»f. ff. 133 ftn h. 298. Mittwoch» den 19. Dezember 1888. S. ZrifTO» SerliittVMlok Brgan für die Interessen der Arbeiter. K# Da».«erliaer BolkStlatt« alcheint täglich Morgen»«cher nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSprei» flir Berlin frei W» Hau» vierteijät�Iich 4 Marl, monatlich 1�5 Mari, wöchentlich 86 Pf. Postabonnement 4 Kart Einzelne Nummer 5 Pf. EonntagS-Nummer mit dem.SonntagZ-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungS Preisliste für 1888 unter Nr. 849.) JusertiouSgebühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 26 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Brf größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bt» 4 Uhr Ztachmittag» m der Expedition, Berlin SW� Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux,«j« Erhöhung de« Preises, angmommen. Redaktion: Keuth Kratze S.— Grpedition: Zimmerstratze 44« iz ts»' »: t er- tr. .70 Induftrievertrage. z» die Agitation für internationale Regelung de» �rbeiterschutzeS ,st ein ein«euer Vorschlag gekomme«, von k» schon au» praktische» Gründen Kenntniß zu nehmen ist. Da« Zentralkomitee deS schweizerischen Grütliverein» hat vor einiger Zeit durch seinen Piäsideuten, Herrn � ch e r r e r in 6t. Galle«, an den BundeSrath in �«n eine Eingabe richten laffea, welche den Zweck verfolgt, aaf dem Gebiete der internationalen Arbeiterschutzgesetz- Phung endlich vorwärt» zu kommen oder mindesten» doch sinmal eine« Anfang zu mache«. Diese Eingabe ist so lnterefsant, daß wir sie zum Theil hier wiedergebe» wollen. „Da» Wort macht die Sache", heißt es in der Eingabe. spricht man von Fabrikgesitz und Arbeiterschutz, so kommt Natürlich überall die Memung auf, man wolle speziell nur �»schließlich im Interesse der Arbeiter Verein- barungen schließe«, und diese falsche Auffasiung kann schon Zavze VolkSklaffen, die sich nicht ernstlich mit der Frage «fofseit, und wohl auch Regierungen der Sache abgeneigt dachen. E» liegen aber diese Bestrebungen ebenso sehr im 3»terefle de» Industriekapital« wie der Arbeiter (Beseitigung der die Waarenpreise schädigenden Ueberpro- Auktion— wa» einzig durch internationale Abmachungen iu«reichen ist), man gebe also dem Kinde den rechten Name«, damit jedermann weiß, daß e» sich bei der Sache um die Zntercsie« aller bei der Industrie �eth eiligten Kräfte handelt, nicht etwa ausschließlich um den Schutz der Arbeiter. lieber die Art, wie die Sache praktisch in die Hand «erden soll, läßt sich die Eingabe in sehr be> U«erkevSwerther Weise au«. Da« Programm D e c u r» tiu»' wird ungefähr richtig sein bezüglich der Punkte, ßber welche internationale Uebereinkommen denkbar sind. E» können nur Punkte in't Programm aufgenommen wer- den, bei denen ein I n t e r e s s e an der internationalen Siegelung vorhanden, wo vermöge der gleichmäßigen Eni- Wickelung der Gesetzgebung und der Uebereinstimmung 56r »wischen de« Betheiligte« und den Vertretern der Misten- ichaft ei» Resultat denkbar ist, und wo eS sich um Uebel- stäube handelt, die auf nationalem Boden nicht zu beseitigen n»d. Ein bescheidene» Programm ist gut; aber auch diese» bescheidene Programm wird nicht auf einmal »Mvirklicht werde«; e« giebt keinen internationalen Gesetz- ßrber. Von diesem Gesichtspunkte au» wird befürwortet, durch de» sukzessiven Abschluß von Verträgen, die nur ein- selne Punkte regeln, also Schritt um Schritt, die Frage Me? Lösung zuzusühren. Ein Vertrag zwischen mehreren Staaten über Einschränkung der SonntagSarbeit und Frei- «ab« de« Sonnabend- Nachmittag« für die Frauen scheint denkbar. Man sollte mit der l e i ch t e st e n Aufgabe ___ Ieuilreton. [39 Kaskowikow« te und Roma« von F. M. D o st o j e w» k t. An» de« Rusfische« übersetzt von W i l h. Hendel. — Hören Sie'mal, Herr Rasumichi», Sie vergesten .. begann Pulcheria Alexandrowna. _ Za, ja, Sie haben recht, ich habe mich vergesten... 4 schäme mich! fiel Rasumichin bereuend ein,— aber... Sie dürfen mir nicht böse sein, daß ich so spreche! ?w»» ich spreche aufrichtig, und nicht etwa weil... hm!... Si wäre gemein; mit einem Wort, nicht deshalb, weil ich � Sie.. hm, nun, ich will e» meinetwegen nicht sagen d�halb' ich getraue mir nicht... Aber, wir alle fühlten Min, al« er eintrat, daß er nicht zu unserem Kreise gehöre. ficht etwa beihalb, weil er sich be,m Koiffeur hatte fr, siren fsse». nicht beihalb, weil er sich beeilte, seinen Verstand Sien zu lasten, sonder« deshalb, weil er em Laurer, e,n �ekulant ist; weil er ei« Jude, ein Heuchler ist; man sieht ? ihm ja an. Sie glauben wohl, er sei geschickt. Nein, Narr ist er, ein ausgemachter Narr! Und da» sollte Mann für Sie sei»*- oh! mein Gott!... Sehen Sie, J�ive Damen,— er blieb auf der Treppe stehen,— ankommen alle, die da jetzt bei mir zu Hause sitzen, sind aber sie sind wenigsten» alle ehrlich; und wenn »7, auch vielerlei zusammenlügen, den» ich lüge auch mit, �J&gen wir üb« endlich doch zur Wahrheit hindurch, denn Zkb auf dem gute«, edlen Weg; Peter Petrowitsch aber... 1*!% auf dem edlen Weg. Obschon ich jene vorhin tüchtig M'Mpft habe- deshalb aber achte ,ch sie dennoch: sogar < Ä q«4 U»-b° mit beginnen. Der eventuelle Erfolg wird zu weiteren Schritten anspornen. Auch da» internationale Verbot einzelner kleiner aber gesundheitsschädlich wirkender Industrien oder Prozeste und Verfahren« gelber Phosphor) dürfte nicht besonders schwer haften. Mit den einschneidenden Reforme« darf man nicht beginnen, weil ei» Fiasko zu befürchten wäre, starke Opposition sich bildete und zwar trotzdem, daß die Fabrikgesetzgebung fast überall mit dem Kinderschutze begonnen hat. Vielleicht zuletzt wird die dringendste Frage zur Lösung kommen, die de» internationalen Arbeiter- tage«. Z« Bezug auf den Sonntag sollte e» wohl möglich sein, den b r e i t e st e n Schichten der Bevölkerung die Sonntagsruhe zu gewähren. Da» Verbot gesundheitsschädlicher Industrien bewahrt nur die engsten betheiligten Kreise j ein internationaler Arbeitstag ließe sich vielleicht einmal ber einem bereits organisirten Industriezweig, wie der Stickerei(Stickereiverband) versuche«; der internationale StaatSvertrag träte hier lediglich ergänzend zum inter- nationalen Privatvertrag hinzu. Ganz uathunlich scheint dagegen dem Zeatralkomftee ein Einbeziehen de» Gewerbe» unter die internationalen Vereinbarungen und auch die Hausindustrie sollte man vorderhand außer der Sache lasten. Für internationale Verträge fehft bei solchen Gewerbsleuten noch ganz da» Verständniß; auch könnte» Verträge ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Großindustrie nur noch weiter herabsetzen. Es scheint uv« gegeben zu sein, heißt e» in der Ein- gäbe ferner, daß Zndustrieverträge, wo e» sich um Altersgrenzen oder Arbeitsstunde« handelt, nur Maximal- oderMinimalgrenze» ausstellen, nicht feste Satzungen mache«. E« soll z. B. ein Minimalatter von Kindern, die in Fabriken arbeite« dürfen, ei» MaximalarbeitStag für Minderjährige und ebenso für Erwachsene aufgestellt wer- den, innerhalb dieser Grenze« aber nur der Gesetzgebung der einzelnenStaaten vollkomme« freierSpiel- räum verbleiben. Vielleicht will ja ein Staat die Arbeit»- zeit noch weiter herabsetzen, die Kinder bis zu einem höhere« Alter schützen u. s. w.; in England und Amerika existirt vielfach schon der beständige Arbeitstag, den man nicht wird aufgeben wollen, der aber um so besser durchgeführt werden kann, wenn ein internationaler allgemeiner Zndustriearbeit»- tag von 10—11 Stunden besteht. Sodann dürfe e« sich empfehlen, denjenigen Staate«, welche durch Vertrag gezwungen werden, de« Arbeitstag abzukürzen, Kinder nur noch in einem höheren Alter in die Fabriken gehen zu lasten u. s. w., eine Uebergang»« zeit zu bewilligen. Von vornherein müßte man Kinder, welche schon in Fabriken arbeite«, fortarbeitea laste«,(?) nachdem sich einmal die Eltern auf diese« Erwerb einge- lichtet haben. Da» Minimalalter könnte periodisch um ei» halbes oder ganze» Jahr(England z. B.) herabgesetzt wer- alle« vergeben. Haben Sie mir auch vergeben? Ja?... Nun. dann kommen Sie. Diese» Korridor kenne ich, hier war ich schon; grade hier, in Nummer drei, war ein Skandal... Nun, wo ist Ihre Stube, welche Nummer haben Sie? Acht? So, verriegeln Sie sich, lassen Sie niemand herein. In einer Viertelstunde bringe ich Bericht, und dann, nach einer halben Stunde, komme ich aochmal, mit Sossimow; Sie werden sehen, ich eile, adieu I — Mein Gott, Dunetschka, wa« wird daraus»och werden? sagte Pulcheria Alexandrowna, aufgeregt und ängst- lich sich an die Tochter wendend. — Beruhigen Sie sich, Mütterchen, antwortete Dunja, Hut und Mantille ablegend,— Gott selbst hat un« diesen Mann geschickt, ich versichere Sie, man kann ihm vertrauen, obschon er eben erst von einem Gelage kommt. Und wa» er schon alle« für den Bruder gethan hat... — Ach, Dunetschka, weiß Gott, ob er wieder kommt! Wie konnte ich mich nur überreden lasten, fortzugehen!... Daß ich ihn so wieder finden würde, konnte ich mir doch gar, gar nicht denken! Wie er mürrisch war, grab' al« ob ihm unsere Ankunft ungelegen sei... Thränen traten in ihre Augen. — Nein, e« ist nicht da«, Mütterchen; Sie haben ihn nur nicht genau beobachtet, Sie weinte» ja immer. Er ist von der schweren Krankheit noch sehr angegriffen und nervö», — da« ist alle»! — Oh, diese Krankheit! Wa» darau« nur«och werden mag!... und wie er mit Dir gesprochen hat, Dunja! sagte die Mutter, der Tochter schüchtern in die Augen blickend, um deren Gedanken zu errathen; sie war übrigen» zum Theil schon dadurch gettöstet, daß Dunza selbst den Brnder in Schutz genommen, folglich ihm schon vergebe« hatte.„Ich bin überzeugt, er besinnt sich morgen ander»," fügte sie hinzu, um die Tochter noch mehr au«zuforschea. — Ich jedoch bin überzeugt, daß er morgen da»«äm- de«, bt« der AlterSansatz de« internationale« Vertrage» er reicht wäre. Aehnlich ließe sich der Uebergang mit Bezug auf de« Arbeitstag gestalte» u. s. f. Je mehr man die Härte» im Vertrag mildert, desto sichere Aussicht auf Annahme wird derselbe gewinnen, ohne daß doch da« ganze Unter« nehme« dadurch nennenSwerthe« Schaden litte. De* ferneren bespricht die Eingabe da« hervorragende Interesse der Schweiz am Zustandekommen solcher Industrie- verttäge, wobei sie besonder» auf da« zollpolitische Moment aufmerksam macht. „Die Schweiz ist nicht nur da« Industrieland mft dem fortgeschrtttenste« Arbeiterschutz, sondern auch da« durch die Zölle der Nachbarstaaten am schwersten geschädigte Land. Die Nachbarn wollte» durch den Schutzzoll(aeben der in- direkte« Abficht auf vermehrte Staat«einnahmen) die eigene Industrie heben durch Wahrung de« Markte«. Sie habe» da» Ziel nicht erreicht, sonder» lediglich die i a l ä« d i- sche Konkurrenz großgezogen. Während der Schutzzoll so da« Erttägniß de« Industriekapital» nicht be- rührt hat. so müssen dagegen die internationalen Industrie- verttäge de« Erfolg haben, den Werth der Arbeit wie de» Kap ital» zu heben und dieKauf» kraft zuförder». Sie realisiren da« Ziel, da« man mit de« Schutzzölle» vergeblich angestrebt; sie fördern, um im Bilde zu sprechen, de« Blutumlauf im sozialen Körper und beseittgea die Unregelmäßigkeiten de« Stoffwechsel». Dringt diese Erkenntniß bei den Völkern durch, dann wird sich auch der Sturm gegen dieSchutz- zölle erhebe«(so schwer sie abzuschaffen find, nachdem man sich auf die neuen Einnahmen eingerichtet hat). Diese Erkenntniß wird aber gerade gefördert durch die Arbeit für internationale Jndustrieverttäge. Die Schweiz kann kaum eine bessere Waffe finde«, um gegen den Schutzzoll anzu- kämpfen und ihn allmälig zum Falle zu bringen, al» wie die Bestrebungen für internationale Jndustrieverttäge ihr bteten. Dabei empfiehlt aber die Eingabe, nicht die Meinung aufkomme« zu lassen, al« ob die Schweiz solche Verttäge wünsche, weil sie sich durch ihr Fabrikgesetz be« engt fühle und au« der Klemme kommen möchte;„e» ist da» nicht richtig, da« Fabrikgesetz hat sich eingelebt und war der Großindustrie entschieden förderlich. Man muß allseitig überzeugt sei», daß die Schweiz durch solche Verträge im gleichen Maße, wie da« eigene, so auch da« Interesse der verttaglich verbundenen Staaten schützen und hebe« will." An die Befürchtung einzelaer Professoren, e« komme bei der ganzen Sache nicht» heraus, glaubt die Eingabe nicht: Die Frage und die Erkenntniß ihrer Bedeutung hat in allen betheiligten Kreisen große Fortschritte gemacht, ebenso die Fabrikgesetzgebung in den einzelne« Ländern; die verschiedene« iateresfirte» Staaten böten kaum größere Ber» fürchtete von dieser Angelegenheit ausführlicher zu sprechen. Dunja umarmte und küßte sie, die Mutter drückte sie schweigend und innig an ihr Herz. Dann. Rasumichin'« Rückkehr unruhig erwartend, setzte sie sich nieder und ver. folgte mit schüchternen Blicken die Tochter, welche in Ge- danken versunke» und die Arme gekreuzt auf und ab ging. Die» gedankenvolle Hin- und Hergehe« war eine Eigen- thümlichkeit Awdotja Romanowna« und ihre Mutter hütete sich wohl, sie in ihrem Nachdenken zu stören. Rasumichi« war mit seiner plötzliche«, in der Trunken- heit entbrannten Leidenschaft für Awdotja Romanowna«a- türlich lächerlich, betrachtete man aber diese letztere, wie sie jetzt kummervoll und sinnend auf und ab schritt, so konnte man ihm, von seinem exaltirte« Zustand ganz abgesehen, wohl verzeihen. Awdotja Romanowna war eine auffallende Schönheit— groß, wundervoll gewachsen, kräftig und selbst- bewußt, wa« sich in jeder ihrer Bewegungen au«pr»gte, denselben aber durchaus nicht Weichheit und Grazie raubte. Ihr Gesicht war dem de« Bruder» ähnlich, man konnte sie mit Fug und Recht eine Schönheit nenne». Sie hatte, wie der Bruder, dunkelbraune», nur ein wenig hellere» Haar, ihre Augen waren fast schwarz, feurig, stolz, aber zuweilen, auf Momente, doch äußerst gutmüthig: obschon bleich, sah sie doch nicht« weniger al« kränklich au«; im Gegentheil, ihr Gesicht strahlte von Frische und Gesundheft. Ihr Mund war etwa» klein, ihre untere, frische und rothe Lippe stand ei« wenig hervor, ebenso auch ihr Kinn,— die einzige Un- reaelmäßigkeft in diesem schönen Geficht, die ihm aber eine« besonderen Charakter, etwa» wie Hochmuth, verlieh. Der Geficht»au»druck»ar nachdenklich und mehr ernst al« heiter; aber wie gut stand diesem Geficht ein Lächeln oder em jugendlich-heftere», unbefangene« Lachen. Daß der heiß- blütige, offene, einfache, ehrliche, reckenhast mächttge und trunkene Rasumichi«, der nie etwa« ähnliche« gesehen hatte, beim erste« Anblicke den Kopf verlor, war leicht erklärlich. Dazu kam«och der Umstand, daß er sie in dem schöne» Moment der Freude über da« Wledersehen mft dem Bruder erblickt hatte. Später sah er dann, wie ihre Unterlippe bei. schiedenheiten, als die verschiede«?« Kantone der Schwei»; auch ist die Opposition gegen die internationalen Ab- machungen stiller geworden. Daher ist anzunehmen, daß vaS Gelingen oder Mißlinge» der Sache heute wesentlich davon abhängt, wie sie in die Hand genommen wird. Und da regt da» Zentralkomitee, behufs Berathung der Frage des Vor- gehenS, die Einberufung einer Expertenkommission an, bei der das Fabrikinspektorat, die große» Zvdustriever- bände, vorab der Stickereiverband und die Feder&tion horlogäre, sowie die Arbeitervereine vertreten sein sollte«. Dem Vorgehen des BundeSratheS dürfte ferner mächtigen Vorschub leiste« der nächstjährige internationale Kongreß, zu welchem nach Ansicht des Komitees alle Elemente(Industrielle, Arbeiter und Nationalökonome«), die sich für die Sache interessire«, eingeladen werden sollen. Weiter sagt die Eingabe:„Unbedingt nöthig und von Anfang an in» Auge zu fassen scheint uns die Schaffung eines internationale» Institut», womöglich auf dem neutralen Schweizerboden, welche» die Berichte über den Vollzug der Verträge zusammenzustellen, de» Voll- zua selbst so weit als möglich zu überwachen und die An» Selegenheit praktisch zu bearbeite« und zu fördern hat. [«8 scheint, daß ein solche» Institut, wen» zweckmäßig or- aanisirt, mit seinem umfangreichen industrielle« Wisse«, da» rhm von alle« Seiten zuströmt, mit seiner genaue» Kennt- niß der geschäftlichen Lage der Industrie« in den ver- schiedenen betheiligte« Staate«— für unsere einheimische Industrie und deren Prosperität im Laufe der Zeit von großer Bedeutung werden könnt e." Aehnliche internationale Bureau» bestehen bekanntlich in Bern schon für andere Aufgabe». , in Die sehr n- Politisch- U-b-rstcht. Ate nmtße rnsstsch- Aul-ih- hat in Frankreich nur sehr wenig Glück gehabt— das wird auch von den englischm Zeitungen, die in diesen Materien am besten unterrichtet zu sein pflegen, ohne Umschweife zugestanden. Zwar wmde das An« leihen überzeichnet, allein bei der Art und Weise, wie Szene gesetzt wurde, war dies einfach selbstverständlich. franzöfischen Kleiiikapilalistcn, deren Zahl eine relativ große ist und die ihre Ersparniffe gern in leihe- Papieren anlegen, find der russischen Anleihe ferngedüeden. Die Papiere verbleiben so fast ausschließlich in den Händen der Bankiers und Großkapitaltsten. die sich die größte Mühe geben werden, die Papiere nach Deutschland zu schaffen, wo das Publilum leider am leichtgläubigsten ist. In England ist für die russtsche Anleihe garnichts gezeichnet worden. Die schlauen Engländer find froh, daß es ihnen mit Hilfe der preußischen Seehandlung gelungen ist, 1834 und 1885 ihre sämmtlichen Raffenpapiere den gutmüthtgen Deutschen auf- zuhalsm. Die russtiche Regierung ist bekanntlich verpflichtet, den Betrag der neuen Anleihe hauptsächlich zur Abzahlung der allen Anleihen zu verwenden. Run deträgt zwar die neue An» leihe das hübsche Sümmchen von 400 Millionen Mark, allein für Rußland ist dos bei Weitem nicht genügend und auch nicht für die unglücklichm deutschen Inhaber von Ruffenpapieren, welche— Inhaber— zusammen für 2000, wir schreiben zweitausend Millionen Mark solcher Papiere in Händen haben sollen. Also besten Falls wird nur ein kleiner TheU der deutschen Gläubiger befriedigt— der Rest hat das Nachsehen. Jedenfalls aber beweist das Fiasko der rusfischen Anleihe in Frankreich auf das handgreiflichste, daß es mit den Sympathien der Franzolen für Rußland nicht weit her ist. Die Kedaktione« de» leflereeichischen Arbeiter- blätter veröffcnllichen Ort und Tagesordnung des österreichischen Parteitags, welcher dekannllich am Schluffe dieses Monats ad- gehalten werden soll. Als Versa« mlungs ort ist Hainfeld , Nieder-Oesterreich bestimmt. Die vorläufige Tagesordnung bilden sollende Punkte: 1. Prtnzipienerklarung der sozialdemokratischen Ardeiter- partei in Oesterreich. 2. Die politischen Rechte. 8. Arbeiterschutzgesetzgedung und„Sozialreform. 4. Die Preffe. 5. Unürstützungswesen. 6. Die gewerkschaftliche Organisation. Weiter eventuell: 7. Die Ardciterkammern. 8. Die Volksschule. Das ist eine sehr reichhaltige Tagesordnung, deren Erledigung ein sehr fleißiges Arbeiten der österreichischen Arbeiter- delegiiten voraus folgt. Um der Versammlung den Charakter einer öffentlichen zu nehmen und fie den Vexatlo«en der den ungerechten, harten Befehle« de» Bruders unwillig zuckte— und er konnte nicht länger widerstehen. Als er vor- hin in seiner Trunkenheit ausplauderte, daß Raskolnikow» exzentrische Wirthio, Praikowja Pawlowna, nicht nur auf Awdotja Romanowna, sondern auch auf Pulcheria Alexan- drowna eifersüchtig sein würde, hatte er nicht ganz unrecht, obschon letztere bereits dreiundvierzig Jahr alt war; ihr Gesicht hatte noch eine» Rest der früher« Schönheit bewahrt und sie schien viel jünger; es kommt dies häufig vor bei Frauen, die sich einen klaren Geist, ftische Empfindung und Herzenswärme bis ins Alter bewahrt haben, Daß die» über- Haupt das einzige Mittel ist, die Schönheit bis ins Alter zu konservire», wolle« wir bei dieser Gelegenheit nur beiläufig erwähnen. Ihre Haare fingen zwar an, schon grau und dünn zu werden, kleine Runzeln um die Augen waren schon längst vorhanden, die Wangen waren vor Sorge und Kum- mer eingefallen und vertrocknet, dessenungeachtet aber war ihr Gesicht immer noch schön. Es war DunetschkaS Eben- bild, nur um 20 Jahre älter und ohne den Ausdruck der untern Lippe, die sich nicht so stark hervordrängte. Pulcheria Alexandrowna war empfindsam, aber nicht bi» zur Abge- schmacktheit; schücvtern und nachgiebig, doch nur bi» zu einer gewisien Grenze; sie konnte in vielem nachgeben, auf viele» eingehen, sogar gegen ihre Ueberzeugung, immer aber hielt sie eine gewisse Grenze inne und keine Macht war im Stande, sie zur Ueberschreitung dieser Grenze und zur Ver- leugnung ihrer Grundsätze zu zwingen. Genau zwanzig Minuten nach Rasum,chin» Entfernung wurde zweimal schnell aber leise an der Thür geklopft; er war zurückgekehrt. — Ich habe keine Zeit herein zu kommen, sagte er eilig, als die Thür geöffnet wurde;— er schläft prächtia, %%%% dazubleiben bis ich wieder komme. Jetzt schleppe ich Sos- simow hin. er muß Ihnen nachher Bericht erstatten und dann können Sie sich hinlegen, Sie müssen i» auch äußerst er- müdet sei»... Er eilte, de» Korridor entlang, davon. — Wa» da» für ei» gewandter... und gefälltger Polizei zu entziehen, wacken die Einlader von einer Be> stimmuna des österreichischen Vereins- und Versammlungsgesetzes Gebrauch und laden die Theilnebmer persönlich ein. Dadurch wird die Zusammenkunst eine„private". Diele etwas seltsame, aber unter reaktionären Zuständen sehr zweckmäßige Einrichtung ist dem früheren französischen Versammlungsgesetz entnommen, welches auf persönliche Einladung der Theilnehmer gegründete Zusammenkünfte ebenfalls als„private" betrachtet. De» aus K-rlin anvg-Wi-sen« paronelli ist in Mailand angekommen und hm dort einen sehr lebhaften Empfang gefunden. Wie man der„JndSp. delge" meldet, wurde ihm ein Bankett gegeben, aus welchem mehrere Toaste auf die„Vereinigung der freien Völker" und auf das„Deutsch- land der Philosophen und Dichter" ausgebracht wurden.— Der „Diritto" kommt wieder auf die Ausweisung zurück und meint, Herr C r i s p t könne wohl eine Abmachung mit Deutsch- land anstreben, wonach bei solchen Polizeimaßregeln der betroffene Staat Einwendung machen dezw. Aufklärungen eines etwaigen Mlßverständniffes geben könne; das würde der Souveränetät der beiden Staaten keinen Abtrag thun. Am Schluffe meint das Blatt, von nun ab sei die Anwesenhett italienischer Konespondenten in Berlin ganz nutzlos, da fie ihren Beruf doch nicht in würdiger und unabhängiger Weise ausüben könnten. Die meiste« Blätter find darüber einig, daß die letzte „große" Kolonialdebatte im Reichstage bezüglich der Aufklärungen und Ermuthigungen, die fie bringen sollte, nicht den allgemein gehegten Ermattungen entsprochen hat. Rur ein- zelne Kattelldlälter spinnen den Ton fott, den die Herren von Helldorff und von Kmdorff in der Diskussion anschlugen, indem fie, wie die„Weser-Ztg." ironisch bemerv, mit vollen Segeln auf dar klippenreiche Meer der kolonialen Gefühls- Politik hinausgingen. Das hanseattsche Blatt widmet diesen Stürmern und Drängetn folgende gelungene Betrachtung:„Sie, die in agrattschen und verwandten Fragen so staatsmännisch den Standpunkt des„gesunden Egoismus" fest zu hallen wissen, ergehen fich bter in den liebenswürdiasten Schwärmereien einer idealistischen Polllik.„Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein." Sie find bereit, große Opfer zu dttngen; Menschenleben und Geld fallen jr nicht ins Gewicht, wo es gilt, der Menschbett zu dienm. Man würde einem so edlen Aufschwünge die An- erkennung, die fie verdient, noch ungeschmälerter zollen, wenn die zu opfernden Leben und Gelder nicht anderen Personen, als den ehrenwerthen Rednern, gehötten. Sie find ja nicht Schuld daran, fie können fich nicht persönlich in den Abgrund stürzen, aber eS ist doch einmal so, daß die Bewilligungen des Reichstages vorzugsweise den deutschen Steuerzahler und die timllien unserer Seeleute berühren werden." Die„Kreuz-Ztg." denn auch weit davon entfernt, mit dem Herrn v. Kardorff in ein Horn zu stoßen. Sie mahnt, so gut wie linksstehmde Blätter, nachvrücklich zur Vorficht. Nach dem stockkonservativen Blatte ist es nach wie vor„wünschenswerth. nicht ohne weiteres Deutschlands Ehre mit derjenigen der ostastikanischen Gesell schaft zu identifiziren. Wir theilen auch ihr gegenüber", so fährt die„Kreuz-Ztg." fort,„die nüchterne kritische Anficht... So entschieden wir mit dem Abgeordneten von Helldorff die geradezu schmachvolle Att und Weise veruttheilen, mit der die freifinnige Preffe Alles zusammenträgt, was fie besonders in englischen Blättem an Unwahrheiten und Uebettreibungen findet, um die deutschen kolonialen Bestrebungen zu Vis« kredttiren, so möchten wir doch andererseits nicht in den Ton unbedingter, ja kritikloser Begeisterung für die ostafttkanische Gesellschaft und ihren Begründer einstim« mcn, den der Abg. v. Kardo.ff anschlug und der mit den vor- fichtig abwägenden Ausführungen, die vorgestern sein Frak- tionsorgan, die„Post", brachte, uns recht wenig zu stimmen schien. Es war doch demerkenswetth, daß der Staatssekretär nur des Herrn Wißmann, und zwar in sehr warmen Motten gedachte. Auch Herrn v. Kardorff's Satz: Wir bedürften der Kolonien, damit unsere Flotte immer größer werde— erweckt doch schon als Ansatz zu einem Zirkelschluß, der sehr verderblich werden kann, nicht unberechtigte Bedenken." Es ist nur zu wün- schen, daß fich die NiichternheU mit der Zell noch mehr verstättt und ausbrellet. Vielleicht haben die Zahlen der Kolonialvor- läge, welche nach Weihnachten zu erwarten steht, ein wenig die Wirkung einer kalten Douche. Di» porwgiestsch- Uerorduung zur Unterdrückung des Sklavenhandels in Ostafttka ist vom 6. Dezember datitt und wird in der„Rordd. Allg. Ztg." veröffentlicht. Die Verordnung verbietet die Einfuhr, Ausfuhr, Wiederausfuhr und den Verkauf von Waffen und jedem sonstigem Kriegsbedarf, verhängt die Blokade über die Einfuhr von Waffen und sonstigem Kriegsbedarf, sowie die Ausfuhr von Sklaven für alle die häfm, Buchten und Ankerplätze von Afttka, sowie der an- liegenden Inseln vom 10. Grade 28 Minuten südlicher Brette, der Mündung des Rovuma, an bis zum 12. Grade 58 Minuten, der äußersten Südspitze der Pembabucht. Der Verordnung find Erwägungsgründe vorhergeschickt, welche auch darauf hinweisen, daß es von Wichtigkeit sei, daß ein Zustand von Anarchie und Unordnung zu Ende komme, welcher fich auch auf die Provinz Mozambiquc auszudehnen drohe. Außerdem wird auf die junger Man» ist! rief die außerordentlich erfteute Pulcheria Alexandrowna au». — Er scheint wirklich ein prächtiger Mensch zu sein! aatwotttte Awdotja Romanowna eifrig, und begann wieder im Zimmer auf und ab zu gehe». Fast eine Stunde später wurden abermal» Schritte im Korridor gehött und man klopfte wieder an der Thür. Beide Frauen hatten diesmal auf Rasumichin's Versprechen fest vertraut; und er hatte Sossimow richtig herbei geschleppt. Dieser war sofort bereit gewesen, die Gesellschaft zu ver- lassen, um RaSkolnikow zu besuchen; die Damen aber wollte er anfangs durchaus nicht sehen; er mißtraute den Versiche- runge» bei trunkenen Rasumichin. Seme Eigenliebe ward aber bald beruhigt und er fühlte fich sogar geschmeichelt, al» er sah, daß man ihn wirklich wie ein Orakel erwattete. Er blieb genau zehn Minuten bei ihnen und eS gelang ihm, Pulchetta Alexandrowna gänzlich zu beruhigen. Er sprach mit großer Theilnahme, war aber zurückhaltend und sehr ernst, ganz wie ein siebenuadzwanztgjähriger Doktor bei einer wichtige» Konsultatton; mit keinem einztge» Wort verließ er den Gegenstand, der ihn dotthin geführt, und er zeigte auch nicht de» genngstea Wunsch, mit den Damen in ei« persönlichere» und intimere» Verhältniß zu trete». Bei seinem Eintritt bemerkte er Awdotja Romanowna» blendende Schönheit sofott, that aber alle», um diesen Eindruck nicht merken zu lassen und richtete seine Wotte ausschließlich an Pulchetta Alexandrowna. Es war ihm dies eine besondere, innere Genugthuung. Ueber den Kranken äußette er, daß er ihn gegenwärtig in einem sehr befttedigenden Zustand gesun- den habe. Semen Beobachtungen zufolge sei der Ursprung der Krankheit, abgesehen von der schlechten matettellea Lage de» Patienten während der letzten Monate, noch in einer gewissen moralischen Ursachezu suchen, e» sei da«, sozusagen, ein Produkt vieler ineinander verschlungenen, moralischen und matettellen Einflüsse, Beunruhigungen, Befürchtungen, Sorge«, gewisser Ideen... u. s. w. Al« er wahrnahm, daß ihm Awdotja Romanowna besonder» aufmerksam zuhöre, ließ er sich m wettere, auf diese» Thema bezügliche Einzelheiten ein. Pul- chetta Alexandrowna'« schüchterne und erregte Frage von wegen de» Verdacht» der Geistesstörung beantwotttte er mit Solidarität der Interessen unter den europäisiben Nationen hingewiesen,„welche fich demübcn, die Sklavenhändler zu de- kämpfen und zu verfolgen, die in ihren verderblichen Zügen da» Innere des afttkanischen Kontinents verwüsten, indem fie ganze Bevölkerungen ausrotten und Tausende von Menschenleben vernichten." Di« Reichotagokommissto» für die Alter«* med Invatiditätvverstcherung wird ihre Arbeiten am 10. Januar deginnen. So wird wenigstens offiziös gemeldet und Hinzuge- fügt:„Man glaubt sehr umfangreichen und langwiettgen Ver- Handlungen entgegensehen zu sollen, und wenn es überhaupt in dieser Sesfion zu einer Verständigung kommt, so dürfte fich die Erledigung doch auf alle Fälle bis mindestens gegen Ostern hinziehen. Es wird vielfach für wahrscheinlich gehalten, daß fich der Reichstag nach Aufarbeitung seines ander- weiten Stesses im Februar oder März längere Zeit vertagt, rm sowohl jener Kommission als dem Adgeordnetenhause mehr freie Zeit»u lassen." Au» Dr«»d-«, den 16. Dezember, schreibt mm uns: Heute sab unsere Stadt einen Proletatterleichenzug von sellener Größe. Es fand die Beerdigung des in sozialdemokratischen Kreisen bekannten und sehr geachteten Steinmetzen Al brecht statt und dem Sarge des Verstorbenen gaben well über 1000 Parteigenossen das Geleit. Auf polizeiliche Anordnung mußte der Zug mitten auf dem Wege halten und mußten die staatt- gefährlichen rochen Schleffen von mehreren der Kränze entfernt werden. Nachdem diese staatsrettende That vollbracht war, konnte fich der Zug wieder in Bewegung setzen. Am Grabe zu sprechm war verboten. Die ganze Feierlichkell bestand in de« Gesang zweier Lieder, alsdann gab die Menge dem Veistordenea die letzten drei Handvoll Erde auf dm Sarg, und die Feier war bemdet. Albrecht hinterläßt eine Wittwe und fünf noch unerzogene Kinder. 1881 nach Verhängung des kleinen Be- lagerungszustandes aus Leipzig ausgewiesen, fiedelte er nach Dresden über, wo es ihm Jahre lang sehr ttauttg ging. De» verrufenen Sozialdemokraten, der mit Zähigkeit an seinen lieber» zeugungen hing und unermüdlich thättg war, wollte kttn Unter- nehmer beschäftigen. Als er endlich eine passende Stellung wieder hatte, stellte sich die tückische Proletatterkrankheit und die eigmtliche Berufskranlell der Steinmetzen, die Schwindsucht» ein und brachte ihn nach längerem Siechthum ftühzellig in'» Grab. Der Verstorbene war ein musterhafter Familienvater und ein vom größten Opfermuth beseelter Parteigenosse. Daher das große Gelttt auf seinem letzten Gang. Ehre, wem Ehre gebühret! A«» Kachse» schreibt man uns: Wie es scheint, wird das Boykott in unserem„gemüthltchm" Kartcll-Musterland die ge- setzltche Sanktion doch noch erhallen. Sie erinnern fich des Prozesses, welchen der Wurzener Redakteur Thiele gegen die Verdreller eines Aufrufs, der dm Boykott gegm ihn p-o- klamirte, ansttmgte. In erster Instanz wurde der Kläger— vom Wurzener Amtsgericht— abgewiesen; in zweiter Instanz aber wurdm die Unterzeichner des Aufrufs zu je 10 M. Strafe veruttheilt. Sie wandten fich darauf an das Oberlandesgettcht in Dresden und erwirkten hier, daß das Uithttl des Leipziger Landgerichts aufgehoben und der Prozeß zu anderweitiger Ad- mthetlung an das Landgettcht Chemnitz„zmückverwiesm werde. Dieses Landgettcht entschied vorige Woche und sprach die Unter- zeichner des Aufrufs abeimals frei. Die Sache geht nun wie- der an'ö Oberlandesgettcht, allein nach der Argumentation, wellte dasselbe bereit« in dieser Angelegenheit„befundm" hat, ist an eine Aufhebung de» Chemnitzer Uttheils kaum zu denkm. Und es untcrliegt also kaum mehr einem Zweifel, daß das Boykott in Sachsen eine gesetzlich erlaubte Institution werden wlld. Od die Kartellbrüder Grund haben, fich über diese»„Sieg zu freuen, das weiß ich nicht. Das aber-weiß ich, daß das Boykott ttn sehr zweischneidiges Schwert ist» und daß die sozialdemokratischen und sonstigen Reichs- feinde in Sachsen die reinsten Hammel sein müßten, wenn fie das gerichtlich approbitte Boykott-Rezept nicht eifrig benutzen und den Spieß kräftig umdrehen wollten. Dip Niederlagen, welche die Kartelldtüder trotz des ihnm sehr gü«' stigm sächfischen Gemeinde- Wahlgesetzes bei den jüngsten Gemeinderathswahlen erlitten haben, haben wieder einmal recht deutlich gezeigt, daß diese Herren Rückwärtser in unserem invu- stttell hochentwickelten Land die Majotttät nicht haben. Bei einem Boykott-Krieg werden fie daher unzweifelhaft den Stm' zeren ziehm. Die Bre«la«er zleichvtagsersatz»ahl für den verst«- benm ReichStagsadgeordneten Kräcker findet laut Bekannt- machung in BreSlauer Blättern am Montag, den 14. Januar k. I. statt. Sozialdemokratischer Kandidat ist der Schneide»' meister Kühn aus Langendielau. Wa« KarteUhrüde» nicht fassen könne«! „Zwick. Wochmbl." schreibt:„Als kaum glaubliches Beiftt* des glücklicherweise wohl nm vereinzelt dastehenden Arbeitergeistes wird uns mitgetheill, daß ttn Ardeller die Annahme seines Abgangszeugnisses verwttgerte- weil der Arbeitgeber in wohlgemeinter Abficht der Beschttnigun» der Arbeitszeit noch das Zeugniß der Ehrlichkttt und W» Fleißes beigefügt hatte. In dieser Empfehlung sah der Arbeite* ruhigem, offenem Spott: sagte, daß man seine Wotte übe*- trieben habe, daß der Kranke allerdings eine fixe Idee i* haben scheine, etwas in der Art wie Monomanie;—;* Sossimow, beschäftige sich gerade jetzt spettell mit dieses außerordentlich rnteressante« Thttl der medizmische« Wisse»' schaft,— daß man aber den fieberhaften, phantasirende« stand de» Kranken, der fast bis zum heutigen Tag angedauert habe, berücksichtigen müsse und.... daß die Ankunft � Verwandten jedenfalls heilsam auf ihn einwirken, ihn stärke» und zerstreue« würde—„vorausgesetzt, daß neue, äußert ordentliche Erschütterungen vermieden würden",— füate 5 bedeutungsvoll hinzu. Dann stand er auf, empfahl sich ehrt erbiettg und achtungsvoll und ging, vom Segen und de» inaigsten DankeSbezeuaungen der Mutter begleittt und vs» dem ihm sogar ohne sein Zuthun entgegengebrachten Häa-rt druck der Schwester beglückt, mit seinem Besuch, und»** mehr mit sich selbst äußerst zuftieden davon. — Alles wettere bi« auf morgen; jetzt aber lege» sich sogleich nieder, durchaus! fügte Rasumichin, der sich Sossimow entfernte, hinzu; morgen bi» ich so früh � möglich wieder bei Ihnen, um zu rapporttte«. � — Wa» doch diese Awdotja Romanowna für reizende» Mädchen ist!... bemerkte Sossimow, al» st* die Straße traten._ — Reizend? Du sagtest reizend! brüllte 9*®'■, michi«, stürzte auf Sossimow lo» und packte ihn a» Gurgel— Wenn Du Dich jemals unterstehst••• greifst Du? verstehst Du mich? schrie er, ihn g Kragen schüttelnd und an die Wand drückend,.•• � Du'« gehört?_! pffttt gesunkene« Arme« vor ihm. er fi-fle» — Nun ja,... ich bin ein Esel, sagte er eine Gewitterwolke,— Du aber... doch auch. zch - Nttn, Brüderchen, ich nicht. durchau«n>«. j* pflege nm keine solchen Dummheiten w de». setzen.(Fortsetzung ■I P®4mad6: er wollte kein Zeugniß über seine Führung."— f hoffen, daß dieser Aldeiteraeist überall vo: Händen sein Ms' dann wird an ihm ouck die Einführung dcS geplanten groungebuches" bei der Alters- und Jnvaltdenverficherung Kerbo«. Auf Grund der§§ 11 und 12 des R.i-bs- gegen die gemeingefäbrlicken Bestrebungen der Sozial- �olratie vom 2l. Ottoder 1878 ist das in Fler.sburg verbreltete IW>latt: »An die Bevölkerung Flensburgs!" beginnend:„Arbeiter, Bürger! Den Weg, den wir wählen, um zu Euch zu reden", und schließend mit den Worten:»Damm, Ar< bester, Bürger! schaart Euch, sofern Ihr es noch nicht ge- than habt, um das Banner der Sozialdemolratie zum Heile aller Menschen", unterzeichnet:»Mehrere Sozial- j. demokraten", P Angabe des Druckers und Verlegers, unterm heutigen Tage ? uns verboten worden. Schleswig, den 15. Dezember 1888. �gliche Regierung, Abtheilung des Innern. Hagemann. ! Kchweßs. Der N a t i o n a l r a t h hat den Antrag des sozialdemo- Men Mitgliedes Locher den Bundesrath zur Zurücknahme Rundschreibens vom 11. Mai d. F wegen Handhabung 'volttischen Polizei zu veranlaffm, mst 99 gegen 12 Stimmen Wehnt. «rsKbritannie». Unterhaus. Unter st aatSsekretär Fer- i o n erklärt in Beantwortung einer Anfrage die Auf- �ung eines Voranschlags über die Belastung die den Ein- '>>f t e n Egyptens aus der Entsendung von Truppen uh Suaktm erwachsen würde, sei unmöglich, als unmtttel- � rasten würden zunächst nur die Kosten de« Traneports Wichen sein, mit kriegerischen Operationen seien aber im All- ;*«nen nicht zum Voraus feststellbare Kosten und Verluste Kunden. Mit seiner im Mär, d. I. gethanen Aeußerung, � Egypten die Aufgabe von Suakin anzurathm sei, habe � Salisbuiy nur seine persönliche Ansicht ausgesprochen.— erklärte der Unterstaatssekretär, es würde unklug sein. . � die Grenzen der dcadfichttgten militärischen Operationen bei destimmte Misthcstungen zu machen, da man auch in Mum davon Kenntniß erkalten würde. Die msprüngl'chenZweifel »?dit Wahibeit der in OSman Digmas Brief an G r e n f e l l Lienen Mittbeiluna hätten sich inzwischen ncch gesteigert, Mte dieselbe lediglich für eine geschickte orienta- Kriegslist, welcher gegenüber die Maßregeln zur JWrnng ver Belagerung von Suakin nicht unterbrochen wer« "tonnten. Die Rainung habe nicht die Absicht, eine neue Mion nach dem Sudan zu entsenden, ihr einziger Zweck Vettheidigung von Suakin, sie halte jeden Versuch von Handlungen jetzt sür nutzlos, hoffe aber durch das Fest. Ä an ihrer bisherigen Politik in kurzer Zeit den Frieden ' Schern und die ftiedlichm Beziehungen selbst mit denjenigen Jaunen, mit denen sie sich jetzt im Kriege befinde, wieder »edmen zu können. M o r l e y erllält, daß er von den Dar- Ferguffons nicht befriedigt sei und deantragt, den shalt res englischen diplomatischen Agenten Baring in ?> um 300 Pfd. herabzusetzen. Ztach mehrstündiger L*W( wird dieser Anttog mit 165 gegen 76 Summen adge- ,A Im weiteren Verlaufe der Debatte erklärte Fer» rjon, der Generalkonsul in iSanstdar habe �aphtrt, daß auf Pemba und in Sanfidar sich eine spontane ing zu Gunsten der Unterdrückung der Sklaverei geltend es heiße, daß, sobald der Sultan zurückgekehrt sein . entsprechende Maßregeln ergriffen werden würvm. eine Entschädigunzsforderung für die dritiscken Unter- > an der Küste von Sansdar b.tr ffe, so sei die Regie« .noch nicht im B fitze der erforderlichen Thatsachen, um Erklärung darüber abzugeben. Er(Ferguffon) hoffe, daß welche in Samoa Ve luste erlitten hätten, eine s ch ä d i g u N g erkalten würden, es sei i rn jedoch nicht , zu sagen, waS die Zukunft Samoas sein werde. Die ..�ung habe sich seit Fahren zur Neutralität zwischen dm es destthenden Patteien ver flichtet, eine dm Bürgerkrieg Pnde Lösung sei sehr erwünscht. In den drstischm Kolonien 1# nicht rderraschend, daß Deuttchland ein Auge auf die M werfe, die so geeignet zur Kownistmng sei, in England Csf man doch Nicht mit Eifersucht auf die Bewegungen Stationen in der Richtung der Kolonifirung blicken. FrnttKreich. .Der Senat beschloß, mst der Berathuna de» (."jsSets am nächsten Mittwoch zu beginnen. Lacomde iJyagt, die sofortige Be-.athung des Konkuisgesetzes vorzu- «?en. damit wmn irgmd möglich ein großes Mißgeschick Met werde. Der Vorsitzende der mit der Vorberathung de» �Ugesetzes beauftragten Kommission, Mazeau, erklätte, der �glicht werde dem Senat am Freitag vorgelegt wer» « werde jedoch morgm eine Sitzung der Kommisston um zu schm, ob diejmigen Attikel der Vorlage, die len wie die Panama- Gesellschaft anwendbar ..Ans Kunst«nd Leben. ��.»»»»»daqtige» ZengniA. Ein echt texanischer rtü. � au« der Stadt Victona in Texas berichtet. � der Polizeimeister bei der letzten Wahl wiederum als s,� iur das Amt aufgetreten. Kurz v>.r der Wahl stellten in w??saffi>f deS unter des Polizeimeisters Obhut desind- „.�esangniffeS ein Zeugriß für seine„Tüchtigkeit" als k, ,°us. welches in den Zeitungen veröffentl.cht wurde. ?�W.. i�ch» Gifeubahnen find schon mehrfach gebaut > dagegen gab es bisher nock keine Wagen, welche ohne K an Quf den Straßen mittelst Elektrizität fortbewegt wur- Man hatte wohl Dreiräder dazu eingerichtet; die damit Bersuche waren aber ohne genügenden Erfolg ge- u Neuerdings hat nun, wie die„A. d. E. Z." mittyetlt, M etoi" Me Sache der elektischen Wagen dadurch gefördert, u%«I-»nen solchen Wagen durch eine enalische Fabrik hat « A-loffen. Dieser Wagen ist«in vterfitziger Fagdwagen Die elekttische Kraft zum Fortbewegen li-fem Dieselben, 24 Stück, sind unter den Sitzm ,, und wiegen etwa 300 leg. Sie können auf einmal h a,,..Mische Kraft aufnehmen, daß der Wagen 5 Stunden t?4; ntt Geschwindigkeit von 10 englischen Meilen laufen Pdi!°oann müssen die Elektrizitätsammler von neuem ge- av"' Das Gesammtgewicht des Wagens beträgt Die Steuerung erfolgt leicht durch eine Kurbel vom ous�Die Kosten für die ganze Einrichtung belaufen 4000� � � fwsst#* i o— u der»pidemische» ü«hr(Dysenterie), ' finer»U die Gelehrten vergeblich geforicht haben, ist ge- bey c.�'ltheilung an die Pariser Akademie der Medizin � Diltd��-�ulemeffe und F.Vidal in den Exkrementen, do» 5Mwanden, den Mesenterialdrüsen und in der Milz lyn. ysj. epidemischen Ruhr befallenen Personen entdeckt llrs rgZ!" Mikroorganismus hat die Gestall eines Stäbchen- ist w»n!. � dyrnevtericu:) mit abgerundeten E-'den. Der - �— w o* f*r.*4„u s>r»(n„forben. Nti« seien, nicht vorweg zur sofortigen Berathung gestellt werden könnten. Der VerwaltungSratb und die provisorischen Administratoren der Panama» Gesellschaft beschloffen, für Ende Januar künftigen Jahres eine Gmeral- Versammlung der Aktionäre einzuberufen und derselben die- jenigen Vorschläge zu machen, die sich als die besten und geeignetsten darstellen, um aus der jetzigen Lage herauszu» kommen. Italie». Die römische Polizei hat kundgegeben, daß sie eine irredenttstische Demonstration am Todestage Oberdanls (23. Dezember) nicht dulden werde. Die republikanischen Vereine hatten beabsichtigt, einen Kran, auf daS Kapitol niederzulegen und eine Geben ttafel an dem Hause anzudringen. Kalkattlander. Nach dm bis jetzt bekannten Wahlergeb nissen find 504 Radikale, fc6 Leberale, 4 Fortschrittler und 19 Deputirte von nicht bekannter Parteistellung in die(serbische) Skupschttna gewählt._ Koziales und Arbeiterbewegung. An die deutsche Metallardeiterschaft. Am Don- nerstag, dm 13. d. M.» haben die Arbester, Gürtler, Dreher und Schleifer der Bronzewrarenfadttl Louis Röhle Stachf., Dresden, die Arbeit niedergelegt. Gnrnd der Arbettseinstetlung ist Lohn- reduttwn um 5 pCt. In dieser Fabrik werden als Spezialität Pianoleuchter fadrizirt. Die Preise find durch die Schmutz- konkurrmz. welche fich die vier hier am Orte befindlichm Fabriken derselben Spezialität bieten, derart herabgedrückt, daß nur ein Ardeiter, welcher im wahrsten Sinne des Worteü auf diese Branche eingefuchst»st, so viel erschwingen kann, um das Nvthwendigste zu destrettm. Die Lohnreduktion hat der Chef nach eigener Aussage deshalb eintreten lassen,«eil er durch die Unfall» und Kranken» Versicherung zu große Ausgaben habe und die Arbeiter doch auch einen Theil tragen könnten. Hierzu kommt noch, daß häufig der Dampf steht, die Materialien unvollständig find, auch alle Werkzeuge selbst gehalten werden müssen, der Fabrikant aber für jede Widerrede taube Obren hat. Kollegen, Berufsgenoffen! Wir kämpfm nur für die Erkaltung deS schon so niedrigen Lohnes. Schon oft hat Dresden(erst in diesem Sommer) Streiks unterstützt, noch nie aber selbst Unterstützung verlangt! Also unterstützt uns in unserm vollgerechtfertigten Kampfe. Weihnachten steht vor der Thür, der erste Januar(Miethzinstermin) nabt heran, wir muffm dem Fabrikanten zeigen, daß er an die Grenze unserer Nachgiebigkeit gelangt ist. Doch noch einS spricht hier mst: Geht uns dieser Streik verlorm, so werden auch die übrigen 3 Fabrikanten mit demselben Abzug kommen und dann gewinnt der Streik, welcher fich jetzt auf 18 Mann, darunter 10 Ber» beirathete, beschränkt, eine Ausdehnung auf etwa 250 Mann. Also nochmals, schnelle HUfe thut nolh, damit die Kämpfenden den Muth nicht verlieren. Alle Sendungen find zu richten an H. Rohrlach, Plauen Dresdm, Chemnitzers«. 26, 2 Tr.— Alle arbeiterfreundlrchen Blätter werden um Abdruck ersucht.— Zuzug fern halten! £{* Zahl der in der sachstsche« Industrie deschSf- tigteu Kinder betrug im Jahre 1887 nicht weniger als 10 562, 1000 meyr als im Vorjahre: die Zahl der jugendlichen Ardeiter beträgt sogar 24 III und ist im letzten Jahre um 4200 gestiegen, während die Zahl ver erwachsenen Arbeiter fich um 8 pCt. ver» mrndert hat. Welches Glück für die Proletariersprößiingc, im Fabriksaal und in der Werkstatt ihre Jugend zu verdringen und ihre Väter arbeitslos zu machen, nur damit der Unternehmergewinn steigt! Kon d»« fLufhundert Geistlichen der Provinz Kchl»o»ig-K»lst»i» find 55, d. h. mehr als 10 pCt., über 70 Ja vre all. Von den bei der lS82er Berufszäblung ermittelten 6 775 303 männlichen Arbeltern waren nur noch 79 960 lhätig, d. h. etwa 1 pCt. Vereine rnifc Versammlungen. Eine lZroste öffentlich» Mrtallaedetteeversammlnng, welche von ungefähr 1200 Personen besucht war, tagte am Dienstag unter Vorfitz d s Herrn Otto Klein im Lokale Sans- souci. Auf der Tagesordnung stand: 1. Berathung und Beschlußfassung über das von der Kommisfion ausgearbeitete Statut, 2. Aufnahme von Mitgliedern, 3. Wakl eines prooiso- rischen Vorstandes. Der Vorsitzende Herr Klein machte die Versammlung zuerst mit den Arbeiten der am 23. November gewählten Kommisfion bekannt; fie habe ein Statut ausgeardettet, das h.uts zur Berathung stehe. In Betreff des Vorstandes sei fie zu der Anficht gekommen, daß eS das Beste sei, für die Bc- ztrke Süden, Osten und Norden je einen Vorfitzenden, dann einen Schriftführer und drei Protokollführer und je einen Kassirer für die Bezirke Süd und Nord zu wählen. Außerdem sollten drei Revisoren gewählt werden, die jedoch nicht zum Aussehen. Der Durchmesser einer Kolonie ist niemals größer als der einer Linse. Sporenbtldung wurde bisher nicht deob» achtet. Mit dem Bazillus angestellte Thierexpettmente, sowohl durch Jnjeltion der Mikrodie in die Bauchhöhle deS VersuchS- lhtere«, als auch durch Einführung desselben in den Darm, hatten pofitivrn Erfolg, indem dadurch die Ruhrkrankheit erzeugt werden konnte. Der älteste Ktestrbrief. Im RathhauS- Archive zu Leipzig wird ein Schreiben des Raths zu Rochlitz an dm Leipziger Rath aus dem Jahre 1442 aufbewahrt, in welchen dieser vor zwei Studenten gewarnt wurde, die von Husfitm Geld genommen hatten, um in den Städten Feuer anzulegen. Dies hättm die Freiberger dm Chemnitzem und die Chemnitzer ihnen, den Rochliyem, angezeigt. Sie wärm in großer Sorge, schrieb ver Rochlitzer Rath, und ließen die Thore llüten und hatten fich des Nachts viele Wächter zu- gelegt. Auch eine Beschreibung der Studenten fehlt nicht. Einer, heißt es, hätte einen grauen gestickten Mantel an. unten um den Hals mit blauem Tuch gefüttert, und trüge eine schwarze „untirioppe" von Parchan und eine graue Kogel. Der andere »Brmnu" hätte einen grauen Rock an, mit angezogenen Aermeln, und eine schwarze„Mutcze" auf und sein Haar wäre schwarz.— Es dürfte dies wohl der älteste Steckbrief sein, der auf unsere Zeit gekommen ist. Literarisches. vorbravvt»» Kirch. Man hat viel gegen die Eitt mmm hohen Polizei und einer hohm Geistlichkeit wegm Unsittlichkeit und unchttstlicher Moral öffentlich verbrannt wurde. Ss liegt Vorstande gehören. Es wurde hierauf zur Verlesung de» Statuts geschrittm. Aus demselben find folgende Paragraphen hervorzuheben. Der Zweck deS»Allgemeinen Metallarbeiter» Vereins für Berlin und Umgegend� ist die allseitige Vertretung der Interessen seiner Mitglieder. Dieser Zweck soll erreich» werden 1. durch Einführung eine» zeitgemäßen Arbeitstages, Beseitigung der Sonntags-, Ueberstunden- und Nachtarbeit unter Zugrundelegung eines Lohnes, welcher für die Befriedi» gung aller vernunftgemäßen Bedürfniffe der Berufsgenoffen und deren Familim vollständig ausreicht, 2. durch Errichtung eine» unentgelllichm Arbeitsnachweises, 3. Gewährung einer Resteunter» stützung sür Kollegen, die mindestens acht Wochen einem Metall« ardeiterverein angehört haben, nach Maßgabe des Vereinsver- mögens, 4. durch Veröffentlichung statistischer Echebunam über Löhne und ArbeitSverhältniffe im Gewerde, 5. durch unentgelllichm Rechtsschutz in allen gewerblichen Angelegenheiten. 6. durch wiffmschaftliche und fachgewerbliche Votträge, 7. durch Lesm von Fachzeitschttften l und Gründung einer Vereins» bidliothek. Das Eintrittsgeld dettägt 20 Pf., der monatliche Beitrag 20 Pf. Bei Arbeitseinstellungen oder Ausschluß wird den dabei delheiligten, mindestens 3 Monate deistmerndm Mit» gliedern eine von der Versammlung nach Maßgabe der Kaffm- Verhältnisse festzusetzende Unterstützung gewährt. Jedoch haben die Mitglieder keine klagbaren Ansprüche darauf. Arbeitsein- stellungen find dem Vorstände, wmnmözlich 8 Tage vor Beginn derselben, unter wahrheitsgetreuer Klarlegung der Gründe anzuzeigen. Bei Ardeitsauischluß hat die Anzeige sofort zu erfolgen. Mitglieder, welche zu dm Fahnen einberufen werden. find während dieser Zett von Zahlung von Beittägen defreit; dasselbe ist der Fall bei erkrankten Mitgliedem, wmn die Krankheit länger als einen Monat dauert; ebenso Mitglleder, die länger als einen Monat! ardettslos find. Der Vorstand wird auf die Dauer eines Jahres gewählt. Bei einer etwaigen Auflösung deS Vereins fällt das Vermögen, wenn sich inner» halb 10 Jahren eine ähnliche Zwecke verfolgende Vereinigung von Berufsgenoffen bildet, derselben als Grundkapital zu. Tritt dieser Fall nicht ein, so wird daS Vermögen der�itz Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter Deutschlands überwiesen.— Herr G o t t f r. Schulz macht noch besonders auf die Vor» tdeile, die der Verein im Falle eines Lohnkampfes, auf der Reise und bei Arbtttslofigkeit bietet, aufmerksam. Er fordert aus, dem Vereine beizutreten und ihn groß und stark zu machm; nur dann könne etwas eneicht werden, fie sollten festhaltm an dem Motto, das der Verein fich gesetzt habe:„Es falle Haß, es falle Neid, es lebe hoch die Einigkeit!"— Herr König stellt dm Antrag, das Statut en dloo anzunehmen: Aende» rungen könnten später noch gemacht werden, falls fich Mängel herausstellen sollten. Dieser Antrag wird zum Beschluß er» hoben und hierauf das Statut mit allen gegen 2 Stimmen angenommm. Es tritt hierauf eine Pause von 20 Minuten ein, während der fich 286 Metallarbeiter einzeichntten. Nach Wiedererönnung der Verhandlungen wird zur Wahl des p:o» visottschen Vorstandes geschrittm und die Herren M t e t h e zum 1. Vorsitzenden, Reckner und Hartmann zu Stell- vettretem, Klein und Lenzner zu Kasstrem gewählt. Herr Pirch, der auch als Vorfitzender vorgeschlagen war, fühtt auS, daß das Wahlresultat nicht stimmen könne; es seien im Ganzen nur 286 Stimmzettel abgegeben worden, es könnten also unmöglich auf Mitthe 193 und auf ihn 173 Stimmen entfallen sein. Mindestens sei er dann aber als erster Stellvertreter gewählt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen könne er fich nur dadurch erklären, daß öfters beide Ramm auf einen Stimmzettel geschtteden worden; er stelle den Antrag, diese Zettel zu ver nichtm und dann nochmals zu zählm. Herr Günther. der die Stimmzettel mit gezählt hatte, erklärt, daß eine ganze Anzahl derselben mit den Namen beider Kandidaten beschrieben abgegeben worden sei und daß die ZählungSlommisfion es sür das Beste gehaltm, beiden Kandidaten je eine Stimme zuzuzählen. Die Versammlung beschließt hierauf, die bete. Zettel nicht zu vernichten, sondern e« bei dem alten Resultat zu de» lassen. Herr Mtethe bleibt somit erster Vorsitzender. Wegm der vorgerücktm Zeit wird ein Antrag auf Schluß der Äersamm- lung angenommen; es soll später bekannt gegeben werdm, auf wen die Wahl als IProtokollführer oder Revisor gefallen ist. Mit einem dreimaligen kräftigen Hoch auf das Gedeihm des neuen Vereins schloß die Versammlung. Wir führen hier noch einmal dm Gesammtvorstand de» neuen Metallarbeitervereins an: 1. Vorfitzender Karl Mitthe, Gitschinerstr. 82. 1. Stellvertreter Reckner, Birkenste. 76. 2. Stellvertreter Hattmann, Wimerstr. 19. 1. Kasstrer Otto Klein, Ritterstr. 15. 2. Kassirer Lenzner, Lindowers«. 7. Schriftführer Ernst Fahrmwald, Dieffmbachstr. 72. 1. Protokollführer Herrmann Bayer, Manteufelstr. 94. 2.„ Groß, Reichendergerstr. 166. 3.„ Karl Schumann, Schönlttnstr. 17. Revisor Karl Wobig, Reichenbergers«. 21. » Karl Sack, Waldemarstr. 71. » Wilhelm Bredow, Lausiyerstr. 31. jetzt eine deutsche Uebersetzung des Buches von E. Wetter vor. welche im Verlage von G. Gttmm in Budapest zum Prttse von 2 M. erschienen ist. Es ist die Geschichte ttnes armm Mädchens, welche erzähtt wird. Alber tine wächst inmitten jener Verhältnisse auf, welche dm Menschm nothwmdia ins Verderben führen müssen. Sie ernährt fich durch ihre Näharbeit, und fie ist nicht im stände. so vitt Geld zu oerdienen, daß fie fich ttnm Mantel kaufm kann, um fich auf der Straße zu zeigen. Ihre Schwester war Prosti» tutete und hat nachher geheirathet; die Mädchen, mit welchen fie zu» sammenkommt, find gleichfalls Prostituitte. Sie sträubt sich aegm das Verhängniß, welches mit Naturnothwendigkett über fie herttnbrechen muß; fie fitzt lieber wochenlang in der dum» pfigen Sterbe vor der Nähmaschine ehe fie zu ihrer Schwester ginge, um ibren Mantel zu leihen; aber endlich siegt doch der jugendliche Drang nach etwas Gluck wmigstens; sie leiht dm Mantel und geht auf der Hauptstraße spazieren. Dieser so unschuldige Schtttt giedt die Veranlassung zu ihrem Verderben. Ihr Schicksal ist durch die Verhältnisse bestimmt, in dmen fie lebt, und deshalb hängt es fich an daS einfachste und nächste Erttgniß, welche« fich darbietet. Durch ihre Freundin lernt fie bei dem Spaziergange einen jungen Mann kennen, eium gutmüthig-schwachen Menschm, die immer das beste wollen und das schlimmere begehen. Er nimmt fich vor, fie vor der Ver- führung und ihren Gefahren zu retten, und btt dieser Gelegen- heit verführt er fie gegen sttne Adstcht: nicht ttgenttich. aber er macht fie in fich verliebt, ihre Sinnlichkeit wird erregt und auch er fühtt. daß er fie liebt. Er zieht fich von ihr zurüch damit kein wttteres Unhttl geschehen soll; ein Polizeikommiffar. der die Bttden beobachtet hat, macht fich die Gelegenheit zu nutze, er schüchtett Alberttne durch sttne Amtsgewall ein, macht fie betrunken und beendet dann das Werk, daß jmer begonnen hat. Alberttne ist zum ersten Schtttt äest»fen: mtt Noth» wendigkeit folgen die übrigen Schrttte. Der Schluß der Ent- Wicklung ist die polizeiliche Visttion, welche durch denselben Polizeikommissar eingeleitet wird, der fie in den Sumpf ge» stoßen hat; in der kurzen Vifitationsszene schlldert Krogh, wie daS Schamgefühl, das bis dahin noch in Alberttne mächtig war, durch die rohe und brutale Behandlung gänzlich vernichtet wird. Die ganze Erzählung von Anfang an zeigt, durch welche Mittel die Gesellschaft die Dirnm provuzitt, welche ihr nun ttnmal unentbehrlich find, wie Schtttt für Schritt druch die Einwirkung aller ihrer Verhältnisse und Einrichtungm alle» Menschliche aus diesen unglücklichen Opfern berautgeteieberr wird, bis nur noch die Dirne übrig bleibt. m Theakr. Mittwoch, bjn 19. Dezember. »perui»«,» «t-■ Quitzow'S. Der Waffenschmied. ällnör-Thrater. Madame Bontvard. Vor« her: Der dritte Kopf. iesstng Theater. Heimgefunden. levtsche» Theater. Don Carlos. Friedrich- WicheimstLdtische« Theater. Der Milavo. Niktoria-Theater. Die Reise in die Pyre- Restden» Theater. Abbö Constantin. FeUeaUiance-Theater. Das elfte Gebot. Hierauf: Madame Flott. U«lk»-Th»ater. Rübezahl. Königstädtische» Theater. Berliner Kinder «entrat-Theater. Schmetterlinge. Kdotf-Vrast-Theater. Die drei Grazien. Kaufmann'» Uaritt�. Spezialitäten> Vor. stellung. Theater der Keichshalle«. Spezialitäten Vorstellung._ Berliner Theater. Mittwoch, dm 19. Dezember: Der Krodepfeit. (o d. Egge: Frieorich Haase.) Donnerstag, den 20. Dezember: Die Wild« Jagd. (Melanie: Hedwig Niemann) Freitag, den 21. Dezember: 14. Abonnements« Vorstellung: Ena« (Eva: Hedwig Niemann.) American Theater. VallnapthMlapalpas««>P. IS. Berliner BebönlieUa-Konkurrenz. Die Tableaux werden von in Kerti» ge- h»r#a#a Kchönhrite« dargestellt. Erstes Bild:»schendrödel nach F. Hiddemann: Frl. Martha Kögel. Zweites Bild:«»ter »nsen nach P. Thumann: Frl.*. Drittes Bild: Aoffnnng nach C. v.Bodmhausen: iertes Blld: Da« Wasser nach ünfies BUv: Fachen- _____ aphael: Fräul. Elise Elsner und die übrigen vier Damm.(Die �t«***** dezetchnetm Damen wünschen unamannt zu bleiben.) Neu!! De» Weinnachta-Engel, Neu!! dargestellt von Fräulein Martha ~'sner. Gräf: Frl.—. Fünftes M de» Wimm»! nach Raph an der Theaterlaffe. [805 Cirkns ü. Schumann. i.Karl'Ufer. Ecke Karlstraße. (Im früheren Zirlu» Krembser.) Der Tirkn» ist gnt geheizt«nd gegen Zug geschäht."WW MUtwoch. dm 19. Dezember. Abends 7t Uhr: Ernh« Krlllant-Dorstellnng. Das Programm besteht aus 10 der vorzüg llchsten Repertoire'Nummern, unter anderm: Gastspiel des unübertrefflichen japanefischm Seil- Cqullibristm Mr. O'Torra. Zum 5. Male: Die schön« Koste oder Kchnlze«nd Müller im Grient. Donnerstag, d. 20. Dezember, Abends 7t Uhr: Grohe Vorstellung mit neuem Programm. DalTage 1 Tr. 9 M- 10 A. Lalaer-Panorama. Fn dieser Woche: Dresden. Köcks. Kchmeik. I'I CylluS: Amerika. Califomien. U Krise Kr. Maj. Kchtss Hertha.» CqcL 20 Ps.. Kind nur 10 Pf. Aoonn. Danksagung. sage hiermit dem Fachveiein der Bau- arbeiter, wie dem V:retn der Steinträger der Rosenthaler Vorstadt„Hand in Hand" für die reiche Tbeilnahme bei der Beerdigung meines liebm Mannes meinm innigsten Danl. 1575) Mm*. Schmidt. Verband deutscher Mechaniker «nd oerwandter Kernssgenossen. (Zahlstelle Berlin.) MUtwoch, den 19. Dezember. Abends 8t Uhr. bei Lammers, Kommandantenstt. 71—72: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vorlesung des Protokolls vom letzten Ver- dandstage am 12., 13 und 14. August d. Js. 2. Diskusston. 3. Verschiedmes 4. Fragekastm Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Um zahlreichen Besuch bittet D 1676] )er U-rstand. Fachverein der Steindrncker und Lithographen Kerlin«. Donnerstag, den 20. d. Mts, Abends 8t Uhr, in Gratwell's Bierhallen, Kommandantensttahe Nr 77-79: Uersammlttttg. Tagesordnung: I.Vortrag des Kollegm A jSchulzJiber: „Humanst ät Humanstä?. 2 Abrechnung vom Herren-Abend. 3. Abrechnung vom Winterfest. 4. Antrag, betr. Wethnachtsunterstützung arbeitsloser Mstglieder. 5. Verschiedenes und Fmgekasten. Um recht zahlreiches Er,cheinen ersucht 1582] Der»orftand. Kf Bitte_. all- Freunde und Genossen, beim Einkauf von Weihnachtalichter» mich gütigst zu berück« sichtige,!. Achtungsvoll 1581] 8. Thuelu», Mannqnft» 74. Im Januar 1889 an w m verlege ich mein Geschäft nach a».» j MO. 14 Chaussee-Strasse Mo. 14 —(eigene« Hau»). Mit der Verlegung meines seit 1873 bestehenden, sich des besten Rufes erstellenden Geschäftes und der damit verbundenen Herstellung großartiger, den Anforderungen der Neuzeit entsprechender Geschäftsräume beabstchtige ich gleichzeitig eine Neu-Organisation meines Geschäftes in's Leben steten zu lassen, von welcher ich seiner Zeit öffentlich Kenntniß geben werde. Die zur Zeit vorhandenen großen Waarenvorräthe, destehend in: Kleiderstoffen, Teppiche«, Möbelstoffe«, Gardinen, Tischdecken, Trikotagen» Keinen-«nd Kanm- wollwaaren aller Art, Masche- stelle ich inzwischen zum gegenständen ic. �gaiylichenAusverkaus� und zwar sämmtliche Mobo-�lovhntov für die Herbst-«nd Winter-Kais-n, wie dieselben noch täglich bis zum Schluß der Saison eintreffen, zum preise, Lagerbestände theils für die Hälfte de» Kelbstkost-npreise». theils für jede« Preis! Die Anfertigung von Kiuderkleider«, Kiudermönteln, Morgenröcken» Trieottaille« und Unterröcken erleidet während des AvSverKauf« keinerlei Unterbrechung und werden Maßbestellungen oder Keparature« ebenso prompt er» ledigt wie bisher. 8. Heine, Invalidenstr. 113, zwischen Chausseestrasse und dem Stettiner Bahnhofe. AoßtaöaK Grösste Auswahl, billigste Preise, reelle Bedienung i « Spaudauer Brücke 6 am Hackesche« Markt.[1130 Musik- Instrumente. Mache alle Freunde und Genoffen auf reichhaltiges Lager von Dioltne«, GinUarr«»' Flöte», Trommeln, Zither», Harmonik«-' u. s. w, sowie sämmti. Kinder-Instr«m»»ll aufmerksam Bitte auf Nimm u. Hausvumo-r ' zu achten. Carl Eibich, Instrumentenmach» 1579 37. Koppen straße 37. Reparaturen gut und dillig. Lalema magia und Nebelbilder- Apparate, eigw- Fabrikat. Billigste Quelle. W einzelne Bilder billigst. Die neuM Muster ünd billig gefertigt.[151' W Handke, Adatbertstra»« 7«, H�f l.pb Muffen!! L _(dnrch Zufall spottbi.._ TqteUelzmuff»« 1,50 M. 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Dezember, Nachmittags 5 Uhr. Ein Naturalisationsgesuch— Berichterstattung übet die Vorlage, betr. die Skizze zum Neubau einer Begräbnißkapelle auf dem Gemeinde Friedhofe bei Friedrichs- selbe— Vorlage, betr. die Abänderung des Regulativs für die Erhebung der Hundesteuer— desgl.. betr. dos Penfions>Re« Rlement für Angestellte der wirthschaftlichen und industriellen Anstalten der Stadt Berlin— desgl., betr. die Festsetzung von Baufluchtlinien für eine auf dem Platz J, Abtheilung XI des Bebauungsplanes� zu errichtende Kirche der Raz«ethaemeinde— Zwei Vorlagen, bett. den Austausch, bezw. den Verlauf von ehemaligen Wegcterrain in der Urbanstratze— Vorlage, bett den Ankauf von Terrains zu Blankenfelde, Französtsch-Buch bolz und Sputendorf zu Rieselzwccken— Fünf Rechnungen- Eine Unterstützungssache— Vorlage, betr. den Ablauf der Vahlzcit eines Bürgerdeputirten bei dem Kuratorium des N.lo I»us.Bürger.HospitaL. „ Außerdem, und zwar um 6 Uhr, findet eine gemeinschaft- «che Sitzung beider Gemeindebehörden statt behufs der Wahl der Mitglieder der Bezirkskommisfion für die klasstfizirte Ein- '»mmensteuer. Lokales. De«„bummelnden«nd de« politistrenden Dt«- dente», dem Radau-Studenten mit dem Ziegenhainer und dem Nmommir-Studenten mtt der Waffe" widmet die ultramontane »Echtes. Vollsztg." eine zürnende Betrachtung, zu der ihr die Nohhttten zweier Berliner Korpsstudenten, die kürzlich die Ber- «n« Gerichte beschäftigten, und das Duell Etchler-Blum Anlaß »n. Man könne sich, so heißt es in dies« Bettachtung u. a., Eindrucks nicht erwehren, daß im Studententreiben der Fetzt- jeit zwei Momente zurücktreten, die früh« als zwei wesemliche Bestandtheil- aalten: d« Humor und die Ritterlichkeit. Der >«>» gemeine Radaugeist, d« sich bei d« ungebildeten Jugend nur zu häufig zeige, und der bestialische Drang nach Verwerthung *« Schrei- und Schlagkraft scheine in dem mtt dem Zeugniß kr„Reife" versehenen Theile der Jugend an Boden zu ge 1(b* sei es Mode, die Einschätzung nach dn Machtentfaltung nvrzunehmen. Die Entartung des studentischen Geistes sich besonders darin, daß der Antisemitismus Uf seiner ödesten und gcwaitthätigsten Form bei uns««„gebil- Arn" Jugend so großen Anklang gefunden habe. Der Ver- Äser des Artikels streift die Frage, w« denn eigentlich für dies Reiben und diese Erscheinungen oerantworllich sei, und« kann umhin, dabei auch der berufenen Lett« der Jugend zu ll'denken. ,,Es giedt Profefforen, welche das verfrühte, leiden- I Khaftliche Parteitretben unter der Jugend hegen und pflegen •1;•" sagt er. Damtt hat« leider Recht und das ist das de- „sc vrofeffor Frhrn- v. Stengel gedacht, der bei den letzten Abge- «dnetenwahlen dort stch den Radau-Antisemiten zur Verfügung stellte und in einer berüchtigt gewordenen Rede von„Back- »seifen" sprach,„die man einem unverschämten Judenjungen «runttthaut". Dies« fteihenliche Professor erward stch damals °'e zweifelhafte Ehre, von einem and«en d«„Edelsten", Herrn �beinumn von Sonnenburg, belobigt zu werden: dafür hat h« in vorig« Woche d« Alpenverein in Breilau bei d« Neu» Jkhl nicht wied« in den Vorstand gewählt. Infolge dessen �d, wie stch die„kreuzztg." ttlegrophiren läßt, mehrne Mtt W*o« ausgetreten. , Dkraphel««nd Dchwindfncht, diese beiden echten Pro Palter-Kranlhetten, haben neuerdings mehrfachen ewgehenden !,'°rschungcn untnlegen. Man war nämlich schon vor einiger jp in ärztlichen Kreisen fast allgemein d« Anficht, daß beide �.Uheiten eigentlich nur verschiedene Krankheitsformen der Krankheitsursache seien. Der Krankheitsstoff war zwar xN.sticht näher untersucht, und namentlich war der Einfluß *0 i u untersucht, und namentlich war der Einfluß kj seiner Uebertragung auf einen gesunden thierischen Zeit. n°ch uicht erprobt. Als derartige Versuche vor einiger kCrjUpi von einem Arzt vorgenommen wurden, ergaben fie iu � Resultat, da» d« bisherigen allgemeinen Auffassung �.widersprechen schien. ES wurden nämlich die vneiterten ».«lengewede von Skrophelkranken auf sogenannte Versuchs- Q�klimpft. doch woltte es anfangs nicht gelingen, die Krank- diese Weise zu übertragen, und man gab die bis dahin ene Auffassung, daß beide Krankhetten auf die gleiche * zurückzuführen seien als unbeweisbar auf. Acutzerlich Auffassung ja auch nur wenig Wahrscheinliches, aLpwo für den Laien, denn diesem wurde es schwer, zu daß der keuchende und hustende, hinfällige Lungen- �?nvsuchtige, d« langsam ad« sicher zu Grunde geht, an j�lttben Grundüdel leiden sollte, wie das bleiche Kind mit >. w-m welken Fleisch, dem zu Ver- - I- � UVUf luuir v»w wi»' cen-- Meinung von dem Wesen dies« beiden Krank« rfrük!?1?'®:Vtd. übereinstimmend den bnüchtigten Schwindsucht;- � t�uderkel-Bazillus. Auf Grund dieses Befundes, der Jäsjifl wehlfachen Untersuchungen beständig und gleich- Xich,«wies, und auf Grund weiterer Versuche, Nlen.m>� wit d« Verimpfung geschwollener Lympf- �tien�°. skrophelkranker Thine vornahm, gelangte der tft kfi! falg«>dm Schlüssen: 1. das sttophulose Ansteckungs- das gleiche wie bei der Schwindsucht. 2. Das An- ' Kaninchen und Skropheln, allemal aber Tuberkulose«zeuat. Dagegen wttd angeborene Skrophulose sehr oft, angeborene Tuberkulose äuß«st selten beobachtet. Aber der an Sttopheln leidende Körpn ist außnordenllich geneigt, das SchwindsuchtsM in stch aufzu- nehmen und zu vermehren und disponirt also zur Tuberkulose. Von Einfluß auf die Entwickelung d« Skropheln find erdliche Belastung, also namentlich Abstammung von schwind- süchtigen Eltern, mangelhaste oder ft hinhafte Ernäh- rung, ungesunde Lust, ungenügendes Licht und voraufgegangene Krankheiten, wie Masern und Keuch- husten. Bei d« Behandlung spielen die Hauptrolle eine ge- sunde äußere Behandlung des Körpers, Aufenthalt in frisch« Lust, stärkende Bäd« und ausreichende Ernährung. Man fleht also, die Sttopheln. diese jetzt so ausgedehnt austretende Kinder- ttankheit ist die Folge der elterlichen Neigung zur Schwindsucht, wenn diese selbst noch nicht vorhanden war, und d« Vorbote der demnächst bei dem skrophelttanken Kinde folgenden Schwindsucht, wenn ihr nicht durch sorgfättige Pflege vorgebeugt wird. Mit K»k«g«nf die Mittheilnng. betreffend die Verlegung desfür den westlichen Vorortsver- k e h r bestimmten Personenbahnhofes jenseits des Schifffahrt?- kanals, wird uns von einem Vorortsdewohner geschrieben: Schon lange ist es den Bewohnem d« westlichen Vororte kein Geheimniß mebr, daß die bevorstehenden Vnänd«ungen im Verkehr d« Potsdamer Bahn nicht die geringsten Vorthelle, wohl aber mancherlei Nachthetle bieten werden. Zu letzteren ge- hört in erster Linie die Verlegung der Ankunfts- und Adfahrts- Halle in B«lin. Daß dieselbe in der Nähe d« Lützowstraße errichtet werden soll, ist zum Glück freilich nicht der Fall. Viel- mehr ist für die Erbauung des Vorort-Bahnhofs das große Tcnain am Hafenplatz ausersehen, auf welchem noch bis vor kurzem das umfangreiche Maschinengedäude stand. Dasselbe soll, zumal es weder baufällig noch unbrauchbar geworden, nur aus dem Grunde adgeriffen worden sein, um Play für den neuen Vorortsdohnhof zu schaffen. Auch dies« Platz ist von der bisherigen Ankunfts- und Abfahrtsstelle ein gut Stuck entfernt, denn man braucht von dies« Stelle am Hafenplatz bis zum Leipzigerplatz mindestens 5 bis 6 Minuten. Daß eine Ver- legung des Bahnhofes für den Vorortsverkehr stattfinden wird und muß, unterließt keinem Zweifel. Der Potsdamer Bahnhof ist gar nicht darauf eingerichtet, die auf zwei neuen Geleisen kmfirenden Wagen aufzunehmen. An eine bauliche Erwetterung des jetzigen Potsdamer Babnhofes ad« ist bei dem rings von Prioatbefitz eng begrenzten Tmain ganz und gar nicht zu denken, abgesehen von den enormen Kosten, die ein solch« Umbau ver« Ursachen würde. Mit der Verlegung des Bahnhofes für ihren Verkehr werden stch also die Bewohn« der wesllichen Vororte wohl oder übel abfinden müssen. Z«r Wetterlage wird der„Voff. Ztg." aus Karlsruhe, 17. Dezember, folgendes geschrieben: Die Wetterlage ist etwas unstcherer geworden, seitl Finnlands am Sonnaben eitdem eine tiefe Depresfion im Norden 'end«schienen, welche südwärts ihren Einfluß bis Mitteldeutschland«streckte. Im Zentrum des höchsten Druckes wurde die Witterung durch jene Depresfion wenig beeinflußt. Es blieb in Süddeutschland vorwiegend still und kalt, im Norden dagegen flieg bei ledhaftem Westwind die Temperatur. Am Sonntag thellte fich gegen Mittag in Karls- ruhe der Nebel, und es zeigte fich d« Himmel mit Zirrusge- wölk bezogen, deffen Stteifen nach Nordost, dem Zentrum der Depresfion, wiesen, während die Bewegung fich aus Nordnord west vollzog. Auch führte das Baromet« eine unbedeutende Schwankung aus, verharrt ad« hier noch auf der Höhe von 12 Millimetn über normal. Am Montag herrschte bei frischem Südwestwinde früh 4 und Mittags 2 Grad Ceifius Frost, so daß bei dem vorhandenen Nebel fich dichlweiß« Rauhfrost diidete. Eine wesentliche Aenderung des Witterungscharakters ist nicht zu erkennen; etwas Frost wird auch für Norddeutsche land«wartet. Vi«» fär D»Mdr»l-s»« auffallend» Grfch»iuung bei den diesjährigen Zufuhren von Weihnachtsbäumen ist daS häufige Vorkommen von Nordmann-Tannen(Abies Nordwanniana). Diese aus dem Kaukasus eingeführte prachtvolle Komf«r, die tiS jryt nur als Einzelpflanze in unseren Zittgärten vorkommt, ist dementsprechend weitaus zu selten und zu theu«, als daß unter normalen Verhältnissen an ihre Verwendung als Christ« bäum zu denken wäre. Auf dem Markte wird das Stück für 10—15 M. angeboten; dieselben Pflanzen würden mit Wurzel« ballen 90—100 M. in unseren Baumschulen kosten. Vor ein« Reibe von Jahren haben schltfische Großgrundbesitzer in ihren Forsten Anbau- Versuche im Großen mit d« Storvmann-Tanne gemacht. Die hterhergelargten Bäume stammen nach Angabe der Händler aus der Grafschaft Gloy und zwar aus dortigen Bau««- forsten. Es ist aber kaum anzunehmen— und auch nirgends etwas davon bekannt— daß die Gemeinden Geld zu so kostspieligen forst- lichen Versuchen hergegeben haben sollten und so darf die Richtigkeit jenn Angabe wohl als fraglich angesehm wttden. Im Anschluß hieran mögen hier einige Mtttheilungen über die jüngst erwähnte Pcinsetiia pnlohenirna folgen. Diese Pflanze ist zwar avS Mex-ko eingeführt, aber nickt, wie es in jener Mtttheilung hieß, «st jetzt, sondern d«eits 1634 durch Mac. Nad, und zwar zu- nächst in den Garten von Edindurg, von wo fie fich dann bald über Europa verbreitete. In B«lin ist fie daher eine längst bekannte Erscheinung; ihre Cchönhett liegt auch keineswegs in ihrer Blüthe, sondnn in den prachtvoll rothen, großen, stnn- förmig geordneten Bralteen(Deckblättern), zwischen denen die ganz unscheinbare Blüthe g«adezu vnschwindet. Im südlichen Europa dient die(nach dem Botaniker Poinsette benannte) Poinseltia als Freilandpflanze. Die gefüllte Abart, die nur zahlreichere Brakteen aufweist, wurde von B. Roezl in d« Ge- gend von Kolima(19 Grad n. Br. in Mexiko nahe der Küste des Stillen Ozeans gelegen) bei einem Jndtann entdeckt, d« eine hübsche Einnahme auS dnselben zog, indem« ihre Blüthenbuschel aiS Schmuck für Alläre und Madonnenbilder verkaufte. Es war deshalb schw«, den Mann zur Uederlassung dieser sein«„milchenden Kuh" zu bewegen. Nach seiner Angabe hatte er die gefüllte Poinsettia in V« Wlldniß angetroffen, Zweige derselben mit nach Hause genommen und dort einge- pflanzt. D« bekannte Handelsgärtner Veitch führte fie in Eng- land ein; 1675 blühte sie bei ihm zum ersten Male und gewann °�°Ci«-�wt»r««t«'h«lt««g all»»li»bst-- Art desteht darin, Eiszapfen in Brand zu stecken. DtescS wissenschaftliche Exp-rimenr, dessen Lösung wir sofort geben werden, bat übri- „ens seine Geschichte. An dem berühmten Sedaldus. Grabe in ver Kirche dieses Heiligen, dem Meisterwerke Peter Vischer's und seiner Söhne, welches wir noch heute in der alten ftän- kilcken Stadt'Nürnberg bewundern können, erblickt man unt« der Relief. Darstellung d« Zeichen und Wund« diese» frommen Mannes vor allem dasjenige, wie er fich in Ermangelung von aeivattenem Hol, aus frisch vom Zaun od« Dach gebrochenen Gläubig und doch wied« ihren Augen nicht trauend, unub«- ttefflich dargestellt in diesem naiven Schwanken, strecken die drei Augenzeugen, darunter die EiSzapfensammlerin selb«, die Hände dem Feuer entgegen, um fich zu überzeugen, ob dieses F-u« aus gefrorenem Waffer denn wirklich Wärme ausstrahle. Die katholische Kirche hat daS Experiment deS Heiligen dann unt« die Wunder gestellt, und lange Zeit galt es als nicht wieder geschehbor, bis ein englischer Phyfik« kurzlich die Lösung dafür gab. Man hat nur nötbig, sich einen Maßthett Schwcfeläther aus der Apotheke zu beschaffen und durch tüchtiges Schütteln in neun Maßtheilen Waffers aufzulösen. Diese Mischung füllt man in ein Glas oder überhaupt einen röhren- od« trichterförmigen Behält«, um fie alsdann gefrinen zu lassen. Das ist sehr schnell im Wint« d« Fall— vneits bei ein« Kälte von 2 Grad gelingt es meistens. Sobald die Masse fest geworden, löst fie sich ohne jede Mühe von ihrer Form und eigt nun die Gestalt eines wirklichen Eiszapfens. Man stellt hn nun wie eine K«ze auf den Tisch und— o Wund«— wenn man ein Zündholz an dieselbe dringt, fängt fie regelrecht Feu« und brennt. Besonders wirksam zeigt fich die Flanune allerdings«st im dunkeln Zimm«. Natürlich ist es nur der Aetber, welcher dieselbe speist, während das weggeschmolzene Waffer beständig h«abiinnt. Eine gewisse Vorficht ist insofnn erforderlich, als der Arth« bekanntlich sehr leicht entflammbar ist. Das Experiment, verbunden mit der sehr einfachen Er- klärung, ist eine hübsche Unterhaltung für die langen Winter« abende; es ist ab« außerdem insofern von nicht zu unt«* schätzender Wichtigkeit, als dadurch wieder eines jener Wunder, welche die Kirche für die glaubensbedü-kttge Menschheit auf- gebaut hat, im wahrsten Sinne des Wortes zu— Waff« wird. Di» DampfstvaffiMbah»(Lokalbahn) Kurfürstenstraße- Grunewald, welche von h« Eisenbahnbau-Fiima Reymer und Masch erbaut und in Betried gesetzt worden, ist, wie die „B. B.-Z." erfährt, jetzt durch Kauf für die Summe von einer Viertel Million Mark in das Eigenthum der Firma E. Bachstein übergegangen. Letzt«? Firma ist dadurch alleinige Besttzerin des gcsammten Straßenbahnnetzes im Süden und Westen Ber- lins geworden. Durch Uebernahme der Bahnen vom Kurfürsten- dämm bis Schmargendorf und von Groß- Lichterfelde nach Tettow von d« Firma Davis, Donath u. Cie und durch den Bau der Bahn fitollendorfplatz— Schöneberg— Friedenau— Steglitz sowie durch den Weiterbau der letzteren Strecke, über Steglitz hinaus, bis Groß- Lichterfclde und über Tettow hinaus nach Stabnsdorf bis Wannsee, welche Bauten zum bevorstehiNdcn Frühjahr d«eitS beschlossen find, wird für die Umgebung ein vollständiger Ring geschloffen, durch den eine der schönsten Partien der Mark, das sogenannte„Tettow", aufgeschlossen wird. W»» ist denn»igentlich Dchttld an d»« Drnck- f«hl»r«? so fragt mit einer gewissen Berechtigung dos abonni* rende Publikum. Die Antwort ist nicht so ganz einfach, es geht ungefähr, wie wenn die Kinder fragen, wo wohl der Klein» Kinderdrunnen zu finden wäre, und fast möchten wir antworten: Verehrtes Publrlum, die Druckfehler macht das Schicksal, des die Lauf- und Druckerduben, die Setzer, die Buchdruck«, die Korrettoren, die Faktoren, die Redakteure und Schriftstelln und in seiner Langmuth sogar Liebhaber der neuen Rechtschreibung aeschaffen hat. das neben Gutem das Böse duldet, zwischen di m Weizen das Unkraut wachsen läßt, das läßt auch die Druck- fehl« gedeihen. Der Druckfehl« ist eine'Naturerscheinung, wie Hagelschlag, Pestilenz und theure Zeit, n isi eine Macht wie der Blitz und eine Nothwendigkett wie das Uebel;« wurzelt in d« Unvollkommenheit der irdischen Dinge und in der Schwach» heit des menschlichen Fleisches. Seine Abwesenheit b«uht dar« auf, daß 1) der Verfasser oder Einsender das Richtige geschrieben, 2) dieS Richtige auch deutlich geschrieben hat, 3) der Setz« in alle Fäch« des Setzkastens lauter richtige Buchstaben geworfen hat. 4) die richtigen Buchstaden greift, 5) sie richtig einsetzt, 6) der Korrektor richtig liest, 7) der Setzer die erste Koneltur richtig v«bess«t, 8) d« Korrektor die zweite Korrektur richtig liest, 9) der Setz« die zwette Korrektur richtig verbessert, 10) die Revision richtig gelesen wird, und daß 11) noch ein Dutzend anderer Umstände fich ebenso glücklich abmachen. Und da nun ein Groß-Ottavdogen 50- bis 55 000 Buchstaben zählt, so müssen jene günstigen Umstände fich 50- bis 55000 Mal wiederholen, um dem lieben Publikum einen einzigen fehler» freien Bogen in die Hand zu liefern. VW»»»fchw»«d»«»» Prokurist Seit Montag vorig« Woche ist d« Prokurist L. der Grunerl'schen Buchhandlung verschwunden und bisher ist trotz eifrigen Suchen« der Polizei von ihm noch keine Spur entdeitt worden. L., der gegen 30 Jahre schon in seiner Stellung thätig war, galt all- gemein als Muster von Ordnung und Pünttlichkett. Am Tage, wo« zuletzt gesehen wurde, entfernte fich der 60jährige Mann seiner Gewohnheit gemäß um 2 Uhr auS dem Geschäft, um stch nach Hause zum Essen»u begeben, und ging nach 4 Uhr wieder von dort weg. Seit diesem Augenblick fehlt jede Spur von ihm. vi««»ild» Menschrnjagd entwickelte stch gestem Vor- mittag in der zwölften Stunde hinter einem Manne, d« auS dem Zuchthaus in Sonnenburg entsprungen, wieder ein« gefangen worden war und nun von zwei Kriminalbeamten zu den Photogravhen Adl« und Zielsdorss gebracht w«den sollte, um dort für das Verbrecher-AIdum aufgenommen zu werden. Kurz vor dem Hause, in welchem daS Ateli« fich de« findet, war es dem V«brech« jedoch gelungen, seinen beiden Beglettern zu entwischen und im rasenden Lauf üb« die Brücke hinweg nach der Roßstraße zu enttommen, in welch«« in der Gegend d« Ritt«gaffe plötzlich verschwand. Die beiden Kri- minaldeamten waren selbstverständlich dem Ausreiß« nack>« a«annt, und ebenso seldstvnständlich hatten sich ihnen die Passanten angeschlossm, d«en Zahl fich mtt jedem Echrttte v«- mehrte. Während ein Thett der Verfolg« in die Rtttergoffe hineinstürmte, blieben die Kriminalbeamten mit dem andern Theile an d« Ecke dieser Gaffe stehen, an welcher ihnen der Flüchtling auS den Augen gekommen war. Während fie noch darüb« deriethen, welche strategische Maßregeln zu treffen seien, um die weitere Verfosguna wirksam zu betreiben, kam aus dem Hause Rtttergasse 14 der Kohlenhändler G., welch«, nachdem« erfahren, um waS es stch handele» den Beamten die Mtttheilung machte, daß in dem bezeichneten Hause ein fremd« Mann sich herumdrücke, d« wohl dn Gesuchte sein dürfe. Dn Betteffende wurde herausgeholt, es war in der That d« Verfolgte, d« nun in dos Atelier gebracht* wurde. I« d»r bekannt»« W«ch»raffSr» P«zicka-V»b»r ist, wie das„Kl. Journal" erfährt, wied« eine Verhaftung er« folgt, und»war ist d« Looshändl« Oppenheim auS Hamburg festgenommen worden- Derselbe soll dem jungen Burghardt sächfische und Hamburg« Lotterieloose im ungefähren cw*""" IAA SIT)--- W«& w?«äs WZMZWZD weitere Verdachtkmowente in der Affaire Rnz'tfa vorliegen, ist ein Hamburger Detettio hierher nachgereist. Am Sonntag Mittag traf dieser den Gesuchten im Caft Bauer. Als Oppen» heim, dem die Beodachtuna durch den Geheimpolizisten aufge- fallen, in ungewöhnlicher Eile das Cafö verließ, wurde er, nach- dem er die Linden betreten hatte, von dem Detektiv verhaftet. Während ferner verlautet, daß noch weitere Verhaftungen vor- genommen werden sollen, wird dem genannten Blatt mitge- tdeilt, daß gegen den Pferdehändler Keller ein Haftbefehl nicht vorgelegen hat._ Die ffmpipte« unserer Nachbarorte Friedenau und Ktegtttz find scrl einiger Zeit in einem hohen Grade in Auf- regung versetzt durch die unverbürgte Nachricht, daß die Staats- eisendahnverwaltung mit der Atficht umgehe, für den Vororts- verkehr einen neuen Bahnhof jenseits des Schiffsahriskanals in der Gegend der Lützowstraße zu erbauen und den jetzigen Pols- damer Bahnbof nur noch für den Fernverkehr offen zu halten. Sollte ein solcher Plan zur Ausführung kommen, so wurde allerdings die Entwicklunosfähigkeit beider Orte auf Jahre hinaus schwer geschädigt fein. Tausende, die jetzt in Friedenau und Steglitz wohnen, während fie im Innern von Berlin ihre Be- schäftigung finden, würden in die Ncthwcndiakeit versetzt werden, ihre Wohnungen dort aufzugeben, wenn fie m Zukunft nur bis in die Außcnvicrtel der Stadt befördert werden sollten. P-U,rib-richt. Am 17. d. M. Vormittags wurde der Zimmergeselle Kluge auf dem Neubau Marienburgerstraße 5 dadurch schwer am Kopfe verletzt, daß beim Aufwinden von Bauholz ein Balken herabstürzte und den untenstehenden Kluge traf. Derselbe wurde nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht.— Zu derselben Zeit fiel aus einem Fenster des Hauses Louisenstraße 60 ein Topf auf die Straße hinab und traf einen gerade vorübergehenden unbekannten Mann, so daß derselbe eine Verletzung an der Stirn erlitt. Dem Verletzten wurde in der Charitee ein Verband angelegt.— Nachmittags geriethen auf dem Hofe des Grundstücks Krautsstr. 38A Späbne von der Tischlerei von Schenk u Herrmann in Brand. Die Feuerwehr löschte das Feuer nach etwa Itstündiaer Thätigkeit. — Außerdem fanden im Laufe des Tages an drei verschiedenen Orten klewere Brände statt. Gerichts-Ieitnng. Da« D«rabKrirch»n vom G««ib«» während der Fahrt ist noch weit gefährlicher, als das leidige Abspringen vom f ferdedahnwagen. Der Arbeiter Riemer, welcher gestern als euge gegen den Omnibus-Schaffner Bartz aufzutreten hatte, hat dadurch einen recht bedauerlichen Unfall erlitten. Derselbe fuhr am 8. Srptember Abends mit einem vom Angeklagten be- dienten Omnibus. Wagen der Linie Oranienplatz- Stettiner Bahn auf einem der Verdcckplätze nach Hause. In der Gegend des Koppenplatzes wollte er absteigen und versuchte während der tihrt die Leiter hinabzuklettern, durch einen plötzlichen Ruck deS >agenS verlor er aber schon auf der zweiten Sprosse daS Gleichgewicht und stürzte kopfüber auf das Pflaster deS Dammes. ES ist ein wahres Wunder, daß dieser bedenkliche Sturz aus der Höhe nicht ein schweres Unglück herbeigeführt hat. Thaisächlich hat Riemer eine immerhin bedenkliche Kopfwunde davongetragen, an welcher er fünf volle Wochen krank darniedergelegen hat. Die Verant- wortung für den Unfall wurde nun dem Schaffner aufgebürdet, well ihm zur Last gelegt wurde, daß er den plötzlichen Ruck des Wagens verursacht habe, indem er während des HerabklettemS des R. dem Kutscher das Zeichen zur Weiterfahrt gegeben habe. Zu seinem Glück hallen jedoch einige Passanten das Unglück ganz genau mit angesehen und diese bekundeten, daß der Wagen überhaupt nicht still gehalten habe, der verhängnißvolle Ruck vielmehr durch eine Biegung veranlaßt worden sei. Unter diesen Umständen erfolgte die Freisprechung des Angeklagten. «Uu bisher«och«icht dagewefene Art»e« groben Unfug» gelangte gestern zur Kenntniß der 93. Adtheilung des Schöffengerichts. Am Abende des 13. September gingen zwei Personen durch die Alte Jakodstraße, vor denen die ihnen Be- gegnenden mll höchst gemischten Empfindungen, aber zumeist mll dem Gefühle der Scheu und des Ekels zur Seite wichen. Die beiden Männer trugen auf ihren Schultern große weiße Ratten, die augenscheinlich abgerichtet waren, denn mit großer Sicherheit und Dreistigkeit volttgirten fie auf den Körpern ihrer Herren umher. Ein Schutzmann führte Menfchen und Thiere zur Wache, wo elftere als der Zauberkünstler Ernst Phllipp und der Artist Ruhnke festgestellt wurden. Beide erhielten ein Strafmandat wegen groben Unfugs, wogegen fie richterliche Entscheidung beantragten Sie bestritten, daß jemand durch die zahmen Thierchen erschreckt oder belästigt werden könne, sie ge- brauchten dieselben zu ihren Vorstellungen und hätten soeben in einem Lokale eine solche gegeben, als fie auf der Straße be- troffen wurden. Die Ratten pflegten gewöhnlich in den Taschen zu fitzen. Der Gerichtshof hielt einen groben Unfug für vorliegend, ermäßigte aber das Strafmaß auf je eine Die Privatdetektiv-Kvrea«» haben fich in verhältniß- mäßig kurzer Zell bei dem großen Publikum eingebürgert und ihre Dienste werben, abgesehen von den Fällen, in den eifer- süchtige oder scheidungslustige Ehefrauen den Gemahl auf Schrirt und Tritt beobachten laffen, schon in zahlreichen Fällen in Anspruch genommen. Vor Gericht scheinen aber die Beobach- tungen dieser Privalspione doch nicht als klasstsche Zeugniffe an- gesehen zu werden, denn es mehren fich die Fälle, in denen die auf Grund solcher Detettio Ermittelungen Angeklagten freiae- sprachen werden. Daff.lde Ergedniß halte eine Diebstahls-An- klage, welche vor der 5. Strafkammer hiesigen Landgerichts I gegen den Kommts L. verhandell wurde. Derselbe war in einem hiesigen großen Lederwaarengeschäst angestellt und hatte wohl durch seine Zugehörigkell zu einem Ruverttub und durch seine sonstigen Ledenögewohn- heilen bei irgend einem Kollegen einen gewissen Ver- dacht erregt, denn eines Tages erhiell der Chef ein mll„Einer von unsre Leut'" unterzeichnetes anonymes Schreiben, in welchem derselbe darauf aufmerksam gemacht wurde, daß sein Kommis fich zweifellos Veruntreuungen zu Schulden kommen laffe, da er mll seinem Gehalt den Aufwand, welchen er treibe, nicht de- streiten könne. Der Chef hatte nun aber keinerlei Anhalt da- für. daß er überhaupt bestohlen würde, er konnte auch bei näherer Nachforschung nichts von einem Diebstahl entdecken; da aber nun einmal der Verdacht gegen den jungen Mann rege gemacht worden war, wandte er fich an ein hiefiges Privat-Detettiv-Bureau. welches den Ver- dächtigen beobachten ließ. Der erstattete Bericht lautete für den Kommis so ungünstig, daß der Chef denseldm eines Tages in seine Privatwohnung kommen ließ und ihm die Veruntreuungen auf den Kopf zusagte. Der Verdächtigte bestritt entschieden jede Schuld, mllten in den Verhandlungen thettte fich aber die Pollrsre und vor dem erstaunten jungen Mann stand der Beamte des Detettiv-Bureaus, welcher mll der Beobachtung seiner Person detraut worden war und nun seine Anschuldt- aungen mit starkem Nachdruck wiederholte, dem jungen Mmme die P�ivektive auf das Zuchthauü freundlichst eröffnend. Das Ende dieser Unterredung bestand darin, daß der Angeklagte MV»« ä Prinzipal um wenigstens 3L0 Mark bestohlen zu haben. Dieses Schuldbettnntniß diente der der später folgendm ISÄZ dagegen dem Vertheidiger Dr. R. Wolf in der Anficht, daß die Sache doch nicht genügend aufgeklärt erscheine. Der Ge- richtshos erwog, daß objelriv gar nicht feststehe, od überhaupt Diebstähle verübt worden find; daß ferner das Schulddekenntniß vielleicht doch in der Anost und Bestürzung gemacht sein lönne und schließlich, daß drn Beobachtungen des Privaldetettivs doch nicht ein so ausschlage cbender Werth beigelegt werden lönne. Aus diesen Gefichtspuntten hob der Gerichtshof das erste Er- kenntniß auf und sprach den so schwer Verdächtigten frei. Gi«e der so häufig vorkommende» Meinungsverschiedenheiten zwischen einem städtischen und einem Polizei- Thierarzt spielte wiederum eine Hauptrolle in der Ver- Handlung, die gestern die 96. Adtheilung des Schöffengerichts beschäftigte. Der Schlächtermeister Grell sollte ungenießbares Schweinefleisch zu Markte gebracht und dadurch gegen das Nahrungsmittelgesetz verstoßen haben. Thatsache ist, daß ein Polizei-Thierarzt am 14 August in der Zenttal Markthalle ein Schwein beschlagnahmte, dcffcn Fleisch fich verdächtig roth er- wies. Eine nähere Untersuchung ergab, daß das Schwein an Rothlauf gelitten. Grell wurde mit einem Strafmandat be- legt, beantragte vor dem Schöffengericht aber seine Freisprechung, well der auf dem Zentral-Vichhofe angestellte städtische Thier- arzt das Schwein Tags zuvor kurz nach der Schlachtung unter- sucht und das Fleisch freigegeben habe, well er die rothen Stellen durch Stockhiebs verursacht hielt. Der Angeklagte er- klärte femer, daß ihm das Fletsch trotzdem vertöchttg vorgc« kommen sei und er die Adficht gehabt bade, den Polizei Thier- arzt darauf aufmerksam zu machen, sobald derselbe ihm zu Ge- ficht gekommen sei. Wenn ein Fehler degangen sei, so sei er auf Seite des städtischen Thierarztes. Der Gerichtshof ließ diese Frage offen, fand aber schon eine Fahrläsfigkeit darin, daß der Angeklagte Fleisch in die Markthalle gebiacht, das ibm selbst verdächtig vorkam, und oerurthellte ihn deshalb zu 30 M. Geld- strafe. * Die Lassallef-ier in Schmargendorf ai«„grober Unfug" vor dem Schöffengericht. Am 2. September hatten fich in Schmargendorf eine große Anzahl Berliner Sozialvemokraten eingefunden, um, wie all- jährlich, den Todestag Ferdinand Laffalle'S durch einen fried- ltchen Ausflug in die freie Natur zu feiern. Bei dieser Gelegen- hell fehllen natürlich auch die Gendarmen nicht, welche beordert warm, etwaige Demonstrationen zu verhüten und die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Die meisten Ausflügler hatten fich zunächst nach dem Lokal„Schützenhaus" begeben, von wo aus fie zum Thell mit Weib und Kind in den nahen Wald gingen, um fich dort unter schattigen Bäumen zu lagern. Die Gendarmen folgten der Menge und nach ihren Angaben sollen sozialdemokratische Lieder gesungen und viele Hochrufe auf bekannte Parteiführer, namentlich auf Lied- knecht ausgebracht worden sein. Es find denn auch im Laufe des Tages folgende Personen verhaftet wordm: Buchbinder Adolf Herrmann, Schuhmacher Wilhelm Rüffer, Drechsler Paul H ybsze r, Tischler Herrmann Beyer, Drechsler Em il Köppen, Tischler Hugo Engler und Mernes. Die Verhafteten wurden zwar bald wieder ent- laffm, erhieltm aber binterher wegen„groben Unfugs" ein Strafmandat, auf je 30 M. oder 3 Tage Haft lautend, zugestellt. Gegen dieses Strafmandat erhoben fie jedoch Widerspruch und deshalb hatte fich gestern die Schöffenabthellung des Amtgerichts U mll der Sache zu beschäftigen.— Angeklagter Herrmann wird zunächst vernommen. Er hat an dem genannten Tage mit seiner Hochschwangerm Frau eine Partie nach Schmargen- dorf unternommen und ist zuerst im„Schützmhaus" gewesen. Später ging er mit seiner Frau in den Wald, wo er mehrere Bekannte traf, denen er fich anschloß. Bald darauf wurde er von einem Gendaimm verhaftet. Nach der Anklage soll er fich durch Redensarten besonders Hervorgethan und namentlich in übermäßig lauter Weise die ArdettermarsMaise mit dem Refrain:„Denn uns're Fahn ist roth" gesungen haben. Herrmann stellt diese Behauptung entschieden in Abrede; er habe wohl gehört, daß gesungen worden sei, habe aber nicht mitgesungen und wisse auch nicht, welchen Inhalts die Lieder warm. Uebriaens sei er nicht mit einem Trupp, sondern nur mtt seiner Frau allein in den Wald gegangen. Auf Befragm des Vorfitzmden crllärt Angellagter, daß er der Sozialdemokratie angehöre; ob auch die anderen Anwesenden dieser Partei angehörten, könne er nicht sagen.— Angeklagter Rüffer war schon oft in Schmargendorf und ist auch am 2. September dort gewesen. Im SchüymhauS habe er Be- kannte getroffen, die ihn aufforderten, mtt nach dem Walde zu kommen. Er sei dieser Aufforderung nachgekommm und habe fich mit drei anderm Personen in dm Wald begeben, und dort hätten fie eine größere Anzahl Männer, Frauen und Kinder ange« troffen, die im Grünen lagertm. Er habe fich dann nach ewiger Zell wieder von der Gesellschaft entfernt und sei plötzlich von einem Gendarm verhastet worden, als er ganz allein gestandm habe. Der Angeklagte bekannte fich ebenfalls zur soztaldemo- kratischen Partei, widersprach aber der Beschuldigung, einen Hochruf auf die Sozialdemokratie ausgebracht zu hadm.— Angeklagter Hybszer war im Schützenhaus und auch im Walde. Im Walde machte er die Bekanntschaft des Angeklagten Herr- mann. Daß im Walde Lieder gesungen wurden, habe er ge- hört, den Text derselben wiffe er jedoch nicht. Ihm sei nur erinnerlich, daß„Hell Dir im Siegerttanz" und:„Ich bin ein Preuße"— dabei waren.— Vorstvendcr: Bei Janen ist ein Liederbuch gefunden wordm, ist Ihnen nicht bekannt, was das Buch enthielt?— Angeklagter: Ich glaube sozialdemokratische Lieder.— Vorfiymder: Woher wiffm Sie das?— Angeklagter: Das stand gleich vorne drinn. Od sozialdemokratische Lieder gesungm wurden, wiffe er nicht, da er diese Lieder nicht kenne. Das Buch habe er kurz zuvor im Walde gefunden. Der genannten Partei gehöre er schon mehrere Jahre an, well die Vertreter Forderungen gellend machen, mit denen er fich einoerstanden erllärm könne. DaS Liederbuch sei ihm zwar bei seiner Verhaftung abgenommen worden, doch habe er es bei seiner Entlaffung wieder erhalten. Nach der Meldung des betreffenden Gendarmen soll dieser Angeklagte gegen die Verhaftungen pro- testirt und geäußert haben:„Warum find diese wieder verhaftet worden? Doch natürlich alle unschuldig." Hybszer giedt zu, daß er gegm die Verhaftungen, welche seiner Anficht nach zu Unrecht stattfanden, eine Aeußerung machte; doch sei das nicht w der angegebenen Form geschehen. Auf Grund seiner Aeußemng habe man ihn dann auch festgenommen.— Angeklagter Beyer ist zwar in Schmargmdorf, aber nur im „Schützenhaus" gewesm, wo er mit einigen Freundm Kegel geschodm habe. Als er Abends zur Dampfdahn kam, standen schon viele Menschm an der Haltestelle, um dm Wagen zu er- warten. Aus der Mitte der Menge sei ein Hochruf auf Lieb- knecht ausgebracht wordm und darauf habe man ihn unter der Behauptung verhaftet, daß er der Rufer gewesen sei.— Vor- sttzmder: Kennen Sie Liebknecht?— Angeklagter: Ja.— Angeklagter Köppen: Ich bin nur mit meiner Frau nach Schmargendorf gefahren und eS ist mir ganz unbekannt gewesen, daß dort irgmd eine Feier oder Versammlung zum Andmkm an Laffalle statlfindm sollte. Ich habe im Schützenhaus Kmtm gespiett und war eben im Begriff, nach der Bahn zu gehen, um die Rückfahrt auzutretm, als ich ve. hastet wurde. Unterwegs wurde ein Hoch auf Liebknecht gerufen und dies gab einem Gmdarmen Veranlaffung, mich zu verhaften. Wer gerufen hat, weiß ich nicht.— Angellagter Engler war Nachmittags nicht in Schmargmdorf sondem in Paulsdorn. Admds befand er fich jedoch unter der Menge, die nach der Bahn zurückMe. Auf dem Wege sollen verschiedene Hochrufe gefallen sein und ein Gendarm hat gesehen, daß der Angellagte dm Mund öffnete. DaS war der Grund zu setner Verhaftung. Engler bemerkt hierzu, daß es zur Zell ganz finster gewesm sei und der Gendarm mithin gar nicht in der Lage war, die einzelnen Personm zu erkennen — Angeklagter Mewes war mtt seinem Kinde in Schmargen- dorf, aber nur im Schützenhause. Abends wurde er auf de« Heimweg verhaftet, weil er fich an dm Hochrufen bel heiligt hadm sollte. Mernes bestritt diese Beschuldigung und wifl darauf hin, daß die Rufe gar nicht in seiner unmitteldarei Nähe, sondern ein gut stück entfernt, von unbekanntm Per- sonm ausgestoßen wurden. Hierauf folgte die Vernehmung der Gendarmen. Als erst« Belastungsreuge erschien der Gendarm Tänzer. Er traf ei« größere Gesellschaft im Walde, welche fich mit Singen und Spieles vergnügte. In dieser Gesellschaft befanden fich auch viel« Frauen und Kinder. Zeuge hat deutlich gehört, daß die Marseillaise gesungen wurde. Der Refrain habe gelautet! „Und ging es in dm Tod, denn uns're Fahn' ist roth." W-i das Lied sonst noch enthalte, könne er nicht angeben. Die 0«' sellschaft sei immer zusammen geblieben und in deren Mitte hak er Herrmann und auch Rüffer demertt. Der crstere hatte(ogd mit demanwesendmOderwachtmeister einen Streitund spater habea flh am Singen detbettigt. Rüffer brachte ein Hoch auf tu Soz'aidemokratie und auch Hochs auf Parteiführer aus.- Gendarm Vogel spricht fich im Sinne seines Kollegm Täiya aus. Er habe Herrmann und Rüffer auf Befehl nach W Gefängniß trankportirt und Beyer verhaftet, weil derselbe* Hoch auf Liebknecht ausgebracht bade. Der lktztcrc habe fit zwar sogleich gebückt, aber er hatte ihn bereits so scharf W Auge gefaßt, daß ein Verstecken nicht mehr mözfit war. Hybszer habe wiffm wollen, warum dit Bezeichneten in Hast genommen wurden, und bei dies« Gelegenheit in lärmender Weise die in der AnM wiedcrgegcdenen Aeußerungm gebraucht.— Auf die Frage bo Vertheidigers, Rechtsanwalt Stadthagen, warum dmn HybM eigentlich verhaftet worden sei, entgegnete der Zeuge, tw» dmch seine Aeußerungm Lärm und Unruhe verursacht wurdce — Beyer bemerkte, daß er fich nur gebückt habe, um einm W aufzunehmen.— Zeuge Vogel hat auch gehört, daß KöpkZ laut schrie: Hoch lebe Liebknecht! Uebrigms habe Köppen fi» schon im Dorfe durch Toben bemerkbar gemacht.— Zß# Gendarm Schmidt hat s.iner Aussage nach gehört, M Mewes die Marseillaise sang. Auch Engler habe das Ding ß" sungen. Um genau beobachten zu können, habe er fich hniW ein Haus verborgen und die Menge herankommen laffen. dmch sei es ihm gelungm, die Angettagten genau zu erkenn� — Angeklagter Mewes macht darauf aufmerksam, daß e? P Zett bereits ganz dunkel war. Es folgte nun die Vemchmung der Enllastungszeugm Be»c> deren Vernehmung begann, richtete der Vorsitzende an Gendarmen die Frage, od fich einer von diesen Zeugen an% Unruhen detbettigt habe, was indessen verneint wurde. verordneter Kunert w.r an dem Tage mtt einer bekannt� Famille in Schmargendorf. Nachmittags befand er fich im Walde. Dort sah er ungefähr 50 Personen, welche spielt und sangen, fich aber dabei langsam vorwärts bewegt n; Heitmtfjj ging neben seiner Frau. Den T-xt der Lieder wiffe er zwar mehr, dor sei ihm begannt, daß die Melodie nachdem dekanntNf Liede:„Andreas Hofer" gesungen wurde. Der Refrain lautef� „Das find die Arbeitsmänner, das Proletariat." Hermann M gerade zwei Schritte vor mir, als er verhaftet wurde— erklm>' Zeuge— und als ich nach dem Grunde fragte, sagte man daß derselbe die Marseillaise gesungen habe. An der Stelle � aber dieses Lied nicht gesungen worden. Ich erbot mich, für d» richtige Nationale des Verhafteten zu bürgen, eventuell** Telegramm nach Berlin zu dezablen; meine Anerbieten mioM aber abgelehnt. Hochs habe ich nicht gehört und bin ich& um 7 Uhr bereits nach Haute gefahren. Auf Wunsch der Schöffen tritt eine kurze Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung wurde als zweite Entlastungszeuge Gelbgießer Kräck er vernommen. Dieser Zev? hat den Angeklagten Herrmann wohl gesehen, aber nicht daß derselbe gesungen hat. Abends ging Engler dicht bin ihm. als zwei Gendarmen plötzlich herankamen und behaup� daß Enaler Hochs gerufen habe. Das könne aber n einem sJrrthum beruhen, andernfalls hätte er das bew--r hören müffen, da ihm Engler längere Zell bekannt sei. zur angegebenen Zett auch schon ganz finster gewesm, die einzelnen Personen gar nicht genau erkannt werden — Schuhmachermeister Neumann ging ungefähr sieben vor Mewes; hat aber nicht gehört, daß dieser laut war Hochrufe ausstieß. Die Zeugenvernehmung war damit deesNi Der Amtsanwalt beantragte Verwerfung der Beruf»� unzweifelhaft liege grober Unfug vor, da das Gebahre» 5, Angeklagten und namentlich die Rufe wohl geeignet wäre» öffentliche Ordnung zu stören. tti Vertheidiger Rechtsanwalt Stadthagen wandte fich in laitf' Rede gegen die Anschauung deS Amtsanwalts und die tungen der Gendarmm. Was ist denn eigenttich geschehen°™ Anzahl von Personen hat Liedei�gesungen und einige ausgebracht. Das ist aber auch alles. Die Gmdarmen die Lieder nicht schön gefunden haben, aber wir haben~ uie icuct mun iwun gr,unven paoen, aoer wrr auue» � kein Gesetz, welches die Lieder politischer Färbung als Unfug betrachtet. Die Mmseillatse ist ein Lied, das in Gesellschaftsklassen gesungen werden kann, well der Text enthält, was auch nur entfernt als verwerflich bezeichnet � den könnte. Nur Recht und Wahrheit wird in � Liede verlangt. Auch die Hochs auf Liebknecht � noch kein grober Unfug. Nach einer Entscheidung des gerichts ist dazu eine Beunruhigung des Publikums Man wird aber doch nicht emstlich behauptm wollen, dafe solche Beunruhigung hier stattgefundm habe. Die demokraten wären ganz unter fich und diese haben fich nicht durch den Gesang beunruhigt gefühlt. Die Gendarmen find auch nickt so ganz korrett gewesen, die Herren�, fich noch heute hier in Betreff der Personen geirrt; der GWei Schmidt hat in ganz drastischer Weise den Angeklagten%% mit Engler hier verwechselt. In der Dunkelhett war(«W tbum sehr leicht möglich und man muß fich angesichts �il Umstandes wundern, daß die Gendarmen ihre Bekundung� solcher Sicherhett machen. Der Vertheidiger ging weiter g" yt Einzelheiten ein und sprach schließlich die Erwartung"rl ß Gerichtshof werde beweisen, daß das Gesetz eine Stat* an der alle Parteim mit gleichem Maße gemeffen werden-�, Nach längerer Berathung erkannte der Gerichtshof, �zis daß Herrmann, Rüffer, Beyer, Köppen, Mewes und 9%«ß des groben Unfugs schuldig und deshalb die erstflN'.�ch einer Geldstrafe von je 15 Mark, eventuell 3 Tage der zuletzt Genannte mit einer Geldstrafe von 3 Mark, einm Tag Gefängniß zu bestrafm, Enzler aber nicht>« und deshalb fteizusprechm sei. Koziales und ArbeiterbewegI� Aufruf an dir«rrbrr«nd Lederzurichter f'*„o* Wie bekannt, streiken in Hamburg- Alwna die Lederzurichter seit dem 1. Ottober und zwar um Ewi � der zehnstündigen Ardettszett und Erhöhung der bis v«# zahlten Löhne. Die Herren Fabrikanten haben fich hcradgelaffm und eine lOjstündige«rbettszeit bm>iW� � dem in verschiedmen Fabriken schon vor dem Streit o lOstundige Arbeitszeit eingeführt war. Bon dm 200»rP* den wollten fie ca. 70 wieder in Arbeit nehme» ausgesucht Besten. Dieses Anerbietm haben Vi« � � Lederzurichter haben in vollem Maaße bis jetzt fh� � pie. gethan und werden eS auch femer thun, leider u bettsverhältntffe am Orte die denkbar o»� Darum, Freunde und Genosse», appelliwn 9" SoltdÄtäwgefühl unserer Mitmenschen, daß oM d % btMer floHeßen, die immer im vollen Maße ihre Schuldigkeit gahan haben, jetzt mithelft, ihrer gerechten Sache zum Stege ,u vahnfen. Da in Hamburg verschiedene andere Gerverke auch ««Streik liegen und dadurch die Unterstützungen bedeutend rochgclaffcn haben, so wenden wir uns nochmals bittend an Euch. Es find meistens Familienväter, die streiken; die schöne Weihnachtszeit ist vor der Thür, wo manches Kinderherz zu- nhen muß, wie andere im Uederfluß schwelgen und für fie nicht «ine Kleinigkeit abfällt. Unterstützt unsere Hamburger Kollegen »ach Kräften, da fie fest entschlossen find, die gerechte Sache zum Austrag zu bringen; bis jetzt hat noch kein einziger von P* Streikenden die Arbeit aufgenommen, darum ist es die herliaste Pflicht, unsere Brüder zu unterstützen! Zahlstellen find «i O. Schröder, MichaeNirchstr. 13, und G. Busse, Münzstr. 23, 4 Treppen._ Vereine und Versammwnge». A-p Fachverei« de» Former und verwandten Berufs- tzenofien htell am Sonntag, den 16. d. M., in Heidrich's «olol, Beuthstr. 10, eine Versammlung mit folgender Tages» Ordnung ab: 1. Vorstandswahl. 2. Arbeitsnachweis. 3. Bibliothek. 4. Stiftungsfest. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Bei «r Vorstandswahl wurden folgende Herren gewählt: Frrtz «Hafer, Arkon aplatz 5, 1. Vorfitzender: Bernitzki, 2. Vor« fitzender; Franz Wrchmann, Fennstr. 17, 1. Kasstrer: Schede!, 2. Kasstrer; August Müller, 1. Schriftführer; Kaufmann, 2� Schrist�übrer. Als ständige Revisoren wurden die Herren Dtein, Schmtethal und Wenus, als Extrarevisoren Roland und Krause gewählt. Zum Punkt ArbeUSncchweiS sprachen die Herren Körften, Pirch und noch einige Kollegen über den Zweck und die Nothwendiakeit deffelben und machten die Versamm» umg darauf aufmerlsam, denselben so viel wie möglich zu de- nutzen und zu unterstützen. Sodann wurde eine Kommisfion, bestehend aus folgenden sechs Herren: Eitelgeorg, Raumann, Seidel, Müller, nörsten und Riefenstahl gewählt. Dieselben baden den Arbeitsnachweis zu leiten und zu regeln und jeden Abend mit Ausnahme des Sonntag von 7—8 resp. 8—9 Uhr (je ein Mitglied) im Lokal des Arbeitsnachweises zu erscheinen. Auch wurde dann deschloffen, daS Ardeilsnachweisedureau *pn Ritlerstr. 123 nach der Skalitzerstraße 11 bei Herrn Aestaurateur Echwarzkopf zum 1. Januar 1889 zu verlegen; dasselbe ist in den Sommermonaten(1. April bis «■ Olloder) von 7—8 Uhr. in den folgenden Wintermonoten «an 8—9 Uhr geöffnet. Zum Punkt 3 berichtete Herr Kölsten der Versammlung, wieweit unsere Bibliothek gediehen ist und »achte die Mitglieder des Vereins darauf aufmerksam, dieselbe ttcht fleißig zu benutzen. Nachdem noch einiges über das am 8 Weihnachtsseicrtape stattfindende Stiflungsfest berichtet wor- den. wurde zum 5. Punkt der Tagesordnung geschritten. Zu diesem Puntt sprachen mehrere Kollegen über die jetzt tobenden Streiks der Former in Deutschland und lrittfirten die Hand- lungs weise der Kopitalmacht den Arbeitern gegenüber, daß die» Wde es nur darauf abgesehen habe, fich selbst stets zu oergrö» ßern. die Arbeitslöhne aber stets zu schmälern. Alsdann for« dert« Herr Körften! nochmals auf, alle Kollegen, die im gegmwärtigen Lohnkampfe stehen, thatkräftig zu unter- Nützen. Herr Roland schloß fich sodann noch dem Antrage der Hamburger Kollegen, eine Unterstützung von 5 pCt. des Lohnes dm streuenden Kollegen zu opfern, an. Nachdem noch einige Fragen eröltert und Umgelegt wurden, erfolgte Schluß derVer- sammlung. Di» öffentliche gut besuchte T-pf«»v»rsa«mlu»g, «elche am 17. d. M im allen Schützenhaufe(Linienstraße) unter Vorfiy des Herrn Münsterpost abgehalten wurde, setzte die in der vorig m Versammlung abgedrochenm Berathungm, das Bau» iahr 1899 betreffend, behufs Klärung der Anfichten und der •Jillensmeinung über Lohn- oder Akkordardest, welche Frage «o»l»«r»Plsisch» Depesche». (Wolsfls Telegraphm-Bureau.) Crefeld, Dienstag, 18. Dezember. Die englische Post vom 17. Dezember 8 Uhr 25 Minuten Abends ist ausgeblieben. Grund: Schiff in Vlisfingen den Anschluß verfehlt. Etarker Nebel auf See. Mte«, Dienstag, 18. De». Aas Abgeordnetenhaus nah« heute in zweiter Lesung das Wehrgesetz unverändert an. Kriefkasten der Redaktion. Bei lufrage» bitten wir die»bonnementb�Quittun» beitufügen. Brieflich« »ntwort wird nicht ertheilt. M. M. 100. Natürlich müssen Sie zahlen, wenn Sie in der Lage dazu find, nicht dloS aus moralischen, sondem auch aus juristischen Gründen._ D-rftand de» Fachvereins.der Form»». Wir bitten, bei Belichten künftig nur die eine Sette de« Papier« benutzen zu wollm. Zum bevorstehenden Weihnachtsfeste bringe ich mein neu eingerichtetes Magazl« 1606 str Hm- mi> Wti-SmWWe« Nr. 5. Zionskirchplatz No. 5. mit seinem reichm Lager und vorzüglicher Ausstattung in empfehlende Erinnerung. Als vorzüglich geeignet« praktische Weihnachts-Geschenke empfehle ich �******* VS« 73— 800 MK.» Masch- und Mrwgmaschwe«, Fleischhack- maschinen Fruchtpressen, Leibemaschinen. Messerputzmaschine«. KolKerbetten. Küchenspinden, Eimerspinden. Anfschenerschraoke, Küchen- tische und Küchenstühle, Gemürzspinde« von 50 Pf. bis 24 M.. Gewürz-Etagere» mit Tonnen von Mb. 1,50 an. 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