k 213. Donuerstag, de« 13. September 1888. 5. JabrG. SellimVMIÄ Drgan für die Interessen der Arbeiter. Zch«i-,t tägLch � %##„merlime*«oirche». . Das Blatt, dessen offizielle Verbindungen bekannt sind, ? mit den Ergebnissen der gesetzgeberischen Wirksamkeit der Wen zehn Zahre sehr zufrieden, was freilich niemanden sonders Wunder nehmen wird. Soweit die positive Wirk- 'wnkeit der Gesetzgebung in Betracht kommt, so weiß daS ?latt von derselben zu sagen,„daß durch die wirthschaft- 4e Reform derselbe Reichstag, welcher da» Sozialisten- m annahm, Sorge hat tragen helfen, die Arbeitsgelegen- im Lande zu vermehren; und seit 1881 hat die Reichs- �setzgebung fortgesetzt Maßnahmen getroffen, die bestimmt '"ren, dem wirthschaftlichen Versall der arbeitenden Klaffen '*4 Möglichkeit vorzubeugen. Diese Maßnahmen sind noch ."cht zum Abschluffe gelangt; die in ihrer vollen Wirksam- eingreifendste derselben, die Alters- und Znvalidenver- jtgung, dürfte den Reichstag in seiner nächsten Session be- chaftigcn." Die bereits ins Leben getretenen Maßnahmen haben f11», immer nach derselben Quelle, obwohl sie ihre Wirk- Weit noch nicht voll haben entfalten können, doch schon gut gewirkt.„Wer heute den sozialen Zustand die sozialdemokratische Gefahr mit dem Zu- '% von vor zehn Jahren vergleicht, wird dessen- .geachtet bei objektiver Beurtheilung zu dem Anerkenntniß Etagen müssen, daß viele« besser ge- "»rde« ist.« , Es ist also viele« besser geworden bei unS und die ��demokratische Gefahr hat gegen den Zustand von vor wahren viel von ihren Schrecken verloren. i. Wie kurz doch das Gedächtniß unserer offiziellen Lohn- Meiber ist! Roch ist kein Zahr vergangen, daß dem ?'chstag die Puttkamer'sche Novelle zur Verschärfung des fcAalistengesetzeS vorgelegen hat, jene Novelle, welche , tafbestimmungen enthielt, wie sie sich nur gleichartig m �— des Mittelalters finden und wie sie w...Gleichwohl wird nicht in Abrede zu stellen fein," heißt % der„Begründun g", welche dem Gesetzentwurf, modernen Straftecht vollständig fremd sind. Und womit wurden diese exorbitanten Maßregeln ge- S** Jeuilreton. [i An unrechter Stelle. Mach einer russische« Erzählung von Dr. I. L. �r Zeit, da Benjamin Petrowitsch Maluga noch der .Aa Wenitschka war, nannte ihn seine Mutter immer das Ö Herz", das„gute Kind". Er hielt sich fern von I-dem N und Streit, nur bei Prügeleien zwischen Knaben und jhjchen war er sicher auf der Seite der letzteren zu finden. tL. ganz besonders die Lobeserhebungen semer Mutter Ug. war seine Neigung zur Wohlthätigkeit. wir einen Apfel, liebe Mama, ich wrll ihn der ' m schenken." ?.k'nta war die Tochter der Köchin. W�chelnd sucht die Mutter einen etwa» wurmstichigen ™ aus.„J:a ar-i--» ,.«X>««• tft'S aleickl und WA. mit welchem Vergnügen Axinta in den Apfel hm- djAdt? Und ist'S ihm nicht doppelt angenehm zu hören, M die Mama zurückruft: ÄÄ WÄS > tbun?« . Kwiß. Mama!" t mmm mmm betreffend die Verlängerung und Verschärfung des So- zialistengesetzes, beigegeben war,„daß in denjenigen Ver- Hältnissen, welche seinerzeit zu dem Erlasse deS Gesetzes vom 21. Oktober 1878 geführt haben, eine Aenderung im Sinne einer positiven Besserung noch nicht eingetreten ist. Wie unter anderem auch auS den Rechenschaftsberichten zu entnehmen ist, welche dem Reichstag über die auf Grund des§ 28 deS Gesetze» vom 21. Oktober 1878 getroffenen Maßnahmen vorgelegt worden gib, hat die Sozialdemokratie weder an uSdehnung noch an Stärke eine Einbuße erlitten. Nach wie vor ist die sozialdemokratische Partei, was auch die letzten ReichStagSwahlen wieder bestätigt haben, eine streng in sich geschlossene Partei geblieben. Die der Partei zur Unterstützung der Wahlagitation auS dem Auslände und namentlich aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika reichlich zugeflossenen Geldmittel haben den Zusammenhang der deutsche« Sozialdemokratie mit den Umsturzparteien in anderen Ländern wiederum offen gelegt. Bei der Parteileitung stehen die r e- volutionären Tendenzen fortgesetzt im Vordergrunde. Anzeichen dafür, daß sich aus der sozialdemokratischen Bewegung eine auf den Boden der bestehenden Staats- und G es e l lsch aftt s- Ordnung st eilende Reformpartei herausbilden werde, find nirgends bemerkbar ge- worden." Also in einem offiziellen Aktenstück, da« Namen« der verbündeten Regierungen zu Beginn diese« JahreS dem Deutschen Reichstag vorgelegt wurde und auf Grund dessen gesetzliche Maßnahmen verlangt wurden, die thatsächlich den Widerspruch von halb Europa hervorriefe«, wurde behauptet, daß alle« noch beim Alten ist, genau so, wie e« vor 10 Zähren war. Sa, Herr von Puttkamer wies dann später im Reichstag sogar nach— d. h. was man eben so nachweisen nennt—, daß die sozialdemokratische Gefahr viel schlimmer geworden sei, als sie jemals gewesen, uno daß deshalb die Verschärfungen unbedingt nothwendig seien. Die„Nordd. Allg." aber sekundirte damals mit all' ihrem Können dem Minister des Innern, und heute findet sie, daß „Vieles besser geworden sei". Diese Besserung muß wirklich wunderbar rasch vor sich gegangen sein, denn im Januar und Februar dieses SahreS war von ihr noch nichts zu verspüren, wie wir au« der „Begründung" nachwiesen. WaS in dieser stand, muß aber wahr sein, denn„offiziell wird bei uns nicht gelogen", er- klärte Fürst Bismarck einmal, und was damals galt, gilt wohl heute auch noch. Aber die„Nordd. Allg. Ztg." weiß ihre Behauptung mit Beispielen zu belegen. Sie zitirt einen 8 Zeilen langen wohlthätig zu sein, auf daß sie aller der Belohnungen theil- haftig würden, die der Wohlthäter in diesem und jenem Leben zu erwarten habe. Alles dies ist schon lange her; Frau Maluga ist ge- storben, auch Pater PaiSky ruht im ewigen Frieden, und aus dem kleinen Wenitschka ist der große Ben- jamin Petrowitsch Maluga geworden, der Gvm- nasium und Universität absolvirt hat und den auch dort seine Kameraden„einen guten Zungen" nannte». Sein Herz ist von platonischer Liebe zum Vaterland erfüllt und sein Wunsch strebt dahin. Gute« zu thun und dem theuren Vaterlande Nutzen zu bringen. Freilich ist ihm noch nicht klar, auf welche Weife er Nutzen bringen könne, er hat noch keinen Plan zur Verwirklichung seiner Wünsche; nur das Eine ist ihm zweifellos, daß es eine außerordent- lich angenehme Sache fein wird, so angenehm wie nicht» auf dieser Welt. Er wird irgend eme Stellung annehmen, die rhm ge- stattet. Gute« zu thun; mit seinen Gehilfen und Untergebenen wird er gemeinschaftlich zum Heile des Vaterlandes arbeiten, ohne daß sich ihm Hindernisse in den Weg stellen. Seine Vor- gesetzten werden sich ihm dankbar erweisen und ihm sagen: Sie thun Gutes und da« werden wir Shnen hundertfach vergelten." Und das schöne Mädchen mit den schmachten- den Augen wird sich ihm in die Arme werfen mit den Worten:„Ich liebe Dich, Dein gutes Herz hat es mir an- gethan" So ungefähr träumte Benjamin Petrowitsch nach dem Schmause, der die Beendigung seiner Universität«- studien feierte. Am anderen Tage waren fteilich dre phantastischen Ge- bilde zerronnen, nur der eine unerschütterliche Vorsatz war ihm geblieben:„ich werde mich stets bemühen, dem Vater- lande und dem Volke nützlich zu fem." Sein erster Schritt auf diesem Wege war nun der Entschluß— von den Universitätsstudien auszuruhen. In der That bedurfte er einer Erholung: seine Gesichts- färbe ließ an Frische zu wünschen übrig und der Körper zeigte nicht mehr die ftühere Fülle. Die angenehme Ruhe de» Landlebens erschien ihm jetzt verlockend wie ein Bild Satz aus einem Artikel der„Berliner Fr. Presse" vom 23. August 1878, der die Ueberschrift trug„Das Henkerbeil" und dessen Grundgedanke war, daß Unterdrückung kein Heilmittel sei, und daß rücksichtslose Repression nur dazu führe, daß die Unterdrückten und rechtlos gemachten schließlich zu Gewaltthaten greifen. Zum Belege für die Richtigkeit dieser Anschauung wurde auf Rußland hinge- wiesen, wo trotz der grausamsten Unterdrückung und eine« Schreckenregiments sonder Gleichen der Nihilismus nicht auszurotten und der politische Mord an der Tagesordnung sei. Die„Nordd. Allg. Ztg." fügt nun an ihr Zitat foi- gende Frage:„Heute, 10 Sahre nach jener Zeit, darf man wohl die Frage aufwerfen, ob noch Jemand von sozialdemokratischer Seite die Lust verspüren möchte, den politischen Mord, und noch dazu in solchem Zu- sammenhange, öffentlich auf den Gassen zu predigen." Wir können darauf der„Nordd. Allg. Ztg." nur ant- Worten: Nein, die Lust, den politischen Mord zu predigen, und zwar weder öffentlich noch heimlich, hat heute Niemand innerhalb der Reihen der Sozialdemokratie. Diese Lust hat aber auch früher nie und nirgends bestanden. Es ist eine infame Ver- leumvung des offiziösen Blattes, wenn dasselbe heute die Behauptung aufstellt, innerhalb der sozialdemokratischen Partei sei jemals der politische Mord gepredigt worden. So lange eS eine sozialdemokratische Be- weguna in Deutschland giebt, haben ihre Anhänger den Grundsatz vertreten, daß eS sich nicht darum handle, Per- sonen zu bekämpfen, sondern daß der Kampf nur gegen Institutionen, Systeme und nach sozialdemokratischer Auf- fassung falsche und verkehrte gesellschaftliche Einrichtungen zu führen ist. Die Person ist für die sozialdemokratische Anschauung stets Nebensache. Der Sozialdemokrat glaubt nicht an„große Männer", und deshalb kann er auch nicht an der Beseitigung des Einen oder Anderen, der zufällig diesen oder jenen politischen Posten bekleidet, eine Errungen- schaft erblicken. Die Personen wechseln, aber da« System, die Institution ist das Bleibende. Die Attentate auf Per- sonen haben deshalb innerhalb der sozialdemokratischen Parter niemals eine Vertheidigung gefunden, und auch der von der„Nordd. Allg. Ztg." angezogene Artikel der verbotenen „Verl. Fr. Pr." hat die polittschen Morde in Rußland nicht vertheidigt und nicht etwa als nachahmungswürdig angepriesen, sondern sie nur aus den in Rußland herrschen- den traurigen politischen Zuständen zu erklären versucht. Die Tendenz deS Artikels war, davor zu warnen, daß auch bei uns russische Zustände Platz greifen, weil sonst auch die- selben Folgen zu befürchten seien. Nicht also wurde der politische Mord von derSozialdemokratie vor 10 Zähmt öffentlich auf der Gasse gepredigt, sondern das genaue Gegentheil des Paradieses: die Nachtigallen im dichtbelaubten Haine und am Fuße der mächtigen Bäume die köstlichen Pilze; daS Feld von goldenen Nehren mit blauen Cyanen und rothen Mohnblumen, in der Ferne die strohbedeckten Hütten, eine Idylle in Wald und Feld und Flur. Und dann die Entenjagd auf dem See in der Morgendämmerung, die Gondelfahrten mit der Schönen, die ihm der Traum gezeigt. Er geht natürlich nur au« dem Grunde auf das Land, um da« wirkliche Leben des Volke«, dem er Nutzen bringen will, kennen zu lernen. So begab er sich auf ein ererbte» kleines Gut und fand dort fast alles wie er es gewünscht: er hörte den Gesang der Nachtigallen, auch gab eS Pilze, Entenjagd und Gondelfahrten mit den Töchtern der Nach« barn, nur zur Liebe wollte eS nicht kommen. Gewiß fand es der..unerforschliche Wille" für richtiger, dem Jünglinge diesen Wunsch noch vorzuenthalten. Auch das Verlangen, daS Volksleben in der Wirklichkeit kennen zu lernen, konnte nicht beftiedigt werden, denn als der junge Maluga eine« Tages sich in die Hütten eine« Bauern begab, wußte er nicht, was er zu sagen habe, waS ihn eigentlich herführe, und wurde er ver- legen. Um nun etwas zu thun, kaufte er einen Hahn, murmelte einige Worte über die Befreiuung der Leibeigenen und ging seine« Wege«. Für den Besitzer der Hütte blieb der Besuch deS jungen Herrn bis auf den heutigen Tag ei«. ungelöstes Räthfel. Zm Grunde genommen, habe ich nicht vöthig, daS Volk kennen zu lernen, sagte sich Maluga, ich weiß, daß eS arm und unwissend ist und gedrückt durch die lange Zeit der Knechtschaft; aber, tröstete er sich nach einem tiefen Seufzer,„der Wille des Herrn" wird ihm helfen; und wieder seufzte er, aber schon erleichtert, wie etwa jemand, dem eine schwere Last vom Herzen genommen. DaS Leben auf dem Lande, das er nach seiner Meinung nun kennen gelernt hatte, verlor bald seinen Reiz für ihn; er langweilte sich und beschloß, ins Ausland zu reisen, da er doch nothwendig die europäischen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennen lernen müsse. Im AuS- lande sehnte er sich wieder nach der Heimath und erkrankte — zu seinem Glücke. In dem kleinem Badeorte, wohin geschah, man warnte davor, nicht auch bei unS Zustände zu schaffen, die neben anderen traurigen Folgen auch den Politischen Mord bei unS heimisch machen könnten. Ob der Artikelschreiber von 1878 zu schwarz sah, als er auf die russischen Zustände als abschreckendes Beispiel hinwies, und sein„diseice moniti"(lernt— ihr seid gemahnt!) nieder- schrieb, daS zu untersuchen ist heute nicht unsere Sache. Thatsache aber ist, daß der ganze Artikel nicht eine Zeile enthielt, welche, wenn ehrlich genommen, so gedeutet hätte werden können, als wolle der Verfaffer den politischen Mord rechtfertigen; eine traurige Thatsache ist eS aber auch, daß der politische Mord im Laufe der letzten Jahre auch in Deutschland uns leider nichts Unbekanntes geblieben ist. Eine Thatsache ist es weiter, daß die Sozialdemokratie heute noch, wie vor zehn Jahren und wie zu allen Zeiten, dem politffchen Mord sowohl wie auch der gesetzliche» Tödwng ablehnend und feindselig gegenüber steht. Es ist eine weitere Verleumdung, wenn die„Nordd." in demselben Artikel behauptet, daß die sozialdemokratische Führer- schaff auch heute noch mrt den Anarchisten kokettirt. Es hieße offene Thüren einschlagen, wenn wir erst nachweisen wollten, daß gerade von der sozialdemokratischen Partei, die Führerschaft inbegriffen, am energischsten und rücksichtslosesten der Kamps gegen die Vertreter jenes Anarchismus geführt wurde, deffen Anhänger aus der Arbeiterbewegung eine SchinderhanneSwirthschaft machen wollten. Der Man», der Johann Most einem August Bebel vorzuziehen erklärte, er saß nicht innerhalb der Reihen der Sozialdemokratie. Also wenn die„Nordd. Allg." keinen anderen Beweis dafür hat, daß es heute besser geworden ist, als wie es vor zehn Jahren war, als den, daß die Sozialdemokraten nicht mehr den politischen Mord predigen, so steht es schlecht um ihre Behauptung. Ihr Beweis hinkt, denn in dem Punkt haben sich die Sozialdemokraten nicht gebessert, weil sie sich eben nicht mehr bessern konnten; sie haben den Mord in irgend welcher Form schon von jeher verabscheut. Aber die„Nord- deutsche" hat trotzdem recht, nur das von ihr gewählte Bei- spiel war falsch. ES ist besser geworden. Die Sozial- demokraten haben im Verlaufe der letzten zehn Jahre viel gelernt und die Zahl der sozialdemokratischen Wähler ist von 437 158 im Jahre 1878 auf 763 142 im vorigen Jahre gestiegen. Politische Ueberstcht. Mit wetcher Sorgfalt die politische Geheimpolizei die ihrer Odhut überwiesenen Personen schützt, konnte der Abgeord- nete Singer, welcher auf Anordnung des Gerichts am Montag deHufs Wahrnehmung eines Termins in Berlin anwesend war, recht deutlich merken. Schon am Sonntag Abend wurde er -auf dem Bahnhof erwartet, und als derselbe sich am Montag Morgen in das Gerichtsgebäude begab, folgten ihm zwei Ge> iheimpoliziften, welche auch schon mrt Herrn Singer gemeinsam unserer Redaklion— die Beamten allerdings nur vor der Thür — einen Besuch abgestattet hatten. Nach Beendigung der Ge« richtsverhandlung wurde das Objekt polizeilicher Ueberwachung sorgsam nach seiner Wohnung geleitet, und hatte fich dann bei einigen Ausfahrten, von denen eine den Abgeordneten Singer an das Grab einer vor kurzem verstorbenen Schwester führte, immer wettcr auf Schritt und Tritt seines Gefolges zu erfreuen. Der Abend gab noch den Herren von der Polizei Gelegenheit, die Familie ihres Schutz- befohlenen kennen zu lernen, da letzterer von einem Theile seiner Angehörigen zur Bahn begleitet wurde. Der ertönende Pfiff der Lokomotive befreite endlich die Staats- und Gesellschafts- rctter von der schwerer. Aufgabe, unsere gute Stadt vor jeder „gemeingefährlichen" Thätigkeit Singer's zu dewahren, und man rann den Herren die Anerkennung nicht vorenthalten, daß ste ihre Aufgabe glänzend erfüllt haben. Sehr billig wird's wobl nicht gewesen sein, denn Vormittags zwei Mann Droschke erster Klaffe nach Moabit, Nachmittags ebenso zurück, dann noch eine zweieinhalbstündige Wogentour und schließlich die Fahrt nach dem Anbaltischen Bahnhof wird schon ein nettes Sümmchen gekostet haben. Aber w>r haben ja„heidenmäßig" viel Geld, und besser kann man es doch nicht verwenden, als daß ein ausgewiesener Sozialdemokrat mit Ehrenwache versehen wird. Es wäre übrigens recht interessant, zu erfahren, was dieser Zweig des Polizei- di-nstcs, welcher, wie man weiß, in allerausgedehntestem Maße betrieben wird, den Steuerzahlern jährlich kostet. Viel- leicht gefällt es dem Herrn Reichskanzler, welcher, wie die „Nordd. Allgem. Ztg." vor einigen Tagen angekündigt hat, das „Sozialistengesetz" nicht entbehren kann, bei dem nächsten An- trage auf Verlängerung desselben, dafür zu sorgen, daß auch die finanzullen Wirkungen des Ausnahmegesetzes zur Kenntniß des Landes kommen. Die Organi- ihn der Arzt geschickt hatte, machte er die Bekanntschaft einer jungen Landsmännin, die als Begleiterin ihrer kurbedürftigen Mutter sich außerordentlich langweilte. Die junge Russin mit den großen, blauen, fröh- lichen Augen machte ihm den Vorschlag, sich in Gemeinschaff mit ihr zu langweilen. Nach einigen Tagen verliebten sich Beide in einander und nach zwei Monaten trat da« junge Paar die Hochzeitsreise an. Nach- dem Maluga den Verkauf seines Gutes in der Heimath ver- anlaßt hatte, besuchte er mit seiner jungen Frau die Schweiz, Italien; sie machten selbst einen Abstecher nach Egypten, um die Pyramiden und den Nil zu sehen; da« Leben ver- floß angenehm und fröhlich. Die schönen Vorsätze Maluga'S, dem Glücke des Volke« seine Dienste zu widmen, schlum- merten tief in seinem Innern und nur manchmal blitzte ein Funken der Erinnerung an sie auf. In Neapel gena« Frau Maluga einer Tochter und starb am fünften Tage nach der Entbindung. Die Trauer des ManneS nach seiner so früh hin- geschiedenen Gefährtin war unbeschreiblich; er sagte, daS Leben sei für ihn abgeschnitten, mit seiner Frau habe er jede Hoffnung auf ein fernere« LebenSglück verloren. Mit schwerem Herzen trennte sich Maluga von den Cypressen, unter denen er seine Lipa begraben. All' seine Liebe über- trug er nun auf die kleine Ewgescha, die auch so große, blaue, fröhliche Augen hatte, wie ihre Mutter. „Dir, geliebtes kleines Wesen, weihe ich nun mein ganze« Leben," sagte Maluga, da« Kind unter Thränen küffend. Er nahm sich seiner kleinen Tochter bald mit einem solchen Eifer an, daß er die Amme de« KindeS in ihren Verrichtungen nur störte und sich in ihren Augen lächerlich machte. Bald zeigte sich aber das Versprechen, dem Töchterchen daS ganze Leben zu widmen, als unausführbar; von Zert zu Zeit stellten sich auch wieder die früheren Gedanken über die gesellschaftlichen Pflichten ein. Im Auslände war es ihm tedoch nicht leicht, über derartige Gegenstände sich au«- zusprechen; Maluga fühlte, daß er hier nicht„zu Hause" sei. Gelang e« ihm einmal, seine liberalisirenden Theorien vorzutragen, so suchten seine Zuhörer gleich da« Gespräch auf de« praktischen Weg zu führen, indem sie ihn ftagten, wie sation des U?berwachungsdienstcs verschlingt, wie wir allen Grund haben anzunehmen, sehr bedeutende Summen, und es möchte sehr lehneich sein, die Kosten des Sozialisten- gesetzcs einmal schwarz auf weiß zu sehen. Wie hoch dasselbe in der Werlhschätzung des Volkes steht, hat fteilich die letzte Wahl in Berlin gezeigt, aber es ist doch auck wichtig zu wissen, welcher Summen es bedurft hat, um die Dmchkührung der Represffvmaßregeln zu ermöglichen, mit denen man nun nahezu 10 Jahre so überaus eifrig beschäftigt ist, die Sozial- demokratie zu bekämpfen. Wir würden uns freuen, wenn durch diese Anregung veranlaßt, dem Volke einmal die„Kosten- rechnung" über das Sozialistengesetz vorgelegt würde; vielleicht kommen selbst einige der braven Kartellbrüder im Reichstage zu der Einficht, daß dieselbe mit dem Erfolg verglichen doch„zu hoch ist, Ma« hat die Sozialreform zu leiste«? fragt die „Staatsd. Ztg." in dem Leitartikel ihrer Dienstagsnummer und beruft sich in der Alst wort auf Rodbertus, leider aber in einer Form, die weiter nichts erkennen läßt, als daß der Artikel- schreiber sich mtt den Schriften von Roobertus nicht befaßt, oder wenn er es wirklich gethan, fie nicht gefaßt, nicht ver- standen hat. Und zwar leistet er fich folgenden Satz: „Rodbertus, ein Sozialist, der von den modernen Partei- sozialistcn todtgeschwiegen wiid, weil er ein entschiede- ner Gegner der Revolution war, ist wobl der erste, der auf die Thatsache aufmerksam machte, die heutzutage jedem nur einigermaßen Aufmerksamen nicht entgehen kann: daß das Nationalvermögen in Deutschland im Zunehmen begriffen ist und daß trotzdem der Wohlstand der arbeitenden Klassen ab- nimmt."— Nun, wir wollen nicht untersuchen, od Rodbertus der erste war, welcher die Thatsache, daß der Lohn eine immer kleinere Quote des Nationaleinkommens darstellt, in die bekannte Form gebracht hat. Me f würdig erscheint, daß Rodbertus gegenüber den modernen Parteisoziolistm ein„entschiedener" Gegner der Revolution sein soll. Nun! Wi d nicht gerade bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen, daß Revolutionen nicht gemacht werden können? Und was sagt Roddettus? Hören wir:„Die Produktion kann in einem fich selbst über- lassenen Verkehr nur ersprießlich für die Gesellschaft sein, wenn die Vettheilung gut ist, und die Gesetze eines in Bezug auf die Vettheilung fich selbst überlassenen Verkehrs bringen es gerade mit fich.�daß diese schlecht ist. Was soll also die Gesell- schast lhun? Sie muß aus diesem verhängnißvollen Zirkel, in welchem nur Voruttbeile fie herumtreiben, beraustteten, indem ste die„natürlichen" Gesetze, soweit fie schädlich find, durch ver- nünstige ersetzt! Sie hat nur klaren Blick und fitt- liche Kraft dazu nölhig. Den elfteren haben ihr die Nationalökonomen zu schärfen,«trollte ibr die zweite zum freien Entschlüsse fehlen, wird freilich die Geschichte wieder die peitsche der Rrv-lut ou«der ste schwinge« müssen." (Rodbertus. Beleuchtung der sozialen Frage, Seite 54.)— Aus Vorstehendem wird erstchtlick, wie eingehend der Artikelschreiber der„Staatsb. Ztg." die Bestrebungen„moderner Patteisozia- listen" studirt hat, und welches Verständniß er für Roddettus' ökonomische Lehren hat. H« Kezng««f eine ne«e Grganisation der Reich«» regirr««g finden wir in der„Köln. Ztg." folgende dunkle Ausführungen:„Soviel ist wahr— und auf die Empfindung dieser Wahrhest möchten wir einen Theil der neuerlichen An- regungen zurückführen—, daß mit dem Amtseintritt Bennigsens und bei dem jetzigen durch jtze Erfahrung gezeitigten Vertrauens- verhältniß der Regierungen zur Zentralgcwalt und untereinander Maßregeln, welche sich später als nothwendig und durch das Wohl der Gesammlheit dedingt erweisen sollten, jetzt viel weniger Schwieriakeitcn begegnen würden als früher. Ader es ist auch ein Ausfluß derselben richtigen Politik, welche diese erfreuliche Uedereinstimmung der Denkart stetig gefördert hat, daß man nicht unnölhigerweise und vor der Zeit Acnderungen trifft, und insofern daben diejenigen Stimmen ganz recht, welche das bevorstehende Eintreten in solche organische Umgestaltungen abweisen. Sie werden trotzdem, wenn Zeit und Stunde ge- kommen ist, nicht ausbleiben und fich, was die nothwendige Voraussetzung ihres dauernden Gelingens ist, auf dem de- nährten Bundesstaatsieckt bewegen und der überzeugten Zu- sttmwung der deutschen Regierungen und Stämme gewiß sein." I« Gssenlmrg wmde in den letzten Tagen eine Anzahl von Sozialisten verhaftet, darunter Redakteur Geck, Doktor Waltbcr aus Franlfutt a. M.(wurde von uns bereits gemeldet) und Frau Zwick. Wie der„Bad. Landcsd." mittbellt, haben am 7. u. 8. d. M. erneute Haussuchungen bei Sozialisten statt- gefunden, mit dmen man die vorstehend erwähnten Verhaftungen in Zusammenhang bringt. Eine blödsinnige Denunziation macht augenblicklich die Rurde durch vre ordnungspaneiliche Presse. Es wird de- hauptet, daß in Zürich am 8. d. M. eine geheime Berathung von Vertretern der deutschen Sozialdemokratie stattgefunden habe, und ferner, daß in Zürich in letzter Zell öfter derattige Geheimfitzungcn abgehalten sein sollen. An dieser Nachricht ist auch nicht ein Wort wahr. Die Abficht der plumpen Lüge. die auch von dmtschfteifinnigen Blättern kolvortirt wird, liegt auf der Hand; fie ist ein Stück jener planmäßigen Hetze, die er denn seine Ideen in da« wirkliche Leben übertragen wolle. Und das mußte er gestehen, daß er vorläufig die Ange» legenheit noch theoretisch bettachtet, getreu dem Spruche: „Erst wäge, dann wage". Seine Phantasien gefielen auch noch zu Lebzeiten seiner Frau derselben nur deshalb, weil er ihr in den Momenten viel schöner erschien, wenn er mit pathetischen Worten von den Pflichten, für daS Wohl des Volkes zu sorgen, sprach, und im Eifer seine Wangen sich rötheten und die Äugen erglänzten. Fragte er sie dann:„Wie denkst Du darüber, mein Liebchen?" so antwortete sie ihm:„so und soundso" und die zahllosen Küsse, mit denen diese Worte begleitet wurden, ließen ihn die Gleichgiltigkeit seiner Frau für die Interessen de« Volkes vergessen. Die Auffrssung seiner Ideen feiten« seiner Bekannten im Auslande verstimmte ihn jedoch; er fand sie zu kalt, nüchtern, sympathielos. „Zurück ins Vaterland!" Maluga erinnerte sich der Annehmlichkeiten der russische» gesellschaftlichen Kreise, wo man von erhabenen Ideen sprechen kann, so viel man will, ohne daß Jemand mit der unbequemen Frage dazwischen kommt:..Wollen Sie mir nicht, verehtter Herr, mittheilen, wodurch Sie Ihre große Liebe zum Volke beihätigen?" Und findet sich in der Gesellschaft einmal solch' ein Held, so wird er von allen Seiten gleich so in die Enge getrieben, daß ihm die Lust vergeht, ein zweites Mal derattige un- statthafte Fragen zu stellen. Was soll ma« dazu sagen? Ein Künstler spielt und wird gerade in dem Momente, da das Instrument unter seinen Händen die süßesten Melodien ertönen läßt, von irgend Jemand mit der Frage unterbrochen:„Wollen Sie mir gefälligst sagen, welchen Nutzen bringt diese süße Melodie?" Nun, die Liebe zum Volke— ist daS etwa keine Musik? „Schnell, schnell zur Heimath!" Gewiß Maluga dachte weder an die Scheinliberalen noch an die, welche au« ästhetischen Rücksichten ihre Liebe zum Volke zeigen; er war vielmehr überzeugt, daß seine Betrach- tungea nicht solche bleiben würden, sondern daß er sie unbedingt durch Thaten zum Ausdruck bttngen wird. In welcher Form die« geschehen könne, da« war ihm noch nicht klar. DMchen W die Nac Kettet. Jjchscher 5 Mger dm von den Spitzelorganen gegen die demokratische Züricher gierung getrieben wird. Da« Retchsragomandat de« Herr« Sattler Melle-Dtepholz ist bekanntlich erloschen, nachdem strebsame Herr mit einer Gehaltserhöhung zum Geheim«: Archivar beföidert ist. Wie die„Deutsche Volksztg." f% Rorschas Hannover schreibt, wird fich Herr Sattler bei der demnächstigaAs" Zolldl Wahl abermals als Kandidat aufstellen lassen, trotzdem er al- jetzt an in Berlin wohnt.— Sattler siegte im Jahre 1881 K?'® Rc trotzdem er unermüdlich Wahlversammlungen abhielt, und taism durch d der Boulangeranast nur mit einer gettngen Mehrheit.«lamst gea Heidenmäßig viel Geld, aber nicht für die VoB�.mrrr& schulen haben wir in der Staatskasse. Wie es in den VollS�Wsteine, schulen mitunter ausfiebt, dafür bringt die„Voss. Ztg." ein BqAU.der Zo spiel aus der Provinz Posen aus Bonikowo bei Kosten. D»«thaftung dottige Schul und Lehrerhaus aus Lehm mit einem Sttobd erinnert an mittelalterliche Zustände. Unlängst geht die F des Lehrers auf den Boden, um etwas zu holen, da fällt I mit dem einen Fuße in das Schulzimmer, weil die Decke" Last zu halten nicht mehr im Stand war. Glücklicherweise die Frau mit dem bloßen Schrecken davon. Nicht lange da in den Togen der letzten Regengüsse, stürzte die Hälfte Lebmwand im Schulzimmer nieder, zum Glück in einem T D zu> yK N ist, l � unt 9 Ber de �»fidenten «icher er __________ fe blicke, wo kein Unterricht stattfand. Auch eine Illustration# dem nicht unvergessenen Aussprucye des Grafen Brühl von*' wl:e21er „Schulpalästcn!"_ An» Schwedt schreibt man dem„Stett. Vollsdl.": k. ,KI6e Leser dieses Blattes dürffen schon von manchem Streik iwi.®1",1,' haben, aber ein Lttcik bei einem Begräbniß wird ihnen �(b*- etwas Neues sein. Ein solcher hat fich hier am letzten 6*? jothwi tag ereignet. An genanntem Tage Nachmittags 4 Uhr Wj* Beerdigung des 18 jährigen Schriftsetzers Gedel statt. Es W* fich eine große Anzahl Männer, worunter viel Zigarrenm� auch die Mitglieder des Gesangvereins„Vorwärts", eingnj den, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen; Rr* in reicher Fülle schmückten den Sarg. Zur rechten Zert fich auch die beiden Kirchendeamten, der Geistliche Schacht? der Küster Horst, im Trauerhause ein. In einer llnterrtj des Geistlichen mit den Eltern des Verstorbenen meinten if5 daß es wohl besser sei, wenn der Trauerzug nicht den küs Weg, sondern den Weg durch die Hauptstraße einschlagen (Der Unterschied zwischen beiden Wegen beträgt ca. 6 SD Zeit) Als der Zug an die Querstioße gelangte, bog der links ad und blieb stehen, als er sab. daß der Z> nicht folgte, sondern rechts der Hauptstraße zu fich bewegte. Als der Geistliche nun den Küster allein stebe». ging er von dem leidtragenden Vater weg nach den Tri und befahl ihnen, umzukehren. Dock von diesen wurde ibi» widert, das ginge nicht, die Leiche könne doch nickt„dül gemacht werden, und als einer der Träger nef:„Rechts!" der Gerstliche:„Wenn Sie kommaiidiren wollen, dann> ich abgehen." Trotz aller Einwendungen der Anwesenden ließ der Geistliche das Trauergefolge und ging mit dem f nach Hause. Der Zug ging nun in bester Ordnung duick Hauptstraße nach d.m Kirchhofe. Hier wurde der feierliche r. Die! in- T f?» un) mit durch den Gesang zweier Choräle vollzogen und alle waren � Keihten� M ....----- hatte Verlan?»-— � der Begrädnißfeierlrchkeit defriedigt. niemand, nach den„trostreichen Motten am Grade" oder etwa nach Geistlichen selbst. Nach unserer Meinung dienen die Rede» ....____...... Geistlichen an Gräbern nicht zum Tröste, sondern machen H«t ifd Kren dä Knnt fi, W 5? �ldt! UMche 3? eit ltion , unsere fünft i Regi Angehöngen nur das Herz schwer, damit fie ihren Verlust u* schmerzlicher empfinden. Wie gut man ohne Geistlichen st? werden kann, zeigt der obige Vorfall. Hoffentlich nehme«£)«er ThVon hiesigen Einwohre: ein Beispiel daran und verzichten in" �" fünft überhaupt auf jeden geistlichen Beistand." st Die Verbreitung eine« antisemitischen flngblmj in Gelsenttrchen hatte der dortige Bürgermeister verbolen." erhobene Beschwerde bat der Bezirksausschuß des Regie bezirks Arnsberg dos Verbot aufaehoben. In der Entsch des Bezirksausschuffes wird mft Reckt hervorgebobcn, da! Beschlagnahme von Dreckschriften ohne richterliche Anor! nur in den in§ 23 des Preßgesetz 6 aufgeiübtten Fälle» läsfig ist und daß daher ein antisemitisches Flugblatt poljf nur mit Beschlag belegt werden kann, wenn darin zur# ung einer strafbaren Handlung aufgefordert wird oder in' den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Da ale e erzählt ftanzö! ' das Arbe aufges nol der Bevölkerung zu Gewa'Uhätigkeiten gegen einander ösi>A angereizt werden.� Auch dann fft die Beschlagnahme nur fty wenn dringende Gefahr besteht, daß bei Verzögerung üfj W Uredte 3 schlagnahme die Aufforderung oder Anreizung ein oder Vergehen unmittelbar zur Folge haben werde. Ausweisungen an« Leipzig. Auf Grund listcngesetzes find am Montag mehrere Steinhauer ausgewiesen worden. SchW-iz. Der Grütliverein verwarf in der Generalabsti#',!' die beantragte künftige Nichtaufnahme auel»« scher Arbeiter.(Bravo!) y Der Bundesrath ließ durch die Bundeskanzlei treffend die Lindauer Beschlagnahme sozialdemokratischer � ten und Verhaftung dreier Schweizer— folgende sa .-»anbei ftw.«», W ifro Auf die Frage, was er in Rußland machen werde, � wartete Maluga:„Dort ist noch viel zu thun; ich reise � um mich genauer zu informiren, ich werde sehen und � selbst ans Werk gehen."— In Gedanken malte er M J künftige Thätigkeit in so hellen, glänzenden Farbe« � daß sein Herz fteudig erregt wurde:„Ein nützlichere gutes Werk! Segen bringende Thätigkeit! Eine wüttch* f lohnung!� Und Ewgescha! O wie werde ich sie er)'�� Auch in Betreff des letzteren Punktes hatte er die heften seines Planes noch nicht bedacht, doch war er.W die Tochter zu ihrem eigenen und dem Heile der W«! zu erziehen.„Auch sie wird das Volk lieben!" J Dann kam ihm plötzlich die Idee:„Wer we'v.. leicht befindet sich jetzt in einem der ttaulichcn®fst" der Heimath ein Mädchen, das mich und Ewgescha � wird, und wir Beide erziehen das Kind dann nicht Z« «rany $ �"rantz < W Mädchen— aber zu einem Wunder von Tugendem�� Er gedachte auch des Grabhügels unter den und eS war ihm etwas wehmüthig zu Muthe; der') � sonnige Tag aber rief ihm zu:„Lebender, genieße da Schnell, schnell in die Heimath! Auf zur geme Arbeft!" (Fortsetzung folgt.) Vanaf Ktan* 4 11 # Mlltz beiden lustigen Stückchen, die uns zeigen, daß m& Lzhe politische Satire sich denn doch auf einer andere findet, als in unseren sogenannten politischen Witz« Im Hnfe« oo« Tonio«. Dramatuche Szene in 2 Bilbern- Auftretende Personen: n,wm;ral.# Floquet, Ministerpräfident.— Krantz."Iv fefI) Mehrere Marineoffiziere, der Untersteuermann, Ott der Handlung: Der Hafen von Erstes Bild.« aM A (An Bord des„Colbett". Floquet hinauf und kommt auf dem Deck an. Admiral» H ixdk'z n-nnt '»4 °qv fci i *4 steue Züricher 3i �Mchen Kenntniß bringen:„Die Zeitung„Soziaidemolrat" � d? Nachricht gebracht, und andere Blätter haben sie weiter Sattler strömet, daß die in Lindau wegen Einführung sozialdemo- nachdem da{"»scher Druckschristen erfolgte Verhaftung dreier schweizer a Geheim»?�« durch Denunziation seitens des schweizer Zollpersonals Zolksztg" d�Norschach herdeigefühst worden sei. Die vom eidqenösst- ZemnächstigoAm Zolldepastement angeordnete Untersuchung hat diese Mit- zdem er v» Mung als gänzlich unbegründet herausgestellt. Das Zollper» Jahre IM' 2™ in Rorschach erhielt ron diesem Vorfall wie das Publikum :lt, und WF» durch die Zeitungen Kenntniß.?iach dem, was in Rorschach est.„ rw'Wt geworden ist, soll die betreffende Sendung Druckschristen die NolM.mier von Altenrhein nach Lindau ae'ührten Schiffsladung den Pol»«uhlft einen enthalten gewesen sein. Die Entdeckung wurde !tg." ein BnM der Zollbehörde in Lindau gemacht, welche hierauf zur Kosten. T�«lhastung der Schiffsleute schritt." m SKobda» cht die% da fällt» ie Decke dl cherweise ß#| lange dan» - Hälft-* einem Auß* lusttation lrühl voa d> lsbl.": ß Streik g-A ihnen � letzten%i Uhr fiin>* ttt. Es h°� igarreniw� s". eingrff isen; W t Zeit ßf Schachts Unterrckd leinten W, den t hlagen a. 6 wg der der Zu« zu fich»5 n slcbe»? Frankreich. k..?ei dem Sänket, welches in Cberbourg zu Ehren des d»ftdmten Garnot stattfand, hielt dieser eine Rede, in «tcher er hervorhob, das Vertrauen der Bevölkerung zu der ?®«ung sei von dem vollen Bewußtsein durchdrungen, daß «Republik alle Ansttengungen mache, um Frankreich eine un« Mmene Machtstellung und dadurch die ficherste Garantie für j? mieden zu geben, den das Land aufrecht erhalten wolle. r* Regierung wisse, was sie von der französischen Marine er- ■Jwn könne, und sie wisse wohl, daß fie unter allen Umständen 5»ieselbe rechnen könne. Dieselbe Ucberzcugunq hätten auch Kammern, deshalb werde Frankreich keine Ovfer scheuen, £*« nothwcndig erscheinen, um ihm alles zu gewähren, was ™ nothwendig sei. Departement Haute- Vienne haben die Eisenbahn« »i�tcr zum Theil die Arbeit wieder aufgenommen; auch im r�ttement Corrsze, wo die Lage seit einigen Tagen weniger M ist, hofft man heute eine Verständigung zwischen den Ar« und den Arbeitgebern zu erzielen. K-lgi-tt. U Die Pariser Arbeiterdelegitten baden Brüssel wieder ver- g- Drei Tage hindurch haben fie, um zwischen der bei« fjpn und französischen Arbeiterpartei eine Annäherung zu de« pmu mit den Brüsseler Arbeiterführern und Syndikaten ver« Ciwlf. Noch vor ihrer Abreise haben sie im Hauptorgane der dffnterpGrtei, dem„Peuple", den Brüsselern ihren Dank in AT? Briefe ausgesprochen, den der„Hamb. Corr." wie folgt Netzt:„Mit dem Gefühle der Dankbarkeit," so heißt es rff?«„rufen wir unseren belgischen Freunden nicht ein Lebe» wt' sondern auf Wiedersehen zu, denn während wir von dänischen Brüdern durch 320 Meilen und 3 Grenzen "'oe��I T*nnt find, scheiden uns von Euch nur wenige Kilometer und �.einzige schon sehr erschütterte(!) Grenze. Tausend Male «SjÄ f* b Regien W# dann lesenden. dem a dui« eierliche le waren te Vciiotv ,a naw � ic ReNtN machen Verlust tlichen nehmen chten in» kluavl«�, rbolen- Regie Entsche cn. d- Anor? itt povf a M oder in. iedenei lder ö? »»er* . des i aus � awbsti-A lusia" R-v iv„.— v—.......... � die Begeisterung und die Kundgebungen brüderlicher %%« wit welcher Ihr die Pariser Abordnung aufgenom- vabt! Dank für Eure Gefühle gegen Frankreich und das ._______ Proletariat!"Wir sind aus'Paris mit einem zu er« �enden Mandate abgereist; wir werden dahrn zurückkehren Jm einem von unseren dänischen und belgischen Brüdern ge« Mhten Gute, welches wir den Ardeitern Frankreichs mit der ewrßhcit übergeben werden, daß alle ihre Bestrebungen darauf Achtet sein werden, die gemeinsamen Forderungen der "'ernationalen Arbetter zu verwirklichen. Die rothe Fahne ilbreise aus Kopenhagen begrüßt, fie hat unsere ... Brüssel degrüßt, und wir hoffen, daß sie bald r? Regierungsantritt des Volles, den Zusammensturz �Throne und die Beseitigung der Grenzen begrüßen wird." L Da gleichzeitig der Generalrath der belgischen Arbeiterpartei, L der„H. C." weiter, eine„feierliche Verabschiedung {*l faanzofischen Brüder" verkündet hatte, so war das Volks« das mit rother Fahne geschmückt war. erleuchtet; an Arbeiter mit rother Fahne und Musikkorps hatten sich vor aufgestellt und führten unter dem Gesänge der Marseillaise, bagnole und des Amneftieliedes durch die Straßen der Egt— wobei die Plätze des Rathbauscs und Saint-Jean %% beleuchtet waren— die Pariser nach dem Norv- Amerika. KjOoS Schreiben Harrison's, in A�ettwrlligkeit zur Annahme� der ... welchem derselbe seine Präsidentschafts- Am ünuuynit w»« � � fttftilk.' oa t u r ausspricht, erklärt, die von den Demokraten an- Uvd 2't Tarifreform komme in der Praxis dem Freihandel gleich, «lz�oerspricht, die Zollsätze zu mobiffziren; die amerikanischen l eten den amerikanischen Produzenten zu erhalten und «ys�.�usse die Höhe der Löhne durch unterschiedliche Zölle werden.{??) Harrison wendet fich gegen die «n) ifJJ- tu,n8 mittelloser Leute und Verbrecher vom Ausland(!) �chlh-on�"�. ebenso die fortgesetzte Chinesen« Einwanderung. <Ä..!?�ud die Ueberzeugung ausgesprochen, daß es den Wß, Untschen Diplomatm durch festes und würdevolles Auf- �isch».� werde, eine schleunige und friedliche Lösung der �erfrage herbeizuführen. U mir� � atrose"' ulo«- � Ufr'' wntz; Bravo! Sie haben den Tritt eines Seemanns! Ich vergöttere die Marine! Meine Eltern haben werden lassen. Sie haben meine Bestimmung das r 94 bin ein wahrer Seelöwe, und mit Allem, . 5.21"� beißt, bin ich auf's Innigste verstaut. mWfÖ�wn? fo an®0r!3 wan nicht nöthig, Sie �jöquet; Absolut unnöthig. Sehen Sie, worauf mein wiW? �lem Augenblick tritt, das heißt„Deck". Ein £ einfach„Fußboden" sagen, ick sage„Deck". -Masten" Saugen, die da in die Höhe ragm, das „ Sehr gut! Sehr gut! % hjg%ek: Der in der Mitte, welcher größer als die übrigen «.'ltder„große Mast". �kfiziere: Er weiß alles. Dieser Theil des Schiffes, auf dem wir jetzt stehen, �-chtffs.HintettheU, und der andere da, der die Wogen «ran! �*08 Vordertheil. äl0„h Man kann Jhnm nichts neues mehr sagen. S8*: Lmfs da ist das Backbord. Mntz: Bravo! � ttoJ** zusammen, die da in den Masten Herumhängen, Crantz �Taielaä � Sappermmt, helfen Sie mir! riili Takeloge, richtig. Hier in dieser Glaskapsel er» t nnen Kompaß. 2:. �n Kompaß in seinem Komvaßhäuschen. en keinem Kompaßbäuschen, ich wollte es gerade l«a ist �er Kompaß habe ich selbst gesagt. Ah! Sehen ?vinn.' ein Mann, der an's Ruder geht.... an die ®uien Tag, Unterstmermann! Recht, von der der Nereiue mh Versammwnge«. Verband deutscher Mechaniker und verw. Berufs- genossen(Z. B.) In der am 5. d. M. im Zteuen Klubhause abgehaltenen Versammlung hielt Herr Dr. Wille einen Vortrag über„Moral des allgemeinen Glücks." Der Referent führte folgendes aus: Die heutige Wissenschaft setze uns in dm Stand, das Gute, das Nützliche von dem Schädlichen zu sondern, die Unlustquellm mehr und mehr zu verstopfen, die Luftquellen besser stießen zu machen. Gut sei alles Glück Fördernde. SM- lich gut seien Eigenschaften des Charakters, der Gesinnung, welche zum Wohle der ganzen Menschheit beitragen. Eine innere Stimme, ein unbewußtes Urtheil in uns, das Gewissm, sagt uns ob eine Handlung gut oder schlecht sei. Das Gewissen sei aber nicht, wie auch heute noch viele glauben, ein durch ein höheres Wesen in uns verpflanztes Etwas, sondern es sei den Menschen anerzogen, und nicht dlos den Menschen, sondern ganzen Völkern. Bei manchen wilden Völkerschaften sei z. B. das Stehlen nicht nur erlaubt, sondern den Feinden gegenüber sogar als etwas Rühmliches geboten. Das Duell sei für einzelne, die sogenannten besseren, Schichten unserer modernen Gesellschaft noch immer Ehrenpflicht, während es gesetzlich schon lange verboten ist. Wenn ein Kind einmal für eine Handlung bestrast wurde, so warnt es bei der Wiederholung dieser That ein unangenehmes Gefühl, das schlechte Gewissen; es weiß, daß es Strafe zu ermatten hat. Ist es dagegen wegen einer guten That belobt worden, so wird es diese mit Freude wiederholen, da ihm eine Be- lohnung winkt. Dieses Gefühl ist ihm angenehm, es ist das gute Gewissm. Das Gewissen sei also ein Produtt der Erziehung. Das Gewissen der Völker ist durch deren verschiedene Erzieher verschiedmattig entwickelt worden. Die jeweilig zur Macht gelangten Personen oder Klassen, seien es nun Eroberer, oder sei es die Priestettchast gewesen, hätten immer, wie die unparteiische Geschichte lehtt, ihren eigenen Vortheil über den der Gesammtheit gestellt und das öffentliche Gewissen leider nur zu häufig mit Erfolg nach ihrem Geschmack umzubilden versucht. Das öffentliche Gewissen könne nur da gedeihen, das Glück und Wohlergchn der Ge- sammthett könne nur da seinm Höhepunkt«reichen, wo die Tugenden der Wahrhastigkeit und Ueberzeugungstrcue in d« Wissenschaft wie im gewöhnlichen Leben geübt werdm, wo Jeder den Muth hat und in d« Lage sei, seine Gedanken, so wie fie sind, auszusprechen und fie andern un»«fälscht mitzutheilm. Geistige Unduldsamkeit sei der ärgste Feind d« Ued«jeugungstreue. Jede Unterdrückung ehrlicher Meinungen wirke schädigend auf die Gesammtheit. Ebenso unsinnig wie es sei, einen Buckligen zu bestrafen, deswegen weil« bucklig ist, ebenso un- finnig sei es, Ueb«zeugungen und Gedanken zu bestrafen. Denn derjenige, welch« aus wahrer Ueb«zeugung spreche, handle unt« einem geistigen Druck, dem« nicht widerstehen könne. Jede geistige Unduldsamkeit sei Ungerechtigkeit und hemme den Fort- schritt der Kultur. Einen Hauptfaktor im Völkerleben bilden die Mitgefühle, das Mitleid und die Mitfreude an dem Ergehen der Nebenmenschen. Die heutigen Führ« der Arbeiterbewegung, die selbstlos fich allen V«folgungen aussetzten, seien wohl zum größtm Thell durch ihr Mitgefühl mit der Lage der arbeitenden Klassm dazu gedrängt worden, für die Hebung und Besserung d«selben mannhaft einzutreten. Der heutige Katechismus d« bürgerlichen Moral kenne nur Verbote, er bekümmere fich nicht um die Ursache der Vergehen und Verbrechen, nicht darum, daß die Mehrzahl derselben aus Roth geschehen; derselbe sagt nur:„Du sollst nicht stehlen!"—(An uns Proletariern aber sei es, dafür zu sorgen, daß die V«bällniffe fich so gestalten, daß keiner mehr nöthig hat, zu stehlen. Rauschender Beifall be- lohnte den Herm Ref«enten für seine trefflieben Ausführungen. Der Fachverein der Kteinträger Kerlin« hiett am Sonntag, den 9. d. M, seine außerordentliche Generalversammlung bei Scheffer, Jnselstraße 10, ad. Auf der Tagesordnung stand: 1. Abrechnung vom Stiftungsfest. 2. Beschlußfassung üb« das in d« vorhergehenden Versammlung vorgelegte ver« änderte Statut. 3. Innere Vereinsangelegenheiten, Vnschie- dencs und Fragekasten. Zum ersten Puntt der Tagesordnung wurde die Abrechnung vom Stiftungsfest von Herrn Valentin «stattet. Es ergaben die Einnahmen 43ö M., die Ausgaben 343,75 M., mithin bleibt ein Ucberschuß von 81,25 M. Nachdem die Abrechnung von d« Versammlung für richtig erklärt worden, entstand wegen der Festkomitee- Mitglieder Knack und Rüstow, die sich ein V«sehen haben zu Schulden kommen lassen, eine längere und lebhafte Debatte. Schließlich wurde die Ange- legenheit dem Vorstände zur Regelung überwiesen. D« Vor- fitzende, He« Renntbal«, stellte hier die Frage, wozu der Heb«. schuß verwendet werden soll. Hierzu stellt He« Valentin den Antrag, daß er d« Vereinskaffe zufließen soll, da im verflossenen Jahr ein Defizit entstanden ist. Dieser Antrag wurde ein- stimmig von der Ansammlung angenommen. Alsdann wurden die Statutenänderungen vorgenommen und sämmtliche Vnän- derungen einstimmig angenommen. Hierauf wurde vom Vor» fitzenden die Einladung zum Stiftungsfest der Magdeburger Kollegen verlesen und zwei Mitglieder gewählt, welche nach D« Unteriteunmann: Guten Tag. mein Herr 1 ...&&C5&- s« N- Dlfto: E- WM ,» nudj. i>m MInIsw. Krantz: Das ist d«... Küche?"1"*' 6a0en Sie � nidW' 14 u-eiß es. es ist der Krantz(lächelnd): Oh! Krantz: Hören Sie auf! Sie wissen mehr als ich. Zweites Bild. «.SÄStÄS« � ®.ä »ä-äI ÄtÄÄm. sti; das Boot kommen! (Die Schaluppe Floquct's«scheint.) Adieu, meine Herren, Adieu, ihr Burschen! *,* I» de« Jahre« der Illusto»»». Dramatische Szene nach dem Franzöfischen des„Figaro". Auftretende Personen: faules F«ry, osepb, sein Dien«. « Schneider. ÄÄ ÄfSrnTÄSf»STÄ'"!?® Magdeburg fahren sollen. Einem kranken Mitgliede wurde» 10 M. Unterstützung bewilligt. Zum Schluß ford«te d« Vo» fitzende die Mitglieder auf, fich reger an d« Liedertafel zu be- thelligen. Die nächste Versammlung findet am 14. Ottober statt. Die Filiale Kerli« III d« Vereinigung der deutschen Maler, Lackirer, Anstreicher und Berufsgenossen hielt ihre«ste Versammlung am Mon- tag, den 10. d. M., Andreasstraße 26 ad. Die Tagesordnung lautete: 1. Wahl des gesammten Vorstandes. 2. Verschiedenes. Nachdem der provisorische Vorfitzende Herr Ewert die Versammlung eröffnet, wird sofort zur Wahl geschritten. Als«st« Bevollmächtigter wurde gewählt He« Kube, als zwett« H«r Lindau, als dritter H«r Schleifte; als Beifitz« die Herren Schlechte und Güldenpfennig und als Revisoren die Herren Ewert und Fehlhab«. Zu„Verschiedenes" macht H«r Wentk« bekannt, daß fich das Vereinslokal bei He«n Göttel, Andreas» sttaße 34. befindet, daß der Arbeitsnachweis daselbst an den Wochentagen von 3—9 Uhr Abends und Sonntag Vormittag? von 10—12 Uhr stattfinde. Redn« fordert die Anwesend«» auf, dahin zu agitiren, daß die Meister ihre Gehllfen aus dem Arbeitsnachweis der Gehilfen entnehmen. tz«r Link fordert die Kollegen auf, thatkräftig für den Verein einzutreten, damit ein jed« Berufsgenosse b«| Organisation fich anschließe, um so etwas Großes und Ganzes zu schaffen. Zum Schluß wurde noch ein Antrag angenommen, daß die Filialen ihre Versamm- lungen stets am ersten Dienstag nach dem ersten eines jeden Monats abHallen sollten. Eine grosse öffentliche Versammlung ver Tischler und Berufgeyossen tagte am Dienstag im Lokale Königsbank, Gr. Franksurterstr. 117, mit der Tagesordnung: Das Alters» und Jnvalidenv«ficherungSgesev der Arbeiter. Nach Wahl des Bureaus aus den Herren Zubeil. Ritter und Schäfer,«griff d« Referent. Hen Auerbach, das Wort und führte, oft von leb» baftem Beifall der Zuhör« unterbrochen, den Entwurf in seine» Einzelheiten vor und legte die verschiedenen Mängel desselben klar»u Tage. Er kritistrte scharf und treffend die RiedMkett d« Rente, die Höhe d« Altersgrenze, das Quittungsduck und die Art und Weise dn einzurichtenden Verwaltung. Hierauf wurde folgende Resolutton v«lesen und einstimmig ange» nommen:„Die heute im Lokale„Königsbank" tagende öffent» liche Ansammlung der Tischler und Berufsgenoffen«klärt fich mit dem Referenten voll und ganz einverstanden,«blickt in dem vorliegenden Gesetzentwurf nur eine Veränderung der Armenpflege und krinen nennenswerthen Vortheil für die Arbeiter; im Gegentheil durch Einführung des geplanten Ouittungsbuches eine H«ab- setzung und ein Drängen in immer größere Abhängigkeit vom Fabrikanten und Unternehmer; deshalb erhebt die Versamm» lung einmütbig Protest gegm den Gesetzentwurf und fordert d«« Arbcit«vertreier im Reichstage auf, gegen denselben zu stimmen." ?n d« nun folgenden Diskussion sprachen die Herren Wirtt«, ubeil, Maikaan und Page ganz im Sinne des Referenten und ergänzten unt« anhaltendem Beifall das Ref«at noch in einzelnen Punkten. Hinauf theilt der Vorfitzende, He« Zubeil, noch mit, daß am nächsten Montag eine öffentliche Tischler v:r» sammlung mit dem Alters- und Jnvalidengesetz- Entwurf auf der Tagesordnung im Lokale„Sanssouci", Kottbuserstr. 4a, stattfinden wird, und daß der überwachende Beamte die Teller- sammlung verboten habe, da ste infolge eines Versehens nicht angemeldet worden war. Die Kollegen, die etwas zur Deckung d« Unkosten der Versammlung beisteuern wollten, sollten die Beträge an seine Adresse, Waldemarstr. 73 II, senden. Hinauf wurde die Ansammlung geschloffen. J« der öffentlichen Versammlung der Drechsler, welche am Montag, den 10 d. M., bei Deigmüller, Alte Jakob» straße tagte, refnirte He« Hildebrandt über die Altns- und Jnvalidenverflcherung d« Arbeiter. Refnent unterzog verschie» Vene Paragraphen dieses Gesetzentwurfes einer scharfen Krittk. namentlich die Einrichtung dn zu bildenden Schiedsgnichte, da in denselben der Arbeitnehmer so gut wie eine Null sei. Fern« sei die Unterstützung von 120 Mar! pro Jahr zu niedrig, da kein Mensch hiervon existiren könne; ebenso seien die 47 Bei» tragswochen in einem Jahre zu hoch gegriffen, da im Drechsler» gewerbe wohl selten Arbeit« zu finden find, die Jahr aus Jahr ein Beschäftigung haben. Auch die Altersgrenze ist zu hoch, denn bei Nachfragen in den meisten Werkstätten ist kein Drechs» lergcselle zu finden, d« über 60 Iah« alt ist, die Unterstützung daher mit dem 55. höchstens dem 60. Jahre eintreten müsse und dann wenigstens die Hälfte des Lohnes zu betragen habe. Ebenso ist die Einführung eines Quittungsbuches, welches dem Arbeitsbuch gleichkommt, zu v«werfen. In demselben Sinne sprachen die tze«en Böttch«, Sündermann und andere; auch fie meinten, daß gegen diesen Gesetzentwurf entschieden Front zu machen sei. Eine diesbezügliche Resolution wurde wegen zu schwachen Besuches dieser Versammlung vertagt; am Monte» den 24. d. Mts., findet in demselben L orale eine öffentlich« Versammlung der Drechsler statt, wo dieselbe zur Abstimmung gelangen soll. He« Hildedrandt theilte noch einiges üb« den Streik der Hamburg« Drechsl« mit, dann wurde die V«» sammlung geschloffen. Der Urrei« zur Mahrung der Interesse« V«» Kchuhmacher und verwandten Berufsgenoffen tagte am Mo«» abgespannt, sogar ein wenig angeekelt, und da will man mich schonen, od« man fürchtet, einen Korb von mir zu bekommer. Sie kennen mich nicht. Ich bin nicht todt zu krieaen. Wie vermöchte ich in die Stille des Privatlebens zurückzukehren, jetzt, wo man fich auf allen Seiten mit mir beschäftigt, jetzt, wo ich zu so vielen Banketts eingeladen werde? Beweis, daß ich noch zu großen Dingen destimmt bin, ist, daß Carnot, da « mich nicht zum Minister bekommen konnte, ein Mitglied mein« Familie aufgesucht hat, Floquet, genannt der Liebens- würdige. Es scheint mir, man bat geschellt. Sicherlich, ick w«de nichts anderes annehmen als die Präsidentschaft des Minist«» raths mtt den auswärtigen Augelegenheiten od« der Justiz... Joseph, w« hat da geschellt?.... Der Schlacht«? Sag' ihm, er soll ein ander Mal wieder vorsprechen. Die Sckelle ist jetzt ausschließlich für He«n Carnot, seine Minist«, seine Abgesandten und die Redakteure der„Rspublique Fcanqaise" reservirt. Es ist klar, man durstet nach einer Veränd«ung. Man müßte blind sein, um das nicht zu sehen. Aber Carnot wird eigenfinnig. Er hat fick geärgert, daß ich mich gleichzeitig mtt ihm um die Präfidentschaft der Republik beworben habe, und er weiß sehr wohl, daß er nur gewählt ist, weil ich zurückae- treten bin. Einfacher Tribut, gezollt einem großen, republika» nischen Namen! Und dann beunruhigt ihn meine Popularität. Ich kann nicht üb« die Straße gehen, ohne daß man mir nachläuft und meinen Namen ruft:„Jules Ferry, Jules Fmy!" Man hängt noch ein Wort daran, ich habe es niemals verstanden, ab« gewiß läßt fich so etwas nur als Popularität bezeichnen... Das ist ein ander Ding als mit Boulanger. Dies« Mersch steht nicht weiter, als seine Nase reicht. Begreift er denn nickt, daß er völlig außer Kours gesetzt ist? Alle Zeitungen, die ich lese, die„R-publique", der„Temps",„Paris", fallen üb« ihn her. Seine Freunde geben fich also nicht einmal d« Mütze, ihm die Auaen zu öffnen? Dies Mal hat es ganz gewiß bei mir geschellt... Joseph. lassen Sie ihn eintreten, in den Empfangssalon... Ich komme sofort. Ich bin etwas bewegt. Carnot bat also nachgegeben. Konnte er dem Rufe All« widcrstehm?(Er tritt in den Salon). Ah! mein Schneid«!(Faßt fich schnell). Run. da Sie einmal da sind, mein Freund, so nehmen Sie mir Maß. Ich wünsche ein Wams... so wie... Nun. wissen Sie. mit ich es wünsche? tag, dm 10. d. M., im Königstadt' Kasino, Holzmarlistraße 72. Auf der Tagesordnung stand: Bortrag des Herrn Paul Ernst über„Moralische Theorien". Bevor der Referent begann, theilte der Vorsitzende mit, daß eine Versammlung mit einem Vortrag des Herrn F. Kunert die polizeUiche Genehmigung nicht er« daltm habe, worauf eine andere angemeldet wurve, welche die Genehmigung erhielt. Der Vortragende führte u. A. folgendes aus: Moralisch gut sei eine Tbat, welche mehr Nutzen als Schaden dringe, welche eine größere Anzahl glücklich mache, auch wenn sie für den Einzelnen nicht immer als Glück gelten iönne. Jesus hätte in seinen Lehren als Moral stets die Liebe gepredigt, den Haß habe er nicht berücksichtigt. In neuerer Zeit sei aber eine Weltanschauung entstan» den, welche dm Haß in ihr Programm auf. genommen habe. Die Sozialdemokratie lehre nicht, geduldig auszuhalten, wenn einem Unrecht wtederfährt, sondern ungeduldig zu werden. Die Ideale aller neueren Wettanschauungen liegen m der Zukunft. Auch beim Sozialismus sei dies der Fall. Zur Dtikusfion sprachen die Kollegen Max und R. Baginski und Borchard. In den Ausführungen des letzteren wollte der überwachende Beamte Politik erkennen, weshalb derselbe den Vorfitzmden fragte, od der Verein ein Fachverein sei und ob derselbe Politik treibe. Der betreffende Kollege ist nach Schluß der Versammlung fistirt worden. Zu Verschiedenes wurde mit» gctheill, daß die nächste Versammlung am 17. September bei Fcy, Bnmnenstr. 140 stattfinde, sowie daß nächstm Sonntag eine Partie mit Damen nach Schmargendorf staltfinde. Treff- punkt Askanischer Platz, Mittags 1 Uhr. Alsdann wurde ein Vergnügungskomttee gewählt. Eine Mittheilung, daß am 24. d. Mts. im Louisenstädtischen Konzerthaus eine öffentliche Schubmacher-Versammlung stattfinden soll, wurde noch zur Kenntniß der Versammlung gebracht. Große öffentliche General- Uerfammlnng sammt- licher Zitttmerlente Berlins und Umgegend am Montag, den 24. September, Abends 8� Uhr, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuscrstr. 4». Tagesordnung: Referat und Diskussion über die Gesctzesoorlage der Invaliden- und Altersversorgung der Ardeiter. Referent Herr M. Schippel. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Die Versammlung ist genehmigt. Kameraden, auch die Zimmerer Berlins find verpflichtet, ihr Votum abzugeben und sich klar zu werden, welche Stellung sie dieser Gesetzes- vorläge gegenüber einzunehmen gedenken. Zu diesem Zwecke findet diese Versammlung statt, und erwartet man eine ahaemeine Bctheiligung aller Zimmerlcute. Wir ersuchen darum, auf allen Plätzen und Bauten dies zu veibretten, und wenn es erforderlich ist, auch einmal diejenigen Zimmerer aufzurütteln, welche derartig fest schlafen, daß sie weder hören noch sehen, in welcher Lage oder Stadt sie sich definden. Man überzeuge sie, daß es auch Pflicht der Zimmerer Berlins ist, daran mitp arbeiten, damit die drückende Lage des arbeitenden Volkes 0 träglicher sich gestalte. Also, der Saal ist groß genug. Da» diesjährige Ktift«»g«fest des Vereins 0 Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter und Bern» genoffen, bestehend in Konzert, Theateraufführung und S?» findet Sonnabend, 15. September, im Konzertbaus Sanssora Kottbuserstraße 4», statt. Billets für Herren 50 Pf., Dam* 25 Pf., find nur vorher zu haben bei den Kollegen: H. Rag* Wienerstr. 25, H. 3 Tr.; G. Hahn, Lübbenerstr. 13; E. Sp» feld, Sorauerstr. 27, sowie bei sämmtlichen Vorstands Mitgliedern und im Arbeitsnachweis bei C. Pfister, Waldems straße 61. Große öffentliche Generalverfammlung fämmtlich« Zimmerleute Kerlin» und Umgegend am Sonnabend,% 15. September, Abends 8% Uhr, im.Neuen Klubhaus", Ks* mandantenstr. 72. Tagesordnung: Abrechnung des Arbeili Nachweises. Neuwahl der Kommission. Verschiedenes. Seffentliche Versammlung der Kchloffer Kerutogenoffe» Kerlin» am Donnerstag, dm 3. Septmda Abends 8; Uhr, im Louisenstädtischm Konzerthaus, Atte JaW' straße 37. Tagesordnung: 1. Die Alters- und Invalid» Versicherung der Arbeiter. Referent Herr Alb. Auerdach. kusfion. 2. Verschiedenes. *. Theater. Donnerstag, den 13. September. #*#**#*#»: Turandot. AManspirlhan»(im Wallner- Theater): Tante Therese. Pariser Leben. Mostdent-Uheater: Francillon. A» Theater t Tell. »»lleaRtance-Uheater: Tricoche und Cacolet. Uidtorta-Theater r Die Kinder des Kapttän Grant. Adolph-Ernst Theater. Die drei Grazien. ['« Varittt t Spezialitäten- Vor- Tomeordi«- Theater t Spezialitäten- Vor- Theater der Keichshalle«: Spezialitäten- Vorstellung._ Köni�städtisches Theater. Alexanderstr. 40— Kurzestr. 6, Stadt» und Pferdebahnverbindungen nach allm Richtungm der Stadt. Heute, Donnerstag, den 13. September: Zum 151. Male: Der Dettetstlldent von Serlin. Große Gesangs- Poffe in 5 Bildern von Martin Böhm und Hugo Buffe. Kaffmeröffnung 6i Uhr, Anfang 7t Uhr. Bons und Zeitungs-Ausscknitte habm Gtltigkeit. Alles Nähere die Anschlagsäulen. Freitag, d. 14. Septbr.: Dieselbe Vorstellung. American-Theater. Direktion A. Reiff. WallAartheatepstrasae Nr. Ist. Donner st ag, den 13. September: Zum 8. Male: Die Weisheit Salomen sk/s. Berliner Lokalpoffen-Pantomime von R. Anger. Musik arrangin von R. Thiele. l. Bild: Die Renommirstunde bei Haast. 2. Bild: In der Academy of music. 3. Bild: Bei Mutter Pignatelli im Cour- saal. 4. Bild: Berlin um Mitternacht. 5. Bild: Bor'm Schöffengericht. flieu einswdirt: Tausend und eine Nacht. Operette von W. Köhler. Musik von R. Thiele. Austreten der drei Geschwister Deispierre, des Jnstmmentalisten Herrn Krüger, des Mimikers Rivoli und des Herrn Mattin Bmdix. Anfana7j! Uhr. Enttee 50 Pf., Patterre 1 M., Ballon 1,25 und 1,50 M., Parquet 1.50 M., Sperrsitz 2 M., Loge 2 M., Balkonloge 3 M. Billet' Vorverkauf Vormsttags 11—1 Uhr an der Kaffe. \ffiy 9 M.- 10 a. Salsa», l Cr. «uüaar-Fanai Ein« Reise durch Kaqrrn. Fahrt mtt der Gotthardbahn. Der ganze Trauerzug und�Aufaahrung Kmser » Wilhelms im Dom. Untrer& GqcL 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn L und IL Tenöre sucht ein alter größerer Männerchor. Adreffen unter L. V- 115 an Rudolf Masse, Prinzenstt. 41.[567 DaS diesjähttae Stifinngsfest des Ptttivß\nt Wllhrllvs dtr Illtereffell & Klavierarbeiter o. Kervfsgsu. bcstehmd in Uaaaai-t, Thaater-AuffOhrungu Ball findet Sonnabend. 15. Septe«b»r. im Tonrerthan» Kanssonri.Kottduserstr. 4», statt. Billets für Herren 50 Pf., Damen 25 Pf., find nm vorher zu haben bei den Kollegm: H. Nagel, Wienerstr. 25, H. 3 Tr.; G. Hahn. Lübbenerstr. 13; E. Sparfeld, Sorauerstt. 27, sowst bei sämmtlichen Vorstandsmitgliedern und im Arbettsnachweis bei C. Pfister, Waldemar- straße 61.'_ 1509 Unserm Freunde A. Tamm »u seinem heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch, daß die ganzeneBalken vor Freude von Teppiche zu billigen Preisen! Wir verkaufen unser Teppich- Lager aus und verkaufen gewöhnliche, baltbare Teppiche für 4, 5 u. 6 M., große Tapestry-Plüsch- Teppiche für 12, 15 u. 18 M. Tischdecken Manilla-Tischdeckm mit Franzen 2, 2,50 M. 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C ntralblatt für Bauoerwaltang". Die Landstraßen als große Handclswege haben, wie der «ertragende ausführte, ihre Bedeutung verloren, sie mußten ilzenübcr der umwälzmden Entwickelung der Eisenbahnen �teriiegm. Diese wie die die Weltmeere durchkreuzenden {wwvferlinien find Schöpfungen der jüngsten Zeit, ihre®e« Wuhte gehört vorwiegend der Gegenwart an. Anders die na- Jüchen Wasserstraßen; fie waren es, auf welchen schon in den Elsten Zellen ein Völkerverkehr fich entwickeln konnte. Von den Umländern und den großen Stcomniederungen hat fich die ditrrielle und dann auch die geistige Kultur ausgebreitet, und r. Flüsse vorzugsweise find so zu Kulturträgem der Mensch» tot geworden. Fiüher als die Landstraßen, auch weit früher J® die Seewcgc find sie zur wirthschaftlichen Bedeutung ge- K�ct, und fie haben diese im großen Ganzen bis in unsere 44ge behauptet. Der Fluh bat seine pbyfikalische und seine Kulturgeschichte. erstere, ein Theil der Erdheschichte, verfolgt die oieltausend- Unge Arbeit, welche die Bewegung des Waffers an der Ober» enge staltung unseres Planeten geleistet hat. Sie lehrt uns, RK die fließenden Gewässer die Thäler ausgewaschen, die Ge« °lrge durchnagt und quer durchbrochen haben, wie dann die -«dem staffelförmig gelrennten Sem abgelaufen, wie ihre Becken Ad die Meeresbuchten durch die vom Waffer hergetrazenen «tMoffz ausgefüllt, dadurch die breiten Flußthäler und die ■«ltcn Tiefländer geschaffen wurden, wie so der Strom aus ftver Vielhell von Gerinnen und Bcckm mehr und mehr zum 'ddrogravhischm Ganzm fich gestaltet hat, ein Vorgang, dem PR ganz ebenso in der Staaten- und in der Kulturgeschichte «ljegnen: dem Durchringen und Wachsen aus dem Beengten Td dem Getrenntsein— jeder Vollsstamm lebte anfänglich 5* Leben für fich— zur freieren Bewegung, zur Einheit, zur Größe. Die physikalische Geschichte der Flüsse ist nicht abgeschlossen; Ater der Wirkung der immerwährenden Eroston des fließenden Wassers dauert die Ausbildung der Flußgerinne fort. Aber to ungeheuer groß find die Epochen der Erdgeschichte, daß ihre «tigen Vorgänge in der Menschengeschichte kaum mcrllich werdm. Das Maß jedoch, bis zu dem die natürliche Ausbil- °ung des Flusses vorgeschritten, ist von Anfang bestimmend für >eme kulturgeographische Bedeutung. Zwar wenn wir an den ll'ern der Flüffe, auch in ihrem Oberläufe, die ältesten Wohn- »Be s!>d'n, so waren es zunächst die klimatisch begünstigte Lage. -r fruchtbare Schwemmboden und der die organische Natur gebende Einfluß des Wassers, was hier zur Niederlassung rjjud; und wenn die großen Völkerwanderungen die Flüffe gezogen sind, so war es wieder vielmehr das Thal, fie folgten, als der Fluß selbst. Ganz natürlich: beide Hungen, die des Verkehrs und die des fließenden Wassers AOzichMi fich unter der Herrschaft des gleichen Gesetzes, des Metzes der Schwerkraft, ihm gehorchend hat der Fluß sich ''wen Wxg gebahnt. Die Flüffe dienten deshalb in früheren £«rn dm Vollem, wie heute noch den in fremde Weltthelle Dp-rinzenden Forschungsreisenden, als Wegweiser, als leUrnde 9,-fn, und wir erkennen andererseits, daß es stets schon das Vorhandensein einer gewissen vorgeschrittenen Kulturstufe voraus- '•*?' bis der Fluß als Verkehrsweg benutzt wird. Wmn also -L* nicht überall für die erste Besiedlung der Flußthäler und ?''oniniedetungen, so doch immer für die zunehmende Verdich- der Bevölkerung, für das Aufblühen der Uferstädte in der �werbsthätigkeit der reichen Stromlandschaften ist die Waffer- "dp die mächtig wirkende Ursache. � Europa, wie in der Gestaltung seiner Küstm, so auch im !?t befreit. Nun kam aber die Einführung der Dampfkraft im Verkehrswesen, zuerst in der Schiffsahtt, indeß bald auch mäch» tig im Landvertehr, und fast schien es, als od die Schifffahrt im Wettbewerbe werde unterliegen müssen. Jn der That, der Landverkehr hatte mehr gewonnen; denn hier war nicht allein die Zugkra't gesteigert, sondern auch die Bahn, auf der die Fuhrwerke rollen, geebnet worden, das SchienenaeleiS ist nicht minder gwichtig, als die Lokomotive. Die Dampfschifffabrt dagegen hatte fich auf der gleichen Bahn zu bewegen, die gleichen Widerstände zu überwinden, wie die Ruder- und Segel» schiffsahtt. Jetzt galt es also, die Wasserstraße zu verbessern, und allerwätts begann man die Flüsse zu reguliren und zu kanali« firen. Bald konnte jener Engländer sagen, ein nicht regulirter Fluß komme ihm vor wie ein Mann in Hemdsärmeln, und es ist nicht unberechtigt, wenn man heute in dem Zustande der Gewässer einen Maßstab für die Kullur des von ihnen durch- flossenen Landes erkennen will. Der Rhein in den Gebirgs- strecken konnte noch bis 1830 nur bei höheren Wasserständen mit Seladenen Schiffen befahren werden. Mit Uederwindung nam« aster Schwierigketten und mit großen Geldopfern wurden jetzt die hochstreichenden Felsriffe gesprengt und ist auch sonst die Wasserstraße durch ausgedehnte Bauwerke sehr viel leiNungs- fähiger gemacht worden, und das Bild, wie es nun im Rhein- verkehr fick entrollt, ist ein überaus erfreuliches, wahrhaft großartiges: Wir sehen den Strom fich beleben mit schmucken Dampfern, mit statttichen Schleppzügen und mit Eilgüterbooten; von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der Schiffe>u und ihre Tragfähigkeit. Der Verkehr steigt auf nie geahnte Höhe. Von drei Seehäfen ersten Ranges schwimmen die werth vollen Erzeug» nisse der fremden Welttheile bis hoch in das Binnenland, den Umkreis des rheinischen Handels weitend. Der Bergbau an der Ruhr nimmt gewaltige Ausdehnung an, um die zahl» reichen Schiffe befrachten zu können, die den„schwarzen Diamanten" stromauf und stromab befördern zu den allerwärts entstehenven Fabrikanlagen und zur Weiterbeweguna auf den von der Wasserstraße abzweigenden Schienenwegen. Vom Ober- und vom Mittelrhein gehen stromab die Erzeugnisse der In« dusttte und des Bodens, große Massen von Holz aus dem Schwarzwald und dem Maingebiet, ja— mit der Eisenbahn zugeführt— aus weit abliegenden Gegenden. Ueberall macht fich das Bedüttniß geltend nach Erweiterung der alten und Herstellung neuer Hafenanlaaen, die Städte wachsen, ja hier, inmitten des alten Europa, inmitten des 19. Jahrhunderts, hat fich gegenüber Mannheim, der Hauptstadt des Oberrheins und Mündungsstadt des Neckars, eine Stadtdildung vollzogen— Ludwigshafen. Gesittung und reges Treiben, gesunder Untemehmungs» geist, Wohlstand und Frobmutb herrschen am ganzen Rhein und an seinen schiffbaren Nebenflüssen. Im Rheingebiet sehen wir aber auch, was bei der Gunst der Natur jdie den Wassir» strafen zugewandte Fürsorge weiser Regierungen Segensreiches bewirken kann. Möge sie dem schönen Strome, möge fie allen Wasserstraßen erhalten bleiben oder in gleichem Maße zu Theil werden! Im Weltverkehr in erster Reihe: die Schifffahrt schafft das rechte Leben, stolz klingt der Spruch am Seemanns» Hause in Bremen:„Navigare neceaee est, vivere von est necesse" Möchte die kulturbefruchtende Bedeutung der Flüffe überhaupt mehr und mehr allseits gewürdigt werden? Von allen Wasscrgestaltungen unserer Erde mischen fich keine so sehr ins Leben, als die Bäche, Flüffe und Ströme, die überall der Menschen Wohnfitz umspülen, in viel hundert Dingen ihm zur Hand find. Und was hochbedeutsam: fie dienen ebenso dem wirthschaftlich Schwachen, wie den großen Betttcben. Im rauhen Gebirge reichen die Wohnstätten soweit hinauf, als der durch die Bewässerung erzielte reichliche Ertrag der Matten im schmalen Thalgrund den Bewohnern noch ermöglicht, ihren Viehstand durch den Winter zu bttngen. Dort treibt der Bach das kunstlose Rad der kleinen Sägemühle so willig, wie weiter ab die Turbinen der großen Fabrik. Der Flußvcrlehr ernährt eine zahlreiche Bevölkerung durch die selbstständiae oder ver- antwortungsoolle Ausübung eines Gewerbes, das in steter Be» rübrung mit der freien Natur Kraft und Mutb erfordett und giebt. Die Vottheile der überall zugänglichen Wasserstraße, sie bestehen für alle Uferanwohner. Also nicht allein volkswirth» schaftlich, insbesondere auch von einem gesellschafts-politischen Gesichtspunkte ist es freudig zu begrüßen, wenn uniere Zeit die Pflege der Wasserstraßen fich ernstlich angelegen sein läßt, und wenn überhaupt das Bestreben dahin gerichtet ist, die in den fließenden Gewässern gebotenen Kräfte so viel als möglich zu nutzen, wie andererseits den kulturfeindlichen Zuständen und unterhaltend, denn sie wußte, daß er gerade hinter ihr war; jeden Augenblick konnte er sie einholen. Er schimpfte und lief. So ein TeufelSmädel; aber sie sollte eS dafür kriegen. Plumps, fiel sie; der Fuß stak in einem Mehlbeerreis. Er war ihr auf den Fersen, warf sich neben sie in den Ginster, faßte sie und wollte sie küssen. Sie wehrte sich; er hatte die» nie vorher gethan; er war aber stärker als sie. Nun wurde ihr plötzlich ganz angst, und doch fühlte sie sich so seltsam zu ihm gezogen.— Sie wollte nie mehr zu ihm auf die Halde herauf. Nein, nie mehr. Aber am nächsten Abend war sie doch wieder da. Und so ging es den ganzen Herbst über. Die Leute begannen von ihnen zu reden; stets hatte ein oder da» andere Weib, welche« um Wachholderbeeren oder Reisig droben gewesen, die beiden zusammen gesehen. Solch' ein abgefeimtes junges Mädcken; und doch war es noch kein Jahr her, daß sie in die Christenlehre gegangen. Aber von Nikolaj Brahm redete niemand; die Männer waren nun einmal nicht anders. Um die Weihnachtszeit kam Madam Sivertsen einmal herab in« Komtoir zum alten Brahm. Sie war groß und und hatte keine Zähne sie war bitterböse. Sie wollte nur, sagte sie zum alten Brahm, daß sein Sohn ihre Petrine herrathe; denn nun sei e» hoch an d.r Zeit. Brahm wußte von nichts; doch wurde er rasend zornig über die Frau. Erst über sie, dann über die Tochter. Wie hatte sie ihr Kind erzogen? Hatte sie kein Einsehen für deren morali- schen Wandel? Wenn die Frauenzimmer sich nicht besser in Acht nehmen konnten, so mußten sie den Lohn eben al» selbstverschuldet betrachten. Jn alten Zeiten wurden solche Wesen auf offener Straße gepeitscht; er wünschte, es wäre noch ebenso. Doch seine Pflicht und Schuldigkeit würde er thun; niemand sollte eS anders sagen können. Bezahlt würde für da» Kind werden. Mehr könnte sie nicht verlangen. Und so schimpfte er die Frau zur Thür hinaus. Nicolaj aber sollte wieder fort, je früher, desto besser; eS war am Ausschreitungen der_ ? rüstig zu wehren, um so machen. � köstlichste aber ist das Waffer!« e, den verderblichen Hochfluthen invar's Wort immer mehr wahr zu Lokale«. Wie nn« telegraphisch an« Sreela« gemeldet wird, ist der Reichstagsabgeordnete Kräcker wegen Nierenleidens aut vier Wochen aus der Haft beurlaubt. Die Kegetation Kerlin» ist, wie die einer jeden Groß» stadt, weit verschieden von derjenigen, welche sonst in demselben Striche unseres Erdthcils vorzukommen pflegt. Wir wollen da- bei absehen von den Zicrgewächsen, die von emsiger Hand gezogen und oftmals fernher geholt find aus Gegenden, welche «in glücklicheres Klima besitzen als unsere sandige Mark, sondern nur jene in das Auge faffen, welche gewiffermaßm die Aschenbrödel innerhalb unserer nordischen Flora find. Wir meinen ynt Pflänzlein, welche, ungebeten und ungeladen, zwischm dem Pflaster der Straßen und den Fagen eines Mauerwerks hier und da emporschirßen, wofern nur die bescheidensten Ansprüche an Licht und Boden erfüllt sind. Da ist vor allem der dicht an die Erde gedrückte, schmalblätterigc„Hans am Wege", eines der dankbarsten Pflänzlein, welches überhaupt innerhalb unserer Vege- tation vorkommt. Es bricht selbst auf dm betretensten Wegm durch und überspinnt, neben dem Steinpflaster wuchernd, ganze Flächen deffclben mit seinem dunkelgrünen Netze. Der Wagen, welcher über unscm„Hans" hinweg rasselt, der Fuß des Mm- schen, welcher ihn erbarmungslos nicderbmgt, können ihm wenig oder gar nichts anhaben. Schon nach wenigen Augenblicken erheben sich die Blättlein, und wenn wirk- lich eins derselben oder gar ein ganzer Zweig durch solche Gewoltthat abgetrennt worden, so ist die Triebkraft so stark, daß schon nach kürzester Frist ein Ersatz ge> boten ist. Natürlich jätet man unfern«Hans am Wege" in Berlin überall aus, wo er in den Fugen des Straßenpflasters fich zeigt. Neben diesem Pflänzlein wird die Vegetation auf dem Pflaster Berlins hauptsächlich aus mehreren Gras arten ge- bildet, die selbstverständlich dieselben bescheidenen Ansprüche an die Boden- und Lichtverhältniffe stellm. Merkwürdiger Weise kommen sogar einige Pflanzenalten vor, welche reckt fremden Ursprung- und verhältnißmäßig erst kurze Zeit in Europa ein- heimisch geworden sind. Es ist in der Vegetation eben nicht anders, als in allen übrigen Beziehungen, wo gleichfalls die Großstadt trotz mancher Beschränkungen den besten Boden für das Gedeihen der mannigfachsten Erscheinungen bietet. Woher diese Pflänzlein kommen, bleibt oftmals für alle Zeit unauf- geklärt Der Zufall läßt solche Sammkörnlein, ohne daß man eine Ahnung davon besitzt, meist Meerreisen machen; so kommen sie her und bilden einen Theil der Vegetation. Freilich muß dieselbe durch das fugenlose Pflaster, wie es durch Asphalt, Holz und neuestens Gummi hergestellt wird, immer mehr aus dem eigentlichen Herzen Berlins verdrängt werden: um so reichlicher aber tritt sie dort auf, wo nach der Weichbildgrenze hin die mächtigen Straßenzcilen in das mehr oder weniger ländliche Leben einmünden. Kor«iaiger Zeit schon wurde darauf hingewiesen, daß am 27. d. M. hundert Jahre verflossen find, seitdem den Berlinern zum ersten Male das Vergnügen einer Luftballon- fahrt bereitet wurde. Am 27. September 1788 fuhr der erste berufsmäßige Luftschiffer, Jean Pierre Blanchard, dessen Uner- sckrockcnheit damals die Welt mit Staunen erfüllte, vomgroßen Exerzierplatz vor dem Brandenburger Thor in dir Höhe und sein Name war wochenlang in dem Munde der Berliner. Das große Ereigniß brachte damals ganz Berlin auf die Beine. Der Platz, auf welchem das damals unerhörte Schauspiel aufgeführt wurde, war die Stelle des jetzigen Reichstagsgebäudes, eben dort ist später auch der erste Zirkus in Berlin errichtet worden, in welchem Renz und Bosco ihre Vorstellungen gaben. Mitten auf diesem Platz erhob fich ein Riesensaal, in welchem der Ballon war, rings herum waren Plätze für 4000 Zuschauer abgegrenzt, ebenso- war eine besondere Loge für den Hof vorbanden. Diese ganze Schaubühne war von ungeheuer großen Jagdnetzen umspannt, welche von einem großen Aufgebot von Soldaten Tag und Nacht bewacht wurden. Die Polizei' hatte ganz besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen. Die Zeit der Luftfahrt war auf 3 Uhr 40 Minuten Nachmittags festgesetzt, aber schon von 12 Uhr an durften Wagen und Reiter nicht mehr durck das Brandenburger, sondern nur noch durch das Potsdamer Thor pasfiren,„Jedermänniglich" wurde ernstlich verwarnt, sich alles Zudringens bei der„hättesten Strafe" zu enthalten. Zur festgesetzten Stunde machte Mr. Blanckaro mittelst einer Maschine an der einen Seite des Saales eine Oeffnung von 36 Fuß und der Ballon schwebte ins Freie, bejubelt von der vieltausendköpfigen Menschenmenge. Gleich darauf fuhr der Laftschiffer wohlgemuth in die Lüfte empor. Als er fick etwa 3000 Fuß hoch erhoben hatte, ließ er einen Fallschirm herunter, woran ein Korb mtt zwei kleinen Hunden befestigt war. Dieser senkte fich langsam und kam, ohne daß die Hunde die mindeste Beschädigung erlitten hatten, in der Gegend des Gesundbrunnens zur Erde. Nach dem eigenen Bericht des Mr. Blanchard in der„Gazette litteraire de Berlin No 1259" stieg er alsdann bis zu 5764 Fuß hoch und kam in der Geacnd des Dorfes Buchholz wieder zur Erde. Unzählige Personen waren ihm dorthin nachgeeilt. Eine klügsten, ihn dem schlechten Einfluß zu entziehen, welchen dieses Ding auf ihn übte. Armer Junge; es war nicht angenehm für ihn. Und Nicolas reiste nach Paris; eS war gut, daß er den Versuchungen zu Hause entging. Petrin« aber gebar oegen daS Frühjahr hin unter Kummer und Schmerz ein Kind. Damals war sie siebzehn Jahre alt. Niemand er- kannte sie, als sie aufstand, so verändert war sie. Sie war förmlich gebeugt; den Glanz ihrer Augen kriegte kein Mensch mehr zu sehen. Denn nie schlug sie die Augen auf, wenn sie sich einmal auf der Straße zeigte. Doch dies kam selten vor. Um diese Zeit starb auch Madam Sivertsen. ES war auch nicht zu erwarten, sagte man, daß eine Mutter solch' einen Schlag überlebe. Und wie Madam Sivertsen daS Mädchen immer zum Lernen und zum Worte Gottes angehalten! Und da sollte eS sich so entartet be- � DaS Kind ward irgendwo nach Westen in die Kost aethan. Arnt Sivertsen, Petrinen'S Bruder, hatte näm- lich einen Handel begonnen, und da schien eS ihm unpassend, das Kind im Hause zu haben. ES konnte ja seiner Respektabilität schaden. Petrin« hatte geweint und gebeten, daS Kind behalten zu dürfen; allein e« half nichts. Seit diesen Ereignissen waren dreißig Jahre vergangen. Petrin« war nun eine bald fünfzigjährige alte Jungfer. Die ganze Zeit über hatte sie beim Bruder in dem kleinen ge- drückten Hause unter der Halde gewohnt. Auch Arnt hatte nicht geheirathet. Doch Petrin« war ganz wunderlich und scheu geworden. Seit Menschengedenken hatte sie Niemand in der Kirche, auf der Straße oder unter Leuten gesehen. Nur hie und da erschien sie flüchtig am Fenster zwischen all ihren Blumentöpfen und den steifen Oleanderblättern, oder man erblickte den Zipfel eines schwarzen Rocke» in einer Thürritze, wenn sie ihres Weges lief, denn sie lief immer. UebrigenS gedachte ihrer Niemand und Niemand sprach mehr von ihr. Ein honettes Frauenzimmer war sie nicht mit 6 Pferden bespannte Chaise war auch bald zur Stelle und brachte den Luftschiffer in einem wahren Triumpbzuge nach dem Ztationaltheater. D.rselbe wurde bei seinem Erscheinen vom Publikum mit jubelndem Beifall begrüßt. Am. 12. Oktober wurde dann im Garten der Freimaurerloge Royal Nor! der Versuch mtt dem Fallschirm wiederholt. Blanchard war der Helv des Tages und er wurde nicht nur mit Ehren, sondern auch mit kostbaren Geschenken überhäuft. Die Handhabung zur Grthrilnng von Kchank- honkesstanen, bei welcher leider noch immer nicht nach einem mehr einhettlichen Maßstabe verfahren wiid, hat eine gewisse Beunruhigung in den Kreisen der— Beilincr Bezirksvorsteher hervorgerufen. Dieselben haben, wie man weiß, über die in erster Linie hier in Betracht kommende Bedürfnißfrage sich in einem besonderen Fragebogen zu- äußern. Es soll dadurch fest- gestellt werden, wie viele Konzessionen in einer Entfernung von 100 Schritten in der Umgebung des Petenten bereits vorhanden find. Den Ausschlag giebt hiernach der Stadtausschuß. Nun ist es wiederholt vorgekommen, daß da, wo ein notorisches Be- dürfniß nicht in Abrede gestellt werden konnte, später mit gegen- theiliger Motivirung die Ablehnung erfolgt ist, und daß in anderen Fällen, wo die Bezirk-vorsteher auf Grund solchen statistischen Nachweises die Bedürfnißfrage verneint hatten, nichtsdestoweniger ein zustimmender Bescheid einlief. Solche schwer verständlichen Entscheidungen erfolgen selbst da, wo die Revicrpolizci sich in gleicher Weise ausgesprochm hatte wie der Bezirksvorstehcr. Die Petenten versichern sich ge- wöhnlich, bevor sie auf einem bestimmten Platz ein Lokal miethen. daß die Bedürfnißfrage nicht verneint weiden könne, und stürzen fich also in nicht geringe Unkosten, die nur zu oft ihre ganze Habe verschlingen. Etwaige Rekurse beim Vermal- tungs- und Obcroerwallungsgericht fallen immer fruchtlos aus, so daß fich die Kosten dadurch noch mehr erhöhen. In einem belebten Bezirk ist es vorgekommen, daß trotz der durch Bezirks- Vorsteher und Revier bejahten Bedürfnißfrage, trotz der That- fache, daß rn der fraglichen Entfernung nur wenige Konzessionen bestehen, ein solcher ablehnender Bescheid in allen 3 Instanzen erfolgte; zu gleicher Zeit wurde in einer anderen fast tobten Straße trotz des Widerspruches der beiden Organe die Konzession schleunigst ertheilt. Eme Beschwerde beim Oberbürgermeister von Berlin wurde dahin beantwortet, daß der ivtadtaussckuß ein Gericht sei wie jedes andere, dessen Entscheidung man füg- lich in keiner Beziehung bemängeln und prüfen könne, ferner, daß ein einheitliches System, wie es bei der Konzessionsetthei- lung gewünscht werde, sich in einer Millionenstadt wie Berlin nicht gut durchführen lasse. Kei der im Jahre 1887 stattgehabten Ermittelung de» Heilpersonalo in Nreußrn wurden 9041 approbirte Aerzte, und zwar 8223 Ziollärztc und 813 Militärärzte gefunden. Von den elfteren, neben welchen noch 243 ausschließlich in und für Anstalten beschäftigte Aerzte gezählt wurden, wohnten am Stichtage(1. April vorigen Jahres) 3439= 4! 8 pCt. in Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnern, 1779— 21,0 pCl. in Gemeinden mit 5- bis 20000 Einwohnern und nur 3060 — 37,2 pCt. in Gemeinden, die weniger als 5000 Einwohner haben. Neben diesen approbirten A.rztcn giebt es noch Ae zte mit geringerer Qualifikation. Hierher gehören zunächst die Wund- ärzte zweiter Klasse, welche feit 1852 nicht mehr ausgebildet werden; ihre Zahl belicf fich 1887 auf 63 gegen 205 im Jabre 1876 und zeigt demnach eine Abnahme von 142---- 69 pCt. Die Wundärzte erster Klaffe, die ebenfalls nicht mehr zur Aus- blldung gelangen, find nicht besonders ermittelt worden, da fie seit Erlaß der Reichsgewerbeordnung den appro- bitten Aerzten gleichgestellt find;■ auch ihre Anzahl ist nur noch klein und stelig in der Abnahme. Die Ermittelung der Zahnärzte beschränkte fich auf diejenigen, welche nicht zugleich approbirte Aerzte waren. Die Anzahl der approbirten Zahnärzte belief sich hiernach auf 420 gegen 284 im Jahre 1876, zeigt also eine Zunahme von 12,7 Prozent. Die beträchtlichste Vermehrung dieser Spezialisten hat in Berlin stattgefunden.— Um den Aerzten ein für niedere chiiurgiichc Verrichtungen noth- wendigcs Hilfspersonal zu schaffen, wurde in den Jahren! 35 l 52 das Institut der Chirurgcngchilfen oder Heildiener ins Leben gerufen, dessen Fortbestand die Gewerbeordnung nicht behinderte. Tie Zahl derselben belief sich nach der letzten Zählung auf 2423. Was die örtliche Verthcilung derselben beiiifft, so hatten von ihnen 1887 in den Gemeinden mit mehr als 20 000 Emw. 999— 41.2 Prozent, in den Gemeinden mit 5000 bis 19 999 Emw 520— 21,5 Proz. und in den Gemeinden, die weniger als 5000 Einw. haben, 904— 37,3 Proz. Heiidiener ihren Wohnsitz.— Ferner bat die letzte Zählung ergeben, daß im ganzen prußischen Staate 19137 Hebammen lhätig waren gegen 16 975 im Jahre 1876; es hat demnach eine Vermehrung derselben um 2162— 12 7 Prozent stattgefunden. Die größte Zunahme von 405— 1262 Prozent fällt wiederum auf Berlin, wo 726 Hebeemmen gegen 321 im Jahre 1876 ermittelt wurden. Tie Versorgung der Be- völkerung mit Hcbeammen bewegt fich in dciselbcn Richtung wie in Bezug auf die Aerzte. Auch bier zeigt sich ein zunch- mender Andrang nach den größeren Städten. Setzt man die Zahl der Hebcammen in Beziehung zur Dichtigkeit der Bevölkerung, so ergicbt fich, daß 1876 bereits 6,61, 1887 aber nur 6,76 Hcbeammen auf 10 000 Einwohner ficl.n. Unter dsisem Durch- schnittsergebnissc standen nach der letzten Zählung außer Berlin noch 14 Regierungsbezirke, darunter am ungünstigsten Posen und Blomberg. Günstiger stellte fich dieses Verhältniß in den Bezirken Münster, Schleswig, Magdeburg, Frankfurt, Trier, gewesen; sie hatte ja in ihrer Jugend ein Kind gehabt. Und danach war sie verwirrt worden. Und dies war ja natürlich, war nur die gerechte Strafe. Nicht auf einmal war Petrine so seltsam und menschenscheu geworden. Erst nach und nach, da sie merkte, Niemand wolle mit ihr zu schaffen haben und Alle zögen sich zurück von ihr. Einige ihrer Freundinnen erklätten gerade heraus, sie dürsten nicht mehr mit ihr um- gehen. Andere schauten die Straße auf und ab, wenn Pettine mit ihnen sprach, sie fürchteten, man könne sie sehen. Sie konnten auch in Verruf kommen. Und Alle flüsterten sie und steckten die Köpfe zusammen, wenn sie sich nur zeigte. Und sie besaß nicht das Zeug, sich zu wehren. Sie versteckte sich; sie schloß die Thülen und rollte die Gardinen herab und zitterte immer, man könne sie sehen. Dann hatte sie eine solche Rastlosigkeit in sich, nie konnte sie ruhig sitzen. Den ganzen Tiag ging sie in den niedrigen, halb- dunkeln Stuben herum und rückte an den Möbeln und schien etwas zu suchen. Sollte sie etwas bestellen, so wurde sie nie fettig. Sie fegte den Boden wieder und wieder, nie wurde er rein genug. Doch in dem kleinen, schmalen Kopf schmerzte es von all' den Gedanken, die sie nicht lo< ward. Warum mußte sie so der Schande und aller Leute Verachtung anheimge- fallen sein und er stolz und fein einherschreiten gleich den Besten? Die Sünde war doch gleich groß für beide. Eines Tages befragte sie Arnt darüber. Arnr's Gesicht wurde feierlich:„Nein, Petrine Mütterchen, nun rührst du Gleiches und Ungleiches zusammen; er ist ja ein Mann, er, und du bist nur ein Frauenzimmer." Ja, daS war wirklich wahr; dies war ein himmelhoher Unterschied. Daher kam eS. Sie hätte eben der Versuchung widerstehen müssen, sie die alles Böse und Schmerzliche, alle Schande und Ver- achtung davon tragen sollte. Das war j, klar wie der Tag Wenn sie nur nicht so ein hilfloses, kleine« Ding gewesen wäre, wre sie eS war. Da begann sie wohl zu weinen, ein schmerzliches, verzwerfeltes Weinen, welches bis auf die Stralsund, Mettcbmg, Arnsberg und Auttch, wo 7—3, be;«. in Osnabrück, Minden, Stade, Koblenz, Hannover, Lüneburg und Erfurt, wo bereits über 8—10 Hebeammen auf 10 000 Em» wodver kamen. Am besten versorgt mit Hebeammen erschiene« 1887 Hildes heim, Kassel, Wiesbaden und Sigmaringen, wo jene Verbältnißzahl sich auf über 10—17 54 erhöhte. Die Gesammtzastt der am 31 März 1888 an da« Malscr-Nohrfqktem der Stadt angeschtossearn«rund» stücke betrug 19 775; die Zahl hat sich während drs Per» waltungsjahres um 582 oder 3,03 pCt. vermehrt. Die Bevölkerung, welche durch diese Anschlüsse mit Leitungswasser ver- sorgt wurde, stellte sich, den Anschluß zu 66,93 Einwohnern berechnet, auf 1 316 312 Personen. Die geförderte Waffermenae betrug 30 877 360 Kbm. Davon kamen zur Verwendung für den Bettteb der Wasserwerke selbst 239 071 Kbm., unentgeltlich für öffentliche Zwecke 4577 256 Kbm.(darunter zu Feuerlösch- zwecken 3232 Kbm.. für die Straßenbefprengung 84 745 Kbm), gegen Zahlung 26 061 033 Kbm. Der Gisammtverbrauch hatte fich gegen das Vorjahr um 909 570 Kbm. oder rund 3.04 r# vermebtt. Die Zahl der Abnehmer war nur um 3,03 pCt. gewachsen- Die Zahl der Pcivat-Wass-rwerke, welche inmitten des Rohr- gcbicts der städtischen Wasserwerke bestehen, und fich stark ver- mehren, betrug 585. Nach Ermittelungen find in Tbätigkeit ausschließlich für Fabttkzwecke 372 Stück, für iiabrik- und Hausbedarf 38 Stück. Es wird veranschlagt, daß aus denselben täg- lich 63 772 Kubikmeter Wasser entnommen werden, während b* städiischen Wette im Jahresdurchschnitt täglich 84 364 Kdn>- Wasser geliefert haben. Wenn hiernach von dem ganzß Wasserverbrauch der Stadt 43 pCt. für die Privat wofferwer« und 57 pCt. durch die städtischen Wasserwerke geliefert wurde», so bildet dock die Gesammtzahl dieser Pcivatanlagcn»0 2,96 pCt. der Hausanschlüsse. Für die Versorgung der Ha»s- Haltungen bleiben demnach die städtischen Wasserwerke unei»' bedrlich. Der Wasserverbrauch aus dem städtischen Rohrnetz% trug 1887 88 auf den Kopf und Tag im Durchschi»? 64,08 Liter. Die Reineinnahme für die Wasserwerke W 5 436 448,35 M. und die Gesammtausgabe 3 349 553,79 M* tragen. Zur Wetterlage wird aus Hamburg, 11. September, is schrieben: Der vorwiegend hohe Luftdruck brachte einige zienR warme Tage, jedock nur bis zum Sonntag Vormittag heiW» Wetter. Zu jener Zeit vollzog fich eine wesentliche UmgesraltA in der Luitdmckverth.ilung. Es wandctte in 48 Stunden* Gebiet höchsten Druckes von Schottland bis Petersburg, u#! rend fich eine Depresfion von Süd nach Nord, von Italien na« Deutschland bewegte. Die oberen Wolken zogen am SonrA in Hamburg aus Südost. Heute am Dienstag entlud sich b'» ein Gewitter von lurz.r Dauer, es folgten einander in weniF Minuten vier hei t ige Schläge. Eine in der Nähe der groh� Speichcrbauten liegende Polizeiwache wurde von einem fo?� kalten, d. h. nicht zündenden Bliy getroffen. Der Strahl b# wie bei späterer Besichtigung durch den Schreiber dieser Zeiss- festgestellt wurde, am Elkerdach des einstöckigen Hauses eiiw Dachpfannen zertrümmett und war nun, wahrscheinlich das Eist» eines Gußfensters und einiger Srangen verfolgend, zum Daa- bodcn gelangt. Zwischen dm Eisen befindliches Mauerwerk% beschädigt. Jetzt trat der Blitz zum Parterrcgcschoß über, in b» Putzdccke ein Loch von 5 Zentimeter Weite schlagerd. So war die Spur zu vcttolgen. Im klebrigen berichteten zwei Abortraum mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigte M. ckaniker folgt: Ter Blitz sei von jenem Loch in der Decke durch bsj 8 Meter weiten Raum geeilt und zur halb geöffneten Tkufss den Abortraum eingetreten. Hiec habe ber Bliy um er Feuss' erscheinungcn die Windungen eines am Boden liegenden Droht? durchlaufen und sei dann, an den Beinen der Leute dicht vo:»� schießend, in ein offenes Lech am Boden gefahren, wo tc5% der Wasserleitung fick befunden hat. Der verzinkte Eisend� hatte 2 Millimeter Stärke, soll zuvor blank gewesen sein ff erschi n jetz'. mattgrau. Schmelzstellen waren nicht zu stfjf Die im engen Raum b, schäfliglen Mechaniker waren erschss� aber nickt irgendwie b. schädigt. Bei und nach dem Gew�. stieg das Barometer nicht unerheblich, so daß die Witter� wieder einen beständigen und freundlichen Charakter anzuneb»� verspricht. Der diesjährige Michaeliv-Zlmrug macht fick btt� gegenwärtig stark dem rlbar: zahlreiche Möbilkuhren erblickt»� inreils gegenwärtig und fast täglich in den Straßen, und% mc sten dieser Wagen bewegen fich in der Richtung nach? äußeren Peripherie der Stadt zu. Es erliärt fich dies daß dort zahlreiche neue Gebäude bezogen werden, die 1% gestellt find und den Miethern bereits jetzt das Einzig, möglich machen. Den Befitzern neuer Häuser ist nämlick.L daran gelegen, recht bald„Gardinen an den Fenstern Hauses zu sehen" wie der übliche Auedruck lautet, d. öven E ndruck möglichst zu beseitigen, den ganz unbew�K Etagen eines Hauses hervorbringen. Ein paar bew-?� Quartiere in einem neuen Hause locken am besten Miete er heran und diese sind auch eher genttat. ein paar�f� mehr für die Miethe auszugeben, wenn fie zeitig, cinigeA�z vor dem eigentlichen Umzugstcrmin, die neue beziehen können, denn in diesem Falle ist die EsspfÄ. —--—---—•"■•' für das billiaere Möbelfudrwerk allein schon nicht ondetra�-� Durch diese frühzeitigen Umzüge aber werden nun«uw freigewordenen Wohnungen für die �nächst olgcnden früher beziehbar und jeder nimmt die Gelegenheit wahr, so wie möglich vor dem 1. Oktober, dim eigentlichen llmzu" Treppe hinaus, ja, oft bis in den Laden hinab hol wurde. Dann zürnte Arnt. � Der alte Brahm hatte vor manchem Jahr scho"� � ,-W'" Granitsäule dort oben auf dem Kirchhofe. Nun scheltenden Mund und seine grchtischen Beine zur-""'(Lstu legt und wohnte nun unter der großen seingeschl'sl.� Nicolaj Brahm da« Ganze. Er war der erste M«". � Stadt, ihr Haupt und ihr Schmuck. Man kannte wo?� Geschichte mit Pttrine Sivertsen. UebrigenS mar. 7 0«' die einzige Geschichte; eS gab deren mehrere von den � Art. Kam aber unter den alten, ehrenfesten Bürsst hjt Rede darauf, so stießen sie einander nur ein bischen � Seite und blinzelten ein wenig mit dem Augenllssi"j,/ er war ein Rechter gewesen in seinen jungen Doch auf Petrine Sivertsen war Nicolaj Brahw i lich böse. Er duldete nicht einmal, daß man � Namen nannte. Hatte er nun nicht die dreißig 7,�1» lang für ein schwachsinniges Kind bezahlt, das 1 gl Teufel hinein irgendwo dort drüben im Westen ha' fand kein Ende, all' das Geld, das sie ihm nuspreß Petrine ging beim Hinterhof hinaus; sie ß mf und da hinaus, um Luft zu schöpfen. Den i»1 mittag hatte eS heftig geregnet. Die kleinen � e»9 ihrer dichten, eingesperrten Lust waren ihr hou � geworden. Die Wände legten sich auf sie und � drückte sie. Doch um Mittag wurde e« leichter. al Hinterhof war eine frische Erdlust. Die steil mälig an, gegen daS Haus zu fiel sie i«h",[ar#, eine Mauer ob; e« rieselte vom Regen her �» Wasser herab. Auf der Halde standen HA M st Ginster und Kohlröschen zwischen den Siemen u« ,( in der Nasse und glänzten vom Regen, und 9 ganZg.«. zwei-, dreihundert Faß hoch lag der Achten � da und zeichnete sich scharf ab in der hellen, Die Sonne brannte scharf herab. Petrine stand und starrte hrnauf. � Mtüchen 1 Meten Ja! .M des 1. "iWgsfuhri «fn früher Njen beirre Uadtgegend ?e größere �letr fich Mich glei, » Erschei Wohnungen. Msächlich?, Awisterium «licher Er DMerstr Me, tee ei �ajjerr ?■' Sjt. ar 1 Ii 8, btja. toim Umju« zu bewerkstelligen Daß trotz alledem für den 'ünthui»««Mchen Umzugstag noch Trubel genug verdlelbt,»st aus OO Em'■J'btren Jahren bekannt und auch in diesem Jahre werden die rfchiene» m des I.. 2. und 3. Oktober in ihren theuren Preisen sur wo jene �«zugsfuhnverke und Arbeiter keinen erheblichen Unterschied S-S-n früher machen.- Wie übrigens die Küster einiger Pa- an da« achten bemerkt haben wollen, reizen die?!eudauten in einzelnen Yrnnd» �lavtgegendcn auch zu— Eheschließungen. Wahrend sonst vcs Ver» NN- giSßere Zahl derselben sich um den 1. Oktober häufte, ver- Die Be» �len sich diese, in Gegenden, wo viel gebaut worden ist, isier ver««ich gleichmäßig auf dm ganzen Monat September. Auch wohnern Mi Erscheinung erklärt fich aus der früheren Beziehberkeit der r___.--_ sermenze )ung mt ntgeltlich •uetlöscb' 5 Kbm), uch batle 1,04 rEt. -wachsen. es Rohr» stark ver> Tätigkeit nd bans' Iben tag» krend die 64 Kb» ganze« zsierVttu wurdtll, gen t* er Haas c uncnp Zrnctz dn nchschn� >.'rke W 9 Ml rß Ahnungen. -„»er Aurchbruck der Zimmerstrahe ist am Dienstag Wachlich erfolgt. Die sperrende Mauer am Garten des Kriegs» «mtsteriums ist gefallen, allerdings noch nicht mit hober odng- «uncher Erlaudniß, sondem plötzlich und eigenmächtig, und .r® durch den... Regen, der am Dienstag so reichlich und «Mälliaend herniedergestlömt war und dem bereits unter- Men Mauerwerk den letztm Rest gegeben hat. Bekanntlich M von der Wilhelmsstraße aus, in der Verlängerung der �"»erstraße nach der Königgrätzerstraßc zu, eine kurze Sack- Me. welche an einer starken, etwas über 4 Fuß aufragenden Mr endet. Diese Mauer, welche den einige Fuß unter dem �«aßenniveau liegenden Garten des Kriegs ministerums de- bildete seither das unüberwindliche Hinderniß für die Mt geplante Durchlegung der Zimmerstraße. Besagt- Mauer pj1# an welcher die Straßenreinigungs-Mannschaften den f. d>e Gegmd denöihigtcn Strmsand zu lagern pflegten, ist am �stag Nachmittag gegen 3 Uhr in der ganzen Breite der Straße WMmengebrcchen, so daß der Garten des Kricgsministers von c Straße freilag. Die Paffanten, die keine Ahnung davon daß das himmlische Naß das Demolirungswerk vollbracht, der Meinung, der Turchbruch sei endlich ei officio bc- >A ste üdcrstiegm daher die Trümmer und begaben sich nach �freigelegten Garten, in welchrrn sie, nebenbei bemerkt, nicht geblichen Schaden anrichteten. Tic ganze Zimmcrstraßc '?nte den Durchdruch als fi ohes Ereigniß; die Freude währte ff nicht lange, der wahre Sachverhalt wurde bald bekannt, der r"krgang»um Park abgesperrt und ein„ganzer Bau" requirirt, S*L stelle der eingestürzten Mauer ein Bohlenzaun eirichten Am späten Abend noch schafften am Dienstag etwa 40 W" emsig an dem Werke, das hoffentlich recht bald wieder �Erdboden verschwinden wird und zwar für immer, damit '«uch der Weg nach der Königgrätzersiraße frei werde. ««» Kteglltz wird der„Volks- Ztg." geschrieben: Unter ff Erdarbeitern bei den Babnbauten hierorts herrschte, wie e? hiesige Lokalblatt, der„Anzeiger", nrittheilt, am vorigen «nnabend groß- Unzufriedenheit. Bei der Lohnauszahlung ff nicht nur der Unternehmer nickt zur Stelle, sondern auch ff Geld zur Lohnauszahlung fehlte. Dur„Anzeiger" knüpft hffn die zutrrff nden Bemerkungen:„Wenn aus solchen Ver- ff-siungen sich Ruhestörungen entwickeln, dann sind es zumeist �Arbeiter, welche darunter zu leiden haben; namentlich ist m öffentliche Meinung, die mit ihnen dann— und zwar Stjwcht(das freilich ist doch fraglich!)— scharf zu Gericht .... In diesem Falle hat daher die öttentlicke Meinung nicht vffn das Reckt, sondern auch die Pflicht, für die Interessen ff Ardeiter einzutreten und von derartigen Vorkommniffen ff«! zu nehmen."— Besonders zu beachten ist, daß es sich ff um Arbeiten im staatlichen Auftrage handelt. Um so schwerer der Vorwurf, der den Unternehmer trifft; und um so Wer ist die Pflicht des Bauherrn, der Eisenbahnverwaltung, .fiur zu sorgen, daß so etwas nickt wieder passirt. Ein Unter- fe> r. der sich dergleichen zu Schulden kommen läßt, sollte ein i» ,5~ 1 n0n der Bewerbung um Lieferungen für den Staat �geschloffen sein. im ii®'/ diesjährige Lassa llefeier bat anscheinend der Polizei � Umkreis von Bertin beträchtliche Beschwerden gemacht. Die ffermtniß über den für diesmal destimmten Ort hat dewirkt, wan auch an andere Orte als nach Schmargendmf beträcht- £* Gendarmericdctachemcnts dirigirt hatte. So thcilt uns ein sd sUnd unseres Blattes noch nachträglich mit. daß mich in wffn*u nicht weniger als 20(wahrscheinlich zur Feier des Tages) ff R'vvlocrn bewaffnete Gendarmm postirt waren. Da aber ff absolut nichts weiter zu sehen war. als barmlose Spazier- ffßsr. sg war die vielleicht herbeigesehnte Gelegmheit zum 'nfchreiten" nickt gegeben.,„ de« Schalter de« p-stamte« in der Oranienstraße », ffr einigen Tagen ein kleines Mädchen und bat den Herrn 5K ii'h" �cht sehr um etwas gummirtes Papier, wie es fich Z>.ffnfassung an den Briefmarken-Bogen befindet. Da das W fehr bescheiden auftrat und der Beamte gerade nichts ff so entnahm er dem Papierkorb einige der gewünschten Uuiyfrn und gab sie dem Kinde. Am nächsten Tage aber k der Postschaltcr beständig von kleinm Mädckm belageit, S.>ammtlich um Gummi-Papier bettelten und sich auf ihre feffureundin beriefen, die auch ihr Gummi-Papier hier beziehe hr.ndt demselben die Pflanzen in ihrem Herbarium und die „ chdlaitcr in den Schreibheften so schön befestige. Der Beamte %ffun zwar was er irgend konnte; als aber die sämmt rchen yffnbogen keine Ränder mehr hatten, mußte er noch wieder- .„durch das Schalterfenster rufen:„Gummi-Papier ist jz.Hinter dem bekannte« Vedankenleser sfumberland ��der B-zirlshauptmannschaft Trautenau folgender�Steck- rffn klaren Gedanken davon; sie dachte überhaupt nicht f&l' doch hatte sie die dunkle Empfindung, dieser kalte, ii»� Hinterhof mit dem faulenden Holzzaun und dem ff» r ff- rieselnden Wasser, das vom jähen Abhang kam, „ff fei ihr Leben. Weiter oben war eS hell und leicht „fr fonnig. Aber dort hinauf kam sie nicht mehr. Denn so seltsam und in ihr war wohl etwas entzwei. ■Sffnrand dürfe sie sehen, nein, niemand. «.i.,�och in der frischen Luft hier war eS prächtig; be- %i. � sah sie hinauf nach der lichten Haldenböschung. sitw �hnrete schwer. Da lagen zwei Buben hwtcr � a Hagedornbusch; sie sahen herab und erblickten 'Heia, da waren sie in Sicherheit; nun konnten sie umme alte Jungfer necken. ffkrff. nckie Petrins Sivertsen!" gellte eS von oben ff dünne Luft herab;„verrückte Petrine, ver— rück— te. W du deinen Zungen hin!" rief der Andere. Sie %ff ff die Finger und schrien herab. Petrme sah fj,«inen einzigen, raschen, hilflosen Blick, dann flog sie ta.'tte, gejagte Hindin durch den Hof zurück. Die oben fft) fff.e,n langgezogene», lautes Gelächter, das sie wieder ff packte. Doch drinnen auf dem Boden m der fbif, ff- dunkeln Hinterstube lag Petrine und weinte. Die 4(Zff' dünnen Schulterblätter bebten unter dem schwarzen �reck» Arme lagen hilflos auf dem Boden aui- 'ißen Allein sie hatte ja gesündigt und mußte dafür «n k 9m ejn ff* diesem Nachmittag hatte Konsul Nicolas 'ppensafl �«rrendiner. Bor kurzem war ein Stern- ■-ffWt i.0®ff>efen und ein Olafskreuz hatte sich auf ffger �!ffff?«f«nkt. Für feine Verdienste al« Mensch � saß?» Staate. Natürlich feierte er den Tag. Und Und®fSjttUn Wortführer und Repräsentanten, Stadt- ff. in ein?»"ff' Probst und Pastor längs des Mittags« * Worffiifff gff' lächelnden Reihe. ffuhrer hatte gerade eine Rede auf den Konsul bncf erlassen: Cumberland Stuart, der dekannte Gedanken leser, hat fich bei einer am 27. August in Johannisdad ohne behördliche Bewilligung veranstalteten Vorstellung äußerst frech und unanständig benommen und insbesondere, auf eine Zeich- nung deutend, Oesteneich in gemeiner Weise verspottet. Er ist im Falle seines Erscheinens sofort wegen der obigen Ueder tretung im Sinne der kaiserl. Verordnung vom April 1854 ein zuoer nehmen und das Protokoll zur Strafamtshandlung�anher zu smden. Auch hat er seinen ständigen Aufenthalt bekanntzugeben. Gin Dreiradmardei- ist am Montag in Charlottcnburg dingfest gemacht worden. Ein Herr aus Berlin hatte auf einem Dreirad einen Ausflug nach dort gemacht und in der Berliner� straße auf einige Augenblicke sein Gefährt stehen lassen, um einen Zigarrenladen zu besuchen. Auf die Straße zurückkehrend, bemerkte er zu seinem Schreck, daß sein Dreirad nicht mehr da war; in beträchtlicher Entfernung sah er es unter einem fremden Fahrer dahinrollen. Schnell setzte er fich auf einen gerade in jener Richtung fahrenden Pferdedahnwagen und glücklich über- holte er auch bei der Schloßstraße den etwas ungeschickten Dieb seines Dreirads. Derselbe wurde alsbald festgenommen und zur Polizeiwache geschafft, woselbst er sich als übelberüchtigte und mehrfach destrafte Person entpuppte. Eine edle Ehat hat am Montag Mittag der Dienst mann Nr. 727 des Berlimr Expreßinstitutes beinahe mit dem Leben bezahlen müssen. Scheu gewordene Pferde eines Roll wagens rasten zur genannten Zeit die Zimmersttaße entlang und näherten fich mit unheimlicher Schnelligkeit der Wilhelmstraße, auf welcher gerade ein längerer Waaentroß die Zimmerstraße kreuzte. Ein lauter Aufschrei des Entsetzens entrang sich den Lippen der Passanten, denn schon im nächsten Augenblick mußten die Wagen mit furchtbarer Gewalt auf einander stoßen; da fiel, um ein unberechenbares Unglück abzuwenden, der oder erwähnte Dienstmann den Thieren in die Zügel. Bei diesem Beginnen, die fich hoch aufbäumenden Pferde zum Stehen zu bringen, ward er jedoch zu Boden geriffen und im nächsten Momente mußten die Räder des schwer beladenen Rollwagens über den Unglücklichen hinweggehen. Da wollte es ein gütiges Geschick, daß zur selben Sekunde ein großer Reisekoffcr zwischen die Pferde und die Vorderräder fiel, was das dahinsausende Gc» spann mit einem Male zum Stehen brachte. Mit einer klaffen« den Kopfwunde und zerfetzten Kleidern wurde der auf eine so wunderbare Weise gerettete[brave Mann unter dem Wagen hervorgezogen und alsdann, nachdem er an einem nahen Brunnen oberflächlich gereinigt worden, nach der Sanitätswache in der Kochstraße gebracht. Der Urheber de« in der Macht vom 80. zum 21. Juli er. in Uawitsch verübten großen Postdiebstahls von 40000 M. ist hier vor einigen Tagen entdeckt und der bei weitem größte Theil des geraubten Gutes vorgefunden worden. Der auf Ersuchen des Reichepostamts durch den Polizei- Präsidenten von Berlin entsandte Kriminalkommissareus Hcrr Damm aus Berlin hatte ermittelt, daß gegen einen seiner Zeit bei dem Postamt in Rawitsch angestellten Unterbeamten, Namens Weingart, der früher bei dem biefigen Postamt be- schästigt gewesen und eine Tochter des hiefigen Ackerbürgers K. gchciralhet hat, vre bisherige strafrechtliche Untersuchung Lücken aufwies. Er hat hier festgestellt, namentlich durch Vernehmung der früheren Kollegen des Weingatt, daß dieser in außer- gewöhnlicher Weise gegen andere freigebig war und ins- besondere seine Frau durch den Besitz einer goldenen Uhr mit Kette auffiel. Weingart, ein sonst als pflichttreu be- fundener Beamter, hat nicht lange nach dem Diebstahl in unvirdächtiger Weise wegen eines augenscheinlichen Arm- Übels seinen Abschied aus dem Postdienst erbeten und war gerade mit der Bewnkung des Umzuges von Rawitsch hierher beschäftigt. Seine Ehefrau ist ihm hierher vorausgeeilt und am 11. d. Ä., Morgens, hier eingetroffen. Durch die Frage, auf welche Weise fi- die kostbare goldene Uhr mit Kette erworben haben könne, verlegen gemacht, hat ste infolge der eindnnglichsten Vermahnungen zur Wahrheit nicht nur ein glaubwürdiges Ge- ständniß des Verbrechens ihres Ehemannes abgelegt, sondern auch die Stelle im Gehöft ihrer Eltern bezeichnet, wo die ge stohlenen Gelder vergraben lagen. Hier wurden im Holz- stalle 38 225 M. theils in Gold, theils in Banknoten vorge- sunden. Die Frau befindet fich bereits in gerichtlicher Haft, und bald fitzt sicherlich auch der Verbrecher, Pcstuntcrbeamte Weingatt, hinter Schloß und Riegel. Ihn erwattet, zumal da er bei seiner früher vor dem hiesigen Amtsgcttcht erfolgten »eugeneidlichen Vernehmung jegliche Wissenschaft von dem Dieb- stahl abgeleugnet hat, auch noch die Strafe des Meineids. Der erschütternde Schluß eine» Familiendrama« spielte sich gestern Morgen zwischen 8 und 9 Uhr in dem Hause Alvenslebenstraße 5 ab. Daselbst bewohnen, dem„B. T." zu- folge, die Hältte der dritten Etage seit vier Jahren die Kauf- mann Motte S.'schen Eheleute mit ihren Kindern, einer 16- jährigen Tochter und einem 10jährigen Sohne. D e Eheleute lebten im besten Einvernehmen, ste galten als wohlsttuitt, nur Eins schwebte wie ein beänostigendcr Druck über der Familie, die stete Kränklichkeit der Mutter. Die jetzt 46jähiige Frau, Auguste geborene B., litt seit einigen Jahren an einem unhell- baren seelischen Leiden, weshalb fie früher schon einmal längere Zell in einer Anstalt für Gemüthskranke.Heilung suchen mußte. Der besorgte Ehemann suchte stets alles fernzuhalten, was auf den Gemüthszustand der Frau störend einwirken konnte. Vor- gestern feiette die Familie den Gebuttstag der Mutter im beendigt und ihn ein Horn genannt, au« welchem Segen auf die Stadt floß. Unwillkürlich mußte man denken, daß der Segen in Tropfen kam. Daher hatte er„in vollen Schalen" beigefügt. Dann hielt der Konsul eine kleine, hübsche Rede von dem genngen Können und dem großen Wollen. Und da rief man ein dreifache« Hurrah dem Konsul Brahm, dem ersten Mann der Stadt— laut, kurz und kräftig. Das Sonnenlicht floß in breiten, leuchtenden Strömen durch die hoben Fenster herein. Es waren dieselben Sonnen- strahlen, nach welchen Petttne in dem dunkeln Hinterhof so sehnsuchtsvoll emporblickte. „Es wird doch noch gutes Wetter," sprach der Pastor, „unserem Witth zu Ehren," fügte er galant hinzu. Und das Licht brach sich in unzählige rothe, gelbe und grüne Strahlen in den Prismen des Kronleuchters da oben; eS fiel spielend und schmeichelnd auf daS glänzende Silber- zeug, schien durch die vollen Champagnergläser und spiegelte sich in goldenen Flecken auf dem weißen Tischtuch, machte dann einen kleinen Abstecher zu den blanken Knöpfen und Goldschnüren an dem Frack des StadtoogtS(er war zu Ehren de« TageS in Uniform) und ruhte zuletzt auf dem neuen, glänzenden Ordenskreuz auf des Konsuls Brust. Dies schoß Strahlen und leuchtete wie ein Stern, und war eS wohl auch. Und der Konsul blickte hin auf alle die fteundlichen, wohlwollenden, rücksichtsvoll lächelnden, aufmerksam paffen- den Gesichter— tue, welche gegen die Fenster gewendet saßen, blinzelten im scharfen Sonnenlicht— und dann auf da« leuchtende Ehrenzeichen auf seiner linken Brust, und ihm schien die Welt nicht so übel zu sei«. Im Grunde war e» lustig zu leben. DaS heißt, wenn man ein gute« Gewissen besaß und wußte, daß man seine Pflicht gethan. Konsul Brahm leette sein Champagnerglas. engsten Kreise der Angehörigen. Die damit verbundene freudige Erregung sollte für die Frau eine schreckliche Nachwirkungjwden: auffallend erregt und verstött erhob ste fich gestern Morgen vom Lager, der gütlichen Zuspräche ihres Ehemannes schien ste unzugänglicher denn sonst. Nichts Gutes ahnend, beschloß der- selbe, da die Kinder zur Schule und das Dienstmädchen»um Einholen gegangen, bis zur Rückkehr des letzterm in der Woh- nung ,u bleiben. Der infolge eines früher erlittenen Schlaga«- fallcs selbst kränkliche, im Anfang der 50er Jahre stehende Mann muß aber doch das Zimmer, in welchem seine Gattin wellte, wenn auch nur auf einen Augenblick, verlassen haben,— denn. als er in dasselbe zurückkehtte, war es leer, und ein Blick durch das weit geöffnete Fenster genügte, um ihm seine fürchterliche Ahnung zu bestätigen; seine Frau hatte fich auf die Straße hin» abgestürzt. Noch zuckend, in einer großen Blutlache, lag die Unglückliche zum Entsetzen der Nachbarschaft auf dem Trottoir. anscheinend mit gebrochenen Gliedmaßen und schweren inneren Verletzungen. Während man fie die Treppen hinaufttug, schien fie auf kurze Momente das Bewußtsein wieder zu erlangen, denn ste ttef hLständig den Vomamen ihres Ehegatten und bat, denselben von dem Geschehenen»u unter- richten. Dieser, der, wie erwähnt, allein in der Wohnung »urückgeblieben war, vermochte nicht zu öffnen, weshalb schleunigst ein Schlosser herbeigerufen werden mußte. Nachdem dieser die Thür aufgeschlossen, fanden die Eintrctmden den Ehemann S. röchelnd und in Kiämpfen liegend vor: auf den ersten Anblick schien es, als habe derselbe Gift genommen. Ein schnell requirirter Krankenwagen sollte die verunglückte Frau nach einem Krankenhause bringen; dieselbe erlag indeß auf dem Transport dorthin ihren schrecklichen Verletzungen; den Ebe- mann schaffte man mittelst Droschke nach dem Elisabtthkranken- Hause, woselbst auch er kurze Zeit nach seiner Einlieferung ver« starb, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Ob eine Vergiftung oder ein tödtlicher Krampfanfall vorliegt, darüber wird erst die vorzunehmende Obduktion Aufschluß geben. Der Schmerz der bald nach der Katastrophe aus der Schule herbei- geholten Kinder war herzzerreißend; auch die von dem Unglück enachricktizte Schwester der verunglückten Frau langte alsbald auf der Unglücksstälte an. Das Schicksal der Famllie erregt tiefgehende Tdeilnahme.— Von anderer Seite wird der Fall in folgender Weise dargestellt: Ein erschütterndes Famllien- drama fand gestern Morgen in dem Hause Alvenslebensttaße 5 seinen Abschluß. Der in der dtttten Etage wohnende Kauf- mann Sachs wurde todt aufgefunden, er hatte fich vergiftet. Die Ehefrau des Selbstmörders stürzte fich aus Verzweiflung aus dem Fenster und blieb mit zerschmettertem Schädel leblos auf dem Straßenpflaster liegen. Da der schrecklich verstümmelte Körper noch Lebenszeichen aufwies, erfolgte die Uederführung nach einem Krankenhaus. Dom Uistko der Arbeit. Hangend und bangend in schwebender Pein befand sich gestern Nachmittag ein Maurer, der aus einem Hängegerüst am Hause der Deutschen Bank, Behrenstr. 9, beschäftigt ist. Derselbe hatte durch irgend einen Umstand auf der schwachen Unterlage das Gleichgewicht ver- loren und wäre mit Sicherheit zerschmettert auf dem Bürger- steige der Straße angekommen, hätte er nicht geistes- gegenwärtig ein Seil ergttffen, welches zufällig von dem Gerüst berabhing. An diesem Seile hielt er fich nnt fast übermenschlicher Kraft mehr als 5 Minuten, bis ibm dmch unten arbeitende Genossen in Gestalt einer hohen Leiter ein Stützpunkt geschaffen wurde. Von dieser stieg er mit blutenden Händen hinab. Halb ohnmächtig unten angekommen, mußte cr fich erst einige Zeit erholen, bis er mittheilen konnte, daß die Hilfe gerade noch zur reckten Zeit gekommen war und daß cr keine Minute länger fich hätte kalten können. Gin nicht minder entsetzlicher NorfaU ereignete fich gestern Mittag gegen 12* Uhr auf dem Hohensteinweg. Dort hatte vor dem Hause Nr. 8 ein Hausdiener mit einem Hand- wagen gehalten und war im Begttff, das Gefähtt umzuwenden, als er von einem aus der Königstraße schnell herankommenden, mit Kalksteinen schwer beladenen Ardeitswagen erfaßt und zu Boden gerissen wurde. Er kam hierbei so unglücklich unter den schweren Wagen, daß ibm ein Vorderrad über den Kopf, die Brust und den linken Oberschenkel ging. Der Aermste wurde auf der Stelle getödtct, nachdem er noch angstvoll den Ruf „Meine Kinder!" ausgestoßen hatte. Passanten hoben die ent- sctzlich zermalmte Leiche auf und trugen fie zunächst nach dem Flur des Hauses Hohcnsteinweg 8. Der von dem Unglückefall unverzüglich in Kenntniß gesetzte Polizcilicutenant des Reviers erschien nach kurzer Zeit mit einem schleunigst requiritten Arzt, der indeß eben nur noch den Tod des Mannes zu konstatire« vermochte. Der Kutscher des Wagens, der das Unglück ange» lichtet hat. soll angettunken gewesen sein und mit seinem schweren Gefährt schon in der Königsstraße mit anderen Fuhr» werken karambolirt haben. Krandwunden am Kopf und Rücken erlitt gestern der Hausdiener einer in der Bergmannstraße 24 belegenen Destilla- tion, welcher im Keller mit dem Abziehen von Spiritus beschäftigt gewesen und dabei mit Licht unvorfichtig umge» gangen war. In« Wasi'er geworfen wurde gestern Nachmittag der am Nordhafen mit seinem Kahn ankernde Schiffer Z. Derselbe war mit mehreren Männern am Ouai in Streit gerathen und hatte von seinem Messer Gebrauch gemacht, mit welchem er zwei seiner Angreifer leicht verwundete. Diese drangen nun auf Z. ein, packten ihn und matten ihn in das Wasser. Da Z. nur schlecht schwimmen kann, so wäre er wohl ettrunken, wenn nicht Leute, die den Vorfall von weitem angesehen, Stangen herbei- geholt hätten, mittelst welcher ste den bereits Erschöpften heraus- zogen. Die Gegner desselben hatten fich beim Herannahen anderer Personen geflüchtet. Polizeibericht. Am 11. d. M. früh machte eine Frau in ihrer Wohnung in der Wiesenstraße den Versuch, fich mttt.lst einer Morphiumlösunq zu vergiftm. Sie wurde auf ärztliche Anordnung mittelst Krankenwagens nach der Cbaritee gebracht. — Bei dem am Vormittag stattgehabten starken Regen drangen so große Wassermaffcn in den Keller des Stallschreibetttraße 29 wohnhaften Schlächtermeisters Henkel, daß die Feuerwehr mtt dem Auspumpen desselben mehrere Stunden lang deschättigt war. Sckuld an dem Vorfall war, daß, um Abfälle deS Ge- schäftsbetttedes bequemer beseitigen zu können, der in dem Keller befindliche Verschlußdeckel des Kanalisationsrohres undttugter Weise abgeschraubt worden war.— Nachmittags gingen in der Zimmerstraße die Pferde eines Rollwagens durch. An der Ecke der Wilhelmsttaße versuchte der Dienstmann Schwalm fie auf- zuhalten, wurde aber dabei von dem stürzenden Handpferd um- gerissen und erlttt dadurch nicht unbedeutende Verletzungen im Gesicht und am Hinterkopf.— Um dieselbe Zeit wurde in der Holzmarktstraße ein 14 Jabre alter taubstummer Knabe durch eine von dem Kutscher Bogk gefübtte Equipage am rechten Unter- schenke! üdettabren.— An demselben Tage fanden Kreuzberg- straße 6 und Teltowetttr. 22 unbedeutende Feuer statt. Ferner getteth Bergmannstt. 24 im Keller einer Destillation Spiritu« ,n Brand. Der Hausdiener Engler erlitt dabei nicht unbedeu- tende Brandwunden am Kopf und Rücken und mußte mittelst Droschke nach der Chatttee gebracht werden. *.• Im Königstädtifchen Theater beginnt am Freitag, den 14. d. M., der beliebte Komiker Herr Eduard Weiß ein auf vorläufig 6 Abende berechnetes Gastspiel und»war zu- vördettt in seiner Glanzrolle des„K l a v p h o r n" im„Beitel» st u d e n t von Berlin". Herr Weiß, der diese Rolle im Ostend-Theater mehr als 140 Mal spiette, wird auch an dies« Stätte ein willkommener Gast sein.— Die nächste Gastrolle des Herrn Eduard Weiß ist der„Dietrich" in der Ge- sangsposse:„Anna, zu Dir ist mein liebster Gang", und wird in der TUelrolle zugleich Marie Stolle einGastspiel eröffnen. Gertchts-Zettttng. Ate Verichtvfrrin» gehen am Sonnabend, den 15. d. M., au Ende. Die bis dabin unterbrochenen Fristen nehmen vom selben Tage ab ihren Fortgang. Eine kaum glaubliche Frechheit bei Ausfühntng eines schweren Diebstahls hat eine gewisse Anna Heide an den Tag gelegt, welche gestern der ersten Ferienstraflammer des Land- gerichts 1 vorgeführt wurde. Sie war in den Dienst des in der Wrangelskaße wohnhaften SchlSchtermeistcrs Wolff getreten, wurde aber nach vier Tagen wieder entlasten, weil fie lein Dienstbuch vorzuzeigen vermochte. An dem Abende ihrer Eni- laffung vermißten die Gesellen den Schlüffel zum Schlachthause und mußten als Nothdebelf die Thüre mittelst eines Strickes zubinden. Diesen Schlüssel hatte die Angeklagte, welche einen Diebstahl geplant, vorher beseitigt. In der Nacht begab fie fich ins Schlachthaus, von wo fie unbehindert in die Wohn- räume ihrer früheren Herrschaft gelangen konnte. Zu- nächst begab fie fich in die Küche, wo fie fich zu ibrem Vorhaben durch Speise und Trank stärkte. Dann schlich fie fich in das Schlafzimmer, wo die Wolfi'schen Eheleute in ihren Betten lagen. Aus einer auf dem Tische stehenden Geld- schwinge eignete fie fich fieben Mark an. femer nahm fie eine über dem Kopfe des Schläfers hängende Taschenuhr an fich und ein Korsett der Frau Wolff, welches auf einem Stuhl vor deren Bett lag. Als fie im Schlachthause Geräusch zu hören glaubte, k'lxh fie unter das Bett der Frau Wolff und hier blieb fie bis «im Morgen liegen. Wolff erhob fich zuerst und als er die in der Küche herrschende Unordnung bemerkte und das Schlachthaus offen fand, weckte er seine Frau. Diese bemerkte sofort das Fehlen der gestohlenen Gegenstände. Durch Zufall wurde die Diebin ent- deckt und aus dem Versteck hervorgezogen. Der Gerichtshof de- legte die geständige Angeklagte mit einer Gefängnißstrafe von 9 Monaten. #** etwa» zweifelhafte«„Eefchaftskuiff", den viele Möbelhändler anwenden sollen, kam in einer Verhandlung zur Sprache, welche gestern die erste Ferienstraskommer des Land« gerichts I beschäftigte. Der Mobeihändler Kammer pflegt sich eines Thells seiner Waare durch hin und wieder veranstaltete Auktionen zu entledigm. Um nun zu verhüten, daß die Sachen nicht gar zu dillig losgeschlagen werden, engagirte er mehrere Personen, welche durch Mitdieten die Preise in die Höbe treiben respektive erstehen. Um die Täuschung vor dem Publikum zu vollenden, werden diese falschen Bieter von ihm mit den nöthigm Geldmitteln ausgestattet, damit sie im Falle des Zuschlags sofort bezahlen können. Einer dieser Handlanger war auch der wegen Unterschlagung ange- klagte Schomstcinfeger Friedrich Hellrung. Zu wiederHollen Malen hatte er seine Rolle bei den Auktionen zur Zufriedenheit seines Austragsaebers gespielt. Eines Tages erhielt er zu dem bewußten Zweck 100 M. anvertraut, diesmal ließ er sich aber nicht bei der Auktion sehen» sondem verbrauchte das Geld für fich. Der geschädigte Zeuge mußte es sich gefallen lasten, daß der Vorfitzende das geschilderte Manöver in etwas abfälliger Weise kritistrte und der vielfach vorbestrafte Angeklagte, daß er zu neun Monaten Gefängniß verurtheilt wurde. Di« Geschichte eine« literarische« Arbeit kam in eingehender Weise in einer Verhandlung zur Sprache, welche gestem die dritte Ferienstraskammer des Landgerichts i beschäftigte. Tie Schliftstellerin und Dichterin Fräulein Elise Schmidt, welche fich auf der Anklagebank befand, sollte fich eines Betruges schuldig gemacht haben. Vor etwa zwei Jahren ließ die Angeklagte durch den Redakteur der Schriftstellcrzeitung, Dr. Lange, dem Redakteur des„Bär", Herrn Walls, ein um- fangreiches Manuskript zum Ankaufe anbieten. Die Arbeit de- titelte fich:„Das Viergespann auf dem Brandenburger Thorc", beschäftigte fich mit der Geschichte dieses Monuments und mit der des Herstellers, des Bildhauers Schadow, und wies in der Einleitung besonders auf die Bedeutung dieses wettberühmten Kunstwerks mit Bezug auf die gerade stattfindende Kunst- jubiläumsausstellung hin. Herr Wallö verhiell fich anfangs ablehnend, weil er der Anficht war, daß das Viergespann mit der Jubiläums-Ausstellung nichts zu tbun habe; als die Ver- fasten« ihr Anerbieten wiederholte, erklärte er fich unter der Bedingung zur Annahme der Arbeit bereit, daß er dieselbe als Materiol zu einem Auszuge benutzen dürfe, den er seldstständig anzufertigen deadstchtigte. Da die Verfasserin hiermit einvcr- standen war, erhielt fie eine Abschlagszahlung von 160 Morl. Bald darauf halte der Redakteur Walls Gelegenheit, fich zu überzeugen, daß der Jnbatt der fraglichen Arbeit im Wesentlichen einer Reihe von Artikeln entnommen war, die bereits svor zehn Jahren in den Sonntagsbeilagen der„Vosfischcn Zeitung erschienen waren. Da„Der Bär" nur Originalartikel bringt, hielt Redakteur Walls die erstandene Arbeit der Angeklagten für werthlos und fich wissentlich für übcrvortheilt. Die so Be- schuldigte bestritt entschieden, daß fie fich im Sinne der Anklage v.igangcn. Daß sie jene Artikel der„Vosfischcn Zeitung" be- nutzte, habe fie dem Redakteur Walls allerdings nickt mitgetbeilt, es dem Redakteur Dr. Lange, welcher auf ibre Bitte die Ver- Mittlerrolle übernommen hatte, aber ausdrücklich erklärt. Im übrigen sei die betreffende Arbeit, welche viel Neues enthalte, als eine durchaus selbstständige anzusehen und auck später im Decker'schen Verlage erschienen. Zeuge Dr. Lange de- stätigte. daß die Angeklagte ihm die„Vosfische Zeitung" als theil- weise Quelle angegeben, aber hieran die Frage geknüpft habe, od fie verpflichtet sei, dem ev. Käufer hiervon Kenntniß zu geben. Der Zeuge habe dies bejaht und würde dem Redatteur Wrlls auch Mitt Heilung davon gemacht haben, wenn er per- sönl ch mit ihm hätte sprechen können. So habe er fich aber darauf beschränken müssen, die Ardctt mit einer Ewpfeh'ung an Herrn Walls zu schicken, in der Voraussetzung, daß die Aft der Herstellung der Arbeit bei der direkten Verhandlung mit der Veifaffcrin zur Sprache kommen würde. Uedrigcns herrsche in slbriftttellerischen Kreisen eine noch nicht endgiltig entschiedene Meinungsverschiedenheit darüber, inwieweit ein Verfasser dem Verleger gegenüber die eventuell benutzten Quellen anzugeben verpflichtet sei. Redatteur Walls blieb dabei, daß der Verleger des„Bär" durch die Angeklagte getäuscht und geschädigt worden sei. er sei ermächtigt zu erklären, daß der spätere Verleger der Arbeit der Angeklagten sich ebenfalls für übervorlheilt halte. Während der Staatsanwalt auf Grund der Beweisaufnahme die Anklage aufrechthiclt und gegen die Beschuldigte eine Geldstrafe von 50 M. beantragte, hielt der Gerichtshof die letztere nicht für überfuhrt, wissentlich eine Täuschung in gewinnsüchtiger Absicht vorgenommen zu haben, zumal in schriftstellerischen Kreisen eine Partei cmf dem Boden der Angcllagten stände. Aus diesem Grande sei auf Freisprechung erkannt worden. Koziale» und Arbeiterbewegung. De« KtreiK der Töpfer bei Hausleiter u. Eisendeiß bat nur einen Tag gedauert. Das einmüthige Zusammenstehen der Kollegen bat bewirft, daß die Firma alle Forderungen der Ge- scllen bewilligt hat. Bravo! I« der Dresdener Tertilindnstri« find nicht weniger als 84, Ä vCt. aller Arbeiter weiblichen Geschlechts. Welch' niedrige Löhne, welch' Fabrikantenunglück, welche Unsumme zer- störten Familienlebens! I« Airchenlamitz. einem bayerischen Wederdorf, ver- die Arbeiter täglich nur 80—120 Pf. und nähren sich dienen..... kümmerlich von Kaffeesurrogaten und Kartoffeln. So sagt Doktor von Kerthenstenier im neuesten Generalbericht über die Sanitätsverwaltung im Königreich Bayern. »ereine«nd Nersammlnnge«. A» die Drechsler und verwandten Kernfsgenossen Kollegen! Wenn wir in unserer Gewerkschaft Umschau hatten, so finden wir allüberall d!e traurigsten Lohn- und Ardeitsver- Hältnisse. Ueberaus lange tägliche Arbeitszeit bei den denkbar niedrigsten Arbeitslöhnen, trotz der größten Arbeitsthätigkeit unsererseits, wird wiederum die traurige Gewißheit werden währ-nd der jetzt kommenden sogenannten„guten Saison" des Drechsler?. Soll nun ein derartiges„Ardettssystem" fortwäh« rend das herrschende bleiben, welches allein dazu dient, die Ar- deitsstaft des Einzelnen auszubeuten, ihm somit in absehbarer Zeit dem Ruin seiner physischen Kraft entgegenführt, damit zu- gleich aber der jetzt schon winzige Arbeitsverdienst auf jenes Niveau herabfinkt. mit dem dann jede auch noch so anspruchs- lose menschenwürdige Existenz aufhört zu sein?— Nein! und abermals Nein! sei die alles übertönende Antwort der Gewerlskollegen!— Nun wohlan denn! Wenn ihr gewillt seid, derartigen Lohn- und Arbeitsverhältnissen durch den moralischen Druck der Einigkeit ein„bis hierher und nicht weiter" entgegcnzurufen, wenn ihr gewillt seid, für Euch und Eure Familien eine bessere, menschenwürdige Existenz zu er- ringen, dann raffet Euch auf! Lasset den Ruf der Einig- keit in allen Stätten der schaffenden, wertthätigen Arbeit ertönen und wir werden und müssen zum Siege ge- langen! Vorwärts! Kollegen, folat dem dringenden Appell an die Einigkctt! Erscheint alle. Mann für Mann, in der öf entlich en G eneralversammlu na derDrechsl er und Berufsgenossen Berlins, welche am Dien st ag, den 18. September, Abends 8i Uhr, im K ö n i g st a d t- Kasino, Holzmarktstt. 72(Ecke der Alexanderstr.), stattfindet. (Tagesordnung: 1. Unsere Lohnverhältnisse und„ W a s w i r w o l l e n." 2. Die Stellung der Berliner Gewerkskollegcn für den Eintritt in eine Lohnbewegung. 3. Verschiedenes.) Auf Grundlage der vorstehenden Tages- ordnung werden wir jene Forderungen Euch zur Diskussion unterbreiten, welche allein eine Besserung unserer gewerkschaft- lichen Verhältnisse erwaften lassen. Nicht wir allein wollen Euch den Weg vorschreiben, der zu beschreiten ist, sondern Ihr, in der imposanten Masse Eurer Zahl, sollt die Entscheidung fällen, jene Entscheidung, im Bunde mit der Einigkeit, soll dann unsere Losung sein! Auf denn zur Versammlung! (Wir ersuchen die Kollegen um weiteste Verbeituna des obigen.) Mit kollegialischem Gruß: Die Einderufer.— Alle arbeiten freundlichen Zeitungen werden um Abdruck des obigen ersucht. Dolksverfammlnng 1« Charlottenburg. Am Sonntag, Vormittags 11 Ufcr, fand in Charlottenburg in Wodttch's Salon eine öffentliche Voltsversammlung mit der Tagesordnung „Gesetzentwurf der Alters- und Invalidenversicherung der Ar- deiter" statt. Referent war Herr Kaufmann Auerbach aus Berlin. Die Versammlung wurde um 11% Ubr eröffnet, zur Leitung derselben wurden die Herren Wernike, Sasse und Nieder gewählt. Alsdann erhielt Herr Auerbach das Wort zum Vor- trage. Oft von Beifall unterbrochen, führte derselbe den an- wesenden Arbeitern ein Bild des Gesetzes vor Augen und kritifirte die einzelnen Bestimmungen, besonders das Quittvngs- buch, das zum Arbeitsbuch für alle Arbeiter werden würde. Nachdem der Referent unter stürmischem Beifall seinen Vortrag beendet hatte, gelangte folgende Resolution zur Verlesung: „Die am 9. September 1888 in„Wodrich's Salon" zu Cbar [Ottenburg tagende öffentliche Volksversammlung erklärt: daß der Gesetzentwurf, betreffend die Al ers- und Invalidenversicherung der Ardeiter, für sie unannehmbar ist, weil 1. die Altersgrenze eine viel zu weit hinausgeschodme ist, 2. die Rente eine viel zu geringe ist, und 3. das Quittungsbuch unbedingt zu dem von den Zünftlern geforderten Arbettsbuch werden muß: die Ver- sammlung erklärt ferner, daß die sozialen Schäden, die im Heu- tigen Pioduktwnswesen wurzeln und die traurige Lage des Arbeiterslandes bedingen, nur beseitigt werden können durch Einfühlung derjenigen Ardeiterschutzgesetzgeduna, welche seiner Zeit durch die sozialvemokcatische Fraltion dem Reichstage unter« breitet wurde." Kaum waren die letzten Worte gesprochen, da löste der überwachende Polizeilieutenant auf Gmnd des§ 9 die Versammlung auf. Unter Hcchnrfen auf die deutsche Sozial- demokratie verließen die Ardeiter, nachdem die erste Ueber- raschung vorüber war, ruhig den Saal. Beschwerde wird er- hoben. Fachverri« der Kteindrncker«nd Lithographen. Humonstrscher Herrenabend Sonnabend, den 3. Stiftungsfest.., I 22. September, in Mundt's(Salon, Kövnickcrstr. 100. Billets find zu haben bei den Herren Vorstandsmitgliedern: A. Jastrou, Steindrucker, Sckönleinstt. 23, 3 Tr. M. Preuß, Lilhogravh, Krautsstr. 26a, 3 Tr. O. Sillier, Steindrucker, Krautsstr. 26a, 4 Tr. P. Spielmann, Steindrucker, Ädalbertstr. 83, 2 Tr. t>kSpringer, Lithograph, Gräfestr. 81, 3 Tr. A. Hendrich, teindrucker, Langestr. 86, 3 Tr. W. Weide, Steindrucker, Köpnickerstr. 64a, H. 1 Tr. A. Leuschner, Schönhauser Allee TOD, sowie im unentgeltlichen Arbeitsnachweis deS Vereins bei C. Scheidenreick, Steindrucker, Elisabeth Ufer 42.— Mitglieder, welcke durck Vorträge beim Herrenabend mitwirken wollen, können fich bei Odenstehendm einige Tage vor dem Feste melden. Mitgliederversammlung der Filale Kerli« 7 der Allgemeine« Kranken-«nd Kterbekafse der Metallarbeiter(E. H. Nr. 29 Hamburg) am Sonnabend, den 15. September d. I., Abends 8% Uhr. bei Jakob, Linvower- straße 26. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl von Beitragsammlcrn und Krankenbesuchern. 3. Verschiedenes. «»sang-. Turn-«nd gesellige Derrin» etr. am Donnerstag. Männergesangverein„Latttia" Abends 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Veteranenstr. 19.— Gesangverein„Bretzcl- schluß" Abends 8t Uhr im Restaurant Schumann, Alte Jakob- straße 38.— Männergesangvercin„Nordstern" Abends 9 Uhr im Restaurant Jacob, Lindowerstt. 26.— Schäfer'scher Gesangverein„der Elfe?'. Abends 9 Uhr bei Wolf u. Krüger, Skalitzer- straße 126, Gesang.— Gesangverein„Blüthenkranz" Abends 9 Uhr im Restaurant Dresdenerstt. 40.— Männergesangverein „Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Straußberaer- straße 3.— Männergesangvercin„Liedesfrerheit" Abends 9% uhr im Restaurant Siemund, Lmienstt. 8.— Gesangverein Männerchor „St. Urban" Abends 9 Uhr Ritterstt. 105.— Gesangverein „Deutsche Liedertafel" Abends 9 Uhr Köpnickerstr. 100.— Gesangverein„Norddeutsche Schleife", Abends von 9— 11. Michaelkirch- str. 39— Turnverein„Hasenhaidc"(Lehrl.-Abth.) Abends 8 Uhr Diessenbachstr. 60—61.—„Berliner Turngenossenschaft"(7. Lehr- lings-Äbtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Tumdalle, Bntzersttaße 17—18;— desgl. 6. Männer- Abtheilung Abends 3 Uhr in der stadtizchen Turnhalle, Gubener- straße 51.— Lübeck'scher Turnverein(Männer- Abtheilung) Abends 8 Uhr Elisabethstraße 57 58.— Ällg. Arends'sche ''■...... Abends 3t Uhr im Arends'scher Steno« _....._. im Restaurant„Zum Buckower Garten", Buckowerstraße 9.— Berliner Stenographen- Verein(System Arends) Abends 9 Uhr im Restaurant Friedrichstraße 208.— Stolze'scher Stenographen-Verein„Nord-Berlin" Abends 9 Uhr Schlegelstraße 44 — Verein der Naturfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Wienersttaße 35.— Verein der Unruhstädter Abends 8 Uhr im„Königstadt-Kafino", Holzmarktstraße 72.— Rauch- klub„Kernspitze" Abends 8t Uhr im Restaurant, Holz- marttstraße 44.— Rauchtlub„Arcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forsterstraße, Ecke der Rcichenbergerstraße. — Rauchklub„Dezimalwaage" Abends 9 Uhr im Restaurant Lock, Krautsstraße 48.- Rauchklub„Vorwärts" Abends 9 Uhr bei Herrn Tempel, Restaurant„Zum Ambos", Bres- lauersttaße 27.— Orientalischer Rauchklub" Abends 9 Uhr Querstraße 27.-.Orientalischer Rauchllub" Abends im Restaurant Wiechert, Oranienstraße 8. Vermischtes. Von dem Aoqstabler AUmaqer erzählt der folgendes gelungene Gaunerstück: Bei einem seiner! hatte Allmayer beobachtet, wie der Untersuchunosrichter,> dem ein Freilassungsbefehl erlangt wurde, den Befehl, k kein Formular zur Hand hatte, in Form eines Briefes mit Direttor von Mazas auf einen gewöhnlichen Bogen sckr unterzeichnete und stempelte. Allmayer beschloß nun, sich t' einen solchen Brief zu fadriziren. Zunächst verlangte er, eiß erst wieder in Mazas, Papier, um seine Vcrtbeidigungsgrb aufzusetzen. Er füllte nun damit eine Menge einztl Bogen, die er bei seinem nächsten Verhöre auf dem Tische fich ausbreitete.(Bei solchen Verhören fitzt der Ur suchungsrichter an einer der Längsseiten des Tisehes. gegenüber der Protokollführer und an einer der Scki feiten der Untersuchung? gefangene, neben dem ein AB' steht.) Allmayer warf nun, während er fich vertheidigte, I' Papiere unordentlich durcheinander und benutzte schlii! einen Augenblick der Unaufmerksamkeit, um einen Papiers mit Kopf des Untersuchungsgerichts heranzuziehen und u* seine Papiere zu schieben. Abends schrieb er denn auf>' Bogen einen Brief an den Direktor von Mazas:„Herr DM ich erhalte von dem Staatsanwalt den Befehl, den p. All»«' in Freiheit zu setzen. Ich bitte Sie daher, die FrrilassunglX noch zu bewirken; ich werde den förmlichen Befehl ms- ausstellen. Der Untersuchungsrichter Villcrs." Auf ein M schrieb er die Worte„Befehl des Staatsanwatts", und* fehlte nur noch der Stempel. Bei dem folgenden VerhiW griff Allmayer scheinbar ganz harmlos den Stempel,# beim Sprechen damit und stieß dann plötzlich das voi' stehende Tintenfaß vom Tische, daß die Tinte auf die# lleider des Aufsehers spritzte. Dann entschuldigte er J und machte den Mann darauf aufmerksam, daß! dem Kaminfims Waffer steht, womit er fich reinigen kann.' Aufseber geht dahin, unwillkürlich folgen ihm, wie AllmaySst ausgesehen, Untersuchungsrichter und Protokollführer w? Augen, und in diesem Augenblick drückt Allmeyer rast? Stempel auf seinen Brief. Die letzte und nicht gel Schwierigkeit war, den Brief an seine Adresse gelai lassen. Zu diesem Zwecke warf ihn Allmayer nach dem i Verhör, als er auf dem Gange auf den Zellcnwagen' der ihn nach Mazas zurückdringen sollte, auffällig auf diel. Natürlich griff der ihn begleitende Polizist sofort nach? Kouvert und war sehr erstaunt, als er die Adresse las." auf seine Frage hatte Allmayer nur die Antwort:„GloB_..... Unt-rsuckungsrichter etwa, ich sei sein Lakai?" Der Mauenarbe tief entrüstet über diese Respekilofigkeit, und überzeugt,, vad Fnvab Richter hätte dem Gefangenen selbst den Brief mitgegebei? Unterlollp« «rtfh pfnrrn rnfrnhpn RntKN«nh Tnfcf hnä!> o-«" NM * Mark. flott* nach einem reitenden Boten und läßt das Schreiben 1 LrW.l!!?, Mazas besorgen. Eine halbe Stunde später war Ällmay� lasg b� , Der u «atholi �lbeitcrfral Beachtung «ach kathol tsientages I läch Decur �beitstag. Freiheit gesetzt und hatte die Frechheit, fich noch an � selben Abend im Zuschauerräume des Tb ätre frans»!1%% von v zeigen..«Win es i Liebe kennt kein Aindrrniß. Von Adookatenliß im D Liebesanaclegenheiten handelt folgerde Geschichte, welche Iv viele W „Weser-Ztg." aus Paris mitgetheilt wird: Vor einigen M Kager« nick war d.r deutsche Kaufmann Ledrecht in Begleitung seiner M betont da zehnjährigen Tochter Magda nach Paris gekommen und%£in;C L_,, daselbst eine Privatwohnung in der Rae Varenne bezogen, f Treppe höher brta-d fich die Kanzlei des jungen Advokaten- t Lambert, und nach mehrmaligen Begegnungen im Hfl*_. ra*5tr C bette sich der F.anzose leidenschaftlich in das blonde best Rtthrt es Mädchen verliebt. J?°>e doch d Die Blicke der Kleinen verrietben, daß auch ihr der-i'«inen ersck nicht mißfiel, allein Herr Lebrecht, der die größte Antip�»arten, vi gegen alles Fremdländische hat, verhinderte es, daß die' Leute auck nur ein Wort mit einander wechselten. Zu s> wäre gleichfalls vergeblich gewesen, denn der Portier haltt jungen Miether erzählt, daß der Papa alle sofort öffne. Der Doktor war trostlos, er gl eine Verschlimmerung seiner Lage sei unmöglich, als er eines Morgens zwei große vollgefüllte cus der Wohnung Lebrechts tragen sab, fühlte er, sein früherer Zustand noch Seligkeit gewesen, denn jetzt die Geliebte völlig aus seinem Gefichtslreise verschwinde». Doktor war sich der Ehrlichkeit seiner Abfichten bewußt, schwor, um jeden Preis mit dem Mädchen zu reden, kein zu scheuen, um den Zweck zu erreichen./ Er machte fich reisefertig, entschlossen, im Koupee derCl Platz zu nehmen, allein Herr Lebrecht winkte einen Kon> heran, und dieser sperrte ihn und sein Töchterchen gegäs angemessenes Trinkgeld von den Mitreisenden ab. An der defl Grenze kam Lambert ein verzweifelter Gedanke; er M. Zollamt, verlangte mit dem Vorstande zu sprechen, und demselben:„Ich halte es für meine Pfl cht, Sie aufzust den Herrn dort mit dem glattrafirteu Gestchte und der einer genauen Leibe svifilation zu uni erziehen. Ich sag/ nichts. Herr Leberecht hätte bereitwillig dem ZollbeoiB, Schlüssel seiner Koffer zur Verfügung gestellt, als man in das Bureau spazieren hieß, wurde er wüthend und httv e Atimodern ßirade die �»rde gesa . 7'ttesftied Skalen Fr Das Mutend.' 5 Ä" ss es- li Tochter, ihn einstweilen auf dem Perron zu erwarten., ü Er dachte in einem Augenbleck zurück zu sein, do»� man ihn eine halbe Stunde fest. Als er zurückkam und Kind im eifrigen Gespräche mit dem Doktor sab, errtt wer ihm den s-rlimmen Streich gespielt; rachedurstia nach Paris zurück, ließ sein Gepäck allein nach ziehen und verklagte den Advokaten auf Verleufl� Doktor Lambert verantwortete sich dahin, daß er" 4 wcgs behauptet habe, der Herr habe gesch sondern � einfach gerathen, den Herrn genau zu „Jndeß", meinte er,„auch deswegen bitte ich um Verg1 p Ich kann die That nicht bereuen, die mein Glück beg/fly Ihre Tochter sagte mir, daß Sie kein Tyrann seien un Zeit gönnen werden, Ihr Vorurtheil zu defiegen, Mädchen, das ich liebe, aus Ihrer Hand zu empfangen- Ledrecht wandte fich unwillig ab, allern er lh�?. Richter mit, daß er von der Klage abstehe,„denn", sagt''A % Da« S 1 und wäre mir schleckt gedient, wenn der Dottor eingesperrt � mein dummes Kind wird mir sonst noch aus Schmerz bo i-i-» Fremde krank." Telegraphisch* Depeschen (Wolff's Telegraohen-Bureau.) zwrschen St. wiargrelyen und fiauttach einstweuen mw» Die Eisendahnbrücke über den Rhein bei Buchs, xoü&LjjW Züge der Arlberg-Balnr gestern nicht fahrbar war, ist- jr der Wasserstand des Rheins inzwischen gesunken, für � lehr wieder frei. m Mittwoch. 12. September. Die Befur-»� sX M«ra«, iiuuaiuut, ü.«ct-uuivce. y'. icn« der durch das Hochwasser eintretenden Verkehrsstörung � als beseitigt bettachtet werden. Tie Unterbrechung � ftr bahn südlich von Bötzen hat auf die Strecke Einfluß.„_____._ unter Wasser, doch haben die Dämme bisher gelitten. Anläßlich der sehr beunruhigenden Trient haben die städtischen Behörden die größten regeln getroffen. BerantwoMcher Redatteur:«r-nh-i« in Berlin. Druck und Verlag von Mar Mading in Berlin SW., Beuthstroße 2. übe im t die S* s° �beweist vutth das i 2 woral Räch Woi fcr, wmen tat Brun Ää? ette & S*" wl fer* �5 HB-. bitter SÄ