedrig bemessen erachtet. Die Höhe der Rente toll de- messen werden nach der Lohnhöhe und den örtlichen Verhall' niffcn. Die Altersrente soll schon im 60. Jahre ginnen. Die Organisation der VersicherungS' an st alten wird für viel zu komplizirt erklärt. Auch freien Hilfskassen sollen von der Organisation nW ausgeschlossen werden. Die Quittungsbücher und 6« Markenwesen werden für unannehmbar erklärt. Die Resolwt» wurde nach langer und eingebender Diskussion angenom««» und die Versammlung darauf geschloffen. Die„Fürsorge für die Arbeiterbevölkerung" wal bekanntlich d.i Forderung neuer Schutzzölle von den vent» Unternehmern häufig als Hauptgrund angeführt. So. hau? auch rheinische Dachziegel-Fadriianten in«» Eingabe an den Bundesrath, welche einen Eingangezoll 75 Pf. pro 100 Kilo rothe oder gedämpfte Dachzieael und«o» 50 Pf. auf 100 Kilo Thon oder daraus gefertigte Halbfabr>>� behufs Beseitigung der übermächtige« Konkurrenz der doM dischen Dachzicgeleim erbittet, versichert, eine Kräftigung*■ deutschen Dampfziegelcien sei gerade jetzt„sehr erwünscht Tausende von Arbeitern zu beschäftigen, welche durch die% stellung mechanischer Stühle in der Sammetindustrie im#» geworden seien. Die um ihre Meinung befragte Handelskauf zu M.-Gladbach hat in ihrem an die Regierung erstattete»� achten, trotzdem fie theilweise die Vorschläge der ZiegelfabM? billigt, doch Front gegen diese Fruftifizirung des unKf, NotionaWA Dachziegelfabriken Beschäfligung finden könnten, als ganz lich übertrieben unv weist darauf hin, daß die in der Sa»>� und Seidenindustrie beschäftigungslos gewordenen Wedel i' den schweren, größere Körperanstrengung erfordernde« AtW in den Ziegeleien nur wenig geeignet find.% Für dir Erhöhung drr«etrridrzöllr hat sidl Oberhausen der„Barmer Ztg." zukolge die Gener alvclswf lung des konservativen Vereins für Duisburg, Mülheim a-d'j Rubrort und Essen erklärt. Der Beschluß wurde aefaß'? Rückficht auf die Abstimmung des nationalliberalm Reichet� abgeordneten Dr. Hammacher gegen die Erhöhung der% treivezölle. Das wird aber die Kartellfteundschaft wester#w stören.. j Moderner MeuschenhandrU Wie herrlich weit lv» gebracht, zeigt nachstehende Annonze: %00 Mstpreusslschr Knechte 1 Militär, groß und stark, für alle Landarbeit, Lohn 40 Thaier jährlich, find gleich, Ollobcr und Martini zu haben durch Frau Korowski, Rosen- Str. 20, Königsberg in Ostpreußen. Vorstehende Annonze ist einem frommen Blatte, dem kündigei" von Opladen, entnommen. Schade, daß die% Borowsli aus Königsberg uns nickt mitthcilt, was die v Knechte für Zähne haben, und ob fie nicht auch im find, in den Pfcrdckarrcn zu gehen. Einem Krau'junker doch das Herz im Leibe lachen, wenn er liest: Militär, L, und stark für einen Lohn von 40 Thalern. Der Meni� Handel in schönster Form. Al« eine wahr» Wohlthat preist die Korrespondenz" die Verlängerung der Legislat_____ Parteiorgan der Nationalliberalen kommt zu diesem ErgA anläßlich der Landtagswahlen in Weimar, wo, wie wir mitgctheilt haben, an einzelnen Orten die WahlbethHW überaus schwach war. Mit denselben Argumenten lönPA „Nationalliberale Korrespondenz" auch deweisen, daß üdelr nicht mehr gewähtt zu werden braucht.„ � Ml» die Frankfurter Polizei ihr„Wohlwollen� sprach und was ste darunter verstand. Der Buchdrucker-»� senverein in Frankfurt a. M., deren Vorsteher Herr kürzlich sein bOjähriges Buchdruckerjubiläum feierte, seinen Mitgliedern nur hoch-lcyal gesinnte und nie vom � der Ordnung abweichende, nicht einmal davon w_ Mitglieder. Es verstand fich daber von selbst, daß fie zu obenerwähnten bochbedcutsomen Feier die Spitzen der V-fLjN dtt�ern�berbürgernwister�owi�a�önigl�olizeipr� � Auch Prießnitz'scke Umschläge aus Hals und Brust drinzev leichterung und Nachlaß der Beschwerden. 2. Bei autartigem Verlauf der Krankhest beobachte diätetisches Verfahren und unterstütze man die Natur lst u tzeilbestrebung. Während des Fiebers und des Hervor des Ausschlages gebe man den Kindern Fliederthee zu und wer eine Hausapotheke hat. versäume nkkht, Akonu � � Feiram phosph. 6 in öfteren Gaden zu verabreichen. zündeten Augen wasche man oftmals mst erwärmtem waffer, lauwarmer Milch oder Kamillenthee aus. sttimnu> � die Krankheit einen bedenklichen Charatter an, so verjauw.- nicht, den Arzt zu holen und dessen Anordnungen genau«' 8 3. So lange Fiebcr vorbanden ist, dürfen die nur Milch, Gries-, Hafer-, Mehisuppen. weiche Eier, 5> und Semmel genießen. Besteht kein Durchfall, so w" m ihnen auch erweichte Zwetschken und Aepfelschnitzen gcb»�. f weigern die Kinder jegliche Nahrung, so quäle man sie"„V derselben. Als Getränk verabreiche man reines/ Wasser mit etwas Zitronen- oder Fruchtsaft vermischt, süßten Apfelwein.„„niP"« 4. Man lasse die genesenen Krnder nickt zu früh, n° bei kalter Witterung, ausgehen, da die Körperhaut na(J Krankheit sehr empfindlich ist. Bevor die Kinder Mpcr Freie gehen, lasse man ste ein lauwarmes Bad nehmen» fie hernach tüchtig ab.«es� 5. Das Besuchen der erkrankten Kinder und öa?„ der an Masem Gestorbenen durch gesunde Kinder rjl i vermeiden.. Auf dem H»richte de» Venemi» Pichte»®,Ci» S frf Q cm iTnfit&OYt Kofticftf Prrtf t)OC �.n/f% es ungefähr 18 000 Kibrtken. Die Merw-. Sunniten, zum Theil nomadifirend, zum Thet» weniger seßhaft. Die nomadifirenden find rercker. a kriegerisch als die anderen. Ein echter TurkM,. keiner Obrigkeit wissen und betrachtet fich Konz Bevor die Turkmenen noch von den besiegt wurden, lebten fie bekannttich vorn Räuderei und die Bewohner der Grenz« f. ersten, Bocchara und Chiwa hatten brs m � i eit sehr darunter zu leiden. Die Turkmenen n�i aber äußerst grausam, sehr zur Lüge und Heuchelet 0 Der ?ulden. t Mellen Mlmde eri AL «fofühh Werdet Morden, Sa 'ltck Giüri A: sr lesolutioü urf-s l(t t. j-d«d bot beza. »heil' die Ver> von vrn g eiHöd: den als vetlangt. ie Rentt 31. wird :e soll l» Verhält- >iahte* rung»' Auchd« ion NM und da» ltesoluti« zenomnnn °/S fifS «Ä iaurg Kl s «SS % intea r! n in S M at Mj alonff� m 0. f2 .dS5 veit dem»t S hk<. 'im% unker% ionallit� oben, h n ErgiA Äeg lö-> Mste um die Regelung der gewerblichen Verhältnisse der Frank- I�er Buchdrucker und um die Milderung und Versöhnung (V�bendet Interessengegensätze werden am heutigen Tage de Mers Anerkennung finden." Die Zuhörer waren beinahe zu Mnen gerührt ob der Huld des„rolhen" Bürgermeisters und ™ Glück und Freude erfüllten wieder ihre Herzen. & Kommen noch mehrere dran! Die Elberfelder "jk Pr." schreibt:„Unter den Arbeitern der Buchdruckerei Samuel Lucas in Elberfeld befindet stch eine ganze Anzahl, Mi 15 bis 20 und noch mehr Jahre im Geschäfte thätig die also ein halbes Menschenalter und noch mehr stch für 21 Arbeitgeber abgearbeitet haben. Diese älteren und ziemlich utzten Arbeitskräfte scheinen nun der Geschäftsleitung ein ger Dorn im Auge zu sein. Schon vor längerer Zeit gWen wir, daß ein Theil der Lucas'schen Gehilfen mit Mreduktionen beglückt worden sei; andere, deren Leistungs- "Weit man nicht mehr so recht traute, waren ins Berechnen Mut worden; nachdem fie aber wider Erwarten mehr ver- aU hatten, wie vorher, kamen fie schleunigst wieder ins gewisse Da das Hinausmaßregeln auf diese Weile nicht ging, Mnt man stch entschlossen zu haben, ohne Wahrung des Ären Scheins mit den älteren Arbeitern aufzuräumen. Einer Mahl ältesten Gehilfen, darunter Leute, die in kurzem Jubiläum ihrer 2öjährigen Thätigkeit in jenem Geschäft »j'«etl haben würden, ist per 1. Oktober ohne jede äußerliche ZMnlassung gekündigt worden, und auf erhobene Beschwerde ".den Betroffenen von der Geschäftsleitung lediglich die Xwhaft zynische Antwort geworden:„Es kommen noch Niere voran!" Gewiß ein schöner Trost. Und Blatt dieser noblen Herren ist es, welches tag- Milch vom hohen Roß der„satten Tugend und zahlungsfähigen Nral" herunter den„besseren" Klaffen Elberfelds die Geistes- Mrung vorsetzt, den Patriotismus in Erbpacht genommen hat, M Ju den festesten„Stützen der Gesellschaft" zählt und über �.Schnapstrinken der Arbeiter in sittliche Entrüstung aus» Mut. Die auf's Pflaster geworfenen alten Arbeiter der Lucas- Offizin werden allerdings recht bald den„Schnaps" fich �gewöhnen müssen. Mit welchen Gefühlen fie aber die Räume Massen werden, wo man fie ein halbes Menschenalter aus« jjutete. um fie dann kaltblütig in's„alte Eisen" zu werfen, und ?>e sie über die von der„Elberfelderin" tagtäglich verhimmelte Mlichste aller Weltorvnungen denken, das zu schildern Men wir der--„glänzenden Sprache" der„Elberfelder Ortung" überlassen." Zleber ein Uachspirl f« dem letzten Landevver' MtzsproseH berichten die Rlünchener„Neuesten'Nachrichten", einem Oberregierungsrath und einem Betriebsdirektor die Mtarischen Angtlegenheiten der Reichseisenbahnen genommen �die Bearbeitung dieser geheimen Sachen anderen Händm »..&** Halle a. d. K. wird unterm 3. d. dem in Leipzig scheinenden„Wähler" geschrieben:„Eine Woche licot hinter Zl». reich an Ereignissen. Zuerst am Montag und Mittwoch Z'tsammlungen, in denen Keßler referirte, dann am Donnerstag "� verbotene Volksversammlung mit der Tagesordnung: Wie Malten fich die Kleinbürger und Handwerker zu den bevor- senden Landtagswahlen. Referent Keßler. Die Begründung J*ie8 Verbots lautet: Von der durch Sie unter gestrigem iilr« angemeldeten öffentlichen Volksversammlung im„Hof- fowk. muß angenommen werden, daß dieselbe zur Förderung .«al�mokratischer, auf den Umsturz der bestehenden Staats- v ir Gesellschaftsordnung gerichteter Bestrebungen bestimmt ist, K.N'cht nur der Einberufer und auck der Referent rührige ?„?ir der sozialdemokratischen Partei find, s ondern�auch Verhalten der hiesigen Sozialdemokraten e r letzten Zeit erkennen läßt, daß die Besprechungen: verhalrerr fich die Kleinhandwerker und Arbeiter zu den z-�Utehenden preußischen Landtagswahlen?" nur das Aus- �"geschilv ist, hinter welchem Idie oben gekennzeichneten Belle P°N 7, Kg *5"" i'Ä Es giebt sehr wenige Handelsleute unter ihnen. iii>>>???, n'aren ks fast immer Kaufleute aus Perfien, Bocchara � R* mit dem Bedarf, den fie zu kaufen gen öthigt "Jf Zucker. Thee, getrocknete Früchte u. s. w., versehen ZMu. Gegenwärtig haben armenische Kaufleute dies Geschäft SSXttmen. Die meisten ihrer Bedarfsartikel erzeugen die selbst, zumal ganz vorzügliche Waffen, z. B. Nach- Vj- M?" oon Hinterladern(Betbau- System) mit Patronen. fom«; ner arbeiten übrigens sehr wenig und bürden alle kch-n Arbeiten den Schultern der Frauen auf, welche ver- : schöne Teppiche, starkes Tuch und feine veidengewebe »CliCn.* �'*"«— frn/yen fptttß(Scfilcicr# kehren Mttig JiciUffpir,L!lUnea�f,,.p'?e' l'arre»*uu,............. (c terf-i,®le turkmenischen Freuen tragen leine Sch 5assentg� ßo") frei mit den Männern, sind wehrfähig hq'Mchtig wie diese, und haben z. B. an der« Schleier, e-'anpw-a..,»—-■—...——_, ählg und b» zn.achtig wie diese, und haben z. B. an der Seite �er zo"""mit großer Tapferkeit gegen die Russen gekämpft. 'U den a?n, bei den Turkmenen vier Ehefrauen haben und Schge»> sonen derselben so oft, als es ihm beliebt, Aende- Fieu-. �"treten zu lassen. Er braucht nur eine seiner vier TOch?n f®''S0fi" zu erklären und jeden Verkehr mit ihr abzu« % darf l0i 1" rr dann berechtigt, eine neue Frau zu ehelichen. jf'Qu wiederholen, so oft es ihm beliebt. Er kann eine Sicht x,°2 Gutdünken verstoßen, ist aber, wenn die Verstoßung Sitetbnr-[e �cau verschuldet worden ist, verpflichtet, für ihren ' lnQIt"-v x—i—i— ii.„. fcnroe, M K .IllUISfi Ä z ÄÄWISÄSÄ wird �/ Erscheinung, wie dies zumeist ange- �ch X turkmen� a? hauptsächlich daraus zu erklären ist, &(s>�ec betrf* v Mann, der fich um ein Müschen bewirbt, M i&k ö trh*n Sftte dem Vater desselben bedeutende %J"jmer �„�rcht, seine Kinder zu tödten, es ist aber f» e Söhne, Liebe an den Tag. Mitunter kommen strebungen gefördert werden sollen. Es wird daher Hierdurch die Abhaltung der angemeldetm Versammlung am 30. August cr. im„Hofjäger" dahier auf Grund des§ 9 u. s. w. verboten. Die Polizei-Verwaltung. Der Oberbürgermeister: An den Staude. Schneider Herrn Sengpiel, hier. In derselben Nacht, resp. am Morgen des darauf folgenden Tages klebten an verschiedenen Ecken der Stadt große rothe Plakate mit einer„Erinnerung an Ferdinand Lassalle", einer Aufforderung zum weiteren festen und treuen Zusammen- halten des Arbeiterstandes und dem Schluß:„Hoch lebe die Sozialdemokratie!" Fast sah diese Kundgebung wie eine Ant- wart auf das Verbot aus. Wohl ein Dutzend dieser Plakate sah man, weithin leuchtend, am Freitag Vormittag bis 8 und 9 Uhr, ja einige sogar bis Mittag. In dieser schrecklichen Nacht wurden 2 Schneider und 1 Maurer festgenommen und bis Sonnabend Nachmittag 4 Uhr in Haft behalten. Von den- selben erfährt man folgendes: Einer der Verhasteten, ein Schneider, ging mit mehreren Personen Nachts um 12 Uhr durch die steine Ulrichstraße nach Hause; auf der anderen Seite gingen ebenfalls einige Personen. Hier trat ihnen ein junger Mensch entgegen mit den Wösten:„Wollen Sie ankleben? Hier, ich habe Fischleim." Als von den Personen erwidert wurde, fie wüßten nicht, was dieser Mensch wolle, sagte dieser: „Ich weiß ja Mäuse, wir haben schon gestern etwas erwartet' und dergleichen mehr. Die Leute gingen ruhig weiter und ließen diesen sonderbaren Menschen stehen. Es kamen aber noch andere Personen, die den Vorgang be- obachtet hatten, herbst und sagten, daß einige Schritte weiter besagter„junger Mann" mit dem Nachtwächter spreche. Einige Minuten später traf nun obiger Schneider, der stch von den an- deren Personen getrennt hatte, jedenfalls um den sonderbaren Menschen zu beobachten» mtt einem Kollegen zusammen und beide gingen nun wieder dieselbe Straße hinunter. Hier trat ihnen« der„junge Mann" in Begleitung von zwst Polizisten entgegen mit den Wösten:„Hier diese Beiden haben angellebt, ihnen(auf die Zugekommenen deutend) habe ich noch Fischlstm angeboten." Trotz aller Betheuerungen, von nichts zu wissen, wurden beide Schneider verhaftet.— Der Maurer wurde, als er am Markte ein Plakat auf der Erde liegen sah und selbiges aufnahm, verhaftet. Am Frsttag früh um 8 Uhr erschienen im Geschäft des hiefigeu Expedienten des„Wähler" der Kstminalkommiffar Große und zwst Poli- zisten und verlangten die Herausgabe der Plakate, die der Expedient nach Aussage der Beamten verbreitet haben sollte. Als fich derselbe darüber belustigend aussprach, wie ungefähr: „Na, da haben Sie fich einen schönen Bären aufbinden lassen," wurde erst alles durchsucht; Resultat 0. Auf die Wache fistist und eine Viertelstunde in ein Zimmer stngeschloffen, wurde Herr Sanow dann nach der Vernehmung wieder ent- lassen. Kurze Zstt darauf wurden auch die drst Verhafteten in Gegenwart des vorgenannten„Zeugen" vernommen. Derselbe bebauptete auch hier wieder, bestimmt gesehen zu haben(er berief sich auf seine guten Augen, die nie trügen), daß die bstden Schneider ankleben wollten, und er hierzu noch Fischlstm ange- boten habe. Außerdem führte er noch an, wenn der'Nacht- Wächter(er nannte dessen Namen), mit dem er gleich zuerst ge« sprachen, auf dem Posten gewesen wäre,„so hätten wir fit alle gekriegt", worauf Herr Kommissar Große emibeste, daß er stch denselben merken wolle.— Wir haben es hier jedenfalls mit einem Agent provocateur zu thun, er hstßt nach seiner Aussage auf dem Bureau Lerche und will Kaufmann(ein, ist ungefähr 21—23 Jahre alt und trägt anständige Kleidung. Die Ver- hasteten wurden Frsttag Mittag ins UntersuchungSgefängniß übergeführt und dann am Sonnabend, wie schon oben gesagt, ohne weiter vernommen zu werden, entlassen. Als die Frau des Maurers am Freitag sich bei der Polizei nach ihrem Manne erkundigte, wurde derselben von einem Beamten gesagt:„Vor drst Monaten werden Sie denselben wohl nicht wiedersehen." Ein solches Vorgehen ist höchst tavelnswestb einer Frau gegenüber, die gar keine Ahnung hat, was ihr Mann eigentlich begangen haben soll. Von den beiden Schnstdern wird gegen den erwähnten Lerche Anklage erhoben wegen wissentlich falscher Denunziation." Wieder einer! Die sächsischen„Ordnungspaststen" haben, wie die„Chemnitzer Presse" aus Neustadt bei Siegmar zu melden weiß, einen schweren Verlust zu beklagen. Der Vor- fitzende des dortigen Militärverstns, Tischlermeister Kühn, ein stfstger Vorkämpfer der Kartellparteien, auf dessen Veranlassung mehrere Mitglieder des Militärvereins wegen angeblich sozial- demokratischer Gesinnungen aus demselben ausgeschloffen worden find, ist nämlich entflohen. Der eifrige„Vaterlandsfreund", der jetzt seinem Vaterland den Rücken kehst, hinterläßt etwa 30000 Mark Schulden; seine Freunde und Kameraden soll er vor seinem Verschwinden noch tüchtig angepumpt haben. Kein Wunder wäre es demnach, wenn nach dem Zerbersten dieser ordnungkpaststlichen Säule der Wahlkreis Chemnitz wieder der holden Fesseln des Kartells los und ledig werden sollte. sss&ims&s aussttzung ausgehen, daß fie ohne ihre Einwilligung nicht ent- fuhst worden wäre. Dre Ermordung des Entführers zieht kerne Strafe nach sich wenn er während der Flucht eingeholt und getodtet wird. Erfolgt aber die Ermordung erst, nachdem es ihm gelungen ist, seine Aul oder sein Heimaths� botf zu erreichen, so muß vre That durch eine Geldbuße gesühnt werden. Dre turkmenischen Männer find ungemein trage, wenn es. fich nicht um einen Kriegs- oder Raubzug han- delt; sie verbnngen ihre Zeit vor ihren Kibitken(Zeltwagen) oder Lehmhütten fitzend, in lebhaftem Gespräche über alle poli- tischen Ereignisse, von denen sie erfahren, oder Schach spielend, das fie ausgezstchnet verstehen. Ihre Neugierde ist eine außer- ordentliche; etn Turkmene legt gern einen Weg von 40 Kilo- metern und mehr nach der nächsten Aul zurück, um über die dortigen Vorgänge etwas zu erfahren. Neuigkeiten verbreiten Nch daher mit erstaunlicher Schnelligkeit durch die ganze Oase. Fremden gegenüber sind die Turkmenen zwar gastfreundlich, aber äußerst zurückhaltend und wortkarg. � Niktor Hugo. Vittor Hugo halte stne förmliche Leidenschaft, aller Welt etwas Schönes und doch absonderlich Klingendes sagen zu wollen.'Natürlich wurden auch ihm, wie jedem bekannten Dichter, zahllose Gedichte und Dramen zur Be- urthstlung zugeschickt oder ihm selbst gewidmet, auf die er in den gesuchtesten, übertriebensten und zuweilen fast unstnnigen Ausdrücken antwortete. Auf erne Ode erwiderte er z. B.:„Sie gingen vorüber, Meister, und erleuchteten meinen Weg". Ein amerikanischer Dichter widmete ihm eine Romanze, auf die er die denkwürdigen Worte entgegnete:„Sie befitzen eine erhabene Inspiration; die milden Ströme Ihrer harmonischen Rede ver- leihen meinen Gefühlen eine neue Jungfräulichkeit. Ich drücke Ihnen über den Ozean die Hand." In Entgegnung auf eine ihm übersandte Zeichnung schrieb er:„Beim Anblick Ihres Bildes ergriff mich ein Schwindel— Ihre Linien find Verse Sie dürfen Gott Du nennen." In seiner letzten Lebenszeit pasfirte ihm bei einer ähnlichen Gelegenhett jedoch ein kleiner Mißgriff. Ein braver Maurer in Roubaix, der von dem Dämon der Poesie geplagt wurde, richtete ein Schreiben in Versen an dm Dichter, auf welches Viktor Hugo folgende Motte erwiderte- «Ich sehe in Jhrm Versen Ihr Bild- jeder Ihrer Gedanken kam aus einem von blonden Locken umwallten Haupte O mein » ÄS'ÄfeUtÄÄ% Kchweis. Aktionskomitee des schweizerischen Arbeitertag es bat den Entwurf eines Statuts für die „Sozialdemokratische Partei der Schweiz" ausgearbettet und es soll derselbe dem nächstens zusammentretenden Patteitag zm An- nähme vorgelegt werden. Dieser Entwurf steht als Organe der Partei den Parteitag und das Patteikomitee vor. Der Parteitag besteht aus Dclegitten sämmtlicher Ottschaften, welche mindestens 100 Parteigenossen zählen. Ortschaften mit weniger Mitgliedem können fich zur Wahl von Delegitten vereinigen. Der Parteitag tritt jährlich einmal zusammen. Das Partetkomitee besteht aus sieben Mitgliedern. Die„Sozialdemokratische Partei der Schweiz" soll sich nur mit eidgenössischer Politik nach dem Parteiprogramm befassen. Die kantonalen und lokalen Organisationen operiren auf ihren Gebieten selbstständig und können eigene kantonale und lokale Parteiprogramme aufstellen, welche aber dem Partei- komitee vor Vcrönentlichung zur Begutachtung mitzutbellm find. Nach dem Statutenentwurf sollen auch Frauen der Partei bei» treten können. GrogbrUaitttie«. Der Kongreß der englischen Gewerkvereine behandelte das sog.„Sweating"-System, dessen charalleristisches Merkmal in der Vergebung der Arbeit an Unterkontraktorm be» steht. Hunter aus Glasgow theilte mit, daß in Glasgow we- nigstens in der Kleiderbranche das System ziemlich ausgerottet sei. Morrison von London erklärte, daß niemand diese Art Ausbeutung stärker betreibe als die Regierung. Hierauf sprach fich der Kongreß gegen die übermäßig lange Arbeitszeit der Angestellten der Eisenbahnen aus und befür« wortete, daß die Fabrikinspektoren größere Vollmachten erhielten. Der Antrag, daß völlig Mittellosen die Landung in England gesetzlich verboten werden sollte, wenn dieselben nicht beweisen könnten, daß fie ein bestimmtes Hand« werk gelernt hätten oder sonst im Stande wären, durch Hand» arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wurde genehmigt. Von den übrigen gefaßten Beschlüssen verdient hervorgehoben zu werden, daß der Antrag zu Gunsten eines allgemeinen Achtstunden-Gesetzes nicht angenommen wurde. Der nächstjährige Kongreß wird in D u n d e e abgehalten werden. Kelgie«. Auch in Belgien ist General Boulanger zu Ehren gekommen. Bei der letzten Legislativwahl in Nordfrank- reich besuchten die Sendlinge des Generals auch das Städtchen Sivry, bemühten fich auf das Eifrigste, die Stimmen der Be- wohner zu Gunsten des Generals umzustimmen, und Überschwemmten ganz Sivry, sowohl die öffentlichen Lotale als auch die Prioathäuser, mit unzähligen Wahlreklamen. Leider haben — was den Boulangisten entgangen war— die Bewohner von Sivry mit der Wahl nichts zu thun, fie sind Belgier. Dieselben waren daher über die Artigkeit des braven Generals, ihnen so reichlich Papier zuzuwenden, tief gerührt und waren der Anficht» daß dem General Boulanger Dank gebühre. Der Bürgermeister von Sivry berief daher, wie die Zeitungen in Möns berichten» den Gemeinderath zu einer außerordentlichen Sitzung, und die biederen Herren Räche beschlossen nach dreistündiger Debatte mit Einhelligkeit, den General Boulanger zum Ebren-Spritzemnann von Sivry zu ernennen. Das amtliche, die Auszeichnung über- mittelnde Schreiben ist bereits von dem Bürgermeister an den General Boulanger abgesendet worden.— So erzählen die offiziösen Zeitungen, die dabei ganz vergessen, daß ihre Satire auf Boulanger auch für unsere„berühmten" Männer zutrifft» die ja zum mindesten dem Eyrenbürgerbtief von Posemuckel nicht zu entgehen pflegm. Itali»«. In Italien wird das Verlangen nach Wiederanknüpfung der Handelsvertrag§« Verhandlungen mit Frankreich immer allgemeiner und dringlicher. Herr Ceisoi hat es daher für gut gehalten, sich durch seinen Untergebenen, den Generalsekretär Ellena rechtfertigen zitz lassen, und zwar in einer Rede, von deren Inhalt der Telegraph uns Kunde giebt. Das Plaidoyer ist sehr einseitig, und wenn Herr Crtspl nichts Triftigeres vorzubringen hat, als sein Advokat, so ist es nicht gut um ihn bestellt. Wenn Herr Ellena behauptet, Crtspi habe nie die Politik in diese Frage gemengt, so wird jeder, der Herrn Crispi auch nur oberflächlich kennt, über diese ohne Be- weise vorgebrachte Behauptung nur lächeln können, und wenn Herr Ellena sich auf das Verhalten des Fürsten Bismarck gegen» über Rußland beruft, so ist das durchaus kein zwingendes Argument; wenn Fürst Bismarck in einem Falle etwas nicht gcthan hat. so folgt daraus durchaus noch nicht, daß auch Herr Crispi es nicht gethan hat. Herr Ellena irrt ferner sehr, wenn er meint, die Verantwortlichkeit für den Abbruch der Be- rathungen falle allein Frankreich zu; Italien war es, das den Vertrag kündigte, und man kann es den Franzosen nicht ver- denken, daß fie nach dem Aufhören des alten Vertrags keine schlechteren Geschäfte machen wollen, als die Italiener, und im Uebrigen find auch die Franzosen nicht um„Thatsachen" verlegen, welche beweisen sollen, daß Italien allein am Ab- bruch der Berathunaen die Schuld trage. Die Abnahme der Ausfuhr giebt der Generalsekretär des Handelsministeriums zu; tische Maurer, beiläufig bemerkt, ein Mann von fünfundsechzig Jahren, machte beim Durchlesen dieses Briefes ein sehr verdutztes Gesicht. Klatrache in Albanien. Aus Alesfio wird der„N. Fr. Pr." geschrieben: Vor ungefähr zwei Wochen legten fich drei Männer vom Stamme der Skrelll an der Straße nach Scutari in einen Hinterhalt, um drei Minditen, deren Ankunft ibnen von gefälligen Freunden angekündigt war und welche Blutsühne für einen vor Jahren begangenen Mord leisten mußten, aufzu- lauern. Die Erwarteten kamen und wurden erschossen. Die Nachricht von ihrem Tode flog mit Blitzesschnelle in's Äiridtten- land, und in einer großen Volksversammlung daselbst wurde beschloffen, an den Skrellis fürchterliche Rache zu nehmen, eine Rache, von welcher fich noch Kinder und Kindeskinder mit Schrecken würden erzählen müssen. Gesagt, gethan. In der Stacht vom 17. auf den 18. August stiegen ihrer achthundert aus ihren Schluchten herab, sperrten die Straße nach Scutari, damit niemand von der fich vorbereitenden Blutthat den türkischen Behörden Kunde bringe. Als dies geschehen, umzingelten fie die Dörfer der Skrelli, die wie immer zur Sommers- zeit, mit ihren Heerben in die Berge gewandert waren und nur wenige Weiber, Greise und Kinder zurück- pelaffen hatten, und steckten, nachdem fie alles, was fich ihnen darbot, geplündert, zehn gemauerte Häuser, alle Hütten, die Kirche und alle Saaten rmgsum in Brand. Die ganze Ebene, die fich vom rechten Ufer des Drin bis zu den kahlen Bergen hinzieht, bietet ein Bild unsäglicher Traurigkeit dar. Der Mais liegt verbrannt und verdorrt da, über die Weinberge scheinen hungrige Heuschreckenschwärme gezogen zu sein; kern Haus steht, alle Mauern klaffen, kein menschlicher Laut stört den erschütternden Eindmck dieser schauerlichen Wüst-» die noch vor kurzem im schönsten Schmucke der Natur prangte. Als die Bevölkerung von Scutari von der Schauerthat Stach» licht erhielt, erbot fie sich, die Truppen in einem Zuge gegen die Miriditen zu unterstützen, doch Tahir Pascha, dessen Un- thätigkeit alles Unglück zulverdanken. gab keine Antwort. Er- bittert über diese beispiellose Trägheit, erbat man fich von der hohen Pforte unter Hinweis auf das Elend, das Tahir übe: das Land heraufbeschworen, dessen Abberufung. Aber auch die Pforte schweigt, und der Uebermuth der Miriditen wird mtt jedem Tage unerträglicher. eS snen aber„nur" 38 Millionen. Für 5 Monate ist das Bcmta; rechnet man dazu, daft die Emte erst devorsteht, so wird est» sehr bedenkliche Jahresziffer herauskommen. Das Unange» nehmste dabei aber ist, daß der Ausfall, namentlich für den Weinhandcl, ein plötzlicher und außerordentlich drückender ist, weshalb das Hebel auch nicht durch die von Herrn Ellena an« aeaebcnen Mittel zu heilen ist, denn die Eröffnung von neuen Absatzgebieten, die Gründung von Fabriken, die Erhöhung der Seidenausfuhr und die Milderung der Leiden der Weinbauer erfordert eine sehr lange Zeit; inzwischen sind die Weinbauer, denen der gewohnte Absatz nach Frankreich abgeschnitten ist, längst in ihrem eigenen Fette erstickt. Mit diesen wettaussehen« den Versprechungen werden sich denn auch die Leute nicht zu« frieden geben und Herr Crispi wird schon auf andere, wirk« samere und raschere Mittel sinnen müssen, wenn er nicht will, daß die Frage wider seinen Willen in eine hochpolittsche sich verwandelt. Die Franzosen reiben sich natürlich schon schaden« froh die Hände. Der„Radical" rechnet heute heraus, wie theuer Herr Crispi jetzt schon den Italienern jährlich»u stehen kommt: 80 Mill. Verlust an der Ausfuhr, 80 Mill. Mehrausgaden für Heer und Marine, 100 Mill. für Maffaua hinausgeworfen, macht an Zinsen und Amortisation 10 Mill.. also zusammen jährlich 170 Millionen. Gewiß ein theurer Staatsmann! Es fehlt auch nicht viel, so werden die Italiener die nämliche Rech« nung anstellen. Falka« lS«d« Alter von 14—13, de1* Zuzua fern»u halten. 800 Million«» Kilogramm Molle im Werth« w« 2400 Millionen Mark werden nach runder Schätzung in b« ganzen Welt produzirt. Davon liefert Australien 100, das Sbv land 15 Millionen Kilogramm. Ganz Europa liefert ungeiatt 200 Millionen Kilogramm, und zwar liefert am meisten land, dann folgen Großbritannien, Deutschland, 8% reich. Oesterreich, Italien. Die heimische Produftion reim in Deutschland nicht aus, um den Bedarf zu decken. Deiuw schreien unsere profilhungrigen schafzüchtenden Junker"l® einem Wollzoll; ihr Verlangen charakteristrt sich geradezu als em Wollzolltollheit._ Im Distrikt Herzogenaurach(Oderfranken) find � F i l z schuharbeiter- und Arbeiterinnen h a u s in d u st rieli� schäftigt. Nach einer amtlichen Quelle wird„für ein D#% Schuhe 1 Mark Lohn bezahlt, an 2 Dutzend täglich arbnA Mann, Frau und drei bis vierKinder. füllt sich der Ardettsraum mit Staub und Schmutz und wir»® diesem Wohnraum bei Tag gekocht und Nachts darin auÄ 1" schlafen." Segen der Hausindustrie! kruß Klint t Kdenziö I Theater. Graf Waldemar. Theater. Mittwoch, den 12. September. Gperahano t Tristan und Isolde. Achanspielhan»(im M allner- Theater): Die Journalisten. UefKng-Theater: Nathan der Weise. Dentsche» Theater. Graf Wal» • Mithelmstiidtisthe» Pariser Leben. UestÄenz-Theater: Francillon. Ht»«U'» Theater» Der Troubadour. �«Uealliance-Th-ater: Tricoche und Cacolet. Kthtorta-Theater t Die Kinder des Kapttän Srant. Adolph-Trust Theater. Die drei Grazien. '»an«'» Kariatt t Speztalitäten-Vor« Taneordiä- Theater i Spezialitäten« Vorstellung. Theater der Keichohalle»: Spezialttäten« Vorstellung.__ Königstädtisches Theater. Alexanderstr. 40— Kurzestr. 6. Stadt- und Pferdebahnverbindungen nach allen Richtungen der Stadt. Heute, Mittwoch, den 12. September: Zum 150. Male: Der Kettelstudent vo« Kerlm. Große GefongS« Posse in 5 Bildem von Martin Böhm und Hugo Busse. Kasseneröffnung 6* Uhr, Anfang 7t Uhr. BonS und Zeitungs-Ausschnitte haben GUtigkeit. Alles Nähere die Anschlagsäulen. Donnerstaa. d. 13. Septdr.: Dieselbe Vorstellung. Achtung für Töpfer! Zur Nachricht, daß unter heutigem Datum sämmtliche Arbeiter der Firma Hanoleiter». Cisenbei« die Arbeit niedergelegt haben. Zuzug ist deshalb fernzuhalten.[554 Wintergarten. Direction: Dorn und Baron. «astspiel de« Hallet» vo« Chatelet-Theater in Paris, unter Lettung des Balletmeisters Kigr. Achill« Kosst, sowie Auftreten von Mlle.«etizia Mill-u. »Ute. Maria Hnllard. Miß Tora und Tmmy«odefroy. Mr. Zanell und Aurleq. Prof. Leon Drevoft. FrAres Tacchq. Krother« Moro-Lind«. Mar Adolst. Mlle. Alm« u. A. m. Anfang*8 Uhr. Ende Mitternacht. EntrSe 1 Mark. American-Theater. Direktion A. Reiff. 15. Mittwoch, den 12. September: Zum 7. Male: Die Weisheit Salamonsky's. Berliner Lokalpoffen-Pantomime von R. Anger. Musik arrangirt von R. Thiele. 1. Blld: Die Renommirstunde bei Haase. 2. Bild: In der Aeademy of nmsio. 3. Bild: Bei Mutter Pignatelli im Cour- saal. 4. Bild: Berlin um Mitternacht. 5. Bild: Vor'm Schöffengericht. Neu einstudirt: Tausend und eine Nacht. Operette von W. Köhler. Musik von R. Thiele. Austreten der drei Geschwister Delspierre, des Jnstrumentalisten Herrn Krüger, des Mmikers Rivolt und des Herrn Martin Bendix. Anfang? js Uhr. Enttee 50 Pf.. Parterre 1 M.. Balkon 1,25 und 1,50 M., Parquet 1.50 M., Sperrsitz 2 M., Loge 2 M, Balkonloge 3 M. Billet- Vorverkauf Vormittags 11-1 Uhr an der Kasse. 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Sre besteht aus folgenden 7 Bänden: Die Darmin'sche Theorie. Von Z E d w. A v e l r n g. Broschttt Mk. 1,1 Gebunden Mk. 2,—. Karl Mar»' vekonomische Gemeinverständlich dargestellt läutert von Karl Kautsly. Mk. 1,50. Geb. Mk. 2,-. Weltschöpfung und Weltuntergang. Die Entwicklung von Himmel und Erde vom Standpunfte der Naturwissenschaften dargestellt von Oswald Köhler.— Broschirt Mk. 2,-. Geb. Mk. 2,50. Die landliche Arbeiterfrage. Nach dem Russischen des K a b l u k o w. Broschirt Mk. 1,-t. Geb. Mk. 1,50. Thoma» Mar« und seine Utopie. Mit einer historischen Einleitung von Karl Kautsky. Broschirt Mk. 2,—. Geb. Mk. 2,50. arle» Fourier, sein Leben und e Theorien. Von August ebel. Broschirt Ml. 2,-. Geb. Mk. 2,50. Da» moderne Elend n. die moderne Uebervölkernng. Zur Kenntniß unserer sozialen Entwicklung. Von Max S ch i p p e l. Broschirt Mk. 1,50. Geb. Mk. 2,—. Die II. Serie ist mit einem reichillustrirten Werke von W. B l o s, Die französtsche Möbel, Spiegel und Polsterwaape� (eigene Tischlerei) vo« K. Otto«. W. Slotama, SW., Bremerstrasse 67(nahe der Thurm straße)... «MT Urell« Arbeit. Kolide preise. P Soeben erschien: Die�amösilicheRevonltton. Von W. Bios. Heft 4. Preis 20 Pfg. Zu beziehen durch die Gvpeditto» de»„Kerl. Kolksdlatt�» Zimmerstraße 44, Wisderverkäuf srn Rabatt. ei7 % Kleiderstoffen. Schwarze Cachrmires«. Seidenstoffe. —- �.ä*.".-tow« dem Selbstkostenpreise::-MW « f fJPhon8ten Kinder-Kleider , erledigt. Preiset HUDENS % Durch die Erpedition de»..berliner Volksblatt", Kerlin 8W., Zimmerstr. 44, ist ,u beziehen: iiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiii «Harles sein, ybil Die Lieferungshefte(32 Seiten gr. Oktav in Umschlag i> M Pf.) find in der Ex- pedition, Zimmerstraße 44, zu haben Hochachtungsvoll z. W. Metz' linleg 202] i« Stuttgart. """"""""■"Hknm Sozial-politischer Roman von Disraeli. Uebersetzt Natalie Liebknecht. Vret»»leg»,«»r.schk, RL 140. 81 OOOOOOOOOOOOOOOOQ Möbel, Spiegel u Poisterwaaren eigener F von Unfällen betroffenen Arbeiter der Gefahr ausgesetzt, des Betruges zu werden. Schon bei Berathung des lp%esetzes hat man fich nicht verhehlt, daß ehrlose Verficherte °"°erdsunfähigkeit infolge Unfalls erheucheln(stmuliren) könnten, st sich durch Vorspiegelung falscher Thatsachen oder durch Ueber- z�dung der Unglückefolgen eine unrechtmäßige oder übergroße zu sichern..„„ c. v-L:iise Befürchtung ist denn auch im rollen Umfange durch ? Thatsachen gerechtfertigt worden. Daß die mißbräuchliche Mwtung der Verficherungskaffen durch Simulatron seitens st? Arbeiter in einer Besorgniß erregenden Weise stattfindet, M leider auf dem Verbandstage der deutschen Berufsgenossen- Mn, welcher am 7 Mai d. I. zu Köln a. Rh. stattfand, als �Kwifreuliche Thatsache festgestellt werden." Bann werden drei Fälle von Simulatron angeführt. lu.Baß es �ehrlose Verstchctte" giebt, die solchen Betrug begeben. M.fest, aber daß cs ihrer im Verhältniß zu der großen Zahl ............. viel- CTJfV, aber daß es ihrer rm«eryarinrg zu oer grove st.�erftcherten viele giedt. das ist einfach nicht wahr., stst eine jener tendenziösen Uebertreibungen, die den Zweck SS«, die Veru�sgenossenschaften als so sehr„unrechtmäßra de- -stet" und„schwer heimgesucht" erscheinen zu laffen. Diese �«nz hat ja selbst das Reichsverfichcrungsamt nicht verschont � dem skandalösen Vorwmfe: es sei zu„arbeiterfrcundlich", bnneffe die Renten zu doch und bestimme solche in Fällen, stö nicht statthaft sei. Daß die verletzten Arbeiter die Un- Mfolgen„übertreiben", um„übergroße" Rente zu bekommen, fk Beschuldigung ist ja auch nicht neu; fie wird von den ?trufszencssenschasten erhoben fast in jedem Falle, wo die Ver- ..Jttunxspflicht an fie herantritt. Da wird erwiesenermaßen e* aufgewendet, die Rente möglichst niedrig zu bemessen. Hat st nordöstliche Eisen- und Stahlbcrussgenosscnschaft fich doch r*: entblödet, geltend zu machen: wenn der Arbeiter ein Auge rstnre, so sei das keine Verminderung der Erwerbsfähigkeit! '-l vielen Hunderten von Fällen war das Reichsverfichcrungsamt stvchigt, ein Rekurs verfahren derartiger Praktiken der Bemfsge- .fienschasten, die auf die Beschuldigung hinauslaufen, der Arbeiter Aerlreide" die Folgen seines Unfalls, um„übergroße" Rente zu �°mmen, entschieden zurückzuweisen. Dafür wurde cs dann st> den Berufsgenoffenschaften verketzert als„zu arbeiter- w Der deutsche Arbeiterstand ist derechtiat, von denen, die stäupten,„Simulation seitens vieler Arberter" finde in einer 'kjorgnißmegenden Weise' statt, zu verlangen, daß ihm der Menmäßige Nachweis dafür geliefert werde. Was heißt viele jßWitcr? Was find Viele im Verhältniß zu der in Betracht vS«>enden Gesammtzahl? Das soll man uns sagen! Die te der Simulanten soll man uns mitthellen und die Namen eW&cn unter Angabe der näheren Unfallsumständc. So man das nicht thut, werden wir und mit uns die ge- Ist'vte ArbeiHmesse Deutschlands die Behauptung der„Bau- «ttal-ätg." als tendenziöse V.runglimpfung des ganzen Ar- B estandes betrachten und behandeln. � Die Berufsgenoffenschaften haben zur Genüge bewiesen. 5« ihnen sehr häufig um eine Unt-rtteibung der Unfalls- zu thun ist; will der Arbeiter fich dresc Untertreibung 5®* gefallen lassen, besteht derselbe vielmehr auf entsprechender Schädigung im Sinne des Gesetzes, so nennen fie das Ueber- jstung der Unfallsfolgen. Es ist materiell genau dasselbe jst'vltmß, wie es im tiohnkanpfe zwischen Arbeit und Unter- Jim r desteht. Der Arbeiter iagt:„Ich veranschlage den Werth Tst, Arbeitskraft so und so hoch;"- der Unternehmer sagt: Ii?a ich veranschlage fie so und so viel niedriger. Wie ver „ stknehmer am Lohn möglichst sparen will, fo will Vre Unter- �?v>erbcmfsgenossenschaft die Renten hcrabmindcm, zu deren Mvn» fie gesctzlich verpflichtet ist! Wie der Unternehmer von kst'lnen höheren Lohn fordernden Arbeiter sagt, derselbe sei mit seiner Fordnung, diese sei„übertrieben,„un- jjwttndet" oder gar— wie es schon oft geheißen hat— ,.un- _ so behauptet die Unternehmer- Berussgenoffen- wenn der verletzte Arbeiter mehr Rente fordert, als sie T will, er„übertreibe" die Unfallfolacn, er habe es darauf Me Mi» �was verändertem Text, die wir zu hören betom- � sobald die Interessen der Ärbeller gegen die der Unter- betreffend die von letzteren gegen jene zu erfüllenden stMgsleistungen, ins Spiel treten.,,.. iter den Verdacht der Simulation gestellt ohne jeden icn Grund, lediglich in der Abficht, eine Ermäßigung e oder gänzliche Befreiung von dersrlbcn zu crzieün, der oben erwähnten Behörden ausweisen. Tre «ichxi!®erksztg." allerdings glaubt, noch besonders wukiame l�ars- �en die Simulanten empfehlen zu müssen, nämlich. Riz �vntrole, Ueberweisung der Simulanten m ein Kranken tlaÄ strammer Disziplin und energische Verfolgung der ilW boft WpffTTvri inrrn«» fiffa füt OCfuni) Cröu�tCfl WMWWK ....„ i- betreffenden gegen A.... Bemfsgcncffenschaften gesammelten Erfahrungen ergaben aber Nor und deutlich, daß viele Aerzte den An- forderungen, welche die neuen sozialpolitischen Einrichtungen an fie stellen, nicht entsprechen. Diesen Eindruck muß man schon gewinnen, wenn man hört, daß ein Arzt einen Mann für „völlig erwerbsunfähig erNärt," welchem einige Finger der rechten Hand steif geblieben find." Natürlich, Aerzte, welche ihrer ehrlichen Ueberzcugung bei Beurtheilung eines Unfalls und seiner Folgen Rechnung tragen und darüber zu Gunsten des Verletzten enders denken als die Berufsgcnoffenschaft zu dessen Ungunsten, die taugen nichts für diese wohlthätige Anstalt; den Anforderungen dieser„neuen sozialpolitischen Einrichtung" entsprechen nach der„Baugewerk- Zeitung" nur.solche Aerzte, die den derufsgenossenschastlichen Untertreibungs-Prattiken dienen. Nicht einmal„einige steife Finger der rechten Hand" sollen völlige Erwerbsunfähigkeit be« gründen! Dieser Ausfall gegen die Aerzte ist stark, noch stärker aber ist der Appell, mit welchem der Baugewerk-Zcitungs« Artikel schließt,- ein Appell an«alle gut und edel denkenden Menschen, zur Entlarvung der betrüge- rischen Simulanten nach Kräften beizutragen." Nun, wer Simulanten entlarven will, der wird womöglich hinter jedem zu Unfall gekommenen Arbeiter, welcher nicht offenbar ein völliger Krüppel ist, einen Simulanten suchen und ihn mit mißtraut- schem Auge auch finden, d. h. ihn einfach dafür halten, wenn er cs auch thatsächlich durchaus nicht ist. Es hat Einer steife Finger, steifen Arm oder Bein, Verletzung innerer Organe da- vongetragcn, sein Gehör oder sein Augenlicht ist geschwächt, Nervenzerrütlung stellt sich ein,—„sollte dahinter nicht Simu- lation stecken?" fragt das berufsgmossenschaflliche Mißtrauen, gas fich an alle„gut und edel denkende Menschen" um Unter- stützung wendet. Und so mancher zu Unfall gekommene Ar- beiter bat dann Ursache— wie seither schon, zu klagen: „Der Weg zu meinem Rechte von Gesetzes wegen geht durch die Hecheln widerstrebender Interessen und durch des Miß« trauens schlimme Plage!" ßokales. f f Per getvaltige Zuwachs a« Mahlberechtigte«, welchen der Reichstagswahlkreis Berlin Vi innerhalb der kurzen Spanne Zeit seit dem 21. Februar 1887 erhalten hat, erinnert an die Notbwendigkeit, endlich einmal diejenigen Bestimmungen des Wahlgefetzes wahr zu machen, welche eine Vermehrung der Zahl der Abgeordneten rnfolae steigender Bevölkerung in Ausficht nahmen(§ 5) und die Abgrenzung der Wahlkreise einem Bun- desgcsctz übertrugen(§ 6). Die Unterschiede in den Ziffern der Wahlberechtigten in den einzelnen Wahlkreisen find im Laufe der Fahre dermaßen groß geworden, daß für die Wähler nicht nur Berlins, sondern noch einer recht beträchtlichen Anzahl anderer und zwar im Wesentlichen städtischer Wahlkreise von dem „gleichen" Wahlrecht, welches die Verfassung zufichcrt, kaum noch die Rede sein kann. Denn schließlich besteht das gleiche Wahlrecht doch nicht nur darin, daß innerhalb eines und desselben Wahlkreises die Stimme des einen Wählers ohne Rücksicht auf seine gesellschaftliche oder Vermögenslage ebenso viel wiegt wie die jedes Ändern, sondern der Begriff des gleichen Wahlrechts erfordert auck, daß das Recht, je einen Vertreter zu wählen, auf die Gesammtheit der Wäbler im Deut- schen Reiche wenigstens annähernd gleich vertheill ist. Daß diese Auffassung von dem gleichen Wahlrecht eine finngemäße ist, wird ja auch durch die bloße Existenz des oben angeführten § 5 zweifelsfrei festgestellt. Zweck dieses Paragraphen wie des § G konnte und kann doch nur sein, Ungleichheiten in dem Wahlrecht der Bevölkerungen der einzelnen Kreise, wie man fie auf Gl und der voraussichtlichen Bevölkerungszunahme schon damals kommen sah, zu deseiligen. Ein klares Bild von diesen Ungleichheiten. die nicht nur nicht ausgeblieben find, sondern alle in dieser Beziehung gehegten Erwmtungen noch übertroffen baden, erhält man durch nachstehende Gegenüberstellung der Ziffern der Wahlberechtigten in den fünfzehn best- und den fünfzehn schlcchtcstgestellten Wahlkreisen seit 1877: 1877 7181 9 654 11352 10 344 13170 10 401 11768 13 352 12 348 12628 14 196 13 494 15 096 13 650 15 269 1884 1887 7 786 10399 11466 11406 12 040 11350 12 248 12565 12 753 12 756 12572 13 800 14 512 14 223 14 386 Schaumburg-Lippe Waldcck.... Laucnburg..- Eoburg I.... Rappoltsweiler. Reuß ältere Linie Deutsch-Krone. Gebweiler..- Frauftadt.-- Kroto'chin.-- Neustettin.•• Tuchel-Konitz.• Löwenberg..• Nordhauscn•• Sigmaringen.■____ MÄMM- Wahlkreisen: 8128 10854 11587 11923 12422 12 467 12 626 12 638 12889 13 052 13 200 14 338 14 557 14 667 14 676 also 1887 gegen 1877 + 947 + 1200 + 235 + 1579 748 2066 860 714 541 424 996 844 539 + 1017 - 593 + + + Äamdurg 11• Chemnitz.. Hannover.. Duisburg.. Essen...- Elberfeld.. Dortmund.- Leipzig- Land. Hamburg 111. München II• mm» 1887 gegen 1877 1877 1884 1887 34612 36522 39 391+" 3 779 30855 36 620 39 786+ 8 931 32 857 37 066 40 558+ 7 701 34 250 39597 40573+ 6 323 35 946 42 324 42142+ 6196 35 655 39 273 42 396+ 6 741 35356 43 025 44 556+ 9 200 32738 40 710 45 939+ 13 201 29179 40 338 47 800+ 18 621 39 084 55045 52397+ 13 313 40 261 47 662 54107+ 13846 62 352 63 607+ 14 520 56 933 65155+ 34 634 72100 79 222+ 36 515 _ 74898 86 323 4- 45091 ganzen Reich: Reich... te 15 bestgestellten Wahlkreise... die 15 schlechtestge- stellten Wahlkreise. 1877 22527 1884 1887 23 634 24 609 1877 gegen 1877 + 2062 12260 12284 12 668+ 401 36 289 48 298 52263+ 15 974 Schon dies Mißverhältniß, wie es in 1887 bestand, ist kratz genug. Ader die Nothwendigkeit, endlich einmal mit Wahr» machung der angezogenen§§ 5 und 6 des Wahlgesetzes vorzugehen, ist vor allem durch die Gewißheit gegeben, daß die Bevölkerungszunahme und mit ihr die Zunahme der Wahl» berechtigten in den devölkertsten Wahlkreisen noch fortgesetzt. fortdauert und fich in immer größeren Ziffern bewegt. Wenn Berlin VI schon jetzt, im August 1888, also nur anderthalb Fahre nach der letzten allgemeinen Wahl, abermals einen Zu- wachs um 7157 Wahlberechtigte, bis auf 93 480, aufzuweisen bat, so wird jede Zögerung, die durch das Wahlgesetz in Aus- ficht genommene Neuregelung der Wahlkreise vorzunehmen, zu einer offenbaren Ungerechtigkeit gegen den sechsten Berliner, sowie alle in annähernd ähnlicher Lage befindlichen Wahlkreise. Grstev« früh öffnete der Himmel seine Kchlenfe» und holte mit einer Heftigkeit, für die ein crfichtlicher Grund gar nicht vorhanden war, was er uns in diesem Fahre König Siebenschläfers in den langen Wochen geschenkt hatte. Auf den scheußlichen Juli war ein erträglicher August und ein lobcns» werther September gefolgt und man hatte allzuschncll die trüben Erfahrungen von Sommers-Anfang vergessen. Vielleicht sollte uns ein Denkzettel gegeben werden, kurzum stellenweise nahm der unter Getöse anschlagende Regen den Charafter eines Wolkenbruchcs an. Im Nu waren die Straßen überfluthct. Zwar befinden fich seit Einführung der Kanalisation in aus» reichmder Zahl Abflußrohre in den Seitenwegen, aber fie vermögen nur langsam in außergewöhnlichen Fällen die Waffer- Massen aufzunehmen, weil fie durch angeschwemmtes Stroh« durch Papierreste und Abfälle anderer Art stets etwas verstopft find. Einige dieser Abschleusegitter aber find so gründlich ver» stopft, daß daS Wasser gegen fie nichts ausrichten kann und s» war denn an mehr als einer Stelle das Bild der Ueber- schwcmmungen, wie fie die Unglücklichen im Bober- und Zacken- gebiete getroffen haben, wenn auch in sehr bescheidenem Maße zu sehen. Die Erde ist da, wo Asphaltpflaster liegt,«ndurch- lässig, das Wasser blieb also stehen, stieg, überfluthete die Bord« schwellen, bilvete gewaltige Seen und lief dann in die Keller. Vergeblich fragt man fich, warum denn nicht ein Bewohner des Hauses, vor dem das verstopfte Abflußrohr fich befindet, einen Stock nimmt und mit einem einzigen Ruck die ganze Gegend von Mißhelligkeiten befreit. Irgend Fernand, so sollte man meinen, wird doch im.Hause sein, der schon aus Eigennutz ein Interesse daran hat, mit kleiner Arbeit der Gesammtheit großen Dienst zu erweisen. Aber weit g- fehlt. Der Gemein finn hat sich nach dieser Seite hin nur eben sehr schwach entwickelt. Hunderte stürzen in der Obstzeit über Kirschkerne und Pflaumen- steine. Wie vielen fällt es ein, fie von den Seitenwegen mit dem Fuße auf den Straßendamm zu stoßen? Ein glimmender Zigarrenstummel mag die Veranlassung für ein Unglück werden» dem die ahnungslos vorübergehende Dame ausgesetzt ist» wie viele treten ihn aus? Auf dem Wege entfallen einer Dame mehrere Packcte, gehören nicht die Hilfsbereiten, die fich zum Aufheden bücken, zu den Seltenheiten? Aus der Pferde- bahn sollen drei Kinvcr gehoben werden, wie viele find schnell bei der Hand, den kleinen Liebesdienst zu erweisen, dabei zu helfen und damit der mit der Obhut betrauten Person eine schwere Sorge abzunehmen? Allzuwenig noch findet man jene stete Hilfsbereitschaft, die doch schließlich nur jedem selbst zu Gute kommt. Denn wenn Du heute einem Fremden eine Liebenswürdigkeit erweist, wer sagt Dir, daß nicht morgen Deine Frau, Deine Schwester, Deine Mutter rn der Lage ist, fie von einem Dritten mit Dank anzunehmen? In der Groß- stadt ist cs eine ganz ausgezeichnete Kapitalsanlage, wenn fich jeder entschließt, dem Andern nach Kräften freundlich entgegen- zukommen und seine Höflichkeit nicht darauf beschräntt, dem zu- fällig Bekannten gegenüber Erkleckliches in der Abnutzung von Hutkrempen zu leisten. 8rber das augenblicklich größte Ni-dachlofen-Aful lelt, das sogenannte Berliner„Städtische Obdach", ist soeben der Verwaltungsbericht vom 1. Oktober 1887 bis 31. März 1883 erschienen. Die Aufmerksamkeit, die solchen behö.-d» lichcn Veröffentlichungen entgegengebracht wird, ist noch eine viel zu geringe. Und dach ruht in ihnen eine Fülle des Mate- rials, man nimmt Einblicke in das soziale Leben, wie fie leine Sittenschilderung wiedergiebt. Das«Städtische Obdach", das früher in der Friedenstraße ein unwirthlichcs Heim hatte, besteht aus dem Asyl für obdachlose Familien und dem für nächtliche Obdachlose; es wurde am 24. Ottober 1887 seiner Bestimmung übergeben. Vom 1. Oktober 1887 bis 31. März 1888 fanden 608 Familien(2061 P isoncnz Aufnahme, in dem gleichen Zeit- räum wurden beherbergt(5 Nächte) 125 265 Männer, 5075 Frauen, 112 Kinder. Der Verwaitungsbericht äußert über diese letzteren Zahlen:„Die Reinlichkeit und die Ordnung in den Anstaltsräumen, die Gelegenheit unentgeltlicher Reinigung des Körpers und der Kleider, die Abend- und Morgenverpfle- gung jc. konnten naturgemäß nicht ohne Einfluß auf die Frequenz in der neu errichteten Anstalt bleiben. In demselben Maße, wie fich diese Menschen unwürdigen» meist in dunkeln Kellem belegenen, von Schmutz starrenden» alle Krankheitskeime in fich bergenden Pennen entleerten, nahm der Verkehr im städtischen Obdach zu. Es kann wohl behauptet werden, daß das städtische Obdach für nächtlich Obdachlose von ungemein segensreichem Einfluß auf den Gesammt-Gesundhcits- zustand Berlins ist, einerseits durch die Möglichkeit, die der Auftreten einer ansteckenden Krankheit in dcr R gel zuerst damit behafteten obdachlosen Personen sofort in die detreffenden Krankenanstalten zu schaffen, bevor sie den Ansteckungsstoff weiter getragen haben, andererseits aber durch die getroffenen Bade- cinrrchtungen und die D-stnfettion der Kleidungsstücke, wodurch mancher Krankhertsstoff im Keime vernichtet wird." Auch die Anfänge eines Arbeitsnachweises find gemacht worden. Die Verpflegungskosten der„Nächtlichen" betrugen in dem halben Fahre 10 710,10 Mark; cs kamen demnächst auf die Person und dm Tag 0,0821 Mark, gewiß sehr wenig. Hoffentlich gehen spatere Verwaltungsberichtc auf die Ursachen des Her- Unterkommens der Asylisten ein. Bei dem ungeheuren Mrterial» ZZWMMMS N"» Schwalbensonntag sollte man den letzten Sonntag nennen; denn nach der Anschauung des Volkes soll an dem- selben der Fortzug der Schwalben aus unseren Gegenden seinen Wanderfakrt antreten, ebenso bestimmt, wie sie nach einer ähn> licher. Anficht zu„Mariä Verkündigung," ali'o den 25. März, zu uns zurückkehren. Die Phantasie des Volkes hat sich nun schon seit jeher mit der Sage beschäftigt, wohin wohl der dem Menschen so traut gewordene Vogel ziehen mag, und die Sage wurde denn auch nicht müde, allerhand bereitwillige Antworten darauf zu geben. Es hieß soaar, er eile in das Paradies; aber dann dürfte man ihm mit Recht verargen, daß er ein solches Wonneleben wieder mit dem m.hr oder weniger gesabrver- knüpften Dasein oertauscht, wie es sich in der Nachbarschaft des Menschen gestaltet. Eine andere alte Ansicht des Volkes stellte jede Wanderschaft überhaupt in Abrede, indem man behauptete, die Schwalbe überwintere vielmehr dort, wo sie gerade wohne. Gleich vielen Geschöpfen der Erde verkrieche sie sich in unzugängliche Erdlöcher und schlafe dort einen festen, todähnlichen Schlaf, bis die ersten Wärme- strahlen der jungen Lenzessonne sie wieder in das Leben zurückrufen. Man wollte sie auch, wie Frösche und Fleder- niäuse, in tiefer Erstarrung angetroffen haben, und diese sei von ihr gewichen, nachdem sie in der Nähe des Menschen, in den warmen, belebenden Odem unserer Häuslichkeit gebracht worden. Aus dem Munde der Kinder, welche mit neugierigem Auge dem Fluge der Luftdurchseglcr nachschauen, oder in der Gestaltung des Dichters, welchrm der gcheimnißvolle Wandcr« trieb unscrs Vogels wohl die Phantasie erregen darf, klingtsolche Mär liedlich. Alexander von Huw.bolvt erzählt, er habe unsere Schwalben in Südamerika am Orinoko gesehen. Auch anders- woher wissen wir von ihrer Ueberwinterung. Als sich vor einigen Jahren dieselben zur Abreise nach dem Süden rüsteten, de- festigte ein Ardeiter, welcher in Moabit wohnte, am Gefieder eines solchen Vogels, welcher durch den Aufentbalt in seinem Hause sehr zutraulich geworden war, ein mit Oel getränktes Papier, auf dem die Worte standen:„Oh, Schwäldelein, oh Schwälbelein, wo magst du denn im Winter sein?.." Zu Beginn des Frühlings stellte sich das Thicrchen wieder in dem lieb gewordenvn Nest ein. Es trug am Gefieder ein neues, ebenfalls in Oel getauchtes Zcttelchen, worauf als Antwort ge- schrieben stand:„Florenz, Castellari's Haus! Viel Grüße dring' ich mit heraus!"... Wer also eine zahme Schwalbe befitzt, sollte ein Gleiches versuchen. Es ist immerhin möglich, daß ihm das Thierchen selbst Antwort zuträgt über den Aufenthalt, wel> chen es während des Winters nimmt. D»r Geschichte de» Moikenmarktev. Der Molken- markr, wie er sich heute präsentirt, ist manchem Bewohner der Reichshauptstadt keine„re-ra iv-.ognira"— ein Blick in die Zeitungen genügt, um uns erkennen zu lassen, wie häufig Leute "Olli „nach dem Molrenmarkt fistirt" werden, denen der Aufenthalts ort hinter den altersgcschwärzten Mauern gerade nicht zu den angenehmsten Erinnerungen ihres Lebens zählt. Und doch war der Mollenmarkt nicht immer der Ort des Schreckens, der er heute ist, im Gegcnthcil, die grauen, mittelalterlichen Gebäude sahen auf eine glänzende, wcchselvolle Vergangenheit herab, de- vor man sie zu dem machte, was fic heute sind. Die Tage drs alten Gebäudes, in denen sich jetzt die Diensträume des Polizeipräsidiums befinden, sind, wie jedes Kind in Berlin weiß, gezählt. Schon erhebt sich prangend und stolz ein neues Zwing Uli am Alexanderplatz, und was man von dem neuen Bau bisher in der Ocffentlichkeit hörte, klingt ganz danach, als ob es dort gut und angenehm wäre— für die Beamten. Gleichviel— auch das jetzige Polizei- Präsidium am Molkenmarkt hat seine Zeit gehabt, in welcher es als ein Muster-Jnstitut seiner Art galt. Das ist jetzt kaum vierzig Jahre ber und man sieht aus dieser That« fache wohl am besten, welchen riesenhaften Aufschwung die alte Beamten- und Garnisonstadt Berlin in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Die Schilderungen, die sich aus der Zeit der vierziger Jahre bis auf unsere Tage erhalten haben, klingen anders als diejenigen, welche man heute von Leuten hören kann, die eine Nacht auf dem„Molkenmarkt" zugebracht haben. Doch soll uns das nicht hindern, noch einmal einen Blick auf das alte Haus Molkenmailt 1 zu werfen, so wie es vor vierzig Jahren auesah. In einem Blatt aus dem„tollen" Jahre heißt es in einer Schilderung des Molkenmarltes;„Nr. 1, gegenwärtig das Lokal für das königliche Polizeipräsidium, war im 16. Jahrhundert ein kurfürstliches Gebäude; 1572 bewohnte es der lur- fürstliche Kanzler Dlestelmeier, 1645 der Graf von Lg rar. Später kam es an den Oder Marschall v. Grumbkow und nach dessen Tode an den General Feldmarschall v. Barfuß, der viele bau> liehe Veränderungen daran traf und den sich bis zur Spree er- streckenden Garten verschönerte. Nachdem es noch dem General- Lieutenant v. Dönhof, der Frau des General-Licutcnants v. Wieck und drm Bankier Schultz gehört hatte, wurde es 1776 der General Tabaks Administration überlassen. Es befand sich daselbst das General-Magazin, das Hauptvepot, die Generalkasse, die Rauch- und Schnupftabaks- Manufatruren und das Versammlungslokal des Oderregiegerichts. 1791 erhielt es der Magistrat zur Errichtung eines Stadtge- fängnisses und es wurden nunmehr auf dem hinteren Grund- stücke die Gefängnisse der heurigen Stadtvogtei errichtet.— Dieselben bestehen aus drei Häusern und fünf Höfen, welche hinter den Grundstücken Nr. 1, 2 und 3 liegen. Das erste, das alte Haus genannt, liegt hinler Nr. 1; das zweite heißt das neue Haus, liegt hinter Nr. 2 und wurde 1830 zum Schulvgc» fängnisse erbaut, weshalb es auch von weniger fester Bauart ist, als die übrigen Gefängnisse. 1832 wurde es jedoch zu Krimi- nalgefängnissen bestimmt und der Schul varrest nach dem Äbxanveiplatz verlegt.— Das dritte, hinter Nr. 3 gelegen, wird die Nresendurg genannt, und enlhält nur 8 Gefängnisse, welche unter den Verhörszimmern des K'.iminalgerichts liegen.— Im Ganzen enthalten die drei Häuser 96 Kriminal- und 28 Polizei- gefängniffe, welche zusammen über 1000 Personen aufnehmen können. Außerdem enthalten diese Gebäude noch die Geschäfts- und Wohnungslokale des Direktor-, Inspektors, Hausvaters und und anderer Beamten, das Aufnahmcburcau, feiner Lazarcth Bet- und Schulzimmcr, die letzteren für Knaben- und Mädchen, welche noch des Unterrichts bedürfen und ist hierbei die Ein- richtung getroffen, daß auf der Knabenstation zwischen zwei Gefangnißzellcn ein Zimmer für den Lehrer sich befindet, welches mir den Zellen durch innere Thülen in Verbindung steht, und in derselben Weise ist auf der Mädchenstation ein Zimmer für die Lehrerin vorhanden. Außerdem finden sich die erforderlichen Kücken, orsilichen Untersuchungs- und Badezimmer, so daß für jedes Bedürfniß ausreichend gesorgt ist. Die Ge- fängnißzellcn bestehen aus Zimmern von verschiedener Größe mit einem in der Höhe angebrachten vergitterten Fenster; nur einige derselben find ganz finster und dienen zur Bestrafung derer, welche sich während der Haft noch einer besonderen Strafe schuldig machen.— Sowohl auf den Gängen als in den Ge- sängnissen herrscht große Ordnung und Reinlichkeit; bereits ist der Anfang damit gemacht worden, die sämmtlichen Gefängniß- zcllen durch zweckmäßig angebrachte Gasflammen zu erleuchten, wie dies in den Bureaux und auf den Gär gen der Fall ist. Es w rd dies eine wesentliche Erleichterung des Looses der Ge- sangenen an den langen Winterabenden sein, zugleich aber auch mancher Unsiitlickkeit steuern, welche die schreckliche Langeweile fast unausbleiblich mit sich führt, wenn die Gefangenen fich im Winter von des'Nachmittags bis spät am andern Morgen voll- ständig im Finstern befinden..,_ Man steht, daß der Molkenmarkt vor vierzig Jahren noch ein reines Musterinstitut war, heute freilich wird es niemand bedauern, wenn die Spitzbackc des Maurers mit den lieber- bleibieln einer asten, finsteren Zsttperiode aufläumen wird. Nachdem dir Ktraßendclru»t«ne i« Kerti« mit der elektrischen Krtenchtnng der Straße Unter den Lenden in eine neue Phase getreten ist, lohnt es sich wohl, einen kurzen Rückblick auf die Entwickelung der Straßenbeleuchtung zu werfen, wie ihn eine vom„Grundeig." gegebene historische Darstellung gestattet. Von den heutigen Großstädten ging London in der Straßenbeleuchtung voran, welches 1414 anordnete, Laternen zur Beleuchtung der Gaffen an den Häusern auszuhängen und dies 1668 den Hausbewohnern zur Nachachtung in: Erinnerung brachte. Paris erließ dagegen 1524 ein Gebot auf Erleuchten der nach den Straßen zu belegenen Fenster und erneuerte solches 1526 und 1553. Auch im Haag war 1553 die Bürgerschaft angewiesen, Licht an den Fenstern der Straßen anzubringen. Erst im Jahre 1558 wurden in Paris Laternen an den Ecken der Straßen, und wenn letztere zu lang waren, auch innerhalb solcher angeordet. Daß dieselbe eine vollkommene nicht war, geht daraus hervor, daß 1662 einem Abb« eine Konzession ertheill werden konnte, auf öffentlichen Plätzen Fack.liräaer und Miethslatcrncn für die Straßenverkehrenden feil zu halten. Auf Pfählen angebrachte Straßenlaternen battc Amsterdam vor 1669. Auch Hamburg ordnete bereits 1672 das Errichten von Gaffenlcuchten an, wäh- rend im Haag 1678 an den Straßenecken kleine steinerne Häuser erbaut wurden, welche dem Zwecke der Straßenbeleuchtung dienen sollten. In Berlin wurde erst 1769 der Anfang der Beleuch- tung damit gemacht, daß an jedem dritten Hause eine Laterne ausgehängt wurde, deren Unterhalt dem tzauseigner zufiel. Die damit verbundenen Unzuträglichkeiten be- stimmten den Kurfürsten Friedrich Wilhelm 1682 dazu, Straßenlaternen auf Pfählen anzuordnen und zwar trotz des Protestes der Bürgerschaft, welche dahin vorstellig wurde, daß die Anschaffung der Laternen 5000 Thaler und deren Erleuchtung 3000 Thaler jährlich erfordern werde. Solcher Laternen besaß Berlin im Jahre 1786 bereits 2354, welche aber nur von September bis Mai brannten, auch während des Voll- mondes nicht angezündet wurden. Hundert Jabre nach dieser bescheidenen Gasbeleuchtung erstrahlen zwei große Straßenzüge Berlins in elektrischem Lickt. Zum Kapitel der Lehrlingsausbildung erhalten wir folgenden Beitrag: Ich bin in der Metalldrückerei von Rinow und Kaps, Wilhelmsir. 124, als Ziseleur beschäftigt. Am Sonn- abend vor 3 Wochen war ich mit dem Meister Herrn Rmow im Kcniptoir, um zu rccknen, als der jüngste Lehrling eintrat und fragte, ob er eine Stunde früher gehen könne. Ich hatte nun erwartet, der Herr Rinow würde entweder ja oder nein sagen. Statt dessen erhielt der Lehrling von Herrn Rinow eine kräftige Ohrfeige mit der Bemerkung, er könne gehen. Am Freitag, den 7. d. M.. Abends nach Feierbabend soll der- selbe Lehrling nach der Möckernstraße geben.(Der Lehrling wohnt in der Boyenstraße und ist noch nickt 15 Jahre alt, hat also nicht nöthig, noch nach Feierabend Gänge zu besorgen.) Auf Anrathen der Gesellen ging der Lehrling nun am Sonn- abend früh nach der Möckernstraße. Als derselbe nun gegen 7; Uhr kam, rief ihn der Meister in das Komtoir hinein. Die Thürcn machte er hinter fich zu, und das erste war, daß der Lehrling gleich einen Faustschiag in das Gesicht erhielt. Es dauerte auch gar nicht lange, so hörten wir Hilferuse. Ich ging nun näher heran und sah durch eine Spalte, wie Herr Rinow in Hcnrdsärmeln den Lehrling am Kragen hatte und nun den Jungen mit einem fingerdicken Rohrstock be- arbeitete, wobei er ihn hin und her stieß. Ich ging nun in das Kowptoir hinein und sah, daß der Junge aus Mund und Nase blutete. Ich stellte darauf den Herrn Rinow darüber zur Rede, wie er sich an einem schwachen Jungen mit solcher Robheit ver- greifen könne. Er wies mich nun nach meinem Piatz. Es dauerte auch nicht lange, so kam er und sagte, ich solle sofort aufhören. Bemerken will ich noch, daß derselbe Herr Rinow im vorigen Jahre einen andern Lehrling gegen den Kopf geschlagen hatte, daß derselbe auf einem Ohre nicht hören konnte und auch Ohrenlaufen hatte. Urber de« Eindruck der Klumen und pflanzen ans da» Grmüth der Menschen hielt Dr. Waegener in Köln auf Veranlassung des Vereins für Gartenbau und Botanik jüngst einen Vortrag und untersuchte eingehend die Frage: lieben Blumen und Pflanzen auf uns nur äußerlichen Eindruck aus, d. h. erfreuen fich nur unsere Augen, oder giebt es neben der Augenweide noch eine Herzensfreude bezw. eine Herzens- wehmutb, kurz, empfindet unser Gcmülh nach seinen rerschie- denen Saite», die in ihm anklingen, einen gewissen Eindruck beim Anblick dieser stummen und doch so beredten Schöpfungen der Gottcswelt? Wenngleich diese Frage mit Rücksicht auf die individuelle Veranlagung der Menschen einer gewissen Ein- schränkung bedarf, so wird dieselbe doch im Allgemeinen bejaht werden müssen. Der Grund dieser Gcmüthsbewegung liegt schon in der Natur des Menschen, indem ein angenehmer äußerer Eindruck allmälig auch im Innern desselben Wiederhall findet. Der Dichter läßt die Blumen athmen, kichern, lachen, flüstern, hoffen, fich fürchten und endlich sterben und in dieser Auffassung treten sie dem Menschen näher, gewissermaßen als lebendige Gefühls- und Verstandcewescn. In Ergänzung des Sprichworts:„Böse Menschen haben keine Lieder", darf man auch wohl behaupten, daß böfe Menschen nicht die Blumen lieben, dagegen als einen Beweis von zarter Innigkeit, idealem Streben ansehen, wenn Jemand ein Pflanzen und Blumenfreund ist, und ihrem Eindruck sick hingiedt. Redner zitirte mehrere Dichter- stellen, welche diesen Gedanken poetisch ausführen. Die Blumen gelten auch als die Symbole der schönsten Tugenden: Glaube, Hoffnung. Liebe und Treue. Die Blumensprache ist daher eine beredte Sprache ohne Worte. Zinn schilverte der Vortragende in derselben anmuthigen Weise den Eindruck der Pflanzen im Einzelnen wie in ih:er Gcsammthett im Walde. Zum Schluß warnte er trotz seiner großen Liebe zu Blumen und Pflanzen vor jener rühr seligen Sentimentalität, die gerade in der heutigen Zeit uns so häufig entgegentritt und so unangenehm berührt!" Der heftige Reg«» am gestrigen Morgen hat an mehre- ren Stellen der Stadt Waffersnoth hervorgerufen, zu deren Be- seitigung die Feuerwehr herbeigerufen werden mußte. In der Kommandantenstraße 40 hatte das Regenwasscr fich Zugang zum Keller verschafft und diesen überschivemmt. In der Stallschreiber- straße 29 Halle man vergessen, die Hausschleuse zu schließen, so daß das in der Kanalisation angesammelte Wasser sich durch die Oeffnung einen Ausweg gesucht und Keller und Hof vollständig überfluthet hatte. Der Ilmstand, daß ein Schlächter versucht hatte, in den Keller einzudringen, um dort hängendes Fleisch zu retten und dabei bis an die Brust in das Waffer gerathen war, hatte zu dein falschen Gerücht Veranlassung gegeben, daß Menschenleben in Gefahr schwebten. Die Feuerwehr mußte hier die Pumpvorrichiung der Gas- und Dampfspriye in Thätigkeit setzen, um das Wasser zu beseitigen. Endlieh wurde ein Zug der Feuerwehr nach rufen, um hier gleichfalls gegen bringen. Der auf den städtifchen Rlefelgiilern gewonnene Schlick, d. h. die in den Zuführungsgräben und in besonderen Vorbasstns fich absetzenden festen Bestandtheile der Spüljauche, wurde bisher auf den Außenländereien der Rieselgüter mit großem Eefolge als Dünger verwendet und fand auch bei den benachbarten Landwirthen Abnehmer. Je mehr Außenländereien allmälig in die Berieselung- systeme aufgenommen werden, so daß eine besondere Düngung derselben entbehrlich wird, um so mehr Schlick bleibt für die umwohnenden Landwirthe zur Ver- fügung. Wie großen Werth diese Masse für die Landwrrthschast bat, geht aus nachstehendem Zcugniß des Laboratoriums des Vereins für Rübenzuckerindustrie hervor. Dasselbe lautet:„Die Untersuchung des am 14. Juli er. aus Malchow zugegangenen Schlickmustcrs, bezeichnet„Schlick aus Malchow", bat ergeben, daß dasselbe 0,50 pCt. Phosphevsäure und 1,23 pCt. Stickstoff enthält, welche, da die Masse der Fermentation fähig, ebenso wie im Knockenmcbl, bei Verwendung auf Sandboden, vorzüglich zur Wirkung kommen werden. Der Preis eines Kilogramm Stickstoffes zu 1,20 M. angenommen, und der eines Kilogramm Phosphorsäure zu 0,40 M., derechnet sich der Marktweith des Doppelzentners Schlick zu 1,68 M. der Wörtherstraße 7 Wassersgefahr Hilfe ge- zu In dieser Woche flndet ein« Stadtverordnete»- Versammlung nicht statt. Sistirung. Am Montag ging der in der Steglitzeifiraße wohnhafte Herr W. die Lützowitraße entlang. Er kam von einer ihm bekannten Frau, welcher er eine Bettstelle aufgestelu hatte. Herr W. hatte fich zu diesem Behufe Hammer und Zange mitgenommen; diese Gegenstände hatte Herr W. in ee« Papier gewickelt, also war es ein Packet, welches Herr W. um« dem Arm trug. Dieses sah ein Kriminalbeamter, denn be>W oingen an einander vorüber und deive sahen fick an. Als Herr W. nun an die Potsdamer- und Steglitzersttaßenecke kam, stand der betreffende Beamte wiedersvor Herrn W., sprach ihn an und fragte, ob er etwas Verbotenes bei fich habe. Als dies» verneint wurde, stutzte der Beamte, nach einer kurzen Heb«" legung aber meinte er:„Na, in die Zeitung kommt es doch, nun kommen Sie mal mit zur Wache." Dort angelangt, wurde Herr W. einer gründlichen Leibesvisitation unterworfen, seldn an der Taschenuhr wurde der hintere Deckel aufgemacht, od nicht ein geheimes Schriftenlager darin stecke. Ebenso sollte der Hut her halten. Zum Unglück war dos Schweißleder ringsum m' genäht; dieses erregte ebenfalls Verdacht. Da aber Herr W- versicherte, auch hier nichts verborgen zu haben, wurde das Los» trennen unterlassen. I» einer- höchst fatalen Lag« befindet sich ein in d« Solmsstraße wohnenden Mechaniker, welcher dort ein Dreirad' Verleihinstitut eingerichtet hat- Er kaufte voriges Jahr m einer hiesigen Dreirad Fabrik ein gebrauchtes Dreirad zu» Prerse von 140 Mark, das er demnaehst umarbeitete, st daß es ihn jetzt etwa 250 Mark kostet. Eines Abend» fuhr er selbst damit spazieren, als er plötzlich von elm» Schutzmann auf Intervention eines Herrn angehoWj wurde, der in dein Vehikel sein Eigenthum, wwm» ihm vor zwei Jahren gestohlen worden war, und dm er an der von ihm selbst als Fachmann ausgeführten stärkung der Speichen durch kleme Hülsen wieder eikan# Das Instrument wurde mit Bcschlag belegt nnd wand«« erst nach dem Molkenmarkt auf das Polizei-Prändium von da nach Moabit in den Verwahr ver StaatsanwaltfiWt Es stellte sich nun heraus, daß die oben genannte Drei»- Fabrik das Vehikel vor zwei Jakren für sechszig Marl von Unbekannten, vermuthlich dem Diebe, gekauft hatte, es dann» Jahr lang zum Verleihen benutzte und vor einem Jahre,% angegeben, an den Mechaniker verkaufte. Dieser wandte r wiederholt an die betreffenden Behörden mit der Bitte, ibm d» Dreirad herauszugeben, da er fich einer Fahrlässigkeit beim in keiner Weise schuldig gemacht habe und nun durch d* Asservation des corpus deü-.ti einen beträchtlichen Schaden � leide. Allein seinen Anträgen konnte schon aus dem Gri#" nicht Folge gegeben werden, weil daS Dreirad»ur Erwitte leiÄ des Diebes von großer Bedeutung ist. Der Mechaniker nun von der Fabrik Schadenersatz beanspruchen. Auf«In« Art Kauernfang geht ein in Wien wohn«' der Graf Majlath aus. An die Berliner königliche Akaden« der Künste, an die künstlerischen Lehranstalten d.r Stadt, and« Vorstände von Vereinen und an Privatpersonen gelangten dM Tage Postpackete in Rollenform aus Wien, als deren Absind« durch Aufdruck„Kolomar, Josef Graf Majlath" sich kund Der aristokratische Absender vcranlaßte viele der Adressaten F Annahme des Pack, ts. Als man die Rolle öffnete, fand w« in derselben ein in schlechtester Lithographie ausgeführtes A'» des Kaisers Wilhelm tl, welches von dem„Herrn Grafen" w' dem Ersuchen üdcrsandt wurde, unter Benutzung einer beiflf legten Postanweisung 5 M. an den„Bildelverlag der Her?» G. Freitag und Berndt, Wien Vll, Schottcnseldgaffe 61", zusenden. Der wahre Werth des Bildes ist von den kunsto«! ständigen Empfängern auf 1 M. geschätzt worden. Eine uv» vorliegende Postanweisung dieser Art trägt die mit Bleistift(£ sckricbene Nummer 216, ein Beweis, in welch ausgedehnt« Weise dieser eigenen tige Bilderhandel betrieben wird.% königlichen Bebörden haben die Bilder einfach unfranb? zurückgeschickt. Wie eine andere Msttheiluna besagt, vertre» der Herr Graf in Wien auf diesem Wege auch Bild« der Kaiser Wilhelm l. und Friedrich, sowie Bismcrck's Moltkt's. Zum Kirchrnraub In drr Uikolaikirche s» Zpand»� von dem wir unlängst Meldung nrachten, bcrichtel der„Ani-J das Havell", daß jetzt eine Spur, mit deren Hilfe wenigste« auf die Richtung geschlossen werden kann, welche der flitiftf räuber genommen hat, entdeckt worden sei. Man fand in Gebüsch auf den Freiheitswiesen den Kurrendemantel, der r dem Diebstahl in der Nikolaikirche vermißt wurde. Aus dies« Umstände sei anzunehmen, daß der Verbrecher fich nach Berb* gewandt hat. Ein wahr«« Unglückstag war der Sonnabend für J" Bauhandwerker auf einem Neubau der Georgenkirchstrap' nicht weniger wie drei von ihnen stürzten vom Bau he#*; So fiel gegen 9 Uhr früh der Arbeiter Max Borchardt, als« eine Leiter bestiegen, plötzlich infolge eines Schwindelanfo� aus der Höhe der ersten Etage auf das Straßenpflast� und blieb bewußtlos liegen. Aerztlicherscits wurde% Bruch des reckten Fußes und erhebliche innere Verletzung'« konstatirt, so daß die sofottige Uederlührung des Verunglück.e» nach einem Krankcnhause erfolgen mußte. Gegen 2 Uhr mittags steinte der Mau: er R. von der vierten Etage Hera-' schlug im Fallen auf einen aus dem zweiten Stockwerk hervor' stehenden Balken und fiel sodann, das nach der Straßem«? belegene Schutzdach zertrümmernd, zu Boden. R. erlitt jeW wunderbarer Weise so geringe Verletzungen, daß er fich zu zu einem Arzt in der Landsbergerstraße begeben konnte, wel«« nur einige Hautabschürfungen konstalirte. Eine halbe Steens- später stürzte der Zimmermann Wredow, als er sich aus einew Fenster der Zwesten Etage zu weit herausbeugte, aus demsil»-? rücklings heraus und schlug auf einen etwa 1 Meter tiefer t» genden Balken. Es gelang ihm, sich hieran festzuhalten un« das Weiterfallcn zu verhindern. Auf die Hilferufe des unglücktcn eilten mebrere Arbeiter herbei, welche den zwis»'« Himmel und Erde Schwebenden mittelst eines übergeworfen«' Seiles aus seiner gefährlichen Lage befreiten.,_ In drm städtischen Fleischschanami auf dem städtisch� Zentralschlachthofe find im Monat August d. I. 35 191 öet)®«?» auf Trichinen untersucht und darunter 34 teichinöse und 1« finnige ermittelt worden, welche als zur menschlichen'Nähr««" ungeeiankt verworfen worden find. Ulilchplantschrr. Wie der Polizeipräsident bekannt tno®,' ist bei dem Miich. ändler Orto Sturm, Älvenslebenstreeße-n wiederholt Milch entnommen worden, welche nickt den stimmungen in der Polizciverordnung vom 6 Juli 1887 cw sprach. Der Genannte ist deshalb in diesem Jahre schon w>eo« holt bestraft worden.__ Ein donurrähnllchr» Getös« verursachte am San«' abend Abend zwischen 7 und 8 Uhr unter den Einwohnern vs� Stralau und Rummelsburg ganz außerordentliche BestürziwF In der amerikanischen Stcinnußfadrik des Ortsvorsiehers Reng' in Stralau war, auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise, Explosion des Kesselhauses entstanden, durch welche menj*, Wände desselben tbcils eingestürzt, theils deschädigt und aus Wellblech bestehende Dach losgerissen wurde. Mens«'*:* leben find glücklicher Weise nicht zu beklagen. Am Sonn"1*» wird stets der Keffel abgekühlt, um am Sonntag gereinig' werden. Die Vorbereitungen hierzu waren bereits getroffen � das Mannloch des Kessels war geöffnet. Sämmtliche Aide hatten das Haus verlassen, als die Explosion erfolgte. � w Unbekannt« Leiche. Gestern Vormittag wurde � Schissfahrtskanal am Salzufer die Leiche eines etwa 27;#'� Mannes ans Ufer geschwemmt und auf Veranlassung Polizeibehörde nach dem Obduftionshause des Luisenkirchb�jt in Charlottenburg geschafft. Der Leichnam war bekleidet schwarzer Hose, schwarzem Rock und ebensolcher Weste i Üjjtolot schwarzem Ueberzieher und sekr feiner Leibwäsche. Mwd welche Gegenstände, welche Aufschluß über die Person ii,» hätten geben können, wurden nicht vorgefunden. «.<• Nkröffrutlichungen des Kaiserliche» »tr»itdl»rit«>Amt» find in der Zeit vom 26. August bis ■■ oeptember cr. von je 1000 Bewohnern, auf den Jahres- fMschnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 23,2, fl*. Barmen, Magdeburg. Stettin, Braunschweig, London, Wien, M u. a. die Zahl derselben eine kleinere geworden ist.— Der �■rtheil des Säuglinasalters an der Sterblichkeit war im allge- �snen ein etwas kleinerer(in Berlin ein etwas größerer) als ?? der Vorwoche. Von je 10000 Lebenden starben, aufs Jahr Mchnet, in Berlin 115, in München 159 Säuglinge. Akute -uljunvungen der Athmungsorgane führten im Ganzen seltener »um Tode.— Von den Infektion- kranlheitcn werden von Masern und Scharlach weniger, von Diphtherie, Typhus und Pocken Mr Todesfälle gemeldet als in der Vorwoche.— So haben «terbesälle an Masern in Berlin, Dresden, Hamburg, Brüssel, Paris, St. Petersburg abgenommen. Dagegen kamen utue Erkrankungen aus den meisten Orten, aus denen Berichte Megen, etwas häufiger zur Mittheilung. Auch Todesfälle an Marlach wurden aus Berlin(keiner), Paris, London, Warschau, Petersburg in geringerer, aus Mtz, Danzig in größerer duhl gemeldet. Neue Erkrankungen waren in Breslau seltemr, A Berlin, Hamburg, Kopenhagen, St. Petersburg zahlreicher.— %% Sterblichkeit an Diphtherie und Kroup war in Hamburg, Mtz, Kopenhagen, Paris, Warschau, Petersburg eine kleinere, Ulegen in Berlin, Breslau, München, Dresden, London, Wien, «est, Prag eine größere als in der Vorwoche; neue Erkrankungen Wurden aus Berlin, Breslau, Hambuig, Christiania in gesteigerter, F Kopenhagen und aus dem Regicrungebezilk Schleswig in Nmgerer Zahl als in der Vorwoche gemeldet.— Der Unter- Myphas hat in Berlin. Paris, London, St. Petersburg mehr gefordert; neue Erkrankungen kamen jedoch in Berlin zFtet, in Hamburg, Pest, St. Petersburg zahlreicher als in ./-Vorwoche zur Meldung. An Flecktyphus wurden aus Prag r1' Krakau je 1 Todesfall, aus dem Regierungsbezirk Königs- rft und aus Edinburg je 1 Erkrankung mitgetheilt.— Rosen- j'�ae Entzündungen des Zellgewebes der Haut kamen allgemein "'nicht gesteigerter Zahl zur Kenntniß.— Der Keuchhusten ?Mlef � Berlin und London milder, auch in Hambuig, Kopen» z?Sen, Stockholm kamen weniger Erkrankungen zur Anzeige.— �einzclte Todesfälle an Pocken wurden aus Wien und Odessa, Ursache(je 2) aus Lemberg, Paris und St. Petersburg be- aus Wartchau kamen 4, aus Trieft 6, aus Prag �-Todesfälle zur Berichterstattung. Erkrankungen aus dem Re- �ungsbezirk Königsberg und Pest je 1, aus St. Petersburg 2, � Wien 4. to.Die sanitären Verhältnisse in Berlin waren auch in dieser M>chlswoche günstige, die Sterblichkeit jedoch eine gegen die ».�-rochen etwas gesteigerte. Und zwar bedingten dies zumeist /-vmkataiihe und Brechdurchfälle der Kinder, die wieder in MSerer Zahl zu Tage traten und mehr(193 gegen 168) Mtbefälle als in der Vorwoche veranlaßlen. Infolge dessen 3 auch der Antheil des Säuglingsalters an der Sterblichkeit was größer als in der Vorwoche. Seltener kamen dagegen )Ue Entzündungen der Athmungsorgane zum Vorschein. Von r" Jnftktionslranlheiten blieben typdöie Fieber und Erkran- ijägen an Scharlach in beschränkter Zahl. Erkrankungen an C?lern und an Diphtherie gelangten zahlreicher zur Anzeige und Mn erstere besonders in Moabit, letztere in der diesseitigen UKenstadt die größte Verbreitung gewonnen. Erkrankungen Wochenbett und an rosenartigen Entzünvungen des Zell- miebes der Haut kamen etwas mehr zur Beobachtung. Da- w1 wurden Erkrankungen an Keuchhusten seltener und die J-N der durch fie bedingten Sterbcfälle kleiner(5) und rheu- stS» e Beschwerden aller Art gelangten nur wenige zur ärzt- Behandlung. �. b» �"lizridrricht. In der Nacht zum 10. d. M. fand in t? Beltorterstraße eine Schlägerei statt, bei welcher der Buch- Zucker Wagner durch einen Messerstich in den Hals und der b?,"ler Schock durch einen Stich in den linken Oberarm ver« wurden.— Am 10. d. M. fanden mehrere unbedeutend? osU statt. Es brannten Thurmsttaße 73 Kohlen in einem ftni; c' Posenerstraße 2 Gardinen in einem Wohnzimmer und Zj.Uniterstraßc 8 Hobelspäne in einer Tischlerei— In der %%%»um 11. d. M. stürzte fick an der Oranienbrücke ein etwa 50'ohre alter Mann in selbstmörderischer Abficht in den l�slenstädtischen Kanal, wurde aber von einem Schiffer noch "id herausgezogen und nach der Charstee gebracht. Gerichts-Ieitnng. proz-tz gegr» MSstlrr und Genossen wegen tyn l, deleioiguirg unv Vergehens gegen das Sozialistengesetz DM, bie polizeilichen Vorschriften über das Plakatwesen nahm L. n vor der 4. Ferienstraslammcr des Landgerichts I seinen Es handelt sich um die bekannte Belledung der Thron- Via1'* rothen Streifen, welche die Inschrift:„Antwort: Hoch �!!-s7°iialdemokratie!" enthielten. Das Aufkleben fand in der COM 9. auf den 10. Juli in gan, Berlin statt und als Kjfe"iÄsir Ä' SKM fff ItbS' Maurer Polte, M-talldreher Schönbom. Arbeiter Wagner, n aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Hopve, den Vorfitz führt Herr Land- gerichtsdirektor Martius. Als Zeugen sind 7 Kriminalbeamte und ein Unteroffizier vorgeladen. Die Vertheidigung führen die Herren Rechtsanwälte Fried- mann und Flatau. Die Verhandlungen finden im großen Schwurgerichtssaale statt. Da die Anklagebank nicht alle Be- schuldigten fassen kann, so müssen einige auf Stühlen vor der Geschworcncnbank Platz nehmen. Zur besseren Bewachung ist an jeder Seite der Anklagedank ein Schutzmanneposten plazirt. Bei Beginn der Verhandlung stellt der Staatsanwalt den An- trag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit. Die Vertheidiaung be- kämpft diesen Antrag mit dem Hinweise, daß die Thatsache, um welche es sich handle, allgemein bekannt und auch in keiner Hinsicht eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit vorhanden sei. Der Gerichtshof beschloß, den Antrag abzulehnen. Hierauf deginnt die Vernehmung der Angeklagten. Schriftsetzer Pollack, welcher zuerst vernommen wird, giebt zu, das bezügliche Plakat auf die Thronrede geheftet zu haben; einer Majestätsbeleidigung sei er sieh aber nicht bewußt. Von wem er die Papierstreifen empfing, kann Angeklagter nicht angeben. Auf Befragen bekennt sich Pollack als Sozialdemokrat. Auch die Angeklagten Flöhner, Buck, Klünner, und Wagner geben die That zu und stellen nicht in Abrede, Sozialdemokraten zu sein, während Zachert, Hannebaucr, Engels und Ruske sowohl ihre Zugehörigkeit zur genannten Partei als auch die ihnen zur Last gelegte Handlung verneinen. Die übrigen Angeklagten dekennen sich zwar zur Sozialdemokratie, bestreiten aber die Behauptungen der Anklage, soweit ihre Personen in Frage kommen. Giedow will das Papier nicht auf, sondern neben die Proklamation ge- klebt haben, was sich auch als richtig erweist. Der noch nicht 18 Jahre alte Arbeitsbursche Böse hat von einem Unbekannten 10 Pf. für das Anheften empfangen; die Ausschrift habe er gar nicht gelesen. Auch der Angeklagte Wagner behauptet, die Aufschrlft auf den Streifen nicht gekannt zu haben.— Aus den Bekundungen der Kriminalbeamten ging bervor, daß die Polizei schon längere Zeit um den angeblichen Plan, die Thronrede zu hekleben, wußte und daher in jener Nicht überall Posten aus* gestellt hatte. Die als Zeugen anwesenden Kriminalbeamten wollen in den bestrittenen Fällen die Angeklagten entweder direkt bei der That ertappt haben oder doch aus ver- schiedencn Indizien von deren Schuld überzeugt worden sein, bevor fie zur Verhaftung schritten. Bezüglich der Angeklagten Meyer, Beck, Ruske, Jrenicke, Rabe, Scholz, Hoffmann und Brauen beantragt der Staatsanwalt die Vertagung der Ver- Handlung, um noch einige Belastungszeugen vernehmen zu können. Von Seiten der Vertheidigung wird Widerspruch er- hoben und dem Gerichtshofe emheim gestellt, die Verhandlung auf eine Stunde zu verlegen und inzwischen die von der Staatsanwaltschaft gewünschten Zeugen herbeizuschaffen. Der Gerichtshof beschließt nach dem Antrage des Staatsanwalts. Gegen die anderen 16 Angeklagten soll die Verhandlung weiter gefuhrt werden. Zunächst tritt jedoch eine Pause von 10 Minuten ein. Nach Ablauf dieser Zeit nimmt der Staatsanwalt zu seinem Plaidoyer das Wort. Es stehe nach der Beweisauf- nähme unzweifelhaft fest, daß die unter Anklage gebrachte That ganz plamnäßig angelegt worden sei und mithin als eine Aktion der sozialdemokratischen Parteileitung angesehen werden müsse. Die Thronrede wurde von der Behörde publizirt und sei mit- hin einer Bekanntmachung gleich zu achten, deren Beschädigung oder Verunstaltung der§ 134 des Strafgesetzbuches mit Ge- fängniß bis zu 6 Monaten dedroht. Dieser Paragraph sei unbedingt verletzt worden. Ebenso der§28 des Sozialistengesetzes, noch welchem die Zettel ohne vorherige Erlaubniß der Polizei nicht verbreitet werden dürften. Ohne Zweifel liege aber auch der Thatbestand der Mojestätsbeleidigung vor, die um so schwerer wiege, als der Kaiser in dieser Rede versprochenZihabe, im Sinne des ver- stordenen Monarchen soziale Reformen zu Gunsten der arbei- tcnden Bevölkerung einzuführen. Die Aufschrift: Hoch die Sozialdemokratie! müsse als eine Drohung gegen die Inten- tioncn Sr. Majestät, mithin als eine Verhöhnung seiner Person an- gesehen werden und deshalb sei die Anklage auf Majestätsbeleidigung erhoben worden. Was das Strafmaß anbetreffe, so wolle er gegen den jugendlichen Böse nur 1 Woche Gefängniß beantragen, weil derselbe wohl noch nicht dos Bewußtsein der Mojestäts- beleidigung hatte; daher könne gegen ihn nur das Sozialisten- gesetz zur Anwendung kommen. Päsler und Hannebauer waren Soldaten, sie mußten vor allem den nöihigen Respekt gegen ihren obersten Kriegsherrn kennen; Wagner war eifriges Mit- alied der sozialdemokratischen Partei, was schon aus den bei ihm vorgefundenen Druckschriften hervorgehe; gegen diese drei Angeklagten rechtfertige sich demnach eine recht hohe Strafe, die der Gerichtshof auf 1 Jahr Gefängniß für jeden festsetzen möge. Die Angeklagten Schönborn, Göttnig, Dost, Fiöhncr, Mähler, Kutzbach bitte er zu je 9 Monaten und Engels, Klüner, Polte, Pollack und Zachert zu je 6 Monaten vcrurtheilen zu wollen. Der Angeklagte Giedow sei milder zu beurtheilen und deshalb nur mit 3 Monaten Gefängniß zu be- ��Rechtsanwalt Friedmann: In wie weit die That von den einzelnen Angeklagten beganzen wurde, ist durch die Verneh- mung der Beamten, deren Aussagen ich nicht bezweifeln will, keineswegs genau festgestellt worden. Bei den Angellagtcn Päsler und Engel dürfte wenigstens der Beweis für die Thätcrschaft als ganz unzureichend erscheinen. Den Ersten hat der Beamte erst fünfzehn Minuten nach der That er- griffen und auch der zweite ist nicht beim Ankleben betroffen worden. Es mag sein, daß die Angeklagten sich des Vergehens gegen das Sozialistengesetz und den§ 134 des Strafgefetzbuchcs schuldig gemacht haben; auf keinen Fall liegt aber eine Majcstätsbcleidigung vor. Durch den inkriminirten Zettel follte sicher nur ausgedrückt werden: Wir, die Sozial- demokraten setzen dem Prinzip der angekündigten Sozialrcformen, welches wir für falsch halten, unser Prinzip entgegen. Dieses mag unrichtig und ganz unpassent�erscheinen, aber als eine Be- leivigung des Kaisers darf es nicht aufgefaßt werden. Was uns nicht gefällt, was wir nicht billigen, ist noch immer keine Beleidigung; zur Beurtheilung einer solchen muß man sich auf den objektiven Standpunkt stellen und von diesem aus betrachtet, gestalten sich die Dinge doch etwas anders. Ich möchte aber auch der Anficht entgegentreten, als ob man, um die in Rede stehenden Bestrebungen zu hem- men, besonders harte Strafm verhängen müsse. Mit derartigen Mitteln ist noch niemals auf die Dauer ein Erfolg' erzielt wor- den. Was nun die Angeklagten im Allgemeinen anbetrifft, so befinden sich dieselben bereits seit 2 Monaten in Haft. Die Anträge der Vertheidigung auf Haftentlassung wurden wegen Fluchtverdacht abgelehnt. Die Angeklagten haben aber doch ihre Familien oder wohnen wenigstens hier und man pflegte bisher von dem Grundsatz auszugehen, daß dort eine Haftentlassung begründet sei, wo nach Lage der Sache auf höchstens 1 Jahr Gefängniß gerechnet werden kann. Jeden- falls sind die Angeklagten für die lange Untersuchungshaft nickt verantwortlich zu machen und ich bitte den hohen Ge- richtshof, die erlittene Haft wenigstens in Anrechnung zu �Vertbeidiger Rechtsanwalt Flatau: Ich bin der Anficht, daß§ 134 des Strafgesetzbuches hier nicht zur Anwendung kommen kann. Nach den Bestimmungen dieses Paragraphen muß eine Behörde vorhanden sein, welche die Bekanntmachung resp. Verordnung erlassen hat. Im vorliegenden Falle handelte es sich aber um eine Proklamation des Kaisers, der als souveräner Herr- scher, nicht aber als Bcbörde betrachtet werden muß. In Be- zug auf die Majestätsbeleidigung schließe ick mich kneinem Herrn Kollegen an. Niemand würde darin eine Majestätsdeleidigung erblicken, wenn die Plakate gelautet hätten: Es lebe der Natio- nalltberalismus! oder: Es lebe der Konservatismus! Es ist lediglich ein Parteistandpunkt, eine entgegengesetzte Anschauung veröffentlicht, welche die Ehre Sr. Majestät keineswegs berührt hat. Daß Jemand übcrzeugungstreucr Sozialdcmo» krat ist, kann doch auch nicht»ur Strafverschärfung dienen» da das Gesetz mit der politischen Gesinnung nichts zu schaffen hat. Auch ich muß die Untersuchungshaft zur Sprache bringen» weil dieselbe in der That schlimmer als die Strafhaft ist. Nur wurde gesagt, daß man den Jnhaftirten die Arbeit mit d Ubr im Restaurant Haller, Narmynstraße 70.— MännMesangverein„Sangesfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Musehold, Lands bergcrstr. 31.— „Fr.ya", Gesangverein der Freireligiösen Gemeinde, Abends bi Uhr im Restaurant Benccke, Große tzamburgerstraße 16.— Huppert'sche Sängervereinigung jeden Mittwoch nach dem ersten im Monat, Abds. 9 Uhr, im Restaurant Heise, Lichtenbergerstr. 21. —„Seeger'scher Gesangverein" Abends 9 Uhr im Restaurant Schulz, Prenzlauerstt. 41.— Gesangverein„Schwungrad" Abends 6t Uhr im Restaurant Sahm, Annenstraße 16.— Männcraesanavercin„Lorbeerkranz" Abends 9 Uhr im Nestau« taut Karsch, Oranienstr. 190.— Gesangverein„Nord>Jubal" Abends 9 Uhr in Vettin's Bierhaus, Veterancnstr. 19.— Männergesangrercin„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Restaurant Dobcrstein, Mariannenstraße 31—32.— Lübeck'scher Timrverein(1. Lehrlingsabtheilung) Abends 8 Uhr Elisabclh- firaße 57—58.— Turnverein„Wedding", Pankstraße 9. Männcr-Abtheilung von 8& bis 10% Uhr Abends; des« gleichen 1. Lehrlings- Abtheilung von 8 dis 10 Uhr Abends.—„Mehr Licht", Verein für Scherz und Ernst, Abends 8& Uhr im Restaurant Heid, Koppenstraße 75.— Schlefischcr Verein„Holtet" Abends 9 Uhr im Restaurant Henke, Hollmannsttaße 33.— Veranügunasvcrein„Fröhlichkeit" Abends 9 Uhr im Restaurant Säger, Grüner Weg 29. — Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie. Abends 81 Uhr im Restaurant Bcese, Alte Schönhauser- fiwße 42, Unterricht und Uebungsstunde.— Äoller'scher Sie aographenvcrein„Süd- Berlin". Abends 81 Uhr im Restaurant Prinzenstraße 97 Sitzung und Uebungsstunde. im Arcnds'schcr Stenographenverein„Amicitia" Abends 8t Uhr Restaurant Behrends, Schönebcrgerstraße 6.— Arends'scher Uli �ItllUUlUlU Stenographcnverem„Philia" Abends 9 Uhr im Restaurant »Wilhelmsgarten", Kochstraße 7.— Verein ehemaliger Schüler der 22. Gemeindeschulc Abends 9 Uhr im Rcslaurant Lehmann. — Berliner Rauchklub„Wrangel" Abends Arwfürstensttaße 31.—> S Uhr im Restaurant Foge, Köpenickerstraße 191.— Rauch- illub„Havanna 80" Abends 8t Uhr im Restaurant Paetzoldt, Reichenbergerstraße 16.— Rauchklub„Gemüthlichkeit" Abends 6 Uhr im Restaurant Achsel, Köpenickerstraße 161.— Rauch« ■ffttb„Columbia" Abends 8% Uhr im Restaurant Beyer, Prmzenstr. 96.— Rauchllub„Frisch gewaat" Abends 81 Uhr im Restaurant Tempel, Breslaucrstt. 27.— Rauchllub„Krumme Piepe1', Abends 81 Uhr, Ostbahn 4 bei Trumpf.— Vergnü- ungsvcrein„Fröhlichkeit" gegründet 1880, Abends 9 Uhr, örüner Weg 29._ Kleine Mittheilungen. Meschede, 8. September. Em seltenes Beispiel von der Ibeimathsliebe und dem Orientirungsoermögcn eines Hundes wird von hier berichtet. Ein Teckel war aus hiestger Stadt -«ach Haspe bei Hagen verkauft und am Freitag per Bahn dort- diu gesandt worden. Am Dienstag ließ man das Thier, welches bis dahin eingesperrt gehalten, frei. Letzteres hatte nichts Eiligeres zu thun, als sofort den Rückweg anzutreten und traf �chon Abends gegen 6 Uhr wieder hier ein. Der Weg von 'Haspe dis hierher beträgt ca. 85 Kilomet- r. Innsbruck, 10. September. Infolge anhaltenden Regen- wetters find im südlichen Tirol vielfache Uederschwemmungen eingetreten, die Eisenbahndämme find an mehreren Punkten durchbrochen, die Regulirungsbauten mehrfach deschädigt. Man befürchtet Zunahme der Wassersnoth., � m Verona. 10. September. Infolge des anhaltenden Regens dauert auch die Ueberschwemmung an, die Elsch hat eine Höhe von 190 Zentimeter über dem mittleren Stand erreicht. Ein Haus brach durch dm Wafferdrang zusammen. Menschenver- luste find bis jetzt nicht zu beklagen. Das Militär ist unaus- gesetzt thätig zur Bekämpkung der Gefahr. Madrid, 10. September. In den Provinzm Valmzia, Granada. Badajoz und Almeria wurden durch anhallende heftige Regengüsse große Urberschwemmungen herbeigeführt, viele Häuser und ein großer Theil der Ernte wurden zerstört. Varl». 7. September. Ein Herr Wilhelm L. starb dieser Tage in seiner Wohnung der Rue Rochechouart an einer Rücken- mark- Schwindsucht. Sein Neffe, der hiervon benachrichtigt wurde, erschien mll seiner Frau in dem Trauerhause, um bei der Leiche zu wachen. Nachdem er fich etwas kalte Fleischbrühe und eine Flasche Wein hatte geben lassen, begab fich seine Frmr und die Dienstmagd zur Ruhe und auch er schlummerte bald darauf ein. Groß war aber sein Entsetzen, als er beim Er- wachen die Flasche und die Schale geleert fand; zitternd theilte er seiner Frau dieses Verschwinden mll, als aus dem Sterbe- zimmer Rufe laut wurden; die Frau wurde ohnmächtig und der Mann konnte fich eist nach langem Sträuben dazu bewegen lassen, in das Zimmer zu treten, wo der„Todte" fich erhoben hatte, um ihm mitzuthcilen, daß er aus einer langen Lethargie erwacht sei und die verschwundenm Flüsfigkeiten zu fich genom- men habe. Bald darauf saß der Wiedererstandene mit seinen Verwandten vor einem wohldestcllten Tisch. Am meisten über- rascht wird wohl der Arzt gewesen sein, der den eingetretenen Tod konstatirt hatte. Paris. 6. September. Die Jury der Stadt Niort hatte gestern ihr Verdikt über zwei Vatermöcder zu fällen! Dasselbe lautete auf Freisprechung der beiden Angeklagten Ernest und Gaston Ferrand, ttotzdem fie des Mordes ihres Vaters, des Maircs von Neuvy Bonin, Honorö Chevallerau überführt und geständig waren. Der Sachverhalt ist aber ein solcher, daß man fich nicht veranlaßt fühlt, über dieses neue Erkenntniß franzöfischer Geschworener fich besonders zu entrüsten, sondern vielmehr jenes merkwürdige Gesetz, welches die„recherche de la paternita"(das Nachforschen nach der Vaterschaft) verbietet, als Ursache für das traurige Drama anzuklagen fick gezwungen ficht. Chevallerau, ein Millionär, hatte die Tochter eines anstän- digen Handwerkers, Julie Ferrand, nach langem Widerstände verführt, lange Jahre mit ihr gelebt und fie schließlich, nachdem vier Kinder der Verbindung entsprossen, verlassen. Das arme Mädchen arbeitete fich fast zu Ted«, um de» Kindern eine anständige Erziehung zu geben. Sie glaubte dies noch besser er- reichen zu können� wenn sie einen braven Handwerker, der über ihre Vergangenhell Hinwegzuseben gesonnen war, aber die unehe- lichen Kinder nicht mit in die Ehe nehmen wollte, helrathete und wandte fich deshalb mit der Bitte, die Kinder, von denen der jüngste— Gaston— auf einer Seite gelähmt, theilweise ver- sorgen zu wollen, während fie gleichfalls für ihr Fort- kommen alles Mögliche thun wolle, an den ehemaligen Geliebten. Ein kalter, höhnischer Brief, in dem jede Hilfe verweigert wurde, war die Antwort, welche dieses Projekt zu nichte machte. Die arme Frau wurde ernstlich krank, und da ihre Kinder noch zu jung waren, um Geld zu verdienen, trat Kummer und Elend in das ohnehin so traurige Heim. Der älteste Sohn machte fich deshalb auf, um persönlich den reichen Vater in seinem Schlosse La Guitardisre unr eine kleine Hilfe anzuflehen; brutal wies ihn der achtbare Mann zurück, so daß der Aermste tief erschüttert über diese unnatür- liche Härte wahnfinnig wurde. Lange Zeit gaben die Ferrand's Herrn Chevallereau keine Kunde von ihrem Dasein. Da trat abermals die bittere Noth in die kleine Familie, die auch den unglücklichen ällesten Sohn im Irrenhaus erhalten mußte. Die beiden jüngsten Söhne Ernest und Gaston faßten sich noch einmal das Herz, den Vater persönlich aufzusuchen, um ihn zum Beistand für die schwerleivende Mutter aufzufordern. Als sie in La Guitardisre ankamen, war der Maire Chevallereau gerade aus- gegangen. Da die beiden jungen Leute sehr erschöpft von dem weiten Wege und den ausgestandenen Entbehrungen waren. gab ihnen ein mitleidiger Diener ein GlaS Wein und ließ sie in das Arbeitszimmer Chcvallereau's treten, wo sie ein Schreiben an ihn zurücklassen wollten. Kaum hatte Gaston dieses begonnen, als Chevallereau eintrat und fie brüsk zum Ver- lassen des Schlosses aufforderte. Dann nahm er die beiden Gläser Wein, die die jungen Leute kaum berührt, und warf fie aus dem Fenster. Als die Brüder nicht sofo:t seinem Be- fehle gehorchten, packte er den gelähmten Gaston so roh an einem Arm, vaß derselbe vor Schmerz laut aufschrie. Ernst warf fich nun auf den unnatürlichen Vater, wurde aber von diesem, einem großen, starken Manne, zurückgeworfen und auks Brutalste mißhandelt. Erst in dem Moment, als er seinen Bruder blut- überdeckt sah, zog Gaston einen Revolver und gab einen Schuß auf Chevallerau ab, der diesen sofort todt niederstreckte Wenn man auch bedauern muß, daß die Jury die beiden Angeklagten ganz freigesprochen, da jede gesetzwidrige That bestraft werden muß, so wird man doch andererseits nicht umhin können, in diesem Falle die Humanität der Geschworenen begreiflich zu finden. Zondo», 8. September. Kaum daß die verstümmelte Leiche der vor etwa 14 Tagen im Distrikt Whitechapel(im Ostende Londons) ermordeten Frauensperson dem Grabe über- geben worden ist, und schon wieder ist in letzter Nacht in der- selben Stadtgegend ein Mord verübt worden, der in seinen Einzelnbeiten an Scheußlichkeit Alles überbietet, was man aus den Ännalen der Verbrecherwelt kennt. Wiederum ist das Opfer ein Frauenzimmer, angeblich der Prostitution angehörig, im Alter von 45 Jahren. Die gräßlich verstümmelte Leiche wurde heute ftüh gegen 4 Uhr in einem nach der Straße zu offenen Hinterhofe entdeckt. Wie bei dem letzten Morde, so auch hier, war der Kopf fast vom Rumpfe getrennt und der ganze Leib aufgeschlitzt. Das Herz und andere Organe waien aus dem Leide gerissen und wurden an der Seite der Leiche auf dem Straßenpflaster gefunden, während der sicherlich wahnfinnige Mörder die Eingeweide seines Opfers um dessen Hals geschlungen hatte. Der jetzige Mord ist binnen wenigen Monaten der vierte in demselben Distrikt, ohne daß es der Polizei gelungen wäre, den Thäter zu ermitteln. Die in der Nähe d.s Schauplatzes der Sckreckcnsthat herrschende Auf- regung theilt sich immer weiteren Kreisen mit und man kann fast sagen, daß der neuste Mord das heutig- Tagesgespräch in ganz London ist. In der Nähe der Leiche soll eine Lederschürze und ein Lchustermesser gefunden worden sein, wodurch der Ver- dacht auf einen Mann gelenkt wurde, der unter dem Spitz- namen„Lederschürze" bekannt ist. Es bleibt aber dahingestellt, ob mit dem Manöver nicht beabfichtigt wurde, von den wirk- lichen Verbreckem den Verdacht abzulenken. Dem Vernehmen nach ist heute Vormittaa ein Mann als der That verdächtig ver- haftet worden.— Im C'yde fand heute um Mitternacht ein emster Zusammenstoß zwischen dem Dampfer„Memlin' und dem Allan-Dampfer„Prusffan" statt. Ersteres Schiff war von Glasgow nach Penarth unterwegs, und letzteres mit Waaren und Paffagieren auf der Fahrt nach Glasgow begriffen. Der „Memlin" wurde hinter dem Maschinenraum durchschnitten und konnte nur in sinkendem Zustande nach dem Gestade bugfirt werden, während der„Ptusfian", weniger beschädigt, bei Fyfc's Bank anlief, wo er vorläufig verbleibt. Ein Mann wurde un- erheblich verletzt. Ueiu-Nork, 16. August. Vor das„Borkville Polizei' gericht" unserer Stadt wurde, wie man der„Frkf. Ztg." schrerbt, heute ein Mann geführt und trotz angebotener Bürgschaft in Untersuchungshaft zurückgehalten, der an Schlauheit und Ent- schloffenheit seines Gleichen suchen dürfte. James Goß, ein junger und baumstarker Rowdy, trat zu einem Pfandleiher in den Laden und legte eine gestohlene goldene Uhr auf den Tisch um dieselbe zu versetzen. Der Pfandlether prüfte das Stück und entnahm seinem Schranke 25 Dollars, um dieselben auf die Uhr zu borgen. In diesem Augenblicke ward von da Straße aus durch einen Helfershelfer des Diebes die gw Spiegelscheibe des Schaufensters zertrümmert. Sofort MjK der Pfandleiher hinaus, um zu verhindem, daß unberufene Hände sein Schaufenster ausräumen. Als fich nach einiflg Minuten ein Schutzmann vor das zerbrochene Fenster postw hatte und der Pfandleiher in seinen Laden zurückging, w« Mr. Goß nicht allein mit seiner goldenen Ubr, den 25 Dollatt, sondern mit der ganzen Kasse und einer unschätzbar» Anzahl von Werthsachen verschwunden. Nun erst begvsl der Pfandleiher, daß er das Opfer einer geschickte» Räuberei geworden war. Deteftives wurden sofort auf die Spur des Räub-ws gesetzt, und es gelang ihnen, de»« selben heute vor das Norkville-Polizeiaericht zu dringen. Aoa den geraubten Sachen fand man nichts mehr vor, denvoch schritt man sofort zu einer Durchsuchung der Kleider des fangenen. Bei dem Alte mußten vier Polizisten den Wüthend» hatten. Bis auf einen Pfandschein über eine versetzte Uhr man nichts in den Taschen, der Pfandschein allein jedoch 8* nügte schon, um seinem Besitzer die Strafe zu sichern. Di» wußte der Räuber. Mit Riesenkraft riß er fich plötzlich los, ei» Griff— und der Schein verschwand in seinem Munde. Edeast schnell legten fich die Hände eines Polizisten um die Gurgel d» schlauen Banditen, ihn am Schlucken verhindernd, zwei ande? fesselten seine Arme und ein Sergeant brach ihm gewallsaw b» Zähne von einander. Kaum hatte er jedoch die Hand in W Mund gesteckt, als Goß die Zähne schloß und die Finger d» Polizisten bis zum Knochen durchbiß, fie gleich einem wildes Hunde festhielt— dis einige Schläge mir einem„clnb", W Keule der Wachtleute, mit Wucht gegen seinen Schävel gefM ihn befinnungSlos zu Boden streckten. Nun erst konnte n>» das wichtige Beweisobjett hervorholen, den Sergeanten beftet» und verbinden und in der Verhandlung fottschrciten. Sprechsaal. Die Redaktion stellt die Benutzung deS Sprechsaals, soweit Raum dafür ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten ..__...»........----- allgemeinen zur Verfügung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem desselben identifizirt zu werden. Daß die gesammte kapitalistische Presse fich einem Ma»� in brutaler Weise entgegenstellen würde, der es öffenttich f wagt hatte, einigermaßen deutlich auf einige offenbare Schäd� gewisser Einrichtungen unserer Bourgeoisie hinzuweisen, konn» niemanv in Erstaunen setzen, niemand, der die herrschend!]' Preß- und wirthschaftlichen Zustände der modernen GesellslM» nur Haldwegs kennt. Daß nun die Korruption in der konservatives Presse nicht ausgesprochener ist als diejenige in der scheinliberal»- dafür hat das Verhalten der letzteren Richtung in der Bezugnahi» auf die Debatten vom 6. September in der Berliner Stadt»» Vertretung den vollgiltigen Beweis erbracht. Thatsächlich fie» die Berichte über jene Sitzung durch frei erfundene ZusAss- durch Weglaffuna der Motive, durch übermäßige Kürzungen u»» durch planvolle Vereinigung dieser Faktoren aus das allciaußtti" entstellt und mit den gehäifigsten und albernsten Kommentar» versehen worden. Daß in die ollgemeine„Entrüstung" auch d>e sogenannten demokratischen Blätter einstimmen wüidei% war selbstverständlich. So widmete die„Volks- Zeitung dieser Sache ein besonderes„Aldumblatt". Auf meine Enb gegnung ihres Angriffes aber schreibt die Redaltion, daß.'A mich um die Mitardeiterschaft an ihrem Blatte lebhaft betW hätte. Was ist daran wahr?-- Am 20. August des vorigen Jahres wurde ich mit mehrer» meiner Freunde auf offener Straße von der Geheimpolizei bc helligt. Auf den Wunsch meiner Freunde machte ich v» diesem Vorkommniß der„Volks Zeitung" Mittbeilung, weil w» beabsichtigten, weitere düigerlickeKreise auf solche Dinge aufmerkses zu machen. Da die hier erwähnte Sisttrung von einigen Blättert der„Volks-Zeitung" nacherzählt und zu frivolen Bemerkung» benutzt wurde, so war ich— wenn ich mich nickt irre— nock mals genötbigt, mich mit einer Antwort gegen jene Blätter die„Volks- Zeitung" zu wend.n, welche diese Angelegenheit zuem veröffentlicht hatte. Endlich ließ ich der„Volks-Zeitung" dm? Freunde einen Bericht„Berliner Arbeiterbund" a"' den Wunsch bekannter und äußerst thätiger Parteigenoss» übergeben.„ Solche Aufsätze waren im Sinne der Sozialdemokratie,»i» aber in der Tonart des Scheinliberalismus geschrieben. Mitb* schrieb ich auch diese Kleinigkeiten nicht für, sondern gegen � „Volks-Zeitung". Es handelt fich hier um einzelne aus t»> tischen Gründen überlaffene,«nbekahlte, im Parteiirter»' gehaltene Notizen. Damit wird man doch noch nick- Bewerber um die Mitarbeiterschaft, oder gar, da b» erste Mittheilung von der„Volks-Zeitung" wiedergeged» war,„Mitarbeiter". Die„Volks-Zeitung" mag über mich denken und schreibe» wie fie eben kann.— aber gegen dergleichen Niedertracht� Unterschiebungen verwahre ich mich ganz entschieden. � In der That hatte ich die„Volks-Zeitung" vergessen und»» den Todten gerechnet. Ja, jeder ernstdenkende PatteiangehoNS wird mir darin zustimmen, daß die„Volks- Zeiurng" durch unlängst hervorgetretenen byzantinischen Neigungen jede Sr� von Achtung oder Sympathie trotz aller ibrer„radikalen u» „demokratischen" Allüren innerhalb der Sozialdemokratie 1» immer eingebüßt hat. Dieses Blatt ist eben nur cw Werkzeug in den Händen des Kopitalismus, in den Hfl«** von Aktionären, d. h. also ein Werkzeug wirthschaftlieher** drückung..ji So ergiebt sich aus den angegebenen Gründen das UrW über die„Volks-Zeitung" und ihre Fortsetzung des mir ftn» liehst zugeeigneten„Albumblattes" von selbst. Fritz Kunert. Prinzenstraße Nr. 44. jC 'i»™ »*otbb. j1 werfe '®tn un «Woltat 1�. %% Weit 1 ?[«* vi '«he Re an 't im Wen. t *4 Mi ?�>t zun leit k nng rernng. Die '«x, imi - i* i 1 ä'WilS,n Ii) ■e Es % Wie tid er ?'ch«ae Älist N Telegraphische Depesche». (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Wien, Dienstag, 11. Scptbr. Die Südbahn hat inf« � der in Südtirol eingetretenen Uederschwemmungen und.J» zwischen Margrcid und Salurn stattgehabten Dammbruche» r Verkehr zwischen Neumarkt und Salurn eingestellt, auch die � � bindung zwischen Pinzolo und Campiglio ist.untcib�ochew�� In Verona dauert die Ueberschwemmung durch die nkP der Eisen bahndamm zwischen Talamona und Ardenno ist un brocken. London, Dienstag, 11. September. Wie dem schen Bureau" aus Pietermaritzburg unter dem beutigen � gemeldet wird, habe der von der Transvaal Regierung 0 sandte Grenzkommissar Meyer, welcher aus Vryhad zuruckgr«� ist, berichtet: Die Zulus wurden entwaffnet und Din zum. � fich der Transvaal Regierung gegen die Verfichemng, den Engländern nicht ausgeliefert werden solle, ergeben.~ j(( zulu, welcher gegenwärtig krank sei, bleibe unter Bewachun» j„ Transvaaler Polizei. Undaduko solle fich ohne Begleitung das Tongoland geflüchtet haben. KrnfUasten der Redaktion.�� Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quittung beizufügen- Antwort wird nicht ertheiit. g# Trotte. In den fiebziger Jahren. Näheres w# � Zwei alte Abonnenten. Nach der Geschäfttjtf�b' des Reichstags muß ein Antrag mindestens von 15 neten unterstützt werden. Verantwortlicher Redakteur:». Tr-tchri« in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2.