Pr.»S0. Konntag» den 30 September 1888« S H-chrß. MimVMlÄ. Brgan für die Interessen der Arbeiter. Da»„Berliner»olk-blatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn« und Festtagen. WonnementSpreit fiir Berlin frei in'S Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich Ü5 Marx, wöchentlich 86 Pf. Postabonnement 4 Marl Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungs Preisliste für 1888 unter Nr. 849.) Jnsertionsqebühr di- 4 g-spalt-te Petstzeile oder deren Raum 26 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei pRSr A: Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße S.— Expedition: Zimmerstraße 44. Aliounemenis-Ginladxtng. Mit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement auf daS erliner Iolksvlatt« «I. dm. Sonntagsblatt all Gmtisb�lage. w«.»ää SSSSS ..' I»••••-,—-----. lf*v gwwf vr** M----„,. «»« ihrem Vertrauen getragen, bofft das„Kerliner Polksblatt" durch rastlose, unermüdliche Thätigkelt auch an seinem Thcile dl und daß der produzirende, die Menschheit erhaltende Theil unserer Bevölkemng denjenigen Platz in der Gesellschaft einnimmt, der m gel Was wir mit Handelns aller derjenigen Manner, v».—.._.■ kenntniß sich verbreite; daß es auch dem letzten und scheinbar unbedeutendsten Handlanger ausschließliches Eigenthum einer winzigen, bevorrechteten Kaste find. Eines unserer hervorragendsten Kampfesmittel ist die Presse. Niemand darf fish rinen zielbewußten, üderzeugungstreuen Sozialisten nennen, welcher nicht immer und überall bestrebt ist d? sozialdemokratischen Arbeiterpresse in immer weiteren Kreisen der Arbeiter Eingang zu verschaffen. Jeder Ardeiter, der aus Lauheit oder anderen Gründen hiergegen verstößt, handelt direkt gegen sein ausgesprochenes Interesse. Darum. Ardeiter Berlins, werbet und agitirt, wo Ihr auch sein möget, ob in der Werkstatt, ob im Freundeskreise, werbet und agitirt für Eure Zeitung. -r-ft- sSÄ'aS ÄBÄ Ä SÄÄtff«Ä SK Ä"1 � �"""°- �"n...«mch Im Feuilleton unseres Blattes veröffentlichen wir einen ausgezeichneten Roman aus dem amerikanischm Arbeiterleben, betitelt »Die Wtter der Arbeit' übersetzt von .Natalie Liebknecht. Schon der ffiame der Uebersetzerin bürgt dafür, daß unseren Lesem hier eine ebenso spannende wie gediegene Lektüre geboten wird. >W» Zieu hinzutretende Abonnenten erhatten den bisher erschienenen Thell des Romans gratis und franko nachgeliefert.'MW � � Unser Sonntagsblatt macht es fich nach wie vor zur Aufgabe, nur die besten und vollendetsten Arbetten derjenigen Schriftsteller zu dringen, die auf dem Boden des wirklichen stehen.� �r A�age ii-gt ritt He�ieiizettei dei. Wir bitte«««sere bisherigen Abonnenten, von demselben möglichst ergiebige««ebrnnch z« mache«. Jeder alle Freund unseres Blattes soll einen neuen dazudringen, damtt das„Berliner Volksblatt» auch durch die Zahl seiner Leser würdig die ®iiße der Sozialdemokratie der Reichshauptstadt darstellt. DaS A-rlw»- U-tk-blatt" kostet für das ganze Vierteljahr fw» tu»«mw 4 Mark, für den Monat Oktober 1 Mark 85»f., pro Woche 85»f. Bei Selbstabholung «»wuS.. nC l M«k pr»- nüM nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 M. entgegen. Die Redaktion nnd Expedition des„Kerliner Uolksdlatt". »tritrtro.] JeuiLteton. [3 Die Ritter der Arbeit. i u S dem Amerikanischen des Zor. Uedersetzt von Natalie Liebknecht. a dem Hinteren Ende desselben Bauplatzes, einer Allee ber, stand ein alte« aber massives HauS mit drei ichkeiten, da« den Blüthetaaen de« alten Sklaverei- ent« als Negerherberge gedient hatte. Die große >t der freien Arbeit und der Sklavenarbeit war gen worden. Da« EigenthumSrccht auf die Sklaven > nicht mehr; die freie Arbeit hatte gesiegt und war lukbar, wenn sie genug verdiente, um ihr Dasein in elenden Herbergen ihre« ehemaligen großen » zu fristen. Dieses HauS war von E m a- Simpson, einem Maurer, seiner Frau und seiner \ M i ß Maud,') bewohnt. Die Familie war chreren Jahren aus Rücksichten auf Mr«. Simpson'S cheit, die von einem milderen Klima Besserung er- von Chikago hierher übergesiedelt. Samuel Simpson, ann von etwa fünfzig Jahren, war beschäftigungslos, tete auf Frühlingsarbeit und war jetzt gerade daran, e«»» and Porerty"(Fortschritt und Armuth) von Henry ifl e zu lesen. Da» Hau« war sauber und gut gehalten. ivbel und die Teppiche waren alt und sehr abgenutzt, von besserer Qualität wie die, welche die Räume �ckt hatten, al« da« HauS«och von Negern bewohnt Innere der Wohnung war mit den Ueberresten **a0en de« ungleich besseren Sohne«, der stüher in gejohlt wurde, ausgestattet. Einige Bilder zierten S heißt Fräulein. Mr. abgekürzt für M a st e r(Meister. tan Mister ausgesprochen, heißt Hr.— Herr, als Tttel a Aamcn— und Mrs. abgekürzt für M i st r e ß aoj be �mobet ausgesprochen, heißt Frau als Bibel und S h a t e sp e a r e augenscheinliche Beweise von langem und sorgsamem Studien verriethen. I» der einen Samuel Simpson blickte auf eine altmodische Uhr und gerufen wurde, um dem Buchhalter gegen 4 Uhr zu helfen aber glücklicher Weise beendeten wir unsere Arbeit kurz nach 6. M Herr Barnum ich meine Hauptmann Barnum, hielt mich einen Augenblick auf und erkundigte sich sehr freundlich nach MutterS Gesundheit. Er scheint überhaupt em vollendeter Gentleman zu sein, obgleich er sehr reich ist Doch ich muß zu Mutter hineingehen und dann da« Abend- brot besorgen." Der Vater war schon vor ihr in der Küche gewesen, sie fand da« Theewasser bereit« im Kochen Da« Abendbrot erforderte nicht viel Mühe und war bald auf dem Tisch. DaS junge Mädchen waltete seine« Amte« mst einer Hesterkeit, wie wohl kaum eine reiche Dame die mit Hilfe zahlreicher Diener und Dienerinnen ein prunkvolles Gastmahl leitet. Maud Simpson, ungefähr zwanzig Jahre alt, sah wundernett aus, als sie vaS bescheidene Mahl herrichtete Sie war etwas über Mittelgröße und wohlgebaut. Ein gut passendes Kleid von einfachem Stoffe, das Werk ihrer eigenen Hände, verbarg nicht vollständig die Symetrie ihrer tadellos entwickelten Gestalt. Die Züge waren regelmäßig der Mund und die Unterlippe zeigten einen festen, energischen Charakter. Die großen blauen Augen und die geistvolle Stirn, welche von reichem dunkelbraunen Haar überragt war, verliehen dem Mädchen eine eigenartige Sckön» heit, wie man sie nur selten findet. Ihre Bil» dung verdankte Maud Simpson den Volksschule» und Bildungsanstalten von Chicago, und so war sie zu einer wohlerzogenen und hochgebildeten jungen Dame heran» gewachsen, während sie, nach der Ansicht einiger modernen Philosophen üoer die Armutb, sich für das Leben eine« Dienstboten in dem Hause eine» reichen Emporkömmling« hätte vorbereiten müssen.— Die Mutter war zu Tisch ge- führt worden, sie war vor der Zeit gealtert uno schien für kein lange« Leben bestimmt zn sei». Maud nahm an dem einen Ende de« Tisches Platz, ihr Vater an dem anderen. Ueber da« Mahl wurde dann ein kurzer Segen ge- sproche«. „Vater," sagte Maud.„weißt Du etwa« von einer neuen Arbeiterorganisation?" „Ja, warum stagst Du?" „O, weil ich einen unserer Kommi«, dessen Bruder Maler ist, sagen hörte, daß die Arbeiter den großen Plan hätten, alle Gewerke zu organisiren, damit sie in Ueber- eiastimmung handeln könnte» und daß sie für gute Arbeit auch guten Lohn haben wollten. Glaubst Du, daß so etwa« möglich ist?" „Nein, Maud, ich fürchte, die Zeit für eine solche Be- wegung ist vorüber, sowohl in unserem wie in jedem an- deren Land. Da« Monopol beherrscht alle« in Amerika,. es eignet sich alle« an und ich glaube, da« beste ist. sich zu unterwerfen. Der Kapitalist hat kein Interesse, den Arbeiter Hungers sterben zu lassen." „Aber, Vater, glaubst Du nicht, daß Henry George Recht hat, wenn er sagt, daß die Armuth immer mehr zu- nimmt, je reicher da« Land wird?" „Ja, Henry George hat Recht und C a r y l l e') hatte Recht in seinem„Sonst und Jetzt." Es scheint, je stei- gebiger Gott gegen die Menschen ist, um so mehr Roth müsse« sie leiven, und ich verstehe nicht, wie Arbeiter- orgagisationen eS besser machen wollen. Ich war mehr ') Der dekannte Geschichtsschreiber und Heldanbeter, der eine Zell lang auch für den Chartismus schwärmte. Die Krowerthenernug. n. Sehe« wir«un zu, wie schon die Vertheuerung des Brotes durch den Zoll auf einer Arbeiterfamilien lastet. Eine Arbeiterfamilie von fünf Köpfen braucht täglich mindestens sechs Pfund Brot. DaS sind pro Jahr 2190 Pfund. Nach unserer Aufstellung, daß 1 Zentner Roggen 65 Pfund Mehl— 90 Pfund Brot ergiebt, ver- braucht dieselbe jährlich 24'/, Zentner Roggen. Und da jeder Zenwer um die Höhe des Zolls von 2 M. 50 Pf. «ertheuert wurde, beträgt die jährliche Brotvertheuerung für dieArbeiterfamilie die unverhältniß- mäßige hohe Summe von rund 60 Mark. Nun beachte man, daß nach einer Zusammenstellung der BerufSgenossknschasten die im Jahre 1886 gezahlte» Löhne ein Durchschnittseinkommen von 680 M. pro Arbeiter ergaben, und man wird finden, daß die Arbeiter bei ihrem schmalen Einkommen einen dreifach höheren Steuersatz für das n o t h w e n d i g st e Lebensmittel, das Brot, ausgeben müsien, als der Millionär von seinem Einkommen. Letzterer zahlt unseres WisienS nirgends in Deutschland über 3 Prozent und er wird sehr selten, viel- leicht nie sein ganzes Einkommen versteuern. Aber ein Arbeiter mit dem erwähnten Durchschnittseinkommen von €80 M.— und Millionen haben weniger— und mit einer Familie von fünf Köpfen giebt allein 9 Prozent seines Einkommens als B r o t st e u e r aus. WaS will einer solchen Besteuerung gegenüber der Erlaß von einige« Mark staatlicher Klafiensteuer bedeuten, wie sie seit einigen Jahren in Preußen besteht? Aber in derselben Lage wie der Arbeiter mit Familie befinden sich Millionen von Kleingewerbetreibenden und kleinen und mittleren Beamten, bei welchen Brot das wesentlichste Nahrungsmittel ist und die nicht mit jener Kommerzienräthin sprechen können: Da klagen die Leute über die Kleinheit der Semmeln, wenn eine mcht reicht, esse ich zwei. Für diese Kategorien von Staats» bürgern ist der Getreidezoll eine schwere und höchst unge- rechte Last und das gleiche ist er auch für die sehr große Mehrheit der ackerbautreibenden Bevölkerung, welcher er angeblich nützen soll. Nach den statistischen Feststellungen giebt eS im Deutschen Reich 5 276 812 landwirthschaftliche Betriebe. Davon haben Bewirthschaftung: bis 1 Hektar 2 323 316 Betriebe— 44,0 pCt. 1- 5„ 1 719 922„- 32.6„ 5- 10„ 554 174„--- 10,6„ 10- 20„ 372 431„= 7,0„ 20- 50„ 239 887„= 4,5„ 50- 100„ 41 623„— 0,8„ 100- 200„ 11501„— 0,2„ 200- 500„ 9 814„= 0,2„ 500—1000„ 3 629„= 00,8„ 1000 u. mehr 515 — 00,1 100,7 pCt. 5 276 813 Betriebe Im Jahre 1884, das eine gute Durchschnittsernte hatte, ergaben 40 Millionen Hektare landwirthschastlicher Fläche 310 000 000 Zentner Getreide, waS auf den Hektar 7,7 Ztr. beträgt. Hiervon sind abzurechnen l. t für die Aussaat, ver- bleiben 6,6, und etwa', als Fütterung für Vieh und Ge- flügel, wonach 5,3 Ztr. netto per Hektoliter übrig bleiben. Die Bauernfamilie verbraucht aber nicht weniger Brot als die Arbeiterfamilie, eher mehr, der Bauer muß also einen DurchschnittSbesitz von 4s bis 5 Hektaren haben, wenn er das Getreide für den eigenen Bedarf bauen will. Nun giebt eS, wie oben angeführt, 2 323 316 landwirthschaftliche Betriebe mit bis zu einem Hektar Bodensiäche, durchschnitt- I'ch besitzen sie nicht einen halben Hektar. Es ist klar, daß diese sammt und sonders erheblich Korn zukaufen müsien und so vom Zoll schwer geschädigt werde». Betriebe von 1-5 Hektar giebt eS 1 719 922, mit durchschnittlich 2t Hektaren. Auch diese gehören mit ganz ver- einzelten Ausnahmen in die Kategorie jener, die Getreide für den eigenen Bedarf zukaufen müsien, günstigen Falles ihren Bedarf decken. Bei der schlechten Ernte dieses Jahres darf man aber ohne Uebertreibung annehmen, daß die dritte Kategorie der L54 174 landwirthschaftlichen Betriebe mit 5—10 Hektaren, durchschnittlich 7,1 Hektar Besitz, die unter günstigen Ernte- verhältvisien ihren Bedarf an Brotfrucht selber baut, zum oder weniger mein ganze« Leben in ihnen und eS geht mir jetzt schlechter, al« eS mir jemals ergangen ist. Keine Ar- belt, kein Geld, mit Ausnahme der drei Dollars, die Du jede Woche verdienst! Es ist gar traurig!- „Ja, Vater, eS sieht manchmal traurig aus, wir müssen aber nicht zu viel daran denken. Es giebt eine Zukunft," rief daS Mädchen leidenschaftlich auS,„e« muß eine Zu- kunft geben für die Arbeiter dieser großen Republik I ES ist nicht Recht, daß die Vielen alle Arbeit verrichten und die Wenigen') allen Gewinn einziehen sollen. Gott kann daS nimmermehr beabsichtigt haben, unser Erlöser lehrt ua» ganz anders." „Ja, ja, meine Tochter, ich habe jahrelang gehofft, daß eine Aenderung kommen und daß eine gerechtere Vertheilung des Reichthums stattsinden würde, aber jetzt bin ich alt und morsch und alles sieht düsterer denn jemals au«!" „Aber, Vater, angenommen, wir verzweifelten Alle, dann würde« wir tiefer und tiefer sinken, bis wir genöthigt wären, zu leben wie die menschlichen ArbeitSthiere, die von Europa und Asien in dieses Land kommen.') Wir passen nicht für ein solches Leben. Unsere Erziehung, unsere öffentlichen Schulen und unsere Staats einrichtungen haben in un» Amerikanern verfeinerte Bedürfnisse groß gezogen, die unS eher in den Tod führen sollten, und ich glaube auch führen werden, als zu vollständiger Herabwürdigung! Ich bin für den Kampf bis zum Aeußersten; ich sehe keinen andere» Weg als den durch eine geschlossene Organisation der Arbetter und der Arbeiterinnen. Es mag dies nicht der richtige Weg sein, er ist aber der einzige, den wir vor uns haben, und wirklich, mein lieber Vater, Du mußt Dich der Gewerkschaft Deines Arbeitszweiges anschließen, wenn es auch nur ist, um mich zu vertreten!" „Ei, meine begeisterte kleine Gewerkschafterin, kennst I) The many»nd thne few— die Vielen und die We« niaen, die Arbeilenden und die Genießenden. ») Die einwandernden europäischen Arbetter find gemeint, deren Bedürfniblostakeit und vergleichsweise niedrige Lebens- baltung die amerikanischen Ardeiter lange verwundert und empört hat— bis sie jetzt selbst in ähnliche Lage zu kommen deginnen. Theil davon verkauft, sich theilweise ebenfalls in der Lage befindet, statt Brotfrucht zu verkaufe«, solche kaufen zu müsse». Im Ganze« hat diese Kategorie keinen Vortheil und keinen Nachtheil vom Zoll. Die» erwogen, stellt sich heraus, daß 76,67 pCt. sämmtlicher landwirthschaftlichen Bettiebe durch den Zoll mehr oder weniger schwer geschädigt werden, daß 10,6 pCt. günstigen Falle» ohne Nachtheil aber auch ohne Vortheil ihm gegenüberstehen, daß 11,5 pCt.— die Besitzer von 10—50 Hektar— einen kleinen oder mäßigen Vortheil haben und nur der Rest von 2 pCt. den Löwen- antheil der Vortheile deS Zolles schluckt. DaS-sind im Ganzen 67 082 Betriebe, die sich auf eine weit geringere Zahl von Besitzern vertheilen, weil viele Besitzer mehrere Güter haben. Man berechnet, daß der Vortheil der Groß- grundbesitzer auS dem Zollschutz sich je nach der Größe ihreS Besitzes auf 2000 M. bis 23 000 M. und höher beläuft. Und zu diesen Begünstigten gehöre» zum guten Theil die Wortführer der Kornzölle im Reichstag, ferner die hohe Aristokratie und die Plutokratie, die ihre Millionen heute wesentlich in Grundbesitz sicher festlegt. DaS Reich hatte im Jahre 1887 auS den Zöllen auf Getreide, Hülsenftüchte und Malz eine Einnahme von 46 167 000 M.— der erhöhte Kornzoll wirkt erst in diesem Jahre—, der Vortheil aber, der durch die Steigerung de» im Inland ge- bauten Getreides infolge des Schutzzolles unseren Korn- zöllnern in die Taschen fällt, wird auf ca. 120 000 000 berechnet. Nach der„Vierteljahrsschrift für VolkSwirth- schaft, Politik und Kulturgefchichte" beläuft sich die Durch- fchnittsbelastung jeder Familie im Deutschen Reich auf 52,50. Es ist also nicht zu hoch gegriffen, die Belastung der Arbeiterfamilie durch den Kornzoll mit rund 60 M. anzusetzen, da bekanntlich die besser situirten Klassen weniger Brot verbrauchen. Gegenüber dieser„Sozialreform" für einen Theil der besitzenden Klassen nimmt sich die für die Arbeiter projektirte Sozmlreform mit 120 M. Altersrente nach Ablauf des siebenzigsten Lebensjahres recht kläglich aus; sie erscheint nunmehr erst in ihrem wahren Lichte. Da begreift sich auch, daß die„Nordd. Allg. Ztg." und ihre Gevattern sich verzweifel bemühen, jene wirkltche„Sozialreform" für die besitzende Klasse möglichst unter den Scheffel zu stellen und dafür jene für die Arbeiterklasse in Aussicht gestellte Scheinreform in hellster bengalischer Beleuchtung er- scheinen zu lassen. Doch die Täuscher werden die Getäuschten sein. Den Brotvertheuerern glaubt man nicht. und Politische Ueberstcht. Der„Krudrr Kauer, vem die Herren Junker Rittergutsbefitzer vor den Wahlen und üdeibaupt, wenn es etwas zu fischen giebt, so warm die Hand drücken, hat bei der Veitheilung der Beute und der Stellen natürlich nicht mitzu- reden. Damtt, daß er den Junker und Rittergutsbefitzer„richtig" wählt, hat er seine Mtsfion erfüllt. Und genau ebenso ergeht es den Handwerkern, die so gutmüthig find, fich von den Junkern und Rittergutsbesitzern als Vorspann vor dem Reaktionswaaen gebrauchen zu laffen. Bei der Vettbcilung der Beute und Stellen muffen fie leer ausgeben. Unter Stellen verstehen wir auch— und zwar mit in erster Linie— die Ehrenstellen in der Leitung der konservativen Partei. Betrachten wir uns z. B. die Titel und Namen der Vorstandsmitglieder des konservativen Landesvereins für Sachsen. Eine hübsche Liste das. Man lese nur:„Freiherr von Burgk, Ritterguts- b e s i tz e r von Carlowitz. R e g.- A s s e s s o r von Erdmanns- dorff, Freiherr von Finck, Rittergutsbesitzer Dr. von Frcge, Konsul de Liagre, Rittergutsbesitzer von Oehlschlagel, Amtshauptmann von Schlichen, Ritter- au t s d e s i tz e r von Trebra, Amtshauptmann von Weißenback, Amtshauptmann Freiherr von Welck, Wirk l. Geheimrath von Zehmen, Landesältester von Zetzschwitz, Freiherr von Friesen. Die Bürgerlichen find: Geb. Hofrath Ackermann, Kommerzienrath Brerling, Rechtsanwalt Opitz. Rittergutsbesitzer Reich, Reg.-Assessor Rumpelt, Justizrath Strövel, Professor Dr. Sttaumer, A m t s ha u p t m a n n Dr. Wäntig, Landesgerichtsrath Dr. Weltz."— Kein einziger„Bruder Bauer", kein einziger Bruder Jnnungszopf. Und das im„gcmüthlichen" Sachsen! Uebrrgcns giebt das Ver- zcichniß dieser Titel(die Namen find ganz unwesentlich) ein vor» zügliches, frappant treues Bild dessen, was man heutzutage unter „lonseroattoer Partei" versteht. Kehr frenndlich. Ern Reptil wundert fich. daß Lied« l n e ch t seine Notiz betreffend das„Lausanncr Gaulois-Jnter« vicw" nicht direkt an den„Gaulois" geschickt habe— er fürchte Du denn daS Schicksal derer, die zu den Trade? UnionS gehören, im Falle eines Streiks, der unglücklich ausgeht? Weißt Du, was die Schwarze Liste ist und wie schwer eS fällt, Arbeit zu bekommen, wenn die Arbeitgeber sich gegen unS verbünden?" „Ja, mein lieber Vater, ich glaube, daß Du mit Deiner reichen Erfahrung besser weißt, was zu geschehen hat, als ich unerfahrenes Mädchen, allein so viel steht fest, daß ich, so gewiß als ich lebe, auch ebenso gewiß gegen die jetzigen Zustände ankämpfen werde, so lange ich lebe! Ich werde, so viel ich kann, von dieser neuen Arbeiterbewegung kennen lernen und sie fördern, so weit eS in meinen Kräften steht. Dock daS Abendbrot ist vorüber und ich habe noch noth- wendig etwas zu nähen." Nachdem die Tassen und Teller aufgewaschen, bei Seite gesetzt und die Stube in Ordnung gebracht, setzte sich daS junge Mädchen nieder, um ein altes Kleid wieder her- zurichten, und dabei überließ sie sich ihren Gedanken, während der alte Arbeiter seine Pfeife anzündet und am Küchenofen sein Studium von„Fortschritt und Armuth" fortsetzt. Ach, dachte daS junge Mädchen, wenn ich nur daS grausige Gespenst deS Elends nicht mehr vor mir hätte. ES ist schwer, Arbeit zu bekommen, und die Bezablung ist so schlecht! Ich habe die Prüfung gut bestanven. konnte aber keine Stelle als Lehrerin finden. Es mag wohl sein, daß mir alles fehl schlug, weil mein Vater nur Maurer ist. Die Thatsache, daß ich lange nicht so reich gekleidet war als die anderen Bewerberinne«, mag mir ebenfalls ungünstig gewesen sein. Und dann reimt e» ja auch nicht zusammen, daß die Lehrerin der wohlerzogenen und aristokratischen Jugend von Washington in einem armseligen Gäßchen deS NegerquartierS wohnt. Freilich, wenn sie mir eine Schule mit hinreichendem Gehalt gegeben hätten, so würde mein Verdienst mit dem meine» Vaters ausgereicht haben, ein anständiges Häuschen in einer anständigen Sttaße zu miethen. Ich glaube, daß ich aber lieber Gehilfin in einem Geschäft würde, wenn man mir denselben Lohn und kürzere Arbeitszeit geben wollte. Vater» Muth ist so ziemlich gebrochen, und ein Mann oder ei» Weib, deren Muth gebrochen ist, gehen unrettbar abwärt». wohl„dort zu verletzen". Nun, warum denunzirt das patno- tiscke Reptil nicht den„Candidnt fran�ais" beim„Gaulois"? An's denunziren ist das Völkchen ja gewöhnt. De« jetzigen Prastdentschaftswatzlfeldzng in der Nnlo» chararterifitt die„J-iinois Staatszeitung", ein Kapita- llstendlatt commeil fant, wie kolgt.„Zu Zern allgemeinen Mangel an Begeisterung im jetzigen Pcäfidentenwahlfeldzuge trägt auch die Persönlichkeit der beiderseitigen Feldzugsleiter bei Der demokratische Wahlfeldzug wird tbatsächltch von zwei der gierigsten Monopolisten geleitet, nämlich von dem Eisenbahn- odvokaten und rückficht-losen Eisenbahnspekulanten Ärice von Ooio und dem Nationaladgeordneten und Kohlemingmeister Scott von Pennsylvanicn, zwei Männer, deren ganzes Sein und Treiben im schneidensten Widerspruche steht mit den feier- lichm Verwahrungen der demokratischen Nalional-Platform gegen„Trusts" und Monopole. Der oberste republika« niscke WaHlfeldzuoslester ist der Bundessenator Qaatj von Pennsylvanien, ein Mann, der es lediglich durch schlaue Drahtziehereien und feine politische Schliche zu einer politischen Bedeutung in Pennsylvanien und zu Rcichthum ge- bracht hat. Und sein Hauplhelfer ist jener Ellins, der fich als oberster Terrilorialanwalt und als Kongrcßdclegat von Neu- Mexiko durch riesige Landgaunereien dereicherte und jetzt als vomehmer Herr in New-Bori lebt. Jeder dieser Viere kann den seldstständigeren und ehrliebendercn Männern sogar der eigenen Partei nur Widerwillen einflößen. Einem Wahlfeld- zuge, der auf beiden Seiten von solchen Leuten geleitet wird, muß von vorne herein jeder ideale Schwung fehlen. Denn bei derattigen Leuten ist ja alles nur kalte, g e- wissenlose Berechnung, List und Tücke."— Die Charakteristik ist ganz treffend. Das Spaßige ist dlos. daß die„Illinois Staatszeitung" diesen Feldzug voll„kalter, ge- wissenloser Berechnung, List und Tücke" selber, und zwar sehr eifrig mitmacht. Aber auch ihre traurige Seite hat die Sache: daß nämlich die Arbetter Amerikas, welche vor zwei Jahren einen so schönen Anlauf gegen die beiden herrschenden Parteien genommen haben, jetzt politisch so gut wie nicht existiren. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß Henry George mit seiner Agitation für Cleveland— wie wir gleich vermutbetcn— ein sehr gutes Geschäft macht. Er bekommt nämlich 300— wir schreiben dreihundert— Dollars für jede Rede oder Vor- lesung. Beiläufig ist er ein sehr guter R.dncr, und er kann wohl von fich denken, daß er für eine Abendvorstellung halb so viel„wctth" ist, wie eine Primadonna mittleren Ranges. Die Nachricht» daß Herr von Ehrenberg fich rechtzeitig aus dem Staude gemacht bat, um einem Prozeß wegen Hoch- und Landesverratbs zu entgehen, muß berechtigtes Auf- sehen erwecken. Wir wissen auf das Bestimmteste, daß die Akten« stücke, welche der Abgeordnete Bebel dem Kriegsgericht in Karls- ruhe zum Theil in Abschrift umerbreitete und deren Richtigkeit dann durch die Auslieferung der Originale settens des Bundes- raths zu Bern bestätigt wurde, so außerordenllich gravirender Natur waren, daß die Nichtinhaftnahme Edrenbeigs unbegreiflich schien. Seit jener Zeit find nahezu zwei Monate verflossen und Ehrenberg hatte also Muße genug, seine Flucht in aller Ruhe vorzubereiten. Ems steht fest, daß, wenn gegen einen bürger« lichen Angeklagten auch nur der zehnte Tdett dessen an Beweis- stücken vorlag, was gegen Ehrenberg vorgelegt wurde, die bürger- lichen Gerüchte ohne weiteres seine Verhaftung beschlossen hätten. Trese Milde des Karlsruher Militärgerichts kontrastirt stark mit der sonst an Härte grenzenden Strenge der Militärgerichte.— Was sagt aber unsere verehrte Göanerin. die„Kreuzzeitung" zu dem Steckbrief, der jetzt hinter ihrem„Ehrenmann" Ehrenberg dreingeschickt wird? Nachbarin, Euer Fläichchen! Au» Dresden, den 23. September, schreibt man uns: Die Anordnung des§ 9 des Sozialistengesetzes treibt immer wunder- lichere Btüthen. Dafür liefern die Thaten der Dresdner Polizei in den leyt-n Tagen wieder zwei Beispiele. Für Sonnabend wurde eine Versammlung der Gewerdsgebilfen angemeldet mtt der Tagesordnung: Das hi»fige Gewcrbeschiedsgericht und dessen Zusammensetzung. Referent sollte der Tischler rouis Scholz sein, welcher seit mehreren Jahren Arbetterbeifitzer im Gewerbegericht war. Es handelte fich alio, wie die Tagesordnung besagt, um eine Kritik der Thätigkeit und der Zusammensetzung des Ge- richts, über welche der Referent sicher am besten urtheilen konnte. Ueberdies war der Gegenstand der Erörterung ein solcher, daß man es doch nicht für unmöglich hallen sollte, daß damit Be« stredungen auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Ge- ftllschastsordnung dezweckt werden könnten. Aber was lein Verstand der Verstandigen steht, das ahnet in Einfall die Dresdner Polizei. Sie verbot die Versammlung auf Grund von§ 9 des Sozialistengesetzes. Als der Referent persönlich zur Polizei ging, um fich nach den Gründen des Verbots zu er» kundigen, wurde ihm die Entgegnung: Die ließen fich nicht mtt- theilen, es seien Niederschriften über seine Person rn den Alten entHallen, die das Verbot rechtfertigten. Das Verlangen, die Gründe schriftlich zu erhalten, er sei dereit, die Kosten zu bezahlen, brauche aber die schriftliche Begründung, um Beschwerde erHeden zu können, wurde abgelehnt. Die Be- schwerde über diese eigenthümliche Auslegung des§ � wird nun erst recht, eventuell bis an's Ministerium des Inner« Ich muß meinem Vater Muth einflößen und nie vergessen, den Kopf oben zu halten. Eine Aenderung zum Besseren muß eintteten! Es kann unmöglich schlechter werden, ohat daß da« Leben selbst gefährdet wird. Diese Betrachtungen wurden durch ein Klopfen an der HauSthüre unterbrochen. Nach einem flüchtigen Blick in einen nahen Spiegel öffnete Miß Maud die Thür und wurde mit einem ebenso achtungsvollen wie herzlichen„Gute« Abend Miß Simpson" empfangen. Der Besucher war Mr. Harry Wallace, mtt welchem Miß Maud kürzlich be- kannt geworden war. E» war ein hübscher junger Man« von ungefähr dreiundzwanzig Jahren und etwas größer al» Miß Maud. Er war kräftig und gut gebaut, die MuSkel« gut entwickelt, die Brust gewölbt, die Schultern breit und männlich. Ein starker, wohlgeformter Hals trug eine« Kopf, auf den jeder Mann stolz sein konnte. Ein Munv von mittlerer Größe, theilweise durch einen Schnurrbart ver- deckt, klare graue Augen, die bald von übermüthiger Laune erglänzten, bald von dem Feuer ernster Leidenschaft es' glühten, deuteten auf Intelligenz, welche auch durch d' breite und vollkommen entwickelte Stirn angezeigt wurd� Reiches hellbraunes Haar vollendete daS Bild de» einsah aber sorgsam gekleideten jungen Manne», eine« Aj-' heiter« und G entlemaa, der jetzt Miß Siarpi° die Hand drückte. Mr. Wallace war seinem Gewerbe nach ei» von de* Regierung angestellter Metallarbeiter und seit seinen~et) jähren in derselben Stellung. Die öffentlichen Sch« t hatten in ihm Wissensdurst erweckt. Weil er wußte, . erweckt. Weil er wuvfe, daß die verschiedenen Abtheilungen der Regierung BtbltotH« "'''~ ten hatten, machte er nachdru° bis et er- zum Gebrauch der Angestellten hatten, machte lich und mit Erfolg„politischen Einfluß" geltend,-- seine Ernennung als wohlbestallter Metallarbeitergefeu. hielt. Sein Lohn war nur der gewöhnliche des Dtstn ') Von Columbia. Die Hauptstadt Washington in einem besonders dafür reservirten Distrikte(dem.vi» Columbia)— eine Einrichtung, durch welche die llnavy � keit der Hauptstadt und der darin tagenden Volksvertretu» wähtteistet werden soll. «foloen. Bemerkt sei, daß über die Art der Zusammensetzung des hrestgen Gewerbeschiedsgerichts und die Formen seiner Rechtsprechung große Unmfriedenheit besteht, und daß daffelde unter den Dresdener Arbeitern ebenso unpopulär ist, wie das L ipziger Schiedsgericht unter den Leipziger Arbeitern populär. Der Grund ist sehr einfach. In Leipzig ist die Organisation eine durchaus demokratische, in Dresden eine reaktionär- dureau» kratische. Und weil die Dresdener Arbeiter eine ähnliche Organi- sation verlangen, wie fie in Leipzig seit 17 Jahren besteht, machen sie sich derBeftrebungen auf Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschafts- ordnung schuldig. Das ist köstlich. Es kommt noch besser. Diesem ersten Verbot folgte ein zweites. Eine neue Versammlung, die angemeldet wurde und für welche die Tagesordnung lautete:„Die Kontrole gegen die Sonntagearbeit" verfiel ebenfalls dem§ 9 des Sozialistengesetzes. Zur Erläute- rung dieser Tagesordnung sei bemerkt, daß hier in Dresden trotz dem verhältnißmäßig strengen sächsischen Gesetz über die Sonntagsarbeit vom Jahre 1870 die Sonntagsardeit in einer großen Anzahl Werkstätten fast regel. mäßig vorkommt, ohne daß unsere sonst für andere Dinge so aufmerksame Polizei ein Auge dafür zu haben scheint. Dieser Mißbrauch und diese Umgebung des Gesetzes führte dazu, daß häufig Arbeiter der betreffenden Werksiätten diese Handlungsweise der Unter- nehmer denunzirtm. Da tritt aber der merkwürdige Fall ein, daß die Unternehmer stets die Namen dieser Denunzianten sofort erfahren, und diese nunmehr durch die Unternehmer aus der Arbeit entlassen und auf die schwarze Liste gesetzt worden, lieber die Quelle» aus welcher die Unternehmer so pünktlich über die Denunziation der ihrerseits begangenen Gesetzesübertretungen unterrichtet werden, lmsiren unter den Arbeitern kaum glaub- liche Behauptungen. Fest steht, daß in unserer Stadt, die mit Stolz einen Hofrath Ackermann zu ihren„Zierden" zählt, der das Verbot der Sonntagsarbeit im Reichstag so eifrig dcfür- wollet, und in welcher auf sein Betreiben die Innungen so eifrig über das Wohl der Gehilfen und der Lehrlinge wachen, die Sonntagsarbeit eine sehr erhebliche Ausdehnung angenommen hat. Trotz des Gesetzes von 1870 und trotz der Polizei, die das Gesetz zu handhaben hat. Man sollte glauben, der Polizei hätte eine Versammlung, welche sich mit dem angegebenen Uedelstande befaßte, hochwillkommen sein müssen, weil fie da- durch vieles erfahren hätte, was ihr bisher unbekannt war. Aber das Gegentheil geschieht. Wenn jetzt der Glaube cnt- steht, daß fie vor den bestehenden Uebelständen absichtlich die Augen verschließe, trägt sie selbst die Schuld. Aber wie so denn Anwendung des§ 9 des Sozialistengesetzes? Wer arbeitet mehr auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Ge- sellschaftsordnung hin, die Arbeiter, die das Gesetz geachtet und respektirt wollen sehen, oder die Unternehmer, die es mit Füßen treten? Zu der gerichtlichen Uerfolguug der Publikation de« Tagebuchs" demerkt die„Voss. Ztg." u. a. noch fol- gendes:„Nach der in dem Jmmcdiatbertcht des Ministcrpräfi- deuten vertretenen Rechtsauffassung würde die jetzt einzuleitende Untersuchung gegen den verantwortlichen Urheber der Veiöffent- lichung wegen La nd es v errat hs zu führen sein und die Sache vor dem Reichsgericht zur Verhandlung gelangen müssen. Auf die für den Fall der Unechtheit herangezogene Strafbestimmung wegen„Beschimpfung des Andenkens Äer- stordener", die an sich zur Zuständigkeit der Untergerichte gehört, wird man aus formellen, wie aus sachlichen Gründen wohl nicht näher einzugehen brauchen, zumal das veröffentlichte Tagebuch selber deutlich den Beweis gegen die hier unterstellte strafbare Absicht führt. Tie einzige strafgesetzliche Handhabe bliebe sonach der Landesvcrrathsparagraph(92) des Strafgesetzbuchs, der den �häter mit Zuchthaus nickt unter zwei Jahren und bei mil- decndcn Umständen mit Festungshaft nicht unter 6 Monaten Adroht. Tie Person diese«„Thätcrr" ist sclk'werständl.ch im Augenblick Gegenstand besonderen Interesses. Die wirrsten Ge- rüchtc und Klatschereien in dieser Hinsicht werden blindlings weiter getrogen." Dem R«lch»tage soll, wie der„Köln. Volks-Ztg." von Zuverlässiger Seile verfichert wird, eine Vorlage, betreffend die Erhöhung des Gehaltes der Premierlieutenants, zugehen. Natürlich! In Kreisen, welche dem Bundesrathe nahe stehen, hegt man, der„Nat.- Ztg." zufolge, die Ueberzeugung. daß sowohl das Gesetz über die Arbeiter-Altersversorgung, wie das G e n o s s e n s ch a f t s g e s e tz in der nächsten Session ?n den Reichstag gelangen werden. Zweifel, die hiergegen ge- äußert worden, hält man�sür unberechtigt. Dagegen sei es noch fraglich, od die Regierung eine anderweite Regelung bezüglich des Sozialistengesetzes schon in nächster Zeit in Angriff zu nehmen gedenkt, oder ob diese Materie der Initiative des Reichs- tages überlassen bleiben soll.— Das ist ziemlich gleichglltig, da es doch beim Alten bleibt. Der Wahlkreis Drambvrg- KchiWelbei« im lieben Hinterpommern bietet der Welt das belustigende Schauspiel, daß seine beiden Landräthe, von Brockhausen und Graf Bau- disfin, um das Abgeordnetenmandat rivalifiren. Baudissin war bisher Vertreter des Wahlkreises und wird von den Wählem seines Kreises gehalten, während die Dramdurger ihren Landrath v. Brockhausen auf den Schild erhoben haben. Auf beiden Seiten tobt bereits ein wüthender Zeitungskampf. Keiner will sich unterwerfen! die Schiwelbeiner pochen auf ihr altes Recht, die Dramburger sagen, mir find ein größerer Kreis und wollen auch einmal einen Kandidaten baden. Folgender Polizeibericht geht der„Post" aus Konstanz unterm 26. d. zu:„Die Untersuchung gegen die bei der E i n- schmuggelung sozialistischer Druckschriften be« theiligten Personen wird in vollem Umfange �fortgesetzt. Neben dem von der hiesigen Staatsanwaltschaft eingeleiteten Verfahren hat auch die Staatsanwaltschaft in Freiburg einlgleiches Vor- geben beschlossen, so daß hierdurch zu derselben Zeit die sozia« listischen Umtriebe an der badisch-schweizerischen Grenze in ihrer ganzen Ausdehnung betroffen werdm. Andererseits ist die eid- genöifische Polizei in mehreren Kantonen, besonders in B a s e l, ebenfalls in voller Thätigkeit(Sehr interessant für die schweizer Demokraten! Red.) und nach den bisherigen Meldungen dürfen auch deren Ermittelungen wesentliche Resultate erzielt haben. Die Erwartung, daß ein gemeinschaftliches Vorgehen der beider- seitigen Behörden ermöglicht werden könne, hat sich allerdings nicht erfüllt, da auf Seiten der Schweiz die Angelegenheit als rein politisch betrachtet wird. In Haft befinden sich in K o n- st a n z gegenwärtig nur die beiden Schiffer, welche unter einer Ziegeisteinladung einen größeren Posten Druckschriften einzu- führen suchten. Ferner aber war ermsttelt worden, daß von hier die auf verschiedenen Wegen eingeschmuggelten Schriften mehrfach nach Stuttgart gesandt worden find. Das daraufhin in Stuttgart eingeleiiete Verfahren ist allerdings vor einigen Tagen wieder eingestellt worden; doch wird in dem Beschluß der dortigen Staatsanwaltschaft ausdrück- lich hervorgehoben, daß die Bethelligung der Beschuldigten an dem Versand der Druckschriften zweifellos sei, daß aber die bis jetzt aufgefundenen Beweise nicht als genügend angesehen werden könnten. Auf Beschluß der Staatsanwallschaft zu Frei- bürg find nun in voriger Woche in Lörrach sieden Arbetter verhaftet worden, welche sämmtlich schweizer Nationalität find. Während der letzten Jahre haben verschiedene schweizer Fabikantm, um den deutschen Schutzzöllen zu entgehen, Zweig« etablissementS auf deutschem Boden, bart an der Grenze, an- gelegt, und auf denselben arbeiten auch meist schweizer Arbeiter. Thellweije überschreiten dieselben täglich die Grenze, theilweise nur einmal in der Wocke, um den Sonntag im Kreise der Familien zuzubringen. Es hat sich nun herausgestellt, daß auch diese Leute von der sozialistischen Zentralstelle aus denutzt wer« den, um bei der Ernschmuggelung der Schriften Dienste zu leisten. Die Organisation des Schmuggels ist jedenfalls sehr vielgestaltig, und sollte auch die gegenwärtige Untersuchung von den betheiligtcn Personen nm eine kleine Zahl ausfindig machen, so wird fie doch dieses System der Grenzverletzung in seiner ganzen Ausdehnung klarstellen. »«ch eine Lohnanfbessernng. Eine freudige Erregung herrscht in den Kreisen der städtischen Tagelöhner zu Kronack in Bayern. Der tägliche Lobn de. selben wurde nämlich durch Ma- gistratsbeschluß von 1,29 M. auf 1,30 M. erhöht. Mein Lied- chm, was willst Du noch mehr! In Hamburg ist der kleine Belagerungszustand ebenfalls auf em Jahr verlängert. Schw-ik» Im Großen Rath von Solothurn wurde eine Int er« p e l l a t i o n durch das Mitglied v. Ärx über das Bundesratbs- Zirkular detteffs der Fremdenpolizei gestellt. Der In- rerpellant verlangte, daß eventuell die Regierung von Solothurn die Initiative zur Einberufung einer Bundesversammlung in dieser Angelegenhett ergreife. Die regierungsseitige Beantwortung wird demnächst erfolgen. irische Exekutive soll sogar erwägen, od Michael Davttt wegen seiner aufteizendm Reden in Anklagezustand zu setzen ist. In Nordwales wie in Derdyshire und Nottinghamshire anaen die---' BÄeKS&see- zichten und ,___ v.v iiuu#»uünornemeniö zu stimm Einige, wie Maret, Lacroix, Revillon, stimmten dieser Bitte zu: Clemenceau und Labordöre aber verweigerten diesen Aufschub der Revifion und beharrten auf der Listenwahl. Floquet soll unter diesen Umständen dm Stur, des Ministeriums für un- vermeidlich crllätt haben. Der Abg. N u m a G i I l y laßt ankundigm, er werde nun dock.die Namm derjenigen Mitglieder des Budgetausschuffcs «rogbriiattttiett. Die halbmonatliche Sitzung der National- l i g a fand unter dem Vorfitze des vor einigen Tagen aus dem Gefängniß entlassenen Abgeordneten Jobn Dillon statt. Die Strafe, so sagte er, habe ihn nicht zur Reue geführt. Wenn es Verbrechen sei, zu versuchen, dem Volke das Recht zu wahren, daß es seine Heimstättm vertheidigen dürfe, bis es endlich fried« lich leben könne; wenn es gegen das Recht verstoße, zu ver« suchen, das Voll von Gehcimdünden, Mord und Gewaltthat abzuziehen und es in die Pfade ehrenhafter Vereinigung und edler Thatm zu leiten, dann wolle er fortfahren, Verbrechen zu begehen. Er könne Michael Davitt nicht beistimmen in dessen von Ungeduld zeugenden Bemerkungen über das englische Volk. Es habe eine Zeit gegeben, wo auch er das englische Volk ge« haßt, die gegenwärtige edle Haltung desselben aber habe diese Gefühle völlig aus seinem Herzen verbannt. Der Londoner Korrespondent ver„Birmingham Post" er- wähnt das Gerücht, der irische Sekretär Balfour weile heimlich in London, um fich mit dem Gmeralanwatt und anderen höheren Ministerialdeamten über neue auf Grund des Vcrbrechengesetzes zu treffende Maßnahmen zu derathm. Die ...„...uititiui r Niger UM! 1 479 919 Doppelzentner Getreide, 34 205 Doppelzentner Mehl. Während desselben Zeitraumes betrug diese Einfuhr im vorigen Jahre 852 903 bezw. 12615 Doppelzentner. Der„Figaro" will gehört haben, General Boulanger I beabsichtige, am Tage des Wiederzusammmtritts der Kammern ein Manifest in zehn Millionen Exemplaren erscheinm zu lassen. Die Vertrauten des Exkriegsmimsters stellen jedoch die Richtigkeit dieses Gerüchts in Abrede. Der Präsident der Republik traf aus Fontainebleau hier ein, um den Vorfitz im Mi niste r rat h zu führen. Letzterer berieth über den von Floquet ausgearbeiteten Plan der Ver» fassungsdurchfickt, ohne zu einer endgittigen Beschlußfassung zu gelangen. Die gemäßigteren Mitglieder des Kadinets, deren Anficht auch Herr Carnot beigetreten ist, wünschen eine Bürg- schast oder bindende Erllärungen seitens der radikalen Parteien, daß man fich auf dem Kongreß innerhalb der zuvor festzustellen- den Grenzen der Durficht ballen und nicht dieselbe durch ein Zusammengehen mll den Monarchisten erweitern werde. Herr Floquet und die Mehrheit der Minister hingegen erachten eine solche Bürgschaft für unnöthig, da die äußerste Linke sett dem Bestehen des Kabinets öfters Prodm ihrer Manneszucht ad» gelegt habe. Der Budgetausschuß strich mit 10 gegen 8 Stimmen die Ausgabe für die literarische Tbeaterausstcht, d. b. für die Zensur der Bübne. Der Unterrichtsminister ist im Grundsatze mit dem Wegfall der Zensur einverstanden, bemerkt jedoch, daß dieselbe von den Theaterdirektoren selbst gewünscht wird, die in zweifelhaften Fällen vorher wissen möchten, ob gegen die Auf- sührung eines Stückes oder gegen den Vottrag gewisser Worte eine Anklage erHoden würde. Ferner zweigte der Ausschuß von dem Betrag für Künstlerpreise, aus welchem bisher die besten Zöglinge der Kunstschule nach Italien geschickt wurden, einen Theil ab, welcher fortab zu Reisen nach Südfrankreich und der Bretagne, bezw. zu Kunst- und Alterthumsstudien in diesen Gegenden gewährt werden soll. Endlich sprach der Ausschuß auf Antrag von Steenackers den Wunsch aus, daß den Leitern der Großen Oper die Verpflichtung zur Ermäßigung des Preises der geringeren Plätze auferlegt werde. Ferner verhante der Budgetausschuß trotz der Vorstellungen des Marineministers auf seinem Beschlüsse, den Flottenhaushaltsbedarf auf der gleichen Höhe wie für das laufende Jahr, d. h. aus 200 Mill. Franks festzustellen. Der Minister hatte 205 verlangt. Infolge dieses Beschlufies lehnte der Abg. Gcrville-Rsache die Berichterstattung ab.— Auch Msrillon, Berichterstatter des Kriegsdudgets, will von demselben 7t Mill. mehr abstreichen, als Herr de Freycinet zugestehen will. Afrika. Die Vorgänge bei Suaktm spitzen fich immer mehr zu einer Krifis zu. Dem Reuter'schen Bureau wird unter'm 26. d. gemeldet:„Gestern um Mitternacht verbrannte der Feind einen Theil der Umzäunung um das Wasserfott und versuchte das Fort selber zu stürmen. Die Mahdistcn wurden indeß durch ein heftiges Geschützfeucr mit schwerem Verluste zurückgeworfen. Auf egyptischer Seite wurde nur ein Kanonier getödtct. Dns Hauptsache für ihn aber, der freie Zu- kntt zu der Bibliothek, war ihm viel wichtiger als höherer Lohn. Bei Miß Simpson fand er dasselbe geistige Streben, das seinen Ehrgeiz anstachelte, und eS wurde sofort beschlossen, daß sie an dem Vortheil, den die Reaierungsbibliothek ihm gewährte, theilnehmen sollte. Für Aüß Simpson, die nicht so viel Geld hatte, um sich das billigste Buch kaufen zu können, eröffnete sich durch die Be- kanntschaft mit Mr. Wallace ein unendliches Feld des Ver- finügen« und des VortheilS. Sie wußte, daß die Abthei- längen des Krieges, der Marine, des Staates, des Innern Und der Schatzkammer Bibliotheken besaßen und daß vor ullem auch die Kongreßbibliothek sich hier befand, welche die in ganz Amerika ist. Sie wußte, daß diese Bibliotheken �-lgenthum deS amerikanischen Volkes sind, und wußte, W dem Volke auch das größte Museum für Wissenschaft Und Kunst in Washington gehört. Sie hatte dies Alles ichon früher gewußt, ehe sie Chicago verließen, Wd sie hatte thörichter Weife geglaubt, nach ihrem fliehen Bücher bekommen und dann und wann freie ständen am Abend oder Sonntags im Museum zubringen � können. ES war deshalb für sie eine schmerzliche Ent- lauschung gewesen, daß diese großen Lagerstätten deS Wissens �» Einschränkungen und Regeln umringt waren, die ihre ■schätze thatsächlich nur wenigen Glücklichen zugänglich schien, welche sich erlauben konnten, müßig zu sein, während r* großen Massen, zu deren Gunsten sie angeblich errichtet worden sind, nur für ihr tägliches Brot zu kämpfen haben, daß dix Seelen der Armen, wenn der Ausdruck Seele Armen erlaubt ist, hungern und darben müssen angesichts �ser verbotenen Bäume der Erkenntniß. Chicago war ihr viel freundlicher gewesen. Diese ?°ße Stadt hat reiche und umfassende Bibliotheken, welche Z* in den bescheidensten Verhältnissen lebende« Bürger erreichbar sind. be, V°hlan- endlich ist ihr der Zutritt zu der Bibliothek ern.'r �tabtheilung durch ihren Freund, Mr. Wallace, Ii* nicht nur Bücher bekommt, sonder» auch gluck- da»% vorlesen zu dürfen, während sie arbeitet, um jich mit ihr aber da» Gelesene verständig zu unterhalten. Heute Abend lesen sie„Len MissrableB"— die Elenden— von Victor Hugo, dem beredten Vorkämpfer der Unterdrückten aller Länder. Die Nacht rückt heran, Maud's Näharbeit ist beendet, aber noch sitzt sie da und hat alles um sich her vergessen, mit Ausnahme der wundervollen Geschichte von dem Leiden Jean Valjeon's, der sie bis zu Ende lauscht, bis die Uhr die elfte Stunde verkündet. Sie sagten einander gute Nacht, und Harry eilte nach Hause, um von dem schönen heiteren Mädchen zu träumen, das er verlassen; während ihre Träume sich mit der Ar- beiterorganisation und der Schwarzen Liste beschäftigen— alles vermischt mit Szenen aus dem Leben des Helden von „Lea Miasrable«". (Fortsetzung folgt.) Kerliner Theater. ■Ül Volks unerschwinglich find, und anderersetts, ob die Weae die man zu diesem Ziele einschlägt, richtig getroffen werden.' Mit der ersten Frage wollen wir uns in dieser kurzen Be- sprcchung nicht befassen und nur sagen, daß nach unserer Mei- nung das Jahresbudget eines Durchschnitts arbetters für Theater- ö-nuffe so aut wie gm keinen Betrag aufweisen kann. Die soziale Noch, die wachsende Verarmung der breiten Volks. ».SZ-ShÄS« ÄKÄ stand angewiesen sein, eine soziale Schicht, die immer mehr ver- im» poliltjdjfi«„Ichmi» oufrodfl." ..'--------—•»*»* V»f» OVUIIUIUCI' 01---- Kanonenboot„Gannet" beschießt jetzt den Feind, welcher ver» juckt, fich gegenüber dem Fort Foolah zu verschanzen. Hier an» gekommene Ueberläufer besagen, daß das feindliche Lager weiter verstärtt worden sei, aber daß unter den Arabern Krankheiten in hohem Grade grassircn. In Khartum soll die Cholera ausge» brocken sein. Alle Fort» um Suakim herum werden verstärkt, die Zahl der Kanonen wird vermehrt und in den Laufgräben und Wasserforts werden Brunnen gegraben. Die europäischen Einwohner find in hohem Grade beruhigt durch die Anwesenheit der fremden Kriegsschiffe, sowie die Organisation eines irre» gulären Truppenkorps unter englischer Führung. Von dieser Anficht scheint auch die Direttion ausgegangen zu sein. Anders können wir uns wenigstens die starke Be» 1 tonung patriotischer und monarchischer Gefühle im Prolog eben so wenig erklären, wie die Wahl des Stückes. Struensee ist eine langathmige Jamben-Tragödie, veraltet und unnatürlich bis auf das letzte Wort. In den fünf langen Akten pulfitt nicht einmal eine lcdendige, dramatische Ader, die vergessen ließe, daß nickt wirkliche Menschen, sondem mtt dem bunten Flitter der Hofkleidung des vorigen Jahrhundetts de» klebte Puppen über die Bühne gezogen werden. Kein Konflikt, an dem das Herz Antheil nähme, keine Berührung mit dem lebendigen Leben der Gegenwatt! Der biedere Michael Beer hat es augenscheinlich ängstlich vermieden, die in dem Stoffe liegende Möglichkett hervorzusuchen und Struensee, den„Kanzler" des schwachen Königs Chttstian UI., zu zeichnen als Vorkämpfer der revolutionären, dänischen Bourgeoisie gegen den Feudaladel, der allerdings den Mann schließlich stürzte, sein« Vorrechte aber doch einbüßte. Statt deffen wird ver alte [ romantische Krimskrams breitgetreten: Verschwörung bei der Königin-Wittwe, Degengeklirr und Mord bei Mondscheindeleuch- tung, erzwungene Untersckttften, Ketten und Kerler. Nimmt man noch zahlreiche Attentate auf die Thränendrüsen hinzu» dellamitte Liebesdialoge zwischen Struensee und der regierenden Königin, Beschwörungen von dem Vater Stmensees, einem greisen Landpastor, den schließlich auf offener Bühne der Schlag rühtt, an den Sohn, von seiner Höhe freiwillig herabzusteigen, so hat man den In» halt der Tragödie in der That erschöpft. An M-f-g-_ ............. �...lu-�culervuyne noch nie vorhanden gewesen; eine so geschmackvolle und gewissenhafte Jnszeniruvg war noch nie dott zu finden. Aber was wollen noch so gewissenhafte Leistungen dedeuten, wenn man fich bei der Wähl des Stückes so sehr vergriffen hat? Daß die Direktion bei der Zusammenstellung der Schau» spielettruppe so viel gethan hat, als fie konnte, daß sie den red» ltchm Willen hat, Gutes zu leisten, ja daß fie auch nur den Bettuch unternommen hat, den wüsten Possenblödstnn. der fich in dem früheren Ostendtheater in diesem Jahre bren gemacht hat, zu verbannen, ist anettennenswetth und viel. Und das bietet auch eine gewiffe Gewähr, daß„Struensee" bald von de» Brettern verschwindet, der nach unserer Meinung selbst für da» verkrüppelte Kleinbürgerthum zu Anfällig ist. Theater. Sonntag, den 30. September. ##*?*%«*#: Götterdämmerung. Montag: Coppelia. (im Mallnee- Theater): Auf der Braulfabrt. Montag: Keine Vorstellung. ZeMag-TH-ater: Freund Fritz. Monlag: Anton Antony. gPcatrÄ«« Theater. Die Räuber. Montag: Die berühmte Frau. - MUd-tmSädtische- Theater. Die fieben Schwaden. Montag: Dicsclde Vorstellung. K»a»»«s-Thrate?: Decorirt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wteaarm-Theater r Die Kinder deS Kapitän Grant. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ke-teaRtaaee- Theater t Drei Paar Schuhe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Teatrat-Theater. Die Schmetterlinge. Montag: Dieselbe Vorstellung. AIalph»Gr«lt Theater. Die drei Grazien. Montag: Dieselbe Vorstellung. NaafM««»'» Uartckt»< Spezialitäten-Vor- Wwse-rdia- Theater t Spezialitäten» VorTheater der Keichshalle«: Spezialitätm- Vorstellung. Volks-Theater. (Früher Ostend. Theater.) Direktion F. Witte-Wild. Sonntag, d. 30. September: Ktruensee. Trauerspiel in 5 Akten von Michael Beer. Mufik von Giacomo Meyerbeer. Kasfen-Gröffaung LisUhr. Anfang 7� Uhr. Morgen, Montag: Struensee. In Vorbereitung: Der Volksfreund. Novität. Preise der Plätze: 1. Parquet 1.50 Mark, 2. Parquet 1,25, Seitenparquet 0,75, 1. Rang 1,25, 2. Rang 0,75, Balkon 0,50, 1. Rang- Fauteuil 1,50, Orchester-Loge 3,00, Parquet- Loge 2 Mark. Dutzend- Billets: 12 Billets 1. Parquet 15 M, 12 Billets 2 Parquet 12 M. 12 Billets 1. Rang 12 M.[697 Berliner Theater. Sonntag, den 30. September: ..Ilse." n; Schauspiel in 5 Akten von L>ans Olden. Montag, den 1. Oktober:„Dametpiu.." ~""«e in 5 Akten von Friedrich von Schiller und Heinrich Laude. KBnißfstädtisches Theater. Alexanderstr. 40— Kurzestr. 6. Stadt- und Pferdebahnverbindungen nach allen Richtungen der Stadt. Sonntag, den 30. September, und folgende Tage: «astCpiot von Marie Stalle und Karl Karutz: Zum ersten Male: Die Kornblumen des Kaisers. Original-Volksstück mit Gesang in 6 Bildern. itafleneiöffnung 6% Uhr, Anfang 7t Uhr. Bons haben Giltigleit. Alles Nähere die Anschlagsäulen. Montag u. folgende Tage; Dieselbe Vorstellung. American Theater. Direktion A. Reiff. Wallmerihemiermtr#... Mr. 15. Sonntag, d. 30. Septbr: Zum 24. Male: Die Weisheit Salomonsky's. Berliner Lokalpoffen-Pantomime von R. Anger. Mufik arrangirt von R. Thiele. 1. Bild: Die Renommirstunde bei Haase. 2. Bild: In der Academy of moste. 3. Bild: Bei Mutter Pignatelli im Cour- saal. 4. Bild: Berlin um Mitternacht. 6. Bild: Vor'm Schöffengericht. Neu einstudirt: Tausend und eine Nacht Operette von W. Köhler. Mufik von R. Thiele. Auftreten der drei Geschwister DelSpierre, des Jnstrumentalisten Herrn Krüger, des Mimikers Rivoli und des Herm Martin Bendix. Anfang 7t Ubr. Entree 50 Pf., Mttt* Neu. Zum 1. Mal in S erlit«. Sonntag, den 30. September ct. Eröffnung des Königs-Tunnels im«raud Kot»! Aleranderplatz mit täglich großem Konzert der berühmten Ungarischen fiiational- Kapelle Patay Bertalan aus Liptd-SzentzMillüs in Original� Cfikos Costumes. Großartige Solo-Vorträge auf Violine, Cymbel und Clacinette. NB. Die Kapelle spielt sämmtliche Piecen ohne Noten. Entree an der Kaffe 50 Pf. Im N-rverkauf 40 Uf. im Zigarrengeschäft von Herrn Maer, Alexanverplatz im Grand Hotel. Programm an der Kaffe. Anfang 7 Uhr. Cumtrn* Kunze. Cirkus U. Schümann. Friedrich- Karl- Ufer. Ecke Karlstraße. (Im früheren Zirkus K r e m b s e r.) Sonntag, den 30. September, Zwei grosse Extra-Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr und Abends 7& Uhr: Beide Vorstellungen find mit verschiedenen Programms ausgestattet. In der Nachmittags- Vorstellung hat jeder Besucher das Recht, ein Kind unter 10 Jahre« frei mit»inzuführeu. Zum Schluffe der Ztachmittags-Vorstellung: Eins Herlequinadc in Paris, komische Pantomime mit Ballet, ausgeführt von ca. 60 Persoven der Gesellschaft. Montag, d. 1. Oktober, Abends 7i Uhr: G»oSe Vorstellung mit«euem Urogramm . Ut as- 1 Tr. S M- 10 A. tjjF/ty<«i!»er-PaaopaauL «Hgw Schlöffer König Ludwigs: Hohenschwangau, Neuschwanstein. Zum ersten Male: Potsdam u. d. Trauerzug «BT Kaiser Lei. deich»."MG Entree* Evcl. eO Vf..-e-nd n tr in yu. elbonn. Urania Wränget str. 0/10, nahe der Köpnicker Brücke. Jeden Sonntag GrotzerKall. Die KaUmustk wird von einem großen Orchester ausgeführt. Enttse 20 Pf. Herren, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. 598 6. F. Walter. Am Königsthor. Schweizer-Garten. Am Friedrichshain. Sonntag, de« 30. September: Comert und Specialttäten-Vorstellung. WM" Entree 25 Pfg. WW Für den Winter Ist der Saal am Vereine zu sergeben. Soeben erschien: Die franzostsche Revolution. Von W. Bloi Heft 5. Preis»0 Pfg. Zu beziehen durch die«rpedltion de»„Kerl. Polkablatf. Z immer straß» 44. WXadervarkäufara Rabatt. ESnigl. Prenss. Klassen- Lotterie. Ziehung 1. Klaffe am 8. und 3. Oktober 1888. Original» gegen D�pütschein V, 60, V» 85,«/« 18,50 Mark. Aniheile:% 6,85, 3,85, V« 1,75,'/„ 1 Mark. empfiehlt die«lS�skokekte von mm 2. Geschäft: Koppen straff« 66."""■■■" Jf""p Peteranenstr. 88. W o» 4 Mk. an. 9 Mark.,, Billigste Quelle für eifere Kett. stelle«, Fabrik mit Dampfbetrieb v°n E. Sassy[513 Kopuicker straff» 99, Lager!:, Kof parterre. MSbel auf Theitzahlnng»-> I. Kellermann, "gioin l. Januar 1889 ab am w a befindet sich mein Geschäft m» �. NO. 14 Chaussee-Strasse No. 14 —— im eigenen Kaufe.» Mit der Verlegung meines seit 1873 bestehenden, fich des besten Rufes erfreuenden Geschäftes und der damit verbundenen Hentellung großartiger, den Anforderungen der Neuzeit entsprechender Geschäftsräume beabsichtige ich gleichzeitig eme -4'h Neu-Orgamsation meines Geschäftes in's Leben treten zu lassen, von welcher ich seiner Zeit öffentlich Kenntniß geben werde. Die zur Zeit vorhandenen großen Waarenvorräthe, bestehend in: Kleiderstoffen, Teppichen, Möbelstoffen, Gardinen, Tischdecken, Tricotagen, Keinen- und Kaum- wollwaaren aller Art, Mäsche- gegenständen ic. stelle ich inzwischen zum �gäiyllchenAusverkaus und zwar sämmtliche Kl#he-KCMlt#teW für die Kerbst- und Minter-Kaifo«, wie dieselben noch täglich bis zum Schluß der Saison eintteffen, zum pVttft) Lagerbestände theils für htt Hälfte de» Kelbstkostenpreife». theils für jede« Preis! 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Beuthstraße 2.»ienu ei— Beilage zum Berliner Bolksblatt. »k. 230. Son«tag» de« 30. September 1888 3. Iahrg: ZoKale». N«b«r Mm»grt a» ärztlicher HUf«. Unter diesem Titel veröffentlicht ein naffauischer Arzt in Nr. 34 des„Aerzt- «chen Generalanzeiger für Deutschland", dem Fachvereinsorgan der Herren Aerzte, einen sehr verständig gehaltenen Artikel, den wir, unter Hinweglaffung der für die Sache selbst unwesent» lichen Einleiwna, im nachstehenden wiedergeben Wir sehen uns zu dieser Revroduktion um so mehr veranlaßt, als der Ar» iitd in direktem wohlthuendcn Gegensatz flch befindet zu der Stellung, die anscheinend ein großer Thcil der Aerzte in dieser F.age einnimmt. Der Artikel lautet: „Wir Aerzte find dazu in der Welt, um unse'en kranken Mitmenschen in möglichst vollkommener Weise zu Hilfe zu kom- wen. Die MozlichLit ist vorhanden, indem das ärztliche Können bedeutend erweitert und ausgebildet ist. Krankheiten und Ge< brechen, denen man vor noch nicht langer Zeit ohnmächtig gegen- über stand, Verletzungen, deren Gefahren für Gesundheit und Leben man früher nicht zu begegnen wußte, vermag die fortge- schüttenc Heilkunst mit oft überraschendem Erfolg zum Heile und zur Freude der von jmm Leiden Betroffenen heute zu mildern und zu beseitigen. Es könnten noch zahlreiche Krank» hellen gebeffert und geheilt werden, die jedoch ungünstig cndi- Pen. Mancher Vater, manche Mutter würde nicht vorzeitig den Kindern durch den Tod entrissen, vieles Elend und viele Noth würde verhütet werden, könnte die ärztliche Kunst früh und in ergiebiger Weise in Anwendung gebracht werden. Aber da fehlt, abgesehen von der Armuth der Patienten, die Arzt und Arznei nicht bezahlen können, oft der Arzt. Derselbe, meist stark in Anspruch genommen, so daß er oft nicht weiß, an welchen gefährdeten Punkt er zuerst zu Hilfe eilen soll, kann nicht immer früh genug oder aar nicht kommen, oder vermag nur zeitweise und mit großer Eile dem Hilfesuchenden seine Aufmerksamkett zu schenken, da er leider darauf angewiesen ist, in einer gewissen Spanne Zest so und so viel Arbeit zu leisten, um sein Auskom- men zu finden und die Seinigen zu ernähren. Es ist trauriger- weise beim Arzt nicht mehr die Hauptsache, mit möglichster Sorgfalt und etwas Zeitaufwand seine Patienten zu behandeln, sondern recht viele Patienten zu haben und mit den vielen aus »ahlreicher Arbeit sich ergebenden kleinen Gebühren sein Einkommen zusammenzusetzen. Daß bei solcher Hetzarbeit der Arzt ein sehr geplagter Mann Tag für Tag ist und die Patienten an ärztlicher Hilfe Noth leiden, ist unter Aerzten leider zu bekannt.— Diese Behauptung ist keine Ueber- treidung. Jeder praktische Arzt wird derselben beistimmen, noch mehr aber das an der Arztfrage sehr intercsfirte Publikum, aus dem man oft genug Nothstimmen nach äiztlicher�Hilfe hört. Leider trägt bei dem öfters thalsächlichen Mangel an genügender ärztlicher Hilfe der Umstand auch die Schuld, daß die Armuth in der breiten Volksschicht so groß ist. daß vielfach ärztliche Hilfe wegen Geldnoth nicht beschafft werden kann. Die ärztlichm Gebühren find zwar so gering geworden, daß man fie fich nicht geringer denken kann. Dennoch find sehr viele Menschen, die um ihr tägliches Brot kämpfen, nicht im Stande, die außer- ordentlichen Kosten einer Krantheitszeit, für die fich der Mensch der arbeitenden Klaffe nicht eingerichtet hat, zu tragen. Sie wuffen fich und die Ihrigen oft aus Mangel an ordentlicher ärztlicher Hilfe, da fie solche nicht bezahlen können, zu Grunde gchen lassen. Krantenkaffen können der Noth nicht steuern. Diese find ein armseliger Nothbehelf. Denn wenn bei Kranken- mffenmttgliedern die Noth eigentlich anfängt, wenn die Noth- Mennige aufgebracht find, zieht die Krankenkasse ihre Hand, die to wohlthätig scheint, zurück, manchmal von Mitgliedern, die jahrelang in ihre Kaffe deiaesteuert haben. Die Gemeinden, denen m«m heutzutage alles Mögliche und Unmögliche aufhalsen möchte, tonnen ebenfalls nicht nachhaltig Hilfe schaffen. Ihre mangel- hasten HUfeleistungen kommm noch dazu meistens viel zu spät. Um die ärztliche Hilfe in möglichst unbeschränkter Weise »lw Wirksamkeit kommen zu lassen, so daß der Arzt seine ein- »elnen Patienten mit der entsprechenden Sorgfalt behandeln tonr.te, daß er aber auch, wie sein Beruf es mehr wie jeder andere Beruf von seinem Inhaber fordert, fich immer mehr für dre Ausübung desselben auszubilden, Zeit und Gelegenheit habe, dazu ist eine größere Zahl von Aerzten nöthig, dazu find, was nebenbei nicht unberückfichtigt sein soll, dilligere Arzneim er» forderlich. Eine genügende Anzahl der Aerzte ist denkbar, wenn der Staat selbst, wie dies vor 1866 in Nassau beispielsweise »um Wohl der Aerzte und des Publikums, allerdings in zu nerdeffernder Form, bereits war, dieselben anstellt und Kerliner Sonntagsplauderet. R. C. Die schönen Tage von Aran— doch nein, Schiller ist unter die Umstürzler gegangen. Die besten Ge- weinplätze dürfen nicht mehr betreten werden, die schöne Lert der ersten Liebe— will sich Hektor ewig von mir wenden— Donner und Dorm— Alles, was im Schiller �ht, kann unter Umständen gemeingefährlich werden.„Ich habe nichts als mein Leben, das muß ich dem Könige geben"—„ird wohl der einzige Vers bleiben, der im ge» Wohnlichen Leben noch angewendet werden darf. --Das Alte stürzt"- so sagte auch der Möbelfuhr. Zsann neulich zu semem bejahrten Roß, als dieses die riesige Mobelfuhre nicht bewältigen konnte und sich rcsignlrt auf Asphaltpflast.r legte. Da lag der Alte nun mit suchenden Flanken, er zeigte aller Welt seine langen gelben Zähne, ohne jedoch jemand beißen zu wollen. Selbst- "stondlich war sofort ein Schutzmann bei der Hand, um .Versammlung aufzulösen, die sich um den todtmüden �chnnmel gruppirt hatte. Wie hätte man auch bei einem ° revolutionären Ausspruch des Kutscher« eine größere An- Slung von Menschen dulden können, dieser Mann wäre t,j. r>cht sogar im Staude gewesen, zu behaupten, daß sich j».-Seiten ändern werden, nämlich wenn er sich ein neue« g>>"d angeschafft haben würde, und das„Alte" den Weg �Wiener Würste gegangen wäre. Ul Der Leichtsinn scheint dem Menschen angeboren zu die Erbsünde. Wir Alle haben in der Schule die Alchen Gedichie Schillers auswendig gelernt, wir hä». rnit ihn, nach dem Eisenhammer gegangen, wir kä,, ihm die Bürgschaft für Alle« übernommen, w,r sv»js �äub»�''.Kampf mit jedem-vracyr» M hatten wir geraubt, mit der Louise hätten wir „„i 6 und Liebe auch die matteste Limonade getrunken d>al stellt sich heraus, daß dieser Mann nicht ein- °uf de«, �azmlistengesetz kannte, trotzdem er ein Denkmal Wog„ s�'.?p�atz hat! Selbstverständlich müßte das, �Jste hat, verboten werden, mindestens aber wertere Verkauf seiner Werke verhindert werden. fie den Verhältnissen entsprechend möglichst gleichmäßig vertbeilt. Eine Ueberproduktion der Aerzte wurde nicht stattfinden, indem fich die Zahl der Medizinstudiren» den naturgemäß nach dm zu besetzmdm Arztstellen einrichten müßte. Gehalt der Aerzte und geringere Honorare für die Einzelleistungen würden genau destimmt sein, so daß eine widerliche Konkurrenzvraxis nicht länger bestehen könnte. Für andere offenbare Bedürfnisse hat der Staat ein ein- fichtiges Entgegmkommen dem stcucrzahlenden und dem die Militärlast tragenden Volk gegenüber. Uebcrall stellt man Lehrer, Richter und Beamte aller Art mit Gehättern an, welche dieselben versorgen. Nur das Bedürfniß des Volks nach billigeren und zahlreicheren Aerzten und nach billigen Arzneien will man nicht verstehen und redet fich den Gedanken dann mit der Phrase aus, es seien zu viel Aerzte da, well fie in dieser neuen Zeit und in den unficheren Verhältnissen nicht alle ihrm Lebensunterhalt verdimen. Möglich wäre die Ausführung des Gedankens, nach dem Muster der Einrichtung der vormals nassauischen Medizinal- Verhältnisse für Volk und Aerzte einen besseren Zustand bezuglich der Arztfrage zu schaffen. Der Zweck der Krankenkassen, der eine Besserung der sozialm Lage des Volks anstrebt, uürde auch eher erreicht, wenn vom Staat durch mit Gehalt in ausreichmder Zahl angestellte Aerzte für billigere ärztliche Hilfe gesorgt wäre. Die seitherigen Beiträge in die Krankenkassen, Extcastmern der ärmerm Leute, müßten naturgemäß geringer werden, weil die Arztrechnungen für die Krankenkassen geringer würden. Der Staat würde den bei weitem größten Thell der Arztkostm in Form des GeHalls de- zahlen, das Volk, arme und Wohlhabendere, würde entlastet sein durch ein System, in welchem die Reichm mitzahlen müßten zu den Kosten, die das körperliche Wohl der ardellen» den Klassen erfordert, der Mitmenschen, durch deren Fleiß und Schweiß die Behaglichkeit der Reichen erst möglich gemacht wer» den kann." Die Annale« de« Kerliner Magistrat« bewahren das Andenken an einen s. Z. in Berlin allgemein beliebten witzigen Rathsherrn, Johann Schönbmnn, der 1591 geboten wurde und 1654 starb.„Seines anmuthigen und finnreichen Geistes halber", heißt es von ihm,„ist er bei jedermänniglich, auch den vor» nehmsten, familiär und wohlangesehen gewesen, auch selbst vor den Kurfürsten gefordert worden." Schönbrunn war ein echtes Berliner Kind, Sohn des Landrentmcisters Sigmund Schön- brunn, Schüler des grauen Klosters und schon mit 15 Jahren Student in Frankfurt. Er sprach fertig lateinisch, ftanzöfisch und italienisch, war ein literarischer Feinschmecker, Junggeselle und verkehrte mit der geistigen Elite Berlins, den Rettoren deS Klosters und Joachimsthals, dem Bibliothekar der Kurfürsten u. a. m. Seine Schlagfertigkeit war berühmt. Als die doppelten Groschen auskamen, fragte ihn ein Goldschmied, weshalb die- selben so bald roth würden.„Sie schämen fich," meinte Schön« brunn,„daß fie so arm an Silber find." Als dem Grafen Schwartzenberg sein tzauskaplan gestorben war, wollte man ihm auf dem Klosterkirchhof kein Begräbniß gestatten. Der Graf warf dies Schönbrunn bei einer Gelegenheit vor.„Zu Rath« hause würden fie," erwiderte Schönbrunn,„insgesammt eS gerne sehen, daß alle katholischen Priester auf ihren Kirchhöfen ruhen und schlafen möchten." Die Rranllrnng der Nummrlsbnrger„Danke", des sogenannten Kuhgrabens, bieder ein Schrecken der dortigen Be» wohn er sowie aller Berliner Spaziergänger, ist wieder um einen Schritt vorwärts gekommen. Die Gemeindevertretung von Lichtenberg-Frievrichsberg hat in ihrer Sitzung am Donnerstag die Anlegung eines Sammcldasstas an der Grenze der Ge- meinde bewilligt. Dieses Sammelbasfin soll eine Art Senk- grübe im Großen bllden, in welchem fich die festen Stoffe, welche der Graben im Wcichdilde der Gemeinde aufnimmt, ab» lagern sollen. Von diesem Sammelbasfin aus soll der weitere Ablauf kanalifirt werden. Es ist dies die schlimmste Strecke, denn auf ihr gelangen die sämmtlichen Unreinigkeiten des Rummelsburger Schweine- und Gänsemarves in den Graben. Für die Kanalisation wird die Bahnverwaltung in Gemeinschaft mit der Kommune Berlin die Mittel aufbringen müssen. Im Prinzip find die betreffenden Behörden für Bewilligung der er- forderlichen Mittel. Die Lichtenberger Gemeindevertretung hat ihren Beschluß dahin formulirt, daß der Amtsvorstand freie Hand in der Anlegung des SammelbasfinS haben soll, wenn die Kosten fünfhundert Mark nicht übersteigen, anderenfalls soll der Kreisbaumeister einen Entwurf und Kostenvorschlag Man kann, wie man sieht, in der Auswahl seiner Lektüre niemals vorsichtig genug sein, oft stellt sich erst nach einem Jahrhundert heraus, daß irgendjemand, der bislang ein ziemlich anständiges Renommee als Dichter genoß, sich nach- träglich als ein Mensch entpuppt, vor dem man sich in Acht nehmen muß, wenn man sich als gutgesinnter Staatsbürger der Segnungen der Kultur erfreuen will. Und diese werden uns in so mannigfacher Weise geboten, daß man wirklich in Verlegenheit ist, wo man anfangen soll. Ganz abgesehen von dem neuen Reglement über das Exerzieren der In» fanterie, über welches sich das militärische Genie des deut- schen Freisinns mit dem komplizirten Titel in der„Nation" in geradezu herzbrechend verhimmelnder Weise ausläßt, und von dem Anbrechen einer neuen Kulturepoche, die mit dem Achtmillimeter- Gewehr bei un» einzieht, haben die sozial- reformatorischen Elemente noch keinen Augenblick Zeit ge» funden, wo sie ihre müden, altersversorgenden Augen schließen konnten. Herr Stöcker ist aus den bayrischen Bergen mit gekräftigter Lunge zu uns zurückgekehrt, er tobt in Volks- Versammlungen und predigt über die Altersversorgung, in» dem er von allen möglichen Dingen, nur nicht von dieser redet. Herrn Stöcker ist der Kamm geschwollen; blühte er eine Zeit lang still und verborgen wie ein Veilchen, so drängt er sich jetzt hervor, um sich von den Arbeitern rüffeln zu lassen. Herr Stöcker muß selbst zugeben, daß die Ar- bester in allen Punkten in ihrer Kritik der Altersversorgung Recht haben, das hindert ihn jedoch nicht, zu behaupten, daß die Arbeiter sehr thöricht seien, weil sie nicht ihm und seines Gleichen ihre Stimmen geben. Eine gewisse Aus- dauer ist diesem Herrn keineswegs abzusprechen; wahrschein. lich spricht er so lange, bis er selbst an seine Reden glaubt. An Zähigkeit kommen ihm in dieser Beziehung gerade nicht sehr viel Menschen gleich. Inzwischen hatten sich auch die Vegetarier wieder einmal ein Stelldichein gegeben. Herr Förster, immer noch berühmt durch seine Kandidatur im sechsten Wahlkreis, hielt irgendwo vor irgend welchen Leuten einen Vortrag über die Aesthettk des Vegetarismus. Aesthetisch mag der machen, welcher dann der Vertretung zur Bewilligung vorgelegt werden soll. De» dteojästrig« vktober-Umzng veranlaßt nicht nur einen großen Wechsel der Berliner Woynungen, sondern fördert auch einen ungemein großen Zuzug von außerhalb zu Tage. Zahlreich steht man die schwerbeladenen Möbelwagen von den Bahnhöfen oder von den Chausseen durch die Straßen fahren, die oft eine weite Reise zurückgelegt haöen. Gestern und heut waren solche Wagen aus Zwickau i. S., aus Barmen, Elberfeld, Düsseldorf, aus Hannover, Hamburg, Stettin und anderen Städten nach Berlin gekommen, ein Beweis, daß Berlin nach wie vor seine Anziehungskraft auf die Bewohner tteinerer deutscher Städte ausübt. Nicht minder zahlreich ziehen aber auch Berliner von hier fort, und namentlich erhalten diesmal die um» liegenden Ortschaften einen recht ansehnlichen Zuwachs von bis» herigen Reichshauptstädtern. Di« Victoria regia unser«» Kotantsch«« Karten» hat die Hoffnung, daß fie noch im September zur Blüthe ge- langen werde, nicht erfüllt. Zum ersten Mal seit einer Reihe von Jahren hat fie in diesem Sommer nicht geblüht. Ja den nächsten Tagen wird fie ausgeschnitten und dann ihr Haus mit einer Gruppe ausländischer Nadelhölzer besetzt. Anziehend ist zur Zett die Kürdisanlaae, wenngleich auch fie durch die Un- gunst der Witterung zu leiden hatte. Ihre Früchte reizen durch ihr phantastisches Aeußere in Form und Farbe. Sie find keulen- förmig, birnenförmig, eirund, kugelförmig, oft mit unschönen Warzen dedeckt in fast allen Farbenrönen von Schwarz bis Purpur. Im Ärchideenhause blüht manches prächtige Exemplar. Von der großen Pfianzensendung aus Kamerun, von der vom Reiche ausgesendeten Expedition, entwickeln fich ins» besondere die amarillenartigen Knollengewächse vorzüglich, auch die meisten Orchidem treiben gut, weniger gut die Fame. Die größte zur Sammlung gehörige Knolle steht in einem Kübel und wiegt 80 Pfund. Auch fie hat noch Leben. Gesammelt find die Pflanzen vom Botaniker Johannes Braun, dem Sohne des verstorbenen früheren Direktors des Botanischen Gartens. Da fie Eigenthum des Reiches find, hat man fie in einem besonderen Hause untergebracht. Gin« arg« Knttänschung wird dieser Tage einem Bit» liner Kaufmann zu Theil werden, welcher, der bangen Geschäfts» sorgen müde, in angenehmer Begleitung auf dem Wege nach einer„besseren Wett", nämlich, nach— Amerika fich befindet. Kürzlich brachten wir die Nachricht, daß ein hiesiges Herren- Konfettionsgeschäft L. u. Co. mit Schulden in Höhe von 200000 M. verkracht sei, während die Aktiva ca. 60000 M. betragen sollen. Aber mit diesen„Aktivis" ist es ein eigenes Ding. Wir erfahren nämlich, daß Herr L. alles, was ihm an Baarmitteln zur Verfügung stand und was er in der Eile an Forderungen einziehen konnte, einem hiefigen Bankier übergeben und dafür einen Check auf ein New Norker Haus entgegen« genommen hat. Die„Früchte seiner geschäftlichen Thätigkeit" dachte er jenseits des Ozeans im Verein mit seiner Dame ohne Belästigung seiner Kreditoren zu genießen. In dieser schönen Hoffnung befindet fich L. gegenwärtig auf der Fahrt nach Amerika. Aber inzwischen hat der rührigste unter seinen Gläu« bigern den Geniestreich entdeckt und schleunigst Anstalten ge- troffen, daß die angewiesene Summe den Gläubigern nicht entzogen wird. Durch ein Telegramm an das New Borker Haus ist bereits dafür gesorgt, daß das Geld dem Flüchtigen nicht ausgezahlt wird. L. und seine Gefährtin dürsten also in diesen Tagen eine höchst unangenehme Ueberraschuna erleben. Erben«rrd«« gesucht. Der Apotheker Otto Retslag schreibt der„Pharmac. Ztg.":„Ich erlaube mir der Redaktion die Mittheilung zu machen, daß am Donnerstag, den 20. d. M., der Apothekendesitzer C. Schlausch zu Dobrilugk verstorben ist. Am Mittwoch Abend telegraphisch hierher berufen, habe vorn Gericht die Verwaltung der Apotheke übemommen. Da der Verstorbene ohne Hausstand und ohne bekannte Verwandte bezw. Erben sein soll, so möchte ich die Redaktion bitten, eine Mit» theilung in Ihrem Blatte zu bringen, um etwaige Verwandte und Freunde bezw. Erben desselben zu ermitteln. Di« W«int raub« ist augenblicklich das beliebteste Obst. Billig, wie fie in diesem Jahre ist, dabei gut gerathen, von ge» nügender Süßigkeit und mit reichlichem Fleischgehalt, bietet fie jeder anderen ähnlichen Frucht mit Erfolg die Spitze. Wir finden sie darum auch überall jetzt aufgestapelt: in den Schau» lüden der Delikatessenverkäufer, auf oen Obsttischen der tzökc» rinnen, in den Markthallen. Die Wüntraude hat nicht die Verbreitung, die fie verdient, denn fie stellt fich wenig theurer Vegetarismus sein, das räumen wir gern ein, nur von der Aesthetik allein wird man nicht satt, und ein Stein- träger beispielsweise müßte verschiedene Biskuitkuchen vertilgen, bevor er die zu seinem Gewerbe nöthigen Körperkräste gesammelt hätte. Aber die Vegetarier sind nicht so schlimm, wie sie sich stellen, in ihrem Speisezettel bemerken wir sogar„vegetarische Kotelettes". Man hat schon viele Dinge auf der Welt gesehen, aber das krummste blieb immer eine Prezel. Ein vegetarisches Kotelette bedeutet ungefähr soviel wie eine Lederschürze von Papier oder wie eine Marmorbüste von Holz. Za, wenn die Kotelettes und Beefsteaks— leider falle« mir die deutschen Bezeichnungen für diese Genuß» mittel im Augenblick nicht bei, sonst würde ich sehr gern herrschenden nationalen Drange folgen und mich der ge- liebten Muttersprache bedienen— also wenn diese Genuß- mittel an den Bäumen wüchsen, dann wäre es etwas anderes. Schließlich sind wir alle Vegetarier, wenigsten« eben soviel wie jener geistreiche Mann, der vorgab, ausschließlich von Kartoffeln zu leben, die Kartoffeln jedoch seinen Schweinen gab und nachträglich die Schweine verzehrte. Wenn jene Herren Vegetarier, die ohnmächtig werden, wenn einem Anderen die Nase blutet, nur wüßten, daß ihre ganze Agitation eine vollständig überflüssige ,st. Neun Zehntel der heutigen Menschheit gehört zu den Vegetarie n, allerdings nicht freiwillig, sondern dem eisernen' Zwange folgend. Herr Förster und die anderen Weltbeglücker, welche die Menschheit mit gelben Rüben und Schrotbrot füttern möchten, sollten sich nur ein einzige« Mal umsehen, was eigentlich von der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung genossen wird; sie würden sehr schnell gewahr werden, daß sie gegen die wenigen Wurstscheiben nicht so gewaltig in» Zeug zu gehen brauchen. Schließlich hat jede» Thierchen sein Pläsirchen, ünd da Herr Förster im Bunde mit seinem Thierschutzverein den städtischen Hundefang zu seinem speziellen Ressort gemacht hat, so soll er sich an dieser Errungenschaft genügen lassen-- für ihn ersetzt sie reichlich ein Reichstags- Mandat. als Apfel oder Birne, wofern diese wirklich gut find; überdies aber ist fle der Gesundheit um vieles zuträglicher als eine jede Druckt des Baumes oder Gartens. Zu der Zeit, als in der Mark Brandenburg noch ein reger Weinbau getrieben wurde und dort, wo heute der Roggen und die Kartoffel beinahe jede andere Felvfrucht verdrängt habm, die Rebe wuchs, war die Traube hier gewiß ebenso allgemein wie in den modernen Weingegenden. Strenge Winter, vor allem aber die Wirren des vreißigjähriuen Krieget welcher aus der Mark Brandenburg eine unwirsche Einöde machte, wo nicht einmal mehr der primi» tioste Ackerbau getrieben wurde— fie haben uns den Weinbau »erjagt. Daß so der Wein aus der Mark verschwand, ist aus mehr als einem Grunde zu beklagen. Schon der anmuthende Eindruck einer Landschaft wird erhöht, wenn Rebengewinde dieselben überspinnen. And aus dem gelblich schimmernden Laube blinkt die Traube als köstlichste Frucht, welche den Menschen von der gütigen Natur verliehen worden. Dazu kommt neben dem Wohlstand, welchen der Weinbau beinahe immer abwirft für den, welcher ihn treibt, der Frohfinn, welcher mit der Lese verbunden zu fein pflegt. Die schönsten Volksfeste gingen daraus hervor; Reigen- tanz und Gesang gohren gewiffermaßen aus der Traube» welche man eben von Spalier gebrochen: aus den Kehlen aber quillt eine Poefie. welche beinahe unzertrennlich ist von dem edlen Saft der Rede. Uederall, wo man fie pflegt, steht denn auch der ganze Herbst im Zeichen derselben; es giebt keine Art der Ernte, so viele ihrer auch der deutsche Landmann begehen mag, welche fich in freundlichem Gepräge und Reichthum des Er- träges mit derjenigen meffen könnte, welche der Rebenfrucht gilt. Aus allen diesen Gründen ist es entschieden zu bedauern, daß der Weinbau so gänzlich aus der Mark geschwunden ist. Und wenn auch die Boden- oder Temperatur oerhältniffe im Allge- meinen verbieten, daß der Wein gekeltert und als eventueller Konkurrent des ,, Grünedtrgers" in den Handel gebracht wird, so viel Wärme besitzt gleichwohl unler märkischer Herbst, daß die Traube reifi und wir somit ein Obst gewinnen, welches jedes andere fiegreich aus dem Felde schlägt. Unter den Drehorgelspielern giebt es» wie ein Re- porter meldet, auch einen Krösus. Derselbe hat allerdings eine bevorzugte Stelle im Thiergarten inne, wo Rachmittags die „Aparten" promeniren. Von ihnen fällt manche Mark für den armen Invaliden ab. Vormittags über verwaltet er seine beiden Häuser in Charlottenburg und nur zur Promenadenzeit dreht er Orgel. Seiner Tochrer konnte er baare 30000 M. mitgeben. Ihr Gatte ist der Inhaber eines bekannten Geschäfts, dessen Wahlspruch lautet:„Klingeln gehört zum Handwerk!"— Vielleicht Klingel-Bolle? Palizribcricht. Am 28. d. M. Vormittags wurde am Mühlenvomm die Leiche eines etwa 16 Jahre alten Mädchens aus dem Wasser gerogen und nach dem Leichenschauhause ge- bracht.— Gegen Mittag brachte fich ein Restaurateur in einem totel in selbstmörderischer Adstcht mittelst eines Revolvers einen chuß in die linke Schläfe bei. Er wurde noch lebend nach der Charitee gebracht.— An demselben Tage gerieth Bor« mittags auf dem Pappelplatz ein 4 Jahre alter Knabe unter einen Markrwagen und wurde leicht am Kopfe verletzt.— Ferner wurden Nachmittags in der Airdreassttaße ein 3 Jahre altes Mädchen durch einen Wagen des Moltkieidefitzers Wolter und Abends in der Oranienburgerstraße ein Arbeiter durch eine Droschke überfahren, und ersteres am Kopfe, letzterer an beiden Anterschenkeln verletzt.— Am 29. d. M. früh wurde ein Beamter in seiner Wohnung in der Winterfeldtstraße erhängt vorgefunden. Uergnügungs-Chronik. Projektirte« Uepertoire der königliche« Schau- spiele vom 30. September bis 8. Oktober. Im Opernhause. Sonntag, den 30.: Die Götterdämmerung; Montag, den 1. Ottober: Eoppelia, Die Prüfung; Dienstag, den 2.: Lohengrin(Herr Niemann); Mittwoch den 3.: Maria Stuart; Donnerstag, dm 4.: Der Trompeter von Säkkingen; Freitag, den 5.: M'gnon; Sonnabend, den 6.: Die Zauberflöte(Frl. Weitz a. G.); Sonntag, den 7.: Auf der Braut- fahrt; Montag, den 8.: Symphonie.— Im Wallner- Theater. Sonntag, den 30.: Auf der Brautfahrt. Gerichts-Ieitung. Gin er«st-r Streit zwischen VIzewirth und Miethern lag einer Anklage wegen schwerer Körperverletzung mit tödtlichem Ausgange zu Grunde, welche gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I gegen den Maurer Friedrich August Kaiser zur Verhandlung gelangte. Der Angeklagte war Mzewrrth des von vielen Parteien dewohnten Hauses Kastanien-Allee 88 und scheint ein besonders strenges Regiment geführt zu haben, wenigstens stand er mit der Mehnahl der Miether auf ge- spanntem Fuße und kleine Zwiitigkeiten und Wottplänleleien waren an der Tagesordnung. Am Abende des 22. Juni kam es auf dem Hausflur zu einer blutigen Szene. Das in dem Hause wohnende Arbeiter Haude'schc Ehepaar befitzt eine ficbzchnjährige Tochter, welche an jenem Abende von dem Angellagien auf der Treppe b.troffen wurde. Kaiser will von dem Besitzer die Weisung erhalten haben, jeden unnöthigen Aufenthalt der Miether auf den Treppen im Interesse der Hausordnung zu verbieten. Er kam nun dieser Weisung da- durch nach, daß er dem Mädchen wiederholt Faustschläge in's Genick versetzte und fie nach oben trieb. Die Mißhan velte klagte hierüber bei ihren Eltern, worauf ihr SOjähriger Vater fich vor die Wohnung des Kaiser begab, den letzteren herausrief und ihn zur Rede stellte. Nach kurzem Wortwechsel schlug Kaiser ohne weiteres auf ihn ein. Der Streit hatte verschiedene Haus- bewohntt herbeigelockt, welche gegen den Angeklagten Partei ergriffen und den Mißhandelten zum Widerstande aufforderten. Der Angeklagte zog es daher vor. sich in seine Wohnung zurückzuziehen, nach wenigen Augenblicken stürmte er aber wieder heraus und mit hochzeschwungenem Arm auf Haude los. Mit einem spitzen Instrument— wie fich später herausstellte, einem Schraudenschlüffel, den er fich aus der Wohnung geholt— versetzte er ihm einen wuchtigen Hieb in die rechte Brustseite. Das Instrument drang tief in den Körper des Haude ein und ein dicker Blutstrom entquoll der Wunde. Der Angeklagte versetzte ihm sodann noch einen zweiten Stich, der indessen nur zwei Finger der Hand verletzte, welche Haude abwehrend vorhielt. Der Schwerverletzte sank gleich darauf ohn- mächtig zusammen, er wurde zunächst zu einem Heflgehtlfen ge- bracht, mußte aber schleunigst nach dem Krankenhause geschafft werden, woselbst er nach 7 Tagen gestorben ist. Gegen den Thäter machte sich seitens der nach Tausenden zählenden Menschen- menge, welche fich nach der Blutlhat vor dem Hause angesammett hatte, eine äußerst erbitterte Stimmung gellend, man schlug ihm Fenstern und Thüren ein und die Polizei mußte ihn schützen. Der Angeklagte destritt seine Schuld, wollte im Zu- stände der Nuthwehr gehandelt haben und gab eine ganz andere Darstellung des Sachverhalts. Zunächst wollte er die Tochter des tzaude nickt geschlagen, sondern nur am Arme die Treppe hinaufgeführt haben. Haude, der etwas angetrunken gewesen, sei in seine Wohnung gedrungen und habe sofort mit der Faust auf ihn eingeschlagen. Es sei ihm gelungen, ihn zur Thür hinaus und auf den Hof zu drängen und hier seien auch viele von den anderen Miethern über ihn, den Ange- klagten, hergefallen, hätten ihm die Kehle zugeschnürt und ihn mißhandelt. In seiner Todesangst habe er auS der Tasche einen Schraudenschlüffel hervorgeholt, den er zufällig bei sich trug und mit diesem Instrument habe er blind- linas um fich geschlagen. Die Beweisaufnahme unterstützte die Behauptungen des Angeklagten in keinem Puntte. Ueber- einstimmend bekundeten die Zeugen, daß der Angeklagte der Angreifer gewesen und fich das Instrument, mit dem er stach, erst aus der Wohnung geholt, und ebensowenig konnte einer der Zeugen bekunden, daß der Angeklagte fich in bedrängter Lage befunden. Keiner der übrigen Miether war gegen ihn thätlich geworden. Die Sachverständigen begutachteten, daß zweifellos die Verletzungen die Todesursache des Haude gewesen. Kreisphyfikus Dr. Miltenzweig hielt es nur rächt für nach- weis bar, daß der Todesstich mit dem Schraubenzieher aus- geführt sei. wahrscheinlicher sei es, daß der Angeklagte ein längeres Instrument benutzte. Es blieb dieser Punkt unaufgeklärt, da nur einer der Zeugen eine nähere Beschreibung des Instruments zu geben vermochte. Er wollte ein etwa fuß- langes Dolchmeffer in der Hand des Angeklagten gesehen baden. Der Staatsanwalt plaidirte im Sinne der Anklage und führte aus, daß der Angeklagte nicht den Schraubenzieher, sondern ein längeres Instrument aus seiner Wohnung holte, mit dem er die That ausführte. Ter Vcrtbeidiger hiett Nothwehr für vor- liegend, suchte aber wenigstens dem Angeklagten mildernde Um- stände zu erwirken, welche die Geschworenen auch zubilligten. Der Staatsanwalt beanttagte eine Gefängnißsttafe von 3 Jahren, das Erkenntniß lautete auf 2 Jahre Gefängniß. Wegen Krlridignng des Fürsten Kivmarck hatte fich gestern der verantwortliche Redakteur des Beiblatts der„Frei- finnigen Ztg.", Schriftsteller Oskar G artz vor der IL«traf- tammer hiesigen Landgerichts I zu verantworten. In ihrer Nummer vom 28. April brachte die„Frcis. Z.", in ihrem Haupt- blatt, für welches ein Anderer verantwortlich ist, die der„Nat.- Ztg." entnommene Notiz, daß Kaiser Friedrich dem Fürsten Bismarck den Herzogstitel zugedacht, dieser aber diese Ehre mit Rückficht auf seine materiellen Verhältnisse abgelehnt habe. Drei Tage darauf fand sich im Beiblatt eine Briefkastcnnotiz folgenden Inhalts:„W. Westfalen. Wir wissen nickt, ob Prof. Biedermann den Wink verstanden und eine wettere Tamm- lung für den unbemittelten Millionär veranstaltet hat." Durch diese letztere Notiz sühlte fich der Reichskanzler beleidigt und stellte den Strafantrag. Der Staatsanwalt hielt jeden Zweifel darüber, daß Fürst Bismarck mit dem„unbemittelten Million är" gemeint sei, für ausgeschlossen. Professor Biedermann in Leipzig sei ein bekannter Verfechter der nationalen Sache und ein großer Verehrer des Fürsten Bismarck und es sei notorisch, daß fich derselbe hervoftagend an den Sammlungen zu einer Ehrengabe für ven Fürsten Bismarck bei Gelegenheit des 70. Geburtstages desselben betheiligt habe. Die Briefkastennotiz müsse mit der 3 Tage vorher erschienenen Notiz in Zusam- menhana gebracht werden und fie enthalte den Vorwurf, daß Fürst Bismarck'den Hinweis auf seine materielle Verhältnisse nur getban habe, um neue materielle Vortheile zu erzielen. Das sei eine schwere Beleidigung des Fürsten Bis- marck, für welche eine Gefängnißstrafe von 3 Monaten in Ansatz zu bringen sei.— Vertheidiger Rechtsanwalt Cassel hielt es für ganz unerklärlich, wie es möglich sei, daß diese doch nur ihrem vorliegenden Wortlaute nach zu prüfende Briefkastennotiz eine Beleidigung des Fürsten Bismarck enthalten solle. Von letzterem sei mit keiner Silbe die Rede und die Zusammenschweißung mtt dem drei Tage vorher erschienenen Artikel, für welchen ein ganz anderer verantwortlich sei, sei eine außerordentlich künstliche Kombination, welche erst der Denun- ziant, Redakteur Loys in Detmold, erfunden und welcher fich dann die Staatsanwaltschaft angeschloffen habe. Der Angeklagte bade unmöglich in jener Briefkastennotiz etwas Verfängliches finden können und müsse deshalb freigesprochen werden. Event. beantragte der Vertheidiger, durch Vernehmung des Professor Biedermann in Leipzig festzustellen, daß verselbe fich keineswegs in hervorragender Weise an den Sammlungen zur Ehrenaabe für den Fürsten Bismarck betheiligt habe.— Ter Gerichtshof beschloß, zunächst den Profeffor Biedermann nach dieser Richtung hin zu vernehmen. „Waldröschen" ist der duftige Name eines Theater- Vereins, welcher oben im Norden den Thespiskarren zu seinem Vergnügen zu schieden pflegt und seine besten Kräfte daran setzt, um den zahlreichen Mitgliedern, an deren Wiege Grazie und Talent zu Gevatter gestanden, die Pforten der Kunst recht weit zu öffnen. Die Stätte, an welcher der Verein„Waldröscken" der Göttin Thalia seine Opfer bereitet, scheint ein vollständiger Musenpalast zu sein, denn außer dieser Künstlergenossensckaft haben auch die Vereine„Fiametta" und„Cagliostro" daselbst sein Hauptquartier aufgeschlagen und dienen der Kunst mit all' dem Feuer, dessen ihre Seele fähig ist. Am 12. Mai hatte„Waldrö-chen" einen festlichen Abend veranstaltet, und der Beifall durchtobte wiederholt das Haus, denn die Leistungen der darstellenden Mtt licder waren von ganz beson- derer Güte. Arft der Bühne huschten die jugendlichen Lied- Kaberinnen eifrigst dt» u d her, zum Tbcil hatten fie sich in ein Winkelchen des Garderobezimmers zurückgezogen und handhabten die Puderquaste, um ihrem schon so schönen Teint noch den nötbtgen theatralischen Schliff zu verleihen. Auch Frl. S., die Tochter des zweiten Vereinsvorfitzenden, welche in einer der darauf folgenden dramattschen Kleinigkeiten eine Hauptrolle zu spielen berufen war, hatte im Garderobenzimmer die letzte ordnende Hand an ihre Kleidung gelegt und ihre Korallenbroche nebst Armband in einer Pappschachtel aufbewahrt. Als fie wieder zur Bühne herausttat, huschte ein schmuckes brünettes Mädchen mit feurigen Augen und schelmischem Lächeln in das Garderobezimmer hinein und Fräulew-S., welche fich erinnerte, daß diese junge Dame jüngst in einem anderen Verein auf derselben Bühne ein fesches Lied zum Vortrag gebrocht halte, fand in diesem Besuch des Gar- derobezimmcrs nichts Auffälliges, denn fie glaubte, daß die pikante Dame fich wiederum zu einem Gesangsoortroge rüste. Sie hatte aber falsch vermuthet und als fie nach einer Weile nach ihren Schmucksachen sah, waren dieselben verschwunden und mit ihr die junge Dame, über deren Persönlichkeit eigent- lich Niemand Näheres wußte. Der so schön begonnene Abend im Verein„Waldröecken" war durch diesen unliebsamen Zwischen- fall verdorben und Fräulein S. weinte ihrem Korallenschmucke einige Thränen des Abschieds nach. Das Glück war ihr jedoch günstig, denn nach acht Tagen traf fie die schöne Unbekannte, angethan mit ihrem Korallenschmuck, am Rosenthalcr Thor und, kurz entschlossen, ließ fie dieselbe verhaften. Auf der Polizei entpuppte fie fich als die I8jährige Margarethe Siedow, welche fich an jenem Abend in den Verein und auf die Bühne ein- peschlichen hatte. Sie behauptete zwar, daß fie ihr mufikalisches Talent für den Verein aufgeboten und ein schönes Kuplet „Ein z'spaßiges Ding" zum Besten gegeben habe, auch wollte fie die Schmucksachen von einer unbekannten Dame zugestellt er- halten haben Sie erwies fich jedoch in dieser Beziehung nur als eine schlaue Komödiantin, die der Gerichtshof zu 3 Wochen Gefängniß verurtbeilte. Vereine«nd Kersnmmwnse». • Kerlinrr Kanitätoverein für Arbeiter beiderlei Geschlecht».(E. H. 85.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß ich am 1. Oktober meine Wohnung und damit dl) Zahlstelle 29 des Berliner Sanitätsvereins von der Kurzestr. 3 nach der Neuen Jakodstr. 26 verlege; alle Mitglieder dieses Bezirks können ihre Beiträge täglich Abends von 8— 9t Uhr, außer Sonnabends, bezahlen dann auf der Zahlstelle der„Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Tischler und anderer geweiblicher Arbeiter" in der Jüdenstt. 33 im Lokal von 8—10 Uhr. Gleichzeitig werden auch neue Mitglieder ausgenommen. Arn. Karge, Neue Jakobstr. 26. Fachverei» de» iermtv und verwandten Berufsgenoffen. Am Sonntag, den 30. v. M., Vormittags 10 Uhr, in Heidrich's Lokal, Beuthstraße 20(Großer Saal): Große Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Einführung des Minimallohnes in der Metalldranche. Referent A. Körfien. 2. Dik-kusfion. 3. Ver- schiedenes und Fragekastcn. Der Wichtigkeit wegen ist es Pflicht eines jeden Formers, zu erscheinen. Auch find sämmlliche Gießermeister dazu eingeladen. »»rein der Steinhaner S«rli«-««d U«g»s-«>. Die Generalversammlung findet am Sonntag, den 7. Ottoder, Vormittags 9& Uhr, im Lokal Gartenstraße 123 statt. Tagesordnung: I.Kassenbericht. 2. Wahl eines neuen Vorstandes. 3. Verschiedenes. V«r»i« ,«r pflege de« freireligiöse« Kebe««. Sonntag, den 30. September er., Vormittags 10% Uhr, Nieder- wallstraße 20, Vortrag des Herrn Dr. Völkel. Religionsunter- richt�jeden zweiten und letzten Sonntag des Monats, Vormittags freireligiöse Gemeinde, Rosenthalerstr. 38. Sonntag, den 30. d. M., Vormittags 10 Uhr, Vortrag des Herrn Dr. Hans Spazier über:„Die menschliche Gesellschaft und der Staat in der Lehre Spinoza's." Damen und Herren als Gäste willkommen. Fachveretn der K«chbi«der««d»ermaudte« Se- r«f»ge»ofle«. Montag, den 1. Oktober 1688, Abends 8& Uhr, Vereinsvcrsammlung im Louisenstädtischen Klubhaus, Annenstraße 16. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. M. Baumgart über: Das deutsche Zunftwesen im Mittelalter. 2. Verschiedenes und Flagelasten. Gäste willkommen. Auf» nähme neuer Mitglieder. Freie Vereinigung der Grnnenr«, Ziseleur»««d Serufsgenosse». Versammlung Montag, den 1. Oktober, im„Dresdenergalten", Dresdcnerstraße 45. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Dolinski über den engUichen Dichter Shelley. 3. Verschiedenes. Der Kommers der Freien Vereinigung findet am Sonnabend, dm 6. Oktober, statt. Der Arbeirsnachweis defindet sich jetzt bei Müller, Simeonstraße 22, im Restaurant. Der Verein der Modelltischler hätt am Montag, Abends 8& Uhr, im„Vorstädtischen Kafino", Ackerstraße 144, seine Versammlung ad. Auf der Tagesordnung steht: 1. Verschiedene Vereinsangelegenhciten. 2. Fragekasten. Der Arbeitsnachweis des Vereins befindet fich beim Kasstrer W. Rüde, Feldstraße Nr. 9, v. 2 Tr. Verein»«r Wahrung der Iuterefl'-« der Schuhmacher und»ermaudte« K-rufsgeuolfe« Kerlin«. Montag, den 1. Oltoder, Abends 8i Uhr, Versammlung in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77—79 Tages- orvnung: Vortrag des Herrn Türk über:„Die Bedeutung der modernen Literatur." Fachverew der Kuchbiuder und»ermaudte«»e- rufogenoflen. Versammlung am Montag, den 1. Oktober, Abends 84 Uhr, im Louisenstärstischen Klubhause, Annmstr. 16. Tagesordnung: 1. Welchen Nutzen bietet die gewerkschaftliche Organisation? 2. Freie Diskussion und Fragekasten. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Sie Mitglieder de« Keiseuuterfuhuugsverbazde« chueider und Kerufsgenossen versammeln fich am Dienstag Kommandantenstraße 20. Tagesordnung: Welche Stellung nehmen die Mitglieder dem neugegründeten deutschen Schneiderverband gegenüber ein? Das Mitbringen des Mtt- gliedsducks ist rölhig. Mitglieder, welche am Erscheinen ver- hindert find, wollen ihre Adresse dem Unterzeichneten einsenden, damit ihnen das Verdandsorgan, welches nach dem 1. Ottober gratis geliefert wird, zugesandt werden kann. H. Jeschonncck, Münzstr. 28, 3 Tr. Verband deutscher Zimmerleute, Lokalverband Berlin Zentrum. Versammlung cm Dienstag, den 2. Oktober, Abends 84 Uhr, im Neuen Klubhaus, Kommandantenstraße 72. Tages- ordnung: 1. Vortrag über: Produktionslehre und idre Anwen- düng in der Praxis. 2. Wabl eines Vergnüciungskomitecmit« gliedes. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Versammlung der Mater und»ermandteu K-eufo- genofle« der Filiale III(Ost) am Dienstag, den 2. Ottoder, Abends 84 Uhr, Lichtendergerstr. 21, bei Heise. Tagesordnung: 1. Ärenzregelung. 2. Vortrag. 3. Ecgänzungswahl und Ver» schiedenes. Gäste haben Zutritt. Fach»er»iu der Tischler. Am Sonnabend, 13. Ottober, findet ein Vereinskränzchen m Heidrich's Festsälen, Beuthstr. 20, statt. Billcts hierzu werden auf allen Zahlstellen, sowie bei folgenden Herren ausgegeben: Apett, Sebasttanstr. 27—28 (Möbel Handlung); Wiedemann, Forsterstr. 50, 3 Tr.: Schulz, Britzerstraße 42, 4 Tr.; Glocke, Wrangelstr. 30, 8 Tr.(bis 1. Oktober); Noak, Skalitzerstr. 24, 4 Tr.; Postel, Manteuffel- straße 22 3 Tr.; Merkel, Zoffenerstraße 33, H. 2 Tr.(bis I. Oktober); Witte, Möckernstr. 95, 3Tr.: Milarg, Lehrterttr. 22, 2 Tr.; Bruns, Reichendergerstr. 105, 1 Tr.; Bielstein, Gartenstraße 3», 4 Tr. bei Biedermann; Haberland, Reickenderger» straße 169 v. 2 Tr.; Engeler, Gllsckinerstr. 32 v. 2 Tr. bei Fr. Schmidt; Müller, Hollmannstt. 23, H. l. 2 Tr; Normann, Steglitzerstr. 3 H. patt.; Hannemann, Kleine Andreasstt. 14 3 Tr. bri Sachse. Der Fach verein der Rohrleger veranstaltet sein dies- jähriges Wintervergnügen am Sonnabend, den 20. Oktober ct., Abends 8 Uhr, in Feuecstein's neu renovirtem Salon, Alte Jakobstt. 75. Billets find zu haben bei den Komtteemttgliedern Aug. Hirsck, flkaunynstr. 86; Kockel, Monbijouplotz 10; Handt, Langcstr. 74; Karpenliel, Nam.yustt. 87. Um recht zahlreichen Besuch wird gebeten. Turn- und gesellig« Vereine am Sonntag. Lübecksscher Turnverein(2. Lehrlingsabthcilung) Abends 6 Uhr Elisabeth» sttaße 57—58.— Tumverein„Wedding"(2. Lehrlingsabtheilung) sliachmittags 4 Uhr Pankstr. 9.— Turnverein„Froh und Frei' (Lehrlingsabthellung) Nachmittags 4 Uhr Bergstt. 57. Gesaug-, Turn- und gesellig» Vereine et», am Montag- Gesangverein„Unverzagt" Abends 8t Uhr im Nestau» rant Goering, Köpmckerstraße 127».— Gesangverein„Sängerlust" Abends 9 Uhr im Restaurant, Landsbergerstroße 80. — Gesangverein„Bruderbund" Abends 9 Uhr im Restaurant, Naunynstr- 78.— Männergesangverein„Weiße Rose"» Abends 9 Uhr im Restaurant Kleine, Gerichts» straße 10.— Männergcsangverein„Eintracht l" Abends 9 Uhr Köpnickersttaße 68, im Restaurant.— Gesangverein„Echo 1872" Abends 9 Uhr Oranimstr. 190.— Männergesangverein„Firmitas". Abends 9 Uhr bei Wolff u. Krüger, Slalitzerstt. 126, Gesang und Musik.— Turnverein„Hascnhaide"(Lehrlingsabtheilung) Abends 8 Uhr Dieffenbachstt. 60—61.—„Berliner Turngenoffenschaft" (7. Lehrlingsabtheilung! Abends 8 Ubr in der städr. Turn» Halle, Britzerstt. 17— 13;— desgl. 6. Äännerabtheilung AbenöS 8 Uhr in der städtischen Tumhalle, Gubcnerstt. 51.— Lübeck- schcr Turnverein(Äännerabtheilung) Abends 8 Uhr Elisabeth- sttaße 57—58.— Verein ehemaliger Schüler der Vll. Ge- meindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Poppe, Linden- straße 106.—„Friedrichs-Verein"(ehemalige Zöglinge des großen Friedrichs-Waisenhauses der Stadt Berlin) Abends 84 Uhr bei Bormann, Ohmgaffe 2.— Vergnügung-- verein„Lustig" Abends 9 Uhr bei Thamm, Schone hauser Allee 28.— Verein„Ratchor" Abends 84 Uhr in> Restaurant Fritze, Elisabethstt. 30.— Arends'scher Sten� araphenverein„Mercur" Abends 84 Uhr im Restaurant„Baatz Blumenstr. 10.— Arends'scher Stenographenoerein„Apollobund" Abends 8* Uhr Thurmstt. 31(Moabit.)- Wissenschaft' liehet Verein für Roller'sche Stenographie. Abends 84 Uhr ZC Münchener Bräuhaus, Neue Friedrichsstt. 1, Unterrichts- u? Uedungsstunde.— Rauchklub„Hellblau" Abends 49 Slalitzerstt. 143. Telegraphische Depesche». (Wolff's Telegravhcn-Bureau.) Kerlin, Sonnabend, 29. September. Zittch den neuesten Meldungen über den Aufstand an der ostafrikanischen Küste lind die Beamten der deutsch-ostafrikanischm Gesellschaft in den Häfen Lindi und Mikindani zur Räumung ihrer Stationen gezwungen und haben fich unversehit nach Sanfidar gerettet.— «n T)ar-es>Salaam und Bagamoyo herrscht augenblicklich Ruhe. — Pagani und Kilwa befinden fich noch in den Händen der Aufständischen, welche die Autorität des Sultans nicht aner- kennen und den nach dort mtsrndten arabischen Gouvemeuren desselben den Gehorsam verweigern. Den Insurgenten soll je- doch Geld und Munition ausgehen, sodaß ein baldiges Ende det Unruhen erwartet wird. Hamburg, Sonnabend, 29. September. Der Postdampfer „Albingia" der hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- Aktien- gesellschaft ist, von New-Aork kommend, heute Nachmittag 2 Ubr in Dover eingetroffen. Paris, Sonnabend, 29. September. Wie verlautet, wäre in dem gestrigen Ministerrath im Prinzip beschlossen worden, den Kammem den Verfaffungs-Revistonsentwurf vorzulegen. Die Details desselben seien noch nicht festgestellt, es wird jedoch allgemein angenommen, daß fich der Entwurf Haupt- sächlich auf die Befugniß des Senats hinfichtlich der Ge- nehmigung des Budgets beziehen wird.— Wie ferner verlautet, tbeilte Marineminister Krantz die neuesten Nachrichten aus Tongking mtt, wonach fich die dortige Lage sehr merklich ge- bessert habe, indem die großen Rebellenbanden aufgelöst seien. Klewe MittheUungen. Forst, 28. September. Auf Requisition der kgl. Staats» anwaltschaft ist gestem der Beigeordnete Olfe, nachdem er sein.s Amtes bereits gestern entHoden war, verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängniß abgeliefert worden. Es heißt, daß er fich Unterschlagungen und Urkundenfälschungen habe zu Schulden kommen lassen. Crch Wliche der Fabrik- und Handarbeiter Berlins. Dienstag» den 3. Oktober» Abends 8� Uhr» im Dereinshaus Süd-Ost. Waldemarstraße VS. Tages-Grdaimg: Die Alters- und Invalidettversorgttng der Arbeiter. Referent: Herr Max Schippel. Um zahlreichen Besuch bittet Oer Einberufer. tfgl. Preuss. 179. Lotterie. Ziehung 1. Kl. am 2. und 3. Octobei er Anthellloose'/» M. 6 25,'/,« H. 3,25, Vh M. 1,75, Vm M.] empf. n. versendet O. Lewin, Berlin C., Spandauerbrücke 16. Gleichet» Preis für alle Klassen. Planmassige Gewinn- Auszahlung. >W» Prospec te gratis und franco. Kranken u. Sterdekasie der Derliner Hausdiener<«. s. si.) 4« ordentlich» General Dersammlung Freitag, den 19. Oktober er., Abends 9 Uhr, Neue Grünstr. 28 bei Jordan. Tagesordnung: 1. Mitiheilungen. 2 Viertel- jahrsdericht. 3. Wahl des ersten Vorsigenden »vent. Stelloerlreters. 4. Verschiedenes. 5. Frage- kästen.[746 Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Psiicht jedes großjährigen Mitglievcs, zu er- scheinen. Quittungsouch legitimirl. Der Vorstano. A. Zieglcr, Weinbergsweg 7. Kranken- nnd Kegrabnitzkaffe d.Kau-« Fabrikarbeiter Kerlius (Eingetragene Hilfskaffe Nr. 13) Generalvelsammlung der Mitglieder am S o n n t a g, 7. Oktober 1883, Bonn. 10& Uhr, im Lokale des Hrn. S a e g e r, Grüner Weg 29. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Innere Kaffenangelegenheit. 3. Verschiedenes.[730 Das Kassenbuch legiiimirt. Um zahlreiches erscheinen der Mitglieder ersucht der Borstand. I. A.: W. Reinert. Di» Mitgliederversammlung des Vereins znr Unterstützung der Maurer im Meste» Keriins findet am Dienstag, d-.n 2. Ottober, Abends 3, Uhr, im Lokale des Herrn Franz, Kur- surften straße 31, statt. Tages-Ordnung: I- Abrechnung und Berichterstattung. 2. Neuwahl des Vorstanvcs.[731 - Berschiedene Vereinsaagelegenbeitcn._ Allgemein» Kranken- und Kt�rbekost» d«r dentschen Drechsler «.deren Kernfsgen-fl'««(E. H. 86, Hamburg). Aufnahmen finden jeden Sonnabend Abend «--10 Ubr statt;[735 im Norden Kl. Hamdurgerstr. 27 b. Mittschom, im Osten Langestr. 34 bei Girsch, im Süden Reichenhergerstr. 16 bei pähold, im Westen Zossenerstr. 33 bei6'A, l,'j, V«4 - M. 12.50 6 25 5.00 3.25 1.75 1.00 empfiehlt das Bank- und Lotterie-Geschäft Ludwig Müller& Co. Berlin C., Schloßplatz 7. Zweiggeschäfte in Hamburg, _ WOnohen und HOrnbcrg. WohtaöaK!" A.GoliseiiiWt 2. Gctobrr An d.Ipoiidaiier Drücke 6 am Haokschen HRarkt. Gefärbt wird für 2 M. . h r a.._______ f. f in sämmtlicken Farben, ganz echt: Damen-Kleider, Mäntel, Herren- Ueberzieher, Röcke, im Ganzen : oder getrennt, Möbelstoffe jeder Art,& Kilo 2 Mark, weiße Waffel-Bettdecken,& Paar 2 Mk, Herren-Anzüge gereinigt und gebügelt 2 Mark 50 Pf. Auf Wunsch werden die Sachen abge« holt und zugestellt, kostenfrei.[691 A Pergande, Färbermeister. Waldemardr. 50. part. Gegründet 1875. Zur Saison empfiehtt sein reichhaltiges Lager von Futterstoffe», sowie fämmtl. Artikel für Herren- schneidern zu Jnnungspreiscn ohne 1 pCt. Auf schlag.[745](C. Pohl, Junkcrstr. 18. 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Okt., Abends 5 Uhr, von Ver Leichenhalle d. Thomaskirchhofs aus statt. Die trauernde Wlttwe 748]_»ebst Kinder«. fFeuerbestattunsi! Vereinsbeitrag vierteljäbrl. 1 M. Anmeldung von Mitgliedern bei G. Astel, Breiteftr. 5.[756 "Dt" dem Herrn Ernst Heinrich [753 zugefügte Beleidigung nehme ich hiermit zurück. Fr. Wo Goldmaaren! bei koulantcn Zahlungsbedingungen Prinzeu» straff« 15, part» recht«._[740 Homöopath. Klinik für Brrfft-, Unter» �. leibs-, Geschlechts-, Frauenkrankheiten. Für Kassenmitglieder Ermäßi» gung. Br. Hoesoh, Friedrichstt. 108, l. 8 bis 10, 5—7 Uhr. Sonntags nur Vorm.[714 Für Arbeiter! Gute elegante Herren- und Knabengarderobe, in großcr Auswahl, gute getr. Hosen von 2 M an. 674] O. Sommerfeld, Oranienstr. 199. Ki» der Wächter s-cktiefft![664 werden von heute ad an Meister, Gesellen, Burschen die verfallenen Hosen, etwas getrag-rr, für 3—5 Mark, Jaqucits für 4—7 Mark, auch gute Anzüge für 11— 19 Mark, Sommer-Paletots für 7—16 M. Linienstr. 88, parterre, verkauft. 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