Mr. 282. Mrttuwch, de« 3 Oktober 1888. 3 ItckrO» SckimVMIÄ. Lrgan für die Interessen der Arbeiter. JitUtts Kracker f. Der Freudenbotschaft, die kürzlich der sozialdemokrati- schen Partei durch den glänzenden Sieg Liebknecht'S im 6. Berliner Wahlkreise widerfuhr, folgt eine Trauerbotschaft aus Breslau auf dem Fuße. ZuliuS Kräcker, der Vertreter der Partei im Reichstag für den Westkreis Breslau, ist nicht mehr, er ist den Folgen eine» Nierenleidens verbunden mit Wassersucht und, wie es heißt, Magenkrebs, am Dienstag erlegen. Die Partei hat in dem Personenstande ihrer Vertreter im letzten Zahre schwere Schläge erlitten. Dem Verluste Wilhelm Hasenclever's, der unheilbarem Wahnsinn verfallen ist. folgte der Tod Kayser'S, und diesem als Dritter im Bunde nunmehr ZuliuS Kräcker. Vor einem Zahre würde niemand geglaubt haben, daß die drei Freunde so rasch hmtereinanoer dem Kreise ihrer Wirksamkeit als Vorkämpfer des Proletariats entrissen würden. Durch den Tod Max Kayier'S und ZuliuS Kräcker'« verliert speziell die Breslauer Sozialdemokratie ihre Kandidaten für künftige Wahlen zum Reichstag; sie muß sich nach neuen Kräften umsehen. ZulmS Kräcker ist am 26. Zuni 1839 in Breilau geboren, er vollendete also vor wenig Monaten sein 49. LebenS- jähr. Sohn armer Eltern, besuchte er anfangs die Fabrik- oder sogenannte Abendschule»u Breslau, dann die Elementar- schule, die er mit dem 14. Jahre verließ, um das Sattler- Handwerk zu erlernen. Als ehrsamer Sattlergeselle bereiste rr große Theile von Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Rußland und kehrte Mitte der sechziger Zahre nach seiner Vaterstadt Breslau zurück. Zm Zahre langen Handwerks- durfchenleben hatte er des Arbeiters Freuden und Leide» kennen gelernt, und die letzteren sollten ihm auch im Laufe des weiteren Lebens nicht erspart bleiben. Geistig geweckt und auf seine Ausbildung emsig bedacht, konnte er von der Bewegung, die in den sechziger Jahren immer weitere Kreise der Arbeiter ergriff, nicht unberührt blerben; aber er war längere Zeit unentschlossen, welcher der beiden damals im harten Kampfe miteinander liegenden Richtungen er sich anschließen sollte. Er gründete im Jahre 1867 mit gleichgesinnten Freunden den BreSlauer Arbeiter- verein, dessen thätigeS Vorstandsmitglied er wurde; 1869 schloß er sich nach dem Eisenacher Kongreß der sozialistischen Ardeii erpartei an und war von da ab für diese ununterbrochen agitatorisch thätig. Die Folge war die gleiche, die bisher»och fast alle Arbeiter traf, die für die BefreiungSbestrebungen ihrer Klasse eintraten, er wurde ge- maßregelt und fand fortan keine Stelle mehr für die Aus- Übung seine« Gewerbes. So wurde er mit Gewalt in die journalistische Laufbahn gedrängt und wurde nacheinander Mitredakteur der„Wahrheit", de«„BreSlauer Tageblatt" '.«-chdruck»ettotai.] Ieuilleton. (5 Die Kitter der Arbeit. Aui dem Amerikanischen de« Z o r. Uedersetzt von Natalie Liebknecht. Diese SonntagSzusammenkünfte brachten ihn mit den Leitern und tüchtigsten Männern der verschiedenen Kewerke in Berührung, und wenn er auch selbst nur selten etwa« sagte, so konnte er auS de« fortwährenden Berathungen über verschiedene Angelegenheiten der Gewerke, über die allgemeinen Ziele und da« Wohl des Ordens viel lernen. Er war sehr erstaunt, wie diese Maurer auch mit den Gewerke« der anderen Mitglieder vertraut waren. Zeder sprach von den Angelegenheiten s ä m m t l i ch e r Gewerke, at« seien eS die seines eigenen. Heute war der Haupt- gegenständ der Unterhaltung ein regelrechter Boycott, wel- chen die Maler erklärt und den alle übrigen„Versammlungen" gut geheißen hatten. Wallace bat Nolan, ihm den Ursprung dieses Boycott genau zu erklären.„Die Sache ist," sagte Nolan, ..daß diese Dampfschifffahrtsgesellschaft, die wir boycotten, un« zuerst geboycottet hat. Sie setzten unsere ganze Maler- »Versammlung" auf die Schwarze Liste, gaben unS keine »rbeit und ließen eS sich viel Geld kosten, um Nicht- lln,o»,leute zum Anstreichen und Bemalen ihrer Boote zu tfxj™!*"' mit denen wir fahren sollten. Nun haben wir beschlösse, daß wir in ihren Booten nicht fahren, und wir werden Zedermann sagen, warum wir ihnen unsere Kund» jchaft nicht geben." «Aber glauben Sie. Mr. Nolan, daß wir zahlreich gcnuy sind, um diese DampsschifffahrtSgesellschaft ernstlich zu schädigen?" „Nun, mein lieber Zunge, wir hoffen, immer mehr zu wachsen. Diese billigen Bootfahrten auf dem Fluß sind so »remlich die einzige Erholung, die wir Lohnarbeiter und deS„Schlesischen Kourier". Da« Sozialistengesetz und die darauf erfolgte Unterdrückung der sozialdemokratische» Presse machte Kräcker wie so viele andere abermals brot- und existenzlos. Er begann ein Zigarrengeschäft zu eröffnen, da« ihm aber die gesuchte materielle Stelluna nicht ge- währte, und wurde er Mitinhaber der Firma: Buchdruckerei und VerlagSgeschäst Silesia W. Kuhnert u. Komp. in Breslau. Wie diese Buchdruckerei, die Kräcker'S Privat- eigenthum war, von der Breslauer Polizei al« Eigenthum einer sozialistengesetzlich verbotenen Verbindung an- gesehen wurde, deren nomineller Eigenthümer Kräcker nur sei, und wie auf Grund dieser Auffassung die Polizei die Druckerei konfiszirte und verkaufte ist durch die bezüglichen ReichStagSverhandlungen auch weiteren Kreisen bekannt geworden. Kräcker verlor sein Eigenthum, obgleich die Zivilkammer deS BreSlauer Landgerichts ausdrücklich dasselbe al« unbezweifelbar anerkannte. Zm Jahre 1877 wurde Kräcker zum ersten Mal von seinen BreSlauer Parteigenossen als ihr Kandidat im West- kreiS zum Reichstag aufgestellt. Er erhielt 4347 Stimmen und kam mit dem Kandidaten der Fortschrittspartei, Prof. Dr. Hänel, in engere Wahl, in welcher er unterlag. Das gleiche Schicksal erfuhr er im Zahre 1878, als infolge der Auflösung deS Reichstag« nach dem Nobiling-Attentat Neu- wählen stattfanden; er unterlag ebenfalls wieder in engerer Wahl dem fortschrittlichen Kandidaten Bürgers mit 8819 Stimmen gegen 10 217. Als wegen des einige Monate später erfolgten TodeS Bürgers eine Nachwahl im BreSlauer Wahlkreis stattfand, warihm da« Wahlglück abermal» nicht hold, er unterlag mit 7544 Stimmen gegen 8960, die auf den Fortschrittlcr Freund sielen und zwar abermals in der engeren Wahl. Breslau bietet überhaupt das Bild, daß von 1877 bis 1887 keine endgiltige Wahl ohne engere Wahlen zu Stande kam. Endlich im Zahre 1881 erlangte Kräcker den Sieg über seinen Gegner, er wurde in der engeren Wahl mit 8313 gegen 7898 Stimmen gewählt und vertrat seitdem bis zum Tage seine» Tode» den Westkrei« Breslau. Während in der Kriegshetze de» Februars 1887 der Ostkreis Breslau an die Konservativen verloren ging, behielt er den Wahlkreis in engerer Wahl mit 10779 Stimmen. Kräcker war kein hervorragender Redner, dazu fehlte ihm da« Zeug, aber er zeichnete sich durch große Sachkunde in allen Arveiterftagen aus und nahm sehr thätiaen Antheil an allen Berathungen der Fraktion, die ihn auch mehrmals als ihren Vertreter in verschiedene ReichStagtkommisfione» delegirte. Kräcker gehörte neben seinem Freunde Hasenclever zu denjenigen Reichstagsabgeordneten, gegen die auf Be- treiben des Reichskanzlers die bekannten Diätenpro- zesse in Szene gesetzt wurden. Seine Verurtheilung zur haben, und dieses Boycott ist nicht nur für einen Tag verhängt. Sie werden noch lange davon hören und es befolgen, so lange Sie leben, eS sei denn, die DampsschifffahrtS- Gesellschaft ergiebt sich. Wir sind auS- gelacht worden, weil wir eine so reiche Gesellschaft angriffe», aber, mein lieber Bursche, als Ritter der Arbeit wissen wir, daß das Geschäft dieser Herren reich geworden ist von den Fahrkarten zu 25 und 50 CentS'), die Leute, wie Sie und ich bezahlt haben. Nehmen Sie an, nur einige Hundert von uns gehen dieses Jahr in anderen Booten— sagen wir nur ein Hundert— und jeder macht zehn Fahrten, das find tausend Fahrten zu 50 CentS. DaS allein würde das Geschäft in diesem Sommer um 500 Doll. schädigen. Wir verdoppeln die Zahl nächsten Sommer,— dann macht e« 1000 Dollar»; die folgenden Sommer find e« 2000, dann 4000 u. s. w. Würden die Herren das nicht fühlen? Und diese Schätzung ist sogar die niedrigste, die überhaupt gemacht werden kann. Vergessen Sie mcht, was ich sagte: zwei Sommer und wahrscheinlich noch weniger werden diese große Gesellschaft zur Vernunft bringen. Ja, mein Junge, dieses Boycotten wird im Laufe von 1 bis 2 Jahren mehr zur Herbeiführung von Schiedsgerichten thun, als die Streiks in einem Jahrhundert getha» habe«. Wir boycotten und leben dabei, während wir sonst zu streiken pflegten und dabei hungerten." „Hat diese Organisation nichts andere« zu thun, als ewig zu boycotten und zu streiken? Ist keine Hoffnung auf Frieden?" „Harry, Sie find noch ein Neuling im Orden und mit seinen Prinzipien noch nicht vertraut. Als Ulrich S t e- v e n S den ersten Grundstein legte, wurde an den Boycott noch nicht gedacht. Man wollte Schiedsgerichte, d. h. die Streitigkeiten zwischen Arbeit und Kapital sollten durch unparteiische Personen gütlich beigelegt werden. Hier in Washington wurde uns sehr bald klar, daß, so ge- >) Der Dollar— ungefähr 4M.— theilt sich in 100 Cents. Der Cent ist also ungefähr das Vierfache eines Pfennigs, wobei jedoch zu derückstchtiaen ist. daß in den Vereinigten Staaten das Geld weit weniger Werth oder Kaufkraft hat, als bei uns. Zahlung der von seiner Partei empfangenen Diäten an deir tiSkuS führte zur Auspfändung und Versteigerung seine» auSrathS, ergab aber ein so geringes finanzielles Resultats daß nicht einmal die Prozeßkosten gedeckt werden konnten. Kräcker war schon vor Jahren wegen Verletzung de» § 130 deS Strafgesetzbuches zu 3 Monaten Gcfängniß ver- urtheilt worden, die er auch verbüßte. Im vorigen Jahre wurde er m Breslau in einen der jetzt grasfirender Geheimbundsprozesse verwickelt und al» angeblicher Leiter einer angeblichen geheimen Verbindung an- geklagt. In seiner Fraktion, wo man Kräcker'S entschiedene Ab» »eigung gegen alle Geheimbündelei kannte, war man von seiner Unschuld vollkommen überzeugt und hielt Anfang» eine Anklage und, al« diese dennoch erfolgte, eine Verur- theilung für ganz unmöglich. Man hatte sich getäuscht. Zunächst mußte Kräcker erleben, daß man ihn am 18. Juni vorigen Jahre« bei Schluß des Reichstags fast vor der Thüre desselben auf Antrag der BreSlauer Staatsanwalt- schast verhaftete und bi« zum November vorigen Jahres in strenger Untersuchungshaft hielt. Und in der damals statt- findenden Prozeßverhandlung geschah dann ebenfalls da» Unerwartete, daß er als einer der Führer der in Breslau bestanden haben sollenden geheimen Verbindung mit sieben Monaten Gefängniß bestraft wurde, wobei ihm die fünf Monate Untersuchungshaft nicht angerechnet, sondern al» verbüßte Strafhaft mit angesehen wurden. Diese sieben Monate trat Kräcker am dritten Osterfeiertag an, an welchem Tage er abermals auf Befehl der Staatsanwaltschaft uner- wartet verhaftet wurde, um das Gefängniß nur als Ster- bender zu verlassen. Kräcker litt schon seit längerer Zeit an einem Lebcr-- und Nierenleiden, das aber durch die Verfolgungen und Drangsalirungen und die schließliche Prozessirung und In- Haftnahme unzweifelhaft hochgradig gesteigert wurd'. Dazu kam die Sorge um eine neue Existenz, sobald er die Haft verlassen würve. So starb Julius Kräcker als ein Opfer des Sozialisten- gesetzes im Dienste der Partei, der er während zwanzig Jahren treu gedient. Arm in die Bewegung eingetreten, hinterläßt er mittellos feine Frau und zwei zum Glück schon erwachsene Kinder. DaS deutsche Proletariat wird sein Andenken in Ehren halten. Politische Ueberstcht. N»kvr dt» Parteizugehörigkeit de» Dr.«effcken streiten stcb jetzt die Kartellblätter untereinander. Die„Post" dezeichnet ihn als„klerikal-konservativ". rechnet ihn also„mehr mäßigt wir auch auftraten, die Herren Meister doch nie auf ei» Schiedsgericht eingingen. Wir gingen bei den Jrländern in die Schule— und führten ihren Boycott ein al»„Schiedsgerichtsmahner": und bis jetzt hat er wie ein Zauber gewirkt. Aber wir sind überzeugt, daß das Prinzip deS Schiedsgerichts zur Geltung kommen wird, wenn wir für unsern Kampf, das Feld der Gewalt und der Kraft- proben, auf welchem die Streiks sich bewegen, mit dem Feld ftiedlicher Auseinandersetzung vertausche». Die Zeit wird kommen, wo man den Profit des Arbeitgeber« eben so gut kennen wird, wie den Lohn der Arbeiter. Wenn diese Zeit kommt und die Bezahlung des Arbeiters fcstge- stellt ist im Verhälwiß zu dem, was er dem Arbeitgeber schafft, und wenn das Festgestellte in ruhigem, fticd- lichem Einvernehmen auch gehalten wird, dann gehört der Boycott der Vergangenheit an, dies, mein Junge, ist aber nicht alles, was die Ritter der Arbeit erstrebe». Sie gehen weiter und hoffen noch mehr zu erreichen. Die Errichtung von Schiedsgerichten wird für immer diese nicht aufhörenden, erbitternden Klassen- kämpfe beseitigen, die das Ergebniß desjenigen Lohnsystcm» sind; und wir werden mehr Muth haben zur Lösung di» ArbetterproblemS— jenes großen Problem«, daS alle Probleme der Erde umfaßt. Ja, mein lieber Bursche, wir hoffen schließlich die Prinzipien einer neuen politischen Oekonomie') festzu- stellen, die lehren wird,„daß die beste Regierung diejenige ist, unter welcher das dem bescheidensten Bürger zugefügte Unrecht al» der Gesammtheit z u g e f ü g t g i l t. Wir bekämpfen die brutalen Lehrsätze jener alten Schule der polittschen Oekonomie. welche die Männer und Frauen der ganzen Erde zu Sklaven macht. Mr. Wallacc, Sie müsse» einige der alten Schriftsteller lese«— z. B. Adam Smith'»„Wealth of Nation," („ Reich th um der Nationen") und Ricardo. Lesen Sie etwas von den blödsinnigen und unmenschlichen ') Pohtical Economy- der englische Name:„politische Oekonomie" ist weit paffender alS der bei uns gebräuchliche: Nationalökonomie. der„Kreuz�eitung" zu", andere dagegen bezeid&ncn ihn gerade als freikonservativ. Im übrigen haben die Offiziösen nunmehr dem ganzen Lebenswandel des Herrn Geffcken nachgespürt und herausgefunden, daß ein so schlimmer Reichsfeind kaum in Deutschland bisher cxistirt bat. Die Reichsfeindschaft wird de- wiesen damit, dah Herr Geffcken vor 1866 für den Herzog Friedrich in Schleswig Holstein eingetreten ist. Dann ist dieser schlimme Reich? fetnd„auf Belreiben des Kronprinzen, welcher Herrn Geffcken sein Vertrauen zugewandt hatte", an die Uni« «crfität Slraffburg berufen worden. Weiter hat Herr Geffcken 1875 eine ketzerische Anficht über die Stellung des Fürsten Bis- marck zum Kulturkampf geäußert. Dann hat im Jahre 1876 ihn„der Kronprinz für eine Verwendung im diplomatischen Dienst empfohlen". Endlich hat Herr Geffcken im Jahre 1887 in einem Artikel in der„Contemporarq Review" ausgeführt, daß die Septennatsirage für Krieg und Frieden ohne Bedcu- tun« gewesen.— So habe dieser schlechte Mensch zusammen „mit Welsen, Polen, Dänen, Elsäffern, Ultramontanen, Fort- schnttlern und Sozialdemokraten gegen die Bewilligung des Septennats gekämpft."— Was es doch für schlechte Menschen auch unter den Konservativen flieht. Neue 100 Millionen für de« Marineetat._ Herr Schweinburg telegraphirt dem„Franlf. Journ.", daß für die nächsten 5 Jahre zu Sckiff? bauten für die Marine zusammen 100 Millionen, also jährlich zwanzig Millionen Mari verlangt werden würden.— Mehr nickt? Der ehemalige Gberoffizios««» will sagen der Leiter des offiziösen Preßbur aus der preußischen Regierung, Geh. Ober Reg.-RaiH Dr. Ludwig Hahn ist am Sonntag Vormittag in Berlin verstorben. Hahn erhielt 1850 einen Ruf zum Ein- tritt als Htlfearbeiter in das Unterrichtsministerium; aus diesem trat er 1855 in das Ministerium des Innern über und wurde zum Geh. Regierungsrath ernannt. Im Jahre 1858 unter dem Ministerium Echwerin-Auerswald als Provinzial-Schulrath nach Stralsund versetzt, wurde er durch den Minister v. Jagow 1862 als vortragender Rath in das Ministerium des Innern zurück- berufen. In dieser Stellung bearbeitete er vorzugsweise die Politischen und Preßangelegen besten und begründete während der Konfliktszeit die„Prooinzial-Korrespondmz". welche er bis zu seinem Amscheiden aus dem Staatsdienst leitete. �1882 schied Dr. Hahn infolge schwerer Erkrankung aus dem Staalsdienst. Reben seiner amtlichen Thätigkeit widmete fich Hahn umfang» reichen literarischen Arbeiten, die zumeist eine Verherrlichung des Fürsten Bismarck und seiner Politik bezweckten. Astaire Ehrenberg schreibt man der„Zür Post" aus dem Großherzogthum Baden:„Die Nachricht, der schwei- zerische Bundesrath weigere fich, die Untersuchungsakten in Sachen Ehrenberg an das Militärgericht in Karlsruhe auszuliefern, weil Ehrenberg eines polilischen Vergehens angeklagt sei, hat vielfach überrascht. Es mag sein, daß damit der Bundes- rath korrekt handelte! um so mehr muß aber dann auffallen, daß er diese Korrektheit nicht von vornherein beobachtete, son- dein ein Verfahren einschlug, das von seinem jetzigen Stand- punkt als höchst inkorrekt angesehen werden muß. Als im Juli d. I. der Reichstagsabgeordnete Bebel den schweizerischen Bundesrath um Abschrift gewiffer Aktenstücke aus der Unter- suchung betreffend Ebrenberg zur Ueberlieferung an das Armee- gerichl in Karlsruhe bat, wurde ihm dieses mit der Motioirung verweigert, daß Akten oder Kopien derselben an Privatpersonen nicht ausgehändigt werden können. Wenn dagegen ein amt- liches Ansuchen in Begleitung eines Requifitorials eingebe, aus dem zu ersehen wäre, was den Gegenstand der Untersuchung Hilde, so könne eine solche Herausgabe zu vorübergehender Be- nützung in Erwägung gezogen werden und unter der Be« dingung, daß die Akten wieder zurückgeliefert würden, auch erfolgen. Das bezügliche Schreiben des Bundes» raihs hat nun seinerzeit der Abgeordnete Bebel dem Armeegericht in Karlsruhe zugestellt. Letzteres reichte hierauf direkt den Antrag um Herausgabe gewisser Aktenstucke ein und zwar unzweifelhaft unter Angade des Gegenstanves der Unter« suckung, nämlich hochverrätherischer bezw. landesverräthischer Um» triebe. Obgleich nun hiernach es fich um ein hochpolitisches Ver» gehen handelte, nahm der Bundcsrath im August leinen An- stand, die verlangten Aktcnuücke im Original dem Armee» oerichte in Karlsruhe zu schicken. Erst als letzteres nunmehr auf CS rund d.s bedenklichen Inhaltes dieser Papiere um Ueder- laffung auch der übrigen in Bern einkam, scheint man dort plötzlich anderen Sinnes geworden zu sein und verweigert nun die Herausgabe. Woher diese Inkonsequenz? Hier ist die Auf- fassung verbreitet, daß diese plötzliche Weigerung auf den dnn» aenden Wunsch von sehr einflußreicher Seite in Deutschland zurückzuführen ist, damit es dem Armeegericht trotz der bereits vorliegenden, sehr lompromittirenden Aktenstucke noch möglich wird, die Anstrengung eines Prozeffes gegen Ehrenberg ablehnen zu können. Die Haltung des schweizerischen Bundesrathes in dieser Affaire ist eine eigenthümkich schwankende." I« Zachen der Alters- und Invalideuverfichernug hat der ZentralverdanV deutscher Industrieller, das Organ der Großbourgeoiste Deutschlands, eine Resolution gefaßt, die in folgenden 6 Punkten gipfelt:„1. Im Anschluß an seine früheren Kundgebungen hält der Zentralverband die Errichtung erner Lehren deS M a l t h u s, und dann lesen Sie Henry Georg e.", Horaz Wallace fing an zu verstehen, daß die Arbert, welche vor ihm lag, beinahe überwältigend war, und nunsbegriff er, warum die Ritter der Arbeit so hartnäckig auf Er- z i e h u n g bestanden. Es begann ihm aufzudämmern, daß die intelligenten Arbeiter unseres Landes fich auf einen revolutionären Kampf vorbereiteten, dessen Waffen nicht Werkzeuge des Kriegs und der Zerstörung, sondern die friedliche Berufung an die Gerechtigkeit und Vernunft des Publikums sein werden. Er fing an zu fühlen, daß in einem Lande, wie dem unsrigen, wo daS Volk souverän ist und selbst herrscht, unendlich viel von„Agitation, Organisation und Erziehung" zu erwarten sei. Einige Stunden später grngen Mr. Wallace und Miß Simpson einen der belebtesten Wege von Washington ent- lang dem Walde zu. „Ah Maud," sagte Mr. Wallace,„diese Arbeiter-Organi- fation, für welche Sie sich so sehr interessiren und zu welcher ich jetzt gehöre, steht weit über dem, was wir beide uns träumen ließe«, und doch fühlte ich, daß ich erst wenig oder nichts von ihrer Philosophie verstehe. Ich dachte, eS sei nur eine Organisation oder richtiger eine Vereinigung zu dem Zweck, die Löhne der Mitglieder aufrecht zu erhalten «der zu erhöhen; aber nun werde ich belehrt und fange an, einzusehen, daß die Ritter der Arbeit viel höhere Ziele ver- folgen. Selbstverständlich ist die Regelung der Löhne für den Augenblick eine Wohlthat und Viele gehören zum Orden, die an nichts weiter denken, allein die Gründer des Ordens und die vielen tieferdenkenden Männer, die den Geist der Gründer erfaßt haben, hoffen mindestens die Saat zu einer vollständigen Revolution in die gegenwärtigen Systeme unserer politischen Oekonomie zu säen. Die Männer, mit denen ich heute zusammen war, schienen dies als ihre Lebensaufgabe zu betrachten. Grauköpfe und Greise, die für sich persönlich auf keine greifbaren Vortherle mehr hoffen können, sprechen von den kommenden Generationen. Ich weiß wenig und nichts weiter von dieser neuen politischen Oekonomie, als was ich so im Allgemeinen darüber gehört habe, aber ich entnehme aus dem mir Mitgetheilten, daß sie Reicksverficherungsanflalt für den besten Weg zur Durchfübrung der Jnvatiden- und Altersverfickerung der Arderter. 2. Sötern der Errichtung einer Reichsverficherungsanttalt unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstehen sollten, erklärt fich der Zentral- verband mit der in dem vorliegenden Gesetzentwurf aufgestellten Organisation in der Voraussetzung einverstanden, daß die zu errichtenden Verficherungsanflalten möglichst große Bezirke, wie die Gebiete der einzelnen Bundesstaaten bezw. diejenigen meh- rerer Bundesstaaten umfassen, so daß demgemäß innerhalb eines Bundesstaates nicht mehrere Verficherungsanstalten errichtet werden. 3) Der Zentralverband spricht fich ionach nach wie vor dagegen aus, die Berutsgenoffenschaften zu Trägern der Jnva- liden- und Altersverficherung der Arbeiter zu machen. Er empfiehlt indrß die seitens der unteren Verwaltunasbchöide zu bewirkende Inanspruchnahme der Krankenkassen zur Begutachtung des Anspruches auf Bewilligung der Rente. 4. Der Zentral- verband bleibt bei serner Anficht stehen, daß die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeiter nicht nach Maßgabe des Kapital- deckungsverfahrens, sondern im Wege des Umlageverfahrens, und zwar vom Tage des Inkrafttretens des Gesetzes in der Werse aufzubringen find, daß jährlich laufende Beiträge in einer die Ansammlung starker Reserve fichernden Höhe erhoben werden. 5 Der Zentralverband erachtet den von dem Gesetzentwurf in Ausficht genommenen Zu- schuß des Reiches für unbedingt erforderlich und ohne denselben die allgemeine und obligatorische Invaliden« und Altersverficherung für undurchführbar. Ohne den Reichszuschuß würde auch die in dem Gesetzentwurf vorgesehene, wescntktch auf der Wirksamkeit von Beamten bemhende Organisation für den Zentralverband unannehmbar sein. Der Zentraloerdand hält daher für recht und billig, andererseits auch für geboten, daß das Reich auch ein Drittel der infolge der Durchführung der In» validen- und Altersverficherung erwachsenden laufenden Ver- waltungslosten trage. 6. Der Zentraloerdand erklärt ausdrück- [ich, daß er vom Standpunkte des Arbeitgebers auf die Einführung des Quittungsbuches durchaus keinen Werth legt, daß ihm caber jedes andere gleich wirksame Mittel zur Feststellung und Kontrole der gezahlten Beiträge ebenso genehm ist wie das Quittungsbuch. Der Zentralverband hält für nöthig, im Gesetz ausdrücklich aus- zusprechen, daß die lebensfähigen Knappschafts-, Fabrik- und andere Kassen auch für die Leistungen, welche der vorliegende Gesetzentwurf fordert, beizubehalten find in derselben Weise, wie solche vom Volkswirthschaftsrath beschlossen worden ist. Der Zentralverband behält fich vor, nach Kcnntnißnahme der Motive zu den speziellen Bestimmungen des Gesetzentwurfes seinerzeit desondere Anträge zu stellen.— Von besonderer Wichtigkeit ist in Punkt 6 die Stelle, worin auf die E i n f ü h r u n g des Qur ttu ngs buch es verzichtet wird. In der That hat die Großindustrie an dem A r b e i t s b u ch e so gut wie gar kein Interesse; nur die Zünftler und Jnnungsbrüder degeistem fich für dasselbe, um mit seiner Hilfe die Arbeiter in kleinlicher und gemeiner Art bedrücken zu können. Nie bayrische Altersversorgung für Gisenbahnar- beiter ist am 1. Oktober in Kraft getreten, lange bevor die Altersverficherung der Arbeiter im Reiche nur berathen ist. Die „Demokr. Korr." schreibt über die Sacke:„Wie die berühmten „Grundzüge" und der umgeänderte Entwurf des Bundesraths, so hatte auch der bayrische Regierungsentwurf die Altersgrenze für den Beginn der Verficherung auf 70 Jahre festgesetzt; in der Kammer wurde dieselbe auf 65 Jahre bei dreißig Mitglieds- jähren herabgesetzt— gewiß nicht viel, aber immerhin etwas. Auch die Wartezeit wurde durch die Kammer auf die Hälfte herabgesetzt und deträgt jetzt fünf Jahre. Im Falle einer Krankheit, einer Verwundung oder ähnlicher Ursache tritt die Pcnfionsberechtigung auck während der Wartezeit ein. Diese Aenderung, deren große Tragweite in die Augen springt, ist wohl die bedeutsamste, welche die Kammer an dem Regrenmgs- entwurf vorgenommen hat. Verbefferungen erfuhr der Entwurf werter durch die Aufnahme der Bestimmung, daß die Beiträge zurückgezahlt werden, wenn der Arbeiter aus der Reihe der Verficherungsvfltchtigen austritt, und durch eine ander- weitige, die Theilnahme der Arbeiter erweiternde Regelung der Verwaltung. In Ausficht genommen ist endlich eine WiNwen- und Waisenv-rsorgung. Dagegen ist die Penfionsbercchnung die ursprüngliche des Entwurfs geblieben; dieselbe unterscheidet fich aber von der in dem bundesräthlichen Entwurf für das Reick vorgesehenen sehr vortbeilhaft dadurch, daß fie nickt alle Ardeiter über den gleichen Rahmen scheert, sondern auf Grund des„rechnungsmäßigen Einkommens" vier Klaffen(700, 1000, 1200 und 1400 M.) mit verschiedener Beitrags- und Penfions- höhe bildet, welch letztere von 15 bis 40 pCt. des rechnungsmäßigen Einkommens steigt. Ein bayerisches Arbciterdlatt, das „Recht auf Arbeit", hat unlängst derechnet, daß, wenn der Bei- tritt zur Versicherung mit einem rechnungsmäßigen Einkommen im 25. Lebensjahr erfolgt und die Dienslunfähigkeit mit 50 Jahren eintritt, die Penston ungefähr 420 Mark jährlich = 35 Mark monatlich beträgt. Gewiß ist das noch nicht allzu viel, aber gegenüber den kläglichen Ansätzen des bundesräth- liehen Entwurfs nimmt eS fich beinahe wie eine stattliche Summe aus." im direkten Gegensatz zu einer Behaupwng steht, die ich in den letzten Tagen in Frank LiSlie'S Wochen- s ch r i f t') laS und über die ich seitdem fortwährend nach- denken mußte." „WaS war eS?" „Das Blatt sagte redaktionell, daß eine bestimmte Summe von Arbeit auf der Welt verrichtet werden müsse und daß eS zwei Mittel gäbe, dies zu erwirken.„Erstens — so lautet der Satz— die Peitsche des Sklaven- Aufsehers und zweitens die Hungerpeitsche: daß man vor den Arbeiter die unmittelbare Aussicht auf Roth stellt. DaS erste Mittel ist abgeschafft, so bleibt nur daS zweite." „War das wirklich so gerade heraus und so brutal ausgedrückt?" „Allerdings. Ich zitire wörtlich." „Harry, wenn diese Behauptung wahr ist, dann werden wir Alle von der Furcht getrieben. Aber es ist nicht wahr. Die Hoffnung rst ein größerer Sporn zur Anstrengung, als die Furcht. Da ist z. B. mein Arbeitgeber, der arbeitet vielleicht angestrengter, als irgend einer seiner Angestellten, und ich weiß, er thut es nicht aus Furcht vor Roth. Er offt, daS größte Kolonialwaaren-Geschäft in der Stadt zu ekommen. Was mich anbelangt, wenn ich nicht die Hoff- nung auf Besserung hätte, so würde ich sicher verzweifeln. Glauben Sie wirklich, daß die Leute, die solche Abscheulich- keiten schreiben, sie auch selbst glauben?" „O ja, einige glauben eS, viele reiche Leute lernen so zu denken. Es scheint, die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich seit dem Krieg') reißend schnell erweitert und die Reichen haben sich systematisch zu dem Gedanken erzogen, daß sie eine höhere Rasse seien, während wir Arbeiter mehr und mehr zu Lastthieren werden, die man peitschen muß!" „Run, Mr. Wallace, ich glaube, Sie und ich können l) Eine bekannte illustrirte Wochenschrift, die eine sehr große Verbreitung bat. ') Der Krieg zur Abschaffung der Neger- Sklaverei ist ge« meint, welcher den industriellen Kapitalismus in den Vereinigten Staaten entfeffette. Ueber die Alter«- und Iuvalidenversicherung sprich in einer Volksoersammlung in München Herr V o l l m a r. Die Versnmmlung war schon insofern von Bedeutung, als seit zwei Jadren Herr Vollmar Durch Polizeioerdote und Lokal- Verweigerungen systematisch verhindert worden war, in öffent» licher Versammlung zu sprechen. Der Redner betonte be- sonders: In ganz ausgesucht schlechter Werse habe das Gesetz die Frauen behandelt. In einer Zeit, da die Frau immer mehr zu industriellen Arbeiten herangezogen werde, verlange man von derselben, daß fie>/- schlechter lebe als der Mann. Die mindeste Rente müßte auch bei ibr, wie bcim Mann auf 250 M. angesetzt werden.(Der Gesetzentwurf schlägt 250 M. als Maximum vor.) Als Altersgrenze für die Berechtigung zum Rentenbezug will Redner das 60. und nickt das 70. Lebensjahr. Die vorgesehene Zahlung in Naturalien verwirft Redner oanz und gar, da dieselae an die Zeiten der Hörigkeit erinnere. Den Gedanken einer solchen Zahlung findet Redner wie hinterpommerisck.— Daß die Rückzahlung der eingezahlten Beittäge vollkommen ausgeschloffen ist, verdammt Redner und erinnert daran, daß z. B. die weiblichm Dienstboten, die Heirathen, alle Beiträge hinten lassen müßten. Er erklärt fich für die Roth- wendigkeit, daß auch beschränkte Arbeitsunfähigkeit zugelassen werde. Gegen die beadficktigte Vcrtheilung der Beiträge zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer spricht fich Referent ebenfalls aus und verlangt, daß Arbeitgeber und Reich das Ganze trage. Er verlangt eine einheitliche Reichsanstalt in der der Arbeiter das Recht haben müsse, mitzusprechen; die Ardeiter ließen fich keine Wohlthaten aufnöthigen und aufzwingen, son- dern wollen mitreden. Das Reichs oerficherungsamt müsse voll und ganz das letzte Amt sein, damit der Ärbetter nicht den Schiedsgerichten überliefert werde. Nachdem Redner auch das Quitlungsbuch sckcrf gekennzeichnet und noch einige Redner in gleichem Sinne gesprochen hatten, wurde folgende Resolution einstimmig gefaßt:„Die heutige Versammlung ist der Anficht, daß der Gesetzentwurf über Alters und Jnvalidenversorgung den berechtigten Ansprüchen der deutschen Ardeiter nicht im mindesten entspricht, da fie nichts anderes ist als eine ander- weitige Organisation der Armenpflege fie hält die Rente für viel zu niedrig, die Altersgrenze für viel zu hoch, insvesondere bedeute auch das deabficktigte QuittungSduch nur ein verstecktes Arbeitsbuch und eine Herabwürdigung der Arbeiter und sei dasselbe völlig unannehmbar. Das Gesetz bedeute keinerlei sozialreformatorische Maßregel und sei der jetzige Gesetzentwurf für die Arbeiter vollständig unannehmbar. Eine Ärdeiterschutz- gesetzgebung in Verdrndung mit dem Koalitionsrecht würde den Interessen der Arbeiter viel besser entsprechen." Unduldsamkeit eine» Geistliche« bei der Beerdigung eines Selbstmörders. Der„Zeitung für Pommern" in Kolderg entnehmen wir folgende Schilderung über das Begräbniß des Bauem Rübenhagen in Roffenthin: Auf Anordnung des Geist- lichen durfte die Leiche erst nach sechs Uhr, nachdem die Sonne untergegangen, beerdigt werden. Zwar hielt der Herr Pastor eine R.de am Sarge, wie es ja auch Vorschrift ist, ohne Tatar.; Als aber die Leiche auf den Kirchh f gebracht werden tallte, wo fie in einer entfernten Ecke dicht am Zaun ihren Ruheplatz finden sollte, entstand die Frage, wie fie dort hin zu schaffen sei. Bei dem Herrn Pastor und der Mehrzahl der Einwohner stand es nämlich fest, daß die Leiche nicht durch das Thor� sondern nur über den Zaun herüber auf de«- Friedhof gebracht werden dürfe. Hiergegen legten indeß zwei zum Begräbniß aus Kolberg erschienene Herren, welche ein solches Schauipiel nicht mitmachen wollten, Verwahrung ein. Sie forderten den Herrn Pastor cuf, die Leiche durch das Tkor pasfiren zu lassen. Auf diese Vorstellungen soll der Herr Pastor einem der beiden Herren entgegnet haben, dann müsse das Thor abgebrochen und am andern Tage wieder aufgerichtet werden, so sei es Vorschrift der Regierung.(???) Von dem Versuch, die Leiche trotz des Verbots des Herrn Pastors durch das Tbor zu schaffen, mujten d'e beiden Kolberger angesichts des Wider» standes des übrigen Gefolges abstehen, und so wurde denn der Leiche der beschwerliche Weg über den Zaun angetreten. Als die Leiche in das Grab gesenkt war, sprangen sofort Leute herzu, um die Gruft zu schließen. Auch die Angehörige« des Verstorbenen traten, schwerlich fteiwillig, den Rückweg üver den Zaun an. I« paderdor« ist ein Bücherantiquariat unter dem Namen„Bonifatius-Antiquariat" errichtet worden, in welches Bibliotheken verstorbener Geistlichen aufgenommen werden sollen, um mit ihrem Reinertrag die Kasse des Generalvorstandcs des Bonifatius Berlins zu unterstützen. Von besonderem Interesse ist die Begründung dieser neuen Einrich« tung.„Erfahrungsmäßtg stiften die Bücher, welche Geistliche hinterlassen, nicht nur wenig Nutzen, sondern es wird sogar oft dirrck fie mancherlei Schaden und Skandal(!) hervorgerufen. In der Bibliothek eines Geistlichen finden fich Bücher, die in die Hände von Laien, insbesondere in die Hände von Laien, welche höhere Studien nicht gemacht haben, nicht gehören. Wegen seiner seelsorgerischen Thätigkeit war er entweder genöthigt, solche anzuschaffen, oder ihr Befitz war doch nützlich und zweckdienlich. Ferner: Der Geistliche erhält vom Bischof auf sein Ersuche« die Erlaubniß, Bücher, die zu lesen sonst von der Kirche ver- nichts Besseres thun,. als diesen Gegenstand zu unserer« Studium zu machen und alle Bücher, die Sie in Ihrer Bibliothek haben, fleißig zu benutzen. Wir erforschen, waS die alten Schriftsteller sagen und lesen dann Henry George'S „Fortschritt und Armuth". Mein Vater hat dieses Buch; wir find dabei so lebhaft interessirt, daß keine Zeit verloren werden darf." Unter solchen Gesprächen wandelten die beiden junge« Leute an diesem liebliche« Sonntag Nachmittag durch de« Wald, der Washington einrahmt, und genossen halb mechanisch die Schönheit der Statur, während sie die brennendsten Fragen der Neuzeit behandelten, Lebens« fragen im vollsten Sinne de« Worts für sie selbst, wie auch für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinne«, i« diesem größten Freistaate der Welt— dieselben Fragen, fitt deren Lösung das Volk jahraus, jahrein fünfhundert Männer in den Kongreß wählt und die bis jetzt nicht gelöst worden sind. Wahrscheinlich wußte der größte Theil der nationale« Gesetzgeber weniger von diesen zu lösenden Aufgaben, all unsere jungen Studirenden, welche ihre Forschungen jefst begannen. (Fortsetzung folgt.) Au» Knust und Leben. Eine Uerschniorung der ostafrikanische«»Klan-« Händler. Der„Kölnischen Volks, ettung" ist von einer, w" fie sagt, vorzüglich unterrichteten Sette ein Artikel über Verschwörung der ostafrikanischen Sklavenhändler" zugegangtt ans welchem folgendes entnommen ist: Die schweren Z wischt fälle, welche die Bestyerzreifung des sanfibarischen Küstenland begleiten, lassen diejenigen, welche(w e der Einsender des£ tikels) im Innern Ostafrikas gelebt haben, ein- allgemeine E bebung der eingeborenen Bevölkerung vom Tanganjika U; Victoria» Nyansa bis zum M er befurchten. Diese Erhedvz kommt übrigens nicht plötzlich und übenaschend. wie man"J nehmen könnte; fie ist von langer Hand vorbereitet und d Ergednrß einer wahren muselmanischen Verschwörung.—% jetzt erschienene Bulletin der afrikanischen Mrsstonen und v >oten find, zu lesen, wenn seine Stellung es erfordert, ficb mit s'olcken bekannt zu machen. Die Laien wissen das in der Regel nicht und nehmen Anstoß daran, wenn fie solche Büch« in den Bibliotheken von Geistlichen finden. Kommen dies-- Bücher in andere Hände, so können fie noch großes Unheil(!) anrichten. Es ist was Erhebendes für den Geistlichen— heißt es weiter — die Schäden wieder reparirm helfen zu können, die etwa auch sein Stand zur Reformationszeit mitverschuldet hat. und es muß ein groß« Trost für jeden Geistlichen sein, daß einst, während er vielleicht noch im Fegfcuer leiden(!!) muß, seine Bücher in jungen Misfionsgemeinden noch Nutzen stiften." Das ist ja alles sehr interessant. Da»„Schwäbische Wochenblatt", das in Stuttgart erscheinende Ardeiterblatt für Württemberg, bisher von Georg Baßler herausgegeben, wird vom 1. Oktober an im Verlage von .I. H. W. Dictz erscheinen. An» Ebingen wird unterm 25. September gemeldet: Gestern Vormittag fand in der Wohnung des Schuhmacher» neisters S ch lag enbauf eine Haussuchung nach sozialistischen Schriften durch den Stationskommandanten nebst Gefolge statt, ■welche jedoch vollständig resultatlos verlief. Betroffener befand stch t- Z. in Konstanz. Die beabstchtigte Ver- Haftung des Verdächtigen bei verschiedenen aus der Richtung Konstanz hier angekommenen Zügen mußte unterbleiben, da .eldiger trotz der Umficht unserer Polizei beim Aussteigen nicht gesehen wurde. Herr Schlagenhauf wurde schließlich beim Amtegericht Balingen auf Reklamation der Staatsanwaltschaft Konstanz sofort festgenommen und nach Konstanz abgeliefert. ,.Krbetterf««nd", so heißt ein in Hattingen erschei« nendes konservativ'pietistisch redigirtes Winkelblättchen. In seine: Nummer 38 dringt es zuerst die Rede eines Bergmanns Schulte aus Essen, welcher den Arbeitern das Alter- und Invaliden» versorgungsgesctz als Segen hinstellt, wofür jeder„denkende" Arbeiter dankbar sein müsse. Wer mag wohl für den denkenden Schulte vorher die Rede ausgedacht haben? Dann folgen ferner Anekdötchen und Verse mit dem Refrain:„Erfülle deine Vfiicht und habe in allen Nöthen Gottvertrauen", das alte Eiapopeia. Ein unvermeidliches Schlachtenbild ist als illustrirte Beigabe gegeben. Zum Schluß kommt die Ahm ncmentsein» ladung, in welcher speziell gesagt wird:„Weder Mühen scheut er, noch achtet er der Beschwerden, die ihm auf seiner Wan- nerung begegnen; denn der„Arbeitcrfrcrnd" hat auch seine Feinde, die es ihm nicht vergeben können, daß er, wie er alle aufrichtigen und wohlgemeinten Bestrebungen auf Hebung des Ilrbeiterstandes mit aller Kraft unterstützt und zur Nachahmung empfiehlt, ebenso allem lügenhaften, gleißnerischen und selbst- suchtigen Wesen, das heutzutage so vielfach unter falscher Flagge kegelt, unbarmherzig die Maske der Arbesterfreundlichkeit ab» reißt und den Haß und Zwietracht säenden Sozialdemokraten in seiner wahren Gestalt zeigt, der durch hohle Phrasen von rie zu eneichendm Plänen das Vertrauen des unerfahrenen Arbeiters zu erschleichen sucht, um alsdann mit seinen wahren agitatorischen Adfichten bervorzutreten und seine demagogischen Pläne zu verfolgen. So energisch der„Arbeiterfreund" die hirnverbrannten Fdcen der sozialistischen und anarchistischen Um» sturzp arteten bekämpft, ebenso freimüthig und unparteiisch be» spricht er die sozialpolitschen Fragen der Gegenwart, wie fie gerade jetzt im Vordergrund des öffentlichen Interesses stehen." Der junge„Hundt" muß es ja wissen, so beißt nämlich der Redakteur dieses im Namen der christlichen Religion kämpfenden Heckenblättchens. Leider findet solche Schundwaare unter den Bergleuten noch Absatz. . Schweiz. r>n einem bcmerkenswerthen Artikel schreibt das konser» oative„Bündner Tagblatt" zu dem Geheimschreiben: Man wirft anläßlich dieses Handels dem Bundesrathe vor, er habe die Fühlung mit dem Volke verloren. Wie könnte es aber auck anders sein? Die schweirertschc Eidgenossenschaft ist :n ihrer Regierungspraxis von allen Staaten weit und breit der konservativste und stabilste. Wer einmal zum Bundesrath er- wählt worden ist, bleibt eS, wenn er nicht gerade einen Kindes» mord begeht, in alle Ewigkeit: die tiefgehendsten Volkskrisen, welche überall anderswo einen Minister- und Enstem Wechsel zur Folge haben würden, berühren dm Bundesrath kaum, man läßt sie einfach versurren; außerdem ist derselbe gewohnt, daß ihm nachgerade jeder krumme Nagel im Land zum Gradmachen zu- getragen wird und daß er in Allem und Jedem die Rolle der Vorsehung spielen soll. Ist es ein Wunder, wenn da ein ge- steigertes Machtbewußtsein fich entwickelt, welches die richtigen Grenzen mitunter überspringt, ein einseitiges Betonen der Staotsraison, wobei die freiheitlichen Prinzipien gelegentlich übersehen werden? In dem Stimmengewirr der gegenwärtigen Vreßpolemik haben wir einige Töne vernommen, die uns nicht ubel gefallen. Einmal die Verstckerung, daß der bureaukratifi- renden Richtung der Bundespolitik mit aller Kraft entgegenge» treten werden solle. Wollen sehen! Sodann der Appell an die kantonale S'lbstständigkcit ab Seitm solcher, welche sonst eher gmergt waren, dieses Bollwerk der Freiheit abtragen zu helfen. Und endlich der wiedererhobene Ruf um Wahl des Bandes- rathes durch das Volk. Wenn einmal letzteres Postulat aus dein Stadium der Rhetorik in dasjenige der plastischen Anstre- franzöfischen Anti- Sklavereigesellschaft enthält ein in dieser Beziehung sehr demerkenswcrtbes und lehrreiches Schreiben von Msgr. Livinhac. dem katholischen Bischof und apostoliichen Vikar von Uganda und Victoria- Nyansa. Dieser Prälat berichtet u. a. über eine dramatische Szene am Hose des Königs Mwanga, deren Zeuge er war. Dieser Fürst ist heute der größte Machthaber von Inner» Afrika, denn er bat zehn Millionen Unterthanen. Zioch schwerer aber fällt ins Gewicht, daß er von dm muselmanischen Sklavenhändlern gewonnen ist, welche wegen des schwunghaften Negerhandels, dm fie mit ihm treiben, bei ihm viel vermögen. Man schätzt thalsächlich die Zahl der Schwarzen, welche Mwanga jährlich auf seinen Menschenjagdcn rn allen Nachbarprovinzen zusammenschleppt und verlauft, auf 60 000 bis 80 000. Das ist seine Existenz, dadurch deschafft er stch jene Dinge, die er am meisten wünscht, nämlich Gewehre und Pulver, womit die Araber von Sanstbar ihn versehen. Ganz ähnliche Nachrichten, wie vom Nyansa find mit der letzten Post vom Tanganjika und aus Unjanjembe gekommen. Die muselmanischm Sklavenhändler bezeigen dort dieselben Adfichten, nämlich die Schwarzen zur Erhebung zu veranlassen und alle Weißen ohne Ausnahme zu tödten. Sie kennen diese Wcrßm. In dm an den Küstmstrich angrenzenden Ländern wohnten schon längst englische Unterthanen in großer Zahl. Dazu kommen neuerdings Deutsche von der Kolonisations-Gesellschaft, Kolonisten und Misstonare, besonders von der Kongregation vom Heiligen Geist. Auf den Hochebenen leben sechs oder fieben protestantische englische Misstonare und etwa 40 katholische Misstonare von der Kongregation der Weißen Väter, Deutsche, Fcanzosm, Belgier und Holländer. Ein Deut- scher, P. Hirth. lebt südöstlich vom Victoria- See, ein anderer, Bruder Hieronymus, in der Stahe des Tanganjika. ein dritter, k. Schynse. bei Ugogo. Bricht ein allgemeiner Aufstand los, w find fie sämmtlich in Todesgefahr. Die Muselmanen- denn I" find es, welche die Schwarzen gegen Deutschland und Eng» rano aufwiegeln werden,— werden nicht dulden, daß man fie Thatsächlich bereitetm fie seit der Berliner Konfereni % rne Umwälzung vor, ähnlich jenen, welche sert fast einem Jahrhundm den Sudan in ihre Hände gebracht « o- lm Sudan haben Sklavenbäuptlinge sich all- malig aller Lander von Egypten bis zum Meer bemächtigt und llewe Theilrerche gegründet. Alle dort wohnenden Neger waren Heiden; fie haben dieselben allmälig mit Gewalt zu Muha- medanern gemacht, und seitdem find fie unwiderruflich die Herren. Der Muhamedaner widerstrebt der christlichen Zivilisa» tton, und jeder Sieger, welcher Muhamedaner wird, wird gleich» bung übergegangen ist, so wird unseres Erwartens, was in Graubünden fich demokratisch nmnt, gerne fich anschließen, selbst wenn fich dagegen einige föderale Bedmken erheben sollten. Dänemark. Eine von Delegirlm der dänischen Partei der Linken in Kovenhagen abgehaltene Versammlung, zu welcher jeder Wahlkreis 3 Delegitte mtsendet hatte und zu welcher auch die gegenwärtigen, der Linken angehörigen Reichstagsdeputirten eingeladen waren, hat eine Resolution angenommen, in welcher eine Politik der Verhandlungen anempfohlen wird. Die dänische Opposition ist, abgesehm von der kleinen sozial- demokratischen Gruvve, bekannttich in drei Patteien gespaltm: 1) die Berg'sche Gruppe oder die Protest-Pattei, die dem „Folkethings-Parlamentarismus" und der sog.„Verwelkungs- Polttik" huldigt; 2) die Gruppe des Grafen Holstein-Ledreborg oder die sog.„dänische" Linke, und 3) die Gruppe des„Politiken" oder die„europäische" Linke. Die erste Partei stellt stch auf den rein verneinenden Standpunkt, fie will von Unterhand- lungm, geschweige denn von einer Verständigung mit dem Ministerium Estrup nichts wissen, sondern die„Verwelkungs- Politik" fortsetzen, die darin besteht, alle Gesetze, die vom Ministerium Estrup ausgeben, zu verwerfen. Dieses Prinzip bat die Partei mit großer Konsequenz schon mehr als 10 Jahre festgehalten. Der Graf Holstein-Ledreborg, der Führer der zweiten Gruppe, vertritt hauptsächlich die äußerste Rechte der Opposition, er verwirft den„Folkethingsparlamentarismus" und fordert die gesetzgeberische Gleichberechtigung der beiden Ab» theilungen des Reichstages. Diese Richtung hat in der letzten Zell die Oberhand in der Oppofition gewonnm, und seitdem ist die„Verwelkungspolitik" etwas bei Seite gesetzt worden. Holstein-Ledreborg hatte den Plan besürwottet, eine aus Ver- tretcrn der Demokratie des ganzen Landes zusammengesetzte Delegitten- Versammlung zu berufen. Die drei Linkengrupven hatten fich über den Plan geeinigt, und der Delegittenkongreß trat am 29. September in Kopenhagen zusammen.— Auch die dänische Bourgeoiste wird entsprechend dem beständigen An- wachsen der Sozialdemokratie immer nachgiebiger in ihrer Oppofition gegen die Regierung. GroBKrUmtuie«. Die Anhänger Chamberlains waren in Notting- ham versammelt, um„der zivilifirten Welt Trotz zu bieten", wie Jesse Collings fich ausdrückt. Der„Standard", welcher in den letzten Wochen mtt dem radikalen Kattelldruder nicht sehr glimpflich umgesprungen ist, macht ihm heute das Kompliment, „daß er ein geschickter Mann, aber nicht im Stande sei, der ausgcdroschencn Kontroverse zwischen Unionismus und Home« rule eine neue Seite abzugewinnen." Der polttische Feldzug dieser Handvoll lärmender Kartellbrüder ist jedoch von weit ge- ringerem Interesse als die Auseinandersetzunaen, welche im Schooße der i r i s ch e n P a r t e i in den letzten Wochen stattgefunden haben. Daß es hier zwei Fraktionen giebt oder gab— eine, welche unter Parnells Leitung für verfassungsmäßige Agitation ist, und eine revolutionäre, welche zum Wortführer den ehemaligen Fenier Michael Davitt bat— ist nicht unbekannt. Zwilchen diesen beiden extremen Parteien standen und stehen eine Reihe äußerst fähiger Männer, worunter John Dillon, W. O'Brien und die Gebrüder Healy die ersten Plätze einnehmen und die gänzlich zu ihrer Seite zu gewinnm das Ziel der extremen Leiter von jeher gewesen ist. Vor nicht gar langer Zeit hat nun Davitt eine Rede gehalten, in welcher er gegen Gladstone und die liberale Partei den Vorwurf der Gleichgiltigkeit erhob und seinen Landsleuten darihat, daß die Allianz mir den eng- tischen Liberalen für fie eher ein Element der Schwäche sei, in- dem fie gewaltthätige Methoden unmöglich mache, und vor diesen allein hätte» die Landlords und Beamten Angst. Diese heftige Rede wurde in der unionistischen Presse, besonders in den konservativen Organen, gehörig verwetthet. Parnell hat seither mit Davitt Rücksprache genommen und dieser Herr, den die„Daily News" noch vor kurzem als„Feuerbrand" kenn- zeichnete, hat einem öffentlichen Meeting gewisermaßen Abbitte gethan; er habe früher befürwortet, zum Schwert zu greifen, thue es aber nicht mehr, und er anerkenne die Ver- dienste Gladstone's um die Home-Rule-Angelegenheit. Bei diesem Anlaß kam auch heraus, daß 1883 die liberale Pattei bereit war, das agrarische Problem in Irland zu lösen, hätte die irische Pattei fie dazu gedrängt. Gegenwättig seien die Gladstoniancr der Anficht, daß die Lösung der agrarischen Schwierigkeiten dem zu gründenden ittschen Landtag zu über- lassen sei. Auch John Dtllon's Rede war außerordentlich ver- söhnlich. Sie hat von einem Ende des Landes bis zum an- dein einen sehr günstigen Eindruck gemacht. Dillon ist de- kanntlich mit Parnell zu wiederholten Malen in Konflitt ge- rathen, zum letzten Mal, als er ohne dessen Wissen und gegen dessen Willen den sog. Feldzugsplan einlettete. Er sucht ihn jetzt nur durch die Notbwendigkctt zu vettheidigen und ist gern bereit, ihn fallen zu lassen, sobald ein besseres gesetzliches Mittel geboten wird, womit dasselbe Ziel erreicht werden kann. Bekanntlich behauptet Parnell, einen anderen, ebenso wirksamen Plan zu defitzcn. Wie dem auch sei, die Ereignisse der letzten zeitig unversöhnlicher Feind Europas. Diesen Prozeß wollen gegenwättig die sanstdattschen Sllavenhändlcr in Südafttka zum Abschluß bringen, um Deutschland dauernd an der Niedelassung zu verhindern. Die Verschwörung besteht seit mehreren Jahren. Ich weiß, daß in dieser Zeit ein afttkanischer Bischof den Reichskanzler auf die Gefahren aufmerksam machte, welche den Eurcpäcrn drohen, und auf das Mrttel, fie zu retten: nämlich Einwirkung auf Said-Bargasch, den damaligen Sultan von Sanstbar, was auch durch die verschiedenen Mächte geschehen ist. Said-Bargasch wurde trotz der großen Entfernung von den muselmanischen Sklavenhäuptlingen des Innern thatsächlich als Oberherr detrachtet. Auck hatten fie alle ihn nöthia, für ihren SNavenhandel und für rhre Waffenzufuhr. So hielt er fie in einer gewissen Abhängigkeit. Heute ist die Lage viel ernster. Die Muhamedaner sehen bei der Att und Weise, wie Deutschland und England Besitz ergreifen, daß für fie der Augenblick gekommen ist, einen Hauplstreich auszuführen, und daß dieser Augenblick der letzte ist. Aus diesem Grunde und auch um den Strafen zu entgehen, die einige wegen ihrer Un- thaten befürchten, veranstalten fie gegenwärtig eine Art Aus- Wanderung aus den Küstenhäfen ins Innere, oder genauer ge- sagt: einen Eroberungszug. Diese Sklavenhändler haben ganz bestimmte Ziele. In Uganda hoffen fie dm König Mwanga, der ihnen aus eigenem Interesse und aus langjähttger Gewohn- heit angekört, zum Muhamedaner und damit zum brauchbaren Werkzeuge ihrer Pläne zu machen. Im Gebiete des Tangan- iika fitzcn Tipvu-Tib uud seine Stellvcttreter. Das ist die Lage. Beim asten Anstoß wird die Sache zum Ausbruche kommen. Die Geister find vorbereitet durch die Gerüchte, welche die Skla« vcnhändlcr unter den Schwarzen verbreiten, denen fie vorreden, Deutschland wolle fie„fteffm", wie der gewöhnliche Ausdruck lautet. Nor einige« Tage« wurde« i» Frankfurt a. M. am Hauvtbaknhof durch zwei Herren der mtt dem Zuge ankom« mende Sohn eines anges-bencn Kölner Kaufmannes und ein in seiner Begleitung befindliches junges, allerliebstes Mävchen fest- genommen. Der junge Mann war seinem Vater nach Mit- nähme eines erheblichen Geldbetrages durchgegangen und hatte seine Geliebte, die man ihn nicht Heirathen lassm wollte, mitge- nommm. Seiner Festnehmung widersetzte er fich heftig und schlug mit seinem schweren Stock auf seine Angreifer, die zwei Brüder seines Vaters, ein, so daß der eine am Kopf verletzt wurde. Erfr die Dazwischenkunft eines Polizeideamten brachte den aufgeregten Menschen, der fich wie ein Rasender gederdete, zur Vernunft. Er rückte mit dem größten Theil des Geldes her- Tage beweisen die gewaltige Autorität, welche das Haupt der inschen Partei über seine Patteigenoffen ausübt; fie ist zur Zeit größer, fester als je zuvor und darf als Garantie gelten. daß die Ruhe im nächsten Winter trotz den bevorstehenden Massen» austreibungen nicht gestött werden wird. Zur Zeit wird der Feldzugsplan nur auf zwei größeren Besitzungen angewendet, nämlich auf denen des Lord Ckanvicarde und des Obersten Vcndeleur. Beide Befitzer find sehr reich; Vendeleur hat eine reiche Frau und wohnt in Deutschland. In beiden Fällen handelt es fich nicht darum, für die Grundbesitzer die Pacht- zinsen einzutreiben, sondern eine Kombination der Bauern zu brechen, selbst auf die Gefabr hin, einen blühenden Land» stttck vom Shannon bis an's Meer in eine Wüstenei zu ver» wandeln. Frankreich. Der„Temps" behauptet über die vom Ministerium bezüglich der Verfassungsrevision gefaßen Beschlüsse Folgendes in Erfahrung gebracht zu haben: Ministerpräsident Floquet habe fich nach langem Schwanken entschloffen, bei Beginn der Session ein Revifionsprojekt vorzulegen und über das» selbe die Vertrauensfrage zu stellen. Er würde eine allgemeine Revision vorschlagen, lehnt aber, da im Kongreß 300 Gegner der Republik fitzen, jede Verantwortlichkeit für eine etwaige Ausdehnung der Revifion auf in seinem Projekt nicht bezeichnete Punfte ob. Floquet's Entwurf schließe die Unterdrückung der Präfidentschaft und des Senats aus, wolle aber dem letzteren das Recht, die Kammerauflösung zu beschließen, nehmen und seinen Einfluß auf die Verwaltung der Staats finanzen de- schränken. Wie aus Devutirtenkreisen verlautet, ist zwischen dem Kriegsminister Fceycinet und dem Bcnchterstattcr für daS Kttegsbudget ein vollständiges Einvernehmen erzielt, Frcycinel bat fich mit einem Abstrich von weiteren 6 Millionen, Vre die Budgetpostm für Montirung, Remontc und Puloer betreffe«, einverstanden erklärt. Dagegen hat der Mattneminister Krantz in einem Schreiben an die Budgetkommisston die von ihm ge» forderten Kredite aufrecht erhalten und dabei bemerkt, daß eS ihm schon fraglich sei. ob die bereits zugestandenen Nachlässe an dem ursprünglichen Mattnedudget fich mit seiner Pflicht gegen das Land uns die Marine vettrügen. Aereiue««d Nersaimtihmwr* Der Fachverei« sämmtlicher a« Holzbearbeitung«- Maschine» beschäftigte« Arbeiter hielt am 24. September d. I. in Sacger's Lokal, Grüner Weg 29, eine recht stark de» suchte Mitgliederversammlung mit der Tagesordnung: 1. Vor» trag des Herrn Rechtsanwalt Dr. Loevy über ausgewählte Kapitel aus dem Strafrecht. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten, ab. Nachdem das Protokoll verlesen, ettheilte der Vorfitzenbe dem Referenten das Wort zu seinem Vottrage, der den Bei'all und Dank der Versammlung fand. Zum zweiten Punkt„Verschiedenes" tbeilte der Vorfitzende auf eine Frage der voraufge- gangenen Versammlung mit, daß der Ueberschuß von der Dampferpattie nach dem Müggelschlößchen 40 Mark 35 Pfennige beträgt, welche Mtttheilung von der Versammluna mit großer Freude gehött wurde. Hm Binte stellte hierauf den Antrag, von diesen 40 M. 20 M. zur Vergrößerung der Bibliothek und die übrigen 20 M. zur Weihnachtsdescheerung armer Kinder zu verwenden; er ersuchte gleichzeitig den Vor- stand, wie es sonst in voraufgegangenen Jahren üblich, auch in diesem Jahre ein Kränzchen zu veranstalten, zu dem nur Ver- einsmitgliedern mtt ihren Frauen und Kindern der freie Eintritt gestattet sein sollte, während sämmtliche nicht zum Verein ac- böttge Personen vom Eintritt gänzlich auszuschließen seien. Der Antrag wurde durch Abstimmung mit großer Majorttät angenommen. Das Kränzchen findet am Sonnabend, den 13. Ottober, im Vereinslokal statt. Nachdem noch weitere Angelegenheiten, sowie der Fragekasten erledigt, Herr Wilhelm Wollff auf die große öffentliche Ver» sammlung über die projektirte Alters- und Jnvalidenverfichcmrg, welche am Sonntag, den 7. Oktober, in Kelln's großem Saat, Andreasstraße 21 stattfindet, hingewiesen und der Vorfitzende die nächste Versammlung bekannt gemacht hatte, wurde die Ver- sammlung geschlossen. Derband bentfche» Iimmerlrut», Lokalverband Berlin Süd. Generalversammlung am Donnerstag, den 4. Ottober, Abends 8 Uhr, Mattannenstr. 31. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Vortrag über Aufstellung von Treppengeländern. 3. Wahl eines Vergnügungs-Komttcemitgliedes. 4. Verschiedenes und Fragelasten. Gäste haben Zutritt. Große öffentliche Versammlung der Maler und Berufsgenossen am Montag, den 8. Oktober, Abends 3j Uhr. im Neuen Klubhause, Kommandantenstr. 72. Tagesordnung: Die Bestrebungen der Ardttterdewegung und ihre Bedeutung für uns Maler und Berufsgenossen. Referent: Kollege Buhr. 2. Diskusfion. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird um zahlreichen Besuch gebeten. aus, erklätte jedoch, 5000 M. behalten zu wollen. Wenn man dies nicht eingebe, dann werde er fich sowohl wie seine Ge- liebte auf dem Platze tödten. Als man den Bahnhof verließ, gettethen die beiden Oheime des Festgenommenen mit einem nach dem Bahnhof gehenden Trupp Studenten in Streit, weil letztere für das liebende Pärchen ganz energisch eintraten. Die Studenten genirten fich nicht lange und hieben beide Herten nieder; während dessen gelang es dem geängstigten Paare, zu entfliehen. Die Vrablaterne«. Ein etwas boshaftes Gesetz ver» pflichtet in China jeden Arzt, nach Emttttt der Dunkelhett so viel Laternen vor seinem Hause anzuzünden, als er bereils Patienten in ein besseres Jenseits defördert hat. Eines Abends suchte ein Europäer, der stch mit seiner Familie in Geschäfts» angelegenbeiten in Peking aufhielt, einen Arzt für seine plötzlich erkrankte Frau. Er fand zwar viele, aber bei allen schreckte ihn die große Zahl der Laternen ab. die vor den Häusern der ge» lehtten Herren Dottoren brannten. Endlich— nach stunden- langem Umherlaufen findet er einen Arzt, vor dessen Wohnung nur drei Laternen eine etwas melancholische Helligkeit verbreiteten. Der glückliche Europäer stürzte in das Haus des trefflichen Mannes und weckt denselben.„Du mußt doch gewiß der best» Artt in dieser großen Stadt sein!" redet der Europäer den Chinesen unterwegs an.—„Warum glaubst Du das?"— „Well Du nur drei Latemen vor Deiner Thür brennen hast, während alle Deine Kollegen deren zu Dutzenden haben."— „Ack so, deshalb!" erwiderte gleichmüthig der langbezopfte Sobn des Aeskulap.„Nun, ich habe erst heute Morgen— angefangen zu praktiziren." Gin fette» Aemtche« findet fich in der jüngst ausge- gebenen Nummer der Vakanzenliste für bayerische Milttäran, wätter ausgeschrieben, nämlich die Pedellstelle an der lönigl. Prävarandenschule zu Regensburg. Die Bewerber um diese Stellen müssen gut lesen, schreiben und rechnen können. Der Glückliche, der diesen Posten erhätt, wird auf Ruf und Wider- ruf angestellt, sein Einkommen besteht in jährlich 108 Mark — das macht also monatlich 9 Mark oder täglich 30 Pfennige — ohne Wohnung, ohne Nedendczüge und ohne Ausficht auf Verbesserung, wie ausdrücklich bemcrtt ist!— Das ist ja die reine Attersversorgung. Theater. Mittwoch, den 3. Oktober. Sperutsan». Maria Stuart. Kchaaspiechan«(im WaUner- Theater) Keine Vorstellung. Kesstug-Theater. Freund Fritz. Deutsche» Theater. Graf Waldemar. Fried»ich- Wilhelmstädtische» Theater. Lie sieden Schwaden. Kestdeus-Theater. Decorirt. Ktsitoria- Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. Srllealtioucr- Theater. Drei Paar Schuhe. Teutral-Theater. Die Schmetterlinge. Adots-Grust-Thrater. Die drei Grazien. Aausman«'» Dariete. Spezialitätm»Vor> stellung. Courordia- Theater. Spezialitäten« Vor stellung. Berliner Theater. Mittwoch, den 3. DKobet: Die Braut von Meaoina, Eine Tragödie in 4 Akten ron Friedrich v. Schiller. Donnerstag, den 4. Oktober: Demetrius. Tragödie in 5 Ilten von Friedrich von Schiller und Heinttch Laube. Freitag, den 3. Ottober: 3. Abonnements-Vor stellung: Marcel) D-rlw�ember Friedrich Haase. «ine Partie piquet'_ Volks-Theater. (Früher Ostend Theater.) Direktion F. Witte-Wild. Mittwoch, den 3. Ottoder, zum letzten Male: Struensee. Trauerspiel in 5 Alten von Michael Beer. Musik von Giocomo Meyerbeer. RastlM-G'öffuuua 6� Uhr. Aufaug 7z Uhr. In Vorbereitung: Der Volksfreund. Novität. Volttstück in 4 Alten von Oskar Walther. Preise der Plätze: 1. Parquet 1,50 Mark, 2. Parquet 1,25, Seitenparquet 0,75, 1. Rang 1,25, 2. Rang 0,75, Balkon 0,50, 1. Rang Fauteuil 1,50, Orchester-Loge 3,00, Parquet Loge 2 Mark. Dutzend. Billets: 12 Brllets 1. Parquet 15 M., 12 Billets 2 Parquet 12 M.. 12 Billets 1. Rang 12 M._[697 jtönigrstädtisches Theater. Alexanderstt. 40— Kurzestr. 6. Stadt» und Pferdebahnverdindungen nach allen Richtungen der Stadl. Mittwoch und folgende Tage: Zum 4. Male: Die Kornblumen des Kaisers. Original-Volksstück mit Gesang in 6 Bildern. Kasscneröffnung 6z Uhr. Anfang 7z Uhr. Bons haben Giltigkeit. Alles Nähere die Anschlagsäulen. Donnerstag u. folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. American Theater. Direktion A. Reiff. Wallneptheatepstrasse Nr. 15. Mittwoch, d. 3. Ottober: Zum 27. Male: Die Weisheit Salenrnsk/s Berliner Lokalpossen-Pantomime von R. Anger. Musik arrangirt von R. Thiele. 1. Bild: Die Renommirstunde bei Haase. 2. Bild: In der Academy of muslo. 3. Bild: Bei Mutter Pignatelli im Coursaal. 4. Bild: Berlin um Mitternacht. 6. Bild: Vor'm Schöffengericht. Neu einstuditt: Tausend und eine Nacht. Operette von W. Köhler. Musik von R. Thiele. Auftreten der drei Geschwister Delspierre, des Jnstrumentalisten Herrn Krüger, des Mimikers Rivoli und des Herrn Martin Bendix. Anfang 7z Ubr. Entree 50 Pf., (jirkns W. Schumann. Friedrich- Karl- Ufer. Ecke Karlstraße. (Im früheren Zirkus K r e m b s e r.) Mittwoch, den 3. Ottober. Abends 7z Uhr: Große Grtru- Vorstellung. Besonders hervorzuheben sind: 12 Rapphengste, vorgef. v. Direktor. Tandem mit 4 Schulpferden, geritten von Hrn. Ernst. Gastspiel der Sisters Margellise. Auftr. d. Partorce Reiterin Miß Bictoria, des Jockey Reiters Mr. Adolf Dickson. 2 Athleten zu Pferde. Camvagne-Schule. ger. b. Frl. Adele. Austreten der Turnerkönige Reed u. Barker. Das Feuerpferd Halifax, vorgef. v. Hrn. Ernst Schumann. 4 Gedr. Hozzini. Entree des Clown Olschansky rc.:c. Donnerstag, den 4. Ottoder, Abends 7z Uhr: Große Vorstellung Die Former des Stettincr Vulkan baben bis auf weiteres wegen Maßregelung die Arbett ein- gestellt. Es wird darum vor Zuzug nach dort gewarnt. 7801 Der Fachuerei« s« Ktettin. Verband deutscher Mechaniker »t. vtvw. Kernfoae«.(Zahlstelle Krell«.) General-U ersamminng am 3. Oktober, Abends 8) Uhr, bei Lämmer'! Kommandantenstr. 71—72. Tages-Ordnung: 1. Kaffenbencht vom 3 Quartal, Bericht der Revisoren und des Vorstandes. 2. Verschiedenes 3. Fragckasten. Mitgliedsbuch legitimirt. Aufnahme neuer Mitglieder. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet 773__ Der Vorstand Teppiche zu billigen Preisen! Wir verkaufen unser Teppich- Lager aus und verkaufen gewöhnliche, hattbare Teppiche für 4, 5 u. 6 M., große Tapestrv-Plüsch- Teppiche für 12, 15 u. 13 M. Tischdecken Manilla-Tischdeckm mit Franzen 2, 2,50 M. Bunte Tischdecken mit Schnur und Quasten 3, 3,50 bis 5 M., Gobelin-Tischdecken mit Schnur und Quasten 5 u. 6 M. Gardinen, weiße Zwirn-Gardinen, ree�stes Fabrikat, Meter 45, 50 u. 60 Pfg. Englische Tüll- Gardinen auf beiden Seiten eingefaßt, Meter 50, 60, 75 Pfg. u. 1 M. 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Breis ä Pfund 75 Pfennige. I 8 3L m R. J. Suter, § »» Berlin N., _ Zionskirchstr. Nu. 44. 1\ Kastanien-Allee No. 60 W Dom 1. Icrnuclr 1889 aß ms 4M befindet sich mein Geschäft»» �- NO. 14 Chaussee-Strosse No. 14 im eigenen Kaufe. Mit der Verlegung meines seit 1873 bestehenden, sich des besten Rufes erfreuenden Geschäftes und der damit verbundenen Herstellung großartiger, den Anforderungen der Neuzeit entsprechender Geschäftsräume beabsichtige ich gleichzeitig eine Ueu-Organisation -i-k- meines Geschäftes in's Leben treten zu lassen, von welcher ich seiner Zeit öffentlich Kenntniß geben werde. 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Hunderte von Menschen getödtet, Ländereien verwüstet, Städte und Ortschaften zerstört, das ist das grauenhafte Bild, das die Berichte vor unseren Augen ent> rollen. Führen wir unS einmal das charakteristische Bild eines solchen Wi:belsturmes vor. Schon Tage vorher verkündet Unrube des Barometers das Herannahen von etwas Unheimlichem. Erdrückende Schwüle lastet über der Erde. Stechend brennt die Sonne. Schmutzig kuvferroth geht ste endlich unter. Die Sterne funkeln und flrmmern, um endlich zu verlöschen, einige Windstöße machen stch bemerkbar, am Morgen aber steht eine schwarze Wolken- dank am Horizonte. tKäher und näher rückt fie heran, das Ba- romcter fällt rapide; schwarze Wolkenballm jagen am blei« grauen Himmel dahin, ungeheure R-genmafsen slürzen nieder: der Sturm setzt ein. Zu ungeheurer tzestigkeit schwillt die Wuth des Orkans an: Windstöße von 40—50 Meter Geschwindigkeit in der Sekunde kommen vor. Wenn man bedenkt, daß 15 Meter in der Sekunde Schnellzugsgeschwindigkeit ist, daß 10 Meter in der Sekunde als„starker Wmd" bezeichnet wird«was man also gewöhnlich schon Sturm nennt) und daß die Kraft des Windes mit dem O-adrate der Geschwindigkeit wächst, ein Windstoß von 60 Meter Geschwindigkeit also 25 Mal so heftig zerstörend wirkt, als ein Windstoß von 10 Meter Geschwindigkeit so kann man verstehen, daß diese Wirdelstmme ganze Ge- däude umstürzen, Mauern verschieben, ja Kanonen emporgehoben und fortgeschleudert haben. Allmältg dreht sich der Wind, plötzlich läßt er nach und nur einzelne Sturmböen brechen regellos von allen Rich- tungen herein. Die Wogen des Meeres aber slürzen als Oc- kanwellen von allen Sellen gegeneinander, thürmen fich empor und biechen fich an dem Schiffe, das jetzt in den Sturmsegeln keine Stütze mehr findet und steucrlos als Wrack im Sturme treibt, im Zentrum des Wirbelsturms, wo es rettungslos im Kreise umhergetrieben wird, tage-, wochenlang— bis es zerschellt! An der Peripherie des Orkans könnte es noch entfliehen, wenn es ein seetüchtiges Schiff ist und nicht ein alter Kasten, den aewiffenlose Rheder, oder, was noch schlimmer ist, gewissen- lose Regierungen dem Meere überliefert haben, wie vor einigen Jahren die deutsche Korvette Augusta, die bei Aden im Teifun unterging— mit Mann und Maus. Im Sturmzentrum hat das Barometer seinen tiefsten Stano erreicht, ist oft um 6 Zentime.er in kurzer Zeit ge- fallen. Ziachdem die unheimliche Windstille einige Zeit— Minuten bis Stunden— gedauert, setzt plötzlich der Sturm wieder aus entgegengesetzter Richtung ein. Das Barometer steigt, die Wuth des Orkans vermindert fich und endlich ver- kündet, ur noch die Verwüstung, die er zurückgelaffen, das un- heimliche Phänomen, das über uns hingezogen ist. Wie wir bereits gesehm, find die Cyclone Wirbelstürme, in d-ren Mitte fich ein sehr tiefes barometrisches Minimum, ein Ort sehr niedrigen Luftdrucks befindet. Dieses Minimum ist auch Ursache des Sturmes, wie ja überbaupt Druckunter- schiede der Luft— also Differenzen des auf Meercsniveau re- duzuten Barometerstandes— Ursachen aller Winde find, indem die Luft vom Orte höheren Lustdrucks nach dem Orte nuderen Druckes strömt und zwar mit um so größerer Heftig- keit, je größer der Druckunterschied ist. Bildet fich also irgendwo ein tiefes Minimum des Luftdrucks, so strömt der Wind von allen Seiten herein. Die Luft, die von Süden her strömt, kommt aus Orten der Erdoberfläche, die auf größeren geographischen Breitenkreisen liegen, also bei der täglichen Erdrotation einen größeren Weg beschreiben, daher eine größere Geschwtndigkell defitzen, als nördlich gelegene Orte. Indem der Südwind diese größere Geschwindigkeit mit nach Norden bringt, gelangt er nicht direkt ins Sturmzentium, sondern strömt, der Erddrehung voraneilend, östlich daran vorbei. Umgekehrt werden Luftmaffen, die von Rorden her heran dringen, aus Orten geringerer Rotationsgeschwindigkeit, hrnter der Erde zurückbleiben, also westlich vom Zentrum fich wenden. Infolge der Erdrotation strömt daher die Lust nicht allseitig ins barometrische Minimum ein, sondern drebt fich in Spiralen um daffelhe herum und erzeugt so den Wirbel- stürm. Die Drehrichtung der Cyclone ist deshalb natürlich immer dieselbe, auf der nördlichen Erdhalbkugel die der Be« wegung des Uhrzeigers entgegengesetzt gerichtete, auf der Süd- Haldkugel die der Uhrzeigerbewegung. Diese konstante Dreh- (Nachdruck vordoten.) Die Auktion. Von M. Zsay. (Schluß.) Während dessen hatte im Nebenzimmer Ella die Gegen- stände aufmerksam betrachtet. „Ach," seufzte sie,„den Handschuhkasten und die Bon- bonniere hast Du mir kurz nach der Verlobung geschenkt. Wie glücklich war ich damals damit! Ich hätte mir nicht träumen lassen, daß fie mir auf diese Weise wieder ge- nommen würden!" „Still, Ella! Die Dinge haben ja keinen Werth!" „Doch, Arthur! Den unschätzbaren Werth theurer Er- innerungen. Die ArbeitStafche ist ein Andenken an meine verstorbene Mutter. O Mama, Mama! Wen» Du das hättest ahnen können!" Sie preßte das Taschentuch vor die Augen. Die Stimme des Ausrufers ließ sich wieder einförmig vernehmen. „Die Sachen find unter Freunden sechszig Mark Werth. Setzen wir fie auf dreißig!— Bietet keiner? Z"— Also zwanzig.-- Noch immer keiner?-- ■"M0 zehn." "%%«'lt." sagte der Trödler kaltblütig. Matrone mutme'te verschämt Frau Keller, dre behabrge �Zwölf," sagte der Trödler in wegwerfendem Tone. Da entstand eine Bewegung. Mutter Bergmann drängte fich vor. „Fünfzehn," platzte sie heraus. Sie war dunkelroth vor Erregung. _.»Nmfzehn Mark," wiederholte der Ausrufer.— i»Elgentlich gebührten ihr so viele Hiebe. Aber mir soll es recht sein." richtung gestattet dem kundigen Seemann, aus der Richtung des Sturmes vcn Ort des Cyclonzentrums zu erkennen und ihm zu entfliehen, ja sogar abfichttich die äußerm Regionen des Wirbel- sturmes aufzusuchen, um fie zu schnellerem segeln zu benutzen: Cydonritt._ Aber auch das Sturmzentrum bleibt nicht an einer Stelle stehen, sondern rückt weiter fort, meist ungefähr in der Richtung der Passate stch höheren Bretten zubewegend. Fragen wir nun nach den Ursachen solcher außerordenttich tiefen Luftdruckerniedrigungen, so geben uns die Otte dafür einen Fingerzeig, an denen Cyclone entstehen. Es find dies fast ausschließlich die Tropengegenden. Westindien: die Hunicane; die chimfifchen und indischen Meere: Teifune; dcr füvliche indische Ozean: die Maurlliusstürme(nach der Insel Mauritius). Wir haben die Ursachen in einem labilen Gleichgewichts- zustande der Luft zu suchen. Wenn die Sonne sehr heiß herniederbrennt, so werden die unteren Lufschichten von der erhitzten Erde aus stark erwärmt und vollständig mit Feuch« tigkeit gesättigt— daher die drückende Schwüle—, während die oberen Luftschichten kalt bleiben. Es lagert daher über Ziner warmen, feuchten Luftschicht eine kalte. Obgleich nun warme Luft leichter und dünner ist als kalte, so herrscht doch Gleichgewicht, indem die untere Luftschicht durch dm Druck der über ihr lastenden zusammmgepreßt ist zu größerer Dichte. Entsteht aber an irgend einer Stelle ein aufsteigender Lust- ström, zum Beispiel durch ein abfichttich angezündetes Feuer bervorgemfm, so dringt die warme Luft empor, dehnt fich aus, ihre Feucdtiftleit schlägt fich als Regen nieder und giebt dabei eine große Menge latenter Wärme frei, die sonst durch die Aus- dehnung bedingte Abkühlung des aufsteigenden Luftstroms ver« hindert und ihm gestattet, in immer höhere Regionen emporzu- dringen, um endlich radial abzufließen. Und wie in einem Schornstein, wenn auf dem Herde ein Feuer angezündet wird, die emporsteigenden Verdrennungsgase um so kräftiger saugend wirken, je höher ste stcigm, so saugt auch der im Zentrum des Cyclons in littet Luft emporsteigende feuchtwarme Luftstrom die unteren Luftschichten kräftig an. Well aber die zuströmmde Lust in Spiralen fich bewegt, also nur zum kleineren Theile direkt ins Zentrum gelangt, so stürzt das Barometer um so rapider. Weiter und weiter dehnt fich der Wirbel aus: der Teifun ist da mit seiner Wuth! Aehnliche Erscheinungen find die gefürchteten Schneestürme Nordamerika's, die Blizcard, kleinere Wirbel von 1—2 Kilometer Durchmeffer, die Tornados, noch kleiner, die Tromden, Wafferhosen, Windhosen. Nur daß natürlich bei diesen die Drehbewegung nicht mehr durch die Erdrotation bewirkt sein kann und fie daher keine bestimmte Drehrichtung befitzen. Auch fie wirken jurchtdar zerstörend, ergreifen Alles, was in ihr Be- reich kommt, zerknicken Bäume, stürzen Mauern und manchmal steht man auf ihrem Wege breite Bahnen wie mit einer Riesen- walze niedergemähter Bäume durch die Welver laufen; ein würdiges Gegenstück der grauenvollen Wuth ihrer großen Brü« der, der Cyclone, die nur die einzige gute Eigenschaft defitzen, daß fie bis zu uns nie dringen, oder wenigstens nur in ihren letzten, schon ganz geschwächten Ausläufern. Kommunale». Tagevordnnng für die Kitzung der Ktadtver- ordnete«- Nrrsammluug am Donnerstag, den 4. Oktober, Nachmittags 6 Uhr. Vorschläge des Äusschuffes für Petitionen. — Berichterstattung über den Antrag von Mitgliedern der Ver- sammlung, betreffend die Errichtung einer Kaiser Friedrich- Stif- tung, sowie eines Denkmals für Kaiser Friedrich in der Reichs- Hauptstadt— desgl. über die Vorlage, betr. den Erwerb von drei fiskalischen Parzellen zur Gneisenau- und Schleiermacher- sttaße— desgl. über die Vorlage, betreffend die Bewilligung des Bauplatzes für eine Kirche der Emmausgemeinde auf dem Laufitzer Platze— Vorlage, betreffend die Einführung des Un- terrichts in der Gesetzcskunde und Volkswitthschaftslehre in den Fortbildungsschulen— Vorlage, betreffend die erfolgte Bauab- nähme des neuen Klosetgedäudes auf dem Schulgrundstücke Koppenstraße 75a.— dcsgl. die vorzunehmende Ersatzwahl eines unbesoldeten Stadtraths— desgl., betreffend die Bewilligung eines Ehrenpreises für die Ausstellung des Vogelschutzvereins Aegintba— Berichterstattung des Ausschuffes zur Vorbereitung der Neuwahlen der Zivilmitglieder der Ersatz- Kom- Missionen, sowie Wahl dieser Mitglieder. Eine Unterstützungs- fache. „Sechszehn," sagte der Trödler, indem er behäbig eine Prise nahm. „Siebzehn," rief Mutter Bergmann energisch. Sie biß sich auf die Lippen. „Achtzehn." Der Trödler wischte sich einige Körnchen Schnupftadal vom Rocke. „Zwanzig." Das Weib stieß e« wüthend hervor. Ihre Augen funkelten, als ob sie den Trödler erwürgen wollte. „Einundzwanzig." Der Trödler blieb kalt wie Eis. „Fünfundzwanzrg!" Die ganze Gesellschaft bettachtete Mutter Bergmann, als ob sie wahnsinnig geworden sei. „Und wenn es bis zu hundert geht, die Sachen müssen mein sein!" Der Hammer fiel. Die Gegenstände gehörten dem ar- mev Weibe. Ein Fieberschauer überlief sie. Sie war ge- kommen, um ein Gesindebett zu kaufen und in ihrer Leiden- schaft hatte sie sich hinreißen lassen, den größten Theil ihrer Baarschaft für werthlose Dinge hinzugeben. ES schnürte ihr die Kehle zu, als sie das Geld auf den Tisch legte, zwei blanke Goldstücke und einen Fünfmarkschein, an denen sie monatelang gespart hatte. Sie nahm die Gegenstände in Empfang. Richtig! Da war auch nocb eine kahle Stelle in dem Sammt des HandschuhkastenS und ein Fleck auf dem ArbeitStäschchcn. O welch' ein Unglück! Jetzt kam die Speisezimmereinrichtung an die Reihe. „Die Garnitur," sagte der Ausrufer,.hat sicherlich ihre zweitausend Mark gekostet. Setzen wir sie auf fünfhundert. DaS Büffet allein ist doppelt so viel werth. Wie angenehm, solch' ein Büffet zu besitzen! Oben kommen die Glassachen hinein. In die Schiebladen das Silber. Unten links das gute Porzellan, links die Weine, in die Mitte die Brate» und Kuchen." „Wie er den Inhalt des Büffets beschreibt!" seufzte Lokale». ?atz der Gktoberumrug ein außerordentlich starker sein würde, war schon im Laufe der verflossenen Woche wahrzu- nehmen, denn hunderte und tausende jener glücklichen Miether, welche das Vergnügen haben, in ein neues Haus ziehen zu können, strebten darnach, mit ihrer Habe das neue Heim zu er- reichen. Der Umzug stellt fich, sowell die Fuhrlöhne in Be- ttacht kommen, ganz erheblich dilliger, wenn er vor dem Quartalsersten beendet werden kann. Nm Sonntage waren, so schreibt die Volks-Ztg.", denn auch, ttotz des schlechten Wetters, daß auch für heute furchten ließ, tausende demüht, den letzten günstigen Moment auszunützen und mit einer billigen Fuhre zu ermöglichen, was später nur noch mit hundert Prozent Auf- schlag»u erreichen war. Im Zentrum der Stadt tritt aber das eigentliche Wesen eines solchen..Ziehtages" kaum in die Er- scheinuna, und wer heute nicht Gelegenheit genommen hat, fich das Treiben in der Peripherie anzusehen, kann stch einen klaren Begriff von der Bedeutung eines solchen Tages gar nicht machen. Einen Umfang des Umzuges, wie er namentlich die sogenannten kleinen Leute trifft, hat Schreiber dieses, der Berlin seit 32 Jahren hat wachsen sehen, noch nicht kennen gelernt, cs spottet einfach jeder Vorstellung. Im Norden und Nordwesten, im Osten, Nordosten und Südosten— im Westen und Süden war das Verhältniß doch viel günstiger— waren ganze Straßenzüge in Kramladen verwandelt und viele Häuser find vorhanden, in welchen außer dem Hauswirth oder Hausverwalter nur noch ein ganz kleiner Stamm von„alten" Bewohnern ge« blieben ist. Allein in der Forsterstraße, in welcher überhaupt nur 56 Häuser vorhanden find, zählten wir zm gleichen Stunde nicht weniger als 31 Möbelwagen und sonstige Gefährte, welche mit beweglichem Eigenthum von Mielbern beladen oder von denselben entleert wurden. In der Wimer-, Reichenderaer-, Grünauer-, Liegnitzer-, Laufitzerstraße, der Waldemar- und Man» tmffelsttaße war das gleiche Verhältniß, und im Wederviertel, wie die Gegend um die Frankfurterstraße noch heute im Volke- munde heißt, war dieselbe Bienentbätigkeit, wie im ehemaligen Vogtlande.„Alles rennet, rettet, flüchtet", und wenn auch nicht ein zerstörendes Element die oft armselige Habe bedroht, daS Hastm und Eilen, um von der Straße zu kommen, hat doch mit einer allgemeinen Panik, wie fie an anderen Orten eine Feuersbrunst hervorruft, verzweifelte Aehnlichkell.„Nichts ist ewig als der Wechsel" nach dem Dichterwort und deshalb mag für eine Weltstadt auch das Ziehen etwaS sein, was an die Ewigkeit erinnert. Aber angenehme Erinnerungen find es selbst für dm Unbetheiligten nicht, welche der Quartalswechsel bringt. Trotz der großm, oft fast unerschwinglichen Opfer für die Wohnung ist es doch nur ein fast fortwährendes Wandern°on Straße zrr Sttaße, keine eigentliche Heimath, kein Vaterhaus. Sind sechs Kinder in der Familie, so find fie sicher in sechs verschiedenen Häusern oder wohl gar Stadtgegenden geboren, und find fie in einer Schule kaum warm geworden, dann müffm fie im nächsten Jahre, je nachdem die Bauspekulation die eine oder andere Stadtgegmd bevorzugt, auch diese vielleicht liebgewordene Stätte mll einer anderen, fremden vertauschen. Und daß gerade die immer mehr wachsende Höhe der Wohnungsmiethen diese unge- heure Völkerwanderung veranlaßt, kann man nicht blos an dem Umstände erkennen, daß die kaum fertig gewordenen Neubauten das Ziel der Wandernden find, sondemein viel stärkerer Beweis ist noch das vielfach fast werthlose Gerümpel, was bei einer solchen Wohnungsverändemng zur öffentlichen Schau gestellt werden muß. Ohne die zwingendste Noth läßt fich auch der Aermste nicht so genau in seine Eigenthumsvcrhättniffe hinein- sehen. Wmn wohlwollende Herrscher jedem ihrer Unterthancn für den Sonntag ein Huhn in dm Kochtopf wünschten, so er- scheint uns angefichts einer solchen Wanderung der Wunsch nach mehr Seßhaftigkeit in der Großstadt doch noch viel gerecht- fertigtet. Ein Zeichen von Zufriedmheit und Wohlbefinden ist dieser stete Wechsel der Wohnungen ficher nicht. Die„Voff. Ztg." schreibt über den Umzug: Zu keinem Quartals wcchsel war die Menge der zu vermiethenden Schlaf« stellen und„möblirten Zimmer" so groß, wie diesmal. Es ist heute noch nichts Außergewöhnliches, daß ein Haus an zehn der bekannten Zettel aufweist. Immer mehr kommt es dabei in Aufnahme, die letzteren doch oben, zu dem betreffenden Zimmer selbst, zu befestigen. Damit wird die Aufmerksamkeit der Vorüberarhenden erregt und der Zettel selbst verschwindetnicht unter einer Menge anderer. Der Preis der Schlafstellen beträgt fünf bis zwölf Mark monatlich. Zumeist wohnen zwei, ja vier, fünf und sechs Mann zusammen. Der Vcrmiether aber bequemt fich in nicht wenigm Fällen, mit Frau und Kindern die Küche als Schlafort zu erwählen. Dcr Zwang materieller Noth treibt den Ella.„Man sollte meinen, er hätte meine Einrichtung ge» kannt." Die Möbel gingen in den Besitz des Droguisten über. Die Putzmacherin war derart entzückt, daß sie dem Verlobte» jauchzend um den Hals fiel. Drinnen im Nebenzimmer aber ertönte unterdrücktes Schluchzen. „Kommt das Kaffeeservice noch immer nicht an die Reihe?" ftagte das alte Fräulein ungeduldig. „Der Kaffee wird stets zuletzt gereicht," entgegnete der Ausrufer.„Wir halten aber noch nicht einmal beim Dessert." Er schleppt einen Korb herbei, einen gar sonderbare» Korb, und stellt ihn auf den Tisch. Bei seinem Anblick kann die schwergeprüfte Ella sich eines lauten Jammers nicht enthalten. Ihr Körper zuckt krampfhaft zusammen. Arthur, der bis dahin theilnahmSloS ins Leere gestarrt, kommt bei diesem Zeichen heftigste» Seelenschmerzes wieder zu sich. „Ella," flüstert er,„theureS, armes Weib, fasse Dich! Ich schwöre Dir'S, diese Stunde soll mir zur Lehre dienen! Nie, nie werde ich vergessen, waS Du durch mich gelitten. O könnte ich doch Alles ungeschehen machen! Mein Lebe» gäbe ich darum!" Arthur'« Selbstvorwürfe bringen Ella wieder zur Be- sinnung. Unter Thränen lächelt fie ihm zu. Währenddeffen kramt der Ausrufer in dem Korb herum, zuweilen einzelne Gegenstände vorzeigend. „Sehen Sie doch dieses niedliche Strümpfchen. Mei» Daumen reicht gerade hin, e« zu füllen. Und dieses allerliebste Jäckchen. ES ist ungefähr so lang wie meine Hand." „O wie süß!" ruft bewundernd daS magere, alte Fräulein. „DaS ist nichts für sie, Fräulein LipsiuS," entgegnete der Ausrufer. „Unverschämt!" Fräulein LipsiuS zittert und bebt. Mietber dazu, noch„Aftermicthe� zu nehmen. Je größer und kostspieliger die Wohnungen werden, desto stärler schwillt die Zahl der Untcrmiether an. Ungezählte leben voll'« von letzteren. Man gewährt gleichzeitig Beköstigung, Wäsche. Frühstück, aber oft stehen die Zimmer leer, der„Herr" macht Schulden bei seiner Wirthin und verschwindet dann gar auf Nimmerwieder- seben. Der Preis der mödlirten Zimmer richtet stch nach den Siadtvierteln. Am dilligsten findet man fie im Norden und Osten Berlins; für 15 Mark monatlich hat man ein ganz hübsches Gemach. In der Mhe von behördlichen Sitzen und„befferen" Stadttheilm zahlt man dagegen unter Ilmständen 30—60 M.; gewöhnlich ist dann noch ein Kadinet beigegeben. Am übelsten find Frauen und Mädchen daran, welche alleinstehend und durch die Verhältnisse gezwungen eine Schlafstelle beziehen müssen. Da Hilst gewöhnlich der Inseraten- theil der Zeitung aus. Gewöhnlich deginnen solche Annonzen: „Ein anständiges Mädchen zc." Im großen und ganzen ge« schiebt die Vermiethuna an Herren lieber. Ganz anders halten es die Ausdeuter der Prostituirten. Der gewöhnliche Satz pro Tag für Zimmer und Beköstigung ist 5 M. Ueberwiegend ge- rätd so ein unglückliches Geschöpf bald in Schulden und dann Ist fie ihrer Wirthin gänzlich in die Hände gegeben. Nach Mit« theilungen, die auf der letzten Kreissynode gemacht worden find, gwbt es in Berlin etwa 50 000 Prostituirte; unter direkter polizeilicher Kontrole sieben nur nahe an 4000 dieser Wesen. Trotz aller Mühen ist es also der Behörde nicht möglich, eine voll« kommen e Beaufstchtigung durchzuführen. Der Schleichwege giebt es eben zu viele; nur die Strafenprostitution vermag einigermaßen beobachtet zu werden. Was die Prostitution immer wetter um fich greifen läßt, ist das Zusammenbausen mit Kindern und die Zusammendrängung in die dichtbevölkerten Vorstädte. Vor etwa Is Jahren wurden die Prostituirten aus den Hauptstraßen polizeilich verwiesen, aber die Wiener Cafös find nach wie vor überfüllt. Der Oktober hat uns mitten in den Herbst hinein ver- setzt. Wir dürfen darüber nickt unwillig sein, denn einerseits ist die von der Natur vorgezeichnete Zeit gekommen, wo die milde Witterung abgelöst werden muß, andererseits deutet dieser Monat, wenn er barsch auftritt, auf ein nicht zu kalles Jahr im Mittelpunkt des Winters hin. Besonders soll der Januar als- dann gut ausfallen, während man auf einen milden Oktober einen sehr kalten Februar erwartet. Gewitter in unserem Monat lassen einen sehr wechselvollcn Winter erhoffen; ein sehr strenger steht bevor, wcnn es viele Eicheln, Hasel- oder Buchnüffe gilbt. Ebenso wie man aber in Deutschland in diesem Monat mehren« theils erst das Eintreffen des Altweibersommers erwartet, so soll der Ottober auch ganz bestimmt große Stürme mtt fich führen. An den Ufergegenden ist er darum überaus gefürchtet, zumal am 28. Ottober, dem Feste der�Axostel Simon und Judä, welche beide darum auch die„Segelreißer" genannt werden. Aeberboupt gilt dieser Tag vielfach im Volke als der echte Winterdringer;„Wenn Simon und Judä vorbei— So rückt der Winter herbei", lautet der diesbezügliche Merkvers, oder:„Simon und Judä— Hängt an den Stauden Schnee." In Italien war es früher sogar verboten, an diesem Tage auch nur ein Schiff zu besteigen, weil man bestimmt annabm, daß ein Unglück eintreten müsse. Sonst ist in der Erinnerung des Volkes der bedeutsamste Tag der 16. Ottodcr, das Fest des heiligen Gallus, zumal im deurichen Süden, wo das durch Wissenschaft und Kultur bochberühmte Kloster zu St. Gallen einen so mächtigen Einfluß nach allen Richtungen bin ausübte. Hier war es auch, wo Ekkehard, der durch Sckeffel's Dichtung den Deutschen wieder in die E rinne- rung zurückgerufene Lehrer der Schwabenherzogin Hedwig, gelebt und gewirkt hat. Am Gallustage nun erwartet man den Alt- weidersommer mit festgewurzelter Sicherheit. An anderen Orten allerdings rüstet man flch an diesem Datum schon sehr stark auf den Winter:„Nach Sankt Gall— Bleibt die Kuh im Stall," „Am Sankt Gallentag— Muß jeder Apfel in seinen Sack" und„Senkt Gallen— Läßt den Schnee fallen," sagten unsere Altoordern darum in Hinsicht auf die Wichtigkeit dieses Tages. Die Zimiston der Miethsverträge daraufhin, ob zu den einzelnen Exemplaren die gesetzlich vorgeschriebenen Stempel- deträge verwendet find, hat in den Kreisen der Berliner Be- völkerung auf einen eigenartigen Ausweg geführt, von dem ad- zuwarten sein wird, od er stck als gangbar erweist. Bei der Verlängerung bestehender Miethsverträge, die meistentbeils nach einer Bestimmung irgend eines Paragraphen des Vertrages jedesmal dann eintritt, wenn die Kündigung des destehenden Vkilrapes zu einer destimmten Zeit nicht erfolgt, ist bekanntlich die Verwendung des Mietbsstempels ebenfalls erforderlich und zwar für diejenige Dauer, für welche der Kontrast als verlängert gilt. Bei solchen stillschweigenden Verlängerungen wurde nun sehr oft gegen die stempelgesttzlichen Vorschriften verstoßen und zwar gerade von seßhaften Miethern, die mehrere Jahre hintereinander in einem Hause wohntm. Hiergegen haben fich nun neuerdings findige Konttahenten in der Weise zu sichern gesucht, daß fie den Kontrast mit ihrem Hauswirth gewissermaßen in blanco unterschreiben. Das dekannte Kontrattssolmular wird bis auf das Datum der Aus« stellung, welches offen bleibt, ausgefüllt, und das eine Exemplar, welches vom Vermiethcr unterschrieben ist, empfängt der Miether, „Aber, Fräulein," begütigt der Ausrufer,„einen kleinen Scherz darf man sich doch noch erlauben!" „Mit so heiligen Dingen nicht!" zürnt das Fräulein. Der schnöde Frevler wendet sich jetzt zu der Putz- macherin: „Hier, Jungfer Braut, sehen Sie sich doch dieses ge- häkelte weiße Jäckchen an mit den rosa Schleifchen! Ist ei nicht zum Aufessen?" „Ach, wie lieb!" ruft das junge Mädchen. „Als vorsichtige Braut mühten Sie eigentlich diese Sächelchen ankaufen." Sie schlägt verschämt die Auge» nieder, während die Umstehenden in Lachen ausbrechen. ES meldet sich kein Liebhaber. Jeder scheint den Fluch zu scheuen, der diesen Gegenständen anhafte« würde. Der Korb wird zur Seite geschoben. „Nun, Fräulein Lipfiu«, um Ihnen zu zeigen, wie gern ich Ihren leisesten Wünschen entgegenkomme, will ich jetzt daS Kaffeeservice auSbieten. Diese Worte galvanisiren daS magere alte Fräulein. Sie rüstet sich zu einem mächtigen, verzweifelten Kampfe. Eine gewisse heilige Begeisterung leuchtet aus ihre» Zügen, wie sie den todverachtenden Krieger erfüllt, wenn er sein Leben auf dem Altare deS Vaterlandes zu opfern fich vor- bereitet. Und die Feinde sind zahlreich. An allen Ecken und Enden wird e« lebendig. Man drängt sich möglichst in die Nähe deS Ausrufers. Ei« Kaffeeservice ist ein viel- begehrter Gegenstand. Die Schlacht beginnt. Fräulein LipsiuS rafft sich zu ihrer ganzen Höhe auf. Wie ein Feldherr auf seinem Kampfroh bald«ach dieser, bald nach jener Seite hinsprengt, um einen Vortheil zu er- spähe«, so wendet sie sich bald an diese, bald an jene Ri- valin mtt der flehentlichen Bitte, ihr doch den Gegenstand nicht zu vertheuern. Voll Eifer überbietet sie sofort die Rufenden, als ob ihre Seligkett davon abhinge. Ach und es war wirtlich so reizend, das Service! Das Fräulein hatte nie ein schöneres gesehen. Kleine Blumen- bouquetS in de« herrlichsten Farbenzusammenstellunge« das andere Exemplar, das in gleicher Weise ohne Datum nur vom Miether unterschieben ist, erhätt der Vermiether. So lange der Vertrag keiner Behörde vorgelegt zu werden braucht, genügt für den Beweis der geschlossenen kontraktlichen Abmachungen die erwähnte Form, welche in jedem Augenblick durch Aus- füllung des Datums und Nachholung der Unterschrift des In- Habers vervollständigt weiden kann. Von diesem Datum an gerechnet hat dann der Inhaber des Kontraktes noch vierzehn Tage Zeit, den erforderlrchen Stempel zu dem Vertrage kasstren zu lassen. Diese Art der Umgehung der Stempel Verpflichtung wurde in den Kreisen der tzauswirthe vielfach besprochen und es läßt fich mit Sicherhett annehmen, daß beretts zahlreiche neue Kontratte, die mit dem begonnenen Quartal in Wirksamkett ge- treten find, in dieser Form abgeschloffen find. Die gute« Dauswiethr. Der Fall, daß eine ganze Fa- milie im Möbelwagen übernachtet, dürste wohl glücklicher Weise recht fetten in Berlin vorkommen. Und doch ist dies thatsäch- lich in der Nackt vom vorigen Sonnabend zu Sonntag ge« schehen, weil der Wirth dem detreffenden Micther den Einlaß in die Wohnung verweigerte. In einem Hause der Schwedter- straße— so berichtet ein Reporter— hatte ein armer Hand- werter eine steine Wohnung gemicthet und die Frage des Wirtbes, wieviel Kinder er befitze, dahin deantwortet, daß er nur zwei habe. Am Ziehtage aber, also am vorigen Sonnabend gegen Abend, als der Möbelwagen bereits vor dem Hause des neuen Quartiers stand, erfuhr der Wirth, daß der neue Miether steden Kinder befitze, und verweigerte, auf seinen Kontrakt fußend, den Einlaß in die Wohnung. Alle Bitten halfen nichts, die Polizei konnte beim besten Willen nicht interveniren, der Wirth blieb felsenfest. Barmherziger war der Mödelfuhrmann, der seinen Wagen den armen Umzüglern zur Verfügung stellte, in welchem dieselben die Nacht über auf ihren Möbeln kam- pirten, und die Wobnungslosen am anderen Morgen nach dem Asyl für obdachlose Familien in der Prenzlauer Allee fuhr, woselbst die Aermsten vorläufig Aufnahme fanden. De» diestualig» Umzug bat eimn Fuhrmann um— seine Nase gebracht. Der Fuhrmann Rodert Klausmann hatte am Freitag für einen Bewohner des Hauses Oppelnerstraße 32 eine„Ziehfubre" zu machen. Während K. unten auf der Stoße die Sachen seines Bestellers auflud, stürzte fick der Wirth des detreffenden Hauses, der Webermeister Oskar Paul, ohne jeden Anlaß auf ihn und brachte ihm mittelst eines scharfgeschliffenen Messers eine derartige Verwundung an der Nase bei, daß deren Spitze und Flügel völlig abgeschnitten zu Boden fielen. Der Verletzte wurde nach der Sanitätswache ge- bracht, wo ihm der erste Noihverdand angelegt wurde. Der P. soll zu der That durch den Glauben verai.laßt worden sein, daß K. dem Micther, der noch dem Wirthe Miethe schuldete, beim „Rücken" habe Beihilfe leisten wollen. Do» zvei«isrnbahnzügen überfahre» wurde in der Nacht zum Sonntag der in der Markgrafenstraße wobnende Schlächtergeselle H. Wenige Minute« nach 1 Uhr Nachts hörten Beamte des Potsdamer Bahnhofes laute Hilferufe von dem Ausfahrtsperron des Bahnhofes und hinzueilend fanden fie einen zwischen zwei Geleisen auf dem Rücken liegenden Mann, welchem beide Arme abgefahren waren, die unweit der Unglücksstätte lagen. Der Unglückliche befand stck hei vollem Bewußtsein und gab an, daß er von dem um 1 Uhr aus der Halle abfahrenden Potsdamer Zuge überfahren worden sei, während eine auf dem Nebengeleise um dieselbe Zeit entgegen« kommende Rangümaschine ihm den zweiten Arm abgefahren hatte. Od H. den Potsdamer Zug benutzt hat und bei dem Hinausfahren, auf der Plattform stehend, an jener Stelle, wo der Zug eine Kurve machte, hinuntergefallen ist, oder ob er an der Unglücksstelle aufzusteigen versuchte, um als„blinder Passa- gier" die Fahrt nach Potsdam mitzumachen, dabei aber von dem Plattform-Aufstieg berabgeglitten und so überfahren worden ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Das letztere scheint in- dessen wahrscheinlicher zu sein, da bei H. kein Billet vorae« funven wurde. Der Verunglückte, welcher inzwischen das Äe« wußtsein verloren hatte, wurde nach dem Elisadeth-Kranken- Hause geschafft und dürfte trotz der schweren Verwundung gerettet werden. Der gewiß fett»«» Fall, daß ein Kind, das 3 Jahre lang als Mädchen gegolten, bei der ärztlichen Untersuchung für einen Knaben erkannt wird, ereignete fich gestern in der kgl. chirurgischen Poliklinik in der Ziegelstraße. Die Mutter, welche aus der Nähe von Berlin hierher gekommen war, schien nicht sehr erfreut darüber zu sein, als der Arzt ihr auf ihre Be- meikung, das Kind heiße Auguste, erwiderte:„Nennen Sie's lieber August!" Es wird versucht werden, dem Kinde, bei dessen Entwicklung die Natur stck so schwach er- wiesen hat, durch eine Operation zu helfen. Od mit Erfolg, bleibe dahingestellt. Dermißt. Der Kauimannslehrling Carl Magnus verließ am 5. September d. I., Mittags, seine elterliche Wohnung, um fich in das Gesckäst zu begeben; er ist dort jedoch nickt einge- troffen, sondern seitdem spurlos verschwunden. Der Knabe hatte nur wenige Geldmittel und befürchten seine Angehörigen, daß ihm ein Unglück zugestoßen sein könnte. Er ist 14i Jahre alt, sehr schlank, von bleicher Gesichtsfarbe, hat dünnes, blondes Haar, waren auf dem schneeigen Weiß der Tassen wie hingestreut. Und die Zuckerdose! DaS Herz lachte dem Fräulein, wenn sie diese nur ansah. Nein, so etwas Köstliches durfte sie fich nicht entgehen lasten. Der Preis ging in die Höhe. Noch immer fanden sich Liebhaberinnen. Em furchtbarer Menschenhaß wühlte sich in da« bisher so ftiedliche Herz deS Fräuleins ein. Sie wäre fähig gewesen, diesen mißgünstigen Mitbieterinnen die neidischen Augen auszukratzen. Ihre Stimme wurde rauh und gepreßt. In kurzen Tönen stieß sie die Zahlen hervor. Allmälig verstummten die Rivalinnen. Nur Frau Keller bewarb sich noch um den vielbegehrten Kampfpreis. Die beiden Frauen warfen sich Blicke grimmigsten Hasses zu. Das Service war bereits weit über seinen Werth hinaufgetrieben und doch wollte keine eS der andern gönnen. Da wagte Fräulein LipsiuS einen Verzweiflungsschritt. Mitten auS den Achtzigern heraus schwang sie sich plötzlich auf die Zahl Hundert empor. DaS schien zu wirken. Frau Keller ergab sich. „Hundert Mark", näselte der Ausrufer,„zum ersten, zum zweiten, zum drit--——" Er hatte schon die Anfangssilbe des entscheidenden Wortes ausgesprochen. Der Hammer war im Begriff zu fallen. Fräulein LipsiuS strahlte schon vor Genugthuung über den blutigen, doch um so ehrenvolleren Sieg.—— Da entstand an der EingangSthüre eine lebhafte Bewegung. Ein hübscher junger Mann drängte sich vor. „Fünf Mark biete ich werter," rief er mit lauter Stimme. Fräulein Lipsiu« drehte sich wüthend um. Alle ihre Hoffnungen waren vernichtet. DaS erkannte sie sofort. AuS dem Nebenzimmer aber stürzten die Unglück- lichen Gatten hervor mit fteudigea Blicken und jubelndem Zuruf:„Endlich! Gott sei Dank!" Es war der längstersehnte Bruder Ella'». Der Zug, der ihn brachte, hatte sich verspätet. Doch eS war keine Zett zu vorläufigen Erklärungen. Der Neuangekommene eilte auf den Gerichtsvollzieher zu. blaue Augen, gute Zähne; besondere Kennzeichen: doppelte Augcnzähne. Bekleidet war er mtt grau-melirtem Jacketanzug, grauem Fllzhut. weißem Oderhemd und Zugstiefeln. Tie be» Imbten Eltern bitten Jeden, der etwas über den Verbleib des Knaben weiß, bezügliche Mittheilungen an ihre Adresse: Berlin, Mtttenwalderstr. 44, gelangen zu lassen. Gräßliche Nerletznngrn hat vorgestern Nachmittag am Sttalauerplatz der in der Koppenstraße wodnbafie Arbeiter Karl K. davongetragen. K. ist in der städtischen Gasanstalt besckäf« tigt und lief gestern Nachmittag in eiliger Weise über den Platz, als er gegen die Pferde eines vorüberfahrenden Möbelwagens stolperte und von Viesen zur Erde getreten wurde. Bevor der Acrmste Hilfe bekommen konnte, ging ihm ein Rad über den linken Arm und die Hand, letztere völlig zerquetschend. Der vor Schmerzen ohnmächtig gewordene K. wurde von Passanten in ein Krankenhaus transportirt. wo demselben die Hand adge- nommen werden mußte. Den Kutscher des Möbelfuhrwerks soll keine Schuld toffen. Gin NnglLckofall ereignete fich vorgestern Nachmittag in der Kochstraße. Vor dem Hause Nr. 25 war der Dachdecker Heinrich E. aus der Keibelstraße, hoch oben auf einer Leiter stehend, mit dem Anbringen einer Telephon leitung beschäftigt, als plötzlich die Leiter auf dem schlüpfrigen Mosaikpfiaster aus« rutschte. E. stürzte zur Erde und blieb bewußtlos liegen. Schwere innere Verletzungen bedingten die sofortige Ueberfüh- rung in ein Krankenhaus, woselbst man schwere Besorgniß um das Auskommen der Verunglückten hegt. Der Hebammenkur'u» hat vorgestern in der Caaritee begonnen; der Kursus dauert, wie schon bekannt, sechs Monate. Wer am gestrigen Tage nickt erschienen ist, bleibt für diesen Kursus vom Unterricht ausgeschloffen. Verkauf der Kchwanen-Apotheke. Die in der Span» dauerstraße an der Ecke der Heidereutergaffe gelegene Apotheke zum„Weißen Schwan", welche bereits im Jahre 1553 gegründet wurde, ist vor kurzem in anderen Befitz übergegangm. Der frühere Befitzer, Herr Levysohn, welcher fie selbst erst vor wc- nigen Jahren erwarb, hat die Apotheke für den Preis von an- nähernd 500 000 M. an Herrn Todtmann verkauft. Die mtt der Apotheke verbundene großartige Capsulen Odlatenfabrik hat fich der fiübere Befitzer zurückbehalten und wird fie in einem eigenen Fabrikgrundstück weiter führen. Gemäß de« Nerolkeutlichungeu de« Aatferliche» Gefnudlzetts-Kmt» find in der Zett vom 16. bis 22. Sep« tember er. von je 1000 Bewohnern, auf den Jahres» durchschnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 21,8, in Breslau 23,2, in Königsberg 25,9, in Köln 28,5, in Frank» furt a. M. 16,8, in Wiesbaden 10,7, in Hannover 24.2, in Kassel 20,2, in Magdeburg 23,4, in Stettin 26,6, in Altona 17,2, in Straßburg 21,5, in Metz—, in München 30,6, in Nürnberg 24,6, in Augsburg 25,0, in Dresden 18,7, in Leipzig 19,2, in Stuttgart 19,9, in Karlsruhe 25,6, in Braunschweig 24,2, in Hamburg 20,9, in Wien 19,0, in Pest 28,4, in Prag 28,5, in Trieft 23,7, in Krakau 26,6, in Amsterdam 20,9, in Brüssel 21,3, in Paris 19,3, in Basel—, in London 15,8, in Glasgow 19,2, in Liverpool 18,4, in Dublin 18,5, in Edinburg 17,5, in Kopenhagen 20,5, in Stockholm 15,7, in Christiania 18,0, in St. Petersburg 34,1, in Warschau 29,0, in Odessa—, in Rom 25,3, in Turin 19,8, in Venedig 18,7, in Alexandria 49,6. Ferner in der Zett vom 26. August bis 1. Scplemder ct. in New- Bork 29,0, in Philadelphia 18,1, in Battimore 21,7, in Kalkutta 19,6, in Bombay 28,0, in Madras 33,8. Die Sterblichkeit blieb in der Berichtswoche in den meisten Großstädten Europas eine günstige, wenn auch vielfach etwa« größere Sterblichkettszablen als in der Vorwoche gemeldet wur» den. Sehr gering(noch nicht 15,0 pro Mihe und Jabr de« rechnet) war die Sterblichkeit in Wiesbaden(10,7), in Darm« stadt(11,8), Barmen und in Rostock. Günstig(bis 200 p:o Mille und Jahr) war dieselbe in Frankfurt a. M, Altona, Dresden, Leipzig, Stmtgart, London und in den->na> lischen Städten, ferner in Wien, Stockholm, Christlania, Ve« nedig, Turin u. a. Auch in Berlin, Hamburg. Bremen, Straßdurg, Elberfeld, Kassel, Brüssel Kopenhagen, Amsterda« u. a. war die Sterblichkeit eine mäßig hohe(etwas über 20,0 pro Mille); hohe Sterdlichkeitsziffern(über 35,0 pro Mille) wurden aus keiner deutschen Stadt gemeldet.— Zahlreich waren noch immer Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kin« der, wenn auch die Zahl derselben vielfach, wie in Berlin. Leipzia. Köln, Köntgsbera. Bremen, Danzig, Magdeburg, Lon« don, Pest, Kopenhagen. Warschau kleiner wurde, während stein Hamburg, Breslau, München, Nürnberg, Dresden, Hannover, Stoßburg, Wien. Parts. St. Petersburg die gleiche hohe blieb. oder ein wenig größer als in der Vorwoche wurde. Die Theil- nähme des Säuglingsalters an der Sterdlichkett war im Allgemeinen eine etwas vermindette, in München eine etwas ge« steigerte, von je 10(00 Ledenden starben, auf's Jahr berechnet in Berlin 100, in München 166 Säuglinge.— Akute Entzündungen der Atbmungsorgane führten in wenig gegen die Vorwoche veränderter Zahl zum Tode.— Von den Jnfektions« krankheiten haben Masern, Diphtherie und Pockcn mehr, da« gegen Scharlach, typhöse Fieber und Keuchhusten weniger Todes« fälle hervorgerufen. So waren Sterdefälle an Masern in Berlin, „Bitte, heben Sie die Versteigerung auf! Ich über« nehme alles." „Aber das Publikum?" Der junge Mann wandte sich an die Versammlung. „Sie haben gehört, meine Herrschaften, ich werde alle« ankaufen— für die bisherige Besitzerin, meine Schwester. Wollen Sie nun der armen Vielgeprüften die Gegenständ« vertheuern, so bieten Sie mit! Wenn nicht, so beweisen Sie Ihre Güte, indem Sie die Auktion verlassen!" Die Worte zündeten. Es entstand eine allgemeint Völkerwanderung. Nur Mutter Bergmann blieb zurück und auch das Brautpaar zögerte. Der junge Mann bot der erstcren ei« Abstandsgeld. Sie griff sofort mit Freuden zu. Also wandte sich no eingegraben, und ihr Herz wurde weich. Ein Blick auf den Bräuttgam, ein Nicken deS Stopft Man leistete gänzlich Verzicht. Dann entfernte sich Paar mit raschen Schritten. Nun erst umarmte Ella ihren Bruder. Noch einvff ein heißer Thränenstrom, noch einmal ein heftige« Schluch� --- und dann da« erste von Herzen kommende Lach*' seit langer Zeit. Ei« Sonnenstrahl, der aus finsterem 0 wölk hervorbricht. Inzwischen hatte» auch die beiden GerichtSbeamte» W schüttelnd da» Haus verlassen.... London. St. Petersburg zahlrcicbrr. in Poris seltener: auch neue Erkrankungen wurden aus Berlin, Hamburg, St. Peters- bürg und aus Reg.-Bezirk Schleswig in gesteigerter, aus Breslau in gleich großer Zahl wie aus der Vorwoche gemeldet.— Das Scharlachsteder hat in Danzig, Wien, London, St. Petersburg, Warschau weniger, in Berlin etwas mehr Sterbefälle veranlaßt; auch neue Erkrankungen wurden aus den meisten Orten, aus denen Berichte vorliegen, in geringerer, nur aus Hamburg und St. Petersburg in wenig vermehrter Zahl mitgetheilt.— Die Sterblichkeit an Diphtherie und Croup war in Berlin, Vre- lau, Hannover, Nürnberg, Braunschweig, Pest, Prag, London, Edinbura, St. Pctersdcrg eine größere, dagegen in Dresden, Wien, Warschau, Paris eine kleinere, in Hamburg die gleich große wie in der Vorwoche. Neue Erkrankungen ge- langten aus Berlin, Breslau, Hamburg, aus dem Regierungs bezirk Schleswig, fcrr.er aus Wien, Christiania in größerer, aus Nürnberg, Kopenhagen und St. Petersdu'g in geringerer Zahl zur Anzeige.— Die Zahl der Sterbefälle an Unterleibstyphus war in London, Paris, St. Petersburg eine kleinere als in der Vorwoche, aus Königsberg kam kein weiterer Todesfall zur Mit- ' theilung. Erkrankungen kamen in Hamburg und St. Peters- bmg etwas zahlreicher zum Vorschein. An Flecktyphus wurde aus Prag 1 Todesfall, an epidemischer Genickstarre aus Nürn- berg und Kopenhagen je 1 Erkrankung berichtet. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut wurden in keinem Orte in größerer Zahl Todesursachen. Der Keuchhusten nahm gleichfalls vielfach wie in Berlin, London, Liverpool, Paris, Wien einen milden Verlauf; auch zeigten fich in Hamburg und Kopenhagen neue Erkrankungen nicht häufiger. Aus Berlin kam 1 E krankung an Trichinofis, aus St. Petersburg 1 Todes- fall an Tollwuth zur Mittheilung.— Aus Wien wird I Tod.s- fall an Pocken berichtet, aus Lyon 2, aus Paris 4, aus Warschau 7, aus Trieft 8, aus Prag 15; neue Erkrankungen aus Pest 1, aus Wien 2. Der Gesundheitszustand in Berlin blieb auch während dieser Berichtswoche ein günstiger und die Sterblichkeit fall die gleich niedrige wie in der Vorwoche. Insbesondere haben Er- kcankungen und Sterdefälle an Darmkatarrhcn und Brechduich- fällen der Kinder einen weiteren Rückgang erfahren, obwohl die Zahl der durch diese Krankheitsformen bedingten Sterbesälle noch immer eine erheblich größere als die normale war. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war gleichfalls eine verminderte. Akute Entzündungen der Atömungs- organe zeigten fich ebenfalls seltener. Dagegen fanden Masern besonders in der Friedrich-Wilhelmstadt und Moabit, Diphtherie namentlich in der jenseitigen Luisenstadt größere Verbreitung, während Erkrankungen an Scharlach seltener und an typhösen Fiedern in gleich beschränkter Zahl wie in der Vorwoche zur Meldung gelangten. Weitere Elkrankungen an Pocken find nicht bekannt geworden. Erkrankungen im Wochen- bett und an rosenartigen Entzündungen des Zellgewebes der Haut kamen nur vereinzelt zur ärztlichen Beobachtung. Er- krankungen an Keuchhusten haben angenommen, vie Zahl der Sterbefälle sank auf 2. Eine Erkrankung an Trichinosts ge- langte zur Aurnnhme in ein Krankenhaus. Rheumatische Be- sch werden aller Art zeigten in ihrem Vorkommen im Vergleich zur vorhergegangenen Woche keine wesentliche Veränderung. Poli?»fvertckt. Am 1. d. M. Morgens wurden auf dem Flur ves Hauses Karlsbadstr. 6 und hinter dem Thorwege des Hauses Ziegelstr. 31 Leichen neugeborener Kinder aufgefunden und nach dem Leichenschauhause gebracht.— An demselben Tage Vouatttags stürzte ein Maurer in einem Zimmer des Königl. Schlofics beim Abrüsten von der Leiter und erlitt eine Quetschung des linken Ellenbogens und anscheinend innere Verletzungen, so daß er nach dem Kiankenhause gebracht werden mußte.— Als Nachmittags der Kutscker Saalfelv im Hause Potsdamenir. 123 ein Faß Bier in den Keller schaffte, glitt er auf der Treppe aus und erlitt dadurch mehrfache Quetschungen am Kopfe, so daß er nach dem Elisabeth-Krankenhause gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit wurde vor dem Hause Landsbergerplay 2 ein oddach- loser Tischler durch einen Möbelwagen und vor dem Hause Stralaucrplatz 3 ein 72 Jabre alter Arbeiter von einem leeren Kohlenwagen überfahren. Ecsterer mußte infolge der erhaltenen Verletzungen nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden, während letzterer nur eine Verletzung der linken.Hand erlitt.— Nachmittaas wurde ein Dienstmann in seiner Woh- nung am Grünen Weg erhängt aufgefunden.— Im Laufe des Tages fanden 5 kleinere Brände statt, welche zum Theil durch die Feuerwehr, zum Thetl durch die Hausbewohner gelöscht wurden.__ Grrichts-Zritimg. � ,5�, Strafsenat des Kammergerichta verbandelte in der Reorfionsinstanz über folgende, ebensowohl für Miether wie Vermiether und speziell für Berliner Verhältniffe wichtige Frage, nämlich ob für das Beziehen einer neuen Wohnung in dem Falle, daß für das detreffende Gebäude der polizeiliche Ge- brauchsabnahmeschein nicht ertheilt ist, nur der Vermiethcr allein, oder auch der Miether strafrechtlich verantwortlich ist. Zwei h'cfige Bürger hatten eine Wohnung in neuem Hause auf die Versicherung der Vermicther hin, daß der betreffende Abnahme- schein bereits erthellt worden sei, gem reihet und waren dort ein» gezogen, worauf fie aber wegen Ueberiretung der§§ 39 und 44 der Baupolizei-Ordnung vom 15. Januar 1887, welche das Be ziehen solcher neuer polizeilich nicht abgenommener Wohnungen verbieten, angeklagt, aber sowohl vom Schöffengericht wie von Strafkammer IVa des Landgerichts 1 freigesprochen wurden. Die Staatsanwaltschaft legte nach dem„B. T." hiergegen die Rc- viston ein, ausführend, daß die Angetlagten verpflichtet gewesen wären, fich den Abnahmeschein vom Bermiethcr vorlegen zu kaffen, oder bei der Polizei Erkundigung über die Abnahme ein- zuziehen. Zu einer Auskunftsertheilung in dieser Beziehung seien die betr. Polizcidureaus, wie seiner Zeit amtlich und durch die treffe bekannt gemocht worden sei, verpflichtet gewesen. Der enat erachtete diese Ausführungen für zutreffend, hob de mm- folge die freisprechenden Entscheidungen auf und verurtheille die Angeklagten zu je 1 M. Geldstrafe. „ ffiine Kerhaudlung mege« Nergede«« gegr« das Naffrangsmittetgefetz. die gestern die 87. Adthellung des Schöffengerichts defcbäftigte, erhielt dadurch ein eigenartiges Ge- präge, werl die Denunzianten ebenfalls auf der Anklagebank P atz zu nehmen hatten. Die beiden Kellner Büttel und Kuß hatten eine Anzeige eingereicht, daß fie, während fie in den Dimsten des Restaurateurs Göttel m der Straußbcrgerstraße standen, von ihrem Brotherrn angehalten worden waren, Bier« neigen mit frischem Bier zu verschneiden und dies Gemisch den Gästen vorzusetzen. Die Anklagcbehörde zog darauf nicht nur den Besckulvigten, sondern auch die Denunzianten wegen Bei- Hilfe zur Verantwortung. Im Verhandlungstermin behauptete der Angeklagte Göttel, daß er das Opfer eines niedrigen Rache- Mlans sei, den die beiden Mitangeklagten gegen ihn ausgeheckt; er stellte unter Beweis, daß er sein Geschäft seit 20 Jahren M vollen Zuftiedenheit der Behörde geführt und niemals eine Dolizetstrafe bemblt habe. Tie beiden Mitangeklagten bleiben dagegen mit großem Nachdrucke bei ihren Behauptungen. Wie- derholt hätten die Gäste fich über die Schlechtigkeit des Bieres vei tynen beschwert und es sei sogar vorgekommen, daß man es ihnen vor die Füße gegossen habe. Wenn fie fich ge- weigert hatten, den Gästen derartiges„Gebräu" vorzusetzen, bade der Angeklagte Göttel fie für dumme und einfältige Leute vom Lande gescholten, und um nicht ihrer Stellung ver- lustig zu gehen, hätten fie nachgeben müffcn. Kuß wollte nach l4tägigcr Dimstzeit seine Stellung geopfett haben,„weil er es nicht länger mit ansehen tonnte." Trotzdem die feindselige Stimmung der beiden Denunzianten und Mit- angeklagten gegen ihren früheren Brotherm in der Verhandlung klar zu Tage trat, hielt der Gerichtshof ste doch nicht für so unglaubwürdig, daß fie aus Rachsucht eine wiffentlich falsche Anzeige erstattet haben sollten, sondern es wurde der Angeklagte Göttel für überführt erachtet und zu einer Geldstrafe von 200 Mark ev. 20 Tagen Ge-ängniß vermtheilt. Die beiden Denun- zianten und Mitangeklagten kamen mtt einer Geldstrafe von je 5 M. ev. 1 Tag Gefängniß davon. Der erste Angeklagte er- kläfte, vom Rechte der Berufungseinlegung Gebrauch machen zu wollen. Nerbrechen oder Irrstun? Das war die Frage, die gestern die eiste Strafkammer cm Landgericht II in einem Wiederaufnahmeverfahren zu lösen hatte. Der Arbeiter, frühere Schneider Sckallock war vor zwei Jahren vor demselben Forum zu 1 Monat Gefängniß verurtbeilt worden, weil er dem Di- rettor des Arbeitshauses zu Rummclsburg gedroht hatte, die ganze Anstalt in Brand stecken zu wollen. Ede er jedoch seine Strafe antreten konnte, verfiel er in Tobsucht, die seine Auf- nähme in eine Irrenanstalt nothwendig machte. Er kam nach Dallvorf, und da er in Hamburg heimathsberechtigt war, später dorthin. Diese Reise hat er zweimal unternehmen müffen. Der Angetlagte litt schon seit langer Zeit an Geistesstörung. Beim Militär ließ er fich aus diesem Grunde einen Mißbrauch der Waffe zu Schulden kommen. Er wurde deshalb besttast. Soäter sank er von Stufe zu Stufe, denn wegen seines exen- irischen Wesens konnte er nirgends dauernde Beschäftigung fin- den. So wurde er schließlich Landstreicher und Bettler, bis er ins Ardeitehaus gelangte, wo er in Todsucht verfiel. Das Ur- theil lautete auf Freisprechung. Eine besonders die Kchiffer intereffirende Anklage wegen Unterschlagung gelangte gestern vor der 37. Abtheilung des Schöffengerichts zur Verhandlung. Der Schiffer Drüster- holtz hatte in diesem Frühjahre d*e für die Berliner Brotfabrik bestimmte Ladung Getreide nach hier zu fahren. Nach Abnahme der Ladung wurde der Fabrik die Mittheiluna, daß in dem Kahne des D. noch mehrere Zentner Getreide sich befanden und machte die Adreffatin hierauf Anspruch. D. weigerte fich und zog fich eine Anklage wegen Unterschlagung zu. Derselbe gab die Thalsacke im Termine unumwunden zu, behauvtete aber, daß die Brotfabrik keinen Anspruch an den Uederschuß habe. Sie habe laut Frachtbrief 130 Wispel, die ste selbst abwägen ließ, erhalten und bezahlt, ein Weiteres stände ihr nicht zu. Wenn der Absender zu reichlich gewogen habe, dann habe derselbe es im Jntereffe des Schiffers gethan, wie dies überhaupt Gebrauch sei, weil der Schiffer stch mit seinem Kahne und seiner sonstigen Habe für die richtige Ablieferung der Ladung verpflichten und etwaigen Feblbelrag ersetzen müffe. Während der Staatsanwalt diese Auffaffung als eine irrige bezeichnete und eine Gefängnißstrafe von 4 Wochen beantragte, erkannte der Gerichtshof auf Frei« sprechung. Im Zivilverfahren würde fich sehr darüber streiten laffen, wem der Uederschuß gehöre, und sei es jedenfalls nicht nachzuweisen, daß der Angeklagte in bösem Glauben gehandell habe. Eine KrUidigmtg in der Sprache der Tand- stummen bildete die Grundlage einer Privatklage, welche die laubstummen Tischlermeister Lose'scken Eheleute gegen den eben- falls taubstummen Tischlermeister Schütz angestrengt haben. In einer im August ct. vor der 100. Abthcilung des Berliner Schöffengerichts stattgehabten Verhandlung stellte fich heraus, daß sowohl die Parteien als die geladenen drei Zeugen taub- stumm sind und mtt ihnen daher nur mittelst eines Dol- mctschers verhandelt werden kann. Dm Klägern wurde daher aufgegeben, zur Deckung der Kosten einen Gebührenvorschuß einzuzahlen, was auch geschehen ist. In dem zu gestern anberaumten neuen Termine waren die Kläger, die Zeugen und eine Dolmetscherin erschienen, von dem Beklagten aber Mittheilung eingegangen, daß er infolge Verzugs nach Budapest nicht er- scheinen könne. Es wurde nun den Klägern begreiflich ge- macht, daß fie unter so bewandten Umständen am besten thäten, die Klage zurückzunehmen, da in Abwesenheit des Angeklagten nicht verhandelt werden dürfe. Hierauf wollten die Kläger durchaus nicht eingehen, und wurde nach längerm Unterbandeln der Ausweg gewählt, den Beklaatm in Budapest durch einen ersuchten Richter über die Priva'.klage vernehmen und von ihm den Antrag entgegennehmen zu laffen, ihn vom Erscheinen in der Hauptverhandlung zu entbinden(§ 232Str.-Pr.-O.). Diese von der Erlegung eines Zst der Nachweis hierfür zerfahren auf Kosten der Prozedur ist aber abhängig aemacht neuen Vorsdmsses binnen 14 Tagen. nicht rechtzeitig erbracht, so wird das Kläger eingestellt. Eine recht dreiste Hansdiebin beherbergte der Rektor Otte in der Person des Dienstmädchens Anna Matschke eine Zeit lang in seiner Familie. Herr Otte benutzte einen Mittel- kästen seines Büffets als eine Art Tresor, in welchem er seine Gelder aufbewahrte. Es steltte fick bald heraus, daß ein Un- befugter fich den Zuttitt zu verschaffen wußte, denn Herr Otte konnte wiederHoll das Fehlen von Geld feststellen, ja es kam kurz hintereinander vor, daß zuerst ein Fünfzig-Markschein, dann aber zwei Hundett-Marlscheine verschwanden. Alle Nach- forschungen nach dem Gelde blieben vergeblich, der Verdacht lenkte fich aber schließlich auf das Dienstmädchen, die allein Gelegmbeit batte, den Schlüssel zum Büffet unbemerkt zu erlangen. Trotzdem kein Geld bei dem Mädchen vorge« sunden wurde, gelang es doch, dasselbe durch einen Indizien- beweis vollständig zu überführen und nachzuweisen, daß ste ganz bedeutende Einkäufe an Kleidern und Putzsacken gemacht hatte. Der Geriebtsdof hielt ihre Schuld für vollständig er- wiesen und verurtheilte fie zu einem Jahr Gefängniß. Di« Dornahme einer Zwangsvollstreckung hat für den Gerichtsvollzieher Wilhelm Götting eine Anklage wegen Anstiftung zum groben Unfug zur Folge gehabt, welche gestem vor dem hicstgen Schöffengericht gegen ihn, sowie dm Kutscher Wilhelm Sauer und dm Arbeiter Ludwig Steinecker verhandelt wurde. De: Gerichtsvollzieher nahm am 2. Juli Abends gegen 8% Uhr in der Allen Jakodstr. 48 eine Pfändung vor und ließ die gepfändeten Sachen aus dem Bartels'schen Geschäft durch die beiden Mitangeklagten nach einem auf dem Straßen« dämm haltenden Wagen tragen. Dieser Akt erregte einm ge« waltigen Auflauf: es sammelten fich zahlreiche Mmschmmaffen vor der Ladenthür, welche sowohl den Gerichtsvollzieher ver« höhnten, als auch die beidm Träger der Sachen oft arg um- drängten. Dm beiden letztgenannten scheint schließlich der Ge- duldsfadm gerissen zu sein, dmn Sauer wurde durch die An- klage beschuldigt, einm Vorübergehenden aus reinem Muth- willen vor die Brust gestoßen und dann noch ins Gestcht geschlagen zu haben, währmd Steinecker einen anderm Passanten nicht nur geschlagen, sondem ihm auch ein schweres Brett mit Wucht auf die Füße geworfen habm soll. Die Betroffenen, die allem Anscheine nach die Opfer einer Personenverweckselung waren, behaupteten nun. daß der Gerichts- Vollzieher die Träger durch den Zuruf:„Macht doch mtt dm Kerls hock, hock!" zu der That angestiftet und dadurch den großen Auflauf erst veranlaßt habe. In dieser Beziehung wurde aber so wenig erwiesen, daß der Gerichtshof nach dem Antrage des Rechtsanwalts Leopold Meyer den Angeklagten Götting nicht nur freisprach, sondern auch die Kosten der Vertheidigung der Staatskasse auferlegte. Sauer und Steinecker, wurde wegen groben Unfugs elfterer zu 7 M., letzterer zu 2 M. Geldbuße verurtheilt. Tin« Anzeige wegen wissentlich falscher Anfchni» dignng hatte ver Fuhrherr Mettens gegen dm Direktor der Nmm Berliner Omnibus- und Packetfahrt- Aktiengesellschaft, Herrn Major von Lindheim, bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht 1 eingereicht, nachdem er, auf die Anzeige des Herrn v. Lindheim hin wegen Vergehens gegen das Droschkenpolizei- reglement unter Anklage gestellt, in der tzauptoerhandlung aber vom Schöffengerichte, wie wir in Nr. 202 des„Berl. Volksbl." berichtet babm, fteigesprochm wordm war, weil, wie das er« gangene Uftheil begründend ausführte,„durch das glaubhafte eidliche Zmgniß des Schutzmanns Reh nicht erwiesen ist, daß der Angeklagte zu Berlin am 8. Mai d. I. in der Mohren- straße fich als Droschkmkutscher dem Publikum gegenüber unhöf» lich benomm n hat" u. s. w. Daraufhin hat Mettens von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht I folgenden Bescheid er» hallen:„Auf Ihre Denunziation vom 4. Sept. gereicht Ihnen zum Bescheide, daß ich gegen den Major a. D. von Lindheim nicht einschrettm werde. Die Anzeige des letzteren hat fich in der ge- richtlichm Verhandlung vom 23. August d. I. keineswegs als „völlig unwahr" erwiesen. Der einzige vernommene Zeuge Schutzmann Reh hat nur über Ihr Betragen nichts bekundet. Damit ist aber noch keineswegs erwiesen, daß Sie das Ihnen zur Last gelegte unhöfliche Benehmen nicht doch an den Tag gelegt haben. Nach den Aussagen des im vorbereitmdm Verfahren vernommenen Zeugen Köhler ist vielmehr für erwiesen zu erachtm, daß Sie zu dem Herrn Major v. Lindheim gesagt habm» er solle nicht solchen Radau machen und sich anständig benehmen. Diese Redensart, im Munde eines Droschkenkutschers, gegenüber einem königlichen Major muß als absolut unschicklich erachtet werden. Ueberdkes würden einzelne Uebettreibungen in der Strafanzeige dieselbe noch nicht zu einer wissentlich falschen im Sinne des§ 166 des Reichs- Strafgesetzbuches machen. Der erste Staatsanwalt. I. A.: Hoppe. An den Fuhrherrn Herrn E. Mettens, hier."— Gegen diesen Bescheid hat Mettens nunmehr Beschwerde erhoben. Die Uornntersnchnng gegen den dekannten Hauptmann Sidney O'Danne wird in nächster Zeit zum Abschluß gelangen und dürfte genügendes Belastungsmaterial zur Erhebung der Anllaze ergeben. Die Verhandlung wird vor einer der Straf- kammern beim Landgettcht 1. stattfinden. Die Vertheidigung hat der Rechtsanwalt Dr. Fr. Friedmann übernommen. Ginent int Kriminalgerichts gedäudr längst gefühlten Bedürfntß ist jetzt abgeholfen worden, nachdem seit dem 1. d. M. ein Telephonanschluß in dem Zimmer der Rechtsanwälte einze- richtet wurde. Neichvaerichts» Entscheidung.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 1. Ottober.(Fahrlässige Tödtung durch Medizingift.) Der Aufsehen erregende Fall unerhörter Fahrläsfigkett eines Arztes in Straßburg(Elsaß), durch den zwei Menschen vergiftet wurden, kam dieser Tage vor dem 1. Strafsenat!des Reichs. gettchts in der Revifionsinstanz zur Verhandlung. Der Dr. weck. Flocken wollte zwei kranken Männern Zeitlosentinttur(tinetnra Colchici) verschrieben, irrte stch aber und verschrieb Extractnin Colchioi, welches 100 mal stärker ist. Beide Rezepte wurden zu verschiedenen Zeiten, aber jedesmal mit demselben Fehler, ge» schrieben. Dieselben wurden in die Apotheke von Jakob Greiner geschickt, um angefettigt zu werden. Greiner selbst war an jenem Tage— den 31. Ottober v. I.— auf die Jagd ge» gangen und hatte zu seiner Vertretung den Gehllfen Alfred Wolf zurückgelassen, welcher erst 14 Tage in seinem Geschäfte war und kurz vorher das Lehrlingsexamen gemacht hatte. Wolf fertigte ruhig die beidm Rezepte an und wurde auch durch dm Umstand nicht stutzig gemacht, daß er Extr. Coleb, in den Re- posttorien der Apotheke nickt vorfand. Er mußte diesen Stoff erst durch den Lehrling Andres aus dem 5. Stock holen lassen. Die beidm Kranken nahmen die Medizin im gutm Glaudm an ihre lindernde Wirkung, starben aber kurz darauf. Als Greiner hiervon Kenntniß erhielt, that er alles, um dm Sachverholt zu vertuschen, er besettigte die Ottginalrezepte, ver- brannte die Kladde, in welche dieselben eingetragen waren, nrd ersetzte das erst vor kurzem in Gebrauch genommene Rezcptir- buch durch ein neues. Er that dies hauptsächlich, um dm Dr. Flocken, seinen intimen Freund, vor Strafe zu schützen, dann aber auch, um seine Apotheke nicht in schlechten Ruf kommen zu laffen. Das Landgettcht Straßburg verurtheilte am 12. Mai den Dr. Flocken und den Apothekergehilfen Wolf wegen fahr- lajstger Tödtung, elfteren zu 9, letzteren zu 2 Monaten Ge» fängniß, den Apotbekendefitzer Greiner aber wegen Begünstigung zu 2 Wochen Gefängniß, während der Lehrling Andres frei- gesprochen wurde.— Von den Verurthetlten hatten Greiner und Wolf Reviston eingelegt. Erstercr behauptete, bei Ver- nichtung des Bclastungsmatcttals für Dr. Flocken habe er nur deabfichtitt, sein eigenes Renomme zu wahren; daß dies dem Dr. Flocken zu Gute gekommen wäre, sei zwar richtig, aber sein Dolus sei nickt darauf gegangen. Wolf rügte, daß ihm mit Unrecht die Verantwottung aufgebürdet sei, da er noch nicht die nöthigm Kenntnisse beseffen habe und den Dr. Flocken nick habe rekrifiziren können.- Das Reichsgericht verwarf jedoch beide Revifionm, da die Schuld der Angeklagten ohne Rech.'s- irrthum festgestellt sei.__ Derewe»ud UersamWlsmKSV De» Fachverein der Tischler hielt am Sonnabend, dm 22. September, eine Mitgliederversammlung ab, in der Herr Direktor Jeffm einen Vottrag über:„Das heutige Fachzeichnm der Tischler" hielt. Der Vortragende schlldette in eingehender Weise, wie fich das Fachzeichnen der Tischler aus seinm un« vollkommenen Anfängen bis zu seiner jetzigen Form ausgebildet habe. Er legte die Nützlichkeit des Zeichnens dar und ttchtete einm warmen Appell an die Mitglieder. Wer Lust und Freude am Lernen finde, der möge fich vertrauensvoll an die Hand» wetterschule wenden. Im zweiten Punkt der Tagesordnung kam die Angelegenheit des Kollegen Neumann gegen den Tischlermeister Zieger ,ur Verhandlung. Herr Zieger war trotz Einladung nicht erschienen. Nach Bcttchterstattung seitens der Wettstattkontrolkommisfion wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heutige Mitgliederversammlung des Fach. vereins der Tischler hat Kenntniß genommen von dem Bettcht der Wettstattkontrolkommisfion in der Angelegenhett Neumann gegen Tischlermeister Zieger, fie erkennt, daß Kollege Neumann nicht korrekt gehandelt hat, da er verpflichtet war, seine Anae. legmheit der Werkstattkontrolkommisfion zu unterdreitm; die Versammlung erfleht aus dem Bettcht, daß jener Kollege, der 4 M. Lohn für 60 Arbeitsstunden erhalten haben sollte, that. sächlich 14,05 M. erhalten hat; andererseits erkennt fie aber auch, daß in der Werkstatt Zustände herrschen, die n i ch t menschenwürdige genannt werden können."— Des weiteren bettchtet der Bevollmächtigte der Werkstattronttol» kommisston, Kollege Millarg. über die in der jüngsten Zelt in Berliner Zeitungen verlangten Gesellen nach Oldenburg nach Breslau und nach London. In der stch daran knüpfenden Diskussion wurde davor gewarnt, auf solche Annoncen hin Arbeit zu nehmen, ohne sich wenigstens um Au-. fünft an eine dortige Organisation gewandt zu haben. Da ein Mangel an Arbeitskräften nirgend vorhanden ist, so bandett eS fich bei solchen Gesuchen meist darum, billige Arbeitskräfte heran» zuziehen, oder durch Vermehrung des Angebots die Preise m drucken oder aber womöglich gar im Lohnkampf befindliche Kollegen zu ersetzen. Cm Redner, der selbst längere Zett in London gearbeitet hat, warnt auch vor dem Zuzug nach dort; auch in London find massenhaft Arbeitskräste vorhanden. Die dotthin gelockten deutschen Arbeiter werden als Preis» drucker benutzt und deshalb von den englischen Kollegen nicht gerade freundlich angesehen. Man möge fich nicht durch anscheinend hohen Verdienst blenden laffen, da auch der Lebensunterhalt dort bedeutend theurer sei. Wer dennoch nach London gehen will, möge fich an eine dortige Organisation wenden. Die Anmeldungen für die Handwerkcrschule finden noch bis zum 6. Oktober Lindenstr. 97, Abends von 6-3 Uhr, statt. Die MUglieder, welche am Unterricht theilnehmm, mögen fich in der Versammlung unter Vorzeigung ihrer Katte bei Kollege Mrllarg melden.— Die nächste Versammlung findet am Sonn» abend, den 6. Ottoder, in Jordans Salon, Neue Grünstt. 28. statt. Tagesordnung: Vortrag und Vereinsangelegenhetten. Ausgabe der Billets für das am 23. Ottober In Heidttcks Sälen stattfindende Vergnügen und Aufnahme neuer Mit-- giieder in der Versammlung, sowie auf dm Zahlstellen. »«fang-, Turn- und gefellige N ereine am Mittwoch Männergesangvercin„Jugendlust" Abends St Uhr im Restarant Paffod, Gartenstr. 162.— Männergesangverein„Cacilia" Abends ä Uhr im Restaurant, Köpnikerstraße 127».— Gesangverein „Männerchor Linde" Abends 8', Ubr im Restaurant tzaller, „Männerchor iliaunynstraße 70.— Männomesangverein„Sangesfteunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Musehold, Landsbergerstr. 31.— „Freqa", Gesangverein der Freireligiösen Gemeinde, Abends St Uhr im Restaurant Benecke, Große Hamburgerstraße 16.— Huvvert'sche Sängervereinigung jeden Mittwoch nach dem ersten im Monat, Abds. 9 Uhr, im Restaurant Heise, Lichtenbergerstr. 21. —„Seeger'scher Gesangverein" Abends 9 Uhr im Restaurant Schulz, Prenzlauerstr. 41.— Gesangverein„Schwungrad" Abends St Uhr im Restaurant Sahm, Annenstraße 16.— Männergesangvcrein„Lorbeerkranz" Abends 9 Uhr m Restaurant Karsch, Lranienstr. 190.— Gesangverein„Nord-Jubal" Abends 9 Uhr in Vettin's Bierhaus, Vcteranenstr. 19.— Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Restaurant Dobcrstein, Mariannenstr. 31—32.— Gesangverein „Sängerrunde" Abends St Uhr, Buckowerstr. 9.— LübedPscher Turnverein(1. Lehrlingsabtheilung) Abends 8 Uhr Elisabeth. straße 57—58.— Turnverein„Wedding", Pankstraße 9. Männer-Abtheilung von 8& bis 10V Uhr Abends: desgleichen 1. Lchrlings- Abtheilung von 8 bis 10 Uhr Abends.—„Mehr Licht", Verein für Scherz und Ernst, Abends 8t Uhr im Restaurant Heid, Koppenstraße 76.— Schlefischer Verein„Holtet" Abends 9 Uhr im Restamant Harke, Hollmannstraße 33.— Veranügungsverein„Fröhlichkeit" Abends 9 Uhr im Restaurant Säger, Grüner Weg 29. — Wiffenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie. Abends 8t Uhr im Restaurant' Beese, Aste Schönhauser- straße 42, Unterricht und Uebungsstunde.— Roller'scher Stenographenverein„Süd- Berlin". Abends 8t Uhr im Restamant Prinzenstraße 97 Sitzung und Uebungsstunde. — Arends'scher Stenographenverein„Amicitia" Abends 8t Uhr im Restaurant Behrends, Schönebergerstraße 6.— Arends'scher Stenographenverein„Philia" Abends 9 Uhr im Restaurant „Wilhelmsgarten", Kochstraßc 7.— Verein ehemaliger Schüler der 22. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Lehmann, Äurfürstenstraße 31.— Berliner Rauchklub„Wrangel" Abends 9 Uhr im Restaurant Foge, Köpenickerstraße 191.— Rauch- Lud Havanna 80" Abends 3j Uhr im Restaurant Paetzoldt, Rcichcnbergerstraße 16.— Rauchklub„Gemüthlichkeit" Abends 5 Uhr im Restaurant Achsel, Köpenickerstraße 161.— Rauch- vub„Columbia" Abends 8% Uhr im Restaurant Beyer, Prinzenstr. 96.— Rauchklub„Frisch gewaat" Abends 8t Uhr im Restaurant Tempel, Äreslauerstr. 27.— Rauchklub„Krumme Piepes Abends 8t Uhr, Ostdahn 4 bei Trumpf.— Vergnü- »ungsverein„Fröhlichkeit" gegründet 1880, Abends 9 Uhr, Grüner Weg 29._ Kleine Mittheilungen. Altendorf, 30. September. Großes Aussehen erregt die plötzuchc Entlassung und Flucht des hier wohnenden lang- Mngen Packmeister A. D. der F-iedr. Krupp'schen Gußstahl- rabrik. Derselbe soll größere Mengen Kupferstiche, Eigenthum der Firma, an Essener Althändler verkauft haben. Eine Haus- luchung bei Essener Althänvlcrn förderte aus der Krupp'schen Fabrik herrührende Kupferstiche, Kanonentheile und Geschoßringe zu Tage. Die Folge war die Verhaftung von 6 Personen. Der flüchtige A. D. führte ein flottes Leben, im Dezember v. I. soll er noch einer armen WUtwe 400 M. entliehen haben und solcher Fälle sollen mehrere vorliegen. Kern»« ach« 30. September. Mit knapper Roth und Mühe entging am 27. Abends der Köln Pariser Schnellzug einer höchst gefährlichen Katastrophe. Derselbe hatte den Stadtbahnhof ver- lassen und eben die Eisenbahndrücke pasfirt, als ihm vom nächsten Bichnüd ergang aus das Nothfignal des dort stattonirten Bahn- Wärters entgegcngehasten wurde. Zum Glück gewahrte der Zug- sührer das Zeichen und gab sofort Gegendampf ab. Der Zug wurde kurz vor dem Uedergang zum Stehen gebracht. Große Werwnrung entstand unter den Paffagieren, da man in ver Dunkelheit nichts wahrnehmen konnte und dadurch in doppelte »ngst gericth. Es stellte stch nun heraus, daß fich quer über die Schienen eine Anzahl Baumstämme gelagett hatte, die durch Achsendruch eines Wagens, der ebenfalls auf den Schienen lag und bei der Uebcrfahrt daselbst zusammengebrochen war, das ganze Geleise gesperrt hielten. Rur wenige Schritte fehlten und der ganze Zug wäre unfehlbar verloren gewesen. Das Weg- räumen der Stämme währte eine Stunde, um welche der Zug stch st stich verspätete... Ueber de« zweifachen Word, welcher, tote schon kurz aemetdet, in der Rächt zum jüngsten Sonntag in London voll- führt worden ist, liegen jetzt folgende nähere Mrtlheilungen vor: Im Ostende von London wurden in der Nacht zum Sonntag wieder zwei Frauenspersonen brutal ermordet, und zwar scheint der Thäter dasselbe Scheusal in Menschengestall zu fem, von dessen bluttriefender Hand augenscheinlich die vier vorher- gegangeven scheußlichm Morde verübt wurden. Die ermor- Veten Frauen gehören, wie in den früheren Fallen, der Klaffe von Unglücklichen an, welche ihren Lebensunterhalt Nachts auf der Straße erwerben. Der Schauplatz des zuerst verübten Verbrechens ist Beinerstreet. eine enge Gaffe, welche in Com- mercial Road, eine der belebtesten Straßen des Ostendcs, ein- mündet. Gegen 1 Ubr Morgens hatte der pattouillirende Konstabler nichts Auffälliges in der Gasse bemerkt. Als er dieselbe auf seinem Rundgange eine Viettelstunde später pasfirte, entdeckte er im Thorwege einer Fabrik die Leiche einer Frau, dercn Hals von Ohr zu Ohr durchgeschnitten war. Der Körpkr der Entseelten war nicht verstümmelt, und der Mörder scheint nicht Zeit gehabt zu haben, sein Ver- stümmeluncswerk wieder zu beginnen. In der Ermordeten wurde später eine der Prostitution ergebene Frauensperson Namens Elisabeth Staibe erkannt. Sie soll von Geburt eine Schwedin sein. Die Stätte des zweiten Mordes ist Mstre-Square im östlichen Thelle der City, unweit d-s Stadtbezirks Whllechapel Gegen 2 Uhr Morgens hatte der wachthabende Konstabler in dem Square nichts Verdächtiges bemerkt. Zehn Minuten später erblickte er, beim Schein seiner Laterne die in einer Blutpfütze liegende Lerche einer Frau, deren Hals fast bis zum Nackenwirbel dutchgeschmtten war, Tnäfcrend der Unterleib in einer nickt näher zu beschreibenden Weise verstümmelt und fast bis an die Brusthöhle aufgeschlitzt war, aus welcher die Gedärme und andere Organe herausdrangen. Das Amliy der Ermordeten bot einen fürchterlichen Anblick: die Nase war vollständig abgeschnitten, ein Auge fast aus der Höhle herausgerissen, das linke Ohr fehlte und Stime wie Wan- gm waren m't Schnitt- und Stichwunden bedeckt. Diese Ver- wundungen geben Grund zu der Annahme, daß zwischen dem Mörder und seinem Ovfer ein verzweifeller Kampf stattgefun- dm haben muß. Wie ein Lauffmer verbreitete fich die Schreckenskunde von den zwei neuen Blutthaten durch die ganze Nachbarschaft, und schon in früher Morgen- stunde waren Bernerstteet und Mitre- Square, sowie die anstoßenden Straßen mit Tausenden von Nerigierigen gefüllt. Das ganze Ostende befand fich in einem Zustande fieberhafter Aufregung, und es henscht im Publikum naturlich die Ä% wiederholen können. Der geheimnißvolle Mörder scheint spurlos verschwunden zu sein und die Polizei ist ganz rathlos. Vor- ausstchtlich wi'.d jetzt eine Staatsbelohnung auf Entdeckung des Tbäters ausgesetzt werden. Zwischen der ersten und zweiten Mordthat liegt nur eine kurze Zestspanne, und es scheust keinem Zweifel zu unterliegen, daß der Mörder zu dem ÄÄ"«' ÄÄÄÄÄ Die Obduktion wird voraussichtlich zeigen, ob, wie in dem Falle der ermordeten Annie Cdapman, ein gewisses Organ des Unter- leides der Ermordeten fehlt. Telegraphische Depeschem (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Pari«, Dienstag, 2. Oktober Der Präsident Carnot hat heute Vormsttag ein auf die in Frankreich wohnenden Fremden bezügliches Dekret unterzeichnet. In der Darlegung der Motive heißt es: Die bezüglichen statistiscken Erhebungen deweisen, daß fich die schon sehr namhafte Zabl der Fremden in Frankreich stetig durch Einwanderung vergrößert. Diese Lage der Dinge hat die desondere Aufmerksamkeit der Regierung auf stch gezogen, welche, dem Beispiel der Mehrhest der anderen Nationen folgend, der Anficht war, daß es rathsam sei, die Verwaltung in den Stand zu setzen, die Verhältnisse kennen zu lernen, unter welchen fich die Niederlassung von Personen oder Familien aus dem Auslände auf franzöfischem Boden vollzieht. Das Dekret bezieht fich auf die in Frankreich derests wohnenden oder noch erst dahin über- fiedelnden Fremden. Die Verpflichtung eines Ausweises, welcher vermittelst Legitimationspapiere erfolgen muß, dürfte keinerlei Widerspruch begegnen, der sich auf die vorhandenen vertragsmäßigen Verpflichtungen Frankreichs stützen könnte, weil derselbe nicht Anlaß zur Erhebung von desonderen Steuern giedt. Das neue Reglement bezieht fich nur auf Fremde, welche stch definitiv in Frankreich nieder- lassen. Dasselbe detrifft keineswegs diejenigen Fremden, welche stch nur voeüderaehend, sei es wegen Geschäften, sei es zum Vergnügen, in Frankreich aufhalten. Der Text des Dekretes lautet: bcrcch- tdenkt, Artikel'. Jeder nicht zum Wohnsitz in Frankreich bc.._, tigte Fremde bar, wenn er fich daselbst niedei zulassen gedenkt. inneibald 14 Tagen nach seiner Ankunft dem Bürgermeister deS betreffenden Niederlaffungsortes folgende Erklärung abzugeben: 1. Der eigene Name und Vorname sowie die Namen und Vomamen der Eltern. 2. Die Nationalität; 3. Datum und Ost der Geburt; 4. Letzter Aufenthaltsott; 5. Professton oder sonstige Existenzmittel; 6. Namen und Alter der Frau, sowie der etwaigen minder» jähttgen Kinder. Diese Legitimationspapiere müssen der Erklärung beigefügt sein; befitzt der Fremde diese Papiere nicht, so kann der Bürge:» mcister mit Zustimmung des Präfesten dem Antragsteller eine gewisse Verzugsftist zur Beschaffung derselben gestatten. Eine Empfangsbescheinigung für die Ausbändigung der Erklärung an den Interessenten erfolgt unentgeltlich. Artstcl II. In Paris und Lyon müssen die Erklärungen bei dem Präsekten des Seine- und Rhonevepartements gemacht werden. Artikel ill. Im Falle der Wobnungsveränderung muß bei dem Bürgermeisteramt des neuen Aufenthaltsortes eine neue Erllärung abgegeben werden. Artikel iY. Den gegenwältig in Frankreich wohnenden und noch nicht zum Wobnfiy daselbst berechtigten Fremden kann ein A fschub von einem Monat gestattet werden, um den vor- genannten Bestimmungen nachiukommen. Aitik.l V. Zuwiderhandlungen gegen diese Formalitäten werden durch Polizeistrafen geabndet, wobei jedoch dem Aus- weisur gsrecht, welches dem Minister des Innern zusteht, kein Eintrag geichehen soll. K 4 3 1. Ziehung der 1. Klasse 179. Kömgl. Preuß. Lotterie. Liehung vom 8. Oktober 1888,«ormlee-g». Rur die Gewinne über 60 Mark find den betreffenden Nummern in Parenthese beiaefagr- (Ohne Gewähr.) 73 268 818 29 37 45 460 534(100] 78 624 860[1601 953 1334 466 826 777 86 829 81 930 2003 60 71 181 238 359 67[100! 603 868 952 97 3013[1001 228 43 431 653 62 87 639 42 92 739 70 944 4171[100! 79 422 530 837 64 66 937 5092 185 90 92 240 466 86 604[100! 700 97 801 13 91 98 908 20 82 6132 202 306 408 58 64 629 765 810 7030 113 29 223 304 808 624 88 707 838 63*002 71 260 66 444 655 702 60 867 66 905 40#079 110 69 301 88 462[100] 99 705 29 897 989 1#319 26 75 531 636 741 844 78 1 1182 91 287 374 419 584 732811 60 944 93 12161 378 80 556 96 736 87 832 13098 190 240 308 417 528 764 907 1 4171 77 338 477 667 859 982[1001 15056 155[100] 212 687 608 15 703 70 935 74 1 6024 163 76 258 509 10 84 667 82 1 7049 814 39 81 651 73 744 45 60 853 921 68 95 1*071 278 305 66 85 608 45 [300] 48 612 47 747 53 827 65 83 91 19021 32 109[100] 89 270 86 98 489 663 630 713 54 82 880 914 20232 46 54 335 64[100) 477 710 22 861 72 917 42[500] 21038 162 78 434 535 836 94 903 73 22073 119 83 213 22[200] 326 28 514 601 57 23059 176 500 15 799 811 88 965 2 4017 128 63 69 266 316 17 439 511 40 47 658 76 816 53 957 2 5015(100) 248 427 77 503 656 76 779 85 804 904 6 18 26 33 72 2 0256 308 622 36 78 87 719 803 13 72 75 2 7044 52 345 68 509 10 672 94 763 91 803 35 2 8092 106 26 300 8 99[100] 446 2 9017 54 85[100] 208 327 631 725 94 818 64 »'»110 76 361 633 72 609 29 66 83 818 950 64 3 1 020 36 74 138 275 389 559 78 86 97 676 705 3 2022 143 444 541 648 56 939»3199 217 352 70 528 657 720 906 17 21 43 88 3 4006 76[100] 166 326 416 51 694 630 68 99 761 892 85024 61 420[1501 539 44 609 782 905 6 »«013[150] 51 154 270 461 542 87 695 722 833 964 8 7110 358 451 592 670 784*14 62 3*063 315 22 32 459 85 658 94 99 643 712 82[150] 944 3 9279 398 432 72 529 787 831 927 40013 212 70 98 323 533 56 99 713 93 820 993 4 1 014 246 575 627 [100] 63 77« 844 42069 249 335 581 608 13 772 73[100] 803 905 18 4:5016 24 1*9 233 1100] 46 395 422 63 658 640 73 987 4 4029 60 100 48 65 212 20[100] 416 28 653 67 674 822 97 909 4 5160 299 342 547 [50001 54 708 878 935 49 40079 304 46 80 411 46 568 636 774 861 992 47046 102 402 514 618(100) 22 806[100) 938 48 4*123 80 209 310[200] 55 87 641 780 4 9055 183 229 319 430 35 522 78[1501 838 930 37 40 79 50045 233 83 353 73 86 497 597 827 92 953 5 1 009144 228 41137 77 541 59 762 836 52035 42 310 58 712 15 47 92 883 914 53184(1501 91 213 57 59 76 358 619 23 953 60 65 97[160] 54007 27 38 272 88 98 341 462 11001 68 92 625 68 663 739 44 5 5064 136 95 204 9 48 89 323 477 533 73 88 664(1001 88 816 956 56211(1001 19 32 343 679 762 822 44 65 83 905 5 7172 82 89 201 530 607 31 711 909 42 77 5*014 19 1150! 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Klaffe 179. Kömgl. Preuß. Lotterie. Ziehung vom». Oktober 1888, Na-doilttagZ. Kux die«ewinne über 219 Mark ffnd den betreffenden Nummern in Parenthese beigefügt. (Ohne Gewähr.) 46 366 518[100] 33[100| 66 640 746 73 831 98 1 076 89 106 457 86 631(150) 675 97 723 59 903 36 92 98 2048 126 35 207 412 611 40 59 721 31 821 81 90 923 78 3040 242 76 322 30 579 95 700 43 853 66 73 913 38 49 73 4058 132 292 404 49 626 95 623 710 96 874 5181 217 91 329 478 619 931 33«232 301 472 522 33 37 721 64 96 823 950 65 87 7017 26 49 51 67 316 21 513 48 683 856 923*023 165[160] 73 228 85 316 409 605 12 725 67 96[100] 9006 69 101 8 410 818 10129 35 290 92 369 460 635 98 628 756 66 838 999 1 1086 106 80 213 69 348 81 481 642 797 864 82 936 42 19200 46 313 84 96 701 2 29 822 87 1 8024 66 462 587 702 19 53 867 1 4021 51 191 214 60 69 81 399 407 32 640 774 919 1 5132 279 487 674 732 99 850 93 977 82 16084 III 397 675 642 786 838 54 963 1 7027 117|100) 74 99 227 307 BIO 659 68 719 61(2001 882 91 900 26 1*188 287 421 772 889 947 97 19008 185 462 554 737 90041 50 U9 29(1001 334 68 654 666 704[1001 865»1009 136 40 B81 749 69 860»»028 67 226 334 44 73 538 1500] 627 67 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Druck und Vettag von M«» Fading IN Berlin Beult) straße 2.