»r. SS2. Freitag, de« 3L September 1888. 5. Jahrg. MimrVMKll Drgan für die Interessen der Arbeiter. Achedrt tiztich jjittWJi $#*.«erli»-» tute«ach S«M> und Festtagen. Atemementlpiri» kkr Berit» stet 4 Mark, mwvartHch 1�5 Mari, wöchentlich 85 Pf. Postabonnemeat er 5 Pf. S»mlttgS-?Kmmm! mit dem.EcmntagS-Blatt" 10 W. te da Poß�itun«SvreiSlist« für 1388 rntttr Rr. S49.) Jnsertiontgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. ArbeitSmmt» 19 Pf WA größaen Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uta SWumüta#* m da Expedition, Berlin SW� Zimmerstraß« 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux,«ch« Erhöhung d«S Preise», angenommen. KedaKtio«: Keathstraße%— Grpydttio«: Zimmerstraße 44. Abonnements-Einladung. Zum Ouartalswechscl erlauben wir Urs zum Abonnement auf das ».Derltnrr Uolksblatt" nebst dem wöchentlich erscheinenden Konntagsblatt einzu« laden. Der Standpunkt unseres Blattes ist bikannt. Es steht auf dem Bodm des unbeugsamen Rechts. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und Streiter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klassen- taaensätze ist das„Kerliner M-lKoblatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, dt- ihre Endziele in der Bevorzugung rtnz lncr, heute schon mehr berechtigter Gesellschaftsklassen findet. . Das„Oerlwrr Uolkoblatt" sucht seine Aufgabe durch sachliche Behandlung der politischen als auch der Tagesfragen zu nfüllen. Die gleichen Grundsätze leiten uns bei Besprechung unserer städtischen Angelegenheiten. Im Feuilleton unseres Blattes veröffentlichen wir Aus- Sangs September ab einen ausgezeichneten Roman aus dem nmerilanischm Ärdeiterleben, betitelt ..Die Wtter der Arbeit" udersetzt von Natalie Liebknecht. Schon der Name der Uedersetzerin bürgt dafür, daß unseren Lesern hier ein« ebenso spannende wie gediegene Lektüre ge« toten wird.* Unser K-nntagablatt macht es fich nach wie vor zur lufpabe, nur die besten und vollendetsten Arbeiten der,emgen Ichstftsteller zu bringen, die auf dem Boden des wirklichen Lebens stehen. uus unserer Expedition 1 Mark pro Monat."W> Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstaltcn Abonne- »rnts für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark ent- Segen. Di- Dedaktto««»d Crp-ditio« des„Oettt»»» Woikablatt". IeuMelon. [8 An unrechter Stelle. Nach einer russische« Erzählung von Dr. Z. L. m S. irÄSÄ'kÄÄ sah die Gefangenen mit einem kurzen Blicke an, als hatte er sie um Verzeihung zu bitten und wiederholte jedem Ein- a»f dem Hofe nicht entweichen würden, und, um zu ver- widen. daß Einer den Andern sehe, könnte man fie ewzeln WW (wa ihm die verfängliche Frage zu bcant. 0*" fc« Gefangenen gestatten, Es . Jl. l\Uor Ptnp L beantworten:„Kann zu lesen?" Als WWMW Gl« Kapitel an» der llrichv- Statistik. Das statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich auf daS Jahr 1888 enthält, wie feit einer Reihe von Jahren, auch eine Kriminalstatistik, die für den, der zu lesen ver- steht, eine recht interessante Beurtheilung der öffentlichen und moralischen Zustände und Strömungen ermöglicht. Zahlen sind im Allgemeinen halsstarrige Dinger, und sie gehören zu den halsstarrigsten Dingern, wenn sie durch Beobachtungen auf großer Stufenleiter und durch eine Reihe von Jahren hindurch gewonnen, eine große stetige Entwickelung der Verhältnisse, die sie zum zahlenmäßigen Ausdruck bringen, repräfentiren. Das ist bei der Kriminalstatistik des Deutschen Reichs, wie sie jetzt aus den Jahren 1882—1886 vorliegt, in ver- schiedenen Beziehungen der Fall. Ihre Beleuchtung hat für die weitesten Kreise Interesse. Die angeführten Zahlen beziehen sich ausschließlich auf die Verbrechen und Vergehen gegen die Reichsgesetze und sind in vier große Kategorien eingetheilt: Verbrechen und Vergehen a. gegen Staat, öffentliche Ordnung, Religio»; b. gegen die Person; c. gegen das Vermögen� d. im Amte. Das Charakteristikum ist, daß, während die Zahl der Ver- urtheilten in den beiden ersten Kategorien a. gegen Staat, öffentliche Ordnung, Religion, b. gegen die Person— innerhalb der fünf Jahre von 1882—1886 stetig stieg, sie in den beiden anderen Kategorien— c. gegen das Vermögen, d. im Amte— stetig fiel. Im Ganzen stieg die Zahl der Verurtheiltm von 329 968 im Jahre 1882 auf 353 000 im Jahre 1886, um knapp 7 pCt., sie hielt also mit der Vermehrung der Be- völkerung ziemlich gleichen Schritt. Sehen wir un» aber nun die einzelnen Kategorien an: Die Zahl der Verurtheilten wegen Verbrechen und Vergehen gegen Staat, öffentliche Ordnung, Religion ver- mehrten sich in dem angegebenen Zeitraum von 51623 auf 60 458 oder 17,1 pCt. Am stärksten war die Steige- rung vom Jahre 1885 auf 1886, in welchem sie allein 4091 betrug. Die Zahl der Verurtheilten der zweiten Kategorie(gegen die Person) wuchs von 107 398 auf 134 019 oder um 24,9 pCt. Anders die beiden letzten Kategorien. Die Zahl der Verurtheilten wegen Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen verminderte sich von 169 334 im Jahre 1882 auf 156 930 im Jahre 1886, d. h. um knapv 8 pCt. Die Zahl der Verurtheilten wegen Verbrechen und Vergehen im Amte sank innerhalb dieser Zeit von 1613 auf 1993, um Kann erlaubt werden." Maluga zauderte noch ein wenig, dann beschloß er, es auf eigene Verantwortlichkeit zu erlauben. Nach einigen Tage» wagte er noch mehr: einige Gefangene baten um mechanische Beschäftigungen; er entschied sich für eine solche mit Zeichnen und weiblichen Handarbeiten. Gleich darauf beunruhigte er sich jedoch: „wenn sich nun Einer mit der Sticknadel das Herz durch- bohrt?" Er beruhigte sich aber bald damit, daß ei„Gott nicht dazu kommen lassen würde." Maluga dachte oft an seine Gefangenen.„Die Un- glücklichen! Wie mancher von ihnen hat ei« sympathisches, kluges Gesicht. Das wäre eine Freude, wenn plötzlich der Befehl käme, sie Alle in Freiheit zu setzen l" Das Unwahr- scheinliche dieser Idee war ihm jedoch bald einleuchtend, und er dachte nun:„Wenn sie nun plötzlich flüchteten..... wenigstens die, denen ein schrecklicher Ausgang droht! Natürlich, ohne daß ich eine Verantwortung hätte: plötzlich ist ein Gefangener verschwunden; die Zelle ist verschlossen, das Fenster unbeschädigt, keine Mine zu entdecken.... Nun aber, wenn Jemand flüchtete ohne Hilfe der schwarzen Magie? ES flüchtet keiner! ES d a r f keiner flüchten!" Nach solche« Betrachtungen vor dem Schlafe hatte Maluga oft seelige Träume: die Gefangenen verschwanden auf räthsel- hafte Weise; der Eine benutzte den„fliegenden Teppich", der Andere machte sich mittelst der„Tarnkappe" unsichtbar. ES hilft kein Verwundern und Händeringen; es trägt Niemand an der Flucht Schuld. Maluga betrauert offiziell das Geschehene, im Innern aber ist er sehr erfteut über den Ausgang und spricht:„Mich geht die Sache nichts an, ich habe die Dienstpflicht nicht verletzt." Eines Abends, das war aber schon nicht im Traume, kam ein Gefängnißaufseher zu ihm gelausen und rief athemloS: „Ein Ausbruch!" „Was ist das?" „Ein Ausbruch I Nummer 29 ist entflohen!" Maluga war heftig erschrocken. Nummer 29 war einer der wichtigsten Arrestanten. Die Einzelheiten der bemerk- fielligten Flucht vergrößerten noch sein Erschrecken. Der Entflohene war brustkrank und genoß eine Vergünstigung, 0,6 pCt., also in beiden Kategorien Verminderung der Zahl- trotz Vermehrung der Bevölkerung. Die einzelnen Verbrechen und Vergehen unterscheide« sich ebenfalls durch charakteristische Schwankungen. Die Zahl der Verurtheilten wegen Mord und Todschlag sank von 320 in 1882 auf 298 in 1887. Die Zahl der Ver- urtheilungen wegen Meineid verminderte sich von 1011 auf 827, wegen Brandstiftungen von 644 auf 522, wegen Diebstahl von 103 050 auf 88 816, wegen Hehlerei von 8522 auf 6952. Dagegen stieg die Zahl der Verurtheilten wegen Gewalt und Widerstand gegen Beamte innerhalb der erwähnten 5 Jahre von 11 948 auf 13 127, gleich 9,9 pCt.; wegen Hausfriedensbruch von 13 826 auf 15 983, gleich 15,6 pCt.• wegen einfacher Körperverletzung von 16 527 auf 19 334, gleich 17 pCt.; wegen gefährlicher Körperverletzung von 38 291 auf 53 759, also um nicht weniger als 40,8 pCt.; wegen Nöthigung und Bedrohung von 3623 auf 6493, gleich 79,2 pCt. Die auffallende Steigerung der Zahl der Verurtheilten wegen Verbrechen und Vergehen wider die Person, die innerhalb des Zeitraums von fünf Jahre regelmäßig zu Tage tritt, läßt mit vollem Recht den Schluß'zu, daß w i r uns in einer Periode wachsender Neigung zur Gewalt und zur Verrohung befinden und dies, trotzdem die Pflege des Religionsunterrichts in der Schule und da» Mucker- und Kirchenthums unter den Er- wachfenen seitens der maßgebenden Gewalten und der Herr- fchenden Klassen krampfhaft und mit allen Mitteln gefördert wird. Der Grund zu dieser Erscheinung liegt fteilich ganz wo anders. Er ist zu suchen in der Zersetzung unserer sozialen Ver- Hältnisse, in der Auflösung des Familien- lebenS durch das moderne Fabriksystem, und nicht zuletzt in dem Kultus der rohen Gewalt und der N a t i o n a li t ä t e n v er- hetzung, wie diese seit mehr als ändert- halb Jahrzehnten in Deutschland kultivirt werden. Das WachSthum der Zahl der Verurtheilten gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion ist ein Zeichen der steigenden Unzufriedenheit mit den staatlichen und öffentlichen Einrichtungen, auch selbst in dem Falle, daß die Steigerung dieser Zahl nicht zum kleinsten Theil auf die schärfere Anwendung und kühnere Interpretation der Gesetze durch die Gerichte zurück- zuführen sein sollte. Zwischen der Handhabung der Gesetze durch die Richter und der Entwickelung des öffentlichen Geistes in der Nation herrscht eine gewisse Wechsel» Wirkung. Die Gerichte, die aus Menschen von Fleisch und Blut zusammengesetzt sind, können sich großen allgemeinen welche ihm Maluga gewährt hatte: man öffnete ihm täglich während einer halben Stunde seine Thür nach dem Korridor, um die Luft in der Zelle zu erneuern.„Er" hatte sich in den Korridor geschlichen und war durch das Fenster auf die Straße gesprungen; die Wache hatte ihn bei der Hand er- griffen, konnte ihn aber nicht festhalten, und der Schuß, den der Posten dem Entfliehenden nachsandte, verfehlte das Ziel. „Ich habe ihn noch absichtlich in eine Zelle legen lassen, die dem Korridorfevster näher liegt, weil er em kranker Mensch ist. Und so hat er mir meine Güte vergolten! Da rechne Einer noch auf die Dankbarkeit der Leute!" In seiner Angst übersah Maluga daS Naive seine« Vorwurfs.— Anfänglich sollte Maluga dieses Vorfall» wegen vor Gericht gestellt werden; dann wollte man ihn von seiner Funktion als Gefängnißdirektor enthebe», aber durch Protektion endete die Angelegenheit mit einem strengen Verweise an ihn und dem Befehl, an dem Korridorfenster Gitter anzubringen. Dies Ereigniß ließ für eine geraume Zeit das MitleidSgefühl Maluga'« er- katten; aber die Aufregung legte sich und er athmete wie- der auf. „Die Nummer 12 läßt sich bestens empfehlen," rapportirte ihm eines TaaeS der wachthabende Offizier. „Was? Gestorben?" „Nein: hat sich aufgehängt." „Ach, der Aermste!" Doch plötzlich erinnerte sich Maluga, daß gestern, auf feine Anforderung Nummer 12 zwei Strähnen Baumwolle zum Stricken erhalten habe.„Woran hat er fich aufge- hängt?" fragt er voller Unruhe. Die Antwort fiel be- ruhigend aus; die Schnur war aus Streifen des Laken« zusammengedreht, er hatte für den Selbstmord also keine Verantwortlichkeit zu tragen. Von neuem begann Maluga den Unglücklichen zu beklagen; aber noch an demselben Tage verordnete er, daß den Gefangenen wieder alle Nadeln und Faden abgenommen werden sollten. Vergebens baten sie ihnen diese einzige. Zerstreuung zu lassen, und erklärten ihm' daß sie durch den Mangel jeder Beschäfttgung eher zum Strömungen nicht entziehen, sie werden von ihnen beherrscht. In diesem Sinne glauben wir an keine Unabhängigkeit der Richter. Daß die Zahl der Verurtheilten wegen Verletzung der Wehrpflicht in den letzten fünf Jahren ebenfalls von 14 219 auf 19 680 gewachsen ist, um nicht weniger als 38,7 pCt., beweist wieder, daß die Freude an Erfüllung der Militärpflicht in noch höherem Maße sinkt, als die Präsenzziffer des stehenden Heeres steigt. Was sagen die patentirten Pächter des Patriotismus dazu? An allen diesen Zahlen giebt'S nichts zu drehen und zu deuteln; sie sind offiziell und unantastbar, aber sie zeigen jedem Denkenden, wohin wir steuern, und sie sind für die Herrschenden ein Zeichen, das ihnen den Weg weißt, den sie gehen sollten._ Tngmllk-Korrespollämzeu. Hamburg, den 19. September. So großartig die neuen Hafenanlagen bei uns in Hamburg auch sind und in ihrem weiteren Ausbau und ihrer Vollendung erst noch werden, ist eines doch sebr unvollkommen geblieben: das ist die Verdin« duna der beiden Elbufer. Der neue erst kürzlich dem Verkehr vollständig erschloffene Verbindungsweg der Stadt mit den Elb- inieln, beziebunsts weise Harburg, liegt am äußersten östlichen Endpunkte der Stadt, richtiger gesagt bei dem Vororte Gothen- burgsort, wo sich die Hamburger Wafferwerle deflnden. Hier führt zuerst eine Dreh- oder Schiebebrücke zum Durchlaß von Schiffen über einen breiten Kanal und dann kommt man von der Stadtscste aus auf die neue große Elbbrücke, welche den Verkehr des jenseitigen Zollgebietes mit der Stadt Hamburg vermitteln soll. Diese neue Eldbrücke, welche der verflossene Herr von Puttkamer im vorigen Jahre noch mit einweihen half, und dabei auf das große Portemonnaie Hamburgs ansvielte, liegt noch oberhalb der alten Eisenbahndrücke, in deren nächster Nähe, so daß hier zwei große Brücken über den Strom führen. Von der eigentlichen Stadt aus nach dem jenseitigen Ufer, wo der Hauptvcrkebr mit allen den drüben befindlichen Schiffs« werften und Fabriken stattfindet, vermitteln nach wie vor Fährdamvfer die Möglichkeit, von einem Ufer zum andern zu gelangen. Natürlich muß ein Jeder, der diese Fahrgelegenheit benutzen will, seinen Obulos in Gestalt von 10 Pf. bezahlen. In früheren Zeiten erhob man, und vielleicht in manchen Ge« gendcn jetzt noch, Brückengelder. Diesen Standpunkt hat man in Hamburg als veraltet freilich nicht beibehasten. Und ob die neue Elbbrücke Millionen kostete zu bauen, jeder, der Lust dazu hat, oder den sein Weg dorthin führt, kann ohne Abgabe unbe- hindert darüber fahren, reiten oder gehen. Der Staat hat also anerkannt, daß diese Verbindung der b iden Stromufer eine für den öffentlichen, allgemeinen Verkehr unbedingte Nothwendigkeit ist. Für die Ufer der Stadt, wo der Verkehr ein viel inten« fiverer ist, konnte man sich zu dieser Anschauung bisher nicht aufschwingen. Hier muß aus dem Verkehr des Publikums noch immer eine Staatseinnahme fließen. Es ist nicht recht erfindlich, warum nicht hier einige kleine Staatsdampfer den Verkehr vcr- Mitteln könnten, wenn auch nicht ganz unentgeltlich, so doch gegen eine kleine Vergütung pro Person, um die Unterhaltungs- kosten der Böte zu decken. Nach metner Anficht wäre der Staat hierzu ebenso verpflichtet, wie zum Brückenbau. Aber weit ge« fehlt! Vor kurzem ist die wichtigste Fährgerechtigkcit, von Hamburg nach Steinwärder und dem Kleinen Grasbrook, sogar in die Hände einer Aktiengesellschaft übergegangen, an deren Spitze das dekannte Haus Erlanger steht. Die Folge davon war, daß die bisherige von den alten Fährpächtern dem Publikum zugestandene Erleichterung in Abgabe von Dutzendbillcts oder Fährmarkcn zu billigeren Preisen für Arbeiter abgeschafft wurde. Die neue Aktiengesellschaft will also auf Kosten der Fabrikarbeiter ihre Einnahme aus der Fähre steigern, was um fo ungercchier erscheint, als durch den Zollanschluß alle Arbeiter, welche früher auf Steinwärder und dem kl. Grasbrook in der Nähe der Fabriken wohnen konnten, ihre dortigen Wohnungen räumen und fich Unterkunft im diesseitigen Stadtgebiete inner- halb der Zollgrenze suchen mußten. Da man doch nicht an- nehmen darf(!), daß die Angehörigen unserer Finanzdeputation u. s. w. selber bei den Fähraktien interesstrt find, so ist es schwer begreiflich, warum man eine solche Uebertheuerung. ich wähle den mildesten Ausdruck, des Publikums gestattet. Zwar haben die detheiligten Schiffswerfte> und Fabrik- Inhaber, 22 an der Zahl, fich beschwerdeführend über das Vorgehen der Aktiengesellschaft an die Behörden gewandt, doch muß abge» wartet werden, od fie damit Erfolg haben. Davon aber, daß die öffentlichen Verkehrsmittel nur dazu da sein sollten, dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen, nicht aber dazu, dem Staate oder gar einem Konsortium von Geldmännern eine er- giebige Einnahm- quelle zu eröffnen, find wir leider, wie es scheint, noch well entfernt. Aus der hiestgcn Gewerkschaftsbewegung ist zu melden, daß der Stand des partiellen Drechslerausstandes als ein günstiger dezeichnet werden kann. Es haben schon 73 Werk- fiätten Inhaber, darunter besonders die bedeutenderen, die Selbstmord getrieben würden; Maluga war unerbittlich. Er entgegnete ihnen, daß er für den Selbstmord, auSge- führt mit Sachen, die in den Zellen, der Hausordnung ge- maß, vorhanden sind, keine Verantwortung trage. Wenn es aber plötzlich Jemandem einfallen sollte, sich eine Nadel tn'S Herz zu bohren, oder von den Fäden einen Strick zu drehen und sich daran aufzuhängen?...„Schon ein Mal bin ich durch Nummer 29 beinahe unter Anklage gestellt worden! WaS ich kann, das thue ich für Sie, aber so viel riskiren kann ich nicht; ich stehe nicht allein auf der Welt, habe Frau und Kinder!" Sein Mitgefühl mit den Gefangenen war ein Haupt- thema in den Gesprächen Maluga'S. Er wußte das Elend fo rührend zu schildern, wenn er das eine oder das andere trübe Bild des Vegetirens im Gefängnisse beschrieb. Polixena protestirte nicht gegen diese Selbstpeinigungen, sie fand sie eher von Nutzen als schädlich für den Organis- muS ihres Mannes; denn stets nach diesen Betrachtungen hatte er einen vortrefflichen Appetit zum Abendessen. Ewgescha mischte sich nie in diese Unterhaltungen, nur ein Mal bemerkte sie:.Papa, wenn Du die Gefangenen fo bemitleidest, warum bewachst Du sie so streng?"„Das Leben veranlaßt uns zu Kompromissen, meine Theure," ant- wortete er verlegen, Ewgescha schwieg. Maluga erinnerte fich, daß sie vor langer Zeit noch als Kind ihn dasselbe gefragt hatte. Schwer empfand eS Maluga, bei den Zusammenkünften der Gefangenen mit ihren Verwandten und Freunden gegen- wärtig zu sein, aber er mußte ihre Gespräche mit anhören. Anfangs erröthete er, später empfand er nur ein unbe- deutendes Regen deS Herzens und endlich gewöhnte er sich daran, obwohl er noch immer behauptete, er leide schwer bei diesen Zusammenkünsten.„Aber was ist zu machen! Der Dienst verlangt es." Maluga war ein hestiger Gegner der Todesstrafe; er hatte Mittermayer, auch Viktor Hugo gelesen und sein Geist und Herz verurtheilte diese grausame Bestrafung. Und plötzlich bekam er ein Papier, daß er moraen «inen zum Tode Verurtheilten auszuliefern, und daß er die Forderungen der Gehilfen bewilligt. Ausstehend find meist nur Werkstuben mit einer oder zwei Drehbänken der Holzbranche. Uno gerade diese ist die gedrückteste im Drecbslergewerbe am hiesigen Platze; deshalb entbehren auch die Arbeiter derselben des Mannesmuthes, der dazu gehört, mit den Kameraden fest zusammen zu halten. Die Leitung der Lohnbewegung der Drechsler befindet fich übrigens bei dem Vorfitzenden der ver- einigten Drechsler Deutschlands, Herrn Legten, in den besten Härchen. Der hiefige Fachvercin der Schneider, welcher 1000 Mitglieder zählt, steht vor der Frage, fich als Fachverein aufzulösen und dem in Weimar im August neugearündeten „Verbanve der deutschen Schneider" anzuschließen, dessen Sta- tuten von der Regierung in Hannover. Sitz des Verbandes, berests genehmigt wurden. Der hiefige Fachvercin hat in einer vorgestern abgehaltenen zahlreich besuchten Versammlung seinen Anschluß davon abhängig gemacht, daß auch die Hamburger Be- Hörde den Statuten des neum Schneiderverbandes leine Hinder« nisse dereftct._ KoMische Ueverstcht. Da« moralische Junkerthum. Die ungarischen Junker könncn sich über ihre Regierung nicht beklagen. Nach- dem fie Iah- hu'.derte hindurch die Bauern in drückendster Leib- eigcnschaft gehalten, ist ihnen nach und nach eines ihrer„Rechte" nach dem andern abgelöst worden, so vor 40 Jahren die Robot, die Naturaldienslleistungen des Bauern an die Grundhenschaft, so vor 20 Jahren der auf den Weingärten lastende Zehent. In Ungarn hat fich der Uebergang von den feudal-ständischen Zu- ständen des Grundbesitzes zur kapitalistisch witthschaftenden Landwirthschaft langsamer als im Westen vollzogen. Die ver- schiedcnen Ablösungen find Stationen auf diesem Wege zur modernen Produktionsweise. Jetzt soll daran gegangen werden, das letzte der Hörigkeitsrcchte der Grundherrschaft, das Schank- recht, auf dieselbe Weise abzulösen und in die Hand des Staates übergehen zu machen. Der Ausschank von Spirituosen war ein Regal der Herrschast, niemand durfte im Dorf Brannt- wein, Bier oder Wein verkaufen als die Herrschaft bczw. der Pächter, der das Recht von der Herrschaft erworben hatte. Daß er so bei dem Mangel an jeder Konkurrenz den Nutzen nahm, den er nur halbwegs herauszupr.ffen im Stande war, daß er das Getränk hergab, das ihm beliebte, liegt auf der Hand. Subpachtungen waren Reael; ein reicherer Jude, denn naheiu alle Regalienpächter find Juden, pachtete das Schankrccht für den ganzen Ort und verpachtete die einzelnen Wirthshäuser wieder an ärmere Glaubensgenossen; den Nutzen des einen wie des anderen Pächters mußte aber der Konsument bezahlen. Die Herren Agrarier sollen dafür„entschädigt" werden, daß fie ihre Hörigen ein Säkulum nack dem anderen ausgenützt haben. Der Gesetzentwurf bietet den Regalbcsttzern als Kapital die sechszehn- fache Jahresrente, eine gradezu glänzende Schadloshaltung, da bei Verläufen des Regalrechts höchstens das Zwölffache der Jahrcsrente gezahlt wird, und die Besitzer anstatt eines schwan- kenden ein staatlich garantirtes ficheres Kapital in die Hand bc- kommen. Wie die Junker ibre Pflichten dem Staate gegenüber auffassen, wie fie d e Moral hochhalten und Treu und Redlich- keit üben, dafür spricht folgendes. Die Grundbesitzer protestircn nämlich ganz entschieden dagegen, daß der Staat bei der Bc- rechnung der Absösungssummen das Steuerbekenntniß zu Grunde lege.„Es wird ganz offen eingestanden," schreibt man der„Allgemeinen Zeitung" aus Ungarn,„daß die Mehrzahl, einem allgemeinen Gebrauch folgend, ein geringeres Einkommen aus dem Regal fatirt habe, um eine geringere Steuer zu zahlen, und zur Entschuldigung vorgebracht, der Grundbesitzer sei so überlastet und dedrückt, daß er oft in die Zwangslage komme, fich zu helfen, wie er es eben könne; es stehe aber dem Staat schlecht an, dieses also nicht fatirte Mehrcinkommen jetzt zu kon fiszircn und derart mit der einen Hand theilweise wieder zu nehmen, was er mit der anderen giebt." Wer bewundert nicht die eisenstlrnige Frechheit, mit der Ungarns hochmüthige Aristo« kratie fich zu einem fortgesetzten systematischen Diebstahl am Staatseigcnthum bekennt! Aus den Rethen der Feudalbarone relrutiren sich zum größten Theile die Mitglieder des ungarischen Parlaments, fie bilden die Leibgarde des Herrn von Tisza, fie find die Gesetzgeber, und die Korruption, die Vettern- wirthschaft, die Verlotterung des ungarischen Staats- wesens find ihr Werk. Den Steuerfiskus zu prellen, ist eine strafbare Handlung. Daß die Junker die Prellerei eingestehen, um— von dem Staat, d. h. aus dem Volk, noch mehr Geld herauszuschlagen, zeigt uns, welch fressen- des Geschwür an dem ungarischen Staatsorganismus zehrt. Und unwillkürlich kommen uns in den Sinn die vernichtenden Worte, die Cato einst über den Verfall der römischen Republik gesprochen:„Wer Prioateigenthum entwendet, liegt in Ketten und Banden, die öffentlichen Räuber gehen in Gold und Pmpur!" Die 200 Millionen Gulden(370 Millionen Mark), die für die Ablösung von den Steuerzahlern aufgebracht werden müffm, genügen den Gmndberren nicht. Bewahre! Sie haben den Staat jedes Jahr um so und so viel Steuern betrogen, und deshalb fordern fie 280 Millionen Gulden. Denn, so sagen fie, wir wollen eine Abschätzung der Ablösungs- strengsten Maßregeln zu ergreifen habe, damit der Ge- fangene sich nicht selbst der irdischen Gerechtigkeit entziehe. „O, wenn er doch sterben wollte! Diese Nacht wird für ihn zur Höllenpein, das ist ein Foltern der letzten Stunden des Daseins," dachte Maluga. Er erinnerte sich deS„letzten Tages eines Verurtheilten" und hätte fast geweint.— Aber das Papier lag vor ihm, und was eS vorschrieb, mußte ausgeführt werden. Mit einem Seufzer verließ er sein Bureau, um die VorsichtS- maßregeln anzuordnen; die ganze Nacht quälte er sich, am anderen Morgen aber erfüllte er männlich seine Pflicht. Doch als der Karren den Hof deS Gefängnisses verlassen hatte und der Trommelwirbel zu hören war, da wurde es Maluga dunkel vor den Augen und er war einer Ohnmacht nahe.— Er kam mit,'düsterer peinvoller Miene nach Hause, so daß Polixena erschrack.„Höre meinen Rath! Gieb diese Stellung auf!" sagte sie. Maluga wehrte mit der Hand ab und begab sich auf sein Zimmer. Zwei Tage ging er herum wie ein Sünder, dem die Reue über sein Vergehen nicht Ruhe läßt, später beruhigte er sich allmälig, und Alles ging im früheren Geleise. (Fortsetzung folgt.) An« Knnft und zrbe«. 31»» dem Schmierenlebe», liebet eine Aufführung von SchiUer's„Räubern", welche in dem badischen Städtchen PH— p. stattfand, theilt der„B. B.-C." nach dem Briefe eines Auqenzeuaen folgendes mit: Den„Franz Moor" spielte der Direktor C, ein fettes, rundliches Männchen, mit einem un- endlich gutmüthigen Geficht und einer außerordentlich wohl- wollenden Nase, deren strahlende Röche er nicht durch Schminke zu verdecken suchte. während er andererseits krampfhaft demübt war, alle herben Eigenschaften der„Kanaille Franz» derartig zu mmm summe nicht nach dem, was wir als unser Einkommen fatirt baden, sondem nach dem, was wir wirklich einnehmen. Diese Offenbarung nobler Denkweise kann den nicht überraschen, der die Geschichte und das Wesen des Adels auch nur oberflächlich kennt. De» schmeizerische Parteitag, dessen Berufung von der Konferenz des vorigen Sonntag in Aarau für den 21. Oktober d. I. beschlossen worden ist, wird fich ausschließlich mit der Konstituirung und dem Programm der ncuzugründenden eidgenössischen sozialdemokratischen Partei beschäftigen. Der neuen Partei sollen nur schweizerische Bürger angehören; die in der Schweiz lebenden ausländischen Sozialdemokraten haben ibre besonderen Organisationen, in denen fie nach wie vor tbätiq sein werden. Daß die schweizerischen Sozialdemokraten fich als solche„national" organifiren wollen, wird von Jedermann, der die schweizerischen Verhältnisse kennt, nur gebilligt werden können. Die deutschen Sozialdemokraten in der Schweiz haben in ihrem eigenen Jntereffe den Plan gutgebeißen, dem jeglicher chauvinistische Gedanke fern ist— wie fich das ja bei Sozialdemokraten von selbst versteht. Da» geheim« Schreiben de» schweizerischen Kunde»- rathe», dessen Woitlaut wir gestern mittheilien, macht ein be- rechtigtcs und peinliches Aufsehen. Jetzt muß es sich zeigen, ob man das schweizerische Bürgerthum nicht bereits durch Macht- anbetung und Einschüchterung entmannen konnte und od das- selbe den Begriff der bürgerlichen Freiheit, welche es selbst mit großen Opfern erstritten hat, zu vertheidigen im Stande ist. Mit G nugthuung lesen wir einen Artikel der„Basler Räch' richten", welche die ganze Tragweite des Schreibens ermesse«. Das Blatt, das mehreren Mitgliedern des Bundesrathes nahe steht, schreibt(wir heben im Druck einige Stellen besonders hervor):„Wir fragen allen Ernstes: Ist es wahr? Hat der Bundesrath in Ausführung des Beschlusses der cid' genössischen Räthe über eine bessere Organisation der politischen Polizei wirklich ein Kreisschreibcn erlasse«. in welchem Dinge stehen, wie die mitgetheilten? Wir können einstweilen nicht daran glauben. Vor uns liege«: die Botschaft des Bundesrathes betreffend das Gesuch um eine« Nachtragskredit zum Zwecke einer besseren Organisation der politischen Polizei, der Bericht der nationalräthlichen Kommisfio« zu dieser Botschaft, der Bericht der ständcräthlichen Kommisfio« über denselben Gegenstand und der Wortlaut der Reden, die Herr Bundcsrath Droz im Nationalrath und im Ständeram bei Behandlung des erwähnten Gegenstandes gehalten W- Wir haben den Inhalt dieser Schriftstücke mehrmals aena« durchgangen; aber wie wir auch suchen mögen, wir fi de« nicht eine einzige Zeile, aus welcher der Bundesrath die Ermächtigung herleiten könnte, in der Weise vorzugehe«, wie er es in dem oben erwähnten Kreisschreiben gethan bade« soll. Vor allem ist daran zu erinnern, daß der Nachtragskred» von 20 000 Fr. unter dem Posten„Fremdenpolizei des eivgenösstschen Justiz- und Polizeidepartements erthem worden ist, und daß in der nationalräthlichen Kommission d« Ausdruck„politische Polizei" durch Fremdenpolizei ersetzt wurde- Es geht auch aus dem Inhalt der oben angeführten Aktenstücke zur Eoiden, heroor, daß die von den eidgenössischen Rüthen be« schlossenc Maßregel speziell gegen die auswärtigen A genta pro- vocateurs, Polizeispitzel, Anarchisten und Agitatoren gerichtet sein sollte. Von einer poltzeilichenÄaßregelunS und Ueberwachung des eigenen Schweizer- volles war nie und nimmer die Rede. Nu« richten fich aber die Vorschriften des fraglichen Krerf' schreibens zuerst und ihr.m Hauptinhalte noch gegen@'r' heimische. Damit darüber kein Zweifel entstehen könne, heißt(9 tn einem besonderen Abschnitt ganz deutlich:„In gleicher Wem verfahren sie(die Polizeiorgane) auch gegenüber Fremden, dere« Existenzmittel u. s. w." Sonst wird im ganzen Kreisschrcibe« kein Unterschied zwischen Schweizern und Fremden gemacht, st daß dasselbe auf Einheimische seine volle Anwendung zu sindm hat. Diese können somit gemäß den Vorschriften des Kreis« schreibens unter beständige polizeiliche Ausficht gestellt werde« Man könnte diese polizeiliche Aufsicht aus Schritt und I«» noch begreiflich oder entschuldbar finden, wenn es fich um est Vorgehen handelte, das genau und deutl ch genannt ist und o«f, und politischer Organtsationsfragen zu polizeilicher UeberwatB«™ lieben übrigen Rollen des Trauerspiels von Dilettanten barßC stellt wurden, die in einer Art und Weise agirten, daß Stück zu einer geradezu zwerchfellerschütternden Posse wur«' Wesentlich erhöht wurde der Effekt dadurch, daß der Direktor nach Schluß der Vorstellung einen Hammel verlost� ließ, wozu jeder Besucher ein Frnloos erhalten hatte, r., Nummern defanden fich in einem Kaffeebrenner, welchen mann, der Rabe", drehte, während die„todie" Amalie« Glücksloos zog und das Gewinnobjekt, der dürre Hamme' einem Ttschfuß gebunden, diese Prozedur mit einem klägl'««. Ol f S VI« /C4 f JP»»..—-.«• JjOH Blöken begleitete. Als die betrepende Glücksnummer"""ft» „seligen" Amalie in den dicht gefüllt, n WiNdshauosaal gcru' wurde, antwortete eine kräftige Stimme„Hier"— n-e Gluck',„ stieg ohne weiteres über die niedrige Rampe der Bühne, JttL den Hammel mit nerviger Faust in die Wolle und äußerst � klassischen Worte:„Iii ischt dös e mageres Luder!" N'%, Applaus— und der selige Schiller hatte wieder einmal t> seiner Triumphe gefeiert. Vi» kühner Reporter. Im benachbarten Long Island Aus New, Bork wird geschtt�Ä, Im benachbarten Long Island machte fich den dortigen.-�, reichen Meiereien und Geflügelzüchtereien seit längerer ist" � desperater„gang" von Pferdedieden bemerkbar, die zuweuen � hellen Tage die Thiere aus den Ställen raubten, ohne 0«?,� den mit der Sache betrauten Detektivs gelang, Licht in jT jrtf zu dringen. Thatsache ist, daß die Beamten aus lauernden Dolchen oder aus dem Hinterhalte fallenden nur sehr lanzsam vorgingen, während die Bewohner Islands immer mehr unter der gefährlichen Plage ibrer Noth sandten fie eine Deputatton an eine hiesig« JLtj Zeitung(„The World") und baten um Hilfe. Sofort �l einer der erfahrensten und tüchtigsten Reporter mst H dctraut und hegleitete die Bittsteller in ihre �.„„e« Hier machte er die Runde bei sämmtlichen bestoblenen und entdeckte zunächst folgenden gelungenen�Pian�ver � � unu eniueate zunawn svrgenoen gelungenen. gp, nach welchem sie bei jedem Zug arbeiteten. Man nehme w einer gewissen Landstraße wohnen in Abständen von' jvj Meilen die Mehdefitzer, und fange beim entferntesten« 0# diesem stahlen die Diebe in der Regel zwei Pferde, rut 51 zurück zum zweiten und stahlen einen Wagen, vor ve„n Pferde spannten. Beim dritten wurden Hühner. � ist -änse auf das Gefährt geladen, beim vierten � Tinktim und levten. den man bei 1ti6 C( Sjch est Gemüse und beim fünften und letzten, den man bruch erreichen mochte, allerlei Geräthe, die man~ z» fahren erhaschen konnte. Die Spuren führten also äußerst vermfenes, meistens von Ziegern und Mulatte Arm soll, ist eine Vorschrift, welche die besten Männer unseres «ndes und persönliche Freunde der Herren Bundesräthe(sie!) Jn einer einigermaßen diensteifrigen Polizei ans Messer liefern »nn. Und wo bleibt unter diesen Umständen der durch die "undesverfaffung garantirte Schutz der freien Meinungsäuße- rimg, der Preß- und Redefreiheit? Jmmerund immer wieder wurde ** der Behandlung des Rachtragslredits für die Fremdenpolizei J« Versicherung wiederholt: es handle sich nicht um Beschrän MUDKUH «rrum ftellen wir an vte lompelenre Beyoroe nocymais vre '-lege, die an der Spitze dieses Artikels steht: Ist es wahr" � Die Antwort hat der Berner„Bund" bereits mit„Ja" ge- De den. , Aerr Henry George, in dessen Namen bei uns eine «vrö apathische Kur gegen die Sozialdemokratie versucht werden % ist in seiner Heimath zum ordinären Geschäftspolrliker und »vtumpfredncr" geworden. Er steht in den regelmäßigen ®fcnsten des demokratischen Prästdentschasts>Wohlkomitee's und «Mt das Land mit dem Ruhme des großen Freihandels- jfcrnas Cleveland. Herr George hat die Entdeckung gemacht, der Freihandel die wahre Sozialdemokratie ist— was Jw schon deshalb erwähnen, weil es in Deutsch- •®d Leute gegeben hat— vielleicht noch giebt,— �lche in der Schutzzöllnerei die wahre Sozialdemokratie {Wa wenigstens den wahren Sozialismus entdeckt baden. Ferner Ennert Herr George sehr heftig gegen die„Trusts" und »wonWole", ohne daß er stch jedoch bisher zu der Forderung �geschwungen bätte, daß die Eisenbahnen, Telegraphen, Minen "W sonstige Gegenstände der„Trusts" verstaatlicht oder �urralifi! t werden muffen. Es handelt stch offenbar nur um S»«! hübschen, wirksamen„Wahlruf"(elertion cry); ist die Achl vorbei, dann mögen die Trusts und Monopole wieder in oüeden leben und das„Fett des Landes" in stch ansammeln.— a. Die Erhöhung der Zivilliste des Kaisers durch einm Mchszuschuß ist nach der„Magded. Ztg." Gegenstand näherer �Dügnng. n Die„Deutsche Arbeiterzeitung" der Herren National- �eraien bat glücklich in einer Prodenummer das Licht der Welt � �- mt.ij..* in L....----- r---.rriu��r- At- die nicht die Kritik, sondern Mitleid herausfordert. Alt 2= hie Sache wohl überhaupt nicht werden, denn für absolut Wtcklose Dinge weifen auch nationalliberale Kommerzicnrälhe Geld nicht zum Fenster hinaus. Gin sonderbarer Heiliger muß der deutschfrcistnnige Meordnete Lüders aus Göilitz sein. Besagter Herr hielt 'amlich vor den Gewerkvereinlein in Sp rottau eine Fest- und gab dabei— laut Bericht der„Voss. Ztg."— fol- pioen GaUmatthias zum besten:„Die größte Gegnerschaft ??. Gewcrkvereine stehe aber auf der linken Seite: Das seien '■fienigen Hunderte von Ardeitern, welche weder den Muth(!) 2-4 die Kraft(!) haben, über das eigene Schicksal und das �kr Kollegen ernstlich nachzudenken(!), sondern alle Hilfe Möglich mit Gewalt vom Staate fordern; diese auch das 5�>tal bekämpfenden feindlichen Elemente stnd die Sozial- vv�okratcn. Das Kapital sei eine schaffende Kraft und dämm ste nicht zerstört werden. Wenn jeder Arbeiter seine Nie Kraft dem Ideal der Gewerkvereine leihe, dann wirke ste r*il zur Hebung des Arbeiterstandes, wie das Kapital selbst, Erdings! Red.) und der Sozialdemokratie werde der Boden "ujoaen."— O Lüdcrs, was hast Du Dir dabei gedacht?! Mit dem«euen Entwurf de« Altersversorgung«- s?J*hr« scheint die sächfische Reaiemng nicht recht einverstanden. � amtliche„Leipz. Ztg." sühn aus, daß der Sprung von der '«gehenden Selbstverwaltung der„Grundzüge" zu dem fast U»»-- m-> a m'• sr-. r----- �«gehenden Selbstverwaltung oer„Mrunozuge" zu oem?a,i L�grenz'en Burcaukratismus des jetzigen Entwurfs wenig Ver< �.�bes biete, und ein Mittelweg zwischen diesen Eptremen. dtn VklstcheNen eine ausgiebigere Betheiligung an der Ber- tbT» G ihrer Angelegenheiten fichert, als es der jetzige Entwurf doch wohl erwünscht wäre. Außerdem em p stehlt die„Leip- Zeitung" wiedtiholt eine prozentuale Abmessung der soll«' iowie die Beibehaltung oder, wenn das nicht angehen Dm allgemeine Beseitigung der bemfsgenoffenschaftlichen Mmsztion. Glu Reptilleukongrey wird für Berlin geplant. Nachr." ist folgendes Zirkular darüber in die „Die Unterzeichneten legen den Herren Kollegen vor, einen festeien Zusammenschluß der en tsch i e- -«r.—» Pi-r»-- /Ca ff. Plan 0 p** VKH,f VIIIV1»| V(*v* Vt»-- u---,. hebt- �"llsfreundli chen Presse herzustellen. Es 1� iu hoffen, daß mit dem Gelingen des Planes der Presse Stande zugleich praktische Vortheile er- kfiS m �krden.... Wir laden deshalb die Kollegen ein, zu Ik,. �/'prechung zu erscheinen; nur auf dem Wege des münd- % j" Austausches»nkerer Meinunaen kommen wir zum Ziel. ,.... unserer Meinungen kommen wir zum Ziel. nicht allein im Interesse der Redakteure, es ist viel« noch mehr zum Vortheilc des Verlags, wenn die Be- »tchj'i". eines gänzlich verkommenen, zerlumpten. %!' badete stch förmlich in Schmutz— und so gut gelang .�rolrf.??M,,hose, daß der Chefredakteur den vermeintlichen lchi«�?.?'nnus werfen ließ, als er in der Redaktion seinen Ab- wn �."ch mochte, bevor er das gefährliche Unternehmen be- ullarib nächste Tag sah ihn in jenem Diebesnest auf Long M% es Zuerst bettelte, vor den Thüren der Häuser oder % D ��lraße in leeren Fässern schlief und in der Tiefe �n�Kog und— Geflügel stahl, das er einigen �Nn-n«chönen zum Geschenk machte, um Vertrauen zu ge- gelang ihm. Frank Smith, ein gefährlicher, viel- '„Crook", machte„Bill, tbe.slayer"(Bill, der Todt- MtKird«) mV. v0- nrachte„Bill, tbe slayer"(om, ua Scn'�?le,„Vec /borler stch mit Stolz nannte, zu seinem obnf q"O? ihn auf seinen Raubzügen mit stch und ende o, an dem neuen Freund eine gute be Ä?/' denn er„schenkte" ihm bald ein- toll Sicoor« Ä?'l m,t ZU leben(worüber die Gattin Sjbeikie �ers sehr ungehalten gewesen sein soll!), und 2 Dtebf«i!i I"ne Geheimnisse. Frank Smith war das Haupt j'b und der Reporter fand Gelegenheit, Namen SS feinen? sammtlicher Mitglieder zu notiren— freilich L%tcb denn er war durch Schwur und Handschlag 22? kechten a?ande geworden. Jetzt hielt der kühne Mann Landen qi,.aunft für gekommen; er entfloh, sammelte die Ädensri�'f�besttzcr um stch, schwor auf dem Amte des Sa,"Bei S«, v. te e gkgen eine große Anzahl Personen aus iJbioß Unb w?? später saß die ganze Diebesgesellschaft hinter Kj�enb™;y;eßeh um ein umfassendes Geständniß abzulegen, �JfredÄ?.""d Polizisten verblüfft die Köpfe wiegten. fc? Stroit'bt er entband den triumphirenden Reporter seines « Af.kv'pen gegebenen Schwures, die Farmer beschenkten ihn ' � Aaftnforfptt v. I�notot nicht„per Zeile", fonoern % baben. »id�bsicht, die ay �äbremg der Japaner ist fast allgemein �«rikA �breite« 5�°� in manchen phystologischen Werken gltf;&e, bot k die Lebensweise dieser Rasse eine fast ve« �!in?�cht ,s«7 Reis die ausschließliche Volksnahrung sei. 8en' die.. den letzten Jahren dmch neuere Unter- Zum großen Theil von japanischen Gelehrten sprechung möglichst vollständige Beschickung erfährt. Wo die Verhältnisse es nicht anders erlauben, sollte stch die engere Nach. barschast zur Entsendung eines Delegirten vereinigen. Als Ort der Zusammenkunft kann, der vortheilhaften Verbindungen wegen, nur Berlin in Erwägung kommen; ein Sonntag muß aenüaen, um unser Werk wenigstens unter Dach zu bringen. Als Tag schlagen wir den 9. Oktober vor." Auch ei« Vr««d. Aus Sachsen, 18. September, wird der„Voss. Ztg." geschrieben:„Von der Krimmitschauer Polizeibehörde ist kürzlich eine Versammlung der Maurer und Zimmerer mit dem Bemerken von vornherein untersagt worden, daß dem aus Leipzig stammenden Referenten die hiefigen Verhältnisse doch nicht bekannt seien und es ihm sonach jedenfalls gar nicht darauf ankomme, die Lage der Krimmit- schauer Baubandwerker zu verbessern. Es scheine vielmehr nur die Adficht vorzuliegen, sozialistische Ideen in diese Kreise der Bauhandwerker hineinzutragen."— Ja, mir Sachsen sein helle! Ei« wunderliche« Iollkuriosum wird aus Altona ge« meldet. Vor einiger Zeit ist dort die große Holzbearbeitungs« fabrik von Schmidt niedergebrannt. Dieselbe lag im Zoll- vereinsgedtet. Kurz vorher hatte ein Altonaer Holzhändler Holz in die Fabrik geschickt, damit es dort bearbeitet und noch am selben Tage wieder zurückgebracht werde. Die Zollbehörde hatte dem Händler für diesen häustger wiederkehrenden Fall die dauernde Erlaubniß zollfreien Transports gewährt. Bedingung war also, daß das Holz ins Freihafengedict zurückgeschafft werde. Bei dem Brande aber wurde es vernichtet. Da es nun that- sächlich nicht zurückgeschafft worden ist und werden konnte, ver- langt die Zollbehörde jetzt den vollen, nicht unerheblichen Betrag des Zolles. Der Händler weigert stch, ihn zu'zahlen, und gedenkt, die Sache nöthigenfalls bis zur höchsten Instanz zu verfolgen. Wi» beliebt Deutschland im Ausland» ist! In einer Zuschiift an die Londoner„Times" beschwert stch der englische Parlomentsabgeordnete Seale-Hapne, ein Gladstonianer, daß ihm am 12. d. M. in Mülhausen von den deutschen Behörden die Weiterreise verwehrt wurde, weil sein Paß nicht das Visa der deutschen Botschaft in London trug. Er spricht stch sehr cnt- rüstet darüber aus und empstehlt schließlich britischen und ameri- kanischen Reisenden, Deutschland zu meiden, während diese Paßstrenge herrsche. Mains, 18. September. Nach Verbüßung einer in dem hiestgcn Sozialistenprozeffe zuerkannten sechsmonatlichcn Haft strafe öffneten stch heute Morgen dem sozialdemokratischen Land tagsabgeordnetcn I ö st die Gefängnißpforten. Derbot. Nr. 18 des„Correspondent", Organ der Ver- cinigung der deutschen Maler, Lackirer, Anstreicher und ver- wandten Berufsgenoffen, ist in Hamburg verboten worden. Dies ist bereits die zweite Nummer des Organs, die von einem Verbot betroffen wird. Kchwei?. Der ausgewiesene Schneider Troppmann ist aus Bayern gebürtig. Er hat stch bei den Versammlungen Lied- knechts dadurch demerklich gemacht, daß er Liebknecht als viel zu gemäßigt bezeichnete und dadurch den Verdacht auf sich lenkte, agent piovo« atenr zu sein. Die bundescäthliche Ver- fügung' gebraucht indessen dieses Wort nicht, dagegen be- zichtigt ste Troppmann des Verkehrs mit den Anarchisten in Chicago. Grotzbritaunie«. Wie bereits telegravhisch gemeldet, ist der irische Ad- geordnete John Dillon seines mißlichen Gesundheits- zustandcs wegen aus dem Gefängnisse in Dundalk entlassen worden. Von der ihm wegen Aufreizung zur Verschwörung zu- erkannten sechsmonatlichen Gefängnißstrafe hat Dillon sonach kaum die Hälfte verbüßt. Ob er lange außerhalb des Gefäng- niffes weilen wird, erscheint sehr fraglich, denn er ist einer der entschlossensten Führer der irischen Nationalpartei und seine Sprache ist stets in hohem Grade herausfordernd gewesen. Er wird stch auch jetzt, nach seiner Freilassung aus dem Gefängnisse, dessen Bekanntschaft er seit Jahren deS Oefteren gemacht hat, keinen Zwang auferlegen, wie schon aus folgendem Telegramm erhellt: London, 19. September. Die Freilassung Dillons er- folgte gestern unerwartet und bedingungslos auf Anordnung des Vizekönigs von Irland selbst. In Dublin wurde Dillon begeistert empfangen. Parnell sandte ihm durch den Draht einen Glückwunsch, worin er sagt:„Ihre Freilassung beseitigt eine Last von Kummer von den Gemütbern Ihrer Freunde allenthalben. Ihr Triumph über die Rohheit Ihrer Cinsper- rung ist ein großer Sieg für Irland und eine entschiedene Niederlage für Balfours Zwang." In einer Ansprache an das Publikum vor seiner Wohnung erklärte Dillon, er komme aus dem Gefängniß, entschlossener als je den Kampf für die Sache Irlands fortzusetzen. Frankreich. Abgeordneter Gilly verlangt in einer Zuschrift an den Staatshavshaltsauslchuß, man möge ihn wegen Verleum- dung verklagen, vor Gericht werde er Namen nennen. Der Ausschuß hat noch leinen Beschluß gefaßt.' WBMBWD SÄtSfÄ vegetabilische Kost der Jnnenbewohner unterscheiden. Unter den &%%%%" ÄX ÄÄÄ; soweit gelocht wirb, daß die Körner ihre Form noch deHalten und stch zwischen den Fingern leicht zerdrücken lassen. Daneden DMWW durch einen so hohen Gehalt an Eiweiß und zum Theil auch an Fett ausgezeichnet find, werden auffallend wenig direkt genossen Japans stch zunehmender Beliebtheit erfreut. Das Miso ein dickflüssiger Brei, wird fast in jeder Haushaltung selbst berge- stellt aus gekochten und zerriebenen Sojabohnen, die mit Esässeegs sr äms eanae asa* Die A r d e i t e r am Eiffelthurm verlangen Lohn- erhöhung und stehen einstweilen aus. Angefichts der in Frankreich eingetretenen Vertheuerung des Brotes beabstchtigen einige Mitglieder der franzöfischen Abgeordnetenkammer, die Abschaffung deS Zolls von 5 Frks. auf Getreide zu beantragen. Die Erhöhung des Getreidezolls von 3 auf 5 Fils, für den Doppelzentner ist erst im vorigen Jahre erfolgt und war auf entschiedenen Widerspruch innerhalb des damaligen Ministeriums Goblet gestoßen. Vor den Thoren von Paris, in Saint-Denis und S a i n t- O u e n, herrscht große Aufregung. Die Frauen ziehen in Haufen nach den Gemeindehäusern und verlangen Brot, die Männer versammeln sich vor den geschlossenen Läden der Bäcker und drohen mit Gewalt, wenn man nicht öffne. Denn das ist cs, was die Volkserditterung heraufbeschworen bat: Die Bäcker von St. Ouen und Saint Denis wollen kein Brot mehr backen, und die Einwohner der beiden großen Vororte sehen stch plötzlich des nothwendigsten Nahrungsmittels beraubt. Der Hergang der Sache ist folgender: In Frankreich besteht ein Gesetz aus dem Jahre 1791, welches, um die ungebührliche Vertheuerung des Brotes zu verhindern, den Gemeindebehörden das Recht giebt, die Preise des Brotes amtlich festzustellen.(J-n Gegensatz zur Berliner Gepflogenheit wird in Paris das Brot nach dem Gewichte gekauft und der Preis des Pfundes wechselt. Das gewöhnliche Bäckerbrot wird im Gewicht von zwei Kilogramm, vier Pfund ausgebacken.) Bis zum zweiten Kaiserreiche war das Ääckergewerde staatlich eingeschränkt. Wie anderwärts für Apotheken, so dedurfte cs hier für Bäckerläden einer behördlichen Genehmigung, und diese wurde nur ertheilt, wenn die Anzahl der Bevölkerung thatsächlich eine Vermehrung der bestehenden Läden nöthig machte. Ende der fünfziger Jahre wurde dieses Syssem abgeschafft und das Bäckergewerbe freigegeben. Man versprach stch vom Wettbewerbe dilligeres und besseres Brot. Diese Folge trat nicht ein. Das Brot wurde vielmehr wesent» lich theurer und etwas schlechter. Die Sache erklärt stch einfach genug. Als Jeder, der wollte, eine Backstube eröffnen konnte, schaffen diese Geschäfte wie Pilze in die Höhe. Jede Straße sah mehrere Bäckerläden entstehen. Jeder einzelne Laden hatte eine viel kleinere Kundschaft als vorher, und die allgemeinen Geschäftsunkosten, welche dieselben blieben oder noch eher etwas wuchsen, vertheilten stch auf eine kleinere Menge verkaufter Brote, belasteten somit jedes einzelne Brot mit einem größcrn Betrage. Die Bäcker merkten bald, daß es zwecklos sei, ein- ander zu unterbieten, da die Hausfrauen, welche den Brotein- lauf besorgen, in der Regel doch nicht weiter gehen, als unbe« dingt nöthig ist, um ibren Bedarf an Brot zu decken, und ste schloffen sich zu einer Gewerbekammcr zusammen, die einheitliche und hohe Preise, wenn nicht für die ganze Stadt, doch immer für ein Stadtviertel festsetzte. Seitdem merkt das Publikum das Steigen der Getreide- und Mchlpreise sofort an einem unverhältmßmäßigen Steigen des Brotpreises; dem Sinken der Getreidepreise aber folgen die Bäcker aar nicht oder nur spät und äußerst zurückhaltend. Um allzu große Mißbrauche zu verhüten, veröffentlicht die Pariser Stadtdehörde allmonatlich den Preis, zu welchem daS Brot ver- kauft werden könnte. Das hilft aber, wenigstens in Paris, nichts, denn zu diesem Preise ist thatsächlich nirgends Brot zu bekommen. Der Preis wird in der Weise berechnet, daß man den Durchschnittspreis guter Mehlmarken zu Grunde legt, daß man ferner annimmt, 100 Kilogr. Mehl gäben 130 Kilogramm Brot und doß man zum Mehlpreise 12 Fr. 20 C. für je 100 Kilogramm als Betrag der allgemeinen Unkosten, des Arbeits- lohnes, Brennholzes und Unternehmergewinncs zuschlägt. Mit diesen Elementen gelangte die Pariser Behörde für den laufen- den Monat zu einem Preise von 78 Centimes für 2 Kilogramm Brot, während die Arbeiter es thatsächlich mit 85 Cent bezahlen müssen. In St. Quen und St. Denis haben die Bäcker ver- gangene Woche den Brotpreis von 70 auf 75 und 80 Centimes (immer für 2 Kilogr.) hinauf gesetzt, weil die Gelreidepreise etwas in die Höbe gegangen find. Die Maires und Gemeinde- räthe der beiden Orte fanden diese Preissteigerung ungerecht- fertigt und setzten, von ihrem gesetzlichen Gebrauch machend, den flrets auf 70 Cent. fest. Bei diesem Preise ist dm Bäckernein Uschlag von 11 Fr. zu je 1000 Kilogr. Brot an allgemeinen Unkosten. Arbeitslohn u. s. w. zugestanden was für die Voroite reichlich bemessen ist. Die Bäcker in St. Denis erklärten aber, bei diesem Preise nicht bestehm zu können und lieber die Läden zu schließen, während ste in St. Ouen den Wochenlobn ihrer Gehilfen von 45 auf 35 Fr. herabsetzten, was wieder den Aus- stand der Ardeiter zur Folge hatte. Die Gemeindeverwaltung ließ aus Paris Brot kommen, das der Bevölkerung zum Kosten- preise verabfolgt wurde, und ste drohte den Bäckern, ihnen ihr Mehl und ihre Backöfen im Wege der Requisition zu nehmen und durch Ardeiter, die ste bereits in Paris gemiethet hat, Brot backen zu lassen. Wahrscheinlich werden die Bäcker nachgeben. Der ganze Fall ist bemerke nswcrtb als ein erster Versuch des Publikums, stch gegen die schamlose Ausbeutung durch einm ge- schlvffenen Ring von wucherischen Unternehmern zu wehren. Hoffentlich bricht auch über die Schlächter ein ähnliches Straf- gericht herein, denn es ist haarsträubend, wie auch diese dem Publikum das Fell über die Ohren ziehen. Gemisches von gekochten und zerstampften Sojabohnen, ge« röstetem Weizen, Kochsalz und Wasser. Neuerdings hat stch nun noch, wie Dr. O. Kellner und B. Mori in der„Zeitschrift für Biologie" mittdeilen, unter den mittleren und höheren Beamten der größeren Städte Japans der Genuß der Milch eingebürgert, die den Werth der Ernährung naturgemäß sehr dedeutend hebt. indem ste allein dm Körper vor Gewichtsverlust schützt, unter dem fast alle Japaner leiden. Anläßlich de« Wagestücke« de« Luftschisfer» Kaldtvin, der stch vor einigen Tagen wiederum in London aus einer Höhe von 6000 Fuß per Fallschirm zur Erde nieder- ließ, sagt die„St. James Gazette":„Professor Balvwin, der waghalffgste Künstler, hat sicherlich ein Ding bewiesen, und das ist, daß er ein tapferer Mann ist. der Witz und Nerven hat und stch mit Sicherheit vermiitelst eines Fallschirmes von einem Ballon in einer Höhe von mehreren tausend Fuß herablaffen kann. Das Resultat hat Uedcrraschung verursacht. Man hatte allgemein erwartet(besonders diejenigen, welche ihre Schillinge im Alerandra-Park bezahlt hatten), daß der Professor bei seinem ersten oder zweiten Versuch zerschmettert werden würde. Da es ihm aber bis jetzt gelungen ist, wird er das Wagestück natürlich wiederholen, und die Leute werden ihr Geld zahlen, um ihn zu sehen. Er sollte aber bewogen werden, seine Vorstellungm so weit wie möglich von großen Städten und anderen de- bauten Plätzen zu geben, denn dm Professor auf einer Kirch- thurmspitze aufgespießt zu sehen, dürfte kein erhebender An- blick sein." Ein moderner Gedipu». Ein gewisser Watter Johns bat in London ein eigenes Räthsclauflösungsdureau enicktek. Mr. Johns spekulirt ganz richtig. Die engliscben Familim- journale setzen nämlich für die Lösung ihrer Charadm stets werthvolle Preise aus, die jedem Abonnenten zugänglich find. und die Chanze zur Erringung eines solchm Preises ist auch den Meisten die kleine Summe von 10 Pence wertb, für welches Honorar Mr. Johns die Lösung eines jedm, selbst d.s kompltziitesten Räthses verräth. Der Abonnent hat dann nichts weiteres zu thun, als die Lösung unter seinem Namm einzu- senden. Mr. Johns hat stch auf diese Weise binnen wmigen Wochen ein recht hübsches fixes Einlommm geschaffen; er fitzt von 9 Uhr früh bis zum späten Abend in seinem Bureau, in dem alle Journale aufliegen, und empfängt die zahlreichm „Kunden". Es ist also gar nicht anzunehmm, daß dieser moderne Oedipus, wie sein Vorbild, dereinst betteln gchen wird. In Saint- Ouen dauert der Streik noch fort. Nur ein Bäckerladen ist auf; der Stadtrath hat 36 Bäckergesellen «u8 Paris kommen lasten, Mehl u. s. w. bei den streitenden Bäckern rcquirirt und läßt an die vor dem Rathhause ver- sammelte Menge Brot vertheilen. Der Leichnam eines deutschen Gendarmen wurde auf dem Territorium der franzöfischen Gemeinde Suarce, eines U Kilometer von der Grenze an der Straße nach Bel» fort gelegenen Dörfchens, im Gebüsch gefunden. Der Hals war von einer Kugel durchbohrt. Die„Corr. Havas" behauptet, daß ein Selbstmord vorliege. Das Ministerium des Aeußern ver- weigert jede Auskunft. Gerichtliche Autoritäten von Bclfort be- gaben flck nach dem Thatort. Die„France" stellt die Hypo- these auf, daß der Gendarm von deutschen Schmugglern ermordet worden sei. Kalkaulattd-r. In dem letzten Ministcrralh in Belgrad wurden strengere Maßregeln gegen die oppositionelle serbische Presse beschloffen. Das Gklücht, daß im ganzen Lande der Belagerungszustand verhängt werden soll, ist angeblich unbegründet. Bezüglich des Anschlages auf das Leben des bulgarischen Ministers Natschewttsch werden aus Sofia nachstehende Einzelheiten gemeldet: Der Mann, welcher den Anschlag versuchte, ist ein ehemaliger Sekretär der diploma- tttchen Agentur Bulgariens in Bukarest, Namens Simeon Kiste- lost, der Herrn Natschewttsch seine Anstellung bei der Agentur in Bukarest zu verdanken hatte. Vor längerer Zeit floh Kiffeloff aus Bukarest, nach Veruntreuung eines der Agentur gehörenden Betrages und unter Hinterlassung großer Schulden nach Ruß- lond. Vor ungefähr zehn Tagen kehrte er mtt mehreren ande- rrn bulgarischen Emigranten nach Rumänien zurück. In Buka- rest wendete er sich sowohl an Herrn Nalschcwitsch wie an die brlgarische Agentur mit der Bitte, es möge ihm die Rückkehr noch Bulgarien gestattet werden, worauf ihm dedeutet wurde, daß seiner Rückkehr, falls er den der Agentur veruntreuten Geldbetrag ersetzt, nichts im Wege stehe. Das vorgebrachte An» liegen scheint jedoch ein bloßer Vorwand gewesen zu sein, um mit Herrn Natschewitsch in Berührung zu kommen, denn Kiffeloff vcrfolate den bulgarischen Finanzminister seit jener Stunde auf Schrttt und Tritt. Der Uederfall auf Herrn Natschewitsch erfolgte in der Station Baneassa, wo sich die von und nach Bukarest gehenden Züge kreuzen, um 7 Uhr Abends, indem Kiffeloff plötzlich die Tzür des Kupees, in welchem Herr Ratsche- wttsch saß, öffnete und zielend sechs Schüsse auf ihn abfeuerte. Der Attentäter suchte hierauf eilends, in einen nach Bukarest abgehenden Zug zu steigen, wurde aber von mehreren Paffa- gieren festgenommen und dem Polizeikommissar übergeben. Der Finanzminister wurde von vier Kugeln getroffen, erlitt aber nur unbedenkliche Kontusionen. In bulgarischen Kreisen mißt man dem Attentate Kiffeloffs, der schlechterdings zu keinem Racheakte gegen Herrn Natschewttsch Anlaß baden konnte, politische Motive bei und glaubt, daß Kiffeloff von nicht- bulgarischer (russischer?) Seite zu dem Verbrechen angestiftet worden sei. Asie«. Die bislang aus dem Ausstandsgediete in Nord- Afghanistan eingelaufenen Nachrichten bestätigen die Ver- muthung. daß sich der Thronbewerber Jsbak Khan auf die turkemenischen Stämme der U sbegs stützt. Sowohl Badalschan im Osten seines Bezirks wie Maimme im Westen sind dem Emir treu geblieben. Die Thatsache, wenn sich auch die An- Hängerschaft Jshaks auf eine geringe Zahl beschränkt, verleiht dem Ausstand doch eine über einen gewöhnlichen orientalischen Thronstreit hinausrcichende Bedeutung, da der Kampf das Ge- präge einer Nationalfehde zwischen Turkmenen und Afghanen erhält. Wenn man fich erinnert, daß Rußland seit der Erobe- rung Merw's Anspruch auf die Schutzherrschaft über alle Türk- menenstämme erhebt, so wird es klar, daß selbst eine Niederlage Jshak's den von ihm angefachten Streit nicht aus der Welt schaffen kann, denn er selbst sowohl wie seine UesbegS würden gastliche Aufnahme, vielleicht sogar Unterstützung im russischen Quartier nördlich vom LxuS finden. Wenn wirklich Kamard von den Truppen des Emirs genommen ist, so ist Jshak vor läufig der Weg nach Kabul abgeschnitten, denn Kamard ist auf der einzigen dorthin durch das Gebirge führenden Straße, 5600 Fuß über dem Meeresspiegel, gelegen. Der Haupttheil der Auf» ständischen soll sich jetzt.bei Haida! und Tasch-Kurgan(StA' Festung) befinden. Dort wird fich voraussichtlich daS näM Treffen abspielen, wenn Jshak nicht seinen Angreifem dura Ueberfälle der drei vereinzett gegen ihn heranziehenden H#* Haufen zuvorkommt. Amerika. Die vor kurzem von dem Rep räsentan tenhausk der Vereinigten Staaten von Amerika angenommene Vorlagt, in welcher Zollrepressalien gegen Kanada.«" geordnet werden, liegt jetzt dem Bundessenate vor, der, in fem* Mehrheit republikanisch, allem Anschein nach die Vorlage«p werfen wird. So hat der Senator Sberman im Senat eine» Beschluß beantragt, durch welchen der Ausschuß für auswärW Angelegenheiten angewiesen werden soll, die Beziehung« da Vereinigten Staaten zu Großbritannien und Kanada genau£ prüfen und die Maßregeln zu erwägen, durch welche der stnwo' schaftliche Verkehr zwischen diesen Ländern gefördert werden!«*» Senator Sherman bat im Bundessenat zu Washington seine» Antrag in längerer Rede begründet, über deren Inhalt folgend» maßen berichtet wird: Senator Sherman erklärte, der Sev* werde die vom Repräsentantenhause angenommene kanadif» Zollrepreffalien-Vorüwe verwerfen, da die Republikaner vi® beabsichtigten dem Präfiventen wettere Vollmachten zur Au-' Übung von Repressalien zu gewähren. Unter den geptom* Repressalien würden die Unionsstaaten mehr leiden als KoibM' dem freier Handelsverkehr angeboten werden müßte und M in so brüderlicher Weise, daß in den Kanadiern der Wunsch eu» stehen müsse, Amerikaner zu werden. Die kommerzielle UJ* politische Vereinigung zwischen Kanada und den Unionsstav* wäre die einzige gründliche Lösung der schwebenden frage. Die Rede Shermans wurde beifällig aufgenomm«.% Verwerfung der Repressalien-Vorlage im Senat scheint gesM zu sein. Theater. Freitag, den 21. September. ! Keine Vorstellung. Aa»»«fpt»lha»«(im M allner-«heater): Der Herr Major auf Urlaub. Ueljsing-Theater: Anton Antony. Wentsche» Theater. Graf Waldemar. Kerttner Theater. Ilse. IrteTrich- Withelmstäd tische» Theater. Der Glücksritter. Mepd»a»-Theat»r: Francillon. »»»«aKtanee- Theater» Tricoche und Cacolet. »tlltarta-Theater» Mathias Sandorf. Adalph-Grnft-Theater. Die drei Grazien. z«»Vwann'« Uartttt( Spezialitäten-Vorstellung. - Theater t Spezialitäten- Vor- Theate» der Ketchshalleu: Spezialttäten- Borstellung.______'_ Könißstädtisches Theater. Alexander str. 40— Kurzestr. 6. Stadt« und Pferdebahnverdindungen nach allen Richtungen der Stadt. Frettag und folgende Tage: Zum 2. Male: Der Rattenfiinger von Hameln. Phantastisches Volksstück mit Gesang in 8 Bildern xon Gustav Braun, Musik von Hubner-Trams. Kasseneröffnung 6% Uhr. Anfang 7t Uhr. Bons haben Glltigkett. Alles Nähere die Anschlagsäulen. Sonnabend und folgende Tage: Der Raltevfänger von Hameln._ American-Theater Direktion A. Reiff. Mr. 15. Freitag, den 20. September: Zum 15. Male: Die Weisheit Salome? skyV Berliner Lokalpossen-Pantomime von R. Anger. Mufik arrangirt von R. Thiele. 1. Bild: Die Renommirstunde bei Haasc. 2. Bild: In der Academy of nrndc. 3. Bild: Bei Mutter Pignatelli im Cour- saal. 4. Bild: Berlin um Mitternacht. 6. Bild: Vor'm Schöffengericht. Neu einstudirt: Tausend und eine Nacht. Operette von W. Köhler. Mufik von R. Thiele. Austreten der drei Geschwister Delöpterre, des Jnstrumentalisten Herrn Krüger, des Mimikers Rivoli und des Herrn Martin Bendix. Anfang 7t Uhr. Entree 50 Pf., Parterre 1 M., Balkon 1,25 und 1,50 M., Parquet 1.50 M., Sperrsitz 2 M., Loge 2 M., Balkonloge 3 M. Billet Vorverkauf Vormtttags 11—1 Uhr an der Kasse. JirKllsOLdmnuum. (Früher A. Krembser.) Ecke Karlstraße.— Friedrich- Karl- Ufer. Freitag, den 21. September, Abends 7 Uhr: Große Vorstcllllsg. Aus dem reichhaltigen Programm find deson- ders hervorzuheben: IS Napphenglt»(Ottgin.- Dressur), in Freihttt vorgeführt vom Direttor. Sil*»fache Apringfahrschvle, geritten von m. E. Schumann. Das Schulpferd Krillant, geritten von Frl. Martha Schumann. Auftreten der Rtttkünstlettnnen Miß Zl»q Hodgini und Miß Julia Mararthq, des Jockeyreiters Jos Aodgiui, des SaltomottalreiterS Mr. JTckion Gymnavislhe« Gntre« mit 2 Leitern. 4 Ge- drüder Gozzitti. Komisches Entree des Ottginal- Klown Glschan«ky u. s. w., u. s. w. Sonnabend, d. 22. Sept.: Kr. Vorstellung mtt neuem Programm. Hochachtungsvoll 652 6. Schumann, Direktor. Möbel-, Spiegel- nnb Volstermaarett-Magazi» ... Franz Tutzauer, Kopnickerstrasse 24(«ahe der Köpnickerdrücke). MV Reelle Maare. Prompte Bedienung. Kolide Preis». für Kirdorf«. Umgegend Könnt«g. den SS. Kept., Vorm. 10; Uhr, im Kaale Ball ohampAtra Ueu« Welt. Tagesordnung: Alters- und Jnvaliden-Verficherung der Arbeiter. Referent: Redakteur. Max Schippel. 570] Der Einberufer. Zum ersten Male: Drttte Reise. mmmr Algerien. Gran. Tanger. Fadrt mit der«ottharddahn. Der ganze Trauerzug und Auf Nahrung Karser Wilhelms im Dom. Ulltree» Socl.% M.. Kind nur 10 Pf. Akonn. Zloßtakak! A-Goldsohmidi «. 2. Ortober°. Alld.ApaMlltt Krücke 6 an» Bachachnn Markt. Fachverein der Tischler. Morgen, Sonnabend, 22. Septbr., Abends 8 t Uhr, Neue Grünstr. 28 in Jordan's Salon: MitgiiederVtlsammlllilg. TazesOrdvung: 1. Vortrag des Herrn Direltor O Jessen über: Da» heutige Fachzeichnen der Tischler. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Fragekasten. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich zu erscheinen, da die Versammlung pünstlich eröffnet wird.— Neue Mitglieder werden in der Ver- sammlung aufgenommen. W Sonnabend, den IS. Oktober,■ findet ein Verrinskrälllchen Hridrich'» Festsäie«, K.nthstr. SO. statt. Btllets hierzu werden auf allen Zahlstellen, sowie bei folgenden Herren ausgegeben: Apelt, Sedasttanstr. 27—28(Möbel Handlung): Wiede- mann, Forstersk. 50, 3 Tr.; Schulz, Btttzer- strvtze 42. 4 Tr.; Glocke, Wrangelstr. 30, 3 Tr. (bis 1. Oktober); Noak, Skalitzerftt. 24, 4 Tr.; 1 Postel, Mar.teuffelstr. 22. 3 Tr.; Merkel, Zoffener- slraße 33, H. 2 Tr.(bis 1. Oktober); Witte,' Möckernstr. 95, 3Tr.; Milarg, Lehrt erstr. 22, 2Tr.: Bruns, Reichendergeiftr. 105, 1 Tr.; Bielstein, Gartenstr. 3a, 4 Tr. bei Biedermann. 651]_ Der Vorstand. Soeben erschien: Von W. Bios. Heft 4. Preis S0 pfg. Zu beziehen durch die Gepedttio« des„Kerl. Kolksblatf, Zimmerstraße 44» Miedervarkiufern Rabatt. Mvtttm der Nohrlcgir Merlin» Sonntag, dm 23. d. M., Vormittags 11 Uhr, in F.uerstein's Salon, Alte Jckodgraße 75: Z- DerlammlttNlj% Tagesordnung: 1. Gewerkschaftliches. 2. Freie Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Fragekasten. 644 Der Vorstand Groaee öffentliche Versammlung der Sattler-, Klemer- und Täschner-Gehilfen Berlins und Umgegend in Vratmeil» Kierhallen, Kommandantenstraße 77-7W am Sonnabend, den 22. September, Ab.-nds 9 Uhr. Tagesordnung: 1. Unsere Organisation. 2. Die Mißstände in unserem Handwerk und wie ist denseldm abzuhelfen. 3. Verschicdmes. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Kollegen. 646]_ Der Ginberufer. Unserem Freunde C. Wildberper* besten Glückwünsche zu seinem heutigm& buttstage. 618) Wir bleiben die Allen kotz alleded- Kellt». 9 Mick Jeder kann fich von der Wahrhett überzeug l Stand, vollständige Länge und Brette, 9 Mark, Bettfedem. das Pfund von 25 Ps-j 0:� kaust allein die Bettfedern-Engros-Hanvl�, 1. Geschäft Kottbuoeratranae 4, parte? 2. Geschäft Brunnenatraooe 139, 1 1 Zur Ausmab sieben 23 Sorten Zedern. Kachv. sämmtl. an HolzbearbeUungs- Maschinen beschäst. Arbeiter. Montag, den 24. Sep'.b'., Abends präz se 8si Uhr, im Lokale des Herrn Säger, Grüner Weg 29: Mglieder-Vetsammluug Tagesordnung; 1. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Dr. Löwy über:„Ausgewählte Kapitel aus dem Strastecht." 2. Verschiedenes. 3. Fragekastm. Gäste willkommen. Neue Mitgleder werden aufgenommen. Um recht zahlreiches und pünkt- l'ches Erscheinen ersucht 650] V-r V-rstand. Kettfebern Erstes Geschäft: Andraasalr. SB Zweites Geschäft: Grüner Weg nnd Markusetrassen-Eoke. Carl Henze Größtes und ältestes Geschäft Hierselbst. Reell« K-bienung. Billigste Preise. Rotf-Tabacke» wttche ich aus der Konkursmasse von Frank n � gekauft habe, verkaufe ich zu staunenswev� billigen Preisen. Java- Einlage und 75 Pf., Sumatra 2V Pfd. deckend, guter pr. Pfd. 180 Pf. u. s. w. Ebenso offerttt> Rebut 60 Pf.. Pfälzer Umdlatt 70 Pf-» � vorzüglich brennende neue Sumatta's. F. Frank, Krttnnenftratze Ur. v» Im eigensten jJntereffe bitte auf Nr- PsjJ achten. 1 � Eine freundl. leere Stube an eine billig z. vermiethm Kottduser Damm, Ecke unA sttaße. Zu erst. Fotttersk. 5, v. ü, b. üSeffckj� Ern Zimmer mit separatem Eingaag Jf*$9 miethen bei Voaa, Rathenomirsteo" � (Destillation.) Arveitsmarkt, Malerlehrling verlangt H. Johl'.zjl Potsdamerstr. 98a. (©Jttbrncktr /eit-ißdnft, auch ausgenommen und gethettt, Leber, Liesen und Klein, sowie sämmt- liches Geflügel empfiehlt billigst R- Sasse, 514 Michaelkirchsir. 5 Möbel, Spiegel u Polster waaren rigener Fabrik wegen Estpamng der Ladenmieth- billig»rvauenstraß« S8. i*a*r«nd snrkmtf nur Ho> part, Zahlung nach Uedereinkunft. i��i. Preuss. 179. Lotterie Ziehung 1. Kl. am 2. und 3. Oetober er Antheilloose% M. 6 25, M. 3,25, /u Ii. l,7o, /f4 M.] empf. n. versendet Leatin, Berlin C., Spaudauerbrücke 16. Gleicher Preis für alle Klassen. Planmüssige Gewinn- Auszahlung. Prospecte gratis und franco. 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Die Abtbeilungen find zusammengetreten und haben drei Ausschüffe gewählt; der eine soll die Vorlage, be« treffend den Erwerb von 3 fiskalischen Parzellen zur Gneisenau« un'o Schleiermacherstraße, vorberathen, der zweite fich mit der Vorlage, betreffend die Ucberlaffung eines Bauplatzes für die Kirche der Emmausgcmeinde auf dem Laufitzer Platz befassen, und der dritte die Vorloge, betreffend die Uedcr- Weisung von Geldbeträgen an den Gmndstücks-Erwcrbungs- fonds, prüfen.— Vorher hatte der Vorsteher der Versammlung des am heutigen Tage erfolgte Ableben des Stadtraths Wolff «itgctheilt, zu dessen Gedenken fich die Versammlung von den Eitzen erhebt.— Zwischen der Geschäftsordnung der Ausschüsse und der der Versammlung hatte fich insofern ein Widerspruch herausgefunden, als zur Beschlußfähigkeit nach der Geschäfts- ordnung der Versammlung mindestens die Hälfte der Mitglieder, nach der der Ausschüsse die Mehrheit der Mitglieder vorhanden sein muß. Die Versammlung beschließt, ihre Geschäftsordnung als auch für die Ausschüsse verbindlich zu bestimmen. Vor Eintritt in die Tagesordnung stellt Stadlv. K u n e r t fist, daß das Stenogramm über die Verhandlungen der vorigen Sitzung an einer Stelle das gerade Gegentheil seiner Worte wiedergebe. Einige Naturalisationsgesuche werden geschäfts- ordnungsmäßig erledigt. Der Ankauf der Grundstücke Kreuzstraße 60 62 und 63/64 wird nach den Anträgen des Ausschusses beschlossen. Einige Rechnungen werden auf Antrag des Ausschusses für Rechnunassachen von der Versammlung dcchargirt. Einige Abänderungen des Bebauungsplanes «erden genehmigt. Der Ankauf des Grundstücks an der Ecke der Schmalen Gaffe und der Neuen Friedrichstr. 64—65 wird auf Antrag des Ausschusscs abgelehnt. An Jahre 1663 wurde in Leipzig bei der„Feier" der „fünfzigjährigen Wiederkehr des Tages der Leipziger Völkerschlacht" am 18. Oktober 1863 von einer großen Zahl Vertreter deutscher und österreichischer Städte der Beschluß gefaßt, zur Erinnerung an diese Schlacht ein Denkmal auf dem Leivziger Schlachtfeld, und zwar als eine ge- «einsame That aller Deutschen zu errichten, und es wurde zu diesem Zweck ein Ausschuß gebildet, in welchm u. a. auch Berlin gewählt worden ist. Aus dem Denkmal ist nichts ge- worden; es soll aber jetzt zur Feier der 7öjäbrigen Wiederkehr des Tages errichtet werden, und der Leivziger Mogistrat wünscht mit dem damaligen Ausschuß(für Berlin Bürgermeister D u n ck e r und Stadtv. Dr. V i r ch o w) zu Vor- t eralb'ingen in Veidindung zu treten. Der Magistrat beantragt, daß die Versammlung fich mit dem Anfinnen einverstanden «klärt. Stadtv. K u n e r t: Ich muß mich gegen die Auffassung des Magistrats wenden. Seitens der Vertreter der übrigen Städte ist keine Anregung dazu ausgegangen, nur von Leipzig selbst. Es heißt auch in dem Anschreiben des Leipziger Magistrats, daß das Denkmal bescheidener ausfallen und daß die Gelder in Leipzig selber zusammen gebracht werden sollen. Um so wenig« noch haben wir Grund, uns hineinzumischen. Trotz- dem weiden Sic es thun; nachdem Sie 10—15 000 M. für Svandau dewilligt haben zur Auffrischung ein« ganz verblaßten Erinnerung an einen unbedeutenden Mann(Große Unruhe), werden Sie fich auch für das Leipziger Denkmal interesfiren, obwohl das Jahr 1813 und die Schlacht bei Leipzig für Sie einen nnsten, einen dämonischen Hintergrund hat. (Gelächter. Rufe: Zu komisch, zu dumm. Glocke des Vor- sstze rden.) Hören Sie meine Motivirunz. Damals war Deutschland urter dem Anprall des großen korfischen Räuber« Hauptmanns(Großes Gelächter, Glocke de» Vorfitzenden) infolge «ncs jämmerlichen Regicrungssystems im Innern(Große Un- whe) zusammengeknickt. Damals waren die Fürsten nur die K�aetmen von der Gnade eines Navoleon. Die Edelsten der Nation, der Adel(Große Uruhe. Rufe: Aha!) hatten die Cchlüffel d« Festungen ausgelicfnt. Es war die Zeit der tiefsten Erniedrigung. Zu jener Zeit nun(Rufe: Wunderbar), Jtfs die Unfähigkeit der Fürsten fich herausgestellt hatte, die Gebete der Priest« vngedens waren, war es dos Volk, das eine Wendung der Dinge herbeiführte.(Große Un- ruhe.) Auf dm Gefildm von Leipzig wurde der Macht Napo- kons ein Stoß versetzt(Rufe: Höchst m«kwürdig), von dem «k fich nicht mehr«Holm sollte. Das geschah durch die Volks- kalt, durch das Voilshc«, nicht durch eine gedrillte Masse. (Gelächter.) Nicht besiegt aber war der 36fache Feind der inn«en Tyrannei.(Große Unrrche.) In d« Zeit der Noth versprechen «e Fürsten alles, Einheit, Freiheit und Konstitution.(Große Unruhe. Rufe: Zu stark!) . Vorfitzcndcr: Uederloffm Sie mir die Disziplin. Wenn Sie Venn Kunert nickt mitanhören wollen, so können Sie ja'raus- D'ßrn.(Heitnkest.) Sie. Hcn Kunert, muß ich auffordern, zur Sache zu sprechen. Sie haben fich schon längst von der Sache Ustfcrnt. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß ich, wenn ich S-k zum zwetten Mal zur Ordnung rufen muß, berechtigt bin, «wen das Wort zu entziehen. . Stadtv. Kunert: Wollen Sie doch meinen Ausfuhmnaen f°laen. meine Herren, es wird nicht zu Ihrem Schaden sein (Stürmisches Gelächt«), wenn Sie die Anfichten eines Acgnns kennen lernen. Die Herren habm ihre erlauchten Zu- fhhemngen nicht gehalten. Auch Friedrich Wrlhelm lll., der der G«echtc gmannt wird....(Stürmische Untcrbrechungm. %: Zur Sache. Der Redner ist auf der Tribüne nichs zu Erstehen.) Es wurden Ihnen ja damals einige Konststutionen Ader was waren ste? Muster von Despotien m i??ffstutioneller Fassung und Must« ohne Werth..■(rodender 4 entziehen. �_ Die Majorität deschließt, dem Stadtv. Kunert LU" entziehen. das e-Ji.r v"• o» i. v»... �flSoZ0' ferner: Ich schlage vor, daß wir unsne Ge- %b, m dahin abändern, daß ein Paragraph eingefügt (Groß; um 7 llhr der Stadtv. Kunnt spricht. des Magistrats wird angenommen.(Stadtv. " e fich zu einer peisönlichen Bemerkung gemeldet, der et|o- v,°ber hatte bereits über die Vorlage abstimmen lassen, v Eini� Meldung zum Wort erhielt.) datteloz �unwesentliche Vorlagen des Magistrats werden Inn Vorlage des Magistrats betreffend die Auf- 'dUNask„", �lkn der Kaiser Wilhelm 1. und Friedrich Iii. im laale der Versammlung. Die Vorlage ist bereits angenommen worden, es bandelt fich um die Bezeichnung von Stadtv«oldneten als Mitglieder für eine gemische Deputation, welche die Angelegenhett weit« fördem soll. Stadtv. Kunert: Sie vergessen bei dieser Vorlage ganz, mit einem Faktor zu rechnen: Die mächtigste Berliner Partei ist antimonarchisch und republikanisch,(stürmische Unruhe.) Ferner find wir genöthigt, jene Männer, die Sie verehren, als Proteltoren des kapitalistischen Systems zu betrachten, das wir bis aufs äußerste bekämpfen.(Lärm.) Ich höre hi« Ausdrücke wie„verrückt, dummer Flegel"— damit kennzeichnen Sie fich nur selber! Vorsitzender: Ich kann nicht dulden, daß Sie fich in meine Geschäfte mischen. Ich habe solche Ausdrücke nicht gehört. Wenn ich ste gehört hätte, würde ich fie g«ügt haben. Ich dulde ab« mcht, daß Sie die ganze Versammlung dafür v«antworttich machen. Stadtv. Kunert: Thun Sie, was Sie wollen: Für uns spricht die Vernunft und die Wissenschaft, für Sie die Ge- wöhnung und die Gewatt!(Lärm und Gelächter.) Stadtv. Meyer i:(Große Unruhe Rufe: Ist über- flüssig!) Ick lasse mir die Redefreiheit nicht verkümmern. Als der Kollege Kun«t in der vorigen Sitzung alles das, was uns heilig war, in den Staub zog, und seine Abficht offenkundig wurde, uns in unseren ruhigen, sachlichen Berathungen nur zu stören, nahmen fich die meisten hi« vor, auf solche Reden fern«- hin nicht mehr zu antworten. Seine heutigen Aeußerungen udersteigen ab« alles Maß. So lange seine Gefinnungs- genoffen hier find, warm wir gewohnt, mit ihnen sachlich zu diskutiren; mit größtem Vergnügen waren wir bereit, auf ihre Anfichten, wie beim Gewerbe- schiedsgericht, einzugehen. Was aber Herr Kunett vorbringt, find nur Beleidigungen, Entstellungen und historische Erinnerungen, welche die Versammlung nur ermüden können. Auch die vor- liegende Angelegenheit war der Sache nach schon durch S3e schlüffe geregelt. Die Versammlung hatte bereits beschlossen, daß die Büsten ihrer großen Kaiser hier aufgestellt würden. handelte fich darum, daß wir die großen dahingeschiedenen Monarchen ehrten.(Lebhafter Beifall.) D« Antrag des Magisttats wird genehmigt. Stadtv. Kunert, der fich zur persönlichen Bemerkung gemeldet hatte, verzichtet auf das Wort. Einige unwesenlltche Magistratsanträge werden debattelos genehmigt. Einige Rechnungen werden dem Ausschuß für Rechnungs- fachen überwiesen. Damit ist die Tagesordnung«schöpft. Schluß 7 Uhr._ Fokales. Die Aufbereitung der von de« preußische« Ktandr«- iimtern über die wahrend de» Jahre« 1887 zur Ein- tragung in die Standcsregister gelangten Geburten, Eheschlie« Hungen und St«befälle angefertigten und dem kgl. statistischen Bureau eingereichten Zählkarten ist kürzlich im letzteren zu Ende geführt worden. Verglichen mit dm vorhergegangenen Jahren, zeigt die Bevöllerungs-Bewegung des JabrcS 1887 eine be- merkenswerthe Abnahme der Zahl d« Sterbefälle bei gleich- zeitiger Zunahme der Zahl der Geburten, sowie eine geringe Verminderung der Zahl der Eheschließungen. Wir stellen, nach der„Volks- Ztg.", die bezüglichen Ergebnisse d« letzten fünf Jahre unter Zugrundelegung der für jedes Jahr bis zum 31. März des nächstfolgenden zur amtlichen Kenntniß des königlichen statistischen Bureaus gekommenen Fälle(ohne die späteren, für 1887 derzeit noch ausstehenden Nachträge) hierunter zusammen. 1883 1884 1885 1886 1887 Ueberhaupt geboren 1070538 1093 973 1 108 509 1 117 881 1 128 901 Ueberhaupt gestorben 753193 761 172 760 967 786 316 730076 Natürliche Beoölkerungsvermehrung 317 847 332801 347 542 331 565 398 825 Eheschließungen 220 748 225 939 230 707 231 588 229 999 Lebendgeboren 1028 514 1 050850 1 064 401 1074 294 1 084 995 davon: ehelich Knaben 465 735 495 966 502681 507 028 511 275 ehelich Mädchen 460 705 468897 475 425 480153 485 732 unehelich Knaben 41 985 43 895 44 161 44 652 45193 unehelich Mädchen 40 939 42 092 42 134 42 465 42 795 Todtgeboren 42024 43123 44108 43583 43 906 davon: ehelich Knaben 21 143 21660 22054 22 002 22054 ehelich Mädchen 16439 16 746 17136 16 808 17 225 unehelich Knaben 2421 2569 2 725 2 566 2 525 unehelich Mädchen 2021 2148 2194 2 207 2102 Gestorben 711 169 718049 716 859 742 733 686170 davon: männliche Personen 371 052 374 620 374 932 387 815 358 028 weibliche Personen 340117 393 429 341 927 354 918 328 142 Sie Zahl der Kchulaustalten in Kerli« betrug am Ende des Jahres 1887 344 und zwar 252 öffentliche(königliche und städtische) und 92 Privatschulen(inkl. 2 jüdische Schulen). In denselben«hielten zusammen 205 604 Schüler Unterricht (104 841 Schüler und 100 763 Schülerinnen) Darunter waren Schüler rc. die über 14 Jahre alt find 13 914, während die "lahl d« die Schule besuchenden Schül« und Schülerinnen im Itter von 6—14 Jahre 191 690 betrug. Aus einer von d« städtischen Schuldeputation bewirkten Statistik«geben fich einige bemcrkcnswerthe Resultate. Die Gcsammtzahl der schul- pflicktizm Kind«, d. h. der Kmder zwischen 6-14 Jahren, wächst— wie natürlich— von Jahr zu Jahr, ab« die Zunahmen find ungleich. Von 1873 bis(«76 zeigt fich eine steigende Vermehrung, 1877 ein plötzlich« Abfall. Dann folgt wieder ein dauerndes Wachsthum bis 1885, hinauf ein jähes Fallen und 1887 wieder ein geringes Steigen der Zunahme. Die in schuldgeldpflichtigen Schulen untnrichtete Jugend des schulpflichtigen Alters ist nachweislich von 1877 bis 1880 zurückgegangen; das Minimum von 1880 liegt noch unter 1872, und Ende 1887 war der Bestand von 1884 noch nicht wieder«reicht, wenngleich im Jahre 1887 eine erheblichere Zunahme als in den früheren Jahrm eingetreten ist.— In Bezug auf die religiösen Verhältnisse der Schül« find in sammtlichen Berliner Schulen am Schlüsse des Jahres 1887 eingeschult gewesen 93 103 evangelische, 5385 katholische, 5992 jüdische. 361 disfidentische Knaben, 89 831 evangelische, 5414 katholische, 5245 jüdische. 273 disfiden- tische Mädchen.— Die Zahl der Familienhäupter, gegen welche Strafmandate wegen ungerechtfertigter Schulversäumniß ihr« Kmder erlassen werden mußten, hat auch im Jahre 1887 zugenommen. Die Zahl der wirklich Bestraften stieg von 1215 im Jahre 1886 auf 1551 im Jahre 1887.— Von den unter Verwaltung d« städtischen Schuldeputatwn stehenden Schulen Heden wir hervor die vier städtischen Bürgerschulen. Dieselben zählten am Ende des Jahres 1887 zusammen 22 Klassen, In denen 869 Schül« unterrichtet wurden.— Die fünf städtischen höh«en Mädchenschulen zählen zusammen 91 Klassen. Ende März 1888 unterrichteten an diesen fünf Schulen 121 Lehrer und Lehrerinnen, 6 Htlfslehr« und 17 Hilfslehrerinnen. Zur Ertheilung des katholischen und jüdischen Religionsunterrichts find geeignete Lehrkräfte besonders angenommen. Die Frequenz dieser Schulen war Ende Dezember 1887 in der Luisenschule 820, in der Victoriaschule 853, in der Sophienschule 842, in der Charlottenschule 922 und in der Margarethenschule 710. Die Zahl der Gemeindeschulen betrug Ende März 188S 171 mit 2861 Klaffen. Die städtische Taudstummenschule zählte Ende März 1888 im Ganzen 15 Klaffen mit ein« Frequenz von 81 Knaben und 83 Mädchen, in Summa also von 164 Kindern(gegenüber 149 Kindern am Schlüsse des Vorjahres.! Das Lehrpcrsonal besteht aus 1 Rektor, 11 wissenschafttichen Lehrern, 2 wissenschaftlichen Lehrerinnen, 1 technischen Lehrer und 2 technischen Lehrerinnen. Die städtische Blindenschule» welche als Externat eingerichtet ist, desteht aus drei Klaffen, an denen Ende März 1888 1 Rettor, 1 ordentlich« Lehrer» 1 ordentliche Lehrerin, 1 Hilfslehrer für Mufik, 1 Hilfslehrerin für technische Arbeiten und 1 Werkmeister unterrichten. Die Frequenz der Anstalt war 33 Kinder(17 Knaben, 21 Mädchen). Auf Kosten der Stadt Berlin find zusammen 159 872 Kind« (abgesehen von den Freischülern k. der höheren Lehranstalten) 1887 unterrichtet worden. An» dem Zettalter der softatr» Reform. Ueber Bettelverhältniffe in Berlin entwirft eine hiestge Korrespondenz folgendes bezeichnende Bild: Die Bettelei in Berlin bat fich >u einem Erwerbszweige entwickelt, d« mit Umstcht und Geschick betrieben werden muß, wenn diejenigen, welche ihn«greifen» nicht an den behördlicherseits«richteten Klippen scheitern wollen. In der engeren Stadt steht man von der eigentlichen, gew«bs- mäßig betriebenen Bettelei, mit Ausnahme derjenigen, die fich unter gewissen Zweigen des Haufirhandels verbirgt, nur wenig. desto umfangreich« ab« wird fie vor der Stadt und namentlich an den lebhaften Landsttaßen betrieben, von denen wieder diejenigen mehr bevorzugt find, die nach den Kirchhöfen führen. Nicht mit unrecht rechnen hier die Bettler dareuf, daß die zahlreich Vorüber- gehenden, die auf den Friedhöfen zu tbun haben, gerade in dieser Stimmung am ehesten zur Wohlthätigkeit geneigt find. Die Form aber, in der hier die Bettelei auftritt, ist eine wohl» berechnete und durch Erfahrung herangebildete. Noch im vorigen Jahre stand an der Britzer Chaussee ein alter Mann mit einer vor die Brust gehängten Tafel, welche in groß«, weithin l?s- barer Schrift die Worte enthielt:„Ein alter, blind« Mann biftet um rine Gabe!" Wiederholt gerieth der Alte mit Polizei und Gerichten in Konflilt und wurde wegen Bettelns abgestraft» obwohl er niemanden angesprochen hatte. Das Gericht nahm an» daß strafbare Bettelei auch schriftlich verübt werden könne. Das gerichtliche Mißgeschick des Alten hielt lange Zeit andere von dieser Form des schriftlichen Bettelns zurück. Nunmehr ab« hat jener einen Ausweg gefunden. Seine Tafel enthält nur noch die Worte:„Auf beiden Augen blind, 72 Jahre alt!" Seit dem Frühjahr d. I. hat der Alte unangefochten seinen Platz behauptet; in den letzten Wochen aber hat er mit ein« ganz bedeutenden Konkurrenz zu kämpfen, denn imm« zahl- reicher werden die Gestalten, die auf solchen, um den Hals ge» tragenen Tafeln ihr Gebrechen den Vorübergehenden kund thun und außerdem natürlich alle Vorkehmngen getroffen haben, da- mit Wohlthätige ihre Gaben bequem niederlegen können. So lange nicht auch diese Form der Bettelei als strafbar er- achtet wird, dürften derselben fich noch zahlreiche Anhänger zu- wenden. Don de« Antisemiten lesen wir in der„Berl. Ztg.": Ein Bcrliner Lokalblatt, dem fich die antisemitische Bewegung als treffliche Nährmutter«wiesen hat, veröffentlichte in voriger Woche einen kerzbeweglichen Artikel üb« den Antisemitismus. Ganz besond«s wurde darin der ebenso«staunliche und ko- mische, als selbsttedend verunglückte Versuch unternommen, die Bewegung des Hasses und der Verfolgung in Einklang zu dringen mit den Forderur gen wahrer Humanität. Diese Aus» brüche weckten sofort in uns die Vermuthung, als seien fie we» nig« destimmt, neue Gimpel einzusaugen, als alte Gönn« fest- zuhatten. Eine Meldung, die wir in einem Kartellblatte finden, liefert uns eine lebhafte Untnstützung für unsere Annahme. Darnach nämlich scheint der große bekannte Unbekannte mit der offenen Hand— offene Hände wissen die Häuptlinge des Antisemitismus jederzeit besond«s zu schätzen l — dem Gedanken, daß Geben selig« sei denn Nehmen, den Abschied ertheilen zu wollen. Er hat der Partei der verschämten und d«„reinen" Radau-Antisemiten die«heblich- sten Opf« gebracht: er hat die von dem öden Mammon, den fie nicht hatten, niedergehaltenen Ritt« vom»nationalen" Trinkgeld aufgerichtet und mit dem Muthe edl« Männlichkeit «füllt. Er hat Geld zu Festen hergegeben, bei denen es hoch herging. Dieser nach mehrfachen Richtungen geschätzte und schäymswerlhe Freund und Gönner hat nun, wie jene Mel» dung besagt, unbegreiflicher Weise den Geschmack an seinen anti» semitischen Freunden verloren und stellt die Zahlungen für die Sache der Menschheit, wie die Liebermann und Böckel sie ver- stehen, ein. Nun gilt ab« selbst für urgermanische Heldensöhne und antisemitische Hetzführer das Wort von dem lieben Organisten» ohne den alle Flöten schweigen müssen. Man wird die neulich angekündigte Abficht der antisemittschen Parteileitung, Wahl- enthaltuna bei den Landtagswahlen zu empfehlen, mit dem harten Schlage, den d« treulose Mammon ihnen zuge- fügt, in Verbindung bringen dürfen. So wenig die interessante Gesellschaft der antisemitischen Krafthuber von den mosaischen Staatsbürgern wissen will, an Mo�es und die Propheten glauben fie mit der schwärmerischen Inbrunst des RittcrsßToggendurg, dem die Angebetete allzu fern weilt. Da man nun mit dem Gelde, das man nicht hat, keine Wahl- agitationen treiben kann, so wollen die Antisemiten vorläufig ohne Wahlbetheiligung abwechselnd auf die Juden und auf einander losschlagen. Das letztere Geschäft machen zur Zeit die Herren Liebermann von Sonnenbera und Böckel mit einander ab. Selbstverständlich werden fie fich auch wieder vertragen, wie das so üblich ist. Nun. noch ist nicht aller Tage Abend. Vielleicht ersteht ein anderer Retter dem abgebrannten Lag«, und wir sehen die Antisemiten nock einmal die Reichefeindkeule schwingen, indes) ihren Kehlen der Jubelgesang entquillt:„Der Fink hat wieder Samen. Die weltbewegende Idee des Antisemitismus wird nicht verloren gehen, und neben der Kripve, da man fie hegt, ist reichlich Futter für die hungrigen Nachbarn der Krippe!"— Wir aber sagen Amen. Da« Glocken-Konx-rt auf de« Ktratze«. Es wird in Erwägung gezogen— so derichtet eine Korrespondenz— ob an Stelle der Glocken beim Dreirad nicht eine Pfeife treten sollte. Man— wer immer dieses undefinirbare„man" sein mag,— verspricht fich davon eine erhebliche Verminderung der Unglücks- fälle. In dem Geräusch des Strahengetriedes werde verdünne Ton der Dreiradllingel oft überhört. Es müffe etwas Schrilleres, Vernehmlicheres, Aufdringlicheres an die Stelle der Glocke treten. Wer immer den Vorschlag gemacht hat, er hat fich um das Wohl der Stadt nicht verdient gemacht. Wenn erst die Linden- Promenade nach ihrer Umgestaltung von zwei breiten Blumen- streifen eingekaßt sein wird, aus deren Mitte fich die Büsten de- sonders tücdttger Berliner Mitbürger erheben, für ihn ist hier kein Platz. Ein Attentat auf unsere Ohren und Nerven wird da geplant und kaltblüthigsempfohlen, das Schrecken verbreiten muß. Noch mehr Lärm, noch mehr Gebrause und Geläute, noch eine V.rmehrung des Tohu-Wabohu. Ich wohne, schreibt ein Mitarbeiter der„National- Ztg., an einer Straßenecke. Neben mir ist em Schulgebäude, gegenüber eine Fabrik. Zwei Pferdcbahnlinien kreuzen fich an dieser Stelle. Als ich in die Wohnung zog, hatte fie eine Glocke, die lang und lieblich vibrirte, ein bescheidenes, aber durch- dringendes Zittem. Ich habe fie längst ersetzt durch eine Klingel, die einmal anschlägt. Denn die Klingelei ist zum verzweifeln. In aller Frühe fängt es mit der Pferdebahn an. Manche Kutscher haben stärkere Muskeln und größere Ausdauer als andere. So lange fie jung im Dienste find, macht die Sache ihnen äugen- scheinlich Spaß und fie bimmeln— bimmeln ohn' Ende. An den entschwindenden Wagen schließt fich harmonisch der darauf folgende an. Dann fährt gegen 8 Uhr— 10 Minuten vorher — die Schulglocke dazwischen, ein hoher Diskant, und pünktlich mit dem Glockenschlage nimmt die zum Frühstück rufende Fabrikglocke die Begleitung auf. Ein halbes Dutzend Mal am Tage wiederholen fie es. Aber was find fie gegen das Telcphongcklingel, besonders, wenn es gar nicht mehr gilt, sondern die Antwort kommt:„Falsch verbunden" und gegen Bolle, der gerade unter meinem Fenster nicht etwa durch ein vereinzeltes Exemplar seiner frommen Gemeinde, sondern gleich durch ein drittel Dutzend begleitender Jungen ein Klingelkonzert aufführen l cht. Dazwischen drängt fich das . Dreirad iund dann mit mächtigem,! gewichtigem Klange, die Königin aller Glockenschwingerinnen, die Feuerwehr. Ich ver« zichte darauf, diese Glocken in ihrem Verhältniß untereinander zu schildern. Mich wundert nur, daß nicht ein Berliner Schiller fich gesunden, der das Lied von der Berliner Glocke gedichtet hat. Noch dem großen Vorbilde könnte er das ganze Berliner Leben eines Tages bequem in ein einziges Gedicht hineinpacken. Darum plävire ich: keine neuen Klingeln mehr, aber auch leinen Ersatz durch die schrille, ohrenzcrreißende Pfeife. Will fich ein Wohlthätcr um die Berliner Menschheit verdient machen, so finne er auf ein neues Mittel, Aufmerlsamkeit zu erregen, fich dcmerllich zu machen, ohne gleichzeitig die Nerven zu zerstören. Auch die Sicherheit erfordert gebieterisch Wandel. Bald wird es nicht mehr möglich sein, die einzelnen Glocken von einander zu unterscheiden, ganz abgesehen davon, daß die kräftigen Glocken tn der That die piepfigen todt machen. Alle zusammen aber machen fie den todt, der durch die unglückliche Lage seiner Woh- nung gezwungen ist, fie zu hören..,. � Vladrnlieck» Lildgirßerei in Friedrichshage«. So oft in den letzten Jahren in Berlin ein erzenes Denkmal er- richtet und enthüllt wurde, hörte man neben dem Namen des Künstlers auch den des ausführenden Bronzegießers nennen. Der Künstlername wechselte gar oft, aber der Name des Gießers blieb fast immer derselbe und findet fich auch auf den meisten Berliner Denkmälern neuerer Zeit: gegossen von Gladenbeck. Die Firma ist im Jahre 18S3 in Berlin durch Hermann Gladen- deck begründet, die Gießerei hatte lange Zeit ihr heim in der Münzstraße. Die Baulust verdrängte das industrielle Etabliffe- ment von seiner allen Stätte, und wo ehedem die Schmelzöfen und Gießwerkstätten lagen, erheben fich jetzt mächtige Wohn- Häuser. Schon vor einigen Jahren hatte der Befitzer sein Augen- merk auf die Pororte Berlins geworfen und schließlich fand er in dem benachbarten Friedrichshagen passendes Terrain für den Bau einer neuen Fabrikanlage, in welcher jetzt der Betrieb der Gladenbcck'schen Bildgießerei in vollem Gange ist. Dieselbe zerfällt in zwei Abthcilungrn, die große Gießerei, in welcher die öffentlichen Standbllder, wie überhaupt Arbeiten größerer Ausdehnung hergestellt werden, und die für die Anfertigung mittlerer und kleinerer Bronze- und Zinkgußwaaren bestimmte Fabrik. Der Betrieb in beiden Fabriken ist so ziemlich derselbe, nur daß in der für die kleineren Arbeiten mehr die eigentliche Handarbeit zur Geltung kommt. Beide Anlagen definden fich in der nur mäßig bebauten und seitab von den größeren Verkehrswegen befindlichen Wilhelmstraße zu Friedricksbagen; auf dem Terrain der einen Fabrik hat ehemals eine Weißbier- brauerei gestanden, deren Räume ausgebaut und vergrößert wurden. Die beiden Fabriken beschäftigen gegenwärtig ein- hundertdreißig Arbeiter, die innerhalb der Räume arbeiten! dazu kommt aber noch eine Zahl von Hilfskräften, die außerhalb der Fabrik beständig für dieselbe in Tbätigkeit find. Der Arbeitsraum für die Former ist der erste, den wir de- treten, hier wird nach den von den renommittesten Künstlern angefertigten Gipsmodellen gearbeitet. Die Modelle find in viele Theile zerlegt und jeder Former erhält seine bestimmte Arbeit. Der Eine macht den Kopf einer Figur, der Andere den Rumpf, ein Dritter einen Arm oder ein Bein für die Form zurecht. Das Hauptmaterial ist der ganz feine Formsand, der bis zu einer gleichmäßigen Schicht auf die Modelltheile gelegt und festgedrückt wird. Eine große Bedeutung haben die söge- nannten Kernstücke, einzelne Theile außerhalb der graden Fläche, die besonders geformt und dann dem Ganzen durch kleine Stifte angefügt werden. Sieht man ein kleines Bronzewerk vollendet vor sich stehen, so hat man keine Ahnung, aus wie- viel Thellen und Theilchen dasselbe zusammengesetzt ist. Um nur ein Beispiel anzuführen, so besieht eine Miniatur-Kopie des Friedrichsdenkmals aus ca. fiedenhundett einzeln geformten Thetlen. Vom Formraum kommen wir zu dem der Klempner, in welchem die einzelnen Gußthcile aneinander gelöthet werden. Ein hier fertig gestelltes Bildwerk steht natürlich noch sehr roh aus. Die Verbindungslinien des Änlöthens find überall ficht- dar und durchziehen die Figuren von oben bis unten. Man hat einen Begriff von der Besebaffenheit eines so zusammenge- aelö:heten Gusses, wenn man fich die nach Originalen gefertigten Gipsabgüsse veranschaulicht. Auch bei diesen gehen die Ver- bindungslinien am Körper entlang, aber hier können fie des leichteren Materials wegen nicht entfernt, nicht abaefellt werden, während die Spuren der Verlöthungen an dem Metallguß voll- ständig beseitigt werden durch die Hand des Ziseleurs. Seine Werkstatt detreten wir nun. Den zahlreichen Gehilfen steht ein Werkmeister vor, ein in seinem Fach sehr tüchtiger, künstlerisch veranlagter Mann, der auch im selbstständigen Modclliren Proben seines Könnens schon abgelegt hat. Der Ziseleur ver- leiht dem Werk den eigentlichen Glanz. Vor ihm stehen die Büsten und größeren Schaustücke, vor ihm ruhen kleinere Arbeiten im Schiaubstock. und unaufhörlich eilt seine schaffende Hand darüber hin, dem Ganzen Ansehen und Ausdruck ver- Wvem chemischen Laboratorium ähnlich, in welchem fich nur der Gelehtte vom Fach sogleich zurechtfindet, während der Laie erst nach und nach in dessen Geheimnisse eingeweiht werden kann, ist der Raum mll dm Cyankalibädern, in dmen die einzelnm Theile eines Bildwerkes je nach Wahl und Bestellung von Kupfer, Mesfing, Tomback, Silber oder Gold angestoßen und mit dem detr« ffenden Metall umkleidet werden. Das Kupfer- bad ist hier das größte, während das Gold- und Silberbad den geringsten Raum in Anspruch nimmt und nur sellen bei Extradestellungen in Anwendung kommt. Um den Guß von häufig gebrauchten Gegenständen schneller herzustellen, hat man in einer besonderen Abtheilung Vor- kehrungcn für den sogenannten Sturzguß gettoffen. hier liegm auf großen Regalen die verschiedenen Formen von häufig vor- kommenden Bildtheilen, inwendig der Form entsprechend ausgehöhlt. Die Handhabung des Sturzgusscs ist eine sehr schwielige und erfordett ungemein viel Uebung und Gcschicklich- keit, weshalb auch nur ein einziger Gehilfe diesen Posten versteht. Das Aus- und Eingießen der Gußmaffe vereinfacht die Arbeit derartig, daß bei Anwmdung der Sturzform viel Zeit gespart wird, und dies unbeschadet der kügstlerischen Voll- kommenheit der auf diese Weise gegossenen Theile. Eine Tisch- lerci und eine Gürtlerei vervollständigen die innere Einrichtung der Fabrikanlage. Die Herstellung der Form bietet des Jnter- effantm genug. In dem oft riesenhaftm Mantel ruht die Form in ihrer ganzen, bis aus die kleinsten Details durchge- führten Vollendung. Ist die Zeit des Gießens da, so werden die kolossalm Gebilde auf Walzen an den Schmelzofen heran- gerollt. Vor dem Ofen defindet fich die tiefe Grude, in welcher die Formen, oft bis sechs an der Zahl, in gewissen Zwischen- räumen aufgestellt werden, hier stehen fie, wie die Glocke, „fesigemauert in der Erden", und rings umher wird das Erd- reich wieder zugeschüttet. Ein hauvtkanal leitet von der Oeff- nung des Schmelzofens zu den Formen, zunächst zur ersten nächststehenden und dann in mehreren Zweigkanälen zu den übrigen Formen. Der Tag des Gießens selbst ist eme Art Feiertag, der Meister und Gehilfen allesammt vor dem Schmelz- ofen vereinigt. Der Meister stößt im feierlichen Moment den Zapfen aus und in goldig glänzendem Strom eraießt fich die feurige Masse durch die Kanäle in die Formen. Diese müssen zur Abkühlung noch einige Tage stehen bleiben, ehe fie aus der Tiefe der Erde wieder an das Tageslicht gezogen werden. Ist die äußere Form dann zerschlagen und das gegossene Stück frei- gelegt, dann beginnt das Feilen und Poliren, das Färben und Reinigen, bis endlich das fertige Werk per Bahn oder zu Schiff seinem Bestimmungsorte zugeführt wird. Kon dir 61. Httfammlung deutscher Naturforscher und Kerzte wird aus Köln vom 13. d. M. noch ge- schrieben: Für das nächste Jahr ist die Versammlung von Stuttgart und Heidelberg eingeladen worden. Stürmische Heiterkeit rief es hervor, daß die letztere Einladung von dem dortigen Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs(!) ausge- gangen war. Die Wahl des nächstjährigen Festortes erfolgt in der Donnerstags fitzung. Mit Freude wurde es begrüßt, daß Rudolf Virchow, der erst am Donnerstag hier einttifft, nachttäg- lich einen Vortrag angekündigt hat und zwar über die künst- liehe Verunstaltung des menschlichen Körpers. Der erste Vortragende war Prof. Dr. Vinewanger-Jena. Er behandelle das Thema„Verbrechen und Geistesstörung" in einer Weise, die einer großen Anzahl der Anwesenden die An- schauung berechtigt erscheinen ließ, der Vortrag hätte wohl besser in dem engeren Rahmen der Sektion abgehalten werden mögen. In der Hauptsache bestand derselbe aus einer mergischen Polemik gegen die Anhänger ver sogenannten posttioistischen Schule und deren Hauptvettreter Lombroso und dessen Grundgedanken, daß die ganze Natur von einer verbrecherischen Anlage be- herrscht werde. Der Vortrag dürfte noch manche Angriffe er- fahren. lieber die Kulturaufgabe der Volksbäder sprach Dr. Lassar- Berlin, der bekannte Vorkämpfer der Volksbäder, in schwung- vollen Worten. Von den in der Bäderfrage weit vorgeschritte- nen Griechen und Römern ging der Redner auf die traurigen Zustände in Deutschland über.„Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad"— müsse die Parole werden. Der msfische Bauer, der zerlumpte Derwisch habe sein Bad— der deutsche Arbeiter nicht. An drastischen Beispielen schilderte Dr. Lasser unsere Zustände nach dieser Richtung hin. In der Rheinprovinz seien 23 Kreise ohne Badeanstatt; auf 50000 statt auf 1000 Personen komme hier eine Anstalt. In allen anderen Beziehungen betone man gegenwärtig eifrig die Rein- lichkeitsfrage; der Wunde dürfe kein Ständchen zufliegen, Brot und Fleisch würden achtsam untersucht— nur den Luxus der Hautreinigung, der fich so doch belohne, achte man nicht. Und doch wäre der mephilische Geruch, der uns in den Wohnungen der Aermeren entgegenströmte, nur eine Folge mangelnder haut- reinigung. Jetzt habe die Armee mit der Einführung des Brausebades begonnen, in einer Reihe von Städten seien An- stalten für Brausebäder errichtet, in anderen werde die Errichtung beabfichtigt. Der Redner schloß mit einem warmen Appell für die Volkebäder, die eine soziale Frage ersten Ranges seien., Ueberaus anziehende Schilderungen von seiner Reese ur Jnner-Brafilien(zweite Schingu- Expedition) gab der bekannte Forschungsreisende Dr. von den Steinen aus Düffeldorf. Der Reisende hat dort Stcinzeitvölker gefunden, Menschen, die leben und denken wie zu Kolumbus Zeiten, deren Zahlensystem bis 2 geht— so daß fie beispielsweise bei Zeichnungen von Menschen diesen 3 Finger, 3 Zähne geben: an eine größere Vielheit zu denken, ist ihnen nicht möglich. Der Redner schilderte ausfüh:- lich diesen uns schwer verständlichen Zustand, wo das Zählen Luxus ist. Die Zeit mangelt uns, um aus der Fülle des von Herrn von den Steinen gebrachten Neuen und Anziehenden weiteres mitzutheilen. Ein Drvkehrshinderniß, vor dem selbst unsere Feuer- wehr Halt zu mach.-n genöthigt ist und daS recht empfindlich die ganze dortige Gegend beeinflußt, ist die Kreuzung der Stettiner Bahn an der Badstraße. Am Dienstag war die Feuerwehr nach dem Gesundbrunnen gerufen. In der bekannten rasenden Eile kamen die Wagen hcrangeeilt, aber— an der Badstraße waren die Barrieren geschlossen und mehrere Minuten vergingen, ehe der mit zwei Lokomotiven despannte Personenzug die Stelle pasfirt hatte. Daß der Bahnwärter fich nicht darauf einließ, die bereits niedergelassene Barriere noch einmal schnell für die eilende Feuerwehr zu öffnen, wird man nur billigen können. Hoffenllich schafft die Umgestaltung des Sl-ttiner Bahnhofes auch an dieser Stelle Wandel. Gerade der Aufenthalt der Feuerwehr macht den bedeutenden Nacktheit anschaulich, den im gegebenen Falle die Sperrung des dottigen Bahnüberganges herbeiführen kann. Gin brandeuburgifcher Pionier i« Amerika. Ein wackerer Sohn der Provinz Brandenburg, welcher fich hervor- ragende Verdienste um Bergwerk und Hüttenwesen in Columbia (Südamerika) erworden, ist, wie erst heute hier näher bekannt wird, im Februar d. I. aus dem Leben geschieden. Die in Mevellin, Staat Antiochia in Columbia, erscheinende Zettung „La Tarde" bringt demselben in ihrer Nummer vom 16. Februar d. I. einen warmen Nachruf. Reinholv Paschke wurde im Jahre 1833 zu Christianstadt am Boder geboren und besuchte das Gymnafium zu Sarau. Boa den Ellern ursprünglich für das Studium der Theologie bestimmt, folgte er dem lebhaft in ihm entwickelten Interesse für Mineralogie und B-rgfach, und überraschte plötzlich seine Eltern mit der Uedeistedelung von Sarau nach der Bergakademie zu Freiberg in Sachsen. Der vollzogenen Thatsache gegenüber überließen die Angehörigen den jungen Paschke dem Studium seiner Wahl, welchem er fich nun- mehr mit Eifer und Erfolg hingab. Heber seine weiteren Sch-ck sale entnehmen wir nun der oben erwähnten Zeitung J&i Tarde" nach der Uebersetzung u. A. folgendes: M-K-MMWZ hervorragende geistige Begabung war bekannt bei allen de»' jenigen, die ihm näher traten, und davon sowohl, wie»o» seinen wissenschaftlichen Kenntnissen gab er beständige unJ wiederholte Beweise in seinen Bergwerks-Unternehmen, welch« er fich 30 Jabre lang gewidmet hatte. Paschke kam nai Antiochia zu Anfang des Jahres 1854 m t einer kleinen Kolonie von Deutschen, welche der Bergwerke befitzer Moore komm« ließ, um seine Schmelzhütte von Tiliribi in Betrieb zu setz«- Hier zeichnete fich Paschke besonders aus durch seine grünblich« Kenntnisse im Berg- und Hüttenfach, und als nach kurzer Z« der eben genannte Moore in dem Bergwerk von Sitioviejo in arge Schwierigkeiten gerieth, da es galt, einige meiallurgistbe Probte zu lösen, von welchen sein fast zusamwcngebrcchenck Vermögen abhing, half der junge Paschke sehr wim sam bei der Lösung dieser wissenschaftlichen Aal' gaben, bei der Rettung des Vermögens und des höh« Rufes, welchen Moore mit Recht genießt. Durch diesen U» stand wurde Paschke so vottheilhaft bekannt, daß die Bergwerk' aesellschaft Zancudo keinen Augmblick schwankte, ihre wetthooll« Bergwerksunternehmungen in seine Hände zu legen, mit da Adficht, die Schmelzhütte Sabaletas zu gründen, die in ih« Att das erste Unternehmen in Columbia ist. Man muß Aug«' zeuge von den ernsten, fast unüberwindlichen Schwierigkeit« gewesen sein, mit welchen Paschke bei seinen Arbeiten f kämpfen hatte. Die Unternehmung begann während eines da unglücklichen Bürgerkriege im Jahre 1860, hieraus entsta» großer Arbeitermangel und die wenigen Arbeiter, die man« mgen konnte, warm mit vieler Art Arbett nicht verlraul Ferner war dieser Krieg die Ursache des Mangels an baar« Geldmitteln, da die Untemehmer ihm die Löhne nicht imn« zur rechten Zeit senden konnten. Endlich kamen Störung« aller Art hinzu, welche durch einige benachbatte Interessent« hervorgerufen wurden; schließlich gelang es ihm jedock,«* großer Beharrlichkeit und Selbstverleugnung sein Werk zu vop enden. Als er sah, daß seine Schöpfung nickt olle« in materieller Weise bestehen und vorwärts lo«' wen konnte» sondern daß er ihr auch einen 0« stigen GeHall geben müßte, gab er drei Jüngling« theoretischen und praktischen Unterricht in Chemie anderen Materien, und alle drei entsprachen den Hoffnungen welche man in fie gesetzt hatte. Als Paschke nach seinem Heimo»' lande zurückkehren wollte, übernahm einer jener Herren, die st« seine Ausbildung verdantten, die Stellung als Generaldirekm der Gesellschaft und die großartigen Erfolge, welche in ein« Zeitraum von zwanzig Jahren erziell wurden, deweisen, daß Gesellschaft die richtige Wahl gl troffen hatte. Nachdem so** Zukunft des Unternehmens gefichert war, kehrte Paschke n« seiner Heimath zurück, wo er verschiedene Jahre verblieb. ungefähr drei Jahren entschloß er fich, nach Antiochia zurück»»' kehren. Er widmete fich in Gesellschaft einiger reicher Kapi« listen von Mevellin der Enichtung einer Steingutfabrik. Lei** entstanden Mißhelligkeiten zwischen ihm und einigen Soziew« daß diese keramische Unternehmung in ihrer Entwickelung gehalten wurde. Paschke löste sein Verhällniß und ubernoW die Leitung der Bergwerke von Bureo, bei welchen er« Sozius detheiligt war. Er arbellete hier während der letz!« drer Jahre, da dieses Unternehmen eine große Zukunft verhi« Aber er mußte das angefangene Werl unvollendet zurun' lassen, vielleicht in dem Augenblicke, wo er seine Hrffnune« verwirklicht sehen konnte. Allem Anschein nach Paschke arm.. Seltsam» Ghrenkraukheite«. Anläßlich des Konarest« für Kunde unv Heilung der Gehörorgane, der in dieser WoS- in Brüssel stattfindet, wird die Äufmerlsamkell des Pudliko« auf allerlei Unregelmäßigkellen und seltsame Erscheinungen Gehörstnns gelenkt. Zu diesen gehört u. a. auch folgen«- Die meisten Menschen vermögen neun Ollaven Töne zu hör« es giedt jedoch auch viele, denen nicht so viel vernehmbar ij So ist z. B. der gescbwätzige Schrei des Sperlings, die Stil»« der Fledermaus, der Ton der Hcuschreckengrille zu hoch, um manchen Personen vernommen zu werden, die in den tief«? Lagen vollkommen hören. Well merkwürdiger aber als dies i' eine Erscheinung, über die Dr. Boucheron in Paris kürzlich% Akademie der Wissenschaften Miltheilung gemacht hat. Sll? unter dem Namen Paracusta Willifii oder„paradoxe Taudhe� bekannt und besteht darin, daß der Patient dieselbe Rede, k? die sein Ohr in rubigem Räume taub ist, in geräuschvoller gebung, z. B. im Wagen, auf der Straße, kurz im Allgemein? überall, wo fich vielfache Schallwellen mischen und durchschn«»** deutlich oernimmt. Dr. Boucheron behandelt in seiner schrtst die Ursachen, den Verlauf und die Heilung dieser � scheinung, die in sehr vielen Fällen ihren Ausgangspunkt" einem auf Ansteckung beruhenden Nascnrachen-Katarrb, in anders Fällen dlos in einfacher Erkältung findet und die fich dann«! die Eustachische Röhre, die Trommelhöhle und das Labyru« ausdehnt. Sie verlangt eine Operation, die unter dem No«? d.r„Äobilistrung des Steigbügels" bekannt und nicht son?„ lich gefährlich ist, denn in 52 von Dr. Boucheron beoba*» Fällen war solche von keinem ernsten Unfall degleitet. Gin interessanter Fall von Geisteskrankheit augenblicklich unter den Irrenärzten viel von fich reden- � handelt fich um einen Patienten, welcher in einer dickt.. Berlin gelegenen Irrenanstalt untergebracht ist, und% Geisteskräfte bereits vollständig erloschen scheinen. Vollston. einem Thiere gleich, kriecht er zwecklos auf allen Vieren in t«, Zelle umher; die aufrechte, den Menschen kennzeichnende Hat»? bat er längst verloren, und mit ihr fast alle Gedankenb», Deshalb hat man ihm auch sein Lager auf dem Fu"n p herrichten müssen, da er das erhöhte Bett nickt«. zu besteigen versteht. Reicht man ihm seine Kterv- so weiß er damit absolut nichts anzufangen, es J daß er nach vielem Prodiren die Mütze irgendwie verlcbr' � den Kopf stülpt. Er muß gefüttert werden, da er zießn® � den Fäusten in dem Eßnapfe umberwühlt und nicht?, - ,e« Munde führt; nur Brot ißt er noch ohne H Ife. Bei Unglücklichen nun machte man die höchst interessante Bcm« J, daß er einzelne G.-dankendilder noch beherrschte, und würdiger Weise gerade solche, welche ihm naturgemäß nicht so geläufig sein konnten, wie z. B. essen und � Steckt man ihm nämlich ein Stückchen Holz oder aueo � wirklichen Zigarrenrest in den Mund, und ruft ihm daee'.�l derhott recht laut zu:„Zigarren. Zigarren. Rauchen!" d«K ein Schimmer vonVerständniß über sein völlig erstorbenes � �l' er versucht zu grinsen und beginnt lebhaft an Der � licken oder vermeinttichen Zigarre zu„ziehen"! wu Schmatzen lutscht er daran. Reicht man ihm nur irgenr Geacnsrände, beispielsweise einen Taschenkamm unv Scklüssel. und rust ihm dabei zu:„Sie brennt ja nickt-, ai machen, so, so!" während man ihm die Geberde o>� m reibe ns eines Sireichholzes wiederhott vormacht, so««N, iP bald den Schlüssel wiederholt an dem Kamme und suv � dann gewissermaßen als brennendes Streichholz an v>e M heran und raucht sie an. Da alle seine Bewegungen 0� � atattisch, ungeordnet find, so wird er meistens mit dem f, Streichholz nicht an die Zigarre, sondern etwa ans. M langen; nichtsdestoweniger ist es doch höchst merlwu„ ö '■---- igkeit, wie das Rauck«�"»>? W' eine so untergeordnete Thätigkeit, wie oas cnauu/e.., innerungsbildern des armen Irren zurückgeblieben' rend er vollständig ve- lernt hat, ohne Hilfe zu£nf trinken. Die Rückbeförderung der Truppe« vo« fiidA feld bei Müncheberg ist nicht ohne Unglücksfall � rj gongen. Einem Telegramm der„Nal-Ztg. i ,-Mgen � Abend« gegen 8 Uhr bei der Station Werdia", ju l'�l# Militärzuges entgleist, wodurch alle Züge nach Kusw blieben. Tie Jnfanterieregimenter 12 und 8 konn � p p von Münckedeig nickt fort. Die Eisenbahner find® gegangen, um die deschädigte Strecke zu reparireN- en den« trie vo» ge wo) welch« im nm Koloait komm« i setz» ndlich« jet Zeil wiejo« lurM rochen« r mich Auf' z hob« 'en Ua1 orzwev' ithvoll« mit W in cht« Aug«' rigkeit« iilen fi ines d« cntstach man a> oerttaut i baor« t imw« örang« ccssenl« >ch, r£ U0 :n 6«' Igling« lic w' nungl» .vimaw' bieg Idirelt« n eine« S" Ä nrüÄ«' fiopg .�2 wen,!' >ng beinatj t"eyl« verM zuiu»' fnuneZ stal« ibliM gen W .IflenW' i 90«: ndar* Stimch um w tiefet dies» mWi ftj cmeb>ch ■"5 UN»» andctch & Nag S' l mjj 1 1 I I Mitncheberg noch befindlichen Tmpven wurden für die Nacht Nochquariiete beschafft.— Ein weiteres Telegramm, gestern Nacht in Dahmsdorf bei Müncheberg aufgegeben, meldet: Das Bild, welches der hiesige Bahnhof in der Nacht bietet, ist ein ßonj eigenartiges. Todtmüde Soldaten find auf hartem Stein« Mster eingeschlafen, dazwischen Paffagiere durcheinander. Lie Lebensmittel find hier vollständig ausgegangen. Bei «r Entgleisung sollen Verunglückungen schwerer Natur zum Muck nicht vorgekommen sein. Detachements von Soldaten Sehen nach den benachbarten Dörfern, um wenigstens Holz zu icqmriren. Bei der Verladung wurde nur Infanterie berück- » titigt: Artillerie und Kavallerie werden in langsamen Märschen thre Garnison erreichen. Ein Telegramm des Wolff'schen Bureaus aus Werbig Meldet:„lieber die gestern Abend gegen 7 Uhr hier stattgehabte theilweise Entgleisung eines Militärzuges wird folgendes mit- Setheilt: Der betreffende Extrazug 5A mit 1500 Mann vom ö. Brandenburgischen Infanterie-Regiment Nr. 64 sollte auf der hiefigen Station von dem Geleise der Ostbahn auf die gtlnre Frankfurt a. O.�-Angermünde übergesetzt werden; hierbei entgleiste ein Theil des Zuges aus bisher noch nicht festgestellter Ursache. Fünf Wagen stürzten um und wurden beschädigt. £ie in denselben beförderten Soldaten erlitten nach Au-sagen des Stations-Personals bis auf einige Haut- abschmfungen und leichte Quetschungen keine Verletzungen. In der Nacht traf ein Hilfszug von Freienwalde ein, mit welchem die Soldaten gegen 12 Uhr weiter befördert wurden. Die Mlitärtrausporte stockten inzwischen vollständig, da die Strecke erst gegen 4 Uhr wieder frei wurde. Die Aufräumungsarbciten wurden von dem Arbeits personal der Ostbahn und Abtheilungen des Eisenbahn-Regiments ausgeführt. Nachts 2 Uhr bezogen dre noch bei Müncheberg der Einschiffung harrenden Truppen «r Müncheberg und Umgebung Nethquartiere und kehren zur Zeit in Fußmärschen in ihre Garnison zurück. Amtlich wird folgendes mitgethnlt: . Der Zug, Militärzug 5a, welcher das 64. Jnfanterie-Re- «irncnt nach Prenzlau und Angermünde befördern sollte, ist tahrplanmäßig auf der Güterstation Werbig eingetroffen und sollte hier weiter nach dem Bestimmungsort Lelschin ic. befördert werden. Da die von dem Betriebsamt Berlin- Stettin gestellte Zug- «oschine den Zug nicht allein anzuziehen vermochte, wurde die diesseitige Maschine zum Schieben des Zuges beordert. Bei dieser Gelegenheit entgleiste aus bislang noch nicht oukgeklärte Weise ein dreiachsiger mit Soldaten besetzter Wagen, welcher fich zur Seile legte und die Entgleisung weiterer vier Wagen herbeiführte. - Außer einigen Hautabschürfungen find Beschädigungen an Menschen nicht eingetreten. . Durch diesen eingetretenen Unfall wurde die bislang plan- «aß ige Verladung der Truppen verzögert, so daß die letzten «ach Richtung Berlin beförderten Zuge Ii Stunden Verspätung «lnten. Die in Richtung nach Küstrin zu befördernden Militärzüge Hutten größere Verspätung. Gestern früh 10 Uhr waren beide Mlcise wieder fahrbar hergestellt, und ist der regelmäßige Be< Wieb wieder aufgenommen worden. Eine Fahrt ans Tod«nd Leben machten in der Nacht i« Mittwoch Paffagiere eines Kremsers, welche von einer j-oriie nach Friedrickshagen zurückkehrten. Die Gesellschaft be- «and aus etwa 20 Personen, worunter fich mehrere Damen und «mder befanden. Während der Fahrt wurden die Pferde scheu «nd jagten endlich mit dem Wagen in den Chausseegraben «nein, wo er umschlug und die Pferde zu Fall kamen. Ein -Lheil der Gesellschaft flog dabei aus dem Wagen heraus, wobei os zu mehrfachen Verletzungen kam. So erlitt eine Dame einen Beinbruch, ein zu Besuch hier weilender Roßarzt einen Sippen» «uch, ein dritter Herr eine klaffende Kopfwunde, während meh- wte andere Personen mit leichteren Verletzungen davon kamen. «n der dunklen Nacht wurde aus einem ziemlich entfernt liegen» den Geböft ein Fuhrwerk herbeigeholt, welches die Verletzten «ach Berlin brachte. Der Rest der Gefellschaft fuhr von Köpenick «ach Berlin zurück. Vom Kamrrunfirber befalle«, entwichen am Montag twei junge Burschen im Alter von 15 und 16 Jahren heimlich ihren in Berlin wohnhaften Eltern und begaben fich nach Ham- ««g, um fich nach dem dunklen Erdtheil einzuschiffen. Dies »rlang ihnen ebensowenig, wie all ihren jugendlichen Vor- ««kern. Als fie fich in einer Schiffsexpedition meldeten, hielt ?on fix an und machte der Polizei Anzeige von dem Vorhaben «r jungen Leute, worauf fie vorläufig in Gewahrsam genommen Senden. Die Eltern wurden von der Festnahme ihrer Spröß- ff' ge in Kenntniß gesetzt. Der Vater derselben hat fie bereits « tbre Heimalh zurückgeholt. f Ei« tea«riger Vorfall trug sich gestern in der GipS« f"0ße zu. Der 4jährige Robert G. spielte seelen ververgnügt auf Cxr Straße vor dem Hause Nr. 10, als plötzlich vom Dach «eses Hauses ein Ziegel herabfiel und den armen Kleinen auf r« Kopf traf. Er erlitt hierdurch, außer einer nicht unbedeuten- Wunde, Qiicf) n0c{, ejne starken Gehirnerschütterung. Die �Glücklichen Ellern brachten das Kind in ein Krankenhaus, wo KJochan seinem Aufkommen gezweifelt wird. o.r,«0tt eine« schweren Kierwage« überfahren wurde Uy kot Lützowfiraße wohnhafte Portier August K. Der- Me fuhr mit einem leeren Handwagen durch die Kurstraße. yir der Nähe des Spiltelmarkls wurde er von den Pferden ■«es auf derselben Seite von hinten her kommenden Bier- ■«ogenä erfaßt und zu Boden geworfen, worauf noch ein Vorder- N? hes Wagens über ihn hinging. K. erlitt hierbei einen des rechten Oberschenkels und wurde von der Bezirks- I in ein Krankenhaus überführt. ,3« der Aacht zum Mittwoch hat es zum eisten Male «etcift. Die Felder und Wiesen in der Umgebung Berlins %« heute früh ganz weiß. Die Wetterwarten hatten den »«chifrost angekündigt. w„ gj.Veberfohten von einem Henmage« wurde gestern �chtnittag der Gr. Hamburgerstraße wohnhafte, 13 jahnge Muler Wilhem F. Mit einem leeren Handwagen die Hamburgerstraße entlang fahrend, geriech er an der �uguststraßen-Ecke mit seinem Wagen in einen auS dieser Bröl0. kommenden Heuwagen. F. wollte seinen Wagen nicht Hieben und gerieth dadmch, daß er denselben� von lJrt®Qgen fortziehen wollte, selber unter die (ein wodurch er sehr schwere Verletzungen eilte von allen""' Maaß zu trincken, denn die Vielheit schadet: wenig aber ge- truncken hilfst bauen und giebt gut Geblüth." Ueber das Alter des Weines finden wir folgenden merkwürdigen Ausspruch:„Unter allem Getränck ist der Wein der kräfftigste, und ohne Zweiffel in der ersten Welt allbereit de- kannt gewesen, auch daher nicht zu glauben, daß Noah der erste Erfinder des Weines gewesen." Schon damals, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, scheinen die Weine in unzähligen Marken vorhanden gewesen zu sein:„man kann allhier alle Sorten nicht erzählen." Und über die Güte der einzelnen Weine war man auch damals sehr im Unklaren; soviel stand unumstößlich fest, daß„der eine Wein viel gesünder denn der andere" sei. Dann heißt es aber weiter:„Nur allein seynd die sauren und schratten(herben?) Weine die schädlichsten, und Ursachen des Scharbock- Steins und Podals, derowegen achte ich die besten Weine, die zwischen süß und sauer seyn, das ist: da das Aeidum(Essig) nicht über das Alcali prävominiret, sondern beyde in gutem Temperament stehen." Von den herben Weinen sollen indeß„guter Möhler Wein" und„Necker" für gesund„paßiren" und mancher„Land-" und Francken- Wein", wenn fie„wohl gereiffel" und nicht zu sauer find,„nicht zu verwerffen" sein. Als die besten Weine werden die empfohlen,„so aus warmen Ländern und reiffen Trauben kommen". Z. Ä.„JtMänischer-, Spanischer-, Frantzöfischer-, Holländischer-, Ungarischer-, Moseler- und auter Rhein-Wein"; und„Malvafier-Moscatell, Seck Canarien Wein, Spanisch- und Griechischer-Wein" werden„allzumahl gesund" genannt, aber —„wenig getrunken"—„vornehmlich denen, die viel Säure im und viel Hunger(!) haben." Mit Wafier vermischt soll der Wein nicht ungesund sein:„geschiehct durch gantz Franck- reich und in Italien seynd die gemeinen Tischweine vorher temperiret." Was endlich die Schnäpschen angeht(„Aquavit oder guter Brandwein, Citton-Elexier. Elixier vitae" ic.) so erfahren wir darüber, daß fie„alle gut seynd, nach dem Essen ein Löffel voll oder zwey gebunden, auch wenn man des Morgens früh Thee oder Coffee oder sonst ein Medicinalisch Präservativ Wasser ge- truncken hat, gleich dem Thee".— Weinverfälschungen scheint man in der guten alten Zeit weniger gekannt zu haben. Polizei-Ketzicht. Am 19. d. M. Vormittags wurde in der Jnvalidensttaße eine Frau durch einen großen Hunt umgerannt. Sie erlitt beim Fall einen Bruch des linken Beines und mußte nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht werden.— Gegen Mittag wurde im Landwehrkanal die Leiche einer etwa 25 Jahre alten Frauensperson angeschwemmt und demnächst nach dem Leichen- schauhause gebracht.— Um dieselbe Zeit fiel in der Oberwallstraße ein Arbeiter, während er, auf seinem Wagen stehend, mit Abladen beschäftigt war, beim plötzlichen Anrücken veffelben auf die Straße herab und erlitt dadurch anscheinend nickt unbe- beutende innere Verletzungen, so daß er mittelst Droschke nach der Charitee gebracht werden mußte.— Ebenfalls gegen Mittag wurde auf der Kreuzung der Friedrich- und Franzöfischensttaße ein Mädchen durch einen von dem Kutscher Sternkicker ge- führten, übermäßig schnell fahrenden Schlächterwagen überfahren und anscheinend leicht am Kopf verletzt.— Nachmittags gerieth auf dem Stralauerplatz ein 11 Jahre alier Knabe durch eigene Unvorfichtigleit unter einen Geschäftswagen und wurde durch Ueberfahrcn nicht unbedeutend am Unterschenkel verletzt.— Ferner wurde Abends in d r Kleinen Markusstraße ein 12 Jabre aller Knabe durch eine übermäßig schnell fahrende Droschke überfahren und an beiden Knien nicht unbedeutend verletzt.— Um dieselbe Zeit machte ein Schneider in seiner Wohnung in der Barnimstraße einen Selbstmordversuch, indem er zwei Päckchen Phosphor-Streichhölzer in Spiritus legte und diesen dann trank. Derselbe scheint die That im Säuferwahn- finn begangen zu haben und wurde er deshalb, obgleich eine Lebensgefahr nicht vorlag, nach der Charitee gebracht.— An demselben Tage geriethen im Laboratorium der Apotheke Span- dauerstr. 77 Chemikalien, Tische und Regale in Brand,— außerdem fand Bischofstr. 10 ein unbedeutender©(Hornstein- brand statt. Gerichts-Zeitnng. Die Friedhofe affäre vom 18. März. * Der 18. März wird aus verschiedenen Gründen als ein ..... dem Räder des ... erlitt. Auf herbei, so auch . wo er Auf- Ä V 1 ff« vor« �kchrei eilte von" allen Sellen Hilfe «abm Zöllschen St. Hedwigs- Krankenhaus� pine fand. i der erst- ein weg(ebenfalls an; vav Aa'ionen Idams und Eoas gewesen und ist bey vielen Mcii, ng�wtiges Tages kein anderer Gebrauch, die weder von at' helle imi1 ettvas wissen, und dennoch gesünder leben. L gesund" kusch Wasser, das nicht saltzig noch faul schmeckt, Mot darein i N?eh gesünder, wenn man ein Stück geröstet i'Urstl. fssc"«Kffet. So wird auch heutiges Tages an vielen .«"lb in galanten Kompagnien,(Heils wegen oi�ffers in Herls aber den Wein zu ersparen, und fich des u. /onopti!" �"Halten, der Thee und Coffee starck gebrauchet. iu schäme»• bereits die Teutschen an, fich des Vollsauffens S0$jeiten' denn in Leipzig anitzv gebräuchlich, daß auf w.r«dbei't sZ«iereycn, Sylvester- u. a. Gelegenheiten, beym «der nw�eken ein jedweder nach seinem Belieben fich selbst unsere Quelle das„Maß"...... da:„Ja von allen Wein .'aaß oder zum höchsten ein WWW ÄS.%rTfxj„t„la stsä£ ändert geworben und es wird wahrend dieser Zeit wohl kaum M&Ä SÄVÄS«3 rn diesem Jahre kam es zu einem Renkontrc mit der Polizei- S&SÄSSS----- standes gegen die Staatsgewalt beschuldigt wurden Als Belastungszeugen waren die Schutzleute Kantor, Suppln' Hertz und Heinnonn, sowie der Wachtmeister Thiele und der Polizellieutenant Hoppe erschienen. Von der Ve'theidigung in den Händen der Rechtsanwälte Meschelsohn und Flatau SÄT Ä fl'ÄS m'ÄÄ die Schaar marschirte geschloffen und einer der Theilnchmer trug einen großen Kranz, in dem fich mehrere rothe Blumen de- fanden. Als der Zug sich dem unmittelbar am Hain gelegenen Landsbergerplatz näherte, trat der dort postirte Schutzmann Kantor auf die Theilnehmer zu und forderte dieselben auf, auseinander zu gehen, gleichzeitig verlangte er auch den Kranz, um die rochen Blumen zu entfernen. Hierauf soll nun der Schutz- mann von der Menge umringt und gestoßen und bedroht wor- den sein. Der Angeklagte Fritsche)oll ihm ein Sein gestellt haben und von den anderen Bethefligten soll er an der Ausübung seiner Pflicht verhindert worden sein. Als bald darauf der Polizeilieutenant Hoppe mit /mer Anzahl von Schutzleuten erschien und zum Verlassen des Platzes aufforderte, sei dieser Aufforderung feine Folge gegeben worden, und um den Platz :u_ räumen, habe die Verhaftung der Angeklagten erfolgen muffen. Die Angeklagten stellen die ihnen zur Last gelegten Hand- hingen entschieden in Abrede. Im Kranze seien nicht rothe Blumen, sondern einige rothe Beeren gewesen und die Zahl der %%% Platz unter den THeilneHmern befunden zu haben, aber der Schutzmann sei von ihm in keiner Weise auch nur delästiat worden, am allerwenigsten habe er beabfichtigt, demselben ein l Bein zu stellen.— Der Präsident konstatirt aus den Akten, daß der Schutzmann Kantor bei seiner ersten Vernehmung aussagte, Fritsche habe ihm„wahrscheinlich" ein Bein gestellt.— Angeklagter Fritsche bemerkt noch, daß an der ganzen Behauptung nur die Thatsache richtig sei, daß er mtt seinem Fuß den des Schutzmannes im Gedränge berührt habe. Das sei aber auch Alles, ssiach der erfolgten Auf- forderung habe er dann, so schnell es eben möglich war. den Ort verlassen.— Angeklagter Schindler behauptet, erst auf dem Landsberger Platz den Zug getroffen zu haben. Als der Schutzmann hinzukam, habe er fich entfernt und sei später in größerer Entfernung von dem Platz verhaftet worden. De« Lieutenant Hoppe habe er gar nicht bemerkt und dessen Auf- forderung mithin auch gar nicht gehöct.— Angeklagter Kutz- dach bestreitet ebenfalls die Betheiligung am Zuge. Er ging nach dem Hain und sah bei seiner Rückkehr die Polizei auf dem Platze. Man nahm ihn mit zur Wache, wo er gegen die Wand geschmissen und an die Treppe gestoßen worden sei.— Präsident: Sie sollen über den Polizeilieutenant Hoppe gelacht haben?— Angeklagter: Gelacht habe ich wohl, aber nicht über den genannten Herrn, an dem ich übrigens schon vorbei gegangen war, als ich arretirt wurde.— Angeklagter Wilschke weiß bis heute noch nicht recht, warum er eigentlich an dem Tage fistirt wurde. Er kam vom Dönbos- Platz mit einem Freund, um nach dem Hain zu gehen. Am Landsberger Thor sah er die Vorgänge und da er der Meinung war, daß einer der Verhafteten nichts gethan habe, was diese Maßregel rechtfertigen konnte, ging et zur Polizeiwache, um fich als Zeuge anzumelden. Man habe ihn nun dort gefragt, was er gesehen habe, worauf er antwortete, daß er seine Aussage vor dem Richter machen werde. Hierauf habe man zu ihm gesagt, dann müsse er auch mit dabei detbeiligt ge» wesen sein, und auf diese Behauptung hin habe man ihn in eine Zelle geworfen.— Angeklagter Jacobick wohnt in der Nähe des Platzes. Er war nicht bei Haugk und sah nur von Weitem der Szene zu; trotzdem sei er verhattet worden.— Angekl. Schwabe war bei Haugk, von wo aus er einigen Männern, die einen Kranz trugen allein nackging. Er sei auch allein gewesen, als ihn der Wachtmeister Thiele ver- haftet habe.— Angekl. Budgereit kam vom Hain und sah auf dem Platz ein Stück vom Kranz liegen. Er bückte fich und nahm es auf; da trat ein Schutzmann heran und verhaftete ihn. Vom Auflauf habe er nichts igesehen.— Angekl. Keßler sab, wie Budgereit bei seiner Verhaftung gestoßen wurde, was ihn empört habe. Als er fich als Zeuge melden wollte, erfolgte seine Verhaftung.— Die Vernehmung der Angeklagten ist hier- mit beendet. Schutzmann Kantor wird als erster Zeuge vernommen. Er war auf dem Landsderger Platz postirt, als der Zug, der wohl gegen 100 Theilnehmer hatte, herankam. Die Polizei war instruirt worden, keine größeren Ansammlungen zu dulden und ebensowenig das Tragen rother Abzeichen zu gestatten. Er habe demnach die Menge zum Auseinandergehen aufgefordert und den Versuch gemacht, den Kran, zu erlangen, um die roth?« Blumen zu entfernen; hierbei sei er aber umringt und bedroht worden, so daß er davon Abstand nehmen mußte. Als er wieder Luft bekommen habe, sah er, daß Schindler den Kranz an fich genommen hatte.— Piästdent: In dem Kranz sollen nur rothe Beeren gewesen sein?— Zeuge: Was ich zuletzt sah, waren rothe Blumen. Als Herr Hoppe zum Räume« des Platzes aufforderte, rief Kuybach: Oho! und lachte, was uns veranlaßte, ihn zu sistiren.— Rechtsanwalt Flatau: Sie hätten doch erst abwarten müffen, od die gefährlichen Blumen nicht aus dem Kranz entfernt wurden, bevor Sie den Versuch unternahmen, fich den Kranz zu holen.— Zeuge Kantor: Das konnte ich nicht, denn man ließ mich gar nicht zum Worte kommen, es wirbelte um mich herum,„wie eine Menge Fische im Wasserglas".— Rechtsanwalt Flatau: Der Widerstand besteht also darin, daß Sie nicht zum Worte kommen konnten?— Zeuge; Nein, man verhinderte mich daran, den Mann mit dem Kranz zu fassen.— Zeuge Polizellieutenant Hoppe wurde durch einen Beamten nach dem Platz gerufen, wo er 120—150 Leute zusammen stehen sah. Seiner Aufforderung folgte die Menge nicht und mußten deshalb mehrere Verhaftungen auf seinen Befehl vorgenommen werden. Das Protokoll über den ganzen Vorgang habe er selbst aufgenommen.— Prästdent: Warum wurde Wilschke, der fich nur als Zeuge gemelvet hatte, dabehalten?— Zeuge Hoppe: Weil er fich selbst beschuldigt hat.— Zeuge Kantor: Wilschke wurde von uns gefragt, ob er bei dem Zuge gewesen sei, worauf er bejahend antwortete.— Angell. Wilschke: Man frug mich, ob ich etwas gesehen habe, und als ich das bejahte, sagte man, dann müsse ich mit dabei gewesen sein.— Schutzmann Supply hat auf Befehl den Keßler verhaftet; warum das das geschah, weiß Zeuge nicht. Schutzmann Herrmann führte Jacodick auf Befehl seines Vorgesetzten zurWache. DießLerhaftung des Schwabe wurde durch den Zeugen Thiele veranlaßt, weil der Angeklagte trotz seiner Aufforderung nicht gegangen sei.— Auf Befragen der Vertheidigung erklärt Zeuge Hoppe mehrmals, laut zum Räumen des Platzes aufgefordert zu haben.— Angeklagter Schindler bemerkt hierzu, daß er schon verhaftet gewesen sei, als die bercate Aufforderung ergangen sei. Zeuge Hoppe konstatirt, daß er Schindler bei seiner Rückkehr schon auf der Wache vorgefunden habe.— Zeuge Müller sah, daß Schindler den Kranz von der Erde aufhob, Blumen waren nicht mehr drinnen.— Zeuge Jajewsky ging neben Budgereit, als dieser ein Stück von einem Kranz aufhob. Da hörte er den Ruf,„den nehmen Sie auch mit!" und dar- aufhin wurde Budgereit verhaftet.— Zeuge Schutzmann Hertz stellte den Vorgang anders dar. Angeklagter Budgereit: Der Schutzmann Hertz hat mich gar nicht verhaftet, das war sein Kollege Kantor.— Zeuge Hertz giebt das nicht zu. Zeuge Mecklenburg sah den Angeklagten Schwabe, der von der Landsberger Allee kam, allein gehen; trotzdem wurde der letztere verhaftet. Zeuge L a n g m e y e r ist der Meinung, daß fich Schwade, wenn auch nur langsam nach erfolgter Auf- forderina entfernt habe. Nach Beendigung der Beweisaufnahme nimmt der Staats« anwaltdasWort zu seinen Plaidoyer. Äml8.Märzseieinganzmili- tärisch formir ter Trupp von demHaugk'schen Lokale in derWeinstraße nach den Märzgräbern abmarschitt. Inmitten dieser Kolonne habe fich ein Mann mit einem Kranze befunden, welcher in auffallender Weise mit rothen Blumen geziert war. Die Absicht des Schutzmanns Kantor, das Befördern dieses Kranzes zu ver« hindern, konnte nicht ausgeführt werden, weil der Beamte de- droht und umzingelt wurde. Seiner Aufforderung wurde eben- sowenig Folge geleistet, wie der des Zeugen Hoppe, welcher wiederholt befohlen habe, den Platz zu räumen. Was doS Strafmaß anbetteffe, so müsse er gegen Fritsche und Schindler je 9 Monate, gegen Kutzbach und Schwabe sei Jahr, gegen Budgereit und Keßler je 2 Monate und gegen I a k o b i ck 6 Wochen Gefängniß beantragen; gegen Wilschke möge der Gerichtshof auf Frei- spreckung erkennen. Rechtsanwalt Dr. Meschelsohn: Von einer Bedrohung kann im vorliegenden Falle wohl kaum die Rede sein. Im besten Falle mag behauptet werden, daß der Beamte von der Menge niedergeschrien worden ist. Es ist mir überhaupt nicht klar, was die Polizei zum Vorgehen gegen die rothe Farbe, hier unschuldige Blumen, berechtigte: in Preußen verbietet das Gesetz diese Farbe nicht und das Polizcipräsrvium kann seine Maßnahmen doch nur von dem herrschenden Recht ableiten. Der Schutzmann war mithin subjettiv wohl zu dem Vorgehen gegen das Roth berechtigt, objektiv hingegen aber nicht. Ich möchte andererseits aber auch darauf hinweisen, daß diejenigen, welche den Beamten in der Erregung über die Zumuthung umdrängt hatten, schwer- lich von dem Bewußtsein getragen wurden, eine strafbare Hand» lung zu begehen. Wollte man jede derartige Störung eines "Beamten als LandftiedenSbmch betrachten, so müßte man ja mich die Kindermädchen bestrafen, die durch ihr Hinzulaufen verhindern, daß der Dieb gefaßt wird. Ich meine, das Moment des Begehens einer strafbaren Handlung mit vereinten Kräften ist hier nicht vorhanden und deshalb bitte ich, meine Klienten freizusprechen. Rechtsanwalt Fla tau: Der ganze Lorfall rechtfertigt eine milde Auffaffung, da ein eigentlicher Widerstand durch die Zeugen nirgends festgestellt sei. Der Schutzmann war auch in keiner Weise»ur Wegnabme des Kranzes berechtigt, weil diese Beamten nach einer Entscheidung des Reichsgericht nicht als Gehilfen der Staatsanwälte zu betrachten sind, und nur den Letzteren stehen derartige Handlungen zu. Mithin konnten sich die Bethcilgten auch nicht des Widerstandes schuldig machen, denn fie haben nur eine rechtswidrige Handlung verhindert. Der§115 des Reichs-Straf-Gesctzcsbuches kann im vor» liegenden Falle keine Anwendung finden. Das Gesetz sagt, es muß der Wille durch die That bethätigt werden, mithin mußten die Angeklagten willens sein, die Zusammenrottung zu unterstützen. Nachdem der Vertheidiger noch das Beweismaterial einer eingehenderen Prüfung unter» zogen hatte, schloß er mit dem Ersuchen um Freisprechung der Angeklagten. Der Gerichtshof fand die Angeklagten Fritsche und Schindler des Aufruhrs und des Widerstandes, hingegen die Angeklagten Äutzbach, Schwabe und Jacobick nur des Widerstandes schuldig. Demnach wurden Frische zu 7 und Schindler zu 6 Monaten, Schwabe und Kutzbach zu je 1 Monat und Jacobick, welcher gegenwärtig in Strafhast ist, zu 3 Wochen Gefängniß venir» thtilt. Die Angeklagten Wilschke, Buttgereit und Keßler wurden freigesprochen. Gin Roma« a«» de« Verbrecherlebe« beschäftigte aeftern die erste Strafkammer am Landgericht II. Die Ange- klagte entstammt einer Verbrecherfamilie. Ihre Mutter wurde vor 16 Jahren wegen Mordes— fie hatte einen Mann in ihre Wohnung gelockt und dort ermordet— zum Tode verur- theilt. Die Angeklagte war damals noch nicht 1 Jahr alt und wurde der Mutter während deren Untersuchungshaft belassen. Der Bruder der Mörderin hatte geholfen, den Leichnam des Ermordeten zu verbergen, und wurde deshalb zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Die Angeklagte ist trotz ihres juaend- ltchen Alters schon dreimal vorbestraft. Schließlich wurde fie in das ,ReUungshaus" zu Pankow gebracht. Eines Tages war die Angeklagte spurlos verschwunden, und als dann am Ufer der Panke ein Arbeiter die Kleider der Angeklagten fand, glaubte man zunächst an einen Selbstmord. Bold jedoch kam Klarheit in die Angelegenheit. Man fand nämlick, daß eine Kommode mittelst Nachschlüffels geöffnet und daß ein Betrag von 10 M. entwendet worden war. Auch das Einsegnungs- Leid der Angeklagten war verschwunden. Dieselbe hatte fich erinnert, daß ihr Onkel aus dem Zuchthaus entlassen werden mußte. Sie hatte am Tage vor ihrer Flucht das Einsegnungs- Leid, welches ebenfalls nicht ihr Eigenthum war, entwendet und in der Kapelle unter dem Altar versteckt. Am folgenden Abend erbrach fie dann die Kommode, nahm zehn Mark und entfloh durch das Parterrefcnster. Sie eilte dann an das Pankeufer, kleidete fick um und ließ die Anstaltskleidung am Ufer liegen. Die Angeklagte wurde-jedoch bald ergriffen und gestern vom Gerichtshof zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt. Zwei Drohbrief», die der Kohl»«HSiidl»r Gobar Z»-ra»i«rz an seinen früheren Vorgesetzten, den Kaufmann Ncumann, richtete, haben ihm eine Anklage wegen versuchter Erprcffung eingetragen, die gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts i wider ihn verhandelt wurde. Der Angeklagte war jahrelang als Lagerverwalter bei einer Kohlenniederlage an- gestellt, welche von einer auswärtigen Bergwerksgesellschaft unter der Leitung des Kaufmanns N. hier unterhalten wurde. Später gründete er selbst ein kleines Kohlengeschäft. Im Mai dieses Jahres erhielt N. von ihm ein Schrei- den, in welchem der Verfasser um einige Waggons Kohlen auf Kredit bat, da es ihm schwer falle, ohne hin» reichende Mittel das Geschäft in Fluß zu bringen. Sollte er oder auf Weigerung stoßen, so werde er ein Geheimntß ver- öffentlichen, wodurch ein großer Skandal entstehen und der Adressat arg bloßgestellt werden würde. Herr Neumann übergab den Brief der Staatsanwaltschaft. Bevor dieselbe Schritte gegen Morawiecz unternommen, ließ der letztere seinem ersten Schreiben ein zweites ähnlichen Inhalts folgen. Die Anklage nahm daher zwei Fälle der versuchten E. Pressung an. Im Verhandlungstermin behauptete der Angellagte, daß er thatsäch- lick im Stande sei, seinen früheren Vorgesetzten zu schädigen, er wollte sein Geheimniß aber nicht preisgeben. Er verbesserte seine Lage dadurch nicht, denn der Staatsanwall schenkte ihm keinen Glauben, und seine Handlungsweise immerhin als eine niedrige und verwerfliche kennzeichnend, selbst wenn er im Be- fttze irgend eines Geheimnisses sei, beantragte er gegen den An- gellagten trotz seiner bisherigen Undescholtenhcit eine Gefängniß- strafe von drei Monaten. Der Gerichtshof schloß fich den Ausführungen des Staatsanwalts an, hielt aber eine Gefäng» nißstrafe von zwei Monaten für eine ausreichende Sühne. A«« Klebe;«« Keruf. Der Bierkutscher Wilhelm Lautenschläger stand an einem Juni-Abend dieses Jahres vor der Neuberr'schen Restauration. Er versenkte die Hand in seine Tasche und suchte— er suchte gleich jenem edlen Etrusker Vuivpus von Perufia, als er trauernd vor dem Wirthshaus zur Chimära wellte, und gleich jenem fand er nicht, was er suchte. Auch Wilhelm Lautenschläger empfand den Schmerz, der fich im Herzen aufbäumt, wenn„Alles— Alles auf die Neige ging und nur der Graus des Leeren in der Tasche wohnt." Nach einigem Zögern betrat er die gastlichen Neudert'schen Hallen. Die Gedanken, die ihm in diesem Augenblick beherrschten, waren wenig verschieden von denjenigen, die in dem Herzen des E�tmkers wohnten, als er das Wirthshaus zur Chimära de» trat: „... eine Tbat ich schwör's, sei itzt von mir gethan, Wie fie die blöde Well fich nicht im Traume träumt, Gräßlich und kalt... mein Name soll zur Nachwelt noch Durch diese That fich überpflanzen, schreckenvoll..." Welcher Art die That war, die Lautenschläger verübt, er» fuhren wir dieser Tage aus einer Verhandlung des Schöffen- gerichts. Der Bierkutscher erregte die Aufmerksamkeit der in dem Gerichtssaal Anwesenden durch einen Ausdruck großartiger Trüb» sellgkeit, der seinem Gefichte aufgeprägt war. „Sie find der Bierkutscher Wilhelm Lautenschläger?" begann der Vorsttzende das Verhör.„Sie find bereits wegen Unter» fchlagung mit acht Tagen Gefängniß vorbestraft?"— Ick habe habe mir zwar in alle Militär- und Zivilverhältniffe drilljant jeführt", entgegnet der Angeklagte,„aber nischt destoweniger..." „Nun, nun, mit Ihrer brillanten Führung können Sie fich gerade nicht hervorthun. Sie find ja auch vielfach wegen Körperverletzung bestrast."— Lautenschläger führt sein blau- larrirtes Taschentuch an die Augen.„Ick bekenne", sagt er.„det mir solches in meiner jugendlichen Unschuld dejejnet is, aber ick schmeichle mir, det ick jetzt als jcsetztcr Mann allens bereue." Es wird dem Angeklagten vorgehalten, daß er fich eines Betruges schuldig gemacht habe. Er kam in die Neudert'sche Restauration und aß und trank nach Herzenslust, trotzdem er keinen Pfennig in der Tasche hatte. In seiner nabeln Stim- jrnung ließ er auch mehreren Gästen auftischen, was fie haben wollten. Er hatte auf diese Weise eine Zechschuld von 9 M. 60 Pf. aemajffiag haben Sie auf die Anllage zu erwidern?" fragte der Norfitzende.-„Ick fühle mir tief unjlücklieh", entgegnet Lautenschläger,„hier vor det ehrwürdige Kollejmm in dieser Bagatell-Anjclejenheit erscheinen und die Herren Exzellenzen be- schäftigen zu müssen, indem ick doch ooch weeß. det die Herren ihre Zeit nich jestohlen haben. Na, ick schmeichele mir mit der Hoffnung, det tck nich davor kann. Ick kann mir dodt ärjern, det so'n Mensch, wie dieser Neubert, ooch nich'ne Spur von Lebensart hat un hier det hohe ehrwirdije Staatsgericht mtt seine schmuddclije Anjelejenheiten behelligt..." Vors.:„Sie haben ja eine sonderbare Art der Vertheidi- gung. Statt fich zu entschuldigen, schmähen Sie den Beschä- digten."— Angekl.:„Ick bin eben bis in die Seele betrübt. Jik habe schon ville Thränen verjossen un ick werde noch ville mehr verjießen, denn warum? Well ick von die Furien dcs Un» jlücks jepeitscht werde! Wat ick unternehme, det nimmt eenen konträren Ausjang." Vors.: Kommen Sie nur zur Sache.— Angekl.: Ick beeile mir. Wie Se wissen, bin ick Bicrfahrer, obschon mir det in der Wieje nich jesungen worden is, indem ick mir damals dachte, det ick for eenen höheren Beruf bestimmt wäre. Jedoch, wer kann kämpfen jegen det allmächtige Schicksal? Ick als Bierfahrer nich! Aber ick muß kämpfen um Kundschaft, ick muß raus in't brausende Leben, ick muß unjezählle Seidels drinkcn, um meine Position»u behaupten und neue Sieje zu erringen, wo ick denn meine Fahne uffpflanzen kann als rühm- jekrönter Bierkutscher.." Vors.: Sre haben heute gewiß schon gefrühstückt? Sie er« gehen fich in lauter wellschweifigen Redensarten.— Angekl.: Da stimme ick bei, Herr Prästdente, ick schmeichle mir, det ick'n famoster Redner bin... Ader ick bitte, ja keene Komplimente! Det is nu mal so bei uns Bierkutscher..." Vors.:„Wollen Sie nun endlich einmal auf die Be» schuldigung eingehen, die gegen Sie erhoben worden ist."— Angell.: Ick bin ja dabei. Also indem ick als Bierkutscher die Menschenmöglichkeit vollbringen muß, um den Kreis meiner je» ehrten Kundschaft zu erweitern, da sehe ick mir aus diesem Um- stand veranlaßt, in meine Mußestunden recht ville Kneipen uffzusuchen, wo ick denn auf eene feine diplomatische Weise versuche, den Kneipier so für mir herumzukriejen. Det war ooch' meine Absicht, als ick den Neubcrt besuchte. Ick wollte ihn als Kunden haben for't Bierjeschäst." Vors.:„Da haben Sie fich aber schlecht eingeführt.."— Angekl.:„Aber ick bitte, Herr Präsendente, wenn ick jleich'ne Zeche mache von 9 Mark 60 Pfennigen. Ick denke doch, det ick mir uff diese Weise drilljant infinuire. Ick bin keen Bleichröder nich. der uff een Abend for zwanzig Märker Schlampanjer trinken kann." Vors.:„Thun Sie doch nicht so, als ob Ihnen zum Vor- wurf gemacht würde, daß Sie zu wenig verzehrt hätten. Sie haben eine Zechschuld von beinahe 10 M. gemacht, trotzdem Sie wußten, daß Sie dieselbe nicht bezahlen konnten.— Angekl.: Aber ick bitte, Herr Präsendente, det is doch eener Jroßstadt wie Berlin nich würdlg, det man da nich'mal'n Kredit von zehn Mark haben sollte. Ick fühle mir jedehmüthigt als Ber- liner, wenn solchet vorkommen dhut. Wat wird Boulanger dazu sagen, wenn man in Berlin Bange hat for zehn Mark..." Die Zeugenaussagen ergaben, daß Lautenschläger fich aus dem Neudert'schen Lokal zu drücken versuchte, und daß er zur Zeit, als er dasselbe besuchte, ohne Beschäftigung war. Der Staatsanwalt beantragte, wie die„D. Gerichts- Chronil" meldet, gegen den Angellagten eine Gefängnißstrafe von acht Tagen. Lautenschläger breitete sein Taschentuch aus und führte es umständlich an seine Augen. Ick werde noch ville Thränen verjießen, sagte er im Tone tiefer Traurigkeit, denn ick leide un- schuldig als Bierkutscher. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrag des Staats- anwaltes. Lautenschläger vergoß wirklich eine Thräne, als er den Gerichtssaal verließ. Im Korridor aber ermannte er fick, er stampfte mit dem Fuß auf den Boden und sagte: Da soll nu der Mensch Lust und Liebe für seinen Beruf haben._ Pereine«nd Uersamminnsesu KerU«er 9*»»(« f8* volksverstavdliche Gesundheitspflege und Naturheilkunde. Freitag, den 21. September, Abends 8% Uhr, bei Buggenhagen, am Moritzplatz: Vortrag des Herrn Canitz über das Thema: Drei gefährliche U in der Krankenstube. Groß» Generalversammlung de« Uereiu« de» technischen Personal» der deutsche« Kuhue« am Sonnabend, dm 22. September, Abends 11 Uhr, in Donner's Lokal, Fischer- straße 41. Tagesordnung: 1. Kassenbericht, Bericht der Revi- soren. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. 4. Fragetasten. Allgemein« Kranken- und Ktrrbekasse der Metallarbeiter(E. H. 29, Hamburg) Berlin, Filiale 8. Sonnabend, den 22. d. M, Mitgliederversammlung, Abends 8 Uhr, Badstraße 16 bei G. Hagen. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Innere Kaffenanaelegenheiten. Allgemeine Kranke«- und Kterbekasse der Metallarbeiter(E. H. 29 Hamburg) Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 22. d. M, Abends 9 Uhr, Lotbringerstr. 81 bei Ackermann, Versamm'ung. Tagesordnung: Kassenbericht, Verschiedenes. Fachverei« der Kteindrucker und Lithographen. 3. Stiftungsfest. Humoristrscher Herrenabend Sonnabend, den 22. September, in Mundl's Salon, Köpnlckcrstr. 100. Billets find zu haben bei den Herren Vorstandsmitgliedem: A. Jastrau, Steindrucker, Schönleinstt. 23, 3 Tr. M. Preuß, Lithograph, Krautsstr. 26a, 3 Tr. O. Sillier, Steindrucken, Krautsstr. 26», 4 Tr. P. Spielmann, Steindrucker, Adalbertstr. 33, 2 Tr. P. Springer, Lithograph, Gräfestr. 81, 3 Tr. A. Hendrich, Steindrucker, Langestr. 86, 3 Tr. W. Weide, Steindrucker, Köpnickerstr. 64a, H. 1 Tr. A. Leuschner, Schönhauser Allee 70 D, sowie im unentgeltlichen Arbeitsnachweis des Ver- eins bei C. Scheidenreich, Steindrucker, Elisabeth- Ufer 42.— Mitglieder, welcke durch Vorträge beim Herrenabend mitwirken wollen, können fich bei Obenstchenden einige Tage vor dem Feste melden. «rosse öffentliche Versammlung sammtlicher im Magenba« beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend, sowie Schmiede, Stellmacher, Schlosser u. s. w., Sonntag, den 23. September, Vormittags 10% Uhr, Tieckstraße 24, bei Herrn Schmidt. Metallarbeiter l Achtung! Am Montag, den 24. d. M., Abends 8 Uhr, findet im Lokal des Herrn Heydrich, Beuth- straße 22(großer Saal), eine große Versammlung sämmtlicher Metallardeiter Berlins, Dreher, Drücker, Klempner, Güttler, Former u. s. w. statt. Tagesordnung: Stellungnahme zum allgemeinen Metallarbetter-Kongreß. Referent: Gottfr. Schulz. Wegen der außergewöhnlichen Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Metallarbeiters, in dieser Versammlung zu erscheinen. Gesang-, Turn-«üb gesellige Verein» am Freitag. Kaiser'scher Männergesangvcr in Abends 9 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28.— Gesangverein„Pausebeutel" Abends 8 Uhr im Restaurant Hensel, Alexandrinenstr. lö.- Wiedertafel der Maler Berlins" Abends 9 Uhr im Restaurant Kleine, Brandenburastt. 60.— Gesangverein„Flöter'sches Doppel- Ouartett" Abends 9 Uhr im Restaurant Musehold, Lands- bergcrsttaße 31.— Gesangverein„Fortschritt" Abends 9 Uhr im Restaurant, Blumenstraße 46.- Gesangverein„Cssian" Abends 9 Uhr Dcesdenerstr. 85 bei Gustavus.— Huppert'sche Sänger- Vereinigung„Harmonie" Abends 9 Uhr bei Niest, Weber- straße 17.— Gesangverein„Bouvardia"(Männerchor) Abends U Uhi: itn Restaurant„Teutonia". Belforterstraße 15.- L-edertafel des Jachvereins der Steinträaer Berlins. Abends g' Ä'"l&trÄ.'£l#'�faÄ Turnverein„Hasenharde"(Männer- Abthellung) Abends 8 Uhr Tieffenbachstraße 60,61.— Turnverein„Froh uni Frei(Männerabtheilung) Abends 8% Uhr Bergstr. 57.-* Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie. Abends 8< Uhr im Restaurant Ziethen, Dorotheenstt. 31, Unterricht und Uebungsstunde.—„Allgemeiner Arends'schcr Stenogrophen» verein� Abthellung„Vorwärts", Abends 8t Uhr im Reftaur®! Koll, Mariannenplatz 11.— Arends'schcr Stenographenverein „Apollobund" Abends 9 Uhr im Restaurant, Sevdelslr. 30. T Verein ehemaliger Dr. Doevbclin'scher Schüler" Abends 9 W im Restaurant Krebs, Friedriehstr. 208.— Voigt' scher DW» tanten-Orchesterverein. Abends 8 t Uhr Uebungsstunde im Rv staurant Lehmann, Alexandrinenstr. 32.— Zitherverein„AHM» Veilchen" Abends 8% Uhr im Restaurant„Wahlstatt", Belle» alliancesttaße 89.— Rauchklub„Westend" Abends 9 Hl Hohenzollerngarten, Stealitzerstr. 27.— Rauchklub„Weichst Abends 3t Uhr im Restaurant, Skalitzerstt. 147». Sprech laal. Di- R-daktion stellt die Lenuhung de» Sprechsaals, soweit Raum dafür adzus-JV ist, dem Pudlitum zur Besprechung»on Angelegenheiten allgemeinen Znter»-» zur Berftgung; fie perwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit de» desselben identifizirt zu werden. Leutewitz b. Dresden, 18. Sept. 1888. ES bestätigt fich mehr und mehr, daß die Buchdrucker i* Pioniere der Arbeiter find, natürlich des Rückschritts, nicht eta« des Fortschritts. Zu dieser Anficht bin ich gekommen, naM» ich erfahren, meine Kollegen hätten denselben Beschloß auf WJ Deleairtentage der Bildhauer Deutschlands gefaßt, welchen die Pioniere gefaßt haben, nämlich ein ,, König!, preußischer Gs' werkverein" zu werden. Es muß dann im neuen Jahre der Sit des Unterstüyungsvereins nach Berlin verlegt werden, außerde» wird der Behörde das Einspruchsrecht bei Vorstandswahl�- ebenfalls Einsicht in die ganze Geschäftsführung eingeräu� Dieses find die vorläufigen Forderungen; daß jedoch der hinke»� Bote sehr bald nachkommt, glaube ich ziemlich sicher arnichW zu müssen. Hier muß ich mich vollständig dem Kollegen schließen, welcher in der„Zeitschrift für Plastik" seiner Zeit führte:„Em so großes Interesse man auch an der Erhaltet der so trefflich sunttionirenden Kasse haben muß, so ist zu** behördlichen Forderung doch nicht zu rathen. Denn dem Augenblick an, wo wir der Behörde das Einspruchsrea* in die internen Vereinsangelegenhciten gestatten, hören � überhaupt auf, eine stete, selbstständige Arbeiteroerbindung r sein. Schon die Thatsache, daß die Behörde fich vorher ün�f erst über die Qualität, über die loyale Gefinnung, über die vo� ständige Rückgratloflgkeit des gewählten oder zu wählet«� Vorstandsmitgliedes überzeugen will, sollte einen ganz entsag denen Protest veranlassen. Denn ein Mensch, der ein so ttiP Interesse für das Vereinsleben hegt, um bei besonderer FW feit den Posten eines Vorstandsmitgliedes bekleiden zu löniu"- wird nie oder doch ganz selten ohne politische Gesinnung% und gewöhnlich ist diese Gesinnung, welche fich beim Albe® aus den Verhältnissen herausgebildet hat, zum großen Tbellj* Behörde nicht genehm. Diese Mitglieder nun, welche von® Behörde als„qualitativ nicht geeignet" bezeichnet werden, va den nicht nur nicht zu einem Posten zugelassen, sondern wer®' über kurz oder lang aus dem Verein hinausgemaßregelt.% würden wir nach und nach in die fatale Lage kommen, n® mehr über die nöthige Zahl Mitglieder zu verfügen, welche s* Stande sind, die Vereinsleitung in genauer Weise r führen. Und ferner, wer giebt uns dann die Garlo® daß der Verein nicht auch in dem Falle, daß derso� fich den behördlichen Forderungen fügt, die Aussicht baldigen Auflösung hat?" Auf diese Ausführungen hin W man doch gewiß ermattet, die Blldhauer würden den Ui®, stützungsvcrein auflösen und fich auf Gmnd des§ 152& Reichs-Gewerbe-Ordnung neu organifiren. Doch weil gefepb die Schickwisentscheidung zur Abstimmung kam, gab als einen heißen Kampf; als jedoch die Ueberzeugung sflautfi( wann, ein Gewerkverein zu werden, stimmte sogar ein D« aitter, welcher im Prinzip dagegen sein will und auch% Austrag hatte, dagegen zustimmen, nur aus dem Grunde twjj damit eine erdrückende Majotttät erzielt würde. Daß so nicht in Ordnung, wird wohl jedem denkenden Menschen"J! sein. Ebenfalls war es nicht richtig, daß den Delegitten e»' die Hand gegeben war, über das fernere Schicksal des Verein»� entscheiden; hierzu war eine Urabstimmung unbedingt noth®?, dig. Sehr bezeichnend finde ich ferner die Erklärung der AL liner Kollegen, sollte die Forderung abgelehnt werden, so% den fie nicht mehr mitmachen; sie haben also dadurch«est' lich auf die Abstimmung eingewirkt. Ich halte eine bebörd®, Auflösung für ehrenhafter für uns und der Arbe® fache förderlicher, als ein fich Ducken in dieser gelegenheit, denn dadurch kommen wir immer auf die schiefe Ebene, auf welcher ein Aufri®, kaum mehr möglich ist. Es ist leider nicht gut JJp lich, den Raum noch mehr in Anspruch zu nehmen, auch>st aus taktischen Gründen nicht möglich, denn anführen ließe J noch genug. Es möge aber genügen, meine Abficht w«% da ich doch nun nichts mehr ändern kann, auch meine 9% hierüber zum Besten zu geben, mit dem Bemerken, da? � Verantwottung der Zukunft des Unterstützungsoereins" Delegirten zur Last fällt, welche dafür gestimmt haben.. _ F. Heinle, BildhB-- Literarisches. Th««a« MLnzev, ein Drama von I. Brand(D»rvw Verlag von M. Ernst in München). Diese Schttst ist eine merkenswetthe dichterische Darstellung des Münzer'schen�,,. standes. mit sebr deutlichen Beziehungen auf die Kegeistra ■cuiini i uciuc vigiKuuric[inu riaey o« auioruwen �,»M gezeichnet. Der Verfasser wollte offenbar ein dramatische» � der revolutionären Kämpfe Deutschlands geben, ungefähr« Weise, wie dies der unvergeßliche Georg Büchner in rLf Drama Dantons Tod für die französische Revolution hat. Jedenfalls ist Brands Drama keine gewöhnlichr, 0 jpi liche Publikation, wie fich jeder überzeugen kann, welche' � geringen Preis(60 Pfg) nicht scheut, um sich dieselbe � Telegraphische Depesche». (Wolff's Telegraphm-Bureau.), Hamburg, Donnerstag, 20. September. Laut%% machung des Senats ist der Zollanschluß Hamburgs von> ka hler auf Gmnd der ihm vom Bundesrath ettheilten v- tiguna auf den 15. Ottober d. I. festgesetzt worden. V Pari», Donnerstag, 20. September. Der Ministerw�A schloß in heutiger Sitzung, der Aufhebung des Eingang«� auf Getreide von 5 Frants nicht stattzugeben.- stf Kuba»«st, Donnerstag. 20. Septemher. Die Kamw yf beute zu einer außerordemlichen Sitzung zusammen, y" jjit' selben wurde das Dekret betreffs Auslösung der KaMw� Wiedereinberufung der Wähler auf den 24. Oktober Trieft, Donnerstag, 20. September. Der Lloy�-�zck „Jmpecatot" ist heute Nachmittag aus Alexandrien biet troffen.__ Kriefkasten der Redaktiott.�». Xkl Anfragen ditten wir die AbonnementS-Ouittung betzufüge«. m Antwort wird nicht erthetit.,._„rijfi'.s H. I. Hektographen- Apparate kaufen Sie in'■ Papierhandlung. Ob ein solcher„unbedingt zuoerl können wir natürlich nicht wissen..,„ k® f. K. 100. Wir handeln nicht mtt Sterbethale-n- Ihnen daher den Preis derselben auch nicht angeben-�' V, Verantwottlicher Redakteur:*.«--»»heim in Bettin. Dmck und Verlag von M-»»«ding in Berlin SW., Beuthstraße 2. Ä