ß». 802, Kmmtxg, den 23, Dezember IRR*. 5. Wwti MiimVMlÄ. Brgan für die Interessen der Arbeiter. Da»„Berliner Bolksblatt" «scheint täglich Morgen» außer nach Sonn- und Festtagen. Adonnementtprei» fLr Berlin frei W# Haus viertrljädrlich 4 Marl, monatlich 1�5 Man, wöchentlich 85 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nummer 6 Pf. SonntagS-Nummer mit dem»Eonntags-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.) Jnsertionsgebühr -v~ w �"" Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. M e werden bis 4 Uhr Nachmittag» Zimnierstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, rchne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Grpedition: Zimmerstraße 44. � f«* heutig»« U«««»» liegt fL» A». 65 du..Ksnninge-Kintt" bei. fS»«User» Abounrnte» Das Regieren ist eine sehr leichte und eine sehr schwere Kunst. Nichts leichter als das sogenannte persönliche Regiment. Einer lommaudirt: sie volo, sie jubeo, sit pro ratione voluntas - Ich will cS, ich befehle eS, mein Wille ist genügender Truvd. Und der Eine, der allein einen Willen hat. braucht innen andere« Grund. Er hat immer recht. Der Troß der Lakaien verherrlicht seine Weisheit und zieht den in den Roth, welcher nicht an die Weisheit des Einzigen glaubt, »ad der Troß der Büttel schlägt Jeden, der diesen Glauben »'cht hat, zu Boden, oder steckt ihn in irgend eine Bastille. Co geht die Regierungsmaschine glatt ihren Gang. Dumm Wien giebt'S nicht, Fehler giebt'S nicht— jede Dummheit 'st höchste Staatsmannschaft, jeder Fehler ein Geniestreich— der Eine ist stets der größte Staatsmann oder größte Monarch, der je gelebt hat; er ist stets der geliebteste Staatsmann 4der Monarch, der je gelebt hat— bis eines Tages die Nlafe platzt und die Welt sich die Augen reibt, erstaunt, niie sie so verblendet sei« konnte, und entsetzt über daS Unheil, daS der Eine mit seinem einzigen Willen und seiner einzigen Weisheit angerichtet. Ander» daS demokratische Regiment. Da gilt der Wille des Einen nichts. Der Wille Aller herrscht. Wie aber daS Parallelogramm der Kräfte aus den Millionen von Willen, ISSünschen, Forderungen, Strebungen finden? Das ist ein v Schwieriges Rechenexempel. \ Und das Regieren in einem demokratischen Staat er- fordert einen beträchtlichen Grad von Wissen wie Geschick- lichkeit. Da« einfachste Mitglied der demokratischen Re- »ierung muß über einen größeren Aufwand von Geist, Wissen und Takt verfüge», als der absoluteste Träger des persönliche» Regiments, der nur auf sich selbst Rücksicht zu Pehmen hat. Freilich, auch der Bürger eines demokratischen CtaatS braucht etwas mehr Hirn, als der„Unterthan" �es Trägers des persönlichen Regimen», welcher(wir »einen hier bloS den Unterthan) eigentlich gar kein Hirn »raucht, ja durch den Besitz von Hirn sogar in seiner wieder« Mürrischen Glückseligkeit arg gestört wird. DaS Hurrahbrüllea erfordert keine geistige Anstrengung; wenn aber ein freies Volk, wie z. B. das Volk des KantonS Zürich, über eine hohe Kulturfrage abzustimmen und dar- �er zu entscheiden hat, ob der Schulunterricht unentgeltlich N solle mit freien Lehrmitteln, so erheischt das eine ganz bedeutende Summe von Nachdenke«. Den Zürichern lag Jnese Frage am 9. d. MtS. zur £ SMJJ V»V|V"•.----_L ««tscheibung vor— die Regierung hatte ihnen emen Ge- ntzentwurf unterbreitet, welcher die völlige Unentgeltlichkert IeuMelon. Lj- Raskowikow. (43 Roma» vo» F. M. D o st o j e w«! i. A», dem Russische« übersetzt von Wilh. Henckel. III. v- Er ist gesund, ganz gesund, rief Sossimow den Ein. senden ftöhlich entgegen. Er befand sich sert etwa zehn Mv> fi�n in seiner gewohnten Ecke, auf dem Sopha. RaSkolmlow i« vollständig angekleidet in der andern Ecke, er war sogar "Wältig gewaschen und gekämmt, waS schon lange nicht �kommen war. Die Stube war l-tzt ganz voll. Nastaßia [W hatte es doch»och möglich gemacht, sich hinem zu sich wirklich fast ganz wohl, be- im Vergleich mit gester«, nur war er sehr bleich, Meut und finster Aeußerlich hatte er daS Aussehe« emeS Nchen. bei ein großes physisches Leiden«ducket; seme i 8ttibrauen waren zusammengezogen, die Lippen auf einander die Augen entzündet. Er sprach wenig und ungern Hto od eS ihm eine Anstrengung sei und er eS nur als JHt betrachte; in seinen Bewegungen war hier und da a: w» können. ».�en melancholischen Zerstreutheit zeigte sich jetzt auf semem CM eine kovzentrirte Pein. Der Lichtstrahl erlosch leider die Pein aber blieb, und Sossimow, der seinen (Tanten so aufmerksam beobachtete und studirte, wie cS C ein junger eiftiger Arzt mit beginnender Praxis zu Un Stande ist, bemerkte mit Staunen, daß sich durch des Schulunterrichts mit fteier Lieferung der Lehrmittel fest« setzte— und mit kleiner Mehrheit hat das Volk den Ge« setzentwurf abgelehnt. Wir bedauern daS, aberfinden darin keinen Bankerut des demokratischen Prinzip«. Der schweizer Wähler, der nach reiflicher Prüfung gegen die Vorlage gestimmt hat, steht immerhin auf einer ungleich höheren Bildung«- und Kulturstufe, als der Hurrahschreier, der sich mit ein paar Phrasen berausche» läßt und im Zu- stand geistiger Unzurechnungsfähigkeit den Wahlzettel in die Urne legt, welchen ihm irgend ein Vorgesetzter, selbst oder durch einen anderen, in die Hand gesteckt hat. Ein ander Mal werden die Züricher eS besser machen. Der„St. Gallener Stadtanzeiger" schreibt sehr ver» ständig— wenn auch durchaus nicht schneidig— über diese Abstimmung: „Die zürcherische Schulgesetzabstimmung giebt den Gegnern der Volksrechte willkommenen Anlaß, über das Referendum und was drum und dran hängt, vom Leder zu ziehen. Ich glaube, der Parteistandpunkt habe ihnen auch in diesem Falle wieder einen Streich gespielt und wenn man sich ruhigen Blutes, und nüchternen Sinnes ftagte, was denn eigentlich am 9. Dezember 1888 im Kanton Zürich vorgegangen sei, so komme man zu einem ganz anderen Schlußurtheil als zu dem von anttdemokratischer Seite ver« kündeten. In der That, was ist den« geschehen? Einfach das, daß das Zürchervolk eine GesctzeSvorlage, welche der KantonS- rath ihm einmüthig empfohlen hatte, mit geringem Mehr verworfen hat. Nun weiß doch Zedermann, daß die wichtigste» Errungenschaften alter und neuer Zeit in den Räthen stet» auf hartnäckigen Widerstand gestoßen sind. Man kann also nicht von vorneherein sagen, daß br.S, waS die Räche einstimmig oder beinahe einstimmig zur Annahme empfehlen, deswegen schon gut sei. Die Erfahrung der Vergangenheit und Gegenwart läßt eS vielmehr als wahrscheinlicher erscheinen, daß im Gegentheil gerade daS heftige Bekämpfte eben darum das Bessere ist. Aber auch angenommen und zugegeben, der neue zürcherische Schulgesetzevtwurf sei wirklich gut gewesen und hätte also die Annahme dura, daS Volk verdient, so kann man ja immer noch im Zweifel darüber sein und in guten Treuen abweichen darüber, ob eine grundsätzlich gebilligte Vorlage auch zeitgemäß sei. Und wenn ich da« Resultat der Volksabstimmung vom 9. Dezember 1888 genauer betrachte, will eS mir vorkommen, im Volke feie« die Meinungen mehr über diese letztere Frage auseinander ge« gangen als über die erstere. Diese Meinung gründet sich auf die Thatsache, daß die Landbezirkeverworfen, die Industrie l« daS Erscheinen der geliebten Wesen, statt der Freude, nur eine Art versteckter Entschlossenheit, eine stundenlange Folter zu erdulden, zeigte; eine Folter, die nicht zu vermeiden sei. Später bemerkte er auch, daß fast jedes Wort des nun folgenden Gesprächs die Wirkung hervorbrachte, als ob eine frische Wunde seines Patienten schmerzhaft berührt würde; er wunderte sich jedoch, daß der Patient sich heute so zu beherrschen verstand, daß er die Empfindungen eines Monomanen, welche gestern noch so auffällig waren, jetzt so zu verbergen ver« mochte, während ihn sonst da« geringste Wort in Wuth ver« setzen konnte. — Ja, ich sehe jetzt selbst, daß ich fast gesund bin, sagte RaSkolnikow, nachdem er Mutter und Schwerster be> Srüßt und geküßt hatte;— Pulcheria Alexandrowna« tesicht klärte sich plötzlich auf,— und ich sage da» nicht nur so. wie gester»,- fügte er hinzu, indem er sich an Rasumichin wandte und ihm fteundschastlich die Hand drückte. — Ich mußte mich heute sogar über ihn wunder», begann Sossimow, der sich steute, die Angekommenen zu erblicken,— denn ich habe im Verlauf von zehn Minuten bereits den Faden des Gespräches mit meinem Patienten verloren. Wenn eS so fort geht, wird er in drei bi» vier Tagen wieder der nämliche sein wie ftüher, daS heißt, wie vor einem Monat oder zwei— vielleicht auch wie vor drei Monat? Den« diese Geschichte datirt von lange her— nicht? Gestehen Sie eS nur jetzt, daß Sie selbst vielleicht daran schuld sind!— fügte er mit vorsichtigem Lächeln hinzu, als ob er sich noch fürchte, ihn irgendwie zu reti— Sehr möglich,— antwortete RaSkolnikow gleich- 6il4iaL Ich erwähne es nur desbalb, fuhr Sossimow fort, der sein Licht leuchten zu lassen liebte.- weil Ihre ganz. liche Genesung, in der Hauptsache wenigstens ictzt, lediglich z Iis Jathen, die ursprünglichen, sozusagen d.e Grundursache«. le» Bezirke Zürich und Winterthur dagegen ja gesagt haben. Der Landwirth ist eben heutzutage nicht in der Ver« fassung, idealen Anforderungen große Opfer bringen zu können. Er hat anerkanntermaßen so schwer um sein noth- dürftiges Auskommen zu ringen, daß ihm wahrhaftig wenig Zeit und wenig Lust übrig bleibt, für das, was nicht gerade unbedingt nothwendig ist, ein übriges zu thun. Auch wissen ihm gerade diejenigen, welche Gegner der Volksrechte sind, immer und immer wieder so viel von den Mängeln und Uebertreibungen der modernen Volksschule, von Schul- fuchserei und Schulzwängerei, von BildungShochmuth und unpraftischem Wissensdünkel Zc.:c. zu berichten, daß der Bauer, der jetzt schon so viel Mühe hat, dem Gläubiger die Zinsen und dem Gemeinwesen Steuern und Abgabe« aller Art zu entrichten, natürlich je länger, je weniger geneigt ist, dem Gemeinwesen noch mehr Opfer zubringen, wie die» ja jedes verbesserte Schulgesetz so oder ander«, direkt oder indirekt, vom Bürger verlangen muß. Es will niich also bedünken, diejenigen, welche heute das Referendum, das heißt, deutlicher gesagt, des Volkes Dummheit beschuldigen, hätten vielmehr Grund, zuerst an die eigene Brust zu schlagen und ihre vielfach über- ttiebenen Klagen über die moderne Volksschule zu be- dauern, weil dieselben zweifelsohne nicht zur Hebung und Förderung des schulfreundlichen Sinnes beigetragen haben. Damit soll indeß nicht gesagt sein, die heutige Volks- schule sei unfehlbar. Ich denke, die tüchtigsten Lehrer sehe« am besten die Mängel derselben ein. Ich hoffe daher auch, die Lehrerschaft werde sich durch derartige Vorkommnisse, wie das Votum des ZürichervolkeS vom 9. Dezember eines ist, nicht etwa entmuthigen und verbittern lassen, wa« ja grundverkehrt wäre, sondern im Gegentheil darau« die ernste Mahnung schöpfen, an ihrem Theile mit aller Entschieden- heit daran zu arbeiten, daß die Volksschule der Gegenwart immer besser de« Idealen ihrer Leuchten und den Anforde- rungen unserer Zeit entspreche. Solch ernste Selbstprüfung und selbstlose Arbeit wird nicht ohne Segen bleiben für die heilige Sache der Volksbildung sowohl als für den eigenen Stand, welcher trotz alledem und alledem doch unserem Volke an» Herz gewachsen ist. Endlich aber scheint mir die Thatsache, daß das Land- voll das Schulgesetz verworfen hat. während die industrielle Bevölkerung dafür eingestanden ist, vor allem au« darum ernster Beachtung werth, weil sie uns den G e g e n s a tz zwischenStadt und Land in seinen weit» tragende« Folgen vor Augen stellt. Die Volk», zählung vom 1. Dezember d. I. zeigt uns, daß auch bei uns in der Schweiz die landwirthfchaftlichen Ortschaften ab- nehmen an Bevölkerungszahl, die industriellen Gegenden da« gegen mehr und mehr zunehmen. Welch schwer wiegende welche auf das Entstehen Ihres KrankheitSzustandeS einge« wirkt haben, gänzlich zu beseitigen; nur auf diese Weise könne« Sie ganz genese», sonst kann'S wieder schlimmer werden. Diese Grundursachen kenne ich nicht. Sie aber müssen sie kennen. Sie sind ein verständiger Mensch und haben natürlich sich selbst schon beobachtet. Es scheint mir, als ob die Zerrüttung Ihrer Gesundheit theilweise mit dem Verlassen der Universität in Zusammenhang steht. Sie dürfen nicht unbeschäftigt bleiben; ich glaube daher, daß Arbeit und ein fest vor Augen stehendes Ziel Ihnen, meiner Ansicht nach, Hilfe bringen könnten. — Za, ja, Sie haben vollkommen recht... ich werde schnell wieder in die Universität eintreten, und dann geht alle« wie geschmiert... Sossimow, der hauptsächlich um vor den Damen Effekt zu machen, seine klugen Rathschläge angebracht hatte, wae natürlich etwas verblüfft, als er nach Beendigung dieser Rede seinen Zuhörer anblickte und in dessen Mienen aus- gesprochenem Spott begegnete. Das dauerte übrigens nur emen Moment. Pulcheria Alexandrowna begann sofort sich be, Sossimow zu bedanke«, besonders auch für die gestrige Nachtvisite im Gasthof. - Wie, auch bei Euch war er in der Nacht? ftagte RaSkolnikow erregt. Also Ihr habt Euch nach der Reise nicht einmal ausschlafen könne»? � das hat ja nur bis gegen zwei Uhr gedauert. Wir habe« uns auch zu Hause nie vor zwei Uhr niedergelegt. — Ich weiß nicht einmal, womit ich ihm meinen Dank bezeugen könnte, fuhr RaSkolnikow, finster niederblickend. fort. Da Sie die Geldfrage abgelehnt haben— Sie ent, schuldigen, daß ich das erwähne(er wandte sich an Sossi» mow), so weiß ich wirklich nicht, womit ich eine solche außer- gewöhnliche Aufmerksamkeit von Ihnen verdient haben könnte? Ich begreife es einfach nicht... und... und eS isi mrr sogar lästig, denn eS ist mir unverständlich; ich sage Ihne« das ganz offenherzig." - Regen Sie sich doch nicht auf, lachte Sossimow Folge» da« für da« ganze VolkSwese» hat, braucht hier«icht de« Lavgen und Breiten ausgeführt zu werde«: jedermann kann sich hierüber selbst Rechenschaft gebe»; die Volksabstimmung im Kanton Zürich vom 9. d. M. ist geeignet, «in grelles Licht auf diese ungesunde und gefahrvolle Erscheinung der Gegenwart zu werfen. Nebenbei gesagt: die Arbester, über welche sonst die Gegner der Volksrechte immer zu klagen habe», sind dies- mal— wie übrigen« von jeher in solchen Fragen— bei denen gestanden, welche die Arbeit de« Kantonsrathe« gut- geheißen haben. Sie haben damit neuerding» bewiese», daß sie die Bildung zu schätzen wiffen, jeden Fortschritt, selbst den bescheidensten, zu würdigen im stände und auch zu persönlichen Opfern bereit sind, obwohl ihre persönliche Lage keineswegs eine viel besiere genannt werde» kann als diejenige de« Kleinbauers. Daß man ihnen das zu gute schreibt, darf man freilich von ihren sonstigen politischen Gegnern wohl kaum verlangen! Zm übrige« aber dürfte e« wohlgethan sei», das Er- gebniß über den neuen zürcherischen Schulgesetzentwurf al« ei» ernste» Symptom sozialer Uebelstände zu betrachten, welche schwer auf dem Volke lasten und ihm ie länger je mehr da« freudige Eintteteu für geistigen Fort- schrstt verunmöglichen. Nicht gegenseitiges Anklagen hilft un«; die Republik verlangt von un« gegenseitige thatkräftige Hilfe, damit wir nicht auseinanderfalle« in feindliche Znteressenkreife, sondern mehr und mehr werden ein einige« Volk!"- So schreibt ein demokratische« Blatt über eine anschei- «ende Niederlage der Demokratte. Es zieht die Lehre au« der Niederlage und verwerthet sie für die Demokratie. Grigmak-Korrespolläeuzm. Zürich, 19. Dezember. Endlich, nachdem die Angelegen- beit des Kreisschreibens und der politischen Polizei immer wieder verschoben wurde, ist sie am Montag zur Verhandlung gelangt. Die Debatte wurde zuerst gefübrt über den Antrag der Kommisston, den ich Ihnen bereits mit« getheilt habe. Der Berichterstatter derselben, tltationalrath Oberst Künsti auS Aarau, hatte fich in staatsmännischer Weise die Austastung des Bundesraths zu eigm gemacht und indem er in seinem Referate auf die verschiedenen beruhigenden Erklärungen des BundesraiheS, daß es fich nur um Anarchisten, Spione und -Agent« provocateur« handle, verwies, meinte er, daß nun das Mißtrauen schwinden sollte. N.cht der gleichen Meinung war indeß Herr Locher von Winterthur, der den Antrag stellte: „Die Bundesversammlung der schweizerischen Eidgenossen- schaft, in Erwägung: daß das km fidentielle Kreisschretben des Bundekrathes vom 11. Mai 1888 aeeignet ist, berechtigte Be- fürchtungen betreffend bedrohte Rechte und Frcihcitm der Schwetzerbüraer zu erwecken, indem in demselben nicht nm die Anarchisten, Polizcispione und Agent« provocateur«, sondern alle öffentlichen und geheimm Versammlungen, sowie auch die Zeitungen und Publikationen, in welchen die Fragen unserer sozialen Oigonisa'ion und der politischen oder sozialen Organi- sation anderer Staaten behandelt und diSkutirt werden, ebenso alle Personen, welche an solchen Versammlungen oder an der Redallwn oder Verbreitung derartiger Pießerzeup niste aktiven Antheil nehmen, unter geheime Poltzeiausficht gestellt werden; daß aber eine solche Maßregel im Widerspruch steht mit Artikel 4, Artikel 45 und Artikel 56 der Bundesverfassung, sowie mit den Bestimmungen der kantonalen Verfassungen betr, ffend das Preß- und Versammlungsrecht, und daß überhaupt zu Anordnungen der bezeichneten Art alle gesetzlichen Voraus- setzunaen fihlcn, beschließt: Der Bundesrath wird eingeladen, das konfidentielle Kreis- schreiben vom 11. Mai außer Kraft zu setzen." Herr Locher begründet seinen Antrag in längerer Rede, in deren Verlauf er jenin Theil des Volkes, der gegen das Kreis- schreiben protestire, als den politisch avanzirtesten des Schwei, crvoikes bezeichnet. Er schließt seine Rede mit den Motten: Es liegt sür den Bundesrath im Rück,ug des Zirkulars kein Abbruch an seiner Autorität, und er würde dadurch den Erfolg erzielen, daß er daS Vettrauen im Voll wiederherstellt, welches merklich erschüttett ist. Gewiß verfolgr die soziale Bewegung eine ruhige Bahn, aber was würde geschehen, wenn fie unter besondere Au! ficht gestellt werden sollt-? Der Bunhisrath wird die Liebe der- jeniaen Kreise des Volkes wiedergewinnen, deren Zuverficht jetzt gestört ist, derjenigen Kreise, an deren Patriotismus in der Stunde der Gefadr ja auch appellitt werden wird." Bundesrath Ruchonnet sagt in seiner Erwiderung u.a.: etwa» gezwungen,— nehme« Sie an, Sie seien mein erster Pattent; nun, unsereiner, ei» beginnender Praktikant, liebt seine ersten Patienten wie seine eigenen Kinder, manche verlieben sich sogar in fie; und ich bin ja»och«icht reich an Patienten. — Von jenem da rede ich erst(jar nicht, fügte Ra«- kolnikow, auf Rasumichin deutend, hinzu;— der hat auch »och nicht« von mir gesehen, außer Beleidigungen und Scherereien. — Wa« er nur schwatzt! Bist Du heute etwa in einer sentimentalen GemüthSstimmuvg? rief Rasumichin. Wäre er scharfsinniger gewesen, so hätte er bemerke» müssen, daß von sentimentaler Stimmung durchaus keine Rede sein konnte, eher vom Gegen theil. Awdotja Romanowna aber bemerkte e«; sie beobachtete chren Bruder eiftig und unruhig. — Von Ihnen, Mütterchen, rede ich auch«icht, fuhr RaS- kolnikow sott, al« ob er eine am Morgen auswendig gelernte Lektion hersage; erst heute konnte ich einigermaßen ermessen, welche Qualen Sie gestern, in Erwartung meiner Rück- kehr, hier haben ausstehen müssen. Dann reichte er plötz- lich schweigend und lächelnd der Schwester die Hand. Zn diesem Lächeln aber blitzte diesmal eine wahre, unver- fälschte Empfindung. Dunja ergriff sofort die ihr darge- reichte Hand und drückte sie herzlich; sie war erfreut und erkenntlich. Seit dem gestrigen Streit war eS da« erste an sie genchtete Freundschaftszeichen. Da« Antlitz der Mutter verklärte sich vor Entzücken und Freude beim Anblick diese« stummen aber festen Friedensschlüsse« zwischen Bruder und Schwester. — Da» ist's, wofür ich ihn liebe! flüstette der alle« übettreibende Rasumichin, sich energisch umwendend,— solche Beipegungen sind nur ihm eigen k... „Wie er da« alle« so gut versteht," dachte die Mutter bei sich,„welche edle Anwandlunaen, und wie einfach und zarisinnig er da« ganze gestrige Mißverständniß ausglich— blo« dadurch, daß er tm rechten Moment die Hand reichte und einen guten Blick zuwarf... Wa« er für schöne Augen hat, sei» ganze« Geficht ist schön— er ist schöner noch al« Dunetschka... Aber, mein Gott, wie seine Klei» „Die sozialistische Bewegung hat nichts zu befürchten(Aus- Weisung der vier deutschen Sozialisten in Hottingen?); wir respektiren jede Bewegung zur Verbtsserung der sozialen Zukunft aus geordnetem, gesetzmäßigem Wege, und unsere Anstrengungen aus dem Gebiete der Haftpflichtetweiterung, der allgemeinen Ver- ficherung u. s. w. haben ja den nämlichen Zweck..." Ferner meint er, daß die Beschäftigung mit Fragen der sozialen Or- ganisation mit dem KreiSsedreiben nicht gekosten werden sollte, da sonst ver Bundesrath, der steh ja selbst mit der sozialen Reorganisation befasse, gleichfalls unter Polizeiausficht gesteM werden müßte(der Wortlaut des Kreisschreibens läßt diese Aus« fassung aber nicht zu). DaS Ergebniß der Verhandlungen war, daß der Kom- misfionsankag mit 99 gegen 12 Stimmen, welche auf den An« trog Locher entfielen, angenommen wurde und so die„Staats- männerei", die Freundschaft des Bundesrathes, über das Recht triumpbitte. Darob große Begeisterung in de» Spalten der Liberalen, Jubel in den Sv-lien der„N. Zür. Ztg.", deren Po- lizeistandpuntt die Demokraten im Rationalrathe zum Siege verhalfen. Hingegen schreibt der„St. Galler Stadtanz." wie immer ein mannhaftes Wott zum Locher'schen Antrag: „Das ist ein Ankag, der Fleisch und Blut hat, kein so schwächliches Ding, wie der Kommisstonsanlrag, der den Pelz waschen will, ohne ihn naß zu machen. Es ist bei uns bald ärger als in der Monarchie. Wenn ein monarchischer Minister eine Dummheit macht oder eine VerfaffungsoerKtzung begeht, hat er dafür Rede zu stehen, auch wenn es bitter schmeckt. Bei unserer Süßholzralpelei kommt so etwas nicht vor; da wird alles mit Honig überstttchm. Und doch ist alle Kunst, dem bundesräthlichen Kreis- schreiben ein unschuldiges, gesetzliches Mäntelchen umzuhängen, umsonst. Es ist und bleibt ein Attentat auf die Volksfreiheit! Das wiffen auch die Herren in Bern sehr gut; fie gestehen es auch zu, wenn fie unter fich find, daß der Bundesrath mit dem Kreisichreiben etwas gemacht habe, so verkehrt, daß der hinterste Bürger deS Landes es nicht verkchtter hätte machen können. Aber wer wagt das zu sagen und der Wahrheit Zeuaniß zu geben? Das gehört heutzutage nicht mehr zum guten Ton. Wer kümmert fich überhaupt noch um Wahrheit, um Freiheit, um Recht, um Grundsätze und Ideale in unserer ver- matettalifirten, begeisterungslosen, gefinnungscumen, lenden- lahmen Zeit! So werden auch zum Antrag Locher, der Rückzug des Kreis- schreibens verlangt, was allein ehrlich und korreft wäre, wohl nur wenige stehen. Zum Teufel ist der Spitttus, Das Phlegma ist geblieben!" Der wackeren Haltung des kleinen Häufleins ehrlicher, unab- ' ier Volksmänner unsere Anerkennung! us den Verhandlungen der Bundesversammlung ist ferner zu erwähnen die Diskulfion über den Lichten st eiger Schul« r e I u r s. Der Sachverhalt dieser Angelegenhett ist folgender: Lichtensteig ist ein Dorf im Kanton St. Gallen und daselbst warm bis vor einiger Zeit die Schulklaffcn konfessionel getrennt, entgegen dm bezüalichm Bestimmungen der Bundes- Verfassung. Vor einigen Jahren waren die Oberklaffen ver« schmolz n wordm und nun faßte die polttische Gemeinde dm Beschluß, auch die unteren Klaffen zu fustontrm. Die evan« gelische Schulgemeinde stimmte diesem Beschlüsse zu, indeß die katholische fich demselben nicht unterwerfen wollte und dagegen alle Jnstanzm anrief, also nun in letzter Linie, nachdem fie überall abgewiesen worden, mit ihrer Beschwerde an die Bundesversammlung ge- langte. Dieselbe bezw. der Ziationalrath widmete diesem nach unserer Meinung doch wohl untergeordnetm Gegenstände volle zwei Tage, wies aber schließlich den Rekurs als unbegründet mtt 85 geben 38 Stimmen ab. Recht merkwürdige Anschauungen wurden vorgetragen bei der Verhandlung über die Militärgerichte. Der Bericht- erstatter, der„demokratische" Oberst Müller, sagte, wenn der Bürger den Soldatenrock anziehe, müsse er dm Demokraten ausziehen. Ferner solltm nach seinm Anträgen bei den Divistonsgettchten aus intelleftuellm und autotttärm Gründen die Unteroffiziere und Soldaten von der Richterfunftion ausgeschlossen bleiben. Dieser Antrag wurde mtt Recht abgelehnt und das DivifionSgeticht wird zur Hälfte aus Offizieren und Unterosfizierm und Soldaten zusammen- gesetzt werden.— Der Antrag Müller's war geradezu lächerlich. Man dmke nur, der hochbegabte Redakteur der„Züricher Post", Nationalrath Curti, ist Gemeiner und der be— rühmte A t t e n h o f e r ist Major. Da sollte jener als Richter un- fähiger sein wie dieser. In Bern ist am letzten Sonntag ein bewährter Vor- kämpfer des Proletariats, Hans Bächtold, früher Stein« Hauer, sett einigen Jahren Gastwirth, gestorben. Bächtold war der erste Sozialdemokrat, der in einen schwetzettschen parlamen- tanschen VertretungSkörper gewählt worden war, er trat 1882 in den Berner Kantonsrath ein. Er war ein ehr- duna aussieht, wie jämmerlich! Der Laufbursche von Wassilij Jwanowitsch ist ja besser gekleidet I... Am liebsten möchte ich ihm gleich um dm Hals fallm und ihn an mich drücken... und weinen; aber ich fürchte mich, fürchte mich vor ihm. Gott, was das nur sei» mag?... Er scheint doch jetzt ganz freundlich zu sprechen und dmnoch fürchte ich mich! WeShalb fürchte ich mich denn eigentlich?..." — Ach. Rodja, Du glaubst gar nicht, rief sie, auf seine Bemerkung antwortend, ihm plötzlich zu,— wie wir beide, ich und Dunetschka, gestern... unglücklich waren! Jetzt, da alles vorbei und zu Ende ist und wir wieder glücklich sind, darf man e« ja erzählen. Denke Dir, wir beeile« un« also herzukommm um Dich zu umarmen, fast direkt vom Bahnhof, und da sagt uns jme Frau— ach, da ist sie ja! Guten Morgen, Nastaßja,... sagt unS plötzlich, daß Du da« hitzige Nervenfieber habest und soebm dem Doktor heimlich mtlausm seiest und man Dich über- all suche. Du kannst Dir nicht votstellm, was wir da empfandm! Mir fiel sogleich der tragische Tod des Lieutenant Potantschikow ein, eines Freunde« Deine« VaterS,— Du kannst Dich seiner nicht mehr erinnern, Rodja,—der auch im hitzigm Nevevfieber so hinausgelaufen und auf dem Hof in einen Brunnen gefallen war, man konnte ihn erst am folgendm Tag herauSziehm. Wir stellten un« natürlich alle« noch ärger vor, wollten sogar Peter Petro- witsch aufsuchm, um mit dessen Hilfe... denn wir warm ja allein, ganz allein,— klagte sie mit wehmuthSvoller Stimme und brach plötzlich ab, als sie sich erinnerte, daß Peter Petrowusch zu erwähnen doch wohl noch zu ge- fährlich sei, obschoa jetzt„alle wieder vollkommen glück- lich" sind. — Ja, ja,... natürlich ist daS alle« sehr verdrießlich... brummte RaSkolvikow, aber mit einem solchen zer- streuten und theilnamlose« Blick, daß Dunetschka ihn er- staunt ansah. — Wa« wollte ich doch noch sagen,— fuhr er, sich mühsam sammelnd, sott,— ja, bitte, Mütterchen und auch Du, Dunetschka, denkt ja nicht, daß ich heute früh nicht zuerst zu Euch kommm wollte, sondern Euch bei mir er- mattete. lidber, überzeugungstreuer Kämpe, und darum Ehre seinem Aiv denken. Im Kanton Basel ist letzte Wote ein Gesetz betnft Einführung der gewerblichen Schiedsaerichte dn schloffen wordm. In Genf find vor einiger Zeit die Pnid« hommS, welche bis dahin nur für die Stadt giftig waren, a« den ganzen Kanton Genf ausgedehnt worden. UolMsche Ueverstcht. Die Arbeitseinstellung der belgische« Kohl«*' arbeiten ist so gut wie zu Ende. Die Wenigen, welche nw streiken, kommen nicht in Betracht. Die große Mehrheit hat w Arbeit wieder aufgmommen— natürlich zu den altm dtngungen. Die Arbeiter find um eine bittere Lehre reicher, M Grubmbefitzer um ein sehr großes Stück des Vettraums ihr« Arbeiter— so weit solches überhaupt noch vorhandm war- ärmer. Die Dinge find gekommen, wie fie kommen mußt®- Arbeitseinstellungen von Massen, wie fie hier in Frage hm* find ohne Organisation und ohne genügende Mittel nicht dura- zuführen, und beides fehtte. Auch die übrigen Arbeiter Belgin» konnten bei der notottschen Verpauperung derselben— denn du Löhne find in ganz Belgien elend— nicht mit der nöthigm Hilst beispringen und außerdem läßt auch deren Organisation sehr viel i» wünschen übrig. Solcher Gestalt hatten Bourgeoifie und Regirnrnl leichtes Spiel. Vom Hunger getrieben, durch die Maffeno«' hastungen und Veruttbeilungen ihrer Wottführer eingeschüchtw- blieb den Massen nichts üvttg, als abermals zu Kreuze J" kriechen und das verhaßte Joch wieder aufzunehmen. Die Unttt' nehmer jubeln, die geschlagenm Arbeiter knstschm mtt de« Zähnen und sehen zum größtm Theile Wnun#* der Zukunft entgegen. Wo soll die Rettung b>? kommen, welche fie von diesem Jammerleben bestell• Von dumpfer Verzweiflung erfaßt, finstere RalV ptäne schmiedend, steigen die Tausende wieder Tag f® Tag. Nacht für Nacht in die Tiefm der Erde, um dott in N' drückender und erstickender Hitze, jeden Augenblick von d* Tode bedroht, das schwarze Gestein zu brechen, das ans Tagst' licht befördert in den Händen ihrer Unternehmer zu blam* Gelbe wird. Ein elendes Leben, das sich täglich» ohne W ohne Ruh, in ewigem Einerlei wiederholt., Ohne Organisation und ohne Mittel kein Erfolg. 1% einfache und natürliche Lehre aller Klassenkämpfe der Arbeit" hat bisher bei den belgischm Kohlenarbeitem noch nicht tuf fangen wollen. Zum so und so vieften Male infolge ihrer m«" gelnden Organisation und der Plonlofigkeit des Kampfes 6� schlagen, verfallen fie immer und immer wieder in bf' selben Fehler. Eine fast unbegreifliche Erscheinung,#*« fie nicht die geistige Versumpfung, in welcher ft#. die belgischm Kohlenarbeiter dahin lebm, erklätte Die htss schaft des Pfaffenthums, der fast gänzliche Mangel an Sid«� blldung und die Schr.apSpest find die drei großen Uebel, welchen die Bewegung in den belgischen Kohlendistiiften 1«% Nur in den Augenblicken des härtestm Druckes und sobald Lage des Geschäfts ihnen einen Schatten von Hoffnung g"� il-re Forderungen verwirklichen zu können,«heben fi- fich", Massen, um bei dem Mangel an Mitteln und dcm Fehlen st» liehet Organ sation sehr bald wieder niedergewoifen zu werd* Die anarchistische Führerschaft, welcher fie meist folgen,»T auch sehr viel auf dcm Gewiffm. Lrgonisat'on ist ja nach Lehreßdieser, Leutchen eine unnüve Verzettelung der Kräfte, 1°® ihnen bedarf es nichts als der Massennhebung, um Staat u« Bourgeoifie ins Bockshorn zu jagen und alle Forderungen durcr zusetzen. Oester schon durch die Tbatsachen eines besseren lehtt, kommen weder Führer noch Gelehtte zur Einficht. Gemralrath der belgiicherr Arbeiterpattei, nicht zu vcrwechst* mit dem anarckistelnden Gennalrath der Jnternaiionalm, d* bisher die belgischen Kohlenarbeiter hauptsächlich Heercssost l leisteten, hat nunmehr einen gestern von uns mitgethMen Arn/ ruf an diese erlassen, worin er sie zu tüchtiger Organisation au' fo dett. In ihm wird, und diese Stelle ist unfern Lesern nicht bekannt, ausgefühtt, daß der gewählte Zeitpunst für b Streik äußerst günstig gewesen sei, die Koklenindusttte fittTj zahlreiche Aufträge seien vorhandm und der Preis der Kohle» L gestio en. Wenn nun trotz dieser Gunst der Umstände die Aid� unterlagen, so geschah dies, well fie nicht organisttt waren, LL der furchtbaren Gemalt, welche der Kopitalistenllasse der der Macht und des Reichtbnms gebe, fie nicht entgcgcnK».. konnten|bie Einheit und Taktik der Kraft, welche ihre o° ihnen gab." Besäßen die Arbeiter mächtige Organisatio»O dann könnten fie der Drohungen der Gendarmen und Schlicke der Agent provocateure lachen. diese nock die Angriffe der Kcpitalistcnpresse könnten fie hi»*» Unnütze Gewolltdaten, welche nur ihre Sache diskreditm. mußten vermieden werden, fie schädigten nur die Sacke» führten zu schweren und massenhaften Verurtheilungen. Ter Aufruf schließt bekanntlich mit dem Rufe: � Es lebe die Eintgkell und die Organisation Arbeiter! Es lebe das allgemeine Stimmrecht! Es lebe der Sozialismus! � — Was fällt Dir denn ein, Rodja! rief Pul� Alexandrowna gleichfalls erstaunend.«jl „Das klingt ja, als ob er un« blo« au« Pflichtlssy antwortet!" dachte Dunetschka—„er schließt Friede»,?. um Verzeihung, gnade als ob er einen Dienst vett'»» oder eine Lektion aufsagt.", — Ich war kaum erwacht und im Begriff auSzug'� da hielten mich die Kleider auf! Ich vergaß gestern,.z, zu sagen... der Nastaßja... daß fie da» Blut waschen möchte.... Erst jetzt habe ich mich können. - Blut! Was für Blut? ftagte Pulcheria drowna unruhig. 0 — Nicht« besonderes... beachte» Sie e« nicht.. � Blut rührt daher, weil ich gestern, als ich mich r umhcrtrieb, auf eine» überfahrenea Menschen..- Beamten stieß...«j! — Im Fieber? Du ennnerst Dich aber doch o»* unterbrach ihn Rasumichin.,,(t> — Das ist wahr, antwortete RaSkolnikow innere mich an alles, bis auf die geringste Einzelheit! wa» ich nicht erklären kann, da« ist,» e« h»*'>{{ dieses oder jenes that, hierhin una dorthin ging,„g jene« sprach;— dafür kann ich durchaus keine Ertt» finden. ei0(i> — DaS ist ein sehr bekanntes Phänomen, mow; die Ausführung einer Sache ist zuweilen melp � und äußerst komplizitt, die Beweggründe der HanbIu»W..„gl der Ausgangspunkt der Thäligkest, ist verwirrt unv_ von verschiedenen krankhaften Eindrücken ab; ei» dem ähnlicher Zustand. „Da« ist doch gewiß sehr günstig, daß er zeitenweisc verrückt hält," dachte RaSkolnikow. — So etwa« könnte ja am Ende auch*»* passiren? bemerkte Duneischkaf, Sossimow u« blickend. liefet, � - Eine sehr richtige Bemerkung, erwiderte in diesem Sinne find wir alle fast ebenso b1 sinnige», nur mit dem kleinen tinters«*'- t|enn m» „Kranken" etwas mehr irrfinnig find,, mich II I" Od dieser Nufruf den gewünschten Erfolg haben wird? Wir wollen es Kossen, aber es wird große Mühe kosten» dieser einzig richtigen Taktik die Wege zu bahnen. Bemerkenkwerib ist, daß der Kampf der belgischen Arbeiter gegen die belgische Bourgeoifie und die Staatsgewalt letztere zu tanz gleichen Repressalien veranlaßt, wie in Deutschland. So erichtet der„Penple", daß, als vor wenigen Tagen die Genter Sozialisten in einem Caf6 eine Bersammlung abhalten wollten. der Wirth ihnen das früher zugesagte Lokal zu überlassen sich weigerte, well der Truppenkom- Mandant ihm gedroht, im Falle er die Versammlung abhalten ließe, seinen Soldaten den Besuch des Lokals zu verbieten. Also ganz wie bei uns. Hört, hört! Die konservative„Hallesche Ztg." schreibt: «Der Sllavenhandel war früher, als die ost-afrikanische Ge- sellschaft noch guten Muthes war, von ihr ein bischen in Schutz fnommen. Erst mit dem Krach und als es galt, das eich zu gewinnen, ist dos fittlich-humane Prinzip betont wor» den." Also die Betonung des sittlich, humanen Prinzips, die «große mcnschenfteundliche Idee" tsi die elendeste Heuchelei rmserer Kolonialpriester und ihrer Presse, zu grob materiellen Zwecken in Szene gesetzt, um klingende Voitheile vom Reich, aus dem Staatssäckel, und den Taschen der Steuerzahler zu ergattem. Und diese— Raben krächzen von einer„kläglichen Rolle", welche die Sozialdemokraten bei Gelegenhett der Kolo» nialdedatte im Reichstage gespielt haben sollen, als namentlich sie auf die Tbatsache hinwiesen, daß es leider Gottes in Deutsch- land selbst genug zu„defteien" giebt und also hier erst der Anfang gemacht werden möge. Die Notiz der„H. Ztg." zeigt, wer die„klägliche Rolle" spielt. Si« allrrUedft»» KchStrer ist Her» Med»», in dessen Hände die Bleich: över'schen Eilberlinge geflossen find. Der naive Herr fängt endlich an, stch mit dieser Sache zu beschäftigen und demenlirt Aber was? Wir lesen im„Reichsvoten": „In Bezug auf die von uns übernommene Nachricht der„Köln. Volksztg." über die Bleichröder'jche Wahlspende bittet uns Herr Weder zu berichtigen, daß er nicht Konsul a. D. und auch nicht Sekretär des Herrn von Bleichröder sei, sondern daß er Oder« bürgermeistcr a. D. und Generalbevollmächtigter d,s Herrn von Bleichröoer ist Ueber die Wahlspende selbst und über die Behaup- tung der„KöIn.Vollsztg.",dab dieselbe in seine Hände gelegt worden sei, äußert sich Herr Weder nicht, hat also hier offenbar nichts >u berichtigen. Welch ein Charakter, dieser Herr Weder! Das ist ihm fatal, daß man ihn„Konsul" statt„Oberbürgermeister" und„Sekretär" statt„Generalbevollmächtigter" nennt. Darin aber, daß er das Geld von Herrn Bleichröder bekommen haben soll und geschwiegen hat, als man andere vor der öffentlichen Meinung anschuldigte, darin erblickt er keinen Vorwurf. Jeder nach seinem Geschmack Für die devorstehend» Ersatzwahl zum Reichstag in Kr«»la«-Wrst an Stelle Kräcker's ist nach Breslauer Bläuern der nationalliderale Kaufmann Tschocke aufgestellt, der bei den jüngsten Landtagswahlen ein Mandat zum Adgeord- netenhause erlangt hat. Bei der Wahl von 1887 siegte Kräcker in engerer Wahl mit 10 799 gegen 10 205 Stimmen über einen nationallibcralen Kandidaten. Bis 1881 war der Wahlkreis fortschrllllich. von da ad stets sozialdemokratisch vertreten.— Tschocke wird wohl wenig Glück haben. Ei«„MltUionenförst" gesucht. Wie den„Hamburger Nachrichten" aus den Kreisen der Oflafrikanischcn Gesellschaft geschrieben wird, sucht man nach einem„deutschen Fürsten", dem die Gesellschaft ihre Hoheitsrechie überträgt und unter dem fie selbst als Erwerbsgenoffenschaft thätig sein könnte. Na- türlich müßte dieser„Fürst" auch Millionen zur Verfügung stellen. vi« recht begriff» stutziger Herr scheint der Spezial- Mitarbeiter der„Nat. Ztg." für„sozialdemokratische Angelegen- Helten" zu sein. Er hat aus unserer letzten Notiz über den internationalen Ardeiterkon greß nämlich herausgelesen, daß die drutsckrn Sozialdemokraten den Beschluß der Theilnohme an vlm Pariser Kongresse umgestoßen hätten, und daß nur Liebknecht und vielleicht noch ein paar andere Reichstagsabgeordnete in Paris erscheinm. O hellige Einfall! Aogar über die ruf fische Grenze wandern die armen deutschen Grenzbewohner, um stch gegen die Verthcuerung des täglichen Brotes durch den Kornzoll zu schützen. So Nagen in der„Bäcker und Konditorzeitung" die Zünftler aus Myelowiy, daß das fünfplündige Brot jenseits der Grenze für 32 bis 35 Pfennig zu haben sei, wogegen es in Myslowitz nicht unter 50 Pf. abgegeben werden könnte. Sind in einem Hau e 8 bis 10 Mitglieder, so ist jeder Hausbewohner mit Legitimation ausgerüstet und geht nach Polen, billiges Brot zu holen.— Der Bürgermeister von Myslowitz hat die deutschen Jnnungs- bückcr mit ihrer Beschwerde abgewiesen, indem er die Anficht aussprach, daß es nicht angezeigt ist, der armen, auf wenige Groschen Tagesorrdi.nst angewiesenen Bevölkerung unseres Stadtbezirks die Gelegenkeit zu verschränken, ihre Haupt« nahrungsmlltel, Mehl und Brot, um fast 50 Prozent billiger anderwärts stch zu beschaffen, als hierorts; vor denBedürfniffen einer starken Mehrheit muß aber die Mrnderhcit einiger Ge« «erdetreibenden zurückstehen." «uß hierbei eine gewisse Grenze unterscheiden. Einen ganz harmonisch entwickelten Menschen giebt eS ja, wie be- kannt, überhaupt kaum, auf viele Hunderttausende vielleicht «ur einen. Bei dem Wort„irrfinnig", das dem in fein beliebte» Fahrwasser gekommenen Sofsimow unvorsichtiger Weife eot- ichlüpft war, wurden alle betreten. Raskolvikow faß nachdenklich und mit einem eigenthümlichen Lächeln auf de» bleichen Lippen da, anscheinend ohne aufzumerken. Er fuhr sort, über irgend etwa» zu grübeln. (Fortsetzung folgt.) An» Kunst«ud Leben. _ Grtvfiun I« der Thierwelt. Im Feuilleton des Wiener„Fremdenblatt" erzähll R. R. v. D. folgende inter- rssante Beweise vom Ortssinn der Thtere: Ich besaß einen Dachshund edler Zucht, welchen ich speziell Zur Rehjagd in einem wellgedebnten Waldrevier mrt stark »uplrtem Terrain und dichten Nadelschonungen verwendete. Natürliche Anlagen und die Ausbildung derselben durch Dressur dnd jener Schatz, welchen die prallische Erfahrung sammeln Wt, gestalteten dm wackeren krummbeinigen Gesellen zum Meistir, und er war auf Meilenrunde unter dem Ehrenpradikat »Professor" in Jägerkreisen gekannt und geschätzt. Lediglich auf Rehe und Füchse eingejagt, beachtete n. die Fährte Meister Lompe's kaum, folgte aber jmen «U Hellem Laut und einem Maß von Klugheit und Pehanlichkeit, welche die schlauestm Widergange de» Uerfolgten Wildes zu paralysiren und deflelbe mdlrch Km Verlassen des schirmenden DickicheS zu zwingen und zu Tchuß zu bringen verstand. Gelang dies alles, dann wedelte bn„Professor" selbstgefällig und beäugte die Schützen mit ver- -madmßinmgcn Blicken, als wollte er sagen:„Nun, wir haben s ?ut gemacht!" Gab's aber einen Fehlschuß, dann brach der er- lahrene Hund sofort die wellere nutzlose Verfolgung ab; unbe« schxeiblich war der scheele Seitenblick, mit welchem der ent- ästete„Professor" stumme Kritik übte. Merlwürdia war sein Ortssinn. Wenn es mitunter ge- Uah. daß das angejagte Wild sellwärts aus dem Triebe brach, Mer somit mißlungm war, dann verfugte stch der krumbeinige Mdgeselle stet» gmau an jene Stelle, an welcher ihn der ™ger abgekoppelt hatte und gab so lange Laut, bis man ihn E« kommt Licht in die Gffenbnrger F riefsperr«- Angelegenheit. Em an Redakteur Geck eingetroffener Brief aus Berlin, der die Reise durch das Landgericht Fretdura wachen mußte, trägt die Bemerkung:„An Kaiserl. Postamt Offenburg mit dem erged. Anfügen, daß die Beschlagnahme der Briefe zc. aufgehoben ist. G. Landg. St.-K. IL Schäfer." Endlich erfährt man einmal, daß eine Beschlagnahme verjügt wurde. Das Weitere wird sich schon finden. Infolge einer Hnnesnchnng getödtet. In Hohen« w e st e d t in Holstein fand stch die Polizei bei einem dortigen Ardeiter ein. um Haussuchung nach verbotenen Schriften ad- zuhatten. Die Frau des Bebaussuchten wurde durch das Erscheinen der Polizei so erschreckt, daß fie sofort todt niederfiel. Eine Depesche der„Reuter'schen Bureaus" aus S a n s i- dar derichtet über Briefe von Stanley Falls vom 29. August, welche an diesem Tage durch Leute Tippo T i p' s dorthin gebracht seien. In diesen Briefen werde der Empfang eines Schreibens vom 28. August von Stanley bestätigt, welcher zu Bonalaya am Aruwhrmi war und E m i n Pascha in guter Gesundheit, mit reichlicher Muni- tion und Lebensmitteln versehen, verlassen hatte und zwar 82 Tage bevor er zu seiner Arriöregarde zurückgekommen und die Verproviantirung in Bonyala angekommen war. Am 17. August hatte Stanley die Absicht, zehn Tage später wieder aufzubrechen, um, wie man annimmt, von neuem zu Emin Pascha stoßen. Alle Weißen der Expedttion defanden sich in guter Gesundheit und litten keinerlei Mangel. Oberhaus. Der Premi»r Marquis of SaliS- b u r y erklärte, als er bei einem früheren Anlasse gesagt habe, es sei nicht wahrscheinlich, daß Deutschland in OMrika Operationen zu Lande vornehmen werde, habe er eine Expedit on in daS Innere gemeint. Dies habe fich nickt auf das Bomdarde- ment Bagamoyo's beziehen können. Was Deutschland ge- than habe, würde eS auch gelhan haben ohne Rücksicht darauf, od England mit ihm verbunden war oder nicht. Deutschland sei in dem Gebiete rorgegangen, über welches es Einfluß ausübe. Sein Voraehm bewege fich innerhalb der Grenzen des Vötterrrchts. England sei mit Deutschland in einer speziellen Angclegenhett verbunden und habe Deutschlands Hilfe zur Unterdrückung des Sklavenhandels angenommen. Das gemeinschaftliche Handeln sei auf die Blokade beschränkt. Unternehme Deutschland Expeditionen in das Innere, so de- rühre dies England nicht. Was Suakim angehe, so sei er auch der Anficht Dunraver.'s, daß nach dem Sudan keine Exve- dttion unternommen werden solle, und daß Suakim nicht den Sudanesen überliefert werden dürfe. Ader England habe in Unterhandlungen mit freundlich gesinnten Stämmen diesen nichts anzubieten, auch könne es diesen Stämmen nicht drohen, um fie zur Vertheidigung Suakiws zu veranlassen. Noch nähere Beziehungen zu diesen befreundeten Stämmen würde eine Er- Weiterung des Vertheidigungikreises um Suakim bedingen Dann entstände die Frage, ob für die zu bringenden Opfer etwas gewonnen würde. Eine Politik, welche auf der Idee dafice, daß die Stämme die englische Verwaltung der egypttschen vor- ziehen würden, sei hinfällig, und bevor Dunraven empfehle, die englische Flagge in Suakim zu hissen, möge er zuvor den Pariser Vettrag stuviren. Unterhaus. Tanner wurde von der Sitzung aus- geschloffen, well er Balfour einen Lügner und Feigling nannte. Der Kanzler der Schatzkammer Goschen verlas die obige Depesche des„Reutcr'schen Bureaus" aus Sansibar Stanley betteffend, sowie eine Depesche der Eastem Telegraphen- Gefellschaft, in welcher es heißt, daß nach soeben eingegangenen Nachrichten Stanley mit Emin Pascha am Aruwhimi angelangt sei. Die Nachricht sei zuverlässig; weitere Details würden folgen. Da» Haus begrüßte diese Mrttheilung mit lautem Beifall. In S t o k t o n- o n- T e e s ist an Stelle des bisherigen Tevulirten Dodds, eines Anhängers Gladstones, welcher sein Mandat niedergelegt hat, Horace Davry, ebenfalls ein Anhänger Gladstone», mit 3889 st. für das Unterhaus gewählt worden. Der konservative Gegenkandidat erhielt 3491 St. Kchwede« nt»d Norwege«. Unter ver Uederschrift„Sozialdemokratisches aus Schweden" schreibt der ofsiz'öse„Hamburger Korr.": „Die Schwedischen Gerichte haben fich in den letzten Wochen vielfach mit verbrecherischenAeußerungen der sozialdemokratischen Agitatoren zu beschäftigen gehabt.— Zuerst hat das Höchste Gericht das gegen Mkcor Lennsttand wegen seines berüchtigten Attikels„An den Urheber deS Weltalls� gefällte Uttheil, das auf dreimonatliche Gefängnißstrafe lautete, bestätigt. Sodann erkannte eine Stockholmer Jury den Redakteur des„Sozial- demokraten" Hjalmar Branting. der den Lennstrand'schm Ar- tikel in seinem Blatte abgedruckt hatte, für schuldig, und das Rathhausgertckt vemttheitte tbn danach zu einer Gefängniß« strafe von 3 Monat n und 15 Tagen. Die sozialdemokratischen Blätter find natürlich höchst erdtttett, ganz besonders das Blatt „Arbctet" in Malmö. Ferner fand in Gothendurg eine ge- richtliche Verhandlung gegen den Redakteur des dottigen sozial« von dort abzuholen kam. Sein bevorzugter Aufenthalt war der Pferdestall, mit deffenJnsaffen er auf dem intimsten Fuße stand. Oft thronte er würdevoll auf dem Rücken eines der Pferde, auf welchen ihn der Stallwätter plazlrt hatte. Lange bevor noch das Rollen der Wagenräder am Parkweg oder der Tritt des Pferdes ver- nehmbar war, wurde der„Professor", welcher mir sehr anhänglich war, unruhig, und venieth den Bediensteten— als wäre er ein Hellseher— meine baldige Ankunft. Eine dreifarbige Hauskatze, welche in einem Korbe verwahrt, eine Strecke von fieden Stunden zu Wagen transpottirt worden war, entkam ihrem Gefängniß und fand stch am frühen Morgen des folgenden Tages wieder in ihrer früherm Behausung ein, welche fie vorher nie verlassen hatte. Als ich einst an einem nebligen Winterabend von einem Herrenhause, wo ich zum Besuch war, heimritt, verirrte ich mich in der weiten Ebene infolge deS dichten Schneegestöber» derart, daß ich nach Verlauf von etwa zwei Stunden genau an einer dem Ausgangsort nahen Baumgruppe angekommen und förmlich in weitem Bogen statt in gerader Richtung geritten war. Die Nacht war inzwischen wett vorgerückt, der Nrbel und das Schneegestöber hatten eher zu- als abgenommen, und da ich überdies nicht ottskundig— war guter Rath theuer. Da gab's lein umständliches Uederlegen: ich ließ meinem Pferd die Zügel und nach einem scharfen, fünfviertelstündigen Trade hiev mein dampfender Schimmel vor dem Gehöft, in welchem ich ein« auartltt war. Ein bekannter General, welchen einst gelegentlich einer dienstlichen Inspektionsreise, die er im eigenen Wagen zurück- legte, die Nacht auf einer ungattschen PuSzta überrascht hatte, verfehlte die Richtung gänzlich und hiett endlich sein Gespann, welches er persönlich lenkte, ziemlich rathlos an. In diesem Dilemma besann sich sein Diener, daß fich in der Handtasche eine Generalstabskatte befinde, entnahm fie derselben und de- mühte fich, die Katte mit Beihilfe einiger Streichhölzchen zu delmchten� General da» geniale Beginnm seines Begleiters mit einem zutteffenden, nicht ganz salon- fähigen Epitheton und die Pferde griffen inzwischen aus eigener Initiative wacker auS, bogen von der Stelle sofort in scharfem Winkel von der früher eingehattenen Richtung ab, und da ihnen der Lenker die Zügel ließ- gelangte er ohne wettere Irrfahrt �Einen�anadezu erstaunlichen Beweis von Orientirungsver- ' m— ew ferm bresfirt, ge- %###| v--—--. M Einen geradezu erstaunlichen Beweis von tmenmunger mögen lieferte ein englischer Vorstehhund. Er war, ferm drcss etwa föt zwei Monaten in meinem Befitz; ich beschloß, ihn demokratischen„Folkets Röst"(Stimne deS Volkes) wegm Be» letvigung des Königs und des Schwedischen Reichstags statt. das Urtheil steht indeß noch aus.— Endlich wurde vom Echo» nischen Hofgericht zu Christianstad am 7. Dezember Janhekt wegen Maiestätsdeleidigung zu 7 Monaten Gefängniß verur- theitt.— Der Stockholmer„Sozialdemokraten" vom 1. Dezember enthält ein von einem gewissen Sigvald Götsson verfaßtes Schmähgedicht auf König Oskar, wottn dieser in scheinbar an- erkennenden und schmeichelhaften Ausdrücken aufs Schamloseste. jedoch in so rafstnittcr Weise verhöhnt wird, daß stch keine Hand- habe zum gerichtlichen Einschreiten(?) bietet."— Wir haben an dem Attikel lein Wort gcstttchcn, auch das famose Fragezeichen in der letzten Zeile nicht hinzugefügt. Frankreich. Einige Bombenattentate, deren Schauplatz Paris während der letzten Monate war, halten die dottige Polizei in ununterbrochener Unruhe. Verschiedene nächtliche Visttationen find bei einzelnen Anarchisten vorgenommen worden, wobei fich die aus dem Schlaf Gestörten sehr ungcmütblich zeigten. Auch haben diese Haussuchungen zu allerhand Quiprcquo» Veran- laffung gegeben. So hat man eine Schachtel mit Brotmehl als Dynamit angesehen und mtt der nöthigen Vorficht auf das Polizei-Kommiffariat gebracht. Bei einem der leidenschaftlichsten Anarchisten, Espagnac, fand man einen Porzellantopf, der den Polizisten bedenklich schien Als man sich deHufs Untersuchung demselben näherte, rief Espagnac:„Nehmen Sie stch in Ach-. er wird gleich auffliegen!" Entsetzt fuhr alles zurück. In dem- selben Augenblick— schwang fich ein grüner Papagei aus seinem in dem Tovf befindlichen Boudoir und setzte fich respettwidrig einem der Polizisten auf dm Kopf.„Nehmen Sie es nicht für ungut," entschuldigte Espagnac sewm Vogel,„er ist gerade solch ein Anarchist wie ich." Senat. Bei der Fortsetzung der Budget- derathung trat T i r a r d für die Finanzpolitik der Regierung ein und bemerkte, daß die Verweltlichung des Schulunterrichts und die vermehrte Vornahme von öffentlichen Arbetten in keiner Weise zu beklagen sei. In der von der N a t i o n a l- r e p u b l i k a n i s ch e n Vereinigung im Hotel Continental abgehaltenen Ver« sammlung hielt der P äsident R o u v i e r eine Rede, in welcher er stch gegen die Auflösung der Kammern und gegen die Re« vifion der Verfassung aussprach und die Vertreter der Ardett, der Jndusttte und des Handels aufforderte, hiergegen mtt idm und seinen Gestnnungsgenoffen zusammen zu wirkm. Er hoffe. daß die gemäßigten Republikaner bei den devorstehenden allge- meinm Wahlen siegen würden. Nach Rouvier nahm Ferry das Wott, um seine Anfichten über das bei den nächstm Wahlen zu defolgende Verhatten darzulegen. Italie«. In der letzten Nacht fanden in verschiedenen Theilen Roms wahrhafte Kämpfe statt zwischen Oberdank-. Demonstranten und der Polizei. Auf der Pazza Navona wurde eine irredmtistische Prozession, die unter An- führung mehrerer Deputitten zu Oberdanks Haus ziehen wollte, von großer Polizeimacht angegriffen. Viele Demonstranten wurden verwundet und drei Deputirte übel zugettchtet. Eine Jrredenten-Fahne wurde zerbrochen. Auck an anderen Punkten der Stadt erfolgten gegen das Kabinet Crispi und gegen die Allianzpolitik gettchtete heftige Kundgebungen, die überall schonungslos streng unterdrückt wurden. Die Radikalm wer- den Cispi wegen des Verfahrens der Polizei in der Kammer interpellirm. Kalkanlander. Sämmtliche bulgarische Minister mit Außnahme des Mtnisterpräfidenten Stambuloff und des auf einer Reise abwesenden Unterrichtsministers Schiwkow haben ihre Entlassung eingereicht. Amerika. Auf H a y t i herrschen traurige Zustände. General Legi» time, der neue Präsident der Republik, begann am 4. d. Mls. ein Bombardement auf Kap Haytten, stellte dasselbe aber auf Ersuchen der ausländischen Konsuln auf 36 Stunden ein, um die Konsuln in den Stand zu setzen, den Platz zu ver- lassen. Am 6 d. M. wurde das Bombardement wieder aufge« nommen; die Flotte des Präsidenten zog stch jedoch zurück, als das Feuer von den Aufständischen erwivett wurde. Kap Haytien ist ein bedeutender Handels- und Hafenplatz an der Nordküste der Insel._ gtrtim««d Mersamml«»Ke«. Freireligiös« Gemeinde, Rosenthalerstr. 38. Dienstag, den 25. d. M., Vormittags 10 Uhr(Weihnacktsfest). Herr Dr. Vöikel-Magdeburg, Festvortrag. Zweiten Feiertag. Vor» mitags 10 Übt, derselbe Festvortrag. Zu beiden Versammlungen Damm und Herren als Gäste willkommen.— Am 27. d. M., Nachmittags 5 Uhr, Weihnachtsfeier unseres Gefangvereins. wozu die Mitglieder hierdurch eingeladen werben. Einlaßkarten find nach den Votträgen zu haben.— Am Sonntag, dm 23. d. M. fällt der Vortrag aus. legentlich einer mehrtägigen Jagd bei Graf S. meinem Nach- darn vorzuführen und fuhr an einem Spätherbstadmd bei strömenden Regen meinem zweieinhalb Stunden entferntm Reiseziel zu. Der Hund war am Kutschdock meines Jagdwagens unter dem Spritzleder geborgen, und es war ihm somit— was ich gleich im Vorhinein heroorbebm will— die Möglichkeit benommen» fich über die gänzlich fremde Reiseroute zu ottentirm. Eine Hündin im Zwinger des gräflichen Schlosses hatte es ihm angethan. Spät am Abend des letzten Jugdtaaes fuhr ich heim und dies- mal lag der Hund am Riemen im Fond des Wagens zu meinm Füßm. Als ich daheim angekommen war, vom Wagen stieg, koppelte ich den Hund ad. und— in der nächsten Minute war derselbe verschwunden. Der Pfiff des Jägers blieb ebenso er- folglos, wie eine sofortige Streifung durch den Park mtt Bei- Hilfe einiger Laternen; der Hund war nicht zu finden. Am nächsten Vormittag traf ein Bote vom gräflich S.'sche« Schloß ein, brachte den Flüchtling am Riemen und ein Schreiben meines Freundes, welches die unerwartete Rückkunft des heiß- dlütiaen Liebeswerders und seines Minneliedes, mit welchem er die Nachtruhe sämmtltcher Bewohner des Schlosses und des neuen Hundezwingers gründlichst gestött hatte— in launiger Weise schilderte. Der Hund war um zwei Uhr Nachts dortselbst eingetroffen. und da ich nach Mitternacht heimgekommen war. hatte er den ihm gänzlich unbekanntm Weg in kaum zwei Stunden zurück- gelegt. Er mußte demselben demnach in vollem Lauf gefolgt sein und konnte erst den letzten Dritthttl der Strecke querfeldein abkürzen, da stch die Straße fast in gerader Linie hin- zog, zwei Brücken zu pasfirm waren und erst die letzte drei- viettklstündige Strecke in einen Landweg abbog. Wie der Flüchtling den Weg. welchen er bin und zurück im Wagm geborgen zurückgelegt hatte, in finsterer Nacht zu flndm und ohne Fehl im rafcken Laufe einzuhalten im Stande war, ist eiir Räthsel, dessen Lösung ich zunächst allen jenen„Herren der Schöpfung" überlassen möchte, welche die erstaunliche Entwicklung der Sinne der Thierwelt und ihre unglaubliche Leistungsfähig- k'it mit dem schier verächtlich detonten, über alle tiefer forschende Reflexion bequem hinweghelfendm Epitheton„Thierische In- sttnkte" bezeichnen. Traurig« Folg»« schlechter Interpunktion!„Nach ihm kam Lord Salisdmy auf dem Kopfe, einen wttßm Hut an dm Füßm. große aber geputzte Stiefeln auf der Stirn, eine dunkle Wolke in seiner Hand, den unvermeidlichen Spazierstock in den Augen, etnm drohendm Blick in finstere«. Schweigm." Theater. Sonntag, den 23. Dezember. «»eenhaa». Die Quitzows. Monlag: Keine Vorstellung. Achauspiecha«». Marie» oder die Tochter des Regiments. Montag: Keine Vorstellung. zrsftng Theater Heimgefunden. Montag: Keine Vorstellung. Deutsche» Theater. Die glücklichen Bettler. Montag: Keine Vorstellung. Mallner-Theater. Madame Bonivard. Vor« her: Der dritte Kopf. Montag: Keine Vorstellung. Friedrich. Mithelmstädttfche» Theater. Der Milavo. Montag: Keine Vorstellung. UUrtaria-Theater. Die Reise in die Pyre» näen. Montag: Keine Vorstellung. Keftdent-Theater. Abbs Constantin. Montag: Keine Vorstellung. OeUeaUianre-Theater. Die Raupe(Le bain des dames). Montag: Keine Vorstellung. UaUra-Theater. Friedrich von Hohenzollern und die Cluitzots. Montag; Wegen Vorbereitung zur„Jungfrau von Orleans" geschloffen. KSnigstädtische« Theater. Berliner Kinder Montag: Keine Vorstellung. Tentral- Theater. Leuchtkugeln. Montag: Keine Vorstellung. Adelf-Grntt-Theater. Die drei Grazien. Montag: Keine Vorstellung. Kari�tS. Spezialstätcn• Vorstellung. Theater der Reichshall««. Spezialitäten- Vorstellung. Berliner Theater. Sonntag. r3. Dezember: Die wilde Jagd. (Melanie: Hedwig Niemann.) Montag. 24. Dezember: Keine Vorstellung. Dienstag, 25. Dezember: Eva. 1 American-Theater. ■■etasr-ShaatepstraM«»r. 15. Berliner HehOnbelta- Konkurrenz. Die Tableaux werden von in Kertia ge» btwnun KchSahritr» dargestellt. Erstes Bild: Aschenbrödel nach F. tzivdemann: Frl. Martha Kögel. Zweites Bild: Unter Kofe« nach P. Thumann: Frl.*. Drittes Bild: Hoffnung nach C. v. Bodenhausen: Frl.—. Viertes Bild: Da« Maffer nach G. Gräf: Frl.***. Fünftes BUo: Lache«. der Ai««»l nach Raphael: Fräul. Elise Eliner und die übrigen vier Damen.(Die mit*—— dezeichneten Damen wünschen ungenannt zu bleiben.) Neu!! Der Meinnachts-Gngel, Neu!! dargestellt von Fräulein Martha Elsner. Anfang 7% Uhr. Sonntags 64 Uhr. Billet.Vorvcrkauf ohne Aufgeld im„In« validendank" u. Vomnttags von 11—1 Uhr an der Theaterkaffe.[805 Clrkus Ü Schumann. Actrd�ch. Karl° Ufer. Ecke Karlstrahe. ......-Rkiug K r e m b s e r.) geheizt und (Im früheren ZirkuS K r e m b s e r.) »er Tirlm» il» g«t-------- gegen Zug gefchüht. Sonntag, den 23. Dezember: Zwei groß« Gala- Dorstrllunge«. Ziachmittags 4 u. Abends 74 Ubr. Rachmittags hat jeder Besucher das Recht, ein Kind unter 10 Jahren frei mit einzuführen. Nachmittags 4 Uhr: «im« Harleaninad« i« pari». Komische Ballet- Pantomime. Abends 74 Uhr: Zum 9 Male: Di« schöne Hoff* oder Schutze und Müller i« Grient. Montag, den 24. Dezember: Groß« Grtra- Vorstellung mit vorzüglich gewähltem Programm. paffage 1 Tr. 9 M.- 10 A. KaUer-Panorama. Neu! 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Wie der Stadtverordnete Singer ausfübrte, ist der Kreis derjenigen, denen eine Pension für ihr arbeitsunfähiges Alter zugesichert werden sollte, bei jeder der mehrmaligen Be- rathungen dieser Vorlage enger gezogen worden. Daß sein An- trag, diesen Kreis wieder zu erweitein, abgelehnt werden würde, war voraus zu sehen. Der Stadt yndikus Zelle, welcher als Vertreter des Magistrats die Annahme der Vorlage zu empfehlen hatte, begründete die Auswahl der mit Penfions-Bercchttgung zu versehenden ausgewählten Bcamten-Kategorien mit dem Hinweise auf deren Beamtenqualität, die zu begründen machmal schwierig sei. Der, welcher außerhalb des Beamten- «eises, städtischen wie staatlichen, steht und sich ein freies, vernunftgemäßes Urtheil bewahrt hat, wird schwerlich einen Unterschied zwischen Beamten und Arbcitem Heraussinden können; denn daß Jemand sich verpflichtet, wäh- und der Dauer seiner Arbeitsfähigkeit gewisse Venichtungen gegen festgesetzte Löhnung zu besorgen, kann doch nicht destim- Mend für die Beamter qualrlät sein und ist es auch in der That nicht, da es genug auf Kündigung angestellte Personen giebt, die doch als Beamte gelten. Weshalb nun gerade die Personen, die ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten im Dienste des Staates »der der Gemeinde in gewissen� Stellungen verwerthen, das Glück haben sollen, dem Arter ohne Sorge um die Existenz entgegensehen zu können, ist nickt begreiflich. Der Unterschied Zwischen Beamten und Arbeitern ist heute kein berechtigter mehr, jeder, der seine Pflicht redlich und treu erfüllt, dient der ganzen Menschheit, sei er Schraubendreher, Steinträger. Oberlürger- Meister oder Stadtsyndikus, und er hat demnach Anspruch auf Versorgung im hilflosen Alter, wie nun endlich der Staat schon anerkennt. Und wollen wir eine Parallele Zwischen Beamten und Ardeitern ziehen, so werden die Ar- bester mit ihren Leistungen gewiß nicht zurückstehen, schon des- halb nicht, west ihre Existenz von ihrer Leistung abhängig ist, während ungenügende Leistung sehr oft dem Beamten keinen Nachlheil dringt. Man erinnere sich z. B. nur der Unterschla- oungen des verstorbenen Rendanten Gerhard. Mit einer lliaioetät sonder Gleichen äußerte der verstorbene Kämmerer Runge, daß er noch einem kurzen Einblicke in die Bücher die Fälschungen sofort erkannt habe. Wie ist es denn gekommen, daß bei dm Revisionen alles in Ordnung gesunden worden ist?! Wir wollen aber den Blick auch auf einen anderen Zweig werfen. Vor einiger Zeit mußte eine erkrankte Person in einem hiesigen Krankenhause aufgenommen werden. Da dieselbe die Kosten nicht erstatten konnte, so wurden als hastpflichtig deren Verwandte, zwei Schwestern und eine Halbschwester ermilteit. Der hiesige Magistrat erkundigte sich bei de« der Stadt, in welcher beide Schwestern wohntrn, nach derm Vermögenslage. Da nach der Auskunft jenes Magistrates dieselbe ungünstig sein sollte, so wurde die Slief- fwtDrftor in Breslau, die die Erstattung der Verpflegungskosten verweigert hatte, verklagt. Der Magistrat wurde aber mit setner Fordemng vom Amtsrichter abgewiesen, weil beide Schwestern im Stande seien, die Kurkosten zu zahlen und die Berufung des Klägers auf die Auskunft jenes Magistrals ganz hinfällig sei, da der Kläger dock aus eigener Erfahrung w.ssen müsse, wie unzuverlässig die Einschätzungen der Herren im Ehrmomte feien. Man kann gerade nicht sagen, daß dos detreffmde Erkenntniß sehr schmeichelhaft sür den hiesigen Magistrat war. Roch ein anderer Fall ist bemerkenswerth. Der Magistrat hat in drei Instanzen einen Prozeß gegen eine hiesige Baugesellichast verloren, dessen Objekt an 2 Millionen Mark dettägt. Man dedenke doch die Kosten dieses Prozeffts. Wenn auch nicht oertraut mit der Geschäftssührung im hiesigen Magistrate, kann man dock wohl annehmen, daß vor der Anstellung «jnes so großen Prozesses die Herren Synvici gekört werden. Erwägt man solche Vorkommnisse, so fällt jede berechtigte Be> vorzuguna der Beamten vor den Arbeitern fort. Das Ver- langen Singer's, den Rohrlegemeistern, den Schoßschließem und den anderen genannten Beamten die Penssonsdeicchtigung Zu ertheilen, ist vollkommen gerechtfertigt und von Keinem, Kerlitter Konntagsplitttderei. . E. C. Zu unserer Jugend sang wan um die jetzige �ahreSzett: O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Das sind vergangene Tage, nichts ist von ihnen ge- Uteben, als die Erinnerung. Und die Erinnerung erblaßt '°n Jahr zu Zahr: was dem Kinde als das Herrlichste er« cheivt, ist dem Manne eine öde Form; unsere Zeit ist "cht dazu angethan, schwwmerische Gefühle zu hegen, die Zktt erfordert unseren ganze« Kampfesmuth, die Mär vom -Neben auf Erden hat viel, wen» nicht alleS von ihrer Glaubwürdigkeit eingebüßt, und wenn sich um die Weih- �chtSzeit Ruhe und Frieden über unser öffentliches Leben Uigebreitet zu haben scheint, so ist daS die Ruhe vor dem �turm, ei» Waffenstillstand, nach welchem der Kampf auf n ganzen Linie um so schärfer entbrennt. * Was ist dem Proletarier ein Freudenfest, wie � ei ihm möglich, im Kreise der Seinen sich einem �%n Festqevuß hinzugeben? Wohin er blickt: Feinde "•fiZum! Woher soll er das Gefühl der Sicherhett nehmen, Elches dix Grundbedingung für em harmloses, fröhliche« -nsammenfein bildet? Die wirthschaftlicke Misere drückt «lebet, sie hindert den unbefangenen Ausblick in eine "MO* Zukunft, das Gespenst der ArbettSlosigkeit umgiebt überall, wo er sich befindet; Roth und Sorge verlassen l®«icht; ist er der einen Verlegenheit entronnen, so droht 5 andere größere: so spielt sich das Leben des Prole- Msier« ab— feiern andere Leute frohe Feste, umgeben sie ch mit all' den Kostbarkeiten, die doch nur die fleißige ®nd des Arbeiters schafft, so ist dieser selbst 'fiefd&lvffen von all' den Freuden und Annehm- Letten, die dem Besitzenden das Lebe« allein Wchrenswerth erscheinen lassen. Selbst in der jetzigen .Nibenzeit stehe» Tausende und Abertausende mit ruhenden i,®« beschäftigungslos herum; haben sie kein Werk für � Hände, so haben sie auch keine Nahrung sür ihren Weib und Kinder müssen darbe« und entbehren; der ,!B* und die Kraft zur Arbeit genügen nicht, um Sorge 0 Kummer zu bannen. Wie kann unter solchen Umständen ® kinem„Frieden auf Elben" die Rede sein? weder vom Stadtsyndikus Zelle noch Herrn Spinola mtt Ver- nunftaründen widerlegt wordm. Zur Förderung und Erleichterung de» Ueujahr»- Kriefuertrehr« soll es, nach einer amtlichen Bekanntmachung der Oder Posidtteklion, wie in den Vorjahren, gestattet sein, daß Stadtbriefe, Postkarten und Drucksachen, deren Bestellung in Berlin am 1. Januar früh gewünscht wird, bereits vom 26. De- zemder ab zur Einlieserung gelangen können. Der Absender hat derartige Bttefe zc-, welche einzeln durch Postwerthzeichen ftankirt sein müssen, in einen Umschlag zc. zu legen, diesen mit dem Velme.k„Hierin frankirte Neujahrsbriefe für Berlin" und mit der Aufschrift„An das Kaiserliche Stadt-Postamt hier, 0." zu versehen. Die derartig hergestellten Sendungen, für welche eine besondere Frankirung nicht in Anspruch genommen wird, können entweder andenAnnahmeschallern derbiesizenPottanstalten abgegeben, oder, soweit es der Umfang gestattet, in die Briefkasten gelegt werden. Hierbei wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Einrichtung fich lediglich auf die in Berlin verbleibenden frankilten Briefe zc. erstreckt, und daß eine frühere Bestellung, als am 1. Januar, nicht erfolgt. ES wird im Interesse des be- theiligten PutlikumS ersucht, von dieser Einrichtung einen möglichst ausgedehnten Gebrauch zu machen.— Um ferner eine ordnungsmäßige Bestellung der Briefe in Berlin zu dem be- vorstehenden Jahreswechsel zu erreichen, ist es erforderlich, daß in den Aufschriften der Stadtbriefe nicht nur die Wohnung des Empfängers genau nach Straße, Hausnummer und Lage(od eine Treppe, zwei oder drei Treppen), sondern auch der Post bezirk(C. 0., S, SW. u. f. w.), in welchem die betreffende Wohnung delegen ist, außer dem Ortsnamen„Berlin" oder der Bezeichnuna„hier" deutlich angegeben werde. Da nur auf diese Weise eine möglichst pünktliche Be« stelluna der zur Auflizferung gelangenden Bricfmassen erzielt werden kann, so würden fich die Absender von Briefen mit mangelhafter Aufschrift etwaige Verzögerungen in deren Zu- stellung selbst zuzuschreiben haben. Umstre Kerliner Kurpfuscher stehen wegen ihrer ärzt- lichen Kenntniß, oder richtiger Unkcnntniß bekanntlich in keinem guten Ruf, aber wie die Erfahlungen in den hiefigen Kliniken und Heilanstalten ergeben, stehen sie doch noch ein wenig über ihren Kollegen in der Provinz und namentlich in einigen Ge- genden des platten Landes, wo fich die heimliche Ausübung der ärztlichen Kunst mit allerlei abergläubischen Gebräuchen verknüpft. Vor einigen Tagen erschien in einer hiesigen Klinik ein Landmann, dessen eines Bein von Rothlauf(oder Rose, Erystpel) befallen war. Der Kranke war sett langer Zeit von einem allen Schäfer, dem bewährtesten Rathgeber bei Krank- heitefällen in seiner Heimatb, dehand ll worden. Zuerst hatte der Kranke zu gewissen Tagesstunden bestimmte Kräuter suchen und in ein Kiffen nähen müssen, das auf die erkrankte Stelle gelegt wmde. Später wurden die Kräuter auf Anordnung des turirenden Schäfers gelocht und diese Abkochung bei dem Kranken in den verschied nsten Formen angewendet. Als alles nicht half und das lästige Uebel infolge der Kur immer schlimmer wurde, verordnete der ländliche Mediziner eine Schmierkur und zwar unter Anwendung von— Kuhdung. Erst als fich nach diesem Verfahren bald eine dedeutende weitere Ausbreitung des Uebels zeigte, entschloß sich der Kranke, eine Ber.iner veilanstalt aufzusuchen, wo er denn auch, zum nicht geringen E[staunen der Aerzte, unter genauer Befolgung der schafer arztlichen Vorschrift und mit dem duftenden Heilmittel wohlbepflastert, fich präsentirte. Das Zweckwidrige des ange- wendeten Verfahrens leuchtet ein, wenn man dedenkt, daß nach den neuesten Ermittelungen die Entstehung des Rothlaufs auf irgend welche in die Haut eingetriebene Unsauberkett zurück- zufuhren ist, deren Beseitigung auch sehr bald das Ende des Leidens herbeiführt. Auch im vorliegenden Falle gelang es, den Kranken, nach einer gründlichen Reinigung von den Resten der angewendeten kellsamen Eatbe, in einigen Tagen herzu- stellen und zwar durch Anwendung einer leichten Lösung von Karbol in Gummischleim. Im der Mucher-Kffair« KtnirKa«nd«enoss»» macht ein hiesiges Blatt folgende Miithcilungen: Die Untersuchung dieser gewisse Kreise in nicht geringem Maße beunruhigenden Affaire nimmt, wie wir hören, eine anfangs kaum geahnte Ausdehnung an. Was man fich in jenen Kreisen, welche dem Gange der Untersuchung mtt ängstlicher Spannung folgen, ES ist leicht, Tugend zu predigen, wen« man selbst vor der Untugend geschützt ist. Mit vollem Magen ver- steht man nicht, wie ein Anderer Hunger haben kann, Worte sind noch wohlfeiler wie Gründe, und diese stehen bekanntlich mit den Brombeeren im Preise gleich. Wohl fluthet da» Leben auf unseren belebten Sttaßen, geschäftig eilen Menschen hin und her, um ihren Angehörigen Freude zu machen— sieht man einen Arbeiter unter ihnen? Vielleicht bemerkt man ihn mit Packeten beladen, die er für einen Anderen schleppt, noch im letzten Augenblick trachtet er, eine Kleinigkeit zu erhasche»: auch die Seine n sollen wissen, daß Weih- nachten ist. Von NouveautsS, wie der gebildete Deutsche sagt, hat daS diesmalige Weihnachtsfest nicht viel gezeittgt. Ein automatischer Dienstmann, der einen Karren zieht, ei» Velozipedist, der im Kreise herumläuft, wie ein National- liberaler, ein Affe, der an einem Gummifaden hängt, daS ist alles. Und daS Schönste bei dieser Sache ist, daß diese Spielereien im Zuchthause zu Brandenburg angefertigt werden! Du lieber Himmel, weshalb soll man einem Zucht- Häusler nicht auch ein Vergnügen gönnen! Hat der Zücht« ling am lieben WeihuachtSfest kein anderes Vergnügen, als daß er vielleicht etwas länger in der Kirche sitzen und dem Anstaltsgeistlichen zuhöre» darf, der ihm eine vhan- tasiereiche Schilderung von dem entwirft, wa» ihm später noch im unbekannten Jenseits blühen soll, so ist ihm wahr- scheinlich der Gedanke ttöstlich, daß er mitgewirkt hat, um den sogenannten freien Arbeitern möglichst viele freie Stunden bereitet zu haben. Natürlich hätte» die Spiel« fachen etwas mehr gerostet, wenn sie nicht gerade im Zucht- Hause zu Brandenburg, sondern in einer oder mehrere« Fabriken außerhalb dieser gesegneten Stadt angefertigt wor« den wären; das hätte aber dem Unternehmer keine« Gewin» gebracht, und so verfiel er den« auf de» glorreiche» Plan, die etwa» langweilige Lebensweise der Insassen der Bil- duagianstalt zu Brandenburg durch die Anferttgung jener Sächelche» zu unterbreche». Nun ist ihm der große Wurf gelungen; an jeder Straßenecke sieht man eine» Verkäufer stehen, der blecherne Dienstleute feilbietet, und Jeder, der eine» solche« kaust, trägt einen Gruß au« über die Einzelheiten der Affaire erzählt, läßt mtt Bestimmtheit erwaiten, daß es fich hier um einen Smsationiprozeß besonderer Art handeln wird. Im Mittelpuntt der Affatte steht ein ebm einundzwanzig Jahre alter Jüng« ling, der das Vorrecht einer„vornehmen" Geburt für fich in Anspruch nehmen will und durch die Angade, der na» türliche Sohn einer hohen fürstlichen Persönlichkeit(Aha!) zu sein und bei seiner Majorennetät horrende Summen ausgezahlt zu erhalten, fich stets neue Geldquellen zu erschließen wußte, aus denen er oft ganz enorme Summen schöpfte, die er in ausschweifendster Weise verpraßte. Auf den Rennplätzen, in KaföS und in Klubs, wo man bazardirt, in den duft« geschwängerten Salons zweifelhafter Damen— da war dieser junge Lebemann zu Hause. Und nun wird er im Prozesse gegen Ruzicka und Genoffen austreten— nicht etwa als Angeklagter, sondern als Zeuge; denn die Wechsel, die auf den Ramm seines Vaters, der ihn angeblich gegen eine große Geldsumme olS ehelich anerkannte, gefälscht waren, wurden von diesem bezahlt. Seine Mutter wäre nach seinen Erzählungen die Geliebte jener fürstlichen Person, und hätte fick lange, bevor sie Mutterfteudm zu erhoffen hatte, mit einem Feldwedel verheirathet und ihr Hoher Gönner hätte fie in solch' ausreichendem Maße versorgt, daß auf jedes aus der Ehe mit dem Feldwebel bervorgehende Kind eine Summe von mehreren hunderttausend Mark entfallen sollte. Aus der Ehe entsprossen vier Kinder und der Hobe Gönner hat Wort gehalten. Hier in Berlin fand der junge Verschwm- der in seinem alten Onkel einen Mann, der mit ihm in SauS und Braus lebte und seinen verschwenderischen Paifionen. natürlich auf Kosten des Neffen, größtmöglichen Vorschub leistete und dazu mithalf, den jungen Mann in dieses Ney eigenthümlicher geschäftlicher Transattionen zu ziehen, welche zunächst durch einen gänzlich Unbetheiligten auf« gedeckt wurden. Man erinnert fich an die Verhastuna Razicka's» welcher für ein tzerrenkleidergeschäft Unter den Linden als Agmt thättg war. Aus dickem Geschäft wurde ein Zuschneider ungnädig entlassen. Dieser Zuschneider glaubte dies Ruzicka zu- schreiben zu sollen und rächte fich an ihm, indem er ihn wegen der Wuchergeschäfte, die er mit dem jungen Verschwender durch den Verkauf und Rückkauf von Garderobe machte, denunzirte. Die erste Fo'ae war, daß Ruzicka verhaftet wurde. Dieser zog den Juwelier Geber nach fich und diesem folgte der Loosehändler Oppenheim. Jüngst hieß es, daß auch mehrere Pferdehändler verhaftet sein sollten, aber dies de- stättgt fich nicht. Richtig ist es wohl, daß der junge Mann auch mit solchen hier und in Wien in reger Geschaftsoerbin» dung stand und Wechsel unterschrieb, aber über verschie» dene Vernehmungen einzelner Pferdehändler ist die Unter- suchung nach dieser Richtung nicht hinausgekommen. Der junge Verschwender lebt jetzt in Dresden, dort sein Schulvkonto nach Heizentlust vermehrend, während seine hiesigen Gläubiger, unter andern auch der Besitzer eines fashwnablen Restaurants, nach ihrem Gelde seufzen. Pottzeiveeicht. Am 20. d. M., Vormittags, verstarb im Lazarus'Krankenhause ein Photogroph, welcher sich vermuthlich in selbstmörderischer Absicht am Tage vorder vergiftet hatte und durch eine Privatperson nach dem Krankenhause gebracht worden war— Am 21. d. Mts., Bormittags, fiel ein Arbeiter vor dem Hause Unter den Linden 23 in der Trunkenheit»u Boden und zog stch dedeutende Verletzungen im Gesicht zu, so daß er nach ver Charitee gebracht werden mußte.— Nachmittags aerieth ein Steinbändler auf seinem Lagerplatz in der Scharnborststtaße 34 mit seinen Arbeitern wegen des Lobnes in Streit und wmde im Verlaufe desielden von dem Schiffer Dames drnch Schläge mittelst einer Klode Holz am Kopfe nicht unbedeutend verletzt. — Zu derselben Zeit wurde im Thiergarten in der Großen Stern-Allee auf einer Bank fitzend eine unbekannte, etwa 22 Jahre alle Dame mtt geöffneter Pulsader bewußtlos auf- gefunden und mittelst Droschke nach der Charttee gebracht.— Abends glitt ein obdachloser Arbeiter auf dem Grundstück Gräfestraße 8. wo er nächtigen wollte, aus und brach den rechten Unterschenkel, so daß er nach der Charttee gebracht werden mußte. — Zu derselben Zett ging in der Artilleriesttaße das Gespann eines Packetvost. Hilfswagens durch und stieß vor dem Hause 4 mtt einem Rollwagen zusammen. Der Kutscher des letzteren erhielt dabei durch die Deichsel des Postwagens einen so starken Stoß gegen den Unterleib, daß er nach der königl. Klinik ge« bracht werden mußte. dem Zuchthause mit sich nach Hause, und einen Segens- wünsch der sogenannten freien Arbeiter über unsere vor- treffliche« wirthschaftlichen Verhältnisse. Der Unternehmer ist ein„»m-crtei" Kerl, wie der Amerikaner sagt, er hat sein Schäfchen im Trockenen und der Berliner Philister hat sein Vergnügen. Immer sieht man Neugierige die Verkäufer umstehen, und die Glosse», die dabei fallen, übersteigen bis- weilen den Gipfel der Geistreichigkeit. An den Züchtling denkt dabei Niemand, der hinter den Traillen sitzt, der auf allgemeine Kosten erhalten tvird und der denjenigen Leute», die die allgemeinen Kosten fast ausschließlich aufbringen, die Arbeit nimmt. Möglich, oaß das Problem der Gc- fangenenbeschäftigung ein schwieriges ist; es ist hier nicht ver Ort dazu, Betrachtungen über diesen Gegenstand anzustelle», aber daS muß doch jedem unparteiischen Men- scheu als höchst ungerecht auffallen, daß gerade der Arbeiter die Kosten allein tragen soll. ES giebt so viel ganz un- nütze Beschäftigungen aus der Welt, zu denen man die ZuchthauSgefangcnen sehr gut verwenden könnte. Im Grunewald beispielsweise sind so viele Wildschweine: tag- [ich lesen wir in den Zettungen, daß Menschen, Pferde und Hunde in ganz gräulicher Weise abgehetzt werden, um nur einen einzigen„Schwarzrock"— wie man die Wild« schweine in der Jägersprache nennt—»u tödten— man sollte die Brandenburger Züchtlinge einfach in den Grüne« wald schicken und die Wildschweine durch sie tödten lasse». In de» Provinzen verdirbt da» Wild dem Land- mann die Saat, verheert die Becker— holt man die unbeschäftigten Brandenburger, so erspart man vornehmen Herren viele Arbett. Bei einigem Nachdenken dürften sich »och manche andere Zweige nationaler Arbeit finden, in denen Gefangene verwendet werden könnte», ohne daß gerade dem Arbeiter Schadm geschieht. Trotzdem feiert Jung und Alt, Reich und Arm, Vornehm und Gering Weihnachten— die Einen offen und protzig, die Andern geheim und im Stillen; die letztere» hält die Hoffnung hoch, daß auch sie eines Tages ihr Fest in ihrem eigenen Sinne feiern werden; und dann erst wird das WeinachtSfest ei» wirkliches, wahre» Fest der ganzen Menschheit sei«.--- UerguuMugs-Chrovik. Projektirt«» Mrpertoir der königliche« Zchaolxiei» vom 23. i ezemder bis 1. Januar. JmOpernhauie. Sonntag, den 23: Die Quitzows; Dienstag, den 25.: Der Ring des Nidelungen. Borabenv: Das Rheingold; Mittwoch, den 26.: Elster Abend: Die Watliue; Donnerstag, den 27.: Die Qmtzow's; Freitag, den 28.: Der Tromveter von SäMngen; Sonradcnv, den 29.: Der Ring des Nikelungen. Zweiter Abend: Siegfried; Sonntag, den 30.: Die Quitzows; Montag, den 31.: Die lustigen Weiber von Windsor; Dienstag, den 1. Januar: Der Rina des Nidelungen. Dritter Abend: Götterdämmerung.— Im Schauspielhaus e. Sonntag, den 23.: Marie, die Tochter des Regiments, Solotanz; Dienstag, den 25.: Die Weisheit Salomo's; Mittwoch, dm 26.: Letzte Liebe; Donnerstag, den 27.: Martha; Freitag, den 28.; Egmont; Sonnabend, den 29.: Letzte Liebe; Sonntag, den 30.: Der Waffenschmied, Solotanz; Montag, den 31.: Sommer« nachtstiaum; Dienstag, den 1. Januar: Artt der Brautfahrt. Mochrn-Repertoir de« berliner Theater». Sonntag» 23. Dezember: Die wilde Jagd. Montag, den 24.: Keine Vorstellung. Dienstag, den 25.: Eva. Mittwoch, dm 26.; Die wilde Jagv. Donnerstag: 27, zum 1. Male: Julius Cäiar. Freitag, den 28.: Julius Cäsar. Sonnabend, den 29.: Die wilve J gd. Im„Berliner Theater" find die Vorbereitungm zu „Julius Cäsar" nunmehr soweit gediehm, daß die erste Aufführung dieses mit größter Sorgfatt in Szene gesetzten Wertes am Donnerstag, den 27. d. Mts. stattfinden lann. Die T telrolle wird von Franz Jacodt dargesteM, dm Marc Anton spielt L d-vtg Barnay, den B utus Arthur Kraußneck, den Casfius Viktor Wachtel und den Casra Wilhelm Viedeg. Für unser» Kindermelt hat die Direktion des Zirkus Schumann eine recht hübsche Einrichtung aetroffm. Vom ersten Weihnachtsseiertage an finden die Weihnachtswoche hindurch täglich zwei Vorstellungen statt, in deren erster am Nachmittag jedem Besucher des Zirkus gestattet ist, ein Kind frei mit hinein« zubringen. Das Programm ist natürlich ein recht reichhatttges und stets wechselnves; auf demselbm finden wir steti die ersten Kräfte der Schumann'schen Gesellschaft verzeichnet. In den Nachmittagsvorstellungen werden große komische Pantomimen mit Ballet gegeben; Admds„Die schöne Sofia" oder„Müller und Schulze im Orient". Oerichts-Zeitttug. Ale«ustkatische« Drillinge. Sie sahen fich zum Vir« wechseln ähnlich, als fie so nebeneinander im Anklageraum stanven. Das war dieselbe Größe und Figur, daffclbc in Bürstenfo m geschnsttene schwarze haar, dieselbe etwas Himmel« anstrebendr Nase und dieselbe charakteristische Form des Mundes, welcher immer zum Pfeifen anzusetzen schien, ja, sogar die sechs Hänve, die fich symmetrisch in Reih und Glied auf die Barriere stütztm, so daß eS den Eindruck machte, als habe ein Ha.bjchukmachcr waschdelürstige Handschuhe über eine Latte ael�t. sahm fich ähnlich bis auf die Trauerränder unter den Nägeln. Es war übrigens gar kein Wunder, diese Aehnlichkett, denn vre drei Gleichen waren Drillinge. Mit einem prüfenden Bl-ck sah fich der Vorsitzende das Kleeblatt an.„Sie find die Gebrüder Avols. Oskar und Wilhelm S.?"—„Jawohl," er« tönte is wie aus einem Munde.— Vors.: Nun, ich denke, einer von Ihnen nimmt das Wort, wer ist der Atteste?— Del is kecr.cr, wir find Drillinge.— Vors.: So? Drillinge? Tann mag der Zunächststihende meine Fragen beantworten. Wie beißen Sie?— Angck!.: Ick bin Wilhelm S.— Vors.: Warum haben Sic denn wegen des Strafmandats richterliche Enl'chridung beantragt? Sie find jeder wegen groben Untugs zu 10 Mark Strafe veruitheilt, ist Ihnen das zu hoch?— Angl kl.: Herr Präsident, wat mein Bruder Adolf is, der hat in dieser Hinsicht eenm Vottheil vor unS, als er mit 'n jeditjenet Redeorjan dejaltt is. währenddem er im Einsen vor mir zuiücktreten muß, dcrf der die Je- schichte mal vordragen?- Vors.: Meinetwegen. Adolf S. stellt n Sie fich mal als erstrr hierher und dann sagen Ste zu» nächst. wesUtti Sie Berufung eingelegt haben.- Angekl.: Herr Prästdent, wir haben nie»ich det jertngste mit die Polizei oder die jertngste Jesctzesverletzung zu thun jedatt, un deshalb wollten wir det hier durch' die Verhandlung konstatirt un fest« jestellt haben, det wir nich der schuldige Deel jewesen find.— Vors.: Wenn Sie nichts Unrechtes gethan haben, hauchen Sie auch ketne Strafe zu bezahlen. Nach der Anklage haben Sie in der Nacht zum 19. Sept.mber am Koppenplatz gisungen und sollen Sie dann noch din Eigenthümcr Anders, der Ihnen die Ungebühr verwies, mit Schlägen ttakiirt haben. Wenn Sie nun unschuloig find, dann tragen Ste den Sachverhalt möglichst kurz voi.— Angekl.: Herr Jrrichtshof, et jiebt ville, die in'n Jesangverein find, so ville wte't Sperlinge jiebt, aber fingen können knapp die Hälften. Alle aus unserer Familie, wir fingen alle. Unser Vater hat schon als Kmd mu uns jisunacn un immer jesagt: Ueber'n juttn Jcsang jeht jarnischt.— Vors.: Hören Sie mal, Angeklagter,' glauben Sie, wir fitzen hier, um Ihre oder gar JHreS Vaters Ansichten über den Werth des Gesanges zu hören? Wenn Sie hier über flüssiges Zeug reden, dann entziehe ich Ihnen das Wort.— Angekl.: Ick werde mir kurz un bündig fasten. Als et Herbst wurde, da Meente mein Bruder: Willem, Du, woll'n wir nich'n Jesangverein stünden? Ick war mit inrerstanden un unser B:uder Oskar cosb. un wir verabreden uns mit noch mehrere, die in dieselbe Fabrik abeeten, wie wir, un an den 19. September kommen wir zusammen und kriejen richtig eenen Verein zu Stande, wo wir drei Brüder als Vorstand in jewählt wer'n. Jesang, Jemeinsinn un Jemüthlichkeit hadden wir uf unsere Fahne jeschricben, denn heitzudage muß man mit'n Zett« jeist fortschreiten, ick konnte bei die Abstimmung aber nischt jejen dhun, det fie den Verein„Halbe Lunge" nannten, wat ick nich mal schön finde.— Vors.: Ich auch nicht. Nun kommen Sie oder auf den Vorfall selbst.— Angekl.: Wir hadden an jenen Abend ziemlich ville Bier jcdrunken, aber wir drei wußten immer noch, wat wir dhaten. Als wir so in alle Jemüthlichkeit um elfe rum nach Hause jingen, meent Willem zu uns, wir wollten mal leise det Bundeslied fingen, wat eener von die Sangsdrüdcr zu'n Stiftungsfest jedichtet hadde. Wir fingen denn ooch janz leise, jan pianisfimo, als wir über'n Kovvenpiatz jingen. wo wir leere« Menschen stören konnten.— Vors.: Es soll ein Choral gewesen sein und das wäre allein schon grober Unfug.— Angekl.: Nee, det war'n Bundeslied. Mang uns mang is keener mang, der nich mang uns mang jehöret" fängt et an.— Vors.: Sehr geschmackvoll.— Angekl.: Ja, un denn kommt mtt eencm Male cn Mann vor mir hinjcspmngcn un fuchtelt so mtt der Hand vor mtt rum, als wenn er mir bauen will un schreit uns an, wir sollten uf die Stelle ruhig find mit det Jejohle, sonst wollte er uns mal en Ohrenschmaus bereiten, det fie uns klingen sollten, un et jäbe wat aus de Armmkoffe. Ick sage janz ruhig: Na, Sie'scheinen mir'n.Jemütbsmcnsch zu'find", dä haut er ooch schon zu, det ick mtt die Htnterftont us'n Erdboden schlage un richtig habe ick in'n Kopp en Singen, als wenn eener 'ne Stimmjabel drin prodtten dhut. Nutterlich werde ick en disken verstimmt un springe wieder uf un will ihn zu Leibe, da waren meine beeden Brüder aber schon bei un vertobakten ihn, wat ick nich stteiten kann, denn wir drei Brüser, wir halten zusammen, un wmn cner eenen anfaßt, denn faßt er alle dreie an. Ehe ick aber richtig an ihn rankonnte, da war der Wächter schon da UN da gab's natierlich nischt mehr, wir mußten Alle mrt zur Wache." Da der als Zeuge vernommene Eigenthümcr A. zugab, daß er dem Angeklagten zuerst eine Ohrfeige versetzte, well er fich über deffen schnoddriges Benehmen ärgerte, so er« mäßigte der Gerichtshof die Strafe auf je 1 Mark. Uerewe rnih Versammlungen. Aufruf na die Norstande freie» Krankenkasf,« und öltttchen Verwaltungen zenttalifittcr Kranken« und Sterbe« kaffen in Berlin. Die am 28. November von den versammel- ten Vorständen vorstehender Kaffen erwählte Kommission zur „Einfühlung nützlicher Maßnahmen für freie Kaffen" ersucht jämmlliche Vorstandsmitglieder um sofottiae Einsendung: 1. Der Adresse des Vorsitzenden rcsp. Bevollmächtigten. 2. Welche Abmachungen find getroffen worden mit hiesigen Aerzten, Apotheken, Bandagiflen und der gerichtlichen Äer- tretung. 3. Welche Beobachtungen find gemacht morden im Unfallverficherungs wesen gegenüber der in Mttleidenschast ge- zogencn Kaste.— Den unter 2. genannten Abmachungen resp. Vergünstigungen ist die Adrcffe der betreffenden Persönlichkeit dftzufüzen. Ferner werden die Vorstände ersucht, sowohl für die stattgefundenen sowie noch vorzunehmenden Ausgaben eine Unterstützung einzusenden. Für die Kommisfion: A. Kuhntke, Vor fie en der, Liedigstt. 45, von 9—3 Uhr Alte Leipzigerstr. 1, parterre. Der Fachverein der Steindrucker rnrd Lithographen hielt cm 20. d. M. seine regelmäßige Versammlung bei Grat- well, Kommandcntenstr. 77—79 ad. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag des Kollegen A. Schulz über:„Humanttät." 2. Ab« rewnung vom Herrenabend. 3. Abrechnung vom Winterfeste- 4. Antrag detriffend Weihnochtsunterstützung arbeitsloser Mitglieder. 5. Verschiedines und Fragekasten. Herr Schulz hielt emen interiffanten Vortrag über„Humanttät" wobei er auch seine Erledniffe detr.ffs seiner Entlcssurg bei der Firma Aberls und Komp. zur Kennrniß der Versammlung gelangen ließ. In der Diskuifion versuchte Hen Schmidt, Oderdrucker bei Aderls, Herrn Schulz zu widerlegen und erklärte alles von Herrn Schulz Vorgetragene für Unwahrbiiten. Nach nochmaliger Er- klärung des Herrn Sckulz, daß alles so wie er es vorgetragen vollkommen wahr sei, war auch noch durch Zeugen bestätigt werden könne, zog es Herr Schmidt vor, fich darüber auszuschweigen. Einige Herren pflichteten Herrn Schulz vollkommen bei und tade ten sehr scharf die Handlungsweise des Henn Schmidt. Die Abrechnung vom Herren-Abend ergab eine Einnahme von 179 M. 30 Pf., Ausgabe 272 M. 55 Pf., verbleibt ein Difizit von 93,25 M Die Abrechnung vom Winterfest ergab eine Einnahme von 321 M. 50 Pf. Ausgabe 267 M 45 Pf., bleibt Ueberlchuß 57,05 M. Punkt 4: Antrag, betreffend Wetbncchts» Unterstützung arbeitsloser Mttglieder, wurde in folgender Fassung angenommen: Mitglieder» welche vierzehn Tage vor Weib« nachten ardettslos, ihre Betträge bis inkl Siptcmber dezahlt und vom Oktober 1887 an Mitglied des Vereins sind, erhalten eine Unterstützung, Unverheirathete 9 Mark, Verheiratdete 12 Mark und für jedes Kind 1,50 Mark Bei„Verschiedenes" wurde ein Antrage, sie im Ausstände befindlichen Flensduraer Werftarbeller mrt 100 Mark zu unterstützen, angenommen. Die unterslützungsberechtigten Mitglieder werden rrsucht, ihre Unter« itützung am Montag, den 21. d. M.. Abends zwischen 4 bis 6 Uhr, beim Kasfirer Herrn Spiclmann, Adalbrtstraße 83, in in Empfang zu nehmen. Die nächste Versammlung sindet am 24. Januar in demselben Lokal statt. Zu« Kesten hilfobedürftiger Tabakarbeite» findet in, großen Saale der Brauern„Friedrichshain" am Nerun Königs-Tbcr am 2. Feiertag, Vormittags 11 Uhr, eine große Matinee statt, wozu Freunde derselben eingeladen werden. Billets ä 30 Pf. find zu haben bei R. Benner, Wederstt. 51; C. Butry, Sttalsunderstr. 15, 2 Tr. und H. tzcrholz, Brunnen« sttaße 145, und in den mtt Plakaten belegten Handlungen (Siehe Inserat der heutigen Nummer) Ar» Tischte»- Aeret« veranstaltet am 1. Weihnachtsseiertage Abends in Killer's Hofjäger(tzasenbaide) eine Abend« Unterhaltung. Konzert, Gesangsvorträge und Tanz. Der U ber» schuß ist für kranke, hllfsbedülftige Mitglieder bestimmt. Bill ts find zu baden bei den Herren: Thufius, Naunynstraße 75; Winter, Elisabeth-Ufer 55; Birke, Zoffenerstr. 41; Kremschner, Laufitzerstr. 46. I» de» humanistischen Gemeinde, Kommandanten« straße 78, hält am ersten Weihnachtsseiertage, Vorm. 10 Uhr- Herr Schättr den Vortrag über die vergängliche Schale und den bleibenden Kern der„Weidnachtsmär. Allgemein« Kranken-«nd Kterbekaste der deutschen Drechsler und oerwandten Berutsgencffen(E. tz. 86 Harn« I bürg), Oitsverwaltung Berlin B. Mitgliederveriammlung a« (3. Feiertag), Vormittags 11 Donnerstag, den 27. Dezember Uhr, Mariannensir. 31—32. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. Natizeilich nicht genehmigt wurde eine zu Donnerstag, dm 27. d. M.(3. Weihnachtsfeiertag), Vormittags 11 Uhr, nach der Tonballe angemeldete öffentliche Schuhmacherversammlung mit der Tagesordnung: Die Zttle der Arbeiterbewegung und die Handwerkerfrage. Referent: Herr M. schippel. Turn-«nd gesellig« Vereine am Sonntag. Lübeck'scher Tumverein(2. Lehrlingsabtheilung) Admds 6 Uhr Elisabeth« straße 57—58.— Tumverein„Wedding"(2. Lehrlingsabthellmiö) Nachmittags 4 Uhr Pankstr. 9.— Tumverein„Froh und Fr«? (Lehrlingsabtheilung) Nachmittags 4 Uhr Bergstr. 57.— Ver« gnügungs-Verein„Fröhlichkeit"(gegr. 1880) Nachm. 5 Uhr Grüner Weg 29 Versammlung. Gesang-, Turn-«nd gesellige Vereine etr. am Montag. Gesangverein„Unverzagt" Abmds 8t Uhr im Restaurant Gocring, Köpmckcrstraße 127a.— Gesangverein„Sänger» lusf Abends 9 Uhr im Restaurant, Landsbergerswaße 60. — Männergesangverein„Weiße Rose", Abmds 9 Uhr t« Restaurant Kleine, Gerichtsstr. 10.— Männergesangverein„Eh« tracht l" Admds 9 Uhr Köpnickersttaße 68, im Restaurant.— Männergesangverein„Alle Linde" Ädds. v. 8— 10 Uhr Mariannen« straße 31/32.— Gesangverein„Echo 1872" Abends 9 Uhr Oranim« straße 190.—„Deutsche Liedertafel" Admds 9 Uhr Oranimftr.190- — Turnverein„Hasenhaide"(Lehrlingsabtheilung) Abmds 8 Uhr Dieffmbachsttaße 60—61.—„Berliner Tumgenoffcnschafo (7. Lebrlingsadtbeilung) Abmds 8 Uhr in der städt. Turn« Halle, Britzerftr. 17—18;— desgl. 6. Männerabtheilung AdendS 8 Uhr in der städtischen Tumhalle, Gubmerftt. 51.— Lüdeck» scher Tumverein(Männerabtheilung) Abends 8 Uhr Elisabeth« straße 57— 58.— Verein ehemaliger Schüler der Vll. Ge« meindeschule Abmds 9 Uhr im Nofiaurant Poppe, Linden» sttaße 106.— ,Lriedrichs-Verein"(ehemalige Zöglinge de» großen Friedrichs« Waisenhauses der Stadt Berlin) Abends 8% bei Bormann, Ohmgaffe 2.— Untcrhastungsklud Schiller Abed* 8 Uhr im Restaurant Giesel, Tiiftstr. 41.— Verein Bertis Theaterfreunde Abends 8% Uhr bei Lütow, Admiralsttaße — Vergnügungsverein„Lustig" Abends 9 Uhr bei Xbarni* Schönhauser Allee 28.— Verein„Ratibor" Abmds 8t Uhr i* Kö.ttgstavl-Kasino. Holzmorttstraße 72.— Armds'scher graphenoerein„Mercurt' Abends 8t Uhr im Restaurant JBoo* Blummstr. 10.— Armds'scher Stcnographenvcrein„Apoll?' bund" Abmds 8% Uhr Thurmstt. 31(Moabit.)— Wiffensch� lieber Verein für Roller'schc Stenographie. Abmds 8t Uhr öj Münchener Bräuhaus, Neue Friedrichsstr. 1, Unterrichts« un» Ucdungsstunde.— Rauchllub„Hellblau" Abends i9 ü#- Slalitzerslr. 143._ Größte Gairl 1195] • len 34 KV*1 35. kl. H L Geschäft: Oramt« Straße «he§trumpfwaaren-F abrik. 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Den Vorfitz führte Steinmetzmeister Herr Metzing, als Obermeister der Innung. Die Tagesordnung lautete r Wahl von sieben Gesellen zum Fnnunzßaukschuß. Viele Ge- festen, das heißt die bei Jnnunzsmeistern mbeitm, waren brief» lich eingeladen, da aber die Steinmetzen Berlins fich alle soli- dorisch zu einander fühlen und alle die gleichen Interessen ver- treten, so waren auch diejenigen erschienen, welche bei Nlcht-Jnnungsmeistcrn arbeiten. Obermeister Metzing sprach fich nun dahin aus, daß es stets der Wille der Meister gewesen sei, mit dm Gesellen in gutem Einvernehmen zu leben; er spricht seine Ueberraschung über die außergewöhnlich rege Äetheiligung ver Gesellen aus und ermuntert dieselben zur Wahl des Ausschuffes. Es entspann fich nun eine äußerst lebhaste Diekuiston(bei derselben sollten jedoch nur die Gesellen sprechen, welche bei Jnnnungsmeistern arbeiten, resp. eingeladen waren, die Gesellen erklärten fich jedoch nicht damit einverstanden, und so willigten die Meister für dieses eine Mal ein). Es freute fich mancher Geselle darüber, fich mal ordentlich mit den Meisten Auge im Auge aussprechen zu können, denn es hatte mancher der Gesellen etwas auf dsm Herzen. Die Gesellen sahen die Innung als ein böses Ding an, woran man fich leicht die Finger verbrennen kann, und den Meistern wurde gesagt, daß kein Geselle gewillt ist. in den Ausschuß zu kommen, da schon zu viele trübe Erfahrungen mit den Innungen gemacht seien, z. B. das Ver« halten der Jnnungsmeister zu den Leipziger Seinmetzgesellen; wie viel Elend und Jammer ist da durch das äußerst humane Auftreten der Meister hervorgerufen worden! Die Meister sagten den Gescllm, dieses wä.e eine Schraube ohne Ende gewesen und daß cS ein so schlimmes Ende genommen hätte, sei traurig. Schließlich gaben die Gesellen die in der Generalvcisammsung vom 2. Dezember cr. gefaßte Resolution, welche fich gegen die Wahl eines Ausschusses aus- spricht, an die Meister ab. Die Versammlung, welche zirka 3 Stunden getagt hatte, vcilief resecltatlos, und am Ende ver- ließen die Gesellen auf Aufforderung eines Gesellen sämmllich das Lokal und ließen die Meister fitzen. Meae» 9(wf(ofWMÜ unseres seit 15 Iahren bestehenden Central Depot» ._____ jt-f. W___— f----- Ol..*— kommen zu noch nie dagewesmen Preisen zum Ausverkauf: Kleidcr-Damcn-Tuche jetzt» 35 Pfg. 1 eis« 20 Shirting 3% Mk. 815 Doppeltdrette Z, rrtt rnr in schönster Ausfuhrung EUe Pf.-..... � Schwer rein!. Bett-Laken 0#C Naht, 2 Meter lang 1 . fehlerhafter-�-Trppi«e 2 M., durch«»»» Elle 20 T Waffeldecke mit Franzen 75 Pf. t 1 Posten HerbS-KIeideraotfe, jetzt Elle 22 Pf. 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