red)« enkt, : dts den: und nder» efügt irse-.- eine Eine ig an ingcn nacht ß bei neue ndcn kann vor- täten Aus- kein 03153 )42 119 49 613 35 403 852 62 294 96 901 301 )19 153 529 69 ra 980 86 315 f 629 90 841 72 « 209 20 334 55 649 69 406 68 61 809 -01 576; 710 14 32 101 74 32$ 86 679 48 933 . 66 75 77 576 43035| 139 76 i 46028' 63 995 56 916 36 735, 3[100J 89 329 >01 84$ , 33 68 30 628 61058 Jtr. 233 Daa»rrst«g, dr» 4, Wlitobcr 1888. S. SMtrWdÄW. Brgan für die Interessen der Ardeiter. »19 Ol 6630$ 7[1001 a 629 94 75072 74 632 Wffl «1086 46 238 H 1016 309 31 435 64 221 41 I >3 828 j 22 509 51 326 07 920' 30 37 I 453 7$ 99035 46 939 II 399 77 788 )8 332 1M009 99073 29 313 26 559 45 60 87 932 71 934 93 356 46 83 «1175 17 901 «4174 «6304 913 29 934 20 55 166 95 92 96 41286 X)i 519 52 917 45107 72 838 057 80 520 44 42 163 840 93 -.4002 73 666 73 268 53 635 212 67 96 329 46 455 05046 237 82 449 82 �56 90 340 86 825 75 23 311 96 611 66 917 161 719 '«1434 9[lOOl 69 219 X» 306 265 86 78 921 Kotonlalpottti sches. Die stolzen Hoffnungen, die man an die angeblichen oder wirklichen Erfolge deutscher KoloaisationSbestrebungen in Ostafrika geknüpft hat, schrumpfen immer mehr zu- sammen. Die in neuerer Zeit daselbst gemachten Ersah- ningen sind ebenso wenig ermuthigevd, als diejenigen in W e st a f r i k a. vielleicht noch viel weniger. Die professionS- mäßigen Kolonialpolitiker hatten sich in ihren Phantasien die Sache sehr leicht gemacht, und den Philistern gefiel eS, wenn man ihnen sagte, daß es nur einiger Anstrengungen dedürfe, um uns neue und wenig gekannte Wunderländer voll Told und Elfenbein zu erschließen, die dann in aller GemüthSruhe für uns ausgebeutet werde« könnten. Man sah schon Schätze empor steigen, wie sie die orientalische Phantasie in„Tausend und eine Nacht" hervorgezaubert hat. Die Börsenmänner hoffte» auf groß- artige Spekulationen, bei denen sich ein Füllhorn leichten Gewinnes über sie ergießen sollte; die Handelsherren auf einen gewinnreichcn Tauschhandel, bei dem sie die Reich- thümer des schwarzen ErtheilS für Glasperlen und schlechten Kattun einzuheimsen gedachten; die Unternehmer, die sich bei solchen Gelegenheiten immer zahlreich einstellen, dachten an die billige ArbettSkraft der Neger. Nüchterne Leute wurden zu Romantikern und al« der Sultan von Sansibar feine Schwester, die einst mit einem deutschen Kaufmann, dem sie in Liebe zugethav, entflohen war, in Gnaden wieder zurückrief, da konnte eS nicht mehr fehlen— dem deutsche« Einfluß in Ostaftika war eine breite und verheißungsreiche Bahn geöffnet. Die Sache ist indessen anders gekommen und die Schätze des schwarzen ErdtheilS bleibe» einstwellen noch un- geHobe«, wenn auch die große« Handelsherren sich alle Mühe gegeben haben, das Deutsche Reich als solches für ihre Projekte zu interessiren. Die Agitation für eine Expe- dilion zu Gunsten Emi« Pascha'* dauert immer noch fort und man stellt immer noch m allem Ernste das Ver- langen, dem Gouverneur, der gar keine„Rettung" verlangt, mit einer Expedition aus Reichsmittel« zu Hilfe zu kommen. Man weiß dabei nicht pathetisch genug von der hohen Wichiigkett deutscher Kultur in Ostaftika zu sprechen. Wir wollen nicht bezweifeln, daß eS den ostafrikanischen Ländern vortrefflich bekommen würde, wenn ste aus dem Zustand der Barbarei, in dem ste sich befinden, erlöst würden. Allein wir glaube« den Handelsherren nicht, daß e« ihnen mit der Kultur voller Ernst ist. Sie verfolgen keine philanthropischen und allgemein menschlichen Ideale, sondern jagen einfach ihrem Gewinn nach. Sie mögen das leugnen, aber die Thatsachen beweisen sicher daS Gegentheil. Man kann den Misstonären doch glauben, welche immer iNckchdrnrf»erbot«».) JeuMeton. [6 Die Kitter der Arbeit. AuS dem Amerikanische» deS Zor. Uebersetzt von Mataii« Liebknecht. Kapitel IV. Li-Hu»g und B a r a u m. Wenn ich auf die wirkliche» Thatsachen beschränft wäre, wie sie die amtliche NamenSliste beim Abschiede Arthur Barnum'S angiebt, würde ich ihm den Titel Lieutenant geben; da aber da« Publikum nicht allzu krittsch ist und geneigi zu sein scheint, einem reichen Mann zu schmeicheln, so muß ich in gleicher Weise daS Publikum davor be- wahren, die Identität meine« Helden zu verlieren. Also— Kapitän Arthur Barnum saß gegen 10 Uhr deS Morgen« in einen kostbaren Morgenrock gehüllt an seinem einsamen FrühstückStisch. Abwechselnd nippte er von den Speisen und la« die umständlichen Berichte über Morde und Selbst- morde, die mit so religiöser Gewissenhaftigkeit von den Leitungen geliefert werden. Zn dieser Art von Literatur Kapitän Barnum so wohl unterrichtet, wie nur irgend em Mann in Washington. . Zimmer war, wie da» ganze Hau», verschwen- densch eingerichtet, aber ohne Geschmack; die Absicht, Reich- thum zu entfalten, drängte sich überall hervor. Kapitän er töig das Haar in der M.tte ge. scheitelt, einen Schnurrbart und schwachen Backenbart- von den besten Kennern konnte er für einen der feinsten Mode- gucken, wie sie m der Pensyloania- Avenue zu sehen sind, zehalten werde». Allem die, welche seine mlliiänsche Laufbahn kennen, wissen e» besser und sie wissen, daß unser Rapiian em unerschrockener, tapferer Krieger ist, der die Zndianer auf der großen amerikanischen Ebene heldenmüthig »"ämpft hat. Die zweittvichtigste Person in diesem Hause«ach dem wieder betone«, daß die Handelsherren statt europäischer Kultur ihre« schlechten Schnaps in großen Massen nach Afrika bringen und damit die Bevölkerung vergiften. Wenn nur die Hälfte von dem wahr bleibt, was über die von Europa ausgehende Alkoholvergiftung unter den Negern berichtet worden ist, so sind die Zustände immer noch schlimm genug. Im Uebrigen hat man mit vollem Recht in diesen Tagen darauf hingewiesen, daß der Jammer über die Verwahrlosung der Negerkinder die pure Heuchelei ist. Denn wir brauchen wahrhaftig nicht nach Ostafrika zu gehe», um zu sehen, wie die Zugend verwahr- lost. Jahraus, jahrein melden die Fabrikinspektoren, daß in Deutschland die Verwendung von Kindern und jugendlichen Arbeitern in der deutschen Industrie zunimmt. Die Ver- wüstung und Verwahrlosung, die dadurch entsteht, brauchen wir hmte nicht deS Näheren zu schildern; wir betonen nur, daß eS gut wäre, wenn man sich zuerst um die Gesundheit und Wohlfahrt der Jugend daheim im lieben Deutschland bekümmern wollte, bevor man mit dem Klingelbeutel umhergeht und für die armen Negerkinder sammelt. Wenn wir zu den entschiedenste« Gegnern einer staatlichen Unter st ützung irgend eines kolonial- polittschen Unternehmens in Ostafrika gehören, so hat daS seine guten Gründe. Wir lassen unS durch das philantro- pische Mäntelchen, welches die geldgierigen Handelsherren ihren Plänen umhängen, nicht im geringsten täuschen. DaS Haupthinderniß für die Verwirklichung gewisser hochfliegender Kolonialpläne in Ostasrika besteht offenbar in der ent- schiedenen Abneigung der Eingeborenen gegen daS Ein- dringen europäischer Elemente. Darüber helfen sich die Meisten natürlich leicht hinweg. Sie sagen, daß die Aftitaner, die auf so niedriger Kulturstufe stehen, daß sie die Vorzüge europäischer Zivilisation nicht anerkennen wollen, zwangsweise deS Glückes theil- hastig gemacht werden müßten, die Segnungen der Zivtlisation bei sich zu erfahre«. Wir billigen einen solchen Zwang auS tausend Gründen nicht, denn die Afrikaner im Sudan und an der Ostküste sind Menschen so gut wie wir und wir wollen keine Ansnahme gemacht wissen, wenn es sich um allgemeine Menschenrechte handelt. Bekanntlich haben auch die Sklavenhändler und Sklavenhalter sich immer auf die niedrige Bildungsstufe der Neger gesteift. Die Abneigung der Aftikaner gegen das Vordringen europäischen Einflusses hat an der Küste von Ostaftika zu einer gefährlichen KrisiS geführt, die vielleicht noch bedeutend schlimmer ist, als die von dorther eingetroffenen Nachrichten vermuthen lassen. Man mag sich durch derartige Vorkommnisse warne« lassen. Aber auch sonst hat eine Kolonialpolitik in Ostaftika Herrn ist ein Chinese L i- H u n g, ein geschickter Koch und Kammerdiener und, weil er schon mehrere Jahre bei Kapitän Barnum ist, ganz verttaut mit dessen Gewohn- heiten und Geschmack, überhaupt im höchsten Maße befähigt, ihm jede seiner Launen zu befriedigen. Li-Hung ist verschwiegen, eine vollkommene menschliche Maschine und deS« halb unschätzbar für einen Mann wie Barnum. Er gehört zu den pfiffigsten Chinesen, die in diese« Land einwanderten, als Asien zuerst seinen schmutzigen, verderbten BevölkerungS- schlämm über unS vergoß. Er war ein Cooliefklave und als solcher genöthigt, eine gewisse Anzahl von Jahren zu dienen, während deren er sich eine beträchtliche Kenntniß der englischen Sprache, wie auch der Eigenheiten deS amerikanischen Volkes erwarb. Als Li-Hung seine Freiheit erhielt, beschloß er, Kammer- diener bei dem reichsten Wüstling von San Franziska zu werden. Da er beinahe seine ganze Cooliezeit in vornehmen Restaurant« abgedient hatte, so war seine Bekanntschaft unter dieser Klasse von Menschen sehr ausgedehnt und er war so glücklich, sich an einen der reichsten anschließen zu können. Li-Hung war ein gelehriger Schüler und bald im Stande, seinen Herrn durch all' die Jrrgänge des lüder- lichen. Müßiggängerlebens zu führen, während er, als Chi- nese, sich neben seinem Lohn noch manchen Dollar seines sorglosen Herrn bei Seite legte. Aber Li-Hung konnte bei aller Schlauheit das Leben eines Mannes nicht verleugnen, der abwechselnd die ausgesuchteste Gesellschaft in San Franziska mit den Spielhöllen der verzweifelten Glückritter vertauschte. Eine Orgie, die mit einer Prügelei und Schießerei endete, ein Schlagfluß und Li-Hung war wieder auf sich selbst angewiesen. Erzählungen von vielem Gold lockten ihn über da« Felsengebirge»die Ro, ky Monntains). Seine Geschicklichkeit als Koch sicherte ihm eine Stellung, wo immer er auch hinkam, und die beste« Restaurationen vieler Minen- städte erfreuten sich seiner Dienste. Er wanderte so lange von Ort zu Ort und studirte die Gesichter, das Vermögen und die Gewohnheiten der Personen, für die er so lange kochte, biS er endlich in einer kleine« Minenstadt, östlich vom Felsengebirge, daS Glück hatte, mit den Schwächen und ihre Bedenken. Es ist gar zu leicht dort die Möglichkeit gegeben, in Verwickelungen mit den Engländern zu gerathen. Wenn ein solches Abenteuer schon an sich überflüssig ist, so haben wir noch viel weniger Grund, unS hineinzustürzen, als die Privatinteressen einiger Handelsherren dazu wirklich nicht wichtig genug sind. Daß man eine ökonomische Gesundung europäischer Länder durch vermehrte Verbindungen mit dem schwarzen Erdtheil herstellen will, beweist nur die Rathlosigkeit, die im alten Europa gegenüber den gegenwärtigen Zuständen besteht. Wenn Europa nicht ohne die fabelhaften Schätze des Orients im Stande ist, einen Gesundungsprozeß in seinen wirthschaftlichen Verhältnissen herbei zu führen, dann ist e« schlimm um die Zukunft bestellt. Die äoRnnngsfröge vor d m IX, Kongreß des Ikems für Ätmcapffege und IMMätigfet. In Karlsruhe referirte auf gedachtem Kongreß am 24. Sep- tember der Reichstagsabgeordncte Fritz Kalle über:„Die Wohnungsfrage vom Standpunkte der Armenpflege." Redner ver» langte außer der Vermehrung von Ardeitcrwohnungen zc. auch Sicherung des Besitzes des zur zweckentsprechenden Benutzung einer Wobnung unentbehrlichen Mobiliars. Zu deutsch: Er will das sogenannte R-tenstonsrecht, das Recht der tzauswirthe, alle, auch die nöthigsten Mobilien und Utensilien eines Micthers im Falle der Nichtzahlung des Mieihzinses zurückzuhalten, ihn selbst indeß mit Familie obne alles vor die Thüre setzen,— drschräntt, nicht beseitigt wiffen. Mit Recht wies ver Korreferent Dr. Flesch-Frankfurt, be» kannt durch seine Veröffentlichungen über die Wohnungsfrage, darauf hin, daß vie bloße Beschränkung des Rückhaltungs- (Retenfions.) Rechts nicht mehr enthalte, als eine Gleichstellung des Miethschuldners mit dm Schuldnern aus anderen Beträgen. Er geht weiter, bezeichnet als zum Begriff der Wohnung ge» hörig auch eine gewiffe Ausstattung des Raumes mit Gegen- ständen, ohne welche Reinlichkeit, Ordnung und Sittlichkeit nicht auftecht zu erhatten möglich sei. Die Gesetzgebung beachte diese Thatsache viel zu wenig und wenn das neue bürgerliche Gesetzbuch(der Entwurf ist gemeint), die Ungeheuerlichkeit de- fettige, daß der Miether ohne alles und jedes vor die Thure gesetzt werden könne, so dezeichnet doch anderersetts die Zivilprozeßordnung zwar aewiffe Gegmstände als unentbehrlich, überlaffe aber die Entscheidung, was„unent- dehrlich" sei, der Willkür des Gerichtsvollziehers. Er ist für Vorgehen nach dem Muster der amerikanischen Gesetzgebung. UebrigenS legt er der Beseitigung der Wohnungsnoth durch die Thäligkeit der gemeinnützigm Gesellschaften und der Privat» wohtthättgkett kein so großes Gewicht bei, als der Referent Fritz dem Vermögen deS Herrn Barnum bekannt zu werden, als dieser Herr seine Vornehmheit in der kleinen Restauration zum Besten de« EigenthümerS und de» AufwärterS zur Schau trug; ganz ohne Acht auf den Chinesen zu geben, aber voll hohen Respekt« vor der Küche, die für eine so elende Gegmd verteufelt fein war. Da Kapitän Barnum'S Kompagnie in der Nachbarschaft flationirt war, nahm sich Li-Hung Zeit, ehe er endgiltig in dessen Dienste trat. Inzwischen bemühte er sich mit der den Chinesen eigmen schleichenden Art, den unvorsichtigen und schwatzhaften Kapitän in Bezug auf dessen Geldverhältnisse und vaS zu erwartmde Vermögen auszuforschen. Er war befriedigt von dem Ergebniß und der Held so mancher unblutigm Kämpft mit Sherry, Kognak und Whisky fteute sich sehr über seinen neu erworbenen Diener— fast ebenso sehr, al« wmn der Chinese das beste Rennpferd des Lande« gewesen wäre. Kapitän Barnum war durch den vornehmsim, wie auch glücklichsten Spieler der Minenfelder in die Ge- heimnisse de« Opiumrauchen« eingeweiht wordm. Der Spieler hatte seinen eigenm chinesischen Diener, der be- sondere Sorgfalt auf den geheimen Opiumschmau« ver» wandte, welcher bei passmden Gelegenheiten für seinen Herrn und dessen verttauteste Freunde zubereitet ward. Barnum'S Einführung in diese« kostspielige Allerheiligste stand in Verbindung mit dem Engagement Li-Hung«, dessen erste Pflicht die Beschaffung alle« zu dem Genuß de«„be- seeligenden Wahn«" nöthigen Zubehör« und Geräthe« war. Opium-Rauchen und WhiSky-Trinken verträgt sich nicht gut zusammen und Kapitän Barnum war in sehr zerrüttetem Zustand, al« er von Washington den unverschämten Wink erhielt, seinen Abschied einzureichen. Al« die Aussicht auf die Laufbahn in Washington sich eröffnete, gewannen die vorsichtigen Rathschläge seine« geistige» Vormund«, de« Chinesen, die Oberhand. Derselbe legte ihm die Roth- wendigkeit klar, seine lasterhafte Gewohnheit geheim zu" halten; da« Opium siegte und der Schein wurde gewahrt. Kapitän Barnum war in Washington weder al« Trunken- bold, noch al« Wüstling bekannt. Die Festigkeit, mit der er die Theilnahme an Trinkgelagen ablehnte, brachte ihn sogar in den Ruf, ein Freund der Mäßigkeitsbewegung zu Kalle. Man sehe wohl, daß hunderte von Häusern gebaut seien, aber man sehe nicht die Tausende und Hunderttausende von Menschen, für die noch nichts geschehen sei, könne auch auf dem Wege der Pltvatwohlthätigkeir nicht viel ge- schehen. Dr. Viktor Böbmert-Dresden war der Minung, daß der Kongreß für Armenpflege nicht so eigentlich das rechte Fomm sei, vor welches die Ärmer pflege gehöre. Er plädirte für Er« leichterung des Wohnens auf dem Lande, sowie für— Mieth« zinsspaikoffen. Die Wohnungsfrage ist keine ausschließliche Arbeiterange- legenheit. Der kleine Bürgerstand unterliegt ihr so gut, als der Arbeiterstand. Daß ste freilich dm befiylosen Arbeiter am inten- fivsten berührt, ist richtig. Wir könnm dem Dr. Flesch nur Recht geben in seinen Ausführungen bezüglich der privaten Re> gelung der Wohnungsangelegenheit und auch Dr Miquel theilt die Standpunkte des Dr. Flesch, daß nur kommunale oder staatliche Eingriffe etwas Wandel schaffen können. Zu beseitigen ist die Wohnungsfrage in der„bürgerlichen Gesellschaft" nicht, sie ist innig verwachsen mit der Scheidung in Stadt und Land, in Industrie und Ackerkultur und ste kann ihre Regelung nur auf einem andern gesellschaftlichen Boden J Irden, als es der beutige ist. So lange Staat und Ge- ellschaft nicht in das Eigenthumsrecht des Hausdesttzers ein- greifen, das Expropriationsrecht auf großer Stufenleiter ausüben rönnen, so lange der Privatbcfitz, Pacht, Miethc und Vermie- thung— kurz, so lange die bürgerlichen Rechtstitel nicht nur, sondern auch die materiellen Grundlagen dieselben bleiben wie heute— so lange wird man der Wohnungsfrage nicht durch- greifend zu Lcibe gehen können. Eine wichtige Frage ist für gegenwärtige Verhältnisse that- sächlich die Frage des Retmstonsrechts der Hauswirthe am Mobiliar des Miethers im Nichtzahlungsfalle. Auch hier ist Dr. Flesch nur beizutreten. Durch das Re« tenstonsrecht findet eine thatsächliche Bevorzugung der Micth« forderungen vor anderen Schuldforderungen statt. Was im Falle gewöhnlicher Forderungen als Faustpfand entweder vom Gläubiger innebehalien oder im Wege der Klage excquirt werden kann, ist nicht das ganze„Habchen und Pabchen", die Voraus« setzung von Kulwrexistenz überhaupt, sondern immer nur ein Tbeil. Anders bei Miethiorderungm. Der Hauswirth dehält alles inne und handelt noch human, wenn er dem herausgesetzten Mietder mitleidig einen Strohsack für seine Kinder nachwirft. ti ist die darbarischste, brutalste Selbsthilfe. Die amerikanische eseegebung hat vor einigen Jahren bestimmt, daß die Wohnungseinrichtung, Kleidung rc. dem Schuldner bis zu gewisser Werthsumme, irren wir nicht, bis zu 400 Dollar, unbedingt zu belassen ist, also unpfänddar erscheint. Der Grundlay muß auch für deutsche Verhältnisse angebahnt werden. Die Gesellschaft welche stch auf der Familie heute aufbaut, zerstört dief lbe und rüttelt an ihrem eigenen Untergründe, wenn ste die Voraussetzungen der Familie— den Hausbalt— durch einen Privatgläudiger— oft nur eines lumpig kleinen Werthbetrages halber— zerstören, aufheben läßt. Staat und Gesellschaft verneinen stch selbst, wenn ste bei der immer größeren 'Proletarifirung der Gesellschaft, dem Anwachsen der Mieth- schuldner, der zunehmenden Ausdehnung des Retentwns- rechts seitens der Hauswirthe, letzteren dieses gefährliche Recht belassen. So viel über die Wohnungsfrage. Daß die Wohnungsfrage rn der oben entwickelten Form nur ein Moment abgiebt von den zahllosiN Faktorm, die heute die Familie zerstören, brauchen wir unseren Lesern wohl nicht erst auseinander zu setzen, so wenig, als daß stch auf allen Gebieten die Widersprüche innerhalb der Gesellschaft von Tag zu Tag mehr häufen. Ader das soll uns heute hier nicht kümmern. Die gegenwärtige Ge- sellschaft bat ein drii.ger.d>s Interesse daran, die Widerstands- fähigkeit seiner wichtigst» n Schicht, der Arbeiterllaffe, möglichst zu erhalten. Der Helot aber ist nicht widerstandsfähig�mehr und der Arbeiter ohne Haushall— Sicherung auch nicht. Sichert es ihm, so fichert Ihr Euch; macht Ihr ihn kaput, so macht Ihr Euch kaput!_ NnglAak-Korrefxonämzev. Zürich, 1. Oktober. Das Oistziösenthum bleibt stch doch in der ganzen Welt gleich. Od freiwillig offiziös oder Reptil, die Aufgabe, das. was von oben geschieht, stete in der Ordnung zu finden und zu beweihräuchern, es als den Ausfluß orakel- Haft er. unüderirefflicher Weisheit zu verherrlichen, wird von allen gleich gut zu lösen versucht. Um eine solche Stellung ein- nehmen zu können, muß man in der That eine klasstsche Selbst« Verleugnung befitzen, ein Eunuchenthum, eine moralische Ruck- 5;ralloftgieit, wie ste in höherer Potenz wohl nicht leicht denkbar ist. Und eine solche völlig charatterlose Gesellschaft hat den Beruf, jeden ehrlichen, über ste himmelhoch erhabenen Mann von erprobtem Charakter, unerschütterlicher Uedcrzeugung und felsen- fester Gefinnung zu lästern und zu verdächtigen. Dieses schmutzige Geschäft blüht jetzt so recht in der Schweiz. Die in die weitesten Kreise gedrungenen Erbitterungen über das dun- fern. Jedenfalls war seine vollständige Enthaltsamkeit für die früheren Kameraden unter den Offizieren ein Gegen- stand der Ueberraschung und Enttäuschung, wenn sie ge- legentlich nach Washington kamen und ihn vergebens zu einem nächtlichen Gelage einluden. Da» frische Roth auf Kapnän Barnum's Wangen hatte einer Todtenbläfie Platz gemacht, so daß einige Damen der feine« Gesellschaft (haute volee) ihn interessant zu finden begannen und die Gerüchte, daß er an der Grenze stark gewunken habe, wrderiegt schienen. Der orientalische Zauberirank hatte dem schneidigen Krieger eine ehrbare und anziehende MaSke ver- liehen. Das Frühstück war beendet, die ZertungSspalten, ent- haltend die Morde, Skandale u. s w., waren vollständig durchstöbert und die Spiel- und Sport-Ereignifie sorgfällig notirt. Der Kapitän saß in seiner Bibliothek an dem großen, prächtigen Schreibtisch und arbeitete. Die Bibliothek war natürlich überladen. DaS Zimmer hatte aber den richtigen Namen. E« waren Bücher darin, die das Herz eines jeden Gelehrten erfreut haben würden. Allein im Herzen des Kapitäns riefen sie nicht das leiseste Gefühl der Freude wach. Für ihn hatten solche Dinge kernen anderen Werth, als den eines Paradeschmucks. Sie waren nur ein Theil der nöthigen Möbel diese» Zimmers. Die Bücher waren übrigen« sehr gut ausge- wählt; denn ein hochberühmter Gelehrter, ein Professor des Simthson'schen Instituts', hatte die Bibliothek eingerichtet und sie enthielt alles was sich zum Lesen und Studiren für einen Mann mit unbeschränkter freier Zeit eignete. Dre„Arbeit", oder vielmehr das Geschäft de« Kapitäns, nahm seine Gedanken völlig in Anspruch. Das Geschäft be- stand in der Prüfung eines genauen, tabellarischen Verzeich- msseS seiner Häuser und Grundstücke, der Namen der Pächter und Mteiher, des Betrages der Miethe und Ab- qaden u. s. w. Ein Herr Pinchem»), fem General- agent, besorgte die eigentliche Verwaltung und lieferte ihm jeden Monat einen Rechenschaftsbericht. �7 Das Smithson'sche Institut ist eine der großartigsten wissenschaftlichen Stiftungen der Welt... -) DerName beveutet wörtlich zwack ste(pinchthem.pmch'em). desräthliche Kreisschreiben hat in der ganzen unabhängigen und anständigen Presse einen lebhaften Wiederhall gefunden, in einer Sprache, wie ste fteien Männern, über- zeugten, ehrlichm Republikanern geziemt, bat man das geheime Spitzelschreiben erörtert und kritisch beleuchtet, damit aber auch dem veiächllichcn Offiziösenthum Arbeit verschafft, zu deren Bewälligung ihr ganzer Reichthum an Verdächtigung und Niedrigkeit der Gefinnung wie Gemeinhell des Ausdrucks nicht ausreicht. In jeder schweren Bundesrathsstunde findet es fich zusammen das piächligc Triumvirat, die in Frauenfeld er- scheinende„Thurgauer Ztg."— preußischer und bismärckischer als die„Nordd. Allg. Zig."—, die„N. Z. Ztg." und der Berner„Bund". Was die R-daftion nicht selbst an zynischer Vertheidigung auch der bedenklichsten Maßregeln zu leisten ver- mag, das muß der sogenannte Bundesstadtkorrespondent er- gänzen. Es ist ein ganzes Heer so schöner Journalistmseelen va tn Bern versammelt.— Glücklicher Weise find alle ihre Be- müdungen, das Krcisschreiben als eine fteiheitliche Eirungen- schaft zu preisen und mundge-echt zu machen, eitel Sisypbusarbett. Die Dummen, die fich von Schlechten ein I für ein U vormachen lassen, werden zur aroßen Freude des Freiheitsfreundes doch etwas sellener. Trotz allen offiziösen Gtpollers von Bern aus nimmt man das Schreiben als das hin, was es thatsächlich ist, als einen Schlag ins Antlitz des Volkes, und es wird daher zu jener„Kraft, die stets das Böie will und doch das Gute schafft." Die demo« kratische Forderung nach Wahl des Bundesrathes durch das Volt hätte durch Dutzende von Vortlägen keine solche kräftige Förderung erfahren können, als durch das Geheimschreiben. Conzell mit all' seiner scharfen Schreibweise hätte nicht vermocht, das felsenfeste Vertrauen in die Loyalität des Bundesrathes zu erschüttern, das Schreiben hat einen großen Theil des schweize- rischen Volkes stutzig gemacht und es veranlaßt, stch die Dinge, die vom Bundesrathe kommen, etwas genauer zu betrachten und nicht unbesehen in die Tasche zu stecken. Alles in allem: Die Demokratie hat durch das dundesrätbliche Kreisschretden an Boden gewonnen und ihre Stellung mehr befestigt. Wie bekannt und auch an dritter Stelle besprochen, haben im Sommer aus Anlaß eines Stteik-. ihrer Ardeiter die biefigen Baugewerksmeister an den Regierungsrath eine Petition gerichtet und darin verlangt, daß 1) zum Schutze der arbeiten- den Minderbell alle und jede Gewallmaßregeln, durch welche die einzelnen gezwungen oder eingeschüchtert werden, auch die bloßen Insulten, Verfolgungen, Belagerungen u. s. w. polizeilich untersagt werden und 2; die Polizeivireftion gehalten wird, je beim Beginne eines Streiks durch ihre Organe, nöthigen falls unter Zuziehung der Gemeindepolizei, sttenger darüber wachen zu lassen, daß viele Vorschriften gehandhabt werden." Die Arbeiter begnügten fich damals, in ihrer Presse dagegen Stellung zu nehmen und nur in einer einzigen Versammlung vom Arbeitersekretär Greulich darüber Vottrag halten zu lassen. Nunmehr hat aber der Vorstand des kantonalen Verbandes der Grülli- und Arbeitervereine(es find das nur solche mll aus- schließlich schweizerischen Mitgliedern) eine sehr umfangreiche Denkschrift ausgearbeitet und in der„Arbciterstimme" pudlizirt. Das Schriftstück wird erst am 18. Ottoder in der Delegirten- Versammlung des genannten Verbandes zur Abstimmung und Beschlußfassung gelangen, so daß wir es erst mll einem Ent- würfe zu thun haben, der allerdings in vorliegender Form Annahme finden wird. In diesem Entwürfe wird nun in Bezug auf die oben erwähnte Petllion rcsp. gegen den Erlaß von Ausnahmebestimmungen gegen die Arbeiter für Streikfälle, wie solche die Position der Bauge- werbemeistcr verlangt, Einsprache erHoden." Die Begründung dieser Einsprache ist eine so ausführliche und weitläufige, daß wir es uns vcrsaaen müssen, auf fie in ihrem ganzen Umfange einzugehen. Nur einige interessante Sätze seien derselben entnommen. Es heißt da u. a.: „Die Lücke, welche unsere noch allzustark vom Manchester- thume beeinflußte Gesetzgebung aufweist, liegt wahrlich nicht da, daß die Mehrheit in den Berufsgmvpen noch ganz un- fähig zum Einstehen für ihre Berufsintereffen gemacht werde, fie liegt vielmehr darin, daß die Mehrheit noch kein Recht hat, steh gegen die Schädigungen der Minderheit zu schützen. Das Recht der Mehrheit ist die politische Grundlage un- seres ganzen demokratischen Gemeinwesens von seinem kleinsten Tdeile an bis zum Bundesstaat. Das ist öffentliches Recht in der Eidgenossenschaft. Es Handell steb in der Gesetzgebung nur noch darum, das gleiche öffentliche Recht auf die wirthschaft- ltchm Gruppen der Bevölkerung auszudehnen. Eme andere Konsequenz dieses öffentlichen Rechts kann es nicht geben." Außeidem wird in der Eingabe noch das Begehren gestellt, „daß in der der Direktion des Innern beigeord- neten Kommisston für das Fabrik- und Gewerbe- wesen wenigstens die Hälfte der Mitglieder aus Vertrauensmännern der Geütli- und Arbeitervereine des Kan- kons zu bestellen sei." Gegenwärtig find in dieser ihrer Wirk- samkeit nachgerade für die Arbeiterschaft so hochwichtigen Kom- Mission ausschließlich nur Fabrikanten und Gewerbetreibende Jeremias Barnum hatte sein Vermögen in billig ge- kaufte Grundstücke angelegt. Auf einer Anzahl von Bau- stellen standen schon Schundhäuser und viele wurden von dem Vater unseres tapferen Kriegers gebaut, ehe der Tod ihn abrief. Diese Häuser waren hauptsächlich von Ange- hörigen der arbeitenden Klasse bewohnt und sie waren em- ttäglicher, als die kostbaren herrschaftlichen Wohnungen, welche die Aristokratie inne hatte. Kapitän Barnum be- absichtigte einen Besuch bei seinem Agenten, um sich alle« Geld zu holen, was da war, und deshalb machte er sich wie- der mit dem Stand der Finanzen seiner Pächter vertraut. Gegenüber dem Namen James Simpson fand er unter der Rubrik„Bemerkungen":„Bezahlt auf den Tag, ist aber wacklig, Frau tobt, lange Krankheit, große Doktor- rechnung und schwere BegräbnißauSgaben." „Das junge Mädchen, so überlegte der Krieger, ist ei« verteufelt hübsches Thierche», ganz vortreffliche Rasse, beim Jupiter! Aber sie geht mir scheu aus dem Wege. Ich begreife das nicht. Vögel von glänzenderem Gesieder scheinen leichter kirre zu werden. Nur so weit habe ich Er- folg gehabt, daß ich einige Fragen über die Gesundheit ihrer Mutter anbringen konnte und nun ist die Mutter todt und sie müssen furchtbar in Schulden sein, und Pinchem hält de» alten Man« für wacklig. Wenn sie Schulden bei mir hätten, wären sie bis zu einem gewissen Grad in meiner Gewalt. Ich muß Pinchem sagen, daß er in diesem Fall von meiner unerbittlichen Regel ab- geht und ihnen den Miethszini bis auf weiteren Befehl stehen zu läßt. Der alte Pinchem muß die an- deren Arbetter gehörig zwicken; sie dürfen ihren Hausherrn (Landlord) nicht vergessen. Mein ttefbetrauerter Vater war scharfsichtig, als er sein Vermögen in Grundbesitz anlegte. Dadurch sind wir doch immer von diesen Arbeiterorgani- sationen, BoycottS und StteikS verschont geblieben. Bei unS können sie nicht streiken, sie können ihren Haus- Herrn nicht boyeotten, sie müssen irgend ein Loch haben, worin sie wohnen können. Der alte Pinchem bewahrt mich vor jeder persönlichen Berührung mit dem gemeinen Volk. Aber das Simpson-Mädchen muß gefangen werden. Ein anderer Kerl wird sie kapern, wenn ich e« vertreten. Das Begehren der Ardellcrschast erscheint daher ebenso dillig als gerechtfertigt. Welche Flüchte die von oben eingelellete Sozialisten Hetze zeillgt, zeigt folgender Vorfall: Im Kanton Baselland stellte unlängst— wie der„Arbeiterfreund" berichtet— ein Ii a n d j ä g e r, nach seiner Angabe im Aufttage des kantonalen Polezeechefs, an einen eine größere Anzadl von Arbeitern beschäftigenden Fabrikanten das Ansuchen, ihm ein Verzeich- niß seiner sämmtlichen Ardeiter zu verabfolgen und darauf drejer.igm vorzumerken, welche Sozialdemokraten seien. Glücklicherweise war aber der betreffende Fabrikant selbst Sozialdemokrat und er ließ den spitzelnden Landjäger unver- recht ehr Dinge abfahren. Vor zwei Jahren war es bekanntlich der österreichische Konsul Schlatter— ein schweizer Major— in St. Gallen, der an den Gießereifabnkanlen in Atzwy! das Begehren stellte, seine Arbeiter zu beobachten und ihm darüber zu berichten, was dieser ebenfalls unterließ.— Was man sonst in der Schweiz den Arbeitern alles zu bieten wagt, beweist folgende in der„Ardeiterstimme" veröffentlichte Zuschnft: ... rrf" 4 e n. Fabrikanterdank. Letzten Dienstag Nach» mtttaa erhrellen wir folgende Privatzeilen: Gestern den 27. wurden die Arbeiter der Uhrenfabrik von Schild in hier in die Fabrik eingeschloffen, von Morgens bis Mittag und von Mittag bis Abend. Der größte Theil der Arbetter verlangten Montag Nachmittag mrt Gewalt heraus und begaben fich in den Sternensaal zur Berat hung, was zu tbun sei. Es wurde ein Komitee ernannt, welches heute Dienstag Abend am gleichen Ott in einer zweiten Versammlung Bericht erstatten soll und dann soll entschieden werden, was zu geschehen habe, um diesem erbärmlichen Vorgehen die Spitze zu bieten. Ferner find die Arbetter der Fadttk seit Inkrafttreten der neuen Hastpflcchtgesitzbestimmungen, mit 40 Cts. monatlichem Abzug deschett worden, um die Verstcherungskosten zu decken. Und dieses alles, weil die dummen Arbeiter 400 Fr. zu» sammengesteuett haben, um dem sel. Brotherm ein Denkmal setzen zu könnm. Das ist doch auch eine Belohnung für die Ardeiter." Und heute lesm wir im„Bieler Anzeiger":„Die Udrm- fabrrk ves verstorbenen Herrn Schllv in Grmchen ist jetzt mit cttiem eisernen Zaun ganz umgeben worden. Am Montag Morgen wurde nun bekannt gemacht, daß kein Arbeiter auf derselben von Morgens 7% bis Mittags 12 Uhr und Nachmittags von 1 bis 7 Uhr fich entfcrnm dufte, ohne vorher Erlaubriß auf dem Bureau eingeholt zu haben. Der Portier, der pünll- lich Morgens und Mittags alle Thurm zu scklitßm hat, wird alsdann erst nach erhaltmer Erlaubniß die Tbüre aufmachen. Es kommt immer schöner in der freien Schweiz!" Für die streit»«den Seidenaibeiter find bisher ea. 2000 Fr. gesammell worden, der Streik dauett fott. In W i n t e r t h u r findet heute Abend in Sachen der politischen Polizei und des geheimen Kreisschreidens eine Volks- Versammlung statt, in welcher der Redakteur des„Landdotcn", Herr Locher, resettrm wird. PoUtische Ueberstcht. Die Rubel-Hansfe, welche jetzt unter riefigem Aufwand von Reklamelräften mtt den dekannten Mitteln in Szene ge- setzt worden ist— namentlich an der Beiliner Börse— ist natürlich ein spekulativer Schwindel. Es sollen wieder Gimpel auf die russtschm Leimruthen gelockt werden. Thatsächlich find die Finanzen Rußlands in miserablerem Zustande ats je, und da der Kredtt eftchöpft ist, bei der clmden Finanzwilthschast aber das DeflzU stets gähnmder wird, so hat man in letzter Zeit fich met sogenannten Emisfionen von Papiergeld dehelfe» müssen, d. h. man hat das bereits so arg entwertbete Papiergel» noch mehr entwerthet. Und nun hat man stch zu einem zweiseltm Streich aufgerafft: Durch künstliches i» die Höhetr-ibm de« Rubelpreises soll die Lage der russtschm Finanzen momentan verhüllt und eine rettende Finanzoperation in Gestall eines riesigen Anleihen« inszemtt werden. Dabei ist es in erster Linie auf die Deutsche« abgesehen, die schon einmal so— naiv waren, auf den russische» Leim zu geben— allerdings erst, nachdem die preußische See« dandlung mit ihren Staats- Waffefttiefeln vorangeschritten war. John Bull dmkt nicht daran, dm Russen auch nur eine« Fatthing(Heller) zu pumpm— er ist froh, daß ihm seine rusfischen Papiere von dm gutmüthigm Deutschen abgmomme« worden find; und die Franzosen, bei denen wie bei andere« Leuten in Geldsachen die Gemüthlichieit aushört, haben für di« Russen zwar schöne Worte, aber auch nicht einen Centime. Und andere Völker, wo etwas zu Holm wäre, giebt's nicht(bei den nüchternen Amerilanetn hat man nicht einmal einen Vev such ftekctt), und so bleiben denn nur die er bfieund« lichen Deutschen, die fich schon einmal so hübsch über de« Löffel baden barbieren laffm. Gegen Frankreich bftngt die„Post" einen anscheinen» nicht thue. Beim Jupiter, welche« Aufsehen würde sie mtt ihrer ganz besonderen Schönheit in den Gesellschafte« Washington« erregen! Wenn sie nur wohl erzogen und reich wäre, und einen guten Stammbaum hätte. Es ist geradezu phänommal, daß ein so prächtiges Geschöpf von solch gemeinem Volke kommen konnte, während häufig die Töchter unserer reichsten Leute von abstoßender Häßli'chkett sind. Hier muß etwa« geschehen. Die Gelehrten müssen ein Mittel gegen die polizeiwidrige Häßlichkeit der reiche» Mädchm entdecken, die wir Anstokraten heirathen müssen. Da est A r m i B r o w n i n g, die Erbin au« New- Bork, die bei dem Empfang der Frau Smatono B u l l i o»« sein wird und sich herabläßt, heute Abend in meinem Wage» auf die Prommade zu fahren. Was für ein schauderhafie« Frauenzimmer sie ist und dabei welcher Reichthum! Wen« sie nur halb so hübsch wäre, wie die MaurerStochter— ich würde gern ein oder zweimal hunderttausend Dollar vo« ihrem Vermögen hergeben. Und was für eine Zeit kostet« es, bis ich mit Hilfe von pfiffigm New-Borker Advokaten Zuverlässige» über ihre Vermögensverhälwisse erfahren konnte. Und wie viel Zeit und Mühe kostete eS, dies« Armi Browning, die nahe Verwandte de« große« Dichter«'1 mit A r a m i n t h a Brown, der einzigen Erbin de» alten Balduin Brown, de« Millionär«, in Verbindung z« bringen. Meine Bewerbung hat auch Erfolg; ihr Agent war beim alten Pinchem, um den Wetth meiner Besitzung gen zu erforschen. Der alle Pinchem war schlau genug- aS Spiel zu durchschauen, er gab eine hübsche rund« Summe an, aber der Hallunke sagt mir nicht, wie viel tt sich für die Auskunft bezahlen ließ. Von mir bekam etwas ordentliche» dafür, daß er sie gab. Wo nur de* verwünschte Neger mtt seinem Wagen bleibt! Ah, da ist er. — Kapttän Barnum brachte feinen Anzug vor einem Pfeile«' spiegel in Ordnung, prüfte sorgfältig sei« Haar, ob 4 gleichmäßig gescheitelt sei und bald sah man ihn schnsZ durch die wohlgepflastertm Straßen fahren. Da« Fuhrn� blieb vor einem Geschäftshause siehe», an welchem in sch� ') Einer der bekannten englischen Dichter der Gegen««� heißt Browning. fwarid Ziwvcl j) find v und bschast k�rt :helse» ierge? m«<• Li hens alschea sstschc« i öee» n war- eine« i sewe ommett ndcrea füt die entime. cht(bei n Vev unv' >er de« offiziösen Artikel anläßlich des Mordanfalls in der deutschen Botschaft zu Paris. Nur um eine Probe davon zu geben, daß der Ton der deutschen Offiziösen gegen Frankreich das Aeußerste an Rüpelhaftigkeit erreicht hat, geben wir aus dem Artikel folgendes wieder:„Dieses Land(Frankreich) demüht fich seit dem testen Kriege, den kulturgeschichtlichen Boden, auf welchem es in Europa stand, mehr und mehr aufzugeben. Wenn es fich um Deutschland und um Deutsche handelt, dann wird jedes Gesetz und jede Sitte verleugnet." Der Artikel schließt:„Es ist uns nicht bekannt, ob die franzöfische Regierung, wie es die Sitte erfordert, ihr Bedauern ausgesprochen und die gerichtliche Untersuchung zugesagt hat, sowie ob diese ihren prompten Fort- gang nimm?. Wir glauben nicht zu irren, daß in diesem Per- halten der französischen Regierung eine Befestigung der guten Beziehung zu Deutschland, die sie angeblich unterhalten will, nicht erblickt werden kann."— Bekanntlich wurde schon vor einiger Zeit gemeldet, daß der Thätcr von den Aerztcn für geisteskrank erklärt und in ein Irrenhaus gesprrrt sei. k Der Knudesrath wird fich, wie offiziös gemeldet wird, bald nach dem Wiederbeginn seiner Arbeiten mit der Vorlage für die Alters- und Jnvalidenoersorgung der Arbeiter beschäfti- gen. Weiter schreibt dann der Offiziosus: Die Ausschüffc haben ihre Anträge bekanntlich nach zwei Lesungen festgestellt, und es steht zu erwarten, daß der Bundesrath dieselben ohne er- hebliche Aenderungen annehmen wird. Freilich find nun in der Presse, namentlich in den nächstbetheiligten Kreisen, vielfach abweichende Urtheile abgegeben worden. Doch gewinnt es den Anschein, als od man es dem Reichslage vorbehalten wollte, die vo handenen Widersprüche auszugleichen. Man darf fich also bezüglich dieser Angelegenheit auf eine sehr um- fassende Arbeit des Reichstags vorbereiten, welche in der Hauptsache zweifellos durch eine Kommisfion erledigt wer- den wird." Eine«ach viele« Million»« zählend« Forderung für Gftafrika kündigt die„Berl. Böft.-Ztg." für die nächste Reichstagsscsfion an. Die Lage der Dinge in Ostafrika sei Gegenstand lebhafter Bcrathungen im Schooße der Regierung. Die Frage werde in ernste Erwägung gezogen, ob es nicht im Reichsinteresse gelegen sei, Vorkehrungen zu treffen, welche die Wiederholung der stattgehabten Ausschreitungen ein für alle Mal verhindern müßten. Wir glauben vor der Hand, daß bei Ver- dreitung dieser Nachricht der Wunsch der Kolonialschwärmer der Vater des Gedankens gewesen ist Gegen die Krotverthenerung durch die Komzölle bringt, wie die„Franks. Ztg." mittheilt, der„Sozialdemokrat" in Zürich einen scharfen Artikel, in welchem die Arbeiter aufgefordert wer- dm. überall Versammlungen abzuhalten zur Darlegung des Zusammenhangs der Kornzölle und der Brotpreise. Z« der Kteigernng der Krot-«ud Kartoffelpreise ist neuerdings in Leipzig noch eine Erhöhung der Fleischpreise hinzugetreten, welche sich auf alle Fleischsorten erstreckt und pro Pfund 5 Pf. beträgt, Wie aus dem Vogtlande berichtet wird, ist dort infolge der höheren Viehpreise das Schweinefleisch sogar pro Pfund um 10 Pf. theurer geworden. Für die ärmere Be- völkerung, die, wenn ste überhaupt Fleisch zu konsumiren im Stande ist, zumeist den Genuß von Schweinefleisch vorzieht, eröffnen sich demnach für die Zukunft recht wenig hoffnungsvolle Aussichten. Znr Ktetgernng der Krotprelse. Auch in der Provinz Schleswig-Holstein sind die Biotvreise in steter Steigerung be- griffen. So schreibt die„Kieler Ztg.":„Hier in Kiel betrug der Durchschnittspreis für 1 Pfund Roggenbrot vor sechs Wochm 6 Pf., vor vierzehn Tagen 8 Pf., vor acht Tagen 8i Pf., und heute kostet dasselbe 9 Pf. Dabei ist zu bemerken, daß eine hiesige größere Bäckerei das Brot heute noch für 8 Pf. pro Pfund liefert Nach den uns heute zugegangenen Mittheilungen aus der Provinz beträgt gegenwärtig der Preis für 1 Pfund R-'gzenbrot du chschnittlich in Pinneberg 10,4 Pf., Großfltntdek und Husum 10 Pf., Ellerbek 9 5 Pf., Groß< Buchwald und Bordesholm 9.1 Pf.. Neustadt 9 Pf., St. Margarethen 8,5 Pf.. Metdorf 8,4 Pf., Elmshorn und Marne 3.3 Pf., Essingen 81 Pf., Brügge und Itzehoe 8 Pf., Friedrichstadt 7,5 Pf. Mehrere Berichterst stter melden uns, daß eine Steigerung der Preise zu erwarten steht." Das Blatt verspricht, in den nächstm Tagen weitere Pceisnotirungen zu veröffentlichen.— Die Nürnberger Bäckerinnung hat einstimmig beschlossen, den Brotpreis vom I.Oktober ab zu erhöhen. Die Erhöhung wird pro Pfund 1—2 Pf. betragen. Als Grund wird angegeben, daß die Preise für Roggenmehl schon seit zwei Monaten um ca. 3 Pf. pro Pfd. gestiegm sind. Gl»«» Interessanten Beitrag zur Gefäugnißarbeits- fcage liefert das„Sachs. Wochenblatt". In einer Dütenfadril tn dem an Dresden angrenzenden Dorfe Pieschen wurden bisher 10 Frauen beschäftigt, welche für die Herstellung von 1000 Dütm 20 bis 25 Pfennig und für die gleiche Zahl Beutel 30 bis 35 Ptenmg, je nach der Größe, ausgezahlt erhielten. Jetzt läßt diese Fabrik in der Gefangenenanstalt arbeiten, wo fie für Dütm 12 und für Beutel 18 Pfeniae pro Tausend ohne Unterschied der Größe zu zahlen hat. Der Gewinn fließt in die Tasche der Fadttkanten; die zehn Arbeitsfrauen aber find infolge der aeschriebenen goldenen Buchstaben die Inschrift„Jsaac Pinchem, Häuseragent und Geldverleiher" steht. Daß er letzteres sehr nachdrücklich zu betreiben ver- steht, bezeugten viele Regierungsbeamte. Der Kapitän eilt hinein und es wird ihm sofort eine Privatunterredung mit dem großen Finanzmann zugestanden. Er erregt bei diesem großes Erstaunm durch seine Bemerkungen über Simpson'S Diethe. Doch ist es nur für einen Augenblick, da der Ge- danke an die reizende Tochter sehr bald vor die Seele de« Wucherers tritt. (Fortsetzung folgt.) en0� Aus Kunst und Lebe«. Die Frauen in Amerika nehmm energisch Partei in den politischen Wahlkämpfen. In Mllwaukee, Wisc., hat sich ein weiblicher demokratischer Campaanellud gebildet, deffm Mst- ziieder an mehreren Abenden der Woche zusammenkommen, um ich von gewiegten und hübschen Polftikern männlichen Ge- chlechts über die politischen Tagesfragen und die Dottrinen der Zewokratischen Partei unterweisen zu laffm. Kaffeetrinken und Strümpfestrickcn ist an den Klubabenden nicht gestattet, doch darf auf das Wohl von Clcveland und Thurman nach dem- deter Sitzung Bier getrunken und getanzt werden. Ebenso ernsthaft, doch aus weniger politischen Gründen folgt eine Dame tvom Lande dm Chanzen der Präfidmtenwahl. Zwei schwedische armer bei Nebraska City, Nebr., Namms Ole Johnson und NA Erickion. machten nämlich kürzlich eine Wette auf das Re- w-wL in Form eines schrifilichm Uebereinkommens, taen fflrfA;,&tbKfeüi8et Zustimmung tn die Hände eines geach- Immi nn ff ri(»t eI®Ql,in Johanna bedingungslos und auf Clmeland's hofft. mdrünstig auf die Wiedererwählung Der Tabak ist ein speziell ?7"ikanisches Erzeugniß. welches man in der alten Welt vor der Entdeckung der westlichen Erdhalfte nicht gekannt hat. Die '»panier warm sehr erstaunt, als fiesahm, daß die Indianer den niedrigen Löhne, welche die Gefangmenanstalt zahlt, brotlos ge- ™�Di« Agrarier haben wieder Appetit. Die Zentral- Versammlung des landwirthschafllichm Vereins in München beschloß einstimmig auf den Antrag v. Thüngen's eine Pe- tition an dm Reichstag um Einführung eines Emgangszolles auf frisches Obst und Gemüse und um Erhöhung des bestehen- den Zolles auf getrocknetes Obst.„. Was kostet ei« Kandrath im Landtag? Wird ein Landrath gewählt, so erhält er, wie der„Reichsherold" berechnet. außer seinem Gehalt, das weiter geht, noch pro Tag 15 M. Diätm. Das macht: Gehalt 15 M., Diäten 15 M., zusammen 30 M. Zur Vertretung des Herrn Landraths wird meist em Regierungsasseffor angestellt, der pro Tag ca. 12 M. erhalt. Somit find die staatlichen Ausgaden für einen in den Landtag gewählten Landrath pro Tag 42 M. Vier Monate fitzt der Herr Landrath im Landtage, das macht 120 Tage mal 42 M., giebt die Summe von tund 5000 M. Da die Legislaturpenode fünf Jahre dauert, kostet also ein Landrath im Landtage dem Volke, d. h. den Steuerzahlern 25 000 M.! Nerb-tsb-grSndnng. Der„Korrespondent der Maler" ist bekanntlich vom Hamburger Senat verdotm worden. Der Senat glaubte hierzu berechtigt zu sein, well in dem Artikel: „Die internationale Kunstausstellung in München", sozialistische, den Umstur, u. s. w. bezweckende Bestrebungen zu Tage ge- treten sein sollen. Der Senat führt u. a. an: Mit Behagen verwellt der Verfasser bei dem Bilde„Der Ardeiterstre>k", um den beim reichen Male fitzmdm Fabrikvirektor und Aktionär mit dem Arbeiter zu vergleichen,„welcher erst rcbelliren muffe, um einen Nothpfennig als Zulage zu erhalten, und gleich gehässiger Absicht gebt er zu einer Besprechung der Bilder„Der Geizige" und„Die Schwestern" über, um die krassesten Gegen- sätze des sozialen Ledens, hier„Hunger und Noth bei lebenslanger Arbeit" und dort„mit Habgier gepaarten Reichthum infolge unredlichen- Erwerbes" gegenüberzustellen. Besonders hervorzuheben ist femer auch die Art und Weise, wie der Ver- faffer die Schilderung des Bildes„Kaiser Maximilian erscheinen seine Opfer" benutzt, um„in zeitgemäßer Behandlung des Themas" auf die Aehnlichkeit zwischen den Christen und den modernen Sozialisten hinzuweisen, welche gleich jenen„einem gewaltiaen Ideal zu Liebe" in das Elend getrieben werden. Diese Sätze eines, auch seinem gesammten Inhalte nach von sozialistischer Denk- und Gesinnungsweise zeugenden Artikels sind nun offenbar geeignet, Neid und Unzufriedenhell gegen die desitzenden Klassen zu erregen und enthalten somit den That- bestand des§ 11 des Gesetzes vom 21./10. 78.— Die UnHaltbarkeit dieser„Begründung" wird von der Reichskommisfion hoffentlich erkannt werden. Der Unterfnchnngsrichter Fabririns I« Frankfurt a. M.» bekannt aus dem Lieskeprozeh und dem großen Frankfurter„Gebeimdunds"prozeß, ist um seine Penstonirung eingekommen. Er will in den Ruhestand treten. Im Mahlkreise Ansbach-Kchwabach, in dem eine Ersatzwahl zum Reichstage bevorsteht, haben der sozialdemolra- tische Kandidat Dr. Bruno Schönlank und der Reichstagsabg. Grillenberger in einer großen Volksversammlung in Schwabach am letzten Sonntag das sozialdemokratische Pattelprogramm entwickelt und die Stellung der Sozialdemokratie zu den Tages- fragen beleuchtet. In eigener Kache. Ein P la g l a t o r hat die Münchener „ N e u e st e n Nachrichten", das bekannte nationalliberale Organ, gründlich hineingelegt. Dieselben bringen in ihrer Nr. 446 vom 28. September l. I. einen Leitartikel:„Der Schnaps in Bayern", chiffftrt R... n. Dieser Artikel ist aber kein Originalartitel, sondern ein Abklatsch des vom „Berliner Voiksblatt" in seiner Nr. 214 vom 12. September veröffentlichten Artikels:„Bajuvarisches. Der biedere R... n hat nichts gethan, als einige Umstellungen vorzunehmen und Einzelnes wegzulassen, was ihm nicht in den Kram paßte. Wir baden selbstverständlich nichts dagegen, daß unser Blatt als Quelle benützt wird, wir freuen uns darüber, daß sogar Organe des Bourgeois-Liberalismus fich daraus Informationen holen (es thut ihnen und ihren Lesern sehr Noth), aber daß irgend ein Slribifax durch einen literarischen Diebstahl sich fremden geistigen Etgenthums bemächtigt, um daraus für sich Kapital zu schlagen und seine Brotgeder hinter's Licht zu führen, vas ist eine Abart des Kommunismus, für welche wir kein Verständniß haben. Wir find überzeugt, daß die Redaktion der„N. N." nach Einficht in unseren Artikel der Wahrheit die Ehre geben und dem Ehrenmann R... n das Handweik legen wird. Kchweix. Ueder die Behandlung der gemeldeten Interpellation des Herrn Adrian von Arx von Ollen lesen wir in den „Basler Nachrichten": Davon ausgehend, durch das mehrerwähnte Kreisschreiben werde die Vereins-, die Preß- und die Nieder- laffungstreiheit verletzt, bemerkt Herr von Arx, daß ähnliche Dinge wohl schon vorkamen, als die gnädigen Herren und Obern jener Zell(vor 200 Jahren) den Bauern verboten, über Rauch dieses Krautes einschlürften und dann wieder von sich bliesen. Eine der ältesten Nachrichten über das, was wir jetzt Zigarre nennen, theüt der Geschichtsschreiber GonzalaFernandez de Oviedoy Veldez mit in seiner Geschichte von Nicaragua, welche im Jahre 1555 vollendet wurde. Er war viele Jahre lang in den zentralamerikanischen Gegenden und spricht als Augenzeuge. Wir entnehmen ihm das Nachfolgende: Am Sonnabend, den 19. August 1526, kam Don Alfonso, Kazile von Nicoya, dessen einheimischer Name Nambi, das heißt Hund, ist, auf den Marttplatz seines Dorfes. Es war zwei Stunden vor Einbruch der Dunkelhell. Gegen hundett Indianer de» gleiteten ihn. Sie setzten fich in eine Ecke und begannen ihren Arcito zu feiern. Areitos find Gesänge, in welchen fie das An- denken von Begebenhellen aus früherer Zeit oder aus der Gegenwart schildern und vermittelst welcher fie das Andenken bewahren. Sie tanzten und sangen. Wahrscheinlich waren fie nur gemeine Leute, denn der Kazike ging sehr feierlich nach einer anderen Ecke des Marktplatzes, wo er auf einer Art von Bank Platz nahm. Dann setzten fich die höchsten Beamten und etwa achtzig andere Indianer um ihn hemm, und ein junges Mädchen brachte zu trinken in kleinen Kalebassen. Das Getränk war wie starker Wein und ein wenig säuerlich! fie bereiten dasselbe aus Mais und nennen es Cchicha. Es steht aus wie Hühnerbrühe, in welche man ein paar Eier geschlagen hat. Als fie nun zu trinken angefangen hatten, nahm der Kazike ein Päckchm mit Tabakstückchen, etwa sechs Zoll lang und so dick wie ein Finger; die Blätter waren zusammengerollt und mtt einem Fadm be- wickelt. Sie verwenden auf den Anbau des Tabaks große Sorgfall und verfettigen aus ihm Rollen, welche fie an einem Ense anzünden; diese brennen einen ganzen Tag. Das andere stechen fie in den Mund, ziehm von Zeit zu Zeit den Rauch ein, be- halten ihn eineZeit lang bei fich und stoßen ihn dann aus demMunde oder aus den Nasenlöchern von fich. Jeder Indianer hatte dergleichen Biättenollen, welche fie in ihrer Sprache Unpoquete nennen, auf Hrspaniola, Haiti, beißen ste Tabako. Diener beiderlei Ge- schlechts brachten abwechselnd Gefäße, die mit jenem Getränke oder mit einem anderen angefüllt waren, das man das Cacao nennt(Chokolade). Von dem letzteren tranken fie drei oder vier Schluck und gaben dann die Kalebasse weiter, welche von Hand zu Hand ging. Dabei schlürften ste fortwahrend jenen Rauch ein, rührten die Trommel und schlugen dm Takt mll der Hand, während andere sangen. So blieben fie bis Mitternacht beisam- men, und die meistm von ihnen lagen dann betmnkm da. Der Rausch äußette fich auf sehr verschtedme Weise. Einige warm wie todt und regten fich nicht, andere heulten und schrien, noch andere hüpften und sprangen. Als fie in solchem Zustande waren, kamen die Frauen und brachten die Männer nach Hause. Einige sozialpolitische Dinge zu reden und fich deshalb zu versammeliv ebenso als gegen die Patttoten in den 90er Jahrm ein Polizei- spitzeldimst eingettchtet wurde. Aber das hätte man doch nicht crwartm sollen, daß bei dem nmen und stärketn Bunde Aebn» liches fich wiederholen könnte. Schlimm wäre es, wenn Furcht, ein sogenanntes internationales Motiv, im Spiele gewesm sei. Wir Schweizer sollten nicht zögern, unsere Stellung gebötta zu wahren. Um so mehr, als Nachbarstaaten nicht halb so SngWch seien wie wir. Das Deutsche Reich habe keinerlei Mime gemacht, einzuschreiten bezüglich der von den in Freidmg ver» sammelten Katholiken(worunter auch Schweizer gewesm seien), bezüglich der weltlichen Herrschaft des Papstes und damll der Zerstückelung Italiens aufgestelltm Resolutionen. Zu bedauern sei, daß nicht wie in Amerika ein Staatsgerichtsbof Streitigkeiten wegen die Bundesverfassung verletzender Beamter mtscheidm könne. Dann wäre ja wohl ein Weg zur Beruhigung des Schweizer- volles vorhanden. So aber müsse man wünschen, daß man keine Stunde, leinen Tag unter einer solchen Fuchtel bleibe. Sollte die Antwott der Regierung nicht dcfttedigm, so wäre er ge« zwungen, auch seine Motion in Abstimmung zu bttngen. Dan« solle die Regierung bei dm andern kantonalen Regierungen Genoffen werben, um, da nichts anderes möglich, sofort die Bundesversammlung einberufen zu laffm, damit dieser Alp vom Schweizervoll genommen werde. Wie die Arbeiter, so stehen auch die Bauern auf seiner Seite; denn den letztem wohne noch immer der alte Bauemtrotz inne; allein auch an alle Uebrigen ttchte er den warmen Appell, fich nicht auf die schiefe Ebene zu begeben, welche durch das Preisgeben der Freihell der Heber« zeugung geschaffen werde. Heute handle es fich um sozialdemo- kratische Ueberzeugung; morgen um republikanische, und dm Tag, wo diese preisgegedm würde, wolle Redner nicht sehen. Ein warmes Bravo von allen Bänken bezeugte die Zustimmung der Versammlung. Herr Landammann Munzinger beantwottet« die Interpellation, indem er nachfolgende von der Regierung festgesetzte Antwott verlas und erläuterte: Der Regierungsroth beschließt als Antwott auf die Interpellation des Herm Adttan von Arx: Wir haben vom Bundcsrath ein konfidenttelles Kreisschreiben betteffend die Handhabung der politt- «hm Polizei, Witt vom 11. Mai abhin erhatten, essen Inhalt theilweise in jüngster Zeit durch die Tagespresse veröffentlicht worden ist. Wir haben uns nicht veranlaßt gesehen, irgend welche Maßregel infolge dieses Schreibens zu treffen, weil wir dafür halten, daß unter der Bevölkerung unseres Kantons keine Elemente fich finden, die aus fremden- polizeilichen Gründen besondere Matznahmen nöthig machen. Uebrigens wird der Regierungsrath auch in Zukunft keinerlei Anordnungen polizeilicher Natur treffen, welche mit Verfassung und Gesetz in Widerspruch stehen würden. Ueber den Inhalt des konfidentieve« Kreisschreidens enthalten wir uns der Ktttik. Da wir dasselbe nicht so aufgefaßt haben, als ob uns ein gesetz- oder verfaffungs- widriges Vorgehen zugemuthet würde, so fanden wir uns nicht veranlaßt, beim Bundesrathe irgendwie vorstellig zu werden. Auf fernere spezielle Anfrage des Interpellanten erklätt Herr Munzinger, daß eine Offerte auf Vergütigung der durch daS Kreisschreiben erwachsenen Unkosten von der Regierung nicht angenommen worden sei. Herr Adrian v. Arx erklätt sich durch die Beantwottung der Jnteipttlation bcfttedigt und insbesondere darüber, daß die„Bundesfildcrlinge" von der Regierung nicht akzeptitt worden seien. Auf eine Interpellation des Herm Rast erklätt Herr Regierungsrath Affotter, daß die Polizeidirettion zu einer interkantonalen Konferenz nicht eingeladen wordm sei und eine solche nicht besucht habe. Großbrita««i-«. In Birmingham wurde am Sonnabend die Jahres- Versammlung der irischen Nationalliga von Groß- btttannien abgchallen. Im Zusammenhang damll fand eine Volksversammlung statt, wobei der Abgeordnete T. P. O'Connor, P äfident der Liga, eine Rede hiett, in welcher er den baldigen Sturz der Tmyregierung prophezeite. Er bemerkte u. a., es wäre eine gan, irrige Anficht, daß die ittsche Pattei ein Feind des britischen Reiches sei; fie wünsche nur Freundschaft, Ver- söhnung und ewigen Frieden zwischen dem ittschen und englische« Volke. Justin M'Carthy und Biggar stellten die jüngste Be- bauptung Chamberlain's, daß die irische Partei eine„ausgr- haltene Parin", welche aus der Politik Nutzen zöge, sei, in Ad- rede. Jedes Mitglied der Partei hätte für Irlands Sack« schwere Opfer an Gesundheit, Geld und Stellung gebracht. Es wurden schließlich Beschlüsse angenommen, welche Homemle für Irland fordern, die Politik der jetzigen Regiemng verdammen und das Verhalten Gladstone's und seiner Anhänger warm billigen. Großbritanniens Staatseinkünfte in dem am 30.Scp- tember endigenden zweiten Quattale des laufenden Finanzjahres deliefen fich auf 18 082 542 Lstr. gegen 17866 986 Lstr. im ent- sprechenden Quartale des vorhergehenden Finanzjahres, d. i. eine Zunahme von 215 556 Lstr. Zölle, Stempelgefälle, die Post, die Telegraphen und verschiedene andere Einnahmequellm weisen eine mehr oder weniger beträchtliche Zunahme auf, während die Einnahmen aus der Äetränkesteuer, der Gebäudesteuer und d«r schliefen bis Mittag, andere sogar bis zum Abend. Wer stch nicht so betrinkt, wird von den Uebttgen verachtet und gilt für einen schlechten Krieger. o s.%* nrrhaugnißvoUer Kuß. Auf dem Landgute des Lord Alcott wurde kurzlich eine große Jagd veranstaltet; als dieselbe vorüber war, sagte die junge, schöne Gemahlin des Hausherrn:«Mein Mann liebt die Wettrennen, wir wollen eines veranstalten, und derjenige, der zuerst am Ziele sst, be- kommt von mir einen Kuß als Siegespreis." Die Herren stellten fich, angeeifett durch den süßen Lohn, in Positur, die Lady klatschte in die Hände und zehn Minuten später kam ein Vetter ihres Gatten, um fich den Lohn zu holen. Wohlgemuth löste die Lady ihr Versprechen ein. Niemand merkte, daß Lord Alcott mittlerwelle verschwunden war, und als fich die Gesellschaft zu Tische setzte, meldete ein Diener, der Lord sei dttngender Geschäfte halber nach London gereist. Von dott aus erhielt die Lady bald ein Telegramm des Advokaten zugestellt, worin ihr derselbe mittheilte, ihr Gatte habe gegen ste die Scheidungsklage eingebracht und tn derselben erklärt, ein Lord Alcott mache sich nichts daraus, beim Rennen eine Million Dollars zu verlieren, aber ein Kuß seiner Gattin sei ein Verlust, welchen er nicht ver- schmerzen könne. Zrbshei«. Eine grausige Kunde verbreitete stch wie ein Lauffeuer hier infolge der Auffindung ver Leiche des Fuhr» knechts Held von der Elfenheimer Mühle, eines jungen, ledigen Mannes, aus Schönau gebüttig. Am Abend rnvor mit ein dem dem Muhlendefitzer Peterschmitt gehörenden Fuhrwerk auf dem Heimweg begriffen und hier durchfahrend, gesellte stch der Müht- arzt von der Ohnenheimer Mühle, Wendelin Hett, welcher hier bei seiner Familie auf Besuch war, zu ihm und bat, er solle fich etwas aufhalten, um mitfahren zu können. Well nun gerade Nachkilbe war, willigte ei sterer ein, und man. ging dann vor der Abfahrt auf den Tanzplatz, auf welchem ste fich noch ver» gnugten. Jedenfalls in etwas benebelter Stimmung find dir- selben unterwegs in Streit geratben, worauf Hert dem unglück» lichen Gegner mll einem starken Taschenmefier den Hals durch» jchnitsi Ein noch mitfahrender junger Mann aus Gemar, welcher den Strell schlichten wollte, erhielt von dem trauttgen Helden 6 bis 7 gefährliche Stiche in Hals und Kopf, so daß der Un- gluckliche schwer verwundet in das Hospital nach Markolsheim gebracht werden mußte. Der rohe Messerheld wurde verhaftet. und an die Staatsanwaltschaft abgeliefert. ! VmnSgens- und Einkommensteuer hinter dem Erträgniß von 1867 »urückbliebcn. Tie Staatkeir nahmen in den am 30. v. M. ver floffenen ersten zwei Quartalen des laufenden Finanzjabres weisen, verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum von 1887, eine Zunahme von 480589 Lstr. auf. John Morley Kielt am Sonnabend im Reformklub in Jpswick, zu dessen Präsidenten er jüngst gewählt worden, eine Rede über die irische Frage. Nachdem er die jüngsten Aus« laffungen Chambcrlain's über daffelbe Thema einer schneidigen Kritik unterzogen, bemerkte er, die Stellung der Partei Glad- üone's zur irischen Frage laste an Klarheit nichts zu, wünschen übrig. Die Partei sähe, daß Irland fich in einem Zustande großen Elends und der Zenüttung befinve. Diesen Zuständen wäre nur dadurch abzuhelfen, daß Irland fick selber neu ver- junge; England allein vermöge dies nicht. Den Liberalen in England und Schottland seien die Schuppen von den Augm gefallen; Tyrannei und Bedrückung hätten aus Irland eine verödete Insel gemocht. Desbald müßte den Jrländern eine Gelegenheit gegeben werden, fich selber emporzuarbeiten, und die Irbcrale Partei wäre entschloffen, Irland die Mittel dazu zu ge» währen. Frankreich. Aus der Rede, welche G oblct in Freville-Escarbotin ge» halten hat, ist schon ein kurzer tclegraphischer Auszug mitge» tbcilt worden. Wir tragen daraus nachstehende bemerrenswerthe Stellen nach:„Ich glaubte, Vre Wahlen von 1889 würden uns eine vollständige Vergeltung für unsere Niederlage von 1885 dringen. Heute würde ich vergebens versuchen, meine Unruhe zu verbergen. Wir haben kürzlich Wahlen gesehen, die für die Zukunft überaus drohend wären, wenn wir annehmen müßten, daß fie den wahren Zustand der öffentlichen Meinung ausdrücken. Ich will gegen Boulanger nichts Verletzendes sagen, obschon er selbst weder die Kammer, noch seine Kollegen schont; aber ich muß erklären, daß er, den ich fcüher vertheidigte, heute keinen entschiedenem Gegner hat als mich. Er verfolgt ein unheilvolles, verbrecherisches Unternehmen, er hat unter uns, die wir ohnehin so zerrissm find, eine neue Aufrühre? gruppe ge- schaffen, die Boulangisten. Ich sage Austührergruppe, denn es handelt fich um keine Partei, kein Programm, einzig um einen persönlichen Ehrgeiz, Boulanger will einfach Prästdent der Re- publik werden. Diese Politik kann nur zur Erneuerung des abscheulichen Abenteueuers führen, das die große Mehrhett der Franzosen seit 1870 mit Abscheu zurückweist."„Wir wollen," sagt er weiter,„ein starkes, mächtiges, geachtetes Frankreich. Wie sollen aber andere Völker uns unter solchen Umständen achten? Was sollen fie von der Zukunft Frankreichs denken, wenn fie fragen müssen, welchen Aufrührem es wohl morgen überliefert sein dürfte? Welche Bündnisse kann man erwarten, wenn man keine größere Sicherheit befitzt und den anderen bieten kann?" Die Pariser Ardeiterbörse ist wieder eröffnet worden. Der„France" zufolge würde Boulanger am Donners- tag nach Paris zurückkehren und wenige Tage später fich nach der Dordogne begeben, um an einem Kantet in Perigueux theil- zunehmen. Von 900 Arbettern in St. Etienne haben 300 die Arbeit wieder aufgenommen. Die kapitalistischen Blätter hoffen, der Streik werde in Bälde deendigt sein. Asien. Den rebellischen Stämmen im Distritt des Schwarzen Gebirges find gewisse Bedingungen gestellt worden. Falls dieselben nicht bis zum?. Oktober angenommen werden, rücken die britischen Truppen zum Angriff vor. Eine Depesctie aus Gnatong meldet, daß sämmttiche Truppen der gegen die Thibetaner ausgesandten Expedition jetzt dahin zurückgekehrt find. Der Rajah von S kkim wird täglich erwartet. In CKumbi traf ?5ul, der politische Offizier, der Oberst Graham's Erveditioa eglcitet, einen chinefischen Beamten an, der ihm die Verfiche« rung crtheilte, daß der chinesische Vertteter in Lhassa sein möz- lichstcs thue, um einen Ausgleich herbeizuführen und wettere Kämpfe zu verhindern. Es wird jetzt gedlaubt, daß die Thibe- taner fich, ehe der Winter die Pässe nicht schließt, nicht wieder zusammenrotten werden, und es wird gehofft, daß vor dem Früh» jähr China im Stande sein werde, die Lamas zu beeinflussen, Sittim künftighin in Ruhe zu lassen. gtttitu*«h VerlammwÄMU. Kerbaud deutscher Zimmerleute, Lokalverband Berlin Süd. Generalversammlung am Donnerstag, den 4. Oktober, Abends 8 Uhr, Mariannenstr. 31. Tagesordnung: 1. Abrech« nung. 2. Vortrag über Aufstellung von Treppengeländern. 3. Wahl eines Vergnügungs-Komiteemitglicdes. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Große öffentliche Versammlung der Maler und Berufsgenossen am Montag, den 8. Ottoder, Abends 84 Uhr, im Neuen Klubhause, Kommandantcnstt. 72. Tagesordnung: Die Bestrebungen der Ardeiterdcweguna und ihre Bedeutung für uns Maler und Bemfsgenoffen. Referent: Kollege Buhr. 2. Diskusfion. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird um zahlreichen Besuch gedetm. Theater. Donnerstag, den 4. Oktober. Gprruhaus. Der Trompeter von Säkkingen. Kchauspielhaus(im Walluer- Theater): Keine Vorstellung. Lesstug-Theater. Freund Fritz. Deutsche» Theater. Die Hermannsschlacht. Friedrich- Wilhelmstädtische» Theater. Die fieben Schwaben. Uestdeuz-Theater. Dekorirt. Kiktoria-Theater. Die Kinder deS Kapttän Grant. Sellealliauce-Theater. Drei Paar Schuhe. Teutral-Theatrr. Die Schmetterlinge. Adotf Trust-Theater. Die drei Grazien. Kaufma»«'» Karickt�. Spezialitäten-Vor- stellung. Tourordia- Theater. Spezialitäten• Vorstellung. Theater der Reichshalle«: Spezialitäten- Borstellung. Berliner Theater. Donnerstag, den 4. Ottober: Demetrius. Tragödie in 5 Akten von Friedlich von Schiller und Heinrich Laude. Freitag, den 3. Ottober: 3. Adonnements-Vorstellung: Marcel) snrsr«»-.- Giue Partie Piquet' Sonnabend, den 6. Oktober: Die Braut von Neeeina, Eine Tragödie in 4 Akten von Friedrich v. Schiller. Volks-Theater. (Früher Ostend Theater.) Direktion F. Witte-Wild. Donnerstag, den 4. Oktober, zum ersten Male: Novität I Novität I Der Uolltsfreunh. Vollsftütf in 4 Akten von Oskar Waltber. öffuuug titjUhr. Anflug 7 Preise der Plätze: 1. Parquet 1,50 Mark, 2. Parquet 1,25, Seitenparquet 0,75, 1. Rang 1,25, 2. Rang 0,75, Balkon 0,50, 1. Rang- Ftmteuil 1,50, Orchester-Loge 3,00, Parquet' Loge 2 Mark. Dutzend- Billets: 12 Billets 1. Parquet 15 M,. 12 Billets 2 Parquet 12 M. 12 Billets 1. Rang 12 M.[697 Morgen, Freitag; Der Polkvfrennd. fiöuiirstädth'Ches Theater. Nlexanderstr. 40— Kurzestr. 6. Stadt» und Pferdebahnverdindungcn nach allen Richtungen der Stadt. Donnerstag und folgende Tage: Zum 5. Male: D e Kornblumen des Kaisers. Original- Volksstück mit Gesang in 6 Bildern. Kaffeneröffnung 64 Uhr. Anfang 7* Uhr. Bons Heien Giltigkeit. Alles Nähere die Anschlagsäulen. Freitag u. folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Uirkus Or.»cliumauu. Friedrich- Karl- Ufer. Ecke Karlsttaße. (Im früheren Zirkus K r e m b s e r.) Donnerstag, den 4. Ottoder, Abends 74 Uhr: Groß» Grtra- Vorstellung. Besonders hervorzuheben find: 8 Rapphengste, in Freiheit vorgef. v. Direktor. Spring. Polpourri sämmtlicher Clowns. Auftr, des Jockry-Reiters Mr JoS Hodgini, des Dcckenlä. fers Mr. Melas, Die Schulpfeide Brillant und Herz, geritten von Frl. Martha und Hm. Emst Schumann. Rococo- Quadrille, ger. v. 12 Damen. 3 Akrobaten Gebr. vozzini. Erstes Auftreten des Jongleurs zu Pferde Aschi Artiselli. Miß Julia Mmcarthy in ihren großartigen Leistungen am feststehenden Reck ic. jc. Freitag, den 5. Ottober, Abends 74 Uhr: Grost» Porstelluoo mit neuem P'orramm. ZUn. Zun» 1. Mar tu K«rl»u. M««. Konigs-Tunnel im Grand Hotel Zlleranderplatz. Donnerstag, den 4. Oktober er.: Täglich großes Konzert der berühmten Ungarischen National-Kapelle Patey Bertalan aus L'plü'Szent Miklüs in Original-Cfikos Costumes. Großartige Solo-Vorträge auf Violine, Cymdel und Clarinette. NB. Die Kapelle spielt sämmttiche Piccm ohne Noten. Entree an der Kaffe 50 Pf. Im Norverlrauf 40 Pf im Zigarrengeschäst von Herrn Marr, Alexanverplatz im Grand Hotel. Programm an der Kasse, Anfang 7 Uhr. Gustav Kunze. American Theater. Direktion A. Reiff. Wallnertheaterstrasse Nr. IS. Donnerstag, d. 4. Ottober: ' Zum 28. Male: Die Weisheit Salomo s&y's Berliner Lokalpoffen-Pantomime von R. Anger. Mufik arrangirt von R. Thiele. 1. Bild: Die Renommirstunde bei Haase. 2. Bild: In der Aeademy of mnsic. 3. BUd: Bei Mutter Pignatelli im Cour- saal. 4. Blld: Berlin um Mitternacht. 6. Bild: Vor'm Schöffengericht. Neu einstudirt: Tausend und eine Nacht Operette von W. Köhler. Mufik von R. Thiele. Austreten der drei Geschwister Delöpierre, des Jnftrumentalisten Herrn Krüger, des Mimikers Rivoli und des Herrn Martin Bendix. Anfang 74 Uhr. Enttee 50 Pf., Psi ad* 1 To. v M.- 10«. w sIsorxPaBarftm« Schlöffer König Ludwigs: Hohenschwangau, Neuschwanstein. Zum ersten Male: Potsdam u. d. Trauerzug mr Kaiser Frt.drich». TM0 Enttee»Cycl.■•-■d mu 10 Pt. Adonn. L | Möbel- und PoljleWaarm Fabrik.| ? Gediegru» Arbeit. Zeitormäh» Preis«. Toulaut» Zahl«-«»»-»dingungeu. � Berlin S. A, SCillilÄf Berlin S �* Nr. 34 Wasserthorftratze Nr. Möbel-, Spiegel- u. Polsterwaaren billigst d, F. Manteulfeii 39 Meheestr. 39.[660 {<* de« bis i»Ne fabri«r<»« offerirt vre Gardinen-Fabrik von M. Hildebrand, 117 Vresdenerstratze 117, zw! scheu" Gran eup ah und Lnckaserstraß», paffend zu 1, 2, 3 und 4 Fenstern, in den neuesten (■ardinen parterre, Eivgang vom Flur Kest» i« Englisch Tull-Gard»»»«...._.. Desfins unter Fabrikpreis. 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Schon vor fast einem Jahrzehnt haben die Bestrebungen un Parlament begonnen, die Haftpflicht durchzusetzen; sie scheitenen aber bis jetzt an dem Widerstand der berheiligten Kreise, an der Zerfahrenheit der Meinungen über diesen Punkt, an allerlei politischen Verhältniffen, welche eine gedeihliche Reformarbeit erschwerten. Im Laufe der Jahre haben fich die Ansichten aber doch einigermaßen geklärt, eine ausgedehnte Literatur hat sich des Gegenstandes bemächtigt und zum Thell wenigstens Stimmung für die Rothwendigleu einer Reform auf dem in Rede stehenden Gebiete gemacht; die sozialen Bedürf- niffe und Zerwürtniffe find schärfer hervorgetreten und endlich übt auch das Beispiel Deutschlands, hinter dem man nicht zurückstehen will, gleich wie in anderen Punkten eine erhebliche Anziehungskraft aus. So ist es gekommen, daß ein ausführ- lichcr tzastpflichtgcsetz-Entwurf bereits die zweite Lesung in der Kammer passtrt hat und aller Wahrscheinlichkeit nach ent- weder Gesetzeskraft erlangen, oder, falls dies doch noch ver« eitelt würde, die künftige Gesetzgebung wesentlich beeinflussen dürste. Die jetztige Kammermehrheit ist dem Entwürfe günstig geitrmmt und hat ihn im Wesentlichen bei der zweiten Lesung allen Anfechtungen gegenüber aufrecht erhalten» welche zumeist von der Rechten ausgingen, deren Stimmung zum Schlüsse der Debatten im Juli in ziemlich offene Gegnerschaft umgeschlagen rst. Dre Opposition innerhalb und außerhalb der Kammer hofft jetzt nur mehr auf den Senat, der, wie man gesagt hat, etwas weniger durch die Rücksichten auf die Wählerschaft beeinflußt sei, durch welchen Ausspruch übrigens das beredteste Zeugniß für die Popularität des gesetzgeberischen Gedankens abgelegt wurde. Ob fich aber der Senat der Strömung, die Arbeiterfreundlichkeit endlich einmal durch nachhallige, so dringlich gewordene Re- formen zu bethätigen, wird entziehen können, oh er die Hand dazu bieten wird, das Werk nochmals zu verschleppen, rst doch wohl etwas staglich. Das Gesetz— oder wenn man will der Entwurf— sucht, tote schon oben angedeutet, die Fürsorge für den von einem Unfall betroffenen Arbeiter auf dem Wege der Haftpflicht zu bewerkstelligen; es ist well schärfer gehalten als die sonst be- kannten Haflpflichtgesetze und vermeidet daher mancherlei Halb- bellen und Unvollkommenheiten hinsichtlich der Begründung der Haftpflicht, nicht aber ohne in anderer Hinficht erhebliche Un- Vollkommenheiten und Schwächen aufzuweisen, lieber diese Prinzipien frage— Haftpflicht ohne V erstcherungszwang oder obligatorische Unfallversicherung— war man allerdings nicht vollkommen einig, die Majorität entschied sich jedoch für erstcre. In jeder Beziehung sonderbar war die Haltung der Regierung, sie nahm während der ganzen langen Debatte anläßlich der ent- scheidenden zweiten Lesung eiaentlich nur das Wott, um zu ei klären, daß sie mit dem Gesetz nicht einverstanden sei, sie ziehe die obligatorische Unfallversicherung vor, finde den Gel- tungsbereich zu weit gezogen»c., lade indessen die Kammer ein» dem Kommisfionsentwurfe die Zustimmung zu crtheilen, denn es komme zunächst darauf an, daß ein derartiges Gesetz zu Stande komme; was daran die Erfahrung später als schlecht erweise, könne ja immer geändert werden. In dieser Re- signaiion verharrte die Regierung auch fernerhin und ließ die Kammer in stummer Passivität beratben und beschließen. Kann fich ein Parlament eine angenehmere Regierung wünschen? «so fam es auch, daß die Verficherungspflicht ohne Gefahr einer B hmderung des Gesetzes durch die Regierung abgelehnt wer- den konnte. Rad) den Beschlüssen der Kammer hat nun das Gesetz im Wesentlichen folgenden Inhalt: Alle Arbeiter und B.amte, be- ntaitigt in Fabriken, Manufakturen, Werften und vergleichen ÄineilSpläyen, Trans Portunternehmungen, Bergwerken, Grübe- reien und Überhaupt in Betrieben, bei denen Arbeitsverrichtungen mit einem mechanischen Motor in Verwendung stehen, haben bei eingettetenem Unfall— beziehungsweise wenn der Tod er» folgt, ihre Hinterbliebenen— gegen dm Unternehmer einen Anspruch auf Entschädigung; der Anspruch des Verunglückten entfällt nur, wenn er den Anfall adstchllich herbeigeführt hat. Wie man sieht, ist das Kleingewerbe und die Land- und Forst- wtrthschaft. soweit sie sich nicht der Kraftmaschinen bedienen, ausgeschloss.n— ein Punkt, welcher eine erhebliche Rolle bei den Debatten spielte. Doch hören wir das Gesetz weller. Die Entschädigungen find wie foist festgesetzt. Im Falle dauernder vollständiger Arbertsunfahigkeit gebührt eine lebenslängliche Rente„je nach den Umständen" von höchstens zwei Drittel und mindestens einem Drittel des durchschnlltlichen Jahreslohnes(wobei ein Verdienst über 4000 Fr. außer Anrechnung bleibt), sowie wiederum mindestens von 400 Fr. für Männer. 250 Fr. für Frauen. Bei theilweise dauernder Arbeitsur fähigkeit wird die Rente nach Maßgabe der verbliebenen Arbeitsfähigkeit entsprechend herabgesetzt. Im Falle des Todes gebührt ein Bepräbnißgeld, dann eine Rente für die Wittwe, sowie unter gewissen Voraus- setzungen für den Wittwer im Betrage von 20 pCt. des Lohnes, dann für die K ndir bis zum vollendeten 14. Lebensjahre von 15-50 pCt., je nach ihrer Zahl und dem Vorhandensein einer Wittwe. Tntt nm eine zeitliche Arbeitsunfähigkeit, jedoch von mindestens drei Tagen, ein, so hat der Arbeiter Anspruch auf die Heilungskosten bis zum Betrage von 100 Fr., sowie während höchstens drei Monaten auf eine Entschädigung im Be- trage der Hälfte des mittleren Lohnes, welche jedoch nicht unier einem und nicht über 2% Fr. bemessen werden darf. Diese Hellkosten, sowie die zetttiche Entschädigung kommen auch dem dauernd beeinträchtigten Arbeiter zu; letztere hört nur auf. sobald die früher erwähnten Renten in Kraft treten. « diesen Bestimmungen geht hervor, daß der französische w> jn mehreren Beziehungen ungünstiger gestellt werden In+L v der deutsche; so wird das Normale der Rente bei abso- Erwerbsunfähigkeit, im Deut,chen Reich zwei deusverdienstes, in Fiankreich zum Maximum; ficherung) ein Er sich% die Heilkosten, sowie eine Entschädigung MUMMZ rntl toJW iu Iii»«,« I-in�w�-u!l»la»d itllt ÄÄÄtÄ Ä1 S zösischen Ar better ist es auch, daß die zcittiche Entschädigung während der erwähnten hundert Tage nicht über 2i Frks. per Tag bemessen werden darf; dies läßt die Bestimmung, daß sie eigentlich die Hälfte des Lohnes ausmachen soll, angesichts der Lohnverhältniffe in Frankreich in vielen Fällen illusorisch erscheinen. Ganz besonders bedenklich ist es, daß das Gesetz für die Rente bei dauernder gänzlicher Erwerbsunfähigkeit keinen fixen Satz bestimmt, sondern sie je nach Umständen von einem Drittel bis zu zwei Dritteln des Lohnes aufsteigen läßt. Im Gesetze ist dabei nicht gesagt, welche Umstände es find, die da maßgebend sein sollen; aus den Kammerdebatten ist aber zu entnehmen, daß man in erster Linie an eine Berückfichttgung des etwa seitens des Arbeiters vorhandenen Verschuldens bei Herbeiführung des Unfalles dachte. Warum dies gerade nur in diesem einen Fall gellen und nicht auch bei den sonstigen, die sich ergeben können, z. B. beim Tode des Verunglückten, bei blos zeitlicher Arbeitsunfähigkeit, ein solches Abwägen der Schuld und Nichtschuld stattfinden soll, ist nicht recht einzu- sehen; konsequent ist es jedenfalls nicht. Besser wäre es stci- lich gewesen, diese verzweifelte Schuldstage gänzlich außer Spiel zu lassen und diese ewige Quelle von Sttetttgkeiten zu verstopfen. Für die Geltendmachung der Ansprüche ist ein abgekürzter Rechtsgang eingeführt; das Verfahren nimmt seinen Ausgang von einer Unfallanzeige, welche den Unternehmern zur Pflicht ge- macht ist. Den Arbeitern wird unentgettlicher gerichtlicher Bei- stand gewährt. Abmachungen zwischen Arbeitgeber und Arbeit- nebmer, welche gegen das Gesetz verstoßen, find rechllich null und nichtig. Eine Verstcherungspflicht existirt nicht, die Unternehmer find jedoch verhalten, auf Verlangen der Bezugsberechtigten in die staatliche Jnvaltdenkasse entweder ein Kapital einzuzahlen, welches die Leistung der zuerkannten Renten verbürgt, oder in anderer Weise die Zahlung dieser Renten sicher zu stellen. Die 1868 gegründete staatliche Unfallveificherunaskasse wird Kollelliv-Ver- ficherungen entgegennehmen, ebenso ist eine gewisse Verbindung der staatlichen Altersrentenkasse sowohl mit den etwa zur Bil- dring gelangenden wechselseitigen Verficherungsverbänden der Unternehmer gegen die Haftpflicht, als mit der staatlichen Un- fallversicherungskaffe hinsichtlich der aus der Uebernahme von Versicherungen entspringenden Gebahrungen vorgesehen. Das also ist im Wesentlichen der Inhalt des neu beschlossenen Gesetzes; trotzdem daß man so wett ging, als man gehen zu können glaubte, find gewisse Mängel des Haftpflichtsystems doch nicht beseitigt. Die unerquickliche Schuldfrage ist nicht gänzlich eliminirt, dem im Dienste verunglückten Arbeiter ist keine volle Sicherheit für den Empfang seiner Rente geboten; woher soll er sie erhalten, wenn der Unternehmer nicht versichert ist, die geforderte Sicherstellung nicht zu leisten vermag und im Laufe der Zeiten unfähig wird, auch nur die Rente zu entrichten? Eine staatliche Einflußnahme auf die Herstellung von Vor- kehrungen im Interesse der Unfallverhütung ist nicht vor- gesehen, einzig und allein wird eine Vergünstigung bei der Prä« mien-ntrichtung den Anreiz geben, in dieser Hinficht thätig zu werden. Gleichwohl würde das Gesetz gegen den gegenwärtigen Rechtczustond einen belangreichen Forlschritt bedeuten, es ver- hilft der Theorie vom rlsqve professionel zum Durchbruch, d. h. jener Anschauung, welche die bei der Arbeit und aus der Arbeit erwachsenden Gefahren nicht dem einzelnen davon betroffenen Arbeiter zur Last fallen läßt, sondern den Unter- nedmungen, welche diese Gefahren erzeugten und die Arbeiter beschäftigten, beziehungsweise den Unternehmerverbänden. Und wenngleich im Gesetze noch mancherlei Lücken und Un- Vollkommenheiten zu entdecken find, wenngleich insbesondere der im Wesentlichen nur auf die Großbetriebe(und da nicht einmal alle!) ausgedehnte Geltungsbereich des Gesetzes eine offenbare Halbheit ist, well doch die Theorie vom pro- fejfionellen Risiko unmöglich blos zu Gunsten eines Tbeiles der Arbeiterschaft angerufen werden kann, so ist doch zu hoffen, daß der durch das Gesetz unzweifelhaft erzielte Fortschritt auf der einen Seite, die in der Praxis am schärfsten fich bemerkbar machenden Widersprüche und Inkonsequenzen auf der anderen Seite die Gesetzgebung dazu drängen weiden, die einmal be- tretene Bahn weiter zu verfolgen und an die erste Schöpfung gleichzeitig die verbessernde Hand anzulegen. Für die französische Republik wäre es aber auch in politischer Beziehung von dem größten Vortheile, endlich einmal an die Verwirklichung wenigstens einer der so tönend verheißenen größeren positiven Maßnahmen zur Hebung der arbeitenden Klaffen zu schreiten, welche bereits länger auf fich warten lassen, als es für Volk und Staat gut ist._ blieben ist. An sogenannten„Originalen" im Sty'c der ver» storbenen„Mutter Tautenhain" und anderer mag es auch swon damats unter den Handeisleuten nicht gemangklt haben: jeden» falls darf in diese Kategorie auch jme Feigenverkäuferin gerechnet werden, von der wir wissen, daß sie auf dem längst verblühten Obstmarkte zwischen der Herkules» und der Fischerbrücke achtzig Jahre lang mit ihrer Waare gehandelt hat. Was die Marltpolizei betrifft, so ruhte sie vor Atters in dm Händen des Magistrats, der indessen unter der Oberaufsicht des Landesherrn gestanden zu haben scheint. Von dem Kurfürsten Albrecht Achilles, der im März des JahreS 1486 aus dem Leben schied, wissen wir bestimmt, daß er über Beschwerden in Marttpolizciangelegenheiten persönlich entschied. Denn als der Handelsmann Peter Brakao sein Getreide beim Verkaufe mit dem kleineren Brandenburger Scheffel und nicht mit dem Berliner gemessen hatte, sprach er den Verkäufer frei, well fich herausstellte, daß dieser im Einverständniß mit dem Käufer gehandelt hatte. Dieses Kurfürsten Sohn und Nach« folger, Johann Cicero, welcher im April 1486 die Rechte der Städte bestätigte und damals in dem Schlosse zu Cölln an der Spree seine Tage verbrachte, liebte die Ordnung und die gute Sitte. Verschiedene Verordnungen, welche zwar nicht den Marttvcrkebr betrafen, geben davon Zeugniß. Mit einer ge» stempetten Marke find heute in Berlin nur die Hunde versehen; damals waren es auch die sogenannten würdigen Bettler, d. h. die arbeitsunfähigen Personen, die auf die Unterstützung der Begüterten Anspruch hatten. So hatte es der Kurfürst bestimmt und alle nicht im Besitze einer Marke befindlichen Bettler wur» den ausgewiesen. Ausgewiesen wurden auf Befehl des Landes» Herrn aber auch solche Personen, welche in einer sogenannten wilden Ehe lebten, sofern sie der Ausweisung nicht durch die priesterliche Trauung zuvorkamen. Diejenigen Frauen und Mädchen, welche durch ihr unsittliches Treiben Aergerniß erregt hatten, mußten kleine Schleier von Leinewand, sogenannte Mäntelchen, über den Köpfen tragen, damit sie von den ehr» baren Frauen und Töchtern der Bürger zu unterscheiden waren. Den Maittverkehr betreffend, befahl er im Jahre 1486 den Rathmannen von Berlin und Cöln, eine Fleischerordnung zu erlassen, der zufolge immer gutes Fleisch in den Scharren vor» räthig sein mußte. Heute bekümmert fich um den Berliner Fleischmarkt kein Herrscher mehr, derselbe hat deshalb aber nicht aufgehört, ein Geaenstand obrigkeitlicher Sorge zu sein, gleich» wie die anderen Nahrungsmittel einer strengen Kontrole unter» liegen. Nie Detonation eine» Kchnsse» versetzte gestern Nackt 2 Uhr die Bewohner des Hauses Markgrafenstraße 76 in nicht geringe Aufregung. Im zweiten Stocke hatte sich ein erst am Sonnabend von der Zimmerstr. 78 zugezogener Chambregarnist durch einen Schuß in die Schläfe getödtet. Die auf den Knall herbeigeeilten Wirthslcute fanden den Lebensmüden, die tödt- liche und noch mit fünf scharfen Schüssen bekadene Waffe in der Hand, bereits entseelt in seinem Bette. Was Herrn Weichatt, so ist der Name des Unglücklichen, zu diesem traurigen Schritte bewogen, ist bis zur Stunde noch nicht aufgeklärt, und bei seinem fröhlichen, stets heiteren Wesen nimmt man an, daß den früher sehr gut fiiuiiten, lebenslustigen 35jährtgen Mann entweder irgend ein unhe-lbarcs Leiden oder auch finanzielle Mißstände in den Tod getrieben. Der Leichnam des Be» dauernsweithen wurde gestern Vormittag durch den polizeilichen Leichenwagen nach dem Obduklionshause gebracht, von dem er der Wahrscheinlichkeit nach in seine in der Nähe Berlins liegende Heimath verbracht werden wird. D-» stvstalische Gebiet de« Grunetvalde» erstrecket sich bis unmittelbar an das Dorf Schmargendorf, und der Forstfiskus beanspruchte auch seit 35 Jahren das Eigenthunu» recht an den zu Schmargendorf gehörigen Dahlemer- und Hunde» lehlensttaße, die beide auf der einen Seite jetzt mit Villen be- baut sind. Ein alter Separattonsrezeß, durch den das Eigen» thumsrecht der Gemeinde Schmargendorf an beiden Straßen festgestellt war, konnte nicht aufgefunden werden, so daß die Gemeinde ihr Recht nicht nachzuweisen vermochte. Jetzt endlich ist der Reziß wieder zum Vorschein gekommen, und es bat fich aus demselben ergeben, daß nicht nur die Straßen, sondern noch mehrere Meter Land neben denselben der Gemeinde zu- zustehen. Der Forstfiskus muß nun, wie ein Berichterstatter meldet, den an den Straßen stehenden Wildzaun zurückrücken unv dazu noch einen mehrere Meter breiten Streifen an die Gemeinde abtreten. ZolMle». Kerlincr Märkte l» früherer Zeit. Die Berliner Wochcnmärkte werden bald gänzlich von der BUdfläche deS öffentlichen Lebens verschwunden sein, da fich Berlin immer mehr zu einer Markthallenstadt herausbildet. Mit ihnen ver- schwindet wieder ein Stück historischen Berliner Lebens, denn die Anfänge der Berliner Märkte fallen so ziemlich zusammen mit den Anfängen der Stadt überhaupt. Schon im Mittel- alter blühte der Marktverkehr, wenn er auch erheblich einfacher gestaltet war, da ihm die Mannigfaltigkeit des heutigen mit den verschiedenartigsten Erzeugnissen der modernen Kultur selbst- verständlich fehlen mußte. Die Hauptbestandtheile eines den Hausbedürfnissen der Einwohner entsprechenden Marttes waren vorhanden und wurden fast täglich feit gehalten. Es fehlte weder die Taube, noch, um in der Sprache des Berliner Schusterjungen zu reden, das Karnickel. Vielleicht handelte man damals mit Meerschweinchen noch nicht, aber im Übrigen fand man Geihier aller Art und es krähte der Hahn wie heute, wenn die Hauefrau kam, auch das Federvieh zum Gegenstand ihrer Einkäufe zu machen. Die Landleute brachten Früchte zur Stadt, nickt Apfelsinen und Pfirficke, wohl aber Äepfel und Birnen, Pflaumen und Kirschen in Menge. Frachtwagen. die oft aus weiter Ferne gekommen waren, dielten vor dem Rath- Hause und der Stadtwaage, um entweder die schuldige Abgabe zu entrichten oder den Preis ihrer Maaren für den Verkauf fest- stellen zu lassen. Dann kam es wohl vor, daß die Menge neugierig fich um die Wasen sammelte, um bei den Fuhrleuten Erkundigungen über das Neueste einzuziehen, was fich im licben deutschen Vaterlande ereignet hatte, denn das Zeitungsblatt, welches später in der Hand der Obstocrkäuferin erblickt wurde, war damals noch nicht vorhanden, und den Durst nach Neuigkeiten konnte nur die mündliche Mittheilung befriedigen. Daß im Be- sonderen der Fischhandel eine erhebliche Rolle spielte, kann nicht befremden, denn die Spree und die Havel boten Gelegenheit zur Ausbeute genug; aber auch, was in der Nord- und Ostsee schwamm, der Stockfisch und der tzäring, mußte dazu beitragen, den Berliner Markt zu füllen, und wie der Rennthier- käse auf demselben nicht fehlte, so war auch der Bückling nicht unvertreten, welcher ihm bis heute eine steundliche Zierde ge- Gi« Fabrikbrand, bei dem vier Mannschaften unserer Feuerwebr zu Schaden kamen, wüthete gestern früh auf dem Grundstück Markgrafenstraße 13. Es brannten eine Satinir- Werkstatt im Ervgeschoß und die Arbeitsräume einer Polster- möbelwerkstatt im ersten Stock des linken Seitenflügels. Der Angriff der Feuerwehr erfolgte mit der Gas- und Dampfspritze und mit zwei großen Druckspritzcn. Als im ersten Stock das Feuer durch das Platzen der Scheiben Luft bekam, entwickelten sich plötzlich starke Stichflammen, durch welche Brandmeister Reichel und Oberfeuermann Marficke im Gesicht und an den Händen nicht unerheblich verletzt wurden. Außerdem erlitten Oberfeuermann Queilsch im Gesicht und Spritzenmann Scribsack an der Hand leichtere Verletzungen. Erst gegen%9 Uhr konnten die Mannschaften, die seit i6 Uhr thätig gewesen waren, die Brandstelle verlassen. Die oberen Stockwerke des Gebäudes find erhatten worden. » rl"? wird der„Voss. Ztg." aus Hamburg, 2. Oktober, geschrieben: Der Uebergang von den freundlichen Spätsommertagt n zu kaltem, stürmischem Herbstwetter erfolgte sehr plötzlich. Es vertiefte sich eine in der Nordsee am Freitag erschienene Depression schnell und erzeugte dann am Sonnabend, Sonntag und Montag in ganz Deutschland Regenwetter; rn vielen Orten gingen starke Regengüsse und Hagelschauer nieder. Der erste Schnee wurde aus dam Bereich der meteoro- logischen Stationen von Bodö gemeldet, woselbst am Abend des letzten September im bottntschen Meerbusen Schnee flest. In Hamburg sank das Thermoter am Montag bedeutend und er» reichte Nachts den Nullpunkt, so daß reichliche Reifbildung statt hatte. Auch jetzt ist bei 10 Millimeter Barometerstand unter normal die Witterung noch ganz unbeständig. Es durchziehen vielfach Depressionen den Westen und den zentralen Theil Europas. Zur Maruung für Landleute, die jetzt mit der Kar- toffelernte beschäftigt sind und in dieser Zeit ihre Wohnungen ohne Aufficht lassen, theilt das„B. T." einen Vorgang mit, der fich am jüngsten Sonnabend in Wegensdorf bei Alt Landsbera abgespiett hat. Um 11 Uhr Vormittags war dort in die Be» hausung der Wittwe Albrecht, während dieselbe im Garten beim Kartoffelausnehmen beschäftigt war, ein Dieb eingebrochen, d-w zunächst die Kommode öffnete und durchsuchte. Da er in der- selben jedoch nichts vorfand, was ihm zum Mitnehmen geeignet schien, so sprengte er einen Koffer auf, in welchem er auch 130 Mark in baarem Gelde vorfand, die der Eindringling als gute Beute mit fich nahm, worauf er die Flucht ergriff. Nach kurzer Zett wurde der Diebstahl entdeckt, und nachdem festgestellt wor- den war, daß ein fremder Mann, der in der Nähe deS Albrecht'schen Hauses in verdächtiger Weise sich zu schaffen ge> macht, die Richtung nach Birnecke eingeschlagen hatte, bestiegen die Gebrüder Schcer einen Wogen und begaben stch zur Ver- folgung des Verdächtigen auf den Weg. In der Nähe des Torses Birnecke— etwa zwei Mellen vom Thatorte entfernt— kam ihnen ein Mann in Sicht, der, nachdem er durch einen scheuen Seitenblick wahrgenommen, daß die Verfolgung ihm netten dürfte, vom Wege entsprang und querfeldein lief. Seine Verfolger ließen jedoch von ihm nicht ab, einer von ihnen schwang fich vom Wagen und setzte dem Flüchtling zu Fuß nach, während der andere noch ein Stück weller fuhr, um dem Ausreißer den Weg abzuschneiden. In dieser Bedrängniß warf der Spitzbube dos gestohlene Geld weg, um seine Verfolgerda- mit aufzuhalten, diese ließen jedoch von ihm nicht ab und er- griffen ihn auch endlich nach einer scharfen Jagd. Sie brachten ihren Gefangenen sodann nach Alt-Landsberg, wo er hinter Schloß und Riegel kalt gestellt wurde. Nach den Legitimations- Papieren, die man bei dem Arrestanten vorfand, ist derselbe ein gewisser Karl Sch. aus Jacobsdorf. Im städtische» Gddach befanden fich am 1. Oktober ct. 24 Familien mit 93 Personen, darunter 10 Säuglinge. Am 1. Oktober war der Bestand 44 Familien mit 175 Personen, darunter 15 Säuglinge. Das Asyl für nächtliche Obdachlose denutzten im Laufe des Monate September 8584 Personen, und zwar 8066 Männer und 518 Frauen. Von diesen Personen wurden 5 dem Krankenhaus Friedrichshain, 65 dem Krankenhaus Moabit, 2 der Churitee überwiesen und 306 der Polizei vor» geführt. Gin Selbstmordversuch i» einer Droschke fand gestern in aller Frühe auf dem Schloßplatze statt. Der Droschken- kutscher wurde plötzlich durch einen Schnß im Innern seines Wagens veranlaßt, anzuhalten und fich nach seinem Fahrgaste, den er erst wenige Minuten vorher aufgenommen hatte, umzu- sehen. Er fand denselben in liegender Stellung, in der Rechten einen Revolver, mit einer Schußwunde in der Brust auf dem Rücksttze vor. Unter dem Beistand eines Schutzmanns schaffte der Kutscher den Verwundelen nach einem Krankenhause. Dort wurde der Lebensmüde als ein ehemaliger Justizaktuar Bern- hard M. festgestellt. polizeibrricht. In der Nacht zum 2. d.M. wurde der Schutzmann Krüger auf dem Belleallianceplatz von einer Droschke, welche er der herannahenden Feuerwehr halber zum Hallen ver- anlassen wollte, überfahren und erlitt dadurch so bedeutende Quetschungen am linken Arm und Bein, daß er fich mittelst Droschke nach seiner Wohnung begeben mußte.— Am 2. d. M. Morgens sprang ein 16 Jahre altes Mädchen in einem Anfall von Geistesstörung aus dem Fenster seiner im ersten Stock des Hauses Georgenkirchstr. 13 belegenen Wohnung und erlitt an- scheinend eine Verstauchung der Beine und innere Verletzungen, so daß es nach der Charitee gebracht werden mußte.— Vor» mittags wurde in der Jnvalidensttaße am Eilgutschuppen des Lehtter Bahnhofes ein Böckerlehrling von einer Droschke und vor dem Hause Kottbuserstr. 1 ein 11 Jahre alter Knabe von einem Rollwagen überfahren. Erster er erlitt eine nicht unde- deutende Verletzung am linken Knie und wurde nach der Charitee gebracht, während der letztere eine dedeutende Verletzung am linken Schienbein davontrug und nach dem Krankenhause Bethanien gebracht werden mußte.— An demselben Tage Nachmittags fiel ein Kutscher vor dem Hause Charlottenstr. 59 infolge Durchgehens des Pferdes vom Wagen, wurde über die Brust gefahren und anscheinend innerlich schwer verletzt, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit stürzte in der Luxuspapierfabrik von Plath u. Boysen, Louiscn-Ufer Nr. 11, der dort beschäftigte Arbeiter Halm in den auf dem zweiten Hofe befindlichen Fahrstuhlschacht und erlitt eine Verstauchung beider Beine. Er wurde nach dem Kranken« hause Bethanien gebracht.— Gegen Abend erschoß fich ein Maler in seiner Wohnung in der Reinickcndorferstraße mlltelst eines Revolvers. Die Leiche wurde nach dem Leichcnschauhause gebracht.— Abends brachte fich ein Schloffer im Kloset des Grundstücks Rüdersdorferstr. 16 mittelst eines Revolvers einen Schuß in den Kopf bei, wurde aber noch lebend nach dem städtischen Krankenhause gebracht.— Um dieselbe Zeit verstarb plötzlich infolge eines Herzschlages eine etwa 60 Jahre alte unbe« kannte Frauensperson auf dem Wege von der Sieges-Allee nach der Roonstraße in einer Droschke, die fie an der Charlotten» durger Chaussee bestiegen hatte. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause gebracht.— In der Nacht zum 3. d. M. glitt ein Fälber vor dem Hause Auguststr. 61 aus und zog fich da- durch einen Bruck des rechten Beines zu, so daß er nach dem Hcdwigs-Krankenhause gebracht werden mußte.— In drei Fällen wurde die Feuerwehr durch lleinere Brande in Thatigkert gesetzt..__ Uergttügungs-Chronik. „Eldorado". Schnabl's humoristische Soireen. Auf der Stätte, wo bis vor nicht langer Zeit der unverwüstliche„ur- komische" Bendix allabendlrch wirkte, ist neues und, wie wir gleich hinzufügen wollen, verfeinettes Leben entstanden. Direktor Schnabl, durch seine Leistungen in der C o n c o r d i a vottheil- Haft bekannt, hat die Leitung des neuen Musentempels in der Dresdenerstraße übernommen und durch die gestrige Eröffnungs« Vorstellung gezeigt, daß er mit feinem Verständniß für den Geschmack der Berliner an die Lösung der nicht Feichten Auf« gäbe herangetreten ist. Wir hatten Gelegenkeit, kürzlich andere hiefige Spezialitäten- Theater zu besuchen: überall herrschte die Zote. Das ist im„Eldorado" anders, und wir können nur wünschen, daß es fich dauernd davon fern halte; der Erfolg wird nickt ausbleiben. Von den Künstlern zeichnete stch Herr Oskar Fürst als feinko mischer Charakterdarsteller aus; seine Leistungen find wirtliche Kabinetsstücke. Herr Crosse, In« srrumental-Jmitator, gefiel seinen Zuhörern durch elegante und naturgetteue Wiedergabe der verschiedensten Instrumente. Das sonstige Künstlerpersonal blieb nicht zurück, und so gab es ein gutes Ensemble, das wettere Erfolge verbürgt. I« der K««t- im Kolk» Theater ,ur Aufführung ge- langenden Novität„Der Volksfreund" liegen die Haupt« rollen in den Händen des Fräulein Widmann und der Herren Ladowsky, Waldemar, Pauly und Tyrkowski. Kerlwer Theater. Mallner» Theater. Mit einer franzöfischen Posse eröffnete das Wallner- Theater gestern wieder seine Pforten, nachdem es während der letzten Monate das Heim für das Hostheater gebildet hatte. „Dle Nachbarinnen" find dem theaterbesuchenden Publikum nickt unbekannt, fie find im vorigen Jahre wohl fünfzig Mal über die Bretter gegangen und haben die Freunde eines harm- losen Humors in eine freundliche Stimmung versetzt. So war es auch vorgestern; das Publikum war in der besten Laune, man freute fich, die alten Bekannten wiedcrzuseben, obwohl wir das Gefühl haben, als ob den Künstlern des Wallner- Theaters die franzöfische Maske gar nicht recht zu Geficht stehen will. Berliner find eben keine Pariser, fie können es nicht sein und wollen es jedenfalls auch nicht. Es macht gerade keinen sehr angenehmen Eindruck, wenn die Herren mit dem ausge- prägten Dialett der Mulackstraße die geliebten Berliner Töne in verkehrt gedrechselte französische Perioden einschrauben müssen. Herr Meißner beispielsweise ist ein vorzüglicher Berliner Komiker, aber ein herzlich schlechter Franzose._ Der Inhalt des Stückes läßt fich unmöglich skrzzircn. Es ist ein tolles Wirrwarr, Personen treten auf und verschwinden, und bevor man vor Lachen so recht zu fich gekommen ist. ist der An zu Ende. Dann allerdings begann vorgestern jedes Mal eine Mufik, die an fich vielleicht ganz schön gewesen sein mag, die ihrer endlosen Länge wegen aber nur den Zweck hatte, die Handlung zu zeneißen, so daß man fich von einem Att auf den anderen befinnen mußte. Dahingegen waren die einzelnen Leistungen der mit wir- kcnden Künstler wirklich glanzvoll. Herr Gimnig gab den halb- verrückten, finnlos verschwenderischen rujfischen Fürsten ganz aus- gezeichnet wieder. Es mag sein, daß es so hirnverbrannte Leute giebt, namentlich unter denen, welche die Millionen, die von anderer. Menschen verdient werden, nur zum Fenster hinaus zu werfen haben— wir wissen es nicht. Wenn»es aber solche Leute giebt, so hat Herr Gimnig ett.cn ausgezeichneten Typus geschaffen. Ebenso gab Herr Herrmann„den Mann mit der Brille" mit glücklichstem Humor und die anderen Herren standen ihm in kerner Beziehung nach. Von den Damen läßt fich dasselbe leider nicht in gleichem Maße sagen. Fräulein Leuchtmann hat eine Stimme, als od fie stets zu eng geschnütt wäre. Die Regie war recht ansprechend. *** Im K-rlirur Theater trat am Dienstag F r i e d r i ch H a a s e in vier Einaktern zum ersten Mal wieder auf. Es waren vier Paradestücke des Virtuosen ohne allen literarischen Werth, nur möglich und nur gehatten durch seine Person. Ein alles Rührstück in der thränenreichcn Marier der blaffen Ro« mantik, Marcel von I. Sandeau, eröffnete den Abend. Daran schloffen fich drei Lustspiele, von denen das letzte,„Eine Pattie- Piquet" das erträglichste und bekannteste ist. Der„Marien- sommer" von Meilhac und Halevy behandelt eine zu alte Geschichte, der selbst franzöfischer Witz keine neue Sette abgewinnen kann; und der„30. November" von Feldmann steht durchaus auf der geistigen Höhe seines wiehernden Scklußeffekrs: Ein Major wettet nämlich, ein Fuchs könne niemals ein Schimmel werden, worauf ihm eröffnet wird, daß ihn, den Major Schimmel, die Wittwe Fuchs heirathen wolle. Verstanden!? So einfällig und unbedeutend die«Stücke find, so sehr paffen fie für einen Virtuosen, der seine Vielsettigkeit an einem Abend beweisen will. Im ersten Stück ein schwermüthiger Wahnfinniger, im zweiten ein komischer Erbonkel mtt wieder hervorbrechenden Neigungen für das zarte Geschlecht, im dritten ein verlegener armer Hauslehrer, der nicht eher die Wohnung seines Zöglings verlassen will, bis er das fällige Honorar im Beutel hat, und zum Schluß dann noch der adelsstolze, unver- ttägliche alle Chevalier von Rocheferrier— können Rollen widersprechender und auseinanderliegenter sein, als die, welche tzaase an einem Abend giebt? Kann aber auch etwas anderes mehr dem wahren Wesen der Kunst der Menschendarstellung fremd sein, als dieser an die Verwandlungskünttler der Spezialitäten- theater erinnernde Metamorphosenüberfluß? Und welches reiche, realistische Talent ist dabei in Haase auf die Abwege des Vir- tuosenthums gerathen! Die Feinheit seiner Detailbeobachtung, der Reichthm» seiner künstlerischen Mittel, mtt denen er Haus- zuhalten versteht wie keiner, find bewundernswetth. Um so de- dauerlicher bleibt seine Vorliebe für die Spezialttät, die ihn verleitet, in unfinnigen Stücken aufzutreten, nur weil fie ibm „Glanzrollen" bieten.— Von den übrigen Mitwirkenden sei nichts gesagt. Durch die Wahl der Stucke traten fie zu sehr zurück. Die Ausstattung war vorzüglich. Gerichts-Ieitnng. Im Wiederaufnahm«-- Verfahre« freigesprochen. (Siehe den gestrigen kurzen Bericht an dieser Stelle.) Die Jrrfahtten eines Geisteskranken fühtten gestern auch über die Anklagebank vor der ersten Strafkammer am Landgericht 11. Der frühere Schreiber, jetzige Ardeitshäusler Julius Schallock war am 31. Juli 1886 von derselben Strafkammer zu einem Monat Gefängnih verurtheilt worden. Derselbe war genändig und üderfübtt gewesen, den Vorsteher des städtischen Arbeits» Hauses in Rummelsburg mit dem Verbrechen des Todlschlags dedroht und ferner erklätt zu haben, bei erster bester Gelegen- hett das ganze Arbeitshaus in Brand stecken zu wollen. Die Strafe konnte indeß nicht vollstreckt werden, denn ehe dieselbe rechtskräftig wurde, verfiel der Veruttheilte in hochgradige Tob- sucht» er demolirte seine Zelle und mußte in Geistespflege ge« nommen werden, wobei fich denn herausstellte, daß schallock schon sett langer Zeit nicht mehr im Befitze voller Geisteskraft war, zum mindesten aber zu der Zell nicht war, in welche die letzte Strasthat fiel. Der Staatsanwatt beantragte infolge dessen selbst die Wiederaufnahme des Verfahrens. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde der frühere Direktor der pommerschen Provinzial-Jrrenanstall, Herr Dr. Siemens, als Sachverstän- diger vernommen, der auf Grund seiner persönlichen Nach- forschungen die Ledensgeschichte des Angeklagten vortrug, welche einen neuen Beweis dafür lieferte, daß es Leute giebt, die vor den Augen ihrer Mitmenschen als Verbrecher herumlaufen, während fie in der That geisteskrank find. Der Sach- verständige bemerkte zunächst, daß der Angeklagte einige Defekte an seinem Geiste bestee, die anscheinend angeerbt seien, in der Hauptsache leide derselbe an einem überaus exzentrischen Wesen, das ihm seinen ganzen Lebenslauf zerstött zu haben scheint. Schallock harre schon eine Reihe von Jahren als Unter- osfizter beim Militär gedient und fich auch gut geführt, als er fich in einem Wutbanfalle einer schweren Körperverletzung unter Mißbrauch der Waffe schuldig machte. Er wurde degradirt und für mehrere Jahre auf die Festung geschickt. Nach seiner Ent- laff' ng fand er zwar wieder Stellung, mehrfach war er als Schreiber thätig, aber nirgends vermochte er stch wegen seines exzentrischen Wesens lange zu hallen. Tie Noih machte ihn zum Bettler und Landstteicher, er wurde sehr oft wegen Bettelns- verurtheilt, und wanderte schließlich nur zwischen Arbeitshaus und Gefängniß hin und her, denn von Zeit zu Zell ließ er fich arge Verstöße gegen die Subordination zu Schulden kommen. Nachdem er aber kurz nach seiner letzten Veruttheilung in offenbare Tobsucht verfallen war, wurde er zunächst in der Irren- station der Chantee und später in der städtischen Irrenanstalt zu Dalldorf untergebracht. Da Sckallock aber in Stettin ge- bärtig war, schob ihn der Berliner Magisttat nach dott ab, die Heimathsbehörde brachte ihn in der Provinzial-Jrrenanstall unter. Daselbst ist er vom 1. März 1884 bis zum 31. Mai 1886 ver« blieben und am letztgenannten Tage anscheinend als geheilt entlassen bezw. wieder nack Rummelsdurg üdersührt worden. Sett dieser Zett hat er den Rundlauf von Rummelsdurg über die Chatttee, Dallvorf, Stettin, Ueckermünde nach Rummelsdurg schon wieder zweimal gemacht. Er erscheint eine Zett lang ganz gesund, bis er plötzlich wieder in Jnfinn und Tobsucht verfällt. Auch am Dienstag vor Gericht machte er den Eindruck eines ganz gesunden Menschen, aber diese„Gesundhett" war nach Aus- spruch des Sachcerständigen eine„trügensche". Das Urthell lautete auf Freispreche. ng. * Unter der Anklage der öffentliche« Keleidigung durch die Presse stand gestern der Redakteur Hugo Kamin vor der 89. Adtheilung des Schöffe ngettchts. In der von dem An- geklagten redigitten Zeitschrift:„Der Regulator, Organ des Gewettvereins der Maschinenbau und Metallarbetter", erschien im Mai d. I. ein längerer Artikel, in dem die Verhältnisse in den königlichen Eisenbahnwerlstätten zu Crefeld einer ein- gehenden Kritik unterzogen wurden. In dem inkttminitten Aufsatz wird darauf hingewiesen, daß viele der in den Betttedswerkstätten beschäftigten Arbeiter durch Hoch- druck und List veranlaßt worden feien, in die staalliche Penfions-Kasse einzutreten, obgleich dieselben bereits Mitglieder einer eingeschriebenen Hilfslafse waren und michin gesetzlich nicht zum Einttttt gezwungen werden konnten. Als Beweis hierfür wird auf ttnige in den Werkstätten ver- öffenttichte Bekanntmachungen, insbesondere aber darauf Bezug genommen, daß den Arbeitern vor dem Einttttt in die Pen« stonskaffe eine Lohnerhöhung in Ausficht gestellt worden sei, welche es ihnen ermöglichen sollte, die Beiträge ohne Einbuße am Lohn zu leisten. Diese Erhöhung habe zwar auch stattgefunden, sei aber nur so lange aufrecht erhalten worden, bis sänimtliche Ardeiter die Mitgliedschaft erworden hatten; nachdem dies geschehen, habe man die Löhne wieder auf das frühere Niveau zurückge» schraubt.— Durch Viesen Attikel fühlte fich der Betttebsinspellor Rohde zu Crefeld beleidigt und die Staatssn waltschaft erhob auf erfolgte Anzeige gegen den Redakteur Kamin die Anklage.— Auf Befragen erklärte fich der letztere dereit, die volle Verant- wortlichkeit für den Aussatz, der nur wahre Thattachen enihalte, zu übernehmen, obgleich er denselben eingesandt erhallen habe. Vettheidiger Rechtsanwall Stadthagen stellte den Antrag, eine Anzahl Zeugen aus Crefeld zu laden, welche im Sinne des Artikels bekunden würdem Der Angeklagte habe nur rügen wollen, daß immer und immer wieder der Versuch gemacht werde, die Arbttter in die Zwangskassen zu bringen. Wenn nun auch ein förmlicher Zwang im vorliegen« den Falle nicht zur Anwendung gelangte, so sei doch anderer« setts dadurch, daß die A- bester stch schließlich verpflichten mußten, Mitglieder der Penfior.skaffe zu werden, ein barter moralischer Zwang ausgeübt worden und gemäß den in Rede stehenden Behauptungen des Artikels fand wunderbarer Weise nach voll- zogenem Beittttt die Reduzirung der Löhne auf das früher« Maß statt.— Der Gerichtshof beschloß, die Sache zu ver» tagen und den Bewttsantlägen der Vettheidigung Folge zu geben. * Mi« leicht Jemand a«f die Anklagebank komme« kan», zeigte die Verhandlung gegen den Ardeiter Johann Jahn, welcher stch gegen die auf Sachbeschädigung lautende Anklage vor dem Schöffengericht zu vettheidigen hatte. An einem schönen Juliabend saßen im Sckanklokal des Herrn Beck mehrere Gäste, welche stch nach der Hitze des Tages an dem Genuß einer kühlen Blonden labten. Plöglich flog ein faustgroßer Stein in das Kellerfenster, daß die Glassplitter nach allen Seiten stoben und die Anwesenden einen Moment starr vor Schrecken waren. Das Wurfgeschoß verwickelte stch glücklicherweise in die Gardine, zerriß diese und fiel dann neben den Arbttter Hentschel auf die Dielen nieder. Dieser sprang sofott auf und stürzte aus dem Lokale auf die Sttaße, wo er den Angeklagten in einiger Entfernung laufen sah. In der Meinung, daß der Dahineilende der Thäter stt, lief er hinterher und auf sein Rufen wurde derselbe von ttnem Wächter angehallen. Es war der Arbeiter Jahn, der höchst verwundert über die Störung auf Vorhalten entgegnete, daß er von dem Vorsang gar kttne Ahnung habe und nur aus anderen Gründen schnell nach Haus« eilen wollte. Der Gerichtshof hielt den Bewtts für die Schuld des Angeklagten nicht erbracht und das Urthell lautete daher auf Freisprechung. * ffii« Maulkorbmarder präsentirte stch gestern der 89. Adtheilung des Schöffengerichts in der Person des„Arbeiters" Emil Kretschmer, der am 22. Juli in der Alten Jakodsttaß« dabei getroffen wurde, als er ttnem Hunde, den er vorher an fich gelockt hatte, den wertbvollen Maulkorb abstrttfte und den» selben dann unter f ttnem Rock zu verbergen suchte. Der An» geklagte giebt die That zu, er will aber nur die Abficht gehabt haben, dem Tbiere das Maul frtt zu machen, damit es besser an einem Knochen knabbern konnte, der zufällig vor der Haas« thür gelegen habe. Auf die F.age des Vorsttzenden, warum er denn den Maulkorb zu verbergen gesucht habe, vermochte der Angeklagte keine Auskunft zu geben. Der Staatsanwalt hielt angesichts der Frechheit, mtt welcher der Diebstahl begange« worden sei, ttne Gefängnißstrafe von einer Woche für ange- messen und der Gerichtshof erkannte nach diesem Antrage. * H«*«m lO Pfennige war der preußische Eisenbahn- fiekus durch den Maler E. Kärkow gebracht worden; aber der Fiskus läßt nicht mit fich svaßen und daher mußte der Hebel- thäter gestern vor dem Schöffengericht erscheinen, welches ihn wegen Betruges verurthttlen sollte. Der Angeklagte war näm- lich vor kurzem von der Jannowiybrücke bis zum Bahnhof Bellevue auf der Stadtbahn gefabre«; er hatte aber nur ein Billet bis zur Friedrichsttaße gelöst und händigte dem Beamten beim Verlassen des Perrons ein altes Billet ttn, das er irgendwo ttnmal gefunden hatte. Die Täuschung wurde aber sofort de» merll, K. wurde festgehalten und als dickes Ende kam eine An» klage wegen Betrugs nach. Der Staatsanwalt wollte auf ttn« Geldstrafe von 20 M, eoent. 4 Tage Gttängniß erkannt wissen; der Gerichtshof ließ es jedoch btt 10 M., eoent. 2 Tage Gefängniß bewenden. I» dem„Notke-A»tt«l-Pe»z«ft" war die Verhandlung am 11. September gegen folgende Angeklagte bekanntlich ver« tagt worden: Tischler Paul Meyer, Möbelpolirer Hans Back, Maurer Hermann Rabe, Stuckateur Georg Braum, Tischler Gustav Hoffmann. Schlosser Gustav Ruske, Ardeiter Karl Jänicke und schloffer Karl Scholz. Der neue Termin ist nun» mehr auf den 9. Oktober, Vormittags 9 Uhr. vor der vierten Strafkammer des königl. Landgerichts I, Saal 68, angesetzt worden. Die Frage, ob eine Keleidigung dritter Personen. die fich der Vorfitzende ttnes Gerichtshofes in öffentlicher Sitzung etwa zu Schulden kommen läßt, im öffentlichen Interesse von Amtswegen zu verfolgen ist, ist augenblicklich Gegenstand eines eigenartigen Rechtsstreites, dessen Einzelheiten auch wtttereKrttse interesfiren. Der Rechtsanwall Dr. F. hatte in ttnem Zivil» strttte eine Parttt vor dem Amtsgericktsratb Chirong zu«r» treten und da er durch anderweitige Amts eschäfte verhindert war, den Termin wahrzunehmen, ersuchte er den Redakteur des „Rechtsschutz". Herrn I. Fräntel, seine Stellvertretung zu über» nehmen. Der Amtsgerichtsrath Chirong lehnte es aber entschieden ab, diese Stellverttetung anzunehmen, und degründete dies damit, daß er die Behauptung ausstellte, F. nenne stch fälschlich Redakteur, er sei aber in Wahrheit Reporter und Rechtskonsulent, der auS Führung solcher Vertretungen vor Gericht ein Gewerbe mache. Der entschiedene Protest gegen diese Behauptung nutzte nichts: F. mußte das Feld räumen und auch noch höhnische Blicke der im Gerichtssaal anwesenden Parttten mit in dm Kauf nehmen. — Durch diese, nach seiner Behauptung durch nichts begründete Bloßstellung in öffentlichem Sitzungssaale durch einen amtirm» den Richter fühlte fich F. beleidigt und war der Anficht, daß die Staatsanwallschaft rm öffentlichen Interesse verpflichtet wäre, die Sache zu verfolgen, da es fich um das hohe Amt ttnes Richters handle, welches ohne Grund zur Beleidigung eines Dritten benutzt worden sei. Die Staatsaowallschast war aber anderer Anficht und beschied den Beschwerdeführer, daß ein Einschreiten im öffentlichen Jntereffe nicht geboten erschttne, daher nur der Weg der Prioatklaze offen stehe. Ja der dagegm erhobenen Beschwerde bei der Overstaatsanwalt- schaft wurde ausgeführt, daß die ganze Art und Weise, in welcher der Amtsgerichtsrath Chirong jene jeder Grundlage mt« behrmde Bemerkung gemacht, die beleidigende Abficht deuttick erkennen lasse, und daß der Schutz des Publikums gegm der« artige Beleidigungen durch das Ruhterversonll ein eminentes öffentliches Interesse habe. Tie Oberstaatsanwaltschaft wies aber die Beschwerve als unbegründet zurü«' und der nunmehr ver« sönlich angerufene Justizminister Dr. Friedderg erklärte, daß er den Standpunkt der Staatsanwaltschaft für unberechtigt nicht halten könne. Bei dieser Sachlage soll nunmehr der Fall de« Ädgeordnetenhause unterdrtttet werden. Um de« böse«„Richter Lynch" handelte es fich bei einer Anklage wegen gemeinschaftlicher Köiperoerletzung, welch« das hiefige Schöffengericht gestern gegen dm Werkführel Walter, sowie die Arbttter Gruffack, Recke und Plötze« zu verhandeln hatte. Die vier Angeklagten waren in eine« biefigm großen Goldlttstenfadrik beschäftigt, in welcher auch der Arbeiter Leisegang angestellt war. Letzterer wurde von de« Lehrjungm mehrfach gehänsell und ließ fich bei ttnem solche« ie Pen» ben sei, Siufe am ifundcn, nmtlich« -schehen, urückze» nspettor t erhob klage.— Verant» mihalte, ■n habe. Antrag, ehe im lgellagte wieder lassen zu irliegen« anderer« mußten, aalischer ehenden ch voll- ftühere zu ver» olge zu c Kam- Johann lautende te. An rn Bock in dem i saust« ich allen arr vor her weise Arbeiter auf und eklagten daß der mf sein Es war ung auf »r keine ch Hause ! 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Der Junge, welcher aus diesem Stock eine„Eiscnstange" machte, klagte sein Leid dem ihm unmittelbar vorgesetzten Arbeiter Gruffack, und dieser hielt es für seine Pflicht, dem Leisegang handgreiflich seinen Unwillen über die Behandlung des Jungen zu verstehen zu geben. Kaum hörten die drei anderen Angeklagten von dem Vorfall, als sie auf Anrathen des Werksübrers Walter be- schloffen, an Leisegang eine Lynchjustiz zu üben. Man packte denselben, riß ihn über einen sogenannten Bock und während die übrigen ihm Arme und Füße hielten, bearbeitete Recke sein Hintertbeil mit einem Gmndirknüpvel dermaßen, daß Leisegang lautes Hilkegeschrei ertönen ließ. Die Schläge waren so nach- drückliche, daß sein Körper über und über mit blutigen Streifen bedeckt war und er drei Wochen lang nicht arbeiten konnte. Der Gcrichtsbos hielt diese Art des Volksgerichts für gänzlich unstatthaft und verurtheflie Recke als den eigentlichen Sei läger zu einem Monat Ge'ängniß, Walter, der als Werkführer auf Ordnung sehen und solche Lynchjustiz nicht hätte anregen müffen, zu 14 Tagen Geiängniß, die beiden übrigen Angeklagten aber zu 30 bczro. 10 M. Geldbuße. Unvorsichtige Handhabung beim Aulthauen eines ein» aefrorenin Gosrohrs hat dem Schloffer Wilhelm Zöllner eine Anklage wegen fahrlässiger Brand st iftung zuge- zogen, die gestern vor der dritten Slrajkammer des Land» gerichts I wider ibn verhandelt wurde. Das Grundstück Blumenstraße 32 enthält, oder vielmehr enthielt lediglich Lager- und Fabnlräume. Am 15. März d. I. war ein Gosrobr in einem der Arbeiteräume eingefroren und wurde der Ange- klagte. welcher in einer auf dem Hofe belegenen Schlofferci arbeitete, herbeigeholt, um dem Uebelstande abzuhelfen. Er denutzte dazu eine Löthlampe, indem er mit der Stichflamn>e die detreffende Stelle des Roh-s erhitzte. Das- selbe lag unmittelbar uirter der Holzdecke. Der über dem Ar- beitsraum befindliche Boden war mit H.u und Stroh angefüllt, die Decke zeigte an der Stelle, welche der Angeklagte erhitzte, Spalten, die Flamme schlug hinein und in einem Augenblick stand der ganze Boden in Flammen. Die im Hause befindlichen Personen mußten fich schleunigst retten, die Feuerwehr wurde herbeigerufen und hatte eine halte Arbeit. Das Gebäude brannte bis zur ersten Etage nieder und ist ein Schaven r on über 50000 Mark entstanden. Der Angeklagte führte zu seiner Entschuldigung an, daß er weder Kenntniß von der Undichtigkeit der Decke noch von dem auf dem Boden laaernden Material gehabt, auch sei die von ihm angewandte Methode die allgemein gebräuchliche und einzig zweckentsprechende gewesen. Der als Sochverständiger vernom- mene Brandinspektor bestritt die letztere Behauptung; ein eingefrorenes Gasrohr laffe sich auf weit ungefährlichere Weise auf- thauen, sei es durch Anlegung eines glühenden Eisens oder durch Eingießen von Spiritus in die Röhre. Jedenfalls müsse eine derartige Arbeit aber von einem Sachverständigen ausgeführt werden, der auf Verlangen sofort von jeder Gasanstalt geschickt werden würde. Ter Staatsanwall hielt bei der Größe der Fabrläsfigkeit und des angerichteten Schaders eine zweimonatige Gefängnißstrafe für angemessen. Der Gerichtshof berücksichtigte aber, daß der Angcllagte bereits viele Male in gleicher Weise und ohne?!>ch!heil die in Rede stehende Arbeit ausgefübrt hatte, und es wurde deshalb nur auf eine Geldstrafe von 150 M. erkannt. Ueberau» schwere Folge« einer an und für sich leichten Mißhandlung tiaren in einer Verhandlung zu Tage, welche gestern die erste Strafkammer des Landgerichts 1 beschäftigte. Auf der An- klagebanl befand fich der Kranzdügelfabrikant Gustav Käseler, welcher der Mißhandlung in einer das Leben gesährdeitden Weise beschuldigt war. Am 10. Oktober vorigen Jahres de- suchte der Angeklagte den in der Straußoergerstraße wohnhaften Gärtner Arzt, von dem er einen Betrag von 13 M. 50 P. für gelieferte Kranzbügcl einziehen wollte. Er ttaf seinen Schuldner in angetiunker em Zustande an, während dessen Ehefrau ihm weinend Vorwürfe darüber machte, daß er das für den An- geklagten bestimmte Geld vertrunken habe. Käseler be- theiligte fich an den Vorwürfen und ließ fich hin- reißen, dem Arzt zwei Ohrfeigen zu versetzen, ohne daß eine der im Zimmer anwesenden Personen hierüber in besondere Erregung gerietb. Der Geschlagene rief nur:„Au! Mein Kopf!", ließ aber die ihm zugefügte Mißhandlung ruhig über fich ergchen. Bald nach Käseier's Fortgänge klagte Arzt über Ohren- sausen und zeigte von der Zett an ein völlig verändertes Be- nehmen. Er verharrte in stumpffinniger Unthätigkeit und klagte viel über Kopsschmerzen. Sein Zustand verschlimmerte sich von Tag zu Tag; endlich traten Krämpfe hinzu; er mußte in s Krankenhaus gebracht werden, wo er nach einiger Zeit gestorben ist. Tie Obduktion ergab, daß infcige erncs Schlages oder Stoßes ein Bluterguß ins Gebirn stattgefunden und die Ursache wurde auf die beiden vom An- geklagten verebfolgten Ohrfeigen zurückgeführt. Da die gestrige Zeugenvernehmung in Verbindung mit dem übereinstimmenden Gutachten der ärztlichen Sachverständigen keinen Zweifel daran ließ, daß die Todesursache den beiden Ohrfeigen zuzuschreiben sei, so fübrie der Staatsanwalt aus, daß hier Körperverletzung mit tödtlichem Ausgange vorliege, eine Strafthat, welche nur vom Schwurgericht abgeurtheilt werden könne. Ec beantragte deshalb, die Sache dieser Instanz zu überweisen. Der Gericbts- Hof entsprach diesem Antrage, ließ den Angeklagten auch sofort in Haft nehmen. Neichsgericht«» Gnts'cheiduug.(Rachdruck verboten.) Leipzig, 27. Eevlember(Wahlstimmenlauf). Zum zweiten Mal beschäftigte kürzlich die Angelegenheit des Kaufmanns Gerson StM in Bromderg dos Reicksgerichl. Derselbe war Mitglied der Stadtverordnetcn'Versammlung und wünschte nach dem Er- löschen seines Mandats wiedergewählt zu werden. Er machte daher unter den Wählern Stimmung für sich und zwar auch bei drm Schneider Koch. Da derselbe äußerte, er werde ihn nicht wieder wählen, versprach ihm Stahl 2 Mark und nunmehr stellte Koch eine dem Stahl günstige Stimmabgabe in Ausficht. Die Strafkammer in Detmold erblickte in dieser Handlunpsweise des Stahl eine Uebertretung des§ 109 des Str.-G.-B. und setzte eine entsprechende Strafe gegen den An- geklagten fest.— Auf seine Revisson hob dann das Reichsgericht das Urtheil auf, weil die Feststellungen bezüglich des Zeitpunttcs der Strafthat ungenau waren.— Am 24. Mai d. I. kam die Sache vor der Strafkammer in Detmold abermals zur VerHand- lung, und der Angeklagte wurde wiederum verurtheilt. In dem Urtheile wurde ausgeführt, daß der Stimmenkauf in den An- fang des Jahres 1885, nicht aber, wie der Eröffnungsbeschluß in- folge eines Jrrthumcs angebe, des Jahres 1887, falle.— Jetzt rügte nun Stahl in seiner abermaligen Revisson, daß nicht die in der Anklage dczw. dem Eröffnungsdeschluß bezeichnete konkrete That, sondem eine andere zum Gegenstande der Ad- urtheilung gemacht sei. Es hätte, so meinte er, wegen der An» rlage, die fich auf das Jabr 1887 bezog, auf Freisprechung er» rannt werden und der Staatsanwaltschaft überlassen bleiben mÜn' des in das Jahr 18t5 fallenden Straffalls neue Ä"% iu. erHeden. Der Reichsanwalt hielt diese Ausführungen 'ä jä Ruckstcht, bic. habet obzuwalten hat, ist die, ob der Angeklagte � Lage lst. stch über die nunmehrige Sachlage gehörig zu veitberdtgen. Es kommt dabei gar nicht darauf an, od die Zntverschledenheck fich auf Tage. Monate oder Jahre bezieht. Der hier obwaltende Jrrthum über die Zeit ist bereits vor der ersten Vcrurthetlung berichtigt worden, der Ange- klagte war also bei der zweiten Verhandlung vor dem Land- gertcht über die Sachlage unterrichtet und in der Lage, fich zu «ertheidigen bezüglich des fraglichen Punktes.— Das Reich* gericht(3. Strafsenat) trat dieser Begründung bei und verwarf deshalb die Revifion des Angeklagten. Soziales««> Arveitervewegnng. tzflut Meisterfabrik! Unter diesem Titel theilt die„Werl- meister Zettunq" folgende skandalöse Thatsache mit: In einer bedeutenden Fabrikstadt der Lausitz, wo über 100 Tuchfabriken in Thätigkeit find, befindet fich unter anderem ein Spinn- meister, der wie viele andere ein lohnendes Gewerbe daraus machen soll, junge Leute gegen Zahlung einer bestimmten Summe zu Spinn weis: ern auszubilden, der es fertig bringt, in einem halben Jahre solch einen Unglücklichen zum perfekten(?) Meister zu drillen. Von dem- selben sagt man, daß die Zahl der so Beglückten, denen die Weisheiten und Geheimnisse der Svinnerei, wie es scheint, per Dorps(oder mit dem Nürnberger Trichter) in so kurzer Zeit in den Kopf geprägt werden, d's auf die runde Summe von 50 gestiegen sein soll. Rehme ich in der Annahme einer Ueder- treibung nur die Hälfte an und dies für einen Zeitraum von 10 Jahren, wo sollen dann alle Meister, die in solcher Massen» fodnk ausgebildet werden, Stellung finden? Sehen wir uns aber dieses Gcbabrcn näher und vom moralischen und sstt- lichen Standpunkte an, welche Summe von Roth, Elend und Familienjammcr hat ein solcher Mann vielleicht un« bewußt durch ein solches, geradezu unstttliches Verfahren erzeugt! Jeder Ausgelernte soll von ihm eine Stelle zugewiesen erholten!— Was wird die natürliche Folge sein? Der Mann wird es versuchen, einen anderen Kollegen in seiner Stellung locker zu machen, nur um seinen Ausgelernten zu plaziren und um den Gewinn von seinem Opfer einstreichen zu können. Es muß also ein anderer springen, gleichglltig, ob da- durch eine Familie in Elend und Brotlofigkeit verfällt. Ein Gewissen hat ein solcher Mann ja nicht, denn wenn er ge- wiffenhatt wäre, würde er es nicht unternehmen, einen jungen Mann ohne Vorkenntnisse in einem Halden Jahre zum Meister ausbilden zu wollen; er tbut es vielmehr des Gewinnes wegen, gleickgiltig, od der Mann sein Fortkommen findet, gleichgiltig, ob er dadurch andere Kollegen, oder seinen ganzen Stand tief schädigt, die Gehälter vieler Kollegen herunterdrückt und fie in ihrer Eriftcrz bedrolt. Fragt nicht, liebe Kollegen, od es dergleichen Meister wirklich gicbt? Es giebt ihrer leider mehr, als uns gut ist, und viele handeln, zu ihrer einzigen Entschuldigung sei es gesagt, zum Theil ohne sich selbst Rechen- schaft zu geben über den Umfang der Schädlichkeit ihres ganzen Gebahrens. Und das ist ein Krebsschaden; es ist ein grober, nicht genug»u tadelnder Unfug. Und was find die weiteren Folgen? Es entsteht im Meisterstonde ein Proletariat, welches immer mehr um fich greift; es entstehen eine Unmasse von Eristenzen. die nicht Meister find, nicht Arbeiter sein wollen.— Mag auch ein kleiner Theil von denen, die in solcher Massenfabrik ihre Ausbildung empfangen, wirklich zu braven, brauchbaren Kollegen werden, ein großer Theil von ihnen geht dem moralischen Untergang entgegen. Sobald solche Leute erst einmal eine kleine Stellung bekleidet haben und dann meist, wie zu crwarren, nicht bestehen konnten, wollen fie nach- der nicht mehr zur Handarbeit zurückkehren, ste dünken fich etwas Besseres zu sein, denn ihr Lehrmeister hat ihnen ja oft gesagt, daß fie ganz Tüchtiges gelernt hätten. Sie selbst haben na- türlich kein Selbswrtheil über ihre mangelhaften Kenntnisse und machen alle anderen Mitmeister für ihre erfolgte Kün- digung Ivegen Unfähigkeit verantwortlich, nur sich selbst nicht. Mit großen Hoffnungen haben ste ihre erste Stellung angetreten; beim Wechsel der z veiten und dritten Stellung haben ste Arbeitslust und Selbstvertrauen verloren, fallen oft der Flasche anheim, als der süßen Trösterin in aller Roth, und machen den Kopfsprung in den Abgrund der Verkommen« heit. Schlimmer wird der Zustand dann noch, wenn solch' ein junger Mann, wie dies leider oft geschieht, bald nach Antritt der ersten Stelle gleich heirathet. Dann bricht das Elend gewöhnlich noch viel schlimmer herein, und mit der Brotstelle gehl das Eheglück und der Frieden verloren. Andere, die fich wirklich länger erhalten, weil fie bei An- tritt vielleicht gut eingericklete Maschinen und wenig hoch gespannte Anforderungen seitens des Chefs vorfinden, beeilen fich natürlich, sobald das erste Jahr um, dem Verbände bei» zutreten, der Verband muß ja dann für ste sorgen und Stellen schaffen, so sagen fich solche unsichere Existenzen. Und wie viele solcher es giebt und was alles fich als Werkmeister ausgiebt, weiß Schreiber dieses und seine Kollegen, die Ver- tcauensmänner für Stellenvermittlung am besten zu beurtdeilen, auch die Unterstützungskommisston wird Zeugniß ablegen können. Solche Leute gehen mit ihrer Kraft der Industrie verloren, der ste als ordentliche Ardeiter, wie fie es vordem waren, noch recht lange nützen konnten. An die Klempner KerUu»! In der Zeit der„Sozial- reform", in der wir jetzt stehen» wo die Arbeiter fast aller Branchen fich über die„Krone des Gebäudes", die Allers- und Jnvalidenversorgung der Ardeiter, aussprechen, sucht man ver- gebens nach einem Lebenszeichen der Klempner. Es scheint bald, als ob alle Intelligenz, alles Interesse an der Oeffentlichkeit aus den Arbeitern dieser Branche entwichen wäre. Ist das wirklich so? Und dabei stellt gerade die Bauklemperei die höchsten Prozente zu den Berufsunfällen stellen die Buden- ilempner die höchsten Prozente an Schwindsuchtskandidaten! Und unter welchen Arbeitsdedingungen wird nicht in beiden Theilen der Klempnerei gearbeitet? Der Verdienst reicht kaum hin, das elende Dasein zu fristen. Es giebt der Schäden und Mängel so viel im Gewerke. die in die Oeffentlichkeit ge- zogen werden müssen, wenn fie bestätigt werden sollen. Darum auf, Ihr Klempner, organifirt Euch und agitirt, seid überall auf dem Posten, damit auch Ihr später mit vollem Rechte sagen könnt: Auch wir thaten unsere Schuldigkeit im Emanzipations- kämpfe der arbeitenden Klasse. Kereine«nd Ner|*mml«»se«. D»r Uerein zur Mahruug der JuteresiTe« der Schuhmacher und verwondien Bemisgenoffen tagte am Montag, den 1. Oktober, in Gratweil's Bierballm. Aus der Tagesord« nung stand: I. Vortrag des Herrn Türk über„Die Bedeutung der modernen Poesie". 2. Verschiedenes. 3. Fraaekasten. Der Referent führte ungefähr folgendes aus: Dle Arbeiter haben gewöhnlich, nachdem fie dm Tag über schwer gearbeitet, nicht gerade das größte Interesse für derartige Fragen. Unzweifelhaft giebt es auch näher liegende Fragen sur ste. in erster Linie ge- werkschaftliche Organisation. Aber auch die Beschäftigung mit vorliegendem Thema sei nicht ohne Nutzen. Die Poeste ist die Kraft des Dichters, seine Empfindungen Andern recht begreiflich »u machen. Andern in einem möglichst verständlichen Ton ans Herz zu legem Die Poefie hat bisher stets neuen Ideen Bahn gebrochen. Stets aber erbob fie auch gegen neue Ideen von zwei Seiten Opposition. Erstens von Seiten der herrschenden Klaffen, zweitens von der Seite, welche neue Ideen nicht verstand. Aber jede neue Idee, welche in sozialm Erschei- nun gen ihre Grundlage hatte, ist stets zum Durchbruch gelangt. Wir finden deshalb, daß vor jeder großen Bewegung die Poeste schon vorher für dieselbe gewirkt. Und hatten nicht die Werke eines Heine, Laube, Gutzkow, Herwegh und Freiligrath die Märztage im Gefolge?(? Die Redaktion.) Ueber die Poeste, welche fich in den heutigen Theatern breit macht, führte der Referent folgendes aus: Anstatt daß diese Dichtungen aus dem Lebm genommen find, findet man. daß dieselben immer nur hochgestellte begüterte Personen als Helden vorführen, höchstens erscheint einmal ein rerch gewordene Hand- werker mit dazwischen. Die ganze Handlung dreht sich bei mehr oder weniger argen Gliederverrenkungen nm darum, od„fie fich„kriegen", was zuletzt unter zufriedenstellendm Bedingungen erfolgt. Wenn es ein Direktor wagen würde, aus dem Leben heraus ein Stück auf die Bühne zu bringen, dann würde die Kritik der Kavitalisim presse das Stück unmöglich machm, wie eS vor kurzem der Jdsen'ichen im Ostmd-Tbeater ausgeführtm Dichtung erging. Die Wahrhett will der behäbige Bürger nicht hören, das könnte ihn in seiner Ruhe stören. Redner schildert dann noch die Hintertreppen-Literatur, welche nur Grafen, hock- gestellte, begüterte Personen kenne; stets wären dieselbm als gottesfürchtige, fromme Leute geschildert; höchstens käme noch ein armes Mädchen oder ein Handwerker mit vor, die aber im Verlaufe der Erzählung reich würden. Ein Mord folge in dieser Literatur dem andern, ein Selbstmord dem andern. Alsdann be» leuchtet der Referent die Aufgabe der modernen Literatur. Dieselbe habe die Pflicht, das Leben, wie es wirklich existirt, vorzuführen. Die heutige Poeste habe für Wahrheit und Gerechtigkeft est zu» treten. Gerechtigkeit sei es aber nicht, wenn heute die große Maffe Roth leidet. Es find aber in der Neuzeit schon Männer hervorgetreten, welche die sozialen Schäden der heutigen Gesell» schaft beleuchten, wie Emlle Zola in seinen Romanen alle Ge« sellschaftsklaffen schildert. Ebenso treten Henrik Ibsen und Tolstoi in ergreifenden Schilderungen für eine neue Wellan« schauung ein.— In der Diskussion führte Herr Klinger aus, daß jeder Arbeiter seine Lektüre so wählen möchte, daß dieselbe nutzbringend für ihn sei. Die heutige Literatur stehe im Dienst des Kapitals, und dieses lasse eine unabhängige Poefie, welche seinen Jntercffen gegenübersteht, nicht aufkommem— Herr Christensen führt aus. daß die wahre Poefie alles Gute zu fördern habe, daß stets die Poeste neuen, großen Ideen die Bahn geebnet und daß auch die heutige Poefie die Pflicht habe, alle* zu verdammen, was einer neuen und großen Idee gegenüber steht. Herr Max Baginski schildert noch die verderbliche Wirkung der Schundliteratur. Viele Kollegen, überhaupt viele Arbeiter, welche fich sonst höheren Idealen zuwenden würden, gehen durch das Lesen dieser Literatur verloren. Redner erörtert dann noch weiter, für welche hohe Ziele die Poefie einzutreten bade, daß große Männer und große Geister dem Volk durch die Poesie schon längst den Weg gezeigt, den es zu gehen habe. Herr Krause ewähnt, daß die heutige Presse im Dienste des Kapitals jede selbstständige Regung der Arbeiter mit allen Mtttelr niederkämpfe und daß die Arbeiter deshalb ihre geistige Naü- rung vorfichtig zu prüfen hätten. Herr M. Baginski führte unter„Verschiedenes" auf die Ausführungen eines Kollegen, daß die Schuhmacher bei wenigem Verdienst nicht theure Wecke kaufen könnten, aus, daß das Billige, z. B. der„Lokalanzeigcr", theurer als etwas Gutes sei, da im„Lokalanzeiger" das ganze Jahr nicht so viel Nützliches stehe, als in einer Nummer der „Volkstribüne". Die nächste Versammlung findet am 15. Oktober im Königstadt-Kafino, Holzmarftstr. 72, statt. Eben» daselbst soll am 21. Oktober ein Vergnügen stattfinden, wozu Billets bei allen Vorstandsmitgliedern zu haben find. Der Verein zur Wahrung der Jnteresieu der Klavierarbeiter und verwandten Berufsgenoffen hielt am 29. September in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße. eine gut desuchte Generalversammlung ab. Auf de: Tagest ordnung stand als Puntt 1. Vortrag des Redakteur Herrn Max Schippe!: Die Vernichtung der freien Konkurrenz durch das Kapstal. Der Vortragende schilderte die heutige Produktions» weise und ihren Absatz im Gegensatz zu der Produltwn früherer Zeit, wo der Absatz durch die Zunftgesctze geregelt wurde. Er unterzog die heutigen Verhältniffe einer scharfen Krstik. Die Theorie der Vertreter der freien Konkurrenz, daß dieselbe als Regulator in Konsumtion und Produftion wirke, sei glänzend gefallen. Tie Arbeiter find dem Kapital gegenüber stets im großen Nachtheile. Und durch die höchste Macht desselben, durch die Monopole, sei der Arbeiter ganz wehrlos, wie die Zustände in Amerika zur Genüge bewiesen, wo durch Baum» woll-, Kohlen- unvPetroleummonopoleZustände geschaffen worden, welche der österreichische Generalkonsul von Chikago in seinen Be» lichten geradezualsverbrecherischbczeichnet. Eines hättendie Mono« pole gegen ihre Adficht Gutes im Gefolge, daß fie nämlich die Arbeiter mit aller Macht auf ihre verzweifelte Lage hin» weisen und ste dazu drängen, sich in Fachvereinenzu verbinden, und auf die Gesetze durch Bctheiligung an den Wahlen kräftig zu wirken. Großer Beifall lohnte dem Redner. Eine Diskussion fand nicht statt. Der Punkt 2 der Tagesordnung fand dadurch seine Erledigung, daß Kollege Brinkmann zum zweiten Schrift» führer und folgende Kollegen in die Arbettsnachwcis-Kommisfion gewählt wurden: Rcfike, Frenze! i, Wimmer, Kasper, Mos und Kusch. Punkt 3. Ein Antrag, einem kranken Kollegen eine Ertraunterstützung zu bewilligen, wurde abgelehnt, dagegen zwei anderen Krankenunterstützungen dewilligt. Es wurden 9 wue Mitglieder aufgenommen. Ferner zur Nachricht, daß die Bidlio» thek des Vereins sehr vervollständigt worden ist(fie hat jetzt über 200 Bände). Dieselbe istZ geöffnet jeden Montag Abend von 7—9 Uhr und jeden Donnerstag Abend von 8—10 Uhr im Lokale des Herrn Winzer, Raunynftt. 78. Die Mitglieder werden aufgefordert, fich rege zu bethestigen. Der Jnteresinenorrei« der Kistenmacher tagte am Sonnabend, den 29. September, in Jordans Lokale. Auf der Tagesordnung stand die Ersatzwahl der ausgcloosten Vorstands» Mitglieder. Durch das Laos waren ausgeschieden der 1. Vor- sttzende. der 2. Schriftführer, der 2. Kasstrer und der Revisor Herr Liese. Außerdem find noch freiwillig ausgeschieden der 2. Vorsitzende, der 1. Schriftführer und der 1. Kasstrer. Gewählt wurden Herr Tschernig zum 1. und Herr Zeitsch zum 2. Vorsitzenden, Herr Leicknitz zum 1. und Herr Frauendorf zum zum 2. Schriftführer, Herr Merten zum 1. und Herr Seidel zum 2. Kasstrer und Herr Beyer als Revisor. Zu Verschiedenem machte der Vorsitzende bekannt, daß durch vielseitigen Wunsch von einem sckriftlichen Programme für das Stiftunosfest Ab- stand genommen sei, aber für das Amüsement der Theilnehmer gesorgt ist, indem die Herren Willy Dähne, Gesangs Humorist und Karl Mertens, Salonhumorist, engagirt seien. Auch soll ein Kotillon aufgeführt werden. Auf Grund de« Preßgefetze» werden wir von derr Herren Weiß und Vollralh um Aufnahme folgender Berich» tigung ersucht: In der Beilage zu Rr. 213 vom 11. September 1888 Ihres Blattes Seite 3 Spalte 3 ist behauptet, wir hätten den Rohrleger Poinsky, well derselbe fich ge» weigert hätte, ein Rohr durch den Schornstein ohne Gerüst oder Vorkehrung zu legen, unter nicht wiederzu- gebenden Acußerungen entlassen. Diese Angaben find unrichtig; die erforderliche Vorkehmng war angebracht, Poinsky sollte die Arbeit, welche wir selbst ausführen wollten, nur besichtigen; sein Gehilfe ist nicht bejahrt, sondern soeben erst vom Militär entlassen und arbeitet noch bei uns, während Poinsky auf seinen Wunsch von uns gegangen ist. ,... 1 o Weiß u. Vollrath. Fachvrrein der Tischler. Am Sonnabend, 13. Ottober, findet ein Veretnskränzchen in Heidrich's Festsälen, Beuthstt. 20, statt. Billets hierzu werden auf allen Zahlstellen, sowie bei folgenden Herren ausgegeben: Apelt, Sedastianstr. 27-28 (Möbel- Handlung); Wredemann, Forsterstr. 50, 3 Tr.; Schul». Britzerstraße 42. 4 Tr.; Glocke. Wrangelstr. 30. 3 Tr. lbts 1. Oktober): Noak, Skalitzerstr. 24, 4 Tr.; Postel, Manteuffel» straße 22 3 Tr.; Merkel, Zoffenerstraße 33, H. 2 Tr.(diS 1. Oktober); Witte, Möckernstr. 95, 3Tr.: Milarg, Lehrterttr. 22, 2 Tr.; Bruns, Reichenbergcrstr. 105, 1 Tr.; Brelstein, Garte». straße 3a, 4 Tr. bei Biedermann; Haberland, Reichenberge» straße 169 o. 2 Tr.; Engeler, Gitschinerstr. 32 o. 2 Tr. bei Fr- Schmidt; Müller, Hollmannstr. 23, H. l. 2 Tr.; Normann, Steglitzerstr. 3 H. palt.; Hannemann, Kleine Andreas str. 14 3 Tr. bei Sachse. D»v Verein ehemal. F. M. Uettschlag'scher Schüler (Karlstr.) hält heute seine geschäftliche Sitzung im CafS Schüler, Lmdsbergerstr. 73, Abends 8 Uhr ab. D«r Fachverei» ist Rohrleger veranstaltet sein dies. jähriges Winteroergnüzen am Sonnabend, den 20. Oktober ct., Abends 8 Uhr, in Feuerstein's neu renovtrtem Salon, Alte Jakobstr. 75. Billets find zu haben bei den Komitecmitgliedem Aug. Hirsch. Naunynstr. 86; Kockel, Monbijouplatz 10; tzandt, Langestr. 74; Karpenkiel, Naunynstr. 87. Um recht zahlreichen Besuch wird gebeten. .Mehr Licht Verein für Scherz und Ernst, Abends Udr Fmchtftr. 86 a. Maurer Kerliu«! Heute, Donnerstag, den 4. Oktober, Abends 8 Uhr. große Generalversammlung im Alten Schützenhause, Linicnstr. 3. Pflicht aller Kollegen ist es, pünktlich zu erscheinen. Der Interesseuverein der Kisten- und Koffermacher feiert am-onnabend, den 6. d. Mts., sein Stiftungsfest in Mdig's Lokal, Gr. Frankfurtetstraße 27- 28. Großer Ball; Auftreten des Gesangsdumoristen Herrn Willy Dähne und des Salonhumoristen Karl Viertens. Kotillon. Billets stnd noch zu haben im Arbestsnachweise-Bureau im Restaurant des Herrn H.ußeler, Franzstraße 6. «roste öffentliche Uerfammlnng sämmtlicher Metallarbeiter, Dreher, Drücker, Klempner. Former, Schloffer, Schleifer, Schnittarbeiter u. s. w. am Dienstag, den 9. d. M., Abends 8 Uhr, in Heydrich's Lokal, Beuthstr. 20(großer Saal). Tagesordnung: Stellunanahme zum allgemeinen deutschen Metallarbetter-Kongreß. Referent: Gottfried Schulz. Wegen der außergewöhnlichen Wichtigkeit dieser Vstsammlung ist es Pflicht eines jeden, zu erscheinen. «»sang-. Turn- und gesellig» ZI er eine et», am Donnerstag. Männergesangverein„Lätitia" Abends 9 Uhr in Vettin's Restaurant, Veteranenstr. 19.— Gesangverein„Bretzel» schluß" Abends 8j Uhr im Restaurant Schumann, Me Jakob- straffe 38.— Männergesangverein„Nordstern" Abends 9 Uhr im Restaurant Jacob, Lindowerstt. 26.— Schäfer'scher Gesangverein„der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf u. Krüger, Skalitzer- straffe 126, Gesang.— Gesangverein„Blüthenkranz" Abends 9 Uhr im Restaurant Dresdenerstt. 40.— Männergesangverein „Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Sttaußberger- straffe Z.— Männergesangvcrein„Liedesfreiheit" Abends 9; Uhr im Restaurant Siemund, Lmienstt. 8.— Gesangverein Männerchor „St Urban" Abends 9 Uhr Ritterstt. 105.— GesaiMerein „Deutsche Liedertafel" Abends 9 Uhr Köpnickcrstr. 100.— Gesang« verein„Norddeutsche Schleife", Abends von 9—11, Michaellirch- str. 39— Turnverein„Hasenhaide" lLehrl.-Abth.) Abends 8 Uhr Dieffenbachstr. 60—61.—„Berliner Turngenoffenschaft'(7. Lehr« lrngs-Abtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Britzerstraße 17—13;— desgl. 6. Männer- Abtheilung Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Gubener- straffe 51.— Lübeck'scher Turnverein(Männer- Abthellung) Abends 8 Uhr Elisabethstraße 57 53.- Allg. Arends'sche Stenographenverein, Abth. ,sLouisenstadt", Abends 8t Uhr im Restaurant Preuß, Oraniensttaße 51.— Arends'scher Steno» graphenverein„Phalanx'' Abends 3t Uhr im Restaurant„Zum Buckower Garten", Buckowerstraße 9.— Berliner Stenographen- Verein(System Arends) Abends 9 Uhr im Restaurant Friedrichstraße 208.— Stolze'scher Stenographen-Verein„Nord-Berlin" Abends 9 Uhr Schlcgelsttaße 44 — Verein der Naturfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Wienerstraße 35.— Verein der Unruhstädter Abends 8 Uhr im„Königstadt-Kafino", Holzmarttstr. 72.— Verein ehemaliger 5?- W. Rettscklag'scher Schüler am 1. und 3. Donnerstag jeden Monats im Cafo Schüler, Landsbergerstr. 73, Abends 8 Uhr.— Aaucbklud.Fernspitze" Abends 3j Uhr im Restaurant, Holz- n-arttstraffe 44.— Rauchtlub„Arcona" Abends 9 Uhr bei Brandt, Forsterstraße, Ecke der Reichenbergerstraße — Rauchklub„Dezimalwaage" Abends 9 Uhr im Nestau- rant Lock, Krautsstraße 48.— Rauchklub„Vorwärts" Abends ö Uhr bei Herrn Tempel, Restaurant„Zum Ambos", Bres» lauersttaße 27.—„Orientalischer Rauchklub" Abends 9 Uhr im Restaurant Wiechert, Oraniensttaße 8. Sprechsaal. Die NedaNimi stellt die Bemzimg de« Sprechsaal«, soweit Raum dafür abzugeden est, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Zntereffe« zur Verfügung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identifizirt zu werden. Hierdurch ersuche sich alle vujenigen Genossen und Kollegen, welche jemals in die Lage kommen könnten, in öffentlicher Ver- sawmlung in das Vorstands� Bureau gewählt zu werden, fich mit einer Legitimation versehen zu wollen, da es ihnen wie mtt passtren könnte, nach Auflösung der Versammlung zur Polizeiwache fistirt zu werden. � o,rl. Ich hatte in der zur Besp'echung der Alters- und In- valldenverfichcrung einberufenen Versammlung als Vorfitzenver die Redewendung gebraucht, daß die Kollegen, meistens Rohr- leger, darauf dedacht sein möchten, daß menschcnwürvige Löhne von den Meistern gezahlt würden. Ich war mit einer Legiti- mation in Form einer Steuerquittung versehen, ich konnte durch den Vorstand der Rohrleger als Vorsitzender des Fachvereins legitimitt werden,-- und wurde dennoch zur Wache fistirt. Dort wurde ich solange festgehalten, bis mein Nationale, da ich mit dem 1. Oktober verzogen war. festgestellt worden war. Julius Reckner, Birkenstt. 76. Vorsitzender des Vereins der Rohrleger und Fachgenoffen. Neueste Nachrichten. Nicht venige» als nie» auf Gennd de« Kofialiften- gefet-es erlajfene Verbote find durch Entscheidungen der Re chsdeschwerdeiommisfion(Vorsitzender ist der Minister des Innen» Herrfurth) vom 29. September l. I. aufgeboden worden. Der gestrige„Reichsanzeiger" enthält die Bekannt» nmchungen wie folgt: 1. Das von der Königlich preußischen Regierung zu Köln rmter dem 14. Juni d. I. erlaffene Verbot der Nummer 215 M laufenden Jahrgangs und des ferneren Erscheinens der periodischen Druckschritt:„Kölner Gerichts» z e t t u n g" ist durch Entscheidung der Reichskommission vrm heutigen Tage aufgehoben worden. Berlin, den 29 September 1888. Die Reichskommission. Herrfurth.— 2. Das von der Poltzeikommission des Senats zu Bremen unter dem 9. Juni d. I. erlassene Verbot der Nummern 34. 35, 36, 42, 43, 46, 47, 48. 50, 51, 53, 54 und 55, Jahrgang 1888, soant des ferneren Erscheinens der periodischen Druckschrift: „BremcrVolks-Zeituna" ist durch Entscheidung der Reichskommisston vom bcutigen Tage aufgeboden worden. Bcriin, den 29 September 1888. Die Reichskommisston. Herrfutth— 3. Das von der Polizeibehörde zu Hamburg unter dem 7. Jali d. I erlaffene Verbot des Flugblattes: An die Bevölkerung von Hamburg und Umgegend. Zur Aufklärung in Sachen des Hamburger T-schler- Streiks", mit der Unterschrift:„Die streikenden Tischler H rmdurgs. J. A.: A. Warnke."„Verlag von A. Warnke, Somdurg. Druck von I. H. W. Dietz, Hamburg" ist durch Entscheidung der Reichskommisston vom heutigen Tage auf» gehoben worden. B.rlin, den 29. Septy|der 1838. Die Reichskommisfion. Herrwrth.— 4. Das von dir Polizeibehörde tu Hamburg unter dem 12. Juni d. I. erlaffene Verbot deS ferneren Erscheinens der peüodifchen Druckschrift:„Der neue Bauhandwerker. Organ zur Vertretung ver aeisttaen und materiellen Jnter.ffen der Bauhandwccker Deutsch- schlanvs" ist durch Entscheidung ver R tchskommisston vom heutigen Tage, unter Aufrechterhaltung des Verbots ver Nummer 50 zweiten Jahrgangs der genannten Druckschrift, aufae» Hoden worden. Berlin, den 29. September 1888. Die Reichskommisfion. Herrfurth.__ Hoffentlich werden diese Entscheidungen den E.fer der provinzialen Polizeiorgane im Verbieten der unschuldigsten sozialdemokratischen Zetlungen und Flugblätter etwas mäßigen und die sondeibaren„Begründungen" etwas verhindern, mit denen die Verbote„gerechtfettigt" zu werden pflegen. Was aber die nachträglichen Entscheidungen der Reichskommisfion nicht aus der Welt schaffen können, das find die schweren materiellen Nacytheile, welche die provinziellen Zeitungsveibote mit ihren eigenthümlichen„Begründungen" über die Betroffe» nen und ihre Fam lten verhängen. Ans Gennd de« Koziatifteugrsetze» verbietet der dadische Landeskommissar zwei Broschüren: a. New-Bork Labor Library. Kapital und Arbeit. Eine gedrängte Dar- stellung der Marr'schen Lebrc von Domela Nieuwenhuis. lieber» setzt von Karl Dcrosfi. Druck von John Dehler, New-Bork, 22—24 North William Street. l887 und b. Grundzüge der National- Oekonomie. Von C. A. Schramm. Abthellung i. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Hottingen-Zürich. Schweizerische Genossenschaftsbuchdruckerei. 1834. Telegraphische DepefcheT. (Wolff's Telegravhen-Bureau.) Kopenhagen, Mittwoch, 3. Ottober. Der Vizevräfident des Foltelhii.gs, Redakteur Hörup, ist heute mittelst Ballotaze aus dem gemeinschaftlichen Vorstand der Linken ausgeschlossen und durch den Abgeordneten Bauer ersetzt worden. Kern, Mittwoch, 3. Oktober. Nach Berichten aus St. Gallen ist der Rbein neuerdings aus seinen Ufern gettetrn._ Bei Mäder in Vorarlberg ist das Gelände weithin üoerschwrmmt, auch das schweizerische Ufer iS schwer bediortt.— Auch von anderen Orten werde» N* vielfache Uederschwemmungcn und Verkehrs, tnterbreebungen in-—" folge starken Regens gemeldet, so auf Der Bahnlinie Ollen- Bern, bei Herzogenbuchsee auf der Linie Neumdurg. Lausanne und bei Vaumarcus auf der Linie Lausanne-Lyß. Genf, Mittwoch, 3. Oktober. Durch die Uederfchwemmunzcn im Kanton Genf und in Savoycn ist großer Schaden ange- richte! worden. Mehrere Häuser find eingestützf, Gärten unl> W.inberge verwüstet und die Ernt? an verschiedenen Stille» gänzlich verloren gegangm. Heute Mittag wurde hier von o.q schiedenen Seiten Hilfe nachgesucht und wurden Feuerwehrle! nach den bedrohten Ottschastcn gesandt. Die Bahnlinien sin! mehrfach unterbrochen; zwischen Seyffel und Amderieu mehrere Personen ertrunken. Maitand, Mittwoch, 3. Oktober. In der Nabe von Ro redo löste fich die eine Hälfte der Waggons eines Lastzug von den übrigen los, rollte zuiück und stich auf einen ander» in der Nähe des Bahnhofs von Rogoredo befindlichen Train. Dabei wurden zwei Babnbedicnstete getödtet und mehrere, darunter zwei schwer, verlctzt. pari», Mittwoch 3. Oktober. Der„Temps" bemertt z» dem auf die Fremden dczügl.chen Dekret, daß die Durchführunz. desselben unmöglich erscheine und eine Debatte in der Kämmet über diesen Gegenstand zu erwarten sei. Tie„Liberts" hebt hervor, daß das Dekret noch nickt offiziell veröff ntlicht worde» sei und dieses wrhl auf ein Bedenken des Ministeriums hin deute. ascheint Ss Hm 4 Mark. 2. Ziehung der 1. Klasse 179. KSnigl. Preuß. Lotterie. Ziehung vom S. Oktober 1888, Bocmtieag». Rur HI, Gewinne über 60 Mark sind den deer-iicnden Nummern .. in Parenthese beigefügt (Ohne Gewähr.) „ 175 227 44 662 69 941 75 95 1131 210 423 64 78 518 55 608 754 99 878 79[100) 90 919 68 2120 247 880 96 446 555 774 910 22 89 3058 146 241 49 67 352 60 66 77 702 23 893 4181 379 93 416 820 919 55 5118 31 72 271 484 585 636 889 93[2001 907 47«023 38 358 599 695 7108[100| 9 15 38 68[150] 351 458 699 622 720 71 8*0 907 66 H058 213 37 40 322 404 642 847»082[300] 136 249 308 601 58 68 778 809 970 90 I«K)10 48 101 25[1001 81 308 409 98 565 812 1 1 183 301 27 453 91 " 683 612 13 77 705 876 906 12081 84 111 12 84 89 331 69 5*3 84 15047 101 83 652 54 66 632 48 57 63 738 917 1 4146 87 89 98 232 75 362 92 678 623 746 59(1501 809 931 15012 75 101 3 83 246 392 486 646 874 912 62 64 I«173 281 84 432 37 53 528 47 87 646 49 57 740 842 91[200] 1 7219 22 42 321 498 617 714 832 1 8015 30 154 228 (1001 82 617 19 724 890 936 63 66 1»143 217 28 84 311 70 421[100] 39 69 73 520 631 51 74 736 902 10 41 «0057 214 88 458 615 56 63 650 67 771 814 59 923«1154 89 429 610 48 76 740 849««000 37 129 86 203[1001 6 62 376 90[1001 493 507«3004 105 68 238 836 45 51 82 998«4052 72 97 144 60 71 259 300 60 432 75 545 627 38 727 46 834 45 76 85 25025 128 75 289 92 358 416 82 589 610 966«0265 94 336 511 39 840 91 911 2 7012 22 284 323 422 35 7 8 532 42 770 833 925 36 46«8040 48 288 91 318 29 93 418 31 692 783 882«»060 267 318 448 74 634 747[100] 50[100] 80 894 3,-155 79 760 952 76 79 3 1 001 26 73 173 291 98 580[2001 777 811 [100] 75 82 951 76 3 2064 154 401 75 565 635 721 932 3 3015 95 182 426 50 587 667 729 831 909 47 34054 61 93 110 75 216 49 460 570 70[1001 80 906 72 3 5027 84 247 476 659 8 0016 29 134 78 86 1100] 344 483 689 752(1001 60(1001 69 916 3 7219 367 430 601 855[100] 38105 22 86 241 347 421 68 91 603 672 39110 91 231 82 307 713 810 4 0078 139 2.38[100] 49 328 78[100] 668 74 716 41 809 24 74 41457 66 782 851 63 4 2158 85(2001 239 311 64 70 94 631 741 60[100] 841 953 98 4:10*1.319 11501 77 650 733 89.3 992 41176 245[200] 344 52 60 401 649 727 75 815 20 65 967 93[150] 45100 61 426 95 6ul 684 774 883 92.3 87 40.318 62 597 633 78 801[100] 72 970 47125 219 38 77 359 437 73 559 790 48228 38 452 702 959 40091 104 274 312 482 87 690 825 45 89 50051 67 143[100] 55 333 483(1001 732.37 4.3 800 961 96 5 1 016 69 118 218 11001 23 300 20 72 450 563 745 937 5«166[150] 72 289.372 77 416 41 64 69 80 520 614 895 945 6:1149[150] 400 13 23.31 60 743 826 903 6 59 75 54064 115 55[100] 342 93 518 5 5011 104 292 301 7 [1001 51 444 505 44 713 74 802 77 5 0109 4 2 239 55 362 414 500 788 838 57 967 5 7024 89 132 207 58.362 443 64 89 719 932(1501 58227 37 429 65 647 8.33 930 67 50099 236 327(15)1 49 462 586 644 851 «(»052 140 301660 932«1165 98 524 735 896 99 963 72««096 195 457 690 11001 637 40 46 51 843 0 3047 58 132 73 324 44 47 55 477 538 69 82 631) 766 830 982 O4240 4.3(1001 73 324 60 403 54 601 76 744 890«5115.347 746 62 837 950 73 00078 293[1001 344 464 611 16 848 928 93 0 7013 128 33 86 264 98 327 60 494 514 726(1001 825 40[1001 929 OH070 219 39 54 335 50 463[1001 667 742 900 33«0181 306 454 689 806 34 910 70126 80 202 317 42 421.31 510 616 769 74 838 41 908 71001 21 231 301 42 402 20 55 723 38[100] 918 43 47 7«442 46 54.3 1200) 709 1100] 833 1150] 49 907 7:1242[200] 61 372[100| 418 505 780 97 83.3 912 74054(100) 119 20 60 211 27 1100] 387 676*61 9.33[100001 7.>006 31 54 58 359 517 611 730 925[100] 76047[100] 162 219 374 440 48 522 660 78 702 973 77024 92 145 254 95 578 98 650 712 51 815 60 939 55 60 78070 399 48.3 696 833 960 7«073[100] 102 85 88 201 92 387 421 26 667 752 63 818 27 28 970 8,-038 45 168 263 65 348 487 662 605 926 H 1 047 112 211 18 64 [100] 382 426 35[20M 762 837 940 98 8«010 57 61 77[100] 122 69.354 263 69 88 40.3 653 81 710 812 987 1 05033 149 219 33 693 724 838 53 ynb bete «LSKMFiKMMSWKK mimrjmmmmihßib% .32 360 4 908 43 71 1 1»173 95 274 330[200] 428 32 59 68"508 642" 74 979 •»«ywfs m m/s KrttssK««! 76 511»00, 1|_____ 91 742 819 77 l«3134 230 42 367 431 75 6,35 742 857 85 957] 248 334 58 410 75 78 95 588 716 94 854 69 923 l«(;i21[200] 59 64 246 345 403 47 530 698 930" 62 343 517 77 611 30 815[150] 1«8072 291 384■ 635 90 933 1«U765 824 63[200] pMMMMsWWWÄAU 2 867 85 957 l«il* 23 1«5119 459 lif 1270*6 183 237*•] : 412 40 48 67 70 120» lassen ut „R< vereine. der Ums Mark, b 700 nur 140048 102 94 263 579 90 622 736 83 881 904 35 1 4 1 016 48 197 2%� % 644 65 621 779'4«031 57[100. 90 488 531 1150, äj 402'34 60 64 640[1001 66 627 53 703 868»«048 128 230 11001 59 315 -------- 5 831 62 63 902 84023 47 120 55 71 224 48 455 75 626 50 WWWMWMWWZ 631 787 937 41 2. Ziehung der t. Klasse 179. Königl. Preuß. Lotterie. Ziehung vom 3 Oktober 1888, Naibniiteagö. Rur die Gewinne über«10 Mark sind den betre-senden Nummern in Parenthese beigefügt. (Ohne Bewähr.) 52[1001 74 226 86 341 420 548 49 701 809 43 77 94 906 1 099 356 463 503 61 628 57 953[300]«030 110 77 268 331 68 406 603 13 53 S«'K i g mrMiu SS»g M«« 904 81 11001 5005 132(1001 47 221 396 469 5*6 600 89«031[200] 62 80 156 60 234 552 744 804 87 961 7079 80 393 424(3001 84 627 701 37 953 8167 226 33 539 73 840 94[150] 967»030 47 365 489 696 86» 96 9i'o253 390 717 53 57 861 61 943 1 1036 168 248[150] 312 17 466 651 730 I«144 46 214 348 68 74(1001 82 516 610 703 63 894 9)8 I«268 99 300 27 60 461 531 793 896 905 64 1 4440 I150J 52 515 55 762 15287 511 11001 609 764 1 6087 136 327 52 81 84 401 565 748 900 71 1 7017 168[100] 301 17 35 76 403 7 12 52 645 89 715 48 58 811 79 993 I 8035 42 77 199 212 334 80 405 92 534 626 50 70 85 749 52 85 1»114 288 378[150] 84 452 658 65 678 12001 88 723 823 995„ «,1069 230 403 69 80 516 600 769 11501 830 951 1150) 60«1007 233 377 89 738««134 60[1501 239 43 51[1001 81 484 88 736 846 53 65 995 348 72 688 91 92 718 148093 106 87 211 34 379 452 627 715 641 11» 126 95 311 606 859 64_ 150204 316 62 75 78 929 151166 3181920 425 45 659 983 1S«03Z Mittel 190 214 395 526 1200] 95 744 823[100] 67 85 1 5:1102 348 574 637 971> 706 867[100] 917 69 15 4032 226 53 83 309 23 94 433 95 682 722 84 morgen i 892 935 I 55069 390 449 93 690 752 69 841 930 83 I 56178 90 21J«UT«Ut 349 79 527 637 60 87 88753 826 937 15 7000 30 66 613 720 5.4 1 5*408« v.r... 102 243 431 78 91 95 697 737 34»43 läUUtiö 63 97 221 25 368 433,«ayer«1 94 602 636 826 j trieb n> 1 60003 182 222 32 345 479 83 638 48 747 812 63 918 53 62 1 0 1 046 f,(J, 141 84 281 86 578 618 776 940 I««004 124 272 1150] 413 666 717 95«' Hatlststch Ä« Ä»W-d- «W88 Sä««iKKLS 718 920 1«»172 98 271 399 411 34 536 47 611 60 715 46 823 70 9« ' 1 70336 52 699 966 1 71 123 62 259 349 84 442 544 60 80 1 7«32S 406 51 522 702 1150] 7[300] 41 89 855 986 93 I 73029 86 115 213 69 j 384 463 554 89 93 633 752 78 1 7 4 073 126[100] 54 61 223 575 79 6bJi 87 946 66 1 7 5045 66 122 397 427 55 541 681 769 911 19 36 I 7«134 83 507 25 824 78 1 7 7099 113 705 835 58 913 63 l 7*020 81 92 137 i 63 96 206 71 369 442509 76 705 86851 927 1 7»U86 372 486 525 84 740 (1001 832 1H<>176 255 308 1150] 48(100) 74 84 92 400 21 546[1001 647 9M IS 1005(100: 23 83 195 224 55 30:1 28[1501 94[100] 519 601 75 704 45 50 858 11501 92 904 39 ,««148 229 54 387 96 428 86 98 525 857 I«»038 117 313 428 501 37 720 913 87 I« 1019 52 86 276 4 34 38 645, 824 I ► 5079 104 282 356 59 432 520 611 16 21 3 1 60 794 846 902 8 51 weist er Preisbil sei hier verein h hatten e bete Ko hin trat sondern 10 Pfe 70 Pfe Fragebo (1001«: 034[100] 53 139 52 233 402 563 634 47 789 815 23 74 90 941 "- 151 222 338 75 94 482 85 555 93 699 900 11«.>019 44 60 74[100] «41______________________________■ 95 440 716 53 68 945[100]««160 406 11001 44 688[100] 739 90 863 «7007 20 48 56 69 101 18 33[100] 253 346 56 460 733 99 845««081 108 226 48[100] 55 69 428 56 676 601 95 816«»038 132 358 429 556 787 880 99 912 14 65 »,1107 271 81 381 465 610 19 919 29 31076 167 477 569 682 844 49 68[150] 89 952»«139 81 97 327 436 63 683 689 717 74 805 90 93 947»3011 66 71 281 307 476 549 82 90 805 16 86[100] 915 84 3 4 008 60 186 90 99 265 327 420 79 501 14[150] 831 46 991»5112 65 342 59 12001 504 22 89 642 995»«145[30 0001 60 266 328 67 80 95 641 11001 53 740 830 75 958»7001 63 123(150 82 239 359 68 468 98 99 605 23[100] 751[100] 874 977»«007 37 116 218 83 335 61 479 577 639 757 817 901 24 36»»120 210 406 851 1100] 78 4,»067 68 299 337 455 65 762 943 60 78 4 1 025 342 57 428 504 8 45 807 24 86 4«119 277 90 1100] 315 77 426 611 66 940 1100) 91 4 3022 83 108 248 340 503 643 739 90 841 981 44110 271 501 982 84 4 3005 193 94 384 411 32 668 654 78 846 925 77 46010 190 390 430 543 772 47036 97 126 223 34 380 850 915 41 48000 291 367 504 59 621 795 809 68 963 94 4»U4 349 96 467 513 67 784 913 65 »«151 285[150] 356 441 68 612 14 17 792 860 960 5 1010 65 159 97 209 38 383 456[1001 525 11001 78 799 925 26 49 58355 489 524 49 70 78[100J 703 19 856 1501 910 63 95 97 5»065 168 216 369 517 23 602 796 849 914 35 52 56»4068 359 75 81 421 681 754 886 928 55145 285 355 426 36 89 563 711 92 56057 276 323 45 948 5 7119 336 578 100] 736 42 85 887 5«029 165 91 262 71 93 320 71 11500] 687 631 700 818 61 70 984 59104 79 209 332 61 504 704 23 45 88 89 837 47 oo«««■" 132 91 229 26 6![300] 317 70 532 687 93 743[100] 86[150] 88 800«1009 24 102 35 300 88 95 430 531 620 30 67 94 97 806 954 ««048 168 308 64 443 699 764 835 904 61»»198 267 413 80 681 764 94b 48 96«4009 149 282 421 95 630 32 89 847 941 84»5091 134 225 408 783 975«6035 109 401 559 96[100] 654 65 775 879« 7019 332 «8 519 724 51 95 945«8060 530 68 72 683(1001«0102 57 376 449 «mm lanb b 5% Mill lionen — bewl 6093 109 88 325 427 586 684 717 20 841 53 919 84">"«7045 312 5» Grund a»ss»avmaw*ar" h- »,»015(100| 86 122 302 28 st 001 48 59 477 545 63 910»1013 25 68 sy'teMs 120 264 98 36* 500 22 62 612[1001 744 50 822 903 7 21 30 37»«09*1 19* 297(1001 360 68 486 94 521 1100! 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