9s« 804« Freitag» den 38. Dezember 1888« s. Drgan für die Interessen der Arbeiter. Da«„Berliner Bolksilatt" «scheint täalich Morgen»«mber noch Sonn« und Festtagen,«bcmnementiprei» fvr Berlin frei 5*Wä viertrljäbrlich 4 Marl, monatlich 1�5 Marl. wSchentlich M Pf- Postabonnement 4 Marl. Sinzelne Rumm« S Pf. EonutogS-Nummer mit dem.SonntagS-Blatt" 10 Pf. (Wtogen in da PoÄ�mZprriSkiste für 1S88»nür Nr. 849.) Jnsertio««aeiühr beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 2S Pf. ArbeitSmarlt 10 Pf. M größerm Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Uhr Nachmittsg» m der Expedition, Berlin SW� Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, Erhöhung des Preises, angenommen. KedaKtio«: Keathstraße 2.— Erpedition: Zimmerstraße 44* Avonttenrents- Mnladimg. Mit dem 1. Januar eröffnen wir ein neues Abonnement auf daS erliner HolHsüldtt" mit dem Sonntagsbtatt als Gratisbeilage. Das„Kerlwer Uolksblatt" ist das einzige, täglich erscheinende Arbesterorgan der Reichshauptstadt. Als Verfechter und Vertreter einer neuen Weltanschauung auf allen Gebieten des«enschlichm Ledens, ist es seine erste und vomehmsie Aufgabe, überall und in jeder Beziehung für die Jntereffm der unterdrückten Klaffe, der Arbeiter, einzutreten. Auf die Arbeiter gestützt, von stürm Vertrauen getragen, kofft das„Berliner VoUrablntt", durch rastlose, unermüdliche Thättgleit auch an seinem Theile dazu beizutragen, daß unsere Prinzipien zum Durchdruch gelangen und daß der produzirende, die Menschhest erhallende Thest unserer Bevöllemng denjenigen Platz in der Gesellschaft einnimmt, der ihm gebührt. Was wir mit dem gebildeten Thest der Arbeiterschaft erstreben und erhoffen, ist bekannt. Daß fich unsere Ideale eines Tages verwirklichen, dam bedarf e» des unverbrüchlich- einmüthizen bandeln» aller derjenigen Männer, welche die Schäden unserer Zeit erkannt haben: dazu gehört, daß unsere Lehren bis in die letzten Hütten der Armuth getragen werden, damit Licht und Erlenntniß fich verbreite; daß es auch dem letzten und scheinbar unbedeutendsten Handlanger klar werde, daß auch er ein Recht an das Leben habe, daß die Schätze der Natur und der Ardest nicht ausschließliches Eigenthum einer winzigen, bevorrechteten Kaste find. Eine« unserer hervorragendsten Kampfcsmittel ist die Presse. Niemand darf fich einen zielbewußten, überzeugungstreuen Sozialisten nennen, welcher nicht immer und überall bestrebt ist, der sozialdemolratischen Ardeiterpresse in immer westeren Kreism der Arbeiter Eingang zu verschaffen. Jeder Ardeiter, der aus Lauhest oder anderen Gründen hiergegen verstößt, handett dirett gegen sein ausgesprochenes Interesse. Darum, Arbeiter Berlins, werbet und agitstt, wo ihr auch sein wöget» ob in der Werkstatt, ob im Freundeskreise, werbet und agitirt für Eure Zeitung. Das„Kertiuer Uolkvblatt" steht Euch fast ein halbes Jahrzehnt, ohne»u wanken oder zu weichen, zur Seite, tretet nun auch Ihr für dasselbe ein und zeigt durch Euer einmüthiges und entschlossenes Handeln, daß Ihr Eure Zeitung über alle Organe der ausbeutenden Bourgeoifie erheben wollt. fragen. Mit Schärfe und Sachlichkest werden, wie bisher, alle dieses Gebiet berührenden Vorkommnisse Schnelligkeit, Präzifion und sachgemäßes Urtheil unsere Schuldigkeit zu thun. Jedermann kennt unseren Standpunkt in politischen und wirthschaftlichen fehandell werden, ebenso wie wir bestrebt sein werden, in allen anderen Fächern durch Im Feuilleton unseres Blalles veröffentlichen wir einen ausgezeichneten Roman, betstell ctsko�nikon? von Dostofemski. Unser S-nntergsblatt macht es fich nach wie vor zur Aufgabe, nur die besten und vollendetsten Ardesten derjenigen Schriftsteller zu bringen, welche auf dem Boden des wirklichen Lebens stehen. DaS„Kerlwev N-lksblatt" kostet für das ganze Vierteljahr frei in» Ann» 4 Mark, für den Monat Januar 1 Mark 86 Pf., pro Woche 86 Pf. Bei Selbstadholung aus unserer Expedition 1 Mark pro Monat. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegen. Dir Redaktion«nd Expedition de«„Kerliner Uolksblatt". IeuiCeton. «]- Raskolnikow. [45 Roma» vo« F. M. Dostojewski. An« dem Russische» übersetzt vo» W il h. H e» ck e l. — Apropo», Dunja, begann er ernst und trocke»,— ich bitte natürlich für das gestern Gesagte um Verzelhung, aber ich halte es für meine Pflicht, Drch wiederholt daran zu erinnern, daß ich von der Hauptsache mcht abweiche. Wenn einer von uns beiden durchaus ein Schuft fem muß, so brauchst Du eS wenigstens nicht zu fem; eS tst genug Äi« ** �Rodjo, Rodja! Da« ist ja ganz dasselbe, was Du gestern sagtest! rief Pulcheria Alexandrowna kummervoll; - weshalb nennst Du Dich denn immer einen Schuft? ich kann da« nicht ertrage«! Gestern war es ganz das l— �Brüber,— antwortete Dunja, gleichfalls fest und ruhig.- es ist hier ein Zrrthum Deinerseits vorhanden. A.K ÖÄM« ÄMR ÄÄtÄ W%%% '» zweiter Linie wäre ich natürlich auch ftoh, wenn ich d,e 5äu Ä"»[.'? Ä ;,ek llial, ki« H-ch»Mhia-[" d-ch,-«'.»»"« W»[h a« den Nägeln kauend,—»sie will eS rncht etttgeftehen, daß fix mir eine Wohlthat erweise» will! Oh. dieser nichts- würdige Charakter!... er liebt, als ob er haßte...»h, wie ich sie... alle verachte!.. — Mit einem Wort, ich heiraihe Peter Petrowitfch, fuhr Duvetschka fort, weil ich von zwei Uebeln daS kleinere wähle. Ich habe die Absicht, alles, was er von mir er» warte« kann, ehrlich zu erfüllen... ich betrüge also nie» mand... WeShalb lächelst Du? Sie fuhr auf und in ihren Augen blitzte Zorn. — Du willst also... alle« erfüllen? fragte er, giftig lachend. — Alles... bis zu einer gewissen Grenze. Sowohl die Art, wie auch die Form der Werbung Peter Petrowitfch« machten es mir sofort klar, was er vo« mir erwartet. Er hat allerdings eine hohe Meinung vo» sich selbst, vielleicht eine zu hohe, aber tch hoffe, daß er auch mich hochschätzen wird... WeShalb lachst Du schon wieder? — Und weshalb erröthest Du schon wieder? Du lügst, Schwester, Du lügst absichtlich, bloS aus weiblichem Eigensinn. um mir gegenüber Recht zu behalte«... Du kannst Lushi« nicht achten: ich habe, ihn gesehen und gesprochen. Du verkaufst Dich also für Geld, und begehst daher jedenfalls eine Niederträchtigkeit; e» freut mich, daß Du wenigstens noch schamroth werden kannst. — ES ist nicht wahr, ich lüge nicht!... rief Du- netschka, die ihre Kaltblütigkeit verlor;— wen« ich nicht über- zeugt wäre, daß er mich schätzt und hochachtet, würde ich ihn nicht Heirathen; auch dann nicht, wenn ich die Ueber- zeugung hätte, daß ich ihn nicht achten kann. Glücklicher Weise kann ich mich ganz genau davon üderzeuge«, und zwar heute noch. Eine solche Heirath ist keine Niederträch- tigkeit, wie Du behauptest. Und selbst wen» Du wirklich Recht hättest, wenn ich mich wirklich zu einer Gemeinheit entschlossen hätte,— ist eS da nicht unbarmherzig vo« Dir, auf diese Weise mit mir zu sprechen? WeShalb verlangst Du von mir eine« Heroismus, den Du vielleicht selbst nicht einmal hast? DaS ist Despotismus, Gewaltthat! Wird jemand dadurch zu Grunde gerichtet, so bi« ich et... Zch habe noch Niemand getödtet!... WaS blickst Du mich so an? WeShalb erbleichst Du? Rodja, waS ist mit Dir, lieber Rodja?... — Herr Gott! Sie hat ihn bis zur Ohnmacht gebracht! rief Pulcheria Alexandrowna. — Rem,«etn... Unsinn... nichts I Nur ein wenig Schwmdel. Gar keine Ohnmacht... wa« habt Ihr nur immer mit Euren Ohnmächten? Hm, ja... was wollte ich doch...? Richtig;— auf welche Weise willst Du Dich heute noch überzeugen, daß Du ihn achten kannst. daß er Dich schätzt? Nicht, sagtest Du nicht so? Du sagtest, glaub' ich,- heute«och? Oder habe ich mich verhört? — Mütterchen, zeigen Sie ihm Peter Petrowitsch» Brief, sagte Duvetschka. Pulcheria Alexandrowna übergab ihm den Brief mit zitternder Hand. Er nahm ihn mit großer Neugier. Bevor er ihn aber entfaltete, schaute er plötzlich erstaunt auf Dunetschta. — Sonderbar,— sagte er langsam, wie von einem neuen Gedanken plötzlich betroffen,— weshalb ereifere ich mich denn eigentlich? Wozu der ganze Lärm? So heiraihe doch in Gottes Namen, wen Du willst! Er sprach wie mit sich selbst, sprach es aber laut aus und blickte, wie verblüfft, seine Schwester an. Endlich, immer noch wie vo» einem unerklärlichen Er» staune» befangen, entfaliete er den Brief; las ihn dann langsam und aufmerksam, la» ihn zweimal. Pulcheria Alexandrowna war sehr unruhig; alle erwarteten etwa» außergewohnltcheS. cn~ Da« ist doch sonderbar,— sagte er nach einigem Nachdenken, den Brief der Mutter zurückgebend, ohne sich an jemand im Besonderen zu wende»,— er ist doch Rechtsanwalts Advokat, auch fein Gespräch hatte eine« solchen Anstrich— und dabei schreibt er einen so schlechten Stil! Alle regte» fich; das war'S nicht, was sie erwartet hatten. — Sie schreibe» ja aber alle so!— bemerkte Rasu» michin. — Hast Du ihn denn gelesen? — 2a. — Wir haben ihm de« Brief gezeigt, Rodja, wir... habe» un« vorhin berathen... fing Pulcheria Alexandrowna verlegen an. „Aus agitatorischen Gründen". Der Antrag der Sozialdemokraten im Reichstage, die Getreidezölle aufzuheben, hat selbstverständlich in der Kartellpreste eine sehr ungnädige Aufnahme gefunden. Die Kartellbrüder, deren große„That" eine Erhöhung der Getreidezölle war, behaupten, der Antrag sei nur „aus agitatorischen Gründen" gestellt worden. Nun, man sucht niemand hinter dem Ofen, wenn man nicht selbst da» hinter gesessen hat, und so mögen die Herren Kartell- brüder, indem sie den Sozialdemokraten die„agita- torische» Gründe" unterschieben, wohl an die be- kannte«„Gründe" denken, die sie im Februar 1887 für die Wahl von Kartellkandidatea ange- führt haben. Die Agitation in der Frage der Getreide- zölle besorgen nicht die Sozialdemokraten, sondern d i e steigenden Brotpreise. Diese agitiren hinreichend, um auch den Parzellenbauern volle Klarheit über den „Segen" der Getreidezölle zu verschaffen. ES ist aus dem jetzigen Stande der Dinge unschwer zu ersehen, wie die Getreidczölle nur im Interesse einer ileinen Minderheit wirken, wie sie der großen Maffe aber eine sehr unwillkommene Neubelastung in Gestalt er- höhter Brotpreise auferlegen. Der deutsche Bode» bringt bekanntlich nicht da» Getreide hervor, das zum Unterhalt seiner Bevölkerung er- forderlich ist. Schon mit dieser einen Thatsache sind die Getreidezölle verurtheilt; bei einem Lande, das der Einfuhr von Getreide unter allen Umständen benöthigt ist, kann diese Einfuhr nicht durch Zölle erschwert werde», ohne daß eine wirthschaftliche Kalamität daraus entstebt. Aber die Sache liegt noch schlimmer. Sogar an ver Maffe der kleinen Bauern, die ihre Parzelle bewirthschaften, produziren verhältnißmäßig nur wenige, was für de» eigknen Bedarf erforderlich ist. Wir sehen, wie sich die Parzellenbesitzer maffenweise der industriellen Arbeit zuwenden und in vie Fabriken gehen, während sie die Bewirthschaftung ihrer Ackerfläche nur noch nebenbei be» treiben. Alle diese Leute produziren auch nicht entfernt ihren Bedarf an Zerealien. Ihre Lebenshaltung ist die denkbar niedrigste und sie empfinden das Steigen der Brot- preise ebenso hart, wie jeder andere Arbeiter, der von der Hand in den Mund leben muß. Dieser Bevölkerung hat man unaufhörlich vorgeredet, die Kornzölle seien ei» Segen für sie. Sie haben es auch geglaubt. Aber die steigenden Brotpreise werde» sie nun ohne alle weiteren „agitatorischen Gründe" belehre», in wessen Interesse die Zölle auf die Einfuhr von Getreide gelegt«or- den sind. Für Ungläubige kann man diese Dinge auch in Ziffern ausdrücken. Nach der deutschen Berufszählung von 1882 betrug die Zahl der landwirthschaftlichen Betriebe 5 276 344, die zusammen eine Fläche vor 40 178 681 Hektaren bewirth- schafteten. Alle Betriebe über 50 Hektaren zusammengezählt, ergeben nicht mehr al» 66 614 Einzelwirthschaften, d. h. 1„4 pCt. der Gesammtzahl. Diese Gruppe befitzt aber 9 636 249 Hektare« Getreideland. Die übrigen 99 pCt., d. h. 5 110 000 Landwirthe, besitzen nur 3 747 677 Hektare« Getreideland. Auf den Mann kommt nicht einmal eine Hektare. 2 323 316 Bauernwirthschasten(44,„ pCt.) be« sitzen weniger als eine Hektare, 1 719 923(33, i, pCt.) weniger als 5 Hektare«, 554 174(10,, pCt.) zwischen 5 und 10 Hektaren, zwischen 10 und 20 Hektaren 372 430(7,,, pCt.), 20 bi» 50 Hektare« 239 887(4„ pCt.). Wenn die Brotpreise so weiter steigen oder sich auch nur auf der jetzigen Höhe erhalten, so werden wir bald höre», daß die Getreidezölle von den über fünf Millionen Parzellenbesitzern, die nicht einmal eine Hektare ihr eigen nennen, nicht minder heftig angegriffen werden, wie von den Arbeitern und Kleinbürgern der Städte. Einen Vortheil von de« Getreidezöllen haben nur die Groß- arundbesitzer, die, 66 614 an der Zahl, auch wieder in ver- schiedene Besitzgruppen zerfallen. So giebt e» nur 9814 Besitzungen(10,„ pCt.) mit 200 bis 500 Hektaren und 3629(0,OT pCt.) mit 500 bis 1000 und 515(,«„ pCt.) die mehr als 1000 Hektaren umfassen. Das ist so klar, daß man eigentlich nicht glauben sollte, eS sei ein Einwand dagegen möglufc. Und dennoch reisen die Agitatoren der Kartelldrüder bei de« Bauern umher und reden ihnen vor, die Getreidezölle seien im Interesse des — Da» ist so eine Art Kanzleistil, unterbrach sie Ra- sumichi«;— gerichtliche Papiere werden so abgefaßt. — Gerichtliche? Ja, ganz recht, gerichtliche, ge» schästliche.... Nicht gerade sehr ungeschickt stilisirt, aber auch nicht besonder» schriftstellerisch; mehr geschäfts» mäßig! — Peter Petrowitsch verheimlicht e» auch gar nicht, daß fei» Unterricht mit Kupfergeld bestritte» worden sei; er rühmt sich sogar, daß er sich seinen Weg selbst gebahnt habe, bemerkte Awdotja Romanowna; sie fühlte sich von dem Ton de» BruderS einigermaßen beleidigt. — Nu», und was ist dabei? Wenn er sich rühmt, so wird er wohl Grund dazu habe«,— ich widerspreche ja nicht. Du scheinst Dich beleidigt zu fühlen, Schwester, daß mir dieser Brief nicht» al» eine solche ftivole Bemerkung entlockt hat, und denkst vielleicht, daß ich nur deshalb von solcher Nebensache rede, um Dich zu ärgern und ungeduldig zu mache». Im Gegeatheil, wa« den Stil anbelangt, so kommt mir da eben eine in diesem Fall nicht ganz über- flüssige Bemerkung in den Sinn. E« ist der Ausdruck:„die Folge« hätte» Sie sich dann selbst znzuschreiben",— da« ist sehr klar und bedeutungsvoll; außerdem befindet sich «och die Drohung darin, sich sogleich zu entferne», wen» ich zugegen sei« sollte. Diese Drohung— fortzugehen— bedeutet, daß er Euch beide zu verlassen gedenkt, fall« Ihr ungehorsam sei« würdet! und zwar jetzt zu verlassen,«ach- dem Ihr auf seine Veranlassung nach Petersburg gekommen seid. Nun, wa» meinst Du, kann man sich durch solche Aeußerunge« Lushin» wohl ebenso beleidigt fühle«, wie, wenn z. B. jener(er zeigte auf Rasumichin) oder Sossimow oder irgend jemand von uns dergleichen geschrieben hätte? — Nein,»ei»! antwortete Duaetschka lebhaft,— ich habe es ganz gut begriffen, daß das nur eine naive Aus» drucksweise ist, daß er sich nicht korrekt auszudrücken ver» steht,... da« hast Du ganz richtig beurtheilt, Bruder, ich hätte da« nicht einmal von D»r erwartet.,. — Daran ist der Kanzleistil schuld, und wen« man eine» solchen Stil schreibt, so kann man sich nicht gut anders ausdrücken, e« klingt daher taktloser, al« e« vielletcht be- absichtigt war. UebrigenS muß ich Dich dennoch enttäuschen: „kleinen ManneS" gemacht, und eS giebt auch noch Leute genug, die dies glauben, bis sie durch die höheren Brot» preise davon bekehrt werden. Wenn alle« nicht mehr versängt, so werden die Herren Kartcllbrüder schließlich sagen, das„Bischen Preis« steigerung" könne das Volk noch verttagen. Nun, schon 1871 kamen in Preußen auf eine steuerpflichtige Be» völkerung von 24 525 778 Personen nicht weniger als 6 582 066, die von der Klassensteuer befteit waren, weil ihr Jahreseinkommen unter 140 Thaler(420 Mark) war. Die Angehörigen der Beftetten machten etwa 9 Millionen au«. Die Gesammtzahl der von der Steuer Befteiten betrug 56,, pCt. der steuerpflichten Bevölkerung überhaupt. Die höchsten Einkommen bis 1000 Thaler und darüber machten nur 4,« pCt. aus. Man weiß, daß inzwischen die Verhältnisse weit schlimmer geworden, daß die Löhne heruntergegangen und die Lasten sowie die Lebensmittelpreise gestiegen sind. Der Antrag auf Aufhebung der Kornzölle ist deshalb durchaus im Interesse der Volksmasse gestellt und die „oberen Zehntausend" handeln aus reinem Egoismus, wenn sie den Antrag verwerfen, weil sie sich den aus den stei- genden Getreidepreisen für sie erwachsenden Gewinn nicht entgehen lassen wollen. Darum reden sie von„agitatori- schen Gründen". Die Thatsache, daß die Großgrundbesitzer ihre« Gewinn aus der Noth des Volkes ziehen, wird aller- dings genug der„agitatorischen Gründe" gegen das Kartell bilden. NnWak'KorcelpoüäWM,. SN« Italien, den 24. Dezember. Herrn Crispl's aus- e Politik, wclche die militärischen und maritimen Lasten Italiens ins Ungeheure verniehrt hat, erfreut sich im Lande keineswegs jener Zustimmung und Popularität, welche als vor- Händen anzunehmen die Haltung eines großen TheilS der deut- schen Presse glauben machen will. Das seit zwei Jahrzehnten durch ein- enorme, namentlich indirekte Steuerlast ausgesogene Volk ist kaum noch im Stande, neue Lasten zu tragen, und doch werden diese als die Folgen der neuerdings kolossal gs- steigerten Rüstungen, welche wiederum die Folgen des Drei» dundes find, absolut nothwendig. Die hierdurch erzeugte wachsende Unzufriedenheit ist Wasser auf die Mühle derer, welche mit dem Gang der inneren und äußeren Polstik durch- aus nicht einverstanden find und nicht einsehen können, warum Italien eine es erdrückende Rüstung tragen soll, von der fie de- Haupte«, daß fie nur im Interesse Oesterreichs und Deutschlands dem Lande aufgebürdet werde. Diese unzufriedene Stimmung ist weit verbreiteter, als man in Deutschland annimmt. Daß es Herrn Crispi gelang, noch unmittelbar vor den Weihnachts- ferien ein Verlraumsvotum der Kammer für seine auswärtige Politik zu erlangen, darf hierüber nicht täuschen. Die italienische Kammer vertrstt nur ewe kleine Minorität der Bevölkerung. Der destehende Zensus schlicht die sehr große Mehrheit der männlichen Erwachsenen vom politischen Wahlrecht aus, der Kletus und sein Anhang hatten fich bisher prinzipiell der Wahldetheiligung enthalten, außerdem verdanken viele Deputirte ihren Sitz im Parlament dem Einfluß der Regierung. Die Unabhängigkeit einer solchen Volksvertretung und ihr Recht, im Namen des Landes zu sprechen, ist also wohl zweifelhaft. Auch die innere Politik ist nicht darnach angethan, das Ansehen des Ministeriums zu stärken. Die materielle Roth- läge der arbeitenden Klaffen ist eine ungewöhnlich große und kann nur von einem Volke noch ertragen werden, dessen An- spruchslostgkeit an materiellen Lebensgenuß sprichwörtlich geworden ist. Eine Ardeiterschutzgesetzgedung ist in Italien nicht vorhan- den, und so ist kein Maß und Ziel der Ausbeutungs sucht der Unternchmerklasse gesetzt. Letztere ist vielfach noch deshalb unzu» frieden, weil der Handelsvertrag mit Frankreich nicht erneuert wurde und hierdurch schwere materielle Schäden für eine An- Jahl Gewerbe und Industrien, namentlich auch für den Wein» anbei, entstanden. Daß eine solche Situation des Landes auf die Dauer eine unerttägliche wird, ist selostoerständlich und auch begreiflich, daß der dringende Wunsch besteht, das Land dieser es zu Grunde richtenden Lage zu entreißen. Da aber die ganze ökonomische Entwickelung des Landes die Existenz einer wirklich sozialistischen Partei noch nicht ermöglicht, so find es die Wortführer der ftondirenden bürgerlichen Elemente, welche die Opposttion gegen die jetzige Politik des Landes aufnehmen und es aus der Zwangslage, in die es als Glied des Dreibundes nach ihrer Meinung gelangt ist, zu defreien suchen. Ein Aufruf, den ein ständiges Zentralkomitee behufs„Wahrung der Freiheit und des Friedens" veröffentlicht, giebt dieser weit verbreiteten Meinung Ausdruck und lautet also: Italiener! Kriegsgerüchte— Gerüchte eines Bruderkriegs— bedrohen in diseem Brief ist noch ein Ausdruck, eine Verleumdung, und zwar eine recht niederträchtige. Ich gab gestern daS Geld der Wittwe, der schwindsüchtigen, jammer» voll elenden Wittwe, und nicht etwa„unter dem Vorwand, eS sei zur Beerdigung", sondern wirklich zur Beerdigung, auch nicht der Tochter,—„einem Mädchen von allbekannter Aufführung"— wie er schreibt, (ich habe die« Mädchen gestern zum erstenmal gesehe«), sondern der Wittwe. Ja aUedem erkenne ich den voreiligen Wunsch, mich anzuschwärzen, mich mit Euch zu entzweien. Auch das alles ist wieder im Kanzleistil ausgedrückt, d. h. die Absicht ist ganz offenkundig, sie verräth sich mit naiver Sorglosigkeit. Er ist zwar ein ganz gescheidter Mensch, aber um klug zu Handel», genügt eS nicht, Verstand zu haben. Uebrigen« kennzeichnet alles dies den Werth des Menschen und ich kann daraus nicht den Schluß ziehen, daß er Dich besonders hochschätzt. Ich sage Dir da« nur deshalb, damit Du darüber nachdenkst, und weil ich Dir von ganzem Herzen nur Gutes wünsche... Dunetschka antwortete�nicht; ihre Entscheidung war vorher schon getroffen, sie wartete nur»och auf de« Abend. — Wie entscheidest Du Dich also jetzt, Rodja? fragte Pulcheria Alexandrowna, die sich durch den plötzlich so ge- schäftSmäßig gewordenen Ton feiuer Rede jetzt mehr»och al« früher beunruhigt fühlte. — Wa« soll da« heißen,„wie entscheidest Du Dich"? — Nun, Peter Petrowitsch schreibt doch, daß Du heute Abend nicht bei un« sei« sollst,... daß er, wenn Du kämest, fortgehen würde. Wie willst Du e« also halten? — Da« habe ja doch nicht ich zu entscheiden, sondern ersten« Sie, Mütterchen, wenn Ihnen eine solche Forderung Peter Petrowitsch'S nicht beleidigend scheint, und zweiten« Dunja, wenn auch sie sich nicht dadurch beleidigt fühlt. Ich werde dasjenige thun, wa« Ihr für gut findet, fügte er trocken hinzu. — Dunetschka hat bereit« entschieden und ich stimme ihr vollkommen bei, beeilte sich Pulcheria Alexandrowna ein- schalten. heute die Völker, die fich räch nichts anderem als Zne�r Frieden sehnen, der das Elend mildern und die Wobltha' n ö': Z vilt» sation auf die größtmögliche Anzahl von Bürgern auzd.chnen könnte. Die Rüstungen eines Staates fordern den andern zu roch größeren militärischen Vorbereitungen heraus und ein allzu- großer Theil der ehrlich erworbenen Früchte wird von den nutz- losen Militärspesen verschlungen; man verschlimmert die Laze der Arbeiter, man dereitet eine traurige Gegenwatt und eine noch trübere Zukunft vor. Ein Frieden, der fich auf unzählige Heeresmaffm stützt, ist nicht minder verderblich als der Krieg selbst und findet bei den Regierenden keine andere Offenbarung, als die der Eifersucht und ver Bedrohung. Schon allzulange lastet ein ähnlicher Friede, der die 9la* tionen alle Nachiheile des Krieges fühlen läßt, auf den Völkern Europas. Das erste Land, das den Muth haben wird, dieses unbe- dachtsame System abzuschaffen, wird fich nebst der Erkenntlich- keit der anderen Völker jedenfalls auch ein kraftvolles Aufblühen undz'eine unhezwingdare Macht vorbereiten. Italiener! Das ist die Misfion, das ist der Ruhm, der unS beute erwartet! Italien, das fich, die Verträge der heiligen Allianz zer- reißend, zuerst mit Hilfe Frankreichs, dann durch Teutschlands Stütze, stets von der Sympathie der zivilifiiten Völker begleitet konststuitte, dieses Italien, das dem neuen Europa als ein Pfand de« Friedens erstand, gebe das große Beispiel und mache, daß die Motte mit den Thatsache«, die Polstik mit der Moral, das nationale Interesse mit dem der ganzen menschlichen Fa» milie in Einklang zu stehen kommen. Italien erfülle diese hohe Misfion, welche seiner weit mehr würdig ist, als jene, welche die Fackel der Zwietracht auf Rechnung Anderer angefacht häll und ihre Waffen gegen jenes Frankreich richtet, da« uns, als wir unter- drückt und zersplittett darnieder lagen, d-n Beistand seines Heizens und seines Blutes darbot. Mit der Begeisterung, mit welcher die Vorläufer unserer Freiheit fich daran machten, die Ketten zu sprengen, die uns Leid und Seele banden, sollen wir uns alle, Brüder, alle unter der Fahne des Friedens vereinigen. Tragen wir dieselbe so hoch, daß ihr die Völker zujauchzen und fie vertheldigen, dieses Banner der allgemeinen Wohlfahtt! Alle sollen fie diesem Bunde deitteten! Die Alten, die die Schlachten für die vaterländische Unabhängigkeit schlugen und Sorge tragen, damit das nationale Gefühl nicht mißbraucht werde, um ändern Interessen, die nicht italienisch find, zu dienen! — Die Jünglinge, Vie nach schönem Ruhme, nach männlichen Thaten streben!— Die Frauen, denen das Recht zusteht, dem Schicksal des Landes den Einfluß ihres wohlthätizen GentuS darzubringen, damit fie, unbekannter oder verhaßter Ursach« n wegen, nicht mehr für das Leben ihrer Lieben zu zittern brauchen. Reiche und Arme, Fabrikanten und Kaufleute, Stadt- und Landarbeiter, Philosophen unv Gläubige, kurz alle, die die Noth- wendigkeit fühlen, nicht mehr auf einem Wege weitcrzuschreiten, der zum Verderben führt, sollen Anthetl an diesem Bunde nehmen. Zu diesem Werke der Zivilisation fühlen wir unS auch aus Liebe zu unfern Soldaten bewogen, die Blut unseres Bl ttes find, und die wir nicht»u Unternehmungen gezwungen sehen wollen, die weder vom Rechte noch von der nationalm Ehre verlangt werden. Und wir find nicht die einzigen. Wie wir, so fühlen auch andere Völker die Last dieses übertriebenen und verderblichen Wetteifers im Rüsten; um demselben nunmehr Einhalt zu thun, schließen fich diese vermittelst der Stimme ihrer besten Männer den Italienern an. Üederall, wo fich ein Häuflein patriotisch Gestnnter mit dem Gedanken verständigt, daß Italien wohl eine aanz� andere Be- stimmung habe als die, fortwährend unter den Waffen zu stehen,. ohne fich von irgend einer Gefahr bedroht zu sehen, da werden auch die kühnen Werke einer bürgerlichen Neuerung nicht lange auf fich matten lassen. So vereinigt mit der unwiderstehlichen Bebanlichkest eines Volkes, das die im Namen seines Rechtes geschlagenen Schlachten zu gewinnen wußte, werden wir auch flegreich auS diesem Kampfe hervorzugehen wissen, der im Namen des mensch« lichcn Fortschrittes gekämpft wird. Mailand, am 29. November 1888. Das Komitee. Vorsitzender: Giuseppe Missori, Oberst a. D., Graf Aldo Annoni, Senator dei Königreichs, Präsident der Eisparnißkaffe, Carlo Antogini, Major a. D., Ado. Pirro Apotti, Ado. Onorato Barbetta, Doktor Enrico Bcretta, Giactrsto Bruzzefi. Oberst a.D., Astssardro Carisfimi, Major a. D- Mario Cattaruzza, Publizist, F'lice Cavaloiti, Abgeordneter, Prof. Alfonso Dell Uomo, Luigi De Mass«, vom Arbeiter- Konsulat, Edorador Grignolo, Ado. Rlccardo Luzzatto, Antonio Maffi, Abgeordneter, Ado. Pietro Mansredi, Avo. Giuseppe Marcora. Abgeordneter, Ingenieur Luigi Mazzocchi. Avo- Angelo Mazzoleni, Abgeordneter, Ernesto Teodord Moneta, — Ich habe mich entschlossen, Rodja, Dich zu bitten, Dich dringend zu bitten, jedenfalls heute Abend zu unS zu kommen, sagte Dunja;— willst Du kommen? — Ich werde kommen. — Und auch Sie ersuche ich, um' acht Uhr bei un* zu sein, wandte sie sich an Rasumichin. Mütterchen,'4 bitte auch Herrn Rasumichin, zu unS zu kommen.) — Sehr gut, Dunetschka. Nun, so wie Ihr ei jep entschiede« habt, fügte Pulcheria Alexandrowna hinzu, � so mag e« auch bleiben. Auch mir ist jetzt leichter zu Muthe! ich liebe nicht, mich zu verstellen und zu lügen; wir wolle» un« an die einfache Wahrheit halten, mag er sich nun ärger» oder nicht, dieser Peter Petrowitsch. IV. In diesem Moment öffnete sich leise die Thür»ad ein Mädchen, sich schüchtern umschauend, trat in die Stube- Alle sahen sie erstaunt und neugierig an. RaSkoloikoi» erkannte sie nicht auf de« ersten Blick. Es war Soph'� Ssemjonowna Marmeladow. Gestern hatte er sie?»>" ersten Mal gesehen, aber in einem solchen Moment, in einer solchen Umgebung und in einem solchen Kostüm, daß M bai Bild einer ganz anderen Persönlichkeit in sein Gedäch� niß eingeprägt halte. Jetzt sah er ein einfach und% ärmlich gekleidetes, noch sehr junges Mädchen vor sich,. faJ: einem Kinde ähnlich, mit bescheidenen, anständigen Maaierr» und einem offenen, aber etwa« verschüchterten Gesicht.® hatte ein ganz einfaches Hauskleid an und eine» asti», unmodischen Hut auf dem Kopf; nur der Sonnenschirm von gestern. Als sie unerwartet eine ganze Stube»#» Menschen erblickte, wurde sie nicht nur verlegen, sondern verlor sogar die Fassung, war verzagt wie ein klei Kmd und machte eine Bewegung, als ob sie wieder pn gehen wolle. _- Ach-.. Sie sind?... rief RaSkolnikow* staunt, und ward nun selbst verlege». ES siel ihm em, Mutter und Schwester aus Lushin» Brief von einem. missen Mädchen und dessen„allbekannter Aufführung etwa« wissen. Eben erst hatte er gegen Lushmi � dung protestirt und erwähnt, daß er dieses Madchen g Direktor der Zeitung„Ii Secolo", Dr. Giuseppe Musst, Abgeordneter, Dr. Decio Nullt, Dario Papa, Direktor der Zeitung„L'Jtalia", Carlo Romusst, Chefredakteur des„Sccolo", Jsnardo Sartorio, Major a. D. Francesco SIccardi. Hauptmann, Prof. Giorpio Sinigaglia, Ptetro Span« garo, Oberst a. D. Die Präfidenten der politischen Gesellschaften, der Veteranm und Arbeitervereine ic.:c. werden gebeten, in jeder einzelnen Gemeinde ein Komitee zu bllven und stch mit dem hieflgen Zentralkomitee in Verbindung zu setzen. Politische Urbrrstcht. In der innere« Politik herrscht Feiertagsstllle. �uS der w einzelnen Organen der gutgefinnten Preffe aufgetauchten ?lvee, das deutsche Volk einmal an Weihnachten zur Abwechs- lung fich nicht entrüsten, sondern begeistern zu lassen und zwar für kriegerische Lordecrn in Ostafrila, ist nichts geworden, da man bald erkannte, daß der Blasdalg der nationalen Phrasen nicht im Stande sein werde, eine Flamme anzufachen, in der fich das Eisen einer abenteuerlichen Kolonialpolitil schmieden lassen werde.— Als Wind im Rohr giebt es nur das übliche Gezänke der Kartellaeschwistcr, diesmal als Nachhall eines aus der„Wiener Polit. Corr." an die Nationalliberalen ergangenen Gebots, fich nicht gelüsten zu lassen nach eigener Macht und Herrlichkeit. Die„Krcuzzeitung" führt dabei den Reigen; mit der Schadenfreude eines Schülers, der die Ruthe schon des Oefteren zu kosten bekommen hat, höhnt fie den Mitschüler, den „verzöge-ren Liedling" aus, dem auch einmal die Hosen etwas „stramm" gezogen worden find. Für ernste Politiker haben die Kartellzänkereim und Stänkereien längst jedes Interesse ver- koren:„Das schlägt und verträgt stch", weiß man. So sei denn die festtägliche Stille freudig begrüßt. pon Herrn prutrert. dem bekannten Polizeianarchiften, find wieder charakteristische Nachrichten eingelaufen. Die Leser eiinnern stch vielleicht der skandalösen Vorgänge in Reichenbach (Böhmen): der Verhaftung eines jungen Gelehrten, welcher be» schuldigt wurde, an einem„Dynamitattentat" gegen einen dor« tigen Fabrikanten detheiliat gewesen zu sein. Dieses Dynamit- attentat, welches weder Personen noch Eigenlhum deschädigte und von vornherein für destellte Arbeit gehalten wurde, liefnte der Polizei einen erwünschten Vorwand zu allerlei Verhaftungen, Haussuchungen und zur Ausweisung des fraglichen, gewissen ?abriranten sehr unbequem gewordmen Gelehrten Dr. Luxen- erg. Wie wir nun nachträglich erfahren, war Herr Peukert zur klitischen Zell in Reichendach. Herr Peukert spielt also noch immer seine von Neve's Verhaftung her bekannte Rolle des Schlevvers für die Polizei. Worauf wohl zu achten! Gewerblich« AilfsKafi'«« u«d Arbeiter- Unter- stiihnngvkalseu jeder Art wurden bekanntlich von verschiedenen preußischen Polizeibehörden für Verficherungsgesellschaften erklärt und sollten demgemäß der Konzesfionirung und sonstigen Maß» «gelungen unterliegen. Aus diesem Verlangen der Polizei ent- standen mehrere Prozesse, die endlich am 26. Oktober durch höchstinstanzliches Urtheil des preußischen Kammergerichts zu Ungunsten der Polizei entschieden wurden. Obgleich es nun für Preußen keine höhere Instanz giebt, halten die Polizei- bebörden von Hannover doch— in Sachen des Hutmacher» Unterstützungsvereins— an ihrer falschen Gesetzesauslegun fest und verlangen auch jetzt noch, daß der genannte Verein ss den Bestimmungen des Lebensverstckerungsgesetzes unterwerfe. Natürlich wird den hannövertschen Polizerbehöcden der Wille nicht qethan. Der Unterstützungsoerein deutscher Hutmacher wird sich an den Reichstag wenden und überhaupt alle nöthtgen Schritte tbun, um Klarheit darüber zu haben, od in Deutsch- land die Polizei unter dem Gesetze steht oder nicht. Aus Hachse», den 26. Dezember, wird uns geschrieben: In der vorigen Woche standen in vielen Gemeinden Sachsens die lZrgänzungSwahlen zu den Gemeinderäthen auf der Tages« vrdnung. Soweit die Sozialdemokraten stch betheiligten, haben dicselben nach den vorliegenden Berichten in cinrr ganzen An» zahl Orte den Sieg davon getragen. In Cotta, Altgersdorf, Botschappel. Pieschm, Bielau und Neureudnitz fiegten fie in der Klasse der Unansäsfigen. In Gersdorf, Thalheim und Zschiedge fiegten fie auch in der Klasse der Ansäsfigen. Der Umschwung in der Stimmung der Bevölkerung, welcher fich seit einem Jahr vollzog, kommt in dem Ausfall der Gemeindewahlen zu leb« haftem Ausdruck. Urrbet de» Tischler-Kongresse« in peaunschwetg. Der für den 26. d. Mts. nach Braunschweig einberufene allge- meine deutsche Tisckler-Kongrcß. welcher fich mit der Lohnftage beschäftigen sollte, ist in letzter Stunde von der Braunschwdger Polizei verboten worden. Das war für die Arbeitgeber des Gewerbes ein recht erfreuliches Weihnachtsgeschenk, bat aber in den Kreisen der Arbeiter die Stimmung für die famose deutsche Sozialpolitik nicht verbessert. Solche Verbote find grade recht, um den deutschen Ardettern zu beweisen, was die gerühmte Ardeiterfreundlichkeit der leitenden Kreise auf fich hat. Das Verbot macht besonders dadurch viel böses Blut, daß eS so spät erfolgte und die Delegirten nicht mehr rechtzeitig unterrichtet zum ersten Mal gesehen habe, und nun trat sie plötzlich selbst herein. Er entsann sich auch, daß er gegen den Au«. druck„von allbekannter Aufführung" nicht protestirt hatte. Alles dies fuhr ihm flüchtig und blitzschnell durch den Sinn. aufmerksamer anblickte, bemerkte er, daß davon zu laufen,— daß ihm rege. sich etwas zu ihren Gunsten — Ich erwartete nicht, Sie bei mir zu sehen, sagte er schnell und hielt sie durch seinen Blick zurück;— setzen Sie " gewiß in Katharina setzen Sie sich lieber Sie sich doch'gefälligst. Sie kommen ZwanownaS Auftrag. Erlauben Sie, dorthin. (Fortsetzung folgt.) Aus Knust und itbttu "" fr»r fHn neuestes Dra» Henrik Ibsen» Honorar für sein neuestes Drama„Die mau vom Meere" giebt einem Kopenhagener Korrespondenten des Christiania Blatte«„Mogenblavet" Stoff zu folgenden Be« nnm M.ere" erscheint in einer Auf- trachtungm:„Die mau vom 'age von 10000 Exemplaren k 2,75 M., die Bruttoverkaufs- summe ist also 27500 M. und mit Abzug von 25 pCl.(welche die Buchhändler bekommen) bleiben 20 625 M. Aber viele haben allerdings mehr als 25 pCt., viele sogar Buchhändler haben alleromg»——--• 33,33 pCt.: der Nettogewinn nach Abzug der Druckkosten. Ver- ---..„v, h«rrtWitini durfte also etwa 15 bis Hälfte' ........ pro Bogen und pro iuuu georuaie Exen.-.«....... Auflage von 10000 Exemplaren macht das also 500 Kronen ~<»-—---«nthnlt etwas «3,33 flil. i on jkuuhv*......... »aufs kosten, Provlfion und dergleichen dürfte also etwa 10 VIS 16000 Kr. betragen. Ohngefahr die Hälfte fällt dem Verfaffer iu. Henrik Ibsens Honorar dettägt nämlich 50 Kr.(56 Mark) —- unh oro 1000 gedruckte Exemplare! bei einer 0 K/V» Ctrrtnon werden konnten. Die meisten warm bereits abgereist oder hatten ihre Fahrscheine schon entnommen. War dieser materielle Schaden der Arbeiter vielleicht auch geplant? U. Ä. w. g. p»-?eR«esfcken. Die Notiz, daß Geffcken bereits vor das Reichsgericht verwiesm sei, ist unrichtig, wie uni aus bester Quelle berichtet wird. Der Reichsanwalt hat seinen bezüglichen Antrag gestellt; die Entscheidung des Anklagesenats ist aber noch nicht erfolgt. per Werth eine» nationaUiberalr» Hti««« ist augenscheinlich in landesüblicher Münze nicht allzu hoch zu schätzen; höchstens 5 bis 10 Pfennige ist der Preis, den die Parteileitung des Wahlkreises Melle-Diepholz dafür zu zahlen bereit ist. Das geht hervor aus einem merkwürdigen Schrift- stück, welches vor der jüngsten Nachwahl in dem Kreise versandt wurde, aber glücklicher Weise auch sin falsche Hände gekommen ist, so daß die„Ö. C." es mittheilen kann. Das kostbare Mach« werk lautet:„Vertraulich. Sulingen, den 24. November 1888. Hochgeehrter Herr! Eine Sendung Wahlaufrufe wird Ihnen jugegangen sein. Es ist nun unbedingt nölhig, erstens die Wahlaufrufe Haus für Haus zu vertheilen, zweitens am Wahl- tage jeden einzelnen Wähler auö HauS und Feld unter Verab« reichung eines Stimmzettels zur Wahl heranzuholen. Bei den vielm und wettm Wegen, die das auf dem Lande erfordern kann, ist nicht zu verlangen, daß fich Jemand ganz ohne Ent- schädigung dieser Mübe unterzieht. Wir haben uns deshalb bemüht, Mittel zu deschaffm, die gestatten, hierfür eine Vergütung zu gewähren, deren Höhe sich nach den Leistungen des Be- treffmdm richten muß— 5 Pfennig für jede Stimme, die für Dr. Sattler abgegeben wird— jedoch mindestens zwei Mark betragen muß. Wir bitten Sie daher, ge- fälligst ft), unverzüglich einen zuverlässtgm, rührigen Mann zu beschaffen, der bereit ist, unter den genannten Bedingungen diese Aufgabe für die Ottschastm(hier ist eine Lücke im Druck, welche handschristlich durch die Namen der betteffenden Ott« schaften zu füllen ist) zu übernehmen und dcffen Namen dem mitunterzeichntten Schriftführer anzuzeigen, mit einer Angabe darüber, wie viele Stimmen Sie dort brauchen. Letztere sollen sämmtlich Ihnen übcrsar.dt werden. Sie müssen dann den Be- treffenden mit der nöthigen Zahl verseben, eine Anzahl muß na< türlich auch beim Wahllokal selbst zur Verfügung sein; dieselben dürfen aber nicht zu früh unter die Leute kommen, sonst gehen leicht viele verloren. Auf alle Fälle müssen Sie, wenn doch etwa noch mehr Stimmzettel gebraucht werden soMcn, solche schleunigst von uns reklamircn. Wir setzen in Sie das Ver- trauen, daß Sie für alles dies besten« Sorge tragen, auch dar- auf paffen w rden, daß der Betreffende, dem die Vergütung zugesichert wird, mit Eifer seinen Vervflichtungcn nachkommt. Kast, Vorsttzender, Meese, Schriftführer des nationalliberalen Vereins." Handschriftlich ist vem noch hinzugefügt:„Für dott bewilligen wir für jede Stimme 10 Pfennig. A. Meese."— Man fleht, die Nation alliberalm verlassen stch nicht auf ihre gute Sache, auch nicht auf die opferwillige Thätigkeit der Par« teigenosscn, sondern auf ihren großen Geldbeutel. Freilich kann fich derselbe auf Kontttbuenten wie Herr Gerson v. Bleichröder stützen. Wie sehr da« Fieber unter den deutschen Marinesoldaten auf den in Ostafrika stationitten Kriegsschiffen herrscht, geht aus dem von Sanstbar, 8. November, datitten Privatdriefe eines Mainzers auf dem Kriegsschiffe„Leipzig" hervor, den die „Wormser Ztg." verössemlicht. Der Bttefschreider theilt darin mit, daß die zu Besatzungszwecken in Bagamayo verwendeten Mannschaften statt das Fieber bekämen» und daß er mit 61 Mann im Lazareth in Sansibar lag. 2M» schwäbisch» s-ziatdem-krattsch» Arbeiterpartei hat soeben ihren Wahlaufruf zu den Landtagswahlcn veröffent- licht. Eingangs desselben ist bemerv:„Zu der am 9. Januar 1889 stattflndenden LandtagSwahl treten die vorgefchttttenen Ardeiter Württembergs selbstständig und mit eigenen Kandidaten auf, da von den sogenannten dütgerlichen Parteien ein ent- schtedenes Eintreten für die Rechte des ai bellenden Volkes nicht »u ermatten ist." Von der letzten Kammer wird gesagt:„Die Majorität der verflossenen Kammer hat in entschieden reak- t i o n S r e m Sinne ihres Amtes gewallet und die meisten ihrer Beschlüsse standen mit dem ganzen Geiste der Zeit in Widerspruch. In den wichtigsten Fragen hat fie mit leichtem Herzen so ent- schieden, wie es der henschenden Strömung angenehm war. Sie hat ohne Bedenken das Reservatrecht der Branntweinsteuer geopfert, wodurch die kleinen Brennereien schwer belastet worden find, und fie hat ohne Befinnen das neue Gcmeindegesetz ange- nommen, welches den Polizeibehörden ein in Württemberg noch kaum dagewesenes Uedermaß von Machtbeftigniffen verleiht, während es die Rechte der Gemeindedürger beschränkt. Die Linke der Kammer gab fich den Schein der Opposition. Aber es blieb auch Schein. Die Linke erhob keinen Wider- spruck gegen da? neue Ktemeindegesetz und schied aus d-r Kammer mit der sonderbaren Ettlämng, daß fie, die Oppofition, in der Frage der Verfassungsrevifion nichts habe tbun können, weil fie mit den gegnerischen Patteien ein Emver- ständniß zu erzielen nicht im Stande gewesen sei!" Bezüglich ver Stellung der sozialistischen Arbeiterpattei zu den gegenwärtig in Württemberg obschwedenden Fragen wird in dem Ausruf land, wo das Stück aufgeführt wird, zu einer Honorarzahlung bequemen, etwas, welches infolge des Fehlens einer literatiscken Uebereinkunft gewiffenhaftest unterlassen wird. Summa snw- marnm dürfte der materielle Gewinn, der dem Dichter von „Die Frau vom Meere" zufällt, kaum geringer als 22 500 M. sein und wenn diese Summe auch nicht gerade übermäßig groß ist, so kann andererseits mit Fug und Recht gesagt werden, daß ' alle Frauen 22 500 M.„mitbringen". Herr Hchlayerle zu K. im dadischen Ländle ist ein braver Geschäftsmann_unb ein eifri Patr mm fich stets... w—— i———... stellen daS übliche Bravo zu inszeniren und, wenn der Redner im Feuer seiner patriotischen Entrüstung an dm„franzöfischm Erbfeind" geiäth, den Sturmanariff zu leiten. Sein glühender Patriotismus und sein noch glühenderer Franzosenhaß haben ihn jedoch nicht gehindert, fich die französtsche Sprache anzueignen und in Frankreich Geschäftsoeidindung anzuknüpfen. Neulich ist ihm aber auf einer Geschäftsreise in dem„wilden Land" etwaS Unangenehmes passttt, waS er nachher zu Hause seinen Freunden erzählt hat. Ich geh', erzählte er, zu Nanzig in einen Friseur- laden, um meinen äußern Menschen verschönern zu laffm, denn die Leut' find dott in dieser Hinficht penibel. Ich setz' mich hin, der Barbier seist mich ein und fuchtelt dann mit dem Rafirmeffer vor meinem Geficht herum.„Sie find wohl aus dem Süden?" fragt er und setzt das Messer an.„Nein, ich bin nickt aus dem Süden", sage ich kurz.„Oder wohl aus dem Norden?" fährt er sott und säubett mir eine Backe.„Auch nicht aus dem Norden." Mittlerweile war mir der Mensch mit seinem verdammten Messer bis zur Halsgegend gelangt. Plötzlich hätt er mit seiner Arbeit ein und schreit: „Mein Herr, Ihr Akzent Ningt ausländisch; find Sie ein Deutscher?" Damit sahtt er mit seinem Messer Gurgel.— Sollte ich mein Leben so elmd Als er sie aber ausmerijamer anunuie,|e,n die» arme Geschöpfe zerknirscht und bemitletdenSwetth genug ist, s j«, M-,... f.™ s-rs"ÄTÄS„ er Geschäftsmann und ein eifriger tot. Bei nationalliberalen Patteiversammlunam HS» er tS in der vorderstm Reihe, um bei den oratorischen Kraft- etwas etwa pro Bogen. Uno Frau vom Meere" enthält wehr über 15 Bozen. Der Dichter hat also 3000 Kronen. Aber hier ist noch nicht mit in Berechnimg ge« sogen, was das Drama auf den unterschiedlichen Bühnen bei einer Aufführung einbttngt.„Die Frau vom Meere" soll gleich an allen Buhnen der Hauptstädte der drei nordischen Reich" aufgeführt werden, in Kopenhagen. Stockholm unv Christtania. JjNr Korrespondent berechnet die Einkünfte, welche auf diese Weise„adtteufeln", auf 10 000 Kronen(11 500 M.). Möglicher- weise, heißt eS weiter, dürften stch auch die Theater in Deutsch» nach meiner ------. unter der Hand eines franzöfischen Baltkratzers lassen? Ich dachte in einem einzigen Augenblick an Frau und Kinder, an Euch, an alleS und dtüllte:„Ich bin ein Elsäffer." Ich fühle noch einige Stricke im Gesicht und höre dann daS gewohnte„mercl" des Menschen.— Ich war gerettet, aber an die Angst, die ich aus- gestanden, denke ich meiner Lebtag.— Ihr lacht? ES soll's mal einer von Euch probiren und gesteben, daß er ein Deutscher ist, wenn#r seine Gurgel unter dem Messer eines wilden Bar dierS hat. zunächst hervorgehoben, daß die Pattei bei der Verfassungsrevifion für eine reine Volkskammer einttttt, worunter fie ver» steht: Abschaffung der ersten Kammer, Verbannung sämmtlicher Pnvllegirten aus der zweiten Kammer, welche nur auf Grund des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts zusammenzusetzen ist. Wettere Programmpuntte: Aufhebung der Ledenslänglichkett der Ortsvorsteher, Forderung größtmöglickstcr Sparsamkeit im Staatshausball, Ablehnung neuer Steuern, Ver- theilung der öffentlichen Auflagen dem Einkommen entsprechend, Förderung der Arbetterschutzgesetzgebung(speziell Erweiterung des Fabrikinspettorats) und Forderung, daß den Ardettern ihre staatsbürgerlichen Rechte gewährleistet werden, daß man Gleich» hell vor dem Gesetz walten lasse. Der Auftuf enthält sodann die Vetstcherung, daß die sozialistische Arbetterpattei fich mit aller Energie an dem Wablkampf betheiligen werde,„um ihre Stätte zu erproben und die Reihe ihrer Anhänper zu mustern". Zur Uerminderung der Hochwassergefahren ist für die Zukunft die Verantwortung für die Leitung der Maßregel» zur Vorbeugung und wirksamen Bekämpfung dieser Gefahren einheitlich der Strombauverwaltung übettragen und derselbe« dos entsprechende Maß von Befugnissen beigelegt. Die ent» sprechende Abänderung des Reglements für die bestehenden Staatsverwaltungen, bei welcher zugleich eine weitere Aus- dehnung der Zuständigkeit dieser Behörden in Bezug auf die Erhattung beziehungsweise Herstellung eines auSreickenvenHoch- wasserprofils vorgesehen ist, hat die kaiserliche Genehmigung erhalten. Die„Gssnibneger Nachrichten" erscheinen von jetzt ab unter dem Titel„Südwest-deutsches Volksdlatt" (Offendurger Nachrichten) in wesentlich vergrößertem Format und ohne Preisaufschlag unter ihrem bisherigen Redakteur Adolf Geck. Ans Villinge«(Baden) wird unterm 21. Dezember ge» meldet: Der als Anarchist bezeichnete Franz Troppmann aus Floß in Bayern, welcher Ende August hier verhastet wurde und unter steter Bewachung durch die Gendarmette hinter Schloß und Riegel gesetzt war, wurde gestern zum allgemeinen Erstaunen auf freien Fuß gestellt. Die Reichsanwaltschaft hat ver» muthlich das Beweftmatettal nicht hinreichend gefunden und des- wegen das Untersuchungsvetfahren eingestellt. Grotzlrrttauvi-«. Mit genauer Roth ist es der englischen Regierung gelungen, die Geschäfte des Unterhauses diese Woche abzuwickeln und am Weihnachtsabend wird das Parlament veitagt, voraus« fichtlich bis zum 20. Februar 1889. Wenn man die Be:» heißungen der Thronrede, welche im Februar 1888 verlese« worden ist, mit dem gesetzgeberischen Ergedniß ver- gleicht, wie es am Ende der Sesfion erscheint, so muß man das Resultat als sehr mager bezeichnen. Drei Gesetzcsnooellen erste« Ranges waren verheißen. Eine Bill, welche den Mißbräuchen, die bei den Gründungen von Handelsgesellschaften vorkommen, ein Ende machen soll, erhielt einen Ehrenplatz im Programm, kam aber nie vor daS Unterhaus. Die Bill, welche die Hast» pflicht der Ardettgeder genauer bestimmte, wurde bei der zweiten Lesung besprochen, von einem ständigen Komttee eingehend de» handelt, mußte aber fallen gelassm werden, weil man zur dritten Lesung keine Zeit fand. Nur die Eisenbahn- Fracht. Bill erhiett einen Platz im Gesetzbuch. Die Minister hatten immer verkündet, daß die Sesfion eine englische sttn werde; aber von den vier speziell englischen Gesetzesvorschlägen kam nur eine einzige, Ritchte's Lokalverwaltungsdill, im Unter- Haus zur Behandlung und konnte, Dank der aufttchtiaen Unter- stüyung der Oppofition, zu Ende berathen werden. Aber auch dieses Gesetz wurde zum bloßen Gettppe ausgemergelt. Alle streitigen Paragraphen, wie die Einsetzung von Distrikts» Behörden und die Bezahlung einer Entschädigung an Befitzer von WItthschasten, denen das Patent entzogen wird, mußten ausgemerzt werden, wollte man nur das Gmndwerk des Ge» setzes retten. Schottische Gesetze wurden vorgelegt, aber kein einziges lam zur Berathung. Für dieses Fiasko muß daS Kadinet direkt verantwortlich gemacht werden. Am Anfang der Sesfion war eine Geschäftsordnung angenommen wor» den, deren ttgorose Vorschttften mit oft unnöthiger Strenge von dem Sprecher Peel angewandt wmden. Der Dedattenschluß wurde angenommen und von ihm mit einer Willkür gehcmd- habt, welche ihm den Vorwurf der Pattttlichkett zuzog. DaS Unterhaus trat früher zusammen unv die Sitzungen wurden um Mitternacht geschloffen— außer wmn hochwichtige Debatten im Gange waren. Von einer Odstruttion, das heißt einer systematischen Zettvergeudung durch eine saktiöse Oppofitil« tonnte unter den Umständen keine Rede sttn. Für das klag» ltche Resultat der vielvettvrechenden Session müssen andere Gründe esucht werden. Der Minister Smith, dessen Uafäbigkttt von freund und Fttnd anerkannt wird, ist als Leiter des Unter» jauses für einen Thttl der Zettvergeudung verantwortlich. Aber weitaus das größte Hindeiniß in dieser englischen Sesfion waren die irischen Wirren. Man hatte in der Thronrede der Schwesterinsel nur e i n e Maßregel versprochen: ein umfassendes Gesetz zum Landankauf. Ader der erste, wichtigere Thttl der Sesfion verfloß, ohne daß dieses Gesetz in Behandlung genom» wen wurde, wenn es überhaupt je in dem Pottefeuille d.S Sekretärs Balfour zu finden war. Daher wurde es nöihig, in der tzerdstsesfion, die ausschließlich der Berathung des Etats gc» widmet werden sollte, ein Kreditvotum von fünf Millionen für die irischen Grundbesitzer gegen den Willen des irischen Vettreteis durch das Unterhaus zu peitschen. Das war ttne Zettverschwen» dung. Das Schlimmste in diesem Kapitel geschah jedoch im ersten 2 heil der Sesfion. Der Versuch dcs ittschen Sekretärs, dem ruinitten irischen Landlord King Harman ttne gut dezahtte Untersekretärstelle zu verschaffen, mußte nach einer Zettvergeu- dung von mehreren Tagen aufgegeben werden. Am tollsten jedoch ging es dtt der Berathung der Bill zu, welche die famose Parnellkommission schuf. Die ittschen Par- nelliten protestirtcn laut und lang gegen dieses Gesetz und die Zänkertten nahmen mehrere Wochen in Anspruch, weil die Minister für die begründeten Einwendungen der Volksvertreter kttn Gehör hatten.„Irland versperrt den Weg." Die Ein- setzung dieser Kommisfion unv die lange Dauer der nutzlosen Verhandlungen haben außerdem das ganze Justizwesen über den Haufen geworfen. Der Abberufung dreier Richter von ihrem tegitimen Wittungskrets hat man es zu verdanken, daß die Rückstände vor den Gerichtshöfen fich in erschreckender Wttse anhäufen. Franke-ich. Der Senat nahm das Budget ves Ministeriums d e r s ch ö n e n K ü n st e an. Der Kultusminister dekämpfte den Antrag detreffend die Erhebung von EinlttttZgeld für die Museen und erklärte, die Museen bildeten einen Thttl der zu allgemeinen Untmichtszwecken vorhandenen Anstalten und müßten deshalb auch für jedermann zugänglich sttn. Gerüchtweise verlautet, die W ä h l e r d e r S e i n e würden zur Vomahme der Ersatzwahl an Stelle des verstorbenen Depu» titte» Hude zum 27. I. Mts. einberufen werden. Die Republikaner deabfichtigen, der Kandidatur Boulanger's im Departement der Seine diejenige VacquStte's entgegenzustellen. Boulanger hat ttne Ettlärung erlassen, nach welcher er beider Ersatzwahl in Paris dem ministettellen Kandi- daten gegenüber als Gegenkandidat austreten wird. Die rrpu» blilanischen Blätter fordern olle Republikaner zur Verttniqung für die allein in Betracht kommende Kandidatur Vacquö.'ie'S auf, welcher die Kandidatur auch derttts im Pttnzip ange» nommen habe. RUßland. Vor einiger Zttt wurde gemeldet, daß der Zar, mit den diShettgen Ergebnissen der gerichtlichen Untersuchung betreffs des Eisenbahnunfalls zu Borkt nicht zuftteden, den Bc» seht etthellt habe, mit den Nachforschungen noch einmal von vom wieder anzufangen. Hierzu berichtet jetzt die„Nowoje Wremja", in der Untersuchung sei plötzlich eine ganz unerwartete Wendung eingetreten. Der auf Anordnung des Zaren an Ort und Stelle der Katallrophe entsandte„Untersuchungsrichter für besonders wichtige Fälle", Herr Marti, habe die Uederzeugung gewonnen, daß in dieser Affäre ein Verbrechen im Spiele sei. um dm THStetn auf die Spur zu kommen, habe Herr Marti fich von der Kanzlei des Charkower Kreisgerichts sämmtliche Akten über Beschwerdm vorlegen lassen, welche während der letzten Zeit von den Bediensteten der Kursk» Charkow-Azower Eisendahn gegen die Leitung derselben gerichtlich eingebracht wurden und welche außerordentlich zahlreich warm. Von der Verwaltung der Kursk. Charkow-Azower Eisendahn ließ fich Marli das Verzeichniß aller in den letzten Jahren entlassmen Bedimstetm dieser Eisen» bahn vorlegen. Auf diese Weise solle die wahre Ursache der Katastrophe an'S Tageslicht gebracht werdm. KalkanlSttder. S t o i a n o f f, Kandidat der bulgarischen Regierungspartei, ist mtt 165 Stimmen zum Präfidenten der Sodranje gewählt, worden. Der Kandidat der Gegenpartei Stoiloff erhielt 83 Stimmen. Afir«. Ueber A s h a b a d eingegangme Rachrichten melden aus Teheran: Ein Haufe wuthender Perser habe unlängst auf der Bahnstrecke zwischen Teheran und Schah Azim einen Zug mit Passagieren, hauptsächlich Frauen und Kindern, verbrannt. Di« Ursache war die Tödtung eines Persers durch etnm Bahn» zug. Die Wuth des Volkes war so groß, daß eine allgemeine Empörung defürchtet wurde. Afrika. Eine Depesche der„Aaenzia Stefan i" aus Massauah dementirt die in Zilah und Maffauoh verbreiteten Gerüchte, daß Graf Antonelli durck den Sultan von Auffa ge» fangen wurde und meldet, daß die Reise des Grafen Antonelli ohne jede Schwierigkeit von stattm gegangm sei. Es bestätigt sich, daß die Beziehungm zwischen dem König Mmelrk und dem Negus abgebrochen find. Perewe wifc N�rsammlungen. Allgemeine Kranken-«ad»terbekasse der deutschen Drechsler«. s.«».(E. H. 86, Hamburg), Verwaltungsstelle Berlin A. Mitgliederversammlung am Freiiag, dm 28. Dezbr. 1838, Abends 8t Uhr, bei Säger, Grünerweg 29. Tages» ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Neuroahl des Vorstandes. 3. Ver» schiedmes. Erscheinen ist Pflicht. Wiener Maskenball am Sonnabend, den 5. Januar 1889 in Schröder's Lokal, Manteuffelstr. 9, arrangirt von Mit» gliedern des Lokal-Verbandes Süd deS Verbandes deutscher Zimmerleutc, zum Besten erkrankter Kameraden. Billets find zu baden bei folgenden Mitgliedern: ZIppke, Eisendahnstr. 37, 4 Tr.; Joseph Schmidt, Laufitzerstr. 3, 3 Tr.; Hermann Rmmann, Reichenbergerstraße 120, 1 Tr.; H. Druschke, Wiener stioße 13, Hof 3 Tr. Iimmerleut» Kerlin« und Umgegend. Ecgedniß der Aufstellung der Lohn» und Arbeitsverhältnisse. Ausgaden wur- den 3000 Fragebogen, davon wurden ausgefüllt und eingesandt 130. Das Resultat hiervon ist folamdes: 130 Gesellen haben 5148 Wochen gearbeitet, 131022 M. an Lohn, 1331 Mark an Heber» und Sonntagstunden verdient. Durchschnittlich berechnet kommt auf den Gesellm 39t Woche Arbeit mit 1007% M. Lohn pro Jahr oder pro Woche 19,38 M. Die Arbei'.sdauer aus Grund der einzelnen Formulare war folgende pro Jahr: Gesellm Wochen Gesellen Wochen Gesellen Wochen 3 52 17 50 1 49 5 48 3 47 2 46 9 45 4 44 10 43 3 42 5 41 14 40 4 39 5 38 6 37 10 36 29 unter 35 Wochen. Die meisten warm arbeitslos in den Monaten Januar bis April, dann Dezember, April, dann November. 70 Gesellen erhielten über 1000 M. Lohn. Der bcstbezahlte hatte 1500 M. Lohn, 80 M. Uederstunden. Der schlecktdezahlteste hatte 243 Mark Lohn, 4,50 M Uederstunden. 10 Gesellen gaben„regel» recht", 58 Gesellm„selten" an, 21 Gesellen deantworteten die Frage Sonntagkarbeit nicht. 3 Poliere gaben 60 und 65 Pf. Stundenlohn an.— Kameraden! Den wenigen, welche fich ge» müßigt fühltm, den Bogen auszufüllen und einzusenden, sei es dankbar anerkannt. Zugleich erlläre ich, daß die Erhebung hiermit beendet ist. I. A.: H. Jäckel, Schönhauser Allee 177s. Der V»r«w de» Modelltischler hält am Sonrabend, dm 29. Dezember, Abends 8% Uhr, im Vercinslokal, Ackerstraße Nr. 144, seine WeihnachtSdescheerung, verbunden mit einem ge» müthichen Herrenabend, ab, und werden dle Mitglieder ersucht, nebst Freunden und Bekannten recht zahlreich zu erscheinen. Ein jeder Thellnehmer an der Feier hat ein Geschenk im Mindestwerth von 50 Pf. mitzubringen. ««sans-» Emm-«nd gesellige Perein» am Freitag Gesangv-Bretzelschluß Abends 9 Uhr bei Körting. DrcSdenmstr. 40. Kaiser'scher Männergesangver in Abends 9 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28.— Gesangverein„Pausebeutel" Abends 3 Uhr im Restaurant HmsehAlerandrinenstr. 16.-„Lieder- tafel der Maler Berlins" Abends 9 Uhr im Restaurant Kleine, Brandenbmastr. 60.— Gesangverein„Flöter'sches Doppel» Quartett" Abmds 9 Uhr im Restaurant Musehold, Lands» dergerstraße 31.— Gesangverein„Fortschritt" Abends 9 Uhr im Restaurant, Blumenstraße 46.— Gesangverein„Ossum" Abmds 9 Uhr Dresdenerstr. 85 bei Gustavus.— Huppcrt'sche Sänger- Vereinigung„Harmonie" Abends 9 Uhr bei Rieft, Weber» straße 17.— Gesangverein„Bouvardia"(Männerchor) Abends 8% Uhr im Restamant„Teutonia", Belforterstraße 15.— Liedertafel des Fachvereins der Steinträger Berlins. Abmds 8 Uhr Gr. Hamburgerstr. 4 Uebungsstunde.— Gesangverein „Ohnesorge" Abends 8% Uhr Buckower Garten.— Gesangverein „Wied-rhall" Freitag Abend 9 Uhr, im Restaurant Schweitz- berger, Köpnickerstr. 3. Aufnahme neuer Mitglieder.— Berliner Turngenossenschaft(V. Männerabtheilung) Abends 8V» Uhr in der städtischen Turnhalle, Wasserthorstraße 31.— Tumverein„Hasenhaide"(Männer- Abtheilung) Abend? 8 Uhr Dieffenbachstraße 60,61.— Turnverein„Froh und Frei"(Männerabtheilung) Abends 8% Uhr Bergstt. 57.— Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie. AbendS 3t Uhr im Restaurant Ziethm, Dorothemstr. 31, Unterricht und Uebungsstunde.—„Allgemeiner Arends'scher Stmographm» verein. Abtheilung„Vorwärts", Abends 8* Uhr im Restaurant Koll, Mariannenvlatz 11.— Arends'scher Stenographenverein „Apollobund" Abmds 9 Uhr im Restaurant, Seydelstr. 30.— Verein ehemaliger Dr. Doebbelin'scher Schüler" Abends 9 Uhr im Restaurant Krebs, Friedrichstr. 208.— Voigt'scher Dilet? tantm-Orchesterverein. Abends 8t Uhr Uebungsstunde im Re» staurant Lehmann, Alexandrinenstr. 32.— Zitherverein„Alpen» veilchen" Abends 8% Uhr im Restaurant„Wahlstatt", Belle» alliancestraße 89.— Rauchllub„Westend" Abends 9 Uhr im Hohmzollerngarten, Steglitzerstt. 27.— Rauchllub„Weichselblatt" Abends 8t Uhr im Reitaurant, Skalitzerstr. 147». KmfKuste« der Redaktion. «et Anfragen bitten wir die Sbonnementi-Ouittung beizufügen. Brieflich» Antwort wird nicht vrthcUt. K. K. 1. Wenn nicht ein bestimmter Termin zur Rückzahlung verabredet ist, so muß zunächst mit vicrwöchcntlichcr Frist gekündigt werden, damit das Darlihrn fällig wird. Ruch FällOleit dcantraat Ihre Mutter am besten beim Amtsgericht den Erlaß eines Zahlungldesebles gegen den Koufin. Wird von letzterem nicht binnen 14 Tagen fest Zustellung des Zoh« lungsdefehleS Widerspruch erhoben, so wird auf Antrag vom Gericht der Vollstnckungsbeschl erluffen, auf G und dessen der Gerich!svollziehcr pfänden kann. Wird Widerspruch erhoben, s» muß Klage erhoben werden. Die Dauer und Kosten des Pro» zrffes lassen fick nstmalS voraus bestimmen. K. de Fursteuwalderstr. Da Sie vor der Verhelrathung Ihrer Mutier geboren find, so ist die Staatsangcbörtgkeil Ihres Vaters mir dann für die Ihrige entscheidend, wenn Ihr Vater Sie als sein Kind anerkannt Hot, was vorausfichtlich bei Ihnen der Fall war. Theilen Sie also den Sackverball dem Magistrat mir und fügen Sie den Taufschein der Eltem sowie eine eidesstattliche Veificherung von Verwandten oder Be- kannten darüber bei, daß Sie von Ihrem Vater stets als sei» Kind anerkannt woidm find. Ihr bloßer späterer Aufenthalt in Preußen mtschcidet für Ihre Staatsangehörigkeit nicht. Schlimmstenfalls lönnen Sie durch Eingabe an das Poltzei» präsiaium Ihre Ausnahme in den preußischen Siaatsverdand heanttagen, welchem Antrage stattgegeben werden muß. Theater. Freitag, den 28. Dezember. Gpernhan». Der Trompeter von Sälkingen. A«tza«spt»lhaua. Egmont. Bljeat#». Heimgefunden. Hotsch»» Thester. Romeo und Julia. Wsllner-Theat«». Madame Bonivard. Vor» her: Der dritte Kopf. Friedrich- Wilhelmstädtisch«» Ehester. Der Mikado. Vtktsria-Ehester. Alt Baba. Zlestdenz-Thrater. Abb« Constantin. KelleaUtasre-Theat»». Die Raupe(Us dam cksz cküwsg). Dslks-Theste». Die Jungfrau von Orleans. KSslOstädtisch«» Eheste». Papa Kiekebusch. Testral-Theate». Leuchtkugeln. Adslf-Grsst-Eheste». Di« drei Grazien. Eheste» de» Ueichshalle». Spezialitäten» Vorstellung. KsqfmaM*'* Aariütt. Spezialitäten» Vor« stellung. E»»cordta» Eheste». Spezialitäten» Vor» stellung. Berliner Theater. Freitag, den 28. Dezember: � 15. Adonn.» Vorstellung: Islw« Tass». Sonnabmd, den 29. Dezember: Di« mUde Isgd. Sonntaa. den 30. Dezember: Julis« Cäsar._ Cirkns U. Schnmann. Friedrich» Karl• Ufer. Ecke Karlstraße. (Im früheren ZirkuS K r e m b f e r.) SCST S»»«trkss ist sst»eh-izt«sd arge« Isp«eschüht. Wa Frellag, den 28. Dezember: Zwei groß» E»t»a- DorstellunKes. Nachmittags 4 u. Abends 7% Uhr. Nachmittags hat jeder Besucher das Recht, ein Kind unter 10 Jahren frei mit einzuführen. Zmn Schluß der Vorstellung: Komische Ballkt-Pantomime. Abends 7t Uhr: Zum 9. Male: Die schöne Kost« oder Kchutz» und Mülle» im Grient. Sonnabend, den 29. Dezember: Zwei große Gala-Dorstellmtge«. Nuckmirrags 4 und Abends 7% übt. American Theater. Mr. IB. berliner BobAnhelta• Koukarrem. Die Tabteaux werden von in Kerti« ge- kernun Kchönhriieu dargestellt. Erstes Bild: Aschenkrodei nach F. Hiddernann: Frl. Martha Kögel. Zweites Bild: Unter Kose» nach P. Thumann: Frl. Drilles Bild: Kostü«»» nach C. v-Vodenhausen: Frl.—. Viertes Bild: Da« Wasser nach G. Gräf: Frl.—. Fünftes Bild: Zachen. de» Himmel nach Raphael: Fräul. Elise ElLner und die übrigen vier Damen.(Die mit• ♦***♦ dezeichneten Damen wünschen ungenannt zu bleiben.) Neu! I Der Weinnachts-Gugel, Neu!! dargestellt von Fräulein Martha Elsner. Anfang 7t Uhr. Sonntags 6t Uhr. Billet- Vorverkauf ohse Assgete im„In» validendank" u. Vormittags von 11—1 Uh: an der Theaterkasse.[806 Als Verlobte empfehlen sich Anna Paetzold August Werner. Berlin, im Dezember 1683. [1631 Unserem Freunde, Vereinskollegen und Genoffen Fram Kodarzemski zum heutigen Wiegenfeste ein dreifach donnerndes Hoch.[1632] D. D. d>. M. Kch.«. Verein der Sattler und Fach genossen. Aonnabend, den 29. d. M., Abends 8t Uhr, in Gratmeit'o Kierhalle«, Kommandanten» straße 77—79, Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission über die Lohnstatistik. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. VerschiedencS. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. 1638]__ De» Dorstasd. Tischler-Verein. Zsstnideull. Swerelons«»»!»« am Kor-nakend. den 29. ds.. Abend« 9 Uhr, Kottduserstraße 4«. T.-O.: 1. Ecöffnung der Bibliothek und Bericht der Kommisfion. 2. Bericht vom Stiftungsfest. 3. Unterst ützungsgesuche. 1633] De»»-»stand. Muffen!! B(durch Anfall spottbillig). W «qte pelzmnfse« 1.50 M. Wascht bä» 4 M. Gpostum 5 M. Pelz- garntturen Stück 1,25 M. Oranienstr. 158. I So geht's nicht M weiter! sprach Hugo, mir fehll em W:nterpa#e*o# I 900 hochelegante Winterpaletots für Herren und Damen, Damen- und Ktnderkleider, Uhren, Betten, Stiefel, Goldsachen und 200 feinfeine Knabenanzüge verkauft fabelhaft dillig[896 Lucke's Pfandleihe, 66 P»k«te«st»aß» 66. Auch Sonntags bis 10 Uhr Abends geöffnet. Am 2. Feiertag ist im Etablissement Eiskeller ein Schirm verloren gegangen, müden de fonderm Zeichen: schwarze Seide, dunller, rechtwinlllg gebogener , Griff und astartig. Abzug, bei E»pf, Töpfer. | Schönst Allee 64, vorn 4 Tr.___[1634 10«. Kind nm 10 Pf. Aoonn. I r W Berlin 9. A. üchulz. Berlin S. 601 l BW Nr. 34. Wasserthorftratze Nr. 34. ♦ Möbel- umt Polßermaarm-FabM. Gediegene Arbeit. Zeitgemäße Preise. E-nlnnt» Zahlnngsbedtagnnge«. Aobert Alum nnd seine Zeit von Wilhelm Liebknecht. Heft 4 ist erschienen. Preis pro«est»5»f-«»is. in beziehen dnrch die Crpediiio«, iim«erstrnße 44. Wiedernerkänfe»«»halte« Uadatt. 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Keifert, Köpnickerstr. 149, nahe d. Köpnickcrb� Gw GrünkramgeschStt nedst Kall» ist zu verkaufen Kernsnerst». 76» IltähereS beim Wirth.__. Beilage zum Berliner Bolksblatt. x», 804 Freitag, de« 28. Dezmder 1888. 5« Ilchrg. Die afte Leier. „Sie haben nichts gelernt und nichts vergeffen"— das muffen wir von den.arbeiterfteundlichen" Feinden der Arbeiter« fache sagen, die nun in Deutschland seit nahezu dreißig Jahren ihr Wesen treiben. Seit auS dem Munde des Herrn Schulze« Delitzsch das— übrigens schon ein Jahrhundert vorher von dem Amerilaner Benjamin Franklin mit viel mehr Geschick und damals auch nicht ohne Berechtigung gepredigte— Spar« evangrlium ertönte, reitm die Gegner der selbuftändigen Ar« beiterdcstredungm unadlässtg auf diesem Thema herum, obgleich dasselbe durch die Wucht der Verhältnisse und dieLogil der ökonomi- schrn Entwickelung längst dem Fluche der Lächerlichkeit oerfallen ist.— Ein„arbeiterfreundlicheS" Blatt nach dem anderen hatte das Sparevangelium herunterzuleiern, und ein„arbeiterfreund- lichrs" Blatt nach dem anderen ist an dem gesunden Menschen- verstand der deutschen Arbeiter zu Gründe gegangen. Allein, dir.arbeiterfteundlichen" Sparapostcl, die ein vorzügliches Ge- schäst machen würden, wenn es gelänge, die deutschen Arbester in den Schafftall der Harmonieduselei zusperren, fangen immer wieder von vorne an. Und neuerdings haben fie z. B. aber« mals eine„Deutsche Ardeiterzeitung" gegründet, die blos des- bald den Namen hat, well fie nicht von deutschen Ardellern ge» schrieben ist,— und die von„arbeiterfteundlichen" Arbeit« gebern und deren Bediensteten überall unter den Arbeitem ver« theilt wird. Welchen Schund diese Herren„Arbesterfreunde" den Sit« heitern zu bieten wagen, das erfehm wir aus nachstehender Zu« schrstt, die fich mtt der letzten Nummer deS Musterblättchens beschäftigt— wir selbst hatten an der ersten Nummer genug, find aber unserem Freund für die Mühe, die er fich gegeben bat, doppelt dankbar— t .Die„geisttge" Speise für unsere Ardeiter— so heißt es in dieser aus Äittwcida. 29. Oktbr., datirten Zuschrift— die„geistige Speise" für unsere Ardeiter, das Organ, des Ardestgebervereins, die„Deutsche Arbester-Zeitung", trifft jetzt regelmäßig hier ein und gelangt unter den Arbettern verschiedener Fabriken ganz unentgeltlich zur Vertheilung. Sie ist also noch billiger wie Berliner„Volksküchenkost", fie ist aber auch darnach. Der rühr« selige, nawe Ton, welcher in dm so belehrenden und unter« haltenden Spalten angeschlagm wird, könnte einem Thränen entlocken, wenn man nicht wüßte, daß der Schalk dahinter steckt, der mit der Schlafmütze in der Hand bedächtig lauert, bis der aus seiner Feder gefloffene, betäubend wirkende Phrasenschleim bei den Lesern seine Wirkung gethan. Trstt dies ein, dann schnell dem armm Opfer die Zipfelmütze über die Ohren gestülpt, es ist der Ruhe bedürftig. Die dösm Sozialdemokratm und AufHetzer ließm den dravm Arbeiter auch gar nicht zur Ruhe kommen, fortwährmd erhiellen fie ihn in Aufregung, verhetzten ihn, was fie aufklären nennen, kurz, suchten ihm durch ihre Presse alle Laster einzuimpfen und machten durch Rügen von Mißständen in Fabriken auch noch dm so humanen, mmschmfreundltchm Arbeitgebem das Lebm sauer. DaS wird «un mtt einem Schlcme anders. Dr. C. Solomon von der „Natioiralzestung" in Berlin läßt seine schwarzen Soldatm in de« SpaUen der„Arbetterzeitung" aufmarschirm und fie schlagen die Reichsfeinde gründlich auf's Haupt. Der unzufriedene, nach einer defferm Lebensstellung fich sehnende Ardeiter wird sofort zu einem zufriedenen und glücklichen Menschen, wenn er z. B. i» Nr. 5, welche mir vorliegt, liest: Daß in Berlin ein Jnnungs- meister, der als armer Besmbinderjunge in der Lüneburger Haide das Licht der Well erblickte, eS bis zum Arbeitgeber, der 30 Gesellen beschäftigt, gebracht und nun zu seinem 25jährigen Meister- und Ebejublläum alle seine Arbester mit Kind und Kegel zu einem Festmahle eingeladen hat, wo man ihn natürlich hochleben läßt und der Altgeselle, nachdem man die Suppe ge« a-ssen, die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit gebührend feiert: hierauf folgt noch Bratm mit Kompot. Das muß eine Männerseele umreißen und friedfertig stimmm. Besonders wenn man gleich dahinter liest, daß gar nicht west von diesem Lokale, wo alle» in Seligkeit schwamm, die bösen Sozialdemokraten auch zu einem„ftöhlichm Zusammensein" eingeladen waren. Aber hu! wie sah es da aus; rothe Kravattm, rothe Schleifm, üderwicgmd roth gekleidete Kinder, entsetzlicher Tabaksqualm, dumpfe, gedrückte Stimmung; die Gefichter der Männer ath- »eten Haß, die Frauen blickten oft sorgenvoll drein. Die %%% hätte, es trank Jeder für fich.„Es war ein planloses, freude« « Harmoniedusels einfangen ließen, beliebig geschorm werden könnten. Allein der Sparspeck, mtt dem die Mäuslein in die Falle gelockt werden sollen, wird von dm Herren Arbeiter« freunden selber nicht ernst genommen, wenigstens nicht von denen, die ein bischm Grütze im Kopfe haben und das A B C der Nationalökonomie halbwegs verdaut haben. Wenn nämlich die Arbester das Sparevangelium befolgen, von Waffer und Brot leben, in Höhlen oder Löchem wohnen, fich in Sackleinwand kleiden— kurz jedem„Luxus" entsagen wollten, wie weiland der erste Svarmcssias DiogmeS— dann könnten die Herren ardeiterftmndlichm Fabrikanten hübsch einpacken und unsere Industrie wäre„futsch". Dann wäre fteilich auch die „soziale Frage" gelöst und die„sozialen Gegensätze" brsestigt— jedoch in einer Weise, die unseren Herren Arbeiterfreunden schwerlich behagen würde. Genug— die Herren Sparapostel vergessm ganz, daß unsere Industrie von dem Konsum der Arbester abhängt, daß die gegenwärttge Nothlage der Industrie hauptsächlich in der Unsähiglest der Arbeiter, viel zu kaufm, ihren Grund hat, und daß, wenn die Arbester noch künstlich durch„Sparen" ihre ohnehin spärliche Konsumtion einschräntten, dies den vollständigen Ruin der Industrie bedeuten würde. Eine vernünftige Volkswirthschaft strebt damach, dm Arbeiter konsumtiovsfähiger zu machen. Das heißt, statt denselben?um„Sparm" zu ermuntem,— welches leider freiwillig und weit mehr noch unfteiwillig schon viel zu viel und in verderblich hohem Maße geftieden wird— soll man ihn zu höheren Kulturbedürfniffm erziehen und die Produktion so etnrichtm, daß der Ardester den ihm gebührenden Antheil am Ertrage der Arbeit erhält und damit die Möglichkeit zur Beftiedigung der höheren Kulturdedürfntffe. Lokales. Di, Kerliner Kchnhmach�-Inunng hat das Weih« nachtsfcst nicht vorübergehen laffm, ohne den außerhalb der Innung stehmden Schuhmachern noch eine neue Ueberraschung zu bereiten. Unmittelbar vor dem Feste ist den Nicht. Mit« gliedem der Innung der im§ 100 k der Gewerbe-Ordnung vorgeschriebene Kostenanschlag über die Wohlfahrts-Eimichtungm der Innung zugegangen. Dieses nothwendige Erfordemiß für die Heranziehung der Nicht. Mitglied er zu den Kosten war ur- sprünglich ganz und gar vergessen worden, erst nachdem das frühere Mitglied der Gewerbe« Deputation des Berliner Magistrats, Herr Rechtsanwalt Dr. Meschelsohn, in einer öffmt« lichen Schuhmacher- Versammlung auf dieses Erfordemiß hinge- wiesen hatte, deestte fich die Innung, daö Versäumte nachzu« holen. Sie hat das aber in einer Weise gethan, die allgemeines Befremden erregen muß und dm Erfordemiffen des Gesetzes in keiner Weise entspricht. Der zur Versendung gelangte„Haushaltsplan" enthäll nämlich folgende Posttionen:„Einnahme von zirka 2300 bettragspflichtigen Gewerbetreibenden(der Innung angehörig und nicht angehörig) 1. Klaffe: 1300 welche keine oder 12 Mark Gewerbesteuer zahlen, ä 1,20 Mark— 1560 Mark: 2. Klaffe: 600 welche 18 bis 30 Mark Gewerdesteuer zahlen, a 3 Mark— 1800 Mark; 3. Klasse: 200 welche 30—42 M. Gewerbesteuer zahlen, tr 6 M.=- 1200 M.; 4. Klaffe: 200 welche 42 M. und höhere Gewerbefimer zahlen, 4 8 M.— 1600 M.— Summa 6160 Mark. Dazu kommt von den Gesellen für Arbestsnachweis und Kontrolgebuhr 4 10 Pf. für zirka 6400= 640 M., zusammen 6800 M.— Als„Ausgabe für das Schiedsgerichts-, HerberaS-, Einbringe- und Konttolwesm: 6800 M. Die Ausgaben find also nicht spezialifirt, sondem es heißt einfach: Die Einnahmen werden ausgegeben! Dieser merkwürdige„Haushaltsplan" er- häll allerdings eine drastische Jllustratton durch die Erklärungen, welche der Obermeister der Innung in der außerordentlichm Gmeralversammlung der Innung gab, die zum 18. Dezember zum Zwecke der Statutenänderung einberufen und trotz der Wichtigkeit der Tagesordnung nur von 250 Mitgliedem(von 2400 Mitgliedem) besucht war. Der JnnungSbestrag betrug dis> her 1,20 M. pro Jahr, davon wurden 40 Pfennig zu den detreffenden Wohlfahrtseinrichtungen und 80 Pfennig für Unterstützunam an alte Meister und Wsttwen ver- wmdet. Der Beitrag soll nun zwar derselbe bleiben, aber einem Anttage des Vorstandes'gemäß soll die thellweise Verwmdung zu Unterstützungen in Zukunft fottfallen. Trotzdem sollen die Unterstützungen auch femer ein statutarisch verbrieftes Recht der Mstglieder bleibm. Dieser Zwiespatt der Statur wurde durch dm Obermeister Beutel dahin aufgeklärt, daß die Unterstützungen in anderer Form gewährt werden sollen; es handele fich nur darum, das Statut mit dem§ 100 f der Gewerbeordnung in Einklang zu bringm. Der Vorfland könne ja doch machen, was er wolle. Es scheint nach diesm Erllä- mngm deS Odermeisters, daß dem Gesetz ein Schnippchen geschlagen werdm und der Beitrag, welcher von den Nichtmit« gliedern eingetrieben werden soll, unter der Hand auch zu den- jmigen Unterstützungm verwandt werden dürfte, die nur den Jnnungsmitgliedem zu Gute kommen. UebrigenS dürfte es der Innung auch sonst einige Schwierigkeitm bereiten, die im Etat angenommene Einnahme von 6800 M. in einer den gesetzlichm Bestimmungen entsprechendm Weise an dm Mann zu bringm, denn jene Einrichtungen erfordern keineswegs eine solch große Summe; aber wie sagt Herr Obermeister Beutel so treffmd: „Der Vorstand kann ja doch machen was er will!" zl,b,r Innungagefellen» Auvschüss« haben fich die Zünstler aus dem Baugewerbe auf einem ihrer letzten„Tage" unterhatten. Es kam dabei zu Tage, daß einzelne Jnnungs» meister wirklich sonderbare Anstchten von einem„gedeihlichen Einvernehmen zwischen Meister und Gesellen" haben. Es wurde gellagt, daß selbst da. wo die Bildung solcher„Gesellm- ausschüsse" gelungen ist, wie der Ausdruck dafür bezeichnend genug heißt, ein solches„gedeihliches Einvernehmen" nicht erreicht ist. Darüber wundern kann fich ftestich nur ein In« nungsmeister. Wenn man fottwährend von den„unverschämtm Forderungen" der Gesellen spricht; wenn man niedrige Löhne, lange Arbeitszeit, Akkordarbeit zum„Heben des Hand- werw" für durchaus erforderlich hätt; wenn man alle Schliche und Kniffe anwmdet, die die zünstlerische Be- schränllhest überhaupt hergiedt, um die Gesellm an der Ausübung ihrer gesetzlichen Rechte zu behindern und ihre Lebenshaltung heradzudrücken; wenn man schwane Listm fadriztrt. jedm Arbeiter, der fich den eigennütziam Bestrebungen der Meister entgegenstellt, mit fanatischer Wuth verfolgt; wenn man die Behörden bittet, dm Gesellen das Vereiniaungsrecht, das ihnen schon die zum wesenlosen Schein verkümmert ist, ganz zu nehmen; wenn man mtt dem Ausnahmegesetz und dem Puttkamer'schen Stresterlaß noch lange nicht befriedigt ist, son- dem immer nach mehr Druck für die Ardeiter schreit; wenn man eifrig demüht ist, da, wo die LedenshaUung der Arbeiter fich noch einigermaßen günstig stellt, durch Einfühmng fremder „billiger" Arbester die Kultur des Volke« herabzubringm; wenn man jede Verlmmdung, jede Schmähung, jede Verdächtigung, jede Denunziation gegen die Ardester schleudert; wmn man sich sogar nicht entblödet, die Krankenkassen der Arbester mtt giftigem Geifer und schamlosm Lügen zu bespritzm und zu beschmutzen: wenn man dm Arbeitern niemals das gegebene Wort hätt, fich durch keine Abmachung über Lohn und Preis, durch kein Ehrenwort und durch keine Unterschrift gebunden fühtt; wenn man in jedem Wort, in jeder Schrift, in jeder Verhandlung dem giftigsten Haß gegm jede Regung der Selbstständigkeit der Ardester Ausdruck giebt; kurz, wmn man alles thrch was zur Verbitterung, zm Entfremdung zwischen Meister und Gesellm führen muß, auch wenn ihre natürlichen Interessen nicht in den Hauptsachen entgegengesetzte wären, und wenn man dann mst heuchlerischem Auaen« verdrehen von der Herstellung eines„gedeihlichen Ein« vernehmmi" spricht, worunter man doch nur verstehen kann, daß die Gesellen fich nicht nur den Interessen, sondem auch den Launen und Schrullen der wirthschaftlich ungebildeten Meister fügen sollen: dann bieten die Innung-Hetzer ein Bild und Beispiel der mst Dummhest vcrbundenm Lüge und Heuchelei, wie es verächtticher und trauriger nicht ge» dacht werden kann. Die Innungen find enichtet worden, um dem witthschaft- lich ungebildeten Kleinmeisterstande, der der retwngslosm Auf» saugung durch daö Großgewerbe entgegen geht, nicht etwa Rettung zu bringen, was unmöglich ist, sondern um ihm ein Spielzeug zu geben, mtt dem er fich beschäftigen und von dem Nachdenken über seine Lage abbringen läßt, das ihn verhindert, die eigmtlichen, übermächtigen Ursachm seiner Verarmung zu er» kennen und ihn von dem einzig möglichen Weg der wirth« schastlichen Unformung abhalten soll. Die Innungen müssen, es ist dies die nothwendige Folge, Unftieden zwischen Meister und Gesellm pflanzen und pflegm. Wo kann da ein Etnver« nehmen bestehen? Aber die Jnnungsmeister verlangen ja auch nur ein „gedeihliches" Einvemehmm, nicht ein Einvernehmen schlecht» hin. Wenn dies Wort überhaupt einen Sinn hat, so heißt es, ein solches Einvemehmm, bei welchem die JnnungSmeister gut gedeihen, bei dem fie von dem Arbeitsertrag den möglichst größesten Theil für fich nehmen können. Sie wollen dies im erzwungenen Einvernehmen mit den Gesellen thun. Einen anderen Sinn können wir dem von dm Jnnunasmeistem er» wünschtm„gedeihlichm Einvemehmm" mtt den Gesellm nicht unterlegen. Es ist ganz auSaeschloffm. anzunehmen, daß dieses Einvemehmen zum Gedeihm der Gesellen beitragen soll. Der schon öfter besprochene Jnnungsarbcitsnachwe» giebt ein lehrreiches Beispiel von dem Einvemehmm» wie es die In» nungsmeister wünschen._ m Zu solchem Einvemehmm sollen die Jnnungs- Gesellen« Ausschüsse helfm. Uns ist aber bis jetzt, selbst auf wieder» hotte und sehr bestimmt gestellte Fragen nicht eine Ant» wort geworden, wie fich die Jnnungs- Agitatoren eigentlich den« km, daß der Gesellenausschuß dieses„gedeihliche Einvernehmen herstellen soll. Eine wirkliche Gesellenvertretung kann und wird fich nie« mals dazu gebrauchen lassen, dm Meistem bei der Vergewatti» gung zu helfen. Wenn fie daS thun wollte, würde fie sofort allen Anhalt in der Gesellenschast verlieren und vollkommm machtlos sein. Eine wirkliche Gesellmvettretung wird stets mit Entschiedmheit für die Rechte der Gesellm eintreten und muß dadurch in ebenso entschiedene Gegnerschaft mtt dm Meistem nothwendig kommen. DaS wissen die Herrm auch sehr gut. Sie lehnen e« deshalb auf daS Merdestimmteste und Hartnäckigste ab, mtt einer wirMchen und wah« rm Gesellenverftetung zu verhandeln. Ein Einvemehmm mit derselben kann nie„gedeihlich" gmug für die Meister werden. Sie wollen eine Scheinverftetung der Gesellm. Der In« nungsgesellm-Ausschuß soll dm Ansprüchen der Meister nie ent» gegentretm. Er soll stets für niedrigm Lohn, für lange Ar- dettszest, für jede Art der Vergewaliigung der Gesellschaft ein- treten müssen. Nun nehmen wir an, man habe wirtlich einen solchen Ausschuß au» einer Anzahl käuflicher Judasseelen zu» sammengemvgett, was nützt er, wozu ist er gut? Die Gesellen beachten sein Dasein nicht, ja man hält in vielen Fällm das Dasein dieses Ausschuffes vor dm Gesellen geheim. Der Ausschuß hat auf die Gesellmschaft also auch nicht dm allergeringsten Einfluß, er ist zu gar nichts gut. DaS kam denn auch auf dem Bau-Jnnungstage zum AuS« dmck. Der Gesellmausschuß, wo er zusammmgemogelt ist, besteht nur dem Namen nach, nur in Kiel und Lübeck sollen die Zimmergesellm-Ausschüffe nach Wunsch der Meister wirkm. So derichtete der Referent. Wst hätten uns gewundert, wmn es anders gewesen wäre. Der Referent sagte weiter, daß fich an manchen Orten die Gesellen bei der Gesellenprüfung detheiligen, aber dm An« sprüchen der Meister in Betreff des HerbergswesenS und des ArdestsnachwetseS überall ablehnend gegenüber stehen. Auch d«S Verhatten ist in der Natur der Sache begründet. Die Lehrlingsprüfung ist eine werthlose Spielerei, deshalb wird niemand etwa« dagegen haben, wenn ein Geselle, dem solch Mumpiz Spaß macht, fich daran betheiligt. Auch die persönliche Estelleit so mancher Gesellen fühlt fich dabei geschmeichelt, bei einer solchen Haupt- und Staatsavton Statist zu sein. Es schadet ja nichts, also warum nicht. Sowie es aber zu Fragen kommt, die daS Interesse der Gesellm und Meister berühren, wenn es darauf an« kommt, dm Meistem durch Herdergswesm und Arbeitsnachweis die Gesellen in die Hand zu liefem, dann kann der Gesellen» ausschuß nichts leisten, selbst wenn er wollte, nicht, well seine Abmachungen mtt den Meistem von der Gesellenschaft, die ihn ja meistms gar nicht kennt, nicht beachtet werdm würden. Diese Ausfühmngm des Referenten wurden allseittg bloßer Aprilscherz war. sondem, was kaum glaublich erscheüst von den Jnnungsmeistem ernst genommen ist. Der(T ausschuß in Berlin ist nach diesem Bericht so„zu St kommen". Nachdem es dreimal mißlungen war, die E übertölpeln, well fie eben keine Tölpel find,«uf lich auf Anraihen der Ausfichtsdehörde(das ist glaublich, daß Äre„Behörde" die Verhältnisse' schief beurtheilen kann, das halten wir für Flun' (d. h. wohl wirklich etwa 20—30) bei Jnnunr tende Gesellen(Bachulkm und Poliere) zu' die heimlich eine Kandidatenliste für dm r schuß aufstellten. Nun weiter, so heißt Stimmzettel mit diesm Namen an y nungsmeistem arbeitenden Gesellm ge sächllche Unwahrheit. E« hat, wie s großer, vielleicht der größeste Tb-' ardeitmdm Gesellen, kei»" der Aufforderung, fi»> liefern; zirka 200 Stimmzettel(also wohl in Wirklichkeit 80 bis 10Ö) wu-den eingeliefert, und der Gesellenamschuß war fertig. Seine Zusammensetzung ist noch heute tiefes Geheimnis� Solch eine zusammengeschnorrte Gesellschaft ohne Einfluß, ohne Anhang in der Gescllcnschaft soll nun das„gedeihliche Einvernehmen" herstellen. Das können doch nur Kinder, Narren oder Jnnungsmeister wirklich erwarten. Man will aber doch in dieser Art weiter fortfahren, fich den„guten Elementen" zu nahem. Wozu die Mühe, man hat die Bachulkcn ja alle Tage bereit. Einen solchen GesellmauS» schuß herzustellen, ist doch keine Hexerei. Den kann man sehr dillig haben. Die Gesellen bleiben da ganz ruhig. Sie wür> den aber doch etwas unangenehm werden, wenn man auf dm Wahnwitz verfallen sollte, mit Hilfe eines solchen Ausschuffes dm Gesellm Lasten zm Einrichtung eines„gedcihlichm" Ar« beitsnachweises nach dem Muster des Herrn Steinmetz-Oder» meister Hutb in Berlin aufzulegen. Di» KLrzlich von«»» erwähnt«« hygienisch«« Knrs» für Kchulbeamte, wie ste das hyzientswe Institut veranstaltet, find nach folgendem Plane geordnet: Erster Tag: Anforderungm an eine gute Schulklaffcnlust(Koch), Apparate und Methoden zur Untersuchung der Lust auf Kohlensäure, Koblenomd, Feuchtigkeit, Staub und Bakterien(Proskouer). Zweiter Tag: Heizung und Lüftung(Esmarch). Dnttcr Tag: Schulbänke, Beleuchtung und Photometrie(Koch.) Vierter Tag: Wasseronsorgung der Schulen, Abortanlagen, Mauerfmchtigkett (Proskauer). Fünfter Tag: Ansteckende Krankheiten, ihre Ur« fachen und Verhütung(Koch). Sechster Tag: Studien im Hygiene« Museum(Esmarch). An dm Nachmittagen werden die einzelnen Kapitel der Schulhygiene durch Besichtigung von Schulen(Louismgnmnafium, 113. und 99. Gemeindeschule, Joachimsthal'sches Gymnasium) praktisch erläutert. Die Kurse für Verwaltungsbeomte, welche zunächst in der Zeit vom 3. bis IS. Dezbr. stattfanden, umfaßten folgende Lehrgegcnstände; 1) Ansteckende Krankbciten(Koch), 2) Wasserversorgung(Koch), 3) Abfuhr und Kanalisation(Koch), 4) Heizug und Lüstung(Koch), 5) Fluß- verunreinigung(Koch), 6) Begräbnis platze, Mauerfeuchiigkeit, Abwäfferreinigung(Koch), 7) Desinfektion(Esmarch). 8) Schul« Hygiene(Esmarch) und 9) Nahrungsmittelstage(Proskauer). Auch mit den Verwallungsdeamten wurden, gewöhnlich unter Führung von Proskauer oder Esmarch, Ausflüge zur Befichti- gung hygienisch wichtiger Ar. lagen veranstaltet, namentlich nach den Wasserwerken, Rieselfeldem, nach Pumpstationen, Kranken- bäusem, dem städtischm Aiyl, Gefäi gniß Plötzmsee und der Desinfektionsanstall. Am Schlüsse beider Kurse zeigte Geheim» ralh Koch die Ansteckungsstoffe(Bakterien) photographirt. Die durch Mikrophotographie gewonnenm Glasphotogramme der de» kanntm Krankoeitsträger wurden durch ein elektrisch beleuchtetes L.nsen'ystem 30 OOOsach vergrößert. K?i« die Deutsche« im Ausland» Weihnächte« f«i«r«» erzähll Friedrich Gerftäcker mll der Glaubwürdigkeit, welche einem so dewährtm Wellreismdm eigen ist.„Es war mein Schicksal." sagt er,„daß ich das Fest in den verschiedmstcn Ländern der Erde zubrachte, und ordentlich rührmd kam es mir vor, wie hartnäckig die Deutschen aller Ortm an der Itebm, trauten Sille Mthiellen und diese, während ihre Erinnerungen wie in einer Art von Heimweh an dem allen Vaterland haf« tetm, gleichsam über die Erde säeten." In England, dem stammverwandten Jnselreiche, hat der Chriftdaum sckon feste Wurzel geschlagen und ist nicht mehr auszurotten. Langsam, aber flcher streut er von London aus seine» Same» durch das britische Reich, und die Zeit wird kommen, wo sich ein englisches Kind ebenso wenig die Weidnachten ohne einen Barm denken kann, wie ein deutsches. Mindestens ebenso verdrrllet sich dieser über die ganzen Vereinigten Staaten von Nordamerika, wobei die nördlichen Theile mit ihrem starken Kontingent deutscher Einwanderer allerdings in der Kultur des Weihnachtsbaumes weiter fortgeschrivm find als die südlichen. Nicht wenig dazu bei trägt auch der Umstand, daß hier das Nadelhol», vor allem die Tanne, bemahe gänzlich fehlt. „Als ich Weidnachten," erzähll G�stöcker,„in Lomsiana war, hatten wir große Nolh um einen Weihnachtsbaum, denn weder Fichten noch Tannen gab es in der Nachbarschaft, nur einzelne Kiefern verstreut; ein Wipfel aus diesen mußte deshalb zu einem Weihnachtsbaum ausgeschnitten werden. Ader auch L ch er fehlten, um idn zu erleuchten, und ich erinnere mich noch recht gut welche Mühe ich hatte, um fie herzustellen. Es wurden nämlich kurze Schilfstücke, sogenannte cane, in gleicher Länge geschnitten, dann ein Docht bineingezogen und das Ganze darauf mll dem Wachs wilder Bienen ausgegoffen. Allerdings konnte man Vre Form nicht wieder entfernen, aber das schadete au» weiter nicht, fie war werthlos, und mit einem schmfen Messer gelang es leicht, das Schilf in feinen Streifen von den also gegossenen Wachelichten abzuschälen und dies dadurch voll- kommen wieder herzustellen. Ebenso fehlle es an einem Konditor, um den Baum zu füllen. Da buk die hausstau selbst dünne Kuchen, diese schnitten wir in olle möglichen Formen und halten die Genugthuung, an dem helligen Abens die Kinder den aufgeputzten und mll L-chtern besteckten Baum unter lautem Jubel umspringen zu sehen." Noch übler er« ging es dem berühmten Reisenden aber in Gegenden, wo selbst die Kiefer nicht mehr anzutreffen war. In Baiavia nahm er einen Toxusstamm, aber die Zweige waren stönisch; da stützte man ste mit Bombukstäden, daß fie Lichter trugen und Abends hinein funkellen in eine Landschaft, welcher stellich die Wethnachtsattridute sonst vollkomnun fehlten, welche der Deutiche aus seiner Heimaih her festgewoben in der Erinnerung bewahrt. Prächtige Weihnachten verlebte Gerftäcker in Mexiko. „Die Hochebenen daselbst find unsern Nadelhölzern besonvers günstig, und fie gedeihen mll außerordentlicher Uippigkett. Ich habe in meinem Lebm keine schöneren und regelmäßiger ge- wachser en Fichten gesehen» wie gerade in Mexiko, und prachtvoll weiden fie auch von den Deutschen aufgeputzt. Das kann ihnen n chts von llnem Reiz nehmen, daß stalt der Aepfel veraolvete Bananen und Granatäpfel daran hängen". Auch der Christ» martt til M xilo steht absolut unter dem Eir fluffe der deu.schm Einwohne, scha l.„Man kann sich kaum denken, daß man fich unter den Tropen befindet. Ei> Wald von Fichten ragt überall empor, und zahlreiche Buden mit Zuckerwerk und tausend ver« schiedenen kleinen, oft sebr originellen Spielsachen werben feil geboten." Tie Katholiken M>xiko haben den Eariftdaum, wie ihn bie meistens Protest ntischen Einwanderer aus Deutsch» land h-rrichten. b reits liebgewonnen, so daß er mll fliegenden Fabnen immtk weiter seinen Einzug b-ll in das den Fremden sonst nicht eben gastliche Land. In L'wa traf Gerstäcker als einzige Erinnerung an die deutschen Weidnachten Svielwaarrn aus Nürnberg und Poppen aus Berlin, welche von Indianern und Mulatten feilgeboten wurden. Die trauttgsten Weihnachten hat er ober auf einem Walfischfänger der Südsee verlebt. Der einzige Baum, welcher ihn an das traute Fest der Hermath er- innert', war de: Mast, wie er kabl und leer über das unend- schaute. Der berühmte Reisende bat üdirall, wo er ie tiaf, darauf gehalten, daß ste der heimathlichen Chrtirfest zu feiern, nicht vergessen möchten.„Aui Thüringer Walde," so schlieft er diese Aufzeich. �e»ch mir guten Samen zu Fichten und Tannen den gab er überall, wohin er auf seinen weiten \ unsern übe: den ganzen Erdball verstreuten -»it fie fich die Christdäume ziehen, um Weih- Fstschmuck zu defiyen, auf welchen der nirge, de verzichten mag. «»d K» schenke vor 100 Jahren '»er nechl»anküi.dtgun�en der Geschäfts» finden fich in engskr Verbindung . Neujabrswünsche und Neujahrs- jeden. Maler und Kupferstecher ihr �i- ien, von einfachen Blättern '«der sonstige Darstellungen, im Preise von 2 bis 8 Groschen, bis zu wirklichen Kunstwerken auf Seide und Atlas, mit gemallen oder gestickten Blumen. Maurer's Buchhandlung empfiehlt Neujahrswünsche in Blumentöpfen wie in einzelnen, nach der Natur gemachten riechenden Blumen und Bouquets, auf„Potpourri- Kißchen" sauder gemall, auf seidenen Bändern, in Vexirblumen, mll Gold in Horn gepreßt, mit Mufil für das Klavier u. s. w. Den- jenigen Schönen, welche viele solche Zeichen der Verehrung er- hielten, empfiehll der Kaufmann Rouffet seine Neujahrsfächer, auf denen eine allegorische Darstellung des Wechsels der Zellen ein offenes Feld umrahmte, in welches die Gratulationekarten einzukleben waren. Recht naiv fügt der kluge Geschäftsmann hinzu, daß er auch seinen reichen Vorrath von prächtigen Karten, darunter solche mit schönen Versen, für das Einlleben zm Ver- fügung stelle. Damit war also denjenigen Damm, die minder opfer- willig mit schönm Wünschen dedacht waren, bequem Gelegenhell ge- boten, Fehlendes zu ergänzen, ja die bevorzugten Nebenbuhlerinnen mit dem Anschein der besonders kostspieligm Huldigung zu übertrumpfen. Das Schönste in derartigm Aufmerksamkeiten scheint aber doch der Hofmedailleur Laos geboten zu haben, von dem es, der„Voss. Ztg." zufolge, in einer Ankündigung heißt: „Jedermann zwar sucht durch neu erdachte Arten von Geschenken sich dem Publiko angenehm zu machen, aber nicht allen gelingt es, durch ihre Erfindung so gemeinnützig zu werden, als Herr Loos, der dieses Jahr vorzüglich schöne Schaumünzen für Lie» dende, Freunde, Jünglinge u. s. w. gepräget hat." Diese Schau- münzen nun warm nach Zeichnungm von Meil, einem sehr geschätzten Künstler, oder nach Angadm von Ramler, dem „deutschen Horaz", angefertigt. Die Vorderselle zeigt die ent- fliehende Zell, was der Empfänger und Beschauer fich zu über- setzm hatte mit:„Die Zell entflieht", worauf die Rückselle den Nachsatz bildete mit:„Doch meine Freundschaft nicht",—„Nie meine Dankbarkeit,— Doch meine Liebe nicht" u. s. w. Ein besonderer Scherz scheinen noch die Neujahrspfeifen gewesen zu sein, von dmen das Dutzend fünf Groschm kostete. Dabei ist nicht etwa an Aehnliches wie die hcutigm„Radauflöten" zu denken, denn diese Pfeifen waren nicht zum Blasen, sondern zum Rauchen, und zugleich mit ihnen wird ein leichter Rollen- kanastcr empfohlen. Nach dem billigen Preise zu mtheilen, dürften es bemalte Thonpfeisen gewesen sein, die beim frohen Sylvesterpunsch ihre Wollen mll dmm des fmrigen Trankes mischten. Wie Avplsn»»««acht wird. Man schreibt der„Voss. Zellung":„Ich desuchte gestern Abend mll meinem Bmder die Pcemiäre in einem hiesigen kleineren Theater. Obgleich wir an die Vordringlichkeit der dezahllen wie freiwilligen Klaque eini» germaßen gewöhnt find, war uns doch noch nicht bekannt, daß in diesem Musmtempel eine mißbilligende Aeußcrung mll sofortiger Entfernung dedroht ist. Als im 1. Alt die rührige Klaque bei einer äußerst schwachen Stelle auf das Stichwort zur „Applauspause" in einen frenetischen Jubel und obligates mi- nutenlanges Klatschen ausbrach, hielten wir es für angebracht, durch mäßiges Zischen unser Mißfallen, weniger über das auf der Bühne, als das im Zuschauerraum Vorfichgehende zum Ausdruck zu dringen. Sofort fuhr uns, die wir Eckplätze rnne hatten, eine daneben stehende Person, die nach ihrem Aeußeren zum Hausper.onal gehörte, in barscher Weise an, wir sollten das unterlaffen, sonst würde er uns unser Geld zurückgeben. Wir blieben zwar eine entsprechende Antwort nicht schuldig, mußten aber noieus vvleus, um eine größere Störung zu vermeiden, in der Folgezeit uns darauf beschränken, unsere Mei- nungsaußerungen, sowell ste mll denen der Klaque nicht über- einstimmten, zu unterdrücken; denn der„Zensurbearnte" bewachte unS, nachdem wir uns als Menschen mll eigener Mei- nung verdächtig gemacht hatten» in den folgenden Akten mll wahren ArgueauglN. So entsteht dann allerdings nur jubelnder, einstimmiger Beifall." Ei»« interessant« med i« Sastwiethskreisen schon jetzt ledhaft besprochene GerichtSvcrkandtung wlld in nächster Zell hier stattfinden. Der Chemiker Dr. I. befand fich vor einiger Zell Abends in einem Restaurant am Bellealliance- Platz. Bald nachdem das bestellte Essen aufgetragen war, wurde er von einem großen Hunde arg belästigt und dadurch veranlaßt, fich zu beschweren. Die Folge der fich anschließenden Aus- einandersctzung war, daß man Dr. I. aufforderte, das Lokal zu verlaffen. Dies geschah und als der Gast den dunklen Aus- gang pasfirte, ward er überfallen, mißhandelt und auf die Straße befördert Bald nahm er wahr, daß sein Uederzieher in lange Fetzen gerissen oder geschnitten war, daß ihm Uhr und Kette und ein Portemonnaie mit etwa 300 Mark abhanden ce» kommen waren. Dr. I. begab fich zunächst in dai Lokal zurück, woselbst seine Beschwerde bei dem Besttzer deffelben und der Vermerk von Zeugen des Vorfalls erfolgte; dann begab fich Dr. I. zu dem in unmittelbarer Nähe befindlichen Polizei» bureau, in welchem der Tbatdestand festgestellt wurde. Am anderen Tage erhielt Dr. I. Uhr und Kette zurück, aber das Portemonnaie mll seinem Jvhalt blieb verschwunden. Die ein- gereichte Denunziation richtet fich nun gegen den Inhaber deS Lokals und Genossen, und die Gerichtsverhandlung wird über die sehr wichtige Frage zu entscheiden haben, inwieweit ein Wirth seine bei ihm verkehrenden Gäste zu schützen hat. Auf den Au-fall ist man in Gastwirthslreisen sehr gespannt, aber auch das große Publikum dürfte die Entscheidung dieser Frage lebhaft intereifiren. Dem WSbelschwindel, der fest Jahr und Tag in Berlin blüht, ist vre Krimtnalpolizei näher getreten. Auf Grund zahl- reicher Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft und einer direkten Vorstellung deS hiesigen Vereins der Berliner Mödelhändler wlld jetzt der unlautere Geschäftsbetrieb solcher Händler fest» 8(stellt und strafrechtlich verfolgt werden, die durch schwindel- aste Anzeigen das Publikum zu schädigen suchen. Diese tag» täglich wiederholten Inserate erwecken meist den Glauben, daß es fich nicht um ein reguläres Geschäft, sondern um Gelegen- Hellskäufe von Privatpersonen handelt. Was die Phantasie nur irgend erfinnen kann,-um Gimpel auf den„Leim" zu locken, wird von jenen„Machern" in den Anzeigen geleistet, die täglich mit einer neuen Zugmarke erscheinen. Ost heißt es,„wegen Todesfall" sei eine ganze Witthschaft sofort um jeden Preis zu verkaufen,„Händler werden(natürlich!) verbeten",— oft ist es eine„Versetzung" oder gar eine„zurückgegangene Verlobung", die als Lockmittel Monate lang herballen muß, und zu dem gleichen Zweck werden auch„Ehescheidungen" und andere intime Familien- angelegenheiten erdicktet.— Viele von diesen Mödelschwindlern baden mehrere Dutzende von Verwandten und dezahtten Familien an der Hand, welche die Helfershelfer spielen. Jeder Betheiligte erhält seine hohen Prozente, die natürlich aus der Tasche des Käufers gehen. Es ist festgestellt worden, daß bei Annonzen„wegen Todesfalls" tiesschwarz gelleidete Per- sonen die Kauflukligen empfingen und ihnen unter Weinen und Schluchzen ihre Trauer schilderten— alles nur, um ein gutes Geschäft zu machen! Ja sogar besondere„Nachlaßverwalter" werden häufig vorgeschoben, um der unsauberen Sacke den Schein des Rechtes zu geben. Gegen einen dieser„Nachlaß- Verwalter", der jedoch der eigentliche„Macher" ist, schwebt das Verfahren, nachdem ermUtell worden war. daß er die Reflektanten zur angeblichen Wohnung des„Verstorbenen" beglcllet oder schickt, wo ste dann von der„weinenden Wittwe" empfangen und gründlich dupkt werden. Die Zahl der Personen, die durch solche fingirte Todesfälle fich dethören ließen und arg ge- schädigt worden find, ist unglaublich groß. Die Polizei hat hier in Berlin sogar gewisse Werkstätten ermittell, wo eigens für solche Ramschverkäufe Schundwaare schlimmster Sorte ge- fertigt wird. Dre Geschädigten find immer undcmiUelle oder weniger bemittelle Leute, die etwas an Ausgaden ersparen wollen und von solchen Schwindlern nun erst recht übervortheilt werden. zja»»s»ch«ng. Am 20. Dezember wurde bei dem Fräulein Amalre Schneider, Oberwassersll. 12», eine Haussuchung abge- halten. Gefunden wurden 1 Exemplar des„Sozialdemokrat", 1 Liederbuch, Die Frau, von Bebel, 1 Protokoll vom Parteitag zu St. Gallen, 1 Exemplar„Acht Opfer des Klass-nhasseS", verschiedene Hefte von der Volks-Blbltothek und Heinrich Heine's Werke. Beschlagnahmt wurde nichts als das Exemplar des „Sozialdemokrat". Am 24. Dezember wurde Amalre Sch. und eine Frau Ehreke nach dem Molkcnmarkt um 8% Uhr früh zum Verhör destellt, um 9H Uhr wurde der Bräutigam des Fräulein Schneider, der Schuhmacher Karl Blödom, aus der Fabrik von der Arbeit von einem Kriminalschutzmann abgeholte Als er nach dem Molkenmarkt kam, wurde er verhört und gleich nach einer halben Stunde entlassen. Als Herr B. nach Hause kam, wurde er sofoit aus der Arbeit entlassen. Es wurde ihm ge- sagt, daß man solche Leute nicht gebrauchen könne; es passe den Fabrikanten nicht, daß die Polizei ihnen unliebsame Besuch« mache. In der Affäre Dickhoff hat die angekündigte Vemeh- mung des Droschkenkutschers, der vor einigen Tagen in einem Schanklolale der Heiligengeiststraße anscheinend wichttge Ent- hüllungen gemocht hatte, am Vormittage des ersten Feiertages flattgefunden. Dieser Droschkenkutscher, ein in der Oppelner» straße wohnhafter Fuhrherr B., machte auf den vemedmendea Polizeikommiffar einen durchaus glaubhaften Eindruck; seine Auslassungen find aber insofern belanglos, als man zur Zeit der gegen Dickboff geführten Untersuchung bereits genau wußte, daß zwei von D. gedungene Mörder, die nruthmaßlich Schlächter- gesellen waren, die That begangen hatten. Die damals nach dieser Richtung hin vorgenommenen eingehenden Recherchen hatten aber ein negatives Resultat, sodaß fich, nachdem jetzt Jahre sell den Mordthaten vergangen find, eine Wiederaufnahme der Untersuchung von vornherein als ausfichtslos darstellt. Der Ver» nommene bestätigt voll und ganz alles dasjenige, was er der der Kriminalpolizei zugegangenen Anzeige zufolge in jenem Schanklolale gesagt haben sollte; da wrr diese Auslaffungen bereits mitgethei t haben, können wir uns darauf beschränken, hinzuzufügen, daß der damals in Rixdorf wohnende Droschken» fuhrherr B. den Kommisfionär Dickhoff, welchen er wiederholt von Rixdorf gegen eine geringe Entschädigung mit nach Berlin genommen habe, dem Namen nach gar nicht kannte, ihn aber nach der ihm aus dem Verbrecher- Album vorgelegten Photographie als jenen Fahrgast rekognoszirte Im Uedrigen hafteten die Aussagen B.'s auf, wie es scheint, vollständig zutreffenden Kombinationen, deren sachgemäße Benutzung zur Zeit, als der Dickhoff'sche Mordprozeß schwebte, wohl noch einiges Be» lastungsmaterial gegen dm Angeklagten zu Tage gefördert hätte; Heute aber find, wie oben schon angedeutet, die Auslassungen B.'s völlig werthlos. Ueber»ine Mordthat, von der die Kunde fich schon am zwesten WeihnachtStage in der Stadt verbreitet hatte, können wir nunmehr folgende authentische Einzelheiten mittheilen: Der Militärinoalide Wilhelm Röte, 53 Jahre alt, unverheirathet, be» wohnte auf dem Hofe des Grundstücks Krausnickstt. 5 eine aus Küche, Kammer und Stube bestehende Kellerwohnung. Er lebte sehr zurückgezogen, lochte selbst und ging wenig aus, bekam aber häufig Abends Besuch von jungen Bmschen, die keinm Ver« trauen erweckmden Eindruck machten(und von dmen man an« nahm, daß R. mit ihnen strafbaren Umgang pflege). Näher de- freundet war er nur mit dem Kapellmeister G., mit welchem er zusammen bei dm Zietmhusaren gestanden hatte und in dessen Kapelle er im Orpheum von Zeit zu Zeit mitspiette. G. hatte ihn eingeladen, den heiligen Abend in seiner Familie zu ver« dringen und ihn schon am Sonntag zu besuchen, um beim Aus« putzen des Christdaums behilflich zu sein. Da Röse aber weder am 23. noch am 24. fich bei G. eingefunden hatte, begab letzterer fich am Nachmsttage des ersten Feiertages nach der Krausnick- straße und ging in Beglestung des Hausportiers Kladiwa in die Röse'sche Wohnung, deren sonst stets verschloffen gehaltene Thür halb geöffnet vorgefundm wurde. Die Küche, welch« dem Ein- gang zunächst liegt, sowie die link« davo»� gelegen» Wohn« stube wurden in peinlichster Ordnung und Sauberkeit vorge- funden. In der an die Küche rechts stoßenden kleinen Kammer lag auf der Erde, den Kopf auf dm rechten Elimbogen gestützt. die angekleidete Leiche des Wse. Als das Tuch, mit welchem das Gesicht dedeckt war, entfernt wurde, demerltm die Ein- tretenden und die sofort herbeigeeilten Beamten der Revier- und Kriminal-Polizei, daß der Schädel durch den Schlag von einem stumpfen Instrument zertrümmert und der Hals mit einem scharfen Instrument durchschnitten war. Spuren eines Kampfes waren nicht demerkbar, und eS ist deshalb anzunehmen, daß Röse in der Kammer, wohin er wahrscheinlich Butter und Käse gestellt hat, von einer Person, die fich desuchS« weise bei ihm aufhielt erschlagen worden ist. Ein Bell und ein Messer, an dmen frische Blutspuren bemerkt wurden, lagen unfern der von Körben umstellten Leiche, aus derm Beschaffenheit übrigens zu entnehmen war, daß der Mord schon vor mehrere« Stunden verübt sein mußte. Wie die Nachforschungen ergeben haben, ist Röse am Abende des 24. Dezember zuletzt gesehen worden, und zwar hat ein in dem Hause wohnendes Dienst- mädckm vom Hofe aus zwischen 6t und 7 Uhr in der erleuchte« ten Wohnstube des R. diesen in hellerer Unterholtung mit einem etwa 30 Jahre alten, anständig gclleideten Manne. der schwarzes Kopfhaar und einen dunklen Schnurrbatt hatte und den Scheitel in der Milte trua, gesehm, will auch bemerkt haben, daß beide aßen. Als das Mädchen etwa eine Stunde später den Hof wieder betrat, war die Röse'sche Wohnung finster. Am folgenden Morgen hat R. nicht mehr wie gewöhn- lich Frühstück beim Bäcker geHost. Es ist hiernach anzunehmm» daß der Mord am 24. Dezember Abends zwischen 6t und 8 Uhr verübt worden ist. Nach dem Ergedniß der ersten!1tach« forschungen schien es, daß eine Beraubung nicht stattgefunden habe, denn die Behällnisse waren nicht durchwühlt, und an verschiedenen Stellen der Wohnung wurden erst 40 und dann noch 80 Mark in Gold vorgefundm. Es fehlt aber eine starke silberne Uhr mll Goldrand, aradischm Ziffern und breite« Zeigern, welche Röse als„Jäger-Uhr" zu bezeichnen pflegte, und die er am 22. Dezember an einer Gummischnur ge- tragen haben soll. Früher ist auch demertt worden, daß Röse, wer» er fich gut anzog, dieUhr an einer langen, anscheinmd goldenmKette trug. Diese Kette hat fich gleichfalls vorgefunden, so daß ange- nommm weiden muß. daß fie ebenfalls geraubt worden ist, so« fem R. fie nicht etwa versetzt oder verborgt hat. Die Frau des Portiers will übrigens auch eine ShlipSnadel und einen Ring mit einem BrÄantm oder Similistein an dem Ermordeten früher bemerkt haben, welche Gegenstände ebenfalls nicht auf- lÄÄä&ÄaWÄ R. am 23. und 24. Dezember gesehen wordm ist. Der Um« stand, daß er am Morgen deS 23. Dezember einen jungen, ba'.tlosen Menschen mit vollem Gesicht aus seiner Wohnung berausgelaffen und am Morgen des 24 Dezember für zwei Per onen Fmhsruck geHost hat. deutet darauf hin, daß er ein- Person mehrere Tage beherbergt hat. Ein Kaufmann H., der Jte angeblich seit mehreren Jahren kennt, wÄ denselben am 24. Dezember um 3% Uhr auf dem Hausvoigtei-Platz Arm in Arm nllt einem etwa 19 Jahre asten Menschen, der einen gelb« mit Diazonalstteifm trug und ein ooales, ÄÄÄ ÄÄT" � mm äs&%%%.% ist* ! Gesicht zugekehrt, rrähiend der Fremde ihr den Rücken zuwandte, nur soviel vermochte st- zu erkennen, daß dieser schwarzes, in der Mitte gesckeiteltes Haar trug. Die Unterhaltung zwischen R und seinem Gaste war eine ledhaste und recht animirte. denn wiederholt lcudtcn beide laut. Es fehlte eine goldene Schiede- kette, sowie ein Diamantrtng, welche beiden Gegenstände R. nur bei desonderen Gelegenheiten anlegte und an jenem Mordabend nicht getrogen hat.— Wie uns ferner mitqetheilt wird soll die Udr— silberne Zylinder— in einer Pfandleihe all versetzt soeben ermittelt worden sein; dieselbe befindet fich jetzt auf dem Molkenmarkt. Verhaftet wurde gestern Nachmittag in der Sopbtenkirche ein junger Mann, Alfred W., der mit R. verkehrt haben soll; da W. jedoch sein Alibi nachweisen konnte, wurde er wieder freigelassen; ferner wurde ve: hastet ein Buch- balter eines Geschäftes der Königstraße; auch dieser giebt zu, R. zu kennen, ihn auch einige Male besucht zu haben, bestreitet jedoch, ihn gerade an jenem Abend gesehen zu haben. Derselbe wurde am gestrigen Vormittag auf dem Molkenmarkt mit mehreren im Hause wohnenden Leuten konfrontirt; die Polizei glaubt auch nicht, daß dies der Thäter ist, dapegen wird noch nach einer Person geforscht, welche bereits im Fruhjchr bei R. eine Nacht logirt hat; dieser Fremde behauptete damals, bei den Raihenower Husaren zu dienen, war aber in Zivil. Die Beschreibung dieses Mannes paßt zu der Angabe des Dienstmäd- chens Hodrecht bezüglich jenes Mannes am Weihnachts- Heilig- abend in Bezug auf die Farbe und Tracht des Haares. Gefundene GetdroUe. Herr Eberh. Boncartz, der In« Hader der Dampf-Liniir-Anstalt und Fabrik für Papierausstat« tung, Alexandrinenstraße 97, theilt dem„B. T." mit, daß er am ersten Weihnachtsfeiertage, Mittags gegm 12 Uhr, Zeuge Gewesen sei, wie eine Dame in der Leipzigerstraße eine auf dem Irottoir liegende Geldrollc demerkt bade. Herr Bongartz war der betreffenden Dame behilflich, die Rolle aufzuheben, und kon- ftcllirt sodann, daß dieselbe 330 Mark in Gold enthielt. Der Fund wurde von der Dame im Beisein des Herrn Bongartz auf dem Polizeibureau am Spittelmartt gemeldet, woselbst auch die Adreffe der Finderin notiit wurde. Wir theilen diesen Vor« gang als Wink für den Verlierer mit. «emäy de« UerSsfentltchnng-n de» Kaiserliche» Gesund Heits-Antt» find in der Zeit vom 9. Dezember bis 15. Dezember er. von je 1000 Bewohnem, auf den Jahres- durchschnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 17,8, in Breslau 26,7, in Königsberg 26,3, in Köln 20,2, in Frankfurt a. M. 18,1, in Wiesbaden 16,1, in Hannover 20,7, in Kaffel 12,4, in Magdeburg 22,2, in Stettin 24,6, in Altona 13,5, in Strahburg 224, in Metz—, in Münchm 30,6, in Nürnberg 25,4, in Augsburg 27,4, in Dresden 17,6, in Leipzig 14,9, in Stuttgart 17,6, in Karlsruhe 22,4, in Braunschweig 22,4, in Hamburg 25.1, in Wien 24.3, in Pest 28,1, in Prag 32,0, in Trieft 21,0, in Krakau 26,0, in Amsterdam 21.2, in Brüssel 23,5, in Paris 22,6, in Basel—, in London 17,7, in Glasgow 20,9, in Liverpool 24,0, in Dublin 26.6, in Edindurg 14 1, in Kopenhagen 19,6, in Stockholm 20.6, in Chnsttania 17,5, in St. Petersbmg 23,9, in Warschau 26,0, in Odessa 23,5, in Rom—, in Turin 21,1, in Venedig 15,6, in Alexandria 42,4. Ferner in der Zell vom 18. bis 24. November er. in New- Kork 21,7, in Philo- delphia 17.7, in Baltimore 15,8, in Kalkutta 30,8, in Bombay 22,1, in Madras 36,5. Auch in dieser Berichtkwoche waren die Sterblichk.itsver- hällnisse in den meisten Großstädten Europas sehr günstige, wenn auch aus einem größeren Theil derselben ein wenig höhere Slerdltchkettsziffem als in der Vorwoche gemeldet wurden. Einer sehr günstigen Sterdlichkeü(bis 15,0 pro Mille und Jahr) erfreuten fich Kaffel. Attona, Leipzig, Essen, Potsdam und Edindurg. Recht günstig(bis 20,0 pro Mille) war die Sterb- lichkett auch in Bettin, Dresden, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Bremen, Stuttgart, Barmen, Aachen. Düsseldorf, Mannheim, De.rmstadt, Kopenhagen, London, Cdtilliania, Venedig u. a. Mähtg doch(etwas üb« 20,0 pro Mille) in Köln, Hannover, Magdeburg, Ch-mnip. Trieft, Amfteidam. Stockbotm. Turin U. a. O. Sehr hohe St«dlichkeilsziff«n(üb« 35,0 pro Milte) wurdm au« deutschen Städten nicht gemeldet.— Unter den Todes- Ursachen kamen Darmkatarrhe undBrechdurchfälle im allgemeinen selten« als in der Vorwoche zum Vorschein, nur in B«Iin, Ham- bmg, München, KönigSb«a, Wien, Pest, Patts, St. P.tersdurg war die Zahl d r durch fie bedingten Sterbefälle noch eine nmnenswnthe. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war im allgemeinen eine vermindnt«, in Münchm eine größere. Von je 10000 Lebenden starben, aufs Jahr de- rechnet, in B«lin 54, in München 133 Säuglinge.— Unter dm Jnfekiionskranlheilen haben Mas«n, Scharlach Diphth«ie, Keuchhusten und Pocken etwas mehr, typhöse Fieber etwas wmig« Stndefälle hervorgerufen als in der Vorwoche. So waren Todesfälle an Masern in Berlin, Köln, Magdeburg, Düsse darf. Brüssel, Liverpool vermindert od« nicht ver- wehrt, währmd fie in München, Bremen, Karlsruhe, Prag, Parts, London, Amst«dam zabüeich« vorkamen. Erkrankungen haben jedech in den meisten Ottm, aus denen Berichte vor- liegen, zugenommen, nur in Bettin, Wien und in dem Regierungsbezirk Schleswig war eine Abnahme derselben ersichtlich.— Scharlach hat in B«lin, Breslau, München, Wim, Prag, Kopenhapm etwas wehr, dagegm in Dan, ig, London, Lvnpool, Warschau. St. Petersburg wmig« Opfer gefordat. Erkrankungen wurden jedoch aus fast allen Ortm, aus dmm Berichte eingingen, in größer« Zahl gemeldet.— Tie Stnb- lichkeit an t ipilbcrie und Kroup war in B«lin, Breslau, Dresden. Halle, Magdeburg. Nürnberg, Pest, Prag, Warschau, St. Petersburg. Christianta eine gettngere, dagegen in München, Leipzig, Königsberg, Frankfurt a. M, Hannover. Danzig, Stuttgatt. Stettin, Braunschweig, Wim. London, Kopenhagen eine größere als in d« vorangegangmm Wowe. Auch Erkran. kungen wurdm meist in größer«, nur aus Kopenhagm. Stock- Holm, Christiana und St. P.'tnsdurg in vermindnt« Zahl mit- SÄ ,TÄ�"ÄS.»ÄÖ seltener zum Tode.- Erkrankungen kamen in Bnlin und St. Petnsdurg settener, in Hamburg und Pest zahlr-icher zur Berichterstattung.- An Flecktyphus waren aus Krakau 1 Todes- fall, aus dem RegierungSdeztrk Hannov« und aus«t. PeterS- bürg je i Erkrankung, aus Kopenhagen auch 1 Todesfall an epidemisch« Genickstarre zur Anzttge gebracht.- Der Keuchhusten hat in London. L vnpool und Kopenhagen ein wenig ?>ehr. in Patts etwas wenig« Todesfälle veranlaßt. Er- Kränkungen waren ab« in Hamburg, Nürnberg und Kopenhagm smüi WM Stadtth eilen nicht fetten. Typhöse Fieb« und rosenartige Ent zündungen des Zellgewebes d« Haut blieben selten; Er krankungm an Keuchhusten warm wohl zahlreich, nahmm jedoch meist einen gutartigen Verlauf. Rbmmatische Beschw«den d« Muskeln sowohl, wie akute Gelenkrheumatismen gelangten in er« bedlich gegm die Vorwoche vermind« Zahl zur ärzllichm Be Handlung. PotHeibnicht. Am 24. d. M. früh wurde ein Statlons- Asflstmt wäbrend des Dienstes auf dem Gütnbahnhof d« Schlefischm Eisendahn beim Pasfirm d« Geleise von einer Rangirmaschine«faßt und überfahren. Er«litt eine schw«e Verletzung am Kopfe und einen Bruck beider Oberschenkel, so daß er mittelst Tragkorbes nach dem Krankmhausc Bethanien gebracht w«den mußte.— An demselben Tage Mittags wurde an d« Ecke d« Kaisn-WUHelm- und Rosmstraße eine etwa 60 Jahre alte unbekannte Frau, als fie den Fahrdamm üb«, schreiten wollte, von einem Omnibus der Neuen Berlin« Omnidus-Attim-Gesellschaft überfahren und innerlich so schwer v«letzt, daß fie mittelst Droschke nach d« Chatttee gebracht werden mußte.— Am Nachmittage fiel ein Arbeit«, als er an d« Ecke der Schöneberger- und Luckenwalderfiraße unbefuater- weise einen in d« Fahtt befindlichen Kohlenwagen besteigen wollte, wied« herab und wurde über beide Unt«schenlel gefahren. Er mußte mittelst Droschke nach der Eharitee gebracht w«den.— Zu derselben Zeit erhängte fich ein Zimmermann in sein« Wohnung in der Forst«- straße und vergiftete fich eine Frau in d« Ackerstraße nach vor- angegangmem Streit mit ihrem Ehemann mittelst Karbolsäure. Beide Leichen wurden nach dem Leichenschauhause geschafft.— Abmds wurde ein Arbeit« vor dem Hause Brunnenstraße 30 anscheinend innerlich schwer krank auf der Erde Itegmd vorge« funden und nach der Chatttee gebracht.— Am 24. d. M. fanden Stromstraße 27 und Schleiermachcrstraße 6 unbedeutende Feu« statt, welche von der Feuerwehr in kurz« Zeit gelöscht wurden.— Am 24. d. M. Abends fiel der Arbeit« Voigt in d« Cbausseestraße, nahe d« Keffelstraße, von dem Hintnperron eines Nachtwagens der Pf«dettscnbakn, schlug mit dem Kopfe auf das Tttttdrett und«litt einen Schädelbruch.— In der Nacht zum 25. d. M. wurde ein Vergolder auf dem Eisenbahn- dämm westlich der Keffelbrücke von einem Eisenbahnzuge üb«- fahren und auf der Stelle getödtet. Wahrscheinlich liegt Selbst- mord vor.— Um dieselbe Zeit gab ein in der Linienstraße Nr. 221 wohnhaft«, hier studirend« Amerikan«(Reg«) auf den in demselben Hause wohnenden Kaufmann Leonen und dessen Ehefrau, welche auf dem Treppenflur mit dem Witth des Amerikaners in eine Prügelei g«athen waren, zwei Schüsse aus einem Revolver ab, welche den rc. Leonen und dessen Frau trafen, jedoch nur leicht vnletzten.~ Am Nachmittage desselben Tages wurde der Militär- Invalide Rose in seiner Wohnung, Krausnickstraße 5, todt aufgefunden. D« Hals der Leiche war durchschnitten und am Kopie befanden fich drei anscheinend mtttelst eines BeilS zugefügte Verletzungen vor. Es liegt augenscheinlich ein Mord vor, der vcrmuthlich am 24. d. M. Nachmittags schon verübt worden ist.— Am 26. d. M. früh durchschnitt ein in d« Hollmannstraße wohnhafter Rechtskandidat fich mittelst eines Rastrmessers den Hals und die Pulsadern beider Arme, so daß er alsbald an Verblutung ver« starb.— Am 26. d. M. Morgens entstand in dem Stall« gebäude auf dem Grundstück Greifswalderstr. 71 72 Feu«, wodurch die in dem Gebäude aufgehäufte Fourage vernichtet und d« Dachstuhl zetttött wurde. Das Feuer wurde von d« Feu«wedr nach 2stündlger Thätigkett gelöscht.— In d« Nacht zum 27. d. M. wurde ein obdachlos« Tisch!« vor dem Hause Mittelstraße 35 auf dem Bürgeisteig liegend aufgefunden und nach d« Chatttee gebracht. Sein« Angade nach ist« in d« in demselben Hause befindlichen Schankwitthschast derartig ge« schlagen worden, daß er fich nicht fortbewegen konnte Gerichts-Zeitung. _ Vi» vor ei»ig»r Irit harOf dt» Vrifft gegang««»» »itthetlunsen üb« Bleivergiftungen unter den Arbeitern der ReichSvruckerei fanden ihre Ergänzung resp. Richtigstellung durch eine in d« letzten Sitzung des 9. Zivilsenats des Kammer» gerichtS stattgehabte V«dandlung, deren Ergebniß auch für das Druck«eigew«be von grundsätzlich« Bedeutung ist. D« That> bestand ist in Kürze folgend«. Der Kupf«drucker I. war, nachdem« 15 Jabre vorher in Pttvatdruckereien beschäftigt gewesen. im Jahre 1873 bei dn Reichsdruck«ei in Arbeit getreten, aus d«« nach oft fich wiederholenden Erkrankungen im Jahre 1334 entlassen wurde. Er klagte hinauf aus dem Hastvflicht- gesetz gegen den Reichsfiskus unter d« Behauptung auf lebens- längliche Versorgung, daß« infolge von Bleivergiftung, die er fich namentlich beim Verreiben von Chromgelb— dasselbe wird bei der Herstellung der Zwanzigmarknoten verwandt— in der Reichsdruckerei zugezogen bade, stech und arbeitsunfähig geworden sei. Nach seinem 1885«folgten Tode, der nach dem Gutachten deS ihn behandelnden Arztes Dr. P. allerdings auf Bleivergiftung zurückzuführen war, setzten seine Wittwe und Kmder den Prozeß unter Beanspruchung einer Entschädigung fort. Auf Grund des Gutachtens des Geh. Medizin alraihs Dr. Wolff, daß bei d« erwähnten Arbeit eine V«giftung ein- treten könne, erachtete das Landgettcht 1 den Kausalzusammenhang»wischen d« Beschäftigung des I. in d« Rcichsdruckerei und seinem Reichthum und Tod für dargethan und den FiskuS zur Zahlung ein« in ihr« Höhe noch zu ermittelnden Entschä- digung für verpflichtet. Hiergegen legte der Fiskus Berufung bei dem Kammergericht ein, wo sein Mandatar, Justiz- rath Wille unter Hinweis auf da« Ergebniß d« erwei- tetten Beweisaufnahme Zurückweisung der Klage beantragte. D« Chemiker, Dr. Bischof, habe nämlich bekundet, daß Chromgelb nur bei trockener V«arbeitung schädlich wirken könne, nicht aber dann, wenn es in d« von d« Reichsdruckerei einge- führtm Betttebsweise mit Firniß vermischt den Arbeitern zur Verrttdung übngeben werde. Ferner habe d« h«angezogene gettchtliche Sackonständige, Diucknttdefitz« Mös«, fich auf Grund eingehend« Befichtigung und Prüfung dahin ausge- sprochen, daß die zum Schutze der Ardeiter in der Reichsdruckerei getroffenen Einrichtungen ganz vorzügliche und von einer Opu- lenz seien, wie fie fich einePrivatanstalt gar nicht erlauben könne. So- dann habe ab« auch I. die Vorschriften d« Verwallung, welche den Arbettem die größte Reinlichkeit zur Pflicht gemacht und desondne Waschräume, in denen auch Handtüch« verabreicht wurdm, ein ettchtet hatte, nicht befolgt, sein. Arbeits zeug nicht reinigen lassen, beim Tadaksschnupfen stets die Nase am Anmel abgewischt und andere nachthttlige Gewohnheiten gehabt. Auch sei in Rückstcht auf seine rvted«holtm, bald nach dem Eintritt fich einstellmden Ettrankungen anzunehmen, daß die Bleioer- gittung schon aus sein« Arbeitszeit in einer Pttvatanstalt datire. Geh. Med.- Rath Dr. Wolff«achiete das obm«wähnte Ver- halten des I. als eine wesentliche Ursache der Vergiftung; daß gerade bei dieser Ardett die Reinlichkeit das beste Vor- deugunas- und Heilmittel sei, dewttsm drei andere in der RctchSdruckerei vorgekommene leichte Vngistungs- fälle, welche sebr bald lediglich dadurch befestigt wurden, daß die Bettoffenen fortan ihren Körp« oft wuschen. D« Mandatar der klagenden Partei, Justizrath Sander, rügte dem gegmüder, daß die Verwattung nicht schon damals, wie es jetzt geschieht. den Arbtttern auch Seife zu den Körp«waschungcn geliefnt habe, und suchte dattn ein schulddares Ansehen dn Verwaltung zu begründen. Das Kammergettcht ad« erkannte in Rückficht auf da« Ergebniß ver Beweisaufnahme unter Adändnung der Vorentscheidung dahin, daß d« Vnwalluna d« Reichsdruckerei in Bezug auf dm vorliegenden Fall kein schulddares Versehen nachgewiesen od« ein Vorwurf zu machen sei, und erkannte des- halb auf Ädmttsung d« Klage. „Da« Weih« acht» fest steht vor der KhSr und da müssen stch die Schutzleute ja die Gratifikationen vndimen". Daß diese Aeußerung, einem Schutzmann gegmüd« ausge» sprochen, nicht zu den harmlosen gehört, das hat der Handels» mann Wilhelm Kohl«fahren müffm, denn fie trug ihm eine Anklage wegen Beamtenbeleidigung ein, die gestern von der 90. Adtheilung des Schöffengerichts wider ihn v«handelt wurde. Kohl hatte fich zu obig« Weihnachtsbettachwng verstiegm, als ein Schutzmann ihn wegen ein« begangenen Uebettretung auf- schtted. Der Staatsanwatt beantragte dafür eine Geldstrafe von zwanzig Mark. Dn Gettchtsbof biett ab« mit Rückficht auf die bishettge Unbescholtenheit des Angeklagten eine Geldstrafe von sechs Mark für eine ausreichende Sühne. E» gehört nicht zu de« Keltenheitr«, daß d« unt«- suchende Thierarzt auf dem städtischen Viehhofe im Drange der Geschäfte es verabsäumt, eines d« van Ihm untnsuchten und für gut defundmen Stücke Fleisch mtt dem vorschriftsmäßigen Stempel zu versehen. Wird ein solches Stück Fleisch dann in dem Laden des detteffenvm Verkäufers gefundm, so wird eS beschlagnahmt und der Verläuf« in Strafe genommen, eine Maßregel, welche dtsh« stets von den Gerichten bestätigt wurde, da diese von dem Grundsatze ausgeben, daß eS eine Fahrläsfigeit des Schlächt«s ist, wmn er die Sticht» stempelung nicht bem«tt. Ein Ausnahmefall lag gestan der 94. Abtheilung deS SchöffenaettchtS zur Prüfung vor. Ein hiefiger Schlächtermeist« hatte bei einem Engros-Schlächt« einen Hammel bestellt, den dies« ihm brachte, während der Laden des Bestellers voll« Leute stand, so daß d« letztere nicht Zett hatte, die Waare zu befichtiaen od« abzunehmen. D« Lieferant hing den Hammel deshalb einstwellen an einen Haken an der Thür und erklärte, spät« wiederkommen zu wollen. Gleich darauf kam Reoifion, d« Hammel war nicht gestempelt, wurde beschlagnahmt und der Schlächter in Strafe genommen. Dies« legte vor Gettcht den Sachonhall klar. Dn Llefnant stellte um« Beweis, daß der betr. Hammel wohl untersacht, ad« von dem Thinarzte versehentlich nicht gestemvelt worden war, hi«für sei er, d« Liefnant, schon in eine Geldstrafe genommen worden. D« Gettchtshof konnte fich im vorliegenden Falle nicht dafür entscheiden, daß dem Schlächter irgend eine Fahrlälfigkttt zur Last falle, sondern hob das Strafmandat auf. *11 �».1*1------ �-----— meist« Gustav Wetzet vnhandett. Im Auaust d. I. ging in Wrangelstraße das Gerücht von Mund zu Munde: der Scbuk« mann Lehmann habe dem Annellaaten aus dessen Laden ein Stück Fleisch gestohlen. Das Gerücht kam auch zu Ohren d« Vorgesetzten deS Lehmann und es wurden Ermittelungen üb« die Wahrheit od« Unwahrhell desselben angestellt. Zwei Frauen«Hätten aus dem Polizeibureau, daß Wetzel selbst ihnen aus freien Stücken den Schutzmann Lehmann als Dieb bezeichnet, und nun ließ man Wetzel nach dem Bureau kommen. Dies« «Hätte, daß an d« Sache kein wahres Wort sei, und wurde er mtt dem Bemerken entlassen, daß« eine Anklage wegen Verleumdung zu gewärtigen habe. Nach einigen Tagen lief bei dem Polizeibureau eine Anzeige von Wetzel ein, in welch« « wied« den Schutzmann Lehmann des Diebstahls bezichtigte und dessen Besttafung beantragte. Jetzt wurde obige dovpette Anklage wtd« ibn«hoben. Im T«mtn behauptete Wetzel, daß seine Bezichtigung thatsächlich auf Wahrheit beruhe. Eines Morgens habe d« Schutzmann ihn in seinem Laden besucht. Er habe denselben gebeten, für wenige Augenblicke im Geschäfte zu Kleiden, da« nur schnell seinen Durst in ein« benachbarten Restauration löschen wolle, und d« Schutzmann habe fich bereit «klärt. Nach seiner Rückkunft habe« bemerkt, daß ein ansehn» liches Rlück Rindfleisch verschwunden war und daß d« Mantel des Schutzmanns eine große Aufbauschung zeigte, die« vorbn nicht gehabt. Er habe fich nicht gettaut, etwas zu sagen, aber seine Wahrnehmung verschiedenen anderen Leuten mitzetheilt. Als« auf dem Polizeibureau vernommen wurde, habe« die Sache in Abrede gestellt, well er den Beamten nicht unglücklich machen wollte; da d« Spieß dann ab« gegen ihn gekehtt w«» den sollte, habe« fich bei einem Winkelkonsulenten Rath? ge» bolt und dies« ihm anempfohlen, nunmehr rückstchtslos gegen den Schutzmann vorzugehen. D« Schutzmann Lehmann, ein kaum angestellt«, unv«httrathet« Beamt«. beschwor, daß an d« ganzen Erzählung lttn wahres Wort sei, wenn « auch keinen Beweggrund angeben könne, weshalb d« Angeklagte fich die Geschichte aus den Fingern gesogen, denn« sei niemals, weder diensllich noch außndtenst« lich, mtt ihm in Berührung gekommen. D« Gerichtshof glaubte dem Zeugen und nur aus dem Umstände, weil der Ange» Hagte stch bei Erstattung der wissentlich falschen Anzeige in ein« Art Zwangslage befand, hatte derselbe es»u danken, daß er mit ein« Gefängnißsttafe von drei Monaten davonkam. De» Ztufruhrpr-keß gegm F r i t s ch e und Gmoffen, in welchem, wie sein« Zeit derichtet worden ist, die Angeklagtm Ftttsche und Schindler wegen Aufruhrs zu sieden resp. sechs Monaten Gefängniß; die übrigen Angeklagtm tbells freigesprochm, theils wegen Auflaufs zu niedrtgm Gefängnißstrafen verurlhellt worden find, gelangte dies« Tage vor dem zwettm Strafsenat des Reichsgerichts in d« Revifionsinstanz zur Verhandlung. Nur die beiden erstgenannten Angeklagten hatten fich bei dem«gangmm Urtheil nicht beruhigt und durch ihre Vertbttdiger Rechtsanwälte M e s ch e l» söhn und Dr. F l a t a u Reoifion einlegen lassen. Die zweite Strafkammer B«ttn« Landgerichts 1, vor welch« dies« Prozeß in«st« Instanz verhandelt worden war, hat folgenden Tbat« bestand festgestellt: Gegm Mittag des 18. März d. I. kam die Landsbergersttaße entlang ein Trupp Menschen, an dessen Spitze zwei Pettonm mit roth« Verzi«ung versehene Kränze trugen. Als d« auf dem Landsberger Platz postirte Schutzmann Kontor auf die Kranzträg« zutrat, um vaS Demonstrative zu beseitig en, wurde er von der Menge umringt und durch Stöße und Bedrohungen vnhindett, seine Abficht zur Ausführung zu bttngen. Unter diesen P«sonm befanden fich die beidm An» Sellagtm, von denen Schindl« dm einen zur Erde gewottmm Iran, aufgenommen hatte. Der Gettchtsbof nachtete dm Trupp Menschen als eine zusammengerottete Menschenmenge, wilche von dem Willen beseelt war, nöthigenfalls den mtaeaentretm» den Beamten mit vnttntm Kräften Widerstand zu leisten. In der Revifionsinstanz war insondnheit die Rechtmäßigkett der Amtsausüdung des Schutzmanns Kontor bestritten, da die Kranzträg« auf seine Aufforderung die rothm Abzeichen an dm Kränzen beseitigt hatten; d« höchste Gettchtshof verwarf aber die Revision als undearündet. Der bekannt«„Kchrtftfteller" nnd Verlege» von Zeitung» Korresondenzen, illustrtitm Sonntagsbeilagen ic. Richard v. Schlieben war in Gemeinschaft mit dem Buch. Händler Weinberg, mit welchem« fich zu d« Firma„Jul. W-inderg's Verlag" verbunden hatte, wegen Verbreitung u n- züchtiger Schriften zu 10 Tagm Gefängniß v«r;ftheilt worden. Es handelte stch um schlüpsttge Hintettrcppen-Wnke gewöhnlichsten Kalibers. Beide Angeklagte hatten die Berufung eingelegt und Herr von Schlieben behauptete wiederun.r, daß die Vnbrettuna jen« anstößigen Schttften ein Spezialunternehmen deS Herrn Weinberg gewesen sei. von welchem« keW Kenntniß gehabt habe. Ad« auch das Berufungsgnicht nahm es nach wiederhott« Beweisaufnahme als zweifellos ar,, daß v. Eck. an der Verbreitung der Schriften, unt« voNstäAdig« Kenntniß deS unzüchtigen JnbaltS deseldm, Thell gmonimm habe. Der Gerichtshof seyte jedoch die Strafe aus 100 M.. Geldbuße evmt. 10 Tage Gefängniß herab. Koziales und Arbeiterbewegung. Zu» Beachtung' Dn- statistisch«mittette Anthell d« hochgelegenen Berliner Wo�hungm an Todgeburten ist darauf zu.deziehm, daß Proletariat(die BevölkerungSHasse� welche dazu von jeher den glößten Bettrag geliefert hat) jetzt vorzugsweise vier Trrppen und höher hinauf- gedrängt worden ist.* So zu lesen in einer Arbeit Eon- n e n b ro d t' s in der„D. B-S. f. öffcntl. Gesundheitsvflege". —„Als permanente Schädlichkeiten des großstädtischen Gedrängt. lebenS, die zur Erzeugung einer gesteigerten Sterdlichleit bei- tragen, dürften am allgemeinsten noch anerkannt sein: die Eng« räumigkeit in Gestalt der wirklichen Wohnungsnoth, daß ganze Familien selbst beim Ausbruch ansteckender Krankheiten auf einen einzigen Raum zusammengedrängt find und bleiben.— Das Elend des Schlafstellen« und Schlafburschen- wesens;— Vernachläsfigung der hygienischen Schutz- maßregeln in Fabrikräumcn und Jndustriearbeitsstättm— die Uederfülluna in Krankenanstalten. Asylen. Gefängnissen, Schul- räumen." So äußert fich Dr. W e r n i ch im„Zcntraldlatt für allgemeine Gesundheitspflege", herausgegeben vom Bonner Uni- versttätsprofeflor Dr. Finkelnburg. Herr Wernich ist Regie- rungs- und Medizinalrath in Köslin. Es wäre dem Minister für Sozialpolitik, Herrn von Bötticher, sehr zu empfehlen, fich diese Wernich'sche Auffaffung zu eigen zu machen und für Ar. bciterschutz im Sinne der Wissenschaft und der mit ihr verbün« deten Arbeiterbewegung einzutreten. Sa««Und in den Moordistrikte«. Der hannoversche zialrath dewilligte der Gemeinde Moordorf, Kreis Aurich. zur Tragung ihrer Ärmenlast eine Beihllfe aus Landarmen- mittel« von 1800 M. pro Jahr. In der Gemeinde find nur sechs Steuerpflichtige mit ganz geringer Steucrlrast vorhanden. Wie Armutb und Elend. Branntweinpest und Verbrechen stets dand in Hand gehen, so auch hier in den öden Moordistrikten. Die Unficherheit und die Neigung zum Ber- brechen ist auf dem sogenannten„schwarzen Wege" eine be- denlliche. Der Schnapsgenuß, an den die Kinder von Jugend auf gewöhnt werden, ruinirt eine große Anzahl der Bewohner. Statt hier bessernd einzugreifen, werden Millionen für fremd- ländtsche Kolonisation zum Fenster hinausgeworfen. 9r«»d««. Ueder die Lage der Kellner des hiefigm „Residenz-Cafös" brachten die„Dresdener Nach- richten" kürzlich eine Notiz, welche ein grelles Licht auf die Praxis gewisser Wirthe wirft. Die guten„Nachrichtm" mochten erwartet haben, daß die Sacke fich nicht destätigen werde. In dem gedachten Cafö müssen die Kellner beim Antritt nachweisen, daß fie einen neuen Geschäitsonzug bestven, und haben gleichzeitig eine Kaution von 5 Mark zu leisten, welche beim geringsten Versehen verfällt. Sie können sofort entlassen werden, während fie ihrerseits an eine dreitägige Kündigungsfrist gebunden find. Für eine dreizehnstündige Arbeitszeit erhalten fie glänzende Gratifikationen: zwei Tassen Kaffe und nichts weiter! Die Kellner find also lediglich auf die Trinkgelder angewiesen: find die letzterm spärlich» so kann der Kellner buchstäblick bei voller Arbeit verhungern! Auf solche Weise wird daS Trinkgelderunwesen von den Wirthen zur Nothwcndigkeit gemacht. In der That lassen fich für den CafSinhader keine bequemeren, keine gewinnbringenderen Arbeitsbedingungen denken! Wer sich für zwei Tassen Kaffee täglich die Arbeitskraft eines Menschen voll und ganz dienstbar zu machen vermag, der steht entschieden auf der Höhe unseres kapitalistischen Zeitatters. Indem er das Personal auf die Trinkgelder anweist, sagt er mit anderen Worten: Das Publikum mag meine L-ute bezahlen! Sehr modern und sehr kulant— für die Gäste sowohl, als für die Kellner!— Vielleicht bringt eS der detreffende He« noch so weit, daß er von seinen Kellnem einen Theil der Trinkgelder beansprucht, wie dies in Paris vor der letzten ahgemeinen Streikbewegung der Fall war.— Natürlich antwortete der Wirth auf die Notiz— zur großen Freude der„DeSdener Nachrichten". Er wälzt alle Schuld von fich ab. In allen Wiener Cafts soll es so sein wie bei chm und das Personal soll„enormen Verdienst" haben,„den sich selbst der gebildetste Mensch nicht so leicht verschaffen kann." Ordentliches Personal sei gegen festen Lohn gar nicht zu bekommen(?). Die Kellner seien bezüglich des Verdienens die unzufriedensten Leute. Zum Schluß verfichert der Cafstier noch, daß es nicht in seiner Abficht liege, das Personal zu drücken!(???) Was dieser Biedermann unter„Drücken" ver- st.hen mag, ist uns ein Rätbsel.— Der deutsche Kellnerverein „Saxonia" und der„Deutsche Kellnerbund, Bezirk Dresden" nehmen fick nunmehr ihrer Mitglieder an. In einer ge« darntschten Erllärung bezeichnen fie es als unwahr, daß der Usus des„Rcstdenz Cafts" auch in anderen Wiener Cafös ein- cesührt sei. Gegen anständige Bezahlung sei überall gutes Personal zu bekommen. Alle Kellner sollen fick, ehe fie in jenem Cafs Stellung nehmen, an die genannten Vereinigungen wenden.— Vielleicht kommen die Kellner durch derartige Verhältnisse bald zur Einficht. Vielleicht schließen fie fich bald dem tämpfenden Proletariat mst solidarischen Gefühlen an; vielleicht bilden fie bald ein nützliches Glied in der allgemeinen Arbeiter- dewegung. Wffenburg, Als nachahmungswürdiges Muster für be- sonders arbeitertreundliche„Fadrikherren" möge hier eine söge- nannte Fadrik-„Ordnung" folgen, welche in ein« hiefigen Fabrik angeschlagen ist und die jeden Kommentar überflüsfig macht: Fadrik-Ordnun g: § 1. Jeder Arbeit« hat die bekannten Arbeitsstunden pünktlich einzuhalten. 6 2. Das unerlaubte Verlaffen d« Fabrik während d« Arbeitszeit ist untersagt, und w«den Zuwiderhandelnde das erste Mal mit 50 Pf. und im Wiederholungsfalle mit 1 M. bestraft: auch kann unt« Umständen sofortige Entlassung eintreten. § 3, Jeder Ardeiter ist««pflichtet, die ihm übergedene Waare auf's sorgfältigste und zum Nutzen seines Herrn zu »«wenden; Verschleuderungen derselben zieht Strafe je nach Ermessen nach fich. § 1 Falls Geschäftsnöchigkeit eintritt, ist jed« Arbeit« verpflichtet, auch über die dekannten Arbeitsstunden gegen Ver- gütung zu arbesten. § 5. Das Rauchen in sämmtlichen Ardettsräumen ist strengstens««boten. �.,_ § 6. Jeder Arbeit« hat geordnet und reinlich im Ge- � �Während den Arbeitsstunden hat fich jed« Arbester ruhig zu verhalten. § 8. Wer durch Seldstverschulden Fadrilgegenstände de- schädigt, hat für die Wiederhnstellungskostm aufzukommen. § 9. Die übergedene Arbeit muß nach Vorschrift und Must« gearbeitet werden. Arbeit, die Muster und Vorschrift nicht ent- jp licht, wird ausgeschlossen. § 10. Kündigungen können nur am Auszahlungstage be- rückstchtigt werden. § 11, Ungehorsamkeit, freches, unanständiges Benehmen aeaen ven Fabrikhnrn od« dessen Geschäftsleitenden wird mit sofortiger Entlassung ohne jegliche Bei- gütung für die bis dahin gelieferte Arbeit be- ™O�fenhi»rg, im Oktober 1888. &«• dn brannschmeigischrn K«vSlk»»««ga statistik entnehmen wir, daß im Zeitraum 1861— 1885 von je 100 ehelich geborenen Kindern 17,97, von je 100 außerehelich geborenen Kmdern aber 28# im ersten Lebensjahre stardem Berich/ schreftnden � lÄldwtlMaft weder geholfen, noch diesel be- ���«s°»r»f»ld wit$>. berichtet, daß die Lage der Hand- web« in der«:ammet- und>Aidenindustrie immer troftlos« wird.„Die Ungunst der Mode Md die stetige Ausdehnung •des mechanischen Betriebes haben in gjficher Weise dazu beige- tragen, daß der größte Theil dies« Handwerk« bereits beschäf- «igungsloS ist od« es im Laufe d« Wintermonate werden wird" So schreibt die„Viktor Böhmert'sche Sozial-Korrespon- denz", dasselbe Blatt, das zu den fanatischsten Lobrednern auf die„Segnungen" der Hausindustrie gehört. MMtärtsch»». Im ersten Halbjahr 1888 starben in der preußischen Armee, im XU.(königl. sächfischen) und XIU.(wür- tcmdergischen) Armeekorps, sowie in der dem XV. Armeekorps attachirten bayerischen Besatzungsbrigade 602 Mann darunter 101 durch Selbstmord. Also mehr als 15 pCt. aller Todesfälle find Selbstmorde. Das läßt einen tiefen Einblick thun. Und damit kein Einwurf geltend gemacht w«de, so sei mitge- thellt, daß wir die betreffenden Zahlen ein« amtlichen Zeit- schrift entnommen haben, nämlich den„Vnöffentlichungm des kais«lichen Gesundheitsamts". Kleine Wittheilungen. Hamb«»». 24. Dezemb«.„Sckon wieder ein Raubmord!" durchschwirtte es heute Morgen uns«e Stadt, und leid« fand dieses Gerücht auch seine Bestätigung. Ueb« den Vorfall w«den folgende Einzelheiten bekannt: In d« Filiale der Sternberg'schen Destrllation auf dem Zeughaus- markt 40 wollte in letzter Nackt, nachdem mit dem Eintritt d« Polizeistunde um 12 Uhr die Wirthschast geschlossen worden, der dort dedienstete Hausknecht Pet« Werner die in einem Beutel befindliche Tageseinnahme von 220 Mark dem in einem Hinter- zimm« der ersten Etage wohnenden Geschäftsführ« überliefern. Nachdem« in der Gaststube die Lampen ausgelöscht, eine im Abort befindliche kleine Lamve an fich genommen und mst dies« in der einen und dem Beutel mit Geld in der and«en Hand in die Nähe der Treppe gelangt war, erhielt er plötzlich hintenücks mst einem harten Instrument einen so heftigen Schlag auf den Hintnkopf, daß er zu Boden stürzte. Als« den Beutel krampfhaft festhielt, versetzte ihm d« Räubn einen zweiten Schlag auf den Kopf und entriß ihm den Beutel. Werner schleppte fich noch einige Stufen der Treppe hinauf und brach dort ab«- mals stöhnend zusammm. Der Geschäftsführer Beck«, welcher fich«st kurz zuvor auf sein Zimmer begeben hatte, vernahm dies Stöhnen und eilte mit einem Lichte auf den Flur, und als« dort den Werner in seinem Blute liegen sah, welcher ihm nur noch„Ueberfallen— Kasse geraubt!" zumfen konnte und darauf das Bewußtsein verlor, lief«, laut um Hilfe rufend, die Treppe hinunt«. Dort fand er die nach d« Straße führende Thür angelehnt. Werner hatte, nachdem« die Thür««schloffen, den Schlüssel von innen stecken lassen, waS dem Räuber das Entkommen wesentlich«leichterte. Als einKonstabl« hnbeieille, begab fich Beck« zu dem Verwundeten zurück und brachte den- selben mit Hille hinzugekommener Hausgenossen in eine Stube. Am Fuße der Treppe fand man den Beutel mit Geld, den Hut des Thäters, sowie dos Instrument, mst welchem die That ausgeführt war. Dasselbe, ein Zuckerhamm«, ist aus dem Schränke der Kellerküche ent« wendet worden. D« Umstand sowie d« weitere, daß fich d« Räuber vor Begehung der That auf der dunklen Keller- treppe v«borgen hielt und und, nachdem« fich übenascht sah, trotz deS engen winkeligen Korridors und der herrschenden Dunkelhest so schnell das Freie gewinnen konnte, lassen darauf schließen, daß derselbe mit den Lolalttäten genau vertraut ge- wesen sein muß. Vorübergehende wollen einen mst einem grauen Jacketanzug bekleideten Mann ohne Kopfbedeckung nach den Wallanlagen beim Millernthor baden eilen sehen. D«- selbe soll einen Schnurrbart tragen. D« Verdeckt lentt fich auf einen früh« in der Wirthschast bedienstet gewesenen, wegen verschieden« Unregelmäßigkeiten entlassenen Kelln«. Der Ueder- fallene, welcher zwei sehr tiefe, 1% und 2 Zentimeter lange Kopf- wunden aufzuweisen hat, wurde zwar durch den starken Blut- vertust sehr geschwächt» aber noch lebend dem Kurbause über« geben. Sein Zustand ist ein sehr bedenklicher. Eine V«- nehmung konnte noch nicht stattfinden; auch bei Abgang dieses Briefes ist das Bewußtsein noch nickt zurückgekehrt. Die Krimi- nalpolizei soll dem Thäter, dessen Hut die Firma des Hut- machers Jrmelland in d« Wexstraße zeigt, bereits auf d« Spm sein. Genaue Lokalinspeltionen fanden heute Vormsttag wiednholt statt. Fond»«, 22. Dezemb«. In ein« Nebengasse d« Highstreet im östlichen Stadtbezirk Poplar wurde Sonnabend eine noch unbekannte, augenscheinlich dn Prostitution«geben gewesene Frauensperson im Alter von etwa 30 Jahren«drosselt aufgefunden, unter Umständen, welche den Argwohn rege machen, daß die Ermordete ein Opf« des bekannten Frauenmördns von Whuechapel sei, d« vielleicht jetzt fich ein« neuen Mordmethode dedient. Eine Unt«suchung ist im Gange. Ko«, 27. Dezemb«. Nach Meldungen aus Mesfina wurde gest«n dort sowie in Jagonegro ein heftiger Erdsto? verspürt. In Castroreale wurden vier Erdstöße, von denen zwei besonders heftig aufttaten, wahrgenommen. Schäden find dadurch, soweit bis jetzt bekannt, nicht vnmsacht worden. Vermischtes. An« der letzte« Kitzung der Gesellschaft für Erdkunde, welche vor kurzem im Saale des ArchiteftenhauseS stattfand, entnehmen wir folgendes: Der Vorfitzende, Prof. Freiherr von Richtbofen, derichtete zunächst eingehend üb« die Durch- querung Grönlands durch Dr. Nansen, eine That, welche selbst die Expeditionen eines Nordenskjöld bei weitem in Schatten stelle und zu den bemnlenswefthesten Er- eigniffen in d« Geschichte d« großen Durchquerungen gehöre. Der aus Afrika zurückgekehrte Dr. Hans Mey.r wird im Januar k. I. d« Gesellschaft Bericht«statten üb« seine letzte Rede. He« 0. Francis ist in Afrika ringe- troffen, auch Gotthold Adolf Krause ist wieder an der Gold- küste angelangt. Aus Amerika ist die Nachricht eingetroffen, daß das Mitglied der Gesellschaft Dr. Ehremeich bis zur Mün- dung deS Amazonenstromes glücklich durchgedrungen ist. Dr. Hettner, gleichfalls Mitglied der Gesellschaft, vollführt zur Zett eine recht erfolgreiche Reise durch Peru. Den ersten Vortrag des Abends hielt der kühne Erforsch« des Slngu, Dr. v. d. Steinen. In der ihm eigenen humorvollen Weise schilderte er, wie die ,$Zost" derichtet, die Sitten und Gebräuche der Bororo- Jndian«, jenes wilden Stammes, d« im Innern Brafiliens lange seine Seldstftändigkett zu bewahren gewußt hat, der ad« jetzt unterworfen und auck dem Christen- thum zugeführt ist, ohne freilich viel von dem Wesen desselben in fich aufgenommen zu haben, ssioch jetzt haben die Zaub«- ärzte den größten Einfluß. Sie üben ihre„Kunst" nur wäh- rend d« Nacht ouS, und zwar durch Kneten und Betasten deS Kranken. Ihre Prognose ist unfehlbar, daS heißt, d« von ihnen aufgegebene Kranke stirbt genau an dem festgesetzten Tage, wenn nicht gutwillig, so gewaltsam. Hochinteressant find die Todten- feste, deren eins der Reisende mitfeiern konnte. Die Todten werden zunächst begraben; nach 14 Tagen ad« wird die Leiche wieder erhumirt, unter großem Zeremoniell gereinigt, die einzelnen Knochen««den demalt und mit Federn geschmückt und in Kördm vnpackt beigesetzt. Die Bororo glauben an eine Fort- dau« d« Seele nach dem Tode. Die Seele geht in Thier« löiper üb«, die der Bororo speziell in die der Arara, die in« folge dessen auch nicht von ihnen gegessen und getödtet werden. Große Zauberer gehen auch in andere Thiere üb«, selbst ein hnrlicher Meteor, d« z. Z. während d« Anwesenheit des Reisenden am Himmel«schien, wurde von den Bororo für die Seele eines ihr« großen Zaub«« gehallen. Die schwarzen langsamen ÄaSget« aber find nach ihren Anschauungen lauter Neg«. Von ein« Gottheit im ethischen Sinne ist bei den Bororo keine Rede, auch die Moral steht bei diesen an fich gutmüthigen und lsttzlich faulen Barbaren auf der geringsten Stufe.— In einem zweiten Vortrage schilderte Dr. Hirth die Handelsbeziehungen d«L alle« China zu dm Völkem des Westens. Schon zur Zeit d« Römer bestand ein ungemein reger Handelsverkehr von und mst China. Namentlich war die chwefische Seide ungemein wnthvoll. Plinws schreibt, daß fie mit Gold aus- gewogm wurde. D« Gesammt Orienthandel damalig« Zeit wird mit Hinweis auf Plinius auf 100 Millionen Sesterzte« geschätzt, das find 20 Mill. M. Redner hält diese Deutung nicht für zutreffend und will die Pliniussche Stelle so verstanden haben, daß mit den 100 Mill. nur die Handelsbilanz, das beißt die Summe angegeben sei, die Rom zu den expoirirten Pro» dukten baar hinzuzulegen hatte, um dm Import ftemder Sr» zmgnisse zu bezaklm. Eingefühlt aus dem Westen wurde« nun nach den alten chlnefischen Listen etwa 60 verschiedene Artikel, u. a. 17 Arten Gewebe. Von einzelnm Stoffe» wird gesagt, daß fie aus der Wolle des WafferschafeS gefertigt seien. D« Redner ist der Anficht, daß unter d« Bezeichnung Wasserschaf die Bifismuschel zu verstehen sei, d«en Fasern that- sächlich v«webt find. Zu den charakteristischen Importen speziell auS Syrien gehörte auch das Glas. ZUItpaatunU«»». Chili ist ein wahres Eldorado für LiebeSbedürftige. Doch heißt es in diesem romantischm Lande äußerst oorfichtig sein; ein Liebesschwur ist hier leicht geschehen» die unschuldigste Galanterie wird oft dafür genommen, und die chilenischen Schönen find etwas— rückstchtslos in Heyens- angelegenheitm. Ein junger französischer Arzt— so«zählt die „D. Romanztg."— wurde zu ein« vornehmen chilenisch«» Dame gerufen, deren Tochter unwohl war. Der Arzt kam und v«orvnete eine Kleinigkett, welche dem Mädchen auch sofort Linderung»«schaffte. Die Mutt« händigte dem junge» Manne ein ansehnliches Honorar ein, doch« schlug es artig aus. Die Tochter, ein wunderbar schönes Mädchen, wollte jedoch gem ihren Dank zu«kennen geben, und schenkte ihm eine pracht- volle Roie. Und d« junge Arzt, seine gute Paris« Erziehung nicht verl-.ugnend, drückte die Blume an seine Lwpen und gelobte. sich nie von ihr zu trennen. Ein süßes Lächeln war die Antwort. Kaum hatte d« Arzt das Haus der Sennora verlassm, als« zu einem Kinde gerufm wurde. Cr fand dasselbe im St«den und wollte eben wieder geben, als die Schwester des Kindes, ein hübsches Mädchen, die Rose in seinem Knopfloch bemerkte und um die- selbe bat. Er weigerte fich wohl anfangs, als aber das Mäd- chen nickt nachließ und, Thränen in den Armen, imm« dringender flehte, schenkte er ihr die Blume als Gabe des Trostes. Als« am nächsten Tage seine schöne Patientin auf» suchte, vermißte fie sogleich die Rose bei ihm. Sie fragte danach, er gab eine ausweichende Antwort. I« Laufe der Unterhaltung setzte sie ihm ein Glas Weis vor. Er trank dasselbe auf einen Zug aus. Hierauf begann fie auf der Guitarre eine schwermüthige Weise zu spielen. Als der Franzose lustige Mufik verlangte, sagte fif. solche paffe nicht für einen Sterbenden. Auf seine Frage, wer denn hin stnbc, antwortete fie, leidenschaftlich ausbrechmd: „Du!" und«klärte ihm, daß er vergiftet sei. Der Arzt stürzte todtenbl.ich aus dem Zimmer, kamlad« nicht weit— hundert Schritte vom Hause entfernt, stürzte« bewußtlos zusammen. Bekannte hoben ihn auf, und den rastlosen Bemühungen der Aerzte gelang es schließlich, ihn dem Leben zu erhalten. Die„Lebensmüde«" haben in letzt« Zeit Schule gemacht» ganz zur rechten Stunde kommt aus Pest eine Karikatur auf die ewigen Liebesdramen. In d« ungarischen Hauptstadt lebte» und liebten fich zwei Kind«, wie wir wohl sagen dürfen, den» Emilie S. war vierzehn Jahre all und Karl M, ein Lehrling im Bankgeschäft, zähste fiebenzehn Lenze. IDie Beiden wurden, well fie gar so lange auf die Hochzell warten sollten, ledens- überdrülfig und beschlossen deshalb, vereint in den Tod t» gehen. Sie gaben sich zu diesem Bebufe ein Rendezvous, das letzte in diesem Leben, hinter dem Zollamt. Dort umarmte« und küßten fie fich, um dann den Weg ins Jenseils anzutreten, wobei d« junge He« der jungen Dame respektvollst dm Vortritt ließ. Das Dämchen that auch sogleich und sehr desorgt diesm v«hängnißvollen Schritt, nur einen einzigen, kurzen Schritt vom Uferrande in die eiskallen Donauwellen, die über ihr zusammenschlugen. Die Kleine aber, eine tüchtige Schwimmerin, kam alsbald wieder mit dem verdrehten Köpfchen zum Vorschein und schrie aus Leibeskräftm und mit Erfolg um Hilfe. Sie wurde hnausgezogm und vernahm dabei,» Schrecken! drei krackende Revolverschüsse, die ihr An» beter auf fich adgefeunt, mitten— zwischen Brust und Ar« hindurch, so wie fich in den Parodim die tragischm Lieb- Hab« erdolchen. Die nasse Kleine und d« schlechte Schütze wurden in unliebsamster Vereinigung in einem und demselben Wagen von einem Konstadl« zur Polizei gebracht, wohin man dann die„Herren Eltern" rufen ließ. Was weit« folgen wird, mag Familiengeheimniß bleiben. «ar nicht rattzseltzaft. Die Untnsuchung üb« den V«dleib der dem Kanzleidirektor im ungarischm Hon« dclsministerium, Johann Kokon, auf so räthselhafte Weise abhanden gekommenen 42000 Gulden hat das seltsame Resullat«aeben, daß, allem Anschein nach, das Geld a» 12. Dezember weder verloren gegangen, noch gestohlen wordm, sondern bereits Monate vorher unterschlagen wen- den ist, und zwar von dem hochangesehenen Herrn Kanzlei- direktor selbst. Man weiß bereits, daß derselbe in den letzten Wochen Kausgeld« für ein Haus belegt und and«e größerere Zahlungen dewirft hat; außndem hat man konstattrt» daß in dem im Zolldepartement gefundenen Kouoert die 42692 Gulden, die der angebliche Verlierer darin getragen haben will, gar nicht Platz hatten; kurz, die Indizien find s» schwerwiegend, daß Sonnabend Ztacht Johann Kolan««hastet und die Untersuchung wegen Unt«schlagung gegen ihn ringe- lellet worden ist. Ate Weinlese i« Zlngar« ist besser ausgefallen wie im übrigen Europa, und der junge Wein ist in die Köpfe geftteaen- Wie es auf dem Lande aussteht, davon legt nachstehend« Be- richt aus Temesvar ein redendes Zeugniß ab. In der Ge- meinde Nagy Köveres schoß ein Gen darmerte-Posten- f ü h r e r in b«auschtem Zustande unt« das Volk und ver- wundete mehrne Personm. Das Volk leistete Widerstand» wobei ein Gendarm erschossen und zwei Gendarmen und zwei Landleute lebensgefährlich verwundet wurden. Wie Ge- meindeinsaffen angeben, hatten die Gendarmen mittelst ihres Säbels einem Bau«n die Hand, einem and«en die Nase abgeschnitten und einem drttten den Kopf gespalten; auch der Gemeinderichter wäre mehrfach verletzt worden, da die Gen» darmen das Gemeindeamt stürmten und durch die Fenster Schüsse abfeuerten. Das Volk ließ hierauf die Sturmglocke läuten. Das Buziaser Bezirksgericht leitet die Untersuchung- D« Untersuchungsrichter und d« StaatSanwall find d«etts a» Ort und Stelle abgegangen. Kouepf«it»ine« Kpenngeh-nor. In Wellington (Neuleeland) hatte ein Tauch« den Auftrag«halten, im Häfen einige Blöcke neben den Brückenpfeilern unterm Waff« zu de- festigen. Der Tauch« Mc. Govan ging in seinem Kautschuk- anzug hinunt« und wurde mitten in der Arbeit von eine« riefigen Polypen«Irtffen, dessen Saugwarzen fich zu gleicher Zeit auf seinem Rucken und am Gedälke des Pfeilers festsetzten. Mc. Govan machte zuerst v«zweifelle Anstrengungen, fick% zuarbeiten. Je mehr er ad« kämpfte, um so fest« packte ihn das Seeun geheuer an. Schließlich stellte d« Taucher da» Kämpfen ein und bemerfte zu seiner Befriedigung nach einigte Minuten, daß die Beine des Polypen sich von dem Pfeiler!#> gelöst hotten. In diesem Augenblick gab« das Zeichen zu®* Heraufziehen und der Tauch« wurde mit dem Ungeheuer am dem Rücken in die Höhe gezogen. Dre Extremitäten des S# thieres waren neun Fuß lang._ "Verantwortlicher Redakteur: N- Ervhuhrtm in B«lin. Druck von Mn» Knding in Berlin SW., Leuth, traße 2.