ab 22B» Ko«ttal»e«d, den SÄ. September 1888. 5. Itchrg. s z «i» K A-- T j«? A SMttVMlÄ Drgan für die Interessen der Arbeiter. efödgt tigtich 4 Mark. »Bevlistv ■ab Aesttaaen. gbtwntamdtoceH J6r 8trßa frei -; ijiü MÄ»«chentlich S6 Pf. Postaboriarmeat a. 5 Pf- 6öaitt««ä.3laauno mit best.SomrwgK-BIatt� W Pf. ta bcrPoßKattmgSpttiMfte für 1888 tmta Nr.&49.) .asertionSgebü beträgt für die 4 gespaltete Petitzcile ober deren Raum r Pf. ArdeitSmarkt 10 Pf. aröheren Aufträgen hoher Rabatt nach Nebereinkunft. Inserate werden bii 4 Uhr RachmifrqB m der Expedition, Berlin SW� Zimmersttaße 44. sowie von allen Annonc«o»Bureaax, i' Erhöhung d«S Preise», angenommen. Kedaktio«: KeuthstraKe S.— Grpeditio«: ZimmerKraße 44. % ,-ls V W ßs •iä rß Abonnements-Einladung. Zum Quartalswechsel erlauben wir uns zum Abonnement auf das »KerHiter Uolksblatt" nebst dem wöchentlich erscheinenden Komttag»blatt.einzu« laden. Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf dem Boden des unbeugsamen Rechts. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Ledens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und Streiter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klaffen- geaensätze ist das„Kerttner Molksblatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung einz lner, heute schon mehr berechtigter Gesellschaftsklafien findet. DaS„Oerlwep UolKablatt" sucht seine Aufgabe durch sachliche Behandlung der politischen als auch der Taaesfragen zu erfüllen. Die gleilben Grundsätze testen uns bei Besprechung unserer städtischen Angelegenheiten. Im Feuilleton unseres Blattes veröffentlichen wir Aus« gangs September ab einen ausgezeichneten Roman aus dem «mteiikanischen Arbesterleben, betttell «Die Wtter der Arbeit" übersetzt von Natalie KebKnecht. Schon der tltame der Uebersetzerin bürgt dafür, datz unseren Lesern hier eine ebenso spannende wie gediegene Lektüre ge» boten wird. Unser Konntageblatt macht es fich nach wie vor zur Süfrabe, nur die besten und vollendetsten Arbeiten derjenigen "Schriftsteller zu bringen, die auf dem Boden des wirkltchen Lebens stehen. unserer Expedition ggy 1 Mark pro Monat."TM Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstatten Adonne- »nents für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark eist« Segen. Ate Redaktion nnd G-p-dttio« deS„fmrlbmr»oUfdlatt". [9 Jeuilrston. An unrechter Stelle. Nach etner russischen Erzählung von Dr. Z. L. XL _ Ewaescha hatte durchaus nicht den Charakter ihres Paler». Zhre kindliche Unbefangenheit widerstrebte der Schlinirten Lüge, welche sie in den Gesprächen der Gaste "Ml ihre» Eltern wahrnahm. Sie liebte nicht zu lügen, �nso wie sie ein Gericht verschmähte, daß ihr nicht schmeckt� Pian schalt und beschämte sie auch nicht, wenn sie sich tigerte, einen„Onkel", der ihr nicht gefiel, zu küssen, oder wenn sie den Gästen, die im Frack erschienen waren, wegen „Schwalbenschwänze" ins Gesicht lachte. Jndem Maluga �d seine Frau sie nicht zwangen, sich der Lüge des Auslände» zu unterwerfen, thaten sie ihr wirklich »Hen Dienst: die kindliche Gewohnheit, sich natürlich zu �lten. befestigt sich in ihr und die Natur Ewgescha S wurde ** leiner Unnatur,— Polixena lehrte sie lesm und schreiben Äenen Worten wiedergeben kann. Nur da« Pradikat„Auf« Mrung" war nicht den übrigen Leistungen gemäß; und � etwa%«««. Verübuna muthwilllger Streiche, >»ndern !'hen". Fabrikgesetzgebung in Frankreich. Wir haben immer betont, daß die vielen Verirrungen und Verwirrungen, welche das heutige Frankreich heim- suchen, daher kommen, daß Regierung und Volksvertretung sich nicht zu einschneidenden und zeitgemäßen sozialen Reformen entschließen können. Älle Regierungen haben soziale und ökonomische Reformen versprochen; alle haben aber auch dies Versprechen gar nicht oder in nur sehr be- scheidenem Maße gehalten. Man sollte meinen, eS müsse innerhalb der demokratischen Republik nicht so schwer sein, den Mißständen, unter denen die arbeitenden Klassen zu leiden haben, wenigstens einigermaßen abzuhelfen. Aber unter den Republikanern, die jeht in der Volksvertretung über die Geschicke Frank- reich? entscheiden, sind gar viele, die man nicht anders denn als Vertreter eines blassen Liberalismus betrachten kann. Sie nennen sich Republikaner, weil die Republik nun ein« mal die bestehende Staatsform ist, aber sie haben weder demokratische Neigungen noch Gefühle, und sie haben nur insofern Neigung für demokratische Institutionen, als ihnen dieselben da« Streben nach Einfluß, Macht und Reichthum erleichtern. Diese Politiker, die meist aus Industriellen, Kaufleuten, Journalisten oder Rentier« bestehen, wollen denn auch nicht begreifen, wie eine energische und zeitgemäße Fabrikgesetzgebung wohlthätig auf die inneren Verhält- nisse Frankreichs wirke« würde. Die Anläufe, welche einige Regierungen zu einer wirklichen Fabrikgesetzgebung genommen haben, sind an dem Widerstande dieser honetten Bourgeoisie geschettert. Der Normalarbeitstag ist dieser Klasse tinmer als ein Greuel erschiene». 1848 war für ganz Frankreich der zwölfstündige Nor- malarbeitStag dekretirt worden; man glaubte den Arbeitern für ihre Bctheiligung an den politischen Kämpfen diese Kon« zession machen zu müssen. Aber diese Maßregel, die ohne- hin fast wirkungslos geblieben wäre, wurde gar nicht weiter beachtet und erhob sich nicht über die Wirkung einer schönen Phrase. Unter Napoleon III. schien sie ganz vergessen zu sein. Inzwischen hatte, wie in der Industrie der ganzen Welt, auch in Frankreich die Frauen- und Kinderarbeit einen kaum geahnten Umfang angenommen. Namentlich die Kinderarbeit richtete bald fühlbare Verwüstungen an, so daß man sich entschloß, einzuschreiten. Nach dem Gesetze von 1874 sollte die Kinderarbeit nicht vor Ablauf deS 12. Jahres beginnen; aber da« Gesetz selbst gestattete so viele AuS- nahmen und im Laufe der nächsten zehn Jahre ergaben sich auf dem Gebiete der Kinderarbest so offenbare Mißstände, verständlich war der Geistliche gekränkt und beschwsrte sich bei mir. Aber im Ganzen ist sie ein gute«, liebe« Mädchen." Wäre Ewaescha die Tochter eines Kleinbürger« oder unbedeutenden Beamten gewesen, so hätte sie den Kursus de« Gymnasiums nicht beenden können, und zwar wegen der Gewohnheit, die Wahrheit zu sagen und sich ihrer Mit- schülerinnen gegen die Ungerechtigkeiten der Unterrichtenden anzunehmen oder, mit anderen Worten gesagt, wegen der „Einmischung in Dinge, die sie nicht« angehen". Maluga war aber ein hervorragendes Mitglied der Gesellschaft, „einer der Unfern" und die Vorsteherin wagte gar nicht, die Idee der Entlassung Ewgescha'S anzudeuten. Nur bei jeder Visite Polixena'S ließ sie dem Strom ihrer mütter- lichen Rathschläge freien Laus. „Ich fürchte wirklich für sie," sagte sie, ,.e« ist em liebe» Mädchen, aber es ist ein unbändiger Geist in ihr; sie überredet die eine oder die andere, etwas zu thun... und man gehorcht ihr. Sie müßten doch einmal eindringlich mit ihr sprechen." Doch weder Polixena noch thr Mann vermochten Ewgescha über da» Thema Vorstellungen zu machen. Eines Tages, auf Grund eines Schulzeugnisse«, in welchem die Aufführung als„ziemlich gut" bezeichnet wurde, versuchten sie Ewgescha elterliche Rathschläge zu ertheilen. Polixena begann: „Du müßtest vorsichtig sein, mein Liebchen; man kann Dich au« der Schule ausschließen." „Ich habe nichts schlechtes gethan; Du hast mich selbst gelehrt, daß man nicht lügen dürfe und daß man die Wahr- heit vertheidigen müsse." „Gewiß, mein Täubchen, doch— „Papa, thue ich daran recht oder unrecht?" Maluga wollte eben noch der Rede seiner Frau zu Hilfe kommen, und plötzlich diese Frage! Und sie schaut mit den großen lieben Augen ihm so ernsthaft m's Gesicht. „Recht," sagte er, von dem Anblicke hingerissen. „Und nach Deiner Ansicht, Mama?" „Recht, recht! Nur—" Ewgescha ließ sie den Satz nicht vollenden. daß die Republik eine Revision der bestehenden Bestimmungen in Aussicht nahm. Bei einer umfassenden staatlichen In- spektion im Jahre 1883 ergab sich die Beschäftigung von 213 101 Kindern und unmündigen Frauen; darunter befanden sich 4234 Kinder unter 12 Jahren. Die Kommission konstatirte. daß von einer strengen. Znnehaltung der gesetzlichen Arbeitszeit keine Rede fei. Die Kinder unter 12 Jahren, welche nur 6 Stunden arbeiten sollen, hätten oft 12 Stunden und darüber arbeiten müssen, auch sei das Verbot der Nacht- und Sonntags arbeit für diese Arbeitskategorien gleichfalls unbeachtet geblieben. „Zn gewissen Etablissements, sagt der ZnspektionSdericht, müssen die Lehrlinge Sonntags ftüh zum Reinigen der Arbeitsräume und zum Putzen der Maschinen antreten." Der Bericht konstatirte weiter, daß die Kinder in den Gruben 9, 10 und 11 Stunden bleiben mußten. Ueber die Bestimmung des Gesetze« von 1874 bezüglich der Nachtarbeit der Kinder, bezw. über das Einholen der Genehmigung der Behörden wußten sich die Fabrikanten leicht hinweg- zusetzen.„Die Herren entziehen sich nur zu oft dieser Formalität." Bei gefährlicher Arbeit fanden 176 Unfälle von Kindern statt. Die Inspektoren betonten aber, daß diese Zahl bedeutend niedriger sei als die wirkliche Ver- lustziffer. Die Arbeitsräume ließen viel zu wünschen übrig; besonders entspreche« die alten Fabriken sowie die kleinen Werkstätten den einfachsten sanitarischen Anforderungen nicht. Vom Schulbesuch war nur bei einem Theile der Kwder die Rede; mehr wie ein Drittel erhielt gar keine Schul- bildung. Im Zahre 1884 machte die französische Re- gierung de» Versuch, einen vollständigen Normalarbeitstag und das 13. Lebensjahr als Altersgrenze für die Kinder« arbeit festzusetzen. Aber damit kam sie den„honetten" Re- publikanern sehr ungelegen: diese verwarfen die Vorschläge. Da« ungeschickte, hartherztge und brüske Verhalten der „liberalen Republikaner" wurde von den Monarchisten sehr geschickt ausgebeutet; je heftiger sich die Republikaner gegen den Normalarbeitstag wehrten, desto eifriger trat vor allen der klerikal-legitimistische Abgeordnete Gras von M u n für denselben ei«. ES kam zu nichts. 1886 wurde berichtet, man habe Kinder von 10—12 Jahren inGlashütten von 5 Uhr Morgens bis 5 Uhr Abends arbeitend gefunden. Auch wurden Kinder vielfach zur Nachtarbeit verwendet, und man sagte, daß„Manche« nicht richtig zugehe", allein man hatte keine Beweise, denn e» fehlte an geeigneten Ueberwachungsorganen. Aber endlich fühlte man doch, daß etwas geschehe» müsse. Zum allgemeinen Normalarbeitstag waren die „honetten" Republikaner immer noch nicht zu bewegen. Sie schienen zu glauben, die Welt fiele ein, wenn eine solche „Da« bedeutet, daß ich so handeln mußte," sagte sie und küßte Vater und Mutter. Von dieser Zeit an passirten die ungünstigen Bemer- kungen hinsichtlich der„Aufführung" in den Zensuren ohne Vorlesungen über da» Thema:„Die Wahrheit ist etwas Gutes, aber lügen muß man doch." In dem Zeugniß, da» Ewgescha nach Beendigung deS Gymnasiums erhielt, waren „Fleiß" und„Fortschritte" al»„ausgezeichnet gute", die „Aufführung" al»„gut" bezeichnet. Sie war em schönes, ernstes Mädchen geworden.— Wie sie in der Kindheit mit den„Onkeln" nicht heuchelte, so spielt« sie auch jetzt in der Gesellschaft keine Rolle, son- der« gab sich so, wie sie war, und hörte mehr zu, als sie sprach.— Wenn der Vater mit seinen Gästen in Moll- tönen sein Mitgefühl für die Leiden des Volkes pries, zeigte sich offenbar Verdruß in den Augen Ewgescha'S. Als ihr einst Jemand in hämischem Tone bemerkte:„Und Sie, Ewgenia Benjaminowna, lieben das Volk gewiß nicht, sonst würden Sie an unseren Unterhaltungen Theil nehmen'* entgegnete sie:„DaS zeigt noch von keiner Liebe, daS sind nur Worte". Eme solche Antwort veranlaßt« die Sänger dn bürgerlichen Leiden", sich nicht ferner um das junge Mädchen zu bekümmern. Dafür war aber Ulew entzückt über diese Entgegnung. „Sie haben Recht," rief er,„wir leben alle nur für daS eigene Wohlergehen und für weiter nichts." „Sie schließen vielleicht von sich," wendete ihm ei» anderer em. 7 .»Sa, ich bin ein Herr, ich seufze nie über die Leiden des Volkes." „Sie wollen also gewissermassen nur das Leben für die eigenen persönlichen Interessen anerkennen," Hub Ma. luga an. _"35 denke nicht daran; ich sage nur, daß ich nicht die Interesse» des Volkes lebe, und Sie behaupten, daß Sie für sie leben." � �«'"MW. m66'e! 2» M Mahregel ins Leben treten sollte. Man wollte den Wider- stand dieser Jnteressevpolitiker umgehen, da er nicht zu breche« war, und man erinnerte sich an die Zehn- stundeabill in England. So brachte man einen elf- st ü n d i g e n Normalarbeitstag zu Stande für die Frauen und für vie jugendlichen Arbeiter bis zu 18 Jahren; auch gelang es, die Kinder der Nachtarbeit fast ganz zu ent- ziehen. Im Ganzen sind diese Maßnahmen unbedeutend. Man hofft zwar, eS würde, wie bei der englischen Zehnstunden- vill, die Verkürzung der Arbeitszeit der Frauen und Kinder auch den Männern zu Gute kommen. Aber es fragt sich sehr, ob dieS auch heute die Wirkung der Fabrikgesetzgebung in Frankreich sein wird. Die Theilung der Arbeit ist in- zwischen bedeutend vorgeschritten und das hat ganz ver« änderte Verhältnisse ergeben. Dagegen hat man sich endlich entschloffen, geprüfte Fabrikinspektoren in Frankreich einzuführen. Diese Neuerung ist daS Beste an dem ganzen Gesetz. Wenn die Fabrikinspektoren ihre Schuldigkeit thun, so wird man in Frankreich nicht mehr mit den alten seichten Gründen gegen eine Weiterbildung der Fabrikgesetzgebung ankämpfen können. DaS Fabrikin spektorat hat noch überall wohlthätig ge- wirkt- in Frankreich wird ohne Zweifel dasselbe der Fall sein. Die ftanzösischen Republikaner hätten, sollte man meinen, ihren Stolz darin suchen müssen, die beste Sozial- gesctzgebung der Welt zu schaffen. Aber viele von ihnen liefern den Beweis, daß man zwar Republikaner sein, aber doch aller demokratischen Gefühle baar sei» kann. Ras der Mmei). Das publizirte„geheime Schreiben" des Bundesratbs hat in den weitesten Kreisen des Schweizervolkes eine tiefgehende Erregung hervorgerufen. Von leiner Seite wurde aeabnt, daß mit den von der Bundesversammlung ootirten 20000 Frks. ein Fnstitut von so weittragender Bedeutung wie die nun kreirte politische Polizei wird geschaffen werden. Das Kind, das nach den damaligen Veistcherungen in die Welt gesetzt werden sollte, hieß Fremdenpolizei und ihre Thätigkeit sollte sich in der Hauptsache gegen die Polizeispitzels, Agenta provocateurs, Anarchisten und die fremden Agitatoren richten. Daß aber alle Versammlungen, in denen über die sozialen Organi» sationen, sei es der Schweiz oder des Auslandes, gesprochen wird, der Polizeiaufstcht unterstellt werden sollen, davon war keine Rede. Aber nicht blos die Ueberwachung aller derartiger Versammlungen ist angeordnet worden, auch die Kontrole aller D'Uckschriften, die sich mit den sozialen Angelegenketten de» f äffen, die ZBeaufstchtigung und Ueberwachung aller Personen, welche bei der Herstellung dieser Druckschriften als Redakteure oder Mitarbeiter betheiligt sind.— Das riecht schon etwas nach Fachten! Daß die„liberale" Bourgeoistc gegen das Verfahren des Bundesraths nichts einzuwenden hat, sondern demselben recht laut und begeistert zujubelt, ist ganz natürlich. Wir habm ja kürzlich in den verschiedenen Jahresberichten der industriellen und kommerziellen Gesellschaften die systematische Hetze gegen die aufgeklärte Arbeiterschast kennen gelernt, ur.d jeder Hieb, gegen diese geführt, bedeutet einen Triumph der Kapitalmacht. Höher als alle idealen Güter, als Freiheit und Asylrecht schätzen die Herren den Geldsack. Der „Bund", das harboffiziöse Organ des Bundesrathes, schreibt in dieser Angelegenheit: „Nach unseren Erkundigungen ist der veröffentlichte Text vorgenannten Kreisschreibens authentisch und wahrscheinlich durch die Indiskretion eines kantonalen Polizeibeamken in den Befitz des„Sozialdemokrat" gelangt. Alle diese Erhebungen haben den Zweck, die in der Schweiz vorkommenden Thatsachen poltzei- licher Natur, welche unsere innere Sicherheit und unsere tnier- nationalen Beziehungen berühren, zu sammeln und so den Bundesrath über die sozialistische und anarchistische Propaganda auf dem Laufenden zu erhalten. Diese Vorkehrungen find übrigens keineswegs auf Anregung ausländischer Behörden erfolgt, sondem fie wurden im Interesse unseres eigenen Landes und dessen Sicherheit getroffen, und die rmmense Mehrheit des Schweizer- volles wird dem Bundesrathe dafür, daß er in dieser Richtung «in wachsames Auge hält, nur Dank wissen." Diese Meinung wird allerdings von sehr vielen nicht ge- theilt. Nachdem die„Basler Nachrichten" in der Dienstags- nummer in einem Artikel mit der Uederschrift:„Ist's wahr?" -ihrem Erstaunen, wenngleich mit Vorbehalt der Richtigkeit des von Steck veröffentlichten Schreidens, Ausdruck gegeben und zu- gleich die Erwartung ausgesprochen haben, daß der Inhalt des beregten Schreibens wohl nicht authentisch sein werde, sagen fie „Was haben Sie denn für einen besonders angelegten Organismus?" „Den eines Herrn, mein Lieber. Wir möchten alle, aber wir können es nicht." „Erlauben Sie gefälligst! Ich will Ihnen ein Beispiel anführen. Als ich noch Staatsanwalt war, brachte ich dem gemeinnützigen Interesse keinen Vortheil, wenn ich Un- schuldige durch mein genaues Studium der Akten rettete?" „Nun, wenn es so ist, dann bringe ich allerdings auch Nutzen. Ich habe im Liebhabertheater zum Besten eines wohlthätigen Zweckes gespielt."- „Gewiß, auch da» ist eine nützliche Sache." „Und nach meiner Meinung ist das nur daS Mittel, bamit Unsereiner sich nicht langweile. Wir haben alle daS Verlangen, uns in die Lüfte zu erheben, die Flügel fehlen un« aber. Darum sage ich auch: ich habe keine Flügel und kann nicht mit den Kranichen fliegen, Ihr wollt Euch aber einreden, daß Ihr wirklich fliegt." „Sie sind ein unverbesserlicher Sonderling." „Wie ich die Sache verstehe, ist der ein Sonderling, der sich selbst betrügt. Benjamin Petrowitsch, Sie reiten stets auf einem falschen Sattel. Staatsanwalt, Zensor, Direktor eines idealen Gefängnisses! Entsprechen denn alle diese Stellungen Ihren Anschauungen?— Stephan Ser- geitsch, Sie sind ein Beamter, der da« Beamtenthum ver- achtet. Sie, wandte er sich an einen Offizier, dienen im Heere und können den Krieg nicht leiden." „Dazu habe ich meine besonderen Gründe," bemerkte der angeredete Offizier in geheimnißvollem Tone. „Allgemeine, aber nicht besondere. Wir brauchen Alle die Mittel zum Lebe«. Und Allen gelüstet eS nach diesem Leben, daß sogar gute Menschen bereit sind, gegen die Stimme ihres Herzens zu handeln, weil man Aemter, die einem wirklich zusagen, nicht auf der Straße findet „Nikolai. Awdeitsch hatte bisher keine Gelegenheit, ferne Prinzipien zur Geltung zu bringen," sagte Ewgescha im Tone einer tiefen Ueberzeugung;„trifft sich die Gelegenheit, so wird er sie schon zeigen/ „O, wenn Sie für Nikolai Awdütsch sind, so nehme in der folgenden Nummer— da inzwischen das Schriftstück vom„Bund" als richtig bezeichnet worden: „... Eine so weitgehende Kompetenz, durch welche große Kategorien des Schweizervolles unter permanente Polizeiaufficht gestellt werden, könnte der Bundesiath nur durch gesetzlichen, von der Bundesveisammlung und dem Volk genehmigten Erlaß erhalten... Das ist die Erklärung eines Ausnahmezustandes, die nicht so ohne weiteres hingenommen werden darf. Wir find der festen Ueberzeugung. daß auch die große Mehrheit des Schweizervolles fich erstaunt fragen wird: ob wir denn in der That schon so weit gekommen seien, daß wir ohne polizeiliche Kontrole nicht mehr über Fragen undDinge reden und schreiben dürfen, die gegenwärtig in der ganzen gebildeten Well auf der Tagesordnung stehen." Die„Zür. Post" bezeichnet dw angeordnete Ueberwachung von Versammlungen als Verfassungsdruck.„Was wir de- fürchtet und vorausgesetzt haben, ist eingetroffen: man hat die freie Bewegung der Fremden verkürzt, um verfaffunasmäßige Rechte der Schweizer selbst zu verkümmern.... Die Frage ist, ob das Schweizervolk den„Freiheitsbrief"— diesen Uriasdrief der Schweizerfreibeit— sanllioniren will oder nicht." Der „Grütlianer" schließt einen Leitartikel über„Die polittsche Po« lizei":„Wird die Bundesversammlung den Muth haben, ihr Votum richtig zu interpretiren und die Anmaßung des Bundes- ratbcs in ihre Schranken zu weisen? Sie ist es ihrer eigenen Würde und der beschworenen Pflicht sckuldig. Die Kantone aber werden fich hoffentlich dedanken, solcher Art den Polizeibüttel des Bundesrathes zu machen. Dazu find fie nicht da!" Ein anderes Arbeiterblatt sagt zu dem Kreisschreiben:„Feder Schweizer, der es gelesen und nur noch eine Spur von Frei- heitsfinn defitzt, nur noch einen Tropfen republikanischen Blutes in seinen Adern rollen hat, wird mit uns sagen, daß durch den Erlaß dieses Allenstückes der Bundesrath eine der flagran- testen Verfassungsverletzungen, eine der schmäh- lichsten Handlungen begangen hat, die fich eine republi- kanische Behörde zu Schulden kommen lassen kann." Die Thatsache, daß das Kren schreiben ein geheimes war, zumal in einer Frage, wo es fich um die Ausübung ver- faffungsmäßiger Rechte der Bürger handelt, genügt allein schon zu dessen Verurtheilung. Unendlich beschämend aber für unser Land und dessen Institutionen ist sein Inhalt, wonach eine ganze Klasse vonBürgern und Einwohnern einzig, weilsie bestimmten sozialdemokratischen An- schau un gen huldigt, unter polizeiliche Auf« ficht gestellt wird. Jeder also, ob Schweizer oder Ausländer, sobald er im Gerüche des Sozialismus steht, erweckt nun auck in der „freien Schweiz" die sorgfältigste Aufmerksamkeit der Polizei. Alle, die als Sozialisten in einer Versammlung sprechen oder in einer Zeitung schreiben, z. B. auch die Redatteure der sämmt liehen sckweizerischen Arbeiterblätter, werd.n demnach gleich der ersten besten Straßendirne polizeilich kontrolitt! Wahrlich, wir haben es herrlich weit gebrockt im schönen Schweizerlande. Bis zum Erlaß eines schweizerischen Sozialistengesetzes nach dem Muster des deutschen ist jetzt nur noch ein Schritt. Unser Bundesrath hat beretts hinlänglich bewiesen. daß er der Aus- führung eines solchen Gesetzes in jeder Hin ficht gewachsen ist. Er läßt spitzeln und die Sozialisten chikaniren, bevor er nur eine gesetzliche Handhabe dazu defitzt u. s. w." „Aus diesem Ukas, der ein schreiend Zcugniß für die Fort« schritte ist, die der Bundesrath auf der schiefen Ebene gemacht hat, die er durch seine Stellungnahme zu dm Spitzelmthüllun- gm betreten hat, geht deutlich hervor, wie wenig Glauben die Versicherungen verdienten, welche aus dem Bundesrathshaus zur Einlullung des republikanischen Volksgewissens gemacht wor- den find. Der Einheitsstaat, wie ihn die Bundesbureaukratie fich vorstellt, macht Fortschritte, die Kantone haben aus ihrem Po- lizeipersonal oder aus den Reihm ihrer sonstigen„Beamten" Bundesspitzel zu bestellen.(Jeder vom Staate Angestellte ist Beamter, folglich können die Kantone auch Extraschnüffler an- stellen, resp. besolden.) Diese haben nicht nur die öffentlichm, sondern auch die geheimen Versammlungen, in welchen Fragen unserer sozialen Organisation besprochen werden, sowie über die Personen, welche an diesen Versammlungen oder an der Redaktion oder Verbreitung entsprechender Zeitungen tbäti- gm Antbeil nehmen, reg lmäßig an das eidgen. Justizdcparte- ment zu belichten. Geheime Versammlungen wurden bis- her von der Arbeiterschaft in der Schweiz nicht abgehalten, es werden daher die Mitgliederversammlungen der fortaeschrllteneren Ardellervereine gemeint sein. Wie gelangen die Bundesspitzel in dieselben? Wohl nur dadurch, daß fi- in falscher Tracht Mit- glieder der Vereine werden oder daß die Polizei unter den Mit- gliedern Verräther sucht und besoldet. Beides ist in unseren Äugen schmachvoll. Wir enthalten nns jeder weitem Belmchtung des unsäglich unrepublikanischm Erlasses, denn erstens find die Grundzüge desselben seit Monaten gegen den Willen der Geheimrätbe in Bem bekannt geworden und zweitens spricht das dunkle Blatt moderner Schweizergeschichte laut genug für fich selbst. Komme man uns aber nie mehr mit der Lüge, die Bun« despolizei sei nur zur Ueberwachung der Fremden da. Fremde ich ihn aus," rief Ulew,„das heißt, er hat wirkliche Gründe, diese Stellung, die nicht nach seinem Herzen ist, einzu- nehmen. Außerdem, meine Herren, ich bin ja kein Staats- anwalt und eben so ein Mensch wie Sie, nur halte ich mich nicht für einen, der für das allgemeine Wohl lebt." „Haben Sie jemals eine gute That verrichtet?" ftagte Ewgescha. Zwei. Als ich bei den Husaren diente, gab ich einem Elenden eine Ohrfeige und befreite dadurch meine Kameraden von seiner Gesellschaft. Ein anderes Mal war ich einem Freunde behilflich, eine Braut zu entführen. Da« Mädchen hatte keinen festen Charakter und war von der Mutter überredet worden, einen alten reichen Kauz zu heirathen. Stellen Sie sich die Szene vor: Der Bräutigam erwartet die Braut in der Vorhalle zur Kirche, die Sänger öffnen schon den Mund, um ihr Veni Creator anzustimmen; wir, d. h. der andere Bräuttgam und ich, erhaschen unterdessen da» Täubchen und flugS in eine andere Kirche, wo ein Pope schon unserer wartete. Sehen Sie, zu solchen Thaten bin ich auch heute noch bereit. Wenn z. B. irgend ein böser Geist, Sie, Ewgenia Benjaminowna, entführen sollte, so würde ich keinen Augenblick zögern, in sein verzaubertes Schloß einzudringen und sie zu befteien. Glauben Sie mir das?" „Ich glaube es, und werde mich dessen erinnern," sagte Ewgescha. � Inmitten der Freunde ihrer Eltern fühlte sich Ewgescha vereinsamt. Sie hatte ihre eigenen Bekannten, welche sie direkt in ihrem Zimmer aussuchten. Häufig ging sie auch au«. Maluga war sehr erfreut, daß sie keine Neigung ver- rieth, in die„höheren Kurse" der weiblichen AuSbildungS- anstalten einzutreten. Ein unbeschreibliches Entzücken aber erfaßte ihm, als sie ihm eines TageS mittheilte, sie werde Nikolai Awdeitsch heirathen. Mit strahlenden Augen sagte er Polixena:„Welch' unerwartetes Glück! Die gefährliche Zeit der jugendliche« Ueberschwäuglichkeiten ist nun glücklich vorüber.— Nikolai und Einheimische will man treffen. Wie wir Soziakisten von Anfang an vorausgesagt haben, so ist es gekommen. Aus Angst vor Preußen und infolge der„ g e l d s a ck- r e p u« blikanischen" Gefinnung der Mehrheit des Bundesrathes und der Bundesversammlung geht es nun auch in der„freien" Schweiz gegen die Vorkämpfer einer besseren Zukunft des Menichengeschlecktes. Gebe man fich in unseren Reihen keinen Illusionen hin: das historisch denkwürdige Kreisschreiben soll Material für die politischen Seilermeister liefern, welche den„göttlichen" Beruf in fich fühlen, dm König Mammon und seine Satrapen jeg- licher Gattung zu beschützen. Es sollen Handschellen für die Pioniere wahrer Volkswoblsahtt geschmiedet werden. Mutter Helvetia bezahlt die Verfertiger, wie die Verwmder, denn fie— die Abertausmde darben läßt— hat Geld genug für solche Nichtswürdigkeiten. Sie zeigt dadurch, daß fie ein getreues Edenbild der kapitalistischen Gesellschaft ist, welche die Menschen nach dem Befitze schätzt und behandelt. Doch— das überrascht uns nicht, denn Karl Marx wie» ja schon vor Jahrzehnten nach, daß unter dem kapitalistische« System die Regierungen eigentlich nur Exekutivausschüffe deS herrschendm Kapitalismus find. Das gilt, immerhin modifizirt durch die Auffassung der Volksmaffm, auch für die republi« kaniscke Schweiz. Unrepudlikanisch, schmachvoll und liebedienerisch erscheint unS der UkaS des Bundesrathes. Nie aber wird derselbe die von dm innern und äußern Geßlern erhofften Früchte tragen. Je mehr das arbeitende Volk der Schweiz erkennt, in welchm Bahnen unsere oberste LandeSdehörde wandelt, desto mann- haster wird es der reattionärm„Kulturgesellschaft" Gefolge und Gehorsam künden. Unter der Uederschrift:„Ein Grab der Freiheit ist's!" schreibt der„WeinISnder": „Selbst auf vie Gefahr hin, von dm eidgenössische» Bundesspitzeln mit Haut und Haar verschlungen zu werden, er« lauben wir uns hierzu eine kurze Bemerkung: So weit ist es also gekommen, daß öffentliche Versammlungm, wo über unsere Gcsetzesftagm u. s. w. verhandelt wird, sorgfältig überwacht und über die Thellnehmer genaueste Notizm gemacht werde«! Das versteht man heutzutage unter Schweizerfteiheit, der viel und herrlich besungenen? Es ist das eine Schmach für das Schweizerland, und es wäre eine Schmach für das Schweizer« voll, wenn es fich solche Willkür gefallen ließe. Mögen unsere Bundesbehörden(National- und Ständerath) wieder gut machen, was fie seiner Zeit gesündigt, als fie die 20 000 Fr. für die polttische Polizei guthießen." Diese Zeitunosrevue in Sachen der schweizerischen politische« Polizei mag für heute genügen. Eine Anzahl Blätter, darunter auch demokratische, hat dazu noch gar nicht Stellung genommen. Die Sprache aber, die gegm den Bundesrath von den mt« rüsteten Freundm der Frcibeit des Volkes geführt wird, zeigt, daß man eine solche Behandlung fich auf die Dauer nicht ge« fallen zu lassm gewillt ist. Wir wünschen dieser Energie besten Erfolg! S" 18 »ck und I Ihal *»„allgen ■mim Au » länger Satütl ' Und' bat . äste kann i 1. ich 2. ich »tervi .Doch Stopfer t Rottet e (b Bezi me fe ist Alchen Fedrui 1*1**« xJnterr Ebenfalls topbezeti Doch I i®*1 { in ml tot We> itn, ttisch Bors! %a» Pttttzönl fei Politische Uebrrstcht. Uo« dem Reichstagsabgroeduete» Aerrn iitb- Knecht erhallen wir mit der Bitte um Aufnahme nachstehende Erklärung: Aus dem Wust von Albernheiten, welche Bosheit und Klatschsucht anläßlich der Berliner Wahl und meiner schweizer Agitationsreise in die Well gesetzt habm, will ich die zwei dicksten heraus greifen. Nr. 1. In einer Pariser Korrespondenz der Kaftellpreffe heißt es: „Am 16. September derieth in Paris die Syndikatskammer der Tiscklergesellen über den allgemeinen Ausstand, der bei Gelegenhell der Weltausstellunz von 1889 geplant ist.} Die Ansichten über die Möglichkeit und Zwcckmäßigkell des Ausstandes waren getheilt. F r a n ch e t, ein Mitglied der rom Pariser Gemeinderath zur Kopenhagener Ausstellung gesandten, Arbeiteradordnung, erklärte die Befürchtung, daß die Mittel ausgehen würden, für unbegründet, in allen Werkstätten läge« Listen auf und namhafte Summen seien bereits gezeichnet- Francket bettchtete alsdann über die Reise nach Kopenhagen- Allmthalben seien fie sehr gut aufgenommen worden und fie hätten fich davon überzeugt, daß der Sozialismus überall Fort' schritte mache. Die belgischen und die dänischen Sozialistc« würden den Ausstand von 1889 mit Geld unterstützen, und auch der deussche Reichtagsabgeordnete Lieb« knecht, den sie besucht hätten, habe ihne« versprochen, zur Unterstützung des Kampfes der Arbeit gegen das Kapllal Geld zu smden. Schon am nächsten Donnerstag werde die erste Geldsendung Verdeutschen Soziali st en eintreffen. Nachvc« man diesm deutschen G.ldsvendern ein Hoch dargebracht, wurde der„allgemeine Ausstand für 1889" fast mit Einstimmigkell de« schloffen." Hierzu nur die«: 1. hat Herr Franchet mich nicht„gesprochen", st«'� itTp.en S Mt. tel psem ne fe"8, fe ckr Itt 1 Gerung toter Kr ff freien ({t leiden Wm tovrier en i■r— intt w fcL froni K-wiem Avpath &S Wi „je Awdeitsch ist ein vernünftiger, solider Mann; Ewgeschs ist verständig; der Himmel wird ihnen Kinder bescheere«- Gott sei Dank, mein Täubchen ist in den Hafen einge« laufen. Und ich war wirklich in keiner geringen Furcht, sie möchte sich mit ihrem guten, eindrucksvollen Herzen ß* Extravaganzen hinreißen lassen." „Za, eS ist in der That ein große» Glück! Auch'4 fürchtete für sie," bemerkte Polixene.— Die guten Leut* waren ungemein vergnügt; et kam ihnen garnicht in de- Sinn sich zu ftagen, ob sie auch wirklich ihren LieblwS Ewgescha so genau kennen. Offenbar befanden sie sich d'** her in einem schweren Jrrthum; beide dachten, sie würd sich von dem„Geiste der Zeit" hinreißen lassen, sie aber ließ sich verlocken und verlangte zu heirathen. Sie baqr* auch nicht daran, ob das junge Paar zu einander pttl' oder nur jugendliche Schwärmerei das Verhälwiß verav laßt habe.— Das ist nun einmal das unvermeidlich Schicksal der Eltern, den Charakter und das Wesen ihr<* Kinder nicht zu kennen und später über die Handlung*� derselben in Staunen zu gerathen. Maluga und Polixena ftohlockten und zweifelten kei«� Augenblick daran, daß Ewgescha in den stillen Hase«? seinen blühende» Gestaden einlaufe, dort, wo die liche Brandung de» erregten Meeres ihre Macht verlic> und hohe Berge eiferfüchtrg den Nordstürmen wehren. Zn der Behausung Maluga'S herrschte eine froh�.g Stimmung. Ulew, von der bevorstehenden Hochzeit in Ren«' wsetzt, rief:„Mendelssohn! Polixena Zwanowna, ich! Sie wiederholten einige Mal zusammen den Me«* � ohn'schen HochzeitSmarsch; die daS Entzücken der» athmenden Töne schwebten in der Luft gleich den Elfen Zauberwalde deS SommernachtStraumS." (Fortsetzung folgt.) Za« Äomoi ».">umoi fJforeuT ,'ttch an 1 tot— itn. .-1 Tag te" c Kf, Jto l &W Um ins den K* St P P tun % zi , v Ws l? nid fintc- Uf« rs noch Idne telexhonische Verbindung zwischen Däne» «und der Schweiz giebt. 2. bat er mir auch keine schriftliche Mittheilung betr. w»allgemeinen Ausslands" gemacht. 3. habe ich weder den„allgemeinen Ausstand" gebilligt, "ch Gelder für ihn in Aussicht gestellt. 4) bin ich ein prinzipieller Gegner der„allge» Auslände", an Denen stch die englischen Arbeiter schon * langer als 40 Jahren Die Finger verbrannt baden. , Natürlich bat nicht Herr F r a n ch e t gelogen, sondern das "ptil, welches die Notiz zu schreiben hatte.— Und nun zu Nr. 2— dem Interview, das der luididat Fran?ais" in Lausanne mit einem französischen «nalisten, einem Reporter deS„Gaulois" gehabt haben soll. «nm ich mich auch sehr kurz fassen: 1. ich habe mit einem Reporter des„Gaulois" weder in Planne noch sonstwo ein Interview gehabt, . 2. ich habe in der Schweiz überhaupt kein "terview gehabt. »Doch halt!— als ich heute vor 14 Tagen in Genf den {«pfer besteigen wollte, um nach Veoay zu fahren, trat der Porter eines Genfer Wattes an mich heran und bat mich, Nt Bezugnahme auf einen von ihm verfaßten, recht guten Mht meines Genfer Vortrages, ich möge ibm doch auf einige jjltn Antwort geben. Ich sagte, wenn ich könne, und so weit sei— ja! Er stellte darauf zwei oder drei Fragen, die J m wenigen Sätzen beantwortete. Das Gespräch, dem die �» begleitenden Freunde andächtig zuhörten, dauerte vielleicht �Minuten, und das Einzige, dessen ich wich noch daraus er« «ere. ist, daß ick B o u l a n g e r, den Ritter und Hott der Eicken Kartellbrüder, den„Organisator des Sieges" vom tjwbruar 1887. den Urheber unserer neuesten„nationalen ««bergeburt" als muthmaßlichen Nackfolger des Arsten Bismarck bezeichnete. Ick weiß nicht, ob das I? Interview war, und auch nicht, ob es veröffentlicht ist. Unfalls muß ich mich zu jener staatsmännisch- patriotischen I�vbezeiung bekennen. Doch Sckerz bei Seite. Wer wissen will, waS ich vom Interviewen hatte, der lese ! in meinem Büchelchen über Amerika(„Ein Blick in die 2* Welt") nach. Und mein bester Feind wird mir wohl zu« {Jchen, daß ich der Gebuttshclferdienste eines journalistischen Liegen nickt bedarf, um meine Gedanken über politische und politische Menschen und Dinge in die Presse zu bringen. Borsdorf, den 20. September 1888. W. Liebknecht. k&««$re«lan, 20. September, schreibt man uns: Der Manb des Reichstagsabgeordnetcn Kräcker hat stch in den Wn Tagen wieder verschlimmert. Der Aermste leidet furcht- 3- Die beiden ihn behandelnden Aerzte konstatitten Bauch- Entzündung und Lebettomvlikationen. Und während der pnke auf seinem Schmerzenslager sich windet und krümmt, p die Familie verzweiflungsvoll sein Bett umsteht, beeilt stch r Gerichtsbehörde— die unzweifelhaft von dem Zustand des Men Kenntniß hat—, ihm die Prozeßrechnung in Höhe von Mk. 66 Pf. zu präsenttren, mit der Aufforderung dieselbe JJnen acht Tagen bei Androhung der Auspfändung, zu be« Solen. Die Aerzte verboten der Familie, dem Kranken von »dem neuesten„humanen Akt" der Brec lauer Gerichtsbehörde �nntniß zu geben, weil dies die Katastrophe beschleunigen ??dk. Es wird stch hoffentlich einer der sozialdemokratischen JJHstagskollegen Kräcker's finden, der im Reichstag den Prozeß ?b die dem Vcrurtheilten widerfahrene Behandlung seitens por christlichen Behörde in das reckte Licht setzt. �#* den französtfchen Arbeiterkreisen wird die Er« Sprung über die Chauvinisten und Kriegshetzer I»pier größer. Und das ist ja auch sehr erklärlich, denn die iter find«s ja, welche in erster Linie unter diesen Kriegs- Kien und den daraus entspringenden Krieasbefürchtungen leiden haben. Es liegen uns die letzten Nummern eines höfischen Fackorgans vor, der„Hutmacher-Zeitting"— des yovrier Chapelier"—, das Organ der„franzöfischen Hut« /chergesellschaft" und des„Pariser Hutmacherspndikats". In Areren sehr scharf gehaltenen Attikeln wird da gegen den Azuvinismus zu Felde gezogen und dessen Gemeinschädlichkeit »-wiesen. Und zwar nicht blos gegen die französischen Chau- len, sondem auch gegen die deutschen. Die Reaktionäre « und drüben arbeiteten einander in die Hände und ihre chauvinistischen Allottta einzig zu dem die Völker besser unterdrücken zu können. franzöfischen wie deutschen Chauvinisten werden mit ganz �»em Maaße gemessen, und wirklich wohltbuend ist die >tzwp-rthie, mit der von den deutschen Arbeitem und dem cjssschen Volke gesprochen wird. Bei dieser Gelegenheit müssen �«wiederholen— und es ist das eine Beobachtung die man Mausig im ganzen unpatteiischen Ausland gemacht hat,— die französische Presse durchschnittlich weit weniger �Uoinistisch und aufhetzerisch ist, als die deutsche, und daß «N.die chauvinlstisch'fianzöfischen Organe lange nicht so roh �Kiben wie die deutschen Cbauvinistenolättcr. »DerlKokialbemokrat" zeigt an, wie wir einem Tele- Ans Kunst und Leben. u Langlebigkeit in Apina. Ein Freund der„Presse" �°idt:„Ich war auf der Reise und las im Kaffeehaus von »Ulomore Ihre Zeitung. Mit Rücksicht auf die Nachricht von o�nreuTs 103. Gebultstag knüpfte ich mtt den Leuten ein Ge« % an. Ich wurde ruhig angchött, aber dann sagte einer: SJlch hier giebt es alte Leute; in Miljevci steht eine Frau im illS in MisicS ein Mann im 101. und ein anderer gar im A Lebensjahre!"— Ich fragte, ist es möglich? und allseits JJmchette man mir: Wenn Sie die Armen— denn Sie find — kommen lassen wollen, können Sie fich selbst über« ien. Hat doch der 101 Jahre alte Stiego Novakovics vor , Tagen es nicht gescheut, den Weg von Mifics nach Antivatt JNachen, damit der Freund seines Sohnes ihm„türkisch" die Nse des letzteren schreibe, der in Konstantinopel weilt. Der %)« ging zu Fuß, vier Stunden hin. und vier Stunden Am nächsten Tag begab ich mich nach Mifics auf —-------------_ K T x-m%% strickte und hütete ihre Ur- Enkel. �-iu sein. Ihr Mann war vor 30 Jhr Sohn vor 20 Jahren KP Stunden nac und ihr Enkel heuer nach Konstantin opel gefahren. Stunden nachher erreichte ich Misflcs. Der lOljährigc CPo Novakovics arbeitete im Gatten. Sein Aussehen ist jenes z. hoben Sechszigers, so daß man kaum glauben kann, daß fernen S6jLbrigen Sohn habe. Drei Kilo Brot(!) auf einem * w auszuzehren, soll ibm eine Kleinigkett sein; arbeiten könne jCf ledermann. Auch er ist Urgroßvater. Ich begab mich I�ium Popen, um rascher den modernen Methusalem aufzu- Der Geistliche, ein intelligenter, zuvorkommender Mann, Sie brauchen Stch nicht zu bemühen, der Anton wird � kommen, und ließ den Anton Bizics rufen. Stach einer stunde trat ein kleines Männchen ein mtt einem keck kl,�,"Khten Scknurrbatt über dem zahnlosen Munde und f.S,? stch trotz des etwas gebogenen Rückens. Aufgefordktt, Wi.5 zu erzählen, gab der Atte eine biblische Erzählung zum -wahrscheinlich in der Meinung, Selbsterlebtes zu erzählen. *1« er jedoch einen schwarzen Kaffee genommen hatte, er« "von Bonaparte— und den Brand von Moskau schil- J*fo, wie er ihn seinerzeit erzählen gehört Halle. Er irrte \ �cht in den Jahreszahlen, aber er fügte doch zum ™ der Brand im vorigen Winter fich ereignet hadl er« .4«' Er irrte zum Schluß »e. Dann gramm der„Franks. Ztg." aus Zürich entnehmen, daß er mit dem Schlüsse dieses Quartals aufhören werde, auf schweizer Boden zu erscheinen. Nachdem der Bundesrath es mit der Würde der Republik und dem Geist ihrer Uederlieferung für vereinbar gehalten, Leute einer fremden Macht zu Lieb auszu- weisen, die nur das gesetzlich gewährleistete Recht der freien Meinungsäußerung benutzten, sei das Eingehen auf wettere Ge- lüfte der Berliner Reamon vorauszusehen. Die dem Blatte dadurch bereitete Situation sei seiner unwürdig. Es könne nicht auf das Recht verzichten,„aufzureizen" gegen alles, was es als schlecht und beseitigenswertd erkannt habe. England, das eine höhere Meinung von der Preßfreiheit und mehr Widerstands- kraft gegen fremde Zumuthungcn defitze, werde das neue Asyl des„Sozialdemokrat" sein. Das Blatt habe einen Vortheil von der Uederstedelung, well nun die Rücksichten auf die neunjähnge Gastfreundschaft wegfallen. Seine Stellung zu der deutschen Sozialdemokratie bleibe die bishettge. Der Leiter schließt die Anzeige mit einem Danke an alle Schweizer, welche, obwohl nicht seine Gefinnungsgenossen, im Interesse der republikanischen Ehre fich den unberechtigten Streichen widersetzt haben. Freiherr von MaIkahn-«Llh und Herr von Fen- »igsen. Die„Kölnische Zeüung" meint, es müsse anerkannt werden, daß Herr von Malyahn-Gültz für die parlamentarische Parteipolitik viel leichter entbehrt werden könne als Herr von Bennigsen, dessen Eintritt in ein Staatsamt für jeden Klar- sehenden doch nur die Bedeutung hat, auf seine Zukunft im politischen Leben eine Vorwirkung zu äußern.—„Von ein i: „Zukunft des Herrn von Bennigsen im politischen Leben" noch zu sprechen," bemerkt, die„Freis. Ztg." boshaft dazu,„nachdem derselbe es erst im 65. Jahre bis zum Oberpräfidcnten gebracht hat, erscheint doch etwas gar zu optimistisch. Sehr ergötzlich ist es, wie die nationalliberale Presse um die Thatsache herumzu- kommen sucht, daß Freiherr von Maltzahn zu den Hochotthodoxen und Sttengtonservativen gehört. Bei Ausübung seines tech- Nischen Amtes werde Freiherr von Maltzahn, so schreibt die „Kölnische Ze tung", mit seiner religiösen und konfessionellen Ucberzeugung schwerlich in Widerstrett kommen.— Es handelt fich nichtsum„religiöse oder konfesfionelle Uederzeugung", sondern um die Vertretung eines schroffen kirchenpolttischen Standpunkts, wie er von der evangelisch> lutbettschen Augustkonferenz unter dem Vorfitz des Freihenn von Maltzahn stets zu Tage getreten ist. Gemäßigt ist am Freiherrn von Maltzahn« Gultz weiter nichts, als die politische Befähigung. Die engeren Grenzen der- selben nöthigten ihm allerdings in der oratottschen Vettretung seines hochkonservativen Standpunttes eine weniger hochfahrende Tonart auf, als fie beispielsweise den Herren von Mirbach, von Minnigeiode und von Rauchhaupt eigenthümlich ist." An« der Kriminalstatistik pro 1886 find noch zu zu wenig hervorgehoben worden die Verurtheilungen wegen Zuwiderhandlungen gegen die Vor« schriften der Gewerbeordnung über dieBe« schäftigung von Arbeiterinnen und jugend» lichen Arbeitern. Das Jahr 1886 war an Verurtheilungen wegen derattiger Vergehen im Vergleich zu seinen un- mitieldaren Vorgängem außerordentlich reich. Nachdem in dm Jabren 1882 bis 1885 wegen Zuwiderhandelns gegen den be» treffenden§ 146 Nr. 2 der Gewerbeordnung 116 bezw. 223, 133 und 139 Personen vcrurtheilt worden waren, steigt die Zahl der Vcruttbeiltm in 1886 wieder auf 210. Die Zahl der cinzelnm Fälle, wegen deren Veruttheilungen stattfanden, war eine noch erhedlich größere, fie betrug 259. Und wie viele solcher Vergehm mögen bei unserer mangelbaftm Fadttkinspektion unbekannt geblieben sein? Das Königreich Sachsm marschitt, um auf Einzelheiten einzugeben, mtt Bezug auf die gesetzwidrige Beschäfttgung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in auffälliger Weise an der Spitze. Und dabei muß man fich an die im Januar dieses Jahres im Reichstage zur Sprache ge- brachte Stelle aus dem Bericht eines säckfischen Fadttkinspektors pro 1886 erinnern, woselbst es heißt:„War die Verfehlung (nämlich die verbotswidrige Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren) nachweislich auf Unkenntniß der Arbeitgeber mit den gegebenen gesetzlichm Bestimmungen zurückzuführen, so wurde von der Einleitung des Strafverfabrens mitunter abge- sehen." Also wenn der Arbeitgeber verficherte, er wiffe nichts von dem Verbot der Beschäftigung von Kindern unter zwölf Jahrm. dann wurde ihm durch die Finger gesehm und von seiner Bestrafung Abstand genommen. Das hinzugefügte„mit- unter" deutet an, daß die Fälle, wo dem Rechtsgrundsatz„Un- kenntniß des Gesetzes schützt nicht", zuwider der Arbettgeber außer Strafverfolgung blieb, nicht gerade nur ganz vereinzelte Ausnahmen darstellen; jedenfalls folgt daraus, daß für den OberlandcSgenchtsbezirk Dresden die Zahl der Kontravmientm gegen§ 146 Nr. 2 noch über die für die Verutthetlten ange- gebene Ziffer 50 hinausgeht. Auf das Königreich Sachsen ent- fällt daher zweifellos pro 1886 ein volles Viettel aller in ganz Deutschland vorgekommmen Vergeben gegen jene Vorschrift der Gewerbeordnung. Auch wegen Zuwiderhandelns gepm die Vorschriften über Löhnung der Arbeiter(§ 146 Ztr. 1) find in 1886 wieder eine ganze Reihe von Vemttheilungm erfolgt, in ganz Deutschland 60, wovon 8 wiederum auf Sachsen entfallen. Wegen verbotener Eintragung eines Merkmals in das Arbeits« fragte er nach der jetzigen Jahreszahl, serbisch:„1880 und?" bis der Pope ihm 8 sagte. Gebeten, über stch selbst zu sprechen, gab der Greis an, daß ihm die Frau im Alter von 95 Jahren vor sechs Jahrm gestorben sei, und daß sein Sohn vor 15 Jahren begraben wurde. Nur die 72jährige Tochter sei ihm ge- blieben, die zwar taub sei, aber noch immer alles im Hause de- sorge, während sein Enkel leider geisteskrank ist. Er wußte so« dann zu erzählen, daß er unter sieben oder acht Sultanen ge« dient habe, daß er 40 Jahre lang den Postbotendienst versehen habe und daß er für die österreichischen Konsuln in Antivari und Scutatt stets ein Vertrauensmann gewesen sei. Er habe oft 10- bis 20 000 Dukaten nach Scutatt gebracht, und besonders ein Konsul, Balattni, sei ihm dankbar gewesen, weil er dessen Sohn über Montenegro nach Cattaro geleitet habe, damit letzterer nicht durch 43 Tage die Contumaz an der dalmatinischm Grenze durchzumachen genöthiat worden. Ihn, dm„Stor Antonio", wie er fich nach Vmetianer Reminiszenz nannte, bade man immer gern gesehen. Als ich ihn schließlich de- schenkte, suchte er nach einem Segenswnnsch, und— da alles schön stt, was Gott thut, so wünschte er mtt, daß ich lange lebe." Gin idyllische» Leben führen doch die verschiedenen Stämme in Afrika. Das Reuter'sche Bureau bat kürzlich ver« kündet, daß die Sudanesen Gondar, die Hauptstadt Abesstnims, eingeäschert hotten. Nachstehend jedoch der wahre Sachverhall. Diz eigentliche Hauptstadt Abesstnims ist heute Dobratabor und Gondar nur die ehemalige Hauptstadt des Landes; es ist etwa das Moskau der Abesfinier, Debratabor aber deren Petersburg. Diese letztere Stadt nun wurde von Sudanesm in Brand ge« steckt, jedckch nicht von den Truppm, sondern von sudanefischen Einwohnern selbst: Veranlassung hierzu bot jedoch nur eine jener Zwisttgkeiten, wie fie unter nichtzioilifirten Völkerschaften an der Tagesordnung find. Gondar liegt am Fuße des Ge- birgSzuges von Onogusra auf einem Hügelplateau und ist in zwei Theile geschieden: in das chttstliche und in das mohame- danische Thal. Das Türkenviettel liegt am Fuße des Hügels und wird von Sudanesen bewohnt, die einen Handel mit Kaffee, Kupfer, Baumwolle und— Sklaven betreiben. Das chttstliche Viettel wird durch einen tiefen Hohlweg in zwei Theile geschieden: in die Vorstadt Adouna(Bischofsstadt) und Etshsgus. Gondar ist die Refidenz der abesfinischen Herrscher gewesen bis zum Tage, wo Theodoros, dieser kttegs- und adentmerluslige Fürst, es vorzog, seine Refidenz in einem Feld» lager aufzuschlagen. Auch der gegenwättige Herrscher, König Johannes, hat fich inmittm seines Heeres in das Adlemest buch(§ 146 Nr. 3) wurden nur 3 Personen veruttheilt. Auf alle diese Vergehen steht bekanntlich nur Gelvsttafe, an deren Stelle nur„im Unvermögensfalle" Gefängniß tritt. Auch bei hattnäckiger Wiederholung dieser Vergehen seitens eines und desselben Arbeitgebers kann doch nur auf Geldstrafe erkannt werden, ein Umstand, der sicher nicht dazu beiträgt, dm Respekt vor dem§ 146 zu fördern und die Anzahl die Zuwiderhandlungen gegen denselben zu verttngern. Wmn in 1886 aus § 146 Nr. 2 nur 210 Veruttheilte auf 259 strafbare Hanl»- lungen kommen, femer aus§ 146 Nr. 1 nur 60 Veruttheilte auf 194 strafbare Handlungen, sowie aus§ 146 Nr. 3 nur drei Veruttheilte auf 8 strafbare Handlungen, und wmn außerdem von den 210. 60 und 3 verurtheilten Arbeitgebern 1 bereits 3 oder mehr Vordestrafungm, 7 bereits 2 Vorbestrafungen und 21 bereits 1 Vorbesttasung— muthmaßlich ebenfalls wegen Vergehen gegen§ 146— erfahren hatten, dann ist der Gedanke nicht von der Hand zu weisen, daß die bloße Geldstrafe dm Arbeitern nicht hinreichend den Schutz fichett, der ihnm doch durch§ 146 gewährt werden soll, zumal gegenwättig auch hier offenbar nur ein Prozentsatz aller Vergehen zur Kenntniß der Behördm gelangt. „Schwarze Listen", schreibt das„B. 11.", werden jetzt ziemlich allgemein in den Jnnungsverbänden eingeführt. Diese schwarzen Listen entHallen nicht etwa dtt Namen„untauglicher" Arbttter, sondern vorzugsweise die Namen derjenigen, welche für die selbstständigen Arbeiterintcressm eintreten. Uns lag in diesen Taaen ein autographittes Zirkular des Obermeisters der hiesigen Maiettnnung, Herrn A. Horendurger, aus dem vorigm Jahre vor, in welchem zirka 150 auswättige Gehilfen in dm Bann erklätt wcrdm. Dieser Liste wird dann hinzugefügt: „Von hiefigen Gehilfen werden namentlich bekannt gemacht: Schwem, Herrn., Sckwem, Eduard, Dickhut, Hoff« meister, Beste, Bettram, Rud., Müller, H., in Broitzem, Voigt und Weinberg, C." „Daß dtt nunmehr namhaft gemachten Gehilfm, wo dieselbm noch in Arbeit stehen, thunlich bald entlassen werden, ist wohl kaum nötbig, noch extra zu demettm, ebenfalls daß die nöchige Diskretton zu beachtm ist." Nachdem dann nochmals um genaue Berückfichtigung des Obigen gebeten ist, wird das Zirkular gezeichnet: Biaunschwttg, im Juli 1887. Der Odermeister: A. Horendurger." \ Das Blatt lonstatirt, daß das„Verdrechm" der„Rädels« führet" lediglich in der Zugehöttgkeit zum Fachverttn bestanden habe. Als sozialdemokratischer Agitator stt keiner hervorgetreten. Es zeigt fich hier wieder, wie schon so oft, daß die Jnnungs- drüder die ärgsten Reakttonäre und Tyrannen find; daß fie andirm das vettümmem, was fie für stch selbst gern und in ausgedehntestem Maße in Anspruch nehmen. Kartellbrüderliche Jnttnngvgegnrr. Das„Vercirs- dlatt" schreibt: Als die kolossale Lüge im Februar 1887 dtt biederen deutschen Angstphilister aus dem Häuschm gebracht hatte und dadurch die Hurrahmehrhttt im Rttchstag gezeitigt wurde, die wenigstens für das herrliche Landheer so viel Mann und so viel Millionen stellte, daß man an erster en wohl absolut nichts mehr(na, abmatten!) und an letzteren wohl in den erstm 6 Jahrm nichts mehr(na, na!) zu fordern haben wird, und wahrscheinlich nur noch die Mattne einige neue Hundert- Millionen neue Steuern in der Zwischmzett zu bewilligen haben wird, nach dir fem Tag tiefer Erniedttgung für das deuttche Volk, das ihm die Kartellmehrheit auslud, da jubelten mit allen lichtscheuen und reattionärm Kräften auch die Jnnungsdrüder, daß nun ihr Weizen blühe. Sie meinten, jetzt blos fordern zu dürfen, dann käme alles von selbst. Ihre„Forderungen" waren denn auch durchaus nicht beschttden. Sie erstauntm aber sehr, da fie sahen, daß der Rttchstag ihre Forderungen durchaus nickt mit dem Eifer zu den selnigen machte, den fie erwattetlhattm. Mit einer Stimme Zufallsmehrhttt in ttner Lesung angenommen, fiel ihr Zwangsdesähigungsnachweis, auf den fie so ficker hofften, unter den Tisch. Ach. die armen Zünftler! Sie wissen nicht, wie schlecht es ist, mit großen Herren Kttschm zu effm? ivie, dtt Klttn-Kapttalistm, die Zwerg-Kapitolislen, die schon mtt einem Fuße im Proletattate stehen, fie glaubten wirklich, die Groß-Kapitalistcn, die fie täglich duyendweis verschluckm mtt nicht mehr Beschwerden, als dem Fttnschmecker, dem Schlemmer das Hinunterschlucken einer Auster berttttt, diese Groß-Kapita- listen würdm ihnen Waffen geben, die, wenn auch wirkungslos, doch unter Umständen unbequem sttn können, wie z. B. die Stacheln ttner Brombeerranke. Sie bindern uns nicht, die Beerm zu pflücken, aber gerade eine Annehmlichkeit find fie nickt. Die„Kölnische Zeitung" giebt jetzt den Zünstlem in nicht mißzuverstehender Weise ganz den Laufpaß, dtt nationallideralen Großfabrikanten, Professoren, Oder-Bürger« meister und ihr Beamten- und Philistertroß, fie sagen fich vollkommen von den armen Zünftlern los, fie werden zn den„extremen Parteien"(Hu, wie schaurig!) zu den Deuttch» frttstnnigcn, den Männern der Herren Stöcker, Windthoist und... ttt... zu den gar nicht nennen) geworfen. lit (wir wollen fie lieber Ja, was bis jetzt der Innung ge» Debratabor zutückgezoaen, von wo aus sttn scharfes Auge von weitem schon jeden Fttnd zu erspähen vermag. Gondar ist, seitdem dtt Könige es verlassen haben, zu einem stillen Otte ge» worden, in den der Wochennarkt kaum während 24 Stunden einiges Leben zu bttngen vermag. Infolge der Aushebung von Truppen, die vom König Johannes anläßlich seines Feldzuges wider die Italiener zusammengestellt wurden, ist Gondar von der christlich abesfinischen Bevölkerung fast ganzlich verlassen. Hieraus folgt, daß der Wochenmarkt zu drtt Vietteln von sudanefischen Kaufleuten besucht wird, während nur ttn Viettel der Händler Abesfinier find. Eines TageS kam es nun auf dem Markte zu einem Streite. Abesfinier und Sudan esm wurden handgemein, und es gab auf dttden Seiten zahlreiche Verwundete und Todte. Die Abesfinier, die in der Minderzahl waren, wurden gezwungen, fich in ihre Kirchen zurückzuziehen und fich dort zu verschanzen; die Sudanesen verfolgten fie da» hin und matten Feuerdrande auf vier Kirchen, in die stch dtt Abesfinier geflüchtet hatten. Der Negus Menelak, der fich da- mals in Dobratabor aufhielt, stellte fich auf die erste Nachricht von dm Ereignissen in Gondar an die Spitze sttner Truppm, zog gegen diese Stadt, üderraschtt die Sudanesen und ttchttte unter denselben ttn fürchterliches Blutbad an. Jene, welckmes gelang zu flüchten, suchtm in Gallabat Schutz. Dttse Theck« lachen gabm mit Unrecht Veranlassung zur Entstehung zwtter Nachrichten: der Einnahme von Gondar durch die Sudanesen und einem Siege der Abesfinier über diese im Gebttte von Gallabat. Gine neue Industrie. Aus London wird geschttebm: Edison ist entschloffen, seine nme Erfindung, den Phonoaravb. geschäftlich zu ocrwerthen. Er läßt in Europa die besten Mustk- Instrumente ihrer Gattung ankaufen und wird die bestm Mustkanten anwerben, um fie auf dtesm Jnstrummten in Gegenwatt des Phonographs spielen zu lassen. Auf dttsern Wege wird er Phonogramm-Kabinette hetttellen, welche mtt dem Phonograph nach allen Welttheilen versandt werden. Die erste „Mufikmühle" dieser Att soll in England erttchtet werden und Oberst Gouraud ist von Edison ermächtigt worden, in einer zentralen Stelle Londons ttn Haus zu miethen, in welchem alle gute Musik phonographisch reproduzirt werden kann. Auch ftir prosaische, poetische und dramatische Vorlesungen soll der Ort benutzt werden. Einige hunderttausend Phonogramme find de» teitS destellt. SÄ ist, erscheint der„Äüln. Ztg." schon vom U.bel. Tie sagt ihrer Nr. 229 vom 18. August 1888:„Erwähnt werden nur, daß in manchen Jnnungsbezirlen, in welchen Nicht« ■Snnungsmeistern das Recht, Lehrlinge auszubilden(soll heißen: auszunutzen), abgesprochen ist. ein recht bedenklicher Mangel an Lehrllngen und Gesellen demerkbar wird. Die Hoffnung, daß durch jene Bestimmungen alle noch außerhalb der Innungen stehenden Meister fich beeilen würden, den Innungen beizutreten, ist nicht in Erfüllung gegangen. Diese Meister halten jetzt neben den Gesellen noch junge Arbeiter statt Lehrlinge, und da sie, was dezeichnend ist, vielfach mehr zu thun haben als die Jnnungsmeister, so werden mehr junge Ar« heiter gehalten, als Lehrlinge zu Gesellen ausgedlldet." Nun, wenn der erste Satz dieser Aeußerung auch offenbar unsinnig ist, da die kurze Zeit, seitdem das Lehrlings- Ausbeutungsprivilegium an Innungen verliehen wird, noch keinen Einfluß auf die Zahl der Gesellen gehabt haben kann, es femer an Gesellen in keinem Fache fehlt und schließlich es dem Gesellen ganz gleich ist, ob er als„junger Arbeiter" eines Nichtinnungsmeisters oder als Lehrling eines �dnnungsmeisters ausgebildet und ausgenutzt ist, so zeigt diese Auslassung doch, daß die Zünftler von den N a t i o n a l l i d e» ralen nichts zu erwarten haben. Sie find von den„natio- naten" Parteien in Acht und Bann gethan, sie finden nur noch Schutz bei den„extremen" fireuzzeitungsmännem und Stöcke- rianern und bei den„Reichsfernden", den Wmdthorst'schen Schaaken. Uebrigens gliedert fich auch an diese beid. n theilweise als„Vaterlandsfeinde" oder„Reichsfeinde" bezeichneten Par- teien ihr Heerbann an. Die„neue Aera" bringt den Zünftlem nur Herzeleid. a» Koste« die Kriege? Der englische Statistiker G.$ Mullhalls veröffentlicht folgende interessante Statistik: Die napoleonischen Kriege von 1793—1815 kosteten 1900 000 Menschenleben und 12 600 000 Mill. Gulden; der rusfisch-tür- iische Krieg im Jahre 1823 120 000 Menschenleben und 200 Mill. Gulden; der spanisch- portugalische Bürgerkrieg vom Jahre 1820—1840 160000 Menschenleben und 500 Mill. Gulden, der fran'östsch- algierische Krieg in den Jahren 1830—1847 110000 Menschenleben und 38 Mill. Gulden; die 1843er Re- volution 60000 Menschenleben und 500 Mill. Gulden; der Krimkricg vom Jahre 1854—1856 485 000 Menschenleben und 340 Mill. Gulden; der österreichisch-französtsch'italienische Krieg im Jahre 1859 63 000 Menschenleben und 500 Mill. Gulden; der amerikanische Bürgerkrieg vom Jahre 1863—1865 650000 Menschleden und 7400 Mill. Gulden; der österreichisch-preußische Krieg im Jahre 1866 51 000 Menschenleben und 200 Millionen Gulden; der brasilianisch paraguaysche Krieg bis 1870 330000 Menschenleben und 4800 Mill. Gülden. vom Jahre 1864 Von den letzten Kriegen, nämlich dem deutsch franröfischen, russisch- türkischen und bulgarisch-serbischen find die Daten noch nicht vollständig gesammelt. Der dlutiaste davon war der russisch« türkische, welcher den sichersten Schätzungen zufolge 300 000 Menschenleben kostete, der theuerste der deutsch.franzöfische, der mehr als 15 Milliarden verschlang. >ar». Gest-rveich-Uttg Die Länderbank machte Strafanzeige gegen den insol- venten Fabrikanten Reiß, da die Untersuchung des Magazms ergab, daß Reiß betrügerischer Weise nur Waaren im Werthe von 100 000 Gulden anstatt 750 000 Gulden als Faustpfand hinterlegt hatte. Die mangelhafte Kontrole der Länderbank hatte dies ermöglicht. Ton der Forderung der Länder dank find des- halb 650000 Gulden ungedeckt. Reiß und der Beamte der Länderbank, Berger, wurden verhaftet.— O helliges Eigenthum! Kchveiz. Die Arbeitervereine der Stadt Bern wählten als Mitglieder in die Auffichtskommisfion des Arbeitsnachweis« bureaus die Herren Reichel und Bill. Die von den MUglie- dem der Reservekaffekommission eingereichte Demission wurde angenommen, aber beschloffen, es habe der Vorort des allge- meinen Arbeiterbundes als solcher am nächsten Arbeiter- tag die Demission einzureichen; als dahin möge die Reserve- kaffekommission fortamten. Zum Schluß wurde gewünscht, das Aktionskomitee und die Fachvereine mögen ihren Austritt aus dem allgemeinen Arbeiterbund erklärm, um dann seldstständig, ohne Grülliverein, die Stteikkaffe zu organifiren. «roAbHtftttttie«. Der englischen Regierung drohen in Kanada Schwierig- leiten, welche durch die Verwerfung des Fischereiverttages noch verschärst werben und auf nichts Geringeres hinauslaufen, als eine Zersplitterung des kanadischen Staatenbundes und eine Annäherung verschiedener Provinzen Kanadas an die Vereinigten Staaten. Vor einigen Tagen ist in Ouebcc ein Monsttemeeting abgehaltm worden, in welchem das Vorgehen der Zentralregie« o eingelegt'" Zeleidiaung für die Provinz, insbesondere für die Kanadier mng vemrthellt wurde, well sie gegen eine lokale Bill das ihr astehende Veto eingelegt hatte rrn welche die Konvertirung der Staatsschuld vorschlägt, v«% Zentralregierung nicht genehmigt wird. Andere Zeitung«' Quebec schlagen öffentliche Versammlungen vor, um de»� schluß an die Nach dar- Republik zu verlangen. Daß die W friedenbeit mit der Zmtralregiemng allein diese Gährung w vorgerufen hat, ist nicht glaublich. Vermuthlich haben die» dem Präsidenten Cleveland geforderten Repreffalim, welche» nada seiner besten Märkte zu derauben droben, theilweise» hochgradige Austegung verschuldet. Die„Daily News � wohl Recht, wenn sie den Gmnd dieser Unzufriedenhw« dm Wunsch vieler kanadischer Kolonisten zurückführt� nrn» Vereinigten Staaten einen Zollverband abzuschließen: ei» jP jekt, das bekanntlich Chamberlatn, der mgiische Vertteter bei J Verhandlungen über den Fischereivertrag, als unpatriotisch* verrätherisch verurtheilte. Frankreich.. Der Streik der bei dem Bau des Eiffelthu>!, auf dem Marsfelde beschäftigten Ardeiter ist beendet; beit ist wieder aufgenommm. Dagegen baden in St. alle Arbeiter der Kohlengmbengesellschaft die Arbeit ei» st-llt. Eine Straßburger Meldung der„Kölnischen ZelluvIT? stätigt die Angabe französischer Blätter, daß de: in der P der Grenze todt aufgefundene Gendar« Selbstmord begangen habe. Seit einigen Tagen n#: junger Gendarm aus Strueih bei Dammerkirch spurlos» schwunden, wie es heißt, aus Angst vor einer beoorsteheP oder wegen der Unttme seiner Braut. Strueth» Veto wurde als eine französischer Abstammung denunzitt, und in dem Preßorgan des Premiers von Quebec erschien ein Artikel, der mit nichts Ge- ringerem droht, als mit Loslösung von der Dominion und zu dm Vereinigtm Staatm, wmn eine zweite Bill, unmittelbar an der Grenze in der Nähe von Suarce. Amerika.. Nach einer aus San Francisco hierher geW* Meldung wäre auf den Marquesasinseln die französische N? gehißt worden, nachdem 200 französisch: Marine«Jnf««P Soldaten eine große Anzahl Eingebormer nach ciW» Gegenwehr getöotet hätten. Afrika. Dm„Times" wird aus Sansibar telegraphisch DieUsambara-Häuptline unter Anführung. find in Revolle gegen die Deutsch- afrikanische Komplwmi? griffen. Die Karawane des Dr. Meyer wurde von zersprengt, und die Träger desertirtm. Dr. Meyer ist n«? Küste zurückgekehrt. Der Sekretär des mglischm Avmirals«? thällich angegriffen, vermuthlich weil er für einen Beamte«.- deutschen Kompagnie gehalten wurde. Der deutsche Adwir» nach Mauritius abgesegell. � Theater. Sonnabend, den 22. September. «p««h«»»i Die Hugenotten. Kch««s»i»U»a«»(iw Wallner- Theater): Rosenmuller und FInle. Festlütg-Theater: Anton Antony. Hentfche« Theater. Die berühmte Frau. Kerlwer Theater. Demettius. «rtevetch- Withelmstädtische» Theater. Der Glücksritter. Nestdeaz-Theater: Decoritt. .Äzktarta-Theater: Mathias Sandott- S!>ea»f»«e»>TH»at-r: Schlauberger. Tentrai' Theater. Die Schmetterlinge. K»»l»h-Gr»st �h»ater. Die drei Grazien. Uartttck( Spezialitäten-Vor- Ssncerdi«- Theater i Spezialitäten- Bor- Theater der NeichahaUen: Spezialitäten- Vorstellung. Jlönipstädtisches Theater. Alexanderstr- 40— Kurzestt. 6. Stadt« und Pferdebahnverbindungen nach allen Richtungen der Stadt. Sonnabend und folgmde Tage: Zum 3. Male: Der Rattenfänger von Hameln. 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Dampfi ets Vor einigen Tagen ist der Riesendamvfer„Great Eastern von der Clyde, wo derselbe in der letzten Zeit gelegen tat, nach dem Mersey übergeführt worden, um dort abgebrochen zu wer« den, wenn in zwölfter Stunde iich nicht noch reiche Philan- troven finden, welche, um das Riesenschiff vor einem so un- Nlbmlichen Ende zu bewahren, den Koloß ankaufen und ein vossital oder Scemannsheim daraus machen. Zu einem solchen ÄDecke würde fich der noch gut erhaltene Rumpf» der wahr- peinlich für den Betrag von 5000 Lstr. oder einen ähnlichen Spottpreis verkauft werden würde, vorzüglich eignen, es fragt fich nur, ob fich irgendwo Raum und Waffemefe genug finden an ftoer Stelle, wo das Seeungethüm der Schifffahrt nicht im Wege liegt. In neuerer Zeit ist der Koloß bekanntlich von einem englischen Hafen zum anderen getrieben worden, well keine Hafen« «Hörde den Riesendampfer, der nur ein Hinderniß für die übrigen Sckiffe bildete, aber wenig einbrachte, auf längere Zeit in seinen Gewäffern dulden wollte. Ter„Great Eastern" oder, wie das Riesenschiff ursprüng- «ch hieß, der„Leviathan", war nach den Plänen des Ingenieurs I. K. Brunei für die Eastern Steam Navigation Company bei den Herren Scott Russell u. Ko. in Millwall, London, gebaut und sollte mit drei weiteren noch zu erbauen- den Schiffen in die Fahrt zwischen London und Australien ein« «stellt weiden; er hat eine Länge von 679 Fuß, eine Brette von 82 Fuß und einen Brutto- Raumgeoatt von l8 915 TonS(1 Ton— 20 Zentner). Der ganze Rumpf ist aus Schmiedeeisen hergestellt und bat ein Gewicht von 8000 Tons; «e Maschinen für die Schaufelräder besaßen 1000 Pferdekräfte und waren nach dem direkt arbeitenden System mit oszillirenden Zylindern versehen, die Maschinen für die Schrauben hatten 1600 Pferdekräfte. Am 1. Mai 1354 wurde mit der Kiellegung «gönnen und am 3. November 1857 fand die Taufe des Riesen« schiffes durch die jetzige Herzogin von Nettcastle, eine Tochter «s Vorfitzenden der Eastern Steam Navigation Company, statt. «idcr versagte beim Stapellauf gerade im entscheidenden Äugen« blicke ein wichtiger Thell des Kettengewindcs der Maschinerie, was zur Folge hatte, daß die Schlitten, auf denen der Koloß whie, fich auf den Gleitschienen festklemmten, so daß es nickt wöglich war. den„Levialhan" zu bewegen und zu Waffer zu bnngen. Dieser dedauernswerthe Unfall hatte zur weiteren Folge, daß die Gesellschaft, welche bcretts 600 COO Lstr. an das «tesenschiff gewendet hatte und noch eine fast eben so große Summe für die innere Ausstattung zu verausgaben hatte, wegen Erschöpfung ihrer Mittel die Zahlungm einstellen und Bankerott wachen mußte, doch bildete fich sofort eine neue Kompagnie, welche brn Riesendampfer übernahm und nach 2 Fahren unaufhörlicher Tätigkeit unter Anwendung von weiteren 30 000 Lstr. Kosten im Acchre 1859 zu Waffer brachte. Nachdem fic ferner 175 000 Lstr. für die innere Einrichtung und Ausstattung verausgabt hatte, konnte im September desselben Jahres die erste Probcfahrt stattfinden, die bttbiiverständlich das Interesse der ganzen zivihsirten Well in Anspruch nahm und ganz befriedigend ausfiel, indem das Schiff acht oeemellen gegen Oer Strom in 32 Minuten machte, wenn «S auch seine volle Fahrgeschwindigkeit nicht zu entwickeln ver« wachte, well sowohl die Schaufelräder als auch die Schraube "hhl tief genug im Waffer lagen. o, Zunächst machte der Riesendampfer einige Reisen nach den Bereinigten Staaten; die letzte dieser Fahrten nack �Nordamerika rwt er am 27. Juni 1861 von Liverpool mit Truppen noch Quebec an, von wo er am 15. August nach neuntägiger Reise swch dem Mersey zurückkehrte. In Liverpool lag er dann längere still, bis die Telegraph Construction and Maintenance S�mpany das Schiff charterte, um das transatlantische Kabel zu woen. ein Unternehmen, das vom Publikum im Allgemeinen als wwmfinnig dezeichnet, nach langer, mühevoller Arbeit von Cyrus Field aber doch glücklich beendet wurde, sodaß nach vielen Unterbrechungen und Störungen am Morgen des 27. Juli 7666 die erste Kabcldcpesche von Noidamerika nach Eng- '°nd gesandt werden konnte. Nach Beendigung der Uabellegunasarbetten kehrte der„Great Eastern" wieder w>ch dem Mersey zurück, wo er nochmals aufgelegt wurde, bis bu franzöfische Große Ostdahngesellschaft den Koloß charterte, JJ® Passagiere für die Pariser Internationale Ausstellung ®on New- Vor! nach Brest zu befördern. Nach Schluß der ikdteren wurde der Dampfer nochmals von der Telegraph �onstruction and Maintenance Company übernommen, welche 54 der Herstellung der unterseeischen Kabel von Brest nach St. «rerre, im Indischen Ozean, im Rotben Meer nach Aden und jvb-el Tic beschäftigt war und schließlich noch ein weiteres Jwbel durch den Atlantischen Ozean legte; bei allen diesen Ar« °men hat der„Great Eastern" vorzügliche Dienste geleistet, in> �ffen mußte er endlich doch ausrangirt werdm, weil die ge« nannte Gesellschaft fich inzwischen eigene Dampfer hatte bauen Twin, welche bei erheblich geringeren Betriebskosten dasselbe {Psttten. wie das Ricsenschiff. Infolge dessen wurde der„Greitt Gattern" im Jahre 1875 nach Millord gebracht, wo er fast 12 Me Jahre gelegen hat. ohne daß fick ein Käufer oder eine Bejchäftigung tür ihn finden wollte. Erst nach Ablauf dieser trat ein Konsortium von Londoner Kavitalisten zusammen, Me das Sckiff ,u einem Riesenhotel umwandeln und fahrend der internationalen Ausstellung in New-Lileans auf Milfisstppi statronirm wollte. Jndeffen gelangte dieser Kwn nicht zur Aussührung und daS Schiff ging in offenllichem Erkauf bei Lloyds in den Befiy der London Traders Company. loiueb, über, welche aus demselben eine Koblenhulk wachen wollte, Sern Gibraltar verankert werden sollte. Allein auch diese Abficht ■Jjjtd« nicht verwirklicht, da die Kohlenhändler in Gibraltar, die Konkurrenz des Leviathan fürchten mochten, es durchs Pfieven wußten, daß den Eigenthümern des„Great Eastern �Berm terung des Schiffes aus der Rhede oder rm Hasen b? Gibraltar nicht gestattet wurde. Die Folge davon war, tzj? Dampfer nochmals ver kaust wurde und in den Besitz mm des Gef�'k' Um denselben forrzmreiven,........... Öligem! 5..�. �nen die Möglichkeit giebt, Schiffen, welche * Fahr,«" �inen Nutzen dringen und ein Hinderniß für �Mtbott Briden, welche diesen Nutzen bringen, tu verweigern. Nunmehr sollte der„Great Eastern" noch der Tyne geschickt werden, allein die Tyne Im- provkment Commisfioners gaben ihm ebenfalls keine Erlaubniß zum Verweilen, und so mußte der Koloß schließlich nach der Clyde gebracht werden, wo ihm in der Nähe der Mündung des Fluffes vorläufig ein Ruheplatz angewiesen wurde. Jetzt hat der Riesendampfer, der seinen verschiedenen Befitzem allerdings große pekuniäre Verluste gebracht, nicht« desto weniger aber auch bei der Herstellung der unterseeischen Telegraphenkabelleitungen durch die Herstellung eines Verbindungsgliedes zwischen tausende von Meilen entfernten Nationen außerordentliche Dienste ge- leistet hat, auch diesen letzten Ruheplatz verlassen müssen, um bei Tranmere auf dem Mersey abgebrochen zu werden, wenn fich nicht im letzten Augenblicke noch Leute finden, die den Koloß vor diesem Schicksal bewahren, indem fie eine wohlthätige An- stalt aus ihm machen. In diesem Falle würde fich vermuthlich auch noch ein Platz für ihn finden, wo er ungestört noch lange, lange Jahre liegen könnte, ein Zeugniß des Unternehmung- geistes einer längst verfloffenen Periode des Dampfschiff- daues._ Kokale». Di« Urbergab» bro Humboldt-Denkmals im Humboldthai«, welches von der Stadt Berlin dem Andenken Alexander von Humboldts errichtet wurde, fand am Mittwoch Nachmittag 5 Uhr statt. Der Grundstein ist bekanntlich vor 19 Jahren am 14. September 1869 in feierlicher Weise gelegt wor« den. Zu der Feierlichkeit war diesmal nur der Verein für Ge« schichte Berlins eingeladen. Das Denkmal ficgt ungefähr in der Mitte des Haines auf der höchsten Stelle desselben im Schatten dichtbelaubter Bäume. Es bietet fich als die Nachbildung„End- moräne", eines Gletschers aus der Eiszeit in Gestalt von scheinbar natürlich aufgethürmten erratischen Granitblöcken dar. Der größte 400—500 Ztr. schwere Block reicht etwa 5 Meter über den Erdboden und überragt mit seinen zum Theil nicht minder großen Genossen eine sonst sprudelnde Quelle, die „Humboldtsquelle", deren klares Wasser über schön gruppirtcs Gestein in das Thal hinabriesett. Der unmittelbar über der Quelle lagernde Stein trägt die Inschrift:„Dem Andenken Humboldt'«! Die Stadt Berlin 1867-1887." Rings um die „Moräne" lagern in Büschen und auf dem Rasen noch mehr kleinere„Findlinge". Stadtrath Friede! hielt eine auf die Entstehung des Haines und des Denkmals bezügliche Ansprache. Der Hain ist vor 19 Jahren zur Feier des 100 jährigen Geburtstages Alexander von Humboldts begründet worden als ein immerwährendes, fortlebendes, natürliches und nützliches Denkmal. Ein beson« deres Denkmal im Hain war schon damals geplant und als ein großer Granit« oder Marmordlock gedacht. Der Grundstein wurde damals an eine andere, später als nicht geeignet defun- dene Stelle gelegt. Die Beschaffung eines Gianublockes in «ünschenswcrther Größe, stieß aber auf Schwierigketten. In Norddcutschland giebt es außer demjenigen in den Rauenschcn Bergen, von dem die Schale vor dem Museum herrührt, keine großen Findlinge mehr, dieser aber war nicht zu haben, und der Transport eines so großen Steines aus Schweden wurde von allen Ähedern verweigert und wäre wohl auch zu theuer ge- kommen. Man entschloß fich daher zu einer Gruppe von Steinen und verwendete dazu viele Findlinge von bedeutender Größe aus Berlin und Umgegend. Der eine der größten Steine wurde in der Petersburgerstraße, der andere in Charlottenburg, der dritte in Biesenthal gefunden. Letzterer wiegt 400 Zentner und sein Transpost lostet 2000 Mark. Unter anderen mußten die Brücken, die meist nur für 120 Zentner berechnet find, beson- ders abgesteift, auch eine Bahn im Walde dafür angelegt wer« den. Das Denkmal war zur Feier des Tages mtt Blumenkränzen geschmückt. Der Meistertitel. Das„Vereinsblatt" schreibt: Den Herren Zünftlern macht jetzt die Berechtigung zum Führen des Meistertitels viel Kop'schmcrzen. Bei uns erregt dieses Wesen, was die Herren über solch eine unbedeutende Sache machen, natürlich nur Heiterkeit, besonders wenn wir bemerken, wie an der Svitze der Bewegung gegen die Führung des Meistertitels durck Nicktangehörige der Innung ein„Baumeister" steht, der zur Führung dieses TUcls lein weiteres Recht hat. als daß er nachweisen kann, weder Maurer- noch Zimmermeister zu sein, noch auf einen anderen ähnlichen Titel irgendwie ein gesetz« liches Anrecht zu haben. Solche Vorkommnisse find übrigens weder neu, noch selten. Es gab einmal in Berlin ein tech- nisches Wochenblatt etwas höherer Richtung, das auch fanatisch für Prüfungszwang sowohl für höhere wie für niedere Techniker und Bauverständige schwärmte, dessen drei der höheren Baulaufbahn angehöstge Redakteure, welchen es auch stchtig gelang, das Blatt todt zu redigiren, aber alle drei das Ablegen der Regierungsdaumeister- Prüfung vergeblich versucht hatten; warum soll also ein Mann, der sich ohne jede Berechtigung„Bau- meister" nennt, nicht lür Bestrafung aller derer, die fich ohne Berechtigung Maurer« und Zimmermeister nennen, fick begeistern. Der sehr anfechtbare Spruch des Naumburger Oberlandes- gestchts, den wir unfern Lesern schon mittbeillen und nach welchem nur Jnnungsmeister Anspruch auf den Meistertitel haben sollen, hat einige findige Briefträger zu der That begeistest, an solche Personen, die nicht Jnnungsmeister find, Briste nicht auszuhändigen, wenn ihnen auf der Briefodressc der Titel Maurer- oder Zimmermeister dstgeleqt ist. Wir denken, die obere Postbe- Hörde wird den findigen Bstefträgern bierfür keine Beförderung anpedeihen lassen. Wohin soll dos wohl führen, wenn dieBstefttäger darüber entscheiden sollen, ob ein Mann berechtigt ist, stnen ihm von irgend einem Bstefsckrstber beigelegten Titel'zu führen, und die Aushändigung des Briefes verwstgem, wenn fie glauben, die Adresse stimmt in dieser Beziehung nicht. Wie viele Bstefe würden dann wohl als unbestellbar dehandelt werden müssen, wenn jemand stnen Bststempfänger„Hochwohlgeboren" genannt. der nach Anficht des Bstefttägers diesen schmückenden Zusatz nickt verdient, oder wenn umgekcbst auf der Adresse an stnen Lieutenant das„Hochwohlgeboren" vergeffen oder gar durch stn fimpeles nichtacktendcs„Wohlgedoren" ersetzt ist. Einem unserer Freunde ist es himmelangst geworden, daß er nun viele der an ihn gestckteten Briefe nickt erhalten wird, da ein Theil seiner Korrespondenten fick gewöhnt haben, ihn„Regierungsbaumstster a D." zu titulirm, er aber auf diesen geschmackvollen ZFatz zu dem ebenso geschmackvollen Titel durchaus kstn Recht nach- H�GeaerT diese Belästigung des Publikums durch die Post wegen stn er Zünftlermorotte müffen natürlich die Geschäfts- weit nicht nur, sondern alle Personen, die überhaupt Bstefe schreiben und empfangen, ganz entschieden Protest erHeden. Einem jeden kann es passiren, daß er durch ein Verseben im Schreiben eines Titels entweder stnen wichtigen Brief nicht er- Hütt, oder stn von ihm abgesandter nicht ausgehändigt wird, was beides gleich unangenehm sein kann. Im übrigen wünschen wir sehr, daß nur Jnnungsmeister den Meistertitel führen. Er müßte ihnen eigentlich auf die Stirne gebrannt werden, damit man nicht in die Verlegenhett kommt, bst zurückgebliebenen Personen Bestellungen zu machen, oder aus ihren Lünen etwas zu kaufen. Wir ärgem uns immer, wenn uns solch stn Versehen vorgekommen ist. Nachträglich erfahren wir, daß die höhere Postbehörde über die Findigkett ihres Briefträgers durchaus nicht sehr erbaut ge- wesen ist und, wie es zu erwarten stand, denselben dahin zurechtge- wiesen bat. daß die Prüfung von Wappenschild und Titel zwar einem Herold, aber nicht einem Briefträger zusteht. Auch diese „Jnnungsfteud" ist also futsch. Glücklicher Meise ist der Ktaat gerettet. Ein Bauunternehmer, wie er im Buche steht, nämlich Herr Oskar Lehmann, Befitzer des Neubaues Diedenhofenerstr. 9, schreibt der„Berliner Zeitung":„Die gesttige Nummer Ihrer geschätzten Zsttung bringt einen Artikel„Sozialdemokratische Kundgebung", der den thatsächlichen Verhältnissen zuwiderläuft; in Wirklichkeit ist der Sachverhalt folgender: Die Ausschmückung der Richt- kröne geschieht, wie bst meinen anderen Neubauten in der Diedcnhofenerstraße, unter meinet Aufficht, und es find weder Blumen noch Taschentücher, geschwstge denn„rothe" dabei ver» wendet worden: neben der üblichen Guirlande wurden als Ausputz lediglich noch seidene Bänder benutzt, deren Farbe hauptsächlich blau, lila und braun waren, und nur der Ab- wechselung halder waren stnige, übrigens mattrothe Bänder an- gebracht. Hiernach lag gar kstn Grund vor, daß die Polizei» behörde Anstoß an dem Aussehen der Richtkrone nehmen konnte, wie solches auch tbattächlich nicht geschehen ist. Was- über die Betheiligung der Maurer anderer Bauten gesagt wird» ist gleichfalls unrichtig; es handelt fich um stnige Maurer- gesellm, die an meinem Neubau gearbsttet haben und stnige Tage vor dem Fest wegen Mangel an Arbstt aufhören mußten. Ebenso wurde ein Hoch auf Liebknecht nicht ausgebracht. Der ganze Zwischenfall schrumpft dahin zusammen, daß ein Mann aus ver Gesellschaft am Schluß eines Hochs, welches gegen Ende deS Richtfestes auf die bei dem Bau beschäftigten Maurer ausgebracht wurde, stn Hoch auf die Sozialdemokratie da- zwischen schrie. Ader selbst dieser kleine Zwischenfall hat mich so unangenehm berührt, daß ich mit meinen Gästen sofort den Bau verließ und mstnen Äststem befahl, die Festlichkeit sofort abzubrechen, was denn auch so schleunigst als möglich war ge- schehen ist....." Herr Lehmann, machen Sie fich nur keinen Fleck! Dar 50 Jahre«, auch an einem Freitag, wu'de, wie mehrfach erwähnt, die erste preußische Eisenbahn eröffnet: die Theilstrecke Potsdam— Zehlendorf. Der erste Tarif war in fol- gender Bekanntmachung festgesetzt:„Nachdem höchsten Ortes die Benutzung der Eisenbahn genehmigt worden ist, baden wir deren Eröffnung für den 22. September beschlossen. Die Preise der Plätze"find: für die Wagen 1. Kl. 15 Sgr., 2. Kl. lOSgr., 3. Kl. 5 Sgr. und darf an Gepäck nur so viel mitgenommen werden, als die Passagiere ohne Belästigung der Mittstsendcn an fich behalten können." Nack der Eröffnu-'a der gesammten Strecke Berlin— Potsdam, am 30. Ottoder 1833, stellten sich die Prstse wie folgt: für die 1. Kl. 17% Sgr., für die 2. Kl. 12i Sgr. und für die 3. Kl. 7s Sgr. Außerdem wurden 30 Pfd. Reisegepäck unentgeltlich befördert. Also schon stn erheblicher Fort» schrttt sstt dem 22. September. g&v de« Sa«del mit Kwt-gel« ist Berlin stn Haupt» platz, obwohl die Zahl der Spezialgeschäfte dieser Art ver» schwindend tlstn ist. Der Adreßkalender führt nur drst an unk» dürfte kaum jemals noch zu einer größeren Zahl kommen, da die Anwendung von Blutegeln in der modernen Heilkunde sehr selten geworden ist, eine Steigerung des Bedarfs also nicht in Aussicht steht. Das älteste und berühmteste Geschäft dieser Branche besteht in der Sttalauerstraße sstt mehr als 50 Jahren. Dieses Geschäft versorgt nicht nur Berlin und seine Umgebung, sondern fast ganz Europa mit Blutegeln, und würde auch überseeischen Absatz haben können, wenn die Blutegeltransporte nicht zu lstcht dem Verderben ausgesetzt wären. Die UniverfitätSinstitute, die Krankenhäuser, die Hstlgehilfen und zablrstchen Händler, die Nebenhandel mit Blutegeln treiben, richten dorthin Bestellungen. Die Blutegel, welche hier geführt werden, stammen aus Ungarn; dorther kommen die beste« „Blutsauger". Kei einem hiestgen Trödler ist ein goldner Trauring, in dessen Innern L. M. einpunttirt ist, mit Beschlag delegt worden. Derselbe ist geständlich von einer Frauensperson ge» stöhlen worden, die den Eigenthümer des fraglichen RingeS nicht kennen will. Der Bestohlene wolle fick— behufs Wiedererlangung seines Eigenthums— auf der Kriminal-Abthellung, Zimmer 79, baldigst melden. Di« zahlreiche« UnglScksfülle durch Uederfahre«» von denen das öffentliche Leben Berlins augenblicklich heimgesucht wird, fordern denn dock zu ernstlichen Erwägungen her» aus, wie das einzelne Individuum am besten dagegen zu be- wahren sei. Ein großer Theil dieser Unglücksfälle wird nun allerdings dadurch herbeigeführt, daß der Lenker die Fuhrwerkt, welche über die Straßen Hinrasseln, nicht die genügende Auf« merlsamkeit auf die Paffanten verwenden. Besonders die Last» wagen jagen oftmals daher und lenken schnell um die Ecken der Straßen, daß von stner Vorficht des einzelnen gar nicht mehr die Rede sein kann. Die mstst jungen Burschen, welche auf diesen Schlächter- oder Bier wagen fitzen, sckstnen der Mei» nung zu sein, daß die Straße für Fußgänger überhaupt nicht hergestellt sst. Mitunter machen fie fich sogar, wie der Wiener sagen würde, stne„Hetz" daraus, in geschlossener Rsthe stnber zu fahren, so daß der Passant, der es stlig hat, fich den Durch- lang nur mtt stner gewissen Gefahr für seine Schenkel und Rippen erzwingen kann. Sehr fällt es auf, daß die wenigsten dieser Unglücksfälle durch die Unvorfichtigkeit eines Droschken- kutschers herbeigeführt werden. Das wirft wiedemm stn vor- züglicheS Licht auf diesen harten, so oft angegriffenen Stand. EineiseUS verstehen eben diese Leute zu fahren, andererseits be- dachten fie ihren Beruf nicht als Spori, durch welchen Se ihre eigene Fertigkeit in stn Helles Licht stellen und «deren Hindernisse berstten wollen. Die Herren Kutscher der Bier- und Schlächterwagen sollten fich an unfern Droschken- kutschern jeder„Jüte" ein beherzigenswesthes Bstspiel nehmen. Leider läßt fich nicht leugnen, daß auch die Unvorfichtigkeit der Fußgänger sehr oft die Ursache zu solchen Unglücksfällen bistet. Es ist unglaublich, wie fahrläsfiz man in dieser Hinficht mit der eigenen Person und derjenigen, welche etwa der Obhut anvestraut worden, umgeht. Mehr als eine junge Menschen- dlüthe wird geknickt oder verliest für das ganze Leben ibren Westb, weil man nicht die gehörige Obhut an den Tag legt. Der Polizeibericht sagt dann in dem dekannten Stil:„Gestern wurde in der und der Straße stn Kind von einem Rollwagen übestahren." Die meisten solcher Unglücksfälle, welche durch die Schuld des Paffanten herbstgefühst werden, lassen sich aber wohl darauf zurückführen, daß derselbe vorwärts geht und rückwärts schaut. Zumal das schwache Geschlecht kommt bst sstner Neigung zur— Wißdegirrde recht oft dadurch in ziemlich gefährliche Situationen. Im Grunde ist es unerhört, daß gerade in Berlin Unglücksfälle durch Ueberfabren so zahlreich find. Die Straßen find eben und breit, das Pflaster korrekt gehalten, auf lebhaften 0 Plätzen gewöhnlich eine„Insel", auf welche man fich bei einem zu ledbaften Veikehr flüchten kann. Da zeigt es von einer stark entwickelten Fahrlässigkeit, sowohl des fahrenden als auch des gehenden Publikums, wenn solche Unfälle gewissermaßen zu einer Epidemie werden können. Gin» billige Gan». die aber nachträglich noch recht theuer werden düifte, hat der Tischler M. am Mittwoch auf dem Gänsemarkte in Rummelsburg gekauft. Ein lahmes Exemplar wurde ihm, da dessen Weitertransport Schwierigkeiten gemacht hätte, von dem Händler für 2 M. 25 Pf. überlassen. Vergnügt über das gute Geschäft nahm M. den Vogel unter den Arm; als er aber den Weg längs der Ringbahn nach Strahlau zu einschlug, befreite fich die Gans mit einem kräftigen Ruck von dem Arme und flog dem nahen Rummelsdurger See zu. Ihr Besitzer eflte über das bestellte Ackerland ihr nach und begann mit Steinen nach dem schwimmenden Thier zu werfen, um dasselbe zur Rückkehr auf das Trockene zu veranlassen. Dies Schauspiel hatte zahlreiche Reugierige und auch einen Gendarm herbeigelockt. Als M. endlich wieder in den Besitz der Gans gelangte, ging er so unsanft mit dem Thiere um, daß der Gendarm ihn außer wegen Betretens eines destellten Ackers auch noch wegen Thierquälerei notirte. Strafe und Kosten zu dem dilligen Kaufpreise hinzugerechnet, dürste der Gänsebraten doch ziemlich theuer werden. Gl« U.iglLcksfaU ereignete fich vorgestem Nachmittag auf einem am Kronp:inzen-Ufer gelegenen Kabn- Dort wurden schwere eiserne Maschinenthefle an der am Mast befindlichen Wiadevorrichtung verladen, als plötzlich das Tau der Winde- Vorrichtung zerriß. Hierdurch stürzte der gerade herabzulassende Maschinentheil in den Kahn und verletzte den unten stehenden Arbeiter Hermann K. so schwer an der rechten Hüfte und am rechten Arm, daß K. auf Veranlassung seines Diensthenn einem Krankenbause zugeführt werden mußte. Kindevmord. Am 21. d. M., Morgens 7 Uhr, wurde im Landwehrkanal, unterhalb der Bärwaldbrücke, vor dem Grundstück Planufer Nr. 40, die Leiche eines etwa ein Jahr alten Knaben aufgefunden und nach dem Leichcnschauhause ge- bracht. Die Leiche war mit einem gehäkelten grauwollenen und «cißparchenen Unterrock, geblümtem Kattunkleide, rotben Strümpfen mit weißen Gummistrumpfbändern bekleidet. Um den Hals derselben defand sich eine Zuckerschnur, an welcher ein Ziegelstein befestigt war. Mutbmaßlich liegt hier ein Mord vor, mit dessen Feststellung die Kriminalpolizei beschäftigt ist. M»g«n Verdachts des Kindesmorde» ist die unver- eheliwte Emilie F. verhaftet worden. Auf Veranlassung ihrer Dienstherischaft wurde die F. durch eine Hebeamme untersucht und bestritt, geboren zu haben. Als die Hedeamme ihr vorhielt, daß diese Behauptung entschieden unwahr sei, hotte die F. aus ihren Betten die Leiche eines neugeborenen Knaben hervor und behauptete, daß das Kind todt auf die Welt gekommen sei. Da indeß an dem Halse der Kindeslciche Eindrücke, welche auf eine Erdrosselung schließen lassen, wahrgenommen wurden, auch ein Schürzen band um den Hals geschlungen war, erscheint die An- nähme begründet, daß das Kind vorsätzlich getödtet worden ist. Polizriboricht. Am 20. v. M. früh wurde im Bett der Tienslmagd Fechner, Elsafferstraße Nr. 26, deren kurz vorher außerehelich geborenes Kind erdrosselt todt vorgefunden. Die Fechner wurde verhaftet und auf die Gefangenen. Station der Chrilee gebracht.— Gegen Mittag wurde am Hafendassin die Leiche eines neugeborenen Kindes angeschwemmt. Aeußere Ver- letzungen waren an derselben nicht wahruchmbar.— Um dieselbe Zeit wurde in der Stallschreibcrstraße ein 8 Jabre altes Mädchen durch eine von dem Kutscher Tietz geführte Equipage überfahren und an der Stirn anscheinend nickt bedeutend ver- letzt.— Um dieselbe Zeit fiel auf dem Bürgersteig in der Wasseltborstraße ein Klempnermeister und erlitt einen Bruch der rechten Kniescheibe.— Gegen Abend wurde auf der Eisenbahn- brücke zwiscken der Mühlen- und Köpnickerstraße eine 72 Jahre alte Frau von einer unbekannten Person niedergestoßen und er- litt durch den Fall einen Bruch des linken Beins.— Abends wurden in der Schützenstraße ein 5 Jahre alter Knabe durch ein von d-'m Blumenbändler Kätel benutztes Dreirad— und an der Ecke der Hollmann- und Lindenstraße ein 14 Jahre alter Knabe durch ein von dem Graveur Uhlemann benutztes Dreirad, und zwar Beide durch Schuld der Fahrer, überfahren und ersterer am Hinterkopf, letzterer im Gesicht verletzt.— An demselben Tage fanden einige unbedeutende Feuer statt. Es brannten Wasserthorstraße Nr. 49 Ruß in einem Schornstein, — gegen Abend ein Balken an der Waisenbrücke— und Abends Raupachstraße Nr. 5 Kleider in einem Wohnzimmer, durch eine umgeworfme Lampe in Brand gesetzt. Vergnügungs-Ehronik. Zirkus Schumann. Die gestrige Eröffnungs-Vor- stellung des Schumann'schen(früher Kremdser'schen) Zirkus fand vor fast ausv.rkauftcm Hause statt. Wie wir gleich bemerken wollen, fanden die Vorführungen aller Mitwirkenden Anerkennung, wofür der oft nicht enden wollende Applaus das de- redtefle Z.ugmß lieferte. Es war für Direktor Schumann ge« wiß ein lügnes Unterfangen, dem zirkusbesuchenden Berliner Publikum, das durch die Rcnz'schen Leistungm verwöhnt ist, einen Besuch abzustatten. Aber, wie wir gern anerkennen: ver Versuch in glänzend gelungen. Nicht allein das Pferdematerial ist ein reiches und ausgezeichnetes, auch die Leistungen der Künstler sind vorzüglich. Die Vorführung von 12 Rapphengsten in Freiheit vressirt und vorgeführt durch Direktor Schumann, dürfte alles bisher Dagewesene übertreffen! es war jedenfalls der Glanzpuntt des Abends.— Auf dem Gebiete der Parterre- Gymnasuk machten wir die Bekanntschaft der Gebrüder Gozzini sowie der Herren Reed und Barker; auch ihre Leistungen sind überraschend und vielseitig. Die komischen Intermezzos des Klowns Olschansky fanden stürmischen Beifall. Jedenfalls darf Direktor Schumann mtt Vertrauen in die Zukunft blicken; an Besuch und Beifall wird es seinem Zirkus nicht fehlen._ Gerichts-Zeitnng. Jp» i« d-r letzten Kchn»»rge?icht»p»riod« schon ein- mal vertagte umfangreiche Memeidsprozeß gegen den Schuh- wacher R.chard Borrasch, Schlächter Otto Sckllffsly und Musiker Rudolf Berger gelangte gestern vor dem hiestgen«chwurgcricht wiederum zur Verhandlung. Die Sache ist insofern von allge- meinerem Interesse, als es sich um eine kleine Meinerdsfabrik bandeln soll, die in dem zur Anklage stehenden Fall mtt großer Dreistigkeit gearbeitet haben soll. Borrasch dewohnte im Mai 1886 in der Elsasserstraße bei Henn Guttmann eine K llerwohnung. Am 31. Mai suchte der Angeklagte durch„Rücken" einer Miethsschuld in Höhe von 25 Mark zu entgeven, er wurde jedoch mitten in der Arbett durch Herrn Guttmann gestott, welcher das weitere Beladen des Möbelwagens verhinderte, für die Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni die Kellertbür durch einen angenommenen Wächter bewachen, dann aber dieselbe durch zwer zu diesem Zweck angelegte Vorlegesch.osser verschUeßen ließ In diesem Zustande blieb die Wohnung Tage lang. Ende No- vemder 1886 strengte der Angeklagte Bonasch xloylich gegen Henn Guttmann einen Zioilpcozeß auf Herausgade„serner Sachen" an; er reichte gle-chzeitig em langes Verzerchnrß ein, nach welchem er für 3036 M. Sachen in dem Keller gelassen haben wollte. Guttmann bestritt dies energisch und verwies auf die Vermögenslage des Bonasch, welche schon zur Genüge zeige, daß derselbe ein solches Mobiliar nie besessen. Herr Guttmann hatte mit seiner Behauptung, daß dos ganze Modilrarverzeichmß eine dreiste Erfindung des Borrasch sei, kern Gluck: � �urde zur Herausgabe der Sachen verurtbeill, da nilht nur Borrasch selbst deschwor, daß er das Verzeichniß am 2. Juni in Gegenwart seines Verwandten Schliffsly im Keller selbst aufgenommen habe, sondern auch die beiden Mitangeklagten durch entsprechende Erde ihm in der Bekundung derselben Thatsache zu Hilfe kamen. Herr Guttmann vermochte nun aber unumstößliche Beweise da« für zu erbringen, daß der Keller, in welchem die Angeklagten noch am 2. Juni angeblich das Verzeichniß aufgenommen hatten, schon am 1. Juni diebessicher verschlossen war und in diesem'Zustande auch bis zum 7. Juni gehalten worden ist. Es war also offenbar, daß es fich hier um einen falschen Eid handelte, welcher ursprünglich nur als fahrläistger Meineid angesehen worden ist. Im Lause der dieses Vergehen detreffenden Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer glaubte aber der Gerichtshof einen Blick hinter die Kulissen einer höchst dreist arbeitenden Meineidsfabrik gethan zu haben, zu deren Werkzeug auch Berger durch die beiden ersten Angeflagten ge- macht worden ist. Die Ucberzeugung des Gerichtshofes, daß es fich nur um wissentlichen Meineid und Anstiftung dazu handeln könne, hatte die Ueberweisung ver ganzen Sache an drs Schwurgericht zur Folge.— Die Angeklagten bleiben auch jetzt noch dabei, die Unrichtigkeit der abgelegten Eide zu bestretten. Sie haben ein umfangreiches Entlastungsmaterial ins Feld gefühlt, sie verrannten sich aber gestern wiederholt mit ihren Angaben und die beiden ersten Angellagten waren mehr- mals dabei, sich durch unglaublich klingende Behauptungen ihren Strick selbst zu drehen. Namentlich machte der Angeklagte Borrasch über die Umstände, unter welchen er trotz geleisteten Manifestationseides zu einer solchen Modiliarausstattung ge- komm, n, höchst abenteuerliche Angaben. Bei dem Umfange der Beweisführung wird die Verhandlung, deren Endergebniß wir demnächst mittbeilen werden, zwei Sitzungstage in Anspruch nehmen. Den Vorsitz im Schwurgerichtsdofe führt Landgerichts- rath Kannenberg, die Anklage vertiitt Staatsanwatt Wagner, Vertbeidiger find die Rechtsanwälte Oterski, Oberneck und Dr. Rich. Wolff. I» ungewöhnlicher Art ist der ö4jährige Bäckergeselle Hermann Wörde zu einer Anklage wegen. Körperverletzung ge- kommen, welche die 93. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts gegen ihn zu verbandeln hatte. Derselbe ist ein großer Kinder- freund und erhält in seinen freien Stunden öfter den Besuch von Kindern der Hausgenossen, mit denen er spielt und Kurz- weil treibt. Auch im Juli hatte er den Besuch von zwei Knaben und drei Mädchen in ganz jugendlichem Alter und er machte fich ein Vergnügen daraus, die Kinder von seinem Lied- lingsgetränk— Weißbier mit Rum— mittrinken zu lassen. Aus diesem ursprünglichen Kosten wurde schließlich ein vollkommenes Zechgelage, welches auf die Kinder die un> günsttgste Wirkung ausübte. Die beiden Mädchen suchten, sobald sie mertten, daß ihnen unwohl wurde, schleunigst ins Freie zu kommen, die beiden Jungen aber waren dazu kaum noch im Stande, denn sie taumelten hin und her und zeigten alle Anzeichen d-r Betrunkenhett. Bei dem kleinsten, 6jährigen Jungen kam das„graue Elend" mit solcher Gewalt zum Ausbruch, daß derselbe nicht übel Lust hatte, fich zum Fenster hinauszustürzen, und schließlich den im letzten Augenblick vereitelten Versuch mochte, fich an einem Bindfaden aufzu- hängen. Der kleine Zecher, welcher eine so fühlbare Lektion über die Schädlichkeit des Genusses geistiger Getränke erhalten hatte, wurde seiner Mutter mehr todr als lebendig, zugeführt; er lag vollständig apathisch und bewegungslos da und reagirte nur auf sehr starke körperliche Einwirkungen. Der Arzt stellte alle Anzeichen einer Alkoholvergiftung fest und begutachtete, daß bei einem so zatten Körper aus einer solchen große Gefaircn für die Lunge erwachsen konnten. Der Staatsanwalt hielt dafür, daß in dieser unverantwortlichen, eines verständigen Menschen unwürdigen Behandlung junger Kinder auch die Thatdestands- Merkmale der Körperverletzung liegen. Er nahm zu Gunsten des Angellagten an, daß derselbe wahrscheinlich auch etwas an- gezecht war, als er den Kindern jenes berauschende Getränk in übermäßiger Menge kredenzte, und beantragte deshalb nur wegen fcchrlässtger Körperverletzung 50 M. Geldbuße ev.ntuell 10 Tage Gefängniß. Der Gerichtshof veruttheitte ihn zu 20 M. eventuell 5 Tagen Gefä-gniß. Eine beispiellos unüberlegte That, welche die traurigsten Folgen nach fich gezogen, führte geslem den 23jähr. Maurer Hermann Friedrich Blümel unter der Anklage der schweren Körperverletzung vor die erste Strafkammer des Land« gerichts I. Am 25. Mai d. I. hatte Blümel die Saoldecke in einem Hause der Köpnickerstraße zu kalken. Als Handlanger war ihm der 42 jährige Ardeiter UU-ich beigegeben worden. Während Blümel auf dem Gerüste arbeitete, machte er fich den schlechten Scherz, den unter ihm mit Aufräumen beschäftigten Ullrich wiederholt mit Kalklösung zu bespritzen. Dieser wurde ärgerlich und verbat es fich energisch. Die Sache schien hier- mit abgethan. Nach einiger Zeit rief Blümel seinen Gehilien, als wolle er ihm einen Aufttag erlheilen. Ahnungslos blickte dieser in die Höhe. In demselben Augen- hlick ergriff der Angeklagte den fast vollen Eimer mtt der ätzenden Kalllösung und schüttete den In- halt über den Untenstehenden aus. Mtt lautem Aufschrei brach dieser zusammen. Die Wirkung war eine entsetzliche. Fast rasend vor Schmerz mußte Ullrich nach der Klinik gebracht werden, sein Augenlicht schien völlig zerstört zu sein. In völlig gebrochenem Zustande wurde der Verletzte, ein sonst gesunder und kräftiger Mann, in den Gcrichtssaal geführt, um gegen den Angeklagten Zeugniß abzulegen. Das rechte Auge ist völlig blind, die Sehkraft des linken ist bis auf einen schwachen Schimmer zusammengeschmolzen. Der B-dauernswerthe defitzt Frau und fünf Kinder, die ihres Ernährers beraubt find. Der Angeklagte versuch! e den Sochverbatt so darzustellen, als" sei der Kalkeimer durch eine Unvorfichtigkeit zum Umsturz gelangt, aber nicht nur der Verletzte, sondern auch die übrigen Zeugen hatten mit aller Bestimmthett gesehen, daß der Angeklagte den Eimer mtt beiden Händen aufhob und den Inhalt dem Untensteben- den ins Geflcht schüttete. Der Staaisanwalt beantragte eine Gefängnißstrafe von zwei Jahren. Der Vertheidiger erklärte, daß er das ihm üdertragenc Amt sofort niederlegen würde, wenn er nickt zu Ehren des Angeklagten vre Möglichkeit in Bot acht ziehen könnte, daß die Zeugen fich dennoch gürrt hätten. Von dieser Annohme auspebend, hielt er nur eine Fabrläsfigkeit für vorliegend. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten aber wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung zu einer Gefängnißstrafe von einem Jahre, auch wurde der Ver- urtheilte soiort in Hart genommen. Da» Arbeiter-Krauken- und Unfallversicherung«. Mesitz beschäftigte gestern die erste Strafkammer am Land- gencht il. Der Arbeiter Otto zu Schmöckwitz hatte in der Neu- jahrsnocht das Unglück, zu fallen und dabei den rechten Fuß zu brechen. Er wurde in bewußtlosem Zustande aufgefunden. Bei seiner Vernehmung stellte fich heraus, daß er in k e i n e r Krankenkasse eingetragen war, während er dort bei dem Bauunternehmer Stadeloff als Arbeiter dauernd beschäftigt ge- «esen war. Der Vorstand der zuständigen Krankenkasse stellte nun den Vorfall dem Landratdsomte vor und erhiett von dort den Bescheid, daß Stadeloff den Otto unbedingt habe zur Krankenkasse anmelden müssen. Auf Grund dieser Auskunft stellte der K.ffenvorshnd gegen Stadeloff den Strafantrag. Der letztere wurde auch zu 15 M. Geldstrafe event. drei Tage Haft turunheitt. Er legte Berufung ein, indem er ausfühne, daß Otto wohl für ihn gearbeitet bade, jedoch nicht als Angestellter. sondern als selbstständiger Arbeiter. Er habe eben nur Auf- träge im Akkord ausgeführt und sich auch auf eigene Hand andere Arbeiter angenommen. Es handelte stck also in der Ver- Handlung nur darum, zu prüfen, od der Verletzte als Angestellter oder als freier Arbetter anzusehen sei. Die Beweisaufnahme er- gab, daß Otto allerdings auch auf eigene Hand Arbeiten ange« msmmm. verwarf nicht unter acht Tagen beschäftigt. Der Gerichtshof demnach die Berufung und bestätigte das erste Uttheil. Die Liebe zur Malerei hat dem Eisenbahnbeamten Hagen-Sperber eine Anttage wegen Verletzung des Ur- hederrechts zugezogen, welche gestern vor der vierten Straf- kammer des Landgerichts l gegen ihn zur Verhandlung gelangte. Der Beschuldigte soll auf dem Gebiete der Malerei einen Höberen Grad des Dilettantismus erreicht haben. Er widmet dieser Lieb- baderei den größten Theil seiner freien Zett und pflegt die von ihm gefertigten Bilder an Freunde und Bekannte zu verschenke«. Im Herbste v. I. hatte er eine Kopie nach einem Bilde von Rodert Aßmus, welches eine Szene aus dem„Trompeter von Säckingen" darstellte und in der„Garienlaubc erschienen war, angefertigt uud es dem Kaufmann Philipp Wahl zur Ein- rahmung übergeben. Diesem gefiel des Bild dermaßen, daß er dem Maler den Vorschlag machte, es zum Zwecke des Verkaufs in seinem Schaufenster ausstellen zu dürfen. Der Angeklagte ging darauf ein. Zufällig kam das Bild auch dem Anfertiger des Ottginais zu Geficht und dieser erstattete Anzeige. Die straf« rechtliche Verfolgung erstreckte fich aber nicht nur auf den An- geklagten Hagen-Sperber, sondern auch auf den Kaufmann Wahl, weil dieser eine unberechtigt angefertigte Nachahmung eines Werkes der bildenden Kunst festgehalten. Beide Beschuldigte bestritten sowohl den dolus, wie die Strafbarkeit der ihnen zur Last gelegten Handlung. Der Staatsanwatt hiett das Vergeh« für vorliegend von dem Augenblicke an, als das Bild zum Zwecke des Nerkaufs ausgestellt war, und beantragte eine Geld- strafe von je 20 M. Der Vertheidiger führte dagegen aus, daß das Bild ursprünglich nm zu dem Zwecke des Ver- schenkens und aus Liebhaberei angefertigt worden sei, und eine derartige Anfertigung bedrohe das Gesetz nicht. Daß es im vorliegenden Falle nicht auf eine Umgehung des Gesetzes abgesehen sei, dafür spreche die durch die Beweisaufnahme fest- gestellte Thatsache, daß der Angellagte Hagen-Sverber niemals früher ein Bstd gegen Entgelt abgegeben. Falle aber das Moment der unrechtmäßigen Anfertigung des Bildes, so könne auch der zweite Angellagte wegen dessen Feilbattung nickt ver- urtheilt werden und er beantrage die Freisprechung beider An- geklagten. Der Gerichtshof nahm aber an, daß der Angeklagte Hagen-Sverber dennoch das Bstd zum Zwecke des Verkaufs an- gefertigt hatte und verurtheilte deshalb beide Angeklagte nach dem Äntrgge des Staatsanwalls Auch wurde auf Einziehung des beschlagnahmten Bildes erkannt. Leipzig, 20. September. Der Reichstagsabgeordnete Grillender aer in Nürnberg war wegen Verdrellung eines vom Berliner Polizeipräsidium verbotenen Flugblatts freige« sprachen worden. Infolge eingelegter Revision seitens der Staats- anwaltschaft hatte fich heute das Reichsgericht damit zu befassen. Der Reichsanwall schließt sich den Antiägen der Staatsanwalt- sckaft an. Der Kenchtshof setzte die Publikation des UrtheilS auf den 27. d. M. an. Entscheiduugen de» Neichsgericht».(Nachdruck ver- boten.) Leipzig, 20. September.(Der Quedlinburger Doppelmord vor dem Reichsgerichte.) Der vom Schwurgerichte zu Halderstadt am 7. Juli d. I. wegen Ermor- dung des Buchb.ndermeisters Heinrich Battzuwett in Quedlin- bürg und wegen Todtschlaxs der Ehefrau desselben zum Tode, zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurtheilte Buchbindergeselle Adolf Heinttch Wilhelm Weitenhagen, geboren am 20. November 1862 zu Stargard i. Pom., hatte gegen da? Urthett Revision eingelegt, welche heute vor dem 3. Strafsenats des Reichsgerichts zur Verhandlung kam. Aus den Verhandlunge« vor dem Schwurgerichte, welche drei Tage dcanspruchien, rekapituliren wir kurz folgendes. Der Anaeklagte hotte die ihm zur Last gelegte That geleugnet. Er war Geselle der Baltzuweit und hatte einige Zeit vor dem Morde, welcher in der Nacht vom 13 zum 14. Juli 1887 stattfand, zu dem einen Lehrling von Gift und Best gesprochen, auch davon, daß man dem Meister Gift beibringen könnte, ohne daß ein Hahn danach krähte. Auf einen Raub hatte es der Möldcr nicht abgesehen, denn es war nickt einmal der Versuch gewacht, Wcrlhgegenstände zu entwende«- Als einziges Motiv, wela es aus gelegmtlichcnAeußerungm Weiten« Hägens gefolgert wurde, konnte angenommen werden, daß er nach Beseitigung � attzuweits— die Ermordung der Frau scheint nicht vorher geplant zu sein— Gesckäftefübrer der Baltzuweit- schen Buchbinderei werden wollte. Diese Vermuthuna wurde durch einen andern Umstand gestützt. In Stargard(P.) stand Weitenbagen früher bei dem Buchbinder Dehne in Arbett- Dieser starb plötzlich, und dann führte der Angellagte mit der Wittwe des Dehne das Geschäft wetter. Als auch diese bald darauf plötzlich starb, kaufte Weitenhagen das Geschäft de« Erden für 600 Mark ab. Man vermuthete, daß die Wittwe Dehne lcires narürlichen Todes gestorben sei, und zog Weiten- Hagen wegen Mordrerdackts in Untersuchung. Letztere mußte jedoch wegen Mangel an Beweisen wieder erngestellt werde«- Außer diesem psychologischen Moment wurden aber noch so viele thatsächlicke Beweismomente in der vorliegenden Sacke erbrockt, daß die Geschworenen die Schuldftagen bejahten. Betreffs der Tövtung der Frau Baltzuweit verneinte fie jedoch die Uedcr« legung, so daß hier nur Todtschlag angenommen wurde.— Die Revision des Angeklagten beruhte auf sehr schwache« Füßen, denn abgesehen davon, daß die in ihr ent- haltenen thatsächlichen Behauptungen vielleicht richtig find, verstieß fie gegen eine sehr klare Gesetzesbestimmung. Si« rügte nämlich Verletzung der§ 300 der Str.-Pr.-O., welcher lautet:.Der Voifitzende delehrt, ohne in eine Würdigung der Beweise einzugeben, die Gesa worenen über die rechtlichen Ge- sichtspunkte, welche bei Lösung der ihnen gestellten Frage« in Betracht kommen.— Die Belehrung des Vorsitzenden dmi von keiner Sette einer Erörterung unterzogen werden." Währ«« nun das Protokoll einfach derichtete, daß der Präfident die Gesckworenen gemäß§ 300 Abs. 1 belehrt habe, behauvtete die Revision, der Vorfitzende habe seiner Pflicht zuwider sick nick» auf die Belehrung de schränkt und die thatsächlichen Moment* der Beweisaufnahme eingehend gewürdigt. Zum Bewerft dieser Behauptung, die zugleich eine Fälschung des Protokoll« mtt rügen sollte, wurde eine stenographische Aufnahme der vow Vorfiyenden gegebenen Rechtsdelehrung beigebracht, welche au' Veranlassung der Vettheidigung angefertigt ist. Behauptet wurde- daß das Stenogramm wörtlich sei und der Wabih.it entspreche- Als Beweismittel wurden eventuell die Zeugnisse der Beifis� und der Geschworenen angeführt. Wer unser Prozeßvettabre« einigermaßen kennt, der wird es begreifen, daß vor dem Reick»- gerichte weder dieses Stenogramm verlesen, noch über sei«* Nichtigkeit irgend ein Beweis angetreten werden konnte, — Der Reichsanwalt Herr Stcnglein unterließ es nicht, dies« Gedanken mtt keäftigen Motten zum Ausdruck zu bring«. führte folgendes aus: Es ist bekannt, daß nach franzöfisck» Vorschnft der Vorsitzende des Schwurgerichts angewies« worauf eine Beleuchtung der Beweismittel einzugehen, aber eb«t» bekannt ist es auch, daß unsere deutsche Strafprozeß- Ordnu«« dem Vorfitzenden nur eine rechtliche Belehrung übertragen hat. An diese Bestimmung schließt fich im Absatz� des§ 300 die ganz nothwendige Schlußfolgerung, daß jede� örterung über die Rechtsdelehrung adgeschntttm sein soll. rst so klar als nur irgend möglich, wird aber von der Revifio«% sckrift vollständig ignoritt. Es ist nun klar, daß®' Gesetzgeber noch viel weniger daran gedacht haben tan eine Erörterung über die Belehrung des Vorsts«� in der Revifionsinstanz zuzulaffen, wenn er fie«' einmal zulassen wollte in dein Momente, wo fie gegeben w«? und noch in der Erinnerung jedes Anwesenden war, also i« .Hauptoerhandlung, wo über" dm Wortlaut wenigstens nock. dingt ein Streit entstehen kann. Daß nicht jetzt nrtttelstj� •• u III I % den am e (6 »als Stenogrammes, welches von tiner Patt ei einseitig bewirkt und durch Vernehmung etwa sämmtlicher Geschworenen t«� Revifionsiinstanz ein Beweis für diebehaupttte Gesetzesüderfr«� geliefert werden kann, das, glaube ich, ist wohl für jede«, D' & ?tetei fen Dingen bewandert ist, so klar, daß man kein Wort Durber verlieren sollte.— Das Reichsgericht verwarf dann auch % Jkoifion als gänzlich unbegründet, und somit wäre denn oaS Todesurtheil formell rechtskräftig geworden. soziales nnh ArbeiterbeVegung. liebet tritt jn de» freie« HilfsKassen. Jeder Ardeiter oron den zentraURrten Hilfskassen beitreten, wenn er unter ? Jahre alt und bei seiner Aufnahme gesund ist, sobald er lein e Arbeitsstelle wechselt. Der Unternehmer, den kr verläßt, meldet ihn bei der Ortskasse ad. Der Arbeiter kann »un hingeben und sich das Buch der zentralissrten freien Hilfs- wse erwerben. Wenn er dann bei einem anderen Unternehmer »»eder Arbeit erhält, braucht er nur das Buch vorzuzeigen und a wird dann nicht zur Ortskrankenkaffe angemeldet. Wer in fester Arbeit steht und darin bleiben, aber doch aus Jtt Ortskasse aus und zur zentralifirten freien tzilfskaffe über- »«en will, der kann dies nur am'. Januar eines jeden Mres thun. Er muß aber drei Monate vorher seine Wcht dem Vorsteher der Ortskaffe anzeigen. Dies geschieht am besten durch eingeschriebenen Brief, der 5» dm Vorsteher, aber mit Angabe von dessen ? a m e n gerichtet ist, nicht etwa blos an den Vorstand der Ortskaffe, denn solche eingeschriebene Briefe ohne Namen töndigt die Post nicht aus. Man schreibt also: An dm Vorstand der Ortskrankenkaffe der...... Herrn...... . Ich will vom 1. Januar k. I. ab nicht mehr zur OrtS> Uenkasse gehören, sondern in eine zentralistrte freie Hllfskaffe | antreten. ....(Ortl den.. ten.... 1888. Nammsunterschrift........ Arbeitet bei Herrn........ Nummer des Kassenbuches... k Tiefen Brief muß man spätestens am Freitag, den September d. I. zur Post gebm. . Wer will, kann diese Kündigung auch mündlich bis Sonn- ssend, den 29. September d. I., anbringen. Er erhält aber in % Regel einen Anschnauzer mit als Zugabe. Lu, Ist die Kündigung rechtzeitig geschehen, so muß der Ein- '!» in die freie Hllfskaffe in der letzten Dezemberwoche Westens aeschebm, damit das ausgefüllte Buch der freien Hilfs- M beim Antritt der Arbeit im Jahre 1389 in den Händen Arbeiters ist; sonst gilt die Kündigung nicht, und er muß ein Jabr der Ortskrankmkasse angehören. Wer nicht in Arbeit ist, braucht, wie schon gesagt, nicht zu _m. . Also auf, Ihr Arbeiter, haltet Eure eigenen Kassen, die s°ntralisirt en freien Hilfskassen hoch! Ihr zeigt fj�ch, daß Ihr für Eure Selbslständiak�it, für Euer Recht, {Jij Wahrheit und Menschenwürde der Arbeiter einzustehen de- Vereine und Mersammlsuse». . Der Fackoerein de» LNhographiestein�leifer«nd »»»«fvgenossen tagte am Äoutaa. den 17. d. M, Grenadicr- Me 33 bei veeseld. Zu dieser Versammlung warm speziell �».uxuspapierpräger durch einen Aufruf eingeladen und recht yeich erschienen. Herr Sander hatte das Referat über- janmen über Zweck und Ziele des Fachvereins. Nachdem der Mutzende, F. Rose, die Versammlung eröffnet und mit warmen legten seiner Freude Ausdruck gegeben über den zahlreichen Much noch den Sommerferien, erhielt Herr Sander das Wort. M«nt suchte durch geschichtliche Daten nachzuweisen, wie her vor und in dem Mittelalter die Innungen oder Gilden streich gewirkt hätten, er wies nach, wie schon damals auch Gesellen sich vereinigt hätten; um gegen die Unzuträglich- A im Gewerk Front zu machen. Redner verbreitete stch weiter die Innungen und deren damaligen Charakter und hob ,[im Schluß hervor, daß dicselben heute nicht mehr im Stande Ä trotz aller Bemühungen, das Handwerk zu beben, indem hü"�inmeister mit dem Großkapital nicht zu konkurrircn ver- 'Jw,- Redner schloß seinen Bortrag mit einem warmen Appell j. O'e Versammelten, sich fest zu einer Organisation zu ver- Iii»' �enn es sei nothwendig und allein heilsam, wenn möz- ijz" Swße Organisationen geschaffen würden in einem Beruf, k: Mächst in humaner Weise fichzu unterstützen und durch � Organisation die Schäden und Mängel in dem betreffenden abzustellen. Weiter dürfe man aber auch nicht unter- '•S'n anderer Richtung der Arbeiterbewegung bei- ?rn, um so mitzuarbeiten an dem großen Werk der Erlösung >.»ardendm Menschheit. In der hierauf folgenden Diskusston 5.7?.sich zunächst Herr H. Zachert dahin aus, daß Herr Sander 'w ü*"'cht klar genug den Zweck und das Ziel des Fach- W U? erläutert Habe, worauf der Vortragende kurz erwiderte, k? Mses an und für sich kl« genug sei und er an der Hand Geschichte wesentlich nachzuweisen versucht habe, wie schon kr-*_T.die Menschheit stch Organisationen geschaffen und an Im, Mängeln jede Branche für stch in der Gegenwart lernen W, Hierauf ergriff der Vorfitzende Herr F. Rose das Wort L Mte in kurzen Wortm klar, wie die Jvee der Heranziehung Kl�uxuspapierpräger an den Fachv. retn ver Lithographie stein- totau und Berufsgenossen entstanden sei, und veis''ch«ei nach- in welcher Weise es möglich sei, mit den Prägern zu- eine kom pakte Masse zu bilden und dadurch die Schäden beider L zu erkennen und ibnen abzuhelfen. Wenn die Präger l�Mnuich Mitglieder des Fachvereins würden und eine Fach« SSWon aus beiden Theilen gebildet würde, ließe stch manche Q regeln, und verwies er als Beispiel auf den Fachoerein ��'»lndrucker und Lithographen, wo ebenfalls eine Fach- Cfflfton bestände, welche in gewerblichen Streitigkeiten zuerlt greifen hätte. Redner hob in längeren Ausführungen weiter daß die Interessen der Präger nur in dem Maße gefördert - könnten, wenn fie sich dem Verein anschließen. meldeten stch einige Präger zum Wort, welche .�wwrntlich für den Beitritt erklärten. Bei dieser SteiSM? wurde noch besonders hervorgehoben, daß die W.'�ucker und Lllhographen stch immer noch nicht los- Hb«? Junten von dem Kastenneist, denn dieser sei es nur, %, d'e Zmückweisung der Schleifer und Präger ermöglicht d. r k«»« ai---. ic__»'-"■ 1 "ytt. l. ouiuaniei|UTi0 orr' «ho Letzteres wurde dahin beantwortet, daß ein großer ... dafür gewesen, jedoch lediglich aus fCSRe« sei die Aufnahme weiterer Berufs- �Sgeführ j Redner detonte jedoch, daß sich das Soli- er„nf? mehr Bahn breche und die Schleifer und r nnh crlt Sanz auf solidarische Unterstützung der Stein- Khr-r. m�R°llraphen rechnen könnten. Hierauf meldeten ten wiedemm zum Wort, welche stch über den Lobn.st bei äußerst schwerer Arbeit und den nie- welcher stets Akkordlohn sei, beklagten, und daß durch die Meister noch herabgedeückt würde. �4%%� Vorsitzende F. Rose dabin aus. daß es vjWch nur ski. 0 0e0en die Meister zu führen, da dieselben �'" v-r-i»? �euge einer vorgesetzten Person seien und daß zu m 1 Vräger wesentlich an dem Krieg gegen die u®«tbiS2in f gegangen sei, indem derselbe nur gegen» bandst0 hervorgerufen, und daß die Präger ver- '�.»ichlg Mten, wenn fie den Feind unter stch suchen, � khren Stand mehr, als eine unmoralische .u-«» d- � ftf. is'er Schlefinger. Qnflen ders ist in diesem Jabre noch nicht notbwendig. Das Gesawat- desizit zu Ende 1889 wird auf 25 Millionen geschätzt. leihen werden angesichts der starken Baalbestände in* Staatskasse für lange Zeit vermieden werden können. T» Kredite für die Vertheidigung find in diesem Falle um y# Millionen gestiegen. Krüssel, Freitag, 21. September. Die Regierung des floflf Staates hat ein otfizielles Telegramm erhalten, in welchem* Ermordung des Majors Barttelot bestätigt und gleichzeitig f meldet wird, daß Jomeson an einem klimatischen Fieber auf dt Station Bangalas gestorben ist. Kondo«, Freitag 21. September. Der Union-DamB „Moor" hat gestem auf der Heimreise Madeira pasfirt. Briefkasten der Redaktion. N- K. Lnddeurrstraße. Von Ihrer Einsendung ist nichts bekannt geworden. Sie wollen dieselbe daher wichs' Holm. Eigene Fabrikation von Damen-Mäntel Warwar 4 Leiser Bosentbalerstr. 1617. Zu Beginn der Kerbst-«.Winter- Kai so« empfehlen wir Regen-Paletots von 10 Mark an bi» fn den feinsten Qualitäten. Winter-Paletots von 15 Mark an bia zu den allerbesten Genre». Größtes Lager in Iaguets, Kadmantel, Kisttes n. Plüsch- mautel in Wolle u. Seide. G»«nerden nur die besten Ktosse verarbeitet, sowie nur durchaus gutsttzeudr Kochen verabfolgt. Streng reelle Bedienung! Feste Preise! 12000 alte«nd nene HerW- ii. Winter-Ueberzielier von 8-36 Mark. compl. Rock- u. Jaquett-Anzüge, Giusegunugs-Anzüge. einzelne Röcke, Jaquettes, Hosen, Westen, Keibröck». Kcllnerjacken, Uhren u. div. Goldsachen sollen schleuniast zu 1 jedem nur annehmbaren Gebote ausverkauft werden im Gyßi Leihhauo-Ansv-rkauf Montag, d. 24. Sep.br., Abends% Uhr, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstraße 4«. Tages Ordnung: 1. Referat«nd Disknfston üker die Korlage, detr» die Invaliden- und Altersversorgung der Ardeiter. Referent: Herr Max Schippel. 2. Kerschiedenes (Zur Deckung der Unkosten TeUersammlung.) 645 I. A.: H* Jäckel. sämmtlicher Wetallarbnter, lomie Dreher, ArüKett Klempaer, Kürtler, Ilormer u. j. w. am Montag, den 24. September, Abends 8 Uhr, im Lokalt Heydrich, Beuthstr 20(Hroßer Saal). Stellungnahme zum Allgem. Metallarbeiter-Kongrch Refennt: Gottfried Schulz. Wegen der außergewöhnlichen Wichtigkeit dieser Versammlung ist es Pflicht eines Fedck zu erscheinen. 663)_ Der Ginberufer. Kettfedern«nd Daunen! En gros und en detail. Weiße und graue Daunen. Geriffene Gänse- federn in jeder Preislage. Detailverkanf zu testen und soliden Gogro»- preisen. 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Februar 1888; Auszug aus dem Reichs- Patentgesetz; Gesetz, betreffend den Verkehr mit blei- und zink- Halligen Gegenständen vom 25. Juni 1887; die wichtigsten Bestimmungen der Gewerde- ordnuna über das Verhältniß der gewerb- lichen Arbeiter zu ihren Arbeitgebern; Das neueste Jnnungsgesetz vom 6. Juli 1887; Die hauptsächlichsten Oestimmungen an« sammtliche» in ventschlan» geltenden Ueretitsgesetzen; Einnahme- und Ausgabetabellen für die Haushaltung; Schreibpapier mit Datum für Tagesnotizen; Leeres Schreibpapier in verstärkter Bogenzahl: Brieftäschchcn. Wir haben, wie seit vier Jahren, den Kalender wieder in zwei Qualitäten an- fertigen lassen, 1. Qucuität drieftaschcnartig, sehr gut gebunden, mit Gummiband und mehr Schreiboapier wie Sorte 2; Preis 75 Pfg. 2. Qualität, einfache Ausgabe, solid ausgestattet, mit weichem Einband, etwas weniger Schreibpapier wie Sorte 1; Preis 50 Pfg. Miederverkäufer erhalten lohnenden Nabatt. Fachverein der Posimentirer und Berufsgenossen. Montag, den 24. Septbr., Abends 84 1%' im Königftiidtifchra Oastno Holzmarttstr� WM" Versammlung.-WV Tagesordnung: 1. Vorstandswabl. 2. Wahl eines Bibliothekars. 3. Verschiedenes und Fragekasten._ Es ist Pflicht aller Mitglieder, zu erscheint"' 665) Der Uorstond. Ein Zimmer mit sevaratem Eingang zu � micthen bei Voss, (Destillation.) Rathenomerftraste, Eimn Schneiderlehrlino p-rlaNgt 649) Gross, Gitschiverstr. 85. H- Schneider auf Wochen verlangt � 654|____-Svenerstraße 48, Moabt� Eine Ma'chinennähetin auf feine® u» wird oerl. Fiiedrichstr. 6, o. 2 Tr. Mit arbeit zu m lden früh 7 Uhr. Irtefitsnadjinm für von ClIUUJlll ivi.,——- Z beitanachntei« zu benutzen. Der Arbeitsmarkt. Ci» Schueiber Belforterstraße 14, bei Uivier. Töpfergeselle« 5"% Töpfermeister, Zimmerstraße 50.__ JÜ-' Sraveur- Lehrling. A»»wg borg, Ritterstr. 15._ - fV Tüchtige Schpauhendpehep finden schäitiauna Krandenbnrgstr. 80. 1 Tischlergeselle auf Möbel wird verlangt 619 Blumentbalstr. 23 in Friedrichsd�- IMalerlshpllmg verlangt H. Johl votadamerstr. 98a. Der vom Fachverein der Tischler«»rv s» Arbeitsnachweis befindet sich Alte Iahoira*'� im Restsursnt Schumann. Dee � ,,geN vermittclung geschieht für Meister und (auch NichtMitglieder des Vereins)«uevtg» Die Adressenausaabe erfolgt an von 84 vi» 10|th* Abend». von 9 bi» 11|lhr N-rmi,t-«»� die 4 Kasstrer der„c�skrankenkasse der � und Pianofortearbeiter Berlins" verpflich�MeN. stch ihrerseits jeder Adressenausgabe S" ersuchen wir, nur den obengenava- llterantworllicher Redakteur:».«r-nheiv» in Berlin. Druck und Verlag von Mo»»ading in«erlin SW„ Beuthstraße 2.