ist CK* *»* 227. Donnerstag, hcn 27 September 1888. 5 Äskrg» M ttn &| nbS e «lt w scher iBerlincrDolbMatt Drgan für dir Interrssr» der Arbcitrr. Abonnements-Emladung. . Zum Quartalswechsel crlaubm wir uns zum Abonnement «uf das «Herliner Uolksblatt" iwdst dem wöchentlich erscheinenden s Konntageblatt einzu« laden. Der Standpunkt unseres Blattes ist bekannt. Es steht auf zem Boden des unbeuasamen Rechts. Die Erforschung und Darlegung der Wahrheit auf allen Gebieten des öffentlichen �dens ist seine einzige Aufgabe. Als treuer Berather und �trriter für die Autdcbung und Ausgleichung der Klaffen« �e?ensäye ist daS.Kerliner Kollroblatt" ein entschiedener Gegner jeder Politik, die ihre Endziele in der Bevorzugung , �dr» lner, heute schon mehr berechtigter Gescllschaftsklaffen Itndet. DaS„fttlitttv M-lksblatt" sucht seine Aufgabe durch mbllche Behandlung der politischen als auch der Tagesfragm zu »nullen. Die gleichen Grundsätze leiten uns bei Besprechung unserer städtischen Angelegenheiten. Im Feuilleton unseres Blattes veröffentlichen wir Aus« gangs September ab einen ausgezeichneten Roman aus dem amerikanischen Ärbeiterleben. detitelt „Die Pitter der Arbeit" ädersetzt von Natalie Kebknecht. Schon der vlame derllledersetzerin bürgt dafür, daß unseren Detern vier eine ebenso spannende wie. gediegene Lektüre ge- boten wird. Unser Konntagoblatt l macht es fich nach wie vor zur Aufgabe, nur die besten und vollendetsten Arbeiten derjenigen Schriftsteller zu bringen, die auf dem Boden des wirklichen Leoens stehen. DaS„Oorlirwr Kolkoblatt" kostet für das ganze Viertel hbr frei in» Ha«» 4 Mark, für den Monat Lktober t Stark 35 Pf., pro Woche 35 Pf. Bei Selbstadholung aus unserer Expedition JgU" 1 Mark pro Monat. Für außerhalb nebmm sämmtliche Postanftaltcn Abonne» au-nts für daS nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark ent« Segen. Die Dedaktto» n»d Grpedttiou deS..»«»wo» U-lk.blatt". Jeuilleton. [13 An unrechter Stelle. Nach einer russische« Erzählung von Dr. I. L. (Schluß.) »Ich habe Nerven wie Baßsaiten, und glauben Sie als ich es erfuhr, schwindelte mir. Welch ein Charakter in dem Mädchen; bedacht, entschieden und basta, wie �"geschnitten, keinen Schritt rückwärts. Und Sie dagegen, "v* viel Zeit quälen Sie fich und denke» und haben noch "'cht- erdacht." „Wessen Sie, könnte man nicht auf eine andere Art «uken „Was für eine Art? Zu welchem Zwecke?" „Za zu dem, von welchem ich Ihnen sprach." .„Räch meiner Ansicht kann man nichts Besseres er- ?»ake«. Den» es ist doch gleich, ohne Ihre Mitwirkung ist vch nichts auszuführen." Aaluga seufzte schwer und sagte:„Wie denken See, man einen talentvollen Advokaten...." w,..Nun hören Sie auf mit Ihre» Kindereien, Benjamin T/irowitsch; es ist peinlich, Ihnen zuzuhöre«. Sie wisse» sut, daß Ihnen der beste Advokat, und wenn er vom käme, nicht helfen kann." bei» wird e« leicht, da« zu sagen. Ich bitte Sie, Sie mir. Bester, ich verliere mich ganz in meinen Zemide ta,n'u 3hnen, wie zu meinem besten drückte ihm die Hand; Maluga war dem »en nahe. feste Wille ist in solche» Dingen vöthig," sprach "Und einen solchen haben Sie nicht, mein Bester. .gab ihm die Nummern der Zellen an, in welchen die zuletzt angekommenen Gefangenen inhaftirt waren, und sagte:„Jetzt ist in der dritten Etage nur noch eine Zelle vakant." Maluga wurde stutzig. Sollte das eine Anspielung sein? Er sah mit einem mißtrauischen Blicke auf seinen Gehilfen; dieser zeigte jedoch sein gewöhnliches gut- Herren schon wissen, was sie zu thun haben, wenn eS sich um da« Sozialistengesetz handelt. Die Herren sind aber in einer nicht ganz angenehmen Lage. Sie müssen die Frage de« Sozialistengesetze« ent- scheiden, bevor die nächsten Wahlen vorgenommen werden. Dann wird auf fünf Zahre gewählt und e« könnte gar leicht da« Blatt sich so wenden, daß die nationalliberalen Politiker die Verlängerung der Legislaturperioden am schmerzlichsten zu empfinden hätte». Politische Meverficht. Nicht« Neues unter der Kumte. Der Schmuggel ver» dotencr Sckri'len aus der Schwei», der jetzt unserer Polizei so viel zu schaffen macht, ist keine Erfindung der bösen Sozial» Demokraten. Dieselben ahmen— wie in anderen Dingen— nur das Beispiel nach, welches das liberale Büraerthum ihnen früher gegeben hat, als es noch— liberal war. Und das libe- rale Bürgerthum hatte seinerseits den Bücherschmuggel von den tönigstrcuen Herren Adligen und Junkern gelernt, die z. B. zur Zeit der franzöfischcn Revolution nicht blos royalistische .Brandschriften— und was für welche!— sondern auch gefälschte Assignaten en gros nach Frankreich einschmuggelten! (Apropos, über den junkerlichen Brandschristenvcrtricb ließe sich ein dicker, dicker Band schreiben.) Ueder den früheren Schriftenschmuggel aus der Schweiz hat ein„Demokrat" recht zeitgemäße Erinnerungen in der,, Zur. Post" veröffentlicht, die wir bereits mitgetheilr haben. Wir wollen heut nur eine kurze Bemerkung daran knüpfen: Nicht blos in der S ch w e i z ist die Pccxis eine andere geworden, auch in D e utsch lan d. Zu den Zeiten des seligen Bundesraths war noch von keinem Richter und Staatsanwalt die Entdeckung gemacht worden, daß. wer eine verbotene Schrift verbreitet, damit dm„konkludenten" Beweis liefert, daß er einem verbrecherischen Geheimbund an« gehöre. Wäre man damals schon so— avanzirt gewesen, das ganze liberale Deutschland hätte ins Gefängniß wandem nrnffen. »arteUbrudsrliche Lüg««. In den Karte llblättem steht zu lesen, die Stadtbedörden von Aar au hälten einen städtt- tchen Saal, deffen Ueberlaffung für einen Vortrag Lie b» k necht's deantragt gewesen sei, verweigert, weil Liebknecht doch nur die Sozialreform der deutichen Regierung herabgesetzt und die Bevölferungsklasirn der Schweiz gegen einander verh.tzt hätte. Da ist aber auch jedes Wort gelogen. Ersten« ist es Liebknecht nicht eingefallen, Bevölkerungsklaffm zu verhetzen. Zweitens ist es ihm nicht eingefallen, die deutsche Sozialreform herabzusetzen, da fie— von der Möglichkeit ganz abgesehen— in einem Vortrag über Sozialismus ohnehin nur höchstens en passant hätte gestreist werden können. Drittens ist es Liedknecht nicht eingefallen, in Aarau einm Vor- trag halten zu wollen. Vi ttens ist also kein Aarauer Stadtsaal für einen Liedknechl'schen Vottrag verweigert worden. U. f. w. So lügen diese Reptilien. Natürlich ruhtt die fragliche Notiz von einem jener Musterjournalistm her, die das Handwerk des Reptils mit dem des Spitzels verbinden und die der deutschen Polizei das Material gegen die deutsche Sozialdemokratie liefern. Nach dieser und zahllosen ähnlichen Proben kann man die Glaubwürdigkeit dieses Gesindel? bemessen. Alle U ersuch«, da« bundesrathliche Veheims'chreiven zu rechtfertigen, hadm Fiasko gemacht, denn überall ist in den zu feinem Schutze zilirten Aktmstücken nur von den Anarchisten und A genta pnivocatenre, von den Sozialdemokraten aber blos in bedingter Weise und von einer Uederwachung der schweizer Bürger aar nicht die Rede. Freilich, auch dann, wenn man fich etwa auf irgend eine dunkle, zweideutige Stelle in der Rede des Henn Droz berufen könnte, würde das nichts bedeute»! die im Zirkulär angeordnete Uebcrwachung schweizerischer Ver- sammlungcn steht eben im schreienden Gegensätze zum Wortlaut der Bundesverfaffung und der KantonSvettaffungm. Bereits wird darum in einigen Korrespondmzcn versucht, die Verant- wortlichkeit des Zirkulars von den Schultem des Bundesratdes auf diejenigen irgend eines Beamten abzuwälzen. Man hat einen so einstimmigen Widerspruch von Setten der Bevölkerung nicht ermattet, und zappelt jetzt selber in der Schlinge, welche man Andern legen wollte. Ein allzufeines Spiel paßt offenbar nicht für republikanische Würdenträger und vielleicht zieht es der Bundcsrath künstig vor, wemger nach dem Ruhm der Divlo matte zu geizen und ,u den alten redlichen Sitten zurückzu- kehren. Die neuesten Posten dringen in dieser Angelegenheit zwei demcrkenswerthe Mittheilungen. Die eine ist die, daß die „Revue" in Lausanne, welche zu Herrn Ruchonnet. dem Chef des Justizdepattements. nahe Beziehungen hat, erllätt, es seien die Untersuchungen bttreffend den Schmuggel sozialdemokra- tischer Schriften und die Hausdurchsuchungen in Basel ohne Wiffen und Zuthun des Herrn Ruchonnet gemacht worden. Die zweite ist die Meldung aus der Oftschweiz, daß dott eine Delegittenversammlung von Arbeitern einen Protest gegen das Schreiben erließ(s. auch unter Schweiz) dem weitere folgen sollen. Eine Protestbewegung ist übrigens nach den Kund- gedungen der Preffe kaum noch erforderlich. müthige« Gesicht. Maluga erinnette sich, daß er noch an einigen Otten Dienstgeschäfte zu verrichten habe, und e« war ihm lieb, sich damit die Zeit zu verkürzen. Er gab sich Mühe, nicht daran zu denken, wa« um 4 Uhr vorgehen solle, und unaufhörlich mußte er daran denken. Al« er an der Wohnung Ulew'« vorbeifuhr, kam es ihm in den Sinn, hinaufzugehen und ihm zu sagen: e« sei nicht nöthig. Dieser Gedanke war jedoch nur von kurzer Dauer.„Da« wäre eine Schande! Ich weiß nicht, wa« mit mir vorgeht," dachte er und fuhr weiter. Al« er in da« Bureau zurück- kehrte, waren die Beamten im Begriff, zu Mittag zu gehen. „Ist Niemand zum Verhör verlangt worden?" fragte Maluga. „Niemand," antworte der Gehilfe. „Wozu habe ich die« gefragt? Wie einfältig!" dachte Maluga und sagte„Sie, meine Herren, gehen Sie zu Mittag, ich habe noch eine wichttge Arbeit und werde wohl zwei Stündchen dabei zubringen müssen." Damit wollte er erklären, weshalb er nicht nach Haufe gehe. „Vielleicht befehlen Sie, daß ich Ihnen helfen soll," bot sich der Sekretär an. „Nein, nein, rch danke Ihnen, wre ist da« möglich," brachte Maluga mit einer Stimme, die einen offenbaren Schreck verrieth, heran«. Alle betrachteten ihn mit Verwunderung..,, �. „Sie sollten lieber ein wenig ausruhen," bemerkte der �»Sch will nur diese Sache beendige» und dann eile ich heim und schlafe mich aus." Alle entfernten sich mit Ausnahme des Oekonomen, welcher mit großem Eifer und sorgenvoller M.ene nach 4 Kopeken suchte, die in seiner Rechnung fehlten. Endlich verklätte sein Antlitz ein ftohlockendes Lächeln der Felder mit den 4 Kopeken war gefunden; er verschloß seinen Geld- kästen und entfernte sich gleichfall«. Maluga war unruhig auf seinem Seffel..Em wahre« Fieber begann sich bei ihm einzustellen. Fottwahrend blickte ct auf seine Uhr. Al« der Zeiger fünf Minuten vor vier zeigte, wollte er sich erhebe« und weggehe», aber dre eigene Di« Fr«»« der Todesstrafe, welche feit derMattmcmn- Affäre in der Schweiz nicht wieder zur Sprache gekommen ist, bat soeben in intereffanter Weise den Kanton St. Gallen bezw. deffen Sttafgeiicht beschäftigt. Ja der Gemeinde Alt- statten war in einer Juninacht eine F aa Louise Saxer meuch- lings überfallen, mit Axthieben gctödttt und beraubt worden. Das ruchlose Verbrechen erregte außerordentliche Sensation und oab wieder einmal, besonders auf konservativer Seite, zu mancherlei Stoßseufzern über die Verderbtheit der Welt Anlaß. Der Fall bevies. daß die Todesstrafe keine abschreckende Wirkung besaß. Als Mörder wurde ein gewiffer Johannes Schneider von Alt» stätten ermittelt und zur Hast gebracht.(Wiegte ein umfaffen- des Geständniß ad. Das St. Galler Strafgesetz bestimmt nun für Mord die Todesstrafe. Zur Ehre der St. Galler Richter muß aber konstattrt werden, daß fich unter ihnen auch nicht einer fand, der zu einem Bluturtheil die Hand bieten wollte. Staats- anwalt und Anklagekammer stellten nur Anträge auf lebens- längliche Zuchthausstrafe, wobei fie fich auf den Knminalvrozeß stützten, der bei bloßem Indizienbeweis die Todesstrafe in lebens- längliche Zuchthausstrafe umwandelt. Der Gerichtshof selbst verließ diesen etwas unfichern Boden und schloß sich der Ver- theidigung an, die Todtscklag behauptete. Das Urtheil ver- bängte wegen qualistzitten Mordes und Diebstahls das höchste Strafmaß: 20 Jahre Zuchthaus.— Dieser Fall ist wohl ein neuer Beweis dafür, daß die Periode der Todesstrafe in der Schweiz glücklich überwunden ist. Großgrrnkdbesttze». Die„Magd. Ztg." schreibt: Der vor einigen Taaen verstorbene Fün't von Schwarzenberg bat in Böhmen 175 082, in Steiermark 10 130. in Salburg 500, in Nieder-Oesterreick 840 und in Boyern 1700 Hektare im Ganzen also etwa 187 750 Hektare oder 1877,5 Quadrat-Kilometer besessen, wohlverstanden, in seinem unmitleldaren Lefitz gehabt. Sein Befitzlhum war also arößer als beide Fürstenthümer Lippe oder beide Fürstenthümer Reuß. sogar noch etwas größer als beide Fürstenthümer Schwarzburg(letztere haben 1802.5 Quadrat- Kilometer), es war größer als das Herzogtbum Sachsen-Alten- bürg und blieb nur ein Weniges hinter dem Umfange des Herzogthums Sacksen-Koburg-Goiha(1968 Quadrat Kilometer) zurück. Die Schätzungen des hinterlvffencn Vermögens(in österreichischen Blättern wird von 120—130 Millionen Mark gesprochen) erreichen wahrscheinlich nichi die Wirklichkeit. I«m Kapitel der„Freie« Kitfvkaste»". Ein sonder- bares Schreiben des Landraihs von Altena an die Firma Gedr. Brüninghaus u. Co. in Werdohl bat letztere, wie die„Elbcr- felder Fr. Pr." mittheilt veranlaßt, folgendes in der Fabrik anschlagen zu lassen:„Gemäß einer Verfügung des Königl. Landrathsamts zu Altena vom 12 d. Mts. machen wir bekannt, daß Arbeiter gleichzeitig zwei, nach§ 75 des„Reichsgesetzes" (soll heißen„Krankenkaffengesetz" die Red) entsprechenden Kassen nicht angehören dürfen. Dem ent'prechend werden alle diejenigen Arbeiter, welche außer in unserer Betttebskaffe noch sonst in Hamburg, Berlin w. verfichert find, aufgefordert, ihrm Austttlt entweder unserer Kasse oder der freien Hilfskasse anzu- melden. Gebr. Brüninghaus u. Co." Wir bemerken hierzu, daß fich jene„Verfügung" gegen die Mitglieder der„Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter" richtet.§ 75 des Kranken- kaffenaesetz lautet:„Für Mitglieder der auf Grund des Gesetzes vom 7. April 1876(RetchS-Gesetzbl. S. 125) errichteten ringe« schrtebenen Hilfskassen, sowie der auf Grund landesrechtlicher Borschriften errichteten Hilfskassen, für welche ein Zwang zum Beitritte nicht besteht, tritt weder die Gemeinde Krankender- ficherung noch die Verpflichtung, einer nach Maßgabe der Vor- schnften dieses Gesetzes errichteten Krankenkasse beizutreten, ein, wenn die Hilfskaffe, welcher sie angehören, ihren Mit- gliedern mindestens diejenigen Leistungen gewähtt. welch« in der Gemeinde, in deren Bezirk die Kasse ihren Sitz hat. nach Maßgabe des§ 6 von der Gemeindekrankenverficherung zu gewähren find. Kassen, welche freie ärztliche Behandlung und Arznei nicht gewähren, genügen dieser Bedingung durch Ge- wählung eines Krankengeldes von drei Vierteln des ortsüblichen Tagelohnes." Aus dem Wonla t dieses Paragraphen ist er- stchllich, daß die angebliche„Veifügurig" in keiner Weise zu- trifft. Den königl Landrath geht is durchaus nichts an, in wie viele Kassen ein Arbeiter seine Beiträge dezahlt. Wenn das Einkommen der Ardeiter mit dem eines königl. Landratbes in gleicher Höhe stände, so brauchten fie gar keiner Kasse anzu- gehören und jene durchaus ungerechtfertigte„Verfügung" härte der königl. Landrath— Dr. Kruse ist sein Name— gar nickt zu„verfugen" brauchen. Es ist ja ein öffentliches Geheim» ß, daß die freien Hiliskassen gewissen Leuten ein Dorn im Auge find, wovon dre Altenaer Arbeiter auch ein Lied zu fingen wiffen. Derartige Verfügungen find aber geeignet, den Arbeitern es zum Bewußtsein zu bringen, in weich ausgedehntem Maße sie ihre„Freiheit"„genießen" können. Die Werdohler Arbeiter machen wir noch darauf aufmerksam, daß fie durchaus nicht nöthig haben, aus einer der genannten Kassen auszutreten, so- bald dieselben den Bedingungen des§ 75 entsprechen. Geheiml>«nd«prozesse überall. E n Sozialistenprozeß wird, wie man hött, am 9. Ottoder in Hamburg zur Ver- Handlung kommen. Gegen die s. Z. in einer Wirthschast am Pferdemaitt Verhafteten ist Anklage wegen Vergehens gegen Kraftlosigkeit fesselte ihn an den Stuhl; seine Augen waren unbeweglich auf die Thüre gerichtet. Die Wanduhr machte ihn erziitern. Er zählte langsam und laut vier Schläge, als ob er nicht wüßte, wie viel sie schlagen würde. ES wurde still. „Er kommt nicht," dachte Maluga,„hat sich besonnen oder es ist etwas dazwischen gekommen." Zn diesem Augen- blicke wurde es ihm leichter, als ob er einer Gefahr glück- lich entgangen wäre. Er entschied sich, nach Hause zu gehen, und begann die Papiere zusammen zu nehmen.„Er kommt nicht. Nun daS ist nicht meine Schuld, daß das nicht zu Stande kam." Es ließ sich auf der Straße ein Geräusch vernehmen, wie daS Heranrollen einer Equipage. „WaS ist das? Doch nicht eine Equipage?" Maluga dachte, daß sich ihm die Haare sträubten.—„Nein, es schien mir nur so," beruhigte er sich und schloß sein Pult; er zog den Schlüssel heraus und wollte schon aufstehen, al« ihn plötzlich der höchste Grad des Schreckens ergriff: die Thür wurde geöffnet und über ihre Schwelle ttat— nicht der„steinerne Gast"— aber ein forscher, hübscher Offizier, in welchem man schwerlich Ulew erkannt hAtte. Seine Sporen erklangen für da« Ohr Maluga's gleich den berühmten, den Tod bedrohenden Akkorden im„Don Juan". „Ich habe den Auftrag, die Arrestantin Ewgenia Maluga zum Verhör abzuholen; hier ist der schriftliche Befehl," erklang eS r» festem Tone. Maluga blickte auf das ihm übergebene Papier und !un, ist'S gefällig?" Maluga nahm also seine Kraft zusammen, um die Zunge zu bewegen und sagte dann mit fast lautloser krächzender Stimme: „Entfernen Sie sich!— Ich kann nicht! Ich kann nicht!" Noch eine Viertelstunde saß Maluga in bewußtlosem Zustande. Em Blick auf das zurückgelaffene Papier machte ihn erwachen; er verbarg es schnell in seiner Tasche und machte fich auf de» Weg nach Hause. §§ 123 und 129 des Strafgesetzbuches und gegen das Sozialiste» geietz erhoben worden. Ebenso wird wegen„Geheimbündelei� demnächst m Bochum geaen 18 Sozialisten verhandelt werden. Hauvtangeklagter ist der Schreiner Herr Lehmann aus Düffel- darf, welcher 1887 sozialistischer Reichstags kandidat war. ES sollen 67 Zeugen geladen sein. A«v Apolda meldet die„Bolls-Ztg." unterm 21. d. M.: Bei ver heute hier stattgefundenen Landtagswahl(für den weimarischen Landtag) siegte der disb-ttge Inhaber des Mandats, der sozialdemokratische Vertreter Müyen- Fabrikant Hermann Mangner mit 35 gegen 24 Stimmen über seinen Gegenkindl- daten. Den Sieg verdankt derselbe ganz besonders den ländlichen Wahlmännern. Kausinchtntge» in Flensburg Bei dem aus Hamburg ausgewiesenen früheren Zertungsderichterstatter Fritz Strinfatt, der in Flensburg ein Zigarrengrschätt betreibt, wurde am Sonn» abend Morgen nach verbotenen Schriften gehaussucht; dock wurde nichts von Belang gefunden. Derselben Maßregel wurden noch verschiedene andere als Sozialdemokaten bekannte Personen unterworfen und zwar mit dem gleichen Resultat. Nersa«ml»«g««erb»t w Nostock- Zum Sonnabend Abend war in R o st o ck von dem Schlosser Witt eine öffentlich« Metallardciterversammlung angemeldet worden, die in da „Friedrichshalle" statlfinden und in welcher der Schlosser Franz Dredrich reseriren sollte. Arn Nachmittag erhielt jedoch der Ein- berufer einen Bescheid des Polizriamts zugestellt, daß die Ber- sammlung auf Grund Z 9 des Sozialistengesetzes verboten sei. Als Begründung war dem Bescheide beigefügt daß die Periö» lichkeit des Referenten, der beim diesjährigen Hamburger Schlosser- streik als eikiger Agitator thättg gewesen, die Annahm- reckt- fettige, daß die Versammlung zur Förderung der in§ 9 veS Sozialistengesetzes dereatm Bestiebungen dienen solle. Mit nnfettt Nert»uth»»g. daß der Schlußsatz da Resoiulion. welche die Ardetter-Versammlung in Köln am 13. d. M. in Sacken der Atters- und Jnvalidenverficherunzsvo läge angenommen hat, von der Elberfelder„Fr. Pr." durch ein Ver- sehen irrthümlick mitgetheilt worden ist. hatten wir Recht. Wie das genannte Blatt mittbrill muh es im letzten Ab'ay„die Anbahnung der Lösung der sozialen Frage" heißen und nicht „die Lösung der sozialen Frage." Dänische». Aus Kovcnbagen telegravhitt man der„Köln. Ztg.": In Friedrichsruh hatte der Odervräfident Strinman» eine Unterredung mit dem Fürstm Bismarck über die Aus- Weisung mißliebiger Dänen aus Schleswig- Holstein. Ar- läßlich dringender Vorstellungen der dänischen Regierung solle» die Ausweisungen künftig möglichst vermieden werden. Kchveis. Frauenfeld, 24. Septemver. Gestern tagten in Arbon zirka 100 Delegitte der ostschwei erischen Grüttiv-weine. Nachdem die Stalutenftage der Kranken- und Sterdekaffe er- levigt war, gelangten die iüngsten bundesräthlichen Maßnahmen und das bekannte Polizeizirkular zur Verbanden?. Einstimmig wurde eine Resolutton gegen- dieselben gesaßt, an deren Schlüsse es heißt:„Mit Entrüstung weisen wir die polizeiliche Bevormundung von uns und finden für die Zu- kunst nur ein Mittel, um den Volkswillen besser zum Aus- druck zu bringen, nämlich: Wahl des Bundesraths durch las Voll." In einigen Bundes st adt- Korrespondenzen wird bereits adgewtegelt und es zeigen fich im Hintergrund de« Bundespalastes schon die Umrisse eines Sündenbocks. Die Mitglieder des Bundesrathes, schreiben die Korrespondenten, bitten das Zirkular nicht gelesen!? Sie mackten fich jetzt selbst Vorwürfe, dasselbe nicht sorgfältig durchgesehen zu haoen, und wünschen aus eigenem Antrieb die Beschränkuna oder Auf- Hebung des Kreditoostens für Fremdenpolizei!? Ott veifettige eben einfach ein Sekretär dergleichen Zirkulare!? Es sei gut, I daß die Sache ausgekommen, denn sonst hätten am Ense die Kantonsrenieiungen fich stritte an das Zirkular gehalten, was nicht beadficktigt gewesen!? u. s. w.—„Nette Einrichtunaen.» und ein wirksamer Bühnenabqang der bundesräthlichen Be- dienten"... bemerk die„Z. Post" dazu. Der offiziöse Berner„Bund" schreibt:„Verschiedenen Blättern wurde aus der Bunvesstadt gemeldet, der vom Bundesrath aus der Schweiz weggewiesene F. Troppmann aus Bayern sei ein Polizeispitzel gewesen. Nach unserer Er- kundiaung an bester Quelle hat die sachbezügliche Untersuchung dem Bundesralhe durchaus keine Anhaltspunkte geboten, welche ihn hätten veranlaffen können, Troppmann als Polizeispitzel zu betrachten. Derselbe hat kurz nach einander in mehrere» Schwcizerstädten gearbeitet und sch int ein ziemlich unstete« Leben zu führen. Entweder ist er überzeugter Anarchist, wofür u. a. seine nach dem Vottrage Lieblnecht's in St. Gallm gr- daltene Rede spricht(er begleitete bekanntlich den Sozialisten Liebknecht auch nach Winterthur), oder dann nicht reckt zu- rechnungsfähig, in welchem Zustande er die anarchistische Pcopa- panda betrieb; jedenfalls war sein Trriben derart, daß Grund genug zu seiner Ausweisung vorlag. Troppmann selbst destritt in s.inem Verhöre sehr ent chieden, daß er Polizeispitzel sei: wäre er ein solcher, meinte er, wohl mit Recht, so müßte er XX. „Du bist gewiß sehr leidend," rief Polixena bei seinem Anblick au«. „Ich fühle mich nicht ganz wohl. Ich werde mich um- kleiden und bald am Tische erscheinen," entgegnete Malug« und begab sich m sein Kabinet. Polixena saß in Nachdenken versunken am servitte» Tische; sie sah, daß ihr Mann sich im Kampfe verzehrte, und entschloß sich, irgend etwa» zu thun, um ihn diesem»»- erträglichen Zustande zu entreißen. Unterdessen ließ fich Maluga auf dem Seffel v»r seinem Schreibtisch nieder. In seinen Gedanken war schon kein Kampf mehr, schwirtten alle durcheinander und versengten ihm das Hirn.— Mechanisch nahm er ein Kästchen vom Tisch; obj* auf lag ein Brief. Er nahm ihn heraus und legte ih"- ohne daß er wußte warum, auf den Tisch. Dann riß plötzlich da« Papier au« seiner Tasche und verbrannte(* Ali der letzte Funken der Asche verglommen watt blieb sein Blick an dem Potträt Ewgescha'S hänge»- eine Minute saß er unbeweglich, ohne da« AuS von dem Bilde zu wenden.— Dann nahm er nm'dy Sachen aus dem Kästchen: ein Schächtelchen mit Siab� federn, ein Schreibeheft; unter demselben lag etwa«1 Papier eingewickelt; mechanisch wickelte er die Papierhv-P auf— e« waren zwei vor kurzem gekaufte Rasirmeffer. � Und plötzlich wie ein Blitz erfaßte ihn ein Gedanke, sio, ihm bisher nie gezeigt hatte. Das Bild der Frau, o Kmder und selbst das Ewgescha'S verschwanden r» Finsterniß, die diesem Blitze folgte. Die Verzweiflung v lieh ihm in dieser Sekunde eine schreckliche Energie, � er sie während seine« ganzen Leben« nicht gekannt halte- � Nur ein dumpfe« Stöhnen ließ sich vernehmen- Der zu spät kommende Gedanke, alle unglücklich und doch seine theure Ewgescha nicht gerettet zu 9_ � vereinigte sich mit den entsetzlichen physischen Schmerze»- Noch in derselben Nacht verschied Maluga. der «fät so verlumpt einher gehen und so elend leben! Der Bundesrath Hai daher nickt etwa, wie man behauptet hat. «n Ausgewiesenen„aus Schonung gegenüber Deutschland" ejnen Anarchisten und nicht einen Polizeispitzel genannt."— Xa. na! Dänemark. Welche Fortschritie die Sozialdemokratie in Dänemark autweisen kann, zeigt folgender Bericht der »Hamb. Nachr." aus Kopenhagen:„Am Sonntag waren See- kindische Häusler(Arbeiter auf dem platten Lande) im hiesigen Sozialistengebäude versammelt, um sich über die Organisation des ländlichen Proletariats und über die demokratischen Re» formfragen w verständigen. Die Versammlung stimmte völlig mit den vollzählig anwesenden Führern der Kopenhagener So- Zialdemokraten üderein, welche fich lebhast an den Verhandlungen detbeiligten. Angenommen wmden verschiedene Resolutionen radikalen Inhalts im engsten Anschlüsse an dos Svzialistenpro- tzkamm, namentlich die Resolution betreffend die Kindererzieh- migianstalten und konfessionelle Staatsschulen. Ferner wurde beschlossen, fich zur Förderung der Arbeiterintereffen der sozia» listischen Ardeiterpartei anzuschließen. Schwede«««d Narmege«. Aus h h r i st i a n i a, 21. Seprember, schreibt man: Das Tesammtergedniß der bisher stattgebadtcn Storthings- «ablen ist für die Linke etwas günstiger als vor acht Tagen: Es find setzt im Ganzen 49 Abgeordnete gewählt, von diesen flnd 17 Linke, 11 Rechte und 21 Ministerielle, auch haben die Linken in den Aemtcrn Romsdal und Kristian bei den Wahl- Männerwahlen gefiegt, dagegen in Etavanger einen schweren Verlust erlitten. Nachdem die Linkensührer, Konow, Blehr und Ooam unterlagen, ist auch der Rektor S t e e n von den Kartell- Parteien von fernem alten Sitze weggedrückt. An seine Stelle »ritt der Führer der Moderatm und Orthodoxen, Pastor Of t e d ö I, der nun eine Säule der ministeriellen Partei im Reichstage werden wird. Auch wenn der numerische Verlust «r Linken schließlich nicht so groß werdm wird, als es Anfangs »hien, so steht doch jetzt schon so viel fest, daß fie keine Mehr- heit im neuen Hause bilden, ja daß fie erheblich geschwächt in das Thing eintrctm wird. Der Verlust sämmtlicher Führer der Partei ist wenigstens für die nächsten drei Jahre uner- Wich, denn wenn die Wahlen auch kaum erst zur Ufte vollzogen find, so kann die Linke ihre durchgefallmm Fuhrer nicht in ficheren Kreisen wieder aufstellm, weil dach dem norwegischen Wahlgesetz, mit Ausnahme der stuheren Staatsräthe, jeder Wahlberechtigte nur in dem Kreise Gewählt werden kann, wo er sein Domizil hat. In demselben Verhältniß, in welchem die Linke geschwächt wird, wird die Ministerielle Mittelpartei gestärkt; wenn fie auch nicht die Mehr- de« aus eigmer Kraft erlangt, so wird sie dock überall die Unter- Nutzung der Rechten haben, wo die„reine Linke" fie dekämpft. "7 Der in Stavanger unterlegene Rettor S t e e n bat seit mehr dis 30 Jahren in dm Reihen der Linken gekämpft, er befitzt hervorragende parlamentarische Eigenschaften. seine genaue Lenntniß der Verhältniffe und seine große Arbeitskraft wird in der geseygebmden Versammlung des Landes schwer entbehrt ®«dm. Der in Bergenhus unterlegene frühere Reichstags- dräfidmt Wollert Konow hat eine größere Reise nach Spanien Zugetreten, wo Eastelar zu seinen Verehrem gehört. Bei seiner Abreise drachtm Tausend« von Gefinnungsgenossen in Bergen Am begeisterte Ovationen. Konow dankte tiesbewegt mit einem auf Bergen, die starke, frische Handelsstadt, die wiederhott �seigt,„daß die Fceibett hier keine Waare und daß die Ucder- ttugung hier nicht zu Fall kommt." Großbrita««te». Die Kolonie Neuseeland scheint nach der Ehre zu G«zen. unter allen englischm Kolonien diejmige zu sein, welche «re höchsten Schutzzölle befiyt. Die Regierungg dieser Kolonie M im Laufe der letzten Jahrzehnte kuriose Bockssprünge in der Io». Hebet (L Ijrtwlchtntig de» Jlnffeel1»«*»«flf——-- l�.Voße Koffeekatasttophe. veruriecht durch den Kaffemrlz und �"'Wandlung Ceylons aus einem Kaffee- in em �heeiano, Mt man der..Köln. Ztg." aus Kandy:„Obwohl der mals schon seit elf __ WWW W» große Verwüstungen Achtet hätte" konnte Ceylon um 1880 doch noch immer als .dritte in Bezug auf die Menge des Erzeugniffes gleich nach mtw,..— W or°£.r___ k« O.ffoof.nh her(rrhr heiflfhnet der'Mn. Ztg." miS Kandy:„Obwohl EeiDiley& vastatrix damals lction iAien beobachtet worden war und bereits große Verwu >Mchtet hatte, konnte Ceylon..... OVtHa I- cn____...f Vi-, flT) btt der der % r-hi uu, vit �vwi»)««.„v............—„—.----. «n 3ava folgende Kaffeeland der Erde bezeichnet ,: Kaffee war der große Ausfuhr- und Stapelartikel, von f.* Allerer oder schlechterer Ernte der Wohlstand deS ganzen ,, Gbhing. Um Kaffee drehte sich die Hälfte aller Ge- "nd da ich gerade nach einem längerm Aufenthalte auf fie ri. Ceylon anlangte, zeigte man mir mit Stolz in mancher Hinficht die javanischen über- Mens«. Ernricktungm zum Trocknen, Schälen und sonstigem Kaffees. Heute ist die ehedem wichtigste und % tJ!? Kultur von Ceylon so gut wie vernichtet. Ein Thell ?"04 Pflanzer, die geglaubt hatten, daß die vor 20, kSrit und 10 Jahrm erzielten hohen Etträgnisse ewig � ist bankerott, andere Haben fich mit Kapitalim, Äfiiau!.. r drückmdcn Bedingungen von England aus zur ??alei�G Gestellt wurdm, der Theekultur zugewandt, und Mar G'flen ifer, ja man kann sagen, mit der gleichm über- v3* bei* �2!' wie ehedem der Kaffeekuttur, so daß, wenn nun .RAeebau ein gleich schlimmer Feind erwüchse, Ceylon ' v rt' m sein wurde. Tie Kaffeeausfuhr, die 1868, also ■"••- luerft D.0t(öt das Jahr vom I.Oktober lüüu 01s zum M Ä-sa'ii« s t!S teich. �Mndig als der von Java ist, allzu aus- griter yv, uumer reichere Ernten angestrebt, dabei all.»>I?5.Gung den Boden ausgesogen und auch die ».-.".dicht bei einander«f— jS oen ou»»»!«»"- Großen Zahl hochbesoldeter Beamten. Die Bevölkerung von Neuseeland ist nicht so zahlreich, als die einer mäßig großen Stadt in England. Doch braucht fie einen Gouverneur mit nahezu 10 000 Lstr.; Minister mit mehr als 10 000 Lstr. zusammen; die gesetzgebende Versammlung ver» schlang 52 000 Lstr.: und die Ausgaben für den öffentlichen Dienst dcliefen fich im Vorjahr auf über zwei Millionen Pfund, d. h. 30 Lstr. pro Kopf der Bevölkerung. Wenige europäische Staaten trotz ihrem Militarismus thun's dieser kleinen Kolonie nach. Seit die Spannung zwischen dm Vereinigten Staatm und Kanada in ein akutes Stadium gettetm ist, hat die Kolonie in Neufundland, wohl aus Furcht vor dm Repreffalien, welche Präsident Clcveland angedroht bat, die Unterhandlungen wegen Anschluß an die Dominion of Canada abgebrochen, und die für den Sommer angekündigte Gesandtschaft nach Ottawa unterblieb. Auf der anderen Seite hat Sir John Macdonald, der Premier von Kanada, die Hoffnung auf ein eventuelles Ge- lingen des Projektes noch nicht fallen laffen und soll in Privat- driefm die Unterhandlungm fottführen. DerStreik der Kesselmacher und Schiffs« zimmeret von Liverpool fand seinm Abschluß, indem die Arbeitgeber die gefordette Lohnerhöhung bewilligten. Die große Mehrzahl der Mitglieder des Spinnervereins beschloß auf der in Manchester adgehal- testen Versammlung, von Montag an nur Halde Zeit in ibren Fabriken arbeiten zu laffen, um den amerikanischen Baumwoll- Körner zu brechen. 30—40 000 Arbeiter werden durch diese Entscheidung auf das Empfindlichste getroffen. Frankreich. Wie man sich erinnert, ist Boulanger am 19. August von 3 Departements zum Abgeordneten gewählt worden. Da er das Mandat des Nord annimmt, so haben binnen kurzem in den beiden anderen Departemmts. Somme und Charente, neue Nachwahlen stattzufinden. In der Somme ist als Nach. folger Boulanger's ein Royalist, Hr. de Tocqueoille, aufgestellt, der jedoch, um die Stimmen der„reinen Äoulangisten" des Departements für fich zu gewinnen, verspricht» sich in der Kammer der„Frattion Boulanger" anzuschließen. In der Charente haben die Boulangisten noch keinen geeigneten Kanbi- daten ausfindig gemacht, muffen aber einen solchen noth wendig ermitteln, denn wenn fich Boulanger bei den allgemeinen Wahlen im nächsten Jahre, wie er angekündigt hat, allenthalben an der Spitze einer Liste aufstellen laffen will, so muß er vorher seinen Einfluß auf die Wähler zweifellos feststellen, zumal nachdem durch die schwere Niederlage Tsroulsde's dieser Einfluß sehr ftaglich erschienen ist. Boulanger wird also in den zwei genannten Departements eine großattige Agitation zu Gunsten der beiden von ihm zu empfehlenden Bewerber ent- falten müffen. Wie verlautet, wird er zu diesem Zweck eine Rundreise antreten, sobald er von seiner Sommerrcise zurück- gekehrt ist. Herr C 0 u l 0 n, der Generaldirektor der Post- und Tele« graphenverwaltung, bat 22 Pariser Telegraphenbcamten, welche fich als Komitee die Vertretung der Beschwerden ihrer Berufs« genoffen angelegen sein ließen, zur Strafe nach Provinzstädten versetzt und in allen Pariser Tesegraphenämtern folgende War- nuna' anschlagen laffen:„Der Staatsratb und Generaldirektor der Posten und Telegraphen erinnert das Personal daran, daß nach der Verwaltungsorganisation Frankreichs die Beamten des Staats gesetzlich keine anderen Vertreter als ihre dienstlichen Vorgesetzten haben dürfen. Jeder Beamte, der von der Ver- öffentlichung dieses Dienstbefedle an diese Regel verletzen sollte und überwiesen würde, den Titel eines Delegitten oder irgend eine ähnliche Bezeichnung angenommen zu haben, würde infolge dieser Thatsachen allein schon als abgedankt detrachtet und dem- gemäß sofort aus der Personallistc gestrichen. H. Coulon, 24. September 1888." Diese Maßregeln scheinen jedoch Oel ins Feuer g-goffcn zu haben, denn es ist von den(unae- nannten)„Vertretern der Post- und Telegrophenbeamten" eine Versammlung nach dem Saale Wagram einberufen, wo über die Verhandlung der„Dclcgirten" mit dem Generaldirektor de- rathcn und weitere Bescklüffe zur Erzielung der Forderungen gefaßt werden sollen. Mehrere Blätter haben, wie schon neu- lich, auch das Gerücht eines„Telegraphenstreiks" verbreitet, das jedock grundlos ist. Die Budgetkommission hielt, trotz des Widerspruchs des Marineministers, die bei dem Marinebudget vorgenommenen Abstriche von 5 Millionen aufrecht. Ein Pariser Gemeinderath, Maximilian B eno n, Vertreter des Viertels Quinze- Vingt, erstattete in dem Schul- Hause am Boulevard Diderot seinen Wählern Bericht über die gewiffenhaste Erfüllung seines Mandates. Alles lief gut ad, bis er ihnen auseinandersetzen wollte, warum er fich dem Votum des Muntzpalrathes gegen die bvulangistischen Umtriebe nicht angeschloffen hat. Da fing die größtentheils aus Arbeitern zusammengesetzte Versammlung an, zu schreien und zu stampfen:„Demission! A das Bon'anger!" tönte es so lange, bis Herr Benon den Saal verließ, ohne das angestrebte Ver- trauensvotum erhalten zu haben. Andererseits wird gemeldet, küste die Rede sein. Man hat dort von Anfang an streng darauf gehalten, erkrankte Bäume, ja sogar ganze Pflanzungen, sobald es nöchig wurde, erbarmungslos zu vernichten. Aus einem Kaffeelanve ist Ceylon innerhalb weniger als einem Jahr- zehnt ein Theeland geworden. Vom Kaffee spricht man ebenso wenig mehr, wie etwa ein zusammengeflickter Kaufmann von seinem früheren Falliffement. Thee aber ist der große Götze, zu dem alle diejenigen beten, die, indem fie ihre ganze Energie in die Wagschale der ModekuUur werfen, binnen eines Jahr« zehnts reiche Leute zu sein hoffm. Die Theekuttur, mit welcher Mitte der fiebenziger Jahre in äußerst bescheidenem Umfange begonnen wurde, hat in den 9& Monaten vom 1. Oktober 1887 bis zum 15. Juli 1888 nicht weniger als 15 551 760 Pfund für die Aufubr geliefert. Erwägt man, daß die geringeren Sorten zur Zell einen Marktwerth von 37 bis 38 Rupie Cents, die bessern einen solchen von über einer Rupj» für das(engl.) Pfund haben(die Rupie gilt etwa 1,35 M.). so wird man zu- gestehen müffen, daß es fich beim Theegeschäst von Ceylon de« reits um recht erkleckliche Summen handelt." «ine««anner streich, wie er nicht alle Tage zu ge- schehen pflegt, ist jüngst ein Juwelenhändler in Moskau zum Opfer gefallen. Eines Tages erscheint ein junger Gentleman in seinem Laden, der sich für 4000 Rubel Schmucksachm aussucht Er hat aber nur 500 Rubel bei fich und bittet den Laden- inbaber, ihm einen seinerfKommis mitzugeben, der ihn zu einem wohlbekannten reichen Kaufmann, Besitzer mehrerer Bäckereien, begleiten solle, wo er sofort die fehlende Summe empfangen werde. Dies geschieht, und an Ort und Stelle angelangt, ruft der junge Gentleman dem reichen Backer in befehlendem Tone »u'„Uebergeden Sie dem jungen Manne da die 3500. ober, wenn ich bitten darf, sofort!" Ja. sofort ging es freilich nicht, aber binnen einer halben Stunde solle der Herr daS Seinige erhalten. Der Herr Kommis möge doch so lange im Komtoir warten. Dieser wollte es gern thun. Er fidergad auch, da der reiche Kaufmann erstätt hatte, das Geld in einer halben Stunde zahlen zu wollen, dem jungen Gauner, der vor- gab. keine Minute Zeit zu Haben, die eingekaufte Waare und sab ruhig zu, wie dieser um die nächste Ecke auf Nimmer- wiedersehen verschwand. Die halbe Stunde geht vorüber, und MlSli daß in der Generaloersammlung des Vereins der„----- reisenden der Vorsitzende den Antrag stellte und nicht eben schmeichelhaft motivtrte, den bekannten boulangistischen Ab- geordneten Vcrgoin als Anwalt des Vereins abzusetzen. Nach einigen Erörterungen wurde der Vorschlag einmüthtg genehmigt. K-lgien. Die sozialistische Arbeiterpartei hat im Hennegau einen bemerkenswerthen Sieg errungen. Bei der Gemeinderathr- wähl in Familleureux brachte sie ihren sozialistischen Kandidaten durch und gewann damit die Mehrheit im Guneinderathe. ES ist die erste Gemeinde Belgiens, in welcher fortab die Sozialisten die Gemeindeverwaltung beherrschen. Die Befürchtungen des belgischen Ministeriums über Sttaßenunruben bei der Feier der Septemderrevo- l u t i 0 n haben fich als hinfällig erwiesen. Man hatte die Börse, das Rathhaus und das Monnaietheater besetzt und auf demMärtyrerplatze eine ansehnliche Polizeimacht, selbst 50 Po»- pters mit Gewehren aufgestellt; aber trotz der Aufzüge und der Menschenmaffen kam es zu keiner ernsten Ruhestörung. Von zahlreichen Vereinen mit Musik degleitet, zogen dreißig greise Kämpfer, die Fahnen von 1830 voran, nach dem Denkmale und hietten die übliche Feier ad. Kaum hatten fie den Platz ver- lassen, da rückten unter dem Vorantritte eines Mufikkorps und des Generalraths der belgischen Ardeiterpartei an 4000 Arbeiter heran. Ihr Führer Herr Voldcrs hielt mit weithin über den Platz schallender Stimme eine Rede. Als schließlich derselbe seine Rede mit den Motten endete:„Das Volk will, daß die Volkssouveränetät die Grundlage der politischen Einttchtungm werde, und es wird es durchsetzen, denn es hat drei Mächte auf seiner Seite:„das Recht, die Zahl und den Willen!"— da erhob fich gewaltiger Beifall.„Nieder mit den Pciestern! Es lebe die Republik! Es lebe das Voll!" Unter den Klängen des Freiheitsliedes aus der Stummen zogen die Arbetter nach dem Volkshause zurück. R»ßla«d. Wie der„Czas" aus Warschau meldet, wurdm daselbst vierzig Personen verhastet wegen Verdachtes der Thellnahme einer angeblich von Nihilisten verübten Ermordung der Jeliwna Iwanowa Szarozawtna, deren Leiche in einer Kiste auf dem Bahnhof der Warschau-Wiener Bahn gefunden wurde und die zur rusfischen Geheimpolizei gehött haben soll. Afrika. Dem„Reuter'schen Bureau" wird aus Sansibar ge» meldet: Die Eingcborenm haben am 21. d. M zwei Anac- stellte der deutsch-afrikanischen Gesellschaft in Kilwa angegriffen und getövtet. Die Eingeborenen, welche Bogamoyo angriffen, haben fich in das Innere des Landes zurückgezogen. Stüble, sagt die ein Bild von dem Soziales«nd Arveitervewegaag. In der Trefelder Keidenindnstrie find Tausmde von Hausindustriearbeitern beschäftigt. Unter diesm aimm Menschen, über deren Schicksale wir bereits öfters unö ausgelassen, räumt die Maschinentechnik, unterstützt durch die in der Branche herrschende Krifls, ganz gewaltig auf. Nach dem vor kurzem erschienenen Bettcht der Crefelder Handels- k a m m e r waren in Betrieb Ende 1884 rund 12 000-14 000 Wedstühle „ 1885„ 6 000- 9 000 „ 1886„ 19 000-20000 „ 1887„ 3000- 4000„ während die Durchschnittszahlen folgende find: 1884 22085 1885 15 785 1886 16 026 1887 14 438 Die Zahl der Ende 1887 beschäftig! Münchener„Allgemeine Zeitung", giebi____....--- großen Elend der Handstuhlweber im Winter 1887—88 Man beachte die kolossalen Schwankungm in den Jahren 1886 und 1887: in jeder Saison Unficherheit. Zwanzig Prozent Dividende vertheilt diesmal die S a n g e r h aus er Maschinenfabrik. Das ist ein ganz jämmerliches Ergib niß— nach der Auffassung der Berliner „ N a t i 0 n a l- Z e i t u n g", die vor kurzem mit kühler Ruhe, man könnte es auch Cynismus nennen, folgendes geschtteben bat:„Der Abschluß der Berliner Maschinenbau» Aktiengesellschaft vorm. L. Schwarzkopff eraiebt im Vergleich mit demjenigen dcs Vorjahres ein sehr«ngnustige» Rcsultat, welches für 1887 88 nur die Vert he i luv g einer Dividende von LO-At Prozent gegm 35 Prozent im Jahre 1886 37 gestattet. Das schlecht« Ergeb» niß ist in erster Linie der geringen Beschäftigung des Wette« zuzuschreiben, da der Umsatz von 8 820 000 auf zirka 5 00) 000 Mark zurückgegangen ist." Derartige kapitalistische Unverschämtheiten muffen festgenagelt werden. Arbeiter, merkt's Euch,„nur 20—24 pCt. Dividende" find ein „schlechtes" Geschäft. Für künstige Lohnbewegungen ist dicscr unverfrorene Bericht des Geldsackdlattes von großem Wetth. ist indeß nach einem„berühmten Muster" ausgefühtt, daS vor etwa 20 Jabrcn in Berlin heitere Sensation erregt hat. Damals handelte es fick zwar nicht um eine so große Summe, son» dern. wie fich vielleicht mancher Berliner noch cttnnern wird, u» simple hundert, welche dee Jndufirteritter bei einem Kondstor in... P'annlucken hatte auszahlen lassen.' Der Minister kommt. Der Hotelier in Zala-Eaerßeg, Herr Stefan Kronsetccz, erhielt vor einigen Tagen, wie der „P. L." berichtet, folgendes Telegramm:„Bitte mir ein Zimmer vorzubereiten und einen Wagen auf die Station»u senden. Fadiny." Herr Krosetecz war selig— der Justiz» minister sollte sein Gast werden. Der glückliche Wirth hatte natürlich nichts Eiligeres zu thun, als das große Gebeimniß dem Herrn Bürgermeister Kovacs mittheilen, der seinerseits wieder den Gerichtshof und die übttgen Aemter alarmitte, und die Folg« hiervon war. daß um 2 Uhr'Nachts, beim Anlangen des Zugs, die Honoratioren von Zala-Egcrßeg en pleine parade auf dem 0»--- n— v—— /s. re-..»—... stfeg nur ein einmal der gar die --------|.---"J-- y., I«"T■" v*')"«*.. Wl. tation, und frug den angelangten Fremden:„Bitte, wiffen Sie nicht, ist vielleicht Fadiny beim Zuge?" Der Ankömmling machte sehr erstaunt« Gesten und rief:„Fadiny? Das bin ja ich!" Sprach'S und stieg in den eleganten Fiaker, der vom Hotel ae» sendet worden. Im Gasthof, wo man den Justizminister blcS dem Namen nach kannte, wurden dem Fremden alle Ehren zu Theil, wie fie einer Exzellenz gebühren, und der Witth konnte die ganze Nacht vor freudiger Erregung nicht schlafen nnd prahlte schon am frühen Morgen vor allen Leuten mit dem illustren Gast, dm sein Haus beherbergt, nicht achtend der spöttischen Mienen, denen er oft begegnete. Endlich kam da« Fremdenbuch herab und der Witth legte es sofort dm an- wesenden Stammgästm hin» die beim Frühschoppen saßen, damit fie die neueste Einschreibung sehen, welche fottan dm Stolz seines Hotels bildm soll: T. Fabiny— Handlungsreisender aus Budapest.— Auf Eines kann der enttäuscht« Wittb, der im ersten Moment ganz perplex war, trotzdem stolz sein, denn rr hat es zu Wege gebracht, daß die Gerichts- Restanzm an dem erwartungsvollen Tage wie durch Zauberkraft aufge» arbettet wurden. Theater. Donnerstag, den 27. September. G»»»»t»«r»» Götterdämmerung. »chaaspteth«»(im Mall« er-«st-at-r) Der Herr Major auf Urlaub. Uefftag-Vheatee: Anton Antont). Weeäfche» kkeater. Don Carlos. zrtedrUb» zpittzelmstädtische» Theater. Der Glücksritter. N»ftd««,-Ul,eatcr: Decorirt. Wt»t»»t«-Uli«at»» t Mathias Sandorf. S MeaAi«»«»- Theirter z Das elfte Gebot. «eatral-Thrater. Die Schmetterlinge. A»»t»tz-«rnst-Thrater. Die drei Grazien. S Karl- Ufer.— Ecke Karlstraße. (Im früheren Zirkus K r e m b s e r.) Donnerstag, den 27. Septbr., Abends 7; Uhr: Greene aueaerordentl Vorstellung. Aus dem reichhaltigen Programm find hervor- zuHeden: Vorführung der in der Dreffur einzig dastehenden 12 Rapphengste durch den Direktor. Schul Quadrille, gcr. v. d. Gcschw. Schumann. StebenV-Mar.övre mit 12 Pferden. Auftr. d. Reckkünstter Reed u. Barker. des Deckenläufers Mr. Melas, des Jockey Reiters Mr. Adolf Dickson, der Rettkünstl.rinnen Miß Victoria u. Terzy, des Jonglems zu Pferde Mr. Hodzin, der 4 Gebr. Gozzini, gymnast. Entree mit zwei Lettern, des Aportirpferd Said, vorgef. v. Herrn ��r�wg!" d!�' September, Abds. 1's Uhr: Gr Eorfllnug._,_ C«. 9 M.- 10 A. .fnnormmn 1. Wandemna durch Pari«. Letzte Woche: Aafbahrung und «raneriaa Kaiser WUhrlmo. Kertha-Keise. 400 Aufnahmen. »Eycl. 20 Pf.. Kind nur 10 Pf. Abonn. Achtung: ar A& dreimal donnerndes Hoch, daß dieganze Grünauer Schwei, zittert. Aber nicht die Stunde vor dem vier mal nullen vergeffen. 706] Keine Kollege«. |Kgl. Preuss. 179. Lotterie| Ziehung 1. El. am 2. und 3. October er Antheilloose«/, M. 6.25, M. 3,25, V« M. 1,75, V«4 M. 1 empf. u. versendet D. Lewin, Berlin C., Spandauerbrücke 16. Gleicher Preis fdr alle Klassen. Planmässige Gewinn- Auszahlung. I Prospecte gratis und franco. Zur pünktlichen Lieferung des[710 „Kerlwer Nolksblatt* wie fiimmtlicher Zrituns«« empfiehlt fich W. Schmidt, pochlerstr. 6, H. G ardinen zu Fabrik preisen auch an lrivate! 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Die Sache ist in der That wichtig genug und leider keineswegs auf das KlebgcLerde irgend eines deutschen Staates allein beschränkt, es ist eine Krankheit des Kleingewerdtreidenden überhaupt, sagt der Verfaffer. Deshalb muß eben der kleine Geschäftsbetrieb auf dre Vortheile verzichten, welche eine sorgfältige Buchführung dem Großbetriebe gewährt. Der Mangel einer Buchführung ist auch der Grund, warum die Mchrzahl unserer Kleingewerbe« treibenden keine genaue Kostenberechnung aufzustellen vermag, was fich am häufigsten bei den Submisfions'Angeboten zeigt, wrd daß fie ferner nicht in der Lage find, in einem gegebenen Augenblicke dm wirthschaftlichen Stand ihres Geschäftes zu er» vritteln. Insoweit ferner der Mangel der Buchführung den rkinm Gewerbetreibenden außer Lage setzt, den Stand seines Geschäfts jederzeit zu übersehm und zu wissen, aber auf Grund seiner eigenen Produltionskostm nicht unter denselben arbestet, wenn er zu dm Preisen verkauft, zu denen ihn die Konkurrenz vd.r das Herkommen zwingt, kommt in Betracht, daß er eben deshalb in der Beitreibung seiner Fordeningen täsfig ist. Wem ist nicht schon passtrt, daß kleine Gcwerdtreidende wtt allm denkbaren Mitteln nicht dazu zu bringen find, anders als in sehr langen Zeiträumen ihre Rechnungm herauszu- schreibm? Dm Grund, warum gerade der Gewerbtreibende wtt einem kleinen Geschäfte keine Bücher führt, findet der Ver- fasset mit Recht darin, daß der Mittelpunkt seiner Thätigkeit nicht wie bei dem größten und kleinsten Kaufmann am Schreib« vulte ist, sondern bei solcher Arbeit, wo Schreibstuben- Arbeit uazulässtg ist; jedes Einschreiben würde eine Unterbrechung inner Arbeit, oft genug durch vorhergehende Reinigung von �taub und Schmutz des Geschäfts oder theilweiscr Umkleidung bedingt sein, bedeutet also Ablenkung von dem Gange der gc- wohntm Arbest. Man darf nicht vergessen, daß die Hand eines solchen Gewerbtreidmdm schwer und zum Schreiben wenig geeignet ist. Eine andere Ursache ist der Umstand, daß fast win Lehrling in der Lehre Gelegenheit bekommt, Bücher zu stihrcn. auch selbst da nicht, wo Bücher geführt werden. Wer kann es denn dem ausgelerntm, zur Selbstständigkeit gckom« wencn Kleingew erbtreibenden verübeln, wenn er auf das Ge« foreibsel, wie er meint, keinen Werth legt? Auch die Art und Weise, wie der Buchsührungs« Unterricht in der Regel gegeben wird, sowett überhaupt der Lehrling solchen besucht oder zu de« suchen Gelegmheit hat, trägt nach der Meinung dcs Verfassers "'cht immer dazu bei, das Verständniß für die Sache zu wecken. Wcs dem Lehrlinge unter dem Ramen gewerbliche Buchführung geboten wird, sagt derselbe, das ist ein für das Bedürfniß des Gewerbtreibenden äußerlich zugeschnittenes, fremden Ge« fchäftsgebieten entlehntes Stückwerk, welchem der innere Zusam- menbang mit dem Geschäftsbetriede, den es darstellen soll, sebst, das daher auch dem Gewerbtreibenden um so mehr als etwas Fremdes entgegentritt. Ergeben diese E wägungcn die unbedingte Nothwmdigkest, daß in der angedeuteten Aich- «mg etwas geschchm muß, so tritt die ungleich schwierigere nroge in ihr Recht: Wie kann die Buchführung als ein für nothwendig erkannter und regelmäßig geübter Theil des Ge- "däftsbetriebes in unser Kleingewerbe eingeführt werden? Die unpäßliche Bedingung hierfür ist nach Rücklin: Einfach, ver- Jo-rvlich, kurz gedrängt und klar überfichtlich muß eine Buch- iuhrung sein, welche Ausfickt haben soll, im Gewerbebetriebe mleia Eingang zu finden. Trotzdem glaubt derselbe, daß alle «tch'llhrung, die ja nichts anderes ist und sein soll, als eine ubeistchtliche Zusammenstellung derjenigen Vorkommnisse in "mm Geschäftsbetriebe, welche für dm wirthschaftlichen Erfolg �"selben von Bedeutung find, fich unmittelbar an den Geschäfts- verried anschließe, und da jedes geschäftliche Vorkommniß einm °ovveltm Charakter besttzt, nämlich die Bewegung einer Sache z mächst aus der bestimmten Richtung und sodann nach einer �Nachdruck»»»bot»«) Z« schon. Nouvellette von Maurus Zükai. (Autorisirte Uebersetzung von Ludwig Wechsler.) In jenem Jahre, da Ferdinand von Medicis den �hron von Florenz bestieg, ereignete sich der Fall, daß vor o« Richter de« Bluttribunal« eine Frauensperson gestellt !®urde, deren Antlitz eine, einen Todtenkopf darstellende Ma«ke bedeckte. Die übrige Gestalt wurde von einem langen, bi« zu Knöcheln reichenden weite« Mantel verhüllt, dessen •ychutze vorne bis über die Stirne gezogen war. Wer auf me Gestalt blickte, sah nicht« weiter als die erschreckende -arve und die Leichenbekleidung: ein Gespenst, welches sich �schickt, den Karneval der Tobten zu begehen. . Diese Person war Rosaura Montalboni, die zum Uferten Mal angeklagt vor dem Richterstuhle stand; zum .werten Male eines Vergehens angeklagt, welches wunder- erweise sich selbst vertheidigt und in der Anklage selbst �"�Entschuldigung birgt. Worin bestand die Anklage? Man klagte Rosaura Montalboni an, sie sei zu schon. So schön, daß, wenn sie des MorgmS an ihr Fenster Jv«' das Volk sich auf der Straße ansammelte und y* Sänften und Kutschen der Menge wegen nicht Östren können, die Kaufleute vergessen, ihre Waare aus- kramen und die Beamten de» herzoglichen AmteS sie 'ndenlang bewundern, statt ihren Beruftpflichten nach- Und?0 Mß«, daß wenn sie ausgeht, um bei den Seiden- ihre ��klenhändlern ihre Einkäufe zu besorgen, diese für 'hren»'e'ne Bezahlung von ihr annehmen, sondern dessen zu Füßen legen. Ein verlormer Mann, * sie betritt! Arn« m r s�on, daß, seitdem sie am rechten Ufer de« »vurde seither eine ganze Palastreihe erbaut geh;/ wahrend da« linke Ufer seinem Untergange entgegen- �Wr. n? �belleute, Kauf- und Schiffsleute zogen auf das " Ufer hinüber. bestimmten Richtung, auch die geschäftlichen Vorkommnisse nach dieser Dopp lnatur widerzuspiegeln hat, widerspricht es der For- derung höchster Einfachheit keineswegs, wenn auch hier das Gewerbe die doppelte Buchführung verlange. Natürlich wird aus den angegebenen Gründen die Buchfühmng im Klein- gewerbe eine verschiedme sein müssen. Der Verfasser unter- scheivet zunächst einmal folgende Arten von Gewerben: 1. schäfte, welche fich ausschließlich mit Ankauf und Verkauf von Waaren befassen, also reine Handelsgeschäfte. Die denselben dienliche Buchführung wird umfassen: a. den Verkehr mit den Li.feranten, d. den Verkehr der Waaren innerhalb des Ge- schästs und o. den Verkehr mit den Abnehmern. 2. Geschäfte für Ausführung übertragener Arbeiten ohne Kauf und Verkauf. Für diese wird die Darstellung des Arbeits- Verfahrens nach Arbeitctheilung, Arbeitslohn und Geschäftsunkosten maßgebende Aufgabe sein. 3) Geschäfte, deren Betrieb im Ankauf von Roh- stoffen und Halb-Fabrilaten, Verarbeitung derselben und Verkauf der fettigen Erzeugnisse besteht, welche demgemäß a. den Verkehr mit den Lieferanten, b. das Herstellunge- Verfahren nach seinen verschiedenen Beziehungen und o. den Verkehr mit vm Abnehmern zur Darstellung zu bttngcn haben. 4) Der Geschäfts- betned der vorhergehenden Kategorie kann fich auf dem Wege erweitern, daß der Ankauf der Geschäftsbedürfniffe in größeren Vorräthen und die Herstellung der Erzeugnisse auf Lager ge- schieht. In beiden Fällen ist selbstverständlich auch die Be- wcgung der betreffenden Gegenstände nach und von dem bezüg- lichen Lager darzustellen. 5) Betriebe, die fich mit verhältniß- mäßig größeren Einzel-Untemehmungen befassen, deren Buch- fübrung darum auch, soweit fie die geschäftliche Produktton behandelt, in den Gegenständen der Produktion entsprechende Einzel- Abschnitte zerfallen wird.— Die Zahl der nöthigen Bülder muß fich natürlich auch auf das geringste Maß be- schränken, in der Hauptsache auf zwei: das eine für die äugen- blicklichen und vorläufigen Aufschreidungen, das andere für die cndgiltige Darstellung. Daneben könnten für solche Auf« Zeichnungen, welche sich im allgemeinen Schema der bezeichneten Bücher(welche dem Memorial beziehungsweise Journal und dem Hauptbuch entsprechen) nicht unterbringen lassen, z. Arbeitslöhne, Bestellungen, Kostenrechnungen, besondere Ab- theilungen in beiden Büchern eingerichtet werden. Die Dar- stellung der geschäftlichen Angelegenheiten sollte natürlich in der Weise geschehen, daß das Ergedniß derselben fich jederzeit durch einfache Abschlüsse ohne Zusammentragen und Vergleichen von Daten aus verschiedenen Abthrilungen der Buckfühmng finden läßt. Auch die Reihenfolge der einzelnen Abtheilungen der Buchführung, von Konti, sollte fich, meint der Verfasser, dem natürlichen Geschäftsgänge anschließen. Derselbe umfaßt im allgemeinen, wenn auch nicht in jedem Geschäfte: ». Bezug von Baargcld, b. Ab- und Zugang desselben in der Kasse, c. Bezug der Rohstoffe und Verbrauchsmittel, d. Abgang und Zugang derselben im Vorrath, e. ihre Verwendung zur Herstellung der Erzeugnisse, f. Ab- und Zugang der vorräthigen Erzeugnisse, g. Absatz derselben. Was nun die Wege der Ein« führung der gewerblichen Buchführung in das Kleingewerbe be- trifft, so führt der Verfasser drei an: Anregung. Belehrung und thätige Beihilfe. Eine Hauptrolle falle dabei dem Gewerbe- lchrer und wohl auch sogar dem Volksschullehrer(d. h. dem- jenigen Lehrer, welchem lediglich die Wiederholung der Elementattächcr der Volksschule obliegt) zu. Sehr richtig besür« mottet Rücklin auch, daß nicht dlos an den Knabenschulen, son- dem auch an den Töchterschulen, die„höheren" nicht ausge« nommen, in zwei Jahreslursen die Buchhaltung obligatorisch gelehrt wird. Ich bin überzeugt, sagt derselbe, daß einem Ge- werbtreibenden die Buchführung für sein Geschäft nicht leicht in wirksamerer Weise nahe gelegt werden könnte, als wenn seine Tochter fie aus der Schule mit nach Hause bringt.— Zum Schlüsse kann man fich frellich auch nicht seiner Anschauung ver- schließen: Wenn wir erwägen, wie schwierig es für jeden Menschen jeder Lebenssphäre ist, fich aus langgewohntem Gehenlassen aufzu- raffen und mit konsequenter Beharrlichkeit neue Wege zu man- dein, so wird es systematischer und liebevoll fortgesetzter Arbeit bedürfen, wenn nach dieser Richtung in absehbarer Zeit merk« bare Verbeffemng erzielt werden soll. Di» b»»orst«hrnd»n U»rsehungrn bilden gegenwärtig das erste und einzige Schulthema in vielen Familien. Mit den Versetzungen aus einer Klasse in eine andere ist in der Regel So schön, daß, wenn sie in die Kirche Santa Maria del Fiore tritt, die Menschen sich vom Altare ab- und zu ihr sich hinwenden und statt Trost und Heil blo« Pein und Verdammniß aus der heiligen Stätte mit sich nach Hause �Wenn die Fischer des Morgens die Leiche eine« bleichen Jünglings au« dem Arno zogen, so war dies sicherlich ein unglücklicher Schwärmer, der sich Rosaura'S willen den Tod gegeben; wenn die Wächter deS Nacht« in den dunkeln Straßen auf die leblose Gestalt eine» in Sammet geklei- beten Ritters stoßen, der mit einem Dolchstich im Herzen in seinem eigenen Blute schwimmt, so fiel er sicherlich Rosaura'« wegen, die ihm vielleicht fteundlich zugelächelt und dadurch den wüthenden Neid seiner Nebenbuhler erregt hatte; wenn reiche Väter eine» unvorhergesehenen Tode« starben, so wurden fie sicherlich Nosaura zu Liebe ver- giftet, denn um ihre schönen Augen lächeln zu sehen, hätte ein jeder sogar Vater, Mutter, Bruder und Schwester willig gemordet. Einst herrschte HungerSnoth in der Stadt;— da« Volk tobte, da es kein Brot hatte und drang voll Wuth in den Palast Montalboni, dessen Herrin sich in Milch badet, die Blumen ihres Garten« mit Wein begießt und täglich Gast- mähler veranstaltet, während die Leute draußen Hunger« sterben. Als nun die rasende Menge die Thore de« Palaste« erbrochen und die reichgcputzte Dienerschaft in die Flucht getrieben hatte, stieg Rosaura ganz allein die Marmorstufen hinab, wobei ihr wunderbare«, goldblondes Haar über ihre Schultern niederwehte und sie mit dem diamant- besetzten Fächer dem rosigen Antlitze Kühlung zufächelte .... und das Volk verstummte vor ihr, die Rädelsführer küßten den Saum ihres Gewände« und die Menge zog sich Dreimal wurde sie ihrer Schönheit wegen von erbitterten Vätern angeklagt, deren Söhne den Reizen Rosaura'S zum Opfer gefalle«. Dreimal klagten sie Rosaura an,„schön" �Die Richter hörten die Klage an, ließen die Schuldige vor sich kommen und überzeugten sich, daß ihr Vergehen in Wirklichkeit bestehe.,. Die Wirklichkeit übertraf sogar die Worte der er- auch ein Wechsel der Lehrer verbunden. Der bisherige Lebrer verbleibt auf der betreffenden Stufe und erbält die für fie vor» bereiteten Kinder, während seine bisherigen Schüler einem ander« Lehrer übergeben werden. Dieser Lehrerwechsel wiederHoll fich in jeder Klaffe bei regelmäßig erfolgter Versetzung mindestens alle Jahre einmal, in vielen Schulen sogar in jedem Halbjahre. So kommt es, daß ein Schüler in unser« vielklasfigen Schulen mit mehreren Parallelklaffen während seiner Schulzeit eine lange Reihe von Ordinarien und eine noch größere Zahl von Fach» lehrern hat. Der erziehlichen wie unterrichtlichen Wirksamkeit der einzelnen Lehrkräfte ist dadurch ein so deschräntter Kreis an» gewiesen, daß einem auf greifbare Erfolge gerichteten pädagogi» schen Sinne keine Befriedigung gewährt wird. Noch nachtheiii» ger ist dieser häufige, fich stettg wiederholende Lehrerwechsel für den Schüler. Er muß fich in jedem Jahre oder gar in jedem Halbjahre von neuem in die Eigenart eines neuen Lehrers hin« einfinden. Die Methode jedes Lehrers bat ihre Eigenheiten, und es dauert geraume Zeit, bis der Schüler fich ihr so weit anbequemt hat, daß er dem Unterrichte mit Nutzen folgen kann, und wmn fich beide einigermaßen eingelebt haben und fich innerlich näher getreten find, so ist die Zeit ihres Beisammen» seins abgelaufen— fie müssen fich trennen, um beide wiederum mit unbekannten Größen zu rechnen. Der Lehrer lernt seine Schüler nur oberflächlich kennen. Er ist dämm auch gar nicht im Stande, ihrer geistigen Eigentbümlichkeit Rechnung zu tragen und fie so zu stützen und zu fördern, wie es ihren be- sonderen Anlagen entspräche. Die Kinder müssen, wie man fich ausdrückt, alle über einen Kamm geschoren werden. Die Jndi- vidualität des Schülers verliert damit auf der Schulbank jeg» liches persönliche Recht. Ein innerliches, die kurze Schulzeit überdauerndes Verhältniß, wie es fich in wenigklasfigen Schule« herausbildet, kann fich nur wenig entwickeln, und auch die Ver- bindung der Sckule mit dem Eiternbause ist dadurch erschwert. Die Ellern müssen fich in jedem Jahre an einen neuen Lehrer gewöhnen, und dieser soll fich vollends jedes Jahr von neuem in die Verhältnisse von 70—80 Familien hinrinfinden. Das ist unmöglich. Deswegen würde es eine wesentliche Verbesserung unseres Schulwesens sein, wenn bei den Versetzun- gen der Lehrerwechsel so viel wie möglich vermieden werden könnte und jeder Lchrer mit seinen Kindern in die nächste Klasse aufrückte. Wird dieses Aufrücken in den Höberen Schulen auch nicht von der Serta bis zur Prima geschehen können, so steht doch wenigstens in Volks- und Mittel- schulen der Durchführung der Klassen durch die ganze Schulzeit nichts im Wege. In den schwedischen Schulen kennt man unsere Art der Versetzungen nicht, dort ist die Durchfühmna Regel. In Deutschland ist fie nur vereinzelt zu treffen. Bei uns halten die älteren Lehrer es vielfach für minder ehrenvoll, in einer niederen Klaffe zu unterrichten. Früher war sogar das Gehalt nach der Klasse bemessen. Das ist nun freilich anders geworden, aber die alte Verwendung der Lehrer ist im Wescnt» iichen dieselbe geblieben. Eine Aenvcrung thäte hier dringend noih und müßte doch insoweit durchfühi dar sein, daß an Stelle des jährlichen oder halbjährlichen Wechsels wenigstens eine Durchfühmng durch 2 oder 3 Klassen trite. Die Schüler wür» den dann Lehrer haben, an die fie fich anschließen könnten, die ihre Schwächen und Vorzüge hinlänglich kennen und beobachten lernen. In den ganzen Unterrichtsbetrieb würde mehr Einheit und Zusammenhang kommen. Bei der Durchführung der Klaffen würden auch die Eltern und die Schule einander näher geführt werden. Die Eltern würden jahrelang mit demselben Lehrer zu thun haben und in allen schwierigen Fällen bei ihm besseren Rath finden, als jetzt. Dem Lehrer aber würde es wieder möglich sein, als Pävagoge zu wirken und den Geist und das Gemüth seiner Schüler mll bleibenden Eindrücken zu erfüllen. Di« auß»rg»«öhnlich stark» Inanspruchnahm« drr Thätigkeit der Ktratz»nba«-Poliz«i, die im Verwaltungs» jähr 1886/87 hervorgetreten ist, hat im Verwaltungsjahr 1837 88 nicht fortgedauert. Die Gesammtzahl der Journal-- nummern ist von 8366 im Verwaltungsjahr 1886 87 auf 7000' (5718 Baugesuche sc. und 1282 Bürgersteig- jc. Sachen) im Verwaltungsjahr 1887 88 zurückgegangen und zwar noch unter die im Verwaltungsjahr 1885 86 erreichten 8044 Journalnummern. Dieser Rückgang an Journalnummern bat nicht zum geringsten Theile in zufälligen Umständen seinen Grund, jeden- bittertsten Klage. Rosaura war schöner, ali man sie schilderte. Und zweimal urtheilten die Richter:„Die Anklage hat Recht, das Vergehen besteht,— die Angeklagte möge ftei sein." Ihre Schönheit war ein große» Vergehen, aber eine noch größere Entschuldigung. Wenn sie ihren Richtern in» Antlitz blickte, so vergaßen diese das Gesetz; weinte sie, so beeideten ste, daß sie unschuldig sei, und lächelte sie sie sogar an, so waren sie bereit, sich selbst für schuldig zu er» klären. Der dritte Fall war, daß der Verwalter der Schatz- kammer des Herzog« sich die ihm anvertrauten Schätze an- eignete und sich tödtete, nachdem er alleSj auf die Schöne verschwendet hatte. Jetzt konnte man keine Gnade mehr walten lassen. Die schöne Dame wurde abermals vor den Richterstuhl gestellt und mit einer Stimme Mehrheit das Urtheil über sie gefällt, daß sie für alle Zeiten au« Florenz verbannt und ihr schöner Leib gebrandmarkt werde. Der Pranger, an welchem die Strafe vollzogen werde» sollte, wurde vor dem berüchtigten Palazzo Pizzi aufgestellt. Dichtgedrängt erfüllte die Menge den weiten Raum und die Hausdächer, von wo man auf diese Bühne hinuntersehe« konnte. Die zauberisch schöne Dame wurde vorgeführt; der Henker nahm das rothglühende Brandeisen zur Hand und riß da» seidene Gewand von Rosaura'S Schulter, um da» Brandmal auf dieselbe zu drücken. Und al« er die glatte schneeweiße Schulter vor sich sah, vergaß er, daß er Henker sei und statt de« heißen Eisen» drückte er seine heißen Lippen auf dieselben. Der Scherz kostete dem Henker den Kopf, rettete aber Rosaura, denn e« fand sich niemand, der das Urtheil gegen diese runde, schneeweiße Schulter ausgeführt hätte. Jeder, der sie erblickte, wollte sie nur küssen, nicht aber durch da» glühende Brandeisen verunstalten. Da« Wunder kam dem Großherzog zu Ohre». Cosimo von Medici« war damal» bereit« ein alter Mann und neigte sich zur Frömmigkeit. Und vielleich that er au« Frömmigkeit, daß, al« man die Dame auf seinen Wunsch vor ihn brachte, er sie begnadigte falls nicht in einer Verminderung der zur Prüfung gelangten Bauprojelte. Dagegen find die Thatsachen. daß durch das Jortschreiten der Kanalisation die Entwässerungsanlagen alter Art immer mehr verschwinden, daß femer in den alten Straßen die definitive Regulirung der Bürgersteige von Jahr zu Jahr an Umfang zunimmt, und daß endlich von den ausgeführten Bauten ein nicht geringer Thell Hintergebäude waren, bei denen Bär> ersteigregulirungen nicht in Frage kommen, nicht ohne Einfluß auf den Umfang der Geschäfte gewesen. Eine wesent» liche Steigerung der Thätigkeit der genannten Verwaltung haben insbesondere diejenigen Baugesuche veranlaßt, welche nach den Bestimmungen des§ 1 Adfatz 3 der Bau- Polizei» Ordnung vom 15. Januar 1887 zu deHandeln find: diese Gesuche, welche die Bebauung von nicht unmittelbar an öffentlichen Straßen belegenen Grundstücken oder solche Grund- stücke betreffen, welche hinter der Bauflucht mehr als 1:20 aufsteigen, oder welche auf eine größere Tiefe als 50 m mit Ge- däuden besetzt werden sollen, haben 35 pCi. der Gesammtzahl der bearbeiteten Projekte betragen. Da nach vorgedachtem Pa- ragrophen derartige Projekte nur in Uebereinstimmung der Bau» Polizeibehörde mit der städtischen Straßenpolizciverwaltung und dem Magistrat ertheilt werden dürfen, die Zustimmung der städtischen Bauverwaltung U lTiefbauverwaltung) aber nach den getroffenen Vereinbarungen durch die Straßenbaupolizeiverwal» tung einzuholen ist, erleiden dieselben bei der städtischen Straßen» dauverwaltung eine größere, durch die Verhältnisse aber unab- wcisbar hervorgerufene Verzögerung. Hervorzuheben ist ganz besonders, daß derartigen Projekten grundsätzlich nur in den» jeniaen Fällen die Zustimmung versagt wird, wenn besondere Gründe im öffentlichen Interesse die Versazung gebieten,— d. h. wenn etwa die 5)öhcnverhättniffe des Grundstückes Schmie- rigkeiten in Bezug einer ordnungsmäßigen Entwässerung der Baulichkeiten nach dem Straßenkörper hervorrufen oder aber durch die Bauausführungen die Anlegung respektive die vorbereitende Anlegung im Bebauungsplan nicht vorge- sehcner Straßenzugänge bezweckt wird. Der Prüfung der Straßenbau-Polizei Verwaltung unterlagen im Verwaltungsjahr 1887 88 41 Projekte zu Pferdebahn.' Neu» und Erweitemngs- anlagen, Neu» bezw. Umpflasterungen, sowie zur Feststellung von Baufluchtlinien. Die Zahl der zur Prüfung vorgelegten Bauprojekte hat einschließlich der im Vorjahre unerledigt ge» dliebenen Projekte, 2803 gegen 3248 im Vorjahre— also weniger 445— und 2186 im Jahre 1885/86— also mehr 317 — betragen. Von diesen Bau Projekten wurden durch den An- tragsteller 5 zurückgezogen, von der Verwaltung abgelehnt 104, noch nicht erledigt 100, genehmigt 2576. Die Prüfung der Straßenbau-Polizei-Verwaltung wurde nickt zu Ende geführt in 18 Fällen, weil das königliche Polizeipräfidium vor Abschluß derselben an die Verwaltung bereits die Nachricht hatte gelangen lassen, daß seinerseits die Bauerlaubniß versagt sei. Von den genehmigten Bauprojekten betrafen 1002 größere und 1574 kleinere Baulichkeiten. Auf den Ausbau von 20 Stadtbahnbögen waren 8 Projekte für verschiedene Zwecke wie Lagerräume, Restaurationen, Pferdeställe rc. gerichtet. Am Schlüsse des Vorjahres waren für 166 Bögen Ausbauprojekte vorgelegt, so daß nach ven der Straßenbau Polizei vorgelegten Projekten bis jetzt für 216 Bögen Ausbau-Genehmigungen nachgesucht wor- den find. Ali» Reinickendorf erhallen wir folgendes Schreiben: Eine große Gefahr ist, Dank der Einficht des Amtsvorstehers und der Gastwirthe, von Reinickendorf abgewendet worden. Diese Gefahr hätte leicht schreckliche Folgen für die ganze Um» aegend, Dalldorf mit einbegriffen, haben können. Setze Dich, lieber Leser, damit Du nicht vor Schreck umfinkst, damit es Dir nicht ergeht wie dem Reiter, welcher über den Bodensee ritt und todt vom Pferde sank, als er inne wurde, in welcher Gefahr er geschwebt hatte. Die Fedil sträubt sich, das Schreckliche nieder- zuschreiben. Hu! In Reinickendorf sollte nämlick eine Arbeiter- Versammlung stattfinden, in welcher der Maler O. K. über den Gefetzentwurf der Alters- und Jnvalidenversorgung sprechen sollte.„Dummes Arbeitervolk, wollen über Sachen mitsprechen, von welchen fie nichts verstehen"— hatte einmal Jemand in Reinickendorf gesagt, und jedenfalls sollte in der Versammlung erzählt werden, daß man von 33 Pf. täglich nicht leben kann. Ünstlin! Die Geheimräthe, welche den Gest tzentwurf angefertigt haben, werden doch erst probitt haben, od man davon leben kann oder nickt. Freilich, alle Tage Braten essen, dazu aus Weißbier- gläsern Champagner trinken und Droschke fahren, wie die A.deiter dieses gewöhnt find, das geht nicht. Ader man kann auch ohne dieses leben, dabei über 70 Jahre alt werden und als kleiner Dreiunddrcißtgpfennizrentier seine Tage de- schließen; denn wenn die Geheimrätde so alt werden, so kann es der Arbeiter auch. Und vor dem Ouittungsbuch braucht man sich auck nicht zu sürchtm, nur die unordentlichen Ardeiter sträuben sich dagegen. Die ordentlichen werden es mit Stolz tragen, wie die braune Liest in Wilhelm Tell ihr Band. Also gar keine Ursache für die Arbeiter in Reinickendorf, stch zu ver» sammeln, wollen nur den Berlinern nachäffen. Schade, daß die Berliner nicht solche gcscheute Gastwirthe haben wie wir und— und ihr das Brandmarken erließ. Fortan durfte Rosaura Montalboni ungestraft schön sein. Niemand wagte mehr, eine Klage gegen sie zu erheben; niemand wagte, ihre strah- lenden Augen, die lächelnden rothen Lippen, die vcrfüh- rerischen Grübchen in den rosigen Wangen und das sinn- berückende Lächeln anzuklagen. Nach Cosirno von Medicis gelangte Ferdinand von MediciS auf den Thron. Ferdinand war noch jung, kaum zwölf Jahr alt, als «r den Thron bestieg. Noch als kleiner Knabe war er mit Lorenzo FraScati bekannt geworden, der älter war als er und dem er treue Freundschaft gelobt hatte. Lorenzo wurde Maler, Ferdinand Herrscher, doch vergaß er auch als solcher den alten Freund nicht. Er ließ ihn auS Padua in sein eigenes Schloß kommen, um ihn an seiner Macht und seinen Freuden theil- nehmen zu lassen. Lorenzo war ein heiterer, stets zu Scherzen geneigter Jüngling, wie es Maler zumeist sind, und mit seinen schnurrigen Einfällen bereitete er dem Großherzog so manche angenehme Stunde. Mit einem Male, fing er an, ernst und nachdenklich zu werden; die heiteren Scherze blieben auS, der Fürst mußte sich bemühen, ihn zu erheitern. Ferdinand ließ am Ufer des Arno eine neue Kapelle erbauen und um Lorenzo eine geistige Beschäftigung zu ge- währen, beaufttagte er ihn, das Innere derselben mit Ge- mälden nach eigenem Geschmack zu schmücken. Lorenzo arbeitete fleißig, war von ftüh Morgens bis spät Abends in der Kirche eingeschlossen und selbst wenn er dieselbe verließ, versperrte er die Thür hinter sich, damit man sein Werk erst sehe» könne, wenn eS schon gänzlich vollendet sein würde. Einmal verließ Lorenzo die Kirche drei Tage lang nicht und ließ auch niemand zu üch, so daß seine Gehilfen ängst, lich zu dem Großherzog eilte«, um ihn zu benachrichtigen, daß ihrem Meister ein Unglück widerfahren sein müsse, da er schon seit drei Tagen ohne Speise und Trank in der Kirche verweile. Der Großherzog eilte jetzt selbst herbei und nachdem alles Pochen an den Pforten des Gotteshauses vergeblich war, ließ er dieselbe gewaltsam erbrechen und drang tn de« bis dahin verschlossenen Raum. na, vielleicht werden fie's noch. Zu einem solchen gescheuten Gastwirth gingen wir. Derselbe sagte, daß uns sein Saal zur Verfügung stände. Ein paar Tage später schrieb er, daß sein Koufin den Saal schon vorder weggegeben hätte und daß die Versammlung in seinem Lokale dststrhalb nicht stattfinden könne. Was es mit dem Koufin und dem Saal für eine Bewandtniß hat, geht aus folgendem Schreiben hervor: Auf Ihren Anttag vorn 11. d. M., betr. die Erthei- lung einer Erlaubniß bezw. Anmeldebescheinigung für die auf Sonntag, den 16. d. M., Vorm. 1 1 Uhr, im Lokale des Restaurateurs Benkc hierseldst, Nordbahnstraße, anbe- räumte öffentliche Arbeiter-Versammlung wird Ihnen hiermit zum Bescheide, daß, da zu der angegebenen Zeit der Gottesdienst hierseldst beginnt, die Anmelde-Be- scheinigung nicht ertbeilt werden kann und das Statt- finden der Versammlung untersagt werden muß, um so mehr, als der p. Benke mir erklärt, sein Lokal für den Zweck nicht hergeben zu wollen. Im übrigen mußte ich auch die Ertheiluna der betreffenden Bescheinigung von einer genaueren Präzifirung der zu 2 und 3(Diskusfion und Verschiedenes) auf die Tagesordnung gesetzten Gegenstände abhängig machen. Der Amtsvorsteher. Wille. Also der erste Beamte des Ortes spricht mit dem Restaura- teur über die Versammlung, welche in seinem Lokale stattfinden soll, und dieser hat nichts Eiliges zu thun, als sein den Ar- heitern gegebenes Wort zu brechen. Das illustrirt unsere Zu- stände. Wir haben uns nun an verschiedene andere Gastwirthe gewandt, aber überall aus Furcht einen ablehnenden Bescheid bekommen. Der Herbst zeigt naturgemäß nickt immer das heitere, sonnige Antlitz, weiches wir in diesem Jahre beinahe ununter- brachen an ihm gesehen; er hat auch winterliche Anwandlungen, zu denen man Wind, Regen und Nebel rechnen soll. Den letzteren lernten wir, zum ersten Mal in diesem Herbst, vor- gestern kennen. Im Sprichwott der Völker nimmt der Nebel eine ganz bestimmte cha akteristische Stellung ein. Der Süd- spanier nennt ihn in seiner bilderreichen Sprache„Den Nachbar der Sonne und den Palhen des Regens"; ähnlich der Vene- tiancr:„Drei Nebel machen einen Regen auS". Natürlich räumt auch der Deutsche dieser Wettererschcinung einen sichern Einfluß auf die nächstfolgenden Tage ein. Wenn darnach vor Sonnen- aufgang Nebet herrscht, so ist am folgenden Morgen schönes und warmes Wetter zu erwarten, und liegt der Nebel kurz nach Sonnenuntergang über der Welt, so wird das Wetter sogar an- hallend gut sein. Damit find jedoch noch bei weitem nicht alle Deutungen erschöpft, welche das Volk in seinen prophetischen Be- strebungen dem Nebel zuschreibt. Ueberhaupt nimmt auch der Herbst eine recht hervorragende Stelle im Sprichwort der Deut- schen ein.„Viele Disteln von der großkövfigen Sorte stellen einen schönen Herbst in e-usficht", oder:„Fällt das Laub zeitig von den Bäumen, so ist ein prächtiger Herbst zu ermatten; bleibt es aber bis in den November hinein an denselben fitzen, so ist der Herbst kurz, kalt und wenig zu unterscheiden von dem Winter, welcher ihm folgt". Auch späte Rosen im Gatten sollen gleichfalls einen schönen Herbst und milden Winter in Aussicht stellen; beide gehen gewissermaßen in einander über ohne die Möglich- oder Nothwendigkett einer strengen Unterscheidung. Nebel im Herbst läßt nach alter Wetterkunde des Volkes auf vielen Schnee im Winter schließen, dagegen:„Ist der Herbst warm, hell und klar— So ist zu hoffen ein fruchtbar Jahr." Schließlich wollen wir noch das hübsche Merkverslein wieder- geben, mit welchem unsere Altvordern die einzelnen Jahreszeiten neben einander charakteristrten:„Der Sommer giebt Korn— Der Herbst leert sein Horn— Der Winter verzehrt— Was die beiden bescheert." Aha l Wir theilten gestern mit, daß einem hiestgen Polizei- lieutenant die Worte Schillers: „Das Alte stürzt, es ändert fich die Zeit Und neues Leben blüht aus den Ruinen" als auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschafts- ordnung gettchtet schienen. Selbstverständlich sollte gegen diesen Beamten auf dem Beschwerdewege vorgegangen werden. Das hiefige Polizei-Präfivium hat jedoch die Beschwerde gar nicht erst abgewartet, sondern bereits vorgestern am 25. zu Händen des Einberufers, des Metallarbellcrs Herrn C. Prinz, Reichen- bergerstr. 72, das folgende Schreiben gelangen lassen:„Euer Wohlgeboren werden davon in Kenntniß gesetzt, daß ich die auf Grund des§ 9 des Reichsgcsetzes vom 21. Oktober 1878 erfolgte Auflösung der am 24. d. M. in dem Lokale Beuthstr. 20 abgehaltenen öffentlichen Metallarbeiter-VersammlunMür unge- rechtfertigt erachtet und dem mit der Ueberwachung deauftragt gewesenen Beamten dies zu erkennen gegeben habe. Der Polizei-Präfident. v. Richthofen."— Danach scheint also der selige Sch ller noch nicht ganz zu den verbotenen Schttften zu gehören.| Auch I« Köpenick beabsichtigten die Arbeiter. Stellung zu nehmen zu der„Krönung des sozialreformatorischen Ge- Staunend blickte er umher, denn die heiligen Decken und Wände trugen ausnahmslos das Bildniß einer und derselben Frauengestalt: dasselbe Antlitz bei den mit den Palmzweigen gen Himmel emporsteigenden Heiligen, wie bei den auf sie niederlächelnden Engeln; bei der büßenden Magdalena und bei der Madonna deS Altarbildes das gleiche zauberisch schöne Frauenbild. Und daS Antlitz, welches die ganze Kirche füllte, war niemand anders als Rosaura Montalboni. Der Künstler selbst saß auf der Kanzel und ließ den stieren Blick von einem Bilde zum andern gleiten; er erkannte weder seinen Fecund, den Großherzog, noch dessen Begleiter,— er sah nichts außer seinen gemalten Phantomen. Er war wahnsinnig geworden und blieb eS, so lange er lebte. Der Großherzog ließ den Mörtel von den bemalten Wänden schlagen, die Kirche von neuem einweihen und verschloß sie dann, damit Niemand sein Gebet in derselben verrichte. Der Fürst war noch jung, erst zwölf Zahre alt; er wußte freilich noch nicht, welcher Zauber in den Augen de» WeibeS wohnt und daß diesem so schwer zu wider- stehen ist..... Jetzt wurde Rosaura Montalboni zum vierten Mal vor das Bluttribunal gestellt; jetzt wurde ihr aber eine einen Todtenkopf darstellende MaSke um den Kopf gelegt, damit das Strahlen ihrer schönen Augen, das sinnberückende Lächeln ihrer Purpurlippen das Gesetz nicht neuerdings er- schüttern könne. „Bist Du jene schöne Rosaura Montalboni, die durch den Zauber ihres Antlitzes Alt und Jung ins Verderben führt?" DieS ftagte der Richter den Todtenkopf. „Ich bin eS," versetzte der Todtenkopf. Wie dumpf klang der To» unter der dichten Larve hervor! „Ist eS wahr, daß, wer Dich anblickt, durch Deine Schönheit seines Verstandes beraubt wird?" „Es ist wahr," entgegnete der Todtenkopf, das schauer- liche Knochenantlitz zu dem Fragenden wendend. „Kennst Du die Zahl jener, die Deinethalbe» in den Tod gingen, um da» zum Fluch gewordene Leben von sich zu schütteln?" bäudes", dem Alters- und Jnvalidenversorgungsgesetzentwmfe. Dem Einberufer einer diesbezüglichen Versammlung ging jedoch folgendes Schreiben zu: Köpenick, 12. September 1888. Die für Sonntag, den 16. September er., Vormittags 11 Uhr, in dem hiestgen Scheer'schen Lokale ange« meldete Versammlung, in welcher Herr Max Schippe! aus Berlin ein Referat hatten soll, wird auf Grund des § 9 des Gesetzes über die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie hierdurch verboten. Die Polizeiverwaltung. Borgmann. An den Schriftsetzer Herrn Carl Lang 4954 hier. Auch die Genehmigung zu einer gleichen Versammlung mit anderem Referenten wurde rundweg abgelehnt. Beschwerde wurde selbstredend sofort eingereicht Ueber die bei der Attfstellintg der Wahlliste« i» Ketracht kommende Fräs», od diejenigen Personen, welche wegen Krankheit auf städtische Kosten in ein Krankenhaus auf- genommen worden find, a s unterstützt zu betrachten seien, hat am Dienstag unter Vorfitz des Oberbürgermeisters Dr. v. Forcken- deck eine Kommission, destehend aus den beiden Syndicis Zelle und Eberty und vier Stadttäthen, dahin Beschluß gefaßt, daß in jedem einzelnen Falle, wo solche Krankenpflege gewährt wird, untersucht werden solle, ob nach den bestehenden Wahl- und Armengesetzen der Betreffende als unterstützt zu betrachten sei. Ei« origiurller Dieb und Gittdrrchrr haust in Reinickendorf. Dort wurden in den letzten Monaten wiederhott Einbrüche verübt, in der Regel vermittelst Eindrückens von Fensterscheiben. Besonders wurden Restauratwnslokalc hcimge- sucht oder die Speisekeller wohlhabender Leute, doch wurden stets nur Nahrungsmittel in verhältnißmäßig geringen Quantitäten entwendet. Aus den zurückgelassenen Spuren war zu schließen, daß der Dieb fich an Ort und Stelle tüchtig satt aß, wohl auch eine Wurst oder ein Stück Schinken mitnahm, Geld oder Geldes- wetth sonst aber unberührt ließ. Nach längeren Nachforschungen und Beobachtungen ist es endlich gelungen, den Dieb in dem Kutscher eines Arbeitswagens zu ermitteln. Der arme Teufel verfilzt über einen sehr gesegneten Appetit. mit welchem sein Verdienst in keinem Verhältniß steht. Als er ermittelt und von einem Gendarmen zu dem Budiker geführt worden war, den er zuletzt heimgesucht hatte, um demsilben vor- gestellt zu werden, frug ihn dieser, warum er fich nicht an dem ganzen Schinken vergriffen hätte, der in einem Nebenraum lag, ob er denselben etwa nicht gesehen hätte.„Ja, gesehen Hab' ick den Schinken, aber ich bin schon von der Wurst satt geworden, die da lag!" meinte der Dieb. Diese Genügsamkeit rührte den Budiker. Er lehnte es ab, einen Strafantrag zu stellen, sondern sagte zum Diebe:„Ein andermal schlagen Sie mir nicht rrst die Scheiben kaput, sondern da kommen Sie zur Ladenihür 'rein und sagen mir, daß Sie Hunger haben, dann werde ich Sie schon satt füttern!" Diesem Beispiele find auch die übrigen Leute gefolgt, die der Dieb geständlich bestohlen hat, und so kann fich der Kutscher recht oft einmal satt essen, ohne zu stehlen, er besucht seine Kunden jetzt der Reihe nach. Der mit 5000 Mark stüchtig gewordene Hanv- diener Fetta bleibt auch nach seiner nunmehr erfolgten Fest- nähme dabei, daß die Summe ihm gestohlen worden sei, wie er schon vor der Flucht seinem Brotherrn, dem Bauunternehmer Hamann hat glaubhaft machen wollen. Der Diebstahl soll Fetta's Aussagen gemäß auf dem Tönhossplatz erfolgt sein. Aus Angst will er alsdann sofort die Flucht ergriffen haben. Diese Angaben stimmen nun freilich mit den thatsächlichen Fest- stellungen nicht im mindesten überetn. Soweit ermittelt ist, ist Fetta am Tage der Flucht bei einer in der Nostizllraße wohnenden Frau M. gewesen, bei der er er früher gewohnt hat, mit der er auch fortgesetzt in Verbindung gestanden und die er scherzweist „seine Frau" zu nennm pflegte. Zu dieser Frau hatte er schon vorher seine gesammte Wäsche gebracht, bei ihr hat er auch seine bisherige Kleidung mit einem neuen Anzüge vertauscht. Leider ist es dishw noch nicht festgestellt, wo der erwiesenermaßen vor der Unterschlagung völlig mittellose Fetta diesen Anzug fich be- schafft hat. Da man vermuthet, daß Fetta bei dem Kauf eine» der ihm Übergeb nen größeren Scheine gewechselt hat, dürsten Mitthellungen hierüber für den Gang der Untersuchung sehr er- wünscht sein. Vorgefunden hat man bei Fetta nur 32 M., über deren Erwerb er Auskunst geben kann. Auf dem Kahnhofogrbäude der Ktation Alerauder- platz wird augenblicklich eine mit großen Gefahren verknüpfte Reparaturarbeit ausgeführt.„Luftkünfiler" darf man wohl die Arbeiter nennen, welche seit einigen Tagen mit dieser Arbeit, einer Reparatur der stch über dem Bahnhof Alexanderplotz wölbenden Glaskuppel, beschäftigt find. In einer fünf Stock- werke weit übersteigenden Höhe stehen dieselben mit einem primitiven Gerüst, welches dadurch hergestellt ist, daß man Bohlen und Bretter über die Querstangen der Eisenkonstruktion gelegt hat. Um hinauf zu gelangen, werden die Arbeiter einzeln Der Todtenkopf schluchzte. AuS den leeren Augen- höhlen rollten zwar keine Thränen, doch drangen die Töne des Weinens unter den starren Kinübackenknochen hervor. „Rosaura Montalboni vernimm daS vom Tribunal über Dich gefällte Urtheil: „Du bleibst Zeit Deine» LebenS eingeschlossen und abgesondert von allen übrigen Gefangenen. Damit D« aber durch Dein schönes Angesicht nicht etwa Deine Kerker- meister oder deren Vorgesetzte verführen könnest, wirst Du diese TodtenmaSke tragen, so lange Du lebst, auf daß Jeder- mann vor Dir zurückschrecke, der auf Dich blickt und statt der Liebe nur Furcht vor Dir empfinde." Erbleichte Rosaura Montalboni, als dieses Urtheil ge- fällt wurde? zuckten ihre schönen Züge in tiefem Entsetze» darob? zitterten die rosigen Lippen au» Schmerz und Ab- scheu?.... Der Todtenkopf blieb starr und unbeweglich. Neununddreißig Jahre saß Ferdinand von MediciS auf dem Fürstenthron von Toskana;— im«eununddreißigste» Jahre seiner Regierung starb er. Ihm folgte Cosimo der Dritte. Bei seiner Thronbesteigung erließ Cosimo eine allge- meine Amnestie für die in den Gefängnissen schmachtende» Verurtheilten. Es war Sache der Richter, die Akten derselben durch' zusehen, um das Vergehen jedes einzelne« festzustellen und danach zu beurtheilen, ob die Amnestie auch hier Platz Ju greifen habe. Und da fand man eine verurtheilte Frau im®c- fängnisse, deren Vergehen darin bestand, daß sie zu schö" war! Dieses Vergehens willen war sie zu lebensläag- licher Kerkerhaft und zum Tragen einer TodtenmaSke ver- urtheilt. Als man ihr die Larve abnahm, entdeckte man u»*£* derselben ein genau so leichenfahle», verwelktes Gesicht eingefallenen Augen und runzeliger, an den Knochen hastet der Haut, wie die Larve selbst war, die sie trug._ DieS war Rosaura Montalboni, die vor langen, lang� Jahren zu grausamer Buße verurtheilt worden, weil sie ni schön gewesen!" an starken Tauen hinaufgezogen, untemehmen also eine Luft- Jjjhlt, wie fie aufregender kaum im Zirkus zu sehen ist. Jeder Balken wird auf diese Weise hinausbefördert. Es handelt fich rnn eine Auffrischung der Farbe des Eisenwerkes, da die alte starken Rost angesetzt hatte. Zur Sicherheit des Publikums find die Stellen, an denen gerade gearbeitet wird, mit Netzen und Schutzvorrichtungen versehen, welche das Herabfallen irgend eines Gegenstandes unmöglich machen sollen. Es ist natürlich, daß das intereffante Schauspiel stets viele Zuschauer heranzieht, welche die Kühnheit und Kaltblütigkeit der Arbeltenden de- wundern. Da» Keftude« der beiden Gpf-r der Katastrophe »* der Potsdamerftraß» 117, der Frau Schlöjjner unv ihres Neffen, ist leider kein erfreuliches! namentlich giebt der Zustand ves Knaben zu ernsten Besorgniffen Anlaß. In einer sehr üblen Laae befindet fich auch der Portier des Hauses, der Schuhmacher Pflanz, dessen gesammte Habe bei der Katastrophe vernichtet ist. Pflanz ist bei der Union gegen Feuerschaden vcrfichert, die G.sellschaft will jedoch die Katastrophe nicht ohne weiteres als Feuer anerkennen. Die behördliche Feststellung des Thatbestanves wird erst am Donnerstag Nachmittag statt« finden. Zur Zeit hat auf dem Hofe des Grundstücks zwischen den Trümmern ein Glaser seine Werkstatt aufgeichlagen, um die 150 zertrümmerten Scheiben durch neue zu ersetzen. Allein der Glas scharen beläuft fich auf 600 Marl. Die Zeit der Explosion ist inzwischen durch einen besonderen Umstand genau festgesetzt worden. Unter den Trümmern hat man u. a. eine Uhr gefunden, deren allein intakt gebliebenes Zifferblatt genau sechs Min ten vor 8 Uhr zeigt. Wie gewaltig übrigens die Explosion gewesen, dafür seien noch einige Beichiele angefühlt. Ein 14 Pfund schweres Stück der Aspball-Bedeckung des Hofes ist in ein Berliner Zimmer des zweiten Stockes geschleudert worden. Andere Stücke haben in die Dachrinnen des vier« stockigen Gebäudes Löcher geschlagen. Ein Stück Mauerwerk bat im zw iten Stock ein Fensterkrcuz vollständig zersplittert. In der Decke der Küche der Portierwohnung sieht man noch jetzt eine Kaffeemühle stecken, deren Schale völlig intakt ge- blieben ist. 41**1 Ihrflf MtH. hrtfi hj»r hrmt 1 R h?I? Kiuulo« fchnrUe« Fahren ist vorgestern Abend einem Schlächler selbst vcrhängnißvoll geworden. Gegen 8 Uhr raste nn mit einem Pferde bespannter Schlächterwagen über den Schloßplatz. Ein Steinfuhrwerk, welches in derselben Richtung fuhr, schien dem Lenker des Fleischwagens unbequem, so daß er fem Pierd ,u noch größerer Eile antrieb, um im Bogen an dem fahrenden Wagen vorüderzubiegen. Bei dieser zu kurzen Wen- buvg stürzte aber das Schlächtcrpferd und zwar so in nächster Nahe des Steinwagens, daß ihm ein Rad desselben über den unken Borderfuß wegging und denselben nahezu vom Bein ab- trennte. Eine große Menschenmenge sammelte fich um das ge« fallene Tdier, bei welchem der Schlächtcrgesclle nunmehr techt kleinlaut verharrte. Das verunglückte werthvolle Pferd wußte der Abdeckerei überwiesen werden. Dem Gesellen bürste kein angenehmer Empfang bei seinem Meister gewor- bcn sein. Eine neue Körst, auf welcher entschieden am stärksten «Gehandelt" wird, ist vor einigen Wochen in der Kastanienallee pegründet worden und erfreut sich trotz ihres kurzen Bestehens berrits eines recht„starken" Besuches. Die Umsätze, die daselbst Gemacht werden, belaufen fich auf Hunderte von„Pfunden", Und die bedeutendsten Börsenmatadore find diejenigen Besucher, welche am besten„drücken" können. In der Tdat find unsere »starken Männer" zu einer Böcsenvereinigung zusammengetreten, b e mehrere Male in der Woche in einem Restaurant der Kasta- Wenallee stattfind-t. Es handelt fich für die professionellen »Zwei Zentnei männer" darum, zur Saison Engagement zu »aden, welches ifamn durch Agenten noch der Provinz vermittelt wrrd. Handwerkszeug, wie Hanteln, Stangen und Gewichte von Eisen befinden sich auf einem kleinen Podium in der Ecke des Saales, woselbst gleichzeitig Kraftproben abgebalten werden. Natürlich richtet fich der Preis des Engagements-Honorars nach bcn Zentnern, welche der Betreffende zu heben vermag, während beim Ringkampf die Zahl der zu machenden„Gänge" ent- scheidet. Zur Wetterlage wird aus Hamburg, 25. September, geschieden: Die freundlichen Herbsttage find trotz der zeitweisen Vernichtung des Gebildes hohen Luftdruckes noch nicht vorüber! Venn abermals entwickelt fich im Rücken der westwärts wandern- rss nordischen Depression hoher Barometerstand. Während der Meren, ruhigen Tage zogen vielfach Zirruswolken aus nord- v'fircher. östlicher und hernach ostsüdöstlicher Richtung. Mit der Ausbreitung des Dcoressionsgebietes bis zur mittleren Ostsee vmab erschienen am Montag Nachmittag auch Zirruswolken aus Der Barometer war 10 Millimeter gesunken, zeigte aber £°ch über normal und stieg beute, am Dinstag, bei«olkigem Detter wieder bedeutend. Ein neues Gebiet hohen Druckes von Schottland nordwestwärts vor. Die von diesem j�uckgebilde ausgehenden nördlichen Winde veranlassen gerade Ust niedrige Nachltemperatur, um so mehr, als im Norden kalte j$>nde geweht haben und in Finnland die Morgentemperatur * unter Null binadgegangeu ist. * Wemaß de» Nerösf»»tiich«ng»« de» KaistrUche« ?»s»»dheit»-Amt« find in der Zeit vom 9. bis 15. Scp- e5">bcr«. von je 1000 Bewohnern, auf den Jahres« »schürst berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 21,9, IssBreslau 26,2, in Königsberg 33,3, in Köln 26,3, in Frank« M. 14,3, in Wiesbaden 26,8, in Hannover 23,2, in M 20,9, w Magdeburg 26,2, in Stettin 24,1, in Altona 27''« in Straßburg 19,3, in Metz in München 9% in Nürnberg 23,3, in Augsburg 26.7, in �den 20,5, in Leipzig 17,8, in Stuttgart 14,1, m Karls« i'-ö, <>as-r" �"'i'uvuni«",>«»«••-v.-iiv....--------... h,«..77.''n London 16.2, tn Glasgow 16.8, in Liverpool 19,9, ,19;4' in jbinburp 13,9, in Kopenhagen 21,0, in in 15,5, in Christianra 19,9, in St. Petersburg 23,6, Marschau 35,1, in Odessa 23,3, in Rom 27,0, in Turin Lebenden starben, aufs Jabr berechnet, in Berlin 119, in München 133 Kinder unter 1 Jahr.— Akute Entzündungen der Athmungsorgane kamen allgemein etwas seltener als Todes» Ursachen zur Meldung.— Von dm Infektionskrankheiten wur« i den an Masern, Scharlach und Diphtherie weniger, an tvphösm ' Fiebern, Keuchhusten und Pocken mehr Todesfälle zur Anzeige gebracht als tn der Vorwoche.— Sterbefälle an Masern haben in Berlin, Hamburg, Paris, St. Petersburg adgenommm, in London blieb die Zahl derselben fast die gleiche; auch Erkrankungen kamen aus den meistm Orten, aus denen Berichte vor« liegen, in aeringerer, nur aus Berlin und Breslau tn gesteigerter Zahl zur Meldung. Das Scharlachfieber hat in Danzig, München, Mannheim, St. Petersburg nur wenig, in Wien, Warschau, London etwas mehr Todesfälle hervorgerufen. Erkrankungen warm jedoch in Berlin, Breslau, Wien, Petersburg zahlreicher, in Hamburg und Kopenhagen ein wenig sestener als in der Vor« woche.— Die Sterblichkeit an Diphtherie und Kroup hat in Berlin, Breslau. München, Braunschweig, Kassel, Prag, Pest, Kopenhagen, Paris, St. Petersburg und Christiania adge« nommen: fie war dagegen in Dresden, Hamburg, London, Wien, Warschau, Odeffa gesteigert. Erkrankungen wurden viel« fach tn größerer, aus Berlin, Hamburg und aus dem Regierungsbezirk Schleswig in geringerer Zahl mitgetdcist.— Todesfälle an Unterleibstyphus waren in Berlin und Hamburg selten, in Königsberg. London, St. Petersburg häufiger, in Paris in gleich hoher Zahl wie in der Vorwoche. An Fleck« .typhus kamen aus St. Petersburg und aus dem Regierungsbezirk Marienwerder je 1 Erkrankung zur Mistheilung.— Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut kamen meist in geringcr Zahl zur Anzeige.— Der Keuchhusten hat in Berlin weniger, in London, Liverpool fast die gleiche Zahl von Kindern wie in der Vorwoche weggerafft. Erkrankungm haben in Hamburg und Kopenhagen abgenommen.— Vereinzelte Todesfälle an Pocken wurden aus Wien und seinen Vororten, ferner aus Lemberg, Paris, Lyon, St. Petersburg mitgetheilt, mehrfache aus Prag(3), aus Warschau(4). E krankungen kamen aus Breslau und aus dem Regierungsbezirk Stettin je 1, aus Berlin 3, aus dem Regierungsbezirk Königsbe g 10 zur ' Ae sanitären Verhältnisse in Berlin waren auch in dieser Bericht woche günstige und die Stcrdlichleit eine geringere als in der Vorwoche. Doch blieb das Vorkommen von Darm« katanhen und Brechdurchfällen der Kinder noch immer ein häu- fizes, wenn auch die Zahl der»Opfer an diesen Krankheitsformen eine etwas kleinere als in der Vorwoche wurde. Die Betheili« gung des Säuglingsalters an der Sterblichkeit blieb eine größere. Etwas sestener als in der Vorwoche kamen akute Entzündungen der Athmungsorgane zur Beobachtung, der Verlauf war auch in dieser Woche ein überwiegend günstiger. Dagegen gelangten etwas mehr Erkrankungen an infektiösen Krankherten zur An« zeige, und zwar haben Masern(besonders in Moabit) und Scharlach(im Stralauer Viertel) die meiste Ausdehnung ge« wonnen, Erkrankungen an Diphtherie dagegen etwas abgenommen. Erkrankungen an Unterleibstyphus und im Wochenbett wurden gleichfalls etwas mehr als in der Vorwoche gemeldet, sowie drei Erkrankungen an Pocken. Roscnartige Entzündungen des Zell« gewebes der Haut kamen etwas häufiger zum Vorschein, während Erkrankungm und Todesfälle an Keuchhustm seltener wurden. Rheumatische Beschwerden aller Art wiesen im Vergleich zur Vorwoche keine wesmtliche Veränderung in ihrem Vorkom« mm aus. Polizeibericht. Am 25. d. M. Vormittags wurde in der Strelitzerstraße ein Mann krank auf dem Bürgersteige liegend vorgefunden und mittelst Droschke nach der Charitee gebracht. — Nachmittags wurde in der Bülowstraße ein 7 Jahre alter Knabe durch eine Equipage überfahren und am Kopf und an der Schulter verletzt.— Gegen Abend wurde ein Kaufmann in seiner Wohnung in der Metzerstraße erhängt vorgefunden.— Um dieselbe Zeit wurde im Flur des Hauses Chauffeestraße 5 ein etwa 10 Monate alles Kind ausgesetzt vorgefunden.— Zu gleicher Zeit wurde in der Bluwenslraße ein 78 Jahre alter Schneider durch einen von dem Kutscher Georg geführten Wagen erfaßt und niedergestoßen. Er erlitt einen Bruch des linken Unterarms.— Abends feuerte ein obdachloser Handelsmann in der Nähe der Kreuzung der Siegesallee und der Ebarlottmburger Chauffee aus einem Tcrzerol eine» Schuß auf fich ab. Da er die Waffe jedoch nur mit Pulver geladen hatte, wurde er nicht verletzt, sondern verbrannte sich blos die Kleider. Offenbar wollte er nur das Mitleid Vorübergehender erregen.— Um dieselbe Zell sprang an der Oderbaumbrücke ein 18 Jahre altes Mädchen in selbstmörderischer Absicht ins Waffer, wurde aber »..c— w---- l-- � Böhmer, Baurath Krause, Prof. Dietrich, Prof. Koch, Bau» inspektor Klattmann, Regierungs-Baumeister Komen, Bauunternehmer Schulz, Maurermeister Mentzel, Maurermeister Betge und Zimmermeister Naßt. Der Hospital- Neubau umfaßt viele Gebäude auf einem Terrain von 200 Meter Brette und 160 Meter Tiefe. Das Siechenhaus besteht aus einem Haupt« und zwei Flügeldautm, von denen das nördliche mit seiner Nord» front nach der Prenzlauer Chaussee zu liegt. Diese sstordfront ist durch drei Risalite, eins in der Mitte, zwei an dm Flankm, unterbrochen, die beiden Zwischenstücke der Fagade find etwa 20 Meter lang und an dem rechtsseitigen, nach der Stadt zu gelegenen Zwischenstück ereignete fich an dem gmanntm Tage das furchtbare Unglück. Es wurde zu jener Zeit das Dach der Neubauten mit einem Tcrrakotta-Sim« um- geben. Auf dem an der Prenzlauer Allee gelegenen Neubau, welcher ein sogenannter Hospital-Pavillon werden soll, war eine An» zahl Maurer unter Leitung des Architekten Dahn und des Maurerpoliers Porst auf einen abgesteiftm Gerüfi beschäftigt, um das Hauptgefims, mit dcffen Herstellung man an dem rechts- fettigen Risalite begonnen hatte, an dem gedachten Gedäudetheil fortzusetzen; es desteht unten aus Rundbogen mtt dozwischm liegenden farbigen Rosetten, Konsolen, der Platte und einem Rtnnleisten mit Äkroterien. Die Gefimstherle, die in Längen von etwa 25 cm. und eben solchen Höhen aus gebranntem Thon angefertigt sind, haben nur dünne Wandungen und wer» den mit einander und mit dem Mauer» und Holzwerl verankert. Das etwa 1 m 75 cm hohe WMKWW sr«."?iuuiuö Giften ich keil hol auch in dieser Berichtswoche in den 5>eld°n �roßstadtm Europas etwas abgenommen. Insbesondere de« deutschen Oitm die mittel-, nord- und west- tichkeit«»« � kleinere, die süddeutschen vielfach größere Sterd« Sehr gering(bis 15,0 pro Mille und Jahr be« war-~■__ i Snl1 EkiTir vw.»»eioumitu...»....,-----„— i-lpzln mur8 5 Künftig(bis,0 pro Mille und Jahr) in Altona, Rt"iterb,im«"I1' Elberfeld, Bremen, Karlsruhe, Straßdurg, s?:®blen i, QU' P°ris, London und den größeren englischen Merlin Chiisiiania, Venedig u. a.£)., auch in L?r Kassel. DarmstM, Wim, Prag, Kopenhagen ?'lle)! chkeit eine mäßig hohe(etwas über 20,0 pro beuu* Sterblichkeitsziffern(über 35,0 pro Mille) werden »%i(a)nÄt Städten nur aus Chemnitz gemeldet. Obwohl fs£0,nincn t!e..un* Brechdurchfälle der Kinder sehr erheblich ab- {.Ü« NO* fl cn' war die Zahl der durch fie bedingten Sterbe- zyNiburn an?1" ei"{ große, namentlich in Berlin, Breslau, . P----- Ktrab« rucaocyen rn ieroiin.ocoeri>cyer Avstcyl ms Wasser, wurde aber auf sein Hilferufen durch einen Schiffer wieder herausgezogen. — An demselben Tage brannte Frankfurter Allee 95 Ruß im Schornstein— und Madaistraße 8 Decke und Dach über einer im Bodenraum belegenen Waschlüche. Gerichts-Ieiwus. * Mit einer strengen Strafe ahndete die 89. Ab» theilung des SchöffengerlchlS die Rohheit, welche der Schneider Emil Heinze in der Nacht vom 8. Juni verübte. Der Stein« drucker Renno ging in dieser Nacht mit zwei seiner Kollegen durch die Wallstraße, wo fie einen Trupp junger Leute bemerkten, welche fich mit allerhand Unfug die Zeit vertrieben. Schließlich vergnügten fie fich mit dem Herablassen der Mar« q uisen vor den Schaufenstern, was den Renno zu einer ab« fälligen Bemerkung veranlaßte. Als ein Wächter sichtbar wurde, machte Renno diesem von dem Treiben der Gesellschaft Mit« theilung, worauf die Ruhestörtr, welche den Vorgang beobachtet hatten, unfichtbar wurden. Während nun einer der Kollegen fich verabschiedete, setzten Renno und der andere Kollege ihren Weg durch die Wallstraße fort. An der Splittgcrbcrgasse tauchten plötzlich die dezeichneten Burschen wieder vor ihnen auf und zwei davon stürzten mit dem Rufe: Da ist ja der Hund! auf Rmno zu und schlugen ihn mit ihren schweren Drahtslöcken mehrmals über Arm und Kopf, daß dasjBlut sofort herabströmte und der Verletzte eine große Kopfwunde davontrug. Der Geschlagene hatte glücklicherweise Geistesgegenwart genug, dm vauptschlägcr festzuhalten und nach Hilfe zu rufen, die ihm auch durch den hinzucllenden Wächter zu Thett wurde. Der bei der Thal ertappte Heinze will fich den schweren Stock nur beschafft haben, werl er schon öfters auf dem Nachhausewege von Strolchen angefallen sei; das sei ihm auch in der betreffenden Nacht so ergangen und deshalb habe er fich mit dem Instrument wehren müssen. Durch die Zeugenaussagen wird diese Be» hauptung vollständig widerlegt und der Staatsanwalt beantragte ____ a j.» a w__ 511>.--*"'<■• VUMssUIVWiy*••»*» VVV W*UV4>.................— O" angefichts der Rohheit, welche der Angeklagte fich rein zu seinem Privatvergnügen geleistet habe, eine Gesängnißstrafe von vier des 22. August v. J. auf dem städtischen Hospttal« Neubau an der Prenzlauer Al�e ereignete und ein entsetzliches Kavttel in der Berliner Baugeschichte dttdet, unterlag gestern der Prüfung der III. Strafkammer hiesigen Landgerichts 1 in einer umfang« reichen Verhandlung. Auf der Anklagebank nahmen Platz: der sä rairtf x»» r»« irÄSftSteSx hat einen Anhaltspunkt an dem bereits fertig ge» stellten Dachstuhl(Drempel), besonders an den Stielen desselben: der Hauptstützpunkt aber liegt auf dem fertigen Mauerwerk. Am 22. August hatte man nun den Aufbau dieses Gesimses bis zu der„Platte" fertig gestellt und auch schon die Kalkkastm auf das oberste Gerüst, auf den Dachsparren, zur weiteren Auf» sübrung geschafft, als plötzlich ein 15 Meter langes Terrakotta» stück sich vom Dach loslöste, mit lautem Krachen auf das Gerüst herabstürzte und das letztere zusammenbrechen machte. Ein furcht» barer abermaliger Krach und herzzerreißendes Wehgeschrei zeigte an, daß es fich um eine furchtbare Katastrophe handelte. Den zur Hilfe herbeieilenden Menschen bot fich ein entsetzlicher An» blick dar: aus einem wüsten Chaos von zusammenzedrocheven Balken und herabgestürzten Mauersteinen lagerten zuckende Kö per und die herabgestürzten neun Personen konnten nur nach Ueder- windung der größten Schwierigkeiten aus den Trümmern hervorgezogen werden. Sechs der Verunglückten waren sofort tost. einer starb auf dem Transport nach dem Krankenhause, einer am nächsten Tage und nur der Archrtett Dalm ist trotz der er- littenen schweren Verletzungen wiederhergestellt worden. Nach den angestellten Ermittelungen ist das Unglück dadurch ent, standen, daß das als Haupt-Stützpuntt dienende Mauerwerk. welches 38 Zentimeter stark projektirt war, nur in einer Stärke von 25 Zentimeter ausgeführt worden war. Es fehlte nämlich auf dem Bauplatz an Verblendsteinen, die oberen Schichten des Mauerwerks waren daher noch nicht verblendet und bildeten aus diesem Grunde nur eine ungenügende Grundlage für das Kefims, welches infolge dessen nach vorn überkippte. Ein weiterer Grund wird darin gesehen, daß eine Verankerung mit dem Holzwerk des Drempels noch nicht stattgefunden hatte, die Gr» fimsstücke also, nur unter fich verankert, frei in der Luft standen und daß schließlich das unten noch nicht verblendete Mauerwerk noch durch die Netzriegel der herausgesteckten Rüstung geschwächt war. Zu der Größe des Unglücks soll auch der Umstand deigc» tragen haben, daß das Gerüst gefedert hat. Für die Katastrophe werden nun die beiden Angeklagten verantwortlich gemacht. Der Angeklagte Siber hatte die Erd« und Mauerardetten im Wege der Submisfion von der Stadt übertragen erhalten. die Lieferung des Materials erfolgte aber durch die städtische Bauverwaltung. Oderleiter des t Baues war der Angeklagte Hiller. Siber bestreitet, daß die Verantwortung für das Unglück ihm aufgebürdet werden könne. Er detont, daß er bei dem großen Umfang des Baues unmöglich überall persönlich die Aufficht führen konnte,'sondern durch zwei Architekten darin unterstützt wurde. Es habe stark an Verblendmaterial gefehtt. Nach der ihm gewordmen Anweisung sollten Drempelwand und Brandmauer nun hochgemauert werden und es wurde ihm ge- sagt, daß inzwischen wohl Verblender angekant werden würden. Die von Kunheim am 11. August erwarteten Steine seien aber erst am 13. August angekarrt worden, die Wand war jedoch an diesem Tage schon fertig. Er bade vor Aufführung des Gefimscs Gelegenheit genommen, dem Bau- �meister Htller Vorstellungen zu machen, ob nicht eine andere Konstruktion der Drempelwand vorzuziehen sei, er habe aber die Antwort erhalten,„daß es genau berechnet sei und halten müsse". Er habe fich infolge dessen der höheren technischen Kmntniß des Baumeisters gefügt und trotz des Fehlens der Verdlendschichten das Mauerwerk aufgeführt. Ein nachträgliches Einfügen der am 13. August auf der Baustelle eingetroffenen Verblendsteine sei unmöglich gewesen, da das Mauerwerl an der Unglücksstelle schon am 13. August vollendet war und bis zum 20. August die Arbeiten an anderen Stellen des umfangreichen Baues fon» geführt worden waren. Der Angeklagte Hiller destteitet seiner- scits, daß es seine Aufgabe gewesen sei, auf die Thätig» keit der Bauaussührenden selbst und die allgemeine Sicherheit der Arbeiten zu achten. Er habe in erster Reihe darauf zu sehen gehabt, daß die Rechte des Bauherrn gewahrt und die Verträge erfüllt, daß die Materialien richtig abgeliefert wür» den rc. Wenn er irgend welcke Maßnahmen gesehen haben würde, welche ihm gefährlich erschienen, hätte er aus Humani» tätsrücksichten selbstverständltch darauf aufmerksam gemacht. Er behauptet, daß für die einzelnen Bauausführungen und die Stcyerheitsmahregeln allein der Unternehmer verantwortlich sei. Er bestreitet, daß er dem Mitangeklagten in der von diesem dargestellten Weise Jnstruttion zum Aufmauem ohne Verdlcnd- steine ertheilt habe. Dies beweise schon der Umstand, daß er an anderen Stellen des Baues die Anweisung er- theilt habe, die fehlenden Verblender interimistisch durch Hintermauerung von Ziegelsteinen zu ersetzen. Er gestehe ein, daß er das Fehlen der Verblendjieine an der Unglücksstelle nicht bemerkt habe, was fich vielleicht daraus erkläre, daß das Gerüst die Stelle verdunkelte. Er habe aber als seldstoerständlich angenommen, daß die Arbeiten nach dem vorliegenden Projekt ausgeführt wurden. In der Dar» stellung der dem Unglückstage vorangegangenen technischen Maß- regeln gehen die beiden Angeklagten weit auseinander; speziell behauptet Siber, daß Baumeister Hiller die interimistische Hinter- mauerung gar nicht angeordnet habe, diese Maßregel vielmehr von dem Polier wahrscheinlich auf eigene Faust angeordnet sei. Siber bleibt im übrigen dabei, daß er seinerseits, gestützt auf die Autorität des Mttangeklagten, die Aufmauerung ohne Verblender durchaus nicht für; gefährlich erachtet habe. Auf die Frage des Vorsttzenden, ob er fich denn nicht für verpflichtet gehalten habe, einmal an der fraglichen Stelle vom Gerüst aus den Stand der Bauarbeiten zu konttoliren, antwortet der Angellagte Hiller, daß er nicht sagen könne, ob er einmal oben war, jedenfalls sei er der Anficht gewesen, daß die Aufmauerung unter Beobachtung der üblichen unv gebotenen Vorfi»tsmaßrcgcln geschehe.— Hierauf beginnt die Beweisaufnahme. Dieselbe erstreckt fich vorwiegenv auf technische Einzelheiten und Feststellung derjenigen Fehler, die etwa in den Dispositionen bei der Bauausführung gemacht sein können. Der Techniker Thomas, welcher bei dem Angeklagten Siber beschäftigt war, schildert den Mangel an Material aus dem Bauplatz als ernzig in seiner Art. Nach seiner Darstellung Härte der Baumeister Hiller in dem Augenblick, als das Verdlend« Material zu Ende ging, angeordnet, daß mit den noch vorhan» denen Steinen zwei Schichten unterhalb des Gefimscs ausgestteckt werden sollten, sonst sollte aber ohne Der» blendung gemauert werden. Der Archttett Dalm. welchem von Hiller die Materialienverwaltung und die Aufficht über die beiden Pavillonbauten übertrage» worden war, ist selbst mit in die Tiefe gestürzt und hat volle «ht Wochen zur Wiederherstellung seiner Gesundheit gebraucht. Im Gegensatz zu dem Vorzeugen ist er der festen Meinung, daß vor dem Unglücksfall schon von Hillcr die generelle An» Weisung ergangen sei, die fehlenden Verblendsteine einstweilen durch Hintermauerungssteine zu ersetzen, damit in dem Bauwerk die nöthige Stabilität hergestellt werde. Die Widersprüche in diesen beiden Zeugenaussagen könnm auch nicht dehoben wer- den.— Mehrere Maurer, welche gleichfalls an der Unglücks statte gearbeitet haben, bekunden, daß die Arbeiter schon vorher in der Frühstückspause die Möglichkeit eines demnächst eintretenden Unfalls besprochen haben, weil die Ver- dlendung fehlte und die Verankerung mangelhaft gewesen sei. Die Zeugen meinen aber offenbar den Drempelanker, welcher eventuell von der städtischen Behörde hätte angebracht werden muffen. Nach der Behauptung des Angeklagten Hiller wird ein solcher Drempelanker aber in der neueren Baukunst als ent- behrlich, ja, als ein technischer Unstnn detrachtet.— Der Polier tköhler, welcher das Verwaltungsgebäude speziell unter stch hatte, sagt aus, daß auch dort Verblendsteine gefehlt hätten. Während ihm früher Hiller gesagt habe, daß er die Ver- blendsteine nicht aussperren solle, habe ihm Dalm den Rath ertheilt, ohne Verblendsteine zu mauern, was er aber nicht gethan habe.— Bauin speftor tzaack, zu deffen Oderleitung auch dieser Bau gehört, bestätigt, daß die hiller'schen Entwürfe von der Bauzerwaltung geprüft und von der PolUei genehmigt worden seien. Er seinerseits habe sofort bei der B fichtigung der Unglücksstätte unmittelbar nach dem Unfall die volle lleberzcugung gehabt, daß in der mangelnden Verblendung die Ursache zum Umsturz d.r Mauer gesucht wer- den müffe.— Einige Entlastungszeugen, welche die Wahrschein- lichkett näher rücken sollen, daß in dem Augenblick des Einsturzes zwei Maurer auf dem Mauertheile gestanden und die ausge« rechnete Last übermäßig vermehrt hätten, wissen in dieser Be- ziehung nichts anzugeben. Als erster Sachverständiger wird der Regrerungsbaumcister Böhmer vernommen. Er ist fünf Stunden nach der Katasttophe auf der Unglücksstelle eingetroffen. Das Mauerwerk sollte kon- struttionsmäßig eine Stärke von 38 Zentimetern haben, durch das Fehlen der Verblendung war es aber nur 25 Zentimeter stark. Als Ursache des Unglücks steht der Sachverständige das Fehlen der Verblendung an, wozu noch in zweiter Linie das Vibriren des schweren Gerüstes kam. Man hätte jedenfalls andere Vor stchtsmaßregeln anwenden können, sei es durch Absteifung derMauer oder durch Auffübrung eines provisorischen Mauerwerks, welches wieder weggestemmt werden konnte, wenn die Verblendung eingesetzt werden sollte. Das Auge des Technikers mußte sehen, daß die Wand, wie fie war, die Last nicht zu tragen vermochte. Was nun die Frage der Verantwortlichkeit betreffe, so halte er die Wichten des leitenden Regterungsdaumeisters für weit- gehender als die des Unternehmers. Zu verkennen sei aller- Vings nicht, daß der in Frage kommende Bau ein außer- ordentttch umfangreicher gewesen sei; falls die Aufführung für Rechnung des Staats geschehen sei, würden wahrscheinlich vier verantwortliche Baumeister angestellt worden sein. — Baurath Krause tritt im Wesentlichen dem Gutachten des Vor-Sachverständigen bei. Zweifellos sei das Fehlen der Verblendung Schuld an dem Unglück.— Bauinspcltor Haack weist darauf hin, daß es Pflicht des Untclnehmcrs gewesen wäre, in dem Augenblick, wo die fehlenden Steine angelangt waren, sofort, ohne Rückficht auf die Kostm, die Verblendung nachzuholen.— Bau- Rath Sönderop: Das Fehlen der Verblendung sei ein grober bautechnischer Fehler, denn dadurch sei der Schwerpunkt des Gestmses außerhalb der Linie derselben gefallen. Der Schwer- punkt sei aber nur in sehr geringfügigem Maße über- schrttten. Er glaube, daß noch anderweuige Veranlassungen hinzugetreten seien, nämlich eine fehlerhaste Konstruktion des Gerüstes und der Umstand, daß die Binder des Daches bei der Höhe der Drempelwand und der Länge derselben gar nicht verankert waren.— Prost ssor Koch hält es für unmöglich, daß ein kettender Baumeister bei einem so umfangreichen Bau jeden Augenblick sein Augenmerk auf solche Einzel- Heiken richten könne: das sei Sache seines Bauführers und des ausführenden Maurermeisters. In dem von letzterem mit dem Bauinspekior abgeschlossenen Kontrakte stehe, daß bei einem Fehlen von Verblcndsteinen die interimistische Vollendung durch Hintermauerungssteine stattfinden solle, und der Maurermeister hätte von den kontrakttichen Bestimmungen grr nicht abweichen dürfen, ohne den Bauinspektor zu fragen. Auf die übrigen Sachversläirdtgen wird allsettig verzichtet.— Der Staatsanwalt hält es für zweifellos, daß das leichtfertige Borgehen beider Angeklagten die Schuld an dem furcht- daren Unglück trage und glaubt, daß beide mit gleichem Maße zu messen seien. Wenn der Angeklagte Siber außer diesem Riesenbau gleichzeitig noch ein anderes großes Bauunter- nehmen führte, so könne er fich damtt keineswegs entschuldigen, und was den Angekl. Hiller betrifft, so sei derselbe in der That sehr überlastet gewesen und dadurch vielleicht bewogen worden, manches auf die leichte Achsel zu nehmen. Der Staatsanwalt beantragte mit Rückficht auf die schweren Folgen des Unglücks- falls je neun Monate Gefängniß.— Stach längeren auf Freisprechung gerichteten Ausführungen der Vertheidiger er« folgte um 6% Uhr das Urthcil, welches beide Angeklagte im Sinne der Anklage für schuldig erklärt und zuje 6 Monaten Gefängniß vermtheilt._ Keipzig, 26. Sepiember.(Sozialisten prozeß.) Der U. Straf- senot des Reichsgerichts verwarf heute die Revifionsbeschwerde der Sozialisten I o ch e m und Genoffen in D a n z i g, welche dort wegen„Geheimbündelei" zu 1 bis 3 Wochen Gefängniß ver- eilt waren. Die„geheime Verbindung", welcher die Ver- eisten angeblich angehörten, soll bei der letzten Reichstags- in Dan, ig die Wahl Jochem's angesttebt haben. fMiale««» Arbeiterbewegung Zleber tritt za de« freie« Ailfsbassen. Jeder Ardeiter lann den zentralifirten Hilfelaffen beitreten, wenn er unter 45 Jahre alt und bei seiner Ausnahme gesund ist, sobald er sein e Arbeitsstelle wechselt. Der Unternehmer, den « verläßt, meldet ihn bei der Ortslaffe ad. Der Arbetter kann nun hingeben und fich das Buch der zentralifirten freien Hilfs- Krise erwerben. Wenn er dann bei einem anderen Unternehmer «Uber Arbett erhält, braucht er nur das Buch vorzuzeigen und et wird dann nicht zur Ortskrankenkaffe angemeldet. Wer in fester Arbeit steht und darin bleiben, aber doch aus der Ortskasse aus und zur zentralifirten freien HUfskasse über- trrtm will, der kann dies nur am Z. Januar eines jeden Jaiires thun. Er muß aber drei Monate vorher seine Abficht dem Vorsteher der Ottstaffe anzeigen. Dies geschieht am besten durch erngeschriebenen Brief, der m, den Vorsteher, aber mit Angabe von dessen St amen gerichtet ist, nicht etwa blos an den Vorstand der Ortskasse, denn solche eingeschriebene Briefe ohne Namen bändigt die Post nicht aus. Man schreibt also: An den Vorstand der Ortskrankenkaffe der...... Herrn...... Ich will vom 1. Januar k. I. ad nicht mehr zur Otts- A-nkenkaffe gehören, sondern in eine zentralifirte freie Hilfskasse finta&n. ____(Ort) den.. ten.... 1888. Namensunterschrift........ Arbeitet bei Herrn........ Nummer des Kassenbuches... Diesen Brief muß man spätestens am Freitag, den 28. September d. I. zur Post geben.. Wer will, kann diese Kündigung auch mundlich bis Sonn- abend, den 29. September d. I., anbringm. Er erhält aber in der Regel einen Anschnauzer mit als Zugabe. Ist die Kündigung rechtzettig geschehen, so muß der Ein> tritt in die frew Hilfslasse in der letzten Dezemberwoche spätestens geschehen, damit das ausgefüllte Buch der freien Hilfs (äffe beim Antritt der Arbeit im Jahre 1889 in den Händen des Ardeiters ist; sonst gitt die Kündigung nicht, und er muß noch ein Jahr der Ortskrankenkaffe angehören. Wer nicht in Arbett ist, braucht, wie schon gesagt, nicht zu kündigen. Also auf, Ihr Ardeiter, haltet Eure eigenen Kassen, die zentralifirten freien Hilfskassen doch! Ihr zeigt dadurch, daß Ihr für Eure Selbstständigkeit, für Euer Recht, für Wahrhett und Menschenwürde der Arbeiter einzustehen be> reit seid._ Pereine nnd Kersamminnsen. Gin« öffentlich» Schutzmachee- Versammlung tagte am Montag, den 24. d. M., im„Louifenstädtischen Konzertbaus", Alle Jakodstr. 37. Auf der Tagesordnung stand: Der Schuh macher-Kongreß zu Weimar. Delegirtenwahl. Herr Klinger leitete die Verbandlungen durch ein R-ferat ein, in welchem derselbe die Schwierigkeiten, welche heute jeder Organisation, hauptsächlich einer Zentral- Organisation von Seiten der Behörde gemacht werden, hervorhob. Redner ist der Anficht, daß überall da, wo Zentral- Organisationen bestehen können, dieselben in erster Linie hochgehalten werden müssen, wo dies nicht möglich, möge man für lokale Organisation eintreten. Betreffs des Fachl dlatts äußerte fich derselbe dahin, daß dasselbe fich nicht in einer Hand definden dürfe, wett es dann leicht gemißdraucht werde. Die Kollegen müßten einen Einfluß darauf ausüben können. Außerdem müffe es aufklärende Artikel bringen. Herr Metzncr: Die Frage, die uns heut beschäftigt, ist hauptsächlich die, wie die Organisation der deutschen Kollegen am besten und stärksten gestaltet werden kann. Redner erklärt stch für Zentral- Organisation: möglich sei dieselbe, denn es lägen bereits gerichtliche Erkenntmffe vor, welche die denselben berei tcten Schwierigkeiten beseitigten. Betnffs des Fachblattes be kämpfte Redner jede Reform desselben, wie sie vom Referenten vorgeschlagen war. Der Vorfitzende, Herr R. Baginski, erwidert dem Redner, daß lokale Organisationen nicht so sehr von po4> zeilichen Maßregelungen verfolgt seien als zentrale. Gesetzlich wäre ja das eine wie daö andere erlaubt, aber wenn die Polizei eine Vereinigung vernichten wolle, ohne fie aufzulösen, verbiete fie einfach alle Versammlungen, wie es seiner Zeit mit der hie- figen Filiale des Vereins deutscher Schuhmacher geschah. Herr Süßmaier spricht fich gegen Zentralorganisation aus, lritiflrt das Verhallen des Fachdlattes, welches bei seiner heutigen Schreib- weise nur Korruption in die Kollegenkreise trage, anstatt aufzu- klären. Wetter wendet fich derselbe gegen obligatorische Einfub- rung des Fachblattes in seiner bcutigen Gestalt und empfiehll eine in diesem Sinne von ihm eingebrachte Resolution. Herr M. Baginski legte klar, daß bei den Verfolgungen, welchen eine Zentralorganisation von Seiten der Behörden ausgesetzt ist, eine solche unmöglich oder, wie bei den Buch- druckern, nur als ein königlich preußischer Gewerloerein möglich sei. Doch sei, wo es ohne das Prinzip zu opfern möglich wäre, dieselbe hochzuhalten. Das Schiedsgericht müffe beseitigt werden, da Stre.ks nicht von einzelnen Personen gemacht oder verboten werden können. Ebenfalls kritifirt derselbe die korrumpirende Schreibweise des Fachblattes. Herr Papke ergeht fich in längeren, mißfällig aufgenommenen Ausführungen über den hüfigen Schuhmacherstreik, vettbeidigt das Fachblatt, spricht fich für Zentralisation und für die Wahl zweier Delegitten aus und zwar eines, welcher bei der hiesigen Streikleitung war, und eines, welcher außerhalb des- selben stand. Herr Krause wendet fich gegen die Ausführungen Bietzncrs und Papkes über den Streik; derselbe sei ein gutes Ägitationsmittel, das beweise die jetzige Schuhmacherdewegung. Auch haben die Arbeiter Englands und Amerikas schon manches: Abkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung des Lohnes, ihm zu verdanken. Außerdem erklärt fich derselbe, wo es irgend möglich sei, für Zentralisation, führt aber verschiedene Beispiele an, daß Lokalorganisationen eher geduldet werden. Auch ver- langt derselbe, daß ein Arbetter Fachblatt sozialpolitische, wirth- schaftlich aufklärende Artttel bringt. Herr Metzner spricht sich noch einmal im Sinne seiner ersten Ausführungen aus. Als- dann entspann fich eine mehr persönliche Debatte, welche durch einen Anttag auf Schluß der Diskussion beendet wurde. Hier- auf wurden folgende R-solutionen angenommen: 1. Die heute, Montag, den 24. September, im Louifenstädtischen Konzerthaus, Alle Jakobstt. 37, tagende öffentliche Schuhmacherversammlung erklärt fich in betreff der Organisationsfrage im Prinzip für Zentralisation, erwartet aber, daß in allen Städten, wo die Behörden an die Zentralisutton Forderungen stellen, wie z. B. bei den Buchdruckern u. s. w., dieselben fich selbst auflösen und Lokalorganisationen gründen. 2. kie heute, Alte Jakodstr. 37, tagende öffentliche Schuhmacherversammlung erklärt: In Eiwäaung, daß Streiks in den heuligen wirthschaft- lichen Verhältnissen(in der privatkapitalistischen Pcoduktions- weise) wurzeln und nicht von einzelnen Personen hervorgerufen oder unterdrückt werden können, die Entscheidung über Jnszenirung eines solchen den betheiligten Kollegen selbst zu überlassen. Infolge deffen erklärt fich dUsclbe ganz entschieden gegen jedes Schiedsgericht und beauftragt die hiesigen Dele- airten. die Abschaffung desselben zu bewerkstelligen. Ferner er- klärt stch die heutige Versammlung mit allen Arbeitern, welche in einen Kampf mit den Unternehmern eintteten, soll- dorisch und verspricht, dieselben nach Kräften unterstützen zu wollen." Feiner wurde noch ein Thctt einer Resolution ange- nommen, welcher besagt, daß. wenn daS Fachdlatt unter anderen Bedingungen erscheint, für obligatorische Einführung deffelden eingetreten werden kann. Das Amt als Delegirte zu dem Kongreß nahmen an: BaginSki, Klinger und Süßmaier. Nach- dem vorher die Zahl derselben auf zwei festaesetzt war, wurden gewählt Baginski und Klinger.— Zu Puntt 3, Anträge, war nichts mehr vorzuführen, da es schon im ersten Punkt mit er« ledigt war. Verband denscher Mechaniker«nd»er». O-r«f»> genast»«.(Z. BJ Am 19. d. M. fand im„Neuen Klubhause" eine gut besuchte Versammlung statt, in welcher Herr Dr. Bern- stein einen Vortrag hielt über„Entstehung und Verbreitung ansteckender Krankheiten".— Redner desprach zunächst die groß- artigen Fortschritte in der Chirurgie und in der Behandlung der inneren Krankheiten, welche die medizinische Wissenschaft in der Neuzeit gemacht habe. Die heutige Wissenschaft stehe auf dem Standpunkt, daß ffe nicht nur die Krankheit bekämpft, son- dern auch in der Lage fei, die Krankheit überhaupt an ihrem Entstehen zu hindern, indem fie die Keime derselben zerstört und ihr den Nährboden entzieht, auf dem fie wächst. Wirksames auf diesem Gebiete könne aber nur durch den Staat oder die Kom« mune geleistet werden. Beide hätten die Pflicht, Maßnahmen zur Verhütung von Krankheiten zu tteffen und für deren Durchführung zu sorgen. Anerkennenswerthes sei in dieser Hinficht schon geleistet worden durch den Bau von Wasserleitungen, Einführung der Trichinenschau, der Bauordnung rc.— daß durch letztere die Kellerwohnungen ab- geschafft seien, verdiene den Dank jedes Arbetteis und Volks- freundes—; viel bleibe aber noch zu thun. Redner desprach nun die Entstehung und den Charakter der verschiedenen JnfektionS« krankheiten als: Erkältung, Scharlach, Diphih.'ritis, Typhus und Tuberkulofe. Diese letztere, die Jnfettionskrankhrit par excellence, sei eine wahre Geißel der Menschhett ins Besondere für den ar- beitenden Theil derselben(Stoudardeiter). Der Schwindlucht fielen jährlich ungezählte Tausende zum Opfer. Das größte Kontingent stellen in Berlin die Steinhauer, sodann TischUr, Schleifer, Former und an 4. oder 5. Stelle auch die Mechaniker. Der Keim zu dieser Krankheit werde aber schon vielfach �gend gelegt, durch Verweichlichung der Kinder (Schlafen in Federbetten, zu warmer Anzug im geheizten Zimmer). Besonders schädlich sei daS Heizen durch den eisernen Ofen, da derselbe einen zu plötzlichen Uedergang von Kälte zur Wärme und umgekehrt bewirke. Frische Luft und Reinlichkett sei gegen alle Krankheiten das beste Schutzmittel. Daß beide» in der Wohnung immer vorhanden ist, sei Sache jed.-s Einzelnen, der Staat aber habe dafür zu sorgen, daß die tliahrungsmtttel nicht verfälscht werdm, daß durch ein habsüchtiges Unter» nehmerthum nicht Luft und Licht übermäßig vertheuert werden. Als zweckmäßigste Kleidung empfahl Redner die wollene. AS beste Nahrung sei der Genuß von möglichst viel Eier- und- Fleischspeisen zu empfehlen; der Genuß von vielem Brot oder Kartoffeln erzeuge häufig Blinddarmentzündungen. Sodann solle man lieber öfter und mäßig, statt selten und viel mit einem Male essen. Nicht zu viel Alkohol! Der übermäßige Genuß von Spirituosen zerstört die edelsten Organe.— DaS nächste Stiftungsfest findet am 8. Dezember im Böhmischen Brauhause statt. Es ist für fortwährende Tanzmusik Sorge et» tragen. Verein fßr«atnrgemaß« Gesundheitspflege nnd arzneilose Heilkunde. Donnerstag, den 27. September, Abends 8jj Uhr, Kommandantenstr. 72: Vortrag des Herr« Th. Hiecke über„Hypochondrie". Nur Herren haben Zutritt. Verein für Feuerbestattung in Berlin. Allgemeine Vereinsversammlung am Donnerstag, den 27. September, Abends 8 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandanten stt. 77—79. Tagesordnung: 1. Geschäftliche Mittheilunaen. 2. Vortrag deS «mn Dt. Hertel über die chemischen Vorgänge bei Verbrennung und Verwesung. 3. Mittheilungen über einige Arten der Leichenbcstattunz auf Grund eigener Erfahrungen des Vor» tragenden bei Gelegenheit einer Reise um die Erde. Gäste willkommen. fttterrssen-V-rein der Kistenmacher. Am Sonnabend, 9. September, Abends 9 Uhr, in Jordan's Lokal, Neue Grünstr. 28, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: I. Ersatz- wähl der ausgeloosten Vorstandsmitglieder. 2. Verschiedene» und Ausgabe der Billets zum Stiftungsfeste, welche» a» Sonnabend, den 6. Oktober, in Fiebig's Lokal, Gr. Frank» furterstr. 27 28, stattfindet. Die Mitgliedskarten werden nur vom Ka'strer ausgegeben. «esang».«nrn-«nd gesellige Vereine et», am Donnerstag. Männewesangverein„Lätitia" Abends 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Äeteranenstt. 19.— Gesangverein.�Bretzel- schluß" Abends 3t Uhr im Restaurant Schumann, Alte Jakob« straße 36.— Männergesangverein„Nordstern" Abends 9 Uhr i» Restaurant Jacob, Lindowerstr. 26.— Schäfer'scher Gesangverein„der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf u. Krüger, Skäliyer- straße 126, Gesang.— Gesangverein„Blütbenkranz" Abend» 9 Uhr im Restaurant Dresdenerstt. 40.— Männergesangverei« „Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Straußbergcr« straße 3.— Männergcsanaverein„Liedesfreiheit" Abends 9i Uhr im Restaurant Siemund, Lmienstt. 8.— Gesangverein Männerchor „St Urban" Abends 9 Uhr Ritterstr. 105.— Gesangverein „Deutsche Liedertafel" Abends 9 Uhr Köpnickerstr. 100.— Gesangverein„Norddeutsche Schleife", Abends von 9—11, Michaellirch- str. 39— Turnverein„Hasenhaide"(Lehrl.-Abth.) Abends 8 Uhr Dieffenbachstt. 60—61.—„Berliner Turngenosscnschaft"(7. Lehrlinas-Abtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle» Bnyersttaße 17—18;— desgl. 6. Männer- Abtheüung Abends 8 Uhr in der städtischen Tumhalle, Gubener- straße 51.— Lübecksscher Turnverein(Männer- Abtheilung) Abends 8 Uhr Elisabethstraße 57 58.— Allg. Arendsssche Stenographenverein, Abth.„Louisenstadt", Abends 3t Uhr i« Restaurant Preuß, Lraniensttaße 51.— Arends'scher Stenographenverein„Phalanx" Abends 3t Uhr im Restaurant„Zu« Buckower Garten", Buckow ersttaße 9.— Berliner Stenographen- Verein(System Arends) Abends 9 Uhr i« Restaurant Friedrichstraße 208.— Stolze'scher Stenographen-Verein ,F(ord-Berlin" Abends 9 Uhr Schlegelstraße 44 — Verein der Naturfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Wienerstraße 35.— Verein der Unruhstädter Abends 8 Uhr im„Königstadt-Kafino", Holzmarftstr. 72.— Berein ehemaliger F. W. Rettschlag'schcr Schüler am 1. und 3. Donnerstaa jede« Monats im Cafs Schüler, Lands bergerstr. 73, Abends 8 Uhr.— Rauch klub„Kernspitze" Abends 8j Uhr im Restaurant, Holz« marttstraße 44.— Rauchtlub„Ärcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forsterstraße, Ecke der Rcichcnbergerstraße. — Rauchllub„Dezimalwaage" Abends 9 Ubr im Restaurant Lock, Krautsstraße 48.— Rauchklub„Vorwärts" Abends 9 Uhr bei Herrn Tempel, Restaurant„Zum Ambos", Bres- lauerstraße 27.—„Orientalischer Rauch klub" Abends 9 Uhr im Restaurant Wiechert, Oraniensttaße 8. Kleine Mittheilungen« London, 20. September. Die während der letzten Tage geführte Leichenbeschauer- Untersuchung über die ermordete Annie Cbapman förderte nichts zu Tage, was zur Entdeckung de» Mörders führen lönnte. Der Arzt Dr. Phillips erklärte i« Laufe der gestrigen Verhandlung, daß das Messer, mit welche« die brutale Verstümmelung der Leiche bewirkt worden sei, mia- destens 5 bis 6 Zoll lang gewesen sein müsse und die gemachte« Schnitte einige anatomische Kenntniß veniethen. Er selbst würde ohne Gegenwehr 15 bis 20 Minuten zu einer solche« Operation gebrauchen.— Ausschreitungen gegen Frauen scheine« jetzt in London an der Tagesordnung zu sein. So wurde gestern in Dover-Street, Piccadilly, in einem der fashionableste« Theile Londons, eine Frauensperson von einem angeblich«n- ständig gekleideten Mann angefallen, welcher ihr einen Messer- stich in die linke Schläfe versetzte und auch versuchte, ihr de* Hals abzuschneiden. Die Frau liegt schwerverwundet darnieder und ihr Angreifer entkam.— Ein an den Minister des Inner« gerichtetes Gesuch, für die Entdeckung des Verübers der jüngste« Mordthaten in Whitechapel aus Staatsmitteln eine Belohnung auszusetzen, ist von diesem adschläglich beschieden worden, wie er sagt,„dU Erfahrung der letzten Jahre gelehrt habe, dob die Aussetzung von dergleichen Belohnungen dazu geeignet«r- mehr Uedeles als Gutes zu fristen." Telegraphische Depesche». (Wolff's Telegraphen-Bureau.) (Mach Acht«» der Kedaktion eingetroffen.) Pari«, Mittwoch, 26. September. Die Kammern«**)*? wahrscheinlich zum 15. Ottober einberufen werden.— Ro« Meldungen aus St. Etienne hat heute Voi mittag in de« dortigen Kohlengruden ein ernsterer Zusammenstoß zwiswr« den Streikenden und denjenigen Arbeitern stattgefunden, weU»» arbeiten wollten. Es kamen dabei zahlreiche Verhaftungen Gendarmen schritten ein und verhafteten mehrere Person�" welche die Streikenden zu befreien versuchten, so daß DI Gendarmen von der Waffe Gebrauch machten. Kriefkaste« der Redaktion. »«t»»fragen dttten wir dt- Abonnementd�Outttung beizufügen. NriesU«- »ntwort wird nicht ertheilt G.#. Maler. Sie dürfen uns das nicht übel neh«� wenn wir erst über die Persönllchleiten, die uns fremd Erkundigungen einziehen. Die stenographischen Berichte«"z in unserer Expedition zu baden. Im Uebrigen besten für Ihre Mrttheilung. Ihr Anerbieten wird mit akzeptirt._ � Berantwortlicher Redakteur:%.«r-nhei« in Berlin. Druck und Verlag von M«» Babing in Berlin SW„ Beuthstraße 2.