ttJürtj*!. Donnerstag, htn%9 November 1888. s. H«n»G. VerlmrWdsM M Lrgan für die Interessen der Arbeiter. a irstraße ach dk»? FM W V aalt iWtS W jtapc m lerein % I lebu« H gß W 31-' � ÖÄ Hub ü*0» 25**Jw tSMch 5?«ru«cl *4 fcmiB mccteizL' «st 9*# „«erli»«r Bole»»l-tt- nach Lcmli- mU» Kn'ttagtn. ttb�tntiRtxllerriS fSi B«tw fm mxisiüä) 1�55 Mari.«Schenüich 55# Psstabomremeat .________ a W. SsuLtaat-Nammsr mit de«.Hs?rntog?« Blatt" M> W. (J&mudtsflro in da PsftzntMSisäiMte fit 13* warn Nr.&*&) Z«serti»n«zedühr beträgt für die 4 gefraürtt®etü}H!« oder deren Raun, Ä Rf. ArbettSawrkt 10 Ii? 3* arc�aen Austkägen b«ha Rabatt nach Uebereinkuntt.>>nsernte metk n bii 4 Übe Nach»U»>«» m da lixpeditisn. Äaiin SW Zimmattratze 44, sowie pon allen Httnoncea.Äureiies,* Erhöbun« det Preises,«mzenommen. Kedaktion: Denttzstratze fL— Grpedttion: Zi««erstraße 44. M 0 *'* Abonnements-Einladung. den Monat Dezemb««öffnen wir ein neues Abonne» »Kerllner Uolksblatt- � dem wöchentlich erscheinenden Ionntagablatt. k, �.O»rti»e» Palksblatt" vertritt in leb« Beziehung fcuffttettfftn der werlthätigen Bevölkemng. Jetzt, wo hoch» �.M�Reickstagsonhandlungen, die das Jntaeffe d« Arbeiter ti»Jafen Grade berühren, vor der Thür stehen, ist es Pflicht {C® wben, dem das Wohl d« Arbeit« am H«zm liegt, ein sfui? sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu lesen. Lj,-Wcht die Organe spekulativ« Kapitalisten w«den die Ar» ' n ub« ihre eigentliche, jamm«oolle Klaffenlage aufklären,— hell, sie haben ein ausgesprochenes Inten ffr daran, arbeitende Volk in der Gleichgiltizkeit zu«halten. mde Leute find willige Objekte der Ausdeutung und unserer Gegn«. L Arbeit« B«lins, fort mit den Bomgeoisblättem, Ihr täglich beschimpft und verspottet werdet, schaart �gln d« bewegten Zeit, die nahe bevorsteht, um Eu« Organ, hZr �uch nun schon seit Jahren treu zur Seite steht, welches eintritt für die jieeiheit und Gmausipatio« des Volles! Feuilleton uns«es Blattes»«öffentlichen wir dm be> Roman des russischen Realisten Dostojewski: Raskolnikolv. tfc.Seu hinzutretenden Abonnenten wird der bish« erschimme � des Romans gratis nachgeliefert. V Zldonuements preis beträgt frei in» Hans monatlich 86 Pf» wöchentlich 35 Pf. Bei Seldstabholung «ff«« Expedstion, ZimmersKasje 44, 1 Mark pro Monat.'MS �..Bestellungen w«dm von sämmtlichen Zeitungsspeditmren, Ibk,.®EPtWlion unseres Blattes, Zimmerstraße 44, ent» ■"'genommen. & außerhalb nehmen sämmtliche Postanstallen Bestellungen °en Monat Dezemb« gegm Zahlung von 1 M. 34 Pf. an. Nie Kedaktion nnd Grpedition des „Kerliner Dolksdlatt". Sit Uhr m m Unsere Fabrikinspektoren die Arkeiterkemegung. hmv®« jemals Karl Marx'« Buch„Das Kapital" in die itb v. genommen hat und dort das Kapitel über die Kämpfe 4*. englische Fabrik- d. h. Arbeiterschutzgesetzgebung las, �uß auffallen, in welch' m«gischer Weise die englischen [22 Ieuilleton. Kaskolnikow. 4 Roman von F. M. Dostojewski. ** dem Russischm übersetzt von W i l h. H e n ck e l. � Mötzlich blieb« stehen; eine neue, ganz unerwartete Außerordentlich einfache Frage warf ihn wied« in ein Iahrwass« und verblüffte ihn grenzenlos. ' aS alles wirklich> mit Vorbedacht und nicht alberne Weise getha» wordm ist, wenn du und festes Ziel hattest,— wie kam eS denn -ii- DMu.—-ht einmal in de» Geldbeutel hineinblicktest, daß - tttt? weißt, was du«langt hast und weshalb as�' l ih» ja soeben mS Wasser w«sm, ven-oeuiel, all' den Sachen, die du auch nicht einmal angesehen »Wie ist denn das?" � Hill;' s°»st cS; das ist alles ganz richtig." Er hatte gilTsi Ihth i?en8 auch schon früh« gewußt, schon damals, � �-*■ yfir.—.c cm:t.__ ."« Widerrede be- und durchaus er wußte da« Ä?? auch schon früh« gewußi,, 4 Moff.. �t, als alle« ohne Schwanken und wurde, gerade als ob e« nur so gd Wez � dorö hätte kommen können... Ja,» iwup« vu» "'i W. V-. erinnerte sich auch daran; es war vielleicht gest«n 'Vl H v-'11 dtmsilben Moment, als« vor dem Koffer saß l � sn I. Futterale herausholte, so bcschloffen wordm ' S'1* es! a» � kommt daher, weil ich sehr krank bin," mtschied No;. 4 finster;—„ich habe mich selbst zer quält und 'fttttt f Und weiß jetzt selbst nicht mehr, waS ich thue. - m s H.. UhW sowohl wie vorgestern habe ich mich auch gemartert Noiö'}..währmd b« ganzen Zeit. Wenn ich erst wied« t", hören diese Qualen auf. Wenn ich nun ab« Fabrikinspektoren sich der Sache der Arbeit« annahmen und gegmüb« den„infamen Praktiken" d« nach Mehrarbeit und Profit hungrigen Fabrikanten vertheidigten. Wir erinnern da nur an die Untersuchungen, welche o« Fabrik- inspektor Horner in eigen« P«son und durch seine Unt«- inspektoren anstellte, um festzustellen, auf welche Art die Petitionen zu Stande gekommen waren, die von Arbeitern unterschrieben waren und in denen diese baten, die Durch- führung der sogenannten Zehnstundenbill vom 8. Juni 1847, welche mit dem 1. Mai 1848 in Kraft trete« mußte, zu sistiren. I« den Petitionen klagten die Arbeit« üb«„ihre Unt«drückung durch die Bill", als aber der Fabrikinspektor die Leute p«sönlich befrug, da«klärten sie, daß ihnen die Unterschriftm abgenöthigt worden seim, daß sie zwar unterdrückt,„aber von Jemand anders als dem Fabrikakt". Der Fabrikinspektor Horner stellte fest, daß 70pCt. d« von ihm verhörten Arbeiter sich für die Zehnstundenbill er- klärten, während ein gering« Prozentsatz für 11 Stunden und nur eine verschwindende Minorität für 12 Stunden eintrat. Die Fabrikanten waren wüthmd über dieses Vorgehen d« Fabrikbeamten, sie denunzirten dieselben im Parlammt und in d« Preffe als„Konventskommissare", die ihren WeltverbesserungSgrillen die unglücklichen Arbeiter„unbarm- herzig aufopfern". Das Zehnstundmgesetz trat ab« trotz dieses Geheuls d« Unt«nehmer in Kraft. Als dann aber infolge des voll- ständigen Fiasko« der englischen Chartistenbewegung und mehr noch als Folge des rothm Schreckens, den der Pariser Juniausstand der Bourgeoisie d« ganzen Welt in die Knochm jagte, die Arbeiterhatz eine allgemeine wurde, da lehnten sich die englischen Fabrikanten offm gegen das Gesitz auf und umgingm eS» jeder Weise. Zu gleich« Zeit wurde auch der Minister de« Innern mit Petitionen von Fabrikanten überschüttet, wo um eine milde Praxis in Bezug auf die Handhabung der gesetzlichen Bestimmungen gebeten wurde. Das Herz deS Ministers bli>.b denn auch nicht verstockt gegenüb« diesen Klagelied«« profitlüst«ner Unternehmer und es erschien unterm 5. August 1848 ein Zirkular, das die Fabrikinspektore» anwies,„wegen Ver- letzung des Buchstabens de« Aktes" nicht Klagen anhängig zu machen. Ein Pendant zu diesem Zirkular darf man wohl in den im Deutschen Reichstag vom BundeSrathStisch aus schon oft gehörten Aeußerungen erblicken, daß die Fabrikivspektoren angewiesen seien, vor allem durch An- reguna und Belehrung bei den Unternehmern daraus hin- zuwirken, daß die Vorschriften der Gew«beordnung durch- geführt werden und nur in den äußersten Fällen zur An- zeige und Bestrafung zu schreiten. Bei den meisten unser« Fabrikinspektoren sind denn diese bundeSräthlichen Be- lehrungen auch aus recht fruchtbaren Boden gefallen. An- derS dagegen bei den englischen Fabrikinspektoren. Diese erklärten, der Minister besitze keine diktatorische Gewalt zur nicht wied« gesund werde?... Herr Gott, wie mir das alles zuwider ist!" Er ging ohne Aufenthalt weiter. Es lag ihm jetzt nur daran, sich zu zerstreuen, er wußte aber nicht, wie da« anzufangen sei. Ein unbezwingbares Gefühl deS Ekels vor allem, was ihn umgab und begegnete, über- fiel ihn; ein hartnäckiges, unbezwingbare« Gefühl deS Hasse«. Er hätte am liebsten jemand angespien od« gebissen, wenn ihn einer jetzt angesprochen hätte. Als« ans Ufer der kleinen Newa, auf Wassilij Ostrow, bei der Brücke angelangt war, blieb« stehen. „Dort wohnt«, in jenem Hause. Wie ist denn da«?— da bin ich ja zu Rasumichin gekommen, ich weiß selbst nicht wie! Gerade wie damals... Bin ich mit Absicht hierher gegangen oder war eS Zufall? UebrigenS ganz gleich... vorgestern, glaub' ich... sagte ich... daß ich den Tag darauf zu ihm gehen würde; nun und deshalb bin ich jetzt da! Weshalb sollte ich nicht jetzt zu ihm gehen können?... Er ging zu Rasumichin die Treppe hinauf, ins fünfte Stockwerk. Rasumichin war daheim, in seiner Kammer, er war beschäftigt, schrieb, und öffnete ihm jetzt die Thür. Sie hatten sich seit etwa vier Monaten nicht gesehen. Er trug einen zerlnmpten Schlafrock und hatte Pantoffeln an den bloßen Füßen, er war ungekämmt, unrasirt und ungewaschen; sein Erstaunen war groß. — Was ist mit Dir? rief«, den Kameraden vom Kopf bis zu Fuß betrachtend; dann schwieg« einen Augenblick und gab einen leisen, langen Pfiff von sich. — Schaut'S so bei Dir auS, Brüderchen? Du hast ja sogar unsereins noch übertroffen, fügte er, auf RaSkolnikowS Lumpen blickend, hinzu.— Setz Dich doch, wirst müde sein! — und als dies« auf da« Sopha von Wachstuch med«- sank, sah Rasumichin«st, daß sein Gast krank sei. — Du bist ja ernstlich krank, weißt Du das?— Er wollte ihm den Pul« fühlen; RaSkolnikow riß ihm seine Hand weg. Suspension d« Gesetze, und sie fuhren mit g«ichtlichtt Prozedur wider die„rebellischen Fabrikanten" fort. Freilich scheiterte diese Energie d« Fabrikbeamten an der Bourgeoisgesinnung der Friedensrichter. Diese unbezahlten au« den Honorationen d« Grafschaften gebildeten Richter sprachen„Recht" in eigener Sache und ihr Urtheil fiel«a- türlich so aus, wie es den Herren BaumwollenlordS ge- nehm war. Ab« die Fabrikinspektoren— wir reden imm« von den englischen Beamten— schwiegen auch jetzt nicht. „Diese Art gerichtlicher Farie n",«klärte Inspektor Howell,„schreien nach einem Heilmittel." Und Inspektor Horn«, nachdem er in 10 Fällen in 7 verschiedenen Bezirken eine gerichtliche Verfolgung angestrengt hatte, ab« nur in einem Erfolg«zielte, er legte Liste« an über jene Fabriken, welche dem Gesetze zuwider Kinder über Zeit beschäftigt:n, und denunzirte mit den Ergebnissen dieser Statistik die Fabrikanten, welche in den Gerichtssälen da» Recht zu beugen verstanden hatten, der öffentlichen Meinung. Der Erfolg blieb auch nicht auS und schon 1850 erschien ei« Fabrikakt, der dem Arbeitssystem und der durch dasselbe getriebenen übermäßige» Kind«auSbeutung ein Ende machte. Und nun vergleiche man mit diesem Vorgehen d« eng- lischen Fabrikbeamten daS Verhalten uns«« Gewerberäthe gegenüber der Arbeiterbewegung und denjenigen Bestrebun- gen, welche auf einen weit«en Ausbau d« Arbeit«schutz- Gesetzgebung gerichtet sind. Wo findet sich in den Berichten unserer Fabrikinspektoren auch nur ein einzige« entschieden tadelndes Wort gegenüber offenbaren Mißbräuchen und offen- kundigen GesetzeSverletzungen. Wo steckt unser Leonhard Horner, der eS unt«nimmt, gegenüber de« Fabrikanten die Sache der Arbeiter zu führen? Wo aber wäre bei un» ein Beamt«, d« es wagte, gegenüb« einem ministeriellen Zirkulär an die Entscheidung des Nicht«« zu appelliren? Wenn aber unt« unseren Fabnkinspektoren sich auch nicht einer befindet, der in der Art eines Horner oder Howell für die Arbeiter und ihre Interessen einzutreten wagte, so finden sich leider um desto mehr darunt«, die nur gar zu geneigt sind, auf die Arbeiter Steine zu werfen. Willkommenen Anlaß dazu giebt gewöhnlich die Lohn« bewegung. Die sozialpolitische Bildung eine« großen Theil» unserer Fabrikinspeitoren ist leider eine so mangelhafte, daß sie gar keine Ahnung davon zu haben scheinen, daß daS Recht des Arbeiters auf Koalitionsfreiheit und auf Einstellung der Arbeit nichts wett« ist, al« ein Postulat der liberalen WirthschaftSordnung, d«en eine Grundlage mit d« fteie ArbeitSv«trag ist, d« aber selbst wied« un- denkbar wäre, wenn dem Arbeit« nicht da« Recht zustände, seine Arbeitskraft dort zu verkaufen, wo d« höchste Preis für sie bezahlt wird. Der Streik ist also in der heutigen WirthschaftSordnung ein v«briefteS Recht des Arbeiters, und dieser ist, wen«« sich weigert, seine Arbeit für einen Lohn zu verkaufen, der ihm zu niedrig erscheint, genau in — Ist nicht nöthig, sagte«- ich bin gekommen... ja, ich habe keine Lektionen... ich wollte gern... übri- genS, ich brauche gar keine Lektionen. — Weißt Du was? Du phantasirst ja! bem«kte der ihn eifrig beobachtende Rasumichin. — Rein, ich phantasire nicht... RaSkolnikow erhob sich. Als er zu Rasumichin ging, hatte« nicht überlegt, daß« ihm doch werde gegenüber stehen müssen. Erstjetzt, in diesem Augenblick fühlte«, daß« durchaus nicht dazu aufgelegt sei, irgend jemand gegenüber zu treten. Er war fast sprachlos vor Zorn über sich selbst, obschoa« kaum erst die Schwelle überschritten hatte. — Leb wohl! sagte er plötzlich und ging zur Thür. — So warte doch, warte doch, Sond«ling! — Nicht nöthig! antwortete er und entzog ihm wieder seine Hand. — Weihalb. zum Teufel, bist Du denn h«gekommen? Bist Du bei Sinnen? Da» ist ja ordentlich beleidigend,... ich lasse Dich so nicht gehen! — Nun, so höre: Ich bin zu Dir gekommen, weil ich außer Dir niemand weiß, der helfen könnte.... anzu- fangen... Du bist bisser,— da« heißt klüg« als die andern, und kannst beurtheilen... Jetzt aber sehe ich ei», daß ich nichts brauche, hörst Du, gar nicht«;... niemandes Dienste und niemandes Theilnahme... Ich selbst... allein... Nun ist'S genug! Laß mich in Ruhe. — So warte doch einen Augenblick, Schornsteinfeger! Du bist ja ganz v«rückt! Meinetwegen, wie Du willst. Siehst Du, Lektionen habe ich selbst nicht, spucke auch jetzt drauf, aber auf dem Trödelmarkt, da ist ein Buchhändler Cheruwimow, der ist besser in seiner Art al« alle Lektionen. Ich vertausche ihn nicht gegen fünf KaufmannShäuser. Er beabsichtigt jetzt solche Büchelchen herauszugeben, naturwissen- schaftliche Büchlein,— die gehen jetzt: WaS allein die Titel schon werth sind!— Du behauptetest immer, ich sei dumm; bei Gott, Bruder, eS giebt noch Dümm«e als ich! Jetzt derselben Situation wie der Kaufmann, welcher sich weigert, eine Waare unter dem von ihm festgesitzten Preis abzu- gebe«. Gewiß kann den Arbeiter schließlich der Hunger zwingen, für den niedrigeren Lohn zu arbeiten, aber ebenso kann den Kaufmann die Konkurrenz oder die Gefahr, daß die Waare zu Grunde geht, dazu zwingen, unter dem Preis loszuschlage». Was würde man nun von jemandem sagen, der be- hauptete, es bedürfe besonderer„Aufreizung" dazu, daß der Kaufmann, wenn ihm die Konjunktur günstig ist, auf gute Preise hält und dieselben, wenn eS möglich ist, hinauf treibt? Man würde einen solchen Menschen, und zwar mit Fug und Recht, einen Ignoranten in wirthschaftlichen Dingen nennen. Nun, so wenig cS bei einem Kaufmann oder sonstigen Gewerbetreibenden"einer besonderen„Aufreizung" bedarf, damit er auf Preise hält und aus seiner Waare möglichst viel herausschlägt, so wenig bedarf eS bei den Arbeitern einer besonderen Stimulation dazu, auf Lohnerhöhung zu dringen, wenn sie sehen, daß Nachfrage nach Arbeit Dort wie hier ist cS das natürliche Interesse des Verkäufers von Waare, dafür Sorge zu tragen, dieselbe möglichst hoch zu verwerthe«. Diesen ebenso einfachen wie in unserer WirthschaftSordnung begründeten Vorgang scheint aber ein Theil unserer Fabrikinspektoren noch immer nicht begreifen zu können, ihnen fehlt noch immer das Verständniß für das ABC jener wirthschaftlichen Ordnung, in der wir leben, und deren Auftechterhaltung ihnen wohl meist als daS höchste Gebot erscheint. Nur jene Unkenntniß der elementarsten Bedingungen unserer WirthschaftSordnung vermag eS zu erklären, daß in den letzten Jahresberichten der Fabrik- inspektoren der Beamte für Baden davon schreiben kann, daß die gute« Löhne in den flottgehevden Industrien die Arbeiter für die„Aufreizungen zu ArbcitSeinstell- ungen" unempfänglich gemacht haben. D efer Ausspruch zeigt, daß fem Urheber über das Wesen des Streiks und der Lohnkämpfe auch nicht das leiseste Verständniß hat und noch ganz und gar in jener allfränkischen Auffassung befangen ist, die dem modernen Arbeiter mit dem Gesinde früherer Jahrhunderte verwechselt. Der Herr Fabrikinspektor für daS liberale Muflerland Baden scheint mcht zu wissen, daß die Arbeitseinstellungen in der kapitalistischen Wirth- schaftSordnung ein unentbehrliches Mittel zur Lohnregu- lirung bilden. AuS ihm spricht nur jene verbohrte Pfahl« bürgeranschauung, die in jedem Streik nur den Erfolg „sozialistischer Hetzereien" erblickt, denen man natürlich mit Gendarm, Polizei und Ausnahmegesetzen entgegen wirken müsse. Gleich seinem Kollegen in Baden ist auch der In- spektor für Hessen beschränkt genug, in den Streiks eine so- zialistische Eigenthümlichkeit zu sehen, wobei dieser Herr eine solche GesetzeSkenntniß zeigt, daß er nicht einmal weiß, daß der kleine Belagerungszustand, der über Offenbach verhängt ist, gar nichts damit zu thun haben kann, daß 19 Theil- nehmer an einer Arbeitseinstellung in Polizeistrafen genom- men wurden. Wie aber in dem letzten Jahresbericht der badische und hessische Inspektor, so haben in früheren Iahren sächsische und preußische Inspektoren sich in gehässigster Weise über jene Arbeiter ausgesprochen, die zum Mittel deS Streiks gegriffen haben, um sich bessere Lohnbedingun- gen zu verschassen oder eine ihnen zugemuthete Verschlechte- rung ihrer Lage abzuweisen. Nur hier und da ist bekannt geworden, daß bei Lohn- differenzen zc. die Inspektoren bei uns als unparteiische Dritte intervenirte». Der Fall aber, daß ein Fabrikbeamter sich auf die Seite der Arbeiter stellte, wie dies in England schon hundert Mal da war, in der Schweiz sehr häufig passirt und sogar in Oesterreich auch schon geschehen ist, daS hat eS bei uns noch nicht gegeben. Unsere Fabrikinspektoren fühle» sich eben nicht als das, was sie in e,ster Linie fein, sollen, al» Vertrauens- männer der Arbeiter, sondern gar viele unter ihnen zeigen eine starke Neigung, dem Arbeitgeber stets zu ent- und den Arbeiter zu b e l a st e n. So kommt es, daß auch der letzte Jahresbericht wieder ganze Seiten aufweist, in denen über die VergnügungS-, Putz- und Genußsucht der Arbeiter in einer Weise lamentirt wird, wie man sie sonst nur in de« Traktätchen heuchlerischer Muckergenossenschaften zu lesen gewohnt ist. Die englischen Fabrikinspektoren waren, und stnd eS heute»och zum guten Theile, Vorkämpfer der Arbeiter- rechte und eines durchgreifenden Arbeiterfchutze«. Unsere Gcwerberäthe aber entbehren— mit Ausnahme einiger schwatzt er auch sogar von einer gewissen Tendenz— hat natürlich keinen Begriff davon, und ich, selbstverständlich, hestärke ihn darin. Da sind über zwei Boge» deutscher Text — meiner Anficht nach die dümmste Charlatancrie, die eS giebt:... mit einem Worte, eS ist eine Untersuchung über da« Thema, ob die Frau auch em Mensch sei, oder nicht. Natürlich wüd dann feierlichst bewiesen, daß sie auch ein Mensch ist. DaS gehört nach der Ansicht CheruwimowS zur Frauenftage! ich soll eS übersetzen und er wird diese zwei und einen halben Bogen auf sechs Bogen auseinander recken; dann kommt ein prachtvoller, eine halbe Seite lauger Titel dazu und da» Ding geht zu einem halben Rubel in die Welt. Für die Ueberfetzung kriege ich sechs Rubel per Bogen, also für die ganze Arbeit etwa fünfzehn, davon Hab ich sechs voraus genommen. Wenn dies fertig ist, fangen wir an, etwas über Wallfische zu übersetzen, dann kommt ein Ab- schnitt au« dem zweiten Theil der„KonfessionS"— da sind einige langathmige Tiraden aufgestrichen, die werden wir auch übersetzen. Es hat nämlich jemand dem Cheruwimow er- zählt, Rousseau sei auch eine Art Radischtschew*) gewesen. Ich, natürlich, widerspreche nicht, mag ihn der Teufel holen! — Nun, willst Du den zweiten Bogen von„Ist die Frau ein Mensch oder nicht?" übersetzen? Wenn Du Lust hast, so nimm gleich den Text, nimm Papier, Federn— alle« wird geliefert— und da sind drei Rubel; ich habe für die ganze Ueberfetzung, für den ersten und zweiten Bogen, da« Geld voraus genommen, mithin kommen auf Deinen Theil gerade drei Rubel. Bist Du mit dem Bogen fertig, dann kriegst Du noch drei Rubel. Und dann bitte ich recht sehr, denke nicht etwa, als ob ich Dir damit einen Dienst habe erweisen wollen. Im Gegentheil, kaum warst Du einge- treten, da fiel eS mir gleich ein, daß Du mir nützlich sein könntest. Ersten« Hapert'S bei mir zuweilen mit der Ortho- graphie, und zweitens bin ich im Deutsche» geradezu schwach. so daß ich meistens eigenes hinzudichte; ich tröste tntch aber damit, daß eS dadurch eher noch besser wird; übrigen« der *) Sin älterer ruffifch-r Schriftsteller, dessen„Reise nach Moskau" lange Zeit hindurch verboten war. weniger— aller Energie und Initiative, da, wo eS gilt, den Arbeitern zu ihrem Recht zu verhelfen; wohl aber er- giebt sich aus den Jahresberichten, daß viele unserer Fabrikbeamten gar nicht abgeneigt wären, auch ihrerseits an der polizeilichen Bevormundung der Arbeiter sich zu be- theiligen, die heute von gewisser Seite als unbedingt noth- wendig erachtet wird, um den Arbeitern wieder„Zucht und Sitte" beizubringen. Politische Ueberstcht. Mo« der sozialdemokratische» Fraktion de« Denk- sche» Ketchotage» wird folgender Aufruf veröffentlicht: Parteigenossen! Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge würde das Mandat des jetzigen Reichstages im Februar 1890 erlöschen. Ader die Wahrscheinlichkeit ist vorhanden, daß derselbe früher aufgelöst wird und bereits im Herbst 1889 die Neuwahlen angeordnet weiden. Dies veranlaßt uns, Euch zuzurufen: Seid auf der Hut und rüstet Euch! Sammelt Geld, Geld und abermals Geld, damit Ihr für den Wahlkampf mit der nöthigen Munition verschen seid. Der nächste Wahlkampf wird sehr heftig werden. Nicht weil zu befürchten ist, daß die Wählerschaft sich durch Schreck- aespenster, wie fie die Kartellparteien in den berüchtigten Tagen des Februar 1887 durch Wort und Schrift dem Volke vorschwindelten, fich wiederum einschüchtern lassen wird— die Pikrinsäure, die Bretterbaracken, die Melinitbomden nebst den famosen Bilvern, welche die Wehrlostgkeit der deutschen Grenzen dem Philister vorlogen, haben wohl für immer ihre Zauberkraft verloren und auch Herr Boulanger, der Wau-Wau der Kartellparteien, ist in seiner Nichtigkeit entlarvt— der Wahlkampf wird heftig werden, weil der Reichstag nicht wie die bis herigen Reichstage nur auf drei Jahre, sondern auf fünf Jahre gewählt wird. Diese Verkürzung des Volksrechts ist auch eine Errungen- schuft der Kartellparteien. L tztere werden alle Anstrengungen machen, fich abermals die Mehrheit zu stchern, einerlei durch welche Mittel. So viel an uns liegt, muß dieser schöne Plan zerstört werden. Die deutsche Arbeiterklasse muß endlich überall ein- sehen, daß fie auf Parteien nicht bauen darf, welche die reinste Klassenherrschaft repräsentiren. Dies des näherm zu beweisen wird unsere Aufgabe sein, sobald der Wahlkampf be- ginnt. Wir werden dafür sorgen, daß Euch das entsprechende Material nicht fehlt. Zunächst bandelt es fich darum, wie schon erwähnt, Mittel für den Wahlkampf zu sammeln. Eure stets bewährte Opfer« Willigkeit läßt uns das Beste hoffen. Geld kann nie zu viel vorhanden sein. Alsdann ist es Eure Aufgabe, überall in den Wahlkreisen Anknüpfungen zu suchen und Vertrauen! männer zu gewinnen, welche zu gegebener Zeit die Agitation in die Hand nehmen. Später find Wahlvereine und Wahlkomstecs zu bilden. Nach den Beschlüssen des St. Gallener Parteitages, welche für unsere Taktik maßgebend sein müssen, sollen in alle« Wahl- kreisen, in welchen Parteigenossen vorhanden find, Kandidaten unserer Partei aufgestellt werden,'für die mit Auf- bietung aller Kräite zu agitiren ist. Wo immer also ein Parteigenosse zur Wahlzeit fich defindet, er muß für die Abgabe sozialdemokratischer Stimmen thätig sein. Es han« delt fich nicht blas darum, die Beitretung unserer Partei im Reichstag möglichst stark zu macken, es Handell fich nicht weniger auch darum, durch die Abgabe sozialdemokratischer Stimmittel festzustellen, wie groß die Schaar der wahlberechtigten Staats- bürger ist, die unsere Gefinnungen lheilen und in der Sozial- demokcatie die Vertreterin ihrer Interessen sehen. Darum Agitation bis in die entlegenste Hütte. Eine Million Stimmen und eine entsprechende Anzahl Vettreter muß das Mindeste sein, was die nächsten Wahlen uns bringen. Dafür müssen wir unsere ganzen Kräfte einsetzen. Ein anderer sehr wichtiger Puntt detiifft die aufzustellen- den Kandidaten. Es müssen Vielkandivaturen vermieden werden, wie auch in St. Gallen und früher schon beschlossen wurde. Ader es wird bei der großen Zahl tüchtiger Kräfte, welche der Tod und andere Umstände aus unfern Reihen entfernten, hier und da Mangel an geeigneten Kräften eintreten. Viele brave und befähigte Genossen defiyen nicht die Unabhängigkeit der Stellung, um eine Kandidatur annehmm zu können. Es wird also nicht zu umgehen sein, daß hier und da eine Doppelkandidatur vorkommt. Treten solche Fälle ein und sollte eine Dcppelwahl daraus hervorgehen, dann erwarten wir von Eurer Disziplin, daß Ihr alsdann die Ent- scheidung darüber, wo der Doppeltgewählte das Mandat an- nehmen soll, dem später von uns zu ernennenden Zentral- Wahlkomitee überlaßt, daS die Frage unter Hinzuziehung von Vertrauensleuten aus den derheiligten Wahlkreisen erledigen wird. Wir erwarten also, daß kein Kandidat, welchem die Um- stände eine Doppelkandidatur auferlegen, fich im Voraus über die Annahme der Wahl in einem bestimmten Kreis im Falle Teufel mag e» wissen, vielleicht wird'» auch schlechter!... Nimmst Du's oder nicht? RaSkolnikow nahm schweigend die deutschen Blätter, nahm die drei Rubel und ging, ohne ein Wort zu sagen, hinau». Rafumichin schaute ihm verwundert«ach. Als RaSkolnikow jedoch bis zur nächsten Straße gekommen war. kehrte er plötzlich um, ging nochmals zu Rafumichin hinauf und legte, ohne ein Wort zu sagen, Blätter und Geld wieder auf den Tisch und ging davon. — Ja,"zum Teufel, bist Du etwa im Delirium! schrie ihn endlich Rafumichin wüthend an. Oder willst Du hier Komödie spielen? hast m i ch sogar konfus gemacht! Teufel, weshalb bist Du den« eigentlich hergekommen? — Brauche keine... Ueberfetzungen... brummte RaSkolnikow, die Treppe hinabsteigend. — Ja, zum Teufel, waS brauchst Du denn sonst? schrie von oben herab Rafumichin ihm nach. Jener ging schwei- gend weiter. — He, Du! Wo wohnst Du? ES erfolgte keine Antwort. — Nun, dann hol' Dich dcr Teufel! RaSkolnikow war schon wieder auf der Straße.— Auf der Nikolaibrücke sollte er noch einmal, infolge eines für ihn sehr unangenehmen Vorfalls, gänzlich zur Besinnung kommen. Ein Kutscher hatte ihm nämlich einen tüchttgenHieb milder Peitsche über oen Rücken versetzt, weil er beinahe unter die Pferde gerathen war, obschon ihn der Kutscher drei bis vier Mal angerufen hatte. Der Peitschenschlag schmerzte ihn so, daß er bis an das Geländer sprang) er gmg in Gedanken mitten auf der Brücke, auf dem Fahrweg, anstatt auf dem Trottoir); wüthend knirschte er mit den Zähnen, die Um- stehenden lachten natürlich. — E« geschieht ihm ganz recht! — Ein geriebener Kerl, wie es scheint! — Natürlich, stellt sich bettunken und sucht absichtlich unter die Räder zu kommen; unsereins muß es dann aus- baden! — Auch ei» Geschäft, mein Lieber, auch ein Ge- schäst!... seiner Dopvelwal,l velrflicktct. Dos allgemeine Interesse W über dem Wablkreisintercffe stehen. Parteigenossen! Die Zeiten find uns gürstig, wie zuvor. Die arbeitenden Massen fühlen jeden Tag mehr, die Dinge auf die Dauer so nicht weiter gehen können. ksrinzipiclle «mtionso.'dn nie dftMschen 5 wn. mochte M den mündliche soziale Umgestallungen nöthig find,„um dic ilntWlncchn Roth der Zeit und das menschliche Elend zu Heileo, nicht llag- wtoilordnctci liches Fl'ck verk und Stück vcrk, wie es bisher unter dem Tvet I der Sozialrefo.m Urnen geboten wurde. Und wie dcr Ar beul so leidet auch der Bauer und der Kleinbürger. Alle ihren letzten Kräften dm verzweifelten Kampf um das Dasein gegen die Kapitalmacht und suchen nach Hilfe und Rettung dem Untergang. Sorgt also für ihre Aufklärung.. Thut Ihr, thun wir unsere Schuldigkeit, dann kann der Erfolg nicht fehlen. Frisch an' s Werk! Berlin, den 27. November 1888. Die sozialdemokratische Fraktion de» Reichstag«. ischcn% « gelühi Elemente jfafie komm üt Späterhin «W. die Rai fjMieten P ?ung zu vert 1»an der z ***»' fetolc,' 0 Bebel. Dietz. Krobme. G rillenb�erger. fcör®' l Siit mint) Liebknecht. Meister. S a b o r. Schumacher. Singer. Weich von _! 7 jm gegl Da» Schriftstück» mit»elche« die Regier««»>'* das kleine« Kelagernngsznstand über Berlin weiterhin m1' fMuing uv viren zu können glaubt, hat folgenden Wortlaut: Im% L*3%� vorigen Jahres gelang es, das sozialdemokratische ZentraUomm-? dies bei einer geheimen Sitzung zu überraschen und die MitglM>..«?. die der sirasrechtlichm Verfolgung zu überliefern. Wenngleich dies«»»archlstische Vorfall eine Unsicherheit der Parteiführer und Mißtrauen b« Wung«, m Genossen gegen einander im Gefolge hatte, so ist es den% Bei .......>ch gelungen, die Organisatd« �fti cher P beredte! Elements JkrMsck «>» tu. 4 WS SiSÄ mühungen der Parteiführer doch demnächst wieder herzustellen. Das mtt neuen Rtäfitn»■,, setzte Zentralkomitee mit den untergebenen, in die einzelnen � zirke der Reichstags Wahlkreise verthelltcn Vertrauensmännern W?.«ne8 gjei auch j tzt wiederum die unermüdlich arbeitende Triebfeder» wt Liebki Agitation.,„* Die Mittel der Propaganda find die alten Sammellnf» für den Parleifonds und die viel begebenen Sammelbons A'J die Familien der Ausgewiesenen", und„Jnhaftirten", die P® beinahe regelmäßig in den Taschen der fistirten Sozialdemokrat vorfinden. Dazu kommt die Verbreitung verbotener%%% schriften und namentlich die Flugdlattvertheilung. Um IjP ungefährlicher zu gestalten, zieht man dabei haldwüchfige Bufl®� Frauen und Kinder zur Hilfe heran. Im Mal d. I. gelang die Auffindung einer vollstänVl sozialdemokratischen Geheimdruckerei, in der gerade der% eines sozialdemokratischen Flugblattes bewirkt wurde, Beschlagnahm» des gesammten Betriedes und die VerhaF"5 der Betheiligten erfolgte. Der Wortlaut des gebuchten Flugblattes, von dem bem" eine größere Anzahl fertiggestellt und fortaeschafft, eine gern Menge auch schon vertheilt war, zeigte eine ungcwöhnlia PI tige Sprache. Das Hinscheiden des Hochseligen Kaisers Königs Wilhelm und die damtt in Verbindung stehenden eignisse bildeten den Anlaß, um die gröbsten MajestäM«� digungen, die schärfsten Aufreizungen zum Ausdruck zu dli»6? und den Samen des Unfriedens und der KlaffenverhetzuNs die Bevölkerung zu streuen. In dem schamlosen Inhalt dieser Schmähschrift tttWjx überraschender Klarheit die wahren Anschauungen dcr'ScF demokratcn»u Tage. Tie Parteileitung war auch über diese 1%. fichtigkeit höchst ungehalten und ermahnte im Parteiorgo® ik"" lÜf Genossen dringend, künftig fich an geübte Personen zu 0%*% wenn man Flugblätter herzustellen bradfichtige. Das%% trug den Druckvermerk„Genossenschasts Druckerei Zürich", und ist hiermit der Nachweis erbracht worden diesem Vermerk bezeichneten, vielfach vertriebenen nicht sowohl an dem genannten Orte, sondern innerW «S für de, en. Enti ,iu seh.r % ar erui lassen, .ens � Begrün dr eigen! % ld°s Akte d-KS 35 VC Acb . i.rrr j—. �»igt�F Deui sehen Reiches, namenllich auch in Berlin, hergestellt» Besorgt, r den. Die Verfertiger des Flu, Mattes, Karklinnes iS��tbett � VCII.-OCtltlUUtl Vv9 tyUMUUUUB, JUIlUlillU»" iLffflT, Nossen, find wegen Beleidigung des Kaiser?, itres Land«b?P Beleidigung eines Mitgliedes des landesherrlichen Hauses � Staates und wegen Beleidigung sowie wegen Virgeh�rS B�j 129 des Strafgesetzbuches mit Monaten bis 1 Jahr 7 Monaten zur -"6 die§§ 128 und von 2 Jahren 9 worden. Es wurden planmäßig auf die durch Anschlag lichen Kenntniß gebrachten Thronreden Seiner!. Kaisers und Königs rothe Zettel aufgeklebt, welche vie; enthielten:„Antwort! Hoch lebe die Sozialdemokratie- j# gelang indessen, soweit das Ankleben bereits geschehen rothen Plakate umgehend zu entfernen und eine großf?, Betheiligter zu fistiren; von denselben find 24 Personen A Vergehens gegen den§134 d's Strafgesetzbuchs weise den den§ 28 Nr. 2 a. er. O mit Gefängnis) von 2 bis zu 14 Tagen bestraft worden.. sst Das Walten und die Kraft radikalen GeisteS ML«? weiter in dem Streite erkennen, welcher wegen der 57 verordnetenwahlen in Berlin entbrannt war. d? Die„Berliner Volk-tiibüne" und deren RebaHe# Wortführer der Redaktion erstrebte mtt seinem radikal«?� gehen die strenge Durchführung der sozialdemokratischen Mr"W f Während er noch am Geländer stand, der fahrenden Kalesche wüthend nachsah und sich den rieb, fühlte er plötzlich, wie ihm jemand Geld in die- � drückte. Er schaute auf; eine alte Kaufmannsft? � Kopftuch und ein Mäd-ben, im Hut und grünen halten, und die Ansehnlichkeit der Gabe hatte er -----| M m Mitleid wachg� Peitschenhieb zu verdanke«, der da« hatte. Mtt dem Zwanziger in der Hand ging Schritte weiter und wandte sich mit dem Gesicht zur � Vt*«.... erw u» gegen den Palast zu. Der Himmel war wolkenlo« u � Wasser fast blau, was auf der Newa selten vorkom vergoldete Kuppel der Isaakskirche, welche sich Standpunkt aus vortheilhafter präfentirt, leuchtete i Der Schmerz von dem Peitschenhieb hatte sich � schliß unruhiger, unklarer Gedanke beschäftigte ihn jetzt lieh. Er stand und schaute lange und starr r» vr � diese Stelle war ihm sehr bekannt. Vielleicht% Mal war er hier, auf dem Rückweg von der" L# ih� nach Hause, stehen geblieben, um dieses»rrklich P � K �% Panorama anzuschauen, und fast jedesmal mußte l � � einen gewissen räthselhaften Eindruck wundern. �«rt« klärliche Kälte wehte ihn immer beim Anblick d u# ficht an. Er staunte jedesmal über diesen= r räthselhaften Eindruck und, ohne sich bisher Rechens � m. rüber geben zu können, hoffte' er von der Zukunft w- b«* BW, � ......" E- war ihm seltsam und�s-�A, pg diese» RathseiS, er jetzt wieder auf dem gleichen Platz wie{oU' geblieben war und daß er sich wirklich noch emb tt dieselben Gedanken, dieselben Probleme und Bit»,■ ihn auch jetzt noch ebenso beschäftigen, rvre � Iii fßW' tungsl es kei U erung U ..... er S X2 nicht| W". roeld b welche W-Ä Rm 'e__ all S«. f au weitet j te äI» 3 ü I »--, eoenio lA, rote«och unlängst. Es schien ihm daS fast lacy. h erdrückte es ihm beinahe die Brust. Tief, � g»- einem unabsehbaren Abgrund erblickte er tt» Vergangenheit, seine früheren Gedanke»,«wa doch erdrückte cS ihm in' ch rtftfffe wA � rtnjiplelle Negation der gegenwärtigen Gcscllsckasts» und Mionso.'dnung sollte durch völliges Fernbleiben von städtischen Verwaltung zum praktischen Ausdruck gebracht *«. mochten immerhin gewisse Wtzlichkeitszründe, wie »n den gemäßigt Gesinnten geltend gemacht wurden, «dtbeilnahme an der Stadtverwaltung und somit an den ««lordnctcnwahlen sprechen. 8« Rairpf zwischen diesen beiden Richtunzen der sozial« �tischen Partei wurde viele Wochen hindurch mit Er« % geführt und brachte zunächst einen Sieg der radi« Elemente, indem die Theilnahme an einigen gerade wme kommenden Stadtverordneten Nachwahlen verhindert ' mu hU mehr, M önnen. M ,cr Albettir c fühM.»| das Dasein Rettung v« an kann der chotag». Leaterhin ist es den Bemühungen der Gemäßigten ge» W, die Radikalm zum Nachgeben zu bestimmen und somit vfmheren Praxis der Wahldctheiligung vorerst wieder zur �ng zu verhelfen;— jedenfalls hatte aber dieser Zwischen- wn der zuverstchtlichcn Haltung des radikalen Elements Mß abgelegt. J- z,/ Ji�i minder ist hier auch in Betracht zuziehen, daß, nach Weich von einer erheblichen anarchistischen Agitation in % im gegen wältigen Zeitpunkte nicht gesprochen werden i«r«»S*'* �,>4 das J.itereffe der auswärtigen Anarchisten an der lerbin moli- Wiung und Belebung der anarchistischen Bewegung in : Im Jak«chsimuptstadt noch immer ein sehr lebhaftes ist. Es -ntrallomite!» stch dies vornehmlich in der bald über die belgische, e Mitglied" Uder die schweizer Grenze bewirkten Einschmuggelung igleich dies» f°«lichlstischen Zeitung:„Die Autonomie", sowie in den üßtrauen � welche von ausländlschm Anarchisten zu einzelnm es den 0P Mn in Berlin unterhalten werden und die auf die Hebung Ocgantsoti«» �«mscher P opaganda in Berlin abzielm. Kräfte«* L T�l'ch hat dos Ergebniß der am 30. August d. Jahres Msten Berliner Reichstagswahlkreis stattgehabren Nach- eines Reichstags-Adgeordncten. bei welcher der Sozial- Liebknecht mit großer Majorität gewähtt worden � beredtes Zeugniß von der Stärke des sozialdemokra- Elements in Berlin gegeben. Wenn auch die Zahl der �nolratrschen Stimmen geaen die Wahl vom 2l. Fedmar � ca. 4000(jetzt 26 067 gegen 30 453 im Vorjahr) Tgm ist, während eine erhebliche Zunahme der .-�.ligten eingetreten war, so läßt dies keineswegs ?st,«dnahme der Sozialdemokraten schließen: es erklärt �lniehr der Rückgang der Stimmen im Wesentlichen genngere Wahlbetdeiligung, die auch bei den übrigen " A bemerken ist. Es haben von 93 537 stimmberech- ■rt�Hletn sich überhaupt nur 41 759, also noch nicht & l an der Wahl bethelltgt; von diesen 41 759 Stimmen M. wie oben erwähnt, 26 067, also erheblich mehr als die für den sozialdemokratischen Kandidaten abgegeben wz-lnen -manner«� riedfed« J« nelbons»f: ige Burst» oollftänjjft de der% �Verhafst� dem eine g«' röhnlÄ Kaisers% aelhctzu«S M wie auf so L|««ntwurf über dt- A.lt-r-o-rforgnng stößt. Ztg." hört, auch in dm Mehrheiisparteien ai U............:: i"/: zu liegen, diese Session nach � Mögiichkei�adjUl j. �denken, daß die Regierung es schon aufgegeben haben Zersen Entwurf noch während dieser Session zum Gesetz giP.tu seh.n. Uederhaupt.scheint es nunmehr im Plane iÄ« nnerb��, % ifeiE atcn in 2 Ktt rsonea�- V M B innSfl0" nen 3* Man spricht sogar davon, daß dieselbe sich nicht über Mar ausdehnen soll. Od sich aber diese Absichten ver« ri �n, ist eine andere Frage. »»Aigens macht die vorgestern dem Reichstage zugegan- L, Begründung zum Alteis und Invaliden. Versicherungs- Z fdas Aktenstück umfaßt 202 Sellen) den Eindruck, als L st- eigens zur Andrrsdclehrung derjenigen geschrieben, Fisher noch etwas von dem Entwürfe gehalten baden. »�orfrage". ob die Fürsorge auf die Wiltwen und Waisen ?°cner Ardeiter auszudehnen sei. wird zunächst verneint, jutoot wird dies in folgender dcinahe unglaublicher Weise Für viele dieser Witt wen sei ja doch durch das stffvrgt, nämlich für diejenigen, welche— selbst berufs- «tbeit in fremden Betrieben verrichten. Und dann .wen und Waisen versuchen, die glücklicherweise Wohlthätigketts.Ar.stallcn für sich zu interesstren, die mT, um so mehr thun können, als sie nach dem Inkrafttreten - für Invalide weniger zu thun haben werden! i.v.Dtungsbuch ist. den Motiven zufolge, nichts weniger \ a,«rdeitsbuch. Es regelt allein die Beziehung zwischm strichelten und der Versicherungsanstalt. Das hat man >�?°en. edenso�wie man Herrn v. Puttkamer zu glauben dosten die Mottoe mit einem Grunde, der sofort eine der VLHärten des Entwurfs hervoitrcten läßt, welche mit SJ�erte mtschuldigt wird und wohl auch nicht entschuldigt �lk Die Aussicht auf Eingehung einer Ehe verwirk- ÄS uicht bei allen Arbeiterinnen. Ader diejmigen Ardei- %;,**fcha sich verheirathm, verlieren ihre schon gezahlten die Höhe der Rente sei so bcmeffen, daß sie,„die einer bescheidenen Lebenshaltung am dtlligm Orte %i2 besserem Deutsch wird dann hinzugefügt, daß Renten das im allgemeinen Jntereffe wunschens- 8— auch dieses ganze Panorama, sich selbst � alle«!.... Es schien ihm, als ob er sich V bester davon entferne, al« ob es ihm aus den Aschwinde.— Bei einer unwillkürliche« Be- plötzlich daS Geldstück in seiner Hand: L%aR e8' hoste auS und warf es»eit von sich N«,"(l1: dann wandte er sich um und ging nach '>»it(am ihm vor, als ob er sich in dieser Minute Etiler Scheere von allem und von allen losge- (Fortsetzung folgt.) ; Vi atin vA'Spaufe« in Chicago, begab sich nach umaga tn ÄkKH-WSS.M s? �issesaBSS '#####% -" ää?.? 2Ä g und feuerte auf rhn. Treppe angekommen, ___ Herrn demerllich. weithe Bestreben unterstützen, die Arbellsfähigkell so lange wie möglich auszunutzen"! Das ist so klares Deutsch, daß es die Fürsprecher dieser„Sozialreform" wohl endaillig des Rechtes beraubt, sich in Bezug auf Arbellerfreundlichkeit besonders etwas zu Gute zu chun. Z« iob und Preis der deutsche» Adel-genosseu- schaft, die am 17. d. M. in Berlin unter dem Vorsitz dcs Grafen von der Schulenburg- Betzendorf, des be- kannten Agrariers, einen von 100 Mitgliedern besuchten außerordentlichen deutschen Avelstag abgehalten hat, bringt die„Kreuzztg" ein Eingesandt. Zu den statutenmäßigen Zwecken dieser Gesellschaft gehört danach treues Festhalten am aposto- lischen Glaubens bekenntniß. Eine Hauptbeschäftigung der Ge- sellschast scheint darin zu bestehen, mll Hilft des HeroldsamtS Untersuchungen über Adelsberechtigungen anzustellen, damtt polizeilich gegen die unberechsigte Führung des Adelstllels ein» geschritten werde. Vermuthlich richten sich diese Anstrengungen gegen die Nachkommen solcher Personen, die in ftüheren Zeiten ihren Adel verloren, weil sie sich entschloffen, lieber in ehrlicher Arbeit als Handwerker ihren Ledmsunterbalt zu ge- Winnen, statt als Edelleuft zu verlumpen und zu Grunde zu gehen. Da» Zentrum hat fttr afeikaui scheu Kklaveretfeag« heute folgenden Antrag im Reichstage eingebracht: „Der Reichstag wolle beschließen, den verbündeten Re- gierungen gegenüber nachfolgende Erklärung abzugeben: 1) Der Reichstag spricht auch seinersellS die Ueberzeung aus, daß, um Afrika für christliche Gesittung zu gewinnen, zunächst die Bekämpfung des Negerhandels und der Sklavenjagden noth- wendig sein wird. 2) Der Reichstag wird bereit sein, die Maßregeln, welche die verbündeten Realerungen zu diesem Zweck vorzuschlagen ge- denken, in die sorgsamste Erwägung zu ziehen und auch seiner- seits zu unterstützen. 3) Der Reichstag spricht die Hoffnung aus, daß es ge- lingen wird, die übrigen detheiligten Mächte zur Mllwirkung bei Ausführung düser Maßregeln zu bestimmen, insbesondere auch dahin zu wirken, daß die in den verschiedenen Ländern zum Zwecke der Bekämpfung des Negerhandels und der Sklavenjagden sich vorhereitendm Unternehmungen nach einem einheitlichen, durch Vereinbarung festzusetzenden Plane durchgeführt werden." Der Antrag ist unterschrieben von dem Abg. Windthorst und unterstützt von dem ganzen Zentrum. Da» Reich»tag»maudat de» Kau» minister« ist nach einer juristischen Auseinandersetzung der„Magdeburgischen Zeitung" auf Grund des Artikel 21 der Reichsverfaffung erloschen, weil Herr v. Wedell-Piesdork in ein Staatsamt ernae- treten ist, mit welchem ein höherer Rang und ein höheres Ge- halt verbunden ist. Auf den vom Könige angestellten Haus- minister sinden Entscheidungen der Gerichte Anwendung, wo- nach verschiedene strafgesetzliche Bestimmungen auch für solche Beamten gelten, die nicht vom Staat angestellt find, deren Dienstverrichtungen jedoch staatliche Autorität verliehen ist. Aber nicht blos im strafrechtlichen Sinne ist dieser Würdenträger als Staatsbeamter anzusehen. Das folgt aus mehreren positiven Gesetzesvorschriften, wie dem Erlaß vom 16. August 1854, nach welchem das Hausmintsterium noch heute die Standcssachen (Adelsanerkrnnung, Adoptionen, Legitimationen) zu bearbeiten hat, sodann aus dem Erlaß vom 14. August 1852, wonach das Staatsministertum den Gerichtsstand für gewiffe Angelegenhetten der fürstlich hohenzollernschen Häuser bildet. Der Einwand, daß der Hausmintster vom König besoldet werde» sei um so gleickgilttger» als der Landesherr seine Einkünfte nach der Verfaffung kraft Majestätsrechts aus dem Staatsvermögen dezieht. De» chviftlich« Staat. Der„Fr. Ztg." entnehmen wir folgende intereffante Erinnerung: Als zum ersten Male im ver- einigten Landtage in Preußen 1847 parlamentarisch die Redewendung vom christlichen Staat gebraucht wurde, trat der Abg. von Vincke in der Sitzung vom 14. Juni dem, wie folgt, tn treffender Weise entgegen: Trotz der eifrigsten Forschungen und dcs gewiffenhaftesten Nachdenkens habe ich mir nicht klar machen können, was unter einem christlichen Staate zu verstehen sei. Ich gla che das Christenthum sehr hoch zu stellen; aber der Begriff der Religion kann doch nur auf der inneren individuellen Uederzeugung beruhen. Der Staat aber ist ein Komplexus von Individuen, der als solcher keine allgemeine Uederzeugung haben kann. Insofern daher der Staat eine moralische Person darstellt, so kann ich mir nicht denken, daß derselbe als solcher eine bestimmte Religion haben könne. Wie man also von einem Staate sagen könne, es ist ein chrtst. licher Staat, ist mir nicht erklärlich. Der Staat wird doch auch nicht die Bestimmung haben sollen, die Glaubenssätze einer de- stimmten Konfession zu realifiren- gewissermaßen der Exekutor der Kirche zu sein? Vielleicht hat diese Darstellung in einem anderen Sinne genommen werden sollen; man wird vielleicht sagen, als Staat hat er tn der Gesetzgebung die Prinzipien zu realistren, die aus der christlichen Moral hervorgehen, denn die Glaudenssätze selbst kann er nicht realifiren. Ader auch in dieser Beziehung kann ich mir nicht denken, daß der Staat sich als Exekutor der Küche zu geriren habe. Wenn es sich darum handelt, die Grundsätze der christlichen Moral zu realifiren, so muß ich gestehen, daß ich die Benennung eines christlichen Staates für den unsrigen bestreiten muß. Ich will nur die Grundsätze unseres Staates mit dem neuen Testa- ment vergleichen. Ich könnte zwar auch bei dem alten Testament anfangen und mit den zehn Geboten beginnen. Die zehn Gebote sagen schon:„Du sollst nicht tödten", während der Herr Schatzminister, den auch die Armee in ihren Reihen zu zählen das Glück bat, gewiß nicht beabsichtigen wird, in strenger Anwendung jener Grundsätze den Krieg zu verdammen. ES steht ferner im neuen Testammt:„Du sollst nicht schwören: eure Rede sei ja, ja, nein, nein, was darüber ist. ist vom Uedel. Wir haben jedoch noch in einer der letzten Sitzungen, wo wir mit dem Gesetzentwurf gegen die Einkommensteuer beschäftigt waren, erfahren, daß sogar neue Eide eingeführt werden sollten: Eide, mit denen die dringende Besorgntß �s Meineides ver- Kunden ist, well von derm Ableistung oder Nichtabllistung die Besteuerung adhing: also während eine allerhöchste Pioposition noch neue Eide in unserem Staate einführt, kann man doch nicht ibums:„Liebet Eure Feinde" und„wenn Dir jemand einen Backen- sireich giedt. so halte ihm die andere Backe auch hin": wie wollen wir aber mll diesem Grundsatz- die Gesetzgebung über die Jniuwn in Einklang bringen? Viele Paragraphen mußten ausgetilgt werden, wenn sie tn Einklang mll jenem Grundsatz gebracht werden sollen. Wie will man in ver auswärtigen Polllik mit dem Gebot der Friedensliebe es vereinigen, Verträge gegen auswärtige Mächte ,u schließen? Ich glaube, wenn wrr unsere Ministerien alle durchmustern, so können ihre Handlungen diesem Standpunkt gegenüber nicht bestehen: wenn wir nament- lich auf das Schayministerium übergehen, sokönnenwiresim UMit« f0lf4' K-lgie«. Brüssel. 26. November. Im Centre-Bezirk hmscht seit Louviere ein vom Bundesratb der republllanisch-sozialistischen Partei einderuftnes Meeting stattgefunden, dem über tausend Arbeiter anwohnten und wo mit erhobener Hand der nahezu einstimmige Beschluß gefaßt wurde, in nächster Frist allgemein die Arbeit einzustellen. Die Beschwerden der Arbeiter des Centre sind seit einiger Zeit überall gegen die Niedrigkeit dcr Löhne gerichtet, die man nicht mebr in Uebereinstimmung mit der durchweg günstiger gestalteten Produktion der Zechen und den von den meisten Gesellschaften im letzten Jahre realifirten Gewinnen erachtet. Der schlechte Ausfall der Kartoffelernte und die gestiegenen Preise wichtiger Lebensmittel, wie des Fleisches, auf welche die Zölle drücken, geben diesen Beschwerden, von dcr Frage der Gerecktigkell abgesehen, eine greifbare Unterlage. Der Beschluß jener Versammlung, sowie die wachsende Erregung unter den Bergleuten destimmten Anfangs voriger Woche die durch ihren Einfluß und die Größe ihrer Produttion hervor- ragende Gesellschaft von Mariemont und Bascoup, den Schieds« und Versöhnungsrath, der bei dieser Gesellschaft eine freiwillig geschaffene und derells wiederhott mit Frucht thätig gewesene Einrichtuug ist, interveniren zu laffm. Bei dcr Zusammenkunst der beiderseitigen Delegirten gab die Ge- sellschast nach; fie bewilligte eine Lohnerhöhung von 5 Prozent, und es schien, als od diese Maßregel eine gewisse Beruhigung zur Folge haben und für die übrigen Zechen als Beispiel dienen werde. Davon geschah jedoch nichts. Die Bewegung dauerte fort, man fand die gewährte Lohnerhöhung lächerlich, und da fie ohnedies nur einer kleinen Zahl von Ardettern gewährt mar, wurde in Plakaten zum Festhallen an viel höherm Lohnkorde- rungen aufgestachelt. Die Ardeiter der Förderunasstätte Nr. 5 der Gesellschaft von Bascoup verlangten 15 pCt. Erhöhung ihrer Lohnsätze und beschloffen, falls ihnen diese nicht gewährt werde, am Dimstag, den 27. d. M., die Arbell einzustellen. Bei der Ausdehnung dieser Zeche und der großen Zahl der in ihr beschäftigten Arbeiter, ist ein Vorgehen der letzteren von un« mittelbar ansteckender Wirkung auf die Kohlenarbeiter der mit jener durch wechselseitige Jntereffen verbundenen Gruben von Mariemont, sowie auf die des ganzen Centre. Bereits am Donnerstag stellten in einem Schachte der Gesellschaft von Mariemont, dem von St. Elvi in Camieres, der übrigens ziemlich entfernt von Mariemont liegt, die Bergleute die Arbeit ein. Neue Meetings wurden für Sonntag angekündigt. Gleich- z-ittg wurden auch in einzelnen Gruden des Lütticher und Charleroter Reviers Streikanläufe gemacht. So verlief die Woche, bis gestem die Dinge im Centre eine ernstere Gestalt annahmen. Nachdem in der Nacht zum Sonntag versch'.edere Geheimmeetings stattgefunden, luden in allen Gemeinden d s Cmtre angeschlagene rothe, schwarzgeränderte Plakate zu einer Versammlung im Lokale Ccclet in Morlanwelz ei". Diese Plakate hatten folgenden Wortlaut:„Die 26 Märtyrer der Agrappe. die 184 Leichen der Beul--, die 32 Opfer von Dour(Anspielung auf die jüngste Gmbenkatastrophe), die 4 Verbrannten von La Louviöre und „La Pair". die Erschossenen von Roux, des Placard, von La Croy-re, Ostende von Boom, die 16 E-stickten von Bois-du-L c, die levten Tobten von Bois-du-Luc, Bascoup, Lüttich, Hainc- Ste. Pierre und Flömalle und alle Hungerleider des Centre und so weiter berufen Euch zu dem großen Meeting„Sabdath", das am Sonntag, den 25. November um 3 Uhr, im Saale Ccclet tn Morlanwelz stattfinden wird: fie werden Euch von Eueren Pflichten reden. Unterzeichnet waren die Plakate: „Peter von jenseits des Grabes." In Carniöres fand bereits gestern Morgens eine Versammlung statt. Ihr folgte am Stach- mittag die angekündigte in Morlanwelz. Es wurde jedock. außer den Arbeitern, niemand zugelassen, auch von der Presse keiner. Die Polizei, bestehend aus einem Kommissar, einem Gen- dormeric-Quartiermeister und dem Feldhüter, wollte tn das Lskal eindringen, um dasselbe räumen zu lassen. Sie wurde mit zwei Revolverschüffen aus dem Inneren empfangen, dft je- doch niemanden trafen und vielleicht nur Schreckschüsse waren. Hierauf zog sich die Polizei zurück und holte 8 Gendarmen zur Berstäikung herbei. Diese besetzten alle Eingänge des Lokals und ließen mit vorgehalten-m Bajonett niemanden mehr ein noch aus. Die Erbitterung der eingeschlossenen Arbeiter wuchs, man warf aus dem Jnnem mit Gläsern nach den Gendarmen, von denen ein Brigadier am Kopf verwundet wurde. Schließ- lich mußten sich die Gendarmen zurückziehen, was die Menge mit Rufen:„Sieg! Es lebe die Revolution!" begrüßte. Vieft hatten den Saal bereits durch das Fenster verlassen jsse kehrten zurück, und nun, während die Bürgerwehr von Morlanwelz unter die Waffen trat, fand das Meeting statt. Spaniett. Dem„Temps" wird gemeldet, der Minister des Auswär» ttgen deadfichtige den vormaligen Botschafter in Berlin, Giat Benomar, gerichtlich verfolgen zu lassen, angeblich weil er auch noch nach seiner Abberufung amtliche Handlungen vorgenommen habe, obwohl er die Weisung erhielt, die Geschäfte sofort dem stellvertretenden Rathe zu übergeben. Die„Epoca" erklärt sich für ermächtigt, zu dementiren, daß Graf Benomar zur Zell, als die Liberalen unter Alfonso regierten, Attenstücke des Auswär- tigen Amtes an Canovas gab, doch giedt die„Epoca" zu» daß Canovas hinter manche Geheimnisse gekommen sei. Es heißt, der Minister des Auswärtigen bleibe bei der Behauptung, daß Graf Benomar die auswärtige Politik der Liberalen an Canovas verrathen habe. Kttßland. Beim Erbfeind. Einige österreichische Kaufleute hatten sich, mll legalen Pässen versehen, zur Geschäfts-Abwickelung nach dem russischen Polen begeben und blieben dort auch unbelästigt. In Lodz begaben sich dann nach einigen Wocken die Kaufleute ins Poltzeidureau, um die dort liegenden Reisepässe zur Rückkehr nach Galizien zu beheben. Statt die verlangten Reisepässe aus- zufolgen, erklärte der Pristaw den Kaufleuten, daß sie arretirt seien.� Sie wurden auch sofort vom Amtsdureau ins Gefängniß abgeführt, wo fie zwei Tage und zwei Nächte in einem feuchten, schmutzigen Loche gehalten wurden. Am dritten Tage wurden sie wieder zu dem Pristaw geführt, der ihnen, ohne irgend einen Grund ihrer Verhaftung anzugeben, mittheilte, daß sie in daS Kriminal nach Bendzin abgeben werden. Die Kaufleute mußten überdies 36 Rubel an Kosten für die Bahnfahrt nach Bendzin erlegen und verließen unter strenger milttärischer Beglellung Lodz. Als ste in Ptotrkow, das zwischen Lodz und Bendzin liegt, ankamen, wurde ihnen er- öffnet, daß fie vorläufig nicht weiterfahren, sondern in Ptotrkow bleiben müssen. Sie wurden abermals in ein Ge- fänaniß abgeführt und daselbst in einen unterirdischen engen Kerker geworfen, der voll Ungeziefer war. Am folgenden Tage erschienen fie vor dem Chef dcr Gendarmerie, der mehr Sin» für Recht und Gesetzlichkeit bekundete, indem er fich seincS strengen Verhaltens wegen den Kaufleuten gegenüber entsttul- digte. da et hierzu aus Lodz den Auftrag, aber ohne die dl- treffenden Altenstucke, erhallen hatte, so daß er— wie er fich ausdrückte- nicht wußte, od er schwere Verbrecher oder wirklich nur unschuldig verfolgte österreichische Kaufleute vor sich habe. Am folgenden Tage wurden die Gefangenen nach Bendzin ad- gcführt, wo fie wieder 48 Stunden in einem feuchten, finsteren Loche in Gesellschaft von Ratten zugebracht haben. Eist am 9. d. M. kam endlich, infolge der inzwischen seitens der Ver- wandten angerufenen Intervention der österreichischen Regierung, die Erlösung für die Vielgeplagten, indem fie von Bendzin gc» fesselt zur Grenze in Szezakowa abgestellt wurden.— So geht es im Lande unseres Erbtreundes zu, für welchen die„Nordd. Allgem." selten ein Wörtchen des Tadels hat. Rußland ist für fie ein Musteistaat; aber Frankreich nennt fie das Land der Bardaren. Wenn man nach Westen die Grenze überschreitet, betrete man ein Land der Unzivilisatton. Wie glücklich, daß wir von Rußland Kullur lernen dürfen! Theater. Donnerstag', den 29. Die _.........____ November. Gpoeatz«»». Die Königin von Soda. »chmlfpteista«». Geschwffen. WaKaoe-Theater. Madame Bonivard. Bor- her: Der dritte Kopf. «owaa-Thentee. Ein Fallissement. #«###;#* Theater. Der Pfarrer von Kirch feld. Fete»»ich- Miihetmstädtische» Theater. Pariser Leben. UUrtarta-Theater. Die Reise in die Pyre- näen. Mefidmq-Theate». Papa Gustave. Vorher: Das Blaubuch. OeReattiaare-Theater. Der Rattenfänger von Hameln. UoUra-Theate». Die sieben Todsünden der Berliner. Köarastä» tische« Theater. Die schwarze Dame. Teatrat-Theate». Schmetterlinge. A»»tf Traft-Theat»». Di« drei Grazien. jja�iaaaN'« Uarittt. Spezialitäten-Bor- Ptfllttrte &ninwi- UtzOMte». Spezialitäten- Vor Cirkus G, Schumann. Friedrich- Karl- Ufer. Ecke Karlstraße. (Fm früberen Zirkus K r e m b s e r.) tfST Der«irlm» ist gut geheizt und gegen Zug geschützt."WM Donnerstag, den 29. Ztovember, Abends 7t Uhr: «roste austrrordentliche Morstellung. Besonvers hervorzuheben find: Ein Karouffel mit 8 Rapphengsten, dargestellt von Herrn Max Schumann. Auftreten der Villons-Trouve und der kleinen 2jähr. Velozipedistin Daisy. Mr. Joe Hodgini als Jockey. Miß An.y in ihren ara- ziöscn Tänzen und Sprüngen zu Pferde. Die dreifache vpringfahischule, ger. von Herrn Ernst. Auftr. der musik. Clowns Gedr. Kulper. Gymn. Entree der Gebr. Hozzini. Das Schulp'erd Reinard, ger. von Frl. Adele Schumann. Zum Schluß der Vorstellung: Die Jagd bei Boston, interessantes Jaaddild, geritten von Damen und '-erren der Gesellschaft. Tanzeinlage: Der lägertanz.-c. zc. Freitag, den 30. November, Abends 74 Uhr: Große Voritclluna mit neuem Programm. Lotterie zu Weimari � Ziehung 15. bis 18. Dezember er. 25,000, 5000, looo, 500 M. ct(.| 21�1�---- w— 4»?-r•~- ____ Uotchahatl»», Spqialitäten- ««ftellurg. Svezialttäten-Vorstellung. Berliner Theater. Donnerstag, den 29. November: Der ProdevfeU. — Ansang 7 Uhr.— Freitag, dm 30. sstovember: 11. Abonnements- Vorstellung. Medea. — Anfang 7 Uhr.— Medea: Rosa Keller-Fraucnthal vom Hostheater in Hannover als Gast. Sonnabend, dm 1. Dezember: — Eva.— Eva: Frau Hedwig Niemann. «MT Anfang 7 Ubr.-M» Kunze'« Concert- Hallen. Alexanderplatz(Grand Hotel). Täglich: Courert««»» Porftellnng. Anfang 7 Uhr. Enttee 30 Pf. Sonntags SO Pf. (iiiatev Kunze. ' C7 Kerlegnug der Ziehung, sowie Nedurirung der Gewinne auogeschlostea.. Loose ä I Wik II Stück 10 Mk.(Porto u. Liste 20 Pf. extra)| empfehlen auch gegen Coupons oder Bricfmarken l ---- ri■-r'-'---- T Wtv it I I1IU l ICU Oscar Bräuer& Co., KankgrschSft, Berlin W, Unter den Linden 12. 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Abends 8 Uhr, w der»Tvnhaüe", Frirdrichstraße 112. Tagesordnung: Die Alters- und Invaliden- Versorgung der Arbeiter.(Referent: P Singer.) 1382] Der Einberufer. Mße UMche KM-Nas««>>»l> �.. n. v___ ev\----<— atr.— vo �»♦t- Volks-Bazav* Manasse& 0° Alle Aakobstr. 93. Eiazelverkanf z« Fabrik» Mosamenller-, Weist- nnd WoN«»� Strickgarnen«. Torfett«. Prakti«cheWeihnaiiht»g«s*W* W te S?°ucb �>°n sch ludge m Mordevtlil «tonte Wir verkaufen zu enorm Preisen, dilliger wie jedes currenzgeschäft, z. B.:„., Wollene Strümpfe, das Paar 10/ Normal-Winterhrmde» für Herren 1» Kroste« Tachenez 15 Mfg..nP Keinwollene Kopftücher für Danied. O SchulterpeNerlnrn in allen Größen p utrtlirn» min*** n> m'bkrab g Ars 'entli ------»»» UUCII Wivov". mr Wolleue Winter- Tricottailleu en und Farben, sta:k, enp eM Giöß----------■ Qualilät. 2,50 M. Herren Ehemisett», fein gewaschen v:- mit Schnur, glatt u. mit SiicW* ohne Kragen 35 Mfg. � Leinene Herren- Kragen, tfach, � .1 KT Ma Greifenhagen. Fa?ons. 20 Mfg. 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Um zahtteiches Erscheinen ersucht der Etnderufer _ R Nürnberg Fabrik- Lager Berlin S., Oranienstr. 158, uSÄ'S'iSn.'bÄJ umer Jnvenlurpreisen für d.n 1-12541* Posl�raüe 3.� W [1383 Anklamerstraße 49. Engl. TÄil-Gardinen-Reste paffend zu 1- pretS.[1113] Verantwortlicher Redakteur: XL Troabeim m Betitr. 4 Fenstern, unter Fabrik. DresdenerstraSe 117. Gasäther. Aether Lampen Emil Domcbe,[l342 Krnnnenstr. 134. 0%."-»'«.».fc«, Etud und Vertag von M� Oadtn. in Bertin Ein Karbier : Lohn dauemde - erfragen in der Exp Beutbstraß» ir. Beilage zum Berliner Bolksblatt. Donnerstage den SS. November 1888 I. tl(.| Ist«. extrajl S. 12. k. P arlamentsberichte. Deutscher Reichstag. �.Sitzung vom 28. November, I Uhr. Am Tische des Bundesrathes: von Boetticher, von "tonfatt, Graf von Monis, von Schelling, von '»ltzahn. ., Emgegainen ist der G.>E., betr. die Erwerbs« und °>rthschaftsgenossenschaften. �Die erste Beralhung des Reichshaushaltsetats für '9-90 wird fortgesetzt. a Abg. Liedknecht(Soz.): Ich dedauere, daß im Reichstag pere auswärtige Politik so wenig besprochen wird; ist es doch « wichtigste Recht der Volksvertretung, gerade beim Etat, wo -.wt Regierung Geld bewilligen soll, die gcsammte Politik zu [ Miren. Ich knüpfe gleich dem Abg. Richter an die Thron- «1 fr»n und gebe rückhallslos zu, daß ihr ruhiger, lcidenschaits- ,/ W Eharaktc: mich überrascht hat. Aber gerade die Thal- CT' daß es mir ergangen ist wie der großen Masse des Pudli» dem die Abwesenheit sensationeller Ucberraschungen über- NM war, zeigt so recht das Ungesunde unserer politischen �«haltniffe.(Lachen.) Der in den kaiserlichen Botschaften NNpiochene Wille mag anzuerkennen sein, aber mit den 92* stehen die Thatsachen in Widerspruch. Unsere politische «'fast dicht so friedlich, wie fie geschildert wird, der Ton der 'Wim Prxffz ist ein durchaus aufregender und bcun- . systematisch das Volk. Man sagt, die Presse vereine Bedeutung: warum legen wir aber der auswärtigen eine so große Bedeutung bei und zitircn alle hetzerischen Kdfalle jedes französtschcn uno russtschen Winkclblattcs? Durch zOk TaKik wird nicht nur das Mißtrauen im deutschen Volte welches dmch keine Thronrede beseitigt werden kann, jiwnn auch im Auslande. Die ofstgöse Preff- ist ganz wesent- gjman schuld, daß das deutsche Volk nicht zur Ruhe kommt. M Budget zeigt immer größere Ausgaden, um Deutschland halten. Nach einer Zusammenstellung� in der «W* ,'G ffikSr' Aiüi ZU hatten, piacy einer Zusammen, reuung ,n L?f.'ger Zeitung", einem R.gierungsorgan, hat das Reich an LMen Ausgaben gehabt 1872: 338 414 000 3)1, 1873: Rillionen. 1874: 344 Millionen. 1875: 395 Millionen, 505 Millionen, bis 1882 fand eine kleine Abnahme statt, i]>,r®elchem Jahre die furchtbare Zrffer von rund 514 Srbontn en eicht war, dann steigt es weiter auf 527, 607, 2'"75 und in diesem Erat auf 864 Millionen und mit dem zjnwrdentlichen Etat zusammen auf 949 Millionen, also Mu 1 Milliarde. Das find ungesunde Verhältniffe, die in n Art und Werse begründet iind, wie das Deutsche Reich ,),wtande gekommen ist. Nachdem der Versuch, 1848 �Jeres, einiges Deutschland von unten herauf durch das Volk Stande zu bringen, mißglückt war, wurde die Lösung der N>alen Frage in die Hände der Feinde der deutschen demo- JzJtäen Entwickelung gegeben. So wurde die Einigung von tz? herab gemacht und auf die Schneide des Schwerts gesteM J wrn muß fie auch mit Gewalt erhalten weiden. Auf Bajo- 2� fitzt es sich aber sehr unbequem und außerdem find fie Z'wrdentlich theuer. Plan hat zwar das allgemeine Wahl- äfijJäftzrben, aber damit steht die preußische Pickelhaube im lAch, und daran krankt das Deut che Reich und seine der Gründung des Reich, welche in der Annektion vor �"�»-«en rag, uno oaraur, dcß ein System der Unter tst,,..9 Purtz greifen würde, welchrs eine friedliche Entwicke �irts«�? 9lich machen müffe. Das hat fich alles erfüllt. Die N JiniS �Qt nicht blos ein Verbrechen gegen die Souveränität sondern auch ein großer politischer Fehler, weil man seitdem unter der Furcht der franzöfisch-rusfischen *'khl. Damals lachte man mich aus, heute ist es osfiziell StK'i flPß uritct dem Schatten dieser Furcht unsere »��ffickelung je litten hat. Wir haben also damals einen An f '"»t.rneiung gelitten bat. Wir Häven also ram-us einen politischen Blick gehabt als Sie.(Lachen rechts.) Sie «m,, allerdings für so stark, um das ganze A' i'~S' J- holten. DaS Ding hat aber eine Grenze, 3 das vunl,eter Leistun�tähigleit angelangt. Glc--------- deutsche Volt diese Stiigrrung der Ausgaden ruhig wird? Das Volk ni riarat etwas für seine Aus« wir 'lauben Si„31 st?h aber einmal auf den Boden der Gewalt ff®, muffen das Reich gewaltsam zusammenhalten, v» fistwT h*1 Welt, wenigstens in keinem Kulturstaate— fstlilriU 5la8 es vorkommen— wird die Unterdrückung der ? Parteien so systematisch betrieben, wie bei uns. Bei "ahl der Sozialistenproz-sse, bei den Anklagen gegen von Leuten, von denen Niemand sagen kann, daß fie find, die nur für ihre Ueberzcugung eingetreten logen die politischen Verfolgungen früherer Zeiten lvinden, beißt es: wir haben unser politisches Ideal e�-nond erfüllt. Muß das Volk nicht empört sein über �>eucheW? Wie kann das Ausland da unsere Vcr« % für gesund und uns für einig halten und uns haben? Trotz der Kartellmehrhcit im BfcS? haben die Reichsfeinde bei dm Wahlen die Mehrheit gehabt. Wenn man einen so großen Thetl der z�ikt-Tr Reichsfestrde bezeichnet, kann das Ausland keinen aor uns haben und müffm in Frankreich chauvinistische w 25eßf werden. Wenn wir Alle Rcichsfeinde wären, toj. Deutsche Reich keinm Schuß Pulver werth. Gott '-- im Ausland diesen Blödfinn nicht. dann würden wir zwar keine Reichs- aber doch nicht dulden, daß das deutsche Vater» «ert wird.(Na! Na! rechts.) Wir gehören nicht fcji �"1 der Nation", welche 1806 das Vaterland per« Wir find von französischer Seite aufgefordert zu üben, haben das aber zurückgewiesen. ba förrfil � Unsere Soldaten würde man in Frankreich P dqM®. wenn wir Alle Reichsfeinde wären, aber ein eini- wir im gegebenen Falle bis zum letzten MWMSSÄW : glaubt man ." gelten würde, leinet, Einfluß häbm, ich aber lese die maß ZffMSW zMM-'-N-h-S y � Ob"0- Ztg.« nur die Anficht" 1 vte einer hinter ihm i#' ihres Redakteurs aus» stehenden mächtigeren Person. So entsteht die Giftsaat durch die Kartellpreffe in Beziehung auf das Ausland. Der Reichstag müßte da» für sorgen, daß die ewigm Verhetzunzen und das Säbel- rasseln aufhörm. Abwechselnd geht es auch gegen Rußland. Jetzt will man Rußland aber mit Gewalt gewinnen. Was hat aber das Wettkriechen vor Rußland genützt? Was hat unsere bulgarische Politik genützt? Von Rußland können wir den Frieden niemals bekommen, Rußland kann seine Eroberungs- politik nicht aufgeben. Wir sollten uns mit Frankreich auf freundlich.« Fuß stellen.(Lachen rechts.) In Frankreich herrscht jetzt das demokratische Prinzip, und diese Entwickelung will man seitens Deutschland stören. Frankreich kann in seinm jetzigm Verhältnissen nicht an Krieg denkm, das hieße die Repu» buk vernichten. Das Deutsche Reich muß würdiger auftreten und nicht so nervös, daß heute heiß, morgen kalt geblasen wird. Man will das Deutsche Reich nicht zur Ruhe kommen lassen. In keinem Lande habe ich bei den Wahlen eine solche Verhetzung gefunden wie hier bei uns, wo man fich gegenseitig vorwirft, das Land verrathen zu wollen. Heute wird jeder Reichstag oder Landtag mehr oger wmiger ein Angstprodukt sein, so lange die offiziöse Presse fori hetzt. Das ist unwürdig, das ist: nichtswürdig! Daraus zieht man im Aus« land für die deutsch: Stärke und den deutschen Charakter ungünstige Schlüsse. Unsere innere Entwickelung leidet ebenso unter dem Druck der indirekten Steuern. Seit 1672 find die Zölle um 185 pCt. gestiegen, die Branntwein- steuer um 477 pCt., die Brau- und Biersteuer um 51 pCt., die Salzsteucr um 64 pCt. Diese Last wird wesentlich von der arbeitenden Klasse getragen, und hier muß unter allen Um- ständen Wandel gelchaff.-n werden. Mit dieser Last geht Hand in Hand der Druck von oben, erst die Ausnahmemaßregeln gegen das Zentrum, dann gegen die Sozialdemokraten. Seit dem der zum Glück für Deutschland besiitigte Minister v. Patt- kamcr gesagt hat, hinter jedem Gewerkverein stehe die Hydra der sozialen Revolution, glaubt jeder Polizetbeamte, das Sozia- listengesetz so auslegen zu müssen, daß es heute geht wie in Frankreich unter dem Schreckensregiment und selbst die Richter Ekel davor empfinden. Wo der Druck ist, da ist auch der Gegendiuck. und wenn Sie die deutsche Sozialdemokratie durch Verschärfung des Druckes wirklich umbringen können, dann können Sie selbst nicht�mchr leben. Man hält uns das Zucker- brot der sogenannten Sozialreform vor, aber es ist nicht einmal Brot, sondern nur Stein. Auf den Namen Sozialreform hat nur Anspruch, was die soziale Frage aus der Welt schafft, so daß die Erzeuger der Werthe auch Bifieer derselben werden. Eine Regelung der Arbeit, das ist Sozialreform. In der ersten Denkschrift zum Unfallgcsrtz war es ja ausgesprochen, daß es fich nur um eine andere Organisation der Aimenpflege handele. Mit allen Ihren sozialpolitischen Gesetzen haben Sie nicht einem Menschen eine Unterstützung gefichert, die er nicht schon vorher ohne diese Gesetze gehabt hat. Niemals ist mit Worten ein solcher Mißbrauch'getrieben worden wie jetzt.(Sehr richtig! Lachen rechts.) Heißt es nicht ein frevelhaftes Spiel mit edlen Worten treiben, wenn in der Kartellpreffe von einer Verwirklichung dcZ Jdea's deutscher Freiheit gesprochen wird? Einer sozialen Reform widerstteden auch wir nicht, aber es muß auch wirklich eine sein. Wir haben darauf keinen Einfluß; wir können die Entwicklang des Volkes weder friedlich noch kriegerisch beeinflussen; machen wir heute einen Putsch, so schießen Sie uns zusammen. Mancher würde fich ja darüber freuen. (Widerspruch rechts.) O ja, es wird darüber mehr veröffentlicht werden als Ihnen lieb ist. Wir haben eine bessere Polizei als Si-.(Heiterkeit.) So lange in Deutschland das persönliche Regiment herrscht und jeder, ver nicht mit dem Strome schwimmt, als Reichsfeind verhetzt wird, wird das Volk nicht zur Ruhe kommen. Es ist hier neben mir einmal gesagt worden, wir fürchten nur Gott, sonst nichts auf der Welt. Von der Furcht Gottes habe ich, offen gestanden, nicht viel ge- merkt, aber außerordentlich viel von der Furcht anderer Dieser Reichstag ist ja selbst ein Angstprodukt genannt worden. Erst machte man Angst vor dem rothcn Gespenst, dann kam die Franzosenfurcht. Einigkeit macht stark, heißt ein altes, wahres Sprüchwort; j.tzt scheint man zu glauben, daß Zwietracht stark macht. Nachdem man der Judenhetze müde geworden, von der ein deutscher Kaiser gesagt hat. fie sei eine Schande des Jahr- Hunderts, hetzt man gegen Engländer und Englanderinnen (Lachen rechts), gegen höhere Personen.(Unruhe rechts; Ruf: Woher wissen Sie das?) O, wir wissen sehr viel, was wir jetzt nicht sagen wollen. Sie erinnern fich wohl nicht mehr, was während der kurzen Regierung des Kaisers Friedrich III. in der konservativen Presse vorzugsweise geschrieben wurde? Wenn das annähernd, auch nur andeutungsweise, gegen den vorigen Kaiser in irgend einem Oppofitionsdlatte vorge. kommen wäre. Tausende und Tausende von Anklagen wegen Majestätsbeleidigung wärm erhoben, Hundertlausende von Jahren Zuchthaussttafe zuerkannt worden.(Sehr richtig! links.) Während so die Zwietracht im Innern wächst, steigen unsere Rüstungen nach Außen. Graf Moltke hat einmal gesagt, diese kolossalen Rüstungen führtm mit?iatulnothwendigkeit zu einer Katastrophe. Der Reichskanzler hat gesagt, wenn eine von beiden lriegführmden Mächten„bis aufs Weiße geblutet" habe, dann müsse man doch aufhören. Sollen wir denn so wahn- finnig sein, auf diesem Wege der Inhumanität, Brutalität und Barbarei fortzufahren und nicht lieber das gleich thun, was wir später doch thun müssen, nachdem Millionen hingemeuchelt find? Wenn unsere Regierung fich dazu entschließt, eine internationale Abrüstung vorzuschlagen, jede Regierung, die fich einem solchen Vorschlage widersetzen würde, wäre dem Untergänge geweiht. Die Politik der Macht hat längst Bankerott gemacht: stehe dm Gang Bismarck's nach Kanossa, und daß das Sozialistengesetz zum Tode vcrurtheilr ist, wissen Sie selbst. Auch mit den Steuer- gesetzen hat man Fiasko gemacht. Sie können nicht mehr leugnen, daß die Kornzölle das Brot vertbeuern. England hat seine Kornzolle fÄfS S« S'ÄÄÄÖÄ »ÄÄf»=5: Wenn bei uns der Arbeiter täglich 10 bis 20 Pf. mehr Lohn bekäme, so wäre damit wirthschaftlich mehr erreicht, als durch die ganze Ausfuhr nach Afrika. Und woUn besteht unsere„christ- liche" Kulturaufgabe dort? In der Einfuhr von schlechtem Schnaps, Pulver. Flinten und Bajonetten. Man kann gar nicht einmal definiren, was Sklaveret ist, und wenn man nicht gegen die Kontrastsklaverei Front macht, so find alle neuestm Schritte gegen die Sklaverei uberflusstg. Ich habe mich ver- pflichtet gc'üblt, die Wahrheit ungeschminkt zu sagen. Von dem deutschm Bürgertbum ist leider nicht ,u hoffen, daß es die jetzige extreme Politik niederwirft. Der Burgerkrieg wird von aa Ideale, nämlich das Proletariat. Es muß Jedem Respekt ein- flößen, wenn der deutsche schutzlose Ardeiter mit hungrigem |& Ä WSÄ5S der' Sozialdemokratie wird Europa zur allgemeinen Verbrüde« rung gelangen. Unsere Stellung zum Etat baden wir wieder« holt klar gelegt. Wir stehen dem jetzigen System und dessen Trägern prinzipiell feindlich gegenüber und bewilligen deshalb diesem System keinm Mann und keinen Groschm!(Beifall bei dm Sozialvemokratm.) Staatssekretär». KStticher: M. H., ich hatte geglaubt, daß es für mich nicht erforderlich sein würde, in der allgemeinm Besprechung des Etats das Wort zu nehmen, und ich empfinde auch eine gewisse Schwierigkeit in der Aufgabe, dem Herrn Vor» redner auf seine Ausfühmngm erschöpfend zu antworten. Dmn das wird mir jeder, der diese Ausführungen gehört hat, zu» geben: er hat über eine solche Fülle von Dingen gesprochen, daß es unmöglich ist, alle Einzelheiten seines Vortrages gehörig zu würdigen. Wmn ich gleichwohl und abweichend von dem bisherigen Gebrauch gleich auf diese Rede hmte einige Worte erwidere, so geschieht es lediglich aus dem Grunde, weil ich es vermieden zu sehen wünsche, daß diese Rede ohne jede Ant« wort in das Land geht, und daß im Lande etwa der Eindruck erweckt wird, als od alles das, was der Herr Vorredner über , Politik der verbündeten Regierungen vorgebracht Wk, richtig und als baare Münze zu nehmen sei. Die Tendenz des Vortrages des H:rrn Vorredners ergab fich meiner Ueberzeugung nach zweifellos aus seinen Schluß« ausführungen. Es war eine Rede, die bestimmt war, nach außen hin zu wirken; fie richtete fich an die deutsche Ardeiter» welt, und fie war bestrebt, ein in dieser Arbeiterwelt vielleicht etwa schon verloren gegangenes oder doch ins Schwanken ge- rathenes Terrain wieder zu gewinnen.(Sehr richtig! rechts.) Meine Herren, mit welchm Hyperbeln und Uebe'treibungen der Herr Vorredner seinen Vortrag gewürzt hat, dafür werden Sie einm Beweis bereits aus seinen Eingangsworte« entnommen haben, in denen er die Thronrede, mit welcher Seine Majestät der Kaiser den Reichstag eröffnet hat, der Besprechung unterzog und dabei den paradoxen Ausspruch tbat, der Mangel jeder Uederraschung, der in der Thronrede erkennbar wird, bezeuge das Ungesunde unserer politischen Lage.(Heiterkeit rechts.) Meine Herren, in der That glaube ich nicht zu viel zu sagen, wenn ich diesen Ausspruch als eine Hyperbel seltener Art bezeichne.(Heiterkeit rechts.) Ich sollte meinen, die gesundesten Zustände find es, die nichts Ueberraschendes bieten, und eine etwaige Ungesundheit der Zustände läßt fich gerade daran erkennen, daß ihre Betrachtung zu Ueberraschungen Ver- anlassung giedt Nun, meine Herren, ist ein zweites Eharak- teristilum des Vortrages des Herrn Vorredners darin zu finden, daß er weniger gegen die ausgesprochene Poltik der ver- bündeten Regierungen fich gewendet hat, als vorwiegend gegen die Politck, wie er fie aus der sogmannten olfiffösen Presse entnehmm zu können glaubt. Diese offiziöse Presse beginnt nun nachgerade, ein Mythus zu werden.(Widerspruch im Zentrum und links.) Jeder stellt fich unter der offiziösen Presse etwas Anderes vor, und der einzige feste Punkt dieser Bctrach- tungen scheint mir der zu sein, daß Jeder für offlziös hält in der Politik und in der Presse, was seinen Anschauungen zu« widerläuft und was ihm möglichst unbequem ist.(Oh, oh! links.) Auf die sogenannte offiziöse Presse, wie der Herr Vor« redner fie fich vorstellt, politische Argumentationen zu machen, ist außerordentlich mißlich, und ich kann ihm nur empfehlen, wenn er künftig ganz stcher gehen will in seinen Beodachtun« gm, daß er dann lediglich das kür richtig hält, was wirklich unmittelbar von den verbündeten Regierungen ausgegangen ist, oder das, waS im offiziellen Thetl des„Deutschen Reichs- und preußischen Staatsanzeigers" steht.(Heiterkeit.) Meine Herren, der Herr Vorredner bat das Ungesunde unserer Zu« stände innerhalb des Deutschen Reichs auch daraus abzu« leiten gesucht, daß die Ausgaben fortwährend im Steigen begriffen find, und daß zur Bestreitung dieser Ausgaben fortgesetzt die Deckungsmittel erhöht werden müssen. Dieser Grund hätte doch nur dann das Gewicht eines beweisenden Arguments, wenn der Herr Vorredner zugleich dargelhan hätte, daß die Ausgaben entweder irrationell find, d. h. nicht zu ver- nünftigen Zwecken des Staatswesens verwendet werden, oder daß fie das Maß der Leistungsfähigkeit überfchreitm, die dem Deutschen Reiche innewohnt. Nach beiden Richtungen hat er den Beweis nicht aesühtt und kaum angetreten. Ich kann ihm zugeben, daß die Militärlast und die Ausgaben für die Zwecke der Landesvertretung unbequem find, und ich kann ihm sagen, daß die verbündeten Regierungen gewiß ihre Hand dazu bieten würdm, diese Ausgaben zu vermindern; allein wie das zu machen ist, das hat uns der Herr Vorredner nicht gesagt. (Sehr richtig! rechts. Oho! links.?Idg. Liebknecht: Doch!)— Doch?! Er wendet mir ein: doch! Er hat in dieser Be» ziehung auf die Nothwendigkeit der allgemeinen Abrüstung hin« gewiesen; allein mit der allgemeinen Abrüstung ist es auch ein eigen Ding. Man kann den Wunsch einer allge« meinen Abrüstung hegen, man kann auch vielleicht dazu gelangen, bezüglich dieser allgemeinen Abrüstung eine Uebereinstimmung unter den Militär- Mächten herbei- zuführen, eine Bürgschaft dafür aber, daß ein solches Abkommen gegebenen Falls aufrecht erhalten wird, kann kein Mensch schaffen.(Sehr richtig! rechts.) Ich behaupte also, der Herr Vorredner hat den Beweis für die irrationelle Verwendung der Gelder im Deutschen Reich und dafür, daß die Lasten, welche für die Ausgaben des Reichs nothwmdig aufgelegt werden müssen, das Maß der Leistungsfäbigkett übersteigen, nicht erbracht. Ich behaupte auch, es läßt fich ein solcher Beweis nicht mit allgemeinen Worten und mit allgemeinen Betrachtungen führen. Man muß in die Dinge hineinsteigen, man muß jede Ausgabe für fich betrachten, man muß weise Sparsamkeit üben in jedem einzelnen Falle, in welchem man zu der Ueberzeugung kommt, daß eine Ausgabe nicht nothwendig sei, und man muß andererseits, wenn man Lasten aufl.gt, sehr gewissenhaft prüfen, ob die Art wie man die Lasten aufdringen und vertheilen will, von den Schultern, auf welche fie vcrtheilt werden sollen, auch getragen werden können. Das ist der Weg. auf dem man zum Ziele kommt, mit allgemeinm Exklamationen indessen ist auf diesem Gebiete nichts gethan. Nun hat der Herr Vorredner eine Initiative von oben zu verdanken, und diese Initiative von oben sei lecher nothwmdig geworden, weil die Initiative von unkn im Jahre 1848 mißgluckt sei. Die Thatsacke des Miß- gwckens ist richtig; daß das Deutsche Reich auf Grund eines Vertrages zwischen den verbündeten Regierungen zu Stande ge- kommen ist, ist auch richtig; daß der Herr Vorredner das be- dauert, kann ich begreifen. Allern ich möchte wohl das Reich sehen, welches, wenn die Initiative des Jahres 1843 von unten geglückt wäre, heute vor uns stände.(Sehr wahr! rechts. Na nu! links.) Und die Parallele zwischen dem Deutschen Reich aus der Zeugung von 1848 und dem Deutschen Reich aus der Zeugung von 1870 71 kann meines Erachtens— und darüber wird in Deutschland selbst wohl kaum ein verständiger Mensch im Zweifel sein— nur zu Gunsten der letzten Kreation aus- fallen.(Sehr gut! rechts. Ach! links.) Der Herr Vorredner bat nun weiter in seiner Rede der auswäriigen Politik der Regierungen Vorwürfe gemacht, über welche ich schon um des« willen hirwegglhen könnte, weil die Veitretung der auS- wärtigen Politu zunächst nicht meines Amtes ist, und weil dieser Gegenstand zu naturgemäß eine tiefere Kenntniß der Dinge vorausgesetzt, als fie mir nach dem Umfange meiner Thätigkcit beiwohnt. Wenn aber der Herr Vorredner unter seinen Betrachtungen u. A. die Frage aufgeworfen hat: Besteht denn die staatsmännische Weisheit darin, daß man Konflikte mit dem Auslande erwrckt? so möchte ich ihn denn doch fragen und den Beweis dafür erbitten, daß, so lange Mrst Bismarck an der Spitze der deutschen Politik steht, da irgendwann, irgendwo und irgendwie die Aufgabe der deutschen Politik darin gefunden worden ist, Konflikte mit dem Auslande hervorzu« rufen.(Sehr gut!) Es ist das auch eine der kühnen Bebaup« tungen—(Zuruf links: habe ich nicht gesagt!) Das thut mir leid; ich habe es so aufgeschrieben.(Heiterkeit.) Wenn der Herr Vorredner das aber nicht gesagt hat, dann kann ich diesen Punkt übergehen. Ich wollte ihn sonst nur darauf hinweisen, daß wir es gerade der konfliktstörenden Politik des Deutschen Reiches zu danken haben, daß seit dem Jahre 1870 der Frieden und die Ruhe in Europa in solchem Maße bewahrt geblieben ist(sehr gut!), daß wir unter diesem Frieden eben ein stilles und geruhiges Leben haben führen rönnen. Ader etwas Zweites hat der Heir Vorredner gesagt; ich glaube kaum, daß er mir das bestreiten wird. Er hat gemeint, cs sei sein Wunsch, daß das Deutsche Reich etwas würdiger nach außen auftrete.(Heiterkeit rechts. Zuruf links: Ja, gegen Rußland!)— Ja, meine Henen, wenn die äußere Vertretung des Deutschen Reichs— und dafür haben wir doch in der jüngsten Vergangenheit die unwiderleglichsten Beweise—, noch an Würde zu wünschen übrig gelassen hat, dann ist in der Tbat das Maß des An- spruches, das der Herr Vorredner auf diesem Gebiete erhebt, ein. sehr großes, das wohl kaum zu leisten sein wird.(Setter": Sehr gut!) Der Herr Vorredner— und das verstehe ich ja— hat es beklagt, daß die Steuern das Volk belasten. Ich de- klage das auch; ich würde auch sehr gern weniger Steuern bezahlen: aber, wie gesagt, allgemeine Klagen darüber helfen uns nicht weiter: wir müssen untersuchen in jedem einzelnen Falle, od wir sparsamer wirthschaften können, und wie mir mäßiger die Lasten gestalten können. Er hat fich weiter darüber deklagt, daß dem Lande die Ketten des Sozialtstengesetzrs angelegt find. Er hat gemeint, gegenüber diesen Ketten sei es nur Zuckerbrot, wenn von Seiten der ver- kündeten Regierungen eine gewiffe soziale Reform in Szene ge- setzt sei, die weit aus davon entfernt sei, das Reformbedürfniß auf dem Gebiete der sozialen Zustände zu decken. Diese Auseinandersetzung nöthigt mich doch zu ein paar Worten. Wenn die verbündeten Regierungen nicht dazu übergegangen wären, auf dem sozialpolitischen Gebiete reformirend vorzugehen, so würden die alten Uebclstände, über die wir die Klagen laut und vernehmlich in diesem Saale gehört haben, immer dieselben geblieben lein. Die Regierungen find fich sehr wohl bewußt, und der Ausdruck dieser Ueberzeugung ist ja auch in der letzten Thronrede enthalten, daß mit dem, was auf dem Gebiet der Gesetzgebung geschehen kann, nicht durchweg alle Uedelstände, die aus der Vertheilung der Güter und Kräfte unter den verschiedenen Klaffen der Bevölkerung entspringen, werden beseitigt werden. Allein die Hand in den Schooß legen, dazu würden fie fich nicht haben entschließen können: fie würden es für pflichtvergessen gehalten haben, wenn fie auf diesem Gebiete nicht vorgegangen wären. Dem Herrn Vorredner genügt das nicht; er meint, man müsse die sozialen Uedelstände fundamental anfassen; und hier stehen wir auf ganz diametral entgegengesetztem Standpunkt; wir suchen uns die einzelnen Uedelstände aus, wir erwägen die Möglich- ketten, diese Uedelstände zu beseitigen, und wenn wir einen gangbaren Weg gefunden haben, so schlagen wir ihn vor; mit allgemein durchgreifenden Reformen, noch dazu nach den Grund- sätzen des sozialdemokratischen Dogmas, würden wir wenig Glück habm und wir würden auf jedem Schritt dem berechtigten Zweifel unterworfen sein, od wir auf diesem Wege etwas Besseres schaffen, als wir auf dem von uns betretenen zu schaffen hoffen dürfen und. wie uns die Erfahrung lebrt, auch bereits gesck-affen haben. Meine Herren! Es ist eine Täuschung, eine positive Täuschung, wenn man die Erfolge unserer sozial- politischen Gesetzgebung gering anschlägt. Heute liegt die Sache so, daß der größte Toeil der Ardeiterwelt gegen die Folgen der Krankheiten gesichert ist(nein! links; ja! rechts); ich erwarte den Beweis für die gegentheilige Be- bauptung und ich werde mich— dazu wird ja später Gelegenheit sein— gerne in eine Diskussion darüber einlassen. Ich behaupte weiter, heute ist bei der überwiegenden Mehrzahl der deutschen Arbeiter jeder Unglüssfall, der ihn betrifft in seiner Berufsarbeit, nicht von so schwerwiegenden Folgen wie früher, heute ist für ihn, wenn er verunglückt, ge- sorgt, es ist nicht richtig, daß in einer früheren Denkschrift von Selten der verbündeten Regierung die sozialpolitische Reform ausdrücklich als eine verbefferte Armenpflege bezeichnet worden sei.(Allerdings! links. Denkschrift von 1331.) Was in der Denkschrift von 1881, die ich nicht zur Stelle habe, meines Er- innerns steht, ist das, daß darin gesagt ist, wenn diese Reform durchgefühlt sein wird, so wird damit eine weitaus bessere Für- sorge, als wie durch die bisherige Armenpflege gewonnen sein. Und es war damals die Begründung für die Theilnahme des Reichs an dieser Reform sogar darin gefunden, daß die Armen- pflege zum größten Theil entbehrlich gemacht wird. Aber, meine Henen, auch abgesehen davon, wenn das, was der Herr Vonedner behauptet hat, in der Denkschrift wirklich gesagt worden wäre, so kann ich es Ihnen ja vom parteipolitischen Standpunkte auS auch nicht verdenken, wenn Sie die ver- kündeten Regierungen auf diesem Ausdruck etwa festnageln wollen, allein tbatsächlich zutreffend ist der Auedruck allerdings nicht.(Doch! links.) Herr Bebel sagt: Doch! Dann habe ich nur nölhig, ihn darauf hinzuweisen, daß das, was jetzt an Ar- menpflege, und zwar einschließlich der vorübergehend nothwen- dtgen Fürsorge, geleistet wird, nach unserer Armenstatistik pro Kopf der Unterstützten 55 M. beträgt und daß das ein Mini- mum gegenüber denjenigen Leistungen ist, die jetzt zu Gunsten der Verunglückten r-sp. Erkrankten und demnächst invalide wer- denden Ardeiter unternommen werden.(Sehr richtig! rechts.) Also, meine Herren, mit dieser Parole:„Armenpflege" kommen Sie einmal nicht weiter; es ist schon um deswillen keine Ar- menpflege, weil der Arbeiter zu diesen Leistungen, die ihm für dm eintretenden Fall von Rutzen find, selber herangezogen wird, well er durch eigene Sparsamkeit dm Topf anfüllt, der später für seine alten Tage die erforderliche Sudststenz gewähren """'".ug und nicht melk dem Arbeiter einzu- es fich hier soll, und es ist nicht klug und...u,-"... reden, daß es fich hier blos um Armenpflege handele. zu der er herangezogen werdm soll, um andere Schultern zu erleichtern, es mag das sozialdemokratisch sein, politisch und zutreffend ist es aber nicht. Auch dafür, daß die Verarmung d s Volkes zunimmt, hat der Herr Vorredner Jhnm einen Be- weis nicht beigebracht. Ich bestreite auch diese Behauptung. Sie ist namentlich in einer Zeit nicht angebracht, in der die ge> werbliche Arbeit im Lande einen neuen Aufschwung gewinnt und in der der Lohn dieser Arbeit im Steigen begriffen ist.. lfturuf rechts)— auch bei der Landwirthschast, das läßt fich aar nicht leugnen. Und, meine Herrm, wenn der Herr Vor- teßner— ich hätte das zwar schon vorher sagen können— über den allzu großen Steuerdruck geklagt und wenn er namentlich, a&esaeMSÄ beträgt, während wir in Preußen nur 42 M. zahlen. Also, ich glaube, der Hinweis auf Frankreich in Bezug auf die offent- lichen Lasten, ist nicht ein sehr glücklicher gewesen, und was den Hinweis auf das politisch glückliche Frankreich anlangt (Heiterkeit), so wollm wir Gott danken, daß wir keine Franzosen find.(Bravo!) Meine Herrm, wenn der Herr Vorredner noch zum Schluß gefragt hat: Soll cs denn so weiter geben? so bade ich ihm darauf zu erwidern: Soweit unsere Politik, unsere Gesetzgebung und unsere Verwaltung auf einer gesunden Grund- läge ruht, soweit fie gute und praktische Ziele im Auge hat, ja, soweit soll es so weiter gehm,— soweit wir Mißstände darin bemerken, soweit wir Korrekturen für erforderlich halten, soweit sollen wir die bessernde Hand anlegen.(Bravo! rechts.) Meine Herren, und wenn dann der Herr Vorredner unsere ganze Politik als eine Politik der Verhetzung bezeichnet hat. so gebe ich ihm und seinm Freundm, namentlich aber seiner Presse dieses Wort in vollem und ganzem Umfange zurück.(Bravo! rechts. Zuruf von Seiten der Sozialdemokraten.) Ich bin in der Lage, die sozialdemokratischen Blätter Blatt für Blatt zu lesen, und ich kann sagen, daß mir so etwas von Verhetzung und Anfeindung, so etwas von Erregung und Mißvergnügen gegen die anderen Be- rufsstände, wie in diesen Blättern(Zuiuf von Seitm der Sozial- demokraten) noch nicht vorgekommen ist. Ich werde Ihnen auch hiersür bei geeigneter Gelegenheit den Nachweis führen lönnm, indem ich das» was in Ihren Biättern steht, zu Ihrer Kenntniß bringe. Ich behaupte nichts, was ich nicht deweisen kann. Worauf die Politik der verbündeten Regierungen gerichtet ist, das ist die Versöhnung, das ist die Abstellung eingetretener Mißstände, das ist die Förderung des wirthfchafilichen Wohles der Nation.(Bravo! rechts.) Könnten wir uns. meine Herren, von der sozialdemokratischen Partei, Ihrer Mithllfe dabei ver« fichern, und auch Sie redlich und ernst mitarbeiten an der Fort- sührung unserer sozialpolitischen Gesetzgebung, so würden wir auch Jhrm Rath dankbar entgegennehmen. Wir werden uns freuen, wenn Sie uns etwas werth, olles beibringen. So lange Sie das nicht könnm, so lange Sie, wie bisher, keine Mithilfe leisten, lassen Sie mich bei dem Glauben, daß unsere Politik die richtigere und für das Wohl des Landes förderlichere ist. (Lebhaftes Bravo!) Abg. Graf K»hr-Behrenboff(Reichsp.): Die Erwägungen und Betrachtungen des Abg. Richter scheinen mir nicht wesentlich neu, und es lohnt daher nicht, auf fie einzugehen. Die Herren haben wenig gelernt und nichts vergessen. Damit kommen fie freflich nicht weiter, das Volk wendet fich von ihnen ad, es will ein Fortschreiten und keine Verknöcherung. Wir sehen das bei den Wahlen; wenn die Freisinnigen nicht durch die Unter- stützung anderer Parteien gewählt würden, so wäre ihre Zahl hier noch geringer. Der Vorwurf gegen die Eisenbahnverwaltung ist völlig unbegründet: diese Verwaltung ist eine so erfreuliche, daß ein momentaner Mangel an Fuhrmaterial daran nichts ändem kann. Was der Abg. Liebknecht vorgetragen, ist vom Regierungsttsch theilweise bereits widerlegt. Durch seine Rede- Wendungen vom Militarismus, Unterdrückung der Freiheit und dergleichen lassen wir uns die Freude am geeinigten Deutschen Reiche nicht verkümmern. Von dem„Bischen" Soztalreform sollte der Abgeordnete Liebknecht nicht sprechen, nachdem schon eine so große Zahl von Millionen in diesem Sinne aufgewendet find. Wenn er meint, der Wähler sei in Deutsch- lanv nicht frei, könne nicht so wählen, wie er wolle, so habe ich eine sehr viel bessere Meinung von der Selbstständig- kett des deutschen Wählers. Auch der Bezug auf die Aufhebung der Kornzölle in England ist nicht sehr glücklich gewesen; die Produktion an Korn ist seitdem dort gefallen, und 70 pCt. des Konsums muß eingeführt werden.— Der Etat ist dieses Mal üderstchtlicker; aber ich bin im Gegensatz zum Abg. v. Wedell nicht der Anficht, daß er ein so sehr glücklichrr und rostger ist. Unsere Kräfte find mehr oder weniger erschöpft, es wird nicht auf ködere Einnahmen zu rechnen sein.(Abg. Rickeit: Hört! hört!) Wir haben zwar in diesem Jahre einen guten Abschluß, aber ich glaube, wir haben die Höhe der Ein- nahmen erreicht. Ob der Branntwein noch mehr bringt, ist mir zweifelhaft; wer weiß, ob er nicht hinter dem jetzigen Ertrag künftig zurückbleiben wird, denn der Konsum bat inzwischen sehe abgenommen. Auf die Erhöhung der Zuckersteuer können wir auch nicht rechnen. An die Einführung neuer Steuern und Zölle können wir nicht denken; wir müssen uns beschränken auf das, was wir haben. Jfl das aber der Fall, so haben wir uns der größten Sparsamkeit zu befleißigen. Der Mehr- bedarf dieses Etats nun stellt sich auf rund 25 Millionen, die Mehreinnahme auf nur 23 Millionen, so daß ein Fehlbetrag von deinabe 2 Millionen bleibt. Daß wir in unseren kolonialen Unternehmungen zu weit gehen könnten, fürchte ich nicht. Der Reichskanzler hat wiederholt erklärt, daß es fich nur darum handeln könne, die deutschen Unter- nehmungen zu halten, aber nickt kriegerisch einzuschreiten. Ich halte also die größte Sparsamkeit für erforderlich; was aber zur Vertheidlgung und Entwickelung des Vaterlandes noth- wendig ist, müssen und weiden wir bewilligen.(Beifall rechts.) Abg. v. Kennig»«: Der Abg. Liebknecht hat heute in einem längeren Vortrage über das Ausland und Inland, über den Charakter der politischen Kämpft in fremden Ländern und im eigene» Lande, über die wiithschaftlichen Zustände in Deutsch- land eine lange Reihe von Behauptungen aufgestellt, auf die der Staatssekretär v. Böiticher zum Theil bereits erwidert bat. In der späten Stunde möchte rch nur einiges aus diesem Vor- trage, was mir besonders charakteristisch erschienen ist und worin wohl auch der eigentliche Schwerpunkt der Rede enthalten war, mit wenigen Worten beleuchten. Der Staatssekretär v Bötticher bat mit Recht darauf hingewiesen, daß der Abg. Liebknecht als Mitglied einer kleinen Partei ohne entscheidenden Emfluß auf die Entschließungen des Reichstags weniger für diese Versamm« lung, als na» außen agitatorisch zu reden fick bemüht hat, um weiteren Gewinn für die sozialdemokratische Prrtei herbei- zuführen und den vorhandenen Stamm der Sozial- vemokrotie unter Leitung der jetzigen Füdrung in Deutschland zusammenzuhalten. Dazu war es natürlich nothwendig, die Zu- srände in Deutschland so schwarz als möglich zu malen: die Regierung in ihrer Reaktion, den Reichstag in der Unterstützung dieser Politik, den Niedergang der wiithschaftlichen Entwicklung, den Druck auf die arbeitenden Klassen. Daneben wurde hervor- gehoben, wie viel herrlicher es sein würde, wenn die Entwicke« lung demokratisch von unten erfolgte, wie eine Frieden ge- bietende Stellung dem Deutschen Reiche nach Außen geschaffen würde. Eine solche freiheitliche Entwickelung haben wir schon einmal vor etwa 100 Jahren in einem fiiachdarlande gehabt. Da wurden die Zustände auf revolutionärer, demokratischer Basis gegründet. Gab es da Rube im Jnmnt, friedliebende Politik nach Außen? Nein, das Gegentheil; fortgesetzte Revo- lutionen mit Hinrichtungen und Druck im Innern und kriege- rische Propaganda, welche die ftanzöstschen Fahnen mehr als zwanzig Jahre durch ganz Europa getragen hat. Was den Etat betrifft, so bin ich dankbar dafür, daß unsere voijährigen Wünsche bezüglich seiner äußeren Anordnung, wenn nicht ganz, doch im Wesentlichen erfüllt find. Ganz konsequent ist das in der Resolution Angeregte nicht ausgeführt; die Kommission wird zu prüfen Häven, ob hier nicht etwas weiter ge- gangen werden kann. Ich halte es persönlich für sehr wohl möglich, auch die Einnahmen und Ausgaben d-s Reichs-Jnva- lidenfonds in den außerordentlichen Etat zu stellen; desgleichen meine ich, daß es gelingen muß, unter vollstä- diger Aufrecht- erhaltung des R.ch'szustandes im Etat die Differenz zwischen Ueb.lweisung und Matrikularbeitcägen in der Lmte erscheinen zu lafien, um so die 200 Millionen zu beseitigen, um w-lche da- Gesammtoilv größer erscheint, als es wirklich ist. E ne fernere F age, welche schon der Echatzsekretär und Giaf Behr b-rühft Haren, ist die, ob nicht dem zu st uken Anschwellen der Reichsschuld mit einer regelmäßigen Tilgung entgegenzutreten sei. 37 405 00 M. stehen als Zinsen der R icksschuld im Etat für 1889/90; d. h. im Laufe dieses Jahres überschreiten wir bei unserer Reichsschuld den Betrag einer Milliarde! DÄ s doch, wenn auch keine erschreckende, immerhin eine zum RaJ» denken auffordernde Ziffer, zumal wenn man bedenkt, daß.« SÄ®' 'T"'*.J»M v»f VVV*»«» MIM«» Vt-VlMtV � fMV M noch ganz stark mit weiteren Anleihen vorgehen. Jw®7 Mng. und W für 1889/00 find wieder 73% Millionen Anleihe in ficht genommen. Gewiß ist die technische Seite Tilgungs frage schwierig; wir können schwer zu den titeln� zurückkehren, zu denen eine Ausloosung von voir.h-'w? �Schisse eir te Ä Hjai Hebert als Verpflichtung übernommen wird, denn diese Titel mütW gAe. Das �fibmiralit Seit hat er m- von Teneral Ben ihi köm & � wie viel weniger beim Publikum beliebt sein als die Titel der ko» solidirten Schuld. Andererseits würde ein Tilgungsfonds* Etat auf technische Schwierigkeiten stoßen in solchen wirthsa# lich aufsteigenden Zeiten, wo, wie bei uns, die Reicksschuld» auck die 3% prozenttgen, weit über pari stehen. Das Schtvfl' gewickt der ganzen Bera'.hung des Etats liegt diesmal» Marincetat. Dieser Etat fordert zwar rock keine sehr W Summe, es wird aber auch eine sehr wesentliche Verändere in der ganzen Einrichtung unserer Marine und in der»» schaffung der Schiffe geplant. Allerdings ist in der DenlM von 1887 88 schon darauf hingewiesen, wie weit die Mam>t>�.„ � anderer Staaten, auch zweiten Ranges, in der Beschall�« Thätigl großer Panzer« und schnellfahrender Schiffe unsere Mar»«tstet hat. überflügelt haben. Es ist auch darauf hingen)::!* daß in mancher Hinficht noch eine Erweiterung« Ergänzung erwünscht sei. Aber Niemand konnte* warten, daß so bald darauf eine fundamentale Aenderunfl ganzen Marine und eine Beschaffung von großen SchlachtschW � v m solchem Umfange uns in diesem Herbst vorgeschlagen wen» wes, und würde. Da cs fich hier um eine wesentlich organische ßitw» Mission üb tung handelt, so wird diese Angelegenheit in der Kowwif!» um so sorgfältiger geprüft werden müssen. Nach dem Etat>» der Denkschrift sollen bereits im nächsten Jahre 6 oder 7# größten Sckiffe gebaut werden, 23 in den nächsten 6 Jap* Nun vermisse ich in der Denkschrift jede Angade darüber,« denn neben der Summe von 116 800000 M., welche der Jjgj�Stellr ..Nachdem m *Ain. Amit is Dime De dieser 28 Schiffe im ganzen kosten wird, die ärtilleristische e— Cai.. cw-.a-n---- � f-£****-. m.n...... i w /B.» jpfll sonstige Ausrüstung dieser Schiffe noch losten wird. Es mir gesagt, daß noch ein paar Dutzend Millionen gerechnet werden müßten. Was wird die Bemannung Schiffe kosten? Sind wir im Stande, für diese das Personal an Offizieren und Mannschaften in' kurzer Zeit zur Verfügung zu stellen, und können» diese Schiffe in dieser Zeit im Jnlande gebaut? den? Ein Theil dieser Fragen hätte recht gut schon i«£ Denkschrift beantwortet werden können. Ich habe nur nw] Budgetkommisfion zu bitten, bei der Prüfung des Etat»» möglichste Sparsamkeit zu sehen.(Beifall links.) Staatssekretär des Reichsschatzamts Frhr. von Waltz�?, Der Vorredner hat als einen Uedelftand zur Sprache geM? daß das amtliche Waarenverzcichniß zum Zolltarif nicht. 8� den gesetzlichen Bestimmungen entsprochen haben würde»« Wochen vor seinem in Geltungtreten publizirt worden Diese Worte beruhen auf einer unrichtigen Auffassung do� schlägigen gesetzlichen Bestimmungen. Der§ 11 des zollgesetzes vom 1. Juli 1869 bestimmt, datz eine Aendev« des Äereinszolltarifes der Regel nach wenigstens acht vor dem Inkrafttreten zur öffentlichen Kunde gebracht 8% solle. Diese Fristbesttmmung bezieht fich also nur auf änderungen des Vereinszolltarifs und selbst diese sollen 8» S Regel nach dieser Frist unterliegen. Der nächste Paragraph L Gesetzes spricht erst von dem amtlichen Waarcnverzeichniß- jZ, glaube also, daß, wenn das zur Zeit giltige amtliche Waa#?», zeichniß, wie es der Bundesrath im Laufe dieses Sern nie» 2%, gestellt hat, nicht acht Wochen vor dem 1. Juli d. I., fang seiner Giltigkeit, hat publizirt werden können, /%% bierin ein Verstoß gegen die gesetzlichen Bestimmung* ,/� Eine möglichst frühe Publikation ist ja erwünscht, das Waarenvcrzeichniß hat aber jetzt nicht eher fertig gestellt 88,� können. Abänderungen des Zolltarifs sollen in diesem niß nicht enthalten fem, es ist nur bestimmt, die der gsra %4nun( .nchrer e H 5&%ebe Erhall ge u? anderen N»t find M Erden sto fe- Met n in torbttie erl ZHxrichts, StSenbi I W. W____________________ jie einlZ Waaren unter die auf sie anwendbaren Bestimmungen de» .......-.-. JM» tarifs zu sudsummiren. Nun kann bei einem Artikel zweiff sein, unter welche Position des Tarifs er gehört, und stnd Beschwerden erklärlich. Solche Beschwerden find Behörden stets eingehendster Prüfung unterzogen worden. � ich kann nur bitten, etwaige weitere Beschwerden mttzm»»' iMefelhen werden fornfaltia nenrüft werben, ebenfn wie ff hl Dieselben werden sorgfäliig geprüft werden, ebenso wie v- � schwerden übet etwaige unzutreffende Festsetzungen rf Ausdeuleverhältnisse bei der Spiritussteucr, so sich um die namentlich in Süvdeutsckland vorhaNM, kleineren Brennereien nicht mehliger Stoffe handelt. Festsetzungen auf Grund des neuen Gesetzes cl zu einer Zeit, als ausgiebige Erfahrungen darüber no� Zeit vorbehalten bleibt, da ja zunächst die Kommisfivr� lungen vorangehen werden. Ich möchte nur eins ei und Las ist das, daß ich ganz gewiß diese hohen F? �»» nicht angeregt und aufgestellt haben würde, wenn r« Azitst Ueberzeugung hätte, daß wir erstens mal die sammtn« ,. die da gefordert find, im Jnlande bauten. So% vre da gesorverl stnd, rm Jnlande dauren. Thätigteit reicht, wird ganz gewiß ohne die zwing*-' nicht ein Nagel aus dem Auslande bezogen wervci deutschen Schiffe sollen deutsch sein vom Krel bis zuw �& mn knöpf.(Beifall.) ob wir mit unseren Olfizierm den- Ich weroe im Verfolg der Verhandlungen misfion die Ehre baden, nachzuweisen, daß das, ÜüV jtfjö 05 A iie fte ruhi «r» Ijata M §2 % rfS •et( t di :e zu A hÄtens i W kei, W #8% HZ °rft sa W Mlstlon vre rsyre baden, nachzuweisen, daß oas, � neuen Schiffe mehr brauchen, wir durch Erngeoen, Schiffe ersparen. Also der M.hrocrdrauch an Person � pa* viel maiDcn iget herausstellen und notowendig rossen � jetzt geschaffen werden soll, als durch die 1' 0 haft�, Marine überhaupt und im Allgemeinen. Die-j- per% ja außerordentlich vergrößert in den letzten DezenM' � n fnrmlhpWf«lAf Kina fr»r s;„ fnnDcrn"U", "«tmu 1 t! Dat � Jage Stellungen im Lande zugenommen, und dieser Personal- ie zum% M% Stellungen am Lande, für Reuschaffung von Marine- nkt, daß Wkn, für neue Behörden— das Alles dedingt die stetige Ver- gm M«rog. und über diese hinaus, die auch ohne die Vermehrung he in M' �schiffe eingetreten sein würde, haben wir nur unwesentlich an Seite W Wonol mehr gebraucht. Schließlich möchte ich noch eines den Schm»«w lies gedenken. Es ist mir aufgefallen, daß vielfach von in voinhnt» MtB Uebergang zu einem völlig anderen System gesprochen Titel wulda gibt Das ist durchaus nicht ver Fall. Als der letzte Chef 'itel der w» w Abmiralität das Amt antrat, bade ich die Ehre gehabt, ihm ingsfonds»«e zur Seite stehen zu dürfen im Ausbau der Marine, und n wirthssapMll hoj ft mir die Ehre erwiesen, mir seine Denkschrift zur ieichsschmM mutm vorzulegen. Ich habe in dem System, welches der Das Schfl� gt General v. Caprivi verfolgte, mit meinen ganzen Ueder- diesmal» Rungen ihm zur Seite gestanden. Eist mußten wir uns ver- ne sehr ho? Mgen können, ehe wir daran denken konnten, zum Angriff Verändewji Zugehen. Dieses Stadium ist aber eneicht. Es ist eine Zu- in DM, es zusammentrifft mit dem Wechsel in derPerson: er DenlsM � System aber bleibt daffelde, und ich hoffe, daß ich zeigen die Mow M, wie dankbar ich meinem Herm Vorgänger bin für Beschall� R Tbätigkeit und das Große, was er für die Marine ascrc M-r» M-t hat.(Beifall.) hingiwr�, Xachdem ein Antrag des noch zum Worte gemeldeten Abg. iterung utf«tiJett auf Vertagung abgelehnt war, verzichtete Rickert auf konnte p Wort; die Debatte wurde geschloffen nach einigen per- mderung o° Men Bemeikungen Richter's und Liedknecht's. Verschiedene -chlachtschW Me des Etats, namentlich des AuswäNigen Amtes, der lagen wc«» Res- und der Marineverwaltung weiden der Budget- llschc Einnv überwiesm; der Rest wird sofott im Plenum berathm �amit ist die erste Berathung des Etats deendet. L>hne Debatte erledigte dos Haus dann in erster Lesung die �~ 1887/88_ welche der — und die allgemeine Rechnung für 188 1/85— !** da R chnungslommission überwiesen wird. Die Rech« N? der Kasse der Obcrrcchnungskammer werden ebenfalls Hchnungskommisfion überwiesm. uJantt erklärt der Reichstag, daß den Vorschristen des Ge« die Vorlegung der Dmkschrift über die Ausführung Mhegesctze genügt sei. », Ufoe Debatte wird der Gesetzentwurf, betreffend die Jsttrole des Reichshaushaltsetats in erster und �5 Aerotbung angenommen. .Schluß 5% Uhr. Nächste Sitzung Donner st ag 1 Uhr. j/nnete Vorlagen und Antrag Rickert wegen der bei den w, vorgekommenen Verstöße gegen mehrere Reichsgesetze.) Zokales. lt> etwas von de« vericht» vollziehen«. Unsere Imegung wegen Beseitigung der Dienstmütze der Ge« eher bei dem Verkehr mit dem Publikum hat vielfach — gefunden und bei dieser Gelegenheit ist auch nach ? anderen Richtung hin dieser Beamten gedacht worden, die g��nt find, himmlische Rosen hineinzuweben in des Gläu- Erdenwallen, während eine große Reihe von Schuldnem t> den Fortschritt der Neuzeit beklagt, der das einfache des Bekreuzens zur Benennung unliebsamer Gäste nicht ? rennt. Wmn nun einmal die Gerichtsvollzieher nicht zu wRcn find, warum müssen fie denn durchaus in einer Art Mdet werden, welche die größtm Belästigungen der Mrbner in sich schließt, während fie den Gläubigem keinen Adwie eryedlicden Stutzen gewährt? Zur Zeit ist in Berlin .1«erichtsvollzieherwesen so gestaltet, daß ein in Bedräng« N lebender Schuldner geradezu sich dem Wilde bei der Aiagd vergleichen darf. Jeder Sachwalter wählt sich zur Deckung seiner Angelegenheit den Geiichtsvollzieher aus, gerade paßt. Der Schuldner empfängt heute den s eines Gerichtsvollziehers aus der Königstraße morgen terkidm ein solcher Adjutant der zahlungssähiaen Gerechtig« i�abit auf und übermorgen einer vom Wörther Platz. i,,v der Beamten kennt irgendwie die Verhältnisse des jeder von ihnen hat das von seinem Standpunkte VÄ,«estreden, die Interessen seines Auftraggebers mög« itt.--ttolgreich ,u verfechten. Daß dieser Zustand dem Schuld- � 02 �hige Ordnung seiner Angelegenheiten über das durch � �ugsvollslreckung gegebme Maß binaus erschwerm muß, der Hand. In anderen Großstädten besteht die Ein« kaß h* Zuthetlung von Bezirken an die Gerichtsvollzieher. �Mchtxvvllzieher lernt so die Leute jener Gegend genau ic! er Weib, melrhes Mab non Vertrauen oder Mißtrauen !>>Mun g des Vollstreckungszweckes schonm zu können. Der Staat %£n Interesse daran, mehr verlorene Existenzen zu schaffen, wirthschattlichen Mißstände ihrerseits erzeugen. Daß die �sil�kuckstchtslose Preisgedung von Schuldlagm und Zah- »'.Hungen an die Oeffentlichkctt geeignet ist, Bürger, die iu halten vermöchten, alles Haltes zu berauben, bedarf -leweises. Bei der Ueberttagung des Vollstreckungs« »"miw? Bezirks» G erichtsvollzieher ist diese Gefahr wesentlich und aus diesem Grunde sollte der Frage emstlich getreten werden. % in technische Umgestaltung des Gerichtsvollzieherwesens in i diz�iehung wäre nicht allzu schwierig. Allerdings würde Gerichtsvollzieher seine jetzigen sehr heträchllichen k%hii!r verringert sehen; aber eine Rücksicht bierauf kann .»ii� 5"f den größeren und höheren Zweck nicht obwalten. hky Bezirlkgerichtsvollziehem eine staatliche Gehalts- %%%! iu gewätren sein oder deffcr noch eine staatliche Ge« �0 bcß iittH 4m UphtirtPtt SÄ! . sein. m a ft/Nng. Am Montag früh 8 Uhr wurde der Maurer Her- i, Andreasstt. 4 wohnhast, von dem Bau Jahn« der Wache sistirt und daselbst einer Visttation Gefunden wurde nichts. Von der Wache wurde nach seiner Wohnung geführt und wurde daselbst .amten gehaussucht. Gefunden wurden verschiedene Hierauf wurde der Behaussuchte nach dem Mollen- «übt wo er um 12 Uhr wieder entlassen wurde. '«ftill»» Theilnrhmer". In dem Gordon'schen f.�schäft in der Leipzigerstraße wurde gestern durch .5 das Fehlen einer Anzahl Waaren entdeckt. Es Alflen, Ren�f�r SKUrtrs»« nmmtreut tt h™ Jmb Si hü* .... auf erfolgte Anzeige bei der Zolizei. einem Verhör unterzogen wurde. Das- tum größtm Tbetl als das Eigenthum der Ersinnt wurden. Demzufolge mußte die sofortige >id? wurd-. Haast erfolgen. Auch die Ehefrau des- gv, unter dem Verdacht der Hehlerei in Haft ge« desAngenlichtest-eravbt Ä• Hei mann K., dessen Eltern am Gartenplatz 4h Mt(gt,;L e saß, Schularbeiten machend, mit seiner Mutter, � Knab?� beschäftigt war. am Tisch, als plötzlich der °ven heretntiat. Aufspringend wollte der Kleine dem Vater entgegeneilen und auch Frau K. wendete fich weiter arbeitend um, den Gatten zu begrüßen; mit lautem Aufschrei brach jedoch das Kind zusammen, durch die doppelseitige Be« wegung der Mutter und des Sohnes warm die von der ersteren gehandhadten Stricknadeln dem Kinde in das Gificht gefahren und eine derselben war dem bedauernswetthen Knaben ins rechte Auge gedrungen, so daß der Augapfel durchbohrt und die Seh- kraft vollständig zerstört ist. Obgleich die unglücklichen Eltern sofort ärztliche Hilfe aufsuchten, war es doch nicht möglich, das Auge zu retten. Gi« schwerer Unglücksfall ereignete fich gestern Mittag gegen 1% Uhr an der Ecke der Linien« und Grenadierstraße. Eine Abtheilung Soldaten zog mit Mustk von der Alexander- Kaserne nach dem Schönhauser Thor zu, begleitet von einer größerm Schaar Kinder, unter welcher fich auch der sechs Jahr alte Emil Insel, Sohn eines in der Grmadierstraße wohnenden Schneidermeisters, defand. Als der Trupp an die Ecke der Grmadier- und Linimstraße kam, bog ein Einspänner-Fuhrwerk, welches mit Steinen deladen war, um die Ecke; der kleine I., welcher das Herannahen des Gefährts nicht bemertte, lief blind- lings auf daffelde zu, wurde niedergerissen und die Räder gingen über den Körper deffeldm so unglücklich hinweg, daß das Kind schwer verletzt hervorgezogen wurde und auf dem Transport nach der Sanitätswache in der Linienstraße ver« schied. Kelbstmord. Gestern Vormittag erschoß fich in der Kur« fürstM'Allee, unter der Brücke des Stadtbahn-Viadukts, ein junger, gut gelleiditer Mann mittelst eines Revolvers. Die Kugel war in die rechte Schläfe eingedrungen und hatte den sofortigen Tod herbeigeführt. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause geschafft. Ueder die Person des Selbstmörders konnte nichts Bestimmtes festgestellt werden. Pollzetbericht. Am 27. d. M. Morgens wurde unter einem Stavtbahnbogen an der Kurfürsten- Allee die Leiche eines etwa 30 Jahre alten unbekannten Mannes aufgefunden. Derselbe hatte fich augmscheinlich selbst mittelst eines Revolvers einen Schuß in die rechte Schläfe beigebracht. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause geschafft.— Vormtttags wurde ein Schuhmachermeister in seiner Werkstatt in der Ritterstraße er« hängt aufgefunden. Stachmittags wurde an der Ecke der Linien- und Grenadierstraße ein 6 Jahre alter Knabe durch einen von dem Kutscher Matschoch geführten, mit Mauersteinen dcladenen Wagen überfahren und sofort getödtet. Der Kutscher wurde verhaftet.— Um dieselbe Zeit wurde die Leiche einer etwa 30 Jahre alten unbekannten Frauensperson in der Spree vor einem Grundstück Am Kupfergraden aufgefunden und nach dem Leichenschauhause geschafft.— Abends wurde ein Arbeiter, als er unmittelbar vor einem vorüberfahrenden Pferdebahnwagen vor dem Hause Badsttaße 10 den Straßendamm überschreiten wollte, von den Pferden niedergestoßen und überfahren. Er erlstt einen Schädelbruch und mußte nach dem Lazarus- Kranken« hause gebracht werden. In der Nacht zum 28. d. M. glitt ein Wächter vor dem Hause Rathhausstraße l'auf der Bordschwelle des Bürgersteiges aus und erlitt dabei eine so schwere Ver- letzung des rechten Knies, daß er nach seiner Wohnung gebracht werden mußte._ Gerichts-Zeitnng. DU Lassalle F«i-r vor der Strafkammer. * Die 2. Strafkammer des Landgerichts ll hatte gestern als Berufungsinstanz in dem bekannten Prozeß wegen der Laffalle-Feier zu Grünau gegen Gatzlick und Genoffen zu be« finden. Die Anklage richtete fich gegen folgende 12 Personm: Schriftsetzer Hugo Gatzlick, Buchbinder Wilhelm Höhne, Schneider Robert Frank, Buchbinder Emil Boltge, Buchbinder Franz Lorenscheit, Maurer Julius Plath, Echloffer Friedrich Görcki, Frau Valeska Görcki, Kistenmacher Heinrich Kaufhold, Buch- drucker Wilhelm Werner, Kaufmann Bernhard Apfelgrün und Schloffer Emst Fahrenwald. Sämmtliche Angeklagte sollen fich des Vergehens gegen das Sorialtstengesetz dadurch schuldig ge« macht haben, daß fie am 28. August 1887 an einer Gedächtmß- feier für Laffalle Theil nahmen, welche auf Grund des genannten Gesetzes polizeilich verboten war. Das Schöffengericht in Köpnick, welches fich am 12. Juli mit der Angelegenheit zu beschäftigen hatte, sprach die Angeklagten frei, weil nur das Berliner Polizcipräfivium und die Regierung zu Potsdam ein Verbot der Feier erlassen hatten, nicht aber die Ottspolizei in Grünau, deren Verbot in diesem Falle nach dem Gesetz erforderlich sei. Das Berliner Polizei» präfidium könne rechtsailtige Verbote nur tür Beilin erlassen und die Regierung zu Potsdam habe zwar für den ganzen Re- oicrungsdezilk die Feier verboten und das Verbot sei auch durch Plakate von der Ottspolizei in Grünau bekannt gemacht, aber durch Nichts habe die Ottspolizei kund gegeben, daß sie dieses Verbot zu ihrem eigenen gemacht habe; mithin könne dasselbe, da das Gesetz ausdrücklich ein Verbot der Ortspolizei verlange, auch nicht als rechtsgiltig betrachtet werden und aus diesem Grunde rechtfertige fich die Freisprechung der Angeklagten. — Gegen dieses Urtheil legte die Staatsanwaltschaft Be« rufung ein, mtt der Motivirung, daß ein Verbot der Ottspolizei nicht erforderlich sei, wenn die höhere Instanz, hier die Regierung, eine gmerelle Verfügung getroffen habe.— Die Verdandlung begann mit der Verlesung des 53 Seiten langen Erkenntnisses des Köpnicker Schöffengerichts. Nach demselben ist das bezügliche Verbot des Berliner Polizei- piäfidiums am 27. August im„Jntelligenzblatt" unter An« drohung dbr eventuellen Strafen pudltzirt worden, während der betreffende Erlaß des Regierungspräsidenten am gleichen Tage im„Teltower Kreisdlatt" erfolgte. Außerdem wurden noch Bekanntmachungen gleichen Inhalts vom Gemeindediener in Grünau angeheftet, welche jedoch zum Thell schon am nächsten Morgen abgerissen waren. Nach den Aussagen einiger Berliner Polizisten find aber später immer noch etliche von den Plakaten fichtbar gewefen. Derselben Quelle zufolge wurden in Berlin gedruckte Zettel verthiilt, welche eine Einladung zur Gedächtniß- feier für Lassalle zum 28. August nach Grünau enthielten. Der Schutzmann Jacobs hatte seiner Angade nach am Abend vorher verschiedene Bierlokale besucht und dort über die geplante Feier reden hören. Am 28. August sollen dann sehr viel Ardetter nach Grünau, thells mit der Badn, theils in Kremsem gefahren sein. Görcki fuhr mit seiner Frau, Gatzlick, Höhne, Frank, Kaufbold und Fahrenwald per Kremser nach dem Orte.wohin auch Werner mit einem andern Kremser folgte. In Grünau sollen die F-sttheilnehmer vielfach rothe Abzeichen getragen und auch durch Redm, fowie Hochmfen auf Laffalle und die Sozial- ää.s Aa t seinen Freunden angekommen und durch das Dorf nach dem Walde gefahren. Seine Ankunft habe„eine freudige Erregung veranlaßt" und einen„allgemeinen Aufdmch" nach dem Spie5 platz im Walde veranlaßt. Dort bewegten ftö dann 5M Ms 600 Menschm und es wurden Lieder nach vaterlandtscher Weise mann, Schöne, Bein. Jacob, Rußbild, Richter und Kasch hielten sich in der Nähe des Spielplatzes auf und demerkten, MM Signal gaben, sobald fich einer der erkannten Polizeibeamte« nähette. Die Schutzleute Bein. Jacob und Winkler bemerkten um 3 Uhr auf einem Baume eine rothe Fahne mtt der Jnschttft:„Hoch lebe die Sozialdcmo« kratie!" Auf dem Baume war Gatzlick und unter dem Baum standen Frank und Höhne. Als die Beamten auf die Stelle zugingen, hörten fie einen Pfiff, der anscheinend von zwei Personen ausgestoßen wurde, die fich bundett Schritte da- von in der Regatta- Allee befanden. Die Fahne wurde herab- genommen und die Betbeiligten mußten mit nach dem Ge« meindedureau kommen. Gendarm Tänzer will bemerkt haben, daß fich am Nachmsttag von dem Gesellschaftshause aus ein Zug nach dem Walde ordnen wollte, der jedoch nicht zu Stande gekommen sei. Dabei sei auch der Angeklagte Werner detbeiligt §ewesen. Der Schutzmann Richter will Werner auch auf dem Spielplatz und zwar an der dem Dorf zunächst liegenden Seite bemertt haben. Görcki hat nach Anficht dieses Z-uqen eine Att Disziplin ausgeübt. Kriminatkommissar Schöne hat im„Sozialdemokrat" folgende Notiz aus Beilin gelesen:„Wie alle Jahre, so haben wir auch dieses Jahr von Maßregeln der Bismarck- Puttkamer'schen Ordnunzsbande vor und bei unserer Laffalle-Feier zu berichten." — Die Angeklagten dekannten fich vor dem Schöffengericht, mit Ausnahme des sehr jugendlichen Lorenscheit, als Sozialdcm,- kraten, bestritten aber durchweg des ihnen zur Last gelegte Vergehen. Sie behaupteten, mit ihren Famtliengliedem oder Freunden den Ausflug nach dem verpönten Orte unternommen und fich dott der Unterhaltung und dem Spiel hingegeben zu haben. Gatzlick wollte nur die Jnschttft der Fahne lesen und war des- halb auf den Baum geklettett, und ebenso bestimmt stellten Lorenschett und Boltze in Abrede, gepfiffen zu baden. In Grünau seien an dem genannten Tage übttgens ver« schiedene größere Gesellschaften gewesen, wie das schon aus dem Inserat einer„Berliner Zeitung" hervorgehe, welches die Mit« glieder eines Fachvereins nach jenem Orte einlud.— Das Schöffengettcht nimmt in dem Erkenntniß an. daß thatsächlich eine Laffalle-Feier stattgefunden hat und daß fich die Angeklagten mehr oder minder daran detheiligten. Nur aus den angeführten Gründen habe auf Freisprechung erkannt werden müssen.— Hierauf beginnt die Vernehmung der Angeklagten. Gatzlick ist mit Görcki hingefahren, ihm war nm das Verbot des Ber» liner Polizeipräfiviums bekannt und das habe er als nichtig de- trachtet. Die meiste Zeit habe er unter einem Baum liegend verbracht. Bei der rothen Fahne sei er zwar getroffen worden, doch sei er nur zu dem Zweck auf den Baum geklettett, um fich die Jnschttft genau anzusehm. Dann sei er verhaftet und nach dem Dorfe gebracht worden.— Angeklagter Höhne erklärt ebenfalls, daß er nichts mit der Fahne zu thun hatte; erst in Grünau sei ihm etwas von einer Laffalle-Feier zu Ohren gekommen. Ebenso spricht fich der Angeklagte Franke aus. Auch er stellt in Abrede, das Verbot des Regierungsprästsenten gekannt zu haben. Boltze wollte eine Landpartie machen-md ging die Regatta-Allee entlang, wo er plötzlich verhaftet wurde. Lorenschett defand fich bei Boltze und wurde mtt ver» hastet; gepfiffen habe er so wenig wie sein Begletter; dennock mußte er mit diesem der Polizei nach mit Dorfe folgen. Angekl. Plath ist Morgens um 4 Uhr von Hause fortgegangen und am Nachmittage gegen 3 Uhr angekommen. Als er aus einem Lokal nach dem Spielplatz ging, wurde er verhaftet. Warum dies geschah, wußte er nicht. Angeklagter Görcki: Ich mach? im Sommer öfters Ausflüge nach den Vororten und das geschah auch damals. Einige meiner Geschäftsfreunde de« gleiteten mich und da mir das Verbot des Berliner Polizeipräfidiums bekannt war, so fuhren wir, um etwaigen polizeilichen Deutungen vorzubeugen, gleich durch das Dorf bis in den Wald, wo wir uns im Grünen lagetten. Ob mir das Verbot des Regierungspräfidenten zur Zeit bekannt war, weiß ich nicht mehr, so viel weiß ich jedoch bestimmt, daß wir alles gethan haben, um der Polizei keine Handhabe zur Kon« struirung einer der beliebten Anklagen zu bieten. Was den Vorgang auf dem Spielplatze betrifft, so habe ich nur vermittelnd gewirkt, als ein Gendarm von einer Frau verlangte, fie solle die rothe Schleife aus dem Haar nehmen. Als die Menge darüber erregt wurde, wollte der Kttminalkommiffar mich dafür verant« wortlich machen, und nur um die Menge zu beruhigen, habe ich dann das Rosenkranzspiel eingeleitet.— Frau Görcki erllätte, nichts von einem Verbot gewußt zu haben; fie sei einfach der Einladung ihres Mannes gefolgt. — Angeklagter Kaufhold hat auch erst später von dem Verbote Kenntniß erlangt, wo er das erfahren habe, könne er nicht mehr genau angeben.— Angeklagter[Werner: Ich wollte mit meiner Familie eine Landpartie machen und Mn auch thatsächlich mit meiner Frau und meinen Kindern in einem Kremser nach Grünau gefahren. Das polizeiliche Verbot war mtt wohl wohl bekannt, aber ich konnte dem Berliner Polizei- präfidenten nicht das Recht zusprechen, eine Landpartie zu ver- bieten. Mir gefiel Grünau, well dort frische Luft ist und ich solche Otte für passend zur Erholung halte. Nachträglich erfuhr ich sittlich von dem Verbot des Regierungspräfidenten; ich halle aber auch dessen Verbot nicht für maßgebend, well man doch unmöglich ttnem Staatsbürger verbieten kann, fich mit sttner Famrlie im Freien Erholung zu suchen. Die Gesellschaft unseres Kremsers stieg im Gesellschaftshause aus und dott haben wir Skat gespiett. Auf dem Spielplatz bin ich aar nicht gewesen und habe auch keinen Zug nach dem Platz arrangitt.- Vors.: Wie kommt denn der Schutz- mann Rechter zu der Behauptung, Sie auf dem Spielplatz ge« sehen zn haben?- Angekl. Werner: Das weiß ich natür« lich«richt, aber ich bin bereit, Zeugen namhaft zu machen, die das Gegentheil bekunden werden. Ich bin nur über die Straße gegangen, das ist alles.— Ang?kl. Apfelgrün war auf dem rspielplav und bat auch gehött, daß Lieder gesungen wurden; welchen Inhalt die Lieder hatten, ist ihm unbekannt. Von dem f Verbote habe er erst später Kenntniß erhalten.— Angellagt er a hr e n w a l d ist mtt Görcki zusammen hinaus gefahren. uerst lagerten im Walde verschiedene Gruppen, die fich aber zusammen fanden, wttl das Herumspcengen der Gendarmen die ruhig spielenden Kreise in Erregung brachte. Diese Er» regung sei namentlich verstärkt worden, als ein Gendarm von der Frau des dekannten Buchbinders Brand die Eni« fernung ttner rothen Schleife aus dem Haare verlangt habe. Brand sei allerdings darauf provokatottsch aufgetreten, warum dürfte jetzt wobl jedem klar sein. Görcki habe dann das Spiel arrangirt und die Menge sei dann auch wieder ruhig geworden. - Es folgt nun die Verlesung der Zeugenaussagen, die im Wesentlichen das enthalten, was aus dem Erkenntniß des Schöffengettchts bereits a-iaesühtt ist. Nachdem die Verlesungen ÄÄ»Ä zialdemokraien an jenem Tage eine Lassalle- Feier in Grünau abgehalten batten, die vom Regierungspräfidenten zu Potsdam und vom Ponzeiprafidlum zu Bettin verboten war. Dieser Anficht sei auch das Schöffengericht gewesm. dessen Fest« stcllung in drcsem Punkte wodl durchweg gefolgt werden könne. Es handle sich jetzt lediglich darum, od das Verbot des Regierungspräfidenten rechtsverbindlich sei und diese Frage müsse entschieden bejaht werden. Das Polizeipräfidium könne außer. halb Berlins allerdings kttn Verbot erlassen, wohl aber stets der Regierunaxpräfident in sttmm Bezirk. Das Gesetz habe nicht dessen Rechte beschränken wollen, sondern nur aus pralti« scheu Gründen auch der Ortspolizei das Recht verliehen, auf Grund des Sozialistengesetzes Verbote zu erlaffen, um schneller und energischer einschrttken zu können. Dieser Auffassung begegne man auch in einem Erkenntniß des Rttcksgerickls und es genüge schon, wenn der Angellagte den Sinn des Verbots kenne, welches rechllich wirke, selrft wenn deffen Form nicht ganz korrekt sein sollte. Die An» geklagten wußten sehr gut, daß fie gegen das Verbot han- bdUn; ihre Absicht war aber, dem Gesetze Trotz zu bieten, daraus haben ste kein Hehl gemacht und desbald müsse auf eine empfindliche Strafe erkannt werden. Gegen Gatzlick, der lediglich ein Märchen erzählt habe, deantrage er 3 Monate GefSngniß; gegen Höhne, Frank und Bolze, je sechs Wochen, gegen G ö r ck i ebenfalls 6 Wochen, gegen Loren schett 4 Wochen und gegen die Frau Görcki 5 Tage Ge- fängniß. Die Angeklagten P l a t h, K a u f h o l d, W e r n e r und A v f e I g r ü n bitte er mit je 10 Tagen und den Angel klagten F a h r e n w a l d mit drei Wochen Gefängniß zu desttafen. Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. M e s ch e l s o h n kritifirt in gewandter Weise die Ansichten des Staatsanwalts in Bezug aus die Rechtsgilligkeit des Verbotes der Feier durch den Regierungspräsidenten. Die Berufung auf die Entscheidung des Reichsgerichts dezeichnet er als ganz unzu- treffend. Das Gesetz möge der Staatsanwattschaft wohl un- zweckmäßig erscheinen, wenn dem Regierungspräsidenten nicht von vomherein das Recht zustehe, für den ganzen Bezirk Ver« bot« zu erlassen; es gebe aber heute viel Unzweckmäßiges, dar- über zu definden sei nicht Sache des Richters. In jedem kon- stttutionellen Staateleben bestehe ein Instanzenweg und so sei hier die Ortspolizei die vom Gesetze ernannte erste Instanz, welche als maßgebend in Bestacht komme. Wenn die höhere Instanz von vornherein Verbote erlasse, so sei ja der Bc- schwerdeweg ganz unmöglich. Gegen seine Klienten liege übrigens so gut wie nichts vor und deshalb beantrage er deren Freisprechung.— Verth eidiqer Rechtsanwalt Freudenthal beantragte ebenfalls die Freisprechung. Wolle man den Grundsatz des Staatsanwalts anerkennen, so könne das Ministerium schließlich für ganz Deutschland ein Verbot erlassen und dann wäre ja im ganzen Reiche keine Aufsichtsbehörde vor- Händen.— Angeklagter Görcki btttet den Gerichtshof, zu würdigen, daß das angezogene Gesetz sich doch nur gegen die auf den„Umsturz gerichteten Bestrebungen" richten solle. Solche Be- strebungm habe man bei der Laffalle- Feier sicher nicht gehabt. Es sei so viel von dem Singen sozialdemokratischer Lieder gesprochen wor« den; der Gerichtshof dürfte indcß schwerlich in jenen Liedern etwas Umstürzendes erblicken. In der vielgmannten Marseillaise heiße es wörtlich: Das fteie Wahlrecht ist das Zeichen Fn dem wir fingen; nun wohlan! Nicht predigen wie Haß den Reichen, Nur gleiches Recht für Jedermann.— Die Lieb soll uns zusammenketten, Wir strecken aus die Bruderhand Aus geistiger Schmach das Vaterland, Das Volk vom Elend zu erretten.— Und weiter wurde dann gesagt: Den. Feind, den wir am tiefsten hassen, Der uns umlagert schwarz und dicht, Das ist ist der Unverstand der Massen, Den nur des Geistes Schwert durchbricht.— Sicherlich werde sich Niemand finden, der hierin den Umsturz des Bestehenden zu erblicken vermöge. Bei den wenigen Rechten, die heute noch vorhanden, müsse die Sozialdemokratie streng an dem festhalten, was noch vorhanden sei und bitte er deshalb den hohen Gerichtshof, nochmals zu prüfen, od eine unschuldige Zu- sammmkunst von Parteigenossen schon als einRechtsbruch angeschen werden muß. Angeklagter Werner macht noch darauf auf- mäksam, daß die Polizei in diesem Jahre ebenfalls ein Verbot der Lassalle-Feier erlassen habe, nachdem man dann einen anderen Ort wählte, habe die F ier ruhig stallfleden können. Angeklagter Fahrenwald bittet den Gerichte Hof nicht um Milde, wohl aber möge derselbe Gerechtigkeit walten lassen.— Nach länaerer Berathung verkündet der Präsident, Landgerichts- direkter Grünhagen, folgendes Urtheil: Der Gerichtshof ist der Sache vollsiändig unparteiisch nahe getreten und hat erwogen, ob der RegierunaspräsiSent zu Potsdam ! berechtigt war. Das Sozialistengesetz spreche zu dem Verbote-----.—-„...... zwar von einem Verbot durch die Ortspolhci, aber dem Geist desselben entsprechend nur aus Zweckmäßizkeilsgründen. Es sollte die Ortspolizci schon befugt sein, derartige Verbote zu erlassen. Ste find nur Organe der Landespolizeibehörden und die obere Instanz ist befugt, statt der unteren Anordnungen zu erlassen. Wir ziehen sogar die Konsequenzen und betrachten Erlasse des Ministeriums als maßgebend für den . ganzen Staat. Wenn die Aussichtsinstanz das Verbot lür nothwendig hätt, so ist ste eben maßgebend. In Betreff der Schuldfrage schließen wir uns dem Vorderrichter an. Wir sind auch der Meinung, daß den An- geklagten das Verbot bekannt geworden ist und von dem Augen- blick an machten ste sich schuldig. Dem Gesetze muß leder ge- torsam sein, gleichviel, ob es ihm gefällt oder nicht. Die An- Beklagten hotten aber die Absicht, dem Gesetz zum Hohn ihren Willen zu bekunden und deshalb müssen sie auch die Konsequenzen tragen. Die Angeklagten Boitze, Lorenscheit, Plath, Apfelgrün und Werner find weniger delastet worden, deshalb ist gegen sie auf Freisprechung erkannt. Frau Görcki ist dem Willen ihres Mann« s gefolgt, gegen sie ist daher nur eine Gekvstrafe von 10 M. eventuell 2 Taae G.iängniß a sgesprochen. Die übriaen Angeklagten, Gatzlick, Görcki, Höbne, Frank, Kaufmann und Fahrenholz, find zu je 10 Tagen Ge- fängniß verultheitt worden. Auf diese Straten hat der Ge- rchtshof erkannt, weil die Thätigkeit der Angeklagten keine besonders agresfive gewesen ist. Ob die Lassallefeier a!s solche «ine auf den Umsturz gerichtete Bestrebung ist, kann der Gerichtshof nicht prüfen, dafür hat das Gesetz den Instanzen- gang angezeigt. Uereine und Verfammwsse». Der Fachverew der Metallarbeiter in Gas-, Masser- «nd Dampfarmaturen hielt am 24. d. M. bei Heidrich, Beuthstr. 22, seine Mitgliederversammlung ab. Herr Kendziora hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vorlraz über „Werth und Preis der Arbeit." Zweck des Vortrages war, durch sttenge logische Erörterung des Werth-s und Preises der Arbeit nachzuweisen, daß das bis heute noch immer herrschende voikswirthschaftliche Prinzip der freien Konkurrenz wissenschaftlich falsch und praktisch äußerst schädlich sei. Der Beweis wurde gifiüh-t durch kritische Besprechung zweier Vorlesungen über den „Preis der Arbeit", gehalten und veröffentlicht von dem als Autorität in der Statistik und Nationalökonomie all- gemein bekannten Geheimrath Dr. Engel. Als wissen- schaftlich durchaus ungerechtfertigt wurde bezeichnet, daß Dr. Engel bei Feststellung des nationalökonomischen Begriffs der Arbett Sittlichkeit und Religiosität als die wesentlichsten und bestimmenden Momente an die Spitze stellt. Die„edlen Eigenschaften des Herzens" sollen nach ihm bei der Schätzung des Preises der Arbeit zuerst und vor allem in Betracht kommen. Hiernach sollen die erste Stelle einnehmen die L istungen des Feldherrn und des Staatsmanns. Dabei bemertt Dr. Engel, daß diese Arbeit nur selten den entsprechenden materiellen Eni» «lt finde. Er vergißt die reichen Dotationen, mit welchen Napoleon I. seine Generale und Minister delohnte, die Dotationen, mit welchen Blücher, Gneisenau, Bork ausgezeichnet wurden. Erst weit später gedenkt Dr. E. der Arbeit eines Göthe, Schiller, Shakespeare, Moliöre— und sagt über den Yoim dieser Leistungen so viel wie nichts. Er hebt hervor, daß auf der Arbeit der Feldhcrrn und Staatsmänner die Existenz der Völker beruhe. Kein Wort spricht er davon, daß Forscher und Dichter viel Größeres leisten, daß ihre Dienste der ganzen Menschheit zu gute kommen. Weiter zollt Dr. E. Hobe sittliche Anerkennung der Tdatigkeit der Staatsbeamten. Von der fitttichen und ökonomischen Schätzung der Arbeit des Kapilalisten sagt dagegen Dr. E. nicht ein Wort. Dieses Schweigen ist sehr kennzeichnend für den Ver- treter des Prinzips der freien Konkurrenz; ihm ist der Kapitalist einfach eine Natur nothwendigkeit. Die Kehrseite zu dem Bisherigen finden wir in Dr. E. Schätzung— der H a n d a r d e t t. Sie„rangirt zuletzt", sagt cr. Sittlich charaverifirt er den Handmbctter als arbeits- scheu, unehrlich und bis zur Lächerlichkeit hochmüthig. Daß die Geduld und Selbstvetleugung, mit der gerade der Handarbeiter die tägliche Mühsal und Last seiner Berufsthätig- kett trägt, eminent sittliche Eigenschaften, ja Tugenden find, — davon weiß Dr. E. einfach nichts. Wierum höchst charatte« ristisch für die geradezu unglaubliche Verdunkelung und Ver- fälschung des sittlichen Urtheils bei den Vertretern der fteien Konkurrenz. Von Anfang an war gleich bemertt, daß Dr. E. den Be« griff des„Werthes" und den des„Preises" und„Lohnes" der Arbeit als identisch ansteht und behandelt— was bei einem Nitionalökonomen doch ein geradezu unbegreiflicher fundamentaler Jrrthum ist. Allen diesen Unwahrheiten gegenüber wurde zum Schluß hervorgehoben: der Preis der Handarbeit stehe tief unter dem Werthe derselben. Ursache hiervon sei das bislang noch herrschende voikswirthschaftliche System der freien Konkurrenz. Abhilfe für jenen schweren Schaven müsse der Staat durch die Gesetzgebung schaffen; dazu nicht nur mit-, sondern vor allen anderen hinzuwirken, sei ernsteste sittliche Pfkicht jedes Handarbeiters; von anderen jene Hilfe zu erwarten, sei Be- weis von grober Unwissenheit und sittlicher Trägheit und Schloffheit. Eine Diskussion fand nicht statt. Hirran schloß sich die folgende Vierteljabresadrechnung: Einnahmen.... 322,40 M. Ausgaben..... 128 85„ Bleibt Bestand 193,65 M. Da die Revisoren alles in bester Ordnung gefunden haben, wurde dem Rendanten Decharge ertheilt. Betreffs der Ein- sendung der Lohnstatistik beschloß die Versammlung, dieses dem Vorstand zu überlassen und aus jeder Werkstatt einen Kollegen zu laden, um die Listen genau auszufüllm. Ein Antrag, den streikenden Formern Braunschweigs 30 M zu bewilligen, wurde einstimmig angenommen. Die nächste Versammlung findet am 15. Dezember in demselben Lokale statt. GW» öffentlich» Dersammlung Kerline» KScker- a« fetten fand am Dienstag Nachmittag unter Vorsitz des Herrn Pfeiffer im Palmensaale statt behufs Berichterstattung der in der vorigen Versammlung gewähtten Siedener-Kommisfion und Beschlußfassung über das von derselben ausgearbeitkte Genossen- schaftsstatut. Herr Pfeiffer schickte zunächst voraus, daß die Kommission, vor die Frage gestellt, od Verbands-, od Genossen- schafts-Bäckereien zu gründen seien, sich für Genossen schafts- Bäckereien entschieden habe, da es auf diese Weise keichter sei, zum Ziele zu gelangen, indem sich so auch wettere Berölk. rungs- klaffen, nicht allein Bäcker, an der Genoffenschafts- Bäckerei durch Erwerb von Antheilschetnen betheiligen können und somtt die erforderlichen G.lvmittel leichter flüssig würden. Das Statut. welches Herr Pfe.ffer sodann zur Verlesung brachte, ifl dem Hamburger Genoffenschafts- Bäckerei> Statut unter Berück- stchtigung der Berliner Verbättnrsse nachgearbeitet und wor auch Herr Klitschmar, der Vorsttzenve des Hamburger Lokalverdand«s und Mitarbeiter in der dortigen Genossenschaft, in der Versammlung anwesend. Die Geschäftsoniheilscheine können durch Zahlung von 5 M.(auck zahlbar in monatlichen Raten von 1 M.) erworben werden. Tie Mitgliedschaft ist ge- Kunden an den Erwerb von mindestens einem Antheilschein und Zahlung von 50 Pf. Beitrittsgeld, welches zur Bildung des Re- servefonds verwendet wird. Mitglied kann jede zur selbststän- digen Adsckließung von Verträgen gesetzlich berechtigte Person werden. Der Verein(eingetragene Genoffenschaft) führt den Namen„Vereins-Bäckereien Deutschlands", Publikationscrgane find das„Berliner Volksdlatt" und der„Wecker". Herr Kretschmar nahm hierauf das Wort und verbreitete sich über die genossenschaftliche Produktionsweise im Allge- meinen und über die Hamburger Genoffenschast im Beson- deren. Bei Eröffnung derselben standen ihr 17000 M. zur Verfügung. Trotzdem die Genossenschaft höhere Löhne zahlt als die Hamburger Meister und auch die Arbeitszeit eine kürzere ist, bat die Genoffenschaft dennoch in der Zeit vom 3. März bis 30. September bei einem Umsatz von 56 000 M. einen Reingewinn von 8340 M. 50 Pf. erzielt. Gearbeitet wird täg- lich 12 Stunden und erhält auch der jüngste Geselle einen Wochenlohn von 24 M. Der Durchschnittslohn der Meister- gesellen deträgt unter Hinzurechnung von Kost und Logis besten Falles 20 M. bei einer bedeutend längeren Arbeitszeit. Die Genossenschaftsdäckerei in Hamburg florirt derartig, daß der Be- trieb beretts vergrößert werden wußte und tonnte. Trotzdem erllätte Herr Kretschmar, daß die Hamburger Genossenschaft nicht seinem Ideale entspri che, und hielt er es für richtiger, daß Ge- noffenschaften nur aus Gewerksgenossen gebildet werden. Dieser Anschauung trat Herr Hoppe entgegen, welcher die Schei« dung der Arbeiter in einzelne„Berufe" nicht gelten lassen wollte. Alle seien„Arbeiter" und als solcher sei ein Jeder berechtigt, an für Arbeiter geschaffenen Vortheilen theilzunehmen. Das Grundprinzip der Genoffenschaft sei, den Arbeitern das Brot zu verbilligen und zu verbessern und den Profit, der bisher in die Taschen der G.oß- und Kleinkapitalisten floß, den Genossenschaftern zuzuführen und zu Gute kommen zu lassen. Für die Arbeiterschaft Deutichlands sollen Vereins- däckereien ins Leben gerufen werden, von der Arbeiterschaft Deutschlands müssen dieselben auch getragen werden. Sobald das Genossenschafter Guthaben die Höhe von 10000 M. erreicht hat, soit statutengemäß mit der Eröffnung der ersten Genoffen- schaftsbäckerei in Berlin vo: gegangen werden. Wird dieses Kapital innerhalb zweier Jabre nicht aufgebracht, so hat sich die Genossenschaft aufzulösen. Daß so bald als möglich mtt der Eröffnung der eisten Genoffenschaftsbäckerei vorgegangen werden könne, liege im eigensten Jnter«ffe der Berliner Ardeiterschaft und sei das Unternehmen aus demselben Grunde von dieser nach Kräften zu fördern und zu unterstützen. Herr Kretschmar erklätte sich später mit Herrn Hoppe einverstanden und sich ebenfalls nur für einen„Arbettcr", verdreiiete sich noch des Längeren über die Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit von Genossevjchafts Bäckereien und ermunterte die Anwesenden, sich r cht zahlreich an der Ge- noffenschait zu betheiligen. Nach einer längeren Debatte im vor- gedachten Sinne erklärte sich die Versammlung ohne Widerspruch damit einverstanden, daß auf Grund des vorgelesenen Statuts Genoffenschosts-Bäckereien gegründet werden sollen, und erfolgten sofort zahlreiche Einzeichnungen. Mit einem Hoch auf das gluck- ltche Gelingen des Vorhabens wurde die Versammlung geschloffen. — Am Donnerstag Abend soll im Schwcizergarten eine große öffenttiche Volksoersammlung in dieser Angelegenhett stattfinden, um an die Ardeiterschaft Berlins zu appelliren und dieselbe für die Genossenschaft zu intercsfirm. f/tvtin de» Modelltischler. In der am 26. d. Mts. abgehaltenen Mitgliederversammlung sprach Herr Thierbach zum ersten Punkt der Tagesordnung in seinem Vortrag über Innungen und Fachvereine, daß schon jm 14. und 15. Jahrhundert die Innungen häufig Veranlassung zu Strettigkeitcn mtt dm von ihnen beschäftigten Gesellm gegeben hätten; so z. B. im>4. Jahrhundert hättm die Bäcker in Colmar, nach. dem dieselben von den Jnnungsmeistern verächtlich dehandett waren, 10 Jahre gestreikt. Der Streik wurde nicht früher de- endet, bis die Innung zu einer Gelbstrafe von der Obrigkeit verurtheilt worden war. Jm Jahre 1603 streikten die Schneider in der Stadt Wesel, well die Jnnungsmeister zu wenig und zu schlechte Kost liefertm. Nachdem noch versch ebene Fälle vorgeführt waren, bei welchm die Gesellen infolge ibrer strammen Organisation den Sieg er- rungm, ging Redner zur Neuzeit über und führte* daß sich auch jetzt wieder die Innungen sehr drett mach« danach streben, die Gesetzgebung zu ihrm G.nstm UWJ gestalten. Hierauf ging der Vottragende auf Wesm und 3* der Fachvereine über. Der Zweck derselben sei die Vertut« der geistigen und gewerdlichm Interessen der Mitglied«, ta» Fachvereinen gelange die Lehre zum Ausdruck, daß nm wj Bildung und Heranziehung der indifferenten Massen* Klassenbewußtsein gefördert werden kann. Nachdem der trogmde am Schlüsse seines Vottrages mtt reichem Bei'aB* lohnt war, entwickelte sich über das Referat eine lebhafte DiÄusM Zum 2. Punkt der Tagesordnung: Vereinsangelegenheiten, st> die Abrechnung vom Stiftungsfest statt, alsdann winde« Vorsitzenden bekannt gemacht, daß er ein Schreib»* Magistrat erhallen habe, worin er aufgefordert wird, die t bogm der Lohnstatistik doch möglichst schnell zurückzusck�, Es wurde beschlossen, diesem Verlangen so schnell als wv nachzukommen. Als hierauf noch verschiedene Frag» wottet waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung llj Uhr. «»saug-. Turn- gesellig» Herein»*%. u Donnerstag. Männcwcsangverein„Lätitia" Abends 9 w! Vettin's Restaurant, Veteranenstr. 19.— Gesangverein„W? schluß" Abmds 8t Uhr im Restaurant Schumann, Alte sttaße 38.— Männergesangverein„Nordstern" Abends 91WJ* Restaurant Jacob, Lindowerstt. 26.— Schäfer'scher verein„der Elfer". Abends 9 Uhr bei Wolf u. Krüger, straße 126, Gesang.— Gesangverein„Blülbenkranz" w? 0 Uhr im Restaurant Dresdenerstr. 40.— MännergesanM- „Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, straße 3.— Männergesangverein„Liedesfrciheit" Abends»»� im Restaurant Siemund, Linienstt. 8.— Männergesang«� „Firmitas" bei Kinn«, Köpnickerstr. 68.— Gesangs Männerchor„St. Urban" Abends 9 Uhr Ritterstraße l#\u Gesangverein„Deutsche Liebertafel" Abends 95 Köpnickerstraße 100.— Gesangverein„Norddeutsche SWv Abends von 9—11 Uhr, Mickaelkirchstraße 39.—™ verein„Hasenhaide"(Lehrlings-Abth.) Abends 8 Uhr bachstr. 60—61.—„Berliner Turngenossenschaft"(7- linas-Abtheilung) Abends 8 Uhr in d« städtischen D Bntzerstraße 17—18;— desgl. 6. Männer- Ab��. Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, sttaße 51.— Lübeck'scher Turnverein(Männer- Wth«? Abends 8 Uhr Elisabethstraße 57,58.- Allg. Areg? Stenographenverein, Abth.„Louisenstadt", Abends dt t Restaurant Preuß, Lranienstraße 51.— Arends'scher% graphenverein„Phalanx" Abends 8t Uhr im Restaurant«?, Buckow« Gatten", Buckowersttaße 9.— Deutscher � Arendsstcher Stenographen Abends 9 Uhr in Heivr's*5 rant, Koppenstr 75, Unterricht und Uebung.— Berlin« � graphen- Verein(System Arends) Abends 9 Restaurant Friedrichstraße 208.— Stolze'scher graphen-Verein„Nord-Berlin" Abends 9 Uhr SchlegeiJ"� — Verein der Naturfreunde" Abends 9 Uhr im Rd**# Wienersttaße 35.— Verein der Unruhstädt« Abends im„Königstcdt-Kafino", Holzmarvstt. 72.— Verein F. W. Rettschlag'sch« Schüler am 1. und 3. DonnciMjC Monals im Cafe Schüler, Landsdergerftt. 73, Abends 8 1#� Rauchklub„Kernspitze" Abends 3t Uhr im Restaurant, marttsrraße 44.— Rauchtlub„Arcona" Abends 9� bei Brandt, Forstersttaße, Ecke der ReichendergFA im« — Rauchklrch„Dezimalwaage" Abends 9 Uhr im rant Lock, Krautsstraße 48.- Rauchklub„Vorwärts" 9 Uhr bei Herrn Tempel, Restaurant„Zum Amvos im lauersttaße 27.—„Onentalischer Rauchllub" Abends' im Restaurant Wiechett, Oranicnstraße 8. Kleine Mittheilungen« �* Hambneg, 28. November. Extcablä lern zufolge, Mörder des Spediteurs Heinrich tzülsederg gestern London veihafiet und zwar durch Vermittelung des Botschafters. Hamburg« Beamte sind abg«eist, um festM od der Verhaftete wirklich Dauth ist._ � jj* Der Fean.-nmöeder»o« London— ein Haßt** die Peiersdurger„Nowosti" schreibt, soll der bis h.ute rtphlintt* r-tpIfftHFu»«nit Dunkel gehüllte vielfache Frauenmörder von London et» Namens Nikolaj Wassiljeff sein. Nckolaj Wasstljcff Jabre 1847 in Tnarpol(Südrußland) geboren und in Odessr die Universität. In den siebziger Jahren#4*� N. Wassiljeff, welcher als Student fanatisch« Anarchist � nach Paris aus und wurde dort plötzlich Wahnsinn»,� seinem Wahnsinn behauptete IL Wasstlj ff, daß die gny Frauenzimm« nur durch d«en gewaltsame Ermordung sündenftei gemacht werden und als solche in den Hb langen können. In diesem seinen Wahne beging N. in Paris eine Reche von Mordthaten von Patts. Die Pariser Polizei mörder und das Patts« Gericht»»»«»»«qn,- w als wahnsinnig befunden, einer Paris« Heilanstalt. � vor 16 Jahren. Der wahnsinnige Russe, so nanntt � N. Wassiljeff in der Heilanstalt für Geisteskranke, blieb letzteren bis kurz vor dem ersten Fcauenmorde in W»"# letzteren bis kurz vor dem ersten Fcauenmorde in W#**# (London). Aus der Anstalt als genesen entlasiea��Ü' N. Wassiljeff sofort nach London, wo n anfangs btt� jck denen dort lebenden russischen Emigranten nächtigte.. ersten Frauenmorde aber ließ sich N. Wasfiijsi M asstlj ff bei seinen�» lcuten gar nicht mehr sehen. Diese russischen Emig� S .....■'(ifh« itMucnni«?� London" glauben nun, daß der schreckliche Frauenmöroa�» London niemand Anderer, als ihr wahnsinnig« La» N. Wajfiljeff sei. Aelegraphische Depeschen (Wolff's Telegraphen-Bureau.) ir. Mi* Pari«, Mittwoch, 28. November. Der öffentlivk bei der Kundgebung am 2 Dezember wird nicht auf"«» es Hof, sondc-.n vor der Statue Baudin's, die am Ems« � Friedhof aufgerichtet ist, vorüd«gehen; auch sollen Reo« nicht aehaltcn w«den... ö# Dario, Mittwoch, 28. November. Nachrichten bestätigen, daß in der vergangenen Nacht Diebe in die e�j� ats daselbst eindrangen und D � uyuveuueu uu| jaiv-cngCN, um Geld zu entwend»- jedoch mißlang, warfen ffe die Akten durcheinander, � f — J.>>»» u* l.— i___ ec__ w.iMa enia" des deutschen Konsulats ad« nach haben. den bishettgen Ermittelungen Nichts Kriefkaste« der Redaktio«.�. W«nfraflo,(itUn mir M«»bomummte-Ouittmig bdjuffte««-, Entmort wird nicht ertheilt.*f].i Mehrere Schneider. Eine Annonze f J-schonntk für den Deutschen Schnttderv«band ist un gegangen. Zi Atter Abonnent 1000. Ein derartig«� A�sä». wobl kaum existiren. Versuchen Sie, Mitglied eine � dank zu werden, od« das Geld von einem Prioarm � 'Tioii.»er. N-rd 6. At. Sie hatten Ob«gW nöth g. d« Bchö de ein Statut od« sonst irgend reichen, da Sie öffentliche Angelegenheiten ja niw wollen. K. K Milhelmoberg. Wird bestellt ronben. m Rhnin MuZlS Aeuriou. Wir haben von Ihnen nichtS holen St? Jbre Frage. K. 30. Krebs, Alexanderstt. 41. #. Apreeltraße. Leid« unbekannt. Lerantwottlich« Redakteur:». m»«hb. Druck uno»on«n»»«»i«« m«erltr--W. Beuthstcase 7. 1