lassen Al M >*♦ SS0. Mittwoch» de» 19. September 1888. S. Jokrx. «llimVMlÄ Krgan für die Interessen der Arbeiter. Abonnements-Einladung. . Zum Quartalswechsel »uf das erlauben wir uns zum Abonnement »HerUiter Uolksblatt" Mi dem laden. wöchentlich erscheinenden Sonntag« blatt einzu« v Der Standpunkt unseres Blattes ist bi kannt. Es steht auf 2«Boden des unbeugsamen Rechts. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen «dens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und «ireiter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klassen- daaensätze ist das„Serliner Nottrvblatt" ein entschiedener �egnn jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung �det-N�r' �on mehr berechtigter Gesellschaftsklassen ...DaS„Oorlweo Uolksblatt" sucht seine Aufgabe durch rfi* che Behandlung der politischen als auch der Tagesfragen zu Fullen. Die gleichen Grundsätze lettm uns bei Besprechung unserer städtischen Angelegenheiten. Im Feuilleton unseres Blattes veröffentlichen wir Aus» Bongs September ab einen ausgezeichneten Roman aus dem Nnrerikanischen Arbetterleben, detitett „Die Uitter der Arbeit" üdersetzt von Natalie KebKnechi Q. Schon der Name der Uebersctzerin bürgt dafür, daß unseren .«ftrn hier eine ebenso'''------- n �----- bot«n wird. spannende wie gediegene Lektüre ge- ilnser Ko»ntag«blatt macht es sich nach wie vor zur nur die besten und vollendetsten Arbeiten derjenigen L.?"Mteller zu bttngm, die auf dem Boden des wirklichen stehen. j.r Das„Berliner Kolksblatt" kostet für das ganze Viertel» l L, ff** in» Hau« 4 Mark, für den Monat Oktober tui*?1* Vss, pro Woche 35 pf. Bei Selbstabholung °us unserer E�pedttion LW" 1 Mark pro Monat."MW )»„.*]% außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Adonne- t'gen nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark ent» Die DedaKtto«««d Grpebttio» des„Berlin»» Uolkoklatt". Jeuilreton. [6 An unrechter Stelle. Nach einer russischen Erzählung von Dr. Z. L. �. VIL "•«t ig ueue Amt,„die Wurzel des Bösen" auszurotten, 3 eile» Anfangs nicht so unangenehm, wie das alte. Die "ich» �pAche Maluga zum Tode verurtheilte, sahen ihn bjZ v. D'�n des Vorwurfs und der Trauer an,*"'<• o?e Verurtheilten gethan hatten. Freilich wie waren eS aber die ftkag.' vi—_p— r— 7-.- U. Aernpn � �te®eiß und Leben athmeten; aber oie dvar kx c enc doch nicht so wie im Gericht. Maluga sieht nber l, u � � die betrübten Gesichter der Mitarbeiter, eS sind stllcht��.�eute, die sich auch überreden lassen. Sie be» ihr«;«TV'" als einen Feind, wenn er auch die Kinder floh jr�fteS zu Krüppeln macht. Sie verstehen ihn ja und fr VM-uniWhmn ihrer Artikel einverstanden; denn fo'n�? r>CTrUJ',*UUU",!S........... � ütvflr• ste leben wollen, will es auch Maluga. M"ber ein gutmüthiqer. Er giebt ?�rinaer5 den Schmerz bei feinen Operationen zu de«» mi. n Ü. S}an verzeiht ihm auch diesen Schmerz, »n-...k.-i c« lebt sich nicht so, wie 0>an � �"d ja Alle unfrei,„es....... >hn möchte". Noch mehr, die Mitarbeiter lieben der(=3� wie jenen guten Pedell, der ihnen -Schule die Ruthe gab; drr Sckn'r. T K"" Pedell, U?'n SalLoa6 iuthe gab; der legte die Ruthe Ziagen-' Qffer und gab sich auch Mühe, nicht stark zu Ü�oietiL 1"" er sich auch nie entschlossen hätte, neun- m....rf feilen, sobald fünfzig befohlen auf Ruthe «aren� � JU ertheilen. ZJ? wit »Seien Sie �'eve zu ettyeuen,„.. Maluga lud häufig die Mitarbeiter zu sich em, ihnen, über„unbequeme" Stellen zu be» nehmen Sie willkommen!®itte, Wissen Sie. em -* ift etwas darin— oatjödt. Aber— aber e«>,», «be» Sle nicht mal nachsehe«, was ich da angestrichen — aber eS ist Die Meltmisston Rußlands. Die Affaire des kroatischen Bischofs Stroßmauer, der zur 900 jährigen Feier der Einführung des Christen» thumS ein Telegramm nach Kiew sandte, in dem die„Welt- Mission Rußlands", die ihm von Gott bestimmt fei, betont wurde, giebt Stoff zum Nachdenken. Z« diesem Ausdruck, welcher dem Bischof begreiflicher Weise vom Kaiser von Oesterreich sehr üoel genommen wurde, liegt mehr als eine Redewendung; er ist das Symptom einer weitverbreiteten Anschauung, mag sie nun auf Täuschung, Bestechung oder Ueberzeugung beruhen. Mit einem Wort, e» ist da» alte Gespenst deS PanflaviSmuS, das hier etwas vorsichttg erscheint und sich hinter dem Wort„Weltmission" wie hinter einem Fächer verbirgt, um nicht so abschreckend zu wirken, wie eS bei den Aksakow, Katkow und Skobelew der Fall war. Stroßmayer ist bekannt als Föderalist und durch seinen Streit mit Ungarn. Daß ein Mann an so hervor- ragender Stelle eine solche Kundgebung gewagt hat, läßt darauf schließen, daß der PunslaviSmuS an der Militär- grenze ebenso entschiedene Anhänger hat als in Böhmen. Wir können nicht beurtheilen, ob die panslavistischen Anschauungen de« Herrn Stroßmayer auf Ueberzeugung be- ruhen; sein sonstiges Auftreten ließe das wohl zu. Aber wenn wirklich eine Ueberzeugung bei ihm vorhanden— welch verkehrte Auffassung der Thatsachen in Vergangenheit und Gegenwart setzt sie voraus! Neunhundert Jahre schon herrscht die christliche Religion in Rußland und doch— wie sieht eS dort aus! Die milden und humanen Lehren des ursprünglichen Christen- thumS— wie wenig haben sie vermocht, die russischen Zu- stände entsprechend den Geboten der Menschlichkeit und deS Fortschritt» zu gestalte«! Fast 900 Jahre verflossen nach Einführung deS Christenthums in Rußland, bl» man sich endlich entschloß, die Leibeigenschaft in diesem Lande aufzuheben, ohne daß dadurch die Zustände unter dem Landvolke hätten wesentlich gebessert werden können. Welche Katastrophen haben sich in den 900 Jahren, seit Rußland christlich ist, abgespielt! Die Vernichtung der alten Freiheiten der Städte, das fürchterliche Blut- regiment JwanS de» Schrecklichen, die asiatische Tyrannei PeterS des Großen, da» Weiberregiment im 18. Jahrhundert, alles da» hat vom Christenthum nicht verhindert werden können. Die russischen Gewalthaber zwangen sich zur Heuchelei, indem sie sich stellten, sie seien gute Christen; das war aber auch alles. Daß das Christenthum die Heil- kraft nicht befaß, die erforderlich gewesen wäre, um die inneren Krebsschäden Rußlands auszutilgen, ist Thatsache; ei ist dies aber auch erklärlich, wenn man bedenkt, welche barbarischen Mächte zusammengewirkt haben, um Rußland wird eS gestrichen ..Ist es wirklich nicht möglich? Der ganze Gedanke ist ja dann wie ein Nebel."' � Tt% aber trotzdem- bei Gott, eS geht nicht. Ich habe schon darüber nachgedacht. Ihr Artikel hat mir so gefallen, daß ich viel darum gebe» möchte, ihn durchzulassen, aber die Pflicht gebietet mir, gegen Ihr und mein Verlangen zu handeln." „Ach wie schade," beklagte sich der Autor. „WaS ist zu thu»! Ich habe Sie deshalb nur zu mir gebeten, weil ich selbst mich nicht entschließen konnte, diese Stellen zu streichen. Nun sehen Sie sich mal hierher und ändern Sie em wenig. Wir wollen ei doch ftiedlicb endigen; die Pflicht muß erfüllt werden und Sie dürfen auch nach Möglichkeit keine» Schaden erleiden." „Wenn noch mehr Nebel hinzukommt, ganz dunkel. Lieber möge der ganze Artikel werden." „Behüte Gott! Em so herrlicher Artikel muß er- scheinen. Und weshalb sollten Sie des Honorars verluftia stehen? Das Publikum versteht ausgezeichnet, zwischen den Zeilen zu lesen, und wegen Unklarheiten wird ei mit uns nicht rechten; man kennt doch die von un« nicht abhängigen Umstände." Der Autor sträubte sich noch ein wenig, dann begann er die Umarbeitung. Zuweilen pafsirte ei auch daß die Umarbeitung noch ein Mal umgearbeitet werden mußte; jedes Mal aber endete die Sache mit dem Sieae Maluga's. „Jetzt ist es vortrefflich!" Er nahm die Feder, unter- zeichnete mit fester Hand„Zensor Maluga" und überreichte den Korrekturbogen dem Autor. Mit den Worten:„Glauben Sie mir, ich bin bereit alles zu thun," begleitete er den Autor bis zur Thür IX % ÄT» ..d Ä&MÄ%%%%% zu dem zu machen, was es ist. Zurückgeblieben hinter aller wirklichen Kultur, die Masse verroht und verkommen, die Finanzen bis zur Existenzunmöglichkeit zerrüttet, unter dem Druck einer räuberischen Bureaukratte schleppte daS ungeheure russische Reich ein Scheinleben dahin, das immer nur durch neue Gewaltthaten gefristet werden kann. Dies Land hat bei alledem eine Reihe von glänzenden Geistern hervorgebracht, die das krittsche Messer an den wunden Körper ihres Vaterlandes legten und die auch den Versuch machten, daS Licht der Bildung unter die blöden Massen strahlen zu lassen. Aber die asiatische Bureaukratie drückte alle diese Versuche mit roher Faust nieder und ein großer, sehr großer Theil deS russischen Volkes steht heute zu dem mittleren und westlichen Europa, was Bildung be» trifft, ganz in ähnlichem Verhältniß, wie einst die Hunnen zum alten Römerreich. Wenn man dies in Erwägung zieht, welch unglaubliche und unverzeihliche geistige Verirrung gehört dazu, dem Russenthum wirklich die„Weltmission" zuzutrauen, die ihm von seinen Staatsmännern und von den panslavistischen Schreiern zugeschrieben wird! Wenn man Stroßmayer, einen Mann auf der Höhe der europäischen Bildung stehend, sich diesem Trosse anschließen sieht, so wird es schwer, an eine aufrichtige Ueberzeugung zu glauben. Man glaubt dann nur noch mit einem der gewöhnlichen Agenten Rußlands ei zu thun zu haben. Uebcrblicken wir doch die Stationen, welche das mit dieser Weltmission begnadete Rußland bisher erreicht hat! Die Zertrümmerung der Türkei und die Zerreißung und Vernichtung Polens— daS sind die Leistungen deS Russen» thumS in Bezug auf Europa. Für die Existenzberechtigunz der Türkei an sich legen wir kein Wort ein; daß aber Polen au« der Zahl der selbstständigen Völker gestrichen ist, hat Europa einer unaufhörlichen Bedrohung ausgesetzt. Nun steht Rußland an der Schwelle Oesterreichs, und wenn gleich vaS österreichische Staatenkonglomerat so wenig Existenz» berechtigung hat, wie die Türkei, so muß man seine wieder Türkei Erhaltung für den Augenblick wünschen, um nicht— kosackisch zu werden. Denn wenn ei so weiter gehen sollte, so könnte sich an unsere» Nachkommen das Seherwort Napoleons auf St. Helena erfüllen, d. h. die Kofacken wer- den den meisten Einfluß in Europa haben. Aber so schlimm wird eS nicht werden. Daß Männer von europäischer Bildung einen solche» Zustand zu ihrem Ideal machen können, wäre ei» Räthsel, wenn man nicht wüßte, wie sehr die Sonder» interessen einzelner Länder auf Irrwege zu führen geeignet sind. Aber wir haben ja gesehen, wie ftanzösische republikanische Politiker beim Tode KatkowS für de» PanflaviSmuS demonstrirt haben. anderer Seite war auch die vorgesetzte Behörde mit seine» Leistungen zufrieden; er hielt sich genau an die In- struktionen, machte keine Fehler, gab keine Veranlassung z» Klagen Seitens der Presse; man hielt ihn eben für eme» der Begünstigung würdigen Beamten. Sobald er irgend eine Instruktion erhalten hatte, setzte er sofort die Redakteure davon in Kenntniß.„Jetzt, meine Herren, darf von dem und dem nichts mehr gefchriebe» werden." „Wie? Es ist verboten worden?* »Es ist nicht mehr erlaubt. Gestern hätte ich es noch durchgelassen, heute— kann ich ei nicht mehr." „Nun eS wird uns wirklich immer schwerer, die Spalte» der Zeitungen zu füllen." „Wa« wollen Sie dagegen thun! Das machen die Zeiten! Selbst über das Wetter zu schreiben ist jetzt nicht mehr ganz unverfänglich. Neulich brachte man mir eine Novelle zur Zensur; in einem Kapitel beschrieb der Autor ein Gewitter. Ja, waS glauben Sie? Das ganze Kapitel mußte gestrichen werden, denn man konnte eS so nehmen, aber auch auf eine andere Weise deuten. Der Autor suchte zu erklären, umzuarbeiten, er sträubte sich; eS half alle» nichts— und daS Kapitel war wirklich poetisch geschrieben." „Wir werden bald die Bude schließen können, eS wird keine Leser mehr geben." „DaS haben Sie nicht zu befürchten. Man muß doch irgend eine Zeitung haben. Und daß sie nicht eine solche ist, wie man sie sich wünscht, dies wird man Ihnen nicht zur Last legen. Ja und später— wir leben doch in einer Uebergangsperiode— später wird eS schon besser werden." So erleichterte der aufgeklärte Zensor sein Herz vor de» Redakteuren und empfing jeden ersten Tag im Monat sei» Gehalt.— Dennoch wünschte er auch diese Stellung wieder aufzugeben, denn die Instruktionen stellten sich immer häufiger ein.„Schreckliche Lage," rief einst der Redakteur aus,„ich weiß s-bon nicht mehr, waS ich Ihnen schicken soll!" „Und was denken Sie über meine Lage? Ich weiß schon nicht mehr, was ich Ihnen nicht durchstreichen soll." Diese fortwährenden Klagen veranlaßten endlich Maluga sich ein anderes Amt zu suchen. Bei der Menge von Be� Nein, wir glauben nicht an die„Weltmission" Rußlands. So„faul" wird der Westen niemals sein, um von dem noch fauleren Osten verschlungen zu werden. Denn im Osten ist die Fäulniß schon so groß, daß man sich über- Haupt wundern muß, wie dort ein staatlicher Organismus noch funktioniren kann. Die Kosacken werden unsere Fluren nicht zu Steppen machen, um darauf ihre Rosse zu tummeln. Iie enzssche fa&ri6infpeliti(m im lafue 1886187. Dem neuesten Bericht der englischen Fadrikinspektoren widmet d>ie„Franks. Ztg." folgende interessante Besprechung. Auch der vorliegende, neueste Bericht der englischen Fabrik- inspektoren leidet wieder an dem Mangel, den er und seine Bor« ganger leider mit dem deutschen in seiner jetzigen Gestast tbeilcn und den Wincr in seinem kürzlich veröffentlichten Buche über die englische Fabrikinspektion als den Haupt» sächlichsten der englischen Referate überhaupt bezeichnet. Wir meinen den Umstand, daß der englische Chef. Inspektor den Bericht nach seinem Belieben aus den Originalberichten der fünf Hauptinspektorcn zusammenstellt und die letzteren nur stellenweise zw Worte kommen läßt. Gerade die imereffanten Einzelheiten aus den verschieden gearteten Bezirken gehen da- durch vielfach verloren, genau wie bei uns. Im Uebrigen ist auch heuer wieder der Schilderung von der Lage einzelner Ge- werde ein breiter Raum gewidmet, in erster Linie wohl zu dem Zwecke, aus ihr Rückschlüsse über die Gestaltung der Arbester» Verhältnisse zu ziehen. Ueber die Lage der Industrie spricht sich der Bericht im allgemeinen nicht ungünstig aus. Der Superintending-Jnspektor von Schottland, Mr. Hcndersen, bemerkt in dieser Beziehung folgendes:„Es gereicht mir zur Genugthuung, berichten zu können, daß während der letzten Monate fich eine merkliche Bcssergcstaltung der Verhältnisse der Industrie zeigt. Die That- fache, daß diese Beffergestaltuna sich n'cht auf einen einzelnen Zweig der Industrie deschränkt, läßt hoffen, daß die lange Periode des industriellen Niedergangs, unter welchem das Land so sehr litt, zu Ende ist." Der Fabrikinspektor des englischen Bezirkes Wolvcrhampton führt in seinem Bericht aus, daß die industriellen Verhältnisse in seinem Bezirk fich in einer besseren Lage befanden als zu Ende des Vorjahres. Wenn auch die Preise keine Steigerung erfahren, so habe doch die Nachfrage größer zu werden begonnen. Aus Birmingham wird gemeldet, daß, trotzdem noch einzelne Industriezweige fich in in einem un- günstigen Zustande befinden, im allgemeinen fich eine Besser- gefialturg zu zeigen deginne. Der Inspektor für Dundee und das nordwestliche Schottland hebt hervor, daß fich in der Iuteindustrie Zeichen einer Besserung bemerkbar mechen. Ein keineewcgs erfreuliches Bild liefern die Berichte über die Zustände in Irland. In der Einleitung zu dem Bericht theilt der Chef- Inspektor mit, daß auch ein Inspektionsbezirk aufgehoben sei, und zwar derjenige des südlichen und südwestlichen Irlands, in welchem„die Industrie ausgestorben sti". Der Chef-Jnspektor mottvirt diese Maßregel mit folgenden Worten:„Eckon seit längerer Zeit bat fich im südlichen und südwestlichen Irland ein Rückgang der Industrie bemerkbar gemacht, und wenn diese Thatsache m Zusammenhang gebracht wird mit dem Umstände, daß Kinder und junge Personen in den Fabriken und Werkstätten einen weit geringeren Prozent« setz der Arbeiter ausmachen, als im nördlichen Irland oder Schottland, so ist es augenscheinlich, daß, obgleich der Bezirk ein grober ist, die Thätigkeit eines Fabrikinspektors nicht in dem Maße in Anspruch genommm wird, wie in anderen Theilen des Köntgsreichs." Wenn schon aus diesen Be> merkungen erhellt, daß die wirthschaftlichen Verhältniffe Irlands keineswegs zufriedenstellende find, so wird dies letztere auch durch die Cinzelberichte bestätigt. Der Inspektor, dem das nördliche Irland unterstellt ist, bemerkt über die Hauptindustrie Irlands, die Flachsspinnerei und Weberei, daß die Depression innerhalb derselben fortdauert und daß in den Arbeiterverhält- nissen keine Ämderung stattgefunden habe. Mr. Woodgate, der Inspektor des westlichen, südwestlichen, südlichen und des zen- tralln Irlands führt aus, daß sich in dem Berichtsjahre und der Lage der Industrie des Bezirkes leine Besserung gezeigt habe. In den Berichten wird mehrfach hervorgehoben, daß die Anwendung der Maschinen mit jedem Tage größer werde, was zur Folge habe, daß die Produktion fich steigert, der gelernte Arbeiter werde infolge dieser Entwicklung immer mehr durch Frauen und Kinder ersetzt. Einer der Berichterstatter tröstet sich darüber mit dem Hinweis darauf, daß die Herstellung der Maschinen, zu welcher männliche erwachsene Arbeiter benötbigt werden, die Verdrängung der letzteren aus verschiedenen Industriezweigen mehr als ausgleiche. Das bleibt aber doch sehr fraglich, einmal wenn man bedenkt, daß es bei der rapiden Eni- Wickelung der Technil mit der Zeit ganz gut möglich werden kannten, die er hatte, war es ihm nicht schwer, ein solches zu finden. Man bot ihm die Stelle eines Inspektors der Gefängnisse an. Mit Freuden gab er seine Einwilligung. Das Zensor- amt war nicht nur beschwerlich, eS barg auch eine gewisse Gefahr in sich, denn e« machte sich mit der Zeit die Roth- «endigkeit geltend, daß der Zensor, noch ehe die Instruktionen in seinen Händen wären, ein Vorgefühl habe, was in der Zukunft erlaubt sein werde und was nicht. Hingegen ein Inspektor der Gefängnisse.... „Bis jetzt," dachte Maluga,„diente ich den gemein- nützlichen Interessen und erweckte in den Leuten doch nur unangenehme Gefühle; jetzt werde ich die schwere Lage der Gefangenen zu erleichtern suchen und sie gegen Beleidigungen und Mißhandlungen schützen. Bei mir wird Niemand auch nur eine Kopeke zu unterschlagen versuchen, und jede noch so kleine Summe wird zu threr Bestimmung verwendet werden. O, wie viel Gutes werde ich vollbringen." Jede Revision Maluga'« deckte einen ganzen Wald von Mißbräuchen, Bedrückungen, Entbehrungen und Leiden auf. Mit großem Eifer ging er an's Werk, diesen Wald zu lichten. „Um deS Himmel« willen," sagte er beinahe unter Thränen dem Gefängnißdirektor,„in diesen Zellen kann man ja ersticken!" „Gewiß kann man eS," bekräftigte der Direktor. „Aber verlangt denn das Gesetz eine derartige Be- schränkung deS Raumes?" „Netn, das Gesetz verlangt eS nicht." „Nun, warum lassen Sie es denn zu?" Der Geftagte wollte ihn erst barsch anfahren, aber er antwortete höflich nur in etwas gereiztem Tone:„Zeigen Sie mir gefälligst, auf welche Weise ich eS nicht zulassen soll. Das Gefängniß ist für 400 Arestanten bestimmt, und ich beherberge ihrer 1000. Wenn man mir vorschreibt, neue Gefangene aufzunehmen, kann ich doch nicht sagen, ich will sie nicht, nehmt sie wieder zurück. Für eine solche Antwort kann ich selbst in» Gefängniß kommen." kann, daß Frauen- und Kinderarbeit auch in der Maschinen» industrie in großem Maßstabe Eingang findet. Welch eine zer- setzende Einwirkung die Verdrängung der Männerarbeit durch die Frauen- und Kinderarbeit auf die sozialen Verhältnisse haben wird, brauchen wir wohl nicht hervorzuheben. Daß die Frauenarbeit in den letzten Jahren in umfang» reicher Weise gewachsen sein muß. geht aus mehreren der in den Berichten gemacbten Mitlheilungcn hervor.— So bemerkt der Superintending-Inspektor von Schottland und dem nö d' lichcn England, daß die vermehrte Beschäftigung von Frauen ohne Zweifel einen steigernden Einfluß auf den Pauperismus während der Periode der industriellen Depresflon ausgeübt habe. Aus einem schottischen Bezirke wird m tgetheist, daß die Frauen mit großer Selbstverleugnung fich allen Anstrengungen unterzogen hätten— fie hatten, um zu ihren Arbeitsstätten und wieder zurück zu ihren Behausungen zu gelangen, täglich einen Weg von drei englischen Meilen zurückzulegen—, um von ihren Familien den Hunger fern zu halten, da die Männer außer Beschäftigung waren oder zu niedrigen Löhnen arbeiten mußten. Aehnliches wird aus Birmingham gemeldet, und ist auch wohl in anderen Theilen des Vereinigten König« reiches der Fall gewesen, wenn dies in den Berichten der In- spektorcn auch nicht ausdrücklich gesagt wird. Daß es Perioden giebt, in welchen die männlichen erwachsenen Arbester zu feiern gezwungen find oder für Löhne arbeiten müssen, welche nicht hinreichen, die Familie zu ernähren, während die Frauen und Kinder angestrengt arbeiten, um das zum Leben Nothdürftigste zu erwerben, ist eine der größten Unzuträglichkeiten, welche die modeme Produktionsweise mit fich bringt. Den interessantesten Thcil des Berichtes finden wir in den Mittheilungen, welche Mr. Lakeman, der Inspektor des Zentral- distrikts von London, über die Lage der weiblichen Arbester in seinem Bezirk macht. Diese Mittheilungen find um so wichtiger, als die Mädchen und Frauen einen sehr großen Thell der in London überhaupt beschäftigten Arbeiter ausmachen. Lakeman bemerkt:„Drei Viertel der Arbeit, die in London ge» than wird, ist das Werk weiblicher Hände." Es ist vielfach ein trauriges Bild, welches der Auffichtsbeamte vor unseren Augen entrollt. Nur zu oft muß er berichten von ungenügenden Löhnen bei angestrengtester Arbeit, in schlechten, den Forde- rungen der Hrjgicne Hohn sprechenden Arbeitsräumcn. Eine der Hauptursachen der beklagenswerthcn Zustände, in welchen fich ein so großer Theil der Londoner Arbeiterinnen defindet, ist dem Umstände zuzuschreiben, daß in denjenigen Industrien, in welchen die weibliche Arbeit bei weitem vorherrschend ist— es handelt fich dabei fast ausschließlich um„ungelernte Ar- beiterinnen"—, die Hausarbeit eine so große Ausdehnung genommen hat.„Anstatt der großen Fabriken, und der den gesetzlichen Anforderungen entsprechenden Werkstätten," so führt Lakeman aus,„deren Einrichtung wir mit Erfolg in vielen Industrien angestrebt haben, finden wir tausende von häuslichen Werkstätten dunkel, schmutzig, übervölkert." Die Fabrtkgesctz- gedung kann gegen die in diesen Werkstätten herrschenden Zu- stände nicht einschreiten, da bei Erlaß des Gesetzes vom Jahre 1378 diese Entwicklung nicht vorausgesehen wurde. Die Eni» Wicklung der Erfindungen auf dem Gebiete der Mechanik bringt für die Gesammtheit der Arbeiter nach dem Londoner Inspektor keine Vorrhclle. Denn die Armee der ungelernten Arbeiter wächst täglich und muß täglich wachsen, je mehr die durch Maschinen bewerkstelligte Arbest überhand nimmt. Eine natur- gemäße Folge dieser Entwickelung ist die Ueberführung der Ar- beit in häusliche und kleine Werkstätten, wo st? den Zwecken der Agenten und Unteragcnten dient, die von der Armuih der Armen leben. In dem Londoner Bericht wird ferner mitge- theilt, daß viele Unternehmer die Praxis beobachten, in den- jenigen Industriezweigen, in denen meistens ungelernte Arbeiter verwandt werden, zu höchst niedrigen Löhnen Lehr- Mädchen anzustellen und diese bald wieder durch andere Lehr. Mädchen zu ersetzen, so daß der Preis der Arbeit herabgedrückt wird und ein Ueberangebot von Arbeitern entstebt. Welche erbärmliche Löhne z. Ä. in der Hemdcnnäherei gezahlt werden, geht aus folgender Mittheilung hervor:„Mir wurde erzählt, daß ein Mann mit seiner Frau und seinen drei Kindern bei barter, vom frühen Morgen bis zum späten Abend dauernder Arbeit 27 Shilling die Woche verdient; dabei ist eine wöchent- liche Hausrcntc von 6 Sdillirg zu zahlen. Was kann mehr eine absolute Armuth dokumentiren, als ein Lohn von 4 Sh. 2t d. für die harte Arbeit einer Woche." Trotz der bitteren Armuth, in der diese Ardesterinnen leben, denen meistens eine Beffergestallung ihrer Lebenslage versagt ist, rühmt der Auffichtsbeamte ihre moralische Führung und ihre Reinlichkest. In der Buchbinderei werden gleichfalls viele weibliche Arbeiter verwandt. Bemerkenswerih ist die Mittheilung, daß das Ein binden von religiösen Publikationen äußerst spärlich dezahlt wird; die Unternehmer nehmen Aufträge mit dem geringsten Nutzen an. Einen ausführlichen Bericht widmet der Fabrikinspektor dem„Sweating- System", das namentlich im East- End von London zu Hause ist. Dieses verderbliche System ist an dreier Stelle schon so aussührlich erörtert worden, daß wir nicht weiter darauf zurückzukommen brauchen. „DaS ist aber schrecklich! Nun, haben Sie nicht dar- über berichtet?" „3m Anfange wohl; als ich aber sah, daß eS nichts half, unterließ ich die unnützen Schreibereien. 3n der That auch, auf der Straße kann man doch die Gefangenen nicht halten." Wohnung, Speisen, Luft, die Behandlung der Ge« fangenen, alles dies erweckten in Maluga das Gefühl des AbfcheuS, und gleichzeitig den auftichtigen Wunsch, die Leute von den Oualen zu befreien, die sie gegen das Gesetz er- dulden mußten. Er versammelte die Gefängnißwärtcr um sich und sagte ihnen, daß die Gefangenen auch Menschen �».ien, daß man mit ihnen daher auch menschlich umgehen müsse. Schweigend hörte man ihn an und Maluga nahm die« Schweigen für ein Zeichen der Zustimmung; nur ein Wärter hatte die Dreistigkeit, sich wegen dieser Vorhaltungen beleidigt zu fühlen. „Euer Hochgeboren," sagte er,„wir wissen selbst, daß man Herren als Herren und Bauern als Bauern be- handeln muß." „Mit allen muß man höflich sein; wir sind alle Menschen!" Der ehemalige Unteroffizier hielt eS jetzt für angemessen, zu schweigen. Nach dem Weggehen Maluga's wurde die ungewöhnliche Predigt des Revidirenden von den Ge- fängnitzwärtern lebhaft besprochen. „Er sollte nur einen Monat in unserer Stellung dienen, dann würde er schon anders reden." „Bei diesem kleinen Gehalt muß man des Steh'« wegen Nächte schlaflos zubringen, und dann soll man noch höflich zu ihm sein!" „Er brauchte gewiß nur jemand, um seinen Aerger loszulassen, und da hat er sich an uns gehalten. Es schien doch zuerst, als ob er ein guter Kerl wäre." (Fortsetzung folgt.) Einen der größten Vorzüge der englischen Berichte BiW wohl die vollständige Mittheilung der von den Jnspektoia gemcchten Anzeigen und der daraufhin erfolgten Verurtheilmig» In einem Anhange werden nicht nur die Namm der anzeiga» den Inspektoren, der kontravenirenden Unternehmer und der ab urtheilenven Behörden, sondern auch die Natur der UebcrtrctulY und die Höhe des Strafmaßes aufgeführt. In dem Berichs- jähre wurden in 2)95 Fällen Anzeigen erstattet; es erging« 1687 Strafurtheile; in 506 Fällen erfolgte nur �erurtheilunZ in die Kosten; 60 Anzeigen zogen keine Verurtheilung naa fich. Die Vergehen gegen das Fabrikgesetz bezogen fich meiste« aus unerlaudte Beschäftigung von geschützten Personen, an gf' setzlichen Feiertagen oder 5)alkfeiertagen, während der für W Mahlzeiten vorgeschriebenen Pausen u. f. w. Der neue Bericht wirft wiederum ein Helles Schlaglitl auf eine Reihe von Uebelständen, unter welchen die englisch Arbeiterbeoöikerung zu leiden hat. und die nicht aehodm word« find, trotzdem sich die Lage der Industrie verbesserte. Im 3* sammenhalt mit den Arbeiterbewegungen, deren Schauplatz S® Vereinigte Königreich in den letzten Iahren gewesen ist, sollt« diese Dinge für die herrschenden englischen Klassen ein neue* momento sein. Uotttische Ueberstcht. Nach fnufundzwanfts Jahre«. Konsumvereine, Schulp Delitzsch— Deutscher Ardeiterbund, Lassallc! Welche BW ziehen nicht an unserem geistigen Auge vorüber bei Nenim« dieser Worte! Die in den Windeln liegende deutsche Atbe#? bewegung im Kampfe mit dem Genossenschaftsdrachen. bekannt, gast zwar dieser Kampf nicht den Genossenschaften® sich, welche man wohl für geeignet hielt, die Lage der ArtM und Handwerker ein wenig besser zu gestalten, sondem er W der mit der Gründung dieser Vereine abfichtlich verbunden� Irreführung dieser Stände, denen man damals die WunWJ thätigkeit der Genossenschaften in allen Melodien vorsang# damit dm eigentlichen Kern der Frage zu verdecken suchte. Genossenschaften sollten dem Nothstand in den bedräng� Kreisen für immer ein Ende machm und letztere dadurch vorss Ansteckung durch den immer mehr Terrain erobernden So* lismus dewahrt werden. Heute freilich ist dies ein übelM* dmer Standpunkt und kein vernünftiger Mensch str-itet«« darüber, daß die Konsumvereine die soziale Frage zu lösen® Stande seim. Es gab aber auch eine andere Zeit, in der«* dem Mcnne, der diese Vereine gründete, d. h. der ähnliche M eine schuf, wie fie in England damals schon seit Jahrzehnl® destanden hatten, Schulze- Delitzsch, einen Nationaldank«JJ 45 000 Thalern zu Füß-n legte. Seine Schöpfung war davr« für eine gewaltige, gesellschaftserhaltende That gepriesen man glaubte damit den Sozialismus über alle Berge getcirl« zu haben. Und heute? Die„Süddeutsche HandclszeiltiM' das Organ des Stuttgarter Jmportvereins und des Heibroi«? Dctaileurvereins, dringt in einer ihrer neuesten Nummm einen der„Bäcker- und Konditorzeitung" mtnommenm, der„Gmünder Bäckergenoffenschast" herrührenden SltWJ welcher überschrieben ist:„Ein Nothschrei des Bäckcrgewcrd« und fich gegen die Konkurrenz der Konsumvereine wendet.%% Schreiber führt als Beispiel den Gmünder Konsumverein"J seinem jährlichen Umsatz von 160000 M., seinen nicht nur Arbeitern, sondern auch aus Beamten, Lehrern:c. bestehen� 800 Mitgliedern vor. Es sei dort zwar alles oder vieles Ihe�? aber—„wenn's nur vom Konsum sei"— dann seien die Lo® schon zufrieden.(Sonderbare Schwärmer!)„Wenn man � an die Konsumbäckerei denke, dann werde einem bange£ seine Existenz, wenn man aber vollends sehe, wie dort das W kördevotlweis geholt werde, dann— falle einem das H«Ü die Hosen." Darüber wäre nun gerade nicht viel zu sagen. leben eben im Zeitalter des Egoismus. Er ist das Grundpnsv der heutigen Gesellschaft, er ist's, der alle Handlunaen® Menschen, ja selbst den harmlosesten Beziehungen der Mens?' untereinander seinen Stempel aufdrückt. Was Wunder wenn ein Konsortium von Menschen, in der Meinung, airl versperrten ihm zum Reichwerden den Weg, fich hierüber� klagt und das Hinderniß aus dem Wege zu räumen sucht,.■l ist wohl bellageeswerth, aber heute eben etwas selbstvetpfj liches. Hören wir aber weiter, was ein anderer Einsendet�» » Sprechsaal" derselben Zeitung in Bezug auf den„Noths®jL sagt:„Alle von Konsumvereinen geschädigten Stände deutschlands, Kaufleute, Bäcker, Metzger-c. sollten,"L eint mit den norddeutschen Vereinen, eine Masses gäbe an den Reichstag bezw. Bundesrath machm,% namentlich darauf hinzuweisen sei, daß durch Lahmlegung � Stände dem Staat eine große Steuerkrast entzogen UN» weiterer Folge ein großer Theil ihrer Angehörigen der® zialdemokratie in die Hände getrieben werft —''''! dies erkw#" von Konsu ruiniren und so den Boden MW elft „Die letztere habe dies erkannt und strebe deshalb darn°? durch Gründung von Konsumvereinen den Mittelstands rnimtrßn imh frt m oinor rcHrfion förtifa iU M zu einer reichen Ernte zu-•» viren." Die Konsumvereine also treiben die Bäcker, Kaufleute in die Arme der Sozialdemokratie. Aus dem» so großen, die heutige Gesellschaft erha»'. Aus Kunst und Leben. Ueber de« Geruch« stn« der Verbrecher schreidi der„Täglichen Rundschau": Dr. Ottolenghi in Turin jP längst Untersuchungen über den Geruchsstnn der Verbrecher � gestellt, die ein überraschendes Ergedniß gehabt haben. Idee der modernen Kriminalisten, die besonders von pi Cäsare Lumbroso in Turin verfochten wird, ausgehend, da« � Verbrecher einer atavistischen, in ihrer Entwickelung zurua» � denen Menschenrasse angehöre, nabm fich Dr. Ottolengd zu prüfen, od der Geruchsstnn des Verbrechers stw etwa O'' � verhalte, als der des normalen Menschen, und vielleicht ftpi' der höheren Thiertlaffen näher komme. Zu diesem Zwca suchte er eine Reihe von normalen Personen und Verl" mit Hilfe eines eigens gebauten Instruments, eines Osm0>�$ und verglich die durchschnittlichen Ergebnisse. Er denutz,. j» Riechmittel eine Lösung von 0 enm Gar.jhani in WN�jlck verschiedenen Mischungen, von 1 Theil Oel zu 100 Wasser bis zu 1 Theil Oel auf!000 Tdeile Waffer. wurde festgestellt, bei welchem Konzentrationsgrad der keit die Geruchswahrnehmung derselben begann. Die* erstreckte fich auf 50 normale Menschen(30 Männer Frauen) und 80 Verbrecher(50 Männer und 30 Frauen diesen letzteren littm 8 an vollständiger Anosmie, d. h-?ft f jeder Geruchsempfindung, während 6 andere mit ewyf „Geruchsblindheit" dehaftet waren, d. h. fie waren w Stande, die Gerüche wahrzunehmen, doch konnten fie o m weder kennzeichnen, noch nach ibrer Schärfe unterschei�a-�? Ergebnisse, verglichen mit dem Verhalten des Geruch-N: S normalen Menschen, führten Dr. Ottolenghi zu dem S«� ßf bei Verbreche n, gleichviel od Männern oder Weidern, r ruchsfinn weniger entwickelt ist, als bei normalen Ment verbrecherischen weidlichen Personen ist er noch schwamm, Männern. r Sonderbare Vogrlbauten. Bewundem wir Kunst der Schwalbe, welche chr Nest gleich einem» w» Maurer aus Lehm und Erde aufbaut, oder den uWLf«#.*1 Halbkugel seiner Wobnung mit unnachahmlicher«ou«„«Oft stattet, oder die Drossel, die ihr Nest mit einem aus� hergestellten Zement auskleistert, dann verdienen die f ihrer technischen Fähig- und Fertigkesten wegen ßere Beachtung. So baut der etwa V Fuß langt enrnua Baya), in Hindostan und Birma heimis«- selliges und gelehriges Thier, sein theils an den ein 9i -in-l/v . rtOV.ut i sollenden Werke Schulze« Delitzsch's wäre olso imLaufe von25Jahren ein für dieheu« tise Gesellschaft höchst gefährliches Institut geworden, das nach Anficht der Bäcker w. so rasch wie woziuh verboten oder aufgelöst werden müßte. Sticht daß wir jo natu wären, alles, was die Bäcker jc. da sagen, für baare «unze zu nehmen. Im Gegentheil glauben wir, daß hinter «m„Notbschrei" sowohl; als auch hinter der Drohung mit der «oualdemolratie, mit der man die Regierung weich zu machen VMt. eine gehörige Portion oon dem Streben steckt, die„gute we Zeit" zurückzurufen, in der man sein Schäfchen in aller �emüthsmhe scheeren tonnte. Nichtsvestowenigcr gestattet das Aanze einen lehrreichen Ausblick auf die Entwicklung der Dinge. I* zeigt uns e i n Heilmittel auf Grund einer falschen Diagnose verordnet, in seiner ganzen Unwirksamkeit resp. in gm« Verschlechterung hervorrufenden Wirksamkeit. Ja, die Diagnose! Wenn die Bäcker rc. wüßten, wo's eigentlich fehlt, oann—. Daß der Reichstag resp. Bundesrath aus dem ein« rächen Grund ihnen den Willen nicht thun kann, weil dann die Sozialdemokratie auf der anderen Seite drobt, das sollte ote Herren schon auf andere Gedanken bringen. So wirds eben »rim Alten bleiben und die Erfahrung wird mit der Zeit auch N« lehren, daß man. um aus dem Labyrinth unserer Zustände Mus zu kommen, man fich nicht nur auf den Standpunkt der Midarität seines Standes oder Gewerbes stellen darf, sondern M man dazu das erhabene Piedestal der Menschheits- lwdarität einnehmen muß. Auch ihnen wird dann klar wer- om, daß, wo alles die Ellenbogen gebraucht, um durchzukommen, Ion dies den Arbeitern nicht verwehren kann, vollends aber, man ihnen die Waffe zu diesem Zweck gegeben hat. Auch « werden dann begreifen, daß es nicht in der Macht der «enschen liegt, den Boden zu kultiviren, dem eine beffere oder Ichlechtere Kultur, je nach Anficht der Menschen, entsprießen soll, Mdern daß dies die Zeit besorgt und die Menschen nur nöthig «en, dem Schlage der Zeit zu folgen und fich ihm an- ttp äffen. Glrht Bismarck? Einigcs Erstaunen erweckt ein Artikel zIndepend. beige", den die„Rordd. Allg. Ztg." an leiten- Stelle wiedergiedt, und der das Dementi, welches jüngst M Kanzlerblatt den Nachrichten über Neuorganisation R e i ch s ä m t e r entgegen gesetzt hatte, dem Wesen nach oull und nichtig macht. Damach wäre diese Nachricht von einer Reichskanzler befreundeten Seite lediglich zu dem Zwecke jof den Markt gebracht worden, dem Fürsten Bismarck * i te�r Weise nahe zu legen, fich einen Nachfolger bezeichnen, wie es Graf Moltke gethan habe, um ohne Er« Fütterungen und nutzloses Tasten den„Uebergang der sehr �«gedehnten Machtvollkommenheiten des Kanzlers in andere �niger erfahrene Hände vorzubereiten."„Früher oder später" � heißt es zum Schluß—„wird fich Herr von Bismarck darin vaden müffen, daß er nicht mehr selbst regiert, und er wird fich �nügen müffen, auf die Geschäfte eine analoge Oberaufsicht % üben, wie diejenige war, welche der Feldmnschall Graf Moltke in den Militärangelegenheiten geübt hat. Was dagegen Zeitpunkt anlangt, ob fich diese Veränderungen in einem «onat oder in einem Jahre vollziehen werden, so würde jede Mphezeiung in dieser Hinficht eine zu kühne sein. Die Note ?or„Nordd. Allg. Ztg." hat uns allein belehrt, daß die Ver- Änderungen nicht unmittelbar bevorstehen."— Die„Frkf. Ztg." *Z>rrkt hierzu:„Wenn ein Blatt von dem Charakter der »Nordd. Allg. Ztg." ohne jede Verwahrung, ohne Anathem über �anchfisch.welflsch polnische Jntriguen den Satz abdruckt, in den oeni Kanzler defreundeten Kreisen befürchte man in der That, % wenn er nicht selbst, wie der Fcldmarschall von Moltke, r* Initiative ergreife, seinen Rücktritt vorzubereiten, es DP leicht ereignen könne, daß er zum Rücktritt gezwungen würde, JJttm n�ter gesagt wird, Fürst Bismarck sei für einen so jungen «rrscher ein Rathgcbcr von unbcquemem Alter und er könne Mt ein Minister sein, wie ihn fich ein junger Monarch wünscht, Ostedt von vorn herein fest, daß diese Auslassungen den Weg r) Brüssel nach Berlin über Friedrichsruh gemacht und dort ?s Imprimatur erhalten haben. Dafür spricht auch der äußere Äsofiand, daß der Artikel der„Jndepend. belge" am 10. Sept. Stirnen ist, also fünf Tage gebraucht bat, ehe er bei der n�ordd. Allgem. Ztg." die Werthschätzung des Abdrucks fand. JT8°der in dem belgischen Blatte die politische Anschauung Stamm losen war. das wird in der„Siordd. Allgem. Ztg. ?'Ä>eder zu der Ankündigung bevorstehender Ereignisse oder zu kfoem Fühler, der von sehr namhafter Stelle, sei es nach oben, 2% nach unten, ausgestreckt wird. Nach oben, um über ge- uj! Stimmungen und Abfichten Ausschluß zu erhalten, nach �n, um entweder auf Unabwmdbares vorzubereiten oder jene "'fA'onale" und„patriotilche" Maschinerie zur Abwendung ge- fler königl. Entschließungen, die zu Anfang April in Arbeit Sr-?ufs neue in Bewegung zu setzen. Die Biedermänner und ■onckenburge, die damals den Rücktritt des Kanzlers für ein vb�- les Unglück" erklärtm. sollten fie etwa heute still bleiben di. 5?.(c&on zu jenen Freunden des Reichskanzlers gehören, (U,.� für ersprießlich halten, daß er durch die„patriotische Jni- • Ärwe der Vorbereitung seines Rücktritts dem Zwange zuvor« SUx�dachern der Eingeborenen, theilS an den Aesten der iÜ'r � Urwaldes schaukelndes, retortenförmiges Siest nicht her/.v'ffolengcnähten Blättern— dieses thut nur eine Art »nb o r ichen Sippe der Webervögel— sondern aus Reifig ÜSn..hm, ein wahres Kunstwerk der Ztatur. Es ent- rm oberen Tbeile eine Wohnurg für das Männ- und eine Wohnstube für die brütende Gattin; untere Theil umfaßt ein großes Gesellschatts- -nu» berechnet auf die ganze Familie, mit Ein- ttlvn„! erwartenden Jungen. Was nun folgt, ist nicht Märchen, obwohl es fast so klingt, sondern die reinste hzz �.Wahrheit, welche strenge Forschung bestätigt� hat. � Um M d Q«.f V � leuchten, so lange Leben in ihnen Itcckl, UNO lievl Uchz[.w" Lehm am Eingange des Nestes. Er macht es damit Lnitli� anders, als die Frauen in Argentinien, welche be- �laz s?. ÄUh oft einige solcher Thierchen unter ein umgestülptes K leyen und dann als Nachtlicht in ihren Kammern be- % Baya übertrifft in der Baukunst indeß noch der ' Fufc r �Schattenvogel(Scopns umbretta). Derselbe, etwa > kl,* 8""5. schwarz von Grfieder— woher sein Name .'orta?� �u# im Durchmesser haltende, Hirnen- ni.v.Ii aus Reifig und Lehm, welche theils S an Mimosenstauden, theils an hochschwankcn- Masten und am Gerank der Wälder hängm. In Monh, !!?.weites,x hW�0C nie" umtaxi rm---------- des ss«, ,(1' sicherste und am höchsten gelegene Ge �schenkin�-r tT Bogel ist darin klüger als viele W! Mbriöpr„r nä zubringt!— ein Gesellschaftszimmer, lo?" wird gelegen, und ein Vorgemach, worin Wache ge- das lebes Zimmer immer tiefer liegt als das vorige, Ita tetftönn, ti � einem der dort nicht seltenen orkanartigen seine« q.�uetnflteßende Waffer leicht abtropfen. Das auf all?« sucht der Echattenvoael, der gleich unserer chst Z.I-Aanzende fahndet, mit blinkenden Stücken von i bahrt"Men u. vgl. auszutapeziren; die Eingeborenen \»selten mit ff�r?n gegangene glänzende Werthgegenstände ' wie mi-�s°lg rm Neste des nächsten vchattenvogels, e den Storch und wie die Birmanen den Baya Richter Gary, der in dem Chicagoer Prozeß den Vorfitz führte und ganz wesentlich zur Verurtheilung der Ange- klagten beitrug, ist nach dm neuesten Berichten aus Amerika irrsinnig geworden. Es ist merkwürdig, wie viele Richter und Staatsanwälte, die bei politischm Prozessen eine hervorragende Rolle spielten, dem Wahnstnn verfallen find.— Leipzig. Die Einverleibung der„Vorstadtsdörfer" hätte naturgemäß schon vor Jahrzehnten erfolgen sollen und ist nur durch Erwägungen politischer und finanzieller Art so arg In die Länge gezogen worden. Die Vorstadtsdörfer stellten der Leipziger Industrie die Ardeiter und— hatten für die Arbeits- invaliden zu zahlen, was dem Armenbudget der Stadt Leipzig sehr zu statten kam. Mit anderen Worten: die Leipziger Borstadtsdörfer hattm bisher einen großen Theil der Armen zu versorgen, die eigentlich von der Stadt Leipzig hätten versorgt werden müffen. Und das war ein erklecklicher, in Hundert- taufenden jährlich fich ausdrückender Vorthell, den die Leipziger Herren Stadträtbe und Stadtverordneten nicht gern aufgeben wollten. Weit gewichtiger noch als diese finanziellen Rückstchten fielen aber— und fallen noch— die politischen in die Wagschale. Leipzig- Stadt ist die„Hochburg" der sächfischen Nationalliberalen, jetzt Kartellbrüder. Und Leipzig. Land ist die„Hochburg der sächfischen Sozialdemokraten", welche bei der vorigen Wahl von Boulanaer mtt„der letzten Kuh" überrumpelt wurde, jedoch unzweifelhaft eine starke und immer stärker werdende sozialdemorratische Majorität enthält. Wird die nationalliderale Hochburg, die ohnehin im Innern stark von den Sozialdcmo- kraten bedrängt ist, nicht gefährdet werden durch die Vereinigung mit der sozialdemokratischen Hochburg? Diese Frage kann natürlich nur bejaht werden: und die Ver- einiaung der Stadt mtt den Vorstadtsdörfem wurde deshalb so lange hinaus geschoben wie nur möglich. Nun gebt es aber nicht länger mehr: Stadt und Vorstadtsdörfer find be« reits thatsächlich zusammengewachsen, und weiter läßt fich die Einigung nicht hinausschieben. Ader was ist zu thun, um den sozialdemokratischen Gefahren vorzubeugen, oder doch wentgstms um fie zu mildern? Das ist die bange Frage, mit der die Leip- ziger Herren Stadtväter fich seit Jahresfrist abzuquälen haben. Bis jetzt ist man der Anficht, durch Beseitigung des Se'f- govemment— der selbstständigen Verwaltung— der Vorstadtsdörfer und mit Hilfe einer beschränkten Vertretung derselben in dem Stadt- und Gemeinderath ließe fich das Schlimmste abwenden. Die Henen sind da sehr pfiffig. Zum Beispiel in die Stadtverordneten-Versammlung, die gegen- wältig 60 Mitglieder zählt, soll es drei Vorstädtsdörfern gnadig erlaubt sein, 12, d. h. ein volles Dutzend Verireter zu wählen, so daß das Kollegium künftig aus 72 Mitgliedern bestehen wird. Die Vorsladtsdörfer haben zwar ziemlich so viel Einwohner wie Leipiig-Stadt, und 12 ist nach Adam Riese nur der fünfte Thcll von 60, allein was ist nicht alles recht und dillig, wenn es gegen die Sozialdemokratie geht? Kleber di» Merthruerrmg de« Brote» mehren fich die Nachrichten. Der Iserlohner Konsumverein, welcher 1688 Mitglieder zählt und im Jahre 1887 einen Umschlag von 6 079 756 Mark aufzuweisen hatte, hat fich heute gezwungen gesehen, den Preis des zehnpfündigen Brotes um 10 Pfennig zu erhöhen. Es ist dabei zu bemerken, daß die Leitung des Vereins fich in einer auf andere Weise nicht zu überwindenden Zwangslage be- funden haben muß, denn gerade auf möglichst billige Lieferung guten Brotes hat dieselbe stets streng gehalten. Der größte Theil der Iserlohner Bäcker hat bereits vor 14 Tagen eine Erhöhung des Preises um 10 Pf. für das fiedenpfundige Brot eintreten lassen. FretnrilHger oder angestellter Kpibel? Unter dieser Ueberschrift veröffentlichen vie„Schles. Nachr. folgende Zuschrift eines nicht genannten Arbeiters:„Als ich am Dienstag früh kurz vor 7 Uhr meine Wohnung, um meiner Beschäftigung nachzugehm, kaum verlassen hatte, sprach ein sehr schäbig aus- sehendes Individuum in derselben vor und verlangte von meiner Frau ein Packet, welches ich jeden Montag an eine gewisse Persönlichkeit ablieferte, und da diesen Montag die Ablieferung unterblieben wäre, sei er, der schäbige Gesell, von jener Per- sönlichkeit geschickt, dasselbe bei mir abzuholen. Meine Frau, welche sofort merkte, mit welcher Sorte von Nicht- Gentlemen fie es zu thun habe, wies Sr. Schäbigleit kurz und bündig die Thür, welcher Aufforderung, da meine zur Zeit hochschwangere Frau fich ganz allein auf dem Flur befand, nicht Folge geleistet wurde. Der freche Patron suchte vielmehr meiner Frau klar zu machen, was für Schriften fich in dem Packete befänden, und erbot fich in aufdringlicher Weise, ihr in der Stube suchen zu helfen, auch wollte er gern wissen, wo ich mich am Montag Abend bis HIO Uhr aufgehalten hätte. Ich ersuche nun erwähnten schäbigen Kerl, wenn er bei mir etwas erschnüffeln will, fich direkt an mich zu wen- den, damtt ich ihm gründlich Auskunft gebe und ihn vielleicht veranlasse, sich in Zukunft sein Brot auf ehrlichere Art, wie als Polizeispion, zu verdienen. Die verehrten Leser dieses Blattes aber ersuche ich, auf genannten Herrn Acht zu haben, ihn ein- tretenden Falles festzuhalten und seine Personalien festzustellen, damtt ich gegen denselben vorgehen kann, zu welchem Zwecke ÄffÄStÄ fi? K WÄÄ'S a MiÄsas »/ M»™ 1»% volles Nest, das fich durch merkwürdig genau durchgeführte be- SS iKÄSST« ÄÄÄ Nester find ganz gewöhnlicher Art. doch bauen diese beiden aelelliger Zusammenkunft mit ihres Gleichen ää s Beard, ein Maler, der denselben begleitete, berichten darüber daß der Laubenvogel um einen Strauch als Mittelsäule eine Laube mit Dach von verflochtenem Reifig und Moos baue, ent- hallend eine Galerie und darunter ein Kärtchen, welch letzteres mit den Fmchtkörnern einer niedrigen Orchideenart besamt wird, so daß diese Blumen bald das Gärtchen füllen. Zwischen ihnen glänzen dann wcißgebleichte Muscheln und Knochen. blanke Stein chen u. vgl., welches alles das Vögelchen meilenweit zusammenliest.— Der Kragcnvogel(Chlaniydera macniata) wegm eines kragenartigen Federwulste« am Halse also benannt' stellt diese Lauben aus Reisern her. welche mit beiden Enden in die Erde gestoßen werden und fich. ein Gewölbe bllvend kreuzen. Das Innere der Lauben, die oft drei Fuß lana. Ii Fuß brett und 1 Fuß hoch find, ist mtt Moos austapezirt.' der Fußboden aber ist mtt angesammelten glänzenden Gegen- ständen vollständig bedeckt, die durch eingezeichnete Weae ordentlich deeteartig abgetheill find. Mr. Beard hat von seinen Reisen niedliche Bilder dieser Vögel und ihrer Nester mitgebracht. ich das umstehende Signalement desselben zu beachten bitte. Ich bin bis jetzt unbescholten und stehe nicht unter Polizeiauf» ficht, habe also nicht nöthig, mich von einer so schäbigen Per- sönlichkeit kontroliren zu lassen. Signalement des Eibärm- lichen: Statur: Mittelgroß und schlank. Haare: Voll und dunkelblond, trägt blonden Schnurrbart. Gesichtsfarbe: Blaß. War bei seinem Besuche unraflrt. Sprache: Gewöhnlich. Spricht schlcfischen Dialekt. Alter: Ende Dreißig. Kleidung: Recht schädig."— Alles spricht dafür, daß der Breslauer Arbeiter es hier mit einem recht dreisten Spitzel zu thun hatte. Auffällig ist nur die„recht schädige Kleidung". Diese Sorte wird doch so gut bezahlt, daß fie fich wenigstens die Kleidung eines Gentleman leisten kann. Eine Nolksverfammlung in Stein bei Nürnberg, in welcher der Reichstagsabgcordnete Grillenberger über die Alters- und Jnvalidenverficherunz sprechen wollte, wurde ver» boten. Der bezirksamtliche Verboiserlaß lautet:„Inhaltlich einer dem Bürgermeister der Gemeinde Stein übergebenen An- zeige ist von Johann Lämmermann auf heute Abend 8 Uhr in dem Saal der Wirthschaft zum Felsen in Stein eine allge- meine Versammlung einberufen mit der Tagesordnung„Die projettirte Alters- und Jnvilidenverficherunz der Arbeiter." Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Einberufer Johann Lämmer» mann der dem k. Bezirksamte wohlbekannte ehemalige entlassene Gendarm Johann Lämmermann ist, welch.'r nunmehr als sozialdemokratischer Agitator auftritt. Schon die Persönlichkeit des Elndecufers läßt die Annahme begründet er» scheinen, daß die von ihm einberufene Versammlung, für welche in der Anzeige ein Referent nicht erfichtlich ist, lediglich zur Förderung der gemeingefährlichen sozialdemokratischen Bestce- düngen bestimmt ist, weshalb diese Versammlung auf Grund des§ 9, Absatz 2 des Gesetzes gegen die gemeinge» fährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oi» tober 1878 verboten wird. Nürnberg, den 15. September 1888. Königliches Bezirks- Amt. Gareis."— Unerfindlich ist jedenfalls, was die frühere Stellung des Einbemfers als Gendarm mit dem Versammlungsverbot zu thun hat. Sollte der Mann dadurch, daß er einmal der Stcherheitswache ange- hört hat, das Recht zur Einberufung einer Versammlung ver- wirkt, einen Thell seiner polttischen Rechte verloren haben? Das wäre ja ganz neu und interessant! Uebrigens soll es nicht wahr sein, daß der Einberufer als„sozialdemokratisch r Agitator" auftritt. Derselbe ist ein Arbeiter wie hunderte andere, der seine Gestnnung nicht verleugnet und fie auch am Wahltag bethätigt, aber noch niemals eine sogenannte agitato- rische Thätiakeit entwickelt hat. Selbstoerständlich wird gegen eine solche Äerbotsbegründung Beschwerde erhoben. Der Ein- berufer war nach dem Gesetz nicht verpflichtet, einen Referenten zu benennen, derselbe ist ohnehin dem Bezirksamt durch die öffentlichen Ankündigungen in der Zeitung bekannt geworden. Was die Wirkung des Verbots dettifft, so wird dieselbe kaum den behördlichen Erwartungen entsprechen: es herrscht in allen Kreisen in Stein— mit einziger Ausnahme der ver« biffensten Kartellbrüder— eine große Erbitterung über diese Maßregel. An» Daemstadt wird der„Franks. Ztg." unterm 16. d. geschrieben; Ein aus Frankfurt a. M. ausgewiesener So» zialdemokrat H. hatte fich in Langen niedergelaffen und dort einen Restaurationssaal erbaut. Die Verwaltungsorgane verweigerten ihm die Wirthschaftskonzesfion. Da gründete der Mann ein„bürgerliches Kafino" unter Zugrundelegung un» verfänglicher Statuten, und kürzlich, gleichzeitig mit der Feier der Kirchweihe, wurde auch das Langener bürgerliche Kafino er» öffnet, als dessen Vorstand H. sungirte und dessen Mitglieder- zahl rasch anwuchs. Aber die neue Institution sollte nicht lange fioriren, bereits am letzten Freitag erschien der Kreisrath von Offenbach und schloß das Veriinslokal auf Grund des So- zialistengesetzes. Wie wir hören, wird H. bei der Reichs» kommisfion Berufung einlegen. Verbot». Auf Grund des§ 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Ottober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß ge- bracht, daß das Flugblatt mit der Ueberschrift:„An die Frauen des Volkes", ohne Angabe des Druckers und Verlegers — nach§ 11 des gedachten Gesetzes durch den Unterzeichneten von Landesvolizeiwegen verboten worden ist. Berlin, den 18. September 1888. Der Königl. Polizeiprästvent. Freiherr von Richtbofen. Die unterzeichnete königl. Krcishauptmannschakt hat die Druckschrist:„An die Wähler des IV. sächfischen Reichstags» Wahlkreises!", welche mit den Worten schließt:„Nieder mit den Kartellbrüdern! Hoch die Sozialdemokratie!" Verleger: H. Lewy, Dresden. Druck von Schoenfeld und Harnisch, Dresden, auf Grund von§11 des Reichsgesctzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialoemotratte vom 21. Ottober 1878 verboten. Dresden, den 16. September 1888. Königl. sächsische Kreishauptmannschaft, v. Koppenfels. SchW-i?. In Genf ist soeben die erste Nummer eines russischen Organs der Sozialdemokratie, der„ S oz i a l- demokrat", erschienen und es existiren nun in der Schweiz drei Blätter dieses Namens, in Zürich, Bcrn und Genf. Das rusfischr Blatt, redigirt von P Axelrod und G. Plechanow. stellt fich zur Aufgabe,„die sozialdemokratische Richtung des modernen Sozialismus in Rußland zu poputaristren." Ins» sondere wird die Notbwendigkeit einer energischen, sozialdemokratischen Agitation unter den Fabrikarbeitern detont. Großbrita««i-n. Die„Pall Mall Gazette" gicbt Michael Davitt in seinen Anklagen gegen die Haltung der liberalen Partei den irischen Ausweisungen gegenüber Recht. Das radikale Blatt schreibt:„Michael Davitt verdient den Dank, nicht den Tadel der liberalen Partei, daß er fie warnt. Die Liberalen müssen zu derselben Anficht gelangen, falls fie die Thatsachen zu würdigen verstehen. Schon haben energische Prooinzialzeitungen ihre Stimme gegen die Herr- schcnde Apathie erHoden. Der„Newcasrle Leader" enthielt längst, ehe Davttt gesprochen, einen Artikel unter der Uedcr» schrrft:„Liegt uns wirklich etwas daran?", in welchem folgende Sätze stehen:„Entweder begreift das englische Volk die Lage nicht, oder es liegt ihm nichts daran. Entweder haben die Unionisten Reckt, daß sie fich rühmen, das Land sei auf ihrer Seite, oder das Land hat eine seltsame Art, seine Gesinnung zu zeigen." Der„Manchester Guardian" schreibt:„Davttt mag fich grob ausgedrückt haben, aber etwas Grund hat er auf seiner Seite. Fast 10000 Ausweisungsbefehle find in Gemäß» heit der neuen Akte ergangen. Die Liberalen hatten eine doppette Pflicht. Entweder hätten fie durch die Presse die Re- aierung und die irische Exekutive von solchen Maßnahmen ab- schrecken sollen oder fie hätten dem enalischen Volk begreiflich machen müffen, wer die eigentlichen Uedelthätcr find und auf wem die Verantwortlichkeit ruht für diese soziale Anarchie!" In einer einleitenden Sitzung der vom Parlament genehmigten Dreirichter- Kom» Mission, die am 17. ds. stattfinden soll, wird Sir Charbs Russell im Namen Hrn. Parnells und anderer irischen Deputirtc« beantragen, daß den Genannten Einficht der Briefe gewährt werde, die angeblich von Hm. Parnell und Hrn. Patrick Egan ge- schrieben sein sollen, und fie auch photographische Kopien derselbea erhalten. Femer wird beanttagt werden, die Beklagten im Prozeß O'Donnell contra Walter zu zwingen, über die vor» liegenden Beschuldigungen gegen einzelne Mitglieder der irischen Partei Einzelheiten zu liefern; desgleichen über die spezifizirte« Anschuldigungen gegen„andere Personen", wie fie in der Par- lamentsalte, welche die Kommisston ins Leben rief, erwähnt find.— Der irische Abgeordnete W. O'Bricn schreibt in „Untted Jreland":„Ich bin von Lord Lansdowne und seinem Agent««, Hr. Trench, In der Angelegenheit deS angestrebten Kompromisses mit den Pächtern in Luggacanan angeführt wor- Am Vorabend von Lord Lansvowne'S Ankunft(aus den. Kanada) wurden Unterhandlungen eröffnet. Hr. Trench stellte gute Bedingungen in Aussicht, da er wußte, daß ohne diese Waffenstillstandsflagge Lord Lansdowne von demselben Augen- blick an, als er Irland betrat, seine Thatcn in Luggacurran vorgeworfen wervcn würden. Hr. Trench betrieb die Unter- Handlungen in säumiger Weise, während Lord Lansdowne sich nach Kerry begab, um künstlich fabriMe Adressen von imagi- nären Pächtern entgegenzunehmen. Kaum hatte er Irland ver« lassen, als Hr. Trench die Maske von sich warf, die unehrlichen Unterhandlungen abbrach und seiner Einbrecherdrigade Marsch- defehle ertheilte. Man wird sich erinnern, daß Hr. Trench genau denselben Kniff anwandte, als ich mich nach Kanada begab, und die von seinem eigenen Schiedsrichter vorgeschlagenen Bedin- (Hingen widerrief, nachdem der Kniff seinen Zweck erfüllt hatte. Es war meinerseits Schwäche, daß ich mich wiedemm in Be» Ziehungen mit einem falschen Feinde einließ. Fetzt bin ich von Der Täuschung geheilt, daß man sich solchen Leuten ohne eine lepanzerte Hand nähern kann. Doch ehe Lord Lansdowne in »indostan ankommt, wird die Eingebornenpresse in Indien mir Gelegenheit geben, den Charakter ihres neuen Vizekön Millionen von indischen Bauern, deren neuen Vizekönigs über Haß des Grundherrn- ihums dem'unsrigen gleichkommt und die unser irisches Ringen mit lebhafter Sympathie und Hoffnung verfolgt haben, genügend », lchlldaa." d,. Während B o u I a n g e r's Versteck noch immer nicht ent« deckt worden ist— ein Pariser Blatt läßt ihn an einem halben Dutzend Orten zugleich sein,— hält Tsroulede den Zeitpunkt Eine von für günstig, sich wieder in Erinnerung zu bringen. ihm geführte Abordnung der Patriotenliga, begleitet wn etwa Tausend Neugierigen, zog in Paris zum Löwen von Belfort in der Rocheraustraße, wo Tsroulede folgende Rede hielt:„Wir lehnen uns gegen die schändliche Gefangenschaft von Straß- bürg, Metz, Kolmar, Mülhausen u. s. w. auf, die wir trotz blutigen Widerstandes dem Feinde übergeben mußten. Wir fordern die Unabhängigkeit des Vaterlandes, die Deutschland täglich durch die neue Grenze vergewaltigt, welche die Macht gezogen hat und das Recht aufheben wird. Unsere Bürger- und Patriotenpflicht ist: Durchsicht des Frankfurter Vertrags, Durch- ficht der Versailler Verfaffung. Ueber einen in Frankreich ausgebrochenen Brotkrieg liegt folgende Meldung vor: In S a i n t- O u e n und Saint-Denis erhöhten die Bäcker die Brotpreise. Die Gemcinderäthe führten darauf die gesetzliche Brottaxe ein. Dies beantworteten die Bäcker mit Schließung ihrer Läden. Das entrüstete Volk erbrach und verwüstete einige dieser Läden. Die Aufregung ist groß. Wenn die Bäcker sich nicht unterwerfen, wollen die Gemeinden unter Requisition ihrer Backöfen das Brot durch eigene Arbeiter herstellen lassen. Der sozialistisch angehauchte Abgeordnete Herr Ferroul läßt die Meldung der boulangistischcn Blätter dementtren, daß er einen Antrag auf R ü ck v e r- setzung des Generals B o u l a n g e r in die Armee einzudringen gedenke. Der sozialistisch-radikale(?) Kongreß vom 28. März d. I. hatte wohl dem zukünftigen Abx eine solche Verpflichtung auferlegt; daß die doulangistische Frage ._ bgeordneten allein Herr Ferroul erachtet, seither eine ganz andere Form angenommen habe, welche einen derattigen Antrag i® möglich mache. Eine politische Fälschungsgeschichte tm augenblicklich in Rom und Paris einiges Aufsehen. Da italienische Ministerpräfident Crispi empfing kürzlich von Pars mit der Aufschrift„Persönlich abzugeben" einen eingeschriedn«» Brief, der mit dem Namen des bekannten kommunMck® Deputitten Felix Pyat unterfettigt war. Das Schreibe» soll unqualifizirbare Drohungen und Beschimpfungen entbalte» haben, welche der unbeugsame Revolutionär Pyat dem 9W gaten Crispi an den Kopf warf Thatsache ist, daß sich jeiw Schreiben zur Zeit in der Hand des Generals MeneW italienischen Botschafters zu Patts, befindet und daß dieser seine» Charge d'Affaires Reßmann beauftragt hat, mit Felix W persönliche Rücksprache zu nehmen und vor allem festzusteM ob derselbe thalsächlich der Verfasser des Bttefes fei. Hea Reßmann hat Den Deputttten aufgesucht und mit ihm eil» längere Konferenz in der Sache gehabt. Das Ergebniß# daß Fel'x Pyat auf Wort erklärt, dem Schreiben absob» fernzustehen und daher keine Ahnung von dessen zu haben. Rußland. In Woronesh brach nach Beendigung des dotttoj Fahrmarktes eine große Bauernrevolte aus.** Äufrührer zerstörten die Buden, drangen in die Häuser einu� raubten und erbrachen die Kaffe ttnes Bankiers, auS da r 75000 Rubel in baarem Gelte entnahmen. Wt Mutete d« Haushofe bopulärw k führte «-griffen fancm S H°n hat» wrichmtei w°hl es «04 im. «ders g, Theater. Mittwoch, den 19. September. * Don Juan. (i« Wallner- Theater): Der Herr Major auf Urlaub. : AnWn Antony. D»»tschp» Theater. Graf Waldemar. Kertwer Theater. Demetttus Friedrich- Milhelmstadttsche« Theater. Der Glücksritter. »rlwr«»-«h»at�: Francillon. �«SoaStaace-Theater: Tttcoche und Cacolet. WÄt»»l«-Tli»at«r: Mathias Sandorf. A>»I»b-Gr»st-Theat»r. Die drei Grazien. ßarnf*##**'# Parittck t Spezialitäten-Vor- stellung. f SB*»**!«- Theater: Spezialitäten- Vor- stellung. Theater der Reichshalle«: Spezialttäten- Vorstellung. KBnißstädtisches Theater. Alexanderstr. 40— Kurzestr. 6. Stadt» und Pferdebahnverdindungen nach allen Richtungen der Stadl. Heute, Mittwoch, den 15. Siptember: Gastspiel des Hrn. Ed Weiss. Zum letzten Male: Der Kettelstudent von Kerlin. Große Gesangs Posse in 6 Biwern von Martin Böhm und Hugo Buffe. Kaffeneröffnung 6& Uhr, Anfang 7t Uhr. Bons und Ztttungs-Ausschnitte haben Grlllgkett. Alles Nähere die Anschlagsäulen. Donnetttag, den 20. September: Zum 1 Male: Der Raltenfällger von Hameln._ Teppiche zu billigen Preisen! Wir verkaufen unser Teppich« Lager aus und verkaufen gewöhnliche, haltbare Teppiche für 4, 5 u. 6 M-, große Tapestry-Plüsch- Tcppiche für 12, 15 u. 18 M. Tischdecken Manilla-Tischdecken mitFranzm 2, 2,50 M. Bunte Tischdecken mit Schnur und Quasten 3, 3,50 bis 5 M., Gobelin-Tischdecken mit Schnur und Quasten 5 u. 6 M. Gardinen, weiße Zwirn-Gardinen, reellstes Fabrikat, Meter 45, 50 u. 60 Pfg. Englische Tüll. Gardinen auf bttden Seiten eingefaßt, Meter 50, 60, 75 Pfg. u. 1 M. Einzelne abgepaßte Fenster 3,50, 4—6 M. Hübsche Manilla- Gardinen, Meter 40 u. 50 Pfg. Sielniann&Rosenberg Kommandantenstrasse Ecke Llndenstrasse. g Efinigl. Prems. Klassen-Lotterie. Ziehung 1. Klaffe am 8. und 3. Ottober 1888. vrtgwale gegen Depotschein V, 50, V» 86,'/« 18,50 Mark. Anthril«:'/» 6,85, 3,85, 1.75.'/„ 1 Mark. empfiehlt die GILckskollekt» von 1. Geschäft: IUI Mnwnn 2. Geschäft: _ Koppenstraße 66.»»Bs Ueteraarastr. 88. MSbel-, Spiegel- nnd Molsterwaaren- Magazil 28. von Julius Apelt, Sebaftiauftraße 27 Reell» Maare. Prompte Kedieuung. in il ett Kleiderstoffen. % i Kchwarzr Eachrmirrs«. Sridenftoffr. Sski- gromme Auswahl I_ Billige Preise I TSatich Ausverkauf oon Kesten aller Art«nter dem Selbstkostenpreisen~W M Die schönsten Kinder-Kleider erlttigt. 561 American-Theater. Direktion A. Reiff. Wallnsptheaterstrassc Hr. IS. Donner st ag, d. 18. Septembers Zum 13. Male: Die Weisheit Salomorsk/s. Bettiner Lokalpoffen-Pantomime von R. Anger. Musik arrangirt von R. Thiele. 1. Bild: Die Renommirstunde bei Haase. 2. Bild: In der Academy of mnslc. 3. Blld: Bei Mutter Pignatelli im Cour- saal. 4. Bild: Berlin um Mittemacht. 5. Bild: Vor'm Schöffengericht. Neu einstudirt: Tausend und eine Macht. Operette von W. Köhler. Musik von R. Thiele. Austreten der drei Geschwister Delspierre, des Fnstmmentaltstm Herrn Krüger, des Mimikers Rivoli und des Herm Mattin Bendix. Anfang?� Uhr. Entree 50 Pf., Parterre 1 M., Balkon 1,25 und 1,50 M., Parquet 1,50 M., SperOtz 2 M, Loge 2 M., Ballonloge 3 M. Billet-Vorverkauf Vormsttags 11—1 Uhr an der Kaffe. Aoßtabak I iL dolisehmidt ... 8. Ortoker.» Aud.SMdaller Dröcke 6 am Haokschan Markt. Kgl. Preuss. 179. Lotterie. ig Antheilloose'/« U. 6 25, H. 3,25, '/», M. 1,75, V«4 M. 1 empf. n. versendet D. Lewin, Berlin C., Spandauerbrttcke 16. Gleicher Preis fOr alle Klassen. Planmässige Gewinn- Auazahlung. MWM Prospec.te gratis und fran o. Preiset �LlDEllS weder W "nt erlasse eis das( waren I ®otte sti J«nfo A btn Fein 䣻■ s*-* oa: Mdlin habe !*wßcn i |SbS Erlebnisse Kne solfi ... Und inMkurzsrZdt getrocknet. Ja das Ist Suter'sdie Rissbotfen- Glasur-Lock-Farbe und kostet nur 75 Pf. das Pfund. trocknet in 4— 5 Stunden hart und glänzend, macht das Utberlackieren überflüssig. Das unangenehme Kleben ist vollständig ausgeschlossen. Nasse Witterung hat keinen Einfluss auf meine Farbe. Aufträge führe nur gegen vorherige Einsendung des Betrages oder gegen Nachnahme aus. Preis 4 Pfund 75 Pfennige. R. J. Suter, Berlin N., Zionäkirchstr. No. 44. No. 60 Echten Uordhan ser Liter 80 Pf-, im Restaurant von 1 Emil Bühl, Frankfurter Allee 74. [323 IT».« M.- 10 A. kimlscr-Pmmaramm Zum»rllen Male: Dritte Reise. Algerien,«ran. Tange». Fahrt mit'de» Gotthardbahn. " izug und Aufvahrung Kaiser ******* im Donr. #ntm& Cycl. 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. Fch nehme die Beleidigung gegen Ernst Schröser(meinen Neffen) zurück unv erkläre ihn für ehrlich.[626] Fr. Teichmann. Zum Einrahmen aller Arien Bilder empfiehlt RA E. Mummerl, 623] Schützenstr. 38, Hof 2 Tr. Umstände halber verlaufe ich Winhschasts- «. ptok, 621] Lichtenbergerstr. 6, tzof 3 Tr. Einzelne � Sopha-Hezüge!! in Nip», Damast nnd FantastestoLe» für die Hälfte! Leffevre,�: ßettet, 0 Polt, Jeder kann fich von der Wahrhett überzeugen. t Sianv, vollständige Länge und Brette, nur 9 Matt, Bettfedem, das Pfund von 25 Pf. an, ver kaust allein die Bcttfedern-Engros-tzandlung 1. Geschäft Kottbuserstrasse 4, parterre 2. Geschäft Brunnenstrasse 139, 1 Tr. Zur Auswahl sieben 23 Sotten Federn. Castor- [491 Preußische Lotterie. Vs 5,75, Vi. 3,00, V». 1,50, 75 Pf. per Klasse. Zu haben Granienburger straffe 48 im Zigarren-Geschäft._[457 und Zephirwolle.... PrimaZollpf. 3,35 Echt engl. Strickwolle„„ 3,50 Zum gr. Wollgeschäft Brunnen- Strasse 151/152, dicht am Bosenth.-Thor. Wer borgt einem seldstst. Handwerker 100 bis 150 M. gegen 4fach. Unterpfand.(Adzahl. 25 M. monatl.) Adr. Cigarrengeschäft, Gattenstr.l49[630 Soeben ettchien: �l�rm�ösifich�Revolutt� Von W. Bios. Heft 4 »reis SO»fg. Zu beziehen durch die.« Grpedttio« des„KerU Nolksblatt", Zimmerstraße 44 fit dieler B BgdK schrecken ®Jo;te eil °en verm Weben v N fuhn ttdrhunde Auäiher «nlen ge AkJ gs Trltc M das t Pflicht de Wa fev: Jaufe ol Mbjopp, A'tunter Sflittcn §1 fet Ar Möbel, Spiegel u Polsterwaaren e gmer Fcckrik wegen Ettparung der Ladenmieth- »«rkaaf ttJ'tfy' part. lung nach U ebereinkunkt. Möbl. Schlafstelle sofort od. z. 1. Septbr. an 1 od. 2 anst. Herren Böckhstr. 13 d. Reddin.[622 Eine fteundltche Schlafstelle zu vermietden Koniagratzerstr.89. Hof 2.Eina. 2 Tr.b. Bukch.[624 Eine Schlafstellelle zu oermiethen bei Jöckel, Köpmckerstr. 193, H. 3 Tr.[634 Schildermaler verlangt J. Kaufmann, Stralauetttr. 56.[633 Kistenmacher verl. Kuttner, Louisenufer 11.1631 Drechslerlehrling verlangt[590 »ranse, Adalbettstr. 91. „ 1 Sattler auf Teppichnäherei wird verlangt 625] F Selmke, Wallstr. 26. . KariSW verlangt-»»»», Schneider auf Knaben-Anzüge 2 O-l,drech»l»r auf Claudius. � Der Arbeitsnachweis fIa5l» Arkeitsp-rmittel-w««��� gi** 9 befindet— Restaurant»fister BerantwoMcher Redaktem:».«ronheim in Berlin,»ruck und Verlag von Ms» Osding in Berlin 8W., Beuthstraßr 2.#*»*** �.dem'asl Ätifl« k« L.'Jllimadi 5iCleute n-llftfet a 17)"falls iJ'fiuen. I -Stell Beilage zum Berliner VolNlatt. Ar. SSV. Mittwoch, de« 19. September 1888. 5. Jahrg. s Wt und flScfcSmad im gcfctlfdaftfiden 'BetleHr, kutrte das intenffante Thema, mit dem Profeffor Dr. Max vaushofer München vor einem übervollen Auditorium die Reihe populSra>iffenschaftlicher Vorträge eröffnete. Er wolle und könne, führte Redner in der Einleitung aus, weder den Anspruch »heben, zu belehren, noch könne hier von einem wiffenschaft- uchen System die Rede sein, sondern er wolle nur versuchen, Jfn auf dem Gebiete des gesellschaftlichen Anstandes geltenden �/griffen eine gewiffe Form zu geben, wie dies schon Cicero in «mm Buche über die Pflichten ziemlich eingehend ge- jwn habe. Für uns Deutsche müsse des Freiherrn von Knigge «ruhmtes Buch über den Umgang mit Menschen, ob- '»ohl es bereits im vorigen Jahrhundert geschrieben worden, »och immer als das unerreichte Brevier des gesellschaftlichen �dens gelten. Was im gesellschaftlichen Verkehr wirkt, find immer cnt- ®eder Worte oder Handlungen, namentlich auch solche, welche »nterlaffen worden find und oft unendlich viel schwerer wirken «s das gesprochene Wort oder die geschehene Handlung. Worte Annen Gift und Arznei, Dolchstich und Umarmung sein; «iorte find es, welche Freundschaft schließen und auflösen, und »«nso Anlaß zu Bündnissen iür das Leben als zu fortdauern- M Feindschaften geben. Mit der zunehmenden Verfeinerung Oer Sitten wurden immer mehr Handlungen in Worte aufge- '»it und es erscheint eine ganze Reihe von neuen Worten, JJrtch« fich im gesellschaftlichen Leben Bedeutung verschallten. «m Paar solcher Worte find auch Takt und Geschmack. Der gesellschaftliche Takt ist nichts anderes als ein Fein- gefuhl in der Beurtheilung dessen, was man sagt und thut. Wir haben immer die Wahl, welche Töne des Gefühls wir an- !«lagrn und mit welchen Mitteln wir dies bewirken wollen, Noch ist es immer das eigene Innere, wodurch die ganze «lala der Stimmungen zu Empfindungen geweckt wird. Eigene «nedniffe find keineswegs Grundbedingung, denn man ist auch Mne solche im Stande, Takt genug fich anzueignen, wozu aller- JtogS eine Reihe von Bedingungen erforderlich ist. Die ersle mcser Bedingungen ist das Bewußtsein, daß man mit allem, man sagt und thut, dem Räderwerke des gesellschaftlichen �erkehrs einen Antrieb verleiht. Wer gegm diese Grundregel jgnöfjt, das find die absolut gedankenlosen Menschen, der schrecken der Gesellschaft, in deren Innerem Gedanken und r�oite ein Chaos bilden, über das sie fich selbst nie klar zu wer- »»« vermögen. Wie wichtig das Wort in der Form, in der es Weben wird, namentlich also durch Mienenspiel und Gcberde, fit- zeigt uns die Schauspielkunst und zur vollständigen Bc- wrschiwg dieser Form des Ausdrucks kann nur die Routine Uns führen. So lange der Mensch nicht mindestens ein Viertel- uhrhundcrt zählt, wird das Mienenspiel bei ihm immer ein Zknäther sein, wenn er einmal nicht die Wahrheit sagt, und «>elen geht es noch mit 40 Jahren ebenso. . Die ersten und wichtigsten Regeln unseres Benehmens "süssen wir aus dem Interesse nehmen, was uns zu den Menschen fie»u uns führt. Die Verhältnisse, unter welchen wir mit llN Menschen zusammentreffen, find es, durch welche die Regeln ?s TaltcS deherrscht und modifizirt werden. Natürlich gelten mr daz Arbeits cdm andere Taftregeln als im Genußlebcn. jemanden in seiner Pflichterfüllung oder Arbeit mit einem an- �2. Interesse zu kreuzen, ist ein Unterfangen, das immer schon Entschuldigung bedarf. Man sollte es für eine absolute jmichr des Taktes halten, daß ein Bummler auf der Straße . schwer deladencn Lastträger ausweicht, und doch belehrt uns -va�iergan� darüber, daß Viele solche Anforderungen des Gefühls nicht kennen. fik.skllschafLiche Umgebung, in der man fich befindet, lim.&, ebenfalls die Regeln des Taktes. Jeder gesellschaft- schofst fich eine besondere Atmosphäre und es ist sehr i''."'*• nTI'r• f-honsinncn mi entsprechen. Die Ver- kL, iuiuii» cw»>»» wi-.w...------, kilTnm �rselben in allen Lebenslagen zu------------ feo..f"e?uffen andere werden, je nachdem wir uns im eigenen a oder im fremden Salon, im Frack oder in der Oiiff.?ppe befinden. Auch für den Westkundigsten ergeben fich ".'er ganz neue unerwartete Situationen, die häufig zu neue uiklwuiuk-.......„. W i zwischen der UndbweiSbarkeit der Thatsachen und iwilmÄ �5" mitfühlenden Herzm, zwischen Wahrheit und Lüge, i hiar/»" Menschensatzungen und der heißen Sehnsucht nach G ück Kefün?' Zufall, der diese Konflikte schafft, kennt kein Takt- b« i,""b muthet deshalb demjenigen, der fie lösen soll, oft I Mögliche zu. bklmZ m n,Ut darum bandelt es fich, was wir thun und unter Verhättniffen, sondern auch, an wen wir unsere Aeuße- »ichten, und hierbei spielen natürlich Alter, Lebensstellung, �vfroerhaltniffe und anderes eine große Rolle. Hier kann se-J meryatlntye uno anotrit» cmc kann «un nicht dm Menschen als Durchschnittsmenschen be- sondern man muß ihn differmztren und dies ist der gan�Mpuntt alles gesellschaftlichen Benehmens, dem fast das «snn."'b Knigge's gewidmet ist. Ein Mensch, der Lebens- srn �ung hat, hat auf diesem Gebiet immer Fühler zu Ver- iu n' den unbekannten Gegner zwingen, fich allmälig •tü«.-(®'iten! so lange wir aber solche Fühler nicht haben, th-j?, wir den Menschen lediglich nach seinem Aeußern beur- dilkmlh.®enn gefragt wird, in wie weit der Takt eine Be» .Nötigung des Bildungsgrades fordert, so kann nicht genug Uss�werschätzung der Schulbildung in Sachen des Taktes und bih�ockes gewarnt werden, denn leetere haben mit der Schul- äußerst wenig zu thun. Fraum mst sehr geringer Sefgl/,'wung verfügen oft über ein musterhaftes Takt- '"cm* Gelegenheit, mit vielen Menschen zu verkehren, "uch nicht allein aus, denn sonst müßten Kellner und die taktfestesten Menschen sein, und wenn z. B. ein Z hoffender an einem Tage 20 bis 30 Male höflichst zur «e,»- riMouskomplimentirt wird, so ist es klar, daß auch dieser Taktgefühl nich � � � gerade erhöht. Der Satz, daß die z�nfalls Mitgefühl abstumpfe, ist nur relativ richtig; iSegnen w- /.i0 Grausamkeit, dem Armen taktlos zu ■i&n s?/chtn Leuten, welche ihre Aimuth nicht merken W. hnihfle Ansoannung des Pfühls nöthig......_.... . g;7'v,v�«- utj4tcii ,,„7 Qni Platze. auch die Kehrseite der Medaille zu bm Ursachen, durch welche Taktlofigkeiten h!? llofiat/ji werden, zu fragen; eine sehr häufige Ursache von «Roheit fr.t, 0t darin, daß man den Verletzten eine Ueber- i�blen läßt, welche unberechtigt ist oder doch nicht fachte 1,7, iu werden braucht. Ist die unnöthig geltend . ��'legcnheit vorhanden, so macht fie ihren Träger 0rend fie ihn im anderen Falle der Lächerlichkeit Oberen �erei Fehler liegt darin, daß man im Umgange mit benikJ�ßbe Stelle in ihrem Leben, ein Defizit ihrer toTfort. Eine Taltlostgkeit wird hier immer dann vor- stelle nLM Andere einen Anspruch darauf erheben darf, "'cht derührt zu sehen; jedoch ist hier mitunter rccht schwer zu unterscheiden, wo dieser berechtigte Anspruch aufhört und übertriebene Empfindelei anfängt. Eine dritte Ursache ist die, daß eine thatsachlich bestehende Uederlegenheit nicht gebührend beruckfichtigt und anerkannt wird. Große Geister und Herzen pflegen fich allerdings furLaktfehler i.• r r%« i•• i Mr. W____ a. «•«•v«�v»gv* v y i—�o"'• i•—,—. i•-— �--- dieser Art nicht zu rächen, denn fie wissen, daß der Verletzende in der Regel seinen Mißgriff jahrelang bereut. Ebenso kränken aus Zerstreutheit begangene Tallfehler nicht und werden leicht verziehen, obwohl die Zerstreutheit immerhin ein Gebrechen ist, dem allerdings selbst die größten Männer verfallen. Für der- artige Tattfehler ist zum großen Theile auch die übertriebene Repräsentationslust der Gegenwart verantwortlich zu machen. Taktlofigkeiten, welche auf der Geringschätzung der Person unseres Nebenmenschen beruhen, verletzen und beleidigen stets, so z. B. die häufig genug vorkommende Taktlofigkeit, daß Jemand aus den oberen Zehntausend einem armen, aber ehrenhaften Men- schen ein Trinkgeld anbietet. Viele Menschen, welche im Rufe großen Tattgefühls stehen, erwerben fich diesen Ruf dadurch, daß fie allen kritischen Gelegenheiten auszuweichen verstehen, bei welchen ihr Taktgefühl einmal auf eine harte Probe gestellt werden könnte. Leider find aber auch diejenigen Menschen ziemlich häufig, wclche sich lieber eine Herzlofigkeit als eine Taft« lofigkeit zu Schulden kommen lassen. Während der Taft auf psychologischen Grundsätzen deruht, baut fich der Geschmack auf dem Schönheitsfinn auf, und nicht nur die Quellen, sondern auch die Wirkungen find bei beiden gänzlich verschiedene. Wenn Jemand, der nach längerem Auf- enthalte in Berlin nach München zurückgekehrt ist, so thut, als könne er nur noch den Berliner Dialett reden, so ist das eine Geschmacklofigkest, aber noch keine Taktlofigkeit, wenngleich es mitunter recht schwer wird, zwischen den derden letzten Begriffen eine scharfe Grenze zu ziehen. Die Regeln des gesellschaftlichen Taftes find uralte, denn fie bestehen, so lange es fühlende Menschen giebt. Der Ge- schmack dagegen ist dem Wechsel unterworfen und manches, was im vorigen Jahrhundert als das von plus ultra des guten Geschmacks galt, erscheint uns heute als im höchsten Grade ge- schmacklos. Der Geschmack ist von der Mode, sowie von ört- lichen Verschiedenheiten und Lebensgewohnheiten abhängig. Wenn z. B. in London Jemand fich mit dem Hut auf dem Kopf im Parlament bewegt, während man bei uns einen Mann, der dies thäte, unfehlbar für geisteskrank halten würde, so ist dies eine nationale Geschmacksverschiedenheit und in gleicher Weise weiden sich hinfichtlich der Frage Meinungsverschteden- heilen ergeben, ob es nothwendig und geschmackvoll ist, zu Neu- jähr die Welt mit Gratulationskarten zu überschwemmen, ferner über die Frage, warum der Zi ollist nicht ebenso grüßen soll als der Soldat u. a. m. Während es in allen Fragen des gesellschaftlichen Taftes regelmäßig nur eine Lösung giebt, lassen die Fragen des gesell- schaftlichen Geschmackes häufig sehr viele verschiedene Lösungen zu und nicht selten sehen wir die öffenlliche Meinung zwischen einer im Absterben begriffenen und einer werdenden Geschmacks- richtung unsicher hin und her schwanken. Wo die Kleidermode Thorheiten begeht, werden auch die Umgangsformen davon in Mitleidenschaft gezogen werden, denn die Umgangsformen find nur eine Anwendung des instinktiven Schönheitsgefühls, aller- Vings zu einem sehr praktischen Zwecke. Daß es äußerliche Um- gangsformen giebt, ist ebenso eine Notbwendigkeit, wie z. B. die Sprache eine solche ist; wie fich aber diese Formen gestalten, ist lediglich Sache deS Geschmacks! Innerhalb der Regeln und Gesetze, welche die Gebote des Takts aufstellen, bleibt immet noch Spielraum für den Ge- schmack des einzelnen, wiewohl es auch genug Menschen giebt, für welche es bequemer wäre, wenn ihrem persönlichen Geschmack nichts überlassen bliebe, weil fie eben keinen Geschmack haben. So schwer es ober auch sein mag, Regeln des gesellschaftlichen Geschmackes aufzustellen, so giebt es hier doch eine zuverlässige Richtschnur, nämlich die Natur; denn jede Entfernung von der gesellschaftlichen Natürlichkeit muß als Geschmacksverwirrung wirken; der Mensch soll ja ein Kunstwerl sein, an dessen Aus« bildung und Veredlung er fortwährend zu arbeiten hat, aber auch hier kann vor Verkünstlichung und Vcrschnörkelung nicht Senug gewarnt werden. Das beste, was wir in uns haben, so bloß der Vortragende seine geistvollen, äußerst beifällig aufge- nommenen Ausführungen, ist uns immer angeboren oder durch die natürliche Entwicklung des Lebens geworden und am schönsten ist und bleibt es immer, wenn wir durch den deengenden Bann konventioneller Aeußerlichlesten hindurch auch wirlltche Herzens- töne vernehmen._ Kommunales. Tagesordnung für die Kitznng der Ktadtver- ordneten-Uersammlnng am Donnerstag, den 20. September d. I, Nachmittags 5 Ubr. 3 Naturalisationsgesuche.— Berichterstattung über die Votlage, betr. dm Ankauf der Grund- stücke Kceuzdergstraßc 60/62 und 63/64.— Desgl. des Ausschusses für Rechnungssachen.— Desgl. über die Vorlage, betr. die Festsetzung von Baufluchtlinien für eine als Verlängerung der Straße 11, Abtheilung Vlll des Bebauungsplanes, zwischen der Straße 17 und dem Südufer neu anzulegende Straße 1'» — Desgl. über die Vorlage betr. den Ankauf des Grundstücks an der Ecke der Schmalengaffe und der Neuen Friedrich. straße 64 65. dezw. die Festsetzung einer neum Baufluchtlinie für dieses Grundstück.— Vorlage, betr. die Zurücknahme der Vorlage bezüglich des Verkaufs von Bauparzellen des Grund- stücks Köpnickerstraße 6,6.— Desgl., betr. das Schreiben des Rothes der Stadt Leipzig in Bezug auf die Errichtung eines Denkmals auf dem Schlachtfelde bei Leipzig.— Desgl., be- treffend den Finaladschluß über die Verwaltung der stadtischen Gasanstalten pro 1. April 1887 88.— Desgleichen, betr. die Ucberführung einer Verkehrsverbindung zwischen der Chaussee- und der Gmtmsttaße auf dem Stettiner Bahnhof.— Desgl., betr. den Entwurf zum Nachtragsetat für die Martthallen Vll und Vlll pro 1. Oktober 1888 bis 31. März 1889— Desgl.. betr. den erfolgten Abschluß eines neuen Ver- träges mit der Aktiengesellschaft„Berliner Elektrizitätswerke."— Desgl., betr. die bOjährige Jubiläumsfeier der Luiscnschule.— Desgl.. betr. den Verkauf einer städtischen Wegeparzelle in der Urbanstraße.— Desgl., betr. die Ueberstchten über die Bestell- ung von Stadtdriefen durch das Zentralbmeau des Magistrats im ersten Halbjahr d. I.- Vorlagen, betr. die Erweiterung der Alduminfabrik, sowie die Umschließung der Hammelhalle auf dem Zentral-Viehhofe.- Vorlage, betr. die Verlheilung der Zinsen des Vermächtnisses Sr. Majestät Königs Friedrich Wilhelm Hl.— Einige Rechnungen.— Vorlagen, betr. den Ablauf der Wahlzeit eines Bürgerdeputirten bei der Steuer- und Einquartierungs-Deputation, sowie der Zivilmitglieder der Ersatz-Kommisfionen.— Eine Unterstützungssache.— Vorlage, betr. die Neuwahl eines Bürgerdeputirten für die Brennmate- rialien-Deputation. Sokale«. Mit der elektrisch«« Kelemcht««» erfährt die Ber- liner Stadtverwattung doch recht vielerler Anfechtung. Das ganze Unternehmen macht bisher den Eindruck eines— wir wollen nicht sogen Todtgeborenen— aber doch Gequälten, der trotz seiner guten Eigenschaften, die man an ihn lobt, doch recht vielen im Wege zu sein scheint. Welche Schwierigkeiten machte nicht seiner Zeit die Abschließung des Vertrages mit der Elektrizitäts-Gesellschaft. Man muß sich doch sagen: Handelt es fich bei der ganzen Sache um einen wirk- lichen Fortschritt auf dem Wege der Beleuchtung, so sollte doch ein Gemeinwesen, wie das der Stadt Berlin, nicht einen Augen- blick fich besinnen, auf dem von der Technik neu ausgemittelten Wege voranzugehen. Aber man hört da ganz settsame Dinge. Vor einiger Zeit fand in Breslau die Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure statt, und ein Herr B e r i n g e r erörterte bei dieser Gelegenheit auch die Frage der eleftrischen Beleuchtung. Er betonte dabei von vornherein, daß Anlage nicht von kleinlichen Gefichtspunften M.-,. LV*#.„.„• W I. W____ eine solche aus be- handelt werden dürfe, sondern gleich in ihrer vollen Bedeutung erfaßt und in Angriff genommen werden müsse. Leider sei in dieser Beziehung viel zu klagen. Anfänglich materielle Mißerfolge, wie sie auch beider Berliner Elektriziläts> Gesellschaft vorgekommen seien, hätten ihren Grund lediglich in dem zu er» gefaßten Rahmen ver ersten Einrichtung. Es sei verfehlt, zahl- reiche Zentralstationen für einen großen Belcuchtungsbezirk ein» zurichten; die neueren Erfahrungen gehen übereinstimmend dahin, daß es besser ist, von einer großen, aber sicher einge- lichteten Zentralstation aus die sämmtlichen Beleuchtungsbezirke mit dem nöthigen elektrischen Strom zu versorgen. Aber— sc» führte der Redner aus— die Gasan st alten, die fich meist unter städtischer Verwaltung befinden, stemmen sich mit aller Macht gegen die Einführung der elektrischen Beleuchtung. Das wurde ganz allgemein ausgesprochen, ohne besondere Bezugnahme auf Berlin; aber gerade bei uns bilden die städtischen Gasanstalten eine sehr respektable Macht mit ihrem ganzen Heer hoher, mittlerer und- kleiner Beamten, und es wäre doch interessant, einmal zu er» fahren, wie fich denn unsere Gaswerke zur Frage der eleftrischen Beleuchtung stellen. Bisher macht dit Sache ganz den Eindruck, als od die neue Be« leuchtung irgendwo mit recht erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hätte. Das wichtigste Moment aber, das auf der- Breslauer Versammlung zur Sprache kam, betraf die gesund- heilliche Seite der Frage. In einer durchaus sachlichen Weise verlangte Herr Beringer eine Prüfung, od die eleftrische Be» leuchtung lediglich eine Luxusbeleuchtung sei, oder ob fie zur Förderung der öffentlichen Wohlfahrt diene. Man müsse sich darüber klar werden, ob es fich bei Anbringung dieser Beleuch- tung nur darum handele, den Schönheitsfinn zu befriedigen, oder ob dadurch nicht zugleich ein gesundheitlicher Zweck erreicht werde. In letzterem Falle dürfe man die Beleuchtungsanlage nicht auf einige Straßen beschränken, sondern muß eine mög- lichst allgemeine Vertheilung der Eleftrizität anstreben. Nun ist aber längst von hervorragenden Augenärzten der Vortheil der elektrischen Beleuchtung gegenüber anderen Beleuchtungsarten anerkannt. Die Wärmeentwtckelung, die sonst und namentlich bei Gasbeleuchtung nachtheilig wirft, ist eine geringe, bei guter Einrichtung brennt eleftrisches Licht ruhiger und gleichmäßiger als andere Beleuchtungsflammen und auch im Kostenpunkt stellt fich jene jedenfalls nicht theurer als andere künstliche Beleuch» tungen von gleicher Stärke. Unter solchen Umständen müßte eigentlich das Bestreben der Stadtverwaltung darauf gerichtet sein, für eine Verbrettung elektrischer Beleuchtungseinrichtungen in der Art zu sorgen, daß fie in den Werkstätten Verwendung finden kann. Hier handelt es fich darum, das Augenlicht von Tausenden von Arbeitern zu schonen und da ist die neue Beleuchtungseinrichtung doch wohl minde- stens ebenso wichtig, wie etwa unter den Lindm, wo sie zumeist dazu dienen muß, die Herren Pflastertreter und Nichtsthuer in ein besseres Licht zu setzen. Die Umgegend K erlins steht nun völlig in dem Zeichen des Herbstes, der mtt dem scheidenden Sommer noch um die Herrschaft ringt. Allerdings ist es ein schöner Herbst— so schön, daß er uns die Unbilden des Sommers gänzlich vergessen macht und wir ihn herzlich gern eintauschen für denselben. Ucdriaens ist der Herbst, was vie Mark Brandenburg detrifft, ohnehin eigentlich die anmuthigste Jrbrcszeit. Ein tiefblauer Himmel spannt fich über dies Stück Erde, wo eine überaus emsige Arbeit der Menschenhand den Segnungen der Natur, wo diese etwa im Stich ließ, in jeder Beziehung nachgeholfen hat. In den Wäldern stehen neben dem immergrünen Nadel» gehölz Eiche und Buche noch mit so kräftigem Blattansatz da, wie wenn derselbe die herbstlichen Stürme, welche demnächst in den Kronen zausen werden, überdauern wollte. Nur die wellen Blätter, welche hin und wieder vom Stamm rascheln, um unten als geldlich gestickter Teppich den Boden für den Winter zu überweben— nur daran merkt man, daß die Natur selbst sich zum Eintritt in die kalte Jahreszeit rüstet. Auch fehlen schon hier und da die gefiederten Bewohner der Luft, welche obne Rückficht auf die Lockungen des heurigen Herbstes derctts die Wanderfahrt in den Süden an» getreten haben. So nehmen fich unsere Wälder jetzt schweig» sawer aus als im Lenz oder Sommer, wo es aus den Blättern und Zweigen heraus zwitschert und jubilirt, wie wenn diese selbst Leben und Stimmen besäßen. Eist ver Herbst ver» leiht den deutschen Wäldem jene stimmungsvolle Melancholie, jenes Gemisch von Schwernwth und Wonne, dem fich Niemand entziehen kann, der unter das mächtige Laubdach, gewoben von saftgrünen Blättern, seine Schritte gelenft. Um so mehr Leben quillt von den angrenzenden Acckein herüber, wo das Sommer- getreide eben eingeerntet wird. Der Hafer fällt unter der Sichel des Schnitters oder ist bereits in Hocken zu einander gesellt. Wo Wiesengrund fich ausspannt, ist man beim zweiten Schnitt, der sogenannten„Nachmaht" beschäftigt. Sie fiel in diesem Jahre besonders günstig aus, da der hohe Wasserstand des Frühlings mit seinem zurückgelassenen Schlamm dem Boden eine starke Triebkraft verliehen hat. Ein würziger Odem steigt aus den grünen Halmen, noch angenehmer einzuathmen dort, wo dieselben unter den Sonnenstrahlen bereits zu Heu zu dörren beginnen. Rübe und Kartoffel werden ebenfalls dem Boden entnommen; auch hier fällt der Ertrag bei weitem besser aus, als man erwartet hatte. Wenn nicht das Wetter ganz plötzlich unwirsche Anwandlungen zeigt, wird somtt der Herbst für den märkischen Landmann nicht minder als für uns Stadtbewohner beim Eintritt in den Winter die angenehmste Erinnerung zurücklassen. Durch pstltlsche«ud technische Zeitungen, Kalender u. s. w., lief in den letzten Jahren die Notiz, daß man deutsche Reichsmünzen bequem als Gewichte gebrauchen könne. Hiernach sollte ein Zwanzigmarkstück 8 Gramm, ein Zehnmarkstück 4 Gr., ein goldenes Fünfmarkstück 2 Gramm wiegen. Das Gewicht des Einpfennigstücks wird zu 2 Gramm, das des Zweipfennig- siucks zu 3i Gramm angeaeben. Von den N'ckelmünzen soll das Fünfpfenniflstück ein Gewicht von Gramm, das Zckn- Pfennigstück ein Gewicht von 4 Gramm ersetzen können. Die Silbermünzen, deren Gewicht in die heute übliche Zehntheilung picht hineinpaßt, eignen sich weniger für die Wage. Ein Ein- Markstück wiegt 5% Gramm, vas Gewicht der übrigen Silber» münzen ist nach Verhältniß größer dezw. geringer. Vor dem Gebrauch der Münzen als Gewichtsstücke muß ernstlich gewarnt -werden, da die oben angeführten Gewichte der Münzen theil- weise gar nicht richtig find. So wiegt, wie der Direktor der Gewerbeschule in Aachen, Herr Spennrud, soeben in einem Vortrage hervorhob, das Zwanzigmarkstück nicht 8 Gramm, sondern sein Normalgewicht ist 7.96495 Gramm. Nach dem Münzgcsetz vom 4. Dezember 1873 gilt es aber noch als vollwerthig, so lange sein Gewicht nicht unter 7,92513 Gramm herabflnkt. Das Zehnmarkstück wiegt nicht 4 Gramm, sondern im normalen Zustande 3,98248 Gramm und «s darf sogar 3,96257 Gramm wiegen, ehe es seine Umlaufs» fähigkeit verliert. Viel schlimmer aber ist die Sache bei den ge- ringwerthigen Scheidemünzen. Das Normalgewicht derselben stimmt zwar mit dem oben angeführten übercin, jedoch gestattet schon das Gesetz, daß diese Münzen fünf Prozent mehr oder weniger wiegen dürfen. Allein das will wenig bedeuten gegen- über der Thatsache, daß diese Münzen infolge des Umlaufs fort- während verschleißen und dadurch an Gewicht verlieren. Das Gesetz bestimmt, daß Reichs-Silber, Nickel- und Kupfermünzen dann eingezogen werden müssen, wenn fie durch längeren Um- lauf und Ädnutzuna erheblich an Gewicht oder Erkennbarkeit eingebüßt haben. Daraus folgt, daß der Gebrauch von Münzen als Gewichte auch zu erheblichen Jrrthümern Anlaß geben kann. Es ist selbstredend, daß im öffentlichen Verkehr die Benutzung von Münzen als Gewichte auch dann strafbar ist, wenn die Münzen das Normalgewicht genau besitzen, aber auch zu privaten Zwecken soll man Münzen nicht zu Gewichtsbestim- mungen gebrauchen, will man sich nicht unangenehmen Ueber- raschunaen aussetzen. Et» Gpfer der Kaulust wird das inmitten von Schöne- derg belegene sogenannte Akazienwäldchcn, welches bisher als gemeinsamer, allgemeiner Besitz der Dorfschaft betrachtet und von keinem Privaten besonders ausgenutzt wurde. Die wachsende Nachfrage nach Baustellen hat die Idee, dieses Wäldchen mit Häusern zu bebauen, angeregt und eine Untersuchung nach den Eigenthümern veranlaßt. Dabei stellte sich heraus, daß es 18 Schöneberger Bauern, unter diesen der„Schloßbrauerci Schöne» derg", welche aus einem ehemaligen Bauernhofe hervorgegangen ist, gehört. Die mit der Prüfung der Besitztitel detraute Re- gierung hat bereits die Brauerei benachrichtigt, daß von den vorhandenen 28 Morgen werthvollen Landes auf ihren Thell 1& Morgen entfallen. Meuig bekannt dürft« e» fei«, daß auch die Mark Brandenburg einmal ein gesegnetes Weinland war, und de- sonders, daß in der nächsten Nähe von Spandau die Trauben reiften. Unter dem jährlicher, Deputat, das vor 300 Jahren das Spandauer Frauenlloster erhielt, befanden sich 8 Tonnen Wein heimischen Gewächses, zu dem der Klosterweinberg bei Spandau 6 Tonnen beisteuerte. Der Trank muß trefflich gemundet haben und auch bekömmlich gewesen sein, und vielleicht ver- dankle ihm ihr langes Leben die letzte Nonne von Spandau, die bis an ihr seliges Ende neben 50 Tonnen Bier 2 Tonnen blanken(weißen) Wein und 2 Tonnen 12 Stübchen Rothwein bezog. Der Name des Vorortes Weinberge bei Spandau er- innert uns noch an die längst vergangene Zeit, in der auch über unserm engerm Vaterland eine Sonne strahlte, welche die Traube zur Vollreife brachte. Di« Dampferverbindung zwischen Kerlin, Spandau und den besuchten Stationen der Unterhavel hat sich im abge- laufenen Sommer außerordentlich bewährt; viele Berliner haben es vorgezogen, von hier direkt mit dem Dampfer nach den schönen Havelseen zu fahren, anstatt die Bahn nach Spandau zu benutzen und dann dort erst die Dampfer zu besteigen. Zum Schluß der Saison ist nach dem„A. f. H." noch ein neues großes Dampferunternehmen zu Stande gekommen: Es hat sich unter dem Beitrstt der Gebhardt'schen Linie eine Gesellschaft gebildet, welche beabsichtigt, demnächst noch eine größere Anzahl von Personendampfern auf Havel und Spree in Dienst zu stellen. Gin kleiner Iirthum. Der Tischler Rudolf Heuberger, Sorauerstraße wohnhaft, fuhr am Sonnabcnv Abend vom Kott- buser Thor nach dem Schönhauser Thor und begab sich von dort nach der Pappel-Allee, um von einem früheren Kollegen ein Darlehn von 17 M. einzukasfiren, welches derselbe in zwei Raten bezahlen wollte. Er traf denselben aber nicht zu Hause und trat daher den Rückweg an. In der Schönhauser Allee ange- kommen, trat plötzlich, es war;10 Uhr, ein Mann hervor, legi- timirte sich als Kriminalbeamter und forderte ihn auf, mit zur Wache zu gehen. Gleichzeitig gesellte sich auch ein bekannter Kriminalbeamter Namens» uffe aus Südost hinzu. Auf der Wache angekommen, wurden nun Rock, Weste, Hosen, sowie sämmtliche Taschen, Strümvfe, Portemonnaie und Streichhölzer- schachte! des Sistirten durchsucht. Nachdem dies geschehen und nichts gefunden, konnte sich der Sistirte wieder entfernen. Herr Hellberger wird am nächsten Sonnabend tretz der Sistirung wieder nach dem Norden wanvern; wenn es den Herren beliebt, können sie ja wieder zu einer Verhaftung schreiten. Man sieht, daß sich die Observation von Südost bis Norden ausdehnt. Welche Fülle Sveesen mag das jäbrlich kosten? Sonntag Nachmittag um. 3 Uhr wnrd« von FatKen- berg aus die Hilfe der Berliner Feuerwehr angerufen. In «wer zum städtischen Rieselgut gehörigen Scheune, in der etwa 3000 Zentner Stroh und Heu aufgestapelt sind, war F-uer aus. gekommen. Da die Ernte dicht geschichtet war und freier Luft- zug nicht zudringen konnte, war das Feuer nicht zu heller Flamme entfacht, sondern schwelte nur, hatte aber trotzdem bei der Entdeckung schon ganz bedeutende Ausdehnung gewonnen. Die Ailöschung derartiger Brände ist eine ungemein schwierige und zeitraubende und der hiesigen Feuerwehr find Fälle in der Erinnerung, wo die Arbeit acht Tage sich hinzog. Um ein**uf« stammen zu vermeiden, muß ein Durchschlagen des Daches und der Wände unterbleiben. Man ist gcnöthigt. die Ernte bündel-' weise herauszuziehen. Sowie aber die Bunde mit der frischen Luft in Berührung kommen, schlägt das belle Feuer aus ihnen empor und es gilt nun, so schnell wie möglich die Flamme zu ersticken, ehe diese sich anderen Bunden- mitthellcn kann. Erst nachdem die Adlöjchung vollständig erfolgt ist, kann man ein neues Bund vornehmen. Da die Falkenderger Guts- Spritze für den Brand nicht genügte, wurden sowohl >ie benachbarten freiwilligen Feuerwehren, wie auch die Ber- liner Mannschaften zur Hilleleistung herbeigeholt und bald waren sieben Spritzen in voller' Thätigleit. Bis 9 Uhr Abends wurde ununterbrochen gearbeitet, dann aber waren die Mannscha'ten so erschöpft, daß von Berlin neue Hilfe, der Zug 3, herbeigeholt wurde, ipäter rückte auch Zug 5 als Ablösung an und Montag Mittag holte man, da der Brand noch immer nicht gelöscht war, den 13. Zug. Dann erst konnte man des Feuers voll ständig Herr werdcn.— Von anderer Seite wird hierzu ge. meldet: Um Ij Uhr Nachmittags erhielt der dienstihuende Beamte des Postamtes in Weißensee telephonisch die Meldung „Großfcuer in Falkenderg". Nachdem dieselbe telegraphisch so- fort der Hauptfeuerwache in der Lindcnstraße übermittelt war. alarmirte der Beamte durch Fernsprecher die freiwillige Feuerwehr der Nachbardörfer Malchow, Lindenberg. Hohenschönhausen und Ahrensfelde und hierauf direkt die Wehr von Weißensee, welche in den letzten Wochen wiederholt Gelegenheit gehabt hat, ihre Thätigleit in der Umgegend zu deweisen. Die große, erst vor kurzem erbaute massive Scheune des der Stadt Berlin ge- hörigen Gutes Falkenberg war in den letzten Tagen in ihrer ganzen Ausdehnung mU dem Ertrag der diesjäh igen Ernte gefüllt worden. Während die eine Hälfte ausschließlich Hafer enthielt, welcher mit Beginn der nächsten Woche gedroschen werden sollte, war in dem anderen Theil der Ertrag an Heu unter- gebracht. Daffelbe war bis dicht unter das Dach, und zwar so fest gepackt, daß auch nicht ein einziges Bund mehr hätte Platz finden können. Dieser Tbatsache, verbunden mit dem Umstand, daß das Heu wohl noch Feuchtigkeit enthalten und so zur Ent- Wickelung von Gasen die Möglichkeit geboten hat, ist vermuth- lich die Entstehung des Feuers durch Selbstentzündung zuzu- schreiben. Nachmittags, gleich nach 1 Uhr. wurde von Arbeitern des Gutes aus der Scheune dringender Rauch wahrgenommen und infolge dessen der Verwalter Dr. Trommer sofort von der drohenden Gefahr eines größeren Brandes benachrichtigt. Als derselbe herbeigeeilt war, traf er sogleich seine Anordnungen. In richtiger Erkenntniß, daß ein Hervorbrechen aus den durch den massiven Bau gebildeten festen Grenzm das ganze Dorf in Gefahr bringen könne und deshalb vor allen Dingen min- destcns bis zum Eintreffen der Feuerwehr hingehalten werden müsse, ließ er die schnell herbeigeholte Dorfspritze zu> nächst ihre Löschthätigkeit nur auf die Umfassungsmauern unv das Dach richten, die Scheune jedoch nicht öffnen, um durch das Hinzutreten der Luft das Feuer nicht noch mehr zu entfachen. Während dessen wurde die Rettung des gesammten Viehstandes in die auf den Feldern befindlichen Koppeln bewerkstelligt. In verhällnißmäßig kurzer Zeit trafen Löschmannschaften mit Handdruckspritzen und Wafferwagen aus folgenden Orten in Nachstehender Reihenfolge ein: Ahrensfelde, Wartcnbcrg, Hohenschönhausen, Malchow. Marzahn. Weißensee, Heinersdors und Lindenberg. Um 3i Uhr jagte die Berliner Feuerwehr mit 3 Zügen die Dorfstroße entlang. Unter der energischen und umsichtigen persönlichen Leitung des Brand- direltors Stüde ging die Berliner Feuerwehr, unterstützt von den sämmtlichen Hllfsmannschasten der Dörfer, ans Werk. Die Kombinationen, von denen der Gulsvcrwalter bisher bei der Durchführung der Löscharbciten sich hatte lesten laffen, hatten sich als vollständig r chtig erwiesen. Jetzt war eine Aendemng in dem Vorgehen gegen die Gewalt des Feuers möglich und erforderlich. Den ungeheuren Dampfmassen, welche im Innern der Scheune bisher sich entwickelt hatten, der von Minute zu Minute sich steigernden ungeheuren Hitze mußte auf einmal und in ausgedehntem Maße Abzug verschafft werden. Unter dem Zusammenwirken sämmtlicher anwesenden Spritzen wurden plötzlich beide Thore der Scheune geöffnet, eine ungeheure dicke Rauchwolke hüllte auf Minuten den ganzen Gutshof in einen undurchdringlichen Schleier, wäh- rend das unheimliche Knattern des von den Wasserstrahlen ge- troffenen Daches nur zu deutlich erkennen ließ, daß diese Aenderung in der Behandlung des Brandes nicht mehr lange auf sich hätte warten lassen dürfen. Während das Haupt- augenmeik jetzt darauf gerichtet wurde, den vom Feuer bisher gänzlich verschonten, mit Hafer gefüllten Theil der Scheune, so- wie die oberen, gleichfalls noch undeschävigten Schichten des Heulagers mit ausreichenden Waffermengen vor der Entzündung zu schützen, begann man von dem hinteren Scheunenlhor mit der Räumung des Gebäudes, da sich schon jetzt, nach mehr- stündigem, erfolglosem Löschen, als unwiderleglich heraus. stellte, daß durch selbst noch so reichliche Waffermassen das Feuer nicht zu ersticken sei, weil die dichte Lagerung der Hcuvonäthe das Wasser überhaupt gar nicht an den eigentlichen Herd des Feuers, den Schcunenboven, ge- langen lasse, sondern schon vorher dasselbe durch die Hitze in Dampf verwandelt werde. Dies war die Situation am Sonn- tag Abend, als um 10 Uhr der dritte Zug aus der Oderberger- straße als Ablösung in Falkenberg eintraf, nachdem schon vorher die freiwilligen Löschmannschaften jjum größten Theil nach ihren Dörfern abgerückt waren. Die Situation war trotz ununter- drochener Nachtarbeit unter Leitung des Brandinspektors Bruns gestern(Montag) früh 7 UKr die gleiche, als neue Ablösung von dem fünften Zug gebracht wurde, der seinerseits dem clfien Zug Nachmirtags 1 Uhr das Arbeitsfeld überließ; und noch am Abend, wo dieser Bericht schließt, bot sich vasselbe Bild: die große Gutsscheune brennt in gleicher Weise weiter und wird so lange brennen, bis das letzte Bund Heu herausgeschafft ist, was im günstigsten Falle Dienstag Abend geschehen sein kann. Die««»raogilten Dienstpferde der Kerliner Garnison werden in der lommei.den Woche in öffentucher Auktion versteigert werden, und zwar veranstalten, einer Bc- kanntgabc des königl. Kommandos des Garde-Kürasstcr- Regie- ments zufolge, die einzelnen Truppentheile die Auktionen wie folgt: Am Dienstag, den 25. September. 9 Uhr früh das erste Garde- Feld Artillerie- Regiment in der Kaserne in der Krupp- straße. Am Dienstag, den 25. September Vormittags das Garde-Ulanen-Regiment. in der Kaserne in Moabit. An dem- selben Tage um 1 Uhr M.ttags das 2. Garde F. ld- Artillerie- Regiment in der Kaierne am Kupfctgraden Am Mittwoch, den 26. September, 8 Uhr früh das Garde-Kürassier-Regiment in der Kaserne in der Alexandrinenstraße. An demselben Tage um 10Zi Uhr Vormittags das 2. Garde- Dragoner-Regimcnt in der Kaserne in der Blüchcrstraße, an demselben Tage um 1 Uhr Mittags das 1. G u de- Dragoner-Regiment in der Kaserne in der Belle-Alliancestraße. Einem ambulanten Kriegvlazareth glich vorgestern früh und Abends der Stadlbahnbot A'exan Der platz. Vor einem der Ausgänge in der Gontardstraße hielten zu verschiedenen Malen Sanitäts- Detachements, jene bekannten blauen Wagen mit dem rothen Genferkreuz im weißen Felde, die unter Füh- rung eines Train- Avancirten mit Militärärzten erschienen waren, um den Trane port der bei Müncheberg auf dem„Knegssckau- platz im Frieden" gefallenen Verwundeten nach den hiesigen Lazaretben zu vermitteln, nachdem in einem zur Ver- bandfiätte eingerichteten Stadtdah? bogen die Verbände der verletzten Mannschaften unter ärztlichem Beisein seitens der Lazarethgehilfen erneuert worden waren. Diese ungewobnte Erscheinung fcffelle die zahlreichen Straßen Passanten und Be- sucher der Markthallen ungemein und dalv wuchs Kopf an Kopf die Menschenmenge, allerlei wahrscheinliche und unwab, schein- liche Vermuthungen über Todte, zerbrochene Arme und Beine ic. kundgebend. Die Leiche des auf dem Manövertcrrain durch die Brust geschossenen Offiziers defand sich jedenfalls auch bei dem Transport. O, welche Lust, Soldat zu sein! Siebenhundert Mark in Gold, die Ersparnisse einiger zwanzig Jahre, find, wre das„D. Tgrl." berichtet, einem 80 Jahre alten Manne im königlichen Alavemiegebäuve gestohlen worden. S. ist der Nachfolger des im verflossenen J>hre ver storbenen Künillerfaktotums Verdelow, d h. der Mann für alles, Modell, Bote rc. für Lehrer uud Scküler. Da nach seiner Anficht selbst die städtische Sparkasse ihm nicht genügende Sicherheit für seine E sparniffe gewährte, so schleppte er seinen „Nolbgroschen" stets im Port-monnaie mit sich herum. Letzteres bedrückte ihm am Sonntag Morgen seine Tasche, er legte das- Slbe neben sich auf einen im offenen Hausflur stehenden Stuhl. ls ein Auftrag ihn auf kurze Zeit noch der Behrer.sttaße rief, vergaß der alte Mann, seinen Schatz wieder in die Tasche zu stecken— bei seiner Rückkehr, die nach Entdeckung des Verlustes in fliegender Hast geschah war der Stubl leer, das Portemonnaie verschwunden. Jede Spur des Diebes fehlt. Der Kchwammsptnnrr, dessen Raupe zu den gefäbr- lichsten Fernden der Obstgärten gekört, bat, wie angeflellte Er- mittel ngen ergeben haben, in diesem Jakre seine Eier in un- gewöhnlich großer Zahl an Bäume», Zäunen und Mauern gelegt. Die Amisvorsteher in unseren Vororten Kaden desKalb angeordnet, daß von den Besitzern von Grundstücken eine Zer- störung der sogenannten Cchwammnestcr bis zum 1. Dezemb.r dieses Jabres in der Werse vorgenommen werden soll, daß Bäume, Zäune und Ptauern, an denen sich solche Diester be- finden, mit einer scharfen Bürste oder eimm Besen abgerieben werden müssen, da nur auf diese Weise einem großen Schaden vorgebeugt werden kann, den die geträßigm Raupen sonst im nächsten Jahre an Obstgärten und Alleen anrichten würden. Die Nichtbeachtung dieser Anordnung zieht nach§ 368 tü. 2 des Reichsstrafgesetzbuches Geldbuße bis zu 60 Mark oder im Unvermögensfalle verhältnißm ßige Hast bis zu 14 Tage« nach sich. Zum Heumarkt nach Berlin fuhr gestern der Fuhrmann und Eigenthümer Gustav B. aus Hennigsdorf. Als der Wagen die Müllerstraße pasfirte, fing plötzlich das Pferd an zu schlagen, und traf dabei den vorn auf dem Wagen sitzenden B. st) unglücklich, daß er einen lomplizirten Bruch des linken Unter- schenkels erlitt. B. mußte mittelst Droschke in ein Krankenhaus gebracht werden. Mit heftig blutender Kopfwunde wurde in der ver- gangenen Nackt auf dem Hof; des Grundstücks Jnvalidenstr. 30 der Arteiter Emil M. von Bewohnern des Hauses aulgefunden. M. kann nicht angeben, auf welche Weise er die V.rletzung erhalten hat und wie er auf den Hof des Grundstücks ge- langt ist. Mittelst Droschke wurde er in ein Krankenhaus geschafft. Gin schwerer Unglücksfall ereignete sich auf dem Reu- bau an der Arndt- und Heimstraßen Ecke. Infolge eines F-hl« tritts fiel der Arbeiter Louis M., in der Antonstraße wohnhaft, aus der Höhe der zweiten Etage zur Eide. Er blieb bewußt- los liegen und mußte mittelst Droschke in ein Krankenhaus überführt werden. Hier wurden schwere innere Verletzungen fest» gestellt. Der Unglücksfall anfder Dampffraßenbahnstrecke Schmargendorf- Wilmersdorf am 6. d. M. hat die Staats- anwaltschaft veranlaßt, die strafrechtliche Untersuchung einzu- leiten. Die erforderlichen Verhöre haben bereits stattgefunden und dem Vernehmen nach ein Erg ebniß gehabt, welches mit dem in unserer Zeitung gegebenen Berichte durchaus übereinstimmt. Der Terminansetzung wird demnächst entgegengesehen. Zur güt- lichen Auseinandersetzung mit den verletzten Personen bezüglich der Tragung der Kurkosten hat sich die Direttion der Dampf- straßenbahn freiwillig bereit erklärt. Ueber eine» heftige« Kampf zwischen Soldaten und«ine« Nachtwächter berichtet der„A. f. H." aus Spandau. Danach sah sich der Nachtwächter in der Sonnabendnacht veranlaßt, gegen einen Zivilisten einzuschreiten, welcher im Verein mit drei Soldaten des 4. Garhregiments zu Fuß vor einem dortigen Lokal einen Skandal in Szene gcs.tzt hatte. Als der Wächter den Zivilisten festnahm und nach dem Rath- hause führen wollte, wurde er unterwegs von den Soldaten angegriffen, so daß dem Arrestanten die Flucht gelang. Jetzt forderte der Wächter die Soldaten auf, ihm zur Wache zu folgen, dieselben verböhnten ihn aber und liefen davon. Als fie jedoch von dem Beamten verfolgt und eingeholt wurden. zogen fie blank und schlugen auf ihn ein. ihn im G-flcht und am Arm rerwundend. Leider gelang es den Scldaten, zu ent- kommen, doch hofft man, dieselben noch zu ermitteln. Durch eine Gesellschaft halbwüchsiger Kursche» ist am Sonntag Abend zwischen 8 und 9 Udr ein Attentat auf einen Radfahrer verübt worden, der in Gesellschaft eines Genossen den Weg vom Dorfe Lankwitz nach der Bahnstation Südendc pasfiren wollte. Die Freunde fuhren hinter einander, als fie den Weg in seiner ganzen Breite von 5 oder 6 jungen Menschen eingenommen fanden, welche trotz andauernden Klingelns nicht vom Platze wichen. Infolge dessen beschloß der erste Radfahrer, die Passage zu erzwingen, und in einem Diu hatte er die Linie durchbrochen. Hierdurch aufgeregt, fielen sie über den zweiten her, zerstörten sein Fahrzeug, schlugen und stießen mit Messern noch ihm und ließen erst von diesem Be« ginnen ab, als ein Wagen fich näherte. Von dessen Insassen und dem inzwischen auf die Hilferufe zurückgekehrten Freund« wurde der Überfallene, arg zugerichtete Radfahrer nach einem Wirthsbaus in Lankwitz geschafft, wo man ilm Verband an- legte. Die größte Verletzung besteht in einer tiefen Stichn und« über dem linken Auge, durch welche die Schkrast desselben ge- fährdet sein soll. Die Burschen hatten fich inzwischen durch die Flucht allen Weiterungen entzogen. polizei-Seeicht. Am 17. d. M. früh wurde ein Ar- bester in seiner Wohnung in der Falckensteinstraße mittelst eines Halstucks an einem Schraubstock erhängt vorgefunden.— AlS gegen Mittag der Kutscher Schulz auf dem Potsdamer Güter- dahnhof, auf einem Eisenbahnwagen stehend, mit dem Abladen von Steinen beschäftigt war, erhielt der letztere durch das An- schieben eines anderen Wagens einen so starken Stoß, daß Schulz hrradfill, zwischen die Puffer beider Wagen gericlh und dadurch so schwere Verletzungen erlitt, daß er nach dem Eiisadeth Krankenhause gebracht werden mußte.— Um dieselbe Ze>t wurde der Postier der Boifig'schen Fabrik Kleger in Moabit im kleineniThiergarien, auf einer Bank liegend, todt vorgefun- den. Die Leiche, an w.lcher äußere Verletzungen nicht wahr- nehmbar waren, wurde zur Ermittelung der Todesursache nach dem Leichenschauhause gebracht.— Kurz nach Mittag wurde in der Veteranenstraße ein Droschlenpferd scheu und rannte an der Ecke der Brunnen- und Jnvalidcnstraße gegen einen Pferdebahn wagen, daß es auf der Stelle todt zu- sommenbrach. Der Droschlenbesstzer und eine in der Droschke sitzende Frau wurden dabei auf die Straße geschleudert, scheinen jedoch keine ernsteren Virlctzungcn erlitten zu haben.— Um dieselbe Zeit fuhr in der Leipziperstraße ein Omnibus mit einem P'erdcdahnwagen zusammen. Ein Kandidat der Medizin» welcher in demselben Augenblicke den letzteren besteigen wollte. ellitt dabei eine anscheinend jedoch nur unbedeutende Verletzung am Knie.— Außerdem wurden im Laufe des Tages noch ein« Anzahl Unglücksfälle durch Ueberfahren gemeldet. Vormittags wurde in der Linienstraße ein 6 Jahre altes Mädchen durch iW Drosckke überfabren und leicht vm Knie verletzt.— Gegen Mittag fiel in der Warschaucrstraße ein Kutscher von seinem mit Mauersteinen bcladenen Wagen, gesteth unter die Räder dei- selben und erlitt einen Bruch des linken Oberarms.— Mittags wurde in der Beinauerstrcße ein Mann überfahren und so schwer verletzt, daß er nach dem Lazarus-Kranken- bause gebracht werden mußte.— Nachmittags gerieth auf dem Grünen Weg ein drei Jahre atter Knabe unter einen Geschästswagen und wurde so schwer verletzt, daß seine Ueber- sührung nach dem Krankcnhause im Friedrichshain nothwendig wurde.— Abends wurde an der Ecke der Kronen- und Fstedrichsstraße eine Knabe von einer Droschke und in der Großen Hamdurgersiraße ein Knabe durch einen mit Stroh de- ladenen, von dem Kutscher Ruschke aefühsten Wagen überfahren und b» sonders der letztere Knabe so schwer am Bein verletzt, daß er nach dem St. Hedwigs Krankenhause gebracht werden mußte.— Gegen Abend wurde in der Scharnhcrfistraße ein Arbeiter krank auf dem Bürgerstcig liegend vorgefunden und mittelst Droschke nach der Charitee gebracht.— An demselben Tage fanden mehrere unbedeutende Feuer statt. Es brannte Große Hamduraerstraße 22 und ebenso Große Frankfurter- straße 71 übergekochter Theer,— Rcickenbergelstraße 94 über- gekochtes Fett in einer Küche— und Rückerstraße 6 der Inhalt einer Tischlerei._ Gerichts-Ieiwus. Wegen Nergrhen» gegen da« Sozialistengesetz hatte fich vor der estten St-afkammcr des Landgerichts II tVorstsender Landgestchtsdirettor Meißner) gestern der Zimmermann August Krüger aus Heiners dorf zu vcrantwosten. Die Anklage legte iha» zur Last, daß er am 6. Februar d. I. Schriften sozialvemokra- t, scher Tendenz in der Buchhol, straße zu Weißensee und an anderen Osten daselbst vestbeilt habe. Krüger gab vor dies zu und fübste des Weiteren aus, daß er an jenem Tag» von zwei unbekannten Personen für zwei Mast Tagm lohn, welches ihm übrigens sofost ausbezahlt wurIX, zum Vcrtkeilen jener Schrift engagist worden sei. Den erbaltenst' Auftrag bade er ausgefühst und demnächst eine Anzahl der W* eingehändigten Druckschststen in verschiedene Frühstucksdeutck a. 2 c im igen tonn igen igen» un« ntn» Haus Oft» lt. 30 aden. tzung 5 gelhaus Reu« Ä mußt« ahmls nfest» recke taats- einzu- anvea itdem imwt. r gut« wglich ampi« »ate» ' aus ibend« bei im ife oot balle- Ralh« iltatcN J-tzt "Ä utöen» hl un» u ent« rr*f» .tlentat eines iflation lantei» junge« leint»«« rr. den fie n und m Be- insajie« jieunde eine* r.b o«' aannde den ge* ach die ein Sie« ist eines - AlS Güter» Ublotcn >as An« >tr t0| lh und tb dem Diejelte Moadil jrgefun» t wahr« che naffl zurde in nnte an n einen ti zu- in der bleuten» aden.-% ibus mit DIeti&in» i njoüle, ei letzung loch ei«* amilla� »n tut« - Gegen nern m» der des« e ms. ze'.fabren Rtanfen» ;elh-wl et einen e Hebet« ihwendeg en» und i in der -Iroh de« betfahiett verietzl- t werden tia|e e»n iden und zemselde« brannte Ä'S er JnhaV f hatte ißcntee August nie ihl« ?mokra« und Ml Grubt i Tag* T-S*' wurv«, «Z äbeniek t** den Thurm hingen, hineinbugfirt, oder durch geöffnete �, die Wobnungm geworfen, bis er verhaftet wurde. B?.?nhnll der Diuckschrift habe er nickt gekannt, eben« aber auch gewußt, daß dieselbe verboten sei. r™« aber auch gewußt, daß Dtetewe verooien iei. Staatsanwalt beantragte Ausschluß der Oeffentlichkeit, so- T die bei Krüger beschlagnahmte Druckschrift verlesen werde, % der Gerichtshof gab diesem Antrage statt Nachdem des SÜk1 nnter Verlesung der im„Reichsanzeiger" vom 27. Sep- ,y?°et®. I. enthaltenen amtlichen Belanntmachung das Verbot Zer Druckschrift nachgewiesen worden war, beantragte der �«tsonwalt unter Hinweis auf die Vorstrafen des Angeklagten ..�a« Gesängniß. Das Urtheil des Gerichtshofes lautete d? 20 M. Geldstrafe event. 4 Tage Gefängniß. einem Droschkenkutscher olle« passtrt. Es � m der Stacht vom 29. zum 80. Juli d. I. Die Luft war � lau und die Sterne funkelten am Himmelszelt, eine wie geschaffen zum Genießen. Dies mochte wohl auch ? Schlächtermeister K. denken, als er die Droschke des Kutschers. i�nann bestieg und in Begleitung einer„Schönen" eine M"che Spazierfahrt nach dem Thiergarten unternahm. Das Mest> wurde auf 6 M. vereinbart; der Kutscher erhielt so- % ein Zehnmarkstück, welches derselbe wechselte und darauf Jnner Ledertasche verschwinden ließ. Nachdem die„Dame" gR. wieder verlassen hatte, beorderte dieser schließlich nach .«N Querfahtten das Gefährt nach dem Friedrichshain zu J!' Da sich aber der Mensch bekanntlich nur halb allein toi'i,"i>bm Herr K am Alexanderplatz in aller Eile noch > �olbe Wesen in seiner Droschke auf und fort gings nach �«ttedrichshain. Bei Lips lag aber bereits alles in süßem Minmer, sodaß die drei Nachtschwärmer nichts besseres zu � wußten, als die Fahrt durch den Friedrichshain nach der fc>!i/ract Allee fortzusetzen. Am Steuerhause wurde Halt o und Meister K mit seinen„Damen" schlug stch seitwärts i�.llornfelder, jedenfalls um zu— lustwandeln. Nach längerer alle drei streitend zurück und die Damen verlangten i™» das Aufsuchen der nächsten Polizeiwache am Lands- W Thor. Während also die drei fich immerfort streitend fingen, fuhr unser Biedermann ruhig nebenher und wurde, > wT angekommen, von den beiden Damen bedeutet, auf fie üillÜ»• Biedermann benutzte die Wattezett, um in einem �neten Schanklokale einen Morgenimbiß zu nehmen, bei Gelegenheit er das vorher erhaltene Zehnmmkstück zum Ä'kln präsentirte. Hier erwies sich aber das„Goldstück" als . fällig werthlcs. Biedermann hatte nun nichts Uj iu thun, als ebenfalls nach der Polizeiwache zu laufen, >« als vierter im Bunde eintraf und wenigstens die dem �ausgegebenen 4 Mark zurückerhielt. Die Ursache des feil n" StieilciS war dieselbe, auch fie waren mit einem �"Zehnmarkstück belohnt worden. So nahm die lustige L J5I recht nüchternes und keineswegs romantisches Ende, �wahrend fie dem Kutscher und den beiden weiblichen Thett- k>% nichts einbrachte, brachte fie dem Schlächtermeister K. Aionate Gefängniß ein. Ä alte Kuchenhändlenin.„Ick weeß nich, bei die U Mle immer jerade uf mir rumtreten müssen, jeden Dag, werben läßt, werde ick anjczeigt, aber nu is mir ooch !v,LA' wenn ick denn absolut nich arbeiten soll, denn kann »n mir ernähren, oder fie können mir in't Sptttel schiefen. i gebrechliche Person, die fich von der Anklagebank aus ki®. vtemtote erging, war die Kuchenhändlerm M., welche Hl, last allwöchentlich vor Gericht zu erscheinen hat. Jetzt sich einer Beamtenbeleidigung schuldig gemacht haben. ' Sie scheinen ja auch unverbesserlich zu sein, was haben Sie k?un wieder mit den Schutzleuten vorgehabt? Haben Sie Kß-sble Strafe schon verbüßt?— Angekl.: Nee, ick bin Wir. iewoiden. Ick werde mir ooch jetzt wieder si).."llestiren lassen, wenn ick verknoxt werde, denn so jeht et habe schon den janzen Leib voll Jift, un wenn die Barnimstraße schicken, werde ick blos �"Niger.- Vors.: Jg. Sie sollen nun einen Theil ihres Uder die Schutzleute ausgespritzt haben, und deshalb de» L n Nch wieder auf der Anklagebank. Sie sollen außer« lli. Ä�arten einen großen Zluflauf verursacht haben.— S* c Det jiebt ja immer Leite, die fich über andere ihr Neuen un immer stehn bleiben, wenn mal wat los is, >d-n � ist schon immer so jewesen, wer den •"hat, braucht for't Loed nich zu sorgen.— Das verstehe ich nicht Aber wtt wollen die «in"'.al besprechen. Sie pflegen trotz aller Bestrafungen Änn?,» er im Lustgarten eine feste Handelsstelle einzunehmen. 1 feinlv' Jeder Mensch will leben un alle Dage Luftklöße l fyjpn tU{e'en, det kann der zehnte nich verdragen. Aber W? teste Handlung, det reden mir meine Frcinde, die i 1*:%' wan so usf'n Hals, indem fie doch wat in ihr Notiz« t,)*n müssen un da is'ne olle Frau, die nicks von der -l-egt un fich ehrlich durch die Witt schlagen muß. denn bril„ lenug zu.— Vors.: Am 19. Mai haben Sie gar d." großen Körbe mitten auf der Promenade stehen "d find davon gegangen. Ein Schutzmann hat k>>1%%,"ach der Wache getragen. Gleich darauf find » nlH-lekehrt und sollen nun einen fürchterlichen rK1 i hoben.— Angekl.: Wenn eener um seine janzen pt» �mittel bestohlen wird, denn wird man woll en Ton P: ov/em— Vott-: Sie sollen aber fortwährend gerufen z» �«Ae Schutzleute find Diebe und Spitzbuben!" und dies \%"och wiederholt, als durch Ihr Toben ein Beamt.r »ii, Sie zur Ruhe verwies.— Angekl.: Der Mann ...»oll falsch ufgefaßt hoben; det soll bei die Schutz- -?mmen. Als ick von en Ileencn Jeschäftsjang reluhr ?' ün'BÜv"''f'0"an en neenen o<>w>|u»umh Körbe nich, un eenc Frau sagt mir, det KiJ?" wit fie abjezogen is, da denke ick doch, det mir ?. d.e antreten soll, denn ick konnte doch nich anders % t,.,?. fie stehlen wollte.— Vors.: Ach Unsinn, Ihre n, ybnen im Auftrage des Schutzmannes gesagt, daß % Diftr*"0" der Wache holen könnten und das wollen \ Aitl, v h' gehalten haben? Lossen S"J'{n1*° �at eben.— Angekl.: Meinetwejen Sie doch solche machen Sie mit � Sie �.Anam.: �celnerweikn maepen..... .'len die �?e"' �e Stadt muß mir ja doch ernähren, un ,, Ick M„ �e iehe ick weiter, det ick wieder amnifestett anfllJl" hfch., all so voll Gift, det uf'n bisken J» die S»?,' Aeusterig bin ick blos, wer't am längsten % Alz Mittle mit det Uffschreiben, oder ick mit det CT muß. L]' Almf Jtuucnvriy yunv- % k"i mtt mehreren Personen nach der sogenannte (r%kfi";, um daselbst dem Angelsport abzuliegen. Er nbi N>" mit anderen(Rerfnnen in Slteit aerathen zu sein, im Kchlrstsche« Kusch, welchem .,.. t-»».. m f\fr. A />., am ,,, der 21 Jahre alte Dachdecker Albert Kuckenberg .Atollen, sollte gestern das Schwurgericht hiestge" Kuckenberg hatte fich in der Stacht brach bnrt? ilch noch bis zur.......... Minuten is,tt zusammen und verschied nach von T Seine Leiche wurde am nächsten h-»„�welcher wo«*" kehrern aufgefunden. Als der JTJZ IS £ bwaSÄsÄÄ iu/'fe.fleat'i;',:?«If Wa'�hril bmihi/ tonnt, gcstem k,°erta„. iie war, v Zeugenmaterial nicht voll« 0eä Angeklagten keine so erdrückende ist, denn derselbe wurde vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Er hatte gestern gerade 100 Tage in der Untersuchungshaft zugebracht._ Soziales und Arbeiterbewegung. Uebertritt zu de« freie« Hilfskassen. Jeder Arbeiter kann den zentralifirten Hittskaffen beitreten, wenn er unter 45 Jahre alt und bei seiner Aufnahme gesund ist, sobald er seine Zlrbeits stelle wechselt. Der Unternehmer, den er verläßt, meldet ihn bei der Ortskaffe ab. Der Arbeiter kann nun hingehen und fich das Buch der zentralifirten freien Hilfs» lasse erwerben. Wenn er dann bei einem anderen Unternehmer wieder Arbeit erhält, braucht er nur das Buch vorzuzeigen und er wird dann nicht zur Ottskrankenkasse angemeldet. Wer in fester Arbeit steht und darin bleiben, aber doch aus der Ottskaffe aus und zur zentralisttten freien Hilfskasse über« treten will, der kann dies nur am 1. Januar eines jeden Jahres thun. Er muß aber drei Monate vorher seine Abficht dem Vorsteher der Ortskaffe anzeigen. Dies geschieht am besten durch eingeschriebenen Bttef, der an den Vorsteher, aber mit Angabe von dessen Si a m e n gerichtet ist, nicht etwa blos an den Vorstand der Ottskasse, denn solche eingcschnebene Briefe ohne Siamen händigt die Post nicht aus. Man schreibt also: An den Vorstand der Ottskranlenkasse der...... Herrn...... Ich will vom 1. Januar k. I. ab nicht mehr zur Otts» krankenkasse gehören, sondern in eine zentralifirte freie Hilfskasse eintreten. ....(Ott) den.?. ten.... 1888. Namensunterschrift........ Arbeitet bei Herrn........ Stummer des Kassenbuches... Diesen Bttef muß man spätestens am Sonnabend, den 28. September d. I. zur Post geben. Wer will, kann diese Kündigung auch mündlich bis Mon« tag, den 30. September d. I., anbringen. Er erhält aber in der Regel einen Anschnauzer mtt als Zugabe. Ist die Kündigung rechtzeitig geschehen, so muß der Ein« tritt in die freie Hilfskasse in der letzten Dezemberwoche spätestens geschehen, damit das ausgefüllte Buch der freien Hilfs« kaffe beim Anttttt der Arbeit im Jahre 1889 in den Händen des Arbttters ist; sonst gilt die Kündigung nicht, und er muß noch ein Jahr der Ottskrankenkasse angehören. Wer nicht in Arbeit ist, braucht, wie schon gesagt, nicht zu kündigen. Also auf, Ihr Arbeiter, haltet Eure eigenen Kassen, d i e zentralisirtcn freien Hilfskassen hoch! Ihr zeigt dadurch, daß Ihr für Eure Selbstständigkeit, für Euer Recht, für Wahrheit und Menschenwürde der Arbeiter einzustehen bereit seid:_ gevtittt nub gtrfammluuttn. (/•ine Derfammlnng vo» Kackergefelle«, Mitgliedern d.-r Zentraltrankentasse und zwar der örtlichen Verwaltungsstelle Berlin, war zum Dienstag Stach mittag nach dem Königstädtischen Kaflno einberufen und zwar von den Mitgliedern St u o p p e r und M o st. Der überwachende Beamte verlangte, daß die Ver« sammlung von dem Vorstande der Krankenkasse geleitet werde. Diesem Verlangen mußte gewillfahrt werden, obwohl hiergegen geltend gemacht wurde, daß Angriffe, die erhoben werden sollten, fich gerade gegen den Vo. stand und seine Mitglieder richten würden. Demgemäß führte Herr Hoppe den Vorfitz. Der Einberufer der Versammlung rcfettrte kurz, daß die Be« Handlung eines Kafienmitgliedes Rose den Anlaß zur heutigen Versammlung gegeben. Rose erkrankte an einer heftigen und lebensgefährlichen Lungenblutung. Dr. Christeller kielt Den Mann für nicht transportabel, trotzdem erklärte Herr Hoppe, er kehre fich an dieses Gutachten nicht, sondern werde den Transpott des Kranken in eineHttlanstalt anordnen. Außerdem habcHoppefich von dem Dr.Chr. Geschenkeerbeten. DieAngelegenbett soll in der heutigen Versammlung klargestellt werden.— Die Verhandlung hierüber gestaltete fich sehr lebhaft. Dr. Christeller brachte seine Beschwerden über den Vorfitzenden vor, der ihm wiederholt das Ansinnen gestellt habe, von den Zahlungen, die aus der Kasse an ihn als Arzt gemacht wurden,„Prozente" zu geben. Seit jener Zeit sei die Zahl der Patienten, die ihm, dem Dr. Chttsleller zugewiesen wurde, immer geringer geworden. Es rühre daher, roß der Kassinvorfitzende unzuläsfige Mittel anwende, um die Mitglieder der Kasse von dem Kaff» narzte Dr. Christeller zurückzuhalten. In dem Falle Rose habe Herr Hoppe der ärztlichen Anordnung zuwider den Transport nach dem Krankenhause angeordnet, obwohl dieser Transpott mit Lebens« gefahr für den Kranken verbunden war. Ueber solches Ver» halten mögen die Kaffenmitglieder selbst ihr Urtheil bilden.— Herr Hoppe erwidert, daß Herr Dr. Christeller wegen seines Verhaltens gegen seine Kollegen in der Krankenkasse stch noch vor dem Ehrengerichte der Aerzte werde vettheidigen können, Dr. Christeller habe das Interesse der Kasse nickt gewahrt, indem er die Krankheiten in die Länge zu ziehen suchte, um dadurch seine Einnahmen zu vermehren. Die Forderung von„Prozenten" sei nur zu Gunsten der Kasse erfolgt.— Herr Jordan warnt davor, solche Dinge in der Oeffentlichkeit breit zu treten. Jedes Mitgli d müsse doch aus dem Statut wissen, was es zu thun habe, in ähnlichen F. Den, wie dem Falle Rose; es kann stch nach dem Statut jeder kuriren lassen, wo er will, sein Krankengeld muß ihm werden. Damit sei eigentlich die ganze Sache erledigt. Das Anbieten und Fordern von„Prozenten" sei eine Unsitte, ebenso wie der Handel mit Bruchbändern und ähnliche Dinge, denen entgegen getreten werden müsse; ober es wäre besser, wenn man solche schmutzige Wäsche nicht öffentlich waiche. Einen für die Kasse bindenden Beschluß könne man heute ohnehin nickt fassen, denn die Versammlung sei keine statutattsche.— Herr Schnaak tadell auch das Verhalten Hoppes. Die Herren Kühne und Skuopper loben Dr. Chr. als einen Arzt, der fich in weiten Kreisen der Kossen« Mitglieder unbedingtes Vertrauen erworben habe.(Lebhafter Beifall.) Herr Hoppe bemerkt noch, daß er, wenn es ihm darauf angekommen wäre, sehr bequem Gdegenhett gehabt hätte zu recht bedeutenden Einnahmen, von denen niemand etwas er- fahren hätte. Dr. Chr. war theurer als die anderen Aerzte und bezog von dem von der Kasse ausgegebenen Honorar den größten Theil; er habe kein Recht fich zu beklagen. Er bestreite die Behauptungen des Dr. Chr. und hoffe, daß sein„Stein" soviel gelte, wie Dr. Chr.'s„Ja". Er beanspruche nichts weiter, als die Anerkennung, daß er die tief darniederliegende Kasse auf gute Wege gebracht habe; mögen die Kollegen fich hüten, einen ubereilten Beschluß zu fassen.— In ähnlichem Sinne sprachen sich die Herren Kraft und F a u st m a n n aus. Von den Herren Bunge und Kühne wurde ein Antrag eingebracht, den Dr. Chr. als Vertrauensarzt der Kasse beizubehalten, wo- gegen Herr Jordan beantragte, die Sache bis zur nächsten Generalversammlung zu vertagen. Hnr H o p p e bemerkt noch, daß es jedem Kaffenmrtgliede freistehe, zu Dr. Chr. zu gehen und fich von demselben auf Kosten der Kasse behandeln zu lassen, besondere Vertrauensärzte kenne die Kasse nicht. Uebttgens interesfire ihn die ganze Versammlung nicht; die könne ihn wohl blamiren, aber weiter habe fie keine Bedeu« tung, denn fie sei nickt statutengemäß.— Nachdem noch Dr. Chr. steh gegen die vom Vorfitzenden Hoppe gegen ihn erhobenen Beschuldigungen verwahrt hatte, schloß Herr Hoppe die zeitweise sehr stürmische Versammlung, ohnj einen der eingegangenen Anträge zur Abstimmung zu bttnaen. «ine große SffenMch» Sifchler-Verfammlnng fand am Dienstag im Konzerthause„Sanssouci", Kottduserstr 4a, mit der Tagesordnung:„Der Alters- und Jnvalidengesetzentwurf und unsere Stellung zu demselben" unter Vorfitz des Herr« Glocke statt. Der Referent, HenBaake, legte im Eingang seiner Rede in kurzen Motten den Unterschied zwischen einer wirkliche» und der offiziösen Scheinsozialreform klar, die nichts als eine veränderte Armenpflege darstellt, andererseits aber in der Ver» nichtung jeder selbstständigen Regung der Arbeiterschaft, in Beschränkung und Beschneidung des Koalitionsrechts, in der Drang» salirung der freien Hilfskassen und Fachvereine besteht. Auch bei dem Alters- und Jnvalidmgesctz sei der Gedanke, die Last der Armenpflege auf die Schultern der Arbeiter abzuwälzen» der leitende gewesen. Ein großer Uebelstand sei der, daß gerade die Aermsten des Volles, Tagelöhner, Dienstleute, die nicht in fester Arbeit stehen, unberückfichtigt geblieben seien. Und mm frage es sich, ob das Gesetz denn denen, welche die„Eeanun- gen" desselben genießen sollen, überhaupt einen Schutz gewähre. Das sei unbedingt zu verneinen. Die Altersrente sei nur als dekoratives Beiwert zu betrachten» denn nur wenige würden in den Genuß derselben treten, da die Arbeiter, durch das jetzt herrschende Produktionssystem auf- gettteben, nur ein Durchschnittsalter von 46 Jahren erreichten. Ebenso illusorisch sei die Invalidenrente, da fie nur derjenige beziehen könne, der nicht mehr im Stande sei, den Mindest- betrag der Rente, d. h. 33'/, Pf. pro Tag zu verdienen; auf Arbeiisgelrgenhett komme es gar nicht an. Hierauf ktttifitte der Redner die Höhe der Rente; er sei fich nicht klar, wie ein Arbeiter selbst mit dem Höchstbetrage der Rente, mtt 68 Pf. per Tag, auskommen sollte; die Gefängnisse, die ja in dem Stufe stünden, eine„recht gute" Kost zu führen, hätten 80 Pf. pro Tag und Kopf an Verpflegungskosten ausgeworfen. Jedenfalls stünde die Höhe der Beiträge in gar kttnem Verhäitniß zu der der Rente. Die Buchdrucker» die 20 Pfennige pro Woche Beitrag zu leisten hätten, erhielten 360 M. pro Jahr, und der Arbeiter, der 31 Pfennige zahlen müsse— die von Staat und Arbeitgeber zu leistenden zwei Drittel müsse er ja doch indirekt zahlen— bekäme 120 M. Durch das Gesetz würde nur eine ungeheure Sparkasse gegründet, in die der Arbeiter zwangsweise sein Sckerflein tragen müsse. Stach ungefährer Schätzung würden im Jahre 80 Millionen Mark in den Reservefonds fließen; im Laufe von Jahren wäre derselbe, einschl. der Zinseszinsm, auf das niedliche Sümmchen von drittehalb Milliarden Mark angewachh n. Auch in der Art und Weise der Verwaltung sei großer U< b> l» stand, da die Betheiligung der Arbeiter an derselben gleich St ll» das Reichsverficherungsamt kalt gestellt und die freien Hilfe» lassen ausgeschlossen seien, und da der Verwaltungsapparat ein theurer und durch und durch bureaukratischer sei. Ihm(Redner) komme der Entwurf eher wie eine Versorgung der Militär- anwärter, als eine Versorgung der Arbeiter vor. Stachdem der Redner nach die Ouittungsbücher kritistrt hatte, und weiter, daß die Arbeiterinnen nur% der Rente erhalten sollten, faßte et die schwerwiegenden Bedenken gegen den Entwurf noch einmal zu» sammen und schließt mit dem Appell an die Anwesenden, treu zusammen zu halten, in die Fach- und Arbeitervereine einzutreten» damit die Arbeiter eine Macht bilden und Schmiede ihres eigenen Geschickes würden. Stachdem hierauf drei verschievene Resolutionen verlesen worden, sprachen die Herten Apelt, Zubeik„ Buhr, Wiedemann, Kört ei und Spatfeld. Herr Wiedemeurn zog seine Resolution zurück, während Herr Sparfeld die seine, die kurz gehalten war, befürwortete; hierauf wurde nach nochmaliger Verlesung über die beiden noch vorliegenden Resolutionen abgestimmt, wobei die Resolution des Herrn Spatfeld mit großer Majorität abgelehnt und die des Herrn Buhr angenommen wurde. Dieselbe lautete:„Die heute in Sanssouci tagende öffent» liehe Versammlung der Tischler Berlins erklärt fich hier» mit aus das Allererstschiedenste gegen das geplante Gesetz der Alters« und Invaliden-Versorgung. Sie erblickt in dem Entwürfe auch nicht im Geringsten ein Mittel, etwas zur Aufbesserung der Lage der arbeitenden Klassen beizutragen; sie erblickt ferner in der Einführung des geplanten Quittungs- buches nichts weiter, als eine indirekte Einführung des obliga- torrschen Arbeitsbuches; ferner ist die Versammlung der Ansicht, daß die Ursache des sozialen Elends in der heutigen schrankenlosen Produktion zu suchen und zu finden ist und nur durch eine weise Arbeiterschutzgeseygebung, wie fie zur Zeit von den Arbeitervettretern im Deutschen Reichstage vorgeschlagen wurde» gelindert werden kann. Aus diesen Gründen protestitt die Ver- sammlung aufs allerentschiedenste gegen den gesammten Gesetzentwurf."— Hierauf wurde ein von den Herren Gramm und Härtung eingebrachter Antrag, den Ertrag der Tellettammlung der Wittwe des Tisckleis Kasper, Reickenbergerstr. 138, zu überweisen, mit großer Majotttät an- genommen. Kasper, der früher bei der Ostbahn in Königsberg arbeitete, war dort infolge eines Streiks gemaßregell worden und konnte wegen seines Zeugnisses(„Führung----*) nirgends Arbeit finden. Vor einigen Tagen ist er plötzlich während der Arbeit am Heizschlag verstorben; die Roth ist groß. Stach einem kurzen Schlußwort des Referenten und der Mahnung des Vorfitzenden Herrn Glocke, fich den Fach vereinen anzuschließen, wurde die Versammlung geschloffen. Gl«e öffentlich» Nerfammlong der Dachdecker Berlins und Umgegend fand am Sonntag, den 16. d. M.» Vormittags bei Keller, Andreasstraße, statt. Nachdem Herr Handle zum ersten. Herr Rackwitz zum zweiten Vorfitzenden und Herr Witte zum Schriftführer gewählt worden, referirte, infolge des Ausbleibens des ursprünglich In Ausstcht genommenen Referenten Herrn Auerbach, Herr C. Matz über das Thema:„Die Alters- und Jnvalidenversorgung." Derselbe besprach zunächst das best hende Krankenkassengesetz, betonte die mannigfachen Mängel desselben und ging sodann, nachdem er die nützliche Tendenz des Unfallverficherunasgesetzes anerkannt, zur Frage der Alters- und Jnvalidenveificherung über. Referent kam m dieser Beziehung zu dem Schlüsse, daß ein Gesetz, welches dem Arbeiter erst nach Vollendung seines 70. Lebensjahres eine Rente von 33', P-. pro Tag gewähre, übel angebracht sei» denn damit könne doch Siiemand auskommen, ganz abgesehen davon, daß wohl nur wenige Arbeiter ein solches Alter erreichen werden. In der Diskussion führte Herr Siackwitz aus, daß der Angelpunkt des Gesetzes eine Angelegenheit der Verwaltung sei» welche hier vielen Beamten ein Unterkommen gewähren könne. Redner wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß die Ver- waltung der Unfallverficherung größere Summen verschlinge, als der Betrag der Rente ausmache und betonte, daß es die Buchdrucker auf dem Wege der Selbsthilfe dabin gebracht, daß fie ihren Invaliden bereits vom 40. Lebensjahre ob 1 Mark pro Tag gewähren könnten. Der eigentliche Zweck des Gesetzes sei die Einiührung der Arbeitsbücher, welche den Meistern ein Erkennungszeichen böten und ihnen ein Mittel an die Hand gäben, mißliebige Arbeiter auf den Aussterbeetat zu setzen, indem fie ihnen überhaupt keine Arbeit mehr gewährten. Darauf wuede folgende Resolution ein« stimmig angenommen:„Die heute in Keller's Salon tagende öffentliche Versammlung der Dachdecker Berlins und Umgegend erklärt fich mtt den Ausführungen des Referenten einverstanden und verzichtet überhaupt auf eine solche Alters« und Invaliden» Versorgung, die erst nach dem 70. Lebensjahre stattfindet, und erklärt fich gegen jedes dirette oder indirekte Arbeitsbuch." Im Verlauf der Verhandlung über„Verschiedenes" beschloß die Versammlung des weiteren, daß das Büreau binnen kurzem eine Versammlung behufs Berathung der Frage der Hänge- gerüste einberufen solle. Der Derri« zur Wahr««g der Intereffe« der Kchust. macher««d uerwandten Kerufogenoffen tagte am Mon- tag, den 17. d. M., in Fcy's Salon, Brunnenstraße 140. Auf der Tagesordnung stand: Vortrag des Kollegen M. Baginski über„Kapital und Arbeit". Referent führte zunächst folgendes aus: Der Urzustand der Gesellschaft war kommunistisch, erst die Erfindungen verschiedener Art, Verbesserungen der Produkttons- Kistrumente und die damit vor fich gehende Entwicklung deS Prtvatbesttzes brockten es mit stck. daß das Kapital in einzelne Hände zusammenfloß. Im ersten Stadium dieser Entwicklung sehen wir die Sllavcrei. Als dann dieselbe der Form nach ad- geschafft wurde, entwickelte stch das Handwerk und der mittel- vlterliche Feudalismus. Damals unter dem Faustrecht traten zum Schutz ihrer Erzcugmffe die einzelnen Handwerke zusammen und bildeten Zünfte. Die Produktion erfolgte damals nur auf Bestellung, nicht wie heute, wo planlos darauf los produzirt wird. Diese Situation änderte sich mit dem Eingriff der Dampf- kraft in die Produktion. Das Prioatlapital entwickelte fich zu nie geahnter Größe, und mit ihm das Bürgertbum, welches sich durch die große französtsche Revolution Geltung ver- schaffte. Allein das Bürgerthum erkannte bald, daß es nicht allein im Kampf gegen Junker und Pfaffenthum gestanden, sondern daß der vierte Stand, das Proletariat, schon dahinter stand. Als dieses nun seine Rechte gellend machte, wurden allerhand Maßregeln ergriffen, um es zum Schweigen zu dringen. Die kapitalistische Produktion entfaltete fich bis zu ihrer heutigen Form, der Mittelstand, das Kleinhandwerk wird immer mehr vom Großkapital aufgesogen, nichts kann es davor bewahren. Die Kleinhandwerker haben daher mit den Arbeitern gemein- same Sache zu machen, da dieselben gemeinsame Interessen haben. Eine vollständige Besserung ist nm durch den Ueder- gang der Produktionsmittel in den Befiy der Gesammtheit derdeizuführen, und diesem Ziele müssen wir ununterbrochen zu- st uern. Kollege H. Krause schloß fich diesen Ausführungen im allgemeinen an und legte das Verschwinden der Kleingewerbe- treidenden und die Ansammlung des Kapitals und der Pro- duktionsmittel in immer weniger Händen klar. Rich. Baginski schilderte noch, wie viel die Arbeiter von dem gesammten Rationalemkommen gegenüber den Unternehmern abbekommen. In gleichem Sinne sprach Klinger. Alle Redner schloffen wie der Referent, daß nur durch genoffenschaftliche Produttion der heutige Zustand befestigt werden könne. Bekanntgegeben wurde nock. daß die nächste Versammlung in 14 Tagen, also am 1. Oktober, stattfinde. Ebenso wurde bekanntgegeben, daß zum 24. d. M. eine öffentliche Versammlung im Louisenstädtischen Konzerthaus stattfinden soll. Der Derein Kerlinrr Hausdiener beschäftigte fich in seiner am 10. d. M. stattgehabten außerordentlichen General- Versammlung mit der für den Verein gegründeten Invaliden- und Wtersversorgungskaffe. Kollege Ziegler, als Vorfitzender dieser Kaffe, führte aus, daß der Verein seinerzeit die Gründung einstimmig beschloffen: nach den von Seiten der Behörde ge- forderten Aenverungen des Statuts sei die Betbeiligung zum Bestritt jedoch nicht geschloffen erfolgt. Der Vorstand in Ver- dindung mit dem Vereinsvorstand sei nun der Anficht, daß ein größerer Zuwachs an Mitgliedern für die Kaffe zu wünschen sei. Redner wies auf das gute und wichtige Prinzip dieser Kaffe hin, der nur Gedeihen zu wünschen sei. Um dieses zu erreichen, würde es vortheilhafter sein, dieselbe vom Verein zu trennen, damll jedem Hausdiener, wenn auch nicht Vereins- Mitglied, der Beitritt ermöglicht ist.— Nack näheren AuSfuhrurmen gab die Versammlung hierzu ihre Zustimmung und der Vorstand wird binnen kurzem mit der Kasse in die Ocffenllichkeit treten und hofft, da dieselbe nicht nur für das Aster, sondern hauptsächlich auch für die Invalidität eintritt, auf eine rege Betheiligung der Kollegen. Hierauf wurden die Brllets zum S. Stiftungsfest des Vereins, welches am Sonntag, den 23, in Keller's Festsälen, Andreasstraße, stattfindet, veraus- gabt. Die Kollegen, welche noch nicht im Befiv derselben find, werden gebeten, solche gegen Vorzeigung des Quittungsbuches beim Komiteemitglied Grützncr, Unter den Linden 24, und Alte Leipz'gerstr. 1 im Kaffenlokal bis zum 20. ds. abzuholen; daselbst sind auch, soweit es der Raum gestattet, für Gäste Billets -» 75 Pf. zu haben. Derbaud deutscher Mechaniker und verwandter Be« rufsgcnoffen.(Zahlstelle Berlin.) Versammlung am Mittwoch, d. 19. Septbr., Abends 8* Uhr, bei Lammer's, Kommandanten- straße 71—72. Tages-Oidnung: 1. Medizinischer Vortrag des Herrn Dr. Bernstein. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Frage tasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Freie Vereinigung aller in der chirurgischen Kranche beschäftigten Kernfsgenosse«. Mittwoch, den 19. d. M., Abends 8& Uhr, Versammlung in den Arminhallen, Kommandantcnstr. 21. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn M. Kanitz über„die Grundzüge der Raturheillunde". 2. Ausgabe der fertigen Lohnstatistik. 3. Verschiedenes. Versammlung de» Verbandes deutscher Jimmer- ieate, Lokalverdand Berlin Rord und Umgegend, am Mitt- ivock, den 19. d. M., Abends 8& Uhr, bei Zimmermann, Kös- Ui-erstroße 17. Tagesordnung: 1. Vortrag über das Unfallver- ficherungsgesctz und Unfallverhütungsmatzregeln. 2. Verschie- d-nes. 3. Fragekastcn. Fachverein der Kteindrucker und Lithographen. Versammlung am Donnerstag, Abends 8< Uhr, in Gralweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77.79. Tagesordnung: 1. Die Arbeiterfrage für die Gegenwart und Zukunft von Professor Fr. Albert Lange. 2. Diskussion. 3. Ausgabe der BilletS zu dem am 22. d. M. in Mund's Salon stattfindenden Herren- abend. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Um recht zahlreeches E.sch.iren wird ersucht. Versammlung de» Verbandes deutscher Zimmer- »ente, Lokalverdand Berlin Süd, am Donnerstag, den 20. September, Abends 8 Uhr, Mariannenstraße 31. Tagesordnung: 1. Einsicht in die Abrechnung. 2. Das tzerbstvergnügen. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Reue Mitglieder werden auf- genommen. Gäste haben Zutritt. Fachverei« der Kteindrucker und Lithographen. 3. Stiftungsfest. Humoristischer Herrenabend Sonnabend, den 22. September, in Mundt's Salon, Köpnickerstr. 100. Billets find zu haben bei den Herren Vorstandsmitgliedern: A. Jastrau, Steindrucker, Sckönleinftr. 23, 3 Tr. M. Preuß, Lithograph, Krautsstr. 28», 3 Tr. O. Silller, Steindrucker, Krautsstt. 26», 4 Tr. P. Spielmann, Steindrucker, Adalbertstr. 83, 2 Tr. P. Springer, Lithograph, Gräfestt. 31, 3 Tr. A. tzendrich, Steindrucker, Langestr. 86, 3 Tr. W. Weide, Steindrucker, Köpnickerstr. 64», H. 1 Tr. A. Leuschner, Schönhauser Allee 70 D, sowie im unentgeltlichen Arbeitsnachweis des Ver- eins bei C. Schcidenreich. Steindrucker, Elisabeth- Ufer 42.— Mitglieder, welche durch Vorträge beim Herrenabend mitwirken wollen, können fich bei Obenstehenden einige Tage vor dem Feste melden. «roff» öffentliche Versammlung sömmtlicher im Zpagenba« beschäftigte« Arbeiter Berlins und Umgegend, sowie Schmiede, Stellmacher, Schlosser u. s. w., Sonntag, den 23. September, Vormittags 10$ Uhr, Ticckstraße 24, bei Herrn Schmidt. Metallarbeiter l Achtung! Am Montag, den 24. d. M., Abends 8 Uhr, findet im Lokal des Herrn Heydrick, Beuth- Säße 20(großer Saal), eine große Versammlung sämmtlicher ielallarbetter Berlins, Dreher, Drücker, Klempner, Güttler, Former u. s. w. statt. Tagesordnung: Stellungnahme zum allgemeinen Metallarbeiter-Kongreß. Referent: Gottfr. Schulz. Wegen der außergewöhnlichen Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Metallarbeiters, in dieser Versammlung zu erschernnr�ng, grselliar Vereine am Mittwoch. Männergesangverein„Jugendlust" Abends 8* Uhrim Restarant Paffod, Gartcnstr. 162.- Männergesangverem„Cacrlra" Abends 9 Uhr im Restaurant, Köpnikerstraße 127».— Gesangverein „Männerchor Linde" Abends 8', Ubr im Restarirant Haller, Raununstraße 70.- Männeraesangverein„Sangcsfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Musehold, Landsbergerstr. 31.- „Frena", Gesangverein der Freireligiösen Gemeinde, Abends 8$ Uhr im Restaurant Bcnccke, Große Hamdurgerstraße 16.- Huppert'sche Sängcrvereinigung jeden Mittwoch nach dem ersten im Monat, Abds. 9 Uhr, im Restaurant Heise, Lichtcnbergerstt. 21. I —„Seeger'scher Gesangverein" Abends 9 Uhr im Restaurant Schulz, Prenzlauerstt. 41.— Gesangverein„Schwungrad" Abends 3$ Uhr im Restaurant Sahm, Annenstraße 16.— Männergesangverein �Lorbeerkranz" Abends 9 Uhr im Nestau- rant Karsch, Oranienstr. 190.— Gesangverein„Nord-Jubal" Abends 9 Uhr in Vettin's Bierhaus, Veteranenstr. 19.— Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Restaurant Doderstein, Mariannenstraße 31—32.— Lübeckffcher Turnverein(1. Lehrlingsabtheilung) Abends 8 Uhr Elisabeth- straße 57—58.— Turnverein„Wedding", Pankstraße 9. Männer-Abtheilung von% bis lOfj Uhr Abends; des- gleichen 1. Lehrlings- Abtheilung von 8 bis 10 Uhr Abends.—„Mehr Licht", Verein für Scherz und Ernst, Abends 8$ Uhr im Restaurant Heid, Koppenstraße 75.— Schlefischer Verein„Holtet" Abends 9 Uhr im Restaurant Henke, Hollmannstraße 33.— Veranügungsverein„Fröhlichkeit" Abends 9 Uhr im Restaurant Säger, Grüner Weg 29. — Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie. Abends 8$ Uhr im Restaurant Beese, Alte Schönhauser- straße 42, Unterricht und Uebungsstunde.— Äoller'scher Stenographenverein„Süd- Berlin". Abends 8$ Uhr im Restamant Prinzenstraße 97 Sitzung und Uebungsstunde. — Arends'scher Stcnographenverein„Amicitia" Abends 8t Uhr im Restaurant Behrends, Schönebergersttaße 6.— Arends'scher Stenographenverein„Philia" Abends 9 Uhr im Restaurant „Wilhelmsgatten", Kochstraße 7.— Verein ehemaliger Schüler ver 22. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Lehmann, Kurfürstenstraße 31.— Berliner Rauchklub„Wrangel" Abends 9 Uhr im Restaurant Foge, Köpenickerstraße 191.— Rauch- klud„Havanna 80" Abends 8t Uhr im Restaurant Paetzoldt, Reichenbergerstraße 16.— Rauchklub„Gcmüthlichkeit" Abends 9 Uhr im Restaurant Achsel, Köpenickerstraße 161.— Rauchklub„Columbia" Abends 8% Uhr im Restaurant Beyer, Pnrnenstr. 96.— Rauchklub„Frisch gewagt" Abends 3$ Uhr im Restaurant Tempel, Breslauerstr. 27.— Rauchklub„Krumme Piepes Abends 3$ Uhr, Ostbahn 4 bei Trumpf.— Vergnü« gungsverein„Fröhlichkeit" gegründet 1880, Abends 9 Uhr, Grüner Weg 29. Kleine Mittheilungen. An» der Mark, 16. Sept. Müllrose. Einen schlechten Scherz erlaubte man fich kürzlich mit dem Barbier Aldrecht hier- selbst. Gegen Mitternacht, als A. bereits in tiefem Schlafe lag, wurde er plötzlich durch heftiges Pochen an dem Fenster- laden geweckt und ihm mttgetheilt, daß Diebe in seinen Garten gedrungen seien. Nachdem er sich schleunigst angekleidet, eilte er, mit einer Büchse bewaffnet, hinaus. Seine Frau folgte ihm auch bald nach. Im Garten war jedoch alles still. Plötzlich steht er dicht vor einem Diebe. Vor Schreck ergreift er die Büchse und schlägt auf denselben los. Dieser sinkt sofort lautlos zusammen. Als seine Frau dies gewahr wurde, fiel fie in Ohnmacht. Der an allen Gliedern zitternde Barbier schleppt nun den niedergeschlagenen Dieb in die Stube, und da erkannte- er, daß es ein gut ausgestopfter Strohmann war. 91. hat gegen die Thäter, denen man bereits auf der Spur ist, Sttafantrag gestellt. Kon» eigene« Vater ermordet. In der Nacht vom 10. zum 11. d M., so lesen wir im„Ovettchl. Anz.", erhob fich der Gastwitth D. in Beneschau, Kreis Ratibor, mit den Worten:„Eine Stimme hat mir befohlen, meine Kinder zu Engeln zu machen", von seinem Lager, ergriff ein großes Küchen- meffcr und begab fich in ein an die Schlafstube stoßendes Zimmer, in welchem die drei Kinder des Unglückseligen, das eine in einem Bett, die anderem auf einem Sopha ruhend, sich im besten Schlafe befanden. Mit dem Messer brachte der Unhold jedem Kinde einen Stich bei, dem fiebenjähttgen Töchterchen schlitzte er den Unterleib querüber auf. Dieses dürfte am schwersten ver- letzt sein und mit dem Leben kaum davon kommen. Im Augen- blicke leben indeß alle drei Kinder noch und befinden fich in ärztlicher Pflege. Durch das Geräusch war die Frau des Gast- wirtbs erwacht und ihrem Ehemannc nachgegangen. Bei dem schrecklichen Anblick, welcher fich ihr indem angrenzenden Zimmer darbot, brach fie in die Motte aus:„Mensch, was hast Tu gethan!?"—„Ich habe die Kinder zu Engeln gemacht, wie mir eine Stimme von oben befohlen," war die Antwott des Mannes, welcher augenscheinlich unter dem Einfluß von Halluzinationen, hervorgerufm im Zustande des delirium tremens, gehandelt hatte, da er dem Trünke ergeben war. Ein zweiter Kindcsmord wird aus Muskau wie folgt ge- meldet: Am 6. d. M. Abends höttcn verschiedene in der Rahe des hiesigen Gefängnisses wohnende Personen Hilferufe aus dem Gefängnisse erschallen. Der zuerst herbeigeeilte Färbergehilfe Höpfner fand denn auch den Gefangenenaufseher Hermann in der Zelle des wegen MordeS inhaftitten Tagearbeiters Noack aus Köbeln mit dem letzteren heftig ringend und aus mehrfachen Wunden blutend vor. Noack, welcher am folgenden Tage nach Görlitz transportitt werden sollte, hatte dem revidtrendcn Beamten infolge einer ihm wegen Sachbeschädigung ertheilten Rüge den Wafferkrug über den Kopf geschlagen, das Seitengewehr entrissen und dem Beamten, welcher die beabfichtigte Flucht zu hindern suchte, mehrfache Wunden beigebracht. Glücklicherweise wurde die Flucht durch das schnelle Hinzukommen des Höpfner und anderer beherzter Männer verhindett und Noack demnächst, ge« fesselt, in einer anderen Zelle untergebracht. JmLaufe des sofott vor- genommenen Verhörs räumte Noack ein, seine 20jährige Tochter, die Arbeiterin Noack aus Kodein ermordet zu haben, suchte aber die That als Todtschlag hinzustellen. Die Aufregung der hiesigen Bevölkerung über den verübten Mordversuch ist groß. Die Ver- letzungen des Gefangenenaufsehers Hermann find glücklicherweise keine schweren. Hochvasskernachrichte« bringt der Berner„Bund" auch aus den Thälern Graudündtens. Am 9. d. M. war bis weit in die Waldregion hinunter starker Schnee gefallen, der am folgenden Tage bei höherer Temperatur wieder schmolz: zugleich fiel Regen, so daß die Flüsse rasch anschwollen. Landquart und Plcffur gingen sehr hoch; bei Bellaluna hat die Alduta die Brücke weggeschwemmt; bei Samaven hat der Inn den Damm durchbrochen, bei der Unter-Zollbrück wurde die große Tardisdrücke vom Rhein wepgenffen. Von Pontrefina, Zuoz und St. Moriz liefen schlimme Bettchte ein. Man schreibt femer aus Chur: Siebst der Brücke bei Bellaluna hat die Albula auch ein an ihren Ufem stehendes Haus in Bergün weggespült und ein zwettes Haus steht in Gefahr. Auch der Hinter- Rhein führt sehr viel Wasser mit sich; die sehr alte Brücke bei Rothendrunnen wurde fottge- ttffen. Auch bei Splügen ist eine Brücke eingestürzt. Im Engadin hat der sehr hochgehende Inn verschiedene Brücken zer- stött, so die Bonifaciusdrücke in Tarasp, wo auch die Lucius- Quelle unter Waffer gesetzt wurde. In St. Moriz gerieth die Gegend um das Kasino, katholische Kirche und Bad unter Waffer. Auch im italienischen Landesthelle, in Äisox und Calanca, gehen die Flüsse und Bäche sehr hoch. Stach Meldungen aus Feirara vom Montag ist der Po in in langsamem Fallen. Kudaprst, 15. September. Seit dem 10. d. M. wird die Ersenbahnstrecke Szegedin-Felegyhaza von Gendarmerie-Pa- trouillen zu Pferd und zu Fuß streng bewacht. Auch die zwischen Budapest und Szegedin verkehrenden Züge ffnd mit bewaffneten Polizistm vollgepfropft und die Stationen Felcgnhaza Szent-Peter. Dorokma und Szegedin von bewaffneten Wachen umstellt. Die Züge haben doppeltes Post- und Bahnpersonal % BeHorden zugekommene Ziachricht, daß eine bewaffnete Räuber- bände dem Zuge auflauere, um die anderthalb Millionen Gulden, welche die Csongard- Sövenuhazer Fluß mngsgesellschaft in der Hauptstadt aufgenommen hat und welche ein Regiemngskommiffar überbttnren sollte, i» rauben. Zu diesem Behufe hatten stch die verwegen stcu Gesellen auiT Ciongrad zusammengethan. Der FelegV hazaer Stationschef vemahm zufällig von dm Attentatsvor- dereitungen und depeschirte sofott an den Babnchef, an Postdirektion uud an die Gendarmette nach Szegedin. Die Postdirektion theilte die Anzeige dem Szegediner Stadthaupt- mann August Szluha mit. Am 12. September, Abends, solue der Eisenbahn- Ueberfall ausgeführt werdm. An demselben Abend wurden daher die umfassendsten Sicherheitsmaßregw getroffen und zur noch größeren Vorficht an den Regierung- kommiffar Albert Kalloy telegraphirt, das Geld nicht zu dringen. Der Regierungskommissar deponitte dasselbe bei der erste» vaterländischen Sparkasse. Gendarmette-Pattouillen fanden nächst Felegyhaza mächtige Balken über die Schienen gelegt, welche den Zug zum Entgleisen hättm dringm müssen. Die Balken wurde» entfernt und der Zug von Felegyhaza nach Szegedin«»» �Gendarmen geleitet. Seitdem werden die Budapest-Szegedinck Züge täglich von einer starken Gendarmette.Eslotte begleitet. Die Nachfoischungen nach den Mitgliedem der Bande wurde» mit aller Heimlichkeit dettteden. Die Bande hatte offenbsr Rozsa Sandois Angriff auf die Bahn vom Jahre 1867 kopiri» wollen. Damals hatte die Stadt Szegedin 200 000 Gulden»J Budapest aufgenommen und Rozsa Sandor glaubte, das Gel» komme mit der Post. Zufällig defanden fich damals auf dl»> angegriffenen Zuge mehrere Soldaten, die mit scharfen PattonA auf die Räuder schössen und fie verscheuchten. Im Jahre 1°" hatten es die Betyaren auf die erste Million Gulden abgesehck- die von der Prämienanleihe eintraf, allein auch damals«u# das Attentat durch Vorstchtsmaßregeln vereitelt. Liverpool, 15. September. Hier ist die Nachttcht eW' gangen, daß auf der Höhe der Canatten-Jnseln ein schrecklich- Zusammenstoß zwischen zwei großen Dampfern stattgefunden wobei etwa 100 Menschenleben verloren gegangen find. D» beiden Schiffe waren der französtsche Dampfer„La France" der italienische Dampfer„Sud- Amettka". Die bis jetzt# liegenden Einzelheiten des Unglücks find nur sehr dürfm- aber es scheint, daß die Kollision schrecklicher A®* war und in dem fast unmittelbaren Sinken der„cJi Amerika" resultir'e. Das Schiff scheint eine große zahl von Leuten an Bord gehabt zu haben, und' es zu einer italienischen Linie gehött, welche mit S»? Amerika verkehtt, so vermuthet man, daß viele der umgekommen"; Paffagiere Auswanderer waren.„La France" gehött gleicht zu einer Dampferlinie, die mtt Süd. Amerika in Verbind»»» steht. Die Depesche schweigt darüber, ob sämmtliche Opftt s einem Dampfer gehörten; man kann aber annehmen, daß sä«'? liche Personen an Bord der„Sud Amerika" ein Welleng� fanden, wenngleich die„La France" sehr ernste Beschädigung' erlitten haben soll. Die„Sud- Amerika war ein viermastE Dampfer von 22 1 7 Tonnengehalt, erbaut 1875; und die France" war 1871 gebaut und hatte ein Deplacement»°" 3572 Tonnen. London. 13. September. Das kleine, aber äußerst desuchte Olymp'.c-Thcater in London wurde am 12. d Nachts ein Raub der Flammen und nur ein Wunder ist zu nennen, daß kein Menschenleben dabei verloren 8% Das Feuer kam kurz nach der Vorstellung zum AusbrM' und zwar in dem Ankleidezimmer der ersten Sängerin, wc»' trotz des Verbotes eine Spirttuslampe angezündet h.ttte, fich die Haare zu brennen. Die Flamme ergriff ein lriflst' Gazekleid. Laut schreiend verließ die Sängerin, nur nothdulM bekleidet, ihre Kabine und rief die Kollegen, die stch% machten, das Feuer zu dämpfen. In dem Glauben, daß d» ihnen gelingen werde, verabsäumten fie es, die Feuerwehr- verständigen, und erst als der Brand schon die Bühne ergnst? hatte, wurde der Alarmopparat in Bewegung gesetzt. Nur»] knapper Noth retteten fich die Schauspieler und gewannen Freie, natürlich mit Hinterlassung ihrer gesammten Garde'? und ihres Schmuckes. Der Schmuck der ersten Sängerin F, einen Werth von fast fünftausend Pfund repräsentiren. L aesammte Bühne sammt den sehr werthvollen Dekorationen?. Ausstattungskomödie, welche an dem Abend gegeben wurde, ein Raub der Flammen geworden. Der Zuschauerraum w® mit vieler Mühe gerettet. Kuenos-Ayre», im September. Heraclio Bernales, mexikanische Bandst, mit dem Zunamen„der Schrecken% Westens", ist auf dem Cerro del Pelon von Crispin Carno»� kurzem Kampfe erschossen worden, wodurch letztgenannter si® fL, von der Regierung von Sinalon auf den Kopf des gefähl"?* Räubers gesetzten Preis von 10 000 Pesos verdient hat. W'L Bernales war eine romantische Figur, eine Existenz, wie fie c»' nur unter so interessanten Verhältnissen, wie den mcx!kantI>Ä„ möglich ist. Seit zwölf Jahren betrieb er sein gefährliches�� werbe und war an der Spitze seiner zuletzt gegen 300 angewachsenen Bande eine Geißel der Staaten Sinalon ¥ Durangon geworden, ohne daß die Organe der Behörden. zu Leide gekonnt hätten. Bernalcs war umfichtig sich auf einen ungleichen Kampf nie einzulassen. W»» 5 Uebermacht auf Seiten der Verfolger, so wußte � er', einem Zusammentreffen erfolgreich zu entziehen; erst er auf numerisch schwächere Feinde rechnen konnte," er den Kampf an und vettuhr dann mit(**%«» losester Energie. Daß ein Bandit mtt einer Gefolgscha'-.� 300 Mann stch mit Kleinigkeiten nicht abgiebt, ist scwswcri' z lich. Bernales hielt denn auch vollkommen das Verhalten kriegführenden Soldaten inne, indem er vor eine Ortschaft� Aj einen Emissär aussandte, der den dedrohten Stadtbehörve'' Höhe des Lösegeldes nannte, worauf er, wenn seine Forbtf" in Waffen, Provifionen, Geld zc. befriedigt waren, ohne zu belästigen, wieder abzog. Telegraphische Depesche». (Wolff's Telegraphen-Bureau.) D«t>li«, Dienstag, 18. September. Der Deputirte ist aus Gesundheitsrücksichten heute aus dem Gefängnt» lassen worden. Driefkasten der Redaktion. � »ei ilnsragen bitten»tr die Sbonnemmti-Ouittung b-tzustiee». X#" Antwort wird nicht-rthetlt. u'btil L. 50. 1. Wenn Ihr Sohn durch einen afbtj �i> Knaben verletzt worden ist, so desteht für den Vater des> jpg keine gesetzliche Verpflichtung zur Tragung ver n kosten. Auch in seiner unbesttmmten Erklärung � wolle mit Ihrem Sohne zum Arzt gehen, lieg bindende Uebernahme der Verpflichtung irgend etwas Sie können daher außer in Güte nichts thun und Mld einen Prozeß zweifellos vcrlierm. 2. Bon einer«tr des Vaters kann üderbaupt keine Rede sein. Zimmerstraff« 38. Zum Aufgebot beim St«WA ten ist Beibringung des Taufscheines oder der Gebar£ nöthig, der Konfirmationsschein genügt ntö pb, Braut bedarf jedoch anderer Papiere, stfrrn' � m 24 Jahre alt ist, nicht, der Mann muß dagegen, fa��jß f nicht das 25. Lebensjahr vollendet hat, noch die Crta Vaters beibringen._.�na� U I. K. Der Rekurs gegen den die Klassensteuerr-u � verwettenden Bescheid ist an das Finanzminlsterium« das Schriftstück muß aber bei derselben Behörde eina den, welche über die Reklamation zu entscheiden(pu Verantwottlicher Redaveur: iL«r-nhei« in Berlin. Druck und Verlag von Ma» O«di»g in Berlin SW., Beuthstraße 2.