|t. 225. Dienstag, den 25. September 1888. 5. Jahrg. SckimWlisWl Drgan für die Interessen der Arbeiter. Abonnements-Einladung. . Zum Quartalswechsel erlauben wir uns zum Abonnement auf das »DerUtter Uolksblatt" dem wöchentlich erscheinenden K»n«tag»blatt einzu- Der Standpunkt im «w Boden des unbeugj Darleguna der Wahrheit teres Blattes ist bekannt. Es steht auf isamen Rechts. Die Erforschung und „-—„.mfl der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und «Irriter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klassen» Umsätze ist das„Berliner Uolksblatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung «»»-wer, heute schon mehr berechtigter Tesellschaftsklaffen "��iner Uolbsbtatt" sucht seine Aufgabe durch lalhllche Behandlung der polttischen als auch der T«mesfragen zu rtullen. Die gleichen Grundsätze losten uns bei Besprechung »»lerer städtischen Angelegenheiten. Im Feuilleton unseres Blattes veröffentlichen wir Aus» £»6» September ab einen ausgezeichneten Roman aus dem °»»nkantschm Ardeiterleben. detitAt »Die Uitter der Arbeit" �»ersetzt von Natalie KebKnecht. n. Schon der Name der Uedersetzerin bürgt dafür, daß unseren j~«em hier«ine ebenso spannende wie gediegene Lektüre ge« »oten wird. Unser Konntagsblatt macht es sich nach wie vor zur Ugade, nur die besten und vollendetsten Arbeiten derjenigen Schriftsteller zu bringen, die auf dem Boden des wirklichen �dens stehen. . Das„Oerlhteo KoUrsblatt" kostet für das ganze Viertel« >abr fr-i in« Kan» 4 Mark, für den Monat Oktober * Mark 85 Pf.» pro Woche 85 Pf. Bei Seibstadholung °us unserer Expedition 1 Mark pro Monat.'MW _ Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstaltcn Abonnc- �gem nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark ent» Die AedaKtto» tmk Grpeditio» �_ de«„Oorltno» Uolksblatt"._ _ Jeuilleton. .j- tu A« unrechter Stelle. Räch emer russische» Erzählung von Dr. I. L. *.. Ialikow sah ein, daß sie entschieden habe und daß diese ."Scheidung eine unwiderrufliche sei; die Liebe hatte nicht 1 Gunsten seiner Rechtfertigung gesprochen. Schweigend n auf und entfernte sich. Maluga begleitete ihn. »Sie sehen doch, daß sie sehr aufgeregt ist— das geht »"tübet-« sprach er zum Offizier. »Das geht nicht vorüber! Leben Sie wohl!" �.»In der That, da« ist originell," dachte der Redakteur y., betrachtete Ewgescha mit derselben Verwunderung, Leute bei dem Anblicke einer That empfinden, zu wel» � st- selbst nicht fähig sind. W blickte auf Ewgescha mit dem Entzücken, welches b« Publikum im Theater bei dem dramatischsten Momente Stücke«, künstlerisch von einem Schauspieler wieder» »Wen. erfaßt. gKomm' zu mir, meine Geliebte," sagte Polixena. de.» Gäste erwachten aus ihrem Nachdenken; sie LMfc, daß sie sich entfernen müßten und nahmen fc.»„�Kescha saß auf dem Sopha neben Polixena und be- N»itb �dlich, wie ein Kind, heftig zu weinen. Maluga Kamine, im Innern erregt; er begriff, daß eS ÄÄ» »uck.?losen. wenn auch nicht bösartiaen Menschen, war ihn �Strafgericht. Er fühlte, daß seine Tochter auch che» �hten müffe. E« schien ihm. daß vor diesem Mad» und ftartcn Seele zwei elende Zwerge standen; er Deh�ikena wollte dem eben Vorgefallenen keine besondere „D'u?rs?doch Dewe Absage zurück- Die erste That. Als vor nunmehr zehn Jahren das Sozialistengesetz ins Leben trat, da gab die„Rat.-Ztg.", die damals wie heute die Führung in der nationalliberalen Presse hatte, die Losung aus, daß, wenngleich nach Lage der Dinge auf eine Revressivgesetzgebung gegen die Umsturzgelüste der Arbeiter nicht verzichtet werden könne, so doch das nur ein durch die Roth gebotenes Hilfsmittel vorübergehender Art sein könne, daß aber der„Löwenantheil" der Arbeit, die zur Ueber- Windung der Umsturzpartei nothwendig sei, von dem intelli- genten, patriotischen Bürgerthum— die Partei der Gentle- maus war damals noch nicht erfunden— verrichtet werden müsse. Zu gleicher Zeit erklärte das genannte Blatt, daß e» Aufgabe der„unabhängigen Presse" sein müsse, darüber zu wachen, daß die außerordentlichen Vollmachten, die der Regierung in dem Sozialistengesetz gewährt seien, nur in „loyaler" Weise zur Anwendung kämen. Das Wort vom„Löwenantheil" hatte damals ganz riesig eingeschlagen. In der gesammten liberalen Presse, den größten Theil der fortschrittlichen Provinzialvresse nicht ausgenommen, salbaderte man von den nothwendigen Auf- gaben, die dem Bürgerthum jetzt behufs Versöhnung der „verführten" Arbeitermasscn erwüchsen, und mit„GotteS Hilfe" und dem Beistand der Polizei hoffte man den Gott- seibeiunS Sozialdemokratie schleunigst aus den Herzen und Köpfen der deutschen Arbeiter auszutreiben. Jndeß, aller Anfang ist schwer. Das schöne Wort „Löwenantheil" allein that es nicht und über etwas weiteres vermochten sich die Apostel zur Bekehrung der Arbeiter nicht zu verständigen. Nur hier und da wurde von Worten zu Thaten geschritten, indem man reichstreue Arbeitervereine gründete und vereinzelt wurde es auch versucht, auf die Ar- beiter durch Flugschriften einzuwirken, ja sogar mit„Ar- beiterzeitungen" trat man hervor. Leider aber— natürlich leider für die Herren Arrangeure— haben alle diese Un- ternehmungen bei den Arbeitern nicht das erhoffte Ent- gegenkommen gefunden. Wenige Monate nach vem Erlaß des Sozialistengesetzes war denn auch das Geschwafel von dem„Löwenantheil" verstummt, kein reichstreuer„Arbeiter- verein" wurde mehr gegründet, und die Absicht, den Arbeitern mit liberalen oder konservativen Flug- Blättern oder Zeitungen beizukommen, ward aufgegeben. Die Arbeiter ließen die reichstreuen Herren in den Vereinen vor leeren Bänken predigen, die ihnen gratis gespendeten Zeitungen und Flugschriften verwandten sie aber in ganz respektwidriger Weise zu Wurstpapier und ähnlichen Zwecken. Mittlerweile war die Polizei in voller Arbeit. Was an Arbeiterblättern, die irgendwie im Gerüche sozialdemo- „Niemals!!" „Mir kommt es vor, als hättest Du Dich übereilt. Du mußt doch einsehen, daß, wenn Dich auch Jemand noch so sehr liebt, er stch doch nicht selbst zum Opfer bringen kann." „Du verstehst mich nicht, Mama; ich wollte eS keineswegs. daß er eS nicht thun sollte auS Liebe zu mir. Das durfte er nicht wagen, weil er stets von seiner Liebe zum Volke sprach." „Mein Täubchen, Du gehst ein wenig zu strenge mit den Leuten um." Ewgescha hörte nicht auf sie und fuhr fort:„Und was ist er? Ist er besser wie die„Uebrigen"." „Nun, meine Liebe, vergegenwärtige Dir nur seine Lage; eS war ihm doch befohlen worden— im Dienste muß er blind gehorchen— solche idealen Menschen, wie Du sie wünschst, giebt e« nur m Romanen." „Was! Es giebt keine Leute, die in Wahrheit das Volk lieben?" „Ich wenigstens bin noch Keinem begegnet. Nimm alle unsere Bekannte, sie können Alle nicht so handeln, wie eS ihnen daS Herz gebietet. Nun, nimm selbst Deinen Papa! Du weißt, wie oft ihm sein Dienst Oualen ver- ursacht. Aber man muß doch von etwa« leben. Und wie hätte man die Kosten Deiner Erziehung bestreiten sollen, wenn er nicht im Dienste gewesen wäre?" Ewgescha zuckte zusammen. „Ach, warum mußtest Du davon sprechen?" brachte Maluga mit Stöhnen hervor und begab sich in sein Früher, Mama, habe ich nichts davon verstanden," antwortete Ewgescha,„aber im letzten Jahre habe ich auch daran gedacht. Du hast mich mit einem gerechten Vorwurf getro„Was. meine geliebte Ewgescha? Ich habe gar nicht daran gedacht, Dir ewas vorzuwerfen." „Nun, ich mache mir selbst den Vorwurf. DaS ist schrecklich, daS ist-- ," sie hatte nicht den Muth, einen etwas charakterisirenden Ausdruck zu gebrauchen. „Genug, genug, meine Theure; es wird vorübergehen. kratischer Gesinnung standen, vorhanden war, wurde ver- boten. Neuaegründeten Zeitungen blühte dasselbe Schicksal. Der Inhalt ver Blätter war dabei gleichgiltig, man erblickte in der Existenz dieser Blätter ein Mittel, den Zusammen- halt der sozialdemokratischen Partei auftecht zu erhalten, und da man sich mit der Hoffnung trug, die Partei zw zerstören, sie auflösen zu können, so duldete man auch nicht die Existenz rein neutraler Blätter, sobald dieselben für den Leserkreis der ftüheren sozialdemokratischen Blätter bestimmt waren. Arbeitervereine gab es nicht mehr. Die auch in liberalen Kreisen vielgerühmte loyale Handhabung de» Ausnahmegesetze» unter dem Grafen Eulenburg zerstörte de« letzten Arbeiter-Gesangverein und blieb auch vor Krankenkassen und Konsumvereinen nicht stehen, wenn deren Mitglieder Sozialdemokraten waren. Diese„schneidige" Praxis imponirte den Herren von der„Nat.-Ztg." derart, daß sie ganz und gar den„Löwen- Antheil" vergaßen. Auch während der Periode Puttkamer fühlten sich vie Herren nicht bewogen, an ihre einst so laut vroklamirte Aufgabe, die Arbeiter zu bekehren und zn versöhnen, heranzutreten. Wahrscheinlich wollten sie die „pflichtreuen" Beamten Jhring-Mahlow und Naporra nicht bei der Arbeit stören. Jetzt aber, nachdem 10 Jahre in'S Land gezogen sind und»ever Graf Eulenburg mit all' seiner Schneidigkeit, noch Puttkamer mit seinen„pflichttreuen" Beamten die Hydra der Sozialdemokratie zu bezwingen vermocht haben, jetzt erinnern sich die Nationalliberalen wieder ihrer„Löwen- aufgäbe", und sie treten mit ihrer„ersten That" auf den Plan. Eine„Deutsche Arbeiter-Zeiwng" ist gegründet, und kein Geringerer als der Dr. Jerusalem ist ihr Re» dakteur, und der Verlag der„Nat.-Ztg." ist die Heimstätte dieser Schöpfung nationalliberaler Arbeiterfreundlichkeit. Außerdem aber trägt die Abonnementseinladung die Namen aller Berühmtheiten, die der Nationalliberalismus aufzu- weisen hat, vom neugebackenen Oberpräsidenten der Provinz Hannover bis zum Münchener Bierbrauer Sedl- mayr. Natürlich sind auch der Dr. Miquel, der Dr. Hammacher, der Feustel und der Oechelhäuser dabei; wo hätte« diese Namen auch jemals gefehlt, wenn es wo etwa» »u„gründen" gab? Und augenblicklich leben wir ja wieder m einer Periode der Gründungen und des wirthschaftlichen Aufschwungs. Konnte doch dieser Tage ein Börsenblatt konstatiren, daß wir unS bereits wieder auf„dem äußersten Gipfelpunkt der schwindelhaften Gründungen" befinden; waS Wunder, wenn da die im Gründen so wohlbewanderten Hammacher und Miquel auch mit der Gründung einer Ar- beiterzeitung vorgehen. Und eine Gründung der blutigsten Sorte ist eS, mit der hier die Herren Nationalliberalen dcbutiren und auf Du bist jetzt aufgeregt und wir wollen davon nicht mehr sprechen." Polixena umarmte Ewgescha. Thränen flössen von de» Wangen des jungen Mädchens herab. Polixena wurde ge» rührt und weinte selbst mit ihr über den so jähen Verlust der ersten Liebe. E« vergingen einige traurige Tage für die Familie Maluga. Ewgescha erwähnte des Geschehenen mit keinem Worte. Auch Maluga und seine Frau hatten sich verab- redet, nicht mehr davon zu sprechen und alle« der Zeit zu überlassen. „Es wird auch noch bessere Freier geben, als Nikolai Awdeitsch," sagte Polixena, als die Hochzeit nicht zu Stande kam.» Ewgescha war ernst; in ihrem Gesichte war der Em- druck der überstandenen Krisi» sichtbar, doch hatte sie nach diesem Abend nie wieder geweint. Mit Bangigkeit dachte Maluga an das bevorstehende Schicksal seiner Dichter; trotzdem wollte er glauben— unb er glaubte—, daß der Apfel nicht weit vom Stamme falle und die reine, nachgiebige Natur Ewgescha'« sich am Ende doch zu einem Kompromisse mit den Lebensverhältnisse» entschließen würde. Er träumte davon, daß sich ein guter Mann finden werde, der ein Amt bekleide, daß den Herzens- regungen Ewgescha'S mehr zusage; sie würden sich gegen- seitig lieben und glücklich sein. Als die Eltern wahrnahmen, daß die Tochter sich mehr und mehr beruhigte, schwanden auch ihre Besorgnisse; ihr Leben ging in dem gewohnten Geleise; an einem der Dienstage war wieder viel vom Mitgefühl für die Leiden deS Volkes die Rede; die guten Leute athmeten auf und glaubten, daß nach dem jetzt ruhigen, etwas dunkeln Wetter auch bald helle sonnige Tage kommen würden. ES war an einem schönen Tage des sogenannte» „Alten Weiber-SommerS". Maluga ging vom Gefängnisse heim und dachte, daß man nach Mittag eine Spazierfahrt mit Polixena und Ewgescha machen müsse. Der Tisch war gedeckt, Ewgescha war aber nicht zu Hause.„Aergerlich!" sagte Maluga,„mein Appetit hat fich nach dem Gehen bedeutend entwickelt. Es verging eine ganze Stunde, Ewgesch» die sie die deutschen Arbeiter hinein falle« lasten wolle«. Dieselben Herren, die Periode um Periode leichten Herzens für die Verlängerung deS Sozialistengesetzes gestimmt haben und in Zukunft dafür stimmen werden, die rn ihrer Preste und in ihren Wahlaufrufen sich sogar dieser ihrer Thaten rühmen, die weder für die Handlungen eines Zhring- Mahlow ein Wort des Tadels oder gegen den Putt- kamer'schen Streikerlaß eine Verwahrung hatten, die an Wahltagen auf den Werken, wo sie als AuffichtSräthe oder Direktoren maßgebenden Einfluß haben, es dulden, daß die Arbeiter in Bezug auf ihre politische Gesinnung in brutalster Weise vergewaltigt werden, die in Bochum und Dortmund, And wo sie sonst herrschen, daS System eingeführt haben, daß die Arbeiter kolonnenweise und unter strengster Aufsicht an die Wahlurne getrieben werden, um dort gegen ihre Ueberzeugung zu wählen, die wollen jetzt mit ihrer Zeitung „eine Annäherang zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern anbahnen" und dem„Mißtrauen gegen die Absichten der Gesetzgeber und humanen Arbeitgeber" entgegen wirke». Hat man je etwas Unverschämteres erlebt? Die Arbeiter sollen den Vertretern und Schützern des Sozialisten- gesetzes Vertrauen entgegen bringen; sie sollen an die humanen Absichten jener glauben, die die Arbeiter um das heiligste Recht deS freien Mannes, um die uneingeschränkte Bethätigung seiner staatsbürgerlichen Rechte, betrogen haben und in alle Zukunft betrügen werden! Für wie dumm halten denn die Herren Hammacher, Oechelhäuser und Miquel, dieses Gründertrifolium, die die deutschen Arbeiter? Die Herren scheinen die Arbeiter mit jenen dividendenlüsternen Philistem zu verwechseln, die ihnen zu Anfang der siebziger Jahre ja allerdings prächtig auf den Leim ihrer„Prospekte" gegangen sind. Aber sie täuschen sich; bei den Arbeitern, wo wirthschaftliche Ge- schäfte so wie so ausgeschlossen sind, sind auch keine poli- tischen Geschäfte zu machen, denn sie kennen ihre Pappen- heimer und sagen sich: „Nur die allergrößten Kälber Wählen ihre Schlächter selber." Ihm äapiW der fa�rilordmingeti. Die„Deutsche Metallarbeiterzcitung" reproduzirt das in unserer Nummer 21 mitgetbcilte Strafenverzeichniß der Braun- schweiger Stahlhütte und fügt hinzu: „Es scheint übrigens, daß unter den deutschen Stahlwerks- desttzern eine Vereinbarung über die Verhängung gleichmäßiger Strafen getroffen wurde. Vor uns liegt eine„Fabrikordnung für die Arbeiter des Grafenberger Stahlwerks Düffeldorf- Grafen- derg", nach deren Strafbestimmungen fast die nämlichen„Reate" mit den gleichen Strafen belegt find wie in Braunschwcig. Wenn man ein solches Machwerk liest, so drängt fich bei jedem Paragraphen die Ueberzeugung auf, daß solche„Brotaeber" den Ardeiter nur als Arbeitssklaven betrachten. Das ist kerne Fabrik- oder„Arbeiterordnung", sondern ein Strafgesetz, diktirt von der Laune übcrmütbigstcn Protzenthums. Schon gleich§ 1 giebt einen Vorgeschmack: „Die nachlolgende Arbeiterordnung verlritt die Stelle eines zwischen dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer geschlossenen Vertrags und ist von jedem Arbeiter vor dem Antritt der Arbeit zu unterschreiben u. f. w." Denen, die diesen„Vertrag" unterschreiben, kann man ge- trost mit dem Dichter der göttlichen Komödie zurufen:„Die Ihr hier eintretet, laßt alle Hoffnung draußen." § 3 destimmt, daß jeder im Schichtwechsel stehende Ar- bester mindestens 10 Minuten vor Beginn der Schicht auf der Arbeitsstelle sein muß, damit sein Meister in der Lage ist, die Zahl der Anwesenden festzustellen und die etwa ausbleibenden Leute aus der abzulösenden Mannschaft oder der Reserve zu ersetzen. § 5 sagt, daß eventuell auch nach Feierabend, des Nachts und an Sonn- und Feiertagen gearbeitet werden muß, wofür es indeß nur den normalen Lohn oder Akkord giebt. Diese Bestimmung ist dem§ 105 der Gewerbeordnung zuwiderlaufend. Aus den Strafparagraphen sei in Kürze hervorgehoben: 1—6 Mark Strafe wegen Widersetzlichkeit und Un- gezogenbeitgegen Meister und sonstige Vorgesetzte.(§ 7.) 1—3 M Strafe wegen Zuwiderhandlung gegen Anord« imngen der Meister.(§ 7.) ö M., im Wiederholungsfälle sofortige Entlassung, wer den bestimmten Ein- und Ausgang nicht nimmt, sondern Thore, Zäune ic. übersteigt.(§ 8.) v 25 Pf. bis 5 M. für Versäumnrß von mehr als 10 Min. nach dem Läutm bei Beginn oder während der Schicht; dieselbe Strafe trifft den, der ohne Erlaubniß die Arbeit verläßt oder versäumt.(§ 9.) kam noch immer nicht. Die Gatten erklärte« sich das Ausbleiben damit, daß sie gewiß irgend- wo zum Mittag geblieben wäre, und setzten sich zu Tisch. Sie sprachen davon, daß, wenn sie bald zurück- kehrt, man durchaus bei diesem herrlichen Wetter eine Spazierfahrt zu Kahn machen müßte. Kaum war der Kaffee servirt, so wurde die Klingel gezogen.„DaS ist„sie"," sagte Maluga. „Sie hat vielleicht noch nicht gespeist," beunruhigte sich Polixena. Jn'S Zimmer trat aber nicht Ewgescha, sondern das Stubenmädchen mit einem Brief. Die Handschrift der Adresse machte Maluga erschrecke«— es war die Gwgescha'S Das Vorgefühl irgend etwas Schrecklichen preßte ihm hie Kehle zusammen.„Von ihr!" stöhnte er. „Von Ewgescha?" verwunderte sich Polixena. Un- aeduldia zerriß Maluga da« Kouvert und begann zu lese». „Was ist geschehen? Ist Sie erkrankt?" fragte Polixena, als sie das Gesicht Maluga's erbleichen sah. Er hatte schon gelesen, der Brief zitterte in seiner Hand. „Ewgescha! Meine Einzige, meine Theure!" stöhnte er. Polixena nahm den Brief, las ihn und«einte, Der Brief hatte einen kurze« Inhalt: „Verzeiht, meine theuren Eltern, den Gram, welchen ich Euch durch mein Handeln bereitet habe. Ich kämpfte mit mir und kam zu der Ueberzeugung, daß ich nicht anders handeln kann und soll. Ihr seid Beide gleich gut zu mir; im letzten Jahre habe ich aber dadurch Viel gelitten, daß ich auf Kosten Papa'S lebte. Verzeiht mir und beunruhigt Euch nicht; auch sucht mich nicht.— Ich kann nicht zurückkehren. Ich küsse Euch und die Geschwister inniglich." Die Anwesenheit deS Stubenmädchens, welches ge- kommen war, das Kaffeegeschirr zu holen, veranlyßte die Gattin, sich zu fassen. Polixena trocknete ihre Thränen. auf den vor ihm stehenden Leuchter und dachte:„Sie sühnt Wer seinen Posten verläßt, bevor sein Ablöscr zugegen ist, oder wer bei Ausbleiben des Letzteren über die Zeit von 15 Minuten dies nicht anzeigt, zahlt bis zu 5 M.(§ 10). Zuwiderhandlung gegen die Vorschriften des Reinhaltens der Werkplätze. Gebäude, Fabrikplätze, Arbeitsstellen-c. lostet 50 Pf. bis 3 M.(§ 11.) Wer unbefugt Maschinenräume, Kesselhäuser-c. betritt, zahlt 1— 5 M.(§ 12.) Wer aus anderen als kurzen Pfeifen raucht, verfällt in eine Strafe von 25 Pf. bis 3 Ä. Walzer, Wärmer, sowie deren Gchllfen dürfen nur während ihrer Ruhezeit rauchen. (Auch das nur aus kurzen Pfeifen?) Junge Leute unter 18 Iah- ren dürfen in den Ardeitsräu-nen nicht rauchen. Zuwiderhand- lung kostet die obige Strafe.(§ 13.) Das Branntweintrinken in der Fabrik und das Ein- dringen deffelden wird mit 1 bis 5 Mark bestraft, Trunkenheit mit 3 Mark, im Wiederholungsfalle mit sofortiger Entlassung. (§ 14). Wer während der Arbeitszeit schläft, zahlt 1 bis 5 Mark. Heizer rc. zahlen in diesem Falle sowie bei Äranntweintrinken die doppelte Strafe. Wird ein Dampfkeffel oder Sicherheitsap parat nicht richtig funttionirend gefunden, kann der Wärter mit 3 bis 20 Marl destraft werden, im Wiederholungsfalle mit Entlastung.(§ 15.) Meister und Gesellen hasten solidarisch für das ihnen übergebene Material, alle Verfehlungen gegen die Detalldestim- mungen ziehen eine Strafe von 1—10 Ä. nach fich. Das Mitnehmen von Werkzeugen, Erbrechen von Schränken u. s. w., sowie das Uedersteigen eingefriedigter Plätze wird als dringender Verdacht der Untreue betrachtet und wie oben de- straft.(§ 16.) Wer mit Geräthen, Handwerkszeug, nicht nach Vorschrift umgeht, wer fich Verschwendung von Oel, Fett und anderen Materialien zu schulden kommen läßt, zahlt„zur Abwechslung" 1—5 M. und kann außerdem zum Schadenersatz herangezogen werden.(§ 17.) § 18. Es wird ferner bestraft: Das Durchstoßen unver- brannter Kohle durch den Rost und das Herausfahren derselben, das Verbergen verwalzter Packete:c., mit l-2M., Verderben des Fabrikats, Lieferung schlechten Fabrikats mit 1—10 M., schlechtes Anheizen der Oefen mit 1—5 M., das Zerbrechen von Walzen und Maschinentheilen durch Leichtfertigkeit, sowie daS Durchgehenlaffen der Zangen mit 1—10 M." DaS find also die Paragraphen, die von den Pflichten der Arbeiter und den Strafen bei Verfehlung gegen dieselben handeln. Was haben aber die Arbeiter für Rechte? Man höre: „§ 21. Beschwerden wegen verhängter Strafe oder sonstige Reklamationen und Anliegen find bei dem Betriebsführer auf dem Bureau vorzubringen, doch dürfen fich zu diesem Zweck nie mehr als zwei Personen gleichzeitig einstellen."(!) Die Arbeiter haben also das„Recht", den Teukel bei seiner Großmutter zu verklagen. Ueber die standrechtsähnliche Be- stimmung betreffend das„Zusammenrotten" ron mehr als zwei Personen ist schon gar kein Wort zu verlieren. Was wird nun aus den Strafen? „§ 19. Die Strafgelder fließen in die Krankenkasse— nun kommt der hinkende Bote!— sofern fie nicht als Ersatz wirklich verursachten Schadens dienen müssen." Da haben wirs. Den Schaden taxirt natürlich der Fadri- lant, er ist also Gesetzgeber, Ankläger, Richter und Exekulor in einer Person. Was da wohl für die Krankenkasse übrig bleiben wird? Und um die„freie Vereinbarung" richtig zu illustriren, de- stimmt§ 20, daß„sonstige zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu treffenden Bestimmungen durch Anschlag zur Kenntniß ge- bracht werden und eben so zu beachten find wie dieses Regle- ment". Punttum! Ende gut, alles gut.§ 22 bestimmt, daß, wer ohne ver- tragemäßige Kündigung austritt, den Anspruch auf den ver- dienten Lohn verliert, abgesehen von den evmt. im Wege der ZiviMage zu erhebenden Ansprüchen. Damir find wir am Ende. Ist eine solche„Fabrikord- nung" nickt' wirklich ein Skandal, ein grober Unfug? Für jedes kleinste Versehen haben diese modernen Diakonen eine Strafe, damit ja nichts vom„Entbehrungslohn" verloren geht. Den Profit, der aus der Produktion resuliirt, stecken die Herren selbst ein, jedes Restka während des Arbeitspro-effes wälzm fie auf die Arbeiter ab. Wir brauchen nichts mehr hinzuzufügen. Wem aber unsere Uederschrift„Lohnzwackerei" als zu mild er- scheinen sollte, dem ist es unbenommen, für die zweite Silbe eine andere mit ebensoviel Buchstaben zu setzen, wodurch die Sache dann richtiger bezeichnet sein dürfte. Politische Ueberstcht. Da« Wahlrecht ia Gefahr. Der Sieg der Kartellbrüder bei der letzten Reichstagswahl— wenn man von einem Sieg reden kann, wo es fich nur um ein gelungenes Schelmenstück handelt— kostete uns die dreijährigen Legislaturperioden und beschränkte die Ausübung des Wahl rechts. der Eltern Sünden; die Tochter hat den Vater verlassen!" Er stöhnte unter dem heftigen Schmerz der Seele. „Höre mich," sagte Polixena,„läßt sich denn wirklich nichts erdenke», damit fie wiederkehre?" „Sie müßte von neuem geboren werden und dann eine andere Natur haben," entgegnete er in Verzweiflung. Er fühlte sich in hohem Grade unglücklich. „Vielleicht wirst auch Du mich verlassen, Polixena?" brachte er fast unter Thränen hervor. „Was willst Du mit dieser Frnge?" „Ewgescha hat auch ihre» Verlobte« und mich geliebt und doch uns Beide verlassen. „Sie hat Nikolai Awdeitfch nicht geliebt, sonst hätte sie ihm nicht wegen dieses Vorfalls entsagt." „Bei solchen Menschen, wie Ewgescha, kann die Liebe selbst durch eine That vernichtet werden." „DaS begreife ich nicht; dem wahrhaft Geliebten ver- zeiht man alle Sünden." Beide schwiegen. „O, wie gehen wir mit unseren Kindern auseinander," sprach Maluga,„wir erziehen sie, wir bilden uns ein, daß fie nach unseren Anschauungen handeln werden, und sie—; wir wandeln gleich Mondsüchtigen an Abgründen entlang; e« ruft uns Jemand zu, und wir müssen sehen, daß unsere Kinder verloren sind." Der helle Tag des alten Weibersommers verwandelte fich in eine herbstliche Dämmerung für die Behausung Maluga's. (Fortsetzung folgt.) Aus Kunst und Zeven. Die Rajohs, Waharajahs und andere indische Prinzen haben fich wahrhaftig nicht über die Engländer zu beklagen; die englische Regierung erzieht sse, ernährt fie, läßt fie spazieren führen, und bat soeben ihrer Güte die Krone aufgesetzt, indem fie zu deren Gebrauch ein kleines Buch herausgegeben hat mit Seitdem haben die Kartelldrüder fich, in Preußen wenigstens, gezankt; und das Kartell wurde gekündigt. Allein Kartelldruda schlägt fich, Kartellbruder verträgt fich— fie liegen einander wieder in den Armen, Bennigsen ist„Exzellenz" geworden und damit find die letzten Skrupel gefallen. Genug— die Versöhnung hat statwefunden, und natürlich soll das Voll die Kosten bezahlen. Ztachdem man die Ausübung des Wahlrechts beschränkt hat, will man j.tzt dem Wahlrecht selbst direkt zu Leibe gehen. Seit Wochen begegnen wir in nationaliideralen Blättern allerhand Andeutungen über die Nothwendigkeir, das Wahlgeheimniß aufzuheben und die geheime Wahl durch die öffentliche Wahl zu ersetzen. Und die„Nationalliberale Kor- rcsponvenz", das amtliche Organ der„patriotischen" Hampel- und Umfallmänner, bat jüngst ganz deutlich erklärt, die Frage der Abschaffung des Wahlgeheimnisses sei„diskuttrbar". Und das„Leipziger Tageblatt" hat bekanntlich den sauberen Vor« schlag mit Hurrah begrüßt. Die„Frkf. Ztg." äußert fich über die Angelegenheit u. a. wie folgt:„..... Bekanntlich hat eine freifimüge Parteiversammlung in Königsberg anfangs dieser Woche in einer Resolution den Wunsch nach Einführung des geheimen Wahlrechts ausgesprochen.(Als ernsthaft ist dieser Wunsch natürlich auch nicht zu betrachten. Red. d...B. V.") Diese Resolution nimmt die„Nationalliberale Korrespondenz" zum Anlaß, um folgendes zu sagen:„Wenn die Deutsch- freifianigen unausgesetzt das bestehende Wahlrecht in den Einzelstaaten angreifen und untergraben, werden st: fich nicht wundern können, wenn von gegnerischer Seite die Frage aus- geworfen wird, ob man nicht lieber das Reichstagswahlgesetz auf der Grundlage des Landtagswahlgesetzes rcformiren soll" Man steht, daß in der Beurtheilung dieser Frage das„Leipziger Tageblatt" besser über die Stimmung in der nationalliberalen Partei unterrichtet gewesen ist, als das offizielle Organ der- selben. Es ist mit dem Liberalismus in der nationallioeralen Partei allerdings sehr well gekommen, wenn man mit solchen Drohungen die Wiederholung einer Forderung unmöglich machen will, welche zu allen Zeiten auch in dem Programm des gemäßigtm Liberalismus gestanden hat. Es ist seit lange ver Fall, daß die Nationalliberalen fich immer mehr von jenen selbstverständlichen Forderungen des Liberalismus entfernen und immer leichteren Herzens alles das über Bord werfen, was ctaa noch ein Hindemiß zum vollständigen Aufgehen in die Reaktion sein könnte. Sie find auch vor fünf Jahren keine Helsen mehr gewesen. Aber damals haben fie es doch noch für seldstverständ» lich erklärt, daß fie an einer Aenderung des geheimen Stimm- rechts im Reiche niemals theil nebmen würden. Herr tzobrecht wenigstens hat damals fich demüht, jeden Zweifel daran, daß er und seine Freunde Gegner des geheimen Wahlrechts seien, zu widerlegen. Er sagte ausdrücklich:„Ich stehe in keine« prinzipiellen Widerspruch gegen die Einführung des geheimen Wahlrechts; im Gegentheil, ich benutze diese Gelegenheit, aus- drücklich zu erklären, daß ich wie meine politischen Freunde eine» solchen Widerspruch nicht erheben wollen. Ja, viele unter uns, und gerade solche, in deren Gegend eine starke Fabrikbevölkerung lebt, haben den dringenden Wunsch, daß das geheime Wal»- recht so bald als möglich eingeführt werde." Diese platonisch« Liebe zur oeheimen Stimmabgabe ist seitdem merklich kälter ge- worden. Gerade in den Gegenden mit starker Fabrikdevölkemng hat die nationalliderale Partei durch Manipulationen un- würdigster Alt die geheime Stimmabgabe auch bei den Reichs- tagswahlen thatsächlich außer Kraft gesetzt. Die Wahlprüfungs- alten des Reichstags enthalten dafür Belege in reicher Auswahl und von niederdrückender Gewalt. Diese Handhabung des Reichswahlrechtes seitens hervorragender nalionalliberaler Männer zeigt besser als alle Expektorationen nationallideralcc Blätter die wahre Meinung dieser Partei über das geheime Stimmrecht! und wenn man der wohlwollenden Behandlung dieser Frage im offiziellen Parteiorgane fast allseitig ohne Zweifel begegnete, f? wird man gern dereit sein, diese neueste Aufdeckung national- liberaler Adstchten als die ehrliche Meinung der Parteileitung aufzufassen."— So die„Frankfurter Zeitung". Die That- fachen find durchaus richtig dargestellt Es hieße Vogelstrauß- politik treiben, w llten wir uns verhehlen, daß wir es nicht in» bloßen Zeitungsschreiber Einfällen zu thun haben, sondern mit einem wohlüberlegten Plan>ur Vernichtung unseres vornehmst� Grundrechtes. Wir sagen: Vernichtung! Denn wer vo« Wesen des allgemeinen Wahlrechts und von den herrsch nde» politischen und ökonomischen Zuständen, auch nur den entfernteste» Begriff hat, weiß, daß das allgemeine Wahlrecht ohne gehei»« Stimma gäbe ein Messer ohne Klinge ist. Und wieder find m die Nationalliberalen, welche der Reaktion die Handlangerdienste leisten und fich zur verächtlichen Rolle der Freibeitshenker her- geben wollen. An die Wähler Deutschlands aber richten w» die ernste Mahnung: Seid auf der Hut! Haltet scharfe Wacht- Sebt den kartelldrüverlichen Umsturzmännern auf die Finger- Schützt das allgemeine, gleiche, dirette und geheime Reichstags- Wahlrecht! Ueber de« Kfond der Porarbeite« der nächstes Jahr stattfindenden Pariser Weltausstellung, welche nicht nur von unseren Regierungen und dem Gros der I»- dustriellen negirt wird, sondern von der auch der größte The» unserer Presse nur in wegwerfendster Weise zu reden fich a»- dem Titel:„English Etiquette for Jndian Gentlemen", das Herr» W. T. Webd, Beamter des Departements des öffentlichen Unter- richts in Bengalen, zum Verfasser hat. Es ist eines der lustig- sten Dinge von der Welt. Man liest darin zum Beispiel, daß es nicht von gutem Geschmack zeugt, wenn man auf einem die entblößten Schultern von europäischen Damen betast?' Ebenso wird es verboten, denselben in zu lebhaften Gesten d» Bewunderung zu zeigen, welche ihre Schönheit erregt Shocking! Nun wissen ja die indischen Prinzen, wie fie in 3»- kunft fich gegenüber dekolletirten Ladies zu benehmen Hades- Ader was werden fie sagen, wenn fie lesen, daß es verboten tst' zu husten, zu gähnen, fich den Kopf zu kratzen und bei« Sprechen zu gestikuliren? Werden fie nicht erstaunt sein, man ihnen Dinge verbietet, welche die Engländer selber f1® fortwährend erlauben? Ferner verbietet man ihnen, Tabak uim Betel zu kauen, und ein ganzes langes Kapitel ist dem Schnaube» der Nase gewidmet. Im Kapitel von der Kleidung heißt e» u. A.:„Es wäre nöthig, Strümpfe zu tragen, die in Euro»» alle Welt habe, sogar die Damen.". Don einer Mi»derherstell»«a de« Krhnermöge»' nach ilOjähriger Blindheit theilt David Mc Keown folge»- den interessanten Fall mit, den wir seiner großen Selten«-'. wegen nach der„Allgem. Medizin. Zentr.- Ztg." rcproduzrre»' Ein 63jährigkr Mufiker hatte fich dem Verfasser im Jahre l88,, zum ersten Male vorgestellt. Im Alter von U Jahren om derselbe infolge von Blattern das Sehvermögen auf beivc> Augen eingebüßt und war somit mehr als 60 Jahre bn»' Bei der Untersuchung zeigte fich. daß dem rechten Auge» Lichtperzeption vollkommen fehle, während das Projekiron- vermögen(für Schatten) des linken Auges noch gut Im Zentrum der linken Kornea defand sich eine dichte tj'. zität, die weit in die obere Kornealhälste übergriff, die Iris ringsum an den Rand des opacen Kornealthe-� angewachsen war. Verfasser machte die Jrideltomie. A.,, der Operation zeigte fich in der künstlichen PuV> die entsprechende Kornealpartie ein wenig milchig getrübt!�.., Gebrauch des Auges war insofern etwas behindert, als die ville etwas nach oben angelegt war und dos Auge vor� Operation stets nach oben gerichtet erschien, so daß jetzt Sehakte eine beträchtliche Anstrengung des Muse, rectus ü nothwendig war. Das Vorbandensein oder Fehlen der ließ fich nicht konstatiren, auch Versuche mit Gläsem erg�„, zwar kein praktisch greisbares Resultat, doch war das SeY jf mögen wieder hergestellt worden. Der Patient, der ftuh«* p# Führung oder wenigstens eines Stockes beim Gehen dur» Pjtöjnt tat, bringt die„Allg. Ztg." einen Bericht, der zeigt, daß die Ausstellung, welche einen Thcil der Jubelfeier des hundertjährigen Gedächtnisses der großen französischen Revolution diloct, an Großartigkeit und Umfang gegenüber keiner der �uheren Ausstellungen zurück bleiben wird: Deutschland, Däne« «notf, Montenegro, die Türkei und Schweden find zur Stunde die einzigen bei der Ausstellung noch nicht angemeldeten und JWretenen europäischen Länder. Norwegen, die Schweiz und «uechenland find die einzigen europäischen Staaten mit offizieller «•lherligung und Vertretung. Die offizielle Bctheiligung be- steht bei allen amerikanischen Staaten, ferner bei Japan, siam der sudafrikanischen Republik, der Republik Viktoria in Ozeanien. Ausstellungekomitees find in Paris von folgenden Ländem ein« Besetzt: England, Rußland, Oesterreich, Italien, Holland, -veigien, Luxemburg, Rumänien, Spanien, Portugal. Die aus' lindischen Aussteller besetzen einen Raum von 100 000 Quadrat- «eter, beträchlich mehr als 1878. England, dem 15 000 Meter angewiesen wurden, verlangt eine Vergrößerung um einige 1000 Meter, was übrigens auch bei Rußland, Belgien and der Schweiz der Fall ist. In einem indischen Palaste mit einem Flächenraum von 700 Quadratmeter veranstaltet England ewe ostindische Ausstellung. Die Engländer erbauen auch ein Land- haus für ihren Kommiffär, eine Mühle, eine Bäckerei, eine Atcicrei und eine Anstalt zur Buttererzeugung. Die rusfische Adtheilung hat eine Fa?ade von 75 Meter. Im Parke werden noch mehrere rusfische Wohnhäuser errichtet, darunter eine Jsba, dewohnt von Mujiks aus der Umgebung von Moskau, welche Kre Holzschnitzereien und Bilder zu verwerthen suchen. Der wirst Uruffow erbaut ein stockrusstsches Gebäude für die Aus- stellung der Hausindustrie auf dem flachen Lande. Finnland «cbaut fich einen von Rußland abgesonderten Ausstellungspalast. Vielleicht wird man hier und da nicht ohne Ucberraschung fol- aende Stelle in dem amtlichen Ausstellungsbcrichte lesen: Oesterreich Ungarn wird auf der Ausstellung vortrefflich ver- »eten sein; das in Paris amtirende Zentralkomitee thut mit Erfolg alles Erforderliche, um die österreich-ungarische Aus- Lellung sogar glänzend zu Stande zu bringen. Desgleichen hat st h Italien bereits eine glänzende Ausstellung gefichert, nament- M für Möbel, Bekleidung und Rohstoffe. Das Großherzog- ryum Luxemburg wird fich gewissermaßen groß und breit Jwchen, indem es alle seine Erzeugnisse in einer einzigen Ab- «hellung zusammenstellt und in der Rosenkultur den längst er- wordenen ersten Rang bewahrt. Spanien wie Portugal hrben jedes neben ihrer allgemeinen Abtheilung mehrere l?ezifische Ausstellungen, z. B. für Weine und einige ihnen e>geiithümliche Industriezweige. Norwegen allein nimmt eben >° viel Raum ein, als vor 10 Jahren mit Schweden. Es hat ebenfalls mehrere spezifische Ausstellungen, vorzüglich die der 'sschergenoffevschaft und die aus Drontheim kommenden Hölzer- wn Häuser, deren eines das norwegische Ausstcllungskommiffa- stat bewohnen wird. Holland stellt vorzüglich seine Kolonial- I'oduktc aus und zwei indische, auf dem Marsfelde erbaute Dörfer. Die japanische Regierung scheut keine Anstrengungen Und Kosten, um die Welt rn Erstaunen und Bewunderung zu uersetzem Ein Industrieller von Tokyo erbaut auf dem Mars- stlde ein japanisches Theehaus sammt Garten, Wasserkünsten, Bronzelaternen u. s. w. Neben den Ausstellungen der franzö- pichen Protektoratsländer, für welche ebenfalls kein Geld und kerne Mühe gespart werden, erscheinen Egypten, Morokko, Slam st dgl. Morolko erbaut einen Bazar, um welchen mehrere Pa- urllons und Kaffeehäuser, das Zelt des Sultans und ein Kiosk w'-t den kaiserlichen Sammlungen fich gruppiren. Egypten er- baut eine Gasse von Kairo, ein echt arabisches Viertel mit Ver- laufsläden, seiner Schule, seiner Moschee und seinen Handwerkern, jjre unter den Augen des Publikums arbeiten. Als Fortsetzung -fes eigentlichen Ausstellungsplatzes mit seinem Parle wachsen Aürme, Paläste. Gallerten und Pavillons wie Pilze aus der Erde. Algerien und Tur-ifien erbauen fich jedes einen Polast. Drei Gebäude werden der Gesundheitspflege gewidmet: eines für die Sanirung der Menschlichen Behausungen, daneben ein Tempel der Mineral- Wässer und weiter ein Palast der öffentlichen Wohlthätigkeits- vfiege. Der Kriegsminister erbaut fich eine Festung mit Wällen Und Thürmen. Unter allen VHen Kuriositäten und Wundern wird der Journalisten- Pavillon noch durch seinen Luxus und se'nen Kosmopolittsmus überraschen. Was die Restaurants und du Kaffeehäuser, ferner die Bierhäuser und Trinkhallen aller Aielti heile und Nationalitäten mit ihrer einheimischen Küche und Bedienung, darunter ein indisches Büffet mit ausschließlich '»dsschcn Getränken, anbelangt, so hat die Ausstellungsdirektion sttzt schon dafür gesorgt, daß alle Männer ihre Frauen und alle Arütter ihre Töchter dahin führen können.— Soweit der Sc« ficht des genannten München er Blattes. Das unter Deutsch- tands Führung gepredigte Fortbleiben des monarchischen Europas scheint demnach der republilanischen Gedenkfeier keinen besonderen Abbruch zu thun. Für unsere Chauvinisten mag das sehr schmerzlich sein, der Freund des Fortschritts und des Völker- "Zevens wird eS dagegen nur bedauern können, daß die Um- stände es nicht möglich machten, daß auch Deutschland auf dem ssroßm Völkerfest auf dem Marsfelve im nächsten Jahre ver« k:etm ist. Abenteuer«ine» Deutschamerikaner» im„alten Daterlande". In amerikanischen Blättern lesen wir folgende Notiz: In Heidelberg ist kürzlich wieder ein Deutschamerilaner, ein Mitarbeiter des„Clevelander Anzeiger*, Knau er mit Namen, der eine Erholungsreise nach dem alten Vaterlande unternommen hatte, verhaftet und eingesperrt worden, weil er seiner Militärpflicht nicht genügt haben soll, ehe er aus- wanderte. Er war keineswegs desertirt. Da er im Befitze eines amerikanischen Bürgerscheins war, in Wirklichkeit nichts gegen ihn vorlag und er durch die Bestimmungen des Bankroft- Vertrages geschützt war, so gab man ihn bald wieder frei und sprach sein Bedauern aus, daß die Heimathsbehörde Knauer's (in Wertheim) die Dummheit gemacht hatte, die Verhaftung des letzteren durch ein nach Heidelberg gerichtetes Telegramm zu veranlassen. Die Unannehmlichkeiten, den Aeraer und beträchtliche Kosten hat aber Knauer doch gehabt. Es ist erfreu- lich zu hören, daß das Staats selretariat in Washington fich in Fällen wie der obige zu einem entschiedenen Auftreten gegen- über den deutschen Behörden, zu besserem Schutze deutschameri- konischer Bürger von der Klasse des obgenannten aufgerafft haben soll.— Daß durch derartige Vorkommnisse, die bekannt« lich nichts weniger als fetten find, der Respett und die Sym» pathie der Amerikaner für das neue Deutsche Reich nicht ver« mehrt werden, das kann jeder fich an dm 5 Fingern ab« »ählm. De»«ltramontane Reich»tag«abgeordn«te§trt Lieber hat eine Reise nach Amerika gemacht, um der Generalversammlung der deuttchen Katholiken rn den Vereinigten Staaten beizuwohnen. Er hielt drüben verschiedene Reden, u. a. auch die stereotype katholische Rede gegen die Sozialdemo- kratie, welche nur durch den Katholizismus kurirt werden könne. Nun— wir kennen das Lied, wir kennen den Text u. s. w. An« Dresden» 23. Septbr., schreibt man uns: Gestem Abend wurde im denachdartm Striesen eine sehr stark besuchte Volksversammlung abgehalten, in welcher der Abg. Bebel unter lebhaftem Beifall die folgende Resolution degründete, die, nach« dem der Abg. Singer ebenfalls unter lebhaftem Beifall das Wort ergriffen hatte, einstimmig angenommm wurde. Die Resolution lautet:„Die Versammlung erklärt: Der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Atters« und Jnvalidenverstckerung der Arbeiter, entspricht in keiner Weise den berechtigten Forde- rungen der deutschen Ardeiter. Der Entwurf ist in seiner jetzigen Gestalt unannehmbar, well die Höhe der Renten ringe« nügend, die Dauer der Wattezeit zu lang, die Altersgrenze für den Empfang der Altersrente viel zu hoch, die Anzahl der für ein Beitragsjahr in Ansatz gebrachten Wochenbeiträge zu groß, das geplante QuittungSduch unannehmbar ist. Ferner ist die Zulässtgkeit der Gewährung von Naturalien in dreiviettel der Höhe der Rente(§ 8) zu verwetten; der Verlust eingezahlter Beiträge für diejenigen, welche durch die Umstände gezwungen aus der Versicherung scheiden, eine Ungerechtigkeit: die Be« schränkung des Reichsvcrficherungsamts auf eine bloße Revifions« instanz eine schwere Schädigung der Interessen der Verficketten. Endlich erachtet die Versammlung die Organisation der Kassen für verfehlt, well schwcttällig und kostspielig. Sie verlangt die Gründung einer einzigen Rcichs-Alters- und Jnvalidenverfiche- rungskaffe für das ganze Reich, mit dem Recht für die Unter- nehmer, soweit ihr Jahreseinkommen 2000 M. nicht übersteigt, dieser Kasse als Verficherte beitreten zu können. Die Versamm- lung verlangt ferner die Abstufung der Renten und der Bei« träge nach der Höhe deS Verdienstes und die Uebernahme der Verficherungsbeiträge für die Verfichetten durch das Reich, inso- fem ihr Einkommen die Höhe von 750 M. nicht übersteigt." Nachdem noch Herr Stumpf zum eifrigen Abonnement auf die Ardeiterpreffe aufgefordett hatte, wurde die Vettammlung geschloffen, die mit Hochs auf die Arbeitervettretcr und mit dem Gesang der Arbetter-Marseillaise auseinanderging. In einem antisemitischen Hctzartiket schrieb die „Kreuzztg." dieser Tage wörtlich folgendes:„Heute kann es nur Bosheit sein, wenn man den Kleingrundbesitzern und landwirthschaftlichen Ardeitern vorredet, daß die Großgrundbesitzer und„Junker" ihre Feinde seien. Die Landwirthschaft hat gegen einen ganz anderen Feind zu kämpfen.... Gewisse Verhältnisse in Oesterreich, besonders aber in Ungam, wo städttsche jüdische Finanzbarone bereits ungeheure Tertttotten erworben haben, zeigen, wohin der Weg geht; allgemein ertönt die Klage, daß da gerade die„kleinen" Bauern die geschorenen Schafe find." Statt jeder sonstigen Antwort setzen wir neben diese Auslassung folgende Sätze, liberalen„Weser- Ztg." sehr treffend wie folgt:„Bei gute« Ernten verlangt man Zollschutz wegen ver niedrigen Preise, bei schlechten Ernten wegen des gettngen Qantums, in keinem Falle wird das agrarische Bedürfniß nach staatlichem Schutze je ae» stillt. Hält die jetzt eingettetene Preisbewegung auf dem Ge» biete der Lebensmittel an, was die Offiziösen bezweifeln, andere dagegen der mangelnden Uebettchüffe wegen für wahttcheinlich kalten, wird fich trotz alles agrattschen Sträubens auch in Deutschland die Ettahrung Geltung verschaffen, daß bei dauernd hohen Gctreidcpreisen hohe Getreidezölle unhattdar werden. Daß zu dieser Erfabung der größere Thell der Landwitthschast selber am meisten beiträgt, weiß jeder, der die Lage des Bauern« standes kennt. Der Bauer und kleine Landwitth ist in Ernte« jähren, wie dem jetzigen, gezwungen, Getreide zuzukaufen, befindet fich also in gleicher Lage, wie jeder Konsument. Was aber in einem bäuerlichen Hausbaltungsbudget oder gar in dem einer Arbeitettamilie eine Preissteigerung der unentbehrlichsten Bedürfnisse wie die gcgenwättige bedeutet, darüber sehen die Gönner der„Landwirthschaft" blindlings fott. In der„Nordd. Allg. Ztg." wurden kürzlich die„Landwitthe, die bei de« Wahlen doch auch ein Wort mitzureden haben", aufgefordett. aus der bevorstehenden Bewegung gegen die Getreidezölle eine Lehre zu ziehen. Es scheint indeß, als od die Zeit zum Lerne« bald genug für— Andere gekommen sein wird." Das glauben wir auch. Eingestellte» Verfahre«. Das JSchw. Wchbl." schreibt: Am 22. August d. I. fand in unseren Geschäftslokalitätm und Wohnräumen auf Veranlassung der großherzogh Staatsanwalt« schaft Konstanz eine 8jstündige tzaussuckung statt und zwar. wie fich später herausstellte, wegen des Verdachts eines Ver« gehens gegen das Sozialistengesetz. Vottaen Mittwoch nun ging uns von der königl. Staatsanwaltschaft Stuttgart nachstehendes Aktenstück zu: Kgl. Staatsanwaltschaft Stuttgart. Den 6. September 1888. In der Anzeigesache gegen den Bilderhändler Fttedttch Maeule, den Redatteur Georg Baßler und den Xylo« graphen Robert Holoch, sämmtlich dahier, wegen Ver- gehens gegen das Sozialistengesetz, wird in Erwägung: daß zwar nach den Angaben Macule's unzweifelhaft anzunehmen ist, daß dieser im Auftrag Baßler's im Mai und Juni d. I. mehrere an ihn von auswärts gesandte Kisten in Empfang genommen hat, welche sodann von Holoch abgeholt wurden, und daß auch jetzt noch der dringende Verdacht vorliegt, daß diese Risten verbotene sozialistische Schriften enthalten haben, daß jedoch immerhin in letzter Beziehung der Beweis nicht als völlig erbracht anzusehen ist, die Erbebungen bezüglich des Inhaltes jener Kisten aber ettchöpft find, beschlossen: das Verfahren gegen die Beschuldigten unter Uebernahme der Kosten auf die K. Staatskasse einzustellen. Staatsanwalt Degen. Zur Beglaubigung An Kanzlei der Staatsanwaltschaft: Georg Baßler, Redatteur, I. V.: Stellrecht. dahier. In Sachen de« Glberfelder„Geheimbnnd". Nrch- dem die Gettchtsfetten beendet find, haben auch die Unter- suchungen in Sacken des großen rheinischen Geheimbundes wieder begonnen. In den letzten Tagen baden in Eldettelv vielfach Vernehmungen stattgefunden. Es werden jetzt als „Angeschuldigte" Personen vernommen, welche früher als „Zeugen" vorgeladen und vernommen worden waren. El scheint nicht unzweckmäßig zu sein, nochmals darauf aufmerksam zu machen, daß alle diejenigen, welche zu befürchten haben, durch ihre Aussagen in die Untersuchung verwickelt zu werden, berechtigt find, mit Hinweis darauf jede Aussage zu ver« weigern. Lörrach, 18. September. Heute weilte der Untcrsuchungs» ttchtcr aus Freiburg hier, um Untersuchung wegen Verbreitung verbotener Druckschriften zu pflegen. Es wurden bis jetzt, laut „B. L.", auch acht Personen deswegen festgenommen. Die Festgenommenen find meistens Schweizer, die hier als Fabrikarbeiter beschäftigt waren und hier wohnten. Straßen beduttte. konnte nach der Operation dieser Beihilfe mbehrcn. Er konnte Objekte von U Linien im Durchmesser «�tzien, wenn sie eine Linie von einander entfernt waren, und «onnte selbst relativ gettnge Größenvifferenzcn erkennen. Ganz ?iert würdig gut war die Farbenperzeptwn, denn der Pattent '°nnte nicht nur die verschiedenen Farben, sondern auch die °ettchiedenftcn Schattirungen ein und derselben Farbe Ä unterscheiden. Als Verfasser die ersten Untersuchungen B>er Farbensehen mit dem Patienten anstellte, war er mit den m'®I"n' Blau und Roth schon ziemlich vettraut, da ihn %. Patienten im Spitale auf diese Farben aufmerksam gemacht Batten. So hatte er das Grün durch Betrachtung des Polsters ?af seinem Bette kennen gelernt, das Blau hatte man ihm an Jgnem blau und weiß gestreiften Hemde gezeigt und mit dem ueoth wurde er durch das Ansehen eines so gefärbten Hutfutters jjf'annt. Später lernte er auf ähnliche Weise Gelb, Braun und anderen Farben kennen, indem man ihm dieselben mehr- {"als an Gegenständen zeigte. Auch die verschiedenen Münzsorten ernte er sehr rasch in Bezug auf Form, Größe und Farbe I "ennen. Dieser Fall ist als ein Unikum zu betrachten, wenn Zan einerseits das jugendliche Atter von andctthalb Jahren in Fracht zieht, in welchem das Sehvermögen verloren wurde, nd andererseits die lange Zell(60 Jahre) berückfichtigt, während �cker die Retina ganz außer Funktion gewesen war. d,, Natnrgeschichte der„jnristischen" DLHner. ZU Ende des vottgen Jahrhunderts machte sich ein Jurist— e5l �ang hieß er— darüber her, die Geschichte der deutschen �euerverfassungen zu schreiben. In dieser kommen dem foot ick- Tagedl." zufolge nicht weniger als zwanzig Arten von >uhnern vor, und zwar:„1) Bubenbübner, anzutreffen in der unbendurgischen LandeshauptmannschaftHos— find eine Spielatt vi? �lbhühnerund müssen von den Leibeigenen Buden, die! 2 Jahre Rnd, oder viel mehr 12 Kreuzer jährlich dafür entrichtet „,?den(recht theuere Hühner für jene Zeit!); 2) Fastnachtshühner, ä-jkntheitö zur Gattung der Leidhühner gehörig und nach dem ßyBi n ihrer Lieferung benannt; 3) Gauhühner, eine damals vr?n seltener gewordene Art, wurde dem Vogt zur Anerkenntniß, u,° Man in seinen Gau gehöre, geliefett, so daß er nach der 'nzahl der Braten sein Volk zählen konnte; 4) Halshuhner ZMn zum Beispiel im Hildesheim'schen der Obrigkeit bei 5) Qauvthübner: eine unbestimmte Art Hürdenhühner), -------,— �" 1 1 o| v- J3 � welche die konservative„Schles. Ztg." soeben anläßlich des Todes des Fürstm Schwar-endera veröffentlicht, jenes christlichen Magnaten, der den Armen der Stadt Wien— tausend Gulden vermachte:„Fürst Adolph Schwarzenberg konnte fich nie des Bewußtseins entäußern, daß die Bauernschaft und auch die Bürgerschaft der Städte innerhalb der Grenzen seines auSge- dehnten Grunddefitzes fich zu ihm in einem Verhältnisse der Abhängi. keit und Untetthänigkeit befänden... er ging bei der Vervollständigung und Abrundung seines Befitzes vielfach rücksichtslos auf Kosten des seihst ständigen bäuerlichen Grundbesitzes vor." Da« Verhalte« der Eouvernententale« zur Steigerung der Getreidepreise geißelt ein Berliner Korrespondent der liefert; 9) Gatterhühner, Hühner so entwickelt, daß fie schon aufs Gatter fliegen können— so wünschte man eigentlich alle juristischen Hühner; 10) Holzhühner, zu geben für die Erlaubniß, im Walde Dürrholz zu sammeln; 11) Laub« Hühner für die Erlaubniß, Waldstreu zu sammeln; 12) Leidhühner find ein zahlreiches Geschlecht; 13) Lolhhühner find aus draunschweigischer und besstscher Brut; 14) Pfingsthühner find zu Pfingsten fällig; 15) Rauchhühner find, nicht geräuchert, sondern werden von jedem Rauchfange entttchtet als eine Haus- steuer; 16) Sommerhühner will der Gutsherr auch im Sommer essen; 17) Vergebhühner find„Bekenntnißhühner" von hilves- heimischer Raffe; 18) Vogthühner ist eine sehr gemeine Att und werden zu allen Jahreszeiten gem genommen; 19) Weidhühner müssen für Erlaubniß zu weiden geliefett werden, und 20) Zinshühner, die für Reine Pachtungen nebst anderen Dingen geleistet wurden."_ Versunkene Millionen. Aus Newyork, 10. dS., wird mschtteben: Nachdem die seitens des Gouvernements angestellten Nachforschungen nach den im vorigen Jahrhundett an der at- lantifchen Küste versunkenen btttischen Kttegsschiffen zu verschie- denen Malen eingestellt und wieder begonnen wurden, scheint die seit kurzem aufs neue unter der Leitung tüchtiger Offiziere, Ingenieure und Taucher begonnene Arbelt endlich noch von Er- folg gekrönt werden zu sollen. Unweit Kap Henlopen ist in einer Tiefe von 60 Fuß Waffer eine eigenthümliche Bank auf dem Meeresgrund gefunden, welche 100 Fuß lang, 40 Fuß breit ist und in einem Radius von 500 Fuß die einzige Erhöhung des unterseeischen Terrains bildet. Vergleiche mir den älteren und neueren Karten deuten darauf bin, daß dies der Platz ist, wo am 25. Mai 1798 die britische Kttegsschaluppe „De Braak" mit Gefangenen und bedeutenden Schätzen, in der Höhe von Millionen, in den Grund gesenkt wurde. Die glück- ltchea Finder des Platzes, die Taucher Pedttck und Hickman, übernahmen die erste Untersuchung. Eine von ihnen in die Bank eingetriebene Handbohrmaschine förderte das Fragment einer von Grünspan überzogenen Planke zu Tage, welches eine Bolzung zeigte, wie fie vor 100 Jahren bei den Schiffsbauern zur An» Wendung kam; das Holz erwies fich als das zum Bau der„De Braak" verwendete„Oakwood" und der Grünspanüberzug erklärt fich aus der Tbatsache, daß die Schaluppe einen kupfemen Boden besaß. Es bestand nach diesen Anzeichen kein Zweifel mehr, daß die lange gesuchte„De Braak" und mtt ihr der fast zum Märchen gewordene Schatz gefunden ist. Gegenwärtig liegt daS Dampfschiff„Ctty of Long Branch" genau über der Stelle, be« waffnet mit einer sogenannten Wrack-Pumpe, deren Räder 600 G-st-rrer Vandeleur'schenGüter zu ermuthigen, beim Feld- splan zu verharren. 5000 Personen nahmen an dem Meeting Der Generaloikar Dr. Dinan führte den Vorfitz. Der Hauptredner war W. O'Brien. Dieser sagte, er sei stolz auf die heldenhaften Pächter der Vandeleur'schen Güter, welche in einer einzigen Nacht 800 Pfd. Sterl. Pachtzinsen bei ihm hinter- legt hätten. Die Kohlengrudenbesitzer im Dcaner Walde haben die Löhne ihrer Ardeiter, 5000 an der Zahl, um 5 Prozent erhöht. Die Clydesdale Iran und Steel Company kündigt eine Lohnerhöhung von 10 Prozent für die Stahlschmelzer und Hämmerer an. Man erwartet, daß die anderen Stahl- fabrikanten einen ähnlichen Zuschlag bewilligen werden, da die verschiedenen Fabriken Tag und Nacht arbeiten und die neuer- dings eingegangenen Bestellungen bedeutend find. Ja der Portodellokascrne in Dublin ist unter den Soldaten eine Meuterei ausgebrochen, welche die Behörden zu ver- tuschen suchen. Seit geraumer Zeit find die Beziehungen zwischen dem Major Whiteley und den Soldaten im Transport- und KommiffariatkorpS äußerst gespannt. Am Sonntag wurden beim Anlaß der Demonstration im Pbönixpark alle Truppen, auch die des genannten Korps, in den Kasernen konstgnirt, und die letzteren erhielten obendrein Strafparade in den Ställen, welche zwei Stunden dauerte. Nachmitta ,s war Osfiziersparade im Square, aber keine Offiziere erschienen. Nächher stürzten fich die Sol« datm auf das HauS des Majors, zerschmetterten die Thüren, zerbrachen die Möbel, verbrannten ein auf 75 Lstr. geschätztes Porträt des Majors und warfen alle Zierstücke umher,«bends wurden 16 Mann arretirt; am nächsten Morgen wurden 11 wieder entlassen und 5 zurückbehalten, um an ihnen ein Exempel zu statuiren. Sie werden auf den Befehl des Prinzen Eduard von Sachsen- Weimar vor ein Kriegsgericht gestellt. Vom ganzen Korps betheiligten fich nur 50 Mann nicht an dem Aufruhr. In wenigen Wochen werden die neuen Verwaltungs« r ä t h e für die Grafschaften ernannt und auch London er- häll an Stelle seiner in Korruption und Verachtung unterge- gangenen Baubehörde ein aus volksthümlicher Wahl hervor- gegangenes Parlament. Für diese Wahlen wird zur Zeit noch auffallend wenig agititt. Die Bevölkerung der Millionenstadt ist in politischen sowie Verwaltungsangelegenheiten schrecklich gleichgiltig. Wenn z. B. die Schuldebörden gewählt werden, nimmt durchschnittlich nur ein Sechstel der eingeschriedren Wähler Theil. Allgemein ist jedoch aufgefallen, daß die Libe- ralen in Fulham, einer Vorstadt, die f. Z. zum Wahlbezirk Chelsca gehörte, fich bereits zusammen gethan und als Kandi- daten für den Stadtrath Sir Charles Dilke auserkoren haben. Noch find es nicht zwei Jahre her, seit dieser Staats- mann nach dem Ausgange eines bekannten Skandalprozesses öffentlich die Erklärung abgab, er werde nicht mehr ins öffent« ltche Leben zurücktreten, bis er seinen Charakter von den Ver» leumdungen gereinigt habe, die auf ihm lastm. Dies ist noch nicht geschehen. Frankreich. Der Premierminister empfing die 4 hier anwesenden Vorstandemitglieder des Pariser Gemeinderaths, den Vizevor- fitzenden Joffrin und die Schriftführer Äaury, Carle und Boll, elftere beiden der vorgeschrittenen, letztere beiden der gemäßigten Richtung angehörend. Dieselben waren wegen der baldigen Wiedereröffnung der infolge des Erdarbeiterskeiks geschlossene» Arbeitsbörse vorstellig. Herr Floquet versprach, die Angelegen» heit in Erwägung zu ziehen. Falka« iaader. Das demokratisch-radikale Wahlprogramm verlangt Progresfivsteuer, Protektionszölle, allgemeines Wahl» recht, Vereinigung oller Rumänen und Föderation der Balkanstaaten. Aste«. Der indischen Regierung ist ein vom 19. d. Ms- datirter Bericht des Emir's von Afghanistan zugegangen, in welchem derselbe anzeigt, daß seine Truppen am 12. d. Mts. in Rin, dreißig Meilen von Heibak, angekommen seien. Tie Häuvt« linge von Heibak hätten fich unterworfen. Jshak Khan soll in der Richtung auf Botschara geflüchtet sein, doch werde diese Angade in Simla dezweisrlt. Aus Chittal wird gemeldet» Jshak Khan sei nach Badalshan gegangen, um die Einwohner gegen den Emir aufzuwiegeln. Theater. Dienstag, den 25. September. «»flnitz«»»: Keine Vorstellung. MMpurfptelKa«»(Im Wallnr»- Theater): Die Journalisten. g-Theatee: Anton Antony. ie* Theater. Die Hermannsschlacht. - Miihelmstadtische« Theater. Der Glücksritter. Vestdeaz-Theater: Decoritt. 'SUrtaeta-Uheatee r Mathias Sandott- BeLealfoeue-Theater: Schlauberger. Ge«tral Theater. Die Schmetterlinge. A»»tph-Grnst Theater. Die drei Grazien. Varitte< Spezialitäten-Vor« T»«e»»kiä- Theater* Spezialitäten- Vorstellung. Theater der Reichshalle»: Spezialitäten- Vorstellung. Amencam-Theater. Direktion A. Reiff. #mMn*r$hea*er»trmm»e Mr. Iis. Dienstag, den 25. September: Zum 19. Male: Die Weisheit Salomoßsk/s Berliner Lokalpossen-Pantomime von R. Anaer. Mufik arrangitt von R. Thiele. 1. Bild: Die Renommirstunde bei Haase. 2. Bild: In der Academy of mnslj. 3. Bild: Bei Mutter Pignatelli im Cour- saal. 4. Bild: Berlin um Mitternacht. 5. Bild: Vor'm Schöffengericht. Neu einstuditt: Tausend und eine Nacht. Operette von W. Köhler. Mufik von R. Thiele. Auftreten der drei Geschwister Delspierre, des Jnstrumentalisten Herrn Krüger, des Mimikers Rivoli und des Herrn Martin Bendix. Anfang?� Uhr. Enttee 50 Pf.. Parterre 1 M., Balkon 1,25 und 1,50 M., Parquet 1,50 M., Sverrfitz 2 M., Loge 2 TO., Balkonloge 3 M. Billtt. Vorverkauf Vormittags 11—1 Uhr an der Kasse. Berliner Theater. Dienstag, den 25. September: ..Ilse". Schauspiel in 5 Akten von Hans Olden. Königstädtisches Theater. Alexanderstt. 40— Kurzestr. 6. Stadt» und Pferdebahnverdindungen nach allen Richtungen der Stadt. Dienstag und folgende Tage: Zum 6. Male: Der Rattenfänger von Hameln. ftisches Volksstück mit Gesang in 8 i von Gustav Braun, Mufik von Hubner-Trams. Phantastisches Volksstück mit Gesang in 8 Bildern i Gustav Braun, Mufik von Hubner-Tra Kaffeneröffnung 6� Uhr, Anfang 7) Uhr. Bons haben Giltigkeit. Alles Nähere die Anschlagsäulen. Mittwoch und folgende Tage: Der Rattenfänger von _ Hameln. v:*i* 1»». s M.- 10 A. W lAnluar-Panor**»« 1. Wanderung durch pari». Letzte Woche: A«fkah»«»s und Tranrnns Kaiser Wilhelm». Kertha Reise. 400 Aufnahmen. Untrre a C zcl. M Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. M Mtt§@.$diunumii. (Im früheren Zirkus K r e m b s e r.) Friedrich> Karl- Ufer.— Ecke Karlstraße. Dienstag, den 25. September, Abends 7% Uhr: Gr DtiUant-Vorstclllllig. Besonders hervorzuheben: Tandem mit 3 vorgehenden Vollblutpferden, dresstrt und getttten von Hm. Ernst Schumann. 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Hier,« eine _____ bevotttehenden Quartalswechsel ich meine Ztttungsspedition bei pimktlmer rung des„Berliner Volksdlatt", sowie s�wm in Berlin erscheinender Zeitungen u-" Nlan Kirsch, Strasse 28. Beilage zum Berliner Volksblatt. »r. SSS. Dienstag, de« SS. Keptemder 1888 S. Iichrg. Lokales. ßftlin steht mit Recht f« dem Rufe, eine arbeitsame Aavt zu sein, in welcher das geschäftige Leben vom frühen «argen bis zum spaten Abend ohne Unterlaß sagt und hastet, Ab doch kann man darüber staunen, wie viel Leute überflüssige ont haben. Jeder Gang durch die Straßen läßt uns diese Beobachtung machen. Wir wollen in der innern Stadt über «w Brücke schreiten und können uns kaum den Weg durch die Mtgedrängten Schaarm bahnen, die wie an die Stelle ge« bannt bei einander stehm und unverwandt hinunter ins Wasser «mken. Was giedt es denn so Merkwürdiges zu sehen? Hat Jp dwg eine jener schaurigen Tragödien abgespielt, die in «alrn leider nichts Seltenes find? Hat ein Unglücklicher Zu- bucht in den Fluthen der Spree gesucht, und ist man demüht, dem nassen Grabe zu entreißen? O nein, nichts so Mteres, Aufregendes— ein simpler Spreekahn fährt unter der «nicke hinweg und dieser alltägliche Vorfall dünkt hundert Men- Mkn anziehend genug, ihn genau zu verfolgen. Ader dort auf rp Straßendamm muß sich etwas Besonderes zugetragen «ben! Seht, wie von allen Seiten die Menge herzuströmt! Ward viwand überfahren? Eine Frau, ein Kind? Sind fie schwer bnlctzt? Oder fiel vom Baugerüst ein Balken herunter? Wie peie hat er getrosten? Nichts von alledem! Nur ein Droschken- M'st auf dem Asphalt gesiürzß und das Schauspiel seines jguederauftichtens will keiner der Vorübergehenden versäumen. dienen die gea ähnlichen Begebenheiten dazu, den Fuß der -pute auf der Straße festzubannen, ein Flug Tauben in der j-uft, ein Schornsteinfeger auf dem Dache, das Anbringen eines «wen Ladenschildes, der Zank zweier Wagenführer und was vergleichen unbedeutender Vorfälle mehr ssnd. Ja, es soll 'Attische Menschen geben, die fich dm Spaß machen, zu Zweien «oer Dreien unverwandt nach einem Punkte zu blicken, wo fAchous gar nichts Besonderes zu sehen ist. Kaum aber haben ; nn paar Sekundm gestandm und vielleicht mit der Hand Mnd dahin gedeutet, so bilden fie den Kern eines dichten Achwarmes, der mit großm Augen nach derselben Richtung späht und wissen will, was denn dort Merkwürdiges zu schauen ist. Avlches Beginnen ist freilich nicht ohne Gefahr, denn wenn 5* Menge merkt, daß man fie„utzen" will, verleiht fie ihrem unwillm bisweilen derben Ausdruck; so gem der Berliner Acher spöttelt über fich und seine Neugier, die er als sein erb- und eigentümliches Recht betrachtet, mag er ssch nicht spotten lassen. «m deutlichsten tritt die Neugier, oder sagen wir höflicher, die Schaulust des Berliners bei dm Fest- und Trauertagen des Menschlichen Lebens zu Tage. Sobald vor einer Kirche die erste putsche mit geputzten Leuten vorfährt, bauen fich ringsum die «rvpp�n auf, namentlich aus Frauen und Mädchen bestehend, ■A fich an der Pracht der Toilettm weidm. Endlich kommt Auch der Brautwagen, und ein„Ad" der Bewunderung durch. ZW die Reihen, indem die lange Brautschlepve die Stufen des Mtales hinaufrauscht. Manchmal wandelt fich freilich das Ah M Staunens in den Laut der Enttäuschung um, wenn mit der «rächt des Hochzeilsgewondes das Antlitz der„schönen" Braut übereinstimmt oder der glückliche Bräutigam nicht den Swall der Menge findet. Da kann man sehr ungeschmintte U'thefle hören:„Solch ein stattlicher Mann und so eine «le Schraube— muß die Geld haben!" Oder:„So Un hübsches, junges Mädchm und der alte Nußknacker— das Ane Ding!" Aehnliche Szenen wiederHolm fich vor den großen AvtclS, die ihre Säle zu Hochzcitsfeiern herlciben. Hier braucht N vom Portale bis zur Bordschwelle des Bürgersteiges der Ue Teppich gelegt zu werden, und gleich bauen fich zu beiden Aptn die des festlichen Einzuges Harrenden auf, bereit, an IjAem Gast strenge Kritik zu üben. Auch der Tod bat für die .Algier seine Schrecken verloren. Sobald in einer St oße die Aworzen Männer fich einfinden, sammell fich um sie die Menge r* Müßigen, und es ist ganz gleich, ob ein prunkvoller Leichen- mit düsterem Pomp aufgeputzte Rosse und die vielen �'auerkutschm ein Begrädniß erster Klasse versprechen, oder die cAb'.'denen Zulüftungen nur eine schlichte Bestattung in Aus- «r' stellen,— der Tod zeigt fich auch hier als der große, ernste AAichnmcher. Und ebenso zeigt fich bei dieser Gelegenheit die AA Seite der Berliner Bevölkerung. Kein roher Laut, sonst JA W» oft gehört, unterbricht die gedämpfte Stille, und d-,?rr, der den gekannt, den fie nun hinaustragen, hat Mühe, ziL�liere Bewegung zu verbergen. Doch wie grell treffen in der ? öwnenstadt die Gegensätze auf einander. Eben erst ist der «vAv Trauerzug dm Blicken entschwunden, da erschallen von L,, her Maischklänge und ein brausendes Gewirr wie von ���Stimmm�ind�Trittem�Mr� Kerlwer Theater. Rcfideuz-Theater. »Dekorirt'— Lustspiel in drei Akten von Henri Meilhac. %& C. Die neuere französische Komödie sucht ihre Lvvblewe im bürgerlichen Ehclcbm. Sie versucht einestheilS � Ehe als ein zu Recht bestehendes religiöS-sittlicheS Ver. JAratB zu verspotten, während sie anderntheils gegen die »i?"chwna als solche entweder nichts zu sagen hat oder iJ; iu sagen weiß. ES ist ganz natürlich, daß bei einer (,J!?Awährendm Behandlung desselben Gegenstandes eine 3»r!i Eintönigkeit der Ersindung Platz greift, so daß der ti>> 7�r immer von vornherein weiß, daß ihm jedes Mal vi ,i?W'scher Ehemann und eine raffinirt kokette Frau, die Zv n" uröglichen Thorheiten aufgelegt ist, vorgeführt wird. «be»# ftanzösischen Komödien handelt eS sich um die mehr ssair®A,i0rt begründete Frage: ist in diesem oder zenem st* 5 Begehung eines Ehebruchs gestattet, oder muß »i? vag Parkett verachtungsvoll von einer Frau abwenden, ihr konkreten Fall vielleicht noch dummer war, als Ehegemahl. � ist bezeichnend für da« Empfinden der Bourgeoisie Ogh�chviel ob französische oder deutsche- daß sie kernen fytun0?Vgenstand ihrer Spottsucht findet, als eine Ein- tt&Ö- die sie, sobald eS nisthiß wird, für das Heiligste C'»o« e« auf der Welt giebt. Die Literatur, die im $%%%«:«--% fel(Ju0rten, als die Poeten, welche von Rechtswegen die- dwWWSSW der Ruf von Mund zu Munde fort, und nun stürzt es hervor aus Thören und Thoren, aus allen Nebengassen auf die Sttaße, die den stets gem gesehenen Augen- und Ohrenschmaus genießen soll. Im Nu find die Bürgersteige mtt einer dichtm Menge gefüllt, die zu durchbrechen der Ellige verzweifelt aufgeben muß, —„Tsching, dum", da schwengt es um die Ecke, das Häuflein Mufik und Soldaten umringt von Schwärmen E'wachsmer und Kinder, die im Takt mitmarsch eren und die Weise mitsummen. Wollen wir nun ollen den Leuten, die in dieser Weise bei alltäglichen Vorkommnissen den Strom des brausenden Verkehrs hemmen, die so viel Zeit übrig zu haben scheinen, die Muße mißgönnen? Gewiß nicht, soweit es fich nicht um wirkliche Störungen handelt. Es find ja meist nur kurze Unterbrechungen, und das Leben jagt so hastig dahin, daß kleine Pausen des Aus nihens und des Zerstreuens wohl erlaubt find. Hofpredigrr KtSdrer dereist jetzt die Provinz Schlefien, um für seine Berliner Stadtmisfion Geld zu sammeln. Ein Vortrag ist in Neumartt angekündigt. Üederall wiederholt Stöcker wörtlich dieselbe Litanei, macht die Berliner Bevölkerung schlecht und sucht den guten Provinzialen Geld abzugewinnen zur Bekehrung der Berliner.— Am vorigen Donnerstag trat Herr Stöcker in Gardclegen auf und verglich fich in seiner Fest predigt mit dem makedonischen Mann, der nach der Apostel- geschichte in der Nacht im Geficht den Paulus erschien und dem- selben zurief: Komm herüber und hilf uns. So rufe er heute, der Berlinische Mann, im Lande auf zur Rettung der sünv- haften Berliner. Die Kollekte in der Vor- und Nachfeier ergab für die Stadtmisfion gegen 600 M. Der Uaturforschertag in Köln. Aus der zweiten all- gemeinen Sitzung berichtet die„Voss. Ztg." über den Vortrag des Professors Weismann— Freiburg. Das Thema dieses Red- ners betraf einen in den wissenschaftlichen Versammlungen der letzten zehn Jahre vielfältig erörterten Gegenstand, die Hypothese einer Vererbung von Verletzungen. Man erinnert fich der schwänz losen Katzen, welche ein gewisses Aufsehen erregten. Der Grund satz, daß eine solche Vererblichkeit bestehe, bildet die stillschweigende Voraussetzung von Lamarck's Anschauungen über die Umwand- lung der Arten, und ein halbes Jahrhundert später übernahm ihn Darwin, obschon bei diesem ein anderer, die Zuchtwahl, stärker in den Vordergrund tritt. Andererseits hat schon Kant gegen jene Vererblichkeit Stellung genommen, neuerdings Hiß; diesem fich anschließend, fußte Vortragende: darauf, daß für das Lama ck'sche Prirnip kein Beweis zu erbringen sei und führte dies für die bitreffenden Fälle im einzelnen aus. Insbesondere bezog er fich auf die Geschichte von der Kuh, welche fich einst ein Horn abgestoßen hatte und dann ein Kalb zur Welt brachte, wel- ches an der entsprechenden Seite ein verkümmertes Horn besaß; ferner von dem Stiere, dem der Schwanz abgequetscht ward und der seitdem schwanzlose Kälber zeugte, endlich von der Mutter, welche fich den Daumen quetschte und dann ein Kind gebar, welches an derselben Seite eine Mißbildung am Daumen aufwies. Diese und ähnliche, meist weniger auffällige Vor- kommnisse find Alles, was fich für die Lamarck'sche Hypothefe an Belegen erbringen läßt; denn für die gleichfalls dahingehörige Anficht von erblicher Verkümmerung eines Organes infolge mangelnder Uedung desselben, bez. erblicher Vergrößerung und Verstärkung bei besonders ledhafter Uedung sei überhaupt nichts von Beweis vorhandcn. Gehe man nun den einzelnen obigen Fällen näher zu Leibe, so gelange man gleichfalls dahin, zugeben zu müssen, daß nichts deweisen. So z. B. sei bei den Wies« badcner Katzen die Verletzung der Mutter überhaupt unbewiesen, und die Schwanzlofigkeit der Jungen besage nichts weiter, als daß eben bei Katzen mißbildete Katzen vorkommen. Man wisse, daß auf der Insel Man schwanzlose Katzen gezüchtet werden, sowie in Oxford eine Zucht sechszehiger K tzen bestanden habe. Auch müsse doch gefragt werden, ob selbst, wenn jene Verletzung der Mutter wirklich stattgefunden habe, die Schwanz- lofigkeit nicht vielleicht vom Vater Herrühre. In Waldkirch seien eine Zeit lang einmal verschiedene schwanzlose Junge in den Würfen der Katzen aufgetaucht. Schließlich habe es fich heraus- gestellt, daß dieses Vorkommen einem schwanzlosen Kater zu ver- danken war, den eine Engländerin von der Insel Man, die ssch in Waldkirch aufgehalten, mitgebracht hatte. So wurde die angeborene Stummelschwänzigkeit, welche zuweilen bei Hunden vorkommt, auf den Gebrauch des Schwanzkappens zurückgeführt. Man nahm an, daß der künstlich verstümmelte Schwanz schließ- lich srblich werde. Aber es wurde nachgewiesen, daß angeborene Stummelschwänze auch bei solchen Hunderassen vorhanden find, die eine künstliche Verkürzung des Schwanzes nicht erleiden, zum Beispiel bei den Dachshunden. Der Vortragende hat, um weiteren Stoff zu der Frage beizubringen, weiße Mäuse Festung kaum noch durch den schäbigsten Rest eines Feigen- blatteS vertheidigt zu werden scheint— aber dabei bleibt eS denn auch. Im letzten Augenblick erfolgt mit peinlicher Regelmäßigkeit die Ernüchterung, so daß diese Sorte von Komödien eigentlich weiter nichts darstellt, als einen Leit- faden für diejenigen Leute, die über eine Rente von größerer oder geringerer Höhe verfügen, wie man sich im gegebenen Falle eventuell zu benehmen hat. Selbstverständlich würde eS gegen alle natürlichen Regeln verstoßen, wenn man bei dem geschilderten Kern der Sache in der Ausarbeitung und Erfindung der Ideen nicht stets auf die unglaublichsten Albernheiten stoßen würde. Es kommt in der That hierauf aber garnicht an, denn je exzentrischer, ja unmöglicher eine Sache ist, desto größeren Beifall findet sie gewöhnlich. Man kann daher auch nicht einmal sagen, daß in diesen Sittendramen die Bourgeoisie so geschildert wird, wie sie in der That ist, sondern sie läßt sich so konterfeien— wie sie gern sein möchte. Und na- mentlich trifft dieS für den weiblichen Theil der besitzenden Klassen zu. Denn jede Dame der„feineren" Kreise möchte gern reich, vornehm, schön, geistreich, viel umworben, viel beneidet sein,— ist e« daher ein Wunder, wenn auf den Schaubühnen, wo solche Damen allein das Publikum bilden, niemal» andere Figuen dargestellt werden, al« Frauen, die in seidenen Spitzen geboren zu sein scheinen, und die mit Tausend-Franksnoten herumwerfen, wie ein gewöhnlicher Mensch mit Haselnüssen. Nun scheint uns noch folgendes in der französischen Komödie bemerkenSwerth. In neun von zehn Fällen wird der Mann als Tölpel dargestellt, so daß eS fast den An- schein hat, als ob sich Frauen mit den obengenannten Eigen- schaften stets dumme Männer wünschten, damit sie gewisse Vergnügungen, die ihnen die Ehe aus irgend einem Grunde nicht bietet, auch außerhalb derselben finden und genießen können. Wäre ein solcher Wunsch nicht vorhanden, so hätten wir weniger häufig sehr feine Damenhandschuhe unter starkem Applaus platzen sehen, gerade wenn der be- vier Generationen hindurch dem Schwanzkappen unterzogen, aber niemals bei insgesammt fiebenhundert Thieren eine auch nur mäßige angeborene Schwanzverkürzung beobachten können. Ebenso find ja bekanntermaßen bei gewissen Völkern lange Zesträume hindurch geübte Verunstaltunaen, zum Beispiel die Beschneidung, das Ausschlagen der Vorder- zähne, das Tätowircn, die Verkrüpvelung der Füße, das Durch» löchern der Nase, der Lippen uno Ohren obne jeden Einfluß auf die naturgemäße Köiperbildung des Nachwuchses dieser Völker geblieben. Unter Umständen mag bei vermeintlicher V.'r» erdung einer erlittenen Verunstaltung auch eine erbliche Anlage zur Deformität des betreffenden Theiles vorhanden sc in, welche, beim Vater unbeachtet, hier mit der äußeren Einwirkung zusammentraf, bei dem Kinde aber selbstständig fich äußerte. So wie man die Anficht von dem„Versehen" in Hoffnung be» findlicher Frauen längst in die Rumpelkammer geworfen habe, möge man auch aufräumm mit der Vererbung erworbener De- fette. Vererbten fich die„Schmisse" der Studenten, so müßte man bange werden für die Schönheit der nachwachsenden Geschlechter. Jedenfalls sei in jedem vorkommenden Falle zu prüfen, od fich die Sache nicht auch ohne Zuhilfenahme jener Hypothese erttären lasse, und wenn auch das letzte Wort in der Vererdungsfiage noch nicht gesprochen sein möge, so scheine doch die Vererbung von Verletzungen einfach in das Gebiet der Fabet zu gehöicn. Daß die Temperatur einen bestimmten Einfluß auf die Handlungen des Menschen ausübt, ist gewiß eine der inter» effantesteu Wahrnehmungen, welche die Wissenschaften feststellen konnten. Die Annahme freilich existirt längst, aber es war gleichwohl erst der jüngsten Vergangenheit vorbehalten, durch die Statistik haarscharf zu beweisen, in welchem Verhältniß die Temperatur zu den einzelnen Verbrechen und Vergehen steht. So steigern fich die Sittlichkeitsverbrechcn ganz genau mit der Zunahme der warmen Jahreszeit und erreichen ihren Höhen» puntt gerade in den Monaten, wo die Sonne ihren höchsten Stand zu erreichen pflegt. Ebenso entschieden hören fie aber auch mit dem Vorschreiten des Winters auf, so daß wir uns also auf diese Weise augenblicklich einer höchst anständigen Jahreszeit nähern. Das entgegensetzte Verhältniß henscht vor bei Diebstählen, Bettügereien und Urkundenfälschungen, ihre Ziffern steigen im herbstlichen und Winterquartale, um im Januar den Kulminationspuntt zu erreichen. Nickt minder wichtig ist auch die Erscheinung, daß das weidliche Verbrecher- kontingent während der Sommermonate eine verhältnißmäßige Zunahme aufweist, ganz im Gegensatz zu der Thatsache, daß sonst in dieser Jahreszeit gegen die mannigfachen Para» graphen des Strafgesetzbuches um Vieles weniger gefehlt zu werden pflegt. Der Grund dieser auffallenden Anomalie liegt jedenfalls darin, daß das Weib dem Temperatureinflusse stärker unterworfen ist als der Mann. Dahin zielt auch die Thatsache, daß in südlichen Himmelsstrichen die Zahl der weiblichen Selbst» mörder im Verhältniß bedeutender ist als in den nördlichen. Nicht der trübe, katte, regnerische Herbsttag, nicht die eistge Luft des Winters läßt in dem Haupte des Weibes den selbstmörderischen Plan au'lommen und reifen, sondern der stx nige Sommertag mit all den Reizen, welche uns im Allgemeinen gerade daS Leben lieb machen sollen. Auch auf die Wahl der Todesarten äußert die Temperatur ihre Wirkung. So lange eine warme schöne Witterung zum Bade einladet, sucht der Selbstmörder vornehmlich sein Grab in den Wellen. Sobald aber die Witterung stntt und das Wasser kalt zu werden beginnt, verliert es auch seine Anziehungskraft für den, der freiwillig den Tod sucht. Zumal das Weib wählt in den kästen Monaten diese Todcsart äußerst fetten. Also selbst noch in dem Moment, wo es fich entschlossen hat, den schweren Schritt vom Leben zum Tode zu tbun, ist es ängstlich besorgt, die unangenehme Be« rührung mit dem kalten Element seinem zarten, an die Un» bilden der Witterung nicht gewöhnten Körper möglichst zu er» lassen. Da» Kleingeld fehlt in Kerlin. Wer oft Einkäufe macht oder in die Lage versetzt ist, im Gasthaus seinen Hunger und l mst befriedigen zu muffen, wird die Beobachtung ge- macht haben, daß er in Berlin höchst selten kupferne Scheide» münzen auf eine zuviel gezablte Summe herausbekommt, ja die Pfennig, und Zweipfennigstücke scheinen fich fast gänzlich aus dem Verkehr der Hauptstadt, vielleicht nach der Provinz zurück- gezogen zu haben, wo man ihnen weit öfter begegnet. In Beilin aber würde wahrscheinlich sogar der Kellner, dem man sei» TrinkgUd, also ein Geschenk, in einzelnen P-enniaen macht, ein Lächeln nickt unterdrücken.— Alle Preise find heute auf fünf Pfennige abgerundet. Dies führt aber nothwendtg dazu» trogene Ehemann auf der Bühne von seiner liebenden Gattin und deren Liebhaber oder Liebhabern in der tollsten Weise an der Nase herumgeführt und zum Besten gehalten wurde. WaS nun das vorliegende Stück anbetrifft, so ist eS nicht besser und nicht schlechter, als die Dutzendwaare, die auf dramatischem Gebiet schon seit langer Zeit aus Pari» zu uns eingeführt wird. Eins dieser Stücke ist genau so witzig wie das andere, in Bezug auf Schlüpfrigkeit gleichen sie sich wie Zwillingsbrüder; der Hauptunterschied ist der, daß man sich noch nicht geeinigt zu haben scheint, w o mit der größten Bequemlichkeit der Ehebruch versucht wird. Man scheint in letzter Zeit Hotelzimmern den Vorzug zu geben, während man früher, wenn wir nicht irren, sehr viel von EisenbahnkoupeeS hielt. Vielleicht giebt auch hier die Mode den Ausschlag. In dem Lustspiel„Dekorirt" rettet die Heldin ihre etwas brüchig gewordene Moral in einem Hotelzimmer, wohin sie mit ihrem Liebhaber gerathen war, während ihr Ehe- jerr einer italienischen Gräfin nachreiste, deren adliges Prestige dringend die Bezahlung einer Schneiderrechnung im Betrage von vierzigtausend Franken erheischte. Durch Gewährung eines ergiebigen Schäferstündchens setzte sie sich in den Stand, den drängenden Schneider beftiedigen zu können. Man sieht aus diesem kleinen Zuge, daß die Damm der höchsten Aristokratie das Geschäft besser verstehen, als ihre Schwestern aus dem Proletariat, welche sich nur allzu häufig für dm vierzigtausendsten Theil der hier in Rede stehenden Summe verkaufen müssen. Es kann denn auch nicht Wunder nehmen, daß, als diese Episode erzählt wurde— sie wurde glücklicher Weise nicht gespielt—, fte- netischer Jubel ausbrach, und es kam uns unwillkürlich der Gedanke, ob wohl in dem Theater viele Damm anwesend waren, die für einen gleichm Preis--- aber eine derartige Untersuchung gehört bei der unS mangelnden Sach- kmntniß wohl kaum in den Nahmen dieser kleinen Be» sprechung. daß manches Funfpfennigstuck ausgegeben w!rd, wo man mit Ein- oder Zweipfennignn dem Bcdürfniß ebenso gut hätte ent- spiechen können, und die Hausfrauen, besonders die der Arbeiter, nmffen nach Pfennigen rechnen. Der Mangel dieser Münzen im Äleinverkehr ruht nun wohl daher, daß deren Umlauf, theils aus Bequemlichkeit, theils weil es allerdings in der Regel kaum rröglich wäre, bei Auslöhnungen genügende Beträge davon zusammenzubringen, auch von Seiten der Berliner Industrie nicht befördert wird. Die meisten industriellen Werke zahlen Ein- und Zweivfennigstücke überhauvt nicht aus, sondern runden ebenfalls die Lohnbeträge auf 5 Pfennige ab, um die Aus- Zahlung der Gehilfen und Arbeiler zu erleichtern und zu be> schleunigen.— So fehlt thatsächlich in Berlin das �Kleingeld" für den täglichen Marktverkchr. Vielleicht wird man in anderem Sinne scherzend sagen:„?!un, wenn nur das große nicht fehlt," — sparsame Hausfrauen aber wissen sehr wohl, daß erst hundert ersparte Marktpfennige ein Markstück in die Sparbüchse geben. Kleine Ursachen. Aus eigenthümlicher Ursache wurde eine Hochzeit m Friedrichsderg am Mittwoch verschoben. Die Tochter eines Eigenthümers war früh standesamtlich getraut worden, Nachmittags sollte die Einsegnung der Ehe in der Kirche stattfinden. Die Gäste waren geladen, zum Theil schon er- schienen. Die Braut befand sich unter den Händen der Friseuse, die ihr eben den Brautkranz in das Haar flechten woAe, da be- kam die Braut ein„dickes Gesicht". Von Minute zu Minute schwoll die eine Wange an, alle Symmetrie in dem holden Antlitze störend. Vergebens versicherten die Brautjungfern, daß ihr das dicke Geficht„ganz gut stehe", vergebens versicherte die Mutter, sie sei auch mit einem dicken Gesicht zum Traualtar gegangen, die Tochter blieb dabei, so gehe sie nicht in die Kirche. Schließlich mußte die Zeremonie in der Kirche, sowie der Hoch- zeitsschmaus abbestellt werden. Die Brautjungfern mußten ihre neuen Toiletten ablegen, die Gäste wieder nuch Hause gehen. T>ie Hochzeit wurde auf acht Tage verschoben. Hoffentlich bleibt die Braut dann von jedem Unfälle verschont. I«„Kerliner Theater" wäre bei der vorgeflriaen Aufführung des Demetrius beinahe ein größeres Unglück passtrt. Mährend des vierten Aktes gerieth eine Statistin, Fräulein F., mit den Kleidern an den elektrischen Apparat, der zur Cr- Zeugung ron Sonne und Mond auf der Bühne dient, und so- gleich singen Kleid und Pmücke Feuer. Nur durch das rasche Eingreifen zweier Statisten, die sofort die bereits aufflackernde Flamme erWcklen, ist die Dame aus großer Gefahr errettet worden. Zu bewundern ist die Geistesgegenwart der jungen Dame, die keinen Laut von sich gab. Ein einziger Ruf hätte uüabsehdare Folgen nach sich ziehen können. Glücklicherweise lblieb der ganze Vorgang dem Publikum und sogar dem größten Theil der Schauspieler und Statisten verborgen, so daß das Spiel keine Unterbrechung erlitt. Uebrigens wäre es wünschens- Werth, wenn auch die Pagen, welche im letzten Alt mit Fackeln austreten, mehr Acht geben würden. So sahen wir, schreibt die ,,B. Z.", bei derselben Vorstellung, wie einer der Pagen mit ver Fackel der Feder seines Barrcts allzu nahe kam, und erst auf einen Zuruf dieselbe in angemessene Entfernung von sich brachte. Gerade im Theater ist die größte Vorficht in der- gleichen Dingen geboten; die großen Theaterdrände der Utzten Jahre reden in dieser Beziehung eine eindringliche. Sprache. (ßrcMmtv in Reinickendorf. Vorgestern Abend gegen&7 Uhr brannte die mit Stroh, Heu und F.lvfiüchten ge- füllte Scheune des Besitzers Saltzmann in Reinickendorf gänz- jich nieder. Das Feuer hatte sich gegen%7 Uhr so mächtig aus- gedehnt, daß der Feuerschein bis ins Zentrum Berlins hinein fichtbar war. Trotzdem die im Norden der Stadt gelegenen Fcucrwebrdcpots sich zum Aufbruch fertig hielten, wurden die- selben doch nicht alarmirt, vielmehr gelang es den aus den um- liegenden Vororten Pankow, Weißensee, Rosenthal, Schönhauscn herbeigeeilten Löschmannschaften, eine Wciiervcrbreitung des Brandes durch Flugfeuer zu verhindern. Die Scheune mit dem gesammten Inhalt, welcher zum Glück versichert war, brannte vis auf die Umfassungsmauern nieder. Man vermulhet Brand- stiflung� pßH einem Todtschlage in der Mey- dingerstraßr alarmirte vorgestern Vormittag den Osten Berlins wnd rief große Aufregung unter den Bewohnern der Wey- dinger-, Linicnstraße und den vielen engen Straßen hervor, welche von dieser sich abzweigen und früher den Namen Scheunengaffe I, 11, ul, IV führten. Es ist eine verrufene Gegend, in welcher das Dirnen- und Zubälterwcsen florirt. Die kleinen, engen und schmutzigen Häuser bieten einen sicheren Ui.terschlupf. Die Weydingcrstraße ist wiederholt der Schau- platz blutiger Schlägereien gewesen und erst jüngst wurde dem Berwalter des Hauses Nr. 7. welcher es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Haus von den Dirnen und Zuhältern zu reinigen, übel mitgespieiü Diesmal war das Haus Nr. 6 der Schauplatz blutiger Schlägerei. In d.mselden befindet sich vorn im Keller die„Speise- Anstalt" von Neumann, ein finsteres Lokal, be- stehend aus einem Vorder- und einem Hintcrraum mit aller- primitivsten Emricktung, eine jener„Kafficklappen", welche in der Kriminal Novellistik eine heworragendc Rolle spielen. Dte .„Frcuntsche.fr" derselben besteht— wie der Wirth unserem Beriet terslatter mittheilt—,„allerdings zu seinem größten Leid- wesen", aus den dort hausenden Dirnen und deren Zuhältern, welche besonders in den Frühstunden sich hier zu versammeln pflegen. Als Versammlungsort dient diesen„Stammgästen" d.r ncch dem Hose zu gelegene, an die Küche angrenzende Raum. Auch am Sonntag Morgen wurde das Lokal schon Kurzum, die Angelegenheit nahm den landesübliche» Verlauf. Der Ehemann wurde beinahe der doppelt ge- hörnte Siegfried, wenn nicht die Frau deS Hauses noch kurz vor ThoreSschluß ein Einsehen gehabt hätte. Allerdings schien sie nicht übel Lust gehabt zu haben, ihrer moralischen That das Motto: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben— vor- zusetzen, und in diesem Vorsatz kann sie eigentlich nur be- stärkt worden sein, da ihr Herr Gemahl zwar mit etwas schlotternden Beinen, aber im Grunde genommen doch ohne viele Umschreibungen sein eigenes Liebesabenteuer eingestand. Dessen ungeachtet oersucht uns der Dichter einzureden, daß ihr Verhältniß zu ihrem Liebhaber fortan nur ein„ftcund- schaftliches" sein soll. DaS Publikum des Residenztheatcrs amüstrte sich, und als sogar ein exotischer Prinz von dunkler Hautfarbe im «ftikamschen Nationalkostüm gezeigt wurde, und als richtiges Löwengebrüll ertönte, da war dieses„exquisite" Publikum hoch befriedigt. Am liebsten hätte man den Löwen wahrscheinlich gesehen. Man kann nicht sagen, daß daS Spiel ein durchaus abgerundetes war, obwohl die mitwirkenden Künstler sich die äußerste Mühe gaben, ein zeitweilig aufkeimendes Zischen durch besondere Leistungen vergessen zu machen. Die DiS- ?armonie in der Darstellung ist hauptsächlich darin zu uchen, daß der dem norddeutschen Ohr nicht ganz sympa- thische Wiener Dialekt sich gerade im Residenztheater etwas allzustark in den Vordergrund drängt. Der„Weaner" Dialekt mag in den Volkstheatern Wiens angebracht sein, man läßt ihn sich allenfalls in Wiener KoupletS gefallen, im Uebri- gen aber möchten wir unsererseits herzlich gern auf diese Beigabe verzichten, vollends wenn die„Weaner" hochdeutsch sprechen. Man wird dadurch unwillkürlich an Zahlkellner erinnert, welche grob werden, wenn sie kein Trinkgeld er- halten. �„ Die Regie war äußerst geschmackvoll.— .„_ von einigen dieser„Stammgäste", unter ihnen der „Arbeiter" Weißpfluck, der den Spitznamen„Weißkopf" führt, und dessen„Braut" besuckt. Bald darauf um 5* Uhr fand sich auch der„Arbeiter" Oskar Ziems mtt seinem Freunde „Chokoladen> Paul" daselbst ein. Ziems ist, nach An- gäbe des Wirthes, als Schläger und Radaumacher sehr gefürchtet, das„Lolal" ist ihm deshalb vom Wirth wiederholt verboten worden— und da er außerdem mit Weiß- fluck in Feindschaft lebt, so rief sein Erscheinen mit„Chokoladen- Paul" bei elfterem die größte Besorgniß hervor. Es dauerte auch nicht lange, bis sich die Parteien im hellsten Streit defanden. Im Verlauf desselben erwies Weißfluck seiner„Braut" eine handgreifliche Aufmerksamkett. Dies kam Ziems gelegen, sich an seinem Feind zu rächen; zum Unglück kam auch noch „Schlächter Emst" dazu, ein als Schläger gesürchteter Mensch, und während der Wirth voller Besorgniß diesen von der Theil- nähme am Kampfe zurückzuhalten suchte,„pellten" sich die andern die„Lumpen" buchstäblich vom Leide. Ziems wurde vom Wirth wiederholt zum Verlaffen des Lokals aufgefordert und schließlich an die frische Luft gesetzt. Er kehrte jedock wieder zurück und warf sich abermals auf seinen Feind. Da ergriff dieser einen Stuhl und schlug ihn seinem Gegner derart auf den Kopf, daß der Stuhl in Stücke ging und Z. blutend zu Boden sank. Die vom Wirth herbeigerufene Polizei ordnete, unter persönlicher Leitung des Reviervorstandes, Polizeilieutenanis Schmidt, die Uebersührung des schwer ver- letzten, inzwischen aber wieder zur Besinnung gekommenen Ziems nach dem städtischen Krankenhause am Friedrichshain an. Der hinzugezogene Arzt, Dr. Fabian, konstatirte vier Wunden am rechten Scheitel und Hinterkopf entlang. Weißfluck wurde verhaftet. Die Kunde von der Schlägerei, die sich inzwischen zu einem Doppelmord aufgebauscht hatte, hatte Tausende von Menschen an den Ort der Schlägerei geführt. Das Lokal blieb einige Stunden geschlossen, wurde dann aber wieder eröffnet. Am 1. Oktober wird dasselbe definitiv geschloffen werden, well der Inhaber desselben, der übrigens nur die sog.„halbe Kon- zesfion" hat und keinen Schnaps verschenkte, sondern nur Bier, Kaffee und Kuchen rc. feilhielt, nach einer andern Gegend der Stadt verzieht. Die Polizei freut sich dessen, das Zuhälter- und Dirnenwesen aber wird dadurch nicht aus dieser Gegend verschwinden, sondern sich— ein anderes Lokal suchen. Gin« ganze Musikkapelle wurde wegen«Ruhe- störnug" am Frettag früh von Schutzleuten nach einem Poli- zeirevier im Norden der Stadt gebracht. Für diesen Morgen war nämlich von einem in der Brunnenstraße wohnenden Kauf« mann eine 12 Mann starke Kapelle dazu engagirt worden, um seinem Schwiegervater, einem gleichfalls im Brunnenvicrtel woh- »enden Rentier, welcher seinen 70. Geburtstag feierte, ein Ständchen zu bringen. Zum Unglück stand der alte Herr jedoch mit seinem tzauswirth nicht auf freundschaftlichem Fuße und so geschah es, daß, als die Kapelle nach üblichem feierlichem Ein- leitungschoral zur Lohengrin Ouvertüre überging, das Mädchen des tzausinhabers erschien, um das Wettersptelen zu verbieten, da auf dem Hole nicht mufizirt werden dürfe. Der Dirigent der Kapelle erklärte dagegen, daß er für das Ständchen fest en- aaairt sei und weiter spielen werde. Der erbitterte Hauswirth schickte daher nach der Polizei und man brachte die ganze Ge- sellschaft auf die Wache. Nun wird das Gebuitstags- ständchen den biederen Musikanten vielleicht übel geloynt werden. Korstcht! Eine in der Schönhauser Allee wohnende Frau hatte aus einem Abzahlungsgeschäft einen Regulator für vierzig Mark entnommen, der an Pünktlichkeit manches zu wünschen übrig ließ. Sie führte deshalb bei dem betreffenden Geschäft Beschwerde, und es wurde ihr seitens desselben baldige Abhilfe zugesagt. In der That erschien auch dieser Tage ein sehr sicher auftretender junger Mann bei ihr, der sich mit den Worten einführte:„Ich komme von N., Ihr Regulator geht ja wohl nicht richtig, der Sache wollen wir bald abhelfen, Sie werden ihn doch wiedererkennen, damit Sie nicht etwa glauben, er sei vertauscht worden." Sprach's, nahm mit effenartrger Ge- schwindigkeit den Unpünktlichen von der Wand, und ehe die Frau noch recht zur Besinnung gekommen, war er mit sammt dem Regulator zur Thür hinaus. Kaum war er fort, so stiegen der Frau doch Bedenken auf, und sie machte sich resolut an die Verfolgung des Mannes. Es glückte ihr auch wirklich, seine Spur zu finden. Am Rosenthaler Thor, wo sie ihn fast er- reicht hatte, verschwand er jedoch plötzlich in einem Kellerlokal. Da sie sich scheute, dasselbe zu betreten, faßte sie vor demselben Posto und hie t scharfe Wacht. Ihre Ausdauer sollte delohnt werden. Ein Mann entstieg dem Keller, zufriedene Blicke auf einen unter seinem Arme befindlichen Regulator werfend.„Das ist ja mein Regulator!"—„So, das wäre ja recht nett, den habe ich eben hier unten für dreizehn Mark gekauft, der Ver- käufer fitzt noch unten." Die Beiden begaben sich nun in das Kellerlokal, wo sie auch richtig den angeblichen Beauftragten des Abzahlungsgeschäfts noch vorfanden. Derselbe wurde zunächst zur Herausgabe der dreizehn Mark genöthigt und durch die in- zwischen berbeigeholte Polizei als ein erst unlängst aus dem Gefängnisse entlassenes Individuum entpuppt, welches seine auf irgend eine Weise erlangte Kenntniß der Verhältnisse in der geschilderten Weise zu verwerthen gesucht hatte. Aauvstrchnng. Am 15. d. M. wurde, wie wir nachträg- lich erfahren, bei Herrn Emil Duter, Waldemarstraße 3, eine polizeiliche Haussuchung nach verbotenen Schritten abge- halten. Gefunden und beschlagnahmt wurden: Zwei Rum- mern des„Sozialdemokrat" Nummer 26. Eine Aufforde- rung zur Einkommensteuer, auf deren Rückseite einige Namen und Zahlen notirt waren, ein Briefkouvert, auf dessen Rückseite ebenfalls ein kleiner Vermerk mit Bleistift ge- macht war, wovon Herr D. keine Kenntniß hatte, ein Brief von einem F eunde aus Lüneburg, eine Quittung der Hasenclever- Sammlung, eine Nummer der„Berliner Volketritüne", ein Stöcker'schee Flugblatt und eine Einladung zur Hochzeit. Die beiden letzten Gegenstände wurden dem Behaussuchten am Sonntag, den 16., aus dem Moikenmarlt zurückgegeben. Hierher war Hm D. nach der Haussuchung sistirt worden, nachdem er vorher noch einer körperlichen Visitation unterzogen war. Außer- dem wurde er auf dem Molkenmarkt verhört. Ron einem Gefühl des Grausen« wurden dieser Tage, wie der„Anz f. d. tzav." derrchtet, die Bewohner eines Hauses an der Potsdamer Chaussee zu Spandau erfaßt, als p:ötzlich in später Abendstunde eine Frau in leibhafter Gestalt vor ihren Augen erschien, welche seit längerer Zeit bereits für eine Todte galt. Im vorigen Jabre wurde nämlich an der Unter- Havel in der Nähe des Schultze'schen Platzes eine weibliche Leiche gefunden, in welcher man auf den ersten Blick die unverehelichte L. wiederzuerkennen glaubte. Die Rekognition wurde bchörd- licherscits für richtig erachtet, als sogar die nächsten Bekanntm, bei denen das Mädchen in der Börnickcrstraße gewohnt hatte, mit Bestimmtheit in der Todten dasselbe zu erkennen erflärten. In das Standesrcgister wurde die genannte Person demgemäß als verstorben eingetragen. Vor einigen Tagen ist die Todt- geglaubte hier wieder aufgetaucht. Sie ist in der Zwischenzeit außerhalb Spandau gewesen und war nicht wenig erstaunt, als man ihr erzählte, daß ihre Leiche hier vor Jahresfrist bereits aufgefunden sein sollte. Verschwunden. Berechtigtes Aufsehen erregt in den be« theihgten Kreisen das plötzliche Verschwinden des Standesbeamten v. Erichsen, bisher Blumenthalstraße wohnhaft, eines bekannten lochkonservativen Anlisemitenführers. Derselbe hat bereits am Donne.stag, den 13.. seine Wohnung mit Hinterlassung seiner Sterbearkunde verlassen und ist seitdem nicht wieder erschienen. Zerrüttete Vcrmögensoerhältnisse sollen die Veranlassung zu diesem Schritte sein. Polizek-Kericht. Am 22. d. M. früh wurde ein Schuh- macher in der neben seiner Wohnung in der Pallisadenstraße belegenen Waschküche erhängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— Als der Tischler Wide an demselben Tage Vormittags in der Holzbearbeitungsanstim von Schwidetzky, Müllerstr. 160, Bretter abhobelte und z» diesem Zwecke die Adrichtemaschine in Bewegung setzte, geriet? er, trotzdem er die Schutzvorrichtung aufgestellt hatte, mit da linken Hand in die rotirenden Messer, und wurden ihm wn denselben 4 Finger abgeschnitten. Nach Anlegung eines Nw Verbandes wurde er nach der Charit« gebracht.— Zu da» selben Zeit siel ein Tischler, als er in einer WoHnunS am Leipsiger Platz 13, l Tr., eine Fenstergardine o# brachte, infolge eigener Unvorsichtigkeit von der Leita und erlstt anscheinend einen Bruch des linken Unten schenkcls. Er wurde nach der Charitee gebracht.— Am 22. d. fanden Schmidstraße 8 A, Andreasstraße 39, Kurstraße 32 und an der Lüdeckerstraßen-Ecke in einer Bcududc der Kanalisation�' Arbeiter Feuer statt.— Am 22. d. M, Nachmittags, si-l»» 4 Jahre alter Knabe beim Spielen in das Vorbasfin des Nord» Hafens, wurde aber durch den in der Nähe befindlichen Arbeits Jürgens alsbald wieder herausgezogen und seinen Eltern zuge führt.— Abends gegen 11 Uhr wurde im Garten des 9% hardt'schen Lokals in der Hasenhaide ein Arbeiter besinnungsl« und aus mehreren Wunden blutend auf einem Tisch liege»» vorgefunden und mtttelst Droschke nach dem RrcnknW Bethanien gebracht.— An demselben Tage brannte Oder bergen straße 61 der Inhalt eines Kleiderladens. Gericht»-Zeiw«s. Art habe ick«ich«othwevdig» so'ne Hose zu steM Herr Jcrichtshof, denn die kriegt unserecner in Kottdus oll»* 5 Mark. Ick kenne nämlich det Jeschäst jcnau, denn ick b»1 Duchmacher! Mit diesen Worten begann der Spinner Joh klagtet: Liebe Herren, ick stehle überhaupt»ich und wert W Hosen anbelangen duht, so habe ick blos so'n Ding vff jj Korridohr hängen gesehen, wat jroße Kahros, wie so'ne Ha»» jroß uffzuweisen hatte, und jloben Sie man ja euch, dat» Duchmacher sich so wat uff de Beene bammeln dähte.— Von fitzender: Tie gestohlene Hose soll dunkel und mit rothe» Pünktchen bedeckt gewesen sein. Aber warum find Sie»# Sonntag, den 6. Zlovcmder v. I., plötzlich aus Ihrer Schlaf stelle verschwunden?� Angeklagter: Ja, det war eben dfl Malör! Ick gehe nämlich so um fünf rum nach dem Bau.>»» ick die Sparren anklopfen helfen wollte, weil die Duchmacher» »ich jehen daht. Als wir jrade im besten Kloppen war'n, d» kommt so'n Schutzmann und sagt uns, wir sollen uffbören, n*» se all in der Kirche beten.— Vorsitzender: Und wo find c« dann geblieben?— Angeklagter; Na, da Hab ich mich r» die Beene jcmacht und wie ick denn zufällig den Bahnh« anjetroffen habe, dachte ick, nu jchste los und so bin ick richW in Koltbus injelroffen.— Vorsitzender: Es ist aber doch eige»' thümlich, daß Sic, ohne vorher ein Wort darüber zu äußer»- plötzlich nach Kottbus fahren?! Außerdem kommt hinzu, da« Sie auch später nichis von sich hören ließen, obgleich Sic Ihrer Schlafwirthin noch Geld schuldeten!— Ängell.: Wie konrN ich denn, wenn se mir jleich inlochen dhun.— Vorsitzender l Dann find Sie also dort im Gcfängniß gewesen?— Ang» klagter: Freilich, mir war et nämlich zufällig injefallcn, det i» nach dort injeladen war, wo se mir denn och zu 6 Monate» wcjen anjeblicher Prüjelei mtt Köiperverletzung verknackt habe»- — Vorsitzender: Dadurch wird die Sache allerdings aufgellärt! immerhin hätten Sie doch vorher sagen können, daß Sie so» mußten.— Angeklagter: Ick hatte keen Geld und och keer» Tcaute und so Hab ick mich davor jejrault, von wcjen jehodS eenen injerührt zu kriegen.— Zeugin Gube, bei welwer d» Angeklagte wohnte, ist der Meinung, daß nur dieser den Died' stahl begangen haben konnte. Auf Befragen muß sie jedoch f geben, daß sie die„Unaussprechlichen" am Sonnabend früh zwar noch gereinigt, das Fehlen derselben aber erst am Dienstag be merkt habe. Da der Angeklagte schon am Sonntag oerschwu»' den war, so beantragte der Staatsanwalt, denselben wegen ma«' gelnder Beweise freizusprechen, und der Gerichtshof entspra« diesem Antrage. Die Affaire Langhammrr— des früheren Schl»«' Wächters im Cyor'ottendurger Schloßpark— beschäftigte gester» wiederum die erste Strafkammer des Landaerichls 11 in eine«! Beleidigungsprozeß gegen den Redakteur Theodor Szafrqnw von der Charlottenburger Zeitung„Neue Zeit".— Ende#» brachten verschiedene Zeitungen eine Notiz über jenes anfand mysteriöse Ereigniß im Charlottenburger Schloßpark, welch» vor kurzem durch Verurtheilung des genannten vchloßwächt«» wegen unbefugten Schießens vor dem Schöffengericht zu Chae lottenbmg seinen Abschluß fand. Auch die CharlottenburgS Zeitung„Neue Zeit" brachte jene Angelegenheit betreffend>» Nr. 127 vom 24. Mai ein Referat, welches indessen dem lh»' sächlichen Hergang nicht entsprach und schon in der näch»'» Nummer dahin berichtigt wurde, daß der verwundete SckiW Wächter nicht von einem Posten im Schloßpark»Jf geschossen sei, sondern daß Langhammer die Ve» letzungen sich selbst beigedrcht. Der Wortlaut je»" ersten Notiz— beginnend mit der Spitzmarke trauriges Ereigniß" und schließend mit dem Satze:„Die% geleitete Untersuchung wird ergeben, inwieweit sich hier leidige Schießerei recktfertiaen läßt"— gab nun dem Komma»� des Königin Elisabeth- Regiments Veraylasiung, gegen Redakteur der„Reue Zell" iHttafanttag wegen Beleidigung' stellen, da der Posten, welcher angeblich geschossen haben W*. von dem genannten Regiment gestellt worden war: inkrimi»" war insbesondere der Ausdruck„leidige Schießerei."—' der Strafkammer räumte Herr Szafranski ein, den Artikel faßt zu haben; ihm sei nach Schluß der Redaktion Abends»r %9 Uhr erst die Äittheilung über jenen Alarmschusi zugegang»»' er habe auf Grund unverzüglich stattgehabter E.kundigunsQ an der Wahrheit der erhaltenen Mittheilung um so«%»%» zweifeln zu dürfen geglaubt, als selbst die Polizeibehörde z»"' der Meinung war, daß ein Posten auf Langhammer 8, schössen Härte. Der letztere habe kürzlich in Verhandlung vor dem Charlottenburger TcKösscraen zudem sogar behauptet, daß aus einem Busch auf ihn gesch?».j. sei. Des weiteren führte der Angellagte aus, daß er in korrekter Weise, als er den wahren Stand der Angelegt»�,. erfahren, unverzüglich eine Berichtigung habe folgen Abgesehen aber hiervon müsse er ohnehin freigesprochen ' n durchaus nicht beleidigt; in •--—— ledig" denn er habe den Posten Referat habe er, so behauptet ferner der Angeklagte, gegen das Schießen auf Menschen im Allgemeinen stw sprechen wollen. Der Gerichtshof hielt dafür, daß eine„ digung des Postens nicht vorliegt; es sei thatsächlich nur. oegung oes Ponens nia» voruegi; es iei lyaiiaamco � der„leidigen Schießerei" gesprochen worden, dieser Ausdrun� sich sei aber ebensowenig als Beleidigung anzusehen. Urtheil lautete auf Freisprechung von der Anklage der Beb x, gung und des in idealer Konkurrenz mit derselben dem klagten vorgeworfenen groben Unfugs, da der Gerichtshof».Ij Haupt der Meinung ist, daß eine Zeitung groben Unfugs verüben kann.— Der Staatsanwalt hatte 50 M. event."* Gcfängniß beantragt. Soziales und ArveitervewegtM Zum Glaserstreik in Ktnttgart. Heber den A gfil der Glaserbewegung in Stuttgart können wir berichten, 6 September eine Kommission zusammentrat, bestehend»»%n, Arbeitern— und zwar, wie es die Herren Meister verio��v solche, welche bei Jnnungsmeistern in Arbeit standen sechs Meistern, um über unsere Tarifangelegenheit zu veih«" Es konnte aber bei dieser Versammlung kein befriedigendes Resultat erzielt weiden, da die Herren von der Innung immer nodb_25 Prozent reduziren und fich mit uns in keiner Weise verständigen wollten. Wir find durch ein solches Verhalten der Annungsmeistcr genöthigt, über diejenigen Werkstätten, wo unser Tarif nicht anerkannt ist, Gescllcnsperre zu verhängen, um so mehr, da sämmtliche Streikende bei solchen Meistern untergebracht stnd, welche unsere Forderung anerkannt haben. Die Zahl der letzteren ist 10 und wird bei denselben auch tüchtig darauf los- gearbeitet. Die Meister, welche unscm Tarif anerkannt haben, wkn jetzt ein, dcch derselbe gar nicht zu hoch gegriffen war, im Gegentheil, derselbe ist in manchen Rubriken zu niedrig, so daß «S vorkommt, daß der Meister den Arbeiter über den Tarif be- zahlt, nur daß der Ardester ans seinen Taglohn kommt. Diese Thatiache kann am besten der Meister bestätigen, welcher unfern Tarif zuerst anerkannte.— Dies der gegenwärtige Stand der Bewegung. Wir können ruhig abwarten, bis die Herren In nungsmeister zu der nöthigen Einstcht kommen, d. h. fich herbei- lassen, fich mit uns über den Tarif zu einigen. Die Kollegen Deutschlands aber ersuchen wir, den Zuzug nach Stuttgart fern« zuhalten, bis unsere Angelegenheit endgiltig geregelt ist. Die Älasergesellenschaft Stuttgart. Pereiue«ttd DersammlimKe». Schniiderverfammlung. In der am 17. d. M. abge haltenen öffentlichen Schneidelversammlung erstattete die am 14. August behufs Vorderathung der Ocganisationsfrage oe- «ählte Siebener- Kommisfion Bericht über ihre bisherigen Ar- besten. Unter Vorsitz des Herrn Pfeiffer erläuterte der Referent, Herr Zitzmann, an der Hand der Referate des Kongreßdelegirten Herrn Tälerow und des Delegirten des Reiseuntcrstützungs- Verbandes, Herrn Jeschonel, die örtlichen Verhältnisse und kam zu dem Schlüsse, daß für Berlin die Zentralorganisation, ob- gleich empfehlenswerth, dennoch nicht im Stands sei, die im Schneidergewerbe korrumpirten Verbältnisse einer Besprechung zu unterziehen und mit Erfolg für Beseitigung derselben einzu- treten, auch die Tagesfragen nicht in den Bereich ihrer Betrachtun gen ziehen könne, ohne Gefahr zu laufen, mit der Behörde in Konflikt tu kommen, und schließlich hierdurch die ganz Deutschland um- assende Organisation zu gefährden. Deshalb empfiehlt der Referent bei aller Anerkennung der zentralen Organisation für Berlin die Gründung einer lokalen Vereinigung der Schneider. Nachdem der Vorsttzende als Mitglied der Siebenerkommisfion die Arbeiten derselben näher erörtert, trat in der sehr lebhaften Diskussion namentlich Herr Täterow sehr warm für die lokale Bereinigung aus den vom Referenten angegebenen Gründen ein. Herr Jeschoneck wollte die Berliner Schneider vor einem Schritt bewahren,„welcher dieselben in den Augen der Kollegen Deutschlands als eine Rull hinstellen würde". Der Liebe Müh' war aber umsonst, obgleich Herr Jeschoneck es auf alle mögliche Weise versuchte, den Kongreßdelegirten, Herrn Täterow, bei seinen Mandatgebern der Inkonsequenz zu zeihen, was von Herrn Täterow unter allseitiger Zustimmung der Versammlung energisch zurückgewiesen wurde. Die Versammlung beschloß mit 'Überwältigender Majorität die Gründung einer lokalen Organisation unter den Namen Freie Vereinigung der Schneider Berlins." jAIs grundlegender Paragraph wurde folgender ein- stimmig annommen.§ 1. Zweck der freien Vereinigung der Schnei- Äer Berlins ist die Wahrung und Förderung der Interessen ihrer Mitglieder in jeder gewerblichen Beziehung, sowie geistig und materiell. Dieser Zweck soll erreicht werden: a) durch Erzielung möglichst günstiger Arbeitsbedingungen; wenn nöihig durch Ausübung der durch§ 15? der Gewerbeordn mg vom Juni 1887 gewährten Rechte, b) Än der Hand der Beruf- statistik (welche von der Vereinigung zu pflegen ist) Regelung des Ar- beitslohncs, der Arbeitszeit, des Arbeitsnachweises und des Herdcrgswesens. c) Rechtsschutz der Mitglieder bei gewerblichen Streitfragen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, eventuell durch Führung der Prozesse auf Kosten der Vereinigung. st) Durch Zahlung einer Reiseunterstützung an die sich auf der Wanderschaft befindlichen, seit 3 Monaten sich als Mitglieder eines Fachvereins lcgitimirenden Kollegen; die Festsetzung derselben bleibt der Vereinigung überlassen, e) Begründung einer Bibliothek und Abonnement auf fachgewerdliche und belehrende Zeitschriften, f) Ausbildung der Mitglieder in einer von der Bereinigung zu erlichtenden Fachschule, g- Behandlung aller in Ü** VV» W»» ß« MVfrvv»,» das Gewerbe eingreifenden Tagesfragen sowie populärwiffen- schaftlicher Vorträge und Diskussion, unter besonderer Berück« sichtipung der heutigen Produktionsweise im allgemeinen und «er Einwirkung auf unser Gewerksleden. b) Pflege;bcr Kollegialität durch Abhaltung geselliger Unterhaltungen."— Zur weiteren Ausarbeitung der Statuten wurde ein provisorischer Borstand, bestehend aus den Herren Schulz, Schmoll, Frenze!, Deichsel, Mart, Heinand, Wend, Z i tz m a n n gewählt. Mit dem Mahnwort an die Kollegen, das neugeborene Kind zu hegen und zu pflegen, damit dasselbe baldigst ein Hort der Arbeiter und ein Prellst, in gegen die Uebergriffe der Arbeitgeber sein möge, schloß der Vorsitzende die Versammlung. I» der Mttglieder-Verlammlung der Ortaver- waltung»(Ktockbranchef derKereinigung derDrechaler Deutschlands wurden zunächst gewerkschaftliche Fragen ver« bandest. Von den verschiedenen Rednern wurde darauf hinge- wiesen, daß, wie in allen Branchen, so auch in der Stock labrikation die Akkordlöhne mehr und mehr gedrückt werden und gefordert, darauf zu dringen, daß an Stelle der Akkordarbeit die Lohnarbeit tritt, um die Branche vor gänzlichem Verfall zu be- wahren. Ferner wurde vom Vorfitzenden, Kollege Pindrix, über 5.en Hamburger Drechsler streik berichtet. Nach demselben haben b's lcyt 68 Meister bewilligt, speziell in den Stockfabriken ist überall «leForderung bewilligt bis auf dieFirmaBaumgartenund Mensen- diel. Da der Chef der Firma zur Zeit verreist ist, sind die Unter- Handlungen bis zu seiner Rückkehr vettagt. Die Innung hatte p* Verhandlung abgebrochen und die Forderungen der Ge- leuen abgelehnt, aber der Obermeister hat ebenfalls schon be- Vlligt. Die einzige Branche ist die Gummibranche, in der eine �migung bisher nicht zu erzielen war. Das Vergnügungs- wmstee gab Bericht über den Sommernachtsdall. Darnach stellt V die Einnahme auf 193,50 M. und die Ausgabe auf wp,05 M., so daß ein Uebcrschuß von 11,45 M. verbleibt. �em Komitee wurde Decharge ettbeilt. Die nächste Vcisamm- wng findet am Montag, den 15. Oktober, statt. Tagesordnung und Versammlungslokal wird seiner Zeit bekannt gemacht werden. _ Kereiuigung der Drechsler Deutschland». DieOrls �rwaltung„Berlin HI" dielt am Sonntag, den 23. d. M, in �Ager's Salon, Grüner Weg 29, eine Versammlung ad. Unter e-Gewerlschaftliches" berichtete der Vorsitzende zunächst über den �Luckenwalde ausgedrochenen Streik derDrechsler, J*1 geringer Forderungen wegen zum Ausbruch kam. Weiter wm die Stellung der dortigen Behörde, welche versuchte, Streikenden wieder zur Arbeit„zwangsweise" -'""' drastische «nuilS* en wieder zur...... BeÄ'.' im Sprache und erhielt eine bort(P"3' der Mahnung, jeden Zuzug nach vorlö,.« n-.if?. basten, fand die Angelegerheit ihre Erledigung. Ferner machte der Vorsitzende die i n<\ Mittheilung, daß der Streik der Drechsler In hA"" durg zu Gunsten der Sireckenden beendigt ist. der»i.fe, �ache hat einzig und allein das Solidarilät-gefühl «njmbester selbst im Bunde mit dem moralischen Druck der W.« 0U£? der Drechsler Deutschlands" den Siea er- tiner ra Möge diese Thatsache insbesondere (figk.. �ewerkslollegen dazu veranlassen, fich mehr wie ewA 2?1„Vereinigung der Drechsler Deutschlands" als die die»„.Organisation der Gewerkschaft anzuschließen, denn auch Wit nrT��'tnisse der Berliner Drechsler bedürfen dringend "er Energie einer durchgreifenden Besserung, welche allein uns aber nur die zur Wahrheit gewordene Einigkeit bringen wird. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde sodann die fernere Agitation für die Vereinigung speziell hier in Berlin diskutirt und dem dringenden Wunsche Ausdruck gegeben, daß baldigst die Errichtung einer Herberge verbunden mit Vcrkehrslokal und Ardcitsnachweisebureau geschehe, um somit auch für Berlin einen Sammelpunkt der zurelsenden Gewerks- kollegen zu befitzen. Wie der Vorsttzende hierzu mittheilte, wäre Aussicht vorhanden, diese Angelegenheit baldigst endgiltig geregelt zu sehen. Am Sonnabend, den 27. Oktober, veranstal- iet die Verwaltungsstelle eine gesellige Abendunterhaltung, ver- bunden mit Tanzkränzchen. Billets hierzu gelangen vom Sonn- abend ab auf den Zahlstellen zur Ausgabe. Die nächste Ver- sammluog findet Sonntag, den 7. Oktober, Grüner Weg Nr. 29 statt. Der Fachverein der Former und verwandten Berufs- genossen hielt am Montag, den 17. d. M.. in Krieger's Lokal, Waffetthorstraße 68, eine von gegen 300 Personen besuchte Ver- sammlung ad. Die Tagesordnung lautete:„Wie stellen wir uns zur Einführung eines Minimallohnes? Diskusston, Kassen- bericht, Verschiedenes, Fragekasten." Zum ersten Punkt hatte Kollege Körsten das Referat übernommen. Derselbe legte noch- mals alle Schäden und Mängel im Gewerk klar und führte alles das an, was der Verein seit seinem dreijährigen Bestehen unternommen hat zur Aufbesserung der Verhältnisse. Leider habe noch nicht viel geschaffen werden können, weil noch immer über die Hälfte der Berliner Former fich nicht dazu bequeme, dem Verein beizutreten, ein Thell, weil ihnen nicht genug ma- terieller Nutzen ersprieße, andere aus Furcht. Bcquemlichkeir, Be- schränstbeit. Sodann kritifitte Redner die heutige Produktions« weise, schilderte das Kleinmeisterwesen und das Großkapital. (n der Metallbranche namentlich seien Verhältnisse, welche jeder Beschreibung spotten. Die Arbeitszeit beträgt selten unter 11—12 Stunden und der Verdienst ist 12— 16— 18 M. wöchent- lich. Kann bei diesem Verdienst ein Verhciratheter besteben, kann er dabei seinen Pflichten gegen Familie, Staat und Ge- sellschaft nachkommen? Und diesen horrenden Verdienst bat er noch nickt immer, denn 50 pCt. der Former müssen jedes Jahr 8—10 Wochen feiern, namentlich nach Weihnachten; da soll er noch von den Ueberresten des hohen Verdienstes zehren. Wir fragen, kann das so fortgehen? Und wie stehts bei den Kleinmeistern aus? Auch nicht viel besser; sie nagen gi ößtcntheils am Hungertuch. Abhängig von der Güte der Metallhändler und anderer gut- müthiger--, vegitiren sie nur noch. Nicht weniger als acht haben in letzter Zeit bankerott gemacht und wie viel werden nächstens nachfolgen? Die Kupfelkrifis bricht ibnen alle den Hals. Es liefern heut wieder Gießermeister das Kilo für 2 M. (vorjähriger Preis), während das Kupfer um 100 pCt. theurer ist, als im vorigen Jahr. Wer muß Herhalten? Der Former, ihm wird's abgeknappst, er ist ja gutmüthig, auch braucht er's nicht so nothwendig, wie die Rothschlld's, welche in einigen Tagen an dem Kupfer 66; Millionen verdienten. Weiter führt Redner an, auf dem Kongreß zu Magdeburg sei beschloffen, am 1. April nächsten Jahres einen Minimallohn von 21 M. pro Woche(gleich 60 Stunden) einzuführen, jedoch sei den örtlichen Verhältmffen Rechnung zu tragen. Das Angebot und die Nachfrage ist allein ausschlaggebend. Da nun die Nachfrage jetzt eine immense in der Metallbranche sei, während am 1. April nur für Eisenformer Nachfrage herrschte, so sei zu er- wägen, ob es thunlich sei, in der Metallbranche den Minimal- lohn am 1. Ottober d. I. einzuführen. Es käme uns dabei zu Gute, daß die Eisenformer uns jetzt unterstützen könnten, und am 1. April könnten sie von den Messtngformern unterstützt werden. Kein vernünftig denkender Mensch wird unsere Forde« rung als unverschämt betrachten. Für 12—14 M. pro Woche können und wollen wir nicht mehr arbeiten, und wir hoffen auch, die Sympathie aller anderen Gewerke zu haben.— In der regen Diskussion sprachen fich alle Redner im Sinne des Referenten aus. Die Herren Bernitzky, Rahland, Krause, Reinhart und andere führten noch zahlreiche Mängel und Schäden im Gewerk an und sprachen fich dahin aus, daß keine Zeit zu ver- Heren sei. wenn man Erfolg baden wolle. Es wurde daraufhin folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heute in Krieger's Lokal tagende stark besuchte Versammlung der Former beschließt in Anbetracht der bestehenden Thatsachen und im Einverständniß mit dem Referenten, daß es unter den schlechten Verhältnissen, welche jetzt bestehen, nicht weiter gehen kann und fordert den Vorstand des Vereins auf, umgehend dafür Sorge zu tragen, daß diese Uebelstände b: seitigt werden."— Unter „Verschiedenes' entspann sich nochmals eine heftige Debatte über das Einstandgeben und wurde ein Antrag angenommen, wonach dasselbe als Ausbeutung betrachtet würde, also zu beseitigen sei. Der Schluß erfolgte um Ii; Uhr.— Der Vorstand macht be- kann! daß die nächste Versammlung am Sonntag, den 30. ds., stattfindet bei Heidrich, Beuthstr. 20(großer Saal). Es ist Pflicht eines jeden Formers, bei der Wichtigkeit der Sache am Platze zu sein. Also nochmals ermahnen wir: Erscheint Alle! Giv» öffentliche Nersammlung der Fackirer tagte Montag, den 17. d. M, in den Armin Hallen mit der Tages- ordnung:„Zweck einer Zenttalisation" und„Wie verhalten fich die Lackirer zur Gründung einer selbstständigen Filiale?" Es sprachen sich die Heiren Schweitzer, Winkleln, Linke, Rauthen- Haus, Warnke, Jaeobi, Mcchau und Jacob für die Zentralisation aus und betonten die Vortheile der Zentralisation, Fachschule, Bibliothek, Herdergswcsen, Rciseunterstützung und Anderes mehr. Es wurde darauf hingewiesen, von welchem Vortheil es für einen Lackirer wäre, die Fachschule zu besuchen, da ihm hier viel geboten, was ihm sonst verschlossen bleibt. Nachdem sich alle Redner dafür ausgesprochen hatten, gelangte nachstehende Resolution zur Abstimmung und wurde einstimmig angenommen: „Tie heute in den Arminhallcn tagende öffentliche Ver« sammlung der Lackirer erklärt sich mit den Ausfühmngen iämmtlicher Redner einverstanden und beschließt eine selbstständige Filiale der Vereinigung der Maler, Lackirer, Anstreicher und Berufsgenossen zu gründen und fordert alle anwesenden Kollegen auf, dafür einzutreten."— In der Pause meldeten sich viele als Mitglieder der neuen Filiale. Nach Schluß der Pause erfolgte die Wahl des Vorstandes; gewählt wurden: Heinrich Rauthenhaus. I. Bevollmächtigter, Julius Jaeobi, II. Bcvoll- mäcktigter. Richard Warnke, Schriftführer und die Herren Kranz und Mcchau als Beisitzer. Außerdem wurde bekannt ge- macht, daß jeden 2. Montag nach dem Ersten des Monats eine Versammlung stattfindet._ Anterstutzungsvevei« btv Movrrr Kerlln«. Dienstag, den 25. d. M, Abends 8; Uhr, in Scheffer's Lokal, Jnselstr. 10, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Heinze über das Thema:„Sind die Bestrebungen der Arbeiter in ihren Zielen gerecht und durchführbar durch Vereinigung. 2. Dis« kusfion. 3. Untcrstützungsvereins- Angelegenheiten und Frage- kästen. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Gauverein Kertiuer KUdhauer. Dienstag, 9 Uhr, Anneniiraße 16: Geschäftliches rnd Btbliotbekadend. verein zur Mahrnng der Jitereffeu der Mietber de« Norden». Mittwoch, den 26. d. M., Abends 8t Uhr, im Lokal„Wcdding-Restaurant", Müllerstr. 178, Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Mühsam I. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Versammlung de» Verband»« deutscher Zimmerleute, Lokolverdond Berlin Ost und Umgegend. Mittwoch, den 26. d. M., Abends 8t Uhr. Versammlung im Lokal der Wittwe Horstmann, Frankfurter Allee 127. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste willkommen. Gesang-, Sur»- und gesellige Vereine am Dienstag. Gesangverein„Gutenberg" AbendS 8; Uhr im Restaurant Ouandt, Stralauerstraße 43.— Gesangverein„Alpenglühen" Abends 9 Uhr im Restaurant Hildebrandt, Prinzenstraße 97.— Schäfer'scher„Gesangverein der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf und Krüger, Skalitzerstraße 126, Gesang.— Männergesangverein„Gartenlaube" Abends 9 Uhr im Restaurant Firk» Kottbuserstraße 22.- Männergcsangverein„Steinnelke" Abends 9 Uhr im Restaurant Schulz, Stettinerstraße 56 57. — Gesangverern„Harmonie" Abends 8 Uhr in Neukam'S Bierhaus, Große Frankfurterstraße 49.— Männergcsangverein „Echo 11" Abends 9 Uhr im Restaurant„Zum Flügel", Lotb» ttngerstraße 60.— Gesangverein„Sängcrhain" Abends 9 Uhr im Rest. Kaiser Franz Grenadierpl. 7.— Gesangverein„Hoffnung Moabit" Abends 8 s Uhr Wilsnackersttaße 63, im Restaurant Jlges.— Gesangverein„Felicitas" Abends 9 Uhr im Restaurant Nebelin, Langestr. 108— Gesangverein„Liederlust" Abends 9 Uhr im Restaurant Lehmann, Naunynstr. 44.— Männergcsangverem „Äccordia" Abends 9 Uhr bei Brademann, Markusstr. 7.— Zitherklud„Amphion" Abends 9 Uhr in Triebel's Restaurant. Hoher Steinweg 15.—Turnverein„Froh und Frei"(Männer» abthcilung) Abends 8; Uhr Bergstraße Nr. 57.— Berliner Turngenoffenschaft(V. Männerabtheilung) Abends 8; Uhr in der städtischen Turnhalle, Wafferthor» straße Nr. 31.— Turnverein„Hasenhaide"(Männer» Abthcilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstr. Nr. 60/61.— Verein ehemaliger Schüler der 37. Gemcindeschule Abs. 9 Uhr im Rest. Kinner, Köpnickerstr. 68.— Verein ehemaliger Schüler der 44. Gemeindeschule Abb. 9 Uhr im Restaurant,.Albrechtsgarten". Wilhelmsttaße 105.— Arends'scher Stenographenverein„Apollo» dund" Abends 8% Uhr Brunnenstraße 129 a.— Ärend'scher Stenographenverein Abends 8% Uhr im Restaurant„Zum eiserne» Kreuz, Lindenstraße 71.— Deutscher Verein Arends'sch« Stenographen Abends 8; Uhr in Randel's Restaurant, Brunnen» straße 129 a.— Verein„Rose" Abends 8 s Uhr im Restaurant Eltze, Alexandrinenstr. 99.— Unterhaltungsverein„Harmonie" Abends 8 Uhr Wrangelstr. 136, im Restaurant Schimpke.— Vsrgnügungsverein„Mollig" Abends 9 Uhr im Restaurant Reinicke, Gipsstraße 3, jeden Dienstag nach dem 1. und 15. — Zitherklub„Amphion" Abends 9 Uhr im„Münchener Hof". Spandauerstr. 11—12.— Rauchklub„Zum Wrangel" Abends 8 Uhr bei Herschleb, Adalbertstraße 4.— Rauchklub„Deutsche Flagge" Abends 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelstr. 11. — Rauchklub„Friedrichshain" Abends 9 Uhr im Restaurant Kipping, Landsbergerstr. 116a.— Rauchklub„Lustige Brüder" Abends 8; Uhr bei Grothe, Fürslenbergerstraße 2.— Vergnügungsverein„Fröhlichkeit", Grüner Weg 29. Große Gesell- schastsstunde, verbunden mit Vorträgen. Gäste willkommen. Entree frei. Kleine Mittheilungen. Aachen. 19. September. Ein Fall von Scheintod wurde gestem Nachmittag auf dem hiesigen katholischen Kirchhofe be» obachtet. Dortbin war ein zwölf Stunden vorher zur Welt ge» kommenes Zwillingspaar geschafft worden, um vorläufig in der Leichenhalle beigesetzt zu werden. Als der KirckhofSaufseherdas Kistchen öffnete, in welchem sich die beiden Kinder befanden, de» merkte er, wie das eine fich bewegte und Laute von sich gab. Ein herbeigerufener Arzt stellte fest, daß das Kind wirttich noch lebte und veranlaßte infolge dessen seine Beförderung zum Hospital. Ein Lcbcndigbegrabenwerden des Kindes wäre aller» dings ausgeschlossen gewesen, da nach der hier bestehenden Einrichtung ein eigens angestellter Arzt fich zur" Leichmschau täglich auf den Kirchhof begiedt und eine Beerdigung erst dann staitfiaden darf, wenn der Arzt die Erlaubniß hierzu er» theilt hat. Dattsig, 18. September. Seit einigen Tagen hat mit Dampfern die Zufuhr von diesjährigen Salzheringen aus Schottland begonnen. Dieselben find zwar diesmal sehr wohl» schmeckend und groß, aber der Fang war der ungünstigen Witterung wegen ein weit geringerer als im vorigen Jahre. Der Hering bildet bekanntlich für Danzig einen Haupthandels» artikel; fast ganz Polen, die Provinzen Posen, Schlefien und Brandenburg werden von hier aus mit Heringen versorgt. Weida, 16. September. In unserem Städtchen setzt ein unier geheimnißvollen Umständen begangener Mord die ganze Einwohnerschaft in die größte Aufregung. Gestern Abend gegen 7 Uhr verließ die schon bejahrte Ehefrau des Rentiers(früheren Schneidermeisters) Queck ihre Wohnung. Der Ehemann legte fich gegen 9 Uhr zu Bett; seine Frau war dis dahin noch nicht zuiückgekehrt. Als fie aber auch am andern Morgen noch nickt nach Hause gekommen war, ging er zur Polizei und meldete dies. Hier wurde ihm mitgetheilt, daß seine Frau soeben in einem Sumpf unweit der Stadt ermordet aufgefunden worden fei. Die Btutspuren haben bis in den Gatten der Ermordeten geführt, dort soll die Frau mit einem Beil erschlagen und dann nach dem Sumpf geschleppt worden sein. Munster am Ktein, 19. September. Eine reizende Waldtdylle, die sich in diesen Tagen hier abspielte, hat unsere Polizei in nicht geringe Aufregung versetzt. Zwei zur Kur hier weilende junge Gräfinnen machten Nachmittag vom Fuße de? Rheingrafenstein aus einen Ausflug in den Wald. Die beiden jungen Damen wollten Haselnüsse suchen, da ihnen aber in dem dichten Gestrüppe ihre Kleiderröcke lästig wurden, so entledigten fie sich derselben und hiiwen fie an dem nächsten Gebüsche des einsamen Waldes auf. So bahnten fie fick. nur in Taille und Unterkleidern, einen Weg quer durch das Gebüsch, fich ungestött dem Suchen von Haselnüssen hingebend. Bald darauf kam tta ebenfalls zur Kur hier weilender und den Wald durchstreifender junger Rechtsanwalt an dem die beiden Frauenlleider bergenden Gebüfche vorbei. Staunend blieb der Jünger der Themis vor den Kleidern stehen, nirgendwo sah und hörte er etwas von ledenden Wesen, er sah die Kleider näher an, fand, daß dieselben offenbar vor» nehmen Damen gehörten, und sofort wurde es ihm klar» daß hier ein Verbrechen, ein Mord verübt worden sei. Schon matte er fich im Geiste die That mir allen ihren schrecklichen Einzel» betten aus, schon sah er den Mörder im Gcttchtssaale vor den Geschworenen stehen. Wie sollten die Kleider sonst an diese Stelle des Waldes kommen, die selten von einem Menschen be» treten wurde und an die ihn nur ein glücklicher Zufall geführt hatte! Schleunigst packte er die Kleider zusammen und begab sich damit auf das Polizeiamt in Münster am Stein, um hier Anzeige von seiner grauenvollen Entdeckung zu machen. Man kann fich denken, doß die Behörde in dem fttedlicken Münster durch diese Mittheilungcn, zumal fie von so berufener Sette gemacht wurden, in nicht gettnge Aufregung versetzt wurde, und sofort schickte man fich an, Nachforschungen anzustellen. Inzwischen hatten auch die jungen Damm ihren SKeifzug in den Wald beendet. Wer schreibt ihr Erstaunen, ihre Verlegenheit, als fie an dem Gebüsch ihre Kleider nicht mehr vorfanden! Vergebens spähen fie nach allen Richtungen aus, nirgendwo winkt ihnen Rettung aus ihrer Lage. So blieb ihnen denn nichts anderes übttg, als in dem Zustande, in dem fie fich befanden, den Heimweg anzu» treten. Halb ohnmächtig langten fie in ihrem Gasthofe wieder an, wo man nicht wenig verwundett war, fie ohne Kleiderröcke zurücklehren zu sehen. Inzwischen hatte fich auch die Kunde von dem vermuthlichen Morde verbreitet, und nun Hätte es fich denn bald auf, daß nur der eifrige Rechtsanwalt, der mehr Sinn für die Prosa des Gerichtssaales, als für die Poefie des Waldes zu haben scheint, es gewesen war, der den beiden jungen Gräfinnen wie der Polizei und der Bürgerschaft diese Aufregung bereitet hatte. Kart», 18. September. Ein angenehmes Bild Pattser Straßenzustände giebt folgende Notiz des„Figaro": Letzte Nacht verließ die in einer Zeitungsdruckerei beschäftigte Frau Bertha M. gegen 12 Uhr ihre Wohnung, um fich an die Arbeit zu begeben. In der Avenue Clochy stürzte fich plötzlich ein Mensch aus fie, um fie zu berauben. Ader er war an die Ua» reckte gekommen. Die Frau, welche mit einem Revolver bewaffnet und von einer mächtigen Dogge beglesttt war, feuerte sofort einen Schuß auf ihn ab. Der Mensch wandte fich zur Flucht, aber die Dogge Holle ihn in kurzer Zell, ein warf chn u Boden und verhinderte ihn, aufzustehen, bis Frau B. von der nächsten Wache mit einem Polizisten, den fie dort geweckt hatte, zurückgekehrt war. Der Verbrecher wurde nun ins Arrest- lo'al gebracht und die Frau konnte ungehindert ihrer Arbeit Wer«»«, 18. September. Im Jnseratcntbeile der„Meraner Zeitung" zeigt Herr Klemens Schreck aus Frankenberg in Sachsen an, daß sein Sohn, der Dr. med. Viktor Schieck aus Döbeln, seit dem II. August vermißt wird. Dr. Schieck ist von Inns- brück über Bozen, Meran, Schlanders, das Stilfser und Wormser Jzch nach St. Maria und Mals gereist, wo er zuletzt in der Stacht vom 10. und 11. August im Hotel„Zur Post" logirt hat und von wo er am 11. August, früh gegen 8 Uhr, weggegangen «ft, unbekannt wohin. Seine beabsichtigte Reiseroute, die er bis d.hin genau eingehalten hatte, sollte ihn weiter über Schuls, Tarasp, nach Pontrcfina, Silvoplana, Maloja, Splügen, Davos, Bregenk und nach dem Schwarzwald führen. Er ist indcß in keinem dieser Orte zu ermitteln gewesen und fehlt jede weitere Spur von ihm. Es wird angenommen, daß er in den Bergen verunglückt ist. Für die Auffindung des Dr. Schieck, der 24 Jahre alt war, ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. O»dav«st, 20. September. Aus Balmaz Ujvaros wird ein schreckliches Verbrechen gemeldet. 21 Bauernburschen, welche rioch nach 11 Uhr im Wirthshause zechten, wurden von den Gendarmen Ballosz und Szmerka zum Nachhausegehen aufgc- fordert. Die Burschen folgten der Aufforderung und gingen ruhig neben den Gendarmen. Unterwegs überfielen fie jedoch die beiden Gendarmen meuchlings, entriffm ihnen die Waffen, stachen ihnen die Bajonnete in den Leib, schlugen einem Gendarm die Hand an der Wurzel ab und ließen beide Männer erst liegen, als fie, aus zahlreichen Munden blutend, todt schienen. Beide Gendarmen ringen nun mit dem Tode und werden vielleicht bereits in den nächsten Stunden sterbm. Von den bestialischen Bauern wurden bislang 17 eingefangen. London, 19. September. Ueber den jüngsten Wirbel- stürm in Euba find gestern in Qucenstown weitere Nachrichten eingegangen. Der spanische Postdampfer„Espanol", welcher z tuschen Liverpool, Havanna und Matanzas verkehrt, wurde am 4. d. M. von dem Sturm überfallen. Die Ladung geriet h ins Rollen und ungeheure Wogen stürzten auf Deck, so daß die Kajüten unter Waffcr standen und im Maschinenraum das Woffer die Feuer auszulöschen drohte. Eine ungeheure Welle schleuderte den ersten Offizier und 2 Matrosen über Bord, die unrettbar verloren waren. Die spanische Fregatte„Lealtad", t n Schiff mit einem Deplacement von 3000 Tonnen und 1400 Pscrdekraft scheiterte, in Batadano Harbour(nicht bei Sagua, wie « afangs gemeldet wurde) um Mitternacht am 4. d. M. Der einzige Uederledcnde der unglücklichen Fregatte erzählt, daß das Schiff zwei Stunden lang mit dem Sturme fuhr, als aber un- geheure Wogen fich fortwährend über Bord ergoffen und das Schiff fich zusehends mit Waffer füllte, beschloß man, es auf den Grund laufen zu laffen. Als aber eben mit voller Dampf- kraft der Versuch gemacht wurde, brachen fich immense Wellen über dem Schiffe, so daß es unmittelbar darauf scheiterte. Mehrere Offiziere und Matrosen hatten fich an das Takelwerk des Topmastes angeklammert, aber im Laufe der Nacht wurden fie alle von den wüthendcn Wellen weggespült und ertranken. Kapitän Leon Urbino ging mit dem Schiffe unter. 43 Leichen wurden später ans Ufer geschwemmt. Mew-Uork, 17. September. Ein junger Mann, Namens Sharles Percy. versuchte gestern, in einem kleinen Boot die Stromschnellen des Niagara zu pasfiren. Das Boot kenterte augenblicklich, als es in die kochende Fluth gcrieth, und Perey wurde für verloren gehalten. Er kam indeß wiederum an die Oberfläche, und indem er mit großer Geschicklichkeit alle Hinder- niffe auf seinem Wege vermied, landete er schließlich fichcr im Terii's Pool. Er hat somit eine kühne That vollbracht, deren fich vor ihm noch Niemand rühmen kann. Sprechsaal. Die Sikdaktion stellt die Benutzung de» S?rechsaal», soweit Raum dafür abzugeben dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheit~-- Ist, zur Verfügung; sk ... ten allgemeinen Zntereffe» verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desielben identistzirt zu werden. So sehr ich den prinzipiellen Standpunkt echte, den der Herr Kollege F. Heinke aus Leutewitz bei Dresden in Nr. 214 dieserkZcitung in Sachen des Untersiützungsv'ereins der Bild- Hauer Deutschlands einnimmt, ganz abgesehen davon, daß es ihm leichter wird, denselben zu veltreten, leichter als uns den vnsrigen, kann ich dock nicht umhin, auf einige Jrrthümer und Unrichtigkeiten aufmerksam zu machen.— Erstaunt war ich, zu lesen, daß wir eine freie, selbstständige Ar- beitervercinigung an den Rand des Abgrundes ge- bracht hätten. Wir vermißten im Gegentheil eine solche wünschenswerthe Freiheit schon seit Jahren und glaubten auch nicht, daß wir auf absehbare Zeit damit beglückt würden. Der ewigen Drangsalirungcn müde, wollten wir durch dm gefaßtm Beschluß, auf die Forderungen der preußischen Behörde einzu- gehen, die Vereinigung im ein ruhiges Fahrwaffer lenken, und zwar im Jntercffe des Gros der Mitglieder, welches fich um Prinzipenfragen wenig oder gar nichts küm- mert. Hätten wir es zur Auslösung kommen lassen, hätten wir der persönlichen Meinung Einzelner Rechnung getragen, die Mehrzahl, die an den Kaffencinttchtunqen hängt, hätte uns gesteinigt. Daß auch die Frage, bett. Neu« begründung eines Gewcrkoereins auf Grund§ 152 der Gewerbeordnung auf der Generalversammlung in Stuttgart ventilirt wurde, biauche ich nicht zu betonen; ernsthaft diskulirt wurde fie nicht, da von einer wirklichen Vereinigung bei einer so kleinen Gewerkschaft dann keine Rede mehr sein konnte.— Von einer Urabstimmung ist im alten Statut nichts enthalten, und dieses allein ist bis dato maßgebend.— Ueber die eventuelle Rückgrat» lofigkeit der zu wählenden Vorstandsmitglieder möchte ich mit Herrn Kollegen Heinke nicht streiten. Thatsache ist nur: 1) daß das Rückgrat nicht im Munde fitzt; 2) daß es schon seit lange falsch ist, politisch thätige Personen mit Aemtern in gewerk- schaftlichcn Verbänden zu betrauen, rmd daß das sogar vom„Berl. Volksblatt" vettreten wurde.— Für die Bemerkung, daß die Berliner Kollegen nach„berühmten Mustern" auf die übrigen Delegirtcn eingewirkt haben—„fie wollen nicht mehr mitmachen, wenn es nicht nach ihrem Schnabel gebt'— können fich letztere bei Herrn Kollege Heinke bedanken. Thatsache ist, daß nicht einmal so etwas ähnliches vor sich gegangen ist. Kollege H. hat fich einen Bären aufbinden laffen. Im übrigen verweise ich auf das stenographische Protokoll, welches in einigen Wochen gedruckt erscheint. Berlin, den 22. September 1888. P. D u p o n t, Bildhauer. Neueste Nachrichten. Die Kourgeoispreffe bespricht seit einigen Tagen einen Auszug aus dem Tagebuch Kaiser Friedrichs IU., welches der- selbe in den Kriegsjahren 1870—71 geführt hatte. Der Auszug war zuerst in der„Deutschen Rundschan" veröffentlicht und ganz darnach angethan, ein neues Licht auf Personen und Er- eigniffe jener Epoche zu werfen. Den Freifinnigen werden die Aufzeichnungen des verstorbenen Kaisers wahrscheinlich zu großem Nutzen bei den bevorstehenden Landtagswahlen ge- reichen. Hauptsächlich deswegen veröffentlicht die„Nordd. Allg. Ztg." in ibrer gestrigen Abendausgabe folgendes hoch- offiziöse Entrefilet: Unt.r der Ueberschrift:„Aus Kaiser Friedrich's Tagebuch" hat die„Deutsche Rundschau" Auszüge aus einem Tagebuche veröffentlicht, welches wahrend des Krieges 1870—71 angeblich der Kronprinz— nachmalige Kaiser Friedrich)U. geführt haben soll. Wir find zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Ver» öffentlichung ohne Vorwiffm Sr. Majestät des Kaisers und Königs erfolgt ist. Was den Text des angeblichen Tagebuchs des ver- ewigtcn Kaisers betrifft, so enthält dafselbe nach den Erinnerungen der bei den Ereignissen betbeil'glcn Persönlichketten so starke chronologische und thatsächttche Jrrthümer, daß die Echtheit bezweifelt werden muß. Namentlich ist es ausgeschloffen, daß der ganze Inhalt von dem Kronprinzen selbst herrührt und täglich also in frischer Erinnerung von ihm aufgezeichnet worden ist. Wien« 24. September. Wegen Verdachtes der Geheim- bündelet fand am Sonnabend im Redaktionsdureau des ge- mäßigten Arbeiterpartei- Organs„Gleichheit" eine Haussuchung statt. Die sozialvemokratischen Arbeiter Burianek, Gabriel und Bartosch wurden verhaftet. Telegraphische Depesche». (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Kerlin, Montag 24. September. Nach hier eingegangenen Nachrichten hat gestern auf die Niederlassung der deutschest- afrikanischen Gesellschaft in Bagamoyo ein Angriff stattgefunden, welcher jedoch mit Hilfe eines Landungskorps von der Kreuzer- fregatte„Leipzig" nach kurzem Gefecht zurückgeschlagen wurde. Die Araber ließen 100 Todte zurück, während auf deutscher Seite kein Verlust stattfand. London, Montag, 24. September. Dem„Reuter'schen Bureau" wird aus Kairo unterm beutigen Datum gemeldet, daß das englische Kanonenboot„Racer" mit einem andern Schiffe unverzüglich nach Suakim absegeln würde. Ein egyptisches Bataillon werde fich ebenfalls dorthin begeben, um die Garnison zu verstärken. Madrid, Sonntag 23. September, Abends. Der frühere Marschall Bazaine ist heute Nachmittag gestorben. itrnr-Uarlt, Montag, 24. September. Das gelbe Fieder hat fich den Misfissippi entlang, von New-Orleans bis LouiS« ville ausgedehnt. In Memphis ist die schärfste Quarantäne eingeführt und hindert die Miliz den Eintritt aller verdächtigen Personen._ Kriefkasten der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die Abonnementi-Quitwng beizufügen. Brieflich» Antwort wird nicht er th eilt. ©. I. fJ5. Ein Spar- und Vorschußverein muß seine Generalversammlungen mit Rücksicht ar f den kleinen Be« lagerungs zustand der Polizeibehörde zum Zwecke der Genehmi- gung anmelden, besonders dann, wenn auch Nichtmitglicdcrn die Theilnahme an der Versammlung gestattet werden soll. 2. Es steht nichts im Wege, daß bei den Vorsiandsfltzungcn auch Nichtverbandsmitglieder zugegen find. Natürlich können diese bei den Vorstandsbeschlüssen nicht mit abstimmen. P. JO. 115. Beschweren Sie fich über den ablehnenden Bescheid des Landraths beim Oberpräsidcnten. Die Frau kann unter den angegebenen Umständen zur Zahlung von Schulgelv für ihre Kinder nicht gezwungen werden. F. I. 11. Sie können fich dem gesetzmäßigen Verlangen der Kordmacher> Innung nicht entziehen, ohne sich strafbar zu machen. Der§ 100e der Gewerbeordnung in Verbindung mit der mitgetheiltcn Verfügung des Polizeipräsidiums giedt eben der Innung das in Anspruch genommene Lehrlings- privlleg. K. I. 83. Der hiesige Polizeiprästdent hat, wozu er nach einem neueren Gesetze berechtigt ist, der hiesigen Barbier- Innung das ausschließliche Recht zur Haltung von Lehrlingen ertbellt. Da Sie der Innung nicht angehören, kann Ihnen das Holten von Lehrlingen verboten werden. Eigene Fabrikation von Damen-Mäntel War war& Leisem Bosentbalerslr. 1617. Zu Beginn der Kerbst- u. Winter- 687 Saison empfehlen wir Regen-PaBetots »im 10 Mark a« bi« z» de» feinste«©nalitatrn. Winter-Paletots V#» 15 Mark an bi«?u den allerbesten«»»res. Größtes Lager in Iaqnets, Radmantel, Kisttes«. Vlnsch» mäutei in Wolle u. Seide. V»«»rde« nur die beste« Ktoffe verarbeitet, fowie «nr dnrchans gntsttzend» Kochen verabfolgt Sireng reelle Bedienung! Feste Preise! Allen Parteigenossen empfehle mich als Zeitnngsspediteur. Ich liefere lämmtliche Zeitungen u. Zeitschriften, wieLr»nzöstfche Revolution. Internationale Kibiioikrk,„Der wahr« Jacob" jc., pünktlich ins Haus. A. Quandty 690_ Furbrivgerstr 26. 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