W». 803. Die»st«s, de« ÄS. Dezemder 5.$#**«, SeriimMsW Brgan für die Interessen der Ardeiter. Das„Berliner Bolksblatt« «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Wonnem ents preis fstr Berlin frei fars Haus vierteljäbrlich 4 Märt, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 85 Pf. Postabonnement 4 VUat Eintelne Shimro« 5 Pf. Sonntags-Nmmner mit dem»Sonntags-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungS Preisliste für 1888 unter Nr. 849.) Jasertians gebühr beträgt für die 4 gespaltete Petttzeile oder deren Raum 25 Pf. Nrbeitsmartt 10 Pf. größeren AufKägen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nach« in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bmeaux, Erhöhung des Preises, angenommen. m Redaktion: Kenthstroße S.— Erpeditio«: Zimmerstraße 44. Weihnachten! Wieder geht ein Zahr zur Rüste, und wieder blicken wir sinnend zurück auf die Arbeit der verflossenen Monate und fragen uns, ob denn das hehre Wort:„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" immer nur Verheißung bleiben soll. Millionen unserer Mitbürger, ja man kann sagen, die große Mehrheit deS Volkes, wissen nur nach dem Kalender, daß Weihnachten ist; sie sind nicht im Stande, für Weib und Kind den Weihnachtsbaum auszuschmücken, sie hungern und frieren auch an dem Tage, welcher ihnen„Frieden auf Erden" verheißt; wenn die Besitzenden ibr Heim in strahlen- dem Kerzenglanz erblicken, wenn sie in die freudig glänzen- den Auge» ihrer Kleinen schauen, wenn sie beglückt im Kreise der Familie sich anschicken, das schönste Fest, daS durch Jahrtausende sich erhalten, zu feiern, dann müssen die Enterbten der Gesellschaft stumm und traurig bei Seite stehen, denn der Verdienst war zu gering; kaum der nothdürftigste Lebensunterhalt konnte herbeigeschafft werden; trotz redlicher, rastloser Arbeit müssen die Elter« auf das höchste Glück, den Kindern Weihnachten zu bereiten, verzichten, den» es fehlen die Mittel dazu."In solchen Tagen, welche für wenige Glück und Zuftiedenheit, für die Mehrzahl der Menschen jedoch Kummer und Sorge mit sich führe«, zeigt sich deutlich, wie vieler Anstrengung und Arbeit eS noch dedarf, um in Wahrheit„Friede auf Erden" zuschössen, Zustände herbei zu führe», welche„den Mensche» ein Wohlgefallen" sind. Den» daS ist die Aufgabe, welche die menschliche Ge- sellschaft zu lösen hat und welche erfüllt werden wird, trotz de« mächtigen Widerstandes, den heute noch die vorwärts ringende, für jugend frische Idee» begeisterte arbeitende Be- völkerung findet. Weihnachten, daS Fest des Friedens, zeigt uns, wie die Erzeuger aller Werthe die Freude daran Anderen über- lassen müssen, und wie der Friede nicht in die Brust der- jeaigen einziehen tan», welchen eS versagt ist, die Früchte ihrer Arbeit rn genügendem Maaße zu genießen. Das er- habene Ziel, welches„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" verheißt, ist noch nicht erreicht, aber gleich einem goldnen Stern leuchtet eS uns entgegen, hell und klar ist sein milder Schein u«S Führer auf dem Wege. Deshalb rastlos vorwärts; in nimmer erlähmender Arbeit muß und wird das arbeitende Volk sich geistige Aufklärung schaffen'; in immer weitere Kreise muß eS die Ueberzeugung tragen, daß eine gründliche Um- formung der politischen und wirthschaftliche» Zustände er- folge« muß, wenn Kraft und Gesundheit der Volksmassen der Gesellschaft erhalten bleibe» soll. Ieuiltekon. Kaskolnikow. [44 Roma» von F. M. Dostojewski. ' ZK», de« Russische» übersetzt von Wik h. He» ckel. _ Ru», wie war eS denn mit dem Ueberfahrene»— wmm# MMWMK er wrz und�fchroff. � �odja, ich bin überzeugt, daß Die zielbewußte Arbeiterschaft hat längst erkannt, daß sie die Trägerin deS wirthschaftliche« Wohlstände« ist, daß sie den EesellschastSkörper erst lebensfähig macht, ihm Odem einbläst, und deshalb strebt sie mit Recht danach, ihre« An- theil an dem Produkt der Arbeit zu vermehre«. In geistiger Beziehung Bildung, in politischer Freiheit und in wirthschaftlicher durchgreifende Besserung ihrer Klassenlage, dieS find die Forderungen der arbeitenden Be- völkerung und erst mit der Erfüllung derselben wird„Friede auf Erden" sein, und erst dann wird man sagen können, „den Menschen ein Wohlgefallen". Diese Gedanken bewegen uns am Weihnachtsfest, und wahrlich wir haben ein Recht dazu, grade heute unsere« Hoffnungen Ausdruck zu geben, den» wie das alte, nordi- fche Julfest den Ursprung der Weihnachtsfeier bildete und zu Ehren des Sonnengottes Frepa begange« wurde, so dürfen auch wir muthvoll und unverzagt weiter kämpfend dem Tage entgegensehen, an welchem unsere, die Sonne der Freiheit und Gleichheit, siegreich das schwarze Gewölk durchdringend, die ganze Menschheit erleuchtet und be- glückt. Das ist der tiefe Sinn de« Weihnachtsfestes, daß die Menschheit sich der Wintersonnenwende fteut, weil damit die Hoffnung verbunden ist, daß die steigende Sonne Licht und Wärme spendet und die Menschen zu neuem Streben und Thun auftuft. So ist auch uns das Weihnachtsfest eine Mahnung, nicht abzulassen von dem Streite für des Volke« Wohl und Recht, und wir wissen uns hierin eins mit den Hundert- tausende» und Millionen, mit denen»ir in Reih und Glied stehend Schulter an Schulter kämpfe». Vorwärt«, unaufhaltsam vorwärts ist die Parole, welche heute durch die Reihen der Parteigenossen von Mund zu Mund geht und mit treuem Händedruck bekräftigt wird; die flammende Begeisterung für die gerechte und große Sache, welcher die Arbeiterklasse, das Proletariat, sich geweiht hat, wird und muß zum Siege führen. Sch»» leuchtet e« am Horizont, wir sehe« das Morgen- roth heraufziehen und nicht mehr fern ist der Tag, an welchem unter Jubelklängen das erhabene, dann zur Wahr- heit gewordene Wort ertönt: „Friede auf Grde« und den Menschen ein Wohlgefallen." alle», was Du thust, sehr gut ist!— sagte die erfteute Mutter. — Seien Sie nicht überzeugt davon, antwortete er, den Mund zu einem Lächeln verziehend. Alle schwiegen. ES lag etwas Gezwungenes sowohl in diesem ganzen Ge- spräch, als auch im Schweigen; im Versöhnen sowohl, wie im Verzeihen, und alle fühlten eS. „ES ist wirklich grade so, als ob sich alle vor mir fürchteten," dachte RaSkolnikow, indem er Mutter und Schwester verstohlen anblickte. Pulcheria Alcxandrowna wurde wirklich, je länger sie schwieg, desto ängstlicher. „Und wie hatte ich sie, die Abwesenden, doch so lieb!' fuhr ihm durch oe« Kopf. — Weißt Du auch, Rodja, Marfa Petrowna ist ge« storben!— fing Pulcheria Alcxandrowna plötzlich wieder an. — Wer ist da«, Murfa Pettowna? — Ach, mein Gott, Marfa Petrowna Swidrigailow! Ich schrieb Dir ja doch so viel von ihr. — Ah, richtig, ich entsinne mich... also sie ist ge- storben?... Wirklich?— fuhr er plötzlich auf, als ob er eben erwache,-- also wirklich gestorben? Woran denn? — Stelle Dir vor, ganz plötzlich starb sie,— beeilte sich Pulcheria Alcxandrowna, von seiner Neugier aufgemun- tert, fortzufahren— und grade zur nämlichen Zeit, al« ich damals ven Brief an Dich absandte, am gleichen Tage! Denke nur, dieser fürchterliche Mensch scheint auch an ihrem Tode schuld zu sein. Man sagt, er habe sie so arg geprügelt! — Lebten sie den» so schlimm mit einander, daß man dergleichen vermuthen konnte?— fragte er, sich zur Schwester wevdeno. — Durchaus nicht, im Gegentheil; er war immer sehr geduldig, sogar artig. Häufig war er sogar mit ihrem Charakter zu nachsichtig, ganze siebe» Jahr lang... Plötz- lich aber verlor er die Geduld. — Er ist also gar nicht einmal so fürchterlich, wenn er eS sieben Jahre lang mit ihr aushalten konnte? Es scheint mir, Dunetschka, als ob Du ihn gar in Schutz nähmest? — Oh nein; nein, durchaus nicht, mw ist er ei« fürchterlicher Mensch! Ich kann mir nichts Schrecklicheres Grigmak-Korrefpouämzm. »«« Gesterretch. den 21. Dezember.„Das Kapital ist raubgieria," sagte Präsident Clcveland in seiner letzten Botschaft an dm Kongreß. Kein wahreres Wort als dieses. Wo es kann, Kitt es alle Gesetze der Menschlichkeit mit Füßen, nicht blos in Afrika, sondern auch in unserem sich seiner Zivilisation so rühmmden Europa. Arbeiterschutzgesetze find nur da, um von den Kapitalisten und ihren Helfershelfern umgangen zu werden. Das haben wir hier in Oesterreich in unmittelbarster Rahe der Reichsbauptstadt wieder an einem klasfischen Beispiel kennen gelernt. Seit Jahren klagen die österreichischen Fabrik« inspektoren über das Trucksystem, das namentlich in den Ziege- leien und auf Bauten vorkommt. Ihre Klagen find bisher in den Wind gesprochen gewesen. Der Unfug und die Arbeiter- detrügerei dauert fort. Der Wiener Gewerdeinspektor ging im Jahre 1887 wiederholt den Magistrat an, dem Trucksystem auf den Bauten zu Leide zu gehen; es blieb in der Hauptsache beim Allen. Wie nun vor einiger Zeit in weiteren Kreisen bekannt geworden ist, existirt eine wahre Schandwirthschaft in dm Ziegeleien der Wienerderger Altien- Gesellschaft. DaS dort herrschende Trucksystem, wie die ganze Behandlung der Ar« heiter übersteigt alles erlaubte Maß, und die Direktoren der Aktien- Gefellschast, well entfernt, auf Abstellung der ihnm de« kannt gewordenen Beschwerdm zu hörm, rufen vielmehr die Gendarmen gegen die opponirenden Arbeiter zu Hilfe und finden dieselbe. Das Aufsehen und die Aufregung, welche diese Vorgänge in den österreichischm Arbeiterkreisen hervorriefen, führte zu einer Interpellation im österreichischen Reichsrath, die die Abgeordneten Pernerstorfer, Dr. Kronawetter und auch 18 verschiedenen Parteien angehörende Abgeordnete unterzeichnetm und am 18. dieses Monats einreichten. Diese Interpellation giedt ein so treffendes Bild der ganzen in Frage stehendm Vorgänge, daß es sich empfiehlt, dieselbe hier nach ihrem Wortlaut zum Abdruck zu bringen. Sie lautet: „Anftage der Abgeordnctm Pernerstorfer, Kronawetter und Gmoffm an den Herrn Ministerpräsidenten als Leiter des Ministeriums des Jnnem, den Herrn Handelsminister und dm Herrn Landesvertbetdigungsminister. Vor einigen Wochm wurdm in dem Wochmblalle„Gleich- hell" die Verhältnisse der Arbeiter der Wienerderger Ziegel« fadriks- und Baugesellschaft ausführlich geschildert Es kam dabei zu Tage, daß die niedrigen Löhne, welche die Partie- arbciter der Gesellschaft beziehen, durch ein systematisch durch» gefühttes Trucksystem in Form der Blechwirthschaft noch weiter veningert werden, daß die Wirthe als Pächter der Gesellschaft, die Pattieführer als die unmittelbaren Angestellten derselben zum Zwecke der Bewucherung der Arbeiter einen TerrorismuS ausüben, der nicht nur jedem menschlichen Gefühle, sondern auch dem§ 78 der Gewerbeordnung hohnspricht. Bei Strafe sofor« tiger Entlassung mußtm die Arbeiter ihr Blechgeld in bestimm- ten Kantinen verausgaben. Durch Eingreifen des Gewerbcinspektorats wurde die Blech« wirthschaft abgestellt und wurde seither in Baargeld ausbezahlt. Der„Truck" wird aber fortgesctzt, indem auch jetzt den Ardei« denken!— antwortete Dunja, fast schaudernd, runzelte die Braum und wurde nachdmklich. — ES war an einem Morgen,— fuhr Pulcheria Alexan« drowna bastig fort;... gleich darauf gab sie den Befehl, dre Pferde anzuspannen, um nach dem Mittagessm in die Stadt zu fahren,— in solchen Fällen pflegte sie immer in die Stadt zu fahren;— man sagt, sie~" gntem Appetit zu Mittag gegessen haben. — Nachdem er sie durchgeprügelt hatte? —... Sie hatte von jeher diese... Angewohn« heit; und gleich nachdem sie gegessen hatte, begab sie sich ins Bad... um nicht zu spät fahre» zu müssen... Es war das eine Art Badekur, weißt Du, sie haben eine kalte Quelle und darin badete sie regelmäßig jeden Tag. Aber kaum war sie diesmal ins Wasser gegangen, da be« kam sie einen Schlaganfall! — Das ist sehr begrÄflich!— sagte Sossimow. — Und hatte er sie arg geschlagen? — Darauf kommt ja schließlich nicht an,— er- widette Dunja. — Hm!— UebrigenS, Mütterchen, was finden Sie nur für ei« Vergnügen daran, solchen Unsinn zu erzählen! -'Wte RaSkolnikow plötzlich, unwillkürlich und gereizt. — Ach, mein Lieber, ich weiß wirklich nicht mehr, wovon rch sprechen soll. „Ja, was ist denn los?... fürchtet Ihr Euch etwa vor mir?— sagte er mit gezwungenem Lächeln. — DaS könnte wohl sein, antwortete Dunja, den Bruder scharf fixirend;— als Mütterchen hier die Treppe herauf kam, schlug sie vor Angst sogar ein Kreuz. Sein Gesicht verzog sich krampfhast. — was Du nur wieder sprichst, Dunja! Ich bitte Dich, Rodja, ärgere Dich nicht... Weshalb sprichst Du so, Dunja!... fiel Pulcheria Alexandrowna verwirrt ei«;— allerdings, schon im Eisenbahnwagen, als ich hierher fuhr, träumte ich die ganze Zeit von diesem Wiedersehen und was wir uns alles mittheilen würden... und ich war so glücklich, daß ich gar nicht merkte, wie die Zeit verging! Doch, was rede ich denn, auch jetzt bin ich ja glücklich... t«n dos Verlaffm dcS Werkes verboten ist und ste bei Strafe der Eniloffung gezwunoen find, in den Kantinen der Gesell- schast ihren Lohn von 60- 80(r. läßlich zu verzehren. Die Wienerderger Aktiengesellschaft giedt ihren Arbeitern auch Wohnung, ja fie verbietet ihnen, auswärts zu schlafen. Die Wohnungsverhällniste find aber die denkbar schlechtesten. Ins« besondere find die Partiearbeiter gezwungen, in unventilirten» überfüllten Räumen auf altem Stroh Körver an Körper neben- einander geschichtet zu schlafen. Früher 70, heute noch etwa 30 Ardeiter aber schlafen auf und in einem in Betried stehenden Ringofen ohne Unterlage und ohne Decke. Dies alles geschiebt unter den Augen der k. k. Gendarmerie, welche als Organ der k. k. Bezirkshauptmannschast als der Ge« werdebehörde erster Instanz dafür zu sorgen hätte, dafi die k. k. Bezirkshauptmannschaft SechshauS ibre Pflicht nach§ 141 der Gewerdeordnung thun kann. Diese Pflicht aber besteht in der„Untersuchung und Bestrafung der Uedertretungen" des Gewerdegcsetzes. Von Seite der Gewerdebehörde erster Instanz, der Bezirkshauptmannschaft SechshauS, sowie ihrer Organe, der Gendarmerie, ist, obwohl fie die hier angedeuteten unmenschlichen und gesehwidrigcn Zustände seit Jahren kannten und der Sach» läge nach kennen mußten, nicht das geringste gelhan worden, um ste»u beseitigen und ihre Urheber die Direktoren der Wiener« derger Gesellschaft und ihre Angestellten zu bestrafen. Als jedoch die erwähnten Artikel in dem Wochenblatte »Gleichheit" erschienen und die k. k. Gendarmerie, und durch fie die k. k. Bezirksbauptmannschaft zur Kenntniß gelangten, die ent- setzlichen Thatsachen seien insbesondere durch die Aussagen zweier Ardeiter, Johann Raab und Ludwig tzaadcr, in die Oeffentlichkest gekommen, die beiden hätten auch zur Verdrettung der nicht konfiszitten Artikel unter den dabei am meisten interesfirtm Ziegelardeitem beigetragen, da entwickelte diese Behörde und ihre Organe sofort eine fieberhafte Ttätigkeit. Ueberall wurde nach der detreff.nden Zeitung gesucht, und Johann Raab wurde in der Nacht des 3. Dezember von der Gendarmerie aus dem Bette geholt und sofort dem Bezirksgerichte Hietzing übergeben; nachdem auch Ludwig Haader am 8. Dezember von der Gendarmerie verhaftet war, wurden am 13 Dezember beide vom Bezirksgerichte Alserarund wegen Ueberttetung des§ 23 des Preßg'scyes zu zehn Gulden Geldstrafe eventuell 43 Stun- den Haft oerurtheilt, nachdem der eine zehn, der andere fünf Tage in Untersuchungshaft gewesen war. Beide konnten nach« weisen, daß ste bis vor kurzem in Arbeit gestanden, daß fie Arbeit gesucht, und daß fie Arbeit in ficherer Amficht hätten, sowie daß ste im Befitze einiger Geldmittel seien. Sie wurden deshalb beide von der Anklage nach§ 1 deS Vagadundengesetzes freigesprochen. Beide wurden aber über Verlangen der Polizeidireltion Wien nach Adbüßung ihrer Strafe an die Polizei zurückgestellt und sofort auf Grund der Rusnahmsverfüaungen, der Verordnung des Gesammtministeriums vom 30. Jänner 1384 aus den Gellunxs- bezirken Wien, Korncudurg und Wiener-llleustadt ausgewiesen. Es liegt hier ein Fall vor, wo es klar wird, wie der angeblich ausschließlich gegen die anarchistische Bewegung gerichtete, an sich schon so odiose AusnahmSzustand mißbraucht wird, um miß. lieb ige Arbeiter zu maßregeln und zu entfernen. DaS auSdrück- liche Versprechen Sr. Exzellenz des Ministerpräfidenten Grafen Taaffe, die verantwortungsvollen Befugnisse nur im Nothfalle und nur zur Hintanhaltung anarchistisch, r Verbrechen zu gehrauchen, wird von den ihm unterstelllen Polizeiorganen de- kanntermaßen in keiner Beziehung respettirt. Dafür find die vorgeführten Thatsachen ein eklatanter Beleg. Der Zusammenhang der erzählten Fakten muß bei der Be« völkemng den dringenden Verdacht erwecken, als od Gendarmerie, Gewerdebekö den und Polizei organisch zusammenwirken würden, um G esetzesüb, rtretun gen von Seile der Wiener berger Aktiengesellschaft ungestört und straflos foitdestehen zu lassen, während alle Bemühungen von Seite der Arbeiter, fich deS unerträglichen Druckes zu erwehren, mit Verhaftung, Verurtheilung und AuS- Weisung beantwortet werden. Die Unterzeichneten fragen deshalb 1. den Herrn Handclsminister: ob er geneigt ist. die bereits begonnene Aufdeckung dieser schreienden Mißstände durch kräftige Unterstützung des betreffenden Gewerbe-Jnspektors weiter zu fördern? 2. Ten Henn Landesvertbeidigungsminisrer: ob er von der oben geschilderten Verwendung der k. l. Gendarmerie zu Gunsten verwerflicher Privatinter- essen einer Akriengelellschaft Kenntniß hat, und was er dagegen zu thun gedentt? 3. Dm Herrn Ministerpräfidentm als Minister des od ihm die geschilderten Vorgänge bekannt find; ob er geneigt ist, der k k. Bezirkshauptmannschast Sechs- haus sofort den Aufttag zu geben» die Bestimmungm des Gewerdegesetzeü auch gegenüber der Wienerderger Ziegelfabrils- und Baugescllschaft durchzuführen, und od er der im obigen, wie in so vielm anderen Fällen gebandhabtm, mißbräuchlichen, gegm seine eigenen Erklärungen verstoßenden Praktizirung des Ausnahme- Du hattest Unrecht Dunja. Dich zu sehen aller», Rodja, macht mich glücklich... — Schon gut, Mütterchen, brummte er und drückte ihre Hand, ohne sie anzusehen,— wir habe« ja Zeit genug, alle« zu besprechen. Nachdem er die« gesagt hatte, erbleichte er plötzlich und ward unruhig; abermal« war e« jene« gräßliche Gefühl, da» wie mit Todtmkälte seine Seele berührte; wieder ward e< ihm plötzlich klar und deutlich, daß er soeben eine fürchterliche Lüge gesagt habe; daß weder jetzt, noch überhaupt jemals eine Zeit kommen würde, wo er sich au«- sprechen, daß er niemal«, über nicht« und mit niemand mehr, werde reden können. Der Eindruck diese« qualvollen Gedanken war so stark, daß er fast die Besinnung verlor, er stand auf und war im Begriff hinauszugehen, ohne jemand anzusehen.,, — Wa« ist Dir? rief Rasumichia und ergrrff seine Hand. Er setzte sich wieder hin und sah sich schweigmd um; alle blickten ihn befremdet an. — Wa« seid Ihr denn alle so langweilig?— rief er plötzlich und unerwartet;— sprecht doch etwa«! We«- halb sitzen wir denn alle so stumm da! Nun, redet doch! Wollen wir un» doch unterhaltm.... Da sitzm fie nun alle und schweigm!... Nun, redet doch irgend — Gott sei Dank I Ich glaubte schon, ihm würde wieder, wie gestern, etwaS passiren, sagte Pulcheria Alexan« drowna, sich bekreuzend. — Wa« hast Du nur, Rodja? ftagte die Schwester und blickte chn mißtrauisch an. � — Nicht», gar nicht»; es fiel mir nur gerade ein Streich ei«, antwortete er und lachte plötzlich. — Nun, wenn eS nur ein Streich war, dann ist'S schon gut! Ich glaubte beinahe selbst... brummte Sosfi- mow aufstehend. Jndeß ich muß gehen; werde wieder- komme«, vielleicht... wenn ich Sie antreffe... Er grüßte und ging hmau«. — Wa« für ein prächtiger Mensch! bemerkte Pulcheria Alerandrowna. zustande« durch die Wiener Polizeibehörden endlich energisch entgegengetreten wird? Pernerstorfer. Dr. Kronawetter. Richter. Kaiser. Fürnkranz. Türk. Urfin. Dr. Engel. Dr. Grsar. Dr. Exner. Dr. Stein- wender. Kreuzig. Reicher. Dr. Wenzlitzke. Dr. Barcuther. Dr. H. Fuß. Prade. Lazanskt. Dr. Roser. Posch." Diese Interpellation hat zunächst den Vorthell, daß die Bourgcoispresse, welche bisher die Vorgänge in der Ziegelei der Wienerberger Aktien- Gesellschaft todtschwieg, nunmehr Notiz von diesen Vorgängen nehmen muß, und das Ministerium kann fich ebensowenig einer Antwort entziehen. Außerdem beweist die Interpellation an fich, daß auch in Oesterreich die Arbeiter, ob- gleich fie vorläufig vom politischen Stimmrecht ausgeschlossen find, einen solchen Einfluß erlangt haben, daß Abgeordnete der verschiedensten Parteien fich zur Unterzeichnung hergeben. Das war noch vor wenig Jahren unmöglich. Es geht vorwärts, trotz alledem!_ politische Zleberstcht. ?i** internationnle Apdette» Kongreß. Unsere neu« iotiz über den bevorstehenden Parisir Kongreß, obgleich so geHallen, daß, wer nicht mißverstehen wollte, fie auch nicht mißverstehen konnte, ist von der Reptilpreffe so aufgefaßt worden— oder wenigstens thut fie so— als „fei die Stimmung der deutschen Sozialdemokraten dem Pariser Unternehmen gegenüber kühl." Und womtt suchen die Herren Reptilien ihre Vermuthung zu begründen? Mll der Thatsache, daß sellens deutscher Sozialdemokraten die Möglich- tell inS Auge gefaßt wird, daß die Frage des internationalen ArdeiterschutzeS, welche den einzigen Punkt der Tagesordnung des für die Schweiz geplanten Kongresses bilden sollte, auf dem Pariser Kongreß nicht zur Elledi« gung gelangt. Die Annahme dieser Mözlichkell soll bedeuten— so meint das scharfsinnige Reptilienrolk—, daß wir dem Pariser Kongreß nicht viel zutrauen. Und die Sache ist doch so einfach! Der schweizer Kongreß hatte eine ganz destimmte, scharf abgegrenzte Aufgabe, zu deren Lösung auch Angehörige anderer Parteien berufen werden sollten. Nun ist es aber sehr wahrscheinlich, daß der Pariser Kongreß nicht die- igen Elemente enthalten wird, auf deren Mitwirkung für den in St. Gallen beschlossenen Kongreß gerechnet wurde. Haben die Reptilien das kapirt? Oder sollen wir noch deutlicher werden? Und auch wenn die Frage des intemattonalen Arbeiterschutzes in Paris eingehend und im Sinne deS St. Gallener Kongresses dehandell würde, so wäre aller Vorausficht nach doch noch die Abhaltung eines desonderen und vielleicht mehrerer Kongresse, die fich ausschließlich mit dieser Frage beschästigen, zur vollen Eneichung des Zweckes nothwendig. Zur panamakanalfrag». Die Vorwürfe, welche der franzöfischen Kammer gemacht werden, weil ste die Bürgschaft für daS Aktienkapital nicht übernehmen will, erscheinen als unge- recht, wenn man die Kosten des Baues bedenkt. Bis jetzt find schon ungefähr 1200 Millionen Marl— zwölfhundert Millionen ausgegeben; und noch ist nicht der dritte Theil des Weckes vollendet. Die Gesammtkosten werden auf viertausend Millionen Mark, oder 5000 Millionen Franks veranschlagt. Und es ist einfach undenkbar, daß dieses ungeheuere Kapital fich vetzinst. Es wird r.öihig sein, für die armen Gläubiger etwas zu thun, od aber der Panamakanal jetzt überhaupt ausgebaut werden kann, sildst durch ein internationales Konsortium, daS ist sehr die Frage. Unsere bürgerliche Gesellschaft will Geschäfte machen. Erst eine Gesellschaft, welche nicht mehr auf den kauf- män nischen Profit steht, vermag solche Riesenwerke zu voll- enden. Gin« alt» Zlnsttt» besteht darin, daß die Dienstmädchen. statt fich den ganzen Lohn, welchen fie beanspruchen, monatlich oder vierteljährlich auszahlerrzu lassen, einen Theil des Lohne« in Form eims sogenannten Weihnachtsgeschenke« nehm en, wobei auf die„Großmuth" der Herrschaft gerechnet wird. Nun trifft diese Rechnung in manchen Fällen ja wohl zu, jedoch find daS nur Ausnahmefälle— meistens erhalten die Mädchen eine gewisse Summe unter der Hand, in nicht bindender Form, vereinbarte Summe, in sehr vielen Fällen weiden ste aber um diesen Thell ihres Lohnes einfach geprellt, indem die gioßmüthige„Herrschaft" ihnen kurz vor Weih- nachtm den Laufpaß giedt. Die Mädchen find solchem Ver- fahren gegenüber völlig wehrlos, weil das Weihnachtsgeschenk nicht einklagdar ist und von Mädchen, die vor Weihnachten aus der Stelle gekommen find, überhaupt nicht beansprucht werden kann. Diesem Mißstände ist unter den obwaltenden Verhält- ntffen nicht anders abzuhelfen, als durch Abschaffung der Weih- nachtsgeschenke, die ja gar keine Geschenke find, und entsprechende Erhöhung des Lohns. Krieg i» Kicht. Aus dem Fränkischen wird geschrieben: „Der Transport an Hammeln nach Frankreich ging den Sommer über schwach, jetzt hat fich das Geschäft wieder sehr gedrffert. Zur Zeit werden in Crailsheim, Dombühl, Zam- haus, Ellwangen und Waldenburg fette Waaren in großen Massen angekauft." Da neben den Brettern für Baracken, — Za... ein prächtiger, ausgezeichneter, gebildeter, kluger Mensch... fing plötzlich Raskolnikow unerwartet, mit besonderem Eifer und ungewöhnlicher Lebhaftigkeit an, — ich kann mich gar nicht erinnern, wo ich ihm vor meiner Krankheit schon begegnet bin... mir scheint, ich hätte ihn irgendwo getroffen. Der dort ist auch ein guter Mensch! nickte er zu Rasumichin hinüber;— gefällt er Dir, Dunja? ftagte er und fing an zu lachen. — Sehr,— antwortete Dunja. — Pfui, wa« Du für ein... Schweinigel bist! rief Rasumichin, furchtbar verlegen und roth geworden, und stend auf. Pulcheria Alexandrowna lächelte er« wenig und Ras- kolnikow lachte laut auf. — Wohin willst Du denn? — Ich muß auch... habe nothwendig... — Nicht« hast Du nothwendig, bleibe I Du denkst wohl, weil Sossimow gegange» ist, müßtest Du nun auch gehen? Brauchst nicht... Wie spät ist e« wohl? Ist'S schon zwölf? Wa« hast Du denn für eine hübsche Uhr, Dunja?... Weshalb schweift Ihr denn schon wieder? Muß ich denn immer nur allem reden?... — Da« ist ein Geschenk von Marfa Petrowna, ant- wartete Dunja. — Eine sehr theuere Uhr, fügte Pulcheria Alcxaa« drowna hinzu. — Aber wie groß, fast zu groß für eine Damenuhr. — Ich habe sie gern so groß, sagte Dunja. „Also nicht ein Geschenk de« Bräutigam«," dachte Ra- sumichi« und fteute sich, er wußte selbst nicht warum. — Ich glaubte, es sei ein Geschenk von Lushin, be« merkte RaSkolnikow. — Nein, er hat Dunetschka noch nicht« geschenkt. — So?— Erinnern Sie sich, Mütterchen, daß ich verliebt war und heirathe« wollte?— sagte er plötzlich, die Mutter anblickend, welche von der unerwarteten Wendung und von dem To«, mit welchem er davon sprach, betroffen wurde. — Ach ja, mein Lieber, jawohl! Pulcheria Alexandrowna warf Dunetschka und Rasu« michin Blicke zu. dem Melinit und der Pikrinsäure es besonders die„ftänkischen Hammel" wären, aus deren steigender Ausfuhr die Krieas« gefahr gelegentlich der vorjährigen Faschings rvatzlen geschlossen wurde, so mußte nach der vorstehenden Notiz die KnegSgefabr St wieder sehr groß sein, natürlich nur wenn— wir wieder ablen vor uns hatten. Gin» Zlendernng d«» Mahlfqft»«» steht jetzt in Frankreich bevor. Kurz vor seinem Tode hatte es Gamdetta noch durchgesetzt, daß die sogenannte Arrondiffementswahl, welche unserem Wahlsystem entspricht, durch das sogenannte Listenskrutinium ersetzt wurde. Die Freunde des Herrn Gcm- detta und auch andere Republikaner versprachen fich damals sehr viel von dieser Aenderung. Freilich, wer fich die Sache etwas genauer ansah, mußte sofort Zweifel empfinden. Denn hat auch das System, je einen Abgeordneten in einem gesonderten Wahl« kreise zu wählen, seine größten Nachtheile, und ermöglicht das- selbe auch unzweifelhaft, wie wir ja in Deutschland genugsam erfahren haben, eine sehr ungleiche und ungerechte Beittemng der Wähler, so kleben all diese Mängel doch auch dem Listen« skrutinium an, und zwar noch in wett weit höherem Maße. DaS Listenskrutinium desteht nämlich darin, daß d e p a r t e- ments weise gewählt wird, und daß auf jedem Wahljettel eine Liste von soviel Kandidaten zu stehen hat, als das Depar« tement Abgeordnete wählt— das heißt von vier bis zu zwanzig. Der Wähler wählt also nicht einen Kandidaten, sondern mehrere, und die Folge ist, daß eine Parsii, welche nahezu die Hälfte sämmtlichcr Stimmen im Departement auf fich vereinigt, vollständig von der Ver« tretung des Departements ausgeschlossen sein kann. Es ist dies eine wett schlimmere Vergewaltigung der Minorität durch die Majorträt, als fie bei dem Emzelwahttystem möglich ist; und außerdem wird demagogischen Beeinflussungen der Wähler in der Art derer, welche wir bei den sitzten Reichstags« wahsin kennen lernten, durch das Listenskrutinium wesentl.ch Vorschub gesiistet. Die Feinde der Republik haben fich denn auch des Listenskrutiniums bemächtigt, um ein Plebiszit gegm die Republik zu organifiren. Ein solches Plebiszit bat nun aller« dings keine Äusficht auf Erfolg, aber um dem Land einigen Schutz gegen JnUiguen zu geben, die in der Republik nicht polizeilich militärisch unterdrückt werden können— weil das dem demolratischen Prinzip»uwiderliefe, will man jetzt zu den Arron« diffementk wahsin zurückkehren. Wir glauben nicht, daß dies der richtige Schrttt ist. Das Einzelwahlsystem ist znwr besser als Listenskrutinium, allein es hat Mängel, welche die Rückkehr zu ihm verbtetm sollten. Warum, wenn man einmal das Wahl« gesetz reformiren will, nicht die Einführung des Proportio« nalwahlsystems, welche« die denkbar beste und gerechteste Vertretur-g herbeiführt und über dem gemeinen Treiben der monmchisch-imperialistischm Demagogie steht? „Ardettrrumin Karkort."(unter dieser Marke ist von fteifinniger Seite in Dortmund ein Verein gegründet worden, in welchem die sonst von dm Manchestermännern sehr verpönten sozialen Fragen eiö tert werden sollen. Es ist wirk- lich ergötzlich, wie fich die bürgerlichen Parteien bemübm, den „Bruder Arbeiter" auf falsche Fährte zu locken. Gründungen über Gründungen von sogenannten Ardeitervereinen finden statt. Die ulttamontane Bourgeoifie versucht es mit allerlei„hettigm" Vereinm, die Kaitelldrüder mit evangelischen und sonstigen so- Kianntm Arbeitervereinen; und nun rührt fich auch der herz« e St. Manchester. Es ist ein Minnen und ein Werden. Wohl seufzet die Braut: ach Gott, ach Gott! Ich bin ermüdet bis zum Sterdm; Doch steigt fie zuletzt hinab in den Pott. Ja, in den Pott der sozialen Fragen steigt auch die freifinnige Partei, um dem Untergange zu entrinnen. An» Mainz, 18. Dezember, schreibt man der„Franks. Ztg.":„Den hsifigm Ardeiter- und Fachvereinm ist es unter dm hier destehenden eigmthüinlichen Verhältnissen kaum möglich, eine öffentliche Versammlung abzuhalten, um in derselben, sei es durch fremde oder hiefige Gefinnungsgenoffen, über gewerb« liche oder soziale Fragen Aufklärung zu verbreiten. Am letzten Sonntage sollte hier eine allgemeine Schubmacherversammiang abgehalten«erden. Das Lokal war bereits zugesagt und die Versammlung ausgeschrieben, als in letzter Stunde der Wirth erklärte, daß er sein Lokal zum Abhatten der Versammlung nicht hergeben werde. Die Ursache der Verweigerung des Lokals ist sehr klar. Der Wirth b. fürchtet, daß» wenn er den Arbeitern sein Lokal zu Veisammlungen ablasse, dm Soldaten der Garnison der Besuch seiner Wirthschaft verboten würde. Diese Be- fücchtung ist sehr degründet, denn alle diejenigen Wirthe, welche es gestatteten, daß in ihrm Lokalttäten Versammlungen von Arbeitern abgehalten wurden, fühlten die Macht der Militär- dchörde; den Soldaten wurde der Besuch dieser Wirthschastm untersagt." Mi« in den Aeußrrlichkeite« Graf Herbert Bismarck sogar bis auf das Räuspern seinem Vater als Redner ähnelte, schlldert nach der Kolontaidebatte der dekannte Bismarckvegeisterte Korrespondent der„Neuen Zür. Zeitung" wörtlich wie folgt: „Es ist geradezu verblüffend, wsi jede einzelne Bewegung oes Körpers, ja jede Muskelzuckung fich vererbte. Er zupft genau — Hm, ja I Wa» soll ich Euch davon erzählen? Ich kann mich nicht mehr viel davon erinnern. E« war ein kränkliche« Mädchen— fuhr er plötzlich wieder nachdenklich und in sich versunken fort,— sie war beständig unwohl, gab so gern Almvsm und schwärmte immer vom Kloster; einmal, al« sie mit mir davon sprach, brach sie sogar in Thränen au«; ja, ja... ich erinnere mich... sehr genau. Sie war so klein und häßlich... Ich weiß wahrhaftig nicht, weshalb ich ihr so sehr zugethan war; wahrscheinlich ihrer Kränklichkeit wegen. Wäre sie auch lahm oder buckelig gewesen, so hätte ich sie vielleicht noch mehr geliebt...(Er lächelte nachdenklich). Da« war so... ein Frühlings« ttaum... — Nein, da« war nicht bloS ei« FrühlingStraurn, sagte Dunetschka lebhaft. Er blickte die Schwester aufmerksam und starr an, schiert aber entweder ihre Worte nicht gehört oder nicht verstanden zu habe». Dann stand er, in tiefe« Nachdenken versunken, auf, trat zur Mutter, küßte sie und setzte sich wieder auf seinen Platz. — Du liebst sie auch jetzt noch! sagte die gerührt� Mutter. _,~ Wen? Jetzt? Ach, ja... Sie sprechen von der! Nein, da» ist jetzt wie in jener Welt... und schon t? fange her. Alle«, wa« hier um mich herum geschieht, gerade so, al« ob es gar nicht hier geschähe... Gr blickte die Anwesenden aufmerksam an., — Ja, auch Ihr alle,... e« ist mir, al« ob ich Euch au« emer Entfernung von tausend Werst sähe... Wem der Teufel, weshalb wir eigentlich davon reden! Und 0%# ist da» für ein ewige« AuSftagen? fügte er ärgerlich hi"� und kaute dann schweigend, in Gedanke« versunken, an den Nägeln. — Wa« Du für eine schlechte Wohnung hast, Rod!- gerade wie et» Sarg,— sagte plötzlich Pulcheria Alexan drowna, um da« peinliche Schweigen zu unterbreche«;'' ich bin überzeugt, daß zum großen Theil die Wohnung Demer Melancholie schuld ist.. ., Die Wohnung?... antwortetete er zerstreut, J> die Wohnung hat viel verschuldet..; ich habe mir J wie der alte Reichskanzler am Rockkragen und thut, als wollte er die Geschichte von außen mit dem Finger aus dem Kedl« köpfe herauskitzcln, wenn's plötzlich mit der Stimme gar nicht mehr weiter geht, oder er fährt mit der Hand erregt in die Vintertaschen des langen Gehrcckcs, als od dort etwa die besten Gedanken verborgen säßen, und dann pustet er lokomotivartig Witten im Satz die Luft aus, so daß der dicke Schnurrbart sich ordentlich sträubt. Dazu runzelt er die Augenbrauen ganz Mister, schießt scharfe Blitze nach allen Seiten, wiegt den kräf- tlzen Leid in langsamen Schwingungen hin und her und räuspert sich schließlich mit einem scharfen Hemm, hemm, om— m— m!" wenn er etwas Besonderes herausstößt-— Im übrigen berichtet der Korrespondent, daß Graf Herbert Bismarck ernen Tbeil seiner Rede überhaupt von einigen großen Papier« blättern heruntergelcsen habe. Dt« dt«$Ub*! Diex„Deutsche Ardeiterzeitung" in Berlin, welche bekanntlich von den Nattonallideralen de« gründet worden ist, um die Sozialdemokratie aus der Well zu schaffen, leistet fich in ihrer Nummer 11 vom 8. Dezember folgenden tieffinnigen Satz:„Es ist etwas Schönes um die Liebe, die zwei Herzen umschlingt— ohne ste gäbe es wahrsckeiolrch weder Kinder noch Menschen." Ucberschrieben ist der Artikel: »Die Liebe, ach die Liebe hat fie soweit gebracht", und unter» Ichrieben ist er einfach und imponirend mll:»Fr. Goetz". Aus Lindenau?!? Wir hoffen'S. Aarmstadt. Das Landgericht sprach einen wegen Ber« rreitung verbotener sozialistischer Schriften angellagten Schutz- mann Namens Simon von Straft und Kosten ftei; das Hüft aber dem Manne nicht viel. Aus Frankfurt a. M. und Offen- dach ausgewiesen, wodurch er seine Existenz verlor, ist er in seinem jetzigen Wohnorte Gelnhausen auch noch geschäftlich ge- maßregelt worden: außerdem liegt seine Frau an einem Blut- stürz schwer krank darnieder. Wer zähll solche Fälle, welche das Sozialistengesetz herbeigeführt? Wann wird man es ab- chaffen? ZurLckg«»!«/»» Kefch»«*». Mainz, 22. Dezember. Wie kürzlich erwähnt, wr e auf dem hiefigcn Friedhof eine »Versammlung" von Leidtrag>-.rden der Arbellerpartei durch einen Volizeikommiffar aufgelöst, weil eines der Mitglieder dieser Partei auf den Sarg eines verstorbenen Gefinnungsgenoffen nnen Kranz mit dem Ausruf:»Fm Namen der Mainzer Sozial- demokratie!" niederlegen wollte. Gegen diese Auflösung, welche auf Grund des Z 9 des Sozialistengesetzes von Herrn Polizei- kommiffar Schüler vorgenommen worden war, hatten nun ver« fchiedene Mitglieder der Arbeiterpartei Beschwerde bei dem Großh. Kreisamt erhoben. Die Beschwerde ist nunmehr von «m Kreisamte als»völlig unbegründet" zurückgewiesen worden. _ In München find drei Arbeiterzeitungen»Münchener V.'effe",„Ardellcr-Zeitung" und„Recht auf Arbeit" von der Polizei konflszirt worden. «rotzbritattAie«. Der„Times" wird aus Sansibar telegraphirt: Die Fregatte„Leipzig" hat wiederm ein Sklavenschiff genommen, auf welchem sich 140 Sklaven defanden; es wurden gleichzeitig viele Araber gefangen genommen. Der deutsche Generalkonsul errichtet unweit Dar-es Salem eine große Misfionar- Nieder« mffung für die befreiten Sklaven. Dem.Reuter'schen Bureau" wird aus Sansibar ge- Meldet: Nach aus Mozambique eingegangenen Nachrichten baden die portugiesischen Streitkräfte die BombaS am oberen Zamdefi befiegt. Das von den Bombas desetzte Raijara wurde von dem portugiefischen Befehlshaber Castilho ringen ommen und zerstört. Frankreich. L i n a r d(Opportunist) ist zum Deputirten in dem D e p a r- t e m e n t A r d e n n e s mit 36 609 Stimmen gewählt worden. Der Gegenkandidat Auffray(konservativ und Boulangist) erhielt 28 794 Stimmen. Wie e« beißt, ist der Deputirte Hude(Seine) zu Mosta- ganem in Algier verstorben; Boulanger würde infolge deffen für das Seinc-Departement seine Kandidatur aufstellen. Kelgie». Der König empfing ein Telegramm aus St. Thomas, in welchem die im englischen Unterhaus mitgethellten Na*« richten über Stanley bestätigt werden; auch im Congo- staate, wo man noch Zweifel gehegt hatte, beginne man jetzt, an die Wahrheit dieser Mittheilungcn zu glauben. ftalie«. ei der Bera'chung über die außer« ordentlichen Milttärkrcdite erNärte Mintsterprafident Crispi, die militärischen Maßnahmen ständen mit der auswärtigen Politik nicht in Verbindung, seien vielmehr die einfache Konsequenz der bereits anaenommenen Gesetze in Betreff der Grenzbefestigungen und der Vervollständigung der Bewaffnung. Zu diesem Zwecke feien noch Opfer noihw.ndig, und es wäre ein Verbrechen, mit denselben zu zögern. Crispi glaubt, daß die Finanzlage allzu Ichworz dargestellt worden sei und deweist dies mit den Ziffern des Budgets. Sowohl mit Rückficht auf die politische Lage auch schon gedacht... Wenn sie wüßten, Mütterchen, was sie eben für einen eigenthümlichea Gedanken ausgesprochen haben.... fügte er lächelnd hivzln � Es fehlte wenig, und diese Gesellschaft, drese nahen «erwandten, würden ihm. trotz dreijähriger Trennung, in- folge der Unmöglichkeit, ein ungezwungene« Gespräch zu führen,— endlich gänzlich unerträglich geworden fern. Es Mar aber noch eine unaufschiebbare Angelegenhert da. welche durchaus noch heute auf die eine oder andere Weise ent- Wieden werden mußte;- das hatte er schon vorhin als erwachte, fest beschlossen. Jetzt freute er sich auf die« Geschäft, wie auf einen Ausweg. (Fortsetzung folgt.) Au» Kunst und Keben. .?« Kezug auf die Herstettuug de» salzsanre« '**«wu ist neuerdings in Berlin eine bedeutsame Entdeckung Macht worden. Es ist bekannt, wie vielfach insbesondere in 'Augenheilkunde das Kokain benutzt wird, seitdem Dr. Koller, ' junger österreichischer Arzt, gefunden hatte, daß Schleimhäute az unempfindlich werden, wenn man ste mit Kokairlösungen Mnsell. Die Anwendung des Kokains hatte dislang aber Y Uebelstände. Einmal ist es sehr theuer, denn die Aus- Y5 aus den Kokablättern, auS denen es gewonnen wird, ist f gering(nicht höher alS 2prozentig). Ueberdie« ist im letzten 9t« We Gewinnung des Kokains erschwert worden, weil die "fuhr von KokaWättern von Bolivia und Peru, wo bnwisch find, nach Europa sebr herunter gegangen nbr-£ Kokablätter find nämlich bei den Jndiai.ern ein "?iaufigcs Genußmittel. Ein jeder, der dort schwere Arbeit >' g'nießt regelmäßig Kokadlälter, welche die Eigenschaft tch.'.«' LeistungSfädigkeit zu erhöhen und das Hungergeftihl B JWtyen. Der beträchtliche Verbrauch von Kvkablättern in jt„°'.n dm letzten Jahren machte nun die Ausfuhr davon das•,"ffnd, und man ist damll allzu freigebig vorgegangen, floMHii � in den Provinzen Bolivia und Peru Mangel an « RR.sJL herrscht in dem Maße, daß daraus eine Art von r Nothstande erwachsen ist, wie etwa zur Zeit nd JG�utalftnre bei uns für den Tabakraucher. Ein Uedel- Ssau.° uem Gebrauche des Kokains war ferner, daß man Kokain nicht chemisch rein genug mit Hilfe Europas als auch auf die Stellung Italiens müßten die Be- festigungcn und die Organistmng der Armee und der Flotte vervollständigt werden. Die Regierung wolle keinen Krieg, dürfe fich aber nicht unvorbereitet antreffen laffen. Ob Italien mtt den Zentralmächten alliirt oder isolirt sei, immer müsse es seine Ausrüstung vervollständigen. Der Redner schloß mit fol« gender phrasenhafter Wendung: Man habe niemals einen gemäßigten Staat gesehen, der nicht stark gewesen sei. Die schwachen Staaten blieben stets zurück, Italien aber müsse mit den anderen Nationen fortscbretten, dies hätte der große König, der große Staatsmann(Cavour) und der große General(Gari- baldi) gewollt. Unter Hinweis auf das Andenken an diese großen Männer verlangte der Minister ein vollständiges Ver- ttauensvotum und nahm deshalb die Tagesordnung Gcymel's an, welche die internationale und die militärische Politik der Regierung billigt.(Wiederholter lebhafter Beifall.) Hierauf wurden alle Tagesordnungen zurückgezogen, nur Bantaeo (äußerste Linke) deharrte auf seiner Tagesordnung, welche die Vorlegung des italienischen Allianzvertrazes mit Oesterreich Ungarn und Deutschland verlangte, um zu sehen, ob dieselbe den nationalen Jntcreffen entspreche. Diese Tagesordnung wurde mit allen Stimmen gegen die Stimmen der Linken ab« gelehnt und die von Geymet eingebrachte Tagesordnung in namentlicher Abstimmung mit 23' gegen 45 St. angenommen. 10 Deputirte enthielten fich der Abstimmung. Morgen deginnt die Spcztalderathung. Der Präsident theille mit, daß der Fi- nanzminister Magliani wegen Erkrankung sein Finanzexposs nicht gebm könne._ Gxrichts-Ieiwng. — Mit riuer»»««vlurifch»» Ktruf« belegte die vierte Strafkammer gestern einen Schlasstellenvted, den Stadtreisenden Joseph Rochvitz. Der Bruder des Angeklagten wohnte bei der Wittwe Schimmel in der Nikolaikirchgasse in Schlafstelle, und dies bot dem letzteren willkommene Gelegenheit, sich die geeig- nete Zeit zum Diebstahl an den Sachen der Schlafkollegen seines Bruders auszukundschaftm. Als der Zuschneider Samuel Lewin welcher ebenfalls dort wohnte, eines Abends nach Hause kam, machte er die Entdeckung, daß sein guter Anzug ver« schwunden war. Es ergab fich, daß Rochvitz an demselben Nachmittag in der Wohnung gewesen war, angeblich, um seinen Bmder zu desuchm. Dieser defand fich jedoch zur Zeit nicht in der Wohnung, und da auch die übrigen Schlafkollegen fich gleich darauf entfernten, so konnte Rochvitz den Diebstahl un- gestört ausfüh.-en. Vor dem Gerichtshof legte er fich aufs Leugnen; er will zwar geraume Zeit allein in der Wohnung anwesend gewesen sein, jedoch nur so lange, biö sein Bruder angekommen sei, mit dem er fich dann entfernt habe, ohne irgend einen Gegenstand mtt- zunehmen In der Zwischenzeit habe er fich nicht aus den Räumen entfernen können, well die Schlaf« leute beim Fortgeben die Thüre von Außen verschloffen hätten und er nicht im Befitz eines Schlüssels gewesen sei, ohne den die Thüre nicht geöffnet werden konnte.— Von den Zeugen wird dem gegenüber bekundet, daß an der Innenseite der Thür ein Schlüssel gehangen habe, welcher zum Oeffnen von innen diente. Dieser Umstand, sowie die Thatsache, daß der Angeklagte schon einmal einen ganz ähnlichen Diebstahl aus» geführt hat, waren für ihn sehr belastend. Hierzu kam noch, daß vor kurzem auch in seiner eigenen Schlafstelle ein Diebstahl verübt war, der Anlaß zu einer Untersuchung gegen ihn gegeben hatte, die indeß ohne Ergedniß blieb, weil das Beweismaterial nicht für zureichend dettachtet wurde. Auf Grund der gravi- renden Verdachtsmomente hielt der Staatsanwalt für erwiesen, daß der Diebstahl von dem Angeklagten degangen worden sei, und der Gerichrshof diltirte demselben 1 Jahr Gefängniß zu. — Clu sonderbarer Heiliger präsentirte fich gestern der dritten Strafkammer des Landgericht l Es war dies der »Ardeiter" Karl Sturmhövel, der einen Kloben Holz gestohlen baben sollte. Nach seinem eigenen Geständniß ist er am 6. Nov inder auf einen mit Holz beladen en Wagen des Kauf- manns Lu her geklettert und hat dann von oben herab einen Kloben auf die Straße geworfen. Durch das Geräusch wurde der Kutscher jegoch auf den ungebetenen Fahrgast aufmerksam und als Sturmhörel vom Wagen rutschte, um das Holz auf« zuheden, wurde er ergriffen und dingfest gemacht.— Der An- geklagte erklärte, daß er den Kloben nur zu dem Zweck habe steblen wollen, um ste einer armen Fra* zu schenken. Obgleich das Objekt nur einen Werth von 30 Pf. hatte, beantragte der Staatsamvatt 4 Monate Gefängniß, weil der Angeklagte wegen gleichartiger Vergehen schon bestraft worden ist. Der Gerichts- Hof folgte zwar diesem Antrage, doch wurde ein Monat durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt detrachtet. Jla» Markensystem, welches trotz aller verurthettenden eidungm der Gerichte bei der Leistung von Vorschüssen an die Arbeiter auf den Bauplätzen noch immer zur Anwendung komm, beschäftigte am Sonnabend wieder einmal die erste Strastammer am Landgericht II. Der Schachtmeister Karl Wil« Helm Sawade hatte im März d. I. mit einer Ardetterkolonne den Durchbrach einer Straße In Wilmersdorf bewerkstelligt und der Kokablätter darstellen konnte. Das salzsaure Kokain enthielt, wenn eS nicht sehr gut krystallifirt war, u. A. ein Harzgift beigemengt. Alle diese Miß- stände werden nunmehr durch eine Entdeckung von Professor Liebermann und Dr. Giesel besettigt, die um einen billigen Preis ein reineS, salzreines Kokain herstellen. Als Material dazu dient ein Nebenalkaloid der Kokapflanze, das reichlich vor« banden ist und bisher als nutzlos verworfen wurde. Dieses Nebenalkaloid kann, wie die beiden Forscher herausgebracht haben, in Ekgonin, ein schon bekanntes Alkaloid der Kolablätter, dieses weiter in Benzol-Ekgonin und letzteres schließlich in Kokain umgewandett werden. Die Methode von Liedermann und Giesel stützt fich zu einem Theile auf frühere Versuche von Merck und Einboin. Die therapeutische Prüfung der neuen Droge hat Professor Liedreich vorgenommen, und daS Er« gebniß war nach den„Therapeut. Monatsheften" durchaus be- Wie man«ras werde« kann, erzählt uns die folgende Geschichte. Als Gustav III., König von Schweden, in Paris war, kam eine Deputation der Sorbonne zu ihm, um ihm zu gratulircn, daß ver berühmte Entdecker des ChlorinS und Magne- fiums, Scheele, sein Unterthan und Landsmann sei. Der König, der sehr wenig Jntereffe an den Erfolgen der Wiffenschaft hatte, schämte fich, daß er nie etwas von einem so berühmten Manne gehört hatte und schickte sofort einen Kourier nach Schweden mit der lakonischen Ordre:„Scheele ist sofort in den Grafen« stand zu erheben."-„Ja wohl", sagte der Premierminister. als er die Depelche lcs.»Das soll geschehen- aber wer ist Scheel«?" Ein Sekretär mußte Erkundigungen einziehen. Er ff Ä JÄf %T-%S> Äfö MtrÄÄ&Ä Der Jrrthum wurde erst entdeckt, als der König heimkehrte. Er war sebr entrüstet.„Aber wie kann man nicht wissen, wer Scheele ist", schalt er— er wußte es ja bereits seit vier �"Änmienfnnd. Wie der»San Francisco Examiner" de- mriii dabei Marien verausgabt, die von einem destimmten Budiker in Zahlung genommen wurden, die aber bei der Lohnzahlung zur Anrechnung gelangten. Der Angeklagte gab zwar den That« bestand zu, wollte aber durchaus keinen Vortheil davon gehabt haben und war nicht wenig erstaunt, als ihn der Vo-fitzende delehrte, daß es gar keines Vorthelles bedürfe, um fich strafbar zu machen.§ 115 der Gewerdeordnung verbiete das, und die Verausgabung von Marken sei nur dann nicht strafbar, wenn den Arbeitern der Lohn in daarem Gclve in die Hand gegeben und von diesen dann der Vorschuß zurückerstattet werde. Da die Sache sehr mllde lag, wurde nur auf eine Geldstrafe von 5 M. erkannt, der Angeklagte ist aber schon um deshalb hart genug getroffen, well er zur Wahrnehmung des Termins die Reise von Kiel— wo er beim Bau des Nordostseekanals thätig ist— nach Berlin und zurück auf seine Kosten machen mußte. Mangelnd» Höflichkeit im Verkehr hat dem Spedtteur Eckstein eine Anklage wegen Beleidigung der Familie des Premierlieutenants M. wegen Hausfriedendruchs zugezogen, welche gestern vor dem hiefigcn Schöffengericht verhandelt wurde. Premierlieutcnant M. wurde von Magdeburg nach Berlin ver- setzt und schloß mtt dem Angeklagten zur Ueberführung seines gesammten Modlliars einen der bekannten Frachtverträge. Bei solchen plötzlichen Versetzungen pflegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Hauswirth nicht selten zu sein, und so war es auch in diesem Falle. Als der Angeklagte in Magdeburg die Sachen verlud, erhielt er Kenntniß davon, daß der dortige Witth des Lieutenants mit demselben wegen einer Micthsford.rung in Sttett gerathen war, und diese Thatsache scheint auf ihn derartig eingewirkt zu haben, daß er bei seiner Ankunft in Berlin von den allergrößten Zweifeln über die Zahlungsfähigkeit des Offizier« erfüllt war. Nachdem er drei Vietthelle des Mobiliars vertragsmäßig abgeladen und in der Wohnung aufgestellt hatte, präsentirte er plötzlich seine Rechnung und ersuchte die allein in der Wohnung an« wesende Frau um sofortige Bezahlung, widrigenfalls er fich an dem Reste der Mobllien pfänden wurde. Die Frau war über dieses Verlangen sehr erstaunt, es kam zu einem! heftigen Wortwechsel und Frau M. sab fich genöthigt, dem Angeklagten ihre Wohnung zu verbieten. Dieser nahm hierbei Veranlassung, dm Lieutenant Ä. und seine Familie in gröblicher Weise zu beleidigen, indem er sich dritten Personen gegenüber dabin äußerte:„Solche Leute kmnt man schon; die wollen fich drücken! Solche Bande!" Der Staatsanwalt, welcher vie Anklage wegen Hausfriedensbruchs fallen ließ, hielt diese Be- leidigunam für sehr schwere und beantragte 150 M. Gelsbuße ev. 15 Tage Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte auf 80 M. Geldbuße ev. 8 Tage Gefängniß. Hie klugen Lenne« finden aller vernünftigen Warnungen ungeachtet immer noch Leute, welche unüberlegt gmug find, einer solchen Quacksalberei Leben und Gesundheit anzuvettrauen. Großen Kummer hatte ein solch thörichteS Beginnen einem Rixdorfer Ehepaar bereitet, welches sein bjährtger Sohn einer solchen Kurpfuscherin anvertraut hatte. Der Knabe kam im Mai d. I. eines Tages hinkend und über Schmerzm klagend nach Hause und erzählte den Eltern, daß er von einem Zaun hinuntergefallen sei. Um die Kosten für einen Arzt zn sparen, hotten die Eltern nun die sett Jahren in Rixdorf und Britz als„kluge Frau" dekannte verwtttwete Krankenpfleger Juliane Wilhelmine Dähne. Diese, jetzt öljährige Person hatte ihrem verstorbcnm Manne s. Z. in die Karten geschaut und ver- werthete nun ihr»Bischen Wissen" gewerbsmäßig in der be« kannten Art und Weise. Sie erklärte fich ohne weiteres bereit, den Knaben zu kuriren, welcher am rcchtm Unterschenkel offen« bar eine schwere Knochenverletzung bei dem Fall erlitten hatte. Die Salbe der klugm Frau, darstellend eine Mischung von Wachs, leichtem Fett, Kampfer und Bleizusatz, brachte zu« nächst Geschwüre hervor, welche dem Knaben fürchter» liche Schmer, en bereiteten; ebenso die von der Dähne trotz eingetretener Knochenvereitemng des Schiendeines fort, gesitzte BeHandlungsweise, welche schließlich dahin führte, daß der vollständig entkräftete Knabe in hoffaungk losem Zustande auf Anordnung eines nunmehr von den Ellern Herdeigehollen Arztes nach der Charit« geschafft wurde. Hier ersahen die behandeln- den Merzte, daß das Hellverfahren der„klugen Frau" in einer vallständig unsachgemäßen und überaus rohen, grausamen Weise geführt worden war. Mit vieler Mühe gelang es, das Leben des Knaben zu retten und demselben dos gepeinigte Bein, deffm Knochen stellenweise von Fleisch und Weichtheilen entblößt frei zu Tage traten, vorläufig zu retten. Gestern erschien, von seinen Eltern gelettet, dieses Opfer elender Kurpfuscherei als ein beredter Zeugen an Gerichtsstelle, um gegen die vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts ll angeklagte„kluge Frau" Zeuaniß abzulegen; gegen dieselbe war auf Grund eines von der Charttee-Kommisfion abgegebenen Berichts Anklage wegen fahrläsfiger Körperverletzung erHoden worden.— Nach Anhörung der medizinischen Sachverständigen, Profeffor Dr. Falk, DDr. Hagen und Kaufmann, die in ihren Gutachten das Verfahren der Angeklagten einer Herden Kritik unter, ogm, erkannte die Strafkammer auf 6 Monate Gefängniß, dem An» trage des Staatsanwalt« gemäß. Er E hüllt und dem Sonnenaufgang zugekehrt. Es waren ein Mann und eine Frau, die neben einander saßen. __ c W— ou-f-f er-—*-- en— A----' —--rj—-r~"" ib/vtvMtu wcwuiu, uuuj uer auf der Insel Fuette Ventura gebräuchlichen Methode, um die zarte Gestalt besser zu erhalten. Ein feiner Staub lag auf dem Boden, aber keine Fußspuren, weder von Menschen noch Thieren, &**,%««,*## fX,, 1. 1.. i\,». M-VWI« Wll»4HUtz|U#CJl IlUö/ /UslfWiVTl f waren fichtbar. Keine Einbalsamimng der Leichen hatte stattgefunden; fie waren in der Lust gettocknet. Sie gehören einem von den jetzigen Indianern verschiedenen Menschenschlag an, Finger. Hänve und Füße find kleiner, die Haare der Frau find braun, seidenweich und mehr der kaukasischen Raffe ähnlich. Der Körper des Mannes dürfte zu seinen Ledzeiten etwa 160 bis 200 Pfund gewogen haben; sein jetziges Gewicht ist 14; der Körper der Frau ist 12 Pfund schwer. In den Ohren hat die letztere ein hohles Stückchen Bambusrohr als Verzierung. Die Frau hat eine breite, gut entwickelte Stirn. Der Knabe wiegt blas 3, das Mädchen 44 Pfund. Die Leichentücher find auS Baumwolle, Haar, Gräsern, Häuten und einer Att Rinde zu- sammengesetzt._ „Hqiinenjagd" in Hentfchtand. Schon sett vier Monaten henschte, wie die„K. V.-Z." derichtet, in der Um« gegend von Goslar eine fieberhafte Auftegung, da von einer Hyäne gesprochen wurde, welche die ganze Gegend unsicher mache. Nach eingezogenen näheren Erkundigungen stellte fich aber heraus, daß ein Steppenhund aus einer Menagerie un» weit Goslar entspmnaen war. Wenngleich nun der dortige Förster Walter dem Gerüchte von der Anwesenheit einer Hyäne keinen Glauben schenkte, so fiel es ihm doch auf, daß sich daS Wild seit einiger Zeit auffallend scheuer zeigte, wie bisher, so daß die Anwesenheit eines starken Raudthieres ihm doch wahr« scheinlich erschien. Nach vieler vergeblicher Bemühung, deffelden anfichtig zu werden, hatte er auch endlich das Glück, das Raub» thier auf dem Anstände zu erlegen. Der Kopf dieses ThiereS ist hyänenartig, der übrige Körperbau wie der eines Hundes. Die Farbe ist dunkelgrau und vielfach gefleckt. Die Jagd des Steppenhundcs mußte nicht ohne Erfolg gewesen sein, denn er hatte eine nicht geringe Menge Fett angesetzt und im Magen defand fich, außer Hasenwolle. iittern und Knochen, noch Theater. D i e n st a a, den 25. Dezember. «pernhaa». Der Ring deS Nibelungen. Vor- abend: Das Rbeingold. Mittwoch. Der Ring des Nibelungen. Elster Abend: Die Walküre. Kchauspielstaus. Die Weisheit Salomo's. Mittwoch: Letzte Liebe. z»M«g Theater Heimgefunden. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. A-trtfche» Theater. Die glücklichen BMer. Mittwoch: Götz von Berlichingen. Donnerstag: Die glücklichen Bettler. Walwer-Theater. Madame Bontvard. Vor- her: Der dritte Kopf. Mittwoch; Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- Wilhelm städtische» Theater. Der Mikado. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Wikt-ria-Theater. Ali Bada. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Uestdeaz-Theater. AbbS Constantin. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Ketlrastiaare-Theate». Die Raupe(Le bain des dames). Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Kolks-Theater. Die Jungfrau von Orleans. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Friedrich von Hohenzollern und die Quitzows. KSaigstädtijches Theater. Papa Kiekebusch. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Berliner Kinder. Tentrat-Theater. Leuchtkugeln. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Zldolf-Grn st- Thea ter. Die drei Grazien. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Theater der Reichvhalle«. Spezifitäten- Vorstellung. Berliner Theater. Dienstag. 25. Dezember: Eva. Mittwoch, den 26. Dezember: Die milde Jagd. Donnerstag, den 27. Dezember: Zum ersten Male: Julius Cäsar. Freitag, den 28. Dezember: 15. Adonn.'Vorstcllung: Julius Cäsar. Cirkus G. Schumann. f-riedrich- Kar!- Ufer. Ecke Karlstrabe. (Im früherm ZirkuS K r e m b s e r.) SÜF" De» Tirlm» ist gut geheizt und gegen Zug geschLht."Vm 1. und 2. Werknachtsfeiertag: Zmei groß» Fest- Norstelluuge«. Nachmittags 4 u. Abends 74 Uhr. Nachmittags hat jeder Besucher das Recht, ein Kind unter 10 Jahren frei mit einzuführen. Zum Schluß der Vorstellung: Komische Ballet- Pantomime. Abends 7% Uhr: Zum 9. Male: Dt« schon« Kofi« oder Schulz» mrd Müller im Grient. Donnerstag, den 27., u. Freitag, den 28.: i'. zmei große Crtra» Korstellunge«. Nachmittags 4 und Abends 7% Uhr. American-Theater. WallHM-thMterslpaM» 15. Berliner BehOnheU»» Konkurrenz. Die Tableaux werden von in Kerlin ge- kerenen KchSnheiten dargestellt. Erstes Bild: Aschenbrödel nach F. Hiddemann: Frl. Martha Kögel. Zweites Biw: Unter B-s»» nach P. Thumann: Frl. ♦. Drittes Bild: Hoffnung nach C. v.Bodenhauscn: Frl.-. Viertes Bild: Da» Waffer nach G. 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Druck und Verlag.-«, Ma»«a»m» jn Berlin bW.,«euthfll�TI«Urt« zw»» ftil**"1 1. Beilage zum Berliner Volksblatt. M. 803 Dienstag, den 25 Dezember 1808, S. Jahrg. Weihnachten, em— � angst ist e» still im Wald geworden, Di« letzte» Sänger sind verstreut, Und bei de» Wintersturm« Akkorden Webt die Natur ihr Todtenkleid. Z» Nebelschleiern jeder Gipfel, Die Nebel rings vom Schnee verweht, Gebeugt vom Sturm die dürre» Wipfel, Der tosend durch die Oed« geht. Da« ist die Zeit der düster« Nächte, Die selten nur ei» Stern erhellt; O wer dem Wunsch Erfüllung brächte Nach einer fteien, besser» Welt; Nach sonnenfrohen Erdentagen, Nach Blüthenduft und Sang und Klang, Und nach Erlösung von den Plagen Der Herrschaft, welche uns bezwang! 1 Doch mag der Winter noch so toben, Die Hoffnung schlägt ihr Reis ins Herz, Und wie'S auch schneit und stürmt von droben, ES zieht der Blick fich sonnenwärtS: Was wir so treu im Herze» tragen, Da» wird am Ende doch erfüllt; E« kommt ei« Tag, der alle Klage« Und allen Schmerz der Völker stillt. Die Sonnenwende naht. Sie kündet Die endliche Erlösung an; De» Armen aller Welt verbündet Betritt der Heiland seine Bahn. Nicht lange wird der Frühling säume«, Bald wird die Rose prächtig blüh'n— Mag ev von SchmerzenSblume» träumen, I« uus'rer Mitte seh'n wir ihn. Z« armer Hütte seine Stätte, Geächtet von de« Herrn der Welt; Am Arm die Spur der Sklavenkette, Die er im Zorne hat zerschellt. Nicht trägt er güldene» Geschmeide, Nicht de» Demanten Gluthenker«, Doch glüht und blitzt'S auf seinem Kleide, Da» ist der Armuch Thränenster». So kommt er durch die Welt geschritten, Ihm nach der Jünger zahllos Heer; Es bebe« unter ihren Tritte» De» Eise» Fesseln, starr und schwer. Noch eine bange Weltenstunde, Dan» zieht in heit'rem Siegeslauf Ob uns'rer Erde dunklem Runde De» Frühlings Sonnentag herauf. zokales. Zur Alt«»«- und Invalidenversorgnng schreibt die .Bolks-Ztg.": Die Auslassungen des Abg. Grillenderger darüber, daß es an jeder sicheren statistischen Grundlage für die der Vorlage des Alters« und Jnoalven Versorgungsgesetzes beige« gedmen Berechnungen fehle und daß somit diese Berechnungen vollständig in der Luft schwcbm, haben keinerlei Berichtigung erfahren, was um so mehr befremden muß, als seit der kaiser- ltchm Botschaft vom November 1881, welche die soziale Reform, deren Krönung daS jetzt vorliegende Gesetz sein soll, ankündigte, die Nothwendigleit einer solchen statistischen Grundlage für diese Reform konstatirt war, und tn den verflossenen 7 Jahren doch wenigstens eine Ermittelung über das Durchschnittsalter der Ar- deiter hätte stattfinden können— die Lobpreiser des vorliegenden Gesetze« würden dann wahrscheinlich mit Schaudern erkennen, wte wenig Arbeiter auf die„Wohlthat" der Altersrente rechnen könne». Es ist um so bedauerlicher, daß solche Ermittelungen nicht stattgefunden haben, als ja der Weg zu solchen Er« Hebungen schon einige Jahre vor der kaiserlichen Boischaft de- treten worden ist, allerdings nicht von einem deutschen Sta- ttsttker, sondern von einem österreichischen, von dem Privatdozenten der Statistik an der Universität ,u Prag, Herrn Dr. Popper, weüber Anfang 1879 in der„Vierteljahresschrtft für geiickt- Gewerben veröffentlicht hat. Diese Zusammenstellung, welche als mittlere Lebensdauer der Arbeiter 46 Jahre ergiebt. läßt reckt deutlich erkennen, wie wenig Arbeiter Aussicht haben, die glänzende Altersversorgung von jährlich 72—150 Mark zu tu halten. Es beträgt nämlich nach den Ermittelungen Poppers das durchschnittliche Lebensaster: Bei Goldardeitern 30,6 Jahre, Posamentiren 30,6, Handschuhmachern 31,2, Buchdruckern 32.8, Kellnern 32,8, Bergarbeitcrn 33,0, Steinmetzen 35,0 Pflasterern 35,0, Schlossern 36 3, Drechslern 37,0. Kammmachern 37.0, Knopfmachem 37,0, Buchbindern 39,0, Gerbern 39,8, Schuhmachern 41,1, Hutmachern 41,3, Kürschnern 41,3, Schneidern 41,7, Messingarbeitern 42,0, Uhrmachern 42,0, Mechanikern 420, Tischlern 42, Schneidern 43,1, Bäckern 43,9, Fischern 45,0, Matrosen 45,0, Glasern 45,0, Maurern 46.1, Färbern 46,3, Lackirem 46,3, Schlächtern 47,0, Webern 47,1, Tuchmachern 47,1, Faßbindern 47,2, Zimmcrleuten 47,7, Bierbrauern 49,2, Landarbeitern 50,1, Müllern 51,0 Kutschern 51,5 Jahre. Ja diesen Ermittelungen erscheint auf den ersten Blick dai durchschnittticke Lebensatter von 46 Jahren hoch, da die für die Gesammtbevölkerung angenommene mittlere Lebens- dauer nur ungefähr 36 Jahre beträgt; es muß aber berück- fichtigt werden, daß bei den Betrieben nur solche Personen, welche die Jahre der größten Sterblichkeit überwunden haben, mitgezählt wurden. Arbeiter wird Jemand erst im fünfzehnten Lebensjahre, und von 10000 Menschen, die geboren werden. erreichen nur 6030, also nur»/» das fünfzehnte Lebensjahr. Es tst ober für alle Staatsbürger, welche das fünfzehnte Jahr er- reicht haben, die wahrscheinliche Dauer des Lebens 61,5 Jahre; die Arbeiter werden nach den Ermittelungen Popper'S durch« schnittlich nur 46 Jahre alt, ihre Lebensdauee bleibt also um 15J Jahre hinter der durchschnUUichen Lebensdauer aller Staats- �Od"fich�bei einer allgemeinen, für ganz Deutschland an- gestellten statistischen Erhebung die Ziffnnwr die Arbeiter günstiger oder ungünstiger stellen wurden, läßt fich nicht sagen — bis zu dem Zaßt aber, wo solche Erricbuvgen vorbanden find, müßten wir uns mit dem vorhandenen Material de- gnüzen und dieses zur Grundlage unserer Betrachtungen machen. *<• KSS fc«» in dm nortisaenräjegenwn, nun-.iu,_____________ also in der nördlichen gemäßigten und kalten Zone. Die Sonnen- Verehrung, die bei den alten Völkern des mittleren Asten und Namentlich bei dm alten Persern nachweisbar ist, scheint auch ven nordischen Völkern schon im fernsten Atterthum nicht fremd •twesen zu sein, und vielleicht sind sdie Folgerungm, welche die Geschichtsforscher an dieses auffällige Zusammentreffen der Son- Nenverehrung bei zwei so getrennt von einander rebenden Völ- «in knüpfen, nicht unbegründet, daß nämlich zwischen diesm Völkern in vorgeschichtlicher Zett irgend ein Zusammenhang be- standen haben muß, der die Sonnenverehrung deS einen Volkes auf da« andere übertrug. Das tägliche und jährliche Schauspiel. vaS die angebetete Sonne den im hohen Norden Wohnenden tpt, war für diese nordischm Völker ergreffender, als für die Bewohner der heißen Zone, und so mag es gekommen «jn, daß die scheinbare Wiederkehr der Sonne, die mit der Winter- Sonnenwende beginnt, zu dm großen Festlichketten Zjalaß gegeben hat, die heute noch nicht bloS in Schweden und Norwegen, sondern auch noch in unserer nächstm Nähe, in Neu- Vorpommern, als die Julfeier friedlich neben dem christlichen Weihnachtsfeste fortbest'vm. Wer in Stralsund, GreffSwald aoer auf Rügen einen Winter zugebracht hat, der kennt dos lustige JuMap-Werfen, das darin desteht, allerlei Geschmke, recht vielfach eingewickelt und eingepackt, unter dem lauten Ruf „Julklap" demjeniaen in's Haus zu werfen, für den sie bestimmt sind, wobei der Geschenkgeder aber alles so einrichtet, daß er möglichst unerkannt bleibt. Zweifellos ist dies eine die geschenke- spendende Sonne versinnbildlichende Handlung, in der wir zuerst die uralte Sitte des Sckenlens zu Weihnachten finden. In anderen Gegenden hatdas eindringmdcCbristenthum mit dm Gewohnheiten bei der Wintersonnmwende stark aufgeräumt, aber alles konnten die christlichen Bekebrer doch nicht desettigen. In den Gegen« den das heutigen Westfalen und Thüringen wurden große Kränze aus Tannenreisen gewunden» angezündet und von den Bergen herobgerollt, als Andeutungen des nunmehr wieder- kehrenden Sonnenlichtes, und wohl wenige nur denken an diese» noch bis in das neunte Jahrhundert nachweisbare Schauspiel, wenn sie heute Zuckcrkränze und Lichte an den Tannenbaum stecken. Thatsächlich dürfte unser Weihnachtsbaum nichts anderes sein, als jenes, durch Zeiten und Kulturvcrhältnisse beeinflußte und geänderte Festspiel, und wir sehen, daß die Ge« wohnbeiten des Schenlens und deS W-:hnach!Sbäume« SchmückenS Uederbleibsel echt heidnischer Gewohnheiten find, woraus sich vielleicht erklärt, daß Geschenke und sonstige freudige Weihnachts-Ueberraschungm immer seltener wer- den infolge— der zunebmenden echten Christlichkeit! — Oder irren wir uns Wo so das ganze menschliche Seelen- und Gemüthsleden vom jeweiligen Stande der Sonne beeinfloßt wurde, wie bei den Sonnenverehrern, da erklären sich auch alle jene abergläubischen Gebräuche, welche aus dem Ältcr- thume aus uns herüberkommen find und leider auch noch in unserer Zett sehr stark geübt werden. Die Zett der„Zebnten" oder„Elften", wie die Tage vom 21. Dezember, dem Winteranfang, bis zum 1. Januar genannt werden, ist von Alters her und heute noch allen möglichen Künsten der Wahrsagerei, Hexerei, des Vorausschens der Dinge in die Zukunft und an- deum Unsinn, oder wenn man will,— überfinnlichen Dingen geweiht. Wenn am Abend vor Weihnachten oder Neujahr eine Jungfer einen Löffel voll Grünkohl in den Mund nimmt und damit nach dem nächsten Kreuzweg läuft, um dort in dem ersten Mann, der ihr begegnet, sich über das Aeußcre ihres zukünftigen Gatten zu unterrichten, so ist es schwer, in solchem Unsinn noch irgend einem Anhalt in der Sonnen-Verehmng zu finden. Erklärlicher wird E&on der Aberglaube, daß in den„Zehnten" kein Rad-sich in er Wirthschafr bewegen darf. Die Sonne steht in diesen Tagen scheinbar still und das Rad mit seinen Speichen stellte nach der Meinung der Allen die Sonne mit ihren Strahlen dar. Man braucht von Berlin aus nicht weit auf daS Land zu gehen, um zu sehen, wie die Großmutter am Abend vor Weihnachten,— der 21. Dezember ist diesen Leuten ein zu sehr kalendermäßiger Tag— das Spinnrad nach dem Boden trägt und viele Land« leute zu finden, die um keinen Preis zubewegen find, in diesen Tagen fich das Geld für eine Lohnfuhre zu verdienen. Aber nicht blos das Rad, sondern alles, was, wie der Sonnenball rollt, muß in diesen Tagen ruhen. Erbsen, Linsen und andere Früchte werden in den„Zehnten" nicht gegessen und Groß- mutter sorgt dafür, daß die unentbehrlichen Kartoffeln, ehe sie geschätt werden, erst durchgeschnitten find und damtt ihre runde Gestalt verlieren. Auch der rollende Waffer- tropfen muß ruhen und ich erinnere mich noch recht gut meiner Wäscherin, die mir sehr entschieden erklärte» daß fie in den„Elster" nicht wasche. Dieser Grundsatz wird noch in vielen Familien sehr streng beobachtet. Auf Zuwider- Handlungen gegen alle diese Grundsätze stehen nach der! Heber« zeugurg aller dieser guten chnstlichen Leute schwere Strafen und mancher von ihnen ist fest überzeugt, wenn beispielsweise später dem Nachbar ein Pferd fällt, daß dies nur geschob, weil er mit diesem Pferde in den„Zehnten" oder„Elsten" eine Fuhre gemacht hat. Auf den sehr übersinnlichen Beziehungen zwischen Tropfen und Sonnenball deruht wohl auch das geist« reiche Bleigießen in der Sylvesternacht.— Nun, wir können den Leuten solch Vergnügen nickt stören, das vielleicht ebenso geistreich ist, als manche andere Legende, die um die Winter« sonnenwende fleißig kolportttt wird. Der Rest ist Schweigen. Di« Anmeldung der KetriebsnnfSUe. ES liegt in der Natur der Sache, daß diejenigen Personen, welche von irgend einem bestehenden Zustand Vorthette haben, sich dagegen sträuben, daß die Nachtheile, die dieser Zustand für andere mtt fich dringt, zur Kenntniß der Bethettigten in die Ocffcntlichkett kommen. Man sucht alle solche böse Thatsachen möglichst ge- heim zu hatten oder ihr Bekanntwerden doch nach Kräften zu verhindern, zu verzögern oder zu unterdrücken. So find die Unfälle, die Beschädigungen, welche Arbetter und Angestewe in den Fabrik- und Gewerdebetrieben erleiden, den Unternehmern sehr unbequeme Thaffachen, die fie unter allen Umständen der Kenntniß der Ardeiter nicht nur, sondern auch deS größeren Publikums entziehen möchten. Er könnte die Kenntniß von der Gefahrlichkett gewisser Betriebe den Zustrom der Aroeiter zu denselben beschränken und den Vortheil der Betriedsunternehmer schädigen. Ei könnte andeierscits die„Humanität" des Publikums angeregt werden, die ja für die armen Hunde Asyle errichtet und für die armen Pferde in zärtliche Besorgniß geräth, die dem Ziehhund auf der Straße eine warme Decke unterbreitet, aber achlloS an dem Steinsetzer vorbeigeht, der seinen erhitzten Körper zur Ruhe tn den Ardettspausen auf das katte Pflaster strecken muß, well ihm der humane Hausbesitzer, oft Mitglied eines Thicrschutzvereins, den Aufenthatt in seinem Hausflur verbietet. Wenn man er- fährt, daß in den Fabriken wöchenllich so und so viel Finger abgequetscht, so viele Gliedmaßen zerrissen werden, das könnte diese Humanität unangenehm berühren und vielleicht einen Ruf nach Schutzvorrichtungen herbeiführen, der dem Geldbeutel deS Betriedsunternehmers unbequem sei« könnte. Deshalb leisten die Unternehmer dem Belanntwerden der Betriebsunfälle einen ganz entschiedenen Widerstand. Der§120 der Reichegewerbeordnung in seinem Abschnitt 3, der von dm Schutzvorschristen zur Unfallverhütung spricht, ist, wie der größeste Thell aller Vorsckrfftm, die im Interesse und zum Schutz der Arbeiter erlassen find, ein todter Buchstade ge« dliebm und allm Versuchen der Regierung, tlm zur Wahrheit zu machen, haben die Unternehmer durch ihren Einfluß ein wirk- sames Hinderniß entgegensetzen können. Es ist auch keine Aus- ficht vorhanden, daß hierin bald eine Aenderung zum Befferm eintreten wird. So lange der Grundsatz, dm Herr von Bütticher, der Minister, den Großindustriellen gegenüber in Berlin aus« sprach, daß die Regierung ihre Aufgabe darin sehe, im Jnter- esse der Großindustriellen zu handeln und nicht aufhören werde, so zu handeln, ist nicht zu erwarten, daß die Frage wegen de» Bekanntwerdens der Betriebsunfälle und der Einrichtung von Schutzvorrichtungm irgendwie ernst in Angriff genommen wird, weil derm Lösung gegm das Interesse der Groß« industriellen läuft. Schon einmal hoben die Unternehmer einen Gesetzentwurf der Regierung, der hier eine Besserung bringen sollte, zum Falle gebracht und auch die ganz bcsttmmle Vorschrift des Unfallver- fichcrungsgesetzes, wonach jeder Betriebsunfall, der eine Ardetts« Unfähigkeit eines Arbeiters hervorbringt, die länger als drei Tage dauert, der Polizeibehörde angezeigt werden soll, wird von ihnen nicht beachtet. Es ist ein redendes Zeugniß für die Wahrheit und Auf« richtigkett dieser Kreise, die fich gerne als Vie Stützm von Gesetz und Ordnung hinstellm, zu sehm, wie fie jedes" Gesetz, da« ihren Interessen entgegen ist, mißachtm und um- gehen. Die Fabrikinspettoren haben es ausdrücklich festgestellt, daß der§ 51 des Unfalloerstcherungsgesetzes, soweit er von der Unfallanzeige spricht, von den Unternehmern nicht beachtet wird, und die Regirrung erklärt, daß fie nicht deadfichttgt, Schritte zu thun, um die Einhaltung dieser Bestimmungen zu erzwingen. Wir können die Ardeiter in ihrem eigenen Interesse nur darauf hinweism, daß fie es selbst in die Hand nehmen müssen, hier Wandlung zu schaffm. Da dem Ardeiter aus dem Unfall Rechte erwachsen, wmn vielleicht auch erst nach längerer Zeit fich die nachtheiligen Folgen desselben demerllich machen, er aber zur Verfolgung dieser Rechte deweisen muß, daß er durch einm Betriebsunfall geschädigt ist, so ist es für ihn noth« wendig, daß nach jedem Unfall der Thatbestand durch die Polizei festgesteM wird. Es bleibt dem Arbetter also nichts andere» übrig, als die Anzeige bei der Polizei selbst zu be« sorgen. Es ist Aufgabe und Pflicht der Ardettervereine und der Arbeiterpresse, die Arbeiter hierauf ganz entschieden hin« zuweisen. Zm Anzeige ist eine desondere Förmlichkeit nicht erforderlich. Es genügt eine Postkarte oder ein per- sönlich abzugebender Zettel an die Ortspolizei, worin gesagt ist: Heute ist der Ardeiter so und so, in der bestimmt zu de» zeichnenden Fallrik durch einen Betriebsunfall zu Schaden ge« kommen, so daß er länger als drei Tage arbettsunfahig sein wird. Dieser Zettel braucht gar nicht von dem betreffenden Arbetter selbst geschrieben zu sein, sondern es ist jede beliebige Person dazu berechtigt. Es braucht also niemand die Anzeige zu machen, der dadurch Schaden für fich zu befürchlen bat durch Maßregelung settens der Fabrikanten und Betriebsunter- nehmer. Besonders die Ortsverrvaitungen der freien Htlsfkaffen sollten es nie unterlassen, wenn verunglückte Arbetter Kranken« Unterstützung beanspruchen, davon sofort der Polizeibehörde An« zeige zu machen. Wenn dadurch auch nicht zu erreichm ist, dcß nun alle Betriebsunfälle zur Kenntniß der Behörden kommen, so wird doch eine erhebliche Verbesserung des jetzigen, die Arbeiter schädi- genden Zustande» zu«reichen sein. Uns«« Dnnmkult i« Weih»«cht«« ist kein bloßer Zu« fall, in ihm lebt vielmehr ein Stück des uralten Baumkultus fort, dem einst die Ahnen der Deutschen vor Annahme deS Christenthums ergeben gewesen sind. Wie wichtig jener für die ursprüngliche Religion der alten Germanen war, erhellt aus der Strenge, mit welcher die Apostel der neuen Lehre wider den Baumkutt vorgingen. Der heilige Adalbert, der Bischof von Prag, büßte s«n Leben ein, als er es wagte, unter de« hetdni« schen Preußen die Axt an einen solchen geweihten Stamm zu legen. Aebnlich war daS Schicksal des Friesen- Apostels Winfriv, als er die Eiche des Donnar bei Geismar trotz des Wider- rathens seiner Freunde gefällt hatte. Dem Christenthum mackte dieser Baumkult keine geringe Sorge. Hervorgegangen aus den Gebräuchen Polästinas, wo man die Gottbeit in prächtiam Tempeln verehrte, verlangte man es auch zuerst mit einer gewiffen Starrheit, daß die Bekenner der neuen Lebre sich in einem steingefüaten Raum versammeln soMen. Dazu konnte sich jedoch der Germane, welcher gewohnt war, mit den Göttern Walhallas unter freiem Himmel zu verkehren, nicht so leicht verstehen. Kirchliche Erlaffe und wellliche Strafen versuchten, den widerstreben Sinn gefügig zu machen. Als dies nichts fruchtete, mußte man schließlich wohl oder übel daran denken, mit diesem Ucberbleibsel einer uralten Naturreligion stch auf einen freundlichen Fuß zu stellen. Das hat die Kirche stets ge« than, wenn fie sah, daß eine Lehre des neuen Glaudens mit der Anschauung der germanischen Bevölkerung nicht im Ein- klang zu bringen war. So wurde der Baumkult denn in das Christenthum verpflanzt und schlug tiefe Wurzeln. Zuerst aller- Vings nicht allein als Schmuck der Weihnachten, sondern auch anderer bedeutungsvoller Tage im Jahre. Vor allem im Mai als Pfingstbaum und am Johannistage. Karl der Große beging noch mitsammt seinen Großen das Maifest in jener altgerma« nischm Weise, welche voll war von Anklängen an die eben adgethane Religion seiner Vorfahren. Auch daS Mittelalter ist noch mit den Erinnernnacn.an den Baumkult erfüllt. Dieser dmchwuchert daS Volksleben derart, daß fich nicht nur die Kirche, sondem auch die weltlichm Machthaber immer wieder mit ihm befreunden muffen. So erwähnt eine Münchener Urkunde vom Jahre'401,„daß Herzog Stephan und sein Ge- mahel und das Frawel aus dem Margt tanzten mit den Pur- gerinnen" dei einer solchen Feier. Nicht minder gemütdlich muß es 1497 hergegangen sein, wo Kaiser Maximilian im Frohn- hofe zu Augsburg ein solches Volksfest zu seinen Ehren veranstaltet sah. Einen mächtigen Maienbaum hatte man damals errichtet, um welchen dann Susanne Retthatt, die schönste Jung- frau der alten freien Reichsstadt, mit dem jungen Kaisersohn Philips den Reigen tanzte. Heute hat fich jene alte germanische Sitte nm noch als Putz für die Weihnachten und Pfingsten er- halten. Dabei ist es ein charakteristisches Merkmal unserer Zeit, daß selbst Gegenden, wo der Chrtstbaum schon völlig in Ver- aeffenhett gerathen war, wieder zu ihm zurückgekehrt find. In Wien ist dies bekannllich den Kunsllern des BurgtheaterS zu danken, welche, meist aus Deutschland stammend, mtt Enerke dem Tannenbaum seinen Platz innerhalb der allen Kaiserstadt an der Donau wieder erkämpften. Noch vor einigen Dezennien hätte Niemand vermuthet, daß der grüne Schmuck so schnell zm öffentlichen Beliebtheit an der schönen blauen Donau gelangen werde. Gfo« interreflante Zeitungsstatistik liefert die jüngst vom Post-Zeitungsamte in Berlin herausgegebene Preisliste für das Jahr 1889. Es beträgt nach derselben die Zahl der durch die Kaiserlichen Postanstallen des Reichspostgediets zu beziehenden Zeitungen, Zeitschriften u. s. w. in deutscher Sprache 6792, in fremden Sprachen 2677, und zwar von letzterm in armenischer Sprache 1, in bulgarischer 1, in kroatischer 2, in czechischer 17, in dänischer 191, in englischer 897, in finnischer 4, in französischer 727, in griechischer 12, in hebräischer 3, in holländischer 172, in italienischer 150, in litthauischer 5, in norwegischer 69, in verfischer 1, in polnischer 100, in portugiesischer 8, in romanischer 2, in rumänischer 14, in russischer 58, in ruthenischer 2, in schwedischer 140, in serbischer 3, in slowakischer 2, in slowenischer 4, in spanischer 49, in türkischer 2, in ungarischer 28, in vlämischer 6 und in wendrscher Sprache 6. Von den in der Preisliste auf- geführten Zeitungen in enalischer Sprache erscheinen 403 in London und 115 in New Jork, von denen in ftanzöfischer Sprache 296 in Paris. Die Reichshauptstadt Berlin hat die stattliche Zahl von 418 daselbst herausgegebenen Zeitungen auf- zuweisen. Von den im Auslande erscheinenden Zeitungen in deutscher Sprache entfallen die meisten auf Nordamerika; es er- scheinen in New-Dork 18, in Cincinnati 10, in Chicago 7, in Milwaukee 6, in Philadelphia 4, in Balttmore 3, in Cleveland 3, in San Francisco 3, in St. LouiS 3, in New- Orleans 2, in Boston 2 u. f. w.— ein Beweis, wie stark das Deutschthum in den Vereinigten Staaten vertreten ist. In Rußland erscheinen 17 deutsche Zellungen, in Ungarn 11; auch Südafrika(Capstadt) liefert eine, ebenso der Osten Afiens(Shanghai). Endlich darf nicht verschwiegen werden, daß auch in Paris eine Zettung in deutscher Sprache erscheint, es ist dies das Börsenblatt. Zfe» RathvkrUer i« Kerlin scheint während des 18. Jahrhunderts kein recht degehrenswerthes Pachtobjett gewesen zu fem. Der Magistrat erließ, wie der„Bär" in Erinnerung bringt, unterm 3. Januar 1711 eine Bekanntmachung behufs «etterer Verpachtung, und lud alle diejenigen ein,„so etwas Belieben dazu haben, auf dem Rathhause zu erscheinen und zu gewarten, wie mtt dem Meistbietenden, gegen genügsame Sicherheit auf einige Jahre geschloffen werde. Es fand fich aber Niemand mtt„etwas Belieben zum Schließen", auch nicht, nach« dem dreselde Bekanntmachung vierzehn Mal hintereinander er- gangen war. So gab denn Magistrat beim fünfzehnten Male „männiglich kund", daß ein letzter Termin am 15. März stattfinden, alsdann aber„unfehlbar geschloffen" werden sollte. Und so geschah es denn auch. Die verschiedenen Sorten Bier, welche damals und spater noch im Rathskeller ausgeschäntt wurden, können mtt Bezug auf ihre Mannigfalttgkett— vielleicht auch der Qualität nach— den Heuligen Gebiäuen ebenbürtig zur Seite gestellt werden; bezüglich des Preises aber darf billigermaßen die sogen,„gute alle" Zeit den Vorrang beanspruchen. Ein tabellarisches Verzeichniß aus dem Jahre 1729 möge dies erhärten.___ Brühan..... das Quart 1 Gr. 6 Pf. Zerdster Bier...„ 1„ 8„ Kottduffer.....„ 1„ 4„ Kroffener.....„ 1„ 6„ Garlrp......„ 1„ 6„ Lebuser.....„ r„ 5„ Bernauer.....„ r„—„ Ruppiner.....„ I«—« Brandenburger...„—-» Fürstenwalder...«—* 10„ Cüstrmer.....„ I„ 3„ Canhäuser....„ 1„ 6„ Cöp.(emcker) Moll.(?)„ 1„—„ Küssen Bier•••.•-» 1#%« aih.(refiges) Weiß-Bier„—„ 5„ Giisten-Lter....„—„ ö» Aus dem Jahre 1745 liegt ein Plakat vor, das wörtlich '„Nachdem die Verpachtung deS Berlinischen Raths- Kellers am heutigen Termin adermal nickt zum Stande kommen, so ist ein anderweitiger Terminus auf den 18. Dezember a. c. anberaumet, und wird solches hiermit öffenttick bekannt gemachet, damit der oder diejenigen, welche solchen Keller mtt Rheinischen und anderen fremden Wemen wie auch stemden und einländischen Bieren zu verlegen und den Schanck und Nabrung zu über« nehmen willens, fich in desagten Termin Vormittags um 10 Uhr in der Rarbs> Stube gestellen, darauf bieten und erwäitigen. daß mehrdesagter Keller, mit allen dad-v de- fiadtichm sehr commoden Loglamentern an den Nierst. dietheuden auf 6 ov-r 9 Jahr üver lassen werden solle. regerer Verkehr scheint in dem Köllnffchen Rathskeller stattge- fundcn zu haben, denn die Pacht bclief fich damals auf 116 Rihlr.: außerdem zahlte Palmiö für den Wcinverkauf 80 Rtblr. Im Wcrdcrschen Rathshouse ergab der Pachtzins 170 Rthlr. Im übrigen muß die„Konsumtion" von Wein und Bier eine recht bettächlliche gewesen sein; denn obgleich das Kroffener und Wusterhausencr Bier von der Besteuerung gänzlich defreit war, führte dieselbe(auch„Einlage- Geid" ge- nannt) dem Stadtsäckel die höchste Einnahme zu. Dieselbe de- lief sich in den fiedenziger Jahren durchschnittlich auf zirka 9734 Rrhlr. jährlich und wurde von dem„Rendanten der Rathbäuslichen Geträncke-Einlage" verwaltet. Pi« alt»»«« Gewichtsstück», welche nach dem 31. Dezember d. I. im öffentlichen Verkehr nicht mehr zugelaffen wer- den, find folgende: a. eiserne Gewichtsstücke zu 20 Pfund in Bombenform, b. eiserne Gewichtsstücke unter 10 Kilogramm mit fester Handhabe(Griff) statt des vorgeschriebenen Knopfes, c. eiserne Gewichtsstücke mtt beweglichen Handhaben, Ringen und dergleichen: d. eiserne Gewichtsstücke in Zylinderform mit Justtt« Höhlung an der Bodenfläcke oder mtt einer sonstigen Justir« Einrichtung, welche der Vorschrift des§ 39, Nr. 3 der Aich- Ordnung vom 27. Dezember nicht entspricht; e. �ewichls- stücke in Gestall vier- oder achtsettiger Prismm; f. Gewichtsstücke in Gestall abgestumpfter sechsseitiger Pyr miden; g. Gewichtsstücke auS Messing und verwandten Legirungen in zylindrischer Form ohne Knopf, sowie solche von 200 Gramm abwärts in zylindrischer Form mtt Knopf, dei denen aber die Höhe des Zylinders gleich dem Durckmeffer oder größer als der letztere ist; h. Gewichtsstücke aus Mesfing und dergleichen von würfelförmiger Gestalt, sowie in Gestalt von ebenen oder gebogenen Platten; i. zylindrische Gewichtsstücke zu 4 Pfund, dei denen die Höhe deS Zylinders gleich oem Durckmeffcr oder größer als letzterer ist. falls dei diesen Stücken die Dimenfions« Bestimmungen des§ 37 der Aich-Ordnung(zulässige größte Höhe 78 Millimeter, zulässige kleinste Höhe 65 Millimeter) nicht eingehatten find, feiner zylindrische Gewichtsstücke zu i Pfund, bei denen die Höhe des Zylinders kleiner ist als der Durch« meffer deffelben; k. alle Gewichtsstücke zu 5 Pfund und alle solche Gewichtsstücke unter 10 Pfund, welche nach Zentner de- zeichnet find, sowie alle Gewichtsstücke unter i Pfund, welche nach Pfund bezeichnet find. Ka«»ine» städtisch»« W(tss*rl»it««g in Kpandau. Zm Ausführung der Vorardetten für den Bau einer frädtischen Wafferleitung find von der Spandauer Stadtverordneten-Ver- sammlung 2000 M. bewilligt worden. Es ist nun in erster Linie erforderlich, durch Bohrungen zu ermitteln, wo geeignetes Trinkwaffer zu erlangen ist. Man ist, dem„A. f. d. H." zu- folge, geneigt, das System mtt Adesfinierdrunnen, wie es u. a. vielfach in Amerika mtt Erfolg eingefühtt ist, der Waffergewin- nung durch Fillerwcrke vorzuziehen. Die Kosten werden auf 1 Million Mark geschätzt. D»» Reptilieub» stand d«« Zoologisch-.« Gart»«« ist wegen Mangels an Platz an das Aquarium verkauft worden. Es find nach dem Aquarium u. a. vier Mokkasfin- Schlangen, sehr giftige Schlangen aus Südamerika, übergestedell, darunter eine, die fich bereits sett 20 Jahren im Zoologischen Garten de- fand. Ferner find zu erwähnen eine Riesenschlange, große Klapp-rschlangen mit sehr ausgebildeten Klappern, eine sehr bisstge Geierschtldkröte, die isolttt geHallen werden muß, Krolo- dlle, japanische Riesm- Salamander von über 1 Meter Länge, die in Japan gegeffen werden, u. dal. m. Der Transport er- forderte die größten Vorsichtsmaßregeln. A«» Ianstda» theilt das„Forster Wochenblatt" den Brief eines Matrosen mit, den derselbe auf dem Flaggschiff„Leipzig" vor Sanstbar an seine Verwandten geschrieben hat. Dem Briefe entnehmen wir das Nachstehende:„Wir hätten eigentlich sckon längst(der Brief ist datttt vom 11. November er.) von hier fort sein muffen, aber die Unruhen in Sonfibo» hielten uns so lange in diesem ungesunden Klima auf. Am 19. September verließen wir Sansibar und gingen nach Bagamoyo, wo am 20. und 21. unsere Torpedoschießüdungen abgehallen wurden. Am 22. September— es war ein Sonnabend— war„rein Schiff" und ein jeder hatte dabei zu thun, als wir gegen 10s Übt vom Land aus Schüsse hörten. An Bord erscholl das Kommando „Boote armiren zum Landen!" Es wurden alle Boote zu Waffer geführt und mtt den in dieselben gehörigen Geschützen verleben, die Bemannung nahm die Handwaffen, erhielt scharfe Patronen und die Boote stießen ab. Wir halten eine ganze Strecke zu rudern. Als wir dem Lande näher kamen, wurden starke Gewebrsalven uns entgegen- gesandt. Unsere Bootsgeschütze thaten jedoch ihre Schuldigkeit, und wir kamen ans Land. Die Neger versteckten fich in den Häusern und hinter Gebüschen und schössen aus dem Hinter- halte. Bis Nachmittags 5 Uhr standen wir im Feuer, dann „war die Arbeit fettig." Eine Wacke von 39 Mann dl eb am Lande, die übrigen Mannschaften lebtten an Bord zurück. Immer wieder jedoch zeigten sich feindliche Schaaren, und mußten wir drei Wochen lang Wachen ans Land schicken. Ich bade bei dieser Gelegenbett mir daS Fieber geHoll. Ende vorigen Monats haben wtt ein Dorf, Windy, zusammengeschossen, und zwar aus dem einfachen Grunde, well die schwarzen Rebellen nicht Ordre pariren wollen.(!!) Wtt wurden mit der Aufforde- rung ans Land geschickt, das Volk solle den Häuptling inner- halb 15 Minuten ausliefern. Da dies nickt geschah, wurde kurzer Prozeß gemacht. Ich habe allein 103 Schuß mit dem Reoolvergeschütz abgefeuert. Ruhe ist immer noch nicht einge- treten und der Aufruhr wird auch wohl noch länger anhalten, doch da das Klima zu ungesund ist, werden wir wohl zum Herbst abgelöst weiden. Dtt Hitze ist fast unerträglich, und von Weihnachten, an daS Ihr wohl jetzt denkt, ist hier wenig zu spüren!"— DaS find also die Werke der Zivilisation, mit denen man unsere„schwarzen Brüder" zu wohlerzogenen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu machen deabfichtigt. D»r K»rli«»r Woh«««g»ans»ig»r, welcher fich püntt- lich als Wtthnachtsgade eingesiellt hat, giebt über die Zu« sammensetzurm der großen Famllie der Urberliner gar sellsame Auskunft. Wir sehen daraus, daß an der Spitze dieser Familie 3„Eltern" stehen und 15 Väter über das Wohl und Wehe zu bestimmen haben. Mütter find nicht vorhanden, wenn man nicht dte„Mammen" zu ihnen zählen will, auch das gefürchtete Bild der Schwiegermutter zeigt fich nicht, denn es marschiren zwar 16„Schwieget" auf, denen jedcck das Ewig- Weidliche glücklich fern geblieben ist. Die 8„Fr ei er" und 13„Bräutigams" werden darüber nicht gerade döse sein, ebensowenig der vorhandene Tochtermann. Die Zahl der„Ehemänner", bezw. Ehmänner" beträgt nur 4, dagegen zählen wir 60„Männer" und nur 2„Weiber", unter den elfteren 2„Gattermänner", 24„Gutmänner", 19 Minder männer" und 2„Kinder- vater", 4„Fre tmänner" und 1„F r a u e n k n e ch t". Zu den 3„Göhren" und 1„I ö b r e n", 12„Kinde r", 7„Kindel", 2„Söhne". 2„Söhnel". 1„Söhn- lein" und 14„Knabe n", unter ihnen 2„Zw illinge", 6„G utiinder" und 1„Bad«". Unter den 4„M ä d e l" find 3„Lieblinge". Das vierte aber ist„V a t e r l o ß". Sonst rechnen fick noch zur engeren Familie 45„V e t t e r". 2„Neffen", 3„Kussinen". 1„Nichterkein" und 1„Enkel". ZU* Ak»-ch»««g geht uns folgendes Schttftstück zu: Abrechnung vom Wahlkomttee deS 37. Kommunal-Wahlbezirks. Einnahme Ausgabe 233 M. 90 Pf. 283 M, 90 Pf. Das Wahlkomitee. A. Hintze. K. Plautz. G. Spttttsiößer. O. Thierdach. E. Wagner. Dtt Abrechnung konme nicht früher erfolgen, da ein Mit- glied des Wahllomttees bis vor kurzem inhaftitt gewesen ist N-«»i«»» Spirit«»»rplosto«. welche in dieser Woche in einem Wirthshause stattgefunden, macht die„D. Gastwttth- Zeitung" zm Warnung folgende Mittheilung: Der in dem Hause Markusstraße 13 wohnende Gastwirth Herr Müller war in Gemeinschaft seiner Frau beschäftigt gewesen, Spirttus von einem Gebinde auf Flaschen abzuziehen, während ein zehn- jähnger Knabe beiden mit einer offen brennenden Kerze zm Arbeit leuchtete. Der Knabe muß dem Faß mit dem Lichtt wohl zu nahe gekommen sein und den Spiritus in Brand ge- setzt haben, denn plötzlich erfolgte eine heftige Exploston und ehe noch die erschreckten Eheleute fich in Sicherhett zu bringen vermochten, ergoß fich die brennende Masse namentlich über die unteren Körpctthelle der Frau, welche schwere Brandwunden erlitt. Der Mann kam mit geringfügigen Verletzungen davon, ebenso waren die Brandverlctzungen des Kindes verhältnißmäßig ttichte. Die schwerverletzte Frau Müller wurde in einem an» scheinend hoffnungslosen Zustande in ein Krankenhaus geschafft. Unter« und Oberschenkel, sowie der Unterleib find schwer ver» drannt.— Möge dieser so traurige Vorfall wiederum zm War- nung dienen und zm endlichen Anwendung der größten Vorstcht dtt so gefährlichen Arbeiten ermahnen. Zi««g»»Lckt. Das in der Tauben- nahe der Fttedrich« straße belegene Restauränt„Koloffeumdräu" ist augenblicklich völlig herrenlos. Sowohl der Befitzer als dessen Gattin haben in sckleunigster Flucht ihr tzttl gesucht, da fie die Fortsetzung des Etabliffements dei dessen schlechiem Geschäftsgänge nicht durchsetzen tonnten. Für dies geschäftliche Mißgeschick Trost zu suchen, hatte e r stch in die Arme seiner Köchin und s i e fich an die Brust deS Oberkellners geworfen, und so gepaart haben fie das Wette gesucht. Da aber ttn Oderkellner vor einer Köchin den Vorttttt haben muß, so ging«sl sie davon, während ihr Gatte zwtt Tage später in Begleitung der Köchin Berlin den Rücken kehrte. Augenblicklich wird daS Restaurant von dem Personal fortgefühtt, welchem der Biettieferant Kredit gewähtt, um dtt dmch das plötzliche Verschwinden ihres Brotherrn in Bedrängniß geratbenen Leute vor der äußersten Roth»u schützen. M»«» R»ch»»ch»« im Prozeff Dickhosf find im Gange. Von authentischer Sette gehen hiefigen Btättern die fola enden Mittheilungen zu. Es find gestern der hiefigen Kriminalpolizei zwtt Anzeigen zugegangen, die fick auf ttn Wirtbshausgesvräch beziehen, welches am Sonnabend Mittag in dem Blamberg'schen Lokal in der Httligenattststtaße 23 stallgehabt hat. Ein Haus« diener, der zu jener Zttt dort anwesend war, trat mtt der Bc- hauptung auf, der Führer einer Droschke erster Klasse habe ge- sprächsweise erklärt, er wisse. Dickhoff sei persönlich unschuldig, er, der Droschkenkutscher, babe zwei Scklächtergesellen gefahren, welche im Austrage Dickhoff's die Mordthaten ausgeführt hätten. Etwas anders lautet die zweite Anzttge, welche von dem Te- legraphenbeamten Schmivt ausgegangen ist. Dieser Anzttge nach hat fich der Droschkenkutscher wtt folgt ausgelassen: Er hätte eigentlich in dem Prozeß Dickhoff als Zeuge gelade« werden müssen, er kenne Dickhoff persönlich; derselbe stt mehr- fach mit ihm nach Rixdorf gefahren und habe ihm erzählt, daß er eine Alte kenne, daß er aber nicht im Stanve sei, die That allttn auszuführen, er habe indessen zwei Schlächtergesellen„an der Hand", die aus dem Zuchthaus entlassen seien und dtt eS schon besorgen würden. Dann soll der Kutscher nach der An» zeige des Schmidt noch himugefügt haben, er bade den Dick- hoff thatsächltch häusig in Gesellschaft zweier Männer gesehen» die wohl die beiden Schlächter gewesen seien. Der Telegraphen- deamte will nach diesen Erzählungen den Kutscher nach Namen und Wohnungen gefragt haben, der Kutscher habe aber Angaben verwttgett. Die Kttminalpolizei, bemerkt ttn Blatt, dtt im Allgemeinen derartigen Biergesprächen wenig Gewicht beilegt, wird selbstredend dm Kutscher zu ermtttttn suchen. K«»v»g«ng de» Kevöiderung der Ktadt Kerii«. In derWoche vom 2. Dezember die 18. Dezember V.J. fanven 259 Eheschließungen statt. Ledendgeborm wmdenItOS Kinder, darunter 94 außerehelich, todtgeboren warenj 28 mit 7 außerehelichen. Dtt Lebendgedorenm find 32,1, die Todtgeborenen 1,0 pro Mille der Bevölkerung, die außerehelich Gedormm find dtt den Lebmdgebormm 10,4, bei den Todtgeborenen 25,0 pCt. Dtt Zahl der gemeldeten Sterbefälle betrug 508, die sich auf dtt Wochmtage wie folgt vertheilen: Sonntag 87, Montag 85, Dienstag 66, Mittwoch 59, Donnerstag 74, Freitag 72» Sonnabmd 64. Von den Gestorbenen erlagm an Ms- fern 6, Scharlach 5, Rose 1, Diphtbentis 30, Bräune 3, Keuchhusten 5, Kinddtttsttber 3, Typhus 3, Ruhr 0, SyphlliS 0, Altersschwäche 19, Gehirnschlag 15, Lungenentzündung 35, Lungenschwindsucht 58, Diarrhöe 9, Brechdurchfall 7, Magendarmlat arrh 7. Durch Vergiftung kamen 3 Per orten u», bicroon 1 durch Selbstmord, 1 durch Alkoholvergiftung (Delirium tremens). Eines gewaltsamen Todes stardm 1p Personen, und jroar durch Ucbctfahtcn Ertrinken 1- Erhängen 5, Sturz oder Ersticken 2. Hierunter find mord herbeigeführt. Dem dmm: unter 1 Jahr alt sammtsterdlichkeit), 1" 20 Jahre 5, 20-30 Schlag 3. Schußwunde l- 7 Todesfälle durch Selbst- Alter nach find die Gestoj' 161(31,7 Prozent der g 5 Jahre 92, 5-15 Jahre 20, 16 bS Jabre 25, 30-40 Jahre 40, 40 bis 60 Jahre 71, 60—80 Jahre 79, über 80 Jahre 15 Personen- Jn hiesigen Krankenhäusern stardm 115, einschließlich 11 Auswärtige, welche zur Behandlung hierher gebracht waren. Auk dtt Standesämter vertheilen fich die Todesfälle folgendermaßen- Berlin-Köln- Dorotheenstadt(I) 19, Friedrichstadt(11) 22. Fttedrich- und Schöneberger Vorstadt(>I>) 30, Fncdrich- urw Tempelhofer Votttadt(IV) 34, Louisenstadt jenseits, westW (Va) 28, Louisenstadt jenseits, östlich(Vb) 26, Louisenstadt diesseits und Nm-Köln(VI) 38, Stralauer Viertel, westlich(VÜ*' 40, Stralauer Viertel, östlich(Vilb) 37. Königstadt(VW) f' Spandauer Viertel(IX) 28, Rosmthaler Vorstadt, W* lich(Xa) 47, Rosenthaler Vorstadt, nördlich(Xb) Oranienburger Votttadt(Xi) 32, Fttedrich- Wilhelmstadt u»» Moabit(XU) 35, Wedding(XUl) 32. Die Sterbefälle fw- 13,1 pro Mille der fortgeschttebmen Bevölkerungszabt (1 468 757).— Die Sterblichkeitszifier in folgenden Stadt� des Deutschen Reiches mtt mehr als 100000 Einwohnern bctn» w Aachen 12,9, Attona 20.0, Barmen 13.6, Bremm W Breslau 26.9, Chemnitz 25.4, Dan, ig 26,9, Dresden 20> Duffeldott 22,4, Elberfeld 15,2, Frankfurt a. M. 17,2, Hamb»« tnu Vororten 27,3, Hannover 17,9, Köln 25,1, Königsberg M Lewiig 15,2, Magdeburg 21,3, München 26,5, Nürnberg 22,»' Stettin 21,6, Straßburg i. E. 21,5, Stuttgart 17,2 pro Ä In anderen Großstädten Europas mit mehr als 3000Uy Einwohnern betrug dtt Sterblichktttsziffer in Amsterdam 22%! Budapest(Vorwoche) 27,7, Dublin 27,0, Liverpool 23,6, Londo« 17,8, Patts 21,7, Petersburg(Vorwoche) 25.7, Warschau(%. woche) 18,1, Wim(Vorwoche) 23,2 pro Mille.- Es«nirt*» 3182 Zugezogene, 2493 Weggezogene gemeldet, so daß#«2 Bevölkerung mit Einrechnung der nachträglich gcmeldetm v, nuyv(vuuuf �»i» wu/iufjc Utl c, 1 469 647.— In der Woche vom 9. bis 15. Dezember d. v- kämm zur Meldung Jnfettions-Ettrankungsfälle an Typhttt I, Pocken 0, Masern 158, Scharlach 96, Diphthetttis 98. 6"� bettfieber 6.~ P-ttk«U.«»icht. Am 21. d.M. Morgens kam derTst»� Ersendlcuter in der mechanischen Werkstatt von Gursch u. Klew� Fehidellin'' Kreissäge endlarter in der mechanischen Werkstatt von Gursck w Meim- hibellinerstraße 18, mit der Hand einer im Gange bGndllco -issage zu nahe, so daß ihm der Mittelfinger durchscknt" M fiSÄ ää'-sä"WS Augustasttaße 33 von Krämpfen befallen und d-fstn so unglücklich zur Erde nieder, daß er»ine deveu.� Verletzung am Hinterkopfe erlitt und nach der Chartt.» � werden mußte.— Nachmittags wurde in der fflrtmml B- der Admiraldrücke, ein acht Jabre altes Mädchen von einem Bierwaaen und vor dem Hause Oranienstraße 4 ein Mann von einem Pferdeb�hnmagen überfahren. Das Mädchen erlitt einen Bruch beider Oderschmleh sowie innerliche Verletzungen, und der Maun einen Beinbruck. Beide Verletzte fanden im Krankenbause Belhir.ien Ausnahme.— Der Kutscher eineS P cketpost Hilfswazens fiel Abends vor dem Hause Ziegelstraße Nr. 21 beim Absteigen von seinem Wagen auf daS Asphaltpflaster hinab, so daß er einen Schädel» druck erlitt und nach der königlichen Klinik gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde ein Arbeiter vor dem Hause Jnvalidenstraße 95 mit n ehrerm Kopfwunden auf dem Bürgelsteig liegend aufgefunden und nach der Charitee gebracht. Seinen Angaben zufolge ist er in einer Schankwirthschaft von einem ihm unbekannten Manne so geschlagen worden.— In der Hahn'schen Wollspinnerei, Schillingstraße 12, gerieth Nachmittags ein Ballen Wolle und eine Krempelmaschine in Brand. Das Feuer wurde von der Feuerwehr gelöscht.— Am 23. d. M. Nachmittags sprang ein Schlächter in selbstmörderischer Absicht von der Roßstraßenbrücke in den Spreekanal, wurde jedoch noch lebend aus dem Waffer gezogen und, da er krank zu sein schien, nach der Charitee gebracht.— Zu derselben Zeit wurde der Schuhmacher Schöne, als er fich in das Bardiergeschäft Kurfürstenstraße 165 im Keller begeben wollte, von einem Blut« stürz befallen, so daß er die Treppe hinabstürzte und auf der Stelle verstarb.— Abends versuchte ein Former fich in einem Schanklokal in der Prinzensttaße durch den Genuß von Salz- säure zu vergiften. Der Schwerverletzte wurde nach dem Krankenhause Bethanien gebracht. Gerichts-Ieitung. Gine ergreifende Szene spielte fich in einer Verhand» lung ad, welche am Sonnabend vor der 4. Sttaskammer des Landgerichts 1 stattfand. Aus der Untersuchungshaft wurde ein junger Bursche, der 19jährige Schlächtergeselle Liborius Schwerdt, vorgeführt, der fich eines höchst frecken Diebstahls schuldig ge» macht hatte. Er hatte am.hellen Tage ein dem Wurstfadri- kanten BreSlauer gehöriges Fuhrwerk, das mit den Fleischwaaren einen Werth von über 1500 M. hatte, gestohlen, während der Führer es für wenige Minuten in der Dresdmerstraße unbeauffichtigt hatte stehen lassen. Der Dieb wurde indessen verfolgt und ihm die Beute wieder abgenommen, bevor er fie verwerthcn konnte. Als der Angeklagte im Termin die Ausrede versuchte, daß er fich nur einen Scherz habe machen wollen und als der Vorfitzende ihm das Unwürdige und Zweck« lose des Leugnens vorhielt, ertönte plöelich aus dem Zuhörer- räum der Zwischenruf:„Lümmel! Was hast Du gethan? Deine Mutter liegt in der Erde." Es war der Vater des Angeklagten, ein Mann, der mit keuchender Stimme und unter allen Anzeichen, daß ihn ein gewaltiger Seelenschmerz bewegte, diese Worte hervorstieß, während ibm die hellen Thränen über die bleichen gefurchten Wangen rannen. Der Angeklagte sab fich scheu nach seinem Vater um und vergoß ebenfalls Thränen. Der Vor- fiyende mußte den alten Mann crmahnen, fich ruhig zu ver- halten und die Verhandlung nicht zu stören; stumm rang er die Hände, als der Staatsanwalt die große Frechheit schilderte, mit der der Angeklagte den Diebstahl ausgeführt und hierfür eine Gefängnißlirase von sechs Monaten beantragte. Der Gerichts- Hof deiückfichtigte die Fugend und bisherige Undelcholtenhett des Angeklagten und erkannte nur auf drei Monate Gefängniß, wovon ein Monat durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurde. Di-«-winulift-»i»-r»icht staatlich-» L-tt-ri- ist als gegen Nachdruck geschütztes Geistesprodutt anzusehen. Diesen RechtSsatz stellte der zweite Sttaftenat des Reichsgerichts in seiner letzten Sitzung auf. Das Komitee für die Herstellung und Ausschmückung der Mariendurg übertrug die Arbeiten dn: Ziehung der zweiten Lotterie, sowie die Herstellung der o f f i, t e l l e n, von ihm unterzeichneten Gewinnliste demiLoose- Händler K a r l H e i n tz e in Berlin und gewährte ihm als Be- jahlung für diese Arbeiten das Recht, fich auf der qu. Liste als V e r l e g e r zu bezeichnen. Ein sehr erheblicher Thell der Loose war von dem Banquicr M. Fränkel abgesetzt und demselben für seine Abnehmer nach Ziehung der Lotterie die Uebersendung von 30 000 Stück Gewinnlisten zugesichert worden. Dieser Zu- ficherung vermochte das Komftee infolge der mit Heintze ge- troffenen Abmachung nicht zu entsprechen, und Heintze dcan- spruchte von Fränkel für das Hundert Listen 5 M., hat aber auch für diesen abnormen Betrag den Bedarf des Fränkel nicht zu decken übernommen, so daß dieser schließlich nach längeren Verhandlungen mit einigen Komiteemitgliedern 25 000 Stück von den offiziellen Listen für fich abdrucken ließ. Auf den von Heintze gestellten Strafantrag wurde Fränkel von der zweiten Strafkammer Landgerichts I wegen Nachdrucks zu 50 M. und zu einer Buße von 200 M. vcrurthcilt. Das Gericht erachtete das Urheberrecht deS Heintze als verletzt und dessen Arbeit, namentlich daS Kollationiren, für eine geistige. Hiergegen legte der Angeklagte Reviston ein und wurde vor dem Reichsgericht durch den von demselben als Vettheidiger zuge» lassen en Redatteur I. Fränkel auS Berlin vettreten. Derselbe versuchte darzuthun. daß hier die denkbar einfachste m e ch a- Nische Arbeit vorliege, die stets nur auf die gleiche Art ausgeführt werden könne, daß aber auch der Begriff Urheber ver- kannt sei: der Senat nahm aber entgegen dieser und des Reichs- arwalts Auffaffung an, daß als Urheber der Hersteller gelte, und verwarf unter Ausstellung des obigen Judikats die Reviston. Soiiale« nnt, Arbeiterbewegung. Ar-«treib der«ii-tl-r. Kronz-ur-,»chl-if-r der Bronzewaarer.fadrik von L. Röhl- Nachf. in Dresden hat mit Auf 10 Listen für die Flensdurger ausg.fp.rrten Arbeiter gesammett im Ganzen 84,80 M.; durch Fr. Zudeil an Kloß nach Stuttgart gesandt. Die Listen revidirt durch die Herren K. Riediger, A. Spieß, Lakuhn und Nagel._ Nerrine und Versammlungen. N-rbaud deutscher M-chanib-r und verwandter Be- rufsgenossm(Zahlmlle Bertin). Am 19. d. M. fand eine recht m ä ß i a besuchte Versammlung statt, bei Limmers, Komman- dartenstroße. Die Nähe der langen WeihnachtSfetertage mag dieses zablreiche Nichterscheinen der Mitglieder verschuldet haben. Zum 1. Punkt der Tagesordnung wurde das Protokoll des am 12., 13. und 14. August d. Z. in Marburg adgehattenen 2. ordentlichen Verbandstags in seinen wichtigsten Stellen ver- lesen. Dasselbe dringt die auf � Verbandstage gepflogenen Verhandlungen in ausführlicher Werse und durste sehr geeignet sein, drm Leser ein klares Bild von dem Wirken und Streben de« Verbandes vor Augen zu führen. Möge daher jeder, auch dem Verein noch femstehende Kollege stck Mibe anschaffen. Zu haben find dieselben zum Prerse von 25 Pf. pro Exemplar Sü&'S'tn. Im nr-Ä"ttÄS baden, das Protokoll gratis zu lkfern und die Kosten aus dem UWNZW beantwortet, daß dasselbe von 850 Personen besucht worden sei und die Zahlstelle im Uebrigen alle Ursache habe, mit dem wahrhaft harmonischen Verlauf dieser Feier zufrieden zu sein. — Kollegen, welche noch Fragedogen in Händen baden, werden ersucht, dieselben schleunigst an den Vorfitzenden O. Spieß, 80, Adaldertstr. 71, abzuliefern.— Mit dem Vertrauen auk einen recht zahlreichen Besuch sei zum Schluß noch auf die am 9. Januar 1869 in demselben Lokal stattfindende Generalver« sammlung hingewiesen. Kvr-chmmg. Die Einnahme und Ausgabe an freiwilligen Beiträgen, welche von den Tischlern Berlins gesammett wurden zur Unterstützung der im Streik gewesenen Kollegen ver Städte Solingen, Halbeistadt und Hamburg, bettägt laut Abrechnung vom 3. Dezember d. I.: Einnahme.. 4898 M. 38 Pf. ~' 4705„ 70„ 142 M. 68 Pf. Tellersammluna der öffentlichen Dezember d. I. bettägt 60 M bleibt Bestand Die Einnahme auS der Tischler- Versammlung vom 3 97 Pfg. Die Ausgabe derselben Versammlung betrug 20 M. 70 Pf. für Säulenanschlag... „ Vergütung an die Kommission... „ nacht, äzliche Kosten deS Prozesses.. „ Annoncen in„Tribüne" und„Volksdl." „ Porto............ Summa der Ausgabe 96 M. 65 Pf, Mithin betrug: die Gesammt-Einnahme 4959 M. 35 Pf. „„ Ausgabe. 4802„ 35„ bleibt ein Baardestand von 157 M.— Pf. des Defizits für die Hamburger Kollegen an Kloß nach Stutt« gart geschickt. I. A.: Für die Kommission: Fr. Zudeil. Für ie Revisoren: Th. Glocke. NB. Gedruckte Abrechnungen find an den bekannten Stellen in Empfang zu nehmen. K-««lfst-«»sttz«ng der am S8. Ztooember g-. »ähtt»« Dorsta»d»mitgli-d-r eingeschriebener Hittslaffen zu Berlin. Tagesordnung:„Welche weiteren Schritte find im Interesse der Hilfskaffen zu untemehmen." Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde deantragt, die finanziellen Geschäfte zur Erledigung zu dringen. Der Vorfitzende Herr Kuhntke stellte die Ausgaben wie folgt zusammm: Inserat in der„Volks- Tribüne 2,70 M.. Inserat im„Vottsblatt" 4,00 M.. Druck von 500 Petitions-Entwürfen 15,00 M., Druck von 500 Petitionen 12,50 M, an Porto 2,00 M.. Summa 36,20 M. Zur Deckung bis jetzt von der Zentralkaffe der Töpfer dmch Herrn Gadautz eingegangen 10 M. Zur weiteren Deckung wurde be- antragt, daß jedes anwesende Kommisfionsmitglied 3M. hinter« legm solle, bis zur etwaigen Ausgleichung durch anderweitig eingenommene Gelder. DieS wurde einstimmig angenommen und die Summe sofort von allen Anwesenden erlegt.— Auf Antrag des Herrn Seitzt wurde beschlossen, im redavionellen Theil der Arbetterorgane einen Aufruf zu erlassen, um sämmt- liehe Kassen zur Unterstützung nicht nur der gehabten, sondern noch kommenden Ausgaden beranzuziehen, sowie nochmals um sämmtliche Adressen der hier de stehenden freienKassen und sämmtlicher hiesigenVer« waltungs stellen der Zentralkassen zu ersuchen. Es wurde ferner von der Einberufung des Kongresses freier Kassen(Levison, Attona) Mittheilung gemacht und die Kom- misston beschloß, eine abwattende aber vorbereitende Haftung einzunehmen.— Nunmehr wurde in die eigentliche TageSord- nung eingetreten. Herr Schindler warf die Frage auf: „Wie stehen die hiesigen freien Kassen zu den Aerzten, Apotheken, Bandagisten und welche Einrichtungen resp. Ad- mackungen find in dieser Angelegenheit getroffen." An der Debatte betheiligten fich sämmtliche Anwesende und wurden bereits in diesem engeren Kreise so werthvolle Gedanken angeregt, daß die Kommisston beschloß, sämmtliche Vertreter von steten Kassen auf- zufordern. die Einrichtungen, welche dieselben getroffen habe», mit den Aerzten, Apotheken, Bandagisten und der juristischen Verttetung umgehend der Kommission mttzuthellen. Es wurde speziell dabei betont, daß es ganz fern liege, irgend welche Zwangsmaßregeln zu empfehlen, sondern daß nur im Interesse der erwerbsunfähigen Mitglieder den Vorständen alle vottbeil- hasten Abmachungen anderer Kassen unterbreitet werden sollen und wenn einer kleinen Kasse nicht dieselbe Vergünstigung ent- gegengebracht werden sollte, dann die größeren event. bevor- zugten einen Druck ausüben konnten. Einer Versammlungsolle dies Material aber erst unterbreitet werden, wenn eine vollständige Klämng geschaffen und ein Referat gehatten werden könne. Der Antrag, die folgenden Sitzungen pünttlich 3t Uhr zu be- ginnen, wurde angenommen. D«r V-r-i« d-r Mod-lltischl-r hält am Sonnabend, dm 29. Dezember, Abends 8t Uhr, seine„Weihnachtsbeschecrung" im Vorstädtischen Kasino, Ackersttaße 144, ab und werden die Mitaliever ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Gäste find herzlich willkommm. D-r D-r-i« K-rli»«r Ha««di-n-r feiert sein dies- jähriges Weihnachtsfest am Sonntag, den 30. d. Mts., in den Räumen der Berliner Ressource, Kommandantenstr. 57. Billets für Mitglieder& 30 Pf. und Gäste& 50 Pf. sind vorher in dm mit Plakaten versehenen Lokalen, sowie bei Vorstands- und Festkomtteemitgliedern zu haben. Kinder find frei. Anmeldung von Kindem zur Bescheerung nimmt bis Donnerstag entgegen Kuhutke, Alte Leipzigerstt. 1.— Die nächste Versammlung findet der Feiertage wegen erst am Montag, den 14. Januar 1889 D-r F«ch»-r«t« d-r Tap-ztr-r hält am 30. Dezember sein diesjähriges Wethnachtsvergnügen in den Sälen des Ver- eins junger Kaufleute(Heidrichs Festsäle), Beuthstraße 20, ad. bestehmd in Vorträgen. Kinderdescheerung und Tanz. Außer« dem findet eine Bescheerung für Erwachsme statt, zu welcher Jeder ein Geschenk mitzubringen hat. Billets& 25 Pfg. für Damen,& 50 Pf. für Herren inkl. Tanz find bei Scherer, Mauersiraße 65 66, und im Bureau Schützenstr. 18/19 zu haben. Um zahlreiche Betheiliaung wird ersucht. A» zw-it-n M-ihnachtvf-i-rtag» veranstalten die Gesangvereine„Orpheus" und„Frohsinn" unter Leitung ihrer Dtrigentm Herren Matfchinskh und Müller, sowie unter gütiger Mitwirkung der Sopranistin Fräulein Fanny Krüger, des Tenoristen Herrn Deute und eines beliebten Waldhornquartetts im Buggenhagen'schen Kaiseisaal eine Matinee zu einem wohl- thätigm Zweck. Die Vereine haben keine Mühm und Kosten gescheut, um die Matinee zu einer gmußreichen zu machen.— Brllets find 5 30 Pf. in dm mit Plakatm belegten Hand- lungen sowie bei den Mttgliedern fernen B. Berbig, Blücherstraße 10, und Ernst, Schmidstr. 14, zu haben. Der KaffmpreiS beträgt 50 Pf. Ii«»,-rt-«t- i? erlin» und Zlmg-g-nd. Am ersten Nevjahrstage, Vormittags 11 Uhr, findet in Kaufmanns VariStS am Alexanderplatz eine Matinee, verbunden Konzert und Vor- stellung, statt. Billets i 30 Pf.(Kinder frei) find vorher bei " errn Stehr, Wilsnockerstr. 26, fe. r. 4 Tr.; Schreiber, vineisenavstr. 82, H. l. 4 Tr.; Petereit. Lausitzerstt. 51, fe. p.; Lindner, Grüner Weg 28, fe. 2 Tr.; Petermann, Müllerstr. 173, Seiteng. 3 Tr.; Elsholz. Grenzstr. 20, fe. p.; Hintze. Demminer- sttaße 8, fe 1 Tr.; Knüpfer, GreifSwalderstr. 29, v. 3 Tr.: Jeschke, Friedenstr. 103, und im Restamant Schulz, Beuthstr. 10, sowie in ollen mit Plakaten belegten Stellen zu haben. Eine recht zahlreiche Bethelligung aller Zimmerleute, Freunde und Gönner ist aus vielerlei Gründen doppelt erwünscht und noth- wmdig. AUg-m-w-r Metallarbeiter- D-rein Kerlin» und zl«g»»-«d. Zwei große Versammlungen am Donnerstag, den 27. Dezember,(3. Feiertag). Vormittags 10 Uhr, und zwar: für den Norden und Nordwesten im Wedding-Park, Müllerstr. 178. Tagesordnung: 1. Vottrag des Herrn Kendziorv. Themas: Der Arbeiter ist nicht nur sähia. fich zu bilden, er ist dazu auch verpflichtet. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Fragekasten. Für den Osten, Südosten und Süden im Volks- Theater, Große Frankfurt erstt. 130. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Gottfried Schulz über: Gewerkschaftsorganisatton. 2. Diskusfion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Fragekasten. D-rdand d-ntsch-r Dimm-rl-ut-, Lokalverband Berlin Ost und Umgegend. Sonntag, den 30. d. M., Vormittags 11 Uhr, im Lokal des Herrn Hoffmann, Große Frankfutterstraße Nr. 72—73, Versammlung. Mitglieder werden aufgenommen. Gäste willkommen. A« di- Genossen de« Stadttheil» Moabit. Ge- Nossen! Da es uns bei der letzten Reichstagswahl nicht möglich war, bei irgend einem Gastwitth einen größeren Saal zur Ab- Haltung einer Wählerversammlung zu bekommen, wir infolge dessen auf die Flugblatt-Aqitation angewiesen waren, und ttotz alledem bei der gettngen Betheiligung noch über 2000 Stimmen auf unseren Kandidaten Liedknecht vereinigten, so ist daraus zu schließen, daß die Genoffen wohl im Stande find, in der Lokal- frage Remedur zu schaffen. Der einzige Wittb, der sein Lokal dem Arbeiter- Wahl- Komitee zur Verfügung stellte» ist der Witth Fritz Voß in der Rathenowerstraße 99, Ecke der Drcysestraße. Genossen! Wir erwarten von jedem rechtschaffenen Arbeiter, daß er diesen Mann, resp. sein Lokal, in jeder Beziehung unter- stützte: wenn dieser Mann für uns verloren geht, so werden wir bei dem nächsten Wahlkampfe unser Wahlbureau wohl in der Jungfernhaide aufschlagen müssen, da wohl kern anderer Witth sein Lokal dazu hergeben wird. „Berliner Volksblatt",„Volks-Tridüne" und Vereinsblatt liegen auS._ Telegraptzifche Depesche«» (Wolsfls Telegravhm-Bureau.) Schl-stoig, Montag, 24. Dezember. Nach einer vom Kultusminister genehmigten Verordnung des Oberpräfidenten wird vom Avttl 1889 an die deutsche Unterttchtssprache für alle Lehrgegenstände in den Volksschulen Nordschleswig« ringe- führt. Gewisse Ausnahmen find nur noch beim Religionsunttr- richt»ulässtg. Mi-n, Montag, 24. Dezember. Die„Poltt. Korrespond." meldet aus Sofia. Sallbaschcwo(Rumeliote) bade dos Potte» feuille der Finanzen und der bisherige Präfident Goutschew habe dasjenige der Jufiiz übernommen. Mtt beiden Ernennungen sei die Kabinttskttfis abgeschlossen, da nur Natschewitsch und Stoilow demisfioniit hätten. Peter-dnra, Montag. 24. Dezember. Per 1. Oktober d. I betrugen die gesammten Reichscinnahmen 5961 Mill. Rubel gegen 5212 Millionen Rubel, die geiammten Rttchsausgaden 5615 Mill. Rubel gegen 5374 Mill. Rubel im vorigen Jahr. Pari», Montag, 24. Dezember. Der Senat nahm in seiner heutigen Sitzung ohne bemerkenswerihen Zwischenfall die Bad- getS der Finanzen, der Justiz, der Kutte, der Posten und Tele- grapben, sowie des Auswärtigen in der von der Kammer be» schloffenen Fassung an. K-lgrad, Montag, den 24. Dezember. In der aestttg-n ersten Sitzung der großen Skuptschina wurde Naja Vukooics (radikal) zum provisorischen Präsidenten und Riita Popovic (gemäßigt radikal) zum Präsidenten des VettfikatwnS-Ausschuffes gewählt._ Drieflmste« der Redaktion. Bei Anfragen Sitten wir die Zlboimementi-Ouittung betjufügen. Brieflich» Antwort wird nicht ertheilt. Alt-r Abonnent 1876. Unseres Erachtens hat Ihre Schadensettatzklage wohl Ausficht auf Erfolg. Da dieselbe de» reits in Händen eines Rechtsanwalts ist, so können Sie einst- weilen nichts weiteres tbun, wie denselben möglichst eingehend unter Angade etwaiger Zeugin informiren. C. St. Ihr Kontrakt setzt 270 M. Miethe und 36 M. Abgaben fest, also für ein Halbjahr im Ganzen über 150 M. Er ist deshalb stempelpflichtig. Jedoch ist möglicherweise die 14tägige Frist zur Abstempelung schon versttichen. Dann machen Sie nur einen neuen Kontrakt. F. D. 1 Die Unterbringung des Hundes unter Ihrem Fenster müssen Sie fich gefallen lassen. Nur wenn das Heulen oder der Gestank so arg wird, daß dadurch Ihre Wohnung un- brauchbar, insbesondere Ihre Nachtruhe erheblich gestört wird, so können Sie ausziehen. 2. Auf Herausgabe der Schlüssel und Lieferung der nöthtgen Ringe zur Kochmaschine können Sie den Witth verklagen. Kch«an-b-ck. Das Strafmandat ist nur berechtigt, wenn die bei der ersten Revision vorgefundenen Gewichte ungeaicht oder nicht mehr richtig waren und dies nachgewiesen wer» den kann. W-b-rstr. 10. In der Matt Brandenburg herrscht keine Gütergemeinschaft. Vielmehr hat hier der Ehemann nur daä Verwaltungs« und Nutzungsrecht am Vermögen der Ehefrau. Gütergemeinschaft kann jedoch durch einen notariellen oder ge» richtlichen Verttag, aber nur vor der Verheirathung, eingeführt werdm. M., Krand-nbnrgstrah». Sobald 14 Tage seit der Kündigung verstttchen find, hat der Arbeiter keinen Anspruch mehr auf Beschäftigung, auch dann nicht, wenn der letzte Tag der 14tägigen Frist ein Sonn- oder Feiertag ist. D. I. Alter Abonnent. Siehe unsere Antwort unter W e d e r st r. 10. Das System der ehelichen Gütertrennung besteht in der Mark Brandenburg seit vielen Jahrhunderten. Alter Abonnent. Ihre Frau ist zum Ersatz der Kur» kosten für ihr uneheliches Kind verpflichtet. Von Ihnen kann dagegen Zahlung nicht verlangt werden. M. tf. III. Bei der standesamtlichen Trauung müssen 2 Zeugen zugegen sein. Dieselben müssen großjähttg, also min- bestens 21 Jabre att, können aber auch Verwandte sein. M M 81. Ihre redaktionelle Anzeige in Bettest der Versammlung des Jnterestenvereins der Tischler ist uns als solche nicht zugegangen. Wahrscheinlich ist das Inserat über- sehen worden. K. f. Der Schlafwitth muß dem Schlafburschen auf Ver- langen einen Hausschlüssel zum ständigen Gebrauch geben; sonst kann der Schlafbuttche ohne Kündigung ziehen. D.®— g. Warten Sie das Urtheil erster Instanz ad. Wenn Sie mit demselben nicht zuftteden find, können Sie auch dann noch als Nebenkläger beitreten und Berufung einlegen. Aber versäumen Sie dann keine Zeit, sondern gehen Sie womöglich noch an demselben Tage zu Ihrem Rechtsanwatt. G. N Der Pfltchttheil deträgt, da 5 Kinder vorhanden find, die Hälfte des gesetzlichen Erdtheils, also abgesehen von dem etwaigen Erdrecht der Eheftau, dm 10. Theil des Nachlasses. Es muß aber ein gettchttiches Testament aufgmom» men lein. C#. Ihre Wittbin und Ihr Zimmergenosse müssen die Stmer-Deputation zur Freigabe der gepfändeten Sachen auf- fordern und event. Jnterventionsklage erheben. jt. flt. Vierz-dntäzige Kündigung. A.|1 Die Wechselforderung gegen den Alzeptantm verjährt in 3 Jahren seit dem Fälligkeitstag. Die Waarmforderung verjähtt in 2 Jahrm, beginnmd mtt dem 31. Dezember des JahreS, in welchem die Lieferung erfolgte oder das Zahlungkziel ablief. Durch Anerkenntnis! oder Ratenzahlung wird letztere Verjährung unterbrochen. Waren die Waarm dem Schuldner zu dessm Gewerbebetrieb geliefert, so verjähtt die Schuld erst in 30 Jahren. Schlesische Gold- und Silber-Lotterie Ziehung in Berlin am 17. und 18. Januar 1889. 1 Hanptgew. l w. v. 50 000 Mk. Die Btmmtliohen Loose ä I Mark kommen durch das Bankhaus Carl Heintze, untlunLs,! | zur Ausgabe u. aind von dems. geg. Einsend. d. Betrages auf Postanweisung z. beziehen.| Das Centpal-ComitA. I. V.i Heinrich IX. Prinz Beuss. Auf 10 Loose I Frciloos. Jeder Bestell, sind 20 Pf Potto u. Gewinnliste beiznfüg. Wein- Ansstellimg Berliner Volks-Bodega. Brückenstp. 9s Verkauf direkt importirter hochfeiner Malaga-Weine& Flasche ILO Mk. Bei Abnahme von 5 Flaschen i Flasche 1,00 Mk. [1561 iefiMffs-icöfiiiiiuj! War rem und Tabak Gigarren ini Tabake von Gottfried Schulz Admiralftr. 40 a, am Kottdaskr-Platz. Empfehle mein reickbalttges Lager von Brasil- und Sumatra-Cigarren, Cigaretten, Rauch, Kau- und Schnupftabaken. [1553 Betisedern und Daunen, mit Damvsdetrieb gereinigte neue Sanftfzdorn, Pfund von 1 Mark an. Fertige Ketten in großer Auswahl empfiehlt[1364 H. GlasePy «runer Weg Ur 47, 1 Treppe. (Müll und B-ttf-dern l?) für 25 Vi. führe ich nickt.)"MW Beim lieben Gustav Scbultze S Kchuhmachermeister r Oranienstr. zur schlanken 0 erlaub« mit alle Freunde und Bekannten wie ein« werth« Nachbarschaft auf mein in der Opan:en-S#passe 5, S.O. feit 29 Jahren bestehendes, bestrenommirtes Schuh- und Ktiefelwaareu- Geschäft (Eigene Fabrikation) aufmerksam zu machen und gestatte mir ferner zu bemerken, daß ich durch den grotze« Mmsatz im Stande bin, meine so beliebten Herrenzugstiefel mit Doppsisohlsn jetzt schon für 8,50 Mark verkaufen zu können. Außerdem Halte ein groBeeFager in Knabenstulpenstiefel ut den billigste« Preisen. Indem ich Sie bitte, mich bei Bedarf mit Ihrem werthen Besuche beehren zu wollen, empfehle ich mich Ihnen und zeichne Hochachtungsvoll Gustav Schultze, Kchuhmachermeister. Für nur 1,50 Mark Klagen, Eingaben, B iefe jeder Art v. jurist. Rath in allen Sachen im Nechtsdnrean. Prlnzenstrasse 10.— Testamente, Kontrakte, Gnadengesuche und alle sonst, schnststucke bMig Führung aller Zivil- und Strafprozesse. Konntag« geötfnet.__ II619 GW,»Ine Tnu ptor»«, Gardinen. leinene«Lcher«nd Tisch, enge habe unter Jnveniurpreisen für dm Detailver« kauf zurückgesetzt. 12541 Meyerson, P-'fturtchc 3._ Großes Lager einfacher und Spiegel u. Polsterwaarm. A.Tar», Nme Schönbause Möl a i, ngl Etage. Gefärbt wird für 2 Mk. iw �jtbcn. aank eckt: Damen-Kleider, in sämmtlichen Farben, ganz echt: Damen-Kleider. Herren-Anzüge gereinigt und gebugell 2 Marl 50 Pf. Auf Wunsch werden die Sachen adge. hott und zugestellt, lostmfrei.[1626 ü. Pergande, Färbermeister, Wa demarstr 50, pari. Gegründet 1875. Ktnienstrahe ö», pari., werom von Deute die letzten verfallmen(getragmen) herrschaftlichen Minterüberfteber für 8-19 M., auch getragene Wintertzose« für 3—5 M., aber nur an Privat- leute, verkauft.[1608 Clcpttlc /llzhütc sowie Zylinderhüte neuester Fa?ons für Herren, Knabm und Kinder zu«an, besonder» bUlige« Preise« empfiebtt die Hutfabrik von Allgemeiner Metallarbeiter-Verein Beplins und Umgegend. 3 Grosse Versammlungen Donnerstag, den 27. Dez.(B. Feiertag), Dorm. 10 Uhr, und zwar filr den Norden und N.-W. im edding Park, Müllerstr. 178- T.-O.: 1. Vortrag des Herrn Ke«d,i»ra. Thema: Der Arbeiter ist nicht nur fähig, sich zu bilden, er ist dazu auch verpflichtet. 2. Aufnahme neu« Mitglieder. 3. Fragekasten. * Für den Osten, Süd-Ost und Süden im Volks-Theatep, Gr Frankfurter str. 130. TageS- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn«ottfeied»chni,. lieber Gewerkschafts- Organisation. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neu« Mitglieder. 4. Verschiedmes und Fragekasten. Oer Vorstand. _ I. A.: Anlim» Kochner, Birkenstr. 76. Karl Hart««««, Wienerstr. 19. Zimmepleute Berlins und Umgegend. Nienstag, de« 1. Januar, also am Neujahrstage, findet eine ? Große Matinee« verbunden mit Concert u. Vorstellung Vorstellung Auftreten sämmtl. Künstler in haben bei H. Jäck�l, Schönhauser Allee 177 B, 2. H pt.; H. Octland, Steglitzerstr. 79, 0. 1 Tr.; A. Vietz, Ruppinerstr. 13, v. 4 Tr.; C. Gefrois, Gttschinerstr. 54, v. 4 Tr.; P Sontag. Prenzlauer Allee 232, v. 4 Tr.; bd den Kasfirern der fteien Hilfskaffe, sowie bei allm Borständm. Hi«zu laden wir alle Zimmer«, Freunde und Gönn« ein. 1620] M» Kommissto». Verein z Wahrung d. Interessen der Tischler. S5. Ne,e«ber(1. Feintag), ZUM Frühschoppen nebst kräftigem Mittag- und Abendtisch ladet alle Freunde und Bekannte ergedmst ein E. Kuntze, 1624]_ 18. Skalitzer- Straße 18. Ctgairtn- u TadakLager von[985 Epnst Wilschke 1. I««kerstr. 1. Tck» Markgrafenstrast«. Poisterwaaren u. Möbel fleo1 jed. Art, cign. Fabrik, z. d. dilligst. Preisen empf- A. Seifert, Köpnickerstr. 149, nahe d. Köpnickerdr. 5 Uhr, in Schneegelsberg« Festsaal Hasenhaid» 21(Ecke Fahnstr.): |cit|(5 Curat, Gesailg usd Jede Ahr wird für M. 1,50 unt« Garantie des Gut- gehens gneinigt und repartrt. Wanduhren werden gratis abgeholt und aufgehe"� auch auf sckriftl. Bestellung. Patentg______ 10 Pf. Uhrschlüffel gratis.[1219 _ St. ckoUner Prinystr. 15. Nach dem Concert: Tanz-Ztränzchen. Alle Freunde und Gönner des Vereins find eingeladen. Billets find zu haben bei Lackur, Avmi�al- straße 26; Schattschneider, Fürstenstr. 22; Völm«, Solmsstr. 30; Stier, Grünauerstr. 33; Gierczewsly, Hertmann- Platz 3(Rixdorf); Lerche, Fmchtstr. 52; Werschke, Adaldertstr. 16.[1617 Eiskeller Etablissement Etzansseeftratz» 88. Mittwoch, 26. Oczembrt(2. Weidnachtsfeintag) Grosse Matinee, veranstaltet vom Mietherverei» des Uorden Kerl. unt« Mitwirkung des gesammten Personals d« Spezialitäten. Bühne. — Anfang Normittag» 11 Ptzr.— Billets b 30 Pr. find zu haben bei Kabel, Jnvalidenstraße 22; Zachau, Bergstr. 59; Thime, Ruppinerstr. 3; Sassenroth, Schulze,' ....... Schulzendorferstraße Nr. 6, und in den mit Plakaten delegten Ge- schäkten. 1621 vetfenUiche Nersamminng d. Schneider Kerlin» am 3, Meitznachtvfriertag, PH Morgen» 10% zlhr, in Fanstmann« Saat, Invalidenstr. 144. Tagesordnung: _ 1. Vortrag des Henn Otto Thierdach Üb« Zweck und Ziele d« gewerkschaftlichen Or- ganisation. 2. Lohn- und Arbcilsverhällnisse im Norden Bnlins(Referent W. W e n d t). 3. Dis- kusfion.[1618 Die Kollegen werden deZ Themas wegen reundlichst eingeladen. D« Einberuf«. Nereus z«r Wahrung der Juterejse» der Ktemtrager «nd»»»wandte» Kernfsgenosse« Oerlin». Freitag, den 4. Feiertag, Abends von 7 Uhr ab, Gemüthlichss Zusammensein der Mitglieder des V«eins mit Familie bei t p r Scheff«. Inseistratze 10, Ä Tr.. bestehend in Konznt, Gesang, Kinderbescheerung und Tanz. Mitgliedsbuch legitimirt. Den Mitgliedem ist es gestattet, Freunde und Kollegen mit einzuführen, sowett es der Raum gestattet. Per Porstand. Herrn Hermann Geinitz, Gera. Herzliche Gratulation zum Geburtstage! Es wird ein Stä»ch»», vielleicht auch zwei, ge- trunken werden.[1627 Die Beleidigung, die ich gegen den Tisch!« Herrn Paul Braschle ausgestoßen habe, nehme ich hiermtt zurück. Knd. Kor»«?, Möbelfabrikant, 1625]_ Reichendergerstr. 157. Ei« Grüukramge schüft nebst Poll» ist zu verkaufen Pernsserftr. 76. Näheres beim Wirth. Meachtenswerthk mrlht U«dt» für den halben Preis! Ich löse mein Kleiderstoff- Lager in Folg» KergrSßernng meiner Gardinen-«. Teppich-Fabrik vollständig auf u. verlaufe ich den noch vorhandene» Res, bestand, bestehend aus nur tzoch- feine« Qualität»», Ei Sie kein jun thn mal stie; hin, leid daß zwö »or »ur auf! all % imn »fit ßefe halt Ern ®ci ten uns wie! Alt« hatt chre Sie ihre ld I Han «voll Die ein so wan wo Mä! 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Omni Berantworttrcher Revattem: N- Er»h«h»i« in Berlin. Druck von Mar Fading in B«ltn 8W., Bemhilraße 2. deckt licht, bort Mai kurr, Schi stürr Sab, mit, Ö P tn bem «lös zwei endl So» ch«et s® »esto kntei kirre i ?öUi övch I m '«» i kt Neu Jreil 5 b i Nr>, !■" 2. Vellage zum Berliner VolksblM 303. Dienstag» de« 35. Dezember 1888. 5. Jahrg. f Der Aelteste. Eine WeihnachtSgeschichte von M. Schönau. Ernst und Marianne waren schon 4 Zahre verheirathet. Sie lebten mit einander in glücklichster Gemeinsamkeit und keinerlei Sorge trübte ihren ehelichen Himmel. Sie waren jung und wohlhabend und liebten sich. Nur eins fehlte ihnen. Anfangs mißte« sie es kaum und wenn wirklich ein- mal ein sehnsüchtiger Gedanke daran in ihren Herzen auf- stieg, dann suchten sie die Sehnsucht hinwegzulächeln und hinwegzuscherzen; und das gelang ihnen zuerst auch ganz leidlich. Aber wie so das zweite Zahr vergangen war, ohne daß jenes Eine sich eingefunden hatte; als darauf auch die »Wölf Monate des dritten Jahres einer nach dem andern vorübergegangen waren, ohne daß von jenem Einen auch »ur das geringste verlautete, da ließen sich die sehnsüchtig aufkeimenden Gedanke« nicht mehr hinwegscherzen und in all ihrem Glück und in all ihrer Zufriedenheit wurden eS sich die beiden Gatten mit Schmerzen bewußt, daß Eins ihnen immer fehlen würde: ein Kind! Sie fühlten es immer mehr, daß ihr Glück nie ganz vollkommen werden würde, so lange sich zu ihrem Bunde nicht jener eine Dritte gesellte, ohne den jedem ehelichen Leben der volle In- halt fehlt. An keinem andern Tage im ganzen Jahre empfanden Ernst und Marianne diesen Mangel natürlich mehr, als am Weihnachtstage, dem Fesie der Kinder, an dem wir in unsc- »en Kindern selbst wieder jung werden, so daß auch für »nS mit einem Flügelschlag die ganze goldene Jugendzeit wieder heraufschwebt und wir gern daS abendliche Roth des Alters für das erste Frühroth der Jugend nehmen. So hatten die Gatten da« dritte Weihnachtsfest, das sie seit sfcer Verheiratung erlebten, still und geräuschlos verbracht. Sie hatten sich gegenseitig reich beschenkt, sie hatten sich auch chren Weihnachtsbaum mit bunten Glaskugeln und ver- goldeten Nüssen geschmückt und mit einer Menge brennen- der Lichtchen besteckt, aber siils sie nun Hand in Hand vor(der flimmernden Herrlichkeit standen, da wollte doch leine rechte Fröhlichkeit in ihnen aufkommen. Die richtige Weihnachtsstimmung, in die uns nur ei« jauchzende« Kinderlachen versetzen kann, fehlte ihnen und so löschten sie bald die Lichtchen und gingen zu Ver- wandten, wo sie den Rest veS Abends verbrachten und wo es ihnen bei dem Lärm, den drei Buben und zwei Mädchen anrichteten, wohl etwas wärmer umS Herz wurde. Tanz glücklich aber fühlten sie sich auch dort nicht: es waren eben nicht ihre eigenen Kinder. Und wie der dritte Weihnachttabend, so verging auch der vierte. Wieder standen Ernst und Marianne vor ihrem mit Geschenken be- deckten Weihnachtstische und vor dem tannenduftenden, t ltchtergeschmückten Bäumchen, und wieder standen sie allein > dort. Kaum war aber das neue Jahr gekommen, fo hatte Marianne einet schönen Morgens mit ihrem Manne eine kurze und ganz leise geführte Unterredung, bei deren Schlüsse sie einen Hochrothen Kopf bekam, während er sie stürmisch an seine Brust zog und in einen so unbändigen Jubel ausbrach, daß sie schließlich ihm lächelnd den Mund wtt Küssen schließen mußte. Und nun begann sich ein merkwürdiges Leben in dem sonst so stillen Haushalt zu regen. Zunächst wurde eine Nähmaschine und eine Menge Leinwand angeschafft, deren wnge Rollen Marianne in so kleine Stückchen zerschnitt, daß sich Ernst, der seiner Frau, so oft er Zeit hatte, bei der Arbeit zuschaute, sich vergeben« den Kopf zerbrach, w welcher Form diese winzigen Stückchen auch nur dem kleinsten Erdenbürger irgendwie zur Bedeckung seiner "säße dienen sollten. Frau Marianne ließ sich durch seine Zweifelnden Fragen jedoch nicht in ihrer Arbeit stören, bi« Midlich hxx Arzt sein Veto einlegte und Ernst nun das Ipergnügen hatte, zweimal in der Woche das naseweise Ge- Jwj* einet NähmädchenS am Fenster feines Wohnzimmers Aen ji, sehen. Und so verging der Frühling und der ?°mmer. und als der Herbst kam, da erschien auch mit {•wem Male der längst ersehnte kleine Dritte im Bunde und grüßte diese beste aller Welten mit ebenso unbändigem �schrei, wie e« vor Monaten sein würdiger Vater aus- iostoßen hatte, bei der freudigen Nachricht, daß der Kleine Herwegs sei. Nun war er endlich angelangt und mit ihm Amme, eine Wartefrau und ei« neues Dienstmädchen, Ehrend die Mutter sich auf einige Zeit in ihr dunkel ver- Sagtet Schlafzimmer zurückgezogen hatte. Nach einigen *%« erschien sie jedoch wieder auf der Bildfläche des Haushalt«, und zwar noch etwas blaß und leidend, aber glücklich und gesund, und der kleine Hans wanderte unaufhörlich vom Arm de« Vaters auf den der Mutter. immer wachten ein Paar treue Augen mit unendlicher /wbe über ihm und das kleine Wurm im Steckkissen sah so {"frieden und vergnügt hinauf, al« wenn sich daS all-S ganz " selbst verstände.' i So rückte denn auch da« Weihnachtsfest naher und naher, 5# erste in ihrer Ehe, welche« Ernst und Marianne nicht jj- eiv zu Zweien zu feiern hatten. Das war ein wichtiges �ngniß für sie. da« wichtigste, was sie in den letzten vier Jähren überhaupt erlebt hatten. Schon sechs Wochen be- r�en sie in ernste Berathungen zu treten, wa« sie wohl „Aeltepen" zu Weihnachten schenken sollte». Ernst, eine sehr sanguinische Natur war, nannte seinen Ha», L"?"ur seinen„Aeltesten". Er ging von der Ansicht au». N da, erste We.hnach.Sfest für ein K.nd ebenso e.nJub,' | sei, wie da« fünfundzwanzigsie oder da« fünfztgste und 1 tai Nlit ebenso viel Pomp begangen werde« müsse, wie die jjljte«. Er plaidirte daher zunächst für eine« WeihnachtS. AN» vo« außergewöhnlicher Größe, auf dessen Spitze em Sender Engel eine große Kerze halten sollte, welche das Lebensjahr ihres„Aeltesten" darstelle, während unzahlige "---•".--.r-« ctnhre bedeuteten, die der nicht»ur eine Anzahl sehr nützlicher Wintersachen bescheeren, sondern ihm auch einige Spielsachm schenken, an denen Han» die Kraft seiner Hände und Lunge» erproben könne. Wie jedes andere Kind, würde Hans sei» Interesse an Spielsachm doch nur dadurch bethättgm, daß er sie zu vernichten suche, oder, falls sie Geräusch erregen, wie eine Trompete, eine Klapper oder ein Waldteufel, würde er sie mit der Gewalt seiner Luvgen zu übertönen bestrebt sein. Obwohl Ernst bei dieser letzteren Perspektive sich eines leichten GruselnS nicht erwehren konnte, so mußte er doch seiner Gattin darin bei- pflichten, daß beide Lebens- und Kraftäußerungm der Te- sundhett deS Kindes nur zuträglich sein könntm. Schließlich einigte man sich dahin, daß«in jedes seine Einkäufe für den„Aeltesten", der zugleich auch der Jüngste war, für sich besorgen sollte, damit jedes seine besondere Freude daran habe. Erst am Nachmittag des heiligm Abmd«, kurz vor der Bescheerung, sollte« die verschiedenm Sachen zusammen- gebracht und auf den gemeinsamen Weihnachtstisch gelegt werden. Damit aber Ernst nicht etwa dasselbe kaufe, wie Marianne, so wurde beschlossen, die Geschenke in verschie- dene Gattungen und Ressorts zu theilen; Marianne übernahm also endgiltig den Ankauf von Spielsachen und Toiletteflücken, während Ernst sich mehr mit der Erwerbung von Eßwaaren und belehrenden Dingen beschästige« solle. Auf daS letztere legte Ernst einen besonderen Werth, indem er behauptete, ein Kind könne nicht früh genug anfangen zu lernen, wenn es auch nur noch zu spielm glaube. ES muß leider zugestanden werden, daß der kleine HanS sich vorläufig weder um die pädagogischen Grundsatze seine« VaterS, noch auch im Allgemeinen um die Vorbereitungen kümmerte, die elterlicherseitS mit so großer Fürsorge für da« immer näher heranrückende WeihnachtSfest getroffen wurden. Er ging ohne Rührseligkeit und mit einer nicht wegzuleug- nenden Regelmähigkett seinen animalischen Funktion e» nach oder ließ sich ihnen vielmehr nachtragen. Er schrie, wenn sein Vater schlafen wollte, und verlangte zu trinken, wenn die Amme sich gerade zu einem NachmittagSschläfchen nieder- gelegt hatte, er wußte mit lobenSwürdigster Ausdauer und Energie stets zwei Wäscherinnen in Athem zu halten und tippte bei Tisch mit seinem Finger mit Vorliebe in solche Speisen, die keineswegs zu seinem speziellen Gebrauch be- stimmt waren. Ernst und Marianne hatten natürlich an all' dem eine unbändige Freude und wollten sich todtlache«, wen« Hänichen zuweilen mit dem. Finger auch in die Senfbüchse fuhr und mit der erbeuteten braunen Masse an den etwa« aufgeworfenen Lippen seiner würdigen Wärterin seine ersten koloristischen Versuche anstellte. Während sich HänSchen in seinen behagliche« Leben«- gcwohnheiten durch die Nähe de« WeihnachtSfefle« in keiner Weise beeinträchtigen ließ, geriethen Ernst und Marianne mehr und mehr in fast fieberhafte Auftegung. Anfang«, als sie blo« die gewöhnlichen Ladengeschäfte zu besuchen hatten, da ging eS noch, aber als schließlich auch noch der Weihnachtsmarkt eröffnet wurde, da wußten sie sich wirklich kaum noch Rath, wo sie all ihre Einkäufe unterbringen sollten. Da sowohl Ernst, ali auch Marianne sehr früh mit ihren Vorbereitungen angefangen hatten, so waren sie schon fast fertig, als andere Eltern an das Einkaufen erst zu denken begannen, und da sie trotz« dem bis zuletzt nicht aufhörten, so kann man sich denke«, welche Unmasse von kleinen und großen Geschenke« sich in ihrer Wohnung aufhäuften. In den Läden hatten Ernst und Marianne die ersteren Gegenstände, die Kleidungsstücke und Geschenke instruktiver Natur eingekauft. Marianne hatte in ihrem Boudoir schon einen ganzen Schrank ausräumen müsse«, um all die Mützchen und Häubchen, Mäntelchen und Kleid- che«, Schuhchen und Stiefelchen dort unterzubringen, die für den kleine« Han« bestimmt waren. Ernst hatte bei seinen „Spielsachen belehrender Natur" mit einem illustrirtenA-B-C- Buch angefangen, aus dem Häuschen lesen lernen sollte, wenn eS sich erst dazu bequemt haben würde, auch zu sprechen, und hatte mit einem RiesenglobuS und einer Elektrisirmaschine geendet. Von dem Ankauf einer sehr anschauliche«, plasti- schen Darstellung unseres Planetensystem« hatte Ernst schließlich doch Abstand genommen, in der richtigen Er- wägung, daß HanS für diese Dinge vorläufig doch wohl nicht daS richtige Interesse entwickeln würde. Da Ernst in allen Läden sehr stolz nach Geschenken„für seinen Knaben" ohne jede AlterSangabe gesucht und gefragt hatte, so war er schließlich sehr leicht in den Besitz all jener schönen und äußerst instruktiven Gegenstände gelangt. Wa« Wischendem A B-E-Buch und dem RiesenglobuS erworben wurde, daS füllte nicht nur sämmtliche Fächer seines Schreibtische», sondern auch den Boden seine« Bücherschränke«, so daß Ernst sich seinen gewöhnlichen TageSbeschästigungen nur noch nach Ueberwindung einer Menge instruftiver Gegenstände widmen konnte. Freilich hatte er jetzt gar keine Lust mehr zu regulärer Arbeit, am allerwenigsten al« nun auch noch der Weihnachtsmarkt eröffnet wurde. Ernst gehörte mit seiner Frau zu den ersten und im weiteren Verlauf auch zu den regelmäßigen Besuchern de« Markte«. ES war ihnen eine Lust, sich durch die ftöhliche Menge zwischen den Buden« reihen hindurch zu drängen und den seltsam gemischten Duft einzuathmen, wie ihn Tannenbäume, Oellampen, Lebkuchen, gebratene Kastanie«, triefende Regenschirme und nasse Winter- Ueberzieher in holder Gemeinsamkeit auszuströmen pflegen. Auf Viesen Gängen wurden die Spielsachen, die Eßwaaren und der Weihnachtsbaum eingekauft. Der letztere war so hoch, daß Ernst gerechte Bedenken trug, ob der Sack Wall- nüsse, den er sich erstanden hatte, wohl zu seiner Dekoration ausreichen würde. Um jedem Mangel vorzubeugen, legte er deshalb noch ein kleines Kapital, das er kurz zuvor flüssig gemacht hatte, in Marzipankringeln an, mit welche« Hänichen sich ganz gut für die Zeil seines übrige« Lebens einen ver- dorbenen Magen hätte verschaffen können. Marianne war unterdessen schon nach drei Tagen die gefeiertste Kundin sämmtlicher Budeninhaberinnen de« ganzen Markte« geworden. Nachdem sie sich zunächst in den Besitz einiger Holzwagen mit unzerbrechlichen Pferden gesetzt hatte, wendete sich ihr Wohlwollen einer Arche Noah, einem Kramladen, einer Eisenbahn mit Uhrwerk, einem großen Schaukelpferde, da« für einen Erwachsenen gerade gepaßt hätte und einer reichhaltige» Kollektion musikalischer Instrumente zu, deren Prachtstück eine handliche Drehorgel war, auf welcher selbst weniger musikalisch beanlagte Naturen mit Leichtigkeit sechsunddreißig verschiedene Melodien spiele« konnten. Da Hänichen bisher noch nicht Gelegenheit gehabt hatte, zuverlässige Proben seiner mufika- tischen Bildung abzulegen, so hatte Frau Marianne die Drehorgel einem Pianino vorgezogen, mit dessen Ankauf sich ihr Sinn zunächst gettage«. Aus den eben angeführten Gründen entschloß sie sich jedoch, mit dem Pianino mindesten» noch bis zum zweiten WeihnachtSfefle ihres Sohnes zu warte». Zum Ersatz suchte Marianne den etwaigen kriege- rischen Neigungen ihre« Sohne« durch eine größere Anzahl von Bleisoldaten entgegenzukommen, wobei sie sich schließlich in den Besitz von einigen Tausend theils berittenen, theils unberittenen Soldaten sah, die in den überfüllte» Schränke» ihres Wohnzimmers kaum noch Platz fanden. So nahte endlich der von allen mit Spannung und nur von HänSchen mit liebenswürdiger, ahnungsloser Ruhe erwartete Weihnachtsabend heran. In dem Zimmer, m welchem die Bescheerung für den„Aeltesten" stattsinden sollte, stand der prächtig geschmückte Weihnachtsbaum schon seit gestern Abend, und der Engel an der Spitze mußte sich schon seit derselben Zeit den Kopf an der Decke de« Zimmer« weiß reiben. Als im Lauf des Nachmittags die Sonne zu sinken begann, machten sich Ernst und Marianne voller gegenseitiger Freude und Neugier daran, die Geschenke, die sie, ein jeder ohne Wissen des andern, gekauft hatte», zur Beschee- rung zusammenzutragen. Die Äarzipantorten und Bilder- bücher, mit denen Ernst zuerst erschien, gingen ziemlich wir- kungSlo« vorüber, einen schon weit bedeutenderen Eindruck machte dagegen Marianne mit ihrem Schaukelpferd, das in seinen Dimensionen so ziemlich an die deS Trojanischen Pfer- deS heranreichte, und mit ihrer Drehorgel, hinter welcher die zwei Mädchen und die Amme mit einigen Kisten voll Bleisoldaten erschienen. Geradezu durchschlagend aber muß der Erfolg genannt werden, den Ernst mit seinem Riesen- globu« und der Elektrisirmaschine erzielte. Die Dienst- mädchen sahen erstaunt auf die Amme, welche den Blick unverändert an ihre Herrin weiter gab und selbst Marianne konnte sich beim Anblick jener schönen naturwissenschaftlichen Apparate eines etwas skeptischen KopfschüttelnS nicht er- wehren. Ernst rächte sich dafür durch die Frage, ob das Schaukelpferd eigentlich für ihn oder für HänSchen be- stimmt sei. Nach ungefähr anderthalb Stunden waren die Geschenke endlich alle geordnet und aufgestellt; der große Äitteltisch mit dem Weihnachtsbaum war ganz für HänSchen reservirt, die Geschenke, welche die Gatten sich gegenseitig machten, hatten diesmal auf kleinen Nebentischen Platz gefunden. Als e« ganz dunkel geworden war, wurde der Weihnachtsbaum angesteckt und auf ein Klingel- zeiche« erschien nun Marianne, ihren verivundert drein- schauende« Aeltesten auf dem Arm. Ernst ließ eS sich na- türlich nicht nehmen, gleichfalls den Arm um die Schulter Hänschens zu legen und die Flammen der Weihnachtslichter spiegelten sich in den Augen dreier glücklicher Menschen. HänSchen sah ein Weilchen neugierig in den flimmernden Lichtschein und wollte mit seinen kleinen Fäusten darnach areifen; dann wurde« ihm alle Spielsachen gezeigt, an denen er aber ziemlich theilnahmlo« vorüberblickte. Einen kellen Freudenschrei stieß er erst aus, ali er mit der einen Hand einen Marzipankringel und mit der anderen einen höchst merkwürdig bemalten Gummiball erwischt hatte; die Elekttisirmaschine und da« Schaukelpferd machten nicht den geringsten Eindruck auf ihn. Mit dem Kringel und dem Gummiball fuhr HänSchen lustig in der Luft herum und stieß den letzteren mit vergnügtem Schreien bald dem stolzen Vater und bald der glücklichen Mutter in« Gesicht. Die Bleisoldaten waren unberührt in ihren Kisten geblieben, der RiesenglobuS wurde von dem„Aeltesten" keine« Blicks gewürdigt und selbst die Elektrisirmaschine verfehlte völlig ihre Wirkung, obwohl Ernst einige Male ermunternd ihre mächtigen Scheiben zu drehe» versucht hatte. HänSchen hatte nur Blicke für seinen Gummiball und die beiden treuen Gesichter, die sich voller Liebe unaufhörlich um ihn zu schaffe« machten. Endlich war er müde auf den Armen Marianne'« eingeschlafen und über den Kopf deS Kindes hinweg küßte Ernst zärtlich sein Weib. ES war doch eigent- lich der erste glückliche WeihnachtStag, den sie in ihrer Ehe zusammen verlebte«. Kriefl: asten der Redaktion. XW»nfragcn bitten wir die Nbonneinentb-Ouittung beizufügen,»riefltq« Antwort wird nicht erthetlt. ». N. 97 Es hängt vom Ermessen des Untersucbungs« richters ad, od er die Zusendung von Eßwaaren an einen Unter- suchunasgcfangenen gestatten will. In Ihrem Falle ist dieS wahlscheinlich, wenn Sie fich mit den Sachen persönlich beim Untersuchungsrichter melden. ZM»i Wettende. Auch wir glauben, daß der Betreffende, wenn er seine Getreidemiete ohne verständigen Grund an« zündet, wegen groben Unfugs bestraft wird, sofern der Brand irgendwie die Nachdaren beunruhigt. Kch. H 44. 1. Sie können, wenn das Urtheil noch nicht rechtskräftig ist, Berufung einlegen und unter Berufung auf Ihre Eheftau und Eideszuschiedung behaupten, daß der Wirlh die Miethe berests gezahlt erhallen hat. Ist das Urtheil rechts» kräftig, so können Sie dessen Aufhebung nicht mehr erwirken, wohl aber den Wirth wegen Betruges denunztrm. G.#. 84. Ktubs, die ihr eigene« Zimmer haben, können in demselben tagen, so lange fie wollen, ohne an die Polizei« stunde gebunden zu sein. Eine Reichsgerichtsentscheidung existirt darüber nicht. 180. Za. Heinrich. %.#. Rst»i»»l>»rg,rstr. Nach Ablauf der 13. Woche erhallen Sie von der Brrufsgenossenschast die Unfallsrente, die zunächst von der Genoffenschaft festgesetzt wird nach der Höhe der Erwerbsunfähigkeit. Dabei wird ein Jahresverdienst von 1060 M. der Berechnung zu Grunde gelegt. Einstweilen brauchen Sie irgendwelche Schritte nicht zu thun.« .> Theodor F ricke 1. G-schäst- Vraniln Straße Strumpfwaaren-F abrik. Grüsste Answabl in Tricot-Damen-Taille«» Sommerstoff, a 2,75, 3,50, 5,00 Mark. Winterstoff, mit Futter, a 4,00, 5,00, 6,00 Mark. Winterstoff mit Futter, reich verschnürt, a 5,00, 7,00 M. Gestrickte Herren-Weste«, a 8,00, 8,50, 4,50, 6,00, 8,00, 10,00 bis 14,00 Mark. Gestrickte Damen-Weste«, a 1,75, 2,50 3,00, 8,60, 4,60, 6,00 bis 7,00 Mark. Gesnndhelts-Schmeiß-Hencke«. a 1,75, 2,00, 2,50, 3,00, 8,50 Mark. Echte Stuttgarter Uarmal-Hemden. a 8,00, 3,50, 4,00, 4 50, 6,00, 6,00, 7,50 Mark. Normal-Keinkleider, a 3,00, 3,50, 4,00, 4,50, 5,00, 7,00 Mark. 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