* ம் 進 Fe 3 els t e n e t I. n 833 D n 2 De 7. S 6 6 النانوشه فرش سرما Jr. 226. 事 Mittwoch, den 26. September 1888. 15. Jahrg. Berliner Volksblatt. » Organ für die Interessen der Arbeiter. Berliner Volksblatt" erfcheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Bf. Bostabonnement 4 Mart. Einzelne Nummer 5 Bf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.) Redaktion: Beuthstraße 2. Abonnements- Einladung. Insertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Expedition: Zimmerstraße 44. Von oben oder von unten? In der guten alten 3eit, wo es noch kein allgemeines Bum Quartalswechsel erlauben wir uns zum Abonnement Wahlrecht gab und der Glaube an die Volkssouveränetät auf das ins Buchthaus oder gar aufs Schaffot führte, entstand die fagt, auf der Anschauung ruht, daß das Volk aus unmün bald huldreich streichelnden, bald züchtigenden Hand der väterlichen, Vatersstelle vertretenden Staatslenker auf richtiger Bahn gehalten und vor Abwegen und vor der Gesellschaft böser Buben" bewahrt werden müssen. Berliner Volksblatt dere vom väterlichen Regiment, welche, wie ber Name benebst dem wöchentlich erscheinenden Sonntagsblatt einzu. bigen Kindern bestehe, welche von ber laben. Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf dem Boden des unbeugfamen Rechts. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und Streiter für die Aufhebung und Ausgleichung der Klaffengegenfäße ist das Berliner Volksblatt" ein entschiedener Gegner feber Bolitit, die ihre Endziele in der Bevorzugung einzelner, heute schon mehr berechtigter Gesellschaftsllaffen findet. Das Berliner Volksblatt" sucht seine Aufgabe durch fachliche Behandlung der politischen als auch der Tagesfragen zu erfüllen. Die gleichen Grundfäße leiten uns bei Besprechung unferer städtischen Angelegenheiten. Im Feuilleton unseres Blattes veröffentlichen wir Aus gangs September ab einen ausgezeichneten Roman aus dem amerikanischen Arbeiterleben, betitelt Mit Ausnahme einiger hinterpommerschen Junker und besonders urwüchsiger Landpaschas wagt heute Niemand mehr sich zu dieser wunderbar bequemen und gemüthlichen" Lehre in allen ihren Konsequenzen zu bekennen, aber trotz dem spuken die Anschauungen, die ihr zu Grunde liegen, noch vielfach in unseren Regierungskreisen und äußern sich namentlich in dem zur festen Praxis gewordenen Saß, daß auf dem Gebiet der Gesetzgebung was von unten, d. h. aus dem Volfe kommt nichts tauge, und daß das Gute, gleich dem biblischen Segen, von oben zu kommen habe, wo alle Weisheit, alle Macht und alle Gerechtigkeit wohnen. Die Folge iftum insbesondere die Arbeitergesetzgebung herauszugreifen, daß auf die von unten, d. h. aus den Kreisen der Arbeiter, geäußerten Wünsche und Die Ritter der Arbeit" Borflage gar keine Rüdſicht genommen, dem Boll„ unten" überlegt von Natalie Liebknecht. Schon der Name derlUebersetzerin bürgt dafür, daß unseren Lefern bier eine ebenso spannende wie gediegene Lektüre ge boten wird. Unser Sonntagsblatt( macht es sich nach wie vor zur Aufgabe, nur die besten und vollendetsten Arbeiten derjenigen Schriftsteller zu bringen, die auf dem Boden des wirklichen Lebens stehen. Das Berliner Volksblatt" toftet für das ganze Viertel jahr frei ins Saus 4 Mark, für den Monat Oktober 1 Mark 35 Pf., pro Woche 35 Pf. Bei Selbstabholung aus unserer Expedition 1 Mark pro Monat. sogar das Aeußern von Wünschen und Vorschlägen möglichst erschwert, wenn nicht geradezu verboten wird, und daß die hoch über den niederen Sterblichen thronende Regierungsweisheit von ihrem Olymp herab die Geschicke der Arbeiter zu deren Vortheil und darum ohne Rücksicht auf deren unverständigen Willen zu leiten fucht. Die Früchte liegen vor uns in Gestalt der beiden Versicherungsgesetze und der Grundzüge der Alters. versicherung und ferner in Gestalt des So zialistengesezes, des Puttkamer'schen Streiterlasses, sowie der unzähligen weiteren Maßregeln dieser Art. Niemand ist mit den Ergebnissen zufrieden, selbst nicht trop des be Hauptträger und Vertreter des Systems täubenden Reklametamtams der dafür bezahlten Reptilpreffe. Im vorigen Jahrhundert stand das System des„ von oben" Regierens und Beglückens in vollster Blüthe. Es nannte fich aufgeflärter Despotismus". Heute, wo wir Verfassungen, Rammern, Reichstage, furz Sen Regierungsparlamentarismus haben, ist der Name ver " Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mart ents Die Redaktion und Expedition pönt. Doch was liegt am Namen? gegen. beberliner Bolksblatt". Feuilleton. An unrechter Stelle. Nach einer russischen Erzählung von Dr. J. 2. XVI. " Genug der aufgeklärte Despotismus" hatte seine Glanzzeit im vorigen Jahrhundert, Friedrich der Große, " Aus welchem Grunde?" Er hat eine Menge Bekanntschaften und wird viel [ 12 leicht einen Ausweg finden; er zeigte eine gewisse Hochachtung für Ewgescha?" " Ja, hat er denn derartige Bekanntschaften? Nein, fage ihm lieber nichts, er könnte vielleicht noch plaubern." Während folcher Gespräche hatten beide einen häßlichen Gedanken, den sie nicht auszusprechen wagten. In den Augen Maluga's rief dieser Gedanke denselben Ausdruck der Furcht hervor, den fein Se fretär öfters an ihm bemerkte. Man mußte ben Bekannten das Verschwinden Ewgescha's erklären. Die Eltern beschlossen anzugeben, sie wäre zu einer Zante nach Balta gereist und würde dort, wegen eines beginnenden Bruftleidens, den ganzen Winter zubringen. Man tannte die Ursache der nicht zu Stande gekommenen Heirath, und Allen erschien diese Reise als eine gewisse 3er freuung verständlich; es giebt kein besseres Mittel gegen ders russischen vielleicht" und artigen Gram, als eine sofortige Abreise nach irgend einem weitentfernten Ort. " Untderdeffen verging eine geraume Zeit. Die Trauer um Ewgescha war eine mildere geworden, und der Gedanke an die ihr drohende Gefahr verscheuchte man mit dem Gott ist barmherzig". Warum sollte man sich auch wegen der Zukunft Sorgen machen, vielleicht droht gar kein Unheil. mo hi Der Winter hatte sich eingestellt und das WeihnachtsBei Maluga's erstrahlte ein Tannenbaum mit vielen Kerzen; die Freudenrufe der Kinder Der Schlag, der Maluga getroffen, war nicht ohne Folgen für ihn; man bemerkte eine Nervosität an ihm, wie fest war herangekommen. feinen Bekannten die gewöhnliche Melodie über die Leiden fanden in dem elterlichen Herzen einen Wiederhall. Boligena bes Bolles anhub, daß er plöglich, ohne die Phrase zu und ihr Mann waren glüdlich. Maluga zerschlug eine bigen, die Unterhaltung abbrach. Sein Sekretär bemerkte amerikanische Nuß für ſein Löchterchen, welche vergeblich mit einmal, daß er ihn mit Furcht betrachtete, und erbleichte, ihren 3ähnen daran gearbeitet hatte. er ihm ein Papier zum Unterschreiben vorlegte, obwohl als bies Papier durchaus nicht schrecklichen Inhalts war: die ewöhnliche Quittung über neu tommene Gefangene. anges Seine Freunde erkundigten sich oft nach Ewgescha's fich die Einzelheiten des Lebens in Balta auszudenken, um Befinden. Und Maluga mit seiner Frau waren gezwungen, Sich nur, Julia, welch' ein großer Kern," sprach der Vater; jegt verlangte das Kind noch einen großen Bonbon in Goldpapier, der an der Spiße des Tannenbaumes hing. Maluga stellte sich auf einen Stuhl und bemerkte von dort aus seinen Gehilfen in der Thür stehend. Ah, Stephan Nikolaewitsch," sagte Maluga, ich stehe sofort zu Ihren Diensten, ich nehme nur das Ronfett für " Ratharina die Große, und Joseph der 3weite, der unter diesen Großen" der größte war, obgleich er nicht so hieß, waren flassische Vertreter dieser Richtung und setzten ihr Aeußerstes daran, ihr zum Siege zu verhelfen. Mit welchem Erfolg! Allgemeiner Schiffbruch. Und wer das Nähere wissen will, der lese die Geschichte der französischen Revolution. Kein Wunder, daß dieses System mit seinem impotenten Johannistrieb nicht leisten kann, was es in der Fülle der Kraft vergebens erstrebte. In der Schweiz, wo trotz der Ausweisungen und Utase der demokratische Geist nicht abgestorben ist, befolgt die Regierung auf dem Gebiete der Arbeitergefeßgebung genau die umgekehrte Methode als in Deutschland. Sie geht von der Ueberzeugung aus, daß die Arbeiter von Arbeiterange legenheiten mehr verstehen als die Nichtarbeiter, und daß eine Arbeitergesetzgebung ohne Mitwirkung der Arbeiter ein Unding ist. Von unten herauf! heißt dort die Losung, und nicht nur, daß der Bundesrath der freien Entwickelung der Arbeiterorganisationen und dem freien Willen der Arbeiter keine Hindernisse bereitet nein er zieht die Arbeiter thatsächlich zur Mitwirkung heran, fordert und nimmt ihren Nath in Fragen der Arbeitergesetzgebung und hat das für die Arbeitergesetzgebung wichtigste Amt in der Eidgenossenschaft das Arbeitersekretariat durch die Arbeiter besetzen lassen. Also das diametrale Gegentheil der in Deutschland ben liebten Praxis. Welche Methode sich am besten bewähren wird? Nun, die Geschichte hat längst die Antwort gegeben sie wird dem„ väterlichen Regiment" zu Liebe, welches„ von oben" das Füllhorn des Glücks über die Völker ausstreuen will und jede Regung von unten" als staatsgefährlich bekämpft, ficherlich ihre ehernen Geseze nicht abändern. Wieder Einer! Unsern Lesern haben wir bereits vor längerer Zeit eine eingehende Rritit des Geseßentwurfs betr. die Alters- und In validenversicherung der Arbeiter geliefert. Aus derselben konnten fte ersehen, daß auch aus den Kreisen der zünftigen Dekonomen die gewichtigsten Einwürfe gegen den ersten und zweiten Entwurf geltend gemacht wor den find. Der zweite Entwurf hat bekanntlich nur die wesentliche Aenderung gegenüber dem ersten, den sogenannten Grund zügen, daß er die Berufsgenossenschaften in den Verwaltungs apparat nicht hineinnimmt. Der österreichische Erminister und schwäbische Exprofeffor, Exzellenz Schäffle, eine der biegsamsten und anpassungsfähigsten Nun, dann mache ich den Vorschlag, wir bringen das schnell zu Ende, was Sie mir zu sagen haben, und dann feßen wir uns zu Tische und leeren ein Fläschchen." Im Grunde genommen- daß heißt ich habe eigentlich garnichts mitzutheilen, ich tomme nur so zu fällig." " Danke für die Aufmerksamkeit. Kommen Sie jetzt nach dem Wohnzimmer, dort ist es fröhlicher." o Der Gaft hatte sich noch nicht erhoben. ,, Ewgenia Benjaminowna ist noch nicht gekommen?" fragte er plöglich, feine Berlegenheit unter einem Hustenanfall verbergend. Beunruhigende Gedanken stiegen in Ma luga auf. Er glaubte, sein Gehilfe habe etwas über Ewgescha erfahren. damit." ,, Nein, sie ist noch nicht angekommen," entgegnete er; es scheint aber, Sie hätten etwas zu sagen und zögerten Der Gehilfe senkte schweigend das Haupt; seine Augen hatten einen trüben Aasdruck. Sprechen Sie um des Himmels willen!" Mit leiser Stimme sprach der Gehilfe ein Wort. Es war dasselbe Wort, welches so oft Maluga und Polizena erzittern machte. Mit Schluchzen warf sich Maluga auf sein Lager. XVII. Jetzt begann eine mühselige Beit. Einen Tag wie den anderen machte Maluga den verschiedensten Persönlichkeiten Besuche; er wartete in den Empfangszimmern und fand Einlaß in den Rabineten der Hochgestellten, hörte viele Versicherungen des Mitgefühls und kam stets entmuthigt nach Hause. beffer gehe, daß sie fast nicht mehr huste, daß dort der Rabinet," wendete er sich an den Gast, ihm die Hand die Sache sich zum Guten wenden möge, so mußte er doch feinen Berdacht zu erweden. Sie erzählten, daß es ihr meine Kleine herunter. Da Julia. Rommen Sie in mein Herbst wie im Norden der Frühling sei u. dergl. m. reichend. Unter sich sprachen sie häufig, ob es denn gar nicht möglich fei, zu erfahren, wo sie weile, ob sie gesund sei, folgte dem Hausherrn. wie sie lebe. Wie ein dichter Wald stand vor ihnen die Ungewißheit, und kein Pfad führte in ihn hinein. Sh denke wäre, ulew zu Rathe zu ziehen." zuweilen," sagte Maluga, ob es nicht recht Der Gehilfe, eine hagere Gestalt mit dünnem Barte, Nun, was bringen Sie? Alles in Ordnung?" fragte Maluga, als sie im Kabinete Platz nahmen. „ Ja im allgemeinen gesprochen- alles in Ordnung," antwortete der Angeredete. Wie leidenschaftlich er auch zu glauben wünschte, daß einsehen, daß sie faft eine hoffnungslose sei. Du brennst, mein Kind, wie ein Licht im Winde!" dachte er und quälte sich Tag und Nacht.- Er fühlte, wie das Leben von ihm wich, und sagte sich umsonst, daß er auch Frau und andere Kinder habe, für die er leben müsse. Alles war machtlos gegen die nagenden Gefühle des Grames; es schien ihm unmöglich weiter zu leben. Um Naturen unseres öffentlichen Lebens, hat in der„Allgemeinen Zeitung" und in der„Deutschen Wochenschrift" in einer Reihe langathmiger, entsetzlich schlechtstilifirtcr Artikel ein recht abfällt« ges Urtheil über die„Krönung des Gebäudes der Sozialreform" gefällt. Lujo Brentano ferner, der jetzt an der Wiener Univerfität einen Lihrstuhl inne hat, sah ffch gleichfalls veranlaßt, in den Conradschm„Jahrbüchern für Ratio nalötono- tnie" die Alters- und Jnoalidenversorgung in ihrer ■tvirllichen Bedeutung als Plan einer Armenstcuerreform zu Gunsten der Bourgcoifie gründlich zu charaklerifiren. Am elegantesten, schonungslosesten, witzigsten hat dann Pro« feffor Platter in Zürich im„Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik" diese Alters- und Jnvalidenverfickerung abgethan. Em Wuthschrei ging durch die offiziöse Preffe, und dieselbe „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", dieselbe„Leipz. Zeitung", die zuerst das„Archiv" als werthvolle Bereicherung der volks- wirtbschaftlichen Literatur degrüßt hattm, begeiferten nun den ehrlichen Platter in der ihnen angeborenen Fischweibermanier zum Entzücken aller Reaktionäre. Run hat zwar der einstige Verfechter des Tabakmonopols im Deutschen Reichstage, Herr Georg von Mayr, Exzellenz, in Jkm vor kurzem erschienenen zweiten Heft des„Archiv" diese Scharte ausgewetzt. Er hat mit verblüffender Schneidigkeit so ganz nebenbei und aus dem Stegreif Herrn Platter in Zürich einen Seitenhied versetzt— im studentischen Jargon würde man diesen Hieb einen tnkommentmäßigen„Sauhieb" nennen—, indem er mit vollen Backen die koloffalen Erfolge der modemen Sozialreform herausstrich und mit Stirnrunzeln und heiliger Entrüstung voll von dem„Uebcrmaß verkleinernden Mißtrauens", gegen das er, Herr von Mayr,„ein nicht unerwünschtes Gegen- gewicht" bringe, zu reden beliebte. Ader es geschehen Zeichen und Wunder. Nicht dlos nationalökonomische Zeitschriftm, wie„Conrads Jahrbücher", die, Jo großen Spielraum fie auch der Vulgärökonomie gewähren, »och eine gewisse Sachlichkeit befitzen, nicht bloß das„Archiv", das fich programmgemäß zum Asyl für alle wissenschaftlichen Meinungen auf sozialpolitischem Gebiete machen will, nicht dlos solche Organe find es, die dem Alters- und Jnoalidenverficherungs» Entwurf hart zu Leibe gehen. Nein,-auch Blätter, die gewerds« mäßig reinkapitalrsrische Interessen verfechten, die offiziell nichts find und nichrs sein wollen, als Organe des Unternehmerthums, machen energisch Front gegen den Entwurf. In den zwei letzten Nummern der von uns schon öfters zitirten und kritrfirten„Zeitschrift für Handel und Gewerde", dem Organ der deutschen Handelskammern(Nr. 15 vom 26. August, Nr. 16 vom 2. September l. I.), behandelt der Se« kretär der Aachener Handelskammer, Herr Dr. R. van der Borgbt, gleichfalls die jüngste Schöpfung der„Sozialreform von Oden". Herr R. van der Borght ist das Muster eines bürgerlichen Oekonomen, er ist nichts weniger als ein„Reichsfeind, er ist ein Freund der offiziellen Sozialpolitik. Aber auch er fejzt fich an den Tisch, wo die Spötter fitzen, auch er hebt einen Stein auf und wirft ihn auf den jetzt schon so viel geschundenen Entwurf. Nur Einiges sei aus seinem Aufsatz herausgegriffen! Er sagt:„Das Ziel unserer sozialpolitischen Gesetzgebung ist die Schaffung und Sicherung des sozialen Friedens. Soll die de» abfichtigle Jnva iden- und Altersversicherung in diesem Sinne wirken,.... so muß dem Arbeiter eine seiner früheren Lebens- Haltung entsprechende und das auch von ihm verbürgte Recht der Ii dividualität nicht mit rauher Hand vernichtende Ledens- führung auf rechtlicher Grundlage für die Zeit seiner Invalidität zugefichert werden.... Diese Aufgabe ist in dem Gesetz« «ntwuri rollständig bei Seite geschoben. Der Gesetzentwurs ist thatsöchlich nichts weiter als ein Versuch, die Last der Armen- pflege anders zu vertheilcn.... und zwar ein Versuch, der ausschließlich von dem Standpunkt der Arm ensteuer Pflichtigen (d. i. in erster Reihe die Bourgeoisie Ref.) ausgeht.... Die Erwägungen, auf deren das Unheil Brentano's und Platter's über den allgemeinen Charakter der Grundzüge beruht, passen säst ausnahmslos auch auf den Gesetzentwurf." R. van der Borght sagt ferner:„Anstatt offen zuzugeben, daß das in der kaiserlichen Botschaft vorgezeichnete Ziel, wenn euch nicht für immer fallen gelassen, doch einstweilen zurück- gestellt ist, erhebt der Entwurf den Anspruch, eine Invaliden- und Altersversicherung der Arbeiter zu schaffen, und weite Kreise find blind genug, sich dem Traume hinzugeben, es könne durch ein dem Entwurf entsprechendes Gesetz die Aussöhnung der arbeitenden Klaffen mit der bestehenden Gesellschaktsordnung wesentlich gefördert werden." Doch weiter im Text!„Man stelle fich vor, zu welchem Grade des Elends oft ein Ardeiter heruntcrfinken muß. ehe er den Anrrag auf Invalidenrente erheben kann.... Kann man es als die Sicherung einer„menschenwürdigen Existenz" aus- geben, wenn man den Arbeiter oft Jahre lang ein Dasein zu fristen zwingt, bei dem er zu den härresten Entbehrungen, zur sukzessiven Zerrüttung seines lö perlichm und geistigen Zustandes genörhigt ist?.... Es ist ganz unentbehrlich, schon eher ein« zutreten, als in dem Augenblick, wo der Arbeiter, nachdem er sonst erinnerte ihn Polixena,welchedieVerzweislungdeS ManneS sah, an seine Pflicht, für seine anderen Kmder zu leben. „Ich weiß eS, ich weiß eS," wiederholte er kummervoll, „aber was ist zu thun, wenn mir die Kraft fehlt." „Aber, wie kann man hier helfen?" „DaS ist es eben, was mich von Sinnen bringt, daß ich auf diese Frage keine Antwort finde." In der Nacht, wenn er von schwerem Schlummer erwachte und nicht wieder einschlafen konnte, kam ihm plötzlich die klare, kurze Antwort:„Laß sie entfliehen!"— Er fuhr zusammen, als ob plötzlich ein Blitzstrahl sein Haus getroffen hätte und wies diesen Gedanken mit Entrüstung von sich. Am andern Tage kam ihm dieser schreckliche Gedanke wieder und erhielt schon nicht mehr eine so entschiedene Abweisung. Er be« gan« zu überlegen, erwog die Folgen, die eS für ihn haben konnte, für seine Frau und Kinder; dann dachte er an seine Pflicht, letzteren eine Erziehung zu geben. Kaum hatte er aber in dieser Verpflichtung eine Stütze zu finden vermeint, so zeigte sich ihm wieder das Bild der Lage Ewgescha'S. Es erregte ihm ein solches Mitleiden, daß in «inem Augenblicke Frau, Kinder, Pflicht des Dienstes ver- geffen war und nur der heiße Wunsch übrig blieb, Ewgescha zu retten. Und wenn die Ausführung in derselben Minute möglich gewesen wäre, er hätte nicht gezaudert. Diese Be- trachiungen ließen ihn einen Plan fassen. Wie in der Wirklichkeit spielten sich vor seinem geistigen Auge die einzelnen Vorgänge deS errettenden Planes ab, und sein Herz pulsirte in schnellen Schlägen. Plötzlich aber ward er wie von einem kalten Wasserstrahl getroffen: und die Pflicht des Dienstes? und dre Frau und Kmder?„Du vergißt Dich auch selbst," schrie ihm eine Stimme zu— doch die anderen Stimmen erstickten sie.— Nicht nur eine Nacht kämpfte er einen solchen Kampf. Es war für ihn eine Zeit der schrecklichsten Seelenfoltern, eine Zeit, die nur Leute ohne jede Willenskraft durchleben können. Nach einigen Tagen des inneren Kampfes entschied sich Maluga endlich, einen Schritt vorwärts zu machen. Das beständige und zwecklose Selbstfoltern brachte ihn zum Eni- schluß, sich mit Ulew zu berathen.„Das ist ein entschlossener Mensch," dachte er,„wir wollen sehen, ob er meinen Plan alle Stadien des Elends durchgekostet hat, auf dem Punkte steht, zu veihunaern. Wenn es erst soweit gekommen ist, dann wird die karge Rente auch nicht mehr hinreichen, dem Arbeiter das Gefühl zu nehmen, daß er das Opfer der heutigen Gesell- schaftsordnung ist. Die Zahl derjenigen, die dann nach jähre- langer Verbitterung den Klauen der Sozialdemokratie(Nicht übel! Red.) entttssen werden können, wird eine sehr kleine sein, die Zahl derer aber, die fich ihr zuwenden, wird Legion sein, weil man ihnen da, wo ihnen Brot gereicht werden sollte, nur Steine bietet, wie es nach dem Entwurf der Fall ist." Ferner:„Einen offenbaren Rückschritt hat der Entwurf insoferne geihan, als er die Begünstigung der Berufs- krankheitcn, die in den Grundzügen vorgesehen war, voll- ständig beseitigte." Von den Abstufungen der Altersrente sagt unser Handels- kammerlicher Kritiker, daß das„höhere Maß staatlicher Für« sorge" sich als./recht bescheiden" erweise. Ueder die Vcrtheilung der Beiträge auf Reich, Unternehmer, Arbeiter sagt er:„Bei einer Armensteuerreform, um die es sich im Entwurf Handell, erscheint es sehr wenig angemessen, die Ar- beller zu den Lasten heranzuziehen, von denen fie bis'er befreit waren, und dadurch auf Kosten der Arbkiter eine Entlastung de? bisher zur Aufdringung der Armenlasten verpflichteten Kreise herbeizuführen. Das, was die Ardeller gegenüber dem bisherigen Zustande durch ihre Beträge erkaufen, steht nicht im Verhältniß zu den Lasten, die ihnen jetzt aufgebürdet werden sollen." Diese Blüthenlcse aus dem Borght'schen Garten wird gc« nügen. Wir betonen nochmals: die vernichtende Kritik kommt von einem eifrigen Vertreter des herrschenden Systems, von dem Beamten einer echtm Bourgcoisorganisation, von einem Bour- geoisökonomen. Schäffle, Brentano, Platter, van der Borght, wie wird unseren Reichsvhilistern, wenn sie viese Namen hören? Werden sie noch fortfahren, von der„Krönung des Gebäudes der Sozialreform" zu faseln, zu schwärmen, zu lügen!? Ei, warum auch nicht? Heber den unabhängigen Kritikern schwebt im lichten Äether der Unparteilichkeit der Kommisfions- rath Pindter von der„Nordd. Allg. Ztg." Und Pindter lobt den Entwurf. DnMak'ibmsporiclmzm. Zürich» 22. September. Der„Sozialdemokrat" wird, wie Sie bereits gemeldet haben, sein Domizil wechseln und den Boden der ällesten Republik mit dem einer Monarchie ver- tauschen. Es liegt in dieser Veränderung eine bittere, beißende Satyre auf die politischen Zustände in der Schweiz. Der„Schweizerische Sozialdemokrat" ruft den Genossen zu ihrer Uebersiedelung ein herzliches„Glückauf!" zu und fährt dann soll:„Der Boden Ea.lands vermag ein so streitbares Kampforgan der Sozialreoolution besser zu tragen, als unser kleines Ländchen, und das englische Volt hat durchschnittlich mehr und regeren Sinn für die persönlichen Freibeitsrechte der Bürger, trotzdem es in einer Monarchie lebt, als unser Volk, das mehr seine historische Staatsform verehrt, als seine Rechte und Freiheiten. Keinenfalls geht unser Volk in seinem Republikanismus so weit, denselben auch für Fremde, die unter ihm wohnen, gelten zu lassen und es ist auch in seiner großen Mehrheit bereit— Repuhlik hin. Republik her—, Mitbürger, die es in seinen hergebrachten Anschauungen stören, monarchisch maßregeln zu lassen. Zeiten Höheren politischen Aufschwungs ausgenommen, war der Schweizer politisch immer stark egoistisch gestnnt. Und er hat damit, praktisch ge- nommen, nicht so ganz unrecht; nur sollte man diesen Egoismus nicht so übertreiben, daß er verächllich wird. Der Engländer kennt diesen politischen Egoismus auch; allein er wird bei ihm korrigirt durch einen gewissen Stolz auf die Frei- heit seines Landes, der es nicht zuläßt, diese Fremden gegen- über zu verleugnen oder zu beschränken. Dieser Stolz fehlt bei uns und unsere ausschließlich vorfichtige Regierung sucht den- selben auch nicht zu wecken." Die Spiller' sche Verfügung gegen den Schlofferstreik im Sommer 1886 hat ihre Auferstebung gefeiert.— Wir hatten berichtet, daß am Züricher See, in Neuendorf und Räsa, die Seidenardeiter zweier Fabriken von ihren humanen Herren ausgesperrt worden fiod. Trotz aller Versuche der Arbeiter, einen gütlichen Vergleich zu Stande zu bringen, und trotzdem in den Fabrikräumen die Ruhe des Friedhofes herrscht, sind die Herren nicht zum Einlenken zu bewegen. Wie alle Streikende oder Ausgesperrte zu thun pflegen, so haben auch die Seidenarbeiter ihre Wachtposten ausgestellt, em- pfangen in kollegialer Weise eventuell Zureisende, de- wirthen dieselben und Hären fie über die Situation auf. Das erschien dem Gcmciv.dcrathe von Neuen- darf staatsgefährlich, und um diese Gefahr abzuwenden, promul« girte er folgende Verfügung:„Es ist strenge untersagt, Ar« bester in Fadrillokalitäten, sowie auf dem Wege zu und von gutheißt, ob er bereit ist, sich an der Ausführung zu be- theiligen. Ich weiß nicht, ich glaube schwerlich, daß er eS thun wird." Und so sonderbar auch dies erscheinen mag, Maluga entschloß sich nur auS dem Grunde, seinen Plan Ulew mit- zutheilen, weil er die Hoffnung hegte, Jener werde nicht einwilligen. XVIII. Ulew ließ die Baßtöne seines Klaviers mit einer solchen Heftigkeit ertönen, daß er das Hereintreten Maluga'S nicht vernahm. Bei der lauten Anrede desselben wandte er sich um: „Ach, Benjamin Petrowitsch! Verzeihen Sie, ich war in meinem Spiel so vertieft. In dieser Woche findet eine soiröe mnsicale zu wohlthättgen Zwecken statt und da muß ich meine Partie einüben. Nina Afa- nassewna wird meine Parwerin sei». Warum nehmen Sie nicht Platz? Sie sehen übrigens recht angegriffen aus." „Ich quäle mich vom Morgen bis zum Abend, und vom Abend bis zum Morgen. Es muß etwas für Ewgescha gethan werden." „Haben Sie bereits über das„Was" und„Wie" nach- gedacht?" „Ich wollte mit Ihnen darüber sprechen, Ihnen— ein Projekt vorlegen.— UebrigenS, eS ist besser nicht darüber zu sprechen; wozu Sie noch in eine solche Angelegenheit verwickeln.' .Ja, ich bin doch kein Kind... Wenn es mir nicht gefällt, sage ich einfach: ich will nicht. Lassen Sie mich die Sache hören." „Mich verfolgt beständig der eine Gedanke.— Geben Sie mir Ihr Wort, daß alles, was ich Ihnen sage, zwischen unS bleibt." „Da haben Sie mein Wort." „Sehen Sie, ich dachte...." Maluga beugte sich zu Ulew hinüber und flüsterte:„Könnte man sie nicht be- freien?" „Auf welche Art?" Maluga begann ihm seine» Plan zu entwickeln. d:r Arbeit zu belästigen oder sogar von letzterer abzuhalten auf irgend eine Art. 2. Nichtbeachtung dieser Verordnung wird un« nachsichtl'ch mit Geldbuße bis auf 15 Frks. bestraft, eventuell erfolgt im Frille des Ungehorscms Uederweisung an die Ge« richte. 3. Fehlbare find dem Polizeipräfidium zu verweisen. 4. Diese Verordnung tritt sofort in Kraft und find die Polizei- organc mit der Ueberwochung beauftragt." So wird selbst vom Gemeinderathe eines kleinen Dörfchens in Staatsretterci ge- macht, wo überhaupt nichts zu retten ist, weil nichts gefährdet erscheint. Aber wie häßlich, statt den Streit zu schlichten und zu vermitteln zu suchen, wird die Partei des Geldsacks ergriffen und negen die Arbeiter ein Ukas von Stapel gelassen. Die Erregung über das geheime Kreisschreiben des Bundes- rathcs hat fich noch nicht gelegt, ja nicht im mindesten noch abgeschwächt. Der„Grütlianer" bedauert, daß das Volk da? Abberufungsrecht des Bundesraths nicht befitzt, dessen sofortige Entfernung kielte er für gerechtfertigt. Er wiederholt den bereits seiner Zeit gegebenen Rath, die Polizei aus den Versammlungen oder Pereinen oder Wohnungen, wo fie in rechts- oder gesetzwidriger Weise spionirt, hinauszuweisen. Zum Schlüsse empfiehlt er die„Obstruktion, bis und so lange, als der Bundesrath sein Kreis- schreiben nicht zurückzieht." Kampf soll gegen alles, was der Bundesbureaukratie irgend welchen Vorschub leistet, ge« führt werden.— Der ftühere Zürcherische Minister und jetzige Chefredakteur des Winterthurer„Landesboten", Herr Ziegler, nennt den Inhalt des Kreit schreib ens abscheulich. Gegen die Vcrtheidiger desselben— es find dies die„N. Z. Ztg.", der„Bund" und die„Thurgauer Ztg.", also blas 3 Blätter von der gesammten Schweizer preffe— fich wendend, sagt Herr Ziegler:„Die vielen Esel, die offiziösen voran, welche in ihrem Bestreben, den Bundesrath zu loben, wo nichts zu loben ist, verächtlich gegen die schweizerische Sozialdemokratie stürzen/ irren sich, d.r Löwe ist nicht krank und ist nicht todt..." „Der„Weinländer" ruft:„Die innere Ruhe unseres Landes ist gefährdet, gefährdet durch den Bundesrath! Ueder die Nalurgeschichte des bundesräthlichen Kreisschreidens äußert sich Herr Steck in folgender launiger Weise:„Wie uns unser kleiner Finger erzählt, wurde dasselbe vom ersten Sekretär des Justizdepartements, einem verdienten langjährigen Beamten, über dessen politische Persönlichkett wir uns erlauben, unsere Gedanken vorerst nock zurückzubehalten, verfertigt. Als Bundes« rath Ruchonnet das Elaborat las, entsetzte er fich über die Non- chalancc den republikanischen Rechten und Freiheiten der Büiger gegenüber. Doch dachte er, mir kann's recht sein, wenn der Bundesrath dies schluckt, um so bälder werde ich diese ver« dämmte politische Polizeispionirerei los. Der Bundesraih aber, als ihm das Schreiben vorgelegt wurde, dachte: nun, das kommt ja von Ruch nnet, dem die Sozialisten ein Öoch ausgebracht haben. Uns kann's auch recht sein, wenn den Sozialisten rüchtiZ auf die Fmgcr gesehen wird. Die Kantonsregiemngen werden fich wohl hüten, es weiter zu treiben. Das mochte fich natürlich obne weitere Verabredung ganz von selber", wie unser kleiner Finger sagt. So kam das Kreisschreiben unter gegenseitiger Mystifikation heraus. Das Volk aber, relp. in seinem Name» der große Thell unserer Preffe, that endlich, als es wohl nicht mehr anders ging, seine Pflicht und so wird der Ukas wohl fallen müssen— natürlich in möglichst milder Form." Politische Ueberstcht. Moher da» Geld kommt. Die Einnahmetabellen der englischen Eisenbahnen für das Jahr 1887 ergeben eine außerordentliche Vermehrung der Einnahmen aus Fahrkarten dritter Klaffe— 4 Millionen Pfund Sterling— 80 Millionen Mark mehr als im Jahre 1877—, während die Einnahme aus Fahrkarten 1. und 2. Klaffe fast stationär geblieben ist, dX erste Klaffe sogar einen kleinen Rückgang erfahren hat. In anderen Ländern, und namentlich auch in Deutschland, hat man genau dieselbe Beobachtung gemacht, und die Frage, ob es nicht zweckmäßig fei, die erste oder die zweite Klasse, wo nicht dX erste und zweite Klasse ganz abzuschaffen, ist schon wiederholt aufgeworfen worden. Jedenfalls zeigt fich hier wieder cinwal recht deutlich, wie gegenüber den breiten Volksmassen die „oberen Zehntausend" wirthschaftlich kaum ins Gewicht falle* und wie verkehrt ein Wirthschaftssystem ist, das fich die„Zu*" tung von Millionären" zur Aufgabe setzt. Das Beste wäre(X' wiß, wenn die Abtheilung der Passagiere in verschiedene Klaffen abgeschafft und das amerikanische System, welches nur eine, Wagenklaffe kennt, allgemein eingeführt würde. Dabei würde niemand verlieren und würden alle diejenigen gewinnen, welche jetzt unter den Und. quemlickkeilcN unserer dritten und insbesondere der vierten WageM klaffe zu leiden haben. Denn das versteht fich von selbst: dX Einführung d.s amerikanischen Gleichheitssystems muß zur Fo'S' haben, daß dem Publikum eine solche Summe von Kowfoff (Bequemlichkeit) zu Theil wird, wie der gebildete Mensch � beanspruchen ein Recht hat, und wie er auf den antciitonilwsi! Eisenbahnen den Armen und Reichen gleichmäßig zu Tmj) wird. Beiläufig beschäftigt man fich jetzt rn Deutschland ledhaN mit dem Plan einer durchgreifenden Reform de» „Die Idee ist nicht neu, nichts destoweniger auSfüh�' bar," sagte„Ulew—„und sie wünschen, daß ich in diesem Drama eine Rolle spiele?" „Das heißt— ich dachte— daß Sie vielleicht—** gewiß. Sie werden nicht einstimmen. Ich wollte es Ihn*" nur vorlegen—" Ulew sah unverwandt auf Maluga und sagte: ,ß und wenn ich darauf eingehe?" Maluga erschrak und begann abzurathen.... „Ich kenne Ihre Großherzigkeit; eS ist aber nicht wo» lich, denn Sie riskiren zu viel!", „Sie sind ein sonderbarer Mensch, Benjamin witsch. Sie wünschen meine Mitwirkung, ich sage J?*' zu, und nun reden Sie mir ab.". „Nun, ich halte eS für meine Pflicht, Sie auf die® fahren der Mitwirkung aufmerksam zu machen.", „Und ich sage Ihnen folgendes: S i e selbst h*®, sich noch nicht dazu entschlossen. Mit einem Male riWflffjJ Sie. Und der Erfolg ist doch ein sicherer; allerdings, könnte es sauer ausstoßen. Selbstverständlich haben doch an die Folgen gedacht, die die Sache für Sie h*' dürfte." „Was ist an mir gelegen! Aber Frau und Kmde „Nun sehen Sie wohl, eS ist klar, daß Sie nichts schlössen sind; eS ist also unnütz, darüber zu schwatzen. „Der Plan kann mißlingm. Wie denken Sre über?" istl« „Ich habe Ihnen bereits erklärt: der Erfolg ist unzw Haft. Für mich ist auch kaum ein Risiko vorhanden; daS würde ich nach Noten spielen..." � Maluga schwieg; Ulew betrachtete ihn mit mitlero y Kopfschütteln. „Aber wie rathen Sie mir?".„ in „Benjamin Pettowitsch! Kann man sich � hin solchen Angelegenheiten auf die Rathschläge ander entscheiden? ES ist augenscheinlich, daß Sie sich n®" entschieden haben; das heißt leeres Stroh dreschen. � „Ach, wie ich meine Ewgescha beklage! SM' p. eS nicht begreifen," sagte Maluga»ach einer kurzen (Schluß folgt.) uf 11 ell e It. m Det nd ent b as Er zei DO en. 3. es, ge ge t, en er ett == น. ft, ent, ces ท ริ ns är en, ere ess on ger Der er er, mt cht tig Den Tich ner ger en icht obl Det ers er me bie In an cht Die olt nal Die len ch ge Ten ine bet gen ten en bie Ige Fort en Deil Daft es hrem en un, gs TO= en Be Sen ren ment. Sie Sen ents ars Fels id em in hin icht ten fe. Eisenbahnwesens. Vor etwa 40 Jahren machte ein eng lischer Ingenieur den Vorschlag, das Prinzip des einheitlichen und billigen Postportos, das sich in der Praxis so trefflich bewährt hat, auf die Eisenbahnen auszudehnen. Der Vorschlag fand viel Antlang, scheiterte jedoch an der Oppofition der Eisenbahnverwaltungen. Er wurde später dahin modifizirt, daß man an Stelle des einheitlichen Porto's oder Tarifs einen 8onentarif( mit 3 bis 4 Entfernungszonen) vorfchlug ähnlich wie er für die Telegraphie schon besteht. In dieser letteren Gestalt ist der Plan von einem Deutschen, dem Dr. Engel, neuerdings befürwortet worden und hat die Aufmerksamkeit der obersten deutschen Eisenbahnbehörden auf bgezogen. Wie mitgetheilt wird, find dieser Tage in Preußen und in Sachsen ob auch in anderen Bundesstaaten, wiffen wir nicht- amtliche Erörterungen angeordnet worden, um auf Grund der bisherigen Erfahrungen statistisch festzustellen, ob biefer Reform teine unüberwindlichen technischen und finanziellen Hindernisse im Weg stehen. Danton, dem titanischen Revolutionemann, der freilich auf seiner Bahn verschiedentliche Male ausglitt, jedoch stets groß war und der Revolution stets treu ist in seiner Ge burtsstadt Areis ein Denkmal gesezt worden, das am vorigen Sonntag eingeweiht wurde. Das Monument, welches Danton in der Haltung des Redners darstellt, trägt die zwei berühm testen Aussprüche desselben, welche zusammen als sein Programm und als das seiner Mitkämpfer betrachtet werden tönnen: A près la paix l'Instruction est le premier besoin du peuple Nach dem Frieden ist der Unterricht, die Schule das erste Bedürfniß des Voltes. Und dann die berühmten Worte, die er 1792 in der Beit der höchsten Gefahr angesichts der sich nahenden Heere der Koalition und der fich mehrenden Landesverräthereten des Adels Nationalversammlung und der Nation zurief: De l'audace, de l'audace, encore de l'audace et la patrie est sauvée Rühnheit, Kühnheit, nochmals Kühnheit, und das Vaterland ist gerettet! Wie wir Pariser Blättern entnehmen, besteht die Abficht, Danton auch in Paris ein Denkmal zu errichten. der Der Bundesrath wird am Mittwoch eine Plenarfizung abbalten, um über die Anträge Preußens und Hamburgs wegen Berlängerung des sogenannten fleinen Belagerungszustandes zu berathen. Das Brot wird theurer. In Gera hat, nach der Frlf. Btg.", eine Preissteigerung des Brotes von 10 Pfg. pro Bfund auf 12 Bfg. so viel kostete es noch vor 2 bis 3 Wochen ftattgefunden. Aus anderen thüringischen Ortschaften wird ähn liches gemeldet. In Mainz hat, nach demselben Blatte, die Bäderinnung beschloffen, infolge des Mehlaufschlags den Preis des Brotes( von 4 Pfd.) um 3 Pfennige zu erhöhen.- Aehn liche Nachrichten liegen noch aus vielen anderen Städten vor. Bum Thema der frivolen Berufungen an das Reichsversicherungsamt" und zur Frage des von dem Herrn Staatssekretär von Bötticher öffentlich anerkannten Wohl wollens der Berufsgenossenschaften" gegenüber den Arbeitern läuft, wie die„ Volts- 8tg." hervorhebt, soeben wieder eine Fülle Ein Arbeiter tam anläßlich von Beiträgen durch die Blätter. einer Schlägerei im Maschinenraum der Dampfmaschine zu nahe und wurde verlegt. Die Berufsgenossenschaft lehnte es ab, die beanspruchte Rente zu zahlen, weil eigene Schuld des Verun glückten vorliege und nicht der Betrieb, sondern die Schlägerei die Ursache des Unfalls gewesen sei. Auch dem Urtheile des Schiedsgerichts, welches zu Gunsten des Verurtheilten lautete, Erst das Reichsversiche fügte die Genoffenschaft fich nicht. rungsamt mußte dem Arbeiter seinen Rechtsanspruch sichern und der Genoffenfchaft flar machen, daß das Unfallgefeß die Ar beiter auch gegen solche selbstverschuldete Unfälle sichern will, wofern die Unfälle Folge des Aufenthalts im Be triebsraum während der Betriebszeit find. Wie oft das Reichsversicherungsamt wohl noch in die Lage kommen wird, aus gleichartigem Anlaß für verunglückte Arbeiter eintreten und den Berufsgenossenschaften den Sinn des Unfallgesetes erläutern zu müffen! Ferner: Die bei einem Neubau beschäf tigten Arbeiter pflegten nach Schluß der Arbeit sich eine Weile in der im Keller befindlichen sogenannten Geschirrlammer auf zuhalten, fich dort für den Nachhausewea umzuziehen, dabei Die Arbeitsangelegenheiten des folgenden Tages zu besprechen und der Eine oder Andere wohl auch ein Vesperbrot zu ft zu nehmen. Seitens des Arbeitgebers wurde hiergegen niemale Einwand erhoben. Bei einer derartigen Gelegenheit, bei welcher der Aufenthalt der Arbeiter in der Geschirrlammer ungefähr eine halbe Stunde gedauert hatte und aus Anlaß eines Familienfeftes eines Arbeiters eine geringe Menge" Branntwein( durchschnittlich von jedem etwa ein Glas) ge trunken worden war, verunglückte ein Steinträger auf dem Heimwege, indem er Don einer ungenügend verdeckten Rüstung des Neubaues stürzte. Die Baugewerksgenossenschaft lehnte den Rentenanspruch ab, weil fein Betriebsunfall vorliege. Auch hier erkannte das Schiedsgericht zu Gunsten des Berunglückten, ebenso das Reichsversicherungsamt. Das felbe ging von der zutreffenden Erwägung aus, es sei notorisch, Daß nach Schluß der Arbeit stets noch eine gewiffe Beit ver Aus Kunst und Leben. | gehe, bevor die bei Neubauten beschäftigten Arbeiter den Bau verlaffen. Diese Beit sei erforderlich zum Vorbereiten der Arbeit des nächsten Tages, zur Verwahrung des Arbeitsgeräths, zum Umkleiden, zur Abfühlung oder auch etwa zum Genießen des Vesperbrotes u. s. w. Alle diese Thätigkeiten seien, sofern fte in angemeffener Beit erfolgen, als zum Betriebe gehörig an zusehen. Auch hierzu bleibt wieder zu bemerken, daß genau die gleichen Erwägungen aus genau dem gleichen Anlaß schon früher von dem Reichsversicherungsamte ausgesprochen worden find, so daß die Berufsgenossenschaften über die ihnen aus der gleichen Anlässen erwachsenden Verpflichtungen längst unterrichtet sein und ihren verunglückten Arbeitern das Projefftren müssen ersparen könnten. In einem dritten Falle endlich verweigerte eine Genoffenschaft die Bablung einer Rente an einen Fabriltutscher, der auf einer Dienfifahrt verunglückte. Grund für die Weigerung war: der Kutscher war im Auftrage seines Herrn abgestiegen, um unterwegs eine private Bestellung deffelben auszurichten. Beim Wiederbesteigen des Kutscherbocks gerieth er mit einem Fuß in das Rad und brach denselben, da Das Pferd anzog. Das Reichsversicherungsamt sprach dem Kutscher die beanspruchte Rente zu. Das Unglück sei im Be triebe erfolgt, denn es sei paffirt, als die private Bestellung bereits erledigt gewesen sei. Das Wiederbesteigen des Wagens sei erfolgt lediglich zu Betriebszweden. Auch hier wiederum wird man das Urtheil des Reichsversicherungsamtes nur für richtig erkennen und das Sträuben der Berufsgenossenschaft nicht gerade für einen Ausfluß von Wohlwollen" gegen den ver unglückten Arbeiter ansehen dürfen. GHD " Der nationalliberale Wahlaufruf zu den Landtagswahlen( Wir haben von dem Dinge nicht erst weiter Notiz genommen. Red.) hat über die deutschen Grenzen hinaus die Aufmerksamkeit denkender Geister gefeffelt," so stebt in der „ Kölnischen Beitung“ zu lesen, obwohl die Zeit der Hundstagshige vorüber ist. auf den Werth afrikanischer„ Erwerbungen" wirft eine Mittheilung der Weser 3tg." von der Goldküste ein be zeichnendes Licht. Der frühere Komiffar des Togolandes, Herr Fallenthal, will auch die Landschaft Agotime im Hinterlande des Togogebietes unter deutschen Schuß gebracht haben. Wie nun die W.- 3tg." mittheilt, find vor kurzem vor den Engländern, beren Schußgebiet bekanntlich westlich an das deutsche Togo gebiet grenzt, die Aeltesten von Agotime erichienen und haben einen Vertrag unterschrieben, in welchem sie erklären, daß fie nur Kwadyo De, dem Könige von Peti unterthan sein und nur ben Engländern gehorchen wollen. Sie behaupten auch, nie mit einem anderen einen Vertrag gefchloffen zu haben. Die obigen Erwerbungen" des Herrn Faltenthal find unferes Wiffens bisher nicht von der Regierung anerkannt und bestätigt worden. Ein kleiner Irrthum findet sich in dem Jahresbericht der Handelskammer zu Lahr. In einem Bericht über die Por zellanfabrikation heißt es in demselben: Das Jahr 1887 begann in gedrückter Stimmung durch den von den westlichen Nachbarn Ein in Szene gefeßten franzöfifchen Kriegsschwindel." Schwindel war es allerdings. Aber nicht die westlichen Nach barn" haben ihn in Szene gefeßt, sondern die auch in Lahr heimischen Kartellbrüder. An den Wahlen zum württembergischen Landtage, Die am 19. Dezember d. J. bevorstehen, werden sich die Sozialdemokraten betheiligen. Das Schw. Wchbl." richtet folgende Aufforderung an die Arbeiter Württembergs: In jedem Ober amt, wo denkende, fich ihrer Klaffenlage bewußte Arbeiter vor. banden find, muß ein eigener Kandidat aufgestellt werden, denn für einen Kandidaten der gegnerischen Parteien zu stimmen, wäre Verrath an den Prinzipien der Arbeiterpartei. Mag auch im Dezember das Abstimmungsresultat in den guten Städten" oder Oberämtern ausfallen wie es will, gleichviel- die Arbeiter haben jetzt noch genügend Zeit zur Wahlorganisation und Agi fation, und da bekanntlich zum württembergischen Landtag das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht mit geheimer Abstim. mung für jeden Württemberger, der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, besteht, so müffen auch die Arbeiter Württembergs zeigen, daß fie verstehen, thre Intereffen wahrzunehmen, und daß fte auf dem Plaze find, wenn es gilt, ihre Stimme für das gute Recht zu erheben. Darum, sofort ans Werk!" Wir wünschen unsern Genoffen in Württemberg den besten Erfolg. Weiße Schürzen. Dem Schw. Wchbl." wird aus Göppingen gemeldet: Nicht nur sonderbar, sondern spekulativ ist unten beschriebener Einfall der Firma W. Rosenthal u. Ro. dahier. Die Leiter besagter Firma verlangten nämlich fürzlich von ihren Arbeiterinnen, daß fie bei der Arbeit weiße Schürzen zu tragen haben, welche die Firma zu M. 2,50 felbst liefert. Man kann sich denken, daß die Herren Rosenthal bei der großen Bahl Arbeiterinnen teine schlechten Geschäfte gemacht haben, und bei dem starken Wechsel in diesem Geschäft auch ferner machen werden, um so mehr, da den Arbeiterinnen bedeutet worden sein soll, wer feine Schürze fauft, wird entlassen! Es sollen auch in Wirklichkeit bereits einige Arbeiterinnen entlassen worden fein. Wo bleibt da ein gewiffer Paragraph der Gewerbeord nung?" Großbritannien. Ueber das Einkommen der Königin macht der Londoner Korrespondent der Liverpool Daily Post" einige interessante Mittheilungen. Sie bezieht darnach aus dem fogtonsolidirten Fonds jährlich 385 000 ftr. Privatim befigt die Königin außerdem 37 372 Acres Land, welche ihr eine jährliche Rente von 20 733 Litr. abwerfen. Das Gut Claremont, welches fte auf den Rath Lord Salisbury's vor einigen Jahren für die Summe von 78 000 ftr. antaufte, hat jezt einen Werth von 150 000 str. Außerdem beftzt die Königin Grundeigenthum in Koburg und die Villa Hohenlohe in Baden- Baden. Was das persönliche Vermögen der Rönigin ferner angeht, so ver machte ihr Sir James Camden Neild im Jahre 1852 eine Viertel Million Pfund Sterling und das vom Prinz Gemahl Albert hinterlassene Vermögen wird auf 600 000 Lstr. geschäst. Die„ Daily Post" billigt daher in Anbetracht dieser der Königin zur Verfügung stehenden großen Mittel den Plan nicht, die Apanage des Prinzen von Wales zu erhöhen. Ein eben veröffentlichtes Blaubuch enthält das Ergebnis der Untersuchung des Ausschusses des Ober hauses über das im Ostende Londons herrschende Ausbeute( sweating) System. Die Anfichten der Zeugen gehen über daffelbe auseinander. Arnold White, welcher in einem packend geschriebenen Buche das Elend der Armen Lon dons beschrieben hat, meinte, ein Schweißer( sweater) set Seber, ber die Arbeiter auspreßt. Ein anderer Beuge fand das Eigen thümliche des Systems darin, daß es weder auf Rapital, nochy auf Geschicklichkeit, noch auf Spekulation beruhe und dennoch Gewinn abwerfe. Lewis Lyons glaubt, daß der Schweißer eine Person ist, welche eine Untereintheilung der Arbeit vornimmt zu seinem eigenen privaten Nugen, womit natürlich eine An lage gegen die ganze moderne Produktion erhoben wäre. Die " Daily News" tommen endlich zu der Definition, daß Schweißen die gewiffenlose Anwendung unausgebildeter Arbeitskräfte zu den allerniedrigsten Marktpreisen sei, womit meistens, obgleich nicht immer, die Methode der Afterkontrakte verbunden sei. Besonderes Intereffe nehmen in dem Blaubuch die Aussagen des Frl. Beatrice Potter in Anspruch, die, um aus eigener Anschauung das fluchwürdige Ausbeutesystem lennen zu lernen, wochenlang in den allerschlimmsten Schweißwerkstätten als Näherin gearbeitet hat. Die schlimmsten Erscheinungen lommen nach Frl. Potter in den Fällen vor, wo überhaupt gar kein In einer der Werkstätten, mo Kontraftverhältniß besteht. Frl. Potter arbeitete, wurden wöchentlich etwa 80 Herrenöcke zum Macherlohn von 1 Sh. bis 2 Sh. fertiggestellt. Ein Mäd chen belam 2 Sh. die Woche mit Wohnung und Effen. Frankreich. In Frankreich ist die Affaire Gilly jest bis in den Ministerrath gekommen, indem derselbe fich am Sonnabend mit der Sache befmäftigt hat. Herr Gilly hat nämlich dem Premier einen Brief geschrieben, in welchem er die Thatsachen aufführt, durch die er sich zu der Behauptung, es feien im Budgetausschuh zwanzig Wilsons, für ermächtigt hielt. Der Premier theilte nun feinen Kollegen das Schreiben mit. Gleichzeitig verlautet, Nouvier, der Vorsitzende des Budgetausschusses, habe im Ge spräch mit einigen Journalisten seine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß der Premier in seiner Eigenschaft als Minister des Innern nicht schon den Abgeordneten Gilly von seinem Amte als Bürgermeister der Stadt Nimes abgefeßt habe. Man mag die Art und Weise, wie Gilly seine schweren Anllagen vorgebracht und bis jetzt vertreten hat, durchaus ungehörig finden, aber eine solche Maßregel, wie fte Rouvier von Floquet erwartet haben soll, würde denn doch sehr befremdlich erscheinen. Gilly hat auf der Versammlung in Alais nicht als Bürgermeister von Nimes, sondern als republikanischer Abgeordneter, nicht als Untergebener Floquets, sondern als Kollege deffelben gesprochen; ibn deshalb im Verwaltungswege maßregeln, hieße nicht blos die Redefreiheit, sondern im Besonderen die parlamentarische Auffichtspflicht, die Herr Gilly auszuüben behauptet, verfürzen, ja es schiene damit Floquet gegenüber Gilly für die Nedlichkeit und Tadellofigkeit aller 33 Budgetausschußmitglieder einzutreten. Dies zu thun, fällt aber Herrn Floquet gewiß nicht ein, zumal manche Ausschußmitglieder selbst, u. A. Andrievy, deutlich genug zu verstehen gegeben haben, daß wohl einer oder der andere in ihrer Mitte sich Blößen gegeben haben möge. Dies genügt schon, damit sich der Premier in dem Streit zwischen Gilly und dem Ausschusse vorerst parteilos verhalte. Die rorherrschende Empfindung, die man in den Regierunge wie in den parlamentarischen Kreisen hegt, wird durch folgende Bemerkung des vom Abg. Emil Broffe geleiteten Eclaireur des Pyrénées orientales" ausgedrückt:„ Der Fall des Herrn Wilson, melcher, vergeffen wir es nicht, zweimal Obmann des Budgets ausschusses war, ist ziemlich dazu angethan, uns mißtrauisch zu machen. Man braucht übrigens nicht sehr gerieben zu sein, um zu errathen, daß der Budgetausschuß nur deshalb sich geweigert bat, an Herrn Gilly einen gemeinsamen Brief zu richten, weil unter der Bahl der Mitglieder sich etliche Bloßgeftellte befinden müffen und weil Keiner der übrigen Luft hat, seine Unterschrift neben die jener Persönlichkeiten zu seßen. Jeder für fich! In einem Hotel haften die Reisenden nicht für einander. In einem Schaß hinführen. Dem Universalerben erging es nun wie feinen Vorgängern in der Fabel, die nach dem Schage im Weinberge gruben. Er grub nicht eben, aber die Geschichte mit dem Hunde machte ihm den Kopf nicht weniger heiß, als wenn er mit Schaufel und Spighackte hätte graben müssen. Fuchsel parirte nämlich dem neuen Herrn nicht, sondern beantwortete jeden Befehl: Fuchsel fuch'!" damit, daß er den Befehlenden in die Wade biß. Nun, um 20 000 fl. läßt man sich schon etwas gefallen, und der Erbe ließ sich thatsächlich auch viel ges fallen. Bahllose Biffe hatte er schon erhalten, als er endlich, nach acht qualvollen Tagen, zu der Erkenntniß fam, der Ontel habe sich in seinen alten Tagen noch einen schlechten Wis erlaubt. Dieser Erkenntniß ist er heute noch, denn Fuchsel beißt noch immer, und die 20 000 fl. find noch immer nicht ge funden. widerte leichtweg der Graf. Es bliebe immerhin ein Mittel, alles gut zu machen. Ich bin der vertraute Freund von Herrn de la Porte, Unterstaatssekretär der Kolonien; wenn wir ihm Ein Glanzstück Altmayers. Aus Marseille berichtet man: Vor 5 bis 6 Wochen tam in Marseille ein vollendeter etliche zwanzigtausend Franken schicken, Ste verstehen das Uebrige Wenn es nur dies ist! meinte Herr R. schrieb den Brief, Gentleman an, der Graf von Neuville. Von sehr elegantem und beschwerte ihn selbst mit den zwanzigtausend Franken. und einnehmendem Aeußern, durch hervorragende und sym Herr v. Neuville, deffen Schrift etwas fräftig ist, feste die Adresse pathische Umgangsformen ausgezeichnet, befreundete er sich bald mit hervorragenden Persönlichkeiten unserer Börse, besonders mit darauf, und da diese nur langsam trocknete, preßte er den Brief in einer Unterlage zwischen zwei Trodenblättern. Er übergab wet Mallern C. und P. Der Graf zeigte in allem das Urihn hierauf Herrn R., welcher sorgfältig die fünf vorschriftlichen theil eines Weltmannes. Er war sehr viel gereift, hatte auf Siegel aufdrückte und persönlich den Brief der Post eingeschrieben feinen Reisen viel von Menschen und Dingen gesehen und auch übergab. Am nächsten Tage reifte Herr von Neuville zu das Mittel entdeckt, die fabelhaftesten Mengen Getreide von einem seiner gewöhnlichen Abstecher ab. Drei, vier, acht, zehn Marotio nach Algerien zu schaffen, ohne den berüchtigten Eingangszoll von 5 Frants zu entrichten. Wer ein tüchtiger Makler Tage verstrichen, ohne daß er wiederkehrt. In Quargla und Maloutah werben die Herren P. und C. immer mehr neue ift, pflegt es oft in allen Stüden zu sein. Die Herren P. und Herr R., der in Tanger Beit C., lebhaft von der Frage intereffirt, verlangten Auseinander Treiber und Kameele an. legungen, welche der Graf fich beeilte, ihnen zu geben. Die übrig hatte, durchstöberte die ihm über Gibraltar und Malaga Herren P. und C., geblendet von den Manieren ihres neuen zukommenden französischen Zeitungen. Er las auch die EinzelBekannten und vielleicht mehr noch von den verlockenden gol- heiten der Verhaftung eines berüchtigten Gauners, deffen Derselbe hatte Derselbe hatte denen Aussichten des Geschäftes, trugen die Angelegenheiten außerordentliche Heldenthaten man erzählte. namentlich in Bordeaux einen eingeschriebenen Brief von be Herrn R. vom Hause R. u. R. hier vor. Rasch für das Unternehmen gewonnen, bot der Herr N. feine Kaffe und seine deutendem Werth gegen einen gewöhnlichen Briefumschlag vom felben Format und mit Beitungsabschnitten angefüllt vertauscht. Person an und reifte in der Gesellschaft des Grafen und der Der Vorgang war außerordentlich einfach; unter dem Vorwande, B. und C. nach Langer ab. In Tanger vertheilte Herr von die frische Tinte der Adresse zwischen zwei Trockenblättern zu Neuville die Rollen. Herr C., der in Quargla in Mitte der Iaut Herr N. las nicht weiter, er mußte, woran trocknen. er fich zu halten hatte. Diesmal ernstlich und endailtig bemußte arabische Tracht anlegen. Herr B. wurde nach Maloutah, gegenüber den spanischen Inseln Chafarines, einige Stunden stürzt, beeilte er fich, ſeine Sendlinge in Quargla und Maloutah zu benachrichtigen, und bat fte, Treiber, Kameele und Angeld von der Meereslüfte gelegen, geschickt und mußte fich in einen C. und P. hatten die im Stiche zu laffen und fich im Café d'Europe in Algier einAufgabe, Kameeltreiber anzuwerben und ihnen das nöthige zufinden. Angeld zu bezahlen, um mit ihren Thieren auf das erste achttägige Reise, wovon die Hälfte auf Kameelsrüden, zurüc gelegt. Und der Graf von Neuville? Er war inzwischen in Beichen zur Abreise bereit zu stehen. Herr von Neuville und Savre unter seinem wahren Namen Altmayer verhaftet worden. Herr R. blieben allein in Tanger zurüd, der Graf machte Ab Die drei Helden P., C. und R. find in Marseille wohlgeachtete, Alles ging vortrefflich von statten, Verträge wurden geschlossen, einflußreiche Persönlichkeiten. Stecher nach dem Innern und blieb manchmal mehrere Tage aus. Ein Spaßmacher im Grabe. In Währing bei Wien Theilzahlungen ausgehändigt( mit dem Gelde des Herrn R.) starb fürzlich ein vermögender alter Herr, seinen weitschichtigen und die Nachrichten von Quargla und Malouiah waren vorzüg Angehörigen sein Hab und Gut vermachend. Das wäre nun verlaufen lönnen, Gines Abends tehrte der Graf von seiner nichts Auffallendes, wenn nicht das Testament folgende Klausel Expedition zurück und antwortete auf eine Frage des Herrn R., enthalten hätte:" Außer den oben angeführten Gütern, beweg verdoppelt sein, et befürchte, man babe in Paris oder Algier von der Sache Wind belommen. Diable! ruft Herr R. bestürzt aus, in diesem Falle wäre ja alles verloren. Ja und nein, er lichem und unbeweglichem Inventar, hinterlasse ich dem Universalerben 20 000 fl., an einem Drte vergraben, bet nur mir un meinem Hunde Fuchsel bekannt ist. Mein Neffe braucht nur zu sagen: Fuchsel such'!" und Fuchsel wird ihn direkt zu dem Auf der Alm, da giebt's ka Sünd'! Ein Wiener, der den Sommer über am Sommering seine Wohnung ge nommen hatte, machte von dort aus Fußwanderungen ins Ges birge und wurde eines Abends bei Münzsteg von der Dunkelbeit überrascht. Er entschloß sich daher, bei einem ihm seit Sabren bekannten bäuerlichen Grundbefizer zu übernachten. Dem Gaste wurde eine Stube zugewiesen und ein hochgethürmtes Bett lud ihn bald zu erquickendem Schlafe ein. Er mochte eine Stunde etwa geschlafen haben, als er plößlich durch ein Geräusch am Fenster aus seinen Träumen gestört wurde. Stimmen wurden Männerstimmen, die offenbar nichts Gutes vor hatten denn eine dieser Stimmen rief im befehlenden Tone: Fenster auf!" Dem Wiener wurde unheimlich, er sprang mit beiden Füßen aus dem Bette, und das um so rascher, als nun schon träftige Fäuste an das Fenster zu klopfen begannen. Das fonnten nur Räuber sein! Die erregte Phantafte des Gaftes malte fich die schrecklichsten Dinge aus, fie wurde aber nicht gar zu lange auf die Probe gestellt auch der Bauer war erwacht und, mit einem herzhaften Fluch sein Fenster öffnend, rief er der Räuberbande" da draußen die Worte zu:„ Des soatische Buab'n, schauts nöt, daß weiderkimmts, heut' giebt's toa Fensterin net." Die Verliebten entfernten fich auf diese zurecht weisung und der Wiener, der nun erst aus dem Munde seines Gastfreundes erfuhr, daß er die Nacht im Simmer der„ Dirn verbringe, legte sich beruhigt wieder zu Bette. Budgetausschuffe ebensowenig. Man hat allgemein das Gefühl, baß uns etwas verheimlicht wird!" Eine Friedensrede hat der französische Minister bes Aeußern, Goblet, am Sonntag anläßlich der Enthüllung eines Denkmals des Kapitäns Vogel auf dem Kirchhofe zu Amiens gehalten. Vogel fiel 1870 bei der Vertheidigung der Bitadelle von Amiens. Goblet sagte einem Wolff'schen Teles gramm zufolge, daß lediglich die inneren 3miespalte es seien, welche die Schwäche Frankreichs ausmachen und es verhindern, den Rang wieder zurück zu erobern, welcher ihm gebühre. Wenn wir uns ernsthaft um die Fahne des Vaterlandes und um die Regierung schaaren, welche uns zu schüßen vermag, so wird Frankreich von neuem groß und mächtig in der Welt fein, ohne zu den Waffen Zuflucht nehmen zu müssen." Goblet schloß seine Rede: Wir find nicht gekommen, um hier Worte bes Haffes und der Rache auszusprechen, sondern nur pietätvoll eines Helden des Vaterlandes zu gedenken und blicken mit fester Buversicht in die Zukunft." 31 Belgien. Ausländische Sozialisten aus Belgien fernzubalten, ist augenblicklich das eifrigste Bestreben der belgischen Regierung. Der holländische Sozialist und Deputirte Domela Nieuwenhuis hatte um die Ermächtigung ersucht, die sozialisti fchen Gefnnungsgenoffen in Gent besuchen zu dürfen. Das Ministerium hat ihm indeß nicht gestattet, belgischen Boden zu betreten. Nur so fonnte Belgien gerettet werden. Theater. Mittwoch, den 26. September. Opernhaus: No ert und Bertrand. Shauspielhaus( im Wallner- Theater): Die Jäger. Leffing- Theater: Freund Friß. Deutsches Theater. Die Journalisten. gutebrid- Wilhelmstädtisches Cheater. Der Glüdsritter. Refdeny- Cheater: Decorirt. teteria- Theater: Mathias Sandorf. Basalliance- Theater: Dret Paar Schuhe. Central- Theater. Die Schmetterlinge. Adolph- Ernst- Theater. Die drei Grazien. Baumann's Variété: Spezialitäten- Bor ftellung. Saucerbia- Cheater: ftellung. Spezialitäten Vor" Theater der Reichshallen: Spezialitäten Borstellung. Ruhland. Nach einer Meldung aus Kafan hat das Kriegsgericht 17 zum Tchuwaschenstamme gehörige Bauern, die sich bei dem Streite zweier Nachbardörfer um das Eigenthum an einem Grundstückstomplexe der Polizei widersezt hatten, wegen Widerstandes gegen die Polizeigewalt und wegen Tödtung von 3 Bolizeibeamten zum Tode verurtheilt. Balkan länder. Das amtliche Blatt veröffentlicht einen von sämmtlichen rumänischen Ministern unterzeichneten Aufruf an die Wähler, in welchem das Programm der Regierung aus. einander gesetzt wird. Asien. Nach den aus dappelter Quelle, nämlich aus Peters. burg wie London, vorliegenden neuesten Nachrichten über Afghanistan bleibt zunächst das gestern verbreitete Gerücht, der Emir Abdurrhaman sei plöglich verstorben( frant liegt Derselbe schon lange darnieder), unbestätigt. Aus Peters burg( via Taschkent) wird vielmehr ausdrüdlich berichtet, der Emir sei noch am Leben und befinde fich in Kabul, d. i. in der fenigen Hauptstadt Afghanistans, welche der englisch- indischen Grenze( bet Pischavur) zunächst liegt. Was den Fortgang des Aufstandes shal- Khans anlangt, so stimmen die ruffischen und englischen Meldungen, wie gewöhnlich, nicht überein. Sicher erhellt aber auch aus den letten Nachrichten, daß der Aufstand fortbesteht und sehr ernst en Charakters ist, während ihn Berliner Theater. Mittwoch, den 26. September: Demetrius". die Engländer vor 14 Tagen schon für so gut wie überwunden und erloschen erklärten. Bezeichnend ist ferner, daß die englis schen Berichte aus Simla( indische Grenze), welche auf einen Dom 19. b. M. datirten Brief des Emirs zurückgehen, von den Engländern in Indien selbst start in Sweifel gezogen werden. Es sollen danach die Truppen des Emir 30 englische Meilen vor Heibal stehen, wo man bekanntlich die Entscheidungssch acht erwartet, auch hätten fich die dortigen Häuptlinge dem Emir bereits unterworfen. Neuer find die russischen Meldungen aus Taschtent. Danach befindet sich Jihat Khan unweit Balth, d. i. nordwestlich von Heibat, unweit der an Nuffisch- Aften grenzenden Provinz Bas balscan, also ganz im Bereich der Turkmenen, welche jetzt noch zu Afghanistan gehören, aber mit den von Rußland unters worfenen Turkmenenstämmen ethnographisch und geographisch ein Ganzes bilden und weder von England noch von Afgha niftan etwas wiffen wollen. Auf sie stüßt sich der Aufstand Jihat's. Der Sohn Jihat's rüdt nach dieser russischen Quelle von dort langsam mit Truppen gegen Kabul vor, während von letterer Stadt der Sohn Abdurrhaman's mit Heeresmacht den Aufständischen entgegenziehe. Es wäre demnach ein baldiger entscheidender Busammenstoß zunächst der Söhne der beiden fich belämpfenden Häupter bald zu erwarten. Immer deutlicher spürt man jedenfalls in Nordafghanistan wie auch in Tibet die Sand des zentralaftatischen Rußlands, welche bei einem etwaigen Mißerf Ige( der aber nicht zu erwarten steht) ftets, wenn es erwünscht erscheint, von dem amtlichen Petersburger Rußland in Abrede gestellt oder verleugnet werden kann. Königl. Preuss. Klassen- Lotterie. Biehung 1. Klaffe am 2. und 3. Oktober 1888. Originale gegen Dépôtschein ½ 50,% 25,4 12,50 Mark. Antheile:% 6,25, 3,25,2 1,75, 4 1 Mark. Tragödie in 5 Aften von Friedrich von Schiller empfiehlt die Glückskollekte von und Heinrich Laube. Donnerstag, den 27. September: ศ lse" Schauspiel in 5 Aften von Hans Olden. Parage 1 Gr. 9.10. Kaiser- Panorama 1. Wanderung durch Paris. Lezte Woche: Aufbahrung und Trauering Raiser Wilhelms. Bertha- Reise. 400 Aufnahmen. Entree Encl. 20 f., Rind nur 10 Bf. Abonn. Interessen- Verein der Kistenmacher. American- Theater. Sonnabend, den 29. Septbr., Anf. 9 Uhr, in Direttion A. Reiff. Wallnertheaterstrasse Nr. 15. Mittwoch, den 26. September: Bum 20. Male: Die Weisheit Salomonsky's. Berliner Lokalpoffen- Pantomime von R. Anger. Mufit arrangirt von R. Thiele. 1. Bild: Die Renommirstunde bei Haase. 2. Bild: In der Academy of music. 3. Bild: Bei Mutter Pignatelli im Courfaal. 4. Bild: Berlin um Mitternacht. 5. Bild: Vor'm Schöffengericht. Neu einstudirt: Tausend und eine Nacht. Operette von W. Köhler. Mufil von R. Thiele. Auftreten der drei Geschwister Delèpierre, des Instrumentalisten Herrn Krüger, des Mimiters Rivoli und des Herrn Martin Bendir. Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf., Barterre 1 M., Balton 1,25 und 1,50 M., Barquet 1,50 M., Sperrfit 2 M., Loge 2 M., Balfonloge 3 M. Billet Vorverkauf Bormittags 11-1 Uhr an der Kaffe. Birkus B.Schumann. ( Im früheren Birtus Krembser.) Friedrich Karl Ufer. Ede Karlfira . Karlstraße. Mittwoch, den 26. 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Wir meinen die Tropfsteingrotte, die zwar an Größe den berühmtesten Höhlen Deutschlands, der Muggen dorfer, Gailenreuther und Dechenhöhle nachsteht aber hinsicht lich Schönheit und Mannigfaltigkeit der Kalkfinterbildungen kaum hinter ihnen zurüdstehen dürfte. Noch tennen eigentlich Wenige diese herrliche Tropfstein höhle, die 1862 von Dr. Schmid entdeckt und nur allmälig erschloffen wurde. Erst vor drei Jahren wurden die Durchpäffe von dem einen Grottenraum in den andern erweitert, wurde das Waffer des Höhlensees tiefer gelegt und zum größten Theil zum Abfluß gezwungen. Verschiedene Partien ber Stalaktitenhöhle find erst seit furzer Beit zugänglich, und die Höble selbst ist mit dem Wirthe hause erst vor einem Jahre eröffnet worden. Ungemein interessant find die geologischen Verhältnisse der Gegend: Wir haben hier einen von der fleißigen Lorze ge Schaffenen Einschnitt ins Diluvium vor uns, wie er größer und charakteristischer nur selten in unserm Lande getroffen wird. Sind es doch wohl 250 Meter vom Niveau an, in bem die Lorze fließt, bis zum Gipfel der grüßenden Höhen hinauf, und haben wir doch drei, streng genommen vier durch ungeheure Beiträume sich erstredende Bildungen, die uns in diefem Profile entgegentreten. Bwei gewaltige, einft weit in die heute von Fruchtbarkeit und Segen triefenden Thäler sich hinauserstreckende Gletscher haben hier mächtige Ablagerungen gebildet. Es find die Ablagerungen des alten Linth- und Reukgletschers, die sich unsern Augen in Form mächtiger Moränen darstellen. Auf der östlichen, mit den großen Tuffbildungen versehenen Seite haben wir von dem alten Linth gletscher herstammendes Material, auf der andern Seite der Schlucht das in die gleichen Abschnitte geordnete des einstigen Reußgletschers. Wir sehen an der östlichen Wand in die Höhe und erblicken zu oberst ungeschichtetes Material der Obermoräne der zweiten Eiszeit. Darunter folgt eine 150 Meter mächtige, zur Nagelflub verkittete, geschichtete Riesablagerung der Sihl, welche während eines Abschnittes der Eiszeit in der Richtung über Menzingen gegen die Reuß hin floß; fie entspricht der interglazialen Beit. Unter ihr findet man einen gelblichen, plastischen, zähen Lehm, der die Grundmoräne der ersten Eis zeit darstellt, und darunter liegt die Molaffe. Drüben in der Restauration zur Hölle" fann man unter Linden und stets umfangen von dem Rauschen des hier unmittelbar vorbeifließenden Edlibaches beim Glaſe Wein alle diese alten Berhältnisse bequem noch einmal fich vergegenwärtigen und fich in die ungebeuren Beiträume versenken, da die kalten, lebens feindlichen Eisströme hier ihre aus den Gebirgen gebrachte Ges fteinserbfchaften abfesten und die Waffer der damals anders ge leit ten Sihl ihr Transportmaterial in ein mächtiges Delta hinaus führten, in welches seither die Lorze die tiefe Schlucht eingegraben hat. An der großen öftlichen Schluchtwand find nun die mäch tigen Tuffbildungen angeliebt, in denen fich die Wunder grotte befindet. Sie bilden einen etwa 70 Fuß hohen Wall, der oben mit Bäumen und Sträuchern geschmückt ist und fast den Eindruck des Imposanten hervorbringt. Die Bildung der Höhle ist von den in Stallgebirgen ausgewaschenen Grotten ver schieden. Die tuffbildenden Quellen stammen aus der Kies ablagerung der Sihl; die Höhle selbst ist aber nur eine große Lüde in der Ausbildung mächtiger Tuffsteinlager. Die Waffer floffen den Abhang hinunter und bildeten eine Tuffwand, dann floffen fie darüber hinaus und ließen dazwischen Hohl täume, in denen sich nun durch das herabfidernde, mit tohlenfaurem Ralte gesättigte Waffer die prächtigen Stalaktiten bildeten. Wir wandern mit einer hellleuchtenden Lampe versehen in die Unterwelt und sehen uns gleich inmitten einer geräumigen, teichgeschmückten Halle, von deren Decken und Seitenwänden bie Stalaktiten der mannigfaltigsten Formen und Dimenfionen herabbängen. Der Reichthum ist ein überraschender, die Art ber Gruppirung eine neue, wohin immer fich das Auge wenden mag. Bald stellt fie fich uns in der tadellosesten Ordnung dar, bald finden wir die Gebilde in eigenfinnig phantastischer Stellung und folgen der Natur auf allen Spuren ihrer Laune 34 allen möglichen Formschöpfungen. Ein imposantes Portal Jührt uns in die zweite Halle, deren Eingang unsere Phantafte von einer Niesenschildkröte und einem Delphin besett glaubt. In tausend und abertausend Lebensformen ftellt sich uns das Leben ber tobtgeglaubten anorganischen Natur dar; die Einbildungskraft beutet sich Verhältniffe aller möglichen Gestalten und findet in den Bildungen Antiänge an das Entlegenfte des Gefehenen. Es wäre unmöglich, die Formen dieser Bildungen vergleichend au benennen; mit den täuschend nachgeahmten Thier und Barzengestalten wechseln solche ab, die aus Rünstlerband hervor gegangen zu sein scheinen. Jeber Besucher vergleicht die Bil bungen mit etwas Neuem und Jeder, der fie erschöpft zu haben glaubt, steht bei neuer Betrachtung wieder etwas anderes. In einer Halle meint man, in der Höhe einen alten, nachdenklich finnenden Mann zu erbliden, dann fommen Ritter, Adler fittige, Elephantentöpfe, Thiettlauen, ganze Fleischerläden, Orgeln und Gardinen, legtere in der herrlichsten An ordnung. An einer Stelle präsentirt fich uns eine Tropf fteindame, beren Tournüre selbst von den auf der Höhe der Mode stehenden Schönen faum größer gewünscht würde. Gs fei uns erlaubt, auf die Bildung einiger dieser Formen etras näher einzugehen. Beit Was den Ritter anbelangt, so stellt sich uns diese Kall finterbildung dar als einen stalaktiten, der fich in der Gegend Der Ritterbeine verzweigt und unten mit einem vom Boden beraufwachsenden Stalagmiten zusammenwächst. Es entstehen fann den Vorgang mit dem Auge verfolgen: der von oben herunterbringende, in der Mitte hohle Stalaktit zeig an seinem beraufkommende Bruderzäpfchen des Höhlenbodens fällt und im Laufe der oben und unten so viel Material anlagert, daß endlich die Kopulation erfolgen muß. Sehr häufig fieht man am Ropfe der Stalagmiten eine Tropfen höhlung: Der Stalaktitentropfen fiel hier herab und das Waffer fprigte in Kurvenform an die Stellen, wodurch der Stalagmit fich immer mehr verbreiterte und mit dem Längewachsthum zu und mit ihm eine dauernde Verbindung einging. Die Stalagmiten aber find in der Höhle, wie es gewöhnlich der Fall ist, seltener und nicht von der Größe, welche die Stalaktiten zu erreichen pflegen. Wenn wir uns aber mit der Entwicklung des kleinen Hitters beschäftigten, so wollen wir uns das Wachsthum und Echicksal der Tropffteindame doch auch etwas genauer ansehen. Sie ist ein Stalagmit und dieses erreicht in der Herausbildung Mittwoch, den 26. September 1888. nstund einer führen Tournüre seine ganze stolze Größe. Die Tournüre erhöhte und verbreiterte fich durch die herabfallenden Tropfen eines ftrebsamen Stalaktiten, und es wird in der Tropfstein höhle bei Baar einmal eine Beit kommen, in welcher er den Modetheil der Tame für immer geentert haben wird. Drohend bängt er über ihr und ist ihr schon bedenklich nahe. Die Gardinen endlich, die wir in mancher Halle in ganzen Reihen angeordnet finden, gewähren ein gar reizendes Bild. Ihre Bildung erklärt fich dadurch, daß das langsam herabfidernde Waffer von den Wänden der Höhle angezogen wurde und nun längs der Wand hinabrann, immer Ralf ausscheidend, bis endlich durch die nachfolgende Flüssigkeit die Tropfen zu schwer wurden und, in senkrechter Richtung hinabstrebend, die Vorsprünge hervorbrachten, welche den Breitentheil der Gardine bilden. Die Farben der Tropfsteine find oft blendend weiß, in der Mehrzahl der Fälle jedoch gelblichbraun. Sehr häufig findet man Partien, in denen ganze Moosflächen versteinert find. An den Außenwänden der Sinterbildungen find Ausscheidungen von feinern oder größern Krystallbildungen von Calcit häufig zu erkennen. Die Farbentontraste in der Grotte find nicht auffallende; ich muß aber bemerken, daß das von der Seite her durch ein vergittertes Höhlenfenster zu gewiffen Tagesstunden auf die Sinterbildungen der mittlern Halle fallende Sonnenlicht einen Farbenschein hervorbringt, der durch seine sanfte Bläue zauberisch wirkt. Man erblidt in der Höhle deutlich die Linie, in deren Höhe das Waffer des einstigen Höhlensees stand, und findet die Sinterformen über und unter derselben ganz verschieden ausgebildet. In dieser Hinsicht zeigt die Höhle bdie wunder barsten Kontraste. Wenn nämlich die zapfenartigen Stralattiten von oben herab in das Waffer des Höhlensee's wuchsen, so tam die mit kohlensaurem Ralt vollständig gesättigte Flüssigkeit in eine Lösung von weit geringerer Konzentration; die Waffertheile schwebten nach der Seite und setzten vom Niveau des See's an breite, traubig- fugelige Maffen an, welche in der Höhle alle Uebergänge von der zartesten, feinsten Rosette bis zu den toloffalften Agglomerationen zeigen. Von besonderem Intereffe find die Quellenarbeiten, die über der Tuffwand in der Höhe in Form großer, durch den Nagelflubfels des alten Sihldelta's getriebener Stollen fichtbar werden. Der Wafferreichthum dieser Gegend ist überhaupt ein fast unerschöpflicher. Ueberall glänzen am Abhange die weißen, auf braungelben Tuff gelegten Wafferbänder, und man steht vor seinen Augen verschiedene Gräser und Moosarten fich mit Rall überziehen und in den Zustand der Versteine rung übergehen. Ein gewaltiges, etwa 200 Meter langes Tunnel ist in den Felsen eingebauen und schneidet zahlreiche Wafferadern im Berghügel an. Das Waffer springt in großer Fülle über der wafferundurchlässigen Lehmschicht der Grundmoräne heraus und wurde schon in solcher Menge an den Tag gezogen, daß der Spinnerei Baar, welche die Arbeiten aus führen läßt, der Ertrag von 4000 Litern in der Minute gefichert ist. Wenn die Duellenarbeiten vollendet sind, wird sich der Ertrag noch bedeutend gesteigert zeigen. Der neben der Tropfsteinhöhle zur Hölle" gebrochene Tuffstein wird als Baumaterial verwendet und zugleich bei der Papierfabrikation in Cham benugt. Die in der Nähe des Tuffwalles vorkommenden Tropffteine werden vielfach zur Aus schmüdung von Gärten und zur Anlage von fünstlichen Grotten getauft. off Kommunales. Tagesordnung für die Sihung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 27. September d. J., Nachmittags 5 Uhr. Vorlage, betreffend den Verkauf einer zur ehemaligen Thurmstraße gehörigen Wegefläche an den Eisenbahnfistus und die Festsetzung von Baufluchtlinien für die Straße 29 b. Desgl., betreffend die Vollendung der Er weiterungsbauten der städtischen Wafferwerke zur Tegel und Charlottenburg, sowie des Baues der Wafferhebestation auf dem Tempelhofer Berge. Desgl., betreffend die Einziehung von Steuern. Antrag von Mitgliedern der Versammlung be treffend die Einseßung einer gemischten Deputation zur Prüfung der neuen Bauordnung hinsichtlich etwaiger begründeter Be schwerden über dieselbe und deren Abhilfe.- Desal., betreffend Desal., betreffend die Verbreiterung der Parochialstraße zwischen Waisen und Klosterstraße. Desgl., betreffend den Kostenanschlag für die dreifache Gemeindeschule in der Gräfeftraße.- Desgl., be treffend die Ausführung der Hauptgefimse an den Gebäuden des Hospitals und des Stechenhauses an der Prenzlauer Allee. Desgl., betreffend die Neupflasterung der Straße 17, Abtheilung VIII des Bebauungsplancs, von der Berleberger. bis Aur Rathenowerstraße. Desgl., betreffend den Ablauf der Wahlzeit von 3 Bürgerdeputirten bei der Deputation für öffent liche Gesundheitspflege. Um 6 Uhr findet eine gemeinschaft liche Sigung des Magistrats und der Stadtverordneten Ver fammlung statt behuss Wahl eines Mitgliedes für den Bezirks ausschuß. Lokales. iplal sachof Wieder sind die Tage gekommen, da ganze Wagen parts die Straße sperren, da die Dielen unserer Wohnungen unter schweren Männertritten ächzen und wir die Treppen nur noch mit Lebensgefahr auf und absteigen lönnen: der große Umzug mit all feinen Schreden hat begonnen. Umzugfürchterlich für den, der selber zieht, wie für diejenigen, die nur mitleidende Buschauer find. Tagelang ein Klopfen und Hämmern, Schieben und Schurren ringsum, bis Alles in die Kisten unt Raften, die von guten Bekannten geborgten Waschkörbe verstaut ist. Und kaum find die alten Hausgenoffen fortgezogen, an deren Eigenheiten wir uns allmälig gewöhnt hatten, so daß wir zu der Ueberzeugung gelangt maren, fte seien noch lange nicht die schlechtesten Nachbarn, so ziehen schon die neuen ein, und wir fühlen uns wie von einer unbelannten Gefahr bedroht. A lich geht es ja auch den Biehenden selbst. Die Mängel der alten Wohnung waren ihnen nur zu gut bewußt und doch hatten fie dieselben ertragen müssen, ja fich schließlich mit Humor bareingefunden, und jetzt stehen sie wieder vor dem dunklen Unbekannten, das manches Mißbehagen in seinem Schoße bergen fann. Gewiß, die neue Wohnung entspricht äußerlich viel beffer den Bedürfnissen und Anforderungen als die alte, aber wer fann wiffen, was für fragwürdige Unbequemlichkeiten fich hinter der glatten Außenseite verstecken: muftzirende Damen oben und unten, angehende Violinvirtuosen, tobende Kinder, die mit dem Dei, Durch die Zimmer raffeln, spät pofulirende Väter, Brüder und Söhne, die gern noch Nachts eine kleine Stubenpromenade machen und über unserem Lager mit wuchtigem Knallen die Stiefel von ihren schweren Füßen schleudern. Ach, der Schreck niffe, die einen unversehens treffen fönnen, find zu viele, als fie auch nur anzudeuten wären, und wenn man auch den schönsten Willen hat, fich in die Eigenheiten der Ueber- und 5. Jahrg. Unterwohner zu schicken, um jeden Preis Aergerniß zu ver meiden- ach, wie recht hat der edle Wilhelm Tell:„ Es fann der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nach bar nicht gefällt!" Indem man sich dergleichen Fährlichkeiten nur ausmalt, tann einen bittere Neue über die Kündigung oder die Verweigerung des erhöhten Miethzinses überkommen, und wie viele Umzüge unterblieben wohl, wenn der einmal im Verdruß gethane Schritt sich rüdgängig machen ließe. Noch immer besteht in gewiffem Sinne das alte Wort zu Recht: Dreimal umgezogen ist einmal abgebrannt. Das bezieht sich freilich nicht blos auf die Umzugsverlufte und die Umzugsfosten, sondern mehr noch auf die Neuanschaffungen, die jeder Woh nungswechsel mit fich bringt. Wie oft erschien es uns im alten Domizil, als habe sich bei uns der Möbel und Geräthe im Laufe der Bett viel zu viel angesammelt, und doch will Alles für die neue Wohnung nicht ausreichen, und dieses oder jenes Stüd paßt gar nicht hinein. So behauptet wenigstens die Hausfrau, und mag fich der unverständige Gatte auch noch fo sehr gegen die neue Ausgabe sträuben, seine schönere Hälfte weiß ihm doch das Ersehnte abzuschmeicheln oder, je nach der Behandlung, die er verdient, abzutrozen. Mit einem Gemisch von Mitleid, Neugier und Schadenfreude sehen die am Plaze verbleibenden Umwohner dem Schauspiele des Aus- und Ein ziehens zu. So ein Umzug entschleiert die tiefsten Geheimniffe des Haushaltes, und aus den Geräthen, die Stück für Stüd auf die Straße geschleppt werden und manchmal stundenlang der öffentlichen Besichtigung preisgegeben find, zieht man Schlüffe auf die Eigenthümer und deren Charakter.„ Das prunkt aller Orten in Sammt und Seide einher," fann man in so einem Nachrufe für scheidende Nachbarn hören, und hat eine so armfelige Einrichtung ja, alles nur für den äußeren Schein!" Und über eine neu einziehende Familie heißt es: Alle Wetter, das ist solide, das ist vornehm, das müssen ordentliche und gut fituirte Leute sein!" Wie überall, so kann auch hier der flüchtige Anschein täuschen, und oft mag so ein abgenugter, vom Bahn der Zeit benagter, von muth willigen Kinderhänden verstümmelter Hausrath mehr Glück um schließen, als die prunkvollste Einrichtung in tadelloser Reinheit. Mit wahrer Angst fann man manchmal zuschauen, wie zwange los mit den herrlichen Stücken umgegangen wird, wie hier ein tostbares Delgemälde bart neben den rußigen Besen des Rauch fanglehrers an die Wand lehnt, oft rubem zwei schöne Statuen friedlich bei einander. Es ist als ein wahres Wunder zu be trachten, daß in den meisten Fällen alles glücklich abgeht, daß der Olymp und die sonstigen in Stein und Thon verewigten Größen in dem neuen heim mit heilen Gliedmaßen anlangen. Ja, es soll sogar vorkommen, daß fie deren nach der Ueber fedelung mehr aufweisen als vorher. So wird wenigstens von einem Künstler erzählt, der den Widerwärtigkeiten des Umzuges durch eine kleine Reise entflohen war und bei der Rückkehr da durch überrascht wurde, daß ihm seine Venus von Milo freundlich die Hände entgegenfiredte. Der fluge Leiter des Umzuges hatte nämlich gemeint, das Bildwerk sei durch ungeschid seiner Leute verstümmelt worden, von denen es natürlich wieder feiner gewesen sein wollte, und batte schnell, um dem Schadenersat zu entgehen, der hehren Göttin ein Paar neue Arme angypfen laffen. Der Verkehr am Potsdamerthor erfährt eine so außerordentlich schnelle Steigerung, daß das Durcheinander da felbft anfängt, unheimlich zu werden. Auf den einen Plat münden sechs Straßen: die Königgräßer vom Süden, die Straße von der Anfahrtsseite des Potsdamer Bahnhofs, die Botsdamerstraße, Bellevueftraße, Röniggräßerftraße vom Norden und die Leipzigerstraße. Von jeder dieser Nichtungen fahren die Wagen nach jeder dieser Richtungen, Pferdebahnwagen in endloser Bahl, Omnibusse, Lastwagen, Droschten, Equipagen. Es ist ein gewaltiges Durcheinander, ein Chaos, in welches feine ordnende Hand eingreift, in welchem der große Mittel perron allein wie eine rettende Insel erscheint. An schönen Tagen ist es in der Mittagsstunde und an den Nachmittagen eine Aufgabe, die große Umficht erfordert, wenn man zu Zweit oder Dritt über Diesen Blaz weg will, denn die größeren Wagen verdecken die fleineren, welche urplöglich auftauchen und bei denen jede Berechnung aufhört, weil fie fich nicht auf vorgeschriebenen Geleisen bewegen, wie die Pferdebahnen. Nicht allein wer den Platz freuzen muß, sondern auch wer auch nur eine kurze Zeit diesem Haften, Aengstigen, Stürzen zuschaut, wird nervös. Und, wie schon ge fagt, das wilde Treiben nimmt von Woche zu Woche zu. Ime mer mehr wächst die Stadt nach Westen, immer größer wird der Eisenbahnverkehr und alles, was vom Westen tommt und Aum Westen führt, nimmt seinen Weg über das Potsdamer Thor. Manches wird der Durchbruch der Bimmerstraße beffern, aber wenige Jahre noch und was dort abgelenkt wird, wird fich am Potsdamer Thor durch die natürliche Bunahme des Verkehrs wieder ersetzen. Es liegt auf der Hand, daß an dieser Stelle vollständig Wandel wird geschaffen werden müssen. Und da eine Vermin berung des Verkehrs niemals zu erwarten ist, so wird es dar auf antommen, ihn zu reguliren. Und da wird man fich dar über feinen falschen Hoffnungen hingeben dürfen, etwa mit hal ben Maßregeln dauernd beffern zu können. Noch mehr Insele perrons oder Schutstreifen würden die Bid Backwege, welche die Wagen machen müssen, noch vermehren. In der That ift gar nicht abzusehen, wie der Verkehr hier anders als durch ein vollständig umwälzendes Mittel geordnet werden fann. Als ein solches erscheint nach reiflicher Ueber legung nur das folgende möglich die beiden Thorgebäude wer den fafftrt. Von der Stelle zwischen ihnen bis zur Leipziger straße 1, also der ganze Weg zwischen den Gartenflächen wird für den Wagenverkehr ebenfalls tafsirt. Der gesammte Wagen verkehr aber wird um den Platz herumgeleitet, alles, was vom Potsdamer Thor kommt, fährt um die Südseite, was nach dem Potsdamer Thor will, um die Nordseite des Plages. Eine An ordnung wie die vorgeschlagene wäre nicht neu. Am Branden burger Thor ist der Wagenverkehr in zwei bestimmte Ströme geleitet, am Belleallianceplay wird er um das Rondel herum geleitet. Es liegt auf der Hand, wie sich nach dem vorstehen den Vorschlage der Platz und der Verkehr aestalten würde. Von bem großen Inselperron, der jetzt in der Mitte des Potsdamer Plages ist und nach ihm tönnte man, ohne einem Wagen zu be gegnen, nach und von der Leipzigerstraße aus nach dem Blaze vor der Josty'schen Konditorei gelangen. Von hier aus aber find immer nur schmale Dämme zu überschreiten. Für Fuß gänger bleibt der Weg derselbe, wie bisher. Der gewonnene Damm aber fann ebenso wie am Belle- Allianceplat den Kindern zum Spielen überlassen werden und würde dadurch einem Be dürfnisse entgegenkommen, das ein sehr lebendiges ist. Im aanzen würde der Leipzigerplay dann etwa in seiner Verkehre Regelung dem Belle- Allianceplry gleichen, wo trop der gewaltigen Bahl von Wagen und der Behntausende von Personen selten ein Anlaß zur Klage ift. Als Material zur Lösung einer auf die Dauer doch unaufschiebbaren Aufgabe seien vorstehende Erwägungen unterbreitet. Di»»thnographifch» K»de»tung d«r Spiet». Im ..Korresponden dlatt der deutschen Gesellschaft für Anlhropologie, Ethnologie und Urgeschichte" finden wir einen Vortrag auszüg- lich mitgetheUt, den Richard Andree kürzlich im anthropolo- tischen Verein zu Leipzig gehalten hat und der intereffante lufschlüsse giebt über die Spiele in ihrer ethnographischen Be- Deutung. Versucht man, die Ausbreftung der Spiele geographisch zu umgrenzen, so findet man oft in räumlich getrennten Ge- bieten eine gleiche Art der Anwendung, während einige Spiele fich wieder über große zusammenhängende Ländermaffen ver- folgen laffen. In vielen Fällen ist vielleicht auf einen Zusam> menhang oder gemeinsamen Ursprung zurückzugehen, in anderen vielleicht eine selbstständige Entstehung anzunehmen. Ueberall bildete die Klapper das erste Spielzeug des Kindes. Wir finden sie bei vielen Naturvölkern und können fie in der vorgcschicht- liehen Zeit nachweisen, so im Pfahlbau Möringen, in den L ufltzer Gräbern, in Troja. Dann treten die nachahmenden Spiele auk, die mit wenigen Ausnahmen in Bezug auf die Vor- bereitung der Juaend einen praktischen Werth haben. Oft wird eine bestimmte Wiederholungsfolge eingehalten, nach welcher die einzelnen Spiele nach der Jahreszeit überall wiederkehren. Ueberall find die Puppen ein Spielzeug der Mädchen. Schon die allen Egypter hatten Gliederpuppen, in den römi- schen Katakomben fand man elsenbeinerne Puppen, Sarves in Kleinaficn sp'clte einst in der Puppenfabrikation dieselbe Rolle, wie heute Nürnberg und Sonnederg. Der Islam ver- bietet bekanntlich die körpÄiche Nachbildung, konnte aber die Verwendung von Puppen nicht verhindern. Auch in den peruanischen Gräbern wurden Puppen aufgefunden. Von cthno- graphischer Bedeutung ist es, wenn die Puppe an die Stelle eines gestorbenen Kindes tritt, wie bei den Odschibwä. Hier herrscht die Vorstellung, daß das Kind lange Zeit für die Reise in die Region der Seligen braucht und statt seiner wird dann von der Mutter eine Puppe gehegt und gepflegt. Aebnliches finden wir bei den Kavvölkern. Das Spiel mit den Schnell- kügelchen oder Murmeln(Klilker, Marbel, Schusseln) ist über den ganzen Orient verdrellet, und Pogge erzählt davon aus Zentralafrika. Der Kreisel wurde von Schliemann in Jlics ge- funden; beute ist er sowohl in Asten als auch in Amenka ve- kannt. Auch die Knallbüchse und das Blindctuhspiel(schon im alten Griechenland bekannt) haben eine weite Verbreitung. Der Drachen ist bei uns erst seit 300 Jahren bekannt. Seine größte Verbreitung hat er in den ostasiatischen Ländern. In China lkommt er in vielerlei Gestalten vor und spielt bei dm Volks- festen eine große Rolle. Man kennt ibn in Japan und Hinter- indien, wo Stoffe über ein Bambusgcflecht gezogen werden und durch Palmrippen eine Art Aeolsharfe hergestellt wird. Von hier geht dann die Verbrettung der Drachen nach Neuseelaad, wo die Maori das Gespinnst des Neusee« landflachses dazu benutzten, und nach den Herveyinseln. Die Fadenfiguren(das Abheben der Fäden von den Fingern) be- odachteten Klutschak und Hall ber den Eskimos, Wallace als „Katzenwiege(>»r's eradie) bei den Dajakcn auf Bomeo sowie in Neu-Guinea. Dieses Figurenspiel kennt man in Australien, und Buchner sah es auf den Fidschiinseln. Hieran schließen fich die finnschärfenden Spiele ähnlich dem M,,rra, die in Australien, auf Samoa, Tonga, in China und Egypten beobachtet wurden. Zu den körperentwickelnden Spielen gehört das Laufen auf Stelzen, das in den Land s in Südfrankreich durch die Boden- Verhältnisse geboten wird. In China ist es bei den Vor- führungen der Gaukler zu hoher Ausbildung gelangt, und man findet es aus Tahiti und den Marquesas Inseln, wo Stelzen- Wettlaufen auf glattem Steinboden geübt wird. Das deutet auf eine spezifisch ostafiattsche Entwickelung. Die besonders in England ausgebildeten Ballspiele stammen meist aus dem Orient. Große Verbreitung haben die Brettspiele(Schach, Dame, Mühle u. s. w.) Döller fand fie auf den Kapoerden und dem gegenüberliegenden Festkünde, wo nach gewissen Regeln gefärbte Palmkerne in die Bcettgcübchen gelegt wurden. Man findet fie bei den Fulde und den Mandingo Afrikas, aber nicht bei Völkern niedrigster Bildung. Im Sundareiche werden fie wie- der beobachtet, am Tsadsee heißen fie Uri, bei den Suaheli Bau, bei den Njam Njam und in Nudien Mangala; fie find also über den größten Theil von Afrika verbreitet. In Arabien waren fie längst bekannt, Niebuhr beschreibt fie aus den Euphratlardschaften, Petermann aus Kleinafim. „Kerlin in p»troleumbrl»ucht««g" Unter dieser Ucberschrift bringt der„Oekonomist" folgenden Artikel: Wer die Berichte über die elektrische Skaßendeleuchtung in Berlin und speziell„Unter den Linden" gelesen hat. mußte in hohem Grade erstaunt sein, als er durch eine kürzlich veröffentlichte Notiz Kenntniß erhielt von dem gewaltigen Petroleum- Konsum der Stadtgemeinde Berlin. Auch uns erschien dieser Konsum so überraschend hoch, daß wir uns eingehend mit dem„Warum" beschäftigt haben, und da find wir zu einem Resultat gekommen, welches verdient, das Nachdenken der Einwohner unserer Haupt- stadt anzuregen. Durch unsere Nachforschung hat fich nämlich ergeben, daß Berliner Straßen, welche schon seit Dezennien als öffentliche Straßen gelten, noch beute mit Petroleum erleuchtet find' Die Bewohner solcher Straßen zahlen aber dieselben Steuern, wie die Glücklichen, denen schon elektrisches Licht lcuchlet. Nun kann man sagen, daß, wenn die Straßen nur überhaupt hinreichend erleuchtet find, die Stadtverwaltung fich bezüglich der Art und Weise keine Vorschriften machen laffen könne, sondern das Bedürfniß entscheiden lassen müsse, und wir gestehen zu, daß- sofern der Sicherheit des Verkehrs aenüat wird— eine bessere Beleuchtung nur als Annchm- lichkcit zu betrachten ist. Bei Gelegenheit der Erforschung der Straßen, welche fich-noch mit Petroleum begnügen muffen, find wir aber auch auf die Kanalisationsfragc gestoßen und hierbei kommen andere Gefichtepunlte in Betracht. Straßen, welche seit Menschenallern zu den öffentlichen zählen, entdebren immer noch dieser für Gesundheit und Leben aller Einwohner so wichtigen Einrichtung. Ganz neue Straßen, kaum 5 und 6 Jahre rxistirend, find bereirs der Kanalisation angeschlossen, und wenn die Adjazenten in den älteren, noch nicht kanalifirten Straßm Neubauten erttchten wollen, so haben fie die größten Schwierigkeiten, überhaupt die Bauerlaubniß zu bekommen; im günstigen Falle müssen fie auf ibre Kosten eine provisorische Entwässerung einrichten, für dieselbe Unterbaltungskosten depo- niren und außerdem Kaution für die definitive Kanalisation hinterlegen.— Also 1) entbehren fie der Wohlthat der Kanali- satlon(was für die ganze Stadt bedeutungsvoll ist) und 2) find fie in hohem Maße pekuniär geschädigt.— Das ist nicht gleiches Recht für alle! Einen Ausaleich hierin herbeizu führen, müßte nach unser, m Billigkeitsgefühl die hervorragendste Sorge der Verwaltung der Stadt Berlin sein. Ä»b»r dt» Ueichvhauptstadt K»rlin veröffentlicht Dr. W. Beumer-Düsseldorf im„Ausland" eine statistische Studie, der die nachstehenden Daten entnommen find. In dem Zeitabschnitte von 1880—1887 hat Berlin jährlich um 38 500 Einwohner zugenommen: die Einwohnerzahl deträgt zur Zeit 1 413000 Seelen. Daß unter diesen die wirt schaftlich schwachen Existenzen zahlreich find, zeigt zunächst die Thatsache, daß mcht weniger als 63» pCt. der gesammten Einwohnerschaft, nämlich über 843 000 Personen, von der Klaffensteucr gänzlich befreit find. Darunter befinden fich 212 000 Personen, welche nicht das besteuerbare Mindesteinkommen vost 420 Mark erreich-n und 5 0 000 zur ersten und zweiten Stufe der Klaffensteuer Veran- lagte. Die Uebrigen find Mililärperlonen, Inhaber des eisernen Kreuzes rc. Klassensteuerpflichtig find 376 000 Einwohner, während 110775 der klasstfizirten Einkommensteuer unterliegen. Die Gesammtsumme der wirllich abgeführten Klaffensteuer be- trägt in Berlin 3 109 680 Mark. In der höchsten Stufe der Klaffensteuer(2700 bis 3000 Mark Einkommen) find 4904 Per- sonen: ein Einkommen von 6000 bis 7200 Mark beziehen noch 3028 Einwohner, 14 000 Mark noch 1047 Personen, 21000 M. noch 496 Personen, 25000 M. noch 537 Personen, bis 26 800 M. noch 376, bis 32 400 M. noch 278, bis 36 000 M. noch 250 Personen. Ein Einkommen bis zu 42000 M. versteuern blos 195. bis zu 48000 M 203, bis zu 54 000 M. 127, bis zu 60000 591. 1)2, bis zu 72000 M. 86, bis zu 84 000 M. 71, bis zu 108 000 M. 46. Auf den nächstfolgenden Stufen mit 120 000, 144000, 168 000, 204 000 M. halten fich noch 36 bezw. 30, 23, 29. Die weiter aufwärts steigenden Einkommen- steuerstufen bieten nur noch Zahlen, die man nach Einern, nicht mehr nach Zehnem, anzugebm hat. In der baulichen Ent- Wicklung Berlins hat das Jahr 1887 einen großen Fortschritt aufzuweisen; die Zahl der bebauten Grundstücke stieg von 19 595 auf 19987, also um 393(gegen 210 in 1886 und 244 in 1885). Die Zahl der freihändigen Auflassungen von bebauten und unbedautm Grundstücken wird für 1887 auf 2900 geschätzt(für 1886 auf 2300, für 1885 auf 1900); die letzte amtlich ermittel'.e Z-ffer 1884 war 2093. Zwangsverkäufe haben stark abgenommen; es fanden 76 statt, 58 in bebauten Grundstücken, 9 in Rohdauten und 9 in Baustellen. Der Umfang der Baulust geht daraus hervor, daß jährlich ungefähr fünf- hundert Millionen Stück Ziegelsteinein Berlin Verwendung finden. „Leider muß bemerkt werden," sagt der Verfasser,„daß durch die Neubauten weniger für die Wohnungsbedürfnisse kleinerer und mittlerer Leute, als für Prachtgebäude, große und reiche Geschäftsräume, sowie wohlausgestattete und theuere Privat- Wohnungen gesorgt worden ist." Die Wasserversorgung Berlins dezeichnet Dr. A. im Gegensatz zu der von Paris als eine sehr ausreichende und hygienisch befriedigende. Die beiden Waffer- werke können der Stadt täglich 172000 Kubikmeter zuführen, wobei noch eine angemessene Reserve bleibt. Durch ein drittes Werk am Müggelsee soll diese Ziffer auf 334000 erhöht, also verdoppelt werden. Nicht minder vottrefflich find die Beleuch- tungsvcrhältnisse. Trotz einer Entwickelung der clettrischen Be- leuchtung, wie keine andere Stadt Europas fie aufweist, hat fich infolge des vcrmchttcn Lichtdcdüttnisses auch der Gasverbrauch im Jahre 1887 noch gesteigert. Berlin hat im Jahre 1886 bis 1887 nickt weniger als 81 274 000 Kubikmeter Gas verbraucht (gegen 77 826 000 im Jahre 1885 86). Davon entfielen auf die öffentliche Beleuchtung 10 596 865 Kubikmeter. jlnfevt Neichsbank«ot»n werden selbstverständlich in Berlin, der Metropole Deutschlands, angefertigt; aber Wenige, selbst wenn fie noch so oft die verschiedenen Scheine in ihren Fingern gehalten haben, weiden wissen, auf welche Weise und an welchem Otte die Herstellung derselben erfolgt. Die Gebutts- stätte des deutschen Papiergeldes ist die Reichsdruckerei in der Oranienstraße, jener Backsteinbau, an welchem gewiß schon ein Jeder vorübergegangen ist, welcher in Berlin seinen Wohnfitz hat. Die verhältnißiräßig gettnge Ausdehnung der Vorderfront trägt dazu bei, daß man diesem Hause nicht die große Aufmerk- samkeit zuwendet, welche es eigentlich verdient. Um so mächtiger ist die Tiefe dieses Grundstücks, das vier Höfe in fich aufnimmt, welche in den zwei Stockwerken der dieselben umfassenden Ge- däude nebst Keller und Dachgeschoß eine benutzbare Bodcnfläche von nicht weniger als 10 650 Quadratmetern ausmachen. Hier werden die Werthpapiere des gesammten Deutschen Reiches, soweit fie unter der Kontrole desselben stehen und von ihm ver- ausgabt werden, hergestellt; also nickt allein die verschiedenen Reichsbanknoten, sondern auch die Bttefmarken und Postkarten, kurz ein jedes Wcrthzeichen von der winzigsten Stempelmarke bis zu den wetthvollen Banknoten, von denen jeder von uns eine Btteftasche voll gespickt haben möchte... Dieses wichtige Etablissement untersteht dem Ressott des Staatssekretärs Dr. Stephan. Das Personal umfaßt etwa 800 Arbeiter. Dazu kommt noch eine beträchtliche Anzahl an Ver- waltungs- und technischen Beamten. Ueberall hämmern die Maschinen und keucht der Dampf, um das Material zu be- wältigen, welches in Verwendung kommt. Buch- und Kupfer- druckpressen haben die meiste Arbeit zu erledigen, wozu fich noch über zweihundett der verschiedensten Hilfsmaschincn gesellen. Denn man kann fich denken, daß beinahe sämmtliche Zweige der Graphik hier vertreten sein müssen: Buchdruck, Steindruck, Kupferdruck, Kup'erlichtdruck, G aslichtvruck, Kupferstechkunst, Holzschneidekunst, Schttftgteßcrci, Galvanoplastik und Stereotypie. In Bezug auf Heizung. Beleuchtung und Ventilation find die neuesten Errungenschaften der betreffenden Wissenschaften oer- werthet— wie das nicht allein selbstverständlrch, sondern sogar notbwendig ist bei einem Etablissement, das über solche Mittel verfügt und den Künsten den Boden zu bieten hat, wo fie fich tummeln und weiter entwickeln sollen. Welche Leistungsfähig- keit diese Relchsdruckeret befltzt, geht daraus hervor, daß fie an Postkatten allein iäglich 400000-stück herzustellen hat. Uns interesfitt vor allem natürlich, wiejene wetthvollen Papiere entstehen, welche durch das Ansehen des Staates, welcher fie verausgabt, dieselbe Bedeutung im Verkehr und Handel bcfitzen, wie die aus glitzerndem Edelmetall hergestellten Gold- und Sllbcrmünzen. Daß man sorgsam und vorsichtig dabei zu Werke gehen muß, leuchtet jedem ein. Schon die Prüfung des Papiers, welches etwa in Verwendung zukommen bat, erfordert eine große Umficht und Vertrautheit mit dem Matettal. S'hr wichtig ist natürlich auch die Arbeit der Kupferstecher, welche damit detraut find, die Platten für die verschiedenen Matt- scheine herzustellen. Viele Monate find nöthig, um nur eine einzige derselben fertig zu machen. Während dieser Zeit fitzen die Kupferstecher hinter großen Rahmen, welche mit weißem Seidenpapier überspannt find, damit fie das für ibre mühsame Arbeit nothwendige gedämpfte Licht erhalten. Das Auge ist mit der Lupe bewaffnet, die sichere Hand führt den stählernen Sticke!, welcher die wichtigen Zeichen und Gebilde in die Platte einzugraviren hat. Die fertige Platle wandert dann in strengen Gewahrsam, bis die Zeit kommt, wo man ihrer bedarf. Achtfach galvanisch vervielfältigt finden wir fie darauf als Druckplatte für acht Kassenscheine im Kupferdrucksaale wieder. Die fertigen Bogen werden in einem Räume des Bodengeschoffes zum Trocknen aufgehängt. An Gestellen, welche vom Fußboden bis zur Decke reichen, befinden fich hier die werthvollen Papiere. Nachdem fie trocken geworden, werden fie in die einzelnen Scheine zerschnitten. Nachher folgt ein gebeimnißvolles Verfahren, welches tj-n Zweck hat. die pbotographische'Nachbildung der Scheine unmöglich zu machen. Von hier wandern fie in das Bu-eau der Staats- sckuldenverwaltung, wo vermittelst einer Maschine der Aufdruck der Unterschriften erfolgt, indem ein geschickt ersonnener Mechanis- mus gleichzeitig auch die laufenden Nummern aufprägt. Nun erst find diese Scheine Geld geworden, vollkommen fertig, in den Verkehr zu gelangen und bei dem Umsatz als Werth zu geltm. Daß in der Reichsdruckerei bei der Herstellung so wichtiger Erzeugnisse nur vollkommen unbescholtene Personen, welche Anrecht auf das weitgehendste Vertrauen destyen, ver- wendet werden können, braucht kaum erst gesagt zu werden. Dazu kommen noch Vorstchismaßrcgeln aller Art. So dürfen während der Mittagszeit die mit der Herstellung der Kassen- scheine beschäftigten Arbeiter das Etablissement nicht verlassen. In der Nähe der Arbcitsräume find infolge einer sehr ge- schickten Verwetthung des Dampfes Kochvorrichtungcn angebracht, wo man fich das mUgebrackie Essen mcht nur bequem wärmen, sondern auch neues vollständig herstellen kann. Auf diese Weise ist den Arbeitern die Gelegenheit benommen, auch nur die geringste Anwandlung von Unredlichkeit in fich aufkommen zu laffen. Da» fünfzigjährig» Inblilänm ber Eif»nb«h« in Dreuß»«, in reffen Zeit wir uns augenblicklich befinden, ruft allerhand interessante Erinnerungen in das Gedächtniß zurück, welche mit jenem E-eigniß in engstem Zusammenhang stehen. Bekannt find die Schwierigkeiten, welche von frommen Männern und einflußreichen Machthadern dieser großartigsten aller modernen Errungenschaften in den Weg gelegt wurden; aber selbst an Stellen, wo man annehmen darf, daß kein engherziges Vor- urtheel den Fortschritt der Wissenschaft hemmen wollte— selbst dort stieß die Errichtung der Eisendahnen auf Schwierigkeiten, welche uns heute in der Wiederschildemng wie ein Märchen klingen. So behauptete Thiers im Jahre 1834 in der franzö- fischen Kammer, die Eisenbahnen seien eine Spielerei, ein lost- spielizer Luxus, an welchem fich kein vernünftiges Staatswesen betheiligen dürfe. Arago, der große Naturforscher, fügte hinzu, daß sie allenfalls für lokale Zwecke genügen dürften, aber für eine Schienenverbindung zwischen Patts und den großen Handels« plätzen werde er nie stimmen; das sei ein Unding, weil man Güter auf der Eisenbahn niemals werde transportiren können. 2 Jahre später— also 1836— gab Thiers schon zu, daß man für ganz kurze Strecken Eisenbahnen erbauen könne,„aber," sagte er, „wir schätzen das Menschenleben bei dem hohen Grad der Zivi- lisation viel zu hoch, um dasselbe bei dieser Art des Verkehrs auf das Spiel zu setzen. Sogar in England, dem Mutterlande dieser Erfindung, wo man sonst alle für Handel und Industrie vottheilhaften Neuerungen zu fördern pflegt, war die öffentliche Meinung den ersten Eisendahnen alles eher als hold. Die „Times" schrieben, daß die Projekte von Elsen bahnen, welche zehn, fünfzehn oder gar zwanzig englische Mellen in der Stunde zurücklegen sollen, nur von Personen herrühren könnten, die gar keinen Begriff für solcke Schnelligkeit hätten. Heute verkehren die großen englischen Eisenbahnen mit einer Geschwindigkell von vierzig bis fünfzig englischen Meilen in der Stunde, ohne daß fich darüber ein Mensch auch nur wundert. Und ein anderes ebenso einflußreiches wie vornehmes„wissenschaftliches" Organ schrieb sogar:„Giebt es etwas Lächerlicheres und Abgcschmack- teres als das Projekt eines Dampfwagens, welcher zweimal so geschwind gehen soll wie unsere Postwagen? Eher ließe fich ermatten, daß man fich in einem Artillerie-Laboratottum mittelst einer Rakete befördern läßt, als durch die Gnade einer Loko- motioe, welche doppelt so schnell gehen soll wie unsere berühmten Postwagen." Die Nummer, welche dieses charafteristische Utthell enthält, wird üdttgens denn auch als ein Kuriosum im Museum zu London unter Glas und Rahmen aufbewahtt. Der„Börs� Cour." plaudert aus jener Zeit m folgender Weise: Das fünfzigjährige Eisenbahn-Jubiläum, welches die Stadt Berlin am Sonn bend in aller Stille beging, ruft so manche Erinnerung aus der Zeit des Dampfroß» Debüts wach.... Wir fitzen an dem runden Stammtisch einer allen Bettina Weinstube, an deren Wänden ehrwürdig- vagilbte Stahlstiche hängen. Eine rubige Beha lichkeit umfängt uns, die sehr wohl- thuend von dem Larm der Bierkneipen absticht. Die Geister des Weins, die hier aus den gelb- und rothzefiegclten Flaschen schlüpfen, treiben keinerlei Possen; fie find fast so wohlgesittet, wie die rundlichen, behäbigen Herren, welche, langsam prüfend, die grünen Rheinweinke lche oder die blitzenden Bordeaux. Glösa an ihre Lippen führen, und ick glaube beinahe, daß fie Vater« mördcr und eine geblümte Seidenweste tragen, wie da alte Rentier mir gegenüber. Sein freundlich- runzliges Geficht, etwas röthlich angestrahlt, taucht hinab in die Papierwogen der „Vosfischen Zeitung" vom Sonntag— man könnte glauben, einem Sonnenuntergang am Ostseesttande beizuwohnen. Mein ris-Wis klopft mit dem Siegelring ganz leicht an das geleerte, Glas. Sofort ist der Kellna mit der L.derschürze zur Stelle, um es von neuem zu füllen. Das geschieht wortlos; er kennt die Lieblingsmarke des Gastes. Der Wein, zumal beim drlltea Glase, löst die Zunge. Da Gieis uns gegenüber schmunzelt freundlich über den Rand des Glases und schnüffelt— schnüffell» wie nur ein aller Weinkenner zu schnüffeln vermag. Wir kommen in's Gespräch und Herr Gegenüda entpuppt fich als ein Stamm« Berliner. Er ist eine leibhaftige, zweibeinige Berliner Chronik, die man nur aufzuschlagen braucht, um etwas interessantes zu finden. Ettr.nctt er fich doch noch des Tages, wo— es war im Jahre 1826— in Berlin Unter den Linden zum ersten Male die Gas« laternen brannten. Die braven Berliner hielten damals die Hände an die gußeisernen Pfosten— um die Wärme des in den Latanenköpfen flackernden Gasts zu spüren.„Ick wundere mir nur, wie fie det Oel aus de Erde da ruffpumpen können" — meinte einer der Zuschauer treuherzig.„Det is ja eben der Witz"— lautete die Erwiderung seines Begleiters. Das Wort ist seitdem in Bettin populär unv gebräuchlrch geworden. Man kann fich heutzutage schwer eine Vorstellung von der Erregung machen, die in Alt-Berlin zur Zeit der Eisenbahneröffnung herrschte. Wo sich heute der Potsdamer Bahnhof resp. sein Vorplatz erstreckt, befand fich— nach unserem Gewährsmann vom Wttnsiuber.tisch - vor fünfzig Jahren das Meyer'sche Lokal, eines der beliebtesten Berlins, in welchem auch der„Verein junger Kauflrute", damals „Verein für hilfsbedürftige Haudlungsdiener" genann), seine Sitzungen hielt. Der Andrang zu diesem Etablissement, neben welchem die Konditorei von Bolzani lag, wurde fast lcbcns» g'fährlich, als die ersten Züge von der leichten Perronhalle— der Vorgängerin des jetzigen Bahnhofs— hinaus zu dampfen begannen. Ganz Berlin strömte„zu Mcyern", um die Eisen- bahn zu sehen. Man bezahlte fünf Groschen Entree für einen Platz auf der Terrasse im Garten. Zehn volle Groschen aber kostete ein Sitz auf einer besonders hohen Brücke, von der aus man einen Aueblick bis beinahe nach Steglitz hin genoß, den« jenseits der Potsdamer Brücke, der damaligen Schafdrücke, war freies Feld. Die Waggons waren nur eben verdeckt und konnten an den Seiten mit Leinewandvorbängen verhüllt werden, wie unsere jetzigen Sommer- Tramways. Die Paffagiere pflegten denn auch zumeist schwarz wie die Zieger nach Steglitz respektive nach Potsdam zu kommm. Ein besonderer Sport namentlich für das junge Berlin war es, in Lowries zu fahren, was nur einen Silbergroschen kostete— und im Augenblick der Abfahrt das liedliche Blölm einer tzammelheerde nachzuahmen. Lbends durften keine Lokomotiven verkehren. M n spannie dann Pferde vor die Waggons. Die Eisenbahn beherrschte damals das ganze Berliner Leben. In Gesellschaft wurde es Mode,„Eisenbahn» Polka" zu tanzen. Einer der Herren ahmte hierbei durch Be» wegen der Ofenklappe das Geräusch der Zugräder nach..... All' das und noch so manches andere erzählte mir mein Tis-H-Tia. Dann klopfte der alle, freundliche Herr wieder mit dem Siegelring auf das Glas, bezahlte, gab nach guter, aller Sitte kein Trinkgeld, winkte mir lächelnd zu und— im nächste« Augenblick war das röthlich-runzlige Antlitz, der Vatermö:der und die blumige Seidenweste, aus deren Tasche ein Petschaft baumelte, aus der Thür. Di» K»rtiu»r Kchul»««nd der Keg»» der lex#«»«», das find zwei anscheinend sehr verschiedene Gegenstände, die fick kaum in einem gemeinsamen Thema behandeln laffen, aber Dank den Entschließungen der Berliner Stndtverwaltung doch untrennbar verbunden find. Als der Reichstag die neuen Ge- trttde- und Vieh-ölle im Betrage von vielen Millionen bewilligte, da waren die Herren nicht zweifelhaft, daß diese Zölle eine Last seien, die man dem konsumrrenden Volke auferlege, und es wurde damals bestimmt, daß die Erträge dieser Zölle bis zu einem ge- wissen Betrage vom Reiche den Einzelstaaten zur Entlastung der Steuerzahler überwiesen werden sollten, und in Preuße» wurde besonders, einem Antrage des ultramontanen Abg. Frhrn. v. Huene gemäß, ein Gesetz zu Stande gebracht— nach seine« Urheber lex Huene genannt— wonach der auf Preußen ent- fallende Betrag an die einzelnen Provinzen nach Verhältnis ihrer Größe vettheill werden solle. Die Provinz Berlin hat. wie kürz« lich mitgetheilt, auf Grund der lex Huene 974 860 M. für das Rechnungsjahr 1887 erhalten und dieses hübsche Sümmchen de« Schulgrundstückefonds überwiesen. Nun war aber doch für den Ankauf von Schulgrundstücken längst vorher gesorgt und wen» auch die Schuld»last v.n 4 Millionen, mit der der Fond» belastet ist, drückend sein mag, so läßt sich doch, wenn man auch mit den heutigen wirthschaftlichen Verbällnissen rechnet. dieser Druck unter Zuhilfenahme von Anleihen mildern, die natürlich allmälig getilgt werden müssen, damit die Schuldenlast unseren Nachkommen nicht über den Kopf wächst. Wir könne» nicht zugeben, daß für die Grundstückserwerbungen zu Sck«� zwecken die Erträge nach der lex Huene zu verwenden nötM gewesen wäre. Wollte man diese Summe der Schule zu Gu» kommen laffen, so lag die Dringlichkell von Geldbewilligung� pot e 32 ge ed 11 t, 0, er Ts te t, 1 te e, nt en It it, ie 11. re 3 ie in e 7" ct ct 1 g ent Is ne PIT Be er 13 It P Пр It 13 n 计 cnu 社 it g te # auf einem ganz anderen Gebiet. Wir haben erst fürzlich darauf| hingewiesen, daß trotz der Schulgeldbefreiung den Eltern schuls pflichtiger Kinder in Berlin noch immer eine recht erhebliche Last erwächst aus der Beschaffung von Schulbüchern und sonstigen Lehrmitteln. Wir glauben, daß der Unterricht nur gewinnen fann, wenn diese Bücher von der Schulverwaltung beschafft und den Kindern unentgeltlich überlassen werden. Solche Befchaffung durch die Schulverwaltung stellt sich bedeutend billiger als heute im Einzelverkauf und beseitigt alle die vielen Klagen, die heute gegen den Schulbuchhandel laut werden. Die Sache fordert um so mehr Beachtung, als andere Gemeinwesen, z. B. in der Schweiz, bereits in dieser Weise vorgegangen find. Wir erklärten damals, daß sich bei gutem Willen auch die Mittel finden würden würden und die finanzielle Seite der Frage für ein Gemeinwesen wie Berlin keine Schwierigkeiten bieten fönnte. Die Bestätigung dieser unserer Meinung fand fich wenige Tage, nachdem wir dieselbe ausgesprochen. Konnte es eine beffere Gelegenheit zur Verwirklichung unseres Projektes geben, als die Ueberweisungen aus der lex Huene? Anerkannt ist, daß die Korn- und Viehzölle besonders schwer auf die ar beitenden und unteren Klaffen drücken. Nun war gerade Ge legenheit gegeben, den linderreichen und deshalb bedürftigsten Arbeiterfamilien eine wesentliche Erleichterung zu schaffen durch Abnahme der Last für die Lehrmittel zum Schulunterricht. Die Vortheile für den Unterricht, für die Schüler und für die Lehrer gingen noch nebenher. Die Herren legten das hübsche Sümmchen in den Schulgrundstücksfonds! Bald kam eine zweite Gelegenheit, die Mittel zur Ausführung unseres Vorschlages zu erhalten: Die Stadt erhält vom 1. d. J. ab einen jährlichen Staatsbeitrag von 577 850 M. zur Erleichterung der Volts. Schullaften. Konnte es für Berlin eine bessere Erleichterung der Volksschullaften geben, als die von uns oben vorgeschlagene? Auch diese Summe verschlang der Schulgrundstücksfonds. Nun, wir wiffen ja, mit neuen Jbeen kommt man bei unserem Hochwohlweisen so leicht nicht durch. Aber wir werden auf die Sache zurückTommen und dann wird den Herren der einzige Einwand, den fie der Forderung entgegensegen fönnten, abgeschnitten sein, der Einwand nämlich, daß man für solche Ausgaben fein Geld habe. Die zur Anschaffung von Schulbüchern und Lehrmitteln für unfere etwa 160 000 Gemeindeschüler erforderliche Summe würde nach unserer Schäßung noch lange nicht den Zuschuß aus der Staatstaffe zur Erleichterung der Vollsschullasten erschöpfen; die Herren behielten also noch die Zuweisungen aus der lex Quene und auch diese müßten im Intereffe der Steuerzahler verwendet werden. Das Verschwinden solcher Buwendungen in einem großen Kapitalfonds ist in feiner Weise eine Erleichterung der Steuerzahler und wir möchten glauben, daß gegen solche Ver wendung der zur Steuererleichterung bestimmten Summen eigentlich die Regierung fraft ihres Aufsichtsrechts einschreiten müßte. Selbstverständlich find wir weit entfernt, für eine solche Maßregel einzutreten, die unserem prinzipiellen Standpunkte widerspricht. Auf das Prinzip der Erleichterung der Schullast aber werden wir immer und immer wieder zurüdfommen. Die Schwalben haben unsere Gegend noch nicht vers laffen, obwohl ein findiger Berichterstatter fie schon zweimal hartnädig verschwinden ließ. Diese leichtbeschwingten Segler der Lüfte scheinen fich bei uns ganz wohl zu fühlen, denn man teht fte des Morgens im Thiergarten und an anderen Bläßen in gewohnter Weise den Insekten nachstellen. Auch die Bach ftelzen find eben erst im Begriff abzureisen. Zu Tausenden raften die zierlichen Vögel jezt an den schilfbedeckten Ufern der Spree, um etappenweise die Reise nach den wärmeren Ländern anzutreten. Die Spree Ufer bieten noch immer ein Bild sommerlicher Frische und es verlohnt sich reichlich der Mühe, bet Der vorherrschenden herrlichen Witterung einen Nachmittag in einem am Waffer belegenen Drte zu verbringen. An den legten Sonntagen waren die Lokale an der Oberspree gedrängt voll. Auf der Liebesinsel ging es besonders lebhaft zu, weil die totale Windstille die Segler veranlaßte, fich auf dem fieinen Eiland ein Rendezvous zu geben. Bis zur Liebesinsel kommen wir immer noch, denkt der paffionirte Segler, und mag es auf der Wafferfläche noch so spiegelblank sein, bis dahin wird schließlich der Staten zu Hilfe genommen. Die Insel ist daher an solchen Tagen von einer Flotille kleinerer und größerer Fahrzeuge förmlich blodirt, deren bunte Wimpeln schlaff herab hängen, während die schnet digen" Segler Segler unter dem Schatten grüner Bäume fich der seemännischen Unterhaltung hingeben. Allmälig beginnt die Sonne hinter dem Häusermeer Berlins zu verfinken; länger und länger werden die Schatten und in undeutlichen Umriñen erscheinen die aus der Ferne herannahenden Boote auf dem Waffer. Die legten Strahlen der untergehenden Sonne ver golden die Fenster des Gefängnisses am Rummelsburger See, gleichfam als wollten sie den Gefangenen von der goldenen Freiheit Kunde geben; dann verschwindet das Licht des Taacs und die Dunkelheit fenkt fich nieder auf Wasser und Land. Die Boote find bereits dem Lande zugeeilt; von hüben und drüben challt zwar noch ein langgezogenes Dhoi" über das Waffer, bald verftummen jedoch auch diese Rufe: die Bootfahrer haben the Biel erreicht und das luftige Waffervöllchen, die Ruderer und Segler, find verschwunden. Kingsum herrscht eine feier liche Stille, die nur nur noch von dem Geplätscher der Unken und Frösche, die nun die Herrschaft im Waffer führen, unterbrochen wird. dungsmittel. 5) Das Salz in seiner fulturgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen Bedeutung. 6) Ueber Feuerzeuge. 7) Die Sage vom ewigen Juden. 8) Die deutsche Frau im Mittelalter. 9) Der deutsche Wandertrieb im Lichte der Geschichte und im Spiegel der Poefte. 10) Ueber die Hauptgründe, welche alles menschliche Wollen und Handeln bestimmen. 11) Ueber die Jdee des ewigen Völkerfriedens. 12) Die Trauer um die Todten bei den verschiedenen Völkern der Erde. 13) Ueber das Vorhersagen von Naturerscheinungen. 14) Badewesen und Badetechnik der Vergangenheit. 15) Die praktische Kriminal Justizpflege während des Mittelalters mit besonderer Berüď. fichtigung der einschlägigen Verhältnisse in Berlin und in der Mark Brandenburg. 16) Friedrich der Große hundert Jahre nach seinem Tode. 17) Vorlesung aus: 17) Vorlesung aus: Des Wagners E. Chr. Döbel Wanderungen im Morgenlande". Biographische sowie geschichtliche Themata u. s. w. Die unter den Schülern des Joachimsthalschen Gymnafinms ausgebrochene Augenentzündung, welche gestern zur Schließung der Anstalt geführt hat, tritt ungemein anstedend auf. Der erste Erkrankungsfall war am 12. b. M. in der Unterfekunda beobachtet worden, am vorigen Donnerstag waren nur noch 5 Schüler der Klaffe zum Unterricht erschienen. Die Krankheit hatte sich außerdem über alle übrigen Klaffen ausgebreitet. Allein von den Alumnen befanden sich bereits am Donnerstag 40 in der Krankenabtheilung. Der Unterricht wurde daher zunächst auf 2 Tage ausgefeßt, während dieser Beit erkrankten noch weitere 20 Alumnen. Am geftrigen Tage waren die Schüler wieder zur Anstalt befohlen; die erschienen waren, wurden von zwei Aerzten untersucht. Leider mußte fonstatirt werden, daß unter den vermeintlich Gefunden fich noch 7 befanden, die schon angestedt waren, ohne daß fie es bisher selbst gewußt hatten. Diesen bedauerlichen Um ständen gegenüber entschloß man fich endlich zur vollständigen Schließung. Die Krankheit wird von ben zur Untersuchung beorderten Aerzten als Conjunctivitis( Bindehaut tatarrh) bezeichnet. Die innere Fläche der Augenlider und das Weiße im Auge find stark geröthet, die Bindehaut speziell ist angeschwollen und sondert reichlich schleimige, eitrige Feuchtigkeit ab. Man glaubt, daß man es bisher nur mit der leichteren, nicht aber mit der blennorrhöischen Form der Augenentzündung zu thun hat. Sollte fich inzwischen die Epidemie heben lassen, so will man in drei Wochen den Unterricht wieder aufnehmen, dann aber nur solche Schüler zulaffen, die durch ärztliches Beugniß ihre Gesundheit nachweisen können. Der Direktor des Gymnafiums macht folgendes bekannt: Bei der gestern durch Herrn Profeffor Dr. Horstmann vor genommenen spezialärztlichen Untersuchung sämmtlicher Schüler des Joachimsthal'schen Gymnasiums wurde festgestellt, daß bei feinem Schüler egyptische Augentrantheit( Corjunctivitis granulosa) vorliegt. Es ergab fich dagegen das Vorhandensein eines leichten Bindehautlatarrhs; da dieser in den legten Wochen in der Anstalt endemisch" aufgetreten ist, wurden auf Rath des Arztes schon jetzt die Schüler in die Ferien ents laffen. Der Gendarm, welcher sich an der deutsch franzöfifchen Grenze erschoß, war, dem Anz. f.." zufolge, ein geborner Brandenburger; er stammte aus dem Dorfe Wansdorf im Kreise Ofthavelland, wo seine Eltern und Geschwister sowie seine Braut wohnhaft find. Von allen diesen hat er in einem Briefe, der bei der Leiche vorgefunden wurde, Abschied genom men. Da das Kouvert des Schreibens vollständig mit Blut befleckt war, so hat die vorgesetzte Behörde, die kaiserliche Gen. Darmerie von Oberelsaß, den Brief in einem amtlichen Kouvert an den Adreffaten, den Vater des Verstorbenen, Stellmachermeister Karl Stärke in Wansdorf, abgesandt. Das Schreiben hat nach dem genannten Blatt folgenden Wortlaut:„ Strüth, den 7. September 1888. Liebe Eltern und Geschwister! Wenn Sie diesen Brief erhalten, bin ich nicht mehr unter den Lebenden. Es ging nicht mehr anders, ich habe cs mir jest vorgenommen, und es ist vorbei. Ich sterbe, weil es unserm Oberwachtmeister nicht einleuchten tann, warum ich einen Mann wegen Diebstahls eingesperrt habe. Meine Sachen wird Ihnen wohl mein Kamerad Haal zuschicken. Es ist ein Bett, ein Schrank und Tisch, eine Lampe, ein Regulator, eine Weckuhr, mehrere Bilder, zwei Handtoffer, ein hölzerner Koffer und Bylinderuhr. Alwine soll sich nicht sehr grämen, auch Sie nicht, liebe Eltern und Geschwister, glauben Sie nicht, daß ich was ausgefreffen habe, Ste fönnen fich nach erkundigen. Ich sterbe in Ehren. The Sohn Rudolph." Verunglückter Möbeltransport. In dem großen Speditionshof des Hauses Kaiser Franz Grenadierplaz wurden gestern Mittag gegen 1 Uhr Möbel aller Art auf einen Wagen der Transportfirma Michaelis in der Morisstraße geladen. Der Kutscher und die Verlader hatten sich eben wieder entfernt, als plößlich die Pferde, durch irgend ein Geräusch aufgeschreckt, scheu wurden und im vollen Karriere durch den Thorweg auf den Platz stürmten. Hier farambolirten fte zunächst mit einer Drofchle, rasten aber sofort weiter, dem Michaelfirchplatz zu, indem der schwere Möbelwagen mit furchtbarem Rud hins und her geschleudert wurde. Da die Möbelstücke noch nicht fest ge schnürt waren, so purzelte ein Stück nach dem andern mit lautem Krachen auf den Fahrdamm, natürlich in tausend Stücke zer berftend. In der Nähe des Plages versuchte ein Schußmann Die Thiere aufzuhalten, vergebens. Erft einem zweiten Schutz mann glüdte es in der Nähe des Engelufers. Auf dem ganzen Wege lagen die zerbrochenen Möbel verstreut, die nun selbst. ständlich unter lautem Halloh der Straßenjugend aufgesammelt wurden. Was von den Besuchern des Grunewalds alles verloren und gefunden wird? Bei dem Amtsvorsteher, Oberförster v. Schleinig im Forsthaus Grunewald, ist als im Das Elephantenhaus unseres Zoologischen Gartens be. herbergt seit einigen Tagen wieder einen afrikanischen Elephanten ( Elephas africanus). Es ist interessant, nunmehr, da beide Ele phantengattungen neben einander sich befinden, die Untersch ede swischen denselben feststellen zu können. Der neue Antömmling it in seiner Erscheinung unschöner, der Leib fürzer, aber höher gestellt, als bei dem Verwandten( Elephas indicus). Sein flacher Kopf mit dem dünnen Rüffel und den auffallend großen Dhren, die ausdruckslos geschwungene Rückenlinie, die schmale Brust und die überaus unschönen Beine bilden eine Vereini gung von Merkmalen, welche ihn bestimmt von der aftatischen Gattung unterscheiden. Die Gefichtslinie hat eine gewiffe Aehne zwei Gläser; ein Medaillon mit Kette; ein schwarzglanzledernes lichkeit mit der eines Haubvogels. Während der indische Ele phant fünfhufige Vorderfüße hat, zeigt der Afrikaner nur vier bufige Vorder und dreihufige Hinterfüße. Das neu angekaufte Exemplar ist noch sehr jung, etwa 5 Fuß hoch, ungemein leb haft und pofftlich. Grunewald gefunden" abgeliefert: Ein zweireihiges Korallenhalsband, ein stählernes Granat- Armband, eine meffing verfilberte Taschenuhr; eine schwarzfteinerne Halskette; ein Badet, enthaltend einen Kinder- Tragemantel, eine Hängematte, eine Schürze und thumsansprüche binnen drei Monaten im Amtsbureau im Forst. haus Grunewald geltend machen, event. die Sachen in Empfang nehmen. Wieder hat eine unsinnige Wette ein Menschenleben in hohe Gefahr gebracht. In einer in der Manteuffelstraße be findlichen Restauration batte der Tischlergeselle Emil K. mit einigen Belannten um fünf Mart gewettet, daß er innerhalb Eine neue, sehr verwerfliche Pravis scheint jezt bei einigen Viehversicherungs- Gesellschaften beliebt zu sein. Das die Verkaufsprämie zu zahlen haben, suchen fte zu verkaufen. ertrantie Vieh, welches ihnen eingeliefert wird und für das fle So wird der Allg. Fleischer- Beitung" jest wieder aus der Spandauer Gegend gemeldet, daß einem zum Viehkauf ausge fandten Gesellen von dem Vorstand eines Schweineversicherungs Bereins ein schweres Schwein zum Preise von fünfzig Mark Den völlig bewußtlosen R. brachte man nach der Sanitätswache berlauft wurde. Der Geselle hat das Schwein um 9 Uhr einer Stunde zehn große Nordhäuser mit Bunsch trinken werde. Troß der Einreden des Wirths und der Warnungen der Gäste bestand R. auf Ausführung der Wette. Er hatte aber erst sechs Gläser, als er, wie vom Schlage getroffen, vom Stuhle fant. am Görlizer Bahnhof, woselbst der Arzt eine Alkoholvergiftung fonstatirte und die Ueberführung des Schwererkrankten nach der Charitee anordnete. Dort liegt St. in einem fast hoffnungslosen Abends angenommen, nach 1 Stunden war es bereits todt. Der betreffende Meister wird nun selbstverständlich den Ver ficherungsverein verklagen, falls dieser nicht die 50 M. sofort Bustande darnieder. Burückzahlt. Gegen diese Praris der Versicherungsgesellschaften muß, so oft ein solcher Fall bekannt wird, auf's Schärfste vor gegangen werden. Es ist dies um so leichter, als das Reichs Bericht am 2. September ein Erkenntniß gefällt hat, wonach der Berlauf lebender franter Thiere unter das Nahrungsmittelgeset fällt, wenn dem Verkäufer bewußt war, daß die Thiere zu Bewegung der Bevölkerung der Stadt Berlin. In der Woche vom 2. bis 8. September d. J. fanden 185 Che schließungen statt. Lebendgeboren wurden 929 Kinder, darunter 13 außerehelich, todtgeboren waren 24 mit 2 außerehelichen. Die Lebendgeborenen find 33,7, die Todtgeborenen 0,9 pro Mille der Bevölkerung, die außerehelich Geborenen find bei den Lebendgeborenen 12,2, bei den Todtgeborenen 8,2 pCt. Die Bahl der gemeldeten Sterbefälle betrug 637, die fich auf die firage 22) versandte in diesen Tagen seinen diesjährigen Pro- Wochentage wie folgt vertheilen: Sonntag 90, Montag 99, Wichtig für Vereine. Dr. Mar Baumgart( Bergmann fpett, in welchem er sich zu Vorträgen an den Vereinsabenden mit folgenden, die Politik ausschließenden Thematen: 1) Das deutsche Bunstwesen im Mittelalter. 2) Das Heirathen Dienstag 86, Mittwoch 78, Donnerstag 106, Freitag 95, Sonnabend 83. Von den Gestorbenen erlagen an Ma fern 8, Scharlach 3, Nose 1, Diphtheritis 19, Bräune Altersschwäche 17, Gehirnschlag 13, Lungenentzündung 33, in alten und neuen Gefeßen. 3) Das deutsche Märchen, seine Reuchbuften 8, Rindbettfieber 5, Typhus 4, Ruhr 1, Syphilis 2, fittliche und erzieherische Bedeutung. 4) Das Studium der deutschen Dichtung als eines der vorzüglichsten nationalen Bil Lungenschwindsucht 74, Diarrhöe 52, Brechdurchfall 120, Magenbarmlatarrh 23. Durch Vergiftung lam 1 Person um, durch Allohol Bergiftung( Delirium tremens). Eines gewaltsamen Todes starben 15 Personen, und zwar durch Verbrennung oder Verbrühung 1, Ertrinken 2, Erhängen 4, Erstiden 1, Ueberfahren 2, Stur oder Schlag 5. Hierunter find 7 Todesfälle durch Selbstmord herbeigeführt. Dem Alter nach find die Gestorbenen: unter 1 Jahr alt 303( 47,6 pCt. der Ge fammtsterblichkeit), 1-5 Jahre 87, 5-15 Jahre 27, 15 bis 20 Jahre 6, 20-30 Jahre 36, 30-40 Jahre 43, 40 bis 60 Jahre 71, 60-80 Jahre 51, über 80 Jahre 13 Personen. In biefigen Krankenhäusern starben 129, einschließlich 14 Aus wärtige, welche zur Behandlung hierher gebracht waren. Auf die Standesämter vertheilen sich die Todesfälle folgendermaßen: Berlin Köln Dorotheenstadt( 1) 23, Friedrichstadt( II) 14, Friedrich- und Schöneberger Vorstadt( 11) 13, Friedrich und Tempelhofer Vorstadt( IV) 54, Louisenstadt jenseits, westlich ( Va) 59, Louisenstadt jenseits, östlich( Vb) 27, Louisenstadt dies feits und Neu- Köln( VI) 38, Stralauer Viertel, westlich( Vlla) 44, Stralauer Viertel, öftlich( VIIb) 38, Rönigstadt( VI) 33, Spandauer Viertel( IX) 34, Rosenthaler Vorstadt, süd lich( Xa) 50, Sosenthaler Vorstadt, nördlich( Xb) 38, Dranienburger Vorstadt( XI) 66, Friedrich Wilhelmstadt und Moabit( XII) 52, Wedding( XIII) 54. Die Sterbefälle find 23,1 pro Mille Der fortgeschriebenen Bevölkerungszahl ( 1 441 645). Die Sterblichkeitsziffer in folgenden Städten des Deutschen Reiches mit mehr als 100 000 Einwohnern betrug in Aachen 21,1, Altona 16 3, Barmen 20,9, Bremen 17,1, Breslau 30,9, Chemnit 38,0, Danzig 38,8, Dresden 19,9 Düsseldorf 30,3, Elberfeld 20,2, Frankfurt a. M. 19,4, Hamburg mit Vororten 21,5, Hannover 23,8, Köln 29,4, Königsberg 29,3, Leipzig 21,5, Magdeburg 29,8, München 30,2, Nürnberg 23,2, Stettin 31,1, Straßburg i. E. 23,8, Stuttgart 17,6 pro Mille. In anderen Großstädten Europas mit mehr als 300 000 Einwohnern betrug die Sterblichkeitsziffer in Amsterdam 17,3, Budapest( Vorwoche) 28,2, Dublin 21,7, Liverpool 22,4, London 16,0, Paris 20,1, Petersburg( Vorwoche) 25,9, Warschau( Bor moche) 28,2, Wien( Vorwoche) 20,9 pro Mille. Es wurden 3772 Bugezogene, 2713 Weggezogene gemeldet, so daß fich die Bevölkerung mit Einrechnung der nachträglich gemeldeten Ge borenen und des Buschlages, der den Weggezogenen erfahrunge mäßig zugerechnet werden muß, um 1135 vermehrt hat; die Ein wohnerzahl beträgt sonach am Schluffe der Berichtswoche 1 442 780. In der Woche vom 9. bis 15. September famen zur Meldung Infektions Erkrankungsfälle an Typhus 28, Boden 3, Masern 68, Scharlach 90, Diphtheritis 80. Sinds bettfieber 6. Polizeibericht. In der Nacht zum 24. d. M. vergiftete fich eine Frau in ihrer Wohnung in der Staliserstraße mittelst Cyantali. Am 24. d. M. früh wurde in der Wäschefabrik von Borchardt, Neue Königstr. 15, der Heizer Fiedler, als er den Treibriemen einer Wiingmaschine auf die im Gange_befindliche Welle auflegen wollte, von dieser erfaßt und mehrere Male herumgeschleudert, so daß ihm der Arm fast ganz vom Rumpf getrennt wurde. Er wurde nach dem Krankenhause im Friedrichs hain gebracht. Um dieselbe Zeit wurde bei einem Dienstmädchen in der Blumenstraße in einem Korbe die Leiche eines neuges borenen Kindes, zwischen Lumpen verſtedt, vorgefunden. Es gestand zu, in der Nacht zum 22. d. M. das Kind geboren zu haben, behauptete jedoch, daß daffelbe bei der Geburt nicht mehr gelebt habe. Aeußere Verlegungen waren an der Leiche nicht wahrnehmbar.-Nachmittags verunglückte bei den Kanalisationsarbeiten in der Wilsnackerstraße der Maurer Fritsche dadurch, daß ihm ein Bementbloc auf den Rüden fiel Er erlitt anscheinend schmere innerliche Verlegungen und mußte nach dem Krankenhause in Moabit gebracht werden.- Üm Um dieselbe Zeit wurde in der Neuen Königstraße ein Arbeiter durch einen von dem Kutscher Schulz geführten, übermäßig schnell fahrenden Arbeitswagen überfahren und schwer verlegt. Gegen Abend fiel ein 9 Jahre alter Knabe, welcher mit Erlaub niß des Kutschers auf deffen Arbeitswagen fizend, die Zügel führte, auf dem Wege vom Nordhafen nach der Sellerstraße in folge Scheuens der Pferde vom Wagen, gerieth unter die Räder deffelben und wurde an beiden Beinen derartig verlegt, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte. Abends wurde ein obdachloser Arbeiter auf der Treppe des Hauses Waldemar Straße 69 schlafend vorgefunden und zum Verlaffen des Hauses aufgefordert. In der Trunkenheit stürzte er dabei jedoch von der Treppe und erlitt dadurch so schwere Verlegungen, daß er während der Ueberführung nach einem Krankenhause ftarb. Abends gegen 10 Uhr entstand in der Bärwaldstraße zwischen Soldaten und Bivilperfonen eine Schlägerei, durch welche ein Auflauf von mehreren hundert Menschen hervorgerufen wurde. -An demselben Tage fanden mehrere unbedeutende Feuer statt. Es brannten Weberstraße 8 Hölzer in einer Leimlüche, Potsdamerstraße 107A Bretter, Verschläge und Schaldecke in einem Keller, Viltoriastraße 5 Betten in einem Mädchenzimmer und Sigmundhof, auf dem Terrain der Berliner Mörtelwerke Kleider und Betten in einem Schuppen. scha Gerichts- Zeitung. Drei Grazien waren es nicht, welche am 15. Junt in der Reichenbergerstraße eine folenne Rauferei aufführten und dadurch die Aufmerksamkeit der Paffanten auf fich zogen. Die schlagfertigen Damen standen gestern als die Ehefrauen M., K. und F. vor dem hiesigen Schöffengericht, um sich wegen gemeinschaftlicher Körperverlegung zu verantworten. Bwischen Frau F. und den beiden anderen Angeklagten herrschte bittere Fehbe, welche wiederholt in den wunderbarsten Schimpfworten fich Luft machte, am 15. Juni aber in äußerst gewaltthätiger Weise zum Ausbruch tam. Die beiden ersten Angeklagten be fanden sich gerade in dem Kloppsteg'schen Porzellangeschäft, welches der Tochter der Frau M. gehört, als die gemeins fame Feindin vorbeikam und sich alsbald ein neues heftiges Wortgefecht entwickelte, welches die F. auf die Ladentreppe lodte. Jest aber rückte Frau M. mit schwerem Geschütz vor: fte ergriff einen Schrubber und bearbeitete ihre Gegnerin mit demselben so nachdrücklich, daß das Blut floß, während ihre Verbündete, Frau K., den Laden gleichfalls als festen Verhau betrachtete und mit einem Porzellanteller dem Feinde entgegen zog. Die Angegriffene war aber nicht nur mit dem Munde, fondern auch mit den Armen ihren Gegnerinnen gewachsen: nach furzem Kampfe um den Befiz des Schrubbers behielt Frau F. den felben als Siegerin in der Hand und nun entwickelte sich eine Szene, die als Illustration zu dem Schiller'schen Worte dienen fonnte: Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsegen Scherz!" Frau F. hatte sich den allein selig machenden Schrubber faum erkämpft, als sie auch begann, unter den am Laden eingang aufgestellten Porzellanfachen eine fürchterliche Muste rung zu halten; fie schlug blindlings in das Geschirr hinein, so daß die Nachbarschaft neugierig die Köpfe zum Fenster heraus streckte, in der Meinung, daß hier ein verfrühter Polterabend gefeiert wurde, und die Mezelei nahm nicht eher ein Ende, als bis für 50 M. Porzellan in Scherben am Boden lag. Die drei Vertreterinnen des Ewig- Weiblichen mußten gestern gemeinschaft lich auf derselben Antlagebant Plaz nehmen und suchten mit großer Bungenfertigkeit den Gerichtshof zu überzeugen, daß nur die Gegenpartei die Rauferei veranlaßt und die Frauer würde so arg vergeffen habe. Der Gerichtshof war seinerseits der Meinung, daß Frau F. fich den beiden Frauen gegenüber in einer Art Nothwehr befunden, aber für den unmotivirt unter dem Porzellan veranstalteten Maffenmord büßen müsse. Sie wurde deshalb wegen vorfäglicher Sachbeschädigung zu 20 W. Geldbuße event. 2 Tagen Gefängniß verurtheilt, ihre Gegnes rinnen dagegen haben ihren Kampfesmuth mit je 100 M. Geld buße event. 10 Tagen Gefängniß zu bezahlen. Ihr Küchenzettel wird deshalb aller Wahrscheinlichkeit nach für die nächste Zeit... etwas Inapp ausfallen. Es war an einem schönen Juni- Abend. Der| Schußmann Müller ging nach beendetem Dienst spazieren. Er wählte einen Weg weit draußen vor der Stadt nach der Rich tung von Hermsdorf zu. Bewohnte Häuser fab er schon längst nicht mehr. Alles athmete Ruhe und Stille. Nur in einzelnen der fleinen Gärten, die zu beiden Seiten des Weges lagen, erblickte er Menschen, welche gleich ihm in freier Natur Erholung von des Tages Last und Hize suchten. Plöglich, als der einfame Wanderer um eine Ede bog, bot fich ihm ein ebenso unerwartetes, wie feffelndes Bild. Auf einem kleinen, verftedt liegenden Blaze hatte eine Rünstlergesellschaft fich niedergelaffen. Aber nicht zum Ausruhen, sondern zum Arbeiten, fte gab vor einem Ileinen und ungewähltem Publikum Vorstellung. Auf dem Rasen war ein alter Teppich ausgebreitet und auf diesem ein tolles Durcheinander von menschlichen Gliedmaßen zu sehen. Als der Schußmann näher berantrat, entwidelte fich der Knäuel und es tamen fünf Menschen zum Vorschein, welche sich im Nu zu einer Pyramide gruppirten. Dies schien aber auch der Glanz punkt und der Schluß der Vorstellung zu sein, denn nachdem Die pyramidale Leistung beendet war, schlüpften die Künstler wieder in ihre Oberkleider, der jüngste, ein Knabe von 10 Jahren, warf die Decke über die Schulter, die wenigen Zuschauer zerstreuten fich und bald war der Plaz wieder leer. Der Schußmann wunderte fich zwar, wie die Künstler ihre Rechnung finden fonnten, wenn fte so entlegene und geradezu versteckte Orte auf fuchten, um fich sehen zu lassen, doch das war schließlich nicht feine Eache. Er wußte aber, daß jede öffentliche Vorstellung gegen Entgelt der polizeilichen Erlaubniß bedarf gegen diese Verordnung schien hier gesündigt zu sein. Der Beamte folgte den Künstlern und erfuhr bald, daß die Gebrüder Treptow das Haupt der Gesellschaft seien. Nach wenigen Tagen wurden die letteren durch ein polizet. Iches Strafmandat überrascht. Sie beantragten richterliche Entscheidung und gestern erschien einer von den Gebrüdern Treptow vor der 97. Abtheilung des Schöffengerichts, um die Einsprache zu begründen. Der Beamte sei in einem Irrthum gewesen. Sie hätten fein Entree genommen und auch von den Buschauern feinen Pfennig erhalten. Lediglich um ihr zum größten Theil aus Knaten bestehendes Personal in der Ülebung zu erhalten, hätten fte das entlegene Pläßchen auf gesucht, welches auf Künstler ihrer Art eine große Anziehungs fraft ausübe. Man könne dort ganz im Verborgenen bisweilen große Kraftproduktionen mit Gewichten u. f. w., machen sehen. Durch das Hinscheiden des Kaisers Friedrich habe ihnen eine längere Zeit des Müßiggangs in Aussicht gestanden und da seien tägliche Uebungen besonders nothwendig gewesen. Da der Beamte nicht gesehen hatte, daß einer der„ Küustler" von den Zuschauern etwas bekommen hatte, so erkannte der Ges richtshof auf Freisprechung. und Die Feststellung des Begriffes einziger Ernährer" Im Sinne des Unfallversicherungsgesetzes stand letthin zur fchiedsgerichtlichen Entscheidung. In einer Briquettfabrik fand im September v. J. eine Kohlenstaubexplofton statt, durch welche eine Anzahl jugendlicher Arbeiter den Tod fand. Von den Eltern der Getödteten wurden mehrfach Ansprüche gegen die Knappschafts Berufsgenossenschaft erhoben, die darauf geftügt waren, daß durch den Tod des Kindes den hinterbliebenen Aszendenten der einzige Ernährer geraubt worden sein. Die Arbeiterversorgung" berichtet nun über zwei Fälle dieser Art, welche vor das Schiedsgericht der Sektion IV. zu Halle ge langten. In dem einen Falle erzielte die Mutter eines ges tödteten Arbeiters ein obfiegendes Erkenntniß folgenden Inbalts: Nach den amtlichen Erhebungen steht fest, daß die Be rufsflägerin in dem Beitraume vom 1. September 1886 bis dahin 1887 durch Posteinzahlungen, welche der Verstorbene geleistet hatte, mindestens 242 M. und außerdem fleinere Beträge| rhalten hat, die ihr der Verstorbene durch in die Heimath zurückkehrende Mitarbeiter zukommen ließ. Da die anderen erwerbsfähigen Kinder ihr Unterstüßungen nicht über mittelt haben, fie selber aber bei häufig mangelhaftem Gesundheitszustande nur während der Sommermonate in der Lage spätestens geschehen, damit das ausgefüllte Buch der freien Hilfs. laffe beim Antritt der Arbeit im Jahre 1889 in den Händen faffe beim Antritt der Arbeit im Jahre 1889 in den Händen des Arbeiters ist; sonst gilt die Kündigung nicht, und er muß noch ein Jahr der Ortskrantentaffe angehören. Wer nicht in Arbeit ist, braucht, wie schon gesagt, nicht zu fündigen. Also auf, Thr Arbeiter, haltet Eure eigenen Raffen, die sentralisirten freien hilfstassen hoch! Thr zeigt badurch, daß Ihr für Eure Selbstständigkeit, für Euer Recht, für Wahrheit und Menschenwürde der Arbeiter einzustehen be reit seid. Achtung, aufgepakt! Der bereits mehrfach von uns angezogene Generalbericht über die Sanitätsver waltung im Königreich Bayern für die Jahre 1884 unb 1885" enthält in dem Abschnitt, der sich mit der Syphilis als fozialer Maffenerscheinung beschäftigt, folgende hochinteressante Stelle: Bu Raisers lautern, Der durch hochentwickelte Tertilindustrie ausgezeichneten rheinischen Fabrikstadt, soll die Syphi Its felten sein, da das Rontubinat sehr verbreitet ist und diese Paare sich ungetraut treu bleiben." Bekanntlich hat der bayerische Landtag ein Kontubinatsgefeß geschaffen, das sich gegen die außer eheliche Geschlechtsgemeinschaft, die man im Norden als wilde The fennt, mit scharfen Bestimmungen richtet. Die bayerischen Gerichte haben alle Augenblicke Gelegenheit, in wilder Ehe lebende Paare, zumeist Proletarier, deswegen zu verurtheilen. Denn der Proletarier fann nicht, wie der Bourgeois, der fich den Lurus einer Haushälterin" gestattet, über eine ganze Bimmerflucht gebieten, und auf die Arbeiter richtet sich deshalb in erster Linie das spähende Auge der Polizeiorgane. Daß unser die Moral in Erbpacht habendes Bürgerthum pharisäisch die Nase rümpft über die Unmoralität der niederen Klaffen", ist fattiam bekannt, obgleich gerade die Beftßenden die Prostitution vor allem bedürfen und erhalten. Denn es heirathen die Pro letarier weit früher, als die Bourgeois. Falls fie aber, wie in Bayern, durch eine für den Armen ungünstige Che gefeßgebung am Heirather gehindert werden, so leben fte im Ronfubinat, während während die Junggesellen der oberen Behntausend von einer Liebelei zur anderen eilen, der Prostitution Vorschub leisten und gerade das thun, was die nicht für Beseitigung, sondern blos für Regelung der Prostitution schwärmenden Großbürger verhüten wollen, nämlich als Roués auch die Töchter der höheren Stände" verführen. In Bayern, wo das Konkubinat strafbar ist, fonstatirt ein amtlicher Bericht, herausgegeben vom tgl. bayer. Staatsministerium des Innern, die günstigen Folgen diefes felben Konkubinats, Ab. nahme der Syphilisation und Treue, ohne daß im gefeßliches Band Mann und Weib aneinander knüpft. Schredlich fürwahr, daß eine offizielle Publikation, erschienen unter der Aegide des Ministers von Feilisch, redigirt vom Geb. Medizinalrath von Kerschensteiner, so wohlwollend fich ausspricht über die wilde Che. Das schmeckt ja faft nach ,, freier Liebe". Wer die Entwidelung der Familie nur einigermaßen fennt, weiß, daß die jeßige Form der Ehe das Produkt einer fehr langen Entwickelungsreihe ist. Man wird zugeben, daß auch die Zukunft neue Existenzformen der Ehe zeitigen kann. Doch dies fümmert uns hier nicht. Wären die sozialen Bustände beffere, wäre die Ehegefeßgebung in Bayern eine humanere, so würden ja ficher die Standesbeamten mehr Arbeit bekommen. Aber fest steht, daß das Konkubinat der Proletarier doch nicht so furchtbar ist, wie pfäffische Moralisten zu behaupten lieben. Die Statistik der Ehescheidungen belehrt uns, daß gerade die höheren" Klaffen das größte Kontingent hierzu stellen; die Hauptursache aber ist Ehebruch des einen oder beider Gatten. Mögen die fittenstrengen Bourgeois bet den Arbeitern von Raiserslautern lernen, daß die Treue fein leerer Wahn ist in der wilden Ehe. Ja, wir Wilden find doch beffere Menschen." war, fich einen Tagesverdienst von 40-50 Bfg. durch lande Vereine und Versammlungen. wirthschaftliche Arbeit zu verschaffen, so fällt der von dem ver. ftorbenen Sohne geleistete Beitrag zu den Unterhaltungskosten so erheblich ins Gewicht, daß der Verstorbene in dem Sinne Des Unfallversicherungsgeseßes als der einzige Ernährer der Be rufungstlägerin angesehen und die Beklagte für verpflichtet er achtet werden muß, der Klägerin die gesetzliche Rente zu ge währen." In einem anderen Falle hatte ein Vater zwei Söhne ver loren. Die Berufsgenossenschafi bestritt, daß derselbe, dem jeder de beiden Söhne 7 M. wöchentlich Kostgeld gezahlt habe, hiervon feinen Unterhalt bestritten habe, vielmehr hätte der Kläger fich als Uhrmacher felbst ernährt. Budem könne, da jeder der beiden öhne 7 M. gezahlt habe, feiner derselben als einziger Er nährer in Betracht kommen. Das Schiedsgericht entschied gegen Den Berufungstläger. Allerdings," führte daffelbe aus, ist Der letztere Grund nicht geeignet, den erhobenen Anspruch zu beseitigen, da es dem Geiste des Unfallversicherungsgesetzes zu widerlaufen würde, den gleichzeitigen Tod zweier Kinder, welche zusammen die Eltern ernährten, anders aufzufaffen, wie den im Wortlaute des Textes vorgesehenen Fall der Verunglückung eines Kindes, welches der einzige Ernährer der Eltern war. Ueber Dies ist hier unerwiesen, daß die beiden Söhne in demselben Augenblick verstorben find, mithin fönnte der zulegt Verstorbene fehr wohl als einziger Ernährer angesehen werden. Indeffen ist der Beweis, daß Berufungsfläger thatsächlich außer Stande sei, sich selbst zu ernähren und daß er von seinen Söhnen erhalten worden sei, nicht erbracht worden." Vorgehen der Innungsmeister. 2. Gewerkschaftliches. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am Mittwoch Männergesangverein Jugendlust" Abends 8 Uhr im Restarant Baffod, Gartenstr. 162.- Männergesangverein ,, Cäcilia" Abend 9 Uhr im Restaurant, Köpniferstraße 127a.- Gefangverein Männerchor Linde" Abends 81, Ubr im Restaurant Haller, Naunynstraße 70. Männergesangverein Sangesfreunde Abends 9 Uhr im Restaurant Musehold, Landsbergerstr. 31. Freya", Gesangverein der Freireligiösen Gemeinde, Abends 8 Uhr im Restaurant Benede, Große Hamburgerstraße 16.Huppert'sche Sängervereinigung jeden Mittwoch nach dem ersten im Monat, Abds. 9 Uhr, im Restaurant Heise, Lichtenbergerftr. 21. H = 1 Seeger'scher Gesangverein" Abends 9 Uhr im Restaurant Schulz, Brenzlauerstr. 41.- Gesangverein Schwungrad" Abends 8 Uhr im Restaurant Sahm, Annenstraße 16. Männergesangverein Lorbeerkranz" Abends 9 Uhr im Restau rant Karsch, Oranienftr. 190. Gefangverein Nord- Jubal Abends 9 Uhr in Vettin's Bierhaus, Veteranenstr. 19. Männergesangverein Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Restaurant Doberstein, Mariannenstraße 31-32.- Lübed'scher Turnverein( 1. Lehrlingsabtheilung) Abends 8 Uhr Elifabeth Straße 57-58.- Turnverein Wedding", Bankstraße 9. Männer- Abtheilung von 8 bis 10 Uhr Abends; des gleichen 1. Lehrlings Abtheilung von 8 bis 10 Uhr Abends. Mehr Licht", Verein für Scherz und Ernst, Abends 8 Uhr im Restaurant Heid, Koppenstraße 75.Schlesischer Verein Holtei" Abends 9 Uhr im Restaurant Hente, Hollmannstraße 33. Hente, Hollmannstraße 33.- Vergnügungsverein Fröh lichkeit" Abents 9 Uhr im Restaurant Säger, Grüner Weg 29. Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographic Abends 8 Uhr im Restaurant Beese, Alte Schönhausers straße 42, Unterricht und Uebungsstunde. Roller scher Stenographenverein Süd- Berlin". Abends 8 Uhr im Restaurant Prinzenstraße 97 Sigung und Uebungsstunde -Arends'scher Stenographenverein Amicitia" Abends 8 Uhr im Restaurant Behrends, Schönebergerstraße 6.- Arends'sches Stenographenverein Philia" Abends 9 Uhr im Restaurant Wilhelmsgarten", Kochstraße 7.- Verein ehemaliger Schüler der 22. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Lehmann, Kurfürstenstraße 31.- Berliner Rauchflub Wrangel" Abends 9 Uhr im Restaurant Foge, Köpenickerstraße 191.- Rauch flub Havanna SO" Abends 8 Uhr im Restaurant Baezolot, Reichenbergerstraße 16. Reichenbergerstraße 16.- Rauchflub Gemüthlichkeit" Abends S Uhr im Restaurant Achsel, Köpeniderstraße 161.- Rauch flub Columbia" Abends 8% Uhr im Restaurant Beyer, Brinzenstr. 96. Rauchklub Frisch gewaat" Abends 83 Uhr im Restaurant Tempel, Breslauerstr. 27. Rauchflub ,, Krumme Piepe, Abends 8 Uhr, Ostbahn 4 bei Trumpf.- Vergnü gungsverein Fröhlichkeit" gegründet 1880, Abends 9 Uhr Grüner Weg 29. Vermischtes. bas Eine chinesische Räubergeschichte. Aus Hangchow, ber Hauptstadt der Provinz Cheliang, wird folgende schauerliche Gea schichte berichtet: 3wei Kaufleute, die auf einem naben Marlt orte ihre Geschäfte glücklich beendet hatten, traten, mit einer ans fehnlichen Summe beladen, den Heimweg an. Da aber der Bezirk wegen seiner Vagabunden und Räuber berüchtigt_iff, ließ die Behörde die Kaufleute überwachen und ihren Weg genau verfolgen. Am selben Abend, an dem fie die Heimreife angetreten hatten, waren in ein Wirthshaus an der Straße, die fte paffiren mußten, einige Männer gefommen und hatten ge fragt, ob die beiden Kaufleute hier übernachten, da fie mit ihren ein Geschäft abzumachen hätten. Auf die Antwort, Daß feine Kaufleute gekommen gekommen seien, verließen die Fremden das Wirthshaus. Bald darauf aber erschienen die Kaufleute und verlangten Nachtquartier. Der Gaft wirth verweigerte ibnen bies, indem er erzähte es feien Männer, die als Räuber bekannt sind, dagewesen und haben nach ihnen gefragt. Ihre einzige Hoffnung, glüdlich zu entlommen, sei, im Hause eines Militärmandarins Unterkunft zu finden, der etwa zwei Li weit wohne. Wenn der fie auf nehme, würden fie gerettet, sonst seien sie verloren. Die Rauf leute eilten dahin und wurden bereitwilligst vom Mandarin aufgenommen. Als dieser ihre Geschichte hörte, ließ er bas Haus in Vertheidigungszustand ſegen unb gegen den erwar teten Angriff Vorbereitungen treffen. Unter anderem wurde das Thor so mit Steinen verbarrikadirt, daß selbst, wenn geöffnet würde, immer nur ein Mann eintreten könnte. Um Mitternacht wurde gepocht, und die Räuber erzwangen ben Eingang. Da fie aber nur einzeln paffiren tonnten, fo wurden die ersten, welche eindrangen, sofort niedergefioken. So waren vier getödtet, und bann wurde Thor wieder geschloffen. Darauf tam neues Pochen, und man hörte eine Etimme, die nach dem Schicksal derer fragte, die ein gedrungen waren. Als Antwort wurde der Kopf eines Räuber hinausgeworfen. Die Räuber eilten nun fort und begaben f zur nächsten Behörde, deren Vorsteher ein hervorragender Bürger aus Hanchow war, Namens Loh. Dem erzählten fte eine plo fible Geschichte, ein Militärwürdenträger babe fie nächtlich ange griffen und einen Kameraden getödtet. Als Beweis brachten fe den Kopf des Unglücklichen. Allein in diesem Augenblid lam der Mandarin selbst mit seinen Brüdern und theilte die wahre Geschichte mit. Der Beamte entschied hierauf, alle müßten bis aum Morgen warten, dann werde er den Fall unterfuchen. Die Räuber wendeten jedoch ein, daß fie die tobten Leiber ihrer Freunde bewachen müßten, da diese sont Dem Beamten schien das begründet zu sein. Vergebens war die Einwendung des Militärmandarins, die Räuber wir den jedes menschliche Wesen in seinem Hause umbringen, jet aanz unbeschüßt sei. Lob ließ sich nicht überzeugen, gab die Räuber frei und hielt den Mandarin und dessen Brüder zurüd. Am nächsten Morgen tamen fie erst nach Hause und fanden fünfzehn Personen ermordet, die Mutter des Mandarin, seine Frau und die kleinen Kinder, sowie sämmtliche Dienstleute Den beiden Kaufleuten war es jedoch gelungen, zu entkommen und den schauberhaften Vorgang an höchfter Stelle bekannt geben. Der Kaiser gab Befehl, daß Lob 10 000 Taëls, etwa 30 000 Gulden, zahle und dann getöpft werde. Der Befehl wurde alsdann vollzogen. Die Bewohner von Hangchow erfuhren den Vorgang erit, als fte plöglich wahrnahmen, das Haus des Loh geschloffen wurde und seine Familie Traver anlegte." Der Fachverein der Rohrleger hielt am Sonntag, den 23. d. M., seine regelmäßige Vereinsversammlung in Feuerstein's Tunnel, Alte Jalobftr. 75, ab mit der Tagesordnung: 1. Gewerkschaftliches, 2. Verschiedenes und Fragelaften. Kollege Redner fritifite scharf die im Rohrlegerfach allmälig einge tretenen Mißstände und Mängel, legte der Versammlung klar, wo die jetzt so häufigen Pfuscharbeiten herrühren und bemerkte dabei, daß es ein übler Zustand wäre, daß die meisten Unter nehmer nicht praktisch im Fach erfahren seien. Dieselben stellen an ihre Rohrleger mitunter Anforderungen, die unmöglich aus zuführen find. Sie übernehmen so billig wie möglich ein Stüd Arbeit; um aber nun doch einen großen Gewinn zu erzielen, wird das schlechteste Material verwandt, und der Rohrleger muß tagtäglich das Klagelied hören: Halten Sie sich nur tüchtig baran, ich verdiene an diesem Bau nichts, ich gebe noch Geld zu." Diese Ohrenbeichte hört man sich 8, 9 bis 10 Jahre mit an und auf einmal hat der Unternehmer soviel zugegeben", daß er sich ein Haus kauft und fich Pferd und Wagen anschafft. Der Rohrleger hingegen, welcher jeder Witterung ausgesetzt ist und meist ungesunde, den Körper höchst schädliche Arbeit leistet, stebt fich bedeutend schlechter wie früher. Wenn derselbe sich nun erlaubt, um eine Lohnzulage vorzusprechen, so hat er ins Wespens nest gebohrt und er bekommt die alte Geschichte vom Nichtsver bienen und Geldzugeben zu hören. Redner fordert die Ver fammlung auf, fräftig zu agitiren für die Organisation. Kollege Müller fritiftrte das Submissionswesen. Die Arbeit erhält der Mindestfordernde und die Arbeiter werden mit dem Preise so gebrüdt, daß fie laum dabei existiren lönnen. Es betheiligten fich an der Distusfion die Kollegen Tolksdorf, Hirsch, Birch, Soziales und Arbeiterbewegung. u. a. M.- Gs murden dann noch mehrere gewerlſchaftHebertritt zu den freien Hilfskaffen. Jeder Arbeiter fann den zentralisirten Hiltstassen beitreten, wenn er unter 45 Jahre alt und bei seiner Aufnahme gefund ist, sobald er seine Arbeitsstelle wechselt. Der Unternehmer, den er verläßt, meldet ihn bei der Ortstaffe ab. Der Arbeiter fann nun hingehen und fich das Buch der zentralisirten freien Hilfs faffe erwerben. Wenn er dann bei einem anderen Unternehmer wieder Arbeit erhält, braucht er nur das Buch vorzuzeigen und er wird dann nicht zur Ortstrantenlaffe angemeldet. Wer in fester Arbeit steht und darin bleiben, aber doch aus ber Drtskaffe aus und zur zentralisirten freien Hilfstaffe übertreten will, der fann dies nur am 1. Januar eines jeden Jahres thun. Er muß aber drei Monate vorber seine Abficht dem Vorsteher der Ortstaffe anzeigen. Dies geschieht am besten durch eingeschriebenen Brief, der an den Vorsteher, aber mit Angabe von dessen Namen gerichtet ist, nicht etwa blos an den Vorstand der Dristaffe, denn solche eingeschriebene Briefe ohne Namen hänoigt die Poſt nicht aus. Man schreibt also: An den Vorstand der Drtskrantentaffe der Herrn.. zu. Ich will vom 1. Januar t. J. ab nicht mehr zur Drts frantenfasse gehören, sondern in eine zentralisirte freie Hilfskaffe eintreten. . ( Drt) den.. ten. Namensunterschrift. 1888. Arbeitet bei Herrn. Nummer des Kaffenbuches Diesen Brief muß man spätestens am Freitag, den 28. September d. J. zur Poſt geben. Wer will, fann diese Kündigung auch mündlich bis Sonn. abend, den 29. September d. J., anbringen. Er erhält aber in der Regel einen Anschnauzer mit als Zugabe. Ist die Kündigung rechtzeitig geschehen, so muß der Eintritt in die freie Hilfskaffe in der letten Dezemberwoche Berantwortlicher Rebatteur: liche Fragen erledigt. Der Vorfißende machte noch auf das am 20. Ottober stattfindende Bergnügen aufmerksam und machte bekannt, daß die nächste Versammlung am 14. Oftober statt. findet. Daß auch Schiller's Verse gemeingefährlich werden können, mußten die Theilnehmer der offentlichen Metallarbeiter Versammlung, welche am Montag Abend im Lokal des Herrn Heydrich, Beuthstraße, tagte, erfahren. Der Saal war gefüllt bis auf den lezten Play. Nach Eröffnung der Versammlung schritt man zur Wahl eines Bureaus, welches aus folgenden Herren bestand: Prinz 1. Vorsitzender, Ehrlich 2. Vorfiyender, Fahrenwaldt Schriftführer und Hitler Protokollführer. Auf der Tagesordnung stand: Stellungnahme Protokollführer. Auf der Tagesordnung stand: Stellungnahme zum allgemeinen deutschen Metallarbeiter Kongreß. Nachdem Der Vorfisende einen Appell an die Versammlung erlaffen hatte um rege Betheiligung an der Diskussion und um Bewahrung der Ruhe und Ordnung, ertheilte er dem Referenten Herrn Gottfried Schulz das Wort. Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, Und neues Leben blüht aus den Ruinen!" Telegraphische Depeschen. ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) bab bas London, Dienstag, 25. September. Das„ Reuter'fhe aller erklärte der überwachende Beamte die Versammlung für Thibetaner im Jelaplapaß angegriffen und geschlagen. Die hiber Weiter kam der Referent nicht, zum größten Erstaunen Bureau" meldet aus Simla von heute: Oberst Graham hat die aufgelöst, mit der Aufforderung, binnen 10 Minuten den Saal zu räumen. Große öffentliche Versammlung der Schmiede Berlins am Mittwoch, den 26. d. M., Abends 8 Uhr, in Mundt's Salon, Röpniderstr. 100. Tagesordnung: 1. Abrech nung über den Streif. 2. Verschiedenes. Um zahlreiches Er. scheinen bittet die Lohnkommission. marsch auf Rinchigong im Chumbithale. taner verloren an 400 Todte und Verwundete; der englische Obaf Brombead verlor den rechten Arm, außerdem wurden no 9 Sepoysoldaten verwundet. Oberst Graham ist jegt im Bov Konstantinopel, Dienstag, 25. September.( Telegramm der Agence Havas.) Ein Erlaß des Sultans nimmt die Vorschläge an, welche der Unterhändler Kaula demselben für Berlins am Mittwoch, den 26. d. M., Abends 8 Uhr, bei Ronzeffion für eine Eisenbahn von Jsmid nach Angora und Große öffentliche Versammlung der Schmiede ein deutsches Konsortium unterbreitete. Dieselben betreffen bie Mundt, Köpniderstraße 100. Berlins und Umgegend am Mittwoch, den 26. b. M., Abends Große öffentliche Versammlung der Stellmacher Aufnahme eines Anlehens von 1 Millionen türkischen Pfund 8 Uhr, im Lofale des Herrn Fey, Brunnenstraße 140. Tages ordnung: 1. Wie verhalten fich die Stellmacher Berlins zu dem zum Emissionstours von 70. 3. Cronheim in Berlin. Drud und Verlag von Mar Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. in auf nebi Labe bem Da Leb St geg Be ein Find fach erfi gan a be Leh bot 기 Sd Leb jab CLAS me geg mi fter ab wi nid wi be bo me ga 炸 牛腩 湯 豬肝湯 張晶 R 1 bi